Nr. 210. ntonnements-Bcdlngungens Bboimemcms■ Preis ptanumetonb»! BictteljäfitL 830 Ml. monaiL 1,10 Ml. wöchemlich 2ö Psg. frei inl Haut. Einzelne Stummer 6 SfS- Sonnragt- numnier mit lümtneaei SamUagt- Beilage.Die Sieue Well' 10 P>«. Post- ilbonnernenk! 1,10 Marl Pro Monat. Einyeiragen in die Posi-Zeimnat- Bretzlifte. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ilnaarn Z.SO Mar!. für da» übrige Ausland 4 Mari vro Monat. Lostabonnernent» nehmen an: Belgien, Dänenrarl, Holland, Italien, Luxemburg. Bortugal, lhutilänien. Schweden und die Schweis VlidilNl Idgllch. Vevlinev Volksblskt. 32. Jahrgang. vle TnfertionS'Gebflljr BekSgt für die fechSgespaltene Kolonel- »eile oder deren Raum 60 Pig.. für politische und gemerlschastliche Verein». und KerscmiuilungS-Anzeigen 80 Psg „Ateine llnreigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 seltgedrucktc Woae), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstelleiian- icigen das erste Wott 10 Psg., jedes wettere Wort 6 Pfg. Worte über 1b Buch. ftbcit zählen für zwei Worte. Inserate r die nächste Nummer niügen bis Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm. Adresse: „Sszialderoolirat Rerüo", An der Schwelle des Zweiten Weltlnegsjahres. lelöDiig lies(Stögen hWWtliets. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 31. Juli 1915.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Gestern früh stürmten wir die bei unserem An- griff auf H o o g e(östlich von Apern) am 3. Juni noch in englischer Hand gebliebenen Häuser am Westrand des Ortes, sowie einen Stützpunkt südlich der Straße nach Npern. Nachmittags und nachts wurden Gegenangriffe des Feindes zurückgeschlagen. Wir eroberten vier Ma- schincngcwchre, fünf Minenwcrfcr und nahmen einige Engländer gefangen. Die in den Gräben des Feindes gefundene Zahl Toter beweist seine große» blutigen Verluste. Tic Franzosen griffen bei S o u ch e z abermals er- folglos mit Handgranate« an. Die erbitterten Kämpfe um die Linie L i n g e- topf— Barrenkopf in den Vogesen sind zu einem Stillstand gekommen. Tie Franzosen halten einen Teil unserer Stellung am Lingekopf noch besetzt. Schratz- männle und Barrcnkopf sind nach vorübergehendem Verlust wieder in unserer Hand. Als Vergeltung für die mehrfachen Bomben- abwürfe der Franzose» auf Chauny, Tcrgnier und andere Orte hinter unserer Aisne-Front wurde der Bahnhof Compiegne beschossen. Auf Angriffe französischer Flugzeuggeschwader, die gestern auf Pfalz- bürg, Zaber», nördlich Hagenau und auf Frciburg Bom> bcn abwarfen, antworteten am Nachmittag unsere Ge> schwadcr mit Bombenabwürfen auf Flughafen und Fa- brikcn von L u n 6 v i l I e, die Bahnhofsanlagen von St. D i 6 und den Flughafen bei N a n c y. Der durch die feindlichen Flieger angerichtete Schaden ist unwefent- lich. Ein französisches Flugzeug wurde bei Freiburg durch unsere Abwehrgeschütze hcruntcrgeschosscn. Ocstlicher Kriegsschauplatz. Nordwestlich von L o m z a und an der Bahn nörd» lich von Goworowo(östlich von Rozan) geht unser Angriff vorwärts. Gestern wurden 1899 Russen gefangen, 3 Maschinengewehre erbeutet. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die auf das rechte Wcichselufer übergegangenen Truppen des Generalobersten v. Woyrsch dringen unter hartnäckigen Kämpfen nach Osten vor; alle Gegenangriffe eiligst herangeführter russischer Verstärkungen scheiterten völlig. Die Zahl der Gefangenen ist auf 7 Offiziere (darunter ein Regimentskommandeur) und 1699 Manu gestiegen. Der rusiische Generalftabsbericht. Pctersbnrg, 31. Juli.(W. T. B.) Der General- st ab des Generalissimus teilt mit: Zwischen Njemen und Düna fanden am 29. Juli Vorhutkämpfe südlich von Bauske am linken Ufer des Nuschaflusses statt. In der Gegend jenseits des Njemen erneuerte der Feind in der Nacht vom 29. Juli seinen Angriff nordöstlich von Suwalki bei dem Dorfe Klenoreyztz. In der Gegend von Mowno rückten die feind- lichen Vorhuten von Südost vor und näberten sich den Außen- werken der Festung. Am Narew hauptsächlich Artilleriekampf. An derselben Front zwischen dem Dorfe Kamenka am Narew und der Eisenbahn drückten wir auf die Deutschen. Am rechten Narcwufer nördlich von Scrotzk schlugen wir mit Er- ' folg mehrere feindliche Angriffe zurück. An der Weichsel brachte der Feind zu beiden Seiten des Nebenflusses Radowka seine Vorhuten an einigen Stellen aus Pontons auf das rechte Ufer des Stromes. Er versucht Brücken zu schlagen. Unsere Truppen greifen feindliche Abteilungen an, welche die .Weichsel überschritten. Schwere Artillerie zerstörte eine Brücke des Feindes bei dem Dorfe Kobylnitza. Zwischen Weichsel sind Bug unternahm der Feind am 29. Juli mit großen Massen einen Angriff auf beiden Ufern des Wieprz. Im Abschnitt Chmiel— Piaski wurde der Feind mit großen Ver- lusten zurückgeschlagen; aber längs des linken Ufers des Wieprz gelang es ihm nach einem hartnäckigen Kampf, in dem Abschnitt vorzurücken. Eine Division bemächtigte sich des Dorfes Trawniki und ging hierauf oberhalb dieses Punktes auf das rechte Ufer des Wieprz hinüber. Zwischen Wieprz und Bug schlugen wir am 29. Juli alle hartnäckigen Angriffe des Feindes zurück. Am' Bug warfen wir in der Gegend von Sokal den Feind aus zwei Schützengrabenlinien hinaus, machten an 1000 Gefangene und erbeuteten 4 Maschinen- Den in der Verfolgung begriffenen verbündeten Armeen des Generalfeldmarschalls v. Mackensen scheint der Gegner in der ungefähren Linie Nowo- Alexandrija an der Weichsel— Höhen nördlich Lublin (das gestern nachmittag besetzt wurde)— dicht südlich Cholm erneuten Widerstand leiste» zu wollen. Der Feind wird überall angegriffen. Während der Kämpfe der deutschen Truppen bei Biskupice�-Piaski am 39. Juli sind 4939 Gefangene ge- macht und 5 Geschütze, 8 Maschinengewehre erbeutet. Oberste Heeresleitung. »• ♦ Ok WmiMe EeimIWMW. Wien, 31. Juli.(W. T. B.) Amtlich wird verlaut- bart: 31. Juli 1915, mittags. Russischer Kriegsschauplatz. Die Armee des Erzherzogs Josef Ferdinand nahm gestern nachmittag von Lublin Besitz, ihr linker Flügel überschritt in der Verfolgung die Bystra. Deutsche Truppen drangen den Wieprz abwärts vor und näher« sich von Südwest der Stadt Eholm. Der Gegner versucht, an ver- schicdcnen Punkten in vorbereiteten Stellungen erneuert Widerstand zu leisten; er wird überall angegriffen. Nordwestlich Jwangorod wiesen die auf dem Ostufer der Weichsel vorgedrungenen deutschen Kräfte heftige Angriffe ab; die Russen erlitten große Verluste. In Ostgalizien blieb die Lage unverändert. Italienischer Kriegsschauplatz. Die italienischen Jnfantcrieangriffe im Goerzischen hoben gestern vollkommen ausgesetzt. Gegen unsere Stellungen am Plateaurande verfeuert die feindliche Artillerie nach wie vor große Munitionsmcngen. Im Kärntner Grenzgebiete kam eS zu mehreren Gefechten. Drei italienische Bataillone griffen nach starker Artillerievorbereitung die Stellungen unserer Truppen auf dem kleinen Pal an. Es gelang dem Feinde, in einen vor- geschobenen Schützengraben einzudringen, doch wurde er nach hartem Kampf unter schwerste» Verlusten wieder vollends zurückgeschlagen. Ebenso wurde ein Borstoß italienischer Truppen beim Paß Lodinut(nördlich Paularo) auf nächste Distanz durch Fcueranfall und Handgranaten ab- gewiesen. Am Grcnzkamm südlich Malborghet räumte eine unserer vorgeschobenen Abteilungen einen Beobachtung?- Posten vor überlegenen feindlichen Kräften. In Tirol beschoß italienische Artillerie erfolglos die Plateaus von Folgaria-Lavarone. Ein Angriff schwächerer feindlicher Kräfte im Gebiete des Monte Cristallo wurde blutig abgewiesen. Der Stellvertreter des ChefS bcS GcneralstabcS: von Hoefer, Feldmarschalleutnant. gewehre. Bei Kamionka wiesen wir mit Erfolg einen öfter- reichischen Angriff ab. Im Schwarzen Meere bestanden unsere Torpedoboote einen Kampf gegen die Batterien bei. der Stadt Schile in der Nähe des Bosporus und zerstörten in der Kohlen- aegend einen großen mit Kohlen beladenen Dampfer und 47 Segelschiffe. Englische Deforgnijse. London, 31. Juli.(W.T.B.) Die„Times" schreibt: Wenn wir die feierlichen Mahnungen Lloyd Georges mit den selbstgefälligen Aeußerungen Asquiths im Unterhause vergleichen, möchten wir fragen, weshalb die Minister im Parlament in einem anderen Tone als außerhalb des Hauses reden, während der Kanonendonner in den Straßen Warschaus widerhallt und die Westfront unbeweglich bleibt. Das Blatt bemerkt dann, daß in der Unterhausdebatte über die Wehrpflicht der Unionist Amery in seiner Rede, in der er die Regierung der Unent- schlossenheit anklagte, zum ersten Male im Parlament das böse Wort Niederlage ausgesprochen habe. London, 31. Juli.(W. T. B.) Der kanadische Premierminister Borden erhielt gestern das Ehren- bürgerrecht der Stadt London. Er sagte in einer Dankrede: Ich bin sicher, daß die militärische Stärke, die unser Hauptgegner entwickelt hat, die ganze Welt überrascht hat. Wir pflegten stets das Ideal geordneter Regierung, ver- Kunden mit individueller Freiheit. Es bleibt abzuwarten, ob die individuelle Freiheit auf den britischen Inseln und in den überseeischen Dominions mit einem so starken Gefühl der Pflicht und des Dienstes für den Staat vereint ist, daß es uns ermöglicht wird, dem Angriff eines so furchtbaren Feindes zu widerstehen. Ein?ahr Veitkrieg. Als vor einem Jahre der Krieg ausbrach, der sich zu dem furchtbarsten Weltbraudc der bisherigen Weltgeschichte entwickelt hat, rechnete wohl kaum jemand damit, daß nach einem Jahre dieser Krieg sein Ende noch nicht erreicht haben, sondern mit unerhörter Heftigkeit fortdauern würde. Den meisten Zeitgenossen stand als der Typ eines Krieges der von 1870/71 vor Augen, wo innerhalb weniger Monate mit raschen, wuchtigen Schlägen der Gegner niedergeworfen und die Entscheidung herbeigeführt worden war. Man glaubte um so weniger an ein längeres, unentschiedenes Ringen, als man auch nicht für möglich hielt, daß ein so ungeheuer ver- zweigter und damit scheinbar um so empfindlicher gc- wordener Organismus, wie ihn die modernen kapitalistischen Staaten darstellen, eine längere Kriegsdaucr ohne schwerste Er- schütterungen des ganzen Wirtschaftslebens auszuhalten ver- möchte. Freilich war auch die Kriegsgeschichte der Vergangen- heit keineswegs ohne alle Beispiele dafür, daß auch moderne Staaten sich langwierigen Kriegen wider Erwarten gut anzu- passen, an Stelle der normalen Produktion die Kriegs- Produktion treten zu lassen und infolgedessen wirtschaftlich unabsehbar durchzuhalten vermögen. Hat doch z. B. Nord- amerika den schrecklichen Bürgerkrieg vier Jahre hindurch aus- zuhalten vermocht, ohne daß sein Wirtschaftsleben ins Stocken geraten wäre— im Gegenteil! Und so gewaltige Unterschiede selbstverständlich zwischen dem damaligen Kriege und der da- maligen kapitalistischen Entwickelungsstuse der Vereinigten Staaten und dem Weltkrieg und den wirtschaftlichen Um- ständen Deutschlands oder Englands bestehen, so eindringlich haben wir gerade an der Hand dieses Beispiels stets davor gewarnt, vom Kriege ohne weiteres ein wirkliches Debacle, den wirtschaftlichen Kladderadatsch zu erwarten. Wobei ohne weiteres zugegeben werden soll, daß die An- passungsfähigkeit namentlich derdeutschenJndustrie, des deutschen Bank-, Kredit- und Finanzwesens an die Ausnahmezustände eine intmerhin überraschend große gewesen ist. Auf diesem Gebiete der Kriegsrüstung und Kriegsbereitschaft hat Deutsck- land sich so glänzend bewährt, daß seine Gegner wirklich alle Hoffnungen auf eine wirtschaftliche Niederringung aufgeben sollten. Und so viel auch auf anderem Gebiete, speziell bei der Requisition und sorglichen Einteilung der Lebensmittel. bei der Fürsorge für die nicht übermäßige Steigerung der Lebensmittelpreise im ersten Kriegsjahr verabsäumt worden ist und in der Zukunft besser gemacht iverden muß, so sind doch alle Aushungerungshoffnungen der Gegner endgültig zuschandcn geworden. Deutschland ist derart mit allen notwendigen Roh- stoffen für seine Produktion und so reichlich mit allen notwendigen Lebensmitteln versehen, daß es— von diesem Gesichtswinkel betrachtet— den Krieg noch geradezu unbegrenzte Zeit weiter- führen könnte. Und daß auch die Hoffnung auf militärischeNieder- ringung Deutschlands eine totale Illusion ist, wie wir an anderer Stelle dieser Nummer ausführlicher darstellen, wird allen einsichtigen Gegnern längst hinlänglich zum Bewußtsein ge- kommen sein. Daniit ist natürlich nicht gesagt, daß der Weltkrieg ge- wiffermaßen als Normalzustand betrachtet Iverden dürfte, daß seine Beendigung nicht das höchste Ziel sein müßte. Geböten das nicht tausend zwingende Gründe politischer, Wirt- schaftlicher und volkshygienischer Art; läge das nicht im Streben aller Humanität und Ethik, so doch im innersten Wesen der Weltanschauung, die die Sozialdemokratie vertritt. Aber man braucht nicht Sozialist zu sein, um sich nicht der Ueberzeugung zu verschließen, daß dieser Krieg trotz alledem ein unabsehbares Unglück und daß es die vornehmste Aufgabe aller Verständigen und Weitsichtigen in allen Ländern ist, auf die möglichste Verkürzung des blutigen Ringens der Na- tionen, auf eine Wiederverständigung der Beteiligten und die Erneuerung jenes alten Zustandes des Güter- und Kultur- austausches hinzuwirken, der allein die Grundlage der modernen kapitalistischen Wirtschaft wie eines erträglichen, zivilisierten Zusammenlebens der Völker zu bilden verniag. Was auch die überhitzte Phantasie verblendeter Chauvi- nisten in den verschiedenen Ländern Europas an abenteuer- lichen Weltumgestaltungsprojekten ausgebrütet hat— von keiner Regierung irgend eines Landes sind bisher solch ver- hängnisvolle Bedingungen formuliert worden, die freilich auch nur zur endlosen Verlängerung und maßlosen Verbitterung des Krieges, zum Kampf bis aufs Messer, zum völligen Weiß- bluten der Völker führen müßten. Denn alle am Kriege beteiligten großen Nationen verfügen trotz der bisherigen langen Kricgsdauer»och. über ein so unerschöpfliches Reservoir von materieller und Volkskrast, daß nur blinde Illusionäre von ihrer völligen Niederwerfung und Zerstückelung träumen können. Auch was an gewissen Entwürfen wirtschaftlicher Art, ml zollpolitischcn Projekten, an Plänen einer Schaffung großer ivirtschastlicher Imperien von mehr oder minder ernst zu nehmenden Kreisen dabattiert wird, verdient die denkbar ntischstc Aufnahme und die nüchternste Abwägung aller liealisierungsmöglichkeiten, aller mit in Kauf zu nehmenden .lchtvicrigkdtei! und Nachteile. Neberhaupt gibt es keine schlimmere Utopisterei, als wenn man— unter dein Eindruck ivirklicher oder auch nur vermeintlicher Erfahrungen des Krieges— nicht nur in parteipolitischer Beziehung umlernen pl müssen meint und deshalb nicht nur alte Programmsätze zum alten Eisen wirft, sondern zugleich die ganzen Volkswirt- schastlichen Erfahrungen, die Menschenalter normaler Pro- duktions- und Gesellschaftsenüvickluiig aufzuspeichern und systematisch durchzuarbeiten Gelegenheit boten. So vieles auch jetzt ins Wanken geraten und unter den gewaltigen Erschütterungen des Slriegcs zusammengebrochen zu sein scheint: die ökononiischen und sozialen Grund- bedingungen des Gedeihens der Völker haben sicher- lich keine Aenderung erfahren. Nach wie vor werden die Nationen, und gerade die entwickeltsten Industrie- staaten untereinander, im wahren Interesse ihrer Volkswirt- schaftlichen Entwicklung auf gegenseitigen Austausch ihrer Pro- dukte angewiesen sein. Die künstliche Schaffung von Wirt- schaftsimperien könnte nur ein unzulänglicher Ersatz für den natürlichen internationalen Warenaustausch sein, und die Fort- sctzung des Krieges durch hitzige Zollkriege würde nur die Aus- Heilung der schweren Wunden verlangsamen, die dieser Krieg bei allen Beteiligten hinterlassen wird. Je eher den maß- gebenden KreisSn und Ländern ins Bewußtsein zurückgerufen wird, daß die Errichtung jedweder Suprematie in unserer Zeit eine Utopie ist und bleiben muß, je eher die Völker unter- einander zur Verständigung gelangen, desto besser für das Wohl jeder einzelnen Nation und der gesamten Menschheit. So manche irrige Vorstellung, die der 5krieg auch über die inneren politischen Verhältnisse der Länder in manchen Köpfen ausgelöst hatte, die gefühlsmäßigen Wallungen leichter er- tagen, ist ja im Verlaufe deS JahreS bereits wieder korrigiert worden. Mehr und mehr hat sich wieder, zumal in den Massen, die Klarheit der Einsicht durchgerungen, daß der politische und soziale Widerstreit, den das Parteilebcn spiegelte, keine Zufallserscheinung und kein Erzeugnis künstlicher Mache war, sondern das natürliche und unausbleibliche Ergebnis wirtschaftlicher Gegensätze und der daraus erwachsenden Ver- schiedenartigkeit der wirtschaftlichen und kulturellen Be- sirebungen. So war es die ganze Weltgeschichte hindurch trotz aller Periodischen Erschütterungen durch Kriege und Revo- lutionen, und so wird es auch bleiben, so lauge nicht durch- greifende Aenderungen der gesamten gesellschaftlichen Grund- läge den auf Erreichung eines möglichst hohen Ausmaßes von materieller und ideeller Wohlfahrt gerichteten Menschheits- kämpf auf eine völlig neue Basis stellen. Und wir sollten meinen, daß die Lehren all' der Jahrhunderte und Jahrtausende der Vergangenheit schwerer wiegen, als die so häufig unklaren und in ihrer Tragweite völlig unübersehbaren Eindrücke einer üürnnschen, unabgeklärten Gegenwart. Gerade Historiker und Theoretiker sollten das am ehesten zu würdigen wissen und sich der Einsicht nicht verschließen, daß erst die Zukunft und die Wiederkehr geordneter Zustände die Möglichkeit gewähren kann, die dauernden Resultate und wirklichen Lehren dieses gigantischen VölkcrringenS festzustellen und theoretisch weg- weisend zusammenzufassen. Schauen wir so über den Augenblick hinaus, stellen wir uns als denkende Politiker, als Sozialisten den Dingen gegen- über, so ist unsere Aufgabe deutlich vorgezeichnet. Sie besteht einnial darin, den Nöten der momentanen Gegenwart mit allen Mitteln zu begegnen und mit dem Einsetzen unserer ganzen Kraft dafür zu sorgen, daß keine Maßnahme sozialer Art unterlassen wird, die es ermöglicht, der Arbeiterklasse das Ueberstehcn der sie besonders hart treffenden schweren Zeit zu ermöglichen. Auf allen Gebieten der sozialen Kriegs- sürsorge hat die Sozialdemokratie unausgesetzt frucht- bringende Arbeit zu leisten. Aber darüber hinaus hat sie ihren Blick auf das zu richten, waS später kommen wird. Nicht nur durch unermüdliche organisatorische Arbeit, durch das feste Zusanunenhalten ihres gewerkschaftlichen und politischen Gefüges hat sie die erfolgreiche Wiederaufnahme ihrer sicherlich alle Kräfte beanspruchenden Friedenstätigkeit vorzubereiten, sondern vornehmlich auch durch die Erhaltung und Pflege jenes Geistes, der vor allem ihre Organisationen so gewaltig hat erstarken lassen. Mehr denn jemals liegt ihr die heilige Pflicht ob, sich durch ihr Verhalten wirtlich als das zu erweisen, WaS ihr den Anspruch gab, sich als die Trägerin aller wahren Huma- uität, alles Mcnschheitsfortschritts, aller Kultur zu bezeichnen. Und die Vorbedingung aller wahren Kultur, alles wirklichen, dauernden Menschheitsfortschritts ist der Frieden, an dessen Wiederherstellung kraftvoll und unbeirrt mitzuarbeiten die größte und herrlichste Mission des Sozialismus ist! durchbruch bei przastipsz. Aus dem Großen Hauptquartier wird uns geschrieben: Won der Pilica bis zum baltischen Osiseerande rücken die unter dem Oberbefehl des Feldmarschalls v. Hindenburg stehenden Truppen wiederum kräftig vor. Im Rahmen dieser großen Offen- sive erhielt der General der Artillerie v. Gallwitz den Auftrag, mit den Truppen, die unter seiner Leitung seit Monaten die Wacht an der Südgrenze West- und Ostpreußens gehalten hatten, und einigen Verstärkungen die feindliche Stellung zu durchstoßen. Die Aufgabe mußte als außerordentlich schwer erscheinen, hatten die Russen doch die Zeit der Ruhe ausgenutzt, um ein Retz von günstig gelegenen und sehr stark befestigten Stellungen zwischen ihrer vordersten Linie und den Narewfeftungen auszubreiten. Wer jetzt dwse teils erstürmten, teils einfach verlassenen Befestigungswerle durchschreitet, der staunt immer von neuem über daZ Maß der aufgewandten Arbeit und technischen Sauberkeit. Meilenweit ziehen sich— in einer Tiefe von nur IS— 20 Kilometer— drei, vier, ja fünf Systeme vom Schützengräben hintereinander hin. Schützengräben von einer Tiefe und Stärke, wie sie erst der hart- näckige Stellungskrieg geschaffen hat. Hunderttausende dicker Baumstämme sind da hineingearbeitet, Millionen von Sandsäcken liegen an den Brustwehren und türmen sich zu breiten Seiten- wehren. Stellenweise sind bombensichere Unterstände und Pferde- stalle tief in die Erde eingebaut. Ueberall stehen dichte Draht- Hindernisse vor der Front, oft versenkt und in zwei bis drei Reihen bintercinander. Vorspringende Bastionen, bequeme und sichere Beobachtungsstände leiten zum Festungscharakter über. Das Ge- lande ist stark hügelig, hier und da bergig mit weit überragenden Höhen und steilen Abhängen. Von den zahlreichen Wäldern haben die Russen einen erheblichen Teil niedergelegt, um freiere U-Übersicht und weiteres Schußfeld zu erhalten. Eine solche Front in ganzer Breite frontal anzugreifen, ist unmöglich. Eine Umfassung des Gegners ausgeschlossen, da sich die deutschen und die russi- scheu Linien ununterbrochen nahe gegenüberlagen. General v. Gallwitz entschloß sich zum Durchbruch an zwei Stellen, die so nahe aneinanderliegen, daß die hier gelingenden Vorstöße ihre Wirkung sofort auf das Mittelstück und weiter auch nach rechts und links ausüben mußten. Als Angriffspunkte wählte er die vorspringenden Winkel der russischen vordersten Stellung nordwestlich und nordöitlich von PrzasznySz. Diese viel- umstrittene Stadt, deren Umgebung solche Mengen russischen und deutschen Blutes getrunken hat und die selbst dabei zum Trümmer- hausen geworden ist, hatten die Russen durch einen Gürtel von starken Feldwerken zu einer Festung ausgebaut. Sie sollte diesmal gar nicht angegriffen werden, sondern als Siegespreis den zur Rechten und zur Linken stürmenden Truppen in den Schoß fallen. Dieser Play ist in vollem Umfang geglückt. Wie die Schneiden einer gewaltigen Kneifzange durchbrachen die tapferen deutschen Truppen die feindliche Linie zu beiden Seiten von Przasnysz und schloffen sich unaufhaltsam jenseits der Stadt zusammen. Die russische Besatzung mußte schleunigst die Festung kampflos ver- lassen, um nicht mit abgekniffen zu werden. Ein solcher Erfolg wäre aber unerreichbar gewesen ohne sorgfältigste Vorbereitung des Angriffs. General von Gallwitz zog starke Jnfanteriekräste gegen- über den Durchbruchstellen, zumal der rechten, zusammen und ver- einigte dort gewaltige Artilleriemasscn, deren Munitionsversorgung auf den schlechten Wegen bedeutende Schwierigkeiten bereitete. Alls das war dem Feinde geheim zu halten, und in der Tat haben die Russen, obwohl unsere Schützen sich allmählich vorschoben und unsere Batterien mit dem Einschießen begannen, an keinen ernst- haften Angriff geglaubt. Ein Stück hinter Przasnysz fanden unsere Truppen eine fertige Feldbahn, auf der gerade am nächsten Tage der Personenverkehr beginnen sollte. Erst der Morgen des 13. Juli weckte die Russen unsanft ans ihrem SicherheitSgcfühle. Die Sonne war kaum aufgegangen, als aus Hunderten von Feuerschlünden die Geschosse leichten, schweren und schwersten Kalibers auf die russischen Stellungen hernieder- sausten. Es war eine Kanonade, die schon auf die deutschen Truppen einen tiefen Eindruck machte, die russischen aber völlig um die Besinnung brachte. Trotz des unklaren regnerischen Wetters schoß unsere Artillerie ausgezeichnet. Den Schützen in so starken Feld- stellungen ist ja nur durch Volltreffer größerer Kaliber beizukom- inen. Hageldicht schlugen diese kurz vor und hinter den russischen Linien ein, oft genug auch unmittelbar in die Deckungen. Wurde dadurch auch n#c ein kleiner Teil der Feinde getötet, so war die moralische Wirkung um so getvaltiger. Gefangene haben erzählt, daß in diesem Höllenfeuer jeder Zusammenhalt in der Truppe aufhörte. Hieraus, wie aus der überraschenden Wirkung des ganzen Angriffs ist cS zu erklären, daß unsere Infanterie bei der Erstürmung der ersten russischen Stellung wenig Ausenthalt und verhältnismäßig wenige Verluste hatte. Auf 8 Uhr morgens war für einen großen Teil der Truppen der Angriff festgesetzt, für einen anderen etwas später, und schon ein« Viertelstunde danach, stellenweise sogar vor der anberaumten Zeit, war der Erfolg gesichert. Tie deutsche Infanterie ließ sich in ihrem frischen Vor- wärtSdrang um so weniger aufhalten, als sie die gewaltige Wirkung des Artillerieseuers erkannte und Scharen von waffenlosen Russen herankommen sah, die nur noch in der Gefangenschaft Rettung vor den schrecklichen Granaten suchten. In dem stark befestigten und von beherrschenden Höhen umgebenen Dorf GruduSk sah es furchtbar auS. Die letzten noch unzerstörten Häuser brannten, die mächtige Kirche war eine Ruine, und ringsherum reihte sich Granat- loch an Granatloch. Den Thüringern, die hier schneidig ein- brachen, während ein Teil der feindlichen Schützen noch feuerte, fielen fünf russische Kanonen zur Beute, deren herancilcnde Protzen unser Schnellfeuer vertrieben hatte. Ebenso sah es an den anderen Orten der beiden EinbruchSstellcn aus. Das gefürchtcte Kasten- Wäldchen nördlich von Wengra war zu einem Haufen zersplitterter Mäste zusammengeschossen, die starken Höhenstellungen nordwestlich von Przasnysz waren vollständig zerstört. Im Laufe deS Vormittag? brach die Sonne durch und beschicn die siegeSfroh vorwärts- eilenden deutschen Truppen. Die zogen über die drohenden Höhen hinweg, die vor ihnen lagen, und ließen dem Feinde kaum irgendwo Zeit, sich in der starken zweiten Verteidigungslinie festzusetzen. So fielen manche sorgfältig vorbereiteten hervorragenden Stellun- gen fast ohne Kampf in unsere Hände. Am selben Tage noch kamen die unermüdlichen Kämpfer bis zur nächsten Linie, ja stürmten sie zum Teil schon in der Nacht. Hier ist die Eroberung der Schlüssel- stellung von Gorne, die nach den früheren Erfahrungen als unein- nehmbar galt, besonders zu nennen. Mehr als man hoffen durfte, hatten mit einem Schlage die Treffsicherheit der Artillerie und der Ungestüm der Infanterie erreicht: Binnen 24 Stunden war Przasnysz von beiden Seiten flankiert und nicht mehr zu halten. Am 14. Juli ging fast ununterbrochen ein feiner Regen nieder. Der Durchzug durch das ausgebrannte, völlig menschenleere PrzaSnhsz war melancholisch genug, aber unsere Soldaten klappten wohlgemut die Zange zu und vereinigten sich südlich davon zu einer Ramme, die nun die neue feindliche Stellung, die letzte geschlossene vor der Rarew-Lini«, mitten entzweibrach. Die Russen hatten alle Zwischenlinien aufgegeben und schleunigst die seit Monaten vorbe- reitete, außerordentlich starke Verteidigungsstellung Wysogrod— Cichanow— Zielona— Szczuki— KrasnoSiele besetzt, die wieder auS mehreren Reihen hintereinander bestand. Unsere Truppen mochten zunächst im Zweifel sein, ob sie hier noch stärkeren Widerstand zu erwarten hätten. Der 13. Juli gab eine ernste Autwort. Als nach kräftiger Ar- tillerievorbereitung die Schützenlinien vorzugehen begannen, ernpfing sie überall ein heftiges Gewehr- und Maschinengewehr- feuer. Der Feind setzte offenbar alles daran, das letzte Bollwerk bis zum Aeußersten zu verteidigen. So ging es an den meisten Stellen nur langsam vorwärts und öfters mußte die für das Wir- kungSschießen der Artillerie angesetzte Zeit verlängert werden. Trotz des hellen, sonnigen Wetters, das eine gute Beobachtung zuließ, war der Erfolg nicht mehr so durchschlagend wie am ersten Tage. Ge- rade in der Mitte der Hauptdurchbruchsfront aber lagen Truppen, deren Traufgängerlujt ganz besonders ausgebildet ist. Die eine Division hatte als Angriffsziel die Höhen südlich und südöstlich von Zielona und war schon am Vormittage stellenweise bis aus 300 Meter an den Feind herangekommen. Die Garde-Regimeuier auf dem rechten Flügel, die sehr bedeutende Anstrengungen hinter sich hatten, sollten eigentlich das Vorgehen der Nachbarn abwarten — da meldeten sie um t-l-L Uhr: Sie hielten die feindliche Stellung fiir sturmreif und würden in einer halbe» Stunde angreifen. AIS dies die Truppen des linken Flügels hörten, wollten sie natürlich nicht zurückstehen, und so trat die Division Punkt 2 Uhr zuin Sturm an. Es war ein gewagtes Unternehmen, diesen Stoß ohne die heranbeorderten Perstärkungen zu unternehmen. Sein Gelingen ist dem hervorragenden Zusammenwirken von Infanterie und schwerer Artillerie zu verdanken. Im vollen Vertrauen aus die Treffficherheit der„schwarzen" Brüder sprangen die Schützen durch das hohe Kornfeld vor, sobald eine Lage Granaten vor ihnen eingeschlagen war. Durch verabredete Zeichen gaben sie ihre neue Linie zu erkennen. Dann legte die Artillerie ihre Geschoßgarbe hundert Meter weiter vorwärts und unter ihrem Schirm stürzten jene in die frischen Granatlöcher. So ging es ununterbrochen vorwärts. Weder das russische Schnellfeuer noch das doppelte Drahthindernis vermochte den Sturm aufzuhalten. Als das deutsche Hurra rollte. tiefen die Russen, verblüfft durch solche Elementargewalt, in hellen Haufen davon. Um 2% Uhr erhielt der Divisionsstab vom linken Flügel die Fcrnsprechmcldung: Die feindliche Stellung ist ge- nommen, und kau,» war der Apparat frei, so traf vom rechten Flügel dieselbe Nachricht ein. Wenig später— und ebenfalls ans eigenem Antriebe heraus— stürmte die Nachbardivision, die aus jungen, erst während des Krieges eingestellten Mannschaften zu- saminengesetzt ist, in glänzendem Anlauf die Bastion bei Klonowo. Die Wirkung dieses ersten Durchbruchs durch die russische Haupt- stellung pflanzte sich im Lause des Nachmittags und der Nacht über die ganze Front hin fort. Neue Kräfte wurden in die Bresche geworfen und halfen sie erweitern. Zwar leistete der Feind an vielen Stellen noch hartnäckigen Widerstand, aber den Ansturm von vorne und den Druck auf die Flanke konnte er schließlich nir- gends aushalten. Ein nicht ungeschickter Versuch, die zuerst durch- gebrochenen deutschen Truppen durch Besetzung einer Seitenstellung zu bannen, wurde von diesen durch einen neuen, scharfen Anlauf vereitelt. Noch weniger konnte der Todesritt einer russischen Kavallerie-Brigade, die südöstlich der bereits gefallenen starken Opinogura-Stellung unsere Infanterie attackierte, irgendeinen Erfolg versprechen; Kosaken und Husaren wurden im Nu nieder- gemacht. Auch einzelne rückwärtige Zwischenstcllungen des Feindes fielen bald unter den Stößen unserer siegeSfroh vorwärtseilendcn Truppen, die erst vor der befestigten Narew-Linie Halt machten. Uebcrraschend schnell und vollkommen war erreicht worden, was man von dem Durchbruch nur irgend erwarten konnte. In einer Breite von etwa 120 Kilometer sind unsere Truppen um 40 bis 30 Kilometer weiter in Feindesland eingedrungen, haben ein reiches und schönes Stück russischen Bodens beseht und Zehntausende von Gefangenen sowie viel Kriegsmaterial erbeutet. Bis Ciechanow fahren bereits seit dem 18. Juli deutsche Züge durch. An dem schönen Erfolge haben naturgemäß auch die Truppenteile, die zur Seite der mittleren Stoßkolonnen vorgingen, ihren erheblichen Anteil. So war das konzentrische Vorrücken beiderseits der Eisen- bahn Mlawa— Ciechanow, das zum Auftollen der feindlichen Stel- lungen bis nach PlonSk hinunter führte, eine vorzügliche Leistung. Auf dem linken Flügel wurde nicht nnnder tapfer gekämpft und drauflosgegangen. Die Aufmerksamkeit auch späterer Zeiten wird aber doch in erster Linie sich auf das Mittel- und Hauptstück dieser groß- und eigenartig von General v. Gallwitz angelegten Offensive richten: Auf die Zange von PrzasnySz und den Rammstoß von Zirlong.