Nr. 218. 5 Pfennig Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis pränumerando: Bierteljährl 3,30 m, monatl. 1,10 m möchentlich 25 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Big. Bost Abonnement: 1,10 Marf pro Monat Eingetragen in die Post Zeitungs Breisliste. Unter Kreuzband Tur Deutschland und Desterreich- Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz icheint täglich. . Montagsausgabe 5 Pfennig Vorwärts 32. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. geile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammĭnungs- Anzeigen 30 Big. Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pig.( zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes writere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort 5 Big. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition is bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramim Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplag, Nr. 151 90-151 97. Montag, den 9. August 1915. Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 151 90_151 97. Ruffifche Miederlagen im Wieprz- Gebiet. Oestlicher Kriegsschauplah.| Meldung des Großen Hauptquartiers. Russische Generalstabsmeldung. Petersburg, 8. August.( W. T. B.) Bericht des Großen Generalstabe 3. Zwischen Düna und Njemen dauerten die Kämpfe am 6. August ohne wesentliche Wenderung der Front an. Bei Kowno greift der Feind die ersten Verteidigungsstellungen der Festung auf dem linfen Njemenufer an. Unsere schweren Batterien feuern heftig. Bei Ossowicz begann der Feind am 6. morgens ein heftiges Feuer und trieb starke Wolfen giftiger Gase vor sich her. Er begann den Shirm auf die Stellungen der Festung und nahm ein Werk bei Sosna, wurde aber durch unser Feuer und unsere Gegenangriffe überall zurückgeworfen. Am Narem heftiger Kampf. Auf den Straßen nach Ostrow gelang es dem Feind, am 6. nach einer Reihe blutiger Zusammenstöße ein wenig vorzurücken und das Gelände zu vergrößern, das er besetzt hatte. Wir schlugen erfolgreich heftige Angriffe des Feindes in Gegend von Serod am 5. abends zurück. An der Weichsel Artilleriefeuer. Unsere schwere Artillerie beschoß mit Erfolg in der Nacht des 6. August Brüdenbauarbeiten auf der Weichsel. Zwischen Weichsel und Bug wurden heftige Rämpfe geliefert in Gegend zwischen Kurovo und Kotsk und auf dem rechten Wieprz- Ufer nördlich von Lengna. Westlicher Kriegsschauplah. Der französische Tagesbericht. Baris, 8. August.( W. T. B.) Amtlicher Bericht bon Sonnabend 3 Uhr nachmittag: Die Nacht war auf dem westlichen Teil der Front ruhig. Man meldet einige Rämpfe mit Handgranaten um Souchez, sowie Artilleriefämpfe im Gebiete von Tracy- le- Bal und Berry- auBac. Im Westteile der Argonnen immer noch sehr lebhafter Kampf mit Minenwerfern, und Bomben. Bei der Höhe 213 wurde ein feindlicher Angriff zurückgewiesen. In Lothringen wurde eine starke deutsche Aufklärungsabteilung bei Reintren durch unser Feuer zerstreut. In den Vogesen ist kein Zwischenfall zu melden. Paris, 8. August.( W. Z. B.) Amtlicher Bericht bon gestern abend. Einige Artillerieaktionen im Artois um Souchez und Roclincourt, zwischen Dise und Aisne auf dem Plateau von Nouwron. In den Argonnen erneuerten die Deutschen zweimal ihre Angriffe um die Höhe 213, wurden aber zurüdgeworfen. Die Explosion zweier Minen hatte ihnen gestattet, in einem unserer Schüßengräben Fuß zu fassen. Sie wurden jedoch durch einen sofortigen Gegenangriff wieder vertrieben. Im ApremontWalde wurde das Artilleriefeuer mit derselben Stärke mie an den Vortagen fortgesetzt. In den Vogesen bombardierte der Feind mehreremale unsere Stellungen am Ringekopf und am Schragmännle. Gegen 2 Uhr nachmittags unternahm er am Schragmännle- Baß an der Straße von Hohneck einen Angriff, welcher durch unser Sperrfeuer angehalten wurde. Am Spät- Nachmittag wurde ein neuer deutscher Angriff mit Bajonett und Handgranaten zurückgewiesen. Der italienische Krieg. Der italienische Kriegsbericht. Rom, 7. August.( W. T. B.) Amtlicher Kriegs. bericht von 7 Uhr abends. In dem Abschnitt von Iava verstärkten unsere Truppen die von ihnen eroberten Stellungen, gegen die der Feind in der Nacht vom 5. zum 6. August zwei durch heftiges Feuer einer starken Artillerie unterstützte Angriffe versuchte. Unsere Artillerie erwiderte und brachte die feindliche Artillerie zum Schweigen. Beide Angriffe wurden abgeschlagen. Auf dem Karst dauerte gestern der Kampf mit Erbitterung den ganzen Tag fort und endete am Abend mit einem beträchtlichen Erfolge für unsere Armeen, besonders im Zentrum, wo wir einen Teil des Randes der gegen Doberdo verlaufenden Einsenkung besetzten. Wir machten 140 Gefangene. Auf dem rechten Flügel warf die feindliche Artillerie Brandgranaten auf die Werften von Monfalcone, in denen eine schwere Feuersbrunst verursacht wurde und in dem durch heftiges Sperrfeuer unsere Abteilungen an der Löschung des Brandes verhindert werden sollten. Immerhin gelang es der Energie und dem Schneid unserer Truppen, in furzer Zeit den Brand einzudämmen und den Schaden merklich zu beschränken. General Cadorna Amtlich. Großes Hauptquartier, den 8. August 1915.( W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplah. Französische Handgranatenangriffe bei Souchez und Gegenangriffe gegen einen vorgestern dem Feinde entrissenen Graben in den West argonnen wurden abgewiesen. Die Gefechte in den Vogesen nördlich von Münster lebten gestern Nachmittag wieder auf, die Nacht verlief dort aber ruhig. Deftlicher Kriegsschauplah. Die deutsche Narewgruppe nähert sich der Straße Lomza- Ostrow- Wyszkow. An einzelnen Stellen leistet der Gegner hartuädigen Widerstand. Südlich von Wyszkow ist der Bug erreicht, Serock an der Bugmündung wurde besetzt. = Vor Nowo Georgiewsk nahmen unsere Einschließungstruppen die Befestigungen von Zegrze. Bei Warschau gewannen wir das östliche Weichselufer. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Vor dem Drud der Truppen des Generalobersten v. Wohrsch weichen die Russen nach Osten. Zwischen Weichsel und Bug hat der linke Flügel der Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen den Feind nach Norden gegen den Wieprzfluß geworfen. Der rechte Flügel steht noch im Kampf. Oberste Heeresleitung. Der österreichische Generalstabsbericht. Wien, 8. August.( W. T. B.) Amtlich wird verlautbart, 8. August 1915, mittags: Russischer Kriegsschauplak. Die Armee des Erzherzogs Joseph Ferdinand sette gestern im Raume zwischen Weichfel und Wieprz den Angriff fort. Die unmittelbar westlich des Wieprz vorgehende Stoßgruppe warf den Feind aus mehreren Linien, nahm nachmittags Lubartow und drang gegen Norden bis zum Flußfnie vor. Der geworfene Gegner flüchtete in Auflösung über den Wieprz. Auch füdlich und südwestlich Miechow errangen unsere Truppen einen vollen Erfolg. Der Feind war hier, um unseren Angriff zu parieren, zum Gegenstoß übergegangen, der bis zum Handgemenge führte, wurde aber in Front und Flanke gefaßt und über den Wieprz zurückgetrieben. Die Zahl der bei Lubartow und Miechow eingebrachten Gefangenen be: trug bis gestern Abend 23 Offiziere und 6000 Mann. Die Beute belief sich auf zwei Geschüße, elf Maschinengewehre und zwei Munitionswagen. Bedroht durch unsere von Süd her siegreich gegen den unteren Wieprz vorgehenden Truppen haben heute früh auch die noch im Weichselgelände nordwestlich Jwangorod verbliebenen russischen Korps den Nückzug gegen Nordost angetreten. Desterreichisch- ungarische und deutsche Kräfte verfolgen. Zwischen Wieprz und Bug wird weiter ge= tämpft. In Ost galizien ist die Lage unverändert. Italienischer Kriegsschauplas. Nach neuerlicher heftiger Artillerievorbereitung griff starte italienische Infanterie am Abend des 6. August den Plateaurand im Abschnitte Polazzo Vermigliano an. Auch dieser Angriff wurde wie alle früheren, die sich gegen den Monte dei Sei Bufi richteten, vollkommen zurückgeschlagen. Ansonsten waren im Küstenland, in Kärnten und in Tirol nur Geschüßkämpfe im Gange. Am 6. abends und in der Nacht zum 7. brach italienische Infanterie mit zwei Batterien über die Forcellina di Monto 330 südwestlich Pejo nach Tirol ein. Der von diesen Kräften in den Morgenstunden des 7. versuchte Angriff wurde schon durch unser Artillerieund Infanteriefeuer vercitelt. Die Italiener gingen unter lebhaften Eviva Italia- und A basso Austria- Rufen schleunigst zurüd. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Höfer, Feldmarschalleutnant. Französische Kriegsziele. " In einer der legten Nummern der Guerre Sociale" behandelt Hervé den großen Rückzug der russischen Armee. Warschau ist in dem Augenblick, wo der Artikel geschrieben wird, noch nicht genommen. Aber der Verfasser macht sich feine Illusionen mehr. Er versucht auch nicht, die russische Heeresleitung herauszulügen und die Preisgabe der polnischen Hauptstadt als eine Sache von untergeordneter Bedeutung oder gar als einen Triumph der Strategie Nikolai Nikolajewitschs hinzustellen. Für ihn ist es nicht zweifelhaft, daß Rußland einen schweren Schlag erlitten hat, und er hält mit seiner Meinung über die Gründe nicht hinter dem Berge: der Verbündete im Osten war nicht stark genug, Deutschland zu widerstehen, weil er nicht freiheit. lich genug war. Statt die Volfskräfte zu entfesseln, hat er sie gelähmt. Er hat den Freiheitskrieg" mit den reaftionärsten Mitteln geführt, und schließlich das wird nicht unumwunden gesagt, steht aber deutlich genug zwischen den Zeilen trifft ihn nur das gerechte Geschick. Es wird sich noch verschlimmern, wenn Rußland aus dem Unglück nicht lernt. Die Niederlage muß die Mutter der innere Freiheit werden. Gustav Hervé redet nicht im Namen Frankreichs. Er redet nicht im Namen der französischen Genossen. Er ist ein Außenseiter des Sozialismus. Einer, den ein zwar revolutionäres aber unbeherrschtes Temperament die sonderbarſten und widerspruchvollsten Wege gehen läßt. Dennoch lohnt es sich, von Zeit zu Zeit auf ihn zu hören, weil er ausspricht, was andere nur zu denken wagen, weil er Stimmungen, die sich bei seinen Landsleuten erst zu regen beginnen, resolute Worte verleiht und dabei vor den Vorurteilen der herrschenden öffentlichen Meinung nicht zurückschreckt. Der Herausgeber der„ Guerre Sociale" ist seit Anbeginn der Herold des Krieges gewesen. Seine Fanfaren trugen viel dazu bei, den Kampfwillen der Massen wachzuhalten, in ihnen Haß gegen den deutschen Militarismus zu beleben, sie in dem Glauben zu bestärfen, daß sie als Streiter für die Befreiung Europas ins Feld zögen. Aber der heiße Wunsch zu siegen, war nicht starf genug, die Abneigung des Revolutionärs gegen die absolutistische Mißwirtschaft im„ befreundeten und verbündeten" Rußland zu betäuben. Er fonnte eine Zeitlang eine gewisse Zurückhaltung üben, aber dann brach das Unbehagen über den merkwürdigen Kameraden in der Kampagne für die europäische Freiheit wieder durch. Viel deutlicher, viel schärfer, als etwa in der„ Humanité", die sich nicht so frei gehen lassen kann und gehen lassen will, um den Genossen in der Regierung feine unzeitigen Schwierigkeiten zu bereiten. Es gehört einige Rücksichtslosigkeit dazu, so wie Hervé über den Alliierten zu reden, aber der Umstand, daß die französische Zensur dem Freimütigen in diesem Falle keinen Maulforb anlegt, läßt den Schluß zu, daß Hervé auch hier wieder einer weiter verbreiteten Auffassung Worte gegeben hat. In der Tat bernehmen wir ja auf den Umwegen, auf denen uns jetzt Kenntnis von den Stimmungen und Strömungen im feindlichen Ausland wird, daß die französischen Arbeiter den großen Rückzug der Russen keineswegs mit ungemischter Trauer sehen. Nicht etwa nur deshalb, weil das militärische Fiasko ihnen einen Hebel der Revolution zu sein scheint, sondern weil es ihnen trotz aller Abneigung gegen den deutschen Militarismus höchst peinlich wäre, wenn am Schluß des Krieges der Zarismus als Befreier Westeuropas auftreten könnte und der Friede ein russischer Friede würde. Ein solcher Ausgang wäre nicht nur eine Schmach für Frankreich, er würde auch das Ende der Republik bedeuten, und schließlich ist doch der Gedanke westlich- demokratischer Solidarität gegen den Osten lebendig geblieben. Nur muß sich jetzt die Frage aufdrängen, was denn die Franzosen, wenn Rußland einmal nicht mehr soviel deutsche Streitkräfte bindet wie bisher, mit Hilfe der Engländer und Italiener gegen die Zentralmächte auszurichten vermögen. Während die deutschen Truppen im Osten den Feind vor sich hertreiben, während sie in Warschau, Jwangorod usw. einrücken, gelingt es den Alliierten im Westen nicht, die deutsche Front zu durchbrechen. Glauben sie, daß in den nächsten Monaten die Situation für sie günstiger sein wird? An der Seine und an der Themse ist es zu einem Schlagwort geworden, daß die Zeit den Gegnern Deutschlands zu Hilfe tomme. Wenn erst die englischen Munitionsfabriken richtig im Betrieb seien; wenn erst die in der Ausbildung begriffenen britischen Truppen für die Front zur Verfügung ständen; wenn erst Rumänien eingreife.... Wenn erst, wenn erst! Hoffnungen, aber keine Gewißheiten, und inzwischen der- gehen die Monate, immer neue Opfer fallen in diesem fürchterlichsten aller Kriege, der nach Ansicht einiger Jllu- sionisten den deutschen Militarismus zerschmettern sollte, und einstweilen nur die Wirkung hat, den Militarismus in allen Ländern zu befestigen und zu stärken. Wer auf die Gunst der Zeit baut, scheint fast nicht weniger wundergläubig als die bigotten Danien der royalistischen Aristokratie, die auf neue Hilfsaktionen der Jungfrau von Orleans hoffen. Mit den Wirklichkeiten nmß rechnen, wer- nicht bittere Enttäu- fchungen erleben will, und die Wirklichkeiten lassen für Spe- kulationen, die über die Verteidigung des französischen Bo- dcns hinausgehen, schwerlich noch einen Raum. Vielleicht ist es schon dieser Erkenntnis zu verdanken, daß die Botschaft P o i n c a r ä s zum Jahrestag des Kriegsbeginns bei der Alifzählung der Kriegsziele in einem Punkte Zurückhaltung übt. Sie vermeidet erfreulicherweise die Phrase von der Zerschmetterung Deutschlands und seines Militarismus und unterscheidet sich dadurch zu ihrem Vor- teil von vielen anderen französischen und belgischen Kund- gedungen, die wir in den letzten Monaten vernommen haben, nicht zum wenigsten auch von manchen Reden und Aufsätzen des Genossen Vandervelde. Freilich enthält sie noch immer eine Wendung, die allerlei nicht unbedenkliche Auslegungen zuläßt: sie spricht von dem voin Friedensvertrag zu erwar- tendcn Schutz„gegen einen offensiven Rückstoß der germa- nischen Offensive". Das ist unklar und vieldeutig, und wer will, kann zu der Vermutung kommen, daß der Präsident der französischen Republik den Anhängern einer Eroberungs- Politik, womöglich sogar den Schwärmern für die Rhein- grenze gewisse rhetorische Zugeständisse habe machen wollen. Aber andererseits steht dieser Auslegung die Tatsache ent- gegen, daß das Staatsoberhaupt keine Proklamation erlassen wird, die das Kabinett nicht zuvor gebilligt hat, und daß in diesem Kabinett die Vertreter der sozialistischen Partei sitzen, die jeden Landerwerb— mit der bekannten Ausnahme— auf das entschiedenste ablehnen. Einen neuen Beweis für diese Stellungnahme der fran- zösischen Sozialisten erbrachte an demselben Tage, an dem Hervä mit dem russischen Zarismus abrechnete, der Leit- artikel der„H u m a n i t 6". Hier forderte Marcel Ca- ch i n noch einmal mit aller Klarheit, daß jeder Gedanke an Eroberungen zu verbannen sei. Der Geist der Republik kann nach ihm nur lebendig bleiben, wenn Frankreich sich auf einen reinen Verteidigungskrieg beschränkt. Es darf keine Unterwerfung, keine Unterdrückung, keine Rechtsverletzung wollen. Es muß sich auch heute noch von den großen Ideen der Konstituante von 1790 leiten lassen:„Die französische Nation lehnt es ab, einen Krieg in der Absicht auf Erobe- rungen zu unternehmen. Sie wird niemals ihre Kräfte ge- brauchen, um ein Volk seiner Freiheit zu berauben." Ge- wiß, auch Marcel Cachin sieht die Rückgewinnung Elsaß- Lothringens nicht als Eroberung, nicht als Annexion an, aber es verdient bemerkt zu werden, mit welcher Deutlichkeit er das Schicksal dieser Provinzen von dem Willen ihrer Be- wohner abhängig macht.„Wenn Elsaß-Lothringen," so sagt er,„französisch werden will, so muß sich jeder vor seinem Willen beugen," �_ Gefterreichische Richtigstellungen. Wien, 8. August.(W. T. B.) Das Kr i eg Sp r es s e- quartier meldet über die italienische amtliche Be- richter stattung: Der Monte dei sei Busi ist, seitdem er am 26. Juli vorübergehend verloren ging, von uns wieder- gewonnen worden und ist fest im eigenen Besitz. Der italienische Bericht vom 27. Juli meldet wohl die Erstürmung des Monte dei sei Busi, die folgenden Berichte verschweigen aber den Verlust dieses Berges, ebenso die gänzliche Räumung des Monte San Michele, der zuletzt am 27. Juli vorübergehend in italienischen Händen war. In den Verlautbarungen des italienischen General- stabes vom 28. Juli bis 31. Juli werden diese Oertlichkeiten nicht genannt, in jener vom 1. August wird von den italienischen Stellungen in der Gegend des Monte dei sei Busi gesprochen. Die italienische Linie verläuft dort am Südwesthang, zum Teil auf nächste Entfernung vor den eigenen Stellungen. Wien, 8. August.(SS. T. B.) Aus dem KriegSpressequartier wird gemeldet: Die amtliche italienische Meldung über den Verlust der Citta di Jesi lautet: In der vergangenen Nacht hat eines unserer Lustschiffe über Pola, wo bereits mit gutem Erfolg wiederholt Luftangriffe ausgeführt worden sind, Bomben geworfen. Aus Gründen, deren Feststellung nicht mög- lich war, fiel das Luftschiff ins Meer. Die Besatzung, die aus drei Offizieren und drei Mann bestand, ist heil und gefangen ge- nommen.— Das genannte Luftschiff Citta di Jesi ist bekanntlich zum Niedergehen gezwungen worden.— Unwahr ist in dem amtlichen Berichte— was übrigens in Italien gar nicht feststellbar— daß dieses Luftschiff Bomben abge- warfen hätte. Es ist, bevor es über den Hafen flog, nieder- geholt worden. Der türkische Krieg. Die Kämpfe im Kaukasus. Petersburg, 8. August.(W. T. B.) Die gestrige Mit- teilung vom Stabe der K a u k a s u s a r m e e besagt: Am 5. August in der Küstengegend Gewehr- und Geschützfeuer. In der Richtung Olty warfen wir alle hartnäckigen Gegen- angriffe der Türken, die durch heftiges Geschützfeuer unter- stützt wurden, und behaupteten die den Türken abgenommenen Stellungen. Die Türken bauen eifrig Schützengräben. In Richtung Sarykamysch widerstanden wir den Gegenangriffen erfolgreich. In der Gegend des Mergemir-Passes dauern die Kämpfe an; in der Richtung auf Alaschkert entwickelten sich untere Operationen erfolgreich; eine wichtige türkische Stellung auf der Paßhöhe wurde durch einen Rückenangriff mit dem Bajonett weggenommen. Wir machten viele Feinde nieder, machten Gefangene und eroberten Maschinengewehre und andere Waffen, Mus belgischen Mrchiven. Berlin, 8. August.