Nr. 232. 5 Pfennig Abonnements- Bedingungen: Ebonnements Breis pranumerandot Bierteljahr 8,30 RL, monatl. 1,10 R möchentlich 25 Bfg. fret ins Haus. Einzelne Nummer 6 fg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Boſt Abonnement: 1,10 Marf pro Monat Eingetragen in die Boft Beinmgs. Breisliste Unter treuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italten, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Soweis beint täglic " Montagsausgabe 5 Pfennig Vorwürts 32. Jahrg. Dle Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Kolonel zeile oder beren Staum 60 Big- für politiche und gewertschaftliche Vereins. und Bersamminungs- Anzeigen 80 Pig. Kleine Anzeigen", bas fettgedruckte Wort 20 fg.( aulafftg 2 fettgedruckte Worte), jedes writere Wort 10 fg. Stellengefuche und Schlafstellenan zeigen das erfte Bort 10 Bfg. jedes weitere Wort 5 Bfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ij bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morinplak, Str. 151 90-151 97. Montag, den 23. August 1915. Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplak, Nr. 151 90-151 97. Erfolgreiche Berfolgungstämpfe auf der ganzen Oſtfront. Meldung des Großen Hauptquartiers. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 22. August 1915.(. Z. B.) Westlicher Kriegsschanplay. Die Lage ist unverändert. Deftlicher Kriegsschauplah. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Die Armee des Generals v. Eichhorn machte östlich und südlich von Kowno weitere Fortschritte. Beim Erstürmen einer Stellung nördlich des Zuwinth- Sees wurden 750 Russen gefangen genommen. Die Zahl der russischen Gefangenen aus den Rämpfen westlich Tykocin erhöhte sich auf über 1100. Die Armee des Generals v. Gallwis dringt südlich des Narew über die Eisenbahn Bialystok- Brest- Litowsk weiter vor. An Gefangenen wurden in den beiden letzten Tagen 13 Offiziere und über 3550 Mann eingebracht. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Unter fiegreichen Gefechten überschritt die Heeres. gruppe gestern die Eisenbahn Kleszczele- Wysoko- Litowsk. Den erneut sich seßenden Gegner warfen deutsche Truppen heute früh aus seinen Stellungen. Es wurden über 3000 Gefangene gemacht und eine Anzahl Maschinengewehre erbeutet. Heeresgruppe des Generalfeldmarichalls v. Mackenfen. Die Angriffe der deutschen und österreichisch- ungari. schen Truppen an den Abschnitten der Koterka, der Bulma, dem Bug oberhalb Ogrodniki sowie am Unterlauf der Krsna schreiten vorwärts. Vor der Südwestfront von Brest- Litowsk nichts Neues. Bei und nordwestlich von Piszcza( nordöstlich von Wlodawa) dauern die Kämpfe an. Oberste Heeresleitung. Der öfterreichische Generalstabsbericht. Wien, 22. Auguft.( W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 22. August 1915. Ruffischer Kriegsschauplab. Die Truppen des Generals v. Riveß warfen den Gegner abermals aus mehreren Stellungen und trieben ihn über bie von Brest- Litowar nach Bielst führende Bahn zurüd. Die Armee des Erzherzogs Joseph Ferdinand gewann unter erneut einfegenden Kämpfen bei Wysoko- Litowak Namm. Hier sowie westlich Brest- Litowsk und östlich Wlodawa seht der Feind bem Bordringen der Berbündeten heftigen Widerstand entgegen. Zwischen Wladimir- Wolynskij und Czernowit ist die Lage nuverändert. Italienischer Kriegsschauplah. Gegen die Karfthochfläche von Doberdo fekte geftern wieder lebhafteres feindliches Geschüssener ein. Ein von Bersaglieri gegen den Monte dei sei Busi geführter Angriff brach nahe vor unserer Stellung im Feuer zusammen. Gegen den Nordwestteil der Hochfläche griffen die Italiener in breiter Front an, wurden aber teils im Kampfe Mann gegen Mann geworfen, teils durch unser Artilleriefeuer zum Stehen gebracht. Nachmittags beschoß der Gegner über unsere Stellun gen hinweg einzelne Stadtteile von Goerz aus Feld- und schweren Geschützen. Ein neuerlicher Borstoß gegen unsere Stellungen nördlich Selv und ein Nachtangriff gegen die Isonzobrüde westlich Tolmein scheiterten unter schweren Berluften des Feindes. Im Krngebiete, im Raume von Flitsch und an der Kärntner Grenze fanden stellenweise Geschüßkämpfe statt. An der Tiroler Front griffen zwei italienische Bataillone nach zwanzigstündiger Artillerievor= bereitung die Gebirgsübergänge östlich Tre Saffi zweimal an; fie wurden abgeschlagen und verloren dreihundert Tote, sehr viele Berwundete. Das Feuer auf unsere Werke der Folgaria. Lavarone- und der Tonalegruppe hält mit wechselnder Stärke an. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: *** Höfer, Feldmarschalleutnant. Ereignisse zur See. Durch eine Rekognoszierung wurde am 21. früh festgestellt, bak die Insel Belagosa von den Italienern vollständig geräumt und alle Baulichkeiten und Berteidigungsanlagen zerstort worden sind. Die Insel, die nur von den Familien der Leuchtturmwächter bewohnt war, wurde in der Nacht auf den 11. Juli von den Italienern erobert" und dann mit Nadiostation und Berteidigungsanlagen ausgestattet. Auch ein Unterseeboot wurde dort stationiert. Die Naids unferer Flieger und bie breimalige gründliche Beschießung durch unsere Flottille brachten dem Feinde immer schwere Verluste an Menschen und Material ein. Das Unterseeboot Rercide" wurde vernichtet. Dies mag endlich zur Erkenntnis geführt haben, daß der strategisch- taktische Wert dieses Inselchens nicht so hoch ist, wie man bei dessen Eroberung glauben machen wollte. Flottenkommanda. lette und im Abschnitt von Neuville, große beiderseitige ArRussische Generalstabsmeldung. tillerietätigkeit. Das Artilleriefeuer war im Gebiete von Petersburg, 22. August.( W. T. B.) die gestrige Mit- oye, Laffigny, im Aisnetal sowie in der Champagne gleich teilung aus dem Stabe des Generaliffimus be- falls ziemlich lebhaft. Der Feind warf etwa 40 Granaten fagt: In den Kämpfen im Meerbusen von Riga im auf Reims. Es ist nur ein Verletzter gemeldet. Auf der Laufe des 18., 19. und 20. August verloren wir das Kanonen- Front Perthes Beauséjour Bombenkämpfe. Da der Feind Laufe des 18., 19. und 20. Auguft verloren wir das boot„ Sfiwutsch". Die feindlichen Verluste betrugen minde- sehr wirksames Feuer gegen die deutschen Schüßengräben. boot„ Sfiwutsch". Die feindlichen Verluste betrugen minde- Bauquois in den Argonnen bombardierte, richteten wir ein stens zwei Torpedoboote. Ein britisches Unterseeboot hat mit Erfolg einen deutschen Kreuzer torpediert. Im Elsaß, im Gebiet von Anmerzweiler, zerstörten unsere Zu Lande in der Gegend von Riga bis zur unteren in den Schüßengräben befindlichen Kampfwerkzeuge die Bilija teine Veränderung. In der Gegend von Kowno deutschen Verteidigungsanlagen und brachten dort mehrere halten unsere Truppen auf der Straße nach Roschedary den Munitionslager zur Explosion. feindlichen Angriff auf. Die türkische Hauptquartiersmeldung. Zwischen Narem und Bug, an der Front von Offowiez, Bilsk und Wisoko- Litowsk am 19. und 20. August keine Konstantinopel, 22. Auguft.( W. T. B.) Das Haupt. besondere Veränderung. Unsere Truppen wiesen eine Reihe quartier teilt mit: An der Dardanellenfront besonders hartnädiger Angriffe in der Gegend von Bielst versuchte der Feind am 21. d. M. nach heftigem Artilleriezurück, die dem Feinde ungeheure Verluste kosteten. Am Bug feuer der Land- und Schiffsgeschüße mit mehr als einer in der Gegend von Brest- Litowst teine wichtige Ver- Division einen Angriff in der Gegend von Anaforta. Wir änderung. Bei Nowo- Georgiemsf war der Kampf schlugen den Angriff des Feindes vollständig zurück und in der Nacht zum 20. August heftig. Die Deutschen unternahmen einen Sturm auf die Zitadelle auf dem linten Ufer der Weichsel. Auf der übrigen Front feine Veränderung. Der französische Tagesbericht. Paris, 22. August.( W. T. B.) Amtlicher Be. richt von gestern nachmittag. Während der Nacht andauernd starkes Geschüßfeuer im Artois, zwischen Dise und fügten ihm ungeheure Verluste zu. Im Verlauf der Schlachten bom 10., 17. und 20. August erbeuteten wir über 400 Gewehre mit Bajonetten, eine Riste mit Bomben und eine sehr große Menge Material. Am 21. August versuchte der Feind am Nachmittag bei Ari Burnu einen Angriff, der unter unserem Feuer mißglückte. Bei Sedd ul Bahr nichts von Bedeutung. Auf den übrigen Fronten keine Veränderung. Eine türkische Aktion auf der Insel Perim. Aus belgischen Archiven. Berlin, 22. Auguft.