Ur. S19.- SS. Jahrg. HbonncfnenfS'Bedingungtn: Bhonnementä• Breis prörtumeronSat Vierleljäbrl. 830 MI. lnonatl. 1,10 Ml. wöchentlich 25 Psg. frei ins Haus. einzelne Nummer ö Psg. Eannlags« »ummer mil illustrierler Sowitags- Beilage»Die Neue Seit' 10 P'«. Post» Nbonnement: 1.10 Marl pro Monat. eingelragen in die Bost» geitungs- Brcislisle. Unter Kreuzband sitr Teulschland und Oesterreich> Ungarn ZOO Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweis. cmelnt täglich. [ 5 Pfenmg J Die InfcrflonS' Gebühr erträgt für die scchsgespaltene Kolonel» »eile oder deren Raum W Psg � iitt politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersnniuilungs-iftnzcigcu::o B'a „Kleine Mnztiscn4', das scttged. nikle Wort 20 Psg.(zulässig 2 feligedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 P g. Stellengesuche und Schlassiellen u? zeigen das erste Wort 10 Psg.. jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über lt. Hinv ftaden zählen für zwei Worte. Anierale für die nächste Nummer inüssen di? B Uhr nachmittags in der Erpeditioil abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Verlinev Volksbleltt. Zentrahrgan der rozialdemokratifchcn partd Deutfcblands. Tplegrauun-?ldrnsi „!»8l3l-iiN!dllizl stctiiii". Redaktion: SW. 68, Linüenftraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplak, Nr. läl i)v— 151 97. Dienstag, den 10* August 1915* Expedition: SW. 68, Lindenstrafte 3. Fernsprecher: Amt Moritiplatz, Nr. 151 i»0— 151 97 Mim öes Slsm omirtieis. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 9. August l915.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Mit Tagesanbruch entwickelte sich ein Gefecht bei Hooge östlich von Npern. In den A r g o n n c n scheiterten französische Bor- stoße. Gestern wurde bei Tammerkirch und am Schwarzen See, heute früh bei Npern, Gondrexauge und bei Har- doney je ein französisches Flugzeug durch unsere Kampfslugzeuge abgeschossen. Die lebten beiden Flugzeuge gehörten einem Geschwader an, das vorher auf die offene, außerhalb des Operationsgebietes liegende Stadt Saarbrücken Bomben geworfen, natürlich keinerlei militärischen Schaden angerichtet, wohl aber 9 friedliche Bürger getötet, 2 6 schwer und eine größere Anzahl leicht verletzt hatte. Ocstlicher Kriegsschauplatz. Die Angriffstruppen von K o w n o haben sich näher on die Festung herangeschoben. Es wurden 436 Russen i darunter 3 Offiziere) gefangen genommen und 8 Ma- schinengewchre erbeutet. Auch gegen die Nord- und Westfrnnt von L o m z a machten wir unter heftigen Kämpfen Fort- schritte. 3 Offiziere, 1 4 66 Mann wurden zu Gefangenen gemacht, 7 Maschinengewehre und 1 Panzcrauto eingebracht. Südlich von Lomza wurde die Straße nach Ostrow erreicht und die Straße O st r o w— W Y S z- k o w überschritten. Tic an einigen Stellen noch zäh standhaltenden Russen wurden geworfen. Nowo-Georgicwsk wurde auch im O st e n zwischen Narew und Weichsel abgeschlossen. Gegenüber von Warschau wurde Prag« b e» setzt, unsere Truppen dringen weiter nach Osten vor. In Warschau wurden einige tausend Ge- f a n g e n c gemacht. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Tie Armee desGrneraloberstenv. Wovrsch überschritt in der Verfolgung die Straße Garwolin— Rpki(nordöstlich von Jwangorod). Der ruPsche Generalftabsbericht* Petersburg, 9. August.(W. T. B.) Der General st ab des Generalissimus teilt mit: In der Richtung Riga vertrieben wir den Feind aus der Gegend zwischen der Düna und dem Unterlauf der Eckau. Auf den Wegen östlich von Poniwiez dauern die Kämpfe wie zuvor ohne wesentliche Veränderung an. Die am 6. August abgeschlagenen Angriffe des Feindes gegen Kowno und Ossowiec sind am folgenden Tage nicht erneuert worden. Aus der N a r e w l i n i e richtet der Feind andauernd heftige Angriffe aus die ganze Front. wobei die Hauptmasse des Feindes gegen den Abschnitt L v e n j a(?)— O st r o w gerichtet ist. Auf dem rechten Ufer der mittleren Weichsel verlief der 7. August ohne er- hebliche Kämpfe. Links der W i e p r z hartnäckige Nachhut- kämpfe. Bei den Gegenangriffen machten wir einige hundert Gefangene. Zwischen W i e p r z und B u g keine inescntliche Veränderung. Links des Bug zivischen den Flüssen Turjia und Lug drückten wir mit Erfolg auf die breite Front der feindlichen Vorhuten. Am oberen Bug, an Slota-Lipa und Tnjestr stelleniveise aussetzendes Artillerie- seuer. Der französische Tagesbericht* Paris, 9. August. sW. T- B.) Amtlicher Bericht von gestern nachmittag. Im Artois Handgranaten- kämpfe um S o u ch e z. In den A r g o n n e n gelang es den Deutschen, am Abend des 7. August in eine unserer vor- springenden Feldschanzen im Westteile des Waldes nördlich Fon- taine Houvette einzudringen. Sie wurden durch einen Gegen- angriff verjagt und konnten sich nur im Horchposten vor unserer ersten Linie behaupten. In der Nacht griff der Feind unsere Siellungen im Abschnitte La Fille Morte an. Er faßte in eurem unserer Schützengräben Fuß. wurde aber sofort daraus Der linke Flügel der Heeresgruppe des General- feldmarschalls V. M a ck eri s e n drängte die Russeu über den Wieprz zurück. Mitte und rechter Flügel nähern sich der Linie Ostrom— Hansk— Uchrusk(am Bug). Oberste Heeresleitung. »» * Set ösletMW SemtMMMl. Wien, 9. August. iW. T. B.) Amtlich wird per- lautbart: 9. August 1915, mittags. Russischer Kriegsschauplatz. Ter von der Weichselfront zurückgewichene Feind wird ver- folgt. Lestcrrrichisch-ungarische und deutsche Streitkräfte baden schon gestern zwischen der Yisenbabn Jwangoro d— L u k o w und dem Orte Garwolin die grosic Strafte Warschau— Lnlilin in östlicher Richtung überschritten. Das linke Wieprz. ufcr und das rechte Wcichsclufcr bei Jwangorod sind vom Gegner gesäubert. Unsere Truppen übersebten den Wieprz gegen Nordosten und Norden. Die Ge- sechtsfclder von Lubartow und Micchow wiesen alle Spuren einer eiligen Flucht des Feindes auf. Die Zabl der von der Armee des Erzherzogs Josef Ferdinand gemachten G e f a n- genen erhöhte sich auf 8999. Zwischen Wieprz und Bug wird weiter gekämpft. Am Tnjestr auf- wärts Uscicczko warfen unsere Truppen die Russen an mehreren Punkten, wobei über 1999 Mann gefangen und fünf Maschinengewehre erbeutet worden. Italienischer Kriegsschauplatz. Gestern stand der Südteil des Plateaus von D o b e r d o stellenweise unter heftigem Geschübfeuer. Unsere Artillerie antwortete mit Erfolg. Auch in der Gegend von P l a v a herrschte erhöhte Artillerietötigkcit. Ein Versuch schwächerer feindlicher Infanterie, in unsere Stellungen bei Z a g o r a einzudringen, miftlang. An der Kärntener Grenze griffen kleinere feindliche Abteilungen an mehreren Punkten erfolglos an. Bor unseren Stellungen auf dem Bladncrjoch ließ der Feind über 199 Tote zurück. Im Tiroler Grenz- gebiet wies eine unserer Patrouillen aus der Ercsta Bianca (Eristallogcbiet) eine feindliche Halbkompagnic ab und brachte ihr hierbei erhebliche Berluste bei, ohne selbst auch nur einen Mann zu verlieren. Westlich Taone, am Lavanech, fand in der Nacht zum 8. August ein lebhaftes Feucrgefrcht statt, an dem jedoch unsererseits keine Truppen beteiligt waren. Der Stellvertreter des Ehefs de? Gencralstabes: von Höfer, Feldmarschalleutnant. vertrieben, außer auf einer Front von 39 Metern. In den Vogesen hatte ein von den Deutschen am Ende des gestrigen Nachmittags unternomniener Angriff den Charakter äußerster Heftigkeit. Er war gegen unsere Stellungen am Lingekopf und Schratzmännle und am Joche, das diese beiden Höhen trennt, gerichtet. Die Angreifer wurden völlig zurückgeworfen. Sie erlitten schwere Verluste. Vor der Front einer einzigen Kompagnie blieben über hundert Deutsche tot in den Drahthindernissen. Paris, 9. August.(W. T. B.) Amtlich er Bericht van gestern nacht. Auf dem Westteile der Front einige Artillerieaktionen in Belgien im Abschnitt Steenstraate— Het Sas. im Artois auf der Front von Santerre und im Äisnetal, wo Soissons bombardiert wurde. In den Ar- gönnen meldet man nur Kämpfe mit Bomben und Handgranaten von Schützengräben zu Schützengräben. In Woevre scharfe Artillerietätigkeit besonders im Gebiete von Flirey und im Gebiete des Pricsterwaldcs. In den V o- g e s e n griffen die Deutschen abends wieder unsere Stellungen am Lingekopf an. Sie wurden vollständig zurück- geworfen. Der Hilsenfirst wurde vom Feinde stark bom- bardiert. Ein englischer tzilfskreuzer torpeöiert. Kopenhagen, 9. August.(W.?. Bö Das Ribausche Bureau meldet auS Kristiania: Hier eingetroffene» Nachrichten zufolge wurde gestern abend der englische Hilfskreuzer„Jndt a", 7909 Tonnen, nördlich von Bodoe beim Einlausen in den Bestfjord torpediert Ter schwedische Dampfer„Goestatand" ging mit 89 Mann der Besatzung»ach Narvik ab. Etwa 72 Mann wurden auf Helligvaerk gelandet. Die Militärbehörden haben die nötig«: Maßnahme» getroffen. Ein Jahr Kriegswirtschaft. Kriege werden heute nicht nur mit Heeresmassen und Waffen, sondern nicht minder mit Geld und wirtschaftlichen Machtmitteln ausgefochten. üo wichtig auch die militärische Ausrüstung, die Leistungsfähigkeit der Truppen und das Maß der Kriegskunst ans beiden Seiten sein mögen, bangt doch nicht von ihnen allein Verlauf und Endergebnis des Krieges ab; die ivirtschaftliche Struktur und Kraft der mit- einander ringenden Völker, ihr Reichtum wie ihr Können und ihre wirtschaftliche Anpassungsfähigkeit bestimmen in gleichem, wenn nicht noch in höherem Maße die schließliche Kampfentscheidung. Jeder Krieg zwischen modernen Kultur- staaten ist deshalb nach dem erreichten Stande der lapitaK- stischen Entwickekung zugleich notwendig ein Wirtschattskrieg, ein Kampf der Wirtschaftskräfte gegeneinander. Das gilt ganz besonders vorn jetzigen Völkcrkrieg, in dem Deutschland mit dem verbündeten Oesterreich-Ungarn im Osten dem größten Agrarstaat der Welt, im Westen den entwickeltsten Industrie- und Handelsstaaten gegenübersteht. Als der Krieg begann, konnten deshalb den, der nnvor- eingenommen die beiderseitigen wirtschaftlichen Kräfte in Vergleich stellte und abmaß, bange Zweifel beschleichen, wie sich der beginnende Riesenkampf trotz der militärisäum Rüstungsfertigkeit Teutschlands gestalten lucrde. Wird Deutschland, wird vor allem Oesterreich-Ungarn die finan- zielken Mittel zur Kriegführnnß, die damals noch pro Tag bescheiden auf nur 36— 35 Millionen Mark für Teutschland, 26—25 Millionen Kronen für Oesterreich veranschlagt wurden, aufziibriilgen vermögen— und wie lange? � Wird .Deutschland, wenn England es durch seine übermächtige Flotte vom Weltverkebr abschneidet, sich die zur Fortsetzung seiner industriellen Tätigkeit nötigen Roh- und Hilfsstoffe ver- schassen können? Wird es, abgeschlossen von der fremden Zufuhr, selbst aus eigenem alle jene vielfachen Materialien her- stellen können, die der moderne Krieg erforderte? Und wenn das gelingen sollte, wird nicht die Abschneidung der Nah- rungsmittelznfuhr, zumal der Kampf gegen Rußland auch die deutsche Ostgrenzc der früheren Lebensmitteleinsuhr ver- schließt, bald Mangel und Hungersnot in den deutschen Loa- den, und zwar zunächst gerade in den Jndnstriegegenden bervorrusen? Hatte doch in den vergangenen letzten Jahren Deutschland durchweg ein Sechstel seines ganzen NaHrimgs- mittelbedarss aus dem Auslände bezogen: Getreide, Vieh, Butter, Eier, Obst, Südfrüchte, Gemüse, Kolonialwaren usw. So stellte der Kriegsansbruch ganz neue Probleme. Würden sie gelöst werden? Das vor wenigen Tagen abgelaufene erste Kriegswirtschaftsjahr hat darauf die Antwort gegeben, und selbst, wer der Wirtschaitsgestaltung dieses Jäbres kritisch gegenübersteht und die Mängel sieht, muß zu- gestehen, daß sich trotz der von England über das Deutsche Reich verhängten Kontinentalsperre das Wirtschastsleben viel besser gestaltet hat, als selbst die größten Optimisten an- zunehmen wagten— vornehmlich dank der deutschen Technik und der Anpassungsfähigkeit der deutschen Betriebsleiter lvie der Arbeiter an völlig veränderte Produktions- ndn Arbeitsbedingungen. Wie manche neue Erfindung— wie beisviels- weise die Gewinnung von Salpeter aus den: Stickstoff der Luft— oder Ersetzung von bisher als unentbehrlich geltenden Robstofsen durch Surrogate, hat nicht gerade der eiserne Zwang dieses Kriegsjahres hervorgerufen! Freilich war zur Verwendung solcher Ersatzmatcrialien und Anfrechterhaltuttg des Produktionsprozesses vielfach ein williges Umlernen und ein Umgestalten bisheriger Verfahrungsweisen nötig! aber diese sogenannte„U m s ch a l t u n g" der Industrie ist, wenn auch häufig nicht ohne starken Verschleiß der angewandten Maschinerien, in hohem Grade gelungen. Heute seben wir, daß Nähmaschinenfabriken Schrapnells, Klavierfabrikon Patronenhülsen, Seidensabriken Verbandstoffe, Samt- fabriken Zeltbahnhoffe, Fahrradfabrikcn Feldbettstcllen fabri- zieren usw. In den ersten Wochen nach dem Kriegsausbruch sab es allerdings schlimm aus: die Heransziehung von Millionen kräftiger Männer ans ihren Arbeitsstätten, die Sperrung der Eisenbahnen für den privaten Frachtverkehr, der Stillstand der Schiffahrt, der plötzliche Abbruch so mancher Handelsber- bindungen mit dein Auslände, dazu die Unsicherheit der nach- sten Zukunft führte in vielen Industriezweigen eine völlige Geschäftsstocknng berbei. Und in ihrem Gefolge tauchte das Gespenst zunehmender Arbeitslosigkeit auf.?lber nach und noch glätteten sich die Wogen. Die Betriebe richteten sich auf die veränderten Verhältnisse, so gut es gehen wollte, ein: die Eisenbahnen stellten sicki wieder in den Dienst des Waren- transports. der Geschäftsverkehr erholte sich. Am besten kommt diese Wandlung in der Arbeitslosenziffer zum Aus- druck. Unmittelbar nach Kriegsbeginn betrug bei den deut- scheu Fachverbäuden die Arbeitslosigkeit fast 22�4 Proz., un, 'gefahr 9.Y2 Monat später, im Oktober, 1l),ö Proz., im Mai dieses Jahres aber nur noch 2,9 Proz., und im Juni stellte sich der Prozentsatz auf 2,6 Prozent, also ungefähr so hoch wie im Juni des vorigen Jahres(2,5 Proz.). Wie dieser Umschwung sich im einzelnen vollzogen hat, veranschaulicht am deutlichsten die Kohlen- und Eisenindustrie, die wichtigste der deutschen Industrien, deren Lage bis zu gc- wisscm Grade als Maßstab der allgemeinen wirtschaftlichen Konjunktur gelten kann. Die Kohlenindustrie, die vor dem Krieg über 600 000 Arbeiter beschäftigte, erlitt zunächst durch den Krieg eine schwere Erschütterung. Im Juli 1914 hatte die arbcitstägliche Förderung des Nheinisch-Westfälischcn Kohlensyndikats noch 327 974 Tonnen betragen, im August sank sie ans 170 816, stieg dann aber im September wieder auf 211 995 und im Oktober