Nr. 229.-32. Jahrg. flbonncmentS'Bcdingungco: KSonnemeiUä- VreiZ tcdnumcranh«! 8teric]iä6tL 3,30 Mi. monatl. 1,10 Ml. wöch-mlich 26 Pfg, frei WS HauS. einjelne Nummer o Psg, EonruagS- nummer mit illustrierrer«sonntag«. Beilage.Tie Neue Well' 10 P'g, Post- Abonnement: 1.10 M-ri»ro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitung»- VreiSliste, Unter Kreuzband fstr TeuliSIand und Oesterreich- Ungarn 2,50 Mar!, für da» übrige Ausland » Marl vro Monat. Postabonnement» nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal. Numanicn. Schweden und die Schweiz, kllcheidl lägllch. Vevlinev Voll!5»blnkk. � S pksnnig) vle Infettloni-eediN,? beträgt für die fechSgeivalienc Solonel, zeilc oder deren Raum HO Pfg.. für politifche und gewerkschaftliche Lerem?. und BersammIungS-Anzeigen 30 Pfg. .Kleine Mnrtigcn", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. tjuläfsig 2 fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort 10 Pfg. Etellengefuche und EchlaffteIIenan< zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weuere Worts Pfg. Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Worte.- Jnferaic kür die nächste Nummer muffen bis D Uhr nachmittags in der Expediüon abgegeben werden. Die Eipedinon ist bis 7 Uhr abend» geöffnet. Telegramm- Adresse: ,LeNl>lKarl) aus Mcseberg bei Aub, Volontär Rafalsky, v. Wangenheim l Person, usw. nicht bekannt), Lotse Schweinebart, Schulte �Person. usw. nicht bekannt), Hauptm. Weck, Lt. d. R.(Landmesser) Volk- mann, Oberlt. Lösch, Lt. d. R. Roeder, Bez.-Amtm. Dr. Schnitze- Jena, Obcrstlt. v. Hehdebreck, Lt. d. R.(Lehrer) Müller(Ludwig), die Geft. d. R. v. Biedenwald, Kraft. Verwundet: Hauptm. v. Cassel, Lt. d. R. Gumprecht, Hauptm. Vorberg, Oberlt. Gutbier, die Lt. d. R. Scherer, Frhr. v. Stein > Person, usw. nicht bekannt) und Schräder(Person, usw. nicht be- kannt), Hauptm. Berlin, Stabsarzt Trommsdorf, die Oberlt. Schu- mann und Meens(Person, usw. nicht bekannt), Dir. Mansfeld, die Oberlt. Strehle, Guse und Frhr. v. Schade, Freiw.(Farmer) Fischer(Kurt). In Gefangenschaft: Die Hauptl. Müller(Max) und Weiß, Hauptm. d. Landw.(Zollinsp.) Schmolck, Kap.-Lt. a. T. Matthiesen, Oberlt. Meyer(Kurt), Oberlt. d. Res.(Landmesser) Steffen, Oberarzt d. R. Dr. Mäbnz, Lt. Graf Bentheim, Lt. d. R. Dr. Bischof, Lt. d. R.(Hus.-Reg. Nr. 17) Seliger. Lt. d. R. iBergass.) Proempeler, Lt. d. Landw.(Bez.-Amt.) Hcilingbrinner, die Aerzte Dr. Lichtenfcld und Dr. Ritter, Vizefeldw. Möhring, Vizefeldw. d. R. Rasch, Serg. d. Beurl. Hossenschlag, die Unteroff. d. R.(Rese- rendar) Hirsekorn und Wiese(Franz) aus Meseberg, Unteroff. d. Landw. Harmutb, die Unteroff. d. Beurl. Matulla und Staebe, Geft. Kandier, Reiter Trillitzsch, Res. Hilgenhelt, Landwehrmann «Kaufmann) Reiche, Angest. d. Deutschen Kolonial-Ges. f. Deutsch- Südwestafrika Trede, Farmer(Sandverhaar) Geffert. die Freiw. Schenk und Dr. Bronzel, Bureaubeamter Stolzenburg, ferner Dickbreder(Person, usw. nicht bekannt), Rademacher(Person, usw. nicht bekannt), Schiemke(Person, usw. nicht bekannt), Schmitz > Person, usw. nicht bekannt), Bergingenieur Glockemeicr und Maler- meister Hilse. Aufhebung von Kriegsrepreffalien. Paris, IS. August.(W. T. B.) Meldung der Agence Havas. Ter HeereSauSschuß, der den Minister des Aeußern Del- casse bezüglich der als Repressalie eingerichteten Lager und des Heimtransportes deS SanitätSpersonaleS und der Zivil- gefangenen befragt hatte, erhielt von Delcasss Briefe, in denen er die deutsch-französtschen Verhandlungen darlegt, welche den deutschen Maßnahmen ein Ende setzen sollten. Die deutschen Maß- nahmen bestanden darin, mit Vorliebe unter den gefangenen Franzosen solche auszuwählen, welche keinen körperlichen Beruf ausüben und sie in sumpfige Gegenden zu schicken, um diese Gegenden urbar zu machen. Da Deutschland vorgegeben halte, daß Lager für gefangene Deutsche in den französischen Kolonien in Afrika errichtet worden seien, setzte die französische Re- gierung dieser Behauptung Zeugnisse Neutraler entgegen. Die ge- fangenen Deutschen werden genau so behandelt, wie die französischen Soldaten. Deutschland erklärte sich, nachdem eS sich schließlich über- zeugt hatte, nach der Androhung von Repressalien bereit, die französischen Gefangenen, welche den Gegenstand des Protestes der französischen Regierung bildeten, in die Gefangenenlager zurückzu- schaffen. Ein anderer Brief DelcasseS benachrichtigt den Aus- schuß, daß ein deutsch-französisches Abkommen über den Rücktransport des Sanitätspersonals zustande gekommen ist. Dreihundert Aerzte und dreitausend Kranken- Wärter wurden ausgetauscht. Was die Zivilgefangenen anbelangt, so wurden die über sechzig Jahre alten freigelassen. Ein anderes Abkommen konnte infolge der Schwierigkeiten, welche durch das Vorhandensein von Geiseln entstanden, welche von den deutschen Behörden in den besetzten Departements genommen wurden oder noch genommen werden können, nicht abgeschlossen werden. Ein österreichisch-ungarisch-französischeS Abkommen setzt fest, daß Frauen jeden Alters und die gesunden Männer von weniger als siebzehn oder mehr als fünfundfünfzig Jahren sowie alle invaliden Männer, außer den strafrechtlich zu verfolgenden Personen, heimbefördert werden. Sitzung üer französischen Gewerkschaftsvertreter. Hgm. Genf, 19. August. Am Sonntag tagte in Paris die Landeskonferenz des allgemeinen Arbeitsbundes, an der 114 syndi- kalistische Organisationen durch 169 Abgeordnete und ferner Ver- treter der englischen Trade Union teilnahmen. In der Resolution wurde zum Ausdruck gebracht, daß der Arbeitsbund stets an den Prinzipien der Internationale festhalten werde und die Wieder- bcrstellung des Friedens wünsche. Jede Eroberungspolitik wurde verworfen und an das internationale Proletariat appelliert, damit der endgültige Sieg des Rechts über die Gewalt erzielt und auf der Grundlage eines obligatorischen Schiedsgerichts jede Geheim- diplomatie abgeschafft werde. Nur nach Beendigung der Rüstun- gen könne ein Völkerbund entstehen, der allen Völkern freie Ent- faltung und Unabhängigkeit gewährleistet. Die Konferenz bittet alle proletarischen Institutionen inständigst, den Vorschlag der American Federation of Labor anzunehmen und gleichzeitig mit der zu erwartenden Friedenskonferenz in derselben Stadt einen internationalen Arbeiterkongretz einzuberufen. Die ftanzösische Zensur hatte am Sonntag und Montag die Ankündigungen und Mitteilungen über diese Konferenz verhindert. Der Arbcitsbund ließ daher dem Ministerpräsidenten einen Prote zugehen, in dem die Launen der Zensur als lächerlich und demütigend bezeichnet wurden. Macüonalüs Anklagen. London, 19. August.(W.T.B.) Ramsay Macdonald erwidert in einem offenen Briefe auf die gegen ihn gerichteten Angriffe. Er führt auS: Vorschläge wurden im Juli 1914 gemacht, die mit Abänderungen für uns annehmbar sein konnten. Staats- sekretär Grey hätte die deutschen Vorschläge, so schlecht sie waren, diplomatisch behandeln sollen. Warum hat er es nicht getan? Nicht, weil er den Krieg wollte, sondern weil er durch die Politik gefesselt war, die er und sein Vorgänger verfolgt hatte. Er besa nicht mehr die Freiheit, sich vom Kriege fernzuhalten, wenn er aus- brach; er konnte nicht aussprechen, daß er kämpfen wolle, weil die Nation nie Verpflichtungen angenommen hatte, die die Diplomatie ihr auferlegte; er konnte nicht frei verhandeln, weil das Aus- wärtige Amt gebunden war. Die Nation nahm den Krieg wegen des Einfalles der Deutschen in Belgien an, aber der Dreiverband, nicht der Angriff auf Belgien war es, was uns in den Krieg ge- zwangen hat. Neue Streikbewegung. London, 18. August.(W. T. B.) Die Mechaniker, Schmiede und Kesselschmiede der Lokomotivwerke in Springhead verließen gestern die Arbeit als Protest gegen die Einstellung ungelernter Arbeiter an den Drehbänken. Manchester, 18. August.(W. T. B.) Eine Konferenz fand hier zwischen Textilarbeitern und Arbeitgebern wegen einer fünfprozcntigen Erhöhung der Löhne statt. Die Arbeitgeber erklärten nach langen Ver- Handlungen, die Zulage nicht bewilligen zu können. Interpellation in üer Duma über Kriegsziele. Essen, 19. August.(T. U.) Laut„Essener General- Anzeiger" haben 115 Mitglieder der Duma eine Interpellation an die Regierung unterzciä)net, um Bekanntgabe der Kriegsziele und Fricdensbedingungcn Ruß- l a n d s in der Duma. Nach einem weiteren Telegramm melden die„Politiken" aus Petersburg: In der Duma ist ein neuer Antrag des Abgeordneten Tscheidse eingegangen, der die Forderung ausdrückt, sämtliche Mitschuldigen an dem Verlust Polens und Galiziens dem ordentlichen Gericht und nicht dem Militärgericht zur Aburteilung zu überliefern. Die Schuld an den Moskauer Unruhen. Prtersburg. 19. August.(W. T. B.)„Rjetsch" meldet aus Moskau: Eine von Senatoren veranstaltete Untersuchung führte zu der Entdeckung, daß die ganze Schuld an den Moskauer Unruhen den Polizeipräfekten Addianoff trifft, der den Revierchefs aus Furcht, der liberalen Opposition Waffen in die Hand zu geben, jegliches Einschreiten verbot. Vor üer Kriegserklärung Italiens gegen die Türkei. Mailand, 19. August.(W. T. 93.)„S e c o l o" erfährt aus Rom, daß der Ministerrat für nächsten Freitag, vormittags 10 Uhr, zusammenberufen ist. Die Zusammen- kunft werde deshalb von besonderer Wichtigkeit sein, weil die Regierung über die Haltung Italiens gegenüber der Türkei beratschlagen werde. venizelos mit üer Kabinettsbildung beauftragt. Athen, 17. August.(W. T. B.)(Meldung der Agence d'Athsnes. Verspätet eingetroffen.) Der König hat V e n i- z e l o s beaustragt, ein neues Kabinett zu bilden. Der Führer der Mehrheit hat um eine Bedenkzeit von vier Tagen gebeten, um die Lage zu prüfen. Die Frist ist ihm gewährt worden. verbot üer Warendurchfuhr durch Griechenland. Athen, 19. August.(T. U.) Die verbündete Flotte untersagt künftig die Durchfuhr, von Waren aus Deutschland und Oesterreich-Ungarn, selbst wenn der Abschluß des Ankaufes vor dem 8. März�l9lS erfolgte. Ausgenommen sind Abschlüsse, die vom griechischen Stabe oder Gemeinden vollzogen wurden. Zum Rücktritt des persischen Kabinetts. Konftantinopel, 18. August.(W. T. V.)„Taswiriefkiar" erfährt aus zuverlässiger Quelle: Der Grund des Rück- tritts des persischen Kabinetts Ain cd Dauleh liegt in der auswärtigen Politik. Man glaubt, daß mit dem Falle dieses Kabinetts Pcrsicn aus seiner Neutralität werde heraustreten können, um sich gegen England und Rußland zn wenden. Aller Wahrscheinlichkeit nach werde das neue Kabinett von Mostav Fiuk Memali gebildet werden. politische Uebersicht. Beschlüsse des Bundesrats. In der Sitzung des Bundesrats am Donnerstag gelangten zur Annahme: Die Vorlage, betreffend Prägung von Dreimarkstücken als Denkmünzen aus Anlaß der Jahr- Hundertseier der Vereinigung von Mansfeld mit dem preußischen Staate; eine Acnderung des Teiles 3 Ziffer 4 der Anleitung für die Zollabfertigung; der Entwurf einer Be- kanntmachung, betreffend Feststellung der Qrtslöhnc; der Ent- wurs einer Bekanntmachung über die Preise uslv. für Kraft- 'Uttermittel; eine Aenderung des Verzeichnisses der Einlaß- und Untersuchungsstellen für die Einfuhr von Fleisch und der Entwurf einer Bekanntmachung über den Verkehr mit Kakaoschalen. Ueber„Reichstag und Friedensziel" schreibt O c t a v i o von Zedlitz in der„Post": „Daß die realen Ziele für unsere Zukunft nicht in Verträgen mit anderen Mächten als unseren Kriegs- verbündeten und nicht in von Illusionisten erstrebten Volksver- brüderungen zu suchen ist, hat die Geschichte der letzten Jahre mehr als deutlich gezeigt.... Abgesehen von dem Zusammen- wirken mit unseren Kriegsverbündeten sind wir eben auf uns selbst gestellt, von unserer äußeren Macht und unserer inneren Kraft wird es abhängen, daß unseren Feinden jeder Versuch. eines neuen Kampfes mit den Waffen oder ans wirtschaftlichem Gebiete von vornherein völlig erfolglos er- scheint. Was im einzelnen dazu gehören wird, uns die hierzu er- forderliche Fülle von Macht und Kraft zu sichern, läßt sich nicht in eine so einfache Formel zusammenfassen, wie dies jüngst nach der einen oder anderen Richtung wohl versucht worden ist. Die richtige Lösung dieses Problems fetzt eingehende Untersuchungen und Vor- bereitungen von sachverständiger Seite voraus.... Bei diesen Vorarbeiten würde die Mitwirkung hervorragender Männer aus denjenigen Kreisen, welche im v a t e r l ä n- dischen Geist an der richtigen Festsetzung unseres Kriegsziels volles Interesse und lebhaften Eifer betätigen, im Interesse der Sache nur förderlich sein können. Weiter aber würde cw Zu- sammcnwirken der Reich sre gierung mit solchen Elementen aus unserer Bevölkerung das gegen- fettige Vertrauen zu stärken geeignet sein und damit der Reichsregierung ein starker Rückhalt für die Förderung der F r i c- densvcrhandlungcn sickern. Ein solches Zusammenwirken bei der Vorbereitung unserer Friedensbedingungen eröffnet weiter auch günstige Aussichten für gedeihliches Zusammenarbeiten bei denjenigen Ausgaben, welche nach dem Friedensschluß zu lösen sein werden. Die fetzige Tagung des Reichstages bietet die beste Gelegenheit, eine solche sachgemäße Vorbereitung unserer Friedens- zielezu organisieren. Es wäre bedauerlich und könnte für unsere ganze- äußere und innere EntWickelung zum erheblichen Schaden gereichen, wenn der günstige Augenblick ungc- nützt bliebe."