?lr. 280.-32. Jahrg. flbonncmentS'Bcdlngungfn: HIionneOTenlä• Bteil vränuuieranb«, Vierteljährl. 8,30 Ml. monatL UO Ml. wöchenlliS 25 Bfg. frei in« Hau». einzelne Nummer 5 Pfg. Eoraung«- nummet mit illustri erler Eonntag»- Beilage.Die Neue Welt' lO Pfa. Post- «lbonnemenr: l.lO Marl pro Monat. VinZeiragen w die Pust< Zeitung«- Brerslisie. Unter Kreuzband fttr Teutsckland und Oesterreich- Ungarn 2.50 Mari, für da« übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Vostabonnement« «ehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Wumänien, Schweden und die Schwel«. tmclnt täglich. f 5 Pfennig) Die TnfertlonS' Geböhr beträgt für die iechSgclpallenc Kolonel- »eile oder deren Raum«) Pig.. iür pnütifche und gewerlichailliche AerentS. wid BersaumilungS. Anzeigen 80 Pig „Aletne Anaeigcn". das fettgedruchie Wort 20 Pig.(zulässig ZfetlgedruSte Worte), jedes weitere Wort lä Pig. Stellengesuche und Schlafftcllengn- zeigen da« erste Wort 10 Pfg.. zedcS weitere Wart 5 Pfg. Worte über 15 Buw. ---------------- t NO Verltnev VolksblÄkt. Zentralorgan der Ibzialdemokr at» fd�en Partei Deutfcblands. [toben zählen für zwei Worte. Inserate . die nächste Nummer müssen dis � Uhr nachmittags in der Expediiion abgegeben werden. Die Ervodisioii ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Delegrmnm- Adrefle: .�oÄäläimslifZl vkkli,-. V Redaktion: SW. 6$, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morichplatz, Nr. ISl. S0— 151 97. Sonuabeud, den 21. August 1915. Expedition: SW. 6$, Lindenstraße 5. Fernsprecher: Amt Moritzpla«. Nr. 151 90—151 97. Linnahme von lloivo-Leorgieivsk. MMm Des(Men ßWWMs. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 20. August 1915.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschanplast. Zwischen A u g r r s und S o u ch e z wurde der Feind heute nacht aus den von ihm gestern besetzten Grabenstücken Vertrieben. Am Schratzmännle in den V o g e s e u ging ein kleiner Teil unserer vorderste« Stellung an die Frau- zoscn verloren. Ocstlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfcldmarlchalls v. Hindenburg. Oestlich von K o w n o folgen unsere Truppen nach erfolgreichen Kämpfen dem Feinde. Im Räume von der Dawina bis zur Straße Augu- stow— Grodno sind die Russen in die Linie Gudelc < ostlich von Marjampol)— L o z d z i j r— S t u d z i e» ii i c z n a zurückgegangen und leisten dort erneut Wider- stand. Auch westlich von Tykoein wird noch gekämpft. Tie Armee des Generals v. Gallwitz setzte ihren An- griff erfolgreich fort und nahm 10 Offiziere 2000 Mann gefangen und erbeutete 12 Maschinengewehre. Tic Festung Rowo-Georgiewsk, der letzte Halt des Feindes in Polen, ist nach hartnäckigem Wider- stand genommen. Die gesamte Besatzung, 0 Gene- rale» über 83 000 Mann, davon gestern im Endkampfe allein über 20 000, wurden zu Gefangenen gemacht. Die Zahl der erbeuteten Geschütze erhöhte sich auf über 700, der Umfang des genommenen sonstigen Kriegsmaterials läßt sich noch nicht übersehen. Heeresgruppe des GeneraUeldmsrlchalls Prinz Leopold von Bayern. JSie Heeresgruppe ist im weiteren Vordringen. Heeresgruppe des Generalteldmarlchalls v. Mackensen. Ter linke Flügel werf den Feind hinter den Koterka- und Pulwa-Abschnitt[südwestlich von Wisoko Litowsk) zurück. Südlich des Bug wurde gegenüber Brest- Litowsk Gelände gewonnen. Oestlich von Wlodawa erreichten unsere Truppen in scharfer Verfolgung dir Gegend von Piozcza. Ober st e Heeresleitung. die Meldung des ruPfchen Heneralstabes. Petersburg, 10. August. CW. T. B.) Ter General- st a b des Generalissimus teilt mit: Am 18. August zogen sich unsere Kriegsschiffe, die den Eingang des R i g a e r Meerbusens bewachten, nach Kämpfen wegen der be- deutenden Uebermacht der feindlichen Flotte in eine nähere Stellung zurück. Auf der Gesamtfront von Riga bis Janow— am Wilija— keine wesentliche Veränderung. Bei K o w n o breitet der Feind energisch seine schon erzielten Erfolge aus. Es gelang ihm, die Stadt zu besetzen und, weiter vordringend. sich in der Gegend nahe der Stadt zu behaupten, die eine Landzunge zwischen dem Njemen und der Wilija bildet. Bei O s s o w i e c wurden in der Nacht zum 18. August und im Laufe des folgenden Tages Angriffe der Tcutschen gegen unsere Stellungen durch unser Feuer zurück- geworfen. Auf der Front von Ossotviec bis B r e st- Litowsk und weiter südlich dauern die Kämpfe fort und nahmen auf einigen Abschnitten einen Charakter von äußerster Zähigkeit an. Der Feind zeigte eine besondere Hartnäckigkeit, indem er am 17. und 18. August unsere Truppen am unteren Bug, in der Gegend von B i e l s k, längs der Eisenbahn von Tscheremcha und bei Wlodawa angriff. Auf der galizischen Front keine Veränderung. Bei Nowo-Georgie w s k unternimmt der Feind mit steigender Wucht Angriffe gegen die auf dem rechten Weichsel- und Narew- Ufer liegenden Befestigungen. Die Kämpfe zeigen jetzt einen sehr hartnäckigen Charakter. Hausen von deutschen Leichen bedecken unsere Hindernisse, jedoch ge- laug es der deutschen Artillerie, die ein Feuer von höchster Intensität entwickelt, unsere Geschütze zum Schweigen zu dringen und unsere Befestigungen aus dem Abschnitt zwischen Wkra und Narew zusammenzuschießen. Darauf mußten unsere Verteidiger trotz aller ihrer Bemühungen sich auf das rechte Ufer der Wkra zurückzuziehen. Dieser Umstand ge- stattete den Deutschen, ihre weiteren Anstrengungen gegen den nördlichen Abschnitt zwischen Wkra und Weichsel zu konzen- trieze«. Sn SslemNiWe WnolWsWA. Wien, 20. Augnst.(W. T. B.) Amtlich wird verlaut- bart: 20. August 1915. Russischer Kriegsschauplatz. DaS Bordriugeu der Verbündeten auf Brest- Litowsk hat im Bereiche der Festung beträchtliche Teile mehrerer russischer Armeen regellos zusammengedrängt. Nm das auf wenige Uebergänge beschränkte Abfließen der Truppen und Trains gegen Nordost zu ermöglichen, setzt der Gegner ins- besondere westlich von Brest-Litowsk auf beiden Seiten des FlufleS unserem Bordringen starken Widerstand entgegen. Dessenungeachtet hat sich der Nordflügel der EinschlicßungS- truppen östlich Nokiw» weiterer Vorfeldstellungen bemächtigt, und die auf dem nördlichen Bngufer vorstoßenden Truppen des Erzherzogs Josef Ferdinand vertrieben gestern vor Ein- bruch der Dunkelheit den bei Wolczvn verschanzten Feind mit stürmender Hand. Die Gruppe deS Generals von Koeveß drängt gegen die obere Pulwa vor. An der Beschießung von Rowo-Georgiewsk, das von unsere» Verbündete» ge- uommen wurde, hatten auch unsere schweren Mörser erfolg» reichen Anteil. Bei Wladimir Wolhnskij und in Ostgalizien blieb die Lage unverändert. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Kämpfe der schwere« Artillerie im Tiroler Grenzgebiete halten an. Bei de« gestern erwähnten Angriff auf unsere Borstellungen auf dem Plateau von Folgo- ria verloren die Italiener 200 Mann. Im nördlichen Abschnitt der küstenländischen Front wurde gester« früh wieder ein feindlicher Angriff ans Mrzli Brh und den Rücken nördlich dieses BcrgeS unter großen Verlusten deS Angreifers abgeschlagen. Desgleichen scheiterte« zwei gestern abend und beute früh unternommene Versuche der Italiener, die Linien deS Brückenkopfes von Tolmeiu zu durchbrechen. Im G o e r- zische» unterhielt d er Gegner strllenwerfe lebhaftes Aetilleriefeuer; unsere Artillerie antwortete mit Erfolg, zer- störte eine Pontonbrücke bei Sogrado und bewarf frindlichr Truppenmasseu östlich von Picris. Der Strllvrrtreter des Chefs deS GeneralstabeS: von Höfer, Feldmarfchallentnant. Der französische Tagesbericht. Paris, 2(1. August.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom 19. August nachmittags: Auf der ganzen Front im Artois herrschte lebhafte Tätigkeit. Wir setzten uns durch einen Angriff in den Besitz der Kreuzung der Straße Bs- thune— Arras mit dem Wege Ablain-Angres, wo die deutsche Stellung in unsere vorderste Linie hereinsprang; mehrere feindliche Gegenangriffe wurden abgeschlagen. Nördlich von Carleul wiesen wir mehrere durch Artilleriefeucr aus geringer Entfernung vorbereitete und durch Infanterie- feuer unterstützte feindliche Angriffe mit Minen- und Handgranaten ab. In der Gegend von Berles- au- Bois und Ädinfer dauerte das Gewehrfeuer an. Zwischen Oise und Aisne heftiges Geschützfeuer, im Abschnitte von Vailly und auf den Hochflächen von Ouennevisres und Nouvion. In den Argonnen brachte unsere Artillerie feindliche Batterien und Minenwerfer bei Fontaine- aux- Charmes und in der Gegend von Marie-Thsrsse zum Schweigen. In den Vogesen wurde auf dem Gipfel des Lingekopfes heftig gekämpft: auf dem Kamme des Schratzmännle nahmen wir einen weiteren deutschen Schützengraben und machten einige Gefangene. Paris, 20. August.[W. T. B.) Amtlicher Bericht von gestern abend: Andauernd starker Artillcriekampf auf dem größeren Teile der Front, besonders auf den beiden Ufern der Öise und in den Gebieten von Plefsis, Royc und WinleS, wo unser Feuer einen feindlichen Eisenbahnzug und Trans Porte traf, in der Champagne sowie im südlichen Wocvrc- gebiet. In den Argonnen sprengten die Deutschen an der Höhe 285 eine Mine, ohne aber Schaden an unseren schanz- werken anzurichten. In den Vogesen richtete der Feind nur noch eine heftige Kanonade gegen unsere Stellungen am Linge- köpf und am Schratzmännle. Im Laufe einer Unternehmung im Artois, die uns gestern einen beträchtlichen Geländegewinn zu erzielen gestattete, machten wir Gesansene lUtb erbeuteten fünf Maschinengewehre. Rheinisch-westfälische Nationalökonomie. Ans Universitätskreisen wird uns geschrieben: Wer sich mit den Verhältnissen der deutschen Universi- täten irgendwie besaßt hat, der erinnert sich an den Streit über die Voraus setzungslosigkcit der Wissen- s ch o f t, der hohe Wellen schlug, aber doch keine nachhaltige Wirkung hatte. Es war eine der Phasen des Jahrhunderte alten Streites zwischen der Kirche und der Wissenschaft. � Der Klerikalismus, deffen politische Macht im protestantischen Teutschland immer deutlicher zutage trat, wollte seinen An- teil an der Beeinflussung der akademischen Jugend haben! während die alteingesessenen Beherrscher der Universitäten das Eindringen der klerikalen Elemente in die Hallen der Uni- versität nicht zulassen wollten. Sic verteidigten damit sicher eine für siejchr wichtige Position. Doch kann man streiten, ob diese Stellung als Grundlage die voraussetzungslose Wissenschaft hatte. Daß diese Voraussetzungslosigkeit nicht die Voraussetzung bei der Siebimg und Prüfung der Uni- versitätslehrer, bei ihrer Ernennng durch die verschiedenen Uuterrichtsverivattungen ist, bedarf für den Saihkenner keiner weiteren Auseinandersetzung. Das Schicksal der sozialdemo- kratischcn Dozenten an den beiden größten Universitäten des deutschen Sprachgebietes, des gemaßregelten Dr. Leo Arons in Berlin und des ewigen Privatdozcnten Tr. L. M. Hartmann in Wien sagen da genug. Nicht bloß negativ, sondern auch positiv ist diese Frage zu betrachten. Tie dem FreiHerni von Stumm zu dankende Berufung des Züricher Professors Dr. Julius Wolf nach Breslau, nachdem er mit eineni im ersten Bande stecken ge- bliebcncn Werke den Sozialismus reckit unglücklich zu der- nichten versucht hatte, sollte nicht vergessen iverden, wie auch die Bemühungen des Unternehniersekretärs und Parlamen- taricrs Dr. Stresernann, dein extremsten Feinde der Arbeiter- bcwegung. dem Rostocker Professor Ehrenberg einen noch größeren Wirkungskreis in Leipzig zu verschaffen, beachten s- wert sind. Schon Dr. Stresemann soll der sächsischen Regie- rung die finanzielle Förderung bei der Schaffung des neuen Leipziger Lehrstuhls und bei der Ausbildung der Universiläts- cinrichtungen für diesen Vertreter der Unternehmcrökonom'e angeboten haben. Dieser Versuch mißlang, aber an Einfluß der Unternehmerkreise auf die uationalökonomische Wissen- ichaft fehlt es leider nicht. Einiges durchaus nicht vollständiges soll über diese wichtige Ausdehnung der Einflußsphäre des Großuntcrnehmertums hier mitgeteilt iverden. Vor allem wäre es wichtig, für die Vertreter der Arbeiterintcresscu die Verfassung der H o n d c I s h o ch s ch u I c u einmal zu unter- suchen, den direkten Einfluß festzustellen, den da die Korpo- rotionen der Unternehmer in Handel und Industrie ausüben durch Geldgewäbrung, durch Besetzung der Kuratorien, Sack- verständigenkomitees, Aufsichtsräte, durch Beeinflussung der Berufungen u. dgl. Man betrachte sich z. B. den Stand- Punkt der Nationalökonomen an der früheren Frankfurter Akademie für Handel und Sozialwissenschaftcn, deren Lehrer in die neugegründete Universität Frankfurt a. M. übcrge- gangen sind. Sic hat als ihren zweiten Rektor Herrn Pro- fcssor Pohle bestimmt, der ein entschiedener Vertreter der Unternehmerintcressen und ein Intimus des von Herrn Stumm patronisierten Professor Dr. Julius Wolf ist und die von Wolf mit Stuminscher Unterstützung herausgegebene Zeitschrift für Sozialwissensckiasten gleich eifervoll weiterführt. Neben ihm wirkt als Nationalökonom Professor I. Voigt. ein Verteidiger der gelben Arbeiterorganisation. Als zu Be- ginn der Kriegszeit der Professor an der Münchener Handels- Hochschule Professor Edgar Jafse gegen den kapitalistischen Egoismus in der Kriegszeit einige wissenschaftlich wohl abgewogene Worte äußerte, da zeigten die Münchener Geldgeber der Handelshochschule ihre Unzufriedenheit in sehr deutlicher Weise. Auch sonst fußen die Handels- Hochschulen in ihrer wissenschaftlichen Unabhängigkeit infolge der Subventioniernng, beziehentlich der Erhaltung durch die Korporation des Unternehmertums in sehr unsicherem Boden. Immer häufiger werden die Berufungen vo» Handelshoch- schulen au Universitäten, wodurch die bewußten Vertreter der Unternehmerinteressen in die Hörsäle und Seininarien der Universitäten verpflanzt werden können, lim so größer dürste diese Gefahr werden, als nach dem Tode von Johannes Eon- rad B e r n h a r d Harms der Berater der preußischen Unterrichtsverwaltunng für die Besetzung der notionalökono- mischen Lehrstühle geworden sein soll. Nun ist Professor Harms, der sich rühmt, vom Buchbindergeseilen zum Uni- versitötsprofessor aufgestiegen zu sein, selbst ein Stipendiat der Unternehmer. Sein Institut für Seeverkehr und Welt- Wirtschaft und sein weltwirtschaftliches Archiv sind durch Subventionen von Unternehmerkprpveckttvnen zustande ge- kommen und sie tverden von ihnen dauernd erhalten. Tie Erfolge des Kieler Nationalökonomen lassen seinen Kollegen "in Münster in Westfalen. Herrn Professor P l e n g e, nicht ruhen. Hat Professor Ehrenberg in Rostock die Unter- uehmersubvcntionen für sein Archiv für exakte Wirtschafts- forschung und für sein Institut für exakte Wirtschnfts- forschung. hat Professor Bernhard Harms sein Weltwirtschaft- liches Archiv, die Zeitschrift für allgemeine und spezielle Wirtschaftslebre und sein besonderes Institut für See- Verkehr und Weltwirtschaft, alles glänzend ausgestattet, wie man es nur mit reichen Unternehmersubventionen haben kann, geniesst Professor Bernhard an der Berliner Universität reiche Förderung von Unternehmen, haben die Laboratorien der technischen Hochschulen so manche Unterstützung durch die Verflechtung deS wissenschaftlichen Betriebes mit der Berück- fichtigung der Interessen der Unternehmer gefunden, tvarum soll sich dann ein junger Nationalökonom in der sonst so amüsanten Stadt Münster in Westfalen damit begnügen, ein gewöhnliches Seminar zu haben, warum soll ihm nicht auch ein großes Institut gebaut werden, so eine eizcne kleine Uni- vcrsität, die er selbst leitet und für die dann die Unternehmer daS Geld hergeben. Ins Große, inS Fabrikmäßige, hier und da ins Unsolide wächst der Universitätsbetrieb. Man hat früher unter ein- fächeren Verhältnissen die Studenten zu viel soliderem und selbständigerem Arbeiten angeleitet. In den Kliniken, m den physikalischen und chemischen Laboratorien der Universitäten beobachtet man sehr häufig, daß die Studenten gelehrt werden, mit den kompliziertesten Apparaten und nur Venn Vorhandensein der ausgebildetstcn Einrichtung zu arbeiten. Dafür sehen sie sich aber später in ihrer Praxis, wo sie natürlich die großartigen Einrichtuitgen nicht besitzen können, von allen möglichen Schwierigkeiten umgeben, während die in einfachen Instituten herangebildeten Aerzte und Naturwissenschaftler sich weit praktischer und gewandter erweisen. Mit der gleichen Gefahr muß man heute in den Geistes- Wissenschaften rechnen. Es wird dem Studenten alles viel zu sehr zurecht gelegt, so daß er nicht lcnit, nach Duellen und nach Materialien zu forschen, daß er nicht im Suchen daS Material seiner Wissenschaft kennen lernt. Er findet alles schön geordnet, all»S beisammen, er braucht nur zu greifen. Er studiert heute nicht nichr die grundlegenden Werke seiner Wissenschaft, er findet heute schon alleS kombmiort und zusammengestellt in kleineren praktischen Büchern. Er lernt so nicht das richtige Arbeiten, auch nicht die wissenstbaftlichc Selbständigkeit, er kommt nicht zum richtigen Forschen, er wird gleich eingegliedert in den großen Betrieb wie ein Rädchen in die Maschine. Eine solche großzügige Einrichtung, fast hätten wir ge- sagt Fabrik, will nun Professor Dr. Johannes Plenge in Münster gründen. Der bisherige Ordinarius und Leiter- des Seminars, der durch seine Geschichte der deutschen Go- werkschaften bekannt geworden ist, Professor Schmöle scheint in den Hintergrund gedrängt zu sein. Nachdem Plenge über Marx und Hegel und über Banken geschrieben, seine Vorträge über die Wirtschaft und den Krieg vielleicht zu rasch veröffentlicht hat, nachdem er sich rühmen ließ wegen seiner Würdigung der Gewerkschaften, hat er nun den Fachkreisen eine neue Ueberraschung bereitet, denn sein jüngstes Druckwerk „Uebcr den Ausbau einer Unterrichtsanstalt für die Ausbildung praktischer Volkswirte" trägt den Untertitel„Denkschrift für die nord- westliche Gruppe desVereins deutscher Eisen- u n d S t a h l i u d u st r i e l l e r". Das ist jedenfalls etwas Eigenartiges und wird Herrn Professor Plenge mit einem großen Sprunge an die Seite der Bernhard, Ehronberg und Harms bringen. Aus seiner neuen Anstalt soll man als ein„diplo- mierter praktischer Volkswirt" herausgehen, die neue Anstalt foll neue Professoren bekommen, sie sollen zwar vom Unter- richtsministcrium ernannt werden, aber der Beirat der An- stalt, dem sechs oder acht Mitglieder einer zu gründenden „rheinisch-westsälischcn Gesellschaft zur Ausbildung praktischer Volkwirte" angehören sollen, alS Vertreter der nordwestlichen Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller, soll die„innigste Fühlung mit der Praxi?" herbeiführen und ihre„dauernde und grundsätzliche Verbindung" mit ihr— wir führen wörtlich an— schaffen. Die Freunde der Anstalt sollen ein Kapital herbeischaffen, da? eine jährliche Einnahme von 200 000 M. gewähren soll, ein eigenes Anstaltsgebände .soll bereitgestellt werden. AlleS soll im großen Stile rasch in Angriff genommen werden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß wenn Herr Professor Plenge den Unternehmern alle Garantien schafft, wenn er die wertvollen Beziehungen zur Großeisenindustrie, die er schon bisher in seinem Seminar gepflegt hat, weiter entfaltet, daß dann die rheinisch-westfälische Industrie aus den in diesem Jahre so reichlich geflossenen KriegSgewinnen die paar lumpigen Millionen nach Münster hinwirft, um sich das zu schaffen, was sie bisher durch mühsame Prüfung bei der Be- Währung der einzelnen jungen Nationalökonomen zu erreichen suchte: eine rheinisch-westfälische Nationalökonomie. Daß Dr. Tille diese Vorschläzc Prosessor PlcngcS nicht mehr erleben konnte. Da die bürgerlichen Parteien diese neueste Pflanze im deutschen WisscnschaftSgarten nicht als Unkraut empfinden dürsten, so wird cS den sozialdemokratischen Abgeordneten im preußischen Abgeordnetenhaus wohl allein vorbehalten bleiben, sich mit diesem neuesten Bemühen der Kapitalisierung der wissenschaftlichen N a H o n a l ö k o n o m i e zu befassen.