auf 223 760 Tonnen, so daß sich die� Gesamtförderung im Oktober schon auf mehr als zwei Drittel(genauer 69 Proz.) der Ausbeute des vorjährigen Oktobermonats stellte. Seitdem hat die Förderung der Syn- dikatszechen sich trotz der weiteren Einberufung von Berg- Mannschaften zu den Fahnen dermaßen gehoben, daß sie in den letzten Monaten nur noch um 25 bis 27 Proz. hinter der des Vorjahres zuriickgeblieben ist. Noch schlechter gestaltete sich zunächst die Lage der Eisen- indnstrie, die allein ini Nuhrrevier vor dem Krieg ungefähr eine halbe Million Arbeiter beschäftigte. Der Juli hatte noch einen Produktionsertrag von 1,56 Millionen Tonnen Roh- eisen geliefert, im Angust fiel der Ertrag auf 587 000 Tonnen. und auch der September erbrachte nur 580 000 Tonnen. Von da ab hat sich aber die monatliche Produktion der deutschen Hochöfen wesentlich gehoben. Im Juni d. I. erreichte sie be- reits 993 000 Tonnen, freilich immer nur erst 65 Prozent der Erzeugungsziffer des Junimonats im vorigen Jahre. Viel ungünstiger gestalteten sich nach Kriegsbeginn die Aussichten für die einzelnen Zweige der deutschen Tertil- industrie, die im ganzen ungefähr 950 000 Arbeiter und Ar- beiterinnwi beschäftigte: denn die Gespinst-Nohstoffe sind größtenteils nicht einheimisches Erzeugnis, sondern müssen aus dem Auslande herbeigeschafft werden. So hat beilpiels- weise Deutschland im Jahre 1913 nicht weniger als für 412 Millionen Mark Schafwolle, für 551 Millionen Mark Baum- wolle, für 94 Millionen Mark Jute und Jutewerg und für 59 Millionen Mark Flachs aus dem Auslande bezogen. Des- halb schien ini August vorigen Jahres die Textilindustrie von einer gewaltigen Krise bedroht. Ein großer Teil der Fabri- kante» stellte denn auch den Betrieb ein und Zehntansende von Arbeitern sahen sich auf dos Pflaster gesetzt. Schon im September liefen jedoch zahlreiche Bestellungen der Heeres- Verwaltung ein, die sich in den nächsten Monaten noch ver- mehrten. Die Betriebe nahmen die Arbeit wieder auf, und bald wurde mis einer Reihe Ortschaften gemeldet, zur Be- wältjgung der großen militärischen Aufträge werde Tag und Nacht gearbeitet. Allerdings sahen sich manche Branchen ge- nötigt, um Anteil an diesen Bestellungen zu erlangen, ihre Fabrikationsmcthoden wesentlich zu ändern; aber nach ver- -schiedenen Versuchen ergab sich gewöhnlich: es geht. Gefördert wurde diese Erholung dadurch, daß sich als- bald herausstellte, die Rohstoffvorräte seien beträchtlich größer, als man angenommen hatte. Allein in Bremen lagerten über 300 000 Ballen amerikanischer und fast 9000 Ballen ägyptischer und ostindischer Bouniwolle. Im ganzen ergab sich ein Vorrat von ungefähr 700 000 Ballen, mehr als ein Drittel des normalen Jahresbedarfs. Auch die Wollvorräte erwiesen sich als recht beträchtlich. Zudem gelang es, große Mengen von Rohstoffen aus dem Auslände hercinzu- schaffen, teils aus neutralen Ländern, teils aus dem er- oberis« Belgien und Nordfrankreich. Nur mit der Zufuhr von Flachs, Hans, Jute haperte es mehrfach und sahen sich daher die diese Rohmaterialien veimbeitenden Industriezweige zu zeitweiliger Stillegung ihrer Betriebe und zur Ver- Wendung von Surrogatstoffen gezwungen. Am schwersten hatten unter den Kriegswirkungen die Scidenfabrikation, die Wirkerei-, Stickerei- und Posamenteninduftrie, besonders aber die Spitzen-, Tüll- und Gardinenfabrikation des sächsischen Vogtlandes, also jene Zweige, die hauptsächlich Luxusartikel herstellen, zu leiden. Eine ähnliche EntWickelung läßt sich bei einer Reihe anderer großer Industrien nachweisen. Zunächst Panik und Stillstand, dann eine rasch steigende Erholung und Anpassung an veränderte Produktionsbedingungen. Im einzelnen lassen sich allerdings große Unterschiede konstatieren. Während in manchen für das Heer tätigen Betrieben bis in die� tiefe Nacht gearbeitet-wird, haben andere, vornehmlich die eigent- liche» Luxus- und Exportindustrien, wenig zu tun. Und wie es der englischen Bourgeoisie nicht gelnngen ist, der deutschen Industrie die Rohstofszufuhr abzuschneiden, so ist es ihr auch nicht gelungen, das deutsche Volk auszu- hungern, obgleich die deutsche Regierung viel zu spät gegen die Preistreiberei und den Lebensmittelwucher eingeschritten ist und ihre Maßnahmen teilweise als ganz unzulänglich be- zeichnet werden müssen. Eine beträchtliche, die ärmeren Volksschichten schwer drückende Verteuerung der Nahrungs- mittel ist dem deutschen Volk allerdings ebensowenig wie den andern am Kriege beteiligten Staaten erspart geblieben. Aber von einer Aushungerung Deutschlands ist heute nach Schluß des ersten Kriegsjahres selbst in der kapitalistischen Presse Englands kaum mehr die Rede. Der schöne Plan ist vereitelt, und höchstwahrscheinlich können in nächster Zeit nicht nur die dem einzelnen zucrteilten Brotrationen erhöht wer- den, man darf auch auf eine Ermäßigung der Schweinefleisch- preise im Spätherbst rechnen. Wesentlich beigetragen hat zu diesem günstigen Wirtschaft- lichen Verlauf des ersten Kriegsjahres der starke Grundbau des deutschen Bankwesens, vor allen: der deutschen Reichs- bank, die in zielbewußter Arbeit sich in den letzten Jahren eine so starke Rüstung verschafft hatte, daß sie als„Kriegs- bank" der in den ersten Tagen der Mobilmachung auftreten- den stürmischen Nachfrage nach Zahlungsmitteln durchaus zu genügen und zugleich den enormen ersten Kriegsbedarf der Regierung— allein die Mobilmachung erforderte über eine Milliarde Mark— zu genügen vermochte. Freilich lebt zu einem großen Teil der deutsche Wirtschaftskörper, wenn auch nicht im gleichen Maße wie der Frankreichs und Eng- lands, von dem in früheren Jahren aufgehärrften oder, wie es in der landläufigen Ausdrucksweise heißt,„ersparten" Kapital. Er gleicht dem Sparer, der in früheren guten Jahren auf der Sparbank seine Ueberschüsse angelegt hat und sie nun gezwungenermaßen zum Teil wieder abhebt. Die enprmen Kriegskosten haben ganz beträchtliche Löcher in den Geldbeutel gerissen. Die erste Kriegsanleihe hat nach dem Bericht der Reichsschuldenkommisston die Reichsschulden um beinahe 3y2 Milliarden Mark vermehrt, die zweite Kriegs- anleihe fügt weitere 9,1 Milliarden M�rk hinzu. Außerdem sind ungefähr für 1 Milliarde Mark Schatzanweisungen und für 30 Millionen Mark neue Reichskassenscheine ausgegeben. Dazu kommt der Reichsknegsschatz des Juliusturms mit 120 Millionen Mark. Ferner wurden aus dem zur Vermehrung des Reichskriegsschatzes bestimmten Gold- und Silberfonds ungefähr 126 Millionen Mark der Reichsbank übergeben. Der Notenumlauf der Reichsbank ist nach ihrem Ausweis vom 31. Juli d. I. auf 5538 Millionen Mark gestiegen und an ausgefertigten Darlehnskassenscheinen waren nach der Fest- stellung der Reichsschuldenkommission am 15. Mai für 1700 Millionen Mark in Verwahrung der Reichsbank und für 1181 Millionen Mark im Umlauf. So hat im ersten Kriegsjahr die deutsche Wirtschaft dem Kriegsansturm besser widerstanden, als selbst die Zuversicht- lichsten zu hoffen wagten— bester als die Wirtschaftsorgani- sation der übrigen kriegführenden Staaten. Die Befürch- tungen eines baldigen unvermeidlichen wirtschaftlichen Zu- sammenbruchs, die zu Anfang des Krieges überall auftauch. ten, sind zerstreut. Statt dessen stößt man heute in fast allen wirtschaftlichen Kreisen auf das oft stark übertriebene Selbst- bewußtsein:„Wir könnens aushalten!"— H. C. Seschießung von Poperinghe. Lyon, 8. August.(W. T. B.) Wie„Nouvelliste" meldet, wurde Poperinghe gestern eine Stunde lang von der deutschen Ar- tillerie beschossen. 22 Granaten fielen auf die Stadt. Nach dem zehnten Schutz trat eine Pause ein, so dah die Bevölkerung glaubte, die Beschietzung sei zu Ende. Wenige Minuten später setzte das Feuer lvieder ein und verursachte bedeutenden Schaden. Gestlicher Kriegsschauplatz. Ein Erlaß an Sie Bevölkerung Warschaus. Der Oberbefehlshaber der in Warschau eingezogenen deutschen Truppen, Generalfeldmarschall Prmz Leopold von Bayern, hat der „Deutschen L 0 d z e r Zeitung" zufolge nachstehende Be- kanntmachung an die Einwohnerschaft erlassen: Einwohner von Warschau! Eure Stadt ist in deutscher Gewalt! Aber wir führen Krieg nur gegen feindliche Truppen, nicht gegen friedliche Burger. Ruhe und Ordnung soll gewahrt, das Recht geschützt werden. Ich erwarte, dah Warschaus Bürger keine feindlichen Hand- langen unternehmen, dem deutschen Rechtsgefühl vertrauen und den Anordnungen unserer Truppenbefehlshaber Folge leisten werden. Der deutschen Heeresleitung ist aber bekannt geworden, datz der Feind Anschläge gegen die Sicherheit unserer Truppen in Warschan vorbereitet bat. Darum bin ich gezwungen, die Häupter der an- gesehensten Bürger der Stadt als Geiseln zu nehmen, die mir für die Sicherheit der Truppen bürgen. An Euch ist es, das Leben dieser Eurer Mitbürger zu schützen. Wer darum Kenntnis hat von geplanten Anschlägen irgendwelcher Art, hat im Interesse seiner Mitbürger wie der Ruhe und Sicher- heit der Stadt Warschau die Pflicht, solches ungesäumt bei der deutschen Militärbehörde zur Anzeige zu bringen. Die Todesstrafe hat derjenige zu gewärtigen, der sich einer Unterlassung in dieser Hinsicht schuldig macht ooer gar Anschlägen Vorschub leistet. Rußlsche Lügen. Amtlich. Berlin, 0. August.(W. T. B.) Die„ N 0 r d- deutsche Allgemeine Zeitung" schreibt unter der lieber- schrift„Russische Lügen": Wie aus der russischen Presse zu entnehmen ist, hat die in Rutzlnnd eingesetzte Greuel- kommission unter dem Vorsitz des Senators Kriwzow einen Bericht zusammengestellt, der tu Tausenden von Exenipiaren in die neutralen Länder, hauptsächlich auch nach Südamerika versandt worden ist. Aus Einzelnotizen der russischen Blätter ergibt sich, was man russischerseiis ivagt, den deutschen Soldaten zur Last zu legen. Verbrennen russischer Gefangener, Erfchietzen friedlicher Einwohner. Marlermigen von Gefangenen, Abschneiden von Fingern, Foltern mit glühenden Eisenstangen, daS sind einige der wirisameren Nummern aus diesem Sckireckenskabineit. Wir sind überzeugt, datz niemand autzerhalb Nutzlands diesen allzu dummen Lügen Glauben schenken wird. Die russischen Greuelberichte, die gerade so unglaubwürdig sind wie die russische Behauptung, datz die russischen Truppen Warschau verlassen hätten, um der Stadt die Beschietzung zu ersparen, richten sich selbst. Ihne» im einzelneu zu ividertprechen. wäre zwecklos, da sie unkontrollierbar sind»nd der Greuelfeldzug von der russischen Regierung zur Ver- hrtzung der kritiklosen Menge gegen Deutschland trotz aller Dementis systematisch betrieben wird. Wir überlassen es ruhig jedem objektiv denkenden Neutralen, die Plumpheit dieser Lügen, die sich würdig qn die Fälschungen der Pogrombilder anreihen, nach Gebühr einzu- schätzen. Schimpfen und Verleumden ist die letzte Waffe des ge- schlagenen Feindes. Der italienische Krieg. Melöung üer italienischen Heeresleitung. R,om, 8. August.(W. T. B.) Amtlicher Kriegs- bevicht vom 8. August, abends 7 Uhr. In der Gegend des T 0 n a l e haben unsere Alpiniabteilungen, die kühn längs des schwierigen Felskammes, der sich von Süden her zum Valle del Vi ante(Alto To«) erhebt, vordrangen, bei Tagesanbruch des 7. August feindliche Truppen, die sich südlich Punta di Ereavallo verschanzt hatten, überrascht und zerstreut und dabei Bombenwerfer, Patronen und anderes Material, das der Gegner zurückließ, erbeutet. Am gleichen Tage wurden feindliche Abteilungen, die sich auf Malga Paludej nordöstlich Punta Ereavalle verschanzt hatten, anS ihren Stellungen Vertrieben dank dem genauen Feuer unserer Gebirgsartillerie, die auf einer Höhe von über 300 Meter auf den Felsen des Ereavalle in Stellung gebracht worden war. Im Sextental(Cadore) folgte auf das wirksame tagelange Fener unserer mittleren Artillerie ein Vorrücken unserer Infanterie, die den Feind nach und nach zurückdrängte, die Front vom Monte Nero bis zu den Südhängen des Burgstalles erreichte und sich dort verstärkte. Auf dem Karst unternahm gestern der Gegner, um das Fortschreiten unserer Annäherungsarbeiten zu hindern, häufig kleine Gegenangriffe, die stets zurück- geschlagen wurden. Er versuchte auch, bewegliche Drahthinder- niste vor unseren Linien anzubringen. Unsere Artillerie be- schoß eine von Devetaki nach der Grenze inarschierende feindliche Kolonne und verursachte durch ihr wohlgezieltes Feuer Explosionen und Brände in der Umgebung von Marcottini. General C a d y r n a. Der türkische Krieg. festige Kämpfe bei üen Darüanellen. Konstautinopcl, 8. August.(W. T. B.) Das Hauptquartier teilt mit: An den Dardanellen hat der"Feind in der Nacht vom 6. zum 7. August unter dem Schutze seiner Flotte einen Teil frischer Streitkräfte in der Umgebung von Karatschali im Norden des Golfes von Saros gelandet, den , Rest an zwei Orten nördlich von Ariburnu. Wir bertrieben den bei Karatschali gelandeten Feind vollständig. Er floh und ließ etwa 20 Tote zurück. Die nördlich von Ariburnu gc- landeten Truppen rückten unter dem Schutz der Flotte am 7. Angust ein wenig vor. Am Abend hielten wir das feind- liche Vorrücken durch Gegenangriffe auf. Heute früh schlugen wir die Angriste des Feindes zurück und brachten ihm erheb- liche Verluste bei. Wir machten einige Soldaten und Offiziere zu Gefangenen. Bei Scd nl Bahr schoben wir einen Teil eines Grabens auf unserem rechten Flügel etwa 40 Meter gegen den Feind vor. Am 6. August schlugen wir den Feind zurück, der bei zwei fruchtlosen Angriffen gegen diesen F l ü g eE 2000 Tote vor den Gräben ließ. Am 7. Angust wiesen wir drei lange und heftige, aber fruchtlose Angriffe zurück, die der Feind gegen diese Schützengräben»nd in Massen gegen unser Zentrum und gegen unseren linken Flügel unternahm. Wir trieben den Feind vollständig in seine alten Stellungen zurück. Nicht zufrieden dannt, diese sviedcrholten Angriffe zum Scheitern gebracht zu haben, drangen unsere tapferen Truppen in einen Teil der feindlichen Grüben ein und richteten sie gegen den Feind ein. Wir machten 110 Gefangene. Ein feindliches Unterseeboot versenkte heute früh das Linienschiff„Varbaroß Halredin". Ein großer Teil der Besatzung ist gerettet. Der Untergang des„Barbaroß", so bedauerlich er an sich ist, regt uns nicht übermäßig auf; nur datz er das Stärkeverhältnis unserer Schiffe zu den feindlichen wie eins zu zehn gestaltet. Wir heben noch hervor, daß unsere übrigen Schiffe dieselbe Tätigkeit entfalten werden, und daß ihre von glühender Vaterlandsliebe beseelten Mannschaften durch ihre Geschicklichkeit und ihre Aufopferung dem Feinde denselben Schaden zu- zufügen wissen werden, wie ihre Kameraden. * „Barbarotz H a i r e d i n früher„Kurfürst Friedrich Wilhelm", wurde Ende Auqust 1910 nach der Türkei übergeführt Er war ein Panzer von 10 000 Tonnen, mit sechs 28-Zentimclcr- Kanonen ausgerüstet. Erbaut 189l, war er nach den dcuischen Be- stimmungen bereits ein nberalteteS Schiff. » ♦ * Konstantinopel, 9. Angust.