Mr. 286.-3S Jahrg. BbenncmcntS'Bedlngunsjn: Mionneminls• Vreiz pränumerando BicrldiöfiiL 8.30 Mk, monalL 1,10 Ml, »uöcheiulich 24 Piz. frei in? Hau«. ei'.ijflne Nummer 6 Piz. Sonntag«' Nummer mit illustrierter Sonntag»- Beilage.Die Neue Welt' 10 B«g. Kost- Nbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Bosl. Zeitung»- Preisliste. Unter Kreuzband für Teutsibland und Oesierrctch- Ungarn 2.50 Marl, tut da« übrige«uSIand 4 Marl pro Monat. Postabonnement« N.ebmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Kumäniktt, Schweden und die Schweis Cfiavnt tägflch, Verlinev VolkesblÄkk. .( 5 Pfennig) Die Tnfertlens-Gcbüljr deträgt für die sechZgcspaliette K.olonel- gelle oder deren üiaum 60 Psg, für politisch« und qewerlschastliche BereinS- und Bersannnlnngs. Anzeigen»0 Big. „Alelne Xn-elgen", da« fettgedruckte Wort 20 Big,(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellcnan- zeigen da« erste Wort 10 Psg, jedes wettere Wort 5 Psg, Worte über I-', Buch. stoben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis K Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werdet:. Die Erpedilioa ist bis 7 Uhr abend« geöffnet. Delegramm- Adresse: „SMisItlciDbIlnu RirUi". Zcntralorgan der rozialdcmohrati fehen Partei Deutfchlands. Neöaktion: EW. H§, Linüenstraße 3. Bserusprcchcr: Ami Morit-Platz. Nr. 151 90—151 97. Expedition: Ew. 6$, Linöenstraße 2. pfernsprrcher: Amt Mpritspla«, Nr. 151 90—151 97. MlWgMWse im WM WWe« MM. MkliWg des Grasen hWWMs. Amtlich. Großes Hauptlsuartier, dcu 16. August 1915.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Nördlich von Ammerzweiler(nordöstlich von Dammcrkirch) brach ein französischer Teilangriss vor unseren Hindernissen im Feuer zusammen. Oestlicher Kriegsschauplatz. steeettgruppe des Gencralfcldmarichalls v. tzindenburg. Bei weiteren erfolgreichen Angriffe« gegen die vor- geschobenen Stellungen von K o w n o wurden gestern 1739 Russen(darunter 7 Offiziere) gefangengenommen. Ter mit dem erfolgreichen Nurzee-Uebergang ange- bahnte Turchbruch der russischen Stellungen gelang in vollem Umfange. Dem von der Durchbruchsstelle aus- gehenden Druck und den auf der ganzen Front erneut einsetzenden Angriffen nachgebend, weicht der Geg- n e r ans seinen Stellungen vom Narew bis zum B u g. Unsere verfolgenden Truppen erreichten die Höhe von Brausk, über 5999 Gefangene fielen in unsere Hand. Bei Nowo-Georgiewsk wurden die Vertei- diger weiter auf den Fortgürtel zurückgeworfen. Heeresgruppe des Generalfeldmarscha»! Prinz Leopold von Bayern. Ter linke Flügel erzwang in der Nacht den Ueber- gang über den Bug westlich von Drohiszyn. Nachdem Mitte und rechter Flügel am gestrigen Bormittag Losice und Miendrzyrzee durchschritten hatten, stießen sie an den Abschnitten der Toczua und Klukowka(zwischen Drohiszyn und Biala) auf erneuten Widerstand: er wurde heute bei Tagesanbruch östlich von L o s i e e durch den Angriff schlesischer Landwehr gebrochen. Es wird verfolgt. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen. Tie Verfolgung wurde sortgesetzt: Biala und Slawatysze sind durchschritten. Oestlich von W l o d a w a dringen unsere Truppen auf dem Ostufer des Bug vor. Oberste Heeresleitung. Der rusilsche Generalftabsbericht. Petersburg, 16. August.(W. T. B.) Die gestrige Mit- teilung des Großen General st abes besagt: In der Gegend von Riga keine Veränderung. In den Richtungen Jakob st adt und D ü n a b u r g nahmen die Kämpfe am 13. und 14. August an Heftigkeit zu. An der Front zwischen Narew und B u g haben wir hartnäckige Angriffe der Deutschen erfolgreich zurückgewiesen. Am linken Ufer des Bug ergriff der Feind am 13. und 14. August eine kräftige Offen- sive gegen unsere Stellungen längs der Eisenbahn S j e d l e Lukow. Wir hielten diese Bewegung auf, machten am 14. August 800 Deutsche und Oesterreicher zu Gefangenen und nahmen einige Maschinengewehre. In Nowo-Georgiewsk wurden die Befestigungen vom Feinde, welcher auch eine Reihe von Teilangriffen gegen verschiedene Sektoren der Festung unternahm, mit schwerem Geschütz beschossen; die Angriffe wurden allgemein zurückgewiesen. Auf dem rechten Ufer des Bug keine wesentliche Veränderung. An der Z l o t a- L i p a, südlich von Dujunow, haben unsere Vorhuten am 13. August eine glücklich verlaufene Erkundung gegen die Deutschen unter- nommen, ihre Annäherungshindernisse zerstört und zwei Reihen Schützengräben weggenommen, deren Verteidiger niedergemacht wurden. Am D n j e st r fanden am 13. August und in der folgenden Nacht in der Gegend der Strypamün- dung und der Zlota-Lipamündung Tellkämpfe statt, welche die Oesterreicher mit starkem Feuer aus Feld- und Festungs- geschützen begleiteten. Der französische Tagesbericht. Paris, 16. August.(23. T. B.) Amtlicher Bericht von gestern nachmittag. In der Nacht gegenseitige Beschießung, besonders heftig im ArtoiS, im Abschnitte bei Souchez, bei Roclincourt, in der Champagne, bei der Schanze von Beau Söjour, in Lothringen, im Gebiete von Leintrey und Reillon. Zwischen der Oise und der Aisne brachten wir nördlich von PuisaleinL eine Mine zur Explosion und besetzten m WmiMe MmlMsMA. Wien, 16. August.(23. T. B.) Amtlich wird verlaut- bort: 16. August 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Im Raumr westlich des B>t g nohm die Berfolgung der Rüsten raschen Fortgong. Die im Zentrum der Verbündeten vordringeilden österreichisch-uugarischen Kräfte hefteten sich dem westlich Biala über die Klikawla weichenden Feind an die Fersen. Tie Divisionen des Erzherzogs Josef Ferdinand gewannen abends unter Kämpfen den Raum südlich und süd- westlich von Biala, überbrückten in der Nacht die K r z n a und überschritten sie heute früh. Feindliche Nachhuten wurden, wo sie sich stellten, angegriffen und geworfen. Die Truppen des Generals v. Koevesi drängten den Gegner über die obere Kli- kawka zurück. In der Gegend von Biala und gegen B r e st- L i t o w s k hin sieht man zahlreiche ausgedehnte Brände. Bei Wladimir-WolYnskij, wo wir an mehreren Stellen auf dem östlichen Bugufer festen Fuß gefaßt haben, und in O st g a l i z i e n ist die Lage unverändert. Italienischer Kriegsschauplatz. An der Tiroler Front eröffnete gestern die feindliche schwere Artillerie nach längerer Pause wieder das, Feuer gegen unsere Werke, und zwar insbesondere gegen jene am Tonnle- paß und auf den Plateaus von Lavarone und Folgaria. An- griffSversuche italienischer Infanterie an der Tonalestraste und auf die Popena-Stellung(südlich Schlnderbach) und im Treizinnengebiete wurden abgewiesen, ebenso scheiterten an der küstenländischen Front erneuerte Angrisfe des Feindes im Gebiete südlich des Ken und ein Vorstoß gegen den vorspringenden Teil des PlateauS von Doberdo. � Der Stellvertreter des CTHefs des GeneralstabeS: 4 von H ö f e r, Feldmarschalleutnant. Ereignisse zur See. Eines unserer Seeflugzeuge belegte am 15. August nachmittags vier Küstenforts von Venedig mit Bomben, von denen alle mit Ausnahme einer einzigen innerhalb der Werke explodierten. Bon fünf zur Verfolgung startenden feindlichen Fliegern wurden zwei beim Aufstieg durch Maschinengewehrfeuer zur Umkehr und zur Landung gezwungen. Zwei gaben die Berfolgung nach einiger Zeit auf, während der lebte feind- licher Flieger unserem Flugzeug bis in die Nähe der istriani- schen Küste folgte, wo er— ohne Erfolg erzielt zu haben— umkehren mußte. Unser Seeflugzeug ist trotz heftiger Be- schiestung durch die feindlichen Kriegsschiffe und Forts wohl- behalten eingerückt.— Laut amtlicher italienischer Beröffent- lichung ist unser 11. 3 am 12. August in der südlichen Adria versenkt worden. Ter zweite Offizier und elf Mann deS Unterseebootes wurden gerettet und gefangen genommen. nach heftigem Nahknmpfe den Trichter. In den Argonnen Kampf mit Bomben und Petarden in Courtechauffe und Fontaine-aux-Charmes. In den Vogesen im Favegebiete explodierte eine deutsche Mine auf der Höhe 607 südlich von Luffe, ohne Verluste oder Schaden anzurichten. Eine Gruppe von 19 Flugzeugen bombardierte einen deutschen Schuppen und Niederlagen im Spadatale. 108 Bomben wurden auf die Ziele abgeworfen. Alle Flugzeuge sind unversehrt heim- gekehrt. Paris, 16. August.(W. T. 95.) Amtlicher Bericht von gestern abend. Der Tag war auf der ganzen Front ruhig. In den Argonnen unterbrach das Eingreifen unserer Artillerie die feindliche Beschießung in Courtechauffe und Fontaine-aux-Charmes. In dem?lbschnitte von Bagatelle veranlaßte die Explosion einer Mine einen Kampf um den Besitz des ErdtrichterS, der in unseren Händen lilieb. Der Feind warf einige Granaten aus weiter Entfernung auf die offene Stadt Montdidier. Unsere Abwehrbatterien brachten sein Feuer zum Schweigen. Ilm andererseits die Beschießung von St. Tis und unseres Lagers am Wettstein(ivestlich vom Lingekopfe) zu beantworten, beschossen wir den Bahnhof von Markirch und das deutsche Lager von Barrenstall. Zum Streit um das internationale Gewerkschaftsbureau. Paris, 16. August.(W. T. B.) Die augenblicklich in Paris weilenden Delegierten der englischen Trade U n i 0 n s besprachen am Sonntag mit Mitgliedern der Confederation Generale du Travail die Frage der Verlegung des internationalen Gewerkschaftsbureaus von Berlin nach Bern. Die Verlegung, welche von den französischen und englischen Gewerkschaftlern gefordert wird, wurde grundsätzlich beschlossen. öritisihe Reichsfragen. Vor einigen Tagen hat auch Bonar Law öffentlich migekündigt, was der Staatssekretär der Kolonien Steel Maitland im Unterhaus erklärt hatte: daß die mit Selbstverwaltung ausgestatteten Kolonien beini Friedensschluß mit zu Rate gezogen werden sollen. Hierin drückt sich die neue staatsrechtliche Entwickelnng des Switischcn Reiches aus, die sich vor kurzem in der Teilnahme deS kanadischen Ministerpräsidenten B 0 r d e n an der Sitzung des englischen Kabinetts in einem symbolisch wie tatsächlich bedeutungsvollen Akt dar- gestellt hat. Ter Weltkrieg verstärkt und beschleunigt Kräfte, die für die Weltpolitik der Zukunft noch von ganz anderer Bedeutung sind als territoriale Gewinste, die Machtpolitikern mit beschränktem Gesichtskreis als stärkste Bürgschaften nationalpolitischer Erstarkung erscheinen. Ueber die unabsehbar folgenreichen Wandlungen, die sich — gemäß der britischen Tradition im stillen, ohne juristische Formulierung— im staatsrechtlichen Verhältnis Groß- britanniens und der Dominions durchzusetzen beginnen, gibt der Londoner Berichterstatter des„Nieuwen Rotterdamschen Courant" eine interessante Uebersicht, an die wir hier an- knüpfen. Es ist noch nicht lange her, daß man die Zukunft des britischen Weltreiches nach dein Schema beurteilte, das man aus der Geschichte der amerikanischen Kolonien und der scheinbar von ähnlichen Tendenzen bewegten Politik der Dominions abgezogen hatte. Ter älteren liberalen Schule mochte es als unvermeidliches Schicksal, ja als moralische Not- wendigkeit erscheinen, daß die von der weißen Rasse bewohnten Kolonien, vom Mutterland aus den Weg des Fortschritts ge- bracht und auf ihn mit eigener Kraft voranschreitend, schließ- lich zur völligen Loslösung und staatlichen Souveränität kommen würden. Tie Selbstverwaltung schien ein Ueber- gangsstadium, da? die Erreichung dieses Zieles vorbereitete. Indes traten gegen Ende des 19. Jahrhunderts entgegen- gesetzte Tendenzen auf. Tie Kolonien selbst— vor allein Australien und Neuseeland, aber auch Kanada und die 51ap- kolonie— wollten von Loslösung nichts hören. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit fand etwa seit 1886 eine Erwide- rung in den in England zunehmenden i m p e r i a I i st i- schen Bestrebungen, die dann in I. C h a m b e r l a i n ihren erfolgreichen radikalen Vertreter fanden. Wohl folgte ans die extreme Politik Chamberlains in der Zeit nach dem südafrikanischen Krieg eine Reaktion, aber der Imperialismus selbst ist siegreich geblieben und hat auch die liberale Partei durchdrungen. Tie Reichsidee hat gesiegt— was noch gesucht wird, sind die Formen des Zusammenlebens. Das Problem hat zwei Seiten, die aber in Verbindung miteinander stehen. Wenn die Selbstverwaltung das un- erreichbare Prinzip geworden ist, das die innere Politik der Dominions beherrscht, so ist ihre äußere Politik und die mit ihr verbundene Heer- und Flotten- Politik zu einem Gegenstand geworden, für den sich eine einverständliche Lösung mft dem Mutterland vorbereitet. Die wachsende Bedeutung der Kolonien aber drängt nach einer v e r f a s s u n g s m ä ß i g e n O r g a n i s a t i 0 n dieser@e- meinschaft. Lange Zeit war die Auslandspolitik ganz in den Händen der Regierung von Westminster, die auch allein für die Reichsverteidigung verantwortlich war. Es war die Zeit, wo die Kolonien auch nichts zur Reichsverteidigung beitrugen. .Ties letztere hat sich seit einigen Jahren geändert. Tie Kolonien bringen Opfer für militärische Zwecke. Nun sind da zwei Richtungen zu unterscheiden. Tie eine will, daß die Kolonien ihre eigene Verteidigung besorgen. Das bedeutet praktisch eine koloniale Flotte und eine koloniale Armee unter der Herrschaft der Kolonialregierung. Die Frage bleibt, ob die Reichsregierung über sie verfügen darf. Wenn ja, müssen sich die Kolonien für berechtigt halten, die Neichspolitik mit- zubestimmen. Es gibt koloniale Politiker, die eine starke Zentralisation der Flottenpolitik vertreten. Dazu gehört eben Sir Robert Borden und seine konservativen Freunde, wo- gegen die kanadischen Liberalen unter Wilfrid L a u r i e r den Grundsatz der völlig unabhängigen Flotte vertreten. Da die Konservativen die eine, die Liberalen die andere Kammer beherrschen, hat Kanada trotz früherer Versprechungen noch nichts für die Reichsflotte beigetragen. Australien und später auch Neuseeland haben sich für die selb- ständige Flottenpolitik entschieden. Südafrika liefert einen Geldbeitrag ans Reich. Die Frage ist nicht nur strategisch— es liegt auf der Hand, daß die Kolonien zunächst ihre eigene Verteidigung sichern wollen, ehe sie sich an großen strategischen Operationen beteiligen—, sondern in hohem Maße auch politisch. Die Zentralisation der Verteidigung steht im engen Zusammen- bang mit den Zentralisationstendenzen in der Neichspolitik. Diese hat.ihren Ausdruck in der, Einsetzung der Reichs., Konferenzen gefunden, deren erste 1907 stattgefunden hat und die jedes vierte Jahr zusammentreten sollen. Die dritte ist wegen des Krieges vertagt worden. An den Reichs- touferenzen nehmen die hervorragendsten englischen Minister und die Ministerpräsidenten der Kolonien mit Selbstver- waltung teil. Tie Reichskonferenzen, worin sich die gesteigerte Macht rind das Selbstbewußtsein der Tominions darstellt, sind der Boden sür die weitere EntWickelung der britischen Reichsidee. Tic Reichskonferenz von 1311 hat beschlossen, bei der Auf- stellung von Instruktionen für die Telegierten auf der Haager Friedenskonferenz auf die Tominions Rücksicht zu nehmen und nach Möglichkeit dasselbe zu tun, wenn es sich um In- struktionen für Verhandlungen über internationale Verein- barungen, die die Interessen der Kolonien berühren würden, bandeln sollte. Allerdings hat A s q u i t h damals auf eine Frage B o t h a s, der wenigstens damals nicht zu den extremen Vertretern der Zentralisation gehörte, geantwortet, daß die Handlungsfreiheit— und damit die volle Verant- wortlichkeit der britischen Regierung dadurch nicht beeinträch- Kgt werden würde— was darauf hinausläuft, daß die Stimme der Kolonien so lange, als keine konstitutionelle Acndcrnng stattfand, bloß beratender Natur ist. Tie Frage ist, ob sich nicht die Verfassungsänderung durch die Er- Weiterung der Kommission für R e i ch s v e r t c i d i- g u n g durchsetzen kann. Dieser Kommission gehören außer dem Premierminister die Minister des Auswärtigen, der Finanzen, des Kriegs und der Marine und gewöhnlich noch einige durch ihre Persönlichkeit hervorragende Beamte an. Es würde sich also darum handeln, die genannten Minister mit Vertretern der Kolonien zusammenzusetzen und als eine eigene Reichsrcgierung zu konstituieren. Wie lange es noch bis dahin dauern wird, ist schwer zu sagen. Daß aber die Linie der EntWickelung in dieser Richtung gebt, ist wenigstens in der neuesten Zeit nicht zu bestreiten. Noch vor kurzem hat Borden in Kanada erklärt, daß binnen eines Lebensalters ein kanadischer Bürger in den Fragen der Bündnisse und des Krieges und Friedens für das Reich ebensoviel zu sagen haben wird wie ein englischer Bürger. Es ist richtig, daß die oppositionellen Tendenzen noch stark sind. Sir Wilfrid Laurier hat noch in der jüngsten Zeit betont, daß Kanada, wenn es aus freien Stücken am .�rieg teilnimmt und große Opfer bringt, doch das Recht gc- habt hätte, abseits stehen zu bleiben. Unter diesem Gesichts- Punkt sind auch die bevorstehenden Wahlen in der süd- asrika nischenUnion von großer Bedeutung, da sich die afrikanischen Nationalisten(Hertzogisten) und ein Teil der Arbeiterpartei, die gegen die Partei Bothas mit, wie es scheint, sehr günstigen Aussichten zu Felde ziehen, den Stand- Punkt vollständiger Selbstbestimniung vertreten. Südafrika ist denn auch— trotz der militärischen Siege Bothas— der wunde Punkt des britischen Imperialismus. Das Problem besteht also im wesentlichen darin, daß für die Kolonien, die längst zu mächtig und selbstbewußt geworden sind, um sich ihre Pflichten gegen das Reich von der Londoner Regierung vorschreiben zu lassen, die Form eines föderativen Verbandes mit dem Mutterland gefunden werden soll. Daß hierin eine außerordentliche Verstärkung der britischen Welt- macht liegen würde, ist unverkennbar, andererseits aber ist auch die Gefahr deutlich, die daraus für den demokratischen Parlamentarismus Englands erwachsen kann, da ein föderales Kabinett schwerer unter der parlamentarischen Kontrolle zu halten ist und eine von den leitenden Staatsmännern nicht nur Englands, sondern auch der Tominions bestimmte Aus- landspolitik nicht mehr der Ausdruck der Ideen der britischen Parlamentsmehrheit sein könnte. Der Sieg des Jmperialis- mus über die Demokratie, der sich nicht nur in der Bildung der Koalitionsregierung, sondern besonders in der offenbaren Zersetzung der liberalen Partei kundgibt, wird als eine den ällgememen Entwickelungstendenzen des zur Vollreife ge- langten Kapitalismus sichtbar. In diesem Lichte zeigt sich die Hohlheit der Phrasen der Entente-Politiker, die den Weltkrieg als Konflikt irgendwelcher„Ideen" darstellen. Tie inneren und äußeren Veränderungen, die er an den Staats- gebilden vollbringt, die allgemeine Steigerung der staatlichen Organisation führt nirgendwo über die kapitalistische Welt hinaus. Ter Krieg gebiert weder„Freiheit" noch„So- zialismus". Für England aber bedeutet die EntWickelung der im- verialistischen Verfassuugsidee, mag sie bei abstrakter Be- trachtung auch als Fortschritt zu einer höheren Organisatious- form erscheinen, in ihrem geschichtlichen Verlauf keinen ge- sellschaftlicheu Fortschritt, als die in inneren? Zusaminenhang mit den Bestrebringen zur Schaffung geschlossener oder jeden- falls durch Schutzzölle schwer zugäl?glich geinachter Wirt- schaftsreiche steht. Den Preis für die Dienste, die die Ko- lonien der Weltpolitik der englischen Kapitalisten erweisen, iverden die englischen Arbeiter zu bezahlen haben in einer verteuerten und möglicherweise verschlechterten Lebenshaltung und— als weitere Folge— in der Verschlechterung der Bc- dingungen ihres wirtschaftlichen und sozialen Kampfes. Meldung der italienischen Heeresleitung. Rom, 16. August.vache Besatzung hatte die Stadt nach einein zwanzigtägigen Wider- stände bei Ankunft russischer Verstärkungen geräumt. Am 11. August haben unsere Truppen die Stadt wieder besetzt; die Banden und die russischen Truppen wurden gezwungen, sich zurückzuziehen und verwüsteten bei ihrem Zurückzuge die Umgegend. An der D a r d a n e l l e n f r o n t wiesen wir nördlich von Art Burnu am 14. August einen Angriff des Feindes in der Ebene von Anaforta gegen unseren rechten Flügel zurück. An den anderen Fronten nichts von Bedeutung. Koastantinopel, 16. August.(W. T. B.) Das Haupt- guartier teilt mit: Auf der Dardanellenfront setzte der Feind, der 'eit dem 6. und 7. August fünf neue Divisionen gelandet hat. diese Kräfte ein, um unsere Stellungen zu beherrschen. Dank des hcldeninütigen Widerstandes unserer Truppen und ihrer von Lublin nach Lubartow. Von Hugo Schulz- Wien. 12. August. Die Kämpfe, die die verbündeten Truppen zwischen Lublin und Lubartow führten, trugen durchaus nicht, wie es die Drewer- bandsberichte darstellen möchten, das Gepräge eines Eindringens in Stellungen, die vom Feinde freiwillig geräumt und nur von Nachhuten hinhaltend verteidigt wurdem Im Gegenteil mußte jeder, der den Kämpfen von der Nähe aus zu folgen in der Lage ist, die Ueberzeugung gewinnen, daß der sogenannte strategische Rück- zug der Russe?