_ Gesegnet sei der Krieg! Ein tolles Stück leistet sich die„Neue S t o l b e r g e r Zeitung", das Amtsblatt der rheinischen Stadt S t o l b e r g. Das Blatt feiert in seiner Nummer vom 7. August den Krieg als„Schöpfer neuen Glückes" und schreibt u. a.: „Auch wirtschaftlich betrachtet, bringt der Krieg für viele Familien eine Gesundung. Viele sind zur Friedenszeil nie auf den„grünen Zweig" gekommen. Der Mann ist setzt im Felde, wird reichlich und gut verpflegt, gekleidet und gelöhnt, hat keine Sorgen und Not, kann»och Geld nach Hause schicken. Die Frauen und Kinder daheim er- halten Unterstützungen und haben durch reichliche Arbcitsgclegeu- heit guten Verdienst. Tausenden v o n F a m i l i e n i st e S wirtschaftlich nie besser gegangen iv i e i in Kriege. Beweis ist, daß die Sparkasseneinlagen andauernd zu- nehmen, daß gerade die„kleinen und klein st en Leute" in der Lage waren, die Kriegsanleihen initzu- zeichnen und daß selbst aus dem Felde 53 Millionen Marl KriegSanleihezeicknungen kamen. So übt der Krieg auf das Familienleben in siitlicher und wirtschaftlicher Hinsicht wohltuende Wirkungen aus, und alle schwarzseherischen Prophezeiungen von der völligen Zer- störung des Familienlebens aus der Friedenszeit sind in sich zu- sammengebrochen." Es fehlt nur noch der Wunsch, daß der Krieg 10 Jahre dauern möchte, damit sich seine„wohltuenden Wirkungen" noch vollkommener äußern. Kriegsbekanntmachungen. Pakete an Kriegsgefangene in Frankreich. Wiederholt sind Klagen laut geworden, daß Pakete an kriegs- gefangene Deutsche in Frankreich eines Teils ihres Inhalts beraubt am Bestimmungsorte angekommen seien. Mangelhafte Verpackung der Pakete ist zweifellos nicht ohne Einfluß auf die eingetretenen Verluste gewesen. Es wird daher empfohlen, die an Kriegs- gefangene abzusendenden Pakete fest in Leinwand oder dergl. einzunähen. Nach den gemachten Beobachtungen sind derartige Pakete fast ausnahmslos in gutem Zustande und mit ihrem ganzen Inhalt in die Hände der Empfänger gelangt. Letzte Nachrichten. Ein Schlagsahne-Berbot. Amtlich. Berlin. 19. August.(W. T. B.) Das Ober- k o m m a n d o in den Marken erläßt folgende Bekanntmachung. Zur Erhaltung der Bestände an Vollmilch und zur För- derung der Buttergewinnung bestimme ich hiermit für das Gebiet der Stadt Berlin und der Provinz Brandenburg aus Grund des Z 4 des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851: Der Verkaufvon Schlagsahne wird verboten. Auch die Verabreichung von Schlagsahne zu Speisen und Getränken in Konditoreien, Gast-, Schank- und Speise- wirtschaften, einschließlich der Erfrischungsräume in Warenhäusern, ist verboten. Zulässig bleibt die Verarbeitung von Schlagsahne zn Konditorwaren. Diese Verordnung tritt am 26. August 1915 in Kraft. Die Durchführung der Verordnung liegt den Orts- Polizeibehörden ob, die ermächtigt sind, im Rahmen und Sinne dieser Verordnung erläuternde und ergänzende Be- stimmungen zu erlassen. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 100 M. oder mit Haft bestraft. Der Oberbefehlshaber in den Marken. von Kessel, Generaloberst. Vernichtung eines englischen U-Bootes. Amtlich. Berlin, 19. August.(W. T. B.i TaS englische Unterseeboot E 13 ist am 19. August vormittags durch ein deutsches Torpedoboot am Südausgang des Sunde? ver- n i ch t e t worden. Ter stellvertretende Chef des Admiralstabs der Marine. gez. B e h n ck c. Meldung des türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 19. August.(W. T. B.) An der D a r- dancllenfront bei Anaforta versuchte am 18. August eine auf ein Regiment geschätzte feindliche Streitmacht einen Angriff, wurde aber mit schweren Verlusten zurückgetrieben. Sei Ari Burnn und Sedd ul Bahr Ruhe. Am Nachmittag wurde ein das Meer vor dem rechten Flügel unserer Stellung iei Sedd ul Babr überfliegendes feindliches Wasserflugzeug durch unser Geschützfeuer beschädigt, fiel ins Wasser" und wurde durch Torpedoboote abgeschleppt. Auf den übrigen Fronten nichts von Bedeutung. Gewerkschaftliches. Serlin und Umgegend. Tie �lugzeugaroeiter ersuchen um Teuerungszulage. Dieser Tage fand im Lindengarten M Jobannisrhal eine äußerst stark besuchte Versammlung aller in den Flugzeugbetrieben be- schästigten Arbeiter und Arbeiterinnen starr Der Andrang zu der Versammlung war so stark, daß der Saal deZ Lindengartens bei weitem nicht in der Lage war, auch nur einen nennenswerten Teil der Erschienenen ausnehmen zu können. Es wurde deshalb die Versammlung nach den Bestimmungen des Reichsvereinsgesetzes vom Saal nach dem Garten verlegt. Auf der Tagesordnung stand die Frage der Gewährung einer Teuerungszulage für die Arbeiter, die in den Betrieben der Flugzeugindustrie beschäftigt sind. Die Verhandlungen, die sich schon längere Zeit hinzogen, halten nur ein geringes praklijches Ergebnis. Die meisten Betriebe hatten überhaupt glatt jedwede Teuerungszulage abgelehnt. Auch der Versuch, der seitens der Arbeiterausschüsse in den einzelnen Betrssben noch am Tage der Versammlung gemacht wurde, verlief ergebnislos. Die Versammlung war angesichts dieser Talsache äußerst erregt; die verschiedenen Redner meinten, daß es denn doch eine große Rücksichlslosigkeit sei, daß der Schwierigteil, in der sich die Arbeiter- schast angesichts der Teuerung der noiwendigsten Lebensmittel und Bedarfsartikel befinde, seitens der Arbeilgeber in keiner Weise Rech- nung getragen werde, Schließlich setzte die Versammlung ihre Hoffnung aus das schon mehrfach sestgesiellle größere Verständnis der Behörden für die Nor- läge der Arbeiter und nahm einstimmig folgende Resolurion an: „Die Versammlung aller in den Flugzeugbetrieben in Johannisthal beschäftigten Arbeiter erklärt nach Kenntnisnahme des Schreibens der Arbeilgeber, toorin eine Teuerungszulage ab- gelehnt wird: Zwar ist der Tarifvertrag für die Flugzeugbetriebe erst während des Krieges abgeschlossen, aber die Preise für die not- wendigen Levensmittel und sonstigen Berbrauchsgegenstände sind in letzter Zeit wieder derartig gestiegen und steigen aller Wahr- scheinlichkcit noch weiter, daß eine Teuerungszulage dringend not- wendig erscheint. Die Versammlung ist durch die Ablehnung einer Teuerungs- zulage, mit der bestimmt gerechnet wurde, stark enttäuscht, da all- seitig angenommen ist, daß die Arbeitgeber der Flugzeugbetriebe für die schwierige Lage der Arbeiter infolge der Teuerung Verständ- nis haben würden, Die wirtschaftliche Lage der Arbeiter ist durch die Teuerung derartig bedroht, daß sie die Angelegenheit mit der ablehnenden Haltung der Arbeitgeber nicht auf sich beruhen lassen können. Die Versammlung beauftragt deshalb die Arbeilerausschüsse, nochmals an die Firmen heranzutreten, um diese zu veranlassen, der durch die Teuerung veranlatztcn schwierigen Situation der Arbeiter Rech- nung zu tragen. Sollte auch dieser Schritt kein Resultat zeitigen, werden die Arbeiterausschüsse beauftragt, sich an das Kriegsministerium zu wenden, wobei ja erwartet werden kann, im Hinblick auf ver- ichiedene Vorgänge der letzten Zeit, hier mehr Entgegenkommen zu finden als bei den Arbeilgebern," Da in der Resolution gesagt ist. daß die ArbeiterauZschüsse noch- mals versuchen sollen, sich mir den Firmen zu verständigen, wird es vom Ausgang dieses Versuches abhängen, ob die Hilfe des Kriegs- Ministeriums angerufen wird._ Im Lithographengcwcrbe hat sich in den letzten Jahren die Un- sitte herausgebildet, daß die Lehrlinge verpflichtet wurden, nach Beendigung der Lehrzeit noch ein Jahr im Lehrbetrieb weiter zu arbeiten. In der Kriegszeit sind nun einige solcher Junggesellen einfach'aus ihrem Arbeitsverhältnis gegangen, und die Firma, bei der sie beschäftigt waren, hat infolge deffen die jungen Leute vor das Gewerbegericht zitiert. Es kam ein Vergleich zustande, wonach die Beklagten je 3 M. Buße wegen Vertragbruchs zu zahlen haben. In einer am Mittwoch abgehaltenen Versammlung wurde eine Ver- pflichtung über die Lehrzeit hinaus streng verurteilt und als un- sittlich bezeichnet. In Zukunft solle einem solchen Verlangen seitens der Unternehmer ganz entschieden entgegengetreten werden. Ueber 1200 Mitglieder der Zahlstelle Berlin sind eingezogen. An Unter- stützungen wurden ausgezahlt: Mai: 1845,12 M., Juni: 2702,75 M,, Juli: 1816,50 M.— Wie der Vorsitzende feststellte, ist der Ver- sammlungsbesuch während des Krieges ein sehr guter. Der Zentral- vorstand hat eine Anregung erlassen, wo es geht, Teuerungszulagen zu verlangen, was sich durch die hohen Lebensmittelpreise reiht- fertigen lasse. Deutsches Neich. Die Mitglrederbewegung in» Verband der Sattler, die in der Zeit der höchsten Kricgskonjunttur eine steigende war, ist jetzt eine rückläufige geworden. Von der Statistik am 31. Juli wurden 13 662 männliche und 2116 weibliche Söiiiglieder erfaßt gegen 15 247 männliche und 2399 weibliche am 30. April 1915. Dabei ist die Zahl der weiblichen Mitglieder int Monat Juli um 217 gestiegen, ein Beweis, daß sich in der rückläufigen Konjunktur die billigere Frauenarbeit an Stelle der teureren Männerarbeit festzusetzen be- ginnt, wenn natürlich auch die Zahl der Einberufungen an der Zunahme der Frauenarbeit beiträgt. Seit der ersten KriegSstanstik vom 28. August 1914 hat sich immerhin die Zahl der männlichen Mitglieder von 9961 auf 13 662, die der weiblichen sogar von 978 auf 2116 erhöht. Der Beschäftigungsgrad der Mitglieder kann trotz des Rückgangs noch als zufriedenstellend bezeichnet werden. Neben 13 172 männlichen und 1945 weiblichen vollbeschäftigten Mit- gliedern wurden 152 bzw. 139 Arbeitslose gezählt. 237 Mit- glieder arbeiteten verkürzt, 119 bzw. 32 waren krank. HuslanS. Streik der Militärschncider in Basel. In der Militärfchneiderei von Settelen in Basel haben zwanzig unorganisierte Schneider die Arbeit eingestellt und verlangen eine bessere Arbeitsordnung, besiere Behandlung durch den Kontrolleur und bessere Bezahlung der Arbeiterinnen, die nur die Hälfte des Lohnes der männlichen Arbeiter für die gleiche Arbeit erhallen. Ms öer Partei. Erklärung. Zu der vom Genossen Liebknecht im Reichstag eingebrachten kleinen Anfrage stellt die Fraktion fest: 1. Am 8. Mai 1912 hat die Fraktion folgenden Beschluß ge- faßt:„Bezüglich der„Kleinen Anfragen" wird beschloffen, daß die Genossen, welche solche stellen wollen. diese vorher zur Kenntnis des Fraktionsvorstandes bringen sollen, wenn nicht Gelegenheit und Zeit gegeben ist, sie in d e r F r a k l i o n s- s i tz u n g zur Kenntnis zu bringen. Hat der Fraklionsvorstand gegen die Stellung einer Frage Bedenken, so soll eine besondere Fraktions- sitzung anberaumt werden," 2. Entgegen diesem Beschluß hat Liebknecht von seiner Absicht der Einbringung dieser„Anfrage" dem Fraklionsvorstand keine Kenntnis gegeben, sondern unterm 31. Juli ihm mitgeteilt, daß er diese Anfrage beim Reichstagsbureau eingereicht habe. Liebknecht hat ferner jeden Versuch, diese Angelegenheit bis zur Fraklionssitzung zurückzustellen, vereitelt, obgleich ihm bekannt war, daß die Fraktion sich mit derselben Angelegenheit befassen werde, und obgleich in der materiellen Behandlung der Anfrage dadurch weder eine Aenderung noch eine Verzögerung eingetreten wäre. Gerichtszeitung. Ter streit wegen der Brotkarte. seit einiger Zeit mehren sich die Fälle, in denen streitig- keiten zwischen Wirt und Mieter- wegen der Brotkarten zu einem gerichtlichen Strafverfahren fuhren. In fast sämtlichen Fällen sind es Hausbesitzer, welche auf der Anklagebank Platz nehmen müssen, da sie infolge älterer Differenzen mit einem ihrer Mieter sich bei der Ausgabe der Brotkarten gewisse Rechte angemaßt hatten, um den Mietern gegenüber einen „Trumpf" auszuspielen, zu denen sie nach der Magistrats- Verordnung gar nicht befugt waren. Die Folge ist, daß die benachteiligten Brotkartenempfänger unverzüglich Anzeige bei der Polizei efftatten. Ein besonders typischer Fall, in welchem der betreffende Mieter 6bis7Tageauf seine Brotkarte warten mußte, hat ein Strafverfahren nach sich gezogen, welches gestern die Ferienstrafkammer des Land- gerichts I unter Vorsitz des Geh. Justizrats Dr. H ö p k e be- schäftigte. Wegen Vergehens gegen die Magistratsverordnung betreffend die Ausgabe von Brotkarten war der Ingenieur Mar K ü n z e l angeklagt. Der'Angeklagte, dessen Eheftau Eigentümerin des Grund- stücks Metzer Straße 8 ist, war mit einem der Mieier, dem Löst- Händler Kuske, der selbst Hauseigentümer und zurzeit eingezogen ist, wegen der Brotkarten in Differenzen geraten. Wie K. als Zeuge bekundete, habe ihm der Angeklagte niemals rechtzeitig die Karten zur Verfügung gestellt. Wenn er sich die Karten habe ab- holen wollen, so sei Künzel nicht zu Hause gewesen, so daß er wiederholt 6 bis 7 Tage ohne Brot gewesen sei. Wie der Zeuge früher angegeben hatte, sei dies offenbar auf eine Schikane des Angeklagten zurückzuführen. Um diese Streitigkeilen aus der Welt zu schaffen, ordnete der Magistrat an, daß sich Kuske von nun an die Brotkarren am Tage der Ausgabe von dem Angektagren abholen lassen könne. Am 1. Mai schickte K. seinen 15jährigen Sohn mit der Monatsmiete von 375 M. und einem Schreiben, in welchem er um Herausgabe der Brotkarten bat, zu dem Angeklagten. Die allein anwesende Ehefrau nahm zwar die Miete in Empfang, ver- weigert�sedoch die Herausgabc der Brotkarten, die in mehreren Pakete�auf dem Schreibtische lagen, mit dem Hinweise, daß sich K. die Karten selbst abholen müsse. KuSke wandte sich nun direkt an die Brotkommission mit dem Hinweise, daß er nicht verpflichte! sei, selbst zu kommen und darauf zu warten, bis Künzel zufällig zu Hause sei. Als der Beamte der Kommission bei dem Ange- klagren erschien, um die Broikarten für Kuske abzubolen, um sie diesem zu überbringen, verweigerte er die Herausgabe mit dem Einwand, Ä. müsse sich die Karten selbst holen. KuSke wandte sich nun an die Polizei, welche das vorliegende Strafverfabren ein- leitete. Das Schöffengericht hielt es für angebracht, aus eine exem- plansche Strafe zu erkennen, da es sich offenbar um einen jener Fälle handele, in denen ein Hauswirt versuche, aus Grund seiner Befugnisse einen Mieter zu malträtieren. Das Urteil lautete auf 100 M. Geldstrafe. Gegen dieses Erkenntnis legte Künzel Be- rusung ein. Das Gericht hielt auch die erkannte Strafe für an- gemessen und verwarf deshalb die Berufung auf Kosten des An- geklagten._ Allgcmeiue Famitieniterbekasse. und Aufnahmetag von 3— 6 Uhr iv und Buckower Str. 14. Sonntag, den 22. August: Zahl- � Restaurant Gerichtstraße 12/13 dU�erUmm Leipziger Straße Köaigstraße Roseiithaler Straße Moritzplatz sH Soweit Vorrats Fisch© /tdilUcjjC. JüsbemmlUel Kakeijau in ganz. Fischen, Pfund 40 Pf. Seelachs in ganz. Fischen, Pfund 40 Pf. Schellfische____ Pfund 30 u. 50 Pf. Bratschollen........ Pfund 35 Pf. Rotzungen......... Pfund 55 Pf. Klippfische......... Pfund 48 Pf. Lebends SGiiuppen-Xarpfon.. Pfund95 Pf. Lebende Schleie.... Pfund 1.35 Lebende Aale Pfd. SSPkl.SO 150 Hancgierwaran Kieler Bücklinge..... stück 10 Pf. Sprott-Bücklinge____ Pfund 75 Pf. Ählbecker Flundern.. Pfund 80 Pf Aale.............. Bund 48 Pf, Geflügel Gänse....... Pfund 1.20 u. 1.35 Suppenhühner. Pfund 1.70 u. 1.90 Junge Hühner. Pfund I.SO u 2 m. Tauben....... stück 65 u. 95 Pf. Butter u. K8se Tisch-u.Tafe!butterp!d.1.96u.1.98 Va Pfund-Pakete...... 98 u. 99 Pf. Landbutter gesalzen... Pfund 1.7Ä Holländer Käse..... Pfund 1.20 Edamer Käse....... Pfund 1.15 Spitz-Käse......... stück 10 Pf Harzer Käse.. Kiste 100 stück 3.10 Frisches Fleisch Soweit Vorrats S$hS-ft@ft3eiS€h...... Pfund 1 M. de. ohne Knochen, Pfund 1.10 R@3Sibeef mit Knochen. Pfund 1 M. RiltCSeff Üet im ganz, unausgesch,, Pfd. 1.25 Rintierkamm...... pwnd 90 pf. Rinder-Querrippe. Pfund 85 Pf. Gehacktes Fleisch. Pfund 95 pf. Gulasch............ Pfund 95 Pf. Hammelkeule im ganzen pfd 1.30 Hammelrücken im ganz.pfd. 1.30 Hammel dicke Rippe pfd 1.25 Hammeldünnung.. pwnd 1.20 Pökelrinderzunge. pwnd 1.20 Obst und Gemüse Große Kochäpfel. 2 ptund 35 Pf. Kochbirnen pfd, 12 Pf.. 3 pwnd 20 Wiiiiamsbirnen____ pwnd 25 Pf. S�alvesierbimen. 2 Pfund 25 Pf, Weiche tcßbirnen.. pmnd 13 pf Zitronen........ Dtzd. 65 85 pf, Tomaten........... pfund 28 Pf. Frische Maißkolbensstck Neue Kartoffeln. 10 pwnd Rot- u. Weißkohl.pwnd Wärsingkohl....... pfund Kohlrabi........... Pfund Frische Gurken____ pwnd Grüne Bohnen____ pwnd 30 pf. 60 Pf. 7 pf. 8 pf, 6 pf. 6 pf. 15 Pf. Salzfische Kopf- oder Schwanaitück in ganzen Fischen Millelstück Kostproben 11— 1 und 5— 7 Uhr... Pfund Pf. Pf. Verkaufsstelle der Zentral- Einkaufs- Gesellschaft PI. Freitag und Sonnabends Kolonialwaren Victoria-Erbsen____ Pfund 60 Pf. neue Ernte, Pfund 68 Pf. Kartoffelmehl____ pwnd 30 pf. Maismehl.......... Pfund 45 pt. TapiOkam®h§ zur Bereitung von Speisen, Saucen, Kuchen usw., Pfund 38 Pf. Bananenmehl zur Bereitung von Speisen. Suppen usw.... Pfund 58 Pf. Olympia-Bouillon-Würfel Dose 10 Stck. 20 Stick SO Stick 100 Stck. 500 Stick 30 Pf 58 Pf 1.35 2.90 14 m Hühner-Bouillon- Würfel Dose 10 Stck. 20 Sljick SO Stuck 100 Stück 500 Slück "35 Pf, 68 Pf. 1.60 3.10 15 m Suppen auf böhmische Art: Ochsen-Nieren-, Hühner-, Rindfleisch-, Jäger-, Eiereinlauf-, Leber-, Scholen mit Kalb-__ fleisch-, Schinken-Suppe.. 5 Pakete 5ö Pf. Wurstwaren Zervelatwurst...... Pfund 2.30 Rollschinken 6-8 Pfund, Pfund 2.55 Wlausschinken 2-3 Pfd., Pfund 2.50 Jagdwurst......... pfund 1.80 Landleberwurst..... Pfund 1.40 Rotwurst..... Pfund 1.20 1.60 Ständiger Verkaufs Feldpost-Artikel Dose 85 PL Jägersalat Fleischsalat Delikateß-iülze Ochsenmaulsalat Feldpostbriefe m. Wurst u. Schinken in verschiedenen Preislagen Marmelade verschied. Geschmack., Tube 7 5 Pt. Rotweinwürfel kalt u.■»arm zu läsen IOpL Backobst sehr erfrischend v, Pfd.-Kart 90 Pf.. 1 Pfd-Kart. 1.70 Labetrunk Mit Zitronengeschmack für 5 Gläser............ 25 Pf. Sprudel.Brause-LimonadeDtz.SO Pf. Deutscher Pfefferminzgeist „Frischluft" in Wasser und auf Zucker zu genieCen, lindert Kopfschmerzen und desinfiziert Mund. und Zähne.............. S M. Pfefferminz-Tabletten Paket 5 und 10 Pf. Erfrischungs- Mundtabletten m.Zitronengeschmack, Dose 50 Pf. u.1 M. Pudding genußfertig, mit Vanille, Schokolade, Mandel, Zitrone__ und Mokka-Geschmack. Dose Oll Pf. '■ Beramw. Redakt.: Alfred Wielcpp. Neukölln. Inseratenteil verantw. Tb. Glocke. Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt Pauf-oingcr u.Eo.. Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u. Untcrhaltungsbl. m a mm,, i. fifiliijf iits Joriniirli" Krlim Wsbklt.»»»--*■> Nirtschaftsfragen vor der Budgetkommission. ?ic Kommission führte am Donnerstag zunächst die Besprcch- ung der B a u m m o l l f r a g e zu Ende. Schisser(Z.). wies nach, daß es eine Unmöglichkeit sei, die Tcrtilarbeitcr in anderen Gegenden in größerer Zahl unterzu- bringen. Es muß verlangt werden, daß die Militärverwaltung in weitgehendstem�Maße für Arbeitsgelegenheit sorgt. Abg. Zücket(soz.i polemisiert gegen den Abg. stresemann, der für den Wunsch der Unternehmer eingetreten ist, die Arbeiter an die Scholle zu fesseln. Den Unternehmern liegt daran, sich die Arbeitskräfte zu erhalten. Die Unternehmer haben während des .Krieges enorme Prositc erzielt; sie hätten die moralische Pflicht, die Arbeiter zu unterstützen. Der Textilarbeiierverband wirkt auf die Arbeiter ein, sich nicht ablehnend zu verhalten, wenn sie ander- wärts Arbeit erhalten können. In Sachsen rechnet man mit te-OOOO Arbeitslosen, die mit ihren Angehörigen 500 000 Menschen bedeuten. Man wird einen Teil der Arbeiter nach anderen Ge- bieten schaffen müssen. Ter Widerstand der Unternehmer gegen den Fortzug der Arbeiter ist nicht berechtigt. Ein großer Teil der Tcrttlarbeitcr ist infolge der Unterernährung überhaupt nicht in der tlage, schwerere Arbeit zu leisten. Seit Monaten wird in den Tcrtilbetricben nur einige Tage in der Woche gearbeitet. Tie Lage dieser Arbeiter ist kümmerlich. Die Heimarbeiter muß nian freilich am Orte lagen; sie müssen unterstützt werden. Piek sächsische Gemeinden haben den Arbeitslosen keiner- I c i Hilfe gewährt. Es müssen Grundsätze geschaffen werden, durch welche eine einheitliche Unterstützung gewährleistet wird. Damit ist die Aussprache erledigt und die Kommission wendet sich wieder den Ernährungsfragen zu. Abg. Roesicke(Bund der Landwirte) versucht den Nachweis zu erbringen, daß die Landwirtschaft ganz gewaltige Opfer gebracht habe. Redner erörtert dann die Höchstpreise, die er teils für nicht genügend, teils für überflüssig hält. Bon den organisa- torischcn Maßnahmen, wie sie von der Sozialdemokratie verlangt werden, sei nicht viel zu erhoffen, dagegen wäre es richtig, den Gemeinden die Befugnis zu erteilen, die Preisbildung zu beauf- sichtigen. Wenn in Berlin große Futtcrvorräte aufgestapelt sind, so sei das offenbar nur aus Fürsorge geschehen. Wie man be- bauptcn könne, die Gctrcideprcise seien zu hoch, sei ihm absolut unverständlich. Die Preise in England seien höher als bei uns. Der O-Boot krieg habe diese Wirkung gegen England erzielt, deshalb müsse er wesentlich verschärft werden. Wenn die Landwirte heute Geld haben, dann nur, weil sie Teile ihres leben- den Inventars verkauft und damit ihr Kapital in Wirklichkeit ver- mindert haben. An den hohen Mehlprcisen sei die Landwirtschaft absolut unschuldig. Tie kleinen Mühlen sollte man unterstützen; sie arbeiten billiger als die profitfaugcnden Großmühlcn. Ru- m ä n i c n gegenüber möge man sich ablehnend verhalten, bis die hohen Gebühren beseitigt sind. Gegen eine Aufbesserung der Bezüge der Familien der Kriegsteilnehmer sei nichts einzuwenden; am meisten geschädigt sind die Familien jener An- Lestellten, die mit der Einberufung ihr Gehalt verloren haben. Staatssekretär Delbrück weist auf die Flut von Anträgen hin, die eine gründliche Beratung sehr erschweret- Auf Einzelheiten könne sich die Regierung nicht festlegen. Einigkeit bestehe jedenfalls darüber, daß ein weitere» Steigen der Preise verhindert werden muß. Bei Festsetzung der Preise müssen die gesteigerten Produk- ttonskostcn berücksichtigt werten. Für eine allgemeine Beschlag- nähme kann sich die Regierung bei der Verschiedenheit der Waren nicht erklären. Die Beschlagnahme kann immer mir den Aus- nahmefall bilden. Ter Ahg. W uw m habe infolge seiner Tätigkeit in der Berliner Kommunaiverwaltung gewiß große Erfahrungen; seine Vorschläge scheitern zum Teil aber doch an der praktischen Unmöglichkeit. Ein Gesetzentwurf, der den Gemeinden größere Rechte zugesteht, ist in Vorbereitung. Im übrigen werde die Re- gierung den geäußerten Wünschen jede Beachtung schenken. Zur Beratung stand in der Sitzung vom Donnerstag die An- regung des Präsidiums, den Kommissionen des Reichstages das Recht zu geben, ihre Sitzungen auch gegenüber anderen Mit- gliedern des Reichstages für geheim zu erklären. Ter Berichterstatter Abg. Dr. Müllcr-Meiningen fFortschr. Vp.) berichtet, so wird dem„Berk. T a g e b l." geschrieben, ein- gehend über den Anlaß, die bisherige Praisis de? Reichstages und die einschlägigen Bestimmungen der Geschäftsordnungen der Par- lamcnte des Inlandes- und Auslandes. Er gab die Gefahr des bisherigen Zustandes zu, legte aber auch die prinzipiellen und ver- fassungsmäßigen Bedenken eingehend dar und warnt vor einer Gesetzgebung ab irato. Doch sei unter sachlichen und formellen Kautelcn eine Reform der Verhältnisse, vor allem im Interesse der Landesverteidigung, wohl diskutierbar. Man solle die An- gelegenheit bei der allgemeinen Reform der Geschäftsordnung bc- rücksichtigen, jetzt sei eine sofortige Entscheidung unmöglich. Ein Zentrumsrcdner legte auf das sachliche Jnformationsrccht der Abgeordneten in kontradiktorischer Form das Hauptgewicht und war wohl geneigt, nach genauer Prüfung der Frage eventuell einer solchen Aendcrung zuzustimmen. Isoliert diese Bestimmung der Geschäftsordnung zu ändern, sei aber nicht unbedenklich, es müßten dann auch andere Bestimmungen geändert werden. Auch dieser Redner fordert Kautekn, und hält es für besser, später im Zusammenhang mit anderen Reformen diese Angelegenheit zu beraten. Ein sozialdemokratischer Redner warnt unter voller Miß- billigung des letzten Anlasses vor einer Aenderung der Geschäfts- ordnung.— Ein nationalliberaler Abgeordneter erkannte die großen Gefahren einer solchen Aenderung der Geschäftsordnung an und verlangte ernste Kautelen für einen solchen Beschluß, der die Oeffentlichkeit ausschließt; vor allem auch gegenüber den Kam- Missionen des Bundesrats. Jetzt die Sache zu entscheiden, sei un- möglich. Der konservative Redner schloß sich dem an. Je mehr man die Sache überlege, desto größer würden die Bedenken erscheinen. Die Sache müsse also sorgfältig vorbereitet Iverden. Schließlich wurde als einstimmige Meinung festgesetzt, daß die Frage im Rahmen der Gesamtrcvision der Geschäftsordnung geprüft und eventuell miterledigt werden soll. HeschäftsorünungskommiPon des Reichstags. Abg. Gicsberts schließt sich in der Hauptsache der von den Sozialdemokraten geübten Kritik an. Große Erbitterung hat die Ausfuhr von Obst geschaffen. Das deutsche Obst war in Brüssel billiger als in Köln. Die wirtschaftliche Lage der Kriegerfamilien ist so mißlich, daß es dringende Pflicht ist, hier helfend einzu- greifen. Abg. Fegtcr(Fortschr.) erkennt an, daß die Reichsregierung auf dem rechten Wege war, als sie den Preistreibereien entgegen- trat. Trotzdem sind die Preise noch immer derart hoch, daß ihnen jede Berechtigung zu bestreiten ist.