___ Der neue belgische Generalftabschef. Pari«, 19. August. sW. T. B.).Petit Parifien" meldet au« Havre: König Albert ernannte den bisherigen zweiten Gcneratstab«- Nisf Generalmajor Wieleman« zum Geueralfiabschef. Oberst igtarchovelclte, der seil mehreren Monaten die belgisHc Armee in, französischen großen Hmiptquariier vertrat, wurde vom Kriegsminister de Brocqrieville zur Leitung seines MiiitärkabineNS berufen und zum Ccncral ernannt._ Einberufung aller wehrfähigen Männer im asiatischen Rusilanü. Kohenhazcn, 20. August. Nach einer kaiserlichen Verordnung wcrdxn alle noch verfügbaren Offizier« und Mannschaften deS ganzen asiatischen Rußlands mit Nusnahme de« Kaukajutgebictez nunmehr einberufen.__ Kämpfe im Montenegrinischem Lyon, 19. August.(W. T. B.)„Teptche" meldet auS Eettlifle: Tie O e jt c r r c i ch c r griffen mit Artillerie und Infanterie die montenegrinischen Stellungen bei Dursnik, Biolctele und Gatwina an. Die Forts von Kastaro beschossen heftig die Stellungen bei Nstogosche sowie die Stellungen am Lowtschen. Die montenegrinische Artillerie erwiderte daS Feuer. Meldung der italienischen Heeresleitung. Rom, 20. August.(W. T. B.) A m t l i ch c r H e e r e Z- b erich t von gestern: Im Abschnitt des Tonalc bc- schädigte unsere Artillerie das Pozzi Alst benannte Fort schwer. Die Verteidiger waren gezwungen, das Werk zu räumen, sie wurden von unseren, Feuer verfolgt. Im oberen Cordevoletale richieten die feindlichen Batterien, nachdem sie vergeblich versucht hatten, unsere Truppen aus ihren Stellungen zu vertreiben, das Feuer gegen den kleinen Marktflecken und die Kirche von Livinalongo und riefen dort einen Brand hervor. Im Tale der oberen Rirnz haben wir neue merkliche Fortschritte er- zielt. Eine Verschanzung auf dem Monte Paterno wurde im Sstirni genommen. Bei der Dreizinnenhütte ivurde eine Reihe Von Schützengräben erobert und 2i Gefangene gemacht. Im Abschnitte von Tolmein wurden die Angriffe, die der Gegner in der Nacht vom 17. zum 18. gegen die von unseren Truppen eroberten Stellungen richtete, pollkommen zurück- geschlagen. Auf dem Karst wurden unsere Linien ebenfalls etwas vorgeschoben. Wir machten 58 Gefangene und erbeuteten ein Maschinengewehr. Der Feind entwickelt eine größere Tätigkeit mit seinen Flugzeugen, die er zur Aufklärung uno zu kühnen Unternehmungen benützt. Wir haben nnt unserer Abwohrartillerie eine wirksame Verteidigung gegen diese feindlichen Versuche cingcrichict. Die Dardanellenkämpfe. London, 20. August.(33. T. B.) General Hamilton meldet: Die letzten Operationen auf G a l l i p o l i be- standen in Angriffen auf die feindlichen Stellungen im Süden und Westen, wo die Australier und Neuseeländer steben, und aus erneuter Landung ansehnlicher Streit- k r ä f t e an der Snvlabai. AuS Erklärungen Gefangener geht hervor, daß die Türken große Verstärkungen erhielten, um uns kräftig anzugreifen. Unser Angriff kani den, ihrigen um ungefähr Stunden zuvor. Deshalb war der Kampf sehr heftig und auf beiden Sellen die Verluste sehr groß. Tie Ausschiffung an der Suvlabai gelang gut. Unsere Truppen konnten aber nicht merklich vorankommen, da der Feind starke Reserven heranführte und unseren Aufmarsch zum Stehen brachte. Die Moral der Truppen ist ausgezeichnet. Der Seekrieg. Vom v Dootkrieg. London, 20. August.(W. T. B.) Meldung des Reuter- scheu Bureaus. Nach einer amtlichen Meldung sind vom 11. bis zum 18. August elf Schiffe von U-Booten und zwei durch Minen versenkt worden mit einem Gcsamttonnengehalt von 22 970 Tonnen. Stavanger, 29. August.(W. T. B.) Von der Signalstation Egerö aus würbe gestern nachmittag bemerkt, wie ein n.or- wegischeS, mit Erzen(Bannware) beladene« Fahrzeug 9 Seemeilen von Egerö Leuchtfeuer versenkt wurde. Tie Do- satzung wurde von einem anderen Fahrzeug aufgenommen. London, 29. August.(W. T. B.) Meldung des Rcuterschen Bureaus. Der norwegische Dampfer„M a g d«" mit 1963 Bruttotonnen ist versenkt worden. Ter Kapitän und 15 Mann wurden gerettet. (Anmerkung des D. T. B.: Der Dampfer„Magda" wird wohl Bannware an Bord gehabt haben.) London, 29. August.(W. T. B.) Das Reutcrsche Bureau meldet: Ter spanische Dampfer..Pena E a st i I l o" wurde versenkt. Drei Mann der Besatzung wurden gerettet.— Aach den zuletzt eingetroffenen Nachrichten werden sechs Offiziere und 38 Mann der Besatzung der„Arabic" vermißt.— Von der Besatzung des gestern versenkten Dampfers„DunSlee" fanden zwei Mann den Tod, die anderen wurden gerettet. London, 29. August.(W. T. B.) Nach einer Reutermeldung ans Cardiff ist der norwegisch« Dampfer„Sverres- borg" versenkt worden. London, 29. August.(W. T. B.) Meldung des Rcuterschen Bureaus. Der Dampfer„New Bork City" ist versenkt worden. Der Kapitän und die Besatzung wurden gelandet. London, 29. Angust.(T.-U.) Lloyds Bureau meldet: Der englische Dampfer„Carad" ist in der Nordsee, wahr- schcinlich durch ein Unterseeboot, zum Sinken gebracht worden. Die Torpedierung der„Arabic". London, 29. August.(W. T. D.) Meldung d«S Rcuterschen Bureau». Tg? Bureau der White Star Linie teilt mit, daß alle Passagiere der„Arabic" bis auf acht gerettet wurden und in OueenStown angekommen sind. Unter den acht Ertrunkenen befänden sich vier Amerikaner. Einer früheren Tepefchc zufolge kamen gestern abend in OueenStown zwei Fahrzeuge mit 175 Passagieren und 216 Mann der Besatzung an. Sie wurden mit Automobilen nach einem Hotel gebracht und, soweit sie ver- wundet waren, der ärztlichen Hilfe überwiesen. Kurz bevor der Torpedo abgefeuert wurde, eilten die erschreckten Paffagicre nach RcttungSgürteln; sie hätten sie eben umgeschnallt, als die„Arabic" getroffen wurde. AIS die Rettungsboot« und Schaluppen herab- gelassen wurden, drängten die Pasiagiere hinein, wobei mehrere in? Wässer fielen. Viel« Frauen weilten bei der Torpedierung noch in den Kajüten und eilten in Nachtgewändern auf das Deck; man hüllte sie in Decken. Ter Kapitän, der am Bein verwundet war, sagte aus, daß er da« Unterseeboot nicht gesehen habe, wohl aber den Torpedo, der auf das Schiff zukam. ES wäre unmöglich gewesen zu entrinnen; er hatte nur acht Minuten Zeit, um die Rettungsboote niederzulassen. Der zweit« Administrator teilte mit, daß der Torpedo das Schiff beim Maschinenraum traf, die Kessel platzten und die ganze Seitenwcmd eingerissen wurde. Tie meisten Fahrgäste hatten eben ihr Frühstück beendet; viele hatten auch einen anderen Dampfer bemerkt, als die„Arabic" getroffen wurde. Nach anderen Aussagen herrschte keine Panik. Tie Boote er- reichten ohne Schwierigkeit das Wasser. Sie mußten vier und eine halb« Stunde gerudert werden, ehe die Schiffbrüchigen auf- genommen wurden. ES soll unter anderem auch ein deutscher Prediger an Bord gewesen sein, der mit Erlaubnis des AuS- wärtigen?lmtS nach Amerika fuhr. Aus New D o r k wird engkischcn Blättern telegraphiert, daß die Nachricht in Washington Sl u f s c h e n erregte und man er- freut ist, daß so viele gerettet wurden. Tic Konsuln in Liverpool und OueenStown wurden beauftragt, Berichte einzusenden. Wilson, der tclcphonisch von der Torpcdierung verständigt wurde, gab keinen Kommentar. Zum Untergang des englischen EL IX Kopenhagen, 20. August.(W. T. B.) Das Marine- ministcrium gibt bekannt: Gestern früh lief die Mcl- dung ein, daß ein Unterseeboot unbekannter Natio- nalität auf d ä n i s cb e m Scegebiet zwischen Saltbolm und Stenrösen im„Söndre Flint" südöstlich von Saltholm auf Grund gelaufen sei. Zur Wahrung der Neutralität wurden sofort Torpedoboote nach der Strandungsstellc entsandt; auch das im Sund befindliche Geschwader erhielt Be- fehl, sobald als möglich dorthin abzugehen. Zu dieser Zeit war eine Meldung eingelaufen, daß das betreffende Fahrzeug das englische Unterseeboot E 13 fei. Das dänische Torpedoboot„Narhvalen" legte sich an die Seite des Unter- seebootes, um auf Wunsch des englischen Kommandanten einen englischen Offizier auf das dänische Wachtschiff„Folster" zu bringen, das sich auf der anderen Seite von Saltholm befand. Um 10 Uhr 35 Minuten, als das dänische Geschwader sich auf dem Wege nach der Strandungsstellc bei der Sandbank Kraasebaenken in Drogden etwa 5 Seemeilen von der Strandungsstellc befand, wurde eine Erplosion dicht bei einem Fahrzeug bemerkt, das sich vom Süden kommend, dem Unter- seeboot näherte. Ter Kommandant des Torpedobootes „Sölövcn", das sich zu dieser Zeit zusammen mit dem Torvedo- boot„Stören" in der Nähe der Strandungsstelle befand, be- richtet, daß er ungefähr um 10� Uhr zwei deutsche Torpedoboote bemerkt habe, die mit nordöstlichem Kurse in„Flintcrcnden" fuhren;„Sölöven" sei ihnen deshalb so- fort entgegengefahren, um gegen eine etwaige Neutralitäts- Verletzung zu protestieren. Das nördlicher stehende Torpedo- boot habe das Signal wehen gehabt: Verlaßt Fahrzeug so schnell als möglich! Plötzlich habe das deutsche Torpedoboot einige Schüsse auf das Unterseeboot abgefeuert, das fast augenblicklich in Brand geraten fei. „Sölövcn" sei dem deutschen Boot jetzt sofort cntgcgcngcfabren, um Angriffe zu verhindern, worauf das deutsche Torpedo- boot das Feuer eingestellt habe und mit hoher Fahrt südwärts gedampft sei. Zu einer früheren Zeit, um 8% Uhr, hätte ein deutsches Torpedoboot das Unterseeboot passiert, ohne einen Angriff zu versuchen; die englische Flagge habe während der ganzen Beschießung und nachher auf dem Unterseeboot gewebt. Kopenhagen, 20. August.(W. T. B.) Die Hälfte der Besatzung des Unterseebootes E 13. 15 Mann, von denen einer verletzt ist, sind gerettet worden. Von den übrigen sind 11 Mann als Leichen an Land gebracht worden. Ein Mann wird vermißt. Dänische Schiffe ver- bleiben bis auf weiteres bei dem beschädigten Unterseeboot. Ein posidampfer angehalten� Stlivsngcr, 29. August.(W. T. B.) Der Postdanipscr „Irma" ist gestern morgen gegen 8 Uhr auf der Reise von New- castle nach Norwegen nördlich von Iaeterencs Riff von einem deutschen Unterseeboot angehalten worden. An Bord der„Irma" wurde mitgeteilt, daß das Anhalten innerhalb de« norwegischen Scegebietes vor sich gehe; dennoch wurden die Boote nach dem ersten Warnungsschusse klar gemacht. Inzwischen fand sich ein norwegisches Torpedoboot ein, daS das Unterseeboot darauf aufmerksam machte, daß es sich auf norwegischem Seegcbicr befand. Das Unterseeboot entfernte sich darauf sofort. Auf der „Irma" befanden sich mehrere englische Reisende. Gerüchte über Kriedensvorbereitungsu. London, den 20. August.(T. U.) Eine Reuter-Depesche aus Rom weiß folgendes zu melden: Tic aus dem Haag an den holländischen Gesandten beim Vatikan gemachten Mit- teilungcn werden hier als eine Bestätigung der Auffassung betrachtet, daß der Gesandte hauptsächlich zu dem Zwecke akkrcdicrt wurde, um die holländische Regierung in die Lage zu versetzen, jede Initiative zugunsten des Friedens zu unterstützen. Ferner werde der holländischen Regierung dabei auch die Möglichkeit gegeben, an den Friedenoverhandluiigen, die in die Wege geleitet. iverden sollen, teilzunehmsn. Man nimmt an, daß die Verhandlungen im Haag abgehalten werden. Im Haag hofft man, daß der Vatikan die Initiative zu einer Fricdensvermittelung er- greifen werde. Der englische Gewerkschaftskongreß und der Krieg. Ter 47. Jahreskongreß der englischen Gewerkschaften tritt am 6. September in Bristol zusammen. Es werden etwa 559 Delegierte anwesend sein, die 2 759 999 organisierte Ar- bcitcr vertreten. Brüderliche Delegierte werden aus Frank- reich, Belgien, den Vereinigten Staaten von Amerika und aus Kanada erwartet. Das Parlamenrische Komitee des Gcwcrk- schaftskongresseS schlagt folgende, den Krieg betreffende R c s o- l u t i o n vor: „Obwohl der Kongreß allen Militarismus als eine Gefahr für den menschlichen Fortschritt verurteilt, so ist er doch der An- ficht, daß die Aktion Großbritanniens und seiner Verbündeten vollständig gerechtfertigt ist.... Ter Kongreß verpflichtet sich, die Regierung in der erfolgreichen Fortführung des Krieges zu unter- stützen." Eine andere Resolution billigt die Haltung der Arbeiters, ak- tion, indem sie mit den bürgerlichen Fraktionen beim Soldaten- anwerben zusammenwirkte. Ein Zusatzantrag hierzu bcdaucrl jedoch,„daß die Fraktion nicht gleichzeitig von der Regierung ein: anständige Fürsorge für die Kriegsinvaliden sowie die Witwen und Waisen der gefallenen Soldaten erlangt hat". Tie Vereinigte Tagelöhnergewerkschaft brachte folgende Rcso- lution ein: „Ter Kongreß ist bestürzt über die beispiellosen Verluste on Toten und Verwundeten zu Lande und zu Wasser.?lllen Personen, die die Heiligkeit de? menschlichen LebcnS würdigen, legen wir dringend anS Herz, für einen Frieden zu wirken, der der natio- nalen Freiheit und nationalen Ehre entspricht. Wir fordern daS Parlamentarische Komitee des Kongresses auf, die Friedens- bedingungen zu formulieren und zu befürworten, die die Zlrbeiterklasse zufriedenstellen könnten, und der Regierung nachdrücklichst zu erklären, daß es durchaus nötig sei, dem Volke genau auseinanderzusetzen, wofür wir kämpfen." Zwei Resolutionen find im Sinne des Programms des Komitees der demokratischen Kontrolle gehalten. Sie verlangen einen Frieden nach folgenden Grundsätzen: 1. Keine Annexionen, außer mit Zustimmung der Einwohner. 2. Demokratische Kontrolle über die auswärtige Politik; intcrnatio- nale Verträge müssen die Zustimmung des Parlaments haben. 3. Errichtung eines internationalen Gerichtshofs, der öffentlich beraten und verhandeln und den Zweck haben soll, einen dauern- den Frieden herzustellen. 4. Tie Friedensverträge sollen glcic- zeitig die Herabsetzung der Rüstungen vorsehen. Saumwolle ist Konterbanöe. Washington, 20. August.(W. T. B.) Meldung deS Reuter- schen Bureaus. Die englische Botschaft gestattete die amtliche Bekanntmachung, das; die Alliierten im Prinzip beschlossen hätten, Baumwolle zur Konterbande zu er- klären. Der Zeitpunkt, wann diese Maßregel in Kraft tritt, ist noch nicht festgestellt. Lohnforöerungen öer Seeleute. London, 20. August.(W. T. B.) Die»Morning Post" be- richtet: Im Februar wurde ein Abko innren zwischen den 9t e e d e r n und der See», annZgewerkschaft in H u l l erzielt, wonach die Wochenlöhne auf 45 Schilling erhöht wurden unler der Bodingung, daß leine weiteren Lohnforderungen während des Krudes geslelll würden. Gleichwohl forderte die Mannschaft eines Schiffes, das der Armee Kriegsvorräte bringen sollte, eine Zulage von 15 Schilling die Woche und weigerte sich, anderenfalls auszufahren. Andere Seeleute meldeten sich, um die Reise umsonst zu machen(?), dennoch haben sich die Lohne in Hull aus öl) Schilling erhöht. Haussuchung beim �Labour Leaüer". Hgm. London, 20. August. In den Rcdaktionsräumcn der Zeitung„Labour Leader" wurde eine polizeiliche Haussuchung vorgenommen, wobei ein ganzer Wagen voll Druckschriften mit Beschlag belegt wurde. ßranzösische Verlustlisten. Nach einer Pariser Meldung wurde die radikal- sozialistische Gruppe von Biviani benachrichtigt, daß das Ministerium die Aus- gäbe französischer Verlustlisten ab November d. I. in Vorbereitung genommen habe. Die griechische Krise. Athen, 17. August.(W. T. B. Verspätet eingetroffen. Von unserem Privatkorrcspondenten.) Die Meldung, daß der König Venizclos die Kabinettsbildung übertragen habe, ist n n r i ch t i g. Der König verlangte von Venizelos unzweituutige Stellungnahme zur Neutralitätsfvage und den Schritt des Vicrvcrbandcs. Veni- zelos erbat sich daraufhin vier Tage Frist, um dem König sodann seine Ansichten vorzutragen, erst hierauf wird der König eine Eni- scheidnng treffen. Es wird jedoch erwartet, daß der König Venizelos die Kabinettsbildung am Montag, nachdem Venizclos ihm Vortrag über seine Ansichten bezüglich der auswärtigen Lage gehalten bat, endgültig übertragen wird. Denn, wie verlautet, hat Venizelos sich der Ansicht des Königs angeschlossen und hat dem König bereits bei der Zusammenkunft mitgeteilt, daß er gegen jegliche terri- toriale Abtretung und für Beibehalten einer ententefreundlichen Neutralitätspolitik eintreten werde. Serbiens Zugestänönijse an Oulgarien. Wic», 20. August. sW. T. B.) Die„Neue Freie Presse" meldet aus Bukarest über die Eröffnungssitzung der serbischen Skupschtina: Ministerpräsident Pasitsch legte in zivei- siündiger Rede die militärische und diplomatische Lage Serbiens und der Entente dar und verlas dann die von Bulgarien an die Enteute gerichtete Note, wie auch die Note der Entente an Serbien im Wortlaute. Was in dieser Note cuthalten ist, sagt der Sitzungsbericht nicht. Pasitsch führte aus, daß die Eutcnte-Mächte eine endgültige Erklärung von Serbien erwarten. Sic müsse eine Eut- scheidung darüber enthalten, ob Serbien auch weiterhin an den Kämpfen der Eutcnte-Mächte teilnehmen ivolle, oder ob sich ihre Wege trennen sollen. Eine andere Wahl gebe es nicht. Unter solchen Umständen habe die serbische Regierung be- schlössen, der Skupschtina die Erfüllung d c r F o r d e- r u n g e n d e r E n t c n t e m ä ch t e z u e m p f e h l e n, so- tvie auch die Anerkennung der berechtigten Wünsche Bulgariens in dem Maße, bis zu welchem diese nicht eine Gefährdung der Da sein Sinter- essen Serbiens bedeuten. Der Ministerpräsident er- suchte die Skupschtina, in die Debatte darüber einzutreten, und bat die Abgeordneten insgesamt, entsprechend ihrer patrio- tischen Einsicht ihre Anschauungen darzulegen. Die Skupschtina tvird wahrscheinlich am Donnerstag ihren formellen Beschluß fassen. Rücktritt ües bulgarischen Kriegsminifters. Sofia, 20. August. fW. T. V.) Meldung der Agcncc Bulgare. KriegSminisler Fitschcw ist aus Gesuudhcits- rücksichten zurückgetreten. Hgm. Bukarest, 20. August. Als Nachfolger Filschews lvnrde O b e r st Z s e k o w zun: KriegSnrinistcr ernannt. Zsckow verlrat Bulgarien bei den Verhandlungen mit der Türkei. Die Demission deS Kriegsministers hat keine politische Bedeutung, jedoch versuchen die rusienfreundlichcn Kreise den Miiiisterwechsel als eine Folge von Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Kabinetts hin- zustellen. Regelung öes �ollMefens in Tsingtau. London, 20. August.