Nr.255.-3Z.ZalM. Hbonnements-Bcdlngungcn: NbonncmenlS» Srci» vränumermrd»: Wicttcljährl. 3�0 MI» monotL 1,10 MI» wöchwllich 25 Psg. frei ins HauS. Einzelne Nummer 5 Big. Sonnmgs- nummer mit illustrierter Sonntugs- Beilage»Die Neue Welf 10 P'g. PostAbonnement: 1,10 Morl vro Monat. Eingetragen in die Posl-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deuiickiland und Oesterreich- Ungarn 2.50 Mar!, für das übrige Ausland s Mar! pro Monat. Postabonnements nebmen an: Belgien, Danemarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweis kklcheinl Isglli». Berliner Volksblntk. c Die Infertlons-Gcbüfjp beträgt für die scchsgefpaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 00 Psg.. für politische und aewcrlschaftliche Vereins- und Vcrsnnimlungs-Anzeigcn 30 Pig. „Kleine Anreizen", das fettgedruckte Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pjg Stellengesuche und Schlafsicllenau. zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buch. staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer mühen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedinon ist bis 1 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: «SttialiUnioltrzl Berlin", Zcntralorgan der fodaldemokratifcbcn parte» Deutfchlands. Redaktion: SW. H8, Linöenstraße Z. Fernsprecher: Zimt Älioritzplat;, Nr. 15» Sit— 151 97. Mittwoch, den 13. September 1913. Expedition: SM. d8, Lindenftraße Z. Fernsprecher: Amt Moripplav, Nr. 151 90—151 97. Der rusilsche Generalstabsbericht. Petersburg, 14. September.(W. T. B.) Mitteilung des Großen General st abes von gestern abend. In den Gegenden von Riga, Friedrich st adt und Jakob- st a d t keine wesentlichen Veränderungen. An der Front an der unteren Eckau und nordwestlich von M i t a u Gefechte kleiner Abteilungen. Beträchtlich verstärkter Artillerickampf von Linden bis zwanzig Werst nordwestlich von Friedrich- stadt. Tie hartnäckigen Kämpfe westlich von Jakobstadt in den Gegenden des Pikstern- und Saukensees dauern fort. Westlich und südwestlich von Dünaburg hat der Feind eine beträchtliche Offensive unternommen. In der Gegend von Abeli und Tugiany und weiter südlich spielen sich sehr erbitterte Kämpfe ab. Bei der Station N o w o- S w i e n t z i a n h wurde die Eisenbahn vom Feinde durchschnitten. Unter dem Drucke des Feindes, welcher zwischen den Gegenden von Nowo-Swientziany und Wilna zu einer entscheidenden Offensive überging, ziehen unsere Truppen s i ch z u r ü ck. In der Gegend der Bahnstation Podbrodse sowie in der Gegend westlich von Wilna und weiter östlich, sowie bis zur Gegend von Orany keinerlei Veränderung. An der Front O r a n y- M o st y hartnäckiger Kampf gegen den beträchtlich verstärkten Feind in der Gegend von Skidel und weiter östlich. Der Feind dehnte seinen Angriff von östlich Skidel weiter aus. In den Kämpfen, welche unsere Nachhut auf- nahm, um den Vorstoß des Feindes aufzuhalten, konnte unsere Artillerie ein machtvolles Feuer entfalten. Die front im Osten. ■ igjjj.llugust am>3. Sin/amdei m eJ Aus der Linie Wolkowysk— Jkartus— Kaja— B e r e z a dringt der Feind auf den Straßen nach Osten vor- sichtig vor. Seine Versuche, zu einer kräftigeren Offensive überzugehen, stießen überall auf vorbedachten Widerstand und hatten keinen Einfluß auf den regelmäßigen und sicheren Verlauf des geplanten Rückzuges unserer Truppen. Zwischen Kobrijn und Pinsk im allgemeinen keine Veränderungen; in der Gegend östlich von Drogitschin kleine Gefechte. Süd- östlich vom Bahnhof Sarny halten unsere Truppen den Feind weiter auf, der besonders längs der Flüsse Styr und G o r y n i a und weiter nach Osten, also in der Gegend von Kolki, vorzudringen sucht. In der Gegend von D e r a s h n o hartnäckige Kämpfe. Westlich von Rowno, in der Gegend von Dubno und Kremenctz, machen die Oesterrcicher erfolglose Angriffe. In G a l i z i e n, in der Gegend von Tarnopol drangen unsere Truppen unter einem orkangleichen Artilleriefeuer des Feindes noch ein wenig vor, machten Gefangene und erbeuteten Maschinengewehre. Wir warfen die Deutschen zurück, welche sich nach Norden zurückzogen. Am u n t e r e n S e r e t h in der Gegend von Zaleszczycki versuchte der Feind durch Uebergchen zur Offensive unser Vordringen nach Westen aufzuhalten, aber nach hart- Mm im to&cn MWiliers. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 14. September 1915.(W. T.».)' Westlicher Kriegsschauplatz. Unter teilweise sehr lebhafter Tätigkeit der Artillerien verlief der Tag sonst ohne wesentliche Ercigniffe. Ein schwacher französischer Vorstoß gegen daö Schleusen- haus von Sapignenl siiordwcstlich von ReimS) wurde zurück- geschlagen. Auf Trier, Mörchingen, Chateau-S a linö und Donauesch ingcn wurde» von feindlichen Fliegern Bomben abgeworfen. Bei Donau- cschingcn ein Personenzug mit Maschinen- gewehrfeuer beschossen. Es sind einige Personen getötet oder verletzt. Aus dem über Trier erschienenen Geschwader wurde ein F l n g z e u g bei Lommeringcn ssndwestlich von Fentsch) hernnterge schössen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des l-enerslfeldmärschslls v. hlndenburg. Auf der Front zwischen der Düna und der W i l i j a snordwestlich von Wilna) sind wir unter 5iämpfeu im weiteren Vorgehen. Es wurden fünf- tansendzweihnnocrt Gefangene gemacht, ein Geschütz, siebzehn Mnnitionswagen, dreizehn Maschinen- gewehre und viele Bagagen erbeutet. Auch östlich von O l i t a macht unser Angriff Fortschritte. Im Njemen- bogen snordwestlich von Grodno) gelangte die Verfolgung bis halbwegs Lida. Weiter südlich nähern wir nns dem Szczara-Abschnitt. Ter Bahnhof Lida wurde nachts mit Bombe« beworfen. Heeresgruppe des LenerslfeldmsrkchsIIs Prinz Leopold von Bayern. Die Verfolgung gegen die Szczara blieb im Fluß; feindliche Nachhuten wurden geworfen. Heeresgruppe des Leneralseldmarschalls v. Illachenlen. Auch hier konnte der Feind die Verfolgung nicht auf- halten. Einige hundert Gefangene wurden eingebracht. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Lage bei den deutscheu Truppen ist«nver- ändert. Oberste Heeresleitung.> Set öMiffle SemrliWMW. Wien, 14. September.(2S. T. B.) Amtlich wird ver-- lautbart: Wien, 14. September 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Die Lage in Ostgalizicn ist unverändert. Der Feind griff heute früh unsere Strypa-Front an, wurde aber ab- gewiesen. Auch in Wolhynien sind die Russen unter Heran- führung neuer Truppen an zahlreichen Stetten zum Angriff über- gegangen. Während bei Nowo-Alcksinic die Kämpfe noch an- dauern, wurde der Feind bei Dubno und am Stnbicl-Abschnitt überall unter großen Verlusten zurückgeworfen. Unsere in Litauen kämpfenden Streitkräfte überschritten in der Ver- folgung des Gegners südlich von Slonim die Griuda-Niederung. Italienischer Kriegsschauplatz. Nach den erfolglosen italienischen Angriffen der letzten Tage trat gestern in den größeren Kämpfen bei Flitsch und Tolmein eine Pause ein. Bei P l a w a vertrieb ein Feuerübcrfall unserer Artillerie den Feind aus einem mehrere Kilometer breiten Front- stück. Die fiüchtcndcu Italiener erlitten große Verluste. An der Tiroler Front wurden Angriffsvcrsuchc schwächerer fcind- licher Abteilungen gegen unsere Stellungen bei der Grenzbrücke im Popcnatale fsüdlich Schludcrbach) und im Toualcgebietc abgewiesen. Im großen und ganzen herrscht an der Südwest- front Ruhr. Ter Stellvertreter des Ehefs des Gcncralstabes: v. H o e f e r, Feldmarschalleutnant. näckigem Kampfe wurde er von neuem geschlagen und ge- Morsen. Im allgemeinen suchen die Unternehmungen der Deutschen und Oesterreicher den Anschein offensiver Operationen zu bewahren, was ihnen Verluste einbringt, die mit ihren Ergebnissen nicht im rechten Verhältnis stehen. HeZöfihwierigkeiten öer Ententemächte— Kriegstreiber an öer Arbeit. New-Iork, 25. August 1915.