Nr. 200.- 32. Jahrg. Abonnements- Bedingungen: bonnements Breis prānumerande: Bierteljährl 3,30 m, monatl 1,10 wöchentlich 25 Pig. frei ins Haus Einzelne Nummer 5 Pig. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Belt 10 Big Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Voit Zeitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal Rumänien, Schweden und die Schweis Ericheint täglich. " Vorwärts Berliner Volksblaff. 5 Pfennig Die Infertions- Gebühr Beträgt für die sechsgespaltene Kolonelgeile oder deren Raum 60 Big., für bolitische und gemerfschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Hnzeigen", das fettgedrudte Bort 20 fg.( zulässig 2 fettgedrudte Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlafftellenan zeigen das erste Bart 10 Pfg., jedes meitere Wort 5 Bfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Summer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erbedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adreffe ,, Sozialdemokrat Berlin. Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morikplat, Nr. 151 90-151 97. Donnerstag, den 22. Juli 1915. Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morigplak, Nr. 151 90-151 97. Borstoß in das Befestigungsgebiet von Jwangorod. Meldung des Großen Hauptquartiers. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 21. Juli 1915.(.. B.) Westlicher Kriegsschauplah. Jm Oftteil der Argonnen stürmten unsere Trup. pen zur Verbesserung ihrer neuen Stellung noch mehrere französische Gräben, nahmen 5 Offiziere, 365 Mann gefangen und erbeuteten ein Maschinengewehr. In den Vogesen fanden in der Gegend von Münster hartnädige Kämpfe statt. Die Franzosen griffen mehrfach unsere Stellung zwischen Lingekopf( nördlich von Münster) und Mühlbach an. Die Angriffe wurden abgeschlagen. An einzelnen Stellen drang der Feind in unsere Stellungen ein und mußte in erbittertem Nah. kampf hinausgeworfen werden. Südwestlich des Reichs. aderkopfes hält er noch ein Stück eines unserer Gräben besetzt. Tag und Nacht lagen die angegriffene Front und unsere anschließenden Stellungen bis Diedolshausen und bis zum Hilfenfirst unter heftigem feindlichen Feuer. Wir nahmen 4 Offiziere und etwa 120 Mann, zum großen Teile Alpenjäger, gefangen. Ein deutscher Kampfflieger zwang ein franzafisches Flugzeug bei Bapaume zur Landung; das Flug. zeug ist unversehrt in unserem Besis. Colmar murde von feindlichen Fliegern mit Bomben beworfen, von denen zehn auf Häuser und Straßen der. Stadt fielen. Ein Zivilist getötet, eine Frau verlegt. Deftlicher Kriegsschauplah. Deftlich von Bopeljany und von Kurshany zieht der Gegner vor unseren vordringenden Truppen ab. Westlich von Szawle wurde die lezte feindliche Berschanzung im Sturme genommen und besetzt und die Verfolgung in östlicher Richtung fortgeführt. An der Dubissa östlich von Rossienje durch. brach ein deutscher Angriff die russischen Linien, auch hier weicht der Gegner. Südlich der Straße Maryampol- Kowno führte ein Vorstoß zur Fortnahme der Dörfer Kiekieryszki und Janowka, drei hintereinander liegende russische Stellungen wurden erobert. Ebenso waren Angriffe unserer Landwehr gegen noch gehaltene feindliche Stel. lungen nördlich von Nowogrod bon vollem Erfolge begleitet. Die Russen gingen unter Zurücklassung von 2000 Gefangenen und 2 Maschinengewehren zurüd. Südöstlicher Kriegsschauplah. Ju der Verfolgung erreichten die deutschen Truppen des Generalobersten v. Wohrsch gestern die vorgeschobene Brüdenkopfstellung füdlich von Jwangorod. Ein sofortiger Angriff brachte sie in den Besitz der feindlichen Linien bei Wladislawow; um die anschließenden Stellungen wird noch gekämpft. Zwischen oberer Weichsel und Bug hat sich der Gegner erneut den Armeen des Generalfeldmarschalls b. Mackensen gestellt. Troz hartnäckigen Widerstandes brachen österreichisch- ungarische Truppen bei Skrzyniec- Niedrzwica- Mala( südwestlich von Lublin), deutsche Abteilungen füdöstlich von Piaski und nordöstlich von Krasnoftam in die feindlichen Stellun. gen ein. Der Angriff ist im Fortschreiten. Oberste Heeresleitung. Der öfterreichische Generalstabsbericht. Wien, 21. Juli.( W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 21. Juli 1915, mittags: Russischer Kriegsschauplas.. Der Feinb hat sich füblich der von Cholm über 2ublin nach zwangsrød führenden Bahn neuerlich gestellt. rps feines hartnädigen Widerstandes gelang es ben verbündeten Streitkräften, ihn an mehreren Stellen zu, durch= brechen. Bei Rozana bahnte fich das Korps Arz im Berein mit deutschen Bataillonen den Weg in die feindlichen Linien. Südwestlich Biskupice wurden die Ruffen in der Nacht durch die Deutschen, zum Rückzug gezwungen. Zwischen der Bistrita und der Weichsel stieß die Armee des Erzherzogs Josef Ferdinand auf starten Widerstand. Beiderseits von Borzechow entrissen unsere Truppen in erbittertem Handgemenge fibirischen Regimentern ihre zäh verteidigten Stellungen. Bei dieser Armee wurden gestern dreißig Offiziere und sechstausend Mann als Gefangene eingebracht und neun Maschinengewehre erbeutet. Zwischen der Weichsel und der Pilica wurde die Verfolgung fortgefeßt. Deutsche Landwehr durchbrach nordöstlich Zwolen die Borstellung des Brückenkopfes von Jwangorod, um die anschließenden Stellungen wird noch gekämpft. In Ost galizien entbrannten bei Sokol neuerdings heftige Kämpfe. An der Slota- Lipa und am Dnjestr ist die Lage unverändert. Italienischer Kriegsschauplas. Rußland und Japan. Die politischen Beziehungen im fernen Osten sind in der legten Zeit in ein neues Stadium getreten. In Japan wie in Rußland ertönen immer lauter Stimmen, die an Stelle des jeßigen russisch- japanischen Einvernehmens ein enges Bündnis auf festerer und breiterer Grundlage seßen wollen. Schon im März veröffentlichte die vom japanischen Ministerpräftdenten Graf Okuma inspirierte Zeitschrift„ Sin- Nippon" einen Artikel über die Notwendigkeit eines russisch- japanischen Bündnisses, das für beide Teile nüßlich und notwendig sei zur Lösung der komplizierten Fragen über China und den Stillen Ozean". Seitdem fam Graf Okuma wie auch die anderen Mitglieder des japanischen Kabinetts fortgesetzt auf dieses Thema zu sprechen, und in der letzten Zeit hat die ein. flußreichste politische Institution Japans, der Rat der Aeltesten( Genro), diese Frage noch um einen Schritt weiter gebracht, indem er sich dafür aussprach, daß praktische Schritte zur Verwirklichung des russisch- japanischen Bündnisses ergriffen werden sollen. Es ist demnach kaum zu zweifeln, daß offizielle Verhandlungen über diesen Gegenstand nicht lange werden auf sich warten lassen. D " Diese Annahme wird bestätigt durch die Aufnahme, die der Gedanke eines russisch- japanischen BündRisses in der russischen Presse und, soweit ersichtlich, auch bei der russischen Diplomatie gefunden hat. Die gesamte Bresse, voran die zu offiziösen Zweden benutten Nomoje Bremia" und" Rußkoje Slowo"," widmen dieser Frage eingehende Betrachtungen, und die zu Regierungsfreisen in nghen Beziehungen stehende Petersburger flerikale Zeitung Solofol vermag mitzuteilen: Ein autoritativer Diplomat erflärt, ungeachtet der Frühzeitigfeit aller endgültigen Mitteilungen unterliege es feinem Zweifel, daß eine weitere enge Annäherung im Interesse beider Staaten liege. Eine solche Annäherung könne nicht nur im fernen Osten, sondern auch in der allgemeinen internationalen Politif eine Rolle spielen. Untersucht man die treibenden Kräfte, die auf die russischjapanische Annäherung hinarbeiten, so muß man in erster Linie die Bestrebungen der japanischen Politik und die Lage im fernen Osten seit Beginn des Krieges in Betracht ziehen. Japan hat 1902 sein erstes Bündnis mit England abgeschlossen. Darauf gestützt brachte es im Kriege 1904/05 Rußland eine schwere Niederlage bei. Schon im Jahre 1908 schloß es mit seinem Gegner ein Einvernehmen zwecks Abgrenzung der beiderseitigen Einflußsphären im fernen Often. 