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Der französische Tagesbericht. Paris, 31. Juli.(W. T. B.) iAm tli ch er Bericht von gestern nachmittag. Im Artois, bei Souchcz und im Labyrinth während der ganzen Nacht Kampf mit Granaten und Fröschen in den Schützengräben. Zwischen Oise und Aisne auf dem Plateau von Oucnncviöres unausgesetzte Tätigkeit der Artillerie und Minemvcrfcr. Zwischen Boureuillcs und Vauquois und im Walde von Malancourt Minen- explosionen, die keinen Schaden verursachten. Im Priester- Walde wurde ein deutscher Angriffsversuch am Croix des Cannes leicht zurückgeworfen. Ein deutsches Flugzeug warf vier Bomben auf Nancy, die weder Schaden noch Unfälle ver- ursachten. In den Vogesen dauerte am Barrenkopf der Kampf bis tief in die Nacht mit großer Erbitterung au. Ein neuer deutscher Gegenangriff wurde abgetvicscu. Unser Sperrfeuer brachte dem Feinde schwere Verluste bei. Der amtliche Kriegsbericht von gestern abend lautet: Im Laufe des Tages kein Jnfantericgefecht an unserer Front. Ziemlich heftige Artillerieaktionen in Belgien um St. Georges, um Stecnstraate, auf dem Plateau von Ouenneviörcs und in der Champagne bei Auberive-sur-SuippeS. In den Westargonnen Kampf mit Bomben, der von beiden Seiten von einer kräftigen Kanonade bei St. Hubert begleitet wurde. Zwischen Maas und Mosel konzentrierte sich die Artillerietätigkeit auf die Gebiete des Waldes von Mortmarc und des Pricsterwaldes. Im Laufe des L9. Juli bombardierten unsere Flugzeuge erstens die Eisenbahnlinie Upcrn— Roulcrs auf der Höhe von Pascheitdaal, zweitens die deutschen Biwaks im Gebiete von Longueval westlich von Combres, drittens die deutschen Anlagen auf dem Hügel von Brimont bei Reims, viertens den Militärbahnhof von Chatel- en- ArgonncS und fünftens den Bahnhof von Bourthccourt in Lothringen. In der Nacht vom 29. zum 30. Juli bombardierte eines unserer Flugzeuge eine Fabrik in D o r n a ch(Elsaß), die erstickende Gase her- stellt. Heute bombardierte ein Geschwader den Bahnhof von F r e i b u r g i. B r., ein anderes aus zehn Flugzeugen be- stehendes Geschwader des befestigten Lagers von Paris belegte den Bahnhof von Chauny mit etwa 40 Granaten. Ferner stieg ein Geschwader von 43 Flugzeugen heute morgen auf; eS hatte die Petrol Werkstätten von Pechelbron n zwischen Hagenau und Wcißenburg zum Ziel- Punkt. Der bewölkte Himincl und häufiger Nebel gestatteten nur Teilen des Geschwaders, ihr Ziel zu erreichen. Die Werkstätten von Pcchclbronn und die Nebenanlagen erhielten 103 Geschosse. Außerdem wurden 0 Geschosse auf den Bahn- hof von Dettwciler bei Pfalzblirg und 6 Geschosse auf die Flicgerschuppcn von Pfalzburg gelvorfen. Alle Flugzeuge kehrten zum Abflugsgelände zurück. Zrenchs Meldung. London, 31. Juli.(W. T. B.) General French meldet: ffrdmg früh beschoß der Feind die englischen Schützengräben nörd- Uch und südlich von Hooge und griff dann mit Feuerwerfern an, die er hauptsächlich gegen die von uns in jüngster Zeit eroberten Schützengräben richtete. Auf diese Weise gelang es dem Feinde, die erste Linie unserer Schützengräben in einer Breite von 500 D a r d s z u durchbrechen. Iranzösische Ilugzeuge im Elsaß. «trastburq i. i5ls., iil. Juli.(W. T. B.) Vorgestern hat ein größeres Flugzeuggeschwader die Gegend von Mark- Weiler und W a l b u r g heimgesucht. Es sollen 25 Bomben abgeworfen sein, die fast leinen Schaden anrichteten, dagegen einige harmlose Landleute verwundeten. Die englischen Verlufte. London, 31. Juli. Kriegsbericht von g c st e r». In der Tiroler und Trentiner Kampfzone Gefechte tleiner Abteilungen mit für uns günstigem Ausgang. In Prcgasina am Westufer des Gardasees und nordöstlich von Marco im Etschtal und im Eadore griff der Feind am Abend des 27. Füll mit Infanterie- und Maschinengewehren unsere Stellungen an. An der Mündung deü Travenanzes in das Boitetal wurde er mit Verlusten zurückgeschlagen. Im Tal von San Pellcgrino versuchte am 28. Juli eine andere feind- Uche Abteilung eine NebcrraschungSciktion gegen unsere Stellungen von Eostabella. Unsere Truppen ließen den Gegner bis etwa 100 Meter an die Schützengräben heran- kommen, um ihn dann mit einem überraschenden Feuer zurückzutreiben, indem sie sogar Gefangene machten. Im Fella-Tal be- setzten unsere Alpiniabteuuilgen trotz einigen Widerstandes einige Vorsprünge, die sich von der Höhe des linken Abganges des Takes bis nach Lusnitz herabziehe». Auf dem Karst bc- schränkte sich der Feind nach seinem Mißerfolg vom 28. Juli im Laufe des gestrigen Tages, unserem Vorrücken Widerstand zu leisten, ohne es jedoch aufhalten zu können. Unter heftigem Feuer der Artillerie und Infanterie des Gegners ivurdeu von uns noch einige Grabenstücke erobert. In der Stacht zum 20. versuchten feindliche Patrouillen den Kapuzinerwald in Brand zu stecken, in dem wir fest verschanzt sind. Aber die Aufmerksamkeit unserer Wachtposten vereitelte den Versuch. Obwohl im Laufe des gestrigen Tages keine bedeutenden Ge- fechte stattgefunden haben, Ivurden doch weitere 4 Offiziere und 120 Mann gefangen genommen und 638 Gewehre, 13 Kisten Munition und anderes Kriegsmaterial erbeutet. Der türkische Krieg. Die türkische tzauptquartiersmelöung. Konstantinopel, 30. Juli.v»r l Schluß mit dem Äriegt-Bewegung" in seinem Lande, weil seiner Meinung nach ein Friede, der jetzt um jeden Preis geschlossen würde, nicht die Bedingungen der Tauer in sich trüge. Er führt auS: „Es würde selbstmörderisch für irgendeinen Teil unseres Volkes sein, den Krieg zu beendigen, ohne eine Garantie gegen einen neuen Krieg zu gewinnen. Hier, denke ich, gehen sehr viele Pazifisten und Sozialisten einen falschen Weg. Sie ver- suchen, ohne es zu wissen, Europa in eine ganze Folge von Kriegen zu stürzen. Woraus wir bestehen müssen, ist die Errichtung einer über den Nationen stehenden Autorität, die von den acht Großmächten und so vielen von den vierzig kleineren Mächten, als mitmachen wollen, anerkannt wird. ES muß ein höchster Gerichtshof(supremo high court) eingesetzt werden mit der Befugnis, alle vor das Gericht gehörenden Falle zu entscheiden. Es mutz einen über den Nationen stehenden Rat geben, vielleicht in besondere Senate für Europa und Amerika geteilt, in dem alle die Mächte im Verhältnis zu ihrer Stärke und Bevölkerung vertreten sein sollen. Dieser Rat sollte alle vor ihn. gebrachten Fälle behandeln, die nicht von dem High Evurt zu behairdelu sind.. Er braucht keinen Anspruch auf vollkommene Autorität zu machen. Es würde ein großer Schritt gewonnen fein, wenn alle Mächte einwilligten, ihre Differenzen dort zu diskutieren, selbst wenn nichts bindend wäre, was nicht einstimmig beschlossen wunde. Aber es muß eine Möglichkeit geben, die Entscheidungen des obersten Gerichtshofes durchzuführen. Das braucht weder Krieg, noch eine internationale Polizei,»och Abrüstung aller Mächte zu sein. Es würde eine sehr wirksame Sanktion sein, wenn der Hof die Aufhebung der wirtschaftlichen Beziehungen beschlösse, einschließlich der Weigerung, Kapital zu leihen, den Export oder Import von Waren oder irgendeinen Post- oder sonstigen Verkehr zu gestatten, und es givr andere Sanktionen, wie die Sperre der Schiffahrt und die Blockade, die geprüft und als wirksam befunden worden ist, und die noch wirksamer sein würde, wenn sie einen internationalen Rat hinter sich hätte. Tie Frage ist, ob die Sozialisten von England, Frankreich, Teutschland und den Vereinigten Staaten bereit sind, auf solch eine internationale Autorität hinzudrängen. Solange iie das nicht find, verschwenden sie nur Zeit, wenn sie vom Frieden reden." Tos ist selbstverständlich. Jeder Sozialist will einen dauern- den Frieden, und alle suchen nach seinen Bedingungen. Die römische Parteisektion für üen Zrieüen. Lugano, 27. Juli.(Eig. Ber.) In einer zahlreich besuchten Versammlung haben die Mitglieder der römischen Partetsektion am 22. Juli cinstimiuig eine Resolution angenommen,, in der die Bemühungen des Parteivorstandes zur Wiederherstellung der sozialistischen Internationale bezw. die vom Genossen Morgan im Auftrage des Parteivorstandcs unternommenen Schritte aufs lebhafteste begrüßt werden, ebenso wie die Stellungnahme der Minorität der deutschen Bruderpartet und der Minorität der französischen Partei (Haut« Vienne), das heldenhafte Benehmen der russischen Genossen, deren Parlamentsvertreter durch die Verbannung in Sibirien ihre Prinzipientreue büßen, und der englischen Jndepcndent Labour Party.. BezeichnenderKetse ist der ganze Teil der Resolution, der sich auf die praktischen, lokalen Maßnahmen bezieht, die die römische Sektion dem Parteivorstande empfiehlt, von der Zensur unterdrückt worden. In derselben Versammlung wurde die Abhaltung einer Jaurösfeier beschlossen und ein Gruß an alle cinbe- rusenen Genossen gesandt, in der Hoffnung, sie mögen in Bälde dem Klassenkampfe zurückgegeben werden... Rücktritt ües japanischen Kabinetts. Tokio, 31. Juli.(W. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. D a 8 Kabinett ist zurückgetreten. Der Rücktritt ist auf die Beschuldigung der Besteckmng zu Wahl- zlvcckcu, die gegen den Minister des Innern Ouras erhoben wurde, zurückzuführen. Die Krise begann vorgestern, als der Minister des Innern seinen Rücktritt anbot. Es folgten lange Sitzungen des Ministerrats. Gestern lvurde amtlich mit- geteilt, daß der Rücktritt Ouras angenommen worden sei. Bald darauf bot Okuma den Rücktritt des ganzen Kabinetts an. Morgen wird wahrscheinlich der Rat der Alten zusammen- treten, um dem Kaiser Vorschläge zu machen. Inzwischen wird die Untersuchung wegen der Bestechungen sortgesetzt. Eine Kundgebung Wilhelms ff. Eine Sonnabendabend herausgegebene Sonderausgabe des„Deutschen RcichSanzcigers" bringt folgenden Erlaß des Deutschen Kaisers: An das deutsche Volk. Ein Jahr ist verflossen, seitdem Ich das deutsche, Volk zu. den Waffen rufen inilsttc. Eine unerhört blutige Zeit kam über Europa und die Welt. Vor Gott und der Geschichte ist Mein Gewissen rein: Ich habe den Krieg nicht gewollt. Räch Vorbereitungen eines ganzen Jahrzehnts glaubte der Verband der Mächte, denen Deutschland zu groß geworden war, den Augenblick gekommen, um das in gerechter Sache treu zu seinem östcrreichisch-ungarischcn Bundesgenossen stehende Reich zu demütigen oder in einem übermächtigen Ringe zu erdrücken. � Nicht Erobcrungslust hat uns. wie Ich schon vor einem Jahre verkündete, in den Krieg getrieben. Als in den August- tagen alle Waffenfähigen zu den Fahnen eilten und die Truppen hinauszogen in den Verteidigungskainpf, siilsttc jeder Deutsche auf dem Erdball, nach dem einmütigen Bei- spiele des Reichstags, daß für die höchsten Güter der Nation, ihr Leben und ihre Freiheit, gefochtcn werden mußte. Was uns bevorstand, wenn es fremder Gewalt gelang, das Geschick unseres Volkes und Europas zu bestimmen, das haben die Drangsale Meiner lieben Provinz Ostpreußen gezeigt. Durch das Bewußtsein des ansgcdrungenxp Kampfes ward das Wunder vollbracht: der politische Meinungsstreit verstummte, alte Gegner singen an, sich zu verstehen und zu achten, der Geist treuer Gemeinschaft erfüllte alle Volksgenossen. Voll Tank dürfen wir heute sagen: Gott war mit uns. Tic feindlichen Heere, dir sich vermaßen, in wenigen Monaten in Berlin einzuziehen, sind mit wuchtigen Schlägen im Westen und im Osten weit zurückgetrieben. Zahllose Schlachtfelder in den verschiedensten Teilen Europas, Seegefechte an nahen und fernsten Gestaden bezeugen, was deutscher Ingrimm in der Notwehr und deutsche Kriegskunst vermögen. Keine Ver- gcwaltiguug völkerrechtlicher Satzungen durch unsere Feinde war imstande, die Ivirtschastlichcn Grundlagen unserer Kriegs- sührung zu rrschütkcru. Staat und Gemeinden, Landwirt- schaft, Gewcrbcflciß und Handel, Wissenschaft und Technik wekkeiferten, die KricgSnötc zu lindern. Verstö.ildnisvoll für notwendige Eingrifte in den freien Warenverkehr, ganz hin- gegeben der Sorge für die Brüder im Felde, spannte die Bc- völkerung dahtzim alle ihre Kräfte an zur Abwehr der gemein- sanieii Gefahx. Mit tiefer Dankbarkeit gedenkt heute und immerdar das Vaterland seiner Kämpfer, derer, die todesmutig dem Feind die Stirnc bieten, derer, die wund oder krank zurückkehrten, derer vor allem, die in fremder Erde oder aus dem Grunde dcS Meeres vom Kampfe ausruhen. Mit den Müttern und Vätern, den Witwen und Waise» empfinde Ich den Schmerz pm die Lieben, die fürs Vaterland starben. Innere Stärke und einheitlicher nationaler Wille im Geiste der Schöpfer des Reichs verbürgen den Sieg. Tic Teiche, die sie in der Voraussicht errichteten, daß wir noch ein- mal zu verteidigen hätten, was wir 1876 errangen, haben der größten Sturmflut der Weltgeschichte getrotzt. Nach den bei-, spieilosen Beweisen von persönlicher Tüchtigkeit und natio- nalcr Lebenskraft hege Ich die frohe Zuversicht, daß das deutsche Volk, die im Kriege erlebten Läuterungen treu bc- wahrend, auf erprobten alten und auf vertrauensvoll bc- trctcuen neuen Bahnen weiter in Bildung und Gesittung rüstig vorwärts schreiten wird. Großes Erleben macht ehrfürchtig und im Herzen fest. In heroischen Taten und Leiden harren»vir ohne Wanken aus, bis der Friede kommt— ein Friede, der uns die not- wendigen militärischen, politischen und wirtschaftliche» Sicher- heften für die Zukunft bietet und die Bedingungen erfüllt zur ungehemmten Entfaltung unserer schassenden Kräfte in der Heimat und aus dem freien Meere. So werden wir den großen Kampf für Teutschlands Recht und Freiheit, wie lange er auch dauern mag, in Ehren bestehen und vor Gott, der unsere Waffen weiter segnen wolle, des Sieges würdig sein. Großes H a u p t q u a r t i c r, den 31. Juli 1915. Wilhelm I. U. kriegsbekanntmachungen. Die RcichSfnttermittelstcllc. Berlin. 31. Juli.(SB. T. B.) Durch die Verovdnung de? Bundesrat» vom 23. Juli 1915(B e kanntmäch u ng des Herrn Reichs» kanzlers ReichS-Gesetzbl. S. 456) ist zur Durchführung der Vor- schriften dcS Bundesrats über den Verkehr mit Hafer. Gerste. zuckerhaltigen Futtermitteln und Krastfnttcrmitteln einschließlich der Kleie eine Rcichsfutter mittel st eile gegründet, welcher insbesondere die Aufgabe obliegt, für die Sicherung und Bertei- lung der inländischen Futtermittel zu sorgen. Die neue Reichsstelle hat ihren Sitz Königgrätzer Straße 19. wohin etwaige Eingaben zu richten sind. Letzte Nachrichten. Die Kämpfe im Kaukasus..„. Petersburg, 3�. Juli.(W. T. B.) Der Genera I st a b der K a u k as u s a r m e e teilt mit: Am 28. Juli in dem Küstengebiet Gewehrfeuer. In der Gegend von Olll) griffen unsere Erkundungsabteilungen türkische Posten in dem Eng- patz vop Gulli-Bagdad(?) au und machten zahlreiche Gegner mit dem Bajonett nieder. Auf der übrigen Front keine Gefechtstätigkeit. Tic Ucbcrgabc in Teutsch-Südwcftafrika. Pretoria, 31. Juli.(W.T.B.) Amtlich wird gemeldet, daß die Uebergabe. der deutschen Truppen in Tamaraland de- friedigend vor sich ging. Sämtliche deutschen Truppen sind jetzt in den Händen der Unionstruppen. 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S'/j Uhr: Ole Waise aus Lowood. 8'/.uhr- Kaueeuiaaos Naehtolger. URANIA TaubenstraBe 48/49. Sonntag und Montag 8 Uhr: All den Grenzen von Südtirol und Italien. Oscar Sabo sowie das Große Programm! Reiehsliallen-Theater. Stettiner Sänger. Zum 180. Male: Im Schützen- graben. Militärisches /Sfa Zeitbild sott Meysel. \ Anfang ik-H-L Sannt. 71/, Ubr. Rose-Theater. 8Ubr:DieToehtep äesGelaugeneu. Gartenbühne: Lileb Vaterland Walhalla-Theater. s uhr: Von Stufe zu Stufe. Gartenflühne: Vorstell., Apollosänger. V oigt-Tlieater. Badstr 58. Badstr. 58. DIB Täglich: MM? Jftün iiiif'e meint n. l-cht/ Bollsstück mit Gelang in 3 Aufzügen. Erstklassiges Variete Kasfeneröffnung 10 Ubr. Ans. 4 Uhr. Heute 2 Vorstellungen 3t/ m,- Nachm. jeder Er- / 2 UHr wachs. 1 Kind frei. In beiden Vorstellungen das nneebttrzte August-Programm mit neuen Sensationen. Spezlalarzt s. H aut-, Harn-, �rau enleiden, A.ri. Ol. Oiimö�f nerv. Schwäche. Beinkranke jeder Art. Ehrlich Hata> Kuren in u.Co tanz. 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Nachdem die Wäsche V, bis V, Stunde unter zeitweiligem Umrühren gekocht hat, lasse man sie in der Lauge einige Zeit stehen und spüle sie dann in klarem, möglichst in warmem bis heißem Wasser sorglältig aus. HENKEL& Cic., DÜSSELDORF, ÄeÄf" Hcnkcl's Bleich-Soda. Kranken-, Sterte- ü-Zuselnißkasse (ür männl. Personen aller Berufe Groß-Berlin. Montag, den 30. August 1915. abends 8 Uhr, im»Gewerkschaftsdause», Engel. Ufer 15. Saal 3: Tagesordnung: 1. Vorstands- und Kassenbericht. 2. Bericht der Revisoren. 3. Bericht der Schiedskommission. 4. Verschiedenes. Um zallreiches Erscheinen der Mit- glleder ersucht 283/00 Der V o r b t» n A. L. Georgelowitz. Allgemeine Orts- Krankenkasse für 269/12 Kerlm-Marieckiirs und Umgegend. Die ortsstatutarische Regelung der hanSgewerbtichen Krankenver- ficherung in den Kemeindebezirlen Berlin> Mariendorf, Berlin- Marienfelde und Berlin-Lanrivin ist leilens des Königlichen Ober- versicherungsamts Grotz-Berlin und durch den Kreisansschuss Teltow ge- nebmigt mit der Maggabe, daß die Satzung am 20. Juli 1915 in Kraft tritt. Es sind somit alle in vorstehend angegebenen Kemeindebezirlen woh- nenden Hausgewerbetreibenden vom 20. Juli 1915 ab wieder kranlenversicherungspflichlig und sor- dern wir daher die in Betracht kommenden Arbestgeber aus. die Meldung dieser Perlenen von diesem Zeitpunkt ab zu bewirten. Meldesormulare sowie Druck- exempiare der Satzung werden im Kassenlolal hier, Chausiceltraße 44, während der Geschästsstunden von 9 bis 2 Uhr abgegeben. Zusendung durch die Post erfolgt nur gegen vorherige Einsendung des Portos. Ter Borstaud. Aug. E.elp, K. Ilacchler, Vorsitzender. Schriftführer. Tausende befreit! Tbandiourm •«mit Kopf beseitigt lt. zahlreichei. dankbaren Anerkennungen aut unschädliche natürliche Weise i /�Reichel* Bandwurmmiltel !«r E nlachste Anwend I F.Eraach- ]» sene 2.-, Kinder(Altersang) 1.25 I Allein echlni.Marke..Med C0"u.Nanicn Otto Reichel. Berlin 4Z,El5«nhe nelr.4 Woin D-ene-ienn clit-rhältl disk-.Zus. Veranttv. Redakteur: Alfred Tcholh, Neukölln. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verla«: BorwärtsBuchdr.u. Verlagsanstalt Gaul Singer(d iz.o.,Berltn sw. H.erzu3Betlagcn u.UntcrhattuagSdl, v.» 32 wr5M8 i. Keilte des Joiiiilf getliiier PolfesMiilt. 1 19,5 oFoneirjesJi WHtymir 0M/iX8nifiwsJ( oJwerrzjaay D3nzig| Pirschau Mariemerdt p* Beymßg. Thann Zß 'MUfinyst pj/ma/v HatTowitz. irno* ftsmion�fta Lemfarg JarosJau Brzznfyä) . �< Luphoiv y. JranisJ§u Wb�ehen» wir nach, zwölf Kriegsmonäfen? . i Km Wo stehen wir nach zwölf Krie.qsmonalen? " o/Mcheln BRü5Saa_ oRoulerfr jBoulogne �s/thne� Armand liilheim Me/f �Aachen Msasirii LUTriCHj fäeriSe Chmbni M-, Hanoi 9-xW r<5/w/» M K 4> PZFOane fouzJen cSrsnL üftsoos •LDngujca St.Denis Ue J wlriSrTvjl��f� VHHaireA Ctfntiantn* Chalons tsmua. Ijr/eßucyi Roman fontenoy Zosm, Iftn/ifOncAc Als vor einem Jahre jubelnde Masjen durch die Linden zogen, dachte schlocrlich einer von den Teil- nchmern, daß der Krieg nach Verlauf eines Jahres noch nicht beendet sein würde. Selbst ruhigere Männer, die man damals sprach, hofften, daß ihre Söhne und Brüder um die fröhliche Weihnachtszeit wieder zu Hause sein würden, sogar Militärs schwärmten wohl davon, daß wir in sechs Wochen in Paris sein würden. Man galt schon als ein arger Pessimist, wenn man die Zeit der siegreichen Rückkehr auf Ostern verlegte, und wer von dem Kriege eines Jahres sprach, wurde kaum mehr ernst genommen. Es gab sicher auch damals)on ruhig urteilende Männer, die sich der ganzen Schwere des Welt- krieges bewußt blieben, in den wir geraten waren, und die die Machtverhältnisse wie die hartnäckige Entschlossenheit unserer Gegner richtiger einschätzten. In der Oeffentlichkeit kamen sie nicht zu Worte, und das um so weniger, als ja die größten Opti- misten in jenen glorreichen Augusttagen des Jahres 1914 Recht zu behalten schienen. Die vereinigten Heere Frankreichs und Englands sanken vor unseren siegreichen Scharen in den Staub, in wuchtigen Sckilägen wurden sie vor uns hergetrieben, die Festungen Belgiens und Llordsrankreichs fielen eine nach der anderen, manche ohne jede Verteidigung, und an den Grenzen Ostpreußens schlug Hindenburg die glänzende Schlacht von Tannenberg. Erst um die Wende des Monats Oktober und November begannen jene Blütenträumc langsam zu zerslattern, nach oen Schlachten an der User, n ch der Umgruppierung des Hindenburg-Heeres inPoscn, nach dem Verlust des größten Teils von Galizien durch die Oesterreicher. Da wurden wir uns bewußt, daß der Sieg nur langsam. Schritt um Schritt errungen werden könnte, so wie der Wanderer die schroffen Zacken eines Bergriesen nur mit Seil und Pickel überwindet. Wenn wir jetzt nach Verlauf eines vollen Jahres aus die verflossenen zwölf Monate zurückblicken, so haben wir weder Grund zu klagen noch zu jubeln. Ilnerforschbar liegt die Zukunft vor uns und der Weg zum Siege ist noch steil und voller Mühe». Aber die Posten auf der ldroditseitc unseres Hauptbuches sind doch erheblich größer als die auf der Schuldseite, und wir haben einen ansehnlichen Reservefonds für den weiteren Kriegsverlauf zu unseren Gunsten angehäuft. Zunächst! Haben wir die Schnelligkeit unseres Triumphes auf dem Schlachtfclde anfänglich über- schätzt, so haben wir unsere wirtschaftliche med finan- zielle Leistungsfähigkeit zweifellos erheblich unter- schätzt. Ich kenne urteilsfähige Männer, die Ende Juli des vergangenen Jahres es für unmöglich hicl- ten, daß Teutschland den Krieg eines Jahres über- Haupt durchzuhalten vermöge. Jetzt hat England den Sungerkrieg gegen uns in der rücksichtslosesten Weise durchgeführt und ist völlig gescheitert. Wir dürfen als sicher annehmen, daß wir mit Geld und Lebensmitteln den Krieg ebenso lange aushalten werden wie unsere Gegner. Militärisch aber stehen wir unvergleichlich gün- stiger da als sie. In Belgien und Nordfrankreich halten wir ein großes und reiches Gebiet, mit etwa 10 Millionen Einwohnern, besetzt; der Raum, den wir in den letzten Monaten im Osten gewonnen haben, wird reichlich ebenso groß sein. Unser eigen Gebiet ist mit Ausnahme winziger Teile des Elsaß frei vom Feinde, das österreichische Galizien zum bei weitem größten Teile zurückerobert. All die unsäglichen Leiden, die der Dämon Krieg den Landesteilen zufügt, durch die er dahinstürmt, bleiben unserem Volke erspart; dem Feinde aber werden reiche Hilfsmittel entzogen. Im Westen stehen wir in gesicherten Stellungen; die dreimaligen Masscnangriffe, die Oberfeldherr Joffre im März. April und Mai in der Champagne, zwischen Maas und Mosel, nördlich Arras, gegen uns unternahm, sind— wemi man ihr Ziel ins Auge faßt— vollkommen und unter den furcht- barsten Verlusten gescheitert. Ein billiger und durch- sichtiger Trost, den Mißerfolg auf den Munitions- Mangel zu schieben, nachdem Frankreich wie Eng- land schon seit Monaten große Lieferungen aus Amerika empfangen haben! Insbesondere bei Arras haben die Franzosen wochenlang ein Trommelfeuer von einer Gewalt und Wirkung gegen unsere Schützengräben losgelassen, das unser Fußvolk nie- mals vergcsien wird. Es hat von einem Geschoß- Mangel beim Gegner wahrlich nichts gespürt. Die mächtigen Angriffe der tapfer kämpfenden Franzose»: haben nicht einmal den Erfolg erreicht, unsere Heeresleitung an der Verfolgung unserer Mjpoes HonfSyts p KapjP�S/.ncrvn/w Irmires, IdCborite �Bounjes I BD W 60 is Sm •Wilna o Oschrnjanj ol/dA. Mina/r0 fri/sfiany ffoönin Modana 0 Bowel IM-ch" � MW////,,,,>. Ziele im Osten zu behindern. Gerade in seilen Monaten haben wir Heere auf Heere gegen Rußland neu gebildet, um dort im Sommer von Erfolg zu Erfolg zu schreiten. Es ist gut, den Nachrichten nicht allzu sehr zu vertrauen, die von einer beginnenden Erschöpfung Frankreichs sprechen; sie stammen aus englischer Ouelle und sollen die Rekrutierung in England för- dcrn. Glücklicherweise hat dieses bei weitem nicht das geleistet, was die Großsprecherei der Kitchener und Churchill uns androhte. Die Einführung des Dienstzwanges wird die Regierung nach ihrem Miß- erfolg bei den Waliser Bergarbeitern kaum mehr wage»». Trotzdem wird Eligland noch Hunderttausende auf das Festland senden können, und Joffre wird aller Wahrscheinlichkeit nach noch einen ganz großen Schlag wagen, um die russischen Bundesgenossen herauszuhauen. Keine Frage, daß der Chef des Gcneralstabes dieses Moment in seine Berechnung mit aufgenommen hat. Der Gang der Dinge und besonders unsere Ver- pflichtungen gegen das verbündete Oesterreich haben es mit sich gebracht, daß wir allmählich unsere Hauptanstrcngungen gegen Rußland gewandt hatten. Die glänzenden Siege des Mai, des Juni und Juli liegen vor unserer aller Augen. In diesen letzten Wochen wird die größte und cntscheidcnste Schlacht der Weltgeschichte geschlagen. Von drei Seiten um- kl'eisen wir das russische Heer und aus der vierten liegt das ausgedehnte Sumpf- und Waldgebiet des Pripjet, das den Rückzugsraum für den Geg»ier ge- fährlich einschränkt. Wir haben den Narew siegreich überschritten und die Gegenangriffe der Russen abgewehrt, vom Westen aus sind wir dicht vor Warschau und Jwangorod herangerückt und haben auch die Weichsel zwischen beiden Festungen bereits hinter uns gebracht, von Süden her aber drängt Mackensen mit mächtigen Stürmen vorwärts und hat bereits die Bahnlinie Jwangorod— Lublin— Cholm gewonnen und durch- schnitten, die den Gegner mit den volksreichsten und fruchtbarsten Gebieten Rußlands verband. Noch ist die Schlacht gegen den verzweifelten Widerstand des russischen Großfürsten nicht endgültig gewonnen. aber sie steht sehr günstig für uns. Sie stände noch günstiger und wäre vielleicht schon abgeschlossen, wenn Oesterreich-Ungarn nicht genötigt gewesen wäre, einen Teil seiner Kraft gegen den treulosen„Bundesgenossen" im Südwesten zu wenden. Aber bisher hat dieser sich nur Mißerfolg auf Mißerfolg geholt, obwohl er mehr und mehr von seinen Kräften einsetzen mußte. Militärisch scheint auch von dieser Seite keine Gefahr zu drohen. Ob Italien trotz alledem eine größere Truppcnmacht an die Dardanellen senden wird, muß abgewartet werden. Für uns bleibt es natürlich wichtig, daß die Dardanellenpfortc dauernd für Rußland ver- schloffen bleibt. Wir brallchen kaum einen Blick aus die anderen Kriegsschauplätze zu werfen, denn die Entscheidung des ganzen Krieges fällt in Zcntralcuropa. Sie ist — wie ich schon hervorhob— noch nicht gefallen, und niemand mag voraussehen, wann sie fallen wird. Ob der Sieg in Polen so groß sein wird, daß er die Widerstandskraft des riesigen Reiches bricht, ist zum mindesten in diesem Augenblick noch zweifelhaft. Seine Erwartungen zu hoch zu spannen, hat noch keinem Volke gknützt; es hebt nicht die Widerstandskraft, sondern schwächt sie gemeiniglich. Die Hoffnung unserer Widersacher geht dahin, daß trotz aller Siege, die wir schon erfochten haben und noch erfechten werden, unsere Volkskraft schließ- lich der überlegenen Waffe der Gegner nicht ge- wachsen sein werde. Aber diese Rechnung hat ennge Löcher. Unzweiselhast kämpfen wir mit zwei Völkern von 190 Millionen Einwohnern gegen rund 000 Mit- lioncn, ohne noch das indische Kaiserreich zu rech- neu, das doch auch zahlreiche HilfSvölker an den Suezkanal und nach Flandern abgegeben hat. Un- zweifelhaft ferner hatten Frankreich und Rußland mit aller Kraft auf diesen Krieg gerüstet. Aber ihre Arbeit hat bei»veitem nicht die gleiche Nutzwirkung gehabt wie die unsrige. Die Organisation, die militärische Tüchtigkeit, die Kriegsindustrie Deutsch- lands waren der unserer Gegner bei weitem über- legen..Keiner von ihnen hätte einzeln mit dem wafscngewaltigen Teutschland anzubinden vermocht. Dieser Vorzug ist uns bisher noch geblieben und wird so leicht von den Gegnern nicht eingeholt werden können. Aber auch die Masse wirds nicht tun; denn man berücksichtigt dabei nicht, daß die Verluste un- screr Gegner um ebensoviel höher sind als ihre VolrSzahl größer ist. Rußland hat in den letzten drei Monaten allein an Gefangenen 075 000 Mann verloren, im ganzen seit Beginn des Krieges 1% Millionen; seine Gesamtverluste werden OM- Millionen eher übersteigen als dahinter zurückbleiben. Die französischen Verluste berechne ich a»lf reichlich 2 Millionen, die Engländer geben die ihrigen— wahrscheinlich zu niedrig— aus 330 000 Mann an, die italienischen betragen schon jetzt 100 000 Mann. Unsere Gegner in Europa, einschließlich Belgier und Serben, haben in dem ersten Kriegsjahr min- bestens 0 Millionen, wahrscheinlich mehr, Mcmn verloren. Und ein solcher Merlaß geht am stärksten Organismus nicht spurlos vorüber. Bei alledem darf man nicht übersehen, daß wenigstens die regierenden Kreise in den Ländern unserer Feinde sich augenblicklich noch nicht für be- siegt erklären und augenscheinlich noch immer hoffen, uns schließlich durch Erschöpfung niederzu- ringen. Der Krieg wird also mehr ui»d mehr ein Krieg der größeren Ausdauer, der gößtcn Willens- kraft, des größten Vorrats an nationaler Kraft werden. Wir müssen uns auf eine lange Dauer noch gefaßt machen. Das Fazit des ersten Kriegsjahres. Von Richard Gädke. das Ergebnis öes ersten Kriegs- jahres. I. Die Zentralmächte haben bisher vom feindlichen Ge- biete besetzt: Belgien..... 