(W. T. B.) Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" fährt mit der Veröffentlichung von Aktenstücken aus belgischen Archiven fort. Sie schreibt: Im Jahre 1968 machte der Zusammenschluß Rußlands, Eng- lands und Frankreichs weitere Fortschritte. Schon im Laufe des März sprach die russische Presse von der Unoermcidlichkcit eines Krieges mit Deutschland, und es mehrten sich die Anzeichen, daß auf dem Balkan ein Zusammengehen Oesterreich-Ungarns mit Rußland schwierig geworden sei. Ende Mai erfolgte der Besuch des Präsidenten der Französischen Republik in England. Bei dieser Gelegenheit trat im„TempS" Herr Tardieu für die Ein- führung der allgemeinen Wehrpflicht in England ein. Den Anlaß dazu hatten die von König und Präsidenten gesprochenen Toaste im Buckingham Palast gegeben. Der König hatte von„entente permanente", der Präsident von„entente resserree" gesprochen und die Forderung des„Temps" machte den Eindruck, als werde von Frankreich eine Bedingung für Verwirklichung dieser auf ein Bündnis hindeutenden Reden gestellt. Von epochemachender Be- deutung war der Besuch, den König Eduard am 9. Juni 1968 dem Zaren vor Reval machte. Er bezweckte die Ausschaltung Oester- reich-Ungarns aus den Balkanangelegenheiten und hatte die revolutionäre Erhebung in der Türkei zur Folge. Der Revolution der Jüngtürken folgte die Proklamierung Bulgariens zum selbständigen Zartum, Oesterreich-Ungarn vollzog die Annexion von Bosnien und der Herzegowina, und damit trat plötzlich eine serbisch-österreichisch-ungarische Frage in den Vordergrund, in welcher die Ententemächte gegen Oesterreich- Ungarn Partei nahmen. Schon damals schien eine Weltkrisis kaum zu vermeiden. Daß sie trotzdem vermieden wurde, lag an dem entschlossenen Eintreten Deutschlands für Oesterreich-Ungarn und daran, daß Rußland sich noch nicht stark genug fühlte, die Rolle zu übernehmen, die ihm zugedacht war. Im März 1969 konnte die Gefahr als überwunden gelten. Am 9. Februar 1969 kam zwischen Deutschland und Frankreich ein Abkommen über Marokko zustande, in dem Deutschland die besonderen politischen Interessen Frankreichs anerkannte, während es andererseits die wirtschaftliche Betätigung Deutschlands in Marokko sicherstellen sollte. Es ist überaus lehrreich, die Haltung zu verfolgen, welche die belgischen Gesandten in dieser Zeit einhielten. Die Selbstverherrlichung Delcasses mit ihren verletzenden An- spielungen auf Deutschland, die schon Baron Greindl treffend ge- würdigt hatte, veranlasste Herrn Leghait in Paris, die Frage auf- zuwerfen, ob nicht die Neugruppierung der Mächte das Ergebnis eines umfassenden Programms sei, das in London wundervoll erdacht wurde. Sharon Greindl aber spricht sich am 29. Januar dahin aus, daß die Rede Delcasses deshalb Beifall gefunden habe, weil sie den ge- Heimen Wünschen und den eingestandenen oder nicht eingestandenen Revanchegelüsten der Fran- zosen entsprach. Als der Deutsche Reichstag die Herabsetzung der Lebensdauer unserer Kriegsschiffe von 25 auf 26 Jahre einstimmig annahm, zog Grerndl daraus den Schluß, daß das deutsche Volk den Ernst d-u Feindseligkeit Englands einsehe und deshalb ohne Murren die Kosten dieser Reform auf sich genommen habe.„Kein Mensch— schreibt er— hat hier jemals den absurden und unausführbaren Gedanken eines Angriffs gegen England gehegt, aber alle Welt be- fürchtet einen englischen Angriff". Inzwischen machte das vertragswidrige Vorgehen Frankreichs satz zu den humanitären Reden Frankreichs im Haag das Born- bardement einer offenen Stadt wie Casablanca stehe. Die Unauftichtigkeit der Politik Pichons verurteilt er bei dieser Gelegenheit mit folgenden Worten: „Zweifellos mußte man in Paris vorhersehen, daß dieses bru- tale Vorgehen nicht nur in Marokko, sondern in der ganzen mohammedanischen Welt eine fiemdenfeindliche und vor allem anti- französische Bewegung hervorrufen werde, die den gewünschten Vor- wand zu einer Okkupation liefern sollte, die man zwar offiziell als eine vorübergehende bezeichnet, die man aber offenbar zu einer dauernden zu machen gedenkt. Am Quai d' O r s a y ist mau zu der Politik Delcasses zurückgekehrt, hat ihr aber noch dazu den Mantel der Heuchelei umge- hängt. Doch selbst den beginnt man abzulege n." In einem Bericht vom 13. Mai 1968 sagte er bezüglich der Ab- gesandten Mulay Hafids, die damals in Berlin zum großen Aerger der Pariser Regierung eingetroffen waren:„Gleich zu Anfang haben die Abgesandten erklärt, daß Mulay Hafid sein Reich allen Europäern öffnen werde, die alle gleiche Rechte hätten. Ich frag- mich, ob sie die europäische Politik so wenig kennen, um nicht zu wigen, daß Frankreich keine gleichen Rechte für alle will lwir haben� das zu unserem Schaden bei der Ernennung des Direktor? der öffentlichen Arbeiten erfahren) und befiirchtet, daß das Land sich beruhigt, statt es zu wünschen, weil es ihm den Vorwand näh- men würde, den es sucht, um seine Eroberungspläne verwirklichen zu können." Die Stellungnahme der deutschen Politik diesem illoyalen Vor- gehen Frankreichs gegenüber kennzeichnet«r unter Hinweis auf das deutsche Marokko-Weißbuch folgendermaßen:„Das Weißbuch zeugt von Anfang bis zu Ende von dem eiffigen Bestreben der Kaiser- lichen Regierung, den unwahrscheinlichsten Behauptungen des Herrn Pichon und des französischen Botschafters in Berlin Glauben zu schenken, um nicht die marokkanische Frage erneut anschneiden zu müssen." Baron Greindl war in Beurteilung der Marokkopolitik Frank- reichs scharffichtiger als sein Pariser Kollege, der in seinem Bericht vom 19. Januar 1969 die Versicherung Herrn Pichons ernst nimmt, daß die Regierung weder ein Protektorat noch die Eroberung Marokkos wünsche(1), sondern die Achtung vor den internationalen Vereinbarungen(!) und die Vorteile, auf die sie Frankreich ein Recht gäben. kleber den Besuch des Präsidenten Fallieres in England und die Rede, mit der Sir E. Grey den bevorstehenden Besuch König Eduards in Rußland als gänzlich unpolitisch darstellte, äußert sich Greindl am 36. Mai folgendermaßen: „Man mag es Allianz, Enteute nennen, oder wie man will, die vom König von England per fön- lich eingeleitete Gruppierung der Mächte besteht, und wenn sie auch nicht eine direkte und baldige Kriegsgefahr für Deutschland bedeutet(was zuviel gesagt wäre), so liegt in ihr nichtsdestoweniger eine Verringerung der Sicherheit. Die herkömmlichen friedlichen Versicherungen, die zweifellos auch in Reval wiederholt werden dürften, bedeuten recht wenig im Munde dreier Mächte, die eben erst, wie Rußland und England, wenn auch mit verschiedenem Erfolg, nur in dem Bestreben, sich zu vergrößern, ja ohne plausiblen Vorwand, die Eroberungskriege in der Mandschurei und in Transvaal geführt haben, oder die wie Frankreich gerade jetzt zur Eroberung Marokkos schreiten unter Nichtachtung feierlicher Versprechungen und ohne anderen Rechtstitel als die Uebertragung der Rechte Englands, die dieses selbst nicht besaß. Es find dieselben Mächte, die im Verein mit den Vereinigten Staaten, die kaum ihren Raubkrieg gegen Spanien hinter sich haben, im Haag als Ultrapazifizisten ausge- treten sind. Der Dreibund hat während 36 Jahren den Weltfrieden gesichert, weil er unter Führung Deutschlands st and, das mit der politischen Gliederung Europas zufrieden war. Die neue Gruppierung bedroht ihn, weil sie ansMächten besteht, die eine Revi- sion des starus quo anstreben, und zwar in so hohem Grade, daß sie Geftühle jahrhundertelangen Hasses zum Schweigen gebrackst haben, um diesen Wunsch verwirklichen zu können." das Urbilö öer Marseillaise. Ueber die noch immer ungeklärte Frage nach dem Komponisten der Marseillaise hat neuerdings im„Berliner Tageblatt" eine Kontroverse zwischen mehreren Musikgelehrten stattgefunden. Alexander Moszkowski wollte den Gesang der Revolution als deutsches Eigentum reklamieren; Edgar Jstel tat diesen Ber- such mit Gründen ab, deren wesentlichsten zu widerlegen ich in der Lage bin. Jstel glaubt nicht eimnal an die Existenz eines deutschen Kapellmeisters Holtzmann und stützt sich ,n seinem Unglauben u. a. auch auf Ernst P a s q u e, von dem er direkt sagt: „Auch PaSque selbst konnte im Jahre 1886 zu Meersburg nicht ,m mindesten etwas von dem mythischen Holtzmann in Erfahrung bringen." Desgleichen habe sich Wilhelm Tapp e r t— e,n etwas merkwürdiger Kronzeuge— ungläubig über den„fabelhaften Kom- ponisten Holtzmann" geäußert.