( W. T. B.) Die Norddeutsche Allgemeine Beitung" veröffentlicht heute weitere Dokumente aus belgischen Archiven und bemerkt dazu: Der ungeheuse Bärm, den die Ententemächte aus Anlaß der Agadiraffäre angeschlagen haben, und der negative Verlauf der von ihnen aufgebauschten Aftion, wobei wir namentlich an die vom Kapitän Faber enthüllten englischen Flottenmaßnahmen denken, führten naturgemäß zu einer Ernüchterung in England, und in Frankreich zu einem Ministerwechsel. Man ließ Herrn Boincaré an Caillaur' Stelle an die Spiße des französischen Ministeriums treten und schien auch in England nicht übel Lust zu haben, Sir Edward Grey zu beseitigen, dem man nicht nur Schuld an der Zuspibung der deutschenglischen Beziehungen gab, sondern auch boutvarf, daß seine per fische Politik eine Schädigung englischer Interessen bedeute. Diese Angriffe in den angesehensten englischen Blättern nahmen einen so ernsten Charakter an, daß das englische Kabinett sich genötigt fah. Entgegenkommen gegen Deutschland an den Tag zu legen. So entstand die Mission Lord Haldanes nach Berlin, die dacan scheiterte, daß die englische Regierung fich nicht entschließen fonnte, in der grundsätzlichen Richtung ihrer Politit eine Alenderung eintreten zu lassen. Tatsächlich datiert von dem Haldaneschen Besuch eine Entspannung in den deutsch- englischen Beziehungen. Aber der englische Kurs blieb derselbe. Die belgischen Gesandten haben diese Tatsache festgestellt und ihre Folgen vorausgeahnt. In der Vorstellung, daß der seit der Ernennung Poincarés zum Ministerpräsidenten steigende Chauvinismus Frankreichs und die Tendenz der Politik Greys eine Gefahr für den Frieden bedeute, find fie alle eines Sinnes, gleichviel, ob Graf Lalaing aus London, Baron Guillaume aus Paris oder Greindl und sein Nachfolger Behens aus Berlin berichten. Die Ententepolitik quand même tourde fortgesetzt und die Folge war, dah die politische Spannung ftieg. Baron Greindl hat in dem legten seiner hier veröffentlichten Berichte anläßlich der Einmütigkeit, mit der der Reichstag die Vorlagen betreffend die Vermehrung von Heer und Flotte bewilligt hatte, die durch die Kriegsdrohungen Englands im Sommer 1911 hervorgerufen worden waren, fich folgendermaßen geäußert: Diese Einmütigkeit ist auch die Ursache, weshalb die Verhandlungen im Reichstag recht matt waren. In der Eröffnungsrede hat sich der Reichskanzler bemüht, darzutun, daß dem Vorgehen der Regierung weder aggressive Gebanten noch eine Provokation nach irgendeiner Seite hin zugrunde liege. Alle Redner folgten dem Beispiele Herrn v. Bethmann Hollwegs. Sie haben um den Gegenstand herumgeredet und den wahren Grund kaum genannt, der Deutschland 3wingt, feine riesigen militärischen Vorberei tungen noch zu vermehren, nämlich den beängstigenben Stand der Beziehungen zwischen den Großmächten infolge der Mißgunst der Völker untereinander, des törichten und anüberlegten Streichs Italiens und der Gärung unter den Balkanstaaten. Was Greindl den beängstigenden Stand in den Beziehungen der Großmächte nennt, spezialisieren spätere Depeschen. Sir Edward Goschen gab in einem Gespräch Bacon Behens, der im Frühjahr an die Stelle Greindls getreten war, als Ursache dafür Aber, bemerkt treffend der Gesandte, eine andere, bielleicht an, daß die Beschränkung der deutschen Kriegsflotte unlösbar" fei. tiefer liegende Ursache für die Abneigung bes Edward Goshen mit Stillschweigen übergangen; englischen Boltes gegen das deutsche hat Sir nämlich die Nebenbuhlerschaft auf dem Gebiete der Industrie und des Handels. Mit wohl berStändlichem Reibe sieht England, wie ein europäisches Bolt im Kampf auf dem Weltmarkt jedes Jahr an Boden gewinnt und also auch in dieser Hinsicht die Vormachtstellung bedroht, die es sich gesichert hatte. Ballanbund mit seiner Streuzzugsagitation gegen die Türkei beAls dann der durch russische Intrigen zusammengekommene sann, wurde auch Herr Jules Cambon besorgt. Der französische Botschafter, schreibt Baron Behens am 24. Oftober 1912, der besondere Gründe haben muß, so zu sprechen, hat mir wiederholt gesagt, daß die größte Gefahr für die Erhaltung bes europäischen Friedens in der Undiszipli niertheit unb ber persönlichen Bolitik der russischen Vertreter im Auslande bestehe. Sie sind fast alle glühende Banslawisten, und ihnen muß man zum großen Teil die Verantwortung für die augenblidlichen Greignisse aufbürden. Sie werden, ohne Zweifel, heimlich ihr Land zu einer Intervention in dem Balkankonflikt aufheben. Troßdem hiernach der französischen Regierung die Gefahren für den Frieden wohl bekannt die die trebuie en polo in fich bergen, be of sign intoilsischen BeAisne, in der Champagne und in den Vogesen. Der Minen kampf dauert in den Argonnen bei Courte Chaussee und Konstantinopel, 22. Auguft.( W. T. B.) Aus dem KriegsSt. Hubert an, wo wir durch Explosion aufgewühltes Gelände preffequartier wir gemeldet: Gine unserer Truppenabteilungen besetzt und uns dort eingerichtet haben. Zwei schwache feind- hat auf den die Insel Perim in der Straße von Bal- el- Mandeb knüpfen. Gleichzeitig sette in Petersburg und in Paris eine von liche Infanterieangriffe, einer in Frise an der Somme, der beherrschenden Höhen Geschüße in Stellung gebracht und die feind andere in Lothringen im Walde von Barroy, wurden boll- lichen Rajernen auf der Insel sowie die 2euchttürme ständig zurückgewiesen. und die Werkstätten der Militärverwaltung mit ErParis, 22. Auguft.( W. T. B.) Amtlicher. Be- folg beschoffen und zerstört. Dies hat auf die Bevölkerung richt von gestern abend. Im Artois, im Gebiet von Non- Igroßen Einbrud gemacht. in Rußland begab sich im Sommer der Chef des russischen Admiralstabes nach Paris, um dort Berhandlungen wegen einer abzuschließenden Marinetonvention anzuden Freunden jenseits des Aermelkanals eifrig unterstübte Breßfampagne ein, die bemüht war, feine weifel über die Bedeutung der geplanten Marinekonvention und ihre gegen Deutschland ge richtete Spike zu lassen. Am 10. August traf Serr Poincaré in Petersburg ein. Der Besuch gab weitere Gelegenheit zu deutschfeindlichen Preßtreibe reten. Die daöei von der russischen Regierung beobachtete passive Rolle wurde schon damals vielfach damit erklärt, daß es Rußland sehr daran lag, im Hinblick auf eine neue in Frankreich geplante große Anleihe die französischen Negierungskreise nicht zu oerstirn- men und der französischen öffentlichen Meinung zu schmeicheln. Einige Wochen nach dem Besuch des Herrn Poincare in Ruß- land begab sich, einer Einladung der französischen Regierung fol- gend, Großfürst Nikolai Nikolajewitsch nach Frankreich, um den französischen Manövern beizuwohnen. In welcher Weise diese Reise des Großfürsten zu deutschfeindlichen Kundgebungen benutzt wurde, ist noch in frischer Erinnerung. Nach Beendigung der Manöver inspizierte der Großfürst in Begleitung seiner monte- negrinischen Gemahlin di« Befestigungen an der Ostgrenze, und Die Zeitungen wußten zu berichten, wie die Großfürstin von einem der Forts auS durch das Fernglas tränenden Auges die Türme von Metz betrachtet habe. Mittlerweile hatte sich der politische Horizont Europas immer mehr verfinstert. Drohende Wolken gingen über der Balkanhalb- insel auf. Herr Sasonow, der Ende September bei König Georg in Balmoral zum Besuch geweilt hatte, begab sich nach Paris, wo im Einvernehmen mit dem Londoner Kabinett die bekannte Formel betreffend die Aufrechterhaltung des Statusqno im Fall eines Krieges der Balkanstaaten mit der Türkei vereinbart wurde. Bald darauf brach der Balkankrieg aus. Am 4. November bat die, wie eS schien, tödlich getroffene Türkei um Friedensvermittlung und am 7. Dezember 1912 wurde der Vorschlag Greys, sie einer Botschafterkonferenz in London zu übertragen, von allen Groß- mächten angenommen. In dieser kritischen Zeit hebt der belgische Gesandte Baron Betzens die Friedfertigkeit Deutschlands hervor. Er schreibt:„Es besteht kein Zweifel, daß der Kaiser, der Kanzler und der Staatssekretär des Auswärtigen leiden- schaftliche Anhänger de« Friedens find. Welches auch die Pläne sein mögen, die Herr von Kiderlen. Wächter, der sich mit großen Gedanken trägt, im Sinne hat, um seinem Lande die Sympathien der jungen Balkanmächte zu gewinnen, eines ist ganz sicher, näm- lich, daß er fest entschlossen ist, einen euro- päischen Brand zu vermeiden."' Um so nachdrücklicher hebt er das unsichere Schwanken Herrn Sasonows hervor:„Ende der vorigen