Nr. 198.- 32. Jahrg. Abonnements- Bedingungen: " Abonnements Breis pranumerandet Bierteljährl 3,30 m, monatl. 1,10 L wöchentlich 25 Big, frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt" 10 Pig. Bost bonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Boft Zeitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland Mart pro Monat. Postabonnements rehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich. Vorwärts Berliner Volksblaff. 5 Pfennig Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. Kleine Anzeigen", bas fettgebrudte Bort 20 Bfg.( guläffig 2 fettgebrudte Morte), jedes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafftellenan zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Bfg. Borte über 15 Buchftaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 151 90-151 97. Dienstag, den 20. Juli 1915. Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplas, Nr. 151 90-151 97. Die ganze russische Front erschüttert und zurückgedrängt. Meldung des Großen Hauptquartiers. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 19. Juli 1915.( 2. Z. B.) Westlicher Kriegsschauplah. In der Gegend von Souchez war nach verhältnis. mäßig ruhigem Verlauf des Tages die Gefechtstätigkeit nachts lebhafter. Ein französischer Angriff auf Souchez wurde abgeschlagen; Angriffsversuche südlich davon wurden, durch unser Feuer verhindert. Auf der Front zwischen der Dise und den Argon. nen vielfach lebhafte Artillerie- und Minenkämpfe. Im Argonnerwalde schwache Angriffsversuche des Gegners ohne Bedeutung. Auf den Ma a shöhen südwestlich von Les Eparges und an der Tranchée wurde mit wechselndem Erfolge weitergekämpft, unsere Truppen büßten kleine örtliche Vorteile, die am 17. d. M. errungen waren, wieder ein. Wir nahmen 3 Offiziere, 310 Mann gefangen. Deftlicher Kriegsschauplatz. Deutsche Truppen nahmen Tudum und Schiurt, Windau wurde befest. In der Verfolgung des bei Alt- Auz geschlagenen Gegners erreichten wir gestern die Gegend von Hofzumberge und nördlich. Westlich von Mitau hält der Gegner eine vorbereitete Stellung. Destlich von Popeljany und Kurschany wird gefämpft. Zwischen Pisa und Szkwa räumten die Russen ihre mehrfach von uns durchbrochenen Stellungen und zogen auf den Narew ab. Hier fechtende deutsche Reserve- und Landwehrtruppen haben in den Kämpfen der letzten Tage in dem jeden feindlichen Widerstand begünstigenden Wald- und Sumpfgelände Hervorragendes geleistet. Die Armee des Generals v. Gallwit drang weiter vor. Sie steht jetzt mit allen Teilen an der Narewlinie südwestlich bon Ostrolenka- Nowo- Geor. giewsk. Wo die Russen nicht in ihren Befestigungen und Brückenkopfstellungen Schutz fanden, sind sie be. reits über den Narew zurüdgewichen. Die Zahl der Gefangenen hat sich auf 101 Offiziere, 28 760 Mann erhöht. Auch in Polen zwischen Weichsel und Pilica blieben die Russen im Abzuge nach Often. Südöstlicher Kriegsschauplah. Der am 17. Juli in der Gegend nordöstlich von Sienno von der Armee des Generalobersten v. Wohrsch geschlagene Feind versucht, in seinen vorbereiteten Stellungen hinter dem Jlzanka Abschnitt die Verfolgung zum Stehen zu bringen; die feindlichen Vorstellungen bei Ciepilow wurden von der tapferen schlesischen Landwehr bereits im Laufe des gestrigen Nachmittags gestürmt; dieselben Truppen sind in der Nacht in die dahinterliegende feindliche Hauptstellung eingedrungen. Ebenso beginnt die feindliche Linie bei Ka sanow und Baranow zu wanken; die Entscheidung steht bevor. Zwischen oberer Weichsel und Bug dauerte der Kampf der unter dem Oberbefehl des Generalfeldmarschalls v. Mackensen stehenden verbündeten Armeen den ganzen Tag über in unverminderter Heftigkeit an. An der Durchbruchsstelle der deutschen Truppen bei Pilaszkowice- Krasno sta w machten die Russen die verzweifeltsten Anstrengungen, die Niederlage abzuwenden; eine ihrer Garde- Divisionen wurde frisch in den Kampf geworfen und von unseren Truppen geschlagen. Weiter östlich bis in die Gegend von Grabowiec er. zwangen österreichisch- ungarische und deutsche Truppen den Uebergang über die Wolica; bei und nördlich Sokal drangen österreichisch- ungarische Truppen über den Bug vor. Unter dem Zwange dieser Erfolge ist der Feind in der Nacht auf der ganzen Front zwischen Weichsel und Bug zurüdgegangen; nur an der Durchbruchsstelle westlich von Krasnost a w bersucht er noch Widerstand zu leisten. Die Russen haben eine schwere Niederlage erlitten. Die deutschen Truppen und das unter Befehl des Feldmarschalleutnants von Arz stehende Korps haben allein vom 16. bis 18. Juli 16 250 Gefangene gemacht und 23 Maschinengewehre erbeutet. Nach gefundenen schriftlichen Befehlen war die feindliche Heeresleitung entschlossen, ohne jede Rücksicht auf Verluste die nun von uns eroberten Stellungen bis zum Aeußersten zu halten. Oberste Heeresleitung. Der österreichische Generalstabsbericht. Wien, 19. Juli.( W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 19. Juli 1915, mittags: Russischer Kriegsschauplas. Die Offensive der Verbündeten in Polen und Wolhh= nien wurde gestern fortgesetzt. Westlich der Weichsel wird an der Ilzanka gekämpft. Nordwestlich Jlza eroberten österreichisch- ungarische Truppen einige feindliche Stellungen, auf den Höhen westlich Kras. nostaw drangen die deutschen Truppen unter schweren Kämpfen fiegreich vor. Zwischen Stierbieszow und Grabowiec bahnten sich im Anschluß an deutsche Kräfte österreichisch- ungarische Regimenter in heißem, Ringen über die Wolica den Weg in die feindlichen Höhenstellungen. Dort fielen breitausend Gefangene in die Hände unserer tapferen Truppen. Nordöstlich und füdöstlich Sokal faßten nordmährische, schlesische und westgalizische Landwehr nach wechselvollen Kämpfen am Ostufer des Bug festen Fuß. Unsere vom General der Kavallerie Kirchbach befehligten Kräfte machten hier zwölf Offisiere und eintaufendfiebenhundert Mann zu Gefangenen und erbeus teten fünf Maschinengewehre. Die Erfolge, die sonach die Verbündeten am 18. an ber ganzen Front errangen, erschütterten die Widerstandskraft des Feindes. Obwohl er in den letten Tagen alle erreichbaren Berstärkungen herangezogen hatte, vermochte er sich doch nicht mehr zu halten. Er trat in der Nacht vom 18. auf den 19. b. Monats an der ganzen Front den Rüdzug an und räumte das Schlachtfeld den fiegreichen verbündeten Heeren. In Ogalizien blieb die Lage im allgemeinen unverändert. Nur abwärts 3 a les czcyki wählte der Gegner unsere Dnjestrfront abermals zum Ziele hartnäckiger Angriffe. Die Ruffen rüdten in sieben bis acht Gliedern vor: das erste war scheinbar unbewaffnet und erhob, als wollte es sich ergeben, die Hände. Der feindliche Angriff brach in unserem Feuer unter furchtbaren Berluften zusammen. Selbstverständlich wurde, wie es in Hinkunft unter ähnlichen Verhältnissen immer geschehen wird, auf die anscheinend unbewaffneten Angreifer geschoffen. Südwestlicher Kriegsschauplak. Im Gverzischen begannen gestern neue große Rämpfe. Zeitlich früh eröffnete die italienische Artillerie aller Kaliber gegen den Rand des Plateaus von Doberdo und den Goerzer Brückenkopf das Feuer. Dieses steigerte sich mittags zur größten Heftigkeit. Sodann schritt sehr starte Infanterie zum Angriff auf den ganzen Plateaurand. In hartnäckigen, nachts über andauernden, vielfach zum Handgemenge führenden Kämpfen gelang es unseren Truppen, die Italiener, die stellenweise unsere vordersten Gräben erreichten, allenthalben zurückzuwerfen. Unsere Mörser brachten fünf schwere Batterien zum Schweigen. Heute morgen entbrannte ber Kampf aufs neue. Bereinzelte feindliche Vorstöße gegen den Goerzer Brückenkopf wurden gleichfalls abgewiesen. Auch am mittleren Isonzo, im Krn- Gebiete und an der Kärntner Grenze entfalteten die Italiener eine lebhafte Artillerietätigkeit, die teilweise auch nachts anhielt. Im Tiroler Grenzgebiet wurde der Angriff mehrerer Bataillone gegen unsere Höhenstellungen auf dem Eisenreichkamm, der Pfannspiße und der Filmoorhöhe nordöstlich des Kreuzbergfattels abgeschlagen. In der Gegend von Schlu= berbach räumte eine eigene schwache Abteilung ihre vorgeschobene Stellung. In Südtirol dauern die Geschütkämpfe fort. Besonderes Lob gebührt auch den braven Befagungen unferer Grenzforts, die in diesen Bollwerken jedem Feuer helbenmütig standhalten. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Gestern früh erschienen vor Ragusa Vecchia und Gravosa zusammen acht italienische Kreuzer und zwölf Torpedoboote und eröffneten das Feuer gegen die Bahn, gegen den Bahnhof Gravosa, einige Ortschaften und gegen die Höhe bei Ragusa- Becchia. Sie gaben insgesamt etwa tausend Schuß ab. Es wurden einige Privatgebäude leicht beschädigt. Menschenverlufte find nicht zu beklagen; auch Berwunbete gab es nicht. Um 5 Uhr 45 Minuten früh erfolgte die bereits gemeldete Zorpebierung des Kreuzers Giuseppe Gari. balbi", worauf bas italienische Geschwader eilends unsere Rüftengewäffer verließ. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschalleutnant. Soziale Arbeit und Frauenwahlrecht. Eine Genoffin schreibt uns: Es gibt Frauen, die davon träumen, daß ihnen der Krieg die langersehnte politische Gleichberechtigung bringen werde, ohne daß sie weiter darum zu kämpfen brauchen. Sie berufen sich darauf, daß die deutschen Frauen während des Krieges eine solche Fülle von Arbeit für das Allgemeinwohl geleistet haben, daß sie nicht unbelohnt bleiben dürfe. Der Lohn aber werde das Frauenwahlrecht, zum mindesten das kommunale Wahlrecht, sein. Wir glauben nicht daran, daß diese Frauen recht behalten werden und wir mahnen unsere Parteigenossinnen, sich nicht in Hoffnungsfreudigkeit zu wiegen, sondern daran zu denken, daß jedes Recht, das einen Wert hat, das uns vorwärtsbringen soll, errungen werden muß. Der Krieg hat uns vielleicht dem Wahlrecht näher gebracht insofern, als er den Frauengegnern viele ihrer gebräuchlichsten Argumente genommen hat, und bor allem, weil auch der uninteressiertesten Frau tlar geworden sein muß, wie dringend die weiblichen Staatsbürger politischen Einfluß brauchen, den sie nur durch das Wahlrecht ausüben können. Die Tatsache allein, daß ein Strieg bon so ungeheurer Wirkung, solcher Ausdehnung und mit fo schmerzlichen Verlusten in allen beteiligten Ländern entstehen fonnte, muß in den Frauen als den am stärksten Betroffenen den Willen auslösen, an der Verhinderung fünftiger Kriege mitzuwirken. Aber denken wir selbst nicht an diese in das Gebiet der hohen Politik reichenden Fragen- auch die praktische Fürforgearbeit und die Einwirkungen des Krieges auf die von altersher als die ureigenste Interessensphäre der Frau anertannten Gebiete, auf Haus, Erziehung und Ernährung, lassen uns erkennen, wie machtlos wir den Dingen gegenüberstehen, wie wenig uns die energischsten Forderungen helfen, eben weil wir rechtlos sind. Die Sozialdemokratinnen haben sich der kommunalen Hilfsarbeit zur Verfügung gestellt, und sie haben auch selbständig einzelne Gebiete bearbeitet. Was sie geleistet haben in andauernder, unermüdlicher Arbeit, und was viele von ihnen heute noch Tag für Tag für die Hilfsbedürftigen tun, darüber gibt uns eine Arbeit von Luise. Biez: Die sozialdemokratischen Frauen und der Krieg*) einen Ueberblick. Wir sehen, wie die Genossinnen fast überall mit den bürgerlichen Frauen gemeinsam in der Kriegshilfe der Kommunen arbeiten, und wie sie mit Erfolg versuchen, dort ihre Auffassung zur Geltung zu bringen, daß die Unterstützungen nicht als Wohltaten angesehen werden müssen, sondern als ein Recht in Anspruch genommen werden können. Als selbständige Aktionen wurden in Berlin die Beaufsichtigung und Beköstigung der Stinder organisiert, die leider nach einigen Monaten schon aufgegeben werden mußte, da die Stadt einen nochmaligen finanziellen Zuschuß verweigerte; und sodann die Krankenund Wöchnerinnenfürsorge, an der sich zweihundert Genofsinnen beteiligten. So Wertvolles unsere Frauen sowohl hier wie als Leiterinnen als Leiterinnen und Helferinnen in den städtischen Kommissionen geleistet haben und noch leisten, immer kam doch der Punkt, am dem sie das Unzulängliche ihrer Tätigkeit erkannten, weil sie an den entscheidenden Stellen keinen Einfluß besaßen. Das kommt auch in der Broschüre von Quise Ziez deutlich zum Ausdruck. Hier und da klingt Bitterkeit durch, wenn sie erwähnt, wie die Petition der Helferinnen, die das Elend der Arbeitslosen in seinem ganzen Umfang kennen gelernt hatten, um durchgreifende Maßnahmen, wie die Forderung nach einer tatsächlichen Mutterschaftsfürsorge für alle bedürftigen Mütter und nach der Festfegung niedriger Höchstpreise für die notwendigen Lebensmittel und nach ihrer Beschlagnahme, nur zu einem geringen Teil erfüllt wurden. Die Mitarbeit der sozialdemokratischen Frauen hat zweifellos in vielen Einzelfällen Gutes zu wirken wermocht, sie hat manche unsoziale Handlung verhindert, und sie hat Tausenden von armen Frauen den Gang zu den städtischen Hilfsquellen erleichtert. Sie bertreten die Interessen der Bedürftigen mit größerer Energie, weil sie die Not und das Elend besser kennen als die meisten der bürgerlichen Leiterinnen und Helferinnen; aber das, was gewährt wird, sind und bleiben nur Nothilfen, targe Gaben; daran fann auch alle ihre aufopfernde Tätigkeit nichts ändern. Die Frauen haben durch ihre Arbeit einen Einblick in die städtischen Verwaltungszweige gewonnen, und ficher ist in vielen die Erkenntnis gefestigt worden, daß die Luise Bieß, Die sozialdemokratischen Frauen und der Krieg. Ergänzungsheft Nr. 21 zur Neuen Zeit". Berlag J. H. W. Dies Nachf., Stuttgart. Es wäre zu begrüßen, wenn von dem Heft eine billige Agitationsausgabe erscheinen würde. städtische und staatliche Fürsorgepolitik in dieler Beziehung besser wirken könnte, wenn sie auf andere Grundlagen gestellt würden, wenn die vorbeugenden Maßnahmen stärker in den Vordergrund geschoben und mehr gepflegt würden. Die Tätigkeit der Frauen hat manches Vorurteil in bürger- lichen Kreisen zerstört. Sie haben ebenso wie die Tausende von Frauen, die die Arbeit der zu den Waffen gerufenen Männer übernommen haben, bewiesen, daß sie Gleichwertiges und Hochwertiges leisten können. Mehr als das, wir dürfen luohl behaupten, daß in der Fürsorgetätigkeit an vielen Stellen kein Mann die Arbeit der Frau hätte ersetzen können. Und doch wäre es verfehlt, nun als Belohnung für das alles das kommunale Wahlrecht zu erwarten. Ein Blick auf die Zusammensetzung des Preußischen Abgeordnetenhauses genügt, um zu wissen, daß zum niindcsten in diesem Staate an eine freiwillige Gewährung der Gleichberechtigung nicht zu denken ist. Nach dem Krieg wird das Ringen um eine andere Kräfte- Verteilung in der Politik wieder beginnen; die Frauen werden siä) an ihnc mehr noch als bisher beteiligen, weil der Krieg sie gelehrt hat, wie sehr den Staat, das heißt die Mehrzahl der Staatsbürger, ihre Verantwortliche Mitarbeit braucht. Daß die politische Betätigung auch während des Krieges nicht ruhen darf, ja daß den Frauen in dieser Zeit, wo den Männern mancherlei Beschränkungen auferlegt sind, ganz besondere Aufgaben erwachsen, betont Luise Zietz in den letzten 5lapitcln ihrer Schrift auf das nachdrücklichste. Nun müssen wir vor allen Dingen aufmerksam die politischen Ereignisse und die wirtschaftlichen und sozialen Maßnahmen verfolgen nnd beurteilen. Wir müssen lernen, die Zusammenhänge zu begreifen, denn das Wissen, die Kenntnis dessen, was um uns vorgeht im öffentlichen Leben, gibt uns das Recht und die Kraft, unsere Ansicht zu äußern und unsere Forderungen zu vertreten. Viele unserer Parteigenossen sind gefallen; unsere Reihen sind ge- lichtet. Wir Frauen müssen mit dafür sorgen, daß neue Kämpfer, aufrechte und unbeugsame Streiter für die Demo- t'ratie und den Sozialismus zu uns kommen. Die Kräftigung und Befestigung der Partei muß unsere Aufgabe werden, denn nur die Stärkung der Demokratie in Deutschland, die Durchdringung des ganzen politischen Lebens mit demokratischen Ideen wird uns einen dauernden Frieden und wird uns das Frauenwahlrecht bringen. Gestlicher Kriegsschauplatz. Der rutsche Generalstabsbericht. Petersburg, 17. Juli.(W. T. B.) Bericht des Großen Generalstabes. An der Front Goldingcn— Murawicwo faßte der Feind an dem rechten Ufer der Flüsse Windau und Wenta Fuß und setzte seinen Vormarsch in der Richtung auf Tukkum und Alt Auz fort. In der Gegend östlich von Popeliany bedrängten wir die feindliche Infanterie. Anr rechten Ufer des O r z y c dauerte am 16. Juli der heftige Kampf auf ausgedehnter Front an. Der Femd griff mit drei Regimentern das Dorf Podosie an, nahnc es, ging auf das rechte Ufer des Orzyc und nahm uns drei Kanonen weg. Aber in einem wütenden Gegenangriff wurden die deutschen Truppen, die den Orzyc überschritten hatten, mit dem Bajonett niedergemacht, die Kanonen wieder gewonnen und der Feind aus Podosie geworfen. Sibirische und turkestanische Truppen, die hier den zweifach überlegenen Feind bekämpften, bewiesen glänzenden Gefechtswert und hervorragende Ausdauer. In der Gegend von M l a w a drängten wir den Feind, der seine Reserven verdoppelt hatte, südlich von Ciechanow zurück. Nordwcstlich'von R a d o m griff eine Kosakenbrigade am 13. Juli bei dem Dorfe Mokrzeg eine österreichisch-ungarische Vorhut an, machte 280 Soldaten und 3 Offiziere zu Ge- sangenen und erbeutete 2 Maschinengewehre. Zwischen Weichsel und Bug ergriff der Feind in! der Nacht zum 16. Juli eine allgemeine Offensive. Die feind- liehen Angriffe am Bache Podlipa östlich von Vilkolaz und bei Bychawa wurden zurückgeschlagen. Am rechten Ufer des Wjeprz machte der Feind nach hartnäckigem Kampf einige der deutsche Jelöpostverkehr. Der ständig und außerordentlich zunehmende Kriegspostverkehr muß den ständig wechselnden Operationen der Feldheere ent- sprechend geregelt werden, er muß sich ihnen anpaffen, wie sich der Postdienft im Frieden den wechselnden Bedürfnissen des Wer- tehrs anpatzt. Deshalb werden ja nach der Kriegslage in bunter Reihe Beschränkungen und Erweiterungen des Postverkehrs und demgemäß neue und abändernde Vorschriften herausgegeben, die durch amtliche Bekanntmachungen oder durch die Zeitungen meist einzeln zur Kenntnis des Publikums kommen. Es ist schwer, sich darin zurechtzufinden; und selbst von Postbeamten kann man oft keine zutreffende Aufklärung erhalten. In einem Verhältnis, wie es der gewöhnliche Postverkehr nicht kennt, hat der Feldposwerkehr zugenommen. Wie der Postrat Große in seiner Broschüre„Die deutsche Feldpost" anführt, haben sich die bei der Berliner Postsammelstelle verarbeiteten eigent- lichen Briefpostsendungen nach dem Felde von Mitte September Ibll bis Mitte Januar ISIS um über 200 Proz. und die Päckchen-- post um fast 600 Proz. vermehrt, während im gewöhnlichen Post- verkehr die durchschnittliche Zunahme für ein ganzes Jahr 6 bis 7 Proz. ausmacht. Der von Anfang August bis Ende Dezember lgl4 nach dem Felde abgeschlossene Brief- und Päckchenverkehr ist allein für das Reichspostgebiet auf etwa«38 Millionen Sendungen zu veranschlagen. Im Deutschen Reich wurden nach einer am t«. Januar 1913 vorgenommenen Zählung täglich 3 Millionen Feldpostbrieffendungen verarbeitet und nach dem Felde abgesandt; 4,3 Millionen portoftei, also nicht bis 50 Gramm schwere Briefe und Karten, und 3,7 Millionen schwerere frankierte Briefe und Päckchen. Diese Tagespost umfaßte über 30 000 Briefbeutel. Bei den Feldpostanstalten werden täglich über 2 Millionen Feldpost- fendungen aufgeführt. Nach einer neuen Zählung, die am 24. Juni vorgenommen wurde, sind an diesem Tage aus Deutschland 8,5 Millionen Feldpostbriefsendungen nach dem Felde abgegangen. Davon waren 3,9 Millionen portofreie Briefe und Postkarten und 2,S Millionen frankierte Briefe und Päckchen. Da nach einer Mitte Mai vorgenommenen Ermittelung im Felde selbst 3,8 Millionen Feldpostbrieffendungen täglich aufgeliefert werden, umfaßt der gesamte Feldpostbriefverkehr täglich 14,3 Millionen Sendungen. Die Zahl dieser Sendungen ist noch immer im Steigen be- griffen. Diese Steigerung ist nicht nur eine natürliche Folge der fortgesetzten Permehrung unserer Truppen. Auch die Jntensivität des Feldpostverkehrs wächst dauernd, zumal unsere Truppen auf dem westlichen Kriegsschauplätze sich überwiegend in festen Stellun- gen befinden und dadurch weit mehr Gelegenheit zum Schreiben Fortschritte. Am Abend des 16. Juli hielten wir uns an der Front Jzdebno-Krasnostaw. Am rechten Ufer des Wjeprz wurden feindliche Angriffe am Bache Volie zurückgewiesen. Ostlich vom Dorfe Grabolvetz gelang es dem Feinde in der Nacht zum 16. Juli und am folgenden Tage mehreremale, unsere Drahthindernisse zu durchbrechen, wir warfen ihn aber jedesmal mit Gewehrfeuer und Bajonetten zurück. Südlich von Hrubjeszow, zwischen den Flüssen §uczwa und Bug richtet der Feind heftige Angriffe gegen die ront Metelin-Maslomentscha. An den Flanken dieses Ab- schnittes machten wir in der Nacht zum 16. Juli bei Terebin und Tihobonj erfolgreiche Gegenangriffe. Am Bug schlugen wir feindliche Teilangriffs zwischen dem Dorfe Krhlow und der Stadt Sokal, sowie bei den Dörfern Klussolv und Parhatsch, mit Erfolg zurück. Wir machten dort mehrere hundert Gefangene. Am D n j e st r und zwischen Dnjestr und Bug dauern die Kämpfe ohne ernste Veränderungen der besetzten Fron- ten fort. Im Schwarzen Meer hat unser Unterseeboot „Nerpa" in der Gegend der Kohlengruben ein mit Kohle be- ladenes Schiff versenkt. Petersburg, 19. Juli.