« höchst unfreiwillig unter dem harten Gebot des Zwanges erfolgt. Wäre bei den Russen der Wille, sich westlich des Bug zu behaupten, erloschen, so würden sie wohl trachten, sich mit einein heftigen Ruck von den nachdringenden Armeen der Ver- bündeten loszuankern, um nicht länger vom Gegner das Gesetz des Handelns zu empfangen, fondern Aktionsfreiheit zu gewiimen. Bei einem strategischen Rückzug müßte der Materialabzug ins Hinterland auch bei unzulänglicher Organisation längst geglückt sei». So zeigt sich denn, daß der Widerstand der weichenden Russen zwischen Weichsel und Bug etwas ganz anderes bedeutet, als eine bloße Deckung des Rückzuges. Wer bloß seinen Rückzug decken will, wird eS nicht immer wieder auf schwere Niederlagen und empfindliche Menschenverlnste ankommen lassen. Offenbar schwankt aber die russische Führung zwischen zwei Plänen in der trüge- rischen Hoffnung, daß sich die Offensibkraft der Verbündeten doch erschöpfen werde und schlägt entgegen allen Kriegslehren den ver- derblichen Weg des Kompromisses ein. Daß sie immer auch mit dem allgemeinen Rückzug rechnet, beweist die barbarische, an die legendarischen Ueberlieferuiigen von 1812 anknüpfende Art, wie sie ihn vorbereiten. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie die Russen eZ beim Zurückgehen machen. Während der Kämpfe bei Lubartow sah ich auf russischer Seite wenigstens ein Dutzend Ort- schaffen in Flammen aufgehen, aber nur zwei oder drei davon standen im Fcuerbereich, die anderen brannten nieder, ohne je be- schössen worden zu sein. Nach der Schlacht fuhr ich auf der Strecke Lublin-Jwan- gorod bis Noivo-Alexandrejew an der Weichsel. Noch vor einigen Tagen war diese Straße von einer stattlichen Reihe großer Orr- schaften gesäumt. Jetzt sah man an der Stelle dieser Dörfer und Kleinstädte nur noch die rauchgeschwärzten Kamine der Häuser. Das Gemäuer ist in Schutt und Asche gefallen, schier dem Erd- boden gleichgemacht. Nirgends die Spur davon, daß ein Geschoß dort eingeschlagen hätte, dagegen zahlreiche Kennzeichen absicht- licher Brandstiftungen. Am ärgsten ist Nowo-Alerandrejew ver- wüstet, das, nach den wenigen stebengebliebenen Häusern zu schließen, eine ansehnliche Stadt gewesen sein?nuß. Den Feldern ist zwar nichts geschehen, dagegen sind überall die bereits einge- heimsten Getreidevorräte verbrannt worden. Die Bewohner aller dieser Orte wurden hinter die russischen Linien getrieben und zum Teil sogar in das Innere des Reiches verschleppt. Besonders bat man die Juden wegeschleppt, denen sonst der Eintritt in die eigentlichen russischen Gebiete verboten war. Die Wegschlevpung der polnischen Bevölkerung dagegen geschieht ziel- und planlos. Die meisten Bauernfamilien verkriechen sich in den Wäldern oder sammeln sich in der nächsten größeren Stadt, um dann, wenn die Russen abgezogen sind, wieder auf chre Scholle zurückzukehren und unter den Brandruinen weinend und wehklagend nach den Resten ihrer Habe herumzustochern. Zwischen K r a S n i k und Lublin sah ich schon einige Tage vorher ganze Völkerwanderungen von rückkehrenden Flüchtlingen, die von den Kosaken vertrieben, sich in Lublin oder in den benachbarten Wäldern verborgen gehalten und sehnsüchtig der Erlösung durch die Verbündeten geharrt hatten. Die größeren Städte, wie Lublin oder Lubartow, sind Oasen in dieser Wüste. Auch in der Barbarei unkonsequent, beschränken sich die russischen Kommandanten mit ihrer Movdbrennerei nur auf den kärglichen Besitz der Landbevölkerung und wagen sich an größere Orte nicht heran. Auch bei der Zerstörung der Bahnlinien verrichten sie bloß halbe Arbeit und gehen übrigens recht unge- schickt zu Werke, so daß es ihnen wohl gelingt, der eigenen Bevölke- rung unermeßlichen Schaden zuzufügen, aber nicht im mindesten, dem siegreichen Gegner Abbruch zu tun. Die Kämpfe bei Lubartow konnte ich am 6. und 7. August als naher Augenzeuge deutlich verfolgen. Tie starke russische Stellung zog sich an beiden Seiten der Bahn südlich der Statiern Lubartow bis an den Wieprz, dann am anderen Ufer noch weiter südlich vor- springend um den bewaldeten Höhenrücken Ruska Wala herum. Der Stellung von Ruska Wola, die von sibirischen Regimentern zähe verteidigt wurde, bot die sumpfige Niederung am Wieprz und ebenso auf der andere� abgewandten Seite ein ausgedehntes Sumpfgelände sichernde Anlehnung. Die Stellung von Lubartow hatte ihren stärksten Stützpunkt auf der Kote 183, war aber auch .entlang der übrigen Front ausgebaut und mit Stacheldraht ge- schützt. Am 6. August hatte ich meinen Standort in der Nähe des Wieprzufers und sah deutlich, welch furchtbarer Eisenhagel über der Kote 183 niederging. Nicht anders erging es der Ruska Wola, auf die sich wirkungsvolles Schießen der deutschen Artillerie, der sich noch einige österreichische Batterien zugesellten, konzentrierte. Von der Mittagsstunde an war die Ruska Wola dermaßen in Qualm und Staub gehüllt, daß man die einzelnen Granateinschläge nicht mehr unterscheiden konnte; es mußten ganze Waggonladungen von Eisen sein, die dort niederprasselten, und ich hatte den llsin- druck, daß die Infanterie nach einer solchen Vorbereitung durch die Artillerie nichts mehr zu tun finden würde. Dennoch stieß die deutsche Infanterie, deren Schwarmlinien ich deutlich zum Angriff vorrücken sah, auf zähen Widerstand. Sprung auf Sprung brach sie stets vor, während die Artillerie den russischen Reserven mit einem Sperrfeuer den Weg abschnitt, aber es gelang ihr an diesem Tage nicht, in die feindliche Hauptstellung einzubrechen. Auch der An- griff auf die Kote 183, der sich meinen Augen entzog, gelangte� nur bis an die Drahtverhaue, und erst abends machte der Angriff der österreichischen Divisionen, die links von Wieprz vorgingen, erheb- liche Fortschritte. Um 8 Uhr abends erstürmte das 19. Landwehr- Regiment nach hartem Kampfe, der bis zum Handgemenge gedieh, den Stützpunkt 183, und bald darauf schlugen die salzburger. deren unerschöpfliche Kainpftraft sich auch hier wieder bewährte, Bresche in die die Bahnstrecke verriegelnde Hauptstellung des Feindes, der nun bis an den Bahnhof und an den Ortsrand von Lubartow zu- rückgehen mußte. Am nächsten Tage schloß ich mich dem Zuge der auf Lubartow vorgehenden Reserven an und konnte so vor allem ihre in aufgelöster Ordnung so regelrecht wie beim �Manöver er- folgende Borrückung beobachten. Tic eroberten russischen Stellun- Gegenangriffe, errang der Feind kein Ergebnis, trotzdem er die Hälfte dieser neuen Kräfte dabei verlor, und hält sich nur auf den Uferabhängen. Am 15. August warfen wir in der Umgebung von Anafarta einen feindlichen Angriff mit bedeutenden Verlusten für den Gegner zurück. Wir nahmen einen Harchtmann und einige Soldaten gefangen und erbeuteten zwei Maschinengewehre sowie eine Menge Gewehre. Unsere Truppen besitzen gegenwärtig überall Stellungen, die die feindliche Stellung beherrschen. Unsere Artillerie traf vor Ari Burnu ein feindliches Torpedoboot, das sich brennend entfernte. Bei Sedd i?l Bahr brachten wir auf unserem rechten Flügel, zwei bis drei Meter vor den feindlichen Gräbel? entfernt, eine Mine zur Explosion. wodurch die feindliche Stellung mit ihrein Mincnwerser und Drahtverhauen zusammenstürzte. Der Feind antwortete die ganze Nacht mit einer erfolglosen Vergeudung von Munition. Auf den übrigen Fronten??ichts von Bedeutung. Kämpfe im Kaukasus. Petersburg, 16. August.(W. T. B.) Von der Kaukasus- armee wird gemeldet: In der Küste n g cgend und in der Gegend von Olty Gewehrfeuer. Im P a s s a t a l e wiesen »vir Angriffe der Türken während des Tages zurück und brachten ihnen große Verluste bei. In der E u p h r a t- g e g e n d hatte eine unserer Verfolgungsabteilungen ein Ge- fecht zu bestehen, nach welchem sie Melazgert besetzte. Im Laufe eines Tages machten wir zweihundert Gefangene. In der Richtung auf Man hatte eine unserer Abteilungen ein Gefecht mit Kurden, schlug sie und nahm viele gefangen. An der übrigen Front keine Veränderung. vom U-Hootkrieg. Kristiania, 16. August.(28. T. B.) Der K r i sin a n i a e r Dampfer„Albes" mit Grubenhölzern von Archangelsk nach England unterwegs, ist Sonnabend bei Stat torpediert worden. Die Mannschaft erhielt Zeit, in die Boote zu gehen, und lief in Ormesund ein. DaS Schiff war mit 300 000 Kronen, die Ladung mit 107000 Kronen gegen Kriegsgesahr versichert. Der Registrierungs-Sonntag. London, 16. August.(W. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Gestern war der Registrierungs-Sonntag. Die ganze Bevölkerung des Vereinigten Königreichs füllte die nationalen Registrierungskarten aus, die in der letzten Woche von einer Armee Freiwilliger ausgeteilt worden waren und gestern eingesammelt wurden. Die hierfür bestimmten Beamten sahen sich allen möglichen Schwierigkeiten gegenüber, besonders bei Leuten, die in Hausbooten auf dem Kanal oder in Frachtschiffen wohnen. Für Juden waren besondere Formulare ausgegeben und jiddische Dolmetscher eingestellt worden. Die zweitausend belgischen Flucht- l i n g e in Earleourt wurden gleichfalls registriert. In einigen Fällen wurde gegen die Registrierungsbeamten Gewall angewendet. In Birmingham wurde ein Mann zu einem Monat Zwangsarbeit verurteilt, weil er den Schutzmann, der ihm das Formular brachte, geschlagen hatte. In Lurgan. Grafschaft Armagh. empfing ein Mann die Polizei mit Revolverschüssen, verbarrikardierte sich im Hause und mußte zwei Tage belagert werden. In Glasgow, wo man die Registrierung benützte, um bei Männern im militär- tauglichen Alter Stimmung für den Eintritt in die Armee zu machen. traten Hunderte im letzten Augenblicke in die Territorialarmee ein. Viele heirateten am Sonnabend, ehe sie die Registrierungsformulare ausfüllten. Irauenüemonftration in Lonüon. London, 16. August.