Kr. 337.-33. Jahrg. RbonntmtntS'BtdlngDngn: KbonnementS- Drei» prünumerand»» «ierleliäbrl. 3�0 Ml. monatl. l.lv Ml. wöchentlich 22 Psg. frei ini Hau«, einzelne Nummer 2 Pfg. Sonntag«- wummer mit illustrierter Sonntag«» illeilage.Die Neue Welt' 10 Pia. Jost- »idonnement: l,l0 Marl pro Monat. eingetragen in die Post. Zeitung»- Treislisle. Unter Kreuzband für TeutsSIand und Oesterreich- Ungarn 2.50 Marl, für da- übrige llu-land « Marl pro Monat. Jostabonnement« nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Jtalien. Luxemburg. PorMgal, «itunänien, Schweden und die Schwei« cmtlat täglich. 'S Vevltnev Volksblatt. Zcntralorgan der lozialdcmokrati fchen Parte» Deutfchlands. ( 5 Pfennig) Die Insertion;-Sebühr dekägt für die sechsgespallenc Kolonel- zeile oder deren Raum SO Pfg.. für politische und gewerlschaftliche Lercin-, und Versammlungs-Anzeigcn LO Psg. „Uletne Ztlnaelgcn", das fettgedruckte Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg.. jedes weitere Wort 2 Pfg. Worte über 12 Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer lnüssen bis t> Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet, Delegramm- Ndresfe: „SozlaldtmoKrat Berlin", Neöaktion: Sw. 68, Linüenftraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. ISI Sv— 1S1S7. Expeöttion: EW. 68, Änöenstraße 3. Ztzernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1ä» SO— 151 97. Die feltung Dilta von den Hüffen geräumt. Richtigstellung englischer Meldungen. Amtlich. B e r l i n, 27. August.. November) wieder vertagt, trotzdem die„Neuorientierung" der inneren Politik in erster Linie eine st ä n d i g e Kontrolle der Regierung erfordern würde. Wilhelm II. an Anöenburg. Großes Hauptquartier, den 27. August.(23. T.®.) S. M. der Kaiser hat aus Anlaß der Wiederkehr des Tages von Tannenberg folgendes Telegramm an den Generalfeldmarschall v. tzindenburg gerichtet: Mein lieber Feldinarschall I Ich kann die Wiederkehr des Tages der Schlacht von Tannenberg, in der es Ihrer ziel- bewußten und energischen Führung gelang, die in Preußen eingedrungenen Russen vernichtend zu siblagen und dem weiteren Vormarsch der feindlichen Massen ein schnelles Ziel zu setzen, nicht vorübergehen lassen, ohne Ihrer hoben Berdiensre zu ge- denken. Sie haben damals eine Waffentat vollbracht, wie sie einzig in der Geschichte dasteht, und die Grundlage gelegt für die mächtig aus- holenden, weiteren Schläge der ihnen unterstellten Streitkräfte imOsten. Mit Stolz blickt Teutschland auf die Siege ihrer Armee» in der Winter- schlacht iu Masuren.bei Lodz undLowicz und die herrlichen Taten, die?lhre kampferprobten Truppen in bewundernswerten, Schneid und zäher Ausdauer bi« in die jüngst vergangenen Tage vollbracht haben. Die Kämpfe in Polen werden für immer ein leuchtendes Ruhmesblatt in den Annale» dieses Krieges bilden. Wie die Herzen aller Deutschen Ihnen zujubeln und des Vaterlandes heißer Dank Ihnen gesichert bleibt, so ist es auch mir erneut an dem heutigen Gedenkrage ein tief empfundenes Bedürfnis, Ihnen aus vollem Herzen meine hohe Wertschätzung und meinen nie erlöschenden Dank auszusprechen. Ich will, daß Ihr Name, den Sie selbst mit ehernen Lettern in die Tafel der Geschichte eingetragen haben, fortan auch von dem tapferen ostprcußischen Truppenteil geführt wird, zu dessen Chef ich Sie unlängst ernannt habe, und habe bestimmt, daß das 2. Ma- surische Jnfanicrie-Regiment Nr. 147 die Bezeichnung„Infanterie- Regiment Generalfeldmaischall v. Hindenburg(2. Ma surisches) Nr. Ii?" zu führen hat. gez. Wilhelm E. Der französische Tagesbericht. Paris, 26. August.(W. T. B.) Amtlicher Kriegsbericht von heute nachmittag. Im?l r t o i s um Sonchez und?!eil- vills Kanonade und Kämpfe mit Petarden und Handgranaten während eines Teiles der Nacht. Im Gebiet von Rohe an- dauernd scharfe Tätigkeit beider Artillerien. Im Argonnen- Abschnitt von La Fille Morte ziemlich lebhafter Kampf mit Bomben und Handgranaten. Aus der übrigen Front nichts Wichtiges zu melden. Am 2�. August bombardierte eines unserer Flugzeuge die wichtige Verzweigungsstelle aus dem Bahnhof Offen bürg im Großherzogtum Baden. Am 25. August überflog ein Geschwader von vier Gruppen, zusammen zweiundsechzig Flug- zeuge, die Hochöfen von D i l l i n g e n(Geschoß- und Panzcrplattcnfabrik) nördlich von S a a r l o u i s, auf welche sie mit Genauigkeit über hundertfünfzig Granaten, darunter etwa dreißig großkalibrige, warfen. Poris, 27. August.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom Donnerstag abend. Im Abschnitt nördlich A r r a S ziemlich heftige Kanonade, besonders um Souchez, südlich Neuville, und in der Nähe der Straße nach Lille. Ar- tillerickämpfe werden auch aus dem Gebiete von R o y e und dem Tal der Ais ne gemeldet, wo wir die deutschen Anlagen nördlich Soissons beschossen. Der Feind bombardierte die Stadt ReimS ziemlich lebhaft. Wir unterhielten unsererseits wirsameS Feuer gegen die deutschen Schützengräben vor Cer- nay-les-Reims. In den Argonnen andauernd sehr leb- hafter Kampf mit Petarden und Handgranaten auf die Ge- samtheit der Front mit nützlichem Eingreifen unserer Artillerie. In W o e V r e nördlich Flirey, in den V o g e s e n, in La Fontanelle, im Gebiet von Lusse sowie im Elsaß im Doller- tal einige Artilleriekämpfe. Im Laufe des 25. August bombardierten unsere Flug- zeuge im Wocvre die deutschen Lager von Panncs und Baussant, wo sie Brände in Bahnhöfen und in den deutschen Biwacks bei Grandprö, Chatel, Cernay und Flöville verur- sachten. Sie bombardierten in den Argonnen den Bahnhof Tergnier. Der Flugpark von Vitry-en-Artois und der Bahn- Hof von BoiSlenx wurden von unseren Flugzeugen gleichfalls bombardiert. Ein Bombardement wurde gemeinsam von Flugzeugen des französischen, des englischen und deS belgischen Heeres sowie der französischen und englischen Marine, ins- gesamt von 60 Flugzeugen, gegen den Wald von Houthonlet ge- richtet, wo mehrere Brandherde entstanden. Alle unsere Flugzeuge kehrten zurück. In der Nacht vom 25. zum 26. belegte eines unserer Geschwader den Bahnhof Noyon mit 127 Granaten._ Melöung öer italienischen Heeresleitung. Rom, 26. August.(W. T. B.) A m t l i ch e r H e e r c s- b e r i ch t. Im Suaanatale schoben unsere Truppen ihre Stellungen ans der Linie vom Monte Civaron zum Flusse M a s o gegen Westen auf beiden Seiten des Flusses bis zum Monte Armuntera und Monte Salubio vor. Der Feind vermochte unser Vorrücken nicht zu hindern, er ließ auch eine Anzahl Gefangener in unseren Händen. Im See- Die Eroberung von Lubartow. Von Hugo Schulz- Wien. 16. August 191». Arn Abend deS C. August fuhren wir nach Lubliu zurück, waren aber am nächsten Morgen wieder auf dem Schlachtfeld. Zunächst sprachen wir beim Korpskommando in Niemze vor, wo uns der Gcneralstabschef des FeldmarschalleutnantS Roth die Lage erklärte. Daß sie sich zum Besten gewendet hatte, war auch ohne diesen Vortrag leicht zu erkennen, nicht nur aus der Stimmung deß Stabes, sondern auch aus den einlaufenden Meldungen und aus den Dispositionen, deren wir einige erjauschen konnten. Ter Sieg lockert da» Geheimnis und einer gewinnenden Partie darf man schon ein wenig in die Karten blicken. Ein Blick ans den Garten des Gutshofe? und auf die umliegenden Wiesen gab greifbare Ge- wißheit des Erfolges, denn dort lagerten bereits mehr als tausend Gefangene in malerischen Gruppen. Hätte ich sie übrigens nicht gesehen, so wären sie meinem Geruchsinn nicht entgangen, denn der charakteristische moderige Inchtenduft, den jede russische Marsch- kolonne ausströmt, ist mir schon so vertraut, daß ich vorübergehende Russen mit geschlossenen Äugen aus anderen Truppcnkolonnen heraukschnuppern würde. In knappen Worten gab uns der Generalstabschef eine Skizze der Ereignisse seit gestern abend, in LLorten, die die Tatsachen aneinanderreihen, ohne die heroische Größe, die vernichtende Gewalt und die tragische Bewegtheit diese? Geschehen? erkennen zu lassen. Das ist nicht Sache der nüchternen Berechnung im blutigen Krästespiel, sondern Sache der die grau- sigen Abbilder der Vorgänge lebbaft erschauenden Einbildungs- kraft. Wir hörten zunächst, daß das gestrige Wirkungsschießen der Artillerie den Erfolg zwar entscheidend vorbereitet habe, aber noch lange nicht hinreiche, um den hohen Widerstand völlig zu zermürben. Ter Zlngrisf der Deutschen rechts vom Wieprz kam nachmittags zum Stehen, der Angriff auf Kote 183 gelang bis in unmittelbare Nähe der Drahtverbaue und die Truppen konnten sich schließlich in einer günstigen Sturmstellung mit dem Spaten einnisten. Da die zwischen der Bahn und der Flußniederung vorrückenden Ab- teilungen aus der Richtung der Ruska Wola Flankenfeuer erhiel- ten, konnte man sich mit dem nicht begnügen und mußte trachten, ohne neuerliche Artillerievorbereitung noch an demselben?lbeiid die Entscheidung zu erzwingen. Bei Einbruch der Dunkelheit erhoben sich die Landwehrrcgimenter des Korps aus ihren Deckungen und überrannten, ungeachtet des höllischen Schnellfeuers, das sie empfing, in einem Zlnlauf die Drahthindernisse. Ein neuer Bajonettkampf, bei dem es mörderisch zuging, brachte den starken russischen Stützpunkt völlig in ihren Besitz. Zumal das 21. russische Infanterieregiment erlitt schreckliche Verluste, ehe es seinen Wider- stand aufgab und als seine Widerstandskraft gebrochen war, ließ es fast 10v0 Gefangene in den Händen der Sieger. Dem Beispiel der Landwehrregimenter schloß sich das im benachbarten Abschnitt vordringende Salzburger Regiment an, vielleicht das Regiment der nervenstärksten Todesverächter, die es in der österreichischen Slrmee gibt. Trotz der eingebrochenen Finsternis arbeitete die Artillerie ein wenig vor, dann schlichen die Patrouillen mit den Spreng- stangen bis an die Drahthindernisse und rissen, kaltblütig im Feuer- regen ausharrend, breite Gassen in das Stachelgeflecht, durch die dann die Salzburger unter Hnrragebrüll eindrangen und die Russen über den Haufen rannten. 466 Mann blieben als Gefangene in ihren Händen, vier Salzburger stürzten sich mit hocherhobenem Kolben auf die Bedicnungslentc eines Maschinengewehres, er- schlugen oder trieben sie in die Flucht und nahmen das mörderische Instrument, das bis zuletzt sein todsprühendes Klappern hatte vcr- nehmen lassen, in Besitz. Tie Nacht verging dann ruhig, aber früh morgens hatte der Kampf wieder begonnen, denn die Russen hielten noch eine Auf- nahmestellung über dem Babnhof von Lubartow und behaupteten sich auch noch trotz der Gefahr, abgeschnitten zu werden, an der Ruska Wola. Gegen die nun mit verdoppelter Kraft andrängenden Deutschen. Wir fuhren nun nach Trziniec, das gestern noch vor der öfter- reichischen Front lag, um von dort zu Fuß möglichst weit nach vorn zu gelangen. Hinter einer langen Zeile von Geschützen, für die eben Deckungen ausgehoben wurden, was sie aber nicht hinderte, eifrig zu böllern, gelangten wir über einige Hirsefelder hinwegschreitend und zeitweilig über eben gelegte Telephondrähte stolpernd, an den Bahndamm, diesem folgend hatten wir alsbald die ersten Schützen- graben der gestrigen Jlngriffsstellung erreicht. Es folgte dann eine Gravenreihe der anderen, und nur kurze Entfernungen lagen dazwischen. Recht mühselig mußte sich da der Angriff vor- gearbeitet haben. Tie� Gräben waren auch jetzt besetzt, Landsturm- vataillone, die wie römische Triarier-Manipeln im Hintergrund der Schlacht harrten, lagerten dort ruhig hinter den Brustwehren. lieber ihren Köpfen heulte es manchmal verdächtig, aber keine Be- wegung ging durch ihre Reihen und keine Beklemmung gab sich in den Mienen kund. Die Balm geht nur eine Strecke im Einschnitt und dort schritten wir im Flugsand bis an die Knöchel versinkend, den Geleisen entlang weiter. Neben uns ein Reservebataillon, das bald nach rechts abbog und sich in Schwarmlinie auflöste. Verwundete wurden von Sanitätssoldaten vorübergetragen, die von Zeit zu Zeit keuchend und schwitzend die Bahre absetzten. Der Bahneinschnitt hebt sich allmählich ans da? Niveau der Umgebung und dann senkt sich die Strecke im sanften Gefälle zur Station Lubartow nieder. Wo sie auf der Kammlinie einer links und recht? weit hinstrcichenden Bodenwelle den höchsten Punkt erreicht, dort befand sich gestern noch ein dichter Stacheldrahtverhau— das verrammelte Tor der ruffischen«tellung. Ueber zerrissene Drähte hinwegsetzend, befanden wir uns bald auf der Brustwehr eines eroberten russischen Grabens und hatten nun weiten Ans- blick. Der Schlußakt der allmählich erlöschenden Schlacht vollzog sich vor unseren Blicken und wir standen eigentlich mitten drin. Beiderseits der Bahn gingen über die Stoppelfelder in aufgelösten Linien die Reserven vor, langsam und bedächtig, aber ohne Stockung und so regelrecht wie aus dem Exerzierplatz. Etwa zwei Kilometer von uns entfernt, unmittelbar neben dem Bahngeleise, schoß hoch eineFlarnmensiinlejtus und senkrecht schwebte ihre schwarze Rauchfahne zum Himmel. So weit das Auge in die Runde blickte, brennende Ortschaften! Die meisten lagen außerhalb des Ziel- bereiches unserer Geschütze und wurden nie beschossen. Sie mußten also von den Russen angezündet worden sein. Schon tags vorher batte ich beobachtet, wie Brände plötzlich anfflmnmten, ohne daß ihnen ein Granateneinschlag vorausging. Nackdcm wir eine Weise Ilmschan gehalten batten� beschlossen wrr, noch eine Strecke weiterzugehen und uns vom Strome der Vorrückenden Reserven wenigstens bis zur Bahnstation Lubartow b a ch t a l e eröffnete unsere Artillerie das Feuer auf ein der- borgenes Lager in einem kleinen Tale am linken Ufer des Bcrgbaches. Tie feindlichen Truppen mußten in Un- ordnung fliehen und wurden durch wirksames Schrap- nellfcuer verfolgt. Am oberen I s o n z o nahmen unsere Alpmiabteilungen einige stark hergerichtete feindliche Schützengräben an den Felsen der Süd- abhänge des Monte Rambon. Wir machten etwa 30 Gefangene, darunter einen Offizier und erbeuteten 2 Maschinen- gelvehre, Gewehre und eine große Menge Munition. Auf dein Karst brachte der Feind zahlreiche neue Geschütze in Stellung, niit denen er anhaltendes Feuer an der ganzen Front eröffnete. Immerhin dauern unsere Annäherungs- arbeiten ohne Unterbrechung fort. Gestern besetzten wir am linken Flügel unserer Linien weitere Schützengräben, was uns 60 Gewehre, einen Scheinwerfer und verschiedenes Material einbrachte._ Gez. C a d o r n a. Melöung des türkischen Hauptquartiers. Konstantinvpcl, 27. August.(W. T. B.) Das Große Haupt« quartier meldet von der Dardancllenfront vom gestrigen Tage: Bei Anasoria hat sich außer von Zeit zu Zeit aussetzendem Geschütz- und Gewehrscuer nichts ereignet. Bei Sedd ul Bahr zer- störte die Artillerie unseres linken Flügels einen Teil der feindlichen Schützengräben. An den übrigen Fronten hat sich nichts verändert. Vom U-Saotkmg. London, 27. August,(ffi. T. 23.) Nach einer Lloydsmeldung ist der s ch w e d i s ch e D a m p f e r. D i s i" versenkt worden, die Besatzung aber gelandet. London, 27. August.(W. T. B.) Amtlich verlautet, daß in der am 23. August endigenden Woche 19 Handelsschiffe in Grund gebohrt worden, dagegen 1369 in englischen Häfen ein- und ausgelaufen sind. London, 27. August.(W. T. B)„Lloyds* meldet: Der engliche Dampfer„Palmgrove* ist versenkt worden. Zum Zeutsch-amerikanischen Konflikt. London, 27. August.sft, so wäre es besser, es ginge zngrunde, als daß wir Frieden schlössen, ohne sie erreicht zu'haben. Aber darunter war nicht ein inumphaler Einzug in Berlin und eine persönliche Züchtigung Kaiser Wilhelms und seiner Bundesgenossen. Wir müssen wie im Jahre 1878 einen Frieden in E h r e u er- langen. Bis jetzt ist kein Grund, daran zu zweifeln, daß wir das tun werden; aber es ist ziemlich klar, daß wir eS nur durch einen langen und uns erschöpfenden Kampf er- reichen werden, und daß wir leicht dahin gebracht werden könnten, lo e Ii i g e r a l S das anzunehmen, wenn wir versuchen, niehr zu e r r e i ch e n oder ungeduldige ?ln streng u ii gen machen, um das Ende zu be- schleunigen. Der Kampf um öie Wehrpflicht. Glasgow, 27. August.n Orte selbst ge- bildeie Räuberbanden unter Ausnutzung der von unsercir Feiliden hervorgerufenen allgemeinen Anarchie eine heftige Be» ivegung gegen die Gendarmerie begoniieu und so für deren im letzien Jahre bewiesene Tatkraft bei der Unterdrückung ver- örechcrischcr Eleineute in Luriitaii Rache geübt. In Burmschird er- lilten die Gendarmen eine noch nicht dagewesene Niederlage. Sie verloren zwei Kanonen, den Train und Munition. Der schwedische Jlistriikteur konnte kaum sein Leben retten. Die Ränke unserer Feinde, die während des ganzen Jahres unter Mitschuld der persischenNegicrungaudauerteil, haben die auarchistifchen Elemente des Landes geweckt. Teheran, 26. August.(W. T. B.) Meldung der Petersburger Telegraphen-Agriitur. Der russische und der englische Konsul haben sich u n I e r militärischer Bedeckung von K e n g o v c r in der Richtiing auf H a m a d a n zurückgezogen; ihre Begleittruppen haben Verluste erlitten. Kriegsbekanntmachungen. Bestandsmeldung und Beschlagnahme von Metallen und Metallfabrikaten. Die Auffassung, daß durch die Verordnuiigen vom 20. Juli 1915 M. 1/7. 15 KRA, betreffend Bestaiidsinetdimg und Veilvomiiig von Kilpfcr in Feriigfabrikateil, und vom 81. J»tl 1915 M. 826/7. 15 KRA, betreffend Beschlagiiahme und Meldepflicht von fertigen, ge- brauchten und uiigebraiichien Gegenständen anS Kupfer, Messing und Reinnickel, die ältere Verordnung M. 1/4. 15 KRA, betreffend Be- standsmeldung lind Beschlagnahme von Metallen, aufgehoben oder abgeändert sei, ist u n z u t r e s f e n d. Die drei Verordnungen bestehen nebeneinander. Jede ist in bollein Umfange gültig und muß daher, wenn man sich den ange« drohten Strafen nicht ailssetzen will, befolgt werden. Durch die älteste Verordnung M. 1/4. 15 KRA sind eine Reihe von Metallen in u n v e r a r b e t l e t e m und vorgearbeitetem Zustand— bei Nickel auch Fcrtigfabrikate. das sind fertige Ge- braiichsgegenstände, ivelche zum Verkauf bestimmt sind— beschlag- nahmt. Die Gegenstände müssen außerdem bei der Metallinelde- stelle der Kriegsrohstoffabteilling des Kriegsministeriums, Berlin W 9, Potsdamer Str. 10/11, gemeldet werden, an die auch diesbezügliche Slniragen zu richten sind. Die nächste Meldung hat nach den be« stehenden Verfilgimgen am 1. September 1915 zu erfolgen. Die Verordnung vom 31. Juli 1915 M. 325/7. 15 KRA verfügt eine Beschlagnahme fertiger Gegenstände aus Kupfer. Messing und Reiiiiiickel, die in Küchen und Backstuben usw. gebräuchlich sind, und außerbem die Beschlagiiahme einiger namentlich ausgeführlen Gegen- stände, die vornehmlich iin Haushalt vorkommen. Unier dem Aus« druck„Messing' wird auch Rotguß. Bronze und Tombak verstanden. Die hiernach beschlagnahmten Gegenstände können an den von den Kommunalverbniiden eingcrichtelen Sammelstellen bis zum 25. September 1915 gegen die einheitlich festgesetzten Uebernahme- preise freiwillig abgeliefert werden. Die Meldung der beschlag« „ahmten, aber nicht abgelieferten Gegenstände hat erst nach dem 25. September an die betreffenden Kommunalverbände zu erfolgen. DaS Nähere über die Meldung werden die Kommunalverbände seinerzeit festsetzen. Anfragen über dteie Verfügung wolle man an die zuständigen Kommilnalverbände richten. Ferligfabrikate aus Reinnickel, wie Koch-, Einlagekessel, Marme« laden-, Speiieeiskessel, Fruchtkocher, Scrbieiplatlen, Pfannen, Kühler, Kasserollen, Schüsseln usw., die in Geschäften zum Verlaus stehen, sind sowohl durch die Verordnung M. 1/4. 15 KRA als auch durch die Verordnung M. 325/7. 15. KRA gleichermaßen beschlagnahmt. Ihre Verwciidiliig ist nach näherer Vorschrift des§ 6 der eisten Verord- iiuiig im wesentlichen nur für KncgSliefcrimgen gestattet, während in scheinbarem Widerspruch hierzu durch die Verordnung M. 325/7. 15. KRA die Ablieferung an die Kommunalverbände an» geordnet wird. Da jedoch die Sammlung der Kommunalverbände für Zwecke der Heeresverwaltuiig erfolgt, so dient sie dem gleichen Ziele loie die Verordnung M. 14. 15. KRA. Deshalb ist durch eine Bekanntmachung im„Reichsanzeiger" angeordnet worden, daß, wenn diese Gegenstände an die von den Kommunalverbünden ciu« gerichteten Sammelstellen abgeliefert werden, damit die Beschlag- iiahine erlischt. Die Ablieferer haben Anspruch auf ei.ne Ouiltuug über die abgelieferten Gegenstände, mit der sie bei Revisionen die oldiillugSmäßige Verwendung nachweisen können. Die Vcrorhnung vom 20. Juli M. 1/7. 15 KRA betreffend Bestandsinetdung und Verwertung von Kupfer in Ferligfabrikateu siebt keine Beschlagnabme, sondern nur eine Bestandsmeldung vor und bezieht sich nur aus Fcrtigfabrikate(Apparate und dergleichen) aus unlegiertem Kupfer. Gegenstände aus Meising und dergleichen werden von ihr nicht betroffen. Gegenstände auS unlegiertem Kupfer, gleichgültig, ob sie im Betriebe, außer Betrieb oder auf Lager find, müssen unler Benutzung der Meldescheine für Kupfer in Ferligfabukaien bis zum 20. August 1915 an die Metallmobil« inachungSstelle der Knegsrobstoffabicilung des Kriegsniinisteriumt, Berlin W 9, Potsdamer Straße 10/11 gemeldet werden. Anfragen betr. diese Verordnimg sind alisschließlich an diese Stelle zu richlcN. Diese Fertigsabrikaie aus unlegiertem Kupfer köniicu weucc benutzt und verkauft werden. Lutzte Nachrichten. Meldung der englischen Admiralität. London, 27. Anglist.(53. T. B.) Die A d ku r a l i t ä l meldet: Ein Marineflieger hat aus d>-r Höhe von Ljtcnde eine Bombe aus ein deutsches Untersee- b o o t geworfen, welches, soweit man hat wahrnehmen können, vollständig z c r st ö r t wurde und gesunken ist. Tie Admiralität fügt hinzu, sie sei nicht gewohnt, Mitteilungen über den Verlust von deutschen Unterseebooten zu machen, da der Feind in gewissen Fällen keine andere Nachrichten- quelle betreffend Zeit und Ort des Verlustes habe. Hn diesem Falle aber sei das Unterieeb/vot nahe der belgischen Küste verloren gegangen und seine Lage durch einen deutschen Torpedobootzerstörer festgestellt worden.— Nach einem ande- ren Tetegramm ist der Flieger, dtzr das Unterseeboot ver- nichtct hat, der Kommandant eines Fluggeschwaders, Bigs« Worth. Gewerkschaftliches. Verlin und Umgegend. Tie Verhältnisse im Klempnerberuf. Die Bauklempner haben vergebens versucht, Teuerungszulagen zu erhaltein Die Unternehmer berufen sich auf den bestehenden Tarif und lehnen die Gewährung von Zulagen ab. Die Gasmesser» fabriken haben zum größten Teil ihren Arbeitern Kriegszulagen be- willigt.