„Tappert hat zu allem Ueberflutz noch mit Hamma(der jenen Holtzmann erfunden haben soll! F.) korrespondiert und ihn dabei auf den verfänglichsten Widersprüchen ertappt." Worauf zu sagen ist, daß Herrn tappert ähnliche Ertappungen nicht erspart geblieben sind. -- Um'es' kurz zu machen, so müssen die Pasque und Tappert ihre etwaigen Nachforschungen in Meersburg sehr leichtfertia an- gestellt haben, denn ich selbst habe im Chor der dortigen Kirche vor drei Jahren mindestens eine Notenhandschnft von besagtem Holtzmann gesehen. Aber reißen wir ein Tagebuchblatt heraus, das jene Ent- deckungsfahrt nach dem Urbild der Marseillaise schildert. Voraus ein paar Daten über das, was man von der Sache vorher wußte. Dann— was man nicht wußte. � � Vor 76 Jahren lebte in Meers bürg am Bodensee der Musiker Fridolin Hamma als Organist der Stadtkirche. Hamma nahm später am badischen Aufstand teil und führte ,n der Folge� als politischer Flüchtling ein ziemlich bewegtes Leben Seine«pur verliert sich in Stuttgart, wo er vor 36 Jahren das„Zentral-Muslk- Magazin" leitete. Seine zahlreichen Lieder, Operetten und Ballette sind vergessen, aber sein Name ist auf eine sonderbare Weise mit der Marseillaise verknüpft. Im Jahre 1916 war es fast nur die Arbeiterpresse, di« in Deuffchlond den hundertundfunsz,gsten Ge- burtstag des Rouget de l'Jsle feierte, während des Schopfers der Marseillaise noch fünfzig Jahre vorher auch in den bürgerlichen Organen mit Wärme gedacht worden war. Jener Hamma be- richtete 1861 in der„Gartenlaube" über seine Entdeckung des Ur- bildes der Marseillaise. Als Organist der Stadtkirche n, Meers- bürg hatte er nänrlich 1842 in der Kirchenmustksammlung sechs lateinische kleine Messen des pfälzischen Hoflapellmeisters Holtz- inann aus dem Jahre 1776 entdeckt. Das Credo der vierten dieser Messen enthielt nun, so berichtet Hamma, die Melodie der erst 1792 austauchenden„Marseillaise". Da diese Messen auch im Elsaß aufgeführt zu werden pflegten, lag die Möglichkeit vor, daß Rouget de l'Jsle seine Melodie in der Kirche gelernt hatte. Auch unterstützten innere Gründe die von Hamma beigebrachten äußeren. Einmal nämlich liegt im Charakter der jungbürgerlichen Kirchen- musik durchaus eine trotzige und zuversichtliche Stimmung, wie sie die Marseillaise atmet. Sodann aber scheint tatsächlich dieses Kriegslied— denn das war es zunächst ausschließlich— manchmal in einer Weise gesungen worden zu sein, die an die kirchliche Her- kunft erinnern würde. Nicht nur deuten darauf die Berichte von Ohrenzeugen über das erste Auftauchen der Marseillaise in den Theatern der Revolution, es hat auch Goethe seinen Eindruck von der Marseillaise beim Abzug der französischen Jäger aus Mainz 1793 folgendermaßen geschildert:„Sie ivaren ganz still bis gegen uns herangezogen, als ihre Musik den Marscillaiser Marsch an- stimmte. Dieses revolutionäre T e d e u m hat ohnehin etwas Trau- riges. Ahnungsvolles, wenn es auch noch so mutig vorgetragen wird; diesmal aber nahmen sie das Tempo ganz langsam, dem schlei- chenden Schritt gemäß, den sie ritten. Es war ergreifend und furchtbar und ein ernster Anblick als die Reitenden, lange, hagere Männer, von gewissen Jahren, die Miene gleichfalls jenen Tönen gemäß, heranrückten." lieber die Behauptung Hammas, jenes Credo sei das Urbild der Marseillaise gewesen, soll sich vor fünfzig Jahren eine lite- rarische Kontroverse entsponnen haben. Ich nahm, Anfang August 1912 aus der Schweiz zurückkehrend, die Gelegenheit wahr, von Konstanz nach dem gegenüberliegenden MeerSbur« zu fahren und an Ort und Stelle nachzuforschen. Der Organist der Stadtkirche gab uns seinen Sohn mit, und wir stiegen durch das wundervolle alte Nest hinauf zur Stadtkirche und auf den Chor. Zwei Schränke öffneten sich. Der eine enthielt alte Musikinstrumente, die nicht inchr gebraucht werden; und daß sie nicht mehr gebraucht werden, war eben das Verhängnis, wie wir noch sehen sollten. Der andere Schrank barg außer dem gegenwärtig gebrauchten Notenmaterial auch ein paar Stöße alter Noten, teils gedruckter, teils Handschrist- licher. Wir machten uns darüber her, in nicht geringer Hoffnung auf glückliche Lösung deS alten Rätsels. Es waren wirklich fast lauter Messen aus dem achtzehnten Jahrhundert, aber mit lauter gleichgültigen Namen. Nur einmal tauchte ein Hamma auf, und dann— wahrhaftig!— eine Missa solemnis von Holtzmann. Nun ist nämlich in der Tat an einigen neueren Stellen zu lesen. jenes Credo gehöre einer solemnis an, aber Hamma hat aus- drücklich betont, daß es sich um„missae drevcs" handle. Immer- hin gingen wir die Partitur mit Andacht durch und setzten zu mehrerer Sicherheft auch die Orgel in Betrieb, um das Credo aufs peinlichste zu beklopfen. Aber es war kein Takt Marserllaiser Hymne darin. Noch einmal wurde jedes Notenblatt des Schrankes umgedreht, jede Ecke des Chores durchstöbert, der Meßner über die anderen Schränke gehört(die aber nur Gewänder enthielten) und dann eine Wanderung von Pontius zu Pilatus angetreten, näm- lich zu den ältesten Leuten mit musikalischer Vergangenheit. Da ergab sich denn eine erbauliche Tatsache. Vor zwanzig Jahren— andere sagen schon vor vierzig— schaffte der Bischof von Konstanz die Instrumentalmusik in seinen Kirchen ab, so daß seitdem nur noch zur Orgel gesungen wird. Diese Tat fand natürlich den zu erwartenden Widerhall bei den untergeordneten Instanzen. Die Instrumente, soweit sie Kirchen- eigentum waren, wurden bestenfalls in einen Schrank gestopft, die alten Noten aber als Wurstpapier versteigert. Einiges soll ein Tapezierer erstanden haben, und so sitzt das Urbild der Marseillaise, wenn es nicht als Umhüllung von Schweinernem hat dienen müssen, vermutlich in irgendeinem Meersburger Stäbchen unter der geblümten Tapete, um eines Tages abzubrennen oder abgerissen und auf den Dünger geworfen zu werden. Und wie hart waren wir am Erfolge vorbeigestreift! Einer unserer Gewährsmänner, bei dem wir schvkoladckaufcndcrweise nach jenen alten Noten forschten, brachte ganz beiläufig vor, daß noch am Morgen jemand zu ihm gesagt, es sei vor längeren Jahren einmal ein Herr dagewesen, um das Urbild der Mar- seillaise in einer Messe von Holtzmann zu suchen. Wir waren uns einig, dies müsse ein gutes Omen sein, und fuhren flugs mit dem nächsten Dampfer nach Hagnau. Denn hier, so hieß es, wäre man wohl mit den alten Notenschätzen vorsichtiger umgegangen. Rücksprache mit dem Lehrer, Besteigen des Chores, leere Schränke. Hier gab es überhaupt nichts mehr. Inzwischen erschien der Geistliche und gab seine Einwilligung zur Durchforschung des Turmes. Irgendwo sollte irgendeine Kiste mit irgendwelchen Papieren stehen. Ter Turm, sehr alt und ein sogenannter Römer- türm, war ja recht interessant, aber von Papieren barg er keine Spur. Allerdings war da eine verschlossene Tür, aber sei es, daß der Schlüssel von den Römern nach der Erbauung des Turmes in den Bodensee geworfen wurde, sei es, daß der Priester ihn nicht hergeben wollte, jedenfalls ließ er sagen, hinter dieser Tür sei nichts. Aber versäumt hatte ich sicher nichts, denn nun suchte ich noch ein Mftglied des einstigen Kirchenorchesters auf, und da hörte ich, daß man in Hagnau die alten Noten gar verbrannt hatte. Das Credo der kleinen Messe Nr. 4 von Holtzmann ist in der Diözese Konstanz schwerlich noch irgendwo aufzufteiben. Vielleicht taucht es in einem anderen Winkel der Südwestecke doch noch ein- mal auf. Es sind ja immer nur die geistigen Waffen gewesen, die der Deutsche zum Befteiungskampfe der Menschheit geliefert hat, und es wäre ein kleiner Trost, wenn auch das revolutionäre Lied der Lieder, das heute längst zu uns zurückgekehrt ist, als altes deutsches Gut erwiesen würde, Rudolf Franz. Daß die deutsche Politik sich über die Tragweite der englischen Pläne nicht täuschte» zeigen die Berichte Greindls vom 12. Juni und 18. Juli. Der Staatssekretär von Schoen machte Greindl gegenüber aber kein Hehl daraus, daß er die englische Politik illoyal sinde. Den Rücktritt des englischen Botschafters Sir Frank Lascelles, der sich durch löjährige Tätigkeit in Berlin das Vertrauen des Kaisers und der deutschen Regierung erworben hatte, erklärte Baron Greindl dadurch, daß man in London diesen Vertreter einer Politik der Annäherung zwischen Teutschland und England als unbequem habe beseitigen wollen:„Ter Eifer, den er entwickelt hat, um Mitzberständnisse zu beseitigen, die er für töricht und für beide Reiche im hohen Grade nachteilig hält, entspricht nicht den politischen Ansichten seines Herrschers." Noch schärfer urteilt Greindl am 13. Februar 1303 über die englische Politik bei Gelegenheit des endlich erfolgten Besuches König Eduards in Berlin im Winter 1333. Er schreibt bei diesem Anlaß:„Ter König von England versichert, daß die Erhaltung des Friedens immer das Ziel seiner Bemühungen gewesen sei; das hat er seit Beginn des crfolgretchen diplomatischen Feldzugs immer gesagt, den er in der Absicht geführt hat, Deutschland zu isolieren; aber es kann einem nicht entgehen, daß der Weltfrieden niemals ernstlicher bedroht war, als seitdem der König von England ihn zu fe st igen trachtet. Der Besuch des Königs von England fällt mit einer erheblichen Vergrößerung des Marinebudgets zusammen, mit dem Bau neuer Panzer vom Dreadnoughttyp und mit der Bildung des stärksten Geschwaders, das es je gegeben hat, und dessen Heimatshafen der Punkt in der Nordsee ist, der den doutschen Küsten räumlich am nächsten gelegen ist. Geschieht dies lediglich zum Schutz gegen einen etwaigen Angriff, den Deutschland gar nicht in der Lage ist, zu unter- nehmen?" Die stetig weiter fortschreitende Verschärfung der Gegensätze läßt sich an der Hand aller Berichte Greindls im Frühjahr 1333 verfolgen. Eine Parallele zwischen den Marinedebatten in der Budget- kominission des Reichstags und den Verhandlungen im englischen Unterhause führt ihn zu folgendem Schluß:„Ich möchte nur be- inerten, daß, wenn man die Redner hört, die in London erörtert haben, wie die englischen Seestreitkräfte beschaffen sein müssen, um jeder Gefahr gewachsen zu sein, man glauben könnte, daß außer Großbritannien Teutschland die einzige Macht i ii, die überhaupt eine Kriegsmarine besitzt. Man hat von ihr gesprochen, als ob die anderen nicht existierten, und das