— Redner polemisiert gegen die agrarische Presse, die mit ihren aufreizenden Artikeln das Volk beunruhige. Tie Regierung müsse sofort Maßnahmen zur Sicherung der Kartofsclvorräte ergreifen. Die Hülsenfrüchte sind dcrarr teuer, daß die Festsehung von Höchstpreisen dringend er- forderlich ist. Wenn man für Braugerste keine Höchstpreise fest- setzt, dann wird einfach jede Art Gerste als Braugerste auf den Markt gebracht. Für einen erheblichen Teil der Land- Wirtschaft war der Krieg ein glänzendes Ge- schüft. Abg. v. Trampezynski(Pole) findet, daß zuviel Verordnungen erlassen worden sind. Die ineisten Matznahmen haben sich als völlig verfehlt erwiesen. Den Müllern hat man Hunderte von Millionen in die Taschen gejagt. Nur hohe Getreideprcise vermögen zu ver- hindern, daß Getreide verfüttert wird.' Die Kriegs-Getreide- gesellschaft soll ihr Augenmerk darauf richten, die Mehlpreise zu verbilligen. Abg. Fischbeck(Fortschr.) bespricht die Organisation der Kriegs- Getreidegesellschaft. Als die Agrarier mit ihren Wünschen im Reichstag nicht durchdrangen, haben sie einen Vorstotz�im preußi- schen Landtag unternommen und dort ihr Ziel zum Teil erreicht. Auf diese Art haben sie einen bedenklichen Einfluß auf die Reichs- Getreidestelle erlangt. Die finanzielle Beteiligung der Landwirt- schaft mit 20 Millionen Mark ist von Preußen vorgestreckt worden. Es besteht die Befürchtung, daß den Städten das Mehl verteuert wird im Gegensatz zu den selbstwirtschaftenden Bezirken des flachen Landes. Die Kommiffionsgebübren mit 6 M. sind zu hoch, sie müssen gleichmäßig auf 4 M. herabgesetzt werden.— Redner stellt dann fest, daß die Städte sehr viel an Kriegsfürsorge ge- leistet haben; in ihrer Bewegungsfreiheit werden sie aber unge- mein eingeengt. Die Militärverwaltung hat mit ihren Anord- nungen sehr viel gesündigt. Die Jntendanturen�verhindern mit ihren Ausfuhrverboten für Heu die Zufuhr von Schlachtvieh nach den Städten. Wenn das so weiter geht, dann müssen die Schlacht- viehmärkte geschlossen werden. Die in den besetzten Gebieten ge- schaffenen Verkaufs-Syndikate haben die deutschen Städte direkt bewuchert. In den Gebieten der Kriegsindustrie leiden lveniger die Arbeiter als vielmehr der Mittelstand. Nächste Sitzung Freitag. Verlustliften. Die Verlustliste Nr. 305 der preußischen Armee enthält Verluste folgender Truppen: Infanterie usw.: Garde: 2., 3., 4. und 5. Garde-Reg. z. F.; 2. Gardc-Res.-Reg.; Gren.-Regimenter Alexander, Franz, Elisabeth und Nr. ö; Garde-Füs.-Rcg.; Garde-Jäger- und Gardc-Rcs.-Jäger- Bat.; Garde-Schützen-Bat.(s. Jnf.-Reg. Nr. 330); Garde-Res.- Schützen-Bat. Lchr-Jnf.-Rcg. Gren.-, bczw. Inf-, bezw. Füs.- Regimenter Nr. I, 2, 3, 0 is. Jnf.-Reg. Nr. 331), 9, 16, 22, 26, 30, 34, 41. 43, 49. 51. 52, 54, 56 bis einschl. 60, 62. 63, 64. 66. 67, 68, 70, 72(s. auch Jnf.-Reg. Nr. 361), 73, 76, 77, 79, 80 (s. Jnf.-Reg. Nr. 365), 81, 84, 86, 87(s. auch Besatz.-Bat. St. Ouentin), 89. 90, 91, 92, 93, 95 bis einschl. 99, 109, 112, 113, 115, 117, 131, 135, 138, 142, 147(s. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 93), 148, 149, 152, 157, 158, 159, 160, 162, 164, 165, 167, 168, 170, 171, 175 ls. auch Jnf.-Reg. Nr. 343), 176, 186, 330, 331, 333, 343, 358, 359. 361, 362, 363, 364, 365, 368, 369, 370, 37.. Res.-Jnf.-Regimenter Nr. 1. 8, 10(s. auch Ers.-Jnf.-Reg. Nr. 9). 12, 18, 20. 21(s. Ers.- Jnf.-Reg. Leimbach-Zercncr), 22, 23, 24, 28, 30, 49(s. Ers.-Jnf.- Reg. Leimbach-Zerener), 52, 53, 55, 56, 57, 59, 60, 61, 65, 67, 71, 74. 76, 77, 78, 79, 81, 82. 83, 86, 88, 91. 93, 94, III, 203, 208, 213, 2 16, 217, 219, 221, 223, 224, 225, 227, 228, 232, 233, 236, 237, 253, 254, 257, 272. Ers.-Jnf.-Regimenter Nr. 9, 29, Königs- berg Nr. 3, Leimbach-Zerener und V. Nußbaum. Res.-Ers.-Jnf.» Regimenter Nr. 1 und 4. Landw.-Jnf.-Regimenter Nr. 2, 4, 5, 10(s. Ers.-Jnf.-Reg. Nr. 9), 18, 19(s. Jnf.-Reg. Nr. 331 und Ers.- Jnf.-Reg. v. Nutzbaum), 25, 26, 28, 51, 53, 57, 61, 66. 68, 71, 74, 75, 80, 81, 84, 93, 99, V. Gundlach(f. Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 93). Landjt.-Jns.-Reg. Nr. 20. Bat. V. Bredow aus Thorn(s. Ers.- Jnf.-Reg. Leimbach-Zercncr). Brig.-Ers.-Bataillone: Nr. 5(siehe Jnf.-Reg. Nr. 358), Nr. 12(s. Jnf.-Reg. Nr. 359), 15, 16(beide s. Jnf.-Reg. Ztr. 361), 26, 27«beide s. Jnf.-Reg. Nr. 369), 29(siehe Jnf.-Reg. Nr. 363), 35(s. Jnf.-Reg. Nr. 362). 37(s. Jnf.-Reg. Nr. 368), 41, 42 lbeide s. Jnf.-Reg. Nr. 365), 44(s. Jnf.-Reg. Nr. 371), 49 ls. Jnf.-Reg. Nr. 365), 50(s. Jnf.-Reg. Nr. 358), 55, 79 (s. Jnf.-Reg. Nr. 370), 81(s. Jnf.-Reg. Nr. 3621, 83 Reg. Nr. 364). Landst.-Jnf.-Bataillonc: Biberach, I Frankfurt a. O., II Posen, I Wesel. Landft.-Jnf.-Ers.-Bataillone: 5. Saar- louis, Weilburg a. L., 7. des 4. und 2. des 20. Armeekorps. Be- satzungs-Bat. St. Ouentin. Jäger-Bat. Nr. 11; Res.-Bataillone Nr. 19 und 24. Garde-Maschinengewehr-Abt. Rr. 1(s. auch Garde- Jäger-Bat.); Maschinengewehr-Abt. Nr. 7; Ers.-Maschinengewehr- Abt. des 16. Armeekorps; Feld-Maschinengewehr-Züge Nr. 91, 104 (beide s. Res.-Jäger-Bat. Nr. 19), 102 ls. Gren.-Reg. Nr. 89), 116 (s. Jnf.-Reg. Nr. 77), 166(s. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 228), 148, 203, 264, 265 lalle vier s. Landst.-Jnf.-Reg. Nr. 20); Festungs-Maschinengewehr-Abteilungen Nr. 2(Thorn) und 5(Posen). Kavallerie: 2. Garde-Ulanen; Dragoner Nr. 24; Husaren Nr. 9; Ulanen Nr. 2, 6, 8; Res.-Ulanen Nr. 2; Jäger zu Pferde Nr. 11; Res.-Abtcilungen Nr. 46 und 49. Feldartilleric: 3. Garde-Reg.; Regimenter Nr. 11 und 24; Res.-Regimenter Nr. 9, 13, 16, 19, 22. Futzartillerie: 1. Garde-Reg.; Regimenter Nr. 1, 7, 10, 11, 13, 18; Res.-Regimenter Nr. 1, 2, 6, 20; Res.-Batl. Nr. 36; Landw.- Bataillone Nr. 15 und 20; Batterien Nr. 214(Schwere Feld- Haubitzen) und 263; Mörser-Batl. Königsberg. Pioniere: 3. Garde-Bat.; Versuchs-Komp.; Regimenter Nr. 20, 24, 25, 29; Bataillone: I. Nr. 5. I. Nr. 6. I. Nr. 9, I. Nr. 10, I. Nr. 16, I. Nr. 28; Komp. Nr. 108; Res.-Komp. Nr. 45. Kadettenhaus in Karlsruhe(s. Brig.-Ers.-Bat. Rr. 55). -l-* * Die württembergische Verlustliste Nr. 245 bringt Ver- luste des Ers.-Jnf.-Reg. Ztr. 51; Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 121; Füs.- Reg. Nr. 122; Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 123; Jnf.-Reg. Nr. 124; Berichtigungen früherer Verlustlisten Ms Groß-öerlin. ftuf Lanüagitation. Am Sonntag zog ich hinaus auf Landagitation. Von der Sonne lvar an diesen« Tage gar nichts zu bemerken. Der Regen prasselte nieder. Der Wind trieb ihn seitwärts daher, so daß selbst der beste Regenschirm die völlige Durchnässung nicht hindern konnte. Aber das stört die gute Stimmung nicht. Ich denke der Brüder draußen im Felde, die Härteres zu erdulden haben. Störend greift Menschenwerk und-tun in die Stimmung hinein. Da sind die Verbindungen. Man hat alles so gut berechnet. Aber plötzlich bleibt die Elektrische flehen, rückt und rührt sich nicht, Schaffner und Fahrer früh- stücken in aller Unschuld— sie sind auch unschuldig, denn sie warten auf die Verbindung, die nicht kommen will. Endlich nach zehn Minuten kommt sie; gerade recht, um zwei Minuten die andere Verbindung mit der Bahn zu versäumen. Dreiviertel Stunden lang dauert es, bis der nächste Zug kommt. Der Bahnsteig mit der schützenden Wartehalle ist fein säuberlich abgeschlossen, im Regen laufe ich auf der Straße hin und her. Endlich kommt der Zug und führt mich zur nächsten Station, wo die Kleinbahn ab- geht. Die Kleinbahn fährt unterm Kriegszustand. Der Zug war vor zehn Minuten abgegangen, der nächste fährt vier Stunden später. Und um Uhr erwarten mich die Genossen.. Es ist schon%9 Uhr. Also den Weg zwischen die Beine ge' nomnien. Durch den Villeuvorort geht es. Die Villen liegen grämlich in den tropfenden Gärten. Was nützt es, Villa zu sein, wenn die Sonne nicht scheint. Die Straße zieht durch ein den Eindruck der Wohlhabenheit machendes Dorf mit einem großen Gut. Hinter dem Dorf links ein langes und breites Kartoffelfeld, rechts stehen Rüben. Ein Trupp russischer Gefangener begegnet mir. Wie gleich sind sich doch die Menschen. Derselbe Regen klatscht auf sie, auf ihre Wächter und mich hernieder. Und wahrhaftig— sie lachen mich aus, weil ich trotz meines Regenschirmes nicht trockener bin als sie. Von ferne winkt mir durch graue Schwaden mein Ziel- ort. Ich stapfe drauf los. Das Wasser platscht in den Stiefeln. die Hose klebt am Bein, die Nase tropft, der Hut tropst, den Rockärmel kann ich auswringen. Nach einer guten Stunde bin ich am Ziele, einem altertümlichen Landstädtchen. Die Genossen haben geduldig gewartet; freudigst werde ich begrüßt. Drei Stunden lang sitze ich mit ihnen im ernsten Gespräch beisammen. Ich wünschte, so mancher könnte hören, was ge- sprachen wird, so mancher könnte hier erfahren, was ersehnt wird. Geht mir mit der Flatterivarc, die heute auf dem Markte der öffentlichen Meinung ausgeboten wird! Hier aber waren die Kräfte zu spüren, aus denen heraus die große Zukunft des Volkes geboren wird! Viel habe ich geivonnen in den drei Stunden des Zu- sammcuseins mit den Genossen. Leichte Schatten, die auf dem Gcmütc lagerten, sind zerschmolzen. Als ich mit ein paar Genossen wieder durch den strömenden Regen zur Bahn zurückgehe, ist mein Herz erfüllt vom Willen, nicht abzu- lassen von unseren sozialistischen Idealen. Die Kindcr-Lärmschutzwchr. Uns wird geschrieben: Viele schulpflichtige Kinder sind seit Jahresfrist außer Rand und Band. Man gönnt gewiß den Kindern alles Gute und ist mit Recht bestrebt, ihnen zum ruhigen, Harm- losen Spielen immer weitere und bessere Gelegenheiten zu schaffen. aber die zeitgemäße jugendliche Kriegsbegeisterung darf nicht zum dauernden Unfug ausarten. In Treptow ist der fürchterliche Lärm, den dort seit Monaten in den Wohnstraßen trotz der unmittelbaren Nähe des Treptower Parkes und dcS Plänterwaldes namemlich die Schüler der unteren Klassen des Realgymnasiuins täglich verüben, zu einem derartigen Mißstand ausgewachsen, daß die Anwohner, nachdem alle Ermahnungen nichts fruchteten, sich veranlaßt gesehen haben, Bc- schwerden an den KreiSIandrat, an den Treptower BürgermeisterSchablow an den Grundbesitzerverein und an den Direktor des Treptower Realgymnasiums zu richten. Die häusliche Erziehung scheint jetzi hier, zumal«venu der gestrenge Vater im Felde steht, völlig zu ver- sagen. In anderen Vororten soll der Lärmunfug und anderer Unfug, besonders von Schülern der höheren Lehranstalten, einen ebenso unangenehmen Umfang angenommen haben. Johlend und brüllend ziehen stundenlang ganze Scharen durch die Wohnsiraßen, so daß von Wahrung der öffentlichen Ruhe gar keine Rede mehr sein kann. Es ist in Treptow vorgeschlagen worden, aus vernünftigen Schülern der Oberklassen eine„Lärmschutzwehr" zu bilden. Diese jugendlichen Lärmschutzpolizisten sollen, nach dem bewährten Beispiel einer ähnlichen Einrichtung auf den Ferienspiclplätzen, die noch jüngeren Radauhelden zur Ruhe ermahmen und nötigenfalls fort- gesetzt Zuwiderhandelnde bei der Schule zur Anzeige bringen. Das wirkt dann neben der Furcht vor Bestrafung selbsterzieherisch. Weiterhin ist bei den Behörden beantragt worden, das Be- fahren der Bürgersteige mit Rollschuhen und«nit den die Fußgänger schwer belästigenden sogenannten Selbstfahrern sowie den Gebrauch der gänzlich überflüssigen durchdringenden Hupen an diesen Selbst- fahrern zu untersagen. Das aus Frankreich herübergekommene berüchtigte Lärminstrument„Cri-Cri" wurde vor einigen Jahrzehnten ebenfalls allgemein verboten._ Zur Beschlagnahme von Metallgegenständsn. Um Zweifel über die Verordnung vom 31. Juli 1915 über Kupfer-, Messing- und Nickelbeschlagnahme zu bejciti- gen, hat das Oberkommando eine Nachtragsverordnung er- lassen, zu der folgendes zu bemerken ist: Altmaterial, das bereits an Händler, Handlungen usw. abgegeben war, ist von der freiwilligen Ablieferung an den Saminelstellen gänzlich ausgeschlossen. Unter Altmaterial sind nicht mehr gebrauchsfähige Gegenstände zu verstehen. bei denen sich die Aufwendung von Ausbesserungskosten offensichtlich nicht inchr lohnt. Gegenstände jedoch, die ledig- lich durch Beseitigung der Beschläge aus Eisen, Holz und der- gleichen zum Zwecke der freiwilligen Ablieferung gebrauchs- unfähig gemacht worden sind, fallen nicht unter den Begriff Altmaterial. Von NichtHändlern kann Altmaterial nur zu den durch das Höchstpreisgesetz festgelegten Preisen von 1,79 M. für Kupfer, 1 M. für Messing und 4,59 M. für Reinnickel an- genommen werden. In Rücksicht auf den erfreulichertveisc nock) immer starken Andrang bei all den vielen Annahmestellen Berlins ist Alt- Material augenblicklich noch nicht abzuliefern. Mit der Ab- nahine auch dieser Gegenstände wird begonnen werden, sobald der Andrang etwas geringer geworden ist. Es werden bei der freiwilligen Ablieferung zu den be- kannten Uebernahmepreisen von 4 M., 3 M. und 13 M. bezw. 2,89 M., 2,19 M. und 19,59 M. außer den in der Verordnung vom 31. Juli 1915 genannten beschlagnahmten Sachen nur noch die folgenden nicht der Beschlagnahme unterworfenen Haushaltungsgegenstände angenommen werden: Tee-, Kaffee, und Milchkannen, Kaffee- und Tee- Maschinen, Samoware, Zuckerdosen, Tceglashalter, Me- nagen, Messerbänke, Zahnstochergestelle, Tafelaufsätze aller Art, Tafelgeschirre, Rauchservice, Lampen, Leuchter, Kronen, Plätten, Nippessachen, Thermometer, Schreibtisch- garnituren, Bettwärmer, Badeöfen. Besonders wird noch darauf hingewiesen, daß Tür- klinken, Fensterriegel, Metallabfälle und-späne. Gas- und Wasserhähne, Gardinenstangcn, Treppenläuserstangen gegen Bezahlung nickt abgenommen werden. Türen an Kachelösen, Kochherden und Kochmaschinen, die beschlagnahmt sind, wer- den nur dann abgenommen, wenn sich der Einlieferer als Hauseigentümer ausweist. Metallgegenstände, deren Gewicht schätzungsweise einen Zentner übersteigt oder die einen größeren Umfang als etwa einen Raummeter haben, werden nur von dem Magazin der städtischen Gaswerke, Prenzlauer Allee 89. und nur nach vor- heriger Anmeldung angenommen. Seit heute sind auch die 21 Fach- und Fortbildungs- schulen der Stadt Berlin in den Sammeldienst gestellt. Ihre etwa 50 000 Schüler und Schülerinnen werden die in ihrem Familienkreise befindlichen ablieferbaren Gegenstände nach den Schulen schaffen._ I» der Panke ertrunken. In der Panke ertrunken ist der fünf Jahre alte Sohn Kurt des Tischlers Liß aus der Neuen Hochstr. 