Ur. 235.-32. Jahrg. flbonncmenfs-Bcdlngitnsfl»; Abonnements> Stets totörauneranb«» SierteljäHtl. S30 Ml. monatt. 1,10 SPit, wöchemlich 26 Sfg.(tei ins Haus. Einzelne Summet 5 Sfg. Sonntag»» nummet mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Weif 10 Pia. Post- Abonnement! 1.10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitimgS- Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Unoarn 2L0 Mari, für das übrig« Ausland « Mari pro Monat. Sostabonnem-nt» nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg. Sorluga!, Rumänien, Schweden and dre Schwei». VIcheiot tZgsich. 5 Pfennig) Me Inserttoux-Gedilhr beträgt für die sechsgespallenc Kolonel- geile oder deren Raum 60 Sfg, für Wort 30 Sfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafsiellennn- zeigen das erste Wort 10 Sfg., jedes weitere Worts Sfg. Worte über IS Buch- 'toben zählen für zwei Worte. Inserate 1r die nächlte Nummer müssen bis . Uhr nachmittags in der Expedinon abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, sie ir Verlinev Volksblskt. Zentralorgan der rozialdemokrati leben Partei Deutschlands. Telegramm- Adresse: „SMiiiltkniolsrat JUrlia", Neüaktton: SV. S8, Linüenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 15190— 15197. Expedition: SW. 68» Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 151 90—151 97. »» Mw des AM SWWlliels. Amtlich. Großes Hauptquartier, de« 25. August 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. Ju der Champagne sprengten wir mit Ersolg mehrere Miucn. In den Bogeseu wurde am Schratzmännlc ein seindlichcr Angriff mit Handgranaten abgeschlagen, und südöstlich von Soudernach ein Teil der am 17. August verloren gegangene« Grabenstücke zurückgewonnen. Ein deutscher Kampfflieger schoß vorgestern bei Nieuport einen französischen Doppeldecker ab. Oestlicher Kriegsschauplatz. heerezgruppe des Generalfeldmarfctjails v. hindenburg. Nördlich des Njemen wurde» bei erfolgreichen Ge- fechten in der Gegend von Birshi 759 Russen zu Gesänge- nen gemacht. Die Armee des Generaloberste« v. Eichhorn drang unter Kämpfen siegreich weiter»ach Osten vor. 1859 Rüsten gerieten in Gefangenschaft, mehrere Maschinen- gewehre wurden erbeutet. Die Armee des Generals v. Schultz erreichte die Berezowka, nahm Knyszhn und überschritt südlich von Tykoci» den Narew. Die Armee des Generals v. Gallwitz erzwang au der Straße Sokoll)— Bialystok den Narcw-Üebergang. Ihr rechter Flügel gelangte, nachdem der Gegner zurück» geworfen war, bis an die Orlanka. Die Armee machte über 4799 Gefangeue(darunter 18 Offiziere) und nahm 9 Maschinengewehre. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinz Ceopold von Bavern. Der Feind versuchte gestern vergeblich, unsere Ber- folgung zum Stehen zu bringen. Er wurde angegriffen und in den Bialowieska-Forst geworfen. Südlich des Forstes erreichten unsere Truppen die Gegend östlich von Wierchowicze. Es wurden über 1799 Gefangene eingebracht. Heeresgruppe des Generalfeldmarlchalls v Mackensen. Die Heeresgruppe nähert sich, dem geschlagenen Feinde folgend, den Höhen auf dem Westufer der Lesna nördlich von Brest-Litowsk).— Auf der Südwestfront von Brest-Litowsk bei Dobryuka, durchbrachen gestern österrcichisch-ungarische und deutsche Truppen die vor- geschobenen Stellungen der Festung. Ans dem Ostufer des Bug, nordöstlich von Wlodawa, dringen Teile der Armee des Generals v. Liusingen unter Kämpfen nach Norden vor. Oberste Heeresleitung. Notiz: Birshi liegt etwa 69 Kilometer nordöstlich Ptmiestez. Set OSetteldlifÖf SeMNMWMl. Wien, 25. August.(SB. T.».) Amtlich wird der. lautbart: 25. August 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Die Truppe» deS Erzherzogs Joseph Ferdinand und deS Generals v. Köveh drängen im Berein mit den Berbündrten den Feind unter unausgesetzten Kämpfen gegen die Lesna zurück. Auch der Widerstand der noch südwestlich don Brest-Litowsk kämpfenden Russen ist gebrochen. Sie wurden durch die Dioissone» des Generals v. Arz und durch deutsche Truppen an de» Fortgürtel geworfen. Nord- östlich Wlodawa treiben deutsche Kräfte deu Feind immer tiefer in die Wald- und Sumpfzone hinein. Die Reiterei deS FeldzeugmeisterS v. Puhallo geht beiderseits der von Kowel nach Kobri« führenden Strasse vor. Honved- Husaren erstürmten ein verschanztes Dorf an der Bahnlinie Kowel— Brest-LitewSk. Zwischen Wladimir— Wolimskij und der bessarabischen Grenze herrscht Rnhe. Italienischer Kriegsschauplatz. Im Abschnitte der Hochfläche von D o b e r d o wurde gestern die feindliche Infanterie, die sich am Südhang de? Monte dei fei Busi eingenistet hatte, durch unser Geschützfeuer zum eiligen Verlassen ihrer Stellungen gezwungen. Unsere Front südwestlich San Martiuo stand wieder unter dem Feuer schwerer Artillerie. Mittags setzten die Italiener hier zu einem neuen Angriff an, der gleich den vorgestrigen Vor« stössen nahe an unseren Verteidigungslinien abgewiesen wurde. Bor dem Görzer und Tolmeiner Brückenkopf sowie im Krngebiete herrscht verhältnismässig Ruhe; da» geu hält lebhaftere Tätigkeit deS Feinde? vor Flitsch und sll a i b l an. Im Tiroler Grenzgebiete entwickelte« sich mehrfach Kämpfe. Gestern spät abends begann feindliche Jnfan- terie gegen de« nördlichen Abschnitt der Hochfläche von Lavarone vorzugehen; heute früh war dieser Angriff ab- geschlagen. Beiderseits der Tonalestrasse greife» seit Morgengrauen mehrere italienische Bataillone an; hier ist der Kampf»och im Gange. Die Artilleriegefechte daner« nahezu an der ganzen Tiroler Grenze fort. Der Stellvertreter des Chefs deS Generalstabrs: von Höfer» Feldmarschalleutnant. Der rusiijche Generalftabsbericht. Petersburg, 24. August.m ganzen... Pfund'l"'0 HammeS-ICoieletts.. stück 26 Pf Lebende Aale... Pfund 78 Pf b* l50 Lebende Karpfen— Pfand S8 pf Schellfisch........ pfund 28, 38 pf. Angelschelif isch...... 55 pf Kabeljau im ganzen... Pfand 28, 48 Pf. Seelachs im ganzen, ohne Kopf. Pfund 38 pf. 26., 22. August Diese Woche: 9rakfifcf)e Vorßjjrmg Jjauswirtfßaß von 10— 1 und 4— 7 Uhr nur Leipziger Strasse und Alexanderplatz. Die heutigen xnbisdiafilichen Verhältnisse verlangen gehieterisch eine sparsame Haaskc Ifang and praktische Aasnalzang von Zeit, Arbeitskraft und Geld. Unsere Veranstaltung soll der Hausfrau Gelegenheit geben, sich zu überzeugen, in wie hervorragender Weise durch neuzeitliche Maschinen Ersparnisse erzielt werden können. "öerrntto. bebakt.: Alfred Wiesepp. Neukölln. Inseratenteil verantw. Tb. Glecke. Berlin. Druck n. Verlag: Vorwärts Bnchdr. u. Verlagsansmit PanlSwger u. Co.. Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u. Uvterhaltungsbl. Dr. 235. 32. Jahrgang. L KnlU Ks.Amilrls" Krlim AlksM Dannerstag. 26. August l9l5. Stimmen öer Parteiprege zur Kanzlerrede. Die Mannheimer„Volks stimme� stellt folgende Be- irachtungen an: Aber der Kanzler wird sich n a ch dem Kriege, der sicher ein in sich vielfach anderes, aber— mögen unsere Erfolge noch so groß sein— nach wie vor in seiner Weltstellung wenig erschüttertes, als Freund wertvolles, als bitteren Feind achtungeinflötzendes England binterlassen wird, der Ueberzeugung nicht verschliefen können, daß, was vor dem Kriege grundsätzlich in Tendenz und Ziel richtig und möglich schien, nach dem Kriege nicht mindez richtig und möglich bleibt, und dast noch so berechtigte Anklagen ei nicht falsch machen. Wir erhoffen alle mit dem Reichs- kanzler für die Tage nach dem Friedensschluß ein in seiner Stellung starkes und gefestigtes Deutschland, aber, wie wir. so wird sich auch der Reichskanzler sagen können: so st a r k und unantastbar wird das Deutsche Reich, werden die Zcniralmächte durch einen irgendwie erreichbaren Sieg dennoch nicht werden können, daß sie, auf sich allein gestellt, aller Welt trotz- hallen könnten. Dieser Krieg wäre für uns, bei allen Erfolgen, verloren, gelänge es uns nicht, durch Einleitung einer ver- nllnftigen Bündnispolitik die heutigen Glieder der Entente zu sprengen und für alle Zukunft auseinander zu reißen, stünden wir am Ende des Krieges nach wie vor einer zwar für den Augenblick geschlagenen, aber dauernd gemeinsam haisenden, gemeinsam auf Rache sinnenden Welt von Feinden gegenüber. Siegen, gut siegen ist gut, so lange man fich wehren muß; aber den er- rungenen Frieden durch Bündnisse und Verständigungen dauernd sichern, ist besser.... Genosse Ouarck schreibt in der Frankfurter„Volks- stimme": Auch diese Rede zeichnete sich aber durch außerordentliche Schlichtheit und Geradheit aus und verschmähte jeden Aufputz. Bethmann Hollweg macht mehr wie je den Eindruck eines seiner schweren Verantwortung bewußten und ehrlich sich mit ihr aus- einandersctzenden Staatsmannes. Er geht keiner Auseinander setzung aus dem Wege, die ihm von unseren Gegnern nahe- gelegt wird. . Das Gepräge und der große Zug der Rede bestand in der Abwesenheit jeder Säbelrasselei und ÄngriffSdrohung und in der Nachdrücklichkeit, mit der lediglich die Notwendigkeit für Deutsch land, sich zu verteidigen und sich