«r. 231. HbennementS'Befln�usgjn: HBonncmcntä• Preis tiammtcrtrafc#» Bierleljähri. 3,30 Ml. moitatt. JUl« Ml. wöchenilich 25 Pfy, frei lNZ ÄW?. Einzelne Nunnn» 5 Pfg, SvnnWßS- nunime: nur illufirieri�r SonntszZ- Beilage„Die Neue Well' IS P-g, Post» Llbonnement: I,l» Merl vr» Monat, Smgerragen in die Pest. Zejrung»- VreiGlifte, Unter Kreuzband für Deiuilbian» und Oesterreich» Ungarn 2,50 Marl, für da- übrige Ausland i Mar! pro Monat. Postabonneincn!» nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Jtalen, Luxemburg, Portugal, Mumänien, Schweden und die Schwei* eiWnt tägiid». Verlinev Volksblcrtt. 3S Jahrgang. Sie InserNons-Sebilh? betrügt für die sechsgespallene Kolonel- 'eile oder deren Raum W Pfg., für politische und gewerischaltliche Vereins- Und' Bersnmmlungs-Anzeigen L0 Pfg, „Rl-lne Anacigen", da- fettgedruckte Wort l» Pfg, lzulässtg 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlafstellenan- «eigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 6 Pfg, Worte über 15 Buch- £ stall en zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis fi Uhr nachmittag- in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition iji bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „SslizWcmsklZl Rerlla", Zentralorgan der fozialdemokrati fchen parte! Deutfcblands. Redaktion: SW. öS, Linöenftraße Z. Fernsprecher: Amt Mvritzplatz, Nr. 151 Sv— 151 37. Sonntag, den 22, August 1915. Expedition: SW. b8, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morissplat«, Nr. 151 gv— 151 37. vWMWWWWWWW�WWWWWW�Wrll�rMI wr K o n st a n t i n o p e l, 20. August.(W. T. B.) Der italienische Botschafter Marquis Garroui hat heute der Pforte eine Note überreicht, worin erklärt wird, daß Italien sich als mit der Türkei im Kriegszustand befindlich betrachte. Zugleich hat der Botschafter seine Pässe verlangt. Als Gründe für JtalienO Kriegserklärung werden angegeben: Die Unterstützung des Aufstandes in Libyen durch die Türkei und die Verhinderung der in Syrien ansässigen Italiener an der Abreise. «m lies Slche» SlWWMs. 19p. Amtlich. Grosses Hauptquartier, den 21. August (W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. 7 Keine besonderen Ereignisse. Oestlichcr Kriegsschauplatz. ßeeeekgi'llppe äee LeneesIfelÄmsi'schallZ v. Fsindenburg. Bei den Kämpfen östlich von Kowno wurden 459 Ge» fangcne gemacht und 3 Geschütze erbeutet. Südlich von Kowno gab der Gegner auch seine Stellung an der Jesia aus und wich nach Osten zurück. Bei Gudcle und Sejnh wurden russische Stellungen erstürmt. In den Kämpfen westlich von Tykocin verloren die Russen 919 Gefangene(darunter 5 Offiziere) und 4 Ma� schinengcwchre. Tie Armee des Generals v. Gallwitz nahm Bielsk und warf südlich davon die Russen über die Biala. heeeezqruppe des Gcneralfeldmarichalls Prinz Ccopoid von Bayern. Erneuter feindlicher Widerstand wurde gestern abend und während der Nacht gebrochen. Der Gegner ist seit heute früh im weiteren Rückzüge. Es wurden über 1999 Gefangene gemacht. heerekgrustpe des Leneralfeldmarlchalis v, Nladienlen. Nachdem der linke Flügel über den Kotcrka-Abschnitt und den Bug an der Pulwa-Einmündung vorgedrungen war, setzte der Feind auch aus dieser Front den Rückzug fort. Vor Brest-Litowsk und östlich von Wlodawa wurden weitere Fortschritte gemacht. Oberste Heeresleitung. Mim des WMMÄes Skr Mise. Amtlich. Berlin, den 21. August 1913.(W. T. B.) Unsere Seestreitkräfte in der Ostsee sind i n den R i g a i s ch e n Meerbusen eingedrun- gen, nacksdcm sie sich durch zahlreiche geschickt gelegte Minenfelder und Netzspcrrcn unter mehrtägigen schwie- rigen RäumungsarbÄten Fahrstrasien gebahnt hatten. Bei den sich hierbei entwickelnden Vorpostengefechten wurde ein russisches Torpedoboot der Emir Bucharskii-Klasse vernichtet. Andere Tor» pcdobootc, darunter„Rovik", und ein größeres Schiff wurden schwer beschädigt. Beim Rückzug der Russen am Abend des 19. August in den Moonsund wurden die russischen Kanonen- boote„S s i w u t s ch" und„K o r e j e tz" nach tapse- rem Kampfe durch Artilleriescucr und Torpedoboots- angriffe versenkt. Vierzig Mann der Besatzungen, darunter zwei Offiziere, konnten, teilweise schwcrvcr- wundet, durch unsere Torpedoboote gerettet werden. Drei unserer Torpedoboote wurden durch Minen beschädigt. Bon ihnen ist e i n B o o t g e- funken, eins konnte auf Strand gesetzt, eins in den Hafen gebracht werden. Unsere Verluste an Menschen- leben find gering. Ter stellvertretende Chef des Admiralstabes der Marine. gez. B e h n ck e. » Y- Zn SslnMWe seserMMdnichl. Wien, 21. August.(W. T. B.) Amtlich wird der- lautbart: 21. August ISIS, mittagS: Russischer Kriegsschauplatz. Der Feind leistete gester» an der unteren P u l w a und westlich Wisoko— L i l o w s k erneuert heftigen Widerstand gegen die nachdrängenden österrcichisch-ungarischen Truppen. Er ließ es an vielen Stellen auf den Bajoncttsturm ankommen; so bei der Verteidigung des an de« Straße nach Wisoko-Litowsk gelegenen Dorfes Tokary, daS nach heftigem Ringen genommen wurde, und im Kampf um einen Stühpunkt bei K l u k o w i c z y, dessen sich siebenbürgischc Infanterie um Mitternacht bemäch- tigte. Mehrfach durchbrochen und durch deutsche Truppen auch bei Tymianka geworfen, räumten die Russen heute früh die Pulwastcllung und weichen gegen den Lcsnia-Abschnitt zurück. Bor Brest-Litowsk zogen wir den Einfchließungsring abermals enger. Während die Verbündeten an die K r z n a- Mündung vordrangen, warf Fcldmarfchallcutnant v. A r z den Feind beiderseits der von Biala heranführenden Straße gegen den Gürtel zurück. Unsere brückenkopfartige Stellung nördlich Wladimir— Wolttnskij wurde erweitert, wobei unsere Truppen stärkere feindliche Abteilungen aus dem Feld schlugen. In Ostgalizicn blieb die Lage unverändert. Italienischer Kriegsschauplatz. In Tirol standen ein Teil unsere« Toualestellnng und die Werke auf den Hochflächen von Lavarone und Folgaria auch gestern unter schwerem Dauerfeuer. Ein italienisches Jnfantcrieregimsut, verstärkt durch Bvrsaglievi, griff den Monte Coston zweimal vergeblich an. Ebenso wurde im Ge- biete von Schluderbach der Versuch einer Alpini-Abteilung, aus die Forame-Schächtc vorzudringen, abgewiesen. Im K ä r n t- n e r Grenzgebiete dauern die gewohnten Geschützkämpfe fort. Dir wiederholten Vorstöße starker italienischer jdräfbe gegen den küstenländischen Abschnitt Flitsch— Tolmein blieben wieder ohne Erfolg. Ein Angriff auf unsere Borstellung am B r s i c scheiterte an dem unerschütterlichen Ausharren der braven St. Pöltner Landwehr und unserer Batterien. Vor dem Mrzli- Brh verlor der Feind mindestens achthundert Mann. Der Brückenkopf von Tolmein stand bis heute Mitternacht unter sehr heftigem Geschützfcuer, worauf dann bei Kozarsce vier, gegen die Höhen südlich dieses Ortes drei gegnerische Bor- stöße folgten, die sämtlich an der zähen Tapferkeit unserer Truppen zerschellten. Auch gcgv« unsere Stellungen am Rande der Hochfläche von D o b e r d o unternahmen die Italiener einen vereinzelten ergebnislosen Vorstoß. Sonst dauert dort und beim Görzer Brückenkopf der Artilleriekampf fort. Eines unserer Flugzeuggeschwader belegte U d i n e mit Bomben und Brandpfeilen; sämtliche Flugzeuge kehrten wohlbehalten heim. Der Stellvertreter des Chefs des GencralstabeS: von Höfer, Feldmarfchalleutnant. Abreise öes italienifthen Sotschafters aus Konstantinopel. Konstantinopel, 21. August.(W. T. B.) Der italienische Botschafter Garroui ist am Nachmittag mit dem Personal der Botschaft abgereist. Ter Schutz der italienischen Unter- tanen ist den Vereinigten Staaten übertragen worden. Ein Sekretär und zwei Dragomane sind in der Botschaft zurück- geblieben. Die rusilfthe Nelüung über üen Seekampf bei Riga. Petersburg, 21. August.(W. T. B.) Der General- st ab teUt mit: Statte Kxäfte der feindlichen Flotte drangen in den R i g a i s ch c n Meerbusen ein. Der Kampf zwischen unseren und den feindlichen Schiffen dauert fort. Die Kämpfe am pruth. Czernowitz, 20. August.(W. T. B.) An den Fronten am Dnjestr und am Pruth finden fast mmuterbrochene Ar- tilleriekämpfe statt. Der Feind büßt jeden Versuch, sich unseren Stellungen zu nähern, mit erheblichen Verlusten. Als Vergeltung für die Fliegerbomben, mit denen Czernowitz jüngst belegt worden ist, warfen unsere Flieger gestern sechs Bomben auf die gegnerische Front, die mehrere Trainkolonnen trafen und beträchtlichen Schaden an- richteten. Rumänien im Weltkrieg. Es gärt und kriselt aus dem Balkan. Niemals waren vielleicht die Verhältnisse der Balkanstaaten zueinander un- durchsichtiger, verzwickter und in sich verschlungener als jetzt. Mit allen Künsten einer skrupellosen Diplomatie arbeitet der Bierverband, um durch Drohungen und Pressionen die Gegensätze zwischen den Balkanmächten niederzuhalten und sie durch Vorspiegelung lockender Zukunftsbilder zum gemein- samen Vorstoß gegen die Türkei und Oesterreich-Ungarn zu bewegen. Und sicherlich alle diese Staaten möchten gar gerne den Kampf des Vierverbandes gegen die Zentralmächte als günstige Gelegenheit benutzen, um sich unter Beiseiteschiebung aller früher von ihnen verfochtenen schönen Nationalitäts- ideen neue Gebiete anzugliedern: aber seit die Heere der der- kündeten Zentralmächte weiter und weiter in Polen und Rußland vordringen, ist es ihnen zweifelhaft geworden, welche militärische Mächtegruppe siegen wird, die Zentral- mächte oder die englisch-russisch-französische Koalition. Dazu kommt, daß die Aufnahme Italiens in dieses Bündnis durch den Plan Serbiens, sich einen breiten Zugang zum Adriati- schen Meer zu sichern, wie andererseits durch die Ansprüche Griechenlands auf Nordepirus mit der Bucht von Balona einen dicken Strich gemacht chat. Welche Gruppe der kriegführenden Großmächte hat die größten Gewinnchancen, welcher schließt man sich daher am besten an und wie vollzieht man diesen Anschluß, damit man unter möglichst geringer Einsetzung eigener Kräfte schließlich möglichst große Vorteile aus dem Machtkampf herausholt? Das sind die Fragen, die die„Staatsmänner" Griechenlands wie Bulgariens und Rumäniens beschäftigen, wenn sich ihnen auch je nach der geographischen, politischen und Wirtschaft- lichen Lage ihres Landes diese Fragen in verschiedener Form darstellen. Keiner dieser Staaten möchte den günstigen An- schluß an eine der beiden Gruppen verpassen, um bei der erhofften Gebietsverteilung nicht zu kurz zu kommen; keiner möchte aber auch vorschnell handeln und vielleicht in der Uebereilung auf das verkehrte Pferd setzen, zumal er nicht weiß, ob nicht dann, wenn er sich auf die eine Seite schlägt, sein Nachbarstaat sich mit der anderen Seite verbündet und ihm möglicherweise in den Rücken fällt. Dieses Aeugeln nach allen Seiten zur Erwischung des richtigen Augenblicks gibt der offiziellen Politik sämtlicher Balkanstaaten eine Unentschiedenheit und Unbestimmtheit, eine anscheinende Launenhaftigkeit, die geradezu zum Spott herausfordert, in der wechselvollen historischen EntWickelung der verschiedenen bunten Balkanfragcn während der letzten Jahrzehnte aber ihre Erklärung findet. Je nach der Ge- staltung der Dardancllenkämpfe, den einlaufenden Berichten von den östlichen und westlichen Äviegsschauplätzen, den Ver- heißungen und Drohungen dreht sich die Wetterfahne der offiziellen Politik. Vor allem gilt das von Rumänien, dessen liberales Ministerium Bratianu geradezu Erstaunliches auf dem Ge- biet der höheren politischen Equilebristik leistet— vielleicht weil dieses Land trotz des äußerlichen kulturellen Firnisses in politischer Hinsicht, das heißt was die politische Durch- bildung seiner Bevölkerung anbetrifft, den anderen Balkan- staaten beträchtlich nachsteht. Die Arbeiterschaft, die große Masse der Klein- und Mittelbauern(die mittelbäuerlichc Schicht ist übrigens im ganzen gering und hat nur in der Dobrudscha einige Bedeutung) wie auch jene Bevölkerungs- schicht, die wir als kleinerer Mittelstand bezeichnen, hat so gut wie gar keinen Einfluß auf die Politik, vor allem nicht auf die Auslandspolitik Rumäniens, das noch immer fast reiner Agrarstaat ist und dessen landwirtschaftliche Verhältnisse, wenngleich 1864 die Leibeigenschaft abgeschafft worden ist, einen halbfeudalen Charakter tragen. Die politische Macht ini Staate besitzen die Großgrund- besitzer nebst Großpächtern, die Großhändler und die so- genannten Intellektuellen der wenige» größeren Städte, vor- nehmlich Bukarests: ein im Verhältnis zum Bedarf des Landes an„Intelligenz" ziemlich zahlreiches Element, das, da es keine ausreichende Anstellung und Beschäftigung findet, zuni Teil eine Schmarotzerexistenz führt, auf die Regierungs- Politik aber im ganzen einen fast noch größeren Einfluß be- sitzt als die Großgrundbesitzerkaste, das Bojarentum, da es in der Hauptsache die Presse, das Gelehrtentuin und die Bursaukratie beherrscht. Indes, dieser Einfluß ist kein konstanter; er wechselt je nach den politischen Umständen, und zurzeit bestimmt wieder vornehmlich das Bojarentum die Auslandspolitik des Ka- binetts Bratianu. Obgleich nämlich die Großgrundbesitzer, die zumeist gar keine eigentlichen Rumänen sind, sondern vielfach Fanarioten(Abkömmlinge früher unter der türkischen Herrschaft mit Verwaftungsposten belelmter türkischer Bevölkerung sicherzustellen. Lediglich ein Vorwand. Demi Griechen), nur eine sehr dünne Schicht bilden, noch nicht 4000 Personen, haben sie doch ungefähr ein Drittel der ge- samten landwirtschaftlich benutzten Flächen Rumäniens in Besitz, und zwar herrscht unter diesem Grosibesitz das Lati- fundiensystem bor. besitzen doch z. B. nach statistischer Fest- slellung 180 Personen eine Anbaufläche von mehr als OZSOOO Hektar. Solcher enorme Bodenbesitz spielt natürlich in einem fast rein agrarischen Lande eine wichtige politische Rolle. Tie von dem Kabinett Vratianu und speziell dem russenfreud- lichen Finanzminister Costincscu betriebene Politik stimmte aber in letzter Zeit immer weniger mit den Wünschen und Interessen dieser Latifundienbesitzer und ihrer Gcneralpächter überein. In den ersten Monaten nach Kriegsbeginn, im August bis Oktober v. I., hatte Rumänien eine starke Aus- fuhr von Getreide und Weizenmehl, auch von Bohnen und Erbsen nach Oesterreich-Ungarn und Teutschland. Dann wurde die Ausfuhr von Weizen, Weizenmehl, Hafer und Bohnen verboten. Begründet wurde diese Maßnahme damit, daß die rumänische Weizenernte nur etwas mehr als 16 Millionen Hektoliter betrage und daher die Regierung die Pflicht habe, zunächst die Ernährung der einheimischen war auch die Weizenernte nur eine mittelmäßige, so überstieg sie doch den einheimischen Bedarf. Zudem konnte aber diese Begründung in keinem Fall auch für Hafer und Bobnen gelten, da beide eine reichliche Ernte geliefert hatten. Der wirkliche Grund war denn auch, daß sich inzwischen das Kriegsglück auf dem östlichen Kriegsschauplatz Rußland zu- gewendet hatte, und nun unter dem Einfluß der Russophilcn und Rublophilen daö Kabinett Bratianu es für angebracht fand, sich russeufreundlich zu zeigen und den Zcntralmächten die Zufuhr zu beschneiden. Die Ausfuhr von Roggen, der in Rumänien nur wenig angebaut wird, sowie von Gerste, Erbsen und Mais blieb freilich gestattet. Auch den Maisexport zu verbieten ging nicht an, da Rumänien in 1914 eine außergewöhnlich reich- liche, den Jnlandbedarf um das Dreifache übersteigende Mais- ernte(sie wurde auf 38 Millionen Hektoliter geschätzt) gehabt hatte und ein Verbot die Landwirtschaft allzu schwer ge- schädigt haben würde. Aber ganz frei ließ man auch Mais und Gerste nicht ausführen. Es wurden auf sie hohe Export- zölle gelegt, die später noch durch eine Abgabe zugunsten des Roten Kreuzes und allerlei Extraspesen erhöht wurden. Zugleich verfügte die Regierung, daß aus Rücksicht auf die Möglichkeit einer Mobilmachung nur eine beschränkte Anzahl von Eisenbahwagen für die Getreideausfuhr gestellt werden dürfe, und daß die Wagen nur bis zur ungarischen Grenze gefahren und dort entleert werden müßten. Ferner erließ sie ein Säckeausfuhrverbst. Der Ausfuhrzoll fiir Mais wurde pro Waggon auf 500 Lei(ungefähr 400 M.) fest- gesetzt. Mit der Abgabe für das Rote Kreuz, den Per- ladungskosten und Vergütungen sowie den unvermeidlichen Bestechungs- und Trinkgeldern stellten sich aber nicht selten die Extraausgaben auf das Doppelte und Dreifache. Außer- dem ergaben sich bei der sogenannten„losen" Verlädung der Maisfrucht und der Umladung vermittels Karren an der Grenze erhebliche Verluste. Die Großgrundbesitzer ließen sich das einige Zeit ge- fallen, zumal die Ausfuhrverbote und Ausfuhrerschwerungen gelegentlich durch die übliche Schlamperei gemildert wurden und zeitweilig, wenn der politische Wind sich drehte, die rumänischen Behörden ein Auge, manchmal auch beide, zu- drückten: als aber die diesjährige Ernte dem Großgrund- besitz überreichliche Erträge einbrachte und besonders die Weizenernte sich als sehr hoch herausstellte, da war es mit der Geduld der Bojaren vorbei. Alle Vertröstungen auf den baldigen Sieg der Viermächte an den Dardanellen und der Wiedereröffnung dieser Meerenge für die Gctreideverschiffung nützten nichts, die Großgrundbesitzer schlugen energische Töne an, zumal noch große Ueberschüfse aus der vorjährigen Ernte vorhanden sind. Sie verlangten eine niehr entgegenkommende Haltung gegen die Zcntralmächtc, Freigobe der Ausfuhr, Abschaffung oder wenigstens Ermäßigung der Ausfuhrzölle, Speicherbautcn für Getreide an den Bahnstationen usw. Wohl oder übel mußte sich das rumänische Mnisterium mit diesen Forderungen beschäftigen und nach mehreren Sitzungen, in denen von einem Teil der Mitglieder unter Führung des Finanzministers Costinescu jedes Entgegen- kommen bekämpft wurde, beschloß der Ministerrat, die Aus- fuhrverbote aufzuheben nnd die Ausfuhrabgaben herab- zusetzen. Die Abgabe an das Rote Kreuz wurde aufgehoben und folgende Ausfuhrzölle festgelegt: für Weizen, Roggen, Weizen- und Roggenmehl sowie Grieß und Graupen 600 Lei pro Waggon, für Gerste, Hafer 5ß0 Lei. für Mais und Mais- mehl 400 Lei, für Hülsenfrüchte 900 Lei pro Waggon. Das sind die angeblich großen Zugeständnisse, die die rumänische Regierung gemacht hat! Nach einigen Blättern sollen diese Maßnahmen eine Schwenkung der offiziellen rumänischen Politik bedeuten: tatsächlich entspringen sie lediglich einer Zwangslage. Die von den Zentral- mächten geforderte freie Durchfuhr von Munition nach der Türkei ist denn auch vom Kabinett Bratianu erneut abgelehnt war- den. Wohl wünscht ein Teil der Konservativen eine engere Anlehnung an die Zentralmächte; aber die bürgerliche„Intelligenz" ldie sozialistischen Intellektuellem darunter vor- nehmlich Genosse Rakowsky, nehmen eine wesentlich andere Stellung ein), besonders die konservativ-demokratische Partei unter Führung von Take Fonescu, drängt nach der Gegen- seite, und vorläufag haben diese Rusiophilen noch das Ueber- gewicht. Dennoch macht sich selbst unter diesen Russenfrcunden eine gewisse Aenderung der Haltung bemerkbar. Keines- Wegs hat sich dort die Vorliebe für Rußland in eine Vorliebe für Oesterreich-Ungarn umgewandelt, aber man sagt sich in einem Teil der Intellektuellen, daß heute, nachdem die Buko- wina und Galizicn von den Russen geräumt worden und die von der russischen Heeresleitung bei Odessa zum Einmarsch in die Balkanstaatcn gesammelte Armee nach Norden gerufen worden ist, ein rumänischer Einfall in Siebenbürgen oder die Bukowina eine sehr riskante Seche wäre. So plädiert denn selbst ein Teil der Schreier, die noch vor wenigen Mo- naten den„Befreiungskampf" an dcrjSeite Rußlands forderten, heute für Neutralität— wenigstens vor- läufig. Dazu kommt die Furcht vor Bulgarien, denn man weiß in Rumänien recht Wohl, daß dieses jede günstige Gelegen- hcit ergreifen wird, um sich das ihm im sogenannten dritten Balkankrieg abgepreßte Gebiet am Schwarzen Meer nördlich der Linie Turtukai— Tobntsckm Baltschik zurückzubolen, und nicht nur dieses Gebiet, sondern womöglich die ganze To- brudscha, deren Bevölkerung größtenteils aus Bulgaren bc- steht. Fast allgemein ist man heute in den politisch unter- richteten Kreisen Rumäniens der Ansicht: gibt Rumänien seine Neutralität aus und marschiert gegen Oesterreich- Ungarn, so wird Bulgarien gen die Dobnidscha und Bukarest vorrücken— und das Zarenheer ist gar weit. Solche Er- wägung stimmt trotz aller Selbstüberschätzung die K'riegslust der russenfreundlichen rumänischen Intellektuellen merklich herab. Das weiß auch der Vierbund. Deshalb das per- zweifelte Bemühen seiner Diplomatie in Bukarest, die Kriogs- lust von neuem anzufachen und durch allerlei Zukunftsver- heißungen Rumänien zum Losschlagen zu bewegen. Ob es gelingen wird? H. C. Der franzöjlfthe Tagesbericht. Paris, 21. August.