(W. T. B.) Bericht des Großen General st abes. Die Schlacht zwischen der Weichsel und dem We st ufer des Bug erreichte am 17. Juli die äußerste Heftigkeit. Unsere Truppen warfen mit Tapferkeit und Hartnäckigkeit den feindlichen Vorstoß zurück. In der Richtung auf L u b l i n unternahm der Feind auf der ganzen Front Angriffe, indem er hauptsächlich seine Kräfte in der Gegend von Vilkolaz konzentrierte, wo wir im Laufe des Tages mehr als zehn Angriffe zurückschlugen. Im Laufe des Tages griffen große deutsche Truppenmassen unsere Streitkräfte auf dem linken Ufer des W i e p r z an. Dem Feinde gelang es hier, nach Norden in der Gegend von I z d e d n o bei K r a s n o st a w vorzurücken. Trotz ihrer Verluste wiesen unsere Truppen heldenmütig die wütenden Angriffe des Feindes zurück, die bis spät am Abend fort- gesetzt wurden. Auf dem rechten Ufer des Wieprz erlitt der Feind am 16. Juli sehr große Verluste im Verlauf eines An- griffs auf unsere Stellungen an der W o l i tz a. Am 17. Juli herrschte sehr lebhaftes Artilleriefeuer in dieser Gegend. An der Front der Dörfer Grabovetz und B e r e st i e unter- uahur der Feind anc 16. und 17. erbitterte Angriffe; nach wiederholten Bajonettangriffen eroberte er nur die Schützengräben von zwei unserer Kompagnien. Zwischen G u t s ch w a und Bug wiesen wir zahlreiche Angriffe des Feindes ab und warfen ihn aus dem Walde von Motoline heraus. Am Bug bei Jlkovitze, Tzelutze und Konotopy ver- suchte der Feind am 17. Juli auf das rechte Ufer des Flusses zu gelangen, aber wir wiesen ihn durch glückliche Gegen- angriffe zurück. In der Gegend von Riga und S z a w I e dauert die feindliche Offensive auf Tuckum und Alt-Auz an. In der Richtung auf diese beiden Orte wurden am 17. Juli Kämpfe geliefert, an der auch zahlreiche Kavallerie teilnahm. Im Osten des Dorfes Popeliany machten wir im Laufe eines erfolgreichen Angriffs fünfhundert Deutsche mit neun Offizieren zu Gefangenen und erbeuteten sieben Maschinen- gewehre. Ein feindlicher Angriff im Norden von Szawlc wurde zurückgewiesen. Die feindliche Offensive in der Richtung auf P r a s n y s z, die auf einer breiten Front fortgesetzt wurde, zwang uns, uns in Stellungen näher am Narew zu konzentrieren. Im Zusammenhange hier- mit ergab sich die Notwendigkeit einer Um- gruppier ung unserer Streitkräfte auf dem linken Weich sclufcr, die wir, ohne daran gehindert zu werden, vollzogen. Am D n j e st r trugen wir im Laufe des 16. Juli einen ziemlich bedeutenden Erfolg gegen die feindlichen Truppen davon, welche den Fluß im Laufe des Tages überschritten hatten. Wir machten hier ungefähr 2900 Ocsterreicher zu Gefangenen und erbeuteten sieben Maschinen- gewehre. Westlicher Kriegsschauplatz. der französische Tagesbericht. Paris, 19. Juli.(W. T.B.) Amtlicher Kriegsbericht von gestern nachmittag. Die Nacht war verhältnismäßig nihig. Es ist nichts zu melden außer einigen haben, als dies in den ersten Monaten nach Ausbruch des Krieges, die unter dem Zeichen der großen Märsche standen, der Fall war. An die Betriebseinrichtungen der heimischen Postverwaltung werden deshalb jetzt im Kriege dauernd Anforderungen gestellt, die weit über das zu Jriedenszeiten bestehende Maß hinausgehen. Hat doch der heimische Postverkehr selbst annähernd wieder den Umfang angenommen, den er vor Ausbruch des Krieges hatte. Es verlohnt, den diesmaligen Feldpostverkehr mit den Leiswn- gen der Norddeutschen Feldpost im Kriege 1870/71 zu vergleichen. Diese hatte vom 16. Juli 1870 bis 31. März 1871 insgesamt 89,7 Millionen Sendungen empfangen und abgesandt, wovon auf die aus der Heimat stammende Post etwa 69 Millionen zu rechnen waren. Demnach übersteigt der Feldpostverkehr des jetzigen Krieges denjenigen von 1870/71 wohl um das Zwanzigfache. Seinen Höhe- Punkt erreichte der Feldpostverkehr im jetzigen Kriege um Weih- nachten und Neujahr. Das bereits erwähnte Büchlein Großes gibt auch eine glän- zende Rechtfertigung der deutschen Feldpost gegen die anfänglich laut gewordenen Klagen, daß sie ihrer Aufgabe nicht gewachsen sei. Große weist überzeugend nach, daß die bei Beginn des Krieges zutage getretenen Mängel nicht auf die Organisation der Feldpost, sondern auf zwingende Verkehrseingriffe der Eisenbahn und der militärischen Kommandobehörden zurückzuführen sind. Er er- innert an die Tatsache, daß der reguläre Persendungsbetrieb aus militärischen Rücksichten erst zwei bis drei Wochen nach Ausbruch des Krieges in Tätigkeit getreten war. Dazu kamen die Verzöge- rungen durch die Truppentransporte und die steigenden Einschrän- kungen des Personen- und Güterverkehrs auf den deutschen Eisen- bahnen. ES verkehrten lediglich Militär-Lokalzüge, auf die auch die Postbeförderung beschränkt blieb, nachdem sie bisher täglich 18 000 Schnell- und Personenzüge zur Verfügung gehabt hatte. In den Zugverbindungen traten große Unregelmäßigkeiten ein und erst vom 2. November ab, wo die Eisenbahnverwaltung den Friedensfahrplan bis zu 70 Proz. der ftüheren Züge wieder ein- führte, wurde es der Poswerwaltung möglich, allmählich wieder geordnete Verhältniffe zu schaffen. Die ungewöhnliche Zunahme des Feldposwerkehrs von der Seimat zur Armee spiegelt sich in der ununterbrochenen Bermeh- rung des Personalbestandes der heimischen Postsammelstellen wieder, die die aufgelieferten Feldpostsendungen bearbeiten. Das Personal der im Deutschen Reiche vorhandenen Feldpostsammel- stellen, das Mitte August 3100 Köpfe zählte, war Anfang Oktober auf 7300 Köpfe angewachsen und umfaßte bis Mitte Februar 1913 gegen 14 200 Köpfe. Es sind dies meist Hilfskräfte, die erst ange- lernt werden müsten, da ein großer Teil der Postbeamten im Felde steht. Das Sortiergeschäft bei den Postsammelstellen ist außer- ordentlich schwierig. Es kommen nicht weniger als 16 000 ver- schiedenc Formationen in Frage, auf deren Unterscheidung der Artillerieaktionen in Belgien bei Saint-GeorgeS und im Artois bei Souchez. Der deutsche Angriff, welcher ani 16. Juli gegen die Stellungen, welche wir in Fontenelle erobert hatten, gerichtet war, wurde von zwei Bataillonen ausgeführt. welche nach den auf dem Gelände gemachten Feststellungen beträchtliche Verluste erlitten haben. Der gestern abend ausgegebene amtliche Kriegsbericht lautet; Im Artois ziemlich heftige Kanonade um Souchez. Etwa zehn großkalibrige Granaten wurden auf A r r a s abgefeuert. Auf den Maas höhen lebhafte Jnfantericaktionen. Wir eroberten heute morgen durch Gegenangriff ein Schützengrabenstück auf der Südkuppe der Sonvauxschlucht zurück, welches der Feind gestern abend besetzt hatte. Im Laufe des TageS wurde ein neuer deutscher Angriff, welcher von Bespritzung mit brennender Flüssigkeit begleitet war, zurückgeworfen. Bei diesen Kämpfen fügten wir dem Feinde sehr schwere Ver- luste zu und nahmen zwei Offtziere und über 290 Soldaten gesangen, welche drei verschiedenen Regimentern angehören. Von der ü b r i g e n F r o n t ist nichts Wichtiges zu melden. Der englische Sericht. London, 19. Juli.(W. T. B.) Feldmarschall F r e n ch meldet: Die Lage ist unverändert. Obwohl seit dem 9. Juli keine Kämpfe stattgefunden haben, die einen besonderen Bericht nötig gemacht hätten, herrschte doch an der Front reges Leben. Auf beiden Seiten wurden viele Minen zur Explosion gebracht. Teile der Front wurden hin und wieder heftig be schoflen. Dreimal faßte der Feind Fuß in den englischen Schützengräben, wurde aber sofort wieder daraus vertrieben. Einenc dieser Angriffe ging ein heftiges Bombardement voraus, bei dem der Feind ausgiebig von Gasbomben Ge- brauch machte. Ersatz öer französischen Territorialreserven. Paris, 19. Juli.(W. T. B.) Nach dem„Temps" hat der Kriegsminister Maßnahmen gettoffen, damit die Mann- schaften der Reserve der Territorialarmee (unserem deutschen Landsturm entsprechend. Red. d.„V.") von 43 bis 46 Jahren, welche an der Front Dienst tun, von der Front in die Depots zurückebracht und durch Mannschaften jüngerer Jahresklaffen ersetzt werden. Der italienische Krieg. Der italienische Kriegsbericht. Rom, 19. Juli.(W. T. B.) Amtlicher Kriegs- b e r i ch t von g e st e r n. Man meldet kleine, für uns günstige Treffen in der Gegend Tirol— Trentino und in Kärnten. Am Tage des 16. Juli verursachte das Feuer unserer schweren Artillerie gegen feindliche Werke an: Prcdilpaß Explosionen und eine Feuersbrunst, die lange andauerte. An der I s o n z o f r o n t ist die Lage unverändert. C a d o rn a. Der türkische Krieg. Meldung des türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 19. Juli.(W. T. B.) Bericht des Haupt- quartiers. An der Dardanellenfront gab es am 13. Juli bei Ari Burnu nichts von Bedeutung. Bei S e d u l Bahr griff ein Teil der feindlichen Kräfte am Morgen einige Gräben unseres linken Flügels an. Der Feind wurde bis in die Gräben herangelassen und dort niedergemacht. Wir machten einige französische Soldaten zu Gefangenen. Unsere anatolischcn Batte- rien beschossen heftig die Lager und Landungsstellen des Feindes bei Tekke Burnu und verursachten einen Brand, der, von Explosionen der Munition begleitet, eine halbe Stunde dauerte. An der Front im Irak versuchte der Feind, nachdem er in der Schlacht von Kalat ul Nedjin besiegt worden war, keinen neuen Angriff mehr. Die Ueberführung der feindlichen Verwundeten in Schiffen nach Süden hat seit zwei Tagen begonnen und dauert fort. An den anderen Fronten nichts Wichtiges. Feldpostbeamte um so mehr achten mutz, als die Absender sie nur zu oft verwechseln oder übersehen. Die in der Friedensarbeit er- wordenen verkehrsgeographischen Kenntnisse nützen dem Sortier- bcamten gar nichts. Er handhabt das Feldpostsortiergeschäft auf Grund eines Druckwerkes, der sogenannten Feldpostübersicht, die darüber Auskunft gibt, zu welcher Feldpostanstalt der einzelne Truppenteil gehört. Bei den außerordentlich vielen Truppenver- schiebungen, die der jetzige Krieg mit sich bringt, unterliegen diese Angaben vielfachem Wechsel. Dazu kommen die Zugänge an neuen Truppenteilen und Formationen. Die'Feldposttibersicht muß de-Z- halb alle drei bis vier Tage vollständig neu aufgelegt werden. Sic ist bereits zu einem stattlichen Buche herangewachsen. Die Feldpostübersicht ist dabei nur maßgebend für die Leitung der an unsere mobilen Truppen gerichteten Sendungen. Die Feld- Postbriefe an die nicht beim Heere befindlichen Truppen, wie z. B. an die Kriegsbesatzungen und an die große Zahl der Ersatzforina- tionen, werden an der Hand eines besonderen Druckheftes sortiert. das seit der Mobilmachung auch bereits über 70 Neuauflagen er- lebte und mit jeder Auslage stärker wurde. Die Feldpostanstaltcn haben fiir ihren Briefsortierdienst besondere Leitbehelfe, die auch alle drei bis vier Tage neu erscheinen müssen. Die Hauptanziehungskraft der gegenwärtig in Zürich zugunsten der Kricgsunterstützung veranstalteten Briefmarken-Aus- stellung bildet die sechs Meter lange Wand„Die Post im Welt- kriege 1914/13". Diese Ausstellung macht mit allem bekannt, was der Krieg auf philtalistischem Gebiete gezeitigt hat. Auch sie ge- währt einen Einblick in die Riesenausgaben der Feldpost, der keinerlei Friedensorganisation zugrunde liegt. Nach diesen allgemeinen Betrachtungen über den Betrieb der Feldpost verlohnt es sich, einen Einblick in die inneren Einrich. tungen des Kriegs-Postverkehrs zu nehmen. Einige der wichtigsten Bestimmungen seien hervorgehoben. Bei portopflichtigen Feldposi- sendungen(Briefe tind Päckchen in: Gewichte von 30 bis 300 Gramm) darf über die Ueberschreitung der vorgeschriebenen Ge- wichtSgrenze bis zu 10 Proz. des Höchstgewichts hinweggesehen werden. Bei portofteien Sendungen ist die zehnprozentige Ge- Wichtsüberschreitung nicht zulässig. Von der Feldpostbeförderung sind ausgeschlossen: Einschreibsendungen in anderen als Militär- dienst-Angelegenheiten, Postausträge, Nachnahmesendungen, Briefe mit Zustellungsurkunde, Sendungen mit Bekleidungs- und Aus- rüstungsgegenständen für Truppenteile und deren Angehörige, Streichhölzer und andere feuergefährliche Gegenstände, insbe- sondere Taschenfeuerzeuge mit Benzinfüllung, Schwefeläther sowie Butter und Fett. Die Bezeichnung„postlagernd" und das Ver- langen der Eilbestellung dürfen bei den durch die Feldpostanstaltcn auszuhändigenden Sendungen nicht angewandt werden. Druck- sachensendungen gibt es im Feldpostbetriebe nicht. Zeitungs- fendungen usw. unterliegen daher den Besttmmungen für Feld- postbriese. Alle Sendungen müssen in der Aufschrift den Vermerk Englische ein Stüd von Ostfriesland zu tauschen. Es ist recht| Elsaß- Lothringen endgültig an Deutschland falle, unter der Angriffe auf die asiatische Küste. Intereſſant, bei dieser Gelegenheit von solchen Plänen zu hören, Bedingung, daß ihm Autonomie gewährt werde. Dieses Opfer Konstantinopel, 19. Juli.( W. T. B.) Am Freitag hat die fich offenbar doch schon so weit verdichtet hatten, daß man in hätten die franzöfifchen Sozialisten noch vor einem Jahre gecin fleines englisches Kriegsschiff Maschinengewehr- den Niederlanden davon Kenntnis erhielt. Daß England die aus- bracht, aber da Frankreich jetzt bis zu den Knieen im Blut feuer gegen Difili an der asiatischen Küste gegenüber von schließliche Kontrolle der ganzen Küste von Calais bis zur Schelde: wate, und da der Feind aus Belgien und aus fieben Departemündung als sein hauptsächliches Kriegsziel betrachtet, liegt auf Mytilene eröffnet. Eine Zivilperson ist getötet worden. Der Sand. Wir haben auch Grund zu der Annahme, daß es ments vertrieben werden müsse, könne man es den franzöfifchen Türkische Küstenartillerie hat das Feuer erwidert, worauf das Calais nicht wieder zu räumen beabsichtigt, und schwerlich wird Sozialisten nicht berübeln, wenn sie gleichzeitig Eljaz Kriegsschiff sich entfernte. Am Tage vorher hatte ein anderes unter den Jungfrauen des heutigen Frankreichs wieder eine Lothringen befreien wollten. englisches Fahrzeug gegen das Zollamt in Sarmusat bei Jeanne d'Arc erstehen. Aber ist es für Holland und Belgien verDie Frage der Autonomie Polens. Eivali einige Schüsse abgefeuert, wodurch aber nur gering- führerisch, das Los zu teilen, das England dem geschwächten fügiger Schaden angerichtet worden ist. Frankreich zugedacht hat? Ihre Häfen und Flußmündungen nach Paris, 19. Juli.( W. T. B.) Der Petersburger Storrebritischen Wünschen einzurichten, ist doch gleichbedeutend mit der spondent des temps" meldet, daß die russisch- polBürde eines englischen Protektorates. Havarie der„ Queen Elizabeth". Bern, 18. Juli.( W. T. B.) Nach einer Meldung des„ Messaggero" aus Syracus hat die Havarie des englischen Panzers Queen Elizabeth" von einer Explosionstatastrophe vor den Dardanellen hergerührt. Beim elektrischen Abfeuern eines Acht unddreißig- Zentimeter- Geschüßes flog der Rohrverschluß heraus, was eine erhebliche Beschädigung des Schiffes zur Folge hatte. Der Panzer mußte atveds Reparatur doden. Das griechische Flotten- Oberkommando. Die griechische Regierung beschloß, daß Vizeadmiral Cunduriotis unverzüglich den Oberbefehl über die ganze griechische Hochseeflotte als Nachfolger des Konteradmirals Kerr wieder übernehmen soll. Das Problem der Scheldemündung. Die Norddeutsche Allgemeine Beitung" schreibt unter der Ueberschrift Magister Churchill": Dem Londoner Korrespondenten des„ Nieuwe Rotterdamsche Courant" hat Herr Winston Churchill interessante Mitteilungen gemacht. Der Bericht hierüber hatte ein eigentümtliches Schicksal. Zehn Tage hielt ihn der englische Zensor zurück. War die Aufgabe so schwer und zeitraubend, für Herrn Churchills Weisheit die zusagende Fassung zu finden?! She die Oeffentlichkeit den Inhalt erfuhr, bildete er den Gegenstand einer Anfrage im britischen Unterhause, und Herr Asquith erklärte die Uebereinstimmung des Stabinetts mit der Auffassung Churchills. Das ist für diesen unzweifelhaft eine große Genugtuung, der nach seiner Saltstellung als Marineminister auf dem ehrenvollen Ruheposten eines Kanzlers des Herzogtums Lancaster seinem Tatendrang unwillkommene Sügel anlegen mußte. Um dieses Ziel der britischen Politik zu verhüllen, greift Herr nischen Konferenzen für die Vorarbeiten zur Churchill nach dem recht plumpen Mittel, Holland vor dem deut- Autonomie Polens unterbrochen worden sind ichen Nachbarn zu warnen. Deutschland tann dazu getrieben wer- und erst nach der Eröffnung der Duma wieder aufgenommen ben, Holland anzugreifen; seine Lage ist die der Bestie im Käfig, werden sollen. Die Konferenzen, in welchen die große Frage die nach rechts und links wild um sich schlägt, je näher die Flammen der Autonomie Polens geregelt worden sein soll, waren anheranrüden. Eine starte Zumutung ist dieses Bild für Neutrale, geblich von versöhnlichstem Geist getragen. die sich aus ungefärbten Berichten über die wahre Kriegslage unterrichten tönnen. Täglich lesen es die Holländer und vielleicht haben sie auch schon persönlich erfahren, daß der Vierverband in der ganzen Welt nach der Hilfe der Neutralen schreit, während die verbündeten Zentralmächte, ausschließlich auf ihre eigene Kraft bauend, von Erfolg zu Erfolg schreiten. Auch die längst abgetane Legende, England und seine Bundesgenossen fämpften für die bedrohten fleineren Nationen, holt Herr Churchill wieder aus der Rumpelfammer herbor. Aber er muß die Abfuhr seitens des holländischen Blattes selber einstecken, das ihn an seine Liverpooler Rede erinnert, England habe den Krieg begonnen, um Frankreichs Niederlage zu verhindern. Daß Herr Churchill einen besseren Befähigungsnachweis auf dem Gebiete der auswärtigen Politik erbracht habe als auf dem der Marine, kann man nach diesen Leistungen eigentlich nicht behaupten. Was aber den angeblichen Schuß der Schwächeren anlangt, so möchten wir uns auch eines zoologischen oder richtiger sportlichen Bildes bedienen: der Dreiverband hing den serbischen Köderfisch an die Angel, um den italienischen Hecht zu fangen. Ein Wort Churchills wollen wir uns auch aneignen, findet doch ein blindes Quhn manchmal ein Korn: der Friebe ist noch weit, und es hat keinen Sinn, sich jetzt schon den Kopf darüber zu zerbrechen, was er bringen werde. Deutschland hat die holländische Neutralität auf das Gewissenhafteste geachtet, es hat somit Gleiches mit Gleichem vergolten. Denn im Gegensatz zu Belgien hat Holland dem englischen Verführer sein Ohr verschlossen, als er an es herantrat. Holland ist eben wirklich neutral geblieben. liegen nun feinerlei Anzeichen vor, noch bestehen irgendwelche Absichten, die Herrn Churchills Warnungen vor der deutschen Bestie im Käfig" rechtfertigten. Ein absolut selbständiges, neutrales Herr Churchill fühlt sich als Spezialist für die Beurteilung Holland ist eine wertvolle Flantendedung für das Deutsche Reich. belgischer Verhältnisse. Sicherlich mit dem gleichen Rechte, wie Auf der anderen Seite bildet der unnatürliche" Zustand der Sir Edward Grey für die kontinentale Politit, der bekanntlich auch Schelbemündung mehr als einen Schönheitsfehler im britischen einmal in feinem Leben die britische Insel im vorigen Sommer Bilde des zukünftigen Europas, die holländische Befestigung Blissinfür einige Tage verlassen hat. Der damalige Marineminister gens sogar einen garstigen Klecks. Schade, daß der mitteilsame Churchill begleitete die famose Marinebrigade auf ihrem Hilfszuge Herr Churchill es verabsäumt hat, sich über diesen Punkt zu nach Antwerpen. Beide, die Brigade und Herr Churchill, vermochten äußern. allerdings das Schicksal der Festung nicht zu wenden. Die wackeren Blaujaden schifften sich schleunigst wieder ein, als die deutschen Bomben sich zu aufdringlich bemerkbar machten, und auch Herr Churchill konnte nur mit dem Munde helfen, ehe er ihnen mit gutem Beispiel voranging. Die Abstimmung der englischen Bergarbeiter. Lohnbewegung bei den amerikanischen Munitionsarbeitern. London, 19. Juli.( W. T. B.) Das Reutersche Bureau meldet aus New York: In Boston und anderen Orten von Massachusetts besteht die Gefahr, daß sich die gleichen Zustände wie in Bridgeport, Connecticut, entwickeln, wo die steigende Unzufriedenheit der Arbeiter der Aufhezung durch Wenn es in Bridgeport zu thre Führer zugeschrieben wird. einen allgemeinen Streit fäme, würden auch die anderen Orte, wo Munition hergestellt wird, in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Remington Arms Compagny in Bridgeport verfertigt Unterteile für die Schrappnelerzeugung der Betlehemt Steel Company. Selbst wenn der Streif auf die Remingtonfabrik beschränkt bleibt, würden die Folgen sehr ernsthaft sein, da die Betlehemwerte große Aufträge dort untergebrach? haben. Vor den südafrikanischen Wahlen. Bloemfontein, 18. Juli.( W. T. B.)( Meldung des Reuterschen Bureaus.) Herzog hat in einer Rede sein Programm für Es die kommenden Wahlen aufgestellt. Er fordert Amnestic für die Männer, die wegen bewaffneten Widerstandes gefangen gefekt worden sind, Garantie in der Verfassung, daß ihre Verurteilung nicht ohne vorhergehenden Prozeß erfolgen dürfe, wie bei der Deportierung der Streifführer und der Erschießung Fouries. Er verlangt ferner, daß die Erklärung des Kriegsrechts auf, gc seßlich bestimmte Angelegenheiten beschränkt bleibe, und endlich eine Abänderung des Gesetzes über die Landesverteidigung in dem Sinne, daß die Regierung nicht das Recht besiken solle, in ein Land im Angriffskrieg einzufallen und dazu Männer wider deren Willen zu verivenden. Kriegsbekanntmachungen. London, 19. Juli.( T. U.) Zur Bergarbeiterkrise wird Vorratsanmeldung von Baumwoll und Bast- Stoffen. Jebt macht er von dem reichen Schahe der in Antwerpen ge= Berlin, 19. Juli.( W. T. B.) Wie wir von zuständiger sammelten Erfahrungen Gebrauch, um Holland damit zu be- gemeldet: Nach der Konferenz von Cardiff wurde eine Abstimmung vorgenommen, die folgendes Resultat ergab: Für Seite hören, sollen durch die Heeresverwaltung Ende Juli schenken. Das Problem der Scheldemündung erschien, wie die Wiederaufnahme der Arbeit 180 Stimmen, 1915 zwei neue Vorratsmeldungen angeordnet werden: erinnerlich, vor einigen Jahren auf der Tagesordnung, als Holland die 41 500 Bergleute vertreten, gegen die Wiederaufnahme Die eine betrifft Rohbaumwolle, Baumwollabſich anschickte, seine Befestigungen bei Vlissingen zu verſtärken. der Arbeit 118 Stimmen, die 88 500 Bergleute verfälle, Watte, Baumwollgarne und BaumwollVergeblich mühte sich damals England, den Holländern in den Arm treten. zu fallen. Auch Herr Churchill bezeichnet die jeßige geographische Regelung der Scheldemündung als„ unnatürlich". Denn hätte Antwerpen Transporte über den Fluß erhalten können, dann wäre es nicht gefallen. Wir wollen dem Fachmanne nicht widersprechen, Die ,, heilige Einigkeit" in Frankreich. gewebe verschiedener Art, insbesondere die vorschrifts mäßigen Stoffe für Heeres- und Marinebedarf, dann aber auch die wichtigsten Arten sonstiger roher, gebleichter und farbiger Baumwollstoffe. Erfaßt wird ferner baumwollene Gegenstand der zweiten Bestandserhebung sind Bastsowie Bastfasererzeugnisse ( Garne, Seilerwaren, Gewebe und leere Säde). Unter Bastfasern werden Jute, Flachs, Ramie, Hanf und andere Seilerwaren verstanden. Der Meldepflicht sollen die Bestände unterliegen, die am 2. August 1915 nachts 12 Uhr vorhanden sind. Geringfügige Vorräte sind von der Meldepflicht frei. " Paris, 18. Juli.