(Eig. Ber.) Die letzten Wochen haben einen großen Sturz im Kurse des Geldes der Ententemächte gesehen, während sich der Kurs des deutschen und österreichischen Geldes auf dem schon vor vielen Monaten erreichten Niveau hielt. Selbst das englische Geld zeigt einen Kursverlust von nahezu fünf Prozent, woran die großen Goldsendungcn der letzten Wochen wenig zu ändern vermocht haben. Die Erscheinung hängt aufs engste mit den großen Waffen- und Munitionsbestellungen zusammen. Eni- gegen der allgemeinen Vorstellung hat die Lieferung dieser Bestellungen kaum erst begonnen, erst jetzt soll mit den größeren Lieferungen angefangen werden. Als die Bestellungen gegeben wurden, mußten die Auftraggeber 29 oder 23 Prozent der Gesamtsumme anbezahlen. Jetzt werden nun die übrigen 89 oder 75 Prozent fällig und die Frage entsteht, wie man sich die nötigen Zahlungsmittel beschaffen soll. Am schlimmsten sind Italien und Rußland daran, die auch Neubestellungen schwer unterbringen können, da die amcrika irischen Kapitalisten ihren Kunden wohl große Sympathie, aber wenig Glauben entgegenbringen. Aber auch für England und Frankreich ist die Zahlung eine sehr brcnzlichc Frage. England hat die Frage dadurch zu lösen gesucht, daß es große Mengen Gold nach New Jork schickte und bei New Dorker Banken amerikanische Eisenbahnobligationen ver- pfändete. Bis jetzt hat dies wenig genützt, um den Kurs des englischen Geldes in die Nähe von pari zu bringen; denn die zu leistenden Zahlungen sind sehr groß. Es würde wohl mehr Gold bedürfen, als England und seine Verbündeten entbehren können, um auf diesem Wege die große amcrika- nische Waffen- und Munitionsausfuhr zu begleichen. Den Amerikanern seihst wäre damit auch nicht gedient, wenigstens den Banken nicht. Diese haben zurzeit eine gewaltige Gold- rgserve und leihen ihr Geld zu sehr niedrigen Sätzen aus. Sie wüßten nicht, was sie mit dem englischen Golde anfangen sollten. Eine Verwendungsmöglichkeit, wie etwa von einer Periode industrieller Erpansion und Prosperität geschaffen werden würde, ist nicht in Sicht. Ein beständiger Goldzufluß würde unter den herrschenden Verhältnissen vielleicht zu einer noch wilderen Spekulation auf dem Effektenmarkt und dann höchstwahrscheinlich zu einem großen Krach führen. Die Bankiers wollen Geschäfte machen und die Zahlungs- not ihrer Kunden liefert ihnen dazu eine willkommene Gc- legenheit. Sie reden beständig von einein Kredit von einer halben Milliarde Dollar, die die Engländer hier gegen Hinter- legung von amerikanischen Eiscnbahnobligationcn aufnehnicn müßten, um ihren Verpflichtungen nachkommen zu können. Welche Anziehungskraft ein derartiges Geschäft ans die amerikanische Finanz haben muß, geht aus folgenden Einzel- heiten über den Kredit hervor, den die Franzosen hier auf- genommen haben. Frankreich hinterlegte bei der Firma I. P. Morgan u. Co. amerikanische Eisenbahnbonds. Von diesen Papieren werden für 142 Millionen Frank nicht nach Paris zurückkehren. Die Pennsylvaniabahn- gesellschaft hat die Bonds durch das Bankhaus Kuhn, Loeb u. Eo. einlösen lassen. Sie waren Teil einer Emission von 259 Millionen Frank, die im Jahre 1921 Matu- rität erreichte. Morgan und Co. hatten die Papiere zu 99 Proz. ihres Wertes beliehen; die Einlösung verschafft der französischen Regierung mithin ein paar Iveitere Millionen, die sie als Zahlung für amerikanische Waren verwenden kann. Die amerikanischen Kapitalisten haben bei dieser Transaktion ein Bombengeschäft gemacht. Indem die Pennsylvaniabahn ihre Bonds schon jetzt einlöste, inachte sie infolge des niedrigen Kurses des französischen Geldes einen Profit von 16 Proz.! Um ihre Bankiers zu bezahlen, wird die Bahngescllschaft in den Vereinigten Staaten Dollarobligationcn ausgeben. Diese Einzelheiten erklären zur Genüge, weshalb die Amerikaner den Engländern und Franzosen durchaus Kredite ein- räumen wollen. Sie erklären aber auch, weshalb es die Eng- länder mit diesem Geschäft gar nicht eilig haben. Englische Bankdirektoren sollen sich auf dem Wege nach New Jork befinden, um mit den Amerikanern über die Lösung des schwierigen Zahlungsproblems zu verhandeln. Ein Lösung muß bald gc- funden werden, lvenn nicht die Kriegslieferungen aus Amcrika infolge der erwähnten Zahlungsschwierigkeiten unterbrochen oder doch wenigstens stark eingeschränkt werden sollen. An diesem Punkte scheinen Russen und Italiener schon an- gekommen zu sein. Die bisher recht eifrig diskutierte Frage, was England tun wird, um das Pfund Sterling zu reha'bi- litieren, ist durch den Untergang der„Arabic" jäh unter- brachen worden. Kommt es zu kriegerischen Verwickelungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten oder auch nur zu einem diplomatischen Bruch, so werden sich nach der Ansicht mancher Fachleute die finanziellen Beziehungen zwischen England und Amerika bedeutend einfacher gestaliem Alsdann würde sich der amerikanische Geldmarkt wohl englischen Kriegs- anleihcn öffnen, die die Engländer auch jetzt schon hier gern unterbringen möchten. ** Wenn es in der nächsten Zeit nicht zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika oder gar zum Kriege kommt, so werden sicher die amerikanischen Kriegshetzer nicht daran schuld sein. Tie deutsche Regierung wird äuszerst vorsichtig sein müssen, wenn sie diesen Herren nicht in die Hände spielen will. Denn daß sie es auf einen Bruch mit Deutschland abgesehen haben, geht klar und deutlich aus ihrem ganzen Gebaren hervor. Der Untergang der„Arabic" hat klar gezeigt, wie die Dinge liegen. Ohne die deutsche Erklärung dieses Zwischenfalles abzuwarten, behaupteten die führenden Kapitaliftenblätter, das; jetzt ein Bruch niit Deutschland unvermeidlich sei. Vermutungen, daß die aus englischer Ouelle stammenden Berichte über den Untergang des Dampfers den Tatsachen vielleicht nicht ent- sprächen, würden verspottet und verlacht, und dem Publikum wurde mit pathetischer Gebärde verkündet, wie heilig das Recht des Amerikaners sei, in Kriegszeiten aus den Dchiffen einer kriegführenden Nation reisen zu dürfen. Die Blätter stellten Vergleiche mit Washington und der Unabhängigkeit, Lincoln und der Sklavenbefreinng an. Derartige Uebcr- trcibungen sind in