Nr. 213. 32. Jahrg. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pränumerands: Bierteljährl. 3,30 ML, monatl. 1,10 ML wöchentlich 25 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Big. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt" 10 Bia. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Bost Beitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2.50 Mart, für das übrige Ausland Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Solland, Italien, Quremburg, Bortugal Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich. Vorwärts Berliner Volksblatt. 5 Pfennig Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 60 Pfg., für bolitische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Bort 20 Pig.( zulässig 2 fettgedruckte Borte), jedes weitere Wort 10 Pig. und Stellengesuche Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes meitere Wort 5 Bfg. Morte über 15 Buch. staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: Sw. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morigplak, Nr. 151 90-151 97. Mittwoch, den 4. August 1915. Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 151 90-151 97. Die Ruffen in Südpolen weiter nach Norden abgedrängt. Meldung des Großen Hauptquartiers. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 3. August 1915.( W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplah. Die am 30. Juli bei Hooge geuommene englische Stellung ist entgegen dem amtlichen Bericht des englischen Oberbefehlshabers vollständig in unserer Hand. In der Champagne befesten wir nach erfolg reichen Sprengungen westlich von Perthes und westlich von Souain die Trichterränder. In den Argonnen wurden nordwestlich von Le Four de Paris einige feindliche Gräben genommen und dabei 60 Gefangene gemacht. Bei dem gestern gemeldeten Bajonettangriff sind im ganzen 4 Offiziere, 163 Mann gefangen genommen und 2 Maschinengewehre erbeutet. In den Vogesen ist bei den Kämpfen in der Nacht bom 1. zum 2. August cin kleines Grabenstück am Schramännle( zwischen Lingekopf und Barrenkopf) an den Feind verloren gegangen. Am Lingefopf ist ein am 1. und 2. August vollständig zusammengeschossener Graben von uns nicht wieder besetzt worden. Ein vom Gewittersturm losgerissener franzöñicher Feffelballon ist nordwestlich von Etain in unsere Hände gefallen. Deftlicher Kriegsschauplah. Bei den Kämpfen in der Gegend von Mitau murden 500 Gefangene gemacht. Deftlich von Poniewicz gab der Gegner, zum Teil aus mehreren Stellungen geworfen, den Widerstand auf und zog in östlicher Richtung ab. Unsere Truppen haben die Straße Wobolniki- Subocz überschritten. Gestrige Gefangenenzahl hier 1250 Mann; 2 Maschinengewehre wurden erbeutet. In Richtung auf Lom za wurde unter erfolgreichen Kämpfen Raum gewonnen. Rund 3000 Russen wurden gefangen genommen. Im übrigen fanden auf der Naremfront und vor Warschau kleinere, für uns günstig verlaufene Gefechte statt. Unsere im Osten zusammengezogenen Luftschiffe unternahmen erfolgreiche Angriffe auf die Bahnlinien östlich von Warschau. Südöstlicher Kriegsschauplah. Generaloberst v. Wohrsch hat mit seinen deutschen Truppen die Brüdenkopfstellung am Ost. ufer der Weichsel erweitert. Es wurden 750 Gefangene gemacht. Die ihm unterstellten österreichisch. ungarischen Truppen des Generals v. Koeves border Westfront bon Jwangorod erreichten einen durchschlagenden Erfolg. Sie machten 2300 Gefangene und erbeuteten 32 Geschüße, darunter 21 schwere, und 2 Mörser. Amtliche Bestätigung der Kapitulation der Schuhtruppe von Deutsch- Südwestafrika. Vor den Armeen des Generalfeldmarshalls Freihandel und wirtschaftlicher v. Mackensen hielt der Gegner gestern noch in der Linie Nowo- Alexandrija- Leuczna- Zalin( nordöstlich von Cholm) stand. Am Nachmittag wurden seine Linien östlich von Lenczna und nördlich von Cholm durchbrochen. Er begann deshalb auf dem größeren Teil der Front in der Nacht seine Stellungen zu räumen, nur an einzelnen Stellen leistet er noch Widerstand. Destlich von Lenczna machten wir gestern 2000, zwischen Cholm und Bug am 1. und 2. August über 1300 Gefangene; mehrere Maschinengewehre wurden erobert. Oberste Heeresleitung. Der österreichische Generalstabsbericht. Wien, 3. August.