(W. T. B.) Amtlicher Kriegsbericht von gestern nachmittag. Immer dieselbe Artillcrietätigkeit an den Ufern der Oise, nördlich der Aisne, in der Champagne und an der Front längs der Seille. In den Argonnen Minenkampf im Gebiete von Menne le Chateau. Kämpfe auf kurze Entfernung mit Petarden und Handgranaten im Abschnitt von St. Hubert und Marie Thördse. Auf den Gipfeln Linge und Schratzmännle waren die deutschen Ver- lusre sehr bedeutend. Man fand eine große Zahl feindlicher Toter in einem Räume von 256 Meter Schützengraben, welche wir erobert hatten. Paris, 21. August.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von gestern abend: Gegenseitiges Bombardement an einer großen Zahl, von Frontstellcn, besonders in Bailly, an den Rändern der Oise, am Ouennevieresplateau, in der Champagne, aus der Front von Perthes bis Bcausejour, zwischen Argonnen und Maas, im Gebiet Bethincourt— Raucourt, in den Vogesen, im Gebiete des Hilsenfirstes. Im Artois wurden nach heftiger Llrtillerieoktion im Laufe der Nacht vom 19. zum 20. August drei heftige Gegenangriffe vom Feinde vorgetragen. Es gelang ihm, in den Schützengräben Fuß zu fassen, welche wir am 18. August am Wege Ablain— Angres entrissen hatten. Er erlitt empfindliche Verluste. In den Argonnen ist der Minenkampf andauernd sehr lebhast. Kanonade von Schützengräben zu Schützengräben. Bombarde- ment mit Bomben und Lufttorpedos. Gestlicher Kriegsschauplatz. Die Einnahme von Kowno. Berlin, 21. August.(25. T. B.) Aus dem Großen Hauptquartier wird uns gemeldet: Seit 17. 8. ist das Hauptbollwcrk der Njemen-Linie, die Festung 1. Ranges K o w n o in unserer Hand. Im Juli bereits wurden die der Festung westlich vorgelagerten ausgedehnten Forsten vom Feinde gesäubert und hierdurch die Möglichkeit für Her- stcllung brauchbarer Annäherungswege und der notwendigen Erkimdnngen geschaffen. Mit dem 6. August begann der An- griff gegen die Festung. Nachdem durch kühnes Zugreifen der Infanterie die Beobachtungsstellen für die Artillerie ge- Wonnen und das in dem wegelosen Waldgelände äußerst sckMrierige Instellungbringen der Geschütze gelungen war, konnte am 8. 8. das Feuer der Artillerie eröffnet werden. Während sie die vorgeschobenen Stellungen und gleichzeitig die ständigen Werke der Festung unter überwältigendes Feuer nahm, arbeiteten sich Infanterie und Pioniere unauf- haltsam in Tag und Nacht andauernden heftigen Kämpfen vorwärts. Nicht weniger als 8 Borstellnngen wurden bis zum 15. 8. im Sturm genommen, jede eine Festung für sich, in Monate langer Arbeit mit allen Mitteln der Jngenieurkunst unter sichtlich ungeheurem Aufwand an Geld und Menschen- kräftcn ausgebaut. Mehrfache, sehr starke Gegenangriffe der Russen gegen Front und Südflanke der Angriffstruppen wurden imter Mvercn Verlusten für den Gegner abge- wiesen. Am 16. 8. war der Angriff bis nahe an die per- manente Fortlinie vorgetragen. Durch äußerste Steigerung des mit Hilfe von Ballon- und Flugbeobachtung glänzend geleiteten Artilleriefeuers wurden die Besatzungen der Forts, Anschlußlinien und Zwischenbot terien derartig er- schüttelt, die Werke selbst derartig beschädigt, daß auch auf diese der Sturm angesetzt werden konnte. In unwidersteh- lichem Vorwärtsdrängen durchbrach die Infanterie zunächst Fort 2, erstürmte dann durch EinMoenken gegen dessen Kehle und Aufrollen der Front beiderseits die gesamte Fort- linie zwischen Jefia und Njemen. Die schleunigst nachge- zogene eigene Artillerie nahm sogleich die Bekämpfung der Kernumlvallung der Westfront und nach deren Fall am 17. 8. die Bekämpfung der auf das Ostufer des Njemen zurückge- wichenen feindlichen Kräfte auf. Unter dem Schutze der unmittelbar an den Njemen herangeführten Artillerie wurde im feindlichen Feuer der Strom zunächst durch einzelne kleinere Abteilungen, dann mit stärkeren Kräften überwunden. schnell gelang danach als Ersatz für die durch den Feind zer- störten Brücken ein zweifacher Brückenschlag.— Im Laufe des 17. 8. fielen die auch von Norden bereits angegriffenen Forts der Nordsront sowie die Oft- und zuletzt die gesamte Südfront. Neben über 20 000 Gefangenen gewannen wir eine unermeßliche Beute, über 600 Gsschütze, darunter zahllose schwersten Kalibers und modernster Konstruktion, gewal- tige Mnnitionsmassen, zahllose Maschinengewehre, Schein- Werfer und Heeresgerät aller Art, Automobile und Gummi- bereifungen, Millionenwerte an Proviant. Bei der großen Ansidehnnng dieser modernen Festung ist restliche zahlen- mäßige Feststellung der Beute naturgemäß eine Arbeit vieler Tage. Sic erhöht sich von Stunde zu Stunde. Hunderte von Rekruten wurden in der vom Feinde verlassenen Stadthaus- gegriffen, nach deren Angaben erst im letzten Augenblick 15 000 nnbowafsnete Ersatzmannschaften fluchtartig aus der Stadt entfernt worden sind.— Neben den verzweifelten Gegenan- griffen der Russen, die auch nach dem Falle der Festung— erfolglos wie die früheren— von Süden her noch einmal ein- setzten, ist dies ein augenscheinlicher Beweis, daß die russische Heeresleitung einen schnellen Fall dieser stärksten russischen Festung für außer dem Bereich der Möglichkeit liegend er- achtete. Wie hohen Wert sie auf den Besitz der Festung legte, beweist neben dem starken Ausbau der Festung� und ihrer außergewöhnlich starken Ausstatwng mit Artillerie die Tat- lache,"daß der Widerstand der nicht eingeschlossenen— Besatzung bis zum letzten Augenblick fortgesetzt wurde sowie daß eine unter diesen Umständen verhältnismäßig große Anzahl von Gefangenen in unsere Hand fiel. Rutsche Hoffnungen. London, 2t. August. u m a, der die ganze Macht in der Munitionskommission dem Kriegs- minister übertrug und ihm die Dumamitglieder gleichzeitig als Beirat und als Zlufficht beiordnete. Das Blatt führt aus. daß diese beiden Wirksamkeiten unvereinbar seien. An dem Beschlüsse sei die oktobristisch- nationalistische Mehrheit des Parlamentes schuld, die keine Aufsichtskommission gewollt habe. Das Blatt wendet sich dann gegen die Parteien der Rechten, die nach der Erledigung der jetzigen Vorlagen die Duma zu vertagen wünschen, und betont, daß das Zusammen- bleiben der Duma bei der jetzigen Lage ein unbedingtes Er- fordernis fei. Am 14. August fand dir erste öffentliche Ar- beitKsitzung der D u ni a statt. Sie war von demselben Geiste der Kritik durchdrungen wie die Eröffnungssitzung. Der Kadettcnfübrer Adschemow sagte, mit den neuen Gesetzen sei nichts gewonnen, wenn die Ausführung stets in den Händen derselben Bureaukratie bliebe. Bemerkenswort ist ferner die Rede des Sozialisten T s ch e n k e l i, der der Dunia- Mehrheit vorwarf, daß sie V e r r a t am Volke ü b c, d a sie keinen Versuch zur Einführung politischer Freiheiten mache. Die Ergebnisse des Krieges seien fürchterlich, aber im Hinblick auf das russische System selbst- verständlich. Die Arbeitervertreter haben sich geweigert, der Kommission beizutreten, da sonst ihre Opposition in Sibirien enden könnte. Der Redner wurde wegen seines Angriffes auf die Duma für die Dauer von drei Sitzungen ausgeschlossen. Sehr scharf sprach sich auch der Vertreter der revolutionären russischen Bauernschaft Kerenski aus. Kopenhagen, 21. August.(T. U.) Das Blatt„Rjetsch", das einen pcssiimstlschen Leitartikel über die letzte Dumasitzung veröffentlicht, macht auf die eifrige Agitation ailfmerksam. die in gewissen Petersburger Kreisen geführt wird, um die Duma sofort aufzulösen. Der deutsche Desttz m Rußland. London, 21. August.(SS. T. B.), Morning Po st" meldet aus Petersburg: Die Partei der Rechten fordert äußerst drastische Maßregeln geizen alle, die in Rußland deutsche Namen tragen. Die Kadetten dagegen warnen vor einer Konfiskation des LandöesitzeS deutscher Kolonisten, da daS gefährliche Instinkte bei den Bauern wecken und sie auf die schiefe Ebene allgemeiner Plünderung locken könnte, die vor einem Jahrzehnt die Grundbesitzer so schwer schädigte. Getreiüemonopol in Norwegen. Kristiania, 20. August.(W. T. B.) Das S t o r t h i n g hat heute einen Gesetzentwurf über ein zeitweiliges Staatsmonopol auf Getreide angenommen. Zur Einfuhrtrust-Zrage. Zürich, 20. August. �(W. T. B.) Die„Neue Zürcher Zeitung" schreibt zur Einfuhrtruststage bezüglich der Einfuhr deulscher Kohle, daß der Schweiz die Tonne aus SS Frank zu flehen kommr, während Italien für englische Kohle 80 Frank für die Tonne zahlen muß Ist anzunehmen, fragt das Blatt, daß sür die Lieferung eng- lischer Kohle der Lieferant die Differenz von 15 Franl auf sich nehmen wird und die Schweiz sich alio eines weit billigeren Be- zugeS zu erfreuen haben würde, als Englands Bundesgenossen im Kriege? Zürich, 21. August.(W. T. B.) Der Korrespondent der„Neue n Zürcher Zeitung" i» Ehiasso teilt aus einer Unterredung mit dem Handelsattache der italienischen Gesandtschaft in Bern mit, die Verhandlungen über den Schweizer Einfuhr- trust seien ihrem Abschlüsse nahe und würden zu dem von der Schweiz gewünschten Ziele führen. Frankreich und Italien seien stets bereit gewesen, ihr die gewünschten Waren zu liefern, aber England habe seine Verbündeten mit dem Hinweise aui die Gefahr einer Verproviantierung der Zenlralinächie zurückgehalten; die Haltung Italien« gegenüber der Schweiz soll von englischer Seite von diesem Standpunkte aus als zu loyal bezeichnet worden sein. Freiwillige� Rekrutierung in Kanada. „Anwerben lassen oder vor Hunger krepieren!"— Vor diese Wahl werden nach einem Leitartikel des in Montreal erscheinenden „Le PayS" vom 21. Juli die lauadischen Arbeiter gestellt. In einer Rede sagte Mr. Ballantyne, der Direktor mehrerer großer industriellcr Unternehmungen, zu seinen Arbeitern, daß über kurz oder laug alle diensttauglichen Männer in seinen Betrieben, die sich nicht frei- willig anwerben lassen wollen,' auf die Straße gesetzt würden. Aehnlich äußerte sich der Direltor der„Canadian Coiton Eo." und der Bürgerincister von Hamilton, der mit der Entlassung aller städtischen Slrbeiter drohte.„Le PayS" nennt dicie Methode„über alle Maße» abscheulich und unsittlich" und fährt fort:„In einem Lande, wo man vor sich selbst und den Freiheiten anderer mehr Achtung hat, wären diese Hans- wurste ausgezischt und vielleicht gelyncht worden. Selbst wenn man, wie sie. Millionär ist, hat man nicht das Recht, so mit der persön- lichen Freiheit seiner Leute umzuspringen und 10—15 000 Arbeiter aufs Pflaster zu setzen, um sie mit dem Hungerzwang zur Rclru- tierung zu drängen. Ein solches System der Spekulation auf die Armut ist schlimmer als die allgemeine Wehrpflicht! Die Herren sollen sich nur in acht nehmen— sie sind auf dem Holzwege und steuern geradeSwegS auf die Revolution und den'Aufruhr los! Man sehe sich vor und laste sich gesagt sein: Die Kanadier haben, wenn'S not tut, noch ebenso viel Schwung im Leibe, wie die walisischen Bergarbeiter!" Kämpfe in pursten� Paris, 21. August. lchr wrl.gfcd Sonntags Äornehmer fchtvarzer ytcd mi( feinem. Ncinrn Safte!, medeence xatendaeiie, fette ruAis Wiekend. aue aitter. daneryagee Ware' uur-13.75 Moserner fjn gulee Ware In w» »tn Mutzten. M. und kleidsam W nui- 5.50 'verantw�Redakt.: Alfred Wielepp. Neukölln. Lnieratenteil verantw. TH.Siocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts BÜchdr.u.«eriagsanstalt Maul SmgeräiEo.. Berlin tiW. H.erzu 3 Beilagen u.Unterhallu«gStt Nr. 281. 32. Illhrgavg. i Stilanc des Jontiitls" Kcrlim PoMIntt Sovtltag. 22. August 1913. Die Erna'hrungsftage im Reichstag. Wenn die Reichstagsverhandlungen über die Kriegssrage und die Kriegsziele leider keine Hoffnung auf einen baldigen Friedens- fchlutz zuließen, so standen die Verhandlungen, die am Sonn- abend über die Ernährungsfrage gepflogen wurden, unter keine mgün st igeren Prognostikon. Die Sozial- demokratcn hatten durch einen Antrag eine Reihe von Forderungen gestellt, die in einer scharfen Rede des Genossen Q u a r ck be- gründet wurden. Unser Genosse konstatierte, daß die bisherige Nahrungsmittelpolitik des Reiches während des Krieges zwar eine große Fürsorge für die Landwirtschaft und die Pro du- z e n t e n überhaupt verrate, daß aber der Schutz der K o n s u- m e n t e n, die die große Masse des Volkes bilden, leider sehr viel zu wünschen übrig lasse. Während der Landwirtschaft gute Preise und durch Lieferung billiger Kriegsgefangener die günstigsten Erwerbschancen zugestanden würden, während die Heeresverwaltung bei der Deckung des Hafcrbedarfs allein WO Millionen mehr an die Produzenten zahle, als das durch die ge- steigerten Produktionskosten berechtigt erscheint, während es also den Lieferanten gut gehe, ginge es den Verzehrern herzlich schlecht. Daß der Unwille über den Lebensmittekvucher in den weitesten Kreisen des Volkes verbreitet sei, ergebe sich schon aus der Tat- fache, daß sogar aus den Reihen des Wehrvereins heraus heftiger Protest gegen den„schamlosen Wucher" erhoben wurde. Aber es zeige sich eben das wundersame Bild: während Hundert- tausende freiwillig ins Feld zogen, verzichtete kein einziger auf einen möglichst hohen Gewinn! Leider hätten auch die Ver- Handlungen in der Kommission keinen Fort» schritt gezeitigt. Darum blieb nur der Appell an das Plenum als die letzte und höchste Instanz übrig. Nur durch die Organisation der Vorratsbeschafsung und deren Aus- dehnung auch auf Kartoffeln, Fleisch, Fette, Milch, Hülsenfrüchte, Gemüse und Obst könne dem Volke die Gewähr für eine ange- messene Ernährung gegeben werden. Während in der Frage der Kriegspolitik, wie gestern auch der Abgeordnete Zedlitz in der„Post" ausdrücklich b e st ä t i g t, in den Reden aller Parteien, einschließlich der sozial- demokratischen, keinerlei Unterschied hervortrat, zeigten sich bei der Erörterung der Volksernährung sofort die unver- meidlichen und durch die wirtschaftliche und soziale Gliederung des Volkes ja ganz selbstverständlich bedingten Meinungsgegensätze. Schon die Rede des Abgeordneten Giesberts vom Zentrum bewies, daß in dieser Partei, in deren Presse, nament- lich soweit sie auf die Arbeiterschaft angewiesen ist, gleichfalls eine ungewöhnlich scharfe Sprache gegen die Lcbensmittelwucherer geführt worden ist, in der allein aus- scl'laggebenden parlamentarischen Praxis doch die� Wahrung der Konsumenteninteressen keine zuverlässig« stütze findet. Die Rede des Herrn Giesberts bewegte sich nämlich auf der be- kannten mittleren Linie. Sie zollte der Landwirtschaft, ohne deren Unterstützung ja der Krieg gar nicht durchzuhalten gewesen wäre. alle mögliche Anerkennung und warnte davor, einzelne Vor- kommnisse auf dem Gebiete des Lebensmrttelwuchers zu ver- a l l g c in e i n e r n. Der Zentrumsredner stellte denn auch bei weitem nicht so weitgehende Forderungen auf, wie sie von der sozialdemokratischen Partei als allein wirksame gefordert worden waren. Von einer Beschlagnahme der Kartoffeln wollte er nur infofern etwas wissen, als sie für die menschliche Ernährung not- wendig seien. Und wenn Herr Giesberts einen Kartoffel- einheitspreis von 5 Mark als höchst erstrebenswertes Ziel hinstellte, so muß demgegenüber erklärt werden, daß ein solcher Preis immerhin noch beträchtlich über dos Maß des Zulässigen hinausgeht. Der Staatssekretär Dr. Delbrück charakterisierte die Rede des Zentvumsmannes denn auch ganz richtig durch die Bemerkung, daß Herr Giesberts ihm schon viel von dem vorweggenommen habe, was er dem sozialdemokratischen Redner zu ent- g e g n e n beabsichtigt habe. Herr Delbrück gab übrigens ohne tveitercs zu, daß ein Interessengegensatz zwischen Produzenten und Konsumenten bestehe. Dieser Interessengegensatz müsse eben, so gut es gehe, ausgeglichen werden. Die sozialdemokratischen Forde- rungen fanden demgmnäß vor den Augen des Herrn Delbrück keine Gnade. Von einer großzügigen Verstaatlichung der Nahruogs- Mittelversorgung, einer Beschlagnahme der Lebensmittelvorräte und einem organisierten Vertrieb derselben wollte er durchaus nichts wissen. Ebensowenig von einer Festsetzung von Höchstpreisen, wie sie den Interessen der breiten Volksmassen angemessen wäre. Wo eine Syndizierung der Produzenten vorhanden, da seien wohl Höchstpreise möglich. Deshalb werde man auf eine mögliche Syndi- zierung hinwirken müssen. Als ob eine solche Syndizierung nicht gerade die Gefahr der besonderen Berücksichtigung der Produzenten- und Händlerinteressen herauf- beschwöre! Von den Höchstpreisen für Mehl befiirchtet der Regierungsvertreter nur eine weitere Preis st eigerung. Eine Beschlagnahme der Kartoffeln lshnte er ab, weil die Kartoffeln doch in hervorragendem Maße als Futtermittel zu dienen hätten. Nur wenn„phantastische" Pvetfe eintreten würden, könnte an eine partielle Beschlagnahme gedacht werden. Der Milch- k o n s u m werde auch fürderhin noch mehr eingeschränkt werden müssen, doch solle nach Möglichkeit für die Versorgung der Säuglinge und Kranken Sorge getragen werden. Gegen die Schaffung eines Lebensmittelamts brachte der Staats- sekretär natürlich auch allerhand Bedenken vor. Alles in allem: auch die Lehren des verflossenen Jahres und auch die drohende Gefahr einer künftigen Bewucherung breitester Volkskreise ver- mögen die Regierung nicht zu durchgreifenden Maßnahmen zu veranlassen. �Lebensmittel bekämpft, ebenfalls zurückgewiesen hatte, richtet er einen »Angriff gegen uns.