(W. T. B.) Reuter meldet au« Tokio vom 18. August: Das jap anische Ministerium des Aeußern veröffent- licht ein Abkommen mit China über das Z o l l w e s e n im Gebiet von T s i n g t a u. Japan nimmt die Bedingungen an, die früher zivischcn China und Deutschland bestanden. Japan wird alle China gehörigen beschlagnahmten Urkunden, Gelder und sonstiges Eigentum zurückerstatten. Alle seit der Einnahme von Tsingtan erhobenen Zölle werden mit Abzug von 20 Prozent zurück- erslaltet. Ministerwechsel in Australien. Melbourne, 20. August. sW. T. B.j Dem Vernehmen nach übernimmt Premierminister Fisher das Amt des australischen Ober- kommisiars in London, während Generalstaalsanwalt Hughes Premierminister wird.__ politische Uebersicht. In der Handels- und Gewerbekommission des Reichstags wurden am Donnerstag Petitionen von tvürttcmbergischen und sächsischen Jndustriellenverbänden beraten, welche die Regierung ersuchen, bei den Friedensverhandlungen sowohl die Forderungen von den feindlichen Staaten wie die Schulden an das feindliche Ausland festzustellen und einen Ausgleich herbeizuführen. Tie Petitionen wurden der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen. Solveit noch ivcitcre Maßnahmen gefordert wurden, wobei die Frage offen gelassen war, ob die Handelskammern oder die Regierung selbst die Sache in die Hand nehmen soll, wurden sie zur Erwägung üllerwichen. Weiter wurde eine Petition eines wirtschaftlichen Verbandes in Köln, die die Errichtung von Musterausstellungen| nach englischem Vorbilde wünschte, der Regierung ebenfalls zur Berücksichtigung überwiesen. Erhöhung der Brotrationen in Aussicht. Mit Zustimmung des Kuratoriums der Rcichsgetreidestelle wird das Aus mahlungsverhältnis für Brotgetreide von jetzt ab auf 75 Proz. herabgesetzt. Die Herabsetzung bewirkt eine Verbesserung des Brotes und vermehrt die abfallende Kleie. Die zulässige Verzehrmenge, welche bisher einschließlich der Mehrration für vermehrt Ernähriingsbcdürftige 220 Gramm auf drn 5iopf der Bevölkerung betrug, wird auf 225 Gramm f e st- gesetzt. Eine wesentlichere Erhöhung wird voraussichtlich vor Be- ginn des Winters eintrete», wenn die Feststellung der Gctreidemcnge der diesjährigen Ernte abgeschlossen ist. lieber die getroffene Neuregelung wird von zuständiger Stelle mitgeteilt: Probedrusche haben ergeben, daß der Körnerertrag der neuen Ernte durchaus gut ist. Man hegt daher die Hoffnung, daß der wirkliche Ertrag weil mehr bringt als die Schätzung. Trotzdem müßte die Reichsgctreidegescllschaft darauf bedacht sein, sich Sicherhcitsfaklorcn zu schaffen und könnte vorläufig nur bescheidene Verbesserungen zur Durchführung bringen. Es ist beschlossen worden, das Au? mahlungsverhältnis auf 73 Proz. statt wie bisher auf 80 bis 83 Proz. festzusetzen. Das ergibt eine erhebliche Verbesserung des Mehls und bat für die Landwirtschaft den Vorteil, daß ihr 25 Proz. Kleie stall der 17 bis 20 Proz. zur Verfügung stehen, und daß damit für besseres Füller für die Milchkühe und Schweine ge- sorgt ist. An eine Erhöhung der Tagesration wollte die Lkriegsgcireidegesellschaft für die nächsten zwei Monate noch nicht gehen. Tie Tagesration beträgt jetzt pro Kopf und Tag 200 Gramm. Hierzu kommen noch durchschnittlich pro Kopf zwanzig Gramm, die den Kommnnalverbänden zur Versügnng gestellt sind, um Zuschüsse für die stark arbeitende Be- vvlkerung zu leisten. Die Gesamtration stellt sich sonach auf 220 Gramm. Die Kriegsgetreidcgesellichafl hat nun diese Ralion um 5 Gramm, also aus 225 Gramm erhöht, wobei die 25 Gramm wieder für die schwer Arbeitenden bestimmt sind, die in der gleichen Weise wie bisher zur Verteilung kommen sollen. Für die Selbstversorger bleibt alles beim alten; sie erhalten entsprechend der geringeren Ausmahlung 10 Kilogramm pro Kopf und Monat. Es könne die Zuversicht ausgesprochen werden, daß man im Herbst sicher mit den Nationen höher gehen könne; man müsse aber erst ein genaues Resultat über die Ernierträgnisse haben. Die Kriegsgetreidcgesellschaft will ferner den Mehlprodulten- fabrikcn zur Herstellung von Nudeln, Grieß, Malkaroni niw. in stärkerem Maße Mehl liefern und durch Preisbindung dafür sorgen, daß diele Produkte den Konsumenien zu mäßigen Preisen zugesührt werden. Tic neuen Getreidchöchstprcise— eine Liebesgabe für die Landwirtschaft. Dr. R. K u c z y n s k i. der Direktor des Statistischen Amts der Stadt Verlin- Schönebcrg, schreibt in der„Hilfe" sNr. 33 vom 10. August) über die neuen Höchstpreise für Getreide: „Durch Bundesratsverordnung vom 23. Juli wurden die Höchstpreise für Roggen und Weizen, wie sie am 28. Oktober festgesetzt worden sind, auch für das neue Erntejahr bei- behalten. Sie betragen für die Tonne Roggen 2l5— 230M., für die Tonne Weizen 255—270 M. und sind damit um ein Viertel bis ein Drittel höher als vor Ausbruch des Krieges. Hingegen wurden am gleichen Tage die Höchstpreise für Gerste, die im Oktober auf 191 und 227 M.. im Dezeniber aus 200—237 M. und im März auf 259—287 M. angesetzt worden waren, für das ganze Deutsche Reich auf 300 M. erhöht, und ebenso die Höchstpreise für Hafer, die im November auf 202 bis 221 und im März auf 251— 276 M. bemessen worden waren, allgemein auf 300 M. gesteigert. Die Preise für Gerste und Hafer sind damit annähernd doppelt so hoch lvie vor Ausbruch des Krieges. In ihrer Freude über die Beibehaltung der Höchstpreise für Brotgetreide haben die Kon- sumenten der Steigerung der Höchstpreise süc das übrige Getreide nur wenig Beachtung geschenkt. Und doch ist sie von allergrößter Bedeutung. Denn unsere Ernte an Gerste und Hafer ist gewöhnlich nur um ein Viertel geringer als die von Brotgetreide. Die Erhöhung des Haferhöchstpreises auf 300 M. hat zur Folge, daß unsere Heeresverwaltung für die 2� Millionen Tonnen, die sie in einem Kriegsjahr benöligt, reichlich 800 Millionen Mark zahlen muß, das heißt noch etwa 300 Millionen Mark mehr, als unter Berücksichtigung der erhöhten Produktionskosten der Landlvirtschaft angemessen er- scheint. Sic hat weiter zur Folge, daß die Bedarfsartikel, ans denen Wagentransportkosten ruhen, und das sind ja fast alle, dadurch Verteuert werden. JDie Erhöhung des Gerstenhöchstpreises hat zur Folge, daß die Schweinepreise dauernd hock sein werden. Denn bei dem Verbot der Verfütterung von Brotgetreide und der knappen Zufuhr von Mais ist die Gerste das wichtigste Mastfutter. Einem Gerstenpreis von 300 M. entspricht aber ein Schweine- preis von 80—85 M. für den Zentner Lebendgewicht beim Produzenten(vgl. Kuczynski-Zuntz, Unsere bisherige und unsere künftige Ernährung im Kriege, S. 59). Ein Gerstenprcis von 300 M. würde also zwar einen Schwcincprcis von 100—120 M., wie ihn die Produzenten heute bekommen, nicht rechtfertigen, aber er würde doch einen Preis von 35—10 M., lvie sie ihn vor Ausbruch des Krieges, oder selbst von 65—70 M., wie sie ihn noch im Februar d. I. erhielten, möglich machen. Sehr bezeichnend ist denn auch der Rat, der den Landwirten iw-dör„Deutschen Tagesztg." Nr. 400 vom 10. August erteilt wird, den Brauern die Malzgerste, für die kein Höchstpreis besteht, nicht schon für 350 M. zu verkaufen: „Auch ist es bei einem Schweincpreise von mehr als 100 M. Lebcndgeivichl ratsamer, Gerste, für die man höchstens 350 bis 360 M. erzi»tcn würde, im Schweinestall zu verivenden und den Brauern die Freiheit zu lassen, sich an ausländischer Gerste ein- zudecken. Die Erhöhung des Hafer- und Gcrstenhöchstprciscs ist, wie amtlich verkündet lvnrde, erfolgt,„um lvenigstens eine Annäherung für die übrigen Futtermittel zli erreichen." Dem Landlvirt, dessen Hafer beschlagnahmt wird, soll die Möglich- keit geboten werden, mit Hilfe des hohen Erlöses für Hafer andere teuere Futtermittel zu kaufen, das heißt also� aus- läudischc Gerste, Mais, Oelkuchen und anderes. Diese Futter- mittel sind aber nur in so geringen Mengen vorhanden, daß lie praktisch gar keine Rolle spielen, und es ist ein eigentüm- licher Gedanke, den Wert der 10 Millionen Tonnen Gerste und Hafer, die wir ernte», auf 3 statt 2 Milliarden Mark festzu- setzen, weil die Landwirte für die ausländischen Futtermittel vielleicht 100 Millionen Mark mehr ausiveuden müssen als unter Zugrundelegung der FriedenKpreise. Eine sachliche Rechtfertigung für die unverhältnismäßig hohen Preise von Gerste und Hafer gibt es nicht. Sic sind denn wohl auch nur deshalb so festgesetzt worden, weil der Konsument sie weniger unmittelbar empfindet als hohe Brot- getrcidepreise._ Neugeschaffene Werte. Durch die Kriegsgefangenenarbeit werden im ganzen sehr große Flächen Oedlandes der landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt, der privaten landwirtschaftlichen Nutzung, und zwar in einer Zeit, in der die Bodenproduktc bclrächilich im Preise gestiegen sind und fort- gesetzt steigen. Um welche Werte es sich handelt, zeigen einige Mitteilungen über die bisherigen Ergebnisse der Oedlandsflächen- bearbeitnng in der Provinz Westfalen. Nach dem Bericht des Provinzialausschusses haben die von der Provinz bisher zur beschleunigten Urbarmachung von Oedlätidcreicn bewilligten und in Aussicht genommenen Beihilfen 778 000 M. be- tragen, lvofiir rund 21 000 Hektar mit einem Betrage von 37,5 M. sür den Hektar urbar gemacht wurden. Die staatlichen Beihilsen haben 627 000 M. betragen. An staatlichen Darlehen sind bisher in Westfalen 5,2 Millioiten Mark bewilligt worden. Bei dieser letzten Summe handelt es sich unr die zu ermäßigtem Zinssatz« vom Staat bereitgestellten Snntmen für Vodeiiverbesseruiigsgenossenschafteii. 1911 machte die Gesamtfläche des Oed- und Unlandes in West- falen noch 7 Proz. der Gesamtfläche des landwirtschaftlich geiintzien Bodens aus, oder 115191 Hektar. Fast der fünfte Teil dieser über- Haupt umwandclbaren Oedlandfläche ist also in diesem ersten Kriegs- jähre schon nutzbar gemacht worden. Man braucht den Wert dieses der Unkultur entrissenen Bodens nicht allzu hoch anzuschlagen. Aber auch nicht gar zu niedrig, zunial da die Besitzer gerade jetzt selir rasch verhältnismäßig hohe Erträge daraus erzielen. Setzt man für den Hektar rund 800 M. an— gutes Ackerland wird tinl 3000 M. und höher bezahlt—, so ergäbe sich allein für W e st f a l c ir ein neu geschaffener Boden wert von rund 17 Mill. Mark. Das ist sehr erfreulich. Aber der Umstand, daß diese»encn Kulturlandflächen meist der privatwirtschaftlichen Ansiintziing anheimfallen, beeinträchtigt die Befriedigung, die man an und sür sich über derartige„Kulturtaten" empfindet, ein wenig. Jeden- falls ist die bescheidene Frage berechtigt: Um wieviel mehr würde der Volkslvohlsahrt gedient werden, wenn diese Flächen der privaten Spekulation entzogen und lediglich zuni Nutzen der Gc- samthcit bebaut würden?_ 220 000 Liter Petroleum zu verkaufen. Die Bekanntmachung des Neichsamts des Innern, daß diese oder jene Gesellschaft ihre größeren Petrolcumvorräte zu Preisen verkaufen könne, die über die Höchstpreise gehen, schafft cinigcl maßen Klarheit darüber, daß noch immer ziemliche Onantitäien lies gesuchten Brennstoffes in Deutschland vorhanden sind. So ivird ein Verkaufsangebot der Deutschen Terpentin-Co. in Friedrichs- Hafen am Bodensce bekannt, das sich auf sage und schreibe 220 000 Liter belänft. Die Firma hat also unter den früheren Preisen, die doch wahrlich hoch genug waren, zurückgehalten, und benutzt jetzt die Ausnahmebestimmung des Bundesrates, um ans ihren riesigen Vorräten höchstmöglichsten Gewinn herauszuschlagen. Gelingt es denn der Gesetzgebung wirklich nickt, derartige Spckn- lationsmanöver aus Kosten der ärmsten Bevölkerung— denn nur diese ist in der Hauptsache auf das Petroleum angewiesen— ans die Dauer zu beseitigen'{_ Kabinettsbildung in Peru. Genf, 20. August.e Mannschaft ist gerettet. Gewerksthastliches. Seelin und Umgegend. Lohnstreitigkeitcn in der Geschoftkorbbranche. Die Branchenleiiung der im Holzarbeiterverband organisierten Korbmacher hat in letzter Zeit mebrfach mit der Organisation der Arbeitgeber verhandelt, um feste Löhne für die verschiedenen Arten der Geschojzkörbe zu vereinbaren. Ein Lohntarif, den die Arbeiter in ihrer Versammlung am 29. Juli ausstellten, fand bei den Ver- Handlungen nicht die Zustimmung der Arbeitgeber. Diese boten nicht nur geringere Löhne, sondern sie beschlossen, datz die von ihnen aufgestellten, die Arbeiter nicht befriedigenden Stücklöhne als Hoch st löhne gelten sollen, über die nicht hinausgegangen werden darf, daß eS aber den Arbeitgebern überlassen bleiben soll, n i e d r i g e r e L ö h n e als die in ihrem Tarif aufgestellten Sätze zu zahlen. Die Arbeitgeber haben ihren Tarif ohne Zustimmung der Arbeiter der Militärbehörde eingereicht und ihn als maßgebend bezeichnet. Mit dieser Angelegenheit beschäftigte sich am Donnerstag eine Versammlung der Korbmacher. Das einseitige Vorgehen der Unter- nehmer wurde scharf verurteilt. Es wurde ausgeführt, daß die von den Unternehmern aufgestellten Lohnsätze im Hinblick auf die gegenwärtige Teuerung an sich schon zu niedrig sind, denn sie bedeuten für den einzelnen Arbeiter eine Verminderung des seit- berigen Wochenverdienstes um durchschnittlich 19 M. Wenn es dazu noch den Unternehmern überlassen sein soll, wenn möglich noch unter die Sätze ihres Tarifs hinabzugeben, dann würde jede feste Norm schwinden, eine Willkür in der Lohnzahlung würde eintreten und die Lage der Arbeiter derart verschlechtert werden, daß sie mit ihrem Verdienst nicht mehr auskommen können. N e u m a n n vom Haupt- vorstand des Holzarbeiterverbandes betonte, daß sich die Arbeiter daS einseitige Vorgehen der Unternehmer nicht gefallen lassen iönnen. Sie hatten die Absicht, mit den Unternehmern feste Löhne zu vereinbaren. Die Festsetzung von Höchstlöhnen vrüsie damit beantwortet werden, daß die Arbeiter an dem von ihnen aufgestellten Tarif als M i n d e st l o h n festhalten. Dann würden sich die Unternehmer vielleicht dazu verstehen, einen festen Lohntarif mit dem Holzarbeiterverband zu vereinbaren, wozu dieser nach wie vor bereit sei. Einstimmig wurde beschlossen: .Die Versammlung protestiert gegen das von den Unter- nehmern aufgestellte Prinzip der Höch'stlöhne. Sie lehnt eS ab, den von den Unternehmen einseitig aufgestellten Tarif als der Militärbehörde gegenüber bindend anzuerkennen und beschließt, die von der Versammlung am 29. Juli aufgestellten Sätze als Mindest- löhne zu fordern.' Die organisierten Glaser Berlins haben in ihrer letzten Ver- sammlung beschlossen, bei den Unternehmern durch die Lohnkommission eine Teuerungszulage zu verlangen. Deutsches Reich. Kriegsgefangene als Lohndrücker? Die gesteigerte Einziehung des männlichen Personals zum Heeresdienst hat sich in Gärtncreibetrieben besonders empfindlich bemerkbar gemacht, weil dieser Beruf sonst in der Hauptsache ge- lernte Arbeitskräfte in jüngere Lebensaltern beschäftigte. Im Frühjahr herrschte infolgedessen ein starker Mangel an Personal, und die Unternehmer bemühten sich nun um Erlangung von Kriegs- gefangenen als Gärtnereiarbeitcr. lieber die rechtliche Stellung der Gärtnerei herrschen nun bei manchen Behörden immer noch schiefe und irrtümliche Auffassungen. Durch die Gewerbenovelle von 1998 ist die Gärtnerei, soweit sie es nicht schon vordem war, der Gewerbeordnung unterstellt worden; Einwendungen gegen diese Rechtslage wurden von höchsten Gerichts- stellen zurückgewiesen, so von den OberlandeSgerichtcn Dresden und Kiel und vom preußischen Kammergericht. Die Unternehmer machen sich jetzt zunutze, daß dies in weitesten Kreisen un- bekannt ist und daß immer noch starke Neigungen be- stehen, die Gärtnerei mit Landwirtschast rechtlich gleichstehend zu behandeln. Auf einer Tagung des größten gärtnerischen Unter- nehmerverbandes wurde ausgeführt, es wäre.an manchen Orten (also in der Minderzahl!) durchgesetzt, daß Gärtnereien als gewerb- liche Betriebe angesehen werden' und nun auch an Kriegsgefangene gewerbliche Löhne gezahlt werden müßten. Es sei darum.un- bedingt notwendig, daß der Verband an das Kriegsministerium herantrete, damit Kriegsgefangene auch für Gärtnereien zu den Lohnsätzen wie landwirtschaftliche Arbeiter ab- gegeben werden.' Ein Antrag in diesem Sinne wurde angenommen. Diesem Antrage hat sich auch eine Tagung der wirtschaftlichen Verbände im Reichsverbande für den deutschen Gartenbau angeschlossen. Es steht also in Aussicht, daß die Kriegsministerien jetzt in dieser Richtung be- stürmt werden. Man kann dieses Bestreben vom Unternehmerstandpunkt aus verstehen. Vom Arbeiterstandpunkt aus aber muß man sich mit aller Entschiedenheit dagegen wenden; denn die unausbleibliche Folge einer Gewährung des Begehrens würde eine Lohndrückerei sein. Der im Frühjahr vorhanden gewesene Mangel an Arbeits- kräften ist übrigens seit Eintritt der Hochsommerzeit merklich be- hoben, er wird wahrscheinlich auch im Herbst nicht wieder hervor- treten, und im Winter sinkt bekanntlich jedes Jahr die Beschäftigungs- Möglichkeit um ein bedeutendes. Wir wollen hoffen, daß die zu- ständigen Ministerien, Generalkommandos und anderen Stellen dem unberechtigten Begehren keine Folge geben. Ausland. BetriebseinsteNung einer schweizerischen Färberei wegen Mangel an Farbstoffen. In Hauptwil im Kanton Thurgau hat die große Färberei von Brunschwiler ihren Betrieb einstellen müssen, weil es ihr unmöglich war, die nötigen Farbstoffe zu beschaffen. Um den so arbeitslos gewordenen Arbeitern Beschäftigung zu verschaffen, soll eine Militär- schneideret am Orte errichtet werden. Soziales. Reichswochenhrlfe. Der Ausschuß für Mütter- und Säuglingsfürsorge des Zentral- komilees vom Roten Kreuz hat an das Reichsamt des Innern zur Klärung von Zweifeln eine Anfrage betreffs der Verwendung der in der Bundesratsbcstimmung über die Reichswochenhilfe vor- gesehenen 23 M. Entbindungskosten gerichtet. Das Reichsamt des Innern hat folgende mit unseren früheren Darlegungen überein- stimmende Antwort erteilt: .Die Bundesratsverordnuugen über die Reichswochenhilfe sind zugunsten der beteiligten Wöchnerinnen erlassen worden, verfolgen aber nicht den Zweck, den Hebammen erhöhte Einnahmen zu beschaffen. Der Bauschbetrag von 23 Mark ist ein Beitrag zu den Kosten der Entbindung überhaupt, ist also nicht allein für die Hebammen, sondern auch für den Arzt, etwaige Arznei, notwendige besondere Stärkungsmittel und dergleichen be st immt. Wenn es einerseits nicht zu billigen ist, daß Wöchnerinnen den Reichs- beitrag zu anderen Zwecken verwenden,, statt die Hebamme für ihre Bemühungen daraus zu entlohnen, so ist es andererseits ebenso un- bercchligt, wenn Hebammen jene Fürsorgecinrichtung de? Reiches zu Lerautw. Redakt.: Alfred Wielev», Neukölln. Inseratenteil verantw. einer Erhöhung ihrer Forderungen an die Wöchnerinnen zu miß- brauchen suchen.' Beeinträchtigung von Witwen und Waisen der Kriegsteilnehmer. Zu der in unserem Leitartikel vom 19. August behandelten Frage der in Preußen üblichen Kürzung der Renten für Krieger- Witwen wird uns von einem Mitglieds des preußischen Abgeordnelen- Hauses geschrieben, daß sich die verstärkte Budgelkommission des Abgeordnetenhauses in einer ihrer letzten Sitzungen bereits eingehend mit dem Erlaß des Ministers des Innern be- schästigt hat. Seitens des Vertreters der Sozialdemokratie war in der Kommission die Aufhebung der Beseitigung der Anrechnung der Familienunterstützung auf die Hinter- bliebenen- und Jnvalidenpension beantragt worden. Der Kommissar des Ministers hat den Antrag mir dem Hinweis darauf bekämpft, daß die gleichzeitige Gewährung von Familienuntersilltzung und Hinterbliebenenpension. die nach einem früheren Erlaß des Ministers möglich gewesen sei, sich nicht habe aufrecht er- halten lassen. Es habe sich herausgestellt, daß eine große Anzahl von Personen, die zum Bezüge der Familicnunterstützung berechtigt waren, mit der Stellung eines Antrages aus Gewährung der Hinterbliebenenrente warteten, um sich für eine geraume Zeit beide Bezüge zu sichern. Das sei nicht die Absicht des Ministers gewesen. Nach eingehenden Erörterungen mit der Rcichsregierung sei daher eine neue Anordnung getroffen worden, wonach beide Leistungen nur während eines Zeit- raums von zwei Monaten nebeneinander gewährt werden. Dasselbe gelte für die Invalidenrente: aucb die Invalidenrente solle zwei Monate lang neben der Familienunterstützung in Anspruch genommen werden dürfen. Allerdings sei hinzuzufügen, daß das in Anwendung gebrachte Verfahren sich noch nicht völlig bewährt habe. Einige Unklarheiten, die sich in der Praxis ergeben haben, würden in aller Kürze beseitigt werden. Hiernach handelt es sich also nicht um eine allein in Preußen getroffene Maßnahme, sondern um eine für das ganze Reich geltende Anordnung des Bundesrats. Sache des Reichstages wird es sein, auf die Beseitigung dieser Bestimmung zu dringen._ Zwischenhandel und Heereslieferungen. In welcher skandalösen Weise sich der Zwischenhandel manchmal an Heereslieferungen bereichert und den für die Bekleidungsämter arbeitenden Heimarbeiterinnen um den sauer verdienten Lohn bringt, zeigte ein am letzten Montag in Breslau vor dem dortigen Gewerbegericht verhandelter Prozeß einer armen Näherin gegen einen Zwischenmeister. Der Mann bot ihr für eine Militär- Drellhose zu nähen 33 Pfennig. Bei diesem Lohn verdiente sie bei ununterbrochener Arbeitszeit von früh i/z 6 Uhr bis abends 8 und 9 Uhr als sehr geübte Näherin bis 12 M. in der Woche. Für eine Tuch- Hose wurde 1,29 Mark bezahlt und für die Drell- jacke 69 Pfennig. Nun kommt das schönste an der traurigen Geschichte: das betreffende Bekleidungsamt(es ist das des Gardekorps in Berlin) zahlt nach einer Auskunft, die ein Beamter des Schneider-Verbandes in Berlin erhielt, für daS Nähen einer zugeschnittenen Tuchhose— 3,55 M., der den Aibeiterinnen wirklich gezahlte Lohn beträgt: 1,29 M. Die Zwischenhändler— nicht um Zwischen meister handelt es sich hier mehr— verdienten also ohne einen Schlag Arbeit zu leisten: 2,35 M. oder noch genauer, da der letzte wirkliche Zwischenmeister für das zum Nähen noch hinzukommende„Zurichten', Bügeln usw. 19 Pf. für die Hose erhielt. 