14. Litz steht als Landsturm- mann in Metz. Seine Frau schickte Mittwoch nachmittag um 5 Uhr den Kleinen zum Spielen hinab. Eine halbe Stunde später kamen andere Kinder aus dem Hause und teilten ihr mit, dafc Kurt beim Spielen auf der Schönwalder Stratzen-Brücke vom Geländer in die Panke gefallen und ertrunken sei. Die Mitteilung erwies sich leider als richtig. Die Panke, die sonst an jener Stelle sehr flach ist, war infolge des anhaltenden Regens stark angeschwollen. Der Ver- unglückte war gleich untergegangen und abgetrieben. Erst später fanden Schiffer am Stichkanal an der Kieler Brücke seine Leiche und landeten sie._ Der Revolver in der Hand des Vierzehnjährigen. Das unvorsichtige Umgehen mit einer Schutzwaffe hat in Zehlen- darf einen bedauerlichen Unglücksfall herbeigeführt, dem leider ein Menschenleben zum Opfer gefallen ist. Der 41jährige Büfetier Ernst Steinhardt aus Zehlendorf traf gestern abend gegen y.ß Uhr auf der Straße einen ihm bekannten 14jäbrigen Schüler, der' einen Revolver bei sich trug. Steinhardt erbat sich die Waffe, um sie sich näher anzusehen, und als der Schüler dem Büfetier den Revolver reichte, entlud sich plötzlich die Waffe. Die Kugel drang dem Stein- Hardt oberhalb der Nase in die Stirn und verletzte ihn so schwer, daß der Getroffene sofort besinnungslos zusammenbrach. Nachdem ein hinzugerufener Arzt die erste Hilfe geleistet hatte, wurde der Schwerverletzte mittels Automobils nach dem Oberlin-Krankenhause in Nowatves geschafft. Dort ist Steinhardt in der Nacht zum Donnerstag gestorben, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Die polizeiliche Untersuchung über den traurigen Unfall ist sofort eingeleitet worden. Bisher hat sich nicht ermitteln lassen, auf welche Weise der Schüler in den Besitz des Revolvers gekommen ist. Der Knabe will nicht gewußt haben, daß die Waffe geladen war. Kleine Nachrichten. Andauernde Krankheit hat den S8 Jahre alten Maler Hermann John aus der Müllerstr. 150 in den Tod getrieben; er vergiftete sich mit Gas.— Ein weiblicher Fledderer wurde gestern nach längerer Jagd festgenommen. Eine Marie Krautsch knüpfte Bekanntschaft mit Soldaten an, die auf Urlaub in Berlin sind, trank mit ihnen und stahl ihnen dann das Porte- monnaie. Das wiederholte sie, bis sie endlich erwischt und fest- gestellt wurde.— Festgenommen wurden zwei junge Männer im Alter von 21 Jahren, die gemeinsam mit Straßenmädchen mit- gingen und sie am Schluß der Handtasche mit der Barschaft be- raubten. Bei ibrer Festnahme in der Bandelstraße stellte sich beraus, daß sie bereits in einem Falle in der Wiesenstraße ein Mädchen beraubt hatten.— Im Lietzensee in Eharlottenburg hat sich ein zehnjähriger Knabe ertränkt aus Furcht, von seinem Vater wegen Kletterei auf einen Baum gestraft_zu werden.— Ein Zusammenstoß eines Eiswagens mit einem Straßenbahnzug ereignete sich am gestrigen Tonnerstagvormittag an der Ecke der Tauentzien- und Passauer Straße. Dort fuhr ein Wagen der Markt- und Kühlhallengesellschaft gegen die Hinterplattform des Triebwagens eines Straßenbahnzuges der Linie 1ö7. Infolge des Anpralles erlitten die den Wagen bedienende ischafsnerin und ein auf der Plattforni stehender Herr Beinquetschungen. Beide erhielten auf der nächsten Unfallstation die erste Hilfe und wurden von dort nach ihren Wobnungen gebracht. Eine Störung entstand infolge des Unfalles nicht. Verloren wurde am 27. Mai eine silberne Uhr mit Kette auf dem Wege von der Höchstcstratzc bis Landsberger Straße. Ter Finder wird um Abgabe gebeten an Beckmann, Jslandstr. 8. Im Gehäuse befindet sich die Nr. 2 586 071. Der Deutsche Arbeiterwanderbund„Die Naturfreunde" ver- anstaltet seine nächste Oberspreewaldfahrt am Sonntag, den 22. August. Näheres siehe Inserat vom Montag, den 16. August. Teilnehmerkarten a 5,75 M. sind in den Zahlstellen bis Freitag- abend und bis Sonnabend mittag bei Horsch, Engelufer 15, und Kruse, Mariannenstr. 11, zu haben. Soziales. Ausbeutung der Notlage durch nichttarifmäffige Entlohnung. Die Frage, ob der Arbeiter einen rechtlichen Anspruch auf den Tariflohn hat, obgleich er für einen niedrigeren Lohnsatz wochenlang arbeitete, unterlag am Donnerstag wieder der Prüfung der Kaminer 2 des�Gewerbegerichts. Die Kammer nahm in diesem Falle einen Standpunkt ein, der insofern von den bisher in derartigen Fällen bekanntgewordenen Urteilen des Gewcrbegerichts abweicht, als sie den Gruitdsatz aufstellte: Wenn der vereinbarte Lohn wesentlich niedriger ist als der Tariflohn, dann kann angenommeir werden, daß eine Ausbeutung der Notlage des Arbeiters vorliegt, die Verein- barung deshalb nichtig und der übliche Lohn zu zahlen ist. In der Sache selbst handelt es sich um folgendes: Drei Tor- nisterarbeiter klagten gegen den Kaufmann Thaler aus Nachzah- lung der Differenz zwischen dem Tariflohn und dem gezahlten Lohn. Die Differenz, die in vier Wochen aufgelaufen ist, beträgt für jeden der Kläger zwischen 40 und 50 M. Als die Kläger in Arbeit traten, wurde ihnen ein Tarif vorgelegt mit dem Be- inerten, daß die Arbeiten nach diesem Tarif bezahlt werden. Tie Lohnsätze dieses Tarifs sind niedriger, als diejenigen des Reichs- tarifs für Militärlederausrüstung. Die Kläger haben vier Wochen beim Beklagten gearbeitet, find nach seinem Tarif bezahlt worden, haben aber bei jeder Lohnzahlung gesagt, daß die Lohnsätze zu niedrig seien. Die Schlichtungskommission hat ihre Klage äbge- wiesen, weil der Beklagte nicht Mitglied der Jabrikantenorganisa- tion ist. Dann haben sich die Kläger an das Gewerbegericht ge- wandt. Der Vorsitzende, Juftizrat Markusc, hielt den Klägern vor, daß sie sich nicht auf den Tarif berufen könnten, wenn sie andere Löhne vereinbart und ioochenlang für diese Löhne gearbeitet hätten, — Tie Kläger bemerkten, sie seien ja nicht mit den Löhnen einver- standen gewesen. Sie hätten sich vorbehalten, später die Diffe- renz nachzufordern.— Der Borsitzende erwiderte, wo ein Tarif bestehe, da sollten sich doch die Arbeiter verpflichtet fühlen, nicht unter dem Tarif zu arbeiten.— Darauf antworteten die Kläger, wenn sie die Arbeit nicht angenommen hätten, dann würden sich andere gefunden haben, welche für die niedrigen Löhne arbeiteten. Sie hätten sich in einer Notlage befunden. Ihnen komme die Be- stimmung des B.G.B, zugute, wonach Verträge, welche gegen die guten Sitten verstoßen, nichtig seien. Vorsitzender: Das B.G.B. sagt auch, daß geheime Vorbehalte, die beim Abschluß von� Verträgen gemacht werden, keine Gütigkeit haben. � Wenn also die Kläger einen Lohn vereinbarten und sich stillschweigend vorbe- hielten, später den höheren Tariflohn zu fordern, so ist das nicht berechtigt. Nach längerer Beratung der Kammer riet der Vorsitzende zum Vergleich. Eine Vereinbarung, die gegen den Tarif verstößt, sei an sich nicht anfechtbar. Ob ein Verstoß gegen die guten Sitten vorliege, müßte im Einzelfall nachgeprüft werden. Im vor- liegenden Falle haben beide Parteien unrecht gehandelt, der Be- klagte, indem er nichttarifmäßige Löhne anbot, und die Kläger, indem sie sich damit einverstanden erklärten. Aus diesen Gründen ' empfahl das Gericht dem Beklagten, jedem der Kläger 20 M. Zu zahlen. Dagegen sträubte sich der Beklagte, hauptlächlich deshalb, weil er fürchtet, wenn er den Klägern etwas zahle, dann würden noch alle anderen, die für ihn arbeiteten, Nachzahlung verlangen.— Alle Versuche des Vorsitzenden, den Beklagten zum Vergleich zu bewegen und ihm klarzumachen, daß aus einem Vergleich keine rechtlichen Folgen bezüglich der übrigen Arbeiter hergeleitet werden können, blieben erfolglos. Der Beklagte bestand auf einem Urteil. — Nun gab der Vorsitzende dem Beklagten zu bedenken, daß sich das Gericht vielleicht auf den Standpunkt stellen könnte, daß: wenn die gezahlten Löhne erheblich niedriger sind als der Tarif, eine Ausbeutung der Notlage der Kläger vorliege und deshalb die Vereinbarung nichtig sei. In diesem Falle würde der ortsübliche Lohn bezahlt werden müssen. Der Beklagte solle doch auch be denken, daß ein Arbeitgeber unrecht handle, wenn er sich nicht an den Tarif halte, der für das ganze Reich unter Mitwirkung der Militärbehörde abgeschlossen sei. Der Beklagte wollte auch jetzt noch von keinem Vergleich etwas wissen.—■ Nach nochmaliger Beratung des Gerichts verkündete der Vorsitzende den Beschluß: Es soll ein gerichtlicher Sachverständiger darüber vernommen werden, lvie weit die den Klägern gezahlten Löhne unter denen des Reichstarifs stehen, insbesondere, ob sie wesentlich niedriger sind als die Tariflöhne. Zum Beklagten sagte der Vorsitzende hierauf: Sie sehen, es ist unser Standpunkt, daß wir es für eine unzulässige Ausbeutung der Notlage halten, wenn der Lohn, den Sic gezahlt haben, wesentlich niedriger ist als der Tariflohn. Wollen Sie sich nicht lieber mit den Klägern vergleichen? Da der Beklagte auch jetzt noch den Vergleichsvorschlag ab- lehnte, wurde ein neuer Termin zur Vernehmung des Sachver- ständigen angesetzt. Auf denselben Standpunkt stellte sich das Gericht in einem anderen Falle, wo eine Llrbeiterin, die Spatentaschen angefertigt hatte, den Tariflohn beansprucht. In einem dritten Falle klagten vor derselben Kammer 15 Ar beiter, sämtlich polnischer Nationalität, gegen einen gleichfalls pol irischen Arbeitgeber der Militärlederausrüstungsbranche. Durch Inserate in polnischen Zeitungen batte der Beklagte die Arbeiter bekommen. Sie hatten schon ein bis zwei Monate vor dem In- krafttreten des Reichstarifs, aber auch noch nachher, beim Be- klagten gearbeitet. Nach Angabe der Kläger ist ihnen bei ihrer Einstellung der ortsübliche Lobn zugesagt worden. Erst später hätten sie erfahren, daß ein Tarif besteht. Da sie niedrigere Löhne erhielten, beanspruchen sie den Tariflohn, der gleichbedeutend sei mit dem ortsüblichen Lohn. Da die Sachlage bei allen Klägern die gleiche und in jedem Falle berufungsfähig ist, entschied das Gericht der Kostenersparnis ioegen erst über einen Fall. Die Klage wurde abgewiesen mit der Begründung: Wenn es zuträfe, daß mit den Klägern der orts- übliche Lohn vereinbart wäre, dann würden sie Anspruch auf den Tariflohn haben vom Tage der Gültigkeit des Tarifs ab. Die Beweisaufnahme habe aber ergeben, daß bei der Einstellung der Kläger von ortsüblichem Lohn keine Rede gewesen sei. Den Klä- gern seien Löhne geboten worden, die nicht wesentlich niedriger seien als die Tarifsätze. Die Kläger hätten sich damit einver- standen erklärt und monatelang für diese Löhne gearbeitet. Es sei also eine Vereinbarung zustandegekommen, die zwar vom Tarif abweiche, aber für die Kläger bindend sei. Mus aller Welt. Sturmszenen auf einem Wochenmarkt. Wie wir einer Schilderung des„Volksblattes für Halle" ent- nehmen, kam es dieser Tage auf dem Wochenmarkt in Halle zu stürmischen Szenen. Die Händler und Landleute leisteten stillen Widerstand gegen die neue Polizeimaßnahme, daß bis 10 Uhr nur an Privatleute verkauft werden darf. So saßen Bauernfrauen auf ihren Butterfässern und antworteten auf Fragen der Käufer nach dem Preis:„Es ist schon verkauft." Eine Bauersfrau verlangte für das halbe Pfund Butter 1,30 M. Vor einem Obststand hatte sich die Händlerin hingesetzt ohne überhaupt den Stand abzudecken. Das sah sich das Publikum eine Weile mit an. Als aber gegen S Uhr sich der Markt mit Käufern füllte und nichts oder nur das Teuerste herausgegeben wurde, da wurde die Stimmung sehr bald er- bittert. Feindliche Blicke hin und her, ein paar erregte Worte, und im Nu war man an mehreren Stellen zum Sturm auf die geschlossenen Stände übergegangen. Die Polizei schritt mit allen zur Verfügung stehenden Mann- schaften ein und versuchte die Ordnung wieder herzustellen. Die tief- gehende Erregung hielt aber den ganzen Vormittag an und die Wut über die Teuerung kam einmal deutlich zum Ausdruck. Die Leistungen der Feldpost. lieber den Umgang der derzeitigen Arbeitsleistung der Reicbs- post ergibt eine beim Briefverkehr vorgenommene Zählung, daß ein- schließlich des Briefverlehrs nach dem Felde gegenwärtig im Reichs- postgebict täglich 23,8 Millionen Briefsendungen ausgeliefert werden. Im letzten Friedensjahre 1913 hat die TageSauflieserung im ReichSpostgebiet 17 Millionen Briefseudungen ausgemacht. Die jetzige TageSauflieserung ist daher gegen 1913 um 8,8 Millionen Sendungen größer, das sind 52 Prozent, während die durchschnittliche jährliche Steigerung beim Briefverkehr sonst nur 7—8 Prozent, für zwei Jahre also 15 Prozent beträgt. Der gesamte Feldpost verkehr snach und von dem Felde sowie innerhalb dys Reichs-Postgebiets) umfaßt jetzt im Reichs- Po st gebiete sBayern und Württemberg also nicht mit einbegriffen) täglich 16,4 Millionen Sendungen, mit- hin annähernd so viel, als im Jahre 1913 die ganze Tages- auflieferung im ReichS-Postgebiet überhaupt betragen hat. Bei der Bewertung dieser bedeutenden Leistungen darf nicht außer Betracht gelassen werden, daß dem heimischen Postbetriebe durch den Krieg drei Zehntel der Beamten und fast die Hälfte aller Unterbeamten, das sind weit über 80 000 Mann entzogen find, und daß die Reichspost dafür mit nicht beamteten Aushilfskräften arbeiten muß, die erklärlicherweise öfter wechseln, und deren Lech- nische Gewandtheit der des Berufspersonals nachsteht. Verheerende Wirbelstürme in Texas. Wie das Reutersche Bureau aus New Jork meldet, wurde Texas von einem großen Wirbelsturm heimgesucht. In Dallas kamen etwa hundert Personen ums Leben und die Baumwoll- Pflanzungen wurden stark beschädigt. In Galvestone wurden vierzehn Personen getötet und 500 Häuser zerstört. Pilzvergiftungen im Ruhrgebiet. Im Ruhrgebiet sind in letzter Zeit häufig Fälle von Pilzvergiftungen vorgekommen. In Recklinghausen erkrankte jetzt wieder eine fünfköpfige Bergmanns- familie, von der zwei Kinder starben, während ein drittes noch in Lebensgefahr schwebt. Von einer zweiten erkrankten Berg- niannsfamilie sind ebenfalls zwei Kinder gestorben. Auch in Datteln fiel ein Dienstmädchen den Pilzvergiftungen zum Opfer. Sriefkasten üer Reüaktion. A. E. Auf die Flecken ist über Nacht Speckstein zu legen, oder auch Fließpapier unter und über die Flecke legen und mit heißem Bügeleisen darüber streichen.