29 000 Quadratkilometer Frankreich.... 21 000 Rußland..... 180000 Der Feind Elsaß. Galizien Im hat ganzen besetzt: Im 180 000 Quadratkilometer 1 050 Quadratkilometer 10000_„ ganzen 1 1 050 Quadratkilometer 898 869 40000 120 000 1 058 869 636 534 II. Die Gesamtzahl der Kriegsgefangenen betrug mit Ab lauf des ersten Kriegsjahres: In deutschen Gefangenenlagern und Lazaretten AlS Arbeiter beschäftigt........ In den letzten Wochen gefangen genommen, noch unterwegs zu den Gefangenenlagern... In Deutschland im ganzen...... 7 In Oesterrcich-Ungarn im ganzen etwa.. �_ Das ergibt eine Gesamtzahl von rund.. 1 695 400 An kriegsgefangenen Russen befinden sich darunter: in Deutschland 5600 Offiziere, 720 000 Unteroffiziere und Mannschaften, in Oesterreich-Ungarn 3190 Offiziere, 610 000 Unter offiziere und Mannschaften, davon ein großer Teil durch deutsche Truppen gefangen genommen. Gesamtzahl der russischen Kriegsgefangenen 8790 Offi ziere, 1 330 000 Unteroffiziere und Mannschaften. III. An Kriegsbeute waren in deutschen Sammelstellen bis zum Juni gezählt 5834 erbeutete Geschütze, 1556 erbeutete 'Maschinengewehre. Ein großer Teil der erbeuteten Geschütze und Maschinengewehre ist aber nicht zurückgeschafft, sondern blieb bei den Truppen zur Verwendung gegen den Feind. Ge naue Zahlen hierüber fehlen. Im ganzen kann man mit einer Kriegsbeute von 7— 8000 Geschützen, 2—3000 Maschinen gewehren rechnen.___ Jim belgischen Archiven. Scrlin, B1. Juli. Die„N o r d d e u t s ch e Allgemeine Zeitung" fährt heute mit der Veröffentlichung von Akten st ü ck e n aus belgischen Archiven fort. Einleitend bemerkt sie dazu: Wir fahren heute mit der Veröffentlichung der Berichte aus den belgischen Archiven fort. Sie fallen in die Jahre 19l)ö und 1997. Die große Politik dieser beiden Jahre zeigt uns die englischen Anschläge zur Isolierung und Einkreisung Deutschlands in konsequentem Fortschritt begriffen. Wie bisher, verfolgen die belgischen Vertreter mit mißtrauischer Aufmerksamkeit diese Eni- Wickelung. Mit dem Jahre 1996 trat in England, nach der langen Vor Herrschaft der konservativ-unionistischeu Partei mit dem Ministe- rium Campbell Bannerman die libcral-radikale Partei ihr Negl ment an, unterstützt von den irischen Nationalisten, deren Home Rule-Forderungen von da ab mit dem Programm des regierenden Kabinetts untrennbar verbunden blieben. Das mußie dann, in logischer Konsequenz, über kurz oder lang zu einem Konflikt mit dem Oberhause führen und hat in der Tat eine Periode fast un- unterbrochener innerer Kämpfe zur Folge gehabt. Tagegen blieb die auswärtige Politik Englands in den alten Bahnen. Nur machte sich der Einfluß des Königs, der zäh an der seit 1993 ein- geschlagenen Richtung festhielt, nvch iveit stärker geltend als unter dem vorigen Kabinett. Eduard VII. hat sich zwar um das Teta'l der Politik nur wenig gekümmert, aber in den großen Fragen, oder vielmehr in der einen großen Frage, vor der bei ihm alles zurücktrat, trug er Sorge dafür, daß das offizielle England von dem Wege nicht wieder abwich, den es einmal eingeschlagen hatte. Das Detail dieser Aktion tritt uns in den Berichten, die wir ver- öffentlichen, deutlich zutage. Vorausschicken müssen wir jedoch noch einige Worte über die Persönlichkeiten, die in dieser Periode von maßgebendem Einfluß auf die Politik in Frankreich und in Ruß- land gewesen sind. In Frankreich war Fallieres als Nachfolger von Loubet Präsi- den! der Französischen Republik geworden. Er hat nicht eigentlich eine politische Rolle gesvielt, sondern sich mit der dekorativen Stellung begnügt, auf welche die Oberhäupter Frankreichs seit den Tagen Grevys sich freiwillig beschränkt hatten. Der eigentliche Leiter der inneren wie der äußeren Politik Frankreichs Ivar Ele- mcnceau, der am 23. Oktober 1996 Ministerpräsident wurde und sich in dieser Stellung bis zum 19. Juli 1999 behauptet hat. Er ist noch inehr als Telcasie ein unbedingter Anhänger Eng- lands gewesen und stand in allerintimster Verbindung mit Eduard VII., der auch in dem französischen Botschafter in London, Herrn Paul Cambon, eine weitere Stütze für seinen Einfluß in Frankreich hatte. Unbedingt englisch gesinnt war ferner der Preßdirigent Georg Villier, der unter dem Namen Tardieu zugleich der politische Leit- artikler des„Tcmps" war. In Rußland wurde am 3. Mai 1996 der frühere Finanz- minister Witte Ministerpräsident, und am 21. Juli 1993 als Nach- folger des Grafen Lamsdorff Jswolski Minister des Auswärngen, der sich bis zum 17. Dezember 1919 in seiner Stellung behauptete. Witte fiel am 21. Juli 1996, weil er dem Zaren zu liberal war. Ministerpräsident an seiner Statt wurde Stolypin, der sich jedoch fast ausschließlich den inneren Angelegenheiten, d. h. der Nieder- kämpfung der Revolution und einer großzügigen Agrarpolitik wid- niete, so daß die auswärtige Politik Rußlands ganz in Jswolskis Händen ruhte. Das Jahr 1996 stand zunächst noch vollkommen unter der Nachwirkung des Gegenzugcs, mit dem die deutsche Politik die Herausforderung Delcasses in der marokkanischen Frage beant- ivortet hatte. Von welchem Geist dabei unsere Politik beseelt war, zeigt ein Ausspruch Greindls. In einem Bericht an seinem Chef Baron Faverau schreibt er(31. Dezember 1993):„Der höchste Ehrgeiz Seiner Majestät(Kaiser Wilhelms) ist die Aufrechterhal- tung des Friedens während der Dauer seiner Regierung." Daß dem Bemühen, den französisch-deutschen Konflikt auf der Konfe- r?enz von Algecioas zu lösen, Schwierigkeiten in erster Linie von englischer Seite bereitet wurden, stellte sich sehr bald heraus. Die Rolle, die fünf Jahre später Herrn Lloyd George zugewiesen wurde, um die Verhandlungen zwischen Teutschland und Frank- reich zur endgültigen Regelung der Marokkofrage zu stören, spielte damals der erbitterte Gegner Deutschlands, Sir Arthur Nicholson. Als englischer Vertreter auf der Konferenz tat er, was an ihm lag, um den Franzosen den Rücken zu steifen, und es unterliegr kaum einem Zweifel, daß er es darauf abgesehen hatte, die Konfe- renz zum Scheitern zu bringeir. Auch die Haltung Sir E. Greys war darauf berechnet, Frankreich in seincni Widerstand aufs äußerste zu ermutigen. Wie der belgische Geschäftsträger in London unter dem 14. Januar berichtete, hatte der Minister den in London beglaubigten Botschaftern mehrfach erklärt, daß England „Frankreich gegenüber bezüglich Marokkos Ver- pflichtungen eingegangen sei, denen es bis zum Aeußersten nachkommen werde, selbst im Falle eines deutsch-französischen Krieges und auf alle Gefahr h i n". Ter beunruhigende Eindruck, den diese Erklärung machte, wurde .noch verstärkt durch den Besuch Eduards VII. Anfang März in Paris und durch die geflissentliche AuSzefchnilng, die er dabei Delcasse zuteil werden ließ. Baron Greindl schrieb darüber in höchster Besorgnis: England suche die Lage in jeder Weise zu vergiften. England wurde dabei von Rußland sekundiert, da der russische Botschafter in Paris es möglich fand, gegen allen diploma tischen Brauch, die für Deutschland ungünstigen Instruktionen des russischen Delegierten für die Konferenz zu veröffentlichen. Im April berichtet Baron Greindl rückblickend, daß die englische Presse alles getan habe, um einen günstigen Ausgang der Konferenz zu verhindern, und der englische Delegierte nichts, um eine für Frankreich und Teutschland gleich annehmbare Lösung zu finden. Eduard VIl. habe, wie feststehe, über den Kopf der englischen Regierung hinweg Delcasse im Jahre 1993 199 999 Mann für eine Landung in Holstein versprochen. Daran knüpft er die Bemerkung:„Könnten noch irgendwelche Ztveifel bestehen, so würden sie durch die sonder- bare Demarche des(englischen) Obersten Barnar- diston(bei dem belgischen Stabschef) General Ducarmee zerstreut worden sei n." Diese Bemerkung des Gesandten ist besonders interessant, sie zeigt, daß die belgische Regierung die Bedeutung der Eröffnungen des Obersten Barnardiston von vornherein erkannt hat. Der Bericht, den der belgische Generalstabschef dem Kriegsminister über seine vertraulichen Besprechungen mit dem englischen Militär. attache erstattet hat, ist vom 19. April 1996 datiert. Schon am 3. April aber nimmt Greindl in seinem Bericht auf diese Vorgänge bezug. Hierdurch wird die von der belgischen Regierung sowie von englischer Seite jetzt beliebte Tarstellung, als ob es sich nur um einen ganz unverbindlichen privaten Meinungsaustausch zwischen den beiden Militärs gehandelt habe, auf das bündigste widerlegt. Die belgische Regierung hätte, wenn sie diese Auf fassung tatsächlich gehabt hätte, wohl darauf verzichtet, ihre aus. wärtigen Vertreter von dem Vorgefallenen sofort zu unterrichten. Ungefähr gleichzeitig mit dem Versuch, auch Belgien in die antideutsche Kombination hineinzuziehen, brachte die„Ruß" die jetzt noch nicht zu kontrollierende Nachricht, daß Eduard VIl. Rußland ein Kriegsbünduis angeboten habe. Die englische und französische Presse förderte eifrig solche Pläne, vielleicht unter direkter Anregung durch die offiziellen Kreise. Von den Versuchen einiger Gegner dieser Agitation, wie von Lord Avebury, eine Wandlung zum Besseren herbeizuführen, erwarteten die belgischen Beobachter keinen Erfolg, ebensowenig von einem Zusammentreffen des Königs mit Kaiser Wilhelm, da dank der Haltung der engli- scheu Presse der Haß gegen den deutschen Rivalen bereits ein „Volksempfinden" geworden sei, das auf die Haltung der Re- zierung zurückwirkte. Greindl nennt den damals bei Gelegenheit der russisch-englischen Verhandlungen auftauchenden Plan, die beiderseitigen Interessen auf Kosten der Türkei und der Bagdad- bahn auszugleichen, den„Gipfel der Unverschämtheit". Englands Flotteurüstungsplan als Vorbereitung für die Haager Konferenz erscheint in belgischer Beleuchtung ganz richtig als ein heuchle- rischer Versuch, Deutschland und die Vereinigten Staaten als die Schuldigen am Scheitern„der menschenfreundlichen Ideen Englands und seines neuen Friedensapostels Sir Henry Campbell Bannerman" darzustellen. Anfang 1997 überraschte König Eduard Paris wiederum mit einem Besuch. Die Absicht, Frankreich in die politische Gefolgschaft Englands zu ziehen, trat dabei dank dem Entgegenkommen Cle- mcnceaus so deutlich zutage, daß, um dieses Joch abzuschütteln, ich damals eine Reaktion dagegen in Frankreich zu bilden begann. Sie ist fast bis zum Ausbruch des Krieges lebendig geblieben, hat aber nur einen kleinen Kreis von Persnen umfaßt und die offizielle Politik überhaupt nicht beeinflußt. Die Taktik König Eduards ver- langte fortan Steigerung der Rüstungen Frankreichs, um das ge- 'ährdete„Gleichgewicht" Europas aufrechtzuerhalten. Wohl zu diesem Zweck haben die Wcrbereiscn König Eduards VII. im April 1997 nach Carthagena und Gaeta stattgefunden, und das Er- scheinen eines russischen Geschwaders� in Portsmouth war das erste an die Oeffentlichkeit getretene Symtom, daß Jswolski als russischer Minister des Ausivärtigen die Politik des Zarenreiches in Bahnen zu führen beabsichtige, die sie England und damit auch Japan zu nähern und von Deutschland abzuwenden bestimmt waren. Auch ließ sich erkennen, daß Rußland iin nahen Orient eine aktive Politik wieder aufzunehmen entschlossen war. Die wieder aufflammenden Unruhen in Mazedonien wiesen deutlich darauf hin. Mit echter Entrüstung berichtet Baron Greindl von den Bemühungen Frankreichs, die eben erst in Algeciras ge- troffenen Vereinbarungen bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu umgehen, und über die Verhandlungen, die zum russisch-englischen Abkommen vom August 1997 führten, welche die Teilung Persiens in englische und russische Interessensphären und die beiderseitige Politik in Zentralisation festsetzten.„Es handelt sich," schreibt er, „um Fortsetzung der zur Isolierung Deutschlands bestimmten Kampagne, die sehr geschickt geführt wurde und mit der Aus- öhnung ztvischen Frankreich und Italien(1992) sowie den Ab- machungen anfing, die mit letzterer Macht, auch seitens Englands wegen des Mittelmceres getroffen wurden." Er macht(8. April 1997) darauf aufmerksam, daß Frankreich den Anspruch erhebe, wie vor 1879, in Angelegenheiten einzugreifen, die es absolut nicht angehen, wie in der Frage der Bagdadbahn, und sich einbilde, ein Veto gegen Vereinbarungen unabhängiger Mächte einlegen zu dürfen. Offenbar begann Baron Greindl schon damals auch um die Zu unft seines Vaterlandes, Belgiens, sich ernste Sorgen zu machen. Leblich nur für Preußen), den freikonservakiven Abgeordneten Vorster feiert. Dieser Gegner jeglicher Demokratie ist be- kanntlich Mitbegründer und finanzieller Gönner des Reichs- Verbandes. Es wird allerdings behauptet, daß auch Vorster die»„Reformbedürftigkeit" des preußischen Wahlrechts an- erkenne; er wolle„namentlich der Bildung und dem Alter mehr Geltung verschaffen." Der wesentliche Inhalt des Heftes gilt wieder den Aus- einandersetzungen in der Sozialdemokratie. Es werden zahl- reiche Zitate aus den jüngsten Parteigenössischen Schriften bei- gebracht. Eingeleitet werden diese Zitate durch die Bemerkung: Es sei vorweggenommen, daß über das Endziel selb st zwischen beiden Richtungen keine M e i n u n g s- Verschiedenheit besteht, so daß die Annahme, die neuesten Refornisozialisten wollien schlechthin eine Veisiändigung mit der bürgerlichen Welt anbahnen, irrig sein würde.... Die Zusammenstellung von Zitaten schließt mit den Worten: Aus diesen für den nichisozialistischen Politiker hochbedcui- samen Erörterungen geht zweifelsfrei hervor, daß eine große Zahl sozialdemokratischer Denker auch fernerhin jede Weltpolilik ent- schieden ablehnen, und dmß die Partei a l s solche mit dem Grundsatz des Klassenkampfes als Mittel zur Erreichung ihres Endzwecks unter keinen Umständen brechen wird. Demnächst wird auch der„Nationale Volkskalender" des Reichsverbandes wieder erscheinen, allerdings nur in 100000 Exemplaren, gegen das Drei- und Vierfache in den Vorjahren. „Derselbe wird Beiträge gus der Feder bedeutender Männer über die jetzige große Zeit enthalten und seiner bisherigen antisozialdemokratischen Tendenz mit Rücksicht auf den Burg- frieden vollständig entkleidet sein."— Wie weit das stimmt, wird man beurteilen können, wenn der Kalender vorliegt. politische Uebersicht. Der Reichsverband gegen die Sozialdemokratie. In dem neuesten Mitteilungsblatt(Nr. 4)„an die Herren Vorsitzenden der Ortsgruppen des Reichsderbandes gegen die Sozialdemokratie" heißt es: Der„Vorwärts" bringt am 12. Juli 1915 eine Notiz über den NeichSverband und seine Tätigkeit. In durchaus sachlicher Form berichtet er Einzelheiten aus dem ihm offenbar vorliegenden Mitteilungsblatt Nr. 3. Nicht erwähnt wird hierbei, daß das Blatt nur an die„Herren Vorsitzenden der Ortsgruppen" ge- richtet und von uns nur an Mitglieder des Reichsverbands verschickt wird. Dadurch wird in der Oeffentlichkeil der Gedanke erweckt, als ob wir entgegen dem Beschluß des Vorstandes zu Beginn deS Krieges und ungeachtet des Burgfriedens in aller Oeffentlichkeit die politische Täligkeit«nieder ausgenommen halten. Dem wird hierdurch widersprochen. Das Mitleilungsblatt dient, wie gleich im Vorwort Heft 1 betont Ivurde, lediglich dem„geistigen Austausch für unsere Mitglieder". Das Blatt 3 mutz durch In- diskretion in den Besitz des„Vorwärts" gelangt sein? wir er- suchen daher die Herren Borsitzenden umsorg- faltige Aufbeivahrung der jeweilig zugehenden Hefte. Uns kam es nur darauf an, nachzuweisen, daß der Reichsverband entgegen vielfach verbreiteten Ansichten keines- Wegs das Zeitliche gesegnet habe. Trotz der Warnung an die Herren Vorsitzenden liegt uns auch das Blatt 4 vor, das mit olgender Aufforderung beginnt: Sozialdemokratische Flugblätter sind in letzter Zeit häufiger verbreitet worden; die Hauptstelle ersucht die Herren Mitglieder, ein Exemplar aller solcher Druckerzeugnisse, sobald sie zu Gesicht kommen, nach Berlin SW 11, Dessauer Str. 30, zu senden. S i e bilden wertvolles Material für spätere Zeiten. Das läßt darauf schließen, daß der Reichsverband„in päteren Zeiten" seine Arbeit wieder aufzunehmen gedenkt. Ferner enthält das erwähnte Blatt einen längeren Auf- satz, der einen Gegner deS Reichstagswahlrechts(d. h. an- Eroberungskrieg. Die„Kreuz-Zeitung" schreibt: „Die Sozialdemokratie und diejenigen sehr vereinzelten bürgerlichen Kreise, die den Gedanken einer Erweiterung der Reichs« grenzen grundsätzlich ablehnen zu sollen glauben, berufen sich darauf, daß Deutschland mit diesem Kriege keinen„Eroberungskrieg" führe. Manche dieser Darlegungen klingen so, als sei es unter allen Umständen für ein Volk, seine Herrscher und seine Staatsmänner ein Borwurf gewesen, wenn sie zu kriegerischen Taten geschritten und dabei von vornherein der Absicht gewesen sind, sich das für ihr nationales und staatliches Dasein Notwendige zu erobern. Die Geschichte aller Zeilen zeigt, daß solche Auffassung nicht zutrifft. Richtig aber und trotz aller Lügen unbestreitbar ist, daß Deutschland vor nunmehr einem Jahre sich nicht zu dem jetzigen Kriege entschlossen hat, um Eroberungen zu machen, sondern daß es durch seine Feinde, die ihm sein politisches und wirlschaflliches Leben nehmen wollten, gezwungen worden ist, sich gegen eine Uebermacbt von Feinden zu verteidigen. Diese Tatsachen sind so oft und so unwiderleglich festgestellt, daß es ihrer Wiederholung aus deutschem Munde kaum noch bedarf.... Wir haben nun endlich einsehen gelernt, daß wir unser Dasein in der Welt gegen eine Ueberzahl gewaltiger Feinde erkämpfen müssen, und die Notwendigkeiten, die erfüllt sein müssen, um diesen Kampf durchzufechten, um namentlich dem Tyrannen der Meere gegenüber auch uns den Weg in die Welt freizuhalten, sind deutlich und scharf hervorgetreten. Wir wissen nun, daß wir auf ferne Zu- kunst hinaus unser Lebensrecht nicht auf den guten Willen und die Freundschaft der anderen Völker stützen können, soweit wir es nicht durch unsere eigene Machtstellung beweisen, und mit schweren und blutigen Opfern haben wir die Erkennlnis erkauft, in welchen Punkten diese politische, militärische und wirtschaftliche Machtstellung der Ergänzung, an welchen Stellen unsere Grenzen des erweiterten Schutzes bedürfen. Diese Erkenntnis wird und muß ihre Früchte tragen: was Deutschland mit dem Blute seiner besten Söhne erkämpft hat. das kann, wenn eS zur Verstärkung unserer Stellung notwendig ist, nicht wieder herausgegeben werden. Das wird und kann auch nicht bloß zu dem Zwecke geschehen, damit Deutschland in dem Streit der Worte und der Meinungen gewissermaßen eigensinnig recht be- hält mit der Behauptung, daß es keinen Eroberungskrieg ge- wollt habe. Air vermögen daher den Nutzen nicht einzusehen, den es haben oll, wenn von deutscher Seite auf diese Tatsache immer wieder hingewiesen wird. Das nutzt uns bei unseren versteckten und offenen Feinden sicher gar nichts, sondern macht höchstens den Ein- druck der Schwäche. Bei den wenigen Neutralen aber, die uns wohlgesinnt sind, ändert es nichts daran, daß sie ihre Interessen mit den unseren vereinbar finden." Die„Kreuzzeitung" übersieht in ihrer Polemik, daß die Verneinung von Annexionen nicht einem bloßen eigensinnigen Abscheu vor dem Begriff„Eroberungspolitik entflammt, sondern aus der wohl begründeten Einsicht resultiert, daß Annexionen dem eigenen Interesse des Vaterlandes wider- sprechen. Gebietserweiterungen sind keine Friedensbürgschaft: sie bilden vielmehr sehr häufig durch die beim Unterlegeneu Seschaffene Revanchestimmung den Anlaß zu neuen kriegerischen Konflikten.,__ Eine Landesmehlreserve. Der preußischen Regierung ist eine Mehlreserve zur Verfügung gestellt, aus der solche Veränderungen in der Bevölkerung berücksich- tigt werden können, die von der Reichsvcrteilungsstclle bei der Auf- stellung des VerteilungSplanes nicht vorgesehen werden konnten. Diese Mehlreserve kann einmal verwendet werden für die Ernährung zurückgehaltener ausländischer Arbeiter und bei sielem Zu- zug von inländischen Wanderarbeitern, deren Mehl- verbrauch aus den dem Kreise zustehenden Anieil nicht gedeckl werden kann. Weiterhin erhalten die Kreise, in denen sich noch ostpreußische Flüchtlinge befinden, im Bedarfsfälle einen Zuschuß aus der Landesreserve. Eine Berücksichiigunz erforderten auch die Schwan- kungen in der Bevölkerungszahl, die in den Kur- und Bade« orten durch den Fremdenverkehr während der Sommermonate entstehen. Schließlich dient auch noch die Landesmehlreserve für die Versorgung der Besatzung neutraler oder deutscher Schiffe in preußischen Häfen. Insgesamt konnten für diese Zwecke aus der alten Ernte für das gesamte Staatsgebiet 199 999 Doppel- zentner zur Verfügung gestellt werden. Arbeitszwang für Kriegerfrauen. In Ostpreußen sind Landarbeiterfrauen wiederholt durch Drohung mit Entziehung der Kriegsunterstützung zur Arbeit auf den Gütern veranlaßt worden. Jetzt werden aber auch städtische Kriegerfrauen zur Erntearbeit ge- zwungen! So erläßt die Polizeiverwaltung in B r a u n s- v e r g(Ostpr.) folgende Verfügung: Erntearbeiten betreffend. Durch Bekanntmachung des Herrn Landrats vom 13. Juli cr.(Kreisblatts-Nr. 94) ist bereits darauf hin- gewiesen, daß bei dem Einbringen der bevorstehenden Ernte jeder arbeitsfähige Mann und jede arbeitsfähige Frau zur Mithilfe verpflichtet ist. Insbesondere sollen sich die Frauen der Kriegsteilnehmer der Mit- Hilfe nicht deshalb entziehen, weil sie infolge der gewährten Familienunterstützung eine Arbeit nicht nötig zu haben glauben. Für solche Fälle ist Entziehung der Beihilfe angedroht. Wir machen hiermit noch besonders auf jene Bekannt- machung aufmerksam, und wir werden jeder un- begründeten Arbeitsverweigerung mit allen zu Gebot st che n den Mitteln scharf entgegen- treten. Die Arbeitgeber aber, denen eine Mithilfe bei den Erntcarbeiten seitens der Frauen ohne Grund ver- weigert wird, ersuchen wir, solches u n n a ch s i ch t l i ch zur Anzeige zu bringen, damit in jedem Falle eine Prüfung der Weigerungsgründe von amtlicher Stelle aus erfolgen kann. Braunsberg, den 26. Juli 1915. Die Polizeiverwaltung. Braunsberg dürfte vorläufig die einzige Stadt sein, in der man in dieser Weise gegen Kriegerfrauen vorgeht. Ein notwendiger Erlast. Das bayerische Kultusministerium nimmt Anlaß, in einem Rundschreiben an die Lehranstalten darauf hinzuwirken, daß der Unsitte,„unsere Gegner zu beschimpfen", ent- gegeugearbeitet wird.„Die deutsche Jugend," so heißt es in dem Schriftsätze,„soll, ohne zu Haß und Feindschaft angereizt zu werden, sich erheben und erbauen an den ehren- vollen Taten des deutschen Volkes".