2,25 M. gleich 1871/; Proz. des Arbeitslohnes und 63�/so Proz. der Gesamtsumme. Für die Drellhose zahlt das Bekleidungsamt 1,49 M.; die Arbeiterin erhält 35 Pf. Nählohn, zuzüglich der 19 Pf. für Bügeln usw. also 65 Pf., wa§ einem Zwischenhandelsprofit von 85 Pf. oder 69'' /i«, Proz. entspricht. Für Drelljacken zahlt das Amt 1,15 M.; die Arbeiterin erhält 69 Pf. Arbeitslohn. Das andere steckt der Zwischenhandel ein. DaS Rätsel, wie solche Profite zustande kommen, klärte sich auf, als der Vorsitzende erfahren wollte, für welche Firma der Zwischen- meister, der selbst nur für seine Mühe(Bügeln u. dergl.) 19 Pf. per Hose erhielt, denn arbeitete. Da gab er erst eine Firma an, bemerkte aber gleich, daß diese Firma den Auftrag wieder von einer anderen Firma(Wiener u. Putzrath) habe, ob diese den Auftrag direkt von der Militärbehörde erhalten, scheine ihm wenig wahrscheinlich. Er glaube, daß noch eine Firma dazwischen geschallet sei. Voll Bitterkeit bemerkte der Gewerbegerichtsvorsitzende Dr. Bauer: Eine solche Schröpsung, die einem glatten Zoll gleichkäme, wäre u n c r- hört. Dafür, daß die zugeschnittenen Sachen aus einem Lager in ein anderes übergeführt würden, ließen sich die be- treffenden Firmen unglaubliche Profite zahlen, während man die einzigen, diewirkiche Arbeit lei st en, so niedrig be- zahle, daß sie davon, trotz übermäßig langer Arbeitszeit, nicht leben könnten. Der Verbandsvertreter, der als Beistand der armen Näherin auftrat, bemerkt noch, daß ihm in Berlin vom B e- klcidungsamt mitgeteilt wurde, daß man dort den Satz aus- gestellt habe: daß mindestens 73 Prozent der ausgeworfenen Summe dem wirklich Ausführenden zuletzt als Arbeitslohn bleiben solle. Da aber die Ausführung zu wenig kontrolliert werde, kehre sich niemand an diese Bestimmung. Jedenfalls sei die Zahl der Frauen, die in Breslau für einen solchen Hungerlohn Militärsachen nähen, sehr groß. Das Gericht beschloß, Auskunft bei dem Berliner Bekleidungsamt einzuholen, ob es damit einverstanden, daß die Militärlieserungen zu Hungerlöhnen her- gestellt würden, und welchen Firmen sie die Lieferungen übertragen. Die Sache wurde vertagt. Es stehen noch mehrere solcher Klagen an. Volles Kricgswitwen- und Kriegswaisengeld. Bekanntlich beträgt das Kriegswitwengeld für die Witwe eine? Gemeinen 499 M.(eines Unteroffiziers 599, eines Feldwebels 699 M.j. das Kriegswaisengeld 168 M. jährlich. Diese Sätze treffen für alle Soldaten zu, die nicht dem aktiven Heer angehören, die also nicht Anspruch auf die.Allgemeine Versorgung"�(Pension) auch im Frieden hätten. Für die Witwen der Militärpersonen, denen ein Anspruch auf die allgemeine Versorgung zusteht, ist das KriegSwitwen- und Äriegswaisengeld anders geregelt. Es besteht da in einem Zuschlag zur„allgemeinen Versorgung'. Die Bezüge dieser Kategorie sind in der Regel höher als die oben angegebenen. Nun darf aber nach K 4 und 15 des Militärinvalidengesetzes das Witwen- und Waisengeld der Hinterbliebenen der der allgemeinen Versorgung unteriiegenden Personen zusammengerechnet eine be- stimmte Höhe(Ruhestandspension oder Vollrcnte) nicht übersteigen. llebersteigt der Betrag der Renten z. B. infolge großer Kinder- zahl diese Höhe, so werden die einzelnen Sätze der Rente gekürzt. Eine gleiche Vorschrift be st eht gegen- über den Witwen der Kriegsteilnehmer, denen eine allgemeine Versorgung nicht zustand, nicht. Infolgedessen sind in Einzelfällen nach dem Gesetz die Rentenbezüge der Witwen all- gemein Versorgungsberechligter kleiner als die Bezüge der anderen Witwen. Das ist als ungerecht erachtet. In der Budgetkommisfion des Reichstages ist deshalb dem Vorschlag der Militärverwaltung von allen Seiten zugestimmt, in solchen Fällen die Renten zu er- höhen, so daß die Witwen allgemein Versorgungsbercchtigter auch in Einzelfällen nicht schlechter stehen als andere Witwen. In der Praxis scheint der entsprechende Hinweis der Militär- Verwaltung jedoch an einigen stellen irrig dahin aufgefaßt zu sein. es sollten die Renten der Witwen ohne allgemeine VersorgungS- Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. a. Verlagsanstalt berechtigung gekürzt werden. Das wäre natürlich gegen das Gesetz: das Kriegsministerium hat, wie wir wissen, in ihm bekannt ge- wordenen Fällen derartiger Kürzungen den Witwen zu ihrem Recht verholfen. Gegenüber vielfach an uns herantretenden Fragen sei also nochmals festgestellt: eine Kürzung der Rente z.B. iv e g e n h o h e r K i n d e r z a h l i st unzulässig. Die Wirwe, die mit 13 noch nicht 18 Jahre alten Kinder» um ihren im Kriege gefallenen Mann trauerk, hat also 499 M. Witwengeld und 2184 M. Waisengeld jährlich zu beanspruchen. Wo irrtümlich anders ver- fahren wird, kann eine Reklamation auf Erfolg rechnen. Die Gehaltsficherung bis zu sechs Wochen nach Einberufung. Während manche Kaufmannsgerichte die Frage der An- wendbarkeit des Z 63 des Handelsgesetzbuchs bei Einberufung des Handlungsgehilfen von der Lage des Einzelfalles ab- hängig machen, je nachdem der Gehilfe ledig oder verheiratet, Landsturmmann oder Armierungssoldat ist, nimmt die 3. Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts mit Recht ganz allgemein den Standpunkt ein, daß dem zum Heeresdienst eingezogenen kaufmännischen Angestellten auf alle Fälle das Gehalt für sechs Wochen nach Einberufung zusteht. Einem dieser unter dem Vorsitz des Magistrarsrats Dr. Neu- mann verkündeten Urteile gab das Kauimannsgerichr eine bemerkens- werte Begründung, in der es u. a. heißt: Das Kaufmaniisgericht ist sich bewußt, daß das Recht, für sein Vaterland kämpfen zu dürfen, nur als eine Ehre, nickt als Unglück anzusehen ist. Dessen ungeachtet wird man bei einer Auslegung des Z 63 nach Sinn und Zweck zu seiner Anwendbarkeit nicht fordern, daß das Unglück, welches die Arbeitsverhinderung heraufbeschwor, die unmittelbare Ursache dieser Verhinderung ist: es genügt schon, daß eS die mittelbare Ursache oder der äußere Anlaß ist. Neben eigenem wird auch fremdes oder allgemeines Unglück in Betracht zu ziehen sein. Die Arbcitsverhinderung ist hier eine Folge des Krieges, dieser aber ist, trotzdem er in gewissen Beziehungen segensreich wirkt, schon wegen des vielen Elends, das er im Gefolge hat, ein Unglück. In diewr Erkenntnis bat auch die Regierung ihn zu vermeiden gesucht. Von diesem Gesichtspunkt aus ist die Arbeitsverhinderung insolge des Kriegs- dienstes nicht anders zu bewerten als das Ausbleiben eines Ge- Hilfen, den Bürger- oder Menschenpflicht zur Hilfeleistung bei einer großen Gefahr, z. B. einer Feuersbrunst, unverschuldet zurückhält. Darum kann auch bei Einziehung zum Kriegsdienst§ 63 H.-G.-B. unbedenklich angewendet werden. Aus Industrie und Handel. Kriegsgewinne. Wie wir schon berichteten, erhöht der Verein deutscher Oelfabriken seine Dividende von 5 auf 12 Proz. Wir teilen noch einige Zahlen aus dem Geschäftsbericht mit. Der Rein- gewinn steigerte sich um zirka � Millionen Mark, von 1 899 999 Mark auf 2 599 999 M. Die Verbindlichkeiten sind von 14.6 Mill. Mark aus 5,1 Millionen Mark zurückgegangen. In der Bilanz er- scheint neu ein Kriegsreservekonto in Höhe von 899 999 M. Der Bestand an Wertpapieren hat sich von 286 687 M. auf 3 499 999 M, erhöht. Demgegenüber haben die Debitoren(Prima-Forderungen) nur eine Erhöhung von 2 799 999 M. auf 3 499 999 M. erfahren. Die Aussichten für das laufende Geschäftsjahr lassen ein ähnliches günstiges Ergebnis erwarten. Der Aussichtsrat der Bergbaugesellschaft Friedrichs- Hütte, Eisenwerk-A.-G., schlägt für 1914/15 eine Dividende von 8 Proz. gegen 5 Proz. im Vorjahre vor. Die Cuxhaven er Hochseefischerei ist in der Lage, ihre Dividende von 7 auf 19 Proz. zu erhöhen. Englische Anleihe bei Morgan. „Daily Telegraph' meldet aus New Jork: ES sind Ver- Handlungen im Gange zur Bildung eines Syndikats mir dem B a n k h a u s e I. P. Morgan u. Co. an der Spitze, um die Unterbringung fü n f p r o z e n t i g e r Bonds(Schatz- scheine) der britischen Regierung im Betrage von 599 Millionen Dollar zu übernehmen, die mir Laufzeiten von einem, fünf und zehn Jahren ausgestaltet sind. Tic LondS sollen von der britischen Einkommensteuer befreit fein. Starke Nachfrage in Roheisen. In der Hauptversammlung des Roheisenverbande? wurde über die Geschäftslage berichtet: Die Verkaufslätigkeit in Oualirätsroh- eisen für das dritte Vierteljahr ist beendet. Die Nachfrage blieb auch weiterhin sehr stark, so daß durch die vorliegenden Ab- schlüsse die Verbandswerke bis zur Grenze ihrer Leistungsfähigkeit besetzt sind. Besonders stark war der Auftragseingang in Hämatit- roheisen, in manganhaltigen Roheisensorten,«tahleisen und Spiegel- eisen infolge der starken Beschäftigung der Martinwerke. In phosphorhalrigen Roheisensorten hat die Nachstage nachgelassen. Das Auslandsgeschäft ist unverändert. Im Monat Juli stellte sich' der Versand an Oualitälseisen auf 62,51 Proz. der Beteiligung gegen 57,25 Proz. im Juni, und hat damit die höchste Ziffer seit Ausbruch des Krieges erreicht. Auch im Monat August wird der Versand nicht wesentlich hinter der Juliziffer zurückbleiben. Die Verkaufspreise für das vierte Quartal dreses Jahres wurden unver- ändert belassen.___ Gewinne in der rnssischeu Kriegsindustrie. .Rjetsch' vom 11. August berichtet: In der Generalversammlung vom 19. August der„Gesellschaft süc Fabrikation von Mctallhülten vorm. P. W. BaranowSki' in St. Petersburg wurde der Abschluß für das letzte Geschäftsjahr April 1914/15 vorgelegt. Bei einem Aktienkapital von 13,2 Millionen Rubel beträgt der Reingewinn 1 992 761 Rubel. Zu Abschreibungen usw. werden 642 417 Rubel verwendet. AufsichtSrats- und DireklionStantiemen erfordern 182 499 Rub. l. Zu den verbleibenden 1 977 943 Rubel werden 765 999 Rubel auS einem besonderen Dividendenfonds zugeschlagen und 1 4 P r o z. Dividende verteilt. Auf neue Rechnnng werden nur 5714 Rubel vorgetragen. Die Versammlung ermächtigte die Verwaltung, mit der Regie- rung einen Vorschußvertrag in Höhe von 7'/, Millionen Rubel auf drei' Jahre abzuschließen zum Bau einer Pulverfabrik. In der Versammlung waren außer fast allen Petersburger Banken auch die Bonque de l'Union Parisienne mit 899 999 Rubel und Schneider u. Co., Creusot. mit 499 999 Rubel Aktienbesitz ver- treten._ Vom südwestafrikauischeu Diawanteubergbau. Frankfurt a. M., 11. August.(W. T. B.) Aus Berlin wird der „Franks. Zeitung' geschrieben: Aus neutralen Ländern sind Nach- richten hier angelangt, denen zufolge es nicht ausgeschlossen zu sein scheint, daß aus den Feldern der großen Südwestafrikani- schen Diamant-Gesellschafren der Abbau wieder in Gang gebracht wird. Die Informationen gehe» da« hm. daß die okkupierende Regierung, die nicht etiva um die Weiterführung des Abbaues angegangen fei, ihrerseits selbst die Fortsetzung deS Abbaues verlangt habe. Dabei soll zmn Ausdruck gebracht worden sein, daß man die Interessenten, also dce Gesellschaften und ihre Anteilzeichner, nicht in ihren Rechten schmä- lern wolle, daß man jedoch die Abgaben, die im Frieden dem deutschen Kolonialfiskus zukommen, jetzt für die okkupierende Regie- rung beanspruche. Aus diesem Grunde scheint die englisch-burische Regierung die Wiederaufnahme der Bergwerksbetriebe anzustreben, wie sich sich überhaupt bemühen soll, die wirtschaftliche Tätigkeit Südwestafnkas möglichst schnell wieder in Gang zu bringen, und zwar aus Selbstinteressc.__ GaulS-itger 4 Co., Berlin SW. Hcerzu 3 Beilage« u. llaterhaltuagsbl. Nr. 230. 32. IlchrMg. !. Stülp Ks Juruittf Iftlte öolfeliliilt. Zozlmbkkd, 21. Aligust 1915. Sie Bewilligung der Kriegs- kreöi'te. Die Regierung wird sich nicht darüber beklagen können, daß ihr das deutsche Reichsparlament Schwierigkeiten bereite. Wäh- rcnd die Donnerstagssitzung durch eine lange Rede des Reichs- kanzlcrs ausgefüllt wurde, absolvierte der Reichstag am Freitag nicht nur die Reden sämtlicher bürgerlichen Parteien, sondern cS fand sich auch Zeit für die Ausführungen mehrerer Regierungs- Vertreter, von denen der Reichsschatzsckretär Helffcrich längere Zeit in Anspruch nahm. Aber wozu brauchte auch solange geredet werden? Bei sämtlichen bürgerlichen Parteien herrscht ja volles Einverständnis mit den Ausführungen, die der Reichskanzler am Tage zuvor gemacht hatte. Selbst die Nationalliberalcn, die noch in den Wochen und Tagen zuvor eine so stürmische Kampagne gegen die vermeintlich in Hinsicht der Kricgsziele nicht kräftig genug vorgehende Regierung geführt hatten, konnten in der Freitagsitzung durch ihren Redner Basser- mann der Regierung ihr volles Einverständnis aussprechen. Baffermann folgten die Vertreter aller anderen bürgerlichen Par- teien. Ja selbst die Ausführungen des sozialdemokrati- scheu Fraktionsredners David wurden in keinem Punkte durch einen markanten Strich von den Darlegungen der bürgerlichen Redner getrennt. Tic Regierung kann mit der Volksvertretung zufrieden sein, wie die Volksvertretung mit der Regierung und ihrem von Herrn von Bethmann Hollweg entwickelten Kriegs- Programm augenscheinlich zufrieden ist. Als erster Redner sprach Graf W e st a r p im Namen der Konservativen. Er stimmte den Kricgszielcn des Kanzlers in allen wesentlichen Punkten zu. Der Reichsschatzsekretär Helffcrich gab eine Ucbcrsicht über die finanzielle Kriegsrüstung Deutsch- landS, die ein überaus befriedigendes Bild ergab, lieber die finanzielle Seite hinaus schweifte Herr Helfferich durch einige politische Bemerkungen. Erst wenn die Gegner ihre Nieder- läge anerkennen würden, so führte er aus, sei ein Frieden für Deutschland möglich. Das Bleigew ichtder Milliarden für Kriegsentschädigung soll von den Gegnern gc- tragen werden. Immerhin sollen auch die wirtschaftlichen Nutz- nietzer des Krieges im eigenen Lande durch eine KriegSgcwinn- fteuer herangezogen werden. Aber die Frage der Kriegsgewinn- steucr ist eine schwierige und noch nicht reif. Der wirk- liche Gewinn der an der Kriegsindustrie beteiligten Kreise wird sich erst nach dem Kriege übersehen lassen. Wann und in welcher Form die Kriegsgewinnsteuer erscheint, ist also nach den Aus- führungen Helfferichs noch unentschieden. Von den bürgerlichen Rednern sprachen nach Herrn Bassermann, der dem Kriegsprogramm des Reichskanzlers trotz seiner früheren Opposition nunmehr nach des Reichskanzlers gestrigen Ausführun- gen daS größte Vertrauen entgegenbringt, noch die Abgeordneten Spahn, Fischbeck und O c r t c l. Der Zcntrumsredner Spahn ist mit den Ausführungen des Reichskanzlers gleichfalls völlig einverstanden. Nicht minder Herr Fischbcck im Namen der Fortschrittlichen Volkspartci. Nur Herr Oertel machte in bezug auf die Ausführungen Bethmann Hollwegs über Polens Zu- k u n f t einen Vorbehalt, ohne ihn näher zu begründen. Dieser konservative Redner nahm freilich die Gelegenheit wahr, die Kriegs- ziele des Reichskanzlers noch energisch zu unter st reichen. Der sozialdemokratische Redner, Genosse David, behandelte mit größerer Ausführlichkeit nur die wirtschaftliche und soziale Kriegsrüsrung Deutschlands. Er war erfreut über die günstige Finanzlage des Reiches und konstatierte, daß gerade die englische Wsperrung Deutschland nur gekräftigt habe, weil es dadurch vor dem Abfluß deutschen Geldes nach dem Ausland bewahrt worden sei. Er gab jedoch der Hoffnung Ausdruck, daß Deutschland nicht noch einmal vor die„harte Notwendigkeit" gestellt werde, eine neue Kriegsanleihe bewilligen zu müssen, denn wie in allen Ländern, so ersehne man auch in Deutschland einen ehrenvollen Frieden. David wandte sich dann der Fürsorge sowohl für die Kriegs- ieilnehmer wie auch für ihre Angehörigen, überhaupt die ganze zu- rückgebliebene Bevölkerung zu. Er forderte eine möglichst gute Ver- pflegung für die Mannschaften, absolute Gleichmäßigkeit und tun- lichste Rücksichtnahme bei der Beurlaubung der im Felde Stehenden, eine wesentliche Herabsetzung der Preise für die Masscnnahrungs- mittel— wobei er die LebenSmittclwuchercr aufs schärfste brand- markte und ihre schärfste Bestrafung forderte—, die Erhöhung des llnterstützungsgeldcs für die Familien der Kriegsteilnehmer usw. Er brachte ferner Beschwerden über die Behandlung von Kriegsteil- nehmern vor und übte Kritik an den Verhältnissen, wie sie durch den Belagerungszustand und die Handhabung der Zensur hervor- gerufen worden seien, die weit über das Maß dessen hinausgehe, was vom Standpunkt militärischer Interessen zu rechtfertigen wäre. Befremden wird es freilich bei einem erheblichen Teil des Volkes erregen, daß der sozialdemokratische Fraktionsredner trotz aller Geschehnisse der letzten Zeit und der Ausführungen des Reichs- kanzlers die Frage der Kriegsziele