(W. T. B.) Das Haupt- quartier teilt mit: An der Tardanellenfront brachte heute früh um fünf Uhr fünfzig Minuten eines unserer Wasser- flugzeuge durch Bomben ein feindliches Untersee- b 0 0 t vor Bulair zum Sinken. Im Norden von Art Burnn warfen wir gestern wiederholte Angriffe des Feindes zurück und fügten ihm Verluste zu. Bei Sed nl Bahr zerstörten wir eine feindliche Bombenwerferstellnng. Ans den übrigen Fronten nichts von Bedeutung. Der Seekrieg. Vom I�Hootkrieg. London, 9. August.(SB. T. B.) Nuch einer Lloyd- M e l d u n g ist der schwedische Dampfer„ M a l m l a n d" 3676 Tonnen grotz, der Dampfer„Glenravel", 1092 Tonnen grotz, ans Belfast, und der Fischdampfer„Ocean Queen" versenkt worden. Die Besatzungen sind gelandet. (Anm. d. W. T. B. Demnach ist anzunehmen, datz der Dampfer „Malmland" Bannware geführt hat.) Kristiania, 9. August. satzung des Gotenburger Dainpfers„M a i" gelandet, der von Schweden?iach England mit Grubenholz unterwegs war und am Freitag in der Nordsee von einem deutschen Unter- seeboot in den Grund gebohrt worden war. Die Besatzung war in zwei Boote gegangen, die Insassen des einen sind an? Sonnabend vom„Lynn" aufgenommen worden, und ini zweiten Boote befanden sich der Kapitän und nenn Mann, deren Schicksal unbekannt ist. (Anmerkung des W. T. B.: Grubenholz ist Bannware.) Kriegsfragen in üer französischen Kammer. Poris, 8. August.(W. T. B.)„Temps" meldet: Bei der Tebanc über das Gesetz betreffend den Ankauf und Ver- kauf von Getreide und Mehl, da? am Freitag in der K a in m e r zur Beratung stand, nahn? der sozialistische Dcpiitieite Lauche gegen die Steigerung des Getreidepreises Stellung. Der Preis sei von 25 Frank zu Kriegsbcginn auf 37 Frank gestiegen. Lauche erklärte, die Sleigerung sei auf Spekulation zurückzusühreu. Im August 1914 habe die Syudikatskaimner der Pariser Gctrcidehändler der Re- gierung vorgeschlagen, ihr Verträge für Lieferung von 300 000 Zentner amerikanischen Getreides zu 21 Frank für den Zentner abzutreten. Das Abkommen sei durch Vermittlung eines Mittelmannes zustande gekommen, jedoch habe die Regierung statt 21 Frank 230z Frank bezahlt. Unterstaatssekretär Thierry crlläric, die Angaben dcS Deputierten Lauche seien rictnig. Ter Be- richterstalter des Ackerbauausschusses Boret sei beauftragt, eine Untersuchung in dieser Slngelcgenheit durchzuführen, deren Abschlutz bevorstehe.'Der Sozialist Biolette bckämpfie. die Kaufbedingungen der Staatsintendantur, die den Getrcidekanf durch Agenten vornehmen lasse, die sich um den Preis nickt kümmerten und das Getreide teurer kauften, als staatliche Ausschüsse e« kaufen würden. Unlerstaatssckretär Thierry bestätigte auch diese Tatsachen und er- klärte, er werde bei den Kausgeschäften alle Mittelsmänner ziviicken den Produzenten uixd dem Siaate ausickallen. Man müsse ihm jedoch Zeit lassen, die Reformen durchzuführen, da er seit seinem Amtsantritte eine Unmenge der wichtigsten und dringendsten Fragen zu erledigen habe. Wie dasselbe Blait berichtet, hat sich der K a m m c r a» S- schütz für auswärtige Angelegenheiten gestern mit der deutschen Propaganda beschäftigt und die Frage einer lvirk- sameren Ausgestaltung der französischen Propaganda erörtert. Der AuSschutz nahm einen Anlrag an, in welchem die Nol- wcndigkeit betont wird, zwischen den Mitgliedern des englischen und des sranzösiicken Parlaments engere Beziehungen zu schaffen. Es wurde auch bescklossen, datz eine Anzahl von Mitgliedern des sran- zösisckcn Parlaments ihren englischen Kollegen cinenBesuchabstatlcnsoll. Der Ausschutz des Kriegsministeriums für chemische Studien gibt die Mittel bekannt, nrit denen sich die Zivilbevölkerung im Falle eines Luftangriffs gegen die Wirkung erstickender Gase schützen könne. Der Änsschutz schlägt der Zivilbevölkerung bor. sich im Falle eineS Alarmes in die millleren Stockwerke zu flüchten, da die Keller und unteren Stockwerte von den schweren erstickenden Gasen über- schwemmt würden, während die oberen Stockwerke von Geschossen durchschlagen werden könnte». Man solle Mund und Nase mit einen, angefeuchteten Tuch bedecken und sick möglichst schnell von der Stelle entfernen, die von den erstickenden Gasen erfüllt fest Eine Runöfrage über öen Hurgfrieöen. Aus Amsterdam schreibt man uns: Ter„Matin" berösscntlicht in seiner Nummer vom 4. d. M. die Antworten, die er auf seine, an eine Reihe verschiedenartiger Persönlich- leiten— von früheren Ministerpräsidenten bis zum Ober- rabbiner— gerichtete Frage über die Zukunft der„vmlon sacröe"(heiligen Einigkeit) erhalten hat. Zurückhaltung hat nur ein einziger Mann geiibt, der aber in„heiligen" Tingen berufsmäßig am besten Bescheid wissen muß: der Erzbischof A m e t t e, der erklärte, sich über einen so Mi- katen Gegenstand nicht äußern zu können. Alle übrigen sind für die„heilige Einigkeit" sehr eingenommen. Tie früheren Ministerpräsidenten Bourgeois und B a r t h o u, die reaktionären Deputierten Cochin und Benoist, der Bonapartist Marquis de D i o n, der Royalist D e l a h a g e, der jungroyalistische Journalist M a u r r a s, die Radikalen P u e ch, D u m e s n i I und Breton, die Sozialisten Eompdre-Morel und Varennc, der Präsident des Freimaurerverbandes des„Grand Orient" und der Rabbiner. Ein linterschied zeigt sich allerdings in einigen Urteilen über die Dauer des Burgfriedens. Maurras hofft, daß er die „einzige Einheit, die Frankreichs würdig sei", hervorkeimen lassen werde, nämlich die Rückkehr zur nationalen Monarchie, D e I a h a g e ist unabhängig genug, um den Burgfrieden unter eine Bedingung zu stellen, nämlich, daß die Regie- rung die„Gewissensfreiheit unangetastet lasse", d. h. daß sie der klerikalen Propaganda nicht in den Weg trete. Com- Pdre-Morel spricht die Ueberzeugung aus, daß der Burg- frieden nur solange wie der Krieg dauern werde:„Ter Waffenstillstand der Parteien ist durch die Umstände not- wendig geworden und kein Franzose könnte es ablehnen, an der Einigung der nationalen Kräfte gegen die......... Angreifer teilzunehmen. Aber wenn dieser Waffenstillstand und diese Einigkeit so lange wie der Konflikt fortdauern müssen, wäre es allzu kühn, an ihre wohltätigen Wirkungen nach dem Kriege zu denken. Morgen ebenso wie gestern werden die Klassen einander entgegenstehen, ebenso wie die politischen, philosophischen und religiösen Auffassungen un unausgesetzten Kampf der Ideen aufeinanderstoßen werden." Bemerkenswert ist die fast in allen Antworten her- vortretende Mäßigung des Tons, worin über das Kriegs- ziel gesprochen wird. Selbstverständlich sehen alle im Burg- frieden die Bedingung und sichere Bürgschaft des Sieges. Aber nur der Ex-Sozialist Breton und der Radikale Dusmenil sprechen noch von der„schleunigsten und vollständigsten Zer- schmettcrung" des deutschen Militarismus. Der bekanntlich sehr nationalpatriotische Genosse Varenne aber sagt:„Man spreche uns nicht davon, die Waffen niederzulegen, bevor die Unternehmung Deutschlands, die Hegemonie iiber die Welt zu erringen, nicht nach dem eigenen Geständnis des Angreifers gescheitert ist. Der Krieg wird ein Ende haben, sobald u n s c r e F e i n d e daran genug haben. Und nichts sagt uns, daß dieser Tag sehr fern sei."— Diese maß- volle Stimme verdient Beachtung. Von öer sozialistischen Parlamentsgruppe Italiens. Mailand, 9. August.(W. T. B.)„Secolo" meldet aus Fl o r e n z über die Tagung der parlamentarischen Gruppe der soziali st i scheu Partei: BeBglich der Getreidefrage bedauern die Sozialisten, daß keine Maßnahmen zur Verhinderung der Umtriebe der Getrcidespekulanten getroffen wurden und fordern die Regierung auf, große Gctreideankäule im Ausland zu machen und sie auf besonderen Dampfern nach Italien zu bringen. Die dem Staat dabei erwachsenden Verluste soll er als besondere KriegSauSgabe tragen. Zur politischen Lage wurde eine lange Entschließung mit der- schiedenen Einwänden und Borschlägen angenommen, deren voll- sländige Veröffentlichung die Zensur jedoch verhindert. Aus den Mitteilungen des„Secolo" ist zu ersehen, daß ein nor- uiales Weiterarbeiten des italienischen Parlaments verlangt wird, denn dort werde jede Klasse und jede Partei ihr Programm ent- wickeln und die Verantwortlichkeit vor dem Lande übernehmen. Eine andere Entschließung über das Problem der Arbeits- losig keit, deren schlimme Folgen sich immer deutlicher zeigten, bedauert das vollständige Versagen der Regierungsmaßnahnien zur Finanzierung der öffentlichen Arbeiten. Es soll ein Sonderausschuß eingesetzt werden, der der Regierung noch einmal die ganze Schwere des Problems nahelegen soll. Nach dem Bericht M o r g a r i s über seine Auslandsreise wurden schließlich alle Anstrengungen derer, die auf einen künftigen Frieden hinarbeiten, gebilligt. Il�m. Mailand, 9. August. Nach einer Meldung des„Sccolo" aus Turin ist in der dort tagenden Versammlung der sozialistischen Partei beschlossen worden, daß mit Rücksicht auf den Klassenkampf kein Parteimitglied der städtischen Kommission zur Unterstützung von Soldatenfamilien beitreten darf. In der sozialistischen Partei macht sich überhaupt eine täglich stärker auftretende Opposition gegen die Negierungspolitik bemerkbar Mit Mühe und Not wurde der Slraßenbahnerstrcik in Genua nach Bewilligung der verlangten Lohnerhöhung von SV Centimes täglich durch Vermittlung der Behörden beigelegt. Eine verstänöige englische Stimme. London, 9. August.(W. T. B.) Jnr„New StateSman" wendet sich der Professor der Staatswissenschaflen in Cambridge. G. Loves Dickinson, gegen einen Artikel von Sir H. Johnston über die deutschen Kolonien. Zwar sei, meint er. die Aussicht sehr groß, daß die Kolonien den Deutschen nicht zurück- gegeben werden, vor allem deshalb, weil die Staaten, die sie er- obcrt oder besetzt haben, das letzte Wort sprechen werden; aber eine solche Politik sei, wie Johnsion erkläre, nicht bewundernswert, sondern höchst verwerflich und verderblich. England beteiligte sich am Kriege, um Belgien und Frankreich zu verteidigen und um, wie man uns immer wieder vorhält, Dculschlands Gelüste nach der Weltherrschaft zu vereiteln. Die Deutschen führen Krieg in der Ueberzeugung, daß ihre Unabhängigkeit und ihr Land von feiten der Triple-Entcnle bedroht Ivar. Aber, fährt Dickinson fort, die Völker werden nicht nach dem beurteilt werden, was sie zu Beginn des Krieges sagten oder dachten, sondern nach dem, waS sie am Ende des Krieges taten. Die Geschichte wird die Worte auswischen und nach den Taten ihr Urteil füllen. Wenn nun die Politik dem Rate Sir Harry Johnstons folgt, dann wird die Geschichte feststellen, daß England den Krieg benutzte, um sein schon gewaltig großes Gebier noch mehr zu vergrößern und den Handel seines vornehmsten Rivalen seiner Gnade zu unterwerfen. Die Geschichte wird, mit anderen Worten, das Plädoyer Deutschlands bekräfligen und inil Verachtung Englands Plädoyer verwerfen und von neuem werden wir gebrandmarkt werden mit dem Zeichen der Heuchelei und Ge- wissenlosigkeit, das ausländische Kritiker unserer Polirik schon auf- gedrückt haben. Deutschland wird mit der Aussicht, die Johnston im verheißt, den Krieg noch Jahre hindurch weiter führen und im Falle einer Niederlage sofort zu einem neuen Kriegen rüsten. Für Lage üer österreichischen Gefangenen in Serbien. Wien, 9. August.(W. T. B.) Das Wiener K. K. Telegr.-Korr.- Bureau meldet: Die internationale Kommission, die über die Lage der österreichisch- ungarischen Kriegsgefangenen in Serbien zu berichten hatte und aus dem Gesandien der Vcr- einigten Staaten in Bukarest Vopicka, dem spanischen Mititärattachs in Nisch, Oberstleulnant Sola, und den, schweizerischen Sanitäts- Hauptmann Bilad bestand, ist nach vierwöchigem Aufenthalt in Serbien hierher zurückgekehrt. Sie hat den größten Teil der Unter- bringungsorte unserer Kriegsgefangenen beiuchl und Gelegenheit gehabt, viele Kriegsgefangenen zu sprechen. Dem Berichte ist zu entnehmen, daß sich die Lage unserer Kriegsgefangenen in Serbien binsichtlich der Behandlung, Verpflegung und sanitären Verhältnisse in der letzten Zeit in den meisten UnterbringungSorten erheblich gebessert hat, wenn auch durchaus noch nicht überall solche Ver- Hältnisse eingetreten sind, wie wir sie für unsere Kriegsgefangenen wünschen. Unwahrscheinliche Sehauptungen. London, 8. August.(T. U.) Wie der Petersburger Korrespondent der„Times" seinem Blatte meldet, griffen einige Mitglieder der Duma den Kriegsministcr an und verlangten sofortige Untersuchung lvegen des Mangels an Granaten. Gleichwohl hätte die übergroße Mehrheit der Duma Vertrauen zur Regierung. Wie General Pali- wanoff mitteilte, verfüge Rußland noch über 8 Millionen Reserven. Doch sollten vorläufig nur zwei Millionen ausgehoben werden. Seit Ansang des Krieges habe Rußland sechs bis sieben Millionen Mann- l'chaften ins Feld gestellt. Die Produktion von Waffen und Munilion habe bereits eine hohe Ziffer erreicht und steige noch ständig. Wenn das Heer mit allem. WaS es nötig hat, versehen sei, dann würden die Russen den Deutschen eine entscheidende Schlacht liefen.