— Wir hatten geschrieben: Es unterliegt gar keinem Zweisei, daß die ungeheuere Ver- teuerung der Landesprodukte nicht durch die Erhöhung der Produktionskosten herbeigeführt ist, sondern daß sie künstlich er- zeugt wird. Diesen Satz hatten wir ausführlich begründet, indem wir darauf hinwiesen, daß eine Erhöhung der Produktionskosten in der Landwirtschaft hier und da eingetreten ist, aber nicht in dem Maße, in dem die Preise gesteigert wurden. Der Herr Professor, der nachweislich von wirtschaftlichen Dingen nichts versteht, behaupter nun, durch solche Aeußerungen würden seine Be« strebungen,„den breiten Massen die Notwendigkeit einer qualitativ veränderten, den Kricgsforderungen angepaßten Lebensweise klar zu machen, unendlich erschwert." Nun, vor ein paar Wochen hat Genosse Hue in einem Artikel, der durch die Arbeiterpresse ging, dem Herrn Professor nach- gewiesen, daß er keine Ahnung hat, wie sich die Arbeiterbevölkerung in normalen Zeiten ernährt, und deshalb seine Ratschläge in bezug auf die Aenderung der Lebensweise verfehlt sind. Statt sich das zu Gemüte zu führen, witlert er Gefahr und sieht in der Bekämpfung des Lebensmittelwuchers ,daS Hervorrufen einer weitgehenden Er- regung im Volke". Was würde er wohl sagen, wenn nun andere Leute behaupten würden, seine Kampagne sei nichts anderes als eine „beabsichtigte oder unbeabsichtigte" Vorschubleistung für den Wucher; indem er jenen in die Arme sällt, die die künstliche Verteuerung der Lebensmittel bekämpfen, besorge er die Geschäfte der Händlerringe, paralysiere die Bestrebungen der Behörden, diesem Treiben Einhalt zu tun, hetze Kaufleute und Krämer gegen die Regierung aus? Mit Gegnern, die auf Argumente mit Verdächtigungen and Worten, kann man nicht polemisieren, und wir geben eS auf, mit Herrn Karl Oppenheim er uns auseinanderzusetzen. Von Interesse ist nur, daß die Methoden offenbar stets die gleichen bleiben. Luther, auf dessen Kampf gegen den Wucher wir in unserem Artikel die Aufmerksamkeit lenkten, wurde alsbald von seinen Gegnern als„Aufwiegler" denunziert; ebenso ging im 18. Jahrhundert den Galiani, Ouesnay, Turgot, als sie die„Aufkäufer" bekämpften und selbst der brave Adam Smith war in den Augen der Landlords und ihrer literarischen Knappen ein Volks aufwicgler, von den Cobden, Thompson, Ashworth und anderen Führern der Antikornzolliga in England schon gar nicht zu sprechen. Und jedesmal waren es hochgelahrte Professoren, die auf die Argumente mit der Verdächtigung wegen„Erregung des Volkes" antworieten. Das wird wohl so bleiben bis ans Ende der kapitalistischen Welt. politische Uebersicht. Neuordnung der Mehl- und Brotversorgung. Amtlich. Berlin, 21. August.(W. T. B.) Bekanntmachung. Das Direktorium der Verwaltungsabteilung der Reichs getreidestelle hat mit Zustimmung des Kuratoriums auf Grund von§ 14 der Bundesratsverordnung über den Verkehr mit Brotgetreide und Mehl aus dem Erntejahr 1912 voin 28. Juni'1915(R. G. Bl. S. 363) am 19. August 1915 fob geude Beschlüsse gefaßt: 1. Zur Herstellung von Mehl ist Brotgetreide mindestens bis zu 75 Proz. vom Hundert auszumahlen. 2. Die Mehlmenge, die täglich auf den Kopf der Zivil bevölkerung verbraucht werden darf, wird einschließlich der Zulage für die schwer arbeitende Bevölkerung auf 250 Gramm festgesetzt: die Befugnis des Kommunalverbandes bei der Unterverteilung dieser Mehlmenge Unterschiede zugunsten der schwer arbeitenden Bevölkerung zu machen, wird hierdurch nicht berührt. 3. Die Menge, die oin Selbstversorger verwenden darf, wird auf den Kopf und Monat mit 10 Kilogramm Brot getreide festgefetzt. Dabei entsprechen einem Kilogramm Brot getreide 750 Gramm Mehl. Die Beschlüsse treten mit dem 1. September, der Beschluß zu 2 mit dem 15. September 1915 in Kraft. Berlin, den 21. August 1915. Der Vorsitzende des Direktoriums der Reichsgetreidestelle. Abänderung des ReichSvereinsgesctzes. Die achte Kommission des Reichstages, die einen frei- heitlichen Ausbau des Vereins- und Versammlungsrechtes anbahnen soll, beendete am Sonnabend ihre Tätigkeit. Dem am Freitag beschlossenen ersten Absatz des§ 3, der den Be- griff des politischen Vereins definiert, wurde folgender zweite Absatz hinzugefügt: „Nicht als politische Vereine gelten Vereine von Be- rufsgenojsen oder Angehörigen verschiedener Berufe und Standes- vereine, auch wen» sie zur Verfolgung ihrer Zwecke politische Gegenstände in Versammlungen erörtern." Dieser Zusatz wurde mit allen gegen eine kvn- servative Stimme beschlossen. Zu dem Antrag auf Beseitigung des Sprachen- Paragraphen erklärten die Konservativen und Nationalliberalen, sie könnten dazu weder eine zu- stimmende noch eine ablehnende Haltung einnehmen. Des- � halb— lehnten sie den Antrag ab. Eine eigenartige Wcr die gesellschaftliche Zusammensetzung unseres Staates' Logik! Gegen die drei konservativen und kennt und sich der Einflüsse der einzelnen sozialen Gruppen auf n a t i o n a l l l b e r a I e n Stimmen wurde mit 12 Stimmen die Gesetzgebung bewutzt geblieben ist, deTmochte sich freilich von• ßHcr übrigen Pnrieien die Ä nf Hebung deA� b r u ch e n- vornherein keinen Illusionen darüber hinzugeben, daß selbst unter'Paragraphen beschlossen. Sodann wurde Mit 10 gegen �— Zwang der außerordentlichen Verhältnisse des opferreichen, 5 Stimmen der Nationalliberalen, Konser- "'--------'vativen und Fortschrittler die Ausmerzung des Jugendlichenparagraphen aus dem Vereins- gesetz beschlossen. Die Kommission trat sofort in die zweite Lesung ein und wiederholte in ihr die in erster Lesung gefaßten Beschlüsse. Es soll dem Plenum ein schriftlicher Bericht erstattet werden. Der Berichterstatter, Abg. Müller-Meiningen, versprach, sich mit der Abfassung des Berichtes so zu beeilen, daß dieser von der Kommission festgestellt werden kann, bevor der Reichstag auseinandergeht. Das Plenum wird sich dann im Herbst mit dem Gejetzentwurs zu beschäftigen haben. dem Weltkrieges könnte etwas wie„Kriegssozialismus" des durchgeführt werden „Gefährliches Geschwätz/ Unsere Ausführungen in«r. WS habe» Herrn Professor Dr. Karl Oppenheimer nicht gefallen. Inder„Berliner B ö r s e n z e i t u n g". die seine„Gefährliches Geschwätz" betitelten Angriffe gegen die gesamte Presse, soweit fie die Verteuerung der Aus dem Seniorenkvlwent des Reichstages. Im Seniorenlonvent des Reichstages wurde am Soimabcnd über die Verhandlungen der Geschäftsordnungskommission berichtet. Der Austrag der GeschäftsordnungSkommiffion wegen der strengen Einhaltung der Vertraulichkeit in der Budgetlommission wurde von der Kommission so erfüllt: Im Augenblick sei eine Beschlußfassung nicht zu vollziehen wegen der Schwierigkeiten, die sich in der Frage bieten. Bei der allgemeinen Revision der Ge« schäftSordnung. die im Herbst wieder beginnen wird, wird die Frage einer gründlichen Prüfung unterworfen werden. Dagegen soll künftig in den Kominissionssitzungen durch stärkeres Hervorheven der vertraulichen Mitteilungen eine größere Gewähr sür Jnnehaltuug der Vertraulichkeit zu bieten versucht werden. Es wurde ferner über die künftigen Dispositionen der Geschäfte des Plenums mitgeteilt, daß am Montagnachiniltag 2 Uhr Plenarsitzung sein wird und daß man hofft, mit den Blldgetkommissionssitziingcn Dienstag zu Ende zu kommen und cvent. am Donnerstag den Reichstag zu schließen. Militärfragcn vor der Budgetkommission. In ihrer Sitzung voni Sonnabend befaßte sich die Budgetkommission mit zwei sozialdemokratischen Anträgen, deren erster verlangt: 1. den Bundesrat zu ersuchen, die Bundesratsverordnung vom 14. Januar 1315 über die Vertretung der Kriegs- teilnehmer in bürgerlichen Streitigkeiten auf- zuHeben; 2. dem Bundesrat anheimzustellen, eine neue Verordnung dahin zu erlassen, daß die Bestellung eines Vertreters und die Fortsetzung eines Verfahrens nur zulässig ist, wenn es sich um Kriegsteilnehmer handelt, die„ungeachtet günstiger wirtschaftlicher Lage" böswillig die Zahlung unbestritte- ner Verbindlichkeiten verweigern. Der zweite Antrag forderte: Das Gesetz, betreffend den Schutz der infolge des Krieges au Wahrnehmung ihrer Rechte behinderten Per- s o n e n vom 4. August 1914(ReichS-Gesetzbl. S. 328), wird dahin geändert, daß in 8 2 Ziffer 1 die Worte„mobilen oder gegen den Feind verwendeten" gestrichen werden. Abg. Stadt Hagen begründete beide Anträge sehr eingehend, indem er an der Hand treffender Beispiele aus dem praktischen Leben nachwies, daß der gegenwärtige Zu- stand unhaltbar sei. Gegen eine» im Felde stehenden Sol- daten kann heute ein Verfahren eingeleitet werden, ohne daß er überhaupt Kenntnis davon hat. Nach lebhafter Debatte wurde der erste Antrag abge- lehnt, der zweite dagegen angenommen. Das Gesetz vom 4. August 1914 bezieht sich also jetzt ans alle eingezogenen Mannschaften, also z. B. auch auf die Landsturmleute, die zur Bewachung von Gefangenenlagern verwendet werden. Im Anschluß daran begann die Beratung der Abändc- rung des Militärgesetzes. Die Verhandlungen wurden für streng vertraulich erklärt. Der Gesetzentwurf wurde ange- nommcn. Die Kommission trat dann in die Berawngen anderer Fragen militärischer Art ein. Auch diese Verhandlungen waren vertraulich. Tic Stickstoffkommission des Reichstags hat in ihrer Sitzung am 20. August einstimmig den Antrag ange- nommen, daß sie grundsätzlich bereit sei, im Bedarfsfälle einem Ermächtigungsgesetz für ein Stick st offhandelSm onopol zuzustimmen. Die weiteren Beratungen werden sich mit den Einzelbestimmungen befaffen. Die kommunale Schweinezucht wird zurzeit in Baden lebhaft gefördert. In Karlsruhe werde» seit Juni d. I. unter Aufsicht der städtischen Schlachthofdirektion 433 Schweine gemästet, wozu die Küchenabfälle von rund 5333 Karlsruher Haushaltungen das nötige Mastfutter liefern. Jetzt geht die Stadt zur Zucht von Schweinen über und errichtet in einem Vororte eine große Schweinemast- und Zuchtanstalt. Später will sie, um hierfür das nötige Quantum Milch zur Verfügung zu haben, 15 Milchkühe anschaffen. Ferner ist eine Maffenauf- zucht von Geflügel in Aussicht genommen.— In Freiburg i. Br. ist ein städtisches Projekt in der Ausarbeitung be- griffen, das die Unterbringung von 123 Zuchtschweinen vorsieht. Man will die kleinen Landwirte der Umgebung mit Ferkeln ver- sehen und auf diese Weise die Versorgung der Stadt mit Schweine- fleisch fördern. Auf dem Rieselgut, der städtischen AblageritngS- statte des gesamten Kanalisationsinhalts, sollen zu den vorhandenen etwa 133 Kühen weitere 83 kommen, die den Milchbedarf der städti- scheu Institute, wie Krankenhäuser, Lazarette usw. decken können. So zeigt es sich überall, daß die Ausführung der kommuualpoli- tischen Vorschläge, die schon vor dem Kriege von der Sozialdemo- kratie gemacht wurden, sich als außerordentlich nützlich erweisen. Allerdings mußte erst der Weltkrieg vielen Gemeinden diese Lehren erteilen. Einheitsschule«nd Krieg. Der freikonservativen„Post" wird geschrieben: »_•-. Vor dem Kriege hat man von feiten der Behörden wie der höheren Schulen die Einheitsschule als eine Utopie abgetan, die einen unter Berufung auf die ungeheuren Geldmittel, die unmöglich aufzubringen seien, die anderen mit dem Hinweise auf die ver« schiedenen Zwecke der Volksschulen und höheren Schulen und das ganze damit zusammenhängende Berechtigungswesen. Heute fordert eine ganze Reihe von Vertretern der höheren Schulen eine„Um« gruppierung" der Lchrpläne. Die fremden Sprachen sollen ihren beherrschenden Einfluß verlieren, da sich die Kultur der Engländer und Franzosen nicht als„waschecht" erwiesen hat. Man verlangt das deutsche Gymnasium für die Knaben und das deutsche Lyzeum für die Mädchen. Wenn es gelingt, diese Pläne zu verwirklichen — und jeder Deutsche sollte es wünschen—, dann, aber auch nur dann, wäre der Einheitsschule ein großes für sie notwendiges Stück des Weges geebnet. Unter dieser Voraussetzung wären die nötigen Geldmittel vielleicht zu erschwingen und die höheren Schulen erlitten durch die Verbindung mit der Volksschule keinen schweren Nachteil. Man wird also sagen dürfen, der Krieg, der schon so manches Um« lernen gezeitigt hat, hat auch hier auf einem ihm anscheinend fremden Gebiet neue Möglichkeiten geschaffen, und man wird ruhig bekennen dürfen, in der Forderung der Einheitsschule steckt ein be- rechtigter Kern." üfrmnltiinrisftfUf Kkriin. N 54, FinienKr. 83—85. Telephon: Amt Norden 185, 1S39, 1987, 9714, Bureau geöffnet von i) bis 1 Uhr und von 4 biS 7 Uhr. Montag, den ÄZ. August, abends 8 Uhr: Kranchen-Uersammluttg der Werkzeugmacher, Werkzeugschleifer, Einrichter sowie sämtlicher als Zigarettenmaschinenfiihrer beschäftigten Kollegen in den Arminhallen, Kommandantenstr. 38/89. Tagesordnung: I. Bortrag. 2. Neu- und Ersatzwahlen der Agitationskommission, Z. Verbands- und Branchcnangelegcnhciten. 4. Verschiedenes, AF" Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt!"Ddg Das Erscheinen aller Kollegen ist dringend erforderlich. 118/8 Dl© Ortsverwaltnng. Verwaltung Berlin. Tel.-Amt Moritzplatz 10623, 3578. Bureau: Rungestraße 30, Kranchenversammlüngen MaschLneuarbeiter. Montag, den 23. August, abends 8l/a Uhr, bei Wittenberg, »Andrcasgartcu», Andreasstraße 26. Tagesordnung: 1. Bericht von der Generalversammlung. 2. Bericht der Branchen- kommission. 3. Verbands- und Branchenangelegenhciten. Kamm- und Haarschmuck- arbeiter mld-ÄrbeiterLunen. Mittwoch, den 23. August, abends 8 Uhr, bei Wittenberg, »'Andreasgarten», Andreasftraße 26. Tagesordnung: 1. Unsere gegenwärtigen Arbeitsverhältnisse. 2. Beericht von der Generalversammlung. 3. Branchenangclegcnheiten. Stellmacher. Donnerstag, de« 26. August, abends 8'/, Uhr, im„Rosenthaler Hof», Rosenthalerstraße 11/12. T a g eSordnung: 1. Unsere Berussverhältnisse im Reiche. 2. Branchenangelegenheiten. 87/4__ Die OrtsTerwaltnng. I 1'■'iWH! SbuXvdi/- H 45 5�. ReutersMerke • 3 Zünde 4 Alar?• Buchhandlung Vorwärts j Todes-Anzeigen| Sozialdemokratischer Wahlverein I.d. 4.Berl.ReichstagswahlkrEis. Kfipenicker Viertel. Bezirk 183 II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Arbeiter Wim Schinke Wrangelstr. 88 gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Montag, den 23. August, nach» mittags 3'/, Uhr, von der L'alle des EmmauS-KirchhoseS in Neu- tölln, Hermannstraße, aus statt. Der Vorstand. Sozialdemokratischer WahlYereln Treptew-Baumschulenweg. X aohruf. AlS Opfer dcSWcltlricgeS starben die Genosse»: EffliI ZieliDSke, Arbeiter, und Johann Scharnier, Arb-it-r, auS Treptow, serner M Henneske, Lackierer, Gottfried Hansehe,?lr6e,t u*b Mai SChlllZ, Metalldrücker, aus Baumichuleuweg. Wir werden ihnen ein ehrendes Andenlen bewahren! 209/10 Der Borftand. iillS Opfer des surchtbaren Welt- krieges siel am 1. Juli durch Kopf- schuß mein lieber, einziger Sohn. Bruder. Onlel und Nesse, der Werkzeugmacher Willi Rauhe Füsilier des 122. württembergischen Regiments, im Alter von 23 Jahren. Im Namen der tiesbetrübten Hinterbliebencnen 2229b ttermann lieube als Vater Lohnsdorj b. Grünau. Sozialdemokratischer WahlYereln lür Steglitz. Am 19. August starb nach schwerer Kranlhcit unser Mit- glied, die Genossin ftriecterike Höhn geb. Hamann Holsteinische etc. 38(7. Bezirk). Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung findet am Moniag, den 23. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Steglitzer Gemeinde-Fried- Hofes aus statt. Die Sänger treffen(ich auf dem Friedhofe. Um rege Beteiligung ersucht l96/12 Der Vorntand. Turnverein„Flehte" Berlin. (Mitglied des Arbeiter- Turner, Bundes.) 15. Männerabteilung. Den Mitgliedern zur Kenninis, daß unser lieber Turnaenosse und langjähriger erster Vorsitzender der 15. Männerabteilung Artur Sehoppesbauer im 29. Lebensjahre am 1. August den Heldentod erlitten hat. In ibm verlieren wir ein ieltenes Beispiel treuer Ptlichtersüllung, der sein ganzes Leven in zäher unermüdlicher Kleinarbeit mit seinem Organisationstalent sich den Interessen der Abteilung so- wie des Vereins gewidmet hat. Sein Andenken bleibt uns un- vergeßlich. 9248b 18. Männerabteilung. Gesangverein Jalentramr, AIS ein Opfer des Selten- brandeS fiel am 26. Juli durch Kopfschuß unser lieber Sanges- bruder 2244b Otto Hottmann Landsturmmann i. Ref..Jns..Rgt. 3 Der Verein wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Der Vorstand. Stumm schläft der Sänger! Verband der Schlllszimmerer. Zahlstelle Berlin n. Umg. Am 30. Juli fiel unser Kollege Karl Seppeidt. Ehre seinem Andenke«! DeMiBr BagaMmeiM. Zweigverein Berlin. Im Felde sind folgende Kollegen gefallen: Alhroctlt, Ernst, Fliesenleger, Bezirk Charlottenburg. Fsohnor, Emil, Maurer, Kluck, Julius, Maurer, Kühl, Robert, Maurer, Lewandowsky, Franz,$«***8««, Oestreich, Willi, Schneider, Richard, Schulz, Friedrich, Strauß, Wilhelm, Volzke. Karl, Zeidler, Karl, Hilfsarbeiter, Maurer, Stukkateur, Steinholz- leger-Helfer, Süden. Neukölln. Oranienb. Vorstadt. Charlottenburg. Moabit. Wannsee. Lichtenberg. Osten I. Steglitz. Schöneberg. 