den Vereinigten Dtaaten gang und gäbe und man darf sie deshalb nicht allzu ernst nahmen; aber ihre Verwendung beweist, wohin die Strömung treibt. Unmittelbar vor der durch die Versenkung der„Arabic" er- zeugten Spannung erlebten wir eine besonders heftige Deut- schenhetze. Einem in der Union weilenden deutschen Herren, Dr. Albert, waren eine Anzahl Briefe gestohlen worden, die dann die„World" als Beweise für die Propaganda deutscher Geheimagenten veröffentlichte. Das Wichtigste an der Sache war, daß dem Redakteur Viereck vom„Fatherland" nach- gewiesen wurde, von dem deutschen Agenten Geld erhalten zu Habens Ferner wurden viele unerlviesenc Behauptungen auf- gestellt und dunkle Andeutungen gemacht, unter anderen auch die, deutsche Geheimagenten hätten versucht, in den Munitions- sabriken Streiks zu provozieren. Alle diese Tinge, auf die einzugehen es sich kaum verlohnt, iverden nun iagelang zu einem lieblichen Brei zusammengerührt, in den man niit jeder Ertraausgabe neue Essenzen schüttelte, bis nian die Angst und den Argwohn des Volkes genügend erweckt hatte. Hinter der Deutschenhetze und der Kriegstreiberei stehen das Rüstungskapital und die zahlreichen Kapitalisten, die zur- zeit an der Prosperität dieses Industriezweiges interessiert sind. Es ist sehr auffallend, daß sich in die Erörterungen über die Kriegsmöglichkeit imnicr lvieder die Rüstungsfrage schiebt. Man sollte meinen, daß man sich in Anbetracht der Möglich- keit einer kriegerischen Verwickelung niit dem augenblicklich Wichtigsten, dem Zustand des Heeres und der Flotte und der Art der Teilnahme an dcni Kriege, befassen würde. Aber anstatt dessen schreibt die kapitalistische Presse beständig von der Notwendigkeit einer großen Heeres- und Flottenvermehrung, die für das gegenwärtige Ringen doch wohl kaum noch in die Wagschale fallen dürfte. Mit den Lippen niurmelt man über den Krieg, mit den Gedanken ist man bei den Rüstungs- Profiten. Diese Seelenverfassung der amerikanischen Bourgeoisie ist nicht schwer zu erklären. Zufolge der großen Kriegsbestcllungen hat die amerikanische Rüstungsindustrie eine gewaltige Ausdehnung erfahren. Je länger der Krieg dauert, desto niehr ist zu verdienen, desto größer ist die Sicherheit, daß sich das neu angelegte Kapital genügend verwertet. Alle Ereignisse, die auf eine Verlängerung des Kampfes hindeuten, regen die Börse günstig an und erfreuen das Herz des Bourgeois. Alles, was die Wiederkehr des Friedens„befürchten" läßt, deprimiert die kapitalistische Seele— wenigstens in den Ost- staaten. Aber einmal muß der Krieg doch beendet iverden. Und was wird dann aus den neuen und erweiterten Rüstungs- sabriken iverden? Es ist diese Frage, die unsere Kapitalisten peinigt und die sie zu dein bewährten Agitationsmittel der Rüstungskonzerne greifen läßt. Wenn Europa versagt, so müssen die Vereinigten Staaten dafür sorgen, daß die Rüstungsindustrie Aufträge bekommt. Um aber diese für die Zukunft der Betriebe durchaus notwendigen Austräge recht- fertigen zu können, müssen wir einen Erbfeind haben. Früher >var dies Japan; doch wie kann man heute gegen Japan hetzen, wo dieser„Erbfeind" der Verbündete des besten Kunden ist?«o wird denn gegen Deutschland ge- hetzt, niit dem die Vereinigten Staaten bisher im besten Einvernehmen gelebt haben. dessen gewallige Wehrkraft jedoch am besten geeignet ist, die nötige Furcht zu erregen. Mag auch die Propaganda vorwiegend der Profitsucht dienen, niögen sich auch manche, die daran teilnehmen, ihrer Tragweite nicht bewußt sein, ihre Wirkung geht Iveit über ihren unmittelbarcnZweck hinaus. EinunwesentlicherZwischenfall kann den Anstoß zum offenen Konflikt geben. In kapitalistischen Kreisen spekuliert man schon über die Frage, welche wirt- schastlichen Vorteile ein Bruch mit Teutschland den Vereinigten Staaten bringen werde, und ist sich klar, daß ein diplo- matischer Bruch mit Deutschland oder der Krieg nicht nur Anlaß zu großen heimischen Kriegsbestellungen geben, sondern auch die Schwierigkeiten aus der Welt schaffen würde, die infolge der Neutralität der Union in der Regelung der Finanz- geschäfte mit den Feinden der europäischen Zentralinächte entstanden sind. Man denke nur au die gewaltigen Reserven der amerikanischen Banken, die man nach der Ausmerzung der lästigen Neutralität für direkt kriegerische Zwecke— natürlich gegen gute Deckung nnd zu hohem ZinS— aus leihen könnte._ Schiedsgerichtlicher Mstrag des deutsch- amerikanischen Konfliktes 1 London, 14. September. lW. T. B.) Die„ D a i l h Mail" meldet aus New York vom 12. d.M.: In Washington fand eine jener kaleidoskopartigen Aenderungen in der Haltung zur Unterseebootfrage statt, die� den Beobachter ständig in Erstaunen setzen. Gestern hieß es, die Lage sei kritisch, heute erklärt man ein Schiedsgericht für möglich. Hearsts„ N e!v York A m e r i c a n" ver- öffentlichte seinen typischen. England feindlichen Artikel, in dem das Blatt sagte, daß Deutschland größere Zu- geständnisse mache als England, und daß der Streit einem Schiedsgericht unterbreitet iverden soll. Tie Re- gierung zaudere. Ihre Stimmung erhellt aus einem Washing- toncr Bericht der„New York Tribüne", in dem es Jjeißt, die Regierung sei durch die sich häufenden Berichte von Senatoren und anderen Persönlichkeiten aus dein S ü d e n und dein mittleren Westen beunruhigt, die besagen, daß die Volks st immung die Vermeidung des Krieges um nahezu jeden Preis fordere. London, 14. September.„D a i l y Telegraph" berichtet aus New York: Tie Lage Wilsons ist keineswegs beneidens- ivert. Die große Mehrheit des Volkes will den Frieden, will aber auch, daß der Präsident ent- schlössen austrete. Beides ist jedoch schwer vereinbar, da ein fortgesetztes entschlossenes Auftreten den Krieg herbeiführen kann. Washington scheint die Entscheidung über Krieg und Frieden deni Volke zuschieben zu ivollen, während das Volk bei der günstigen Geschäftslage die Verantwortung Washington überlassen möchte. „ T i ni e s" meldet aus Washington, es sei be- zeichnend, daß die Entrüstung der Presse über Deutschland von einer lebhaften Erörterung über die Möglichkeit eines Schiedsgerichtes und die Lösung d e r K r i s e be- gleitet sei. Ties sei namentlich im Westen der Fall. Deutsche wajsersiugzeuge gegen russische Seestreitkräfte. Amtlich. Berlin, 14. September. sW. T. B.) Am 12. September haben deutsche Wasserflugzeuge einen Angriff auf russische Seestreitkräfte im»i i g a s ch e n M cerbuseu und auf R i g a- D ü» a m ü n d c gemacht. Eins der Flugzeuge sichtete vor der Bucht ein feindliches Flugzeug- Mutterschiff und belegte es mit Erfolg wit Bomben; Brand- Wirkung wurde beobachtet. Ein anderes Flugzeug griff einen Zerstörer mit Bombe» an und erzielte einen Treffer. Ein drittes entdeckte in der Arensburger Bucht ein Flugzcug-Muttcrschiff und brachte ihm zwei Treffer bei. Dem vierte» Flugzeug, das bei Zcrcl. einen Kampf mit zwei russischen Flugzeugen zu bestehen hatte, gelang es, an einen Zerstörer heranzukommen und auf ihn einen Treffer zu erzielen. Das fünfte traf zwei feindliche gc- tauchte H-Boote vor Windau und bewarf sie mit zwei Bomben; der Erfolg konnte nicht festgestellt werden. Das leiste Flugzeug erzielte auf der zum Torpedobootsbau für die russische Marine bestimmten Mühlgraben-Wcrft in Tünamunde sechs Treffer in den Werkstätten und aus den Hellinge». Die Werft geriet in Brand. Einem der Flugzeuge begegnete im Rigaschcn Meerbusen ein russisches Segelschiff, welches versenkt wurde. nachdem die Mannschaft gerettet war. Der Chef des Admiralstabcs der Marine. Der franzö'flsche Tagesbericht. Paris, 14. September.