� In anderen Fabrilationszweigen. wo Klempnerarbeiten ousgeführt werden, beschäftigt inan weibliche Arbeitskräfte in größerer Zahl, als es vor dem Kriege der Fall Ivar. Es handelt sich dabei meistens um Arbeiterinnen, die erst neuerdings in den Beruf eingetreten und noch nicht organisiert find. Die Arbeiter be- mühen sich— wie in der letzten Branchenversaminlung der Klempner ausgeführt wurde— die Kolleginnen dem Melallarbeiterverbande zuzuführen, um der Gefahr einer Lobndrückerei vorzubeugen. Leb- hafte Klagen wurden über Mißstände im Betriebs des Klempner- Meisters Kuhnitz geführt. Es wurde mitgeteilt, daß in diesem Be- triebe elf Lehrlinge beschäftigt sind, die zum Teil an Exzenterpressen arbeiten. Das ist eine für unerfahrene junge Leute sehr gefahrvolle Arbeit. Uebcrdies handelt es sich hier um Kriegsarbeiten, die keine Klempnerarbeiten, also für die Ausbildung der Lehrlinge nicht förderlich sind. Die Lehrlinge müssen auch Üeberstunden machen. Einer derselben bat in einer Wockie 12 Üeberstunden geleistet und dafür öl) Pf., also 5 Pf. pro Uebcrstunde bekommen. Aus den Reiben der Arbeiter ist der Obermeister ersucht worden, diese An- gelcgcuhcit dem Ausschuß für das Lehrlingswesen zu unterbreiten, damit auf diesem Wege die Mißstände beseitigt werden. Infolge des Vorgehens der Arbeiter soll in letzter Zeit schon eine gewisse Besserung eingetreten sein und die Beschämgung der Lehrlinge an den gefährlichen Maschinen nachgelassen haben. Es wird gewünscht, daß der Ausschuß für das Lehrlingswesen dennoch zusammentrete, um die Lehrliugsfrage im allgemeinen zu behandeln. Tic Stellmacher besprachen am Donnerstag die Lohn- und Arbeitsverhältnisse im Reich. Als Unterlage diente ein gesammeltes Umfragematerial, das allerdings keine umfassende Statistik darstellt. Unter Berücksichtigung der jetzigen Zustände ist auch dieses Resultat anzuerkennen. Der Krieg hat für die Wagenbetriebe durch Heeres- lieserungen vermehrte Arbeitsgelegenheit gebracht, wodurch der Still- stand in der Luxuswagenindustrie aufgewogen wurde. Die Berichte sagen indes, daß in den Betrieben zurzeit wohl mehr Tischler und Zimnierer als Stellmacher beschäftigt sind. Abzüge und Lohn- differenzen sind vielfach zu verzeichnen. Das wesentlichste aus den Ortsberichten wurde in der Versammlung wiedergegeben. So wird aus einer Stadt berichtet, daß die Stellmacher nm 23 Proz. schlechter gestellt sind als die Tischler. Es hat zum Teil eine Teuerungs- znlage gegeben, jedoch soll das auf Kosten der Akkordarbeit ge- schchen sein. Vielfach sind in den einzelnen Orten Teuerungszulagen abgelehnt worden, zuweilen mit der Be- gründung. daß Gelegenheit zu Üeberstunden gegeben sei, lvodurch sich eine Teuerungszulage erübrigt. 70 Arbeitsstunden und darüber die Woche werden aus einzelnen Orten mitgeteilt. Die Löhne sind fast durchweg den jetzigen Lebensverhältnissen nicht angepaßt. Die Lohn- und Arbeitsbedingungen gleichen sich nach allem so ziemlich in sämtlichen von der Umfrage erfaßten Orten. Jedenfalls wird mit der Ueberstundenarbeit Raubbau getrieben. Notwendig ist eS, daS, was in der Jetztzeit errungen worden ist. auch für später erhalten bleibt. In der Diskussion wurde erklärt, daß da», was au» den Pro- vinzen berichtet wird, auch reichlich auf Berlin zutreffe. Insbesondere wurden Teuerungszulagen für unumgänglich erklärt. Deutsche» Reich. Der Deutsche Metallarbeiterverband nach einem Kriegsjahr. Der Deutsche Metallarbeiterverband hat die bei Ausbruch des Krieges eingeführten Erhebungen über die Einwirkung des Krieges regelmäßig jede Woche fortgesetzt und jetzt auch den Stand der Or- ganisation in der 52. Kriegswoche veröffentlicht. Wohl keiner hatte bei Kriegsbeginn erwartet, daß sich dieses blutige Ringen solange hinziehen würde und daß demzufolge ein volles Jahr lang solche Zusammenstellungen gemacht werden mußten, um zu wissen, wie groß der Mitgliederverlust und wie umfangreich die militärischen Einberufungen sind. Dann ferner wie hoch die Zahl der arbeits- losen Mitglieder ist und welche Mittel notwendig sind zur Unter- stiitzung der Arbeitslosen. Nach der vorliegenden Statistik betrug die Zahl der vorhandenen eingezogenen Arbeitslosen Mitglieder Krieger überhaupt in Proz 533 814— am 1. August 1914 29.. 31. Oktober, 30. Januar 1915 1. Mai 31. Juli. 377 756 348 271 316 822 291 526 261 677 143 343 172 202 199 760 228 594 259 529 13132 73 895 27 727 8 318 4 593 3 414 u,ö 19,5 7.9 2,6 1,6 1.3 Nach Verlauf des ersten Kricgsjahres waren demnach 2 5 9 3 2 9 Verbandsmitglieder zu militärischen Diensten ein- gezogen, das sind 51,1 Proz. der am 1. August 1914 vorhandenen männlichen Mitglieder. Die Gesanrtmitgliederzahl ging aber bis zu Ende Juli auf 2 6 4 6 7 7 zurück, so daß unter den einberufenen Mitgliedern noch ein Mehrabgang vpn 9 6 08 zu verzeichnen ist. Unter diesen gestrichenen Mitgliedern dürften aber zweifellos noch sehr viele sein, die in der Eile ihre Abmeldung nicht ordnungs- gemäß bewirken konnten. Die Arbeitslosigkeit hat, wie die Uebcrsicht zeigt, rapid ab- genommen. Sie ist zu Ende Juli 1915 nur noch halb so groß als vor Ausbruch des Krieges. Von den 11 Agitationsbezirken flehen nur noch die beiden süddeutschen Bezirke mit 7,1 und 2,2 Proz. Arbeitslosen über dem Durchschnitt. Groß sind die Leistungen des Verbandes für die Arbeitslosen. Innerhalb des ersten Kriegs- jahres wurden insgesamt 5 367 636 M. als Arbeitslosenunter- stützung ausbezahlt. Davon entfallen allein 4 0 6 0 8 3 9 M. auf das erste Kriegsvierteljahr. Außerdem wurden noch bis Ende März 1 109312 M. an bedürftige Familien ausmarschierter Mitglieder verausgabt. Die gesamte bis Ende Juli zur Aus- Zahlung gelangte Summe beträgt somit rund 6% Millionen M. Ungeheuere Lücken reißt der Krieg in die Mitgliederreihen. Diese auszufüllen, sollte daS Bestreben aller noch nicht organisierten Metallarbeiter sein._ Der Tapeziererverband nach einem Ztriegsjahr. Der Tapezicrerverband hatte vor Ausbruch des Krieges 10 262 Mitglieder. Von diesen waren bis zum 1. August d. I. 4800 Mit- glieder zum Militärdienst eingezogen, unberechnet die seit Kriegs- beginn als dienstuntauglich wieder Entlaffenen. Eingezogen sind zurzeit rund 47 Proz. der Mitglieder. Die Zahl der Verbandsmitglieder war Ende Juli auf 3870 gesunken. Außer den zum Militärdienst Eingezogenen ergibt sich ein weilerer Verlust von etwa 1500 Mitgliedern, also zirka 15 Prozent des Mitgliederbestandes vor Ausbruch des Krieges. Zu diesem reibt großen Verlust mag beigetragen haben, daß seit Kriegsausbruch das Gros der Mitglieder in Betrieben arbeitet, die nicht zum Orgoni- sationsgebiet des Verbandes gehören. Da die Arbeit im Tapezierergewerbe völlig daniederliegt, war der weitaus größte Teil der Berufsangehörigen gezwungen, in den Rüstungsindustrien Arbeit zu suchen. Nach einer Feststellung im Januar d. I. waren nur etwa 33 Proz. der Ver» bandsmitglieder im Tapezierergewerbe besibäftigt, 63 Proz. ar- beiteten außerberuflich, vorwiegend in Betrieben der Leder- ausrüstungsindustrie. Auch bei der erneuten Feststellung am 1. August ergab sich, daß von den 3870 Verbandsmitgliedern nur 1662 im erlernten Beruf tätig waren. Fast 60 Proz. der Mitglieder waren in anderen Industrien, meist in der Rüstungsindustrie, be- schäftigt. Es ist auch nicht anzunehmen, daß sich die Arbeilsgelegeu- hcit im Tapezierergewerbe vor Ende des Krieges heben wird. Die Zahl der arbeitslosen Verbandsmitglieder ist Verhältnis- mäßig gering. Nach den ersten beiden Kriegsmonaten, in denen 45 rcip. 30 Proz. der Mitglieder außer Arbeit waren, gelang es die Arbeitslosen in der Rüstungsindustrie unterzubringen. In der Folge« zeit sank sogar die Arbeitslosenzahl beträchtlich unter die in nor- malen Zeiten im Tapezierergewerbe sehr hohe ArbeitSlosenzahl. In den sonst so gefürchteten Wintermonaten verringerte sich die Zahl der Arbeitslosen auf durchschnittlich 1 Proz. der Mitglieder. Erst in den letzten Monaten steigt die Arbeitslosigkeit wieder. Ende Juli waren schon wieder 3,8 Proz. der Mitglieder arbeitslos. Die Abwanderung der Arbeitslosen in die Rüstungsindustrie wirkte, daß die Verbandskasie sehr stark entlastet wurde. Das Verbandsvermögen hatte nach einjähriger Kriegsdauer nur um knapp 12 500 M. abgenommen und bezifferte sich am 1. August auf 325 558 M., obwohl während des Krieges 188 788 M. für Unter- stützungszwecke aufgewandt wurden. Die Unterstützung der Arbeits- losen verlangte in den ersten beiden KriegSmonaten über 60 000 M., in den nächsten zehn Monaten hingegen trotz einer neueingeführten Aussteuerunterstützung nur 16500 M. Für Unterstützung der Familien der Eingezogenen verausgabte die Hauptkasie während des Jahres 35 855 M. Für den gleichen Zweck, für Sendung von Liebesgaben und dergleichen, brachten die Lokalkasien weitere 61 421 M. auf, so daß für die eingezogenen Mitglieder insgesamt 97276 M. vom Ver- band aufgebracht wurden. Die von den Lokalkassen ausgewendeten Summen wurden zum größten Teil durch freiwillige Sammlungen und Extrabeiträge aufgebracht. NreireligiSte Gemeinde. Am Sonntag, den 29. August, vormittags 9 Uhr, Pappel-Allee 15—17; Neukölln,»Jdealpassage-; Tegel. Bahnhofstraße 15, und Ober-Schöncwcidc, Klaraftr. 2: Freireligiöse Borlesung. — Vormittags 11 Uhr, Kleine Franksurter Str. 6: Bortrag des Herrn E. Däumig:.Religiöse Ideen bei Wilh. Weitling'.— Damen und Herren als Gäste willkommen. Der Turnverein»Oberspree-, OberfchSuewetde, veranstaltet morgen sein 12. StistungSscst im Vereinslokal. Restaurant Wilbelminenhos. Nachmittags gemütliches Beisammensein im Garten, abends'/,8 Uhr im großen«aal Kommers mit turnerischen Vorführungen. TKester für Sonnabend, 28. August. Berliner Theater s uhr: Extrablätter. Deutsches Opernhaus Charlottbg. suhr: BoflinaDns Erzäblflngen Friedrich-Wilbelmstädt. Theater. 8'/, Uhr; lieh mann* Kinder. Sonnt. S'/j Uhr: 31 aria Stuart. Gebr. Hermfeld. Theater 8 uhr: Benjamin macht alles. Kleine« Theater. s'/.u.; Ein kostbares Leben. Komlseho Oper. S" uhr: Jung muß man sein. I-OBtsplcihauH. 8'/. u.:BErrsehattl. Diener gestiebt Resldenas-Theater sv.uhr: Der SonneiiYogel. Schiller-Theater O. s uhr: DerRanNerSaierinneii. Schiller-Th.Charlottenbu. s um: Wolltäter öer Mensehleit. Thalia-Theater. 8',. u.: Eine vertlixte Annonce. Theater am Kollendorfpl. sv. u.: Immer feste druff! Theater de» VTeotenu 8 uhr: Andersen. Vorher: Am Wörther See. Theater in der KöniggrStzerStraBe 3 Uhr: RaUSCh. Trlanon-Theater. S'/.Uhr: Hannemanns Nachfolger. Sonnt. 31/, U.: Die Waise aus Lowood. Deutsches Theater. Direktion: Max Reinhardt. Mittw. l.Sept.: Eröff.-Vorst.; Faustl. Donnerstag: Das Wintermärohen. Kammerspicle. Mittw. 1. Sept.: Erüffn.-Vorst.: Der Weibsteufel. Donnerst.: Weibsteufel. Volksbühne. Theater a. Bülowpl. Direktion Max Reinhardt. Mittw. 1. Sept.: EröSn.-Vorst.: Die Räuber. Donnerstag: Die Räuber. V oigt-Theater. Badstr. 58. Badstr. 58. DV Täglich:-«2 Arbeit schändet nicht. Volksstück mit Gesang in 3 Aufzügen. Erstklassiges Variete Kasscneröffnung 10 Uhr. Ans. 4 Uhr. URANIA TH2�o.tr- 4 Uhr(halbe Preise): Der Ksnal und die Ostkiiste Englands. Zur Elnncrnng an die Schlacht bei TannenberB. «uhr: Auf den Schlachtfeldern in Ostpreußen. Casino« Theater Lothringer Ew. 37. Tägl. 8 Uhr: Die neue Berliner Volksposse Familie Schnase. Urbcrlin. Handlung. Urberlin. Figuren. Vorher der erstki. Spezialitäten-Teil. Vorverk. f. d. ganze Woche v. lt— 2 Uhr. Sonnt. 4 Uhr: Die snte Mama. Von der Oberbauinbriicke, Fatckensteinstr. 49 Dampfer- Eitrafahrten 5bkitptZXi& Morgen Sonntag Abs. 9 und 2'/« Uhr nach Woltersdorfer Schleuse 50 Ps k Kinder „ 9 und 2'/, Uhr nach Neu-Heringsdorf... 30, f 25 a. 20 Pf. Wochentags ä1/. Uhr nach Neu-HeringSdorf."WS Reederei Kieck, Falckensteinstr. 48, Telephon Mpl. 8197. Reederei Kätlflt& HBftZßf Fernfpr. Königst. 2062. Morgen Sonntag: Ab TiVaisenhrtteke: 71/, nv nach Tenpitz(Tornows Idylls, hin und zurück 8 M. 9 u. 2 Uljt nach Krampenborgr. hin u. zurück 1 M.. ehts. SO Ps. Ab Relchstagsnfer(Bahnhof Fnedrichstraße) S'L Uhr nach Phöben und Werder, hin und zurück 4.«« M. Ab Xenköiin: 8 u. 2 Uhr mrch Krampenbnrs« hin u. zur. 4 M.. eins. Achlung! Ab Bertin-Reichsragcufer(Baduh. Friedridjitt.) Son»> tag. 5. Sept.. letzte dicsj. Fahrr durch d. Hobenzoliernlcanal bis Schleuse Niederfinow. Abfährt 7 Uhr. Nur Hinsahrt 3.tv M. Fahrschein auch vorher .Kontor Stralauer Brücke 4/5._ Rose-Theater. tTJieToehterilesGelanm. iartenhühne; Mamas Liebling. Walhalla-Theater. Die Maschinenbauer 8 Uhr: von Berlin. GtrienbDHne; Vorstell., Apolloslnger. 27. b*/ Tfrnfrr /t,rt TOP Tägl. 8 Uhr. Sonnt S'stu. 8 Uhr. Kur noch Tage; ? Pafni T u. das ges. Aug.-Progr. T oranselge! Mittw., l.Sept.: Beginn der Winter-Spielzeit. Ein Rekord- Progr. Alles neu! Tlketrter FoGca Capriee 1% Potsen-Theater Bst, Onkel Mendelsohn Citrons geben sich die Ehre mit L,conhard Hasket und Siegfried Berlsch. Reiehshallen-Thealer. Stettiner Sttnger. Ans. 8 U. Zum 207. Male: Militärsich. Zeit bild von Meysel. Militärpersonen u. deren Angehörigen volllommcn freier Zutritt zu d.Stett. Sängern. Spezislsrct Dr. med. Wockenfafi, Friedrichsir. 125(Oranienb. Tor), für Syphilis. Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hnta-Kur(Dauer 12 Tage), Blutuntersuchung. Schnellt, sicher« schmerzlose Heilung ohne Bernte- Störung. Teilzahlung. Sprechstanden: 11— 2 und 6— 8 Preiswert gibt gute» Obst(vorläufig: Früh. äpsel, frühe Birnen bei Anfuhr durch Gutswagen nicht unter 1 Zentner in einer Bestellung) und gutes(«emüse ab, ersleres in Falkenberg und srei HauS Berlin, sowie nähere Vororte, letzteres nur in Falkenberg. 70/11» Die ftädt. Gutsverwaltang Falkenberg bei Berti«. rmumg und blaue Anfüge Oievlot Kommgam-Che vlof, Tud~i-Kammgam Corkscrew, Melton- Cheviot, je nadi GUle . 2,1.- 2.4.- 2,7.- 30.- 30.- 40.- 42.- Prüfung s-Anziise neueske Skoffe, große Farben- u. Muslerauswahl M.14.-18.-21.- 2jö.- 30.- 33- 35.- 3ö.- 40.- Oberhemden, Kroaen.Vorhemden Manscheklen, Handschuhe, Hille. Krawallen, hosenlräger u. s. v. Jeder KSufer eines Elnsegnungs- Anzuges erhüll reizende Beigaben, Sctiwarze Kleidung für Herren Abend- und Theafer- Anzüge Rock-, Genrock-, Frack- Anzüge Spezlal-Haus größken MaßfTabes lUr Herren- u. Knaben-Kleidung Berlin— Gegründet 1801 aonnlag nur von S-10 geöllhel ionnlag nur von Ö-10 ocb.Tnel kaufen Sie von Kavalieren wenig getragene sowie im Versatz gewesene Jackett- und Rockaiuefigre, Paletots«, Ulster, Serie I: 10—18 M., Serie II; 20—30 M., größtenteils auf Seide. Ferner Gelegenheitskäufe in netter Maßgarderobe, enorm billig. Riosen- posten Kleider, Kostüme, Mäntel, auf Seide, früher bis 150, jetzt ÄO— 35 M. Extra-Angebot in Lombard gewesener Teppiche, Ciardinen, Portieren, Betten, Wäsehe, Brillanten, Uhren und Goldwaren zu enorm billigen Preisen. =============: Vorwärtsleser erhalten 10% extra.— Berantw. Nedakt.: Alfred WiVlrpp. Neukölln. Lnieratentess perantw, Ttz. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u.PeriagSanstait Mapi Singer& Eo.(Berlm SW, Kierzu 3 Beilagen».Unterhaltung»»!. Kr. 237. 32. Jahrgang. L Knlm des Jormitls" Kerliin Jlolblilntt. Sonnabend. 28. August 1915. I Greps Antwort. London, 2Y. August.(W. T. B.)(Meldung des Neuterschen Bureaus.) Sir Edward Grey hat folgenden Brief an die Zeitungen gerichtet: Sir! In der Rede des deutschen Reichskanzlers sind einige Punkte�die meiner Meinung nach in einem Brief an die Presse behandelt werden können bis zu einer bollständigeren Uebersicht üb�r die Lage, die besser auf eine andere Weise zu anderer Zeit gegeben werden sollte. Ich werde die Tat- fachen und die Anmerkungen, zu denen sie Anlaß geben, so kurz und deutlich wie möglich summieren und bitte um die Veröffent- lichung: 1. Der belgische Bericht über die Besprechung mit dem englischen Militärattache wurde im letzten Herbst von deutscher Seite veröffentlicht, um zu beweisen, daß Belgien seine Neutralität an uns verkaufte und mit uns eine Verschwörung gegen Deutschland betrieb. Die Unterredung, aus der zu diesen: Zweck das größte Kapital geschlagen wurde, wurde dem Ministerium des Aeußern nicht mitgeteilt, ebenso wenig dem Kriegsamt, wie aus den Archiven hervorgeht. Wir haben zuerst den Bericht über die Unterredung gesehen, als Deutschland sie veröffentlichte. Daraus geht deutlich hervor, daß sie nur auf den Fall Bezug nahm, daß Belgien angegriffen werden würde. Eine Landung englischer Truppen in Belgien sollte nur stattfinden, nachdem Deutschland in belgisches Gebiet eingefallen sei. Die englische Regierung wurde ",u nichts verpflichtet. Es bestand keine Abmachung und Ueberein- unft zwischen der britischen Regierung und Belgien. Warum er- wähnt der deutsche Reichskanzler diese informellen Besprechungen im Jahre 1906 und läßt er völlig beiseite, daß ich 1913 dem belgischen Gesandte� sehr kategorisch sagte, daß wir hinsichtlich Belgiens und anderer neutraler Länder wünschten, daß ihre Neu- tralität beachtet werden sollte und daß wir, solange diese nicht durch eine andere Macht verletzt würde, sicher keine Truppen nach ihrem Gebiete senden würden. Man muß sich erinnern, daß der erste Gebrauch, den Deutschland von dem belgischen Schriftstück machte, darin bestand, Belgien eine unaufrichtige Haltung gegenüber Deutschland vorzuwerfen. Was ist nun die Wahrheit? Am 29. Juli 1314 versuchte der deutsche Reichskanzler uns durch das Versprechen zukünftiger belgischer Unabhängigkeit dazu zu be- siechen, daß wir uns bei Ausbruch des Krieges an der Verletzung der belgischen Neutralität durch Deutschland beteiligen sollten. Er nannte den belgischen Vertrag einen Fetzen Papier. Der deutsche Staatssekretär des Aeußern erklärte, Teutschland müsse durch Belgien marschieren, um Frankreich anzugreifen. Es habe nicht die Zeit, um anders vorzugehen. Es ist notwendig, die Erklärung des Herrn v. Jagow nochmals anzuführen. Die Kaiserliche Negierung mutzte auf dem schnellsten und leichtesten Wege nach Frankreich einmarschieren, um mit den Operationen rasch vorwärts zu kom- men und danach trachten, so schnell wie möglich zu einem ent- scheidenden Schlage auszuholen. Es bedeutele für die deutsche Sache Leben oder Tod, da die Deutschen, wenn sie den südlichen Weg eingeschlagen hätten, infolge StratzenmangelS und der Stärke der Festungen nicht ohne heftigen Widerstand, der mit großem Zeit- Verlust gleichbedeutend war, durchgekommxn wären. Dieser Zeit- Verlust würde für die Russen ein Zeitgewinn gewesen sein, um Truppen nach der deutschen Grenze zu bringen. Die Schnelligkeit des Vorgehens war ein großer Gewinn fiir die Deutschen, während Rußbinds Borteil in dem unerschöpflichen Vorrat an Truppen lag. Im Reichstag erklärte der deutsche Reichskanzler am 4. Augwsi 1914 über die Verletzung der Neutralität Belgiens und Luxemburgs: Das Unrecht, ich spreche es offen aus, das wir damit tun, werden wir wieder gut machen, sobald unser militärisches Ziel erreicht ist. Die Verletzung der belgischen Neutralität war also wohl erwogen. obwohl Deutschland die Neutralität tatsächlich garantiert hatte, und es gibt sicher nichts Verächtlicheres und Niedrigeres, als den Versuch, sie ex post facto zu rechtfertigen, indem man der un- schuldigen, harmlosen belgischen Regierung und dem belgischen Volke den gänzlich falschen Vorwurf machte, daß sie gegen Dei�sch- land ein Komplott geschmiedet hätten. Der Reichskanzler legt in seiner letzten Rede nicht den Nachdruck auf diese Anklage, die gegen Belgien erhoben worden ist. Ist die Anklage zurückgezogen, und wenn ja, will Deutschland das grausame Unrecht, das es Belgien angetan hat, gut machen? 2. Die Verhandlungen über ei» englisch-deutsches Abkommen, auf die der deutsche Reichskanzler anspielte, ge- langten zu einem Punkte, bei dem es klar war, daß sie einen Er- folg nur haben würden, wenn wir ein Versprechen abgäben, das darauf hinausgelaufen wäre, daß wir absolut neutral blieben, während Deuischlano freie Hand behalten hätte, sich im Rahmen feiner Bündnisse an einem europäischen Kriege zu beteiligen. Dies kann und wird durch die Veröffentlichung des Verhandlung?- berichtes, der den Aufzeichnungen des Foreign Office entnommen werden wird, aufgeklärt werden. 3. Der Reichskanzler zitiert einen einzelnen Satz aus meiner Rede vom 3. August 1914, um zu beweisen, daß wir zum Kriege bereit waren. Schon im nächsten Satze, den er hätte anführen können, abex nicht angeführt hat, sagte ich: Wir werden, fürchte ich, durch diesen Krieg furchtbar leiden, gleichgültig ob wir uns daran beteiligen oder davon fernhalten.— Ich überlasse es jedermann außerhalb Deutschlands, in'jedem beliebigen neutralen Lande, zu urteilen, ob das Worte eines Mannes sind, der den europäischen Krieg wünschte und plante, oder eines Mannes. der sich bemüht hatte, ihn zu verhindern. Der Grad der falschen Auslegung eines vereinzelten SMeS durch den deutschen Reichs- kanzler wird jedermann, der die ganze Rede liest, klar sein. Was die andere Erklärung, die mir zugeschrieben wird, betrifft, so sagte ich nicht einmal, als wir noch ganz freie. Hand hatten ugd als Japan, das unser Verbündeter war, noch nicht am Kriege beteiligt war, und wir noch keine Verpflichtung gegenüber den anderen Ver- bündeten eingegangen waren, wie jetzt durch das Abkommen vom 6. September 1914, etwas so Lächerliches und Unrichtiges, wie, daß es im Interesse Deutschlands läge, daß wir uns am Kriege be- teiligten, und daß wir es täten, um Nifßland zurückzuhalten. 4. Der Krieg wäre vermieden worden, wenn dem Konferenzvorschlage zugestimmt worden wäre. Deutschland ent- schloß sich unter dem nichtigsten Vorwande, zum Kriege. Ich wollte nichts an einer formellen Frage scheitern lassei: und erklärte mich bereit, jeder Art von Vermittelung zuzustimmen, die Teutschland vorschlagen könnte; wenn mein Vorschlag nicht annehmbar sei, sagte ich, so könnte die Vermittelung auf jede Weise, die Deutsch- land für möglich erachte, angebahnt werden, wenn Deutschland nur im Interesse des Friedens aus den Knopf drücken wolle. Ter deutsche Reichskanzler war nach seiner Rede nur für eine direkt? Aussprache Wien— Petersburg. Aber was für Aussicht auf Erfolg hatte diese, wenn, wie wir nachher hörten, der deutsche Botschafter in Wien die Meinung äußerte, daß Rußland beiseite stehen würde, rmd wenn er auf seine Kollegen von vornherein den Eiudruck machte, daß er von Anfang an den Krieg wünschte und wenn sein Auftreten dort wahrscheinlich durch sein starkes persönliches Vorurteil beeinflußt wurde. Eines Tages wird die Welt vielleicht erfahren, was sich'zwischen Teutschland und Oesterreich in betreff des serbischen Ultimatmns und dessen Folgen wirklich abgespielt bat. Es:st nur zu klar geworden, daß der Vorschlag einer Konferenz. den wy; machten, und dem Rußland, Frankreich und Italien zu- stimmten, während Teutschland dagegen Einspruch erhob, die ein- zige Aussicht auf Frieden b»t und es bestand eine so begründete Hoffnung darauf. Serbien hatte beinahe das ganze österreichische Ultimatum angenommen, so hart und ungeheuer es war. Die unentschiedenen Punkte hätten in einer ehrenvollen und gerechten Weise in emer Konferenz, die eine Woche gedauert hätte, erledigt werden können. Deutschland bätte wissen können, ja mußte wissen, daß wir dabei eine ebenso ehrliche und ehrenhafte Rolle gespielt hätten, tvie, nach Deutschlands eigener. Anertennung, bei der Balkankonferenz, daß wir nicht auf einen diplomatischen Sieg einer Gruppe, sondern auf eine gerechte Lösung hingearbeitet hätten und bereit gewesen wären, uns gegen jeden Versuch, diese Konferenz unfair zum Nachteile Deutschlands und Oesterreich- Ungarns auszunützen, gekehrt hätten. Die Weigerung Deutsch- lands, sich an der Konferenz zu beteiligen, hat nicht über die britische Teilnahme an dem Kriegs, wohl aber über die Frage, ob Europa Krieg oder Frieden haben würde, entschieden. Sie unterzeichnete das Todesurteil vieler Hunderttausende, die in diesem Kriege getötet wurden. Man muß auch nicht vergessen, daß der Zgr ppn Rußland dem Deutschen Kaiser vorschlug, daß die österreichisch-serbische Streitfrage durch das Haager Schiedsgericht entschieden werden solle. Gibt es einen einzigen aufrichtigen Menschen in Deutschland und Oesterreich-Ungarzn, der bei dem Rückblick auf das vergangene Jahr nicht bedauert, daß weder der britische noch der russische Vorschlag angenommen wurde? b. Und was ist dos deutsche Programm, wie wir es aus der Rede des Reichskanzlers und den Aeußerungen der Poli- t:ker in Deutschland entnehmen können: Daß Deutschland eine Kontrolle über das Schicksal aller anderen Nationen ausüben will, es will„der Schild des Friedens und der Freiheit der großen und kleinen Nationen" seiH.