— N. 1011. Einige flache Teller mit etwas Milch aus- stellen, der man einige Tropfen Fortnalinlöstmg zusetzt.— Nr. 20. Geben «ie doch ruhig die Ursache Ihres Unwillens kund.— E. O. 77. Dres- dener Str. 109 von 8—9 und 4—5 Uhr.— H. B. 80. 1. Bei dem Post- � amt, bei welchem Sie das Paket aufgeliefert haben. 2. Das Gesuch hat Jbr Mann bei seinem Kommando zu stellen. Von Ihrem Mann kann nur unter Darlegung eines mit Gründen versehenen und behördlich(Polizei) begut- achteten Gesuches ein Versuch gemacht werden.— F. Ü. 328. 1. Am 31. Juli. 2. Am 2. August.— 3. 78. 1. Charlottenburg, Fraunhofer- straße 11/12. Welche Stunden geöffnet, leider nicht bekannt. 2. Leipziger Straße 16—18. Montag, Dienstag. Donnerstag und Freitag 19— 2 und isonntags 12—2.— N. 115. Diese Angelegenheit im Bries- lasten zu behandeln, ist nicht angängig. Sie müffen sich an einen Obstzüchter wenden, oder ein dieses Gebiet behandelndes Buch beschaffen, erhältlich in unserer Buchhandlung, Lindenstraße 3. — 2. 10. Ihre Einherusung ist sehr unwahrscheinlich.— Pfeffer 51. 16. Ihre Frage ist im Briefkasten nicht kurzerhand zu beantworten, �-ie müssen in die Sprechstunde kommen.— F. Z. 1876. Sie sind vollständig aus- gemustert.— N. 81. Einen solchen Antrag bekommen Sie bei uns in der Sprechstunde angejertigt.— H. C. 42. Sie haben über die 26 Wochen hinaus keinen Anspruch an die Krankenkasse.— G. M. 1802. Ja.— 2t. 100. Weil die vor dem Kriege sür dauernd untauglich Be- sundenen noch nachgemustert und eingestellt werden können, deshalb haben Sie auch noch Aussicht, zum Militär eingezogen zu werden.— 2t. 32. Kriegsverwendungssähig.— G. K. 30. Das ist unseres Erachtens keine Beleidigung.— F. R. 84. Schlechte Zähne, dienstfähig.— G. 71. Da Sie in versicherungspflichtiger Beschästigung gestanden haben, kann die Krankenkasse, bei der Sie früher Mitglied waren, Ihren Ausschluß vollziehen. — R. 80. Belitz. Die Krankenkasse ist nicht verpflichtet, die volle Leistung zu gewähren, sie können also in der Sache selbst nichts unter- nehmen.— Streitfrage 30. 1. Nein. 2. Ja.— P. M. 28. Sic können den Lehrvertrag nicht ohne weiteres lösen, sondern müssen aus Lösung des Vertrages beim Gewerbegericht klagen.— I. L. 10. Das Versäumnisurteil ist'bereits rechtskrästig geworden. Verlangen sie eine Zustellung des Urteils vom Amtsgericht.— E. R. 122. Verhandlung vor dem Berusungsgericht ist in der Sache noch nicht gewesen.— L. O. 42. Außer Ihrer Frau würden auch Ihre Eltern und Geschwister erben.— Mariechen. Die Krankenkasse müßte für die ganze Zeit der Krankenbehandlung auskommen.— II. 9. W. R. 1. Wegen Krankheit des Lhmphsystems dienstuntauglich. 2. Die Desinsektion der Wohnung gc- schieht aus Ihre Kosten.— A. 2. 14. 1. Sie könnten noch Beschwerde beim Magistrat erheben. 2. In Charlottenburg besteht eben diese Art der Unterstützung. 3. Sie können nur den Be- stimmungen des Mietsvertrags gemäß zum 1. Oktober kündigen.— U. 2. 39. 1. Ja. 2. Nein. 3., 4., 5. und 6. Ja.- 31. F. W. Ja. SLetterauöftchten für das mittlere Norddeutschland bis 2onllabendmittag. Ziemlich kühl, nur um Mittag etwas wärmer, zeit- weise heiter, aber sehr veränderlich und im Osten vielfach starke, im Westen meist geringe Regenschauer. SINGER NiRMÄSCHINEN für Hausgebrancli und für den Erwerb. Zu haben in den Läden mit nebenstehendem Schild oder durch deren ===== Agenten.===== Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. Eillalen In allen Stadtteilen. Kriegspostkarten«»e Front. Wir liefern unseren Soldaten die neuesten Kriegspostkarten*on der West- und Ostfront— 199 Stück 2 M., 1999 Stück 18 M.— sowie jede andere Art Ansichtspostkarten. Prospekte gratis. 217/6* Kurl Voegel» Verlag, Berlin O.. BlumcnstraBc 75. Durch Wobltunreieh werden kann derjenige, der sich an der " Wotillahrts-Geld-Lotterie:: beteiligt. Ziehung 6. 7. u. 8. 2ept. 1915 19167 Geldgewinne im Betrage von 400 ODO M. 75 000 M. Haupt- 40 ODO M. Gewinne jq 000 L. Originallose zum amtlich sestge- setzten Preise von 3.30 dl. ein- schließlich Rcichsstempel(sür Porto und Liste 30 PI extra i cmpfiebit und versendet gegen Einsendung des Betrages mittelst Anweisung aus Wunsch auch gegen Nachnahme Erns� Streb' Hamburg 36, Stephansplatz. Männerchor „Lerche-Einigkeit". (M. d. D. A.-S.-B.) a ch r u f. Den Mitgliedern zur Kenntnis- nähme, daß unser langjähriges und stets pflichteifriges Passiv- Mitglied Kurt Paul nach langem, schwerem Leiden am Donnerstag, den 12. August. verstorben ist. 59/19 Ehre feinem Andenken k Der Vorstand. SozialdeinokratisciierWahlvereiD l, d. 2. Berliner Reichstagswahlkr. Bezirk 25. Nachruf. Im Mai verstarb unsere Ge- nossin Emma Reichert. Ehre ihrem Andenke«! 295/29 Ter Vorstand. Sim 17. d. Mts. starb an schwerer Verwundung unser einziger guter Sohn, Bruder. Onkel, Neffe und Cousin, der Musketier Julius Nltillsr (Erfatz-Res. 296, 11. Komp.) im blühenden Alter von einund- zwanzig Jahren 2223b In tieser Trauer iiiehard Müller und Frau zurzeit im Felde, Baumschulenweg. Ernststr. 12. Die Beerdigung findet Sonn- abend, nachmittags 4ff. Uhr, von der Halle in der Kiesholzstraße aus statt._ Danksagung. Für die herzliche Teilnahme sowie zahlreichen Kranzspenden am Grabe meines lieben Mannes sagen wir allen Freunden und Bekannten, den Genossen des Wahlbezirks 412, T. H. dem 4. Berliner Wahlkreis und dem Gesangverein.Norddeutsche schleife" sowie dem Redner Herrn Wieloch unseren innigsten Danfl� 7A Frau Krumpholz und Nichte. DentseiierMetallartieiter-Yerlianil Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Elektro- Monteur Ernst Klein Charlottenburg, Luthcrstr. 14, am 12. August gestorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 29. August, vor- mittags 19 Uhr, von der Leichen- Halle des Kaiser- Wilhelm- Ge- dächtniS-Kirchhofes in Charlotten- bürg, Fürstenbrunner Weg, aus statt. Den Kollegen serner zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Schleiser Oswald Qrieser Rhkestr. 7, am 19. d. M. gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 21. d. M., nachmittags 3'l3 Uhr, von der Woh- nung, Rykestr. 7, nach dem Zen- tral-Friedhof, Friedrichsseide, statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung wird erwartet. 118/6 Die Ortsverwaltung. Yerband der Haier, Lackierer, Anstreicher usw. Filiale Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Maler Max Kutscher (Bezirk Charlottenburg) am 16. August gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 21. August, naw- mittags'1,3 Uhr, aus dem Fried- hos in Stahnsdorf statt. 136/15 Die Ortsverwaltnng. a, m 3> i.ir8..9 2 KeilM des„Nllmarts" Kerlitttt Wlksbllltt. A».M.9.5 ReichstanZlerreöe an öer Schwelle des 2. Kriegsjahres. Sitzung vom Donnerstag, den 19. August, nachmittags 2 Uhr. Am Bundesrats tisch: Bethmann Hollweg, Delbrück. Jagow, Helfferich, LiSco, Kraetke, Solf u. a. Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Verhandlungen mit einer Ansprache: Wir beginnen unsere Verhandlungen, nachdem ein volles Kriegsjahr verfloffen ist. In der Erinnerung haben wir noch einmal die ernsten Stunden durchlebt, als vor einem Jahre der Weltbrand hereinbrach und noch einmal den Tag, an dem der Kaiser die erlösenden Worte sprach: Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche, und an dem der Reichstag durch die Annahme der Äriegsvorlage dem ein- mutigen Willen des Volkes feierlich Ausruck gab. Noch einmal sind uns die weltgeschichtlichen Ereignisse des Krieges vor Augen, die schweren, vom ganzen Volk willig getragenen Opfer, aber auch die glänzenden Erfolge unserer und unserer Verbündeten Waffen.(Bravo!) Während wir im Westen unerschütterlich festhalten, was wir errungen haben(Bravo!), während an den Dardanellen und an der italienischen Grenze alle Angriffe an der Tapferkeit der heldenmütigen Soldaten unserer Verbündeten zerschellen(erneuter Beifall), bringt uns der Beginn des zweiten Kriegsjahres im Osten Erfolge, die ans Märchen- hafte grenzen.(Lebhafter Beifall.) Der Redner dankt dann dem Herrn der Heerscharen für den Sieg, feiert den Kaiser, die Heerführer, die Offiziere, die Mann- schatten zu Wasser uitd zu Lande, preist die Leitung der Geschäfte des Reiches und das ganze Volk, das von zuversichtlichem Vertrauen auf die innere Stärke und den einheitlichen Willen der Nation ge- tragen ist.(Lebhaftes Bravo!) Wie vor einem Jahre steht das Volk auch heute unerschütterlich zum Kaiser und den verbündeten Regierungen, um dem Deutschen Reich einen Frieden zu erringen, der für alle Völler der freien Kulturentwicklung den Weg bahnen und die deutsche Zukunft sicherstellen soll.(Lebhaftes Bravo!) Der Präsident teilt dann mit, datz er den Kaiser aus Anlaß des Falles Warschaus und den Kaiser Franz Josef zu seinem 8ö. Geburtstag beglückwünscht hat, ferner daß der frühere Präsident des Reichstages v. Wedell-PieSdorf und der Abg. Graf v. Carmer- Osten gegangen war, machte sich in weiten Kreisen der englischen Nation die Stimmung geltend, ein Verhältnis mit iins herstellen zu wollen, das kriegerische Verwickelungen ausschlösse. Man schien an dem einmaligen Ritt über den Bodensee genug zu haben. So entstand die Mission Haida neS im Frühjahr 1912. Lord Haldane versicherte mir. das englische Kabinett sei von aufrichtigem Verständigungswillen erfüllt. Bedrückt war er burch unsere damals bevor st ehende Flotten Novelle. Ich fragte ihn, ob ihm nicht eine offene Verständigung mit uns, eine Verständigung, die nicht nur einen deutsch-englischen Krieg, sondern überhaupt jeden eurpäischen Krieg ausschließen würde, mehr wert sei, als ein paar deutsche DreadnoughtS mehr oder weniger. Der Lord schien für seine Person dieser Ansicht zu- zuneigen, fragte mich jedoch, ob wir, wenn wir den Rücken gegen England frei hätten, nicht über Frankreich herfallen und es ver- nichten würden. Ich erwiderte ihm, daß die Friedenspolitik, die Deutschland in einer Zeit von mehr als 40 Jahren geführt hätte, uns eigentlich vor einer solchen Frage sichern müßte.(Sehr richtig!) Wir hätten ja, wenn wir räuberische Ueberfälle planten, die schönsten Gelegenheiten gehabt, während des Burenkrieges und während deS Russisch-Japanifchen Krieges unsere Kriegslust zu zeigen. In diesen wie in anderen Fällen und auch in der Marokkopoliiik hätten wir das Gegenteil getan und unsere Friedensliebe bekundet. Deutschland, so sagte ich ihm. wünsche aufrichtig in Frieden mit Frankreich zu leben und werde ebensowenig über Frankreich wie über ein anderes Land herfallen.(Sehr richtig!) Nachdem Lord Haldane von Berltn abgereist war, wurden die Verhandlungen in London fortgesetzt. Ich habe, meine Herren, vor einigen Wochen in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" die Formeln, die Ver- ständigungsfornreln, veröffentlichen lassen, die bei diesen Verband- lungen von der einen und von der anderen Seite vorgeschlagen worden sind. Auch diese Veröffentlichung ist der Beachtung unserer Gegner wert. So viel ich weiß, ist sie von der englischen Presse mit Ausnahme eines einzigen Blattes ignoriert worden. Ich will deshalb hier auf die Sache kurz zurückkommen. Zunächst machten wir. um dauernde Beziehungen zu England zu erreichen, den Vor- schlag eines unbedingten gegenseitigen Neutralitätsversprechens. Als dieser Vorschlag als zu weitgehend von England abgelehnt wurde. schlugen wir vor, die Neutralität auf Kriegs zu beschränken, bei denen man nicht sagen könne, daß die Macht, der Neutralität zu- gesichert worden war, der Angreifer sei. Auch das schlug England ab. Inzwischen halte England seinerseits folgende Formel vor- geschlagen: „England wird keinen unprovozierten Angriff auf Deutschland machen und sich einer aggressiven Politik gegen Deutschland ent- halten. Ein Angriff auf Deutschland ist in keinem Vertrage enthalten und in keiner Kombination vorgesehen, der England zurzeit angehört, und England wird keiner Abmachung beitreten, die einen solchen Angriff bezweckt." Ich meinte, daß es unter zivilisierten Staaten überhaupt nicht üblich sei, unprovozierte Angriffe auf andere Mächte zu machen oder sich Kombinationen anzuschließen, die so etwas planen, und daß des- halb das Versprechen, sich solcher Ueberfälle zu enthalten, nicht ivohl den Inhalt eines feierlichen Vertrages(Sehr richtig!) abgeben könne. Das englische Kabinett war anderer Ansicht und glaubte auf unsere Vorstellung ein übriges zu tun, wenn es seine Bereitwilligkeit er- klärte, seiner im übrigen unveränderten Formel folgende Worte voranzuschicken:„Da die beiden Mächte gegenseitig den Wunsch haben. Frieden und Freundschaft untereinander sicherzustellen, erklärt Eng- land, daß es keinen unprovozierten Angriff" ufw., wie ich es vorher mitgeteilt habe. Meine Herren, dieser Zusatz kann an dem Urteil über den In- halt des englischen Angebots nichts ändern, und ich meine noch heute, kein Mensch hätte es mir übelnehmen können, wenn ich schon damals die Verhandlungen abgebrochen hätte.