141/17 Hilfsarbeiter, Maurer, Ehre ihrem Andenken! Die«rtlleke Verwaltung. I Deutscher Hoizarbeiterverband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Tischler Wil« Schüler Lausitzer Straße 42 im Alter von 24 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Montag, den 23. August, nach- mittags 4'/, Mr. von der Leichen- balle des Friedhofes der EmmauS- Gemeinde aus statt. Nachruf. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Stockarbeiter Emil Preuß Reichend erger Str. 73 im Alter von 59 Jahren ge- starben ist. Ehre feinem Andenken l Die Beerdigung sand am Mon- tag. den 16. August, aus dem Friedhos der EmmauS-Gcmeinde statt. 87/1 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metaliarheiter-Yerband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Heiser �uxust Zclifsäer Wrangelstr. 46 am 19. August gestorben ist. Die Beerdigung findet morgen Montag, den 23. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des EmmauS-KirchhofeS in Neukölln, Hcrmanstraße, aus statt. Den Kollegen seiner zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Metalldrückcr Max Douceur am 20. August an Magenleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 24. Auguit, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des Freireligiösen Friedhofes in der Pappclallee aus statt. Ehre ihrem Andenken: Rege Beteiligung wird erwartet. 118/3 Die OrtSvcrwoltung. Budervereio„Vorwärts". Der furchtbare Weltkrieg hat wieder zwei weitere Opfer aus unseren Reihen gesordert. Wir verloren infolge Kops. schusseS unseren jüngeren ZportS- genossen Theoctof Donath! sowie unieren langjährigen Sportsgenossen Paul Pol! welcher während seiner Zugehörig- keit zum Verein vielen ein lieber Freund und Kamerad gewesen ist. Wir werden unseren lieben Sportsgenossen ein bleibendes ZIndenien bewahren! 234/12 Der Vorntand. AIS Opfer des Weltkrieges fiel am 2. Juni mein inniggeiiebter Mann und Vater, unser lieber Sohn und Bruder Hermaim Tittelfltz im 27. Lebensjahre. Im tiestten Schmerz im Namen aller Hinterbliebenen: . Witwe Emma Tittelfih. Wilhelm Tittelfi«? nebst Frau. Ruh- sanft in fremder Erde. AIS zweites Opfer in diesem Weltkriege fiel unser treuerSangeS- bruder 49A Otto Dausacker. Ehre seinem Andenken: Gesangverein„Vorwärts- Frohsinn". Am 7. August fiel aus dem Felde der Ehre unser lieber Gatte und Valer ködert ZprivgLgutd im Alter von 33 Jahren. Wir verlieren in dem teuren Toten den besten Gatten und fürsorglichsten Vater, der in zehn- jäbriger glücklichster Ehe m hin- aebendster Liebe sür Kind und Frau gelebt hat. snna Springsguth geb. Gflll und Sohn. Verband der Sattier und Porteieuiner. Ortsverwaltung Berlin. BIS Opfer des Weltkrieges find folgende Mitglieder gefallen: Max Gueridon 25 Jahre alt, Oskar Jügler 24 Jahre alt, Theoder Jacoby 27 Jahre alt. Ehre ihrem Andenken: 158/4 Die Ortsverwaltung. Allzufrüh und fern von seinen Lieben fiel als Opfer des Welt- krieges am 10. August durch eine feindliche Mine unser innigst- geliebter Sohn, Bruder. Schwager und Bräutigam, der Musketier Otto Dausacker im blühenden Aller von fechSund- zwanzig Jahren. Dies zeigen tiesbcirübt an Viilhelrn Oeueaeker i Ida Dausacker) alä°"-rn. Karl Dausacker, zurzeit im Felde, Wilhelm Dausacker, z Urzell verwundet. 4 Heinrieh Oeueaoker nebet Schwestern. Theodor Stropahl a. Schwager. Frieda Britke als Braut. Du hast geglaubt, gehofft an eine Wiederkehr, Doch nun— Dein Platz in unserm Heim bleibt leer; Selbst unser Weinen. Klagen bringt Dich nicht zurück; So schlaf denn wohl! Jetzt stört kein Kamvsaesös' mehr Deine Ruh', Nun deckt Dich fremde, kalte Erde zu, 49A Den Heldentot sürS Vaterland starb am 26. Juli mein lieber Mann und Vater, der Schlosser Frite! Zitas im 45. Lebensjahr. 49A Im«eisten Schmerz Witwe Harle Zitas. Malrose Willi Zita«, Sohn. Frl. Harle Kitas, Tochter. Der Mensch ist nur der Welt geliehen, Drum mußte er sort von seinen Lieben. Ruhe sanft w Feindesland. Bing, und Soortkiuh„Ädler" OS. M. d. 9l.-A.-S. MS Lpser des furchtbaren Welt- kriegeS fielen aus dem Kriegs- lch-upl-tz unsere langjährigen Mitglieder Walter Harm am 21. Februar im blühenden Aller von 21 Jahren; •Johann Scharmer am 16. Juli 1915 im Atter von 28 Jahren. Wir betrauern in denselben liebe, eifrige Sportskollege». Ehre ihre« Andenke»: Als Opfer des Welt- lriegeS fiel nach fast zwölfmonatigen schweren Kämpfen am 17.Juli19I5 — infolge Kopsschusses— unser einziger, lieber Sohn, Enkel, Neffe und Vetter, der Musketier prnst pohrdortt (Jnf.-Regt. Nr. 46) im blühenden Alter von 22 Jahren. Dies zeigen tiesbetrübt an Reinhcld Rohrdorff und Frau. Ruhe saust in fremder Erde! Als Opfer des Weltkrieges siel am 26. Juli in einem Gefecht mein lieber Mann, unser guier Sobu, Bruder, Schwager und Onlel, der Wehrmann dosepb Cholewa. In«elftem Schmerz Fran Klara Cholewa geb. Hiiner. War' jeder so wie er, Gäb's weder Krieg noch Not. Als Sohn des Voiles starb er, Getreu bis in den Tod. Als Opfer des Welt- krieges fiel am 30. Juni mein lieber, unoergeß- licher Mann und treu- sorgender Baler, der Wehrmann Max Henneske Jns.-Regt. 41, 2. Komp. im 30. Lebensjahre. In tiefstem Schmerz Frau Emma Henneske geb. Krüger und Sohn Kärtchen, Baumschulenstr. 102. Nun ist'S vorbei, eS kann nicht mehr gescheh'n, wie Du unS schriebst: Aus baldiges, jroheS Wiederseh'n. Ruhe sanft in fremder Erde! Den Heldentod fürs Vaterland starb am 5. August durch Brust. schuß bei einem Sturmangriff unser inniggeliebter Sohn und Bruder ernst Schmidt im blühenden Atter von 28 Jahren. Dies zeigen«esbetrübt an Die trauernden Eltern»nd Geschwister Famille Gottlieb Schmidt, Reinickendors-Ost, s46A Amendestraße Nr. 104 III. Ruhe sonst w fremder Erdel Viel zu srüh und fern von den Lieben fiel am 26. Juli bei einem Sturmangriff unser inniggeiiebter Sohn. Bruder und Bräutigam, der Musketier 3TA Paul Kränzke im blühenden Aller von 25 Jahren. Dies zeigen an Die«etbetrlidten Fitem Max Krinzke als Bruder Erna Henschel als Braut Drei Brüder des Gefallenen: Fritz. Wilhelm u. Riehard Krinzke befinden(ich noch im Felde. Wir glaubten nicht. Dich so srüh zu verlieren, Wir zogen Dich in Lieb' und Stolz heran. Jetzt liegst Du still und kalt in fremder Erde Und sängst als Ztnospe schon zu welken an. Fern von der Heimat fiel am 1. August bei einem Sturm- angriff durch Kopfschuß mein lieber Mann, unier guter vaier, Bruder, Onkel, Schwaaer, Schmie- gersohn, Neffe und Coustn, der Gastwirt Fritz Wandelt im 35. Lebensjahre. Dies zeigen«e'betrübt an im der trauernden Hinterbliebenen EZlvira Wandelt geb. Burghardt nebst Kindern. Berlin N 20, den 18. August 1915. Soldiner Straße 37. Der Mensch ist nur der Well geliehen, Ost muß er sort im besten Blühen, Du gingst so schwer von Hause sort, Nun ruhst Du aus im sremden Ort. Kein Kampsgetöse stört Dein« Ruh, Es deckt Dich sremde Erde zu. Möge ihm die sremde Erde leicht sein! 93il Nach kurzem, schwerem Leiden verschied am 19. Anguft uns« lieber, guter Sohn und Bruder Hans im blühenden Alter von 16 Jahren. Dies zeigen tiesbetrübt an Rod. Struck nebst Fsrau und Sohn Naunynstraße 50. 2243d Die Beerdigung findet am 23. 9lug.. nachmittags 5 Uhr. von der Halle des St. ThomaS-KirchhoseS aus statt. Fern von seinen Lieben fiel als Opfer des Weltkrieges am 11. Zlugust durch Halsschuß unser lieber, einziger Sohn und guter Bruder, der Armierungssoldat Otto Schirmer im Atter von 23 Jahren. Dies zeigen tiesbetrübt an Karl Schirmer u. Frau alä Ellern Lucie alä Schwester. Nun ist's vorbei, es kann nicht mehr gescheh'n Wie Du uns immer ichriebst: Aus frohes Wiederseh'n. So schlas denn wohl, Du lieber Sohn, Du starbst so jung. Du starbst zu srüh; Vergessen werden wir Dich nie. Schlai wohl, Du liebeS Bruderherz, Du hast den Frieden, wir den 6491 Schmerz. Als Opfer des Weltkrieges starb 1 am 5. August im FcldlazarcU an seiner am 21. Juli erhaltenen Verwundung(Kopsschuß) mein über alles geliebter, unvergeßlicher Mann und unser lieber Bruder, Schwager, Schwiegersobn, Neffe, Velter und Onkel, der Gefreite Karl Faust im 29. Lebensjahre. In tiefstem Schmerz Anna Kaust geb. D u f ch a t nebst Angehörigen. Wir wollten beide glücklich sein. Doch grausam griff das Schicksal ein, Nahm mir mein Liebstes aus der Erde Und läßt mich hier im Schmerz allein. Nichts heilt die Wunden, nichts den Schmerz. Die Kugel, die Dich traf, ging auch mir WS Herz. AIS Opfer deS Weltkrieges fiel am 5. August, mein inniggeiiebter, guter Bräuligam. unier guter Schwieget söhn und Schwager, der Musketier 5591 IVlajc Gueridon vom Jns.-Regt. 82 im blühenden Aller von 25 Jahren. Im«essten Schmerz Krida Pftamm als Verlobte. Otto Pstamm nebst Krau als Schwiegereltern. Marie Richter geb. Pflamm. Anna Pflamm. Elise Ristmanu als Schwägerin. Kri« Richter als Schwager, zurzeit im Felde. Wenn Liebe könnte Wunder tun, Und Tränen Tole wecken. Dann würde Dich, geliebtes Her», Gewiß nicht sremde Erde decken. Du warst meine Hoffnung und mein Glück, Nun kehrit Du nimmermehr zurück. Dem ewig Gram, der diesen Krieg herausbeschworen. Durch den wir Dich so früh ver- loren. Allzufrüh und fern von seinen Lieben starb als Opfer des Weltkrieges, am 27. Juli, mein innigst- geliebter, herzensgut« Mann, der treusorgende Vater seines einzigen SöhnchenS. unser lieber«ohn und Schwiegersohn, Bruder, Schwager, Onlel und Neffe, der Ersatzreserotst N9l Max Kosnehl im blühenden Wt-r von 31 Jahren. Im Namen aller Hinterbliebenen -%.nna Kosmehl geb. Batike und Söhnchen Knrt. Wir lönnen'S immer noch nicht Men. Daß wir unS nicht mehr wiederseh'n. So jung mußt Du Dein Leben lassen. Aus nimmer, nimmer Wiederseh'n. Wir tonnten Dich nicht«erben s-h'n._ Auch nicht an Deinem Grabe fteh'n. Du warst so gut, Du starbst so srüh, Wer Dich gelaunt, oergißt Dich nie. Ruhe sonst in Feindesland! Am 7. August fiel als Opfer der Kämpfe, durch Kopfschuß, unser Mitarbeiter, der Schriftsetzer Robert Spriogsgutb im Alter von 32 Jahren. Wir beklagen den Verlust eines lieben Kollegen und werden seiner in Ehren gedenken. Oes Personal der Vonrärts-Buchdrnckerei Berlin. Nachruf. 2245b Im Lazarett starb als Opfer des Weltkrieges unser treuer Freund kriti käste! im blühenden Alter von 20 Jahren. Wir werde» Demer nie vergessen! Emil Schreiter. Have Petera. Hermann Tleke. Franz Kühne. Dem Andenken»nsern ins dem Knegsschnnplntz zesallenen Genosrn! Am 30. Juli fiel aus dem Schiachtseide unser Genosse, BezirlS. sührer-Stellv ertreter Franz. Dittner Bezirk 134. Im Juli fiel unser Genosse, der Tiichler Alfred Quitzow Bezirk 127. Desgleichen fiel aus dem Schlachtselde der Genosse Paul Wtistner Bezirk 30. 206/2 Sozlaldemokr. Wahlverein f. d. 2. Berl. Reichetagswahlkreis. Am 5. August gefallen Max Gueridon Bezirk 244. Sozlaldemokr. Wahlverein f. d. 3. Berl. Reichstag swahlKreis. Am 24. Juli fiel der Former Willi Ulbrich Wiener Str. 12. Bezirk 162. Am 30. Juli fiel unser Bezirkssührer, der Hausdiener Willi Schmidt Höchstestr. 42. Bez. 383 L Am 27. Juli fiel der Hausdiener .Julius Kaßner Landsberger Allee 6. Bezirk 387. Am 18. August fiel der Zuschneider Alwin Schael Tilsitcr Str. 46. Bezirk 389. Am 29. Juli fiel der Heizer Picbard Zander Knipro deitr. 113. Bezirk 398. Im Feldlazarett starb infolge Erkrankung der Bauarbeiter Franz Gaß 214/6 Pettenkoserstr. 18. Bezirk 368 I. Sozlaldemokr. Wahlverein f. d. 4. Berliner Reichstagewahlkr. Im Felde gefallen der Maurer Picbard Lorenz Mendelssohnstr. 13. II. Abteilung. Am 29. Juli der Rohrleger Paul Müller 223/1 Linienstr. 121. VI. Abteilung. Sozlaldemokr. Wahlverein(. d. S. Berl. Reiohetagewalilkr. Am 4. August fiel der Putzer Gustav Mantz Wiesenslr. 3, 17. Abt. Bez. 801. Am 26. Juli fiel in einem Gefecht der HandwngSgehilse Paul Foeke früher Garknstr. 13, 11. Abt. Bez. 633. Desgleichen der Arbeiter JJermann Gericke HennigSdorjer Str. 24, 22. Abt. Bez. 773. Am 1. August fiel bei einem Sturmangriff der Gastwirt Fritz Wandelt Soldiner Str. 37, 19. Abt. Bez. 829. Im Kampfe fiel der Stemmetz Wilhelm Radensieben Rathenower Str. 24, 12. Abt. Bez. 736. Am 26. Mai fiel der Arbeiter Georg Lüttow Voltastr. 49, 10. Abt. Bez. 621. Am 1. August fiel der Arbeiter Hermann Swoboda Soldiner Str. 28, 18. Abt.. Bez. 821a. 227/5 Sozlaldemokr. Wahlverein f. d. 6. Berliner Relchstagswahlkr. Am 31. Juli gefallen der Tischler Paul Baronowsky Hermannstr. 231. 24. Bezirk. Am 30. Juli gefallen der Arbeiter Gustav Birk Allerstr. 44. 21. Bezirk. Am 26. Juli gefallen der Tischler Joseph Cholewa Kaiser-Friedrich-Str. 171. 8. Bezirk. Am 24. Juli gefallen der Metallarbeiter Richard Rein Kopsstr. 44. 18. Bezirk. I« Felde gefallen der Glasermeister Georg Rorwitz Ziethenstr. 32. 20. Bezirk. Am 6. August gefallen der Packer Wladislaus Malengowski Weisestr. 10. 21. Bezirk. Am 2. August gefallen der Vergolder Gtto Neidhardt Hermannstr. 52. 20. Bezirk. Am 24. Juli gefallen der Arbeiter Alfred Weher Kopsstr. 27. 18. Bezirk. 238/13 Sozialdemokratischer Wahlverein Reuköiin. Als Opfer des Weltkrieges fielen die Genossen Wilhelm Schräder am 23. Juli. Mindener Str. 3. 3. Gruppe. Fritz Busse Haeselerstratze. 1. Gruppe. 251/9 Sozialdemokratischer Wahlverein Charlottenburg. Am 2. August fiel als Opfer des Weltkrieges der Genosse Paul Schmohl 196/11 Sozialdemokratischer Wahlverein Senzig, Am 10. August fiel durch eine feindliche Mine der Glasmacher Otto Bausacker Fricdrich-Jungestr. 7. Infolge eines Lungenschusses fiel am 28. Juni der Genosse Robert Zech Lizefeldwebel d. Res und Ritter des Eisernen Kreuzes I. u. II. Klasse 245/3 Sozialdemokrat. Wahiverein Niederbarnim. Bez. Lichtenberg. Im Kriege fiel im Alter von 30 Jahren unser Genosse Fritz Klopsch Junker-Jörg-Str. 8. 245/6 Soziald. Wahlverein Kreis Niederbarnim, Bez. KarlshorsL Aus den Reihen unserer Angestellten hat der blutige Weltkrieg ein neues Opfer gefordert. Aza 7. August fiel durch einen Kopfschuß Robert Spriugsguth Schriftsetzer im besten Mannesalter von 33 Jahren. Der Verstorbene war nahe ein Jahrzehnt bei uns beschäftigt und hat durch sein offenes freundliches Wesen, seine treue Pflichterfüllung gegen das Geschäft sich die Achtung und Diebe Aller erworben. Wir werden dem Toten ein liebevolles und ehrendes Andenken bewahren. Vorwärts»Buchdruckerei. Auf dem Schlachtfelde fiele« folgende Kollege«: Henneske, Max, Lackier« Krüger, Emil, Maler, Aüchen-tSbelbramhe Lerche, Max, Maler, BeM Friedrichshage» Mainzer, Albert, M-l«, no Randow, Hermann, Mal«,»-,»! so Ehre ihrem Andenke»! 136/16 Die, Ortaverwaltnnff. Verband der Schneider, Schneiderinnen und Wäschearbeiler Deutschlands. Filiale Berlin. Dem Andenken unserer auf dem Kriegsschauplatz gefallenen Kollegen! Am 3. März 1914 fiel der Herrenmafischneider, Kollege Karl Gerlach geb. 14. Mai 1886. Ferner am 31. Juli fiel der Herrmatzschneider, Kollege Btto Wiemer geb. 7. Mai 1880. DeS weiteren siel der Krawattenzuschneider, Kollege Max Graeffe geb. 28. November 1885. Ferner starb im Lazarett infolge Krankheit am 26. Juli der Herrenmatzschneider, Kolleg- Karl Laser geb. 8. November 1885. 162/16 Die OrtsTerwaltnng. Verband der Steinsetzer, Pflasterer und Berufsgenossen Deutschlands. Filiale Berlin. Att Opfer des Weltkrieges fiel am 27. Juli unser treuer Kollege Fritz Bahn. Sem Andenken werden wir immer in Ehren halten! 175/6 Der Filialvor.tantl. Verband der Fabikarbeiter Deutschlands Zahls helle Grost-Berlin. Gefalle« fish folgende Mitglieder: Hermann IHichler, Bez. Norde« Hermann Qlelbs, Bez. Norde« Karl Grusrchke, Bez. Norden Paul Schmohl, Bez. Niederlehme Martin Rublak, Bez. Niederlehme Karl Steinicke, Bez. Charlottenburg Karl Oltersdorf, Bez. Charlottenburg Paul Leiter!, Bez. Johannisthal Max Niescih, Bez. Johannisthal Wilhelm Grabciitz, Bez. sa�oft Wilhelm Kioske, Bez. Weißensee Emil Scheffler, Bez. Neukölln Wilhelm Büauert, Bez. Schönh. Borst. Ehre ihrem Andenke«! 55/20 Dtze Ortsverwaltuug. Meilet» Radlaltrer--gfiinl Mitgliedschaft Ncuktl-ln. Als Opfer des Wettlricg'ls v«r- starb am 26. Juli unser.treues s Mitglied �osepti Ckoletva Zentraifahrwart. Seine ausopfernde Tätisffeit fiir > unsere Organisation sowie sein t ehrlicher Charakter, stets dtrai Gemeinwohl zu dienen, fichctm ihm | ein ehrendes Andenken. 11/20 Der Vorst/nni. Statt besonderer Anzeiget Allzu früh und fern von seinen Lieben siel am 6. August als Opfer des WeltkAeges durch Kops- schütz im blühenden Atter von 30 Jahren mein innigstgelievtcr, unvcrgetzlicherMann, der Herzens- gute Vater seines Pflegetöchterchens Hildegards unser lieber, guter Sohn, Schwiegersohn, Bruder,' Schwager, Onkel, Neffe u. Couftn, der Musketier Otto Ltrskleaäork. In tiesstem Schmerze Bliso Strahlendorf geb. Kluge 2242b nebst Angehörigen. Leicht sei ihm die fremde Erde! Der vorsteltiia. Leicht sei ihm die fremde Erde! Deutscher TrausPnrturbeiter-Nerbanb Ulezirk Grofi-Berliu. Folgende Kovl-gem find im Felde gefallt«: Willi Betlfike, Gcschäftsdieuer. Fritz Böhm, Straßenbahner. Paul Doneike, Droschkenchauffenr. Karl Dreiunrke, Spcditionsarbeiter. tPeanil ICc%4r>kau- PicXrl Ms S5teidHnrclt Rcf. Helene Dahike Agnes Skranowitz nebst Kindern Wilhelm Smolny Karl Dahike Walter Skranowitz zurzeit im Felde Dora Haesler all Eitern Du gingst von uns mit schwerem Herzen Und hofftest aus ein Wiedersehn; Doch größer sind jetzt unsere Schmerzen, Da diel nun nicht mehr kann ge. fchehn. Ruhe sanft in fremder Erde! Neukölln im August 1915. 73A geb. Weber als Schwestern. Schwager. Braut nebst Fern von der Heimat und den Seinen starb nach lE/zMora- tiger Gefangenschaft in Sibirien am 13. Juli ani Typhus unser iimiggelicbter Bruder, Schwager undOnkcl, der Gefreite derRcseroe Paul Wünsch im 26. Lebensjahre. 26A In tiefstem Schmerz Marie Stiller als Schwester. Rudolf Stiller als Schwager, zurzeit im Felde. Auguste Blisch als Schwester. Ernst Blisch als Schwager, zur- zeit im Felde. Du sankst dabin wie Rosen sinken, Wenn sie in voller Blüte stehn, Und beiße, bitt're Trauen stießen. Weil wir uns nicht mehr wiedersehn. Wir können Dir nichts mehr bieten, Mit nichts Dich mehr erfreu'». Nicht eine Hand voll Blüten Aus Deinen Hügel streu'». Ruhe sanst w Feindesland. Tantsagnng. Aür die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspende» bei der Einäscherung meines lieben Mannes und guten Vaters tiermann Martin sagen wir allen, welche ihm ble ichte Ehre erwiesen, unseren herzlichsten Dank. IvA Witwe Christine Marti» and Tochter. LerantworU icher RetkUteur: Alfred Wielepp, i Neukölln. Für de» Jnjeratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag! Vorwärt» Buchdruckerel u. Lerlagsanftall Paul Singer& Co, Berlin SW. !lt. 2BI. 32. lahrjanj. 