— Ein solcher Erlaß sollte von den Kultusministerien aller Bundesstaaten sämt- lichen Schulen, insbesondere auch den Privatschulen, zugestellt werden. Es wird in den Schulen noch immer sehr auf diesem Gebiete gesündigt. Keine Freizügigkeit für Gesinde und Landarbeiter. Der kommandierende General des 29. Armeekorps, Frei- Herr v. Schlieffen, hat für den Bereich des 29. Armeekorps im Anschluß an das Gesetz vom 24. April 1854 betreffend Verletzung der Dienstpflichten des Gesindes und der länd- lichen Arbeit im Interesse der öffentlichen Sicherheit auf die Tauer des Kriegszustandes folgende Verordnung erlassen: § 1. Landwirtschaftlichen Dienstboten und landwirt- schastlichen Arbeitern beiderlei Geschlechts wird es verboten, ihre A r b e i t s st e l l e vor Ablauf des Ver- träges ohne gesetzmäßige Ursache zu verlassen. Sie dürfen den Ortsbezirk, in dem sich ihre Arbeitsstelle be- findet, vor Ablauf des Vertrages unter Aufgabe ihres Dien- stes nur mit Genehmigung des zuständigen A m t s V o r sie h e r s verlassen, es sei denn, daß ihr bisheriger Dienstherr ihnen einen L o s s ch e i n erteilt hat oder daß sie eine gerichtliche Entscheidung envirkt haben, wo- nach sie den Dienst zu verlassen berechtigt sind. � Versagt der Amtsvorsteher die Genehmigung, so steht die vorläufige Entscheidung darüber, ob ein triftiger Grund zum Ver- lassen des Dienstes vorliegt, dem Land rat zu, der in diesem Falle die Genehmigung erteilt. _§ 2. Landwirtschaftlichen Dienstherren und land- wirtschaftlichen Arbeitgebern wird es verboten, Arbeiter der im Z 1 bezeichneten Art vor Ablauf des Vertrages ohne gesetzmäßige Ursache ihres Dienstes zu ent- lassen, sie durch vertragswidriges Ver- halten ihrerseits zum Vertragsbruch zu treiben oder ihnen beim Ablauf des Vertrages oder sonst ohne gesetzmäßige Ursache den Losschein zu versagen. Z 8. Allen D i e n st h e r r e n und Arbeitgebern ohne Unterschied wird es verboten, Arbeiter der im Z 1 bezeichneten Art ohne Vorlegung einer der drei daselbst aufgeführten Urkunden, Genehmigung des Amts- Vorstehers bezw. Landrats oder Losschein des Arbeitgebers oder gerichtliche Entscheidung in Dien st zu nehmen. L 5. Zuwiderhandlungen gegen diese Verbote köerden mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft, sofern die be- stehenden Gesetze keine höhere Freiheitsstrafe bestimmen. Nach dieser Verordnung können also auch Arbeitgeber mit Gefängnis bestraft werden, die ihre Dienstboten und Ar- beitcr ohne gesetzlichen Grund entlassen oder sie durch schlechte, vertragswidrige Behandlung zum Vertragsbruch treiben. In den bisherigen Verordnungen dieser Art fehlt diese Bestimmung._ Repressalien. Dem Sinn des Völkerrechts, das die festen Grenzen der Kriegsführung festlegen will, w&erspricht an sich die Praxis der Repressalien, die— nach dem Ermessen der militärischen Befehls- Haber— außerhalb aller Schranken des Völkerrechts ausgeübt werden. Obwohl nun die eigentliche Lebensfrage des Völkerrechts der Kriegsführung in dem Recht und der Praxis in den Repressalien entschieden wird, hat man bisher nicht einmal versucht, ihren Kriegsgebrauch auch nur zu bestimmen»der einzuschränken. Es herrscht vielmehr die völlige Willkür auf diesem Gebiet, wie immer das den Haager Beschlüssen zugrunde liegende Prinzip, jede Verletzung der vereinbarten Regeln der Kriegsführung, sei es auch unter dem Vorwand von Repressalien, verbieten müßte. Es gibt nur einen einzigen Versuch, die Grenzen der Re- Pressalienmacht festzulegen. Auf der Brüsseler Konferenz von 1874 beantragten die russischen Delegierten, daß Repressalien nur zu- lässig sein sollen a) in den äußersten Fällen bei offenkundigen Ver- letzungen und dann nur in dem Maße, als die Menschlichkeit es aestatteti b) nur im Verhältnis zur Tat; c) nur in Gemäßhcit der Gestattung des Höchstkommandierenden. Tie Brüsseler Konferenz lehnte das ab, beschloß aber aus Antrag des belgischen Delegierten, diesen Artikel„auf den Altar der Menschenliebe niederzulegen". .Da liegt er noch", bemerkt dazu Professor Meurer in seinem Werk über die Haager Friedenskonferenz. Uebrigens sah schon der Vorsitzende der Brüsseler Konferenz voraus, daß nach diesam Verhalten nun alle»schranken hcx Re- pvessßlien vernichtet werden würden. Die folgenden Kriege be- stänssten die Boraussagurrg. Der neue Präsident des Herrenhauses. Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, besteht bei den konservativen Mitgliedern des preußischen Herrenhauses die Absicht, den Freiherrn v. R i ch t h o f e n» Damsdorf zum Präsidenten des Herrenhauses vorzuschlagen. Freiherr v. Richthofen gehörte längere Jabre dem Reichstag an, wo er mehrfach als Wortführer der Kon« servaüven ausirat. Bei der letzten Reichstagswahl verlor er sein Mandat an die Sozialdemokratie. Die Unruhen in Port-au-Priuee. Washington, 31. Juli(W. T. B.) Meldung des Reuter- schen Bureau. Admiral C a v e r t o w n, der vor zwei Tagen. 499 Mann in Port-au-Prince gelandet hat, stieß auf einigen Widerstand. Zwei Amerikaner wurden getötet. Das Kriegsschiff„Connecticut" verläßt morgen Philadelphia mit weiteren 429 Seesoldaten. Port-au-Prince ist jetzt ruhig. /sus Znöustrie unö Handel. Die wirtschaftlichen Folgen des 5lrieges. Ein in„Perseveranza" vom 23. Juli herangezogener Artikel der „Economista Jtaliano" bezeichnet alle Voraussagen über künftige weltwirtschaftliche Entwicklungen nach dem Kriege, über Wirtschnfts- bände usw. swie sie„Victor" in„Nuova Antologia" entwickelt) als Phantasien.„Der Krieg bringt wirtschaftlich immer größere Ver- wirrung, so daß sich gar nichts voraussagen läßt. Nur einige schlichte Talsachen stehen fest: ein gewalliger Verlust an Reichtum und an Menschen, ein Rückgang der wirtschaftlichen Pro- duktionslätigkeit und eine Zerrüttung der internationalen Kurse. Die G e> am t kr i e g s k o st e n bis Anfang Herbst werden auf 1l)l) Milliarden berechnet, und stellen sich auf über 110 Milliarden, wenn man den Schaden an Staats- und Privateigen- tum in den besetzten Gebieten mitrechnet. Trotzdem ein Teil der Kriegsausgaben im Lande bleibt und als Geld umläuft, müssen von jenen 100 Milliarden mindestens 50 Milliarden als Reichtumsverlust gerechnet werden, der durch Staatsschuldscheine ersetzt wird. Der erste Erfolg des Krieges ist also riesiges Anwachsen der Staats- schuld, deren Zinsen durch Erhöhung der Abgaben ein- gebracht werden müssen. Die Gesamtzinsen werden um mindestens 5 Milliarden wachsen. Die Anteile daran sind bei den einzelnen Staaten natürlich verschieden, bei Italien als dem zuletzt eingetretenen Kriegsteilnehmer am geringsten. Die Reihenfolge wird sein: Deutschland, Rußland. Oesterreich, England, Frankreich, Türkei, Italien, Serbien swobei von Kriegsentschädigungen abgesehen ist). Die Lasten zur Aufbringung dieser Zinsen können nur auf das Einkommen gelegt werden und drücken damit auf die Produktion, indem sie deren Kosten erhöhen. In gleicher Weise wird die Produktion gehemmt werden durch die Verminderung der Zahl der Arbeilskräfie und die daraus folgende Erhöhung der Löhne, Gerade die produkliv führenden Länder, Deutschland, England, Frankreich und Belgien, werden diese Verteuerung der Pro- duktionskosten, namentlich im Verhältnis zu Amerika, zu spüren bekommen. Wirtschaftlich am besten kann ein Land, das seinen Bedarf wesentlich im Jnlande deckt, den Krieg ertragen. Man muß an- erkennen, daß Deutschland das unter dem Zwange von außen getan hat und daher wirtschaftlich am besten da- steht. Seine industrielle Organisation hat eine Aus» dehnung, eine Kraft offenbart, die niemand kannte oder ver- mutete. England konnte die große Prüfung bestehen infolge seines gewaltig reichen Kolonialbesitzes, dessen Hilfsquellen dem Mutterland zur Verfügung gestellt wurde». Aber diese Ausnahme bestätigt nur die Regel. Frankreich hat zwar beträchtliche agrarische und industrielle Eigenproduktion, hätte aber ohne die steien Meerzufuhren seine Bedürsnisse nicht decken können. Aus alledem ergibt sich, daß ein großer Wirtschaftsplan für Europa jetzt noch nicht entworfen werden kann. Man kennt noch nicht die wirtschaftlichen Bedingungen des Friedensschlusses, und der politische Friede wird wahrscheinlich noch nicht den wirtschaftlichen Frieden für Europa mit sich bringen." Kriegsgewinne. Ein glänzendes Resultat bietet den Aktionären der Jahresbericht der Aktiengesellschaft Emil Busch, optische In- dustrie, Rathenow. Der Reingewinn inklusive Vortrag be- trägt 1033371 Mark gegen 69 667 5 Mark im Vorjahre. Die Dividende von 17 Proz. gegen 10 Proz. tm Vorjahre erfordert 311 010 M. Auf neue Rechnung werden 292 122 M. vor- getragen. Der Vortrag ist mithin annähernd so hoch als die aus- geschüttete Dividende. Der Bericht führt das günstige Ergebnis auf umfangreiche Heereslieferungen zurück. F. Thoerls Vereinigte Harburger Oelfabriken Akt.-Ges. in Harburg verteilen eine Dividende von 16 Proz. gegen 12 Proz. in den beiden vorhergehenden Jahren. Der Rein- gewinn beträgt einschließlich des Vortrages 8 880 000 M. gegen 2768873 M. Der Vortrag von 846613 M. wird um rund 500000 M. auf 1 363 484 M. erhöht. Die Oxydric Akt.- Ges. in Mannheim schließt mit einem Betriebsgewinn von 1 244 963 M. st. V. 649 320 M.) und nach Ab« schreibungen von 484 135 M. st. V. 803 932 M.) mit einem Rein- gewinn von 200 306 M. ab, während im Vorjahr weder Gewinn noch Verlust erzielt wurde. Von dem Gewinn werden 10 015 M. der Rücklage zugeführt und der Rest von 130 321 M. soll im Hin- blick auf die allgemeinen Verhältnisse einer Kriegsreserve zur Ver- fügung des Aussichtsrals überwiesen werden. Eine Dividende kommt chnach nicht zur Ausschüttung. Die Waffeuansfuhr der Vereinigten Staaten. In den sogenannten Nen-Englandstaaten der nordamerikanischen Union, dort wo die Nachkommen der englischen Puritaner, die eigent- lichen„Dankees" sitzen, blüht die Munilionsfabrikation am stärksten. Alle Firmen und Gesellschasten sind mir Austrägen überlastet und die staatliche Waffenfabrik zu Springfield ist trotz hoher Löhne (3Vz bis 5 Dollar pro Tag) nicht in der Lage, ihre Angestellten zu halten. Die Westinghouse- Gesellschaft hat, amerikanischen Blättern zu- folge, vor kurzem einen neuen Lieserungsvertrag über eine Million Gewehre abgeschlossen, der Remington- Konzern ist mit der Her- siellung von Ist, Millionen Gewehren beschäftigt, Winchester hat einen Auftrag von V« Million, Hopkins u. Allen arbeiten an 400000 Stück, während ein anderer Riesenkonzern sich eben einen Austrag von Istz Millionen Flinten gesichert hat. Im ganzen waren vor ein paar Wochen nach oberflächlicher Schätzung allein in den Neu-Englandstaaten 4�„ Millionen Gewehre söhne die Maschinengewehre) für die Verbündelen in Arbeit. Dazu tomnien Geschosse und Kleinwaffen, kurzum das ganze Gebiet ist in einer fieber- haften, wahnsinnigen Tätigkeit. Die Preise entsprechen natürlich der Nachfrage. Gewehre, die an die Regierung der Vereinigten Staaten für 13.80 Dollar verkauft wurden, kosten die Verbündelen 27 Dollar, und dabei steckt in dem ersten Preise schon ein sehr hübscher Profit. Aber Neu-Emgland ist nur ein Teil der Union. Der größere Kriegs- bedarf. Kanonen. Panzerplatten usw.. Ivird anderswo, in Pittsburg, Bethlehem, Cleveland, Gary usw. hergestellt und hier sind die Profite noch viel gewaltiger. Mit Recht spricht unser New Dorker Partciblatt„The Call" angesichts eines solchen Betriebes von den„guten, närrischen Seelen", die sich einbilden, die Regierung der Vereinigten Staaten könne die Waffenaussuhr sperren. Selbst wenn der Präsident Wilson den besten Willen besäße, wäre er nicht in der Lage, derartig gewaltigen kapitaUstischen Interessen in den Weg zu treten. Sie würden ihn über den Haufen rennen. Gewerkschastfichss. verfehlte Hilfsaktion. Unter dein Titel„Arbeitsnachweis für genesende Sal- daten" wird von einem Delegierten der freiwilligen Kranken- Pflege namens Oskar Haac in der Fachzeitschrift für das ge- samte Malergewerbe, der„Berliner Maler-Zeitung"(Unter- nehnierorgan), für einen Arbeitsnachweis Propaganda ge- macht. Nach den Leitsätzen soll der Arbeitsnachweis„denjenigen Ver- wundeten oder Kranken in den Berliner Lazaretten, zu deren Heilung körperliche Beschäftigung als förderlich zu erachten ist, Stellen nachweisen, wo sie gegen Tage- oder Stunden- lohn während der Zeit des Krieges Arbeit finden". „In allererster Linie hat der Arbeitsnachweis den Wunsch, der gesundheitlichen Untätigkeit und Langeweile Genesender abzuhelfen." Der„Arbeitsnachweis" will sich für diejenigen Solöaten verwenden, die zur Wiedergewinnung ihrer Muskelkraft und ihres Selbstbewußtseins der Arbeit bedürfen, � um wieder militärdienstfähig zu werden. Tie Lohnfrage wird in einem weiteren Abschnitt wie folgt geregelt: „Der„Arbeitsnachweis" vermittelt die Lohnfrage. Die genesenden Soldaten sollen eine ihrer Arbeitsleistung(je nach dem Genesungszustand stundenweise, halb- oder ganztägige) ent- sprechende Löhnung vom Arbeitgeber erhalten, wobei jedoch in Abrechnung zu bringen ist, daß die Soldaten vom Staate freie Station sowie Lazarcttlöhnung erhalten. Die Lohn- frage kann daher von Fall zu Fall unter Beihilfe des„Arbeits- Nachweises" erledigt werden." In der Veröffentlichung wird darauf aufmerksam ge- macht, daß die Behörde die Erteilung der Genehmigung von besonderen Bedingungen abhängig macht. Gegen die Errichtung derartiger Arbeitsnachweise müssen wir uns ganz entschieden wenden. So gern wir den Soldaten Beschäftigung gönnen, darf diese nicht dazu führen, den anderen Arbeitern Konkurrenz zu bereiten. Entweder ist der Soldat wieder völlig hergestellt, dann kommt er, wenn er nicht mehr feld- oder garnisondienst- fähig ist, zur Entlassung, konimt dann eventuell als Kriegs- beschädigter in Fürsorge der dafür errichteten amtlichen Stellen oder aber er ist krank und des weiteren Heilverfahrens bedürftig, dann darf er nicht arbeiten. Die Empfehlung niinmt darauf Bezug, daß der Soldat eveitbuell tageweise als Arbeiter Verwendung finden kann, bedenklich ist auch die Schmackhastmachung der Beschäftigung dadurch, daß�der Arbeitgeber die Löhnung und den freien Unterhalt des Sol- daten in Anrechnung bringen kann. Dadurch werden die be- stehenden Tarife gefährdet: es wird ein ungehöriger Druck auf die sonst allgemein übliche Entlohnung ausgeübt. Tie Unternehmer haben die Arbeitskraft zu bezahlen, die sonstigen Verhältnisse des Beschäftigten— etwa ob derselbe noch an anderer Stelle Bezüge hat— müssen bei der Entlohnung ohne Berücksichtigung bleiben. Vor einigen Tagen ging ein Erl�ß des Ministers durch die Zeitungen, in dem Front gegen die �.wildö Mohltätigkeit" gemacht wurde. Jeder mit einem guten Herzen Ausgestattete glaubt sich berufen, in Wohltätigkeit zu machen, ohne daran zu denken, daß dadurch die Ucbersichtlicyteit verloren geht. Hilfe mehrfach angewendet ivird, die bei richtiger Verteilung planmäßig vorgenommen, einen größeren Kreis von Hilfs- bedürftigen zugute kommen würde. Ebenso ist es mit der Arbeitsvermitteluntzx, Soll etwas Durchgreifendes geschaffen werden, so geht es nicht an, alle möglichen Einrichtungen nebeneinander und durcheinander zu schaffen. Die Sache wird dadurch zersplittert, Hie Ueber- sichtlichkeit gestört und Arbeiter sowohl als auch die'Behörden verlieren die Uebersichtlichkeit. Die schon vorhandene Zerrissenheit auf dem Gebffete der Arbeitsvermittelung, die wahrlich schon groß genug ist, sollte Veranlassung sein, nicht immer wieder neue Stellet zu schaffen. Will man den genesenden Soldaten die Möglichkeit einer Beschäftigung bieten(über den Wert und die Nützlich- keit derartiger Beschäftigung kann man verschiedener Mer- nung sein), so sollte es in Anlehnung an die bestehenden Ar- beitsnachweise geschehen. Diese sind am ehesten in der Lage. den Arbeitsmarkt zu übersehen und können beurteilen, ob fremde Arbeitskräfte aufgenommen und untergebracht werden können. So aber bedeutet die geschaffene Einrichtung, bei der die Arbeiterorganisationen keine Möglichkeit der Kontrolle haben, lediglich eine weitere Kräftezersplitterung. Es muß auch hiergegen ebenso wie gegen die„wilde Wohltätigkeit" die warnende Stimme erhoben werden. Die Leiter der Gewerkschaften tun gut, der Frage bei „Arbeitsnachweises für genesende Soldaten" ihre volle Auf- merksamkeit zuzuwenden. Dies um so mehr, al� man nicht eine neutrale Stelle, sondern einen Unternehmer init der Ge- chäftsführung betraut hat.__ verlin und Umgegend. Teuerungszulagen für Militäreffektenarbeiter. Infolge eines früheren Bersammlungsbeschlusses sind die Metallarbeiter in den Militäreffektenbetrieben wegen Ge- Währung einer Teuerungszulage vorstellig geworden. Darauf haben einige Firmen Zulagen bewilligt. Tie übrigen Unter- nehmer haben sich auf den Standpunkt gestellt, nur von Or- ganisation zu Organisation über die Forderung der Arbeiter zu verhandeln. Eine am Freitag abgehaltene Branchenver- smnmlung der Militäreffektenarbeiter beschloß deshalb, die Angelegenheit nunmehr durch die Verbandsleitung betreiben zu lassen. Allgemein wurde betont, daß die Gewährung einer Teilernngszulage dringend notwendig ist, da die Lohnsätze in der Branche heute noch dieselben sind wie vor dem Kriege, und wenn gegenwärtig höhere Wochenverdienste erzielt wer- den, so kann das nur durch zahlreiche Ueberstunden und äußerste Anstrengung bei Akkordarbeit geschehen. Tie Bezahlung der Waffenrockärmel. Auf Grund vielfacher Anfragen weqen der Bezahlung per Waffenrockärmel sej folgendes festgestellt: Unter der in der letzten Veröffentlichung der Teilarbeitslöhne enthaltenen Bemerkung„Aermel mit Litzen" ist die Windlitze zu verstehen, die an der Gllenbogennaht mit eingenäht und mit Knopf- loch verscbqc zum Zusammcnknöpfen des Asrmels versehen ist. Gardelitzen, die nur bei dem Waffenrockärmel alter Art vorkommen, sind neben dem Arbeitslohn für den Waffenrockärmel extra zu bezahlen. Gardelitzen sind in keinem Falle in dem ver- öffentlichten Tcilarbeitslohn enthalten. Dies trifft auch für die Spiegel auf dem Kragen zu. Für die weißen odxr gelben Gardclitzen sind sowohl beim alten Waffenrockärmel wie bei dem Kragen neuer und alter Art Extrazufchläge zu bezahlen. Die Ortsverwaltung de» Verbandes der Schneider usw. Veutsches Neich. Der Gemeinde- und Staatsarbeitcrverband ditte nach dem focvcn erschienenen Jahresbericht 1914 zu Beginn des Jahres 53 922 Mitglieder, am Ende desselben 34 899 Mit- glieder. Eintritte und Uebertritte waren 9983, Austritte 28 298 zu verzeichnen, unter letzteren 16 95-1 zum Heere Eingezogene. Mithin ist ein Minus von 19 125(14 943 der vollzahlenden) Mit- glieder zu verzeichnen. Ter höchste Mitgliederstand war im zweiten -Quartal mit 54 522 erreicht worden, kurz vor Ausbruch des Ärie- geS, eine iliahl, wie sie bisher der Verband noch nicht gehabt hatte. Die Neuaufnahmen sind im Jahre 1914 in der Kriegszeit bedeutend zurückgeblieben, sogar manche Filialleitungen glaubten ihre Tätig- keit der Organisation gegenüber einstellen zu lönnen. In ein- gehender Weise wird in dem Bericht geschildert, wie die allgemeine Situation aus wirtsckaftspolit'.scheni Gebiet kurz vor und während des Krieges war, wie die Gewertschaften bekämpft wurden und welche Schlvierigkeiten ihnen sonst zuteil geworden sind, bis die Kriegsperiode eine erhebliche Zlenderung auf zahlreichen sehr wich- tigen Kampffcldern herbeiführte. Taß die Organisation trotz der numerischen Schwächungen auch am Ende des Berichtsjahres aktionsfähig und kräftig dastand, beweisen die Ausgabeposten und die Kassenverhältnisse überhaupt. In den Gemeindcbetrieben wurde tapfer gekämpft um Lohn- und Teuerungszulagen, um Einhaltung der erreichten Tarife und sonstiger Positionen, Urlaub, teilweise Weiterzahlung des Lohnes an die Eingezogenen usw. lieber die von den Gemeinden gewährten Beihilfen an Kriegerfamilien wird speziell berichtet aus allen zirka 229 Filialorten. Natürlich war auch die Arbeitslosigkeit, wenigstens in den ersten Kriegsmonatcn, erheblich gestiegen und viel größer als sonst; auch hierüber gibt das Zahlenmaterial Aufschluß. Tie ausgezahlte Arbeitslosenuntcr- stiitzung betrug im Jahre 1919 erst 19 892 M., 1914 jedoch 72 864,73 Mark. Eine ganze Anzahl für die Arbeiter günstig verlaufene Lohnbewegungen werden mitgeteilt und die Erfolge ziffernmäßig vorgeführt. Mehrere Stadtverwaltungen haben noch immer Ge- meindearbeiter und-arbeiterinnen gemaßregelt wegen ihrer Be- tatigung für die Verbandssache. Die Wirkung ist erneute agita- torische Tätigkeit und Ergänzung der dadurch entstandenen Lücken. Daß noch viele zu organisieren sind, beweisen die verschiedenen Angaben aus den einzelnen Bezirken— und die teilweise groß- artigen Erfolge. Auch während der Kriegszeit muß von den Gemeindcarbeitern eine rührige Tätigkeit für die Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse entfaltet werden; sind doch die Forderungen mehr denn je voll berechtigt und auch bereits von mancher Gemeindeverwaltung anerkannt worden. Während des Krieges hat der Verband einigemal Statutenänderungen vor- genommen in bezug auf die Unterstützungen. Der Verbandsvor- stand hat nun neuerdings beschlossen: vom 1. August ab die Familienunterstützung einzustellen und das volle Statut wieder in Kraft zu setzen. Er sagt dazu: Als der Krieg ausbrach, war loohl die allgemeine Auffassung, daß in längstens einem halben Jahre der Friede seinen Einzug halten müsse. Es ist anders gekommen. Wenn wir nun auch dank dem tapferen Zusammenhalt der verbleibenden Kollegen über ein ganzes Äriegsjahr hinweg- gekommen sind, ohne unsere Organisation zu gefährden, so hat sich doch der Kassenbestand beträchtlich vermindert. Es sind in den verflossenen 12 Monaten nur für die Fa7nilien der Ein- gezogenen an Unterstützungen über 499 999 Mark ausbezahlt worden. Diese erstaunliche Leistung unseres Verbandes, die außerhalb der statutarischen Ansprüche der Mitglieder gewährt wurde, war nur möglich, indem sowohl die kleinen wie die großen Orte ihre Solidarität bekundeten und ferner ein Teil der Kollegen auf die statutarische Krankenunterstützung und die Hälfte der Sozialdeinokratisctter Wahlverein Cbarlottentmrgf. Am D4rns5» Um HünltlichcS Erscheinen ersucht Der Borstaud. Zafalstelle Berlin. Bureau: Engeluser 14/15, pait.— Telephon: Amt Moritzplatz Nr. 8130. Mittwoch, den 4. August, abendS S1/» lthr, in„Bockers �cstsäicn", Wcberstr. 17: Genernk- Persammlung. Tagesordnung: 1. Kassen- und GeschäslSbericht. 2. Vortrag: Kriegsbeschädigte». Fürsorge. Referent: Etadtv. Genosse Ritter. 3. Verschiedenes. Vollzähliges Erscheinen erwartet s16S/7j Tie Ortsverwaltung. Kranken-UnterslizunisM der Schneider, u.------------------ Filiale Berlin.~~--------- Mittwoch» den 4. August, abends 8Vz Nhr, im GewerkschaftShaus, Engelufer 15, Saal 1: Mitglieder- Versammlung Tagesordnung: 1. Die am 27. September d. Js. stattstndendc Generalversammlung. 2. Wahl von 13 Delegierten. 3. Verschiedene Kassenängelegenheiten. Mitgliedsbuch ist mitzubringen. Ohne dasselbe kein Zutritt. Um zahlreichen Besuch ersucht 162I1o Die Ortsverwaltnng. Deutscher Textilarbeiter-Verband. Verwaltung Berlin. Andrcasstrulle 17... Königstadt 1873. Am Tonnerstag, den 5. August 1915, abends S'/a Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufcr 15, Saal 1: General- Versammlung Tagesordnung: 1. Geschästs» und Kassenbericht vom 1. Quartal lSIS. 2. Ersatzwahlen zur Ortsverwallung. 3. Bortrag des Kollegen Frin Rasch: „Das verflossene Geschäftsjahr der All» gemeinen Lrtskrankenkasse der Stadt Berlin". Niy* Da in dieser Versammlung sehr wichtige Verbandsangelegcn- heilen behandelt werden, ist das Erscheinen aller Mitglieder notwendig. ■- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt.—— 190/2 Die Ortsverwaitnng. ' Verantwortlicher Redakteur: Alfred Scholz, Neukölln. Für den Skerbemti erstützung verzichten mußten. Mittlerweile sind abei! weitere Tausende von Kollegen eingezegcn, so daß zurzeit 23 999 Verbands Mitglieder im Felde stehen. Der Verband muß aber bei Äriegsschluß aus cineu erheblichen Ansturm gerüstet sein, da nach dem Kriege sicher erhebliche Schmierigkeiten für viele zurückkehrende Kollegen entstehen lvcrdcn, sei es durch Arbeitslosigkeit, Krankheit usw. Aus all diesen Gründen muß mit dem 1. August die Familienunterstützuiig eingestellt iverden. Um aber denjenigen Familien, die durch den Tod ihres Ernährers am schwersten von der Kriegsfurie getroffen wurden, eine kleine Beihilfe zu schaffen, soll die Sterbe Unterstützung von 39 M. für gefallene Kollegen weiter beibehalten werden. Wenn der Friede da ist, soll die Gewerkschaftsorganisation wieder in der Lage sein, für den Hauptzweck ihr<: Aufgaben: Erringung besserer Lohn- und Arbeitsverhältnisse sich mit aller Kraft einzusetzen. Der Hutmachcrverband in der Kriegszeit. Die Mobilmachung verursachte in der Hut- und Filzwarenfabrikation eine Arbeitslosigkeit von noch nie dagclvesener Ausdehnung. In den ersten Augustwochen des vorigen Jahres waren 89 Proz. der Mitglieder arbeitslos. Ende August sank die Zahl der Arbeitslosen auf 62 Proz. Im Dezember waren noch 25 Proz. der Mitglieder ohne Albeil und Berdienst. Der Verband stellte seine Mittel und Kräfte völlig in den Dienst der Arbeilsloienfürsorge. In den ersten neun Kriegsmonaten wurden in 6599 Fällen von Arbeitslosigkeit 149 999 M. Unterstützung gezahlt. Auch die Angehörigen der zum Militärdienst einberufenen Mitglieder sind bis jetzt mit 12 999 M. aus Verbandsmitteln unterstützt worden. Die Bemühungen des Verbandes in Verbindung mit den übrigen Gewerkschasten hatten den Erfolg, daß in 28 von 49 Filialorten des Verbandes Arbeits- loseminterstützung durch die Gemeinden gezahlt wird. Die Unleruchmer baben aui dem Gebiete der Arbeitslosen- Hilfe, in der Bclämpsung der Arbeitslosigkeit durch baldige Wiederausnahme ihrer nach dem Kriegsausbruch geschlossenen Betriebe vollständig versagt. Die wenigen Ausnahmen, in denen der Betrieb fortgeführt und tageweise gearbeitet wurde oder in denen die An- gehörigen der Kriegsteilnehmer eine Unterstützung vom Unternehmer erhielten, lasten sich in ganz Deutschland an den Fingern einer Hand abzählen. Die Regel war: Entlassung des AlbeitSperionals— in vielen Fällen ohne Einhaltung der Kündigungsfrist— und Stillsetzung der Betriebe aus Monate und Vierteljahre. Eine Anzahl von Fabrikanten mißachtete sogar die behördlichen Älufforderungen, in Rücksicht auf die Notlage der Arbeiter und den Burgfrieden keine Lohnabzüge vorzunehmen. Es ist vorgekommen, daß der durch lange Arbeitslosigkeit und verkürzte Arbeitszeit stark herabgeminderte Ver- dienst durch Lohnabzüge noch weiter heruntergedrückt wurde. In manchen Fällen wurde versucht, unter Ausnutzung der Notlage der Arbeiter, Verschlechterungen der Lohn- und Arbeitsbedingungen auf iünf Jahre festzulegen. Der Tätigkeit des Verbandes ist es zu danken, daß nicht alle derartigen Pläne der Unternehmer durchgeführt werden konnten. Kusianü. grauen an der Setzmaschine. Auch in Frankreich gibt es Buchdruckereibcsitzer und Zeitungs- Verleger, die gegenwärtig den Augenblick für gekommen erachten, Mädchen an der Setzmaschine zu hefchäftigen. Natürlich geschieht dies nicht aus persönlicher Vorliebe für das weibliche Geschlecht oder aus reiner Menschenliebe, sondern um an den Löhnen zu sparen. „La Typographie Franeaisc" wirst aus diesem Anlaß die Frage auf:„Was will der Arbeitgeber tun, wenn der Krieg zu Ende ist und die Männer ihre Arbeitsplätze an den Maschinen durch Mädchen besetzt finden, die nur ettva die Hälfte des Lohnes für Geholfen bekommen? Jedenfalls bilden die Prinzipale, die sich in diesem Falle streng an die tariflichen Abmachungen halten, eine feltene Ausnahme."— Man sieht, die goldene Internationale verleugnet ihre Prinzipien nie und nirgendwo; sie lernt auch im Weltkrieg nicht um. Smfkaften der Redaktion. Di« lurtstllch« Sprechstunde findet für Abonnenten Ltndenstr. z, nr. Hof rechts, parterre, am Montag d>z Freilag von t vis 7 vor, am Sonnabend von ö bis G Uhr statt. Jeder für den Brieflasten bestimmten Anfrage ist ein Luchstabe und eine Zahl als Merlzeichen beizufügen. Briefliaie Antivort wird»ich: erteilt. Anfragen, denen keine AbonnemenlSauitlung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Verträge, Cchriftstülte und dergleichen bringe mar. in die Sprechstunde mit. T. M. 5. Wenn der zehnte Teil oder der im Statut bezeichnete go ringere Teil der Genossen einer(Senossenschast unter Anführung des Zwecks und der Gründe der Berufung einer Keneralvcriamnilulig die Einberufung verlangen, so muß nach dem Gesetz(Z 45 GcliossenfchastSgcfctz) die Generalvelsaimnwng ohne Verzug berufen werden. Wird dem Verlangen nicht entsprochen, io kann daS Gericht fsKenosscnichailSrcgistcrgericht) die Genossen, welche das Verlangen gestellt baben, zur Berufung der General- Versammlung ennächtigen.—(?. R. IOO. Eine solche Verordnung ist uns nicht bekannt.— P. S. 97. Eine kricgsgciraute Frau bat genau dieselben Ansprüche wie jede andere Ehefrau aus KriegSunterstützung und dergleichen. In Ihrem Falle ist offenbar die Uiilerstützung desbaib ab- gelehnt, weil infolge des WcilergehenS der Stelle leine Bedürftigkeit vor- liegt. Eine Beschwerde wäre in diesem Falle auch aussichisloS.— R. 12. Sie sind dauernd untauglich und werden nicht mehr bernngezogen, falls die von Ihnen angegebenen Zeichen bei einer zweiten ärztlichen Untersuch»»? eingetragen sind. Hat nur eine Untersuchung slattgcsunden, io iit eine zweite möglich.— F. M. 33. Nach g 1567 des Bürgerlichen Gesetzbuches kann ein Ehegatte auf Scheidung llagcn, wenn der andere ihn böslich ver- lassen hat. Bösliche Verlafiung liegt aber nur dann vor. wenn ein Ebc- gälte, nachdem er zur Herstellung der häuslichen Geineinschost rechtskräftig verurteilt worden ist, ein Jahr lang gegen den Willen des anderen Ebe- gatten in döslicher Absicht dcui Urteile nicht Folge geleistet bat. — F.'S. 100. Ist Ihr Mann nicht aus der Kirche ausgetreten, so iit er zablungspflichtig. Gegen ihn kann aber, während er im Felde steht, nicht vorgegangen werden. Sic sind als Frau nicht veipflichtct, die Schulden Ihres Manncs zu zahlen.— G. T. 100. Die Antwort aus die Reklamation beizusügcn wäre wesentlich. Sic haben aus Unterstützung An- fpruch, wenn Sic nachweisen können, daß Ihrer Reklamation nur wegen des Krieges nicht Folge gegeben ist, oder wenn sie beweisen können, daß Sic von Ihrem Sohne erheblich unierstützt wurden— H. H. L7. 1. Die Firma kann auch jept noch reklamicreii.' Der Erfolg ist ein sraglicher und läßt sich nickt voraussagen. 2. Hornhautflcckcn.— G. 31. Dem einem immobilen Truppcnteii angehörenden Kriegsteilnehmer steht der Schutz des Gesetzes vom 4. August 1914 nur dann zur Seite, wenn er«gegen den Feind" verwendet ist. Die Kündigung wäre also rechtsgültig.