einen Monat nach dem Besuch deS Königs von England in Beristc, bei dem so herzliche Reden gewechselt wurden. Diese ein- fettig?, geradezu hypnotische Furcht sagt mehr, als die obligaten offiziellen Höflichkeiten, ohne die gewiß Grund zur Beunruhigung borliegt, die aber an und für sich nicht das Geringste bedeuten. Nach wie vor>.cht die angebliche Annäherung beider Länder in einem tiefen gegei.sattlxpui Mißtraucin" Am 31. März schreibt er:„Die Verfassung der Gemüter in England erinnert an die in Frankreich während der Jabre 1836 bis 1873. Damals hielten sich die Franzosen für berechtigt, Deutschland an der Wiederherstellung seiner Einheit zu verhindern, weil sie darin eine Bedrohung t er..töorherrschaft sahen, die Frankreich bis dahin auf dem Festlanl ausgeübt hatte. Ebenso betrachtet man heute in Louchon die Weigerung, sich vertrag- lich dazu zu verpflichten, von der Gnade Eng- lands abhängig zu bleiben, als einen unfreund- lichen Akt und eine Bedrohung des Friedens." Als im Oktobci 1338 die englische und die französische Presse in böchstc Aufregung über die Annexion von Bosnien und der Herze- gowina geriet, war Herr Leghait in Sorgen, daß der Plan JSwolskis, auf einer ack hoc berufenen Konferenz den„Berliner 'Pertrag zu zerreißen", die Unterstützung Frankreichs und Englands finden könnte. Tie e-orge war unnötig, aber Herr Leghait war einsichtig genug, zu erkennen, von welcher Seite die Gefahr drohte. Auch ein Bericht Baron Greindls vom 1. April 1333 zeigt, daß er es lediglich der mangelnden Kriegsbereitschaft Rußlands zuschreibt, wenn der Krieg damals nicht ausbrach, den die englische Politik in nächster Nähe rückte. Tatsächlich hat, als dank Jvdj Eingreifen Teutschlands die Krisis überstanden wurde, die e i s! l i s ch e Regierung in St. Petersburg e r n st e ?, rtfrellungen darüber erhoben, daß Rußland der Anregung des Berliner Kabinetts gefolgt doar, die die Annexionsfrage aus der Welt schaffte. Bc.-.ron Greindl schreibt:„Es ist meiner Ansicht nach nicht zweifelhaft, daß Rußland und Frankreich von dem aufrichtigen A'unsch beseelt waren, einen allgemeinen europäischen Brand zu u.rmeikoi. Rußland hat nichts von dem, was man zum Krieg- führen Kraucht, und solange ihre englischen Freunde nicht in der Lage sind, ihnen auf dem Festland zu Hilfe zu kommen, sind die Fra'izifen weit entfernt davon, sich des Erfolges sicher zu fühlen. Ae er fo sehr man auch den Frieden wünschte, so hätte man ihn i' ch lieber anders gewährleistet gesehen. Der von Herrn JAvrfski und Sir Edward Grcy ausgearbeitete Konferenzvor- schlag, die Verhandlungen über eine Kollektivdemarche in Wien und der ganze Melnungsausiausch zwischen London, Paris und St. Petersburg zielten ständig darauf hin, Oesterreich- II gar n zu einem Vergleich zu zwingen, der einer Demütigung sehr ähnlich gewesen wäre." llileich zutreffend ist sein Urteil über die Rolle, die Italien im Dreibünde spielt, �Bericht vom 17. April 1303.J „Sekt recht langer Zeit gibt man sich weder in Berlin noch in Wien irgendwelazen Illusionen über den eventuellen Beistand ItelikicL hin. Der Ouirinal ist gegen Frankreich und England Verpflichtungen eingegangen und koketriert dauernd mit London und Paris. Trotzdem hält er am Dreibund fest als Garantie für tie Treue der neuen Freunde, die ihm nur ein begrenztes Lertmuen einflößen er behält sich dabei vor, sich auf die Seite des Stärkeren zu stellen wie in Algeciras, wo er Frankreich und England unterstützte, und wie kürzlich in der Orientfrage, wo er sich schließlich Teutschland und Lcjlerreich-Ungarn anschloß, nachdem er bis zum Augenblick, in dem erkennbar wurde, wo der Erfolg lag, eine zweideutige Haltung eingenommen hatte. Deutschland und Oefterreich-Ungarn behalten oder dulden Italien im Da: e t b u n d e, weil sein cffi ziel ler Austritt eine Minderung an Prestige� bedeuten würde, und cuich, weil man darin eine Möglichkeit sieht, rS im Falle eines Konfliktes nicht als Gegner zu haben; aber das ist alleS, waS man von ihm erhofft." Tie Zusammenkunft Kaiser Wilhems mit dem Zaren in den Finnländischen Schären am 17. Juni verstimmte sichtlich in Parts und noch mehr in London. Dazu bemerkt Greindl, daß man sich in Berlin über die Ergebnisse dieser Zusammenkunft keinen Illusionen hingebe. Offen- bar habe die Entwickelung der Balkankrisis gezeigt, daß die Tripelentcnte Rußland keine genügende Stütze biete, um auf mindestens normale Beziehungen zu Teutschland verzichten zu können. Auch die Zusammenkunft des Zaren mit Fallteres in Eherbourg, am 3l. Juli 1333, stand unter dem Eindruck der De- pression, die sich aus dieser Lage ergab. Der Bericht Archots, der damals Leghait in Paris vertrat, läßt darüber keinen Zweifel auf- kommen. Er hatte den Eindruck, daß der Rausch der russisch- französischen Verbrüderung verflogen sei. Das war freilich ein Irrtum; jeder neue Anlag, chauvinistische Hoffnungen aufzu- irischen, mußte ihn auch zu neuer Glut wieder anfachen, denn die Funren glühten unter der Asche fort und wurden sorgfältig gehegt. Eine neutrale Irieöenskonferenz. Wie der„Vossischen Zeitung" aus A m st e r d a m be- richtet wurde, erhielt nach einer Mitteilung des„Allgemeen Handelsblad" das Bureau des Antikriegsrates im Haag vertrauliche Mitteilungen, daß einige Regierungen neu- traler Länder zur Einberufung einer dauernden Friedenskonferenz, zusammengesetzt aus Vertretern der neutralen Mächte, bereit wären. Gefterreichische Maßnahmen gegen öie Teuerung. Wien, 8. August.(W. T. 58.) Die„Wiener Zeitung" der- öffentlicht eine kaiserliche Verordnung betreffend Vec- sorgung der Bevölkerung mit unentbehrlichen Bedarfsgegenständen. Durch sie erfahren die mit kaiser- licher Verordnung vom 1. August 1314 erlassenen Vorschriften zur Hintanhaltung von Preistreibereien eine zeitgemäße Ausgestaltung auf Grund der seither gemachten Erfahrungen. Durch die neue Verordnung wird das Recht auf Enteignung von Vorräten an unentbehrlichen Bedarfsgegenständen, das bisher bloß Gemein- den hatten, auch den Bezirken und Ländern zugestanden und über- dies der Minister des Innern ermächtigt, der KriegSgetreidevec- kehrsanstalt oder anderen Unternehmungen einen Anspruch auf die Enteignung einz»iräumen. Auch die Vergütung wird nicht mehr nach dem gemeinen Werte, sondern nach einem angemessenen Preise festgesetzt. Für Ware, für welche ein Höchstpreis bestimmt ist, darf die Vergütung diesen nicht übersteigen. Die neue kaiser- liche Verordnung bestimmt ferner, daß nicht nur Händler, sondern jedermann, der gewerbsmäßig oder auf einem Markte Lebens- mittel feilhält oder verkauft, die Preise für die einzelnen Lebens- mittel ersichtlich zu machen hat. Den Verkäufern wird die SZe» pflichtung auferlegt, die unentgeltliche Benützung ihrer Wagen zum Nachwiegen der verkauften Sachen durch die Käufer zu ge- statten. Für Uebertretungen dieser Vorschriften wird empfind- liche Strafe angedroht, und zwar bis zu 5333 Kronen oder zu sechs Monaten Arrest. Auch kann auf Verfall der Ware oder Verlust der Gewerbeberechtigung erkannt werden. Um die Regelung des Ein- und Verkaufes auf Märkten den gegenwärtigen außerordent- lichen Verhältnissen anzupassen, wird die politische Landesbehörde ermächtigt, die den unmittelbaren Verkehr der Konsumenten mit den Produzenten oder Großhändlern erschwerenden Einrichtungen aufzuheben. Die Gemeinden werden angehalten, preisregelnd auf den Marktverkehr einzuwirken. Alle Machenschaften, die darauf abzielen, daS Angebot auf dem Markte zu verringern, werden unter Strafe gestellt. Die in der kaiserlichen Verordnung vom 1. August 1314 enthaltenen Strafbestimmungen für Preis- treibereien, nämlich die Forderung von übermäßigen Preisen, Ein- schränkung der Erzeugung und des Handels und Verbreitung un- wahrer Nachrichten, sind in die neue kaiserliche Verordnung über- nommen und ergänzt worden. Die neue kaiserliche Verordnung tritt am 11. August in Kraft. Krieg und Staatsschulden in der Schweiz. Der Bundespräsident Motta hat in seiner am 1. August in Bellinzona gehaltenen Festrede ausgeführt, daß die eidgenössische Staatsschuld auf Ende des Jahres 1315, sofern der Krieg nicht vorher sein Ende findet, auf eine halbe Milliarde Franken und der künftig durch neue Einnahmen zu deckende jährliche Ausfall im Bundeshaushalt auf 43 Millionen Franl anwachsen werde. Nach der„selbstlosen" Nieinung der schweizerischen Agrarier sollen die 43 Millionen durch Brotzöllc und Tabaksteuer, also auf Kosten der Konsumenten und zum großen Vorteil der Agrarier selbst auf- gebracht werden. Patrioten und Gemütsmenschen! Scharfe Kritik in üer Duma. Kopenhagen, 7. August. fW. T. B.) Die„Rjetsch" ent- hält einen Artikel, in dem cs heißt: Die Duma versammelt sich in einem unendlich schweren Augenblick für das Volk. Der Jahres- tag des Krieges brachte nicht die evtvarteten Früchte. Nach den allergrößten Anstrengungen und dem Verluste unendlich vieler teurer Menschenleben stehen die Russen heute auf derselben Linie, auf der sie seinerzeit den Kamps beginnen wollten. Die Berechnung deS Feindes, uns � und unsere Alliierten unfertig vorzufinden, erwies sich als vollständig richtig. Wir wollen uns nicht vcr- heimlichen, daß unsere Aufgabe sich als viel größer, verwickelter und schwieriger erwiesen hat, als wir erwartet hatten. Nux eines kemn Rußland retten, nämlich die Organisation. Wie der„gijetsch" weiter zu entnehmen ist. bat in der Duma der Führer der Kadetten Miljukosf, dessen