(W.T.B.) A m t l i ch e r Kriegs- bericht vom Montag nachmittag: Im Laufe der Nacht wurden mehrere Kämpfe mir Handgranaten in der Nähe der Straße von Bethune nach Arras, sowie ein leicht zurück- geworfener Angriff der Deutschen nördlich vom Bahnhofe von Souchez gemeldet. Im Süden der Somnie vor Fay dauert der Mincnkamps hartnäckig an. Heftiges Kanonenfeuer in den Abschnitten Armancourt und Beuvraignes sowie auf den Hochflächen von Oucnnevieres und Nouvron. In der Ehampagne und in den Argonnen aussetzendes Kanonenfcucr. Auf der Lothringer Front richteten unsere Batterien einen wirksamen Geschoßhagcl gegen die deutschen Schützengräben, Batterien und die Lager in der Umgebung von Sapigneul und Neuville bei Berry-au-Bac. Artillerickämpfe mit Bomben in der Champagne, in den Argonnen und zwischen Maas und Mosel. Aussetzendes Bonibardement in den Vogesen östlich von Metzeral am Sudelkopf. Als Vergeltungsmaßnahmen ür die kürzlichen Bonlbardemcnts von Luneville und Com- negne durch feindliche Flugzeuge überflog ein Geschwader von 19 Flugzeugen am 13. September niorgens die Stadt Trier, die mit etwa hundert Granaten belegt wurde. Der Bahnhof und die R c i ch s b a n k ivurden sicher ge- troffen. Dasselbe Geschwader warf bei seiner Rückkehr zu seinem Zugehörigkeitshafen, nachdem es in unseren Linien gelandet war, am Nachmittag 38 Granaten ans den Bahnhof von D o in m a r y- B a r r o n c o u r t. Andere Flugzeuge bombardierten aus geringer Höhe die Bahnhöfe von Donau- c s ch i n g e n an der Donau und Marbach in einem Gebiet, in dem Truppenbewegungen genicldet waren. Man konnte die Wirkung des Bombardements an den Zielen nnd an einem in Fahrt befindlichen Eiscnbahnzngc feststellen, der anhalten mußte. Neuer Luftschiffangriff gegen Sie englische Küste. London, 13. September.(W. T. B.) Das Preßbureau meldet: Tie e n g l i s ch e K ü st c wurde gestern abend neuer- dings von feindlichen Luftschiffen heimgesucht, die Bomben abwarfen. Es wurde niemand verletzt. Einige Tclegraphendrähte sind zerrissen und einige Fensterscheiben zertrümmert worden. Das ist der ganze Schaden, der an- gerichtet worden ist. Amstcrbnm, 14. September.(ÜB. T. B.) Aus England hier ein- getroffene Reisende erzählen, daß die Zeppeline in der Nacht vom 12. September bis nach E h i s w i ck im ä u ß e r st e n Süd- Westen des Londoner Bezirks gelangten. Der an- gerichtete Schaden soll entgegen amtlichen englischen Meldungen sehr bedeutend sein. Ein französisches Unterflaatssekretariat für Lustfahrwesen. Paris, 14. September.(W. T. B.j Meldung der Agence HabaS. Die Regierung hat den Vorschlag des Kriegsministers Millerand für die Bildung eines neuen Unterstaatssekretariats des Krieges, dem die Leitung des militärischen LuftfahrwesenS nberiragen werden soll, angenommen. Kitchener fordert noch viel größere Truppenmaffen. London, 14. September.(30. T. B.)„Daily C h r o- n i c l e" meldet: K i t ch c n e r legte dem Kabinett einen Voranschlag über die Zahl der Truppen vor, die er im nach st en Jahre auf deni Kontinent be- nötigen würde. Der Voranschlag sieht viel größere Truppenmassen, als jetzt im Felde stehen, vor. Es bestehe aber kein Zweifel, daß es möglich sein wird, alle nötigen Mannschaften in freiwilliger Rckrutie- r u n g aufzubringen. vom U-Sootkrieg. Dmuiden, 14. September.(ÜB. T. B.j Die Besatzung des holländischen Dampfers„Pomona" sah Sonntag früh um 7stz Uhr, drei Meilen vom Leuchrschiff Kentish Knock einen englischen Dampfer von ungefähr fünftausend Tonnen, der unterging. Die etwa 100 Mann starke Besatzung stieg an Bord einiger Fischdampfer, die in der Nähe fischten. Kristiania, 14. September.(ÜB. T. 83.) Meldung des Ritzauschen Bureaus.?kach einer telegraphischen Miueilung des Führers des Dampfers„Beßheim" ist das Schiff zweieinhalb englische Meilen südsüdöstlich der Ballastklippen von einem deulschen Unterseeboot an- gehalten und ein englischer Untertan an Bord des Unterseebootes gebracht worden. Die norwegische Gesandtschaft in Berlin wurde angewiesen, namens der norwegischen Regierung bei der deutschen Regierung Protest einzulegen. Kristiansand, 14. Sepiember.(ÜB. T. B.) Ein vor der hiesigen Küste operierendes deutsches Unterseeboot Hai den Dampfer„Randuli Hausen", von Arendal nach England mit Planken unterwegs, aus- gebracht. Weiler verbrannte das Unterieeboor den mit Gruben- hölzern beladenen Schooner„Wansbeck" aus Lillesanv. Die Mann- schajr, bestehend aus vier Mann, wurde vom„Randuls Hansen" aus- genommen und sväter ans ein Segelschiff übergeführt, das die Mannschaft nach Skienfjord mimahm.„Randuls Hansen" soll als Prise nach Deutschland gebracht worden sein. Zur verfenkung üer„slrabic�. London, 13. September.(W. T. B.) Meldung des Reuter- scheu Bureaus. Oberst Concannon von der White S t a r L i n e hat gestern in einer Besprechung mit eineni Vertreter der„Daily News" gesagt: Die Offiziere der „Arabic" haben erklärt, daß das Unterseeboot nicht ge- sehen worden sei. Es war also unmöglich, den Versuch zu machen, das Unterseeboot zu rammen. Aus demselben Grunde ist auch kein Versuch gemacht worden, zu entkommen, noch auch die ursprüngliche Fahrtrichtung zu verändern, um auf das Unterseeboot loszusteuern. Das gehe schon aus der Tat- fache hervor, daß der Dampfer am Heck vom Torpedo getroffen worden sei. Zur verfenkung der„tzefperirnf. Berlin, 14. September.(W. T. B.) Wie wir von zu- ständiger Seite erfahren, erscheint es auf Grund der bisher vorliegenden Nachrichten im Zusammenhalt mit den an amt- sicher Stelle bekannten Tatsachen so gut wie ausgeschlossen. daß ein dentsches Unterseeboot für die Versenkung des englischen Passagier- danipfers„Hespcrian" überhaupt in Frage komm t. Zunächst befand sich nach der planmäßigen Verteilung am 4. September d. I. kein deutsches Unterseeboot in dem Scegebiet, in dem„Hesperian" versenkt worden ist. Ferner ist nach den hier vorliegenden Schilderungen aus englischer Ouelle die Erplosion eine derartige gewesen, daß aus ihren Wirkungen eher auf eine Mine als auf einen Torpedoschuß geschlossen werden muß. Für diese Llnnahmc spricht auch der Umstand, daß nach den vorliegenden Schilderungen das Schiff nahe dem Vordersteven getroffen worden ist und die zwei vordersten Räume sich mit Wasser füllten. verhanülungen ües Grafen Sernstorff mit dem Staatssekretär Lanflng. New York, 14. September.