1911 erneuerte es sein Bündnis mit England, wobei einige Punkte des Bündnisvertrages einer Revision unterzogen wurden. Gestützt auf sein Einvernehmen mit England und Rußland, vermochte Japan mehr und mehr seine Stellung in Korea, Liaotung und in der Südmandschurei zu verstärfen. Seinem weiteren Eindringen in China stand jedoch Deutschland im Wege, das durch das Einfallstor in Tsingtau in Schantung eingedrungen war und wirtschaftlich wie politisch eine außer ordentlich ſtarfe Stellung in Nordchina errungen hatte. Die Bestrebungen der japanischen Bourgeoisie richteten sich aber besonders auf Schantung und die angrenzenden inneren Brovinzen Chinas, da der aufstrebende japanische IndustrieKapitalismus danach strebt, den reichen chinesischen Markt zu erobern und sich die umfangreichen Sohlen und Eisengruben Nordchinas zu sichern, die dem mineralarmen Japan allein eine weitere Entwickelung seiner Industrie zu sichern vermögen. Aus diesem Gegensatz zu Deutschland trat Japan an der Seite des Dreiverbandes in den Krieg, eroberte Tsingtau und trat das deutsche Erbe in China an. Allerdings machte es daran anknüpfend den Versuch, auch den Einfluß Rußlands und Englands in China mit einem Schlage zu vernichten, China zu seinem Vasallenstaat zu machen und den europäischen Krieg dahin auszunußen, den Einfluß der europäischen Staaten und Amerikas in Ostasien und in der Südsee Der russische Generalstabsbericht. Front. Am Bug dauerten die feindlichen Angriffe in dem völlig auszuschalten. Diese Bestrebungen haben indes nur zu Abschnitt Krylow bis Sotal fort. In der Gegend von Sofal einem Teil Erfolg gehabt. Die chinesische Diplomatie hat, Petersburg, 21. Juli.( W. T. B.) Mitteilung des breitete sich der Feind ein wenig am rechten Ufer aus. Am gestützt auf England und Rußland, es verstanden, einen beGroßen Generalstabes vom 20. Juli. In der Ge- Dniestr nahmen wir nach einem hartnäckigen Kampfe an trächtlichen Teil der von Japan gestellten Forderungen zurüdgend Riga Szawle dauerte der Fortschritt des Feindes der früheren Front ungefähr 500 Mann gefangen und er zuweisen und sich vor den maßlosen Herrschaftsgelüften am 19. Juli in der Front Grünhof- Shagory- Kruppy an. In beuteten 5 Maschinengewehre. Japans zu sichern. Allerdings hat die japanische Diplomatie der Gegend jenseits des Njemen führte der Feind bedeutende Konzessionen in der Mandschurei und in Nordeinen Zeilangriff gegen die Gräben eines unserer Regimenter Der Sieg Der Sieg der englischen Bergarbeiter. china errungen. Aber in Südchina ist der englische Einfluß nordöstlich von Suwalki bei dem Dorfe Glubofi- Row aus, um fast ungebrochen, und auch die Interessen der Vereinigten London, 21. Juli.( W. T. B.) Reuter berichtet aus Cardiff: Staaten in China sind nach der Zurückweisung eines Teiles die seit dem 14. Juli lebhaft gekämpft wird. In der Nacht zum Die Schwierigkeit mit den Arbeitern ist beigelegt. Die Forder japanischen Forderungen nicht so gefährdet, als es ur19. Juli gelang es dem Feinde mit Unterſtügung zahl- berungen der Arbeiter wurden bis auf einen Punkt besprünglich der Fall war. Diesen Erfolg verdanken China wie reicher Batterien, die Gräben einiger Abteilungen zu willigt. wir gestern wieder einnahmen. An der besezen, die die Vereinigten Staaten vor allem England, das darauf gcNarewlinie teilweise Geschützkampf. Am 19. Juli Gefecht Cardiff, 21. Juli.( W. T. B.) Meldung des Reuterschen ftüßt, daß Artikel 4 des neuen englisch- japanischen Vertrages der Vorhuten. Am 18. Juli beschossen die Geschüße der Bureaus. In der Sonferenz der Delegierten der Berg England von der Verpflichtung entbindet, Japan im Falle Festung Nowo- Georgie wst mit Erfolg die bordersten arbeiter wurden heute morgen die Arbeitsbedingungen, eines Konfliktes gegen die Vereinigten Staaten zu unterfeindlichen Kolonnen. Zwischen Weichsel und Bug wie sie von dem Erefutivkomitee gutgeheißen worden waren, stüßen, es verstand, die japanischen Eroberungsgelüfte zu näherte sich der Feind am 19. Juli vorsichtig unserer neuen mit überwältigender Mehrheit angenommen. zügeln. Weiter südlich am Narew wurde ein starkes Werk der Vorstellung von Rozan erstürmt, 560 Gefangene gemacht und 3 Maschinengewehre erbeutet. Der Gegner versucht, an diesem Fluß hartnäckigen Widerstand zu leisten. Seine verzweifelten Gegenstöße mit zusammengerafften Truppen aus den Brückenkopfstellungen von Rozan, Pultusk und Nowo- Georgiewsk mislangen. Die Russen erlitten schwere Verluste, 1000 Gefangene blieben in unserer Hand. Die BlonieGrojecstellung gewährte dem Feinde nur kurzen Aufenthalt. Unter dem Zwange unseres sich von allen Seiten verstärkenden Druckes, begannen die Russen westlich von Grojec ihre Befestigungen aufzugeben und in östlicher Richtung zurückzugehen. Unsere Truppen folgen dicht auf. Im Goerzischen setten die Italiener auch gestern ihren allgemeinen Angriff fort. Am Rande des Plateaus von Deberdo und im Goerzer Brüdenkopf tobte die Schlacht den ganzen Tag. Abends gelang es dem Feind, Monte San Michels( öftlich Sdrausfina) zu nehmen. Heute früh eroberte Generalmajor Boog mit bisher zurückgehaltenen Kräften diese Höhe zurück. Südöstlich Sdrauffin a behaup teten sich unsere Truppen mit größter Zähigkeit. Ein Flankenangriff von der Ruinenhöhe öftlich Sagrado her warf schließ lich die Italiener auch hier zurück; sie flüchteten unter großen Berluften in die deckenden Räume. Da unsere Truppen auch den ganzen Südwestrand des Plateaus fest in Händen behielten und im Goerzer Brückenkopf alle feindlichen Angriffe zurückschlugen, hatte die mit ungeheuren Opfern bezahlte Anstrengung der Italiener wieder kein Ergebnis. An der übrigen küstenländischen Front herrscht verhält nismäßig Ruhe. An der Kärntner Grenze hat sich nichts Wesentliches ereignet. Destlich Schluderbach griffen drei feindliche Bataillone den Monte Piano an; fie wurden abgewiesen, fluteten zurück und verloren etwa zwei Drittel ihres Standes. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschalleutnant. Man geht Wohl nicht fehl, wenn man die Annaherungs- bestrebungen Jpans an Rußland in erster Linie auf diesen Erfolg Englands gegenüber Japan zurückführt. Die japanische Militärpartei will sich für ein weiteres Vordringen nach Sud- cknna eine starke Rückendeckung im Norden schaffen und zu- gleich durch ein enges Bündnis mit Rußland der Notwendig. keit enthoben sein, auch gegen Rußland fortgesetzt rüsten zu müssen. In derselben Richtung wirken die Besorgnisse der japanischen Militärpurtei hinsichtlich der militärischen Er- starkung Chinas und des Wiedereinsetzens des deutschen Ein- flusses in China nach dem Kriege. Allen diesen Gefahren soll durch eine Militärkonvention mit Rußland ein starker Damm entgegengesetzt werden. Zugleich hofft aber auch die zu immer stärkerem politischen Einfluß gelangende Partei der japani- schen Großbourgeoisie, daß ein Anschluß an Rußland der japanischen Industrie einen großen Markt im asiatischen Ruß- land eröffnen und das wirtschaftliche Vordringen Japans in der Mandschurei und in Nordchina fördern würde. Alle diese Eröffnungen der japanischen Presse sind in Rußland mit ziemlich gemischten Gefühlen aufgenommen worden. Wie zur Zeit der japanisch-chinesischen Verhandlungen über das japanische Ultiniatum verfolgte die russische Presse mit einem Gemisch von Mißtrauen und furcht die Anbiederungsversuche des japanischen Verbündeten. Man verhehlt sich in Rußland nicht, daß ein enges Bündnis mit Japan eine zweischneidige Waffe ist, die sich unter Umständen gegen Rußland selbst wenden und seine Stellung in Ostasien er- schüttern könnte. Aber über diesen Erwägungen steht doch die Not der gegenwärtigen Situation, die die russische Presse ver- anlaßt, sich den japanischen Anerbietnngen gegenüber freund- lich entgegenkommend zu Verhalten. In dieser Situation hat sich der japanische Ministerpräsident Graf Okuma als ein sehr guter Psychologe erwiesen. In einer seiner letzten Reden er- klärte er, Rußland würde, da es einen Ausgang durch die Dardanellen erlangen würde, keine aggressive Politik mehr im fernen Osten treiben müssen und infolgedessen für Japan ein guter Partner sein. An diesen Gedanken knüpft nun die Moskauer„Rußkoje Slowo" in einem offenbar inspirierten Artikel an, der in der gesamten europäischen Presse viel Be- achtnng gefunden hat.„Die gleiche Bedeutung, die der Besitz Indiens für England hat— schreibt das Blatt—, hat d i e freie Durchfahrt durch die Dardanellen für Rußland. Japan will freie Hand auf dem asiatischen Festland, Rußland freien Zutritt zum Mittelmeer. Ein russisch- japanisches Bündnis würde also dann von ungeheurer Bedeutung für die Weltpolitik sein, wenn Rußland dieBürgschaft für die japanischen Interessen im fernen. Japan die für die russischen Interessen im nahen Orient übernäh m e." Daran knüpft das Blalt den Hinweis, daß Japans Beteiligung an dem europäischen Krieg aus technischen Gründen nur in der Beteiligung an den Dardanellenkämpfen bestehen könne. Das Moskauer Blatt verhehlt sich nicht, daß der Abschluß eines russisch-japanischen Bündnisses auf der geschilderten Grundlage manche Schwierigkeiten haben werde.