— K. 32. 1. Wegen Krankheit der Atmungsorgane nur als Landsturni ohne Waffe verwendungssähig. 2. Die Anmeldung ist nicht ersorderlich, ivcnn Sie dafür Sorge tragen, daß in Ihre Wohnung gebrachte Meldungen Ihnen sofort zugehen.— Ernst 7. Die für die'Zeit bis zum Fortgang JbreS Manncs fällig gewesenen Steuern können gesordert werden. Ein Abzug von Ihrer Uiilerstützung wegen dieser Steuern ist unzulässig. Wohl aber ist in den Berhäitnisseii, in denen Sic leben, nicht ausgeschlossen, dag die Unterstützung überhaupt gestrichen wird, well das Vorliegen einer Bedürs- tigkeit zu verneinen sei.— F. I. 4. 1. Wenn Sie von der Obcr-Ersatz- Kommission ausgemustert sind. nein. 2. Wegen Schwäche des Knochen- und Muskelbaues nur als Landsturm ohne Waffe verwendungssähig.— 31. S. 14. 1. Das Eiserne Kreuz I. Klasse kann uerliehcn werden, ohne daß das ll. Klasse verliehen war. 2, Sowie die Frau getraut ist. erhält sie die Unterstützung, aus die sie als Ehefrau Anspruch bat.— SÖ. 199. Zu. — ft. M. 100. 1. Die Bestimmung gilt nur für Angehörige des aktiven Heeres. 2. Sie haben die Zeichen wohl falsch gelesen. Sic sind a!s Bc- Zeichnungen für einen Militärpaß nicht vorgeschrieben.— R. B. 27. Sie müßten aus Zahlung gegen den Testamentsvollstrecker llagen.— E r MM Verwaltungsstelle Berlin. N 54, linienstr. 83-85. Montag, den Ä. Ztugust 1913: Mrks- Versammlungen für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin in folgenden Lokalen: Norde»:?»»>»»»»>«. Mllllerstr. 142, abends 8'/- Uhr. IlördkN' tlultners Fcstsälc, Schwcdtcr Straße 23, abends Norden: Frankes Fcstsälc, Badstr. 19, abends S'/2 Uhr. Sands Festsäle, Bcussclstr. 9, abends S'/j Uhr. Cbarlottenburg: Volkshaus, Rosinenstr. 3, abends S'/j Uhr. Tegel:»«Nors Fcstsälc, Berliner Str.«4. abends« Uhr. Wisla und SeUuleri:{SSrSraÄWS?- Osten: comeniussäle, Mcinelcr Str. 67, abends 8>/z Uhr. I inhtnnlllnnn• Restaurant Knrbowski, Pfarrstrasje 74. UCUKlUOTy. abends 8'/, Uhr. Slralan-Rummelsturg: fSr-«- Ufoinancaa* Restaurant Pcnhert, Berliner Allee 251. II riu�udre« abends 8 Uhr. Südentiezirke**,iewei*'*so?ia'ts'ian8' Engelufcr i»,©nai i, NeilkGiln* ���aztze-Festsäle, Bergstrastc 151 152, abend! 8tegllt?: Schellhascs Fcstsälc, Ahornstr. 15a, abds. S'/jUHr. Köpenick und Frledriebsbagen: RrÄTBnarten, Fricdrichshagen. Ariedrichstr. 74, abends 8 Uhr. Oberscböneveide, Niederscböneweide, Jobamiis- thnl Ii Ilmn• Restaurant CJeorge, Obcrschöneweidr. lUtti u. umg.. ZLilhelminenhosstr. 44a, abends S'l, Uhr. SpUDdäU' Rcstal,rant Spandau, Kurstr. 21, abends Wilhelminenhosstr. 44 a, abends S'/j Uhr. u 8'/, Uhr. Tagesordnung in allen Versammlungen: i Bericht von 13. ordentlich. Generalversammlung des Gesamt-Berbandes. 2. Stellungnahme zur ordentl. General- Versammlung der Verwaltungsstelle Berlin. ---------- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird erwartet. Die Zahlstelle von Dieter, Gerichtstr. 61, . wird nach dem Lolal von Lrnst Gallssctz, Pankstr. 8, verlegt. Die Zahlstelle Müller, Alt-Stralau 17, ist eingegangen. 117/g» Die Ortsverwaitnng Tel-Amt Moritzplatz 10623, 3578. Verwaltung Berlin. Bureau: Rungcstraßc 30 Bezirk Obsr-Sciiöneweide. Mitglieder- Versammlung Dienstag, den 3. August, abends 8V2 Uhr, bei W a r u c ck c, Wilhelminenhosstraße 18. Tagesordiiung: 1. Bericht des Obmannes. 2. VcrbandSangclcgenheitcit und Verschiedenes. NtcknllellsmWllkr-UelsliMnllilngkli Stellmacher. Mittwoch, den 4. August, abends 8V3 Uhr, bei Hummel, Sophienstraße 5. Modtll-Llllirlktischln»» Nrcihllcr. Mittwoch, den 4. August, abends Z'/z Uhr, bei W a l d t, Pflugstraßc 5. Jalousie-Arbeiter. Mittwoch, den 4. August, abends 8 Uhr, bei G reibe, Rungestraße 30. 86/4 Die Ortsverwaitnng. in guter Ausführung liefert VORWSRTS Buchdruckerei u. VerSagsansfalt Berlin SW. SS- Lindenstrasse S Restaurant XaHshorst, Ende Prin«- Adalbert- Straße. rnncfoilhac-l herrlicher Naturgarten, Doppel-Kegel- T UI dlCllUÜU bahn. Schönster Familien-Aufenthalt. Willtelm Albreclit(früher in Borsigwalde). Zitjeratenteil vercmtw.: Th. Glocke, Berlin, Druck u-Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co, Berlin SW. Dt. 21«. 32. loliraanj. killigt Ks Jotmatls" Kerlim Ein Jahr öeutfthe Zelöpost. Von amtlicher Seite wird geschrieben: Man hat die Organisation und die Leistungen der deutschen Feldpost von 187t1/7l als mustergültig bezeichnet. Das waren sie auch. 104 Millionen Briefe hat die Feldvost damals vom 15. Jult 1870 bis Ende März 1871 befördert. So etwas war noch nicht dagewesen und die Feldpost durfte mit Recht stolz darauf sein. Und was leistet unsere jetzige Feldpost? Nahezu 15)4 Millionen Briefe werden täglich von ihr verarbeitet. Das ist das Söfache dessen, toaS die Feldpost von 1870/71 täglich geschafft hat. Dabei baben� die Feldpoftbeamten von damals auch im Schweiße ihres Angesichts gewirkt. 2300 waren es Jetzt sind es 5400, also knapp 2)4 mal mehr. Wenn diese dabei in einer Woche das leisten, was jene in 8)4 Monaten bewältigt haben, so hat man wohl auch im jetzigen Kriege Anlaß, mit der Organisation der deutschen Feldpost zufrieden zu sein. Denn nur aus ihr läßt sich eine derartige her- vorragende Leistung erklären. N a ch der Front sind aus dem Deutschen Reiche durch Ver- Mittelung der heimischen Feldpostsrmmelstcllen von August 1914 bis Ende Juli 1915 etwa 2,4 Milliarden Feldpostbriefe befördert worden. Da außerdem etwa 1.8 Milliarden Feldpostbriefe im Felde aufgeliefert worden sind, umfaßt die gesamte Beförderungsleistung der deutschen Feldpost bis jetzt etwa 4 Milliarden Briefe. Bei den 23 heimischen Postsammelstellen ist das Personal seit Mitte August 1914 von 3100 Köpfen auf 13 000 bis 14 000 angewachsen. Die Menge der täglich ins Feld gehenden Feldpostbriefsäcke, die im vorigen Dezember bei Abbeförderung der Weihnachts-Feldpost mit 29 000 Stück den Höhepunkt erreicht hatte, stellt sich gegen- wärtig auf 45 000. Das bedeutet eine Belastung' der Feldpost- beförderungsmittel, zu.denen u. a. 800 Feldpostkrafttvagen ge° hören, mit 1)4 Millionen Kilogramm Briefpost täglich. Nicht wenig haben zu der dauernd gesteigerten Benutzung der deutschen Feldposteinrichtungen, wie sie in anderen kriegführenden Ländern auch nicht annähernd zu verzeichnen ist, die mannigfachen seit Kriegsbeginn getroffenen Verkehrsverbesserungen beigetragen. Dazu gehören die Ermäßigung des Portos für Feldpostbriefe über 50 bis 250 Gramm von 20 Pf. auf 10 Pf., die Zulassung von Feldpostbriefen nach dem Heere im Gewicht von über 250 bis 500 Gramm, die Nichtbeanstandung von Gewichtsüberschreitungen bei den portopflichtigen Feldpostbriefen bis zu 10 Proz. des Höchst- gewichts, die Zulassung von Zeitungsbestellungen für Heeres- angehörige durch Familienmitglieder in der Heimat oder andere Personen, die unentgeltliche Ausgabe von Feldpostkartenbriefen an die Truppen im Felde, die Zulassung von Feldpostbriefen mit Flüssigkeit, die Einführung besonderer Feldpostanweisungen zu Sparkassenzahlungen usw. Auch die fortgesetzten und mannig- 'fachen Bemühungen der � Postverwaltung, dem Publikum bei Bc- Nutzung der Feldposteinrichtngen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, sind der Ausgestaltung des Feldpostbriefverkehrs förderlich gewesen. Durch die Anfang Oktober v. I. erfolgte Ausgabe eines besonderen„Merkblattes für Feldpostsendungen", das seitdem in sechs weiteren, viele Hunderttausende von Exemplaren umfassenden Auflagen erschienen ist und das jedermann auf Wunsch am Post- schalter kostenfrei erhält, ist es den weitesten Kreisen des Publi- kums möglich geworden, sich über alle einschlägigen Fragen, nament- lich auch hinsichtlich der Adressierung und Verpackung der Feld- ' Postsendungen.. leicht und zuverlässig zu unterrichten. Gleichen Zwecken in Verbindung mit praktischer Untertveisung dienen die auf Betreiben der Poswerwaltung dauernd vermehrten Kriegs- schreibstuben und privaten Feldpostverpackungsstellen. Ihre Zahl ist allein seit Januar von 3000 auf etwa 8000 gestiegen. Heber die Hälfte davon sind in Schulen untergebracht. Auch werden auf Ersuchen der Poftbehörde schon seit Monaten in zahlreichen oberen Volksschulklassen.sowie in den meisten Fortbildungsschulen die Schüler über die wichtigsten Feldpostbcstimmungcn unterrichtet. Hierdurch ist erfreulicherweise eine Abminderung der vielen un- richtig adressierten und' mangelhaft verpackten Feldpostbriefe er- reicht worden. Freilich kommen ni�ch immer täglich 150 000 solcher Sendungen in der Heimat auf. Bei mehr als zwei Dritteln davon gelingt es den Bemühungen der Feldpostsammelstellen, ihnen den Weg zu weisen, der vermutlich zum Ziele führt. Und auch noch im Felde selbst scheut die Post keine Arbeit, um„kranke" Briefe wenn irgendmöglich zu heilen, damit sie den Empfänger erreichen. Auf dem östlichen wie auf. dem westlichen Kriegsschauplatz ist aus- schließlich zu dem Zweck dauernd eine Feldpostanstalt tätig. Bon diesen beiden„Feldpostausgleichsstellen" verarbeitet diejenige in St. Ouentin, die mit nicht weniger als 50 Beamten besetzt ist, täglich 12 000 solcher oft auf den ersten Blick scheinbar ganz hoff- nungsloser Sendungen. So ist es nicht nur der von der deutschen Feldpost bisher bewältigte riesenhafte Verkehr, der ihr unsere Hochachtung einträgt, sondern auch die unermüdliche Fürsorge, die sie jedem ihr anvertrauten Sendlings zuteil werden läßt, mag er . auch für die weite und beschwerliche Reise manchmal recht unzu- länglich ausgerüstet worden sein. fitis öer Partei. Verhandlungen wegen der württembergischen Partei- differenzen. Seit Dienstag verhandelt die Kontrollkommission der deut- schen Sozialdemokratie in Stuttgart mit der Parteileitung des Sozialdemokratischen Vereins Stuttgart, dem Landesvorstand, dem Kreisvorstand des 1. Kreises und dem Kreisvorstand des 10. Kreises wegen der württembcrgischen Parteidiffcrenzen. Die Partei- leitung wird durch die Genossen Crispien und Rödel vertreten. Aus den Organisationen. Mannheim gegen Kolb. Die„M annheimer Volks st im me" berichtete in ihrer Freitagsnummer: „Die am 15. d. M. vertagte Veresammlung des Sozialdemo- kratischen Vereins Mannheim, in der Genosse Hahn über die letzten Tagungen des Parteiausschusses und Rcichstagsabgeordneter Oskar Geck über die gegenwärtige politische Lage— siehe den Bericht in Nr. 194 der„Volksstimme" vom 16. Juli— referiert hatten, fand gestern im großen Saale des Gowerkschaftshauses unter dem Vorsitz des Genossen Gustav Lehmann ihre Fortsetzung. Auch hierzu waren zahlreiche Parteigenossen und Parteigenossinnen er- schienen. In einer etwa 2)4stündigen Diskussion, an der sich ins- gesamt sieben Redner beteiligten, wurde die Stellung der Reichs- tagsfraktion und des Partcivorstandcs zur Kriegsfrage einer er- schöpfenden Erörterung unterzogen und die Vorgänge in der Partei seit Ausbruch der Feindseligkeiten nach allen Richtlinien hin be- leuchtet. Der Verlauf der Aussprache war von dem der Schwere der Zeit entsprechenden Ernst getragen, und das eifrige Bestreben aller Redner, die Partei durch die Wirren des Völkerkrieges einig und fest geschlossen hindurchzuführen, war der Grundton, der alle Ausführungen beherrschte. Nach einem kurzen, eindringlichen Schlußwort des Hauptreferenten, Genossen Oskar Geck, wurde mit großer Mehrheit die folgende Entschließung angenommen: „Die Versammlung billigt die Haltung der Reichstags- fraktion und des Parteivorstandes in den Fragen des Krieges und verurteilt alle dagegen unternommenen Treibereien der Minderheit. Mit derselben Entschiedenheit lehnt sie auch die Schädigungen der Parteieinheit von rechts her ab. Sie nimmt mit schmerzlichem Bedauern Kenntnis von der schroffen Ablehnung unserer Friedensbestrebungen durch die französische Partei und gelobt, in der Widerstandskraft gegen die dem deutschen Volke drohenden Gefahren nicht zu erlahmen, bis ihm ein ehrenvoller und dauernder Frieden gesichert ist." Hierzu schreibt man uns: Den Satz in der Resolution:„Mit derselben Eni- schiedenheit lehnt sie auch die Schädigungen der Parteieinheit von rechts her ab", hat der Einbringer derselben. Reichstagsabgeordneter Genosse Oskar Geck, erst kurz vor der Abstimmung hineingeschrieben, und zwar, weil die meisten Diskussionsredner das mit aller Entschiedenheit verlangt hatten. Besonders wurde die Kolbsche Agitation gegen die bisherige grund- sätzliche Stellung der Partei zu den verschiedensten wichtigsten Fragen und die Haltung der Parteipresse dazu einer scharfen Kritik unterzogen.__ Johann Jmwolde f. Ein allbekannter Gmroffe, Johann Im- Wolde aus Brenren, ist im Alter von 64 Jahren gestorben. Von Beruf Schuhmacher, wurde Genosse Jmwolde im Jähre 1900 in die bremische Bürgerschaft gewählt. Er war Mitbegründer der „Bremer Bürgerzeitung" und lange Jahre ihr Akquisiteur und Einkassierer, bis ihm ein langes Krankenlager diese Tätigkeit un- möglich machte. Als härtester Schlag traf den schwerkranken Ge- nassen, dessen Leben an Enttäuschungen reich gewesen ist, die Meldung von dem Tode seines jüngsten Sohnes auf dem Schlacht- felde. Die Arbeiterschaft Bremens und weit über deren Grenzen hinaus wird Johann Jmwolde stets ein ehrendes Andenken be- wahren!', Eine Abfertigung Herdss. Uns wird geschrieben: Unter den sozialistischen Schriftstellern, die es sich in Frank- reich seit Kriegsbeginn zur Aufgabe gestellt haben, jede selbständige Regung des Proletariats im Namen der„heiligen Einigkeit" mit den bürgerlichen Parteien zu hemmen, spielt Gustav H c r V e eine verhängnisvolle. Rolle. Früher ein begeisterter Antimilitarist, zeigte er schon vor dem Kriege seine Fähigkeit zum„Umlernen", indem er im Gegensatz zu der ganzen Partei sich als Anhänger der dreijährigen Dienstzeit bekannte. Seit Kriegsbeginn steht er nun in den ersten Reihen jenes Teiles der französischen Partei- genossen, die die Theorie von der„Lefteiungsmission der Entente- mächte" aufstellten und dadurch dem durchaus begreiflichen vom nordöstlichen Kriegsjchauplatz. Nationale und verwaltungstechnische Probleme in Kurland. K u r l a n d, 26. Juli 1915. Von dsm östlich des Njemen gelegenen nordwestlichen Gebiet Rußlands sind jetzt rund 25 000 Quadratkilometer von den Deutschen besetzt. Fast ganz Kurland gehört dazu. Die brandenden Wogen des Krieges warfen hier viele Deutsche an den Strand des Lebens. Sie traf ein eigenartiges Schicksal. Seit hundert Jahren steht Kurland, in dem einst deutsche Bischöfe, Ritter und Herzöge, serner Polens und Schwedens Krone herrsch- ten, unter russischem«zepter. Ein großer Teil, und zwar der sozial und wirtschaftlich an der Spitze marschierende, ist deutscher Abstammung. Mancher deutsche Stammbaum reicht hier um 400 Jahre zurück. Deutsche Barone und später auch nichtadlige Rittergutsbesitzer, sowie durch Sonderrechte aller Art in ihrem wirtschaftlich dominierenden Besitzstand geschützte Handwerker und Kaufleute waren die mehr gefürchteten als geliebten Herren über Letten, Litauer und Polen. Auf den Universitäten gaben deutsche Gelehrte den Ton an; Deutsch war die offizielle Verhandlungs- spräche der Justiz und in den Verwaltungskörperschaften, soweit da- von unter dem Willkürregiment der Großgrund- b e s i tz e r ihren leibeigenen Bauern gegenüber überhaupt die Rede sein konnte. In den freien Berufen wurden fast nur Deutsche ge- duldet. Bis vor verhältnismäßig kurzer Zeit war den Letten sogar das Erlernen und der Gebrauch der deutschen Sprache verwehrt: das Deutsche sollte die Sprache der Herren bleiben. Diese jahrhundertelang erhaltenen Zu- stände blieben naturgemäß nicht ohne Wirkung: Sie erzeugten eine Abneigung gegen die deutschen Herren, die bei dem unaufgeklärten Volksteil in Haß gegen das Deutschtum sich umsetzte und auch heute noch nicht überwunden ist. Mit zäher Hartnäckigkeit verteidigte der Adel die„aristokratische Verfassung" Kurlands. Kein Wunder daher, daß die lettischen bürgerlichen Intellektuellen, die ihren Anteil an der sozialen und wirtschaftlichen Herrschaft er- strebten, mit ihrer nationalistischen Agitation einen gut gedüngten Nährboden vorfanden. Wie jedes unterdrückte Volk sah auch das nichtdeutsche Volkselement in Kurland im Nationalismus das Instrument politischer Freiheit, sowie des sozialen und wirt- schaftlichen Aufstiegs. Der großen Masse blieben die hinter dem Nationalismus sich verbergenden Sonderinteressen verborgen. Der Zarismus nutzte schließlich die antideutsche Stimmung aus, um sie den eigenen Russifizierungsplänen dienstbar zu machen. Kurland soll russisch, der deutsche Grundbesitzer verdrängt werden, obwohl dieser politisch mehr russen- als deutschfreund- lich gesonnen ist. Der Krieg hat nun ihre Lage, wie es scheint, völlig unhaltbar gemacht. Soweit sie nicht als unzweifechaft ergebene Diener der russischen Regierung gelten, wurden sie als ver- dächtige Deutsche aus Kurland vertrieben, teilweise nach Sibirien verbannt und des Hochverrats angeklagt. Jetzt ist Kurland fast vollständig entvölkert. Die russische Beamtenschaft sowie die be- sitzenden Deutschen, Juden, Letten und Polen, die nicht in den Ver- dacht der Deutschfreundlichkeit geraten wollten, flohen schon bei dem ersten Vorstoß der Deutschen in das Innere des russischen Reiches. Aus dem damals nicht besetzten Teil wurden von den Zurückgebliebenen viele Deutsche und Juden in das Innere Ruß- lands gehetzt. Bei ihrem letzten Rückzug trieben die Russen sodann den größten Teil der übrigen Bevölkerung vor sich her. Wie einige von den Zurückgebliebenen berichteten, war auch befohlen worden, die Ernte zu vernichten. Ob das wahr ist, ob keine Zeit zur Aus- führung des Befehls blieb oder ob die Bauern es nicht über sich gewinnen konnten, die Frucht ihrer Arbeit zu zerstören, war»ich: festzustellen. Jedenfalls sieht man in diesem von der Natur begnadeten Landstrich unabsehbare Kornfelder in der wogenden Pracht kräftig entwickelter Aehren. Roggen, Weizen, Gerste und Hafer versprechen einen reichen Ertrag. Unter den Kavalleristen, mit denen ich Kurland durchstreife, gibt es viele Großgrundbesitzer und Bauern. Nach ihrem einmütigen Urteil kommt der Bestand der Felder in Kurland dem auf bestem Boden Deutschlands in guten Jahren gleich. Der goldgelbe Roggen ruft schon nach dem Schnitter. Da taucht die schwerwiegende Frage auf: Kann und wird der Erntesegen in die Scheuern eingebracht werden? Hier steht die deutsche Verwaltung vor einer großen Volkswirt- schaftlichen Aufgabe. Die Frage des Eigentumsrechtes ist dabei zunächst vollständig auszuschalten. Die privaten Eigentümer sind ja abwesend, sie können keine Anordnungen treffen. Zudem reichen die Hände der zurückgebliebenen Einwohner nicht aus, um die erforderliche Arbeit zu leisten. Abgesehen davon fehlt es an Maschinen und Geräten zum Abernten und Vertoerten der Halm- und Ackerfruchtz Leer sind die Ställe; Pferde und Wagen ver- schwunden. Und nicht nur die Aecker und Felder, auch die großen Obst- und Gentüsegärten lechzen nach der einerntenden Arbeit Tausender von fleißigen Händen. Daß die deutsche Vertvaltung den großen Segen der Natur nicht auf dem Felde verfaulen, nicht Sonntag. 1. Auglist ■4 Streben, ihr Land zu verteidigen, einen Charakter verliehen, der eine Annäherung zwischen den Sozialisten der kriegführenden Länder... außerordentlich erschwerte. In seinem Organ„Guerre Sociale", das kein offizielles Parteiorgan ist, äußerte er sich vielfach in einer Weise, die die französische Partei kompromittierte und.... Namentlich in den letzten Wochen, wo das offizielle Parteiorgan, die„Humanite", unter dem Einfluß der ständig wachsenden Opposition in der Partei, die sich um den Bekannten Bericht der Haute Vienne gruppierte, wie auch in Anbetracht... einen weit versöhn- licheren Ton anschlug, hielt es Herve offenbar für seine Pflicht, sich der beginnenden Annäherung cntgegenzustemmen. Inden: er feststellte, daß sich unter den französischen Sozialisten Leute fänden, die die in Deutschland einsetzende Bewegung zu unterstützen ge- neigt seien, erklärte er, es sei für die französische Partei eine politische Unmöglichkeit, jetzt auf halbem Wege Halt zu machen, nachdem sie dem Krieg eine„befreiende" Rolle zuge- schrieben hatte. Dieser Versuch, die französische Partei nach wie vor an den Wagen des„Krieges bis ans Ende" zu spannen, wird von der „Nasche Slow o", dem russischen sozialdemokratischen Tage- blatt in Paris, das schon mehrfach als Sprachrohr der französischen Parteiopposition gedient hat, in scharfer Weise zurückgewiesen: „Angewendet, um die sinkende kriegerische Stimmung in der Partei wieder zu heben, kennzeichnet das Argument HerveS die zweideutige Lage jener sozialistischen Führer, die vor den Völkern die politische Verantwortung für die segensreichen Folgen des Krieges übernommen hatten..., der ausgebrochen ist gegen den Willen des Proletariats..." Diese Zeilen wurden geschrieben, kurz bevor der Nationalrat der französischen Partei zusammentrat. Seine Beratungen haben zwar der Opposition nicht den Sieg gebracht, aber das von ihr erzielte Kompromiß, das in der Resolution des Nationalrats zum Ausdruck kam, zeigt doch unverkennbar, daß die Partei von Herve abgerückt ist. Er darf keineswegs das Recht für sich in Anspruch nehmen, im Namen der französischen Partei zu sprechen, und weniger als je würde es nun den tatsächlichen Verhältnissen ent- sprechen, wollte man die journalistischen Gefühlsäußerungen eines Herve als Kundgebungen der französischen Sozialdemokratie be- trachten._ Aus der schweizerischen Sozialdemokratie. Wir berichteten kürzlich über die Gemeindewahlen im Kanton Neuenburg, bei denen an mehreren Orlen, so auch in Chaux-de- Fonds die sozialdemokratische Partei Mandatsverluste erlitt, obwohl die Wahlen nach dem Proporz vorgenommen wurden. Die Ver- Minderung der Zahl der stimmberechtigten Arbeiter infolge de« Krieges /Auswanderung infolge Arbertslosigkett usw.) war der Hauptsache der Grund des Rückschlages unserer Partei, Die Genossen in Chaux-de-Fonds fochten die Wahl an. abei die Regierung wies den Rekurs zurück. Ein neuer Strenfau entstand aus dem Umstände, daß die Liberalen �(Konservativen) die nötige Slimmenzahl nicht erreichten und nun die Regierung für sie allein eine Nachwahl anordnete. Unsere Genossen fochten dteseS Verfahren durch Rekurs beim Bundesgericht an. dessen Präsident so« fort, dem materiellen Entscheid des gesamten Gerichts vorgreifend, die Verschiebung der Wahl verfügte. Es handelt sich um d:e Jnter« pretation des Neuenburger Wahlgesetzes: man darf dem schließ« lichen Ausgang der ganzen Wahlangelegenheit mit Spannung ent- gegensehen._ Opfer des Weltkrieges. Nach dem„Avanti" ist Genosse C a t a�n e s i, Sekretär des Zentralkomitees der italienischen Jugendgenossen und Vertreter tn: Internationalen Bureau der sozialistischen Jugend, gefallen, Soziales. Gesundheits-Simulanten. Die Klagen bon manchen Unternehmern und Aerzten über Krankheits?Simulation von Arbeitern sind ebenso häufig und alt wie in den meisten Fällen unbegründet. Viel häufiger als die proletarische Krankheits-Simulation ist die proletarische Gesundheit-Simulation, über die aber nicht viel geredet, ja die kaum erwähnt wird. Einen Beitrag zu diesem Kapitel liefert der erste Jahre?- bericht der erst am 1. Januar 1914 ins Leben getretenen neuen Ortskrankenkasse der pfälzischen Schuhindustriestadt Pirmasens. Der berichterstattende Bezirksarzt Dr. Mann schreibt darüber folgendes:„Im allgemeinen machte sich der mehr oder minder rege Geschäftsgang i» der Schuhfabrikation deutlich er- kennbar an der Zlbnahme oder Zunahme der bei der Kontrollunter- von der Natur wieder vernichten lassen kann, liegt auf der Hand. Die Ernte mutz im Interesse der Allgemeiicheit gerettet werden. Die Auseinandersetzung mit den privaten Eigentümern bleibt unter diesen Verhältnissen der Zukunft überlassen. Bei dem bekannten organisatorischen Geschick der Deutschen darf man erwarten, daß das schwere Problem im großen und ganzen glücklich gelöst wird. Tie Ernte in Kurland sichert nicht allein die Ernährung der wenigen zurückgebliebenen Einwohner, in nicht unerheblichem Matze kann sie auch den Vorrat an Lebens- Mitteln für das deutsche Volk vermehren. Kurland könnte übrigens eine noch viel reichlicher spendende Nahrungsquelle werden, als eS jetzt schon ist. Wenn hier auch die Verkehrsverhältnisse schon unvergleichlich besser sind als im pol- nischen Litauen, so fehlt ihm doch noch das Netz gutgebauter Straßen und Eisenbahnen, die mit leichtem Transport und ge- ringen Kosten eine bessere Verwertung der Ernte ermöglichen und damit zu intensiver Kultur aureizeu. In dem sehr günstig ge- legenen Kreise Doblen z. B., wo nach einer Statistik vom Jahre 1899 auf 57 Gütern 8236 Knechte beschäftigt waren, liegen die Güter bis zu 37 Werst von der nächsten Eisenbahnstation ent- fernt. Bis auf 60 und mehr Werst erweitert sich in anderen Kreise» die Entfernung der Güter von dem Schienenwege. Nun sind die Güter und Bauernanwesen verödet, zum großen Teil auch verwüstet. Was in den Wohnungen und Wirtschafts- gebäuden von der Einrichtung noch vorhanden ist, haben böswillige Hände oder des Krieges rauhe Gebräuche beschädigt oder unbrauch- bar gemacht. Eine Anzahl von Gütern und Gutsgebäuden setzte die Kriegsfackel in lodernden Brand. In der Gegend um Mitau, iveit vor der deutschen Kampffront, sah ich an über zwanzig Stellen gewaltige Rauchwolken aufsteigen. Angeblich haben hier Russen aus Deutschenhaß Güter angezündet. Ob die Besitzer jemals zurück- kehren, ist ja fraglich; wenn sie zurückkommen, finden sie nur noch Reste und Trümmer der verlassenen Einrichtungen bor. Lange Zeit wird vergehen, bis der Betrieb wieder ordnungsmäßig auf- genommen werden kann. Wie sich die Besitz- und Arbeiböverhält- nisse gestalten werden, ist zudem noch vollständig unklar. Aber mit der bisherigen Herrschaft der deutschen Ab- kömmlinge in Kurland dürfte es doch wohl vorbei sein. Der Krieg hat sie anscheinend gründlich stranden lassen. Hoffent- lich blüht ein besseres Gemeinwesen aus den Ruinen, in dem Letten, Litauer und Deutsche versöhnt und vereint arbeiten. Düwell, KrieLsberichterstatter. suchung für arbeitsfähig befundenen Personen. Bei?srbc!tsmangcl suchten in zablrcichcn Fällen Arbeiter durch Krankmeldung Ivenig- stcns das Krankengeld herauszuschlagen, andererseits kam eS häufig vor, daß Arbeiter, obwohl krank und schonungsbedürftig, hei starkem Arbeitsauftrag die Konjunktur ausnuhtcn und weiterarbeiteten, anstatt sich rechtzeitig krank zu melden. (Diese letztere Beobachtung tonnte ich als Vertrauensarzt der Versicherungsanstalt bei zu spät gestellten Anträgen auf Heil- stättcnbchandiung machen.) Daher stieg in der Zeit nach Ostern resp. nach Pfingsten, wo der Geschäftsgang abflaute, die Zahl der bei der Kontrolluntersuchung arbeitsfähig Befundenen rasch an, um in? Juli eine ausnehmende Höhe zu erreichen. Hier haben wir die amtliche Bestätigung der Massen- hasten Gesiindheits-Simulation von Arbeitern durch einen Arzt, dessen objektives Urteil gewiß niemand anzweifeln wird. Tiefe proletarischen Gesundheits-Zimulanten ersparen durch ihr sie selbst ruinierendes Abrackern den Krankenkassen unberechenbare Summen, benützen dann aber die flaue Zeit zur Krankmeldung, da sie dann weder den Verlust der Ar- beitsstelle. noch einen empfindlichen Einnahmcausfall ris- kieren, aber Gelegenheit haben, ihre erschütterte Gesundheit ganz oder zum Teil lvieder herzustellen. Mir ihre Gesund- Heits-Simitlation, die unter Umständen mit langem Siech- tum und dem Tode endet, ernten diese Proletarierer von keiner Seite Anerkennung; dagegen werden sie als Krank- Heits-Simulanten verschrien, wenn sie die Zeit des flauen Geschäftsganges und der Arbeitslosigkeit benutzen, sich ge- sundheitlich wieder zu erholen. Gegenüber der Masse der proletarischen Gesundheits- Simulanten verschwinden die paar etwa wirklich vorkommen- den Krankheits-Simulanten, die dann aber verallgemeinert werden. Vielleicht beherzigen diese amtlichen Feststellungen durch einen Arzt alle jene, die gerne geneigt sind, dem Ar- bester Vorwürfe zu machen und legen sich in Zukunft etwas mehr Zurückhaltung bei der Beurteilung der Arbeiter auf. Ist ja auch der Professor Bernhard mit seiner vor dem Krieg sehr laut verkündigten Theorie von den„unerwünschten Fol- gen der Sozialpolitik" nun ganz still geworden, nachdem ihn die Tatsachen so gründlich widerlegt haben. Lazarettwcrkstättcn für Kriegsverstümmeltc. Tie Kriegsinbalidensürsorge entbehrt noch der Planmäßigkeit. Man ist über tastende Versuche meist noch nicht hinausgekommen. Das ist auch kein Wunder, denn die Fülle der Fragen, die hier ihrer Lösung harren, ist groß. Im Bereiche des 7. Armeekorps scheint man jetzt aber doch schon mit festen Vorsätzen auf diesem Gebiete zu rechnen. Es ist geplant, sämtliche Amputierte aus den in der Pro- tünz Westfalen gelegenen Reservelazarettcn dem großen Knapp- schaftS-Krankcnhause in Bochum zu überweisen, wo ihnen eine be- sondere Behandlung— auch auf Grund der langjährigen Ersah- rungen dieses Instituts— zuteil werden soll. Ueber diese Verstümmeltenfürsorge hat sich der Leiter des Krankenhauses, Oberstabsarzt Prof. Dr. Wullstei«, einem Mit- arbciter des„Münst. Anz." gegenüber ausführlich geäußert, und es sei hier das Wesentliche davon wiedergegeben. Prof. Tr. Wullsteiu wurde als beratender Chirurg beim Generalkommando des 7. Korps von dem Chef des Feld- sanitätswescns aufgefordert, seine Ansichten über die Behandlung der Verstümmelten in einer Denkschrift niederzulegen. Auf Grund seiner Ausführungen wurde er beurlaubt, und er ist nun, nachdem Studienreisen in Oesterreich usw. seine Kenntnisse vervollständigt haben, dabei, seine Pläne zu verwirklichen. Da eS sich hier also um eine Tätigkeit handelt, die vielleicht demnächst das Muster für gleiche Arbeiten in anderen LandeSteilen abgeben wird, so darf man ihren Erfolgen mit um so größerer Aufmerksamkeit entgegensehen. Die Behandlung der Verstümmelten soll mit ihrer„Heilung", mit der Lieferung der künstlichen Gliedmaßen nicht beendet sein. In einem der größten Säle ist nian mit der Einriäitung von Werkstätten beschäftigt, in denen den Invaliden der beste Ge- brauch ihrer Glieder gezeigt, zugleich aber auch Unterricht in allen in Betracht kommenden Handwerkszweigcn erteilt werden soll. Diese Art der Unterweisung und Belehrung ist gewählt worden, damit die unbedingt notwendige Beaufsichtigung durch den lei- tenden Chirurgen erfolgen kann, nach dessen Anweisung die in der Lazarettwerkstätte tätigen Bandagisten unter genauester Anpassung an den jeweiligen Handwerksziveig und unter Berücksichtigung der auszugleichenden Gebrechen an Ort und Stelle die zweckmäßig erscheinenden Arbeitsprothesen anfertigen und nach Bedarf verbessern können. Die Handwcrkerorganisationen haben sich bereit erklärt, an der Sache mitzuwirken, und verschiedene Meister wollen ihre Be- triebe in diese Lazarettwerkstütte verlegen oder doch dort Zweig- stellen errichten. Die Aufnahme in diese Werkstätten soll nun aber— und hier ergeben sich sehr bedenkliche Umstände— unter militärischem Zwange stehen. Diese Maßnahme sucht Prof. Wullstein wie folg! zu begründen: „Um möglichst allen Kriegsverstümmelten die Wohlfahrt . der handwerklichen Unterweisungen zukommen zu lassen, die nicht in allen Fällen von vornherein als Wohltat erkannt werden wird, war es noilvendig, die Aufnahme in die Lazarettwerk- stätten unter militärischen Zwang zu stellen. Die Verstümmelten werden aber genötigt sein, einen Beruf zu erlernen, selbst wenn sie bereit? 