(W. T. B.) Meldung des Reuter- scheu Bureaus. Gestern fand hier eine Kundgebung von Frauen statt, in der gegen die Registrierung pro- gen überschreitend, gelangte ich zum zerschossenen Bahnhof, der erst eine halbe Stunde vorher erstürmt worden war. Dann über den Bahnhof hinaus bis nahe an den Ortsrand vordringend, sah ich. wie die Unsrigen Besitz von Lubartow ergriffen und wie dann Scharen von Gefangenen zurückgebracht wurden. Um 2 Uhr nach- mittags war der Kampf entschieden, und auch Ruska Mola wurd: um diese Zeit von den Deutschen genommen. Das Ergebnis waren 6000 Gefangene und sehr blutige Verluste der Russen. Auch die Unsrigen hatten den Erfolg blutig erkaufen müssen. U. a. fielen zwei Salzburger, die ohne Unterbrechung ein volles Jahr im Felde standen und bisher alle Kämpfe mitgemacht hatten. Während meines mehrtägigen Lubliner Aufenthaltes konnte ich wahrnehmen, daß die Bevölkerung in überraschend unver- hohlener Weise den Befreiern vom russischen Joche ihre Sympathie kundgibt. Lublin war nämlich seit jeher ein Vorort der schärfsten polnischen Opposition gegen das Ruffentum, und insbesondere die Zlrbeiterbevölkerung bildete während der Revolution eine Kern- trnppe der von der polnisch-sozialistischen Partei geleiteten Auf- standsbewegung. Auch die bürgerliche Intelligenz stellte in Lublin ein starkes Kontingent zu dieser Bewegung, und trotz brutalster Unterdrückulig blieben auch nach der Revolution noch Geheimagita- tionen tätig, die insbesondere lebhafte Beziehungen zur galizischen Jungschützeirbewegung unterhielten und deren Mitglieder sich während des Krieges zum sofortigen Anschluß an die polnische Legion bereithielten. Als die polnischen Legionäre im Gefolge der Truppen des Feldmarschalleutnants Roch, dessen Stab mir Blumen überschüttet wurde, ihren Einzug hielten, brauste unend- licher Jubel durch die Stadt, und sofort stürmten zahlreiche Jüng- linge herbei, um sich in die Legion einzureihen. Ich sah lange Züge von diesen Freiwilligen marschieren, viele bereits mit eigenen Gewehren und Legionsuniformen, die sie aus dem Versteck hervor- geholt hatten. Das Leicheilbegängnis eines aus Lublin stammenden Rittmeisters der Legionstavallerie, der in unmittelbarer Nähe seiner eben befreiten Vaterstadt im Gefechte fiel, gestaltete sich zu einer großen Kundgebung. Fast die ganze Bevölkerung folgte dem Trauerzuge. Am ö. August begrüßten die Abgesandten der Bür- gerschaft, die sich in dichten Haufen um den Regierungspalast scharte, den einziehenden Armeekommandanten Erzherzog Josef Ferdinand mit Ansprachen, in denen sie den echtpolnischen Cha- rakter der Stadt immer wieder hervorhoben. Als der Erzherzog am Nachmittag in der Krakauer Straße spazieren ging, war wieder die ganze Stadt aus den Beinen, und der Armeekommandant mußte sich durch das dichte Menschengewühl förmlich Bahn brechen. Auf dem Hauptplatz sammelten sich indes Hunderte von Menschen um die Militärkapelle, die mit guter Musik die moralische Erobe- rung der Stadt vervollständigte. Am 7. August hatten die Lubliner zum erstenmal das bisher ungewohnte Vergnügen, russische Ge- fangeue in hellen Haufen durchziehen zu sehen, und wieder gab es Sympathiekundgebungen für unsere Soldaten, die die freund- lichen Zurufe ebenso steundlich erwiderten. Das Menschen- gewimmel und das lebhaste Treiben in diesen Tagen gab der Stadt einen besonderen Reiz und ließ sie bedeutender erscheinen, als sie sonst sein mag, aber auch�in ruhigen Zeiten ist Lublin eine helle, lichte und wirklich schöne Stadt, die, abgesehen vom dichtbevölkerten Judenviertcl hinter dem Krakauer Tore, durchaus mitteleuro- päisches Gepräge hat und dabei doch wieder ein ganz eigenes Ge- ficht, das sich von den Phhsiagnomien anderer polnischer Städte, w:e Petrikau und Lodz, scharf unterscheidet. testiert wurde. Die Frauen trugen Banner mit Aufschriften wie:„Weg mit der Ausbeutung! Wenn die Frauen die Arbeit der Männer tun, müssen sie auch den Lohn der Männer erhalten 1" Frau Despart, die Schwester des Generals French, Hielt eine Rede, in der sie sagte, während England das preußische System in Flandern bekämpfe, müsse man dafür sorgen, daß man nicht selbst preußisch werde und die Frauen nicht als Notbehelf benütze, indes die Männer Zveg seien. Sie hoffe, die Frauen ivürden sich nicht ohne Protest in das nationale Register einschreiben. Sylvia Pank- hurst sagte, sie werde das Register nicht ausfüllen, denn es bandle sich lediglich um eine List, um billigere Arbeitskräfte zu erhalten. Ein neuer Hergarbeiterftreikl London, 16. August.(W. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Gestern wurde in einer Anzahl von Berg- nrbeiterversammlungen in Südwales der Unzufriedenheit darüber Ausdruck gegeben, daß die Ausarbeitung des neuen Lohnabkommens sich verzögere: eine Konferenz über eine abermalige Arbeitsein- st e l l u n g wurde in Aussicht genommen. Gefängnis wegen antimilitariftischer Bemerkungen. In Sheffield(England) wurde Genosse A. S a m m s, der sozialistische Ärmenverlvalter der Stadt, zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Bei einem seiner Besuche im Lazarett unterhielt er sich mit einem verwundeten kanadischen Soldaten und sagte ihm:„Ich glaube nicht, daß es gut sei, nach Europa zu komnien, um da auf Befehl und zum Nutzen des Kapitals andere Menschen abzuschlachten." Ter soldat denunzierte ihn, worauf die Anklage erfolgte. Genosse Samms gab vor Gericht ohne weiteres zu, daß er im Sinne der Anklage gesprochen hatte. Gegen üie klerikale propaganüa. Paris, 16. August. W. T. B.j Der„Teiffps" meldet: Um .den Wünschen republikanischer und sozialistischer Kreise nachzu- kommen, die sich darüber beschwert hatten, daß in den Spitälern und Ambulanzen katholische Propaganda betrieben werde, ließ der Kriegsminister in jedem Saale in den Spitälern und Ambulanzen einen Aufruf anbringen, des Inhalts, daß jedem Soldaten als freiem französischen Bürger freistehe, sich zu der Religion zu be- kennen, die ihm beliebe, oder außerhalb jeder Religion zu bleiben. Waffenlieferungen unü Neutralität. Washington, 16. August.(W. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die amerikanische Note an Oesterreich- Ungarn hebt besonders hervor, daß Deutschland und Ocsterreich-Ungarn»vährend des südafrikani- schen Krieges Munition an England geliefert hätten. Die Note sagt:„Trotz der kommerziellen Isolierung eines der kriegführenden Teile hat Deutschland an Großbritannien tausende Kilogramme Explosivstoffe, Pulver, Patronen, Gc- schösse und Waffen verkauft. Ocsterreich-Ungarn hat dem- selben Käufer, obwohl in geringerer Menge, ähnliche Munition verkauft." Tie Note gibt einen Ueberblick über die Verkäufe, die Deutschland und Oesterreich- Ungarn während des südafrikanischen Krieges mit Großbritannien abgeschlossen hätten, und erklärte: Wenn Deutschland und Oesterreich- Ungarn sich geweigert hätten, Großbritannien Waffen zu verkaufen,„weil ein solches Vor- gehen die strenge Neutralität der kaiserlichen und königlichen Regierung hätte verletzen können", hätte die Regierung mit mehr Folgerichtigkeit und größerer Ueberzeugungskraft ihren gegenwärtigen Standpunkt geltend machen können. Mmeritanische Stimmen gegen üie Waffenlieferung. New Aork, 16. August.(W. T. SS.)(Funkentclegramm unseres Privatkorrespondenten.) Das Hearstblatt„New Jork American" veröffentlicht zahlreiche Stimmen aus den Kongreßkreisen usw., die die Gründung einer Liga neutraler Mächte zur Verfechtung der Rechte der Neutralen und zur Mitwirkung der Wieder- Herstellung des Friedens vorschlagen sowie ein Waffe n- ausfuhrverbot befürworten. Der Leitartikel des„New Jork American" appelliert an Präsident Wilson, seinen persönlichen und amtlichen Einfluß für die Beendigung der Waffenausfuhr aufzubieten. Das Blatt veröffentlicht eine längere Liste ameri- kanischer Firmen, die Kriegsaufträge von insgesamt 13g Millionen ablehnten. Eine Umfrage ergebe die wachsende Pähl jener, welche Kriegsaufträge zurückweisen, um nicht den Krieg zu verlängern. Kanaüa als Munitionslieferant. Ottawa, 16. August. ihnen unter allen Umständen der Tariflohn zugesprochen. Die organisierten Arbeiter und Arbeiterinnen wissen das und ihre Organisation steht ihnen bei Erlangung ihrer berechtigten Ansprüche zur Seite. Man darf also wohl annehmen, daß es Unorganisierte sind, welche den richtigen Weg zur Erlangung der Tariflöhne nicht finden. Also zeigt sich auch hier wieder, wie nachteilig es ist, wenn ein Arbeiter seiner Gewerkschaft nicht angehört.__ Eingegangene Druckschriften. Don der„Gleichheit«. ZeitschAst sür die Jntcresicn der Ardelterinnen ist uns soeben die Nr. 24 deS 23. JabrgangcS zugegangen. Aus Iran Jnboli dieser Nummer beben wir bcroor: Genossin Zetkin verhaftet!— Tie neuen Höchftpreiie.— Zwei Grundsragen der io'ziaien Zürsorge sür Kriegerwitwen und Kriegerwaiien. V.— Zur Soziologie des Krieze-5. Von Fritz Rötlcher.(Fortsetzung.) Tie„Gleichbeit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Ps Durch die Poft bezogen beträgt der ZlbonnementSpreis viertcljäbr- lich ohne Bestellgeld 55 Ps.; unter Kreuzband 85 Ps. Jahresabonnement 2,60 Mark. Vom.Wahre» Jacob« ist soeben die 17. Nummer deS 32. Jahrgange» erschienen. � � Der Preis der Nummer ift 10 Pi. Probenummern find icdcrzcit durch den Verlag I. H. W. Tic? Nach!.®. m. b. H. in Stuttgart sowie von allen Buchbandlungcn und Koworlcurcii zn bezreben.__ .HieM 1 Beilage* Uutcrtzalmsgsbl. Organisationsvertreter in Belegschastsvcrsammlungen. Im Zwickauer und Lugau-Oelsnitzer Kohlenrevier wurde durch eine Verordnung vom 26. Mai 1915 bekannt gegeben, daß Beleg- schaftsversammlungen nur zugelassen würden, wenn dieselben vom Arbeitcrausschuß unter Beschränkung aus die Belegschaft eines Werkes einberufen würden. Durch diese Beschränkung war den Organisationsvertretern eine Fühlungnahme mit den Beleg- sthaftcn so gut wie abgeschnitten. Der Bergarbeiterverband und der christlichen Gewerkschaften wandten sich nun mit einer Eingabe an das stellvertretende Generalkommando des 19. Armeekorps in Leipzig, worauf die folgende Antwort einging: An den Verband der Bergarbeiter Deutschlands z. Hd. des Herrn Manilius Krauste in Luga». Auf Ihr Schreiben vom 14. 6. 