(W. T. B.) Meldung des Neuterschen Bureaus. Ein Drahtbericht a u s Washington besagt: Graf Bernstorff sei, durch die Möglichkeit des Abbruchs der diplomatischen Beziehungen beunruhigt, dort angekommen, um mit Staatssekretär Lansing eine Besprechung zu haben, und Klarheit zu schaffen. Tie Entscheidung dürfte heute oder morgen fallen. Tie Regierung habe bereits beschlossen, welchen Weg sie einschlagen werde. Tie Lage sei deshalb s ch w i e r i g, weil Deutschland sich weigere, im Falle der„Arabic" Schadenersatz zu l e i st e n. Das werde als Bruch des deutschen Versprechens über die Sicherheit der Amerikaner auf See betrachtet. Dieser Punkt könne nicht den Gegenstand eines schiedsrichterlichen Spruches bilden. Man glaube ferner, daß Graf Bernstorff die Mitteilung eines New Yorker Blattes, wonach er gesagt haben soll, der Krieg sei unvermeid- sich, wenn die Beziehungen abgebrochen würden, entschieden in Abrede stellen werde. Amtliche Kreise, die sich für die Rich-« tigkeit der Mitteilung jedoch nicht verbürgen können, glauben, daß die Aeußerung voni Grafen Bernstorff oder seinen Frcun- den in die Presse gebracht wurde, um das Staatsdepartement zu verwirren oder den Abbruch der diplomatischen Beziehun- gen zu verhüten. Nach einer anderen Meldung aus Washington hat die Regierung über den deutschen Vorschlag in der� Angelegenheit der„Arabic" noch keinen Be- schluß gefaßt. Man lasse in amtlichen Kreisen durch- blicken, �daß sowohl Deutschland wie die Vereinigten Staaten der Ansicht seien, daß die Entscheidung über die Frage der Vergütung des Schadens zugleicheineEntscheidung über die Rechtmäßigkeit des deutschen Vor- g e h e n s in sich schließen würde. Eine Nlitteilung ües Auswärtigen /lmtes an Norwegen. Kristiania, 13. September.(W. T. B.j Das Auswärtige Amt in Berlin hat durch die norwegische Gesandtschaft in Berlin dem hiesigen Auswärtigen Amte über die Versenkung des norwegischen Dampfers„Svein Jarl" folgendes mitteilen lassen: Das von der norwegischen Regierung übergebene Material ist unverzüglich den deutschen Marinebehördcn mitgeteilt und von diesen einer sorgfältigen Prüfung unterzogen worden. Nach ihren Feststellungen lassen die Angaben der Seeverklarung, verglichen mit den Meldungen der heimgekehrten deutschen Unterseeboote, daraus schließen, daß der„Svein Jarl" identisch ist mit einem von einem deutschen Unterseeboot am 0. Juni nachts 1 Uhr in 66 Grad 40 Minuten nördlicher Breite und 0 Grad 40 Minuten westlicher Länge durch einen Torpedoschuß versenkten bisher unbekannt gebliebenen Dampfer. Da an diesem Dampfer keine neutralen Kennzeichen be- merkbar waren, insbesondere auch eine Beleuchtung weder für der- artige Abzeichen noch für die Flagge zu sehen war, mußle der Dampfer von dem Unterseeboot für ein feindliches Schiff gehalten werden. Das Fehlen der Beleuchtung wird von den norwegischen Zeugen selbst zugegeben. Die Schuld trifft daher allein den Führer des Dampfers, der dies im Äriegsgebiete versäumt hat, so daß eine völkerrechtliche Verpflichtung de? Deutschen Reiches zur Leistung von Schadenersatz nicht anerkannt werden kann. Wenn die deutsche Regierung sich gleichwohl bereit erklärt, in diesem Falle sür den den beteiligten Norwegern entstandenen Schaden eine Vergütung zu ge- Kahren, so geschieht das mit Rücksicht auf die von ihr lebhaft be- ilagren Verluste an Menschenleben, die der Vorfall zur Folge gehabt hat, und in der Erwartung, daß die norwegische Regierung diesen Beweis freundnachbarlicber Ge- sinnung besonders anerkennen wird. Sie darf der nor- wegischen Regierung anheimstellen, ihr ebenso wie in den Fällen des„Belridge" und der„Minerva" einen Sachverständigen zu be- zeichnen, der gemeinsam mit einem deutschen Sachverständigen die Hohe der Entschädigung festzusetzen haben würde. Die deutsche Regierung muß jedoch ernstlich daraus hinweisen, daß sie in Zukunft nicht mehr in der Lage sein wird, in solchen Fällen, in denen die Besatzung neutraler Schiffe die Gefahren des seit einem halben Zahre geführten deutschen Unterseebootkrieges geradezu heraus- fordert und die ihr von deutscher Seite empfohlenen einfachen Vorsichtsmaßregeln verabsäumt, irgendeine Verantwortung für etwa eintretende Verwechselungen des neutralen mit einem feindlichen Schiffe zu übernehmen. die inöischen Grenzkämpfe. Loildoii, 14:. September.(23. D 23.)„ M o r n i n g P o st" meldet aus � Kalkutta: Die Vorposten der englischen Truppen in Buschir wurden Mittwoch und Donnerstag von t>00 Eingeborenen a ngegriffen. Der Feind wurde durch Kavallerie und Zlrtillerie verhindert, ein trockenes Flußbett, das die Insel vom Festlande trennt, zu überschreiten. Die englischen Ver- luste sind unbedeutend, der Feind verlor über 40 Mann.— Dasselbe Blair meldet aus Kalkutta, daß bei dem scharfen Gefecht von Shabkadv am 6. September die englische Front vier Meilen lang war und daß drei englische und sechs indische Regimenter, sowie fünf Bailerien am Kampfe teilnahmen. Die Generale Dunsterville und Christian befehligten die Infanterie, General Crooder die Kavallerie, General Campbell leitete die Operationen vom Fort Shabkadv aus. Der Verlust des Feindes wird auf 1100 Mann geschätzt. Die Las- karen sind vollständig zerstreut. Alzr Haltung öer ruffischen Sozialdemokratie. Von einem russischen Genossen wird uns aus Dänemark ge- schrieben: Zur Charakteristik der Haltung der sozial- demokratischen Dumafraktion seien nachstehend einige Stellen aus der Deklaration der Dnmafraktion wieder- gegeben, die vom Genossen T s ch e i d s e in der Duma verlesen und in den Zeitungen nur teilweise veröffentlicht worden ist: „Das vor einem Jahr angekündigte Progranun eines Besreiungs- liiegcs,— eines Krieges für die Verwirklichung der Grundsätze des Rechtes und der Gerechtigkeit, für die Heiligkeit der internationalen Verträge, für die Befreiung der bedrückten Völker— hat nunmehr sein wahres Gesicht gezeigt. Es sind alle diejenigen entlarvt, die die unermeßlichen Leiden der Völker durch die Befreiungsspicle dieses Krieges rechtfertigen wollten. Nur kurze Zeit konnte man den Völker» den wahren Sinn der Ereignisse verheimlichen... Der 28ille zum Frieden ivird immer stärker und beginnt in einen direkten Kampf für den Frieden überzugehen. Bor einem Jahre haben wir an dieser Stelle unsere Ueberzeugung zum Ausdruck gebracht, daß die Völker aus diesem Kriege eine Lehre ziehen werden. Diese Ueberzeugung be- ginnt sich nunmehr zu bewahrheiten. In Deutschland beginnt das Proletariat seine Stimme gegen den Krieg und für den Frieden zu erheben. Wir begrüßen diesen ersten Schrill unserer Genossen... Der Kampf für einen Frieden, der für alle Kriegsteilnehmer an- nehmbar ist, für den Frieden ohne irgendwelche An- nexionen. ohne irgendwelche Gewalt irgend jemand anzutun, für einen Frieden auf Grund der Selbstbestimmung der Völker, der von den Völkern selbst und nicht durch die unvcranlwort- lichen Diplomaten geschlossen wird, der Kampf gegen den Militarismus in allen seinen Erscheinungen, für die Volks- miliz und die Beschränkung der Rüstungen— das ist die gemeinsame Aufgabe des ganzen internationalen Proletariats, und diesem Programm bleibt auch die Arbeiterklasse von ganz Rußland treu. Aber der Kampf für den Frieden ist für die Arbeiter Rußlands noch inehr als in anderen Ländern mit der Aufgabe verknüpft, die völlige innere Befreiung des Landes und die radikale Demokrati- sierung seiner Verfassung herbeizuführen.