( W. T. B.) Die Presse erblickt in dem auch wenn er sich auf das Glatteis der Prophezeiungen begibt; Beschlußantrage des Nationalrates der Sohalbwollene und wollene Männerunterkleidung. aber ob dem holländischen Leser die Lage ebenso unnatürlich" erscheint wie dem Engländer, der auch die Fortsetzung der Kanalküste 3ialistenpartei ein erfreuliches Zeichen für die Festignur als britisches Glacis ansieht, ist doch einigermaßen zweifelhaft. feit der heiligen Einigkeit". Die Presse erklärt, das Manifest faserrohstoffe leber gewisse Demarchen Englands im Haag und in Brüssel, sei die beste Antwort, die den deutschen Sozialisten gegeben die sich auf die Scheldepassage bezogen, sind wir nicht näher unter- werden konnte. Die französischen Sozialisten feien, wie alle richtet. Wir wissen nur, daß sie stattgefunden haben. Bedauerlicher- anderen Parteien in Frankreich, entschlossen, den Krieg durch weise erfahren wir auch jetzt aus Herrn Churchills orakelhaften zuführen. Von der sozialistischen Presse äußert sich nur die Aeußerungen nichts Genaueres über die Pläne unserer Feinde bezüglich des Scheldeproblems; natürlich für den Fall, daß sie in die" Guerre Sociale". Hervé erklärt in diesem Blatte, anders Rage kommen sollten, es nach ihren Wünschen zu regeln. Vom habe man den deutschen Sozialisten nicht antworten fönnen. Die zur Meldung erforderlichen Vordrude, aus denen Frieden sind wir noch weit entfernt, meint Herr Churchill, darum Die französischen Sozialisten hätten jegt ihrem Willen Aushat es teinen Sinn, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, was er druck gegeben, Elsaß- Lothringen zu befreien. Sie hätten nie- auch der Wortlaut der Verordnungen ersichtlich ist, können. möglicherweise bringen werde. Aber eine Besorgnis möchte er zer- mals einen Revanchefrieg führen wollen und hätten ihre Frie- vom 22. Juli an beim Webstoffmeldeamt des Kriegsministestreuen, daß man Holland zumuten werde, seinen flandrischen Be- densliebe sogar soweit getrieben, darin einzuwilligen, daß riums, Berlin SW. 48, Verlängerte Hedemannstraße 11, angefordert werden. Die Anforderung hat auf einer Postkarte " Feldpostbrief" oder" Feldpostkarte" oder" Feldpostanweisung" ent- Gebühr erhoben. Privatpakete an die Angehörigen des großen( nicht mit Brief) zu erfolgen, die nur die Ueberschrift:„ Behalten. Ferner sind Name, Dienstgrad und Dienststellung des Hauptquartiers und dessen Formationen sind bis zu 5 Kilogramm Empfängers, sowie sein Truppenteil nach Armeekorps, Division, jederzeit zulässig. Die Gebühr beträgt 25 Pf. Postsendungen trifft Meldescheine für Baumwolle"( oder für Bastfasern"), Regiment, Bataillon, Kompagnie oder sonstigen Truppenteil oder an Angehörige der Marine, die sich bei Behörden oder Marine- die Anzahl der gewünschten Scheine und die Unterschrift nebst Kriegsschiff genau anzugeben. Die Angabe eines Bestimmungs- teilen am Lande befinden, sind wie im Frieden zu adressieren. Firmenstempel und Adresse enthalten darf. Für jeden der ortes ist bei Sendungen an Empfänger, die sich nicht mehr in den Patete werden wie in Friedenszeiten sowohl an die am Lande be- beiden Meldescheine( Baumwolle und Bastfasern) ist eine beHeimatstandorten befinden, zu vermeiden. Ferner empfiehlt es findlichen Marineangehörigen als auch an die Besatzungen der sondere Postkarte zu nehmen. sich, auf allen Sendungen den Absender zu vermerken. Nach der Schiffe angenommen. Da es sich bei der Versendung von Pateten Da die Meldefrist sehr kurz bemessen ist( bis 10. August), Schweiz werden Feldpostkarten und Feldpostbriefe bis zum Ge- an mobile Truppen um eine militärische Einrichtung handelt, ist so empfiehlt es sich, daß alle Meldepflichtigen sich schon jetzt wichte von 50 Gramm, die von Angehörigen des Heeres an ihre es unrichtig, für das Ausbleiben der an Heresangehörige im Felde die Vordrucke beschaffen und unverzüglich an die Aufnahme in der Schweiz wohnenden Familienmitglieder gerichtet sind, porto abgesandten Patete stets die Postverwaltung berantwortlich zu ihrer Bestände gehen. frei befördert. Diese Feldpostbriefe müssen offen sein. Der Feld- machen. postverkehr von und nach Desterreich- Ungarn ist portofrei und zwar Boftfendungen nach dem Auslande müssen offen eingeliefert gelten dafür die in diesen Ländern gütigen Bestimmungen. Ueber die werden, und sind Briefsendungen in fremder Sprache nur nach Versendung politischer Druckschriften ins Feld wird bestimmt: Bei- Desterreich- Ungarn und dem neutralen Auslande zulässig. BatetVon der deutschen Grenzkontrolle. tungen, Drucksachen oder Schriften, in denen für solche politischen sendungen nach dem Auslande dürfen allgemein Briefe oder briefBerlin, 18. Juli.( W. T. B.) Die UeberwachungsAufgaben und Ziele Stimmung zu machen versucht wird, die mit liche Mitteilungen, ausgenommen offene Rechnungen, nicht beidem von allen Parteien gewollten Zusammenhalten während des gefügt werden. Die Sendungen werden von den zuständigen stellen an den deutschen Grenzen sind verpflichtet, die Strieges im Widerspruch stehen, dürfen den Soldaten in das Feld 3ollbehörden auf ihre Ausfuhrfähigkeit geprüft. Wertbriefe und von den Reifenden mitgeführten Schrift- und Drucknicht zugesandt werden. Zuwiderhandlungen werden, wenn die be- Kästchen mit Wertangabe sowie Bostaufträge müssen bei Post- fachen einer eingehenden Prüfung zu unterziehen, was stehenden Geseze feine höheren Strafen bestimmen, mit Gefängnis ämtern aufgeliefert werden; die Einlieferung bei Poftagenturen unter Umständen viel Zeit in Anspruch nimmt und die Abfertigung bis zu einem Jahre bestraft. und Posthilfsstellen und durch die Landbriefträger ist verboten. ber Reisenden verzögert, oft sogar deren Weiterreise mit der Pakete nach dem Feldheere, die Bekleidungs- und Ausrüstungs- Bis auf weiteres find Postsendungen nach dem feindlichen Aus- nächsten Fahrgelegenheit unmöglich machn kann. Im eigenen Interesse der Reisenden empfiehlt es sich daher, stücke an Offiziere und Mannschaften enthalten, sind an den in lande und einigen anderen Ländern ausgeschlossen. der Heimat befindlichen Ersatztruppenteil des im Felde stehenden Sendungen an Kriegsgefangene sind sämtlich portofrei, sie wenn diese möglichst wenig Schriftstücke, Briefe und Drucksachen mobilen Truppenförpers als frantiertes Postpaket( Porto bis drei müssen mit dem Vermerk Kriegsgefangenensendung" versehen bei sich führen, auch keine 3eitungen, da diese in der Regel Ailogramm bei Pateten an Mannschaften bis zum Feldwebel oder sein. Die Adresse muß möglichst genau geschrieben fein und den der Beschlagnahme unterliegen. Dagegen wird empfohlen, der Wachtmeister aufwärts 20 Pf.) zu senden. Pakete mit höherem Vor- und Zunamen sowie den Dienstgrad des Gefangenen enthal- gleichen Schriftstüde pp. durch die Post nach dem Ziel der Reise zu Gewicht kosten das gewöhnliche Porto. Auf dem Abschnitt der ten, sein Unterbringungslager oder Lazarett usm. und den Be- senden, da alsdann die Prüfung durch die zuständige PostprüfungsPostpatetadresse ist die genaue Adresse des eigentlichen Empfängers stimmungsort. Es empfiehlt sich, Postsendungen erst dann an ftelle erfolgt und der Reisende nicht Gefahr läuft, an der Grenze anzugeben mit dem Zusatz:" Dieses Paket ist mit dem nächsten Kriegsgefangene abzusenden, wenn ihre Adresse bekannt ist. Auf aufgehalten zu werden. Militärtransport mitzusenden." Privatpakete an Militärpersonen jeder Sendung muß der Absender angegeben sein. Den Handelskammern und Landwirtschaftskammern ist das Nähere bekanntgegeben. Reisen im ostpreußischen Grenzgebiet. in festen Standorten( Garnison) des Deutschen Reichs sind nur Der private Telegrammverkehr zwischen Feldheer und Heimat. Berlin, 19. Juli.( W. T. B.) Der Oberbefehlshaber bei der Landarmee zugelassen( mit Ausnahme der Standorte in ist zunächst. versuchsweise zugelassen; er fann aus militärischen den elsässischen Kreisen Altkirch, Mülhausen, Gebweiler, Thann Gründen ganz oder teilweise wieder aufgehoben werden. Im Tele- Ost erläßt folgende Betanntmachung:„ Vom 1. August 1915 und Kolmar). Porto wie für Pakete an Soldaten in Friedens- grammverkehr mit dem neutralen Ausland bestehen wesentliche ab find alle Personen, welche das preußische Gebiet bis Memelzeiten( bis 3 kilogramm an Mannschaften usw. 20 Pf.). Die Beschränkungen, nach dem feindlichen Auslande werden Privat- Ruß- Stirwieth- Stromes, sowie die Kurische Nehrung von Nidden Nachsendung von Privatpaketen an Angehörige des Heeres in telegramme nicht zugelassen. Auch der Fernsprechverkehr ist mit einschließlich ab nach Norden bereisen, oder das Kurische Haff nördfesten Standorten erfolgt portofrei. dem feindlichen und dem neutralen Auslande eingestellt worden. lich der allgemeinen Linie Karkeln- Nidden befahren wollen, verVon Zeit zu Zeit werden nach vorhergegangener besonderer Weber etwa verfügte Ausnahmen ist bei den Fernsprechämtern pflichtet, einen vorschriftsmäßigen Inlandspaß oder einen polizeiBekanntmachung Privatpakete an die im Felde stehenden Offiziere Anfrage zu halten. Der private deutsch- österreichische Sprechver- lichen Ausweis bei sich zu führen. Der Ausweis muß von der und Mannschaften bis zum Gewicht von 5 Kilogramm durch die fehr kann zwischen Hauptgeschäften und deren Zweigniederlassungen heimatlichen Polizeibehörde feit dem 1. Januar 1915 ausgestellt Bostanstalten angenommen.( Porto einheitlich 25 Pf.) Die Poſt- zugelassen werden. Den Kriegs- und Zivilgefangenen ist die Be- sein und eine aus neuester Zeit stammende behördlich abgestempelte Photographie enthalten. Zuwiderhandlungen unterliegen den in der verivaltung befördert solche Pakete bis zu einem der im Deutschen mußung der Fernsprechanlagen nicht gestattet. Reiche von der Militärverwaltung für diese Zwecke eingerichteten Wer einen Einblick in die Riesenarbeit der deutschen Feldpost Verordnung des Oberbefehlshabers Dst vom 10. Juli 1915 N. D. Paketdepots. Von da ab übernimmt die Militärverwaltung die gewonnen hat und die mannigfachen Schwierigkeiten fennt, die sich Nr. 4772 festgesetzten besonderen Strafbestimmungen. Weiterbeförderung der Pakete bis zu den Truppenteilen. Die der schnellen und richtigen Erledigung ihrer Aufgaben in den Weg Pakete fönnen auch von den Absendern unmittelbar bei den stellen, wird bald zur Erkenntnis fommen, daß deutsche OrganiPatetdepots aufgeliefert werden; in diesem Falle wird keinerlei| fationskraft auch auf diesem Gebiete mustergültiges leistet. Für deutsche einzelne Militärpersonen und Zivilbeamte genügt jeder amtliche Ausweis ihrer vorgesetzten Dienststelle über ihre Person." Verlustlisten. Die Verlustliste Nr. 278 der preußischen Armee enthält Berluste folgender Truppen: Offiziere von der Armee. Infanterie usw.: Garde: Grenadier- Regimenter Alexander, Franz, Elisabeth und Nr. 5; Garde- Füfilier- Regiment( i. Behr Inf.- Regt.). Lehr- Infanterie- Regiment. Grenadier- bzw. Infanterie- bzw. Füsilier- Regimenter Nr. 6, 9, 11, 12, 13, 16, 17, 18, 20, 25, 28, 29, 31, 36, 38, 40, 43, 52, 54, 55, 56, 58, 59, 65 bis einschl. 70, 72 bis einschl. 76, 78( s. Inf.- Regt. Nr. 92), 83 bis einschl. 88, 91, 93, 97, 99, 115, 118, 128, 130, 136, 140, 143, 144, 146, 147, 148, 149, 151, 153, 154, 157, 158, 160( s. Res.- Inf.- Regt. Nr. 257), 163, 164, 165, 166, 168, 173, 175, 176, 185, 188. Regiment v. Kurnatowski. Reserve- Infanterie- Regimenter Nr. 1, 8, 11, 18, 19, 21, 22, 28, 29, 31, 32, 40, 56, 57, 61, 64, 66, 68, 71, 76, 79, 81, 83, 84, 86, 91, 92, Straßenbau- Bataillon der Armeegruppe Wohrsch. Ariegsbekleidungsämter. Reserve- Bekleidungsamt des 3. Armeekorps. Die bayerische Verlustliste Nr. 203 meldet Verluste der Referbe- Infanterie- Regimenter Nr. 2, 3, 4, 5( auch Ersatz- Batl.), 10, 18, 20, 21; Maschinengewehr- Bug E/ 14( jet Nr. 11) 5. Res. Div.; Landwehr- Inf.- Regimenter Nr. 2, 3. 8, Die württembergische Verlustliste Nr. 221 enthält Verlufte des Reserve- Infanterie- Regiments Nr. 247. Aus Industrie und Handel. Kriegsgewinne. Die Benz u. Co. A.-G., die im Vorjahre keine Dividende Der Ge1bon Kriegsmaterial start beschäftigt. In den Friedensartikeln ist die Beschäftigung normal. Es wird angenommen, daß die Dividende, die für die beiden Vorjahre je 10 Proz. betragen hatte, höher ausfallen und die bisherige Höchstdividende( 12 Proz.) wahrscheinlich übersteigen wird. Eine nene ungarische Kanonenfabrik. Vor einigen Tagen hat, wie Berliner Blätter berichten, die Eröffnung des Betriebes der neu errichteten Kanonenfabrik in Raab stattgefunden. Von dem auf 13 Millionen Kronen festgesetzten Attientapital der Gesellschaft hat die ungarische Regierung 7 Millionen Kronen übernommen. Die Skoda werke, die böhmische Kanonenfirma, sind gehalten, die Fabrik allmählich der artig in Betrieb zu setzen, daß sie nach einem bestimmten Zeitraum in der Lage sind, alle Geschüße jeden Salibers zu erzeugen. werfer- Abteilung Nr. 39), 212( j. auch Schwere Minenwerfer- Ab- Bruttogewinn stieg von 14,92 auf 19,81 Millionen, der Reingewinn und Patente auf dem Gebiete des Geschüßweiens, über die sie 94, 99, 109, 110, 130, 201, 202, 204, 206, 211( 1. Schwere Minen- verteilte, zahlt für das vergangene Kriegsjahr 12 Proz. aus. Der während der Vertragsdauer( 25 Geschäftsjahre) sind die Skodawerke teilung Nr. 39), 215, 216( lettere beiden s. Schwere Minenwerfer- bon 3,44 auf 6,40 Millionen Mark. Die Dividende beansprucht in Zukunft verfügen werden, fortlaufend zu überlassen sowie als Abteilung Nr. 39), 218, 219, 227, 228, 229, 233, 251, 253, 256, 257, 2,64 Millionen, die Tantiemen 1,1 Millionen Mark. 261, 264, 268, 270, 272. Ersatz- Infanterie- Regimenter Nr. 29 und ständiger technischer Ratgeber der ungarischen Kanonenfabrik zu fungieren. Königsberg III. Reserve- Ersatz- Infanterie- Regiment Nr. 2. Band- schäftsbericht bemerkt zu dem Jahresergebnis: mehr Infanterie- Regimenter Nr. 9, 12, 18, 20, 21, 22, 24, 31, 36, „ Das abgelaufene Geschäftsjahr stand bei seinem Beginn auAuf die zweite Kriegsanleihe waren bis zum 15. Juli 8782,3 46, 55, 56, 57, 65, 73, 75, 81, 85( s. Res.- Inf.- Regt. Nr. 79), 99, 118. nächst im Zeichen der politischen Unsicherheit. Mit Ausbruch des Ueberplanmäßiges Landwehr- Infanterie- Bataillon Nr. 1 des Krieges wurden wir dann durch die Einschränkung des Verkaufes Millionen Mark= 96,4 Proz. der gesamten Zeichnung eingezahlt. 4. Armeekorps. Brigade- Ersaz- Bataillone Nr. 7, 9, 15, 25, 38, 41, an die Privatkundschaft und das unvermittelte Aufhören jeden Die entsprechende Zahl vom 7. Juli hatte auf 8669,4 Millionen Mark 50, 58( 1. Ers.- Inf.- Regt. Nr. 29), 80, 83, 84( f. Erf.- Inf.- Regt. Exportes vor eine völlig veränderte Situation und vor neue Auf- gelautet, so daß 112,9 Millionen Mark neu eingegangen sind. DeſſenNr. 29). Landsturm- Infanterie- Bataillone Neufahrwasser, Wolden- gaben gestellt, die überdies durch die Einberufung einer großen ungeachtet sind die von den Darlehnskassen für die Zwecke der zweiten Kriegsanleihe hergegebenen Gelder um 55 auf 344 Millionen Mark berg. Zusammengefeßes Landsturm- Infanterie- Bataillon Marien- Anzahl unserer Angestellten und Arbeiter zur Fahne beeinflußt zurückgegangen, wiederum also eine günstige Entwicklung. werder- Rastenburg( s. Regt. v. Kurnatowski). Landsturm- Infan- wurden. Es galt, dem Bedarf der Heeresverwaltung terie- Ersatz- Bataillone: II Gießen, 4. Heidelberg, 19. des 7. und 3. Auflösung der Schallplattenkonvention. des 15. Armeekorps. Etappen- Hilfskompagnie der 9. Armee. Jäger- zu entsprechen, von welcher wir in einzelnen unserer FabrikationsBataillone Nr. 1, 2, 4, 9, 14; Reserve- Bataillone Nr. 2, 7, 15. zweige bis zur Grenze unserer Leistungsfähigkeit Am 1. Juli ist die Konvention der Schallplattenfabrikanten aufMaschinengewehr- Abteilung Nr. 1; Feld- Maschinengewehr- Büge herangezogen wurden. Demzufolge hatten wir in Bast- und gelöst worden. Sie hatte in erster Reihe die Aufgabe, die Ein- und Nr. 51( s. Brig.- Ers.- Batl. Nr. 9), 105( 1. Füs.- Regt. Nr. 38), 111 Personenwagen für Seeresbedarf sowie in Sanitäts- Bertaufspreise festzuseßen und die Umtauschbedingungen zu regeln. ( i. Inf.- Regt. Nr. 91), 146( s. Brig.- Erf.- Batl. Nr. 7); Festungs- fahrzeugen gesteigerte Umsätze zu verzeichnen, wobei auch die Neuerdings sind bereits wieder Verhandlungen angefnüpft worden, Maschinengewehr- Abteilung A; Reserve- Festungs- Maschinengewehr- zu Anfang des Jahres vorhandenen Vorräte zum größten Teil ge- die einen erneuten Zusammenschluß auf veränderter GrundAbteilung Nr 1. räumt wurden. Gleichzeitig wurde die Spezialfabrikation unserer lage bezweden. Vorläufig herrscht in der Schallplattenindustrie jedoch Flugmotoren für Heer und Marine, welche sich im freier Wettbewerb. Borjahre mehr oder weniger noch im Versuchsstadium befunden Die Getreidevorräte der Verbündeten. hatte, zum erstenmal in großem Maßstabe mit erfreulichen Grfolge und mit ständig wachsenden Produktionsziffern durchgeführt. markt war in den lezten Tagen äußerst ruhig, und den Verkäufern In der Morning Post" schreibt ein Mitarbeiter: Der Getreides Auch für Dieselmaschinen und Spezialmotoren lagen Aufträge vor, von Getreide, besonders Weizen, war es fast unmöglich, Räufer zu während in der Fabrikation und im Umsatz von Kleinmotoren in- finden. Die Frachtenmärkte sind daher entsprechend gedrüdt. folge der geschwundenen Absatzmöglichkeit die vorauszusehende Eine Nachfrage nach Dampfern für Verschiffung der neuen ameri Stodung eintrat. Das Ergebnis des Vorjahres können wir als be- fanischen Ernte von August ab ist noch nicht in weitgehendem Maße friedigend bezeichnen. In das neue Geschäftsjahr eingetreten, was vielleicht daran liegt, daß Frankreich, Eng haben wir erhebliche Auftragsbestände herüberbekom- I and und Italien ihre Kornkammern und eager, außer dem noch in den men, sowohl von den noch nicht zur Ablieferung gebrachten Be- häuser bis oben hin voll haben. Es heißt, daß Frankdaß es nicht weiß, wo es das itellungen der Heeresverwaltung, wie von den Bereich so viel Getreide im Lande hat unterbringen soll. Man darf nicht vergessen, daß ungeheure Mengen ftellungen der Privatkäufer, welche infolge des Krieges nicht aus- französischen Häfen zu löschenden geführt werden konnten und bis nach Beendigung desselben der letzten amerikanischen und kanadischen Ernte nach Frankreich verzurückgestellt werden mußten. Der bisherige Verlauf des neuen schifft wurden und daß außerdem große Sendungen von Archangelst Geschäftsjahres ist durchaus befriedigend." Kavallerie: Garde- Kürassiere; Garde- Reserve- Dragoner; Dragoner Nr. 5, 12, 13, 15, 21, 23; Husaren Nr. 11 und 16; ReserveBusaren Nr. 5; Ulanen Nr. 11; Reserve- Ulanen Nr. 2; Jäger zu Pferde Nr. 6 und 9; Reserve- Jäger zu Pferde Nr. 1; LandwehrRegiment Nr. 2. Feldartillerie: 3. Garde- und 3. Garde- Reserve- Regiment; Regimenter Nr. 6, 7, 14, 15, 18, 21, 22, 34, 35, 39, 41, 43, 73, 99; es jerve- Regimenter Nr. 1, 9, 19, 20. Batterie Nr. 24. Fußartillerie: Regimenter Nr. 8, 9, 10; Reſerve- Regiment Nr. 14; Bataillon Nr. 24; Reserve- Bataillon Nr. 26; 1. ReserveBioniere: Regimenter Nr. 18, 19, 24, 25, 29, 30, 31; Bataillone: II. Nr. 1, I. Nr. 5, II. Nr. 6, I. Nr. 9, I. Nr. 11, I. Nr. 16, I. und II. Nr. 27; Ersatz- Bataillon Nr. 21; Kompagnien Nr. 185 und 213; Reserve- Kompagnien Nr. 45, 46, 52, 88. Leichte MinenwerferAbteilung Nr. 260; Mittlere Minenwerfer- Abteilungen Nr. 115 und 195; Schymere Minenwerfer- Abteilungen Nr. 5 und 39. Verkehrstruppen: Eisenbahn- Betriebskompagnie Nr. 18. FeldLuftschiffer- und Feldfliegertruppe. Train: Garde- Train- Abteilung; Train- Ersatz- Abteilung Nr. 3. Pferdedepot Nr. 105. Munitionskolonnen: Artillerie- Munitionskolonne Nr. 2; Reserbe- Artillerie- Munitionsfolonne Nr. 1. Sanitäts- Formationen: Sanitäts- Kompagnie Nr. 3 des 6. und Nr. 1 des 15. Armeekorps. Der Motorenfabrik Oberursel A.-G. brachten die Aufträge der Heeresverwaltung, die das Unternehmen bis an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit beschäftigten, einen Ausgleich für den Fortfall des Exports. Der Bruttogewinn stieg von 0,52 auf 0,85 Millionen Mart, der Reingetvinnen von 0,28 auf 0,39 Min. M. Die Dividende wird von 8½ auf 12 Proz. erhöht. Die Aktiengesellschaft Gebr. Krüger u. Co., die im Frieden als Spezialität Bierdrudapparate herstellt, ist mit der Herstellung famen. J Italien stapelte vor der Kriegserklärung Millionen Duarter Weizen auf. Dieses Land wird sich hauptsächlich für die neue nordamerikanische Ernte interessieren. England hat nach und nach die letzte südamerikanische Ernte eingeführt, und seine Kornkammern sind voll zum Ueberfließen, da auch noch der Ueberschuß der indischen Ernte einzurechnen ist. Hierzu kommt noch die neue australische Ernte, so daß die Ausfichten auf Ueberschuß an Getreide nie besser waren als gegenwärtig. Cigaretten Fabrik GEORG A. Jasmatzi Aktiengesellschaft Deutsches Unternehmen Deutsche Erzeugnisse Infolge Übernabme sámflicher bisher in auslándíschem Besitz befind lich gewesenen Aktien unseres Unternehmens durch eine Deutsche Bankengruppe ist jeglicher ausländische Einfluss auf unsere Gesellschaff restlos ausgeschaltet. Die über unsere Gesellschaff angeordnete Staatsaufsicht ist wieder auf gehoben. Das Verbot unsere Fabrikate in Staatsbetrieben feilzuhalten ist zu rückgenommen. RAUCHER! Es liegt kein Grund mehr vor sich aus nationalen Grúnden den Genuss unserer erstklassigen Qualitätszigaretten zu ver sagen. Berantwortlicher Rebetteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Tb. Glode. Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltungsbl ür 198. 32. Li,« i. iidjje des.Amäris" Kerlim MlksdlM � 20 �ii 1915 Gefährliche Illusionen. Professor Theodor S ch i e m a n n hat vor kurzem eine Broschüre„Rußland auf dem Wege zur Revolution'' herausgegeben, die in der Presse ziemlich viel Beachtung gc- fundcn hat. In Wirklichkeit enthält das erwähnte Schriftchen, obwohl es eine Anzahl zutreffender Feststellungen über die wirtschaftlichen und organisatorischen Mißstände in Rußland macht, eine Fülle von Berallgemeinerungcn, die Verbindung mit apodiktisch vorgetrage- ncn, unbewiesenen und unbeweisbaren Behauptungen über die Tätigkeit verschiedener revolutionärer Gruppen ganz falsche Vor- stellungen von den eigentlichen Vorgängen in Rußland zu er- wecken geeignet sind. Die Grundidee des Schriftchens ist, daß es der russischen Regierung im Falle eines schnellen Frieden?-- fchlusses noch gelingen könne,„durch die dann noch erhaltenen HeereSteile die Revolution niederzuhalten und durch Preisgabe der ..Fremdstämmigen" an die Bauern die Revolution zu ersticken". Komme es hingegen nicht zum Frieden, so„dürfte das eintreten, was die Revolutionäre erstreben— der General st rcik der Industriearbeiter und des gesamten Proletariats, sowie aller revolutionierten staatlichen Institutionen(Post. Telegraph, Eisen- lbahn usw.) in dem Monientc, wo die Zersetzung des Heeres durch die fortschreitenden Niederlagen und die Propaganda so weit vor- geschritten ist, daß die M i l i t ä r r e v o l t e losbricht:„das würde dann die allgemeine Anarchie bedeuten, in Finnland und im Kaukasus vielleicht den bewaffneten Aufstand, und für die Frcmdstämmigen in dem großen Gebiete zwischen der Ostsee und der dcutsch-österveichischen Grenze einerseits und dem Peipus und den Rokitnosümpfen andererseits die Rettung bringen, ganz wie ein rascher Friede alle diese Elemente westeuropäischer Kultur ver- Nichten würde." Es ist im Grunde eine neue Variation der bekannten Auf- saflung von der„Befreiung" der„Fremdstämmigen", d. h. der Polen, Litauer, Juden, Ukrainer, Letten, Esthcn usw. durch die Armeen der Zentralmächte, und zwar erfordert die Verwirklichung dieser„Befreiungsmission" eine Fortführung des Kriegs bis zum Augenblick des inneren Zusammenbruchs Rußlands, da ein frühzeitiger Friede zwar die Stellung der russischen Regierung retten, dafür aber die Lage der„Fremdstämmigcn" nur noch ver- schlechtern könne. Voraussetzung für einen solchen Verlauf der Dinge ist natürlich, daß die militärischen Niederlagen die inner- politischen Wirkungen in Rußland auslösen, deren Anzeichen Prof. Schiemann schon jetzt glaubt untrügerisch feststellen zu können. Hier tritt nun ein verhängnisvoller Trugschluß in der Auf- fassung Prof. Schiemanns grell zutage. Er konstatiert ztvar in einer Nachschrift, die sich mit den Forderungen der Parteien an die Regierung beschäftigt, jetzt laute die Parole:„Krieg bis zum Aeußersten und Einführung eines parlamentarischen Regiments." Er hält es aber für völlig unsicher, ob das eine wie das andere Ziel„überhaupt noch zu erreichen ist". Aus seiner Darstellung geht vielmehr hervor, daß eine größere Anteilnahme der Duma- kreise an der Regierung eine„Vorarbeit für die Revolution" be- deuten würde,„die die EntWickelung anarchistischer Zustände außerordentlich fördern wird." Wer so wie Prof. Schiemann an die Revolution— in Rußland— glaubt und überzeugt ist, daß eine größere Anteilnahme der bürgerlichen Parteien an der Regierung und die Zusammen- fassung aller Kräfte des Landes durch die Einführung eines parla- mentarischen Regiments nur Vorarbeit für die Revo- lution ist, der muß schon über ein Tatsachenmaterial verfügen. das den drohenden Charakter der revolutionären Bewegung im gegenwärtigen Augenblick untrügc- risch nachweist. Leider bleibt nun Prof. Schiemann den Beweis für feine Auffassung schuldig, denn was er auf diesem Gebiete an- führt, sind entweder unbeweisbare und unkontrollierbare Be- hauptungen, oder„olle Kamellen", für die in der politischen Lite- ratur eigentlich kein Platz sein sollte. So erklärt Prof. Schiemann,„zu Weihnachten etwa waren, nach verläßlichen Angaben der revolutionären Zentren, etwa 20— 25 Proz. der Armee für den Ilmsturz gewonnen. Seither hat diese Bewegung bestimmt große Fortschritte gemacht..." Welche„revolutionären Zentren" haben diese Angaben gemacht? Uns ist, obwohl wir die Publi- kationen der russischen revolutionären Parteien fortlaufend ver- folgen, keine einzige bekannt, die zu der angeführten Behauptung auch nur im entferntesten berechtigen könnte. Etwa auf demselben Niveau steht folgende„Enthüllung" Prof. Schiemanns:„Schon im Februar dieses Jahres wußte die Gendarmerie in Petersburg, daß es den revolutionären Zentren gelungen war, eine Organi- sation zu schaffen, die der des Jahres 1905 weit überlegen ist. Di« Regierung hatte die Fäden in der Hand(!) und wußte viel, wenn auch nicht alles, aber sie hielt es für zu gefährlich, durch Massenverhaftungen vorzugehen, und befürchtete da- von einen vorzeitigen LoSbruch und damit eine schlimme Rückwirkung auf den Westen, auf Rumänien und Italien...." Das liest sich zwar wie einer jener Kriminalromane„aus der russischen Revolution", bei deren Lektüre den biederen Bürger ein Gruseln überkommt, ist aber doch nichts anderes als ein Phantasicprodukt skandinavischer Kaffeehaus- journalisten. Daß Prof. Schiemann diesen Unsinn wiederholt, nimmt uns nicht Wunder: ist er doch noch heute überzeugt, daß die Universitäten und alle oberen Klassen der Mittelschulen in Rußland„Brutstätten der Revolution" sind, und daß Studenten und Mittelschüler„ununterbrochen die revolutionäre Bewegung geschürt" haben. Auch glaubt er, daß die Pogrome in Moskau und anderen Orten„in dem Umfang, den sie angenommen haben, nur durch die Einwirkung der Revolutionäre auf die Massen möglich geworden" seien. Die russi- schen Revolutionäre, die seit Kriegsbeginn gegen die Massen- Verhetzung gekämpft haben und die, nach verläßlichen Berichten, die uns zugingen, sichjjer von den Behörden begünstigten Pogrom- agitation mit aller Energie entgegenstemmten, werden nun von Prof. Schiemann ohne eine Spur von Beweisen der Pogrom- agitation beschuldigt! In dem Bilde, daß sich Professor Schiemann von der Revolution zurechtgestutzt hat, spielt freilich der r e- volutionäre Pogrom eine bedeutende Rolle:„Zielbewußt sollen möglichst viele Fabriken zerstört, möglichst diele Waren- lager vernichtet werden, um dem kriegführenden Staat die Lebens- ädern zu unterbinden und dadurch die Anarchie zu fördern, aus der sich dann das neue Leben entwickeln soll...." Wir müssen gestehen, wir kennen keine revolutionäre Partei in Rußland, die sich solche Ziele gesetzt hat. Soweit wir die Haltung der sozio- listischen Parteien Rußlands kennen— und nur diese kommen als revolutionär in Betracht—, beharren sie in schroffer Oppo- sition zur Regierung und führen ein« energische Propaganda gegen den Krieg, sie lehnen aber ganz entschieden das Programm der Anarchie ab, daß Schiemann ihnen zuschreibt. Der verhängnisvolle Trugschluß Prof. Schiemanns besteht darin, daß er nach wie vor glaubt, Revolutionen könnten„ge- macht" werden, gemacht nach Rezepten, wie sie etwa der Polizeirat Stiebcr im Busen trug. Dieser Trugschluß war es, neben der damaligen revolutionsfcindlichen Stellung Professor Schiemanns, der ihn in den Jahren der russischen Revolution zu den schlimmsten Schmähungen und Verunglimpfungen der russischen Revolutionäre veranlatztc. Doch ebenso wie seine damaligen Angriffe nur der russischen Reaktion zugute kamen, also letzten Endes auch die Interessen Deutschlands schädigten, sind die von ihm jetzt vertretenen Anschauungen nur geeignet, gefährliche Illusionen über den Grad der Wider- standsfähigkeit Rußlands wachzurufen und durch Förderung von Zerstückelungs- und„Befreiungs"pläncn die Kräfte des Gegners nur noch mehr zusammenzuschweißen. Wie berichtet wirb. In der„Täglichen Rundschau" vom 13. Juli, Haupt- blatt, stand folgendes zu lesen: „Keinen Frieden mit Deutschland! Der„New Statcsman" vom 3. Juli, ein radikales, grund- sätzlich friedenssreundliches Organ, schreibt: Deutschland und Oesterreich- Ungarn sind augenblicklich in einer militärischen Lage, wie sie günstiger kaum gedacht werden kann und sicherlich nicht lange vorhalten wird. Es ist daher zu erwarten, daß Deutschland versuchen wird, jetzt Frieden zu schließen, da sich beim weiteren Verlauf des Feldzuges die Lage immer mehr zu Deutschlands Ungunsten verschieben muß. Man wird versuchen, in Rußland auf das starke deutschfreundliche Ele- ment am Hofe Einfluß, zu gewinnen und in Frankreich mit Hilfe der deutschen Sozialdemokraten in den einflußreichen sozialistischen Kreisen Stimmung zu machen. Auf England wird Deutschland wahrscheinlick durch amerikanische Vermittlung zu wirken versuchen, und wird sich dabei die starken religiösen und wirtschaftlichen Strömungen dienstbar machen, die dem Frieden grundsätzlich günstig sind. Es ist jedoch unmöglich, daß England beim gegeir wältigen Stand auch nur auf den bloßen Gedanken des Friedens eingeht. Viel- leicht würde sich zwar Deutschland dazu ver- st ehe n, Belgien zu räumen, schwerlich aber dazu eine Kriegsentschädigung zu zahlen. England ivürde dann also Belgien zu entschädigen haben; Frankreich und Ruß- land würden ihre eigenen riesigen Kriegsausgaben selbst bestreiten müssen; alle Balkanfragen würden im deutsch- österreichischen Sinne entschieden werden; die deutsche Flotte würde weiter eine ständige Bedrohung Englangs bleiben. Der Friede würde keine Entlastung der Welt von ihren Rüstungen bedeuten, sondern England würde sich aufs neue für die Aufgabe wappnen müssen, die Welt gegen das Uebergewicht Deutschlands zu ver- teidigen. Nicht eininal dann wäre ein baldiger Friede wünschenswert, wenn alle Staaten, ein- schließlich Deutschland, sich dazu verstehen wollten, ihre kommenden Streitigkeiten einem allgemeinen Weltfriedensgerichte zu unter- breiten; denn Deutschland würde einen solchen Vertrag nie einhalten, wenn es ihn auch unterzeichnete, und selbst das ist nicht sicher. Das sind die radikalen, grundsätzlichen englischen Friedensfreunde. Den Herren Haase und Bernstein ins Stamm- buch." Der Anruf meiner Person hat mich veranlaßt, der Sache ein- mal nachzugehen. Nachdem es mir gelungen ist, die angezogene Nummer des„New Statesman" zu erhalten, kann ich nun der„Täg- lichen Rundschau" Eines bestätigen. In der Tat enthält das von der„Täglichen Rundschau" mit Recht als radikal bezeichnete eng- lische Blatt einen Artikel, überschrieben„Wenn der Friede bald ge- schlössen würde"(englisch:„Ik peace woro made soon"), worin auseinandergesetzt wird, daß und warum ein jetzt geschlossener Friede vollständig zugunsten der Zentralmächte ausfallen und den deutschen Militarismus als den Sieger aus dem Krieg hervorgehen lassen müßte. Alles, was dessen Anwälte gepredigt, die von diesen be- triebene Politik und insbesondere die Art, wie der Krieg eingeleitet wurde, würden als durch die Erfahrung erprobt erscheinen, Fort- dauer und gewaltige Steigerung der Rüstungen zu Wasser und zu Lande nach dem Frieden die unvermeidliche Folge sein. Aus dem bisherigen Gang der Dinge würde die Lehre gezogen werden, daß der Erfolg am Anfang den Krieg entscheide, und daß daher noch größere jederzeitige Kriegsbereitschaft, als sie von Deutschland an den Tag gelegt wurde, zwingendes Gebot für jedes Land sei, das auf seine Unabhängigkeit gegenüber Deutschland Wert lege. Soweit gibt die Notiz der„Täglichen Rundschau" den Gedankengang des Artikels des„New Statesman" zwar ungenau, aber nicht schlechthin unrichtig wieder. Anders mit den Schlußsätzen, welche die„Tägliche Rundschau" in gesperrtem Satz bringt. Sie geben nicht nur nicht wieder, was der„New StateSman" schreibt, sondern-- doch, man urteile selbst. Der Artikel des genannten Blattes läßt der im vorhergehenden zusammengefaßten Auseinander» setzung die nachstehende Schlußbetrachtung folgen: „Unvollkommen wie diese Schlußfolgerungen hinsichtlich eines Friedens sind, der in naher Zukunft geschlossen werden könnte, scheinen sie doch unumstößlich zu sein. Wir sehen nur eine Möglichkeit, die indes zugestandenermaßen gering ist, durch die sie abgeändert werden könnten. Wenn alle die Mächte, ein- schließlich Deutschlands, darin einwilligen würden, daß eine der Friedensbedingungcn die Einführung e i n er b e st i m m t e n internationalen Behörde sein solle, die imstande wäre, jedem Staat für die Zukunft vernünftige Sicherheit gegen tatsäch- liche oder vermutliche Angriffsabsichten seiner Nachbarn zu bieten, dann könnten wir morgen Frieden schließen. Aber ist die Schaffung einer solchen Behörde wirklich möglich? Und wenn sie dies ist, ist irgendeine Aussicht vorhanden, daß ein siegreiches Deutschland— was dieses letztere, stets wohl zu beachten, gegenwärlig ist— irgendeinem Vorschlag dieser Art zustimmen würde? Die Antwort auf die erste Frage könnte, glauben wir, zustimmend lauten; aber das ist ein Problem, aus das wir zurückkommen werden. Die Antwort auf die zweite ist, fürchten wir, sicher verneinend, und wenn dies der Fall ist, und solange d i e s d e r F a I l i st. ist es schwer zu glauben, daß Friede mit einem unbesiegten Feind etwas anderes sein würde, als ein unheilvoller Mißgriff, sei es vom pazifistischen oder vom patriotischen Gesichtspunkt aus." Man vergleiche diese Sätze mit dem so scheinbar zusammen- fassenden Satz in der Notiz der„Täglichen Rundschau" und man wird erkennen, wie irreführend der letztere ist. Er stellt die Tendenz der ersteren geradezu auf den Kopf. Natürlich kann man über die Möglichkeit, auch ohne die Vor- bedingung, von der der„New StateSman".spricht, zu einem Friedens- schluß zu gelangen, der einen wirklichen Frieden bringt, anderer An- ficht sein als der oder die Verfasser jenes Artikels. Sie ziehen zum Beispiel einige sehr gewichsige Faktoren nicht in Betracht, die der von ihnen gestellten Alternative ein etwas anderes Gesicht geben. Aber das ist ein Thema, auf das aus verständlichen Gründen hier nicht eingegangen werden kann, so nützlich es wäre, die? den Leuten vom„New Statesman" an der Hand der von ihnen grundsätzlich ja durchaus richtig aufgefaßten Alternative klar zu machen, daß die obige Erklärung von ihnen ehrlich gemeint ist, daß sie sich ernsthaft mit der Frage beschäftigen, wie ein waschechter Friede erzielt werden kann, steht außer Zweifel. In der gleichen Nummer, die den obigen Artikel enthält, wird angekündigt, daß die Nummern vom 10. und 17. Juli Sonderbeilagcn bringen würden, die ausführlich im Lichte der Geschichte und Erfahrung„die große Frage" behandeln: „wie solche Abmachungen zu treffen wären, die sowohl den unerträglichen Druck erbitterten Wettrüstens der Nationen als auch den wiederkehrenden Ausbruch des Krieges zwischen den Großmächten verhindern würden." Ich habe diese Nummern nicht zu Gesicht bekommen, kann also mich nicht darüber äußern, ob die Vorschläge zweckmäßig und durchführbar erscheinen oder nicht. Soviel ist aber klar, daß eine der wesentliche» Vorbedingungen zur ersprießlichen Lösung der großen Frage, vor die die Völker Europas jetzt gestellt sind, darin destehl, daß diese wahrheitsgetreu über die Ansichten und Absichten unter- richtet werden, die von den politischen Parteien und Gruppen jenseits der Grenzen gehegt und verfochten werden. Das der„Täglichen Rundschau" ins Stanrmbuch. Ed. Bernstein. politische Uebersicht. Gegen die Erhöhung der Getreideprcise. Der mitunter offiziöse„Verl. L o? a l- A n z c i g e r" wendet sich in einem Artikel gegen die Erhöhung der Gctreidcprcise. Der Artikel ist eine Bestätigung der Feststellungen, die in dem gemein- saincn Aufruf getroffen wurden, den Part ei borstand und Gcneralkom Mission am Sonnabend erlassen haben. Das Blatt gibt zu, daß die Mehrbelastung des Familienhaushalts um 5 0 bis 60 Proz. g c st i c g e u i st. In dem erwähnten Artikel wird dann ausgeführt: „Man hat hie und da gesagt, die erhöhten Löhne böten einen Ausgleich. Solche sind aber doch nur einem v e r h ä l t n i s- mäßig kleinen Teil der arbeitenden Bevölkc- r u n g zugute gekommen, ausschließlich den in den verschiedenen Zweigen der Kriegsindustrie Beschäftigten. Dazu gehören aller- dings in einzelnen Gegenden, namentlich in Rheinland und Westfalen, Hunderttausende von Arbeitern— was will das aber sagen gcgeniiber den Millionen, um die es sich handelt? Und der großen Zahl der Festbesoldeten sieben für die Deckung des Lebensbedarfs nicht mehr Mittel zur Verfügung als vor der Teuerung, in vielen Fällen infolge der Gchaltsherabsetzungcn sogar weniger. Die Rücklagen aber, die man vermöge der be- währten deutschen Sparsamkeit von der wirtschaftlich günstigen Zeit her hatte, und die die Preissteigerung auszuhaltcn zunächst ermöglichten, sind zu einem erheblichen Teile aufgebraucht. Die durch diese üble Lage betroffenen Volkskreise haben sich dank dem guten Geiste, der unser Volk beseelt, den Umständen in oller Ruhe angepatzi, so gut es eben«ging. Mau hat sich in allem, was nicht zur unmittelbaren Lebens» otdurft gehört, eingeschränkt: die Wirkungen sind im gesainten Erwerbsleben zu fühlen. Daß unier diesen Umständen auch die Stimmung des Volkes nicht unbeein- flußt bleibt, ist selbstverständlich. Darum ist eine Wirtschaft?- Politik unerläßlich, die der geschilderten Sachlage gebührend Rechnung trägt." Im Anschluß hieran wird dann betont, daß nur z w i n gc n de Gründe eine Erhöhung der Getreidepreise rechtfcrsigen könnten, daß aber nach dem Gutachten Sachverständiger solche Gründe nicht vorhanden sind. Reich und Bundesstaaten hätten ungemein viel getan, um den Landwirten über die Schwierigkeiten, welche die Zeit mit sich brachte, hinwegzuhelfen. In Oesterreich habe mau eine mittlere Linie gefunden zwischen den Preisen, wie sie vor dem. Krieg bestanden und den Höchstpreisen, die später festgesetzt wurden. Eine ähnliche Lösung werde auch bei uns von den Verbrauchern erhofft. Der Artikel schließt: „Die Beschlagnahmepolitik hat sich, soweit es sich um Ge- treibe handelt, vorzüglich bewährt und die Zweifel, die seiner- zeit einzelne Fachmänner äußerten, schlagend widerlegt. Man darf heute daran erinnern, daß damals besonders die Militär- bchörde entscheidend dazu beigetragen hat, daß gerade noch rccbt- zeitig der richtige Weg eingeschlagen wurde. Im Kriege muß eben auch einmal in wichtigen Fragen der Volksernährung ein Machtwort gesprochen werden, das ist nachgerade auch denen klar geworden, die es ursprünglich nicht gleich eingesehen hatten. Die Forderung erscheint berechtigt, daß auch jetzt eine Entschließung zustande kommen muß, die dem Ernst der Lage entspricht und dazu beiträgt, die Spannkraft und Widerstandsfähigkeit aufrechtzuerhalten, die unser Volk bisher so wunderbarcrweisc zum Heile des Vaterlandes betätigt hat." Lebensmittclfragen im Rheinland. Die Tatsache, daß trotz der enormen Teuerung Obst mrS dem Rheingau nach England geht, hat in der Rheinprovinz große Erregung ausgelöst. Inzwischen konnte unser Kölner Parteiblatt noch mitteilen, daß holländische Händler schon seit einiger Zeit sich Mengen des SpätobsteS, Aepfcl und Pflaumen zur Weiterverladung nach England gesichert haben. Die Presse verlangt einmütig ein Ausfuhrverbot für Obst. Auf den Kölner Märkten kam es zu erregten Auseinandersetzungen zwischen Verkäufern und Käuferinnen, die teilweise zum Angriff übergingen. Am ersten Tage des städtischen Fleischverkaufes in Köln standen die Leute schon in den ersten Morgenstunden vor den Metzgereien, und die für diesen Tag berechneten Vorräte waren im Handumdrehen verkauft. Bezeichnend ist, daß die Erbitterung über den Lebensmittelwucher i m Bürgertum kaum geringer ist als in der Arbeiterklasse. Äe bürgerliche Presse wird mit Zuschriften bestürmt und sieht sich, nachdem sie bisher Zurückhaltung geübt hat. gezwungen, Beschwerden zu veröffentlichen, teils sogar aus dem Felde, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Die Stadtverwaltungen sind mehr oder weniger ratlos, da bei der Festsetzung örtlicher Höchstpreise die Zufuhr aus- bleibt. Auch in den Stadtvcrtretungen erwartet man, daß der Reichstag die Regierung zu Maßnahmen veranlaßt, da nur noch durchgreifende zentrale Matznahmen helfen können. Große Besorgnis erweckt die Ankündigung höherer Getreidchöchstpreisc für die neue Ernte. Aus dem General- sekretariat der christlichen Gewerkschaften wird der„Kölnischen Volkszeitung"(Nr. 572) geschrieben, in Arbeitcrkreisen er- warte man mit Bestimmtheit eine Ermäßigung der Höchst- preise. Der Aufsatz schließt:„Die Lage in breiten Volksschichten ist ernster, wie anscheinend selb st in Regierungskreisen angenommen wird. Auf diese Tatsache rechtzeitig hinzuweisen, erachten wir alS vaterländische Pflicht." Gegen den Wucher erlätzt der Gouverneur der F e st u n g Köln, wo die Er- regung sich außerordentlich gesteigert hat, folgende Verordnung: „Die notwendigen Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände haben eine Preis st eigerung erfahren, die von den minder- bemittelten Volkskreisen äußerst schwer empfunden wird. Die Preissteigerung ist zum Teil künstlich herbeigeführt worden. Gewinnsüchtige Absicht hat zu unlautern Machenschaften im geschäftlichen Verkehr sogar mit den für die Volks- crnährung und-Unterhaltung unentbehrlichen Gegenständen geführt. Sowohl Produzenten als auch Händler haben die Waren aus dem Verkehr zurückgehalten, um die Nachftage zu er- höhen und dadurch höhere Preisangebote zu erzielen. In einzelnen Fällen ist auch ein Ueberschreiten der festgesetzten Höchstpreise