1915 wird Ihnen mitgeteilt, daß das stellv. Generalkommando in Uebereinstimmnng mit dem Königlichen Ministerium des Innern beschlossen hat, Vertreter der Arbeiterorganisationen versuchsweise zu den jetzt schon er- lanbten, vom ArlwiterauSschutz mit Beschränkung aus die Beleg- schaft des Werkes einberufenen Versammlungen zuzulasien. Doch wird diese Zulassung nicht allgemein ausgesprochen, sondern sie ist von Fall zu Fall bei der betreffenden Amtshauptmann- schaft bezw. beim Polizeiamt Zwickau einzuholen. Das Nähere über das einzuschlagende Verfahren und die Einhaltung gewisser Bedingungen ist von der Amtshauptmannschaft herbeizuführen. Der kommandierende General von Schweinitz. Versuchsweise und von Fall zu Fall können nun also die Lugau-Oelsnitzer Bergleute ihre Beschwerden und Wünsche in Belegschaftsvcrsammlungcn auch zur Kenntnis ihrer Organifations- Vertreter bringen. Ausland. Ein neuer Verband der Handels-, Transport- und Lebensmittelarbeiter in der Schweiz. Ter neue Verband ist an die Stelle der bisherigen Verbände getreten. Der.Proletarier" und der.Handels- und Transport- arbeiter", die Preßorgane der beiden eingegangenen Verbände, iverden durch die neue„Solidarität" ersetzt. Der Vorort des neuen Verbandes ist Zürich, wo auch die beiden alten Verbände ihren Sitz hatten. Mus der Partei. Einstellung der Berichterstattung. In der gleichen Situation wie das..Volksblatt" in Halle be- findet sich die Redaltion der.Essener Arbeiterzeitung" schon seit geraumer Zeit, soweit eS sich um die Mitteilung von Beschlüssen der Parteilinken handelt. Dies hat auch unserem Essener Parteiblatt Veranlassung gegeben, die gesamte Berichterstattung über die Partei- Kriegsdiskussion einzustellen, da es sich durch einseitige Bericht- erstatwng nicht in falsche Beutteilung bringen will. Soziales. Bundesratsverordnungcn. Der Buirdesrat hat eine Verordnung erlassen, die sich auf die Wahlen nach der Reichsversicherungs- o r d n u n g bezieht, sowie eine Bekanntmachung�betreffend die Einschränkung der Arbeitszeit� in Spinne- e i e n, Webereien und Wirkereien. Die erste Verordnung lautet: § 1. Soweit die Amtsdauer der Vertreter der Unternehmer oder anderen Arbeitgeber sowie der Versicherer bei Berjicherungs- », m 82 KejlWe des Amiilts" Kerlmer Volksblatt..? � m. Verlustlisten. Die Verlustliste Nr. S02 der preutzischen Armee enthält Verluste folgender Truppen: Gouvernement Brüssel. Infanterie usw.: Garde: 1., 4. und 3. Garde-Regiment z. F.; Garde-Reserve-Jäger-Bataillon. Grenadier- bzw. Infanterie- bzw. Füsilier-Rcgimcnter Nr. 8, 12, IS, 18, 21, 23, 24, 26, 28, 29, 36, 36, 42, 43, 44, 46, SS, 57, 62, 63, 66, 67. 71, 72. 82, 83, 83, 87, 93, 95, 99. 169, 116, III, 113, 117, 118, 129, 130, 132, 136, 141, 143, 143, 146, 148(s. Jnf.-Regt. Nr. 341), 136, 132, 154, 158, 166, 161, 163, 165, 168, 176, 173, 190, 336, 341, 342, 363, 370. Reserve-Jnfanterie- Regimenter Nr. 2, 7, 15, 19, 20, 21, 28, 29, 34 fs. Jnf.-Regt. Nr. 342), 38, 32, 61, 64, SS, 67, 80. 82, 83, 87, 88. 98, III, 203 bis einschl. 220, 222, 223, 224, 226, 236, 237, 272. Ersatz-Jnfanterie- Regimenter Nr. 28, 5tönigsberg Nr. 2, Leimbach-Zerener, v. Rein- bard(s. Jnf.-Regt. Nr. 341). Reserve-Ersatz-Jnsanterie-Regiment Nr. 4. Landwehr-Jnf.-Regimenter Nr. 7, 16, 23, 26, 28, 39, 46 ls. auch Ers.-Jnf.-Regt. Leimbach-Zerener), 33, 61, 66, 73, 73. Lairdsturm-Jnfanterie-Regimenter Nr. 8 und 109. Feld-Bataillon vschwarz des Detachements Plantier. UeberplanmäßigeS Landw.- Jnfanterie-Bataillon Nr. 2 des 4. Armeekorps. Brigade-Ersatz- Bataillon Nr. 31 ss. Jnf.-Regt. Nr. 363), Nr. 43(s. Jnf.-Regt. Nr. 370). Landsturm-Jnfanterie-Bataillone: IV und V Darmstadt, I Deutsch-Eylau, II Forbach, l Frankfurt a. O., I Görlitz, I Königsberg, Mühlhausen i. Tb., Ncufabrwasser, Oberlahnstein, 2. Rastatt ss. Landft.-Jnf.-Regt. Nr. 109), II Spandau, II Stade, III Tilsit, Wesel, Woldenberg. Landsturm-Jnfanterie-Ersatz-Ba- taillone: 2. des 4. und 28. des 7. Armeekorps. Jäger-Bataillon Nr. 3; Neferve-Bataillone Nr. 3 und 17. Feld-Maschinengewehr- Züge Nr. 33 ff. Res.-Jäger-Batl. Nr. 17), 143(f. Landw.-Jnf.-Regt. Nr. 26), 269(s. Garde-Ref.-Jäger-Batl.), 273(f. Jäger-Batl. Nr. 5); Fcstungs-Maschinengewehr-Abteilung C Neubreisach. Kavallerie: Dragoner Nr. 7, 20; Reserve-Husaren Nr. 3; Jäger zu Pferde Nr. 4; 3. Landwehr-Eskadron des 20. Armee- korps; Reserve-Abteilung Nr. 47. Feldartillerie: 1. und 3. Garde-Regiment; Regimenter Nr. 3, 16. 19, 21, 22, 36, 39, 40. 42, 58, 71, 72, 241; Reserve-Regimenter Nr. 1, 6, 39. Fußartillerie: 1. Garde-Regiment; Regimenter Nr. 6 ss. Res.- Feldartillerie-Regt. Nr. 6), 8, 11, 20 und Forke; Reserve-Regi- menter Nr. 2, 6(f. Res.-Feldart.-Regt. Nr. 6), 14, 16, 18(st Fuß- art.-Regt. Forke); Landwebr-Bataillone Nr. 7, 8; Batterien Nr. 243 und 239; Schwere Feld-Hauditz-Batterie Nr. 248. Pioniere: Regimenter Nr. 18, 20, 23, 29, 30, 31, 35; Bataillone: I. und II. Nr. 2, I. Nr. 6. I. Nr. 9; Rescrve-Bataillon Nr. 32; Erst- Bataillone Nr. 3 und 26; Reserve-Kompagnien Nr. 46 und 48; 2. Landwehr-Kompagnie des 18. Armeekorps. Mittlere Minen- werfer-Abteilung� Nr. 193; Mittlere Minenwcrfer-Gebirgs-Abtei- lung Nr. 128; Schwere Mincnwerfer-Abtcilung Nr. 41. Verkehrstruppen: Landwehr-Eisenbahn-Baukompagnie Nr. 6. Fernsprech-Abteilungen des 3. Armeekorps und Nr. 31. Feldflieger- truppe. Train: Fuhrparkkolonne E; Magazin-Fuhrparkkolonne Nr. 4 des 11. Armeekorps und Nr. 114; Festungs-Fichrparkkolonne Boye» des 20. Armeekorps; Etappcn-Fuhrparkkolonne Nr. 1 Breslau. Munitionskolonnen: Feldartillcrie-Munitionskolonne Nr. 4 des Gardekorps; Fußartillerie-Munitionskolonne Nr. 13. toanitäts-Formationen: Reserve-Sanitäts-Kompagnien Nr. 18 und 58. Landwehr-Feldlazarette Nr. 13 und 18. ÄrmierungS-Bataillone............-........■-:. Feldpost-Expedition der 11. Rcserve-Division. » Die bayerische Verlustliste Nr. 212 bringt Verluste des 3., 4., 3., 9., 11. und 12. Jnf.-Regts.; Res.-Jnf.-Regimenter Nr. 3, 3, 7, 10, 11, 14; Landwehr-Jnf.-Regimenter Nr. 1, 3, 4, 12, 15; Bri- gade-Ersatz-Bataillone Nr. 1, 2, 7, 11; Landsturm-Jnf.-Bataillone: Nürnberg I, Passau I, Regensburg I; 11, 12. und 21. Feldart.- Regt.; Reserve-Feldart.-Regt. Nr. 9; Landst.-Feldart.-Abt. Nr. 1; 1. Landst.-Batterie des 3. Armeekorps; 1. Fuhart.-Regt. München; 2. Fustaxt.-Regt. Metz; Fußarü-Batterie Nr. 301; Res.-Futzart.- Regt. Nr. 3; 1., 2. und 4. Pionier-Batl.; Armee-Telegraphen-Abt.; Res.-Pionier-Bataillone Nr. 2 und 4; 2. Landwehr-Pionier-Komp. 1. Armeekorps; 2. Pionier-Ersatz-Konrp. des 1. Pionier-Batl.; Militär-Eisenbahn-Direktion I, II und III; Armierungs-Bataillon Nr. 4; Res.-Munitions-Kolonnen-Abt. Nr. 3; Etappen-Kraft- wagen-Munitionskolonne 4; Feldbäckerei-Kolonne 1 des 2. Armee- korps; Feldbäckerei-Kolonne 1 des 3. Armeekorps; Sanitäts-Kom- pagnien 1 des 1. Armeekorps und 3 des 3. Armeekorps; Feldlazarett Nr. 3. Mus Groß-öerlin. Kriegsrennen mit Toto. Am Sonntag war in Hoppegarten Pferderennen. Seit langer Zeit war wieder die staatlich konzessionierte Weit- Maschine im Gange. Das Wetter war miserabel. Es regnete— nein es goß. Keinen Hund hätte man hinaus- jagen niögen. Aber die Züge nach Hoppegarten waren über- füllt. Man wallfahrtete nach dem Totalisator. Während des Krieges. Das Kriegsrennen war nur Mittel zum Zweck; das interessierte weniger. Das Interesse war darauf ge- richtet, welches Pferd zuerst am Ziel war und den Sieg davontrug. Während der schönen Sommertage war der Rennplatz schlecht besucht. Grund: der Totalisator war geschlossen; die Spiel- und Wettlust war eingedämmt. Nur bei den Buchmachern konnte ge- wettet werden. Das war aber eine riskante Sache, denn Polizei in Uniform und Zivil war auf dem Posten. Diesmal aber funktionierte wieder der Toto. Er besitzt eine Anziehungskraft wie ein Magnet. Am Sonntag wurden am Totalisator rund 400 000 M. umgesetzt, an Ein- trittsgeldern 20 000 M. eingenommen. Viele sind um ihre Hoffnungen gekommen, selbst diejenigen, die mit dem nötigen Pfcrdeverstand nach Hoppegartcn fuhren und glaubten, den besten Tag zu haben. Es gewannen Pferde, denen man den Sieg nicht zutraute. In einem Falle wurde deshalb für 10 M. die Summe von 726 M. ausbezahlt und in einem anderen Falle waren fünf Wetter so glücklich, für ihre 10 M. Einsatz 1278 M. zu erhaschen. Die auf andere Pferde gesetzt hatten, zogen den Kürzeren. Nun kann die Wettseuche sich in Summen entfalten zum Nutzen der Veranstalter der Kriegsrennen und zum Schaden Nieler, die oft an den Rand des Abgrundes geraten. Das türkische Cafs. Ich ging durch ein Warenhaus und stand mit einem Male vor einer GlaStüre. Dahinter lag ein Raum im roten Dämmerschein. Zart und weich und sehnsuchtsschwer quellen die Klänge aus „Mignoir* von einem Podium herunter, wo rotgeröckte Künstler— allerdings keine Türken— ihre Jnstriunente meistern. Der schwäch- tige, dunkellockige Geiger steht aufrecht und die Töne gleiten wie Perlen von den Saiten. Rote und weiße elektrische Lämpchen glühen und leuchten und hüllen daS Ganze in einen mattrofigen Schein. Die Flaggen des Dreibundes wehen im leisen Lustzug« hin und her, orientalische Teppiche bedecken Wände und Fußboden, Riesenpalmen ragen stolz und majestätisch empor und aufrunden, mit Glasplatten überdeckten Tiichen duften und leuchten in hohen, schlanken Basen Blumen über Blumen. Kellner in Kniehosen huschen lautlos zwischen den Stühlen ein- her und tragen Kuchen und Kaffee auf. Damen, und fast nur Damen, in eleganter Aufmachung plaudern bei der Tasse Mokka oder lauschen sinnend den Klängen der Musik. Und die Geige schluchzt:»Nur wer die Sehnsucht kennt..." Dicht neben dem Podium sitzt ein Backfisch mit schwarzen, hungrigen Augen und kecken Schnecken auf dem Ohr. Typ k la Tauentzien. Ein Mädchen, wie viele, die weißen Zähnchen knappern vervös und ungeduldig am Stiel einer Rose, die so gelb wie der Neid ist. Die Blicke suchen immerzu die Tür. Und die Geige weint:„Ach, der mich liebt und kennt...