Woche lief in den Kanzleien Europas das Gerücht um, daß Herr Saionow den Kampf gegen die Hof- Partei aufgegeben habe, die Rußland in einen Krieg treiben will, wiewohl der Boden des russischen Reichs durch die Revolution unter- miniert und feine militärischen Vorbereitun- gen noch ungenügend sind. Aber seit zwei Tagen... ist auf die Beunruhigung der letzten Woche ein Gefühl des Ver- trauens gefolgt. Herr Sasonow hat sich, so scheint eS, wiedec gefaßt und spielt beim Belgrader Hofe mit Eiser die gleiche Rolle, wie die deutsche Diplomatie am Wiener Hofe. Die Kriegsgefahr wurde allgemein an den europäischen Höfen im Größenwahn Serbien? erkannt, dagegen ist nicht zweifelhaft, daß die Panslawistische Partei in Rußland das s«Bische Feuer schürte, wobei Herr Hartwig, der russisch« Gesandte in Belgrad, mit Eifer sekundierte. Auch er gehörte zu dmr Politikern, von denen Baron Betzens sagt, daß sie wie Tittoni und JswolkSki in der auswärtigen Politik ihres Landes„eine Kampfrolle" spielten. Man kann jedoch sagen, daß die Tätigkeit all dieser Männer kaum so verhängnisvoll sein konnte, wie ine des neuen Präsidenten der Französischen Republik, deS Herrn Raimond Poincare, der am 18. Februar 1913 ins Eshsee einzog. Eine ungeheure Reklame war seiner Wahl vorausgegangen; es war, als sei der zu großen Entscheidungen drängenden Zeit der Führer gegeben worden. Aber Baron Guillaume, der von seinem Parisar Posten auS die Stimmung der Franzosen genau verfolgen konnte, war von vornherein miß- iranisch. Er sagt« bezüglich der Wahl: Diese Beliebtheit des Präsidenten hat verschiedene Ursachen: seine Wahl war geschickt vorbereitet worden; man weiß ihm Dank dafür» daß er während seines Ministeriums geschickt genug operierte, um Frankreich im europäischen Konzert in den Vordergrund zu bringen; er hatte einigemale Glück mit seinen Aussprüchen, die großen Eindruck machten.„In er st er Linie muß man darin ein« Kundgebung jene? alten französischen Chauvi- niSmuS erblicke», der lange Jahre hindurch� ganz zurückgetreten war, aber seit den Zwischen. fällen von Agadir wieder an Kraft gewonnen hat. Herr Poincare ist Lothringer nnd läßt keine Gelegemheit vorübergehe«, daran zu erinnern; er war der Mitarbeiter und der Anstifter der militaristischen Politik deS Herrn Millerand." Daß eS sich bei der Agitation für die dreijährige Dienstzeit nicht um eine Antwort«mf das deutsch« Wehrgesetz, sondern um eine längst vorbereitete Maßregel handele, spricht der Gesandte direkt aus, indem er sagt:„Die Zeitungen habe» übri- genS unrecht, wenn sie bei Besprechung der Pläne der französischen Regierung dieselben als Ant- wort auf die deutscherseits ergriffenen Maß- nahmen oarstellen. Viele find nur das Ergebnis seit langer Zeit unternommener Studie n." Im März, als die gefährliche Schärfung der österreichisch-rus- fischen Beziehungen durch eine Verständigung über Verminderung der beiderseitigen Grenztruppen verdeckt wurde und Freiherr von Schoen sich Baron Guillaume gegenüber sehr besorgt über das Zu- nehmen des Chauvinismus in Frankreich äußert«, gab dieser ihm vollkommen recht.„Ich bemerke täglich", berichtete er,„wie die öffentliche Meinung in Frankreich alle Tage argwöhnischer und chauvinistischer wird. Man begegnet nur Leuten, di« versichern, daß ein baldiger Krieg mit Deutschland gewiß, ja unvermeidlich sei." Auch Pichon denke so. Gewiß hatte die zweideutige Haltung Rußlands dazu wesentlich beigetragen. Baron Betzens wußte davon daS Folgende zu erzählen:„In einem mitteilsamen Moment hat mir der fran- zösische Botschafter in Berlin nicht verhehlt, wie s ch w er es sei, auf die hochbegabten, ab er wankel- mutigen Politiker, die das mit Frankreich ver- bündele Kaiserreich leiten, zu zählen, denn sie spielten auch mit ihm ein doppeltes Spiel. Herr Cambon hat sich insbesondere über den Einfluß beklagt, den Herr JSwolSki behalten hat, der sich persönlich an Oesterreich-Ungarn rächen will und sich Mühe gibt, das Spiel zu verderben, wenn es den Anschein hat. daß jenes die Partie ge- w i n n t. Er erkannte auch ganz richtig, daß die Rolle, die JSwolSki in Paris spielte, von Hartwig, dem russischen Gesandten in Belgrad, Serbien gegenüber gespielt wurde; der serbische Geschäftsträger in Berlin habe es offen ausgesprochen, daß Serbien nicht sechs Monat« lang vorgegangen wäre, ohne sich um die österreichischen Drohungen zu kümmern, wenn es nicht durch Herr» Hartwig, einen Diplomaten aus der Schule Jswolskis, dazu ermutigt worden wäre. Sasonow sei auch zu schwach, um dem Einfluß der Hofpartei und Panflawisten zu widerstehen, und seine Politik daher voller Widersprüche, was in Frankreich verstimme und sich namentlich in der montenegrinischen Frag« in dem Streit um Skutari gezeigt habe: „ES unterliegt keinem Zweifel, daß mau in Paris dieser Winkelzügemüde ist, aber mau erträgt eben — wenn auch unter Verwünschungen— die Folgen des Bündnisses»nd läßt sich auf eine Bahn drän- gen, die zu einem allgemeinen Kriege führen kann." Es folgten die Zwischenfälle in Nancy, das gefährliche Spiel mit der Aufführung chauvinistischer Stücke, so daß Baron Guillaume, dessen Berichte immer mehr den Charakter erregter Beunruhigung tragen, ausruft:„Zweifellos werden diese Tatsachen beweisen— worüber ich schon mehrfach die Ehre hatte. Ihnen zu berichten—, daß die öffentliche Meinung in Frankreich mehr und mehr chauvi- nistisch und unbesonnen wird. Mau sollte Maß- regeln ergreifen, um diese Störung einzudäm- men. die die Regierung seit den Zwischenfällen von Agadir und der Bildung des Ministeriums Poincarö- Mille rand-Delcaff� wahrhaft er» mu t i g t ha t." Als in Paris die Beratung de» Militärgesetzes im Juni 1913 vom Ministerium Briand auf die Tagesordnung gesetzt wurde, schloß Baron Guillaume seinen Bericht mit der folgenden Betrach- tung, die seinem Scharfsinn wie seiner Gesinnung in gleicher Weise zur Ehre gereicht:„Es steht also nunmehr fest, daß in die fran» zösische Gesetzgebung Bestimmungen aufgenommen werden sollen, die das Land wahrscheinlich nicht lange ertragen kann. Die Lasten des neuen Gesetzes werden für die Bevölkerung so schwer, die Aus- gaben, die eS mit sich bringt, werden so ungeheuer sein, daß das Land bald protestieren wird, und Frankreich wird s i ch dann vor die Frage gestellt sehen: entweder zu«ut- sagen, was«» nicht wird ertragen können, oder in kürzester Zeit Krieg zu führen. Für di«, die das Volk in diese Lage gebracht haben, wird es eine schwere Verantwortung sein... Die Propaganda zugunsten de» Gesetzes über die dreijährige Dienstzeitzdurchdie ein Wiedererstehendes Chan- viniSmuS herbeigeführt werden soll, war ans- gezeichnet vorbereitet und durchgeführt; sie fing damit an, die Wahl des Herrn Poincarä zum Prä- sidenten der Republik zu fördern; sie setzt heute ihr Werk fort, ohne sich um die Gefahren zu küm- mern. die sie herdoruft; da» Unbehagen im Lande ist groß." Nach Meldungen attS Hat»* beabsichtigt die belgische Regie- rung auf die letzten deutschen Enthüllungen auS den belgischen Archiven in der Form eine» dritten GraubucheS öffentlich zu antworten. Kehrt nach Lublin. Bon H u g o S ch u l z- Wien. 12. August. Durch den vielgenannten Weichsel-San-Winkel ging zuerst� die Fahrt.