25 oder 28 Jahre alt sind. Vom kameradschaftlichen Beispiel und von der Gewöhnung hofft man dann ein williges Einleben in den Beruf. Selbstredend wird von den älteren Mannschaften nicht verlangt werden, daß sie die übliche Lehrzeit, wie sie für eben der Schule Entwachsene angebracht und urj- umgänglich ist, nun auch ihrerseits erfüllen; vielmehr erwartet ina» bei der geistigen Forigefchriiienheit und Reife der Leute, daß sie in einem Bruchteil dieser Zeit ihre Ausbildung vollendet haben werden." Unter allen Umständen wird man verlangen müssen, daß jede Art von„Pressung" unterbleibt, wenn es sicher ist, daß der zu Behandelnde einen Widerwillen gegen eine ihm zugemutete Tätig- keit empfindet. Es darf in dieser Beziehung nur mit der größten Vorsicht gehandelt werden. Im allgemeinen kann man sagen, daß bei verständiger Durchführung der Sache ein Zwang Überhaupt nicht nötig ist. Kein Verstümmelter wird die Gelegenheit aus- schlagen, durch die ihm die Tätigkeit gegeben werden soll, seine körperliche Unvollkommenheit soweit wie möglich ariszuglcichen, und es bedarf da nach unserer Ansicht weniger eines Zwanges, als vielmehr einer teilnehmenden Bcrniiing und freundschaftlichen Einwirkung. Die eigentlichen Arbeiisübungen sollen höchstens halbtägig sein— der übrige Teil des Tages würde der Körperpflege und Erholung gewidmet sei». Zudem sind umfassende Veranstaltungen zu belehrender, unterhaltender und künstlerischer Einwirkung auf diese Kriegsinvaliden vorgesehen. TaS Ziel dieser Arbeit umschreibt Prof. Wullstein mit den Worten:„Aus dem ungelernten Arbeiter soll ein gelernter Hand- werter gemacht werden, und den gelernten Handwerker gilt es trotz seines Gliederverlusics durch eine besonders geartete liebevolle Ilnierweisung und Förderung über de» Stand seines bisherigen Könnens hinauszuheben. An die Stelle der drehorgelspielenden und almosensagimelndev Invaliden von Anno dazumal sollen, wenn dieser Krieg beendet sein wird. Leute ireten mit straffem Rückgrat, die im Bewußtsein guten Erwerbes freudigen und aufrechten Sinnes ihrem liebgewordenen Berufe nachgehen." Je länger der schreckliche Zustand dauert, in dem derartige Maßnahmen zu zwingender Notwendigkeit werden, desto schwieriger wird das Problem namentlich in der Beziehung, wie die Aus- bildung der Invaliden mit den Erfordernissen der modernen Zeit in Einklang gebracht werden kann. Bei der Behandlung vermißt man völlig die Zuziehung des sachverständigen Rates der Arbeircrorganisationen. Eigenheime für KricgSinvalidcn. Der Verein für soziale Kolonisation Deutschlands schreibt unS; Eigenheime für Kriegöinvalidcn und Kricgrrwitwcn er- richtet der Verein für soziale Kolonisation Deutschlands E. V. Berlin-Zehlendorf, Machnower Straße 29. auf seinen Kulturstätten. Besonders will er sich solcher Invaliden annehmen, die geschwächte Lungen, Herz oder Nerven haben, da gerade denen ein Leben in frischer Luft, eine Tätigkeit im eigenen ge- räumigen Garten eine Notwendigkeit ist. Mehrere Invaliden und Kriegerwiilven sind bereits angesiedelt. Ihr Gesundheits- zustand hat sich sichtlich gebessert. Durch mehrere Stiftungen ist der Verein imstande, Ansicdlungslustige auch ohne Anzahlung anzusiedeln. Tie Anzahlung wird gestundet, und wenn die An- siedler eine gewisse Zeit auf dem Grundstücke verlebt haben, gutgeschrieben. Der Rest bleibt als 60jährige unkündbare Hypothek stehen, die sich bei 4 Proz. Verzinsung zugleich auch tilgt. Der Verein hat bereits einige fertige Häuser in Reppen und Beeskow und will demnächst auch bauen in Beelitz und anderen märkischen Orten. Seine Grundstücke werden zumeist als Kleinsiedlung mit ein bis zwei Morgen Garten angeleal, unier Umständen jedoch auch größere für Gemüse- und Geflügelsarmen. Die Gebäude enthalten drü bis vier Räume, Stall für Ziegen, Schweine, Hühner, Keller und Boden, Die Grundstücke sind so eingerichtet, daß die Familie ihren Bedarf an Obst, Gemüse und Kartoffeln selber decken und Hühner, Ziegen und Schweine halten kann. Für die Anschaffung von Kleinvieh werden den Ansiedlern ebenfalls Mittel vorgestreckt. Der Verein hat auch an andere Beioerber noch einige fertige Grundstücke, darunter für Geflügelzüchter geeignete, abzugeben gegen eine Anzahlung von 800 bis 1000 M. Wer also auf einen für die Selbsternährung der Familie nahezu ausreichendem Grundstück leben will, möge sich bei dem obengenannten Verein melden. Die Absicht des Vereins ist gewiß eine gut gemeinte. Eine andere Frage ist, ob sie Erfolg haben kann. Es liegt aus der Hand, daß nur einer sehr geringen Zahl von Kricgsinvaliden durch die Ansisdlung Nutzen erwachsen kann und diesen auch nur dann, wenn dem Ansiedler Sicherheit gewährt ist, daß sie stets im Besitz des Grundstücks und der zur Bewirtschaftung erforder- lichen Mittel bleiben. Im übrigen sind wir dafür, daß bei der Sorge für Invaliden und Witwen ein gemeinsames Vorgehen, Konzentration dringend zu empfehlen ist. Die noch so gut ge- meinten nur wenigen nützlichen Einrichtungen tun einer euer- gischen Propagierung allgemeiner Fürsorge Abbruch. Jugenöbewegung. Spaltung in der Stuttgarter Jugendbewegung. Tic„Schwäbische Tagwacht" berichtet? Die Vorstäudc des sozialdemokratischen Vereins Stuttgart und der Vereinigten Gewerkschaften haben am Tonners- tag(22. Juli) abends zusammen mit dem Jugendausschuß für Stuttgart über die künftige Gestaltung der Jugendbildung be- raten. Dem Beschluß des Gewerkschaftskartells entsprechend mußte den Vertretern der seitherigen Jugendorganisation, soweit hierzu die gesetzlichen Voraussetzungen bestehen, die Bedingung gestellt werden, sich über die Zugehörigkeit zur Gesamtpartei auszuweisen und davon die Legitimation zur lveiteren Verhandlung abhängig zu machen. Die Beauftragten der Jugend lehnten dies ab und verließen das Lokal. Tie maßgebenden Organi- sationsvertreter beschlossen darauf, die Jugendbildung durch den Jugendausschuß in die Wege zu leiten und für einen geeigneten Zusammenschluß der Arbeiterjugend Sorge zu tragen. „Wir dürfen nicht nm die Jugend kämpfen." Ter„Ratgeber für Jugendvereinigungen", der von der„Zentral- ! für Vollswohlfahrt" für alle bürgerlichen Jugendvereinigungen herausgegeben wird, bringt in seinem Juliheft folgende bemerkens- werte Notiz: „Friedensschlüsse der Kriegszeit. Wohl unter dem verbindenden Eindruck der gemeinsamen Arbeit in der„Kriegs- Hilfe" sind sich unlängst in Hamburg der Hamburgische Verband 'ür Jugendpflege, die Vereinigung zur Förderung der schul- entlassenen Jugend und die Z e n t r a l- A r b e i t e r b i l d u n g s- k o in in i s s t o n, die die sozialdemokratische Jugend umfaßt, zu gemeinsamem Wirken nähergetreten. Es wurden Verhandiungeti gepflogen, die beiden anderen Verbände mit dem Landes- verbände zu bereinigen. Wenn dieses Ergebnis auch noch nicht erreicht wurde, so hat man sich doch entschlossen, in Zukunft wichtige allgemeine Fragen miteinander zu erörtern, sich gegenseitig von geplanten größeren Veranstaltungen sFührerkursen und Festen) Mit- teilung zu machen und zur Teilnahme aufzufordern. Bisher liegt als ein Zeugnis des Zusammenschlusses ein„Weg- weiser für Hamburgs Jugend" vor, den der Hamburgische Landes- verband für Jugendpflege unter Mitwirkung der beiden anderen Organisationen herausgegeben hat. Die Oberschulbehörde läßt das Heslcheu bei der Schulentlassung unter den Jugendlichen der- teilen. Es enthält zunächst einen Kalender, den Bilder aus dem Leben der Hamburger Jugendvereine schmücken. Der Jahreszeit olgend, zeige» sie �Bastelabend und Weihnach isfeicr, Wanderfahrt und Schwimmvergnügen. Einer kurzen Einleitung über das, ivas die Jugendvereine den Burschen und Mädchen sein wollen, folgt ein umfassenderes Verzeichnis der verschiedenen Organisationen. Gruppiert sind sie wesentlich nach dem Vereinszweck, der mit ein paar Worten gekemizeichiict wird. Die von der Wellanschauung der Jugendpfleger abhängige Tendenz kommt da, wo sie für das Vereins- leben von maßgebender Bedeutung ist, ziemlich klar zum Ausdruck. Ein zweites Verzeichnis saßt die Vereine nach Stadtbezirken zu- lammen. Zum Schluß sind VolksbildungSveranstallungen aufge- 'ührt, die für die Jugend in Betracht kommen können. Die Tatsache eines ersten Zusammengehens der„bürgerlichen" mit der sozialistischen Jugendarbeit ist jedenfalls bemerkenswert. Unter der Ueberschrift:„ES tagt", schreiben die Mitteilungen beS Hamburger„VolkKheims"(das„Volksheim" steht unter dem geistigen Einfluß„liberaler" Theologen. Die Redaktion des„Vorwärts") dazu wlgendes: „Die Hauptsache ist nun erreicht, nämlich das freie Zusammen- geben aller Richtungen der heimischen Jugendpflege. Unsere Freunde wissen, wie sehr wir uns darum seit vielen Jahren bemühten, sie werden eS darum begreifen, daß wir das Zusiandekommen dieser Schrift als einen schönen Erfolg begrüßen. Und sind die bisherigen Widerstände auch nicht durch unsere Mahnungen, sondern durch die Erlebnisse dieser Zeil überwunden worden, daß diese Erlebnisse für uns sprachen, darf uns doch mit Genugtuung erfüllen. Selbst- verständlich haben alle Beteiligten Entgegenkommen und Nachgiebig- keit beweisen müssen, aber die Einigkeit, die wir in der Jugend- pflege und Bolkskuliurarbeit überhaupt brauchen, besteht ja auch nicht in der Unterschiedlosigkeit der Bestrebungen, sondern in der Verständigung über das Grundlegende, Gemeinsame. Die Gegenwart hat klargestellt, was man vor einem Jahre uns noch durchaus nicht glauben wollte, daß die Vaterlands- liebe und Heimatliebe kein besonderer Gcftihlsbesitz eiuzelner Klassen ist. Also war eS möglich, diele Schrift mit einem patriotischen Aus« ruf ml die Jugend zu eröffnen, der über allen politischen und sozialen Gegensätzen steht. Nicht minder wertvoll ist aber die un- ausgesprochene Anerkennung der obersten Pflicht aller Jugend- förderer: Wir dürfen nicht um die Jugend kämpfen, wir müssen uns gegenseitig dulden, wir müssen die erzieherische Aufgabe höher achten, als das agitatorische Interesse." Wir müssen uns vorläufig damit begnügen, die mitgeteillcn Tatsachen zu registrieren. *« * Zwischen den katholischen Jünglingsvercinen und den Ausschüssen für die militärische Vorbereitung der Jugend kommt es allmählich zur Vereinbarung von„Richtlinien", von denen man eine stärkere Beteiligung der katholischen Jugend an den militärischen Jugend- Übungen erhofft. Es kommt den Jüiiglingsverciiien, d. h. der Geist- lichkeir, vor allem darauf an, daß die militärische Borbereitung nur einen Zweig der Jugendpflege darstellt, der die„idealen" Ziele der Jugendpflege nicht verkümmern lassen dürfe. In Köln wurden zwischen den katholischen Jünglingsvereinen und dem Ausschuß sür militärische Vorbereitung folgende Leitsätze einstimniig vereinbart. die man bei der Bedeutung Kölns in der katholischen Jugendbewegung wohl als allgemein gültig ansprechen kann: 1. Bei der militärischen Vorbereitung der Jugend wird d i e Selbständigkeil der Jünglingsvereine nicht berührt und die Mitwirkung der Präfides gesichert. Die beiden Bezirkspräsides toerden in den Stadlansschuß hmeingewähli. 2. Die Einzelausbildung erfolgt in den Ver- einen durch selb st gewählte Führer. Diese nehme« teil an den Führerkursen, die unter Leitung deS vom Regierungs- Präsidenten bestellten Vertrauensmannes etwa alle 14 Tage zu- sammentreten. 3. Die Abteilungen innerhalb der Vereine schließen sich dem S t a d t a u s s ch u ß an, der für die militärische Vorbereitung der Jugend besteht. Regelmäßige größere Hebungen unter Leitung dieses Ausschusses finden alle acht Wochen am ersten Sonntag der geraden Monate statt. Damit ist nicht ausgeschlossen, daß einzelne Abteilungen in der Zwischenzeit gemeinsam üben. Die Kriegstagung des VerbaiidLauSschnsses der Katholischen kaufmännischen Vereine sprach sich zu demselben Thema wie folgt ans: Der Verband tritt für eine gesetzliche Festlegung des Zwanges für die Jugendlichen vom sieb- zehnten Lebensjahr an ein, wobei aber die Uebunge» rein militärisch zu gestalten sind unter Ausschluß jeglicher „Jugendpflege". Der Sonntag soll von Uebunge n grundsätzlich freibleiben. Ausnahmen, die von Fall zu Fall festzusetzen sind, sollen bis zur Hoch st zahl von zwölfmal im Jahre zulässig sein. Die katholische Jugendbewegung wahrt also ihre Selbständigkeit durchaus._ Eingegangene Druckschristen. Heft 18 der„Neuen Zeit« vom 30. Juli 1915 hat folgenden Inhalt: Gustav Eckstein: Engels-Zitate.— Eduard Bernstein: Jean Jauräs.— K. K a u t s k y: Ein Schlußwort.— I. S.: Die Haltung der sranzösischen Sozialdemokratie beim Ausbruch des Weltkrieges. — Ernst Meyer: Die Drokmng mit dem Zwangssyndikat.— Hein- r i ch C u n o w: Vom Wirtschaftskrieg. Merkbuch über die Ansprüche der Kriegsverletzte« und der Hinterbliedenen von KriegSteilnehmeru. Von Dr. Georg Baum. Berlin 1915. W. Moeser Buchhandlung. Vrcis 4l> Pf. SSie muß fich das Stictstoff-Monopol gestalte«? Von Dr. Paul Ehrcnbcrg. Paul Pareh, Berlin SW 11. Preis 1 M. Krieg und Banken. Von Banldirekivr Dr. Weber. Hest 7 von „Krieg und Vollsivirtschafl". Beiliii. Leonhard Simion Nf. Preis 1 M. Krieg und Geldmarkt. Von Ludwig Bevdir. Heft 6 von„Krieg und Volkswirlschast". Berlin. Leonhard Simion Nf. Preis 1 M. Der Lusitauia-Fall. Bon Dr. Christian Maurer. Preis 2 M. I. C. B. Mohr(Paul Siebecki, Tübingen. Der Krieg und das Etzriftcntnm. Von Heinrich Scholz. Friedrich Andreas Perthes A.-G.. Gotha. Unsere zukünftige Volkserziehung. Von Th. Scheffer. Preis 1 21. Friedrich Andreas Perthes A.-G., Goiha. Vom letzten Reich. Von Paul Eberhardt. Preis 59 Pf. Friedrich Andreas Perthes A.-G„ Gotha. Deutschtum und Judentum. Von Hermann Cohen. 1 M. Verlag von Alfred Töpelmann, Gießen. Deutsche Revue. August-Hest. Herausgegeben von Richard Fleischet. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart. Amerika und der Weltkrieg. Von Hugo Münfterberg. Leipzig, Johann Ambrosius Barth. Leicht kart. 2,40 M.. geb. 8 M. Deutsch- ungarische Beziehungen. Von Karl von Escrnh. Mit einem Vorwort des Königlich ungarischen Ministerpräsidenten Grafen Tisza. Johann Ambrosius Barth, Leipzig. 59 Pf. Zwischen Metz und den Vogescn.(3. Band. Der deutsche Krieg in Feldpostbriefen.) Verlag Georg Müller, München. Politisch-mirtschaftliche Zukunft Teutschlands und Oesterreich- Ungarns nach dem Kriege. 1.59 M. Karl EurtiuS, Berlin. Die Freiheit der Meere im Kriege. Von Dr. Edwin Katz. 69 Pf. Verlag Karl Curtius, Berlin. Kriegsberichte ans dem tyrosten Haiivtguartier. Heft 8 bis 10. Preis je 25 Ps. Stuttgart, Deutsche Verlags-Anftalt. Internationale Anarchie oder Verfasfnng? Von F. v. Wrangel. 80 Pf.— Die Frau und der Friede. Von Klara Ragaz. 59 Pf. Ver- tag Art. Institut Orell Füßli, Zürich. WetterauSsichtcu für das mittlere Rorddeutschlaud bis Moutagmittng. Ziemlich kühl, zeitweise heiter, aber sehr unbeständig und besonders im Küstengebiete an den meisten Orten öfter wiederholte, im allgemeinen leichte Regenschauer. 5 Äuchhandlung Vorwärts> Äerlin EW. 6S, �indenstr. 3: Wichtige Neuerscheinungen: 1 SiedeuWeSozialdemokratie| und der Weltkrieg Aon Or.Paul Tensch j preis iMk., ungekurzieVereinsausg. 40 ps.• : Au» dem Inhalt: Imperialistische Politik der«roß.: - mächte in den letzten fünfzehn Zahrea. Die englische Welt.» : Herrschaft und ihre Erschütterung durch den Krieg. Der- t russische Zarismus. Frankreich und der Krieg. Deutsche! Vergangenheit und deutsche Zukunft Die \ MernatwnalMundderKneg j Aon Karl Kantsky k Sonderdruck aus der.Neuen Zeit". Mit einem Vorwort 5 j preis 50 pf., Vereinsauögabe 20 Pf.: : AuSdemInhalt: Inlernativnalität und Neutralität« i • Parteidifferenzen im Kriege; a) Bon 1854— 66, d) Da«; - Jahr 1870, c> Nach 1870» Gegensätze des Frieden« und» j Gegensätze des Krieges« Die Einigkeit der Internationale! - seit dem Bureakrieg» Die Schwierigkeiten der jetzigen; - Situation. Der Schrecken der Invasion. Die Gefährdung; . der Internationale» Die Grenze» der Internationale t Hopf- und Nkrvtuschmkrit». Meine Schmerzen waren wie weggeblasen. Herr Martin Schmidt, Schuhmann, Hannover, schreibt: „Seit Ende ISIS litt ich an surchtbaren Kopsschmerzen(recht- ieitige Kopineuralgie), Alle nervenärztlichen Behaitdlungen halsen nichts, oder nur vorübergehend. Schließlich wanderten die Schmerzen durch den ganzen Körper, so daß ich fast am Leben verzweifelte. Schon nach dem Ein- nebmen von 3 Tabletten waren meine schmerzen wie weggeblasen. Ich habe den Gebrauch etwa 8 Tage durch« gehalten und bin jetzt von meinem Leiden befreit. Ich habe Togal bereits zahlreichen Bekannten emp- sohlen und überall höre ich nur Lob und Dank dafür. Ich werde nicht verfehlen, es weiter zu empfehlen, Togal ist und bleibt ein Radikal-, mittel.' Aehnlich berichten viele Hundertc, welche Togal nicht nur bei allen Arten von Nerven und Kopfschmerzen, sondern auch bei Rheumatismus, Gicht, Ischias, Hexenschuß, Schmerzen in den Gelenken und Gliedern gebrauchten. Aerztlich glänzend begutachtet. Alle Apotheken führen Togal-Tabletten, Sfieziatarzt Dr. med. Wockenfnß, Friedrichstr. 125(Oranianb. Tor), für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata-Kur(Dauer 12 Tage), Blutuntersuchung. Schnell«, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufs- störung. Teilzahlung. Sprechstunden: 11— 3 und 5— 8 J. Baer BeiMf Ecke JPrinz.-AHe« . Herren- und Knaben» öoden, Berufskleidung. Elegante Paletots, [Elegante Anzüge in jeder Preislage. Gr.Stofflager z. eleg. 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Ich hatt' einen Kameraden Einen bessern find' ich nicht! Als Opfer de« Weltkriege» starb am 38. Juni unser lieber Jugend- freund, der Ersatzrcservlst Otto Polvviski im Alter von 27 Jahren. Familie Formans Familie Dnmko Familie Timm. Wer Dich gekannt hat, wird eS sagen, Treu war Dein Herz, brav und bescheiden, Drum ticsbeti übt in diesen Tagen Tras uns die Kirnd' von Deinem -Scheiden, Vorbei ist unsrr sehnend Hosten, In unsrer Ritte Dich zu seh'n, DaS Schicksal hat uns hart de- troffen, Doch Hoffnung spricht: Aus Wieder- A seh'n, Ruhe sauft in fremder Grdel Als Ops-r des Wcltk-.ieoeS fiel am 17, Juli bei einem Sturm. urch— niT-v------- inniggeliebter Mann, unstr Sohn, Bruder, Schn angriff durch Kopfschuß "ebter Mann, unser_. Schwager und Onkel (jeorx küttctier Jnfantcric-Regiment Nr, 17, im 25. Lebensjahre, 27Ä In tieser Trauer Frau Margarete Böttcher nebst Angehörigen. Wer Dich gekannt, vergißt Dich nie, Am 15. Juli siel durch Granat. schuß unser lieber Bruder. Schwager und Bräutigam, der Stukkateur Otto Schönicke Reservist im Res.-Jns.-Reg. 269 im blühenden Alter von 26 Jahren. Im tiefsten Schmerz Altred Schöniese, Beritn- Schmargendors. Georg Sohsnlcke, Berlin-Roicn- thal. August Schönicke, Charlottenburg, zurzeit im Felde. Hedwig Alles geb. Schönicke, Innsbruck. Charletts Titel als Braut. Swinemünde. 8ZA Am 22. Mai fiel als zweite« von uns gefordertes Opfer des Weltkriege» unser jüngster Sohn, unser uns unvergeßlicher Bruder und Schwager, der Musketier �rtur Aterkivart vom Jnf.-Reg. Nr. 25, 10. Komp. im blühenden Alter von 21 Jahren. Im Namen oller Angehörigen Johannes Martwart nebst Frau. Ihr mußtet un» so früh verlaffen Und aus unsrer Mitte geh'n, Wir können'Z immer noch nicht lassen. Daß wir un« nicht mehr wieder- ISA seh'n! Folgende Kollegen find aus de« Schlachtfeldern gefallen: Der Maler kVicißinck Greifer am 20. Juni. Ter Maler Hermann Bressel am 24. Juni. Der Maler Pau> Schneider am 17. Juli. Ghrc ihrem Andenken! 136/14 Die OrtsverwaltoAg- SoziaidemokratiseherWahlverein \.i fi.Beii.Reiehstagswaiilia-els. 4. Abt. Bez. 518. Am Freitag, den 30. Juli. vcr> starb unser Genosse, der Brauerei- arbeitcr k�l-it? Dniskst (Weißcnburger Str. 41). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 2. August, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- balle des Elias- Kirchhoses iu Nicderschönhausen-Nordend aus statt.___ 10. Abt. Bez. 621. Ferner verstarb am Donnerstag, den 29. Juli, unser Genosse, der Einrichter Oeinricd Kiersck (Boltastr. 43). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 2. August, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Himmeisahrts-Kirchhoses in Niederschönhansen- Nordend aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 226/18 Der Vorstand. Veriiami 1 Brauerei- U-Hiililen- arheiter il verw. Berufsgenossen. Zahlstelle Berlin. Wir bringen unseren Mit- gliedern zur Kenntnis, daß der Kollege krieliricti Druskat Hosarbeiter (Brauerei JuliuS Bötzow) gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 2. August, nach- mittags 3'/, Uhr, aus dem Elias- Kirchhos in Nordend, Blanken- selber«tr. 6, statt. Um zahlreiche Beteiligung wird ersucht 42/20 llie Ortsverwaltung. BeutseherMetaiiarlieiter-irerliani] Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Zrnst Russow (Schöneberg, Gothenstraßc 14) am 29. Juli gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung siiidet morgen Montag, den 2. August, nach- mittags 3'/ 2 Uhr, von der Leichen- Halle des Gemeinde- Friedhofes in Schöneberg, Blanke Hölle, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 117/9 Tie Ortsverwoltung. Bentscher Transporiarbeiter- Verband. Bezirksverwallung GroB- Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß unser Kollege, der Arbeitskutscher iftax Steller am 30. Juli im Alter von 06 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung findet am Dienstag, den 3. August, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des Anftalts-Friedhoses in Dalldorf aus statt. 65/20 Die Bezirksverwaltung. Fern von seinen Lieben wurde am 22, Juli von einer Granate getroffen und verschüttet aus dem Schlachtfcldc unser inniggeliebter, treuer, guter Sohn, unser wnig- geliebter, herzensguter Bruder, Schwager und Onkel ?»ut UrUger Jäger-Regt. 14 im blühenden Alter von 26 Jahren, Seine tiefgebeugten Ellern und Geschwister ködert Krüger O., Mantruffelstr. 72. Gertrud Schleustner gb. Krüger, Luise Krüger, Robert Krüger, Franz Schlrusiuer. Helene Krüger geb. Medihose. Seine Liebling- Hans und Kät« Gchleußner. Ach, es ist gar nicht zu faffen, Daß Du nicht mehr lehrst zurück. So jung mußtest Du Dein Leben lassen, Zerstört ist unser aller Glück. Nicht mehr Dir in die Augen schauen. Die uns so lieb stets angeschaut, Dich nidst mehr innig ait uns drücken, Ach, Jungchen, es ist nicht zu glauben, Wie groß war immer Deine Hoffnung Auf ein frohes Wiederschen. Uns alle bricht daS Herz "' so Lieben. Daß ta nicht mehr soll gescheh'n. chlasc wohl, so fern von Deinen Unsere Liebe deckt Dich zu. DcllWer Truuspulklbtiin-Ncrliiiiid j Bezirk Grofi-Bcrlin. Folgende Kollegen sind im Felde gefallen: ll�UFUSt XWzeit) Industriearbeiter Richard Bärwald, Arbeitskntschcr Hermann Baselt, Bierfahrer Felix Bendolint, Industriearbeiter Georg Böhl, GeschSftsdiener Otto Dobberstein, GefchäftSchauffenr Karl Gaczioch, Rollkutscher Paul Qrünzner, Gesch-stskntscher Emil Herrmann, Industriearbeiter Wilhelm Holst, Industriearbeiter Paul Janzen, Arbeitskutscher Bruno Ikler, Packer Friedrich Käpernick, Geschast-dic-cr Karl Karschewski, Straßenbahuer Otto Lessing, Kaffenbote Heinrich Marx, Hochbahnangestellter Paul Meißner, GeschSftsdiener Erich Müller, Industriearbeiter Gustav Neumann, Müllkutscher Paul Nierenhelm, GeschSftsdiener «D Max Stapel, Judustricarbciter Paul Thomas, H-udtuchfahrer Ehre ihrem 65/19 Andenken: Die Bexlrkwleitang. Hierdurch die schmerzliche Nachricht, daß unser einziger geliebter Sohn, der Gefreite Paul Milde im Alter von 23 Jahren durch einen schweren Kopsschuß den Heldentod starb. A Die ticstraucrndcn Eltern TiVlUielm Tlilde und Frau nebst Tochter. Ruhe aus, geliebtes Herz, Dir der Friede, uns der«chmerz. Leicht sei Dir die fremde Erde I Am 8. Juli starb fern von seinen Liehen mein lieber Mann und treusorgender Bater. Schmie- gersohn, Schwager, Bruder, Reffe und Onkel, der Grenadier knino Knobloch im 28. Lebensjahre, In tiefem Schmerz Witwe Elisabeth Knobloch geb. L i n d n e r nebst Kindern. Du zogst hinaus zum Kampfe, Und lehrst nicht mehr zurück, Du warst kaum an dem Ziele, Da traf Dich das Geschick. Wir können es noch nicht fassen, Daß Du hinweggerafft, In Deines Lebens Blüte, In Deiner besten Kraft. Du mußtest uns verlaffen, Aus unserer Mitte gchn. Umsonst war unser Hoffen, Aus ein Wicdersehn l Ruhe saust in Feindesland! I Am 24. d. Mt». starb im Feld- lazarett, infolge schwerer Ver- wundnng bei einem Stnrm�An- griff, unser inniggeltebter Sahn uno Bruder, der Musketier Konrad Gückstock im blühenden Aller von 21 Jahren. Die trauernden Eltern Ferd. und Therese Gückstock. Ferd. Gückstock 1 zurzeit im Felde, I al« Alfons Gückstock, j Geschwister Mar«. Gückstock. I 578SL Berlin-Lichterselde. 30. Juli 1915. Gewidmet zu« 30. Geburtstag. Als Opser des Weltkrieges starb an den Folgen einer schweren Verwundung mein inniggeliebter Mann, unser lieber Schwager, Onkel und bester Freund, der Reservist, Gefreiter Alfred Vogel Jns.-Reg. 93. In tieser Trauer#291 Frau Martha Bogel geb.sRothcr nebst Sohn. Ernst Lamprecht, zurzeit im Felde, nebst Familie. Emma Rotster als Schwägerin. Franz Rotster al» Schwager, nebst Familie. Walter Maychrak, zurzeit im Felde, nebst Familie. Geliebt, beweint und unvergessen. Verband der Brauerei- und Milenarbeiter und verwandter Berutsgenossen. Zahlstelle Berlin. Als Opfer des Weltkrieges starben folgende Kollege«: Franz Ussatp Brau«. Brauerei Patzenhoscr, Abteilung Spandau, Wilhelm Lutterloh, Flaschenkellerardeuer, Brauerei Engelhardt, Abteilung Pankow, Emil Notzel, Faßmiffahrer. Brauerei Habel, Paul Bähe, Flasche, Ikellerarbeiter, Borussia-Brauerei, Johann Haacker, Brau«. Brauerei Königstadt, Friedrich Barkowski, Stanmann, Schloßbrauerei, Bichard Hallbauer, Flaschenkellemrbelter, Löwenbrauerei, Erich Bflcker, Brau«. Brauerei Habel, Bichard Breitendcrt, Brauerei Breilhaupt, Kurt Liehelt, B-u« Jungbierbrauerei Tivoli, Julius Tschenscher,»ctricbSarfieiter, zurzeit aktiv. Ehre ihrem Andenken! 