( W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 3. August 1915. Russischer Kriegsschauplas. Die Kämpfe zwischen Weichsel und Bug dauerten auch gestern den ganzen Tag in unverminderter Heftigkeit und führten wieder zu Erfolgen. An der ganzen Front gedrängt, bei 2 enczna und nordwestlich Eholm neuerlich durchbrochen, wich der Feind heute in früher Morgenstunde fast überall aus den gestern hartnäckig verteidigten Linien abermals gegen Norden zurüd. Unsere Truppen verfolgen. Lenczna ist genommen. Die westlich Zwang prod eingenisteten Russen nahmen unter dem Eindruck unseres am 1. August errungenen Sieges ihre Linien zum größten Teil gegen den Festungsgürtel zurück. Nordwestlich Jwangorod haben die Deutschen eine breite, der Weichsel vorgelagerte Waldzone unter erfolgreichen Gefechten durchschritten. In Ost galizien feine Aenderung. Italienischer Kriegsschauplas. Im Küsten lande herrschte gestern vom Krn bis zum Brückenkopf von Görz fast völlige Ruhe. Den Plateaurand von Polazzo griffen neuerlich starke italienische Kräfte an. Fünfmal stürmte der Feind gegen unsere Infanterie, die östlich des Ortes und am Monte dei sei Busi heldenmütig standhielt. Jedesmal wurde der Angriff vom zähen Verteidiger nach schwerem Kampfe zurückgeschlagen. Die Italiener erlitten große Verlufte. Weitere Verstärkungen, die sie zum nochmaligen Vorgehen sammelten, wurden durch Artillerie überraschend beschossen und zersprengt. Während dieser Kämpfe standen die anderen Abschnitte des Plateaus unter starkem feindlichen Artilleriefcuer. An der Kärntner Grenze versuchte der Feind unter dem Schuße dichten Nebels einen Sturmangriff gegen den Cellon ofel( östlich vom Blöcken); fein Unternehmen scheiterte völlig. Im übrigen an dieser Front nichts Neues. Im Gebiete des Monte Cristallo stieß eine unserer Offizierspatrouillen auf eine etwa 60 Mann starfe gegnerische Abteilung. Der Feind verlor im kurzen Geplänkel 29 Mann. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: von Höfer, Feldmarschalleutnant. wort frei im Schuhgebiet bleiben. Die aktive Schußtruppe, noch rund 1300( dreizehnhundert) Maun starf, behält die Gewehre und wird an einem noch zu bestimmenden Plaze im Schutzgebiet fonsentriert. ( gez.) Seis.( gez.) Franke. Zweibund. Die Frage der wirtschaftlichen Annäherung zwischen Desterreich und Deutschland hat eine neue Bearbeitung gefunden. Professor Jastrow nimmt in einer Broschüre: Die mitteleuropäische Zollannäherung und die Meistbegünstigung"( 3mischen Krieg und Frieden, Heft 26, S. Hirzel, Leipzig, Preis 80 Pf.) dazu Stellung. Jastrow hält den Gedanken eines Zollvereins für unerfüllbar. Eine völlige wirtschaftspolitische Gemeinschaft und Einheit wäre nur dann herzustellen, wenn Desterreich und Deutschland sich zum Freihandelsprinzip bekennen würden. Ein solches Zollbündnis begegnet aber unüberwindlichen Schwierigkeiten, solange hohe Schußzölle für den wichtigsten Punkt der Handelspolitik erflärt werden". " " Selbst der Gedanke von„ Vorzugszöllen", die sich Deutschland und Desterreich gewähren würden, muß daran scheitern, daß bei dem bis jetzt allgemein geltenden System alle wichtigen Kulturstaaten sich gegenseitig das Recht der„ meistbegünstigten Nation" zugesichert haben, d. h. zollpolitische Vergünstigungen kommen automatisch allen meistbegünsfigten" Ländern zu, sobald sie irgend einem Land eingeräumt werden. Nun ist gelegentlich wohl behauptet worden, daß besondere Vorzugsrechte" nicht unter den Begriff der Meistbegünstigung" fielen. Aber diese Trennung von Borzugsrecht“ und„ Meistbegünstigung" ist durchaus