— Es fragt sich nur, wann dies der Fall sein wird. Geffentlicher Protest Zes vorsthenZen öer sozwlüemokratischen Dumafraktion. Die russische Presse veröffentlicht folgendes Schreiben des Vorsitzenden der sozialdemokratischen Dumafraltion, Genossen Tschch eid se an den Minister des Innern Fürst Schtschcrbatow: „Seit in der Presse und im öffentlichen Leben die Einberufung der Duma ans die Tagesordmmg gesetzt worden ist, wurde für mich eine ganz uiigewvhnlilbe Lage geschaffen: seither wurde m e i n e W o h n u n g unter ganz besondere Aufsicht gestellt. Im Jnnenhofe, am Torcingang und sogar auf dem Treppenaufgang zu meiner Wohnung sind Leule gestellt worden, die jeden meiner Schritte beschnüffeln und bespitzeln, die mir überall nachichleichen— auch in das Gebäude der Reichsdunia— und jedem einzelnen nachspionieren, der zu mir kommt. Zudem geschieht dies alles absichtlich demonstraiiv, ja geradezu heraus« fordernd. Man ist scheinbar zur Ansichr gelangt, daß man jetzt auch ohne die frühere(weniger aufdringliche) Art der Bespitzelung auskommen kann. Genau in derselben Lage befinden sich meine Fraklionslollegen Skobelew, Tuljakow und Chaustow. Sehr bezeichnend für die Lage, die für mich geschaffen wurde, ist die folgende Episode: Am 17. Juli begab ich mich zusammen mit Tuijakow und Chaustow zu einem gemeinsamen Bekanmen, einem hiesigen Rechrsanwall. Es traf sich dabei, daß sich bei ihm 4 bis 5 seiner Kollegen ans der Juristenwelr und einige Schrifi- steller befanden. Unlerwegs ivar es mir und meinen Fraklions- kollegen schon klar geworden, daß man uns nachschlich. Kaum eine Stunde nach unserer Ankunft erschien der Pristawsgehilfe des LitejnyrevierS, verzeichnete die anwesenden Personen und befahl uns, anseinanderzugehen: so lange er aber die Legilimalion prüfie und die Personalien festsiellle, waren ivir— drei Mitglieder der Reichsdiima— gezwungen, unter Aufsicht eines Polizisten am Ort zu bleiben. Unter diesen Umständen gibt es für mich und meine FrakiionS- kollegen keine Garantie, daß wir bei Besuch eines Bekannten in dessen Wohnung nicht die Polizei nach mis ziehen ivürden und daß eine beliebige Zusammenkunft mit Bekannten und Freunden nicht als gesetzwidrige Handlung gestempelt wird. Es bleibt uns in dieser Lage nichts anderes übrig, als uns entweder mit alledem zufriedenzugeben oder uns gänzlich von der Außenwelt abzn- schließen. Ich glaube, daß ein derartiges Verhalten den Volksvertretern gegenüber in gebührender Weise gekennzeichnet werden muß. ivas von unserer Seile von der Dnmalribüne herab auch geschehen wird. Vis dahin aber erhebe ich gegen die genannten Maßnahmen hierdurch einen ganz entschiedenen Einspruch. Nikolaj Ssemjonowitsch T s ch ch e i d s e." Es ist herzerfrischend, den entschiedenen Ton zu vernehmen, den der Führer unserer Genossen in der Duma im Verkehr mit der Rc- gierung anschlägt. Nicht minder bemerkenswert ist es, daß die russische Presse das P r o l c st s ch r e i b e n ungekürzt wiedergeben kann. Rumänien. Ter„Berliner Lokalanzeigcr" bringt an leitender Stelle einen sehr bemerkenswerten Artikel, in welchem das Verhalten Rumä- niens eingehend gewürdigt loird. Festgestellt wird, daß die Haltung Rumäniens bis zur Stunde unverändert sei, und daß kein greif- barer Anlaß zu dem Glauben vorliege, daß das Kabinett Bratianu in nächster Zeit die Richtlinien seiner bisherigen Politik zu vcr- schieben gedenke. Dem. rumänischen Problem würde übrigens in der Oeffcntlichkeit eine Bedeutung beigemessen, die ihm schwerlich zukomme. Die militärische Lage sei heute so, daß Rumänien den historischen Zeitpunkt versäumt habe, der zu einem Anschluß an Rußland hätte wahrgenommen werden inüsscn. Zwischen der Nuffenherrschaft in Lemberg und heute liege nicht nur ein Zeit- räum, der aus etwaige kriegerische Neigungen Rumäniens zähmend wirken müsse, sondern auch eine örtliche Entfernung so beträcht- licher Art, daß ein militärisches Eingreifen der rumänischen Armee heute auch rein physisch sich lvcnig versprechend ausnehmen würde. Der anscheinend inspirierte Artikel fährt dann fort: „Daraus folgt aber weiter, daß sich Rumänien heute zu einer politischen und militärischen Passivität verurteilt sieht, aus der es nur herauszukommen vermöchte, falls es auch seinerseits bereit ist, die Früchte der deutsch-östcrreichisch-ungarischcn Siege zu pflücken. Solange daß aber nicht der Fall ist und die rumänische Politik sich in der Rolle eines hoffnungsreichen Zuschauers gefällt, der seine Augen auf die Dardanellen gerichtet hält, muß der rumänische Faktor im europäischen Rechenexempel naturgemäß nach und nach geringer werden und das Interesse an einer größeren Aktivität des Königreiches hüben wie drüben allmählich verblassen. Was wie an dieser Stelle vor drei Monaten sagten, gilt auch heute noch: Der Traum von einem Groß-Rumänien kann nur an den Grenzen eines vernichteten Rußlands seine Verwirklichung er- leben. Die Zukunft Rumäniens liegt nicht in den Meerengen, die man ihm trügerisch versprochen hat, sondern an den Ufern des Dnjestr und Pruth." /llbanken. Graf Julius A n d r a s s y schrieb kürzlich in der„Neuen Freien Presse" in einem Artikel, der auch in der reichs- deutschen Presse außerordentliche Beachtung gefunden hat, unter anderm über die albanische Politik Oesterreich- Ungarns: „Eine Haaresbreite trennte uns vom Weltkrieg wegen Albanien. Wegen dieses Landes war eine internationale Flotte wochenlang nrobilisiert. Viel Geld gab die Welt bereits für Albanien aus. Dann fesselte eS von neuem die öffentliche Aufmerlsamleit durch jene teils tragischen, teils komischen Ereignisse, welche sich an das Schicksal des„Mrbet" knüpften. Seien wir nicht alba- nesischer als die Albanescn. Am vorteilhaftesten iväre jene Lösung, welche Albanien in seiner Gänze oder wenig st enS dessen süd- lichen Teil in der geeignet st en Weise, eventuell im Wege einer Personalunion. Griechenland angliedern würde. Vielleicht wäre dies von allem Anfang cm die beste Lösung gewesen. Von dem Gesichisp, inkte unserer Interessen darf man auch jene Möglichkeit nichr vollständig ausschließen, daß A l S a n i e n S e r b i e n f ü r das den Bulgaren abgetretene mazedonische �.G e biet als Vergütung'erhalte, natürlich stets unter der Verpflichtung der Achtung der albanesischen Stammescigen- heben.. Hierzu bemerkt unser L i n z e r Parteiorgan„Tie Wahr- heit" recht treffend; „So schreibt nicht ein Vaterlandsverräter, sondern ein wirk- licher Geheimer Rat und königlich ungarischer Minister a. D., Graf Julius An dra ssy, in der„Neuen Freien Presse" vom 1. Aligust. Wirtlich ein wirklicher Geheimer Rat. Wirklich ein gewesener. königlich imgariicher Minister, von dem man übrigens erzähli, daß er noch immer nicht ganz einfludlos ist, der Sohn jenes Grafen Andrassy übrigens, der die auswärtige Politik Oesterreich-llngarus der letzten Jahrzehnte einleitete. Und wirklich, nicht nur Griechen- land will er Albanien abtreten, sondern gar an Serbien, nicht etwa an das kleine Montenegro, das vor zwei Jahren ein paar Nester in dem erst zu schaffenden und nun noch immer nicht geschaffenen„Albanien" begehrte, nein, an das Serbien, das mit uns im Kriege ist und das uns schon da- mals als unser Erbfeind hingestellt wurde. Freilich möchte er seine Lösung davon abhängig machen, daß Serbien mit seinen großserbisch'en Ambitionen bricht.... Es liegt uns fern, aus der Wandlung der Anschauungen über Albanien irgend welche Schlüsse ziehen. Es freut uns nur, daß sich schließlich auch so hochstehende Herrschaften den sozialdenro- Iralischcn Argumenten beugen müssen. So ist es immer mit der sozialdeniokraliichen Kritik: anfangs wird sie verlästert und ver- dächtigt, nach längerer Zeit komnrt man aber doch darauf, daß man Vesser getan'hätte, auf die sozialdemokratischen Warnungen zu achten.„ Die Heöingungen öer bulgarischen SSö-Millionen-�nleihe. Sofia, 9. August.(W. T. B.) Der Finanzminister veröffentlicht folgende Mitteilung über die Bedingungen des Abkommens be- treffend die Anleihe von b00 Millionen Frank, das mit einem Syndikat deutscher und österreichisch-ungarischer Banken getroffen ivorden ist. Die Finanzgruppe hatte sich bis zum 1. August 1915 zu erklären, ob sie zur Ausübung der Option auf den ersten Teil der Anleihe im Beirage von 2ö0 Millionen Frank gewillt wäre. Das Syndikat erllärte sich hierzu bereit. Da der Krieg aber die öffeniliche Emission der Anleihe nicht gestattet, so wurde diese bis spätestens auf ein Jahr nach dem Friedensschluß verschoben. Inzwischen wird die Bankcngruppe die bei ihnen untergebrachten 120 Mill. Frank Schatzschcinc einlösen. Der bulgarische Staat wird hierfür an Zinsen 1 Proz. über den jeweiligen Satz dec deulschen Reichsbank und zwar nicht unter 6 Proz. und nicht über 61), Proz. zuzüglich einer Pro- Vision von'/g Proz. pro Onartal zahlen. 7ö Millionen Frank, die Bulgarien der Banyue de Paris et des Pays-Bas schuldet, werden aus dem Erlös der Emission der ersten Option b e- zahlt werden. Die der R u s s i s ch- A s i a t i s ch e n Bank schuldigen 80 Millionen Frank befinden sich zur Versiigung dicscr Bank bei der Diskontogesellschaft in Berlin. Sie werden der erst- genannten Bank überwiesen werden, sobald dies nach Friedens- s ch l u ß möglich ist. Die bulgarischen Sozialisten gegen eine Intervention. Infolge der kriegshetzerischen Tätigkeit des sogenannten Buk- garischen Volkskomirees wie auch der immer kritischer werdenden Lage in den neutralen Lalkanländern sah sich die bulgarische Sozialdemokratie veranlaßt, am 27. Juli im ganzen Lande, in den Städten wie in den Töcfcrn, Kundgebungen gegen eine Einmischung Bulgariens in den Krieg zu veranstal- ien. Nachstehend seien einige der in den Protcstversammlungen angenommenen Resolutionen wiedergegeben: Sofia:„Der einmütige Wille des Volkes ist, in Frieden und Eintracht mit seinen Nachbarn zu leben. Das Volk erwartet den Zusammenschluß der bulgarischen Nation von der Schaffung einer einigen Balkanrepublik. Das Volkskomitee, hinter dessen Patriotismus lediglich Eigennutz und Raubgier lauern, hat nichts gemein mit dem Volke und ist nicht berechtigt. in seinem Namen zu sprechen.".' Dubnitz«:„Das Volkskomitec strebt die Herrschaft über die ganze Balkanhalbinsel an. Wer will, möge kämpfen; das Volk aber, das den Frieden will, soll in Ruhe gelassen werden." Dorf Kotschmalar:„Wir protestieren gegen die Prova- kationen der russophilen und austrophilon Presse zugunsten einer Einmischung in den Krieg, aus dem nur einige Abenteurer und Spekulanten Nutzen ziehen werden. Im Einvernehmen mit der Politik der sozialdemokratischen Partei fordern wir eine Föderation der Balkanvölker."(Folgen 89 Unterschriften.) Dorf Glojcny:„Das leidende Volk ist gegen jeden Krieg und protestiert gegen das Volkskomitee. Mögen die Kriegsfreunde dem Beispiel Radko Dnritriews(eines bulgarischen Generals in russischen Diensten) folgen und sich auf irgendeinen äußeren Kriegsschauplatz begeben. Wir sind für eine Föderation der Balkanländer." Jambol:„Wenn das Parlament nicht einberufen und das Volk nicht befragt wird, bleibt kein anderer Weg übrig, als die Revolution." Kriegsbekanntmachungen. Ter Postvcrkchr im okkupierten Polen. In dem besetzten Gebiet van Polen nehmen alle Orte der Kreise Bendzin, Czcnsiochan, Kalisch, Kolo, Konin, Lodz, Nicszawa, Lask-Pabianice, Sieradz, Slupca, Turck, Wielun und Wloclawek an dem Poslverkehr mit Teuischland teil. Für Orte ohne Postanstalt vermitteln die deutschen Postämter der KreiShauptorte den Verkehr. Nach dem Kreise Slnpca besorgt die Vermittelung das Postamt in Konin, nach dem Kreise Turck das in Kalisch, nach dem Kreise Nicszawa das in Wloclawek. In der Auffchrist der Sendungen ist stets der Name des Kreises anzugeben. £?;■ Gewerksthastlkches. Der Konflikt!n öer Gewerkschafts- internationale. DaS Organ der niederländischen Fachverbände,„De Vak- bcweging" nimmt den Protest deS„Nasche Slowo" gegen die Weigerung des Genossen L e g i e n, das internationale Sekretariat aus den Händen zu geben, zun: Anlaß, die ganze Geschichte der Streitfrage zusammenzufassen.. Wir geben hier die wesentlichen Punkte lvieder: Im Januar hatten I o u h a u x und A p p l e t o n in London eine Besprechung, worin sie zum Beschluß kamen die Verlegung des internationalen Sekretariats nach Bern für notivendig zu erklären. Ob sie einen dahingehenden Auftrag ihrer Organisationen hatten. iit nicht bekannt. Sie wandten sich hierauf an G o m p e r s, der zustimmte. Ob auf Grund eines Auftrages seiner Organisation, ist der„Vaksbeweging" Id. h. dem holländischen Gewerkschaftssekretär Genossen Ouedegeest, von dem diese Nkitteilungen herrühren gleichfalls unbekannt. Vorläufig kann man annehmen, daß bloß eine persönliche Meinungsäußerung vorlag. Der Beschluß wurde mit den Hindernissen begründet, die für die Arbeiter der betroffenen Länder bestehen sollten, nach Berlin zu gehen. Indes hatte Genosse L e g i n schon im November vorigen Jahrcs.'A m st e r d a m alS Zwischenadresse angewiesen Von dieser Adresse(der des Holland. Fachverbands) ist wiederholt klaglos Gebrauch gemacht worden, sowohl durch Belgien, Frankreich, England und Amerika als auch durch alle übrigen Länder. GomperS richtete dann über Holland ein sehr freundliches Schreiben an Legten, um seine Meinung über den Vorschlag zu vernehmen. Legten, der aus der Form des Schreibens schloß, daß es sich um vorläufige Unterhandlungen handle, die vielleicht später zu einem Antrag führen könnten, ant wartete Gompers am 11. April in einem Brief, worin er die Anschauung aussprach, daß ein solcher Antrag auch einer Konfererenz der in London nicht vertretenen Lande� zentralen vorgelegt werden müßte. Zugleich sprach er seine Hoffnung aus, daß es dahin im Interesse der nach dem Kriege noch mehr als vorher notwendigen gemeinschaftlichen sali darischen und von gegenseitigem Vertrauen erfüllten Arbeit nicht kommen möge. Zum Schluß ersuchte Legien um Mit teilung, ob ein bestimmter Antrag der Londoner Konferenz vorliege, da dieser natürlich den Landeszentralen vorgelegt werden würde. Als dieser Brief zur Versendung bereit lag. erhielt Legien die neueste Nummer des� englischen Verbandsargans„The Federationist", worin das Schreiben Appletons nnd Jouhaux an Gompers abgedruckt war. Dadurch hatte die Korrespondenz ihren vorbereitenden und freundschaftlichen Charakter verloren und die Frage der Verlegung war, ohne daß ein bestimmter Antrag einer Organisation vorlag, der Oeffentlichkeit preis- gegeben. Legien sandte dann am 16. April einen neuen Brief, unter Beifügung des am 11. April geschriebenen. Er sagte darin: „Jetzt bin ich gezwungen, erst Rücksprache mit meinen Freunden zu nehmen. Mein Schreiben, das am ll. hätte versandt werden sollen, gab meine persönliche Meinung wieder. Hierüber wird jedoch wohl einige Zeit vergehen." So rasch wie möglich, am 25. April, kam Legien nacli Amsterdam, um die Meinung des Genossen O u d e g e e st über die Einberufung einer internationalen Konferenz zur Beschlußfassung über die Verlegung zu hören. Legien fre- stand nachdrücklich auf der Konferenz, O u d e- geest widersetzte sich ihr mit aller Kraft, da sie nur Mißverstandnisse und Entfremdung herbeiführen könne. Legien wollte jedoch nicht den S>chcin auf sich laden, den Vertrauensposten zu behalten, ohne das Vertrauen der Landeszentralen zu besitzen. Eine Versammlung deS niederländischen Verbandsvorstandes stimmte Oudegeest zu. Schließ- Iich konnten die von Legien mitgebrachten Einladungen zur internationalen Konferenz nicht versandt werden, indes wurde im Namen des niederländischen Verbandes am 3. Mai an Appleton ein Schreiben gerichtet, das ihn zu einer Be- sprechuna mit den Holländern einlud. Der Schluß des Briefes lautete: „Diese Angelegenheit ist in einer Sitzung unseres Vorstandes ausführlich besprochen worden