„Aber— erklärt es— es ist nicht anzunehmen, daß sich auf der langen Strecke vom Bosporus bis zum Stillen Ozean nicht zwischen den Interessen der beiden Vertragsmächte und denen Eng- lands. und Frankreichs ein Ausgleich finden lassen sollte." Gerade dies kann aber mit Recht bezweifelt werden. England hat kein Interesse an einer Stärkung Japans im fernen Dsten, die sich ausgesprochenermaßen gegen seine eigene Stellung in China richtet. Es hat aber ebensowenig ein Interesse daran, daß sich Rußland mit japanischer Hilfe ein Bollwerk an den Meerengen errichtet, das, der englischen Kontrolle entzogen, die Stellung Englands im öst- lrchen Mittelmeer zu bedrohen imstande wäre. Die Kämpfe im priesterwalö. Aus dem Großen Hauptquartier wird uns geschrieben: In den französischen Tagesblättern Pom 30. Mai erschien ein amtlicher Bericht über„Die Eroberung des Priesterwaldes". Darin waren die schweren Kämpfe geschildert, die die Franzosen in diesem Walde zu bestehen hatten und die für sie„nach sieben Monaten unablässigen Ringens endlich zum Ziele führten". Dieser Priester- wald war in den ersten Julitagen der Schauplatz erneuter schwerer Kämpfe, eines durchschlagenden deutschen Erfolges. Vom Kamm der Höhe, die steil aus dem Moseltal aufsteigt und dieses nur um etwa 200 Meter überhöht, erstreckt sich nord- westlich Pont-ä-Mousson ein ausgedehntes Waldgebiet. Dessen gegen Pont-ä-Mousson abfallender Teil bis an die Straße Feh- en- Haye— Norroy heißt auf den deutschen Karten „Priesterwald", während auf den französischen nur der südliche Waldteil diesen Namen führt, der nördliche aber Bois Communaux genannt ist. Hierin mag eine Erklärung dafür liegen, daß die Franzosen sich für unbestrittene Herren des «Priesterwaldes" hielten. Am Südrand des Waldes, an der Straße Pont-ä-Mouston— Montauville— Limey liegt der Exerzierplatz, im Walde der Schießplatz der Garnison Pont-ä-Mousson. Die Mann- schaften der stanzösischen Regimenter, die uns hier gegenüberstehen, stammen aus den Ortschaften der Umgebung und manch gefangener Franzose konnte in Begleitung von deutschen Landsturmmännern früher, als er gedacht und gehofft hatte, seine Angehörigen in seinem Heimatsort begrüßen. Der Priesterwald ist der echte Lothringische Wald. Nur wenige und schlechte Wege durchziehen ihn. Dichtes Unterholz erschwert jegliche Bewegung außerhalb der Wege. Die mangelnde Forstkultur haben unsere und die französischen Granaten nachgeholt. Sie haben dem Walde Licht und Luft geschaffen. Freilich sind sie dabei so weitgegangen, die alten Baumriesen teils mit samt den Wurzeln herauszureißen, teils inmitten der Stämme zu knicken. Tief ein- gerissene Schluchten zerklüften den Wald und behindern seine Weg- samkeit. Die höchste Erhebung hat das Waldgelände in einem Höhenkamm, der vom Eintrilt der Straße Feh-en-Haye— Norroh in den Wald nach Osten zieht. Auf dem höchsten Punkt steht das Croix des Cannes. Auf diesem Höhenrücken liegen die deutschen Stellungen. In schweren, hin- und herwogendcn, monatelangen Angriffen war eS den Franzosen dank ihrer Uebermacht Anfang Juni gelungen, auf dem westlichen Teil des Höhenrückens Fuß zu fassen. Sie wieder hinunter zu werfen, war das Ziel unseres Angriffes am 4. Juli. Es war kein leichtes Stück Arbeit, das uns dort bevor- stand. Die Franzosen hatten sechs und sieben Stellungen hinter- einander in einer Gesamttiefe von 400 bis Svv Meter ausgebaut. Unser Angriff wurde eingeleitet durch einen Vorstoß aus dem an der Mosel liegenden Abschnitt. In einer Breite von etwa 250 Meter gelang es hier, in die feindliche Stellung einzudringen und fünf französische Blockhäuser mitsamt ihrer Besatzung in die Luft zu sprengen. Wir zerstörten die eingebauten Kampfmittel und gingen dann, wie vorgesehen, wieder in die alte Kampfstellung zurück, un- gestört vom Feinde. Nachmittags begann der Hauptangriff. Die durch unser Artillerie- feuer erschütterte französische Infanterie konnte dem Ansturm nicht standhalten. Stellung auf Stellung fiel. Am Abend waren alle französischen Stellungen in einer Breite von 1500 Meter genommen. 12 Offiziere, über 1000 unverwundete Gefangene, 3 Geschütze, 7 Minenwerfer, 7 Maschinengewehre, 1 Pionierpark mit reichlichem Gerät waren unsere willkommene Beute. Was die Franzosen in monatelangem Ringen erworben, hat unsere stürmende Infanterie. unterstützt durch die vortreffliche Artillerie, ihnen in wenigen Stunden wieder entrissen. Wo man hobelt, fallen Spähne. Ohne Verlust ist solch ein Erfolg nicht zu erreichen. Unsere Gesamtverluste einschließlich der nur vorübergehend ausfallenden Leichtverwundeten erreichten aber nicht einmal die Zahl allein der gefangenen Franzosen. Deren Verluste an Toten waren außerordentliche- Nach Aussage der Gefangenen waren die Kompagnien schon vor unserem Angriff nur durch unser Arlilleriefeuer auf 00 bis 70 Mann zusammengeschmolzen. In dem eingangs erwähnten amt- lichen Bericht ist betont, daß die stanzösischen Soldaten den Priester- wald als„unfern Wald" ungleich sinniger bezeichnen als die Deutschen, die ihn„Todeswald" oder„Wald der Witwen" nennen. Die Phantasie des Berichterstatters in Ehren. UnS ist indessen von einer derartig geschmackvollen Benamsung nichts bekannt. Am 4. Juli ist aber der Priesterwald den Franzosen zum.Todeswald" geworden.— Selbstverständlich mußten wir damit rechnen, daß der Feind uns den Gewinn bald streitig machen würde. Schon in der Nacht zuni 6. Juli setzte er zu dem erwarteten Gegenangriff an. Wir konnten diesen, wie auch die späteren, abweisen. Unter den Gefangenen befinden sich auch farbige Franzosen. Söhne der Insel Rounion sind es, die zum Kampfe für Zivilisation und Kultur herangeholt sind. Nicht nur in ihrer Uniform sind sie fran- zösische Soldaten geworden, sondern auch in ihrer Gesinnung. Denn gleich diesen sagten sie bei ihrer Vernehmung aus, daß sie den stanzösischen Zeitungen keinen Glauben mehr schenken, daß sie, des Krieges müde, den Frieden wollen, sei er zugunsten Frankreichs oder nicht. Anscheinend ist diese Stimmung auch in der Bevölkerung nicht selten. In Pont-ä-Mousson sollen Frauen das Automobil des Präsidenten der Republik mit Steinen beworfen haben unter dem Rufe, sie wollten den Frieden, sie wollten ihre Söhne zurück- haben._(W. T. B.j Der französische Tagesbericht. Paris, 21. Juli.(W. T. B.) Der amtliche Heeres- bericht von gestern nachmittag besagt: Im Artois um Souchez und bei Neuville-Saint Baast war die Nacht über ein heftiges Bombardement. Einige Kämpfe mit Handgranaten ereigneten sich nördlich des Schlosses von Carleul. Im Aisnetal meldet man eine ziemlich lebhafte Kanonade. S o i s s o n s wurde beschossen. Auf den Maashöhen war die Nacht unruhig, aber ohne Jnfanteriegefecht, außer bei der Tranchee von Calonne, wo zwei Angriffsversuche der Deutschen leicht zurückgeschlagen wurden. Vier unserer Flugzeuge warfen gestern 48 Granaten auf den Abzweigungsbahnhof Challerange südlich Vouziers. Ein Geschwader von 6 Flug- zeugen bombardierte vormittags den Bahnhof von Kol« mar. Es wurden 8 Bomben von 155 Millimeter und 8 von 90 Millimeter auf die Gebäude, Schienenstränge und Züge geworfen. Am Hauptbahnhofe und am Güterbahnhofe wurden Schäden festgestellt. Keine Bombe fiel auf die Stadt. Die Flugzeuge kehrten wohlbehalten zurück. Der amtliche Heeresbericht von gestern nacht lautet: Im Artois Artilleriekämpfe ohne Infanterie- gefecht. Die heftige Beschießung von Reims forderte mehrere Opfer in der Zivilbevölkerung. Zwischen Maas und Mosel, bei Lcs Eparges, im Gebiet von Fey en Haye und im Prie st erwalde ziemlich lebhaftes Geschütz- feuer. In der Nacht vom 19. zum 20. belegte eines unserer Luftschiffe den Militärbahnhof und das Munitionslager von Vigneul les Hattonchätel mit 23 Bomben. Unser Luftschiff kehrte ohne Unfall in unsere Linien zurück. Englischer Kriegsbericht. London, 21. Juli.(W. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Nach einer gut gelungenen Minenexploston besetzten, die Engländer gestern ungefähr 150 Aards feindlicher Schützen- gräben westlich des Schlosses von Hoogs. Die gewonnenen Stellungen wurden verstärkt. Es wurden 15 Mann gefangen genommen, darunter zwei Offiziere, ferner zwei Maschinengewehre erbeutet und zwei vernichtet. �nternierung englischer Flieger in tzollanö. Köln, 21. Juli.