Rede in dem amtlichen Auszüge u n e r- wähnt geblieben ist, unter großem Beifall der ganzen Linken ausgeführt: Bereits vor einem halben Jahre ver- sammelten wir uns mit dem Gefühle großer Unruhe und sprachen der Regierung in geheimen Sitzungen aus, was öffentlich nicht ausgesprochen werden durfte. Die Regierung antwortete, daß sie unsere Hilfe nicht brauche und ohne uns fertig zu werden hoffe. Jetzt sind wir im Moment der allerschweriten Prüfungen des Volkes versammelt. Unsere Unruhe hat sich als begründet er- wiesen, die Versicherungen der Regierung erwiesen sich als leere Worte. Das Volt will jetzt selbst das Versäumte nachholen, es sendet uns hierher mit dem Befehle, der Regierung die Wahrheit zu sagen. Wir müssen jetzt die Anstrengungen verzehnfachen. Man sagt, daß die Zeit für uns sei. Dies ist aber nur der Fall, wenn wir es verstehen, die Zeit auf das Aeußerste auszunutzen. Tie Aufgabe der Duma, im Laude ein bewußtes, politisches Leben einzuführen, wurde von der Regierung in jeder Weise gehemmt. Vollständiges Mißtrauen gkgen das Volk ist immer noch der leitende Gedanke unseres politischen Lebens. Die Regierung hat alles getan, um die patriotische 58cgeisterung des Volkes zu ver- uichten. Selbst die Beziehungen zu den Verwundeten wurden mißtrauisch beobachtet. Unter dem Vorwande des KriegSzwangeS wurden die unsinnigsten Verfolgungen fremder Völker/besonders der Juden, eingeleitet. Wir sahen die allerdümmsten und ein- sältigsten Matznahmen, um unsere Religion und unsere Ratio. nalität in der neuerworbenen Provinz Galizien einzusübren. Als Beamte wurde der Auswurf der Provinzbeamten hingesandt, die das Ideal der kleineren Nationalitäten sofort töteten. Erst heute ist nach früheren nebelhaften Aufrufen des Generalissimus das Wort von der Autonomie für Polen geiallen. Gegen die armen russischen Juden wurde eine systematische Trangsalierung rohester Art unter der Beschuldigung der Spionage durchgeführt, wofür keinerlei Beweise erbracht worden sind. Dies sind Maßnahmen, die an die allerwildesten Zeiten des barbarischen Mittelalters er- innern, Rußland in den Augen der ganzen Welt berabsetzten, unsere Freunde betrübten und unseren Feinde» die größte Schadenfreude bereiteten. Hinsichtlich des Prozesses gegen die sozialistischen D u m a m i t g l i e d c r habe ich Einsicht in die Akten �genommen und erkannt, daß der Prozeß für alle Zeiten ein Symbol russischer Rechtsverdrehung bleiben wird. Die Verurteilten sind völlig un- schuldig. Redner verlangte darauf die Zurückberusung dieser Mitglieder in die Duma und sofortige völlige Amnestie für politische Verbrecher und schloß, im ganzen Volke spreche man von Verrätereien, was von der Regierung durch Hinweis auf Juden und nichtrusstsche Familien systematisch ge- nährt würde, wodurch Pogromstimmungen wie in Moskau hervor- gerufen würden. Auch das Besiechungssysiem blühe immer weiter. Mit dem Abgänge des Kriegsministers sei cs nicht getan, da er die Duma direkt betrogen habe. Redner verlangte eine ge- richtliche Untersuchung, da solche Handlungen als Staatsvcr- brechen zu betrachen seien, und schloß mit dem Verlangen einer vollständigen Aenderung des inneren Kurses, da für Rußland jetzt alles auf dem Spiele stehe. Miljuroff wurde sortgesetzt von den stärksten Beifallsrufen unter- krochen und am Schlüsse mit einem Beifallssturm belohnt. Die von uns gestern wiedcrgegebenen Ausführungen des Ge- nassen T s ch e i d s e werden durch folgende Meldung des Courier- bureaus Haag ergänzt: „Falls Rußland keine entscheidende Umwälzung im Innern des Reiches vornimmt, muß es bald vollständig zusammenbrechen. Als die Vertreter der Regierung heute hier ihre Reden hielten, er- innerte ich mich der an die Kadetten gerichteten Worte des vor- storbenen Ministers Stolypin:„Ihr habt große Erschütterungen, wir aber ein großes Rußland nötig!" In Wirklichkeit aber� hat nur die Regierung große Erschütterungen nötig, um wenigstens eine Minute lang nachzudenken, was dem Lande not tut. Diese Menschen stehen auf dem Standpunkt, je schlechter, desto besser. Tie Tatsachen zeigten uns, daß Anhänger dieser Devise nur Vertreter der Regierung waren und nicht wir. Pom ersten Moment des Kriegsausbruches an war die ganze Arbeiterklasse im wahrsten Sinne des Wortes terrorisiert, die Krankenkassen wurden in De- tektivkammcrn verwandelt, die Presse erstickt. Aber das war ihnen noch nicht genug. Dieselben Leute, welche in ihren Reihen immer Mjassojedows hatten oder noch haben, diese Leute begannen die Suche nach Verrätern in der Arbeiterklasse. Während die Herren Mjassojedows hinter dem Rücken der Armee Rußland verkauften, verurteilte man unsere Kameraden und die Reichsdumaabgeordneten und Herr Schtschcglowitow legte sie in Ketten. Die Arbeiter forderten ihre Zulagen um wenige Groschen, dafür wurden sie erschossen. Von den Juden werden die ehrbarsten Männer als Geißeln festgenommen. Ich frage euch: Hat schon irgendeine Regierung einen solchen Zynismus erreicht, ihre eigenen Staatsangehörigen als Geißeln festzunehmen? Ich behaupte, daß das eine beispiellose Erscheinung in der Weltgeschichte ist. Hier sprach man über die Autonomie Polens. Wann begann man darüber zu sprechen? Als ganz Polen vom Feinde besetzt war! Dann schilderte Tscheidse die Lage im Kaukasus. In dem zerstörten Gebiet Adscharia fand man erfrorene Frauen mit Säuglingen, welche vor den Vergcwaltigern geflohen waren. Kaum betrat die russische Armee Galizien, da fingen die neu eingesetzten Behörden an, die Idee der„Schwarzen Hundert" zu pflanzen und zu den Juden, die erschienen, um zu erfahren, welches neue Schicksal sie erwarte, sagt man:„Seid nur loyal und ihr werdet dieselben Rechte bekommen wie eure Glaubensgenossen sie in Rußland haben." Unser Land kann und darf nicht in einem solchen Zustande bleiben und es wird sich auch ein Ausweg sinden. Dieser Ausweg ist die vollständige Befreiung und Demokratisierung d e r M a s s e n. Die Verantwortlichkeit für die unzähligen Kriegs- opfer, für die Zerstörung des ganzen wirtschaftlichen Lebens, für den Hunger und die Armut, fällt im ganzen auf die Regierung und gleichzeitig auf die dritte Reichsduma, welche zweifellos die Re- gterungspolitik unterstützte. Während des ganzen Kricgsjahres hat die Regierung alles verheimlicht, die Reaktion fand keine Grenzen. Falls das Volk nicht erwacht und nicht in seine Hände das Schicksal des Landes nehmen wird, ist der Zusammenbruch unver- meidlich. Die Regierung muß verschwinden und das Volk mutz das Schicksal des Landes bestimmen." Streik in üer amerikanischen Rüftungs- inüuftrie. Ntica(New Nork). 8. August.(W. T. B.)(Meldung des Reuterschen Bureaus.) 1533 Arbeiter der Remingtonwcrle haben den allgemeinen Ausstand erklärt. Es herrscht keine Unruhe. Die Ursache des Streiks sind Lohnforderungen. verbotene Jaurös�Geöenkfeiern in Italien. Der„Avanti" berichtet in der Nummer vom 2. August von Jaures-Gedenkfeiern in ganz Italien. An einzelnen Orten jedoch hat die Polizei ihre Abhaltung verboten. So in S. Marzano. wo der Präfekt von Alesscntdria die Versammlung untersagte, und in Livorno, trotzdem sie im letzteren Falle nur mittelst 533 privater Einladungen einberufen war. Genosie Troelftra. lieber den Gesundheitszustand Troelstras wird uns aus Amsterdam geschrieben: Troelstras Gesundheit bessert sich nach ärztlichem Urteil zwar langsam aber stetig. De nervöse Erschütterung, die sich u. a. darin äußerte, daß er nicht gehen konnte, weicht allmählich. Sein Zustand erfordert aber noch immer sorgfältigste Pflege und sehr lange Ruhe. Vermutlich geht er in sechs oder acht Wochen in die Schweiz, um dort vollständige Ge- nesung zu suchen. politische Uebersicht. Eine Kundgebung der pommerschcn Nntionalliberalen. Der geschäftsführende Ausschutz der nationalliberalen Partei Pommerns, der heute in Stettin tagte, faßte einstimmig folgende Entschließung: „Der geschäftsführende Ausschuß der nationallibcralen Partei Pommerns hat mit Befremden davon Kenntnis genommen, daß in einer Zeit, in der auf den Schlachtfeldern in Oft und West ein freieres und größeres Deutschland erkämpft wird und dadurch das zur Erfüllung heranreift, was in jahrzehntelanger Arbeit getreu den Ueberlieferungen Rudolf v. Bennigsens die nationalliberale Partei erstrebt bat, durch Kundgebungen in der Presse der Anschein erweckt werden konnte, als ob eine Erörterung über die Krieges- ziele zu Unstimmigkeiten und Gegensätzen in der Partei führt. Welche irreführenden Mitteilungen dadurch bereits hervorgerufen worden sind, erhellt aus den Glossen, die in letzter Zeit ein Teil der Presse hierzu mit deutlich erkennbarer Spitze gegen den Partei- fübrer Baffermann gemacht bat, obwohl kein Zweifel darüber be- stehen kann, daß die gesamte Partei ohne Ausnahme und rückhalt- los auf dem Boden der Kundgebung des geschäftsführenden Aus- schusses und der Landcsvorsitzenden vom 16. Mai. d. I. steht, in der es mit Hinblick auf das Kriegsziel heißt:„daß die gewaltigen Erfolge unseres unvergleichlichen Heeres und unserer todesmutigen Flotte auch politisch restlos ausgenutzt werden müssen." Auf eine selbständige, auf eigener gewissen- hafter Ueberzeugung begründete Politik in den großen nationalen Fragen wird die national- liberale Partei niemals verzichten. Getragen von dem durch die großen Opfer berechtigten Verlangen, daß nach dem Wort unseres Kaisers„der Friede uns die notwendigen militäri- schen, politischen