fest- gestellt worden, z. B. bei Kartoffeln und Zucker. Ich erwarte, daß alle Volkskreise der Gefahr, die dem Vaterlande durch solch un�« triotisch es Verhalten droht, entgegenwirken und diejenigen Fälle zur Kenntnis des Gouvernements bringen, in denen notwendige, zum Verkauf bestimmte Nahrungsmittel und Gebrauchsgegenstände von Produzenten oder Händlern zurückgehalten, oder Preise gefordert oder geboten werden, die als unverhältnismäßig hoch bezeichnet werden müssen. Der Anzeigende hat seinen Namen mitWoh- nung genau anzugeben. Ergibt sich, daß die bestehenden Strafgesetze zur Beseitigung der Schäden nicht ausreichen, so werde ich unver- züglich weitere Verordnungen erlassen. Wer durch künstliche Preis- lreibercien oder durch unangemessene Verdienste im geschäftlichen Verkehr mit den notwendigen Lebensmitteln oder Gebrauchsgegen- ständen die Interessen der Allgemeinheit verletzt, wird öffentlich namhaft gemacht werden." Die„Deutsche Tageszeitung" und die Preistreiberei. Der Artikel„Deutschlands und Englands Wirtschaftsleben" in Nr. 191 des„Vorwärts" hat der„Deutschen Tageszeitung", wie sie in ihrer Nr. 356 der- sichert, große Freude bereitet. Sie hat darin mit der ihr eigenen Findigkeit eine Stelle entdeckt, die sich nach ihrer Meinung für die Verteidigung ihrer Preispolitik verwerten läßt. In dem Artikel heißt es nämlich:„Selbst die Preise für eine Reihe der notwendigsten Nahrungsmittel sind in England, obgleich es nicht vom Weltmarkt abgeschlossen ist, noch mehr gestiegen als in Deutschland." Für jeden, der zu lesen versteht, heißt das: es gibt verschiedene Nahrungs- mittel, deren Preise in England noch mehr durch den Krieg hochgetrieben sind als in Deutschland; keineswegs ist aber damit gesagt, daß die Preise aller notwendigen Nahrungs- mittel in England stärker angezogen haben als in Deutschland. Eine solche Behauptung wäre auch ein Unsinn; denn die Preise für die meisten Kolonialwaren, Hülsenfrüchte, Reis, für Schweinefleisch usw. sind z. B. in England weit weniger emporgeschnellt. Trotzdem läßt uns die„Deutsche Tages- zeitung" kurzweg sagen, daß„die Preise für die not- wendigsten Nahrungsmittel in England noch mehr gestiegen sind als bei uns", sie erweckt also fälschlich den Anschein, als hätten wir geschrieben. alle notwendigen Nahrungsmittel ständen jetzt in England höher im Preise. Und nachdem sie in dieser Weise unsere Darstellung für ihre Zwecke„korrigiert" hat, fährt sie fort: „ES ist uns wirklich sehr erfreulich gewesen, daß doch auch die„Vorwärts"-Genossen einmal in dieser Weise zutreffend auf- geklärt worden sind. Da werden sie sich hoffentlich jetzt nicht mehr so leicht über die auch bei uns unvermeidlich gewesene Preissteigerung der Rahrungsmittel aufregen lassen, nachdem sie in ihrem Zentralorgan gelesen haben, daß diese Preise in Eng- land noch mehr gestiegen seien." Ist schon die obige kleine„Korrektur" eine recht niedliche journalistische Leistung der„Deutschen Tageszeitung", so noch mehr diese Folgerung! Also weil in England die Preise der- schiedener Nahrungsmittel noch mehr gestiegen sind als bei uns, darf sich in Deutschland das Volk nicht über die Teuerung aufregen und keine Abstellung verlangen. Was würden wohl die„Deutsche Tagesztg." und ihre Hintermänner sagen, wenn wir mit der gleichen Logik schlössen:„Da in Eng- land die Preise fiir manche Nahrungsmittel niedriger sind als bei uns, werden sich hoffentlich die Gesinnungsgenossen des Bündlerblattes nicht über eine staatliche Herabsetzung dieser Preise auf das englische Niveau aufregen!" Die „Deutsche Tageszeitung" würde sicherlich sofort erklären, englische Verhältnisse könnten doch für die deutsche Preis- bildung nicht maßgebend sein, der Preis müsse sich nach den deutschen Wirtschaftsverhältniffen, d. h. nach den deutschen Produktionskosten, Zufuhren, Nachfragen. Transportspesen usw. richten. Nun dieser selben Ansicht sind wir auch— und da wir finden, daß viele der heutigen Preise, hauptsächlich für land- wirtschaftliche Produkte, wie z. B. für Getreide und Zucker. nicht den tatsächlichen Produktionskosten und-Verhältnissen entsprechen, sondern durch verkehrte behördliche Maßnahmen und allerlei Machenschaften gewisser Interessentenkreise künstlich in die Höhe getrieben sind, so verlangen wir eben staatliche Festsetzungen bezw. Herabsetzungen der betreffenden Preise. Und der Bundesrat wie die Militärbehörden müssen Wohl bisher in vielen Fällen gleicher Ansicht über die Unberechtigtkeit mancher Preise und die Notwendigkeit ihrer behördlichen Festsetzung gewesen, sein, denn sonst hätten viele ihrer Verordnungen gar keinen Zweck. Daß der„Deutschen Tageszeitung" manche der heutigen Preise für landwirtschaftliche Produkte noch immer nicht hoch genug sind, glauben wir ihr ohne weiteres; aber ihre Anschauungen über die Berechtigung hoher Kriegspreise und hoher Kriegs- Profite haben für uns nun mal nicht den geringsten Wert! Hansabund und Getreidehöchstpreise. Der Hansabund hat an den Reichskanzler und das Reichsamt des Innern eine Eingabe gerichtet des Inhalts, daß er bei der heute schon durch die Preissteigerung aller wichtigen Nahrungsmittel sehr erschwerten Lebenshaltung eine Erhöhung der jetzigen Getreidehöchstpreise, in welchen bereets die durch den Krieg erhöhten Produktionskosten reichlich zur Geltung kommen, für außer- ordentlich bedenklich halte und daher dringend bitte, unter allen Umständen davon absehen zu wollen, Wo sitzen die Kriegshetzer? Ueber den Bund„Neues Baterland" und dessen Vorsitzenden, v. Tepper-Laski, schreibt der Pazifist Dr. Alfred H. Fried in den „Blättern für zwischenstaatliche Organisation" tftüher„Friedens- Warte"): „Interessant find dee Darlegungen des Freiherrn v. Tepper- Laski über die Ausgaben des Bundes in seinem im»Freien Wort" veröffentlichten Interview. Auf die Frage, ob er für sich und seine Gesinnungsgenossen in Deutschland nicht eine Isolierung fürchte, gibt v. Tepper-Laski folgende mutige Antwort:„Wenn Sie jeden Menschen, der nicht Kriegsmaterial liefert oder in den Redaktionen„patriotischer" Zeitungen sitzt oder diesen nicht intellettuell zum Opfer gefallen ist, unter vier Augen fragen, ob er den Weltkrieg rückgängig machen möchte, so können Sie die Verneiner wohl alle in einem Sanatorium unterbringen. Die größten Kriegsschreier sitzen nämlich zu Hause und besonders unter den für dauernd militärdienstuntauglich be- fundenen Redakteuren gewisser Zeitungen." Das ist mutig, denn solche Aeußerung macht einen für das schmückende Beiwort„Deutschenseind" geeignet. Aber dieses von den Chauvinisten verschwenderisch gegebene Wort wird bald zu einem Ehrentitel werden. D a s d e u ts ch e V o l k si e h t immer deutlicher, wo seine Feinde sitzen, und wer jene sind, die seine wahren Freunde mit diesem Titel stigmattsieren wollen.' Die„Freisinnige Zeitung", der wir diese Mitteilungen entnehmen, bemerkt dazu ärgerlich: „Einer Randbemerkung zu diesen Auslaffungen glauben wir überhoben zu sein." „Sozialdemokratische oder sonstige staatsfeindliche Bestrebungen." Die Erfurter„Tribüne" berichtet: „Obwohl in dieser schweren Zeit die organisierte Arbeiterschaft ihre Pflicht der Allgemeinheit gegenüber nach jeder Richtung hin er- füllt hat und durch die sozialen Leistungen der Gewerkschaften mancher durch den Krieg verursachter Notstand gemildert worden ist, haben sich manche Behörden immer noch nicht dazu verstehen können, die volle Gleichberechttgung der Arbeiter auf dem wichtigen Gebiete des Arbeitsverttages durchzuführen. So ist im Februar 1915 ein Neudruck der Arbeitsordnung für alle Arbeiter im Bereich der preußischen Feldzeugmeisterei angefertigt und jetzt an die Arbeiter ausgehändigt worden, die in ihrem ersten Teil folgendes bestimmt; Von der Einstellung sind Personen ausgeschlossen, die sozialdemokratischen oder sonstigen staats« serndlichen Bestrebungen Vorschub leisten oder von denen vorauszusetzen ist, daß sie den Frieden zwischen Be- Hörden und den Arbeitern oder der Arbeiter untereinander stören wollen. An einer anderen Stelle der Arbeitsordnung heißt es: Während eines Zeitraumes von vier Wochen ist die Ein- stellung eine vorläufige. Dieser Zeitraum wird dazu benutzt, die persönlichen Verhältnisse des Arbeiters und seine Leistungsfähigkeit sorgfältig zu prüfen und festzustellen; während desselben kann der Arbeiter jederzeit ohne Kündigung und Angabe von Gründen entlassen werden oder seinerseits die Entlassung nehmen. Da jeder Arbeiter eine Erklärung unterschreiben muß, daß er von den Bestimmungen der Arbeitsordnung Kenntnis ge- nommen habe und sich ihr unterwerfe, so bedeutet das nichts anderes, als eine Verzichtleistung auf die freie Ausübung staats- bürgerlicher Rechte, der sich der Arbeiter unter dem Zwange der Verhältnisse nicht entziehen kann. Die Erfahrung hat noch immer gelehrt, daß, wenn in derartigen Arbeitsverträgen von „sozialdemokratischen Bestrebungen, die den Frieden stören" die Rede ist, stets die gewerkschaftliche Betätigung gemeint ist, die auf eine Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse abzielt. Ein gesetzlich gewährleistetes Koalitionsrecht existtert also in den staatlichen Betrieben im Bereich der preußischen Feldzeugmeisterei immer noch nicht— auch nicht in dieser ernsten Zeit." Das Ergebnis der austerordentlichen Tagung des sächsischen Landtags. In einem Rückblick auf die Verhandlungen schreibt die „Leipziger V o lks z eitun g": „Das positive Ergebnis der vierwöchigen Beratungen ist nicht viel wert. Die sozialdemokratischen Anträge zum Wahlrecht wie zur Steuersrage wurden zwar beraten, aber glatt ab- gelehnt. Der sozialdemokratische Antrag auf Erweiterung und Sicherung der Kriegsfürsorge wurde zwar in allgemeine Vorberatung genommen, in der Deputation kam aber die wichtige Materie über die Anfangsberatung nicht hinaus. Die sozialdemokratische Jnterpellatton wegen der Versammlungsverbote zu beantworten, hat die Regierung unter Berufung auf den Belagerungszustand ab- gelehnt. Einen darauf von der sozialdemokratischen Frattion ein- gebrachten Antrag, der die Regierung ersuchte, flch im Bundesrate für die Aufhebung des Kriegszustandes zu ver- wenden, damit der verfassungsmäßige Zustand wieder hergestellt werde, hat das Präsidium überhaupt nicht zur verhand- lung gestellt. Es ist nur erreicht worden, daß die Regierung in der ersten außerordentlichen Deputation, die über die Ernährungsfrage beriet, auf eine sozialdemokratische Anfrage nach den Gründen des Verbots von Versammlungen, die sich mit der Volksernährung und dergleichen befassen sollten, ihre alte Er- tlärung abgab, daß sie nach Aufhebung des Vereins- und Ver« sammlungsrechts wie des PretzgesetzeS in diesen Fragen nicht zu- ständig sei. Man steht, die sozialdemokratische Fraktton und das arbeitende Volk haben keinen Grund, mit besonderer Befriedigung auf diese außerorgentliche Tagung zurückzublicken." Die badischen Eisenbahner und die staatliche« Teuerungszulagen. In der„Mannh. Volks st imme" lesen wir: Die Bezirksobmannschaft Mannheim des Bad. Eisen« bahnerverbandes hatte auf den letzten Sonntag eine Ver. s a m m l u n g einberufen, die sich mit der Frage derTeuerungs« z u l a g e bezw. der zu Beginn dieses Monats dieserhalb durch die Tageszeitungen gegangenen halbamtlichen Mitteilungen befaßte. Nach ausführlichem Referat wurde eine Resolution gefaßt, deren Schluß wie folgt lautet: „Die Versammlung richtet an Großh. Regierung das Er- suchen um eine alsbaldige Revision der Bestimmungen über die> Kriegsteuerungszulage etwa in der Weise, daß nicht nur die Höchstgrenze des Einkommens bis zur Versagung der Zulage denjenigen der größeren Städte gleich- gestellt und somit bis zum Beginn des pfändbaren Einkommen» erhöht, sondern auch unter Berücksichtigung der Mannheimer Verhältnisse die Ortszulage für Mannheim außer Berechnung gelassen wird, da diese in normalen Zeiten eine notwendig erhöht« Vergütung ist über diejenige an- _ derer Orte.der gleiche Oxtsklage, Alle berufenen Stellen haben den Leistungen des Eisenbahn- Personals im Interesse der Landesverteidigung uneingeschränktes Lob gezollt. Stellt der Eisenbahnerftand im Verhältnis zu anderen Berusssiänden zum aktiven Militärdienst auch einen Verhältnis- mäßig geringeren Prozentsatz, so ist der Eisenbahndienst und pflichtbewußtes zuverlässiges Eisenbahnpersonal für die Schlag- fertigkeit des Heeres in gleichem Maße unentbehrlich wie ein guter Truppenteil."_ Keine Obstausfuhr? Die„Kreuz-Zeitung" glaubt auf Grund von Er- kundigungen an zuständiger Stelle feststellen zu können, daß die Ausfuhr heimischen Obstes verboten ist und daß eine Ausfuhrerlaubnis für frisches Obst unter keinen Um- ständen erteilt wird. Vom 1. Juli ab ist auch die Aus- fuhr von frischen Kirschen, die bis Ende Juni ge- stattet war, untersagt und gesperrt. Wirtschaftliche und politische Angliederung. Die Bedenken gegen große Wirtschaftsverbände werden in dem Leitartikel des Schweizer„Bund" vom 15. Juli vor- gebracht. Die ohne eigenen Willen erfolgte Hineinziehung der Schweiz in den wirtschaftlichen Krieg bringe ein begreifliches Interesse an den wirtschaftlichen Kriegsereignissen und an den wirtschaftlichen Kriegszielen der Kriegführenden mit sich. Man müsse in der Schweiz versuchen, sich mit den Vorzeichen der kommenden Entwicklung vertraut zu machen. Der künstige Frieden könne auch seine Gefahren bringen und müsse die Schweiz wirtschaftspolitisch geschlossener finden, als es der Krieg tat. Da das Land ein Erzeugnis des politischen Gleichgewichts der Nachbarn sei, so könne jede ausgesprochene Vorherrschaft es gefährden. Ein Einblick in die wirtschaftspolittschen Verschiebungen Europas und ein Rückblick auf die Geschichte früherer Wirtschaftsverbände sei um so nötiger, als der Schweiz hin und wieder der Anschluß an einen solchen empfohlen worden sei. Im Ausammenhang der geschichtlichen Erörterungen, be- fonders über den Zollverein, wird nun betont, wie eng der Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher und politischer Vereinigung sei. Ein kleiner Staat, der e i n e w ir ts ch a f tli ch e V er e i n i g u n g mit einem großen eingehe, werde politisch aufgesogen. Deshalb werde jetzt das Interesse dafür wach, was bei Vollzug des mitteleuropäischen Wirtschafts- Verbandes aus den kleinen Nachbarstaaten werden würde. „Ansichten sind laut geworden; von Absichten zu reden, wäre noch verfrüht." Die Gemeindewahlen in Holland. Aus Amsterdam schreibt man uns: Die Gemeindewahlen sind nun zum Abschluß gebracht. Die Arbeiterpartei kann mit ihrem Ergebnis im großen und ganzen zu- frieden sein, besonders in der Provinz, wo mancher Gewinn erzielt wurde. Dagegen brachten die zwei größten Städte— Amsterdam und Rotterdam— eine Enttäuschung. In Amsterdam ging sogar im zweiten Wahlgang das Mandat des Parteisekretärs Genossen Kuikhof im 9. Bezirk verloren— ein Verlust, der durch den mit Hilse der sreifinnigen Demokraten erlangten Gewinn des zweiien Mandats ini 2. Bezirk nicht aufgewogen wird. Denn Amsterdam IX ist der ani stärksten bevölkerte, vorwiegend vom Proletariat bewohnte Sladtbezirk. Die Ursachen dieser Schlappe sind in verschiedenen Umständen zu suchen. Sicher hat der Krieg mitgewirkt, besonders die Enttäuschung der Massen über die Sozialdemokratie in den anderen Ländern. Die politische Müdigkeit war in allen Volksschichten unverkennbar. Die Wahl- beteiligung war gering, und es ist noch ein gutes Zeichen, daß die bürgerlichen Parteien zumeist noch mehr Stimmen verloren haben als die Arbeiterpartei. Jedenfalls war die Stimmung nicht derart, daß der Entschluß der Arbeiterpartei, den Burgfrieden auf der ganzen Linie preiszugeben, frohen Widerhall in den Massen gefunden hätte. Für die engere Wahl hat dann die Ar- beiterparlei Abkommen mit bürgerlichen Parteien getroffen, so in Amsterdam in drei Bezirken mit den Freisinnig-Demokraten.— Die S. D. P. hat sich in den großen Städten gleichfalls an der Wahl beteiligt und stellenweise nicht unbeträchtliche Stimmenziffern erreicht, namentlich in Amsterdam IX, wo die Syndikalisten für sie zur Urne gingen. Der Arbeiterpartei hat fie schwerlich eine Ein- büße verursacht._ Ter kommende Wirtschaftskrieg. Die Tagung des deutsch-österreichisch-ungarischen Wirtschasts- Verbandes und die dort beschlossene Resolution haben als Alarm- rufe in England gewirtt. So schrieb die„Morning Post": „Das britische Reich sollte sich mit Frankreich, Italien und Rußland über wirtschaftliche Maßregeln zum Schutz gegen die Mittelmächte einigen. Italien und Rußland haben schon früher unter der wirtschaftlichen Invasion der Deutschen gelitten. Viele italienische Industrien befinden sich noch heute in den Klauen deut- scher Kapitalisten. In Rußland haben sich die Deutschen insolent betragen, weil sie sich als Herren der Wirtschaft fühlten. Auch in England drohten die Dinge schlecht auszugehen, weil London, Manchester und die anderen wirtschaftlichen Zentren zum großen Teil in den Händen von Deutschen waren. Auch heute ist der Einfluß der Deutschen in England noch unheimlich groß und wirkt unterirdisch für unsere Vernichtung. Nach Frankreich haben die Deutschen ihre Vortrupps von Spionen entsendet, so daß die Champagne zum großen Teil germanisiert war. ehe die feindlichen Heere einrückten. Das sollte von unseren Staatsmännern begriffen werden. Es müssen die nötigen Schritte getan werden, um einen neuen Wirt- schaftlichen Einbruch der Zentralmächte zu verhüten." In dem Hohlspiegel des Londoner Blattes verzerren sich die Tatsachen. Aber zurück bleibt der Wille zum handelspolinschen Widerstand. Und man denke ja nicht, Rußland oder England würden wirtschaftlich keinen Widerstand leisten können Rußland kann in der Verzollung der zu Wasser und zu Lande ein- geführten Güter differenzieren und so zum Dank sür die Anleihen in der Londoner City die Einfuhr aus England fördern. In Großbritannien selbst kann die Schutzzoll- bewegung, die an sich aus fiskalischen Gründen neue An- Hänger gewinnen wird, leicht übermächtig werden, weil sie die stärkste Art der Wiedervergeltung ist und ausgezeichnete Kompensationsmöglichkeiten gibt. Der geltende deutsche Zolltarif sucht durch Spezialisierung der Warengruppen den deutschen Unter- Händlern mehr Kompensationsobjekte zu geben und den Mit- genuß von Sondervocteilen, die einem Staate mit Rückficht auf besondere Erzeugnisse seiner Wirtschast gewährt wurden, dritten nicht gerade genau dieselben Waren erzeugenden Staaten zu ver« sagen. Schon dieser Tarif hat die englische Schutzzollbewegung mächtig gefördert. Soll mit Gewalt der fteie englischeMarkt deutschenProduklcn gesperrt, der deutsche Export nach Rußland geschmälert werden? Wobei immer w bemerken ist, daß nach Rußland und England fast ein Viertel, nach Oesterreich-Ungarn aber nur ein Zehntel nnserer Ausfhru geht! Unterrichtszwang fiir unterstützte Arbeitslose in Srüssel. Aus A m st e r d a m wird uns geschrieben: Eine ganz neuartige Einrichtung ist vom Brüsseler Gemeinderat geschaffen worden: der obligatorische Fachunterricht für unter st ützte Arbeitslose. Das Verdienst an dieser bedeutungsvollen Reform kommt Genoffen Camille H u y s m a n s zu, der den ausführlichen Entwurf ausgearbeitet hat. Das nationale Unterstützungs- komitee hat den Plan jetzt auf ganz Belgien ausgebreitet. Es handelt sich darum, die belgischen Arbeiter vor der Ver- Minderung ihrer technischen Fähigkeit infolge der langen Ar- beitslosigkeit zu bewahren und sie für die Aufgaben des Wirt- schastlichen Wiederaufbaues fähiger zu machen. Das Grundprinzip der Einrichtung ist: Alle Arbeitslosen, Männer und Frauen von 14 bis 40 Jahren, haben nur dann Anrecht auf Arbeitslosenunter- stützung, wenn sie dem für sie bestimmten Unterricht bei- wohnen. Die von den Ingenieuren der belgischen Staatsbahnen angestellte statistische Untersuchung hat für Brüssel 57 000 Arbeitslose ergeben. Darunter 73 Proz. aus der Bekleidungs-, Metall- und Holzindustrie und dem Baugewerbe.— Diese Tausenden wurden nach Geschlecht, Alter und Beruf in ver- schiedene Kategorien eingeteilt. Die Analphabeten werden in Elementarschulen, die technisch am meisten fortgeschritttenen in die bestehenden Gewerbeschulen geschickt. Die übrig bleibende große Mehrheit wird den: neu eingerichteten Fachunter- r i ch t zugeteilt, der in Flämisch und Französisch erteilt wird. Er umsaßt drei Lehrfächer: 1. Grundsätze der Technologie oder Fachzeichnen. 2. Arbeitshygiene. 