(W. T. B.) Die„Köln. Ztg." meldet aus Amsterdam: Bei Philippins landete heute morgen 6 Uhr ein englisches Flugzeug mit zwei Offizieren. Gleich nach der Landung steckten die Offiziere das Flugzeug, das mit einem Maschinen-' gewehr ausgerüstet war, in Brand. Die Offiziere wurden in Ter- neuzen interniert. preöil und bei Malborghet. Von Hugo Schulz(Wien). ? 11. Juni. Fast ebenso eifrig wie das Kanaltal und die Gegend von Malborghet suchen die Italiener das Seebachtal oberhalb Kaibl und d i e P r e d i l st r a ß e mit Geschossen schwersten Kalibers heim. Die Prediljtraße biegt dort, nachdem sie eine Weile dem Sceufer entlang in sanfter Steigung dem Paßeingang zustrebt, plötzlich rechtwinklig ab und windet sich dann zwischen hohen Steilwänden durch ein Engtal, das allmählich sich ausweitend langsam empor- zieht bis zu sener Einsattelung, die den Predilpaß bildet. Die schlucktartige Talbresche, in der die Straße mit so jäher Wendung ocrschlwindet, übt auf die feindlichen Schwergeschütze die stärkste Anziehungskraft. Dort irgendwo müssen nach ihrer Annahme die festen Sperrwerke liegen, die es niederzukämpfen gilt. So furcht- bar nun die Wirkung der feindlichen Bomben auch sein mag, so bleibt sie doch hinter der unserer 30, 5er zurück. Täglich erweist es sich den Italienern durch gutgezieltes Artilleriestuer aiuS der Predilgegend, daß die dort befindlichen Objekte noch sehr lebendig sind, trotz aller im weiteren Umkreis niedergehenden Riesen- bomben, deren schreckliches Getöse die Moral von Kriegern. d,e das Grauen längst verlernt haben, und deren Nerven in den Lava- gluten galizischer Schlachten gestäblt sind, nicht zu erschüttern der- mag. Anfangs gingen manche italienischen Schwergeschosse in den Tee, darunter zwar die Fische sehr zu leiden Ivrtten, aber nicht die Menschen. Auch jetzt noch verschlvindet manche zu kurz geratene Ricsengranate in den grünen Fluten aber manche andere findet doch ihren Weg entweder in die Waldhänge, die die Straße säumen, oder auch auf den Straßenkörper selbst. Wenn sich nun auch die zerstörende Wirkung durch Blindgänger, die wie Gummibälle am Felsgestein abprallen, vermindert, so ist es dennoch derzeit auf der Predilstraße nicht sonderlich geheuer. Der Verkehr bevorzugt d,e finstere Mitternacht, wo die Geschütze schweigen. Sollten sich übrigens die Italiener einbilden, daß ihre kostspielige Verschießung wenigstens den Erfolg hat. den Unsrigen eine wichtige Verbindungs- oder abzndrosseln, so sind sie auch damit auf dem Holzwege. Wenn die italienischen Riesengeschoss« an Präzision und mör- dorischer Wirkung unseren gefürchteten Dreißigerbomben auch nachstehen, so sind sie doch durchaus keine angenehmen Zeitgenoffen. Manches ihrer Sprengstücke fliegt über einen Kilometer weit. Man zeigte mir in Tarvis eine solche Eisenscherbe. Sie war fast zehn Kilo schwer. Nock am selbigen Tage fand ich Gelegenheit, mich zu überzeugen, daß die Kilometerschwinge einzelner Splitter keine Seltenheit sind, sondern die Regel. Fast wäre es mir und meinen Begleitern dabei schief gegangen. Wir waren nachmittags unter Führung des Hauptmanns W. nach Raibl gekommen, wo sich uns sofort einige Offiziere anschlössen, um mit uns zum See zu geknm. Das Erklärcramt übernahm der Landsturmleutnant Dr. B. Eben war trotz düsteren Wetters und grauverhängtem Himmel große Beschießung. Die von hohen Steinabhängen eingefaßten Ufer des kleinen smaragdfarbcnen Sees bilden ein zauberisch schönes Tal des Schweigens, eine schwermütige Acheronlandschaft, die wohl auch sonst von Todcsstimnmng durchschaucrt ist. Jetzt ist aber auch das Waldweben im Umkreis verstummt, nicht einmal Dohlengekrächze läßt sich vernehmen. Lärchen und Fichten prangen in dunklem Grün, die Wiesenhänge sind voll von blühenden Zyklamen, aber trotzdem scheint es, als ob die Gegend kein Lebenszeichen geben wolle. Das ist nun nicht zu verwundern, denn durch die Luft jagen da die bösen Dämonen mit einem Gebrüll, das alle Schauer der Vernichtung zu tönendem Ausdruck bringt. Es ist wohl die den Schall vervielfältigende Akustik dieses Tales, die alle Unter- und Obertöne deutlich mitschwingen läßt, vor allem daran schuld, aber sicher ist, daß ich hier das Gruseln viel gründlicher lernte als je in diesem Kriege. Jedes Geschoß, das hier eindringt, kündigt sich durch fernes, sanftes Getön, das langsam anschwillt, schon einige Sekunden vorher an. Man hat Zeit, seine Sinne auf das Höllen» gebrause einzustellen und in banger Erwartung die Gedanken stocken zu lassen. Wenn dann das Geschoß über den See schwebt, ist es wie das hundertfach verstärkte Heulen der Luftmassen, die der Nordswrm durch eine Windlücke zwängt. Diese Sturmstöße wiederholten sich, als wir am Seeufer dahiaschritten, fast alle drei Minuten, der Feind war also besonders fleißig am Werke. Als wir etwa die Mitte des Ufersaumes erreicht hatten, begann es eben wieder in der Ferne zu�tönen. Wir befanden-uns eben in dem Raum, den die über den See zurückgeschleuderten Sprengstücke mit Vorliebe heimsuchen, und ein Offizier riet uns sofort, Deckung zu nehmen. Leider war kein geeigneter Raum in der Nähe, und wir standen, als drüben in der Talbresche der furchtbare Sprengschlag aufkrachte, wie gebannt da. Doch n-ur einen Augenblick, dann stoben wir auseinander, denn ein Schwirren in der Luft, ähnlich dem der Wirbel eines Flugzeugpropellers, ließ Böses ahnen, da es seine Richtung gerade auf unseren Standort zu nehmen schien. Knapp vor dem Ufer ging die Eisenscherbe mächtig aufklatschend ins Wasser. Der Eisengruß war doch etwas zu kurz geraten und hatte seine Absicht verfehlt, wenn sie eine andere war als die einer wohlmeinenden Warnung. Wir waren nun, als es wieder zu heulen begann, sehr sorgsam auf rechtzeitige Deckung hinter manns- dicken Baumstämmen bedacht, wofür uns die Italiener belohnten, indem sie das nächste Geschoß blind gehen ließen und das nächst- folgende direkt in den See sandten, aus dem ein breiter Wasser- strahl hoch aufschoß. Einigermaßen im Gemüt erschüttert und doch auch wieder beruhigt, zogen wir�uns bald nach Raibl zurück. Tags darauf Ausflüge ins Seiseratal und in die Gegend von Malborghet. Vom Seiseratal aus sah ich den Gipfel des von den Italienern gleich bei Kriegsbeginn besetzten Mittagskofel. Er trug eine dünne Nebelhaube, und das war wohl die Ursache, daß die Haubitzen, die noch tags vorher mehr als dreißig schwere Granaten in den Wiesengrund des Tales gesandt hatten, während unserer Anwesenheit untätig blieben. Der Artilleriebeobachtcr hatte keine Aussicht. Tagegen böllerte unaufbörlich in den Bergen das Kleingewehr, insbesondere wurden zwischen dem anderen Gipfel des Mittagskofels, den die Italiener den Unsrigen über- lassen mußten, und dem Hauptgipfel zahlreiche Schüsse gewechselt. Unsere Truppen, die dort oben in fast 2000 Meter Höhe nicht nur dem Feinde, sondern auch aller Wetterunbill standhalten, sind Kärtner nick Steirer. Sie haben Zelte mit und sollen es sich ganz wohnlich eingerichtet haben. Trotz vielen Mangels an Bequcmlich- kcit— ein Brett gilt oben als eine Kostbarkeit— bleiben sie gerne längere Zeit in der Höhenstellung und hohen es nicht gerne, tvenw man sie allzu rasch ablöst. Häufige Abläsungen machen, häufiger als einem lieb ist, sechsstündiges Steigen mit schwerer Bepackung nötig. Aus dem Seiseratal wieder ins Kanaltal zurückgekehrt, ritten wir zu einer hochgelegenen Artilleriestellung. Die Batterie, die wir besuchten, hat bisher noch wenig zu tun bekommen, so daß die Mannschaft Zeit hatte, ihre Stellung gründlich auszubauen. Sie. macht den Eindruck einer mit künstlerischer Sorgfalt hergerichteteu Villen- und Parkanlage. Wir gehen weiter zum Beobachtungs- stand, einem über die Baumwipfel hinüberragenden Holzgerüst, das man auf einer schwankenden Leiter besteigt. Dem Beobachteroffi- zier und seinen Leuten, lustigen Wienern, die sich hier eine„Villa Lavaradutti" errichtet haben, scheint es recht gut zu geben. An Sonntagen verwandelt sich die„Villa" in eine Buschenschenke, in der ein„Schrammelterzett", bestehend aus einem Einjährig-Frei- willigen und zwei Unteroffizieren, eine Gitarre, eine Mandoline und eine Harmonika zu einem„schiabrischen Tanz" zusammen tönen läßt. Doch oben auf dem letzten„Sprissel" der Hühnerleiter hockt der blutige Ernst dieses todesnahen Lebens und weist mit knöchernen Fingern auf die Höhen ringsum, über die es zeitweilig von jenseits herüberdonnert. Auch inS Tal weist er hin, dorthin. wo das Fort Hensel steht mit seiner heldenmütigen Besatzung. die im Höllenwirbel der 28er Bomben eisern ausharrt. Durch das Scherenfernrohr blicke ich hinab auf diese Sperrstraße, die den Feinden so schwere Enttäuschungen