2. ScilGk Ks Jotmlrtf KM» NslksdlM Zouutag, 23. August 19l5. Montag, öen 25. kiugult: frauen-tekabenä für Groß-Bcrlin. Mus Groß-öerlm. wenn öer wein verglüht. Spätsommer. Schon werden die Tage kürzer, merklich früher senkt sich die Abenddämmerung aus das Häusermeer hernieder. Kühl und feucht und herbstlich muten die Nächte an. Die K'ronen der Straßenbäume werfen täglich welke, braune Blätter ab, die müde und krank in den Staub der Straße sinken. Es gilbt und welkt weiter, durch die Alleen geht ein leises, aber sicheres Sterben. Durch die Gärten geht es und durch die grünen Wildnisse der Laubengelände und hebt sich empor zu den Blumengirlanden der Ballone und Fensterbretter. Der Hauch des Vergehens trifft das Herz der Pflanzen und treibt sie in das letzte Stadium ihres Lebens- Prozesses. In den Kästen glüht der Wein. Glüht und leuchtet und zeigt die Kunst, in Schönheit zu sterben, in höchster Vollendung. Wie große Blutstropfen zittern die purpurnen Blätter am Gcranke. Der Wein verglüht. Es geht bergab mit der Jahreszeit. Die Sommerlokale veröden, wenn die Sonne sinkt, in den Vorgärten der Lokale räumen die Kellner im Dämmerlicht die Tische ab. die Kapellen flüchten aus dem Freien hinein in die gemütlichen Räunie. �„Am Abend schätzt man erst das Haus," sagt Goethe im „Faust". Die Oefen werden instand gesetzt, empfindliche Naturen legen auch jetzt schon ab und zu des Abends„einen kleinen Brand" an. Auch die Zentralheizungen werden nach- gesehen, damit sie, wenn sie demnächst gebraucht werden, funktionieren. Sehr oft versagen sie jedoch, sie oder der Be- sitzer— ganz genau ist das nicht immer festzustellen— der Heizungskrieg zwischen Mietern und Hausbesitzern kann be- ginnen. Bald werden wieder die„Briefkästen" der Zeitungen mit temperamentvollen, erbitterten Anfragen bestürmt:„Wie- viel Grad Wärme kann ich in meiner Wohnung beanspruchen, ich habe jetzt knapp 10 Grad zu verzeichnen. Und was kann ich tyn. wenn nicht mehr geheizt wird?"— Aber auch da, wo Oefen sind, raucht's nicht selten, wenn der Wärmespender streikt, das„Rauchen" im Doppelsinne gedacht. Das sind so einige der Sorgen des Winters. Noch ist er nicht da, doch seine Reflexe spielen schon. Das Glühen des Weines ist ein Vorbote der herberen Jahreszeit, die die längste Spanne im Jahre umsaßt. Der Ausspruch, daß wir in unserer Zone nur einen grün angestrichenen Sommer haben, trifft eigentlich zu. Diesmal sehen wir mit sorgendem Gefühl den Wein der- glühen. Zum zweitenmal glühen seine Blätter, während unsere Brüder und Söhne draußen, in Feindesland stehen. Einen Winter bereits haben sie hinter sich, alle Un- bilden der rauhen Jahreszeit durchgekostet, wird auch der zweite Winter sie im Felde finden? Niemand kann die bange Frage beantworten, düster und undurchdrüiglich steht die Mauer der Zukunft vor uns. Spätsommer. Die Tage werden kürzer und die Nächte länger und kühler. Die ersten silbernen Fäden kutschieren durch die Luft, die Zugvögel stehen vor ihrer Abreise. Bald werden sie sich in Scharen erheben, hoch über dem Kriegs- lärm davonziehen, in ferne, südliche Zonen. Werden sie den Frieden finden, wenn sie zurückkehren? In den Kästen glüht der Wein. Purpurrot. Braunes Laub raschelt zu unseren Füßen. Immer früher sinkt die Dämmerung, um der Lampe geselligen Schein sammelt sich die Familie, sammeln sich Bekannte und Freunde.„Da werden Winterabende hold und schön". Für gewöhnliche Zeiten gilt das Wort, nicht aber, wenn das Liebste draußen im Felde weilt. Noch ist es nicht Winter, hoffen wir das Beste. Schon verglüht der Wein! Jugendweihe. Es wird darauf hingewiesen, daß Anmeldungen zur Jugendweihe nur noch bis 31. August 1315 entgegen- genommen werden, und zwar an folgenden Stellen: Emil Boeske, SW. 68, Lindenstr. 3; R. Timm, SO. 33, Falcken- steinstr. 16; Willi Franke, O. 34, Ebcrtystr. 23: Kurt Schön- felder, N. 58, Kopenhagener Str. 42; R. Rehbock, N. 20, Thurneysserstr. 7. Später eingehende Meldungen können nicht mehr berücksichtigt werden. Die Feier findet am Sonn- tag, den 13. September, statt. Die Teilnehmer erhalten etwa 2 Wochen vorher eine besondere schriftliche Einladung, aus der alles Nähere ersichtlich ist. Mchlversorgung de-s Kreises Teltow. Der Mehlverteilungsplan für den Monat September d. I. ist für die Ortschaften des Kreises Teltow nunmehr fest- gesetzt und von dem Landrat bekanntgegeben. Das Mehl ist wiederum durch die Reichsgetreidestelle aus verschiedenen Mühlen zur Verfügung gestellt, wobei zu erwähnen ist, daß die Zahl der Mühlen ständig im Wachsen begriffen ist. Gegen- über 23 Mühlen im Juni und 23 im Juli waren bereits 34 Mühlen Deutschlands im August an der Mehllieferung beteiligt. Von der festgesetzten Mehlmenge werden voraus- sichtlich wiederum vier Zehntel in Weizenmehl und sechs Zehntel und mehr in Roggcnmehl geliefert werden So- genanntes Krlegsweizenmehl gelangt in der Regel nichts mehr Sur Verümdung. Der Landrat macht jedoch darauf aufmerk- sam, daß den ständig zunehmenden Wünschen auf Weizen- mehl nicht entsprochen werden kann, und daß es sich deshalb empfehlen wird, weniger weiße Ware zu verbacken. Von den in der näheren Umgebung Berlins gelegenen Ortschaften er- hält die Gemeinde Berlin-Stcglitz gemäß der Bevolkerungs- ziffer die größte Mehlmcnge zugewiesen, nämlich 3204 Zentner; es folgen Berlin-Mariendorf mit 6350. Berlin- Lichterfelde mit 5168. Berlin-Tempelhof mit S118, Berlin- Friedenau und Berlin-Britz mit je 5000, 5köpenick mit 3686, Nowawcs mit 2874, Zehlendorf mit 2350, Bcrlin-Treptow mit 2200, Adlershof mit 1430, Berlin-Schmargendorf mit 1252, Berlin-Niederschöneweide mit 1142 und Berlin-Lank- Witz mit 1000 Zentner. Den übrigen Gemeinden stehen für den September weniger als 1000 Zentner zu. Das über- wiesene Mehl ist nur für brotkartenberechtigte Personen bestimmt. Protestvcrsammlung der Berliner Milchhändlcr. Gegen die Aeußerung des Professors Juckenack in einem kürz- lich verhandelten Prozeß:„Der Berliner Milchhandel sei auf einen recht betrübenden Tiefstand gesunken," erhob am Freitagabend eine Versammlung hiesiger Milchhändler entschieden Protest. Sie er- klärte: „Der organisierte Milchhandel, der, wie in einer am 7. April gefaßten und in der Berliner Tagespresse veröffentlichten Re- solution bereits bekanntgegeben worden ist, jede unlautere Mani- pulation auf das schärfste verurteilt, ist es ja gerade gewesen, der die Polizei auf die Manipulationen ein- zelner gewissenloser Milchhändler aufmerksam gemacht und um deren Bestrafung gebeten hat. Darauf sind auch die letzten Prozesse zurückzuführen. Der organisierte Milchhandel erklärt heute, daß er es auf das allerschärffte verurteilen muß, die Verfehlungen einzelner Milch- Händler durch Herrn Professor Dr. Juckenack derart verallgemeinert zu sehen, als ob der gesamte, mehr als 4000 Berufsgenossen zählende Stand der Berliner Milchhändler auf einen beklagens- werten Tiefstand gesunken sei. Der organisierte Milchhandel weiß es, daß Uebelstände im Milchhandel bestehen; er geht aber selbst mit aller Schärfe gegen diejenigen vor, die durch unehrenhafte Handlungsweise sich zum Schaden der Allgemeinheit bereichern wollen." Leipzig, München und anderen deutschen Städten und die hiesige Kriminalpolizei verfolgt sie jetzt nach allen Richtungen. Straszcnsperrung. Die Waisenstraße von der Stralauer bis zur Parochialstraße wird wegen Pflasterungsarbeiten vom 23. d. At. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Wenn man sich über die Iran ärgert. Im Aerger über einen vorausgegangenen häuslichen Streit hat sich der Werkzeugmacher Erich W i t t h u t zu einer Handlungs- weise verleiten lassen, die ihn beinahe ins Gefängnis gebracht hätte. Wegen öffentlicher Beleidigung hatte sich W. gestern vor der Berufungssirafkammer des Landgerichts I zu vcr- antworten.— Der Angeklagte lebt in sehr unerquicklichen ehelichen Verhältnissen, Zank und Streit waren an der Tagesordnung, so daß ihm seine Häuslichkeit immer mehr und mehr entfremdet worden war. Eines Abends im November v. I. entstand wieder wegen eines geringfügigen Anlasses ein Streit, der erst dadurch einen ernsten Charakter annahm, daß die Frau die Korridortür ausriß, so daß sich die ganze häßliche Szene vor den Ohren der hämisch lächelnden, lieben Nachbarschaft abspielte. Voller Wut über diese Bloßstellung lief W. davon, in der ausgesprochenen Absicht, nie wieder zurückzukehren. In seiner Wut stürzte er mehrere Glas Bier hinunter, die zur Folge hatten, daß er wohl nicht mehr recht wußte, was er tat. Als er dann, mit der Wut gegen alles Weib- liche im Leibe, an den Fahrkartenschalter des Bahnhofs Börse kam und von der Eisenbahngchilfin Schilde nicht gleich die gewünschte Auskunft erhielt, erging er sich gegen die junge Dame in recht häß- lichen Schimpfworten.— Von der Eisenbahndirektion wurde dem Angeklagten nahegelegt, einer Anzeige dadurch aus dem Wege zu gehen, daß er sich bei der Beleidigten entschuldige und 10 M. an eine Wohltätigkeitskasse zahle. Dieser Brief wurde, wie der An- geklagte behauptete, ihm aber von seiner Frau nicht ausgehändigt, so daß er die ihm gestellte Frist versäumte. Die Folge war das jetzige Strafverfahren. Das Schöffengericht erkannte, da es sich um ganz grobe Beleidigungen handele, auf 6 Wochen Ge- f ä n g n i s. Vor der Berufungskammer erzählte der Angeklagte, wie er durch jenen häuslichen Aerger in einen Zustand gekommen sei, in welchem er nicht gewußt habe, was er tat. Das Gericht sah die Sache auch milder an und erkannte unter Aufhebung des ersten Urteils nur auf 30 Mark Geldstrafe. Tie Konsumzentrale in Lichtenberg wurde auf Einladung der Zeitschrift„Die Welt der Frau und Mutter" von mehr als hundert Bürgerfrauen besichtigt. Die Frauen waren erstaunt, daß es„so was" gibt, und hielten mit ihrer Anerkennung der in vollem Be- triebe gezeigten Einrichtungen nicht zurück. Geschäftsführer Junger hielt im Sitzungssaal des Verwaltungsgebäudes einen Vortrag über die Vorteile und Ziele der Konsumbewegung. Das Possenthcatcr sFolies Caprice) eröffnet seine Vorstellungen am Freitag, den 27. August, mit zwei von Leonhard Haskel ver- faßten Komödien„Onkel Mendelsohn" und„Citrons geben sich die Ehre". Als Hauptdarsteller sind Leonhard Haskel und Siegsried Berisch verpflichtet. Das Casino-Theater brachte am Freitag eine Neuheit heraus, der man, nach dem Beifall zu schließen, den das Stück bei seiner Erstaufführung erzielte, eine lange Lebensdauer prophezeien kann. Die alte, beliebte Berliner Posse feiert in der„Familie S ch n a s e" wieder einmal Auferstehung mit all ihrer Komik, Derb- heit und Rührseligkeit. Die als Bäckersleute reichgewordenen, protzigen Eltern stellen sich verbohrt und verblendet dem Glück ihres einzigen Kindes entgegen, um das ein wackerer Bäckergeselle wirbt. Erst einem guten Onkel, der sich eines zufällig im Brauthause vor- sprechenden Bettlers in spaßiger Weise zur Ausführung seines Planes bedient, gelingt es, den Widerstand der Alten zu brechen und das junge Paar zusammenzubringen. Dieser Onkel ist eine Prachtfigur, die lebenswahr und überzeugend vom Direktor des Casino-Theaters Hans Berg, der zugleich Verfasser des Stückes ist, dargestellt wurde. Mit vielem Geschick und bestem Erfolg waren auch die anderen Rollen durchgeführt, so die des Brotfabrikanten Schnase(Herr Koch), seiner Gattin(Frl. B. Hofmann), des Bettlers Bläulich(Herr Zimmermann), des Dienstmädchens(Frl. L. Hof- mann), des Bäckergesellen(Herr Lange) und der kleinen Braut(Frl. Hinzer). Der Posse voran ging ein„Buntex Teil", der hübsche Licht- bilder, einen überraschend geschickt durchgeführten Malakt(Herr Voß), Gesangsvorträge(Frl. Hansen) und zsitgemäß-groteske Puppentheaterdarbieturigen(Herr Baron) brachte. Die Wanderausstellung des Bcrb andcs der Laubenkolonisten über:„Verwertung der Obst- und Gemüseerzeugnisse für den Haus- halt" hat beim Berliner Publikum derartigen Beifall gefunden, daß diese Ausstellung in den einzelnen Bezirken überall vor über- füllten Sälen stattfand. Aus diesem Grunde findet am Montag nachmittag in den Mila-Festsälen, Schönhauser Allee 120 eine Wiederholung der Ausstellung statt. Der Beginn der Ausstellung ist nachmittags 4 Uhr, der Vortrag, gehalten von Frau Geheimrat Schilling vom„Nationalen Frauendienst", um 1-0 und 148 Uhr. Der Eintritt zür Ausstellung ist für jedermann frei! Kleine Nachrichten. Ein gewerbsmäßiger Bettendieb, der schon lange und viel gesucht wurde, konnte vor einigen Tagen von der hiesigen Kriminalpolizei unschädlich gemacht werden. Er wurde er- wischt, als er einem Trödler wieder ein Bett verkaufen wollte. Der Verhaftete, ein Photograph E. aus Mannheim, gibt die 30 Dieb- stähle, die ihm hier in Berlin zur Last gelegt werden, zu. Er hat aber wahrscheinlich nicht nur hier die Betten, in denen er die Nacht im Hotel schlief, frühmorgens mitgenommen und verkauft, sondern wahrscheinlich im ganzen Reiche auf diese eigene Art„gearbeitet". Seine Spur führt nach Naumburg, Meiningen, Gotha, Erfurt, Mus öen Gemeinden. Aus der Gemeindevertretung in Adlershof. Die letzte Gemeindevertretersitzung beschäftigte sich mit einem Vorschlage, den Diätaren für die Kriegsdauer eine Gehaltszulage von 10 Proz. und den Gemeindearbeilern je nach Dienstalter und Leistung eine Zulage von 1 bis 2 M. wöchentlich zu gewähren. Genosse K l o d t verlangte eine gleichmäßige Zulage von 10 Proz. auch für die Gemeindearbeiter, da man in Anbetracht der großen Teuerung keinen Unterschied zwischen körperlicher und geistiger Tätigkeit machen solle. Der Antrag unserer Genossen auf gleich- mätzige Zulagen wurde abgelehnt,, der Vorschlag der Kommission angenommen. Die Zulagen sollen rückwirkend vom 1. Juli ab gezahlt werden. In die Kommission zur Vorbereitung der Ge- meindevorsteherwabl werden die Herren Warnicke, Kruse sowie Ge- nosse Klodt gewählt. Bei dieser Gelegenheit ersuchte der Schöffe H o f m a n n, in Zukunft von der Gepflogenheit, die Kommission paritätisch zu besetzen, Abstand zu nehmen, da die Abteilungen nicht immer in der Lage seien, diese Aemter zu besetzen. Genosse Klodt sowohl als auch bürgerliche Vertreter wandten sich entschieden dagegen. Für die Genossin Martin, die ihr Amt als Armenvorsteherin niedergelegt hat, wird Genosse Klodt in die Armenkommission gewählt. Der Antrag unserer Genossen, ein Mieteinigungsamt einzurichten, führte zur Verstärkung de? Aus- schusses durch die Vertreter Kalfnke, Mielke und Klodt. Rechts- anwalt Rosenbaum übernimmt den Vorsitz im Mieteinigungsamt. Die Frage der Kriegsbeschädigtenfürsorge rief cme längere Debatte hervor. Tie Orte Johannisthal, Nieder- schoneweide, Adlershof, Alt-GIienicke, Bohnsdorf, Grünau, Dahme- Forst und Müggelheim sollen zu einem Fürsorgsbezirk zusammen- gelegt werden, deren Gemeindevorsteher dann den Bezirksausschuß bilden. Den einzelnen Orten soll bei Bildung der örtlichen AuS» schüjse keine Beschränkung auferlegt werden. Genosse Klodt bemängelte diese Organisation. Die örtlichen Ausschüsse dürften danach Wohl die notwendigen Arbeiten erledigen, im übrigen aber hätten sie nichts zu bestimmen. Die Gemeinde» Vertretung solle deutlich zum Ausdruck bringen, daß man auch in der Provinz eine Organisation nach dem Muster Grotz-Berluis erwarte. Der Pachtvertrag des Freibades ist bis zum 1. April 1017 verlängert worden. Für Kricgswohlfahrtspflege werden 5000 M. neu aufgenommen. Ein Antrag unserer Genossen im Kriegsausschutz, für die ärmere Bevölkerung rechtzeitig Brenn- Material bereitzustellen, soll einer Prüfung unterzogen werden. Eine Beschwerde des Herrn Kruse über Indiskretion auS dem Kriegsausschuß gab unserem Genassen Klodt Gelegenheit zu er- klären, daß angesichts der großen Teuerung ernstlich an eine E» höhung der Mietunterstützung gedacht werden müsse. Mus alier Welt. Erhöhte Tätigkeit her italienische» Vulkane. Der Vesuv, der Aetna unö der S t r o m b o I i zeigen, wie die„Münchcncr N. N." melden, von neuem starke Tätigkeit. Am Aetna bildeten sich verschiedene neue Krater und südlich vom Vesuv wurden etwa zwölf Erdstöße verspürt. Niesige Dampf- und Rauchwolken, die von den drei Vulkanen ausgehen, sind von der See aus zu beobachten. Meldungen aus Catania besagen, daß sich große Lavaströme aus neuen Oeffnungen an der Ostseiie des Aetna ergössen, die das englische Kasino in Messina bedrohten. Die Bevölkerung sei stark beunruhigt und verlangt, daß die althergebrachten Prozessionen mit her Madonna della Lettera veranstaltet werden möchten. Die Atmo- sphäre Neapels sei erfüllt von Rauch und Asche.— Beim Stromboli wurden Flammcnausbrüche beobachtet, während die Lava sich in daS Meer ergoß. Erdstöße wurden in Brindisi und Tarent zuerst am Dienstag der vergangenen Woche gegen 3 Uhr morgens wahr- genommen. Die meteorologischen Instrumente im Vesuv-Obser« vatorium zerbrachen durch die Heftigkeit der Erdcrschütterungen. Holländische Getreideschiffe gestrandet.„Handelsbladet" meldet aus Hansweert: Die Schiffe„Na jade" und„Brede", mit einer Getreideladung für Belgien, strandeten bei Hoedens- kerke. Die„Najade" brach entzwei. Parteiveranstaltungen. Pankow. Die Mitgliederversammlung de? Wahlvereins findet am Dienstag, den 24. August, abends 81/, Uhr. bei Ebcrsbach, Berliner Straße 112, statt. Tagesordnung: Bericht von der außerordentlichen Kreis- konserenz. Nieder-Schöneweide. Die Monatsversammlung findet am Dienstag, den 24. August, abends S'ft Uhr, im Restaurant von Schulze. Brückcnstr. 15, statt. Tagesordnung: Bericht von der Krciskonserenz. Unsere Stellung zum Jugendheim. Oertliche Angelegenheilen. Jugenüveranstaltungen. Schöneberg. Heute nachmittag Besichtigung des Botanischen Gartens in Dahlem. Treffpunkt um 1 Uhr mittags am Kaiser-Wilhelm-Platz. Zrauenleseabenöe. Montag, den 23. August, abends Sll, Uhr: Erster Wahlkreis: Gemeinsamer Lestabend der 1.