3. Arbeitsrecht. Sehr merkwürdig ist die Zusammensetzung des Lehrkörpers. Dieser besteht für den ersten Kurs «Technologie) aus Arbeitern und Unternehmern von 16 Ge Werbegruppen. Im Augenblick sind schon 4M Lehrer angestellt, darunter meistens Arbeitslose. Der Unterricht in den beiden anderen Fächern wird von Aerzten und Advokaten— ebenso unentgeltlich wie von der ersten Gruppe— erteilt. Alle Kurse für ein Gewerbe werden in einem Schul- lokal erteilt, was den Lehrern die Gelegenheit bietet, mit einander in Verbindung zu treten und gemeinsame erzieherische Richtlinien festzustellen. Es bestehen 16 Schulen, in jeder Klaffe sitzen 30 Schüler für den ersten und 60 für die beidcn anderen Kurse. Die Direktion besteht aus 16 Personen: 4 Gemeindeschöffen, 4 Gemeinderäten, 4 Vertretern der Konfessionen und 4 angesehenen Bürgern. Das ausführende Komitee zählt 5 Mitglieder, darunter Huymans. Daneben steht ein Beirat von Inspektoren. dem 2 Ingenieure, zwei Frauen, ein Advokat und ein Arzt angehören. Der Schuldirektor wird von den Lehrern vorgeschlagen. Neben jedem Lehrer steht ein Inspektor für den Schulbesuch. Diese komplizierte Organisation ist in wenigen Wochen aufgebaut worden. Sie ist auch in ihren Unterteilen praktisch geregelt. So sind z. B. die Handelsangestellten in drei Kate- gorieu eingeteilt, von denen die oberste mit der Buchhaltung der 16 Schulen betraut ist. Das nationale Komitee hat nun einen Verwaltungs- ausschuß zur Ausdehnung des Unterrichts auf ganz Belgien ernannt. Genosse Huysmans gehört diesem Ausschuß gleich- salls an. Um was für ein ungeheueres Werk es sich da handelt, geht aus der Tatsache hervor, daß in Belgien derzeit über 700000 unterstützte Arbeitslose gezählt werden. Zu den Kosten hat das Nationalkomitee eine Million beigesteuert, der bekannte Großindustrielle und Philantrop Solvay eine zweite. Das in seiner Großartigkeit einzig dastehende Bildungs- unternehmen, das unter so furchtbar schwierigen Verhältnissen errichtet wird, verdient überall die größte Beachtung. Besonders nach den unglaublichen Torheiten, die man seit einem Jahr in so vielen deutschen Blättern über die „kulturelle Rückständigkeit" und die„organisatorische Unfähig- keit" der Belgier zu lesen bekommen hat. Die Initiative und der führende Anteil, den Genosse Huysmans hierbei ge» nommen hat. gereicht ihm und mit ihm der ganzen belgischen Arbeiterpartei zur Ehre. Mus der Partei. Eine Erklärung des Internationalen Sozialistischen BnreanS. Der Parteivorstand schreibt uns: „Het Volk", das holländische Parteiorgan, bringt in seiner Nummer Pom 12. Juli eine Erklärung des Sekretariats des Internationalen Sozialistischen Bureaus, das gegenwärtig seinen Sitz im Haag hat, in der auf den Aufruf des deutschen Parteivorstandes über„Sozialdemokratie und Frieden" vom 23. Juni Bezug genommen wird. In dieser Erklärung heißt es, man könne aus unserem Manifest den Schluß ziehen, „als ob auch die belgische Partei sich geweigert habe, an einer außerordentlichen Sitzung des Exekutivkomitees des I. S. B. teilzunehmen, in der untersucht werden sollte, ob eine Gesamt- sitzung mit der Tagesordnung„Einleitung einer Friedens- aktion" möglich wäre. Das Gegenteil sei wahr". In unserem Aufruf ist über die Haltung des belgischen Parteivorstandes zur Einberufung einer Sitzung des I. S. B. tatsächlich gar nichts gesagt. Es war uns schon im März mit- geteilt worden, daß Mitglieder des belgischen Parteivorstandes mit deni Exekutivkomitee des I. S. B. verhandelt hatten. Bei diesen Verhandlungen erklärten die belgischen Partei- Vorstandsmitglieder u. a., wie uns damals mitgeteilt wurde, daß vom Frieden erst geredet werden könne, wenn der deutsche Militarismus vernichtet sei. PLus II. lieber Annexionen hat sich Genosse Abg. Geck«der Nachfolger in Franks Reichstagsmandat) amDonnerstag im sozialdemokratischen Verein zu Mannheim ausgesprochen. Die„Freisinnige Zeitung" berichtet darüber nach der„Mannheimer Volksstimme": Er meinte, daß uns nichts dazu zwinge, schon jetzt diese Dinge in den Vorder- grund der Diskussion zu schieben, zumal da wir noch gar nicht wüßten, ob wir überhaupt einmal zum Annektieren kommen wer- den. Wenn die militärische Lage sich aber, was er hoffen wolle, für uns so günstig gestalten sollte, warum wollten wir schon heute dex Negierung jedes Annektieren— in jedem räumlichen Umfang und in jeder Form— grundsätzlich verbieten, ganz abgesehen davon, daß eine Art der„Annexion" nicht etwa die einfache Eingliederung fremder Staatsgebiete in den Verband des Reiches bedeute, sondern den zu annektierenden' Volksteilen weitgehende Selbständigkeit und Freiheit ließe. „Wozu der deutschen Regierung schon jetzt die Hände binden? Fast alle deutschen Kolonien, darunter die tvertvollsten, sind heute schon vom Feinde weggenommen, und die Möglichkeit, sie uns mit Waffengewalt zurückzuholen, ist völlig aus- geschlossen. Wie wollten wir also wieder in den Besitz dieser für die Zukunft Deutschlands doch wichtigen Gebiete gelangen, wenn wir in den Friedensverhandlungen die von uns besetzten feindlichen Bezirke in Belgien, Frankreich und Rußland nicht zum mindesten als Kompensationsobjekte in die Wagschale zu werfen hätten, son- dern wenn unsere Gegner von vornherein genau wüßten: Ihr dürft ja Belgien, Nordfrankreich, Nussisch-Polen, Litauen usw. nach dem Willen eures Volkes unter keinen Umständen behalten, wir haben also nicht den mindesten Anlaß, die euch weggenommenen Gebiete wieder zurückzugeben! Hieße eine solche Politik der theo- retischen Phrase nicht einfach jeden Trumpf aus der Hand geben? Zudem sind die grundsätzlichen Annexionsgegner in der Partei ja nur gegen deutsche, nicht auch gegen französische, englische, russische usw. Annexionen. Dagegen, daß die französischen Sozia- listen die Lostrennung Elsaß-Lothringens vom Deutschen Reiche— einer rein deutschen Provinz, die man einst mit Gewalt wegge- nommen hat— als etwas geradezu Selbstverständliches betrachten, daß man uns sogar das ganze linke Rheinufer, wenn nicht noch mehr, ganz Ost- und Westpreutzen, die Provinzen Posen und Schlesien, vielleicht auch noch die Mündungen der Elbe und Weser wegnehmen will, ist bei unseren Annexionsgegnern noch kein Wort der Entrüstung laut geworden. Aber so ist es oft bei uns, und ich habe deshalb oft Stunden tiefer seelischer Bitternis durch- gemacht, wenn ich mit ansehen und hören mußte, wie gewisse Leute am feindlichen Ausland immer alles gut und entschuldbar fanden, während sie für die Dinge im eigenen Lande nur stets Tadel, Hohn, ja Verachtung und Haß übrig hatten, und ich habe mich oft dessen geschämt, weil ich mir dabei sagen mußte, daß bei einem Franzosen oder Engländer etwas Derartiges einfach unmöglich wäre. Zum Verfahren gegen die Genossin Luxemburg. Bekanntlich ist die Genossin Dr. Rosa Luxemburg in dem sonst nur für gemeine Verbrecher bestimmten„grünen Wagen' in das Frauengefängnis in der Barmmstraße zur Verbützung ihrer politischen Strafe transportiert worden. Auf die von dem Rechtsbeistand unserer Genossin, dem Genossen Dr. Siegfried Weinberg, eingelegte weitere Beschwerde hat nunmehr auch der Minister des Innern dieses Verfahren gebilligt. Wie wir hören ist übrigens gegen die Genossin Luxemburg sowie gegen die Genossin Zetkin, den Genossen Mehring und die Genossen Berten und Pfeiffer in Düsseldorf ein neues Verfahren anhängig gemacht, das sich auf die in der Monatsschrift .Die Internationale" veröffentlichten Aufsätze stützt. Soziales. Kampf um die Unfallrente. Welch schwierige Wege Hinterbliebene oft zu wandeln lsaben, um entgegen irrigen ärztlichen Gutachten und Ent- scheidungen unterer Instanzen ihr Recht auf Rente zu er- ringen, zeigt wieder nachstehender, schließlich vom Reichsver- sicherungsamt zugunsten der Witwen und Kinder entschiedener Prozeß: Der Maurer Otto P. in L. stürzte am 16. März 1309 von einer Rüstung herunter. Nach der Unfallanzeige hatte er sich eine Ver- letzung am Hinterkopfe, des linken Beines und„innere Verletzungen am rechten Oberschenkel" zugezogen. Am 5. Juni 1912 ist P. an den Folgen der Vereiterung der linken Brusthöhle und der linken Niere verstorben. Die Witwe machte bei der N o r d ö st l i ch e n Baugewerks-Berufsgenossenschaft Ansprüche auf Hinterbliebenenrente für sich und ihre Kinder geltend. Sie wurde indessen mit ihrem Antrag abgewiesen, weil der Tod keine Folge des Unfalls sei. Das Leiden des P. stehe mit dem Unfall vom 16. März in keinem ursächlichen Zusammenhang. Die beim Ober- Versicherung samt eingelegte Berufung wurde von diesem zurückgewiesen. Das Oberversicherungsamt war der An- ficht, daß nach der Unfallanzeige nicht die Schlußfolgerung berech- tigt sei, daß auch Verletzungen an den inneren Organen statt- gefunden hätten. Der Vertrauensarzt der Berufsgenossenschaft habe „einwandfrei" ausgeführt, es könne sich überhaupt nur um eine leichte Verletzung gehandelt haben. Am 29. März 1899 habe ihn der behandelnde Arzt bereits„gesund" geschrieben. Der Tod hänge vielleicht mit der Rippenfellentzündung, nicht indessen mit dem Un- fallereignis zusammen. Und das, wiewohl ein anderes Gutachten sich für eine„große Wahrscheinlichkeit" des ursächlichen Zusammenhangs aussprach. Die Hinterbliebenen legten gegen die Enffcheidung des Oder- Versicherungsamts Rekurs beim Reichsversicherungs- a rn t ein. Das Reichsversicherungsamt erhob umfangreichen Beweis. Der Rekurs hatte Ersolz. Prof. Dr. O. sprach sich in seinem Obergutachten dahin aus, daß P. an einer chronischen Eiterung der linken unteren Rippen ver- storbenundmitgroßerWahrscheinlichkeitanzunehmen ist.daßdieErwerbS- Unfähigkeit und der am 6. Juni 1912 erfolgte Tod des P. durch die Folgen des Unfalles vom 15. März 1999 verursacht worden ist. Die Berufsgenosienfchast wurde verurteilt, den Hinterbliebenen die gesetzliche Entschädigung zu zahlen. In den Urteilsgründen deS erkennenden Senats des Reichsversicherungsamts heißt es u. a.: „Der bei der weiteren Beweisaufnahme vor dem RekurSgericht gehörte Unfallzeuge W. hat eidlich bekundet, daß P. bei dem Unfall auf die linke Brustseite gestürzt sei, sich die linken Rippen verletzt, sofort über starke Schmerzen in der linken Brust geklagt, starke Atemnot gehabt, sofort nach dem Unfall zu arbeiten aufgehört und von ihm geführt, nach Hause gefahren sei. Bor dem Unfall sei P. immer gesund und voll arbeitsfähig gewesen, nach dem Unfall habe er immer gekränkelt. Die Zeugin W. hat weiter bekundet, daß sie die Unfallzeige vom 18. März 1999 lediglich nach den Angaben deS Geschäftsführers des Unfallbetriebes der Trebbiner Kieswerke ausgeschrieben, und daß sie sich bei dem Vermerk zu 4a der Anzeig«: „Innere Verletzungen am rechten Oberschenkel" nichts weiter ge- dacht habe. Im Gegensatze zu der vorerwähnten Bekundung des Unfallzeugen W. hat der'erstbehandelnde Arzt Dr. B. zwar an- gegeben, daß er den P. in der Zeit vom 16. bis 29. März 1999 behandelt und damals als Diagnose der Unsallverletzung und ihrer Folgen in seinem Journal nur verzeichnet habe: „Verletzungen des linken Beines und Kopfes." Am 29. März 1999 fei P. wieder gesund geschrieben worden. Dieser Sachverständige hat aber weiter zugegeben, daß wenn der später behandelnde Arzt Dr. B. in B. alsbald nach dem 29. März 1999 bei P. Rippenbrüche festgestellt habe, er diese bei seiner Behandlung übersehen haben könne. Dr. B. hat dann weiter am 22. Februar 1914 erklärt, daß P. Mitte März 1999 bei ihm wegen Rippenbruchs und Kopfverletzung in BeHand- lung getreten sei. Der Geheime Medizinalrat Professor Dr. O. endlich hat in seinem Obergutachten vom 13. Mai 1914 dargelegt, daß P. an einer chronischen Eiterung im Bereich der linken unteren Rippe» gestorben und daß mit großer Wahr» schein lichkeit anzunehmen sei, daß die Erwerbs- Unfähigkeit und der am 6. Juni 1912 erfolgte Tod des P. mittelbar durch die Folgen seines Un- salls vom 16. März 1999 verursacht worden sei. Das Reichsversicherungsamt hat im Hinblick auf das den Klage» rinnen günstige Ergebnis der weiteren Belveisaufnahme kein Be» denken getragen, sich dem Obergutachten in allen Punkten anzu- schließen und hat dadurch im Gegensatze zu der Auffassung de« Oberversicherungsamt die Ueberzeugung gewonnen, daß der Tod des Ernährers der Klägerinnen durch seinen Unfall am 16. März 1999 ursächlich herbeigesiihrt worden ist." Gewerkschaftliches» Deutsches Reich. Das Baumwollverarbeitungsverbat und die Textilarbeiterschaft. Die Schädigungen, die das Baumwollverarbeitungsverbot zeitigen wird, bildeten den Gegenstand eingehender Erörterungen deS Bezirksausschusses der Amtshauptmannschaft Chemnitz, da in diesem Bezirk die Textilindustrie vorherrscht und ganze Gemeinden von derselben leben. Es wurde betont, daß schätzungsweise im Chemnitzer Bezirke 39 999 Arbeiter dadurch arbeitslos würden. Ueber diese würde die größte Not kommen und durch die zu zahlende Arbeitslosenunterstützung würde der Bezirk ungemein stark belastet. Um das schlimmste abzuwenden, habe sich die Amtshauptmannschaft an die Gewerbe- und an die Handelskammer gewendet, um mit deren Hilfe eine Milderung des Verbots herbeizuführen. Diese Möglichkeit sei gegeben. Wenn das wirtschaftliche Interesse es erfordere, könnten Ausnahmen gestattet werden. Die Gewerbe- und Handelskammern sind mit dem sächsischen Ministerium des Innern in Verbindung getreten und gegenwärtig finden in Berlin Verhandlungen statt, an denen auch Sachverständige aus dem Chemnitzer Bezirke mit teilnehmen.— Weiter bemerkt« der Amtshauptmann, daß auch die T e x t i l a r b e i t e r s ch a f t deS Bezirks sich rühre. Es sei in Aussicht genommen, Besprechungen und Versammlungen wegen des Verbotes abzuhalten. Er wolle nicht, daß weitere Beun- ruhigung in die Arbeiterschaft hineingetragen werde, deshalb werde er von den Rednern die Manuskripte der Referate einfordern und wenn diese nicht eingereicht würden, die Bersamm- lungen verbieten. Der Amtshauptmann bat schließlich die Fabri- kanten, die Arbeiter nicht gleich zu entlassen und gab der Hoffnung Ausdruck, daß durch die Verhandlungen eine Milderung des Verbots herbeigeführt werde. Aus der sächsischen Lausitz wird gemeldet, daß auch der dortigen Frottierwarenindustrie durch das Verbot ernste Schwierigkeiten drohen. Es ist zu befürchten, daß fast sämtliche Betriebe schließen müssen. Die Firmen haben an das Ministerium ein Gesuch ge- richtet, daß ihnen die Aufarbeitung der Vorräte gestattet wird, da- mit di» Schließung nicht plötzlich erfolgen muß. Mark für die Arbeit einer Woche! Unter den verschiedenen Elendsindustrien der Heimarbeit nimmt das Tüte»kleben zufolge der Konkurrenz der Gc- fängnisarbeit eine besonders tiefe Stelle ein. In Norddeutsch- land ist diese Tätigkeit als Heimarbeit in größerem Umfange in Luckenwalde zu Hause. Sie wird so schlecht bezahlt, daß, wie der Vorsitzende der dortigen Buchbinderzahlstelle angibt, nur d i e allergrößte Not eine Familie zur Aufnahme dieser Bo schäftiguna zwingen kann. Für 1999 Spitztüten, Viertelpfund- größe, zahlen die Unternehmer in Luckenwalde 35— 49 Pf. Das war bisher die in Deutschland für diese Arbeit übliche elendeste Bezahlung. Jetzt ist dieser Schundlohn unter dem Deck- mantel der Kriegswohltätigkeit noch übertroffen worden. Die Buchdruckerei Feller Nachfolger in D a n z i g bc- schäftigt eine Anzahl Kriegerftauen zu Hause mit Tütenklcbcn. Für 1999 Viertelpfundtüten zahlt die Firma 25 Pf. Den Kleister und den Bindfaden zum Bündeln der Tüten müssen sich die Frauen dazu noch selber kaufen, während ihn in Luckenwalde die Unternehmer liefern. Bei dieser Bezahlung sind die Frauen buch- stäblich nicht imstande, das trockne Brot zu verdienen. Eine Krieger- frau hatte z. B. vom frühesten Morgengrauen bis in die späten Abendstunden hinein gearbeitet und in einer Woche 4399 der frag- lichen Tüten fertig gebracht. Sie erhielt dafür ganze 1,39 M. Die Kriegerfrauen wagen nicht, sich dieser Ausbeutung zu ent- ziehen, denn die Arbeit ist durch die„Kriegshilfc" vermittelt.— Wem wird hier wohl Kriegshilfe geleistet? Den Frauen, deren Männer draußen auf den Schlachtfeldern Galiziens und Flanderns kämpfen, doch wohl kaum! Die freien Gewerkschaften Münchens nach elf Kriegs« monaten. In das neu erscheinende Jahrbuch des Bayerischen Statistischen Landesamtes soll auch eine Uebersicht über Höhe und Art der von den größeren Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbänden Bayerns seit Kriegsausbruch bis 1. Juli 1315 betätigten Kriegsfürsorge- leistungen Aufnahme finden. Das Amt hat sich zu diesem Zwecke auch an die fteien Gewerkschaften Münchens mit dem Ersuchen gewendet, eine Zusammenstellung der in Betracht kommenden Lüftungen(Arbeitslosenunterstützung, Unterstützungen der Familien von Kriegsteilnehmern, Liebesgaben) für die abgelaufenen elf Kriegsmonate zu geben. Aus der zu diesem Zwecke gefertigten Statistik sind folgende bemerkenswerten Feststellungen vo.» Interesse. Von den freien Gewerkschaften Münchens waren bis 1. Juli 1915 im ganzen 22 614 Mitglieder zum Kriegsdienst eingezogen. In den 11 Kriegsmonaten wurden ausbezahlt a« Arbeits» losenunter stützung 532 391 M., an Unterstützungen für die Familien von Kriegsteilnehmern 318 579 M.: die Summe für ins Feld gesandte Liebesgaben beläuft sich auf 13 218 M. Die größeren Organisationen waren dabei wie folgt beteiligt, wobei die Ziffern der Reihenfolge nach die Zahl der Ein- gezogenen, die Arbeitslosenunterstützung und die Familienuntcr- stützungen bezeichnen: Bauarbeiter 2531— 127 454 M.— 42 882 Mark; Brauerei- und Mühlenarbeiter 1168— 3989 M.— 58 958 Mark; Buchdrucker 1999— 119 692 M.— 8344 M.; Fabrikarbeiter 1499— 24 771 M.— 12 877 M.; Gemeinde- und Staatsarbeiter 633— 5925 M.— 9315 M.; Holzarbeiter 1699— 76 795 M.— 21931 M.; Metallarbeiter 4829— 61455 M.— 63 977 M.; Transportarbeiter 2869— 3811 M.— 14 948 M. Wie diese Ziffern ersehen lassen, wurden von den einzelnen Organisationen trotz des großen Abganges von Mitgliedern und des dadurch bedingten Einnahmenrückganges ganz bedeutende Summen für die durch den Krieg in Mitleidenschaft gezogenen Mitglieder und ihre Familien aufgewendet. Muslanö. Generalstreik der spanischen Seeleute. Paris, 19. Juli. Das„Journal" meldet aus Madrid, daß die Schiffahrlsangestellten ihren Gesellschaften den Beginn des G e n« r a l- st r e i k« für den 28. Juli angekündigt haben. Um den Achtstundentag. Jn Drontheim in Norwegen streiken seit dem t. Juli die städtischen Arbeiter. Hauptsächlich sind es die Arbeiter bei der neuen Hasenanlage, der Kanalisation und des Gas- und Elektrizitätswerks. Die Forderungen der Arbeiter sind: Einführung des Achtstunden- tages und eines Mindestlohnes von 5 Kronen pro Tag, außerdem eine Zulage nach zwei Jahren von täglich 25 Oere. Die Dtadiver- Wallung bot ihnen 4,69 Kronen pro Tag und eine Arbeitszeit von 51 Stunden wöchentlich an. Dg eine Einigung nicht zu erzielen war. traten die Arbeiter in den streik. Auf Antrag des Gaswerkes beschlossen die Streikenden, täglich 49 bis 59 Kubikmeter Gas zu produzieren, damit der Bedarf der Krankenhäuser, der Aerzte und Zahnärzte gedeckt werden könne. Der Beschluß wurde unter der Voraussetzung gefaßt, daß die Anschlüsse der übrigen Gaskonsumenten unterbrochen und keine Streikbrecher auf dem Gaswerk beschäftigt würde». Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reichstagswahlkreis. Hente Dienstag, den 20. Juli, abends 8 Uhr: Vier Mitgliederversammlungen in folgenden Lotalen: 1 226/ 12* Mila- Säle, Schönhauser Allee 130. Pharus- Säle, Müllerstraße 142. Fraukes feftfäle, Badstraße 19. Pakenhofer Brauerei, Turmstr. 25/26. Tagesordnung: 1. Unsere Aufgaben und Forderungen. 2. Diskussion. Referenten: Reichstagsabgeordneter Georg Ledebour, Landtagsabgeordneter Heinrich Ströbel, Dr. Joseph Herzfeld und Luise Zieh. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 5. Berl. Reichstagswahlkr. Heute Dienstag, den 20. Juli, abends 19 Uhr: Der Vorstand. Für Feldsoldaten! Deutsch- Polnisch 15 Pfg. Deutsch- Französisch 15 Pfg. Mitglieder- Versammlung Tomteke, in den Unions- Sälen", Greifswalder Str. 221/223. Vortrag des Genossen Dr. Rud. Breitscheid. Ohne Mitgliedsbuch kein Eintritt. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwartet 222/ 15* Der Vorstand. Sozialdemokratischer Kreis- Wahlverein Niederbarnim. Bezirk Lichtenberg. Buchhandlung Vorwärts.. Berlin SO. 16. ,, Freier Bund" H.& P. Uder, Engel- Ufer 5. E. G. m. b. H. Bilanz per 31. Dezember 1914. Haupt- Niederlage der k. k. österr. Tabak- Regie. Zigarren Zigaretten Rauchtabake. Aktiva. Kassenbestand Bantguthaben. Brauereiguthaben Brauereiantei! Passiva. Mitgliederguthaben. Reservesondsfonto Genossenschaftskonto: ( Binjengutschr.). Reingewinn . . 55,98 24,10 2699,20 300,00 M. 3079,28 . 1658,49 . 1052,01 18,55 350,23 M. 3079,28 Gewinn: und Verlustkonto. Debet. Unkostenkonto Reingewinn . Kredit. Bortrag von 1914 Zinsenkonto • . . 45,40 350,23 M. 395,63 Nur für Wiederverkäufer zu Originalpreisen, Alleinverkauf der Fabrikate der Firma F. J. Burrus St. Kreuz Größte deutsche Rauchtabakfabrikation. Jahresproduktion über 5 000 000 Pfd. Rauchtabake Zigaretten- Spezialität: L'Algerienne. Verkäufe. Hermannplak 6.„ Pfandleihhaus". Extrabilliger Bettenverkauf, Wäscheverkauf, Gardinenverlauf, Teppich verfauf, Uhrenverkauf, Goldfachen. Spottbillige Jakettanzüge, Gehrocanzüge, Herrenhosen. Taschenbuch für Gartenfreunde Ein Ratgeber für die Pflege und fachgemäße Bewirtschaftung des häuslichen Bier, Gemüse- und Obstgartens von Mar Hesdörfer. Zweite vermehrte 105 Auflage. Mit 137 Tertabbildungen. 18 Preis 3,50 Mart. Expedition Bor 87 wärts, Lindenstraße. 215,28 180,35 M. 395,63 Die Mitgliegerzahl betrug am 1. Januar 1914 ausgeschieden sind. mithin Bestand am 31. Dezember Die Mitgliederguthaben haben sich um M. 125,00 vermindert. 104/5 beträgt am Jahresschluß Mr. 1740,00. Die Haftsumme aller Mitglieder Berlin, den 12. Januar 1915. Der Vorstand. F. Matthes. J. Greth. Theater für Dienstag, den 20. Juli. Deutsches Künstler- Theater. Lustspielhaus. 8%, U.: Die Schöne vom Strand. 8. U. Herrschaftl. Diener gesucht Herrschaftl. Diener gesucht * Teppiche mit einem Fehler, sehr billig. Gardinen, Portieren, Stepp billig. decken, Tischdecken, Diwandeden, sehr Vorwärtslejer 5 Prozent Rabatt. Teppichhaus Brünn, Hadescher Markt 4( Bahnhof Börse). 246/ 4* Ein Posten Teppiche mit einen Webefehlern tommt enorm billig zum Berkauf. Teppich- Lefevre, nur Dranienstraße 158. 238* Arbeitsmarkt. Stellengesuche. Dienstmädchen, jugendliche, für Meinen Brivathaushalt, nachmittags 4-7 Uhr im Zentralarbeitsnachweis, Abteilung für Hauspersonal, Eichhorn straße 1( Ede Potsdamerstraße), AltMoabit 38, Gormannstraße 13, Belle Allianceplat 5, Koppenstraße 1( arre Stralauerplaz). 250/3 Saubere, jüngere Frau sucht Auf oder Bureaureinigung. wartung Leuschner, Neukölln, Bodestraße 23 b. Stellenangebote. Schloffer auf Militärarbeit stellt ein Ed. Puls, Berlin- Tempelhof. Fräser auf Schirmgriffe verlangt Krafft, Blücherstraße 22. 20316 Steinmetz für Marmorarbeiten verlangt Biesenthalerstraße 10.[ 20306 Hausreiniger verlangt Markusftraße 36. † 112 Postkarten Zuschneider gesucht. points farbjehlerhafte Leppiche, Teppich- Thomas, Dranienſtr. 44 Boyle, Große Frankfurterſtraße 137. spottbillig Gardinen. Vorwärtslesern 5 Prozent Deutsches Opernhaus Charlottbg. Schiller- Th.Charlottenbg. Ertrarabatt. 8 Uhr: Der Bettelstudent. 8 Uhr: Alt- Heidelberg. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. 8%% U.: Kyritz- Pyritz. Kleines Theater. Theater am Nollendorfpl. 