und auch Legien hat zum Schluß unserem Vorschlage zugestimmt. Falls Sie nicht bereit oder nicht imstande sein sollten, diese Besprechung abzuhalten— wir hoffen, daß dem nicht so ist— werden wir so rasch wie möglich eine internationale Konferenz aus- schreiben, so zeilig, daß allen Landeszentralen die Beschickung möglich sein wird." Am 16. Mai kam die Antwort Appletons, deren Schlußsätze lauten: „Selbst wenn der eine oder andere Vertreter bereit wäre, den Gefahren Trotz zu bieten, wäre es doch zwecklos, unsere Leute auszufordern, einer solchen Konferenz zuzustimmen. Vielleicht ist es möglich, derlK Dinge in D e u t s ch l a n d oder in den skan- d i n a v i s ch e n Ländern zu tun, in Großbritannien und Frankreich jedoch besteht eine wirklich demokra- tische Kontrolle und der Besuch einer Konferenz in der jetzigen Zeit würde eine Verletzung des Gefühls eines Volkes sein, das nicht allein von Abscheu er- füllt, sondern a u ch f e st e n t s ch l o s s e n i st, zu st r a f e n. Ich werde die betreffende Korrespondenz mit meinem Vorstand be- sprechen, bin jedoch überzeugt, daß die Antwort im Augenblick „nein" lauten wird." Jegliche Konfrenz wurdealsodurchApPlcton abgelehnt. Am 14. Mai wurde darauf durch Appleton ein Schreiben an die Landeszentralen gerichtet, worin ein Referendu m über die Verlegung der Z c it t r a l e n a ch B e r n ausgeschrieben wurde, wo inzwischen für ein„neu- trales Persona l" gesorgt werden sollte. Am 26. schrieb der holländische Vorstaitd eine internationale Konferenz aus, die Ende August oder Anfang September in Amsterdam stattfinden soll. Die an diese Mitteilungen angeschlossenen Schlußfolge- rungen der„Vakbeweging" lauten: „Inwiefern Appleton seine Haltung mit der Demokratie ver- kinbaren kann, von der er spricht, muß er selbst wissen. Zufolge dem Beschluß der verschiedenen Konferenzen hat das Bureau teinen Sitz in B e r l i n. Hieran kann nur durch eine Konferenz nach einem diesbezüglichen Antrag etwas geändert worden. Solch ein Antrag ist aber nie gestellt worden. Muß nun Legien, auf Verlangen von jemand, der gerade Lust dazu hat, die Leitung, die ihm durch die vereinigten Länder aufgetragen ist, aus der Hand geben? Das wäre m. E. allzu leichtfertig gehandelt und der Mann, der so etwas täte, würde das Vertrauen nicht verdienen, das so lange Jahre auf seine Umsicht und fein Geschick gesetzt Worden kst. Legien hat sich, wse wir gezeigt haben, sofort bereit k Tie Kammer 6 de? Gcwerbegericht? erklärte sich fsir zuständig, erklärt, die nötigen organisatorischen Maßnahmen zur ernsten Be� Handlung von ernsten Vorschlägen zu treffen. Dies wurde jedoch von den Engländern und Franzosen abgelehnt, die keine Besprechung wünschten, sondern einfach, ohne jedes Mandat dekretierten, daß das internationale Bureau nach Bern verlegt werden solle. In ein Land obendrein. das ganz von kriegführenden Ländern umgeben ist, während Amsterdam von allen«eiten zu erreichen ist nnd auch erreicht ivird. Wir sügen noch hinzu, daß Oudegeest am 17. und 13. Juli auf Grund der cingelausenen Antworten der verschiedenen Länder in Berlin Besprechungen abgehalten hat. Diese Ant- Worten lauten derartig, daß in dieser Woche an unsere ausländischen Freunde berichtet werden lvird, daß d i e Konferenz nicht st a l l f i n d e n wird, da man ihren Nutzen nicht einsieht und da obendrein d i e Antwort der Schweizer, bei denen das Bureau seinen Sitz bekommen sollte, lautet, daß man dort nicht über die notwendigen Kräfte für ein solches Bureau verfügt und es obendrein als eine Kränkung für die Deutschen ansehen würde, die sich stets soviel Opfer für die int er- nationale Bewegung auserlegt haben. Wir haben den Eindruck, daß die Schweizer die Sache besser begreifen und in dieser Angelegenheit demokratischer handeln als Appleton oder das „Nasche Slowo". Deutsches Reich. Verband der Brauerei- und Mühlenarbeiter. In unserem Bericht über den oben genannten Verband im Jahre 1911 muß es heißen:„Die Summe der gesamten Unter- slützung mit den Unkosten der Lohnbewegungen im Betrage von 7 3 811 M. snicht 738 814 M.) betrug in der Hauptkasse 723 616 M. gegen ö93 957 M. im Vorjahre usw. NuslrniS. Die Mitglieder der Umone Sindaeale unter den Waffen. Aus einem Schreiben, das der Sekretär der syndikalistischen Zentralorganisation Italiens, der Unione Sindacale, an die Mit- glieder richtet, geht hervor, daß sich 89 Proz. der Organisierten unter den Waffen befinden, darunter 59 Proz. als Freiwillige. Der Sekretär Corridoni, der selbst in den Krieg geht, ermahnt die Zurück- bleibenden, vor allem die Metallarbeiter, auch in den Fabriken alles für den Sieg der italienischen Waffen zu tun. �tos Znöustrre und Kandel. London gegen Hamburg. Wie„Daily Expreß" vom 29. Juli schreibt, äußerte Lord Devonport, Obmann der Londoner Hafenverwallung, in einer Unter- redung mit dem Vertreter des Blattes seine Zuversicht auf die Ent- Wickelung des Hafens von London auf Kosten Hamburgs. Alle be- gonnenen großen Bauten würden eifrig fortgesetzt. Der Krieg habe Hamburg getötet. Man müsse dafür sorgen, daß bei Friedensschluß London besser ausgerüstet sei, so daß Hamburg nicht mehr dagegen aufkommen könne. Nach Vollendung der großen Arbeiten wird Londons Hafen seines gleichen nicht haben. Zu diesen Arbeiten gehört z. B. das South Royal Albert- Dock, das beinahe fertig ist. Es inißt 4599 Fuß Länge, 599 bis 09 Fuß Breite, 35 Fuß Tiefe und kostet 2 238 283 Pfund. Nach diesem lvird ein noch größeres Dock gebaut werden. Die drei West Jndia-Docks werden umgebaut und aus 35 Fuß Tiefe gebracht. Sie werden dann für alle Schiffe zugänglich sein. Tie Themse ist aus- gebaggert, prachtvolle Kanäle führen zu den Docks. Auch die Docks von Tilbuiy werden umgebaut, und dort ein großer Landungssteg errichtet. London soll zugleich der größte Güter- und Passagier- Hafen werden. Kricgsgewinnc. Die Mechanische Web.erei in Zittau konnte im letzten Jahre ihren Reingewinn verdoppeln. Er stieg von 191 279 auf 338 379 Mark. Die Dividende wird von 8 auf 19 Prozent erböhl. Die Akt.- Ges. Anton Reiche iSchokoladenformen» und Blechemballagenfabrikj in Dresden schlägt aus 565 722 M.(i. V. 246 800 M.) Ueberschuß für das Jahr 1914/lö 19 Proz. Dividende (i. V. 4 Proz.) vor. Durchgangsverbot für Schweden. Nach einer Mitteilung der schwedischen Postvcr waltung dürfen von jetzt ab Waren, deren Ausfuhr aus Schweden verboten ist, auch im Durchgang durch Schweden mit der Post nicht befördert werden. Zur neuen russischen Ernte. Die reichliche Ernte zeigt nach„Den" vom 24. Juli bereits ihre Wirkung auf die Preise in Petersburg. So sind nach dem Bulleiin der Kalaschnikow-Getreidcbörse im letzten Monat die Preiie für Roggen um 25 Proz. gefallen ivon 1,76 Rubel pro Pud auf 1,39 Rubel). Einen entsprechenden Rückgang zeigten die anderen Produkte. Aegypten als Wcizenausfuhrlaiid. Die durch den Krieg notwendig gewordene Beschränkung der Baumwollanboufläche in Aegypten hat nach„Jndiaman" vom 39. Juli zu erheblich vermehrtem Getreideanbau in dieser Korn- kammer des Altertums geführt. Man hofft, eine nicht unbeträchtliche Ausfuhrmenge zur Verfügung zu haben, die allerdings gegenüber den Millionen von Tonnen, die die indiscke Regierung jetzt in Händen hat, nur unbedeutend ins Gewicht fallen werden. Soziales. Der feindliche Ausländer. Im Viktoriatheater(früher Sanssouci) werden Varietevorstellungen gegeben. Das Unternehmen geht aus von der Jnter- nationalen Artistenloge, welche damit den- Zweck verfolgt, ihren Mitgliedern während des Krieges Beschäftigung und Verdienst zu ermöglichen. Angehörige des feindlichen Auslandes sollen aber nach dein Willen der Internationalen Artistenloge aus Wirtschaft- lichen nnd politischen Gründen nicht beschäftigt loerden. Nun battc Direktor Kreinieyer für das Viktoriatheatcr ein Tanztrio engagiert, welches ans zwei Damen und einem Herrn bestand. Der für einen halben Monat geltende Engagementsvertrag Ivar nur mit einem Mitglied der Truppe, Fräulein Schulz, abgeschlossen. Nachdem die Truppe etwa acht Tage im Viktoriatheater ausgetreten war, wurde der Internationalen Artistenloge bekannt, daß der zu dem Trio gehörende Tänzer Estermann euB Russe sei. Zunächst wurde auf Veranlassung der Artistenloge nun das ganze Trio entlassen; als aber die deutsche Nationalität der beiden Damen zweiielsfrei fest- gestellt war, durften sie weiter tanzen, aber die Entlassung des Herrn blieb aufrechterbalten. Tie Tänzerin Fräulein Schulz klagie nun beim Gewerbe- gericht auf Zahlung der Gage, des entlassenen Tänzers für den Rest der Vertragszeit im Betrage von 28 M. Das ganze Trio erbielt pro Abend 19 M., davon kamen auf die Klägerin und den ent- lassenen Russen je 3,59 M. und aus die dritte Dame 3 M. Der Vertreter des Beklagten bestritt die Zuständigkeit des Ge- Werbegerichts. Er meinte, die Klägerin müsse als selbständige Ge- werbetreibende angesehen werden, weil mit ihr allein der Engagementsvertrag abgeschlossen war, sie Kostüme und Noten zu besorgen hatte und es ihr überlassen war, wie sie sich mit den beiden anderen Mitgliedern des Trios abfinde� dach bemerkte der Vorsitzende, die Sache liege hart an der Grenz- der Zuständigkeit. In der Sache selbst entschied das Gericht, daß der Beklagte zur Auslösung des Engagementsvertrages berechtigt sei, falls er schwört, daß er beim Abschluß des Vertrages nicht wußte, daß der Artist Estermann Russe ist. Fvlgcn einer Kneiperei. Die drei Kutscher einer Mineralwasserfabrik mochten eines Tages eine feuchtfröhliche Kneipfahrt und unterließen es an diesem Tage, die Kunden ihres Chefs mit Ware zu versorgen. Einer der Kutscher fuhr in bezechtem Zustande im Auto bei seinem Chef vor und verlangte seinen Lohn und seine Papiere, was er aber nicht erhielt. Doch war das Arbeitsverhältnis infolge dieses Auf- tritts gelöst. trer Kutscher klagte nun beim Geiverbegericht auf Zahlung von 12 M. rückständigen Lohn für vier Tage. Der beklagte Geschäfts- inhaber beanspruchte von dem Kläger 17 M. für nachgewiesenen Schaden, den der Kläger dem Beklagten durch Nicktbedieming der Kunden verursacht habe. Das Gericht erkannte dahin, daß der Kläger für den Tag, an dem er kneipte statt zu arbeiten, keinen Lohn zu beanspruchen habe. Rückständig sei also nur der Lohn für drei Tage. Ta nach den gegenwärtig geltenden Bestimmungen über die Lohnbeschlagnabme ein Betrag von 38,16 Mk. pro Woche» also 19,23 M. für drei Tage, unpfändbar sei. so habe der Beklagte diesen Betrag an den Kläger zu zahlen.— Den Rest von 12.13 M. dürfe er auf den von ihm nachgewiesenen Schaden verrechnen. Bezahlung des nicht erhaltenen Urlaubs. Gegen das Wäscheverleihgeschäft von Hartseil klagte beim Ge- Werbegericht ein Fahrer, der 19 Jahre in diesem Betriebe be- schäftigt war und deshalb nach dem geltenden Tarifverträge all- jährlich Anspruch auf eine gewisse Urlaubszeit unter Fortzahlung des Lohnes bat. Im vorigen Jahre ist mit Rücksicht auf den schlechten Geschäftsgang im beiderseitigen Einverständnis kein Ur- kaub gewährt worden, wobei aber vorausgesetzt wurde, daß das Arbeitsverhältnis während des Krieges nicht gelöst werde. D lw Kläger ist zum Militär eingezogen, das Arbeitsverhältnis ist da- durch beendet, so daß dem Kläger die für den Verzicht aus Urlaub zu erwartende Gegenleistung entgeht. Das Gericht(Kammer 7) erkannte den Klageanspruch als be- rechtigt zahlen. an und verurteilte den Beklagten, dem Kläger 61 M. zu Achtet auf Unfälle. Ter von uns schon oft gerügte Gleichmut der Arbeiter und Arbeiterinnen kleineren Unfällen keine Bedeutung bei- zulegen, bat schon oft zur Abweisung der Ansprüche der Ver- letzten geführt. Es entstehen da nun große Scherereien, nicht immer gelingt es. das Stattfinden eines Unfalls nachzuweisen. Mögen die Versicherten aus beiden nachfolgend geschilderten Fällen die Nutzonwendung ziehen, auch die kleinsten unfchem- baren Unfälle zu melden, sich Zeugen zu sichern. Ter Töpfer G. erlitt am 23. Oktober 1913 dadurch einen Unfall, daß er sich beim Setzen eines Ofens den rechten Mittel- tinger an einem Nagel der Scheuerleiste riß. Drei Tage später drang beim Behauen von glasierten Kacheln ein Splitter in die- selbe Wunde. ES stellten sich Schmerzen ein, die Hand schwoll an, G. mutzte sich in ärztliche Behandlung begeben. Dem Arzt As auch dem Arbeitgeber machte G. Mitteilung von beiden Fällen. Tie Nordöstliche Bangewerks-Berufsgenossenschaft S. III(Pommernt lehnte den Antrag auf Entschädigung ob, weil nicht einwandhvi erwiesen sei. daß der jetzige Zustand des Fingers auf einen Betriebsunfall zurückzuführen sei. Tagegen spreche die verspätete Unfallanzeige, dann aber auch, daß der Arbeitgeber, der mit E. in der fraglichen Zeit zusammen gearbeitet habe, von einem Unfall etwas weiß. Tas Oberversicherungsamt Berlin gelangte ans Grund der r Beweisaufnahme zu der Ueberzeugung, daß mit bober Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist. daß G. die beiden Unfälle im Betriebe erlitten bat. Tie Genossenschaft wurde zur Zahlung einer Löprozcntigcn Rente verurteilt. Ter ziveite Fall war ähnlich gelagert. Hier handelt es sich»m einen Metallarbeiter K., der allein in einem Raum mit dem Sor- tieren von Messingabfällen beschäftigt war. Am 29. Dezember 1913 riß sich K. einen Messingsplitter in die Kuppe des linken Taumens. Nach einigen Tagen eiterte die Wunde, es mußte operativ eingegriffen"werden. K. l>attc sofort seiner Shesran, dann dem be- bändelnden Arzt und auch dem Arbeitgeber Mitteilung gemaäit; diesem erst am 6. Januar. Tie BerufSgenoffenjchaft der Fein- Mechanik und Elektrotechnik wies den Anspruch des K. ans Ent- schädigung ab, weil Augenzeugen des Unfalls nichts vorbanden, K. auch niemand unmittelbar nach dem Unfall von diesem Mitteilung gemacht habe. Auf eingelegte Berufung verurteilte das Obervrr- sicherungsamt Grob-Bcrlin die Genossenschaft zur Zahlung einer Rente von 25 Proz. Das Obcrversicherungsamt hat aus den ge- schilderten Umständen die Ueberzeugung gewonnen, daß ein Be- triebsunfall vorliegt, dies um so mehr, als der Vertrauensarzt des Amts erklärte, daß die Zeit vom 29. Dezember bis zum 1. Januar ausreiche, bei derartigen Verletzungen durch Blutvergiftung eine Entzündung entstehen zu lassen. Beide Verletzte sind now zu ihrem Reibt gekommen. All die Scherereien und Aufregungen wären ihnen aber� erspart geblieben, wenn unsere eingangs ausgesprochene Mahnung beherzigt worden wäre.