— vorüber an dem greulich verwüsteten Tarnobrzeg, über Gefilde, die von hundert zu hundert Meter vom Spaten zerwühlt und mit rostbraunen Stachcldrähten verzäunt sind, vorbei an halb- zerstörten spanischen Reitern, an aufgestapelten Munitionskisten, an Gruppen arbeitender russischer Gefangener, an mächtigen Granattrichtern mit Wassertümpeln auf dem Kratergrunde, an spielenden und singenden Kindern, die nicht? ahn«: von den Schrecken, die sie noch kürzlich umtobten. Allerorten tiefe Weg- spuren des Verderbens, hinter jedem Heckenzann Ziegelschutt, zer- borstenes Gemäuer, verkohltes Sparrenwerk. Was die Arbeits- Hand des Menschen geschaffen, vermag die geballte Faust des Men- scheu wieder zu zermalmen; aber die Natur ist stärker als der Krieg, und gegen die Fülle ihrer Triebkräfte kommt seine noch so straff zusammengefaßte Zerstörerkraft nicht auf. DaS ist der Trost, wenn man über die Menschensiedlungen weg hinaus in die schrankenlose Breite der Landschaft den Blick sendet und das Gold der wogenden Saat gewahrt, oder dort, wo das Getreide geschnitten ist, die un- zähligen gelben Garbenbünde, dann die Wiesen mit leuchtenden Dotterblumen und weidenden Rindern, die Kartoffeläcker und die farbigen Felder, über deren grünem Blättergrund die Blüten des Futterklee» schwanken. Gegen diese Milliardenheer« des ewig sich erneuernden Leben» können die Millionenhcer« des modernen Krieges mit ihren stampfenden Tritt«: doch nicht» ausrichten, selbst die russische Äampstvalze, die sich jetzt ächzend zurückdreht, hinter- läßt im Ackerboden keine allzu tiefen Spuren. Bis Rozwadow am San fährt es sich schon ganz bequem, denn unsere Eisenbahner haben die zerstörte Strecke rasch in Ordnung zu bringen vermocht. DaS war kein leichtes Stück Arbeit, denn diese Bahn haben die Russen, ehe sie wegzogen, mit Muße und fast könnte man sagen, mit peinlicher Sorgfalt zerstört. AI» die Unsrigen wiederkamen, waren nicht nur alle Schienen, sondern sogar alle Nägel weggeschleppt, die Stationsgebäude aber waren voll von verborgenen Minen nnd offen herumliegenden Bomben. Wo aber unsere Eisenbahner hinkamen, war in Viernndztvanzig Stunden alles in Ordnung. In kürzester Frist war auch die Not- brücke über den San ferttg, und die Verbindung mit der Anschluß. bahn nach Lublin, die die Russen während des Kriege? erbaut haben, wurde ebenfalls sehr rasch hergestellt. Um so rascher, als die Russen es beim Rückzug unterließen, ihr eigenes Werk zu zer- stören nnd sich wohl damit ttösieten, daß den Unseren das Um- nageln der Schienen auf die eigene Spurweite ohnedies saure Mühe geben werde. Auch diese Arbeit war aber in wenigen Tagen geschehen, und Anfang August gingen bereit» die österreichischen Etappenzüge bis über Krasnik hinaus. Freilich war e» noch ein vielfach stockender und mühseliger Verkehr, dessen Unvollkommen- heiten wir von Rozwadow an recht gründlich zu spüren bekamen. Wir hofften, in vi« Stunden KraSnik erreichen zu können,«S dauerte aber fast vierundzwanzig Stunden. DaS war nicht angenehm, aber angesichts der zermalmten Waggons, deren Trümmer da utnd dort neben dem Bahndamm lagen, und angesichts der drei grotesk verbogenen Lokomotiven, die in der Statton Kapruwka auf einem toten Gleife standen, wirkte diese Langsamkeit sehr de- «chigend. Jenseits der Grenz« führte un» der qualvoll langsam bummelnde Güterzug durch einen traurig öden Landstrich, der noch den Charakter der weiter südostwärts liegenden berüchtigten Tanewnicderung zeigt. So weit das Auge reicht dürre Steppen mit spärlichem Graswuchs, dazwischen weite Fläche», auf denen eine futztiefe Schicht von Flugsand lagert. Hier und da ein schütteres Wäldchen aus Sandkiefer», die grau und bestaubt aus dem dürren Boden ragen, wie wenn sie bloß hineingesteckt wären. Erst nahe bei Krasnik verdichten sich die Kiefernwälder und ge- Winnen auch etwas reicheren Nährbode» für ihre Wurzeln; stellen- weise findet man dort sogar schon eine moosüberwucherte Humus- schicht ans dem Waldgrund. Bis nach KraSnik hat eS aber noch gute Weile. Viele Stunden lagen wir wie gebannt auf einer Statton mitten in der Sandstätt«. Weit und breit keine mensch- liche Ansiedlung, außer dem rasch gezimmerten Blockhaus«, in dem sich die Stationsbeamten Unterkunft bereitet haben. Sonst rings- um nur Flugsand und Wüstenei. Dicke Staubwolken in der Ferne umnebeln die kaum erkennbaren Umrisse einer marschierenden Truppenkolonne. Die einzige Augenweide, die sich bietet, ist ein deutscher Etappenzug, dessen Waggons sich im Laufe des Krieges in wohnliche Hütten verwandelt haben. Man sah die Fenster mit netten, weißen Vorhängen und außen Gittergesimfe mit Blumentöpfen darauf. An einem der rollenden LandhäuSchen stand g«. schrieben:„Tüchtige Wirtschafterin wird gesucht— liebevolle Aufnahme zugesichert— Heirat nicht auSgeschloss«u" Nicht nur die Natur, sundern auch der menschliche Humor behauptet sich«über- sehrt gegen alle Schrecknisse des Krieges. Bei Krasnik stiegen die acht polnischen Legionsschwestern au», die eine Strecke mit unserem Zuge gefahren waren, und wanderten, schwer belastet mit Körben und Rucksäcken, zu Fuß»veiter, um noch heute daS Feldspital zu erreichen, dem man sie zugeteilt hatte. Seit Beginn deS Krieges führen diese braven, opferftendigen Mädchen, von denen einige aus Russisch-Polen stammen, ihr dornenvolles Nelöung öer italienischen tzeeresleitung. Rom, 22. August.(W. T. B.) A m t l i ch e r B e r i ch t vom 21. A u g u st: Auf dem Hochplateau nordwestlich von A r s i e r o bemächtigten sich unsere Truppen in lebhaftem Angriffe einer bedeutenden österreichischen Verschanzung mis dem Westabhang des MonteMaggio. Im Hochcordevol: dauerte gestern der Geschützkampf fort. Unsere Artillerie zerstörte ein Hindernis auf der D o l o m i t e n st r a ß e jen- seits von A r a b o a und schoß es in Brand. Tie feindliche Artillerie versteifte sich auf weitere Zerstörung des Fleckens P i e V e und von Livinallongo(Buchenstein), wobei sie das Bürgerspital nicht schonte und es stark beschädigte. Merk- bare Fortschritte wurden im Talkessel von F l i t s ch erzielt, wo die Unsrigen in energischer Offensive die Front P l u z n a — C e s s o c a gewannen. Die feindliche Artillerie, welche den Schneid der Unsrigen nicht brechen konnte, richtete ihr Feuer gegen die bewohnten Orte und verursachte neuerdings Schaden und Brände. Im Krn-Abschnitt fiel ein aus- gedehnter feindlicher Graben am nördlichen Hange des V r s i c nach erbittertem Kampf in unsere Hand. Alle Ver- suche des Feindes, ihn zurückzuerobern, wurden abgeschlagen. Andere Gegenangriffe auf unsere Stellungen bei Santa Lucia erlitten dasselbe Schicksal; wir nahmen hier einige Soldaten und einen Offizier gefangen. Auf dem Karst dauert unsere methodische Offensive fort. Gestern wurden dort einige Gräben genommen und ein Maschinengewehr mit Munition erbeutet. Am 20. August überflog eines unserer Fluggeschwader bei Tagesanbruch den feindlichen Flugplatz A i s o w i tz a östlich von Görz und beschoß ihn eine halbe Stunde lang erfolgreich; trotz des Feuers dreier Abwehr- batterien kehrten unsere Flieger untersehrt in unsere Linien zurück. Auf dem Rückfluge sichteten sie einen feindlichen Drachen, beschossen ihn mit Maschinengewehren und zwangen ihn zur Landung. Während unser Unternehmen sich kühn und glücklich in Uebereinstimmung mit dem Kriegsrecht gegen ein militärische? Objekt richtete, überflog an demselben Nach- mittag ein feindliches Geschwader U d i n e und warf 14 Vom- ben; 5 Bürger sind tot, darunter eine Frau, ein Mädchen und 3 Carabinieri. Auch Privathäuser wurden beschädigt. gez. C a d o r n a. Die itaiienische Kriegserklärung. Rom, 22. August.as Ultimatum angesetzt hatte, nahm die türkische Regierung alle vier Forderungen in einer von dem Grotzwesir unterzeichneten Note an. Auf Grund dieser feierlichen Erklärung entsandte die italienische Regierung zwei Schiffe nach Rhodos mit der Weisung, dort weiteren Befehl abzuwarten, um die italienischen Staatsangehörigen aufzunehmen, welche schon lange die Ermächtigung erwarteten, die kleinasiatischen Häfen ver- lassen zu dürfen. Aus den von amerikanischen Konsularbehörden erhaltenen Nachrichten ging aber hervor, datz die Militärbehörde in Beirut am 9. August die kurz zuvor erteilte Erlaubnis zur Abreise zurückgezogen hatte. Auch in Mersina wurde die Erlaubnis zurück- gezogen. Man erklärt auch, datz die Militärbehörden die Abreise von Angehörigen anderer Staaten aus Sprien verhinderten. Die Note schlicht wie bereits gemeldet: Angesicht? der offenbaren Ver- letzungen der bestimmten Versprechungen der Türkei nach unserem llllimatum vom 3. August, das durch die Winkelzüge der türkischen Negierung, besonders hinsichtlich der freien Abreise der italienischen Staatsangehörigen aus Kleinasien, veranlasst war, hat die italie- nische Regierung dem Botschafter Italiens in Konstantinopel die Weisung erteilt, der Türkei die Kriegserklärung zu überreichen. Der Seekrieg. vom �-Hootkrieg. Brest, 22. August.(28. T. B.) Wie die Agence Havcis meldet, wurde der englische Dampfer„Carters- well" auf der Fahrt von den Vereinigten Staaten nach Eng- land von einem deutschen Unterseeboot versenkt. Die Ve- satzung sei gerettet.„Carterswell" habe eine Samenladung an Bord gehabt.— Der belgische Petroleumdampfer„N a- g u e st a n" und drei S e g e l s ch i ff e wurden gleichfalls versenkt. Die Vernichtung ües englischen E. 13. London, 22. August.(SS. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die Admiralität teilt mit: Deutsche Zerstörer griffen das Unterseeboot hl. 13 bei der Insel Saltholm an. Das Unterseeboot war nicht imstande, das Feuer zu beantworten, da das Fahrzeug auf Grund satz und in Brand geraten war. Die Deutschen schössen mit Maschinengewehren und Granatkartätschen auf die Schiffbrüchigen im Wasser. Dänisch« Torpedoboot« fuhren zwischen das Unterseeboot und die deutschen Kriegsfahrzeuge und zwangen die Deutschen, das Feuer einzustellen und wegzufahren. Nach einer anderen Meldung lief lll 18 am 19. August bei TageS- anbruch auf Grund. Die Bemühungen, das Schiff flott zu machen, mißglückten. Ein dänisches Torpedoboot erschien und gab dem Unterseeboot 24 Stunden Zeit, die Küste zu verlassen. Ein deutscher Zerstörer fuhr dicht an das Unterfeeboot heran, dampfte aber bei der Ankunft zweier dänischer Torpedoboot«, die knapp vor dem Unterfeeboot vor Anker gingen, wieder ab. Morgens um 9 Uhr näherten sich aus dem Süden zwei deutsche Zerstörer. Der eine schoß auS einem Abstand von 300 Metern einen Torpedo auf das Unterseeboot ab, verfehlte eS aber. In demselben Augenblick er- öffnete der andere Zerstörer daS Feuer aus allen Kanonen. Das Vorschiff und das Hinterschiff des Unterseebootes gerieten in Brand. Da das Fahrzeug sich nicht zu verteidigen vermochte, weil eS auf Grund faß, wurde es verlassen. (Diese Angaben stehen rm Widerspruch gu bat amtlichen deutschen Meldungen und den dänischen Berichten.) SaumwoUe als Kriegskonterbanüe erklärt. Paris, 21. August.(SB. T. B.)(Meldung der„Agence Havas".) Die englische und die französische Regierung haben beschlossen, Baumwolle auf die Liste der absoluten Kriegskonterbande zu setzen. Die Veröffentlichung dieses Beschlusses wird morgen in, Amtsblatt erfolgen. Amerika unö Sie Versenkung üer �rabic. London, 21. August.(W. T. 95.) Der New D o r ker Kor- respondent der„Times" meldet: Die gestrigen Mittags- blätter haben einen schärferen Ton angeschlagen als die Morgenblätter. Auch die Presse deS mittleren Westens, die sich bis- her stets gemässigt gezeigt habe, sei dieseSmal weniger zurückhaltend. Der Korrespondent nennt die Lage sehr ernst. Presse und Publi- kum warteten nähere Einzelheiten ab. Man habe infolge des Stillstandes, der in der Tätigkeit der Unterseeboote in der letzten Zeit eingetreten sei, gehofft, datz Deutschland die Rechte der Ameri- kaner in Zukunft achten werde. Nun sehe es so aus, als ob die friedfertige Politik des Präsidenten Wilson an der Torpedierung der ausfahrenden„Arabic", die keine Bannware führen konnte und sicher Amerikaner an Bord hatte, scheitern werde. Die Korrespon- dcntcn der„Times" und des„Daily Telegraph" glauben, daß die weiteren Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland davon abhängen würden, ob die„Arabic" von dem Unterseeboote gewarnt worden sei od>.r nicht.— Der Korrespondent der„Morning Post" meldet, ein« Abberufung des amerikanischen Botschafters in Berlin Gerard und die Zustellung der Pässe an den Grafen Bernstorff würde die öffentliche Meinung vorläufig zufriedenstellen, den nutzlosen Kor- respondenzen ein Ende machen und eine Warnung an Deuffchland sein. Präsident Wilson sei aber wenig dazu geneigt, Geraich ab- zuberufen, da dies sicherlich zu einer ernstlichen Aktion führen und Verwirrung und Unsicherheit verursachen würde, weil dann die Interessen der Vereinigten Staaten und der Alliierten in Deutsch- land einer anderen neutralen Macht anvertraut werden müßten. Derartige Erwägungen zwängen den Präsidenten zu grosser Vor- sicht. Die Abberufung GerardS fei daS einzige, was er tun könne, um seinem Mihvergnügen Ausdruck zu geben. Sonst bleibe ihm nur übrig, entweder die deutschen Beleidigungen weiter ruhig hinzu- nehmen oder die Tötung von Amerikanern zum czczu, belli zu machen. Beide Möglichkeiten würden bei der grossen Mehrheit der Amerikaner wenig Anklang finden. Washington, 22. August.(W. T. B.)(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Das Staatsdepartement gibt bekannt, daß Botschafter Gerard wahrscheinlich beauftragt werden wird, die Aufmerksamkeit der deutschen Regierung auf die Torpedierung der„Arabic" zu lenken und um Aufklärungen zu ersuchen. Mus öer französischen Kammer. Pari?, 21. August.(W. T.B.) Ausführlicher Bericht über die Kammer sitzung vom 29. August: Nachdem Präsident Deschanel die Sitzung eröffnet hatte, rügte der Depu- tierte Dr. Navarre die Miss stände im Sanitätswesen. Er höb in seiner Rede hervor, daß die 5irankentvärter von Beruf im Frontdienst verwendet worden seien, während man Handwerker als Krankenwärter benützt habe. Die Ernennung eines Unter- staatssekretärs löse die Frage nicht; man müsse das System ändern und nach Ansicht des Hygieneausschusses einen Sanitätsausschutz an die Front entsenden, der dem Unterstaatssekretär Vorschläge für Neuerungen und Reformen machen werde. Der Deputierte Bousenot führte Klage darüber, daß die Frage der fahrbaren Ambulanzen, besonders der Automobilambulanzen, ungenügend gelöst sei. Die Oberste Heeresleitung zeige nicht das nötige Interesse für die Verwundeten. Während in der inneren Zone die Verwundetenpflege gut organisiert sei, lasse sie in der Armee- zone viel zu wünschen übrig. Auch er betonte die Notwendigkeit, in der Armeezone eine wirksame Kontrolle durchzuführen.— Der Deputierte H e n n e s s h erklärte, Kriegsminister Millerand lasse es an der nötigen Umsicht fehlen, und fordert« die Errichtung eines Unterstaatssekretariats für Luftschiffahrt sowie regelmäßige Kon- ferenzen der Kriegsminister aller Alliierten, um ein besseres Zu- sammenwirken der alliierten Armeen zu erzielen. Nach einer kurzen Rede des Deputierten Merlin, der ebenfalls das Sani- tätswesen angriff, bestieg Kriegsminister Millerand unter all- gemeiner Spannung die Rednertribüne. Die Dejmtierten strömten in den Sitzungssaal. M i l l e r a n d erklärte, man habe in der Kammer nicht dem Sanitätswesen, sondern ihm persönlich den Prozeß gemacht. Man habe von Untätigkeit und Unfähigkeit gesprochen und behauptet, der Kriegsminister wolle die Fehler seiner Mitarbeiter nicht bestrafen; er sei ein Gefangener seiner eigenen Bureaus und des Oberkommandos sowie ein Feind der Parlamentskontrolle. Er werde im Gedanken an die antworten, die für Frankreich leiden, kämpfen und fallen. Man dürfe nicht sagen, datz Untätigkeit, Unfähigkeit und Anarchis- mus im Sanitätswesen herrschten, das vom Kriege in voller Re- organisation überrascht worden sei. Erst 19 Armeekorps hätten damals neues Material besessen. Seit 1913 habe man die Mobil- machung von 259 999 Betten vorgesehen, jetzt habe man 699 999. Augenblicklich werde täglich Verbandsmaterial für 59 900 Verbände hergestellt. In den Sanitätsdienst seien 17ö SanitätSzüge und 1899 Automobile eingestellt. Bei den Sanitätsformationen an der Front seien allerdings noch Reformen durchzuführen, was auch geschehen werde. Man verfüge jetzt über die nötige Zahl Aerzte. Die Fortschritte des Sanitätswesens seien von den Mitgliedern des Sanitätsausschusses festgestellt worden. Das Sanitätswesen komme den gestellten Anforderungen nach. Fehler seien begangen worden. Er habe den neuen Unterstaatssekretären gesagt: Machen Sie mir Vorschläge. Sie sind im Voraus angenommen.(Lärm link?.) Auf den Rat Godards sei der Direktor des Sanitätswesens abgesetzt worden.(Lebhafte Protestrufe links.) Die Schwierigkeiten seien gross, denn man stoße immer auf persönliche Voreingenommen- heiten, aber man müsse gegen alle gerecht sein. Weil er Männer verteidige, die dem Lande protze Dienste erwiesen hätten, verbreite man daS Märchen, er sei ein Gefangener seiner Bureaus. Er habe feit Oktober über ein Drittel des Personals deS Kriegsministeriums gewechselt. Er glaube, gegen seine Pflicht zu verstoßen, wenn er gegenüber einem seiner Mitarbeiter Matzregeln ergreife, die nicht gerechtfertigt seien.