* Gäste kommen und gehen, die Kellner schießen flink und lautlos wie Hechte vorüber, die Lampen glühen und die gelbe Rose zittert nervös. Nichts erinnert daran, daß draußen Millionenheere mit einander im blutigen Ringen liegen, nur wenn in dem bunten Bild ein wallender Kreppschleier auftaucht, gleich einem wandelnden Memento, geht es wie ein heimliches Frösteln, ein bangendes Zittern durcd den Raum. Ein jähes Erinnern an den gigantischen Kampf, der Europa bis ins Innerste er- schüttert. Bald ober haften die Blicke des Backfisches brennend an der Tür, das Gesumme der Stimmen hebt wieder an, die gelbe Rose zittert nervös und die Geige schluchzt:„Nur wer die Sehnsucht kennt..._ Die Liste der Schöffen und Geschworenen. Die Urliste derjenigen Personen, die nach den Be- stimmungen der Titel IV und VI des Gerichtsverfassungsgesetzes für das Deutsche Reich zu dem Amte eines Schöffen und Geschworenen für das Jahr 1916 berufen werden können, ist ausgestellt und wird nach K 36 des Gesetzes eine Woche lang, und zwar vom 23. bis einschließlich 29. August 1915, in den Wochentagen von vormittags 9 bis nachmittags 2 Uhr, am Sonntage von vormittags 11 bis nachmittags 1 Uhr im Wahlburcau des Magistrats, Stralauer Str. 44/45 I— Zimmer 10—(Eingang I, Hof rechts) zur Einsicht öffentlich ausliegen. Gegen die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Urliste kann innerhalb der cinwöchigen Auslegefrist schriftlich oder im Wahlbureau zu Protokoll Einsprache erhoben werden. Verdorbene Konserven als Tchweiuefntter. Bei der Herstellung von Konserven scheint nicht immer mit der Vorsicht vorgegangen zu sein, um Lebensmittel vor dem Ver- derben zu bewahren. Es hat sich jetzt ein Handel mit verdorbenen Lebensmitteln entwickelt, der schon im großen geführt wird. Das erhellt aus einem Inserat in der Sonntagsnummer der»Berliner Morgenpost', in dem eS heißt i Kraftfutter für Hühner und Schwein« Aus hiesigen Konservenfabriken haben wir die zur menschlichen Nahrung nicht geeigneten Rindfleisch-Kon- serven erworben und geben diese zu dem äußerst billigen Preis von 10 Pf. für die Pfunddose ab. E. P r e tz s ch, Berlin II 34 Lothringer Str. 98 Fernsprecher: Norden 973«. Diese Ankündigung des Verkaufs verdorbener Lebensmittel in Verbindung mit anderen ähnlichen lassen in der Tat auf eine recht bedauerliche Verschwendung menschlicher Nahrungsmittel schließen. ES wird sich vielleicht nicht immer vermeiden lasten, daß da und dort irgend etwas verdirbt, allein ein solches Massenverderben von Nahrungs- mittel», wie es jetzt in Erscheinung tritt, ist unter den heutigen Verhältnissen und angesichts der herrschenden Teuerung recht be- denklich. Auch die Hersteller von Konserven haben die Verpflichtung, alles zu tun, um der Allgemeinheit nicht notwendige Lebensmittel zu entziehen.__ Zur Brotkartengemeinschaft. Aus dem Rathause wird geschrieben: Wie schon vor Monaten, so werden auch jetzt wieder von feiten einiger Gemeinden Wünsche auf Ausdehnung der Berliner Brotkartengemeinschaft laut, und das noch zu recht ungelegener Zeit, weil gerade gegenwärtig noch nicht feststeht, in welchem Ilmsange auch die neue Ernte die wirksame Ver- folgung der Sparzicle zur Pflicht macht. Eine wesentliche Erweite- rung der Groß-Berliner Brotkartengemeinschaft läßt sich eben nicht durchführen, wenn anders nicht dadurch die regelmäßige und gleichm äßige, Versorgung de§ gesamten Brotkartengebietes ernstlich gefährdet werden soll. Nicht allgemeine theoretische Grundsätze sondern nur die Prüfung im einzelnen Fall, ob der wirtschaftliche Zusainmenhang den Zusammenschluß erfordert, kann entscheidend sein. Soweit diese Frage bejaht werden muß, ist bisher auch die Einheit hergestellt worden, und neuerdings, z. B. bei Köpenick, beabsichtigt man von dem gleichen Grundsatz auszugehen. Geringfügige Unbequemlichkeiten muß jeder in der heutigen Zeit nun einmal in Kauf nehmen. Im Vordergrund steht der Sparzwcck und alle anderen Rücksichten und Wünsche haben ihm zu weichen.'_ Ums Lebe« gekommen. Ein eigenartiger tödlicher Unglücksfall ereignete sich in der Nacht von Sonntag zu Montag. Die Straßenbahnschaffnerin Klein von Bahnhof 20 hatte am Sonntagabend gegen'/«II Uhr eine Fahrt mit dem von ihr bedienten Wagen beendet und befand sich an der Endhaltestelle Bahnhof Jungfernheide. Sie klagte über starke Kopfschmerzen und wollte sich die Stirn mit kaltem Wasser kühlen. Die K. stieg zu diesem Zweck die schmale steinerne Treppe, welche an dieser Stelle in die Spree hinabführt, hinab und beugte sich, mit der hohlen Hand Wasser schöpfend, über die Fluten. In diesem Augenblick muß die Schaffnerin von einem Schwindel erfaßt worden sein, sie fiel in das Waster. Die K. rief laut um Hilfe und sofort eilten ein Fahrer und mehrere Pastanten herbei. Bei der herrschenden Dunkelheit aber vermochten sie, trotzdem das Wasser an jener Stelle nicht zu tief ist, die Un- glückliche nicht mehr zu retten. Die K. war wohl bewußtlos von der Strömung fortgetrieben worden, ist dann untergegangen und ertrunken. Die Leiche wurde gegen 11 Uhr von herbeigeholten Schiffern geborgen und nach dem Charlottenburger Schauhause übergeführt. Auskunft über Angestelltenversicherung. Der Berliner Ortsausschuß der Vertrauensmänner, Flottwellstr. 4 I, der über Fragen der Angestelltenversicherung seit Ansang Juli bereits mehr als 300 mündliche und schrift- liche Auskünfte erteilt hat, hält vom Sonnabend, den 21. August, ab seine Sprechstunden wieder in den Mittags- stunden, und zwar Dienstags, Donnerstags und Sonnabends von 1—3 Uhr, ab. Bis dahin werden Auskünfte an de» gleichen Tagen nachmittags zwischen 5 und 7 Uhr erteilt. Der falsche Butterhöndlrr. Der Buchhalter Wilhelm Düseler, Grünthaler Str. 26, ersucht uns mitzuteilen, daß er mit dem in der Notiz»Der falsche Butterhändler' genannten Buchhalter D. nicht identisch ist._ Eine Ausstellung über die beste Verwertung von Obst und Gr- müsc veranstallet der»Verband der Laubenkolonisten Berlins und lim- gegend' mit Hilfe des»Nationalen Frauendienstes Berlin' in dieser Woche. Die Ausstellung soll zeigen, wie es jeder praktischen Hausfrau ermöglicht wird, Gartenfrüchte für den Winter dauerhaft auszu- bewähren. Da es keine Konservenbüchsen»nd Einmachegläser mehr gibt, muß im Haushalt Umschau gehalten werden nach Gefäßen, die sich zur Einmachung von Obst und Gemüse eignen. Hier soll die Ausstellung der Hausfrau zeigen, wie cS ermöglicht werden kann und welche einfachen Mittel es gibt, mit denen man sich in der jetzigen KriegSzeit aushelfen kann, um das Eingemachte dauerhast zu erhalten und auch wie man Gemüse dörren muß. Der Eintritt ist für jedermann frei. Die Ausstellung ist eine Wanderausstellung und findet statt: am Dienstag im„Elysium', Landsberger Allee, am Mittwoch in den .Passage-Festsälen', Neukölln, Bergstraße, am Donnerstag im„Volks- haus', Charlottenburg. Rosinenstr. 3, und am Freitag iu»SachonS Feftsälen', Müller- und Seestraßen-Ecke. Kleine Nachrichten. Ein Zusammenstoß eines Militär-LastautoS mit einem Straßenbahnwagen ereignete sieb am Sonntagabend gegen 7 Uhr in Neukölln. Vor dem' Hause Bergstr. 104 bog das Militär-Lastauto II. X. III. 719, das mit einem Flugzeug beladen war, kurz vor einem herannahenden Triebwagen in der Richtung Britz auf da§ Gleis und wurde angefahren. Dabei wurde das Flugzeug, ebenso wie das Mililärauto leicht bcsckädigt. �— Aus dem Wasser gelandet wurde gestern an der Köpenicker Brücke die Leiche eines Mannes, die schon tvohl ein Vierteljahr darin gelegen hat. Die Verwesung ist schon so weit vor- geschritten, daß das Aller des Ertrunlcncn auch nicht an- nähernd mehr geschätzt werden kann. Er trug einen schwarzen Jacksttanzug mit Seidenknöpfen, ein schwarz-rot gestreiftes Barchenthemd, graue wollene Strümpfe und schwarze Schnürstiefel. Sein weinrotes seidenes Taschentuch hat kein Zeichen.— Aus Furcht vor Mißhandlungen sprang gestern abend das 31 Jahre alte Straßen- mädchen Anna Kühl ans der Prinz-Handjery-Straße 55 zu Neukölln aus dem Fenster aus den Hof hinab. Das Mädchen, das im ersten Stock des Seitenflügels tvohnt, geriet mit seinem Zuhäller in Streit und wurde von ihm so schwer bedroht, daß es sich nur durch einen gefährlichen Sprung retten konnte. Es schlug mit dem Kopf auf das Hofpflaster und zog sich eine blutende Verletzung zu. Von der Unfallstation wurde die Verletzte zu einer Freundin gebracht, die sie pflegen will. Der Zuhälter tvird von der Kriminalpolizei gesucht.— Einen raschen Tod hat der 50jährige Droschkenkutscher Wilhelm Schütz aus der Schulstr. 9 gesunden. Sch., der seit Jahren mit seiner Droschke am Askanischen Platz hielt, klagte gestern, vormittag seinen Kollegen, daß er sich nicht tvohl fühle und Atembeschwerden habe. Als sich fein Befinden sichtlich verschlechterte, bemühten sich zwei Berufsgenoffen um den Erkrankten. In demselben Augenblick, als sie Sch. beim Herabsteigen von seinem sitz behilflich sein wollten. um ihn auf die Polster seines Wagens zu betten und zu einem Arzt zu fahren, brach er plötzlich lautlos zusammen. Ein hinzugerufener Arzt konnte nur noch den infolge Herzschlages eingetretenen Tod feststellen. Mus öen Gemeinöen. Aus der Gemeiudevertretung OberschöncweideS. Erst auf Antrag unserer Vertreter hatte sich der Genrny�e« vorstand veranlaßt gesehen, jetzt nach drei Monaten wieder eine Sitzung der Gemeindevertretung einzuberufen. Zur Verhandlung standen zwei Anträge unserer Vertreter, einer auf Sicherstellung des Wahlrechts der Kriegsteilnehmer sowie ein Antrag, der die Rechte der örtlichen Kriegskommission feststellen wollte. Nach Begründung des ersten Antrage's durch unseren Redner wurde derselbe einstimmig dahingehend erledigt, daß für daS Jahr 1915/16 von der Ausstellung neuer Wählerlisten abgesehen werden soll. Anlaß zu dem zweiten Antrage gab die Tatsache, daß der Gemeindevorstand, ohne die Kommission zu befragen, die Preise der schon dem Verkauf über- gebenen Lebensmittel der Gemeinde heraufsetzte, andere Lebensmittel in den Verkauf brachte und auch hierfür die Preise eigenmächtig be- stimmte. Unser Redner betonte, daß, wenn auch diese Maßnahmen im Sinne der nachträglich gefaßten Kommissionsbeschlüsse liegen, so sollte serner diese Gepflogenheit keine dauernde werden. Weiter- hin kritisierte er die Eigenmächtigkeit einzelner ausführender Organe in der Gemeinde, die nicht immer die Beschlüsse der Kommission sinn- und wortgemätz zur Anwendung bringen. Die ganze Angelegen- heit wurde von unserem Vertreter auch dazu ausersehe», die bisher gezahlten Sätze der Unterstützungen für die Familien der Kriegs- teilnehmer, bei der jetzt bestehenden LehenSmitteltcuerung als viel zu gering zu bezeichnen. Nebenbei bleibe aber auch die Sorge bestehen, wovon bei der bevorstehenden kälteren Jahreszeit warme Kleider«nd feste Schuhe beschafft iverden sollen. Der Redner verlangte, die Gemeinde möge rechtzeitig geeignele Maßnahmen ergreifen, um der Teuerung entgegenzuwirken und die Erfahrungen des ersten Kriegsjabres in nutzbringender Weise an- zuwenden. Es sei ein gemeinsames Vorgehen der Gemeinden Groß- Berlins zur Bekämpfung der Lebensmiltelteucrung sowie der Er- höhung der Unterstützungssätze anzustreben. Als örtliche Notwendig- keit wurde gefordert, daß der Verkauf der Gcmeindelebensmittel von dieser selbst zu besorgen sei. Noch ein weiteres Vorkommnis aus der Sitzung sei