nur in so knapper und wenig erschöpfender und präziser Weise behandelt hat. Er begnügte sich nämlich mit der Berufung auf die Erklärungen der sozialdenro- kratischen Fraktion vom 4. August und venvahrte sich nur durch ».ncn Satz dagegen, daß der Krieg durch die Eroberungssucht auch nur um einen Tag verlängert werde. Hatte der Reichsschatzsekretär doch die M o n a t s k o st c n des Krieges allein für Deutschland auf Lllltll Millionen Mark beziffert und ihr fortwährendes Steigen be- tont, hatte er doch darauf hingewiesen, daß die kriegführenden Nationen insgesami täglich 300 Millionen Mark für den Krieg verausgaben müssen, wovon ein Drittel, also Ivb Millionen Mark, täglich auf die Zentralmächte entfallen. Ein rascheres Tempo noch als die Debatte über diese vcrant- wortuugSschwere Entscheidung nahm die Abstimmung über die Kricgskredite an. Sie erfolgte fo überraschend, daß bei der zweiten Lesung eine ganze Anzahl sozialdemokratischer Abgeordneter nicht anwesend war. Bei der dritten Lesung entfernten sich 2g Mit- glicder der sozialdemokratischen Fraktion au? dem Saale, während eine kleinere Anzahl derjenigen, die in der Frakiion gegen die Bc- willigung der Kriegskredite votiert hatten, anwesend blieben. Gc- noss« Liebk neckt stimmte auch diesmal gegen die BeWilli- gung der Kriegskrcdite. Auf seine„kurze Anfrage", ob die deutsche Regierung bereit sei, für den Fall einer gleichen Bereitwilligkeit unserer Gegner in einen Frieden zu willigen, der keinerlei An- nexioncn Deutschlands in sich schließe, hatte der Rcgicrungsver- trcter die Antwort abgelehnt. Einige Zwischenrufe Lieb- knechts wurden vom Haufe mit großer Unruhe beantwortet. Urteile über Sie kanzier-NeSe. „Lokal-Aiizcigcr": �„Die große Zurückhaltung, die bisher alle unsere amtlichen Stellen bei Beurteilung der Lage beobachtet haben, war gefallen, und deutlich hörte mau es aus den Worten und aus dem Tone des Kanzlers heraus, daß auch sie die Tragweite unserer neuesten Erfolge sehr hoch einschätzen und daß sie entschlossen sind, die Folgerungen aus dcni Siege zu � ziehen, der heute sicherer als je zuvor uns in Aussicht steht. Ver- schicdene politische Parteien haben sich letzter Tage in festum- \ schriebcncr Form darüber geäußert, was uns nach ihrer Ansicht � der Frieden bringen soll; die Rede des Herrn von Bethmann Holl- ! weg beweist, daß auch für ihn die Dinge weit genug gediehen sind, ! um darüber etwas mehr zu sagen als früher.... Herr von Bethmann Hollweg hat auch gestern beileibe kein ! ausführliches und genaues Friedensprogramm entwickelt, sondern !nur einen kleinen Zipfel des Schleiers gelüftet, ! der seine Gedanken verdeckte. Wenn er sich dabei besonders mit I Polen beschäftigte, so ist das sehr verständlich, da ja ein erheb- licher Teil unserer Ostmarkenbevölkcrung polnisch ist. Er sprach nicht nur die Hoffnung auS, daß die Besetzung Polens den Beginn einer Entwickelung bilden werde, die die alten Gegensätze zwischen Polen und Deutschen aus der Welt schaffen und das vom russischen Joche befreite Land einer glücklicheren Zukunft entgegenführen wird, sondern er bezeichnete es auch als unsere und unserer Ver- bündeten Aufgabe, dieses Land zu verwalten. In welchen Formen dies geschehen soll, darüber sagte der Kanzler nichts, wohl aber hob er hervor, daß die Verwaltung gerecht sein und die Wun- den zu heilen suchen soll, die Rußland dem Lande geschlagen Hai Noch weniger eingehend behandelte er die nördlich von Polen liegenden, von uns besetzten russischen Gebiete, hier beschränkte er sich vielmehr auf die Feststellung, daß wir Litauen und Kur- l a n d von den Russen befreit haben. Wie diese Freiheit für die Dauer sichergestellt werden soll, blieb unerörtert— aber man kann es sich wohl ungefähr denken. Mag man diesen Teil der Kanzlerrede schon an sich sehr hoch einschätzen, er bekommt sein volles Gewicht erst im Zusammen- hange mit den allgemeinen Betrachtungen, die sie enthält. Uns will es danach scheinen, als habe der Krieg den Kanzler härter gemacht... Aus dieser festgeprägtcn Wendung erhellte, wie ans mancher anderen, daß der 5tai!zlcr von der gleichen Stimmung bc- herrscht ist Ivic daS deutsche Volk, das nicht mehr allein das Volk der Dichter und Denker sein will, sondern nationale Entschlossenheit auf seine Fahne geschrieben hat. Herr von Bctlmann Hollweg wird Dank dafür ernten, daß er die Dinge beim richtigen Namen nannte, daß er nicht nur unsere Erfolge ins rechte Licht setzte, sondern auch mit kernigen Worten die Früchte kenn- zeichnete, die wir von ihnen erwarten dürfen." «Pest": „Und nun die Zukunft! Schon mehrfach bekannte sich der Kanzler im allgemeinen zu der zwingenden Notwendigkeit, Deutschland eine starke und unantastbare Stellung in Europa der Zukunft zu erkämpfen; schon einmal nannte er die F r c i h e i t d e r Meere das Ziel des deutschen Krieges. In seiner gestrigen Rede aber wiederholte er nicht allein diese Sätze, die der Ausdeutung ein weites Gebiet ließen, sondern er gab zum e r st e n Male nach einer bestimmten Richtung hin einem deut- lich faßbaren und inhaltreichen Gedanken Raum; das Schicksal Polens hat zum ersten Male von amtlicher deutscher Seite seine Beleuchtung erfahren, die fortan mitbcftim- inend für alle Erörterungen über den Ausgang des Krieges sein wird.... Das sind Andeutungen, die positive Ziele bergen, mag der Fülle der Einzelheiten, die aus der Gesaintheit aller einschlägt- gen Betrachtungen entspringen, noch so wenig Gewalt im voraus angetan sein. Die deutsche Regierung hat für Polen ein Programm,— die Feststellung dieser Tatsache muß vor- erst genügen, solange eine Pflicht zur Enthaltsamkeit im llrtcil über diese Dinge besteht. Einstweilen gilt eS, den Satz der Kanzler- rede über Polens Zukunft mehr als alles andere, was der höchste Beamte des Reiches dem deutschen Volke gestern zu sagen hatte, im Gedächtnis zu bewahren und die Folgerungen daraus, nach dieser und jener Seite hin zu durchdenken." „Deutsche Tageszeitung": „An: Schlüsse zeichnete Herr v. Bethmann Hollweg mit wenigen, aber scharfen Strichen das, was die Zukunft bringen müsse. Er erinnerte daran, was unsere Feinde mit Teutschland vorgehabt haben und vorhaben, an die Von ihnen gc- plante Zerstückelung, Schwächung und Zertrümmerung des Reichs und bezeichnete demgegenüber als unser Kriegsziel eine starke, unantastbare Stellung Deutschlands, die so aus- gebaut, gefestet und gestärkt werden müsse, daß die feindlichen Mächic niemals wieder an eine Einkreisung denken könnten. Ein neues befreites Europa müsse der Preis dcS Welt- ringcns sein. Diesen Preis zu erringen werde Deutschland durch- halten; es hasse nicht, aber es habe die Sentimentalität verlernt. Daß der Reichstag mit den Darlegungen des Verantwortlichen Vertreters der RcichSpolitik einverstanden war, hat er gestern durch die Art, wie er diese Ausführungen entgegennahm, gezeigt. Die häufigen Beifallskundgebungen trugen das Gepräge der Ge- schlossenheit; sie steigerten sich am Schlüsse zu ungewöhnlicher Siärke. Das deutsche Volk wird ive Rede mit denselben Empfin- düngen aufnehmen. Es ist mit seinem Kanzler überzeugt, daß der Krieg uns aufgezwungen' wurde, daß wir unbedingt durchhalten müssen und daß die Stellung Deutschlands in Europa und in der Welt stärker und fester werden muß. Verfolgt der Reichs. kanzlcr, woran wir nicht zweifeln, auch in Zu- kunft diese Ziele mit unbeugsamer Entschlossenheit, so wird er das Volk in seiner überwiegenden Mehrheit hinter sich haben." „Tägliche Rundschau": „Bedeutungsschwerer noch als die Ausführungen dcS Reichs- kanzlcrs über die Urheber dieses Krieges und seine eindrucksvolle Entkräftung der Lügen unserer Feinde waren seine Worte über Polen, lieber Kricgsziclc zu reden, ist verboten, aber der Reichskanzler stellte sich über sein Ver- bot.... Der Kanzler hat nicht gesagt, wie er sich„die glücklichere Zukunft" der Polen denkt, und auch nicht, wie er sich die Garantien vorstellt, die unserer eigenen Zukunft gegeben werden müssen, damit die polnische Selbständigkeit nicht unserem eigenen Lande gefährlich wird und wir uns nicht eine Jrrcdcnta im deutschen Laude schaffen. Wir tvisscn nicht, ob die deutsche Regierung dem österreichischen Wunsche nach einem„Tcsintcrcsscmcnt" an Polen stattgeben will oder nicht, ob die Polen ausdrücklich und endgültig auf die Anglicdcrung preußischer LandcZicile verzichten wollen oder nicht, ob sie den Traum von einem Polen von Mccr zu Meer oder doch wenigstens mit dem Ausgange zu einem Meere aus- geträumt haben oder uichi Das sind bedeutungsvolle Fragen, deren Diskussion kaum noch wird verhindert werden können, nachdem der Reichskanzler selb st das Problem aufgestellt und die deutsche Politik in g e w i s s er Hinsicht festgelegt h a t. Jedenfalls stehen die Ausführungen des Reichskanzlers in schroffem Wider- spruche zu den uns nachgesagten Friede nswün- scheu mit Rußland, denn daß Rußland, che cS Polen, seine Visitenkarte in Westeuropa und seine wichtigste industrielle Pro- vinz preisgibt, bis zum bitteren Ende kämpfen wird, liegt auf der Hand. Ein gutes Wort sprach der Kanzlcr am Schlüsse seiner Rede, j als er sagte, daß das deutsche Volk in der harten Schule diescs Krieges die Sentimentalität verlernt habe. Wenn es nur wahr wäre l Schon Bismarck hat verzlveifclt gestöhnt, wenn er nur dem deutschen Volk seine Sentimentalität abgewöhnen könnte; aber es ist ihm nicht gelungen. Wir hoffen, daß wenigstens die deutsche Regierung in Zukunft mit gutem Beispiel vorangehen wird. Das Bombardement der City Londons ist ein er- freu lich er und nützlicher, lange und oft ver- gebcns erwarteter Anfang. Die wirkliche und kraftvolle Durchführung des Krieges der Unterseeboote, die auch Handels-, Kriegs- und Passagicrschifse, nicht bloß Fischdampfer torpedieren. können, wäre eine nützliche Fortsetzung." wie „Berliner Ncucstc Nachrichten": „Wie Flügclrauschen geht es durch diese Kanzlerrede. So frei, noch nie, sind die Worte. Und so stark.... Diese Kanzlerrede läßt zugleich nach einer Seite unseres Krieges in der europäischen Arena in der mittelbaren Art des Staatsmannes, der Herr aller Mittel und Wirkungen bleiben wird, etwa? vom Kriegszicl aufleuchten. Wie Morgenröte strahlt es nach O st c n hin, über die halb versumpften, halb verseuchten Gefilde Rußlands. Nach Inhalt wie Form stimmen wir auch diesen, wie von starkem und hellem Metallklang durchzogenen Aeußerungcn zu, Ein Signal ist hochgczogcn am Bannermnst des Deutschen Reiches. Ein Fanal ist aufgeflammt. Alle Deutschen im Baltikum und i» den westlichen und südlichen Gebreiten der Bärenhöhle werden sein Leuchten sehen. Und dessen Widerschein wird fliegen bis an di. Balkankämme und durch die Balkanpässc. „Frei von Sentimentalität" so wird nach diesem Kampf um Leben und Tod der fünfte Kanzlcr des Deutschen Reiches, wie wir nunmehr hoffen, dereinst auch nach Westen gewandt sprechen." „Berliner Tageblatt": „Es wäre gewiß verfehlt, ans den allgemeinen Wendungen ein bestimmtes fertiges Programm heraushören zu wollen. obwohl es an dahinzielcndcn Vcrsuck-cn nicht fehlen wird. Ein ge- wisses Ziel liegt aber in den Worten des Kanzlers klar zutage. Ein n e u c S E u r o p a, eine Neuordnung der Dinge muß entstehcu, die jede Einkreisung, jede Ausschaltung für immer unmöglich macht. Die Voraussetzung dafür ist nach Herrn v. Bethmann Hollwcgs Meinung der A u s b a u und die Stärkung u n f e- res Deutschen Reiches. Wie sich der Kanzlcr diese Stärkung denkt, hat er nicht ausgesprochen. In dem Ziele selbst werden alle Deutschen mit ihm übereinstimmen, und über die Wege, die dahin führen, wird zu sprechen sein, wenn die Zeit dasür gekommen ist.„Wir wollen sein und bleiben ein Hort des Friedens, der Freiheit, der großen wie der kleinen Nationen", hat Herr v. Beth- mann Hollweg gesagt. Und weiter:„Die Macht, die uns die innere Stärke gab, können wir nicht anders als im Sinne der Freiheil gebrauchen." Je erfolgreicher die nächsten Schläge unserer Armeen in Polen sind, desto eher wird die Zeit der Aussprache heran- rücken, und wir entnehmen voll Zuversicht und Hoffnung aus des Kanzlers Rede, daß der glückverheißende Fortgang unserer Operationen aus dem östlichen Kriegsschauplatze schon heute starke Armeen für neue Aufgaben freigemacht ha t." „Krcuz-Zcitung": „Aus alledem wird man den Schluß ziehen müssen, daß die Art, wie wir diesen Krieg führen und ihn beendigen, auch praktisch unbedingt von dem unverrückbaren Ziele wird geleitet sein müssen. die Macht Englands derart niederzuwerfen, daß die Herrschaft über die Meere ihm dauernd genommen wird. Dazu gehört aber, neben vielem anderen, eine rücksichtslose Ausnutzung des U-BootkriegcS und eine Fcsthaltnng alles des- jenigcn, was unsere Machtstellung gegen England stärkt und ver- mehrt. Die Aeußcrungen des Kanzlcrs, die sich auf Polen und dessen „Befreiung" bezogen, waren nicht bestimmt genug, um ihren In- halt und ihre Tragweite genau beurteilen zu können. I m m er- hin aber waren sie geeignet, zu Hoffnungen an- zurcgen, vielleicht auch Bindungen darzn- stellen, deren Konscyucnzen bei einer Beendigung de? Krieges, außerpolitisch wie innerpolitisch, von der größten Bedeutung sein und werden können. Wir vermögen nicht die besondere Veranlassung zu jenen Aenßerungen zu übersehen, auch sind sie mit dem ge- rade von der Regierung mit besonderem Nachdruck stets vertretenen Wunsche einer nicht vorzeitigen Erörterung spezieller Kriegsziele nicht ohne weiteres in Einklang zu bringen, und werden schon aus diesem und auch vielleicht aus anderen Gründen manchem b e- d e n k l i ch erscheinen." WZrtschaftsftagen vor der Bndgetkommisfion. (Sitzung vom Freitag.) Abg. Simon(Soz.): Angesichts der Tatsache, daß bei Beginn des Krieges alles improvisiert werden mußte, ist es zu verstehen, daß Fehler gemacht worden sind. Im Laufe der Zeit hätte man aber diese Fehler ausgleichen können. Am schlimmsten war es in Bayern, wo sich ländliche Genossenschaften von den Mühlen 2 M. pro Sack ertra haben bezahlen lassen. Auch jetzt gestattet die bayerische Regierung noch Zuschläge bis zu 63 Pf. über den Höchstpreis. Infolge unzweckmäßiger Behandlung des Mchles sind große Vorräte verdorben. Die Spannung zwischen Getreide und Mehl ist unhaltbar. Die Obsternte wird verwüstet dadurch, daß das Obst unreif abgenommen und an die Marmcladenfabriken verkauf! wird. Redner bespricht sodann die Preistreiberei auf dem Leder- markt. Das Reich hat sich einen Anteil am Gewinn vorbehalten: das macht pro Monat 14 Millionen Mark aus. Das Paar Stiefel sohlen wird dadurch mit einer Mark für die R e i ch s k a s s e belastet. Es sei dringend davor zu warnen, dem Verlangen der Interessenten nach Erhöhung der Preise für Rohhäute Folge zu geben. Die Ansicht ist total falsch, daß die Lage der Arbeiter günstig sei. Das Volk weiß natürlich, daß eine Knappheit an Lebensmitwln nicht zu umgehen war; wogegen man sich wenden muß, das ist der ungeheuerliche Wucher, der getrieben wird. Wenn man sich einen Erfolg verspricht von der Einführung fleischloser Tage, so kann man da- bei die Arbeiter gewiß nicht im Auge haben, denn in diesen j Kreisen kennt man längst fast nur noch fleischlose Tage. Man dars nicht immer die Arbeiter der Rüstungsindustrie als Beispiel an- führen, sondern an jene Massen denken, die seit Monaten nicht mehr voll beschäftigt' sind. Tic Kriegsunterstützung an die Fa- Milien ist absolut unzureichend. In dem besetzten Belgien sind i die Lebensmittel weit billiger als in Deutschland. Bei der Sichc- rung der neuen Ernte möge man aus den Fehlern lernen, die in der Vergangenheit gemacht worden sind und insbesondere erträg- � liche Höchstpreise festsetzen. Abg. Erzberger(Z.): Tiefe scharfen Debatten zeigen, wie die Kritik ausfallen wird, die nach dem Krieg an den Maßnahmen der Regierung geübt wird. Deshalb liegt es auch im Interesse der Rc- � giccung, einen Beirat aus dem Reichstage zur Seite zu haben. Ter Reichstag darf nicht ausgeschaltet werden. Den Gemeinden i soll das Recht zugestanden werden, Höchstpreise festzusetzen, sonst werden die Preise in der Tad nnerschwinglrchs Die Braukcmtin- gente sind ein Objekt des Handels geworden; die großen Brenne- rcien kaufen die kleinen Kontingente teuer auf und schlagen diese Kosten auf die Bicrprcjse. Die Einschränkung der Bicrproduktion bedeutet eine schwere Schädigung für die Hopfenbauern. Tie Epe- kulanten kaufen jcßt den Hopfen zu Spottpreisen auf, lagern ihn rind werden ihn nach dein Kriege zu hohen Preisen wieder der- kaufen. Präsident Kaub gibt die schwierige Lage der Produzenten von Hopfen zu. Ob eine durchgreifende Hilfe möglich ist, soll er- wogen werden. Abg. Schmidt- Berlin bespricht den vertraulichen Bericht der Zentraleinkaufsgcsellschaft und empfiehlt, diesen Bericht nach Be- endiguaig des Krieges der Oeffcntlichkeit zu übergeben. Wir be- streiten nicht, daß die Produktionskosten der Landwirtschaft ge- stiegen sind; die Steigerung war aber nicht so, daß sie die hohen Preise rechtfertigen würde. Insbesondere ist es nicht wahr, daß die Arbeitslöhne auf dem Lande gestiegen find. Ten Land- orbeitcrn ist durch die Kriegsgefangenen direkt Konkurrenz gemacht worden. Ter Landrat in Gumbinncn hat sogar davor warnen müssen, Landarbeiter zu entlassen. Im Harz erhalten ländliche Arbeiterinnen ohne Verpflegung nur 1/20 M. pro Tag. Im Jnter- esse der kleinen Landwirte liefst es, die Preise für Hafer und stierste hcrabzuscsten. Diese Schichten müssen den großen Besitzern Gerste, Hafer, mitunter auch Kartoffeln zu enorm hohen Preisen abkaufen. Weit schstnnner ist noch die Lage der kleinen Leute auf dem Lande. Tort herrscht eine förmliche Erbitterung gegen den Großgrundbesitz. Ter Fleischkonsum ist in weiten Kreisen der Arbeiterschaft längst eingestellt, aber auch die Preise für Hülsenfrüchte find nicht mehr zu bezahlen. Es bleibt nichts weiter übrig, als die freie Konkurrenz auszuschalten. Zum Zwecke der Spekulation sind enorme Mengen von Zucker und Reis zurück- gebaltcn worden. Wir müssen Höchstpreise haben für Hülsenfrüchte, Milch und Buttef. Per gleiche gnverantwortkichc Wucher wird mit dem Gemüse betrieben. Das Parlament müsse eine Kommission einsetzen mit dem Rechte der eidlichen Vernehmung von Zeugen, rim einmal festzustellen, wo die Preistrcibcr sitzen. Abg. Dr. Pfleger(Z.) bespricht die mangelnde Organisation den Flcischvcrsorgung und fordert eine umfassende Hilfsaktion für die Hopfcnbaucrn, die sonst direkt dem Ruin verfallen. Abg. Behrens(Wirtsch. Vg.s erörtert die Frage des Wild- schadens und fordert einen zwangsweisen höheren Abschuß deS Wildes.' Llhg. Herold(Z.) hält Höchstpreise für Saatgut für praktisch undurchführbar und regt eine bessere Verteilung der Kleie an. Ilntorstaatssekrctär Richter sagt zu, daß nach dem Kriege der Bericht der Zentral-Einkaufsgcsellschaft der Oeffentlichkeit über- geben werden soll. Höchstpreise für Milch und Butter� sind in Er- wägung gezogen worden;, sowohl Produzenten und Händler haben sich dagegen erklärt, weil kein Produzent, der seine Vollmilch ver- kaufen könne, dargn denke, sie zu verarbeiten. Tic Eiereinfuhr ist gegen früher verschwindend gering; sie wird sich heben, nachdem Galizien freigegeben ist; trotzdem ist mit einer Kalamität in der Eicrversorgung zu rechnen. Daß in der Regelung der Zuckerfrage Fehler gemacht wurden, ist zuzugeben; diese Fehler ließen sich aber nicht vermeiden, weil man nicht alle die Schliche des Zucker- Handels zu übersehen vermochte. Tie Behauptung, daß erheblichere Mengen Obst nach Holland gegangen sind, ist nicht richtig. Zur Wstimmung standen nunmehr etwa 30 Anträge. Um Komplikationen zu vermeiden, wurde beschlossen, mit»venigen Aufnahmen alle Anträge als Material zu überweisen. An- genommen wurden jene Anträge, die verlangen, daß der Regierung für die wirtschaftlichen Maß- nghmen ein Beirat aus Mitgliedern aller Fraktionen des Reichstags beigegeben wird. Im weiteren Verlaufe der Debatte wurde die Petroleumfragc erörtert, wobei Abg. v. Gamp anregt, den Städten, die Gas- ..gnstaltey besitzen, kein Petroleum zu geben. Von einem Rcgierungsverircter wird versichert, daß einem Petrolcummangcl möglichst gesteuert wird. Die Regelung der Ver- sorgung sei erleichtert dadurch, daß man nur mit tvenigcn Gesell- schasten zu rechnen habe. Abg. Wcilnbäck(k.) versichert auch bei dieser Gelegenheit wieder, daß sich die Landwirtschaft in einer recht schlechten Lage befinde. Durch die Ueberlassung von Kriegsgefangenen ist die Landwirtschaft bx lastet worden. Abg. Hoch(Soz.) weist das Verlangen des Abg. Gamp, den Städten kein Petroleum zu überlassen, zurück mit dem Hinweis auf Lis Heimarbeiter und die sonstigen kleinen Leute, die Petroleum haben müssen. Abg. Wurm fragt, ob sich die Regierung bereits mit der Azetistengesellschast in Verbindung gefetzt habe.