und wirtschaftlichen Sicherheiten für die Zukunft bieten muß" sprechen wir unserem in jahrelanger schwerer politischer Arbeit erprobten Führer Basser mann unser vollstes Vertrauen au s." Aus Groß- Berlin. Modefragen. " Bas! wird der Leser ausrufen: Ueber Modefragen zu schreiben, unterfängt sich in jeßiger Beit der Vorwärts", wo wir uns den Kopf zerbrechen, wie wir den fnurrenden Magen befriedigen können. Die so reden, haben recht. Es liegt uns aber vollkommen fern, eine Abhandlung über Modefragen den Lesern vorzuseßen, wir wollen vielmehr darauf hinweisen, daß die Modefrage in den legten Monaten von einer ganzen Anzahl von Leuten sehr ernsthaft und eingehend erörtert worden ist. Im Vordergrunde der Erörterungen stand die Frage: Wie schaffen wir eine deutsche Mode? Für jeden Kenner der Verhältnisse ist es flar, daß hierbei die Interessen besonderer Erwerbsgruppen eine ausschlaggebende Rolle spielen, die aber durch ein patriotisches Aushängeschild nach Möglichkeit verdeckt werden. Mehr vom religiösen Gesichtspunkt aus behandelt ein Artikel im Reichsboten" die Bestrebungen auf Einführung einer deutschen Mode. Die Darlegungen sind immerhin nicht uninteressant. Wir lesen da: un= Auch in den Spalten der Deffentlichen Meinung" des Auch in der Friedrichstraße wurde in derselben Nacht ein Rofalanzeigers" haben sich seit einiger Zeit Stimmen über Spielflub überrascht. Hier bestand er aus Männern, der sich die deutsche Mode erhoben. Was von den Einsenderinnen nicht jeden Abend in einer Privatwohnung zu gewerbsmäßigem Glüdsalles als undeutsch bekrittelt wurde, geht aus einer Antwort spiel versammelten. Auch sie wurden auf der Wache festgestellt. auf diese Einsendungen in der letzten Sonntagsnummer herbor. Da antwortet ein Mann: Eine Räubergeschichte. ,, Sind denn die Urheberinnen dieser Artikel so wenig von dem Geist, der unser geliebtes Vaterland durchbrungen hat, Schacher, das gestern von der Kriminalpolizei nach Moabit geEinen Räuberroman erzählte das Dienstmädchen Martha beseelt, daß für sie gleich wie in ruhigen Friedenszeiten nur der Modeteufel Interesse hat? Wie undeutsch, meine Damen, bracht wurde. Die Achtzehnjährige diente bis Ende v. Mts. in der wenn Sie glauben, die einfachen Kleider unserer Straßenbahn- Brunnenstraße. Da kehrte die Herrschaft eines Tages von einem schaffnerinnen müßten Ihnen Anlaß zu Ausstellungen geben! Ausflug zurück, fand alle Behältnisse durchwühlt, die Scheiben des Wie undeutsch, meine Damen, wenn die schwarzen Schleierstoff- Büfetts eingeschlagen, daraus 300 M. gestohlen und das Dienstärmel, die einige Ihrer Geschlechtsgenossinnen aus rein mädchen verschwunden. Am Freitag begegnete der Bestohlene der hygienischen Gründen tragen, bei Ihnen ergernis erregen! Vermißten in der Brunnenstraße und ließ sie festnehmen. Sie Ich glaube, meine sehr verehrten Damen, Sie suchen nur, um etwas finden zu wollen; denn ich muß offen bekennen, wir Männer sehen über solche Aeußerlichkeiten" hinweg, fönnen auch nichts unpassendes darin erblicken, wenn sich Frauen im Hochsommer so leicht wie möglich fleiden( natürlich in den durch die allgemeinen Anstandsregeln vorgeschriebenen Grenzen), und zwar auch die, die ein schweres Geschick dazu ausersehen hat, die Farbe der Trauer zu tragen, die mehr als andere Farben für Sonnenbrand und Hize empfänglich ist. Und die neue Haartracht der Frauen? Bitte, meine Damen, seien Sie dessen versichert, es hat uns Männern noch selten eine so kleidsame Frisur an Ihnen wie diese gefallen, nicht allein wegen ihrer Einfachheit, sondern vor allen Dingen wegen ihrer echten Natürlichkeit! Also, meine Damen, nur nicht alles an anderen Gvastöchtern betritteln und tritifieren wollen, noch dazu in diesen schweren Kriegszeiten, wo manch ein armes Frauenherz an größeren als Modesorgen zehrt, sonst kommt man zu leicht in den gewiß nicht schönen Ruf, ein unleidlicher Nörgler zu sein." Diese Proben dürften genügen. Sie zeigen, daß in schwerer Zeit es noch eine ganze Anzahl Menschen gibt, denen müßige Modefragen großes Kopfzerbrechen macht. Augen auf und Taschen zu! leugnete vor der Kriminalpolizei jede Schuld an dem Einbruch und schob sie ganz auf einen fremden Mann, der nicht nur die 300 M., sondern auch sie selbst mitgeraubt habe. Als sie allein in der Wohnung war, kam der Mann, fragte nach dem Hausherrn, ging, weil dieser nicht da war, zunächst wieder weg, kam aber gleich wieder, drang gleich in das Zimmer, knebelte sie, fesselte sie ant Händen und Füßen und schloß sie in der Badestube ein. Nachdem er dann den Einbruch verübt und das Geld erbeutet hatte, brachte er das Mädchen mit seinem Kraftwagen, der unterdessen vor dem Haufe auf der Straße gehalten hatte, nach seiner Behausung, die ganz vereinzelt tief in einem Walde lag. Nach einigen Tagen ging der Mann mit Flinte hinaus und vergaß das Haus abzuschließen. Diese Gelegenheit benutte die Gefangene zu entfliehen und nach Berlin zurückzukehren. Hier war sie gerade eingetroffen und eben befand sie sich auf dem Wege zur Dienstherrschaft, um ihr Bericht zu erstatten, als der Hausherr ihr begegnete und sie festnehmen ließ. Diese Räubergeschichte hielt das Mädchen lange 3eit hartnädig aufrecht; wo der Wald mit dem einsamen Hause liegen sollte, fonnte sie allerdings nicht näher sagen. Endlich aber räumte sie doch cin, daß sie selbst den Einbruch verübt hatte, um ihrem Geliebten Geld schicken zu können. Sie hatte sich dann die ganze Zeit über in Berlin herumgetrieben. Als zuerst der Ruf nach einer neuen deutschen Mode auftauchte, da jagten einige: Wir haben jetzt keine Zeit und keinen Sinn dafür. Andere waren begeistert für den Gedanken, auch auf dem Gebiete der Mode das Ausland zu schlagen. Deutschland in der Welt voran! Auch mit Kleidern und Hüten und Schuhen! Deutschland muß die Führung in der Weltmode befommen! Konferenzen tagten( mit zum Teil recht germanischen Namen der Teilnehmer) und hier und dort wurde eine Modeschau veranstaltet, um die deutsche Mode zu machen". Und der Erfolg? Bei manchen der Neuschöpfungen hatte der unbefangene Laie fast den Gindrud, als jollte einmal wieder bewiesen werden, daß der deutsche Geist teine schöne und geschmackvolle Mode schaffen kann. Schon bei den Ansätzen zur Reformkleidung hatte man oft diesen Eindruck. Zum Ueberfluß teilt eine angesehene Bekleidungsfirma mit, daß der neue, furze Faltenrod„ neueste Bariser Mode" sei, daß so die Damen Gaunereien an unerfahrenen jungen Leuten find in letter der französischen Halbwelt jetzt an den noch besuchten Ver- Zeit an der Tagesordnung. Es mehren sich die Anzeigen, gnügungsplägen erscheinen, und daß die französischen Zeitungen Kleine Nachrichten. Gestern morgen gegen 9 Uhr wurde an der sich begeistert über die besonderen Reize dieser Mode auslassen. daß arbeitsuchende, vor den Ausgabestellen des Arbeitsmarktes Grenzallee an dem Neuköllner Stichkanal die Leiche eines etwa Wenn also die guten Deutschen sich in der teuren Striegszeit aus sich aufhaltende Beute von guten Freunden" angesprochen 40jährigen Mannes, anscheinend dem Arbeiterstande angehörig, auflauter Vaterlandsliebe statt der billigen engeren( natürlich nie- werden, die vorgeben, Stellungen verschaffen zu können. Be- gefunden. Papiere hatte der Tote nicht bei sich. Der Verstorbene mals zu engen!) Röcke dreimal so viel Stoff zu jedem Kleide dingung ist natürlich eine kleine Vergütung im voraus, womit ist 1,70 Meter groß, fräftig, bekleidet war er mit dunklem Jackett angeschafft haben, dann kann es geschehen, daß sie ihre Eben- der hilfsbereite gute Mensch" auf Nimmerwiedersehen ver- und dunkler Weste, gestreifter dunkler Hose, grauem Wolhemd und verschwarzen Schnürstiefeln. Die Leiche wurde nach dem Schauhauſe bilder nach dem Kriege doch wieder in den französischen, lebenden schwindet. Es ist derselbe Trick, den bestimmte Gauner an geschafft. Mit einem Betäubungsbecher arbeitet ein Mann, der Modepuppen, den Mannequins" erbliden." Leuten versuchen, die aus den Ostprovinzen am Schlesischen in Goldwarengeschäften erscheint und Verkäuferinnen einen Becher Bahnhof fremd in Berlin ankommen und die diesen Burschen zeigt, der Betäubungsmittel enthält. Der Mann hat anscheinend zum Opfer fallen. Erst fürzlich meldeten wir zwei solcher die Absicht, nach Betäubung der Verkäuferin die Geschäfte zu beFälle, in denen leichtgläubige Personen um ihre Barschaft rauben. In einem Geschäft in der Potsdamer Straße miglang ihm gebracht wurden. In dem einen Falle handelte es sich um der Plan durch das rasche Hinzueilen des Personals. Der Bursche Auf einen Treppenabsah einen falschen Feldgrauen; in dem anderen Falle um einen fonnte noch schnell die Flucht ergreifen. jener Nepper, die es auf zugereiste Provinziale abgesehen gefunden, in dem sich ein noch lebendes, etwa acht Wochen altes in dem Hause Wöhlertstraße 1 wurde gestern morgen ein Bündel haben. Daß der Zeitgeist in allen Kulturvölkern vor dem Kriege Kind befand. An dem Bündel war ein Zettel angeheftet mit der fich dem antichristlichen Jdeal der Vergötterung des Fleisches Heute warnen wir vor einem anderen Schwindler, der Aufschrift: Frischen G. S. Der junge Weltbürger ist anscheinend näherte, daß seine hervorstechendsten Aeußerungen Mammons- das Mitleid der Mitmenschen durch einen, in einer weißen von der Mutter ausgesetzt worden. 