____ Gerichtszeitung. Urkundenfälfchnng. Eine unüberlegte Tat, die er im Aerger über eine gegen ibn zu Uureckt erstattete Anzeige begangen hatte, fiibrte gestern den Bauerngutsbesitzer Bernhard Secger unter der Anklage der Urkundenfälschung vor die Ferienstrafkammer des Landgerichts III. Bei dem Angeklagten, der Besitzer eines größeren Bauernguts in der Nähe von Berlin ist, erschien eines Tages ein Gendarmerie- Wachtmeister und nahm eine Revision der vorhandenen Brotgetreide- und Mehlbestände auf. Wie S. bald in Erfahrung brachte, war diese Revision ans eine gegen ihn erstattete anonyme Anzeige zurückzuführen. Er vermutete sofort, daß die Anzeige von einem Büdner nnd Mehlhändler ausgegangen sei, mit dem er seit längerer Zeit in Feindschaft lebte. Er beschloß, sich für den ihm gespielten Streich zu rächen. Einige Tage später lief bei dem Amtsvorstehcr eine mit„Bäckermeister Poppe" unterzeichnete Anzeige gegen den Mehlhändler ein, in welcher behauptet wurde, dieser hätte mehr Mehl verkauft als ihm erlaubt sei, außerdem habe er eine falsche Bestandaufgabe abgegeben, so daß der eine Einwohner zu viel Mehl, der andere gar nichts erhalten habe. In dem Bureau des Amtsvorstekers wurde sofort durch Vergleichung mit anderen Schriftstücken festgestelll. daß die Anzeige von dem Angeklagten, der eine besonders charakteristische mit keiner anderen zu verwechselnde Handschrift bat. herrührte.— In dem Borverfahren bestritt S. ganz energisch, den Brief geschrieben zu haben, so daß der gerichtliche Schreibsachverständige Kriminalkommissar Dr. Scknrickert mit, der Abfassung eines Gutachtens beauftragt wurde. In der gestrigen Verhandlung gab S. das Leugnen auf und legte ein offenes Ge- ständnis ab. Tie Verteidiger baten, die niedrigste gesetzliche Stroie in Anwendung zu bringen, da der Angeklagte gerade an jenem Tage die Mitteilung erhalten hatte, daß einer seiner drei im Feie- stehenden Söhne gefallen sei. Das Gericht kam zu einer milden Autsassiing der Sache und erkannte auf die niedrigst? gesetzlich zulässige Strafe von einem Tage Gefängnis._ Werantw. Redakteur: Alfred Scholz, Neukölln. Jnseratenteilverantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsamlalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 1 Beilage u. Untcrhaltungsbl. Nr. 219. 32. ZahrMz. jpcilnjf im Jonoirtü" Knlim lilMiitt. Dikustag, 10. Avgvst 1915. politisthe Ueberflcht. Ein neues Kriegsziel. Graf Reventlow erörtert in der„Deutschen Tages- Zeitung" die Zukunft des neuen Dreibundes, Deutschland-Oester» reich-Ungarn-Türkei, der nickt nur für den Krieg gescklosien sein dürfe, sondern auch über den Krieg hinaus dauernden Bestand haben müsse. Eine Schwierigkeit ergibt sich nur insofern, als Oesterreich- Ungarn und die Türkei räumlich getrennt sind. Die Schwierigkeit will Graf Reventlow beseitigt wissen und in dieser Hinsicht führt er aus: „Es ist klar, dah die während der letzten Monate immer energischer öffentlich erhobene Forderung einer Verbindung zwischen Ungarn und dem Türkischen Reiche ebensowenig eine Eintags- for'derung ist, wie das deutsche und österreichisch-ungarische Bündnis mir der Türkei ein Einlagsbündnis ist. Mit anderen Worten: au den Sicherheiten, deren der neue Dreibund bedarf, die er schaffen kann und deshalb schaffen muh, gehört die dauernde po- liiische, wirtschaftlich und militärisch gesicherte Verbindung zwischen Ungarn und dem Türkischen Reiche, zwischen Konstantinopel, Berlin und Wien. Dann erst kann der neue Dreibund zu seiner vollen Stärke und zu seinem Höchstnutzesfekt entwickelt werden, denn es ist eine Beeinträchtigung nicht nur, sondern etwas Anormales, um nicht zu sagen Perverses schlechthin, wenn zwei verbündete Mächte keine gesicherte Verbindung mit ihrem dritten Bundes« genossen besitzen. Eine im Sinne des Wortes vereinigte Kraft- ieistung im Kriege wie im Frieden wird erst dann zu erzielen sein, wenn der noch in inselhafter Absonderung befindliche türkische Bundesgenosse durch einen Deich von solcher Festigkeit mit den europäischen Mittelmächten zusammengeschlossen ist, dah die Brandung vom Osten wie vom Westen ihn nicht zu erschüttern, geschweige denn zu überfluten vermag.* Leider gibt Graf Reventlow nicht näher an, wie er sich diesen Deich denkt, der Oesterrcich-Ungarn in direkte Verbindung mit der Türkei bringen soll._ Zur �rage der Lebensmittelversorgung. Einer Mitteilung aus der badischen Landtagsfraktion entnehmen wir folgendes: Die sozialdemokratische Landtagsfraktion Badens besahte sich in einer am 30. Juli abgehaltenen Sitzung mit der gegenwärtig herrschenden Teuerung, sowie der Lebensmittel- Versorgung überhaupt. Nach eingehender Aussprache wurde be- schlössen, dah eine Abordnung von drei Genossen beim Ministerium des Innern vorstellig werden solle, um persönlich wegen dieser hoch« wichtigen Fragen zu verhandeln. Die Besprechung mit dem Minister des Innern Freiherrn von Bodman fand am Freitag, den 6. August llllö. statt. Die Fraktion war durch die Genossen Geih, Kurz und Strobel vertreten. Freiherr von Bodman gab auf alle die vorgetragenen An- regungen Antwort und teilte mit, dah seitens der Staats- und ReichSbehörden, sowie der unteren Verwaltungsorgane alles geschehe, um ungerechten Preistreibereien auf dem Lebensmittelmarkt ent- gegen zu wirken. Der Wunsch nach Erhöhung der Brot- r a t i o n e n dürfte bald erfüllt werden, da eine gute Ernte zu der- zeichnen sei. Durch Herabsetzen der Höchstpreise für Brotgetreide sei eine Ermähigung des Brotpreises möglich. Bezüglich der Kartoffelversorgung wurde mitgeteilt, dah wir mit einer überaus günstigen Ernte zu rechnen hätten, der Preis dürfte den gewohnten Friedenspreis der letzten Jahre nicht wesent- lich übersteigen.— Zur Fleischversorgung sind seitens des Reiches, sowie der Bundesstaaten, die Festsetzung den Verhältnissen entsprechender Preise in Aussicht genommen.— Ein Höchstpreis für Milch, der nicht mehr als 26 Pf. pro Liter betragen darf, sei für Baden bereits festgesetzt.— Zur Kohlen- und Petroleumversorgung wurden günstige Erklärungen abgegeben. — Für die Selbstversorger wurde zugesagt, den Vorratsbedarf nicht von einer Dauer bis zum 31. Dezember 1315 abhängig zu machen; den Gemeinden sei es überlassen, den Leuten mit weniger Vorräten weitgehendstes Entgegenkommen zu zeigen. Außerdem wurde noch mit dem Minister über Klagen, welche sich bei der Unterstützungsgewährung herausgestellt haben, verhandelt, und in allen Teilen, soweit es sich um gewisse Härten handelt, Ab- Hilfe zugesagt._ Eine Erhöhung der Unterstützungssätze für die Kriegerfrauen fordert dringend in einer Eingabe an die b a d i s ch e R e- g i e r u n g und an den Reichstag das Gewerkschafts- kartell F r e i b u r g i. B. Es wird darauf aufmerksam ge- macht, daß die meisten Kriegerfrauen bereits an Unter- ernährung leiden, da sie in der Hauptsache von Suppen, Kaffee und Brot leben. Auch seien die Sparpfennige der früher etwas besser gestellt gewesenen Kriegerfamilien jetzt aufgezehrt. Hinzu komme die täglich mehr in die Er- scheinung tretende Lebensmittelteuerung, die die Lage der Kriegersrauen stetig verschlechtert. Der Reichstag müsse un- bedingt eine Erhöhung der Grundpositionen der staatlichen Unterstützungssätze vornehmen. Gewährung von Teuerungszulagen an die städtischen Arbeiter und Angestellten von Strastburg i. Elf. Der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter, Filiale Strah- bürg i. Elf., hat am 20. Mai 19 l5 eine Eingabe an den Strahburger Gemeinderat gerichtet mit dem Antrage, den städtischen Arbeitern eine Teuerungszulage zu gewähren. Unter Prüfung aller für die städtischen Arbeiter in Betracht kommenden Verhältnisse hat die Stadtverwaltung von Stratzburg folgenden Vorschlag gemacht: Als Teuerungszulage für die Dauer des Krieges erhalten: Ledige und Witwer ohne Kinder i M. monatlich Verheiratete........ 6,„ Für jedes Kind....... 3„, Arbeiter mit einem Jahreseinkommen über 2000 M. sind von der Gewährung der Zulage ausgeschlossen. Jahresverdienst und Teuerungszulage sollen den Betrag von 2000 M. nicht übersteigen. Erforderlichenfalls wird die Zulage entsprechend verkürzt. Der Antrag der Stadtverwaltung fand eine Mehrheit im Straßburger Gemeinderat. Außerdem wurde ein Kredit von 5000 M. zur Ver- fügung gestellt, aus welchem in besonderen Fällen außerordentliche Beihilfen an die Angehörigen der im Felde stehenden städtischen Arbeiter und Angestellten bewilligt werden sollen. Kriegsausschust der Hausbesitzer. Der.Zentralverband der Haus- und Grund« besitzer Deutschlands* ist am Sonnlag in Halber st adt zu einer Kriegssitzung zusammengetreten. Die Verhandlungen, die sich besonders auf die Notlage der Hausbesitzer beziehen, sind streng geheim. Selbst die Hausbesitzer-Zeitungeu dürfen leine Vertreter entsenden, sondern sollen einen Bericht des Generalsekretär« ent- gegennehmen. Die„Vosstsche Ztg.* kann aus den geheim geführten Verhand. lungen des Zentralverbandes der Haus« und Grundbesitzervereine Deutschlands dennoch folgendes mitteilen: „Man forderte unter anderem eine Erweiterung der Mietsunterstützung; vor allem soll die Gewährung von MietS« Unterstützungen zukünftig nicht von einem Mietsnachlaß abhängig gemacht werden. Die Mielsunterstützung soll sich auf sämtliche MietSräume erstrecken, unbekümmert um den Preis und gleich- bedeutend, ob diese Wohn- oder gewerblichen Zwecken dienen. Sie soll jedem gewährt werden, der nachweisen kann, daß er durch den Krieg geschädigt ist und einer Unterstützung bedarf. Reich und Bundesstaaten mögen den Gemeinden die durch die Mietsunter- stützung erwachsenden Ausgaben in vollem Umfange ersetzen.' Mit diesen Wünschen werden die Grundbesitzer freilich kein Glück haben. Die übermächtige Konkurrenz der Grostbetriebe. Beim Wiederausbau in Ostpreußen sind die Behörden bemüht, vor allem die einheimischen Handwerker und Gewerbetreibenden mit Aufträgen zu unterstützen, um dem Handwerk wieder zur Blüte zu verhelfen. Es zeigt sich aber, daß trotz aller Maßnahmen die auswärtigem Großbetriebe die Kleinbetriebe bei dem Weit- bewerb aus dem Felde schlagen, so daß selbst der Obcrpräsident meint, sie schöpften den Rahm ab. Er teilt folgendes mit: „Aus mehreren teilweise zerstörten Städten wird mir be- richtet, daß auswärtige Händler, � zum großen Teil von Waren- Häusern und Bazaren vorgeschobene Persönlichkeiten, die wenigen noch in brauchbarem Zustande befindlichen oder leicht in solchen zu setzenden in günstiger Verkehrslage liegenden Lagerräume der Städte zum Teil zu verhältnismäßig hohen Preisen den bisherigen Inhabern fortmieten. � Manchmal regen sie die Besitzer der Häuser zum Ausbau großer Läden dadurch an, daß sie ihnen für einige Jahre sehr hohe Mietsbeträge bieten. Auf diese Weise wird der Zweck erreicht, die heimischen finanziell weniger leistungsfähigen Gewerbetreibenden möglichst auszuschalten, um während der Jahre, wo der Wiederaufbau der Stadt und ihres Wirtschaftslebens den dafür in Betracht kommenden Geschäften großen Umsatz verspricht, den Gewinn einzuheimsen und dann, wenn der Rahm abgeschöpft ist, zu verschwinden und dem Hausbesitzer den leeren, nicht weiter angemessen vermietbaren Geschäftsraum zu überlassen." Der Oberpräsident führt weiter aus, daß sich staatliche Zwangsmaßnahmen gegen diese verhängnisvolle Entwicklung nicht treffen ließen. Er empfiehlt aber den Zusammenschluß der in Betracht kommenden Bürger und den„Eindringlingen" keine Läden zu vermieten. Bei der Auszahlung von Vorentschädigun- gen für Bauzwecke soll darauf hingewirkt werden, daß die herzu- stellenden Geschäftsräume angeseffenen Gewerbetreibenden zu an- geniessenen Preisen vermietet werden. Dann sollen bei Aus- Zahlungen von Vorentschädigungen die Empfänger darauf hin- gewiesen werden, daß es im wohlverstandenen Interesse der Stadt und ihrer Umgebung liegt, die seßhaften Gewerbetreibenden durch Warenbezug zu unterstützen. Der Oberpräsident meint am Schlüsse, so schwer in dieser Hinsicht ein praktischer Erfolg zu er- zielen sein werde, so müßten doch von den beteiligten Behörden bei der Wichtigkeit der Frage für die Zukunft der Provinz alle geeig- neten Mittel zur Einschränkung der angemeldeten Gefahr er- griffen werden. Die„verhängnisvolle Entwicklung* führt zur Verdrängung der Kleinbetriebe trotz aller behördlichen Maßnahmen, und selbst der Oberpräsident muß eingestehen, daß praktische Erfolge bei Be- kämpfung dieser Entwicklung nur schwer zu erzielen sein werden. Eine sonderbare Zumutung. Die„Kölnische Zeitung* schreibt in ihrer Sonnabendnummer unter der Ueberschrift„Berichterstattung vom Balkan*: „Die deutsche Presse sollte grundsätzlich in diesen Zeiten Darstellungen der stanzösischen, russischen, italienischen und eng- lischen Presse über Ereignisse und Zustände in den neutralen Balkanländern ihre Spalten verschließen. Die Blätter unserer Gegner mögen aus ihren eigenen Ländern manches für uns Wertvolle enthalten, über die noch unentschiedenen neutralen Balkanländer aber sicher nicht.* Wie kommt die„Kölnische Zeitung* dazu, sich als Mentor der gesamten deutschen Presse aufzuspielen? Ganz abgesehen davon, daß die führende deutsche Presse genügend Verantwortlichkeitsgefühl be- sitzt, um die Darstellungen der ausländischen Presse kritisch zu be- werten, gibt es, glauben wir, genug innerer Einschränkungen, als daß man sich die ungebetenen Ratschläge innerer Zensoren gefallen zu lassen brauchte.