— Von einem Ver- trcter der Regierung wird erklärt, daß die Verhandlungen an der Höh: des Carbidpresses gescheitert sind. Abg. Gothrin verlangt, daß endlich in den Kasernen die Petroleumbeseuchtung beseitigt wird. Man soll elektrisches Licht einrichten, damit das Petroleum der Bevölkerung verbleibt. Abg. Schiffer(natl.) begründet dann einen Antrag, der be- zwecken- soll, daß bei Bestrafungen ivegen Vergehen gegen den§ 9 des Velagerungszustandsgesetzes auch Geldstrafe zulässig sein soll. Wegen Bagatellen müssen d,e Gerichte jetzt aus Gefängnis erkennen. Redner empfiehlt, die An- gclcyenheit auf dein Verordnungswege zu regeln. Ein ähnlicher Antrag ist auch von sozialdemokratischer Seite gestellt worden. Staatssekretär Lisco gibt zu, daß hier ein Mißstand vorliegt. Wegen' kleinlicher Dinge muß ein großer Apparat in Bewegung gesetzt werden. Dem kann abgeholfen werden durch Einführung des Verfahrens mittels Strafbcfehl. Diese?lbändcrung herbei- zuführen, sei die Militärverwaltung in der Lage, obnc daß erst der Weg der Gesetzgebung beschritten werden müsse.— Abg. Licsthing(Pp.) führt einen Fall an, in dem eine alte Dame, die sich zu erschießen versuchte, wegen verbotenen Waffcntragcns mit Gefängnis bestraft wurde. ?kbg. Kreth findet, daß die Gerichte zu milde bestrafen. Tic Anträge werden angenommen. Verlustlisten. Tie Verlustliste Nr. 306 der preußischen Armee enthält Verluste folgender Truppen: Infanterie usw.: Garde: 1. Garde-Regiment z. F.(s. 1. Garde- Rcs.-Regt.), 3. Garde-Regiment z. F.(s. Schutztruppe für Deutsch- Südwcstafrika) und 4. Garde-Regiment z. F.; 1. Garde-Reserve- Regiment. Grenadier- bzw. Infanterie- bzw. Füsilier-Regimenter Nr. 3, 5, 14, 22(st 1. Garde-Nes.-Negt.), 23, 28, 30, 33, 35, 41, 49 (st auch Schutztruppe für Kamerun), 50, 53, 57, 58, 59, 61, 62, 64, 66, 75, 79, 87 bis einschl. 91, 95, 96(s. Feldfliegertruppe), 97, 98, 11t, t 12, 114, 116, 117, 118, 131, 135, 137, 140, 141, 142, 143, 145, 146(st Jnf.-Regt. Nr. 14), 147, 148r, am Sonnabend von d»t»« Uhr statt. Jeder fllr den Artet! asten bestimmten Antrag- tst ein Buchstabe und eine Saht al» Mertzeichen betzulllgea.»rtetlich« Antwort wird nicht erteilt. Ansrag-n, denen letn« Abonn-m-nUauttlung beigesiigt tst, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trag« man tn der Sprechstunde vor. Arrträge, Schriftstiiite und dergletche» bringe man t» dt« Sprechstunde mit. R. 50 St. Tierasyl des Tierschutzvereins. Lankwitz, Dessauer Str. 21. Auch Tierdepot, Berlin, Schtcklerstr. 4. Alles nähere dort.— 51. K. 100. Darüber erhalten Sie sichere Auskunst beim Verband der Schneider und Schneiderinnen, Berlin, Sebastianstr. 37/38.— A. B. 999. Durch Abbürsten mit Kalkmilch.— K. 14. Durch Vennittelung der schwedischen Post. Näheres crsahren Sie aus dem Postamt.— M. 5l. 63. 1. bis 4. Darüber läßt sich jetzt nichts sagen, bängl vielmehr von Zusälligkelten und vomsJntellket des B-tressenden ab, 5. Nein, ist aber nicht ausgeschlossen. — Ab. 25». Verlangen Sie bei der Buchhandlung Vorwärts, Berlin L'tzü 68, Lindenstr. 3, ein Schristenverzeichnis, in dem Sie reichlich Literatur über Gcmeindcpolitik ausgesührt finden.— B. K. 81. 1. Lehrer. seminare mit Präparandcnanflaltcn befinden sich in solgenden Orten der näheren Umgebung Berlins: Spandau, Oranienburg, Köpenick, Fürsten- Walde. 2. Bewerbung um Lehrcrftcllen in Städten oder Dörfern, nach Be- lieben. 3. Di- Gehälter der Lehrer sind in den einzelnen Gemeinden sehr verschieden. AuSsührliche Mitteilungen tm Brieskastcn zu machen, ist un- möglich. Das Gehalt eines LehrerS(zusammengesetzt auS Grundgebalt, Mietsentschädigung. AlterSzulagen, Ortszulage) erreicht zum Beispiel in Berlin und mehreren der Vororte den Höchslbetraa 5000 M.; in kleineren Städten ist eS niedriger, noch niedriger ist es in Dörfern,— M. 11. Ja. — L. 15. Ein» von beiden kann die Witwe nur beziehen. Hat sie selbst Marken geklebt, so bekommt sie Witwengeld. Ist sie nicht versichert, so er- hält sie aus Grund der geklebten Marken ihre» Ehemannes Witwenrente, aber erst von der Zeit an, wenn sie selbst als Invalide erachtet wird. Witwengeld wird nur einmal gezahlt.— 3. ig. 36. Einziehung wird nicht mehr ersolgen. Wegen Blindheit eines AugeS und verminderter Seh- schärfe de» andern dienstunsähig.—(S. P. 2. Der Wirt kann dazu leider nicht gezwungen werden.— N. 84. Wenden Sic sich mtt einem Antrag an daS Ersatz-Bataillon deS Regiments.— M. I. 9. Der Wirt kann die Sachen cinbchalten. Sic haben nach dem Fortzug auch die ver- pflichtung, sür die Dauer deS Vertrages die Miete zu zahlen. Kündigung ist zulässig. Der Wirt kann leider nicht gezwungen werden, MietSnachlatz zü gewähren.— H. E. 1300. Soviel wir wissen, nicht; aber erkundigen Sie sich beim Patentamt in der Gitschiner Straße.— F.®. 101. 1. und 2. Eine Zurücksorderung der Beiträge erscheint aussichtslos. 3. Ihre Frage ist unverständlich.— W. Vi.«766. 1. und 2. Nein. 3. Ja. — F. C. 20. Da ist Ihnen weiter nichts zu raten, als die Ehe gerichtlich stheiden zu lassen.— I. St. 101. Ja, wenn Sie sich in Versicherung». Pflichtiger Beschäftigung besinden,— Kochbtrnen Pfund l�Pf. _ 11 '.} Nicbi am i Spiüelmarhi �"44�5 i Kocbapfel Pfund*1 S Pf. Iliüne ßnrken Pfund'■Ö Pf. * Zusendung ausgesdilossen Ätl- Du!! Sil! Flasche �.SfS BiauePaanmen f Kalbskamm................. f,c„4 l.os( Schmorfleisch: 1 a:i ,c l.io Pfund 22 pf. _ �___ 1.10 Tomaten ä�fislbSi'titvJ'h�n im Laoaeh.... Flullä i!« zO »hh-ZZFh| Rmderquerrippe..... n�sv pf. VeiSekOfl• � V«*....L�WWit mit Knochen....... Plnnd U «�«Pt i S1:tierbpust................. l.oo Gulasch».Gehacktes ,.«.©1 Hammeldllnnung.....«». 1.LZ tiaiHme' dicke Rippe....Pinna'3.22 �............ pino/k.ZZ Hammelrikken.......... �.«1.35 Kunsmontg ca. 3-pfd.-Glas*1.4S largarme Pfund Ii Zwiebein 2 Pfund flS Pf. Rot- cd. ZK!sS?s3Kurst....PfB„i 1Bt' T LandleherKUiiSt ti,om::-cr'jChoit1>Un. Eichelmalzkaffee........... Pfand 43 pt Maisgries..................... Pfand 43 k«- Frlsen gran oder gelb........... Pfnnd �,§P£. Bohnen weiss.................... pmnd A in%*M sFk*-*-— bis 3� M. ßd. K G T 4 Wi SishMltMm»! �• üieriisT? S®5 D�ösdesier' Sla'. 4 i iochbahnstation Koltbuser Tor. * �riifun von IS M. bis 4© AT. jOZialilEniolffatisoliepWaMve?.;;:' 1.[1. 4. Berl. ReielistagswsliliffEis., Landsberger Viertel. Bezirk 41 ZI Den Mitgliedern zne Nachricht, dag unser Genosse, der tasten- ntachcr Joseph Kühn Kochhannstr. 33 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 21. August, nach- mittags 3'j, Uhr, von der Halle des AuferstchungS- Kirchhoscs in Weibensee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Ter Vorstand. �EitEi" Wahlkreis, FrieÄlaSt Zahlmorgen. Schon wieder haben wir ein treues Mitglied unseres Zahl- morgen verloren. Am 15. August verstarb unser Genosse GeorZ Trautwein im MMärlazareit in Königsberg. � Mit Hochachtung weiden wir dieses unschuldigen Opsers des i Krieges stets gedenken. Ter Vorstand. Als Opser des Weltkrieges fiel\ am 4. Juli bei einem Sturmangriss � insvige Kopsschusses unser lieber i Sohn und Bruder Paul Teuber im Gardc-Grenadicr-Neg. Nr. 5. Die trauernden Eltern 22368 und Schwester. Nun ist's vorbei, eS kann nicht mehr gcschehn Wie Du uns schriebst: Aus baldiges, srohcS Wiedcrschn. Ruhe saust in fremder Erde. Oeotscfier Holzarbeiter-Verband Zalilir'tcllo Nowawc». Dem Andenken unserer ans den: k ricgsschauplai; izefalienen Kollegen! Max Lange, Tischler. Franz Leise, Tischler. Hmü Bobbriifiz, Tischler. Fritz ff artmann, Tischler. Ehre ihre m Zl n d c u k e n k ä>!v 0rt-r. s Monnts-Kardcrobe! i�etragenc i Anzüge für Herren: Smoking, wrack- ? und E-chrock-Anzüge knuch zum Ver« i leihen), Sommervalctots und Ulster sowie von Kavalieren� nctragenc, last neue Sachen(auf Seide), für jede Figur Vassend. in grögicr ZlnZwahl zu unüberlroffcn billigen Preisen. Eine Trevve. deshalb billiger wis im s � Pnden. Hirsch Kicserbaum, Wasserkor i strahe 12/13 I. 63 19» I A!s Opser des Weltkrieges fiel � aur 26. Juli in einem Äcscchi• j mein lieber Mann.»nicr s guter Sohn. Bruder, Schwager s iind Onkel, der Wehrmann Sliolsv/a. In tiefstem Schmerz o-rau Kiar-Ji CUoIc.va geb. Hüner. War' jeder so wie er, istäb's weder Krieg noch Not. Als Sohn des Voiles starb er.- Getreu bis in den Tod. .�ewXfOcIi/«» — �jsuvrviraVncfy Danksagung. Für die rege Beteiligung bei der Einäscherung meines liehen Mannes, des Gastwirts Joseph Wirth sage ich allen Teilnehmern, besonders dem Verband der freien Gast- und Schankwirte. dem Wahlverein des 5. Berl.ner Wahlkreises, dem Spar- verein selbiihilse, dem Bercin Kielte. insbesondere aber dem Herrn Manassc für die trostreichen Worte meinen besten Dank. Wilwa Aüciüste Wirth Auguslstr. 51. r Verkäufe. "yirvvkrarA*. Hcrmr.unplai! 6.„Pjandlelh- bans". Ertrabilliger Bcttcnvcrkaui, Wäscheverinii!, Miardinenvetkaiif, Trvpichvcrkauf, Ubrenverkaus,«t-oid- jachen. Svottbillige Jakeltanzüge. Gchrockanzüge. Herrenhosen. Geld! 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Hiermit die traurige Nachricht.' daff meine liebe Frau, iniscre- herzensgute Mutter und Groff- /, miiltcr kriedeiike Höhn geb. Hamann nach schwerer Krankheit am 19., d. Mts.. abends 10 Uhr, saust' enttchlasen ist. 22355 5 In tiefster Trauer Oswald Mölln. Reinhold Kiiter und Familie. Die Beerdigung findet am; Montag, den 22. August, nach- 4 mittags 4 Uhr. von der Halle des � Steglitzer Gemeinde- Friedhofes V ans statt. Tor dem SJcti'itt drr Prelserliöhnnj; IUr dlo nächsten 3 TacgeS SLostÜBie wunflerbare einzeln« Modo' e, mit langen und kurze» Jacken. Falten- und Glockenröcken, beste Stoffe, Kailirrpsnrn, Tuch, Foulö. Snnit, Seide. ™nr d!. ßZF-- doruntar ölo tocerBtea Kodeiio! Kostüme und Kleider eiufachprer Art, aas be. cen Stoffen, pediapeno V er arbeit an g, «usHiniaeng« s'ellt!'5 bz bis dsruntsn seiin ieuns Modells 1 Xi-.r fflr die uflciisten S Tä�o! Prallt'.sclia Serfcat- und Winter- Ulnter au 3 Preisen....... 18.—. riÄ.—. 31).— darunter die teuersten ilodella. 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Am BundeSratstisch: Delbrück, Jagotv, Helfferich, LiSco. Der Platz des Abg. B r L h n e(Eoz.), der heute 60 Jahre alt wird, ist mit Blumen geschmückt. Auf der Tagesordnung steht zunächst folgende Anfrage des Abg. Tr. Liebknecht(Soz.)» die der Abgeordnete unter grosser Unruhe verliest: Ist die Regierung bei entsprechender Bereitschaft der anderen Kriegführenden bereit, auf der Grundlage des Verzichtes auf Annexionen aller Art in sofortige Friedensverhandlungen ein« zutreten? Staatssekretär v. Jagow: Ich glaube, dem Einverständnis der großen Mehrheit dieses Hauses zu begegnen, wenn ich auf die Anfrage des Abg. Dr. Liebknecht, eine Antwort zu erteilen, als zurzeit unzweckmäßig ablehne.(Lebhafter Beifall be- sonders rechts.) Liebknecht ruft: Dieses Ausweichen heißt Deckung der kapitalistischen Eroberungspolitik.(Großer Lärm.) Das heißt Bekenntnis zur Annexionspolitik.(Erneute große Unruhe.) Die V o l k§ in a s s e n wollen den Frieden. (Andauernde große Unruhe und Gelächter.) t Die neuen Kriegskredite. Berichterstatter Graf Westarp(k.) verweist auf die Zusage der Regierung, den Betrag von 200 Millionen Mark, der bei der letzten Anleihe für die Wöchnerinnenpflege und für die Invaliden- und Erwerbslosenunlerstützung abgezweigt war. aus der neuen Anleihe wieder auf den urtprünglickien Betrag zu bringen. Die Kommisston hat einstimmig die Bewilligung der An- leihe zu empfehlen beschlossen. Bei keinem unserer Feinde ist bisher Ker Wille hervorgetreten, den Plan der Vernichtung Deutschlands aufzugeben, geschweige denn zu einem Frieden bereit zu sein, der unseren gerechten Anforderungen nach diesem uns aufgezwungenen Kriege entspräche. Die Kommisston ist überzeugt, daß unsere Volks- Wirtschaft die neue Anleihe tragen kann, und daß das Volk bereit ist. die Anleihe auszubringen. Größere Opfer als die schwersten stnanziellen Opfer bringen unsere Brüder draußen im Felde.(Lebh. Beifall.) Rcichöschatzsekretär Dr. Helfferich: An der Schwelle des zweiten Kriegsjahres wollen wir dem deutschen Volke, den Neutralen und auch der feindlichen Welt ein Bild von unserer f i n a n z i e ll e n L a g e geben. Bisher hat der Reichstag für Kriegszwecke 20 Milliarden bewilligt, mit der jetzigen Lorlage werden es 30 Milliarden. Die bisher bewilligten 20 Milliarden stellen ungefähr den Werl des gesamten deutschen Eisenbahnnetzes »nil allen Anlagen und dem gesamten rollenden Material dar.(Hört! hört!) Der Krieg verschlingt jetzt in jedem Monat die gewaltige Summe von ungefähr 2 Milliarden Mark. Ein Kricgsmonat kostet ein Drittel mehr als die Gesamt- kosten des Krieges 1870/71 betrugen.(Lebhaftes Hört! hört!) Wir wollen diesen Zahlen und dieser Wahrheit unerschrocken in die Augen sehen und uns über die Sd-werc der noch bevor- stehenden Opfer keiner Selbsttäuschung hingeben.(Sehr richtig!) Es ist eine furchtbar schwere Zeit, die dem deutschen Volk und dem ganzen Erdteil auserlegt ist. Das zweite Kriegsjahr wird schwerer sein als das erste. Neue Aufgaben stehen bevor, alte Aufgaben werden größer. Aber jeder Deutsche weiß heute auch, warum diese Opfer gebracht werden und daß sie nicht umsonst ge- bracht werden.«Lebhafte Zustimmung.) Die beste Begründung für diese Vorlagen ist der einmütige Wille des Volkes, den Krieg bis zum siegreichen Ende durchzuhalten, bis zu einem Frieden, den wir vor uns selbst, vor Kindern und Enkeln verantworten können.(Leb- haster Beifall.) So lange sich die Feinde nicht bequemen, aus unserer Unbesiegbarkeit die notwendigen Folge- rungen zu ziehen, sind die Waffen unser einziges Mittel, sie zu überzeugen.(Sehr richtig!) Die 10 Milliarden sollen auch diesmal wieder durch Anleihe aufgebracht werden. Wir wollen während des Krieges die gewaltigen Lasten, die unser Volk trägt, nicht ohne zwingende Notwendigkeit durch Steuern erhöhen. Eine stärkere Belastung des Verbrauchs würde bei den ohnedies hohen Preisen hiergegen ebenso verstoßen, wie eine stärkere Belastung des Verkehrs. Die direkten Steuern werden heule fort erhoben, teilweise in einzelnen Bundesstaaten auch in wesentlich stärkerem Matze herangezogen, lieber die Kriegsgewinnsteuer kann ich mitteilen: in der Konferenz der bundesstaatlichen Finanz- minister wurde ein grundsätzliches Einverständnis erzielt. Es handelt sich um eine Gesetzvorlage, die genau durchgearbeitet werden muß; so reif ist die Sache noch nicht. Die Betroffenen werden auch die finanziellen Veränderungen durch den Krieg erst nach seinem Abschluß übersehen können. Die einwandfreie Begriffsbestimnmng des Kriegsgewinns ist steuer- technisch unmöglich, andererseits sind alle, die während der Kriegs- zeit in der Lage waren, ihr Vermögen erheblich zu vermehren, auch imstande und verpflichtet, im höheren Maß als durch ge- wöhnliche Besteuerung zu den Kriegslasten beizutragen. (Bravo!) Damit ist die Anlehnung an die Reichs- vermögens-Zuwachssteuer gegeben. Der Vermögenszuwachs durch Erbgang in naher Verwandtschaft soll befreit bleiben. Die Sonder- steuer aus Kriegsgewinn soll als Beitrag für die Kriegskosten nicht nur in barem Gelde. sondern auch durch H e r g a b e�v o n Kriegs- anleihe entrichtet werden können. Die Sorge vor einer solchen«steuer braucht also niemand davon abzuhalten, Kriegs- anleihe zu zeichen.(Große Heilerkeil.) Wenn wir die Möglichkeit haben, den Frieden nach unseren Notwendigkeiten zu gestalten, dann dürfen wir die Kostenfroge nicht vergessen. Wir müssen danach trachten, daß die ganze künftige Lebenshaltung unseres Volkes, so- weit es irgend möglich ist, entlastet wird.(Sehr richtig!) Das Bleigewicht der Milliarden für die Kriegs- entschädig ung haben die Anstifter des Krieges verdient, sie sollen es in Zukunft mit herum- schleppen, nicht wir.(Lebhafte Zustimmung.) Gewiß handelt es sich hier um eine ganz besonders schwere Autgabe, aber alles, was nach dieser Richtung hin geschehen kann, wird getan werden. (Bravo!) Die Oeffentlichkeit weiß, daß die Ausgabe einer dritten Kriegs- anleihe bevorsteht. Die materiellen Kräfte, die den beiden ersten Anleihen einen über alle Erwartungen hinausgehenden Erfolg der- schafft haben, sind auch heute noch ebenso stark. Bis auf ver- hällnismäßig kleine Beträge sind die ungeheueren Summen, die das Reich braucht, im Lande geblieben, sie sind unseren Soldaten, unserer Landwirtschaft, unserer Industrie zugute gekommen und haben sich zum Teil von neuem zu Sparkapital verdichtet. Redner verweist auf die Eniwickelung der Darlehnskasien. Sie zeigt, daß unsere Gegner sich läuichen. wenn sie behaupten, der Erfolg unserer Kriegs- anleihe fei uur Mache, sie würde nur finanziert mit den An- Weisungen der Darlehnskasien. So erzählt der.Daily Telegraph", uniere Darlehnskasien beliehen alles, was ihnen gebracht werde, bis auf Zahnstocher und Kohlenbecken.(Heilerkeit.) Hierüber kann man lachen, aber man muß sich auch klar darüber sein, daß diese systematisch fortgesetzten Verleumdungen, diese Herabsetzung unserer Finanzkraft uns xiu« großen Schaden in neutralen Ländern zufügt.( Sehr richtig I> Die Einlagen in unseren Sparkassen haben 1013 um eine Milliarde zugenommen, 1014 trotz des Kriegszustandes um 900 Millionen Mark. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres betrug der Zugang nahezu 1 Vj Milliarden.