bereitet. Eine Unmasse Ge- schösse aus schwersten Kalibern sind bisher über die Köpfe der stahl- nervigen Kärntner gesaust, die dort drin sitzen. Manche Rippe von dem Felsklotz, auf dem ein Teil des Bollwerkes steht, ist schon ab- gesplittert; im Umgelände reiht sich Trichter an Trichter, so daß esl aussieht wie ein Wolfsgrubenfeld. Ein Bach speist diese Krater mit Wasser und wenn eine Bombe dann in ein schon vorhandenes Loch fährt, schießt weithin sichtbar ein hoher Springbrunnenstrahl auf. Dem Werk selbst haben die Geschosse nur wenig geschadet und nach wie vor erwidert es die Beschießung zum Erstaunen der Italiener recht kräftig. Einiges Mauerwerk ist zerbröckelt und zerschottert; diese mefft rasch ausgebesserten Schäden find aber durch das Scherenfernrohr kaum wahrzunehmen. Im ganzen Abschnitt zwischen dem Kanaltal und dem Nord- abfall des Krn haben die Italiener trotz unablässiger Bemühungen! seit Ende Mai nicht das geringste erreicht. Dort mußten ihnen einige vorgeschobene Punkte, die schwer zu behaupten gewesen wären, überlassen werden, und daS war ihr einziger Erfolg. Die Predilstraße, die sich obendrein recht häufig durch nebelgesponnene Tarnkappen völlig unsichtbar macht, bearbeiteten sie seit Ende Mai vergeblich, wobei ihnen noch das Mißgeschick widerfuhr, daß die Unsrigen ihre Artilleriestellung auf dem Neweasattel entdeckten und wenigstens zum Teil ausräucherten. WaS ich aller Orten in den Tälern dieses Frontabschnittes an Vorkehrungen der Verteidiger gesehen habe, bestärkt mich in der Ueberzeugung, daß es dem Feinde erst recht übel erginge, wenn es ihm gelänge, die Schwellen der Eingangspforten zu überschreiten. Er würde da wie in ein Fang» netz hineingeraten, dessen Maschen aus Feuergarben gesponnen sind und durch deren enges Geflecht es keinen Durchschlupf gibt. Gestlicher Kriegsschauplatz. Einberufung der Neunzehnjährigen unö ües Landsturms in Rußland. Petersburg, 21. Juli.(23. T. 23.).Rjetsch' meldet: Der Ministerrat hat beschlossen, noch im Laufe des Jahres 1315 die im Jahre 1836 geborenen LLehrpflichtigen, die nach den geltenden Bestimmungen erst im Jahre 1917 zu dienen haben, ein- zuziehen. Das Blatt tritt in einem Leitartikel dafür ein, daß Volks- schullehrer auf dem Lande und andere des Lesens Kundige, um den Krieg zu einem wirklichen Volkskriege zu machen, von der Regierung besonders volkstümliche Berichte über die Sachlage zum Zwecks der Weiterverbreitung er- halten, da unter den Analphabeten, achtzig von hundert der russischen Bevölkerung, die wildesten Gerüchte über die Kriegslage verbreitet seien. Moskau, 21. Juli.(W. T. B.).Rußkoje Slowo� berichtet aus Warschau: In ganz Polen wurde der ungediente Land- stürm, die sogenannten Ratniki erster Klasse, eingezogen. Die Semstwos haben den Antrag gestellt, daß die gesamte In- dustrie zur Erzeugung von Munition milirärisch organisiert werde> In Rußland herrscht derartiger Arbeitermangel, daß man über Charbin 303 03(1(!) chinesische KuliZ kommen ließ, die jetzt erwartet werden. /lustaußh von Invaliüen mit Rußland. Stockholm, 21. Juli.(W. T. B.) Die deutsche und die russische Regierung haben die Vorschläge der Direktion des Roten Kreuzes betreffs Austausch der invaliden und verwundeten Gefangenen zwischen Deutschland und Rußland gebilligt. Vier Züge mit Einrichtungen für Krankenpflege werden dreimal wöchent- lich von Haparanda nach Trelleborg oder umgekehrt, jeder mit 230 Verwundeten abgehen. Die Verbindung Satznitz- Trelleborg wird von schwedischen Spezialdampfern besorgt. Eine Besichtigung zur Verhinderung von Epidemien wird in Satznitz und in Tornea stattfinden. Der erste Zug wird in der ersten Hälfte des August abgehen. Der italienische Krieg. Meldung der italienischen Heeresleitung. Rom, 21. Juli.(W. T. B.) Heeresbericht vom 20. Juli 6 Uhr abends: Längs der ganzen Jsonzofront nahm gestern unsere kräftige Offensive einen weiteren Verlauf mit Fortschritten besonders auf dem Karstplateau. Gegen Ende des TageS wurden weitere Schützengräben genommen und noch etwa 300 Gefangene gemacht, darunter 5 Offiziere. Trotz der Ermüdung durch den Kampf, der erbittert und hart- näckig bis gegen Abend dauerte, konnten sich unsere Truppen schnell in den gewonnenen Stellungen festsetzen und dann dort den vom Feinde während der Nacht unternommenen Gegenangriffen widerstehen. Die Aktion entwickelt sich weiter. Auf den übrigen Teilen des Kriegsschauplatzes ist die Lage unverändert. Der türkische Krieg. Sericht ües türkischen Hauptquartiers. Koustantinopel, 21. Juli.(W. T. B.) Das Haupt- quartier hat gestern mitgeteilt: Bei A r i B u r n u ließen wir am 19. Juli eine Mine vor unseren Schützengräben springen, wodurch feindliche Gegenminen vernichtet wurden. Zwei starke Abteilungen, welche der Feind in die Vor- postenkämpfe hineinwarf, wiesen wir mit schweren Vcr- lusten zurück. Unsere Artillerie zerstreute eine lange Infanteriekolonne, welche der Feind seinem linken Flügel zur Verstärkung schickte. Unter den Franzosen, welche wir am 18. Juli in unseren Schützengräben gefangen genommen haben, befinden sich schwer verwundete Offiziere. In der Nacht zum 20. Juli und am folgenden Tage haben unsere Batterien auf dem asiatischen User das Lager und die Landuugsbrücken des Feindes bei Tekke Burnu und seine Truppen bei M o r t o l i m a n beschossen. Im Irak griffen unsere Vortruppen in der Nacht zum 18. Juli den feindlichen rechten Flügel östlich von Kalat el Nedschim an und zwangen ihn nach vierstündigem Kampf zum Zurückgehen; unsere Artillerie versenkte ein mit Lebens- Mitteln beladenes feindliches Boot. Eine Anzahl gewaltsam in die feindliche Armee eingestellter Moslems ist am 17. Juli desertiert und zu uns geflüchtet. Die Verluste des Feindes in der Schlacht bei K a b a- T u l m a i n am 11. Juli werden auf 2000 Mann geschätzt. Eine unserer aus Freiwilligen be- stehenden fliegenden Kolonnen überfiel in der Nacht zum 18. Juli ein feindliches Lager und kehrte mit reicher Beute zurück. Von den anderen Fronten nichts Wesentliches. Konstantinopel, 21. Juli.(W. T. B.) Bericht des Gene- ratstabs: An der D a r d a n e l l e n f r o n t hat sich am 20. Juli nichts von Bedeutung ereignet. Die Mine, die wir am 19. Juli gerade vor einer feindlichen Gegenmine zur Ex- plosion gebracht, hat feindliche Soldaten, die dort arbeiteten, verschiittet. An den übrigen Fronten nichts Besonderes. Kämpfe im Kaukasus. Petersburg, 21. Juli.(W. T. B.) Der General st ab der Kaukasus-Armee meldet voni 13. Juli: In dem Küstengebiet gegenseitiges Gewehrfeuer. Unsere Torpedoboote zerstörten 69 mit Mehl beladene Segelschiffe. Ein russisches Motorboot kaperte ein Segelschiff mit großer Maisladung. In der Gegend von Olty nur Gewehrfeuer. In der Gegenv von Muck dauert der Kampf noch an. Unsere Truppen er- oberten das Dorf Nazyk. Auf der übrigen Front keine Ver- ändcrungen. Die Darüanellenverluste. London, 21. Juli.(W. T. B.) Die„Times" macht darauf aufmerksam, daß die englische Verluste an den Dardanellen mit 12 131 Mann schon größer seien, als Me Verluste des ganzen Burenkrieges, welche 38 136 Mann betragen hätten. Die /lufstanüsbewegung in Tripolis. Mailand, 21. Juli.(W. T. B.)„Corriere della Sera" meldet aus Tunis: Die italienische Besatzung von N a I u t in Tripolis überschritt die französische Grenze nach Dehibat in Tunesien. Die Streitkräfte der Aufständischen jener Gegend wuchsen so an, daß den Italienern kein anderer Weg zum Rückzüge blieb. Der Seekrieg. Die amerikanische Antwortnote. London, 21. Juli.(W. T. B.) Das Reuterfche Bureau meldet aus Washington: DaS Kabinett hat nach zweistündiger Wer- Handlung Wilsons Entwurf einer Note an Deutschland zuge- st i m m t, die in ein bis zwei Tagen nach Berlin abgehen dürfte. lieber ihren Inhalt wurde nichts verlautbart. Die kriegsgegnerische Propaganda in England. London, 20. Juli.