Luft zum wirtschaftlichen Atmen zu bewahren, betont wurde. Das Ausland und Ankläger im Inneren haben Deutschland vorgeworfen, eS sei gar nicht in der Not wehr. Die neueste Kanzlerrede ist der beredtste Gegenbeweis. Nicht, weil sie unsere angebliche Schuld am Krieg leugnet, sondern weil ihre ganze Stimmung und Richtung lediglich darauf abzielt, auch nach unseren letzten großen Siegen nur dafür zu sorgen, daß unsere Waffen Deutschland erhalten, vor Verstümmelung bewahren und seine Lebensfähigkeit sichern. Am Schluß wird der Frieden prokla miert, den„die Völker" ersehnen. Das heißt, Deutschland will auch für die Neutralen, deren Sympathie ihm längst nicht mehr gleichgültig ist, Verkehrsfrcihcit auf dem Weltmeere erkämpfen, ebenso wie für sich, keinerlei Eroberungen, sondern nur die Beseitigung der Schranken erreichen, die englische Monopol- berrschaft aufgerichtet hat. Man kann sich freuen darüber, daß der Reichskanzler dieses kulturelle Kriegsziel so stark und geschickt her> vorhob und Annexionen ablehnte, dafür aber die Entfaltung der nationalen Kraft der Polen im Osten als Hilfsmittel gegen Ruß. land anrief. Alles in allem eine sachlich-klare und besonnene, von starkem Verantwortungsgefühl getragene Regierungskundgebung, deren Aus- klang uns Sozialisten sicher sympathischer ist, als die Eroberungs- fanfaren der Franzosen und Russen. Der Braunschweiger. Volksfreund" urteilt: Die Rede des Reichskanzlers in der gestrigen Sitzung des Reichstages war womöglich noch verschwommener und vieldeutiger als seine bisherigen Reden. Jedermann erwartete einigermaßen greifbare Angaben über die Kriegsziele. Das Schlagwort vom Kampf um die„Freiheit der Meere" ist keine derartige Angabe. Man kann sich polittsch und militärisch darunter vorstellen, was man will, und eben darum kann man sich nichts darunter vor- stellen. Nur eins geht aus der Kanzlerrede klar hervor, daß die Regierung den Hauptfeind in England erblickt und den Krieg solange fortsetzen will, bis er fich als geschlagen bekennt. Die Zuspitzung de? Themas auf England schließt in sich, daß Rußland und Frankreich fast unerwähnt blieben. Man wird daraus auf Richtlinien der äußeren Politik schließen dürfen, die vom Gesichts- punkte der demokratischen Entwicklung die größte Besorgnis einflößen müssen. Aber auch vom Gesichtspunkt der äußeren Politik erweckt die Erklärung Englands zmn Hauptfeind Perspektiven, die nichts weniger als heiter sind. Der Abschluß des Krieges ist dadurch ins Unabsehbare hinauSgerückt... Die Vagheit und Vieldeutigkeit der Bethmannschen Rede erweckt in uns den Eindruck, als ob sich dahinter Absichten verbergen, zu denen deutlich fich bekennen man noch nicht möchte. Vieldeutig auch sind die Andeutungen des Kanzlers über die Zukunft Polens. Das hochtönende Befreiungsmanifest, mit dem man in Polen einmarschierte, ist zu schwanken unverbindlichen Redewendungen hcrabgestimmt, jetzt, wo es ans Ausführen gehen soll...1 Zustimmend schreibt daS„ V o l k s b l a t t für Anhalt": Die Rede, die der Reichskanzler gestern im Reichstage gehalten hat, war maßvoll, klug, ehrlich und wirksam. Ein klare? KriegSziel hat der Reichskanzler für den Osten auf- gestellt. Damit ist die Kriegspolitik mit einer deutlichen Wendung gegen den russischen Zarismus genommen. Eine Aussöhnung mit Rußland ist nicht das Ziel. Diese scharfe Front gegen Rußland schließt eine gleiche Schroffheit nach Westen aus. Eins steht nach der Rede des deutschen Kanzlers über allem Zweifel fest: Deutschland will den Frieden jetzt genau so, wie es ihn vor dem Kriege gewollt hat, freilich nur unter der Bedingung freier Bahn für Entwickelung aller Völker. Unter englischer Vormundschaft zu leben, lehnen wir ab. Im Osten aber suchen wir Schutz vor dem russischen Koloß durch Befreiung der.... Müssen das die fran- zösischcn Sozialdemokraten nick-t mit Freuden begrüßen, und muß nicht auch das liberale England fich damit einverstanden erklären? Krieg dem Zarismus! So lautet der Ruf des Kanzlers. Tie starke Betonung aber der vor dem Kriege gesuchten Ver- ständigung mit England läßt deutlich eilennen. daß der gegen- wältige Reichskanzler auch jetzt noch, im Gegensatz zu gewisien Leuten im Lande, solcher Verständigung nicht abgeneigt wäre. Wenn die Staatsmänner in England und Frankreich ebenso be- sonnen sprächen wie der deutsche Reichskanzler, so wäre der Friede in Wochen da. Die„Rheinisch« Zeitung' urteilt folgendermaßen: Aber Bethmann Hollweg schleuderte nicht nur Anklagen in die Vergangenheit, er besprach auch die Zukunst Deutschlands, das Werden eines neuen Europas. Er sieht'den allein möglichen Weg hierzu in einer Stärkung de, Deutschen Reiches. Recht gute Worte. denen wir in den meisten Punkten zustimmen können, aber wir hätten von ihm auch noch gern einige, darüber gehört, ob in ab- schbarer Zeit wieder über Europa die Friedenssonne strahlen könne. Er bekannte fich zu einer Politik, die frei vom Hasse sein solle gegenüber den anderen Völkern, aber auch alle„Senti- Mentalitäten" ausschalten müsie; das läßt gerade nicht darauf schließen, daß der Kanzler die Zeit nahe sieht, in der sich die Völker wieder die Hände zur friedlichen Verständigung reicheit können. Und wie er über die Ziele zur Stärkung des Deutschen Reiches nichts sagte, wie er überhaupt daS so umfaffend erörterte Detail der Kriegsziele bestimmter Gruppen und Parteien gar nicht be- rührte, so fehlte auch ein Bekenntnis über die Wege künstiger deutscher innerer Politik, die doch wohl auch ein wesentlicher Faktor bei der künftigen Kräftigung Deutschlands im europäischen Staaten- bunde ist. Die Elberfelder„Freie Presse" äußert: Wenn der Reichskanzler sein ganzes Gewicht bei der Besprechung der Schuldftage am Kriege einsetzte, so gilt das dem Nachweis, daß Deutschland die Verteidigungsstellung inne hat. DaS ist eine Frage, die natürlich sowohl in der äußeren wie in der inneren Politik nach wie vor die bedeutsamste Rolle spielt. Es scheint, als wenn der Reichskanzler die aufhorchenden Mächte des Vier- Verbandes bedeuten wollte, daß die Verteidigungsstellung nun- mehr, nach einem Jahre schwerster und erfolgreicher Kämpfe für Deutschland und seine Verbündeten, geeignet iei, eine Basis für die kriegerische Gestaltung eines neuen Europas zu bilden. Ein neues Europa kündigte der deutsche Reichskanzler an. Er sagte es mit Beziehting auf die Gestaltung der äußeren Politik. Aber er fügte dem auch, am Schlüsse seiner Rede, die Sätze an: „Die Macht, die uns die innere Stärke gab, können wir nicht anders als im Sinne der Freiheit gebrauchen." Sollen wir daraus entnehmen, daß ein neues Europa auch ein neues Deutschland bedeuten wird? Die Bielefelder„Bolkswacht" schreibt am Schlusie ihres Artikels: Die Voraussetzung für jedes Kriegsziel im Sinne des Sieger? ist der Kriegserfolg. Und dieser ist nicht allein abhängig von der Tätigkeit unserer Waffen, sondern auch von den Zuständen hinter der Front. Die Vorbereitung eines für Deutschland günstigen Kriegsziels ist darum gleichbedeutend mit der fleißigsten Arbeit für weitere Er folge unserer Truppen und der Schaffung von Möglichkeiten für ein weiteres wirtschaftliches Durchhalten. Wir sind mit dem Reichskanzler weiter damit einverstanden, alles daran zu setzen, daß Deutschlands Stellung in Europa stark und unantastbar aus diesem Kriege hervorgeht. Auch für die Freiheit der Weltmeere, für alle Völker, treten wir mit dem Reichskanzler ein. In seinem Bestreben, aus Deutschland einen Hort des Friedens und der Freiheit für alle Nationen zu machen, kann Herr Bethmann Hollweg stets auf die Unterstützung der Sozialdemokratie rechnen. Wir sind weit entfernt, den Reichskanzler für die sozialdemo kratische Politik zu reklamieren. Ihn könnte— wie die Dinge heute immer noch liegen— nichts mehr kompromittieren, als wenn er sagen würde, daß seine Kriegsziele identisch seien mit den For derungen der Sozialdemokratie. Aber ein gut Stück Weges können wir mit dem Kanzler gehen, schon allein darum, weil er kein Säbelraßler ist.