43/1 Tie VrtSvrrwaltung. Am 25. Mai starb den Helden- tod für'« Vaterland bei"eurem Sturmangriff durch Herzichuß mein lieber, unvergeßlicher Sohn rrnd Bruder 22A Max Riedel im dläheuden Alter v. AP/, Jahren. In liefern Schmerz Frau Anna Riedel als Mutter, Berlin, Gerichtstr. 41, Hedwig Riedel als Schwester, Berlin. Schönfließei Straße 20. Aus grüner Wiese im Osten. Da senkte ein junges Herz man hinab, Zur Aussaat, da nimmt man die besten i Schlaf wohl, mein Sohn und Bruder imHeldengrab. Ruhe saust, geliebtes Herz, Dir der Frieden, uns beiden der ewige Schmerz. Als Opfer des Weltlrieges starb iu der Gesangenschast mein lieber Manu, der treusorgende Vater seines Kindes, unser Schwiegersohn, Schwager und Onkel, der 'Musketier August Nickel im 29. Lebensjahre. 88 A In tiefstem Schmerz im Namen aller Hinterbliebenen: Ww. LaiMc Wickel, gb. Paul, liebst Söhncheu Alfred. In Feindesland Dein treues Auge brach, Dein gutes Her; tat seinen letzlen Schlag' Zum fernen Grab schweift tränend unser Blick, In weh« Klage um's verlor'ne Glück. Schlaf wobi. Du gules Herz. Du hast den Friede», wir den Schmerz. Es ist ein schmerzlich bilt'reS Leiden, Aus nimmer, nimmer Wiedersehn' Ach, unter allen Erdenleiden Kann tiefer kein« zu Herzen gchn. Nicht einmal in die Augen blicken, Die mich so lieb stets angeschaut Nicht einmal innig an mich drücke» Das Liebste, dem ich sest vertraut Wir wollten beide glücklich werden. Doch grausam griff das Schicksal ein. Rahm mir mein Liebstes aus der Erden, Und läßt mich hier im Schmerz allein. Kein Fleh'« und lein Weinen gib! Dich mir zurück. Verlorenist das vcste.ioaS ich bat! Vorbei ist Liebe, Hoffnung. Glück Sein Wunsch war nur ein Wieder sehn! mmmmmmoammmammmmm AIS Opfer des Weltkrieges starb I durch Kopfschuß aus Patrouillen-! gang mein inniggclicbtcr Mann! und treusorgender Vater. der I Gefreite LOSibj pelix kendolini Dolziger Straße 9 im 89. Lebensjahre. Im tiefsten Schmerz Emma Bendolint geb. Stamm al» Frau, Klara Beudoltni als Tochter. In IctndcSllUid Dein treues Auge brach. Dein gutes Herz tat seinen letzten Schlag i Zum serneu Grab schweift tränend unser Blick. In weher Klage um's verlorst, e Glück. Schlaf wohl, Du gutes Herz, Du hast de» Frieden, wir den Schmerz. ES ist ein schmerzlich bitt'rcs Leiden, Aus uimmcv, nimmer Wirdcrsehst,; Ach, unter alle» Erdenlciden Kann tieser kein« zu Herzen gehst,. Nicht einmal in die Augen blicken. Die mich so lieb stets angescha»!. Nicht einmal innig an mich drücken DaS Liebste, dem ich sest vertrau,. Dir wollte» beide glücklich werden, Doch grausam griff daS Schicksal ein, Nahm mir mein Liebstes aus der Erben, Und läßt mich hier im Schmerz allein. Kein Fleh'n und kein Weinen gibt Dich mir zurück. verloren ist das Beste, was ich hatte, Vorbei ist Liebe, Hoffnung, Glück! Sein Wunsch war mir ein Wieder- sehn! In Eriülluiia seiner militärischcg H fiel insolae" am Sönntag, 25. Psischt Bauchschusses .. Iu», unser lieber Sobn, Bruder, Reffe, Vetter, Enkel und Bräutigam, der Stereotype«!' Erich Lehmann Landsturmmann im löl.Jiis.-Rgt. im 23. Lebensjahre. Im Namen der Hlnterbliebsnen Gnatav IiOhmann 2105b Hornstraße 6. Am 17. Juli fiel bei einem Sturmangriff unser lieber guter Freund, Unteroffizier der Landweh», Jnh. d. E. K. Julius Kahlert Ersatz-Jnf.-Regt. Königsberg I. Dies zeigt an im iiesstcn Schmerz Familie Otto Itilltn« Berlin, Ackerstraße SO. 64A Den MM»»nietet onl sei» MM»»« geloDenen Miofie»! Am 10. Juli fiel der Kammacher Franz. Wohlgedahn Boxbagcner Str. 42. Bezirk 332. Am 18. Juni fiel der Tischer Max ftiielitz Skalitzcr Str. 53. Bezirk 195 IL Im Juli fiel der Zuschneider Otto KrugEsr Barnimstr. 50. Bezirk 382 II. Am 21. Juli fiel der Glasermeister /taton Kitt MarsUiusstr. 13. Bezirk 256. Am 16. Juli fiel der Schriftsetzer Max Hoffmann Wrang-Istr. 73. Bezirk 185 II. 213/14 Sozlaldcmokr. Wahlverein f. d. 4. Berliner Relchstagswahlkr. W Opfer des Weltkrieges fielen der Tischler WilkoEm Stelzer Grellstr. 33. Ib Abteilung. Der Arbeiter Hermann Sommer Thodeivieckistr. 38. Bezirk 429 II, la Abteilung. Der Handtuchfahrer ?aiil Thomas Lothringer Str. 62. Bezirk 461, 4. AbL-Ilung. 282/1« Sozlaldemokr. Wahlverein f. d. S. Berl. Relchstagswahlkr. Am IS. Juli fiel der Dreher Alfred Vogel Thurnehfserstr. 4. 18. Abt., Bez. 805. Am 21. Juli fiel in den Kämpfen der Kohlenhändler Hermann Härtel Dunckerstr. 89. 4. Abt.. Bez. 574. 226/1« Sezlaldemokr. Wahlverein f. d. 6. Berliner Relchstagswahlkr. Am 16. Juli gefallen der Zinkgictzer Otto Lehmann Weserstr. 176. 6. Bezirk. Aus einem Patrouillengang gefallen der Buchdrucker Gustav Reinke Sanderstr. 1. 1. Bezirk. Im Felde gefallen der Gürtler Max Wiehert Pannierstr. 64. 8. Bezirk. 238/11 SozialdeDiokratiaeher Wahlverein NeukBlln. Am 10. Juli ne rftarb im Lazarett an de» Folgen seiner Der. wundung unser Genosse 195/17 Riehard Halhig. Sozialdemokrat. Wahlverein Friedenau. Bei den Kämpfen fiel der Genosse, Kaufmann Georg Spitzler. 244/20 Sezlald. Wahlverein Niederbarnim, Bez. Reinickendorf-Ost. Ein Odser des BälterringmS wurde unser Genosse, der Buch- druckcrcchllssarbeiter Bruno Knobloch. 195/1« Sozialdemekr. Wahlverein Johannisthal. D«N Tod auf de« Schlachtseide sand unser Genofie, der Schlosser Riehard Helitz. Sozialdemokratischer Wahlverein NiedersehBnewelde. Allzufrüh und fem von seinen Lieben starb am 13. Juni nach zehn Monaten schweren Kämvsen insolge eines Kopfschusses unser inniggelicbter Sohn, herzensguter Bruder, Schwager, Onkel und Bräutigam, der Unterosfizier Xäolk k�eubsuef- Grenadier-Regiment 1, 7. Komp- im blühenden Alter von 24 Jahren. Im tiefsten Schmerz 92A Karl Neuhauer u. Frau, als Eltern, Olto Neubauer und Frau, Ernst Schumann u. Frau geb. Neubauer, als Geschwister, nehsl Kindern Erna u. Kurtchen, Erna Seelandt, als Braut. Es ist ein bittres Leiden Sluf nimmer, nimmer Wicdersehn, Ach unter allen Erdenleiden Kann tieser keinS zu Herzen gehn. Geflossen ist Dein junges Blut, tür uns zu srüh, Du warst so gut. >ir, Teurer, war das Lehen kurz bemessen, O, nimmer, nimmer werden wir Dein vergessen. So schlaf denn wohl. Du braver Sohn, Du starbst so jung, du starbst so srüh. Dergessen werden wir Dich nie. Schlaf wobl, Du liebes Bruderherz, Du hast den Freden, wir den schmerz. Am 24. Juli fiel auf dem Felde der Ehre unser lieber Kollege und Mitarbeiter, der Stereothpeur 2112b llsilsl Gzarnowski im 28. Lebensjahre. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Di« Kollegen der „Deutschen Tageszeitung". Freie TwnersehattRDranielslJiirg. (M. d. A.-T.-B.) Wiederum hat der Krieg ein Opfer, der sünste unseres Ler- eins, gefordert. Am 10. Juli fiel der Turn. fienosse, Erfatz-Neservist im Jn- anterie-Regiment 189 �emkolä Leber im Alter von 30 Jahren. Wir verlieren in ihm einen eifrigen Turner und Freund, der uns dauernd in Erinnerung sein wird. 185/19 Der Borstand. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Es starben folgende Mitglieder im �felde: Wilhelm Schubert, Metallarbeiter, geb. 13. 10. 1889 in Berlin. Max Puck, Schlosser, geb. 19. 8. 1890 in Königsberg. Richard Fritzsche, Schlosser, geb. 8. 4. 1882 in Eilend erg. OttO Jache, Werkzeugmacher, geb. 21. 2. 1889 in Berlin. Max Wiehert, Gürtler, geb. 7. 5. 1884 in Berlin. Paul kahlert, Metallarbeiter, geb. 14. 12. 1883 in Zicgenhals. Paul Alldree, Büchsenmacher, geb. 16. 2. 1891 in Frankfurt. Otto Puhlemann, Schlosser, geb. 6. 7. 1888 in Berlin. Emil Kommarek, Schlosser, geb. 23. 11. 1886 in Mähr.-Trubau. Wilhelm Schuckert, Galvaniseur, geb. 8. 8. 1894 in Eroffen. Richard Sahlberg, Schl-sser, geb. 20. 7. 1894 in Neukölln.. Karl Waxner, Metallarbeiter, geb. 19. 5. 1878 in Mariendorf. Adolf Neubauer, Dreh», geb. 26. 12. 1890 in Eichhorft. Otto Gräber, Metallarbeiter, geb. 21. 8. 1890 in Berlln. Karl Prengel, Klempner, geb. 17. 8. 1384 in Elbing. Karl Wiukler, Dreher, geb. 28. 8. 1893 in Berlin. Herrn. Standtke, Metallarbeiter, geb. 23. 7. 1870 in Grigenau. Franz Krause, Rohrlegerhelfer, geb. 5. 11. 1891 in Berlin. Robert Völker, Dreher, geb. 15. 11. 1877 in Brandenburg. Franz Linz, Gürtler, geb. 14. 6. 1888 in Berlin. Karl Schaaf, Schlosser, geb. 12. 8. 1891 in Annweller Otto Schönicke, Metallarbeiter, geb. 9. 7. 1889 in Charlottenburg. Aug. Brosow, Schlosser, geb. 24. 12. 1883 in Schestocke». Kurt Heinze, Dreher, geb 6. 11. 1889 in Giebichenfteim Max Weichert, Gürtler, geb. 20. 7. 1893 in Britz. Arno Kersten, Helfer, geb. 3. 7. 1890 in Berlin. Max Scholz, Helfer, geb. 2. 10. 1892 in Berlin. Paul Siewert, Former, geb. 18. 12. 1886 in Britz. Otto Lehmann, Zmugießer, geb. 12. 12. 1877 in Neukölln. Ehre ihrem Andenke«! in/to Die OrtSverwaltuug. Möbelpolierer, 40 Jahre alt Mafchinrnarbeiter, 30 Jahre all Tischler, 23 Jahre all Am 12. Juli, srüh 4 Uhr, siel unser einzig, inniggeliebter, un- vergeßlicher und strebsamer«ohn und Bruder insolge eines Minen- Volltreffers, der Herrenwäsche. Zuschneider IRsx Finke Landw.-Jns.-Regt. 126 im 23. Lebensjahr. DieS zeigen im tiefen Schmerz an Gotthslt Finke nebst Frau. Helene Finke als Schwester, und Frau 7hiele als Großmutter. Berl.-Lichlenberg, Augustastr.31. Wir trauern, klagen. Ach. es ist vergebens. Nichts dringt Dich Guter, Braver mehr zurück, Du warst die Hoffnung und die Freude unsres Lebens, Im weiten, fremden Land vollzog sich Dein Geschick. Dem ewig Gram, der diesen Krieg heraufbeschworen, Der Dich nun trennt so srüh von all den Deinen,' Nur wer Dich kannte, weiß waS wir verloren, Und weiß, warum wir weinen— weinen. Schlaf wohl in kühler Erde Auf Nimmerwiederseh'n. 49A Allen Freunden und Bekannten teile schmerzersüllt mit, daß mein lieber Mann, der Borarbeller Heinrich Kiersch nach langem, schwerem Leiden im Aller von 42 Jahren sonst ent< schlafen ist. Die trauernde Witwe Marie Kiersch. Die Beerdigung findet am Montag, de» 2. August, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle derHimmelsahrtS-Gemeinde, Nordend, aus statt. 64A Verein aller in SehriltgieBereien beschält. Arbeiter u. Arbeiterinnen Berlins. 21066 Im Kampfe für das Vaterland fiel am 18. Juli unser wertes Mitglied, der«chriftgietzer Arno Moser im Alter von 28 Jahren. Ehre ietn e« Andenken l Deutschet Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Berlin. Im Felde gefallen find folgende Mitglieder Georg �melungseu, Leo v. Czapiewski, FritZ Dämpf ert, Beizer, 23 Jahre all Max Groß, Kammschlesser, 27 Jahre all Alfred Hain, Franz Hartwig, Wilhelm Kapitza, Tischler. 22 J-hr--u Paul Miersch, Tischler. 28 Jahre all ßlwin Röhrig, Paul Schmock, Paul Sieck, Zeauloibfchmtzer, 27 Jahre alt Max Stolz, Tischler. 29 Jahre all OttO UckrO, Kammschleifer, 26 Jahre alt Paul Unger, Tischler. 24 Jahre all Franz Wohlgedahn, frÄ Ehre ihrem Andenken: 86/3 Bio Orrnvorw»lti»nx. Kammacher, 29 Jahre alt Tischler, 26 Jahre all Möbelpolierer, 31 Jahre alt Den Heldentod IllrS Vater- Feldlazarett an Brust- und Sohn, Bruder, Schwager und Onkel, mein inniggeliebter Bräutigam, der zu Britz geborene Reservist land starb am 2t. Juli im Bauchschutz unser inniggeliebter Paul Siewert von der 7. Komp. des Res.-Jnf.-Reg. Nr. 64 im blühenden Aller von 29 Jahren. Die zeigen an im tiefsten Schmerz Die betrübten Eltern und Geschwister. Albert Kerstan und Frau Anna Kerstan geb. Rüdiger verw. S i e b e r t. Ms"i Franz Siewert und Frau nebst Söhnchen Brüder j Alfred Siewert zurzeit im Felde. Geschwister Kerstan. Marie Lohr als Verlobte. Das ist der Krieg. Hinweggeriffen vom Mutlerherz, vom Vater- Haus wird jäh der Sohn. Wir alle wissen, wie viel an Lieb' zog mit hinaus. Nun kam die Bosschaft, welch ein Schmerz für uns. Es siel ein Held. 29A Möge ihm die fremde Erde leicht werden. Neukölln im Juli 1915. iinil Uar&icr. Nachruf. Voll tiefster Trauer geben wir davon Kenntnis, datz die Kriegssurie unserem Verbände herbe Schicksalsschläge zuge- fügt bat. Am 22. Juli ist unser Kollege Gauleiter Franz Sebald Gemeindcbevollmächtigter in München, als Maschineugewehrsührrr gefallen. Ein Granatsplitter ritz ihm den Hals aus und tötete ihn sofort. Franz Sebald stand im 38. Lebensjahre. Gelernter Gärtner, wandte er sich frühzeitig der Arbellerbewcgung zu. der er bis zu seinem viel zu frühen Tode mit Leib und Seele diente. 1905 wurde er Angestellter unseres Verbandes und erwies sich sehr bald als ein äutzerst befähigter und tüchtiger Mitarbeiter, der es mit seltenem Fleitze und gutem Erfolge verstand, in semem heimatlichen Wirkungskreis sowohl alt auch in der Gesamtorganisation die Interessen der Kollegenschait ohne Unterlatz zu fördern. Seine ausgezeichneten Fähigkeiten als Organisator und Publizist sind unserem Verbände stet» von höchstem Werte gewesen und haben auch dazu geführt, datz ihn die Münchcner Arbeiterschaft im Jahre 1912 in das Gemcindekollegium sandte. Eine schwergeprüfte Gattin und sieben unversorgte Kinder trauern um unseren Franz Sebald. Möge es ihnen ein Trost sein, datz auch Tausende von Gewerkschasts- und Parteigenossen bewegt und schmerzersüllt semer gedenken und ihm ein treues Gedenken bewahren werden. Ein zweiter schmerzlicher Verlust traf unseren Verband durch den Soldatentod unseres Kollegen Gauleiter Stanislaus Wesolowski Stadtverordneten in Königsberg. Am 21 Juli wurde er als Landswrmmann von einer Schrapnellkugel dahingerafft. Im 39. Lebensjahre ereilte ihn dies herbe Schicksal. «Uuilslaas Wesolowski war Gasarbeiter in Berlin und als solcher lange Jahre Mitglied unseres Ver- bandcs. bis er insolge seines regen Eiters und seiner uncrmüd- lichen KampseSfrendigkeit im Jahre 1911 als Gauleiter nach dem Osten Deutschlands gesandt wurde. Sein ausgeprägtes Interesse sür das Wohl der Arbeiterklasse führte 1913 dahin, datz ihn die Königsberger Parteigenossen vertrauensvoll in das Stadtverordnetcnkollcgium wählten. Nach besten Krajicn war er stets bemüht, die Sache des Proletariats in vollem Matze zu vertreten. � Auch in ihm beweinen erne grau und suns Kmder un Alter von 2 bis 12 Jahren den sorgenden Ernährer. Auch ihm werden seine Kollegen und Kampsgenossen cm ehrendes Andenken bewahren. 35/2 ver Terbandsvorstaiid. VerantworllicherÄedalteur: Lnseräte�c�»a�?�Glöckc. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& fco, Berlin SW. Nr. 210, 32. Jahrgang. 3. Irilip des„ Sonntag, l August 1915. Verlustlisten. Die Verlustlifte Nr. 2SlZ der preußischen Armee enthält Verluste folgender Truppen: Infanterie usw.: Garde: 1., 2. und 3. Garde-Reg. z. F.: Gren.- Regimenter Alexander, Elisabeth und Ztr. 5; Garde- iMs.-Reg.; titarde-Jäger- und Garde-Res.-Schützen-Bataillon. Gren.- bzw. Inf.- bzw. Füs.-Regimenter Nr. 1, 3, 7, 9, 10, 12, 16, 17, 21, 23, 25, 26, 29, 31, 32, 33, 34, 40 bis einschl. 45, 47. 49, 55, 57, 60, 63, 64, 65, 67, 69, 72, 79, 80, 81, 84, 90, 92, 93, 95 bis einschl. 99, III, 114, 115, 118, 131, 137, 145, 149, 150, 155, 157, 161, 165, 167, 170, 171, 173, 185, 189, 365, 368, 369. Res.-Jnf.-Regi- nienter Nr. 7, 16. 17. 19. 20, 21. 22, 27, 28, 29. 31, 32. 35, 46. 48, 71, 80, 81, 83, 87, 92. 94, 99. III, 116, 130, 212, 219, 222. 223, 224, 227, 234, 251 bis einschl. 255, 267, 269, 270, 272. Erp Inf.-Regimenter Königsberg Nr. 1, 2 und 3(erfteres s. Ers.-Jnf.- Reg. v. Nußbaum) und ll. Nutzbaum. Landw.-Jnf.-Regimenter Nr. 2. 5. 6, 7, 11, 15. 18, 20. 24. 25. 33, 51, 71. 72, 76, 77, 81, 82, 84, 99, 118. Landw.-Ers.-Jnf.-Reg. Nr. 1. Brig.-Ersatz- Bataillone: 1. Nr. 5, Nr. 25, 26(s. Jnf.-Reg. Nr. 369), 27. 38, 89(letztere beiden s. Jnf.-Reg. Nr. 368), 40, 41(f. Jnf.-Reg. Nr. 365), 80. Landw.-Brig.-Ers.-Bataillone Nr. 26 und 27(beide s. Landw.-Ers.-Jnf.-Reg. Nr. 1). Landst.-Jnf.-Bataillone: Anklam, 1. Bonn, Kolmar i. E., Friedberg, Glatz, 1. Gleiwitz, Hagen, I Lotzen, 5. Münster, I Neustrelitz, Ratibor, I Schrimm, I Tilsit (s. Ers.-Jnf.-Reg. v. Nußbaum), Worms. Landst.-Jns.-Ersatz- Bataillone: 9. Breslau, 3. Gleiwitz, 2. des 15. und 2. des 18. Armee- torps. Etappen-Hilfs-Komp. Nr. 2. Jäger-Reg. Nr. 2; Bataillone Nr. 3, 5, 10(st Jäger-Reg. Nr. 2); Res.-Bataillone Nr. 3, 4, 8. Feld-Maschinengew.-Zug Nr. 131(s. Jnf.-Reg. Nr. 72); Res.- Festungs-Maschinengew.-Abt. Nr. 4(Metz)(s. Jnf.-Reg. Nr. 365). Kavallerie: Gren.-Reg. zu Pferde Nr. 3; Husaren Nr. 5; Ulanen Nr. 1; Res.-Ulanen Nr. 4, 5; Jäger zu Pferde Nr. 12; 2. Landw.-Esk. des 10. Armeekorps. Feldartillerie: 3. Garde-Reg.; 1. und 3. Garde-Rest-Reg.; Re- gimenter Nr. 3, 11, 19, 20, 21, 24. 39, 42, 44, 51, 55, 63, 70, 74, 237; Res.-Regimenter Nr. 6, 17, 45; 1. Reg. der Feldart.-Ersatz- truppe Jüterbog. Fußartillerie: Res.-Regimenter Nr. 8 und 11; Landw.- Bataillone Nr. 6 und 9. Pioniere: I. Garde-Bat.; Regimenter Nr. 18, 19, 20, 24, 29, 30; Bataillone: II. Nr. 3, II. Nr. 4. I. Nr. 5, I. und II. Nr. 6. I. Nr. 7. I. Nr. 8. I. Nr. 16, I. und II. Nr 17; Ers.-Bat. Nr. 6; Komp. Ztr. 233; 1. Landw.-Äomp. des 6 Armeekorps, tocheinwerser- zug des 7. Armeekorps: Res.-Scheinwerferzug Nr. 38. Mittlere Minenwerfer-Abteilungen Nr. 30, 48, 50. Verkehrstruppen: Eisenbahn-Betriebskomp. Nr 29. Feld- fliegertruppe. Etappen-Kraftwagerrkolonne Posen. Train: Fuhrparktolonne Nr 2 des 1. Armeekorps. Feld- Bäckereikolonne Nr. 1 des 1. und Nr. 2 des 9. Armeekorps. Feldartillcrie-Munitionskolonne Nr 9 des Garde-Reserve torps. Sanitäts-Formationen: Sanitäts-Komp. Nr. 2 des 6., Nr 3 des 7.(st Sanitäts-Komp. Nr. 121), Nr. 1 des 8. Armeekorps und Nr. 121; Reserve-Sanitäts-Kompagnien Nr. 47 und 48; Ersatz- Sanitäts-Kompagnie Brüssel; Landw.-Sanitäts-Kompagnien Ztr. 28 und 30. Res.-FeldlazaretpNr. 80. Armierungs- und«Straßenbau-Formationen: Arnnerungs- Bataillone. Straßenbau-Komp. Nr 10. Der Schluß der bayerischen Verlustliste Nr 207 meldet Verluste des 17., 18., 21., 22., 23., 24., 25. Jnf.-Reg.; GebirgS- Maschinengew.-Zug(5. Erf.-Brig.); Res.-Jnf.-Neg. Nr 2 6, 13, 17; Res.-Jäger-Bat. Nr. 1; Land>v.-Jnf.-Reg. Nr. 4; Brig.-Ersatz- Bataillone Nr. 9, 10, 11, 12; Landst.-Jnf.-Bat. Neustadt; 1. und 2. Schweres Reiter-Reg.; 1. und 6. Chevaulegers-Reg.; Res.-Kav.- Reg. Nr. 6; 2., 4.. 7.. 10.. 20., 21. Feldart.-Reg.; III. Erst-Feldart.- Abt.; l. und 2. Fußart.-Reg.; Flieger-Abt. 6; Div.-Brückentrain 6; N es.-Pion ier-Bat. Nr. 3; Res.-Pionier-Komp. Nr. 6; Artillerie- LRunitionskolonne 4; Etappcn-Munitions-Kraftwagen-Kolonne 4; Ers.-SanitätS-Komp.; Rest-Feldlazarett Nr. 7;— Berichtigungen früherer Verlustlisten. Mus Groß-Serlin. Der Kriegs-Stift. Mit dem Kriege hat auch der Lehrling eine Art„ge- hobene Stellung" bekommen, sowohl in industriellen und handwerksmäßigen als in kaufmännischen Betrieben.„Unser Stift" weiß, daß er heutzutage eine gesuchte Persönlichkeit ist und nimmt durch sich selbst oder mit Hilfe seiner Eltern alle Vorteile Ivahr. Lange genug hat man ja in sehr vielen Geschäftsbetrieben aller Art mit dem Lchrlingswesen eigen- süchtigen Unfug getrieben. Die gewerblichen Lehrlings- züchtcrcien, in denen gleichzeitig bis zu einem halben Hundert oder noch mehr Lehrlinge beschäftigt werden, so daß von einer ordnungsmäßigen Ausbildung kaum die Rede sein kann, sind berüchtigt. Immer wieder fielen Eltern auf diese Lehrlingsbuden herein, weil hier der Lehrling schon vom zweiten Lehrjahre ab eine kleine Geldentschädigung erhält, die aber nicht im Verhältnis steht zu der mangelnden Ausbildung. Noch schlechter steht es in sehr vielen kaufmännischen Geschäften. Der Lehrling ist hier oft nur Schreiber, Handlanger und Laufbursche, kommt an die Buchführung und Korrespondenz nicht heran, wird besten- falls ganz einseitig angelernt. Soweit hier nicht der Unter- richt zur Pflichtfortbildung nachhilft, mutz sich der Lehrling die Befähigung zur Kurz- und Maschinenschrift sowie zu anderen Leistungen in der wenigen freien Zeit zu Hause oder in einer Handelsschule aus eigenen Mitteln aneignen. Je länger sich nun der Krieg hinzieht und zahlreiche Gewerbebetriebe stark beeinflußt, desto mehr werden Lehrlinge aller Arten verlangt. In den Zeitungsspaltcn wimmelt es von solchen Lchrlingsgesuchen. Kaufmännische Geschäfte, die großen Mangel an Personal leiden, haben plötzlich entdeckt, daß ein intelligenter Lehrling in weit kürzerer Zeit als sonst den„jungen Mann" beinahe zu ersetzen vernrag. Vielfach wird also nunmehr die Ausbildung so kräftig in die Hand genommen, wie das auch in Friedenszeiten der Fall sein sollte. Aehnliches ist in gewerblichen Betrieben zu beobachten. Man will den Lehrling, der sonst nur die untergeordnetsten Arbeiten zu verrichten hatte, schnell so ausbilden, daß zwei oder drei Lehrlinge einen ausgelernten Arbeiter einigermaßen zu ersetzen vermögen. Natürlich stehen zu diesem plötzlich er- wachten schönen Streben die Gegenleistungen in keinem Ver- hältnis. Der Lehrling soll weit mehr als früher leisten, aber deshalb wird er während der Lehrzeit nicht auch cnt- sprechend bezahlt. Allenfalls läßt sich der Lehrherr zu� einer monatlichen Gabe herbei, die knapp die Kosten des«Stiefel- besohlens deckt. Die eigentliche Ursache des jetzigen Lehrlingsmangels liegt noch tiefer. In vielen Familien ist es ganz unmöglich, den schulentlassenen Jungen durchzufüttern, ohne daß er Geld nach Hause bringt. Der Knüttel liegt eben beim Hunde. Junge Leute im Alter von 14—17 Jahren sind eben jetzt ge- sucht, und es liegt gar kein Grund vor Lehrverträge zu unter- schreiben, die oft recht harte Bedingungen enthalten. Lieber warte man bis Beendigung des Krieges und lasse den Jungen eine besondere Arbeit verrichten, als heute Lehr- Verträge zu unterschreiben, die kaum erfüllbare Bedingungen enthalten._ verwilöerte Grabstätten. Sausend reitet der Tod durch die Lande, mäht dos Lebende nieder wie nie zuvor... Da denken auch die Menschen mehr als sonst an den großen Gleichmacher. Ich sehe die zahlreichen frischen Gräber mit den liebenden Zeichen, daß hier einer für immer ausruht von dem Jammer des Krieges,... und ich sehe auch die alten Gräber, die ver- wilderten, nach denen keine Menschenliebe frägt, keine Pietät. Vor mir tauchen in Feindesland, im heimischen Kriegsgebiet die zerschossenen, zerstörten Friedhöfe auf. Wieder ist es ein Gegensatz, ein grauenvoller. Was fragt der Krieg im Gewühl der Schlacht nach der Pietät, nach dem Frieden des Friedhofes! Grabdenkmäler sinken in Trümmer, Grabhügel werden zerstampft, Granaten wühlen im Kirchhofssande, im modernden Gebein. Und ich blicke bei uns in der Heimat, wo der nichts verschonende Krieg nicht wütet, auf die Tausende von Grabhügeln, die genau so aussehen, als hätten rücksichts- lose Menschenfüße sie zertrampelt und zerstört. Wirklich, der Gegensatz der verlassenen Gräber zu den gepflegten ist traurig, wird auf den Groß-Berliner Kirchhöfen immer trauriger. Ich pflege den mir lieben, ans Herz gewachsenen Hügel, so- weit es in meinen Kräften steht, und daneben, ringsum wölben sich kahle, zusammengesunkene, gelbgraue Sandhaufen, um die kein Mensch sich kümmert. Haben die Angehörigen kein Geld zur Pflege? Ist nach dem ersten Schmerz, nach der ersten Pietät das Gedenken erstorben? Ich weiß es nicht. Aber ich sehe mit einem Zucken in der Brust immer wieder diese öden Sandhaufen und frage niich, ob es nicht würdiger wäre, dem Erdboden gleichzumachen, was in seiner Trost- losigkeit auch die Gefühle des Fremden verletzt, der die ver- gessenen Toten nicht kannte und nicht sah. Zulassung von Motorbooten. Der gestrige„Reichsanzeiger" enthält einen Erlaß des Bundesrats über Zulassung von Motorbooten zum Verkehr. Danach dürfen Motorboote nach dem 15. August 1915 nur verkehren, wenn sie zum Verkehr zugelassen sind. Die Zulassung eines Motorboots erfolgt auf Antrag des Eigen- tümers durch die für den ständigen Lagerplatz des Bootes zu- ständige höhere Verwaltungsbehörde auf jederzeitigcn Wider- ruf, sofern für den Verkehr des Bootes ein öffentliches Be- dürfnis besteht. Ein Motorboot, das entgegen den Vorschriften der Verordnung verkehrt, kann von der höheren Verwaltungs- behördc ohne Entschädigung für dem Staate verfallen erklärt und eingezogen werden._ Nrbeitslosenfürsorge in Berlin. Geschäftsstatistik der Arbeitslosenfürsorge der Stadt Berlin für die Woche vom IL.— 18. Juli 1915. 1. Bei den 28 städtischen Geschäftsstellen sind 287 Gesuche eingegangen; es wurden abgelehnt 43, an die Landesversicherungsanstalt Berlin verwiesen 12, bewilligt 157. Ausgeschieden aus der Unterstützung(überwiegend wegen Wiedereintritts in Arbeit oder Erwerb) sind 134 Personen. 333 männliche und 3405 weibliche Personen bezogen Unterstützung im Gesamt- betrage von 15 394 M., davon je 4 M. 3296 Personen, je 5 M. 442 Personen. 2. Von der Stadt wurden an 743 Mitglieder von fünf- zehn Arbeiter- und A n g e st e ll t e n o r g a n i s a t ioncn, die selbst satzungsgemäß Unterstützung gewähren, Zuschläge im Gesamtbeträge von 2332,66 M, gezahlt. Hiervon trafen auf die freien Gewerkschaften 703 Mitglieder mit 2188.20 M. (und zwar Metallarbeiter 334,30 M., Holzarbeiter 577,80 M. usw.) 3. Die Landesversicherungsanstalt Berlin hat von 21 489 bei ihr überhaupt bis 17. Juli 1915 ein- gegangenen, teils von den städtischen Unterstützungskommissionen ihr überwiesenen, teils von den Organisierten ihr eingereichten Gesuchen 15 162 genehmigt. Gegenüber der Vorwoche sind hinzugekommen 8 Personen. In der Berichtswoche sind 789 M. an 114 Personen gezahlt worden. Zur Lebensmittelversorgung Berlins. Gestern fand unter Vorsitz des Oberbürgermeisters Mermuth eine Sitzung der gemischten Deputaüon zur Versorgung Berlins mit Lebensmitteln statt. Die gesamte Lebensmittelfrage, insbesondere aber die Gemüsefrage wurde eingehender Erörterung unterzogen. Man einigte sich über verschiedene Vorschläge, durch deren Aus- führung übertriebenen Preisforderungen entgegengetreten werden soll. Mietbcihilfen bei Verzug. Zu unserer unter obiger Ueberschrift veröffentlichten Notiz schreibt uns der Magistrat von Neukölln; Die Notiz ist geeignet, den falschen Eindruck zu erwecken, als ob Neukölln feine Kriegerfamilien bezüglich der Mietbeihilfen schlechter stelle als diejenigen Gemeinden, die mit Berlin daS Abkommen der Gegenseitigkeit vom 6. Juli 1915 getroffen haben. Dies ist aber keineswegs der Fall. Im Gegenteil hat Neukölln, schon lange bevor Berlin den nach auswärts verzogenen Frauen Mietbeihilfen bewilligte, diese schon seit Anbeginn gewährt, und zwar in Form von Sonderunterstützungen, die in Höhe der halben Miete gegeben wurden. Wenn Neukölln das Abkommen der Gegen- sciligleit nicht traf, so lagen hier Gründe schwerwiegender Natur vor. Einesteils steht Neukölln mit seinem Verfahren streng auf dem Boden der gesetzlichen Bestimmungen, wonach der erste Liefe- tungsverband für alle über das Maß der Reichsunkerstützung hinaus erforderlich werdenden weiteren Bedürfnisse auch beim Verzuge verpflichtet bleibt, wozu ztveifellos auch die Gewährung deS Obdachs gehört. Die aus Neukölln verziehenden Kriegerfrauen sind also durchaus nicht schlechter gestellt. Andererseits konnte aber auch Neukölln ein Gegenseitigkeitsverhältnis mit Berlin und den westlichen Vororten schon deswegen nicht eingehen, weil die Erfahrung gelehrt hat, daß seit Ausbruch des Krieges bedeutend mehr Familien von den westlichen Vororten und Berlin nach Neukölln verzogen sind, also dies umgekehrt der Fall war. Zudem bezieht sich dies Abkommen nicht auf den Zuzug aus außerhalb Groß-Berlins gelegenen Gemeinden, wodurch ohnehin schon eine Durchbrechung des Systems bewirkt wird. Würde Neu- kölln das Gegenseitigkeitsverfahren bezüglich der Mietbeihilfcn übernommen haben, so würden der Stadt nicht unbedeutende Mehr- kosten entstant«n sein. Dies würde sich um so niehr ftihlbar macken, als Neukölln schon ohnehin finanziell unvergleichlich stärker in An- spruch genommen ist als die übrigen Gemeinden, was am deut- lichsten daraus hervorgeht, daß Verlin bei einer achtmal größeren Eintvohn erzähl nur fünfmal soviel Krieger ins Feld gestellt hak. Eigenartige Selbsthilfe eines Hausverwalters. Was manche Hauseigentümer oder ihre Verwalter gegenüber Mieteschuldnern für zulässig halten, dafür haben wir schon recht sonderbare Beispiele mitgeteilt. Vielleicht das Sonderbarste ist der folgende Fall, der uns aus Charlottenburg bekannt wird. Im Hause Droysenstr. 