(W. T. B.) Unterhaus. Chamber- lain sagte auf eine Anfrage, er habe eine Depesche aus Indien erhalten, wonach die Regierung voraussichtlich feindliche Fremde demnächst internieren »verde. N i e l d(Unionist) stellte eine Frage wegen der Vereinigung für demokratische Kontrolle, die eine Propaganda gegeu die Rekrutierung und für die Be- endigung des Krieges unter für die Feinde günstigen Bedin- gungen treibe, ebenso wegen der Unabhängigen Arbeiterpartei, die zweihundert Versam mlungen wöchentlich in gleicher Absicht halte und eine große Menge Literatur verbreitet habe, worin die frühere und gegenwärtige Regierung angegriffen und die Tatsachen über den Ursprung des Krieges entstellt würden. Nield fragte weiter, ob die Regierung wirksame Schritte tun würde, um die Propaganda zu verhindern und die beteiligten Personen in den Anklagezustand zu versetzen. Er fragte ferner, ob diese Körperschaften von Deutschland finanziert würden. P o n s o n b y sagte, der Verein für demokratische Kontrolle habe eine derartige Propaganda wiederholt abgeleugnet und nähme keine Beiträge von den Feinden an. C a r s o n sagte, der Verein verfolge den Zweck, beim Kriegsende einen solchen Ausgleich und solche Aenderungen in den Beziehungen der Völker herbeizuführen, die einen dauernden Frieden an- statt einer Zeit neuen Wettrüstens bringen würden. Die Organe der Bewegung würden beobachtet. Meld fragte, ob die Polizei den Versammlungen beiwohnen und darüber berichten könne. Ponsonbh sagte, der Verein sei bereit, die Liste der Geldgeber von der Regierung prüfen zu lassen und die Polizei zu den Versammlungen zuzulassen. Chancellor(liberal) sagte, mehrere Mitglieder der Ver- einigung hätten an der Rekrutcnwerbung teilgenommen. Pringle(liberal) fragte, ob nicht ein Kabinettsmitglied die Vereinsmitgliedschaft erst nach seiner Ernennung zum Minister ausgegeben habe. Oouthwaite(liberal) fragte, ob die Regierung, ehe sie Schritte gegen den Verein unternähme, den Minister Henderson um Rat fragen wolle, der aus dem Verein ausgetreten sei, um in das Ka- binett einzutreten. Carson erwiderte: Nein. Bei der Debatte über die Kohlenbill beantragte Walton(liberal) die Bill zu verwerfen, da sie ungerecht sei und die Kohlenindustrie anders behandle, während andere Industrien große Kriegsgewinne machen dürften. Minister R u n c i m a n verteidigte die Bill aus praktischen Gründen, da sonst die Kohlenpreise gewaltig steigen würden. Der Schatz- kanzler würde die Frage der Besteuerung der Kriegs- gewinne nicht übersehen. M a r h a m kritisierte die Regierung. Hätte sie sofort angekündigt, daß sie die Kriegsgewinne gründlich besteuern würde, dann wäre der Streik in Süd-Wales vermieden worden. Markham sowie andere Redner betonten, daß namentlich die Gewinne des Zwischenhandels herangezogen werden müßten. Die Bill wurde in zweiter Lesung angenommen. Bei der Beratung einer Bill, daß die Jagdzeit für M o o r h ü h n e r an: 5. August statt am 12. August beginnen solle, erhob Dalziel dagegen Widerspruch, daß das Haus in einer großen nationalen Krisis sich mit solchen Lappalien ab- geben müsse, während die Regierung einen SitzungStag für die Erörterung vitaler Fragen verweigere. Markham be- antragte die Vertagung der Debatte, was auch angenommen wurde. Knegsgegner im englifthen Kabinett. London, 23. Juli.(W. T. B.) R e h n o l d s„N e w S P a p e r" greift Sir I o h n S im o n wegen seiner jüngst gehaltenen Rede an, in welcher er sich gegen eine Debatte des Parlaments über die Munitionsfrage ausgesprochen habe. Das unter Leitung des Par- lamentsmitgliedes Sir Henry Dalziel stehende radikale Blatt sagt: Als die Frage, ob England sich am Kriege beteiligen solle, auf der Tagesordnung stand, erklärte Simon im Kabinett, daß er hierfür keine persönliche Verantwortung übernehmen könne, und sprach den Wunsch aus, aus dem Kabinett auSzu- treten. Das Blatt fordert Simon auf, den so lautenden Gerüchten, wenn sie falsch seien, entgegenzutreten. Englische Kriegsausgaben. London, 20. Juli.(W. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Im Unterhause verlangte Asguith einen Kriegskredit von 150 Millionen Pfund Ster- l i n g, was die Gesamtsumme für das Finanzjahr auf 630 Millionen bringt oder auf 1012 Millionen seitBe- ginn des Krieges. Die Ausgaben für die ersten siebzehn Tage des Juli haben 51 Millionen betragen. Die Nettokriegs- ausgaben in der Zeit vom 1. April bis 17. Juli einschließlich der Anleihen an Verbündete machen 277 Millionen Pfund Sterling aus. Die Kriegsausgaben, so wurde aus- geführt, zeigen eine steigende Tendenz. Die Anleihen an die Verbündeten können steigen, wenn Staaten sich der Sache der Verbündeten anschließen, die an den früheren Ab- schnitten des Krieges nicht teilgenommen haben. Asquith erwähnte auch, daß der Wortlaut der Klausel, die von den Anleihen handele, abgeändert worden sei. Die Regierung verlange jetzt, daß das Geld als Vorschuß in Form von Anleihen und Bewilligungen für Zwecke, die mit dem Kriege im Zusammenhange ständen, ausgegeben werden dürfe. Bei dem letzten Kriegskredit habe der Schatzkanzler richtig er- klärt, daß keine Vorschüsse gegeben worden seien, außer an Staaten, die als britische Dominien und als verbündete Mächte bezeichnet werden könnten. Wir haben, so schloß Asquith, diesmal absichtlich keine Grenzen gezogen. Das Haus wird sicherlich nicht verlangen, daß ich Einzelheiten an- geben soll. Es ist wünschensivert unter den gegenwärtigen ilmständen, daß wir bezüglich der Länder, denen vielleicht Vorschüsse gewährt werden, eine größere Freiheit haben. Die Saumwollfrage. Loudou, 21. Juli.(W. T. B.) Das Unterhaus be- willigte einstimmig die verlangten Kriegs- kredite. Ferner wurde die Baumwollfrage besprochen. Premier* minister Asquith sagte, dies sei eine äußerst heikle Angelegenheit. der die Regierung die sorgfältigste Aufmerksamkeit schenke. Es stehe außer Zweifel, daß eine Menge dieses Rohprodukts, das zur Her- stellung einiger sehr kräftiger Explosivstoffe diene, Feindesland erreiche. Die britische Regierung müsse jedoch vorsichtig zu Werke gehen, um nicht die Handelsinteressen und die Empfindlichkeit der Neu- t r a I e n zu verletzen. Sie hoffe bald zu einer befriedigenderen Lösung zu gelangen, als dies bisher möglich gewesen sei. Die Lohnbewegung in Sridgeport. New Jork, 21. Juli.(W. T. B.) Die Maschinisten der Waffen- und Munitionsfabriken in Bridgeport legten gestern nicht die Arbeit nieder, wie sie früher ange- kündigt hatten. Es verlautet, daß die Forderungen der Ar- bester bewilligt wurden. Reichsversicherung gegen Zlugzeugschäden. London, 21. Juli.(23. T. 23.) Gestern ist eine neue Reichs- Versicherungsordnung gegen durch feindliche Flugzeuge verursachten Schaden in Kraft getreten. Der Regierungstarif beträgt 2 Schilling für 133 Pfd. Sterl. und für das Jahr. Stimmung bei den französischen Sozialisten. Köln, 21. Juli.(T. U.) Wie die„Köln. Ztg." von der fran- zösischen Grenze meldet, haben sich innerhalb der französischen sozialistischen Partei auch Stimmen erhoben, die sich gegen das Durchhalten im Kriege bis zur gänzlichen„Vernichtung des deutschen Imperialismus und Militarismus" ausge, sprachen haben. Sozialisten-Verfolgungen in Italien. Rom, 21. Juli.(W. T. B.) Der„Avanti" erfährt aus B r e s c i a, daß vorgestern früh in den Räumen des Hörstgen jungsozialistischen Vereins eine Untersuchung vorgenommen wurde, infolge deren fünf Vereins- Mitglieder verhaftet wurden. Man glaubt, daß eine weitere Verhaftung in Val di Trempia erfolgt ist. Brescia, 21. Juli.(W. T. B.) Die Brescianer Zeitungen „Jl Cittadino" und„La Sentinella Bresciania" bringen die Nachricht von der Verhaftung der Mitglieder der sozialistischen Verwaltung von Gardon e. Unter den Verhafteten befinden sich der Bürgermeister, der Vizesekretär und fünf Gemeindeassessoren. Sie wurden im Militärautomobil unter Begleitung zahlreicher Karabinierr nach Brescia übergeführt. Die Zeitungen schreiben, daß die Verhafteten der antimilitaristischen Propaganda an- geklagt sind. Rom, 21. Juli.(W. T. B.) DaS Amtsblatt veröffentlicht einen Erlaß, durch den der Bürgermeister von P i e v 1 di Teco in der Provinz Porto Maurizio seiner Stelle enthoben wird, weil er am 16. Mai öffentlich eine heftige Rede gegen die Be» teiligung Italiens am Kriege gehalten hat. Eine internationale Versammlung der Saltansozialisten. Budapest, 21. Juli.(T. U.) Am Sonntag fand, wie „Az Est" meldet, in Bukarest eine internationale Generalver- sammlung der Sozialisten der Balkanstaaten statt, an der außer den rumänischen auch bulgarische und griechische Ver- treter teilnahmen. Den Serben war die Teilnahme von ihrer Regierung untersagt worden. Die Versammlung richtete an die serbischen Sozialisten die Aufforderung, im Interesse eines baldigen Friedens alles zu unternehmen. Die rumänische Regierung hatte Reden fremder Vertreter für nicht zulässig erklärt. Infolgedessen wurden ihre Reden durch den Vorsitzen- den verlesen. Sie betonten, das Ziel aller Balkanstaaten fei die Vereinigung ini Frieden und brüderliches Einvernehmen. Nach den Reden der Rumänen wurde ein Antrag ange- nommen, in dem die Kriegshetze verurteilt und festgestellt wird, daß dem Interesse der Balkanstaaten nur die strengste Neutralität entspricht. Am Nachmittag folgte eine Versammlung der Liga popu- lare, in der gegen die nationale Aktion Stellung genommen wurde. Der Advokat Beresti wies darauf hin, daß, wenn das Volk der nationalen Aktion gefolgt wäre, es sich jetzt ebenso im Unglück befinden würde wie Rußland. In einem Be- schluß sprach die Versammlung der Regierung das Vertrauen aus. Sie erblickt eine Bürgschaft für die ruhige EntWickelung Rumäniens in einem Zusammengehen mit den Zentral- mächten. Mimsterwechse! in Griechenland. Athen, 21. Juli.