(Sehr richtig!) Ich habe das nicht getan, ich habe, um alles, was in meinen Kräften stand, zu tun, um den europäischen und den Weltfrieden zu sichern, mich bereit erklärt, auch diefen englischen Vorschlag zu diskutieren, mit der einen Bedingung, es möge der englische Vorschlag durch folgenden Zusatz ergänzt werden:„England wird daher selbst- verständlich wohlwollende Neutralität bewahren, sollte Deutschland ein Krieg aufgezwungen werden." Ich bitte Sie, meine Herren, die letzten Worte zu beachten: Falls uns ein Krieg aufgezwungen werden sollte. Ich habe nachher noch auf diesen Punkt zurück- zukommen. Sir Edward Grey lehnte diesen Zusatz rundweg ab. (Hört! hört l> Ueber seine Formel könne er nicht hinausgehen und zwar, wie er unserem Botschafter Metternich erklärte, aus Besorgnis, sonst die bestebende Freundschaft mit den anderen Mächten zu gefährden. (Heiterkeit.) Das bildete für uns den Schluß der Verhandlungen. Csin Kommentar dazu ist eigentlich nicht nötig. England chielt cl für ein Zeichen bef anderer durch feierlichen Verlrag zu besiegelnder Freundschaft, dos; es nicht ohne Grund über uns herfallen lvollle(Heiterkeit), bc- hielt sich aber freie Hand für den Fall vor, daß seine Freunde i5a-5_ tun wollten. Ter Hergang ist in England bisher meines Wissens niemals vollständig mitgeteilt worden. Allerdings in Bruch- stücken, aber auch m diesen unrichtig. Der englische Ministerpräsi- dent Mr. Asguith hat um 2. Oktober 1914 in Cardiff über die Sache gesprochen. Ich zitiere nach einer amtlichen, voir ihm selbst revidierten Publikalioii seiner Rede. Mr. Asguith teilte seiner Zu- Hörerschaft die englische Fonnel, uns nicht unprovozierl angreifen zu wollen, die Formel, die ich vorhin verlesen habe, in diesem vollen Wortlauts mit, er fährt dann fort: Das war aber den deutschen Staatsmännern nicht genug, sie wollten, dag wir weitergingen, sie forderten, wir sollten uns absolut zur Neutralität für den Fall verpflichten, das; Deutschland in einen Krieg verwickelt werden sollte, in tüo svsnt of Qermany being engaded in war. Dwse Behauptung des Mr. Asguith ist eine E n t st e ll u n g des'Sachverhalts. Allerdings hatten wir im Beginn unbedingte Neutralität gefordert, im Laufe der V e r- Handlungen aber haben Wir unsere Neutralitätsforderung für den Fall beschränkt, daß Deutschland ein Krieg auf- gezwungen werden sollte, im englischen Wortlaut: Sbcmld war be forccd upon Germany. Das hat er seinen Zuhörern vorenthalten. lBetvegung.l Ich halte mich für berechtigt, zu sagen, daß er damit die öffentliche Meinung in England in unverantwortlicher W c i s e i r r e g e f ü h r t Hai.(Sehr richtig I) Aber freilich, hätte Nkr. Asguith eine vollständige Darstellung gegeben, so hätte er in seiner Rede, die auf die Stimmung seiner Zuhörer zugeschnitten war. nicht so sortfahreu können, wie er es tatsächlich tat. Er sagt— immer in wörtlicher Ucbersctzung—:„Und diese Forderung— nämlich der unbedingten Neutralität in jedem Kriege— stellten die deutschen Staatsmänner in einem Augenblick, in dem Deutschland beides, seine aggressiven sowohl wie seine defensiven Machtmittel, besonders auf dem Meere, ins Ungeheure vermehrte. Sie ver- langten, um es ganz klar zu sagen, das; wir ihnen, soweit Ivir in Frage kämen, freie Hand gäben. Ivenn sie sich eine Gelegenheit auS- suchten, Europa zu überwältigen und zu beherrschen."(Heiterkeit.) Es ist mir unfastbar— ich will keinen anderen Ausdruck gebrauchen — wie ein hoher Staatsmann, wie Mr. Asguith, einen Vorgang, den er genau kennt, objektiv so unrichtig darstellen konnte, um daraus Schlüsse zu ziehen, die d e r W a h r h e i t ins Gesicht schlagen. iSehr richiig!) Und diese seine unrichtige Darstellung leitete Mr. Asguith»lit den feierlichen Worten an seine Zuhörer ein:„Ich möchte nicht nur Ihre Aufmerksamkeit, sondern die Auf- m c r k s a nr k e i t der ganzen Welt auf meine Worte hinlenken, da jetzt so viele falsche Legenden erfunden und verbreitet werden." (Heiterkeit.)� Ich frage, wer hat Legenden verbreitet und erfunden? Ich bin auf diesen Vorfall näher eingegangen, um vor aller Welt Verwahrung einzulegen gegen die Unwahrbaftigkeit und Verleumdung, mit der unsere Gegner uns bekämpfen.(Allgemeine Zustimmung.) Nachdem wir in voller Kenntnis der deutschfeindlichen Richtung der englischen Politik mit äusterster Geduld bis an die lctztmögliche Grenze des Entgegen- kommen» gegangen waren, nachdem uns statt Brot Steine gereicht waren, sollten wir durch eine rinerhörte Verschiebung der Tatsachen vor aller Welt an den Pranger gestellt werden. Mag es unseren Feinden gelingen, auch diese Feststellungen in dem Waffenlärm und dem mcnschenunloürdigcn Verhetzen der Völker untergehen zu lassen, du: Zeit wird kommen, wo die Geschichte ihr Urteil fällen wird. sSehr wahr!) Es war damals der Augenblick gekommen, wo Eng- land und Deutschland durch aufrichtige Verständigung den Frieden der Welt verbürgen konnten. Wir lvaren bereit, das zu tun, England hat es abgelehnt, die Schuld wird es.in alle Ewigkeit nicht mehr los.(Beifall.) Meine Herren! So endete die Episode Haidane. Bald darauf wechselten Sir Edward Grey und der französische Botschafter in London Herr Eambon die bekannten Briefe, die auf ein französisch- englisches Dcfensivbündnis hinausgingen, das indessen durch die daneben getroffenen Vereinbarungen der beiderseitigen Gcneralstäbe und Admiralitäten tatsächlich zu einem Offensivbündnis wurde. Auch diese Tatsache hat die englische Regierung der Oeffentlichkeit in ihrem Lande vorenthalten. Erst als cS kein Zurück mehr gab, am 8. August vorigen Jahres, hat sie sie davon unterrichtet. Bis dahin hatten die englischen Minister dem Parlament immer wieder erklärt, dag England sich im Falle eines europäischen Konflikts vollkommen freie Hand vorbehalte. Das war dem Buchstaben nach vielleicht, in Wirklichkeit aber nicht der Fall, infolge der Vereinbarungen der beiden Admiralitäten, die die französische Nordküste unter den Schutz Englands gestellt hatten. Dieselbe Taktik hat England bei seinen im Frühjahr 1914 angebahnten Marin evcrhandlungen mit Rußland befolgt, als ein Marincabkommcn eingeleitet wurde, ein Abkommen, in dem die russische Admiralität den Wunsch hatte, mit der Zuhilfenahme englischer Schiffe unserer Provinz Pommern die Wohltatcir einer russischen Invasion zuteil werden zu lassen.(Heiterkeit.) Meine Herren' So hatte sich der Ring der Entente mit aus- gesprochen antideutscher Tendenz immer fester zusammengeschlossen. Tie Saat König Eduards war in die Halme geschossen. Wir waren gezwungen, die Situation mit der großen Wehrverlage von 1913 zu beantworten. Sie wissen, meine Herren, aber ich will hier aus- drücklich davon sprechen, daß lvir in voller Klarheit über den Ernst der Weltlage neben den Verhandlungen mit England stets bestrebt gclvescn sind, unsere Beziehungen zu Rußland nach Möglichkeit zu pflegen. Ich habe mich hierüber wiederholt hier im Reichstage aus- gesprochen, wie ich denn in unserer gesamten Politik niemals etwas vor der Volksvertretung zu verheimlichen halte und auch niemals etwas verheimlicht habe'(Abg. Liebknecht ruft: Belgisches Ultimatum!— Allseitige Unruhe. Rufe: Raus! Lachen.) Meine Herren! Auch R u ß l an d gegenüber, dessen Politik ja für die Entschlüsse Frankreichs von entscheidender Baheutung war, habe ich stets nach der Ueberzcugung gehandelt, daß freundliche Be- zichungen zu den einzelnen Ententegenosjcn die allgemeine Spannung mildern konnten, daß jede? gewonnene Fciedensjahr wenigstens die Aussicht biete, die allgemeine Explosions- gefahr herabzusetzen. Wir waren dabei in einzelnen Fragen mit Rußland zu guter Verständigung gelangt, ich erinnere au das Potsdamer Abkommen, und die Beziehungen von Regierung zu Regierung waren nicht nur korrekt, sondern von persönlichem Vertrauen getragen. Aber die Gesamtlage wurde dadurch nicht ge- heilt. Die war bis in die Wurzel vergiftet, weil die Revanche- gcdanken Frankreichs und die kriegerischen panjlawistischcn Expansions- bestrebungen in Rußland durch die antideutsche Politik der Balance of power' des Londoner Kabinetts nicht sowohl beschwichtigt als im- ausgesetzt aufgestachelt wurden und frische Nahrung erhielten. Die Spannung wurde so groß, daß sie eine ernste Belastungsprobe nicht mehr vertrug. S o k a m, m s i n e H e r r e n, der Sommer 1914. Ich habe die einzelnen Vorgänge anr 4. August geschildert. Immer wiederholte und unrichtige Angriffs und Darstellungen der Gegner nötigen mich, auch hier noch auf einige Punkts zurückzukommen. Besonders in England tvird neuerdings immer wieder behauptet, der ganze Krieg hätte vermieden werden können, wenn ich auf den Vorschlag Sir Edward Grcys eingegangen lväre, mich an einer Konferenz zur Rcgelnnfl des russisch-österreichischen Ttreitfalles zu beteiligen. Die Sache verhielt sich folgendermaßen: Der eng- tische Konferenzvorschlag wurde hier am 27. Juli durch den Bot- schafter überbracht. Wie auch aus dem englischen Blaubuch hervor- geht, hat der Staatssekretär des Auswärtigen Amts in der be- tresfenden Unterredung mit Sir Edward Goschen, in der er den vorgeschlagenen Weg als unzweckmäßig bezeichnete, mitgeteilt, nach seinen Nachrichten aus Rußland sei Herr Ssasonow zu einem direkten Meinungsaustausch mit dem Grafen Berchtold geneigt. Er sei der Ansicht, daß eine direkte Aussprache zwischen Petersburg und Wien zu einem befriedigenden Ergebnis führen könne. Des- Leraniwortlichcr Redakteur: Alsrep Wiclepp, Neukölln. Für Ke) halb sei es das beste, das Ergebnis dieser Aussprache abzuwarten. Sir Edward Goschen meldete dies nach London und erhielt tele- graphische Antwort, in der Sir Edward Grey wörtlich erklärte:„So- lange Aussicht für einen direkten Meinungsaustausch zwischen Oesterreich und Rußland vorhanden ist, würde ich auf jede andere Anregung verzichten, da ich durchaus damit übereinstimme, daß dies das Verfahren ist, das allen anderen bei weitem vorzuziehen ist." Sir Edward Grey schloß sich damals also dem deutschen Standpunkt an und stellte seinen Konferenzvorschlag ausdrücklich zurück. Ich habe es aber nicht, wie Sir Edward Greh, bei dem platonischen Wunsche bewenden lassen, es möge eine direkte?lns- spräche zwischen Wien und Petersburg stattfinden, sondern habe alles getan, was in meinen Kräften stand, um die russische und die ösierreichisch-ungarische Regierung dem Gedanken zugänglich zu machen, sich in einem Gedankenaustausch von Kabinett zu Kabinett auseinanderzusetzen. Ich habe es schon einmal hier ausgesprochen, baß wir unsere Vermittlungsaktion speziell auch in Wien in einer Form betrieben haben, die, wie ich damals sagte, „bis an das Aeutzerste dessen ging, was mit unserem Bundesver- hältnis noch vereinbar war". Da diese meine vermittelnde Tätig- kcit im Interesse der Erhaltung de» Friedens immer wieder in England in Zweifel gestellt wird, so will ich cm der Hand der Tat- fachen zeigen, wie nichtig diese.Zweifel sind. Am 29. Juli abends traf hier folgende Meldung des Kaiserlichen Botschafters in Peters- bürg ein:„Herr Ssasonow, der mich eben zu sich bitten ließ, teilte mir mit, daß daS Wiener Kabinett ans den ihm von hieraus geäußerten Wunsch, in direkte Besprechungen einzutreten, mit einer kategorischen Ablehnung geantwortet habe. Es bleibe somit nichts anderes übrig, als auf den Vorschlag Sir Edward GrcyS einer Konversation zu vicreu zurückzukommen." Da sich die Wiener Regierung inzwischen zu dem direkten Meinungsaustausch mit Petersburg bereit erklärt hatte, war es klar, daß ein Mißverständnis vorliege. Ich telegraphierte nach Wien und benutzte die Gelegen- heit, um meine Auffassung von der Gesamtsiwation erneut und be- stimmtest zum Ausdruck zu bringen. Meine Instruktion an Herrn v. Tschirschky lautete:„Die Meldung des Grafen PourtaleS steht nicht im Einklang mit der Darstellung, die Euere Exzellenz von der Haltung der österreichisch-ungarischen Regierung gegeben haben. Anscheinend liegt ein M i ß V e r st ä n d n i s vor, das ich Sie aufzuklären bitte. Wir können Oesterrcich-Ilngarn nicht zumuten, mit Serbien zu verhandeln, mit dem es im Kriegs- zustand begriffen ist. Die Verweigerung jeden Met- n u n g s a u s t a u s ch e s mit St. Petersburg aber würde ein schwerer Fehler sein. Wir sind zwar bereit, unsere Bundespflicht zu erfüllen, müssen es aber ablehnen, uns von Oesterreich- Ungarn durch Nichtbeachtung unserer Rat- schlage in einen Weltbrand hineinziebcn zu lassen.