willfürlich und bestritten und mit Recht betont Jastrow:„ Vollständig ausgeschlossen muß es erscheinen, in eine politische Situation, wie sie nach dem Friedensschlusse sein wird, den Zündstoff einer derartigen wirtschaftlichen Streitfrage hineinzuwerfen. Schon die bloße Erörterung dieser Möglichkeit ist politisch von der Hand zu weisen." Der Weg, dem befreundeten Nachbarstaat Vorzugsrechte einzuräumen, ist aber ( formal) nur möglich, wenn alle Handelsverträge gefündigt. werden und Desterreich von der neuen Meistbegünstigungsklausel ausdrücklich ausgenommen wird. Es würde sich also darum handeln, nicht nur beim Friedensschluß den gegnerischen Staaten die Bedingung einer zollpolitischen Bevor-. zugung Desterreichs durch Deutschland aufzuzwingen, sondern durch Vertrag auch die neutralen Staaten zur Anerkennung des neuen handelspolitischen Grundsatzes der „ Vorzugsrechte" zu bewegen. Bei vorsichtiger Fassung der Klausel ließe sich nach Jastrom auch die Türkei und vielleicht sogar dieser oder jener Staat Mitteleuropas in das System der Vorzugsrechte" einbeziehen. Das würde natürlich zu einem zollpolitischen Stamp fb und gegenüber dem Vierverband führen. Welche Gefahren darin liegen, haben wir an dieser Stelle wiederholt geschildert. Jastrow fürchtet ähnliches und deshalb ermahnt er: " ,, Alle Erfahrungen sprechen dafür, daß die Völker, wenn sie den Kampfplak verlassen, gut daran tun, sich den Weg zu handelspolitischen Eifersüchteleien selbst zu verlegen. Denn die Versuchung, den Rest von Wut und Haß, der unausgetobt geblieben ist, bei jeder nur möglichen handelspolitischen Veranlaffung in seiner ganzen Wildheit wieder zu beleben und nicht nur gegen das andere Volk, sondern gegen das richtig berstandene Interesse des deutschen Volfs selbst wüten zu lassen, diese Versuchung wird sehr groß sein, und die Staatsmänner der Zukunft werden es in späteren handelspolitischen Verhandlungen leichter haben, den ein für allemal gesperrt ist. Bei zufünftigen handelspoliBerlin, 3. Auguft.( W. T. B.) Seiner Majestät dem Kaiser tischen Verhandlungen mit den Nationen, die bis zum Friedensschluß unsere Feinde waren, sollen wir uns durch haben der Gouverneur von Deutsch- Südwestafrika Dr. Seit und London, 3. Auguft.( W. T. B.)„ Daily News" schreibt in nichts leiten lassen, als durch unser Interesse. Jede Beider Kommandeur der Schuztruppe Oberstleutnant Franke durch einem Leitartikel: Bothas Plan, Deutsch- Südwestafrika der Süd- mischung von Haz und Groll, von Erinnerung an frühere Vermittelung der Botschaft der Vereinigten Staaten von Nord- afrikanischen Union einzuverleiben und zu kolonisieren, würde zweifel- Gegensäglichkeit oder von dem Verlangen, einen neuen Wideramerika nachstehende telegraphische Meldung erstattet: los ein großes, einiges und gedeihendes Südafrika schaffen, aber spruch zu betonen, muß den Blick für das wirtschaftliche Internenn auch die Verfügung über Südwest ein isoliertes Problem ift effe trüben. Aber in den Verhandlungen der Parlamente Euerer Majestät melden wir alleruntertänight, daß wir ge- im Vergleich mit der großen Regulierung, die dem Kriege folgen und in literarischen Erörterungen werden alle Gebiete der zwungen waren, den Rest der bei Korab zwischen Otavi und muß, so wirft es doch Fragen auf, die viel genauere Erwä- Politik von demselben Temperament beherrscht, und die Tsumeb vom Feinde mit vielfach überlegenen Kräften einge- gungen heischen, als sie sie bisher bei den Kriegführenden fanden. Handelspolitik pflegt davon nicht ausgenommen zu werden. schloffenen Schutztruppe, in Stärke von rund 3400( dreitausend- Es wird allgemein zugestanden, daß die Dominions bei den end- Diese Ausnehmung zu sichern, gibt es nur ein Mittel: ein vierhundert) Mann an General Botha zu übergeben. Jede Aus- gültigen Entscheidungen eine Stelle neben dem Mutterlande einnehmen für allemal auszusprechen, daß die Staaten, die ihren