(W. T. B.) Meldung der Agence d'Athänes. Das Entlassungsgesuch, das der M i n i st e r des Aeußern Zographos aus Gesundheitsrücksichten eingereicht hatte, ist genehmigt worden. Ministerpräsident Gunaris wird vorläufig die Geschäfte führen. Nach Blättermeldungen aus Athen ist die Wiedereröffnung des griechischen Parlaments auf den 16. August festgesetzt worden. Die venizelistische Bewegung gewinne in den Kreisen des Parlaments und der Oeffent- keit täglich an Anhang. Streik der Arbeiter des pettoleumttusts. New Aork, 21. Juli.(W. T. B.) Meldimg des Reuter- scheu Bureaus. Fünftausend Arbeiter der Standard Oil Company in Bayonne(New Jersey), die beim Laden der Schiffe für die Ausfuhr beschäftigt sind. haben die Arbeit niedergelegt. Sechs Schiffs konnten nicht abfahren. New Jork, 21. Juli.(W. T. B.) Heute kam eS unter den ausständigen Arbeitern der Standard Oil Company zu ernsten Unruhen. Die Polizei wurde mit Steinen be- warfen. Sie machte von ihren Knüppeln Gebrauch, um die Menge auseinander zu treiben. Schüsse wurden gewechselt, aber niemand verletzt._ Kriegsbekanntmachungen. Freie Urlaubsfahrt für beurlaubte Mannschaften. Amtlich. Berlin, 21. Juli.(W. T. B.) Bisher wurde nur den zur Wiederherstellung der Gesundheit und den zur Frühjahrsbestellung und zur Ernte in die Heimat beurlaubten Mannschaften freie Eisenbahnfahrt gewährt. Nunmehr ist für sämtliche Mannschaften bei Heimatsurlaub während des Krieges freie Eisenbahnfahrt bewilligt worden. Aus der Partei. Der Dresdener Bezirk zu den Parteidifferenzen. Am letzten Sonntag fand in Dresden eine Bezirks. fizung statt, an der die Vorstände der neun Wahl. freife, Landes- und Bezirksvorstand sowie die dem Bezirk an gehörenden Reichs- und Landtagsabgeordneten und politischen Rebakteure der Parteipreffe nach der Präsenzliste 175 Personen beteiligt waren. Genosse Fleißner gab Bericht aus der letzten Sigung des Parteiausschusses in Berlin, daran schloß sich eine lebhafte Debatte. Im Verlauf derselben stellte Genosse Sahmann den Antrag: „ Die Bezirkssizung schließt sich der Willenserklärung des Barteiausschusses vom 1. Juli an." Jener Beschluß, auf den dieser Antrag Bezug nimmt, lautet: 1. Der Parteiausschuß billigt die Haltung des Parteivorstandes und der Fraktionsmehrheit und anerkennt besonders die Bemühungen zur Anbahnung einer Verständigung mit den Bruderparteien der friegführenden Länder. 2. Der Parteiausschuß verurteilt die offenbar von einer Zentralstelle aus geleitete unterirdische Minierarbeit, die darauf hinausläuft, sie Parteiorganisation von innen anzugreifen, um der Barteimehrheit den Willen der Minderheit aufzuzwingen. Dieses Verfahren ist unvereinbar mit den Interessen der Partei und der Arbeiterklasse. 3. Die Veröffentlichung des Aufrufs„ Das Gebot der Stunde" durch den Genossen Haase, zumal ohne vorherige Fühlungnahme mit der Partei- und Fraktionsleitung, steht nicht im Einklang mit den Pflichten eines Vorsitzenden der Partei." Danach stellte Genosse Fleißner folgenden Antrag: Die Bezirkssigung berurteilt alle Maßnahmen der Parteiinstanzen, die eine Unterbindung der freien Meinungsäußerung innerhalb der Partei bezweden. Sie berurteilt baber entschieden das gegen ben Parteivorsigenden Genossen Haase in szenierte Verfahren, spricht ihm das Vertrauen für feine mannhafte Haltung aus und erklärt ihr Einverständnis mit dem Artikel: Das Gebot der Stunde." Die nach reichlich siebenstündiger Erörterung bei 20 Minuten Debatte- Redezeit borgenommene Abstimmung hatte folgendes Ergebnis: Absatz 1 des Beschlusses des Partei- Ausschusses( Antrag Kahmann) gegen eine starke Minderheit bei der ersten Abstimmung wurde nicht ausgezählt angenommen; Absatz 2 mit 67 gegen 51 Stimmen abgelehnt; Abfaz 3 mit 73 gegen 57 Stimmen abgelehnt. Antrag Leißner mit 77 gegen 56 Stimmen angenommen. " Der Kreiswahlverein Weylar- Altenkircheu hielt, einem Berichte der Oberhessischen Volkszeitung" aufolge, am Sonntag eine gut besuchte Mitgliederversammlung ab, in der Reichstagsabgeordneter Vogtherr die weltpolitischen Probleme behandelte. Er fand mit seinen Lehrreichen Ausführungen reichen Beifall. Es wurde bei einer Stimmenthaltung eine Resolution angenommen, in der die Versammlung sich mit den Ausführungen des Redners einverstanden erklärte. Sie findet das Verhalten der Minderheit der Reichstagsfraktion verständlich und vereinbar mit unseren elementaren Grundsätzen. Jm weiteren wird u. a. das Verhalten des Genossen Haase gebilligt, dem die Versammlung ihr volles Vertrauen aus spricht. Zum Schluß wird in der Resolution die politische Haltung der„ Voltsstimme" getadelt, weil sie geeignet fei, die Genossen zu berwirren. Südekum für„ Grenzberichtigungen“ und„ wirtschaftliche Verbindungen". Der Reichstagsabgeordnete Genosse Dr. Südekum schreibt in einem Artikel im„ Hamb. Echo": „ Um mit dem legten zu beginnen, so hofft die Partei opposition, trog aller Beschlüffe der berufenen Körperschaften, Verband der Brauerei- und Mühlenarbeiter und verwandter Berufsgenossen. Berufsgenossen. Zahlstelle Berlin. Geschäftsstelle: C 54, Mulackstr. 10 I. Fernspr.: Amt Norden 4518. Die Geschäftsstelle ist geöffnet an Wochentagen von 9-1 und von 6½, bis 8 Uhr. Sonnabend nachmittags geschlossen. Sonntag, den 25. Juli 1915, nachmittags 2 Uhr: General- Versammlung im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, großer Saal. Tagesordnung: 1. Geschäfts- und Kaffenbericht vom 2. Quartal 1915. 2. Berbandsangelegenheiten. Da in dieser Versammlung sehr wichtige Verbandsangelegen heiten behandelt werden, ist das Erscheinen aller Mitglieder not wendig. 42/ 18* Josef Glass Marie Jacob Bermählte. Berlin, Bößowstraße 5. Die Ortsverwaltung. Sterbekasse ehemal. Pflug'seher Arbeiter( Hetzel'sche Kasse). Sonntag, den 25. Juli 1915, vormittags 9%, Uhr pünktlich: M mittels einer intensiven Propaganda gegen angebliche imperia- stimme" is also ein 3eichen grober journalistischer Fahrlässiglistische Gelüste“ in der Annegionsfrage oder dem, was feit oder krankhafter Verfolgungswut. dazu zurechtgemacht wird, die Mehrheit hinter sich bringen Ein weiteres Eingehen auf den Beschluß des französischen zu können. Hier sehen in erster Linie ihre Bemühungen ein. Nationalrates ist uns bis jetzt aus Gründen, die nicht in unserer Man macht, wie das Hamburger Echo" mit unübertrefflicher Macht liegen, nicht möglich gewesen. Schärfe die Sache darzustellen wußte, aus den weltbewegenden Fragen des gewaltigsten aller Kriege eine fleine Parteistänkerei und alles kann wieder in der alten bewährten" Weise weitergehen! Hier und jetzt sollen nicht die Einzelheiten der hielt zufammen mit dem Klub der Abgeordneten am 13. Juli eine Annegionsfrage erörtert werden. In Wirklichkeit bietet sie gemeinsame Sigung ab. Es wurde zunächst vom Vorstand ein ausfür unsere Partei feine unlösbaren Schwierigkeiten, wie sich aus Die Partcivertretung der deutschen Sozialdemokrateu in Desterreich. der bevorstehenden Erörterung der Fraktion und des Partei- führlicher Bericht über seine Tätigkeit seit der letzten Parteikonferenz ausschusses sicherlich ergeben wird. Meinungsverschiedenheiten be- gegeben. Diese vielseitige Tätigkeit erstreďte sich in der Hauptsache stehen allerdings, zum Teil fogar recht weit auseinanderführende. auf die Fragen der Volksernährung, des Arbeiterschutzes und der Daher ja auch die geplante Aussprache. Selbstverständlich hat Verhältnisse der Arbeiter während des Krieges und der verschiedenen jedermann das Recht, seine Ansichten zu vertreten, so gut oder so Formen der sozialen Fürsorge. Die Partei, das ist der Grundzug schlecht das unter heutigen Umständen geht. des Bildes, das man aus den Berichten empfangen hat, steht aufWahrscheinlich ist die Mehrheit unseres ganzen Volkes, sicher recht, ungebeugt und entschlossen, durch intensivere Leistung die die Mehrheit der unserer Gedankenwelt anhängenden Masse, gegen die Unterjochung fremder Völker; aber deshalb