(Lebhaftes Hört! hört!) Euere Exzellenz wollen sich gegen Graf Berchtold sofort mit allem Nachdruck und großem Ernst in diesem Sinne aussprechen."(Lebhafter Beifall.) Herr v. Tschirschky meldete darauf am 39. Juli:„Graf Berchtold bemerkte, es liege in der Tat, wie Euere Exzellenz annehmen, ein M i ß v e r st ä n d n i s, und zwar auf russischer Seite, vor. Nachdem er auch schon durch Graf S.zapary— dem österreichisch-ungarischen Botschafter in St. Petersburg— von diesem Mißverständnis Meldung erhalten und gleichzeitig unsere dringende Anregung erfolgt sei, in Kon- versation mit Rußland einzutreten, habe er Graf Szapary sofort entsprechende Instruktion erteilt." Meine Herren, ich habe, als in England kurz vor Ausbruch des Krieges die Erregung sich steigerte und ernste Zweifel an unseren Bc- mühuirgen um Erhaltung des Friedens laut wurden, diesen Vorgang in der englischen Presse bekanntge- geben. Jetzt nachträglich tritt dort die Insinuation hervor, dieser Vorgang habe überhaupt nicht stattgefunden und die Instruktion an Herrn v. Tschirschky sei fingiert worden (Pfuirufe!), um die öffentliche Meinung in England irrezuführen. Sie werden mit mir übereinstimmen, daß diese Verdächtigung keiner Erwiderung wert ist.(Lebhaftes Bravo!) Ich will aber gleichzeitig auf das ö st e r r e r ch i s ch- u n g a r i s ch c- R o t b u ch verlveiscn, das meine Darstellung lediglich bestätigt und erkennen läßt, wie nach Aufklärung des erwähnten Mißverständnisses die Konversationen zwischen Pctecslmrg und Wien in Fluß kamen, bis sie durch die allgemeine Mobilmachung der russischen Armee einen jähen Abschluß fanden. M. H., ich wiederhole, wir haben die direkte Aussprache zwischen Wien und Petersburg mit dem äußersten Nachdruck und mit Erfolg betrieben. Die Behauptung, daß wir durch Ablehnung des englischen Konferenzvorschlages an diesem Kriege schuldig geworden wären, gehört in die Kategorie derjenigen Verleumdungen, hinter denen unsere Gegner ihre eigene Schuld verstecken wollen. Unausweichlich wurde der Krieg lediglich durch die r u s s i s ch c Mobilmachung(Sehr richtig!), ich will die-Z hier noch einmal mit aller Bestimmtheit feststellen. (Bravo!) M.£>., ich habe mich aus einzelne diplomatische Vorgänge näher eingelassen, um der Flut von Verdächtigungen entgegenzu- treten, mit der daS reine Bewußtsein und Gclvifscn Deutschlands im Ausland zu schwärzen versucht wird, aber wir werden letzten Endes den Kamps auch gegen diese Verleumdungen ebenso siegreich bestehen wie den großen Kampf draußen aus den Schlachtfeldern. (Lebhafter Beifall.) M. H., unsere und die österreichisch-ungarischen Truppen haben die Grenzen Kongreßpolcns gegen O st c n erreicht, und beiden fällt die Zlusgabc zu, das Land zu verwalten. Ein geographisches und politisches Schicksal hat Jähr- hundectelang Deutsche und Polen gegeneinander zu kämpfen ge- zwungen. Die Erinnerung an diese alten Gegensätze mindert nicht die Achtung vor der Leidenschaft, Vaterlandsliebe und Zähigkeit, mit der das polnische Volk seine alte westliche Kultur und Freiheit»- liebe in schweren Leiden gegen das Russentum verteidigt und sich durch das Unglück auch dieses Kriege» bewährt hat.(Beifall bei den Polen.) Die gleißnerischcn Versprechungen unserer Feinde ahme ich nicht nach, aber ich hoffe, daß die heutige Be- setzuug der polnischen Grenzen gegen Oft den Beginn einer Eni Wickelung darstellen wird, die die alten Gegensätze zwi- scheu Deutschen und Polen aus der Welt schassen und das vom Russcnjoch befreite Land einer glücklichen Zukunft cnt- gegensühren wird, in der es die Eigenart seines na- tionalen Lebens pflegen und entwickeln kann. Das von uns besetzte Land werden wir unter möglichster Heranziehung seiner eigenen Bevölkerung gerecht verwalten, die unvermeidlichen Schwierigkeiten, die der Krieg mit sich bringt, auszugleichen suchen und die Wunden, die Rußland dem Lande geschlagen hat, werden wir zu heilen uns bestreben.(Lebhafter Beifall.) Dieser Krieg wird, je länger er dauert, ci» aus tausend Wunden blutendes Europa zurücklassen. Die Welt, die dann entstehen wird, soll und wird nicht so aus- sehen, wie unsere Feinde es sich träumen lassen. Sie streben die Wiederherstellung de» alten Europa an, mit einem ohnmächtigen Deutschland in der Mitte als dem Tummelplatz fremder Ränke und Begierden, und Ivenn e» möglich ist, als dem Schlachtfelde Europa»; ein Deutschland, in dem kraftlose Kleinstaaten auf fremde Winke lauern, ein Deutschland mit zerrütteter Industrie, nur mit einem Kleinhandel auf den eigenen Märkten und ohne Flotte, die das Meer von Englands Gnaden befahren könnte; ein Deutschland als V a s a l l e n st a a�t des russischen Riesen reiches, das den Osten und Südosten Europas be- herrschte, alle Slawen unter dem Zepter Moskaus einte. So träumte man in London, in Paris und in Petersburg, wenigstens zu Anfang des Krieges. Nein, meine Herren, dieser ungeheure Weltkrieg, der die Fugen der Welt klaffend macht, wird alte vergangene Zustände nicht zurückführen. Ein Neues mutz entstehen. Wenn Europa je zur Ruhe kommen soll, so kann es nur durch eine u n a n t a st- bare starke Stellung Deutschlands geschehen.(Leb- Jnjeratenteil verantw,: Th. Glocke, Berlin, Druck U.Verlag: Vorwärts bafte Zustimmung.) Die Vorgeschichie dieses KriegeZ�spricht eine harte(spräche. Hebet ein Jahrzehnt lang ist das Sinnen und Trachten aller anderen Mächte einzig und allein darauf gerichrcr gewesen, Teutschland zu isolieren, auszuschließen bon jeder Mir- Verfügung über die Welt. Eine solche Politik mußte zum böscu Ende führen. Die englische Politik der bslance of power muß verschwinden, denn sie ist, wie der englische Dichter Sbaw kürzlich gesagt bat, ein Brutofen für Kriege. Unendlich bezeichnend ist in dieser Beziehung eine Bemerkung, die Sir Edward Grey zu unserem Botschafter Fürsten Lichnowsti machte, als er sich am 4. August von ihm verabschiedete. Er sagte nicht ohne Betonung, der zwischen England und Deutschland ausgcbrochenc Krieg werde es ihm erniöglichen. uns beim Friedensschluß wert- vollere Dienste zu erweisen, als die Neutralität England ihm ge- stattet hältc.(Allgemeines Gelächter.) Vor seinen Augen richtete sich hinter einem geschlagenen Deutschland wohl schon die Riesen- gcstalt eines siegreichen Rußlands auf und dann lväre ein geschwächtes Deutschland wieder gut genug ge- lvescn, Vasall und Helfer Englands zu sein. Meine Herren, Teutschland muß sich seine Stellung so aus- bauen, so festigen und stärken, daß die anderen Mächte niemals wieder an eine Einkrcisungspolitik denken.(Allseitiger stürmischer Beifall.) Zu unserem wie zum Schutz und zum Heile aller Völker müssen wir die Befreiung der Weltmeere erringen, nicht tim sie, wie England c» will, allein zu beherrschen, sondern damit sie allen Völkern in gleicher Weise dienstbar sind. Wir wollen sein und bleiben ein Hort des Friedens, der Freiheit, der großen wie der kleinen Na- tiolicn.(Lebhafter Beifall.) Nicht wir sind es, die die kleinen Völker bedrohen. Ich beziehe das keineswegs bloß ans die Völker g e r m a n i s ch e r Rasse. Wie mühen sich die Diplomaten des Vierverbnndes darum, den Balkanvölkern die Ansicht beizubringen, daß der Sieg der Zentralmächte sie in Knechtschaft stürzt und daß der Triumph des Vierverbandes ihnen dagegen Freiheit, Unab- hängigkeit, Landgewinn und wirtschaftliches Gedeihen bringen ivürde. Erst wenige Jahre ist es her, daß der Machthunger Ruß- land» unter dem Schlagworte„der Balkan den Balkanvölkern" den Bund schuf, ihn dann aber durch Begünstigung de» serbischen Ver- tragsbruches gegen Bulgarien wieder zerfallen ließ. Erst die deut- scheu und österreichisch-ungarischen Siege in Polen befreien die Balkanstaatcn vom russischen Druck. England war einmal ein Schutz für die Balkanstaaten, als Alliierter Rußlands kann es nur der Bedränger ihrer Unabhängig- k e i t sein und sucht sie jetzt schon seine selbstsüchtige Hand fühlen zu lassen. Zum Schlüsse meine Herren, fasse ich alles zusammen: Kaum ein anderes großes Volk hat im Laufe der letzten Jahrhunderte solche Leiden getragen wie das deutsche, und doch können wir dieses Schicksal lieben, da» uns mit solchen Leiden einzig und allein den Ansporn zu ungeheuren Leistungen gab. Für das endlich geeinigt? Reich war jedes Fricdensjahr ein Gewinn, denn wir kamen ohne Krieg am glücklichsten vorwärts. Wir hatten ihn nicht nötig. Deutschland hat nie nach der Vorherrschaft in Europa gestrebt. Sein Ehrgeiz mar. in dem friedlichen Wettbewerb der großen und kleinen Nationen in den Ausgaben der Wohlfahrt und Gesittung vorauzustehen.(Beifall.) Dieser Krieg hat es an den Tag gebracht, welcher Größe wir fähig sind, gestützt aus die eigene sittliche Kraft. Die Macht, die uns die innere Stärke gab, können wir nicht anders als im Sinne der Freiheit gebrauchen. Die von ihren Regierungen gegen uns in den Krieg gehetzten Völker hassen nur nicht. Aber wir haben die Sentimentalität verlernt.(Lebh. Beifall.) Wir halten den Kamps durch, bis jene Völker von den wahren Schuldigen den Frieden fordern, bis die Bahn frei wird für ein neues von fr an- zösi scheu Ränken, moskowiti scher Eroberung»- sucht u n d �e n gki scher Vormundschaft befreite» Europa.(Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Abg. Spahn(Z.): Nach diesen Ausführungen beantrage ich, den Nachtrag»-» etat der Budgetkommission zu überweisen. Dieser Antrag wird ein st immig angenommen, ebenso wird ohne Erörterung auf Antrag des Abg. Spahn eine dem Reichstag heute zugegangene Vorlage auf Abänderung des Reichsmilitärgesetzes der Budgetkommission überwiesen. Das heute dem Reichstage zugegangene Gesetz über den Schutz von Trachten und Abzeichen der Krankenpflege wird ohne Debatte in erster und zweiter Lesung angenommen. Einem von allen Parteien gestellten Vertagungs antrag stimmt das HauS zu. Nächste Sitzung: Freitagnachmittag 2 Uhr pünktlich.(An-> frage. Zweite Lesung des NachlragsetatS.) Schluß 4 Uhr._ Mus ZnSustrie und Kandel. Äricgsgcwinne. Die Mühle Rüningen, Aktiengesellschaft, verteilt Wie� im Vorjahre 24 Prozent Dividende. Die Aktiengesellschaft Emil Busch, Fabrik für optische Instrumente in Rathenow, die, wie wir schon mitteilten, 17 Pr o z. Dividende ausschüttet, berichtet über günstigen Geschäftsgang. Der Umsatz habe sich in den vier ersten Monaten des neuen Jahre» gegenüber dem Borjahre erhöht. Die Aktiengesellschaft Eichener Walzwerk und Ver- zinkerei erhöht die Dividende von 8 auf 19 Prozent. Der Gewinn beträgt 899 335 M. Nach Abschreibungen in Hübe von 266 146 M.(i. V. 250 099 M.) und nach Verteilung der Dividende, werden 399 685 M. aus neue Rechnung vorgetragen. Der Vortrag auf neue Rechnung ist auch hier höher, wie die Summe der aus- gezahlten Dividende. Die W e r k z e u gm a s ch i n e n f a b ri k Union in Chemnitz schlägt für das Geschäftsjahr 1914/15 eine Dividende von 15 Proz. vor gegen 8 Proz im Vorjahre. Die Gladbacher Texlilwerke vorm. Schneider u. Jrmer verteilen, wie wir schon berichtete». 20 Proz. gegen 9 Proz. im Vor- jähre. Die Abschlußzahlen liegen nunmehr vor und bestätigen auf» neue die außerordentlichen Getvinne de» Unternehmen». Der Rein- gewinn der Gesellschaft beträgt 1 59 9 4 3 5 M. gegen 228699 M. i. V. Für Abschreibungen werden 290 133 M. verwandt gegen 112 917 M. im Vorjahre. Dem Reservefonds und für außerordentliche Rücklagen fließen 395 241 M. zu. Auf neue Rechnung werden 144987 M. vorgetragen. Die Auszahlung der Dividende erfordert 340 900 M. In der Bilanz erscheinen als neue Posten 680 109 M. Bankguthaben und 540 770 M. Kriegsanleihe.___ Neue Preiserhöhungen für Briketts. Nachdem erst im Juni dieses Jahres die Brikettpreise von dem Niederlausitzer Braunkohlensyndikat in Gemeinschaft mit der Ilse Bergbau Akt.-Ges. mit Wirkung ab 1. Juli um 1 M. per Tonne erhöht worden waren, tritt eine weitere Preiserhöhung von 1 M. für Groß- Berlin ab 1. September, für die übrigen Bezirke ab 1. Oktober ein. Den Anstoß für dieses Vorgehen des Niederlausitzer Braunkohlcnsyndikates dürften die Mitteldeutschen Braunkohlenwerke gegeben haben, die vor wenigen Tagen einen Winterzuschlag von 1 M. per Tonne beschlossen haben. Die in Aussicht stehende Preis- erhöhung wird die dritte in diesem Jahre sein. Die erste wurde Ende vorigen Jahre» beschlossen und trat am 1. April d. I. in Kraft. Ihre Notwendigkeit wurde begründet mit den allgemein gestiegenen Gestehungskosten. Die zweite Preiserhöhung ist mit dem gleichen Argumente motiviert worden; man fürchtete insbesondere, daß die BelricbSeinschränkung vom 1. Juli d. I. ab etwa 40 Proz. betragen werde. Die BetriebSrednktion hat aber bisher bei weitem nicht diesen Umfang angenommen. Jedenfalls ist es feststehend, daß die gegenwärtigen Erträgnisse der Niederlausitzer Braunkohlcnwerke gegen die der Normalzeit kaum nachstehen.____ Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co, Berlin SW,