___ Gegen Lifsauers Hastgcsang. Die„Kölnische V o l k s z e i t u n g" findet zum Beginn des zweiten Kriegsjahres in ihrem Gcdenkartikel, daß der Haß un- christlich sei und daß es sich gezieme,„unser Herz zu erforschen, ob wir solchen Haß stetS von uns fernhielten". Die Herzensforschung hat schon erfreuliche Er- gebnisse gezeitigt. In Nr. 637 bringt das Zentrumsblatt einen Aufsatz, der offenbar von geistlichet Seite stammt. Darin wendet man sich wie folgt gegen Lissauers Haßgesang: Mir will scheinen, daß wir heute uns zu einer ruhigeren Auffassung und zu einer maßvolleren Beurteilung durchgerungen haben. Ein christlich empfindener Mensch kann doch heute den Lissauerschen Haßgesang gegen England nicht ohne inneres Wider st reden lesen— auch angesichts alles dessen, was uns England zugefügt hat und noch zufügt. Deshalb sollen diese Zeilen den Zweck haben, öffentlich anzuregen, den Llssauer- schen Hatzgesang aus allen Wuchern fernzuhalten, die für die Hände der Schuljugend be- stimmt sind. Die deutsche Presse wird um möglichst all- gemeine Verbreitung dieser Anregung gebeten. Diesem Wunsche entsprechen wir gerne. Haben wir uns doch von der Erkenntnis, die jetzt dem christlichen Blatte aufdämmert, auch während des Krieges nie entfernt. Die Redaktion der„Köl- mschen Volkszeitung" selbst schreibt zu dem Aufsatz: „Der hier ausgesprochenen Anregung, den erwähnten Haß- gesang aus Büchern, die für die Jugend bestimmt sind, fernzu- halten, muß man durchaus zustimmen. Wollte man in dem an sich schon mit Erbitterung geführten Völkerkriege schon die Jugend mit leidenschaftlichen Haßgefühlcn nähren, so würde dies für die Zukunft noch unabsehbare Folgen hoben. Wer Funken sät, wird Flammen ernten." Nur nock»„die Lüge und Verleumdung, mit der die englische Negierung uns bekämpft", will die„Kölnische Volkszeitung" weiter hassen._ Landtagsabgeordneter Münsterberg gestorben. Wie die„Danziger Zeitung"»neldet, ist gestern abend der fortschrittliche Landtagsabgeordnete Kom« merzienrat Otto Münsterberg im 62. Lebensjahre ver- starben. Er gehörte dem Abgeordnetenhause von 1903 bis 1908 und auch in der gegenwärtigen Legislaturperiode an. Er war Vor- sitzender der Fortschrittlichen Vollspartet für Danzig und West« Preußen. Mus öer Partei. Ueber Wahrheitsliebe. In der letzten Nummer des„CorrespondenzblotteS der Generalkowinission der Gewerkschaften Deutschlands* lesen wir folgende„Liebenswürdigkeit*: KautSky und die Gewerkschaften. Zu der Polemik zwischen Legten und Kautsky im„Vorwärts* über die„Meinungsfreiheit der Gewerkschaften* hatte Robert Schmidt auf die Stellung Kautskys gegenüber den Gewerkschaften in der Brandenburger Delegation auf dem Mannheimer Partei- tage aufmerksam gemacht. Kautsky Pestritt, wie das bei ihm zu erwarten war, die Richtigkeit der Ausführungen Schmidts. Der Genosse Eugen Brückner sandte als Teilnehmer an jener Sitzung dem„Vorwärts" eine Erklärung, um den Sachverhalt festzustellen. Die Redaktion d e s„ V o r w ä r t s" lehnte die Auf« »nähme dieser Erklärung ab und die angerufene Preßko in mission billigte die Abneigung der ihr unter st eilten Redaktion gegen die Fe st- st e l l u n g der Wahrheit. lVon un? gesperrt I Die Red.) Da aber die Sache uns bedeutungsvoll genug erscheint, geben wir hier die Erklärung Brückners„zu dem Streit über die MeinungS- freiheit der Gewerkschaften" wieder. Der Rcdakleiw des„CorrespondenzblotteS* scheint doch keine Gelegenheit vorübergehen zu lassen, ohne sich an der von ihm so „geliebten„Vorwärts'-Redaktion und Preßkommission* zu reiben. Zur Feststellung der Wahrheit wollen wir mitteilen, daß wir die Er- klärungen der Genossen Legten und Rob. Schmidt gegen Kautsky wörtlich abgedruckt haben. Nachdem wir jeder Seite genügend Ge- legenheit zur Aeußerung gegeben, kamen wir zu der Auffassung, daß der Streit endlich einmal abgebrochen werden müsse. Auch aus den Kreisen unserer Leser waren uns Beschwerden gegen die langen, per- sönlichen Erklärungen übermittelt worden. Als wir dann eine Er- klärung des Genossen Eugen Brückner erhielten, in der die Dar- stellung der Genossen Legten und Schmidt bestätigt wurde, lehnten wir den Abdruck dieser Erklärung ab, gaben aber der Oeffentlickkeit in der Nummer vom 15. Juli von dem Eingang derselben in fol- gender Weise Kenntnis: Wir erhielten in der gleichen Angelegenheit eine längere Zu- schrift des Genossen Brückner, in der die Auffassung des Genossen Robert Schmidt bestätigt wird. Im übrigen betrachten wir den Meinungsaustausch über diese Frage für erledigt. Wir nehmen natürlich an, daß nur ein Versehen den um drs „Feststellung der Wahrheit* so eifrig sich bemühenden Redakteur des „Correspondenzblattes* daran gehindert hat, die letzte Bemerkung ab- zudrücken._ Zu der Erklärung des Genossen Braun über den Pommerschen Parteitag bemerkt der Stettiner„V o l k s b o t e": Gegen den Vorwurf des wenig loyalen Handelns müssen wir die Unterzeichner in Schutz nehmen. In der Besprechuirg mit Bezirksvorstandsmitgliedern hat man der Anregung, durch Unter- schriften die Meinungen festzustellen, keine Bedeutung beigemessen. Jedenfalls hat aber die Versalnmlungsleitung nicht bekannt ge- macht, daß jede Art der Feststellung der Meinungen unterbleiben soll. Sie hat nur betont, daß sich die Redner Beschränkungen aus- erlegen sollen. Haben doch zwei Genossen aus dem Bureau selbst ihre Unterschriften gegeben, während der dritte Genosse ablehnte, weil er mit dein Inhalt nicht einverstanden war. Daß Genosse Braun vor Schluß der Konferenz abreisen mußte, lieh sich wohl nicht vermeiden, aber ebenso ließ sich auch nicht vermeiden, daß nach seinem Schlußwort noch mehrere Redner gegen seine Ansicht sprachen. Um es noch einmal zu wiederholen: es waren insge- samt acht von den zehn Diskussionsrednern, die anderer Meinung waren als Braun. Mit welcher Berechtigung Genosse Braun die Merheit der Konferenzteilnehmer für sich reklamiert, wissen wir nicht, die Tatsachen ergeben jedenfalls, daß sein„Eindruck" falsch war. Auch seine Schätzung der Teilnehmerzahl stimmt nicht, sie ist von ihm ein wenig nach oben abgerundet worden. Im übrigen aber kommt es wirklich nicht darauf an, ob eine kleine Mehrheit der Konserenz ftir oder gegen eine Aenderung der FraktionS- Haltung war. Dem Genossen Braun scheint indes viel mehr an dieser formellen Sache gelegen zu sein als uns. Berichtigung. In die Sympathiekundgebung der Genossin Zieh für die Genossin Zetkin hat sich ein Druckfehler singe- schlichen. In dem einleitenden Satz muß es anstatt:„Wie enor- men Anteil" heißen:„Wie warmen Anteil". Professor Salvcmini als Kriegsfreiwilliger. In italienischen Parteikreisen hat man wiederholt Gelegen- heit gehabt, sich mit dem Professor der Geschichte, Gaetano Sal- veniini. zu beschäftigen. Salvemini hat lange Zeit der Partei ange- hört, und zwar dem äußersten rechten Flügel. Bei dem Erdbeben van Messina verlor er in furchtbarer Weise seine ganze Familie: Frau, Mutter und fünf Kinder. Dieses Ereignis, das wohl we- nige Menschen überlebt hätten, beeinflußte seinen Charakter auf das Tiefftc. Er wurde immer inehr zum Eingänger, kehrte der Partei den Rücken, zeigte mystische Tendenzen und gab den Ge- Nossen wegen seiner Angriffe auf die italienischen Sozialisten viel, zu schaffen. Jin Frühjahr wurde er zum eifrigsten Verfechter des italienischen Kriegs, für den er als Straßenredner eintrat Jetzt wird er nun als Leutnant den Krieg mitmachen.— Auch der Abgeordnete Orazie Raimeudo, Vertreter des Wahlkreises von San Remo, der wegen seiner Zugehörigkeit zum Freimaurerorden nach dem Parteitag von Ancona aus der Partei austrat, hat sich als Kriegsfreiwilliger geineldet und den Rang als Premierleut- nant erhalten, desgleichen der Abgeordnete von Genua, der Re- formist Calwpa, Herausgeber und Chefredakteur der Tageszeitung „Lavoro". Aus den Organisationen. Eine Konferenz des Kreises Teltow-Beeskow-Ebar- lottenburg, welche ain Sonntag, den 8. August 1915, tagte, in welcher 44 Ortsvereine mit 127 Delegierten vertreten waren. nahm nach Referaten der Genossen Ebert und Haas« und nach ausgedehnter Debatte gegen 11 Stimmen eine Resolution an, in der es abgelehnt wurde, sich mit der bisherigen Haltung der Parteiinstanzen zu befassen. Für die zukünftige Fraktionspolitik wird eine Abkehr von der bisherigen Stellungnahme der Fraktion erwartet. Auch die Leitung der Parteiorganisation im 5. schle? wig- holsteinischen Reichstagswahlkreis ließ die Stel- lungnahme der Genossen zum Parteiftreit feststellen und in allen größeren Orten zu diesem Zweck Mitgliederversammlungen ob- halten. In den kleinen Ortsvereinen war das leider nicht mög- lich. Mit Ausnahme einer Versammlung, in der sich einige Ge- nassen als Anhänger der Opposition bezeichneten, wo aber wegen des schwachen Besuchs eine Abstimmung nicht stattfand, stellten sich alle Ortsvereine geschlossen lunter den Parteivoritand, die Reichstagsfraktion und den Parteiausschuß. Entsprechende Re- jeliUioneÄ wurden überall angenommen. Mus Groß-Serim. verwundete bei den§erienfpielen im plänterwalöe. Verwundete des Lazaretts„Pfalzburg" machten dieser Tage einen Ausflug nach Treptow und wurden Zeuge der Ferienspielc im Plänterwalde. Die Sfinder luden ohne viel Federlesens die Verwundeten ein und Lehrer und Lehrerinnen stimmten freudig zu. Sofort lvurde Kaffee gekocht, und was noch von den Kriegssemmeln da war, an die Soldaten ver- abreicht. Zahlreiche Kinder verzichteten zugunsten der Ver- wundeten auf eine Kriegssemmel und holten auch sonst her- bei, was vorhanden war, wie Marmelade, auch Zigaretten wurden herangeschafft. Besondere Freude bereiteten den Verwundeten die gemein- sam vorgetragenen Gesänge, die alldeutschen Bauerntänze, die Pyramiden usw. Als schiv'achen Dank für die Gastfreundschaft erhalten wir folgende Zeilen mit der Bitte um Abdruck: Dem Lehrkollegimn, Scbiilerinnen und Schülern des Ferienspiel- Platzes„Pläntcrwald" in Dankbarkeit gewidmet von den Wer- wundeten des„Sanatoriums Pfalzbnrg"' Ein Sommertag, heitz glüht die Sonne, Kein Wölkchen sich an, Himmel ballt. Doch hcihcr glüht's Gesicht voll Wonne Der Kleinen hier im„Plänterwald". War das ein liebevolles Regen, Ihr ludet euch die Krieger ein, Ilm sie mit Schrippen zu verpflegen, Sich ein'ge Stunden zu erfrcu'n. Ihr habt gesammelt Liebesgaben, An uns verteilt, damit beglückt, Kaffee gekocht, uns d'ran zu laben, Mit Eichen, Blumen uns geschmückt, Der eine bracht' aus Baters„Kistchcn", Ein and'rer sammelte zu Haus Mit schmeicheln und mit kleinen Listchen Packt ihr„erlaubt" die„Sparbüchs" aus. Das Geben war euch ein Entzücken, Es war zu sehen und zu hör'n, ES stand in euren blanken Blicken, Was ihr gegeben,— gabt ihr gern I Ein schöner Tag, da? will ich meinen, Für euch, für uns! Nicht wahr? Darum Nehmt unfern Dank, ihr lieben Kleinen, Dank auch deni Lehr-Kollegium. Wir alle— Schwestern, Kameraden, Bergessen sicher nicht sobald Den Tag, da lvir zu Gast geladen, Vom„Ferienspielplatz Plänlerwald"! Ein Fest der(Yrost-Bcrlincr Arbeiterjugend in ernster Zeit war der am vergangenen Sonntag stattgesundene Massen- auS flug. Schon frühmorgens brachen die Jugendlichen allerorts auf, um dem Festplatze zuzuwandern, der sich iin schönsten Waldes- grün in der Nähe vom Restaurant Sanssouci bei Kaulsdorf- Süd befand. Dort entwickelte sich denn auch, obwohl das eigentliche Fest erst am Nachmittag beginnen sollte, schon in den Bormittagsstunden ein lebhaftes Treiben. In kleineren und größeren Trupps kamen immer neue Scharen von Jugendlichen an. Daneben fanden sich auch viele Erwachsene ein, um im Kreise der Jugend einige frohe Stunden zu verleben. Sogar die feldgraue Farbe war vertreten. Ist doch auch von den älteren Jugendlichen in letzter Zeit so mancher zum Heeresdienst einberufen worden, der nun die Gelegenheit wahrnahm, hier nochmals die Erinnerung an die liebgewonnene Tätigkeit in der Bewegung im wahren Sinne deS Wortes aufleben zu lassen. Das Fest selbst begann gegen 3 Uhr nachmittags. Ueberall bildeten sich größere und kleinere Gruppen von Jugendlichen, die Gcsellschafts- und Ballspiele aufführten. Dazwischen ließen Mandolinen- kapellen ihre fröhlichen Weisen erklingen. Ueberall herrschte inuntere, echt jugendliche Geschäftigkeit. Die meisten Teilnehmer sah man in leichter, heller Kleidung, sowohl Bursche» tvie Mädchen, ohne daß aber dabei irgend etwas anstößig wirken konnte. So mancher Er« wachsene, der an dem munteren Treiben seine Freude hatte, mag dabei wohl mit Wehmut an seine eigene Jugendzeit gedacht haben, zu der es noch keine Jugendbewegung gab und damit auch nicht die Gelegenheit, so zwanglose und doch inhaltsreiche Stunden zu verleben. Den Höhepunkt erreichte das Fest mit dem Auftreten deS Berliner Sängerchors, der unter Leitung des Chormeisters Bothe eine Anzahl gut ausgewählter Lieder zum Vortrag brachte. Den ersten Teil bildete„Weihe des Gesanges",„Tord Foleson" und„Ich warte dein", dann folgten Volkslieder, zuletzt der„Jäger aus Kurpfalz", die alle wirkungsvoll vorgetragen lvurden. Die Sänger ernteten so stürmischen Beifall von den jugendlichen Hörern, daß noch eine„Zugabe" folgen mußte. Dem gesanglichen Teil folgten dann wieder sportliche Veranstaltungen, ge- leitet von Mitgliedern des Turnvereins Fichte. Allzuschnell waren die wenigen in der jetzigen Zeit doppelt wertvoll empfundenen Stunden vergangen und gar bald brach der Abend herein, der zum � Aufbruch mahnte. Der launische Wcttergoit sandte zwar im Laufe des Tages einige feuchte„Ueberraschungen", die aber schnell vorübergingen und infolgedessen mit Humor aufgenommen wurden. Die Feststimmung konnte dadurch nicht beeinträchtigt werden, zumal dann zum Spät- nachmittag und Abend der Himmel ein recht gnädiges Gesicht zeigte. Das starke Schutzmannsaufgebot, das mit schier unermüdlicher Geduld den ganzen Tag über auf dem Platze standhielt, erwies sich als eine gänzlich überflüssige Maßnahme, da die ganze Veranstaltung mit ihrem sportlichen und geselligen Charakter doch nur der körper- lichen und geistigen Ertüchtigung der arbeitenden Jugend diente. An dem Massenausflug beteiligten sich etwa 2000 Personen. Der Verlauf dieser Veranstaltung ist ein schöner Beweis dafür, daß die arbeitende Jugend Groß-Berlins treu zu ihrer Bewegung hält und auch in der jetzigen ernsten Zeit ihre Feste würdig zu»eiern versteht._ Rückkehr der Fcricnrciscndcn. Die Rückkehr der Ferienreisenden setzte bereits am Sonntag ein, namentlich auf dem Potsdamer und Anhalter Bahnhof war der Verkehr ein außerordentlich starker. Besonders waren die Harz- bäderzüge überfüllt, so daß während des ganzen Sonntags Vorzüge in Anspruch genommen werden mußten. Ausfallend schwach dagegen war der Betrieb auf dem Lehrter und Stettiner Bahnhof, was wohl darauf zurückzuführen ist, daß infolge des ungünstigen Wetters an der Ost- und Nordsee die meisten Ferienreisenden ihren Aufenthalt am Badestrande wesentlich abgekürzt haben und schon Anfang der vorigen Woche nach Berlin zurückgekehrt sind. Für unsere Droschken- geführte brachte die Rückkehr der Ferienreisenden die Ernte. Auch Straßenbahnen und Omnibusse nahmen mit Rücksicht auf den unzu- reichenden öffentlichen Droschkenfuhrpark Passagiere mit Gepäck mehr als sonst auf. Ankauf von Kunsttvcrkc» für die Ttadt Berlin. Die Jurie der städtischen Ankanfskommission der städtischen Kunstdeputation trat gestern unter Vorsitz des Bürgermeisters Dr. Reicke in der ztveiten Abteilung der Großen Berliner Kunstausstellung, die in den nächsten Tagen eröffnet wird, behufs Ankaufs von Kunstwerken für die Stadt Berlin zusammen. Es wurden angekauft: die Oelgemälde von Paul Plontke: „Tischgesellschaft", Fritz Geyer:„Wintcrnachmittag", Ernst Glatzel:„Im Stadtpark", Kurt Albrecht:„An der Potsdamer Brücke"; ferner eine Plastik von Ernst Freese:„Goethekopf", sowie die graphischen Arbeiten von Julius Turner:„Kopf eines Arbeiters", Martin Philipp:„Drei Gaukler", Karl Brendel:„Walter von der Vogelweide", Emma Beermann: „Frühlingsmorgen", und Wilhelm Kohlhoff:„Siegesnachricht in der Kleinstadt". Tödlicher Unfall eines Landivehrmanncs. In der Kaiser-Allce in Wilmersdorf wollte am Sonntag nach- mittag gegen 2 Uhr der Wehrmann Pohle unmittelbar vor einem in der Richtung nach dem Zoologischen Garten verkehrenden Straßen- bahnzug der Linie? das Gleis überschreiten. Da der Führer den Zug trotz energischster Bemühungen auf so. kurze Entfernung nicht mehr zum Stehen bringen konnte, wurde P. umgestoßen. Bei dem Sturz auf das Straßenpflaster erlitt der Landwehrmann einen Schädelbruch, an dessen Folgen er auf der nächsten Unfallstation, wohin er gebracht worden war, starb. Der falsche Butterhändler. Ein Butterhändler eigener Art wurde von der Neuköllner Krinunalpotizei festgenommen. Ziveiggeschäfie einer hiesigen Großhandlung erhielten, wie wir mitteilten, Fässer geliefert, die statt Butler nur Sand enthielten. Sie nahmen diese Fässer um so eher ohne sofortige Prüfung des Inhalts an, weil der„Expreßbote" an- gab, daß er einen eiligen Auftrag des Hauptgeschäftes ausführe. So kam der Schwindel erst an den Tag, wenn man das Faß zum Verkauf des Inhalts öffnete. Der Bote, dem die Lieferung bezahlt worden war, halte längst das Weite gesucht. Jetzt gelang es der Kriminalpolizei, den Schwindel aufzudecken. Der„Expreßbote" ent- puppte sich als ei» Buchhalter D. aus dem Norden Berlins, der früher bei der Großhandlung angestellt war, vor einiger Zeit aber nach Unterschlagung von 6000 M. entlassen wurde. Das Geschäft hatte damals die Veruntreuungen nicht angezeigt, weil D. bestimmt versicherte, daß er das Geld nach und nach zurückzahlen werde. Statt dessen betrog er nun auch noch die Zweiggeschäfte. Die Kriminalpolizei führte ihn dem Untersuchungsrichter vor. AuS der Chronik der Feuerwehr. Böswilligerweise wurde am Sonntagabend, als das Cass„Vaterland" am Potsdamer Platz dicht besetzt war, die Berliner Feuerwehr dorthin gerufen. Das Publikum blieb zum Glück ruhig und amüsierte sich über die suchende Wehr. Diese rückte um 10 Uhr, nachdem keine Gefahr und der Täter zu er- Mitteln war, wieder ab. Am Montagvormittag brannten in der Dragonerstraße 4?