(Folgt eine schonungslose Kritik der Politik der Regierung und der sie unterstützenden Duma- inehrheit.) Die Politik gegenüber den Arbeitern, den Juden und den Finnländern ist die alte geblieben. Auch die Polen und die Ukrainer werden trotz der heuchlerischen Versprechungen der Regierung ebenso wie vorher unterdrückt uud vergewaltigt. Um sich zu retten, hat die Regierung das Land an den Rand eines Abgrundes gebracht. Wenn das Volk sich nicht erhebt und die Geschicke des Landes nicht in seine eigenen Hände nimmt, ist ein völliger Ruin Rußlands un- abwendbar. Entweder erfüllt die Duma diese Grundaufgabe, oder sie wird vom Volke beiseite geschoben. Alle partiellen Aufgaben, alle einzelneu Forderungen des Volkes müssen vor dieser allgemeinen Aufgabe zurücktreten. Die Regierung muß verschwinden und das Volk ,n u ß d i e G e s ch i ck e d e s Landes in feine Hände nehmen." Zur Charakteristik der Stimmungen in der Arbeiter- klasse, speziell in der Fraktion der.Menschewiks"(Richtung Axelrod) und des Organisationskomitees seien folgende Talsachen mitgeteilt: An der Wolga fand eine Konferenz d e r„M e n s ch e w i k s" statt. Es nahmen teil Vertreter aus fünf Städten(Samara, Sara- tow usw.); die Teilnehmer waren ausschließlich Arbeiter; es wurde beschlossen, einen Frieden ohne Annexionen zu for- d e r n.— Eine Konferenz der„M e n s ch e w i k s" aus vier Städten des Südens(Charkow u. a.) hat die gleiche Resolution an- genommen(Teilnehmer nur Zlrbeiter). In Petersburg ist die sogenannte„Initiativgruppe" wieder her- gestellt. Es hat sich eine Zentralgruppe gebildet, der in den einzelnen Arbeitervierteln Zweigorganisationen angegliedert sind. Der Organisation gehören meist Metallarbeiter an. Diese Organisarion hat sich gleichfalls auf den Standpunkt deS.Friedens ohne Annexionen" gestellt. Auf demselben Standpunkt(Kampf für den Frieden ohne Annexionen) stehen auch das„Organifalionskomitee" und die Dumafraktion. In der Frage der Teilnahme an den Kriegsindustrieräten(be- kannrlich sind die Arbeiter von den Unternehmern aufgefordert worden Vertreter in die provinziellen Kriegsindustrieräte in den Zentral- industrierat zu senden) sind die Meinungen geteilt. Die meisten Genossen neigen zu der Ansicht, daß man an den Vertreterwahlen teilnehmen soll, um sie zur Agitation für den Frieden auszunutzen. In Petersburg erschienen zwei Nummern der Zeitung "Utro"(Morgen), die vom Organisationskomitee gegründet war- (Die Zeitung ist inzwischen verboten worden. D. Red.) Der Stand- punkt der Zeitung entsprach der eben gekennzeichneten Hallung des Organisaitonskomitees. es wurden aber auch Artikel veröffentlicht, die eine andere Richtung zum Ausdruck brachten. Diese andere Richtung steht auf dem Boden der„bedingten Verteidi- g u n g". d. h. Rußland soll verteidigt werden, wenn die deutsche Regierung keinen Frieden ohne Annexionen mit einem demokra- I r a t i f ch e n Rußland schließen will. „In Jwanowo-Wonessensk(einem wichtigen Industrie- zentrum) fanden politische Arbeiterdemonstrationen statt. Die Haupt- forderung war die politische Amnestie oder wenigstens die Befreiung aller in J.-Wos. verhafteten Arbeiter. Die lokale Administration wollte aber nur 7 verhaftete Arbeiter freigeben. Darauf fand vor dem StadtgefängniZ eine Demonstration statt, die mit einer Schießerei seitens der Polizei endete. Die Zahl der Verwundeten und Toten konnte noch nicht festgestellt werden. In Moskau fanden gleichfalls Unruhen statt anläßlich des Mangels von Wechselgeld. Bei diesem Anlaß sind 4 Personen von der Polizei getötet worden. die duma will sich in Permanenz erklären. Elberfeld, 14. September.(33. T. B.) Der„Elberfelder Generalanzeiger" nieldet aus Petersburg: Der linke Block der Duma habe am Sonnabend einen Antrag mit zwei- hundert Unterschriften eingebracht, wonach die Duma beschließen wolle, sich bis zum Friedensschluß in Permanenz zu erklären. Schwere Strafanörohungen des Heneral- gouverneurs in Srüsiel. Brüssel, 14. September.(W. T. B.) Der General- gouverneur erläßt folgende Verordnung: Wer es unternimmt, andere durch Aufstellung von Verrufslisten oder Androhung von Nachteilen oder ähnliche Mittel in ihrem Ver- mögen oder ihren Erwerbsmöglichkeiten deswegen zu schä- digen, weil sie Deutsche sind, mit Deutschen Be- z i c h u n g en unterhalten oder eine deutschfreund- liche Haltung zeigen, wird mit Gefängnis bis zu zweiJahrenodermitGeldstrafebiszuzehn- tausend Mark bestraft. Auf Geldstrafe kann auch neben der Gefängnisstrafe erkannt werden.—• Die gleiche Strafe trifft denjenigen, der aus einem der be- zeichneten Gründe einen anderen beleidigt oder miß- handelt, oder der durch Androhung von Nachteilen oder ähnliche Mittel andere zu hindern sucht, eine deutschfreundliche Haltung zu zeigen. Wird eine der nach Absatz 1 oder 2 strafbaren Handlungen von mehreren gemeinschaftlich begangen, die sich zu diesem Zwecke verbunden haben, so wird jeder Teilnehmer an einer solchen Verbindung als Täter bestraft. Tie Strafe kann in diese ni Falle auf fünf Jahre Gefängnis er- höhtwerden. Cm belgischer Protest. Lc Havrc, 14. September.(23. T. 23.) Meldung des Reuter- schcn Bureaus. Tie belzische Regierung protestierte bei den neu- tralen Staaten dagegen, daß Teutschland belgisches Eisenbahn- Material entferne, da das eine Verletzung der Gesetze der Krieg- führung sei. tzerve über Zie Internationale. „Es gibt keine Internationale mehr", so sagt Hervs im Leitartikel der„Guerre Sociale" vom 7. September: Die„Jnter- nationale Sozialdemokratie" soll nach Ansicht englischer Sozialisten die Macht und die Befugnis haben, den Frieden in Europa herbei- zuführen. Der Krieg hat jedoch das schöne Ideal einer„Jnter- naiionale" zunichte gemacht. Die französische Sozialdemokratie hat mit den Sozialisten des Kaisers, die für die Verletzung der belgischen Neutralität kein Wort des Tadels gefunden haben, nichts gemein; der schlimmste französische Reaktionär steht ihr näher, als ein deutscher Sozialdemokrat. Die deutschen Soziali st en sind Idioten und in politischer Hinsicht 200 Jahre hinter den Franzosen zurück, denn diese haben sich ernstlich bemüht, den Ausbruch des Krieges zu verhindern und haben sich deshalb scharfe Angriffe gefallen lassen müssen. Was haben dagegen die Deutschen getan?— Nichts. Jetzt ist das Unglück da, und die französischen Sozialisten können nichts anderes tun, als daraus wenigstens heilsame Folgen für die Menschheit herbeizuführen. Will man von einem„Willen Gottes" reden, dessen„2Zege un- ersorschlich sind", so ist es sicherlich sein Wille, daß alle die unter- drückten Völker— Elsässer, Lothringer, Dänen, Polen, Rumänen, Serben, Bosniaken, Italiener, Bulgaren, Griechen, Juden, Armenier, Llraber—, die jetzt unter fremdem Joche schmachten, befreit werden. Sein Wille ist es dann auch, daß die Häuser Habsburg und Hohen- zollcrn verschwinden und daß in Rußland an die Stelle des auto- kratischen Zarentums allinählich eine parlamentarische Regierung tritt. In dieseni Sinne sind auch die französischen Sozialisten Soldaten Gottes und Soldaten des Rechts, und es wäre ein Verbrechen, der Gerechtigkeit in den rächenden Arm zu fallen." Zum Glück ist das, was Hervs über die sozialistische Jnter- nationale oder einzelne ihrer nationalen Gruppen sagt, von keinem Belang. Daß er jetzt während des Krieges als temperamentvoller Journalist, der neben sehr viel Törichtem auch manchmal etwas Wahres sagt, besonders viel von sich reden macht, liegr einerseits an den Zensurverbältnissen, die einem in den tollsten Widersprüchen sich bewegenden Wirrkopf sehr viel mehr Spielraum geivährcn. als einem klaren und logischen Politiker, andererseits an der Sucht, Leute seinesgleichen für Zwecke der kriegerischen Stimmungsmache auszuschlachten. Vertreter des französischen Sozialismus ist Hervs in keiner Weise. Wenn man es nicht bereits wüßte, daß die Strömung in breiten französischen Arbeiterkreisen eine ganz andere ist, würde man gerade durch Hervss delirante Schimpfereien darauf gestoßen werden. Denn wenn man solche Töne anschlagen zu müssen glaubt, mutz es um die Kriegsbegeisterung der französischen Proletariermassen nicht zum besten aussehen! ZUM wieüerzusammentritt ües englischen Parlaments. London, 14. September.(W. T. 23.) Der parlamentarische Berichterstatter der„Times" schreibt zum heutigen Wieder- zusammentritt des Parlaments: Die Gesetzgebung findet drei Aufgaben vor, den Haushaltsplan, die Verlängerung der jetzigen Legislaturperiode bis zum Ende des Krieges und die Festsetzung der Kriegspensionen. Der Berichterstatter erklärt, die Regierung werde das Parlament nach den Ferien verändert und in mehr kritischer Stimmung vorfinden. Zwei gemäßigt Liberale, Holt und Lawley, würden die Einsetzung eines Ausschusses beantragen, der die Krieg- führung der Regierung untersuchen solle. Diese Tatsache bekunde eine wachsende Unzufriedenheit mit der Regierung. Es müsse eine sehr offene Sprache über die Kriegführung erwartet werden. Lovat Fräser schreibt in der„Daily Mail" über die bevor- stehende Tagung des Parlaments, sie werde für die Regierung sehr kritisch werden. Es werde nicht überraschen, wenn polilifche Erdbeben siatlfindcn würden. Die Stimmung Englands werde durch beträchlliche Beunruhigungen gekennzeichnet. Man frage sich, ob man die richtige Regierung für die Kriegführung habe. Das Volk wolle sich jedenfalls im Parlament Gehör verschaffen. An- zeichen seien vorhanden, daß die Welt, und einige vom Krieg un- mittelbar betroffene Länder, nicht imstande sein würden, mehr als noch einen Sommerfeldzug auszuhalten. Die Verbündeten müßten daher für das nächste Jahr ein Höchstmaß von Anstrengungen auf- wenden. Die allgemeine Wehrpflicht müsse sofort beschlossen werden, sonst sei es zu spät. Llopö Georges Mahnung. London, 14. September.(W. T. B.) Die Vorrede Lloyd Georges zu seinen Kriegsreden, die im Auszuge be- reits gemeldet wurde, lautet: Nach zwölf Monaten deS Krieges ist meine Ueberzeugung stärker denn je, daß England dem Kriege nichr fern bleiben konnte, ohne seine eigene Sicherheit zu gefährden und seine Ehre zu beeinträchtigen. Wir hätten nicht zynisch mit vor- schränkten Armen zusehen können, während ein Land, dem wir das Versprechen unseres Schutzes gegeben hatten, von einem Mitbeschützer verheert und zertreten wurde. Wenn britische Frauen und Kinder auf hoher See von deutschen Unterseebooten brutal ge- tötet worden wären, hätte die Nation darauf bestanden, das linder- mörderische Reich zu strenger Verantwortung zu ziehen. Alles, was seit der Kriegserklärung geschehen ist, hat klar bewiesen, daß ein Militärsystem, das so wenig Rücksichl auf die bona fides, ehrenhafte Verpflichtungen und die clenientaren Gefühle der Menschlich- keit nahm, eine unbeschränkte Bedrohung der Zivilisation darstellt; und trotz der schrecklichen Kosten, die seine Zerstörung erheischt, verlangt das Wohlergehen der Menschheit, daß c-s zerstört werde. Die Tatsache, die durch die Ereignisse erwiesen ist, daß die Macht der Militärclique die düstersten Voraussagen übertroffen hat, ist ein weiterer Grund für ihre Zerstörung. Die widrigen Ereignisse des Krieges haben meinen Glauben an den schließtichen Sieg nicht geschwächt, wofern die Alliierten all ihre Kraft anspannen, ehe es zu späl ist. Obwohl die Hilfsquellen Eng- lands, Frankreichs, Rußlands und der ganzen industriellen Welt zur Verfügung der Alliierten stehen, besitzen dennoch die Zentralmächle eine überwälligende Ueberlegenheit an Kriegs- Material und Ausrüstung, eine beklagenswerte Tatsache; es ist genau das, was man vorhersehen konnte. Die eiserne Ferfe der Deutschen sank tiefer denn je in den Boden Belgiens und Frank- reich-. Polen ist ganz deutsch. Littauen folgt schnell. Die rufst- scheu Festungen, die für unüberwindlich galten, fallen wie Sand- bürgen vor der unwiderstehlichen Flut der deutschen Invasion. Wann wird diese Flut zurückcbben oder zurückgedrängt iverden? Sobald die Alliierten mit einem Ueberfluß an Kriegsmaterial versehen sind. Ich führe diese unerfreuliche Tatsache an, weil ich meine Landsleute dazu aufstacheln möchte, alle Kraft anzuspannen, um die Lage zu verbesferu. Es ist die unangenehmste Aufgabe, die einem im öffentlichen Leben stehenden Manne zufallen kann, auf solche Dinge hinzuweisen. Aber wer solchen Tatsachen nicht ins Gesicht sehen will, und nicht sein Bestes tut, damit auch die anderen ihnen ins Gesicht sehen, bis sie wieder gut gemacht sind, übt Hoch- verrat. In den Ländern der Alliierten gab es ein großes Erwachen. Gewaltige Anstrengungen wurden gemacht, um die Heere auszurüsten. Wir leisten Außerordentliches, aber können wir nicht noch mehr leisten? Spannen wir alle Muskeln an, um die ver- lorene Zeit einzuholen, bekommen wir alle Männer, die wir iin nächsten Jahre an die Front stellen wollen, nur deshalb, damit wir uns behaupten können, versteht jedermann, der helfen kann, daß Schlaffheit den Ruin bedeutet? Wieviele in England verstehen die volle Bedeutung des russischen Rückzuges? Lloyd George schließt seine Vorrede, wie bereits gemeldet, mit der Mahnung zum höchsten Opfermut. Bewegung öer englischen Eisenbahner. London, 14. September.(W. T. B.)„Times" erörtert die Bewegung unter den Eisenbahnern, deren ausführender Ausschuß gestern tagte. Nächsten Sonntag werden im ganzen Lande Versammlungen von Eisenbahnern stattfinden, die nicht von den Führern, sondern von den Leuten selbst einberufen sind, um auf den Ausschuß einen Druck auszuüben. Die„Times" bezeichnet die Lage als gefährlich, wofern nicht klug gehandelt werde, und rät der Regierung und den Direktoren der Bahngesellschaften, ganz gegen ihren sonstigen Standpunkt, dringend, den Lohnforderungen der Arbeiter entgegen zu kommen. Internationale Besprechung von Sozialisten. Rom, 14. September.