(Hört! hört!) Aller- Vings ist der Betrag fast völlig aufgebraucht worden z u Zahlungen von Kriegsanleihen seitens der Sparkassen: diese Zahlungen betrugen 1 Milliarde 800 Millionen Mark. Heute aber kann man sagen: die Sparkassen sind wieder völlig intakt, sie haben einen Bestand von 20 MilIiarden Mark, sie haben mehr als jemals vor Kriegsausbruch. Aehnlich günstig liegen die Dinge auch bei den Banken. Die Flüssigkeit des Geldes hat sich zum Teil sogar zu spekulativem Treiben an der Börse verdichtet. Aber ein leichter Wink hat genügt, um hier Einhalt zu tun und die Einsicht zu verbreiten, daß für die Leiwen- dung von Geld heute bessere Möglichkeiten besteben, als Spekulation. Alles Geld gehört dem Valerlande, Kriegsanleihe ist das Anlagepapier. Zu den Zeichnungen sollen diesmal auch die Postanstalten herangezogen und für die kleinen Zeich- n u n g e n unter 1000 M. Teilzahlungen bis zu 100 M. gestattet werden. Reklame nach englischem Muster werden wir für unsere Kriegsauleihen nicht treiben. Es entspricht nicht dem deutschen Geschmack aus den Ernst des Krieges die Zirkusreklame anzuwenden.(Sehr richtig!> Die fünfprozentige Kriegsanleihe ist heule das volkstümlichste Papier, das es je in Deutschland gegeben hat.(Sehr richtig!) Den Ausgabekurs werden wir dank unserer finanziellen Kraft etwas höher setzen. Wir können auf unsere Finanzlage um so stolzer sein, wenn wir sie mit der unserer Feinde vergleichen. Nach genauen Untersuchungen sind die Gesamt- kosten dieses Weltkriegs bei allen Beteiligten täglich auf nahezu 300 Millionen zu schätzen, auf das Jahr etwa 100 Milliarden Mark.(Hört I hört!) Es ist die größte Wertzcrstörung und Wertverschicdung, die jemals die Weltgeschichte gesehen bat. Von den einzelnen Ländern hatte bis vor kurzem Deutschland die schwerste Last zu tragen. Aber in- zwischen hat uns England überholt. Dort haben die täglichen Aus- gaben für Kriegszwecke den Betrag von 80 Millionen Mark über- schritten.(Hört! hört!) Wir wollen England diesen Voriprung gönnen(Heiterkeit.), zumal die Engländer selbst das Gefühl haben, daß wir mit geringeren Mitteln mehr leisten. Auf die Koalition unserer Feinde entfallen nahezu zwei Drittel aller Ausgaben, auf uns und unser: Verbündeten etwa ein Drittel der Kriegskosten. Frankreich, das Land der Rentner, hat es bisher kaum zu einer regelrechten Anleihe gebracht, und England, das Land der 2>/zprozentigen Konsols, hat es zuerst mit einer 3«,'zprozeliligen Anleihe versucht, aus die zwar 3>/z Milliarden gezeichnet wurden, ollein die zu 95 Prnz. ausgegebene Anleihe sank schon am ersten Tage unter den Ausgabekurs und hat sich seither darunter gehalten. Die Anleihe, die bis Ende Juli reichen sollte, war Eirde März aufgebraucht. Man half sich mit Schatzwechseln, aber der Andrang der Käufer blieb aus. Erst in allerletzter Zeit ist man wieder zur Emission einer großen Anleihe übergegangen. Der Zinssatz wurde auf 4>/z Proz. hinaufgesetzt, was zusammen mit den weitgehenden ÄonvsrsionSrechlen einen wirklichen Zinsfuß von mehr als 5 Proz. bedeutet. Die Anleihe, die den Kriegs- bedarf bis März 1016 decken sollte, hat etwa 600 Millionen Pfund gebracht; dieser Ertrag wird bereits im September wieder versiegt sein. Auch dies Ergebnis wurde nur dadurch erreicht, daß die Großbanken sich am letzten Tage entschlossen, ihre Zeichnungen auf den doppelten Betrag zu erhöben. Bei uns aber sind die beiden Kriegsanleihen stets über dem Ausgabekurs geblieben. Wenn also das alte Wort noch feine Bedeutung bat, daß zum Kriegführen Geld gehört, dann werden selbst unsere Feinde merken, wie günstig wir stehen. Die dreiprozentige französische Rente ist um 20 Pro- zent zurückgegangen und in England beträgt der Mindeslkurs der 3l/zprozentigen Konsols 65 Prozent. Unsere deutswen StaatSpapierc dagegen zeigen einen Rückgang von nur 8 bis 0 Prozent, also auch hier schneiden wir am besten ab.(Bravo!)— Allerdings entstellen unsere Feinde auch hier, um zu beweisen, daß wir am Verbluten sind. Die Londoner Börse hat kürzlich unsere 3prozentigen Reichsanleihen milSg'/oProz. notiert.(Heiterkeit.) Ich habe mich vergeblich bemüht, auf dem Umwege über das neutrale Aus- land deutsche Staatsanleihen zu diesem schönen Kurs zu kaufen, (Große Heiterkeit) aber es ist mir nicht gelungen, auch nur ein einziges Papier zu bekommen.(Große Heiterkeit.) Ein weiteres günstiges Zeichen für uns ist die Erhöhung des Gold- bestandes der Reichsbank seit Kriegsausbruch um mehr als eine Milliarde. Die„Times" lügen, wenn sie behaupten, daß wir unseren Bundesgenossen Gold abgenommen hätten. Wir be- trachten unsere Verbündeten nicht als?lusbeuiungsobjekte.(Bravo!) Redner bespricht den auswärtigen Wechselkurs und kommt zu folgendem Schluß: Das Geheimnis unseres Erfolges auf dem finanziellen Kriegsschauplatze liegt nicht in dem, was man gemeinhin Reichtum nennt. Er besteht vor allem in der Arbeitskraft unseres Volkes, die im Kriege und für den Krieg schafft. Was der Krieg verzehrt, ist nicht etwa unser Geld, das ist die Summe von Kriegsmaterial und von Untcrhaltsmitteln, die unser Volk jetzt auf eigenem Boden mit Anspannung aller Energie stets aufs neue erzeugt. Wo das Geld über die Grenzen rollt, um Kriegsmaterial und Nahrungsmittel zu ergänzen, da rollt es nicht so leicht zurück. Mögen unsere Feinde ihre Geldmaschine reparieren, nützen würde ihnen das erst, wenn sie uns die Leistungsfähigkeit unserer Industrie nachmachen könnten. Das können sie ebenso wenig, wie sie uns unser Heer nachmachen können.(Sehr richtig!) Dazu gehört eiserne Erziehung. Pflichtbewußtsein und Disziplin, ein durch tausendjährige Geschichte zusammenaeslbweißtes Volkstum.(Lebhafter Beifall.) In uns allen lebt der Wille zum Sieg, deshalb vertraue ich darauf, daß das, was Sie jetzt bewilligen, vom ganzen Volke gezeichnet werden wird.(Lebhafter wiederholter Beifall.) Abg. Dr. David(Soz.): Das Bild der finanziellen Kriegslage, das uns der Reichsschatz- sekretär gegeben hat, ist insofern gewiß erfteulich, als eS zeigt, daß die Lage Deutschlands günstiger ist als die seiner Gegner, daß Deutschlands finanzielle Kraft durch den Krieg nicht niedergebrochcn ist und nicht niedergebrochen werden kann. Dabei kommt uns ein Moment besonders zu statten: Die vom Reich verausgabten Summen sind zum weitaus größten Teil im eigenen Lande geblieben. Wir sind nicht in Schulden ans Ausland geraten wie Frankreich, England und Rußland. Dieses Er- gebnis der englischen Absperrungsstrategie ist für die Finanz- kraft und wirtschaftliche Betätigung Deutschlands nach dem Kriege von größter Bedeutung. Es hat aber auch seine be- sondere Bedeutung für die Frage, wie das Reich einen Teil seines ungeheuer steigenden Emnahmebedarfs zu decken hat. Die Gläubiger des Reiches sind vielfach� die selben Leute, die durch Kriegslieferungen und sonstige infolge des Krieges besonders gewinnbringende Geschäfte große Ein- nahmen gehabt haben. Es ist eine Forderung der sozialen Ge- rechtigkeit, ivenn das Reich sich erklecklichen Anteil dieser Gewinne durch eine Kriegsgewinnsteuer sichert. Der ReichSschatzsekretär bat ja die prinzipielle Geneigtheit dazu erklärt. Je rascher diese Aufgabe in Angriff genommen wird, um so besser.(Lebhaftes Sehr richtig!) Noch einen zweiten Gedanken möchte ich an die Ausführungen des SchatzsekrelärS knüpfen, den nämlich, daß die harte Not- wendigkeit uns nicht noch einmal eine KriegSkredit- Vorlage aufzwingt. Möge es inzwischen gelingen, einen für Deutschland ehrenvolle» und gute« Friede«___ 1 zu erreichen, einen Frieden, der die Unversehrtheit des politischen Machtbereichs und die Freiheit der wirtschaftlichen EntWickelung des deutschen Volkes sicherstellt. Ich gründe diese Hoffnung aus die glänzenden Leistungen unserer tapferen Truppen. Die großen Er- folge im Westen, die gewaltigen Siege im Osten erfüllen uns mit Stolz und Bewunderung.(Lebhaftes Bravo!) Auch uns ist es ein Herzensbedürfnis, allen denerr, die ihre Kraft, ihre Gesundheit, ihr Leben iür das Vaterland eingesetzt haben, unseren heißen Dank aus- zusprechen.(Zustimmung.) Die Dankesschuld, welche die Nation ihren Kämpfern schuldet, kann natürlich n i ch t i n bloßen Worten abgetragen werden. Die Männer, die da draußen ihr Leben für uns aufs Spiel setzen, sollen die Gewißheit haben, daß, wenn das harte Los des � Todes sie trifft, für ihre Lieben in der Heimat ausreichend gesorgt ist. Und denen, welche an ihrer Gesundheil schaden nehmen, deren Erwerbssähigkeit durch Verstümmelung und dauernde Leiden ge- schwächt wird, soll die Furcht genommen sein, daß sie materiellem Elend entgegengehen. Können die neuen Gesetze zur Regelung der Militärhinterbliedencil- und Juvalidenfürsorge nicht schon während des Krieges fecliggestellr werden, so muß inzwischen in allen Fällen der Not ausreichende Hilfe ohne falsch angeblachte fiskalische Sparsamkeit schleunigst gewährt werden.(Sehr richtig!) Ferner mutz alles vermieden werden, was die Stimmung der Mannschaften herabdrücken, was ihren Willen zu höchster Pflichterfüllung schwächen kann. Immer wieder gelangen Klagen zu uns über schlechte Behandlung, namentlich bei der Ausbildung neuer Truppen in der Heimat und in den Etappen.(Sehr wahr!) Auch hinsichtlich der Ernährung macht sicb bei den ncuauszubildenden Truppen ein Ucbcl- stand bemerkbar. Sie ist ans den Magen junger Leute von zwanzig Jahren zugeschnitten. Bei vielen der älteren Leute, die aus einer langgewohnten häuslichen Pflege kommen, bewirkt der Uebergang zu der ungewohnten rauhen Kost oft schwere gesundheitliche Störungen. Hier sollte eine generelle Rücksichtnahme auf ältere Leute mit schwächerer Konstitution stattfinden. In einer Reihe von Orlen sind die Verpflegungsgelder für Leute, die außerhalb der Kaserne wohnen, von 1,05 auf 0,60 M. herabgesetzt worden. Daß dafür eine zureichende Ernährung heute nicht beschafft werden kann, liegt auf der Hand. Durch eine solch falsch angebrachte Spar- samkeit wird die Leistungsfähigkeit der Betreffenden herabgedrückt. Weitere Klagen beziehen sich auf die Schwierigkeiten und ungleiche Berücksichtigung bei der Erteilung von Heimatsurlaub. Ich unterlasse es, auf diese Punkte näher einzugehen, das' wird bei der Spezialberaiung geschehen. Alle Quellen der Ver- stimmung und Verbitterung auf diesem Gebiete müsien mit aller Energie beseitigt werden.(Sehr richtig!) Der oberste Gesichtspunkt, der uns bei allen kritischen Aeuße- rungen und positiven Anregungen hier wie in der Kommission leitet, ist das Bestreben, unser Bestes zu tun, um die Widerstandskraft und den Willen aller Schichten des deutschen Volkes zum Ausharren in diesem furchtbaren Ringen gegen eine Welt von Feinden zu stärken. Wir sind überzeugt, daß dabei auch Worte offener, und wenn nötig, scharfer Kritik nicht schaden, sondern nur nützen können. Nichts wäre verhängnisvoller, als den Kopf in den Sand zu stecken vor be- stehenden Mißständen. Das Parlament kann sich der Aufgabe, die Klagen und Wünsche der Bevölkerung zur öffentlichen Kenntnis zu bringen und auf Abhilfe zu dringen, um so weniger entziehen, als durch den Bclagerungsz,-stand und die Zensur die Aufdeckung und kritische Behandlung von Mißständen in einem Maße erschwert ist, das weit über das hinausgeht, was iur Interesse der militärischen Sicherheit des Reiches zu rechtfertigen ist.(Sehr richtig!) Auw darüber werden wir in der Spezial- beraiung eingehender sprechen. Nicht minder bedeutungsvoll wie die Erhaltung unserer militärischen Widerstandskraft ist die Stärkung der wirtschaftlichen und seelischen Widerstands- kraft der in der Heimat gebliebenen Bevölkerung. Die Ver- sorgung der breiten Volksschichten mit aus- reichender Nahrung ist nicht minder wichtig für die glückliche Durchführung des Krieges wie die Versorgung der Armee mit Munition. Und wie es der Heeresverwaltung gelungen ist, unsere Millionenheere vor Mangel an Munition zu schützen, so muß es der Zivilvcrwaltung gelingen, die Heimatbevölkerung vor Nahrungs- mangel zu sckiützcn. Gewiß hat die Reichsleitung mit redlichem Willen große Arbeit an die Lösung dieser Ausgabe gesetzt, aber eine befriedigende Lösung ist bis jetzt nicht gelungew Die ergriffenen Maßnahmen waren unzureichend. Ich will mich jetzt darauf beschränken zu erklären, daß eine wescutlichc Herabsetzung der Preise für die Massennahrungsmittel uubcdiugtcs Erfordernis ist. Das zu erreichen muß möglich sein, denn die Ernteergebnisse waren im allgemeinen gute, wir haben ausreichende Mengen von Lebensmitteln für das kommende Jahr im Lande. Mithin bedarf es nur der durchgreifenden organisatorischen Maßnahmen und eines rücksichtslos vorgehenden Willens, um die Seuche des Lebens in ittelwuchers die allerorten grassiert, endlich auszurotten.(Sehr wahr I) Dem ge- wisienlosen Treiben derer, die glauben, sich am Hunger ihrer ärmeren Mitbürger bereichern zu dürfen, mutz unbedingt Einhalt getan werden. Es muß den Schuldigen klargemacht werden, daß niemand das Recht hat, seinen Beutel mit Extraprofiten zu füllen, indessen Millionen und aber Millionen ihr Gut und Blut für die Geiamlheit opfern. Schärf st e Verfolgung und Strafe ist da am Platze.(Zustimmung.) Ich schließe mich dem Worte des Staatssekretärs Dr. Delbrück in der Kommission an: Gewissenlosen Lebensmittelwucherern muß das Brandmal des Verlustes der bürger- lichen Ehrenrechte aufgedrückt werden, denn ihr Handeln ist ein ge- meines Verbrechen am eigenen Volke.(Sehr richtig I) Ein zweiter Weg, der minderbemittelten Bevölkerung eine aus- reichende Versorgung mit Nahrung und sonstigen Lebensnotwendig- leiten sicherzustellen, ist die Erhöhung der Ilntcrstützungsgrlder für die Familien der Kriegsteilnehmer. Geschieht dies nicht, dann werden die Sorgen und Entbehrungen für Millionen von Familien in dem nahenden Winter noch schlimmer. Hoffentlich findet sich die Regierung bereit, neben einer einmaligen größeren Summe zur Beschaffung notwendigster Winterkleidung. Heizmaterial und dergleichen den fürsorge- bedürftigen Familien auch eine Erhöhung der laufenden Beihilfe zu gewähren. Wenn so dafür gesorgt wird, daß die physische und seelische Widerstandskrast der Millionen die draußen dem feindlichen Ansturm Trotz bieten und der Millionen, die in der Heimat wirken und schaffen, damit das Ganze erhalten bleibt, gcftärkl wird, dann dürfen wir allem, was kommen mag. ruhig ins Auge sehen. So wenig, wie cS den militärischen Anstrengungen der feindlichen Mächte gelingen soll, unsere Wehr- macht niederzuwerfen, so wenig werden sie mit ihren Aus- hungerungs- und Erschöpfungsplänen durch Ausdehnung des Krieges zum Ziele gelangen. Wie in allen Völkern, so lebt auch im deutschen die Sehnsucht nach dem T a g e, wo die Glocken den wiedergewonnenen Frieden künden. Es wäre schlimm um die Menschheil bestellt, wenn es anders wäre. Die europäischen Völker bluten aus Millionen Wunden. Jeder Tag des Krieges be- deutet weitere furchtbare Zerstörung von Kulturwcrlcn, neue schmerzliche Opfer an Leben und Lebensglück. Auf eine möglichst baldige Beendigung des blutigen Ringens hinzuwirken, muß jedem sittlich empfindenden Menschen als ernsteste Pflicht erscheiven.(Lebhasw Zuflinumutg bei den Sozialdemokraten.) Jsrt) verweise darum auch Ijeute aus die Erklärungen, die seilcn-Z meiner Partei von dieser Stelle bei den früheren Ta- <, u n g e n abgegeben worden sind. Wir beharren aus den darin niedergelegten Grundsätzen und ich wiederhole, waS wir am August d. I. gesagt haben: Wir fordern, dag dem Kriege, sobald da? ssiel der Sicherung erreicht ist und die Gegner aum Frieden geueigl sind, ein Ende gemacht wird durch einen Frieden, der die Freundschaft mit den Nachbarvölkern ermöglicht.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- lraten.) � N i ch t E r o b e r u n g? s u ch t bat Deutschland in diesen Krieg geführt. Die gestrigen Ausführungen des Herrn Neichskcmzlers haben dieses Wort des Kaiiers mit neuem Beweismaterial belegt. Eroberungssucht darf diesen Krieg auch nicht unnötig verlängern. Leider sind die Gegner Deutschlands trotz ihrer schiveren Niederlagen noch immer nicht am» Frieden geneigt. Im Gegenteil, ihre leitenden Slaalsmänner und politischen Führer haben biZ in die letzte Zeil hinein ihre Entschlossenheit bekundet, den Krieg fortzusetzen bis zur völligen Niederwerfung Deutschlands, bis zur Durch- sctzung ihrer gegen uns und unsere Verbündeten proklamierten (froberungsziele. Sie hoffen weitere neutrale Staaten für sich zu gewinnen und dadurch den um Deutschland gezogenen Ring noch lückenloser und mächtiger zu gestalten. Sie bezeichnen die Zeit als ihren großen Verbündeten und geben sich der Hoffnung hin, durch die lange Dauer des Krieges Deutschlands wirtschaftliche und mili- t lirische Kraft erschöpfen zu können. So bleibt uns denn, wollen wir unsere Gegner zum Frieden geneigt niachen, nichtS übrig, als sie zur Einsicht zu bringen, daß diese Hoffnung eitel ist.(Lebhafter Beifall.) Der Neichskanzler sagte gestern, dieser Krieg habe an den Tag gebracht, welcher Größe das deutsche Volk fähig sei. gestützt auf die eigene sittliche Kraft, und er sttgte hinzu:„Die Macht, die uns die Stärke gab, können wir nicht anders als im Sinne der Freiheit gebrauchen". Er sagte das mit Bezug auf die Gestal- tiing der äußeren politischen Verhältnisse beim Friedensschluß und nach dem Kriege. � Ich halte es für meine Pflicht hinzuzufügen, daß wir erwarte», daß dem deutschen Volke auch ein größeres Maß innerer politischer Freiheit geivährt wird. lLebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Die neuen Bahnen, die beschritten werden sollen, müssen dem Ziele zuführen, das allein die volle Ent- fallung der politischen und ftllturellen Kräste unseres Volkes � verbürgt, nämlich zu dem Ziele der Geivährrmg gleicher staatsbürger- bchcc Rechte in Gemeinde, Staat und Reich.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wer es vorher noch nicht wußte, der muß es in diesem Kriege erkannt haben, daß die Masse des deutschen Volkes an Tüchtigkeit, organisatorischem Geist und sozialem Pflichtgefühl so hoch steht/ daß ihrer Forderung auf volle politische Gleichberechtigung Erfüllung nicht mehr versagt werden darf.(Zustimmung.) Schaffung freier, höherer Rechts- und Kulturzustände unseres Volkes und von Volk zu Volk— das muß das unverückbare Ziel einer Politik sein, die den höchsten Interessen unseres Volkes und der gesamten Menschheit dient. Im Dienst und im Kampfe für dieses Ziel werden wir auch diesmal den geforderten Krediten unsere Zustimmung geben. (Lebhafter Beifall.) Abg. Dr. Spahn(Z.): Wir stimmen der Rede des Reichskanzlers zu und billigen besonders seine bis zuletzt fortgesetzten Versuche, durch Verständigung mit England den Frieden zu ethalten. In dieser eminenten Kulturfrage hat England versagt. Durch seine Seegewall will es alle Völker, nicht nur unseres, unterjochen. Redner spricht— auf der Tribüne schwer verständlich— über Italiens Neutralitätsbruch und die Versuche der Entente, den Balkan in Be- tvegung zu setzen. Deutschlands Stellung in der Welt müssen wir auf d r e Dauer s i ch e r st c l l e n, sie bedroht die Freiheit keines Volkes. Für die Kriegsteilnehmer und ihre Hiuterblrebeneit muß ausreichend gesorgt Iverden; darin stimmen wir urit dem Abg. Dr. David überein. Unsere tapferen Truppen und ihren Führern, die von Erfolg zu Erfolg im Westen, von Sieg zu Sieg im Osten schreiten, gebührt der heiße Dank des Vaterlandes.