10* In Freien Stunden. Wochenschrift für das arbeitende Voll. Romane und Erzählungen. Abonnements, wöchentlich 10 Bf., nehmen alle AusProbehefte gratis. 81, U.: Immer feste druff! gabestellen des Vorwärts" entgegen Trianon- Theater. Mittwoch, den 21. Juli, abends 8%, Uhr, im Lokale von 8%, U. Ein kostbares Leben. 8, Uhr: Hannemanns Nachfolger. G. Tempel( Café Bellevue), Hauptstr. 2: Lessing- Theater. Mitglieder- Versammlung. Seine einzige Frau. 13/11 8. U. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Der Vorstand. Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter Filiale Groß- Berlin. Donnerstag, den 22. Juli, abends 8, Uhr pünktlich, im Gewerkschaftshaus( Saal 4), Eugelufer 15: General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Bortrag des Kollegen Frit Müntuer über: 25 Jahre Berl. Gewerkschaftsbewegung. 2. Geschäfts- und Kassenbericht vom 2. Duartal. 3. Verbandsangelegenheiten. Zutritt haben nur Mitglieder gegen Vorzeigung des Mits gliedsbuches. 34/20 Die Ortsverwaltung. Buchhandlung Vorwärts Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Wichtige Neuerscheinungen: Die deutsche Sozialdemokratie und der Weltkrieg Bon Dr. Paul Lensch Preis 1 Mt., ungefürzte Vereinsausg. 40 Dr. Aus dem Jnhalt: Imperialistische Politik der Groß. mächte in den lezten fünfzehn Jahren. Die englische Weltherrschaft und ihre Erschütterung durch den Krieg Der russische Zarismus Frankreich und der Krieg+ Deutsche Bergangenheit und deutsche Zukunft + Die * Internationalität und der Krieg Bon Karl Kautsky Sonderdruck aus der„ Neuen Zeit". Mit einem Vorwort Preis 50 Pf., Vereinsausgabe 20 Pf. Aus dem Inhalt: Internationalität und Neutralität* Parteidifferenzen im Kriege; a) Von 1854-66, b) Das Jahr 1870, c) Nach 1870 Gegenfäße des Friedens und Gegensäge des Krieges. Die Einigkeit der Internationale seit dem Burentrieg Die Schwierigkeiten der jezigen Situation Der Schrecken der Invasion Die Gefährdung der Internationale Die Grenzen der Internationale * * Speck- Ausverkauf. Bon Dienstag, den 20., bis Sonnabend, den 24. Juli, sollen 300 gentner prima Holsteiner magerer Landspeck im einzelnen von 5 Bid. ab zum Preise von 1,50 M., feiufte Qualität 1,65 M. per Bfund im Zaden Kantstraße 32, Charlotteuburg, zum Berkauf kommen. A. K. Brecht, Fleischgroßhandlung. Thalia- Theater. Möbel. * Möbel! Für Brautleute günstigste Gelegenheit, sich Möbel anzuschaffen. Mit fleiner Anzahlung schon Stube 8 Uhr: Eine verflixte Annonce. und ühe. An jedem Stück deutlicher URANIA Rose- Theater. Taubenstraße 48/49. Geschlossen. 11 WINDE BARTEN Preis. Jebervorteilung ausgeschlossen. Bei Krankheitsfällen, Arbeitslosigkeit anerkannt Rüdsicht. Möbelgeschäft Goldftaub, 3offenerstraße 38, Ede Gneisenaustraße. 29018* 8%, Uhr: Die Fliegerbraut. Umbauplüfchſofas 50,-, 65, Gartenbühne: Lieb Vaterland Chaiselongues 20 ,, 24, Englische Bettstellen 35,-. Tapezierer Walter, Stargarderstraße 18. Walhalla- Theater. 8 Uhr: Von Stufe zu Stufe. Gartenbühne Vorstell., Apollosänger. Voigt- Theater. 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Der von der Straßenbahn vorgeschlagene neue Staffeltarif kann in seinen Wirkungen erst dann beurteilt werden, wenn man genauer die Enisernungen kennt, die zukünftig für 10, IS und 20 Pfennig befahren werden können. Wesentlich für diesen Tarif sind die so- genannten Teilstreiken, welche die Grenzen für die Höhe der Fahr- preise darstellen. Ein Groß-Berliner Kommunalbeamter verbreitet sich in einer Zuschrift an die„B. Z. am Mittag" über diese Seite der Sache, indem er schreibt: „Wir alle finden es unnötig, daß man bisher von der Trift- straße in Britz 93 Minuten laug bis zum Nordbahnhos in Wittenau für 10 Ps. fahren kann, aber ob dieser äußerste Grenzfall des sonst so einfachen und ausgezeichneten EinheitStariss wohl schon bei einem der verehrten Leser praktisch geworden ist? Solche langen Strecken sind im Tarif wohl vorhanden, werden aber fast nie ausgenutzt. Wohl aber gibt es viele, die ihr Beruf und ihre Geschäfte nötigen, häufiger etwa vom Molkenmarkt bis an den Anfang von Britz zu fahren! diese werden künftig �nickt nur 15, sondern 20 Pf. für jede dieser Fahrten zahlen müssen. Daß man vom Potsdamer Platz bis Friedenau für 10 Ps. auch nach dem neuen Tarif fahren kann, ist richtig. Wer aber vom Friedenauer Kaiserplatz zu einem Geschäft in der Berliner König- straße wird fahren wollen, hat künftig wiederum 20 Pf. zu entrichten. Wem seine Geschäfte von der Wilmers- dorfer Straße nach der Leipziger Straße führen, wird gleich- falls in Zukunft 20 Ps. zu zahlen haben. Desgleichen kostet serner beispielsweise schon 20 Pf. eine Fahrt: vom Fehrbelliner Platz in Wilmersdorf(Reichsversicherungsanstalt fiir Angestellle) bis zum Dönhoffplatz, von Steglitz nach der Fricdrichstraße (Linie 59), von der RubenSstraße in Schöneberg bis zur Leipziger Straße(Linie 60>, vom Bayerischen Platz bis zur Rosenthaler Straße(Linie 52), oder von der Kaiscr-Allee in Wilmersdorf bis zum Stetliner Bahnhof(Linie 51), von Mariendors- Tempelhofer Grenze bis zum Werderschen Markr(Linie 73), von Tempelhof Dorf- Ecke Berliner Straße bis Rosenthaler Straße(Linie 35), vom Richardplatz in Neukölln bis zum Alexanderplatz(Linie 22, s�s, vom Treptower Ringbahnhof bis zur Potsdamer Brücke (Linie 87), vom Biktoria-Platz in Lichtenberg bis zum Leipziger Platz(Linie 76), vom Ringbahnhof Frankfurter Allee bis Jannowitzbrücke(Linie 77). Diese Beispiele lassen sich nach allen Richtungen des Groß-Berliner Straßenbahnnetzes leicht ver- vielfältigen, und auch für die Zehnpfennigstrecken ergibt sich durch die wieder sehr geschickt vom finanziellen Interesse der«kratzen- bahn gewählte Lage der Teilstreckenpunkie eine dem Bedürfnis in einer Unzahl von Fällen nicht entsprechende Kürze. So liegt z. B. in der Leipziger Straße nur ein Teilstreckenpunkt, die Ecke der Charlottenstraße. Der nächste nach Westen hin ist erst an der Linkstraße. Wer zwischen beiden Punkten aufsteigt, verliert bei Berechnung der S-Kilometer-Strecke ein erhebliches Stück. Die Hausfrauen, die mit Paketen stark beladen zwischen Leip- ziger Platz und Friedrichstraße ihre Einkäufe besorgt haben, werden in Zukunft für ihre Heimfahrt 20 Pf. anwenden müssen, wenn sie von der Leipziger Straße über die Kaiser-Eiche in Friedenau oder Schloß Weißens'ci hinaus(Linie 60, 61) fahren wollen, oder über den Zentralviehhos nach Lichtenberg hinaus müssen(Linie 66); ferner wenn ihr Heimsahrtsziel jenseits vom Ringbahllhof. Frank- sürter Allee liegt(Linie 69, 71) oder hinaus über die Prenzlauer Promenade(Linie 72), hinter dem Charlottenburger Amtsgericht (Linie 33,80), jenseits der Uhlandstraße Charlottenburg oder des Wismarplatzes Lichtenberg(Linie 76); wenn sie über die Bismarck- Ecke Wilmersdorfer Straße nach Westen hinausfahren müssen (Linie 64) oder mit der Linie 8 über die Müllerstraße nach Norden, oder über die Uhland- Ecke Berliner Straße nach Westen hinfahren müssen." Die„Deutsche Tageszeitung" wendet sich mit der Ueberschrist: „Der erste Schritt" in folgenden Darlegungen gegen die beabsichtigte Verteuerimg der Fahrpreise: „Die„Große Berliner hat in der Begründung ihrer geplanten Tariferhöhung u. a. auf die bevorstehende Konkurrenz der neuen Schnellbahnen hingewiesen. Sie spricht von mindestens acht Millionen Mark, die(bei einem Anlagekapital von 200 Millionen) diese Bahnen jährlich bringen müssen, die also von Feldern geerntet werden sollen, die die Große Berliner lieber fiir sich selber ab- ernten möchte, aber— nicht kann. Denn man darf nicht vergessen, daß diese Schnellbahnen zum größten Teile demjenigen Verkehr dienen sollen, den die Große Berliner zu bewältigen schlechterdings nicht in der Lage ist. Die Berliner Bevölkerung empfindet diese neuen Schnell- bahnen als Diener des öffentlichen Interesses, die Große Berliner begreiflicherweise als Wettbewerb in ihrer Privatwirtschaft. Dieser Widerstreit bestände natürlich nicht, wenn das Berliner Verkehrs« wesen von einheitlichen, rein gemeinnützigen Gesichtspunkten einer Groß-Berliner Verkehrspolirik geleitet wäre, statt widerstreitenden privatwirtschaftlichen Interessen ausgeliefert zu sein. Jetzt ergibt sich das sonderbare Bild: Die Große Berliner kann den Verkehr nicht mehr bewältigen. Man schafft Hilfe. Diese Hilfe wird da- durch bestraft, daß die Fahrgäste bei der Großen Berliner höhere Preise zahlen müssen. Mir andern Worten: Die Berliner Be- völkerung muß der Großen Berliner für die unerwünschte Kon- kurrenz— d. h. Verkehrsverbesserung I— geldlich aufkommen. Man kann die Frage aufwerfen: wo sich ein Betrieb sonstwo die „Konkurrenz" durch höhere Preise ausgleichen läßt. Sonst pflegt bekanntlich im Gegenteil die Konkurrenz die Preise herabzudrücken! Diese Umkehrung aller Erfahrungen ist so auffallend, daß man wohl berechtigt ist, dahinter etwas zu suchen und— zu finden. Es braucht ja gar keiner Prophetengabe, sondern einfach offener Augen. Die Große Berliner könnte und dürfte nach allen Regeln volkswirtschafllicher Erfahrung niemals wagen, in dem Augenblicke ihre Konkurrenzfähigkeit durch eine Preiserhöhung zu schwächen, wo sie sich von neuer schwerer Konkurrenz aufs empfindlichste bedroht fühlt, wie sie angibt. Das wäre ein Wideriprucb, der nicht zu lösen wäre, wenn man nicht eine Annahme voraussetzen wollte: daß die Große Berliner Straßenbahn es mit voller Sicherheil wagen kann, der neuen Konkurrenz mit— höheren Preisen die Stirn zu bieten. Das ist aber nur möglicb, wenn im Hintergrunde die Zuversicht besteht, daß auch die Konkurrenzunternehmungen allgemein ihre Preise erhöhen werden. Und man wird gewiß richtig raten, wenn man nach dieser Richtung hin vermutet. � Wie man dazu steht, ist gleichgültig; bei der wachsenden Aus- dehnung des Berliner Verkehrsnetzes mag man sie unter gewissen Bedingungen für berechtigt halten. Täuscht nicht alles, so scheint die jetzige Fahrpreiserhöhung der Großen Berliner der Vorläufer einer allgemeinen Verteuerung im Berliner Verkehrs- leben zu sein!" Die Begründung der Großen Berliner fordert auch nach anderen Richtungen zum Widerspruch heraus. Wir behalten uns vor, auf die Sache noch weiter zurückzukommen. /ins Groß-öerlin. üer wurmsuche. Heber die Parkwiese huschen im Dunkel des späten Abends gespenstische Lichter. Glühwürmer? Nein, dazu ist das Licht zu groß, zu hell und beweglich. An jedem der wie tastend sich fortbewegenden Blinkfeuer muß ein Mensch kleben. Hart am Boden kraucht das Licht. Für Augenblicke ver- schwindet der Lichtkern, wirft nur einen schmalen Kegel nach vorn. Also eine Blendlaterne, die uns den Rücken zu- kehrt. Aha, vielleicht eine nächtliche Razzia. Deshalb sind es ja auch mehrere Lichter. Am Vertrauen auf unsere „Bleibe" pürschen wir uns schnell näher heran, um etwas mehr von dem stets interessanten, wenn auch für die gesuchten Heimloscn hochnotpeinlichen Schauspiel zu erhaschen. Alles bleibt ruhig. Kein Hundegeläut, kein leises Kommando, keine Polizistenuniform.„Ausstehen.... mitkommen.... Sie sind verhaftet!" Nein, nichts davon ist zu hören. In der Stille der Nacht tanzen die geheinmisvollen Irrlichter wie ein Spuk weiter dahin dicht über dem Rasen und den Wiesenblumen. Zum Kuckuck, irgend etwas Lebendiges muß es doch sein. Etwa Diebe, die hier gestohlenes Gut vergraben? Wir sind unserer vier. Da kann man schon wagen, den erleuchteten Nachtschwärmern ins Gesicht zu sehen. Also vorwärts, im Gänsemarsch auf das Licht los. „He... holla... gut Freund!" Das Licht rückt nicht aus. bleibt nicht stehen, kommt jetzt langsam auf uns zu. Sollte doch eine Razzia im Gange sein? Na das wäre eine nette Bescherung, wenn man uns einlocht. Ein breiter Schatten taucht auf, ein Mann in gebückter Haltung, mit der elektrischen Taschenlampe emsig den Boden absuchend. Nun kommt uns der für einen Moment in die Hosentaschen gefallene Mut wieder... und der Humor. „Aber Männeken, was suchen Sic denn hier? Zwanzig markschcine mit'n Scheinwerfer?" Er war gemütlich, ver stand Spaß. „Eijentlich jcht et Sie ja woll nischt an, wenn ick�for die Wiese hier'n Erlaubnisschein habe. Aber weil Sc um Mitternacht noch so neujierich sind, sollen Sc et jernc wissen.., ick angele mit meine Latichtc Regenwürmer." Schallendes Gelächter. Regenwürmer... und wir Angst- Hasen hatten schon eine Razzia, Schutzleute, Diebe gesehen. „Wat ick damit mache? Vakoofen natierlich. Oder jlooben Se etwa, det ick bei die deiren Zeiten zu Hause een Chinesen- frühstück davon koche? Hier, passen Se mal Achtung, det sind in den Beutel mindestens 500 Stücker un Biester darunter, sage ick Ihnen, beinahe wie'n halba Arm lang. In eene Stunde jesammelt. Wenn't Jlick jut seht un de Witterung danach is, wer'n et ooch dausend Stück un noch niehr. Freilich, man muß jut kneistcn können. For Kurzsichtijc is det nischt. Aba man jewöhnt sich an det Jeschäft, wie de Katze in de Nacht ans Mausen. Wer uns die Beute abkooft? Die Vogelhändler, die Angler un ooch der Zoo for seine Vogelhäuser un det Aquarium. Ville jibts ja nich vor, aber in solche schlimme Zeiten wird der kleenste Verdienst mitjenommen. Bei Dage fangen wa natürlich andre Dinger... Frösche, Salamander, Blutegel, Schlangen un überhaupt allens, wat jagdfrei is und'n paar Jroschen Jeld bringt." Wir drücken dem Manne für seine freundliche Auskunst ein blankes Fünfzigpfennigstück in die Hand und staunten von neuem, was doch für selsamc Gewerbe die Großstadt und die Not züchtet.____ Reklamationen gegen unberechtigte Veranlagung zur Kirchensteuer. Uns gehen wieder Mitteilungen zu, nach denen Personen zur Zahlung von Kirchensteuern veranlagt worden sind, die seit Jahren aus der Landeskirche ausgeschieden sind. Ein Fall liegt uns vor, nach dem ein Eigentümer für das Jahr 1914 für seine Ehefrau Kirchensteuern zahlen soll, obwohl der Mann eine Frau nicht hat. Wir inachen darauf aufmerksam, daß in allen Fällen gegen die unberechtigte Veranlagung zur Kirchensteuer Einspruch eingelegt werden muß, da im anderen Falle die Steuer erhoben und im Weigerungsfälle zu Zwangsncitteln gegriffen wird. Militärtransporte in Vorortzügen. Zu erregten Auftritten kam es Montag vormittag auf dem Bahnhof Baumschulenweg. Der um 9 Uhr 14 Minuten nach Char- lottenburg abgehende Vorortzug läuft in der Regel bereits so über- füllt ein, daß die in Baumschulenweg einsteigenden Fahrgäste nur noch Stehplätze erlangen können. Am Montag vormittag waren nun zwei Wagen des Zuges mit Soldaten besetzt. Die Folge war, daß bei der Einfahrt deS Zuges in Baumschulenweg jeder freie Raum in den Wagenabteilen der dritten Klaffe mit stehenden Fahrgästen gefüllt, die Abteile förmlich gerammelt voll waren. Genau vorschriftsmäßig, ohne jede Ueberfüllung, waren lediglich die Wagen mit den Soldaten besetzt, die sämtlich saßen. Die auf dem Bahnhofe harrenden Fahrgäste wären nun herzlich froh gewesen, wenn sie die Stehplätze in den mit Soldaten besetzten Wagen hätten einnehmen können. Doch die Vaterlandsverteidiger verwehrten den Zivilpersonen den Eintritt in ihre Wagen, sie wollten offenbar durch Stehgäste nicht gestört sein. Mit den Soldaten zu rechten ist nicht möglich, aber der Bahn- Verwaltung mutz denn doch sehr energisch gesagt werden, daß, wenn mehrere Wagen eines Zuges ausschließlich von Militär in Anspruch genommen werden, sie dann gefälligst den Zug um eben so viel andere Wagen verlängern muß. Denn schließlich kann auch das Publikum beanspruchen, für sein gutes Geld in einer Weise befördert zu werden, die noch entfernt die Bezeichnung menschenwürdig ver- dient. Würde Vieh aus einem Transport so zusammengepreßt be- fördert, wie es in dem betreffenden Zuge mit Menschen geschah, würde jeder Tierschutzverein unweigerlich zugunsten der Tiere ein- schreiten. Und was schon dem lieben Vieh recht ist, sollte wirklich auch Menschen billig sein._ Eine gefährliche Passage. Sonntagnachmittag brach von dem Dache des Geschäftshauses Leipziger Straße 64 ein etwa 60 Kilo« gramm schweres Stück der Sandsteinverzierung ab und stürzte auf den Bürgersteig hinab, nachdem es einen Verbindungsdraht der Straßenbahn zerrissen hatte. Personen sind zum Glück nicht zu Schaden gekommen. Die Feuerwehr entfernte die noch am Dache befindlichen, losen Teile und beseitigte damit jede weitere Gefahr. Verwunderung erregte vorige Woche ein Vorkommnis in einem Pserde-Omnibuswagen der Linie 29. Auf der Strecke vom Rosen- thaler Tor nach der Frankfurter Allee stieg ein Soldat ein, der im Krieg seinen rechten Arm eingebüßt und am rechten Fuß eine Ver- letzung erlitten hatte. Weil dem Verwundeten das Bein schmerzte und der Wagen nur schwach besetzt war, legte er den Fuß auf den gegenüberliegenden Sitz. Bald darauf erschien jedoch der Schaffner. der ihm bedeutete, daß er das Bein nicht auf den Sitz legen dürsc. Eine daneben sitzende Frau gab ihrer Verwunderung auf diesen Ein- wand Ausdruck und meinte, daß man in einem solchen Falle den Mann doch gewähren lassen sollte, noch dazu, wenn genügend Platz im Wagen vorbanden sei. Der Schaffner verharrte jedoch auf seinem Einspruch. Jetzt ersuchte die Frau den Soldaten, das Bein auf ihren Schoß zu legen; diesem Ersuchen kam der Verwundete nach einiger Zeit auch nach, nachdem sich erneut Schmerzen einstellten. Daß eS allgemein ungehörig ist, wenn Fahrgäste, wer immer es auch sei, ihre Füße auf freie Sitze legen, brauchte nicht besonders betont zu werden. In einem Fall wie dem vorliegenden. kann wohl aber eine Ausnahme gemacht werden, selbst wenn der Schaffner strenge Anweisung hat.»ach den ihm gegebenen Vor- schriften zu handeln. Diese Auffassung wurde auch in dem Omnibus- wagen deutlich zum Ausdrück gebracht. Ein Schwindler in scldgrancr Uniform sucht anscheinend Lauben- kolonisten heim. Bei einem Laubeninhaber in der Kiefholzsiraße zu Treptow erschien nachts 11 Uhr ein Soldat, der um ein Nachtlager bat. Nach langem Zögern nahm ihn der Kolonist auf. Dem Fremden schien es wohl gefallen zu haben, denn er wußte den Gast- geber zu überreden, ihn noch einige Nächte bei sich zu behalten. Er habe Urlaub bekommen und stamme aus Fürstenwaldc, wo seine Mutter wohne. Der Laubenkolonist behielt den Fremden auch noch einige Nächte da. Als er jedoch eines Morgens Besorgungen zu machen hatte und heimkehrte, gewahrte er, daß der Soldat unter Mitnahme von sieben Kaninchen, einem Revolver und anderen Kleinigkeiten verschwunden war. Auf einem Zettel hatte er hinter- lassen, daß er das Vieh gefüttert habe und abends gegen 10 Uhr wieder zurückkomme. Der Schwindler, der sich„Paul" nannte, ließ sich jedoch nicht mehr sehen. Anscheinend wird derselbe auch wo anders seine betrügerischen Manipulationen versuchen. Gesangskonzert bei Verwundeten. Der Krieg hat durch zahlreiche Einberufungen der Mitglieder auch in unsere Arbeitersängcrchöre erhebliche Lücken gerissen. ES kann daher nur begrüßt werden, daß in dieser Zeit die noch leistungsfähigen Chöre bei Gcsangsveranstal- tungen sich zu gemeinsamem Wirken zusammenfinden. Am Freitag, den 30. I u l i, abends 8 Uhr, gibt der „Frauen- und Männerchor Norden" unter Mitwirkung des„ M ä n n e r ch o r O st" und„Sängerchor Wedding" den in der Brauerei Friedrichshain verpflegten Verwundeten ein Gesangskonzert. Ein gefährlicher Kinderfrcund wurde vorgestern abend in der Boeckhstraße beobachtet, als er sich verdächtig an kleine Kinder heran- machte. Es gelang ihm, ein vier Jahre altes Mädchen durch Ver- sprechungen an sich zu locken, so daß es ihm in ein Haus hinein folgte. Als er sich dort auf der Treppe an dem Kinde vergehen wollte, wurde er überrascht. Er ergriff die Flucht und wurde erst nach einer wilden Jagd in der Bürknerstraße zu Neukölln ergriffen. Die Kriminalpolizei ermittelte in dem Ertappten, den sie gestern dem Untersuchungsrichter vorführte, einen 31 Jahre alten Hermann Eichert, der einen großen Teil seines Lebens in Gefängnissen und Zuchthäusern zugebracht hat. Eichert brach an mehreren Stellen aus dem Gefängnis aus, einmal auch in Neukölln, wo er entkam, indem er durch den Schiffahrtskanal schwamm. Verloren wurde vom Sonnabend zu Sonntag am Krossin-See eine Brieftasche mit 37 M., Militärpapieren und Zeugnissen. Der ehr- liche Finder wird gebeten, dieselben an Walter Garbow, Schulstr. 68, abzugeben. Gerichtszeitung. Schiebungen. Umfangreiche Hypothekenschwindeleien wurden dem Di- rektor Franz B r o m m zum Vorwurf gemacht, der sich wegen Betruges vor der ersten Strafkammer des Landgerichts HI zu verantworten hatte. B. hatte die Märkische Motorpflugfabrik zu Berlin mit einem Kapital von etwa 150 000 M. gegründet; er brauchte für dieses Unternehmen weitere» Geld und wollte sich dies auf seine Grundstücke verschaffen. Er legte den Reflettanten Micts- aufstellungen vor, die nicht ganz den Tatsachen entsprochen haben sollen, insbesondere gab er den Mietsertrag eines Ladens auf 6000 M. an, während die Miete nur 2000 M. betrug. Er versuchte auch, einen anderen Mieter zu bewegen, eine höhere Vertragssumme als vereinbart in den Mietsverttag hineinzuschreiben: der Mieter ließ sich auch dazu verleiten, verlangte aber noch an dem- selben Abend den Scheinvcrtrag zurück. Es handelte sich um drei Betrugsfälle, bei denen Hypotheken im Betrage von 28 000 M. in Frage standen. Die vernommenen Geldgeber bekundeten, daß sie das Kapital im Vertrauen auf die Richtigkeit der Mietsaufftellung, die der Angeklagte vorlegte, gegeben hätten. Da das Hau», welches sie beliehen hatten, zu einem sehr geringen Preise versteigert wurde, fielen die drei Hypotheken aus. Der Staatsanwalt beantragte sechs Monate Gefängnis. Der Verteidiger behauptete, daß das von den Geldgebern beanspruchte Damno— in einem Falle auf 10 000 M. und 6 Monate— 2000 M.