sicht auf erfolgreichen Widerstand war ausgeschloffen, da, nachdem müssen. Aber welcher Grundjaz soll ihr Vorgehen betreffs der Ge- Frieden schließen, sich handelspolitisch gegendie Orte Otavi, Gaub, Grootfontein, Tsumeb, Namutoni vom biete regeln, die die eigenen Truppen gewonnen haben? Die Frage feitig nicht schlechter behandeln werden als alle Feinde genommen, wir von unserer Verpflegungsbasis abgeschnitten betrifft sowohl Südafrika als auch Australien und Neuseeland, die die Staaten der Erde, die in diesem Kriege neutral ge= waren, und jeder Versuch eines Durchbruchs bei dem herunter- deutsche Gebiete besetzt haben. Man muß die Frage ins Auge fassen, blieben sind." zumal sie auch die Verbündeten angeht. Wenn deutsche Kolonien In einem weiteren Kapitel weist Jastrom im einzelnen. gekommenen Zustand der Pferde, für die feit Monaten kein Hafer infolge der Arbeitsteilung zwischen den Mächten des Dreiverbandes nach, wie gefährlich es vom Standpunkt der eigenen handelsmehr vorhanden, unmöglich war. Alle Personen des Beurlaubten in den Schoß Englands und der Kolonien gefallen sind, so darf politischen Interessen ist, in das System der Meistbegünstistandes und des Landfturms, auch die in Südafrika kriegsgefange- doch das Ergebnis nicht als vollendete Tatsache gung ein Loch zu reißen. Denn wenn wir einem Lande einen nen, werden auf ihre Farmen und zu ihren Berufstätigkeiten ent- von den Erörterungen bei der endgültigen Aus- höheren 3oll auferlegen als einem anderen, so werden wir laffen. Offiziere behalten Waffen und Pferde, können auf Ehren- leinandersetzung ausgenommen werden. auch zu gewärtigen haben, daß man unsere Waren Das Schicksal der deutschen Kolonien eine richtigen Weg zu finden und zu zeigen, wenn diefer Abweg Frage des Gesamtfriedens. „differenziert und sie dadurH in jenen Ländern konkurrenz- unfähig macht. Tic Gewährung der Meistbegünstigung ist daber nie ein Geschenk, sondern stets eine Maßnahme im wohl- verstandenen eigenen Interesse:„Auch ist der Sinn der Meistbegünstigungsklauscl nicht etwa Gutmiitigkeit gegen andere Staaten, sondern die aus der Erfahrung geschöpfte Ueberzeugung, daß alle Verhandlungen zweiseitig sind, und daß die Versuche, den Partner nachträglich übers Ohr zu hauen, ebensooft dazu führen, von ihm übers Ohr gehauen zu tverden." Soweit wird inan dein Gedankengang Professor I a st r o w s zustimmen können. Aber plötzlich lvirft Jastrolv im Schlußkapitcl alles das über den Hänfen, Ivos er vorher entlnickelt hat. Jastrow ist Vertreter der Freihandels- Theorie und die Anerkennung des Meistbegünstigungssystenis wuß als eine JK i n d e st forderung der Freihändler an das System des Schutzzolls betrachtet»verden. Aber Jastrow bekommt es fertig, eine„Ergänzung" des Meistbegünsti- gungssystems zu fordern. Da der Wunsch nach Bevorzugung der habsburgischen Monarchie allgemein sei und eine Bevor- zugung nur auf handelspolitischem Gebiet ausfindig gemacht »verden könne, so muß inan— folgert Professor Jastrow kühn—„weiter anerkennen, daß unsere Handelspolitik in gelvissem Uinfange Schutzzölle nötig hat, bloß uni sie Oesterreich-Ungarn gegenüber herabmindern zu köniren"! So macht Jastrow seine eigenen Argiiknente illusorisch. Dabei spart er sich die Untersuchung der Frage, ob die Einräumung einer Vorzugsstellung an Oesterreich»virklich notwendig ist, und auch der Frage, ob nicht neben einem militärischen Bünd- nis die Verabredung der gleichen Arbeiterschutzgesetzgebung, des gleichen Straf- und Zivilrechts, gleicher Münzlvährung usw. einem solchen Zwecke viel besser dient. Ja, Professor Jastroiv geht in seiner Kapitulation vor dem Schutzzoll noch weiter. Er glaubt, der Krieg habe es„wenigstens für eine aus- gieb ig bemessene Uebergangszeit unmöglich gemacht, bei Wiederaufnahme der Handelspolitik mit glatt freihändle- rischer Argumentation aufzutreten." Die Krönung des— Umlernens bilden aber folgende