erwähnt. Am 12. Januar d. I. wählte die Gemeindevertretung das gesamte Kuratorium des Realgymnasiums neu. Unter den Neugewählten befand sich auch ein Vertreter der Sozialdemokratie. Ein herausgewählter Schöffe nahm Veranlassung, gegen die Wahl Beschwerde beim Kreisausschuß und beim Provinzialschulkollegium einzulegen. Der Kreisausschuß wies die Beschwerde aus formalen Gründen ab. DaS Schul- kollegium trat dem Ersuchen des Beschwerdeführers bei und versagte dem neugewählten Nichtichöffen die Bestätigung. Möglichkeit zu diesem Vorgehen des Schulkollegiums bot die Bestimmung im Statut des Realgymnasiums, wonach neugewählle Mitglieder des Kuratoriums, welche nicht Schöffen sind, der Bestätigung des Pro- vinzialichulkollegiums unterliegen. Die Gemeindevertretung nahm aber keine Neuwahl vor, sondern will nun den Beschwerdeweg be- schreiten._ Mastnahmen gegen die Kartoffelteuerung in Nowawes. Wie wir bereits mitteilten, hatte sich die Gemeinde entschlossen. durch Einrichtung eines eigenen Kartoffelverkanfs auf den Wochen- markten eine Herabdrücknng der hohen Kartoffclpreisc zu versuchen. Diese Maßregel hat sich als recht wirksam erwiesen. Arn ersten Verkaufstag auf dem Sonnabcndmarkt war der Andrang am Markt- stand der Gemeinde, die 10 Pfund zu 60 Pf. abgab, so groß, dag innerhalb lvenigcr Stunden über löO Zentner Kartoffeln umgesetzt wurden. Die anwesenden Kartoffelhändler sahen sich infolgedessen genötigt, ihre Preise erheblich herabzusetzen, um ihre Kartoffeln nicht wieder nach Hause nehmen zu müssen, und verkauften nun 10 Pfund statt bisher zu 80 Pf. bis 1 M. zum Preise von öä und 70 Pf. Ein Händler, der bisher versicherte, er könne die Kartoffeln nicht billiger abgeben, weil er sie selbst teuer einkausen müsse, ging sogar unter den von der Gemeinde geforderten Preis herunter. Kinderspiele in Maricndorf. Mittwoch, den 18. August, finden die Spiele im„Urwald" statt. Treffpunkt 2 Uhr nachmittags, am Rathaus, Kaiserstraße. Mundvorrat ist mitzubringen. Mus Inöustrie und Handel. Kriegsgewinne. Die Rathenower Dampf mühlen-A.-G. vormals C. Hübener Nachf. in Rathenow erzielte im Jahre 1914/1S nach 119 321 M.(i. P. 39 699 M.) Abschreibungen einen Reingewinn von 386 799 M.(64 377), woraus 16 Proz. Dividende(5 Proz.) verteilt werden sollen. Dem Reservefonds werden 96 781 M.(3218) überwiesen und auf neue Siechnmrg 71 017 M.(4756) vorgetragen. Die Westfälische M e t a l l i n d u st r i e Akt.-Ges. in itipp- sladt zahlt nach Rückstellung von 120 000 M. für unsichere Forde- rungen im feindlichen Auslande und nach reichlichen Abschreibungen eine Dividende von_12 Proz. gegen 7 Proz. im Vorjahre. Die bekannte spirituosenfirma und Likörfabrik Kantors- w i c z in Posen erklärt wie im Vorjahre 12 Proz. Dividende. Der Bruttogewinn beträgt 947 577 M. gegen 893 556 M. im Vorjahre. Der Reingewinn 340 629 M. gegen 229 658 M. Der Reingewinn stieg um 50 Proz." Amerikas Ausfuhr nach Sibirien. „Petit Parisien" meldet aus Washington: Die Ausfuhr der Vereinigten Staaten nach Sibirien betrug in der Zeit vom 1. August 1914 bis zum 30. April 1915 19 Millionen Dollar. das heißt n e u n z e h n m a I so viel als in normalen Zeiten. Bor Ablauf des August müssen 400 Lokomotiven und 20 000 Eisen- bahnwaggons in Wladiwostok abgeliefert werden. Zum kommenden Zollkrieg. �Kein zu schroffes Vorgehen gegen den deutschen Handel das ist die Schlußfolgerung, die„Italic" vom 10. August aus einer ausführ- lichen Darlegung der deutschen Ein- und Ausfuhrziffern zieht:„Die Verbandmächte werden ohne Zweifel vor allem versuchen, den Strom der deutschen Erzeugnisse aufzuhalten oder zu schwächen. Immerhin darf man nicht vergesten, daß Waren gegen Waren ausgetauscht werden und daß man, wenn man Deutschlands Aussuhrmöglichkeiten verringert, seine Kaufkraft schwächt. Andererseits bringen die Hindcr- niste, die man der Einfuhr fremder Waren entgegenbringt, die Ge- fahr mit sich, daß die Preise auf dem eigenen Markt st e i g e n, wovon die Masse der Verbraucher den Schaden, Nutzen nur die Erzeuger in von dem ausländischsn Mit- bewerb befreiten und durch die Vorzugstarife begünstigten Ländern haben."_ Die Aktiengesellschaften in Preußen. Im Jahre 1913, dem letzten Jahre, über das eine Statistik der preußischen Akliengesellschaflen vorliegt(siehe das soeben erschienene Statistische Jahrbuch für das Königreich Preußen), wurden in Preußen 2935 Aktiengesellschaften gezählt mit einem Kapitalvermögen (eingezahltem Aktienkapital und Reserven) von 13,19 Milliarden Mark; das Aktienkapital belief sich dabei auf 10,7 Milliarden Mark. Mehr als die Hälfte der Aktiengesellschaften(1491) waren Millionen- gründungen, 175 von ihnen sogar Unternehmungen mit einer Aktien« kapitalbasis von über 10 Millionen Mark. Diew letzte Gruppe umfaßt nicht weniger als 6,3 Milliarden Mark, d. i. weit über die Hälfte des gesamten Aktienkapitals. Die Entwicklung des Aktienwesens überhaupt wird durch die Tatsache gekennzeichnet, daß von den im Jahre 1913 be- stehenden preußischen Aktiengesellschaften nur 195 vor 1870, 869 zwischen 1871 und 1890 und 1668 zwischen 1891 und 1910 ge- gründet worden waren, die Jahre 1911— 1912 brachten dann noch 203 Aktiengesellschaften. Fast zwei Drittel der bestehenden Aktien- gesellschaften(63,8 Proz.) sind mitbin in den letzten zwei Jahrzehnten entstanden. Uebrigcns gibt die Zahl der Neugründungen nur ein unvollständiges Bild von der Ausbreitung des wirtschaftlichen Machtbereichs der Aktiengesellschaften. Im Jahre 1913 wurden zum Beispiel 113,8 Millionen Mark in Neugründungen von Aktiengesell- schaften angelegt, aber um 254,4 Millionen Mark erhöhten gleich- zeitig schon bestehende Aktiengesellschaften ihr Grundkapital! Die wirtschaftlich tonangebenden Betriebe in allen wichtigen Branchen sind Aktiengesellschaften oder sind auf dem Sprunge, es zu werden. Die Statistik zeigt, daß in keiner Gewerbegruppe mehr der Einzelunternehmer das Feld beherrscht. Am kapital- kräftigsten erscheint die Aktiengesellschaft im Handelsgewerbe(Bank- wesen), im Bergbau- und Hüttenwesen, in der Maschinenindustrie, im Verkehrswesen. Das Aktienkapital in diesen Zweigen umfaßt schon 8,1 Milliarden Mark. Die örtliche Verteilung der Aktiengesellschaften zeigt, daß im Stadtkreise Berlin allein 3,76 Milliarden— also mehr als der dritte Teil des gesamten preußischen Aktienkapitals— lagern, dann folgt die Rhemprovinz mit 2,89 und Westfalen mir 1,13 Milliarden Mark. An Dividenden wurden im Bilanzjahre 1913 916,7 Millionen Mark verteilt, das waren 8.7 Proz. des dividendenberechligten Gesamtkapitals. Natürlich war der Reingewinn selbst noch größer, er betrug 1352,6 Millionen Mark(gleich 13,6 Proz. des eingezahlten Aktienkapitals). Stellt man den Reinverlust von 161,4 Millionen in Abzug, so verbleibt immer noch ein bilanzmäßiger Gewinn von 1191,2 Millionen Mark oder 11,1 Proz. des Aktien- tapitals. Weit über den Durchschnitt von 13,6 Proz. Brutto-Rein- gewinn erheben sich die Versicherungsgewerbe mit 50,2 Proz,(I), Tiefbaugewerbe mit 33.1 Proz., chemische Industrie mit 25,5 Proz., Lederindustrie mit 22,6 Proz., Erzgewinn- und Hültenbetrieb mit 19,2 Proz., Zuckerfabrikation mit 18,3 Proz., Branntwein- brennerei mit 17,7 Proz., Steinkohlenbergbau mit 17,5 Proz. des eingezahlten Aktienkapitals usw. Der Netto-Reingewinn in den preußischen Aktiengesellschaften betrug im Laufe der letzten Jahre im Durchschnitt 1908: 9,7 Proz., 1909: 9,5 Proz,, 1910: 19 Proz., 1911: 10,2 Pro,., 1912: 11 Proz.. 1913: 11,1 Proz. Man sieht, über eine Einschnürung ihres Wirtschaftslebens und eine Benachteiligung ihrer Profite konnten sich die maßgebenden preußischen Kaviialisten in den letzten Jahren vor dem Weltkriege nicht beklagen._ Mus aller Velt. Aus der Tunkelkammer der Hecrcslieferanten. In Nr. 212 des„Vorwärts" vom 3. August brachten wir einen Bericht über einen Beleidigungsprozeß, der sich vor dem Schöne- berger Schöffengericht abgespielt hatte. Zwei sogenannte„Heeres- lieferanten", die aber nicht die Lieferung, sondern nur die Ver- Mittelung von Heeresbedarf übernommen und dabei horrende Summen„verdient" halten, lagen sich in den Haaren und ver- langten für die gegenseitig zugefügten Beleidigungen kräftige Sühne. Der eine von den beiden, der Kaufmann Martin Buhrbanck aus Kunnersdorf in Schlesien, ist über die ihm aufgedrückte Geldstrafe von 300 Mark empört, noch mehr aber über die moralische Stäupung, die ihm und Leuleit ähnlichen Schlages das Gericht zuteil werden ließ. Er läßt es sich was kosten — was ihm bei dem ihm zugefallenen hohen Gewinn ja auch nicht schwer gefallen sein wird—, sein Renommee wieder herzustellen. In einem Inserat in dem Waldenburger„Neuen Tageblatt", das eine halbe Seite umsaßt, versucht er sich von dem Odium, ein ge- rissener Geschäftspatriot zu sein, rein zu waschen.„Geschäftstüchtig oder ehrlos fragt er, und bemüht sich nun um den Nachweis, daß er sich im Schweiße seines Angesichts vom frühen Morgen bis zum späten Abend— 17 bis 18 Stunden täglich— gequält habe, um dem Vaterland durch Verschaffung notwendiger Artikel zu helfen. Wie eifrig Herr Buhrbanck gearbeitet hat. beweist, daß er allein für Briefe, Tele- gramme und Ferngespräche monatlich rund 1500 M. ausgegeben haben will. Inserate hätten ihm monatlich 1150 M. gekostet, Musterstücke rund 1400 M. usw. Und allen, die es glauben wollen, ver- sichert Herr Buhrbanck, daß er nicht mehr als 10 Proz. Reinverdienst gehabt hätte. Das wäre immerhin schon ein ganz netter Kriegs- gewinn, wenn man die Umsätze in Betracht zieht. Ein wenig plau- dert Herr Buhrbanck dann aber doch aus der Schule. Er will wissen— und er wird es wohl wissen— daß andere Leute über 100 Proz. bis 300 Proz. Rohgewinn bei Granatenlieferungcn oder bei Pferdclieferungen gemacht haben. Zarte Rücksichtnahme auf Personen und den Staat halten ihn aber ab, sogleich mit Namen zu dienen. Nun. wir werden uns später wieder einmal daran erinnern und nochmals an- fragen; wir brauchen dann dieselben Rücksichten wie Herr Buhrbanck nicht zu nehmen. Mag nun Herr Buhrbanck sein Vorhaben ausführen und gegen das über ihn gefällte gerichtliche Urteil Berufung einlegen. Die öffentliche Meinung wird sich auch nicht durch noch längere Er- klärungen in ihrem Urteil beeinflussen lassen, wie sie über Leute denkt, die die Not des Staates dazu benutzen, um in kurzer Zeit ganze Vermögen in ihre Taschen