„Ohne Krieg kamen wir am glücklichsten vor- wärts," sagte er, und damit hat er ein Wort geprägt, dessen wir uns noch gern in fernen Zeiten erinnern wollen. Eine Politik, die Kriege vermeidet, die einen Hort des Friedens und der Freiheit aller Nationen schaffen will,— das ist ein schönes und großes Programm, an dem wir gern mitarbeiten wollen. Seine Durchführung wird indesien nicht gar so leicht sein. In einem Liebe eines unserer bekanntesten Freiheitssänger heißt es, daß wer fremde Fesseln zerschlagen will, nicht sein eigener Sklave sein dürfe. Das will so viel besagen, daß, wenn Deutsch- land nach außen stark und unantastbar dastehen soll, wenn es wirk- lich der Hort des Friedens und der Freiheit werden soll, es auch im Innern stark und srei sein muß. Wir sind nicht Illusionäre genug. um zu glauben, daß ein solches Deutschland uns aus schönen Träumen ersteht. Auch wir haben die Sentimentalität verlernt, auch wir wissen, daß uns keine Geschenke in den Schoß sallen. und darum: wie früher, so wollen wir auch jetzt arbeiten und kämpfen, uns das fteie Deutschland zu erobern! In einem besonders von der rechtsstehenden Parteipreffe ab gedruckten Korrespondenzartikel heißt es am Schluß: Den Schluß der Kanzlerrcde bildete ein HymnuS auf die Z u kunft Deutschlands. Ein starkes und in seiner Stellung unantastbares Deutschland müsse entstehen, das imstande sei, die Freiheit nach außen zu wahren und ohne Sentimentalität zu schützen. Die Rede des Kanzlers war von besonderer Klarheit und trotz ihrer anderthalbstündigen Dauer in jedem Augenblick interessant und infolgedessen von der gespannten Aufmerksamkeit und dem großen Beifall des Hauses begleitet. Wenn die sozialdemokratische Fraktion in diesen Beifall besonders zum Schluß nicht einstimmen konnte, so liegt das nicht so sehr in dem, was der Reichskanzler wirklich ge> sagt hat. als in dem, was er leider nicht geklärt hat, und nicht zuletzt in der demonstrativen Art, wie die rechtsstehenden Parteien einzelne Erklärungen des Kanzlers über die Sicherung der deutschen Grenzen in ihrem Sinne unterstrichen. Das, was der Reichskanzler nicht geklärt hat, das ist die freiheitliche Entwicklung unserer inneren Politik, die die Voraussetzung für ein starkes und einiges Deutsch- and gegenüber dem Auslande in der Zukunft ist. Ms öer Partei. Zur Abstimmung über die Kriegskredite. Einige Berliner Blätter glauben aus der„Schwäbischen Tag- wacht" entnehmen zu können, daß nur zwölf sozialdemokrattsche Asi geordnete bei der dritten Lesung der Kreditvorlage den Saal ver- lassen hätten, während die anderen Gegner der Kreditbewilligung für die Anleihe im Plenum gestimmt hätten. Diese Folgerung«nt- spricht den tatsächlichen Verhältnissen nicht. Wie wir bereits in Nr. 233 mitteilten, stimmten von den 36 Abgeordneten, die in der Fraktion gegen die Bewilligung sich erklärt hatten, nur drei im Plenum für die Kredite. Abg. Rühle legt Wert auf die Fest- stellung, daß er nicht den Saal verlassen hat, sondern daß eS ihm bei der ungewöhnlichen Plötzlichkeit der Abstimmung nicht möglich war, den Saal rechtzeitig zu erreichen; er würde im Plenum gegen die Kredite gestimmt haben. Aus den Organisationen. Der Bezirksvorstand von Halle veröffentlicht im Halleschen„Volksblatt" den Jahresbericht für das am 31. März beendete Geschäftsjabr. Danach ist im Bezirk die Mitgliederzohl von 26 174 am 1. April 1914 auf 17 S71 Mitglieder am 31. März 1915, also um 19.1 Proz. gesunken. Dieser Rückgang bezieht sich in der Hauptsache auf die männlichen Mitglieder, was sich aus den vielen Einberufungen zum Heeresdienst erklärt. Die Zahl der männlichen Mitglieder ist im ganzen Bezirk von 21769 auf 13 910 am 31. März 191S zurückgegangen. Das ist ein Verlust von 7859 oder 36,1 Proz. an männlichen Mitgliedern. Da nun aber bis 31. März 1915 bereits 9636 Genossen einberufen waren, was einem Prozentsatze von 42,8 der Ziffer der männlichen Mitglieder vom gleichen Zeitpunkte des Vorjahres entspricht, so kann von einem günstigen Verhältnis gesprochen werden. Die Zahl der weiblichen Mitglieder hat sich von 4405 auf 3661 verändert. Die Zahl der O r t S fi l i a l e n bezw. Distrikts abteilungen ist von 206 auf 191 zurückgegangen. Bei den 15 verlorengegangenen Filialen handelt eS sich fast durchweg um ganz kleine ländliche Mitgliedschaften. Auf die einzelnen Kreiswahlvereine verteilt fich die Mitglieder- zahl folgendermaßen: Versammlungen abgehalten. Die Einnahmen deS Bezirks betrugen inklusive eines am 1. April 1914 vorhandenen Kassenbestandes von 2602,53 M. 19 340,62 M., die Ausgaben 16 134,63 M., so daß ein Bestand von 3205,99 M. an, Schlüsse des Berichtsjahres vorbanden war. Unter den Ausgaben find 6529,61 M. enthalten, die dem Parteivorstand übermittelt wurden. Soziales. Armeelieferungen verdorbener Fleischkonserve«. Gegen den Fleischkonservenfabrikanten Jacobsohn klagte vor dem Jnnungsschiedsgericht der Werkmeister Viehweg auf Zahlung von 226 M. rückständigen Lohn und Schadenersatz sür kündigungslose Entlassung. Der Beklagte gab an, der Kläger habe bei seiner An- stellung die Versicherung abgegeben, er übernehme die Garantie dafür, daß bei den unter seiner Leitung hergestellten Fleischkonserven ein Verderben der Ware völlig ausgeschlossen sei. Nun sei aber eine unter Leitung des Klägers hergestellte Armeelieferung, eine ganze Ladung im Werte von 41 000 M. als verdorben zurückgewiesen. Deshalb sei der Kläger cnt- lassen. Der rückständige Lohn werde gegen den Schaden auf- gerechnet, weitere Ansprüche behalte sich der Beklagte vor. Der Kläger entgegnete:„Die Schinken, um die es sich hier handelt, waren schon als sie mir angeliefert wurden, nicht nur schmierig, sondern stinkend. Ich habe Herrn Jacobsohn darauf aufinerksam gemacht, habe aber auf seine Anordnung die verdorbenen Schinken verarbeitet." Der Kläger legte eine eidesstaatliche Versicherung eines in der Jacobsohnschen Fabrik beschäftigt gewesenen Gesellen vor, welche besagt, daß 2000 Schinken in halbver- dorbenem Zustande angeliefert wurden. Der Beklagte besttitt, daß er auf die verdorbenen Schinken aufmerksam gemacht worden sei. Der Vorsitzende hielt dem Kläger bor, daß er unverant- wortlich gehandelt, ja sich sogar strafbar gemacht habe, indem er die verdorbenen Schinken verarbeitete. Selbst wenn der Beklagte Jacob- söhn die Verarbeitung der verdorbenen Ware verlangt haben sollte, so hätte der Kläger das ablehnen müssen.— Es sei jedoch unerhört, wenn jemand die Hand dazu biete, daß unseren Truppen im Felde verdorbene Nahrungsmittel geliefert werden. In einem neuen Termin soll Beweis erhoben werden über die Behauptung des Klägers, ihm seien verdorbene Schinken zur Verarbeitung geliefert worden. Bezahlung der Reisetage nach der Arbeitsstelle. Die in Berlin ansässige Firma Julius Berger, Tiefb au- Aktiengesellschaft, stellte in Graudenz eiuen Bauarbeiter ein für eine Arbeitsstelle, die sich zwischen Margrabowo und Suwalki befindet. Gleich nach seiner Einstellung trat der Arbeiter die Reise nach der Arbeitsstelle an. Da aber zu jener Zeit— es war im April— jenseits der Grenze kein regelmäßiger Eisenbahnverkehr herrschte, imd schließlich eine längere Strecke zu Fuß zurückgelegt werden mußte, kam der Arbeiter erst nach drei Tagen am Ziel an. Nachdem er sechs Wochen gearbeitet hatte, wurde er krank und befindet sich gegenwärtig in einer Heil- ansialt bei Berlin. Weil sich die Firma weigert, dem Ar- beiter die Reisetage zu bezahlen, verklagte er sie beim Gewerbegericht. Hier erklärte der Vertteter der Beklagten:„Die Firma wird dem Kläger doch nicht drei Tage bezahlen, wo er nicht gearbeitet hat, wenn sie Kriegsgefangene bekommt, die ohne Lohn ar- beiten."— Mit solchen„Gründen" kam der Vertreter der Firma vor Gericht natürlich nicht durch. Die Beklagte wurde zur Zahlung der drei Reisetage verurteilt, weil sie nach dem vorliegenden Arbeitsvertrage zur Bezahlung des ersten Reisetages ohne weiteres verpflichtet ist, und der Schaden, welcher dem Kläger durch die Sperrung des Verkehrs entstanden ist, von der Firma getragen werden muß, welcher der Kläger ja von seiner Einstellung ab zur Verfügung stand._ Wer hat den Arbeitslohn zn zahlen? In zwei Fällen hatte sich die Kammer 3 des Gewerbe- gerichts mit der Lösung dieser Frage zu beschäftigen. Im ersten Falle klagte aus Zahlung von rückständigem Lohn ein Maurer, welcher der Meinung war, er habe bei der Firma Fritz Käferle, Zentralheizung, gearbeitet, während in Wirklichkeit ein Maurerpolier Schädel der Arbeitgeber war. Diesem hatte die Firma Käferle für eine vereinbarte Pauschalsumme von 1000 M. die Ausführung von Maurerarbeiten an einer Heizungsanlage übertragen. Die erforderlichen Arbeiter hatte Schädel einzustellen. Vor Vollendung der Arbeiten wurde das Verhältnis zwischen Schädel und seinem Arbeitgeber gelöst. Den letzten Wochenlohn bekam der Kläger nicht. Er klagte deshalb gegen Schädel und Käferle und versichernder habe den Umständen nach annehmen müssen, daß die Firma Käferle, bei der er jetzt noch arbeite, auch damals schon seine Arbeitgeberin war.— DaS Gericht kam zu der Ansicht, Schädel sei der Arbeitgeber. Er wurde zur Zahlung verurteilt, ver- sicherte aber, daß er nichts habe und bei ihm nichts zu holen sei. Im zweiten Falle klagte ein Dachdecker wegen 76 M. rück- ständigen Lohn gegen den Maurermeister Jung, der den Kläger allerdings beschäftigt hat, aber in der fraglichen Zeit nicht mehr sein Arbeitgeber gewesen sein will. Es handelt sich um Reparatur- arbeiten an Baulichkeiten auf einem städtischen Grundstück am Süd- ufer. Generalpächter des Grundstücks ist ein Kaufmann Kiselowski. Eines Tags bekam Maurermeister Jung die Nachricht, der Geldgeber habe die Zahlung eingestellt. Jung wies darauf seine Arbeiter an, die Arbeiten einzustellen. In diesem Augenblick erschien der Inhaber der Norddeutschen Eisengießerei, Direktor Frey, und sprach den Wunsch aus, es möge wenigstens das Dach seines Fabrikgebäudes fertig- gestellt werden. Der Dachdecker wurde denn auch damit beauftragt und arbeitete weiter. Nach seiner durch Zeugen gestützten Angabe hat Jung ihn beauftragt, weiter zu arbeiten. Dieser bestreitet' das und lehnt die Zahlung ab indem er behauptet, Direktor Frey habe sich verpflichtet, den Dachdecker zu bezahlen. Direktor Frey bestätigte das als Zeuge, weigert sich aber auch, dem Kläger den versprochenen Lohn zu zahlen, weil die Arbeit so schlecht sei, daß der Regen durchs Dach laufe— Das Gericht wies die Klage ab, weil nicht der Beklagte, sondern Direktor Frey die Haftung für die Lohnzahlung übernommen habe. Für diesen sei das Gcwerbegericht nicht zuständig. Mus Groß-Serlin. Neue Klagen von Sandsacknäherinne«. J-n„Vorwärts" wurde bor einigen Wochen festgestellt, daß in der Sandsacknähcrei keineswegs immer so leicht Arbeit zu finden ist, lvie es vielleicht auf den ersten Blick aussieht. Gewiß mögen die Austräge der Heeresverwaltung auf Lieferung von Sandsäcken groß sein, so daß eine starke Nachfrage nach Sacknäherinnen besteht, doch auch das Angebot von Arbeitsuchenden ist in der Kriegszeit durch viele Kriegerfrauen erheblich verniehrt worden. Wir berichteten über einen in Berlin auf dem Grundstück Schönhauser Allee 8 untergebrachten Betrieb. dessen Inhaber durch Zeitungs- Inserate den Heimarbeiterinnen dauernde Beschäftigung in der Sandsacknäherei versprechen zu können meinte und dann gegenüber dem Ansturm der sich meldenden Frauen außer- stände war, allen die gewünschte Arbeit zu geben. Jetzt gehen uns von Sacknäherinnen neue Klagen zu. die diesmal einem Betrieb auf dem Grundstück Landwehr st raße 25/29 gelten. Seit Wochen ist die Landwehrsiraße, in der es sonst so still cherging, der Schau- platz außerordentlicher Ansammlungen von Frauen, die teils bei der Firma auf Grund ihrer Zeitungsinserate oder ausdrücklicher Hin- bestellungen sich Arbeit holen wollen, teils hier schon als Sacknäherinnen beschäftigt werden und nun die angefertigte Arbeit zu liefern haben. An manchen Tagen steht vor dem Geschäftslokal und den benachbarten Grundstücken unter Aufsicht von Polizei vom frühen Morgen an eine nach Hunderten zählende Schar, die im Laufe des Vormittags und des Nachmittags bis gegen Abend hin durch neu Hinzukommende sich immer wieder ergänzt. Es hat da schon erregte Auftritte gegeben, weil den zu vielstündigem Warten verurteilten Frauen all- mählich die Geduld riß, zumal wenn schließlich der Bescheid kain, daß wieder mal»die Arbeit alle geworden" war und die Arbeitsuchenden mit leeren Händen nach Hause gehen konnten. Auch die zur Lieferung antretenden> Frauen, die mit ihren schweren Ballen von Ivb genähten Säcken manchnral mehrere Stunden auf der Straße stehen müssen, che sie eingelassen werden können, klagen bitter über die ihnen zugemutete überlange Warte- zeit. Mehrfach sind Ohwnachtsanfälle vorgekommen, und ein unter den Frauen verbreitetes Gerücht will sogar von ernsterem Schaden wissen, der einer Frau widerfahren sei. Es scheint, daß es der Firma nicht nur an ausreichenden Räumen, sondern auch an genügendem Personal fehlt, um solche Scharen in nicht zu langer Zeit abzufertigen. Man stelle sich vor, wie dieses vielstündige Warten diejenigen Frauen, die daheim kleine Kinder zurücklassen, in schwerste Unruhe und Sorge versetzen muß! Am Montag dieser Woche haben wieder Hunderte viele Stunden hindurch vor und in dem GeschäfiSlokal auf Abfertigung warten müssen; ber'piclsiveise konnten die aus der Straße stehenden Frauen von 0 Uhr bis nach 1 Uhr nicht einen Schritt vor- rücken, weil in dieser ganzen Zeit keine neuen Nummernkarten zum Einlaß verteilt wurden. Am Nachmittag hängte dann ein An- gestellter wieder das Plakat aus, das den Arbeitsuchenden schon bekannt ist und vielen noch Wartenden eine bittere Enttäuschung be- reitete:.Heimarbeit wird bis auf weiteres nicht ausgegeben." Frauen haben uns gesagt, daß sie an Tagen, wo sie liefern müssen, infolge des Zeitverlustes und der Erschöpfung kaum noch mit der neuen Arbeit beginnen können, falls sie an diesem Tage überhaupt neue Arbeit erhallen haben. Ost sind sie genötigt, an dem einen Tage zu liefern und an einem anderen Tage neue Arbeit zu holen, so daß sie doppeltes Fahrgeld auszugeben, doppelten Zeitverlust dranzusetzen und doppelte Mühe zu ertragen haben. In der„Volks- zeitung" wurde vor mehreren Wochen erzählt, daß die Sandsack- näherinnen eine hübsche Anzahl Säcke an einem Tage nähen könnten und einen Verdienst bis zu S M. pro Tag hätten. Wie wenig sie an den Tagen der Lieferung angefertigter Arbeit oder der Abholung neuer Arbeit verdienen können, darüber las nian in der„Volksztg." nichts. Neber den Verkehr mit Kriegsgefangenen. Amtlich. Berlin, 25. August.(W. T. B.) Das Oberkommando in den Marken erläßt folgende Bekanntmachung:_ Es ist zur Kenntnis gekommen, daß den auf Arbeit be- sindlichcn Kriegsgefangenen von Zivilpersonen ver- botcne Gcnußmittel und andere Gegenstände zugesteckt wer- den, darunter sogar Geld und Kleidungsstücke, durch welche eine Flucht begünstigt wird. Ich mache darauf aufmerksam, daß die betreffenden Personen sich der Gefahr schwerer Be- strafung aussetzen; ich verweise auf die ZZ 120, 121, 257 des Reichsstrafgesetzbuches. Zugleich bestinime ich hiermit für das Gebiet der Stadt Berlin und der Provinz Brandenburg auf Grund des 8 3b des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4� Juni 1851: Wer an Kriegsgefangene unbefugt Alkohol, Streichhölzer, Feuerzeuge, Geld oder Kleidungsstücke gibt oder ihnen zu deren Beschaffung behilflich ist, wird init Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft. Die Behörden sind angewiesen, Zu- loiderhandelnde erforderlichenfalls sofort in Sicherheitshaft zu nehmen. Der Oberbefehlshaber in den Marken v. Kessel, Generaloberst. Kontrolle der Lebensmittelpreise. In der Angelegenheit„Einrichtungen zur Bekämpfung über- mäßiger Lebensmittelpreise", welche die Stadt Berlin unter Mit- Wirkung der fünf anderen Groß-Berliner Städte in die Hand gc- nommen hat, fand gestern vormittag im Rathaus eine Versammlung der an der Mitarbeit zu beteiligenden Kreise statt. Es waren ver- treten die Stadt Berlin durch den Oberbürgermeister, den Bürger- nreister, den städtischen Dezernenten, Stadlverordnete und die Di- rclioren de-S Statistischen Amts, der Güter, Markthallen, des Vieh- und Schlachthofs; ferner die fünf Nachbarstädte durch ihre De- zcrnenten; die Handelskammer, die Aeltesten der Kaufmannschaft, der Bund der Handel- und Gewerbetreibenden und die Landwirtschaftskammer: die Kreise der Erzeuger, des Groß- und Kleinhandels; endlich als Verbraucher der Nationale Frauendienst, der Kriegsausschuß für Konsumenteninteressen, die Gewcrkschafts- kommission, die Konsumgenossenschaft für Berlin und Umgegend und der Beamtenwirtschaftsverein. Oberbürgermeister Mermuth begrüßte die Erschienenen und be- tonte in seiner Ansprache, daß, nachdem wir über die Sorge für die Lebensmittel Vorräte hinweg seien, jetzt die Sorge für die Preis- gcsialtung auftrete. Die Preisbildung dürfe nicht dem Zufall und— jetzt in Kriegszeiten— nicht allein dem Gesetz von Angebot und Nachfrage überlassen bleiben, der Krieg dürfe nicht als Kon- junktur betrachtet werden. Der Oberbürgermeister bat die Er- schienenen, sich der Wichtigkeit der Aufgabe, zu deren Lösung sie inhhelfen wollen, voll bewußt zu sein und an die Arbeit mit dem festen Entschluß heranzutreten, die Auswüchse der Preisbildung zu bekämpfen und zugleich den Handel gegen unberechtigte Vorwürfe zu schützen. EZ fand hiernach eine Aussprache statt, über das Ziel der Arbeit und über die Wege, auf denen es erreicht werden kann, sowie über die von dem einzelnen zu übernehmenden Pflichten. Demnächst wurde der Zentralausschuß und die unter ihm arbeitenden Fachausschüsse gebildet, in denen die Stadtverwaltungen, die Er- zeuger, Vermittler, Groß- und Kleinhändler und Verbände vertreten sind. Die Fachausschüsse sollen noch im Laufe dieser Woche zusammen- treten. Verteilung der Hafervorräte. Der Magistrat Berlin weist durch eine besondere öffent- liche Bekanntmachung an den Anschlagsäulen auf folgen- des hin: Mit dem 1. September 1915 beginnt die Verteilung der Hafervorräte des neuen Erntejahres. Naturgemäß läßt sich heute noch nicht übersehen, wie groß die Vorräte sind, die nach Befriedigung der Bedürfnisse unseres Heeres für die Verteilung in unserer Stadt zur Verfügung stehen. Jeden- falls ist aber notwendig, daß äußerste Sparsamkeit waltet, und daß die Bestimmungen, die das Reich erlassen hat, genau befolgt werden. Bis zu einer anderwciteu Festsetzung durch den Bundesrat werden wir, wie bisher, 3 Pfund Hafer für jeden Tag und jedes Pferd zur Verteilung bringen. Auf ein Mehr an Hafer hat kein Pferdehaltcr Anspruch. Trotz vielfacher Hinweise, die durch die Tageszeitungen und durch Bekanntmachungen an den Anschlagsäulen ergangen sind, ist von einzelnen Pferdehaltern der Versuch gemacht worden, sich in den Besitz von mehr Hafer zu setzen, als ihnen nach der Zahl ihrer Pferde zusteht, indem sie den zuständigen Stellen gegenüber unrichtige Angaben über die Zahl ihrer Pferde machten, oder anfänglich richtige, aber durch Ab- schaffung von Pferden unzutreffend gewordene Angaben auch weiter dazu benutzten, eine größere Anzahl von Haferscheinen, als ihnen zukam, zu erhalten. Wir weisen hierdurch nochmals darauf hin, daß solches Vorgehen abgesehen davon, daß es geeignet ist, die Allge- meinheit zu schädigen— sowohl nach den Bestimmungen des Reichsstrafgesetzbuches als auch nach den besonderen Bestim- mungen der Bundesratverordnung, betreffend Regelung des Verkehrs mit Hafer, strafrechtliche Verfolgung nach sich zieht. Die Haferscheine sind, wie bisher, beim Vorsteher des Bezirks in Empfang zu nehmen, in dem die Pferde stehen. Bei der Empfangnahme der Haferscheine für die Zeit voni 1. bis 15. September, die diesmal nicht vor dem 28. August geschehen kann, sind von neuem der Wahrheit entsprechende, durch den Hauswirt oder das zuständige Polizeirevier zu be- stätigende Bescheinigungen über die Anzahl der vorhandenen Pferde vorzulegen. Tie Haferschcine sind persönlich beim Be- zirksvorsteher in Empfang zu nehmen. Abholung durch Kinder oder Dienstboten ist nicht gestattet. Vom Fahrstuhl totgequetscht. Die Berliner Feuerwebr wurde gestern mittag nach dem In- dustriegebäude in der Beuthstr. 18 gerufen. Dort war der löjähnge Hausdiener Walter Lamm aus Göritz von der Buchbinderei Eckert mwefugterweise mit einem anderen Hausdiener der Buchdruckcrci von Feilchenfeld beim Transport von Papier in einem Lastfahrstuhl vom Erdgeschoß bis zum vierten Stock gefahren, obgleich ein Verbot bestand. Oben angekommen wurde er mit der Brust und dem Ge- ficht so eingeklemmt, daß in kurzer Zeit der Tod bei ihm eintrat. Die Feuerwehr holte die Leiche heraus, die von der Polizei be- schlagnahmt wurde. Der andere Hausdiener kam mit dem schrecken davon. Berliner Kartoffelzentrale. Auf Antrag des Staatsanwalts beim Kgl. Landgericht I nahm am gestrigen Mittwoch die Schöneberger Kriminalpolizei den 4öjäh- rigen Kaufmann Siegfried Löwenthal fest, der in der Prinz- Regenten-Straße 75/76 einen kleinen Parterreraum gemietet hatte, dem er den hochtönenden Namen„Berliner Kortoffelzentrale" ge« geben hatte. Löwenthal wird beschuldigt, daß er mit auswärtigen Proviantämtern und mit Heereslieferanten Verträge abgeschlossen hatte, wonach er sich verpflichtete, große Posten Kartoffeln— bis zu 10 000 Zentner— zu liefern. Auf diese Lieferungen hat sich L. stets mehrere tausend Mark als Vorschuß auf die Provision geben lassen. Totsächlich war er aber nicht in der Lage, die Aufträge aus- zuführen, hat aber auch nicht die ihm gewordene Anzahlung zurück- erstattet, da er völlig mittellos ist. L. wurde in das Moabirer Untersuchungsgefängnis eingeliefert. In der Sommerfrische verhaftet wurden der 28 Jahre alte Bureaugehilfe Karl Johanesson aus Lübeck und seine 36 Jahre alte Gelieble Wilhelmine Stickelmann aus Bremen, die wegen Unter- schlagung von 17 000 M. auch von der hiesigen Kriminalpolizei seit fünf Wochen gesucht wurden. Jobanesson war in Lübeck auf einem Amt beschäftigt und brannte mit seiner Geliebten, einem Straßen- mädchen zunächst nach Bremen durch. Von dort wandte sich das Pärchen nach Berlin. Die Kriminalpolizei ermittelte, daß er nach Stolzenbagen-Zühlsdorf abgereist war und dort eine Sommer- Wohnung bezogen hatte. Lebensgefährliche Vergiftungen zogen sich am gestrigen Mittwoch der Monteur KoschinSky aus der Zorndorfer Straße und der Kriegs- gefangene Jankowsky in der Asphaltfabrik von Dr. Schliemann in Rudow zu. Beini Aneinanderschließen von zwei Asphaltbehältern entströmte diesen soviel Schwefelwasserstoff, daß beide Männer nach kurzer Zeit bewußtlos wurden. Hinzukommende Kollegen benach- richtigten dann einen Arzt und die Feuerwehr, deren Wieder- belcbuugsversuche Erfolg hatten. Die Verunglückten wurden nach dem Kreiskrankenhause in Britz gebracht. Metalldiebe. Eine Belohnung von 300 M. setzt die Eisenbahndirektion auf die Ermittelung von Metalldieben aus, die jetzt wieder in größerem Umfang ihr Unwesen treiben. Die Diebe schrauben Beschläge und Türllinken entweder während der Fahrt oder dann ab, wenn die Wagen auf toten Gleisen stehen. Dieses Unwesen ist doppelt schäd- lich. Der Verlust an Metallwerten fällt noch am wenigsten ins Ge- wicht. Viel größer ist der andere Schaden, der der Eisenbahn- Verwaltung dadurch entsteht, daß sie die der Metallteile beraubten Wagen zeitweilig aus dem Betrieb herausnehmen muß, weil die gestohlenen Teile nicht sofort ersetzt werden können. Kleine Nachrichten. Ein Zusammenstoß eines Lastwagens mit einem Straßenbahnwagen ereignete sich am Dienstag abend gegen l/z3 Uhr an der Ecke der Fenn- und Heidestraße. Dort bog ein Kohlenwagen der Firma I. Bettinger kurz vor einem heran- nahenden Wagen der Linie 5 auf das Gleis und wurde, da der Führer trotz aller Bemühungen den Wagen auf so � kurze Em- sernung nicht mehr zum Stehen bringen konnte, angefahren. In- folge des Anpralles stürzten der Kupcher Hochstädt und der Mi- fahrer Paduch vom Kohlenwagen herab; ersterer erlitt eine Kops- wunde und Rippenquetschungen, letzterer einen Bruchs des rechten Beines. Die beiden Verunglückten erhielten auf der nächsten Unfall- station Notverbände und wurden von dort nach dem Rudolf- Virchow-Krankenhans gebracht.— An der Ecke der Koch- und Mark- grasenstraße stieß ein Wagen der Linie 98 gegen den Beiwagen eines aus entgegengesetzter Richtung kommenden Zuges der städtischen Straßenbahn(B-Hrenslraße— Treptow). Beide Wagen sprangen aus den Schienen, Personen wurden jedoch nicht verletzt. Mus öen Gememöen. Wochcnmärkte in Schöncberg. Die von den städtischen Körperschaften der Stadt Schöneberg beschlossene Einrichtung eines neuen Wochenmarktes vor dem Rathaus aus dem Rudolph-Wilde-Platz hat die Zustimmung des Polizei- Präsidenten in Schöneberg erhallen. Ter neue Markt wird am Dienstag und Freilag jeder Woche, im Sommer von vormittags 7 Uhr bis nachmittags 1 Uhr, im Winter von vormiltags 8 Uhr bis nachmittags 1 Uhr abgehallen werden. Die Eröffnung des Markles soll am Dienstag, den 7. September d. I. erfolgen. Außer diesem neuen Markte bestehen in Schöneberg Wochenmärkte am Winterseldt- platz am Mittwoch und Sonnabend vormiltag, auf dem Dürerplotz am Dienstag und Freitag vormittag und an der Ebersstraße am Montag und Donnersrag vormiltag, sowie am Sonnabend nach- mittag._ Aus der Gemeindevertretung Johannisthal. Die Gemeindevertretung beschäftigte sicki in der letzten Sitzung zunächst mit der Gewährung von Mankogeldern an den Kassen- beamtcn, die nach dem Vorschlage des Gemeindevorsichers auf 100 M. festgesetzt wurden. Zum zweiten stellvertretenden Standesbeomicir wurde Herr Rchbein mir 5 gegen 6 Stimmen gewählt. Eine längere Zeit nahm die von unseren Parteigenoffen angeregte Besprechung der Lebensmittelversorgung durch die Gemeinde in Anspruch. Gc- nasse R a d o m k e ersuchte um Auskunft über die im Orre ver- breitelen Gerüchte, wonach bei der Abgabe von Kohlen in größeren Mengen an Private mehreren Einwohnern und Beamten gegen- über den übrigen Käufern Vorteile zugeführt worden seien. Der Gemeindevorsteher erwiderte, daß die Kohlenabgabe an einige Private aus Mangel air Platz für 11 000 Zentner Kohlen, die zu lagern waren, geschehen sei. Bei der Kohlen- anfuhr habe sich ein Waggon nicht mehr unterbringen lassen und die Abgabe an'Private Schwierigkeiten gemacht. Später seien Kohlen nicht mehr abgegeben und dem Beschluß der Gemeindevertreter, die Kohlen für Notfälle aufzubewahren, Rechnung getragen worden. Die Kohlen werden nunmehr nach einem Anlrage unserer Parteigenossen, dem sich auch der Gemeindevorsteher anschloß, mit Beginn der Winlermonate mit einem den Beschaffungskosten enl- sprechenden Aufschlage an die Einwohnerschaft abgegeben.— Bei der Besprechung über eine bessere Verteilung der Konservenabgabe wurde mitgeteilt, daß noch zirka tausend Dosen Fleischkonserven und ein kleiner' Teil Rotwurst vorhanden sei, während die Bestände an Leberwurst geräumt seien. Einem weiteren Wunsche unserem Partei- genossen, auch Reis in kleineren Mengen als 5 Pfund ahzugebest, soll Rechnung getragen werden.— Bei der Versorgung mit Petro- leum wollte der Gemeindevorsteher eine weitere Hinausschiebung der Höchstpreise bei der Regierung nachsuchen, um so den Verlust, den die Gemeinde durch den von der Regierung festgelegten Höchstpreis von 32 Pf. erleidet, zu verringern. Auch diesem Vorhaben wurde von unseren Parteigenossen wideriprochen. Zum Schluß versprach der Gemeindevorsteher, für die Verbilligung respektive gegen eine weitere Steigerung der Milchpreise zu wirken. Gemeindevcrtreterfiyung in Niederschönhausen. Die letzte Sitzung der Gemeindevertretung beschäftigte sich mit einer Vorlage, wonach die durch die Garnisonverlegung entstandeneu Unkosten durch eine Anleihe von 150 000 M. mit 6 Proz. Zinsen be- schafft werden sollen. Bei dem notwendigen Umbau der Schule, des Lokals und beim Bau der Baracken sollen auf Antrag des sozial- demokratischen Vertreters ansässige Arbeiter und Handwerker beschäftigt werden. Gen. B r e i t m a n n machte in der Besprechung darauf aufmerksam, daß es richtiger wäre, von dem Umbau der Schule Ab- stand zu nehmen, um Kosten zu ersparen und den Kindern nicht den Unterricht zu beschränken. Dein entgegnete der Vorsteher, daß ohne die Schule keine Gewähr übernommen würde, eventuell wäre der ganze Plan daran gescheitert. Die zu dieser Angelegenheit gestellten Anträge wurden mit 11 gegen 5 Stimmen angenommen. Nachdem noch 100 M. für die Jugendwehr bewilligt waren und einige Ersatz- Wahlen zu stellvertretenden Armenbezirks-Vorstehern während der Kriegszeit ihre Bestätigung gefunden, wurde die öffentliche Sitzung geschlossen._ Mus aUer Welt. Ein Gefangener als Lebensretter. Der„Erfurter Tribüne" wird aus Ohrdruf mitgeteilt: Als hier am Dienstagabend das Postkommando zurück auf dem Wege nach dem Lager am Marktplatzbrunnen vorbeischritt, gewahrte ein französischer Gefangener, daß ein etwa vierjähriger Knabe, der beim Spielen in den tiefen Brunnen gefallen war, mit dem Tode rang. Der Franzose sprang kurz entschlossen in den Brunnen, tauchte und brachte das Kind glücklich heraus. Ehre dem wackeren Manne! Erneute Tätigkeit des Stromboli. Wie gemeldet wird, ist der Kraler des Stromboli auf der Insel gleichen Namens, nördlich von Sizilien, seit einigen Tagen in großer Tätigkeit. Er wirft große Lavamengen aus, die jetzt zwischen beiden Krateröffnungen einen feurigen See bilden. Die Auswürfe sind von explosionsartigem Donnern begleitet. Die abergläubische Bevölkerung der umliegenden Gegenden ist sehr aufgeregt. Parteiveranstaltungen. Tie Arbeiterjugend der westlichen Bororte veranstaltet am Sonntag, den 29. August, von nachmittags 3 Uhr ab in M a r i e n d o> s, Restaurant Schweizcrhaus, Inhaber Stritzke, Großbeeren st ratze, ein S o m m e r s e st. Auch die Parteigenossen und ihre Angehörigen sind dazu eingeladen. Vriefkaften öer Reüaktivn. Tie turistilchc Sprechstunde findet ILr Abonnenten Lindenftr. 3, IV. Hot rechts, parterre, am Atoniag bis Freitag von 4 bis 7 Upr, am Sonnabend von ö bis 6 Mir statt. Jeder sür den B r I e 1 1 a fl e n bestimmten Antrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merlzeichen beizulügen. BrietUche Antwort wird nicht erteilt. Ansragen, denen lein- AbonnementSauitlung deigelügl ist, werden nicht beairtwortct. Eilige Fragen trage man in der Bprechstunde vor. Bertrögc, Schrififliiltc und dergleichen bringe man in die Sprcchftnnde mit. vir dazu brauchen, sich eingearbeitet haben würde, hoffe ich ernsthaft, daß der Krieg längst zu Ende ist. (Bravo!) Abg. Dr. Müller-Meiningen(Vp.): Gewiß können die Leistungen unserer Krieger durch Geld über- Haupt nicht ausgeglichen werden, aber der Grundsatz der Gerechtig- keit mutz zum Durchbruch kommen. Es geht nicht, daß die, die weit vom Schuß sind, soviel besser gestellt sind, als die,� die vor dem Feinde stehen.(Sehr richtig! links.) In staatsrechtlicher Beziehung weichen wir von dem Staatssekretär ab, das Ausgabebewilligungs- recht des Reichstages hat doch mehr als bloß formale Bedeutung. Vergessen wir doch nicht, daß kein Mensch in Deutschland mit einem Krieg gerechnet hat. Gerade der Umstand, daß alle diese Materien gesetzlich ungeregelt gebieben sind, beweist am besten, daß bis zum 4. August 1914 niemand bei uns an einen Krieg gedacht hat, weder im Reichstag, noch in der Regierung.(Lebhafte Zustimmung.) AuS Gründen der Gerechtigkeit und im Interesse unserer Frontoffiziere werden wir für beide Resolutionen stimmen.(Bravo!) Stellvertretender Kriegsminister v. Wandel: Wie der Schatzsekretär ausgeführt hat, sind wir bereits im Be- griff, bestehende Härten nach oben und nach unten auszugleichen. Im übrigen bemerke ich, daß weder bei der Expedition nach Ostasicn noch bei dem südwesiafrikanischen Feldzuge jemand an der Kriegs- besoldungsordnung Anstoß genommen hat. Soweit das Kriegs- Ministerium in Betracht kommt, sind wir bereit, an einer Aenderung mitzuwirken.(Bravo!) Abg. V. Nehbel(f.) hält eine grundsätzliche Revision der Kriegsbesoldungs ordnung jetzt für atisgeschlossen. Hiermit schließt die Debatte. Beide Resolutionen werden angenommen. Die Tagesordnug ist erledigt. Nächste Sitzuiig: Donnerstags Uhr.(Resolutionen, Petitionen und Initiativanträge betr. Abänderung des Gesetzes über den Belagerungszustand. Schluß 5i/z U h r._ Die Hinterbliebenenrente in der Haushaltskommission. In der Hallshaltskommission des Reichstags begründete am Mittwoch Genosse Hoch eine Resolution:„die Verbündeten Re- gierungen zu ersuchen, dafür zu sorgen, daß den H i n t e r b l i e b e- nen der Gefallenen die ihnen nach dem Militärhinter- bliebenengesetz zustehenden Renten ohne Abzug der Familienunter st ützllng ausgezahlt lverden." � Abg. Bauer führt an der Hand von Beispielen die Notwendig- keit dieser Resolution an. Man muß auch den unehelichen Kindern gefallener Krieger Hinterbliebenenrente geben, sobald die Vater- schaft anerkannt ist. Bei der Festsetzung der Rente mutz jede Härte und jeder Formalismus vermieden werden. Man wendet dabei Maximen an, die nicht schart genug verurteilt werden können. General v. Langermann versichert, daß den Beschwerden Be- achtung geschenkt werden soll. Auch die Frage der Hinterbliebenen- rente für uneheliche Kinder soll zur Zufriedenheit gelöst werden. Eine solche Verordnung ist bereits erlassen. An der längeren Debatte, die sich nunmehr entspann, be- teiligten sich besonders die Genossen Bauer, Hoch und Stadt- Hägen sowie der Staatssekretär Dr. Helfferich. Letzterer erklärte, daß er zu der Resolution noch keine Stellung nehmen könne, weil sich die finanziellen Konsequenzen noch nicht übersehen lassen. Ministerialdirektor Lewald und andere Regierungsvertreter sind der Auffassung, daß die nach dem Tode des Ernährers bis zur endgültigen Rentenfeststellung gezahlte Familienunterstützling bei Zahlung der Rente in Abzug gebracht werden könne. Die Reichsregierung habe den Grundsatz aufgestellt, daß aufgerechnet werden solle, was über zwei Monate nach dem Todesfall au Familienunterstützung gezahlt worden sei; allerdings käme nur die Mindest Unterstützung in Frage. Abg. Bauer führt demgegenüber aus, daß jede Aufrechnung ge- setzwidrig sei. Eine Rechtsvorschrift, wonach Aufrechnung der Renten gegenüber anderen Forderungen zulässig sei, gebe es nicht. Wollten die Lieferungsverbände die von ihnen gezahlten Unterstützungen zurückfordern, dann müßten sie wie jeder andere Gläubiger gegen die Kriegerfrau Klage auf Zahlung erheben. Dabei würde in der Regel nichts herauskommen, weil die Rentenansprüche nicht pfänd- bar sind. Die Witwen und Waisen haben zu beanspruchen, daß ihnen die Renten unverkürzt ausgezahlt werden. Geschieht das nicht, so sollte in jedem Falle gegen den MilitärfiskuS Klage auf Zahlung des zu wenig gezahlten Rentenbetrages erhoben werden. Aber vom reinen Rechtsstandpunkt abgesehen sei die Kürzung auch im höchsten Maße unsozial. Weder die Unfall- noch die� Invalidenrenten dürften gegen Unterstützungen, die von dritter Stelle für den gleichen Zeitraum gezahlt wurden, in voller Höhe aufgerechnet werden. Tie Kriegerwitwen und Waisen sollen also schlechter gestellt werden als die Unfall- und Jnvalidenrentncr. Dazu kommt, daß die bedürftigen Kriegerfamilicn, und um die allein handelt es sich, meist stark verschuldet sind. Die geringe Unterstützung hat nicht ausgereicht, um die Miete in voller Höhe zu zahlen und andere laufende Verbindlichkeiten zu erfüllen. Tic Kriegerwitwen und Waisen brauchen also die Rente, um sich von Schulden befreien zu können, in die sie infolge des Krieges gc- raten sind. Es würde nicht zu verantworten sein, gegenüber den bedauernswerten Witwen und Waisen mit der Sparsamkeit zu beginnen. Ein solches Verfahren würde mit den von allen Seiten abgegebenen Versprechungen, für die Kriegerwitwen und-Waisen in ausgiebigster Weise zu sorgen, nicht in Einklang zu bringen sein. Abg. Erzberger wünscht, daß möglichst vermieden wird, daß Rente und Familienunterstützung für einen bestimmten Zeitraum nebeneinander bezahlt werden. Tie von fortschrittlicher Seite an- geregte Einführung eines Enadcn-Quartals müsse an den Kosten scheitern. Staatssekretär Helffcrich erklärt nochmals, daß er momentan nur eine Prüfung der gemachten Vorschläge zusichern könne. Taß die Regierung den Vorschlägen ablehnend gegenüberstehe, wolle er nicht sagen. Vor einer formellen Aenderung des Gesetzes in diesem Augenblick sei zu warnen. Die Kommission nahm dann einstimmig den Antrag an, in ii 10 Abs. 5 de? Gesetzes vom 28. Februar 1888 nach dein Worte ..Unterstützungen" die Worte einzufügen:„nach Ablauf von drei Monaten von Gewährung der Bewilligung ab". Kaliöebatte in der Hanshaltskommission. Die Kommission für den Reichshanshalt trat Dienstag abend 8 Uhr zur Beratung der Kaliabgabcn während des Krieges zusammen. Die Sozialdemokraten beantragten: „Ten Bundesrat zu ersuchen, auf. Grund des Gesetzes über die Ermächtigung des Bundesrats zu wirtschaftlichen Maß- nahmen usw. voni 4. August 1314, für die Tauer dcS Krieges, rückwirkend vom 1. April 1315, die im§ 27 des KaligcsctzcS ivom 25. Mai 1313) festgesetzte Propagandaabgabe von denjenigen Kalibergwcrken nicht zu erheben, welche nachweisen, daß sie mindestens 75 Proz. der auf sie entfallenden Abgabe den zurzeit bei ihnen beschäftigten Arbeitern und Arbeiterinnen in Gestalt von höheren Schicht- und Gedingelohnen als Teuerungszulage ausgezahlt haben. Eine Abstufung der Lohnzulage, nach der Zahl der in Frage kommenden Kinder unter 16 Jahren, erscheint hierbei geboten." Das Zentrum hatte einen Gesetzentwurf eingebracht, dessen einziger Paragraph lautet: „Die im§ 27 des Gesetzes über den Absatz von Kalisalzen vom 25. Mai 1313 sReichs-Gcsctzbl. S. 775) vorgeschriebene Abgabe wird für das Rechnungsjahr 1315 außer Hebung gesetzt. Bereits erhobene Abgabenbeträgc sind zu erstatten. Die zur Deckung der dem Reiche aus der Ausführung des Gesetzes über den Absatz von Kalisalzen und zur Hebung des Kaliabsatzes entstehenden Kosten sind aus dem angesammelten Reservefonds zu decken." Abg. Sachse bespricht die Verhältnisse in der Kaltindustric. Durch den Krieg ist die Ausfuhr weggefallen; trotzdem gibt es in der Kaliindustrie keine Arbeitslosen. Die Arbeitslöhne sind den- noch gesunken; nicht zum wenigsten dadurch, daß Kriegsgefangene verivendct werden. Die Munition, die von den Arbeitern bezahlt werden muß, ist derart teuer geworden, daß die Arbeiter nichts mehr verdienen können. Eine Anzahl Werke mußten stillgelegt werden. Verdient wird eigentlich nur an dem Kali, das im Ausland abgesetzt werden kann. Ein Ausweg kann gefunden werden, wenn man sich entschließt, die Kaliabgaben aufzuheben. Bedenklich wäre eine Heraufsetzung der Preise, die von den Agrariern sofort wieder zu einer Verteuerung ihrer Produkte benutzt würden. Tie Kaliabgabe liefert jetzt im Kriege vier Mil- lionen Mark, die zum Teil den Arbeitern zugeführt werden können, indem jene Werke von der Abgabe befreit werden müßten, die nachweisen können, daß sie ihren Arbeitern entsprechende Teuc- rungszulaqen bewilligen. Abg. Erzbcrgrr empfiehlt den Weg der sofortigen Schaffung eines Gesetzes. Die Löbne der Arbeiter sind nickt gefallen, sondern gestiegen. Eine Erhöhung der Inlandspreise wäre sachlich gerecht- fertigt. Der Reservefonds, der gegen den Willen der Kaliindustrie gesetzlich vorgesöbrieben ist, kann jetzt herangezogen werden. Abg. Guthein: Tic Kaliindustrie steht vor dem Ruin. Die zeitweise Aufhebung der Kaliabgaben bedeutet für die Werke gar nichts. Hier ist rasche Hilfe nötig, auf lange Erhebungen kann man sich nicht einlassen. Die Preise müssen um 23 resp. 43 Pf. pro Doppelzentner erhöht werden. Ter Mehraufwand der Land- Wirtschaft für Düngung würde zwischen 83 Pf. und 1,23 M. pro Hektar schwanken; eine Belastung, die für die Landwirtschaft abso- lut nicht fühlbar ist. um so mehr, als für die Landwirtschaft in der freigebigsten Weise gesorgt worden ist. Nnterstaatssekrctär Richter erkennt die Notwendigkeit an, der Kaliindustrie zu Hilfe zu kommen. Diese Industrie ist durch Gesetze in ihrer Bewegungsfreiheit völlig beschränkt. Das Haupt- absatzgebiet ist Amerika, das aber einen Teil der Kalisalze� zur .iderstellung von Munition verwenden würde. Deshalb das Ausfuhr- verbot. Nach dem Kriege wird der Absatz einen riesigen Umfang annehmen. Der Absatz der Kaliindustrie vermindert sich in diesem Jahre um 133 Millionen Mark. Die vom Abg. Gothein beantragte Preiserhöhung würde 5 Millionen.Mark betragen; man darf an- nehmen, daß die Landwirtschaft diese Belastung übernehmen wird. Wenn einige Unternehmer die Arbeiter drücken, so ist das ent- schieden zu verurteilen; andererseits steht auch fest, daß ein Teil der Werte den Arbeitern Zugeständnisse mackt, damit sie nicht in die Kriegsindustrie abwandern. Der sozialdemokratische Antrag ist unannehmbar. Abg. v. Brockhausen sk.) hat lebhafte Bedenken gegen eine Preiserhöhung, die vielleicht den Absatz beeinträchtigen wird. Abg. Hoch(Soz.): Die gegenwärtige Notlage der Kaliindustrie ist nicht die Schuld des Gesetzes, das vielmehr gerade deshalb aeschaffen werden mußte, um die Kaliwerke vor dem Ruin zu schützen. Die mißliche Lage ist in der Hauptsache auf das Treiben der Spekulanten zurückzuführen. Für uns kommt in erster Linie das Interesse der Arbeiter in Frage. Die vorgesehene Hilfsaktion lvürde aber auch den nicht notleidenden Werken zugute kommen. Man muß auch an die Arbeiter denken, deren Löhne heute absolut unzulänglich sind. Der Reservefonds von 3 Millionen Mark kann zu Unterstützungen verwendet werden; das Reich muß sich aber bei den unterstützten Werken gewisse Rechte sichern. Zu einem befriedigenden Resultat führe keiner der vorgeschlagenen Wege. Abg. Herold lg.) mutz zugeben, daß leider alle gesetzgeberischen Maßnahmen nicht erreichen konnten, die Kaliindustrie auf eine gesunde Grundlage zu stellen. Einer geringen Preiserhöhung könne man zustimmen. Nach längerer Debatte einigte sich die Kommiisson auf eine Erhöhung der Preise, die nach dem Prozentgehalt deS Kali abgestuft wird. Diese Erhöhung gilt für die Zeit voms 1. Oktober 1315 bis 1. April 1316. Die Anträge der Sozialdemo- kratie, auch den Arbeitern bestimmte Vorteile zu sichern, wurden abgelehnt._ Das Awangs-Kohlenspnöikat in der Haushaltskommission. In später Nachtstunde trat die Haushaltskommission am Diens- tag noch in die Erörterung des durch Bundesratsverordnung be- stimmten Zwangs-Kohlensyndikats ein. Abg. Gothein macht darauf aufmerksam, daß sich das Syndikat wohl kaum lange über den Krieg hinaus halten wird, denn es haben sich große Differenzen mit den Händlern ergeben. Ob auf dem Wege des Zwanges etwas zu erreichen ist, muß abgewartet werden. Die Regelung des Shndikalswesens muß Reichssache werden. Minister Sydow legt kurz dar, daß die Androhung des Zwanges eine Notwendigkeit war. Der Staat mutz Einfluß auf die Preis- bildung gewinnen. Höchstpreise ohne Syndikate sind eine Unmöglichkeit. Zur Regelung solcher Fragen sind bergtechnische Behörden notwendig. Solche Behörden hat das Reich nicht, deshalb müßte die preußische Verwaltung eingreifen. Ter Reichstag kann hier nichts abändern, er kann nur die Auf- Hebung der Verordnung fordern. Die Anordnung eines Zwangs- syndikats fällt fort, sobald 37 Prozent der freien Produktion zu einem freien Syndikat sich vereinigen. Staatssekretär Dr. Delbrück stellt fest, daß eine bestimmte Daner solcher Verordnungen nicht zulässig ist. Der Reichstag muß Veramwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den stets die Befugnis haben, jede bundesrätliche Verordnung aufzu- heben. Wenn nicht das Reich, sondern Preußen eingegriffen hat, so geschah das nur aus Zweckmäßigkcitsgründcn. Tic Pariamen- tarischc Verantwortung trägt der Reichskanzler. Abg. Dr. Junck jnat.): Der Minister hat verlangt, daß die Verordnung auf mindestens zwei Jahre nach dem Friedensschluß Geltung haben soll. Demgegenüber steht das Recht des Reichstags auf jederzeitige Aufhebung. Abg. Sachse: Man muß grundsätzlich zustimmen, daß solche Dinge reichsgesetzlich geregelt werden. Wir haben stets verlangt. daß die Syndikatsfragen für das ganze Reich einheitlich geregelt werden. In Wirklichkeit bat die Verordnung nur den Zweck, das rheinisch-westfälische Kohlen syndikat zu stützen. Die preußische Bergwerksverwaltung, ebenso Herr Thyssen können das Zwangssyndikat herbeiführen, sobald sie sich weigern, einem freien Syndikat beizutreten, weil ohne sie die 37 Prozent der Pro- duktion— die Voraussetzung für ein freies Syndikat— nicht zusammenkommen. Für die Arbeiter geschieht nichts— bat man doch sogarjric von den Arbeitern geforderten Einigung»- ämter abgelehnt. Es gibt nur einen vernünftigen Weg— d i e V e r st a a t l i ch u n g des Bergbaues. In der Bundesrats- Verordnung hat man nicht einmal eine Vertretung der Arbeiter im Zwangssyndikat vorgesehen. Einen solchen Antrag haben die Sozialdemokraten jetzt in der Kommission gestellt. Die Arbeiter müssen auch zur Beratung des Statutes eingeladen werden. Wenn die Syndikatsherren die Arbeiterorganisationen bisher nicht an- erkannt haben, dann hätte gerade in diesem Falle die Regierung mit gutem Beispiel vorangehen müssen. Minister Sydow bestreitet, daß der Zweck der Verordnung war, das rheinisch-westfälische Koblcnsyndikat zu stützen.?ln den Stellen, die sich mit Arbeiterfragen befassen, werden selbstverständlich auch Arbeiter gehört werden; dagegen ist es nicht möglich, im Rahmen des Syndikats eine Arbeitervertretung zu schaffen. In ihrer Sitzung am Mittwoch führte die Kommission die Beratung über das Zwangskohlensyndikat zu Ende, nachdem Gen. Sachse noch einmal entschieden für die Zuziehung von Arbeiter- Vertretern eingetreten war.— Minister Sydow sicherte zu, daß dieser Wunsch eingehend geprüft werden soll. Folgende Beschlüsse wurden angenommen:„Der Reichskanzler wird ermächtigt, seine Befugnisse den Landeszentralbehörden zu übertragen. Diese Befugnis ist widerruflich".„Die Verordnung tritt spätestens zwei Jahre nach Friedensschluß außer Kraft." Ferner wurde beschlossen, den Arbeiterorganisationen eine Ber- tretung im Syndikat einzuräumen. Schließlich wurde noch folgende Resolution angenommen:„Der Reichstag erklärt, daß die Regelung des Kartell- und Syndikats- Wesens ausschließlich Reichssache ist. Wenn er der Bundesrats- Verordnung vom 12. Juli 1315 über die Errichtung von Vertriebs- gesellschaften für den Steinkohlen- und Braunkohlenbergbau nicht widerspricht, so wird er dabei lediglich von dem Gesichtspunkt ge- leitet, daß es während des Krieges zu große Schwierigkeiten machen würde, eine� besondere sachverständige Behörde beim Reichsamt des Innern zu schaffen. Er spricht aber die sichere Erwartung aus, daß die verbündeten Regierungen nach Friedensschluß die geeignete Organisation beim Reichsamt des Innern treffen werden." Verlustlisten. Die Verlustliste Nr. 313 der preußischen Arm e s enthält Verluste folgender Truppen: � Todes-Anzeigen| � Deatseher ßiichhindervErtiand. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unser Kollege Luxen Toppel am 22. August gestorben ist. Ghre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 26. August, nachmittags 5 Uhr, aus dem Gethie- mane-Kirchhos in Wcißcnsee, Falkenberger Chaussee, statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 23/12 Die Ortsverwaltung. Nachruf. Als Opfer des Weltkrieges fiel unser Kollege Walter Skliütz bei einem Seegefecht. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren I 2268b Die Kollegen der Firma Lorenz. AMeilnng Bandtke. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 26. August, nach- mittags 4 Uhr, aus dem Suiten» Kirchhof, Fürstenbrunner Weg, Charlottenburg, statt. dantfagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung memes lieben ManneS, unseres guten Vaters sagen wir allen, insbesondere dem Mctallarbeiter-Verband, unseren herz- lichstcn Dank. Frau I-Btas C-rlmcr und Kinder. Dem Vaterland gab ich mein Liebstes, Bestes. Dbfer des unsetigen Weltkrieges siel am S.August bei einem Sturmangriff durch Kopsschutz. nachdem er vier Wochen vorher bei seine» Lieben, nach einjährigem beihen Ringen, aus Ur- taub weilte, mein über alles geliebter, herzensguter, treusorgender Mann und Vater seines ein- mal gesehenen TöchterchenS, unser lieber Sohn, �Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Otikel, der Klempner ttermann Winlder Unteroffizier im Rcs.-Jns.-Reg. 93, 5. Komp. im blühenden Alter von 28 Jahren und 13 Tagen. 27A In tiefstem Schmerz �rau Frieda Wiirkler geb. L a d e w i g nebst Töchterchen L ottchen, sowie Eltern und allen Angehörigen. Die Liebe höret nimmer aus, Geliebt, beweint und unvergessen. Ruhe sonst Du treugeliebtes Herz. Den Heldentod fürs Vaterland starb am 2. August mein innigst. geliebter Bräutigam, der Unter- osfizier Paul Fuhrmann im Alter von 24 Jahren. DieS zeigen tiesbetrübt an Fmmn Brückner als Verlobte A nebst Angehörigen. Wir beide wollten glücklich werden. Doch grausam traf das Schicksal ein. Nahm mir mein Liebstes von der Erden Und läßt mich im Schmerz allein. Ruhe sanft in Feindesland! Verwaltung Berlin. Als Opfer des Weltkrieges verloren wir bis jetzt folgende Mitglieder: Edmund Arft,»Ä'Ä"' Karl Eggert,«Z-ZjU? Hugo Hercher,"ÄÄ"' Adolf Belthle,«Ä8""' Emil Schläder, Z!,V"Är Georg Menzel,*Äf"r- Fritz Ruttke,.fgrs., Hans Ripchen, TSürii Ihr Andenken in Ehren k 23/5 Infanterie usw.: Garde: 1. Garde-Reg. z. F. ls. Garde-Res.- Rcg.i, 4. und 5. Garde-Reg. z. F.; 1. u. 2. Gardc-Res.-Reg.; Gren.- Regimenter Alexander, Franz. Elisabeth und Nr. 5; Garde-Füs.- Reg.; Garde-Schützen-Bat. Lehr-Jnf.-Reg. Gren.- bzw. Inf.- bzw. Füs.-Regimenter Nr. 3, 11, 13, 14(f. aucki Res.-Jnf.-Reg. Nr. 64), 16. 17. 18 s. auch Jnf.-Reg. Nr. 14). 13,' 21, 22(s. auch 1. Gardc-Rcs.-Reg.). 23, 27, 31 ss. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 75), 52, 55, 56, 58, 61, 66, 68, 63, 75 ff. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 75). 76. 77 ss. Ins.- Reg. Nr. 32/. 73 bis einschl. 83, 85, 86, 88. 31. 32, ss3, 114, 115, 116, 117, 123, 131, 132, 135, 137. 138, 141, 144 bis einschl. 148. 150, 151, 152, 154, 155, 156 ss. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 64). 158, 153, 161, 163 ss. auch Res.-Jnf.-Reg. Nr. 75), 165, 167, 173, 171, 173, 175, 176, 185, 188, 189. Ncs.-Jnf.-Regimcntcr Nr. 12, 21, 24. 32, 34. 56, 53. 63, 61, 64, 68, 63, 73, 75. 77, 81, 83, 86. 88. 32, 93. 116, 232, 233 ss. Jnf.-Reg. Nr. 14), 216, 218, 213, 222, 223, 221, 232, 253, 255, 256, 265. Ers.-Jnf.-Regimenter Nr. 8 u. 3. Res.-Ers.- Jnf.-Reg. Nr. 3. Landw.-Jns.-Regimenter Nr. 13 ss. Ers.-Jns.-Reg. Nr. 3). 12, 15, 24. 26, 28. 53. 55. 77, 78, 82, 116. Landw.-Ers.- Jnf.-Reg. Nr. 3. Landst.-Jns.-Reg. Nr. 11. Kombinierte Ers.- Bataillone der Jnf.-Regimenter Nr. 11 und 51 ss. Ers.-Jns.-Reg. Nr. 3). Landw.-Brig.-Ers.-Bataillone Nr. 42 ss. Ers.-Jns.-Reg. Nr. 8), 43 ss. Landw.-Ers.-Jnf.-Reg. Nr. 3). Landst.-Jns.- Bataillone: III Allenstein, III Frankfurt a. O., Könitz, Woldenberg. Lcm-dst.-Jnf.-Ers.-Bataillone: Saarburg, Nr. 7 des 7. und Nr. 3 des 16. Armeekorps. Jägcr-Reg. Nr. 3; Res.-Bataillone Nr. 6 und 22. Radsabrer-Kompagnie Nr. 86. Festungs-Maschtnengew.-Abt. Nr. 11 sDiedenhofen) ss. Jnf.-Reg. Nr. 135); Feld-Maschinengew.- Zug Nr. 143 ss. Landw.-Jnf.-Reg. Ar. 26). Kavallerie: 1. Garde-Drag.; Kürassiere Nr. 1; Drag. Nr. 4, 7, 11, 24 ss. auch Res.-Drag. Nr. 4); Res.-Drag. Nr. 4; Husaren Nr. 4; Jäger zu Pferde Nr. 3; Res.-Abteilung Nr. 53. Feldartillerie: Regimenter Nr. 11, 27, 46, 53, 83, 231; Res.- Reg. Nr. 62. Fußartillerie: 1. Garde-Reg.; Regimenter Nr. 1 und 5. Arbeitskommando der 66. Jnf.-Brigade. ** ck Der Schluß der bayerischen Verlustliste Nr. 214 bringt Verluste der Brig.-Ers.-Bataillone Nr. 4, 5, 12; 1. Ulanen-Reg.; 4. Chcvaulegers-Reg.; 2., 5. und 21. Feldart.-Reg.; Res.-Feldart.- Reg. Nr. 8, 9; Landw.-Feldart.-Reg. Nr. 6; IV. Ersatz-Feldart.- Abt.; 1. und 3. Fußart.-Reg.; Res.-Fußart.-Regimenter Nr. 1, 2, 3; Res.-Futzart.-Bat. Nr. 6; 1. Pionier-Bat. München. 2. Pion.- Bat. Speyer; Mineur-Abt. Nr. 1; Reserve-Piomer-Bataillon Nr. 2; 1. Landwebr-Pionier-Kompagnie, 3. A.-K.; Landwehr-Fernsprech- Abteilung 1; Pionier-Park-Komp. Nr. 13; 2. Landsturm-Pionier- Kompagnie(1. A.-K.); Militär. Eisenbabn-Dircktion I; Armie- rungs-Bat. Zir. 1, 3, 5; Rcs.-Fubrpark-Kol. 1 sStasfel 11) und Res.- Fuhrpark-Kol. 2 sStasfel 11); Sanitäts-Komp. 2 s2. A.-K.); Ref.- Sanitäts-Komp. 8; Straßenbau-Komp. 25 sEtappen»Jnsp. 6); Be- richtigungen früherer Verlustlisten. Die sächsische Berluftliste enthält die Liste 2 über die aus englischer Gefangenschaft zurückgekehrten sächsischen Heeresange- hörigen sAustauschgefmrgenen); ferner Verluste des Landw.-Jnf.- Reg. Nr. 132; Jnf.-Reg. 133; Landw.-Jilf.'Reg. Nr. 134; Inf.- Regimenter Nr. 135, 136, 137; Res.-Jnf.-Reg. Nr. 137. sSchlilß folgt.) Die württembergische Verlustliste bringt Verluste des Ers.-Jnf.-Reg. Nr. 52; Res.-Jnf.-Reg. Nr. 113; Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 123; Gren.-Rcg. Nr. 123; Landw-Jnf.-Reg. Nr. 125. 126; Inf.- Regimenter Nr. 126, 127; Landst.-Jns.-Bat. Ellwangen. Als Opfer des Weltbrandes starb im Lazarett an den Folgen seiner Verletzung unser lieber Freund und Kollege Emil Kohne im blühende» Alter von zwanzig Jahren S27lb Wir werden Deiner nie vergessen! Die Kolleginnen und Kollegen der Arbeiterjugend Tegel-Borsigwalde. Danksagung. Für die trostreichen Worte und Kranzspenden am Sarge meines lieben Mannes und Vaters sagen wir dem Herrn GeschäftSsührer und den Sängern der Freireligiösen Gemeinde sowie dem Herrn BezirkSsührer des Sozialdemokratisch. Wahlvereins Neukölln(13. Bez.), dem Herrn Vertreter deS Deutsch. Metallarbeiterverbandes, dem Vertreter des Zenttal-Kranken- untcrstützungSvereinZ der Schmiede unseren herzlichsten Dank. 73A Katharina Douceur geh, Hoppe. Hertha Douceur. Tochter. MlllMWMMlMMWMiillMMMMlMIMUIIMImlMMMIMMlNMUMMlMliMWlI Wedöig U-Bosi- W etötgcnßjgopeftcnu 9?(wd?fa6a f.| to t i 1 | anepfannt vopjüpficfcn- fWarfcni | Ztyfa.| 1 fS&66igen4l9, AWg. I | Zu 0mtf1en öerUnierftüttuwanSpmterMrttne| 1 tttinirroß .............................................»II>!!!!l>l!!lllW,W!llll!llIllWlliss k. Gescblechtslcranleheiten, Harnleiden, Schwäche, Ehrlich-Hala-Kuren, Blut- und Harn-Unlersuchungen. Institute: Snezialarzt I>r. med. Karl Reinhardt. De-in-zPflKtr 64- zwischen Dresdener und iTnnenstraBe. mnZenMr. O* Spreohst. 5-7. Sonntags 10-11. Pnt«;damer Str] 1 7 a- ck- Lnteowstr.. Sprechet. ll,11'2 rOlsUdUICI Oll.« I/ n'/jg-'/jlo U.abds, Sonnt. 11-1. Allflrlärpnrtp � Seiten starke Broschüre gratis nnd post- HUlIVml illllv frei in verschlossenem Kuvert. Qni'eratenteil veranUo.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckere; u. k5erlagsanstalt Paul Singer& 64« Berlin SW«