— Das sind die Worte des Reichskanzlers. Das würde einen eisernen Frieden unter preußischem Schild und deutscher Oberherrschaft bedeuten. Deutschland allein würde die Freiheit genießen, die internationalen Verträge zu brechen und frei sein, sie zu vernichten, wenn es ihm gefalle und frei, jede Vermittelung auszuschlagen, frei, Krieg anzufangen, wenn es ihm paßt, frei, wenn es wieder in den Krieg zieht, frei wiederum, alle Regeln zivilisierter Kriegführung und Menschlichkeit zu Lande und zur See zu brechen, und während es so handeln würde, würde sein ganzer Seehandel in Kriegszeit frei bleiben, wie es jeder Handel im Frieden sei. Es wäre sehr vernünftig, die Freiheit der Meere zum Gegenstande von Beratungen, Begriffsbeftimmun- gen und Abkommen nach diesem Kriege zu machen, abxr nicht als etwas Abgesondertes und nicht, solange kein Friede und keine Sicherheit gegen den Krieg und deutsche Methoden zu Wasser und zu Lande bestehen. Wenn es Garantien gegen einen zukünftigen Krieg geben solle, so müßten sie allumfassend und wirksam sein und, Deutschland ebenso wie die anderen Nationen, England ein- geschlossen, binden. Deutschland will an erster Stelle stehen, der Friede für die anderey Nationen würde der sein, den Deutschland gewährt. Das ist offenbar der Schluß, den nran aus der Rede des deutschen Kanzlers ziehen kann. Der Rcichsschatzsekretär fügt dem hinzu, daß die schwere Bürde von tausend Millionen durch Dekaden nicht von Deutschland getragen werden müsse, sondern durch die, w�Jche er die Anstifter des Krieges zu nennen beliebt. In anderen Worten: Auf Dekaden hinaus beanspruche Deutschland, daß ganze Nationen, die ihn: Widerstand geleistet haben, arbeiten sollen, um ihm in Form von Kriegsentschädigungen einen Tribut zu zahlen. Der Friede kann nicht unter solchen Bedingungen geschlossen wer- den. DaS Leben der anderen Nationen würde dann weder frei noch erträglich sein. Die Reden des deutschen Reichskanzlers und des Reichsschatzsekretärs zeigen, daß Deutschland um die Ober- Herrschaft und um einen Tribut kämpft. Wenn dem so ist, und solange eS so ist, kämpfen unsere Verbündeten �id wir und wir müssen kämpfen, um unser Recht zu leben, nicht unter Deutschlands Oberherrschaft, sondern in wirklicher Freiheit und Sicherheit. 1' Die offiziöse Erwiderung. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt zu Grehs Brief: Die Iornesausbrüche, mit denen die englische Presse die Reichstagsrede des Reichskanzlers auf genommen hat, sind der beste Beweis dafür, wie eindrucksvoll sie gewesen ist. Wir verzichten darauf, uns mit den Auslassungen der englischen Publizistik zu beschäftigen, die durch ihre jahrelange verhetzende Tätigkeit an den: Ausbruch des gegenwärtigen Krieges in so hohem Grade mitschuldig ist. Dagegen können wir uns einer Stellungnahme zu den Aeußerungen nicht enthalten, zu denen die Darlegungen des Reichskanzlers den Staatssekretär des Foreign Office Sir Edward Grey veranlaßt haben. In seinem Brief an dje englische Presse wendet sich der Minister zunächst der beb gischen Frage zu. Der Reichskanzler hatte dieselbe in seiner Rede nur flüchtig gestreift, indem er darauf hinwies, daß die Verstöße der belgischen Regierung gegen ihre Neutralitätspflichten durch die Veröffentlichungen über die Besprechungen der englischen Militär- ottaches mit den belgischen Militärbehörden bereits erwiesen seien,' so daß es weiterer Beweise dafür, die die feindliche Presse in dem Berichte der belgischen Gesandten vermisse, nicht bedürfe. Sir Edward Grey übergeht die in diesen Berichten gegen seine Politik enthaltenen Anklagen mit Sftllschweigen. Um so eingehender be- schäftigt er sich mit der Frage der belgischen Neutralität und wider legt dabei Behauptungen der Kaiserlichen Regierung, die dieselbe niemals aufgestellt hat. Es ist beutscherseits niemals behaasttet worden, daß Belgien seine Neutralität an England verkauft und mit ihm ein Komplott gegen Deutschland geschmiedet habe. Deutscherseits ist behauptet und durch die aufgefundenen Dokn- mente bewiesen worden,'daß die belgischen Militärbehörden mit Vorwissen der belgischen Regierung den militärischen Plänen Englands Vorschub geleistet haben, und daß sich damit Belgien eines Verstoßes gegen seine Neutrolitätspflicbten schuldig gemacht hat. Am 23. April 1912 hat der englische Militärattache Oberst BridgeS 'dem General Jungbluth erklärt, daß die englische Regierung die Absicht gehabt habe, auf alle Fälle auch ohne Zustimmung der belgischen Regierung in Belgien Truppen zu lartden. Das belgische Ministerium des Aeußern hat von dieser Unterredung Kenntnis erhgllen. Wir richten hiermit an Sir Edward Grey die Frage: Hat die belgische Regierung durch ihren Gesandten in London bei der englischen Regierung gegen diese Erklärung des englischen Militärattaches Protest erhoben, oder hat sie wenigstens angefragt. ob die Erklärung von der� englischen Regierung gebilligt werde? Wir können die Antwort Sir Edward GreyS vorausnehmen: D i e belgische Regierung hat eine solche Demarche in London niemals getan. Damit ist bewiesen, daß sie dazu entschlossen war, einer Verletzung ihrer Neutralität durch England zum mindesten keinen Widerstand entgegenzusetzen. Man beachte den Unterschied: Auf die Vermutung hin, daß Deutschland eine Verletzung der belgischen Neutralität beabsichtigt, trifft Belgien alle Borbereitungen für die Intervention eines englischen Hilfskorps. Auf die bestimmte Erklärung des englischen Militärattaches, daß England die belgische Neutralität habe ver- letzen wollen, rührt die belgische Regierung keinen Finger. E i n Land, das so handelt, ist nicht neutral. Was nun die Haltung Englands bcbrifft, so bemerkt Sir Edward Grey, daß weder dem Ministerium des Aeußern noch dem englischen Kriegsamt früher etwas über die bewußten Unter- redungen mitgeteclt worden sei, wie aus den Archiven hervorgehe. Selbst wenn diese Behauptung zuträfe, so würde dadurch die eng- tische Regierung nicht von der Verantwortung für etwaige Miß- griffe oder Uebergrifse ihrer Unterorgane entlastet werden. Wir stellen aber hiermit weiter fest, daß mehrere der aufgefundenen eingehenden Einzclausarbeitungen des Generals Ducarne' über die Intervention eines englischen Hilfskorps in Belgien, die wir uns vorbehalten der Oeßfentlichkeit zu übergeben, den Vermerk tragen: Communiguö ä Mr. Barnardiston(fin Mars). Daß der Militärattache diese Schriftstücke nicht zu seinem Privatgebrauch in seinem Schreibtisch eingeschlossen hat, lehrt die Bemerkung in dem bekannten Bericht des Generals Ducarne, daß der Ebef des eng- tischen Generalstabes, General Grierson. den belgischen Kriegs» plan gebilligt habe. Gabe aber erheischt Gegengabe, und so finden wir denn in der fatalen Mappe mit der Aufschrift»Intervention anglaise en Belgique" auf englischem Papier in englischer Re- daktion mit dem Vermerk:„Tbese figures are under revision" eine Zusammenstellung dieses Hilfskorps, die nur aus dem eng- tischen Kriegsministerium oder Generalstab stammen kann. Wir unterbreiten hiermit der Oeffentlichkcit dieses neue Bei- spiel für die Wahrheitsliebe englischer Minister. Sir Edward Grey beruft sich darauf, daß er im Jahre 1913 dem belgischen Gesandten sehr kategorisch erklärt habe, daß Eng- land keine Truppen nach Belgien senden werde, so- lange dessen Neutralität nicht durch eine andere Macht verletz: würde. Wir lassen es dahingestellt, ob diese Erklärung wirtlich so kategorisch war. Auch haben wir eben wieder gesehen, welcher Wert solchen englischen Erklärungen innewohnt. Das ist aber nicht das Entscheidende. Das Entscheidende ist, daß der englische Generalstab, wie das nicht nur durch die mehrfach erwähnten Dokumente, sondern auch die englischen Karten und Handbücher über den belgisd>en Kriegsschauplatz sowie die bei dem englischen Sekretär Grand-Watson gefundenen Dokumente bewiesen wird, den belgischen Generalstab zu einer so engen Zusammenarbeit und zu einer so weitgehenden Berücksichtigung der militärische« Pläne Englands veranlaßt hat, daß dadurch eine einseitige mili- tärische Parteinahme Belgiens zugunsten England? herbeigeführt wurde.. Sir Edward Grey erklärt des weiteren, es gäbe nichts Ver- ächilicheres und Niedrigeres als den Versuch, die Verletzung der belgischen Neutralität, die Deutschland tatsächlich garantiert habe, ex post facto durch gänzlich falsche Vorwürfe gegen die harmlose belgische Regierung zu rechtfertigen. Mit der Harmlosigkeit der belgischen Regierung haben wir uns bereits beschäftigt. Im übrigen stellen wir scst, daß deutscherseits ein Versuch, den beut- schen Einmarsch in Belgien nachträglich mit dem schuldhaften Verhalten der belgischen Regierung zu rechtfertigen, nie- mals gemacht worden ist. Die Gründe für den deutschen Einmarsch in Belgien hat der Reichskanzler in seiner Rede vom 4. August v. I. dargelegt, und er hat seitdem in seiner Rebe vom 2. Dezember v. I. lediglich erklärt, daß, als die deutschen Truppen das belgische Gebiet betraten, sie sich auf dem Boden eines Staates befanden, der seine Neutralität selbst längst durchlöchert hatte. Wir können uns des weiteren die Bemerkung nicht versagen, daß die Entrüstung über die Nichtbeachtung eines Vertrages, der vor 75 Jahren zu ganz besonderen Zwecken und unter ganz anderen Bedingungen geschlsssen wurde, als sie jetzt vorlagen, in dem Munde des Vertreters eines Landes sonderbar anmutet, das über ein vor 25 Jghren ganz Europa gegebenes feierliches Versprechen im Jahre 1994' zur Tagesordnung übergegangen ist und daß die dauernde Nichtachtung der vertraglichen Verpflichtungen, die Frankreich be- zü glich Marokkos übernommen hatte, stets auf das nachdrücklichste und selbst auf die Gefahr hin, wie im Jahre 1911, damit einen Krieg zu entfesseln, unterstützt hat, lieber die deutsch-cnglischen Verhandlungen de? Jahres 1912 stellt Sir Edward Grey den Beweis dafür in Aussicht, daß nur das Versprechen absoluter Neutralität durch England denselben einen Erfolg beschieden hätte. Wir sehen den: zu eyvartenden Ergebnis englischer Entstcllungskünste mit Intel- esse entgegen. In dem, was Sir Edward Grey über die unmittel- bare Vorgeschichte des gegenwärtigen Krieges sagt, legt er dem Reichskanzler Behauptungen unter, die er nicht getan hat. Der Reichskanzler hat in seiner Rede nicht behauptet, daß Sir Edward Grey den Krieg gewünscht und geplant habe..Er hat �lediglich angesichts der Behauptung unserer Feinde, daß sie nidst kriegsbereit gewesen seien, während Deutschland den Krieg sei: langem heimtückisch vorbereitet habe, festgestellt, ldaß England ebenso wie seine Verbündeten mit dem vollen Bewußtsein seiner Kriegsbereitschaft in den Kampf gegangen ist. Was die vom Reichskanzler angeführte Bemerkung des Mi- nisters zu dem Fürsten LichnowSky betrifft, so stellt Sir Edward Grcy sie in Abrede. Wir geben nachstehend den Wortlauts einer Aufzeichnung wieder, die der Botschafter über den betreffenden Teil seiner Unterredung vorgelegt hat. Sie lautet: „Sir Edward Grey ließ mich wissen, daß er mich gern vor meiner Abreise nocki einmal in seiner Wohnung sprechen möchte, um von mir Abschied zu nehmen; auch habe er mir eine vertrau- liche Mitteilung zu machen, die vielleicht für die Zukunft von Wert sein könne. Ich entgegnete, daß eS mir überaus peinlich sei, angesichts der Wendung, die die Verhältnisse genommen hätten, ihm nochmals zu begegnen, daß ich abex, falls er eS dringend wünsche, ihm seine Anregung nicht versagen und ungern eine Ge- legenheit versäumen würde, die vielleicht für die Zukunft beider Länder von Bedeutung sein könnte. Sir Edward Grcy war sichtlich bewegt, al? er mich empfing und sagte mir, daß der Entschluß, den er hätte fassen müssen, für ihn der schwerste gewesen sc: in seinem bisherigen Leben. Die Erwägung wäre hierbei ausschlaggebend gewesen, daß der Schaden, den England durch den Kr:eg erführe, durch die Beteili- gung nicht viel größer würde als durch Passivität, und daß Eng- land als beteiligte Macht noch mehr i« der Lage sei, sein Wort in die Wagschale zu' werfen, als wie durch Neutralität, schon weil es alsdann jederzeit seinen Rückzug aus dem Kampfe androhen könne. Die Verletzung anerkann- ter internationaler Verträge, die von England gewährleistet seien, habe es ihm unmöglich gemacht, länger beiseite zu stehen, auch habe er es nicht für tunlich gehalten, sich mit uns in einen Handel ein- zulassen, wie der vom Herrn Ncichskanzler vorgeschlagene, welcher die Bedingungen festlegen sollte für die britische Neutralität. Kr würde eine derartige Abmachung vom britischen Standpunkt aus nicht für anständig gehalten haben, und es sei ihm unmöglich gewesen, mit einer Macht, die leichten Herzens eingegangene Ver- pflichtungen bräche, sich in Verträge einzulass«:. Er legte das Hauptgewicht, wie auch in seiner Rede, auf die belgische Frage, ohne dabei hinzuzufügen, wie er es im House of Commons getan, daß England nicht zusehen dürfe, daß wir nicht nur Frankreich. sondern auch Belgien und Holland durch unser Vorgehen in ein Abhängigkeitsverhältnis zu bringen suchten. Der Minister sagte ferner, er wünsche mir noch folgende ver- trauliche Mitteilung zu machen, die vielleicht für die Zukunft von Bedeutung sein könnte. Sollten die Ereignisse nicht den Verlauf nehmen, wie unsere-Militärpartoi zu erhoffen schiene, öder sollten wir, wie er inständig wünsche, in»jcht zu ferner Zeit aus anderen Gründen dem für Europa so verhängnisvollen Kampfe ein baldiges Ende zu machen wünschen, so würde er stets bereit sein, falls er sich noch im Amt befände, die Vermittelung zu übernehmen und uns behilflich zu sein. Ihm liege jede Absicht fern, Deutschland zu erdrücken sto crush Germany), alles, was er wünsche, sei, den Frieden unter annehmbaren Bedingungen so bald wie möglich wieder herzustellen und das namenlose Unglück, das die gesamte zivilisierte Welt betroffen, nach Möglichkeit ein- zuschränken. Auf meine Bemerkung, daß die Rolle des Schiedsrichters ihm bei der Neutralität viel eher zugefallen wäre, entgegnete der Minister, daß er im Gegenteil glaube, daß die Beteiligung Englands die Dauer des Krieges eher beschränken könne, wie das Gegenteil." Wir überlassen es der Oeffentlichkeit, darüber zu entscheiden, ob die Schlußfolgerungen, die der Reichskanzler aus dieser Unter- redung gezogen hat, zutreffend waren oder nicht. Was den sonstigey Jnbalt der Unterredung betrifft, so sei erneut darauf hingetviesen, daß der Reichskanzler der englischen Regierung be- züglich der Unabhängigkeit Frankreichs, Belgiens und Hollands die weitgehendsten Gcrrantien geboten hatte. Sir Edchard Grey hat dieselben zurückgewiesen. Wenn er nachträglich sein Vorgehen mit dem Hinweis degründete, daß er vom britischen Standpunkte aus ein Eingehen auf die deutschen Anerbietungeu nicht für anständig gehalten habe, so haben wir bereits oben nachgewiesen, daß das englische Anstandsgefühl bezüglich der Einhaltung vertraglicher Verpflichtungen nur so weit reicht, als sich dasselbe mit dem eng- lischen Interesse deckt. Sir Edward Grey kommt erneut auf die Behaüptung zurück. daß die Annahme seines Konferenzvorschlages den Frieden erhalten hätte. Man könnte versucht sein, es seiner Naivität in militärischen Dingen zugute zu halten, wenn er wirklich angenommen hqtte, daß die für die Sicherheit des Reiches ver- antivortlichen Atollen zusehen konnten, wie in wochenlangen Ver- Handlungen über die Einzelheiten des serbischen Problems ver- handelt wurde, während sich gleichzeitig die Millionenheere Ruß- lands an der deutschen Ostgrenze sammelten. Wäre dies geschehen, so würde heute ganz Deutschland der Wüste gleichen, die die russischen Horden in Ostpreußen und wo sie sonst nach den„Regeln zivilisierter Kriegführung und Menschlichkeit gehaust haben, hinter sich zurückgelassen haben. Aber Sir E. Grey kannte die Folgen, die die russische Mobilmachung haben würde. In einem Bericht vom 25. Juli hat der englische Botschafter in Petersburg dnrau hingewiesen, daß der russischen Mobilmachung die deutsche Mobil- machung und damit voraussichtlich die sosortige deuftche Kriegserklärung folgen werde. Hätte Sir E. Grey wie der Reichskanzler in Wien so in Petersburg zu verstehen gegeben, daß er nicht wünsche, sich in. einen Weltbrand hineinziehen zu lassen, so wäre der Krieg vermieden worden. Statt dessen hat er den Entente- genossen die militärische Unterstützung Englands in Aussicht ge- stellt. Dem folgte unmittelbar die russische Mobilmachung. Da- mit war der Weltkrieg entschieden. Sir Edward Grey exemplisiziert auf die Londoner Balkan- konferenz. Er verschweigt aber dabei, daß im Jahre 1912 Ruß- land nicht zur Mobilisierung seiner gesamten Streitkräfte zu Lande und zu Wasser geschritten war, und daß die militärische Zuversicht Frankreichs und Rußlands sowie die chauvinistischen Leidenschaften in beiden Ländern damals noch nicht den Höhe- punkt erreicht hatten, wie als Folge der englischen Politik im Frühjahr vergangenen Jahres. Wir können Sir E. Grey, falls er sich darüber im unklaren sein sollte, nur das sorgfältige Studium der Berichte der belgischen Gesandten aus den Jahren 1912 bis 1911 angelegentlich empfehlen. Was die Schlußausführungen Sir Edward Grehs mit ihren Entstellungen der deutschen Absichten betrifft, so sind sie kaum einer Erwiderung wert. Als die großen Ziele Deutschlands in diesem Kriege hat der Reickskanzler es bezeichnet, endgültig der gegen Deutschland gerichteten Einkreisungspolitik ein Ende zu be- reiten und die Freiheit der Meere zu sichern, damit sie allen Völkern in gleicher Weise dienstbar sein könnten. Nicht auf die Erringung der Vorherrschaft in Europa ist das Streben Deutsch- lands gerichtet, sondern auf die Befreiung Europas von der brutalen Gewaltherrschaft, die England bisher mit Hilfe seiner übermütigen Flotte und mit einer Politik ausgeübt hat, die darauf hinausging, die Mächte des Kontinents in zwei feindliche Lager zu spalten, sie sich zum Vorteil Englands gegenseitig zerfleischen zu lassen und sein Ge- wicht in die eine oder die andere Wagschale zu werfen, je nachdem seine egoistischen Bestrebungen dabei am besten ihre Rechnung fanden. Wie ist Sie amerikanisthe Finanz am Kriege beteiligt! New Aork, Anfang August.(Eig 23er.) Unker dem omerAanischen Volke herrschen die sonderbarsten An- sichten über die Rolle, die die großen Finanzleut« der Bereinigten Staaten im Kriege spielen. Sehr verbreitet ist die Ansicht, daß sich die Morgan und Rockefeller auf die Seite Englands und seiner Verbündeten geschlagen und diesen ihre großen Finanzmittel zur Verfügung gestelll. Deutschland kann somit unter keinen Umständen gewimien: denn hat man jemals gehört, daß den Morgan und Rockefeller irgend eine Macht der Welt widerstehen könnte? Die Deutschamerikaner sind wegen der Geschäfte, die die Banken und Finanzinstitute mit den Gegnern des alten Vaterlandes treiben, sehr besorgt. Es verlautet, daß einige ihre Depositen aus den Banken gezogen haben und es soll sogar eine große Bewegung im Gange sein, um die Kündigung dcutschamerikanischer Depositen systematisch zu betreiben. Doch diese letzte Nachricht ist wahrschein- lich nichts anderes als eine für die SensationSmache erfundene Ente. Der Amerikaner, dem man auf der Straße begegnet, ist über- zeugt, daß das amerikanische Kapital den europäischen Krieg speist. Ist nicht die Firma Morgan Agent der englischen Regierung? Leitet nicht Rockefeller die russischen Geschäfte? Selbst der sozialistische „Eall" kommt immer wieder mit dunklen Andeutungen aus die Rolle zurück, die die amerikanischen Finanzmagnaten in diesem Kriege spielen, und sucht daraus die hoffnungslose Lage der europäischen Zcntralmächte abzuleiten. Es verlohnt sich daher, einmal festzustellen, was es mit der Freundschaft der amerikanischen Finanz für den Vierverband aus sich hat. Als die Engländer zu Anfang des Krieges große Bestellungen auf Kriegsbedarf in Amerika machten, entstand, wie eS zu Anfang eines englischen Krieges üblich ist, ein großer Lkuddelmuddel. Agenten wurden herübcrgeschickt, die wenig oder nichts vom Geschäfte verstanden. Sie wurden nach Noten geprellt. Es bildete sich ein Syndikat, das die Ausräuberung dieser Leute systematisch betrieb und große Summen verdient haben soll. Nachdem das Kind ins Waffer gefallen war, begann die englische Regierung den unergründlichen Brunnen zuzudecken. Sie tat, was sie von Anfang hätte tun sollen. Sie wandte sich direkt an die Leute, die die amerikanische Industrie beherrschen und ernannte die Firma Morgan zu ihrem Agenten. Sie erzielte damit nicht nur eine Regelung der amerikanischen Kriegsbedarfsindustrie, sondern schützt sich auch gegen die Gefahr, daß ihre Feinde sich durch Aktien- ankaus der ansscklaggebenden Rüsiungssabriken bemächtigen. Zweifellos enthielt der Vertrag mit der Firma Morgan Bestim- mungen über den Verkauf der Aktien der große» Konzerne. Das zeigt sich heute, wo trotz der für England und seine Verbündeten so überaus ungünstigen KriegSnachrichten die bis zur schwindelnden Höhe getriebenen Kurse der Kriegseffekten an der New Jorker Börse nicht sinken. Die Verlockung, hohe Differential- Profite einzuheimsen, ist groß: aber die meisten der Aktien dürfen nicht verkauft werden. Zudem war die Firma Morgan der geeignete Agent, um die Zahlungsschwierigkeiten der englischen und französischen Regie- rung zu überwinden. Die Wechselkurse des englischen und fran- zösischen Geldes sind stark gesunken, so daß der Wunsch entstand, anstatt in Pfund Sterling und Frank in amerikanischen Dollar zu zahlen. Zu diesem Zwecke sind in?lmerika Bankkredite in Anspruch genommen worden. Die französische Regierung ist zum Beispiel dabei, eine Anleihe gegen Hinterlegung amerikanischer Eisenbahiieffcktcn aufzunehmen. Auch kurzfristige Papiere, die in einem oder zwei Jahren fällig sind, sind verkauft worden. Alle diese Operationen ergeben sich aus dem Verkauf amerikanischer Waren. Daß die amerikanische Finanz dem Vierverband mit Geld- anleihen beispringt, indem sie zum Beispiel den Verkauf lang- fristiger europäischer Staatspapiere vermittelt, ist ein volkstüm- licher Irrtum. Versucht haben die Europäer zwar, Gelder in Amerika auszubringen, aber ihre Anfragen sind stets verneinend beantwortet worden. Einmal deshalb, weil sich in Anbetracht der Unsicherheit, die in bezug auf die Entwickelung des Zinsfußes besteht, nur wenige bereit finden, ihr Geld in festverzinslichen langfristigen Papieren anzulegen. Diese Tendenz macht sich auch in den Kursen der amerikanischen Obligationen bemerkbar. Aber hauptsächlich, weil in den Vereinigten Staaten der Markt für solche Papiere fehlt. Ein investierendes Publikum gibt es kaum. Die Leute tragen ihre Gelder auf die Sparkassen oder Banken; äußerst beliebt ist die Anlage in Versicherungsgesellschaften als Spareinlage und 2Zersicherungsprämie. Erst diese großen Institute investieren die Einlagen. Sie sind gesetzlich in der Wahl ihrer Anlagen beschränkt und einige, wie die Sparkassen, können über- Haupt keine ausländischen Regierungsschuldscheine kaufen. Es ist in Amerika nicht üblich, d�ß die Banken ihren Kunden Effekten als Anlage empfehlen. Es besteht mithin wenig Aussicht, daß eine der kriegführenden Parteien von den Vereinigten Staaten Geld zur Fortsetzung des Krieges erhält. politische Ueberflcht. Die Inschrift. Berlin, 27. August.(W. T. B.) In seiner Schluß- anspräche teilte Präsident K a e m p f unter lebhaftem Beifall des Hauses heute im Reichstage mit, daß auf direkte An- regung des Reichskanzlers nunmehr dem Reichstags- g e b ä u d e die Inschrift„Dem deutschen Volke" ge- geben werde. Bei dem vom Präsidenten ausgebrachten drei- maligcn Hoch auf Kaiser, Volk und Vaterland stimmten mit den bürgerlichen Parteien auch die beiden Sozialdemokraten G ö h r e und Cohen(Reuß) mit ein. Erhöhung der Zuckerpreise. Der Bundesrat hat sich am Donnerstag unter anderem auch mit der Neuregelung des Verkehrs in Zucker sür die kommende Kampagne beschäftigt. Der vom Bundesrat festgesetzte Normalpreis lzu dem die Rohzuckerfabriken ihr Produkt verkaufen müssen) von 12 M. pro 60 Kilogramm bedeutet gegenüber den bisherigen Preisen eine Erhöhung. Im vorigen Jahre wurde der Rohzuckerpreis zuerst auf 9,50 M. und dann am 28. Mai d. I. auf 11, 2S M. hinaufgesetzt. Der Preis für Verbrauchszucker, d. h. der Preis, den die Raffinerien berechnen dürfen, hat gleichfalls nach dem neuen Be- schlug des Bundesrates eine Erhöhung erfahren und zwar au 22,80 M.(Normalpreis) pro 59 Kilogramm. Im Juni betrug dieser Preis 29,65 M.. im Juli 21,95 M., im August 21,45 M. Die Regelung des Großhandelspreises ist so geblieben wie bisher, das heißt die Händler dürfen neben der Fracht noch einen Gewinn bis zu 5 Proz. auf den Raffinadehöchstpreis der frachtgünstigst ge- legenen Raffinerie hinzurechnen. Zur Wirksamkeit der Wucherverordnung. In Köln hatte die Behörde Wind bekommen, daß drei Eisenbahnwagen voll Bohnen nach Solingen abgerollt werden chllten, deren Preis höher war, als der Kölner Höchstpreis für Pohnen. Auf Grund der neuen BundeSratSbestimmungep erfolgte die Beschlagnahme und die Bohnen wurden in Köln zum Verkauf gebracht. Das hatte nun den Erfolg, daß die Grünkramhändler und Bauern, die den Solinger Markt besuchten, von dem SechShundertzentnerdruck der Kölner Bohnen befreit aufatmeten und sofort ihre Preise um ein Drittel erhöhten. Der Fall ist klassisch. Da bleibt nichts anderes übrig, als daß die Behörden fest zupacken und vor allem billige Höchstpreise fest- setzen. Anweisung von Gnadcngebührnissen. Durch Verfügung de? Königlichen Kriegsministeriums sind die Kassenverwaltungen der Feldtruppenteile angewiesen, beim Eintritt des Todes eines Heeresangehörigen sofort den Hinterbliebenen eine Bescheinigung über die Höhe der zusiehenden Gnadengebührnisi« zu- zustellen. Es ist die Erfahrung gemacht worden, daß die Angehörigen diese Bescheinigung im Besitz behalten in der Annahme, daß die BersorgungSgebührnisse ohne weiteres zur Zahlung angewiesen werden. Dieses ist aber nicht der Fall. Die Versorgungsgebübrnisse werden nur auf Antrag der Hinterbliebenen gewährt. Zur Bermei- dung von Verzögerungen in der Anweisung der Hinterbliebenen- gebührnisse empfiehlt es sich, daß die Hinterbliebenen von Heeres- angehörigen die ihnen zugehenden Bescheinigungen umgehend mit dem Antrage auf Gewährung der Gnadengebührnisse dem zu- 'tändigen Bezirkskommando übersenden. Was ist„Chauvinismus"? Im Feuilleton— Verzeihung! Unterhaltungsteil der„ D e u t s ch. Tageszeitung" lesen wir: „Man muß auf den Ursprung dieses Fremdworts zurückgehen, um zu erkennen, welche Anmaßung in seinem Gebrauche gegen die Volksschichten liegt, die sich, ihres Deutschtums bewußt, eS auch nach außen hin stolz betonen. Ein Chauvinist ist nach dieser Quelle ein Mann von verblendetem und beschränktem Patriotismus mit übertriebenen und lächerlichen Ansichten über Vaterlandsliebe und Krieg. Diese Erklärung wolle man sich gegenwärtig halten, um die Unverschämtheit recht zu er- messen, wenn Deutschgefinnte mit dem Tchand namen Chauvinist belegt werden. Gibt es denn in diesen Schicksalstagen Deutschlands überhaupt ein Uebermaß von Vaterlandsliebe? K a n n es einen Grad von Verblendung und Beschränktheit dieses Gefühls geben, der tadelnswert erscheint und kühl Denkende zu hochmütiger Zurückweisung veranlassen darf? Vermag heute jemand durch seinen tatriotismus zur lächerlichen Figur zu werden? Die Fragestellung ist nötig, um bei denen, die vom Chauvi- niSmuS sprechen, die wahren Beweggründe ihres Gebarens aufzu- decken, denn es steckt in dieser Verketzerung der sogenannten Chauvi- niste» mehr als ein Bruch des Burgfriedens; es ist für diese Intellektuellen mehr darin, nämlich der Versuch, sich für kom- mende Friedenszeiten ein Plätzchen für.antichauvinistisches' Ge- baren zu sicher».... Einer Abschließung gegen das ausländische Gute wird kein Besonnener zustimmen, nur ist— wenn man nicht den Maßstab seichter UnterhaltungSliteratur anlegen will— herzlich wenig Gutes über die deutschen Grenzen von Osten und Westen eingeführt worden.... Nichts hat dem deutschen Volke so geschadet wie die Leichtfertigkeit, mit der in den Biertempeln jahrein jahraus ein unbekümmerter Lebensgenuß gepredigt wurde. Der Offizier, der Junker, der Pfaffe, der Beamte, alles was im besten Sinne staatserhaltend sich betätigte, war Zielscheibe des zügellosen Witzes geworden, und gewisse Blätter lebten geradezu von der Herabsetzung dieser Stände. während von allen Seiten das Gewitter dunkler uud brühender fich über Deutschland auftürmte." Wer nun noch nicht wissen sollte, was„Chauvinismus" ist! Rückgang der amerikanischen Einwanderung. Die Zahl der Einwanderer in Amerika betrug für 1914/15 434 244 Personen gegen 1493 984 Personen im Vorjahre. Die Zahl der Auswanderer betrug 384 174 Personen gegen 633 895 Personen im Vorjahre. Unter den Einwanderern befanden sich 47 099 Kanadier. Ms Znöustrie unö hanöel. Wirtschaftliches aus der Schweiz. Aus der Sckweiz wird uns geschrieben: Die Presse berichtet, daß die Metall- und Maschinen- f a b r i k e n gegenwärtig mit Aufträgen überhäuft sind und über- dies noch täglich weitere neue Austräge einlausen. Nach Mitteilungen der schweizerischen Presse bemüht man sich in Rußland, noch während des Krieges den Handel mit der Schweiz zu heben. So bat die Kammer der schweizerischen Ilhrenindustrie in Biel ein Zirkular der internationalen Handels- kammer in Petersburg erhalten, in dem die Erwartung auf Er- Weiterung der russisch-schwcizerischcn Handelsbeziehungen ausge- sprachen wird. Gegenwärtig ist freilich der schweizerische Export nach Rußland durch die hohen russischen Kriegszuschläge stark ge- hemmt, so daß deswegen der schweizerische Gesandte in Petersburg schon vorstellig wurde. Bemerkenswert ist die Absicht der ru s si s ch- asiatischen Bank, in der Schweiz eine Filiale zu errichten, um nach dem Kriege die russisch-schweizerischen Handelsbeziehungen zu fördern. In der schweizerischen Parteipresse wird neuerdings die A r- beiterschaft vor der Auswanderung nach Deutsch- land gewarnt, weil die Versprechungen von hohen Löhnen nicht gehalten werden und sich so nur als verwerfliche Lockmittel erweisen. Groß sei die Zahl der Enttäuschten, denen der Lohn, das Essen und die Behandlung das längere Verbleiben bald ver- leidcten. In einer Stadt hätte selbst der dortige Schweizer Konsul erklären müssen, daß es besser wäre, die Arbeiter würden sich zuerst bei der Gesandtschaft informieren, bevor sie eine Stelle annehmen und die Auslandsreise riskieren. Aber auch als Spione werden in Deutschland schweizerische Arbeiter behandelt. Immerhin mag der Wahrheit gemäß konstatiert werden, daß schivcizcrische Arbeiter, die während des Krieges nach Deutschland auslvanderten, gute Erfahrungen machten, so z. B. Sattler und Schuhmacher._ K. G. und Mühlen. Der neue Vertrag der Kricgsgetreidegesellschaft(K. G.) mit den Mühlen liegt jetzt vor. In der Hauptsache baut sich der Vertrag auf dem des Vorjahres auf, zeigt jedoch eine nicht unbeträchtliche Zahl von Aenderungen. Er zersällt in die vier Abschnitte: Lager- vertrag, Mahlverttag, UcbergangSvorschristen und Allgemeine Vor- schriften, denen sich die Schiedsgerichtsordnung anschließt. Nach dem Lagervertrage erhalten die Mühlen für die Aufspeicherung, die Lagerung, die Bearbeitung, die Zahlung der Versicherungsprämien, die Tragung der vollen wirtschaftlichen Verantwortnng sür Be- schaffenheit und Gewicht wie für die Aufspeicherung eine Vergütung von 1,59 M. für jede Tonne Getreide oder Mehl und jeden an- gefangenen Lagermonat. Die Vergütung wird gezahlt bei Getreide, während des am Empfangstage laufenden Kalender-Halbmonats und des hiernach folgenden Monats, bei Mehl während der ersten sechs Wochen. Nack dem Abschnitt II verpflichtet sich die K. G.. der Mühle die Ausmahlung des von ihr gelagerten Getreides zu übertragen. Die Kleie gehört der Mühle zum Kaufpreise des jew�Iigen HersiellerhöchstprciseS. Wird den Mühlen Ge- treibe fRtgenommen, so erhalten sie eine Entschädigung für entgangenen Mahllohn und für Schwund des gelagerten Getreides. Der Mahllohn ist gestaffelt nach der Größe der Mühle und nach dem Beschäftigungsgrade, bei dem jedoch auch die ander- weitigen, nicht von der K. G. ausgehenden Mahlaufträge mit- rechnen. Diese Mahllöhne sind außerordentlich verschieden. Eine Mühle mit Tagesproduktion von über 259 Tonnen erhält bei 85 bis 199 Proz. Jahresbeschäftigung pro Tonne 11 M., eine solche bis 49 Tonnen Tagesleistung 16 M.. jene größte Mühle bei JahreSbeschäftigung von nur 15 bis 25 Proz. 31 M., jene kleine 36 M. Zunächst wird der Mühle der niedrigste Mahllohn gutge- 'chrieben; die Abrechnung erfolgt nach Schluß des Geschäftsjahres. Zwischen Mahllöhnen und Schrotlöhnen ist fortan ein Unterschied von 2 M., um die die letzteren niedriger sind. Neu in den Schieds- gerichtSvorschriften ist auch die Einsetzung einer Konditionsarbitrage. Alle eingehenden Proben beanstandeten Getreides werden mittels geeigneter Apparate auf Feuchtigkeitsgehalt und Naturalgewicht untersucht und hiernach ohne Zuziehung der Parteien entschieden. Die Berufungsinstanz bildet das ordentliche Schiedsgericht,'das-jedoch de.. Musterbefund als maßgebend anzusehen hat. Kriegsgewinne. Die Pfälzischen Pulverfabriken St. Ingbert- zahlen 8 gegen 6 Proz. Dividende. Soziales. Die Kriegsgetreidegesellschaft vor dem Kaufmannsgericht. Vermeintlich nicht ums Geld, sondern ums Prinzip wurde vor der 3. Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts sowohl von feiten des die Klage erhebenden Angestellten wie auch von feiten der beklagten Kriegsgetreidegesellschaft ein Rechts- streit ansgefochten. Der Kläger war bei der Beklagten gegen ein Monatsgehalt von 129 M. tätig, mußte aber plötzlich seine Tätigkeit wegen Einberufung zum Heere aufgeben. Auf Grund des§ 63 des Handelsgesetzbuchs erhebt er noch Gchaltsanspriiche für 6 Wochen nach Austritt, was die Gesellschaft verweigert. In der Verhandlung hob die Beklagte hervor, es handle sich für sie nur um das Prinzip, sie wolle wissen, ob sie dazu verpflichtet sei, auch in solchen Fällen daS Gehalt zu zahlen, wo offenbar kein wirtschaftliches Unglück vorliege. Der Kläger sei zwar als Angestellter bei der Kriegsgetreidegesellschaft tätig gewesen, aber er habe eine Unterstützung durchaus nicht nölig, denn er besitze selber Kapital- Zu diesen Behauptungen bemerkte der Kläger G. seinerseits, daß es ihm in der Tat auf das Geld nicht ankomnre, auch ihm handele cjS sich nur darum, festzustellen, daß die Beklagte zur Zahlung des SechswocheugehaltZ an die Ein- berufenen verpflichtet sei. Das Kanfmannsgericht wich auch in diesem Falle von seinem grundsätzlichen Standpunkt nicht ab und verurteilte demgemäß die Beklagte zur Zahlung von 175 M. Der Kläger gab zu Protokoll, daß 190 M. davon an die Wohlfahrtskasse sür norleidende Handlungsgebilfen ab- geführt werden sollen, während er sich in bezug auf den Rest di« Verfügung zu wohltätigem Zweck noch vorbehält. flus Groß-öerlin. Ter Schlemmcrabend im Gcwcrkschaftshause. Im Januar veröffentlichte der Oekonom des Gewerkschaftshauses im„Vorwärts� ein Inserat, in dem er das Publikum zum„Bockbier- anstich und Schlemmerabend" einlud und eine Anzahl lukullischer Gerichte zu mätzigen Preisen anpries. Dieses Inserat hatte es einer Reihe arbeiterfeindlicher Blätter angetan. Sie wiesen darauf hin, datz aus dieser Ankündigung hervorgehe, datz die gewerkschaftlich und politisch organisierten Arbeiter ein wahres Schlemmerlebeu führten, während die grotzen Massen in dieser KriegSzeit sich Einschränkungen und Ent- behrungen auferlegen müßten. Für jeden verständigen Menschen waren diese Anpöbelungen zu dumm und einfältig, um ernsthaft darauf einzugehen. Jetzt nach sieben Monaten bringt die.Vegetarische Warte' einen Artikel, in welchem sie das genannte Inserat vom 2t. Januar zum Anlaß niedriger Beschimpfungen der Partei- und Gewerkschafts angestellten nimmt. Da wird davon gesprochen, datz aus dem Inserat die Möglichkeit herzuleiten sei, datz die Herren Partei- und Gewerkschaflsangestellten Fettlebe machen, einzelne durch die Kriegs- lieferungen in Anspruch genommene Industrien zahlten viele und hohe Löhne, wodurch die betreffenden Arbeiter instand gesetzt werden, im Auto zum Gewerkschastshaus zu fahren und sich dort einen Schlemmerabend zu leisten. Die draußen im Schützengraben lägen, würden schon die richtige Antwort geben, wenn sie zurückkämen usw. Man sieht, was eine Reklame eines Gastwirts in manchen Köpfen anrichten kann. Ernstlich verdient das Geschreibsel des .Michel' in der.Vegetarischen Warte' keine Widerlegung. Wir wollen nur die Gelegenheit benutzen, folgenden Sachverhalt festzw stellen: »Weder die Gewerkschaften, noch die Gewerkschaftskommission und die Verwaltung des Gewerkschaftshauses haben auf die Ge schäftsleitung des Restaurants des Gewerkschaftshauses einen direkten Einfluß. Dos Restaurant ist von der Schultheißbrauerei gepachtet, sie setzt auch selbständig Oekonomen ein. Nur soweit bei etwaigen Differenzen die Verwaltung als Ver mittler angerufen wird, kann sie unverbindliche Aussprachen herber führen. Auf die Geschäftsreklame sowie auf Geschäfte selbst haben die Gewerkschaften und die Geschäftsleitung keinerlei Einfluß und stehen auch mit denselben in keinerlei Zusammenhang. Die Gewerkschaften müffen deshalb jedwede Verdächtigung über Schlemmerei usw. zurückweisen, da sie diese Reklame weder ver anlaßt, noch unterstützt haben, noch verhindern können.' Der Restaurationsbetrieb im Gewerischaftshause ist ein reiner Geschäftsbetrieb und nur der Oekonom trägt für den Betrieb allein die Verantwortung, auch für die Form der Reklame, die er in der Preffe wählt. Der Verkehr im Restaurant ist für jedermann frei. Die.Vegetarische Warte' mutz übrigens sehr an Stoffarmut leiden, wenn sie Mitte A u g u st auf ein im Januar enthaltenes Inserat zurückkommt._ Städtische Verkaufsstände für Heringe, Eier und Gemüse. Aus dem Rathause kommt folgende erfreuliche Nachricht: »Demnächst werden in den städtischen Markthallen öffentliche Verlaufsstände der Stadtgemeinde Berlin für Eier und Heringe ein- gerichtet und daselbst Eier.... das Stück für 18 Pf. Heringe...»». IS','' verkauft. Diese Waren dürfen nur an Berliner Einwohner, und zwar gegen Vorlegung einer von der zuständigen Berliner Brotkommission ausgestellten Berechtigungskarte für den städtischen Lebensmittelver- kauf abgegeben werden. Diejenigen Berechtiguugskarten, welche seinerzeit für den Bezug von Kartoffeln, Gefrierfleisch und Fett Ivaren sowie für den Verkauf in der Freibank ausgestellt worden sind, behalten ihre Gültigkeit. Der einzelne Käufer erhält höchstens 15 Eier und 10 Heringe. Außerdem werden in diesen Verkaufsstellen ohne Beschränkung an jedermann abgegeben: Kartoffeln... 10 Psund für 45 Pf. Weißkohl.... 1.» ö» Rotkohl.... 1»» 7. Wirsingkohl... 1,» 7. Mohrrüben... 1»» 7, Es ist in Aussicht genommen, den Verkauf auch noch auf andere Lebensmittel, insbesondere auf Räucherwaren, auszudehnen.' Diese neue Maßnahme des Magistrats wird freudig begrüßt werden, ist sie doch geeignet, eine preisdrückende Tendenz auszu- üben, wenn auf die Güte und den Preis der Ware Gewicht ge- legt wird. Den Liebhaber der Frau erstochen. Das Haus Griebenowstr. 1 war in der Nacht zum Donnerstag der Schauplatz eines Eifersuchtsdramas. Der dort mit seiner Frau und zwei Kindern wohnende Schuhmacher Otto Rosemann, der als Landwehrmann im Felde stand, hatte erfahren, daß ihn seine Frau mit dem bei ihr wohnenden Bügler Fritz Gades hinterging. Rose- mann teilte der Frau mit, daß er auf Urlaub nach Berlin kommen werde, worauf Gades sich ein Zimmer im ersten Stock des Hauses mietete. Nach Ablauf des Urlaubs begab sich Rosemann nachts zum Bahnhof, kehrte aber nach einer Stunde nach der Wohnung zurück und überraschte hier seine Frau mit ihrem Liebhaber. Beide ergriffen die Flucht; die Frau versteckte sich bei Nachbarsleutcn, Gades suchte sein Zimmer zu erreichen. Ehe ihm das aber gelang, hatte ihn Rosemann erreicht und brachte ihm mit dem Seitengewehr drei tiefe Stiche in den Rücken und die Brust bei. Dann lief er nach der EberSwalder Straße in der Annahme, daß seine Frau zu ihrer dort wohnenden Mutter geflüchtet sei. Inzwischen war die Polizei von dem Vorfall benachrichtigt worden. Sie ließ Gades nach dem Krankenhause bringen, wo er bald nachher seinen Ver- lctzungen erlag, und nahm Rosemann fest, als er Einlaß in die Wohnung seiner Schwiegermutter begehrte. Unbezahlte Ueberstunden? In manchen Betrieben herrscht jetzt Ucberstundenwirtsckiaft, wie nie zuvor. Auch in den SiemenS-Schuckert-Werken machen sie eifrig Ueberstunden. um alle Aufträge raschestens er- ledigen zu können. Uebel ist es im Dynamowerk einem Bureau« b u r s ch e n ergangen, den man gleichfalls zur Leistung von Ueber- stunden nötigen wollte. Da in dem' betreffenden Bureau um Ende Juli einer der beiden bisher darin beschäftigten Burschen entlassen und kein Ersatz für ihn eingestellt worden war, so hatte der andere Bursche ohnedies reichlich zu tun. Liegen bleiben sollte von der Ar- beit nichts— für diesen Fall lvurde ihm die sofortige Entlassung an- gedroht. Er war bereit, auch die nach Mitte August noch hinzu- kommenden Ueberstunden zu leisten, doch wünschte er eine ent- sprechende Vergütung. Als er im Auftrage seines Vaters den Chef des Bureaus fragte, ob man die Ueberstunden bezahlen werde, er- hielt er ein« verneinende Antwort. Dann könne er auch keine Ueber- stunden machen, erklärte der Bureaubursche, einer Anweisung seines Vaters folgend. Der Bureauchef stellte dem Burschen in Aussicht, daß er bei Verweigerung der Ueberstunden sich aus dem Hause zu scheren habe. Aber der Vater blieb dabei, daß der Sohn u n b e- zahlte Arbeit nicht leisten dürfe, und der Sohn machte dann keine Ueberstunden. Vom Bureauchef deswegen zur Rede ge- stellt, erklärte er aufs neue, daß er Ueberstunden nur gegen Be- zahlung machen könne. Danach verfügte der Bureauchef die so- f o r l i g e Entlassung. Warum? Tödliche Unfälle. Vor dem Hause Frankfurter Allee 225 wollte am gestrigen Freitagnachmittag gegen°/«5 Uhr der 18 jährige Bruno Zeising auf den Beiwagen eines vorüberfahrenden Straßenbahnzuges der Linie 70 aufspringen. Er kam dabei zu Fall und erlitt bei dem Sturz auf das Stratzenpflaster eine klaffende Kopfwunde, an deren Folgen er auf dem Transport nach dem Lichtenberger Krankenhause starb.— Ein Slraßenunfall, der mit dem Tode einer Unbekannten geendet hat, ereignete sich am Donnerstagmorgen an der Ecke der Kopernikus- und Simon-Dach-Straße. Dort überschritt eine un bekannte, etwa 85—70 Jahre alte Frau den Fahrdamm und wurde von einer entgegenkommenden Kraftdroschke zu Boden gestoßen und überfahren. Der Chauffeur brachte die Verunglückte nach dem Krankenhause Friedrichshain, wo sie gestern an den Folgen eines erlittenen Schädelbruches starb. Die Unbekannte ist etwa 1,60 Meter groß, hat graumeliertes Haar, trug schwarze Bluse, einen weifr karierten Rock und weiße Unterbeinkleider. Ans der Haft entlassen. Der Inhaber der»Berliner Kartoffel zentrale', Siegfried Löwenthal, war, wie mitgeteilt, auf den Antrag der Staatsanwaltschaft von der Schöneberger Kriminalpolizei ver- Haftel worden. Er ist jetzt wieder aus der Hast entlassen worden. Zu dem Fahrstuhlunglück in der Beuthstratze, über das wir be- richtet haben, werden wir gebeten mitzuteilen, daß der verunglückte Hausdiener bei der Firma Marffn Philipsen, Beuthstratze 19, be- schäftigt war. Männcrchor Moabit veranstaltet am Sonntag, den 29. August, in der Brauerei Patzenhofer, Turmstr. 25/26, ein Gartenkonzert unter Mitwirkung des Blumeschen Tonkünstler-Orchesters. Billett 25 Pf., an der Kasse 30 Pf. Anfang des Konzerts 5 Uhr. Kleine Nachrichten. Ein Schlächterwagen mit einer Fleischladung im Werte von 4000 M. ist am Freilagmorgen vor der Zentralmarkt- balle gestohlen worden. Der Wagen gehörte der Firma Fritz Worlitzer, Magdeburger Platz 3, und war bespannt mit einem dunkelbraunen, fast schwarzen Wallach.— Ein schwerer Unfall hat sich gestern vormittag gegen 8 Uhr in Tempelhof zugetragen. Dort wollte vor dem Hause Berliner Straße 123 der Arbeiter Böhme unmittelbar vor einem nach Berlin fahrenden Leerzug der Straßen bahn das Gleis überschreiten. Er wurde jedoch von dem Triebwagen ersaßt und umgestoßen. Böhme erlitt einen Schädelbruch und fand im Reservelazarett ll Tempelhof Aufnahme.— Ein ähnlicher Unfall ereignete sich fast zur selben Zeit in der Greisswalder Straße. Dort wurde der Ar beiter Olatzewski von einem Straßenbahnzug der Linie 17 umgestoßen. Er erlitt eine Gehirnerschütterung und mußte nach dem Krankenhause Friedrichshain gebracht werden.— Beim Besteigen eines fahrenden Straßenbahnwagens der Linie 91 verunglückte gestern vormittag gegen i/zll Uhr in der Leipziger Straße ein Fräulein Heibich. Das junge Mädchen trug einen Bruch des rechten Armes davon. Die Verunglückte erhielt von einem in der Nähe wohnenden Arzt einen Notverband und wurde dann nach der Wohnung gebracht. /Ins den Gemeinden. Preistafeln im Regierungsbezirk Potsdam. Der Landrat des Kreises Teltow veröffentlicht die nachfolgende Verfügung des Oberbefehlshabers in den Marken: Da auch in den anderen Städten des Regierungsbezirks Pots- dam sich Mängel im Kleinhandelsverkehr, namentlich mit Fleisch- waren, Butter, frischem Gemüse, frischem Obst und Kartoffeln gezeigt haben, bestimme ich hiermit: Meine Bekanntmachung vom 16. Juli d. I. tritt in vollem Um- fange auch für alle übrigen Städte im Regierungsbezirk Potsdam mit der Maßgabe in Kraft, datz der ordnungsmäßige Aushang der Preise spätestens am 6. September 1915 bewirkt sein muß. Lcbensmittelfiirsorge in Potsdam. Die Lebensmittelfürsorge des Potsdamer Magistrats für die Einwohnerschaft ist jetzt auf Schweineschmalz, Erbsen und Heringe ausgedehnt worden. Vorläufig hat der Magistral von den beiden ersten Artikeln je 200 Zentner und von den Heringen 200 Fässer beschafft. Außerdem steht die Stadt in Unterhandlungen bezüglich der Beschaffung von Spärkartoffeln, von denen 16 000 Zentner eingekauft werden. Die Verkaufspreise sind im einzelnen noch nicht festgesetzt. Zur Beaufsichtigung des Lebensmittelhandels ist eine Lebensmittelkommission unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters gebildet worden, die die Tagespreise zu begutachten und zu prüfen und Ueberspannungen in der Preisbildung festzustellen hat, um vor- kommende Wuchersälle zur Anzeige zu bringen. Nach und nach wird die Stadt, soweit sich ein Bedürfnis danach herausstellt, zum Ein- kauf auch anderer Lebensmittel übergehen. Lichtenberg als Garnisonstadt. In einer außerordentlichen Stadtverordnetensitzung unterbreitete der Magistrat eine von ihm als dringlich bezeichnete Vorlage, wo- nach der Berliner Gamisonverwallung zwecks Unterbringung von Ersatztruppen eine Reihe Volksschulgebäude zur freien Verfügung überlassen werden sollen. Der Magistrat hat hierftir folgende Schul- gebäude vorgesehen: das Sckmlhaus in der Möllendorsswaße, in der Kroiiprinzenstraße, in der Atzpodienstraße, in der Siegfriedstraße, sowie das alle und neue Schulhaus in der Leopoldstraße, die Turn- Halle und einige Kellerräume der neuen Schule in der Lückstraße. Genosse T e ni p e I wandte sich entschieden gegen die Abgabe von Volksschulgebäudcn für diesen Zweck. Abgesehen davon, daß die vorhandenen Volksschulen jetzt schon kaum in einzelnen Stadtvierteln ausreichen, so müsse auch im gesundheitlichen Interesse der Kinder dagegen Einspruch erhoben werden. Eigenartig berühre es auch, daß nur die Volksschulen, nicht aber auch eine der höheren Schulen den Truppen zur Verfügung gestellt wird. Aus diesen Gründen konnten auch unsere Genossen nicht für die von der Stadtverordnetenversammlung angenommene Vorlage stimmen. Als Einquartierung während der Kriegszeit kommen vorläufig 2300 Mann Infanterie in Frage. Ferner wurde noch einer Abänderung der Bestimmungen des städtischen Mietsamtes zugestimmt, wonach für die Mitglieder des Mietsamtes auch Stellvertreter gewählt werden können. Nach der Verordnung vom 7. Juli 1915 ist es zulässig, zur Erhaltung des Kommunalwahlrechts der Kriegsteilnehmer von der Aufstellung neuer Wählerlisten Abstand zu nehmen. Da in diesem Jahre allgemeine Ergänzungswahlen nicht staltfinden, sondern bis etzt nur für je ein erledigtes Mandat der ersten sowie dritten Ab- teilung eine Ersatzwahl stattzufinden hat, beschließt die Versamm- lung. von der Aufstellung neuer Listen Abstand zu nehmen und bei etwaigen Wahlen die letzte Liste zu benutzen. /Ins aller Welt. Köln im s�eldpostverkehr. Die günstige Lage Kölns zum westlichen Kriegsschauplatz hat die alte rheinische Verkehrsmetropole, die in Friedenszeiten den größten Teil des Postvcrkehrs von Nord- und Osteuropa mit West- europa sowie den Ländern der westlichen Halbkugel unserer Erde vermittelt, auch zum Hauptsammelpunkt für den Feldpostverkehr nach und von der westlichen Front gemacht. Nach der rechts- rheinischen Postvcrladestclle Köln-Deutz werden die täglich mit 119 Schnell- und Personenzügen aus dem Norden, Osten und Süden Deutschlands in Köln ankommenden Feldpostsäcke geleitet. 21000 Feldpostsäcke strömen dergestalt aus Deutschland täglich in Köln-Deutz zusammen, um von hier aus den Truppen auf dem westlichen Kriegsschauplätze unmittelbar zugeführt zu werden. Bei normalem �Verkehr sind hierfüc 55 Bahnpost- und Eisenbahn-Güterwagen täglich erforderlich._ An verkehrsreichen Tagen laufen allein in den vier Postsonderzügen bis zu. 76 Wagen. Auf der linksrheinischen Postverladestelle in Köln werden täglich über 8000 Feldpostsäcke aus- und umgeladen, die teils weiter nach dem Osthscr, teils nach der Westfront gehen. Außer- dem gelangen durch Vermittlung beider Postverladestellen täglich 1800 Säcke mit Feldpostsendungen aus der Heimat zur Feldpost. sammelstelle in Köln, wo sie dann ohne Verzug verarbeitet werden. Die dritte Feldpostumschlagstelle in Köln ist der Hauptbahn- Hof. Neben 1400 Feldpostbriefsäcken gehen Tag�fürTagHun- derttausende von Zeitungen aus Köln, Berlin, Ham- bürg, Dresden, Leipzig, Frankfurt a. M. usw. von Köln-Haupt- bahnhof ab. Alles in allem werden auf den drei Feldpostumschlagstellen m Köln gegen 33000 Feldpostsäcke täglich im Gewichte von über 1 Million Kilo ein-, aus- und umgeladen. Neben diesem außerordentlich bedeutenden Feldpostverkehr haben die drei Um- schlagstellen noch den sehr umfangreichen Kölner Briefpost- und Päckereiverkehr, der den Friedensstand fast wieder erreicht hat, zu bewältigen. Auch dies ist bisher in zufriedenstellender Weise gelungen, obwohl ein großer Teil des BerufspcrsonalS unter den Fahnen steht und die Postbetriebsstellen in entsprechendem Um- fange mit ungeschulten Aushilfskräften arbeiten müssen. Fraurnm-rd bei Stettin. Auf dem Wege von Nemitz nach Lindenhof be, Stettin wurde am Donnerstag die Leiche einer un- bekannten weiblichen Person im Alter von 25 bis 23 Jahren auf- gefunden. Der Kopf lag im Mühlengraben, am Gesicht und an den Händen zeigten sich zahlreiche Messerverletzungen. Der Tat muß em heftiger Kampf vorangegangen fein. Ausgerissene Haare lagen be, der Leiche und weiter entfernt davon lag die leere Handtasche der Toten. Das Mädchen war vorher in Begleitung eines unbekannten ManneS in den Äilagen gesehen worden. parteiveranftaltungen. Steglitz. Die Genossen und Genossinnen beteiligen sich an dem Sommersell der westlichen Vororte in Maricnselde bei Strietzke. Groß. beerenstratze. Eltern, Geschwister und Freunde der Arbeiterjugend sind willkommen..„,._.. Die Mitgliederversammlung des WahlveretnS findet am Dienstag, den 81. August, bei Schellhase statt. Jugenüveranstaltungen. Die Arbeiterjugend der westlichen Vororte Berlins veranstaltet morgen Sonntag, den 29. August, ein Gartensest im Restaurant Strietzkc, Marienseide, Großbeerenstraße 79. Spiele im Freien, Gesang, Rezitation und Mandolinenoorträge gelangen zur Vorsührung. Die Eltern der Jugendlichen sind besonders dazu eingeladen. Voranzeige. Für dieselbe Abteilung findet am Sonntag, den 5. September, nachmittags 3 Uhr, ein Lichtbildervortrag jinM�/ Treptow-Sternwartc statt. Thema:»Mit dem Eilzug nach Bremen— Mit dem Schnelldampser über den Ozean nach New York'. Eintrittskarte für Jugendliche 15 Ps. Charlottenburg. Die Arbeiieriugend trifft sich am Sonntag im Jugendheim, Rosinenstr. 4. und marschiert von dort um l/,10 Uhr ab, um am Somnicrsest der westlichen Vororte teilzunehmen. Fahrgeld 50 Ps. Pantow-Niederschönhonsen. Sonntag, den 29. August: Waldsest am Mache-See unwcil Ladeburg bei Bernau, in Gemeinschaft mit der Arbeiterjugend von Bernau, Zepernick, Schönwalde und Buchholz. All- gemeiner Trestpunkt 8>j, Uhr Bernau, Bahnhof; Tresspunkl für Pankow ' Lankwitz. Morgen Sonntag: Teilnahme an dem Sommersest des Bezirks Westen im Restaurant.Schweizergarten' in Mariensclde. Groß- bccrenstraße(nahe Bahnhof Marienseldc). Abmarsch früh 7 Uhr vom Bahnhos Groß-Lichterselde-Ost. Keine Kosten. Lichtenrade. Sonntag, den 29. August: Beteiligung am Sommersest in Mariensclde, Restaurant.Schweizergarten", Großbeerenstraße. Treff- Punkt Bahnhos Lichtenrade 1.45 Uhr, Abmarsch 2 Uhr. Mandolincn und Liederbücher sind mitzubringen. Snefkaften üer Reöaktion. Die luristische Sprechstunde findet für Abonnenten Ltndenstr. S. IT. Hof rechts, parterre, am Montag bis Freitag von 4 bis 7 Uhr, am Sonnabend von b bis« Uhr statt. Jeder für den Briefkasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und-m- Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Ansragc», denen leine AbonnemeiUSguittung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Verträge, Schriftstücke und drrglcichr» bringe man in die Sprechstunde mit. A. 2t. 28. 1. Sie müssen die Steuern noch zahlen.!. Nein, 3. Die Adresse ersehen Sie aus den: Adreßbuch. 4, Nein. — A. E. 30. Das unebcliche Kind bat kein Erbrecht an den Nachlatz dcS Vaters. Die Mutter des Gefallenen konnte somit mit Recht die Erbschaft antreten.— MorituruS. 1. Nein. 2, Wahrscheinlich nicht. 3. Wenn die Publilation durch die Militärbehörde erfolgt, 4. Nein.—vir leider nicht,— C. I. 100. Meldung beim Bezitkskonimando, wo auch die näheren Bedingungen zu erfahren sind.— O. I. Köpenick. Nur wie jetzt, mit einigen Ausnahmen der ersten Zeit, Sie können aber die Listen in unserer Expedition, Lindenstr. 3(Laden) einsehen.— A. 2. 37. In den entsprechenden ZcitungSspeditioncn. Siehe Adreßbuch 2. Band, Teil 4, Seite 492,— Neukölln 2. Gcsamtverlust der Deutschen 49 88» Tote, der Franzosen 133 900.— M. D. 63. Wenn wir nicht irren, im Jahre 1868. WetteranSfichten für daS mittlere Norddentschland dt» Sonntagmittog. Im Binnenlande vorwiegend heiter und trocken, abends und morgens victsach nebelig, am Tage überall warin; im Küstengebiete veränderliche Bewölkung und an vielen Orte» etwa» Ziegen. 5 Pfund 2S. Kochüimen Pfund Pf. TafelMrnen Ii Pfund E>y7 Pf. Pfund 3%# Pf. 22 Pfund(kM Mm Pf. Tomaten Pfund 3 3 Pf. AJandorftiO Spittelmarkt Belle- Alliancestr. Grosse Franklurterstr. BrnnDenstr. Kottbuser Damm Wilmersdorterstr. Lebensmittel Nidii am Spittelmarkt Zusendung ausgeschlossen Bot- od. Zwiebelwurst. ..Pfnnd 1.00 Kocltüpfel Landls�erwurst.(Po.mm.e.rs.ct'.efmnd 1.30 Mettwurst 2.20 Teewurst..................... pi«nd 2.30 Gervelatwurst............... Pfand 2.35 SpeCk fett oder mager........ Pfand 1.05 Kunsthonig 1 ca. 3-Pfund-GIas.......... Ji Vi Flasche. 'IßuePflanmen Kalbskamm................. � l.es Kalbskeule»«.-Rücken"�sl.io ßinderquenippe..... P�dSO p, Rinderbrust................. p,..« Ivo Rostbeet mit Knochen.......... Pfund 1.05 Kartotfelmeh!............... Pfand 30?'. Eichelmalzkaffee........... Pfand 43 p'- Maisgries..................... Pfund 4g Erbsen grtn oder gelb........... Pfand 05 Pf. Bohnen weiss....................Pfand 65 Pf. Maizgerste gebrannt.......... Pfund 42 Pf. Schmorfleisch I.io Gulasch« Gehacktes puSSp. Hammetdünnung.....«... I.25 Hammel dicke Rippe I.25 Hammelkeule»««-Rücken pn 1.35 Zwiebeln 25 2 Pfund Pf.| NeMl Pfund"T Pf. Rotkohl Pfund O Pf* Mrlne Pfund 1. 25 Pf. R'.-. AI9genieln.9yer8ch. qq Schellcnberjer, Caf� n. Condit.B H Neukölln� Bergstraße 25/26� H «■SKüer-u.iiBMüopelsn' iicksnl Hsrsiäfü! Inh. Gast. JdQlIer Ifilialea im Süden, Osten n.Uffigcbnng.f Erscheint wöchontiich einmal BezugsqueUen«Verz€icfmis :: Berlin-Süden:: Untenstehende| Geschäfte empfehlen sich{ bei Einkäufen |£*Uhren,GoldWi 1 MS. Fenske,Kottbus.Damm96| i �Streng reoll, anerkannt bill. l/j Neukölln Wissmannstraße 46. L iFHrsch-u.tUürstujaren jOyiiert� Sfisiar, Malziter Prinzenstr. 13 Flciäch-n.Worstwar Herrmann- i1 1 MM AnerkanntguLKaclienw.S }Schillerpromenade29 rKarlsg'nrten 16 ff. Fleuchw. nJliifsclin. Anerkanat gate Kttcheii\7. ü Fahrräder, Nähmaschinen Scheller& Co., Borlincrstr. 88! :FahrrSd.,Zabehörieile billigst) WÜRiErenHro Sel ■nrDjMnoz-Xr MbpCZ.: pDrcsdcne JSol 0811X81 BeigetneinfatnemBe-E zug Preisermäßigung! Berlin, LQtzomstr. 94 UerlnnB. Sie Rreielletei eni!]gig..HoiQniaiuiar.L Jßli,Piel8Cl],lltiei8enaü8lJ7! iUGlilsiFiitzJilariaDDeDSiMl �WBlne.FrUClItSglta.LlhOr.B Schlächterei E.& nn. LesidicHe" Manteuffelstp. 56 j Linoi8utii,«taciisiircHQii jjBrunnenstr. 52. Badstr.65 Chansseestraße 55. nie tesis ist tm M im sszogsioeiieBiierzeiGlinls Möbel-Angebot. SoNbl: Möbclfirma liefert Kpeiilsl-Klii- mnS IZjitt-todtlUiRxivit sowie EHn�olnlökSl gegen tnnftige Zins- uergütung bei kleiner Anzahlung und geringen monatlichen Raten- zahlunge». Offerten I>. 4 an die Expedition des„Vorwärts".* Keine Kassierer. CJrößte Kulanz. Zehn Prozent Rabatt Vorwärts- Verkante. HermannplaK 6..Pfandleih. Baus". Extrabilliger Bettenverlauf, Wäschevcrkaus, Gardinenoerkaus, Teppichvcrfauf, Uhrenverfaus. Gold- fachen. Spottbillige Jakettanzüge, Gehrockanzüge, Herrenbosen._* Teppiche mit kleinem Fehler, sehr billig. Gardinen, Portieren, Stevv- decken, Tischdecken, Diwandecken, sehr billig. Vorwärtsleser 5 Prozent Rabatt. Teppichhaus Brünn, Hackeschet Markt 4(Bahnhof Börse). Sonntags geöffnet. 245/4' "Teppich�Thomas. Oranienstr. 44 spottbillig sarbseblerbafte Tcppiche, Gardinen. Vorwärtslcsern ö Prozent Extrarabatt.____ fflQ* Leihhaus Prinzcnstraffe 105 kaufen Sie von Kavalieren wenig getragene Jackett-, Rockanzüge, Pale- iots, gröhlenteils aus Seide ge- arbeitet. Gelegenheitskäufe in neuer iPahgarderobc, Gold-, Silberwarcn. Höchste Beleihung aller Wertsachen.* Monatsanzüge, Paletots, großes Lager spottbillig. Fürstenzelt, Rosen- tbalerslraße 10._' Geld! Geld k sparen Sie, wenn Sie im Leihhaus Rosenthaler Tor, Linienstraße 203/4, Ecke Rosenthaler- straße, lausen. Im Versatz gewesene Anzüge. Paletots, Ulster sowie neue Maßgarderoben zu staunend billigen Kriegspreisen. Silberne Uhren 3.—, goldene Damcnuhren 8.—, Gold- waren, Brillanten, Fahrräder. Auf Uhren dicijähriger Garantieschein. Eigene Wcrkstall. Sonntag 8— 10. Monalsanzuge, nur wenig getragen, Paletots, Ulster, Hosen, Ge- sellschastsanzüge werden~ spottbillig verkauft. Die elegantesten Anzüge lind leihweise billig zu haben. Alt- bekannte Firma. Max Weiß, Große Franksurterstraße 88._* ' �Vorjährige Herrenanzüge aus scinsten Waßstoffcn 14—38 Mark Paletots 12—36, Beinkleider 4—10, Burschenanzüge. Deutsches Garde- robenhaus, Große Zrankjurter- ffraße 116 I. 72K' lesern.__ Steppdecken, Similiseide. vornehme Anssührnng 3,75, 4,85, 5,75, 6,50, 7,85, 3,50, 12,50, 14,50 usw. Große FranksurterstraßclS5, im Hanse der Möbelfabrik.__ 43K* Gardincnxestc, Fenster 2,45, 2,85, 3,50, 4,25, 5,50, 6,65 usw. E. Peißenbergs Gardinen- und Tepbichhaus, Große Franlsurter- straße 125, im Hanse der Möbelfabrik an der Kopvenstraße. Restbestände. 1—3 Fenster Tuch. Portieren, Plüschportieren, Madras- Portieren, neueste Muster, Fenster 2,85, 3,50, 3,35. 4,85, 5,75, 6,50, 7,50, 3,50, 11,50, 14,50, 18,50 usw. Portieren- haus. Große Franksurterstraße 125. Tuchdecke», Leinendecken, Plüsch. decken 1,35, 1,65, 1,35, 2,45, 2,35, 3,65, 4,25, 4,85, 5,50, 6,75, 8,50, 3,70 bis 45 Mark. Teppiche mit Webefehlern 7,50, 3,50, 11.5V. 13,50, 16,50, 13,50, 22,50, 25,50, 29,50 usw. Teppichhaus, Große Franlsurterstraße 125, im Hause der Möbetsabrik.__ Vorjährige elegante Herrenanzüge Paletots und Ulster ans reinsten Maßstoffen �5— 60 Mark, Hosen 6— 18 M. Versandhans Germania, Unter den Linden 21. BSt' Monatsgarderoben-HanS ver- kaust spottbillig erstklassige, wenig ge- tragene, sast neue Jackettanzüge, Gehrockanzüge, Smokinganzüge, Frackanzüge, Ulster. Paletots, Eu- tawayanziige, gestreiste Beinkleider, Banchanzüge, großes Lager. Hai- pern, Rosenthalerstraße 4. Kein Ladeneingang. Nur eine Treppe.* feinste Maß- anzüge, Paieiois 30—50. Deutsche Herrenmoden, Unter den Linden 15. Zurückgesetzte züge, Paletots 3 Taschenbuch für Gartenfreund e Ein Ratgeber sür die Pflege und fach. gemäße Bewirtschaftung des häuslichen Zier-, Gemüse- und Obstgartens von Mar Hesdörser. Zweite vermehrte Auslage. Mit 137 Texlabbildungen. Preis 3,50 Mark. Expedition Vor- wärts, Lindenstraße. Monat S-Garderode! Getragene Anzäge sür Herren: Smoking, Frack- und Gehr ock-Anzüge(auch zum Ver- leihen), Sommerpaletots und Ulster sowie v on Kavalieren getragene, fast neue Sachen(aus Seide), für jede Figur passend, in größter Auswahl zu unübertroffen billigen Preisen. Eine Treppe, deshalb billiger wje im Laden. Hirsch Kieferbaum, Wasfertor- straße 12/13 I. 70/15» Wäsche wird sauber und schonend gewaschen, im Freien getrocknet. Abholung und Lieferung Mittwochs. Hermann Thamke, Köpenick, Grü- nauerstraße 41. S7K" Vermietunxen. �Votmunxen. Eharlottenstrasie 87 kleine Wohnungen sofort billig. 22736 Zimmer. Norderzimmer, auch Schlafstelle, Karrasch. 20, Pension 60, Bülowstraße 24, 63/18 Möbliertes Zimmer zu oer- mieten. Frau Rinneberg, Manteuffel- straße 115, vorn I. ßlg Ledlskstellen. Schlafstelle für Herrn. Väter, -"'+58 Britzerstraße 16. Arbeitsmarkt. Monatsanzüge, Paletots, Hosen, Rockanzüge, Spottpreise, Friedländer, Auguststraße 64.+108 iNödel. Möbel aller Art aus Kredit, be- queme An- und Abzahlung. Möbel- Lechner. Brunnenstraße 7. Zweites Geschäft Müllerstraße 174. Sonntag von 8—10 geöffnet. 81K� Möbel gegen soso:tige Kasse sehr preiswert zu verkaufen, Brunnen- straße 7 nnd Müllerstraße 174. Sonn- tag geöffnet von 8—10. 82K Kriegshalber Wobnungseinrich« tung, nagelneue, bildschöne Küche, zusammen 223,—. Rosenthglei- straße 57, vorn III bei Glas. (Gewerblich.) Händler verbeten.* Möbel! Für Brautleute günstigste Gelegenheit, sich Möbel anzuschgffen. Mit kleiner Anzabiung schon Stube und Küche. An jedem Stück deutlicher Preis. Uebervorteilung ausgeschlossen. Bei Krankheitsfällen, Arbeitslosigkeit anerkannt Rücksicht. Möbeigejchäst Goldstaub, Zossenerstraße 38. Ecke Gneisenaustraße._ 29Qlfi* Nur tw Kriege diese Preise,' nie wiederkehrend. Kleiderspind, Vertiko mit Verglasung 42,—, Bettstelle englisch 38,—. Nußbaum-Diplomat 56,—! tomplette Küche 56,—, An- kleideschrank mit Spiegel 68,—, Ausziehtisch mit Verbindung 26,—. Kommode 20,— und viele Einzel- möbel sür jeden annehmbaren Preis. Ehrlich. Alte Schönhanjerstraße 32.* Möbelkredit. Komplette_, nilngSeinrichtungen, einzelne Möbelstücke. Geringste Anzahlung, be- quemfte Abzahlung. Kredithaus Luisenftadt, Köpenickerstraße 77/78, Ecke Brückenstraße, nahe Jannowitz- brücke. 58St* Jugendstil. Kleiderschränke. Vertiko, entzückende Muster 50.—. Goblinsosa 30,—, moderne Betten mit Patent- böden 50,—, 100 entzückende Küchen, riesig billig. Möbelhaus Osten. Andreasstraße 30. LOK Umbaupl«schsofas,sunkelnagelneu> kriegshalber 47,50, Chausseestraße 11, Restaurant. 70/12 Musikinstrumente. Wandergitarre mit Selbsterlern- schule, Wandermandoline mit Tasche 9,50, Sololauten, gut eingespielte Orchestergeige mit Formetui 13,— verkauft Ernst, Oranienstr. 166, III. StellensnAebote. Laufbursche. Dreiradfahrer, so- fort gesucht. Borck u. Leffer, Alexan- derstraße 33/40. 232,20 Mehrere Korbmacher auf Leiste»- möbel. A. Schulz. Josephslraße 1l Werkzeugdrehersür dauernde Be- schäftigung bei gutem Lohn sofort gesucht. Eduard Pinkuß, Große Franksurterstraße 13. 70,9 Hierdurch wird mit Dank für die Bewerbungen mitgeteilt, daß die am 8. d. Mts. ausgeschriebenen Stellen erledigt sind. 270/2 Allgemeine Ortskrankenkassc für Lerlin-Steglitz. Tüchtiger Wkrkpplichrr und Einrichter, der sich eventuell zur Uebernahme einer Drehermejsterstelle eignet, sür dauernde Beschäftigung von einer Metall-Armalnrcnsabrik gesucht. An- geböte mit Angabe bisheriger Tätig- keit und Ansprüchen unter 5o. 0. 3S'18 an Rndolf Masse Wienerstr. 1/6. Tüchtige Schlosser verlangt Sednlz A Holdefloiil, 70/16» Berlin N 39, Fennstr. 13. Automobü* Schlosser tüchtige, sucht sofort bei hohem Lohn Fennstr. 31.* Kaufgesuche. Kupfer! Messing! Aluminium Nickel! Zinn, Zink, Blei, Quecksilber, Stanniolpapier, Platmaabjälle.Zahn- gebisse. Goldsachen, Silderabfälle, Höchstpreise!.Metallschmelze Cohn", Brunnenstraße 25 und Neukölln. Berlinerftraße 76. 56/4» Tüchtige Heizungsmonteure und Helfer stellen ein Rtetscltel dt Benneberg G. m. b. 1� 218/4» Braudenburgftrafie 81. Zahngebifie! Bruchgold! Silberfachen, Platinaabsälle, Quecksilber, Stanniolpapier, Kupfer, Messing, sämtliche Metalle höchstzahlend. Schmelze Christtonat, Kövenicker- straße 20 a(gegenüber Manteuffel- straße). 56/1» Platinaabsälle. Gr. bis 6,20.Zahn- gebisse bis 52,—. Kupfer bis 1,83, Messing bis 1,30, Blei, Ziyk, Stanniolpapier bis 3,50, Geschirrzinn bis 3,20, Aluminium, Quecksilber bis 5.—, Gold, Silber, höchstzahlend. Metallk�ntor Hollmannstraße 30. Kottbuserstraße 1(Kottbusertor) Moritzplatz 12858. Glühftruznpfasche Auguststraße 69._ kaust Blümel. 251/8* Fahrradankauf. Weberstraße 42. auch Platinabfälle bis 6,25 pro Gramm, Zabngebisse bis 50,00, Goldsachen, Silberiachen, Tressen, Quecksilber. Stannioloavier bis 3,25, Kupfer bis 185, Messing bis 130, Zinn. Nickel, Aluminium, Zink, Blei, Höchstvreise. Edelmetall- Eink-misbureau Weber- straße 31(Telephon. Abholung.) Fahrradankauf: straße Vier. Versdiieäenes. Patentanwalt Müller, Gilschincr- straße 16. defekte. 63/14» Weinmeister- 70/10 Verantwortlicher Nedakteur: Alfred Wielepp. Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u.Berlaz: Vorwärt» Buchdruckerei u. VerlagSanftalt Paul Singer& Co., Berlin SW. n, M. 32 iatrow, 2. KkllM des„Nllrimrts" Kerlilltt Kldsbllltt. b°"n.d-°d. W M5. Reichstag. 2». Sitzung vom Freitag, den 27. August 1315, vormittags 11 Uhr. Am Bundcsratstisch: Dr. Delbrück, Lisco. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Gesetz« entwuri-s zur Slcndcrung des Neichs-Veremsgcseyes. Abg. Müller-Meiningen(Vp.) als Berichterstatter: Nach den jüngsten Ausführungen des Reichs- kanzlers sind die Polen als Bundesgenossen im Befreiungskampfe gegen Rugland anzusehen und daher kann der Sprachenparagraph nicht mehr aufrecht erhallen werden. Die Beschlüsse der Kommission zur Gewerkschastsfrage bedeuten ein Vertrauensvotum für die deutschen Berufsorganisationen. Hoffentlich wird die Praxis der Gerichte und Verwaltungsbeamten die Konsequenzen daraus ziehen. (Bravo!) Abg. Dr. Jnilck(nat.): Ter Aenderung des Gesetzes in Bezug auf die Definition der politischen Vereine stimmen wir gern zu, denn wir wollen gern denen die Hand reichen, die bereit dazu sind. Auch lag die Heraus- nahine der Gelverkichaften von vornherein im Willen des Gesetz- pebers. Auch die Jugendlichen können dann in den Berussvereiiien rn öffentlichen Versammlungen sich über die Arbeitsverhältnisse ihres Berufs unterrichten. Die Streichung des 8 17 dagegen, die den Jugendlichen die politischen Vereine vollständig öffnet, machen »reine Parteifreunde nicht mit. Ablehnen müssen wir auch die Streichung des Sprachenparagraphen. Weite Kreise des Volkes würden darin ein Nachlassen der nationalen Energie erblicken. (Widerspruch links.j Wir dürfen auch für die spätere Revision des Gesetzes nicht die besten Trümpfe aus der Hand geben.(Beifall bei den Nqtionalliberalen.) Abg. Landsberg(Soz.): Nach den Ausführungen des Abg. Jnnck könnte man glauben, es gäbe politische Parteien, die schon die Säuglinge politisch infi- zieren wollen. Wir wollen uns auch kein Knabenkorps angliedern. (Sehr richtig! bei den Sozialdemolraten.) Der Jugendparagraph des Bcreinsgesctzes hindert aber die Jugendlichen gar nicht an politischer Betätigung, denn der Besuch von Versammlungen ist nicht die einzige politische Tätigkeit. Dos Lesen einer Zeitung bestimmter Richtung übt einen nachhalligercn Einfluß aus, als der gelegentliche Besuch einer Versainnilinig. Der Fugeudparagraph hat aber dazu geführt, den Jugendlichen Dinge zu verwehren, die mit der Politik gar nichts zu tun haben. Die gewerblichen Arbeiter brauchen das Kvalilions- recht zum Schutz gegen die Ausbeutung, das ist der Standpunkt des Gesetzgebers, und wer braucht diesen Schutz dringender als die Jugend.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- traleu.) Der Jugendparagraph hat dazu geführt, daß den jungen Leuten die Teilnahme an den Geiverkschaften verwehrr wurde und bat ihnen die Mitgliedschaft in Vereinen unmöglich gemacht, deren Zweck die körperliche Ertüchtigung ist. Wenn eine Gesetzesbestimmung derart mißbrauchr worden ist, so muß sie beseitigt werden. Herr Junck sagte, er habe das Bedürfnis, den Gewerkschaften für ihre nationale Tätigkeit die Hand zu reichen. Dann wundere iw mich, daß er nicht dasselbe Bedürfnis empfindet gegenüber den Dänen, den Pole», den französisch sprechenden Mitbürgern.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Grundlage aller Knllur ist der uneingeschränkte Gebrauch der Muttersprache, und genau so beilig wie uns die deutsche Sprache ist, ist den polnisch, dänisch, französisch Sprechenden ihre Mullersprache. Deshalb durste der Sprachen- Paragraph nie geschaffen werden(Lebhafte Zustimmung bei den So- zialdemokraten), er ist kein Zeichen nationaler Energie, sondern ein Zeichen der Schwäche. Das Gerechtigkeitsgefühl darf nicht der- schieden sein, je nachdem man Hammer oder Amboß ist; was in der russischen Geietzfammlung eine Schande ist. kann in der deutschen keine Zierde sein.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- traten.> Gerade jetzt ist eS Zeit, den Sprachenparagraphen zu beseitigen, denn für Ausnahmegesetze ist jetzt weniger denn je Raum.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Von allen Seiten wird ein frei- heitlichxr Ausbau der inneren politischen Gesetzgebung verkündet. von Leuten mit politisch so ganz entgegengesetzten Anschauungen wie der Reichskanzler und Herr Basiermann.(Große Heilerkeit.) Jetzt müssen den Worten die Taten folgen.(Sehr richtig I bei den Sozial- demokraten.) In den verflossenen dreizehn Monaten haben wir uns auf den Krieg eingerichtet, jetzt wollen wir an die Zeit nach dem Kriege, an den Frieden denken. Treten Sie den Beschlüssen der Kommission bei, Sie werden dadurch Hunderttausendcn von Männern an der Front den Dank des Volkes aussprechen für die unglaub- lichcn Strapazen, die sie gern ertragen, und Sie werden ihnen einen Ansporn geben zu neuen Heldentaten.(Lebhafter Beifall.) Staatssekretär Dr. Delbrück: Die hier vorgebrachten Forderungen gehören zu der großen Gruppe derjenigen, die nicht einzeln erledigt werden können, sondern erst nach dem Kriege der Neuorientierung uniercr inneren Politik bedürfen.(Abg. H e i n e(Soz.): Das heißt: ad oalendas graecas! — Sehr richtig!) Die Verbündeten Regierungen halten es deshalb nicht für angängig, jetzt dieses heiße Eisen in die Hand zu nehmen. Ich habe grundsätzlich den Wunsch, der Forderung einer Aenderung des Gesetzes zu entsprechen. Wenn aber ausgesprochen wird, daß die von der Kommission geforderte Aenderung schon im November erfolgen soll, so kann ich dem nicht zustimmen, weil ich nicht weiß, ob bis zum November schon der eigentliche Zeit- Punkt dafür vorhanden ist. Dagegen ist der Reichs- kanzler bereit, den Wünschen hinsichtlich einer Heraus- nähme der Gewerkschaften von den Bestimmungen über die politischen Vereine zu entsprechen. Die Verbündeten Regierungen haben in ihrer Gesamtheit zu dieser Frage noch nicht Stellung ge- ziommcn. Soweit es irgend angeht, wird aber dem Reichstag recht- zeitig die Vorlage zngehen. Abg. Becker-Arnsberg(Z.): Wir sind für den Kommissionsbeschluß. Meine Freunde sind von jeher Gegner des.Sprachenparagraphen gewesen. Wenn Leute von 18 Jahren Offiziere werden können, dann sollte man auch den Jugendlichenparagrapheii aufheben............ Abg. Frhr. v. Gamp(Rp.): Die jetzt von der Kommission gerügten Bestimmungen des Reichsveretnsgesetzes beruhen auf einem Kompromiß, an dem nicht gerüttelt werden sollte, ehe die nötigen Erfahrungen ge- sammelt worden sind. Abg. Dr. Müller-Meiningen(Vp.): Wir werden mit Rücksicht auf die Erfahrungen der Lehrerschaft gegen die Aushebung des Jugendlichenparagrophen stimmen. Da- gegen werden wir dem Anirag aus Beseitigung des Sprachenpara- graphen zustimmen. Bei der Gesnmtabstimmung werden wir jedoch für die drei KommissionSanträge stimmen. Staatssekretär Dr. Delbrück: Die gewünschte Aenderung des Reichsvereinsgesetzes hat w ä h- rend der KriegSzeit nur rein akademischen Wert, denn jetzt ist das Versammlungsleben doch durch die Militärbehörde eingeschränkt. Im übrigen sollte doch die Erklärung genügen, daß eine entsprechende Vorlage in Vorbereitung ist. Abg. Dr. Oertel(k.): Wir sind grundsätzlich und aus Zweckmäßigkeitsgründen gegen die KontmissioiiSanträge. Es genügt doch, daß eine Vorlage in Aussicht gestellt ist. Unter allen Umständen wollen wir die Jugend fern- halten vom politischen Leben und Treiben. Wir st i m m c n gegen das ganze Gesetz.(Beifall rechts.) Abg. Knrzewski(Pole): Wir begrüßen die Kommissionsanträge als eine Forderung der Gerechtigkeit. Abg. Heine(Soz.): Das Vereinsgesetz ist auf die Gewerkschaften so angewendet worden, wie es bei dem Erlaß des Gesetzes auch beabsichtigt war. Wir haben diese Art der Anwendung vorausgesagt.— Gegen die Aenderung des Sprachenparagraphen sagt man, eine Neuregelung sei nicht nötig, weil jetzt ja doch die Kommandogewall entscheidet. Warum will man denn dann die Regelung für die Zeit nach dem Kriege so ängstlich vermeiden, obwohl sie nicht den mindesten Schaden anrichten kann. Beim Jugendparagraphen wollen wir ja nur das, was oO Jahre lang bestanden hat, und der preußische Staat ist darüber nicht zugrunde gegangen. Was in der Zeit der tollsten Rcaklion, im Jahre 1851, pon der preußischen Regierung in ausgesprochen reaktionärem Sinne auf- oktroyiert worden ist, das gilt 60 Jahre später als zuviel. Gewiß kann ich mir denken, daß die Lehrer petitionieren, wir sollen keine Politik an die Jugendlichen bringen. Sie selbst treiben Politik in den Schulstunden und können nicht verhindern, daß im Hause eine andere Politik an sie herangebracht wird. Auch ich wünsche keine politische Verhetzung der Jugend. Hier handelt es sich aber wesentlich uni die schulentlassene Jugend— denn für die Schuljugend besteht das Vereinsgesetz überhaupt nicht. Der Staatssekretär meinre, unser Antrag habe nur akademischen Wert, denn unter dem Belagerungsziistand bestimme doch der kommandierende General. Wir haben in der letzten Zeil allerhand scharfe Bemerkungen über kommandierende Generäle machen müssen, aber die Art, wie sie die Polizeigewalt handhaben, mutet doch viel erfreulicher an, als die Schwerfälligkeit der Zivilbehörden, die sich zu einem Schritt vorwärts nicht entschließen können.(Abgeordneter Krelh jk.j: Also lassen wir eS dabei!) Unser Antrag hat eine eminent praktische Bedeutung, zunächst sür den Fall des Friedensschlusses. Alle Schwierigkeiten für die Gewerkschaften und Arbeitervereine können nicht nur beim Friedensschluß wieder aufleben, fondern sie müssen wieder auflebe», denn eS liegt ein Gesetz und Entscheidungen der obersten Gerichts- und Verwaliungsbehörden vor. Daher müssen loir jetzt mit diesen Dingen aufräumen,(«sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Die Gewerkschaften leisten Ungeheures und das mit dem Bewußtsein, daß sie keinen Rechlsboden unter den Füßen haben und daß man ihnen diesen Rechtsboden nicht geben will. Sollen wir übrigens bei der Gesetzgebung nur von der praktischen Seile sprechen in einer Zeit, wo wir es auf allen Gebieten erleben, das die moralischen Kräfte das Wichtigste und Wirksamste sind. Gerade in der Hinsicht muß ich die Wirkung, welche die Erklärung de§ Staatssekretärs haben kann und zum Teil haben muß, auf das Tiefste beklagen, und zwar von meinem Standpunkt als Deutscher, der seinen ganzen Willen und seine ganze Begeisterung einsetzt für die Sache unseres Vaterlandes. Der Staatssekretär hält uns vor, die Neuorientierung der. inneren Politik werde in einem solchen Umfange erfolgen, daß man jetzt nicht das eine oder andere vorweg nehmen darf. Das heißt aber die Sache aä calendas graecas vertagen. (Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Was soll dieses umfassende Gefetzeswerk nicht alles enthalten? Vom Wahlrecht und der Verfassung bis zu allen möglichen wirtschaftlichen Fragen, den Lebensmittelzollen, der Kontrollicrung gewisser Proditklionszweige bis herab zu diesen kleinlichen Pvlizeimaßnahmen. Ein solches Gesetzes- werk kann nur in langer Zeit bewältigt werden. Das deutsche Volk Hai in dieser Zeit ein Gefühl der Einheit und Entschlossenheit bewiesen, das großartig war und das auch die Grundlage unserer Erfolge draußen im Felde war.-(Sehr richtig!) Dieses'Gefühl gilt der Aufgabe,- das Vatsriand- zu retten.-Und deshalb hat es qlle Entiüstung. über alle kleinliche Entrechtung hinter dvefer Aijfgake.Mrllcklrelen lassen. Meine Freunde wollen auch künftig dafür sorMt, daß der Wille, das Vaterland zu ver- leidigen, nicht abgeschwächt wird trotz solcher Erklärungen, wie wir sie hier gehört haben. Aber das Gefühl der Empörung über das erlittene Unrecht, das vor dem Willen, das Baterland zu retten, zurückgetreten ist, hat das erlittene Unrecht nicht bergesscn gemacht.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Und je mehr das Volk leistet, um so tiefer brennt die Scham, über das erlittene Unrecht. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wenn wir ein- treten für die Rettung des Vaterlandes, so tun wir das für das deutsche Volk, dessen Sache unsere ist, nicht aber für die Politik einer Regierung, die sich heute noch nicht losmachen kann von ihren alten Formen. Man sagt, Erwägungen find notwendig Über dm§ 3. Dabei hat er eine bvjöhrige Praxis, den» er ist ja aus dem preußischen VcreinSgesctz entstanden. Was wir vorgeschlagen haben und die Koin- Mission angenommen hat, daS genügt keineswegs unsere» politischen Forderungen, wir haben uns auf das- Notwendigste beschränkt. Wo- hin sollen denn die ewigen Erwägungen führen? Man spricht immer von einer Neuorientierung der inneren Politik. Glauben Sie denn, daß es möglich ist, die Politik des Deutschen Reiches fortzu- führen in den alten Formen, mit den alten Schlagworten, mit den alten Erwägungen und Zögern. Nur junge Menschen werden im- stände sein, das Reich auf die Füße zu stellen, um neue Bahnen zu betreten, aber nicht Leute, die ängstlich frage», ob sie das annehmen dürfen, was vor 60 Jahren schon gegolten hat.(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Das Geheimnis der Siege liegt in dem Willen zum Siege, und in dem Willen zu Reformen liegt das Geheimnis der Möglichkeiten einer neuen Politik. Wir haben diesen Willen, haben auch Sie ihnl(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Äcrschcnsteiner(Vp.) wendet sich gegen den Anirag auf Streichung des Jugendlichen« Paragraphen.' Die politische Erziehung der Jugend kann man schließlich billigen, aber in öffentlichen politischen Versammlungen tritt die politische Leidenschaft in einer Weise zutage, die der Jugend wirklich nicht angemessen ist. Damit schließt die.Aussprache. Die Anträge 1 und 2 der Kommission(Gewerkschaften und Auf- Hebung des Sprachcnparagraphcm werden gegen die Stimmen der Rechte» angenommen, Antrag 3(Aufhebung des Jugendlichen- Paragraphen) gegen die Stimmen der Rechten, der Bolkspartei und der Rationallibcralen. I» der d r i t t c n Lesung werden hierauf alle KommissionS- antrage a» g e n o m m c n. Dagegen stimmen nur die Konservativen, RcichSpartcilcr und Nationallibcralen. Prcffezensur und Belagerungszustand. Abg. Fischer(Soz.): Als im vorigen Jahre der Belagerungszustand verhängt wurde, war mit dem Eindringen des Feindes in unser Land zu rechnen. Jetzt droht unseren Grenzen keine Gefahr mehr. Unser Volk in allen seinen Teilen und Parteien ist einig und geschlossen mit der Regierung in der Abwehr gegen den Feind. Keine Störung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit ist irgendwo im Deutschen Reiche vorgekommen, aber der gesetzlose Zustand ist bestehen ge- blieben. Die von der Regierung ausgespröchene Hoffnung, daß sie den Belagerungszustand bald aufheben könnte, hat sich nicht erfüllt. Soll die Gewalt etwa in den Händen der Miliiärverwaltung bleiben, bis der letzte Soldat wieder aus dem Felde zurückgekehrt ist? Es gibt Pessimisten, die sagen, die Regierung befinde sich in der Rolle des Schützen, der den Pfeil abgesandt und nun keine Waffe mehr hat.(Sehr gut!) Das Vereins- und Versammlungsrecht ist heule nahezu völlig aufgehoben, und das schlimmste ist, daß dabei mit zweierlei Maß gemessen wird. Konservative und Nationalliberale dürfen die K r i e g S z i e l e in öffenllichen Versammlungen erörtern. Die Sozialdemokralen dürfen aber sogar rn geschlossenen Mitgliederver- sammlungen nicht mehr über Kriegsziele oder die hohen Lebensmittel- preise sprechen.(Hört! hört!) Vom 19. Armeekorps ist eine Verfügung erlassen worden, die den letzten Rest des Versammlungsrechts beseitigt. Sogar die Manuskripte der Vorträge müssen spätestens sieben Tage vorher der Polizeibehörde eingereicht warben.(Hört I hört! links.) Darin sollten wir alle einig sein, daß dies ein unwürdiger Zustand sür das Volk ist, das in niegesehener Einigleil mit Gut und Blut gegen die Feinde zusammensteht.(Beifall.) Em weiterer Uebelstand, der mit dem Belagerungszustand verbunden ist, ist die Praxis der sogenannten Schuhhaft. Leute, die gar leine strafbare Handlung begangen haben, werden vielleicht für die ganze Dauer des Krieges eingesperrt, weil sie eine andere politische Auffassung haben als die hohe Behörde. Ohne weiteres_ werden Anarchisten in Schutzhaft genommen und soga'r eine An- zahl unserer eigenen Parteigenossen. Solche Verhaftungen sind auch wegen angeblichen Landesverrats erfolgt, b'cgaiigxn in einem Flugblatte. Ich will nicht auf den Inhalt all' dieser Flugschriften eingehen, aber ich darf in Uebereinstimmun>a mit der ganzen Fraktion erklären: der Gedanke, im Interesse des feindlichen Alislandes die Interessen des eigenen Landes schädigen � zu.wollen, wie es der Begriff des Landesverrats voraussetzt, hat jedem.dieser Verhaftelen vollkommen ferngelegen.(Sehr richtig!)— Durch die Handhabung der Zensur sind ganz unerträgliche Zustäiide hervorgerufen worden, sie ist geradezu eine Drangsalicruiig der politischen Presse und ganz besonders der sozialdemokratischen Presse. Der„Vor- w ä r t s" wurde seinerzeit drei Tage verboten, iveil ohne Absicht aus Versehen ein Stempel der Zensur nicht beachtet � worden war. Dieier Tage brachte die„Deutsche Tageszeitung" Veröffentlichungen, die für die gesammte Presse im Interesse des Vaterlandes verboten waren. Die„Deutsche Tageszeitung" ist aber deshalb nicht verboten worden. Der„Täglichen Rundschau" wurde die Veröffentlichung eines Artikels verboten, der ihr vom Aus- wältigen Amt zugegangen war. Ein Artikel des Generalleutnants v. Stein durfte in dieser Zeitung zwar veröffentlicht werden, nicht aber der Name des Autors. Aenderungen sind voir der Zenslir vor- genommen worden, die den Sinn geradezu entstellt haben. Artikel, die von der Oberzensnr genehmigt waren, wurden vom Ober- kommando verboten. Die Regierung hat anfangs versichert, � eine politische Zensur solle nicht stattfinden, sondern nur eine militärische; heute haben wir ober f a st ausschließlich eine politische Zensur. Man kann in Abänderung� eines alten Spruches sagen: Was man sonst nicht kontrollieren kann, das sieht man als militärische Angelegenheit an!(Sehr gut I> In Rheinland-Westfalen ist von Anfang an mit ganz besonderer Schärfe gegen die sozialdemo- kratische Presse vorgegangen worden. Schutzleute haben dort den ganzen Druck der Zeitung übertvacht und aufgepaßt, ob das Blatt nicht mal umgekehrt aus der Maschine herauskommt.(Heiterkeit I> Seit Monaten ist es dem„Vorwärts" verboten, gewisse Notizen anS anderen Blättern selbst ohne Kommentar nachzudrucken. (Hört! hört!) Der Berliner Presse ist seit wenigen Tagen generell verboten worden, irgend etwas über Präventivzensur, Verhaftungen usw. zu bringen. Auch dieses Verbot bestand schon seit Monaten gegen den„Vorwärts". Seit Monaten war es dem„Vor- w ä r t s" verboten, über Kriegsziele etwas zu schreiben, während die Herren Bassermann, Fuhrmann, Stresemann und v. Zedlitz un- gestört über Kriegsziele sprechen und schreiben dürfen. Der„Vor- w ärts" ist wegen der Kundgebung unserer Fraktion„Sozialdemo- kralie und Frieden" verboten ivorden. Die Stellung der national- libcrälsit Partei zn den Kriegszielcn konnte aber an dem gleichen Tage in der Berliner Presse ruhig veröffentlicht werden.(Hort! hört! bei den Sozialdemokralen.) Als die sozialdemokratischen Blätter in Rheinland-Westfalen unter Präventivzensur gestellt wurden, nahm der kommandierende General v. Gehl direkt Partei für die Annexionspolitik und die entsprechenden Artikel und Reden von nationalliberalen Blättern und Rednern. Auf eine Beschwerde des Reichsvereins der deutschen Presse wurde geantwortet, die Schwierigkeiten liegen an der Verschicdenartigkeit der mit der Zensur betrauten Personen. Ich bedauere diese Offiziere, die, während draußen im Felde Welt- geschichte gemacht wird, in den Schreibstuben das Amt des politi- schen Nachrichlers ausüben müssen. Wenn sie sich� auf das mili- tärnchc Gebiet beschränken lvürden, ginge es an. Sie begeben sich aber direkt auf das politische Gebiet. So wurde dem„Vor- wärts" eine Polemik gegen die„Post" verboten, die mit einem Ausnahinegesetz droht und die Aufgabe der sozialdemokratischen Grundsätze gefordert hatte. Als die„Post" einen Artikel niedrigster Art gegen unseren französischen Genossen I a u r ö s brachte, der mit den Worteil schloß: Jaures schmierte und ließ sich schmieren(Pfui! bei den Sozialdemokraten), blieb sie unbehelligt. Bei der„Post" ist diese Auffassung verständlich, deirn es gibt kein anderes Blatt, das in gleicher Weise von den Scharfmachern auSgehalteir würde.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Dazu kommt, daß die Zensurbehörde den Nicht-Gcntlemen von der politischen Polizei Platz einräumt. Eine Pressefachmann wäre am Platze. Ein ganz besonderer Uebelstand ist, daß in Lodz das A m t des Z e n- sorS ei» Verleger übt, der Herausgeber von Konknrrenzblättcrn anderer Blätter ist.(Hört l hört!)— Ein großer Uebelstand, ja geradezu ein Mißbrauch ist es, daß keine weißen Stellen in der Zeitung geduldet werden, sondern daß die Redakteure gezwungen werden, an Stelle der gestrichenen Sätze Verbindungen herzustellen, durch die der Sinn geradezu ins Gegenteil verkehrt wird. Der Görlitzer Zensor sagt, das geschehe, weil die weißen Stellen dem ästhetischen Empfinden widersprechen.(Heiterkeit.) Würde es Ivohl ein Osfizier für ehren- hakt halten, mit dem Säbel in der Faust jemanden zur Lüge zu zwingen? Der Zensor aber übt eine derartige Tätigkeit aus.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Unser Görlitzer Partei- blatt bat aus dem„Textilarbeiter" eine Notiz übernommen, in der- ein Fabrikant gebrandmarkt wird, der auf die Lohntüten ge- druckt halte:„Jedes ersparte Stück Brot ist ein Schuß gegen England." Die Brandmarkung lvar sehr gerecht- fertigt, denn die Sparsamkeil anr Brot ivnrde Arbeiterinnen zugemutet, die für eine Arbeitszeit von 57'/3 Stunden einen Lohn von 9,90 M. erhielten.(HörtI hört! bei den Sozialdemo- kraten.) Der Zensor behauptete, es handle sich nur um Mädchen von li— 13 Jahren. Auch für eine 18 jährige Arbeiterin ist dies ein Lohn, bei dem von Sparen keine Rede fein kann; die Be- hauptung des Zensors stimmt aber nicht, es ist festgestellt, daß Frauen darunter waren, die schon 20 Jahre in der Fabrik be- fchäfligt waren.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Und keine hatte einen Lohne über 9,00 M. Trotzdem zwang der Zensor das Blatt zu einer Berichtigung, an deren Schluß stehen mußte:„Nach alledem muß zugegeben, werden, daß der von uns übernommene Artikel des„Textilarbeiter" von unzutreffenden Voraussetzungen ausgebt."(Abg. Stadthagen (Soz.): Im Interesse der öffentlichen Sicherheit!) Ein Stadtrat war der Zensor, der diese schändliche Zumutung an das Blatt gestellt hat.(Vizepräsident D o v e rügt den Ausdruck.) Ich gebe zu, daß der Ausdruck formal unzulässig ist. Ich finde aber für das Lerhqllen dieses Zensors keinen anderen Ausdruck. Ein anderes Stückchen desselben Zensors ist das Verlangen, daß die Proklamation des Kaisers an der Spitze des Blattes, stati au der Spitze deS Beiblattes stehen sollte. Das Generalkomniando, an das die Redaktion sich wandte, war so vernünftig und so anständig, in btefem Falle den Zensor zu rektifizieren.— Der kommandierende General v. Vlelinghoff in Stettin schrieb unserem dortigen Partei- a}s' sich über die Ziele der Sozialdemokratie au-Ziprechen und dadurch eine Entgegnung anderer Parteien geradezu herausfordern, die die'e nur aus patriotischem Empfinden in Rücksicht aus den Burgfrieden unterlassen hätten; er warne vor einer Wieder- holung, sonst würde das Blatt verboten werden. ES wird also verboten, die sozialdemokratischen Ziele in villig gesetzmäßige« Weise zu erörtern. sHört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Gibt eS ein Blatt irgend einer anderen Partei, dem eS verwehrt wird, die Ziels seiner Partei zu erörtern? Nur die Art der Erörterung unterliegt der Zensur. Was sagt die Regierung zn dieser Per höhnung ihrer feierlich gemachten Zusagen? Auch die Berliner Zensur, die doch au Intelligenz und Bildung weit über den Lokalzensoren der kleinen Orte stehh leistet sich genau dasselbe. Ein Bericht über einen Bortrag unseres Kollegen Molkenbuhr über das Thema: „Was haben wir g/tan für den Frieden und die Volksernährung?" liest der Zensor in,.Mitteilungsblatt' nicht erscheinen. Das Blatt erscheint� nicht öffentlich, sondern wird nur an die Partei- funktionäre verteilt. Kein anderes Mitteilungsblatt irgendeiner anderen Partei, unterliegt in gleicher Weise der Vorzensur. In dem Vortrage selbst hat Molkenbuhr seinen bekannten Standpunkt dar- gelegt, dag r/s Pflicht sei, rückhaltlos das Valerland zu verteidigen und den F-.-ind abzuwehren. Aber natürlich tritt auch seine sozial- demokratische Weltanschauung gegenüber den Problemen, die der Krieg utvd seine Beendigung uns stellen werden, hervor, und ledig- lich we�en dieser sozialdemokratischen Weltanschauung wurde die Wiedergabe des Vortrags verboten.(Hört I hört! bei den Soz.) Am brutalsten tritt dieser Kampf gegen die Sozialdemokratie im Rheinland in hie Erscheinung. Dort wurde einem unserer Blätter der Satz gestrichen:.Den Arbeitern wird nichts geschenkt, und wenn fie sich selbst ausschalten, wiederholt sich die Geschickte von vor hundert Jahren, sie werden leer ausgehen.' In der Zeitung stand infolge- dessen:»ES handelt sich darum, den Arbeitern die bürgerliche Gleichberechtigung zu erringen. Das darf nicht sein.'(Große Heiterkeit.) Ganz unabsichtlich hat der Zensor hier seine innerste Herzensmeinung in dem Blatt zum Ausdruck gebracht. Ein Brie aus dem Felde, das Vermächtnis eines Gefallenen, wurde gestrichen, lediglich weil die sozialdemokratische Welt- anschauung darin zum Ausdruck gebracht ist. Einmal wurde bei der Besprechung der städtischen Verhältnisse das Wort.Drei« klassenparlament' gestrichen. Ganz unglaubliche Uebergriffe gestattet sich dieser Zensor bei der Behandlung deS Textes; selbst wenn er den gedanklichen Inhalt bestehen läßt, formt er den Ausdruck um, vermutlich weil er als Nationallibcraler eine Freude an politischer Kastration hat.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten. Auch die Formen des Verkehrs mit der Zensur sind unerhört. Auf die Bemerkung, daß eine verbotene Nachricht von einem hohen Reichsamt, dem ReichSmarineamt stamme, wird die Antwort erteilt: .Was das ReichSmarineamt tut, geht uns nichts an.' Bei einer anderen Nachricht, sagt er:.Wo ist der Kerl, der Ihnen das auf« gehängt hat; bringen Sie mir den Kerl her.' Auf die Antwort, daß die Nachricht vom Generalkommando kommt, macht er dem Redakteur den verblümten Vorwurf des Schwindels.(Hört l hört! bei den Sozialdemokraten.) Ein hoher Offizier sagte zu einem Chefredakteur:.Ich stehe überhaupt viel zu hoch, als daß ich mit Ihnen in einer Erörterung über Preßangelegenheiten einlasse.' (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Gewiß ist das eine Ausnahme, denn gerade bei den höheren Offizieren ist im allgemeinen Verständnis und anständiger Ton zu finden. Aber je weiter es nach unten geht, um so mehr geht es auch mit dem Ton zurück. Auf daS Verlangen, beanstandete Artikel dem Generalkommando vorzulegen, weil die Redaktion ganz sicher war, daß das Generalkommando die Beanstandung nicht billigen würde, erhielt die Redaktion die Antwort:»Sie haben gar nichts zu verlangen, sondern zu bitten.' Der Zensor glaubt wohl, daß man bei ihm antichambrieren muß. Bei diesen Gs- sinnungen kann man sich nicht wundern, wenn der Zensor vor allem die Steven streicht, in denen davon die Rede ist, daß es noch eine Stelle im Deutschen Reich gibt, wo man unbehindert von der Zensur ein freies Wort sprechen kann. Aber wenn er das Drucken solcher Worte auch verbietet, die Tatsache selbst, daß wir hier im Reichstag sprechen, kann er nicht verbieten und aus der Welt schaffen.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Der Minister des Innern hat einen recht verständigen Erlaß über die Handhabung der Zensur herausgehen lassen, worin er gerade auf die Platten-Zeimngen exemplifiziert, denen man nicht unnötig Scherereien machen solle. Der Lokalzensor aber ordnet an, daß im Blatt kein Wort durch Fett- oder Sperrdruck her- vorgehoben werden darf.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Zensur ist gewiß eine undankbare Sache, und wenn ein Zensor auch mit dem besten Willen und der möglichst geringen Vorein- genommenheit an die Prüfung eines Blattes herangeht, er wird doch oft daneben hauen. Der Görlitzer Zensor bringt es fertig, einen Artikel zu streichen, der die Freude und Zustimmung über die Friedenskundgebung des Pap st es zum Ausdruck bringt. Er verbietet zu sagen, daß gerade bei den Proletariern diese Worte auf fruchtbaren Boden fallen werden.(Hört! hört! bei den Soz.) Ein Arbeiterblatt in Kattowitz hatte gesckrieben:.Die Unternehmer werden bestrebt sein, die Löhne zu drücken. Die Arbeiter werden sich mit ihrer ganzen Kraft dagegen wehren müssen.' Die Zensur ließ zwar den ersten Satz von den Absichten der Unternehmer zu, strich aber den Satz, daß die Arbeiter sich dagegen wehren müßten. (Hört I hört I> Ebenso wurde der Satz gestrichen:.Die Bäcker fühlen sich jetzt erst(nach Einführung des Nachlbackverbots) gewisser- maßen als Menschen.' Die Verbreitung von Werbeflugblättern der Gewerkschaften ist gleichfalls oft genug von der Zeniur verboten worden. Diese Handhabung weckt in Arbeiterkreisen selbstverständlich die Empfindung, daß die Zensur keinen anderen Zweck habe, als daS Sozialistengesetz, die Herrschast der alten Polizeiwillkür wieder aufzurichten.(Leb- hafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Das Reichsamt des Innern hat angeblich in einem Erlaß gesagt, wenn die Besprechung der Leben» mittelteuerung einen allzu politischen Charakter annimint. dann solle das als eine militärische Frage angesehen und der Zensur unterstellt werden.(Hört! hört! links.) Wie steht das in Einklang mit den Erklärungen des Staatssekretärs? Die Folge de? Erlasses war natürlich, daß die Zensoren förmliche Orgien Meierten und kurzerhand jede Besprechung der Lebensmittel- teuerung verhindert haben. Ich habe nur einen verschwindend kleinen Bruchteil deS Materials vorgetragen, das uns die � Handhabung der Zensur geliefert hat. Aber dieier Bruchteil beweist schon, daß man beute nickt mehr von einzelnen Mißgriffen sprechen kann, sondern es handelt sich um eine Erscheinung, die geradezu das ganze Zensurwesen überwuchert hat. Gewiß gibt es noch Zensoren, die ihres Amtes mit größler Objekli- vität walten, leider begegnet man ihnen aber sehr selten. Ein Volk, so einig, so opferbereit, mit einer Presse, die bestrebt ist, dem Vater« lande zu dienen und den feindlichen Angriffen entgegenzutreten, dieses Volk und diese Presse sollen sich nicht länger den unwürdigen Maulkord der Polizeizensur gefallen lassen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Darum beantragen wir die Aufhebung der Zeniur und des Be- lagerungSzustandes. Die Regierung ist verantwortlich, weil sie diese Zustände duldet. Sie kann sich der Tatsache nicht verschließen, daß die jetzige Handhabung des Belagerungszustandes in letzter Linie eine Fronde gegen die Regierung ist.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Glaubt man etwa, daß unsere feldgrauen Krieger deshalb alle Anstrengungen so heldenhaft ertragen haben. um im Vaterlande die alte Polizeiwillkür weiter zu ertragen? Sollen das die neuen Bahnen sein, von denen der Kanzler sprach? Wir bedanken uns dafür, wenn das der Dank für die treue Hingabe an das Vaterland sein soll. Wir haben da« Reckt, mit allen anderen Parteien gleickgestelll und nicht unter ein Ausnahmegesetz gestellt zu werden.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Dr. Delbrück: Ich bestreite mit aller Entschiedenheit, daß die Arbeiterklasse während des Krieges anders behandelt wurde als andere Volks- kreise. Alle Kreise in der Regierung und draußen im Lande stehen mit Freude und Anerkennung der Hingabe und den Leistungen der Arbeiterschaft gegenüber, und derjenige würde sich am Vater- land versündigen, der in der Handhabung der Gesetze anders ver- fahren würde als auf dem Standpunkt einer absoluten Parität. Das möchte ich gegenüber den Ausführungen des Abg. Fischer mit oller Energie feststellen.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Aber Fischer hat Recht!) Zu der sozialdemokratischen Resolution weise ich wiederholt darauf hin, daß, wenn man bei Beginn des Krieges der Auffassung gewesen ist, daß nach vollzogener Mobilmachung der Belagerungszustand aufgehoben oder auf einige Teile des Reiches beschränkt werden könne, so hatte man diese Auffassung mit Rücksicht auf die Ereignisse von 1879. Bei der langen Dauer des Krieges, bei der Zunahme der Spionage, bei den Angriffen auf unsere Eisenbahnen, bei den Fliegerangriffen über das ganze Reich, bei der Notwendigkeit, während der Dauer des Krieges dauernd Truppen von einer Front nach der andern zu verschieben, mutz aber der Ausdruck der öffentlichen Meinung und der Nachrichtendienst einer gewissen Beschränkung unterliegen. Aus diesen Gründen müssen wir den Belagerungszustand aufrechterhalten, aber nur in den noch der Natur der Dinge absolut notwendigen Schranken. Der Reichskanzler ist der letzte, der einer Knebelung der Meinung im deutschen Vaterlande das Wort redete. Militärische und poli- tische Maßnahmen stehen miteinander in so engem Zusammen- hang, daß man nicht ledig lich militärische Mit- teilungen unter Zensur st«llen kann, sondern daß sie erstreckt werden mutz auf alles, was über unsere wirtschaftliche und militärische Leistungsfähigkeit, über die Stimmung im Lande usw. unrichtige Vorstellungen im Auslande hervorrufen könnte. Auf die Fülle deS vom Abg. Fischer vorgebrachten Ma- terials kann ich hier nicht eingehen. Einmal trägt der Reichs- kanzler nur die Verantwortlichkeit dafür, daß di« gesetzlichen Vor. auSsetzungen für die Verhängung des Belagerungszustandes vor- liegen, nicht aber für die aus der Machtvollkommenheit der kom» mandierenden Generäle getroffenen Maßnahmen, die ihren Ursprung in der Allerhöchsten Kommandogewalt haben. Es ist aber auch unmöglich, auf eine solche Fülle von angeb- lichen Verstößen gegen die vom Reichskanzler und dem stell- vertretenden KriegSminffter aufgestellten und hier von mir vertretenen Grundsätze einzugehen. Die individuellen Anschauungen der einzelnen Zensoren führen eben zu verschiedenartigen Auf- fassungen. Die Maßnahmen der Zensur betreffen alle Parteien; gewiß, manche Maßnahme wäre vielleicht besser unterblieben. Ich möchte aber bitten, nickt die einzelnen kommandierenden Generäle unter Nennung ihres NamenS und unter Bezugnahme auf einzelne Vorgänge ihres dienstlichen und außerdienstlichen Lebens verant- wortlich zu machen. Wenn diese Herren, während sie verab- schiedet waren, politisch tätig gewesen sind, so war das ihr staatsbürgerliches Recht. Das gestattet aber �keineswegs zu behaupten, daß sie als kommandierende Generäle irgend- wie parteiisch und ungerecht vorgehen würden. Man darf auch nicht vergessen, daß diese Herren nach ihrem ganzen Werdegang zu anderen Aufgaben bestimmt find als zur Regierung eines großen Landes. Wenn vereinzelt die Auswahl der Zen- soren nicht glücklich war. so ist Abhilfe geschaffen worden. Die auf dem gesetzlichen Zustand beruhende Schwierigkeit der mangelnden Einheitlichkeit betrifft mich auch. Auch m i r passiert es, daß von kommandierenden Generälen Anordnungen getroffen werden, die nach meiner Ansicht in mein Ressort übergreifen; ich hätte diese Angelegenheit vielleicht anders geordnet. Aber gerade von Ihnen(zu den Sozialdemokraten) ist mir gegenüber wiederholt das warme sozialpolitische Verständnis der preußischen Generäle ins Feld geführt worden.(Heiterkeit rechts.) In Verfolgung der Bestrebungen auf Vereinheitlichung der Zensur sind wir nun erheblich weiter gekommen. Durch aller- höchste Kabinettsorder ist ein Kriegspresseamt eingerichtet, daS nicht nur oberste Zensurstelle sein, sondern auch die Zensoren über die Ziele unserer Politik auf dem Laufenden halten, ihnen Richtlinien geben soll. Die Zentralbehörden haben selbst an ein- heitlicher und gerechter Ausübung der Zensur das weitestgehend« Interesse. Also alles das, was Abg. Fischer an dieser neuen Ein- richtung von vornherein glaubte vermissen zu müssen, ist vor» gesehen: nicht nur die Herausgabe von Anweisungen, sondern auch die Möglichkeit der Kontrolle. DaS Kriegspresseamt soll auch mit der Presse in engerer Fühlung stehen. Davon ist neben der Ver- einbeitlichung der Zensur auch eine Verbesserung des Verhältnisses «wischen ihr und der Presse zu erwarten. Alle beteiligten Stellen sind redlich bestrebt, die Schwierigkeiten auf den Gebieten der Presse und des Vereinslebens, soweit es in unserer Macht liegt, beseitigen. Wir haben dieses Bestreben um so mehr, als wir großen Mehrheit der gesamten deutschen Presse ohne Unterschied der Parteien das Zeugnis ausstellen können, daß sie nach bestem Wissen und Gewissen bestrebt gewesen ist, sich in den Dienst des Vat-.rlandeS zu stellen.(Beifall.) Das stelle ich hiermit ohne Einschränkung fest und gebe mich der Hoffnung hin, daß auch weiterhin die guten Beziehungen zwischen der Presse, der Regierung und ihren Organen durch diese neue Einrichtung noch verbessert werden. Mg. Dr. Obkircher(natl.): Angesichts der Aufinreksamkeit, mit der das Ausland unsere Verhandlungen verfolgt, sollte man den Eindruck vermeiden, als ob wir allzuviel zu klagen hätten. Gewiß ist das Gefetz über den Be- lagerungszustand veraltet, seine Verbesserung ist aber eine Arbeit üir die Zeit nach dem Kriege. Die außerordentlichen Verhältnisse, unter denen wir heute leben, machen auch außergewöhnliche Maßnahmen erforderlich. Mir scheinen freilich die Verwaltungsbehörden den Militärbehörden gegenüber zu sehr in den Hintergrund ge- treten zu sein. Der§ 0b(Wahrung der öffentlichen Sicherheit) wird von den Militärbehörden zu weit ausgelegt. Man bestraft neuerdings sogar die Herstellung von Schlagsahne durch Haus- 'rauen mit Gefängnis auf Grund des§ Ob. Die Verhängung so vieler Gefängnisstrafen für kleine polizeiliche Vergehen hat zu 'chweren Mißständen geführt. Die Haushaltskommission beantragt deshalb eine entsprechende Aenderung des Gesetzes. Ich hoffe urrd wünsche, daß die Regierung dem Gefetzentwurf zustimmt. Staatssekretär Dr. Lisco: ES entspricht nicht der Gepflogenheit der Regierung,� zu Initiativanträgen das Wort zu nehmen. Ich will aber erklären, daß ich gern bereit bin. die Annahme d«S vorliegenden Antrages zu empfehlen.(Beifall.) Ein von den Abgg. Spahn(Z.), Vaffermana(natl.) und Müller- Meiningen(Vp.) gestellter Schluhantrag wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen Abg. Dittmana(Soz.): Geschäftsordnung: Durch die Annahme de? SchlußantrageS, ich als eine Illoyalität bezeichnen muß(Präsident Dr. K a e m p f ruft den Redner wegen des Ausdrucks„Illoyalität' zur Ordnung), bin ich verhindert worden, alle die berechtigten Be- schwerden aus Rheinland-Westfalen über die Handhabung des Be- lagerungszustandes und der Zensur vorzubringen. Ich habe den Eindruck, daß man dem Lande die Wahrheit ver- bergen will.(Unruhe.) Die Anträge der Kommission werden angenommen. Der Antrag Schiffer(natl.), der an Stelle von Gefängnis. strafen in vielen Fällen Haft- und Geldstrafen einführen will, wird in 2. Lesung angenommen. Als Präsident Dr. Kaempf zur dritten Lesung übergehen will, meldet sich Abg. Dittmann(Soz.) zum Wort. Abg. Bassermann(natl.) erhebt hierauf Widerspruch gegen die dritte Lesung. Der Antrag Alb recht und Genossen: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dahin zu wirken, daß der Belagerungszustand aufgehoben und insbesondere die Freiheit der Presse wiederhergestellt wird, wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Es folgt die Beratung des Antrags Erzberger(Z.), der einen Gesetzentwurf vorschlägt, wonach die Familienunterstützung während dreier Monate über den Zeitpunkt hinaus weiter gewährt wird, von dem an Hinterbliebenenrente gezahlt wird. Abg. Tovc(Vp.) wendet sich gegen die gestrige Rede des Abg. Stadthagen. Abg. Stadthagcn(Soz.) betont demgegenüber, daß der Antrag Erzberger tatsächlich keine Verbesserung des bestehenden Zuslandcs bedeute, da nach dem bestehenden Gesetz jede Witwe einen Rechts- anspruch auf die Fortzahlung der vollen Kriegsunterstützung auch bei Empfang der Hinterbliebenenrente habe. Reichsschatzsekretär Dr. Helfferich: Auch ich muß feststellen, daß der Antrag Erzberger eine ganz wesentliche Verbesserung bringt. Er stellt für die Gesamtheit der Hinterbliebenen die Doppelzahlung sicher. Der Abg. Stadthagen scheint einen mageren Prozeß einem fetten Vergleich vorzuziehen. Der Antrag Erzberger wird in zweiter und dritter Lesung einstimmig angenommen. Staatssekretär Dr. Delbrück verliest die allerhöchste Ver- ordnung, durch die der Reichstag bis zum 30. November 1013 vertagt wird. Präsident Dr. Kaempf erbittet und erhält die Ermächtigung, Zeitpunkt und Tagesordnung für die nächste Sitzung festzustellen. Er schließt die Verhandlungen mit einer Ansprache, in der er betont, daß der Reichstag auch diesmal in voller Einigkeit die Mittel bewilligt habe, die erforderlich seien, um Deutschland mit Hilfe unserer tapferen Krieger dem Siege entgegenzuführen. Bei dieser Gelegenheit teilt der Präsident mit, daß der Reichskanzler jetzt selbst beantragt hat, dem Reichstage die Inschrift zu geben: „Dem Deutschen Volke!'(Beifall.) Präsident Dr. kaempf schließt mit einem dreifachen Hoch auf Kaiser, Volk und Vaterland. Schluß der Sitzung 4 Uhr. Mus öer Partei. Das Kriegsprogramm der deutschen Sozialdemokratie. Unter dieser Ueberschrift knüpft daS Harburger.Volksblatt' nachfolgenden Kommentar an die von der Reichstags» fraktion und vom Parteiausschuß festgelegten Leitsätze: „Diese in gemeinsamer Beratung gefaßten Beschlüsse wird man als das KriegSprogramm der deutschen Sozialdemokratie an- sprechen müssen. Ganz frei von jeder, daS feindliche Ausland verletzenden Wendung spricht die Erklärung aus, daß als Ziel dieses Krieges einmal die völlige Unversehrtheit deutschen Boden« hervor- gehen mutz und daß von einer Zurückgabe von Elsaß-Lotbringen an Frankreich keine Rede sein kann. Da» war zwar bisher schon eine sozialdemokratische Selbstverständlichkeit; aber es ist gut, wenn eS die Franzosen in Form dieser programmatische» Erklärung noch einmal erfahren. Die Forderung des gleichen Rechtes für die Betätigung in allen kolonialen Gebieten schließt in fich, daß Deutschtand auch auf der Wiedererlangung der durch den Krieg verlorenen kolonialen Gebiete bestehen muß und daß auch aus diesem Gebiete die Sozial« demokratie hinter der Regierung steht. Dieser Passus in der Er- klärung ist um deswillen bemerkenswert, weil er nack unserer Auf- fassung bei den zukünftigen Bussprachen in der Partei über unsere Stellung zur Kolonialpolitik im allgemeinen eine Rolle spielen wird. Denn daß wir als Folge dieses Krieges auch unsere bis- herige Stellung zur Kokonialpolitik einer Nachprüfung unterziehen werden müssen, erscheint uns selbstverständlich. Unsere bisherige, zum mindesten zweideutige Haltung zu dieser Frage erheischt für die Zu- kunst eine größere Klärung. Von ganz besonderem Interesse ist der Passu» über die Frei- heit der Meere, die Beseitigung des Seebeute« rechts u n d d i e I nt e rn ati o n a I i st e r ung der wichti« geren Seehandels st ratzen. Damit erhält die offizielle Kundgebung der deutschen Sozialdemokratie eine bestimmte und scharfe Wendung gegen England, da« bisher fast alle Verkehrs« straßen in den europäischen Gewässern beherrscht und um die Er« Haltung und Erweiterung dieser Vorrechte zur See eigentlich über« Haupt den Krieg führt. Wir begrüßen es ganz besonders, daß sich die obersten Instanzen unserer Parter, Reichstagsfraklion und Parteiausschuß, gerade in dieser Frage unzweideutig ausgesprochen haben.... Zu Punkt 4, der von Aneignung fremder Gebietsteile handelt, hätten wir gewünscht, daß sich die Instanzen der Partei in weniger bestimmter Weise ausgesprochen, sondern Möglichkeiten offen gelassen hätten, durch die auch abweichende Meinungen in der Partei in dieser Frage zu ihrem Rechte kommen. Wir meinen, daß die Frage, ob Aneignung fremder Gebietsteile oder nicht, erst nutz- bringend besprochen werden kann, wenn der Krieg militärisch seinem Ende zugeht, das heißt wenn sich infolge der Kriegslage di« Linien der künstigen Entwicklung besser über- sehen lassen. Vorerst sind wir noch nicht so weit. Insofern hat daher die Regierung recht, wenn sie die Erörterung der- artiger bestimmter Kriegsziele zurzeit noch nicht will. Unsere bisher wiederholt ausgesprochene Forderung nach Freigabe der Diskussion über„Kriegsziele' war bestimmt durch die maßlosen Forderungen bürgerlicher Eroberungspolitiker: denn, was der einen Seite recht war, sollte der anderen billig sein, d. h. es sollten auch von diesen abweichende Meinungen zu Worte kommen dürfen. Zurzeit kann die Frage, ob Annexionen oder nicht, von der Sozialdemokratie nicht mit einem bestimmten Ja oder Nein beant- worlet werden, weil eS zwischen einem Ja oder Nein verschiedene Zwisckenstuien gibt, auf denen eine Verständigung nicht unmöglich ist. Wir können also den Punkt 4 der Erklärung des Partei- ausschusses und der Reich«tag«fraktion nicht restlos unter- schreiben und stehen damit in der Partei, wie wir genau wissen, nicht allein da.' Verlustlisten. Die Verlustliste Nr. 31L der preußischen Armee ent- hält Verluste folgender Truppen: Etappen-Jnspektion der 0. Armee. Infanterie usw.: Garde: 6. Garde-Reg. z. F.; 6. Garde-Jns.» Reg.; 1. Garde-Ers.-Reg.(s. 6. Garde-Jnf.-Reg.); Gren.-Regimenter Alexander, Franz und Elisabeth; Garde-Füs.-Reg.; Gavde-Schützen» Bat. Lehr-Jnsi-Reg. Gren.» bzw. Ins.- bzw. Füs.-Rcgimenter Nr. 1, 2. 4(s. auch Res.-Jnf.-Ncg. Nr. 1). 0. 13(s. Rcs.-Jnf.- Reg. Nr. 1). 16. 17. 10. 22. 27, 28, 38(s. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 271). 30, 41(s. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 1). 43. 46. 47. 31. 32. 34. 33. 36. (f. auch Res.-Jnf.-Reg. Nr. 1). 38. 63. 63, 67, 73. 76. 78. 80, 83. 83, 01, 02, 03, 07, III, 115, 116. 130, 131, 140. 141, 143, 144. 145, 146, 133, 136(s. auch Res.-Jnf.-Reg. Nr. 271), 158. 160. 161, 162(s. auch Res.-Jnf.-Reg. Nr. 1). 164. 165, 166. 168. 169, 170. 172. 173, 174, 173, 100, 330. 331, 332, 358, 361, 364, 365. 868. 360, 370, 371, v. Kramsta und v. Kurnatowski. Ref.-Jnf.-Rcgi- menter Nr. 1, 3. 7, 11. 16. 18. 21. 24, 26, 20. 33. 87(s. Ers.-Jnf.- Reg. Leimbach-Zerener), 38. 48. 51. 33, 36, 60. 61. 64. 65, 68. 76, 80, 84. 88(f. auch Füs.-Rcg. Nr. 80), 92, 203, 214, 217, 227, 235, 236, 237, 238, 250, 251, 254 bis einschl. 259, 261, 263, 266, 269, 271. Ers.-Jns.-Regimenter Königsberg Nr. 2, Keller und Leimbach-Zerener. Res.-Ers.-Jnf.-Regimcnter Nr. 1, 2, 4. Landw.- Jnf.-Regimentcr Nr. 1. 2, 5. 0. 13. 10(s. Jnf.-Rcg. Nr. 331). 21, 24, 26, 3t, 34, 46(f. Ers.-Jnf.-Reg. Leimbach-Zerener), 52, 60, 75, 76, 80, 87, 99, 109. Landw.-Ers.-Jnf.-Reg. Nr. 1. Landsü- Jnf.-Regimenter Nr. 3(f. Jnf.-Reg. b. Kramsta), Nr. 8 und Geiger. Feldbataillone Reiser und Schwarz des Detachements Plantier und Nord-Ost aus Thorn(s. Jnf.-Reg. b. Kramsta). Brig.-Ersatz- Bataillone Nr. 16(s. Jnf.-Reg. Nr. 361), 25, 26, 27(alle drei s. Jnf.-Reg. Nr. 363), 33, 40(beide s. Jnf.-Reg. Nr. 368), 41. 42, 43(alle drei s. Jnf.-Reg. Nr. 365), 53(s. Jnf.-Reg. Nr. 358), 55, 73(s. Jnf.-Reg. Nr. 373), 83(s. Jnf.-Reg. Nr. 364), 83(s. Inf.- Reg. Nr. 371), 86(s. Jnf.-Reg. Nr. 364). Landw.-Brig.-Erfatz- Bataillone Nr. 25, 26, 27(alle drei s. Landw.-Ers.-Jns.-Reg. Nr. 1). Landst.-Jnf.-Bataillone: I Allenstein, I. Braunsberg(s. Landst.- Jnf.-Reg. Geiger), I Diedenhofen, I Königsberg, I Saarlouis agenkolonne des 6. Reserbe- korps; Etappen-Kraftwagenkolonne Nr. 53 der 11. Armee. Train: Train-Abt. Nr. 5; Train- Ers.-Abt. Nr. 14; Brücken- train der 1. Jnf.-Dib. Magazin-Fuhrschrkkolonne Nr. 53 der S. Garde-Jnf.-Dib.; Fuhrparkkolonne Nr. 11 der 11. Armee, Nr. 3 des 1., Nr. 1 des 4., Nr. 11 des 18. Armeekorps, Nr. 133 des 81. Reservekorps und Nr. 147; Festungs-Fuhrpark Metz; Etappen- Fuhrparkkolonne Nr. 1 der 3. Armee, Nr. 8 des 2. Armeekorps und Nr. 147. Feldbäckerei-Kolonne der 8. Ers.-Dib. Etappen-Hilfs- bäckereikolonne des 18. Armeekorps. Munitionskolonnen: Jnf.-Munitionskolonne Nr. 3 der 3. Armee und Nr. 3 des 17. ArmeöorpS; Art.-Munitionskolonne Nr. 6 des 8., Nr. 34 des 13. Armeekorps und Nr. 84 des 33. Reservekorps; Res.-Art.-Munitionskolonne Nr. 55; Leichte Munitionskolonne der 8. Kaballerie-Dib.; Etappen-Munitionskolonne Nr. 4 des 17. Armee- korps. Sanitäts-Formationen: SanitätS-Komp. Nr. 2 des 1., Nr. 2 des 4., und Nr. 1 des 17. Armeekorps; Rcs.-SanitätS-ßomp. Nr. 44 der 44. und Nr. 43 der 43. Res.-Dib. Feldlazarett Nr. 3 des 15. Armeekorps; Res.-Feldlazarett Nr. 15 der 3. Res.-Dib. und Nr. 115 des 41. Reseroekorps. KriegSbekleidungsämter. Probiantamt der 2. Garde-Jnfanterie-Dibision. * Der Schluß der bayerischen Verlustliste Nr. 215 enthält Verluste des 4. Chebaulegers-Reg.; 4., 5., 13., 11. und 21. Feldart.- Reg.; Leichte Mumtionskolonne, zurzeit zugeteilt der 2. Abt. des Württ. Feldart.-Reg. Nr. 116; Res.-Feldart.-Reg. Nr. 3; Landw.» Feldart.-Reg. Nr. 6; Futzart.-Batt. Nr. 352; 1. Pionier-Bat.; Pionier-Komp. Nr. 19; Flieger-Abt. Nr. 3; Res.-Pionier-Bat. Nr. 3; 2. Pionier-Ers.-Komp. des 1. Pionier-Bat.; 2. Landst.-Pionier- Komp., 1. A.-K.; Sanitäts-Komp. 2, 2. A.-K.; Landw.-Sanitäts- Komp. Nr. 1; Berichtigungen zu den Verlustlisten Nr. 1 bis 185 (Vermißte). Die sächsische Verlustliste Nr. 186 bringt Verluste der Inf.» Regimenter Nr. 134, 181, 182; Res.-Jnf.-Regimenter Nr. 133, 242; Landw.-Jnf.-Regimenter Nr. 131, 133; Ers.-Bat.; Ers.-Jnf.-Reg. Nr. 6, Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 134; Fußart.-Regimenter Nr. 12, 13; Ref.-Fußart.-BataiHone Nr. 12, 19; Landw.-Fußart.-Bataillone Nr. 13, 27, 38; Pionier-Bataillone: I. Nr. 12, 22; II. Nr. 12, 22; Pionier-Kompagnien Nr. 115, 183; 1. Pionier-Ers.-Komp.; 2. Pionier-Bat. Nr. 22; Res.-Pionier-Komp. Nr. 53; Landwehr- Pion ier-Kvmpagn ien 12, 19. Armeekorps, Korps-Brückentrain; 12. Armeekorps; Mittlere Minenlverfer-Abt. Nr. 132; Nes.-Eisen- bahnbau-Komp. Nr. 7; Etappen-SanitätS-Depot der 3. Armee; Sanitäts-Kompagnicn Nr. 3, 12. Armeekorps, Nr. 2 des 19. Armeekorps; Nr. 123; Feldbäckereikolonne Nr. 123; Res.-Däckereikolonnen Nr. 1, 2, 12. Reserve-Armeekorps, Das Straßenbahnunglück am Reichstagsufer vor Gericht. Die erschütternde Katastrophe, die sich in der Nacht zum 22. April am Reichstagsufer abgespielt hat, fand gestern ihr gerichtliche? Nachspiel. Vor der 3. Fericnstrafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors U n- g e r hatte sich der Straßenbahnfahrer Robert T e s ch k e auf die Anklage derfahrlässigenTLtungundKörper- Verletzung zu verantworten. Tie Einzelheiten des furchtbaren Unglück« dürften noch in frischer Erinnerung sein, so daß nur folgendes herborgehoben werden möge: In der Nacht zum 22. April, etwa gegen 12sh Uhr, fuhr der Wagen 2262 der Stadtringlinie I vom Brandenburger Tor kommend am ReichstagSgebäude oorbei, sprang an der Ecke der Straße Reichstagsplatz aus den Schienen und stürzte dann über die Uferböschung am Reichstagsufer in die Spree. Der Führer des Wagens, der jetzige Angeklagte, und einige auf der Plattform stehende Personen konnten sich durch Abspringen retten, von den über 23 Insassen fanden fünf bei dem Unglück den Tod, andere wurden mehr und minder schiuer berletzt. Die Schuld an dieser Katastrophe wird dem Angeklagten Robert Tcschke au? Neukölln zugemessen. Es wird ihm borge- warfen, daß er als Fahrer sich der Kurbe mit zu großer Geschwin- digkeit genähert, den Strom nicht rechtzeitig ausgeschaltet und zu spät gebremst habe, so daß ihm die Gewalt über den Wagen boll- ständig verloren gegangen sei. Der 28 Jahre alte Angeklagte war am 5. Oktober 1914 als Schaffner bei der Großen Berliner Straßenbahn eingetreten, hatte am 23. November die Fahrerprüfung bestanden und tat seit dem l. Dezember 1314 selbständig Fahrerdienst. Dem Angeklagten steht Rechtsanwalt Dr. Heincmann zur Seite. Die Anklage wird vom Staatsanwalt Binder vertreten. Vernehmung des Angeklagten. Der Angeklagte bestreitet seine Schuld. Er ist, nach seiner Bekundung, gelernter Möbelpolier; in Bromberg ist er Bauarbeiter geworden und hat bei dieser Beschäftigung einen Unfall erlitten, bei dem ihm ein Ziegelstein auf den Kopf gefallen war und ihn so verletzte, daß er eine Unfallrcnte bezieht. Seit 1338 ist er in Belin, hat sich auch hier zunächst als Bauarbeiter ernährt und ist dann zur Großen Berliner Stratzenbahn-Gesellschaft gekommen. Nachdem er kurze Zeit als Schaffner Dienst getan, wurde er zum Fahrer ausgebildet; er hat in Weißensee acht Tage den Unterricht genossen, dann kam er acht Tage zu einem Lehrmeister, acht Tage zu einem Lehrfahrer, wurde von einem Inspektor und Ingenieur geprüft und übernahm dann als selbständiger Fahrer einen Wagen. Er hatte gleich am ersten Tage Unglück, indem er mit einem Ge- fährt zusammenstieß. Er kam danach auf eine andere Linie und stieß auch da mit einem Rollwagen zusammen. Die Linie 1 hatte er, nachdem er schon etwa zwei Monate Fahrerdienste geleistet und mehrere Ziisammcnstös-c mit allerlei Wagen gehabt hatte, nicht lange vor dem Unglückstage übernommen. An dem Unglückstage selbst hatte er den Wagen abends 8 Uhr auf dem Straßenbahnhof an der Brandenburg- und Gitschinerstraßen-Ecke übernommen. Auf Befragen des Vorsitzenden erklärt der Angeklagte, daß er nicht wisse, wie er dazu gekommen, bei der Ecke der Dorothenstraße die Kurhel auf höchste Geschwindigkeit und dann kurz vor der Unglücksstelle die Bremse plötzlich auf.Not" zu stellen und den Sandstreuer in Funktion zu setzen. Was ihm eigentlich passiert ist, weiß er nicht; er versichert, daß er immer die borgeschriebene Geschwindigkeit innegehalten habe und sich keine Rechenschast da- rüber ablegen könne, warum er gerade an diesem Tage an der kritischen Stelle die höchste Geschwindigkeit eingeschaltet habe. Auf weiteren Vorhalt des Vorsitzenden erklärt der Angeklagte, daß tt bei seiner Anstellung bei der Straßenbahn nichts von seiner fchwc- ren Kopfverletzung gesagt habe. Er will bei seiner Anstellung dem Vorsteher gesagt haben, er könne nicht fahren, denn er sei � leidend und wisse nicht Bescheid in Berlin. Er will aber die Antwort erhalten haben:„Das Hilst alles nichts; es müssen alle fahren." Vor der Anstellung sei er körperlich untersucht worden, aber auch bei dieser Gelegenheit habe er von seiner Kopfverletzung nichts gesagt. Noch 14 Tage vor dem Unglück habe er dem Vor- sicher wieder gesagt, er könne nicht fahren. Der Vorsteher habe aber nur geantwortet:„er habe keine Zeit" und habe ihn stehen lassen. Der Staatsanwalt stellt fest, daß der Angeklagte, nachdem er zwei Monate lang Probe gefahren, doch schon am 1. Dezember als selbständiger Fahrer tätig gewesen, also bis zum Tage des Un- glücks schon fast vier Monate hindurch selbständig gefahren sei.— Auf weitere Frage erklärt der Angeklagte, daß er vor Uebernahme des Wagens an dem Unglücksabend ein Glas Bier getrunken habe; ob schon dieses kleine Quantum Alkohol bei seiner geschwächten Gesundheit infolge der Kopfverletzung auf seine Dispositionskraft ungünstigen Einfluß ausgeübt habe, wisse er nicht.— Rechtsanwalt Dr. Heincmann läßt durch Befragen feststellen, daß der Angeklagte außer den von ihm geschilderten Unfällen noch andere erlitten habe; so hat er einmal einen Mann in der Brunnenstratze überfahren, er ist mehrmals auf andere Straßenbahnwagen von hinten aufgefahren und hat mehrfach Reparaturkosten und Straf- gelder bezahlen müssen.— Hiernach beginnt die Zeugenvernehmung. Geh. Medizinalrat Tr. Straßmann bestätigte als Sachverstän- diger, daß der Angeklagie im Jahre 1334 eine schwere Kopfver- letzung erlitten hat; er hat einen Schädelbruch davongetragen und die Gehirnhaut ist verletzt worden. Von diesem Unfall hat er nervöse Erscheinungen zurückbehalten, daneben besteht bei ihm eine erhebliche Jntelligenzschwäche, die mit dem Unfall nicht im Zu- sammenbang steht. Er hat in der Schule schwer gelernt und ist bis zur 4. Klasse gekommen; ein Bruder von ihm befindet sich in der Jdiotenanstalt in Dalldorf, die Mutter soll recht nervös sein. So besteht infolge erblicher Belastung bei dem Angeklagten eine geistige Minderwertigkeit, er leidet an nervösen Beschwerden, die an epileptische Erscheinungen erinnern. Wenn man diesen Zustand gekannt hatte» hätte er wohl niemals in einen solchen Betrieb ein- gestellt werden können. Denn er war dazu so ungeeignet wie mög- lich. Wenn er behauptet, gar keine rechte Erinnerung an die Vor- gänge zu haben, so ist dies nicht ganz unwahrscheinlich, wenigstens ist es möglich. Es ist möglich, daß dem Angeklagten erst infolge der Erschütterung durch sein Abspringen vom Wagen nachträglich das Gedächtnis geschwunden ist, aber es ist auch nicht aus- geschloffen, daß bei ihm zur Zeit des Unglücksfalles ein Zustand vorübergehender Dämmerung bestanden hat. Dieser Mann mit seiner beschränkten Intelligenz und verminderter Entschlußfähigkeit ist mit anderem Matz zu messen als andere Leute, und es liegen erhebliche Milderungsgründe vor. Er war sich selbst darüber klar, daß er ein Amt übernommen hatte, dem er nicht gewachsen war, und wenn einem solchen Mann von autoritativer Seite gesagt wird:„Sie müssen!", dann fehlt ihm die Kraft, dagegen auf- zutreten; er hatte auch wohl nicht die volle Klarheit, um sich die Konsequenzen klar zu machen. Ein geistig völlig klarer Mann hätte bei seiner Anstellung wohl zweifellos von seinem Unfall und der dabei erlittenen Kopfverletzung Mitteilung gemacht. Der Schaffner Ernst Gebauer, der als Fahrgast die Unglücks- fahrt mitgemacht hat, bekundet, daß er dem Angeklagten zugerufen: „Mensch, Dn fährst ja wie toll!" Der Angeklagte ist mit sehr großer Geschwindigkeit am ReichStagSufer gefahren, er gab die Notbremse und griff nach dem Sandstreuer; eS war aber regne- risches Wetter und der Wagen gehorchte nicht mehr. Der Zeuge sprang im letzten Augenblick ab; als er wieder ganz zu sich kam, war der Wagen schon verschwunden. Der Straßcnbahnschaffncr Schnöcke, der an dem Unglücksabend als diensttuender Schaffner mit dem?lnge klagten fuhr, bekundet, daß der Wagen von Anfang an mit der höchsten Geschwindigkeit gefahren ist. Verspätung lag nicht vor, der Angeklagte war auch nicht angetrunken. Er überfuhr an der Dessauer Straße eine Haltestelle, so daß sich eine dort haltende Dame lebhaft darüber beschwerte. Die Sommerftraße entlang ging'S immer schneller, der Zeuge wollte dem Fahrer Mäßigung anempfehlen, das Unglück war aber schneller, als seine Gedanken: es gab einen Ruck, im Wagen wurde eS dunkel, er war im Nu an der Bordschwelle, der Zeuge rief in den Wagen:„Alles raus!" und sprang ab. In dem nächsten Moment schon stürzte der Wagen in die Tiefe. Der Zeuge Hugo Nitzschke hat seine Frau als Opfer des Unglücksfalles zu beklagen. Er saß mit der Frau in dem Wagen. Ihm fiel das schnelle Fahren so auf, daß er äußerte:»Der Mann fährt ja wie die Feuerwehr!" An der Unglücksstelle gab es Plötz- lich einen Ruck und der Wagen mit den Insassen lag im Wasser. Der Zeuge hat sich mühsam herausgearbeitet, obwohl er in die Signalleine geriet, die sich ikstn so eng um den Hals legte, daß er noch lange Zeit einen roten Streifen im Genick aufweisen konnte. Als er wieder festen Fuß gefaßt, kamen zwei Pioniere auf Kähnen und diesen hat er bei ihren RettungSarbeiten geholfen. Seine Frau hat der Zeug« am andern Morgen im Leichenschau. hause als Leiche vorgefunden. Auch dem Sattler Otto Altenburg, der mit dem Wagen in die Spree hinuntergegangen ist, ist das sehr schnelle Fahren aufge- fallen. Er ist durch einen Schiffer gerettet worden, hat zwei kleine Verletzungen davongetragen und sieht im Traum noch immer die Schrecken des Unglücksfalles vor sich. Der 51ellner Fuchs hat als Fahrgast gleich den Gedanken er- wogen, wie bei dem schnellen Fahren der Wagen wohl durch die Kurve kommen werde. Er ist mit in die Spree gesaust, hat sich retten können und ist 4 Wochen bettlägerig gewesen, da ihm eine Rippe gequetscht, eine Rippe gebrochen und ein Muskel zerrissen war. Auch die Zeugin Frl. Lachmann ist bei dem Unglück mit einer Rippenquetschung davongekommen. Die Zeugin hatte an der Ecke der Dessauer Straße auf den Wagen des Angeklagten gewartet, der aber in großer Geschwindigkeit die Haltestelle um mehrere Wagen- längen überfuhr. Als sie dem Schaffner ihren Unmut darüber ausdrückte, erklärte dieser:„Beschweren Sie sich beim Fahrer!" Der Kellner Reinhold Bachmann hat sich durch Schwimmen aus der Spree gerettet und einen Nervcnchok davongetragen. Nach Vernehmung einiger Straßcnbahnfchafsncr und Beamten, die nichts davon wissen, daß der Angellagte angeblich mehrfach den Wunsch ausgesprochen habe, von dem Amt eines Fahrers befreit zu werden, beglaubigt der Sachverständige Eisenbahnbetriebs- ingcnicur Münde, daß lediglich die große Geschwindigkeit schuld daran gewesen ist, daß der Wagen in der Kurve entgleiste. Tic Bremse selbst war völlig imstande und hatte keinerlei Defekt. Der Angeklagte muß vor der Kurve langsam fahren, wenn er es nicht tut, so begeht er eine Pflichtwidrigkeit. Nach den Gutachten der Oberingcnieure Stadcr und Hcrrmann ist sowohl der Wagen in seiner ganzen Konstruktion als auch die Kurve in ihrer Lage den Bau. und Lctriebsvorschristen völlig ent- sprechend gewesen. Plädoyers. Nach Schluß der Beweisaufnahme führt Staatsanwalt Binder aus, daß der Angeklagte das Unglück verursacht und verschuldet habe. Zugegeben, daß der Angeklagte ein« verminderte Intelligenz haben mag, so wird er doch zweifellos dir Intelligenz besesscn haben, um sich zu sagen: bei dem Einfahren in eine Kurve muß langsam gefahren werden. Der Angeklagte hat die fragliche Strecke schon 32mal gefahren, auch an dem Unglückstage mchreremal, und er wußte, daß an der betreffenden Stelle ein« Kurve sich befindet, wo langsam zu fahren ist. Es mag zugegeben werden, daß der Angeklagte in Momenten der Gefahr der Gefahr nicht gewachsen ist und nicht den richtigen Entschluß fassen kann, hier handelt e? sich aber um die sehr einfache Frage, ob sich der Angeklagte bewußt sein mutzte, daß er eine Kurve nicht mit so großer Schnelligkeit nehmen dürfe. Daß er bei dem Unglücksfall sich in einem vorüber- gehenden Abwesenheitszustand befunden, ist nicht anzunehmen. Wahrscheinlich spielte der Alkoholgenutz eine Rolle. Der Angcklag'e reagiert auf Alkohol sehr stark, und das eine Glas Bier, welches er vor der Abfahrt zu sich genommen, wird ihn zu dem allzu schnellen Fahren verleitet haben.§ 51 St.G.B. liegt nicht vor, und so ist der Angeklagte wegen Transportgefährdung unter Ver- nachlässigung der ihm obliegenden Pflichten und wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zu bestrafen. Was oaS Strafmaß betrifft, so ist zu berücksichtigen, daß es sich um-in ganz ungeheuerliches Unglück handelt, wie man es sich entsetzlicher. eigentlich kaum vorstellen kann. Diesem ersckpvevenden Umstände gegenüber müssen alle Milderungsgründe schweigen. Die höchste Strafe würden 5 Jahre Gefängnis sein; wenn man bedenkt, daß es sich um 5 Todesfälle und mehrere Verletzungen handelt, erscheine der auf 3 Jahre Gefängnis lautende Strafantrag gerechtfertigt. Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Hemcmann: Ans tatsächlichen und rechtlichen Gründen müsse das Moment der Fahrlässigkeit, das darin liegen soll, daß der Angeklagte bei seiner Anstellung nicht auf die schwere Kopfverletzung hingewiesen, ausscheiden. Nach dem Gutachten des Sachverständigen erscheine es nicht ausgeschlossen, daß der Angeklagt« im Zustand« augenblicklicher vorübergehender Verwirrung bei dem Unglücksfall gehandelt hat. Bei einem solchen Manne, dessen Geistesverfassung der Sachverständig« geschildert habe, könne man nicht von einem Grade der Fahrlässigkeit sprechen, der als Pflichtwidrigkeit anzusprechen ist. Es handelt sich bei ihm nicht um bloßen Bildungsmangel, sondern es steM wn krankhafter Zustand in Frag«; bei einem so kranken Mensche».ist in der Unterlassung des Langsamsahrens seiner ganzen-Jlwi- vidualität nach eine Pflichtwidrigkeit nicht festzustellen. Der An- geklagte wäre in normalen Zeiten bei der großstädtischen Straßen- bahn wahrscheinlich niemals angestellt worden; er ist angestellt worden, obwohl er darauf hingewiesen hatte, daß er leidend sei. Zweifellos ist er auch bei der Anstellung nicht ordnungsmäßig untersucht worden, denn sonst wäre die äußerlich leicht erkennbare schwere Schädclvcrletzung gesehen worden. Außerdem hätte doch die Fülle von Zusammenstößen, die der Angeklagte verursacht hat, dahin führen müssen, daß er als für den Posten eines Fahrer? nicht geeignet erkannt wurde. Der Verteidiger beantragte zwn Schluß die Freisprechung, eventuell aber bat er, daß das Gericht sich nicht durch die schlimmen Folgen beeinflussen lasse und auf ein weit geringeres Strafmaß erkennen möge. Urteil. Da« Gericht verurteilte den Angeklagten im Sinne der An- klage zu 3 Jahren Gefängnis unter Anrechnung von 4 Monaten Untersuchungshaft. Es handle sich um einen Unglücksfall, der mit Recht die ganze großstädtische Bevölkerung in Aufregung versetzt hat und der von dem Angeklagten in der frivolsten Art und Weise herbeigeführt worden ist. Er hat ganz genau gewußt, was er tat, indem er durch das rasend schnelle Fahren in frivolem Leicht- sinn das Leben der ihm anvertrauten Menschen aufs Spiel setzte. Mag er schwierigen Situationen auch nicht gewachsen sein: hier lag eine solche gar nicht vor. Die Schwierigkeit ist erst von ihm selbst durch seinen Leichtsinn herbeigeführt worden. Nur mit Rücksicht auf den von dem Augeflagten erlittenen Schädelbruch hat das Gericht davon Abstand genommen, auf die höchste Strafe zu erkennen. Preiswerte iinsegnungs-AniOge Gnter Sitz. Nor eigenes FabrlStnt, Naher hSeliste Lelstangsiablokett. Beste V erarbeiten g. Ccineroeber BERLIN C Roßstr. 34 RSünlscIisr Mniürhl 4-6 Merstr. 1. In treuer Pflichterfüllung ftarben den Heldentod für das Vaterland im ersten Jahre des gewaltigen Krieges untere Angestellten Webrmann Otto flltenkird), FlascfcenkeUereiarbeiter der Hbf. Spandau, Webrmann Hlcx Anders, Böttcber der Abteilung Spandau, Webrmann Andreas Antkowiak, Flascb�nbierfabrer der Niederlage Posen, Musketier Kurt Beer, Beamter der Abteilung Nordost, Webrmann Wilbelm Berger, Mälzereiarbeitet d. Mälzerei Frankfurt a,0., Leutnant E. Beuster, Beamter der Abteilung Fürstcnwaldc, Gefreiter Jobann Boscbinski, Arbeiter der Niederlage Zeblendorf, Webrmann Emst Brückner, Flascbenbicrfabter der Abteilung Spandau, Offizierstellvertretcr E. Degener, Verwalter der Niederlage Gtogau, Unteroffizier Riebard Freund, Brauer der Abteilung Fürstcnwaldc, Unteroffizier Friedrieb Greiter, Maler der Abteilung Nordost, Webrmann Anton Gross, Stallmann der Niederlage Liebtenrade, Webrmann Jobann Grübet, Heizer der Abteilung Spandau, Reservist Fritz Hammel, Mitfahrer der Abteilung Nordost, Webrmann Carl Hein, Mälzereiarbeiter d. Mälzerei Frankfurt a/O., Webrmann Josef Heissenbuber, Brauer der Abteilung Spandau, Musketier Heinrieb Hennig, Mitfahrer der Abteilung Nordwest, Webrmann Otto Herrmann, Flascbenkellereiarbeiter der Abt. Spandau, Leutnant F. Hälburger, Betriebskontrolleur der Abteilung Nordost, Webrmann Otto Huwe, Fahrer der Abteilung Nordost, Webrmann Hermann Jebe, Fahrer der Abteilung Nordost, Webrmann Paul Jokiscb, Mitfahrer der Niederlage Frankfurt a/0., Unteroffizier Paul Klug, Hauptkassierer des Ccntral-Bureaus, Musketier Albert Köbn, Arbeiter der Abteilung Fürstenwalde, Reservist Ernst Kunz, Buchhalter der Niederlage Stettin, Jäger Gustav Lebmann, Mitfahrer der Niederlage Lichtenrade, Feldküthenfabrer Karl Lemke, Flascbenkellereiarbeiter der Abt. Nordwest, Webrmann Willi Lemke, Hofarbeiter der Niederlage Zossen, Musketier Anton Lüdtke, Tiscblereiarbeiter der Abteilung Nordwest, Webrmann Friedrieb Müller, Reservcfabrcr der Abteilung Spandau, Unteroffizier Hermann Posner, Brauer der Abteilung Fürstcnwaldc, Webrmann Arthur ßuarder, Sattler der Abteilung Spandau, Webrmann Friedrieb Riesebeck, Fassfabrcr der Abteilung Nordwest, Unteroffizier Maximilian Risse, Brauer der Abteilung Nordwest, Gefreiter Jobann Rübke, Maschinist der Niederlage Hamburg, Grenadier Willy Scbacbel, Beamter der Abteilung Fürstcnwaldc, Webrmann Richard Schubert, Flascbenkellereiarbeiter der Abt. Spandau, Gefreiter.Gustav Schuck, Bierfabrer der Niederlage Dahme i. M., Pionier Hermann Schnitze, Mitfahrer der Abteilung Nordwest, Webrmann Fritz Schulz, Hilfsarbeiter der Abteilung Spandau, Webrmann August Schwatz, Mitfahrer der Abteilung Nordost, Webrmann Otto Schwarz, Arbeiter der Abteilung Fürstcnwaldc, Webrmann Karl Schwiedct, Fassbierfabret der Niederlage Wittenberge, Webrmann Josef Tatcrra, Flascbenkellereiarbeiter der Abt. Spandau, Jäger Erich Tböme, Buchhalter der Niederlage Lankwitz, Ersatz-Reservist Hermann Tittelfitj, Flascbenkellereiarbeiter der Abt. Nordost, Webrmann Emst Tschauder, Scblossereiarbeitcr der Abteilung Nordwest, Webrmann Franz Ussat, Brauer der Abteilung Spandau, Webrmann Max Wenzel, Reservcfabrcr der Abteilung Spandau. Ihr Gedächtnis werden wir stets in Ehren halten! Patzenhofer Brauerei. SozialiicmokratischerWaMvereii!! 1. d. 6.BeFl.REielisla[iswah!ki'eis.i 5. Abt. Bez. 535. Am Ticnstcig, den 24. August, j 1 vc> starb unser Genüsse und> ssrllhercS Vorstandsmitglied, der! Maurer Otto Met?ke Pappelallee 50. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am i Sonntag, den 29. August. vor, j mittags 11 Uhr, von der Leichenhalle in Schildborn, Bahnstation\ Grunewald, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 227/8 Vorstand.\ DeutschEF ßauarlieitEP-VeriMl. Zweigverein Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag am 24. August unser Kollege, der Maurer Otto Metzke aus tragische Weise aus dem Leben geschieden ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Sonntag, den 29. August, vor- mittags 11 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes der Namen- losen im Grunewald(Schildhorn) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Vor- Vorstund. Goktloii der?ntzQr. Den Mitgliedern zur Nach- richt, das am 25. Äugtest unser Kollege Oskar Müller an Herzleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 28. August, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des Keorgen-Kirchhofes in Weißen- see, Rölckestraße, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 141/19 ver Vorstand. Aus dem Wege zum Kriegs- ! schaupintz verstarb am 12. August I d. F. in einem Lazarett an einer I tückischen Krankheit unser lieber �Kollege, der Maschinenmeister RKsx Klyth | Kais er- Franz- Garde- Grenadier- Regiment Nr. 2. Ehre seinem Andenken! | Die Kollegen der Hofbuchdruckerei Julius Sittenfeld. IDEUiscIiEFHEtailaFbEltEr-YEfbanii Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, | daß unser Mitglied, der Dreher Bnmo TliieOen Lenaustr. 26, | am 23. August gestorben ist. Die Beerdigung findet am Zonntag, den 29. August, nach- I mittags 21/s Uhr, von der Leichenhalle des Neuköllner Gemeinde- Friedhofs, Mariendorfer Weg, aus statt. Den Kollegen serner zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Mechaniker Vilkelm Me�er Auguslstr. 22, am 25. August gestorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 30. August, nach- mittags 3 Uhr. von der Leichen- Halle des Sophien-Kirchhofes, Freienwalder Straße, aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. �aedrut. Den Kollegen ferner zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Klempner Ernst Lerche Frlediichshagen, am 23. August gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Tie Ortsverwaltung. Ilm 24. August starb plötzlich l und unerwartet mein lieber Mann, unser guter Vater, Sohn und I Bruder (Hta Metzke im 28. Lebensjahre. 2276b Dies zeigen tiesbetrübt an Hotzko als Frau nebst Kindern. Familie Ilolnrtel» lüetzke. Die Beerdigung findet Sonntag, vormittags 11 Uhr, von der Leichen- Halle des Schildhorn-Kirchhoses, Bahnstation Grunewald, aus statt. Nach langem, schwerem Leiden verschied am 25. August unsere liebe Mutter friedenke Lorique geb. Brauer im Alter von 50 Jahren. Dies zeigt tiesbelrübt an!br Sohn 73A linH Stroß nebst Frau. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 29. August, nach- mittags 3>/, Uhr, von der Halle des Jerusalemer KirchhojeS aus statt._ Am 24. Juli 1915 fiel bei einem Sturmangriff durch Brustschutz mein lieber Mann, unseres einzi- gen Kindes guter Vater, Schwieger- söhn, Bruder, Schwager und Onkel, der Landsturmmann Wilhelm kieldlock. Dies zeigt im tiefsten Schmerze im Namen der Hinterbliebenen an Frau 91inna Kielblock nebst Sohn Walter. Ganz einfach war Dein Leben, Du dachtest nie an Dich, Für Frau und Kind zu sorgen, Hieltst Du als höchste Pflicht Du liebtest sie ganz unermeßlich, D'rum bleibst Du ihnen unvcr- 73A gcßlich. VEFBin dEF StEFEOtypEQFB md CalvanoplasükEF Bsrlins u. Hing. Im Kampfe fürs Vaterland ließen ferner ihr Leben die Kollegen Otto ttüherland und am 20. Juli 1915 Karl Baatz am 6. August 1915. Ehre ihrem Andenken! 284/15 Der Borftand. Am 11. August fiel in den Kämpscn unser langjähriger Kutscher, der Landsturmmann �uxust ttottmann. Wir beklagen in ihm den Ver- lust eines gewissenhailen Mit- arbeilers, dessen persönliche Eigen- schatten ihn uns unvergeßlich machen. 37A SEFliDEF GEDOSSEnscballsbäckEFEi Eingetragene Genoffen Ich ast mit beschr. Hastpflicht. Danksagung. Anläßlich der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, des Tischlers Adolf Vogt sagen wir für die vielen Beweise inniger Teilnahme und für die reichen Kranzspenden allen Freunden uitö Bekannten, insbesondere den Herren Chefs und den Kollegen der Tischlerei Bannmann u. Hoffmann, serner dem Ortsvorstand des Deutschen Holz- arbeiler-Verbandcs unseren herz- lichiten Dank.. 2278b Frau Emma Vogt und Kinder, Boppstr. 11. �.U»W»hlsQ oaeh ausserhalb cesjan Ab- zahlnng;. Umtausch«reitattat. »Sonntag: 8—10 geöffnet. i'iir»tarke Figuren Passendes m allen Abteilungen. Mm9 saooh bis Dienstag abend. Kostüme N. Gnmmimäntel, »•"•t.H.rb.t-od.U. darunt. mchl kopierte Einzel-Modeue,«on«t JJÄVa fastSfaoh tonrer, blau, kirsohfarb., braun, top, reseda, ITAITItrlrAf :n Kammgarn, Tuch, Samt, Seide, bi» Dienstag abend£*.(J Y Cl Äill" 75.— Elnfacho praktische Kostüme«et gefuttert, beste Stoffe und gediegene_ Aiboit, bis Dienstes abend ,127.— Lodenpelerlnen. 1301ans. für lO.— 20.— tlü.— �/�iitoclellrsciie a Seido.schw. u-latb.. Wasserdichte Lodenmintel. 15.—., � 1«.—, 20.— Gnmmimäntel, blau, reseda u. and. Darben, darunter Prachtstücke, 10.- Setagnmmin- Seidenmäntel, gergesch,, blau, dunkel lila, top, sehr weitoSchmtte( Modelle) :J4.- ' modelte, d. regelr.woit üb. d DoppeltTkost.»».— Astrach. Krimmer-, Wollplüschmänt, best.Hrnfutt.48.— Pelzmantel lang und halblang, echte feinste Felle, gediegene Kürschnerei beil, Persianer. Sealbisam. Elootrlo raaÄ, Orenburger. Fohlen, darunter Modelle, die in nächster Zeit weit über das Doppelte kosten"worden, für 9U0.-, 60ü.—, 300.-. 175.—. Einzelne kurze Plüsch- und Pelzjacken bis Dienstag abend 55.—. Trauermagaziu. KlnsM�nungsklelder Ailergrössto Auswahl. Ansichtssendungen sofort. Zentr. 7890, in gesohmr�kvoller niedl. Aust Bohr billig. "W esiixi.£ksi]v L IWohrensstr. 37a(Kolonnaden). II Cnroße Frankfnrter Str. 115(nahe Andreasstr.). Dcachlen Sie meine 7 Schanfensier. OskarWollburg 56 n. 57 BrnnnenstraSe 56 n. 57. Zur Jugendweihe Schwarze, weihe, farbige Kleider | aus Popeline, Satinluch, Gabardine, Sammct H.5o 19.75 28- 39.— Beim Einkauf ein Spiizeniuch gratis. Backfifch-Kostüme und-Paletots in nur fefchen Formen 6.75 9.50 13.75 22— Besondere Abteilung lürlrauer-Bekleidung Gröfete Auswahl in Kosffimen, Mänteln, Röcken, Blusen, Kfilen efc üonnt.tf« von S btt 10 Uhr geCHnet. Verantwortlicher Rehakreur: ZUfreh Wiejrpp, Neukölln. Lür dea Snjeratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck mVerlag: Vorwar»«uchdruckerei u. Lerlagsanstalt Paul Singer 6- Co,»erliiTSWi