— 5. Abteilung Bei Dreßlcr, Altonaer Slraße 20. Vortrag der Genossin Luis- Zieh über: „Fürsorge für die Kriegsinvaliden und die Hinterbliebenen". Zweiter Wahlkreis in solgenden Lokalen: Wicuiers, Bülowstr. 58; Genosse Timm spricht über:„Unsere Aibeit unter der Jugend".— Borg- seid, Friesenstr. 4; Genosse Weimann über:„Unsere Arbeit unter der Jugend".— Frölich, Blücherstr. öS, Ecke Fonianestraße; Vortrag der Genossin Baader.— Löbrisch. Markgrafenstr. 73; Genossin Wurm über: „Unsere Arbeit unter der Jugend". Dritter Wahlkreis: Im Gewerlschaftshause, Saal 3. Vierter Wahlkreis: In nachstehenden Lokalen: Reichenberger Hof, Reichcnberger Str. 147; Vorwag des Genossen Klingler.— Im Vereins- haus Süd-Ost, Waldemarstr. 75; Vortrag des Genossen Ruf.— Bei Heinrich, Große Frankfurter Straße 30: Vortrag der Genossin Fahrenlvaid. — Andrcas-Festsalen, Andreasstr. 21; Vortrag dcS Genossen A. Wieloch.— Comeniussäle. Mcmelcr Straße 67; Vortrag des Genossen W. Wachs.— Prachtsäle des Ostens, Franksurter Allee 48; Vortrag des Genossen E. Eichhorn.— Elhsium, Landsberger Allee 40/41; Vortrag der Genossin M. Demmning. Sechster Wahlkreis: 12.. 13., 14. und 15. Abteilung gemeinsamer Lescadeud im Patzcnhofer, Turmstr. 26; Vortrag des Stadtv. Genossen Karl Leid über:„Die Zeitung im Kriege". Baumschulenwcg. Bei Erbe, Baumschulenstr. 14; Vortrag deS Genossen Schcsslcr über:„Die Frauen und die Kriegsinvalidensürforge". Cliarlottenburg. Der Leseabend findet oemeinsam im Voikshause, Rosinenstr. 4, statt. Referentin: Regina Ruoen. Friedenau. Bei Klabe, Handjerhstr. 60/61. Vortrag des Genosse» E. Meyer. Lankwitz. Bei Giegl, Ecke Seydlitz- und Kaiser-Wilhelm-Straße. Lichtenberg. I» solgenden Lokalen: 1. Viertel bei Rineckcr, Simon- Dach-Str. Sä. Vortrag des Genosse» A. Richter.— 2. Viertel bei AWG «»iNmn«tinficn. Dieser hofscn wir Ende September die vierte Rate und Ende Okiober den Rest folgen lassen leilung bringen. Dieser liossen wir Ende September die vierte Rate nnd Ende Okiober den Rest folgen lassen zu können. Wir find zwar bemüht, die Zeichner tobald als irgend möglich in den Belitz der gezeichneten Stücke zu bringen; trotzdem dürfte aber die Schlußverteilnng vor dem genannten Zeitpunkt leider nicht möglich lein, weil un« der Rest der S nicke wegen der mit der Herstellung uiid RnSsertigung von annähernd 7 Millionen Schuldverschreibungen und Schatzanweisungen und ebenso vielen ZinSschcinbogen verbundenen übergroßen Arbeit nicht früher geliejcrt werden kann. Wir richten daher an die Zeichner die Bitte, auf die durch die gegenwärtigen Zeitverhältnisie geschaffene Lage Rücksicht zu nehmen und sich vorläuiig mit der Mitteilung ihrer Äermittelung«- stille, daß die Zeichnung für sie getätigt und der Gegenwert gezahlt ist, zu begnügen. Berlin, im August ms. Keichsbank- Direktorium. H a v e n st e i n. v. G r i m m. SM/10 freireligiöse Gemeinde Da das Lokal.Alt-Berlin-' geschlossen ist, wird unsere mtglteder- Tcrsanimlnng; am Mittwoch, den 25. August, abends S'/t Uhr, nicht dort, sondern bei Frlt« Wilke. Sebastianstr. 39, abgehalten, 63/2 T.-O.: 1. Bericht dos Vorstandes, 2. Ersatzwahl für Revisoren. 3. Terschiedenes. Mitgliedskarte ist vorzuzeigen."919 Kleine Frankfurter Straße 6: Jeden Sonntag vorm. lO3/, Uhr; Vortrag. Am Sonntag, den 22. Aug., Herr A. Fischer;„Kultur und Barbaren". ,,„ 29.„„ ll. Däumig:.Keligiöse Ideen bei Wilhelm Weitling. ,„„ 5 Sept.,„ E. Rotler:„Theorien der Weltanschauung". ,, 12.„„ Dr. C. Schmidt:.Heber den menschlichen Verstand". Am 19. und 2ti. September im ,, Berliner Sladthaussaal":„Jugendweihe". Spezialarzt Kranzspenden sowie sämtliche ßlumenarrangementd liefert schnell und billig Foul tjlros», Undenstr. 69, Tel.MpI.7203. Dr. med. Wockenfnß, Friedrichstr. 126(Oranienb. Tor), (Ur Syphilis. Harn- u. 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Vlerlcl bei Hätz, Möllendoristratzc, Ecke Partauc.— Dl« angetündlgten Vortrüge behandeln überall das Thema:.Frauen und Gewerkschaft". Martendorf. Bei Bcnschcck, Chaussccstr. 27. Vortrag de» Genossen Ad. Ritter über:.Die gcsristichc Fürsorge für KriegSkeilitehntcr und deren Hinterbliebenen". Oberschöncweidc. Fm Restaurant O. Pamp, Wilhelminenhosstr. 42. Vortrag des Genossen Olto Glöckner. stfeinickendors-West. Im Jugendheim. Wachholderslr. 4t. Bericht von der Fraucnkonsercnz. Referent Genosse Brühl. ?egel. Bei Mcsscrknccht, Schllepcrstr.>14. Resercni Genosse Adolf Hoffmann. tWeiffensce. Im Lokal von Beukect, Berliner Allee 251. Dienstag, den 24. Auguü, abends 8'/, Ubr: Johannisthal. Bei Heidrilb. Friedrichstr. Iva. Tagesordnung: „Mannschasttversorgiing und HiiiterSliebenciircnle". Mittwoch, den 123. Sluguft, abends 8'/« Uhr; Reinickendorf-West. Im Jugendheim, Wachholderslr. 44. Vortrag deS Genossen Lcrter. Sriefkasten üer NeSaktion. Tie iur istisch« Evrechstunde findet für Abonnenten Lwvenstr. z. tv. Hol rechts, vorterr«. am Monla« bis Freitag von 4 dt« 7 Utzr, am Sonnabend von s»t» 5 Uhr statt. Jeder für den B r 1« f t a fl e n bestimmten Anfrage ist ein Buchstab« und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Antragen, denen keine AbonnemenlSauitlung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor.»ertrüge, Schriftstücke»nd dcrglrichen bringe man in die Siirrchstiinde mit. Nr. 5561 B. Zur Feuerwerkerlausbahn werden nur Unteroffiziere der Artillerie zugelassen. Sie mutzten also bei einem Artillcriercgimeut kapitu- lieren; die Anmeldung erfolgt dann durch den Truppenteil.— Emi. Frei gewährt wird Wohnung. Belöjtigung und Kleidung, nur Wäichc müssen Sie selber mitbringen. Monalliche« Taschengeld anfangs 10. später 15 M. — F. G.»7. Hat nur Liebhaberwert. Wenden Sie sich an einen Miinzenbändler. Ädresseu derselbe» finden Sie im Adrctzbuch, 2. Band, Teil 4, S. 397.— P. 2. 6. Schreiben Sie um Auskunlt an das Ersatz- bataillon. dem Ihr Sohn zugeteilt ist. Sollle poy dort leine positive Ant- wort erfolgen, so wenden Sie sich an die Austunstsstclle des Krieg«. Ministeriums. Dorothecnstr. 48.— P. 18. Damit müssen wir Sie an den Arzt verweisen.— E. 2. 164. In dieser sachc sind mit den Kcwerk- schalten Abmachungen getrosten worden. Sie haben sich daher an die betreffende Organisation zu wenden.— C. R. 99. Rein. — N. 390a. Leben beide Eltern, so sind diese allein erbberechtigt.— P. H. 1229. Eine solche Verordnung bcslcbt nlrbt. E« ist das in das Belieben der Militärbehörden gestellt.—'W. 34. Sic müssen Ihrer Frau eine Vollmacht ausstellen und diese polizeilich beglaubigen lassen.— SOI. 31. 82. Wegen Krankheiten des LomPhshstemS zurückgestellt; wegen Kranlheiteu des Ncrvenshstcms zurückgestellt.— E. T. 109. Wenn der Versicherte Angehörige ganz oder überwiegend nnterhaltcn hat. so hat er Anspruch aus Hausgeld.— N. N. 21. Sie müssen die Nachlatz- regulicrimg beim Amtsgericht beantragen. Sind Sie dann als Erbe an- erkannt, so kann die Uebcrlragung des Grundstücks aus Ihren Namen er- solgcn.— 3liina 63. Soweit der Lohn 2000 W. jährlich übersteigt, ist er für diesen Schadcncriatz Psändbar.— K. H. 6. Wenden Sie sich an Herrn Direktor Platz, Erziehungsanstalt„Änr Urban" in Zehlcndorj. — H. 35. 3000. Da der Mann aktiv dient, wird Unterstützung nicht zahlt.— 315. G. 32. Der Antrag ist an dem Orte zu stellen, von dem die Einbeziehung des Vater« zum Militär erfolgte.— 35.®. 36. Die Arniendircktion kann Rückzablnng verlangen.— 30. 2. 100. Wegen Krampfadern dicnstunsähig. Wenn das Gesetz nicht geändert wird, werden Sie nicht mehr eingezogen.— 95. 315. 87. Blatisutz, landst urmpflichlig.— — P. D. Das Haus kann um 9 Uhr geschloffen werden, ebenso braucht auch die Treppe nach 9 Uhr nicht mehr erleuchtet zu sein.— E. K. Das Testament kann in der von Ihnen angegebenen Art ausbcwahrt werden. ES ist aber anfechtbar, wenn die Kinder enterbt sind, da ihnen nach dem Ee« setz zum mindesten ein Pflichtteil zusieht.— P. 26. 400 Mark jährlich. Nr. 281. 32. ZahrMg. 3. Wim des Jotiüärts" Kcrlim Zollutlig. 22. Avgust li)15. Reichstag. IS. Sitzung. Sonnabend, den 21. August, nachmWags 2 Uhr. Am Bundesratstisch: Delbrück. Vor Eintritt in die Tagesordnung erklärt Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Der Herr Präsident hat gestern bei der Gesamiabstimmung über den Nachtragsetat, das ist die Kriegskreditvorlage, erklärt, dast, soweit er sehen könne, die Annahme einstinnnig erfolgt sei. Ich stelle demgegenüber fest, daß ich bei dieser Abstimmung, der einzigen, an der ich teilzunehmen imstande war— übrigens auch der einzigen politisch wichtigen—, selbstverständlich wieder gegen die Kriegskreditvorlage gestimmt habe.(Große Heiterkeit. Lärm und Zurufe.) Auf der Tagesordnung stehen die Anträge und Resolutionen der Budgetkommission und der Äbgg. Albrecht und Genossen(Soz.) zur Ernährnngsfrage. Die Kommisston, in deren Namen Abg. Graf Westarp(k.) refe- riert, beantragt, den Reichskanzler zu ersuchen, eine Zentralstelle für Lebensmittelversorgung zu schaffen und in dieselbe Mit- glieder des Reichstags unter Berücksichtigung der Stärke der Frak- tionen zu berufen. Weiter sollen die Verbündeten Regierungen ersucht werden, durch Bundesratsvcrordnung bei geringen Ver- gehen und Verstößen gegen die wirtschaftlichen Maßnahmen an Stelle der durch das Belagerungsgesetz bestimmten Gefängnis- strafen Geldstrafen und Haft für zulässig zu erklären. Die Abgg. Albrccht und Genossen(Soz.) beantragen, den Reichskanzler zu ersuchen: 1. Zur Versorgung der Bevölkerung Deutschlands mit Nah- rungsmitteln usw. schleunigst eine Zentralstelle für Lebensmittel- Versorgung beyn Bundesrat zu schaffen unter Hinzuziehung eines Beirats, der aus vom Reichstag ernannten Mitgliedern besteht. Die Zentralstelle erhält das Recht, Lebensmittel zu be- schlagnahmen und zu enteignen, um sie den Kommunalvcrbänden zu überlassen. 2. Den mit der Preisfeststellung der Lebensmittel betrauten Kommunalverbänden die Befugnis zu erteilen, von tm bei der Bildung der Preise beteiligten Produzenten, Groß- und Klein- Händlern, über die der Preisbildung zugrunde liegenden Tat- fachen sowie von den Verbrauchern über ihre Vorräte Auskunft zu fordern. Verweigerung der Auskunft oder unrichtige An- gaben sind unter Strafe zu stellen. 3. Das im§ 1 der Verordnung des Bundesrats gegen übermäßige Preissteigerung vom 23. Juni 1915 vorgesehene Verfahren der Uebertragung des Eigentums von Gegenständen des täglichen Bedarfs neben den von der Landeszentralbehörde bezeichneten anderen Organen den Komunalbehörden zu über- trägem 4. Dafür zu sorgen, daß eine Herabsetzung der Getreidepreise uud eine entsprechend niedrige Festsetzung von Mehlhöchstpreisen stattfindet. 5. Daß für Kartoffeln eine ähnliche Verteilungsorganisation geschaffen wird wie für Brotgetreide und der Zentralstelle für Lebensmittelversorgung unterstellt wird, wobei die Aufbewah- rung der beschlagnahmten Mengen zum größeren Teil den Ver- brauchern überlassen werden kann. ö. Daß Höchstpreise mit Anpassmrg an die letzten Jahre vor dem Krieg, an die Produktionskosten, aber auch an die Zahlungsfähigkeit der minderbemittelten Bevölkerung mindestens für Fleisch, Milch, Fette, Hülsenfrüchte, Gemüse und Obst fest- gesetzt und den Gemeinden �ie Schaffung einer Hilfsorganisation zum Kauf dieser Gegenstände erleichtert wird. Die Kommission beantragt, diese Anträge sowie eine Reih« weiterer über dieselben Gegenstände, über Vermehrung des Aus- mahlungsvcrhältnisscö von Brotgetreide, über angemessene Höchst- preise für Saatgut, Verkehr mit Gerste, Sorg« für die arbeitslos werdenden Textilarbeiter und Arbeiterinnen usw. den Verbün- beten Regierungen als Material zu überweisen. Abg. Dr. Quarck(Soz.): Um die Landwirtschaft kümmert sich das Reich ganz autzerord entlich, es liefert billige und gute Arbeitskräfte durch die Kriegsgefangenen, die Militärverwaltung hat Militär- vespanne zur Ackerbestellung zur Verfügung gestellt, das Reich zahlt den Landwirten auch gute Preise. Trotzdem wird aus landwirt- fchaftlichen Kreisen geklagt, wenn der sächsische Landeskulturrat ß. B. über niedrige Getreidepreise klagt, so ist das sicherlich nur «in Ausfluß von Patriotismus, denn mittels der höheren Preise will er sicherlich nur dafür sorgen, daß mehr Kriegsanleihe gezeichnet werden kann.(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Den Haferpreis hat der Bundesrat eben erst um nicht weniger als 399 M. erhöht; die Heeresverwaltung zahlt daher für den von ihr benötigten Hafer 399 Millionen Mark. d. h. 899 Milliinc« Mark mehr, als den erhöhten Produktionskosten angemessen wäre.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.)— Diese erhöhten Summen sollen den Landwirten offenbar deswegen gegeben werden, weil sie für Futter- mittel mehr aufzuwenden haben. Man sieht also für diesen Teil der Bevölkerung, welcher liefert, ist gut gesorgt. Dem anderen Teil der Bevölkerung, demjenigen, der nicht liefert son- dern verzehrt, geht eS desto schlimmer. Auf ihn könnte man mit einer Veränderung des Dichterwortes sagen:„Weh Dir daß Du nur Käufer bist".(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.)' Aus den Kreisen der staatstreuesten Männer erschallen jetzt Klagen über diese Bevorzugung der Agrarier, denn auch in den staatstreuesten Kreisen fangen die Frauen an, ihre Männer aufzureizen. Aus den Kreisen des W e h r v e r c i n s erschollen Rufe wie:„schamloser Wucher",„Preistreiberei",„wucherisches Handeln",„Umgehung der Bundesratsverfiigungen über die Höchstpreise",„Feinde des Vaterlandes, die unschädlich gemacht werden müssen". Der West- deutsche Arbeiterverein kommt aus den Zusammenstellungen von Arbeiterbudgets zu dem Schluß, daß es in den Haushalten der Arbeiter an Fleisch, Fett und Milch fehlt, daß der Kochkunst der Hausfrau Fesseln angelegt sind, daß ihr Kochen nur ein Verlegen- hettstochen ist. Durch die hohen Preise ist ein Mangel an Kar- toffcln, an Gemüse, an Obst hervorgerufen. Die Feststellungen des Westdeulschen Arbeitervereins sind die härteste Kritik der mangel- haften Maßnahmen unserer Nahrungsmittelversorgung. Wenn man zu solchen Resultate» kommt, mutz es sehr traurig um die Nahrungs- mitte'versorgung stehen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Verschiedene Erlasse der Militärbehörden haben die Richtigkeit der furchtbaren Anklagen bestätigt. Die Erlasse werden wohl wenig praktische Wirkung haben, aber sie sollen der Bevölkerung sagen, wie sehr die Regierung die niederträchtigen Preistreibereien miß- b'll'gt. Mit Mißbilligung allein ist es freilich nicht getan, wenn der Mißbilligung nicht auch die Taten folgen. Der Gouverneur von Köln bezeichnete das Verhalten der Lebensmittelwucherer als vitcrlandSfeindlich. Konnte mehr der Brandmarkung geschehen? Wie kommt es, daß die Teuerung weiter und weiter steigt und immer weitere Kreise umfaßt? �aS kommt daher, daß auf dem Gebiet der Wirtschafts- Politik rm Verlauf des Kampfes sittliche Werturteile auf das Hon- dein der Menschen so gut wie einflußlos bleiben. Es kann hundert- mal festgestellt werden, das ist ein Wucherpreis, es bleibt ohne jeden Einfluß.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Bei Ausbruch des Krieges waren Hunderttausende bereit, als Frei- willige ins Feld zu stehen und ihr Leben in die Schanze zu schlagen, aber wir haben nicht einen einzigen Kriegslieferan- ten gesehen, der bereit war, auf Gewinn zn verzichten.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Das ist eine Tatsache, die nicht allein Deutschland eigentümlich ist, sondern die wir überall treffen. Es gilt den Tatsachen ins Gesicht zu schauen. Wo so furchtbare An- klagen über Wucherpreise erhoben werden können, da fehlt es eben an der notwendigen Ausdehnung der Zwangsorganisation der Lebensmittelversorgung, deren Loblied eben Graf Westarp gesungen hat, für die aber er und seine Freunde in der Budgetkommission nicht zu haben waren.(Sehr richtig!) Meine Freunde bedauern auf das tiefste, daß die Verhandlun- gen der Kommission zu keinem Fortschritt geführt haben. Die Regierung ist jede Zusage eines Ausbaues der Nahrungsmittelorganisation schuldig geblieben, und die große Mehrheit der Kommission hat sich damit begnügt, die Schaf- sung einer Zentralstelle für Lebensmittelversorgung zu fordern, in der auch Vertreter des Volkes mittätig sein sollen. Die Regierung sollte froh sein, wenn sie große Kreise von Konsumenten zur Mit- Verantwortung heranziehen konnte.(Sehr richtig!) Diese Mit- Verantwortung würde vielleicht auch einzig und allein geeignet sein, gewisse landwirtschaftliche Einflüsse zu kompensieren. Es liegt nur ein einziger greifbarer Beschluß der Kommission vor, von dem zu erwarten ist, daß die Regierung ihn verwirklicht, alle übrigen Organisationsvorschläge dagegen sollen der Regierung lediglich als Material überwiesen werden, d. h. die Kommission verzichtet dar- auf, die Regierung an die notwendigsten Maßnahmen zu binden und sie darauf zu verpflichten, so daß die Verantwortung für die Nichtausführung bei der Regierung läge. Da appellieren wir nun an das Plenum als letzte und höchste Instanz: Helfen Sie uns, das was unbedingt sein muß, damit die schlimmsten Anklagen aus der Tiefe verstummen, so festzulegen, wie wir es in unserer Resolution vorschlagen. Diese Vorschläge sind der knappste Auszug einer Liste von Maßregeln, die unum- gänglich notwendig sind, die sich beschränken auf die Wahrung des einfachsten und elementarsten Nahrungsstandes der Bevölkerung, die nichts wollen, als die Familien unserer unvergleichlichen Kämpfer vor Unterernährung zu schützen, also auch unsere Wehr- kraft zu erhalten.(Sehr gut! links.) Es ist kein Zufall, datz�wir bei unseren Forderungen so viel mehr Militärs auf unserer Seite haben, als Vertreter der Zivilverwaltung. Die Militärs wissen, was aus dem Spiele steht,(«ehr richtigl) Wir wollen ausbauen und verbreiten, wozu sich die Regierung nach einer Seire erst so spät entschloß, was sich aber so vorzüglich bewährt hat, die Durch- organisatron der Vorratsbeschaffung und Verteilung beim Brot- gctreide. Wir wollen sie ausdehnen auf Kartoffeln, Fleisch, Milch. Fette, Hülsenfrüchte, Gemüse und Obst. Wo ist in diesem Hause, wo ist in der Bevölkerung ein einziger ernstlicher Einwand dagegen gehört worden, daß bei diesen Gebrauchsgegenständen das nicht geht, was bei Mehl und Brot recht gut gegangen ist. Mehl ist ge- wiß ein diffiziler Artikel, seine Aufbewahrung und sein Transport wollen wohl verstanden sein. Und doch ist die Zwangsorganisation mit den Kommunalverbanden zusammen erfolgreich durchzuführen gewesen bis zur Brotration herunter. Die hiermit gemachten Er- fahrungcn ermutigen direkt zur Organisation der Verteilung der von uns vorgeschlagenen nötigsten Nahrungsmittel; die Oualitäts- unterschiede und die Behandlungen machen keine größeren Schmie- rigkeiten als dort.