(Leb- haster Beifall.) Abg. Baffermann(natl.): Die Worte des Schatzsekrelärs haben uns ein Bild von der finanziellen Stärke des Reiches gegeben. Wir alle wissen dem Reichsbaukpräsidenten und der Finanzverwaltung Dank für ihre Leistungen, die Hoffnung der Feinde, daß die Fiuanzkraft Deutsch- lands sich erschöpfen Ivird, wird nicht in Erfüllung gehen. Wir hoffen, daß auch die neue Anleihe von Erfolg gekrönt sein wird und daß der Appell an die Opfcrwilligkeit des Volkes nicht vergeh- lich war. Der Reichskanzler hat uns gestern interessante Mit- teilungen über die Entstehung des Krieges genracht. Auch aus dem österreichischen Rolbuch ergibt sich ganz unzweideutig die Friedens- liebe der deutschen Regierung. lRedner zitiert eine Stelle, Abg. Liebknecht ruft unter Gelächter der bürgerlichen Parteien: Das beweist gar nichts.) Durch die heutige Erklä- rung des Abg. David wird die Haltung der sozial« d e ni o k r a t i s ch c n Fraktion v o ni 4. A u g u st vor. I s. bestätigt. Mögen wir auch in den KricgSziclcn voneinander abweichen, einig ist unser Volk in dem Willen, durchzuhalten, bis ein starkes, unantastbares Deutschland und die Freiheit der Meere errungen ist. Die Sorge um die Ernährung unseres Volkes teilen wir, es wird darüber in den nächsten Tagen noch manches zu reden sein. Auf die KriegSzicle gehe ich nicht ein, aber der Friede muß uns Sicherheit gewährleisten, er darf mir diktiert sein von dem deutschen Nationalinteresse. Nach dem Kriege erwachsen uns große Aufgaben, es wird eine neue Zeit anbrechen, kein Staatsmann und keine Partei wird sich der Pflicht entziehen können, an der Lösung dieser Aufgaben mitzuarbeiten. Heißen Dank zollen wir unserem herrlichen Heer und unserer starken Flotte.(Bravo!) Wir wissen, daß jeder einzelne Soldat sein Bestes hergibt, und mit Stolz nennt das Volk beute die Namen Hindenburg, Mackensen, Beseler. Unser Kaiser war ein Friedenskaiser, der Krieg ist ibnr aufgezwungen. Möge er zu Ende geführt werden in einer Weise, die dieses weltgeschichtlichen Ereignisses würdig ist.(Bravo I) Abg. Fischbcck(frs. Vp.): Wir sind überzeugt, daß die neue Anleihe dieselbe Ausnahme finden Ivird wie die früheren. Wo Licht ist, da ist auch Schallen, neben dieser glänzenden Finanzlage zeigen sich auch unangenehme Erscheinungen. Mit Krieg ist Nliii einmal Tcuermig verbunden, ivir schieben die Schuld nicht allein auf die Produzenteu, aber ivir wollen den unberechtigten antisozialen Forderungen stcuern. Den Gemeinden muffen finanzielle Beihilfen zur Verfügulig gestellt werde», uni die Not des Krieges zu lindern. Wir sind gewiß, daß die Mittel dazu vorhanden sind. Wenn die Regierung dem Gedanken der Besteuerung der Kricgsgelvinne nahe treten will, so findet sie unsere volle Unlerstützimg. Auch der Führung der Geschäfte, so weit sie sich auf die Anbahnung des künftigen Friedens beziehen, bringen ivir volles Verlrauen entgegen. Die Kredite bewilligen wir ohne Ein- schränkimg in der Zuversicht, daß wir dadurch am besten dem Frieden dienen und daß unseren Feinden ans Rkemchenalter hinaus die Lust vergehen ivird, uns noch einmal anzugreisen. Wir wollen hoffen, daß der Krieg auch dazu beilrägl, das Vertrauen unterein- ander zu stärken, und daß auf diesem Vertrauen mnere politische Freiheit erblüht.(Bravo! links.) Abg. Oertcl(k.): Dem Dank an Heer und Flotte schließen wir uns an; wer die Geschichte kennt, der weiß, daß ein solches Ringen noch niemals da war. Die Heldenlieder von früher müssen verstummen angesichts der Taten, die heute draußen vollbracht werden. Dank gebührt auch unseren Schutztruppen, die draußen auf verlorenem Posten kämpfen. (Bravo I) Das Schicksal unserer Schutzgebiete wird nicht an Ort und Stelle, sondern wo anders entschieden. Die Bewilligung des Kredils halten wir für selbstverständlich. Die gestrige knappe, geschlossene Dar- slcllung deS Kanzlers muß jeden, der Sinn für Wahrheit hat, davon überzeugen, wer Schuld an dem Kriege hat. Allerdings, wer nicht sehen will, wer uns weiter verleumden will, dem ist nicht zu helfen, Dem Urteil der Geschichte können tvir mit Ruhe entgegensehen. Die Einkreisungspolitik Englands hat den Krieg planmäßig vorbereitet; das beweisen namentlich die Aktenstücke aus belgischen Archiven, die überall verbreitet iverden sollten. Der Kanzler bat alles getan, um den Krieg zu verhindern. Wir baben schon vor Jahren an dieser Stelle gesagt, wir traue» dem englischen Vetter nicht, wir fürchteten, daß jeder Verständigungsversuch aus unsere Kosten erfolgen würde. Die mangelnde Wahrheitsliebe Sir Edward Greys ist gestern vom Kanzler in da? richtige Licht gerückt. England und Rußland müssen gleich bewertet werden, sie sind beide gleich Schuld und beide bedeuten für uns eine große Gefahr.(Sehr richtig!> Die Aeußcrungeu des Kanzlers über die besetzten polnischen La n desteile waien kurz. Meine Freunde müssen sich ihnen gegenüber eine» Vorbehalt machen. Keinen Vorbehalt aber machen wir uns gegenüber seine» Schlußworten. Wir brauchen reale Garantien. Wen» der Kanzler nach wie vor bestrebt ist, aus diese realen Ga- rantien mit voller Kraft hinzuarbeiten, dann hat er das ganze Volk hinter sich. Die heutige Zeit ist von einer wuchtigen. marligen Größe. Nur wenn der Siegcsprcis der Größe des Kampfes entspricht, werden unsere Enkel dermaleinst sagen können, wir haben uns der Größe der Zeit gewachsen gezeigt. Die scharfen Worte gegen den Lebensmittelwucher sind uns ganz auS dem Herzen gesprochen,>oir haben ja selbst Anträge zur Vcrbilligiliig der Lebensmittel gestellt. Aber das allein genügt nicht, wir müssen dem Volke auch die ieeliiche Kraft erhalten, deren Wurzeln im Gottesglauben liegen.(Bravo! rechts und im Zentrum.) Wir wissen, daß der Krieg eine Fügung des Himmels ist, und dieser Glaube hält uns ausrecht.(Bravo! rechts und im Zentrum.) Staatssekretär des Rcichskolonialamts Dr. Solf: Ich danke den Vorrednern für die anerkennenden Worte, die sie unseren Kolonisten gewidmet haben. Unsere Kolonisten sind lange genug draußen, um zu wissen, aus welchen Arsenalen Großbritannien sich die Waffen genommen hat. um uns unsere Kolonien zu nehmen. Sie wußten, daß sie auf den Schutz unserer Flotte nicht rechnen konnten und daß sie angewiesen waren auf sich setbst und die kleine Zahl der Schutztrnppen. Alle Kolonisten und Soldaten haben sich tapfer und todesmutig für die deutsche Sache geschlagen. (Lebhafter allseitiger Beifall.) Der Fall von Südwestasrika, dieser großen uns ans Herz gewachsenen Kolonie, war der schlverste Schlag. der die deutsche Kolonialverwaltung bisher getroffen hat. Aber wir harren aus in der Ueberzeugung. daß das Schicksal unserer Kolonien nicht auf den Schlachtfelder» in Afrika, sondern hier in Europa cnlschieden wird. Allerdings ist dieser Hinweis auf die Zukunft nur ein schwacher Trost für die unsäglichen Leiden, die ein Teil unserer Landslente in dem mörderischen Klima der Kolonie Dahomcy und auf den Transporten nach Europa er- litten hat und noch erleidet. Die unwürdige Behandlung der Weißen in Gegenwart der Farbigen, die Mobilisierung der schwarzen Rasse gegen die weiße Rasse ist ein Schandfleck, den England nie wieder los wird.(Stürmische Zustimmung). England, die große Kolonialmacht, die als Beherrscherin von Millionen von sarbigen Untertanen als Leitsatz seiner Verwaltung den Satz vom Prestige des weißen Mannes aufgestellt hat, wird noch am eigenen Leibe verspüren, was es beißt,' die eigene Raffe zu beschimpfen, zu be- sudeln und buchstäblich mit Füßen zu treten. Wir wollen uns durch diesen Schlag nicht abschrecken lassen, unsere Kolonialpolitik auf der bisherigen Bahn Weiler zu verfolgen und den letzten harten Schlag wollen wir mit dem festen Entschluß beantworten, daß wir weiter geben werden auf der von uns als richtig erkannten Bahn.(Leb- hasier allseitiger Beifall.) Abg. Dr. Scyda(Pole): Wir finden in den gestrigen Worten des Reichskanzlers die Bestätigung der stets von uns vertretenen Anschauung, daß die Freiheit des polnischen Volkes mit dem Wohl des deutschen Volkes nicht in Widerspruch steht. Es ist nicht an der Zeit, iin gegen- wartigen Augenblick all das Unrecht, das im Laufe der Zeit dem polnischen Volke zugefügt worden ist, zu erörtern. Wir hegen die feste Zuversicht, daß der gegenwärtige Krieg eine derartige Regelung der politischen Verhältnisse für die polnische Nation bringen wird, daß die freiheitliche Entwicklung ihres nalioiialen Lebens für die Zukunsl gesichert sein Ivird.(Beifall.) Abg. Schultz-Bromberg(Rp.): Wir teilen den Standpunkt des Kanzlers in der Polenftage; mehr konnte er nicht sagen, wenn er nicht Versprechungen machen wollte, die er nickt halten könnte. In Rußland ist es anders, dort wachsen die Veisprechimgen im umgekehrten Verhältnis, wie die Russen sich von Polen entfernen. Die unerhörten Anstrengungen von Heer und Volk erfordern einen Frieden, der der Opfer wert ist. (Bravo!) Hiermit schließt die Besprechung. Die Einzel abstimmungen zweiter Lesung erfolgen von den Anwesenden einstinimig.(Ein großer Teil der Abgeordneten war bei diesen überraichenden Abstimmungen nicht im Saal.) Auf Antrag des Abg. Spahn erfolgt sofort die dritte Lesung. Eine Debatte findet nicht mehr statt. Der Etat wird gegen die Stimme des Abg. Liebknecht, der inzwischen den Saal betreten hat. auch in dritter Lesung angenommen(ein Teil der Sozialdemokraten halte den Saal verlassen). Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung: Sonnabend 2 Uhr.(Fortsetzung der Etats- beralung.)_ Manösrung öes Reichsverems- gefetzes. Die achte Kommission des Reichstages, der im März die von der Budgetkommission gefaßten Beschlüsse auf Aufhebung des Sprachen- und des Jugendlichen-Paragraphs des Vereinsgesetzcs zur Beratung überwiesen worden sind, trat am Freitag erstmals zusammen. Unsere Genossen stellten den Antrag, daß die Kommission auch Bestimmungen beschließen möge, die den Begriff des politischen Vereins ändern und die Gewerkschaften und die Sport- und sonsti- gen unpolitischen Vereine der Arbeiter gegen polizeiliche und ge- richtliche Verfolgungen sichern sollen. Namens der verbündeten Regierungen erklärte Ministe- rialdircktor L e w a l d, die Jugendlichen- und die Sprachenfrage hätten eine solch eminente politische Bedeu- tung und seien Gegenstände so leidenschaftlicher Kämpfe gewesen, die sich bei der erneuten Entscheidung dieser Fragen wiederholen würden, daß die Regierungen in der gegenwärtigen Zeit zu diesen Dingen weder nach der positiven, noch nach der negativen Seite hin Stellung nehmen können. Ter Redner fuhr fort:„Anders verhält es sich mit der Rechts st ellung der Gewerkschaften im Rahmen des Vereinsgesetzes, da die hier ausgesprochenen Wünsche nur die Sicherung eines Rechtszustandes erstreben, den die gesetz- gebenden Faktoren bei Erlaß des Gesetzes im Auge gehabt haben. Die Reichsleitung hat stets— auch bei der Beratung des Entwurfs zum Vcreinsgesctz— den Staudpunkt vertreten, daß ein Berufs- verein, der sich in den Grenzen der ihm durch Z 152 der Gewerbeordnung gestellten Aufgaben hält, kein politischer Verein ist. Dieser Auffassung hat noch kürzlich der Herr Stellvertreter des Reichs- kanzlers Ausdruck gegeben mit dem Hinzufügen, daß Berufsvereine wohl auch dann nicht als politische Vereine anzusehen sind, wenn sie sich bei etwaigen politischen Erörterungen auf die gesetzgcbe- rischen Angelegenheiten beschränken, die mit ihrem Geschäfts- bereiche nach Maßgabe de?§ 152 der Gewerbeordnung im un- mittelbaren Zusammenhange stehen. Mit dieser Stellungnahme hat sich, wie zugegeben, die Praxis der Verwaltungsbebörden und die Rechtsprechung nicht immer im Einklang befunden. Die Reichs- leitung ist deshalb bereits in eine Prüfung der Frage eingetreten, welche gesetzgeberischen Maßnahmen zu ergreifen sein werden, um den Gewerkschaften, entsprechend ihrer Bedeutung im öffentlichen und wirtschaftlichen Leben, auf dem Gebiete des Vereinswesens die nötige Freiheit zur Betätigung ihrer berechtigtes Wirtschaft- lichen und Wohlfahrtsbestrebungen zu sichern, zumal oie Gewerk- schaften sich vom Beginn des Krieges an in uneigennütziger und aufopfernder Weise in den Dienst der Aufgaben gestellt haben, die das Wohl des Vaterlandes, seine äußere und innere Wehrhaft- machung erheischt. Wann dem Reichstag eine entsprechende Vor- läge gemacht werden kann, läßt sich indessen zurzeit noch nicht übersehen." Die Abgg. Dr. Oertel, Müller- Meiningen und Ob- kircher wünschten, daß sich die Kommission auf eine allgemeine Erörterung der Beschwerden beschränken solle, zu denen das Ver- einsgesetz und seine Handhabung Anlaß gegeben babe. Dem traten unsere Genossen Heine, Landsberg und Legten entgegen. Gegenüber dem Schreckgespenst einer möglichen Gefährdung des Burgfriedens machte Genosse Heine geltend, daß der Burgfrieden, solange namentlich der Sprachenparagraph bestehe, eine Unwahr- lieit sei. Genosse Landsberg führte aus, wenn die Regierungen die Haltung der Gewerkschaften während des Krieges als einen Grund für ihre Befreiung von vereinsrechtlichen Fesseln anführe, müßten sie sich auch mit der Aufhebung derjenigen Bestimmungen des Ver- einsgesetzes einverstanden erklären, die ausnahmegesetzlichen Chn- rakter hätten, denn auch diejenigen Schichten der Bevölkerung, die von jenen Bestimmungen bedrückt würden, hätten ihre Pflicht gegen unser Land erfüllt. In einer Zeit wie der jetzigen, dürften Aus- nahmegesetze nicht einen Augenblick mehr bestehen bleiben. Die Kommission beschloß, sich nicht auf eine allgemeine Aus- spräche zu beschränken, sondern in eine Beratung der sämtlichen ihr vorliegenden Anträge einzutreten. Nach längerer Beratung wurde mit allen gegen eine kon- servative Stimme der erste Antrag unserer Genossen auf Aenderung des Begriffes deS politischen Vereins angenomm e n. Während nach§ 3 des bestehenden Vcreinsgesetzes jeder Verein, der eine Einwirkung auf politische Angelegenheiten bezweckt, den für politische Vereine geltenden Beschränkungen unterliegt, ganz gleich, worin die Einwirkung besteht, sollen fortan als politisch nur solche Vereine gelten, die bezwecken, politische Gegenstände i n Versammlungen zu erörtern. Diese Abänderung stellt eine Verbesserung dar, namentlich in Verbindung mit einem ferneren Antrag unserer Genoffen auf einen besonderen Schutz der Be- rufsvereine, dem alle Parteien, mit Ausnahme der Konservativen, grundsätzlich zustimmten. Abgelehnt wurde der Antrag unserer Genossen, die politischen Vereine von der Pflicht zur Einreichnng der Satzung und des Verzeichnisses der Vorstandsmitglieder zu bc- freien. Dafür stimmten acht Abgeordnete(unsere sieben Genossen und der Pole), dagegen 11 Abgeordnete(alle anderen Parteien). Nächste Sitzung Sonnabend 3� Uhr. Jugenöveranftaltungen. Adlershof. Sonntag, den 22. August, findet eine Partie nach Königs- Wusterhausen und Umgebung statt. Treffpunkt srüh 7 Ubr im Äugend- heim. Freunde und Gönner der Jugendbewegung find jreundlichst ein- geladen. freireligiöse Gemeinde. Am Sonntag, den 22. August, vormittags g Uhr, Pappcl.Allce 1S-17; Neukölln.„Jdealpaffagc"; Tegel. Bahnho,. straffe 15, und Ober-Schönewcide, Klarastr. 2: Flerreligiow Vorlesung. — Vormittags 11 Uhr, Kleine Frauljurtcr Str. 6: Vortrag deS Herrn A. Fischer:„Kultur und Barbarei". Damen und Herren als Gaste will- lonuncn. Arbetter-Samariterbniid. Kolonne Groff Berlin. Lcbrstunde haben nächste Woche: 1. Ableilnng: Moniag, den 23. August, Kopemckcr Straffe K2.— Mitgliederversammlung(Vortrag Dr. Moses): Mülwoch. den 25. August, abends g Uhr, Köpcnicler Straffe 52.•— Kreis Brandenburg. Oeffenlliche Uebung Sonntag, den 22. August, nachmittags 2 Uhr, au, dem Spielplatz im Treptower Park. Hrä uereien Akt.-Branerel Potsdam, SEig. Nioderlaß. Berlin SW.,)) Tempellioler Ufer 15, Bran- Rdenbnrg a. H., Wilhelma- i dorferstraße 72. Hirt.Potsdam.Stanien-M iipgt.. bler BilpgarbrSu.B Erscheint | wSchenttich einmal. Bezugsquellcn-Vcczeicfmis :: Berlin-Westen Untenstehende j Geschäfte empfehlen sich kei Einkaufen, Täo wawes E. DelOGH Friedrich Kirchplatz 1 ■ Wische, Schars., Trikotaß. 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Geöffnet von 9—2 und d°tt 4—-< Uhr.— � � w e�elinzr: 9.�öNtl ch, llstüsterstr. 34a Gtle Utrechter totr.,».aden Geöffnet von 9— 2 und von 4— 7 Uhr.. o, m, Kosenthaler und OraTiienourger» orstaat: Sl. Wolgast Wotlslraffe 9. Geöffnet von 9— 2 und von 4—, Uhr. Ciesn«,lb,«Hniäeii: Fischer, Bastianslr. 6, �aden. Geöffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr..., dehSnhanser Vorst», lt: Karl Mars, GreiienHazencr L-tr. 22. Geöffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr. �...... Adlershuf: 5t a r l Schwarzlojc, Dlsmarckstr. 28. Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 6 Uör abends.., � A It-t. Iicueke. Caikenber'-: Wilhelm Dmrre, Kope-ncker Str. 6. Ikaii»>s«h,ij,-nnex: H. Hornig, Manenlhaicr Str. 13, J. At ei na». Kön, genta I, Zepernick, t-ehöuoiv. Öchön brück und liueh: Hciuriq � r o> e, Mühlen, tr. 5, ttaden. Bohnsdorf: Paul E e n> ch, Bobnsdor, Genoffcn'chajtshaus. .Paradies'. Llliarlottenbnrg: Gustav Scharnbera, Seletiheimer Str. 1. Ge- öffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr. FJclmaltle, SchmöckwitB: Csfar M a b l c. Bismarckstr. 4. 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Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. I'ankow,-Viedcrscliönhansen, Xordend, Frz.-Bnch- hol», Klankonbarg: Zi i ff m a n n, Miihlenstr. 39. Geöffnet von 11— l'/z und von i'h—7 Uhr. Kein ickendorf- Ost, Wilhclmsrali und Schönholz* P. G u r l ch. Provinz str. öS, Laden. Geöffnet v. U— l1/, it. 4«/,— 7 Uhr- Schenkcndort b. Königs. Ansterhailseii: Chr. H a n t s ch£ e, Dorsstr. 10* Sehöucbcrg: Wilhelm B ä um I er, Martin Lutherstr. 69, im Laden Geöffnet von 9—2 iiild von 4�-7 Uhr. Spandau. Aonucnditinai, Staaken, Seegefeld lind Faliienkagen: Köppen, Breitestr. 64. Geöffnet von S Uhi, lf.orgeiiS bis d Uhr abends. Hegel, Korsigt, aide, Wittenau, Waidmanuslnst, J' erntsilorf, SSohon■ A'euendorf, Uirkenwerdcr, i rcie Scholle a. Reiuickeiidorf- West: Paul Stieunü, 23: rsig na;, e, 3!äujchstraffe 10..Geöffnet von 11—1'/, It. von 4'/,— 7 Uhr. Iicitoiv: U.© ch u 1 5 c, Linden ffr. 17. Ten» pol ho f: �6lt. Strohn, Bornssiastr. 62. Treptow: Rod. Gramenz.»iejholzstraffe 412, Laden. 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BBDBSBHeSBEaMBn Eingegangene Druckschriften. Heft LI der.Ncimn Zeit" vom 20. August 19lS hat folgenden Inhalt: Sigmund Kaff: Zur Frage eines deutsch-österrcichisch- ungarischen Zollverbandes.— Fr. Mehring: KricgSgcschichtllchc Probleme.— Eduard David: Ein Nachwort.— S. RudnianSky: Das Königreich Polen am Vorabend des Krieges.(Schluff.)— Literarische Run ds ch an: Dr. Msred Hetwer, Englands Weltherrjchast und der Krieg. Bilder aus der RcichstagSfrattion. X. Die Mitte. Von einem allen Parlamentarier. Der Versaffer macht den Versuch, der sozial- demokratischen Masse einen Einblick in die Zusammensetzung, die Beratungen und die Entwicklung unserer Fraktion zu gewähren. Der in der Broschüre eingenommene Standpunkt ist der dcr Mitte; die Partei soll weder in der revolutionären Uebcrlieserung stecken bleiben noch in sozialrcsormerffsch- bürgerliches Fahrwasser'geraten, sondern als sozialistische Arbeiter- Partei tätig sein. 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