kann furchtbare Schwierigkeit des Augenblicks zu überwinden. Weiter beman doch gegen die rein negative Behauptung jener Oppofitio- schäftigte sich die Sigung mit der politischen Lage und beschloß, eine nellen mit bermutlich viel größerer Berechtigung die andere Sundgebung zu erlassen, die die Empfindungen und das Bollen der wagen, daß gegen notwendige Grenzsicherungen sozialdemokratischen Arbeiterpartei zum Ausdrud bringt. unferes Landes und gegen selbst recht weit" " gehende wirtschaftliche Verbindungen zwischen den europäischen Staaten auch als Teile von Friedensbedingungen, ernsthaft nichts eingewendet wird. In einem Feldbrief an die Schleswig- Holsteinische Volkszeitung" heißt es flipp und flar: Und das sei auch gleich gesagt: Wir wollen auch nicht umsonst gefämpt haben. Nach außen wollen wir Sicherung gegen einen neuen Krieg." Wie eine solche Sicherung ausfehen muß, ohne daß mit ihr die Unterjochung eines fremden Volkes verbunden ist, das muß als technische Frage behandelt und weiterer Untersuchung unterstellt werden." Ueber die Frage der 3 ensur gibt Südekum folgende Ansicht zum besten: Die Parteiopposition behauptet zwar immer, die Beschränkung der Preß- und Versammlungsfreiheit laste am schwersten auf ihr, weil sie feine Gelegenheit finde, öffentlich ihre Ansichten zu vertreten und daher notgedrungen in die Heimlichkeit kleiner Stonventikel flüchten müsse; in Wirklichkeit verhält es sich mit den Nachteilen dieses Zustandes aber ganz anders; so weit es unsere Partei angeht, fallen sie mit größerer Wucht auf die Vertreter der Parteimehrheit, weil diese sich bei pflichtgemäßer Bekämpfung der mit der Märtyrergloriole geschmückten Minderheit sehr leicht dem Vorwurf unritterlichen Verhaltens ausgesetzt sehen." Man muß schon sagen, daß sich in Südekums Kopf die Welt ganz anders spiegelt, als in anderen Menschenköpfen. Denn schon seine Erörterung der Annerionsfrage beweist schlagend das Gegenteil dessen was er behauptet.& r fann im Hamburger Echo" unbehelligt seine Ansichten über Notwendigkeit und Wesen von Annerionen vertreten; aber der Minderheit" ist jede Antwort darauf zurzeit versagt. Was vollends die Ritterlichkeit anlangt, mit der von manchen Vertretern der Mehrheit die Opposition bekämpft wird, so wird zu gegebener Zeit auch darüber sehr viel zu sagen sein! " Wie es gemacht wird. " Die Chemnizer Boltsstimme" beschwert sich in einer durch den Drud besonders auffällig ausgezeichneten Notiz darüber, daß der Vorwärts" bisher noch keine Silbe über die Tagung des französischen Nationalrats und die Resolution berichtet habe und sagt:„ Die Leser des Vorwärts" haben noch immer keine Ahnung davon, wie die französischen Sozialdemokraten über die Fortsetzung des Krieges, die Annerionsfrage und das Problem Wir nehmen des Selbstbestimmungsrechts der Völker denken." an, daß unsere Leser unser Blatt aufmerksamer durchgesehen haben als die Redakteure der Boltsstimme". Pereits am Sonnabend, den 17. Juli, haben wir ebenso rechtzeitig wie die übrige Berliner Presie die damals allein vorliegende W. T. B.- Meldung über den Kongreß wiedergegeben. Die Polemik der„ VolksVerkäufe. Hermannplak 6. Pfandleih haus". Extrabilliger Bettenverkauf, äscheverkauf, Gardinenverkauf, Teppichverkauf, Uhrenverkauf, Goldfachen. Spottbillige Jakettanzüge, Gehrodanzüge, Herrenhosen. Teppiche mit fleinem Fehler, sehr billig. Gardinen, Bortieren, Steppdecken, Tischdecken, Diwandecken, sehr Soziales. Zur Versorgung der Kriegshinterbliebenen. Im Haushaltungsausschuß des Reichstags hatte der Staatssekretär des Reichsschazamts Dr. Helfferich mitgeteilt, daß die Reichsregierung bereit sei, etwaige Härten, die sich in gegebenen Fällen aus der gegenwärtigen Gesezeslage hinsichtlich der Verftüßungswege auszugleichen, und daß zu diesem Zwed ent sorgung der Kriegshinterbliebenen ergeben, fönnen, im Untersprechende Mittel bereitgestellt werden sollen. Als zum Ausgleich geeignete Fälle von Härten können hiernach nach der„ Barlaments torrespondenz" in Betracht kommen: 1. Witwen und Waisen, deren Gatte oder Vater als Offiziereftellvertreter gefallen ist, denen aber nur die Versorgung der Hinterbliebenen von Militärpersonen der Unterklassen gewährt werden konnte, obwohl der Gefallene bereits zum Feldwebelleutnant in Vorschlag gebracht war und dessen Beförderung sich lediglich infolge der Zufälligkeiten des Krieges verzögert hatte. 2. Geschiedene Ehefrauen, die schuldlos an der Ehescheidung, von ihren Gatten unterhalten werden mußten. Nach dem Tode des Gatten hatten fie feinen gesetzlichen Anspruch auf Versorgung. 3. Eltern und Geschwister des Gefallenen, die für die Berufsausbildung des Sohnes oder Bruders ihr Vermögen oder erhebliche Teile davon geopfert hatten in der Hoffnung, in dem Sohne oder Bruder später eine Stüße zu haben. Die Eltern hatten in solchen Fällen nach§ 22 M.H.G. feinen gefeßlichen Anspruch auf Kriegselterngeld, da der Gefallene ihren Lebensunterhalt nicht ganz oder überwiegend bestritten hat oder auch in anderen Fällen schon bei Beginn des Krieges dem Heere angehört. Anträge müssen lediglich bei der zuständigen Ortsbehörde ge stellt werden. Fürsorgegeseknovelle. Das gestern herausgegebene preußische Gesezeverordnungsblatt enthält die Novelle zum Fürsorgegesek. Ihr Inhalt ist eine Alenderung der Ziffer 1 des§ 1 des Fürsorgeerziehungsgesetzes. § 1 Biffer 1 hat nachstehende Fassung erhalten: „ Ein Minderjähriger, welcher das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, kann der Fürsorgeerziehung überwiesen werden: 1. wenn die Voraussetzungen des§ 1666 oder des§ 1838 des Bürgerlichen Gesetzbuchs borliegen und zur Verhütung der Verwahrlosung des Minderjährigen die anderweitige Unterbringung erforderlich ist, eine nach dem Ermessen des Vormundschaftsgerichts geeignete Unterbringung aber ohne Inanspruchnahme öffentlicher Mittel nicht erfolgen tann." Diese Novelle tritt mit dem 4. August in Kraft. Platinabfälle bis 5,50 pro Gramm, Stellenangebote. Bahngebisse bis 50,00, Goldsachen, Wtehrere Fahrradschloffer ber Silbersachen, Tressen, Duedfilber. langt Machnow, Weinmeisterstraße 14. Stanniolpavier bis 3,25, Stupfer bis Tüchtiger Steinmetz sofort ge 185, Messing bis 130, 8inn, Nickel, fitcht. Jaeckel, Weißensee, RöldeAluminium, Zint, Blei, Höchstpreise, +139 Edelmetall Einlaufsbureau Weber traße 27. straße 31( Telephon, Abholung.) Hausreinigung zum 1. August +74 zu vergeben, Malmöerstraße 1. 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Festsetzung der Publikationsorgane für 1915/16. Mitgliedsbuch legitimirt! Der Vorstand.[ 19816* J. A.: G. Wegner, Vors. Orts- Krankenkasse der Gürtler zu Berlin. Auf Antrag des Kassenvorstandes und Beschluß des Versicherungsamtes der Stadt Berlin vom 12. Juli 1915 werden die im§ 18 Abfat 1 Ziffer 1 Absak 2 und 18 Abjab 1 Biffer 2 fowie§ 30 und§ 31 der Sagung bezeichneten Mehrleistungen mit Wirkung vom 21. Juli 1915 wieder eingeführt. Berlin, den 21. Juli 1915. Der Vorstand. 269/10 Ewald Liejad, Borsigender. 39* Zentralmö belspeicher, Prinzenftrage 71, verkauft Kleiderſpinden, Bertitos 20,00, Chaiselongue 20,00, Bettstellen 25,00, Trumeaus, Plüschfofas 40,00, Marmorwaschtisch 16,00, Schreibtische, Büfetts, Gelegenheits fäufe!! Kriegshalber Wohnungsein richtung, Stube, bildschöne Küche, alles noch neu, zusammen 235, Rosenthalerstraße 57, born III ( Gewerblich.) Händler verbeten. 59/ 4* Kaufgesuche. 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Meines Erachtens ubersieht ein in einer Anzahl unserer Parteiblätter abgedruckter Korrespondenzartikel..„Kohle und Krieg" einige sehr wesentliche Umstände bei seiner verhältnismäßig günsti- gen Beurteilung der Bundesratsverordnung. Man soll sich doch nicht täuschen lassen durch die ablehnende Haltung gewisser Börsen- blätter. Diesen hat es schon das den Landeszentralbehörden ein- geräumte..Aufsichtsrecht" angetan, von dem indessen die Handels- zeitung des„Berliner Tageblatts" skeptisch schreibt, es" komme darauf an.„in welchem Geiste" es gehandhabt würde. Charakteristisch für die Tendenz der Bundesratsverordnung ist das ungeschminkte Eingeständnis solcher den Wertssyndikaten trouhelfendcn Blätter wie die„Post", die„Rheinisch-Westfälische Zeitung", die..Bergwerkszeitung" usw.: Die Regierung be- zw ecke durch ihre Verordnung, das durch innere Schwierigkeiten und Erstarken der Außenseiter bedrohte rhcinisch-we st sälische K'ohlensyndikat zu erhalten! Der angedrohte Zwang sollte demnach die widerstrebenden Elemente veranlassen, sich noch„rechtzeitig"