(Sehr wahr! links.) Nur Entschlossenheit und Einsicht in die UnHaltbarkeit der freien Handelskonkurrenz mit ihren wucherischen Wirkungen sind nötig, sonst nichts. Dann geht es ebensogut wie beim Brotgetreide und mit dem- selben Erfolge.(Sehr richtig! links.) Beim Brotgetreide schreien die Verhältnisse nach einer Herabsetzung der Spannung zwischen Getreide- und Mehlpreise. Der Mehlwuchcr kann von der Regierung durch«inen Federstrich eingeschränkt werden. Die ältesten Völker haben den Schutz vor Uebcrwuchcrung in der Browährung als das Heiligste angesehen, was sie in dieser Welt für die Massen zu tun hätten. Die Bibel wimmelt von Aeußerungen alter Könige und alter Propheten gegen den Brot- Wucher.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wollen wir da versagen, wo die Häupter unserer Familien kriegerischen Schreck- nissen trotzen müssen, gegen die der Kriegstrubel früherer Zeiten nur«in Kinderspiel war.(Sehr gut! links.) Aus dem Taunus wird mir geschrieben, daß dort bereits ein Notstand eingerissen, das) die Familien schon seit einigen Tagen keine Brotkruste mehr im Hause haben.(Hört! hört! links.) Wenn da eine Erhöhung der Zusatzration für die schwer arbeitende Bevölkerung nicht nur, sondern auch für die heranwachsende Jugend und für die Mütter beschlossen wird, so ist das wahrhaftig nicht zu viel verlangt.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Von den übrigen Lebensmitteln lassen Sie mich nur drei herausgreifen, Gemüse, Fleisch und Kartoffeln. Die ungeheure Gemüscteuerung mutz durch ähnliche Organisationen bekämpft werden, wie wir sie beim Brot gesehen haben. Weißkohl kostete in Berlin Mitte Juli vorigen Jahres im Großhandel 4,59 M. das Schock, im Juli dieses Jahres 17,59 M. und auch heute beträgt der Preis noch 11,59 M. (Hört! hört!) Dabei haben wir in Friedenszeiten Weißkohl aus- geführt. Inzwischen ist die Parole ergangen, mehr Gemüse zu bauen, es ist. auch mehr gebaut, aber trotzdem diese ungeheure Preis- steigerung. Das Schweinefleisch ist heute doppelt so teuer, wie vor einem Jahr. Warum? Weil die Viehpreise dreimal so hoch sind. Auf dem Berliner Schlachtviehmarkt kosteten Schweine im Lebend- gewicht von 199 bis 129 Kilogramm für 199 Kilogramm im Juli 1914 87,39 M., im April 1915 198 M. und am 18. August bereits 276 M.(Hört! hört!) Wir hatten nach der Zählung vom 15. April 16)4 Millionen Schweine, heute haben wir 19 bis 29 Millionen. Damals war infolge des gesetzlichen Zwanges der Städte. Schweine zu kaufen, die Nachfrage groß, heute ist sie sehr gering. Damals waren die Futtermittel teuer, beute, wo die Schweine aüf der Weide sind, ist die Fütterung billig, aber die Preise sind hoch, eben weil die Fütterung billig ist und weil die Landwirte infolgedessen ohne Not die Schweine zurückhalten können.(Widerspruch rechts, Zustimmung links.) Wir müssen dafür sorgen, daß die Tiere nicht mehr statt der Menschen das fressen, was den Menschen vorbehalten bleiben soll. Ohne Be- schlagnahme der zur menschlichen Ernährung für ein Jahr er- forderlichen Kartoffeln gleich nach der Ernte sehe ich keine Mög- lichkeit, die Kartoffel der Viehfütterung zu entziehen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Heute macht man sich vielfach über diejeni�n lustig, die im Winter und Frühjahr die Beschlagnahme gefordert haben. Warum? Weil wir auch ohne dem ausgekommen sind. Aber w i e sind wir ausgekommen? Die Be- völkerung hat schlechte und teure Kartoffeln bekommen und muß außerdem noch die Reports an die Kartofselbauern bezahlen, die 59 Millionen Mark betragen. Wäre die Beschlagnahme rechtzeitig erfolgt, so hätten wir die 59 Millionen gespart und vor allem lsttte die Bevölkerung dauernd preiswerte Kartoffeln gehabt.(Sehr richtig! links.) Soll denn aus den Vorgängen des vorigen Jahres nichts gelernt werden? Das was bisher geschehen ist, schützt uns wiederum nicht vor einer Kartofselteuerung, die katastrophal wer- den kann. Ich bedauere das um so mehr, als, soweit ich beurteilen kann, unserem Vorschlag, die vollständigste Organisaston auf dem Karwffelmarkt heute schon zu treffen, alle bürgerlichen Parteien mit Ausnahme der Konfervatrven geneigt waren. Wenn diese Uebereinstimmung zwischen den Hauptparteien des Reichstags möglich war und die Regierung trotzdem den Weg nicht beschreitet. so bleibt in der Tat die Verantwortung für die Verteuerung der Lebensmittel in voller Schwere auf der Regierung.(Sehr richtig!) Ich habe mich gegen alle halben Maßnahmen gewendet, die lediglich darin bestehen, bestenfalls Höchstpreise festzusetzen, die schließlich Mindestpreise werden, und die Städte zu Maßnahmen auf dem Gebiet der Lebensmittelversorgung auf ihre Kosten zu bewegen. Bedenkt man denn nicht, unter wie ungeheuren Be- dingungen die Gemeinden die Lebensmittel bezahlen müssen und welcher Wettlauf auf dem Lcbensmittelmarkt zwischen ihnen statt- findet? Das ist das System der Abwälzung aller wirtschaftlichen Maßnahmen organisatorischer Natur auf die Gemeinden. Die können ja bezahlen, die können das Risiko tragen. In der Kommifsisn sagte man im Grunde, die Landwirt- schaft kann nicht billiger liefern, weil die Futtermittel kaum erschwinglich sind. Es ist eine seltsame Schlußfolgerung, daß auch die pflanzliche Menschennahrung teuer sein müsse, weil man die Viehnahrung nicht billig beschaffen kann. Aber bei den Kartoffeln haben wir gesehen, daß die vegetabilische Nahrung dem Menschen entzogen und dem Vieh zugewandt wurde und daß sie daher im Preise gewaltig stieg oder sogar ganz fehlte. Dann organisiere man aber doch den Viehstand, die Vieh- zucht und die Futtermittel. Auch der erste Beigeord- nete der Stadt Köln, Adenauer, forderte in der„Kölnischen Zeitung" eine Durchführung des Gedankens der Zwangsgemeinwirtschaft; denn eine systematische Verteilung der Futtermittel ist nur möglich, wenn das Eigentum an ihnen den einzelnen entzogen wird. Es geht eben auch hier nicht ohne ordnendes und gründliches Ein- greifen. Oder sollen die Tiere die Menschen auffressen? Denn darauf kommt es hinaus, wenn sie uns die Nahrung wegnehmen. Nun sind aber die Großproduzenten in der Hauptsache nicht zugleich Vieherzeuger, mindestens nicht Schweinezüchter. Das besorgen die kleinen Landwirte. Es handelt sich also um zwei getrennte Per- sonenkreife. Di« hohen Futtermittelpreise belasten ja nicht die Großlieferanten von Brotfrucht, die vielfach mit Motoren statt mit Tieren arbeiten. Und doch wird die Futtcrmittelteuerung als Grund für die hohen Brotpreise vorgeschoben. Dürfen Angehörige derselben Nation, die vom gleichen Feinde bedroht sind, solche Vor- wände gegen einander benutzen? Aber da helfen keine Mahnungen, da helfen nur feste Eingriffe. Warum fehlt der Regierung die Kraft dazu? Sollen sich die Wochcnmarlt- krawalle vermehren und zu einer großen Bewegung auswachsen, und zwar zur Schadenfreude des Auslandes? Unser Wunsch ist das nicht. Die Sozialdemokratie wünscht nicht solche Verbitterung, sondern will, daß zeitig eingegriffen wird, um wirksame Abhilfe �zu schaffen. Dahin zielen auch unsere Anträge. Zwei der Anträge wünschen eine Besserung in der Preisfestsetzung und wenden sich gegen den Wucher. Ich empfehle diese Anträge als das Min- destmaß dessen, was den Gemeiirdevcrwaltungen bewilligt werden muß, wenn man ihnen die Fürsorge für die NahrungSbcschaffung übergeben will. Ich füge hinzu, daß, wie die Gewerkschaften bei den sozialpolitischen Maßnahmen mitgearbeitet haben, die Konsum- vereine bei der Nahrungsfürsorge der Gemeinden sich betätigt haben, und daß die Negierung daher wohl daran täte, der Leitung der Organisation der Konsumvereine einen Einfluß bei der Nah- rungsmittelfürsorge zu gewähren. Man sagt, im Ausland sind die Preise noch höher. Das kann uns nicht tangieren, wir haben dafür zu sorgen, daß hier bei uns alles getan wird, was möglich ist. Das Zauberwort„Orga- nisatiou" erklärt unsere großen militärischen Erfolge. Es gibt beim Heer keine Ausnahme von der Unterordnung unter den großen Kriegszweck. Warum soll es daheim Ausnahmen geben? Ist die billige und ausreichende Volksernährung nicht ebenfalls ein wichtiges Sstick unserer Landesverteidigung? Warum zieht die Regierung also nicht endlich die Konsequenzen? Warum zwingt sie die Gewinnsucht nicht endlich kräftig unter das Gebot der Stunde? Auch hier muß gebrochen werden, was sich nicht biegt I (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Es ist nicht richtig, daß dabei von irgend jemanden Geldopfer verlangt werden. Es soll nur jeder mit seinem Geschäft eingefügt werden in die Verteidigungsorganisation, und er soll die Gesetze dieser Organisation beobachten. Wirkliche Opfer bringen Millionen von Frauen und Müttern, die ihre Liebsten ins Feld schicken und zu Hause ihre LebenÄhaltung einschränken. Draußen droht der Tod demjenigen, der sich außer der Reihe stellt. Soll daheim die Bevölkerung aufgebracht werden dürfen durch Not und Unter- ernährung, bis sie sich statt des Staates zur Vollstreckung an den- jenigen aufwirft, die hier außer der Reihe verdienen wollen? Das soll die Regierung mit rechtzeitigen Maßnahmen vermeiden helfen. Gestern klang dieses Haus vom Jubel über frische, herrliche Siege im Osten und über die Annahme der letzten finanziellen Vor- kehrung zur Landesverteidigung. Aber noch herrlicher, noch schöner würde der Tag sein, an dem von draußen, außer dem Hause, Jubel in dieses Haus hereinklänge, der ehrliche Jubel der Massen dar- über, daß alle Nahrungsnot gebannt sei, die jetzt als Gespenst herumgeht, daß sie gebannt sei, weil unsere Nahrungsmittelorga- nifation vollendet wäre, wie ein einfacher, aber zweckentsprechender Volkspalast für die Familien der beispiellos tapferen deutschen Krieger.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. GieSberts(Z.): Wir müssen dem Volke die nun einmal notwendigen Opfer so leicht wie möglich gestalten. Aus den Klagen über Mißstände darf nicht geschlossen werden, daß. der Wille zum Durchhalten nicht vorhanden sei. In der Verurteilung der Mißstände auf dem Ge- biete der Lebensmittelversorgung und der Verurteilung des Lebensmsttelwuchers sind Regierung und Parteien einig. Aber wir müssen uns gegenwärtig halten, daß eine leistungsfähige Landwirtschaft uns auch nach dem Kriege notwendig ist. Ohne sie hätten wir den Krieg nicht führen können. Die Führer der Landwirtschaft verurteilen auch manche Vorkommnisse auf dem Lebens- mittelmarkt.(Bravo! rechts.) Aber einzelne Vorkommnisse sollen nicht verallgemeinert werden.(Zustimmung rechts.)— Wir haben in der Kommission beantragt, ein Lebensmittelamt einzurichten, in dem auch Mitglieder des Reichstags der Fraktionsstärkc eist- sprechend sitzen. Dieser Antrag geht weiter als der sozialdcmo- kratische, der lediglich einen Äeirat für den Bundesrat fordert. Durch ein solches Lebcnsmittelamt, wie wir es wünschen, würde der Regierung ein gut Teil der Verantwortung abgenommen.— Weiter wünschen meine Freunde, daß die einzelnen Gemeinde« nicht nur das Recht Hachen sollen, Höchstpreise für Mehl festzusetzen, sondern die Verpflichtung. Ueberschüsse sollen die Kommunal- Verwaltungen bei der Lebensmittelbeschaffung nicht machen; geschieht es doch, so sollen die so gewonnenen Mittel für Kriegsuntcr- stützungen verwendet werden.— Bei der Kartoffelversorgnng dürfen die Fehler des vorigen Jahres sich nicht wiederholen. Der i Prozentsatz von Kartoffeln, der zur menschlichen Ernährung not- : wendig ist, sollte von vornherein bei den Landwirten beschlag- ! nahmt werden, und zwar zu ermäßigten Preisen. Kartoffeln und � Brot müssen der Bevölkerung ausreichend und billig zur Verfügung ! gestellt werden. Tann werden 99 Proz. der vorhandenen Erbitte- � rung verschwinden. Wenn ein Kartoffelpreis von 5 M. pro Zent- i ner für notwendig erklärt wird, so hörte jede Diskussion auf.(Zu- i stimmung links.) Redner schildert, wie enorm die Preise der ! meisten landwirtschaftlichen Produtte gestiegen sind. Es ist un- ; verständlich, daß die Regierung das hat einfach so gehen lassen.— | Sehr bedauerlich waren auch die Erscheinungen auf dem Obst- , markt. Es ist unerhört, daß Obst in Massen unter Deckadressen ! nach der Schweiz und Holland verkauft worden ist, während hier � Mangel herrschte. Von Holland ist das Obst zum großen Teil sogar nach England gegangen.(Hört! hört!)— Die Nahrungs- mittelversorgung der heimischen Bevölkerung ist eins unserer wich- tigsten Verteidigungsmittel im Kriege.(Bravo! im Zentruur.) Bundeskommisiar Dr. Müller: Die Behauptung, daß deutsches Obst über Holland nach Eng- land gegangen sei, tauchte zuerst in der„Frankfurter Zeitung" auf. Die Regierung ging ihr nach und stellte fest, daß es nicht der Fall gewesen ist. Nach der Schweiz ist Obst gegangen, und Ztvar Kirschen, wir haben aber aus der Schweiz in stärkerem Maße Erdbeeren erhalten. Die Behauptung, unsere Zollbehörden an der holländischen� Grenze haben ein Auge zugedrückt, ist vollständig unzutreffend. � Schmuggel kann trotzdem vorgekommen sein, daß er aber in größerem Umfange vorgekommen ist, ist bei der Wach- saiykeit unserer Zollbehörden und unserer Militärverwaltung völlig ausgeschlossen. Staatssekretär Dr. Delbrück: Der Abg. Giesberts hat viel von dem weggenom m e n, was ich gegen den Abg. Dr. Ouarck auszu führen hätte. Es handelte sich bei Kriegsbeginn, nachdem die Grenzen geschlossen waren, um eine vollständige Wiederbelebung des Wirtschaftslebens, um eine Wiederbelebung von Handel und Gewerbe, von Industrie und Landwirtschaft, es handelte sich um eine sachgemäße Regulierung des Arbeitsmarktes, um die Fest stellung der verfügbaren Betriebsmittel, ihre sachgemäße Verteil lung und Verwendung, es handelte sich endlich nicht nur für die Betriebsmittel, sondern auch für die Nahrungsmittel, um eine sachgemäße Regelung des Verbrauchs unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der der Heeresverwaltung und der Zivilbe- völkerung. Hand in Hand damit mutzte gehen— ich habe das von Anfang an als eine der vornehmsten Aufgaben der Reichsleitung angesehen— die Fürsorge für die Er nährung der Bevölkerung und die Sicherstellung der erforderlichen Nahrungsmittel. In dem Matze, wie sich die Wiederbelebung des Wirtschaftslebens, wie sich die Verbesserung des Arbeitsmarktes vollzog, wurden die Maßnahmen für die Ernährung der Bevölke rung in wesentlichen Grenzen erleichtert. Immerhin aber liegt in der Aufgabe der Wiederbelebung der Produktion auf der einen Seite und der Ernährung der Bevölkerung auf der andern Seite ein gewisser Interessengegensatz, der klar zum Ausdruck kommt überall da, wo die Gegensätze zwischen Produzenten und Konsumenten zutage treten. Nun wissen wir, daß die Schwie« rigkcit der Nahrungsmittewersorgung nicht in der Be schaffung der erforderlichen Mittel liegt— die sind da, das wissen wir. Wir hatten sie im vergangenen Jahre und wir werden sie auch in diesem Jahre haben.— Die Schwierigkeiten liegen vielmehr in der Preisbildung, in der Preissteigerung, die ja jeder Komplikation auf wirtschaftlichem Gebiete zu folgen pflegt. Wir mutzten uns sagen, daß wenn wir in eine R e g u lierung der Preise von Reichs wegen in irgendeiner Form eingreifen, die Preise aus natürlichen Gründen höher sein müssen als früher. Ter erschwerten und verteuerten Produktion müssen in gewissen Grenzen die Preise folgen, wenn wir nicht die Produktion zum Erliegen bringen wollen; ohne sie könnten wir aber nicht Krieg führen und nicht die Bevölkerung ernähren. Daneben liegt allerdings das spekulative Monient. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, und wir sind alle einig, daß die Spekulation über die ihr innewohnende Be- rechtigung hinaus bei einer Reihe von Artikeln eine Höhe erreicht hat, die beängstigend wirken mutz und für die wir eine natürliche Berechtigung nicht anerkennen können. Wir mutzten gegen das spekulative Moment in der Preisbildung schon zu Beginn des Krieges eingreifen, und zwar durch die Festsetzung der Höchstpreise — eine Materie, die sich inzwischen zu einer komplizierten und weitschichtigen Wissenschaft entwickelt hat. Die EntWickelung hat bewiesen, daß Höchstpreise niemals allein ein hin- reichendes Mittel sind, um die Bevölkerung nicht nur preiswert, sondern auch ausreichend zu ernähren. Strikt durchgeführte Höchstpreise regulieren höchstens die Preise, nicht aber den Markt, den sie dagegen öfter deroutieren. Sind sie zu hoch, wird der Markt in Unordnung gebracht, und sind sie zu niedrig— e r st recht 1 Die richtige Mitte zu finden, ist überaus schwer, solange man nicht die preisbildenden Momente in ihrer Totalität kennt und auch zu fassen vermag. Die Beschlagnahme aber findet bei einer großen Anzahl von Produkten wegen ihrer Art und wegen der Schwierig- keiten ihrer Behandlung und Bearbeitung unüberwindliche Schranken. Man kann aber auch mit Höchstpreisen allein aus- kommen, wenn man es mit einer Syndizierung der Pro- duzenten und des Handels zu tun hat. So konnten wir die P e t r o l e u m Versorgung allein durch Höchstpreise sichern, da wir nur mit einigen großen Organisationen Vereinbarungen zu treffen brauchten. Wo aber solche Syndikate nicht vorhanden sind, mutz nian versuchen, von Staats wegen helfend einzugreifen, um solche Organisationen zu schaffen. Wir haben das schon im vevgangenen Jahr erwogen und versucht, sind nicht zum Ziel gelangt, aber ich hoffe, wir sind jetzt dem Ziel nahe, das ich nicht aus den Augen verloren habe. Es ist nun vielfach gefragt worden, warum die Reichsleitung sich lange Zeit dem Verlangen widersetzt hat, dem Wucher mit kriminalpolitischcn Mitteln entgegenzutreten. Ich bin fest überzeugt, daß trotz aller Kautelen und vorsichtigen Formulierungen die letzte BundeSratsverordnung im Frieden nie die Zustimmung dieses hohen Hauses gefunden, eher Grauen erregt hätte. Es ist sehr schwie- rig, den Tatbestand für strafrechtliche Verfol- g un gen zu schassen, wenn er fo schwer zu fassen ist. Aber ich bin bereit, auch noch weiter zu geben und die bestehenden Bestim- mungen zu erweitern. Tie Bedrohung solcher Vergehen gegen die Allgemeinheit ist im Kriege notwendig, um dem Rechtsgefühl des Volkes Genüge zu tun.