Sätze: .Prinzipiell sehe ich nur einen einzigen Punkt, in dem der Freihandel aus dem Arsenal seines Gedankenschatzes einen Beitrag zur zukünftigen Handelspolitik liefern kann. Dieser Punkt ist die Reistbegünstigung. Entschließt sich der Freihandel im Interesse des Zustandekommens einer mitteleuropäischen Handelspolitik, die Ausnahmslosigkeit der M ei st- begünstigung fallen zu lassen, so gewinnt er mit dieser Modifikation die Möglichkeit, das Prinzip wenigstens deschränkt in die Zukunft h i n üb e r z u r e t t e n." Also ich rette ein Prinzip, indem ich es freiwillig— fallen lasse. Das ist wirklich echt— liberall Wenn Jastroiv zur Entschuldigung anführt, der K r i e g habe über den Frei- Handel entschieden, so übersieht er dabei, daß nach frei- händlerischer Auffassung der Krieg teillveise auf zollpolitisch.' Differenzen zurückzuführen ist. Jeder gefestigte Freihändler würde den Nachiveis führen, daß der Sieg des Schutzzolls über den Freihandel»nit zum Kriege geführt hat und ivürdc deshalb die Beseitigung des Schutzzolles erst recht für not- wendig erachten. Wir halten es jedenfalls mit den Schluß- sähen Jastrows— ohne sie aber irgendlvie einzuschränken: „O h n e das Prinzip der Meistbegünstigung wird in Zukunft jeder neue Handelsvertrag eine Quelle neuer Streitigkeiten sein: m i t diesem Prinzip sind wir im- stände, in Handelsverträgen die Einsatzpunkte zu einer Per- ständigung mit den Völkern der Erde zu finden. Wir werden nach diesen» Kriege uns»nieder in der Situation befinden, in der Bi s in a r ck auf den Rat Delbrücks hörte: daß man einer Nation, mit der man nach einem Kriege in Frieden und Freundschaft leben will, nicht zumuten darf, sich schlechter behandlcn zu lassen als andere Nationen." Westlicher Kriegsschauplatz. der französische Tagesbericht. Paris, 3. August.(W. T. B.) Amtlicher Kriegsbericht von Montagnachmittag. Ter Abend des l. August und die Nacht vom 1. zum 2. waren durch verschiedene Jnfanteriegefcchtc gekennzeichnet. Im Artois bemächtigten wir uns, nachdem»vir mehrere deutsche Angriffe mit Hand- granaten zurückgeschlagen hatten, eines Schützengrabenstückes im Hohlweg Ablain-Augres nördlich der Staatsstraße Bethune— Arras. llni Souchez dauert der Kampf mit Fröschen und Handgranaten ohne Frontveränderung auf beiden Seiten fort. In der Chanipagne auf der Front Perthes— Beau Ssjour Minenkampf, in dem wir die Oberhand errangen. In den Argonnen im Gebiet von Marie Therese und Saint Hubert versuchten die Deutschen nach lebhaftem Kampf mit Bomben und Fröschen, mehrere Angriffe zu unternehmen, »vurden aber zurückgeworfen. Auf den Maashöhen zwischen EpargeS und dem Graben von Calonne griff der Feind drei- mal unsere Stellungen am Haut Bois an, aber unser Artillerie- und Jnfantcriefeuer brachte seine Angriffe zum Stehen. Pont-ä-Mousson und die Dörfer Maidieres und Manoncourt-sur-Seille wurden mit Brandgranaten belegt. Paris, 3. August.(JB. T. B.) Amtlicher Bericht voin Montagabend. Im Artois und im A i s n e t a l minder große Artillerietätigkeit. Arras und S o i s s o n s erhielten einige Granaten. In den Argonnen lebhafte Jnfanteriekämpfe. Am Ende der Nacht vom 1. zum 2. August bemächtigten sich die Deutschen im Gebiet der Höhe 213 eines unserer Schützen- gräben, der im Gegenangriff unserer Truppen teilweise zurück- erobert wurde. Im Laufe des Tages richtete der Feind, nachdem er von brennenden Flüssigkeiten Gebrauch gemacht hatte, einen heftigen Angriff gegen unsere Schützengräben in Marie Thörsse. Es gelang ihm, in einem derselben Fuß zu fassen. Wir machten sofort einen Gegenangriff und nahmen den größten Teil des verlorenen Geländes wieder ein. Auf den Maashöhen und in W o e Iv r e die übliche Kanonade, die um Champlon-Woewre stärker war. In den 'Vogesen Ivurde seit dem 1. August abends vor den Stellungen, welche»vir auf den Höhen des Lingekopfes, des Schratzmännlc und des Barrenkopfes eroberten, eine Reihe von Kämpfen geliefert. Wir bemächtigten uns mehrerer deutscher Schützengräben, brachten dem Feinde starke Verluste bei und machten 50 Gefangene, welche zwei verschiedenen Re- gimentern angehören. Die englischen Verluste. London, 3. August.