zu leiten. Ich bin der Herr! Als die Lebensmittelpreise in die Höhe zu steigen begannen, fanden sich sogleich wohlmeinende Ratgeber, die darauf hinwiesen, daß unsere Wälder einen ungeheuren Reichtum an nahrhaften Früchten aufzuweisen haben, die in sonstigen Zeiten unbeachtet ge- blieben waren. Für den Großstädter hatten diese Ratschläge ja so gut wie gar keinen Wert, aber der ländlichen Arbeiter- bevölkerung konnte damit schon gedient werden. Aus uns unbekannten Gründen ist früher jedoch in den meisten Waldungen das Sammeln von Beeren, Pilzen usw. von den Besitzern verboten worden. Und von dieser Praxis scheint man an vielen Orten auch jetzt noch nicht abweichen zu wollen. In der„Gubener Zeitung" und im„Gubener Tageblatt" erschien dieser Tage das nachstehende Inserat: Das Sammeln von Leseholz, Pilzen und Beeren ist im hiesigen Revier bei Strafe verboten, ebenso das unerlaubte Betreten desselben. Rittergut Wallwitz-Schloß. Die Guts- und Forstverwaltung. Ahnt denn der Besitzer des Waldes, der hier von seinem Herrenrecht in so unverständlicher Weise Gebrauch macht, nicht, welche Empörung er damit heraufbeschwört? Kann es denn dem Walde so viel schaden, wenn'arme Menschen ihn betreten, um sich eine wohlfeile Nahrung zu suchen, die sonst umkommen würde? Neber das Schicksal der Gebrüder Mannesmann veröffentlicht die„Information" eine Meldung des Madrider„Heraldo", wonach es drei Brüder ManneSmann, die bei Kriegsbeginn in Casablanca in Gefangenschaft gesetzt wurden, gelungen sei, zu entkommen. Sie hätten die spanische Zone erreicht und befänden sich gegenwärtig in Sevilla.— Wie die„B. Z. am Mittag" demgegenüber erfährt, ist diese Mitteilung unrichtig. Von den vier Brüdern— der fünfte. Mar Mannesmann, ist vor einigen Monaten in Aachen ge- starben— befindet sich einer im Feld, zwei weilen in Berlin und der vierte ist in Remscheid. Die Angestellten der Gebrüder Mannes- mann in Marokko sind bis auf wenige, die bei Beginn des Krieges wenige Stunden vor ihrer Festnahme nach Spanien fliehen konnten, sämtlich in Sebdu(Algier) interniert. Einige von diesen waren unter der Beschuldigung der Spionage und des Hochverrats vor das Kriegsgericht in Casablanca gebracht, sind aber vor ungefähr einem Monat freigesprochen worden. Sie wurden sodann als Zivilgefangene nach Sebdu zurückgebracht und dort abermals interniert. Das gröhtc„Lausoleum"(so werben scherzweise von den Sol- baten die Entlausungsanstalten genannt) wird gegenwärtig in Oppeln(Oberschlesien) errichtet. Wie man dem„Berliner Tageblatt" schreibt, wird die Anlage einschließlich der Pachtkosten für den Grund und Boden rund 1 Million Mark kosten. Diese Sanierungsanstalt wird die größte der bisher errichteten der- artigen Anstalten sein und wird in kürzester Zeit 20 000 Soldaten vollständige Reinigung bieten. Der Bau wird in etwa acht bis zehn Wochen beendet sein und wird zu einem Teile mangels anderer Arbeiter von kriegsgefangenen Russen aus dem Gefangenenlager Lamsdorf bei Neiße ausgeführt. Selbstmord durch Dynamitpatronc. Einen gräßlichen Selbst- mord.verübte der 41jährige Kiesbrucharbeiter Otto Schnabel auf seiner Arbeitsstätte bei S ch l e i z. Er legte sich auf ein an die Kiesgrube angrenzendes Stoppelfeld und beschwerte eine Dynamitpatrone mit Steinen auf seiner Brust. Dann zündete er die Zündschnur an. Tie Wirkung war furchtbar. Der Körper des Selbstmörders wurde vollständig zerrissen und die Eingeweide weit fortgeschleudert. Schnabel ist ein Opfer des Alto- hols geworden. Er hinterläßt Frau und drei Kinder; einer seiner Söhne steht im Felde. Z)arteiveranstaltungen. 4. Wahlkreis. Jugend s ektion. Am Mittwoch, den 18. August, abends Uhr, jindet in den„Andreas-Festsälen". Andrcasftr. 2l, eine Versammlung der Mitglieder des Wahlvereins im Alter von 18—21 Jahren statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Redakteurs Genossen Emil Eich- Horn, 2. Diskusion, 6. Wahlkreis. Jugcndabtcilung. Die V c r j a m m l u n g c n der jugendlichen Mitglieder finden am Miltooch, den 18. August, abends 8 Uhr. in nachstehenden LokalenZtatt: Strack, Schönhauser Allee 1Z4a, Kersin, Pankstr, 60 und Schröder, stromstr, 36, Referenten sind die Genossen Hermann Duncker, Erwin Neumann und E. ElSner. Pankow. Mittwoch, den 18, Slugust, abends 8 Uhr, im„Kurfürsten", Berliner Sir, 112; Volksversammlung:„Gegen die Lebensmitlelleuerung". Referent Landtagsabgeordneter Otto Braun, Köpenick. Mittwoch, den 18, August, abends 8 Uhr, findet unser ge- meinschastlicher Zahlabend im kleinen Saal des Stadt-Theaters statt. Rejc- rent Genosse B r e i t s ch e i d. Korreferent; Genosse Müller(vom Transportarbeiterverband). Mitgliedsbuch legitimiert, Zrauenveranftaltungen. Niederschönhausen-Nordend. Heute den 17. August, abends 8>/z Ubr. bei Rettig, Blankenburg er Straße 4; Vortrag der Genossin M a r t h a D e m m n i n g;„Der Einfluß des Krieges aus das Kind". öriefkaften üer Reöaktion. Die luristische Sprechstunde findet sür Abonnenten Lindcoftr. Z, IV. Hos rechts, parterre, am Montag bis Freitag von 4 bis 7 Upr, am Sonnabend don 6 bis 6 Uhr statt. Jeder lür den Briefkasten bestimmten Anfrage ist-in Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erleilt. Anfragen, denen leine Abonnementsguittung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Lertriigc, Schrifislückc und dcrglrichc» dringe man i» die Sprcchftniide mit. A. St. Iii. Der Wirt kann die Sachen einbchaltcn,—(f. H. Wenn nur der Sohn sich zur Abzahlung verpflichtet hat, so kann die Firma gegen ihn, da er im Felde steht, nicht klagbar werden. Bei der geringen Reil- iumme im Verhältnis zum Gesamlobjekt würde es sich vielleicht aber doch enipiehlen, um Scherereien aus dem Wege zu gehen, daß Sie den Rest sür Ihren Sohn zahlen,— K. 36. Wegen chronischer Krankheiten des Auges dienstunsäbig.— C. M. 1914. 1. Ja. 2. Unterliegt der Begutachtung des Militärarztes. 3. Dienstuntauglich, herzkrank. 4. Zur Er- Weiterung der Landsturmpflicht bedarf es der Zustimmung des Reichstages. — G» K. 75. 1. Herzkrank, landsturmpflichtig. 2. Es besteht kein Unter- 'chied zwischen diesen Truppen. 3. Wenn von der Militärbehörde die Sachen nicht geliefert werden, muß sür die eigene Bekleidung Schadenersatz verlangt werden, 4, Wie der mobile Soldat,— Kriegcrfrau. Wenn der Hauswirt sich zu einem Mietsnachlaß von 5 M. verpflilistet hat, sind Sie nicht verpflichtet, mehr zu zahlen.— F. P. 17. Ein Schadenersatzanspruch erscheint uns sehr zwciselhast, da Ihre Tochter von einem Verschulden nicht ganz freizusprechen ist.— f. f). Z. Nein. — W. 4. Altersrente wird von 70 Jahren an gezahlt. Zur Beant- Wartung, ob Sie Anspruch haben, müßten� wir noch Ihr Geburtsdatum wissen. Es empfiehlt sich, in unsere Sprechstunde zu kommen.— E. B. 777. Da Sic von der Oberersatzkommission sür dauernd untaug- lich erachtet sind, wird Nachmusterung nicht mehr erfolgen.— W. H. Wenn Sie eingezogen sind, müßten Sie sich krank melden. Dann wird festgestellt werden, daß Sie an Epilepsie leiden.— E. St. 17. Wenn Sie selbst das Goldgeld einschmelzen, machen Sie sich freilich strasbar. Das Gold einzuliejern, wird als Pflicht erachtet; Beftrasung kann deswegen nicht erfolgen.— F. B. 89. Sie sind als landsturnipflichlig erachtet. Sie haben Bruchanlage und geringen Herzsehler.— H. D. 12. Das uneheliche Kind hat keinerlei Anspruch auf Waisenrente. Von der soziatdemokra- tischen Fraktion ist beantragt worden, daß auch sür un- eheliche Kinder die Rente gezahlt werden soll. Eine Gesetzes- bestimmung ist darüber noch nicht erlassen.— A. B. 1. und 2. Sie haben Anspruch auf die Gnadcnlöhnuug. Erbberechtigt sind nur die Eltern. — I. 114. Wenn Sie den Beweis sür ihre Behauptungen nicht erbringen können, kann der Mann Sie wegen Beleidigung verklagen. Er war schließ- lich auch berechttgt, von Ihnen 10 M. zu verlangen, wohl nicht sür Fahr- getd, sondern als Zehrgeld.— B. 51. Einen wichen Antrag aus Zahlung der Löhnung scrtigen wir Ihnen in der Sprechstunde ans.— F. D. 111. 1. Fragen Sie doch beim Krankenhaus selbst an. 2. Ja. 3. Das richtet sich nach Ihrem Verdienst und ihren sonstigen pekuniären Verhältnissen. 4. Wenden Sie sich an die Armendeputation des Magistrats. 6. Dort er- halten Sie auch über die Kosten Auskunst. 6. Ja. 7. DaS Testament muß nach erfolgtem Ableben beim Ainlsaericht eingereicht werden.— M. P. 35. Wenn Sie als Pionier angesetzt sind, haben Sie nach ersolgtem Ablauf der Reklamation natürlich mit Ihrer Einderusung zu rechnen. Wir würden Ihnen empschlen, vielleicht doch aas Ihrer jetzigen Arbeitsstelle zu bleiben. — F. W. 1895. Ja.— O. A. 90. Zurückgestellt auf drei Monate Die Zahl bedeutet; Verengerung der Speiseröhre, dürste aber laum stimmen. Sie haben sich ledensalls verhört. Sie werden also nach- gemustert.— W. L. Wegen Plattfuß und Verlust einer Zehe sind Sie zur Artillerie angesetzt und �sind nicht sür die Jnsanterie tauglich er- achtet.— N. G. H. Da Sie als zurzeit dienstunbrauchbar erachtet wurden, so können Sie noch eingezogen werden.— W. U. 9. Nein. Eingegangene Druckschristen. Das Augusthest der von Dr. Aisred H. Fried herausgegebenen „Plätter für zwischenstaatliche Organisation«, wie sich die im XVII. Jahrgang erscheinende„Friedens-Warte* jetzt betitelt(Zürich, Art. Institut Orell Züßli), enthält folgende Aussätze: Den Wortlaut der vom Papst erlassenen Enzyklika.„Die einzige Lösung" von dem englischen Ge- lehrten Lowes G. Dickinson. Betrachlungen Helmut von Gerlachs über "..... "ock". Die Friedensprogramm(Aus der Iritischen Denkschrift des Bundes„Neues Vaterland" vom 20. Mai 1315), B. Entwurf eines internationalen Abkommens zur Vermeidung künftiger Kriege.(Ausgearbeitet von dem Ausschuß sür internationale Abkommen der engliichcn Fabier-Gesellschast.)— A.H. Fried, Der Malet der griedensbereitschast.— Prof, Ragaz, Offener Brief an Herrn Pfarrer Gottsried Traub in Dortmund.— Dr. F. Müller-Lyer, Soziologische Wendepunlte in der Geschichte des Kriegs.— Dr. Otto Koester, Mebr Kant!— Ein Jahrhundert Friedensbewegung.— Den Schluß bilden Bruchstücke aus dem Kriegstagebuch des Herausgebers und die Bibliographie. WetterauSsichten für das mittlere Norddeutschland bis Mittwochmittag. Ziemlich kühl, im Westen zeitweise aufklarend: sonst noch überwiegend bewöltt und besonders im Osten öfter leichte Regen- schauer und strichweise Gewitter, � Sikr. (Tcujtj(cQi �eutfdoep(7txJDiüÄaU: