Ar. 247.-M. Jahrg. monnementS'Bedlnaonsnt Btonncmeiü«•«rttS prünumermld»? vierteljährl. 830 Ml, monatl. 140 ZW, wöHenrlich 25 Psz. frei In» Hau». Einzeln« Nummer 5 Pfg. Eonntaq»- nummer mit illustrierter Sonntag». Beilage»Die Neue Well' 10 Pia. Post- tltonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen w die Post- Zeitung». Preisliste. Unter Kreuzband lür Deutsckland und Oesterreich- Unoarn 230 Marl, sllr da» übrige Ausland » Mark pro Monat. Postabonnement» nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Rumänien. Schweden und die Schwei» OWielDt lZgllch. Nerltnev VolKsblAkk. � S Pfennig) Die InlertlonS'Gebüljr betrügt für die sechsgespaltene Kolonel. »eile oder deren Raum 00 Psg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und PersammlungS-Anzeigen SO Psg. „Kleine Hnxeigen", das settgedrua'ic Wort 20 Psg. szulössig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- »eigen da» erste Wort 10 Pfg„ jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- Naben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittag» in der Expedition ghaegeben werden. Die Expedition ist bi» 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm< Adress« „SoziajiUlHbffral Bolln". Zentralorgan der rozialdemohratifchen parte! Deutfcblands. Neüaktion: Sw. H8, Linüenstraße Z. Fernsprecher: Amt Morttzplatz. Rr. ISl. NO— IM 97. Dienstag, den 7. September 1915. Expedition; SW. 68, Lindenstraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. IM 90— IMS?. Andauernde Kämpfe am Serech-Me. v-öootskrieg. Berlin, 6. September.(83. T. B.) Amtlich. Laut Mel- �oung eines unserer U-Boote, das mit dem U-Boot„U 27" auf See zusammengetroffen ist, hat letzteres Boot etwa am 10. August einen älteren englischen kleinen Kreuzer westlich der Hcbriden versenkt.—„u 27" selbst ist nicht zurückgekehrt; da es seit längerer Zeit in See ist, mutz mit seinem Verlust ge- rechnet werden. Am 18. August, 7 Uhr nachmittags, ist wiederum ein deutsches Unterseeboot von einem englischen Passagierdampfer mit Geschützen beschossen worden. Das U-Boot hatte versucht, den im Bristol-Kanal angetroffenen Dampfer durch einen Warnungsschutz zum Anhalten zu bringen. Der Chef des Admiralstabes der Marine. London, 6. September.(85. T. B.) Nach einer Meldung von Lloyds ist die norwegische Dreimastbark.Glim* versenkt und die Besatzung von 14 Mann heute früh wohlbehalten gelandet worden. London, 6. September.(W. T. B.) Der deutsche Dampfer .Froe* ist versenkt worden. Der Kapitän und 18 Mann der t nung wurden gerettet. ondo«, 6. September.(W. T. B.) Meldung deS Reuter- Lureaus. Der englische Dampfer.Chmbeline" jl' versenkt. Einunddreitzig Mann von der Besatzung .ourden gelandet, sechs sind tot, sechs verwundet. fibermals ein pajlagierüampfer torpeöiert? London, 5. September.(W. T. B.) Das Reutcrsche Bureau meldet aus QueenStown: Der britische Dampfer „Hesperian" von der Allanlinie(10 920 Tonnen) mit fechShundert bis siebenhundert Fahrgästen an Bord, wurde gestern obcnd bei Fofinet torpediert. Er sank nicht. Die Schiffbrüchigen kamen ohne Kleider in Liueenstown an.— Eine Lloyd Meldung besagt:„Hesperian" torpediert, Kapitän und zwanzig Man» der Besatzung blieben an Bord, die Fahrgäste und ein Teil der Besatzung wurden in QueenStown gelandet. HUfc wurde entsandt. Man hofft, den Dampfer in den Hafen schleppen zn können. (Notiz des W. T. B.: ES wird gut sein, zunächst eingehendere Meldungen abzuwarten, ob überhaupt und unter welchen Umständen eine Torpcdicruug der„Hesprrian" rrfolgt ist.) * Amsterdam, 6. September.(W. T. B.) Ein hiesiges Blatt meldet aus New Jork: Der„Hesperian" befand sich ""auf der Ausreise. Unter den 314 Passagieren befanden sich Major Barros. 12 Offiziere und 35 Mann eines kanadischen Bataillons, die alle der- w u n d e t waren und zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit nach Kanada zurückkehrten. Der Major erzählt, daß er zehn Minuten vor halb neun Uhr abends mit einigen Offizieren auf Deck saß, als plötzlich eine laute Explosion statt- fand. Das Schiff wurde heftig erschüttert. Eine 50 Meter hohe Wassersäule fiel auf das Deck. Die Frauen und Kinder wurden zuerst in die Rettungsboote gebracht. An Bord herrschte eine vorbildliche Ordnung. «- London, 6. September.(W. T. B.) Meldung des Reuter- scheu Bureaus. Der Dampfer„Hesperian" ist heute früh 6 Uhr 47 Minuten gesunken. Keine Menschenverluste. London, 6. September.(85. T. B.) Meldung de? Reuterschen Bureaus. Der amerikanische Konsul in QueenStown berichtet, daß bei der Torpedierung deS Dampfers.Hesperian" keine Amerikaner umS Leben gekommen sind. Die Reeder erklären, dag niemand umgelommen ist. Datz das Schiff absichtlich torpediert wurde, gehe aus den Mit- teilungen von Passagieren hervor. Danach war Herr- liches Wetter; viele hatten sich nach dem Essen an Deck begeben. wo sie im Glauben. daß sie die Ge- fahren überstanden hätten, über die angenehme Reise sprachen. Plötzlich wurden die Deckstühle durch eine heftige Erschülterung umgeworfen. Darauf fand eine Explosion statt, und eine große Wassersäule, die bis zur Höhe der Masten emporstieg, fiel auf Deck nieder, wo alle durchnäßt wurden. Der Kapitän habe schnell angeordnet, die Boote herabzulassen, worin erst die Frauen und Kinder und darauf die anderen Passagiere Platz genommen hätten, während der Kapitän und die Offiziere an Bord geblieben seien. MeliW des SlsW SWlprto. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 6. September 1915.(SS. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Es hat sich nichts Wesentliches ereignet. Ei« feind- sicher Doppeldecker wurde an der Straße Menin— Jpern heruntergeschossen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldrnarfchalls v. Hlndenburg. Von der Ostsee bis östlich von Grodno ist die Lage un- verändert. Der rechte Flügel nähert sich dem Njemen bei Luno und dem Ros-Abschnitt nördlich von Wolko- wysk. Heeresgruppe des Leneralfeldmarlchalls Prinz Leopold von Bayern. Die Heeresgruppe ist unter Kämpfen mit feindliche» Nachhuten im Vorgehen uud hat de» R o s> A b s ch n i t t südlich von Wolkowysk bereits überschritte». Auch die Sumpfengen bei S m o I a n i c a(nordöstlich von Pruzana) sind überwunden. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. lllachenlen. Der Angriff geht vorwärts. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine besondere« Ereignisse. Oberste Heeresleitung. »» » Ter MMMe SmniilWsliMl. Wien, 6. September.(W. T. B.) Amtlich wird ver- lautbart: K. September 1915. Russischer Kriegsschauplatz. An der bessarabischen Grenze und ö st l i ch der Sereth-Mündung wiederholten die Russen gestern ihre heftigen Gegenangriffe. Der Feind wurde überall zurück- geworfen und erlitt grotze Verluste. An der Serethfront und an unseren Linien östlich von Brody und westlich von Dnbuo Hetz die heftige Tätigkeit im Vergleiche zu den starken Kämpfen der Bortage etwas nach. In der Gegend von T a r n o p o l wurde den Russen eine verschanzte Ortschaft entrissen. Unsere östlich von Luck vordringenden Truppen habe« nördlich von Olyka unter den schwierigsten Berhältnisse« die ver- sumpfte, überschwemmte Putylowka-Niederung im Angriff über- schritten. Die an der oberen Jasiolka kämpfende« k. und k. Streitkräfte warfen den Gegner aus seinen letzten verschanz«». gen südwärts deS FlusseS heraus und gewannen an mehreren Stellen das nördliche Ufer. Italienischer Kriegsschauplatz. Während die Italiener gestern an der küstenländischen Front und in Kärnten im allgemeinen untätig verblieben, ent- wickeln sie im Gebiete des Kreuzbergsattcls(südöstlich Jnnichcn) nach längerer Pause eine heftige Artillcrictötigkeit und versuchen dort an mehreren Punkten sich unseren Stell»»- gen zu nähern. Zu Jnfanteriekämpfen ist ti bisher nicht gekommen. Der Stellvertreter des ChefS des Generalstabe»: von Hoefer, Feldmarschalleutnant. l Die Antwort Griechenlanüs an Serbien. Köln, 6. September.(W. T. B.) Die„Kölnische Zeitung" meldet aus Athen: Gestern hat der Mini st erPräsident dem serbischen Gesandten die Antwort Griechenlands zu dem Entschlüsse Serbiens, gewisse Gebiete an Bulgarien abzutreten, mitgeteilt. Die Antwort ist von dem aufrichtigen Bestreben erfüllt, dem verbündeten Serbien entgegenzukommen, und macht nur den einzigen Vorbehalt, daß Lebensinteressen Griechenlands nicht angetastet werden. Im besonderen beziehen sich die Vor- behalte Griechenlands auf zwei Punkte: nämlich auf den Hinweis darauf, daß der Abschnitt Gewgeli— Doiran, der eine in griechisches Gebiet hineinragende Enklave bildet, nicht an Bulgarien abgetreten werden dürfe, weil Griechenland dieses Gebiet nur unter dieser Voraussetzung im zweiten Balkan- kriege aufgegeben habe, und auf den Hinweis darauf, daß die Grenzfestsetzung zwischen Griechenland und Serbien beibehalten werden möge. Dies bedeutet, daß Mona st ir beiSerbien verbleiben müsse. Droht eine Kohlenot! Die„Kölnische V o l k s z e i t u n g", die in der Regel über den Stand der Dinge in der rheinisch-westfälischen Kohlen- industrie gut unterrichtet ist, lenkt die Aufmerksamkeit auf die Schwierigkeiten, die sich in Bezug auf die Versorgung mit Kohlen im kommenden Winter einstellen können.— Die Ausführungen des Blattes gehen dahin: Da das Syndikat eine Erhöhung der Preise vom 1. September an eintreten läßt, war der Begehr nach Heizstoff in den letzten Monaten geradezu stürmisch; die Händler suchten möglichst ihre Lager zu dem alten Preise aufzufüllen. Die Lage ist indessen in- sofern bedenklich, als die Gruben keine Vorräte haben, denn bisher wurde ihre Förderung von den Verbrauchern voll- ständig aufgenommen und auch die Vorräte, die bei Kriegs- beginn lagerten, sind längst aufgebraucht. Der Bedarf ist allerdings erheblich zurückgegangen, da die Industrie zum Teil füll liegt, trotzdem sei mit einer Knappheit an Hausbrandkohlen in den Wintermonaten zn rechnen. Die Lage wird aber noch dadurch verschlimmert, daß die Leiter vieler großen Zechen die Weisung gegeben haben, mit den Lieferungen zurückzuhalten: .Der Zweck dieser Maßnahme— schreibt das genannte Blatt— lag natürlich darin, möglichst großen Nutzen aus den Erzeugnissen zu zieben. Wo bleibt aber hier, besonders in der jetzigen Zeit, die Rücksichtnahme auf die Allgemeinheit, auf welche gerade in den Kreisen des Syndikats und der Zechenbesitzer immer wieder hingewiesen wird? Leider muß festgestellt werden, daß auch hier auf Kosten der Allgemeinheit„Spekulation" getrieben worden ist, welche großen Unwillen bei den Verbrauchern hervor- gerufen hat." In der Tat ist diese Zurückhaltung der Vorräte in der jetzigen Zeit ein starkes Stück. Die Transportverhältnissc liegen bei weitem nicht normal, die Eisenbahnen können nicht immer die Wagen anliefern und in den Städten besteht großer Mangel an Fhrwerken, was die Abfuhr von der Bahn er- schwert. Wenn nun die Kohlenhändler verhindert wurden, in den Sommermonaten sich zu versorgen, so dürste sehr leicht die Versorgung in den kommenden Monaten sich schwierig ge- stalten. Wie liegen nun die Verhältnisse in bezug auf Produktion und Bedarf? Die Produktion ist erheblich zurückgegangen. Das rheinisch-westfälische Syndikat gibt die Förderung in den ihm angehörenden Zechen für den Monat Juli mit 6 56 i 151 Tonnen an gegen 8 85o 292 Tonnen im Vorjahre. Diese Produktions- einschränkung ist in erster Linie auf den Mangel an Arbeits- kräften zurückzuführen. Man hat in den letzten Monaten durch Herbeiziehung von Kriegsgefangenen diesem Mangel abzuhelfen gesucht, aber erstens sind unter diesen Gefangenen selbstverständlich geübte Bergleute nicht in genügender Zahl zu finden, zweitens ist ihre Lefftmigsfähigkeit gering. Das letzte ist natürlich nicht darauf zurückzuführen, daß die fremden Bergleute an sich weniger leistungsfähig sind, als die deutschen, sondern ausschlaggebend ist, daß die Arbeitsmethoden und Betriebsverhältnisse in jedem Lande andere sind und auch der tüchtigste Arbeiter Zeit braucht, um sich neuen Arbeitsverhält- nissen anzupassen. Schließlich liegt es in der Natur der Dinge, daß der Kriegsgefangene keineswegs mit der Anstrengung arbeitet, wie der freie Arbeiter. Der Mangel an Arbeitskräften kann also auf diese Weise kaum bewältigt werden und es fragt sich, ob bei faktischem Mangel an Kohle nicht die Freigabe einer genügenden Anzahl von Bergleuten aus dem Heere eine unabweisbare Notwendigkeit wird. Auf der anderen Ssitc ist der Bedarf an Kohlen erheblich zurückgegangen. Es ist das weniger auf die Streckung in der„Fertigindustrie" zurückzuführen, als auf die Einschränkung der Eisenproduktion. Die Hüttenwerke sind bekanntlich die stärksten Verbraucher von Kohle, und ihre Produktion, somit auch ihr Bedarf an Heizmaterial, ist ganz erheblich vermindert. Zieht man das in Betracht, so scheint die Gefahr einer absoluten Kohlenknappheit nicht gerade besonders groß. Indessen ist angesichts der von der„ K ö l n i s ch e n V o I k s- zeitung" konstatierten Räumung der Vorräte auf den Gruben die Lage immerhin ernst. Sie loird verschlimmert durch die von dem Blatte angeführten Spckulationsmanöver. Es kann daher leicht dahin kommen, daß die Händler sich die Lage zunutze machen und, sobald der Bedarf an Kohlen für die Heizung dringend wird, die Preise ungebührlich in die Höhe schrauben. Es wäre so ziemlich das schlimmste, was der großen Masse der Bevölkerung widerfahren könnte, wenn zu der ungeheuren Teuerung der Lebensmittel auch noch eine Kohlenteuerung treten würde, und es ist notwendig, einer solchen Kalamität vorzubeugen. Offenbar iväre es verfehlt, wenn man erst in den Winter- monaten mit Höchstpreisen einschreiten wollte. Man würde dann die Kleinhändler treffen, die die Kohlen an die HauS- halte liefern, nicht aber die Spekulanten, die in erster Linie unter den Großhändlern zu suchen sind. Haben erst die Kleinhändler unter dem Zwange der Verhältnisse langfristige Verträge mit hohen Preisen abgeschlossen, dann ist eine Herabsetzung der Preise schwer durchzusetzen. Wir halten es für nicht gerechtfertigt, daß die Regierung die Hinaufschraubung der Preise seitens des Kohlensyndikats zuließ, aber jedenfalls muß vermieden werden, daß darüber hinaus die Preise durch Spekulationsmanöver geschraubt werden. Dem kann nur vorgebeugt werden durch rechtzeitige Festsetzung von Höchst- preisen sowohl für den Groß- als für den Kleinhandel. Darüber hinaus dürste es aber notwendig sein, daß die Kommunen sich über die Versorgung mit Kohlen für den Winterbedarf informieren. Der'Großhandel in Kohlen ist ziemlich konzentriert, es kommt selbst für Großstädte immer nur eine geringe Anzahl Firmen in Betracht und es kann daher nicht besonders schwierig sein, festzustellen, wie es mit der Versorgung steht. Stellt sich dann heraus, daß sie nicht gesichert ist, dann mutz, solange es noch Zeit ist, die Zufuhr organisiert werden. Jedenfalls wäre es ein schiverer Fehler, der sich bitter rächen kann, wenn mau sich unter den ge- gebenen Verhältnissen in dieser wichtigen Lebensfrage der Be- volkcrung auf das„freie Spiel der Kräfte" verlassen wollte. Der ruPsche Heneralftabsbericht. Petersburg, 6. September.(W. T. B.) Mitteilung des Generalstabs des Generalissimus. Am Gingang des Golfs von Riga erschienen am 3. und•!. September wiederholt feindliche E r k u it d u n g s w a s s e r- flugzeuge oberhalb der Meerenge von Jrben und warfen auf unsere Torpedoboote Bomben. Diese verjagten die seind- lichen Wasserflugzeuge jedesmal mit ihrem Geschützfener. Auf dem linken Ufer der Düna brachten die Deutschen Verstärkungen heran und richteten ihre hauptsäch- lichen Anstrengungen darauf, den Flußübergang in der Gegend von Friedrichstadt zu erztvingen. Infolge der Ungleichheit der Streitkräfte mutzten unsere Truppen, welche nach einem hartnäckigen Kampfe am 3. September bei Linden auf das linke Flußufer gelangt lvaren, sich wieder nach dem rechten Ufer zurückziehen. Nach ge- naueren Berichten über den am 3. September bei Friedrich- stadt stattgefundenen Kampf wurde der Rückzug unserer Truppen jenseits des Flusses durch einen Brand der Duenabrücken verursacht, welcher durch eine feindliche Beschießung hervor- gerufen war. In der Gegend von Riga und Jakob st adt beschränkten sich die Deutschen darauf, unser Vorrücken zu behindern. In der Richtung von W i l n a hielten lvir den Feind in seinen früheren Stellungen zurück. In der Gegend der Ortschaft Orany jagten unsere Truppen am 3. September die Deutschen aus dem Dorfe Smalinki und machten dabei mehr als zweihundert Gefangene, darunter Offiziere. Am Unterlauf der Meretschanka hielten wir am 3. September unter schwierigen Verhältnisien dem An- stürm des Feindes stand, welcher durch seinen Vorstoß drohte, unseren Truppen den Rückzug in der Gegend von Grodno abzuschneiden. An der Njemenfront, oberhalb Grodno, bis zum Jasioldaflusse bei Kartuska Bereeza schlugen unsere Truppen in der Nacht zum 4. September sowie am folgenden Tage in mehreren Abschnitten mit Erfolg einige Angriffe des Feindes zurück, dem es aber gleichwohl gelang, uns gegen Wolkowysk zurückzudrängen. Zwischen den Flüssen G o r g a und S t yr fuhr der beträchtlich verstärkte Feind am Abend des 3. September fort, seine Offensive auf den Straßen von Dubno und Rowno zu entwickeln. Auf dem rechten Ufer des Styr nörd- lieh von Dubno haben sich Begegnungskämpfe entsponnen. In Galizien unternahm der Feind am Serethfluß in der Gegend von Tarnopol und Flust sowie in der Gegend der Sereth- mündung an beiden Ufern des Dnjestr im Laufe des 1. Sep- tember einen hartnäckigen Vorstoß. Bei Tlusk wurden die hartnäckigen Angriffe des Feindes trotz der ihm gesandten Verstärkungen von unserer Artillerie und durch unsere Gegen- angriffe zurückgewiesen. Wir machten ungefähr dreihundert Gefangene, darunter einige Offiziere. Tie Kämpfe dauern jort. Der französische Tagesbericht. Paris, 6. September.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von Sonntag nachmittag. Heute früh heftige Kanonade südlich von ArraS und im Gebiete von Vailly. Besonders lebhafter Kämpf an den Rändern der Somme in der Umgebung von Frises. Gegenseitige Kämpfe mit Artillerie und den Kampfiverkzeugen des Schützengrabens in den Abschnitten von Ouenneviöres, Vie und Nouvron. Unsere Batterien brachten an mehreren Stellen die feindlichen Batterien zum Schweigen. Ziemlich heftiges Bombardement in der Champagne nördlich des Lagers von Chalons. In den Vogesen hielt das Eingreifen unserer Artillene das deutsche Gewehrfeuer vor unseren Stellungen am Lingekopf an. Paris, 6. September.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von Sonntag abend. Andauernd scharfe Artillerietätigkeit um Neuville, Rolineourt, im Gebiet von Roye und auf der Front in der Champagne zwischen Auberive und Souain. In den Argonnen sehr heftiger Artilleriekampf. Ziemlich lebhafte Kanonade im Wald von Apremont und nördlich von Flirey. In den Dardanellen herrscht seit Ende Angust in der Südzone der Halbinsel Ruhe. In der Nordzone gestatteten mehrere ziemlich lebhafte Gefechte den englischen Truppen, Fortschritte zu erzielen._ Meldung öer italienischen Heeresleitung. Rom, 5. September.(W. T. B.» Amtlicher Bericht von heute abend. Zusammenstöße kleinerer Abteilungen fanden auf der Höhe von Redival, im Strinotale(Noce), zwischen Serravalle und Marco, im Etschtal, in der Umgebung des Gipfels von Cista und im S u- g a n a t a l statt. Ueberall wurde der Feind gezwungen, sich unter Verlusten zurückzuziehen. Auf der Höhe von Redival wurde auch eine Verschanzung zerslörl. Die Unsengen be- mächtigien sich einer großen Menge Munition und anderen Kriegsmaterials, das vom Feinde zurückgelassen wurde. Einer unserer Batterien gelang es durch treffsicheres Schießen, ein Gerüst in Brand zu stecken, das der Feind zu errichten im Begriff war, um die Kuppel des Forts Doß Sommo auf der Hochfläche Folgatta ausbessern zu können. Auf dem Karst wurden an mehreren Punkten unserer Linie Fortschritte erzielt und einige feindliche Verschanzunzen besetzt. Unsere Fortschtttte sind besonders merklich im Ab- schnitt Doberdo südlich der Straße, die nach dieser Ottschaft führt. Die im Laufe des 2. September entwickelte Unternehmung in der Zone von Dei sei Busi führte zur Erbeutung von 150 Gewehren, einigen tausend Patronen und anderem Kttegsmaterial. Seit einigen Tagen wirft der Feind mit größerer Leb- haftigkeit auf unsere Linien Kundgebungen, die zur Fahnen- flucht auffordern und Kriegszeitschriften, die plumpe Erfindungen enthalten. C a d o r n a. Gesierreichisches Dementi. Wien, 6. September.(W. T. B.) Ans dem Kriegspresse« guartier wird gemeldet: Berichtigung zum italienischen Kriegsbericht vom 3. September. Der Monte Chiadeni«, daS Bladner Joch und der Monte Peralba sind nach wie vor in unserem Besitz. Es ist im ganzen Abschnitt lein Fußbreit Land verloren ge« gangen. Am 1. September versuchte der Feind einen Angriff auf daS Bladner Joch und den Monte Peralba, wurde jedoch mir Ler- lüften abgewiesen. Im Fleonetale haben unsere ErkundungZ- abteilungen Casera Flcone ins. und Casera SissaniS angezündet und teilweise abgebrannt. In den letzten Tagen haben ErlundungS- abteilungen sich nachts an die Drahtverhaue und Deckungen bei Casera Liffanis angeschlichen und dem Feind durch Gewehrfeuer und Handgranaten Verluste beigebracht. Der Monte Avanza war stets in italienischem Besitz und niemals wurde von unS eine größere Kampfhandlung gegen ihn unternommen; nur kleine geschickt geführte Erkundungsabteilungen wurden wiederholt gegen den Sattel zwischen dem Monte Avanza und dem Monte Chiadeni» zur Beunruhigung des Gegners vorgetrieben. italienische Truppentransporte nach üer Türkei. Mailand, 6. September.(W. T. B.) Der„Corttere" meldet den Erlaß strenger Vorschriften für die Schiffahrt und Fischerei im Golf vonTarent auf Grund von Truppentransporten nach dem öst- lichen Mittelmeer. Meldung des türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 6. September.(W. T. B.) Bericht des Hauptquartiers. An der Tardanellensront nichts von Bedeutung. Ter Feind beschoß in Zwischenpausen erfolglos mit seiner Land- und Schiffsartillerie unsere Stellungen von Anaforta und Sedd ul Bahr. Unsere Artillerie verursachte einen Brand in den Schützengräben und in den Artilleriestellungen des Feindes bei Anaforta. Sonst nichts Erhebliches. Ein Versuchs-Dallon? London, 5. September.(W. T. B.) Die„Times"' meldet aus New Jork:„Chicago Tribuna" der- öffentlicht eine Mitteilung einer der deutschen Bot- schaft in Washington nahestehenden Persön- lichkeit, daß der«streit in der Unterseeboot- frage auf Wunsch des Kaisers beigelegt wor- den sei, d a der Kaiser wünsche, daß Wilson als Friedensvermittler auftreten solle, während die deutschen Waffen noch siegreich seien. Graf Bernstorff habe kürzlich dem Kaiser telegraphiert:„Nach meiner Meinung ist die Erreichung des Friedens nur durch Wilson möglich". Der Kaiser hielt es darauf für notwendig, die Meinungsverschieden- heiten mit Amerika zu beseitigen, ehe er Wilson um Vermitte- lung bat. Wenn Wilson sich als Vermitteler anbietet, wird Deutschland das Anerbieten annehmen und folgende Bedingungen stellen: Errichtung eines unabhängigen Königreichs Polen, das ein Bollwerk zwischen Rußland und Deutschland bilden soll, Abtretung des größten Teils von Kurland; Autonomie für Finnland; Teilung Serbiens zwischen Bulgarien und Oesterreich-Ungarn bei möglicher Abtretung eines kleinen Teils an Griechen- l a n d; Abtretung von Belgisch-Kongo an Deutsch- l a n d als Ersatz für die Räumung Belgiens; Ab- tretung der afrikanischen Kolonien Frank- r e i ch s an Deutschland als Ersatz für die Räumung Nordfrankreichs: Zurückgabe aller afrikani- scheu Kolonien Deutschlands, Sicherung der Frei- heit des Meeres und Unanta st barkeit des Privateigentums auf See durch ein internationales Abkommen; Anerkennung der Rechte der Juden in allen Ländern. Deutschland ist jetzt bereit, einen ehrenvollen Frieden abzuschließen, und die Entente verantwottlich gegen- über der zivilisierten Welt für den Ktteg seit August 1914 und für seine Fortdauer. Die Hearstpresse bietet alles auf, um die deutschen Interessen zu fördern. Anmerkung des W. T. B.: Es wird sich erübttgen, auf die Phantasien dieses Londoner Telegramms einzugehen, welches, wie wir von zuständiger Stelle erfahren, von Anfang bis zu Ende auf Erfindung beruht. Eröffnung ües norüischen Aieöens- kongresies. Kopenhagen, 3. September.(W. T. B.) Der achte nordische Friedenskongreß wurde heute hier er- öffnet. Die§rage öer Geiseln. Basel, 6. September.(W. T. B.) Die Basler Hilfs- stelle für Geiseln erklärt in den„Basler Nachrichten", daß sie selbst den kürzlich gemeldeten Standpunkt der franzö- fischen Regierung als verfehlt betrachtet. DaS Kriegs- recht verlangt nicht nur anständige Behandlung der Geiseln, sondern auch alsbaldige Freilassung, sobald der Zweck, nämlich die Sicherung gegen Erhebungen und sonstige Schädigungen seitens der Bevölkerung fortfällt, spätestens, wenn das okkupierte Gebiet wieder an die Gegenseite verloren geht. Dies trifft für den größten Teil der Per- schleppten zu, da der Sundgau seit 10 Monaten wieder in deutschen Händen ist. Der vom Botschafter mitgeteilte Grund zur ablehnenden Haltung Frankreichs befremdet, weil ja gerade Frankreich das Bestehen eines Notstandsrechts im Völkerrecht leugnet. Indirekt läge darin eine Anerkennung des Notstandsrechts Deutschlands, als es sich über die belgische Neutralität mit Rücksicht auf die von den übrigen Garantiemächten drohenden Gefahren hinwegsetzte. Unter allen Umständen müssen aber wenigstens diejenigen Geiseln, deren wei- tere Zurückhaltung eine Unmenschlichkeit ist, wie die Trennung der Mutter von kleinen Kindern, die Gefangenschaft von Frauen und kranken und alten Männern, über die dem Botschafter eine Liste überreicht wurde, nun endlich unverzüglich die Freiheit wieder- erlangen. französisches slusfuhrverbot für Kartoffeln unö Gemüse. Paris, 6. September.(W. T. B.) Da»„Ainlsblatt" veröffent» licht eine Bekanntmachung, die besagt, daß die Ernte an Gemüse und Kartoffeln infolge der ungünstigen W i t t e r u n g s- Verhältnisse, die eine Entwickelung von Kryptogamenkrank- heiten begünstigen, und infolge des Mangels an Arbeitern mit einem Minderertrag abschließen wird. Ohne beunruhigend zu sein, fordere doch die Lage, daß Maßregeln schon jetzt getroffen werden. Vom 16. September an werde daher die Genehmigung für die Aus« fuhr von Kartoffeln und Gemüsen nicht mehr gewährt. Dumakritik an öer öehanölung öer flüchtlinge. Petersburg, 6. September.(W. T. B.) lieber Kopenhagen. In der Dumasitzung vom 30. August wurde die Frage der Flüchtlinge erörtert. Das polnische Dumamitglied Swentzitzki legte gegen die gewaltsame Vertreibung der polnischen Bauern Verwah« rung ein. Im Kreise PlonSk seien von LSOlX) Einwohnern über 22000 gewaltsam vertrieben worden. Der Redner hob die feindliche Hal- tung der russischen Bevölkerung gegen die Flüchtlinge und ihre grausame Behandlung durch die Behörden hervor. I a n u s ch» k e w i t s ch sKowno) führte auS: Die Flüchtlinge bitten nicht um Gnade, sondern verlangen ihr Recht, da sie gewaltsam fortgeführt sind. DaS ganze Land gleiche einer Wüste, das Volk sei an den Bettelstab gebracht. Nicht das Volk sei geflüchtet, sondern nur die Gouverneure und die Stadthauptleute. Der jüdische Abgeordnete F r i e d m a n n erhob gegen die rücksichtslose Behandlung der jüdischen Flüchtlinge Einspruch, die schon Anfang Mai aus Kowno und Wilna vertrieben, nach Sibirien geführt und als Verräter gestempelt von einem Gouvernement ins andere ab« geschoben wurden. Die Behörden hätten sogar verboten, ihnen Wasser zu geben. Gurzews Segnaöigung nunmehr öurch- geführt. Petersburg, 3. September.(W. T. B.) Ueber Kopen- Hägen. Der nach Sibirien verbannte Revolutionär Burzew telegraphierte dem radikalen Dumamitgliede Karenski, er habe nun Nachricht von seiner Begnadigung erhalten und reise so- fort nach Rußland ab. Das wahre Gesicht. Herr von G e r l a ch wartet in„Der Welt am Montag" mit einer prächtigen Enthüllung auf, die mit der jähen Leuchtkraft eines Schlaglichtes die politische und wirtschaftliche Situatton erhellt. Herr von Gerlach veröffentlicht ein Rundschreiben einer Vereinigung der weiterverarbeitenden Industrie, in der über genau angeführte Beschlüsse des Kriegsaus- schusses der deutschen Industrie die lebhafteste Klage geführt wird. Und in der Tat: Grund zur Klage ist vorhanden. Nach einer Verständigung mit den Vertretern des entralverbandes deutscher Industrieller, des undes der Industriellen, des Bundes der Landwirte, der chri st lichen Bauernvereine, des Deutschen Bauernbundes und des Reichs- deutschen Mittel st andsverbandes hat der Kriegs- ausschuß Anträge an die Regierung über die Neuordnung unserer handelspolitischen Beziehungen zu Frankreich. Rußland und Oesterreich-Ungarn gestellt. Da wird gefordert: a) Erhöhung verschiedener landwirtschaftlicher Zölle; b) Einschränkung derMeistbegünstigungs- klausel; o) Festlegung einer gegenseitigen d e u t s ch- ö st e r- reichischen Vorzugsbehandlung durch Erklärung einer größeren Anzahl der gegenwärtigen beider- seittgen Vettragszölle als Vorzugszölle und Er- höhung dieser Vertragszölle gegenüber allen anderen Staaten. Die vom Kttegsausschuß der deutschen Industrie vertretenen Verbände sind in der Geschichte der Politik und Wirt- schaft Deutschlands oft genannt. Vor dem Kriege, der ihr zielklares Streben unterbrochen, nicht beendet hat, galt ihre tägliche Arbeit der parlamentarischen Isolierung der sozial- demokratischen Fraktion und einer scharfen Bekämpfung der Gewerkschaften. Heute rüsten sie auf, um den Arbeitern zu den schwer dttickenden Kriegsopfern an Gut und Blut das Friedensopfer des teueren Brotes aufzuerlegen. Landwirtschaftliche Zölle sollen erhöht und die Geltung der Meistbegünstigungsklausel soll eingeschränkt werden. Auch das läuft letzten Endes auf eine erweiterte Gel- tung des autonomen Zolltarifes mit seinen hohen Zollsätzen hinaus. Wie es der Name sagt, verallgemeinert die Meistbegünstigungsklausel die Herabsetzung des autonomen Zoll- tattfes in Vettragstattsen. Rußland, Rumänien, die Ver- einigten Staaten sollen aber nicht mehr zu so niedttgen Zoll- sätzen einführen wie Oesterreich-Ungarn. Sie sollen entweder höheren Zoll zahlen oder seine Herabsetzung ettaufen. Und wenn sie sie nicht erkaufen? So muß der deutsche Arbo i t e r die höheren Getreidezölle und im Fleisch die höheren Futtermittelzölle zahlen. Der Bismarcksche Trost, das Aus- l a n d müsse die Zölle zahlen, wird nur noch fetten nachgesagt. Denn Deutschland braucht ausländische Lebens- und Futter- mittel, muß sie zum Weltmarktpreis kaufen und kann ber dem— besonders in den ersten Friedensjahren— sicherlich relativ gettngen Angebot auf dem Weligetreidemartt die Last des Zolles nicht auf die Verkäufer überwälzen. Fragt sich nur, ob sich die anderen, die Franzosen. Russen und Engländer de- und wehmütig mit dem Tnumphe der deutschen Hochschutzzöllner abfinden oder durch statte Zoll- erhöhungen ein Paroli bieten werden. Am Ende sind auch die V e r e i n i g t e n S t a a t e n noch da, die sich nicht leicht eine Differenzierung zugunsten Oesterreichs, zu ihrem eigenen Ungunsten gefallen lassen werden. Die Vereinigten Staaten haben einen Höchsttarif. daneben einen Minimaltattf, der nur bedingungsweise in Kraft Witt. Die wichttgste Bedingung ist aber: d a ß d i e Zölle zu Ungunsten der Vereinigten Staaten nicht differenziert werden. Freundliche Aussichten winken: Höhere Zölle für Fertigwaren in Rußland, Frankreich und den V e r- einigten Staaten; neue Zölle in dem sreihänd- lettschen Großbritannien. daS bisher dem deutschen Gewerbefleiß einen offenen Markt geboten hat: höhere Lebens n: ittelpreise in Deutschland infolge direkter Erhöhung der landwirtschaftlichen Zölle oder Erweiterung der Geltung des hohen autonomen Tarifs. Seit der Geltung des neuen Zolltarifs ist der Anteil der loeiterverarbeitenden In- dustrie, in deren Produkten am meisten menschliche Arbeit steckt, am Gesamtexport gesunken! Wie soll es in Zu- kunst werden, wenn sich der Absatzmarkt ver- engt und die Gestehunngskosten infolge der gestiegenen Lebensmittelpreise und Löhne wachsen? Und zum Trost nicht einmal ein erleichterter Warenverkehr mit Oesterreich- Ungarn, dessen gegenwärtige Zölle gegen Deutschland nur nicht erhöht werden sollen! Die Propagandisten des vom Kriegsausschuß der deutschen Industrie vertretenen handelspolitischen Programmes haben Gefolgsleute in sehr weit linksstehenden Parteien. Im fort- schrittlichen Lager sind es Friedrich Naumann und das „Berliner Tageblatt", die als Künder des neuen Evangeliums ganz besonders scharf nach sozialdemokratischen Proselyten auslugen. Sie mögen auch den oder jenen Glau- digen gefunden haben, der mehr dem Gefühle als dem Ver- stände folgte. Die Enthüllung des Herrn von Gerlach wird naive Gutgläubigkeit erschüttcry und denen, die nicht sehen und hören wollten, die politische, handelspolitische und wirtschaftS- politische Bedeutung dieser Stellung der Wirtschaftsverbändc klarer vor die Augen rücken und sie darüber belehren, daß der berühmte Block der schaffenden Stände eine fertige Tatsache ist, die die Zeit nach dem Kriege aufs stärkste beeinflussen, vielleicht sogar charakterisieren wird. Wir glauben unser eigenes Lob mit der Feststellung singen zu dürfen, daß wir als die ersten auf das trügerische Wesen des sogenannten Wirtschaftsbündnisses hingewiesen haben. Das „Berliner Tageblatt" quittierte alles redliche Bemühen, Selbst- Verständlichkeiten zu erklären, mit dem Ausdruck souveräner Ueberlegenheit. Um so angenehmer ist es uns, feststellen zu dürfen, daß dieses Blatt unter dem Eindruck der Enthüllung heute ablehnt, was es gestern propagiert hat. Es läßt sich in einen«, wie sich versteht, sehr kurzen Kommentar zu dem Rundschreiben des Verbandes der weiterverarbeitenden In- dustrie also vernehmen: „An der Echtheit diese? Schreibens ist wohl ebenso wenig zu zweifeln, wie an den Talsachen, die ihm zugrunde liegen. Daß die weiterverarbeitende Industrie sich gegen diese Absichten wehrt, ist verständlich. Darüber hinaus hat aber auch die erdrückende Mehrheit des deutschen Volkes allen Anlaß, vor diesen „dunklen Plänen" auf der Hut zu sein." »» » Ein Appell an öie Arbeiterorganisationen. Herr von Gerlach ruft in seiner„Welt am Montag" fol« gendermaßen zum resoluten Widerstande gegen die hochschutzzöllne- rische Gcheimpolitik der Wirtschaftsverbände auf: „Die Wirtschastsverschworenen suchen, wie wir hören, einen Druck auf die Regierung auszuüben. Ich halte eS für selbstverständlich, dag sie von vornherein leine willigen Ohren finden werden- Aber sie sind mächtig, zähe und rücksichtslos. Darin liegt immerhin eine Gefahr. Lebten wir in Friedenszeiten, so wäre natürlich der gewaltigste/ öffentliche Massenprotest geboten. Aber während des Krieges ziemch, sich andere Methoden./ Es darf nicht geduldet werden, daß die Regierung>nur die Stimmen der einen Seite hört. Sonst könnte sie in Jmum übet die Volksstimmung versetzt werden. Sache der gewaltigen Organi- salioncn der Konsumenten ist es, sich zu rühren. Wenn dem Reichs- amt des Innern die Vertrauenswünsche von Schwerindustrie und Landwirtschaft übermittelt werden, so sollen ihm die entgegengesetzten Forderungen der Arbeitergewerkschaften, der Angestelltenverbände, der Beamtenvereininungen nicht vorenthalten bleiben. So sollen die gleichfalls bedrohten Kreise des Handels und der Veredelungsindustrie aus ihrer Zurückhaltung heraustreten. Burgfrieden ist proklamiert. Aber der Burgfrieden darf nicht dazu mißbraucht werden, daß eine Minderheit deS Volkes in aller Stille Vorbereitungen trifft, der großen Mehrheit des Volkes unerträgliche Lasten aufzuerlegen. Aktionen, wie die der sechs Wirtschaslsverbände stellen einen offenbaren und gesähr- lichen Bruch des Burgfriedens dar. Sie erheischen die energischsten Gegenaktionen, wenn die Regierung sich nicht sofort, was mir im Interesse des Burgfriedens am zweck« mäßigsten schiene, zn der Erklärung entschließt, daß sie selbstverständlich den Plänen der WirtschaftSverbände völlig ab« lehnend gegenübersteht. Nachdem sie bisher während des Krieges ebenso wie die Militärbehörden sich so oft bemüht hat, auch den Interessen der Konsumenten gerecht zu werden, darf bei ihr ohne weiteres die Geneigtheit zu einer solchen Stellungnahme voraus« gesetzt werden." politische Uebersicht. Zur Bekämpfung der Wohnungsnot. Das Reichskartell der Verbände der Beamten und Arbeiter staatlicher Verkehrsanstalten, eine Organisation mit 130 000 Mit- gliedern, ersucht den Reichskanzler, dem Reichstag einen Notgesetz« entwurf zur Beseitigung der Wohnungsnot der Kriegerfamilien vor« zulegen, der auf folgender Grundlage aufgebaut sein soll: 1. Das Reich stellt aus den allgemeinen Kriegskosten Mittel be- reit zur Bezahlung der entstandenen M i e t s s ch u l d e n der un« bemittelten Kriegerfamilicn nach Beendigung de« Krieges. 2. Das Reich legt allen Gemeinden die Verpflichtung auf, s o« fort für kinderreiche Familien Wohnungen zu bauen, eventl. in Verbindung mit gemeinnützigen Bauvereinen. 3. Das Reich übernimmt für sich und überträgt auf alle öffentliche Gewalten, Staat, Provinz, Kreis, Gemeinde, Eisenbahn, Post, Militär« und Marinewerlstätten das Recht der Enteignung des notwendigen Bodens zu dem Werte, den die Besitzer bei der Selbsteinschätzung zum Wehrbeitrag dasür angegeben haben. 4. Schaffung eines Reichswohnungsgesetzcs und Bereitstellung der Mittel zur Schaffung einer ReichSpfandbriesanstalt für Klein- Wohnungsbau. Zum Schluß werden noch Kriegerheimstätten in Stadt und Land gefordert. Teuerungszulagen für die beim Staate Bremen beschäftigten Arbeiter. Der Gemeinde, und Staatsarbeiterverband, Zahlstelle Bremen, hatte beim bremischen Senat beantragt, eine gleich- mäßige wöchentliche Teuerungszulage von 3 M. allen vom Staate beschäftigten Arbeitern zu bewilligen. Diesen Antrag lehnte der �enat leider ab. Er hat sich aber nicht ganz der Einsicht verschließen können, daß eine Teuerungszulage am Platze ist und beantragte eine solche bei der Bürgerschaft. Ter Antrag hält sich in sehr bescheidenen Grenzen. Die Teue- rungszulage vom 1. Juli an— also mit rückwirkender Kraft— bis zunächst Ende September lausend, soll sich nur auf die Arbeiter bis 18amen i_ammieaer m. operimuu-Druckknöpten Herren-Nappa................... Damen- Mocha• V enezia............ Herren« Mocha................... Milit ärhandschuhe Chrom.Nappa. 2 Druckkn. Damen-Stepper, Ziegenleder....... Damen-Ziegenleder � ,n eIesan'er Herren-Nappa AusführuDg (JurchgeFärbt. la Militärbaodschuhe. 2 Dnicktnöpto............. GtoO Handschuhe Damen-Trikot farbig, schwarz, weiss, 2 Druckkn. 38 Pf. Waschleder-Nachahmung zelb, 2 Druckknöpfe 48 Pf« Damen-Trikot 2 Druckknöpfe........ 55 Pf« Damen-Trikot mit weissem VorHoss, 2 Drii'ätkn. 65 Pf. Damen-Trikot mit Ledcrcinsatz u. seid. Halbkutter 95 Pf. Damen-Schweden-Nachälimung OSPf« Damen-Seide glatt, 2 Druckknöpfe.......... 95 pi- g Damen-Schweden-Nachahmung""nlhV"?!*" 95 Pf D-Jiri Mnrlia-Narhalim la Qual., Spezialmarke„Hertie"«125 l�am.-mocna INdCnanm. modernen Straseenfarben..* Damen-Seide glatt, mit verstärkten Fingerspitzen.. I35 Herren-Schweden-Nachahmung 95 Pf« Herren» Wildleder-Nachahmung I45 Besonders vorteilhaftes Angebot: Oamen-Wildleder-Handschuhe M Ä' 290 ...... 290 Damen-Mocha-Venezia in modernen Karben flussktlung vonQammljüten fürfierbst u. Winter Grosse Ausstellung geschmackvoller, preiswerter Damen-, Backfisch- und Kinderhüte PUTZ'tiEUfiEltEN: Gewähltes Lager in Blumen, Reihern, Federn und Bändern Donnerstag, 9. se%nmb.r. Freitag ,<>. 4*1� bleiben unfere Qäufer gefcfjloJJen. Beranlw. Rebalt. t Aljrco Wielevv. N�IkMrTshftratcritJU berMtiv. Tb. Glocke. Berlin. Dtuck U, Birlag: Vorwärts ü-bdilaz-anstaltPaill Singer he Co., Berlin LW. Hierzü 1 Beilage u. Untcrh�tungsbll »r 247. 32. Iah,«|jfj[ß(jC LllMMS" MllM MIKOlM. 5itMta» 7 S£'i'rttt 19,5 Wahlkreis und /lbgeoröneter. Ein Wort über Parteidemokratie von Konrad Haenisch. II. Was soll nun geschehen, wenn in bedeutungsvollen Fragen eine Einigung zwischen der Parteiorganisation und ihrem Abge- ordneten nicht zustande kommt, wenn es auch bei immer erneuter, ernstester Selb ftp riifung(die ist selbstverständlich stets in solchen Fällen geboten!) dem. Abgeordneten unmöglich ist, sich der Auf- fassung seiner Parteiorganisation anzuschließen? Dann wird eben der Abgeordnete das tun, was sein Gewissen ihm vorschreibt, der Parteiorganisation aber mutz es— falls bis dahin nicht d i e Z e i t s e l b st ihr Urteil gesprochen hat— überlassen bleiben, bei der nächsten Wahl den Wählern einen anderen Kandidaten zu prä- sentieren. Es sind allerdings auch Fälle denkbar, in denen die Gegensätze einen so schroffen Charakter angenommen haben, in denen die zur Entscheidung stehenden Fragen von so überwältigen- der Bedeutung sind, daß die Parteiorganisation einen s o f o r- t i g e n Wechsel im Mandat für dringend geboten hält. Ich bin der letzte, der der Parteiorganisation das Recht bestreiten wollte, in einem solchen Falle den Abgeordneten zur Niederlegung seines Mandats aufzufordern und die Entscheidung in die Hand der Wähler zu legen. Nur ist es auch hier gut, an die„K o n s e- q u e n z e n" zu denken. Denn es gibt— um wieder auf die drängenden Fragen des Tages zurückzukommen— nicht nur Wahlkreise, deren Abgeordnete ihren Organisationen in der Kriegsfrage zu weit„rechts" stehen(um diesen landläufigen, aber falschen Ausdruck einmal zu gebrauchen); auch umgekehrte Fälle kommen vor. Ja— sie sind sogar beträchtlich häufiger! Ich will keine Namen nennen, aber jeder Kenner der Verhältnisse weitz, datz Reichstagsabgeordnete, die in der Fraktion gegen die Kredite ge- stimmt haben, von den Organisationen ihrer Kreise oder Bezirks sehr nachdrücklich desavouiert worden sind. Es gibt solche Beispiele in Norddeutschland wie in Mitteldeutschland, in Ost- deutschland wie in Westdeutschland. Es stehen auch in sehr bedeu- tungsvollcn Parteikörperschaften Genossen nach wie vor an der Spitze, deren Haltung in der Kriegsfrage diametral der Haltung gegenübersteht, die die gewaltige Mehrheit dieser Körperschaften einnimmt. Wie nun, wenn die Partei Mehrheit einmal den Spietz umdrehte und von allen diesen Genossen verlangte, datz sie mit gutem Beispiele vorangehen und erst einmal ihrerseits „die Konsequenzen ziehen"? Ich möchte einem derartigen Ver- fahren ganz und gar nicht etwa das Wort reden, sondern will auf oiese„Konsequenzen" nur aufmerksam machen, um vor allzu grotzer Voreiligkeit in der Behandlung der Mandatsfrage zu warnen! Sonst könnte es geschehen, datz plötzlich ein halbes Dutzend un d mehr Reichstagsabgeordnete der Opposition� ihrer Mandate verlustig gingen. Und— nicht wahr— das wäre doch„schade drum"? Im übrigen sind, glaube ich, auch bei der Frage von Mandats- niederlegungen ein paar allgemeine Richtlinien streng zu beachten, und zwar: Erstens: Die Mandatsniederlegung darf nur dann erfolgen, wenn sie wirklich und unzweideutig von einer zweifelsfreien Mehr- heit der Parteigenossen gefordert wird. Zweitens: Durch die Mandatsniederlegung dürfen nicht wich- tige allgemeine Interessen der Partei und des Volkes geschä- digt werden. Denn der Abgeordnete ist nicht nur der Vertrauens- mann seines eigenen Wahlkreises, er ist zugleich auch Vertrauens- mann der G e s a m t p a r t e i und Sachverwalter des ganzen Volkes. Was den ersten Punkt betrifft, so stehen, nach den bisherigen Kundgebungen zu urteilen, von den organisierten Genossen des Wahlkreises Niederbarnim ein Drittel auf der Seite der Frak- tionspolitik, zwei Drittel auf der Seite der Opposition.(Die ver- schiedenen Abstimmungen ergaben allerdings verschiedene Resul- täte, nach meinem Eindruck aus zahlreichen Versammlungen dürfte das hier angegebene Verhältnis ungefähr das richtige treffen.) Der andere, allerdings industriell weniger entwickelte und daher weni- ger stark organisierte Teil des Doppelwahlkreises, Oberdarnim, aber scheint fast ganz aus der Seite der Fraktion zu stehen. Die Hauptsache jedoch ist: aus beiden Wahlkreisen steht heute min de- stens die Hälfte(wenn nicht weit mehr!) aller organisierten Ge- Nossen unter der Fahne! Alle diese sind heute völlig außer- stände, ihr Wort in die Wagschale zu werfen~ und sie sind in der Kriegsfrage doch wahrlich die zum Urteil Berufensten! Wäre es nicht das Gegenteil von Demokratie, über den Kopf aller dieser Genossen hinweg eine so hochbedeutsame politische Akiion, wie Mandatswechsel und Neuwahl, in die Wege zu leiten? Was aber den zweiten Punkt anlangt, die allgemeinen Partei- und Volksinteressen, so braucht nur darauf hingewiesen zu werden, datz die drei Barnimer Mandate uns nur zugefallen sinv durch ein über ganz Preußen hin abgeschlossenes Kompromiß mit den Liberalen, datz wir keines von ihnen aus eigener Kraft erobern konnten und datz ein jetzt niedergelegtes Mandat— wie die Dinge einmal stehen— bei einer Neuwahl aufs äutzerste ge- f ä h r d c t wäre. So leicht sind für uns aber in Preußen Man- date wirklich nicht zu holen, datz man eines davon(oder auch zwei — einzelne Heißsporne wünschen ja, daß Genosse Otto Braun gleich mit mir demissioniert!) leichtfertig aufs Spiel setzen dürfte! Lei den nach dem Kriege unausbleiblichen Kämpfen um die Demo- kratisierung Preußens werden wir jedes einzelne Mandat verflucht notwendig brauchen und auch den Grotz-Berliner Ge- Nossen, die heute im Unmute ausrufen:„Lieber gar keine Mandate als solche", wird es dann nicht so ganz gleichgültig sein, ob die Sozialdemokratie zehn oder nur acht Mann im Preutzcnparlament sitzen hat! So ist also— aus formellen und aus sachlichen Gründen— die Barnimer Mandatsfrage eine Angelegenheit, die die ganze preutzische Sozialdemokratie angeht, über die außer den Genossen des Wahlkreises selbst auch die preutzische Landcskommission und der Parteivorstand(der vor zwei Jahren die zentralen Verhandlungen mit den Fortschrittlern führte) ein gewichtiges Wort mitzureden haben.— Der ausschlaggebend« Grund für mich aber, unter den ge- gebenen Verhältnissen mein Mandat nicht niederzulegen, ist— ich will ganz rückhaltlos reden— der folgende: Die Oeffentlichkeit weitz, datz in unserer preußischer Landtagsfraktion in der Kriegs- frage zwei ganz gleich starke Gruppen einander schroff gegenüberstehen: fünf von uns billigen die Politik der Reichstags- fraktion, fünf halten die Politik des 4. August für einen schweren, verhängnisvollen Fehler. Eine Einigung zwischen diesen beiden Gruppen hat sich im Verlaufe dieses ganzen Jahres als völlig un- möglich erwiesen. Nur mit äutzerster Anstrengung ist es gelungen, parlamentarische Schritte der preußischen Fraktion zu verhindern (mit Stimmengleichheit!), deren politischer Effekt kein anderer ewesen wäre und auch nach dem offen ausgesprochenen Willen er Antragsteller kein anderer sein sollte, als die Du r ch- kreuzung der Politik der Reichstags fr aktion. Fällt von den fünf Stimmen, die auf dem Boden des 4. August stehen, auch nur eine Stimme fort, so verfügt die Oppo- sition in der Preutzischen Landtagsfraktion über die Mehrheit! Auf Schritt und Tritt wird sie dann — in der ehrlichen Absicht, so der Sache des Sozialismus aufs Beste zu dienen— der von allen Körperschaften, die bisher sprechen konnten(auch von der preußischen Landeskommission!) ausdrücklich gebilligten Politik der Gesamtpartei Steine in den Weg rollen— die Desorganisation der Partei wäre vollendet! Ganz abgesehen von dem unermeßlichen Schaden, den ein solches Vorgehen unserer preutzischen Landtagsfraktion für die Sache des politischen Fort- schritts in Preußen selbst, besonders für die Sache der preutzische» Wahlreform bedeuten würde! Ich kann und will nicht sagen, datz das alles die klar erkann- 1 ten Absichten der Genossen sind, die meine Mandatsnieder- lcgung betreiben, eS wären aber jedenfalls die politischen Folgen dieser Mandatsniedcrlegung. Und für diese Folgen übernehme ich die Verantwortung nicht! In diesem Augenblick würde mein Verzicht auf das Vtandat nichts anderes bedeuten, als einen Triumph der Opposition. Ein solcher Verzicht wäre heute gleichbedeuten» mit dem kampflosen Verlassen eines wichtigen Postens im Felde— er wäre feige Fahnenflucht! Wollen die Barnimer Genossen bei den allgemeinen Neu- Wahlen daraus, daß ich heute so handele, wie es Pflicht und Ge- wissen erheischen, die„Konsequenz ziehen", mich nicht wieder auf- zustellen— nun, so ist das ihr gutes Recht und ich muh es eben leiden. Heute aber lege ich mein Mandat nicht nieder. Ich tue es selbst auf die Gefahr hin nicht, datz der eine oder der andere den schlechten Geschmack haben sollte, deshalb mich einen„Kleber" zu schimpfen! Verlustlisten. Die Verlustliste Nr. 320 der preutzischen Armee enthält solgcnde Truppenteile: Infanterie usw.: Garde: 4. und ö. Garde-Regiment z. F.; 2. Garde-Rcscroe-Rcgiment; Grenadier-Regiment Franz; Garde- Füsilier-Regiment; Garde-Reserve-Jägcr-Bataillon. Lchr-Jnfan- terie-Rcgiment. Grenadier-, bzw. Infanterie-, bzw. Füsilier- Regimenter Nr. 1, ö, 8 bis einschl. 16, 18(s. Jnf.-Neg. Nr. 14), 21, 37, 41, 43, 4S. 46, 51, 53, 54, 56, 59, 64, 66 bis einschl. 70, 72, 73, 75, 76, 78, 81, 82, 84, 87, 89, 90, 92, 94, 96, 99, 109, 112, 115, 117, 128, 129(f. auch Ers.-Jnf.-Neg. Hoebel), 132, 140, 141(s. auch Ers.-Jnf.-Reg. Hoebel), 143, 147, 148(s. Jnf.-Reg. Nr. 149), 149, 150, 151, 152(f. Res.-Jnf.-Ncg. Nr. 61), 153, 154, 159, 162, 165, 171, 175(s. auch Ers.-Jnf.-Neg. Hoebel), 330, 343(s. Ers.-Jnf.-Neg. Hoebel), 361. 302, 369, 370, 371. Reserve-Jnfanterie-Negimenter Nr. 3, 7, 0. l 1, 13, 17, 22. 23. 29, 38(s. Ers.-Jnf.-Neg. Nr. 9). 56, 61, 65. 66, 68, 69. 74, 77, 80, 81, 82, 93. 118, 204, 209, 211, 212, 213, 216, 219 bis einschl. 224, 232, 257, 258. 266. Ersatz-Jnfanteric- Regimenter Nr. 9, Hoebel(s. auch Fest.-Maschinengewehr-Abt. Nr. 3 Graudenz) und Hoffmann. Rescrvc-Ersatz-Jnfantcrie-Regimcntcc Nr. 1 und 3. Landwchr-Jnfantcrie-Rcgimentcr Nr. 2, 5, 10, 11, 1! 23, 39, 46. 74, 75, 76, 77, 87, 109. Landwehr- Ersatz-Jns.'.n:erie-Regimeut Nr. 1. Landsturm-Jnfantcric-Regimen- ter Nr. 7, 11, 109. Brigade-Ersatz-Bataillone Nr. 16(s. Jnf.-Reg. Nr. 361), 26(s. Jnf.-Reg. Nr. 369), 28(f. Jnf.-Reg. Nr. 370), 33(s. Jnf.-Reg. Nr. 362), 76(s. Jnf.-Reg. Nr. 371). Landwehr-Brigade- Ersatz-Bataillon Nr. 27(s. Landwehr-Ers.-Jnf.-Rcg. Nr. 1). Land- sturm-Jnfanterie-Bataillonc: II Dt. Eylau, Forbach, III Metz, Mühlhausen i. Th., I Osterode, 2. Rastatt(s. Landsturm-Jnf.-Reg. Nr. 109), III Tilsit(s. Ers.-Jnf.-Neg. Hoffmann). Landsturm- Jnfanterie-Ersatz-Bataillone: Hardcrshos, Lübeck, 4. Saarlouis. Jäger-Bataillon Nr. 4(s. Res.-Jägcr-Bataillon Nr. 21); Reserve- Bataillon Nr. 21. Maschinengewehr-Abteilung Nr. 6; Gebirgs- Maschinengewehr-Abteilung Nr. 203; Feld-Maschinengewehr-Züge Nr. 234(s. Landsturm-Jnf.-Reg. Nr. 7) und 269(s. Garde-Res.- Jäger-Btl.); Festungs-Maschinengewehr-Abteilung Nr. 3 Graudenz. Kavallerie: Garde-Rescrve-Dragoner; Kürassiere Nr. 6; Dra- goner Nr. 11, 12; Jäger zu Pferde Nr. 1; Reserve-Jäger zu Pferde Nr. 1; Reserve-Abteilung Nr. 49. Feldartillerie: 4. und 5. Garde-Regiment; 1. Garde-Reserve- Regiment; Regiment Nr. 20, Neserve-Regimenter Nr. 5, 14, 25, 70. Fuhartillerie: 1. Garde-Regiment; Regiment Nr. 2. Reserve- Regimenter Nr. 4, 6, 11, 14, 26. Landwehr-Bataillone Nr. 4 und 210. Batterie Nr. 357. Pioniere: I. Garde-Bataillon; Regimenter Nr. 19, 20, 24, 25; Bataillone: I. Nr. 2, II. Nr. 4, 1. Nr. 6, I. Nr. 8, I. Nr. 21, 1. Nr. 26, II. Nr. 27. Reserve-Bataillon Nr. 39. Ersatz-Bataillon Nr. 28. Kompagnien Nr. 187 und 308. Reserve-Kompagnien Nr. 48, 50, 76, 87. 2. Landwehr-Kompagnie des XVIII. Armeekorps. Abteilung der 5. Kavallerie-Division. Festungs-Landwehr-Abteilung des 'XX. Armeekorps. Leichte Minenwerfer-Abteilung Nr. 245. Feldfliegertruppe. Magazin-Fuhrparkkolonne Nr. 25. Arbeiter- und Armierungs-Formationen: Arbeitskommando der 66. Jnfanterie-Brigade. Armierungs-Bataillone. ** * Der Schluß der bayerischen Verlustliste Nr. 218 meldet Verluste der Landwehr-Jnfanterie-Regimenter Nr. 1, 3, 4, 5, 12, 15; Landsturm-Jnfanterie-Batl., Passau 1; Landsturm-Jnfanterie-Er- satz-Batl., Unterfranken II; 2. Schweres Reiter-Regiment, Lands- Hut; 3. und 6. Feldartillerie-Regiment; Reserve-Feldartillerie- Regimenter Nr. 9, 10; IV. Ersatz-Feldartillerie-Abt.; 1. und 2. Fuß- artillerie-Regiment; Reserve-Futzartillerie-Regiment Nr. 2; Pionier- Batl.; Pionier-Komp. Nr. 19; Reserve-Pionier-Batl. Nr. 2; Pionier- Park-Kompagnien Nr. 6 und 10; Armierungs-Batl. Nr. 5; Etappen- Hilfsbataillon Nr. 6; Berichtigungen ftüherer Verlustlisten. Die württembergischen Verlustlisten Nr. 256 und 257 veröffentlichen Verluste des Grenadier- und Ncserve-Jnfanterie- Regiments Nr. 119; Landwehr-Jnfauterie-Negiment Nr. 121; Gre- nadier-Negiment Nr. 123; Jnfantcrie-Regimenter Nr. 124, 126; Neserve-Jnfanterie-Negiment Nr. 248; Dragoner-Negiment Nr. 26; Reserve-Feldartillerie-Regiment Nr. 54; 3. Neserve-Pionier-Komp.; Referve-Artillerie-Munitionskolonne Nr. 1; Verluste durch Krank- heilen; Berichtigungen ftüherer Verlustlisten. Landwehr-Jnf.-Regimenter Nr. 123, 124; Jnf.-Reg. Nr. 126; Reserve-Jnf.-Reg. Nr. 247; Gebirgs-Komp. Nr. 1; 3. Feld-Pionier- Komp.; Etappen-Kraftwagen-Park, Armee-Abteilung Falkenhausen; Verluste durch Krankheiten; Berichtigungen früherer Verlustlisten. fius Groß-öerlin. Das Personal der B. E. W. und die Stadt Berlin. Bei der Uebernahme der B. E. W. in den Betrieb der Stadt- gemeinde wurde auch die Frage des AngestelltenrechtS aufgeworfen. Sie wurde dahin beantwortet, datz hierüber der Stadlverordneten- Versammlung eine besondere Vorlage zugchen soll. Diese liegt nun vor. Der Magistrat legt Wert darauf, datz das bisherige bei den B. E. W. beschäftigte Personal(2300) möglichst vollzählig in den städtischen Dienst übernommen wird. Es sind drei Arten von Angestellten zu unterscheiden. Der grötzte Teil, besonders Arbeiter(1200) gehört einer besonderen RuhcgehaltSkasse für die Angestellten der B. E. W. an. Dieser Teil hatte 4 Proz. seine» Einkommens als Beitrag zur Kasse zu entrichten. Die B. E. W. leisteten einen ebenso großen Zuschuß. Jedes Mitglied hatte Anspruch auf Ruhegehalt, wenn eS 65 Jahre alt oder nach zehnjähriger Mitgliedschaft untauglich ge- worden war. DieS Ruhegehalt begann mit des Einkommens und stieg bis 15/m- Nach den Satzungen würden nun die Mit- glieder, die am 1. Oktober in städtische Dienste übertreten, ihre An- sprüche verlieren und nur die Beiträge zurückerhalten. Es ist nun ein Ablommen getroffen worden, welches er- möglicht, den in städtischen Dienst übertretenden Mitgliedern die Mitgliedschaft nach den für die städtischen Angestellten gültigen Be« stimmungen anzurechnen. Dafür müßte die Kasse rund 648 000 M. der Stadt zahlen. Mit Zustimmung des Magistrats und der B. E. W. ist nun von der Kasse eine Satzungsänderung be- schloffen worden, wonach der Kasse ein Rest von 1 Million Mark verbleibt. Ein anderer Teil der Angestellten unterliegt dem Reichsber- sicherungsgesetz für Angestellte. Er gehört der genannten Kasse nicht an. Diesem steht kein Anspruch gegen die B. E. W. auf Ruhegehalt usw. zu. Diese Angestellten sollen mit einem neuen am 1. Oktober beginnenden Dienstalter dem Gemeindebeschluß vom 16. 1. 13 unterstellt werden. Endlich gehören zum Personal noch solche Personen, die zwar ausschließlich im Dienst der B. E. W. tätig sind, formell aber von der A. E. G. angenommen worden sind, und daher auch den für die Angestellten der A. E. G- geltenden Bestimmungen unterliegen. Bei der A. E. G. besteht eine besondere Ruhcgehaltskasse n i ch t. Die Gesellschaft gewährt indes nach zehnjähriger Beschäftigung ein Ruhegehalt, sowie Hinter- bliebenengeld für Witwen und Waisen. Diesen Angestellten sollen nun bis 1925 ihre Rechte belassen werden. Dafür zahlt die Ä. E. G. 109 767 M. Nach 1923 treten die Bestimmungen für städtische Angestellte in Kraft. Die zum Kriegsdienst eingezogenen Arbeiter und Angestellten werden ebenfalls in dem städtischen Dienst übernommen. Vom 1. Oktober ab werden ihnen die Bezüge weiter- gezahlt, die ihnen bisher bewilligt worden sind. Durch dieses Abkommen dürsten die Versorgungsansprüche der Arbeiter und Angestellten eine Regelung erfahren haben, offen da- gegen bleibt die Regelung der Lob»- und Gehallsfragen der Arbeiter und Angestellten, die nach den gefaßten Beschlüssen zunächst Sache des Aufsichtsrals sind. Wenn man nachts cincn Arzt braucht. Wie schwer bei Nacht ärztliche Hilfe heranzuschaffen ist, hat schon mancher bitter genug erfahren müssen. Ein neuer Beitrag zu diesem traurigen Kapitel ist ein Fall, der sich in der Nacht vom Sonntag zum Montag abgespielt hat. Am späten Abend etwa um 11 Uhr wurde vor dem Hause Kottbuser Damm 69 von Straßen- Passanten ein Mann bewußtlos aufgefunden. Man versuchte, einen in diesem Hause wohnenden Arzt herbeizuholen. Aber die Auskunft lautete, der Herr Doktor sei nicht zu Hause. Ein Versuch, aus dem nahegelegenen Urban-Krankenhaus einen Arzt durch Telephon her- beizurufen, hatte zunächst ebenso wenig Erfolg. Von dort aus soll geantwortet worden sein, man möge den Verunglückten hinbringen. Dieser war inzwischen in den Hausflur hineingetragen worden und lag dort, einem Toten gleich. Aus Papieren, die sich bei ihm fanden, wurde er als ein im Hause Pflügerstratze 2 wohnender Kürschner Nölle ermittelt. Ein Schutzmann, der sich sofort nach der Wohnung begab, kam zurück mit der Meldung, die Frau habe„unrichtige Wochen" und liegt hilflos da. Für sie selber hatte N. offenbar einen Arzt herbeiholen wollen, und auf seinem nächtlichen Wege durch die Straßen wurde er dann von einem Unfall betroffen. Aufs neue wurde jetzt der Versuch gemacht, einen Arzt heranzuschaffen, um der Frau helfen zu können. Ein Herr telephonierte wieder an das Urban-Krankenhaus und ging schließlich selber dorthin. Als er endlich mit einem Arzt zurückkehrte, war der Verunglückte inzwischen weggebracht worden, nachdem er volle drei Stunden in dem Haus- flur gelegen hatte. Dem Arzt blieb nur noch übrig, sich jetzt schleu- nigst zu der hilfsbedürftigen Frau zu begeben. Erstochen. In einem Streit hat der 21 Jahre alte Schlächter Norgang aus der Reichenberger Straße am Sonntagabend an der Ecke der Gollnow- und Weinstraße den 28 Jahre alten Landsturmmann Paul Schild erstochen. Der Tod trat alsbald ein. Schild war erst kürzlich verwundet aus Rußland zurückgekommen und sollte dieser Tage nach Königsberg zurückkehren._ Ter Mord in der Schonung bei Berkenbrück. In der vergangenen Nacht gelang es zu ermitteln, das Göttschau unter dem Namen Werkzcugmcister Joseph Mcik vom 23. bis zum 25. August im Hotel Engel am Schlcsischen Bahnhof gewohnt hat. Seine Zeitungsanzeige lautete:„Junger Mann, intelligent, Schlosser bevorzugt, der Flugzeugingenieur beim Konstruieren von Modellen zur Hand gehl, iofort gesucht. 200 Mark pro Monat. Hotel Engel, Zimmer 5, Schlesischer Bahnhof 4, melden 4 Uhr ab." Auf diese Anzeige kamen so viele Bewerber, datz es dem Pförtner D. zu viel wurde. Er ersuchte deshalb den Werkzeugmeister, sein Sprechzimmer anderswohin zu verlegen. Der Verbaftele wurde gestern vormittag dem Pförtner D. gegenübergestellt. D. erkannte ihn sofort wieder. Göltschau aber erklärte, den Mann habe er in seinem Leben noch nicht gesehen. Alle Angaben Gölischaus, die bis jetzt geprüft werden konnten, erwiesen sich als unwahr. Nach seinen Erzählungen arbeitete Götlschau zuletzt als Maschinist in einer Fabrik in Fürstenwalde. Er halte sich nun fest vor« genommen, nach Abschluß seines Verbrccherlcbens ein anderer Mensch zu werden, und kam dabei auf den Gedanken, nach Berlin zu fahren, um sich neue Papiere zu verschaffen. In einer Herberge in der Koppeustraße traf er einen Mann, dem er offenbarte, daß und weS- halb er neue Papiere brauche. Er sei dann mit seinem Rad nach Landsberg a. W. zu seinen Eilern gefahren und habe seiner Mutter seine Browningpistole gegeben, die Mutter habe sie dann an einen unbekannten Mann verkauft. VöK Landsberg sei er nach Fürsten« walde gefahren, um neue Arbeit zu suchen. Wegen der neuen Papiere sei er dann aber erst noch nach Berlin gefahren, wahrscheinlich an einem der letzten Tage des August. Jetzt habe er auch den Mann in der Herberge wieder getroffen und die Papiere von ihm bekommen. Später habe er im Arbeitsnachweis gesehen, daß die Berliner Elektrizitätswerke Schlosser suchen. Da habe er sich als Krause gemeldet und sei mit seinen Papieren auch angenommen worden. Soweit seine Er- Zählungen, die erst noch geprüft werden. Belastend für Göltschau sind u. o. auch die Postkarte an Frau Klawitter und die Handschrift der Zeitungsanzeige. Der Verhaftete schrieb unter dem Namen Willi Krause an Frau Klawitter in der Reinickendorfer Straße um die Brotkarte. Dabei redete er sie„Liebe Frau Klawitter" an. Er wußte nicht, daß Frau Klawitter die Schwester des wirklichen Krause ist. Er entschuldigte sich auch wegen derschlechlenHandschrift und zwar damit, daß er sich bei der Arbeit eine Verletzung zugezogen habe. Nun stimmt die Handschrift dieser Postkarte, obwohl sie absichtlich„ver- schlechter!" sein mag, mit der der Urschrift der Zeitungsanzeige und des Zettels überein, der in dem Portemonnaie des Ermordeten ge- funden wurde und, wie wir schon mitteilten, den Vermerk über die Station Berkenbrück und die Abfahrt eines Zuges enthielt. Göttschau wird auf Verfügung des Amtsgerichts Fürstenwalde zunächst dem hiesigen Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Es ist nach seinem Vorleben nicht ausgeschlossen, daß er auch noch andere, bisher nicht aufgeklärte Verbrechen auf dem Kerbholz hat. Bemerkens- wert ist nach dieser Richtung, daß der Pförtner Dähnert bei diesem Manne, der doch nicht gearbeitet hat, mehrere Hundertmarkscheine im Portemonnaie sah. Die Vorführung erfolgt wegen Mordes und Raubes. Zu dem Mädchcnmord in der Weißenvurger Straße wird mit- geteilt, daß jetzt auch die Vormünderin der zu Tode geprügelten Minna Neumann, Frau Kallweit aus Jodlauken, in Berlin ein- getroffen ist. Sie wurde gestern eingehend vernommen. Ihre Be- kundungen widersprechen ollen Behauptungen der verhafteten Frau Koh. Daß diese durch Verabredung niit der Vormünderin verpflichtet gewesen wäre, das Mädchen bis zu April 1916 bei sich zu behalten, davon ist gar keine Rede, erst recht nicht von einem schriftlichen Ver- trage dieser Art. Frau Kallweil ließ ihr Mündel nur auf dringende Bitten der Frau Koh bei dieser zurück, als sie selbst wieder nach Ostpreußen ging. Sie glaubte es in guten Händen, weil es sich nicht beklagt hatte. Die Vornmndcrin kann sich das bei der unmenschlichen Behandlung nur daraus erklären, daß das Mädchen, wie sie sich in der Volkssprache ausdrückt,„blöde" war. Diese Wesensveranlagung brachte es mit sich, daß die Aermste lieber still duldete und litt, als sich über Kränkungen und Unrecht zu beklagen und zu beschweren. In Ostpreußen war Minna Neumann auf drei Gütern als Haus- und Zimmermädchen, überall länger als ein Jahr. Von keiner Dienstherrin hat die Vormünderin auch nur eine einzige Klage über sie gehört. Uebcr ihre Dienstherrin hat Minna niemals ab fällige Bemerkungen gemacht, am wenigsten Aeußerungen über Miß Handlungen, wie Frau Koh sie ihr in den Mund legte und wie sie sie auf Geheiß dieser Frau niederschreiben mutzte, weder zu Frau Kallweit noch zu anderen Leuten. Hermann Rüdiger. Wieder hat der Tod einen wackeren Kämpfer der Internationale hinweggerafft. Genosse Hermann Rüdiger ist im Aller von 61 Jahren gestorben. Als Tischler von Beruf hat er sich chon Anfangs der siebziger Jahre der allen Internationalen Ver einigung in Zürich angeschlossen. Nachdem er hier einige Jahre im Verein mit alten bekannten Parteiführern tätig gewesen, führte ihn sein Lebensweg über Wien nach Budapest, wo er auch die erste Be- rufsorganisation der Tischler mitbegründete. Er reiste nach Belgrad, überall neben der Organisierung seiner Berufskollegen die neuen Ideen der Internationale propagierend. Nach Wien zurückgekehrt, erregte seine Tätigkeit die Aufmerksamkeit der politischen Polizei Einer Ausweisung zuvorkoinnicnd, siedelte er 1876 nach Berlin über, Ivo er unter dem Sozialistengesetz sich in der intensivsten Weise im dritten Berliner ReichStagswahllreis betätigte. Im Jahre 1891 der heiratete er sich. Doch noch einmal packte ihn der Drang, in die Ferne zu ziehen. 18S4 fuhr er mit seiner Lebensgenossin nach Argentinien, wo er als Pionier der internationalen Sozialdemokratie im Vorstand des„Arbeitervereins Vorwärts" zu Buenos Aires wirkte. Auf Wunsch seiner Frau führte ihn sein Weg 1896 nach Berlin zurück. Die letzten Jahre seiner Berliner Tätigkeit waren Jahre emsiger Arbeit. Neben jahrelanger Arbeit in der Agitalionskommission der Tischler war er mehrere Jahre im Vorstand des dritten Wahlkreises. Bis an sein Lebensende erfüllte er seine Parteipflicht als Bezirks- führer und zwar zuletzt im zweiten Wahlkreise. DaS Ideal seines Lebens war die Partei. Als Mensch kann er jedem als leuchtendes Vorbild dienen. Tie Nagcliiilg des Eisernen Hiiidenbnrg auf dein Königsplatz kann täglich von 9—6 Uhr erfolgen. Nägel werden an Ort und Stelle von Soldaten verlauft. Tödlich verunglückt ist gestern nachmittag ein junger Glaser, der einen ihm befreundeten Berussgenossen bei der Arbeit am Oberlicht eines Geschäftshauses in der Markgrafenstratze besuchte. Er trat fehl, fiel durch das Glasdach in den Geschäftsraum, den es überdeckte, hinunter, und zog sich einen Schädelbruch zu. Der Verunglückte starb in der Eharitee, schon eine Viertelstunde nach der Aufnahme. Wem gehört das Kind t Das Königliche Polizeipräsidium teilt mit: Angeblich ein Zi- geunerkind, will ein Mädchen sein, das sich Charlotte Erdmann nennt und am 13. Oktober 1902 geboren sein will. Das Mädchen, welches hochdeutsch spricht und fließend lesen und schreiben kann, ist etwa 1,33 Meter groß, hat mittelblondes Haar, gesundes, frisches Gesicht, blaue Augen und macht keineswegs den Eindruck eines Zigeuner- lindes. Als es am 27. August d. I. von einem hiesigen Waschanstalts- bcsitzcr in Mahlsdorf a. d. Ostbahn aufgefunden wurde, trug es ein blaues Kleid mit Matrosenkragcn, rot besetzt, einen blauweiß karierten Rock und blauweißgestreifle, roteingefaßte HSngcschürze. Es war ohne Fußbekleidung. Ueber seine Herkunft macht das Kind folgende Angaben: Es will init seinem Vater, dem Zigeuner und Pferdehändler Otto Erd« mann, 48 Jahre alt, einer Schwester Hildegard, 11 Jahre alt, und einem Bruder Franz. 7 Jahre alt, in einem Wohnwagen, der sich bei weiteren zwei Wohnwagen befand, von Schlesien kommend von Ort zu Ort gereist sein. Seine Mutler soll verstorben sein. In Mahlsdorf will es beim Spielen zurückgeblieben und von dem Wagen abgekommen sein. Diese Angaben erscheinen unglaubwürdig, es ist vielmehr anzunehmen, daß das Mädchen in der weiteren Umgebung von Berlin seinen Eltern fortgelaufen ist und sich herum- getrieben hat. Nachrichten erbittet daS Polizcibezirksamt Berlin-Mitte, Molkenmarkt 1, zu Nr. B. L 15 2512. Kleine Nachrichten. In der Badstraße wurde am Sonntagabend gegen>/z8 Uhr die 41 jährige Frau Landgraf von einem in der Richtung nach Schönholz fahrenden Straßenbahnwagen der Linie 36 angefahren; sie erlitt bei dem Sturz auf das Slratzenpflaster eine Gehirnerschütterung, die ihre Aufnahme in das jüdische Krankenhaus erforderlich machte.— An der Ecke der Schloßstratze und der Kaiser« Allee fuhr ein unbesetztes Automobil des Prinzen von«chaumburg« Lippe gegen einen Straßenbahnwagen der Linie IV., wobei der Triebwagen aus den Schienen sprang. Infolge des Zusammen- stoßcs wurde die Vorderplattform des Bahnwagens eingedrückt und der Kühler des Kraftwagens st«rt beschädigt. Personen wurden nicht verletzt.— Eine anderthalbstündige Störung im Straßenbahn- betriebe ereignete sich am Sonntagmittag am Kastanienwäldchen. Dort entgleiste ein Triebwagen der Linie 49 mit dem Hintertrui in der Kurve und sperrte infolgedessen das Gleis in der Richtung nach dem Hackeschen Markt. Während der Dauer der Störung von 11.30 bis 1 Uhr wurden die Wagen der Linien III, 12, 18. 32, 33. 49, 42, 43, 63. 54, 55 und 133� über den Schloßplatz durch die König- und Spandaner Straße über den Hackeschen Markt abge- leitet. Durch den Rettungswagen der Straßenbahn wurde die Störung beseitigt._ Berichtigung. In der K u n d m a ch u n g des k. und k. General- konsulats Berlin an die österreichischen, ungarischen und bosnisch-herzegowinischen Wehrpflichtigen vom 31. August d. I. mutz es am Schluß von Nr. 1 richtig heißen: Ferner die Landsturmpflichligen der Geburtsjahrgänge 1878 (nicht 1874) bis 1899 sowie 1892 bis 1894, die bisher zur an- geordneten Nachmusterung(seit Mai 1915) nicht erschienen sind. Vor dielen Monaten ist die im Jahre 1912 in der dritten Wöhlerklasse vollzogene Wahl des Gemeindeverordneten Bartelt letzter Instanz für ungültig erklärt worden. Da der Gemeinde vorstand keine Maßnahmen für die Neuwahl traf, mutzte man daher annehmen, daß diese Ergänzungswahl erst im nächsten Frühjahr gleichzeitig mit den regelmäßigen Neuwahlen stattfinden werde. In zwischen ist nun am 2. September im Amtsblatt eine Bekannt machung erschienen, wonach eine Gemeindeergänzungswahl am 19. September von 9—4 Uhr stattfinden werde. Also die Frist von einer Woche, die zwischen der Bekanntmachung und dem Wahltag liegen muß ist gerade gewahrt. Der Gemeindevorstand hat viel Zeit gebraucht, um die Wahl anzuberaumen, dafür wird aber den überraschten Wählern für ihre Wahlvorbereitungen um so weniger Zeit gegönnt. Und bei den Wahlstunden wird auf die Bedürfnisse der Wähler nicht die geringste Rücksicht genommen. Die sozialdemokratischen Wähler haben daher beschlossen, für die bevorstehende Wahl Stimm enthaltung zu üben. Wie es heißt, haben sich die bürgerlichen Parteien auf die Kandidatur des Postsekretärs Streibing geeinigt, der bisher zur bürgerlichen Gemeindeopposition gehörte. Stadtverordnetenversammlung in Bernau. Die letzte Sitzung konnte nur dadurch beschlußfähig gemacht werden, daß der dreizehnte Stadtverordnete telephonisch zur Sitzung gebeten wurde und nach einer halben Stunde erschien.— Bei der Erteilung von Kanalisationsarbeiten an die Firma C. Rosenfeld als Mindestfordcrnde erhoben einige Hausbesitzer Einspruch, da die Firma bei der Anlage des Wasserwerkes von einigen Hausbesitzern für geleistete Arbeit zu hohe Bezahlung beansprucht habe. Dieser Einspruch wurde mit zehn gegen drei Stimmen zurückgewiesen. Von unsere» Genossen war noch beantragt worden, die in diesem Jahre fälligen Stadiverordnetenwahlen bis nach dem Kriege hinaus zuschieben. Beschlossen wurde, bei anderen Gemeinden Erkundigungen einzuziehen._ Soziales. Ms öen Gemeinöen. Steuersatz und Gemcindevcrtrcterwahl in Lankwitz. Die Gemeindevertreterversammlung hatte Anfang dieses JahreS die Gemeindesteuer auf 129 Proz. des SlaatssteuersatzeS festgesetzt. Lange Zeit hörten die Einwohner dann nichts mehr über den Steuersatz, bis im August plötzlich der Steuerzettel kam, nach� dem die Gemeindesteuern jetzt 125 Proz. betragen. Irgendeine Anfklärung der Einwohner hielt der Gemeindevorstand für überflüssig; man kann deshalb nur vermuten, daß der Kreisausschuß die finanzielle Lage der Gemeinde als eine derartige betrachtet, daß mit 120 Proz. nicht mehr auszukommen ist. Getäuschte Erwartungen. In ihrer berechtigten Erwartung, daß sie nach erfolgter Gehaltskürzung während des Krieges in ihrer Stellung bleiben würde, sah sich die Direktrice Neumann arg getäuscht. Sie war seit dein Jahre 1909 in dem Damenlonfektionsgeschäft von August Lüders, Friedrichstr. 66 mit einem Monatsgehalt von 179 M. als Direktrice angestellt. Nach Ausbruch des Krieges er- klärte sie sich mit einer Herabsetzung des Gehalts auf 109 M. ein- verstanden unter der Voraussetzung, daß sie während des Krieges nicht entlassen würde. Aber es kam anders. Fräulein Neumann verlor ihre Stellung Ende April 1915 und klagte nun beim Gc wcrbcgcricht auf Schadenersatz. In der Verhandlung vor der Kammer I wurde folgender Sachverhalt festgestellt. Die Firma August Lüders kam im August 1914 unter Ge schäftsaufsicht. Für den Gläubigerschutzverband für Handel und Jitdustrie übernahm ein Herr Kunisch das Warenlager der Firma und betrieb den Ausverkauf desselben. Während dieser seit war die Klägerin immer noch in ihrer Stellung in dem Geschäft tätig. Sie hat zwar, als der Gläubigerschutzverband daS Geschäft übernahm, ihre Kündigung erhalten, aber einer der bisherigen In haber der Firma August Lüders hat der Klägerin versichert, nach Beendigung des Ausverkaufs werde daS Geschäft wciterbetrieben, und sie ersucht, nach Ablauf der Kündigungszeit im Geschäft zu bleiben. Unter diesen Umständen hat die Klägerin— wie sie angab — geglaubt, daß hinsichtlich ihres Arbeitsverhältnisses alles beim alten bleiben würde, da sie ja mit denselben Personen als Arbeit gebern zu tun habe. Doch in dieser Erwartung sah sich die Klägerin getäuscht. Aus dem Eigentum deS Gläubiger schütz- Verbandes ging das Geschäft in die Hände eines Herrn Millrtzer über. Dieser gründete im Verein mit dem Herrn Lüders und einem dritten Herrn namens Blümel ein jetzt noch bestehendes Geschäft unter der Firma Modenhaus LüderS G. m. b. H. Friedrichstr. 66. Die Klägerin wurde von dieser Firma in ihrer bisherigen Stellung übernommen, aber bald darauf gc kündigt und entlassen. Es erscheint durchaus glaubhaft, wenn die Klägerin versicherte, daß ihr die rechtlichen Aenderungen, welche der Firmenwechjcl mit sich bringt, gar nicht zum Bewußtsein gekomme» sind, sondern sie vielmehr' geglaubt dar, sie sei immer noch bei ihrem bisherigen Arbeitgeber in Stellung, der nur den Namen der Firma geändert habe, aber die ihr gegenüber eingegangenen Verpflichtungen erfüllen müsse. Die Klägerin beansprucht deshalb Nachzahlung der Gehalts- differenz und Schadenersatz, im ganzen 525 M. und zwar richtet sie die Klage nicht gegen die Firma, sondern gegen die drei Inhaber Lüders, Blümel und Millitzer. Der Vorsitzende, Magistratsrat Dr. Leo, legte der Klägerin eingehend dar, daß ihre Klage aussichtslos sei, weil die Firma August LüderS, mit der sie ihre Vereinbarung getroffen habe. gar nicht mehr existiere und die Beklagten nicht herangezogen werden könnten für die von der Firma August LüderS etwa ein- gegangenen Verpflichtungen.— Nach diesen Darlegungen ließ sich die Klägerin zu einem Vergleich bewege», wonach sie von den Beklagten 69 M. erhält._ Lungentuberkulose und Unfall. Der dem Gesetz widersprechenden Auffassung, zur Ver ursachung der Körperbeschädigung genüge nicht allein die Mitwirkung des Unfalls, ist das Reichsversicherungsamt abermals in folgendem Unfallrechtsstreit entgegengetreten. Ein Streckenarbeiter hatte am 18. Juni 19 10 mit noch fünf Arbeitern eine 15 Meter lange Schiene zu tragen. Plötzlich drang ihm Blut aus Nase und Mund. N. mußte die Arbeit aufgeben und meldete sich beim Bahnarzt krank. Er wurde etwa vier Wochen behandelt. Am 18. Juli nahm er die Arbeit wieder auf, mußte diese aber am 22. Juli wieder auf- geben. Dann wurde er wegen Lungentuberkulose bis zum 16. Oktober 1910 behandelt. Der Streckenarbeiter beantragte beim Eisenbahnfiskus Unfallrente. Sein Antrag wurde aber abgelehnt, weil nach einem ärztlichen Gutachten die Erkrankung schon vor dem Unfall, ohne daß der Arbeiter es wußte, bestanden habe. Die Lungentuberkulose habe sicher schon Mitte Juni 1910 be- standen. Der Arbeiter starb infolge der Tuberkulose. Die Witwe verfocht die Rechte ihres verstorbenen Ehemannes und ihre eigenen Rechte sowie die der Kinder weiter. Aber auch das Schiedsgericht für Arbeiter ve rsiche- run.g wollte nicht anerkennen, daß ein Unfall vorliege. Denn das Tragen einer Schiene stehe mit der Tuberkulose in keinem Zusammenhang, es sei dies keine Gewalteinwirkung, die das Lungenbluten ausgelöst habe. D e r R e k ur s d e r W i t w e an das Reichsver- sicherungsamt hatte Erfolg. Es verurteilte den Eiscnbahnfiskus zur Zahlung der Hinterbliebenenrente. Das Rcichsversicherungsamt hatte ein Obergutachten eingeholt. Dies sprach sich dahin aus, die Betriebsarbeit habe eine verschlimmernde Wirkung auf die vor dem Unfall doch höchstens latent vorhanden gewesene Lungentuberkulose(der Verstorbene war vor dem Unfall wegen Tuberkulose be- handelt) ausgeübt und damit auch den Eintritt des Todes beschleunigt. In den Gründen des Reichsvcrsicherungs- amts heißt es u. a.:„Es ist nach dem Zeugnis des Strecken- arbeiters Johann W. als erwiesen anzusehen, daß der Verstorbene bei der Betriebsarbeit am 18. Juni 1910, nach Absetzen einer Schiene, die er zusammen mit W. getragen hatte, aus Nase und Mund blutete. Nach den erwähnten Gutachten des Dr. Sch. und des Geh. Medizinal- rat Prof. Dr. F. ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit an- zunehmen, daß der Verstorbene durch das Anheben und Tragen der Schiene eine Lungenblutung erlitten hat, durch welche das bei ihm bereits vorhandene tuberkulöse Leiden wesentlich verschlimmert und der Eintritt des Todes wesentlich beschleunigt ist. Bei dieser Sachlage war die Frage des. ursächlichen Zusammenhanges zwischen dem Betriebsunfall vom 18. Juni 1910 und der zum Tode führenden Krankheit des Verstorbenen zu bejahen und der Anspruch auf Erben- und Hinterbliebenenrente anzuerkennen." Ms aller Welt. Tie Uebcrschwemmungskatastrophe in Bari. Ueber das Unglück in Bari wird der Presse noch das nachstehende mitgeteilt: Die Wasierkatasirophe in Bari nimmt lrotz der offensicht« lich von der Preßaufsichl veranlaßten Zurückhaltung der Zeitungen große Ausdehnungen an. Die Zahl der Opfer beträgt etwa 29 Tote und 309 Verwundete und ist verhältnismäßig nicht groß, da um 9 Uhr abends im Süden die Bevölkerung auf der Straße zu sein pflegt. Unberechenbar hingegen ist der M i l l i o n e n s ch a d e n. der durch den Einsturz hunderier Häuser, Zusammenbruch von Brücken, Zerstörung von Straßen. Vernichtung der Felder verursacht worden ist. Die Ursache der Katastrophe bildet zugleich eine schwere Anklage gegen den Staat Apulien. Apulien ist be- kannllich wasserarm und wird deshalb durch Bewässerungswerl« künstlich mit Wasser versorgt, deren Mittelpunkt in der Provinz Bari ein Staudamm bei Canneto im Murgetale ist. Im Jahre 1995 brach der Damm bei einem großen Gewitter und rief eine Ueberschwemmung in Bari hervor. Trotzdem erfolgte ein Flick- werk stall eines Neubaues. Der jetzige zweite Dammbruch stellt jedoch eine größere Katastrophe als das damalige Unglück dar. Salandra schickte 19 090 Liere; es werden aber Millionen nötig sein._ „Auf Wiedcrsehn!" Den bisher üblichen Abschiedsgruß„Adieu" wollen viele Leute nicht mehr gebrauchen, und sie haben an Slelle dessen das Wort„Aus Wiedersehn" gewählt. Daß dieser Gruß auch an unrechter Slelle gebraucht werden kann, zeigte sich vor dem Kriegsgericht in G l e i w i tz bei der Verhandlung gegen eine sechzehn- jährige Gastwirtstochter, die einem angetrunkenen Arbeiter noch ein GlaS Bier verabfolgt hatte. Das Gericht halte auf einen Tag Ge- sängnis erkannt, und der Vorsitzende teilte der Angeklagten mit. daß sie die Strafe nicht werde absitzen brauchen, wenn sie sich gut führe. Mit den Worten:„Aus Wiedersehn I" verließ die Angeklagte den Anklageraum.„Aber nicht doch," erwiderte der Gerichtsvorsitzende wir wollen Sie nicht mehr wiedersehen." Der ganze Gerichtshof. aber auch die im Zuhörerraum anwesenden Leute brachen in ein schallendes Gelächter aus. Hochwasser in München. AuS München wird berichtet, daß dort die Isar Hochwasser führt. Die Jsaraucn sind überschwemmt. Selbstmord auf den Schiene». Auf der Strecke Heidenau— Birna fand man die Leiche der 28jährigen Frau des Unteroffiziers L i e b s ch e r aus. Die Frau, deren Mann im Felde steht, hatte sich wegen einer gegen sie erstatteten kleinen Anzeige überfahren lassen. Vorher hatte sie versucht, ihre fünf kleinen Kinder durch Oesfnen der Gashähne zu töten, doch wurden Nachbarn rechtzeitig aufmerksam und retteten die Kleinen. parteiveranftaltungen. Erster Wnhlkrcis. 2. Abteilunz. Morgen Mittwoch gemeinlamer Zahlabend bei Löwe, Hol,gartenstr. 6. Dritter Wahltreis. L.Abteilung. Für die Bezirke 142, 141 und 234 findet der Zahtabcnd bei Felsmann, Oranienstr. 189. statt.— Tie Bezirke 224— 226a der 5. Abteilung halten ihren Zahlabcnd nicht Ritter- straße 123, sondern Ritterslraße 121 ab. Dritter Kreis. 3. Abteilung. Gemeinschastlicher Zahlabend bei Max Hippler, üollmannstr. 16. Schöneberg. Der gcmcinschajtliche Zahlabend deS Bezirks 7 findet bei Arndt. Bauhener Str. 19, statt. Rosenthal-Niederschönhausen-West. Zahlabcnd sür alle ö Bezirke im Lokal von Miibrodt. Vortrag. Niederschönhanscn-Nordend. Mittwoch, den 8.. gemeinsamer Zahl- abend bei Reltig, Blanlcnburger Str. 4. Zahlreiches und pünktliches Er- scheinen erforderlich. Mitgliedsbuch mitbringen. Frievrichsfeldc. Am Mittwoch gemeinsamer Zahlabend bei Dorn. ?UnSö»c,ii'(f. Gemeinschastlicher Zahlabend am Mittwoch, den 8. Sept., im Stadtthcater. kleiner Saal. Bohnsdorf. Mittwoch, den 8. September, abends>/, 3 Uhr: Mit- glieder Versammlung in„Villa Kahl'. Tagesordnung: Die Lebensmittelversorgung am Orte. Beschaffung von Futtermitteln. Referent: Gcmeindevertrcicr Genosse P. Schissie. Vcreinsangelegenheiteii. Sll»l, Uhr gemeinsamer Zahlabcnd bei Kirchner am Bahnhos. Pflicht der Mitglieder ist e», pünktlich zu erscheinen. Sriefkaften öer Redaktion. Die suristische Sprechstunde findet für Abonnenten Lindenftr. S, IT. Hos rechts, parterre, am Montag bis Fr-Nag von 4 bis 7 Uur, am Sonnabend von b»i» e Uhr statt. Jeder sür den ist ein Buchstabe und ein« Zahl als Antwort wird nicht erleilt. Ansrage», beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Sprechstunde vor. Bertragc, Echriststücke Sprechstunde mit. Uhr, >r»«Ikasten bestimmten Antrage Merkzeichen beizufügen. Briesllche denen keine«bonnementsauitrung Eilige Fragen trage man in der am dcrglcichcn»ringe man in die B. A. 22. Ihre Frage aus Erbberechtigung kann nur beantwortet werden, wenn das nähere Verwandtschastsverhältnis angegeben wird.— Eh. H. 8. In diesem Fall- lann von Jbncn nicht verlangt werden, den Vater noch zu unterstüven da er nach Ihren Angaben seinen Unterhalt hat.— R. H. Die Kriegs, eit wird aus die Dienstzeit angerechnet.— — P.»«. Eine bestimmte Grenze ist dafür nicht gezogen. Es kommt dabei in Betracht die Höhe des Verdienstes und wie viel Kinder vorhanden sind. Stellen Sie aus der St-uerlass- einen Antrag auf Mictsunter- stühung.— G. P. 10». Nein.— Königsberg 17. 1. Ein ärztliches Attest oder eine Bescheinigung der Hebamme müßte dem Gesuch beigelegt werden. 2. Turinslr. 44.— C. II« Beim B-zirkskommando.— G. 17. Der Sohn hat keinen Anspruch aus Kranleiikass-nleistutigen— M. 1«». Nachmuilcruiig kanii erfolgen— Hermandine 22. Das Gesuch müßte an den Kompagniesührer gerichtet werden.— K. G. 54- Nachmusterung kann noch erfolgen.— W. 3. 2». Fragen Sie bei der Verwaltung des Sicchenhauies an.— E. 3D. 43». Beides ist gleich Sie können nochmals gemustert werden.— R. 8». Der Antrag an das v-zirkskommaitdo in Schöneberg. Gcn.ral-Papc.strag-. unter Dar- legung Ihres Leidens würde unzweifelhaft zur Mge haben, daß �ie nicht im Fabriksaale gemustert werden.— W.». Lindenstraße. Nein. — K.*. 38. Eine Nachmusterung kann noch-rsolgen.- R. M. Wir können Ihnen im Briefkasten keine andere Antwort geben. Wenn Sie Näheres wissen wollen, müssen Sie persönlich in die Sprechstunde kommen. — P. K. SS. Sie können freilich daS Geld für die Prämienzahlung reserviert halten. Wenn Sie zum Heeres dienst �eingezogen sind, sind Sie ur Steuerzahlung nicht verpflichtet. Stellen sie einen Antrag aus Be» reiung oder Stundung des Schulgeldes. Wenn dieser Antrag keinen Er- folg hat und die Kinder die Realschule wegen Nichtbezahlung nicht besuchen dürsen sind sie natürlich zum Besuch der Gemeindeiibule nervtti»,-. Der nrnoci.„i. Nilgr ociu. itürlich zum Besuch der Gemeindelchule verpslichlcl. Ter Wirt kann wegen MietSrückstünde die entbehrlichen Sachen psänden. sie aber während des Krieges nicht verlausen. Mielszuschuß wird bis zu 59 Proz. gewährt._ WetteranSIichten für das mittlere Norddeutfchland biö Mittwochmittag. Abends und morgens vielsach nebelig und kiibt. In den Tagesstunden ziemlich heiter und mäßig warm, aber veränderltch. Nirgends erhebliche Niederschläge.