(W. T. B.)„Daily Telegraph" zufolge betrugen die Verluste der britischen Armee im Mai 3500 Offiziere und 26 346 Mann, im Juni 2193 Offiziere und 62 710 Mann. Die Flotte verlor in beiden Monaten 81 Offiziere und 1259 Mann. Der italienische Krieg. Der italienische Kriegsbericht. Rom, 3. August.(W. T. B.) Heeresbericht von g e st e r n: Am Abend des 31. Juli führten unsere Wasser- flugzeuge einen neuen Angriff auf Riva aus und schleuderten Bomben, die ausgezeichnete Ergebnisse erzielten. Sie ent- gingen eineni lebhaften gegnerischen Gelvehrfeuer. Am folgenden Morgen führte unsere schwere Artillerie gegen den Bahnhof von Rovereto eine»virksame Kanonade aus, von >vo die Beobachter die Ankunft eines Truppentransportzuges gemeldet hatten. Im Tale C a d o r e haben wir, nachdem der dichte Nebel, der»vährcnd der zehn letzten Tage geherrscht hatte, gelvichen war, ein mit neuer Heftigkeit ausgeführtes Zerstörungsschietzen gegen die Sperrwerke des oberen Cordevole, des oberen Boite, Landro, Trieder und Sexten in Kärnten gerichtet. Eine glänzende Kampfes- episode»vird gemeldet, nämlich die Einnahme des Monte Mcdella(?) nordöstlich des Euestaltagipfels(?). Der Feind hatte sich dort stark eingenistet und verfügte über die»vert- volle Unterstützung der benachbarten Batterien. Das Aktions- gelände war schtvierig, da nur ein steiler Zugang zum Gipfel vorhanden war. Nach langem wechsclvollen Kampfe gelang es unseren Alpini, die von dem wirksamen genauen Schießen der hinter ihren Linien aufgestellten Artillerie unterstützt wurden, dank ihrer Tapferkeit und Kühnheit, den Gegner aus seiner Stellung zu vertreiben. Dieser unternahm, nachdem er Verstärkungen erhalten hatte, heftige Gegen- angriffe. An diesem Abend konnte der umstrittene Gipfel als endgültig in unserem Besitz betrachtet werden. Im Karst warf sich der Feind, nachdem in der Nacht zum 31. Juli unsere Aufmerksamkeit durch demonstra- tive Unternehmungen auf Aleegiarre(?) gelenkt war. mit großen Streitkräften gegen unsere Truppen, die den Monte dei Sei Busi besetzt hatten. Nachdem unsere Infanterie zu- nächst durch einen ungestümen Angriff durchbrochen war, ging sie auf der Front und in der Flanke des Gegners zum Gegenangriff über, bei dem der Feind zerstreut und in die Flucht geschlagen wurde. Ungefähr 150 Gefangene, darunter zehn Offiziere, blieben in unseren Händen. Aus den Aus- sagen der Gefangenen geht hervor, daß dieser Angriff von ausgewählten Truppen, darunter einem Kaiserjäger- regiment, das bei einbrechender Nacht auf dem Schlachtfelde eingetroffen war und beinahe vernichtet wurde, ausgeführt worden war. Oer türkische Krieg. Die türkische tzauptquartiersmelöung. Konstantinopel, 8. August. ausgesucht gute Qualit Pelzmäntel, lang u. halblang, aus bestem Persianer, Sealbisam, statt bis 2100, 1000.Größte Auswahl. Sonntag 8-10 geöffnet Orenburger, Electrlefellen, unter Garantie statt bis 900.400.statt bis 1600700.Kurze Pelzjacken 55,-( statt bis 225.-) Trauermagazin statt bis 430.195.-. Auswahlsendungen sofort; Amt Zentrum 7890, Westmann L Mohrenstr. 37a( Kolonnaden). IL Große Frankfurter Str. 115( nahe Andreasstr.). Weiteste Größen in allem Abteilungen Wetteraussichten für das mittlere Norddeutschland bis Donnerstagmittag. Zunächst ostwärts fortschreitende Aufheiterung mit ceringer Abfühlung, später im Besten beginnende neue Erwärmung, Trübung und zahlreiche, östlich der Oder mehr vereinzelte Gewitterregen. Verantwortlicher Redakteur: Alfred Scholz, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw ,: Th. Glode, Berlin, Drud u. Berlag: Borwärts Buchdruderei a. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW