Ar. 386.-83. Jahrg. ffbonnemen tS'Bedi ngungtn: klbonnements■ SBreiä picnumnanlMt Tisrteljäbrl. 330 Mü. monatL 140 STÜ. wöchemlich 25 Pfg. frei WS HauS. Sinzeine Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Seilage.Tie Neue Welt» 10 Pf«. Post- Slbonnement: 1.10 Marl pro ÄZonat. eingetragen in die Post- Zeitung»- Preisliste. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2.50 Mark, für das übrige Ausland t Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal. StumÄiien. Schweden und die Schweiz, Slchtllit lsglich. 5 Pfennig) Die Tnferflons-GctOltr tetriigt für die sechsgespaltene Koloneigeile oder deren Raum 00 Pfg.. für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Berfanunlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Alelne Knieigen", das fettgedruikte Wort 20 Pfg. fzulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenall- zeigen das erste Wort 10 P,g., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buch- st-ben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Vevliner Volksblerkt. Zentralorgan der rozialdcmokratifchen parte! Deutfchlands. Xeiegramm- Adrefler „Sopisliiemollkitt liefst»-. Neüaktion: SW. 68, Änöenftraße 3. Fernsprecher: Amr Moritzplat;, Nr. lal 90—151 97. Expedition: SA). 68, Linöenftraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 161 90—151 97. Freitag, den 37. August ISIS. Breft-CItowsH von den Bussen preisgegeben. IM des«riSk» AUMilm. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 26. August 1913.(W. T. B.) ilSeftlicher Kriegsschauplatz. Nördlich von B e a u- S c j o u r in der Champagne wurde ein vorgestern besetzter Sprengtrichter gegen fran- zösische Angriffe behauptet. Zwei feindliche Flugzeuggeschwader warfen gestern im Saartal oberhalb und unterhalb von Saarlouis Bomben. Mehrere Personen wurden getötet oder der- letzt; der Sachschaden ist unwesentlich. Bor ihrem Start waren die Geschwader in ihrem Hasen Nancy mit gutem Erfolge von unseren Fliegern angegriffen worden; außerdem büßten sie vier Flugzeuge ein; eines stürzte bei Bolchen brennend ab, Führer und Beobachter sind tot; eines siel bei Rcmilly mit seinen Insassen unversehrt in unsere Hände; ein drittes wurde von einem deutschen Kampfflieger bei Arracourt(nördlich von Luncville) dicht vor der französischen Linie zur Landung gezwungen und von unserer Artillerie zerstört; das vierte landete im Feuer unserer Abwehrgeschütze bei Moivrons(südlich von Nomeny) hinter der feindlichen Front. festlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeidmarköalls v. hindenburg. Bei B a u s k und Schönberg(südöstlich von Mitau) haben sich Gefechte entwickelt. festlich und südöstlich von K o w n o nehme» die Kämpfe ihren Fortgang. Bor Olita nähern sich unsere Truppen den Borstellungen des Feindes. Zwischen Sejny und Mcrecz(am Njemen) wurde der Feind geworfen. Auch im Walde östlich von Augustow dringen Teile der Armee des Generalobersten v. Eichhorn nach Osten vor. Weiter südlich wird um den Bcrezowka- Abschnitt gekämpft. Unsere Spitzen haben Bialy- st o k erreicht. Tie Armee des Generals v. Galllvitz warf den Feind vom Orlanka- Abschnitt(nördlich und südöstlich von Bielsk) zurück. Heeresgruppe des(jeneralkeldmarlchalls Prinz Leopold von Hävern. Ter schwergeschlagene Feind flüchtete in das Innere des Bialowieska-Forstes. Nur südlich des Forstes in der Gegend nordwestlich von Kamicniec— Litowsk hält er noch stand. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. niatkenlen. Die Festung Brest- Litowsk ist ge- fallen. Während das österreichisch-ungarischc Korps des Feldmarschalllcutnants v. Arz gestern nachmittag nach Kampf zwei Forts der Westfront nahm, stürmte das brandcnburgische XXII. Rescrve-Korps die Werke der die Meldung des ruMchen Generalftabes. Petersburg, 26. August.(W. T. B.) Bericht des Großen General st abes vom 25. August. In der Gegend von Riga keine Veränderung. In der Richtung auf Jakob st adt und D w i n s k dauern westlich die Kämpfe annähernd auf derselben Front an. In der Gegend von W i l n a unternahm am 24. d. M. der Feind einige Teil- angriffe auf der Front nordwestlich von Jewje. Wir schlugen diese Angriffe ab. Am mittleren Njemen ziehen sich unsere am linken Ufer operierenden Truppen allmählich gegen den Fluß zusammen. Auf der Front zwischen B o b r und der Gegend von Vre st- Litowsk setzt der Feind seinen Druck auf den Hauptabschnitt unserer Stellung westlich des Waldes von BialowicSka zwischen der Chaussee nach Bielsk, der Station Sainvooka(Gasnowka?)—Wys»ka- Litowsk und Prujany fort. Während des 24. und 25. d. M. schlugen wir westlich von Brest- Litowsk feindliche Anqriffsversuche auf unsere Stellungen ab. Am r c ch t e n Ufer des Bug bemüht sich der Feind längs der Chaussee von Pischa nach Maralyto vorzudringen. Südlich von Wladimir-Wolynski unbedeutende Vorposten- Nordwestfront und drang in der Nacht in das Kernwerk ein. Der Feind gab darauf die F e st u n g preis. Auf der ganzen Front der Heeresgruppe, vom Bialowieska-Forst bis zum Sumpfgebiet am P r i p j e t(südöstlich von Brest-Litowsk) ist die Verfolgung im volle» Gange. Oberste Heeresleitung. »* Der WmMW SeimMWMl. Wien, 26. August.(W. T. B.) Amtlich wird der- lautbart: 26. August 1315. Russischer Kriegsschauplatz. Die Festung Brest-Litowsk ist gefallen. Dir ungarische Landwehr des Generals v. Arz entrist gestern dem Feind das südwestlich der Festung gelegene Dorf Kobylanv, durchbrach damit die äußere Gürtellinie und fiel dem zunächst liegenden Werk in den Rücken; westgalizische, schlestsche und nordmährischc Heeresinfanterie erstürmte gleichzeitig ein Fort südlich der Ortschaft Koroszczijn. Deutsche Truppen bemächtig- ten sich dreier Werke an der Nordwcstfront und besetzten heute früh die an der Bahnbrücke gelegene Zitadelle. Unterdesien drängten die Verbündeten den Feind euch über die Lesna und im Wald- und Sumpfgebiet südöstlich Brest-Litowsk zurück» und unsere von K o w c l nordwärts verfolgende Reiterei warf ruffische Nachhuten bei Bucin und Wtzzwa. Bei den in Ost- galizieu stehenden Armeen nichts Neue?. Italienischer Kriegsschauplatz. Im Doberdo-Ab schnitt griffen die Italiener gestern mittag den Monte dei sei Busi neuerdings an. Sie wurden, wie immer, zurückgeschlagen. Vor dem Görzer Brückenkopf herrschte Ruhe. An der übrigen küsten- lündischcn Front fauden stellenweise heftige Gcschützkämpfe statt: so namentlich im Räume von Flitsch, wo sich die feind- liche Infanterie vorsichtig heranarbeitet. Ter bereits gestern als abgeschlagen gemeldete Angriff gegen den Nordabschnitt der Hochfläche von Lavarone wurde von starken feindlichen Kräften geführte;»ach zehntägiger, auch die Nächte hindurch andauernder heftiger Beschießung unserer Werke steigerte die feindliche Artillerie vorgestern abend ihr Feuer gegen die Front Cima di Mczzena— Basson zu größter Schnelligkeit. Bis nach Mitternacht überschüttete sie unsere Stellungen mit Geschossen aller Kaliber. Sodann schritten mehrere Infanterie- Regimenter und Alpini-Batnillone zum Angriff. Unsere braven tiroler Truppen und Standschützen, von österreichischen Schützen und der Artillerie hervorragend unterstützt, schlugen alle Stürme zurück. In den Morgenstunden war der feindliche Angriff endgültig zusammengebrochen. In den Hindernissen allein liegen 206 tote Italiener; danach läßt sich ermessen, welche Opfer dieser Angriff gekostet haben mag. Wir hatten nur geringe Verluste. Einer unserer Flieger erzielte in der Munitionsfabrik von BreScia mehrere Bombentreffer. Der Stellvertreter des Chefs des Gcneralstabes: von Höfer, Feldmarschalleutnant. gefechte. In Galizien auf einzelnen Teilen unserer Fron� teilweise Gewehr- und Geschützfeuer. die kommenöe öritte Kriegs- anleihe. Als da? Zeickinungsergebnis der zweiten Kriegsanleihe bekannt gelvorden ist, haben wir an dieser Stelle darauf hin- gewiesen, daß die starke Geldflüfsigkeit und der große Erfolg der Anleihe aus der weitgehenden Einschränkung der privaten Wirtschaftstätigkeit einer- und der großen Kriegsbestellungen des Reiches andererseits herrühren. Darob wurden wir zunächst von der„Vossischen Zeitung" und dann von Dr. Lensch scharf angegriffen. Heute ist unsere Erklärung der Wirtschaft- lichen Quellen der finanziellen Kriegführung zu allgemeinein Gut geworden. So schrieb beispielsweise die„Frankfurter Zeitung" am 1. August: „Wir haben im Frieden die ersparten Kapitalien für die Errichtung neuer Fabriken und für die Erweiterung der alten verwendet, für die Melioration unserer Accker und die Ver- größernng unseres Viebstandes, für den Bau von Häusern und Verkehrsanlage», für die Schaffung von Unternehmun- gen im Auslände und für den Erwerb ausländischer Wert- Papiere— wir stellen sie jetzt restlos dem Reiche für die Zwecke der Kriegführung zur Verfügung, denn j e d e a n d e r e V e r- Wendungsgelegenheit fehlt.... Vor allem aber: Wir schaffen flüssiges Kapital für den Reichsbedarf, indem wir unsere Vorräte flüssig machen. Die Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht namens Deutschland veranstaltet ja jetzt einen Ausverkauf, wie ihn die Welt noch nie ge- sehen hat: die Rohstoffe in den speichern werden allmählich vermindert, um erst nach dem Kriege wieder aufgefüllt zu werden: große Warenlager an Automobilen, an Lederwaren, an Tuchen,, an Verbandstoffen, an zahllosen anderen Tingen. werden vom Reiche aufgekauft: alte Ladenhüter im Groß- wie im Kleinhandel kommen wieder zu Ehren und werden zu Geld gemacht, während sie bisher als tote Last dalagen, weil nur neue Ware verlangt wurde; der Viehbestand wird ver- mindert, und die Bauern bekommen dafür Geld— es ist eine Liquidation von nie dagewesenem Umfange, die da statt- findet, und ihr ganzer Erlös findet in den Kriegsanleihen seine Anlage. EsisteineinfacherKreislauf: dos Reich ist der Käufer, und das Geld für die Käufe leisten ihm diejenigen, die für das er- löste oder ersparte Geld in den Kriegsan- leihen die beste Kapitalanlage sehe n." So ist es in der Tat: das in Jahrzehnten friedlicher Ar- beit aufgespeicherte Gut wird jetzt vom Kriege vernichtet, zu- gleich aber dessen Besitzern ein Anrecht aus die Früchte der zukünftigen Arbeit verliehen. Vergebens haben wir aber er- wartet, daß Lensch auch die Frankfurterin belehren werde, wie man in dieser Beziehung„umlernen" soll. Wird er es noch nachträglich tun? Worauf es uns jetzt ankommt, ist die Prognose, ob die dritte Kriegsanleihe den gleichen Erfolg haben werde wie die zweite. Es ist richtig, daß auch momentan starke Geldflüssig- keit herrscht. Tägliches Geld wird mit 2 Proz. verzinst. Das kann aber aus Mangel an Nachfrage herrühren, keineswegs aus Kapitalübcrfluß. In Wirklichkeit sind inzwischen die Re- serven des Landes vermindert worden; die Vorräte sind ver- zehrt und in Kriegsanleihen verwandelt worden. Trotzdem darf man annehmen, daß auch für die dritte Kriegsanleihe große Summen aufgebracht werden. Denn die Einzahlungen auf sie werden ja erst im Oktober erfolgen, wenn ein großer Teil der Ernte schon realisiert worden ist. Die dadurch flüssig gewordenen Kapitalien werden der dritten Kriegsanleihe zugute kommen. Noch wichtiger ist es. daß ein großer Teil der kommenden dritten Anleihe schon im voraus faktisch gemacht worden ist. Bis Oktober werden die Kriegs- kosten mindestens 26—22 Milliarden Mark, wenn nicht noch mehr betragen. An Anleihen hat aber das Reich im ganzen 13,5 Milliarden aufgenommen, so daß 6,5— 8,5 Milliarden schon durch Schatzwechsel gedeckt sein müssen. Wenn das Reich dann mit der neuen Kriegsanleihe herauskommen wird, so wird sich, wie das„Berliner Tageblatt" richtig bemerkt, die Einzahlung in sehr großem Umfange im Wege der Verrech. nung und des Ausgleichs vollziehen, d. h. das Reich wird für die Anleihemittel seine bei den Banken diskontierten Schatz- Wechsel in Zahlung zurückerhalten. Dadurch wird die lausende ReichSschuld durch eine fundierte ersetzt, der Kurs der Noten und des Wechsels verbessert, für die weitere Kriegführung aber bleibt doch nur der frühere Weg der Schatzwechseldiskon- tiening bei der Reichsbank unch bei den anderen Banken. Die finanziellen Folgen einer neuen Dretßi�milliarden- schuld liegen auf der Hand. Ihre Verzinsung allein erfordert einen Aufwand von l.5 Milliarden Mark: rechnet man die Ausgaben für Tilgung� und Verwaltung, für die Entschädigung an die Bundesstaaten und Gemeinde», sowie zur Deckung der Defizite Irrt©Inf, so kommen wir auf einen' Ve- trag von annähernd zwei Milliarden Mark, also um etwa ein Drittel mehr als sämtliche Zte-uern und Zölle des Reiches vor dem Kriege eingebracht haben. ®?an darf dabei nicht vergessen, daß der Krieg unge- heuerliche Aufwände für Pensionen und Jnvalidcnnnter- stützungen haben werde, die schon vor dein Kriege 142,5 Millio- >ren verschlungen haben. Die Reichsschuld forderte 1913 238,1 Millionen: zusammen mit den Pensionen ergeben sich also ein Betrag von 389 Millionen Mark. Nach dem Kriege werden die Reichsschuld und Pensionen mindestens 2,6 Mil- liarden Mark erfordern, also um nur ein geringes weniger als die gesamten, ordentlichen wie außer- ordentlichen, Reich sausgabcn von 1912! Die bisherigen Einnahmen des Reiches könnten also nur reichen, um die Schuldenzinsen zu zahlen: für alle weiteren Aus- gaben, vor allen: für die Rüstungsausgaben, werden neue Stenerqirellcn geschaffen werden müssen. Wer sich der Steuer- kämpfe von 1998 und 1999 erinnert, kann sich leicht darstellen, welch innerpolitischen Kämpfen man entgegensteuert. Festungen im moöernen Krieg. Berlin, 2S. August. iW. T. B.) Mit B r e st-L i t o w S k ist wiederum ein starker russischer Waffenplatz gefallen. Ein neues Glied der russischen Sperrkette— eines der letzten— ist gesprengt, ein neuer für die Versammlung und Verschiebung größerer Heeres- maffen besonders wichtiger Punkt dem Feinde abgenommen.— Als FestungSbezwinger stehen unsere Truppen seit dem Anfang dieses Krieges unerreicht da. Im W e st e n und neun Festungen in unsere Hand gefallen: Liittich, Namur, Longwy, Montmedy, La Fcre, Laon, Mau- beuge, Antwerpen und Lille. Außerdem sechs Forts: Manonvillcr, Givet. Les AyvelleS, Hirson, Conde und Camp des Romains. Im Osten hat Rußland die elf F e st u n g e n: Liban, Rozan, Pultusk, Jwangorod, Warschau, Lomza, Ostrolenka, Kowno, Nowo-Georgiewsk, Osowiec und Brest-LitowSk an uns verloren.— Die Wegnahme der festen Plätze in Belgien und Frankreich fällt in die ersten zehn Wochen des Krieges, die der russischen Festungen hat— von der Besetzung Libaus am 8. Mai 191S abgesehen— erst am Ende des ersten Kriegsjahres begonnen. Trotz den in der Zwischenzeit überall gesammelten Erfahrungen ist aber das Bild in seinen Grundzügen unverändert geblieben: Einer regelrechten Belagerung durch deutsche Truppen widersteht kein fester Platz. In kurzer Zeit erliegen die Werke und die Nerven der BesatzungSiruppen der ungeheuren Wirkung der deutschen und österreichisch- ungarischen schweren Ge- schütze. L ü t t i ch fiel in überrumpelndem Sturme, Namur nach fünftägiger, M a u b e n g e nach zweitägiger Beschießung, Antwerpen,„die stärkste Festung der Welt", nach zwölftägiger Belagerung durch verhältnismäßig schwache Truppen. Einen Teil der obengenannten Festungen und FortS verteidigten die Franzosen überhaupt nicht. Ein anderer Teil wurde ihnen nach . kurzer Beschießung genommen. In mehreren Fällen war ein In- fantericsturm nicht mehr nötig. Ganz ähnlich ist es nun auch im Osten ergangen. Libau, Rozan, PultuSk, Lomza, Ostrolenka und Osowiec sind ohne regelrechte Be- lagerung gefallen. Warschau gaben die Russen preis, als die Bloniestellung von unseren Truppen genommen war, und auch Praga räumten sie nach vier Tagen. Jwangorod wurde am 13. Tage nach dem Beginn des Angriffs besetzt, Kowno nach zwölf- rägiger Beschießung. Aber auch die Einnahme der großen Festung Nowo-GeorgiewSk mit ihren mehr als siebenhundert Geschützen und über zwei Armeekorps Besatzungstruppen hat wenig länger gedauert: am 7. August fiel schon das Forts Dembe. am 19. August der ganze Platz in unsere Hände. Bei B r e st- L i t o w s k wurde eine Woche lang um die Vorstellungen gekämpft und dann die ständige Befestigung sofort im Sturm genommen. Wieweit diese Erfahrungen, die sich in so auffallender Weise nach dem Ablauf des ersten Kriegsjahres erneuenr, bereits einen allgemeinen Schluß auf den Wert der Festungen im Kriege der Gegenwart zulassen, kann späteren Erörterungen vorbehalten bleiben. UnS mag vorerst die erfreuliche Tatsache genügen, daß unsere Gegner keine auch nur annähernd ähnlichen Erfolge im Kampfe gegen Festungen aufzuweisen haben. Ts in g tau und Przemysl sind erst nach einer monatelangen Belagerung voll heißer Kämpfe ruhmreich gefallen. Die Feste B o y e n ist un- einnehmbar geblieben. So sind wir vorderhand berechtigt. die Fähigkeit zur überraschend schnellen Bezwingung fester Plätze als eine besondere Eigenart der deutschen Truppen und unserer Ber- bündeten anzusehen. Den Führern, die so Großes erzielten, den Tapferen, die es durchstritten, und den Männern, die dazu die ge- waltigen Waffen ersannen und fertigten, schulden wir dafür um so mehr Bewunderung und Dank. Der französische Tagesbericht. Paris, 25. August.(W. T. B.) Amtlicher Kriegsbericht von heuti: nachmittag: Im Artois, im ganzen Abschnitt nördlich A r r a? nachts ziemlich lebhaftes Geschütz- seuer. Um Souchez und Neuville Kämpfe mit Harrdgranaten. In der Umgegend von Rohe und Lassigny andauernd leb- hafter Artilleriekampf. Aus der Champagne und den Ar- gönnen lvcrden nur einige Zwischenfälle beim Minenkrieg ge- meldet. In den Bogesen Handgranatenkämpfe am Barrenkopf. Eins unserer Flugzeuge bewarf in der Nacht den Bahnhof Lörrach im Großherzogtum Baden mit Bomben. Paris, 26. August.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von gestern abend: Auf der gesamten Front Artillerie- kämpf. Die heftigsten Artilleriekämpfe entwickelten sich im Abschnitt nördlich von ArraS, zwischen Somme und Oise, in der Champagne, in den Argonnen und im Priesterwalde. In diesen beiden letzteren Abschnitten griffen unsere Schützen- graben-KamPfwerkzeuge und unsere großkalibrige Artillerie mehrmals wirksam ein. In den Bogesen nahm im Fechttale, wo wir die eroberten Stellungen einrichten, die Kanonade an Stärke ab. Es fand kein Jnfantericgefecht statt. Ein Aviatik- ftugzeug warf vier Bomben auf Besoul ab. Eine Frau und ein Kind wurden verletzt. Der Sachschaden ist gering. Deutsches Luftschiff über nieüerlänAjschem Gebiet. Haag, 25. August.(W. T. B.) Das Korrespondcnzbureau teilt mit: Am 18. August ist gemeldet worden, daß ein Luftschiff über niederländisches Gebiet gefahren ist. Der deutsche Gesandte hat nun am 23. August im Auftrage seiner Regierung der holländischen Regierung mitgeteilt, daß an jenem Tage ein deutsches Luftschiff durch heftigen Nordwind und böiges Weiler über nieder- ländisches Gebret abgetrieben wurde. Sobald das Schiff sich zu orienlieren vermochte, bemerkte es die Abweichung vom Kurs und schlug die Richtung nach der See ein, die zwischen Vlieland und Terschelling wieder erreicht wurde. Die deutsche Regierimg hebt hervor, daß der bedauernswerte Vorfall ausschließlich die Folge besonderer atmosphärischer Verhältnisse war, die den Führer des Schiffes irreführten, und fügt hinzu, daß seil dem Beginne der Feindseligkeiten den Führern der deutschen Luftschiffe strenge Befehle erteilt wurden, niemals über die Gebiete neutraler Staaten zu fahren. der Seekrieg. Eine Aktion üeutscher Kreuzer. Amtlich. Berlin, 26. August 1915.(W. T. B.) Am 25. August abends hat einer unserer kleinen Kreuzer die ruf- fische Signalstation Kap-Süd-Ristna auf der Insel T a g o e beschossen und teilweise, zerstört. Zur gleichen Zeit hat ein anderer kleiner Kreuzer die Signalstation Andreas- b e r g, gleichfalls auf Tagoc, mit Erfolg unter Feuer ge- nommcn. Feindliche Streitkräfte wurden nicht gesichtet. Der stellvertretende Chef des Admiralstabcs. gez.: B e h n ck e. vom U-Gootkrieg. Kopenhagen, 26, August.(W. T. B.) Wie„Berlingske Tidcnde" meldet, ist der Dampfer„Nimrod" von Leith iu Kopenhagen angekommen. Er fuhr auf seiner Reise durch die Nordsee an nicht weniger als sechs großen brennen- den Schiffen vorüber, die augenscheinlich alle mit Holz beladen und von deutschen Unterseebooten in Brand gesetzt worden waren. Gericht öer white Star-Linie über üen Untergang üer„/lrabic*. London, 26. August,(ffl. T. B.) Die White Star- Linie gibt bekannt, es sei zweifellos, daß die„Arabic" torpediert worden sei. Der Kapitän habe zwar nicht das U-Boot, aber mit Bestimmtheit den Torpedo gesehen.„Arabic" habe nicht versucht, das U-Boot zu rammen, da man es von der Kommandobrücke nicht gesehen habe, habe auch nicht ver- sucht, zu entkommen, sondern nur den Kurs geändert, als man den Torpedo sah.„Arabic" sei ohne Warnung torpediert worden und zwar 69 Seemeilen südlich von Irland. Melüung üer italienischen Heeresleitung. Rom, 10. August.(W. T. B.) A m t I i ch c r H e c r e s- Bericht. Im Abschnitt von T o n a l e bemächtigten unsere Truppen sich nach entsprechender artilleristischer Vorbereitung am 21. August des vordersten Teiles des Strinotales (Noce) und zwangen die feindlichen Abteilungen, die es besetzt hielten, zum Rückzüge. Der Feind ließ sein Barackenlager in unserem Besitz. Gegen die eroberten Stellungen eröffnete der Feind plötzlich heftiges Artilleriefeucr nrrd schickte dann Infanterie mit Maschineirgcwehrcrr gegen sie vor, wurde aber mit empfindlichen Verlusten zurückgeschlagen nrrd ließ viel Waffen, Munition und verschiedenes Material in unseren Händen. Im Hochtale von Cordevole versuchte der Feind gestern unsere Stellungen vom Col di Lana gegen«alesi Agai durch Artilleriefeucr und Handgranaten zu beschädigen, wurde jedoch durch unser Feuer wirksam bekämpft und mußte sein Porhaben aufgeben. Am I s o n z o, besonders um Tolmein und Plava, und auf dem Karst, entwickelte der Feind starke Artillerietätigkeit gegen unsere Werke. Ein Ver- such, die von uns zerstörte Bahnstrecke von Nabresina bis östlich von Monfalcone wiederherzustellen, wurde durch be- ständige Wachsamkeit der Unseren verhindert. Heute vormittag überflug ein feindliches Flugzeug Brescia. Es gelang ihm. dem Feuer unserer Abwehrgeschütze zu entgehen und vier Bomben abzuwerfen, die sechs Personen töteten und mehrere verletzten. Alle diese Personen gehören der Zivilbevölke- rung an._ Gezeichnet C a d o r n a. Englische Darstellung üer letzten Darüanellenkämpfe. London, 26. August. Die bulgarische Presse bespricht mit wachsendem Unmut die Berichte aus Nisch über den Verlauf der Skupschtina-Beratungen und kommt zu dem Schlüsse, daß in Nisch keine Neigung herrsche, Bulgariens be- rechtigte Forderungen zu erfüllen. Das Regicrungsorgan erklärt an > leitender Stelle, Bulgarien sei nicht geneigt, sich zu einem Spiel, wie man es in Nisch zu treiben scheine, herzugeben. Das neue persische Ninisierium. Konstantinopel, 26. August. sW. T. B.) Die hiesige persische Botschaft wurde amtlich verständigt, daß die Bildung des neuen Kabinetts M e m a I i k anvertraut wurde, der auch das Ministerium des Innern übernimmt. Die lvkehrzahl der Minister, bis auf die für den Krieg und das Aeußere, find bereits ernannt. Die Wahl der Persönlichkeit des neuen Ministerpräsidenten, wird als ein Sieg der Demokraten über den englisch- russischen Einfluß betrachtet. politische Ueberslcht. Entrüstungsszenen im Reichstag. In der TonnerStagsitzung des Reichstags brachte Gc- nosse S t ü ck l e n in sehr vorsichtiger Form allerlei Miß- stände bei der Behandlung und Verpflegung der Mann- schafte» zur Sprache. Die Vertreter der bürgerlichen Par- teicn konnten die Berechtigung dieser Ausstellungen nicht be- streiten, lehnten aber ein Eingehen auf die sozialdemokratische Kritik ab und begnügten sich mit dem Wunsche, daß in Zu- t'unft jeder Grund zu Klagen fortfallen möge. Der Reichs- schatzsekretär Helfferich bestritt, daß er die Bewilligung der freien Fahrt für Urlauber unnötig verzögert habe. Seine Verwahrung dagegen, daß die im„Vorwärts" in dieser Rich- tung geäußerten Wünsche etwa Einfluß auf ihn gehabt hätten, blieb uns bei seiner Antwort, zumal in der Zeit des „Burgfriedens", unverständlich. Hatten die bürgerlichen Parteien schon die Kritik Stück- lcns nicht als angenehm einPfunden, so versetzte sie die Rede des Genossen Bauer bei der Erörterung von Resolutionen sozialpolitischer Art in unverständliche Aufregung. Genosse Bauer hatte einmal die noch immer von vielen Behörden geübten«chikanengegenArb�eiterorganisatio. nen gerügt und dann an einer Fülle von Beispielen die Notlage vielerKriegerfrauen dargestellt. Trotz- dem— wie Genosse Stadthagen im Laufe der Debatte ausdrücklich feststellte— in Wirklichkeit die Verhältnisse vom Genossen Bauer noch sehr zurückhaltend dargestellt worden waren, richteten die Vertreter aller bürgerlichen Parteien heftige persönliche Angriffe gegen Bauer. Generalmajor von Langermann verfiel dem Mißverständnis, sich per- sönlich für angegriffen zu halten. Ministerialdirektor Le- wald suchte Bauers Kritik als eine Verallgemeinerung nur einzelner Ausnahmefälle, als ein Zerrbild zurückweisen zu können. Abg. Paasche lnatl.) sprach sogar davon. Bauer habe„alles in den Schmutz gezogen". Ter Zcntrumsredner �pahn warf Bauer vor. er habe den Witwen und Waisen das Herz schwer gemacht; als ob nicht die gerügten Verhält- nisse diese Stimmung hervorriefen! Bauer betonte dann neben Genossen Molkenbuhr in einer zweiten Rede aus- drücklich die Notwendigkeit seiner Kritik und kündigte für später gleich icharfere Worte an, wenn nicht bis dahin die Verhältniste gebestert worden seien. Mehrere Resolutionen zugunsten der Krieger fanden schließlich Annahme. Wichtige Vundcsratsbeschlüsse. Berlin, 26. August.(W. T. B.) In der heutigen Sitzung des Bundesrats gelangten zur Annahme: Der Entwurf einer Ver- ordnung über die Vornahme einer Viehzwischenzählung am 1. Oktober 1315, der Entwurf einer Verordnung über ein Schlachtverbot für trächtige Kühe und Sauen, der Entwurf einer Verordnung über den Verkehr mit Zucker im Betriebsjabr 1915/16, der Entwurf einer Bekanntmachung, be- treffend die Ausprägung von Fünfpfennig stücken aus Eisen, der Entwurf einer Verordnung über den Ver- kehr mit Hülsenfrüchten, die Vorlage, betreffend die Herabsetzung der Kontingente der Zündwaren- fabriken für das Betriebsjahr 1915/16, der Entwurf einer Be- kanntmachung, betreffend die A n g e st e l l t e n V e r f i ch c r u n g während des Krieges, und die Vorlage, betreffend Außerkrafttreten der Bekanntmachung über die Höchstpreise für Speise- kartoffeln vom 15. Februar 1915. Tie Regierung gegen die Reform des Reichsvercins- gesetzes. Die Reichstagskommission für das Rcichsvereinsgesetz hat gestern den schriftlichen Bericht festgestellt. Es wäre also möglich, über die Kommissionsanträge, die auf Streichung des sogenannten Sprachenparagraphen und des Verbots der Teilnahme der Jugendlichen an politischen Versammlungen sowie darauf hinzielen, daß die Gewerkschaften nicht mehr als politifche Vereine erklärt werden, im Plenum noch in dieser Tagung zu beraten. Wahr- scheinlich wird es aber dazu nicht kommen, denn, wie die „Vossische Zeitung" erfährt, hat die Regierung B c- denken geäußert, in die Aufhebung des Sprachenparagraphen im jetzigen Augenblick zu willigen. Sie will, da jetzt die polnischen Fragen durch die Eroberung von Russisch-Polen überhaupt im Fluß sind, die weitere Entwicklung abwarten und die gesamten polnischen Probleme dann zusammenfassend einer Lösung entgegenführen. Außerdem hat die Regierung auch Bedenken gegen die allgemeine Zulassung von Jugendlichen, d. h. von jungen Leuten unter 18 Jahren. zu politischen Versammlungen. Es heißt auch, daß nachdem diese Stellungnahme die Regierung bekannt geworden ist. das Zentrum vorläufig eine Vertagung der Abänderung des Reichsvereinsgesetzes für richtig hält. Kriegsziele und„F-reie Vaterländische Bereinigung". In der„Täglichen Rundschau" antwortet der Vorsitzende der „Freien Vaterländischen Vereinigung", Professor Kohl, auf die An- griffe der„Westfälischen Politischen Nachrichten" wegen seiner Haltung zur Kriegszielfrage. Er schreibt u. a.: „Ich werde in einer immerhin recht befremdlichen Weise zur Rede gestellt, weil ich eine Eingabe an den Reichskanzler, die dem Verfasser nicht paßt, mitunterzeichnet habe. Ich weise diese Einmischung in meine Entschließungen angebrachtcrmaßen zurück. Die vom Verfasser mißbilligte Eingabe konnte ich unterzeichnen, weil auch sie nur einen Frieden geschlossen sehen will,„der den strategischen Bedürfnissen, den politischen und wirtschaftlichen Interessen des Landes und der u n g e hemmten Betätigung seiner Kraft und seines Unter- nehmungsgeiftes in der Heimat und auf dem freien Meere g e- sicherte Grundlagen gibt". Alles übrige ist Maßfrage und hängt im einzelnen von den Voraussetzungen ab, die gegenwärtig noch nicht zu übersehen sind. Einer zum Teil wörtlich anklingenden allgemeinen Redeweise bedient sich daher auch der Beschluß des Z err tr a 1v o r st a n d e s der Nationalliberalen Partei vom 15. August. d. I.. so daß ich heute, irr der irrigen Voraussetzung, ich sei an jenem Beschlüsse beteiligt gewesen, um Aufklärung darüber gebeten wurde, ob er einen Gegen- satz oder eine Zustimmung zu jener Eingabe bedeute. Wenn ich grundsätzliche Bedenken gegen die Angliederung politisch und geschichtlich bisher selbständiger Staaten aller- dings teile— denn nur darum handelt es sich, nicht um „Gebietserweiterungen zur militärischen, politischen und wirtschaftlichen Sicherung", die j e d e r w i l l—, so liegen diesen Bedenken nüchterne, harte, völkerrechtliche, staatsrechtliche und nationale Erwägungen zugrunde, nicht aber sentimentale Schwäche und nicht eine Haltung,„die im Ergebnis das deutsche Volk um seinen Siegespreis berauben würde". In Bismarcks Schule, und zwar nicht nur au? seinen Schriften, sondern im persönlichen Umgang habe ich die Wertschätzung deS deutschen National st aates und auch den hohen Grundsatz gelernt, daß in Entscheidungen von weltgeschichtlicher Bedeutung nichts geschehen solle, was die Möglichkeit einer politischen und kulturellen Wiederversöhnung der Böller endgültig ausschließt. Ich halte jede davon abweichende Meinung in vollen Ehren und würde mich fürchten, ein sittliches Werturteil über sie abzugeben, da? zuletzt in dem Vorwurf des mangelnden Verständnisses für das Glück und die Sicherheit des Vater- lande? ausläuft. Ich verlange aber das gleiche für mich. Es ist ein dunkler Fleck im Lichte der großen Zeit, daß eS Deutsche gibt, die nicht davor zurückschrecken, den Mitbürger, der eine andere und vielleicht maßvollere Anschauung über die Friedens- bedingungen vertritt, alsbald ungescheut und rücksichtslos als Flaumacher, Sentimentalen und Gott weiß was sonst noch an den Pranger zu stellen. Die Dankbarkeil darüber, daß wir durch den glücklichen Gang des Krieges überhaupt in die Lage ge- kommen sind, über FriedenSbedingungen zu sprechen, die wir hoffen dem Feinde auferlegen zu können, wird ganz und gar vergehen, da- gegen mit mißtrauischen Unterstellungen und persönlichen Angriffen der Bürgerstreit entzündet. Dagegen lege ich für mich und viele Tausende Verwahrung ein." Anonyme Anzeigen. Berlin, 25. August.(W. T. B.) Die anonymen An- zeigen und Mitteilungen, die täglich bei Reichs- und Staats- behörden einlaufen und jetzt während des Krieges naturgemäß doppelt beliebt sind, haben einen derartigen Umfang angenommen, daß viele Behörden solche Anzeigen ohne Unterschrift dem Papierkorb übergeben. Eine bemerkenswerte Bekanntmachung hat unter dem 4. Mai in dem Gesetz- und Verordnungsblatt für die okkupierten Gebiete Belgiens der Generalgouverneur in Belgien, Generaloberst Freiherr v. B i s s i n g, erlassen, die folgenden Wortlaut hat: „Die Zahl der anonymen Anzeigen, die bei mir und den deutschen Behörden in Belgien einlaufen, mehrt sich ständig. Ich lehne es ab, solchen Anzeigen irgendwelche Beachtung zu schenken und habe die mir unterstellten Behörden mit denientsprechender Anweisung versehen. Eingaben aus der Bevölkerung, die unter richtiger Namens- angabe vorgelegt werden, werden nach wie vor gerne wohl- wollend geprüft und beschieden werden." Gründung eines städtische» Lebensmittelamtes. Der Rat zu Dresden hat mit Rücksicht auf die Verhältnisse des Lebensmitteln, arktes beschlossen, ein dem Lebensmittel- auSschuß zu unterstellendes Lebensmittelami zu begründen mit der Aufgabe, die Bewegung der Preise für die gebräuchlichsten Lebensmittel zu beobachten, mit den in Frage kommenden Kreisen der Industrie, der Landwirtschaft und deS Handels ständige Fühlung zu halten und im Einvernehmen mit dem Gewerbeamt Vorschläge über Festsetzung von Höch st preisen sowie über sonstige Maß- nahmen zur Beseitigung der Mißstände aus dem LebenSmittelmarki, insbesondere über stadlseitige Verkaufseinrichtungen, aufzustellen. Zur Erledigung der Geschäfte wird ein kanfmäimischer Leiter in Aussicht genommen. Briefe in polnischer Sprache. Nach einer Mitteilung der österreichischen Telegraphen- Verwaltung ist der Privattelegrammverkehr nach und aus Galizien südlich und östlich des Pruth wieder zugelassen.— Von jetzt ab sind nach Oesterreich-Ungarn und dem neutralen Ausland offene Briefsendungen in polnischer Sprache zur Postbeförderung allgemein zugelassen. In der Behandlung der Sendungen wird hierdurch nichts geändert._____ Kriegsbekanntmachungen. Zur Deckung des Pferdebedarfs. Die Heeresverwaltung ist dauernd bemüht, die durch Aus- Hebungen der Pferde vorwiegend in Mitleidenschasr gezogene Land- Wirtschaft von weiteren Pferdeabgaben zu entlasten. Sie kauft ihren Pferdebedorf an, soweit es irgend durchführbar, und schreitet nur im Notfalle zu Aushebungen. Da es aber trotz aller Bemühungen nichr immer gelingen wird, die Anforderungen der Feldlruppen durch An- kauf oder Ausgleich zu befriedigen, muß auch serner mit der Mög- lichkeii weiterer Aushebungen gerechnet werden. Den Landwirten kann deshalb nur empfohlen werden, in ihre Betriebe möglichst Ochsen und Kühe statt Pserde einzustellen. Um der Landwirtschaft zu helfen, hat die Heeresverwaltung Vorsorge getroffen, daß die für den Truppendienst nicht inehr brauch- baren Dienst- und Beutepferde den Landwirten gegen mäßige Preise überlassen werden. Die Verteilung dieser Pferde erfolgt durch das Landwirlschaftsministerium und die Landwirtschaftskammern. Anträge sind deshalb an diese Stellen zu richten; Vorlagen an das Kriegsministerium verzögern nur die Erledigung. Auch für Handels- und Industriebetriebe können in dringenden Fällen, wenn die Betriebe gemeinnützigen und öffentlichen Zwecken dienen, solche Pferde abgegeben werden. Entsprechende Anträge würden durch Vermittelung der amtlichen Handelsvertretungen eben- falls an das Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten zu richten sein._ Briefverkehr mit deutschen Zivilgefangcnen in Rußland. Berlin, 26. August. lW. T. B.) Nach einer Entscheidung der russischen Regierung ist den deutschen Zivilgefangenen in Rußland der unmittelbare Briefverkehr mit der Heimat untersagt, weil sie sich nicht in Konzentrationslagern besiuden. sondern nur gezwungen sind, in den ihnen angewiesenen Ortschasren zu leben, und daher ihr Postverkehr den allgemeinen Bestimmungen zu unter- werfen ist. In Deutschland können daher Postsendungen an diese Gefangenen nicht mehr nach Art der Kriegsgefangenen- sendungen unmittelbar, sondern nur noch durch Mittelspersonen im neutralen Ausland versandt werden. Zur Vermittelung dieses Verkehrs hat sich der Deutsche Hilfsverein in Stockholm erboten, welcher dort seit dem Jahre 1876 besteht und während des Krieges den brieflichen Ver- kehr mit Deutschland nach und von den übrigen kriegführenden Ländern zu vermitteln unternommen hat. Ter Verein berechnet für seine Dienste nichts, bittet jedoch, jedem Briefe für Portoauslagen zwei internationale Postantwortscheine, die zum Preise von 26 Pf. bei den Postanstalten erhältlich sind, beizufügen. Die Briese können in deutscher Sprache, müssen jedoch nnt la« teinischen Buchstaben deutlich geschrieben werden und sind dem Verein in dem für den Empfänger bestimmten genau adressierten und offenen Umschlage einzusenden. ebenfalls in offenem Umschlage. Soweit erforderlich, wird die Adresse für die Wcitersendung nach Rußland übersetzt werden. Genaue und deutliche Adresse des Absenders und Empfängers ist dem Verein jedesmal onzu- geben, da täglich viele' Hunderte von Briefen einlausen. Tie Adresse des Absenders ist auch in dem weiterzusendcnden Briefe an- zugeben, da sonst der Verein Briefe, die als unbestellbar zurück- kommen, den Absendern nicht wieder zurücksenden kann. In den Briefen darf kein politisches Thema berührt werden. Es empfiehlt sich, auch nichts oder nur sehr wenig vom Kriege zu erwähnen. Jede Zeile wird von der KriegSzensiir gelesen, und Briefe mit beanstandetem Inhalt erreichen die Adressaten niemals. In jedem Briese ist der Deutsche Hilfsverein in Stockholm als Vermittler an« zugeben, um dem Empfänger sofort klar zu machen, auf welchem Wege derselbe antworten kann. Tie an den Verein gerickNelen Begleitschreiben sind zwar genau, aber so kurz wie möglich ab- zufassen. Der Verein läßt jedem Absender eine Benachrichtigung über die Weiterbeförderung eingesandter Briefe zugehen. Für den Fall, daß der Verein Telegramme besorgen soll, ist gleichzeitige Einsendung des ungefähren Betrage? der Kosten /das Wort nach Rußland 36 Pfennig) erforderlich. Ein etwaiger Ueberschuß wird aus Wunsch dem Absender zurückgesandt, sonst für die guten Zwecke des Vereins versandt. Paketsendnngen können durch den Verein nicht besorgt werden. Letzte Nachrichten. Die Meldung des türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 26. August.(W. T. B.) Das Haupt- quartier teilt mit: An den Fronten von Anaforta, A r i B u r u n und S e d d u l Bahr unterhielt der Feind abwechselnd heftiges und schwaches Artilleriefeuer und ver- schwendete eine große Menge Munition. In der Nacht vom 21. zum 25. August unterhielt der Feind das Feuer bis zum Tagesanbruch. Am 25. August versuchte der Feind mit schwachen Kräften einen Angriff auf unseren linken Flügel. Tie Angreifer wurden aufgerieben. An den anderen Fronten keine Veränderung. Die deutschen Missionarc in Indien. Berlin, 26. August.(W. T. B.) Einer Meldung des Evange- lischen Preßverbandes für Deutschland zufolge teilte Missionar Wagner von der Goßnerschen Mission in Indien seiner in Teutschland befindlichen tranken Gattin in einem vom 25. Juli dieses JahrS datierten Brief soeben mit, dag sämtliche Angehörigen der Goßnerschen Mission in Chota-Naktur in Bengalen lJndien>, und zwar ausnahmslos— Männer, Frauen und Kinder— in Gefangenenlager abgeführt worden sind. Die Zahl der dortigen Missionare beträgt allein etwa 56. Zurückgelassen wurden nur die alte und kranke Frau des Missionars Hahn und dessen zwei Töchter, sowie die Missionslehrerin Fräulein Elfriedc Bessel. Wo sich das Internierungslager befindet, ist nicht bekannt. Explosion in einer französischen Munitionsfabrik. Agm. Paris, 26. August. Dienstag nachmittag erfolgw in den Munilionswerkstätten Pecg bei St. Germain eine große Explosion, wobei vier Personen getötet und mehrere verwunb« wurden. Der Minister des Innern Malv» und ein Vertreter de<. Kriegsmiuistcrs begaben sich an die Unglücksstätte. fifl' Serlin und Umzegenö. Die Zelluloid-, Kamm- und Haarschmucknrbeiter haben gegen- wärtig eine ungewöhnlich gute Konjunktur. Wie in der Branchen- Versammlung am Mittwoch berichtet wurde, sind von den mann- lichen Mitgliedern mehr als die Hälfte zum Militär eingezogen. Alle Fabriken haben soviel Beschäftigung, daß oft Ileberstunden gemacht werden. In einem Betriebe hat man stall der eingezogenen Männer weibliche Arbeitskräfte an die Schleifmaschinen gestellt. Tas ist eine so schmutzige und schwere Arbeit, daß man glaubte, die Frauen würden dieselbe bald wieder aufgeben müssen; aber sie halten aus. Tie Beschäftigung von Arbeiterinnen an den schweren Schleifmaschinen ist keine durch den Mangel an männlichen Ar- beilskräften bedingte Notwendigkeit. Der Fabrikant würde auch männliche Arbeiter bekommen, wenn er ihnen für die zwei oder drei Wochen, wo sie angelernt werden, einen Stundenlohn von 50 bis 63 Pf. zahlen und dann erst die Arbeit in Akkord vergeben würde. Aber es soll gleich von Anfang an in Akkord gearbeitet werden. Da hierbei in der Zeit des Anlernens natürlich nur ein geringer Verdienst erzielt wird, greift man zu weiblichen Arbeitskräften, die mit dem kargen Verdienst zufrieden sind. Wenn auch an sich gegen die Beschäftigung von Frauen nichts einzuwenden ist, so wird doch befürchtet, daß sie unter diesen Umständen eine dauernde Herabdrückung der Schleiferlöhne zur Folge haben kann. Die gegenwärtige Konjunktur ist, wie gesagt, so günstig, wie sie feit 1906 nicht mehr gewesen ist. Man rechnet aber damit, daß mit der Zeit ein Arbeitsmandel eintritt. Die beantragte Gewährung von Teuerungszulagen haben die Fabrikanten fast ohne Ausnahme abgelehnt unter Hinweis darauf, daß der ArbeitSver- dienst ohnehin gestiegen sei. Die Steigerung wird nur durch äußerste Anspannung der Kräfte in Akkord sowie durch Ueber- stunden erzielt. Sie ist aber bei weitem nicht so bedeutend, daß die hohen Lebensmittelpreise dadurch aufgewogen werden könnten. — Das Bestreben der Organisation, durch Verhandlungen mit" den Fabrikanten einen einheitlichen Lohntarif für Berlin zustande zu bringen, hat der Verband der Zelluloidindustriellen dahin beant- wortet, daß es voraussichtlich zu einer Vereinbarung kommen werde, doch jetzt sei die Zeit nicht dazu geeignet, die Angelegenheit müsse vorläufig zurückgestellt werden. deutsches Reich. 1S47 neue Mitglieder. Der Deutsche Tabakarbeiterverband, der schwer unter den Folgen der Tabaksteuergesetzgebung von 1909 gelitten hat und der naturlich auch die Wetter deS Krieges spürte wie alle Arbeiter- organisationen, kann jetzt wieder Fortschritte verbuchen. Das zweite Quartal dieses Jahres(April, Mai, Juni) hat ihm einen Mitgliederzuwachs von 1647 gebracht. Etwa 26 Zahlstellen haben ihre' Quartalsabrechnungen noch nicht eingeschickt, so daß sich die Zahl der neuen Mitglieder möglicherweise noch etwas vermehrt. Freilich sind nicht alle Zahlstellen an der Mitgliederzunahme be- teiligt; an einigen Orten, in einigen Gegenden sieht es auch nicht sonderlich gut aus. Aber im allgemeinen geht es wieder recht gut vorwärts. Das Beispiel des Tabakarbeiterverbandes zeigt, daß es auch in Industrien, die nicht zu den reinen Kriegsindustrien gehören, sehr wohl möglich ist, selbst in der Jetztzeit organisatorische Erfolge zu erzielen. Teueruugszulagen im Königsberger Tapezierergewerbe. Nach Verhandlungen zwischen der Ortsverwalwng des Tapeziererverbandes und der Innung in Königsberg i. Pr. wurde eine allgemeine Teuerungszulage von wöchentlich 2 M. für ledige und 3 M. für verheiratete Gehilfen bewilligt. RuslanS. Ein Erfolg organisierter Zigarettenarbeiterinneu. Die vom Arbeitersekretär Genossen N i c o l e t organisierten Zigarettenarbeiterinneu in Gens haben mit einer dortigen Firma einen am 16. August in Kraft getretenen Tarifvertrag abgeschlossen, der für die ersten fünf Wochentage die nenn- und für Sonnabende die achtstündige Arbeitszeit festlegt und eine tägliche Lohnerhöhung von 72 Cts. bringt, was für die 80 Arbeiterinnen 4000 Stunden Arbeitszeitverkürzung und 16 000 Frank Lohnerhöhung jährlich aus- macht. Genosse Nicolet bemerkt in seinem darüber in der Arbeiter- presse veröffentlichten Bericht dazu:„Dieses erfreuliche Resultat gibt der Arbeiterin die Hoffnung, eines Tages aus ihrer elenden Lage herauszukommen. Man macht den organisierten Arbeite- rinnen den Vorwurf, daß sie Sozialistinnen seien. Ja, sie sind es mit Feuer, denn sie fühlen, daß ihnen nur von dieser Seite die definitive Freiheit kommen wird." Verlustlisten. Die Verlustlifte Nr. 311 der preußischen Armee snt- hält Verluste folgender Truppen: Infanterie usw.' Garde: Gren.-Reg. Augusta; Garde-Resi- Schützen-Bat. Gren.- bzw. Ins.- bzw. Füs.-Regimenter Nr. 1, 6, 6, 7. 8, 10, 11. 12. 18, 19. 22. 24 bis einschl. 28. 31, 32, 33 (f. auch Gren.-Reg. Nr. 1), 34, 36, 37. 38, 44, 46. 48. 49, 61, 62. 67, 61, 62, 68. 66, 66, 67, 70, 72, 78(s. Jnf.-Reg. Nr. 260), 82 (s. Jnf.-Reg. Nr. 132), 88, 89. 92 is. auch Res.-Jns.-Reg. Nr. 260), III, 113, 131. 132. 136, 137, 138. 140, 141, 146, 161, 162, 163, 164. 162. 166, 166, 170, 174, 175(s. Res.-Jns.-Reg. Nr. 262). 176, 306. Res.-Jnf.-Regimenter Nr. 6, 6, 7, 10, 11. 18, 19, 23, 27. 82. 36. 33. 49, 61, 66, 67, 68, 80, 81. 91. 94, III, 116, 130, 201, 203, 209, 210, 212, 213, 214, 215. 219, 220, 222, 223. 224. 262, 268, 260, 262. Res.-Ers.-Jnf.-Regimerrter Nr. 2 und 3. Landw.- Jnf.-Regimenter Nr. 6. 7, 10. 11. 34. 49. 63. 61. 73. 76, 80, 93. 99(s. Festungs-Maschinengew.-Abt. Nr. 4 Graudenz), 116, 118 und v. Gundlach is. Landw.-Jns.-Reg. Nr. 93). Landw.-Ers.-Jns.-Reg. Nr. 5. Ueberplaninäßiges Landw.-Jns.-Bat. Altenburg(s. Landw.- Jnf.-Reg. Nr. 93). Brig.--Ers.-Bat. Nr. 49(f. Jnf.-Reg. Nr. 365). Landw.-Brig.-Ers.-Bat. Nr. 10(f. Landw.-Ers.-Jns.-Reg. Nr. 6). Landsturm- Infanterie- Bataillone: ll Kassel. IV. Darmstadt, I Görlitz, Neustadt W.- Pr., Landsturm-Infanterie- Ersatz- Bataillone: Nr. 3 Hamburg, 1. und 2. Straßburg i E., Wiesbaden. Jäger-Bataillone Nr. 3, 9, 14; Res.-Bataillone Nr. 4, � 5, 9, 11, 16, 21. Schmeeschuh-Bat. Nr. 2 Feldma'chinengew.-Zug Nr. 263(f. Landw.-Jns.-Reg. Nr. 116)- Gebirgs-Maschinengew.- Abt. Nr. 201; Festungs-Maschinengew.-Avt. Nr. 4(Graudenz). Kavallerie: Ulanen Nr. 10; Jäger zu Pferde Nr. 7 und 8; Landw.-Reg. Nr. 2; 1. Landw.-EZkadr. des Gardekorps; Reserve- Abteilung Nr. 76. Feldartillerie: 5. Garde-Reg.; Regimenter Nr. 4, 11, 18, 21. 34, 36, 39, 40, 46, 46. 47, 61. 73. 76, 79, 82; Res.-Regimenter Nr. 6 und 46. Fußartillerie: Regimenter Nr. 1 und 6; Res.-Regimenter Nr. 3 und 13; Bat. Nr. 60; Res.-Bat. Nr. 27; 2. Res.-Ba:teric Nr. 24; Schwere Feld-Haubitz-Batterie Nr. 248. Pionier«: Reg. Nr. 31; Bataillone: I. und ll. Nr. 27, I. Nr. 28; Ers.-Bat. Nr. 2; Komp. Nr. 241; Res.-Kompagnicn Nr. 44. 48, 83, 84; 2. Landw.-Komp. des 1., 2. des 4., 2. des 6.. 2. des 8., 1. des 9.. 1. des 10. und 2. des 18. Armeekorps; 2 Landst.-Komp. des 2. und 4. des 3. Armeekorps; Abt. der 4. Kav.-Tiv. Scheinwerserzug des 7. Armeekorps; Leichter Res.-Feld-Scheinwerserzug Nr. 66. Leichte Minenwerfer-Abteilunyen Nr. 216 und 242; Mittlere Minenwerser- Abteilungen Nr. 46, 60 und solche dc? 8. Reservekorps. Verkebrstruppen: Militär-Eisenbahndirektion Nr. 1; Festungs- Eisenbahn-Baukomp. Nr. 9. Feldlustschiffer- und Feldfliegertruppe. Train: Train-Abt. Nr. 10; Train-Ers.-Abteilungen Nr. 8 und 10; Etappen-Train-Esk. Nr. 126. Magazin-Fuhrparkrolonne Nn 7 (XI.) des 12. Reservekorps; Magazin- Fuhrpark Heinrichswalde; Etappen-Fuhrparkkolonne Nr. 3 des 17. Armeekorps; Etappen- Bäckereikolonne Nr. 1 G. Ersatz-Pferd edepot des 7. und des 16. Armeekorps; Etappen-Pserdedepot der 11. Armee. Jnfanterie-Munitionskolonne Nr. 2 des 6. Armeekorps. Sanitäts-Formationen: Sanitäts-Komp. Nr. 2�>es 16. Armeekorps und Nr. 119 der 119. Jns.-Div.; Festungs-Sanitäts-Komp. Nr. 2(Metz). Armierungsbataillons. Proviantamt der 6. Landwehr-Division. ** * Die bayerische Verlustliste Nr. 216 bringt Verluste des 1-, 8., 6.. 7.. 8.. 9.. 10., 11.. 12.. 13., 14., 15., 16.. 19.. 20.. 23. und 24. Jnf.-Reg.; Res.-Jnf.-Regimenter Nr. 2, 4. 7, 10, 11, 12; Landw.-Jnk.-Regimenter Nr. 6 und 8; Brig.-Ers.-Bataillone Nr. 1, 2, 6, 7, 8. 10; Landst.-Jnf.-Bataillone: Hof, Nürnberg III, Speyer. iSAluß folgt.) Der Schluß der sächsischen Verlustliste Nr. 186 enthält Verlust« der Jnf.-Regimenter Nr. 107 und 178; Landst.-Jnf.-Reg. Nr. 19; Landst.-Jnf.-Bat. Leipzig; Radfahrer-Komp. Nr. 68; Maschinengew.-Abt. Nr. 8; Feld-Maschinengew.-Zug Nr. 71 und 99; Ballon- Abwehr-Äanonenzug Nr. 96; Ballon-Äbwebr-Kanonen- zug des 19. Armeekorvs; Armierungs-Bataillone: L Nr. 21, 3. Nr. 23; 6. Nr. 26, 7. Nr. 106. Tie württembergische Verlustlifte Nr. 249 enthält Ver- luste des Gren.-Reg. Nr. 119; Jnf.-Reg. Nr. 120; Füs.-Reg. Nr. 122; Landw.-Jns.-Reg. Nr. 123; Jnf.-Reg. Nr. 124; Landw.-Jns.-Reg. Nr. 124; Jnf.-Regimenter Nr. 126, 180; Res.-Jns.-Reg. Nr. 247; Maschinengcw.-Zug Nr. 139; Feldart.-Reg. Nr. 49; 1. Feld-Pionier- Komp.; 1. Res.-Pionier-Komp.; 2. Res.-Pionier-Komp.; Verluste durch Krankheiten; Berichtigungen früherer Verlustlisten. BREI irbeiter-Radfahrer-Bund „Solidarität" Mitgliedschaft Berlin. Als Opfer des Weltkrieges fiele» wiederum zwei«»serer treuestea Bundesgenosse«: Robert Andritzki(6. Abteilung» Max Hinrichsen(6. Abteilung» Ehre ihrem Andenke«! Dl« Yertiainl tlep Steinsetzer jPilastererj d. Berulsg. Deutsciil. Filiale Berlin. Den M/gliedern zur Nachricht, dag unser treuer Kollege, das Ehrenmitglied Rarl Mielenz im Alter von 63 Jahren ver- sterben ist. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet heute Freitag, den'27. Augutt. nach- mittags 8>/zUhr, auf dem Hirnmel- iahrts-Kirchhof in Niederschön- Hausen, Blankcnfelder Straße, statt. Rege Beteiligung wünscht llöß Der Borstand. Als Opser des Weltkrieges fiel am o. August 1915 auf dem Kriegsschauplatz unser lieber, guter Gatte, Sohn, Nesse, Schwager, schwieger- söhn, Onlel und Coufin, der Grenadier< Fritz Ey Res.-Jns.-Regl. 93 wenige Tage vor seinem 31. Ke- burtstage. 27A In tiefem Schmerz �.nnn Ey geb. Wentzel als Gattin Panl Ey als Vater. Charlottenburg, 26. August 1915. Geliebt, beweint und unvergessen. Allen Freunden und Belannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann.�unser herzensguter Vater und Schwiegervater, der Tischler 7A Paul Kresse im 60. Lebensjahre, nach langem, schwerem Leiden sanjt entschlafen in. Dies zeigt mit der Bitte um stille Teilnahme an, die trauernde Gattin Hedwig Kresse geb. Meier nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 38. August, nachmittags 31/, Uhr. von der Leichenhalle de§ Zentral-Friedhoi-s in Frieorichsjelde aus statt. 1�» e d r u k. Ms Opfer des Weltkrieges fiel unser Kollege, der Klempner tiernmim Winkler. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. 2275b Die Kollegen und Kolleginnen der Firma Eckel u. Glinicke. Hillen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein imiiggeliebter Mann, unser treu- sorgender Vater und Schwieger- rater, mein lieber Sohn, Bruder und Schwager, der Putzer Oskar Müller im Aller von 55 Jahren nach schwerem Leiden am 25. August sanft entschlafen ist. Er iolgte seinem Sohn Willi, der im Felde gefallen ist. 2274b Di-S zeigt schmerzerfüllt an im Namen der Hinterbliebenen Die Witwe Anna lliillcr geb. Jürgens nebst Sindern u. Schwiegersohn Die Beerdigung findet am Sonnabendnachmittag 5 Uhr von der Halle des Georgen-KirchhoicZ m Weißensce. Roelckcstr, aus statt. freie Inraer- schalt Mitgl. d. Neukölln- Britz. MMk-KorPs. Arn L.August verstarb im Feld lazarett an seiner Verwundung unter tangiahrtger Turn genaue und Mitbegründer unseres Musik- KorpS Willi pswlatc�k. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Der Vorstand Möbel-Angebot. solid« Möbelfirma lieicrt 8pe»lnI-Eln- nnd ZweiEimmer- Elnrlchtnnjren sowie Einzelmöbel gegen mastige Zinsvergütung bei kleiner Anzahlung und geringen monatlichen Raten- zahlungeu. Offerten D. 4 an die Expedition des„Vorwärts".* Keine Kassierer. Größte Knlanz. Zentral-Kranken- u. Sterhekasse der deutschen Waphauer. Abteilung Frauen-Sterbekasse Am Mittwoch, den 25. August. verstarb im 43. Lebensjahr nach langem Leiden unser Mitglied Emma Marker. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 29. August, nach- mittags 5 Uhr, von der Halle des neuen Jakobi-KirchhoscS" in der Hermamsswaße ans statt. Um rege Beteiligung bittet Die Ortsverwaliung. Bezirk 17. Allen Freunden und Be- kannten zur Nachricht, daß nach langem, schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere bcrzsnsgute Mutter �mma Marker geb. Blcbter sanft entschlaf en ist. lim stilles Beileid bitten Oskar Marker und Kinder. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 29. August, nach- mittags 5 Uhr. von der Halle deS neuen Jakobi-Kirchhoses, Hermannstraße, aus statt. e-CcU�tt/vv! — 3iüomif«iAcA/ 15 tJVo, Danksagung. Sagen hierdurch allen Freunden und Bekannten sowie dem Gast- und Schankwirtsverein..Süd-Ost", Rauch- klub„Feigenblatt"..Pflanzerverein M-Lichtenberg", 4. Wahlkreis, Be- zirk 413. für die Beteiligung und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten BaterS unseren herzlichsten Dank, sirsu Ww. Marie Kuhn ncbi' Kindern. Durch VolllUmreievUenleti kann derjenige, der fich an der ". Wohllatirts-Gelil-Lotterie:: beteiligt. 3ietmnflG. 7. u. 8. Sept. 1915 10167 OSclbgcmlnut im»dt age B on' 40000018. 75 ODO H. 40 000 M. 30000 M. 20 000 II. usw. 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BerlmL>V. Hierzu 2 Beüagcn u. Untcrhaltuitgsbl. Nr. W. 32. Jahrgang. l. Kküigk Ks Lsmiirls" Knlim WlKsM Freitag. 27. Avgult l9l5. «besseres Mehl unö mehr örot." Uns wird geschrieben: Die Reichsgetreidestelle hat beschlossen, die Mindcstgrenze, bis zu der das Brotgetreide ausgemahlen werden mutz, auf ~5 Proz. herabzusetzen. Weiter wird die Mehlnienge, die täglich auf den Kops der Zivilbevölkerung verbraucht werden darf, auf 225 Gramm erhöht. Auch die sog. Selbstversorger tIandwirte) haben jetzt Anspruch auf eine größere Rate. Diese Beschlüsse werden an vielen Stellen unter den Worten, die auch diesen Ausführungen vorgesetzt sind, bekanntgegeben. Die Ueberschrift führt aber ein wenig in die Irre. Zu- nächst widerspricht es schon all den schönen Artikeln und sonstigen Druckschriften, die von amtlicher und halbamtlicher Seite ausgegangen sind, und die die Ernährungsfrage be- bandeln, wenn jetzt von„besserem" Mehl geschrieben wird. Bisher ist mit arotzem Nachdruck hervorgehoben worden, datz durch das alte. Verfahren, wie es vor dem Kriege und noch in der ersten Kriegszeit üblich war, die besten Nährstoffe dem Vieh überantwortet würden, das dabei denn auch vortrefflich gediehen sei. Der Krieg habe darin eine wohltätige Aende- rung gehrracht. Das Gerede von der schweren Verdaulichkeit des Kr'.egsbrotes sei eben weiter nichts als blotzes Gerede. Aber lassen wir diesen Widerspruch beiseite. Die Wissen- schaff scheint sich darüber einig zu sein, datz der Nährstoff- gehalt des Brotes durch die schärfere Ausmahlung nur ver- stärkt werden kann. Der Masse des arbeitenden Volkes kam es und kommt es nicht darauf an, datz das tägliche Brot etwas Heller aus- sieht, sondern darauf, datz das Brot nahrhaft und die Menge, die jeder zu billigstem Preise erwerben kann, möglichst grotz ist. Was wird nun durch die neue Anordnung erreicht, und was könnte erreicht werden, wenn man sich weniger von Nebenrücksichten, als von der Hauptsache, der Rücksicht auf die arbeitenden Klassen leiten Hetze. Die Herabsetzung der Mindestgrenze, bis zu der ausgemahlen werden mutz, bedeutet eine Verminderung der Mehlmenge und damit eine Verminde- rung der Brotmenge, die überhaupt zur Verfügung steht, andererseits aber eine Vermehrung der Futtermittel, die auf indirektem Wege in Form von Milch, Fleisch usw. der Bevölkerung, die es zahlen kann, wieder zugute kommen. Wenn dies der Zweck der Uebung gewesen ist. also die Vermehrung der Futtermittel, so lätzt sich zwar einiges anführen� das diese Vermehrung begründet er- scheinen lassen könnte, es lätzt sich aber mit noch größerem Recht sagen, datz es dann schon besser gewesen wäre, es hin- sichtlich der Ausmahlung(worin übrigens die Kommunalver- bände freie Hand haben) beim alten zu lassen und dem Volke eine größere Brotmenge zu verschaffen. Unter den heute ge- gebenen Umständen bedeutet die Maßnahme nichts anderes als eine Liebesgabe an die Landwirtschaft, namentlich wenn man bedenkt, daß gerade bei den Produkten der Viehzucht die Preise ganz unvernünftig in die Höhe gegangen sind. Es sieht ja so aus, als stände sich die Masse des Volkes bei der Aenderung sehr gut. Die Brotmenge wird ja herauf- gesetzt. Aber es handelt sich nur um eine sehr geringe Er- höhung, die den tatsächlichen Bedürfnissen bei weiteni nicht geniigt, und die auch nicht wesentlich in Betracht kommt gegenüber der Erhöhung, die bei fortgesetzter scharfer Aus- mahlung des Getreides zugunsten der arbeitenden Massen er- reicht werden könnte. Man mutz sich darüber klar sein, datz für körperlich kräftig arbeitende Menschen die festgesetzte Brot- menge viel zu gering ist. Das braucht schließlich ja nicht mehr besonders betont zu werden. Die 5kommunalverbände nnt Selbstwirtschaft werden vielleicht noch das eine oder andere tun können, die Brot- Versorgung zu verbessern. Aber durch die allgemeine Anord- nung der Reichsgetreidestelle ist vorläufig doch die Möglichkeit zu einer wesentlichen Erhöhung der Brotration ausgeschieden worden. (Wir möchten unsererseits noch ausdrücklich feststellen, daß die Heraufsetzung des täglichen Mehlverbrauchs von 200 auf 225 Gramm zunächst rein rechnerisch ist. Eine all- geincine Erhöhung der Brotkarten-Ration findet keines- wegs statt. Tie Erhöhung der Mehlmenge soll nur den Zulagen für die schwer arbeitende Bevölkerung zugute kom- men. Uebrigens lauten nicht in allen Gemeinden die Brot- karten auf 2 Gramm pro Tag und Kopf; diese Zahl be- zeichnet nur die zulässige Höchstmenge. In einzelnen Orten gelangt vielmehr eine geringere Mehl- bzw. Brotmenge zur Ausgabe.)_ Ter Fleischverbrauch im letzten Friedcnsjahr. Ucber den Fleischverbrauch im Deutschen Reich im letzten Frieden.?iahr 1913 liegt jetzt die amtliche Aufstellung vor. ES geht daraus hervor, datz dieser Verbrauch gegen das Vorjahr wesentlich zurückgegangen war. Er fiel von 52.17 auf 50,65 Kilogramm auf den Kopf der Bevölkerung. Der Gesamtverbrauch fiel von 3158 Millionen auf 3199 Millionen Kilogramm. Flcischprcise in Teutschland und England. Man schreibt uns: In Ihrem Leitartikel„Die allgemeine Steigerung aller Lebensmittelpreise" heben Sie zu Recht den Unterschied zwischen der relativen Preis st eigerung und der abso- Inten Preishöhe hervor. In der Tat sind auch in Grotz- britannien die Fleischpreise stark gestiegen, seit einiger Zeit aber beständig geworden oder gar gesunken, während sie in Deutschland enorm gestiegen sind. Die„Times" vom 19. August führt die in den Zentral- Markthallen von Smithsield am 18. August für englisches, nicht gefrorenes Fleisch Pro acht englische Pfund gezahlten Preise an. In der„Voss. Ztg." vom 23. d. jäft. sind die Berliner Kleinhandelspreise für die Woche vom 7.— 11. August verzeichnet. Unter Vernachlässigung kleiner Fehlerquellen er- gibt sich ein interessanter Vergleich die englischen Preise sind in deutsches Gewicht und deutsche Währung umge- rechnet. Ein Pfund in Pfennigen England Deutichlaud Rindfleisch.... 99 III Kalbfleisch.... gl III Hammelfleisch... 89 117 Schweinefleisch.. 84 183 Da Fleisch in England sehr stark konsumiert wird, tritt die Bedeutung des sehr teuren Brotes zurück. Daher ist aber auch der beliebte Trost, datz die Teuerung in England größer als in Deutschland sei. ein frommer Selbstbetrug. Der eng- lische Arbeiter lebt um vieles teurer als im Frieden, aber billiger und, da Surrogate fehlen, besser als der deutsche. Mus Industrie und Handel. Kriegsgewinne. Einen Beitrag zur Frage der Spannung zlvischen den Getreide- und Mehlpreisen hat in der ReichStagSsitzung vom Dienstag der konscrvalive Abgeordnete Weilnbök durch Verlesung der Bilanz der Rathenower Dampfmühlenaktiengesellschaft in Rathenow a. d. Havel gegeben. Die Gesellschaft hat ein Aktienkapital von 1 Million Mark. Das GeschästSergebnis des Jahres 1911/15 stellt sich zu dem des Vorjahres wie folgt: 1911/15 1913/11 Gesamtgewinn....... 791 593 M. 382 572 M. Abschreibungen....... 119 321, 39 699, Reingewinn...... 386 809, 64 377, Zum Auffüllen des Reservefonds 96 781, 3 219„ Talonsteuerrücklage..... 3 000„— Tantiemen und Gratifikationen. 36901„ 6102„ Wohlsahrtszwecke...... 20 000„— Vortrag für das nächste Jahr.. 71 018„ 1 756„ Dividende....... 16 Proz. 5 Proz. Tatsächlich hätte eine Dividende von mindestens 39 Proz. ver- teilt werden können. Von Interesse ist, datz die Gesellschaft in ihrem Geschäftsbericht ausdrücklich erklärt, datz sie vom Januar 1915 ab aussckilietzlich für die Kriegsgetreidegesellschafr und für Behörden gegen Mahllohn gearbeitet hat. Preistreibereie«. Die„Rhein.-Westf. Ztg." berichtet, datz der Siegerländer Eisen- steinverein für das vierte Quartal die Preise für Rohipat um 9,79 M. und für Rostspat um 1 M. pro Tonne erhöht hat— weil Gefangene in grötzerer Anzahl eingestellt werden sollen, um die Produktion zu steigern. Die Preise stellen sich also in Zukunft wie folgt pro Tonne: vor dem Kriege jetzt ab 1. 19. 1915 Siegerländer Spat u. Braun- eisenstein...... 12,10 M. 18,50 M. 19,20 M. Siegerländer Rostspat... 18,50„ 23,50„ 24,50„ Nassauer Roteisenstein... 13,59„ 21,00. 21,00, Auch die Siegerländer Grubenbesitzer verstehen das Geschäft Sie wissen genau, datz Erze heute gesuchte Artikel sind und nutzen die Konjunktur aus. Die Wirkung dieser Preiserhöhungen kommt natürlich in Form höherer Ueberschüsse zum Vorschein. So verteilte das Brauneisensteinbergwerk Luise im ersten Halbjahr 1911 eine Ausbeute von 50 M. pro Kux und im ersten Halbjahr 1915— 70 M. pro Kux. Pfannenberger Einigkeit erzielte 1914 einen Rein- Überschutz von 3,12 M. pro Tonne. Der Rheinisch-Nas sauische Bergwerksverein erzielte 1911 einen Ueberschutz von 1 756 646 M. gegen 1 672 592 M. im Jahre 1913. Der Köln-Müsener Berg Werksverein hatte im Jahre 1911/15 einen Ueberschutz von 588 123 M. gegen 283 644 M. im Vorjahre. Um Gründe für die Preiserhöhungen ist man trotz- dem nicht verlegen._ Englands Maschinenindustric im Krieg. Ter„Daily Telegraph" vom 16. August veröffentlicht au§ der Feder seines Mitarbeiters für Maschinenwesen: Bei Kriegsaus- bruch war in dieser Industrie ein leichter Niedergang benicrkbar, der sich im ersten Monat noch verschärfte. Tann fluteten aber die Aufträge herein und nun wurde an der Erweiterung der Industrie mit Hochdruck gearbeitet. Die wenigen, durch die Herstellung von Kriegsmaterial nicht berührten Zweige, wie der Bau von Lokomo- tiven und landwirtschaftlichen Maschinen, patzten sich schnell den neuen Bedürfnissen an. Den veränderten Ansprüchen zufolge mutz- ten mehr Drehbänke hauptsächlich aus Amerika beschafft, und die bedienenden Arbeiter durch Entnahme von 12 900 Mann aus der Armee bereitgestellt werden. Außerdem kamen aus anderen Quellen noch 19 000 neue Arbeiter. Wenn auch diese ungeheuren Fabrikationsmittel vorläufig nur dem Kriege dienen dürfen, und der überseeische Maschinenhandel geopfert werden mutzte, so wird doch die britische Maschinenindustrie nach dem Kriege größer dastehen denn je. Diese ungeheuer wichtige Tatsache tritt aus dem abgelaufe neu Kriegsjahr nun hervor.... Nach dem Kriege wird der Maschinenwelthandel noch in zwei Händen sein, in England und Amerikas. England wird wieder die Werkstatt der Welt werden, denn an dieses werden alle verwüsteten Länder mit ihrem riesigen Bedarf an Maschinen und deren Teilen herantreten. Wenn England der Weltnachfrage nun genügen kann, so verdankt es dies allein seiner Teilnahme am Krieg. Wären seine Fabriken noch in demselben Zustande wie vor einem Jahr, wäre es nicht dazu im Stande gewesen. Englands Verlust würde Amerikas Gewinn geworden fein. Sicherlich hat ein so weitblickender Mann wie der Munitionsminister, als er sich zum Bau von 26 riesigen nationalen Munitionsfabriken entschloß, schon an mehr gedacht, als an die Herstellung der zur Zerschmetterung des Feindes nötigen Munition. Er sorgte damit schon für eine bisher nicht erträumte EntWickelung des Handels nach dem Kriege. Die britische Maschinenindustrie kann also zubersichtlich in die Zukunft schauen._ Soziales. Der Eafäkapcllmeistcr ist keiil Arbeitgeber. Wenn jemand zur Erfüllung gewisser Verpflichtungen, die er als Arbeitgeber zu leisten hat, herangezogen werden fall, dann kommt es nicht selten vor, daß er behauptet, nicht er sei der Arbeitgeber, sondern ein anderer, den man sonst zweifellos als einen Arbeitnehmer ansieht. Längst bekannt sind derartige Fälle aus der Konsektionsindustrie, wo der wirkliche Unternehmer, wenn es ihm vorteilhaft erscheint, den Heimarbeiter als selbständigen Gewerbetreibenden oder den Zwischenmeister als den eigentlichen Unternehmer bezeichnet. Auch im Baugewerbe kommt es vor, datz der Polier, der Kolonnenführer, von Unternehmern, die sich ihren Verpslich- tungen den Arbeitern gegenüber entzieben wollen, zu Arbeit- gebern gestempelt werden. Eine neue Erscheinung dürfte es sein, datz in gleicher Weise der Musiker, der im Kaffeehause drei bis vier seiner Kollegen„dirigiert", von dem wirflichen Unternebmer als Arbeitgeber bezeichnet wird. Mit einem Fall dieser Art hatte sich die Kammer 6 des Gewerbegerichts zu beschäftigen. Gegen das Astoria-Eafe G. m. b. H. klagten vier Musiker auf Zahlung eines Monatsgehalts, weil sie obne Kündigung ent- lassen worden seien. Unstreiiig waren sie bis einschließlich Juli mit balbmonatiger Kündigung zum MonatSschlutz angestellt. Ende Juli will aber der Geschäftsführer des Cafes dem jetzt beim Militär stehenden„Kapellmeister" B. gesagt haben: vom 1. August ab werde die Kapelle nur mit täglicher Kündigung beschäftigt. Ein Zeuge bestätigte das. Der gleichfalls als Zeuge vernommene „Kapellmeister" B. bestritt es. Der Geschäftsführer des Cafes machte außerdem den Einwand, daß nicht das Cafe, sondern der „Kapellmeister", mit dem der Arbeitsvertrag durch Verinittelung eines Agenten abgeschlosien sei, als Arbeitgeber der Kläger an- gesehen werden muffe. Das sei, nachdem der ursprüngliche „Kapellmeister" B. zum Militär eingerückt sei, der Pianist P., der von da ab die Stelle des„Kapellmeisters" der aus vier Per- sonen bestehenden Kapelle eingenommen habe.— Der neue „Kapellmeister" P. ist übrigens einer der Kläger. DaS Gericht entschied, datz P. nicht als selbständiger Unter- nehmer gelten kann, sondern das Astoria-Eafe der Arbeitgebc»' der Kläger ist. Wenn der Geschäftsführer des Cafes schwört, er habe dem„Kapellmeister" gesagt, vom 1. August ab werde auf tägliche Kündigung gespielt, dann werden die Kläger al'gewiesen. Schwört er den Eid nicht, dann steht den Klägern ein Monat?- gehalt zu.-_ Tornister mit Pappeinlage. In einer gewerbegerichtlichen Klage behauptete der Kläger Zacharias, die Firma Fischer u. Richter, gegen die er klagt, habe ihm zur Weiterverarbeitung Tornister übergeben, in deren Rümpfe Pappe statt Leder eingeklebt und Guttapercha statt Transparentleder verwendet worden sei. Die Verwendung von solchem Material sei vor- schriftswidrig und bedeute einen Betrug gegenüber der Militär- behördc. Er. der Kläger, würde sich durch Verarbeiwug dieser Tornister am Betrüge mitschuldig gemacht haben. Er habe die Firma um Lieferung vorschriftsmäßigen Materials ersucht, aber keins erhalten und beanspruche nun den entgangenen Arbeitsverdienst für die nicht angefertigten Papptornister. Weiter gab der Kläger an, er habe wegen dieser Angelegenheit Anzeige beim Kriegsministerium erstattet. Der Vertreter der beklagten Firma behauptete, die Verwendung von Pappe sei nicht vorschriftswidrig. Die fraglichen Tornister seien für eine andere Firma nach einem vorgelegten Probestück an- geferligt, welches dasselbe Material enthielr.— DaS Gericht setzre einen neuen Termin an, in dem ein gerichtlicher Sachverstän- diger über das Tornistermaterial vernommen werden soll. Tadellose Arbeit für 35 Pf. Tadellose Arbeit für schlechten Lohn verlangt die Firma Hoffmann u. Rosenberg, Damenthutfabrik, Blumenstratze 31. Eine Putzmacherin hatte in Heimarbeit einen größeren Posten Hüte für die genannte Firma angefertigt. Die Arbeit, die mit 3 5 P f. pro Hut bezahlt wurde, bestand darin, datz Strohhüte vollständig mit Samt zu überziehen waren. Ein Teil der von der Putzmacherin hergestellten Hüte war mangelhaft gearbeitet. Die Firnia ließ sie nacharbeiten und zog der Putzmacherin 3 0 Pf.- pro Stück ab. Die Putzmacherin klagte beim Gewerbegericht ans Zahlung des vereinbarten Lohnes. Sie gab zu, datz ihre Arbeit gewisse Mängel gehabt habe, die aber in der Hauptsache auf das minderwertige Material, welches die Firma lieferte, zurückzuführen seien. Im übrigen könne nicht verlangt werden, daß für einen Arbeitslohn von 33 Pf. tadellose Arbeit geliefert werde. Von anderen Firmen habe die Klägerin für dieselbe Arbeit 6 0 P f. bekommen. Der Vertreter der beklagten Firma. Herr Rosenberg, wollte den Grundsatz: Für schlechten Lohn kann keine radellose Arbeil gelieferr werden, nicht gelten lassen.„Aus Prinzip" lehnte er die Forderung der Klägerin ab und meinte, seine Konkurrenz zahle auch keine höheren Preise, er habe tadellose Arbeit zu verlangen.— Die von der Klägerin mangelhaft ausgeführten Hüle hat der Bellagte- von seinen Werkstattarbeiterinnen nacharbeiten lassen. Diese Nach- arbeit erforderte für jeden Hut eine Stunde Arbeitszeit, die den betreffenden Arbeiterinnen mit 35 Pf. pro Stunde bezahlt wurde. Die nachgearbeiteten Hüte wurden zum Teil dem Gericht vorgelegt. Sie waren, jedenfalls als Beweismaterial für das Gericht, mit ganz besonderer Sorgfalt gearbeitet. Das war die Meinung eines fach- verständigen Beisitzers, der auch sagte, datz für einen Preis von 35 Pf. keine tadellose Arbeit geliefert werden könne. Da der Be- klagte„aus Prinzip" seden Vergleich ablehnte, kam das Gericht zu folgendem Urteil: An den Arbeiten der Klägerin sind Mängel vorhanden. Im Prinzip war die Beklagte deshalb berechtigt, den Lohn für diese Arbeit zu mindern. Aber eine Minderung um 30 Pf. bei einem Lohn von 35 Pf. geht zu weit. Eine Lohnherabsetzuug auf die Hälfte, also 17 Pf., bält das Gericht für angemessen. Diesen Betrag pro Stück hat die Beklagte zu zahlen. Gerichtszeitung. „Manne" als Gespenst. Ein übler Scherz, durch den beinahe großes Unheil ent- standen wäre, hatte gestern ein Nachspiel vor dem Straf- richter. Wegen versuchten und vollendeten schweren Diebstahls war der Arbeiter Hermann Meyerhöfer an- geklagt. Am Abend des 12. Juni d. I. wurden die Bewohner eines Hauses in Pankow durch gellende Hilferufe, die aus der Wohnung einer in dem Haufe wohnhaften Frau H. kamen, in Aufregung ver- fetzt. Die Ursache dieser Alarmrufe war folgende: Die Tochter der Frau H. war mit dem Dieustmädchen in der Küche beschäftigt, als sie plötzlich durch eine ungewöhnliche Erscheinung vor Schreck halb- erstarrt an der Stelle�gebannt blieben. In dem offenen Küchen- fenster der im ersten Stockwerk gelegenen Wohnung erschien plötzlich ein schwarzes„Etwas", welche» mit einem mächtigen Satze sich an das Fensterbrett schwang und in demselben Augenblick vor den beiden zu Tode erschrockenen Mädchen stand. Die rätselhafte Erscheinung. die ein großes schwarzes Tuch über Kopf und Oberkörper geworfen hatte, leuchtete den Erschreckten mit einer Blendlaterne ins Gesicht und zog gleichzeitig ein mächtiges Dolchmesser hervor, mit dem das„Gespenst" wie wild herumfuchtelte. Der Anblick der Waffe löste endlich den beiden Frauen die Zunge. Das Dienstmädchen lief, gellende Hilferufe ausstvbend, ans der stäche, Ivährend die Tochter der Frau H. in ihrer Angst aus dein Fenster springen Ivollie. Sie nnirde pon dem„Gespenst- gepaäst und in eine Ecke gedrückt. Jnztoische» kaincn Hausbewohner hinzu. die de»! unheimliche» Besucher das schwarze Tuch vom Kopse rissen. Das Gespenst entpuppte sich als der jetzige Augeklagte Meyerhöfer, der Neffe der Frau H., der in der Familie„Manne" ge- nannt wurde. Da es sich herausstellte, datz M. auch bei seinem Stiefvater- in Weitzensee einen nächllichen Einbruch unter ähnlichen Umständen verübt hatte, nahm die Staatsanwaltschaft an, datz er auch hier einen Einbruch geplant hatte und erhob deshalb Anklage wegen versuchten schweren Diebstahls. Bor Gericht be- kündete die Cousine des Angeklagten, datz dieser schon ötter derartige dumme Streiche verübt babe;„Manne sei eben ein bitzchen doof," so erklärte die Zeugin. Das Gericht nahm deshalb nicht an, datz M. in diebischer Absicht in die Wohnung eingedrungen sei. hielt aber einen Hausfriedensbrulb unter Milführung einer Waffe für erwiesen. Wegen dieses Vergehens und des bei seinem Stiefvater verübten Einbruchs wurde M. zu 1 Monaten Gefängnis unter An- rechnung von einem Monat der erlittenen Untersuchungshaft der- urteilt. Der Staatsanwalt hatte 9 M o n a t e G c f ä u g n i Z be- antragt. Ms Groß-öerlin. Irauen auf Arbeitsuche. Bei Tagesgrauen, wenn tausende Berliner Frauen sich zur Arbeit nach den Spandauer königlichen Fabriken nisten, streben auch hunderte arbeitsuchende Frauen den Bahnhöfen zu, um schon um 6 Uhr früh vor den Fabriktoren auf Arbeit zu warten. Tas Pförtnerhaus der Geschoßfabrik ist täglich in aller Frühe von einer größeren Anzahl Frauen und Mädchen umlagert, die dort in Wind und Wetter stehend zum großen Teil vergeblich auf Arbeit Ivarten. Vor dem königlichen Feuerwerkslaboratorium hatten sich an einem der letzten Tage bis um 8'/« Uhr etwa 800 arbeitsuchende Frauen und Mädchen eingefunden, denen aber auf dem Fabrikgelände gute Sitzgelegenheit geboten war, während etwa 100 arbeitsuchende Männer bis gegen 9 Uhr vor dem Fabriktor herumstehen mußten. Von den 300 Frauen und Mädchen wurden aber nur 8 eingestellt. Traurig und miß- gestimmt verließen viele Frauen nur zögernd das Fabrik- gclände. Aber erst nachdeni der Arbeitsvcrmittler die schon wochenlang vergebens nach Arbeit kommenden Frauen auf die nächsten Tage vertröstet hatte und in einer kurzen An- spräche darauf hinwies, daß nur solche Arbeitsuchende berück- sichtigt werden könnten, die Angehörige im Felde hätten, bezw. Angehörige unterhalten müßten, entfernte sich das Gros der weiblichen Arbeitsuchenden. Wer angenommen wird, hat aber noch nicht alle Schwierig- keiten überwunden. Etwa um 10 Uhr müssen alle An- genommenen zur ärztlichen Untersuchung. Aach der Rückkehr um llstj Uhr»vcrden die Personalien aufgenommen und die wenigen Glücklichen werden nach Aushändigung der Arbeits- ordnung zur Arbeitsaufnahme um 3 Uhr nachmittags zur Arbeitsannahmestcllc beordert. Tie vom Arzt für arbeitsfähig befundenen Arbeitslosen erhalten vom Fcucriverkslaboratorium den Tag bezahlt,»vährend die für arbeitsunfähig erklärten Arbeitslosen, die fast den ganzen Tag vergeblich vertrödelt haben, ohne jede Entschädigung bitter enttäuscht nach Hause fahren müssen. In einzelnen Fällen ist es übrigens � vor- gekommen, daß männliche Arbeitsuchende, die felddienstsähig befunden»vurden, von den Aerzten des Fcucrtvcrkslaborato- riums für arbeitsunfähig erklärt wurden. Müde und abgespannt kehren tausende Frauen nach ab- wechselnder 77 stündiger Aachtfchicht bezw. Wstündiger Tagschicht die Woche, nachdein sie 15 Stunden und mehr täglich von Hause fort sind, abends und niorgens zurück,»vährend vor den Fabriktoren viele arbeitslosen Frauen sich vcr- gebens nach Arbeit drängen. Wieviel Not und Elend könnte gelindert»Verden,»venn wenigstens für die Frauen auf den kgl. Fabriken in Spandau drei Arbeitsschichten eingeführt würden. Um nun diejenigen Frauen,»velchc in Spandau Arbeit suchen, vor unnötigen Scherereien zu beivahren, sei darauf hingewiesen, daß es in erster Linie erforderlich ist, die Jnvalidenkarte svivie andere Papiere mitzunehmen beziv. sich solche ausstellen zu lassen. Angebracht ist es auch, sich vom zuständigen Polizeirevier eine Bescheinigung darüber ausstellen zu lassen, daß der Mann im Felde ist oder Kinder und sonstige Familienangehörige zu unterhalten sind. Letzteres gilt auch für niännliche Arbeitsuchende. Die kgl. Munitions- sabrik stellt nur ailf schriftlichem Wege Arbeitskräfte ein. Kriegerirane»» und Familienväter mit großer Fainilie»Verden bevorzugt. Gemüseverkauf nach Gewicht! Au» dem Rathause lvird geschrieben:„In der Presse sind hier und da Stimmen aufgetaucht, die im Anschluß an die Einführung des Gcmüseverkaufs nach Gcimcht von einer Preisverteuerung sprechen. Die Klagen in dieser Richtung scheine» ostenbar über- trieben. Vom Publikum sind Beschiverden bei der städtischen Markt- hallcudirektion bisher noch nicht eingegangen. Die Direktion ist übrigens vom Magistrat ganz besonders darauf hin- geiviescn worden, falls sich Kleinhändler die neue PreiSbestimimings- art zur Erlangung unberechtigter Vorteile sollten zunutze machen »vollen, aus Beseitigung dieser Mißbräuche ein strenge» Augenmerk zu haben und da§ Erforderliche zu veranlassen. Ebenso wird cS sich von den zur Bekämpfung überinäßiger Lebensrnittelpreise ein- geletzten Fachausschüssen der<1.) Fachausschuß für Gemüse. Kar- löffeln und Obst die Ueberivachung der Kleinhandelspreise be- sonders angelegen sein lassen. Bei den Bestrebungen, die Gemüse- preise auf angemessener Höhe zu hallen, bedarf eZ auch der tat- kräftigen Mitlvirkuug deö kaufenden Publikums selbst, welches vor allem darauf zu achten haben wird, daß es nicht die Abfälle der eingekauften Stücke, in Gestalt übermäßiger Strünke, imbrauchbaren Blatt- und Wurzelwerks iAuSputz) mit zugelvogcn erhält, Daß der Gemüseverkanf nach Gewicht sich ansang» nicht so bequem gestaltet hat, wie der Verkauf nach dein Stück, ist klar; solche kleine Erschlverungen müssen aber um des Zieles»villen, das verfolgt wird, ertragen werden. Es handelt sich»vie bei allen Neu- einrichtungen lediglich um llebergangsschwierigkeiten, deren bei gutem Willen Händler»vie Publikum sehr bald Herr sein»verden. Nach- dem die Schwierigkeiten überlvunden sind, wird durch die künftig genauere Kontrolle des Preises auch eine Niedrighaltung der Preise sicher erreicht werden." Hierzu sei bemerkt, daß eS nicht jedermann« Sache ist, Beschwerden wegen Uebervorteilung sofort der Markihallendirektion an- zuzeigen, zumal den»venigsten bekannt sein dürfte, daß Beschwerden dort anzubringen sind. Der Gemüseverkauf vollzieht sich vornehmlich n kleineren Geschäften und auf den verschiedenen Privalinärkten. Mehr aber als gegen den Verkauf von Gemüse nach Gelvicht richten sich die Klagen der Hausfrauen gegen die verschiedenen Preise, die genommen werden. Die Preise für Wirsing-, Weiß- und Rotkohl sind sehr verschieden. Die Hausfrauen können nicht be- greifen, wenn schon Gemüse nach Gelvicht verkauft wird, nicht auch bestimmte Preise festgesetzt werden, die nickt überschritten»verden dürfen. Den Hausfrauen liegt nicht so sehr daran, ob das Gemüse nach Stück oder nach Gewicht verkauft wird, sondern daran, daß sie nicht übervorteilt werden und Gemüse für billigen Preis bekoinmen. Tie Schaffnerin. Der Krieg hat uns die Schaffneiin der Straßenbahn beschert. Was früher als Verstoß gegen das Kleinbahngeietz galt und auf dein Papier auch heute noch gilt, ist in der Kriegszeit ungc- schriebe»«? Recht geworden. Mit llOO Frauen von eingezogenen Schaffnern sing eS an unter dem Widerspruch des Publikum», als Taufende von Familienvätern arbeitslos»varen, jetzt ist die Zahl der Schaffnerinnen auf 2700 gestiegen und noch ist ein Abschluß nicht abzusehen. Die Schaffnerin soll auch nach dein Kriege beibehalien »verden. Jnwieiveit die Aufsichtsbehörden damit einverstanden sind, ist noch nnsicher, da das Kleinbahngesetz auch jetzt>»och nickt ge- ändert ist. Aber eins muß heute schon gefordert»verden: Rkchr Arbeiterschntz— auch für die Schaffnerin l»vie überhaupt der Krieg den Arbeitsschutz und den Kinderschutz zu sehr hat«n den Hinter- grund treten lassen. Wir mochten an einen besonderen Fall anknüpsen. Kürzlich wurde berichtet, daß eine Schaffnerin in der Jungfernheidc sich an den Spandouer SchiffahrtSkanal begeben habe, um sich den Kopf zu kühlen. Dabei sei sie ins Wasser gefallen und elendiglich erlrunken. Jetzt»vird behauptet, daß die Frau an der Böschung ihre Notdur habe verrichten»vollen, dabei sei sie abgeglitten und ins Wasser gc- fallen. Ivo sie ihren Tod fand. In der Tat mangelt es für die Schaffnerinnen an geeigneten Stellen,>vo sie ihre Notdurst verrichlen können. Ein Schaffner geht in die Kneipe, wenn er keine andere Stelle findet, um sein Bedürfnis zu verrichten, obwohl diese Gelegen- heit keine ideale ist, eine Frau kann das schon lveniger, sür sie i der Kneipenbesuch peinlicher als sür den Mann. Ein Mann kann auch jede öffentliche Bedürfnisanstalt aufsuchen, für die Frauen sind aber weniger öffentliche Bedürfnisanstalten vorhanden und zudem muß die Frau oft noch zahlen. So erklärt sich auch das Unglück. das der Schaffnerin in der Jungfernheide zustoßen konnte. Aber selbst»venn der Vorfall in der Junfernheide anders läge, als jetzt allgemein behauptet wird, der Uebelstand, daß sür Verrichtung der Notdurst der vielen Schaffnerinnen ungenügend gesorgt ist, besteh» und bedarf der Abhilfe. Die Schaffnerin hat noch andere Schwierigkeiten zu»iberlvinden� Während viele Frauen ihren Männer»», die Fahrer- oder Schaffner- dienste verrichlen, an den Hallestellen warmes Essen bringen, das in einigen Minuten verschlungen werden muß, entbehrt die Schaffnerin meistens des wannen Essens. Alle diese Umstände müssen aus den Körperzustand der Schaffnerin sehr ungünstig einlvirken und lassen mehr wie je die Forderung erheben: Mehr Arbeiterschutz auch den Schaffnerinnen l Selbstmord des Barons Hermann v. Arnim-Ketschendorf. Großes Aussehen hat in Fürstenivalde und Hingebung der Selbstinord des Barons Hermann v. Arnim, des Sohnes des ver- storbenen früheren Landrats des Kreises Teinpliir. hervorgerufen. v. A. lebte seit vielen Jahren als Privatier in Ketschendors bei Fürstenwalde, wo er in der Schillerstraße eine kleine Villa bewohnte. Während seine Familie verreist war. vergiftete er sich in seiner Wohnung mit Leuchtgas. Offenbar haben mißliche Vermögens- Verhältnisse den Privatier zum Selbstmord veranlaßt. Logisschwindlerinnen. Zwei gefährliche LogiSschwindlerinnen und Diebinnen sind ain gestrigen Donnerstag von der Schöneberger Kriminalpolizei dingfest gemacht»vorden. Es handelt sich um die 23jährige Gertrud Rade- »neier, die in allen Stadtgegenden des Westens Zimmer mit Beköstigung mietete und bei der ersten besten Gelegenheit,»»atürlich ohne Miete gezahlt zu haben, mit den Wertsachen ihrer Logiswirtin verduftete. Am Donnerstag lvurdc sie von Beamten des zweiten Schöneberger Kriminnlbezirks beobachtet, als sie gestohlene Schuhe bei einem Trödler in der Bohnstraße verlausen wollte und festgenommen, Verhaftet wurde ferner die 22jährige Käthe Martha Schubert, die gleichfalls Logisschwindel betrieb und unter verschiedenen Namen eine Anzahl Vermieterinnen einpsindlich geschädigt hat, Sie betrieb hierbei auch in ausgedehntem Maße HeiratSschivindel, Sie machte Herrenbekanntschasten und gab sich als wohlhabendes Mädchen und Tochter eines höheren Beamten aus. Ihren Freiern täuschte sie Erbschaften vor, die sie demnächst beheben wollte. So gelang es ihr in verschiedenen Fällen, den zukünftigen Verlobten auf die angebliche Erbschaft hin 300 bis 500 M. abzunehmen. Die beiden Schwind- lerinnen wurden in das Moabiter Untersuchungsgefängnis ein- geliefert, Die Hundesperre läuft am heutigen Tage ab. Von Sonn- abend an können die Hunde wieder ohne Maulkorb und Leine umherlaufen. Tas Schlagsahneverbot. Verschiedene Blätter widmen dem Inkrafttreten des Schlag- 'ahneverbolS besondere AbschiedSworle. Die in den Konditoreien verkehrenden Backfische deS Westens werden dein Windbeutel oder dein Apfelkuchen mit Schlagsahne die meisten Tränen nachiveinen. In einer Anzahl Konditoreien sollen in den letzten Tagen Tchlagsahneleckerinnen ordcnlich in Schlagsahne geschivelgt haben. UebrigenS hat da» Oberkommando durch das Schlagsahueverbot nur allein den Verkauf der geschlagenen— festen— Schlagsahne, nicht aber den Verkauf der flüssigen— ungeschlagenen— Schlagsahne verbieten wollen. Es ist daher nur der Verkauf von geschlagener, 'ester Schlagsahne zu beanstanden. TaS Mütter- und Kinderheim des„Bundes für Mutter- ch u tz", Wilmersdorf. Sigmaringenstr. 2ö, nimmt auch»vährend des Krieges hilfsbedürftige»verdende Mütter sowie Mütler mit ihrem Kinde ans. In der AuskunftSstelle wird täglich von 9—1 Uhr, Dienstag und Freilag auch von 7—9 Uhr abends uncnigelllich Rat und Auskunft über Unterkunft, ärztlichen Beistand, RcchiSschutz, Ver- Mittelung von Pflegestellen, Arbeitsnachweis uslv. erleilt. Mütter, »velcke die Hilfe deS Bunde? nachsuchen, werden gegebenenfalls in die Kriegsversicherung eingekauft. Wer ist der Tote? Au« der Schleuse gelandet wurde ain Sonn- tag vor acht Tagen an der Köpenicker Brücke die Leiche eines Mannes, dessen Feststellung bisher nicht gelungen ist. Der Tote, der schon längere Zeit im Wasser gelegen hatte,� scheint Arbeiter gewesen zu sein. Sein Aller läßt sich auch»richt schätzen. Er kann 20, aber auch 10 Jahre alt gewesen sein, war etwa 1,35 Meter groß und untersetzt und hatte ein breites Gesicht, dessen Züge bei der Landung der Leiche schon unkenntlich waren. Der Mann trug einen dunklen Jackettanzug mit grauen Strümpfen und schivarzen Schnürstiefeln und eine Taschenuhr mit der Nummer 152 278. Einige Postkarten, die er in der Tasche halte, waren noch un- beschrieben. Kleine Nachrichten. In der Birkenstraßc sprang Mitlioochabend gegen 7 Ubr der Soldat Weigel von einem Slroßenbahnivagen der Liirie 7 während der Fahrt ab und stürzte. Er erlitt dabei einen Bruch des rechten FußeS und mußte»ach dem Garnisonlazarett ge- bracht werden.— Gegen 0 Uhr abends wurde ein Herr Gorrnann an der Ecke der Alexander« und Prenzlauer Slraße von einein Straßenbahnwagen der Linie 38 uingestoßen: er trug eine Nippen- qnetschung davon. Der Verunglückte erhielt auf der nächsten Unfall- lation die erste Hilfe und»vurde von dort nach der Wohnung gc- bracht.— An der Ecke der Haupt- und Slierstratze in Schöneberg fuhr ein Wagen der Straßenbahnlinie K gegen'/�S Uhr vormiilags auf einen dort haltenden Zug der Linie 30 auf. Infolge des Anpralles wurde die Schaffnerin des Beiwagens des Zuges gegen die Stirn- wand geschleudert und erlitt innere Verletzungen Die Verunglückte erhielt von einem in der Nähe wohnenden Arzt die erste Hilfe und »vurde dann nach der Wohnung gebracht.— Vor dem Hause Prenzlaiier Allee 184 wurde die vierjährige Marie Vorlauf dein» Spielen von einem Straßenbahnwagen der Linie 72 uingestoßen. Glücklicherweise wurde die Kleine von der Schutzvorrichtung auf- gesangen, so daß sie mit Hautabschürfungen am Kops und linken Ellenbogen davonkam._ WetterauSiichtc» für das»nittlere ZlorddeuUchland bis 2o nu abend mit tnit. Am Tage ziemlich warm, an der Küste meist be- wölkt und besonders im Osten clwaS Regen; in den meisten anderen Ge- gendcn wecken und vielsach heiter. Ms öen Gemeinden. Lebcnsni ittcl verkauf in Tempelhof. Die von der Geineindevertreiung eiirgesetzte Nahrungsmittel- Kommission beschloß in ihrer letzten Sitzung zur Bekämpfmrg der LebenSmillelvertenerung einen billigen Verkauf von Kartoffeln, Gemüse u. vgl. einzuführen. Der Verkauf soll in einem Laden der Berliner Straße stallfinden. Auch den kleinen Geschäftsleuten soll Gelegenheit gegeben werden, Waren von der Gemeinde unter der Voraussetzung zu beziehen, daß sie diese Nahrungsmittel zu den- selben Preisen verkaufen, wie die Gemeinde. Einkauf und Verkauf der Lebensmittel stehen unter der Leitung eines Gemeindeverlreters. Tempelhof. Au» Sonntag, den 29. d. Mi»., findet bei Stritzke sSchweizerhatls) in Mariendorf, Großbeerenslraße, ein Sommersest der Arbeiterjugend der westlichen Vororte Äroß-Berlins statt. Tie Parteigenossen und Genossinnen werden ersucht, sich zahlreich zu be- teiligen._ Ms aller Welt. Bestrafter Lebensmittelwucher. Die Strafkammer Frankfurt a. M. verurteilte den Kaufmann Max Bensinger wegen Ueberschreitung der Höchstpreise für Mehl zu der höchsten zulässigen Geldstrafe von zehntausend Mark. Der Staatsanwalt hatte sechs Wochen Gefängnis und fünfzehn- hundert Mark Geldstrafe beantragt. Wenn die Gerichte überall so scharf vorgehen würden, wie in diesem Falle, dann würde die edle Zunft, die jetzt am meisten von sich reden macht, bald sehr zusammenschrumpfen. Sie pfeifen darauf. Aus Weißenfels wird mitgeteilt: „Die hiesigen Fleischerineisier erklären die für Naumburg, Zeitz und Weißenfels festgesetzten Höchstpreise im Verhältnis zu den gegenwärtigen Viehpreiien als zu niedrig. Sie haben sich ge- »veigert. Fleisch zu diesen Preisen abzugeben. Infolgedessen be- schwellen sich einige Hausfranen auf der Polizei, die dann die Fleischermeister aus die Verletzung der gesetzlichen Bestiinmungcn aufmcrksain machte. Die Fleischer erlviderten, daß sie gemäß einer Anweisung ihres Obermeisters nur zu den alten Preisen verlausten. Als die Polizei sie auf die Strasbestimmungen hinwies, setzten mehrere Fleischernicister die ganze ini Lade» stehende Kundschaft, oft 8—10 Frauen, in barschster Weise vor die Tür. und schlössen den Laden. So berichtet das„Weißenfelier Tageblatt", das zu- gleich darauf hinweist, daß mit dem Schließen der Läden die Fleischer gegen die gesetzlichen Bestimmungen verstoßen haben. Denn die Bundesralsbestiminung vom 23. Juni stellt den unter Strafe, „der Lebensmittel dem Verkehr entzieht, um höhere Preise zu er- reichen". Ter füiifsachc Raubmord bei Dt.-Eqlau. Zu dem scheußlichen Mord bei Dt.-Eylau, über den wir bereits berichtet haben und dein die Besitzerfrau Schinelzer. ihre drei Kinder und ihre Schwester zum Opfer fielen, wird der„Elb. Ztg." noch»nitgeteilt, daß der vcr- dächtige, bei Gilgenburg verhaftete frühere Knecht Schmelzers, Gustav Sowa, die Tat eingestanden hat. Grubenunglück. Auf der Grube„Glückauf" in Lichtenau bei Görlitz wurden vier Bergleute oonErd massen ver- schüttet. Es war bisher nicht möglich, bis zur Unfallstelle zu gc- langen:»vahrscheinlich sind alle Verschütteten tot. Die Aus- räumungsarbeilen dauern fort, Waldbrände in Sibirien Am niederen Lauf des I e n i s s e i wüten seit einigen Tagen riesige Waldbrände, die einen immer größeren Umfang annehmen. In der Stadt I e n i s s e j s k kann man vor Ranck kaum almen. Viele Einlvohner flüchte». In Kraßnojarsk laufen auf den Straßen wilde Tiere, die aus der brennenden Taiga geflüchtet sind, Jin nörd- lichen Teil der Gouvernements W j a t k a und W o l o g d a werden ebenfalls»nächtige Waldbrände gemeldet. Der ganze Laus des K a m a f l u s s e s ist in Rauch gehüllt. Der ganze Ver- kehr auf der Kaina ist eingestellt. Löschversuche werden nicht gemacht._ Jugenöveranftaltungen. ItegliN-Fr ieden an. Sonntag, den 29. August: Teilnabme an dem Sommersest der westlichen Vororte in Mariciisctde bei Stritzke. Großbeercn- slraße. Abmarsch mn Ä Uhr vom Jugendheim, Kniephos-, Ecke Ieizerstraßc. Eltern Geschwister und Freunde der Arbeiterjugend sind willkommen. Niederichöiibatiien-Norvend. Sonnlag. den 29. August: Ausflug der Jugendlichen von 10 bis 14 Jahren nach Bernau: daselbst Beteiligung am Waldsest der Arbeiterjugend. Treffpunkt früh'/J Uhr an der Kirche. Proviant. Kocher. Liederbücher mitbringen. Nachzügler treffen jich mittags 1 Uhr in Bernau am Bahnhos. Zahlreiche Beteiligung von Erioachseiien und Jugendlichen erwünscht._ Slrbeiter-Radfahrer-Vund„ Solidarität«, Mitgliedichasten Berlin« und Umgegend. Sonntag, den 29. August, früh ü Ubr: Start an den bekannten Stellen. Sämtliche Abteilungen und Mitglicdschasten nach dein Wünsdorjer See, Lokal am Bahnhos. NachmiltagStour nach Dabendori, Seeschloß. Start 12'/, Uhr. Sammclstart und Frühstück zwischen 9 bis 10 Uhr im Sceschloß. Heute Freitag, abend« 8'/, Uhr, bei Stein, An der Stralauer Brücke 9: Zcnlriil-Fahrwartsitzunfl. Sänülichc Mitgliedschaften müssen durch Fahlwart vertreten sein.— Nähere Auskunft erteilt über Tonren Otto Hanlei, Zentralsahrwart, Neukölln. Lichlenrader Str. 31. Deutscher Arbeiler-Zldstiiienien-Bund. Ortsgruppe Groß-Bcrlin. Heule Freitag, den 27. August, abends 9 Uhr, im GewerkschaslShause, Engel- ujcr l.'>: Milglicderorrsammlung. AUgemetiir Kraiitrit- und Sterbekassc der Metallarbeiter (B. a. G.».Hamburg. Filiale Baum schulen weg. Mitglieder- Versammlung am Sonnabend, de» 28. Augui», abend» 8!/, Uhr, im Lokal von Boche, Baumjchulennr. 87. Sriefkaften üer Redaktion. Tie»uristisebe Sprechslimde findet für Abonnenlen Lindenfir. Z, in Hos recht-, varlerre. am Montag bis Freitag von t dl» 7 Niir, am Sonnabend von ö vis«! Uhr statt. Jeder für den B r l e s I a st e n bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Brieflich- Antwort wird Nicht erieiil. Anfragen, denen leine AbonnemeniSauitluiig beigefügt ist, werden nicht beantworlct, EUig« Fragen lioge man in der Svrechsiunde vor. Verträge, Schrifistüit-»nd dergleichen bringe mar in die Sprechsenndc»Iii W. 91. K. 88. Nein, noch nie gewesen. 38.5 Kilometer.— R. R. Königsberg. Sicherst« AuSkunit-rbaiten Sie darüber bei der diesigen Kommandantur an der Schloßbrück-, gegenüber dem Zcughauic.— Hermsdorf 150. Tie Abmachungen darüber haben mit den Geiocik. ichaflen stattgesunden. Wenden Sic fich an die beircftende OrganUalio.i.- Zt. S4. Tarüber»ißt sich nicht leicht etwa« sagen. Lasten iie Ihren Sohn erst die Bolkslchnlc absolvieren, dann eine.zachschule inr Maler oder Zeichner beinchen, wo Jbnen dann der Rat des Fachlehrer« Fingerzeige geben wird— C. P. 55. Air nciinen Jbnen iolgende Schriften: Tic Erlangung von Patenten im In- und Ausland». 30 Pf.; Wiif. Praktischer Wegweiser(in Pnlenl-. Musterschutz, u. Markenfchutzangeiegenhenen. 5.35 Wirrt) u. Jfay. Der Pal-nlanspruch. 3 M Zu beziehen durch die Buch- Handlung Vorwärts. Lindeuslr, 3.— Martendorf. 1. Nein. 2. Ja. •t>. M. 22. Sie machen sich nicht strafbar, können aber vom Chef wessen BertragSbrnch auf Schadenersatz oerklagt werden.—(*.$, a. Lic find wegen Herzleidens für völlig dienstuntauglich erachtet und somit von jeder militätischen Pflicht bcsreit.—(f.®. 31. 1. Ja. 2. Nur Mctallwcrt oder Wert sür den»Nünzenf animier�— R. H. 2. Nur die Ehesrau und das Kind sind erbberechtigt. � Tie Bezeichnung bedeutet garnison- Verwendung'fähig.— I G. 50. Rechtlich kann der Mann gegen Sie»ichlo nnlci nehmen. Im Jnicieffc Ihres Ehcmainiee wäre es aber vielleicht ratsam, nach Möglichkeit Abzahlung zu leisten, Nr. 236. 32. laiirgiing. 2. ßtiloje des„Pstrairts" Ctrlintt Freitag. 27. August 1915. Reichstag. 19. Sitzung vom Donnerstag, den 26. August 1916, nachmittag- 3 Uhr. Am Bundesratstisch: Dr. Delbrück, V. Wandel, Helfferich. Präsident Dr. Kaempf teilt mit, daß die Festung Brest-Litowsk gefallen ist.(Bravo!) Die Genehmigung zur Einleitung einer Widerklage des General- landschaftsdirektors v. Kapp gegen den Abg. Behrens(Wirlsch. Pg.) wird auf Antrag des Kommissionsberichterstatters Abg. H a a s e (soz.) versagt. Es folgt eine Resolution der Bndgetkommission, die den Reichs- lanzler ersucht, den Perpflegungssay für Rdannschaslen des Heeres und der Marine für die Kriegsdauer allgemein auf 1.20 M. pro Tag festzusetzen. Weitere Resolutionen belresfcn die Gleichstellung der jüdischen Feldprediger mit den nichlangestelllen christlichen Feldgeistlichen und eine Regelung der Verhältnisse für die im Heeresdienst vertragsmäßig angestellten A e r z t e. Abg. Ttücklen(Soz.): � Im Gegensatz zu den Parlamenten Frankreichs. Englands und Rußlands haben ivir bisher militärische Fragen wenig erörtert. Wenn in jenen Ländern mehr oder minder heftige Angriffe gegen die Führung der Armee gerichtet wurden, so liegt im Deutschen Reichslage ersreiilicherwcise lein Anlaß zu einer solchen Kritik vor. Das deutsche Volk erkennt ohne weiteres die hervorragende Strategie der deutschen Heerführer an, denen es gelungen ist. unter- stützt durch das hingebende Verhalten ihrer Truppen, Deutschland vor einer feindlichen Jnvasioir zu bewahren. Wenn wir in den durch die Verhältnisse gebolenen Grenzen an einzelnen Dingen Kritik übeu, so liegt dazu eine unabweisbare Notwendigkeit vor, und daran kann uns auch nicht die Befürchtung hindern, daß diese Kritik möglicherweise im Ausland verzerrt und entstellt wiedergegeben wird. Wir sind un- feren Truppen und ihren Führern die größte Dankbarkeit schuldig. (Beifall.) Wa- beispielsweise die Truppen der Armee Linsingen im Winterfeldzuge in den Karpathen geleistet haben, dürfte unerreicht dastehen in der Kriegsgeschichte aller Zeilen.(Lebhafte Zustimmung.) Bei der Untersuchung der zum Heeresdienst eingezogenen Leute muß niit größter Sorgfalt vorgegangen werden, damit nicht Leute ein- gestellt werden, die»ach kurzer Zeit schon wieder entlassen werden müssen. Wir haben in Deutschland in der Tat keinen Mangel an wehrfähigen Leuten, und es muß darauf hingewirkt werden, daß ältere Jahrgänge nach Möglichkeit geschont und die in so großer Zahl noch vorhandenen jüngeren Leute herangezogen werden. Wir ver- kennen nicht, daß das Ausbildungspersonal jetzt vor große Aufgaben gestellt wird. Aber es darf nie vergessen, daß es jetzt Leute unter sich hat, die eine Familie zurücklassen und deren Freude am Dienst einen hohen moralischen Wert darstellt, der nicht verkümmert werden darf. Wenn gegen solche Leute der Zoologie entnommene Ausdrücke angewendet werden oder Berührungen vorkommen, die ich als unsachgemäße Behandlung bezeichnen will, so muß man solchen Erscheinungen mit aller Schärfe entgegentreten. iSehr richtig!) Der Mann, der zur Verteidigung seines Vaterlandes berufen ist. muß das niit Lust und Liebe tun und nicht mit Verbitterung. Es soll nicht bestritten werden, daß das Kriegsministerium mit Energie den hier angedeuteten Miß- ständen entgegengewirkt hat. Es wäre vielleicht sehr gut, wenn der- artige Erlasse nicht nur den Vorgesetzten, sondern auch den Mann- schaffen bekanntgegeben wurden. Seil der Verkündung des Burg- frieden- ist, auch im Heeresdienst, manches anders geworden; in der bayerischen Armee existiert aber immer noch ein UnlerrichtSbuch, in dem es heißt, die Soldaten sollten Wirtshäu'er meiden, in denen staats- oder militärfeindliche Parteien ihre Zusammenkünfte abhalten oder Zeitungen, Bücher und Zeitschriften dieser Parteien ausliegen. So etwas sollte man doch jetzt nicht mehr alten Laiidsturmleuien bieten, die außerhalb der Armee viel- leicht organisierte Sozialdemokraten waren.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Bei der Gelegenheit will ich auch auf die Frage der Gefangenenbehandlung kommen. Ich habe mich selbst überzeugt, daß alles geschieht, was irgend möglich ist. um den Ge- fangenen ihr Los erträglich zu machen. Etwas anders verhält es sich mit den internierten Ausländern, unter denen Leute sich bennden. die in Deutschland erzogen sind, die nur die deutsche Sprache sprechen, die eine Deutsche zur_ Frau haben und die nur die recht- zeitige Naturnlisation versäumt haben. Solche Leute aus den Jnteritierungslagern zu entlassen, würde für das Deutsche Reich sicherlich keine Gefahr bedeuten.— Die Klagen aus den Lagern be- treffen häufig die Verpflegung, und zweifellos sind im Anfang Fehler gemacht worden, namentlich der, daß man die Verpflegung an Unter- nehmer gegeben hat. Wenn der Unternehmer bei 60 Pf. pro Kopf verdienen will, so kann die Verpflegung nicht gut sein. Ganz be- sonders ist es zu verurteilen, daß die Stadt Gardelegen, die die Verpflegung der Gefangenen übernommen hat, die Steuern mit der Begründung herabsetzte, sie habe an dieser V e r p fl e g u n g der Gefangenen entsprechend viel verdient. lHört! hört! links.) Jni ganzen aber muß man� sagen, die Heeresverwaltung sollte das Protokoll über die Zustände in den Gefangenenlagern herausgeben, sie würde dabei nicht schlecht abschneiden. Ich unter- schreibe völlig, was einer der Verpflegungsoffiziere in den, Protokoll gesagt hat: Hinaus mit den profitgierigen Privat- u n r e r n e h m e r n! Auch aus den, Felde kommen Klagen, und zwar vor allem von den in dem monatelangen Stellungskriege festgehaltenen Soldaten. Es muß den Offizieren draußen dringend empfohlen werden, keine Anforderungen zu� stellen, denen die Leute nicht gewachsen sind. Vor allein muß auf häufige Ablösung aus den S ch ü tz e n- g r ä b e n geachtet werden, die sich sicherlich leicht durchführen ließe. Dringend haben die verschiedenen Parteien eine gründliche Reforin des Beschwerderechts verlangt. Wenn man diesen Standpunkt nicht teilt, so müßte es doch auf dem Verordnungswcge von den Angeln befreil werden, mit denen es umgeben ist. Im Auslands hat man den deutschen Soldaten vielfach den Vorwurf der Barbarei gemacht, was mein Kollege Scheidemann bereits am 18. März zurückgewiesen hat. Aber vor- gekommen ist sicherlich manches, was besser nicht passiert wäre, dem, besser macht der Krieg die Menschen nicht. Zur Sonnenhöhe der Kultur führt er auf keinen Fall.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraicn.) Ostpreußen ist jedenfalls ein flammendes Wahrzeichen der überaus barbarischen Kriegführung. Tie Aufrecht- erhaliuug der Disziplin ist notwendig; um so mehr muß man darauf achten, daß man sich nicht in den Mittein vergreift: die beste Disziplin ist die aus freiwilliger Unterordnung begründete. Schwere Falle von Insubordination sollte man in der Heimat aburteilen lallen, wo man ruhiger und sorgfältiger urteilen kann, als im tfelde, und man sollte dabei immer einen Psychiater zuziehen. Dem Be,chluß des Reichstaas vom 29. Mai, den Truppen bei Urlaubserteilung freie Fahrt zu gewähren, ist der Reichsschatzsekretär nicht sehr schnell beigetreten. Wir wlsien se,ne Sparsamkeit zu schätzen, aber wir wünschen sie nicht auf Kosten der Soldaten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) Im habe ihm ja gestern gezeigt, wie durch eine Arbeit von wenige» Stunden an der Kriegsbefoldungsordniltig viele Millionen cripart werden wnnen.(sehr richtig! hcj belt\(jtft»ach Wochen hat das Rnchsjchatzamt dem Beschluß des Reichstages zugestimmt und jetzt höre» wir, daß mit der Urlaubs- e r t c i l u n g sparsamer vorgegangen wird. Das ist der Wunsch de- Reichstags nicht gelvesen.(Zustimmung.) Ausdrücklich festsiellen will ich ferner, daß jedem Soldaten beim Urlaub die freie Fahrt zusteht, gleichgültig ob er im Jnlande oder im Auslande steht. Es gehl nicht an. einein Soldaien auS Aachen, der in Ostrowo steht, die Freifahrt zu veriveigcrn. weil er ja in der Heiniat sei, wie es leider vorgekommen ist. Wie man übrigens den mit der Landwirtschaft in Verbindung stehenden Soldaten Urlaub gewährt hat, so müßte es auch bei jedem anderen möglich sein. Ferner haben wir beantragt, allen Soldaten, die in Feindes- land stehen, die K r i e g§ l ö h n u n g zu gewähren. Jetzt belominen nur die mobilen Truppen 63 Pf., die immobilen 33 Pf., und das führt zu sonderbareit Ergebnisien. z. B. sind bei einem militä- rischen Institut die im Gebäude befindlichen Soldaten mobil, die draußen zur Bewachung des Gebäude- befindlichen immobil. Man ist doch bei den oberen Stellen nicht so knauserig, man sollte es also auch hier nicht sein.(Zustimmung bei den Sozialdeniokratcn.) Mit Freuden begrüßen wir, oaß endlich unserer Anregung Rechnung ge- tragen ist, wonach die verwundeten Soldaten nicht mehr 10 Pf., sondern die Löhnung der Immobilen von 33 Pf. erhalten. In manchen Kurorten hat man den verwundeten Soldaten befohlen, gewisse Orte zu ineiden. Hier sollte die Militärverwaltung scharf eingreifen. Wenn das zahlungsfähige Publikum dort seiner Gesundheit leben kann, so verdanken wir es den verwundeten Sol- daten.(Lebhaftes Sehr richtig!) Auch in den Lazaretten soll man nicht so ängstlich sein; in einem Lazarett soll ein besonderer Raum für die Verstümmelten abgesondert sein, weil ihr Anblick dem Publikum peinlich wäre. Etwas derartiges iväre ganz entschieden zu verurteilen.(Zu- stimnmng.) Unbillig ist ferner, daß die Mitglieder der freiioilligen Krankenpflege in Preußen nur 23 M. monatlich erhalten, in Süd- deuischland dagegen 32. Einen ferneren Antrag unterstützen wir lebhaft, den Verlvmtdeten Soldaten Beihilfen zum Besuche zum Urlaub in die Heimal zu geben. Bekannt ist, daß die B r o t r a t i o n der Soldaten nicht ausreicht. AIS Entschädigung haben sie Berpflegnngsgeld bekommen, daS aber bei den teuren Preisen keines- wegs genügt. Tie mobilen Truppen bekommen einen Verpflegungs- satz von 1,20 M., die immobilen nur einen von 60 Pf. Das führt zu großen Härten, da eine Truppe bald mobil, bald immobil ist. Die Budgetkommission hat dem Antrag zugestimmt, ganz allgemein l,20 M. zu zahlen. Man sagt, das KriegSministerinm zahlt viele Zulagen, so daß nur sehr wenige nur noch den Verpflegungssatz von 60 Pf. haben. Um so eher kann dann der Antrag durchgeführt werden.(Zustimmung.) Die Heeresleitung sollte es sich angelegen sein lassen, die Mann- schaffen und Osfizicre vor der Ausbeutung durch patriotische Geschäftsleute und„LiebeS gäbe nfabrikanlen"zu schützen. Gegen solche Prozentpatrioteii wäre der sonst von uns bekämpfte Militärboykotl durchaus gerecküferiigt. Ein Mißstand besteht darin, daß die im Felde zu Untcrosfizicren beförderten Mannschaften häusig die einfache Manitschaflslöhiiung iveiler erhalten, weil etatmäßige Stellen nicht frei sind. Vor allem sollen die Mannschaften so be- bandelt werden, wie sie es als Menschen verlangen können. W i r können ja leider jetzt nicht so frisch von der Leber w e g r e d e n wie sonst.(Abg. Krctlj(f.): Es ist schon über- genug I— Heiterkeit.) Wir müssen aber den Männern im Waffen- rock im Felde und in der Heimat zeigen, daß ihre Interessen auch während des Krieges mir allem Nachdruck vertreten werden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Möge der Tag bald kommen, an dem der menschenmordende Krieg sein Ende findet. Ein Jubel ohnegleichen wird sich im Lande erheben, wenn er anbricht.(Bei- fall.) Millionen sind von dem Wunsche erfüllt, daß den Völkern bald ein Friede beschert werde, der es ihnen erlaubt, mit aller Krast sich wieder den Werken der Kultur und der MenschlichkeitS ideale zu widmen.(Lebhafter Beifall.) Reichsschatzsekretär Dr. Helfferich: Der Vorredner hat gesagt, daß das Reichsschatzamt bei der Ge- Währung der Freifahrt für Urlauber Schwierigkeiten gemacht habe Ich bin nicht in der Lage, über die Verhandlungen zwischen den einzelnen Ressorts Anfklärung zu geben, muß aber sagen, daß der Vorwurf des Abg. Stücklen gegen das Reichsschatzamt nicht auf Kenntnis der Tatsachen, sondern lediglich auf Vermutungen sich stützt. Ich muß es ferner zurückweisen, wenn Herr Stücklen die Bewilligung der Freifahrt auf Artikel in der Presse, das soll heißen im„Vorwärts", zurückführt. Der„Vorwärts"-Artikel erschien ein oder zwei Tage vor der in Frage kommenden Veröffentlichung des Kriegsministeriums. Im allgemeinen möchte ich sagen, ich habe als Staatssekretär des Reichsschatzamts für unsere Soldaten ein ebenso gutes Herz wie Herr Stücklen, aber leider habe ich neben meinem guten Herzen auch noch die Verantwortung für die Finanzen des Reiches. Diese Verantwortung hindert mich mitunter, von meinem guten Herzen denselben weiten Gebrauch zu machen wie jeder andere Staatsbürger. Fingerzeige, wie weitere Ersparnisse gemacht werden können, nehmen wir jeder- zeit dankbar an, aber wir haben auch ohne solche Fingerzeige nach Möglichkeit auf Ersparnisse hingewirkt. Abg. Dr. Müller-Meiningen(Vp.): Der Vorredner ist in eine allgemeine Militärdebatte eingetreten. Angesichts der gesamten Lage und angesichts des herrlichen Erfolges dieses Tages beschränkt sich die Fortschritlliche Volkspartei auf sol gende Erklärung: Wir stimmen allen Anträgen zu, die geeignet sind, die Verhält nisse der Kriegsteilnehmer und ihrer Angehörigen und Hinterbliebenen zu verbessern und zeitgemäße Reformen einzuführen. Wir haben auch unsererseits zahlreiche Wünsche und Beschwerden unserer Truppen in der Kontmission vorgebracht und insbesondere verlangt, daß jeder Mann aus der Front die Möglichkeit bekommt, in einem Urlaub seine Angehörigen zu ichen. Wir sprechen die sichere Erwartung aus, daß unsere gerechten Forderungen alsbald erfüllt werden. Wir ver- sprechen uns aber von einer Wiederholung der rein militärischen KommissioliSdebatten im Plenum keinen Nutzen.(Beifall bei der Bolkspartei.) Tankbar und stolz auf unsere von der ganzen Welt bewunderte Armee, ihre Führung� und ihre Manneszucht, haben wir heute nur den einen Wunsch, daß es ihr gelingen möge, baldigst einen F r i e d e n zu erringen, der unsere Kinder und Kindeslindcr vor furchtbaren Blutopsern bewahrt und die fortschrittliche Kultur- arbeit des deutschen Volkes sichert und stützt. Mit der Armee wird das deutsche Volk durchhalten bis zu einem glücklichen Ende. (Beifall.) Abg. Basscrmanu(natl.): Angesichts der gründlichen Verhandlungen in, HanshaltSausschnb verzichten wir aus eine weitere Diskussion im Plenum, und werden den Beschlüssen der Kommission zustimmen. Vor den gewaltigen weltgeschichtlichen Erfolgen unierer Armee möge die Kritik heute schweigen. Dankbaren Herzens huldigen auch wir unseren tapferen Kriegern.(Beifall.) Abg. Dr. Spahn(Z.) schließt sich diesen Eillärungen an, ebenso der Abg. Kreth(k.). Stellvertretender Kriegsminister v. Wandel: Nach den Erklärungen der bürgerlichen Parteien habe ich nicht mehr nötig, das, was ich in der Kommission ausgeführt habe, hier zu wiederholen. Ich werde mich bemühen, den vorgebrachten Be- schwerden, Anregungen und Fragen nachzugehen, damit beim nächsten Zusammentritt des Reichstages die noch vorhandenen Mängel abgestellt sind. Wir wollen unser Heer nnib wie vor schlagfertig er- lialten und schlagfertig inockien für seine großen Ausgaben durch eine sorgfältige Aushebung und verständige Ausbildung, die geeignet ist, den guten Geist in der Armee zu erhalten, der allein, unter- stützt von einer tüchtigen Ausbildung und Führung, zum«iege verhelfen kann.(Beifall.) Danrit schließt die Aussprache. Die Resolutionen tverden einstimmig a n g e n o in in e n. Es folgt die Besprechung einer Reihe weiterer Anträge sozialpolitischer Natur. Abg. Bauer Soz.): Der Krieg hat schreckliche Verwüstungen angerichtet. Eine un- geheure Zahl der gesundesten und kräftigsten Männer ist ihm zum Opfer gefallen und Millionen sind in ihrer Gesnndheit geschwächt Eine kräftige und großzügige Sozialpolitik liegt darum nach dem Friedensschluß nicht nur im Interesse der Arbeiterschaft, sondern der gesamten Nation. Den besten Schutz bieten den Arbeitern die g c- w e r k s ch a f t l i ch c n Organisationen. Sie erziehen die Arbeiter zum Gemeinsiiin, erringen ihnen eine bessere Lebenshaltung und schützen sie vor Verelendung. Die Beurteilung des Wertes der Gewerkschaften ist ja während des Krieges eine verständigere ge- worden. Auch vom Regierungstische ist der hohe Wert dieser Organisationen anerkannt worden. Leider gibt es aber im Lande noch immer höhere und niedere Verwaltungen, die ihre alte Politik der Nadelstiche gegen die Gewerkschaften fortsetzen. In Breslau hat man bei- spielsweise den Gewerkschaften verboten, neue Mitglieder zu werben.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Beschwerden bis zur höchsten Regierungsstelle haben leider bisher keinen Erfolg gehabt. ES zeigt sich, daß die kommandierenden Generäle heute allmächtige Götter sind, die sich auch um Wünsche der höchsten Regierungsstelle nicht kümmern.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In Breslau werden auch alle in mehreren Exem- plaren ausgehenden Mitteilungen der Gewerkschaften unter Zensur gestellt, selbst solche rein geschäftlicher Natur, wie die Anfrage nach der Adresse eines Liebesgabenempfängers. Gewertschastlichc Besprechungen werden nach Möglichkeit ver- hindert, und die Folge davon ist, daß mangels der Be- ratung durch die Gewerkschaftsführer wilde Streiks ausbrechen. Ebenso eigenmächtig gehen die kommandierenden Generäle in den Grenzbezirken vor, wo den gewerkschaftlichen Funktionären grundlos die durchaus notwendige Betätigung sehr erschwert wird. Sogar einem Reichstagskollegen sind große Schwierigkeiten gemacht worden, der in Mülhausen nach dem Rechten sehen wollte. Der Boykott der Gewerkschaftshäuser ist zwar im allgemeinen ausgehoben worden, aber in einzelnen Fällen haben wir immer noch über Schikanen zu klagen. Mit den, Wert der Gewerkschaften ist es nicht vereinbar, daß auch in Staatsbetrieben die Bestimmung noch immer besteht, daß Leute, die einer Gewerkschaft angehören, nicht eingestellt werden sollen. ES wird im Kriege zwar nicht danach verfahren, aber die Bestimmung selbst müßte aus der Arbeitsordnung verschwinden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Kommandierende Generäle in Bayern und dann der kommandierende G-eneral in Ostpreußen Hoven Verfügungen erlassen, die die Freizügigkeit der Landarbeiter und der Dienstboten aufs stärkste beschränken. Welches gcsetzlici c Recht steht den kommandierenden Generälen hier zur Seile, um Tausende von Arbeitern und Dienstboten geradezu der Willkür ihrer Dienstherrschaften auszuliefern? Denn in den Verfügungen wird nicht die geringste Garantie für irgendwelche anständige Behandlung und ausreichende Entlohnung und Bc- köstigung der Arbeiter und Dienstboten übernommen. Wie sollen die Arbeiter ihr Leben freudig in die Schanze schlagen, wenn sie derartig ausnahmerechtlich behandelt werden?(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Hossentlich erklärt die Reichs- rcgierung klipp und klar, daß sie derartige Verfügungen nicht billigt. Mit dem Interesse der Landesverteidigung haben sie nichts zu tun, da der Landwirtschaft ausreichend Gefangene zur Ver- fügung stehen. Auch der Zweck, die Arbeiter an die Scholle zu fesseln, wird nicht erreicht, vielmehr wird Ostpreußen, für das allein doch die Verfügung gilt, geradezu entvölkert.— Zu klagen ist auch über«ine vielfach ungeheuerliche Behandlung ausländischer Arbeiter. Die leitenden Stellen im Reich nnd im preußischen Kriegs- Ministerium wünschen eine anständige Behandlung der polnischen Arbeiter, aber vielfach haben die Unternehmer kein Verständnis für die gegenwärtige Zeit und sehen nicht ein. daß die Behandlung der ausländischen Arbeiter sie geradezu mit Haß gegen alles Deutsche erfüllt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) � Besonders schlimm ist die Behandlung der polnischen Arbeiter in vielen Berg- werksbetriebeu. Ein Fall ganz eklatanter Rechtsverletzung bat sich in Raczick ereignet, wo der Bergwerksdirektor zugleich Amts- Vorsteher ist und als solcher acht Arbeiter, die ordnungsmäßig ge- kündigt hatten, als sie um ihren Entlassungsschein vorstellig wur- den, in Haft nehmen ließ und bei Wasser und Brot einsperrte, um sie zur Wiederaufnahme der Arbeit zu zwingen. iHört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das ist eine Rechtsverletzung krassester Art. die auch jeder Menschlichkeit Hohn spricht.(Leb- baffe Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Di« Regierung sollte energisch zufassen und Rechenschaft fordern.— Erfreulich ist, daß da? Verbot der Nachtarbeit in Bäckereien auch nach dem Kriege aufrechterhalten bleiben soll. Tie Regierung sollte aber auch dafür sorgen, daß die Bestim- mungen zum Schutz der Hausarbeiter endlich in Kraft gesetzt werden. Infolge oes Krieges werden der Heimarbeit neue große Scharen zugeführt werden. Bei der enotmen Steigerung der Preise aller Lebensmittel ist e? ferner dringend geboten. die schlecht bezahlten Ilnterbcamten und Arbeiter aufzubessern; ganz besonder- dringend ist dies bei den unteren Postbeamten, wo die zahlreichen Unterschlagungen im Zusammenhang mit der schlechten Entlohnung stehen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- kraten.) Die Gewährung von Teuerungszulagen ist aber auch iu Privatbetrieben notwendig. Das Baugeiverbe hat jetzt so gute Beschäftigung, daß gar nicht ausreichend Arbeiter beschafft werden können. Tie Unternehmer berufen sich aber auf den Tarif, um jede Ausbesserung zu verweigern, obwohl doch der Tarif nur Mindestsätze festlegt. Tie Reichs- und Staatsregierun« sollte hier ihren Einfluß in die Wagschale werfen.(Sehr richtig!) Da- preußische Kriegsministerium hat bei allen Verhandlungen mit den Arbeitern großes Verständnis gezeigt. Bei den Zivilbehörden zeigt sich große Scheu, mit den Unternehmern in Konflikt zu kommen. Noch schlimmer steht es bei den Verwaltungsbehörden; der Re- gierungspräsident von Oppeln z. B. hat eine Deputation der Ge- werkschaften überhaupt nicht empfangen wollen. Er steht eben auf dem Standpunkt: mit den Arbeitern verkehre ich nicht. Da können die?lrbeiter kein Vertrauen jzur Unparteilichkeit der Behörden haben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Tie arbeitslos werdenden Textilarbeiter müssen ausreichend tinierstützt werden, sie find auch.�Pfer des Krieges. Ihre Unter- stützung darf auch nicht auf die schon überlasteten Gemeinden ab- gewälzt werden. Eine halbe Million Frauen sind in der Textil- iudustrie beschäftigt. Diese verlieren bei der Arbeitslosigkeit auch die Mitgliedschaft in den Krankenkassen und werden bei Eni- bindungen auch keine Wöchnerinncniinterstützung bekommen. Un- bedingt muß die Regierung dafür sorgen, daß diese Frauen aus- reichende Unterstützung erhalten. Bei Beendigung des Krieges werden wir vor schwierigen sozialen Problemen stehen, denn bei dem Rückströmen der Millionen von Kriegern wird das Wirt.-. fcfiaffslclvn keineswegs gkatt in den FriedenSzustand übergeben. Rechtzeitig mich vorgescrgt werden, das; die Krieger, bis ihre Ver- bältnisse geordnet und sie sich Beschäftigung verschafft haben können, nicht in die äußerste Not geraten.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.)— Der Fonds für soziale Zwecke wird erfreu- licherweise wiederum 200 Millionen Mark bekommen. Dringend gewünscht wird von vielen Seiten eine Zentralisation der Kriegsinvaliden- Fürsorge. In den Kommissionen in den östlichen Teilen des Reiches, die an Rußland grenzen, sind die Arbeitcrvertrcter ausgeschaltet; dort herrschen eben noch russische Auffassungen. Es wird noch zu erwägen sein, ob die Gewerkschaften in diesen Bezirken nicht für ihre Mitglieder eine besondere Fürsorge einrichten.(Sehr wahr! bei den Sozial- dcmokraten.) Tie Hinterbliebenenrenten der gefallenen Kriegsteilnehmer werden in einer Weise bemessen, die mit dem Gesetz nicht vereinbar ist. Es wird deduziert, daß jeder Anspruch auf die Fricdensversorgung hat, und deswegen wird niemandem die höhere Kriegsversorgung gewährt.(Hört! hört!) Diese Aus- lcgung ist ganz unverständlich und bei solcher Bestrebung zur Hcrabdrückung der Renten sehe ich der Revision des Militär- invalidengesetzes nur recht skeptisch entgegen. In der engherzigsten Weise werden die Witwen und Waisen um ihre Ansprüche ge- bracht. Ein besonders krasser Fall ist der eines bayrischen Unter- offiziers eines Fuhrparks, der abends auf Urlaub die Kameraden dieses Fuhrparks besuchte und auf dem Rückweg an der stelle, zu der er von dem Fuhrpark abkommandiert worden war, tödlich verunglückte. Es wurde gefolgert, daß er nicht im Dienst ver- unglückt sei.(Lebhaftes Hört! hört!) Wie kann man solche Unter- schiede niachen bei Soldaten, die im feindlichen Auslande stehen. Ter bayrische Kriegsminister sagte niir, es sei alles in die Wege geleitet, damit die Witwe und die Waisen des Manne? etwas be- kommen; aber sie wollen ihr Recht haben und nicht abhängig sein von dem mehr oder minder großen Wohlwollen irgendeines Be- aintcn.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Welche Erbitterung und Aufregung muß solch unsoziales Ver- halten bei allen Kriegcrfraucn hervorrufen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Tie unehelichen Kinder, die der Vater aus- drücklich anerkannt hat, können aus dem Hinterbliebenengesetz nicht unterstützt werden, es ist UNS hier aber versichert worden, daß das Gesetz später geändert werden soll, und daß sie bis dahin trotz- dem eine Unterstützung erhalten sollen. Es ist auch eine ent- sprechende Verfügung des preußischen Kriegsministeriums er- gangen, sie bleibt aber in den Akten der Oberkommandos und wird von den unteren Verwaltungsstellen nicht beachtet. Derartige Ver- fügungen müßten doch bekannt gemacht werden, damit die Vor- niündcr der unehelichen Kinder wissen, was sie zu fordern berech- tigt sind. Unsozial ist ferner, daß man den Frauen die empfangene Familienunterstützung, die sie nach dem Tode des Mannes noch erkalten haben, auf die Rente anrechnet; das ist durch keine ge- sctzliche Bestimmung geschützt. Die Unterstützungen reichen viel« fach kaum für die Ernährung aus. Viele Familien geraten in Schulden; wenn ihr Ernährer fällt, müssen sie also einige Mittel erhalten, um sich einigermaßen installieren zu können und um eine neue Existenz für Wittven und Waisen aufbauen zu können. Da darf eine Rcntenkürzung ohne rechtlichen Grund nicht stattfinden. Während aber die Budgetkommifsion beantragt, daß die Familien- Unterstützung erst nach Ablauf von drei Monaten von der Ge- Währung der Hinterbliebenenrente an gekürzt werden dürfe, stellt Abg. Erzberger den Antrag, daß die Pflicht zum Abzug der Familienunterstützung festgelegt werden soll. Ich bitte, diesen An- trag abzulehnen, schon deshalb, weil wir hier im Handumdrehen einen Beschluß fassen sollen, über den doch erst eingehend ge- svrochcn werden müßte.— Es ist hier allgemein anerkannt worden, daß bei der jetzigen Teuerung eine Erhöhung der Familienunterstützung nötig wäre. Nur ein kleiner Teil der Gemeinden gibt jetzt Zuschläge zu der btcichsunterstütznng. Eine Ilmfragc der Gencralkommission der Gewerkschaften Deutschlands, die sich auf über 4000 Gemeinden erstreckte, ergab, daß 2000 Gemeinden, mehr als 50 Proz. der von der Umfrage erfaßten, keine Zuschläge gibt. In der Provinz Schlesien, mit Ausnahme von Breslau und Görlitz, beträgt die Unterstützung für jede Frau 14,34 M., für jedes Kind 7,17 M., wie die Gewerkschaften festgestellt haben.(Hört! bört! bei den Sozialdemokraten.) Da darf man doch wirklich die vereinzelten Fälle, wo Kriegsteil- nehmerfamilien mehr Einkommen haben als im Frieden, nicht verallgemeinern!(Sehr wahr! links.) Zieht man noch die Aus- gaben für Wohnungsmiete ab, so bleiben für jede Frau 10,32 M. und für jedes Kind in Schlesien 3,22 M.!(Der Redner legt unter Heranziehung eines reichen ZablenuiaterialS dar, daß die Unter- stützungen dringend einer Erhöhung bedürfen.) Bei der langen Tauer des Krieges ist es unbedingt erforderlich, daß die Familien nicht nur auf die Rcicksnnterstützung angewiesen seien. Zwei Frauen wurde eine Erhöhung der Unterstützung vom Kreisausschuß verweigert mit der Begründung, sie könnten von ihren 20 M. Unterstützung sorglos leben!(Hört! hört!) In manchen Kreisen wird den Kriegerfrauen die Wöchnerinnenunterstützung von der Kriegsunterstützung abgezogen, össwohl dies dem Gesetz widerspricht. In manchen Bezirken werden auch sonst die Kriegcrfraucn als Leute minderen Rechts behandelt. In Spremberg arbeiten Kriegerfraucn in der Land- Wirtschaft von 6 Uhr früh bis 8 Uhr abends für 30 Pf. und freie Beköstigung. Als ihnen plötzlich die Beköstigung entzogen wurde, wollten sie nicht weiter arbeiten. Da erklärte der Landrat, den Frauen würde die Familienunterstützung entzogen werden, wenn sie nicht sofort die Arbeit wieder aufnehmen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In ähnlicher Weise ist auch im Kreise Königsberg i. d. Neumark gegen Kriegersrauen vorgegangen worden. Den Landarbeiterfrauen wird oft die Unterstützung verweigert, weil angeblich keine Bedürftigkeit vorliegt. Tatsächlich sind aber für diese Frauen die Lebensverhältnisse fast ebenso teuer wie in der Großstadt. Der Reichsverband deutscher Städte Hai in einer Eingabe die Regierung dringend gebeten, angesichts der großen Notlag« der Kriegersrauen die Reichsunterstützung zu erhöhen. Hier wird also von den Stadtverwaltungen selbst die Notlage der.Kriegersrauen anerkannt.(Hört! bört! bei den Sozial- dcmokraten.) Tie Folge dieser Not ist die Unterernährung der Frauen und Kinder.(Sehr wahrt bei den Sozial- dcmokraten.) Auch moralische und sittliche Notstände müssen schließlich daraus erwachsen. Mit den schönen Worten des Staatssekretär? ist den Kriegersrauen nicht geholfen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Es muß mit Energie gegen die unsozialen Landräte vorgegangen werden. Ich bitte die Reichs- regierung, zum 1. Oktober den Kriegerfamilien eine einmalige außerordentliche Unter st ützung zu gewähren. Außer- dem ist eine allgemeine Erhöhung der Unterstützungssätze notwendig. Es geht nicht so weiter, daß die Frauen der im Felde kämpfenden Krieger darben müssen. Auch ihnen muß der Tank des Vater- landes zuteil werden,(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemo- traten.) Ministerialöirektor Dr. LcEald: Ich könnte auf diese Rede vielleicht mit großer Schärfe mri- Worten(Sehr richtig! bei den bürgerlichen Parteien), will das aber in dieser Minute und in der Stimmung, mit der die Sitzung eröffnet wurde, nicht tun. Ich muß aber darauf hinweisen, daß die Unterstützungen von Monat zu Monat gewachsen sind. Es sind bisher dafür rund 800 Millionen Mark ausgegeben worden. Außer- dem sind die Lieferungsverbände im Bcdürfnisfall zur Leistung von Zuschüssen verpflichtet. Angesichts dieser Siimmcn darf man es doch nicht so hinstellen, als würde für die Kriegerfamilien unzureichend gesorgt. Es ist natürlich leicht, Einzelfälle herauszu- suchen, in denen Fehler vorgekommen sind, aber in Wirklichkeit sieht es im Lande doch nicht so aus, wie es der Abg. BaueH geschildert bat.(Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Jeder, der die wirklichen Verhältnisse kennt, muß zugeben, daß in der eben gehörten Rede Ausnahmefälle in geschickter Weise zusammen- gestellt worden sind, um ein Z e r r V i l d zu liefern,(sehr richtig! Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wiclrpp, Neukölln, Für den Widerspruch be? den Sozialdemokraten.� ES ist natürlich zu er- wägen, ob eine Erhöhung der Wintersätze nicht angezeigt erscheint. Wir denken an eine Erhöhung der Mindestsätze um etwa 20 oder 23 Pf. Jedenfalls wird alles getan, um die Familien unserer Krieger vor Not und Elend zu schützen.(Beifall.) Generalmajor v. Langermann: Die Ausführungen des Abg. Bauer sind geeignet, die g r ö ß- te n Beunruhigungen hervorzurufen(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Ist schon da!) und im Auslande den Anschein zu erwecken, daß die Militärverwaltung für die Hinterbliebenen nicht genügend sorgt. Ein derartiger Vorwurf, der speziell mich als den Leiter der Hintcrbliebenenfürsorge trifft, ist mir während meiner secksunddreihigjährigen Dienstzeit noch nicht gemacht wor- den und ich mutz ihn mit aller Schärfe zurückweisen.(Sehr richtig!) Eine Beunruhigung wird durch solche Reden aber nicht nur im Lande hervorgerufen, sondern auch bei unseren Kriegern draußen geweckt und das darf nicht sein. � Ich habe mit meiner Brigade draußen gekämpft und weiß, wie die Stimmung meiner Leute durch den Gedanken erhöht wurde, daß ihre Familien ge- borgen sind. Darum rufe ich von hier aus meinen Freunden, meinen treuen heldenhaften Kameraden im Schützengraben drau- ßen zu: Für eure Familien wurde und ist gesorgt und wird weiter gesorgt werden.(Lebhafter Beifall.) Abg. Paaschc(natL): Wir möchten unter dem feierlichen Eindruck des Beginns dieser Sitzung jeden Mißton vermeiden, müssen aber doch sagen, daß der Abg. Bauer den Frauen und Kindern der Krieger keinen Dienst erweist, wenn er in dieser Weise alles in den Schmutz zieht. Es ist Not vorhanden, aber das ist doch nur die Ausnahme. l Lebhafter Beifall. Starker Widerspruch bei den Sozialdemokraten) Die Frauen und Kinder unserer Krieger sind nicht auf Brot und Wasser angewiesen.(Lebhafte Zuftimunjj.— Unruhe bei den Sozialdemokraten). Wir sollten der Militär- und Zivilverwaltung und auch den Gemeinden und Arbeitgebern danken für die großen Mittel und Kräfte, die sie zur Unterstützung der Kriegerfamilien aufgewendet haben. Den Fällen, die der Abg. Bauer anführte, könnte man eine Fülle von Gegenbeweisen ent- gegcnhalten. Für wirklich bestehende Not gibt es allenthalben helfende Hände.(Sehr wahr!) Redner tritt für die Ansiedelung von Kriegsinvaliden auf Rentengütern ein. Jedem, der für das Vaterland geblutet hat, sollte man eine eigene Scholle geben, dann hätte man ein großes soziales Werk getan. Bravo! bei den Nationalliberalen und rechts.) Abg. Makkewitz(k.): Kritik ist notwendig, sie darf sich aber nicht fo weit von den Tatsachen entfernen, wie die Rede des Abg. Bauer. Wie auf die Leistungen unseres Heeres können wir stolz sein auch auf unsere Kriegsfürsorge.(Lebhafte Zustimmung rechts und im Zen- trum.) Herr Bauer mag seine vaterlandsschädigenden Ausführungen mit seinem Gewissen abmachen.(Na, na! bei den Sozialdemokraten.)— Eine Beseitigung der Nachtarbeit der Bäcker auch im Frieden wünschen auch wir; aber ehe wir einen dahingehenden Beschluß fassen, müssen wir doch die Denkschrift der Regierung abwarten. Auch muß den Handwerkskammern Gelegenheit gegeben werden, sich zu äußern.— Der Anregung und dem Antrage des Abg. Paaschs, für die Kriegsinvaliden An- siedelungen auf dem Lande zu schaffen, stimmen meine Freunde gern zu.(Beifall rechts.) Abg. Behrens(Wirtsch. Vgg.) nimmt die Kriegsfürforge gegen die Angriffe des Abg. Bauer in Schutz. Abg. Tr. Spahn(Z.): Nach den Verhandlungen in der Kommission ist es sehr zu bedauern, daß hier Ausführungen gemacht werden konnten, die den Witwen und Waisen das Herz schwer machen und das Ansehen des Vaterlandes herabsetzen müssen.(Lebbaster Beifall.) Abg. Stadthagen(Toz.): Der Abg. Bauer hat sich bei seinen Ausführungen sehr vor- sichtig ausgodrückt.(Stürmischer Widerspruch.) Wenn wir die Zensur beseitigt hätten, wenn wir Prcßfreiheit hätten, und wenn Sie(nach rechts) Gelegenheit hätten, die Familien draußen selbst zu hören, so würden auch Sie ein andere? Urteil haben. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.)— Ich habe daS Wort ergriffen, um Sie dringend zu warnen, jetzt nickst ein Gesetz zu beschließen, welches die Witwen und Waisen der Kriegsteilnehmer schlechter stellt, als sie nach dem gegenwärtigen Gesetz stehen. Sie wollen das nicht, es ist aber die notwendige Folge, wenn Sie den Antrag der Kommission und den Antrag Erzberger annehmen. Sie dürfen nach dem Gesetz nicht schlechter gestellt werden, als wenn der Ernährer bis zuni Kriegsschlutz am Leben geblieben wäre. Die Unterstützung muß loeiter gezahlt werden, bis die Rente festgesetzt ist, und später darf sie nicht auf die Rente an- gerechnet werden. Diese Doppelbezahluirg bei den bedürftigen Kriegerwitwen und-Waisen hat der Gesetzgeber ausdrücklich ge- wollt. Wer den Witwen und Waisen das nimmt, wa? ihnen nach Gesetz, gesundem Menschenverstand und sozialem Empfinden zu- steht, der versündigt sich an unseren sozialen Verpflichtungen. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Reichsscbatzsekretär Dr. Helfserich: Neues haben die Kommissionsmitglieder aus der Rede des Abg. Stadthagen nicht gehört, er bat nur mit dem lebhafteren Temperament gesprochen, die einem Ort, der öffentlicher ist, wohl ansieht.(Heiterkeit.) Eine Toppelzahlung von Familien- und Hinterbliebencnunierstützung kommt nur in den Ausnahmefällen vor, wo der Tod eines Gefallenen nicht vor drei Monaten fest- gestellt worden ist. Ich wende mich nicht gegen den KommissionS- antrag. aber die Forderungen des Abg. stadthagen sind unan- nehmbar. Es kommt mir vor, als wenn das Brot, das hier in Aus- ficht gestellt ist, in Steine verwandelt werden soll. Wem die Steine on den Kops geworfen werden sollen, ist mir allerdings unklar. (Beifall.) Abg. Dr. Neumann-Hofer(Vp.) wendet sich gegen die Ausführungen des Abg. Bauer. Im Deutschen Reich wird sehr viel mehr für die Hinterbliebenen und für die Familien der Krieger getan als im Ausland. Abg. Bogt-Crailsheim(wirtsch. Vgg.) schließt sich dem Vorredner an. Abg. Bauer(Soz.): Meine Ausführungen haben zu irgendwelcher Entrüstung keine Veranlassung gegeben. IWideripruckO Wenn im Auslande un» günstige Anschauungen Play greifen sollten, so lediglich zufolge Ihrer unangebrachten Entrüstung.(Zustimmung bei� den Sozialdemokraten.) Ich habe keineswegs verallgemeinert, sondern statt- stisch nachgewiesen, wie viele Gemeinden der Zuschußpflicht nicht Genüge leisten. Dankbar habe ich anerkannt, daß eine große Anzahl von Unternehmern an die Familien ihrer eingezogenen Arbeiter Unterstützung zahlen. Aber in einer Rede, die zeigen soll, wo Wunden sind, kann ich nicht überwiegend loben, sondern muß zeigen, wo Schäden vorhanden sind.(Zuruf rechts: Ach so!) Dieser Zuruf beweist ja, daß Sie darüber entrüstet sind, daß über- Haupt die Schäden zur Sprache gebracht worden sind. Nicht ich habe verallgemeinert, sondern Sic tun es, indem Sic sagen, ich hätte erklärt, alle Kriegerfamilien müßten hungern. Das ist mir nicht eingefallen. Ich habe bestimmte Beispiele angeführt und gezeigt, wie gerade in den ländlichen Gemeinden und in den kleinen Städten unsoziale Anschauungen herrschen.(Lebhafter Wider- spruch rechts und in der Mitte.— Zustimmung bei den Sozial- dcmokraten.) Ich bätte doch wohl aus meine rein tatsächlichen Angaben irgendein Wort der Verurteilung �auch von Ihrer Seite erwartet. Nicht das s cb ä d i g t d ie Würde und das An- Inseratenteil veranlw,: TP. Glocke, Berlin, Druck u. Perlag: PorwartI' sehen de? Landes, wenn man den Finger in die Wunden legt, sondern schädlich ist, daß Sie gegenüber diesen tatsächlichen Angaben kein Wort des Bedauerns und der Ver- urteilung haben.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdsmc- traten.) Ich habe dasselbe Gefühl für die Ehre des Volkes wie Sie, nur darüber gehen die Meinungen auseinander, was der Wohlfahrt des Landes dient.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- kraten.) Der General Langermann warf mir vor, ich hätte Be. unruhigung im Lande hervorgerufen. Daß ich eine Tatsache.. unrichtig angegeben hätte, hat der Herr General nicht behauptet. Seine Entrüstung ist um so weniger angebracht, als der Fall, den ich angeführt habe, gar nicht in sein Ressort gehört, sondern dem bayerischen Kriegsministerium untersteht. Den Herrn General Langermann kenne ich als einen Mann von starkem sozialen Empfinden, der unfern Wünschen stets ein geneigtes Ohr entgegenbringt. Dem Abg. Dr. Paaschc kann ich nicht in der gleichen Tonart antworten, die er angewandt hat.� Meine Arbeiter- bildung verbietet mir das,(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Es kann aber gar keine Rede davon sein, daß ich alles in den Schmutz gezogen habe. Wird im Auslande ein anderer Eindruck hervorgerufen, dann sind Sie schuld daran, nicht meine Aussührun- gen, denn ich habe lediglich ausgeführt, was ich mit Hunderten von Beweisen erhärten kann..Habe ich den Erfolg, daß bie und da wenigstens eine kleine Besserung eintritt, dann werde ich vollkommen belohnt sein. Tritt dieser Erfolg nicht ein, dann werde ich es mir nicht nehmen lassen, bei nächster Gelegenheit mit der- selben Schärfe vorzugehen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Präsident Tr. Kaempf: Au? den letzten Ausführungen habe ich entnommen, daß Abg. Dr. Paasch« die Wendung„in den Schmutz gezogen" gebraucht hat. Ich habe diesen Ausdruck nicht gehört. Würde ich ihn gehört haben, dann würde ich ihn gerügt haben.(Heiterkeit.) Di« Kommissionsanträge auf Teuerungszulage an Be- amte und Arbeiter mit JahreSbezügen unter 3000 M.. Gewährung angemessener Löhne an die Staatsarbeiter und Erhöhung der Unterstützungen für Kriegerfamilien werden angenommen, ebenso der Antrag auf Beibehaltung des Nachtback- Verbots über die Kriegsdauer hinaus, und Vorlegung einer Denkschrift hierüber. Angenommen werden weiter die Anträge auf Gewährung von Mitteln für Badekuren verwundeter Krieger und Ansiedlung von Feldzugteilnehmern in Eigenheimen. Einstimmig angenommen wird der KommifsionScmtrag über die dreimonatige Nebeneinanderzahlung von Fa- milienunterstützung und Hinterbliebenenrente. Ebenso wird einstimmig angenommen ein von allen Parteien gestellter An- trag auf Einsetzung einer besonderen Kommission zur Beratung aller daS Wohnungswesen betreffenden Anträge und Pe- titionen. Die Weiterberatung wird vertagt auf Freitag, 11 Uhr.(Ver- einsgefetznovelle, Belagerungszustand und Zensur.) Schluß: 8 Uhr._ Ms öer haushaltskommWon. Berlin, den 26. August ISIS.(Amtlicher Bericht.) In der H a u S h a l t S k o m m i s s i o n kamen heute zunächst Arbeiterfragen zur Sprache: Wahrung des Burgfriedens in den Militärbetrieben, Vermittelungsinstanzen zwischen Unter- nehmer- und Arbeiterorganisationen, Befugnisse der ArbeiterauS- schüsse, Organisationsrecht, Frauenarbeit, Konkurrenz der Gesänge- neu, Lohnverhältnisse usw. Ter stellvertretende Kriegsimnister erklärte, daß bei der großen in Betracht kommenden Zahl von Ar- beitern auch Unstimmigkeiten unvermeidlich seien. Durchweg herrsche aber ein ausgesprochen gutes Verhältnis zwischen Heeresverwaltung und ihren Organen einerseits und der Arbeiterschaft andrerseits. Der deutschen Arbeiterschaft könne er das Zeugnis ausstellen, daß sie sich in jeder Hinsicht der ihr gestellten Aufgabe gewachsen gezeich und gern und freudig das geleistet habe, was das Wohl des Vaterlandes erforderte. Auf die von einer Seite gestellte Frage über Vergeltung smaßregcln gegen- über russischen Grausamkeiten an deutschen Soldaten, erwiderte der stellvertretende Kriegsminister, daß zunächst auf diplomatischem Wege Abhilfe zu schaffen versucht werde. Re- Pressalien gegen Vötkerrechtswidrigkeiteii seien nickn immer wirk- sam, besonders Rußland gegenüber, dem es ziemlich gleichgültig sei, wie die eigenen Leute behandelt würden. Gegen die Ein- stellung von Elsatz-Lothringern in das franzö- sische Heer sei energischer Protest eingelegt worden, eine Ant- wort darauf aber bisher nicht eingetroffen. Ueber die Frage der Verwendung von Aerztinnen äußerte der stellvertretende KriegSminister stcb dahin, daß eine Beschäftigung von Slcrztinncn in Lazaretten nicht mehr stattfinden solle. Man ging bei dieser Zlnordmmg vorwiegend von der Erwägung ans, daß männliche Aerztc in genügender Zahl zur Verfügung ständen und daß andererseits bei dem zurzeit bestehenden Mangel an Zivilärzten die Aerztinnen in der Behandlung der Frauen und Kinder, ein Arbeitsgebiet, das ihnen am nächsten liege, besonders segensreich wirken könnten. Vereinzelte Unzuträglichkeiten ließen es zudem erwünscht erscheinen, Aerztinnen in militärischen Lazarettbetrieben möglichst nicht zu verwenden. Im übrigen wurde heute aus Fragen zurückgegriffem die in den lletztcn' Sitzungen bereits er- örtert waren. Zum Schluß der Sitzung, in der die Erörterung der Heeresfragen zum Abschluß gelangte, wurden verschiedene An- träge erledigt. Zur Annahme gelangte u. a. ein Antrag auf all- gemeine Erhöhung des Verpflegungssatzes auf 1,20 Mark täglich, sowie ein anderer Antrag, nach dem der Reichstag beschließen soll, den Reichskanzler zu ersuchen, die Her- stellung von Kriegsbriesmarken anzuordnen. Bevor die Kommission auseinanderging, konnte der stellver- tretende Kriegsminister die erfreuliche und init Begeisterung aufgenommene Mitteilung machen, daß die FeftunH B r e 0- L i t o w S k von unseren Truppen eingenommen ist. Ms öer Partei. Ter Streit um Harnisch. Genosse K n o l l schickt uns nochmals eine längere Erklärung. in der er mitteilt, daß er durch den Bericht über die KreiSkonferenz, den sein Viertelsführer in einer Bezirkssitzung erstattete, zur Ab- sassung seines Artikels gekommen sei. Unser Urteil wird durch diese ja schon bekannte Darstellung nicht geändert. Eingehen eines Parteiblattes. Da« Erscheinen der.O b e r s ch l c si s ch e n Freien Press«' wird mit dem 31, August eingestellt. Wie Redaktion und Verlag mitteilen, sind die durch die Einberufung immer größerer Abonnenten- kreise und des technischen Personals entstandenen Schwierigkeiten so groß geworden, daß sich eine Aufrechterhaltung des Betriebe? nicht mehr ermöglichen ließ.__ Eingegangene Druckschriften. Heft 22 der»Neuen Zeit« vom 27. August 1915 hat folgenden Inhalt: Adolf Braun: Politische Wurzeln des ZvndlkallSmnS.— K. KautSkv: Englische WellpolMk in englischer Beleuchtung.— Heinrich Cunow: Vom WiitschaftSmarkt.— Paul Wolf: Zum Rationalitaten Problem in Belgien.— Rudolf Hilferding: Kritisches Mißverständnis oder mißverständliche Kriiik.— Slterarllchc Rund'chau: Gustaf F. Steffen, Weit- krieg und Imperialismus. Dr. Sien Konow. Indien unter der englifchen Herrschaft. Max Verworn, Allgemeine Pbhstoloaie.______ Zuchdruckerei u, VerlagSanstält Pau�Singer& So, Berlin SW.