(Heftige Zwischenrufe auf der äußersten Linken.) Der Deputierte Favre protestierte heftig. Ter Präsident drohte, ihn zur Ordnung zu rufen. Der KriegSminister fuhr fort: Man sagt, ich hätte vor der Obersten Heeresleitung abgedankt. Wenn das Land baS Glück besitzt, an der Spitze der Armeen(bei diesem Wort bricht heftige Un- ruhe aus. Die Rechte ruft der Linken zu:„Geht an die Front!" Dalbiez erhob sich und protestierte, Deschanel schwang die Glocke und forderte das Haus auf, die Redefreiheit zu achten, die eine Grundlage der Republik sei. 9Z«ifallsturm.) Millerand fuhr fort... also an der Spitze der Armeen einen General von ab- soluter Loyalität zu haben(langer Beifall auf beinahe allen Bänken. Ein großer Teil der Kammer erhob sich von den Plätzen und klatschte Beifall, außer einigen Sozialisten. Ein neuer Tumult brach aus, Deschanel mutzte lange die Glocke schwin- gen, bevor Ruhe eintrat.) Millerand hob serner die Verdienste der Obersten HeereS- leitung hervor. Seine Beziehungen zu General Joffte seien herz- lich, wodurch er in der Lage sei, eine Kontrolle zu üben, was seine erste Pflicht als Minister sei. Man habe ihn zur Rechenschaft ziehen wollen, weil er Veränderungen in der Obersten Heeresleitung vor- genommen habe, angeblich aus politischen Gründen. Man habe einen ernsten Präzedenzfall schaffen wollen, aber er wisse, datz man Militärpersoneu in Kriegszeiten nur nach ihrem militärischen Werte beurteilen dürfe.(Beifallssturm rechts und im Zentrum, auf einigen Bänken links anhaltende Unruhe.) Er wolle die Parlamentskontrolle ungehindert durchführen lassen, nur solle sich die Kontrolle nicht auf militärische Dinge ausdehnen. Eine Stelle müsse vorhanden sein, die die Verantwortung trage. Di« Oberste Heeresleitung sei der Regierung gegenüber verantwortlich; dieS sei der Leitsatz Joffres, der auch richtig sei. Der Kriegs- minister forderte sodann das Parlament auf, sich eine gewisse Tis- ziplin aufzuerlegen. Die Verbündeten Frankreichs hätten Ver- trauen in diese Klugheit, dagegen hofften die Feinde auf Zwistig- ketten Frankreichs. Gr hoffe, datz man das Vertrauen der Alliierten nicht täuschen und bis zum Ende, dem Siege, einig bleiben werde. (Lebhafter Beifall rechts, im Zentrum und auf einigen Bänken links.) Der Deputierte Franklin Bouillon forderte, daß der Ministerpräsident gewisse Erklärungen, die aus dem Munde des Kriegsministers überrascht hätten, schärfer fasse. Er sagte: Wir können die Behauptung, datz uns ein anderes Gefühl als Vater- landsliebe leite, nicht zulassen.(Beifall auf der äußersten Linken und auf der Linken.) Unsere Pflicht beginnt. Wir können nicht dulden, datz die Kammer urteilt, ohne alles zu wissen. Wir for- dern, daß zu Beginn der nächsten Sitzung der Ministerpräsident eine Erklärung abgibt, die alles zerstreut, was das Land stören und beunruhigen könnte. Der Deputierte P a r e n n e bekräftigt« die Ausführungen Franklin Bouillons und erklärte: es gebe hier keine politischen Vorurteile.(Beifall auf der äutzersten Linken.) Wir wollen, fuhr Varenne fort, die heilige Einigkeit nicht stören; aber eS gibt Dinge, welche die Vertreter der Nation nur sagen können, wenn sie vor jeder Indiskretion geschützt sind.(Beifall links. Protestrufe rechts. Unruhe.) Ministerpräsident V i v i a n i ergriff hierauf das Wort und führte aus, datz er die verlangten Erklärungen geben werde. Er bitte die Kammer, die Sitzung auf den nächsten Donnerstag zu verschieben, da der Kriegsminister am Dienstag abwesend sei. Die Sitzung wurde darauf unter lebhafter Bewegung aufgehoben. die französische Zensur. Paris, 22. August.(W. T. B.) Gustave H e r v 6 be- richtet in der„Guerre Sociale", daß die Z e n s u die Veröffentlichung der deutschen, öfter- reichisch-ungarischen und türkischen Tage?- berichte verboten hat, damit die öffentliche Meinung nicht beunruhigt werde. Iusiizaktion gegen üen Labour Leaöer. London, 22. August.(W. T. B.)„Daily News" meldet: Der Herausgeber des„Labour Leadcr" hat eine Vorladung vor daS Polizeigericht erhalten, weil gewisse Veröffentlichungen gegen die Reichsverteidigungsakte verstoßen. der Kampf gegen öie Wehrpsiicht. London, 22. August.(W. T. B.) Die liberalen Blätter wenden sich scharf gegen die neue Werbetätigkeit für die all- gemeine Wehrpflicht. Der Herausgeber der„Daily NewS", Gardiner, sagt, die Absicht sei. eine billigere Armee zu erhalten, indem man geringeren Sold zahle.—»Daily E h ro- n i c l e" weist darauf hin, datz der Abgeordnete Thomas im Namen von 399 999 Eisenbahnern heftigen Widerstand gegen die Wehrpflicht ankündigt.— Die Wochenschrift„E co nomist" sagt. das jetzige Parlament habe kein moralisches Recht, ohne Neuwahlen die Wehrpflicht vorzuschlagen. Der Plan würde die Nation spalten und eine starke Oppositionspartei schaffen. freigäbe von Zivilgefangenen. London, 22. August.(W. T. B.) Das Auswärttge Amt teilt mit, daß ein Abkommen mit Teutschland über die Heimsendung kriegsuntauglicher Zivil- Personen erzielt worden sei. Die Entscheidung über die Untauglichkeit liege bei dem Lande, in welchem die betreffen- den Zivilpersonen sich befinden. Anmerkung des W. T. B.: Wie uns von zuständiger Seite mitgeteilt wird, sind die Verhandlungen noch im Gange. Ihr Abschluß ist zu erwarten. Bulgarien unö öie Türkei. Der türkisch-bulgarische Vertrag ist nach einer Meldung der„Vossischen Zeitung" aus Sofia nunmehr abgeschlossen worden. Er wurde bereits unterzeichnet. Norwegen unö Deutschlanö. Kristiania, 21. August.(W. T. B.) Der S t o r t h i n g hat sich heute vertagt, soll aber sofort wieder einberufen werden, falls die Lage dies erfordert. Vor Schlutz der Sitzung ersuchte das Storthingmitglied Michlet den Minister des Aeuhern, über die B e- schlagnahme der Post des norwegischen Dampfers Haakon VII. durch ein deutsches Unterseeboot zu berichten. Der Minister des Aeutzern Jhlen erwiderte, eine end- gültige Antwort sei von der deutschen Regierung noch nicht ein- gegangen, aber aus den Telegrammen des norwegischen Gesandten in Berlin gehe hervor, datz dieser der Ansicht sei, daß die Frage eine für Norwegen befriedigende Lösung finden werde. Der Minister des Aeutzern betonte, Norwegen müsse für das ihm angetane Un- recht eine Genugtuung erhalten, die das norwegische Volk befriedige. Er hoffe, noch am Nachmittage eine Antwort von Deutschland zu erhalten, obwohl er dessen nicht ganz sicher sei. Obgleich die An- gelegenheit für das Land von größter Wichtigkeit sei, meinte der Minister, daß es unter diesen Umständen für die Miiglicder des StorthingS schwierig sei, weiter versammelt zu bleiben, um die Ant- wort abzuwarten. Michlet dankte dem Minister für seine Antwort, erklärte aber, daß die Regierung die Angelegenheit zu optimistisch betrachte, wenn sie meine, daS HauS könne sich jetzt vertagen. Minister Jhlen erwiderte, das Storthing könne in kürzester Frist wieder zusammentreten, falls diese oder eine andere Angelegenheit eine für das Land gefährliche EntWickelung nehmen sollte. Der Fühxer der Rechten Hagerup Bull erklärte, er halte die äugen- blickliche Lage für so drohend, daß eS ihm zweifelhaft erscheine, ob eine Vertagung de? Hauses tunlich sei. Er wolle sich dieser aber nicht widersetzen, indem er annehme, datz die Telegramme des Gc- sandten in Berlin, die eine befriedigende Lösung in Aussicht stellten, sich auf Erklärungen gründen, die der Gesandte erhalten habe, Die Unruhen in Persien. Konstantinopel, 22. August.(W. T. B.) Nach eingelaufenen Meldungen hat die Besetzung deS persischen Hafens Bender-Buschir durch die Engländer und die Ernennung des englischen Generalkonsuls zum Gouverneur der Stadt unter der Bevölkerung von Südpersien Erregung hervorgerufen. Der englische und der ftanzö- fische Konsul, die nach Hamadan geflüchtet waren und sich nun auf den Weg gemacht hatten, um auf ihre Posten zurückzukehren, wurden durch Sturmwetter unterwegtS aufgehalten. politische Uebersicht. Heeresfragen. Neber die Sonnabendsitzung der Budgetkommission, über die wir bereits in der Sonntagnummer berichtet haben, liegt noch folgender amtlicher Bericht vor: In der HauShaltSkommiffion wurde heute mit der Beratung einiger Heeresfragen begonnen. Der einzige Redner aus der Kommission, der zu Wort kam, betonte vorweg, datz das Ver- hältnis zwischen Offizieren und Mannschaften an der Front geradezu als ideal zu bezeichnen wäre; Ausnahmen feien hier ganz autzerordentlich selten. Anders lägen die Verhältnisse hinter der Front, besonders in den heimatlichen Garni- sonen. Hier wären die Beschwerden über unange- messene Behandlung der Untergebenen immer noch nicht verstummt, allerdings sei zuzugeben, datz beträchtliche Schwie- rigkeiten beständen, überall ein geeignetes Ausbildungspersonal zu beschaffen. Eine Aenderung des Beschwerderechts würde am meisten geeignet sein, hier Wandel zu schaffen. Weiter äußerte sich das Kommissionsmitglied über den Offizierersatz, das Be- fördcrungswesen, Gehalts- und Löhnungsftagen und regte an, eine Bestimmung zu treffen, die jedem