(Zustimmung.) Man muh die Grundlagen schaffen, um vor aller Welt darzulegen, wie niederträchtig und ver- ächtlich alle jene Fälle sind, in denen einzelne versuchen, während einer schweren Heimsuchung des Vaterlandes die Ernährung des eigenen Voltes aus eigensüchtigen Gründen zu er- schweren.(Lebh. Zustimmung.) Es wird erwogen, ob nicht unter bestimmten Voraussetzungen neben den jetzt schon bestehenden Strafen bei wuchert- scher Uebertretuna der Höch st preise auch auf Ver- lust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt wer- denkönnte.(Beifall.) Solche Leute, die in schwerer Zeit Lebens. mittelwucher getrieben haben, müssen gabrandmarkt sein für den Rest ihre? Lebens(lebh. Sehr richtig!), ihre Mitbürger dürfen ihnen nie wieder ein öffentliches Amt anvertrauen. Es wird weiter auch gesetzgeberisch zu prüfen sein, ob nicht der Richter er- mächtigt werden soll, unter gewissen Voraussetzungen die Fort- führung des Gewerbebetriebes für gewisse Zeit oder für die ganze Kriegsdauer zu untersagen. Die jetzigen Strafen stehen nicht ganz im Verhältnis zu der Schwere der Straftaten. Darüber kann kein Zweifel bestehen, daß diese kriminalpoli- tischen Matznahmen uns dem erstrebten Ziele nicht näher bringen würden, und so bleibt nichts anderes übrig, wo die Beschlagnahme nicht möglich ist, als Höchstpreise festzusetzen. Weiter müssen wir versuchen, diese Höchstpreise durch organisatorische Matz- nahmen zu ergänzen. Man hat verlangt, dcrtz wir die Ursachen der Teuerung klarlegen sollen. Das ist leichter gesagt als getan. Ich erinnere nur an die monatelangen Verhandlungen in der Fleischenguete-Kommission, die trotzdem nicht hat feststellen können, wo nun eigentlich das Geld bleibt, um das das Fleisch teurer wird, bis es in die Hände des Konsumenten gelangt. Wenn man sich hier nicht in zeitraubende Erörterungen verlieren will, mutz man von unten anfangen. Daher sind einzelne Gemeinden schon zur lokalen Festsetzung von Höchstpreisen übergegangen. Aber«ine derartige lokale Regelung kann zwar preisdrückend wirken, aber sie kann nicht verhindern, daß die Stadt vom Markt abgeschlossen wird. Daher kann eine solche Regelung immer nur für bestimmte grohe Bezirke erfolgen. Weiter denken wir daran, daß in den Gemeinden und Kommunalverbänden obligatorisch Reichskommissioncn einge- setzt werden, die aus Interessenten, Händlern, Produzenten und Sachverständigen bestehen. Diese Kommissionen müssen das Recht haben, die Fakturen und Bücher einzusehen und weiter müssen die Gemeinden das Recht bekommen, in den geeigneten Fällen die sofortige Beschlagnahme vornehmen zu können. Aber auch diese Matznahmen werden noch einer Ergänzung be- dürfen. Man könnte die Organisationen gewisser Händlergruppen durch die Schaffung einer zwangsweisen Organi- sation ergänzen. Diese zwangsweisen Organisationen müßten dann unter die Aufsichtder Gemeinden gestellt werden, und es wäre sogar zu erwägen, ob man nicht den Gemeinden unter Umständen die Befugnis geben soll, in den Fällen, in denen sie mit den Händlerorganisationen nicht zu einer Einigung kommen, einen bestimmten Handelszweig durch Gemeinde- beschluß zu monopolisieren. Gewiß ist die Durchführung dieser Sache nicht leicht, aber die Möglichkeit, daß eine solche Matz- nähme von einem entschlossenen Oberbürgermeister angewendet werden kann, kann schon viel Segen stiften.(Zustimung.) Für die Errichtung des von der Kommission gewünschten Lebensmittelamtes lassen sich gewiß die verschiedensten Gründe anführen. Man kann sagen, daß die Verantwortlichkeit des Bundesrats und des Reichsamts des Innern dadurch gemildert wird, und man kann auch annehmen, daß in der jetzigen Zeit etwaige verfassungsmäßige Bedenken nicht entscheidend ins Gewicht fallen können. Aber es bestehen durch- schlagende Bedenken gegen die Errichtung eines solchen Amtes. Der Reichstag hat für die Kriegszeit au seinen Anteil an der gesetzgebenden Gewalt verzichtet, um bei der Regierung eine rasche Arbeit zu ermöglichen. Das war ein Segen. Wenn nun jetzt eine neue Kommission eingesetzt wird, so würde das Ergebnis sein, daß das Inkrafttreten notwendiger Ver Ordnungen e t w a u m 14 Tagehinausgezogen wird. Wenn irgendwelche Vorwürfe gegen die Regierung objektiv richtig sind, so die, daß sie oft zu spät eingegriffen hat. Aber das lag nicht an ihrer mangelnden Entschlußfähigkeit, sondern an der Kompliziert heit unseres Staatswesens. Wie würde denn ein solches Amt in der Praxis aussehen? Ueber das Ziel wird es sich einig sein, nicht über die Wege zu diesem Ziel. Das haben wir ja auch an den Verhandlungen der Budgetkommission gesehen. Ich bin aus diesem Grunde bereit, vor der Geschichte, vor Ihnen und dem ganzen Lande weiter allein die Verantwortung zu tragen, die ich nun einmal tragen muß. Eine andere Frage ist die, ob ich Ver treter des Reichstags zu mir berufe, um mir Sorgen und Wünsche und Ratschläge vortragen zu lassen. Das wird gehen, trotz der Riesenarbeit, die das Reichsamt des Innern zu bewältigen hat. Nun noch einige Spezialfragen. Wir haben das System der Höchstpreise aufrecht erhalten, die Organisation in ihren Grund zügen vereinfacht und den staatsrechtlichen Verhältnissen besser an gepatzt. Das Mehlhandelmonopol ist bestehen geblieben, und damit ällt die oft erhobene Forderung der Festsetzung von Höchstpreisen •Ür Mehl in sich zusammen. Die Festsetzung von Höchstpreisen für Mehl würde wahrscheinlich für den größten Teil unserer Ver örgungsbezirke eine Verteuerung zur Folge haben, denn alle B* zirke mit Selbstversorgung und mit einer genügenden Anzahl von Mühlen, die das Getreide, was innerhalb ihrer Grenze produziert und konsumiert wird, nicht zu verfahren haben, können heute unter allen Umständen billiger liefern als die Kriegsgetreide-Gesellschaft. Bei der allgemeinen Festsetzung von Höchstpreisen aber müßten wir die Allgemeinheit berücksichtigen und das würde für einen großen Teil von Bezirken nicht zu einer Senkung, sondern zu einer Erhöhung der Preise führen, die Kommunalverbände würden die Freiheit verlieren, ihr Mehl so billig zu verkaufen, wie sie imstande rnd. Wir haben weiter festgehalten an der Verteilung und wir ind jetzt mit einer kleinen Erhöhung der Rationen vorgegangen, ich hoffe bestimmt, daß wir in den nächsten Monaten zu einer weite- ren Erhöhung der Rationen kommen werden. Wir haben das Ausmahlungsverhältnis verändert und dadurch erhält das Brot, das man zu dem bisherigen Preise bekommt, einen höheren Nähr- wert. Bei dem Verkehr im Futtermittel haben wir lediglich das wiederholt, was wir bereits im vorigen Jahr getan haben. Wir haben die Preise sowohl bei Hafer als auch bei Gerste erhöht, denn wir sagen uns, daß der Landwirt wenigstens für diesen Teil seiner Produktion ein angemessenes Entgelt erhalten mutz. Wir werden auch bemüht sein, den hesonderen Wünschen Rechnung zu tragen, die in bezug auf die Festsetzung von Preisen für Saatgetreide her- vorgetreten sind. Für Kraftfuttermittel sind gestern Höchstpreise 'estgesetzt und es ist eine eigene Reichsfuttermittelstelle geschaffen worden, die die Verteilung der Futtermittel auf das Reich vornimmt. Bei der Kartoffel liegt die Schwierigkeit nicht nur darin, daß sie nicht beschlagnahmt werden kann, sondern auch darin, daß sie gleichzeitig unentbehrliches Nahrungs- und unentbehrliches Futtermittel ist, daß sie die Futtermittel, die wir sonst vom Ausland beziehen, ersetzen muß, 'o daß sie als Futtermittel eine ganz besondere Rolle spielt unter Verhältnissen, unter denen die Fleischproduktion mit den äußersten Schwierigkeiten zu rechnen hat. Was haben die Erfahrungen des vorigen Jahres bewiesen? Beschlagnahme ist unmöglich. Setzen wir die Höchstpreise zu niedrig fest, dann kommen keine Kartoffeln auf den Markt; setzen wir sie zu hoch fest, dann wird die Ver- 'orgung zu schwierig. Daß wir solche Preise, wie sie jetzt bestehen, vermeiden möchten, ist klar. Aber wir müssen dahin kommen, daß 'ich die Herbstversorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln ordnungsmäßig, ausreichend und zu erschwinglichen Preisen vollzieht; und wir müssen weiter dahin kommen, daß wir im Frühjahr gegen Schluß des Winters über eine ausreichend grohe Reserve verfügen. Dies Ziel mutz mit allen möglichen Mitteln erstrebt werden. Angesichts der Lehren des vergangenen Jahres habe ich vorläufig geglaubt, daß wir der Sache dadurch Herr werden, daß wir mit den Organisationen der Produzenten und den eventuell zu schaffenden Organisationen des Großhandels und mit den Kom- munen vielleicht zu einer Lösung kommen, die uns der Unbequem- lichkeit der Beschlagnahme entzieht. Wenn alle Versuche fehl- 'chlagen, wenn die Marktpreise der Kartoffeln dauernd, in p h a n- t a st i s ch e Höhe steigen, dann bleibt nichts weiter übrig, als das zwar noch mangelhafte, aber doch einzige Mittel der F e st- etzung von Höch st preisen und einer partiellen Be- ch l a g n a h m e. Ich will aber hoffen, daß es gelingt, das Pro- blem zu lösen, an dem wir ja alle auf der Rechten, in der Mitte und auf der Linken das gleiche, allgemeine, große vaterländische Interesse haben.(Bravo!) Sehr schwierig liegen die Verhältnisse bei drei Nahrungsmitteln, die eng im Zusammenhang miteinander tehen, Milch, Butter und Käse. Bei der Milch ist die Qualität und Quantität jetzt schon zurückge- gangen, sie wird noch weiter zurückgehen, der Konsum wird erheblich eingeschränkt, aber wir müssen unter allen Um- tänden Maßnahmen treffen, um die Ernährung der Säug- inge, der Kranken und der Stillenden sicherzu- teilen. Man kann Höchstpreise für Milch für das ganze Reich nicht festsetzen, ohne in die Schwierigkeiten zu verfallen, die ich vorhin für andere Nahrungsmittel geschildert habe. Wir haben augenblicklich in Deutschland Höchstpreise, die zwischen 12 und 20 Pf. schwanken. Daraus ergibt sich ganz klar, daß einheit- liche Höchstpreise nicht möglich sind. Eine andere Frage ist, ob nicht durch Verhandlungen mit dem Milchgrotzhandel zunächst Richtpreise erzielt werden könnten, die dann für die orga- nisierten Produzenten maßgebend wären. Es kommt hier auf sorgfältige lokale Organisation an. Es wird behauptet, daß das Reich alles auf die Kommunen überwälzen wolle. Als altem Oberbürgermeister liegt mir eine solche Absicht durchaus fern; aber als alter Oberbürgermeister kenne ich auch die enorme Leistungsfähigkeit unserer Gemeinden, zu deren nützlicher Ausübung sie natürlich die nötigen Vollmachten und Freiheiten haben müssen und erhalten werden. Wir treiben keine Produzenten, und keine Konsumenten- Politik; wir haben beider Interessen auszugleichen im höheren Interesse des Vaterlandes.(Bravo!) Wir sind ausgekommen, und zwar zu erträglichen Preisen, mit dem Brotgetreide und den Kar- toffeln, von denen ein erheblicher Teil noch unserer Viehhaltung zugute kam. Wir stehen mit unserer neuen Ernte so da, daß wir damit zweifellos wieder«in Jahr durchhalten werden— dank unserem Volke, dank der Arbeit eines Menschenalters, dank unserer Wissenschaft, dank der großen Anpassungsfähigkeit unserer In- dustrie und Landwirtschaft. Ich nehme für die Regierung kein Verdienst daran in Anspruch, aber da? konnte nur ein in allen seinen Schichten gebildetes Volk!(Lebhafte Zustimmung.) So hat jeder seinen Anteil an den von uns mit Stolz festgestellten Er- folgen. Daß diese Erfolge nicht ohne alle Opfer errungen sind, ist klar. Am schwersten tragen unter diesen Verhältnissen die kleinen Produzenten und Konsumenten, die zurückgebliebenen Frauen, die ohne männliche Hilfe sich durchschlagen.(Bravo!) Der stille Heldenmut, mit dem die Bauernfrau draußen im Lande mit ihren Kindern und wenigen weiblichen Arbeitskräften die Scholle bestellt, wie im Frieden, der stille Heldenmut, mit dem die Ar- beiterfrau unter schwierigen Verhältnissen sich und ihre Kinder durchbringt, wird im deutschen Vaterlande nicht vergessen werden. (Lebhafter Beifall.) Die Frauen, die auf diese Weise im Dienste des Vaterlandes tätig sind, die füllen die Schützengräben des wirf- schaftlichen Kampfes. Wir werden ihrer so wenig vergessen, wie derer, die draußen ihre Pflicht tun, und wir sind uns alle einig darüber, daß es unsere erste Pflicht ist, ihnen bis an die Grenze des Möglichen beizustehen.(Lebhafter Beifall.) Abg. Gothein(Vp.): Krieg und Teuerung gehören zusammen, und wir konnten nicht erwarten, daß in einem Krieg, in dem ein großes Volk�so von aller Zufuhr abgesperrt wird, das anders sein würde. Dieser Krieg hat uns � vor wirtschaftliche und organisatorische Ausgaben gestellt, wie nie ein Krieg ein Volk gestellt hat. Soviel auch noch zu wünschen übrig bleibt, so erkennen wir doch gern an, daß in der Organisation sehr viel erreicht worden ist. Auch im feindlichen Ausland und in den gleichfalls von der Einfuhr nicht abgesperrten Neutralländcrn wird ebenso über die Teuerung geklagt.— Tie schwierigen Aufgaben unserer Verwaltung konnten nicht einfach gelöst werden. An dem guten Willen der Regierung, die Not zu lindern und das Richtige zu treffen, zweifelt niemand. Wenn der Staatssekretär abgelehnt hat. für sich ein Verdienst in Anspruch zu nehmen, so glaube ich, wird die große Mehrheit gern bereit sein, dankend anzuerkennen, welcke kolossale Arbeitsleistung er und seine nachgeordneten Beamten in dieser schweren Zeit aus sich genommen haben, willig, ohne zu klagen und bereit, zu jeder Zeit auch mit uns zu verhandeln.(Zustimmung.) Wir kritisieren, um zu bessern, aber wir sind uns klar, daß man nicht fortwährend ändern kann. Man kann zweifeln, ob die jetzige ReichSgetreide- stelle so zweckmäßig ist, wie die frühere K.G., aber bei fort- währender Neuorganisation würde die Maschine stocken. Der Staatssekretär hat früher einmal auseinandergesetzt, wie schwierig der Geschäftsgang ist, daß zuerst alles mit Preußen ver- einbart werden müsse. Das ist zwar nicht verfassungsmäßig, aber es ist historisch geworden, und wir müssen unS zunächst damit ab- finden. Wir bedauern, daß man von vornherein den Handel mit seinen Erfahrungen zurückgedrängt hat. Die Spannung zwischen dem Getreide- und dem Mehlpreis verringert sich zwar infolge der Reports, um die der Getreidepreis steigt, fortgesetzt,� aber trotzdem sind die Mehlpreise noch zu hoch. Di« H ö ch st- preise für Getreide sind so hoch, wie sie s o nft nicht nach den schlimm st en Mißernten waren.(Sebr rich- tig! links.) Gewiß hat die Landwirtschaft Opfer durch die Hergabe des sonst verfütterten Getreides und durch die teuren Futterpreise zu bringen, aber mindestens ebenso sehr trifft der Krieg die kleinen Leute, die Arbeiter, die Gewerbe- treibenden. Rumänien stellt solche Bedingungen, daß wir ruhig abwarten können, wir sind ja auf die Produkte aus Rumänien nicht angewiesen.(Sehr wahr!) Ueber die hohen Mehl- preise, besonders für kontingentsreieS Mehl, ist mit Recht ge- klagt worden, und ebenso bedauerlich ist die Steigerung der Preise für Milch, Butter und Käse, selbstverständlich in solchen Gegenden. wo, wie z. B. in Württemberg, die Futterernte außerordentlich günstig gewesen ist. Trotzdem brauchen wir nicht schwarz in die Zukunft zu sehen, denn wir können mit einer vorzüglichen Kar- toffelcrnte rccbnen. Voraussetzung für alle Maßnahmen ist eine gute Erntestatistik. Die schwersten Fehler sind bei der Regelung des Verkehrs in Zucker gemacht. Hat man doch sogar den Rüben- zuckerbauern empfohlen, den Zuckerbau möglichst einzuschränken. (Hört, hört!) Sorgen wir dafür, daß die Fehler in Zukunft ver- mieden werden.(BrtSwl links.) Hierauf vertagt das HauS die Weiterberatung auf Montag, 2 Uhr. Schluß 714 Uhr._ Ms Ser Partei. Aus den Organisationen. Die Kreiskonferenz des 1. badischen Reichs- t a g s w a h l k r e i s e s, die am Sonntag in Ueberlinge« am Bodensee stattfand und von 21 Delegierten beschickt war, nahm ein- stimmig eine Enlschließung an, in der sie sich mit der Haltung der Reichstagsfraklion und mit den bisherigen KriegSmaßnahmen des Parieivvrstandes einverstanden erklärte. Sie ist gewillt, alle Be- strebungen, die auf Slörung der Parteieinheit hinauslaufen, aufs äußerste zu bekämpfen._ Bericht der holländischen Arbeiterpartei. Dem soeben erschienenen ersten Halbjahresbericht ISIS der bolländischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei entnehmen wir, daß Ende 1914 insgesamt 400 Sektionen vorhanden waren. � Davon gingen 15 ein, während 3 sich benachbarten Gruppen anschlössen. Eine Anzahl neue Gruppen brachte die Gesamtzahl am 30. Juni 1915 auf 407. Die Mitgliederzahl betrug Ende 1913 25 361, Ende Juni 1914 26 805, Ende Dezember 1914 25 642, Ende Juni 1915 25 041. Verlustlisten. Die Verlustliste Nr. 307 der preußischen Armee enthält Verluste folgender Truppen: Infanterie ustv.: Garde: 1., 2. und 4. Garde-Regiment z. F.; Garde-Reserve-Jäger-Bataillon. Grenadier- bzw. Jnßanterie- bzw. Füsilier-Regimenter Nr. 3, 5, 6, 9, 11, 14, 15, 16, 19, 30, 81, 34 bis einschl. 38, 39(s. auch Jnf.-Regt. Nr. 49), 40, 43, 44(s. Res.-Jnf.» Regt. Nr. 235), 45!vUgllllWMIllllllMlIUiniIIl>UiniUIlllUIUlIilWlIllIUlllIlMIIlMlH mi fm- Misere WeKÄgenSWung unsere UDootHesben! g&enMunfern3:etö$rauenuJSfait?n | S&ettyenßigapeüenu.diaiidtjlaöaf* " m | faffßtfatoien I | antpfanni Sfögpfcn:| lmf66igenM..... 4M | 5%meiilem-Sta«Maiat3m�Wet I �&ün{itn6trUnitrflübumM$inkpMiefant finMcQi'Jfruao Wh'nterop 4täituä-&QanHrTi(fa6vie. i-Kfl Kinmen-«tid Kranzliindttti von Robert Meyer,' Jnh.: P.«olletz Mariannenstr. 3. Tel. Mpl. 346 Kuchhimdlung Vorwärts Berlin 8W., Lindcnstr. 3 Sturmslhrtie ans hundert Juhren. Dichtungen von Plate«, Chamiss», Bcrangcr, Hcrwegh, Frciligrath, Keller, Turgenjew, Björnson, Henckell, Gorki, Preczaug, Diederich u. a. Herausgegeben von Hr. frsni Diederich Preis 30 Pf. GroSe IMsvorteile bietet Teppioh-Spezialhaiis Lsar Emil ef evre Berlin S. Seil 1882 in: OranieMStr. 158 Riesen« Teppich-Lay er aller Größen and Qualitäten. Sofa-GröBe. ä 5, 10, 15—40 M. Salon-Größe k 15, 20, 30-150 M. Saal-GröBe. k 45, 60, 75-800 M. 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