— so hoch gewesen wäre, daß überhaupt der Begriff des Realkredits nicht mehr vorliege: er beantragte auch, den gerichtlichen Sachverständigen über den wirklichen Wert des Grundstücks zu vernehmen. Diesem Antrage gab das Gericht nach und vertagte die Sache Nach mehrstündiger Verhandlung. Der fliegende Roulettcklub. Ein Spielerprozeß, in welchem es sich um die von seiner- zeit von der Berliner Kriminalpolizei aufgehobenen „flieget: den Rouletteklubs" handelte, sollte gestern vor der dritten Ferienstrafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Röchling zur Verhandlung kommen. Unter der Anklage deS gewerbsmäßigen Glück- f p i e l s bezw. der Beihilfe hatten sich 18 P e r s o n e n zu ver- antworten, von denen aber, da die übrigen teils im Felde, teils krank waren, nur die folgenden neun erschienen waren: der Maler Ernst Jacobs, der Kellner Köpke, der Kaufmann Wolf, der Uhrmacher Nickel, der Kaufmann Schmidt, der Arbeiter R a u, Dr. L o e w e n, der Privatier Malz und der Hauseigen- tiimer Hesse. Ebenso fehlten von den geladenen 60 Zeugen 24, die sich teils durch Atteste entschuldigt hatten, teils ohne jede Ent- schuldigung der Verhandlung ferngeblieben waren und deshalb in Ordnungsstrafen bis zu 50 M. genominen wurden. Der Verhandlung, die schon mehrfach der Vertagung anheim- gefallen war, liegt folgender Sachverhalt zugrunde: Vor etwa 2�, Jahren tauchten in Berlin drei der Polizeibehörde als gewerbs« maßige Spieler bekannte Holländer. Solomon Rudelsheim, Benjamin S t o d e l und Markus B l i z, auf, Rudelsheim war einige Zeit Besitzer einer berüchtigten Spielhölle in s' Gravenhage. In ihrer Begleitung erschienen bald die setzigen Angeklagten Jacobs und Köpke, die schon in Köln einen Spielklub gegründet hatten und in diesem als„Croupiers" tätig gewesen waren. Die fünf gründeten einen Rouletteklub, der in den verschiedenste» Wohnungen im Westen BerlinZ„nächtigte", da die Polizei sehr scharf hinterher war. Die nötigen Muglieder wurden auf eine zum min» desten originelle Weise beschafft. Ein in Spielerireisen bekannter Mann namens Hahn besäst die Zeugenliste aus dem Spielerprozest gegen den früheren Berficherungsdirektor M a t i s k e. Diese Liste wurde abgeschrieben, so daß auf diese Weise die bekanntesten Berliner„Spielratzen" zusammengebracht wurden. Der Klub, der sich auch„Gesellschaft des Westens" nannte, wurde bald zu einem „fliegenden", denn er war genöngt, sehr häufig sein Domizil zu wechseln. Bon der Fai'anenstr, 44 zogen die Spieler nach der Beuthstr, 14, Karlstraße 24, Mohrenstraße L, Bellealliancestraße, Kurfürsten- dämm 16 usw. Neben dem als Spieler bekannten Dr. N. und einem Ehepaar Dr, B. saßen verschiedene Dämchen, die das Geld ihrer reichen„Verhältnisse" der rollenden Kugel opferten, schließlich aber sollen auch, wie bekundet wurde, Zuhälter und Verbrecher Ein- gang in den Klub gefunden haben, die. als die Polizei im Oktober 1313 in der Gitschiner Straße das Nest aushob, schleunigst den Weg durch das Fenster nahmen, während Jacobs aus der Speisekammer herausgeholt werden mutzte. Das Geschäft mußte für die Veran- stalter des Spiels sehr einträglich gewesen sein, denn neben den sehr elegant eingerichteten Wohnungen, für die ein Diener gehalten wurde, wurden sämtliche Speisen und Getränke, meist Sekt und schwere Portweine von den Veranstaltern bezahlt. In der gestrigen Verhandlung stellte Staatsanwalt Gutjahr den Antrag, in Abwesenheit der fehlenden Angeklagten zu verhandeln, da sonst die Gefahr vorliege, daß sich das Gedächtnis der Zeugen infolge der langen Zeit noch mehr verschlechtere. Die Verteidiger der Angeklagten beantragten die Vertagung, da auch sehr wichtige Zeugen nicht anwesend seien. Das Gericht beschloß, die VerHand- lung zu vertagen, Am Schluß der Sitzung spielte sich noch ein Zwischenfall ab. Der Angeklagte Jacobs, der zu Anfang nicht anwesend war, hatte auS Amsterdam an den Staatsanwalt einen Brief gerichtet, in welchem er bat, ihm das Reisegeld nach Berlin zu schicken, da er völlig mittellos sei, Jacobs erschien dann plötzlich auf der Bildfläche und erklärte, daß es ihm nach schwierigen Verhandlungen mit der holländischen Grenzbehörde doch noch möglich gewesen sei, hierher zu koinmen.— Nach Ansicht der Anklagebehörde spielt Jacobs den„Verrückten" und versuchte auch gestern am Schlüsse der Verhandlung den Eindruck des Geistes- kranken hervorzurufen. Er erklärte u. a., er habe Hunger und kriege hier nichts zn essen, da er keine Brotkarte habe; im Kriege würden so viele getötet, er aber würde von den Aerzten ermordet. Er wünsche zum Tode verurteilt zu werden oder bitte mindestens um Aufnahme im Zuchthause. Der Vorsitzende erwiderte, daß er ihm diese Gefälligkeiten leider nicht erweisen könne. Der„Geisteskranke" ging dann schimpfend von bannen. Photographieren im Umherziehen. Nach dem Haufiersteuergesetz von 1876 muß gegen Zahlung der Hausiersteuer einen Gewerbeschein für den Gewerbebetrieb im Umher- ziehen lösen, wer u. a. gewerbliche Leistungen im Umherziehen feil- bieten will. Wegen Uebertretung der Bestimmungen des Hausier- steuergesetzes war der Photograph Pieper aus Magdeburg angeklagt ivorden. Der Anklage log folgender Tatbestand zugrunde.� Pieper besitzt an seinem Wohnsitz, nämlich in Magdeburg, eine Kunstanstalt. Er unternahm Reisen in die nähere und weitere Umgebung, um Häuser zu photographieren. Er ging dann in die betreffenden Häuser und forderte die Bewohner auf, sich an die Fenster oder vor da« Haus zu stellen, damit sie auf die Photographie hinaufkämen. Nachdem die Aufnahme gemacht war, ging er zu demselben Zweck zum Nebenhaus. Nach einiger Zeit kam dann zu den Bewohnern der auf- genommenen Häuser einReisenderdesAngeklagten mitProbebildern und nahm Bestellungen auf Ansichtskarten mit der Aufnahme entgegen. Die bestellten Karten wurden dann später zugeschickt. Dem An- geklagten Pieper wurde nun vorgeworfen, daß er bei seiner Mit- Wirkung bei diesen Vorgängen keinen Hausiergewerbeschein gehabt habe. P. machte dagegen geltend, er selber habe sa keine Bestellungen auf Waren im Umherziehen aufgenommen. Er habe lediglich die Aufnahmen gemacht, als er herumreiste. Das Landgericht in Magdeburg verurteilte ihn sedoch wegen Uebertretung des Hausiersteuer-Gesetzes, weil anzu- nehmen sei, daß es sich bei seinem Austreten in den Dörfern um ein Feilbieten gewerblicher Leistungen im Umherziehen handelte. Er hätte deshalb einen Hausiergewerbeschein einlösen müssen. Er könne sich auch nicht darauf berufen, daß ihm auf eine Anfrage auf der Regierung gesagt worden sei, er bedürfe zum Photographieren von Häusern keine? Wandcrgewerbescheins. Denn beim Photographieren von Häusern sei allerdings dann kein Wandergewerbeschein erforder- lich, wenn es sich nicht um ein Feilbieten gewerblicher Leistungen im Umherziehen handele. Das Kammergericht verwarf jetzt die vom Angeklagten eingelegte Revision mit folgender Begründung: Der Begriff des Anbietens gewerblicher Leistungen sei nicht verkannt. Nach den Fest- stellungen des Landgerichts habe Angeklagter, als er den Dorf- bewohnern anbot, sie mit den Häusern aufzunehmen, und sie des- halb ersuchte, vor das Haus oder an das Fenster zu treten, bereits den Willen gehabt, damit die gewerbliche Leistung des Photogra» phierens den Dorfbewohnern anzubieten. Hatte er diesen Willen damals schon, so sei das Delikt vollendet. Seine Verurteilung sei gerechtfertigt.__ Vom Vorschleusenrccht. Soweit das Schiffahrtsgebiet von Elbe und Oder dem Re- glerungspräsidenten zu Potsdam als Schiffahrtspolizeibehörde unterstellt ist, wird eine Regelung durch die Strom- und Schiff- fahrtspolizeiverordnung des Regierungspräsidenten vom 17. Ja- nuar 1896 getroffen. Nach§ 27 der Verordnung haben Dampf- schiffe ein unbedingtes Vorschleusenrecht. Sie dürfen es aber nur ausüben, wenn die in den Tarifbcstimmungen vom 16. Juni 1902 und vom 27. November 1902 vorgeschriebene Sondergebühr für die Gewährung des Vorschleusens gezahlt ist. Das Durch- schleusen darf nur unter der Leitung des Strombaupolizeibeamten geschehen. Wegen Uebertretung der Verordnung war der Führer des Frachtdampfers„Stettin", Herr Buckow, angeklagt worden, weil er in die Kanalschleuse Schöpfurth sProvinz Brandenburg) eingefahren war, ohne eine Vorschlcusengebühr gezahlt und ohne sich vorher mit dem Schleuseruneister ins Benehmen gesetzt zu haben. Die Strafkammer in Eberswalde verurteilte ihn zu einer Geldstrafe und das Kammcrgericht verwarf jetzt seine Revision mit folgender Begründung: Unzweifelhaft steh« dem Angeklagten das Vorschleusenrecht zu. Er hätte aber die angeführten Bestimmungen der Verordnung be- achten müssen. Das Landgericht habe festgestellt, daß Angeklagter nicht früher in die Schleuse einfahren dürfe nach den Bestim- mutigen, bevor er sich darüber ausgewiesen habe, daß die Vor schleusengebühr von ihm bezahlt sei. Was das subjektive Ver schulden angehe, so stehe nun allerdings fest, daß sich die Uebung herausgebildet hatte, daß die Schiffer in die Schleuse einfahren und sich dann erst mit dem Schleusenineister über die Entrichtung der Gebühr unterhielten. Weiter sei aber auch festgestellt worden, daß der Schleusenmeister dies selbständige Einfahren immer nur unter der Voraussetzung gestattete, daß wirklich die fragliche G« bühr vorher gezahlt worden sei. Angeklagter habe aber die Vor schleusengebühr für die Schöpfurther Schleuse nicht gezahlt gehabt. Deshalb habe er sich auch subjektiv vergangen. Nun sei es aller- dmgs richtig, daß an dcr Schöpfurther Schleuse keine Hebestelle sei. Darauf könne er sich jedoch nicht berufen. Dann hätte'er eben die Vorschleusengebühr für die Schöpfurther Schleuse bereits vorher an der Hebestelle der Lehnitzer Schleuse, der letzten vcm ihm passierten Hebestellc, entrichten müssen. Mus aller Welt. Das Lied vom Spare«. Die oft ist es nicht gesungen worden, das Lied vom Sparen, das so schön klingt und doch von den wenigsten zu erlernen ist. Für die große Masse ist der Verdienst so niedrig eingestellt, daß nur unter Entbehrungen hier und da mal ein Notgroschen übrig blieb. Es gibt aber trotzdem genug Leute, die wirklich noch sparen können, selbst jetzt noch. Wer es noch nicht selbst mit angesehen hat, der lasse sich das bestätigen von dem„Hannoverschen Courier", der vor einigen Tagen schrieb: „Es ist kaum anzunehmen, daß ein anderer Erwerbsstand im allgemeinen so gut durch den Krieg gekommen ist wie die deutsche Landwirtschaft, und von unserer hannoverschen haben wir auf dem Verbandstage der landwirtschaftlichen Genossenschaften gehört, daß die Landesgenossen- schaftskasse einen außerordentlich starken Zustrom von Geld aus den ihr angeschlossenen ländlichen Sparkassen erhielt. Es heißt in dem Bericht dieser landwirtschaftlichen Kreditzentrale für die Provinz Hannover wörtlich: „Etwa vom 20. August an mehrten sich die Geldeingänge, so daß wir nach und nach die Schulden in Berlin abtragen tonn- ten. Ja, die Ueberschüsse der Eingänge gegen ihre Ausgänge waren so groß geworden, daß unsere Schulden, trotzdem wir etwa 21'- Millionen erste Kriegsanleihe, die bei uns gezeichnet waren, bezahlt hatten, Ende Dezember nicht allein abgetragen Ivaren, sondern daß wir rund 4 Millionen Mar! in Berlin gut hatten. Die Geldeingänge waren ganz be- deutende, sie haben sich dann auch in unverminder- tem Maße bis auf den heutigen Tag(Mitte Mai) fortgesetzt, und ztvar derartig, daß wir schließlich rund 2 5 Millionen überschüssige Gelder anzu- legen hatten. Die im Monat März 1915 stattgehabte Zeich- nung auf die zweite Kriegsanleihe hat dann bei uns daS außerordentlich günstige Ergebnis gehabt, daß 21 Millionen gezeichnet wurden. Die Abnahme dieser Beträge konnte unsererseits glatt erfolgen." Dieser Bericht beweist doch unwiderleglich, daß der Ein- fluß des Krieges trotz der hohen Futtermittelpreise, die wir bekanutlich schon lange haben, für die Landwirtschaft Hannovers kein ungünstiger gewesen ist." Was der„Hann. Courier" hier anführt, ist aber nur ein Bei- spiel von vielen. Wie in Harmover, so ist es auch in den anderen Gauen des Reiches. Aber nicht nur die Landwirtschaft allein hat riesige Profite gemacht, nein, tver am Kriege verdienen konnte, hat genommen, was er nur kriegen konnte. Die anderen aber können sich trösten an den demnächst erscheinenden glänzenden Rechenschaftsberichten! der deutschen Sparkassen. Die unsittliche Planschwiese. In Dortmund hat der alte über den neuen Geist wieder einmal gesiegt. Die Stadtverwaltung hatte in der näheren Um- gebung der Stadt eine Planschwiese herrichten lassen, in der sich nun die Knaben und Mädchen froh und ungeniert tummelten. Da erschien in dem Zentrumsorgan„Tremonia" eine Zuschrift, die in der„Ungeniertheit, mit der die Knaben und Mädchen sich an- und ausziehen, im Wasser herumpatschen und in der notdürftigen Kleidung vor aller Augen zeigen", Anstoß nahm. Der Zweck dieser Zuschrift ist bereits erreicht: die Dortmunder Planschwiese wurde wieder geschlossen. Wollten sich doch gewisse Leute nur der Kinder annehmen, die wirklich notdürftig gekleidet gehen. Ein Lebenszeichen Bermisiter. In Solingen ist, wie die„Nattonal-Zeitung" mitzuteilen weiß, wieder aus dem fernen Sibirien ein Lebenszeichen eingegangen. Die Wehrmänner Paul H e u p aus Untenscheidt und Hugo Weber aus Hüscheid, Erfersttaße, die seit März dieses Jahres vermißt wurden, haben jetzt aus Sibirien an ihre Ange- hörigen geschrieben. Sie befinden sich als Gefangene in Tomök und bezeichnen ihre Lage als„erträglich". Das Millionenvermächtnis eines Bettlers. Aus Madrid wird gemeldet, daß ein vor sechs Monaten gestorbener Kirchenbettler namens R o m a g o s a den Bischöfen von Madrid, Barcelona und Buenos-AireS in seinem Testament 170 Millionen Pesetas vermacht hat. Der Erblasser hat dieses phantastische Vermögen erworben, indem er vor den Kathedralen das Miileid der Kirwen- besucher erregte. Der Verstorbene war auch Besitzer mehrerer Häuser. Die Nutznießung derselben hat bis zu ihrem Tode die Frau des Bettlers, dann fällt auch diese Hinterlassenschaft den drei genannten Bischöfen zu. Beraubung einer Regimentskasse. Wie die italienische Zci- tung„Corriere della Sera" aus Ära meldet, ist am Sonntag beim Depotkomman-do des 74. Infanterieregiments das Verschwinden der Regimentsreservekasse im Betrage von 138 000 Lire entdeckt worden. Der Kassenschrank zeigte keine Einbruchsspuren, so daß man an- nehmen muß, daß der Diebstahl mittels eines Nachschlüssels aus- geführt wurde. Die Tat hat ungeheures Aufsehen gemacht, um so mehr, als man wußte, daß vor der Tür des Kassenraumes dauevnd strenger Wachtdienst war. Vom Blitz erschlagen. In Golencin(Posen) schlug bei einem Gewitter der Blitz in einen Erntewagen; er tötete einen Mann und lähmte den Wagenführer. parteiveranftaltungen- Vierter Wahlkreis. Jngendsektion. Am Mittwoch, den 21. Juli, abend« Lst. Uhr, findet in den„Andreat-Festsälen". Andreas- strotze 21, eine Versammlung der jungen Mitglieder des Wahlvereins im Alter von 18 bis 21 Jahren statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Eduard Bernstein über:„Die Entwicklung der Arbeiterbewegung in Italien". 2. Diskussion. Fünfter Wahlkreis. Heute Dienstag, abends Uhr, in den „Unions-Sälen", Grcijswalder Straße 221—223: Mitgliederversammlung. Vortrag des Genossen Dr. Rudolf B r e i t s ch cid. Ohne Mitgliedsbuch kein Eintritt. Sechster Wahltreis. Jugendabtcilung. Die Bettaimnlungen der jugendlichen Mitglieder finden am Mittwoch, den 21. Juli, abends 8 Uhr, in nachstehenden Lokalen statt: Strack, Schönhauser Allee 134».: Kerfin. Pankstr. SO, und Schröder, Stromstr. ZS. Reserenten find die Genossen: Hermann D u n ck c r, Emil N e u m a n n und E. E l s n e r. Der Vorstand. Tempelhof-Marieudorf. Mittwoch, den 21. Juli, veranstaltet die Jugcndsettion einen gemeinsamen Spaziergang nach dem Lankwitzcr Park. Trefipunit für Tempelhos Uhr Kanalbrücke, für Mattendorj'/.Z Uhr am Rathaus, Kaiserstraße. Gäste find herzlich willkommen. Eingegangene Druckschriften. Bon der Seele deS Soldaten im Felde. Von E. Sverth.(Tat- Flugsch. 10.) 80 Pf.— E. Diederichs, Jena. Das Ausland und wir. Dokumente der Freundschast und des Ver- ständnisses. Gesammelt von H. Floerkc. 316 Seiten.— G. Müller, München. Deutsche uud ausländisch« Freimaurerei. Von A. Horneffer. 50 Pf.— E. Reinhardt, München. Volksgcsundheit. Nr. 7. Zeitschrist des Verbandes Volksgesundheit. Jährlich 3 M.— Selbstverlag, Kötzschenbroda-Dresden. Die Hauptsache. Kriegsaussätze der Wartburg. Von Pros. H. Wols. 70 Pf.— A. Strauch. Leipzig. Blätter uuter der Asche in Tagen lodernder Flammen. Bon F. Chiesa. 1,20 M.— Die geschichtliche» Vorbedingungen des europäischen Krieges. Vorträge von Pros. W. Hühnerwadel. 30 Pf.— Att. Institut Orell Füßli, Zürich. Universal-Bibliothek. 5771/72: Die Militärversorgungsgesetze für das Deutsche Reich. Herausgegeben von K. Pannier.— 5773: Meister Andrea. Luftspiel von E. Geibel.— 5774: Echtes Gold wird klar im Feuer. Ein Sprichwort von E. Geibel.— 5775/76: Das einsame Land. Erzählung von B. Lindholm.— 5777: Ueber das Ver- hältnis der bildenden Künste zur Natur. Von F. W. I. Schilling. — 5778: Firma Murks. Schilderungen aus dem Geschäftsleben. Von L. Schermann.— 5779: Nach dem Sündenfall und andere Novellen. Von Luise Westkirch.— 5780: Berichte aus dem Großen Haupt- quartier 1914/13, Herausgegeben von K. Wilkc. Einzelnummer 20 Ps. — Ph. Reclam, Leipzig. Stuttgarter Reliefkarte«. 30: Lothringen.— 33: Deutsche Kolonien, Blatt 2.— Einzclkarte 25 Ps.— Franckh, Stuttgart. Taschenbuch der Kriegsflotten 1913. Herausgegeben von B. Weher, Kapitänleutnant. Geb. 5 M.— I. F. Lehmanns Verlag, München. Hcldeukränze. Gedächtnisbuch für die Gesallenen. Herausgegeben von F. Lorenz. Geb. 3 M.— Schuster u. Loeffler, Berlin W 57. Neuere Arbeite» über Tetanus(Wundstarrkrampf). Referiert von Sanitätsrat Dr. I. Bresler. 1.40 M.— C. Marhold, Halle a.®. Lieben oder Hassen? Von Dr. Helene Stöcker. 20 Ps.— Bund sür Mutterschutz, Berlin-Wilmersdors. Die polnische Frage. Von Dr. M. Ritter b. Straszewski. 1,20 M. — Polen und Juden. Ein Appell von H. Feldslein. 20 Seiten.— H. Goldschmiedt, Wien I. Oesterreichisch-ungarische Kriegsberichte aus Streffleurs Militär- blakt. Hcst 1 und 2. Einzeihest 60 Ps.— L. 23. Seidel u. sahn, Wien 1. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-Direktion über den Großhandel in den Zentral- Marlthalien.(Dljite Verbindlichkeit.) Montag, den 19. Juli 1915. Fleisch: Rindfleisch per 50 kg, Ochsen. fleisch la 110—122, da. Ha 95—110, do. IHa 85—95; Bullenfleisch la 100—110, do. IIa 85— 100; Kühe, seit 85— 100, do. mager 78— 85, do dänistbc 00— 00, Fresser 85—90. Fresser, dänische. 00—00; Bullen, däniswc. 00— 00. Kalbfleisch, Doppellender 135—155; Mastkälber la 110— 1 15, do. IIa 95— 105; Kälber ger. gen. 70—90, do. dän. 80— 90, do. Holl. 00—00. Hammelfleisch: Masllämmer 130—140; Hammella 125— 129, do. IIa 115— 124; Schafe 115—125; Holl. 95— 100; Schweinefleisch, Schweine, fette 00—00, sonstige 135—158, dän. Sauen 00—00, dän. Schweine 130— 185, do. schwedische 130— 135, do. holländische 00—00. Gemüse, inländisches: Kartoffeln, Nieren- 50 kg 9—12, weiße Kaiserkronen 11—12, Magdeburger, blaue 10— 11. Sellerie Schock 2,40— 3,50. Porree, Schock 0,70—1,50; Tpinat 50 kg 15,00— 20,00; Meerrettich, Schock 4,00—6,00; Petersilienwurzel, Schockbund 4,00— 6,00; Radieschen, Schock. bund 1,25—1,50; Gurten, Gorgasler, 100 Stück 0,00; Rhabarber, Hamb, 100 Bund 0,00—0,00, dito hiesiger 100 Bund 4,50. Tomaten, Gor. gaster, 50 kg 45,00 bis 60,00. Zwiebeln, neue 50 kg 18—22. Salat, Schock 1,50—4,50. Rettiche, bayerische, 100 Stück 10—15, Kohlrabi, Schock 1,76— 2,25, Schoten, hiesige, 50 kg 25,00— 30,03, Mohrrüben, Schockbund 2,50—3,50, do, 50 kg 10—12,00. Weißkohl. Schock 13—17. Rotkohl. Schock 13—17. Wirsingkohl) Schock 6,00—11,00. Grüne Bohnen, 50 kg 20,00 bis 25,00; Pustbohnen 50kg 10,00—12,00; Wachsbohncn 50 kg 30—35. Obst und EL d flüchte: Kirschen, Wcrdersche 50 kg 15,00—22,00, do. schlesische 50 kg 10,00—16,00, do, Werdcrsche Knupper- 50 kg 25,00—35,00, do. saure 50 kg 18,00—20,00, do. Thüringer 50 kg 15—20, do. Natten 50 kg 30— 40. Aepsel, Amerikaner, Kiste 25— 30, Tiroler 50 kg 32— 38. Birnen, Tiroler 50 kg 32, hiesige 14—25. Pfirsiche, hiesige 50 kg 70—80. Stachelbeeren, reise 50 kg 15— 20. Johannisbeeren 50 kg 15—20. Blaubeeren 50 kg 25,00—30,00. Erdbeeren 50 kg 25— 50, do, Holl. 50 kg 36—43. vimbeeren 50 kg 40— 50. Zitronen: Messina 300 Stück 26—32, do. 360 Stück 23—29, do. 150 Stück 12—14, do, 80 kg 12—15, do. 160-200 Kiste 18—19, Murcia 160 Kiste 14—16, do, 200 Kiste 16-20, do. 300 Kiste 22-24, do, 300 Ig, 25-28. Wetterauösichten für daS mittlere Norddeutschland bis Mittwochmittag. Ostwärts sorhchreitende weitere Erwärmung, Zunächst überall trocken und vorwiegend heiter. Später im Westen beginnende neue Zunahme der Bewölkung und besonders an der Küste vielsach etwas Regen. Strichweise Gewitter. ■ l«tziil H'IWBTI—T-'i'.«fu.—■ Denlselier Transpartarbeiter-Verbanfl. Bezirksverwattung GroB- Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß unser Kollege, der Kutscher �einkolc! Schröder von der Firma Schrodter, Wiener Str. 33b, am 17. d, M,, im Alter von 46 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 21, Juli, nachmittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Emmaus- Kirchhofes, Hermannstraße, aus statt. 65/13 vie Bezirkeverwaltung. Hierdurch allen Freunden und Bekannten die traurige.Nachricht, daß mein geliebter, herzensguter Mann, unser lieber, treusorgcndcr Vater, Sohn, Schwiegersobn und Schwager, der Ersatzreservist Ulbert Eckardt im blühenden Alter von 30fl,Jah- ren, ein Opfer des Weltkrieges gc- worden ist. Er starb am 5, Juli 1915 bei einem Sturmangriff den Heldentod, 59A Im namenlosen Schmerz bitten um stilles Beileid ölvrtsta Eckardt nebst Töchtern Charlotte und Dora, Berlin, Huttenstr, 6. Wer ihn gekannt, so treu, so brav, so schlicht Im Leben, im Berus, vergißt ihn nicht, Ruhe sonst I Dr. Homeyer f. Haut-, Harn-, Frauenleiden, nerv. Schwäche, Beinkranke jeder Art, Ehrlich Haia> Kuren in u.Co, konz. Laborat. j Blut- Untersuchung., Fäde« i. Harn usw. sti-ickw,. Sl, Spr. 10—2, 5—9, Sonnt. 11—2, Honorar möstig, auch Teilzahl. Separate» Damenzimmer. 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