Heeresangehörigen ein Recht auf einmaligen Urlaub einräumt. Auch den Frontoffizieren, die sich im Felde so verdient gemacht haben, sei freie Urlaubsfahrt zu bewilligen. Der stellvertretende Kriegsminister erklärte, datz neuerdings ein Erlaß an die Truppen ergangen sei, von dem man erhoffen könne, datz unangemessene Behandlung von Unter- gebenen, die auch das Kriegsministerium aufs schärfste mißbillige, immer seltener würde. DerguteGeistderTruppemüsse durch gute Behandlung hochgehalten werden. Die Möglichkeit der Urlaubsbewilligung hänge wesenUich von den Verhältnissen an der Front ab. Die Frage der Besoldung der Lazarettkranken sei unlängst dahin geregebt worden, datz diese die immobilen Gebührnisse beziehen. Zur Frage der Besoldungsverhältnisse äußerten sich auch der Reichsschatz- sekretär und ein Vertreter des Reichsamts des Innern, letzterer be- züglich der Tagegelder der Beamten in den okkupierten Gebieten. Aus Groß- Berlin. Butter aus Wasser. " Dafür wird hoffentlich im nächsten Jahre das Wildbret recht billig| Ariegermitwe die gesamten Ersparnisse abschwindelte und der die werden, wenn nicht nach berühmten Mustern die Wildhändler fich Frau zu einem Selbstmordversuch trieb. Der Schwindler war verdie Konjunktur zunuze machen. heiratet. Schwere Anschuldigungen gegen drei Berliner Aerzte und eine Oberin. Radrennen in Treptow. Es gibt herrliche Erfindungen zur Stredung" der borDas Programm der gestrigen Rennen im Sportpark Treptow handenen Lebensmittelvorräte, und die Nüancen in der VerIn der nächsten Schwurgerichtsperiode, die gleich nach Schluß einem Dauerrennen über 60 Kilometer mit der Besetzung: war zusammengesetzt aus dem Großen Preis von Deutschland, billigung und Verlängerung der Nahrungsmittel sind zahllos. der Gerichtsferien beginnen wird, werden sich drei Berliner Aerzte Günther, Pawke, Piet Difentmann und Stellbrink- Dikentmann Die Suche nach neuen Kochrezepten hat unzählige Köpfe be- und eine Oberin wegen Bergehens gegen§ 218 des Strafgesetzbuches sprang für den eigentlich verpflichtet gewesenen Saldow ein, der schäftigt, die bis dahin mit Gedanken nicht belastet waren; es Bu berantworten haben. Es handelt sich um die vor etwa einem als Kraftradfahrer nach einem der Kriegsschauplätze gehen mußte ist einiges Gute und sehr viel Unsinn dabei zutage gekommen. Bierteljahr verhafteten Aerzte Dr. J. aus der Mogstraße und dessen einem 30 Kilometerrennen mit derselben Besetzung, einem FliegerTrog aller gutgemeinten Anstrengungen muß aber betont Assistenten Dr. 2., die beschuldigt find, gegen den betreffenden Hauptfahren und einem Bierkampf zwischen Stabe, Arend, Wegener werden, daß wir nicht hätten zu„ strecken" brauchen, oder doch Paragraphen in wiederholten Fällen verstoßen zu haben. Im Laufe und Lewanow. Der Vierkampf konnte aber nur als Dreikampf nicht in so starkem Umfange, wenn wir von Anfang an eine der Untersuchung wurde die Anklage auch auf einen dritten Arzt, ausgefahren werden, weil auch Wegener am Sonntag morgen ins bessere Lebensmittelpolitik gehabt hätten. Die Industrie hat sich des Schlagwortes vom Strecken" der Klinik des Dr. J., Frau J., ausgedehnt. Allein der erstgenannte Dr. 8., aus der Kantstraße in Charlottenburg und gegen die Oberin natürlich auch bemächtigt. Ersatzmittel für unzählige Dinge Arzt, Dr. J., wird beschuldigt, in nicht weniger als vierzig Fällen find neu entstanden und Riesenprofite haben sich auf mancher- im Baufe der lezten Jahre Frauen unerlaubte Hilfe geleistet zu lei Weise erzielen lassen. Nur die Butter und die Margarine haben. Der Betrieb war ein recht ausgedehnter. Es war unter ließen sich nicht verbilligen. Aber jetzt wird das auch anders. einer gewissen Klasse von Frauen und Mädchen im Westen Berlins In einer großen Berliner Tageszeitung wird mit großen bekannt, daß die betreffenden Aerzte sich zu derlei unerlaubten Lettern ein„ Butterpulver" angekündigt. Für 40 Pf. Pulver Sandlungen hingaben. Dieses offene Geheimnis wurde sehr bald und ein Liter Wasser ergeben ein Pfund Butter! Allerdings über Berlin hinaus in der Provinz bekannt, so daß Dr. J. einen muß diese Portion mit einem Pfund richtiger Butter vermischt werden, aber dann hat man statt einem zwei Pfund Butter! ungeheuren Zuspruch erhielt. Die Preise für seine unerlaubte Warum kann man wohl nicht die aus dem Butterpulver und Hilfeleistung und die weitere Behandlung in der Klinik waren ereinem Liter Wasser hergestellte Butter für sich allein berbrauchen? Sollte am Ende das daraus entstehende Fabrikat nicht genug Aehnlichkeit mit richtiger Butter haben? Aber das Inserat ist noch aus anderen Gründen interessant. Es heißt da: Interessent ist jede Hausfrau, das heißt nicht nur für ihr Bedienungspersonal( dem man offenbar nach Meinung des Inserenten ohne weiteres Minderwertiges vorfegen darf), sondern auch für den eigenen herrschaftlichen Tisch. Interessent ist jede Rolonialwaren- und Drogenhandlung, jedes Milch- und Buttergeschäft und jeder Grossist dieser Geschäftszweige." Sehr verständlich in der Tat ift der letzte Abfat. Das gäbe ja ein aufgelegtes Geschäft für die Butterhändler, wenn die ihre Butter mit dem angepriesenen Fabrikat strecken und heute bei den hohen Butterpreisen an je zwei Pfund Butter einen Ertraprofit von 1,60 bis 1,70 m. einheimsen könnten. Sie werden sich selbstverständlich für die epochemachende Erfindung intereffieren. Aber es dürfte fich wohl auch als notwendig erweisen, daß sich die Nahrungsmittelprüfungsämter und die Polizei für das Butterpulver interessieren und besonders scharf die Butterherstellung überwachen, denn das Volt hat ein Interesse daran, daß es für sein schwer verdientes Geld vollwertige Ware und nicht eine durch irgendwelche Präparate böswillig und wucherisch gestreckte erhält. schreckend hoch. Alle Bemühungen seines Verteidigers, gegen hohe Kaution die Frei Dr. J. fißt nun seit einem Vierteljahr in Untersuchungshaft. laffung des Arztes zu erwirken, sind abschlägig beschieden worden. Dagegen ist sein Assistent Dr. 2. inzwischen auf freien Fuß gesetzt worden. Von den rund vierzig Fällen, die zur Untersuchung standen, find über die Hälfte, weil sie wenig Aussicht zur Ueberführung des Angeklagten bieten, fallen gelassen worden und nur die übrigen, sehr belastenden, stehen zur Verhandlung. Sie werden nicht alle! Bon wahrsagenden Zigeunerinnen um ihre Ersparnisse betrogen wurden borgestern zwei ostpreußische Flüchtlingsfrauen in der Putbuser Straße 45. Eine Frau Schwiersch aus Illogo bei Goldau mußte im August vorigen Jahres mit ihrer Familie vor den Rufsen fliehen, nachdem ihr alter Bater vor Schred gestorben war. Borgeftern wurde ihre Mutter in der Borgingstraße von zwei 8igeunerinnen angesprochen, die sie fragten, ob sie aus Ostpreußen sei, und dann erzählten, fie seien aus Insterburg geflohen. Die mutter baten fie, ihnen eine Tasse Kaffee zu geben, und sie nahm fie ahnungslos in ihre Wohnung mit. Hier waren die Zigeunerinnen bald beim Wahrsagen. Nachdem Frau Schwiersch und ihre Mutter alles Gelb, das sie besaßen, in großen und fleinen Scheinen auf eine flache Sand hatten legen müssen, erklärten die Weiber, Frau Schwiersch sei nerventrant, ihr stehe in den nächsten Wochen ein großes Unglüd bevor. Zur Heilung der Krankheit und zur Abwendung des Unheils gaben sie ein Rezept, das die Frau selbst schreiben mußte:" Weiße Nesselblüte mit Waldmeister und weißen Ful." Als das erledigt war, nahmen die Zigeurerinnen den Frauen unter allerhand Sprüchen die Geldscheine einzeln von den Händen und legten sie ebenso wieder hinauf, dann empfahlen sie sich. Als die Flüchtlingsfrauen jetzt ihr Geld wieder weglegten, entdeckten sie, daß sie statt 180 M. nur noch 50 m. hatten, 130 M. hatten die Wahrfagerinnen verschwinden lassen, ohne daß sie in ihrer Angst und Aufregung etwas gemerkt hatten. Die Leute hatten sich das Geld zusammengespart, um nach Ostpreußen zurückzukehren. Jetzt fizzen fie mit ihren 4 Kindern, die zum Teil auch noch frank sind, wieder mittellos da. Ueberfluß an lebendem Wild- wenig auf dem Markt. In den letzten Jahren vor dem Kriege tam auf den Berliner Markt soviel Wild und zum Teil zu so annehmbaren Preisen, daß auch Minderbemittelte sich den Genuß von Wildfleisch am Sonntag leisten konnten. Gewisse Sorten waren teilweise nicht teurer als Rind- und Schweinefleisch. Mit dem Kriege ist das wieder anders geworden. In allen Jagdrevieren