4, das einer Grunderwerbsgesellschaft gehört, wohnte seit September vorigen Jahres ein Schlossergehilsc. Bis zum März dieses Jahres zahlte der Mann regelmäßig seine Miete, als er aber Ende März zum Heeresdienst einberufen wurde, konnte im April die Frau nicht zahlen. Noch vor Mitte des- selben Monats reichte der Geschäftsführer Dr. jur. G. Schöps gegen beide Eheleute die Klage ein, und da die Frau in ihrer Hilf- losigkeit nicht die geeigneten Schritte tat und nicht mal zum Termin ging, so erfolgte ohne weiteres die Verurteilung. Nachher setzte die Frau sich mit dem Geschäftsführer in Verbindung, weil aber eine Einigung nicht zustande kam. erklärte sie, am liebsten möchte sie sofort ziehen. Sie verstand seine Antwort dahin, das können sie tun, und tatsächlich begann sie am nächsten Tage, die Wohnung auszuräumen. Als Dr. Schöps davon erfuhr, griff er ein und legte die Hand auf einen Teil der Wirtschaft. Was war's, das er zurückbehielt? Sonderbarerweise ersah er sich hierzu Betten und Matratzen! Diese behielt er zurück und er ließ sie in einen Lagerkeller schassen, obwohl die Frau Einspruch dagegen erhob. Vergeblich bat sie bei der Polizei um Hilfe: hier konnte ihr und ihrem vierjährigen Kinde kein anderer Beistand gewährt werden als ein— Uebcr- weisungSschein für das Obdach. Sie verzichtete auf solche Unter- kunft und suchte Zuflucht bei einer ihr bekannten Familie, bis sie eine andere Wohnung fand. Drei Tage darauf kam Dr. Schöps mit einem Gerichtsvollzieher in diese neue Wohnung, pfändete ein Wäschespind und eine Wanduhr und gab nun erst die Betten frei. Das war Anfang Mai. Mitte Juli wurden dann in Abwesenheit der Frau die gepfändeten Stücke durch den Ge- richtsvollzieher aus der Wohnung herausgeholt, und inzwischen sind sie wahrscheinlich bereits verkauft worden. Ende Juli kam der Ge- richtsvollzieher nochmals, um eine erneute Pfändung vorzunehmen. Er konnte aber nur feststellen, daß Pfändbares nicht mehr vor- Händen war. Wir haben wohl nicht nötig, dieser nackten Darstellung des Sach- Verhalts noch ein erläuterndes Wort hinzuzufügen. Ein russischer Mörder wird auch in Berlin gesucht. ES handelt sich um den 33 Jahre alteu auS Tiflis gebürtigen Musikdirektor Iwan Wolkoff, der am 9. d. M. auf der Insel Itterör in Schweden ein Fräulein Greta Almqvist aus Stockholm, die Tochter des Professors Almqvist, ermordete. Der flüchtige Verbrecher ist mittel- groß, mager und schmächtig, hat braune Augen und einen kleinen dunklen Schnäbelbart und trug zuletzt einen grauen Rock, eine dunkelblaue Hose, einen weißen Stoffhut und gelbe Schnürschuhe. Mrsorgestelle für Kricgerwitlven und Kriegerwaiscu in Charlottenburg. Charlottenburg hat als eine der ersten deutschen Städte die Fürsorge für die Hinterbliebenen unserer ge- fallenen Krieger einheillich und sachdienlich geordnet. Im Ein« Verständnis mit dem Magistrat und dem Charlottenburger Haupt- ausschuß für vaterländische Hilfsarbeit und mit Unterstützung beider hat die Vereinigung der Wohltätigkeitsbestrebungen in ihrer Ge- schäftsstelle Berliner Str. 137(Cecilicnhaus), eine Fürsorge« st ekle für Krieger Witwen und Kriegerwaisen ins Leben gerufen. Die Vereinigung der WohltätigkeilSbestrebungen,— die Zentralstelle für die gesamte private Wohlfahrtspflege in Charlottenburg,— ist seit sechzehn Jahren auf dem Gebiet sozialer Fürsorge tätig und ist dabei in enger Fühlung nicht nur mit allen bestehenden Wohlfahrtseinrichlungen, sondern auch mit der städtischen Verwakiung in Charlottenburg. Die neue Fürsorgestelle, die auch mit den bestehenden Kriegs- Unter- stiltzungskommissionen in ständiger Verbindung bleibt, wird da- durch imstande sein, alle vorhandenen Möglichkeiten für die sich an sie Wendenden nutzbar zu machen, um ihnen durchgreifende Hilfe zu gewähren. Aufgabe der Fürsorgestelle ist es zunächst, die Hinterbliebenen in der Geltendmachung ihrer V e r s o r g u n g s a n sp rü ch e zu unterstützen. Darüber hinaus aber durch Rat und Belehrung, nötigenfalls mich durch Gewährung von Beihilfen(nach den Grund- sätzen der Nationaistiftung für die Hinterbliebenen) die Witwen darin zu unterstützen, einen Berus zu ergraifen und neue Erwerbsmögllch« leiten zu gewinnen, den Waisen aber alle im einzelnen Fall geeignet erscheinenden Bildungsmöglichkeiten zugänglich zu machen, um sie für eine Lebensstellung vorzubereiten, die der deS gefallenen Vaters nicht nachsteht. Die Fürsorgestelle beschränkt diese ihre Tätigkeit nicht auf die Witwen und Waisen solcher Kriegsteilnehmer, die schon bisher eine Kriegsunterstützung erhalten haben. Ihr Rat und ihre Hilfe steht vielmehr jeder Witwe, jeder Waise eines gefallenen Kriegers, insbesondere auch den Witwen und Waisep gefallener Offiziere, zur Verfügung. Die Für- sorgestelle wird aber auch weiteren Angehörigen gefallener Kriegs- teilnehmer, wie Eltern und Geschwistern, geeignetensalls ihren Rat und ihre Hilfe nicht versagen. Die Sprechstunden der Fürsorgestelle finden Montag. Dienstag, Donnerstag und Freitag, nachmittags von 5—7 Uhr, in der Geschäflssielle Berliner Str. 137(Cecilienhaus), 2. Hof, 2 Treppen, statt. Ihr Besuch steht den Augehörigen gefallener Kriegsteilnehmer aus Charlottenburg jederzeit offen. Baugenossenschaft Paradies. Die Arbeiter-Baugenossenschast zu Berlin, E. G. m. b. H., deren Gesckäflsstelle sich in Bohnsdorf bei Grünau befindet, hielt am 27. Juli ihre 13. ordentliche Generalversammlung im Gewerkschafts« hause ab. Aus denr Geschäftsbericht ist folgendes zu entnehmen: DaS ab- gelaufene Geschäftsjahr stand fast vollständig iin Zeichen des Krieges. Infolge dieser außergewöhnlichen Umstände mußte die Vorbereitung eines weiteren großen Bauprojektes zurückgestellt werden. Die Be« denken, daß die Genossenschaft während dieser schweren Zeit nicht In der Lcigs sein werde, Ihren Verpflichtungen pünktlich nachkommen zu können, haben sich erfreulicherweise nicht erfüllt. Wenn auch der Krieg manche unerfreuliche Einwirkung zeitigte, so kann doch gesagt werden, daß die Genossenschaft diese schwere Probe bis jetzt gut überstanden hat. Die Sparkasse entwickelte sich trotz der bei Ausbruch des Krieges großen Arbeitslosigkeit günstig, es sind im Geschäftsjahr über 3000 M. mehr ein- als ausgezahlt worden. Bon einer Aengstlichkeit der Sparer war nichts zu merken. Dahriehne brauchte die Genossenschaft nicht auszuzahlen. Dagegen sind 9000 M. ihr auf längere Jahre zur' Verfügung gestellt worden. Die Einzahlungen auf Pflichtspareinlagen und Geschäiisanleile ließen zu wünschen übrig, es ist dies dadurch zu erklären, daß ein großer Teil der Genossen sich im Felde befindet. Die Mieterückstände haben eine Höhe von 3 903, 4ö M. erreicht, eine Summe, die zu Bedenken keinen Anlaß bietet, da ohnedies der iveitaus größte Teil der Rückstände durch die Einzahlungen der Genossen gedeckt ist. Die Gemeinde zahlt vom 1. Dezember 1914 ab an die Frauen der Kriegsteilnehmer Mietzuschuß, und zwar erhalten kinderlose Frauen und solche mit einem Kind 13 M., mit zwei Kindern 10 M., mit drei Kindern 8 M. und mehr als drei Kindern ti M. pro Monat. Die Genossenschaft hat demgegenüber sich ver- pflichtet, 20 Proz. der zu zahlenden Miete bei den Kriegsteilnehmern nachzulassen. Sie deckt diese Mittel aus einem ihr zur Verfügung stehenden Wohlfahrissonds. Die Finanzlage der Genossenschaft ist eine zufriedenstellende. Am 31. März 1914 betrug das Bankvermögen 9819 M., am 31. März 1913, am Schluß des diesjährigen Geschäftsjahres 42 000 M. Der Gewinn beläuft sich auf 7273,51 M. Die Mitgliederzahl bat sich um 20 verringert, sie beträgt 637 Genossen. Die allgemeine Lage, die auch der Bericht der gesetzlichen Revision als günstig bezeichnet, läßt die Hoffnung zu, daß auch die fernere Zeit gut überstanden werden wird und daß der Krieg eine weitere gesunde Fortentwicklung des gemeinnützigen Unternehmens nicht verhindern wird, wenn die Genossen treu zur Sache halten. Die Staatliche Abnahmcstclle II im Bezirk des Gardekorps, Berlin 17 W 6, Karlstraße 12, nimmt fertige Pakete und Spenden zur schnellsten Beförderung an die Front an. Ein ge- waltigcr Liebesgabenstrom geht tagtäglich hinaus zur Front, zu dem Bruder, dem Gatten, dem Freund. Doch wer gedenkt der Ver- gessenen, der Einsamen? Tausende, die ihr Leben für uns ein- setzen, die nichts bekommen. Es wird gebeten, derjenigen zu ge« denken, die niemanden im Heimailand haben. In allernächster Zeit geht ein Zug unter der Führung des Delegierten der Staatlichen Abnahmestelle direkt zur Armee des Generals von Gallwitz ab. Spenden werden dringend und herzlichst erbeten. Besonderer Bedarf ist an Handtüchern, Taschentüchern, Taschenspiegeln, Taschen- lampcn, Zahnbürsten, Taschenmessern, Schweißpulver, Nähzeugcn, Unterkleidung, Strümpfen, Erfrischungsgetränken, wie leichtem Rot- wein. Mineralwasser, Bier, Brausepulvern, alkoholfreien Getränken, Obst-, Fleisch-, Fischkonserven, Schokolade, Zigarren, Zigaretten und anderem mehr. Eine große Transaktion auf dem Filmmarkt. Wie wir von bestinformierter Seite erfahren, ist zwischen der Projektions-Aktiengescllschaft Union und der Nordischen Film-Kompagnie in Berlin eine Interessengemeinschaft zustande gekommen, an der auch die Oliver-Filmgesellschaft in Berlin beteiligt ist. Bei vollständiger Wahrung der Selbständigkeit jeder beteiligten Gesellschaft ist durch die Kombination die Möglichkeit der Ver- Wertung der Fabrikate der einzelnen Fabriken erhöht und deren Vertrieb durch Schaffung einer Verleihzentrale erleichtert worden. Die U. T. Lichtspieltheater haben sich gleichzeitig als selbständige Gesellschaft dem Oliver-Theaterkonzern, der schon zahlreiche Thealer in Deutschland, darunter die Kammerlichtspiele am Potsdamer Platz, besitzt, angeschlossen. An der Oberleitung dieses Thealerzusammcn- schlusses bleibt die Projektions-Aktiengeselischaft Union nach wie vor beteiligt, indem deren Generaldirektor Davidson dem AufsichtSrat der Gesellschaft angehört, während die Direktion Herrn General- direktor Oliver unterstellt ist._ Im Hotel zu vergiften versuchte sich gestern nachmittag die Lcutnantssrau v. St. aus Küstrin, die am Donnerstag nach Berlin kam und in der Dorotheenstraße abstieg. Angestellte des Hotels vernahmen ein Röcheln, das aus ihrem Zimmer kam. Als sie auf Klopfen leinen Einlaß und keine Antwort erhielten, öffneten sie und fanden den Gast hilflos daliegen. Sie hatte versucht, sich mit Lysol das Leben zu nehmen. Ihr Zustand war so bedenklich, daß man sie nach der Charit« bringen mußte. Ueber die Veranlassung zu dem Schritte verweigert sie die Auskunft. Im Zoologische» Garte» haben die russischen Wisents, die euro- päischen Gegenstücke zu den amerikanischen Jndianer-Bisons, wieder ein Kalb und setzen dadurch die regelmäßige, schon seit langen Jahren hier betriebene Zucht dieser mächtigen Wildrinder fort. Der euro- päische Wisent ist, wie der amerikanische Bison, ein aussterbendes Tier, das sich mit der modernen Kultur nichl vertragt und daher nur noch in dem rnisisch Bjelowjesch, polnisch Bialowiczka genatimen Leibgehege des Zaren in Polen in letzten Resten erhalten hat. Eine zweite Herde, aus der unsere Berliner Wisents stammen, halte der verstorbene Herzog von Pleß in einem seiner oberschlesischen Wild- gehege gezüchtet, die aber auch von der polnischen Hauptherde stammt. — Im Zoologischen Garten ist wieder einmal billiger Sonntag. Das Eintrittsgeld beträgt an diesem ersten August-Sonntage nur 25 Pf. die Person für Erwachsene und Kinder; ebenso für das Aquarium, das von 9 Uhr morgens bis 9 Uhr abends geöffnet ist. Von 4 Uhr nachmittags ab großes Konzert der Zoo-Kapelle unter Leitung des Kapellmeisters und Komponisten Karl Zimmer. Kleine Nachrichten. In der Nacht zum� Sonnabend drangen Einbrecher in die Simons-Apotbeke in der Spandauer Straße ein. Sie erbrachen die Kaste und die Sammelbüchsen des Roten Kreuzes, die m der Apotheke aufgestellt waren, und erbeuteten daraus un- gefähr 200 M.— Voreilige Verzweiflung hat die 22 Jahre alte Ehefrau Frida Lupp, geborene Schäfer, aus der Gitschiner Straße in den Tod getrieben. Der Frau wurde zugetragen, daß ihr Mann im Felde gefallen sei. Ohne erst eine Bestätigung der unverbürgten Nachricht abzuwarten, öffnete sie den Gas- schlauch der Kochmaschine und vergistete sich. Als man sie auffand, war sie schon tot.— In einem Anfalle von Geistes- gestörtheit hat sich eine 49 Jahre alte Frau Anna Lauterer aus der Choriner Straße das Leben genommen. Die geistesschwache Frau, die von ibrem Manne getrennt lebte, mischte Gift in das ibr vom Vaterländischen Frauenverein gelieferte Essen und fand den Tod.— Ans dem Waffer gelandet und geborgen wurden gestern die Leichen des 17 Jahre alten Arbeiters Franz Walkowiak aus der Sprengel- straße 3 und des 6 Jahre alten Knaben Fritz Krawicki aus der Neuen Hochstraße 32/34. Walkowiak ertrank am vergangenen Man- tag beim Baden im Plötzensse, der kleine Krawicli am Dienstag im Nordhafen, nachdem er beim Spielen auf der Seller- brücke vom Geländer herabgefallen war.— Ein töd- licher Unfall hat sich in Lichtenberg ereignet. Der Oljährige Kutscher Franz Heise, der einen mit Schutt beladenen Kastenivage» führte, balte seine siebenjährige Enkelin Grete Waldow aus der Tasdorfer Straße 68 zu sich auf den Wagen genommen. In der Hauptstraße wandte sich das Mädchen auf den Zuruf einer Schulfreundin hastig um, verlor dabei das Gleichgewicht und stürzte vornüber von ihrem Sitz hinab. Die Kleine geriet unter den Wagen und ein Rad des schweren Wagens ging dem bedauernswerten Kinde über den Kopf hinweg, so daß der Tod fast auf der Stelle eintrat. /ins öen Gemeinden. Aus der Gemeindevertretung Niederschöneweide. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung wurde ein An- trag des Borstandes, den Beamten und Arbeitern eine Teuerungs- Zulage zu gewähren, einstimmig angenommen. Den Arbeitern soll widerruflich vom 1. Juli 1913 bis 31. März 1916 pro Tag 0,25 M. und den Beaiilteir 20 M. pro Monat gewährt werden.- Die Ab- rechnung der Gasanstalt brachte einen Ueberschuß von 8452 M.— Ein Antrag des Lehrers Bartsch, der Jugendkompagnie am Orte für Ausrüstung und Bekleidung 900 M. zu bewilligen, gab zu reger Aussprache Veranlassung. Von unseren Vertrelern wurde die Ablehnung mir der Begründung beantragt. daß die Interessenten und die Eltern der jungen Leute die Kosten tragen sollten. Gegen die Stimmen unserer Genossen wurde be- schloffen, aus dem mit 400 M. eingestellten Erat für Jugendpflege 200 M. zu entnehmen und außerdem noch 300 M. ans Gemeinde- mittein zu bewilligen.— Ein Antrag des Vorstandes, bei An- gestellten, welche volles Gehalt beziehen und im Heeresdienst als Osfizierstellverlreter fungieren, sich den staatlichen Grundsätzen an- zuschließen, wonach sieben Zehntel des Dieilsteinkommens gekürzt werden können, wurde einer Kommission überwiesen. Ein anderer Antrag des Borstandes, die im Heere dienenden Angestellten, die volles Gehalt beziehen, zur Steuer heranzuziehen, wurde einstimmig angenommen.— Eiir Antrag der Gemeinde Adlershof, bei der hinter Neptunshain über die Oberspree zu erbauenden Eisenbahn- brücke eine Fußgängerbrücke einzubauen und zu unterhalien, wurde abgelehnt, da ein erhebliches Interesse für den Ort nicht vorliegt. Gerichtszeitung. Muß das Herstellungsdatum auf Roggenbrot gestempelt sein? Herr Zacharias, der Geschäftsführer der Berliner Großbäckerei von Blottner, war wegen Ucbertretung der Bundesratsverordnung vom 3. Januar 1915 und der Verfügung des preußischen Handels- Ministers vom 8. Januar 1915 angeklagt worden, weil man im Betriebe Roggenbrot im Gewicht von über 50 Gramm ohne das Datum der Herstellung vorgefunden hatte. Der Angeklagte machte einen Notstand geltend, indem er be- hauptete, die maßgebende Brotstempelsabrik sei infolge von Ueber- Häufung mit Aufträgen trotz rechtzeitiger Bestellung nicht in der Lage gewesen, rechtzeitig den Stempel zu liefern. Das Landgericht II verurteilte jedoch den Angeklagten zu einer Geldstrafe. Das Kammergericht verwarf jetzt seine Revision mit folgender Begründung: Die Behauptung eines Notstandes sei nicht begründet. Die Verfügung des Handelsministers schreibe gar nicht vor, daß das Herstellungsdatum auf das Brot aufgestempelt werden müsse. Sie besage nur, daß auf Noggegnbrot im Gewicht von mehr als 50 Gramm der Tag der Herstellung kenntlich gemacht werden müsse. Wie das zu geschehen habe, sei also nicht bestimmt. Es brauche nicht durch Stempel erfolgen, wie auch schon das Landgericht aus- geführt habe, indem es meinte, es genüge unter Umständen die Herstellung durch Einritzen in den Teig. Das Ende der Schulpflicht in Schleswig-Holstein und die Dissidentenkinder. Ein Strafverfahren wegen Schulversäumnis, das nicht nur für Schleswig-Holstein, sondern auch für d i e Gegenden der Provinz Hannover von Bedeutung ist, wo das Ende der Schulpflicht an die Konfirmation geknüpft ist, beschäftigte das Kammergericht als höchste Instanz. Nach§ 65 der alten Schleswig-Holsteinischen Schulordnung vom 24. August 1814 hört die Schulpflicht mit der Konfirmation auf. Nach früheren Entscheidungen des Kammergerichts tritt unter der Herrschaft eines derartigen Schulrechts für Dissidentenkinder, die nicht konfirmiert werden, an Stelle der Konfirmation der Zeit- Punkt, wo, wenn sie der Kirche noch angehörten, die Konfir- mation eintreten würde. Davon ist das Kammer- gericht jetzt abgegangen. Der Bierfahrer Köhn ans Doggenhuden war angeklagt worden, weil er seine Tochter, die gleich ihm der Kirche nicht angehörte, nicht bis zum vollendeten 15. Lebensjahre in die Schule geschickt habe. Sie sei zwar nicht konfirmiert und würde auch nicht konfir- miert werden, müßte aber bis zum vollendeten 15. Lebensjahr die schule besuchen, weil sie dann erst, falls sie der Kirche noch an- gehören würde, ein Recht aus die Konfirmation erlangt hätte. Das Landgericht in Altona stellte sich, unter Beachtung der früheren Judikatur des Kammergerichts, auf denselben Stand- Punkt und verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe.(Zur Zeit der angeblichen Straftat war das Mädchen über 14 Jahre alt.) Das Kammergericht hob das Urteil auf und sprach den An- geklagten frei. Begründend wurde ausgeführt: Die Schulordnung für Schleswig-Holstein schreibe im§ 65 vor, daß die Schulpflicht bis zur Konfirmation dauere. Hier, wo das Kind der Kirche nicht angehörte, kam eine Konfirmation nicht in Frage. Nun sei ja das Kammergericht früher davon ausgegangen, daß in solchen Fällen entscheidend sein solle der Zettpunkt, zu dem das Kind üblicherweise konfirmiert worden wäre, wenn es der Kirche an- gehören würde. Das Kammergericht sei aber jetzt anderer Auffassung. Es meine, daß mit der geltenden Gesetzgebung sich die frühere Ausfaffung des§ 65 der Schleswig-Holsteinischen Schul- ordnung(und gleichartiger Vorschriften) nicht in Einklang bringen laess. Jene Auslegung liefe aus eine Ergänzung des alten Schul- gesetzes durch den Richter hinaus, die unzuläffig wäre. Somit könne in Fällen der vorliegenden Art eine Verurteilung auf den § 65 der alten Schleswig-Holsteinischen Schulordnung nicht gestützt werden. Daher müsse Freisprechung des Angeklagten erfolgen. Der Kriegesbuchmacher. Vor der Ferienstrafkammer finden jetzt fast täglich die Verhandlungen gegen die Buchmacher statt, welche, wie seiner- zeit mitgeteilt, bei Beginn der Kriegsrenn-„Gezeit" in Massen auf den Rennbahnen aufgetaucht und von der Polizei festge- nommen wurden. Einer dieser„Kriegsbuchmacher", der Privatier Adolf Richter, hatte sich gestern vor der Ferienstrafkammer des Landgerichts III unter der Anklage des gewerbsmäßigen Glücksspiels und des Haus- friedensbruchs zu verantworten.— Der Angeklagte ist schon drei- mal, zuletzt im Jahre 1908, mit empfindlichen Gefängnisstrafen wegen Buchmachcns vorbestraft. Nach seiner letzten Bestrafung wurde ihm das Betreten der Rennbahn Hoppegarten verboten. Als zu Pfingsten die ersten Kriegsrennen stattfanden, steckte R. sich mehrere hundert Mark ein und fuhr nach Hoppegarten hinaus. Hier hatte er das Pech, beim besten Wettgeschäft von der Polizei gestört zu werden, die ihm auch gleichzeitig die bei ihm vorge- fundenen 383 M. abnahm. Das Gericht kam zu der Verurteilung des R. zu 3 Tagen Gefängnis und 39 M. Geldstrafe. Mus aliee Welt. Eine französische an eine deutsche Mutter. Aus Waldenburg i. Schl. wird berichtet: Ein sprechendes Zeugnis dafür, daß der französische Revanchegedanke durchaus nicht alle Franzosen und— Französinnen erfüllt, ist ein Brief, den eine Frau in All-Lassig erhielt, deren Sohn längere Zeit bei einer fran- zösischen Famsiie in H.-L. in Unterkunft gewesen war. Dieser Brief einer französischen an eine deutsche Mutter hat in der Uebersetzung folgenden Wortlaut: „H.-L.. 3. Juli 15. Liebe Frau I Entschuldigen Sie, bitte, die Freiheit, Ihnen zu schreiben. Es ist ein Versprechen, das ich Ihrem Sohne Franz gemacht habe, ehe er abreiste. Er hat mich gestern Verlaffen in der Hoffnung, in 12 Tagen wiederzukommen, was ich von ganzem Herzen wünsche. Ich habe ihn 14 Tage im Oliariier gehabt und kann ihn nur loben wegen seiner Güte und Höflichkeit. Ich beglückwünsche Sie dazu, einen so gut erzogenen Sohn zuhaben. Er har mir von Ihnen erzählt, von seinem Bruder, der gegen die Russen kämpfe, und von seiner Schwester. Seit neun Monaten habe ich Soldaten im Quartier. Ich empfinde keinen Haß gegen einen Deutschen; denn wir Mütter und Galtinnen find die Opfer des Krieges, und wenn das Unglück kommt, so werden wir, deutsche und französische Frauen, nur Augen haben, um zu weinen. Wie Sie, liebe Frau, habe ich meinen Gatien und meine Brüder im Kriegs und seit neun Monaten keinen Brief mehr von ihnen erhalten. Wir sind sehr zu bctlagen. Glanben Sie mir, daß mein Dasein nicht fröhlich ist. Augenblicklich haben wir nur noch die Hoffnung, die uns leben läßt. Ich schließe meinen Brief, liebe Frau, indem ich von Herzen wünsche, meinen(Aallen wiederzusehen und Sie Ihren Sohn, denn dieser Krieg ist sehr traurig. Wir sind nicht zu tadeln, sondern nur zu beklagen. Empfangen Sie die besten Grüße von einer französischen Frau." Eine Kartoffelschlacht. Aus Königshütte in Oberschlesien wird der„Breslcmer Volks- wacht" geschrieben: Wie weit die Erbitterung unserer Hausfrauen gegen die Teuerung und unberechtigte Preistreiberei schon gediehen ist, kam Mittwoch auf unserem Wochenmarkte drastisch zum Ausdruck. Als die erschienenen Käuferinnen feststellen mußten, daß für ein Viertel Kartoffeln 1,60 M. verlangt wurde, während tags vorher in Beuthen dasselbe Quantum für 1.20 M. zu erwerben war, machte sich die Entrüstung gleichsam explosionsartig Luft. Schimpfworts und Drohungen auf der einen Seite, höhnisdbe Erwiderungen von der anderen Seite waren zunächst nur die Einleitung zu der be-- ginnenden Schlacht. Binnen wenigen Augenblicken ging man aber zur wirksamen Aktion über. Handgranaten, pardon: Handtaschen klatschten den überraschten Verkäufern und Verkäuferinnen rechts und links um die Ohren, daß es nur eine Art hatte. Als der „Feind" sich in eine„gesicherte Position" hoch aus dem Kartoffel- wagen zurückzog, waren im Nu die Wagenbretter rechts und links herausgezogen, so daß polternd und kollernd der Strom der nahr- haften Knollen sich über die Umgebung ergoß, während unter dem dahinschwindenden Kartoffelvorrat die Bäuerin gleichsam in einer Versenkung zu verschwinden schien. Merkwürdigerweise schien der so plötzlich entfesselte Kartofselstrom unmittelbar im Erdboden zu verschwinden. Denn als die„neutrale Altacht" in Gestalt einiger Polizeibeamten schließlich mit vieler Mühe den Frieden wieder hergestellt hatte, waren die unschuldigen Objekts der Kartoffel- schlacht spurlos versck'wunden. Sie schienen zu einem erheblich billigeren Preis als zuerst angeboten an den Mann oder besser an die Frau gebracht worden zu sein. Tie Sprache wieder gefunden. Der Künstler Erich Orlhinann, Kapellmeister am Stadttheater in Barmen, der in einer Schlachr durch einen Nervenchoc die Sprache verloren hatte und sich zurzeit im Krankenhauslazareit in Waldsee befindet, dirigierte gestern abend im Schulhaus einen gemischten Liederkranzchor zu dem auf nächsten Sonnlag geplamen Konzert zugunsten des Roten Kreuzes. Bei einer Forrisfimostelle, wo er die Söngerschar zum kräftigen Herausrücken mir den Slimmen ver- anlassen wollte und erregt einige unartikulierte Laute von sich gab, platzten aut einmal regelrechte Worte berauS, und er konnte wieder reden. Die Freude seiner anwesenden Multer, Schwester und Brauk, die als Künstlerinnen von einer Wohltätigkeilskonzertreise von Belgien kamen, ihren Sohn besuchten und am Sonntag das Konzert gaben, war unbeschreiblich._ Die Verletzung des Hauptmanns. Wir lesen in der Liller Kriegszeitung: Der Bursche eines Hauptmanns hat der„Gnädigen" vor'm Ausrücken ins Feld in die Hand versprochen, ihr sofort Nach- richt zu geben, wenn dem Hauptmann etwas zustoßen sollte. Dieser wird nun eines Tages durch einen Schuß durchs Gesäß verwundet. Getreu seinem Versprechen schreibt der Bursche der„Gnädigen" eins Feldpostkarte, deren Inhalt er bei der etwas schwer in salon- fähigem Deutsch auszudrückenden Art der Verletzung folgender- maßen abgefaßt:„Ich teile der Frau Hauptmann hierdurch mit, daß der Hauptmann einen Schuh durch beide Backen erhalten hat. Gesicht unverletzt!"_ Parteiveranstaltungen. Lankwitz. Mittwoch, den 4. August, abends 8V, Uhr, Mitglieder- v eriammlung bei Giegl. Ecke Seydlitz« und Kaiser-Wilhelm-Swaße. Tage?. ordmmg; Vcrtreterwabl. Britz-Buckow. Mittwoch, den 4. August, abends 8'/, Uhr, findet im Lokal von Westial, Rudower Str. 6C/67, eine außerordentliche Gcncral- vcrsammlung statt. Tagesordnung: Wahl der Delegierten zur Kreis- konierenz urid Fortsetzung der Tagesordnung. Der Zahlabend fällt dasür aus. Mitgliedsbuch legitimiert. ßrauenveranftaltungen. ZNederkchöiieweide. Der Frauenlcseabend findet am Mittwoch, den 4. August, abends 8'/, Uhr, im Restaurant von Bengsch, Britzer GW. 17, statt. Reserentin: Genossin R h n e ck„Mannschasts- ünd Hinterbliebenen- Versorgung"._ ßerienveranftaltungen. Mariendorf. Dienstag, den 3. August, Ausflug nach Blankenfelde. Treffpunkt 8'/, Uhr vormittags am RatbauS. Abmarsch pünktlich 9 Uhr nach Bahnhos Marienjelde. Mundvorrat und Trinkbecher sowie 10 Pf. Fahrgeld sür Kinder unkcr 10 Jahren sind mitzubringen. Freilag. den 6. August, nachmittags 2 Uhr, Spaziergang zu Fintel(Blanke Hölle). Mundvorrat ist mitzubringen. Biederichönhausen— Skordend, Dienstag, den 3. August, Familien- ausstug verbunden mit Kinderspielen nach Wilvelmsruh, Kafseekochen beim Genossen Milbrodt daselbst. Abmarsch Sfl, Uhr von der Kirche. Gäste will- ommen. Zahlreiche Beteiligung erwartet die Spielleitung. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marktballcn-Direltion über den Großhandel in den Zentral-Markthallen.(Ohne Verbindlichkeit.) Sonnabend, den 31. Juli 1915. Fleisch: Rindfleisch per 50 irx:, Ochien- fleisch la 110-122, do. IIa 95—110, do. lila 90—95; Bullenfleisch la 100—110, do. Ha 80—100; Stühe, fett 85— 100, do. mager 78—85, do dänische 00—00, Fresser 85—95. Fresser, Holl. 00—00, do. dänische, 00—00; Bullen, dänische. 00—00. Kalbfleisch, Doppcllender 145—165; Mastkälber la 115—120, do. IIa 100—114; Kälber ger. gen. 75—95, do. dän. 80— 90. Hammelfleisch: Mastlämmer 130—133: Hammel la 125—129, do. IIa 115—124; Schafe 115—125; Holl. 90— 95; dän. 00,00. Schweinefleisch, Schweine, fette 00— 00, ionstigc 145—162, dän. Schweine 135— 140, do. schwedische 135— 140, do. holländische 00— 00. Gemüse. inländisches: Kartoffeln, Nieren- 50 kg 8—9,00, weiße Kaiserkronen 7—8, Magdeburger, blaue 8,00— 9,00. Sellerie Schock 3.00— 8,00. Porree, Schock 1,25—1,50; Lpiual 50 kg 12,00—16,00; Meerrettich, Schock 6,00— 10,00; Peter silienwurzei,«chockbund 4,00— 6,00; Radieschen, Schockbund 1,25— 1,50; Rbabarber, hiesige; 100 Bund 3,50. Tomaten, Gor- gaster 50 kg 35,00 bis 45,00. Zwiebeln, neue 50 kg 20—25. Salat, Schock 2,00— 1,50. Rettiche, baherliche, 100 Stück 10—15, do. hiesige Scheck 2— 3. Kohlrabi, Schock 0,80— 1,75.«choten, hiesige. 50 kg 35,00— 40,00, Mohrrüben, Schockbund 3,00— 4,00, do. 50 kg 9— 11,00. Weißkohl, Schock 7—16; do. 50 kg 7—8. Rotkohl, Schock 8—16; do. 50 kg 8—9. Wirfingkohl. Schock 8,00—10,00. Kohlrüben, Schock 4,00—8,00. Grüne Bohnen, 50 kg 12,00— 16,00; Pnffbohnen 50 kg 10,00— 12,00; Wachsbobnen 50 kg 14—25. Obst und Südfrüchte: Kirschen, Wcrdersche 50 kg 0,00, do. schlcsische 50 kg 14,00—20,00. do. Knupper- 50 kg 25,00—35,00, do. saure 50 kg 12,00—24,00, do. Thüringer 50 kg 18—22, do. Natten 50 kg 30—40. Aepscl, Amerikaner, Kiste 25—30, Tiroler 50 kg 32—38, hies. 50 kg 16—30. Birnen, Tiroler 50 kg 30—32, hics. 14—25. Pflaumen, hiesige 50 kg 30—40, Ungar. 50 kg 20—24, Pfirsiche, hiesige 60 kg 40—80. Stachelbeeren, reise 50 kg 15—25. Johannisbeeren 50 kg 15—22. Blaubeeren 50 kg 18—30. Himbeeren 50 kg 40—50. Zitronen: Messtna 300 Stück 26—32. do. 360 Stück 23—29, do. 150 Stück 12—14, do. 50 kg 12—15, do. 160—200 Kiste 18—19, Murcia 200 Kiste 10—16, do. 300 Kiste 18—22, do. 300 kg 22-25.