-, Möbel, alter Hausrat und die Dachkonstruktion, weshalb tüchtig ge- löscht werden mußte. In den Bergmann Elektrizitätswerken in der Oudcnarder Straße war gestern die Ankerumwicklung eines Dreh- strommotors in Brand geraten. Die Gefahr konnte bald beseitigt werden. Wegen eines Wasserrohrbruches erfolgte ein Alarm aus der Rheinsberger Straße 28. Holzkisten brannten in der Triftstraße 4o und ein Zigarrcnladen in der Warschauer Straße 46. Am Luisen- ufer 36 mußte ein Wohnungsbrand und am Wikkinger Ufer 2 ein Kellerbrand gelöscht werden. Hcrrnseld- Theater. Mit dem Beginn des bierundzwanzigsten Spieljahres am letzten Sonnabend war ein familiärer Akt verbunden. Donar Herrnfeld, durch mehrmonatige schwere Krankheit von jeder Tätigkeit fern gehalten, spielte wieder mit seinem Bruder Anton zusamnien. In dieser gemeinschaftlichen Wirksamkeit wird mit Recht eine der stärksten Eigentümlichkeiten erblickt, aus die sich das Hcrrnfeld-Thcater seit Aiibeginit stütze» durfte. Das andere gleichwichtige Merkmal pflegten die beiden Charakterkomikern hin- sichtlich ihrer Hauptfiguren„auf den Leib geschriebenen" Hauskomödicn zu bilden. Diesmal überraschte man die zahlreichen Freunde des Hcrrnseld- Theaters durch eine„meschuggene" Geschichte„Benjamin macht alles". Wenzel Ouark, Inhaber einer Käsesabrik draußen im Bereich der Rieselfelder, hat zwei Millionen Ouarkkäse an die Heeres- Verwaltung geliefert. Sotane Lieferung wird aber zurückgeschickt, einmal ihres üblen Duftes wegen und dann, weil Herrn Wenzel Quarks Riechorgan seiner eigentlichen Bestimmung ermangelt. Das ist nun gerade der Grund, warum der Sozius besagter Käsefabrik von seinem adligen Schwiegervater gedrängt wird, auszutreten— und zwar unverzüglich. Kurt Baumfeld hat kürzlich ein Kind vom Tode des Ertrinkens gerettet und dafür die Rettungsmedaille er- halten. Das wäre ja gut und schön, hätte nicht eine Zeitung die„Firma Ouark u. Co." für obige„Heldentat" belobigt. Während nun hierin Herr Baumfeld ganz richtig eitie nicht mißverständliche Anrentpelung vermutet, erblickt Wenzel Onark in der Reltmigs- medaille ein Objekt von großer rcklamebaster Bedeutung für die Firma. Und, wenn Baumseld außer Verzicht aus sein Einlagekapital und Zahlung einer beträchtlichen Entschädigungssumme noch die ihm verliehene Rettungsmedaille auf das Fabrikunternehmen überträgt, will es Wenzel Ouark zufrieden sein. Sein Freund, der Maller Benjamin, belehrt ihn nun, daß er kein Anrecht auf die Retlnngs- medaille geltend machen könne, erbietet sich aber, Herrn Wenzel zu dieser Auszeichnung zu verhelfen. Am Scharmützelsec soll dieser Alt ins Werk gesetzt werden. Ueberhaupt sind sie beide, was man so sagen kann,„überkandidelte" Leute. Ilnd das Spaßigste daran ist, daß sie alle andern für verrückt halten. Hieraus entspringen die meschuggensten Kontraste dieser einer„wahren Begebenheit" nach- gedichteten Tragikomödie. Man unterhält sich also vortrefflich bei Herrnfelds!_ Strasieiisperriing. Die Potsdamer Straße wird zwischen Bülow- traße lind Pallasstraße wegen Gleiserneuerungsarbeiten bis auf weiteres für den durchgehenden Fnhrwerksverkehr gesperrt. Kleine Nachrichten. Der Selbstmord eines Brasilianers wird aus dem alten Westen der Stadt gemeldet. In einem Hotel in der Gegend des Potsdamer Bahnhofes wohnte seit einiger Zeit ein 26 Jahre alter Dr. med. Fernando Leal de Sapereira aus Bahia. Der junge Mann ging öfter aus mehrere Tage weg, und so fiH es auch nicht auf, daß er sich in den letzten Tagen nicht sehen ließ. Als man jedoch gestern nachmittag sein Zimmer betrat, fand man ihn tot auf. Neben der Leiche stand ein Glas, ans dem der Gast ein Gift getrunken hatte, dessen Art noch nicht festgestellt ist.— Beim Abspringen von der Elektrischen glitt der 70jährige Kaufniann E. Hauser, Potsdam, Charloltcnstr. 26 wohnhaft, in der Nahe deS Hauptbahnhoses aus und siel dermaßen unglücklich, daß er sich eine Gehirnerschütterung zuzog, die seine Ueberführung nackt dem städti- ichen Krankeiihause notwendig machte. Das Befinden des Verunglückten ist inzwischen gebessert.— Mit Gas vergiftet hat sich eine Frau in einem Holei der nördlichen Fricdrichstadl. Mus öen Gemeinden. Städtischer Fleisch- und Margarinevcrkauf in Charlottenburg. Einen ansehnlichen Ilmsatz hat der von der Stadt eingerichtete und am 16. Juni d. I. begonnene Verkauf von Fleisch und Fett gezeitigt. An 19 Verkaufstagen wurden bis zum 2. August im ganzen Waren im Betrage von'/« Million Mark umgesetzt. Der Verkauf bon Speck und Schinken belief sich auf 64 471 Kilogramm. Von Pökelfleisch wurde» 40 046 Kilogramm, zusammen also 104 617 Kilogramm abgesetzt. Hierzu kommen noch 1428 Kilogramm Mar- garine. Neben diesen Artikeln, deren Verkauf unverändert weiter fortgesetzt wird, soll demnächst auch derjenige von G e fr i e r fl ei s ch sowie später von Reis und H ü l s e n f r ü ch t e n aufgenommen werden. Tie Kinderveranstaltiliigen i» Neukölln finden bon jetzt ab wieder regelmäßig Mittwochs auf dem Turnplatz der freien Turnerschaft statt. Treffpunkt 2 Uhr am Wildenbruchplatz sElsensteg).— Bei der Schlußfeier am Sonnabend ist ein Regenschirm gefunden worden, der im Bureau des Wahlvereins, Neckarflr. 3, abzuholen ist. Parteiveranstaltungen. Tritter KreiS. Für die 2., 8. und 9. Abteilung findet ein gemein- fchaitlicher Zahlabend im großen Saale des Gewerlschastshauses stalt. Zu diesen elblcitungen gehören die Bezirke t4la— 141 und 234, 238 und 240 bis 249a. Vortrag des Rcichstagsnbg. Otto Büchner. Pankow. Der gemeinsame Zahlabcnd süc die Gruppen 1, 2, 7, 8 findet bei Gaßmann, Kreujltr. 14, für die Gruppen 3, 4, 5, 8, 17 bei Schulz, Breiteslr. 2, sür die Gruppen 9. 10, 44, 18 bei Abendroth, Mühlen- ftraße 29, und sür die Gruppen 41, 12, 13, 18 bei Noack, Kaisex-Fricdrich- Straße 53, stall. Noieiithal-Nicdcrsch öuhaiiseii-West. Sämiliche Bezirke: Zahlabcnd Im Lolal von Milbrodt. Borwag. Stlr-Glieuecke. Mittwoch, den 11. August d. I.. abends 8 Uhr, im Lokal von Schäser. Schirmerswaße: Gemeinsamer Zahlabend. Tages. ordnung: Vereinsangelegenheiten. Bericht von der Krets-Generalverjamm- lung. Diskussion. Bohnsdorf. Mittwoch, den 11. August, abends fl,9 Uhr: Mit- gliederversammlung in„Villa Kahl". Tagesordnung: ttlcch- üungsicgung des Kassierers. Berichterstattung von den beiden Kreis- tonjerenzen und der Fraucnkonserenz von Groß-Berlln. Diskussion und Vereinsangelegenheiten. Steglitz. Am Mittwoch, den lt. August, finden die vereinigten Zahl- abcnde statt, uud zwar für sämiliche Bezirke bei Schellhase, Ahornstr. 15a. Nur der It. und 14. Bezirk tagt bei Jatob, Slephanstc. 9. Allleiliges Er- scheinen dringend erwünscht. Es ist Gelegenheit geboten, dort Beiträge ab- zuführen. Lichtcrfclde. Mittwoch. 81/, Uhr bei Wahrendors, Bäkcstr. 7: Ge- meinsamer Znblabend. Bericht von der Kreiskonserenz. Lbcrschöiiewcide. Mittwoch, den 11. August, abends 8'/, Uhr: Einzel- zahlabcnd in den bekannten Lokalen. Mus aller Welt. Notakt der Hausfrauen. Immer häufiger werden die aus den verschiedensten Städten Deutschlands mitgeteilten Fälle, in denen die Hausfrauen ihrer ge- rechten Empörung über die enorm gestiegenen Lcbensmitlelpreise Ausdruck geben. So wurden kürzlich die Schweinfnrter Hausfrauen derart von den Butter- und Eierhändlern übervorteilt, daß sie kurzerhand einen vernichtenden Angriff aus die Marklstände machten. Es entwickelte sich eine richtige kleine Schlacht. Man bewarf die Verkäufer niit den Eiern, iiud große Klumpen Butter flogen wie Geschosse durch die Luft. Erst als die Polizei eingriff, gelang es, die Ruhe wieder herzustellen. Große Mengen Butter und viele Hunderte von Eiern bedeckten das Kampffeld. Freispruch in zwei Spionageprozessen. Nach längeren Verhandlungen haben am 27. Juli zwei Spionage- Prozesse in Bari und in A n c o n a mit dem Freispruch der An- geklagten geendet. In Rari waren fünf Mönche beschuldigt, dem Feinde Lichtsignale gegeben zu haben, die diesen, bei dem Bombar« dement der Stadt zur Orientierung gedient hätten. Der Staats- anwalt selbst überzeugte sich aber während der Verhandlung von der Uuhaltbarkeii der Schuldbeweise und bcautrogle den Freispruch, der wegen Nichtbestehens der zur Last gelegten Tat erfolgte. In Ancoua stand die Sache des Angeklagten, des Priesters Garbati, weit ernster. Auch er sollte Lichtsignale gegeben haben. Der Ver- treter der Anklage in der vor dem Militärgericht stattgefunden Ver- Handlung beantragte die Todesstrafe. Nach zweistündiger Beratung fällte das Gericht ein freisprechendes Urleil wegen ungenügenden Schiildbeweises._ Bergrutsch in der Schweiz. In einem Steinbruch oberhalb Naron, der das Material zum Umbau eines Tunnels der Lötschbergbahn liefert, erfolgte ein ge- walliger Bergrutsch. Von den dort beschäftigten 30 Arbeitern konnten sich 2l rechtzeitig in Sicherheit bringen, 9 wurden unter den Fclstrümnierit begraben und getötet. Die Verunglückten sind meist Faniilienvätcr, 7 Schtveizer und 2 Italiener. Der Absturz erfolgte 800 Meier bon der Bahnlinie entfernt. Der Betrieb der Lötschbergbahn erleidet keine Störung. Die widerspenstigen Dorfbewohner. Daß fast die gesamten Be- wohner eines Dorfes unter Anklage gestellt sind, weil sie ihre Getreidevorräte z» niedrig angegeben haben, kommt wohl nicht oft vor. In Haage» in Norder-Dithmarschen ist das der Fall. In einer Verhandtnng der Kieler Fcrienstrafkammer gegen den Landmann und Gastwirt Johann Ahrenboog aus Haagen, der sich verantworten niußte, weil er zu wenig Getreide angegeben halte, erklärte der Staatsanwalt, fast die gesamten Beivohncr des Dorfes, mit dein Geineiudevorstcber an der Spitze, seien unter Anklage gestellt worden, weil sich herausgestellt hätte, daß sie alle ihre Getreide- bestände zu niedrig angegeben hätten. A. wurde zu 76 M. Geld- strafe verurteilt.__ Amtlicher Marktbericht der städttschen Marktballen-Direktio» über den Großbandel in den Zentral-Martthalleii. iLhne Verbindlichkeit.) Montag, den 9. August 1915. Fleisch: Rindflcilch per 50 jrx, Schien- sicisch la 110—122, do. IIa 95—110, do. illa 90—95; Bullcnfleisch la 100— 110, do. IIa 86— 100; Kilbe, fett 85— 100, da. mager 78— 85, do dämiche 00—00, Fresser 80—90. Fresser, Holl. 00— 00, do. dänische, 00—00; Bullen, dänische, 00—00. Kalbfleisch, Toppellender 145—165; Mai't- kälbcr la 125—135, do. IIa 105—119, Kälber gcr. gen. 80—100, do. dän. 80—90. Hamnieisleisch: Mastlämmer 180—138; Hammel la 125— 129, do. IIa 115—124; Schafe 115— 125; Holl. 95— 100; dän. 00,00. Schweinefleisch, Schweine, sctte 00—00, sonstige 145—170, dän. Schweine 140—150, do. schwedische 140—150, do. holländische 150—158. Gemüse, inländiiches: Ztartosteln, Nieren- 50 kg 7— 7,50, weiße Kaiserkronen 6,00— 7,00, Magdeburger, blaue 7,00—8,00. Sellerie Schock 3 00—8,00. Porree, Schock 1,25— 1,50; Spinat 50 kg 12,00—14,00; Meerrettich, Schock 6,00— 10,00; Pctersilienwurzcl, Schockbund 4,00— 6,00; Radieschen, Schock- binid 1,25—1,50; Rhabarber, hiesiger 100 Bund 3,50. Tomaten, Gorgaster 50 kg 30,00—35,00. Perlzwicbeln. 50 kg 50,00—75,00. Zwiebeln, neue 50 kg 14,00—18,00. Steinvilzc, 60 kg 30,00— 45,00. Pfesserlngc, 50 kg 55,00—60,00. Salat, Schock 2,00 bis.4,50. Rettiche, bayerische. 100 Stück 10—15, do. biesige. Schock 2—3. Kohlrabi, Schock 0.80—1.50, Schoten, bieflgc, 50 k-- 35,00—40,09. Mohrrüben, Schockbund 3,00—4,00, do. 50 kg 8,00—9,00. Weißkohl, Schock 7,00—16,00; do. 60 kg 5,00—6,00. Rotkohl. Schock 8,00-16,00; do. 50 kg 8,00—9,00. Wirsingkohl, Schock 8,00—10,00. Kohlrüben, Schock 4,00—8,00. Grüne Bohnen, 50 kg 10,00—23,00; Pussbohnen 50 kg 10,00—12,00; Wachsbohnen 50 kg 20—30. Sensguikcn Schock 15—18, Einlegegurken Schock 2,50—3. O b st n li d S ii d s r ü ch t e: Kirschen, saure 50 kg 16,00 bis 28,00, do. Natten 50 kg 30—40. Aepjel. Amerikaner, Kiste 00—00, Tiroler 50 kg 20—40, hiei. 50 kg 8—12. Birnen, Tiroler 50 kg 30—40, bics. 6— 12. Pflaumen, hiesige 50 kg 16—24, ungar. 50 kg 4—10, Bilhler 50 kg 14—18. Pfirsiche, hiesige 50 kg 40—80. Stachclbeclen, reife 60 kg 15—25. Johannisbeeren 50 kg 15—23. Blaubeeren 50 kg 18—26. Himbeeren 50 kg 40—50. Zitronen: Mcssina 300 Stück 26—32, do. 360 Stück 23—29, do. 150 Stück 12—14, do. 50 kg 12—15, do. 160 bis 200 Kiste 18—19, Murcia 200 Kiste 10-16, do. 300 Kiste 12—18, do. 300 kg 20—25.__ BZettcrauSsichten für das mittlere Aorddrutschiaiid VIS Milttoochmittag. In den Tagesstunden mäßig warm. Im allgemeinen bewölkt mit weiloerbreitelen, im Küstengebiel zum Teil starken, weiter binnenwärts schwächeren Rcgensällen.