macht sich eine außerordentliche Zunahme des Wildbestandes bemerkbar. Schon im vorigen Hochsommer und Herbst konnte das Wild aus Mangel an Jägern nicht entfernt so start wie sonst abgeschoffen werden. So fielen faft alle Treibjagden, die bekanntlich das größte Ergebnis zu haben pflegen, aus. In der laufenden Jagdsaison fehlt es noch weit mehr an Jägern. Die meisten Förster und Forstgehilfen, aber auch viele Meine Nachrichten. Am hellen Tage eingebrochen wurde am Jagdpächter und ihre Jagdgenoffen stehen im Felde. Auch der Sonnabend in eine an ein Bigarrengeschäft im Hause Romintener Landmann hat bei dem Mangel an ländlichen Arbeitskräften Straße 34 angrenzende Privatwohnung der Voltmerschen Eheleute. wichtigeres zu tun, als auf dem Anstand zu siken. Das Wild hat Gestohlen wurden dort die ganzen Ersparnisse in Höhe von 1500 m. also eine mehr als einjährige Schonzeit hinter sich und hat diese Als Einbrecher fommen zwei junge Leute in Betracht, die vom weidlich zur Vermehrung benutzt. Aus diesen Gründen ist ein weit Sofe in die Wohnung einbrachen. Ein Straßenunfall ereignete stärkerer Wildschaden als in Friedenszeiten beobachtet worden. sich am Sonnabend nachmittag in der Hermannstraße, Ecke der Mahlower Straße. Dort wurde der fünfjährige Erich Mitschalt Hirsch, Neh- und Rotwild, Wildschweine und Hasen, Hühner und von dem Triebwagen 2845 der Linie 55 umgestoßen und unter den Wildenten find so reichlich vorhanden, daß diefe Delitateffen Schuhrahmen gedrückt. Durch Anheben des Wagens wurde der eigentlich so billig wie noch nie zu haben sein müßten. Der Mangel Verunglüdte befreit und nach dem Kreiskrankenhaus Neukölln gean abschuß hat aber gerade das Entgegengefeßte hervorgerufen, schafft, wo die Aerzte eine Bauchquetschung feststellten. In einer nämlich eine Breissteigerung um etwa die Hälfte. Allerdings Ermittelungsfache wurde am geftrigen Sonntag bei der in der tragen auch die hohen Fleischpreise an dieser Steigerung mit Fischerstraße 13, Quergebäude 1 Treppe, wohnenden Wirtschafterin Schuld, nicht minder auch der Umstand, daß der schnelle Eisenbahn- Marie Szameitpreuß eine polizeiliche Haussuchung vorgenommen. transport des abgeschossenen Wildes von entfernteren Jagdgebieten in einer Badewanne. Dabei fanden die Beamten die Leiche eines neugeborenen Kindes nach Berlin erschwert ist. Aus neutralen Ländern kommt ja noch Kindesmordes sofort in Haft genommen. Gs wird angenommen, Die Sz. wurde unter dem Verdacht des Zufuhr, aber diese genügt nicht der Nachfrage. An Aenderung daß das Kind durch Verbrühen ums Leben gebracht wurde dieser Verhältnisse ist vor dem Ende des Krieges kaum zu denken. Wieder ist ein Heiratsschwindler festgenommen worden, der einer ArbeiterRadfahrer- Bund „ Solidarität“. Ortsgruppe Treptow. Nachruf. An seinen auf dem Schlachtfelde erhaltenen Bunden verstarb im Lazarett unser Mitglied Julius Müller Baumschulenweg, Behringstr. 12. Ehre feinem Andenken! Die Ortsgruppenverwaltung. H.Pfau, Bandagist Berlin Direksenstraße 20 C., zwischen Bahnhof Alleganderplas und Polizeipräsidium.- Amt Kst. 3208. Für Damen Frauen- Bedienung. Lieferant für alle Krankenkassen Kennen Sie die Wohltat einer Leibbinde? Sämtliche Systeme am Lager resp. nach Maßanfertigung sowie aller Bruchbandagen Art. Artikel z. Gesundh.- a. Krankenpflege 4 Hobler u. 2 Rundschleifer, 2 Fräser, 8 Dreher für dauernde Beschäftigung gesucht. Nur tüchtige Arbeiter wollen fich Pollmann, Bandagist melben 23affenwerk Oberspree. Berlin N., Lothringer Str. 60. Lieferant für Krankenkassen. Kornbusch u. Co. Spezialarzt Dr. med. Karl Reinhardt. f. Geschlechtskrankheiten, Harnleiden, Schwäche, Ehrlich- Hata- Kuren, Blutund Harn- Untersuchungen. Institute: Prinzenstr. 64 zwischen Dresdener und Annenstraße. Sprechst. 5-7, Sonntags 10-11. 8 Potsdamer Str. 117 d. Lützowstr., Sprechst. 1,11-2 u 8-10 U. abds., Sonnt. 11-1. frei in verschlossenem Kuvert. Aufklärende 48 Seiten starke Broschüre gratis und postGeschäftszeit 8%-7, Sonnabends bis 8 Uhr BERLIN C, Peek& Cloppenburg Gertraudtenstraße 25-26-27 Einsegnungs- Anzüge Brustweite in cm 68-70 72-76 78-82 84-86 Mark Mark Mark Mark 19 20 22 24 22 24 26 28 24 26 28 30 26 28 30 32 KatalogNr. 6870 6883 Geripptes, schwarzes Kammgarn Dunkelblauer Cheviot 6885 Dunkelblauer Anzug, sehr haltbar 6886 Dunkelblauer Anzug, sehr haltbar 6872 6888 Fein geripptes, schwarzes Kammgarn Blauer Anzug, fein gerippt. 26 28 31 33 28 30 33 35 6921 6893 Marengo- Cheviot, solide Ware Blauer Melton- Cheviot, sehr elegant. 30 33 36 38 34 37 40 42 Sonntags geschlossen wollte. Der alte Piet hatte zwar einige gute Momente im Rennen, Feld ziehen mußte. Den Großen Preis von Deutschland gewann Stellbrink wie er fonnte aber Stellbrint niemals ernstlich gefährden und wurde weiter. Pawte, dem es wohl noch an dem nötigen Stehvermögen fehlt, wurde Dritter und Günther weit zurück Bierter.- Das 30- Kilometer- Rennen gewann ebenfalls Stellbrink. Diesmal wurde Bawke Zweiter, Dikentmann Dritter und Günther wieder weit Kampf gegen Lewanow. Arend war wie meist immer nirgends. zurück Vierter.- Den Dreikampf gewann Stabe nach scharfem Im Hauptfahren wurde Abraham Erster vor Behrend, Kuschkow und Naujokat. Aus aller Welt. So kann man's in der Zeitung lesen. Die Münchener Neuesten Nachrichten" veröffentlichen ein Couplet, das bei einem gefangenen französischen Jäger vorgefunden worden ist. Es ist deshalb bemerkenswert, weil es als ein Zeichen gelten fann, wie die französischen Soldaten an der Front das wirken der Pariser Presse bewerten. In deutscher Uebersetzung lautet das Gedicht: So fann man's in der Zeitung lesen. Verfaßt an der Front von Paul Pinson. Ihr müßt nicht denken, daß wir kämpfen Allein aus Stolz, als tapf'rer Held, Um unsere Grenzen zu verändern, Um zu erlangen bares Geld. Nein wenn wir so viel Müh' uns geben, Geschieht's entsprechend unserm Wesen, Für aller Menschen Freiheit immer: So fann man's in der Zeitung lesen. Seit Monden rüdt man nicht vom Blaze, Ein jeder bleibt an seiner Stell', Doch wenn man rüdt nur wie die Schnecke Hübsch langsam stets und niemals schnell. Die Boches sind zwar in unserem Lande Und halten fest, was uns gewesen. Troß allem wird der Sieg uns frönen: So kann man's in der Zeitung lesen. Dem treuen England ist's zu danken, Daß Deutschland jetzt nichts mehr erhält, Daß Brot und die Kartoffeln fehlen, Daß jeder dort vor Hunger fällt. Zwar, alle, die wir noch gefangen, Sind fett wie Pfaffen stets gewesen Doch Hungersnot herrscht dort im Lande: So kann man's in der Zeitung lesen! Rekognosziert da' ne Patrouille Zweihundert Boches fall'n drüber her; Der Korporal boll tapfren Mutes Schreit: Feste drauf, setzt Euch zur Wehr! Da plöglich, piff, paff, puff, ganz nett Kracht's aus den deutschen Mitrailleusen; Doch fürchten sie die Bajonette: So fann man's in der Zeitung lesen! Letthin, es war in einer Scheuer, Da ruhten wir vergnügt uns aus. Da plöglich, ohne daß man fragte, Fiel ein Kanonenschuß ins Haus! Zwei Leute brachen dann die Beine Ganz überrascht bin ich gewesen; Denn niemals plagten ihre Bomben: So kann man's in der Zeitung lesen. Doch was fie immer uns verschweigen, Und was man uns erzählen sollt', Das ist: daß jetzt die Sache lästig, Daß jeder gern nach Hause wollt'. Daß endlich Schluß gemacht muß werden, Daß Krieg genug nun ist gewesen, Daß jedermann die Sache dice: Nie fann man's in der Zeitung lesen! Weddigen- Stiftung für unfere U- Boot- Helden! Gendet unfern Feldgrauena. Blauen Weddigen- Zigarettena.Rauchtabar. 10% des gesamten Fabrifumfatzes dieser anerkannt vorzüglichen Marlen: Weddigen Reichsflagge, 2Pfa Webdigen- 19 4.Pfa 5% Weddigen- Rauchtabat 25Pg. 6. Pafet zu Gunsten der Unterstützung on Hinterbliebene ណា រ Heinrichs Hugo Winderop Berber Cardinal- Cigaretten Fabrit, Frany Foveat 9 Ziehung: 6., 7., 8. Septbr. WohlfahrtsGeld- Lotterie der Deutschen Kolonial- Gesellschaft 330 000 Lose. 10 167 Geldgew.= Mark 400000 75000 40000 30000 20000 † 10000 Hauptgewinne Mark: Wohlfahrts- Lose zu M. 3.30 Porto und Liste extra 30 Pfg. zu haben bei den Kgl. Lotterie- Einnehmern und allen Loseverkaufsstellen Verband Königl. Preußisch. Lotterie- Einnehmer Berlin C. 2, Burgstr. 27. Heines Werke 3 Bände 4 Mart Buchhandlung Vorwärts Berantwortlicher Redakteur: Ernst Däumig, Steglit. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drudu. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.