3wei reisende Warenhausund Zurusdienst waren, ist nicht zu leugnen. Daher ist die Tragbinde ruhenden Arm anregen will. Meist wendet er sich diebinnen wurden am Sonnabend in einem Warenhaus am Weltherrschaft der englischen und französischen Mode vollkommen an jugendliche Personen mit der Bitte, ihm fünf Pfennig zum Alexanderplatz festgenommen. Es wurde festgestellt, daß die beiden erklärlich. Und zwar ist es bemerkenswest, daß England die fehlenden Fahrgeld zu schenken, damit er nach Haus fahren Frauen vor 14 Tagen aus Rottbus hierhergekommen waren und in Männermode, Frankreich die Frauenmode Frauenmode machte. Die fann. Trotz der Plumpheit dieses Tricks soll der Schwindler, dieser Zeit zahlreiche Diebereien verübt haben. Die KriminalMammonssucht ergreift den Mann, der Verbrauch im Zurus wie uns berichtet wird, anscheinend einen ansehnlichen Erfolg polizei fand bei ihnen Gepäckscheine von vier Bahnhöfen, auf denen fie eine fleine Wagenladung Beute lagern hatten. Im Bette er aufgehäufte Geld in Paris in Lurus umjeßt, dafür war König stickt ist der sechs Monate alte Sohn Herbert des Arbeiters Thimm aus der Prinzenallee 11. Während Thimm am Sonnabend nachmittag auf seiner Arbeitsstelle war, mußte seine Frau waschen. Zur Wartung des Kleinen ließ sie ihre beiden 12 und 9 Jahre alten Sinder in der Wohnung. Als sie abends aus der Waschküche zurüdfam, fand sie ihr Söhnchen tot im Bette liegen. Es hatte sich, wäh rend die beiden großen Kinder spielten, in die Kissen verwickelt und Eine elfjährige Weltreisende wurde gestern mit einem Pappfarton in der Hand auf einem hiesigen Bahnhofe angehalten. Sie gab an, nach Berlin gekommen zu sein, um Stellung 311 suchen. Schließlich wurde aber festgestellt, daß es sich um ein Mädchen Frida K. aus Looch am Rhein handelte, welches das Fahrgeld sich aus der Kaffe der Eltern entnommen hatte, um nach Berlin zu fahren. Es wird den Eltern wieder zugeführt werden. Dann wird die Frage erörtert, ob es überhaupt möglich sein wird, eine Weltherrschaft der deutschen Mode zu schaffen. Es wird gesagt, daß der eigentliche Führer in der Mode der 3eitgeist sei und daß den Mittelpunkt der Weltmode das Volk bilde, das dem Zeitgeist am nächsten stehe. Dann heißt es: zu verzeichnen haben. Hat er eine Zeitlang mit Erfolg gearbeitet, dann steckt er die weiße Binde in die Rocktasche, verschwindet in einer Destille und setzt das erschwindelte Fahrgeld in Alkohol um. fällt auf die Frau. Wie man das von Englands Mammonismus Eduard VII. seinem Volfe und der ganzen Welt ein Vorbild." Die Erfindung neuer Moden erfordere viel Arbeit und Nachdenken. Das aber auf einen so nebensächlichen Gegen- Wieder andere sehen die Todesanzeigen in den Zeitungen ſtand zu verwenden, sei nicht deutsche Art. Deshalb würde durch und finden sich bei Hinterbliebenen der im Felde Gefallenen es auch mit einer deutschen Weltmode nicht viel werden. ein, um unter diesem oder jenem Vorwande Geld zu erRichtig sei, daß bei uns sehr viel nachgeahmt würde, es würde gaunern. Man sei deshalb auf der Hut! zu viel Burus getrieben.. Je mehr auch bei uns das Geld auf den Thron gesetzt wurde, desto mehr famen wir ins Gefolge des Zeitgeistes. Unsere Höheren Stände sahen sich infolge des stets wachsenden Zugus der Lebensgewohnheiten genötigt, bei Cheschließungen, bei der Wahl des Verkehrs usw. hauptsächlich auf Geld zu sehen, wollten sie nicht aus dem Strom des High Life" ausscheiden." Der tiefste Grund liegt in der Freigeisterei bei Männern und Frauen, die um jeden Preis mit den alten Sitten brechen will; die mit der biblischen Weltanschauung als eins der ersten die biblische Anschauung über den Begriff der Sittlichkeit im engeren Sinne über Bord geworfen hat. Es scheine also, daß wir nicht so sehr einer neuen Mode als einer neuen Gesinnung bedürften. Man müsse zurückkehren zur Einfachheit und Schlichtheit. Der Artikel über deutsche Mode schließt: Die Bescheidenheit würde den Zurus verbieten. Jede deutsche Frau würde dann wieder den Mut haben, sich als das zu fleiden, was sie wirklich ist, und nicht als etwas biel Höheres. Gs berührt doch gewiß nicht angenehm, wenn jetzt in der Kriegszeit als Anfang der neuen deutschen Mode seidene Packfischkleider als besonders schön gepriesen werden, und wenn neben den auf das billigste berechneten Kriegsrezepten Anzeigen von Kleiderstoffen bis zu 40 M. das Meter zu lesen sind. Wie viele Ghen gehen en am Kleider lugus Wie bi zugrunde! Unser ganzes Volfsleben würde durch eine solche wirklich deutsche Mode wieder den Stempel der Schtheit erhalten, der ihm so sehr verloren gegangen war. Dabei fommt es gar nicht darauf an, wer die Grundformen dieser Mode angibt. Wir brauchen das durchaus nicht selbst zu sein. Wir haben der Welt andere Werte zu geben als die Form von Kleidern und Hüten." Soweit der Reichsbote", worüber sich unsere Leser ihren Vers selber machen werden. Sozialdemokrat. Kreiswahlverein Niederbarnim. Bezirk Weißensee. Am Freitag, den 6. August vers starb unsere langjährige Genoffin Frau Emma Blendinger Metstr. 25, im 40. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 10. August, nachHalle Unserm Abteilungswirt Genossen Hermann Prochaska und Frau die besten Glüdwünsche zur 37A filbernen Hochzeit. Die Funktionäre der 16. Abteilung. Gemeindefriedhofes, Stōideftraße, H.Pfau, Bandayist aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Bezirksleitung. Klavierstimmer. Fast erblindeter Genosse empfiehlt sich als Klavierstimmer. Hasselbach, Neukölln, NiemesStraße 10. Berlin Dircksenstraße 20 C., zwischen Bahnhof Alexanderplatz und Polizeipräsidium.- Amt Kst. 3208. Für Damen Frauen- Bedienung. Lieferant für alle Krankenkassen Statistisches aus Berlin. war erstickt. Die Bevölkerung von Berlin belief fich anfangs Juli 1915 auf 1927 776 gegen 1939 943 anfangs Juni 1915 und 2056 879 zu Beginn des Juli 1914. Die Abnahme stellt sich danach auf 12 167, bam. 129 103. Hiervon entfällt der größte Teil auf das männliche Geschlecht. Die Geburtenziffer ist von 18 auf 14 gefallen, die Sterblichkeitsziffer von 14 auf 14,75 gestiegen. Im Juni dieſes Jaures zogen 21 552 Perfonen zu, darunter 11 267 weibliche, während 33 601, darunter weise Gewitter. 18 608 männliche Personen, abgemeldet wurden. Die Verkehrsziffern zeigen eine weitere Verbesserung. Die Große Berliner Straßenbahn beförderte im Juni dieses Jahres allein rund 35,5 Millionen, die Allgem. OmnibusGesellschaft durch Omnibusse mit Pferden 6 661 000 und durch Kraftwagen 1716 990 Fahrgäste. Wetteraussichten für das mittlere Norddeutschland bis Dienstag mittag. Am Tage mäßig warm, zeitweise aufflarend, aber sehr unbeständig, und öfter wiederholte, meist leichte Regenschauer. StrichAus aller Welt. Eisenbahnunglück in England. Der Auftrieb auf den städtischen Viehhof betrug im Juni hat ein Eisenbahnunfall bei der Station Enfieldlock stattgefunden. London, 8. August.( W. T. B.) Auf der Great- Eastern- Bahn 1915 nur 52 114 Schweine gegen 118 463 im Juni 1914, 37 Fahrgäste sind verlegt worden. ferner 23 335 Kinder, 13 996 Kälber und 36 840 Schafe gegen 16 558 bzw. 16 985 und 46 519 im Juni 1914. Der aufgelöfte Frauenspielklub. Erdbeben in Süditalien. Hohenheim, 8. August.( W. T. B.) Gestern nachmittag furz nach 4 Uhr wurde von den Instrumenten der hiesigen Erdbebenwarte ein großes Erdbeben aufgezeichnet, dessen Herd sich oder Albanien. Die Ausschläge der Instrumente waren nicht so bedeutend wie beim Erdbeben von Messina, lassen jedoch auf Zerstörungen in den betreffenden Gegenden schließen. Die Herd= entfernung berechnet sich auf 1230 Stilometer. Die Kriminalpolizei hat in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag in einem Hinterzimmer eines in der Alten Schönhauser höchstwahrscheinlich in Südeuropa befindet, vielleicht in Calabrien Straße belegenen Zigarrengeschäfts zwölf beim Spiel betroffene Frauen nach der Revierwache genommen und festgestellt. Hausbewohner hatten sich bei der Polizei beschwert, daß sie nicht schlafen könnten. Die Gewinnerinnen waren so ausgelassen, die Verliererinnen machten einen solchen Lärm, daß die Nachtruhe der Hausbewohner gestört wurde. Gegen fie und die Inhaberin des Ladens wurde ein Strafverfahren eingeleitet. Sie laufen wie eine Biene! Denn Sie uni. gestrickten Haus- u. Straßenschuhe tragen. Kein alt= Brennend. Füße, t. Schweißfüße, t. geschwoll. Gelenke, t. Krampfad., Benenentz.,. 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Nach dem„ Secolo" wurde gestern nachmittag ein leichtes wellenförmiges Erdbeben, das sich in turzer Zeit rasch wiederholte, in verschiedenen Städten Süditaliens beobachtet. Berlin SO. 16, H.& P. Uder, Engel- Ufer 5. Tabak- Großhandlung und Tabakfabrik. Rauch-, Kau-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten. Vorteilhafteste Bezugsquelle für Wiederverkäufer. Größte Auswahl gelagerter Zigarren in allen Preislagen. Sämtliche zu Originalpreisen. Sammen haben Zigarettent pl., 2014. kannten Marken Spezialarzt Dr. med. Karl Reinhardt. Prinzenstr. 64 f. Geschlechtskrankheiten, Harnleiden, Schwäche, Ehrlich- Hata- Kuren, Blutund Harn- Untersuchungen. Institute: zwischen Dresdener und Annenstraße. Sprechst. 5-7, Sonntags 10-11. a. d. Lützowstr., Sprechst. 211-2 Potsdamer Str. 117 u. 8-10 U. abds., Sonnt. 11-1. Aufklärende 48 Seiten starke Broschüre gratis und postfrei in verschlossenem Kuvert. Verantwortlicher Redakteur: Ernst Däumig, Steglit. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drudu. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.