(W. T. B.)„Avanti" teilt nnt, in diesen Tagen habe eine äußerst wichtige Tagung der intcr- nationalen Sozialdemokratie stattgefunden. Vierzig Vertreter von zwölf Staaten, darunter Deutschland und Frankreich, seien anwesend gewesen. Nach viertägiger Beratung sei einstimmig beschlossen lvorden, eine Kundgebung in französischer und deut- scher Sprache zu veröffentlichen, die von je zwei Sozialdemo- kratcn beider Nationen unterschrieben sei. Letzte Nachrichten. Die dcutsch-amcrikanischcn Verhandlungen. Washington, 14. September.(W. T. B.)(Durch Funk- spruch unseres Privatkorrespondcnten.) Die„Associated Preß" meldet: Graf Bernstorff und Lansing hatten eine halbstün- dige Besprechung über die durch den Untergang der„Arabic" geschaffene Lage. Man glaubt allgemein, daß ehe die Ver- einigten Staaten in formelle Verhandlungen eintreten, es notwendig fein wird, daß Deutschland seine Versicherung, mit den Angriffen von Unterseebooten auf Passagierschiffc auf- zuhören, bestätigt,_ Tic Meldung des türkischen Hauptquartiers. Koiistantinopcl, 14. September.(W. T. B.) Das Haupt- q u a r t i e r teilt mit: Auf der D a r d a n e l l c n f r o n t in den Abschnitten von Anaforta und Ariburun überfielen in der Nacht zum 13. September unsere Aufklärungskolonnen erfolgreich verschiedene Stellen der feindlichen Gräben. Am 13. September beschoß unsere Artillerie mit Erfolg feindliche Truppenansammlungen und Verproviantierungskolonnen und zerstreute sie, indem sie ihnen Verluste beibrachte. In der Gegend von Ariburun zerstörten wir bei Aukeeksirt eine feind- liche Artilleriestellung sowie zwei gut verschanzte Beobach- tungsstellen des Feindes. Bei Seddulbahr beschoß die feind- liche Artillerie während eine halben Stunde Teile unserer Gräben im Zentrum, ohne eine Wirkung zu erzielen. Sonst nichts von Bedeutung. Als Landesverräter erschossen. Straßburg, 14. September.(T. U.) In M ü l h a u s e n im Elsaß wird durch Anschlag bekanntgegeben: Erschossen wurde heute der Kaufmann Alfred Mayer, Spediteur und Großkauftnann. Er hatte das Vaterland an Frankreich ver- raten und war deshalb voni Kriegsgericht der Etappen- kommandantur Mülhausen zum Tode verurteilt worden. Armeehauptquartier, den 13. September. Der Oberbefehlshaber. Gewerksihastliches. Tag- oder Nachtarbeit der Hacker. Die Froge, ob die Bäcker mit einer dauernden Beseitigung der Ziachtarbeit rechnen können, steht vor ihrer Entscheidung. Der Zentralverband der Bäcker und Konditoren hatte deshalb gestern abend nach Qbiglos Saal in der Koppenstraße eine öffentliche Vet sammlung der Bäckergesellen einberufen, die sehr stark besucht war. Nach Eröffnung der Versammlung teilte der Vorsitzende Schneider mit, daß der zum Besuch der Versammlung einge ladcne Obermeister und Vorsitzende des Zwcckverbandes der Bäcker innungen, Fritz Schmidt, geschrieben habe, sein Nichterscheinen sei vom Zweckverband beschlossen mit der Begründung, daß fast alle Vertreter der Grotz-Berliner Bäckerinnun- gen auf dem Boden der neuen Rcgierungsver- ordnung stehen und Herr Schmidt bei der Behörde dafür ein- treten werde. Der Germania-Jnnungsverband verlange nicht die Beibehaltung der Nachtarbeit, sondern er verhalte sich in dieser Frage neutral, weil eine Anzahl seiner Bezirksverbände für die Nachtarbeit feien. Diesen Verbänden sei Gelegenheit gegeben, er ncut zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Schneider bemerkte hierzu, daß am heutigen Mittwoch im Ministerium des Innern eine Aussprache zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern stattfinde, deren Grundlage die neue Bundes- ratsvorlage sein solle, welche die Nachtarbeit im Bäckereigewerbe in der Zeit von 8 Uhr abends bis ö Uhr morgens verbietet. Die Frage der endgültigen Beseitigung sei damit ihrer Lösung näher gerückt. Die Haltung des Germania Jnnungsverbandes sei sehr zweifelhaft. Sie könne nicht als neu tral angesehen werden. Hierauf nahm der Referent, Verbandsvorsitzender A l l m a n n- Hamburg das Wort. Er verwies auf die wissenschaftlich festgestellten durch die Nachtarbeit verursachten gesundheitlichen und kulturellen Schädigungen. Dann schilderte der Redner die Kämpfe, welche der Verband seit vielen Jahren für die Beseitigung der Nacht- und Sonntagsarbeit führt. Der Erfolg dieser Kämpfe war, daß bis zum Beginn des Krieges 283 Tarifverträge für 17 000 Bäcker gesellen bestanden, von denen 11 000 auf Grund der Tarife einen Ruhetag in jeder Woche haben. In der Beseitigung der Nachtarbeit hatte der Verband keinen Erfolg. Sie kann nur durch Gesetz be seitigt werden. Nun hat der Krieg die Bundesratsverordnung ge bracht, welche die Nachtarbeit verbietet. Die Meister fürchteten, das Gewerbe würde dadurch schwer geschädigt werden. Doch diese Befürchtung ist nicht eingetroffen. Es hat sich im Gegenteil gc- zeigt, daß die Meister, besonders auch die kleinen, manchen ge- schäftlichen Vorteil durch die Tagesarbeit haben. Infolgedessen ist die Zahl der Meister, welche für Beibehaltung der Tagarbeit shrfa, immer größer geworden, und ihre überwiegende Mehrheit hat sich gegen Wiedereinführung der Nachtarbeit erklärt. >— Der Zentralvcrband der Bäcker und Konditoren hat in Ge- meinschaft mit den christlichen und Hirsch-Dunckerschen Organi- sationen eine Petition an den Bundesrat gerichtet. Dieselbe for- dert ein Verbot der Nachtarbeit für die Zeit von 10 Uhr abends bis 6 Uhr morgens und eine tägliche Arbeitszeit von 10 Stunden für Gesellen und 9 Stunden für Lehrlinge. Die Sonntagsarbeit soll gänzlich verboten werden. Diese Forderungen werden die Arbeitervertreter bei der heu- tigen Besprechung im Ministerium vertreten. Es wird auch, im Gegensatz zur Regierungsvorlage, gefordert werden, daß die Be- stimmungen im ganzen Reich einheitliche sein sollen und keine Handhabe geboten wird,, welche jeder Gemeinde oder jedem Polizei- bezirk die Möglichkeit gibt, abweichende Bestimmungen zu treffen.— Unter lebhaftem Beifall schloß der Redner mit der Versicherung, daß der Kampf für die endgültige Beseitigung der Nacht- und Sonntagsarbeit durchgeführt werde bis zum vollen Erfolg. Bäckermeister Z i g o n- Breslau, der namens der Freien Ver- einigung der Bäckermeister sprach, stellte sich im wesentlichen auf den Standpunkt des Referenten, wünschte aber, daß es bei dem durch die gegenwärtig geltende Verordnung geschaffenen Zustand bleibt, also die Arbeit von 7 Uhr abends bis 7 Uhr morgens ver- boten ist. Serlin unS UmgegenS. Eine Drohung des Kriegsbekleidungsamts nannte in der letzten Sitzung der Schlichtungskommission für die Militärschneider ein beklagter Unternehmer den Hinweis, daß er, wenn er die tarifmäßigen Löhne nicht zahlen würde, keine Militär- lieferung mehr in Auftrag erhielte. In diesem Falle klagte der Schneiderverband gegen einen Zwischcnmeister auf Nachtrags- zahlung, der wiederum seine Auftraggeber regreßpflichtig machte. Die Sache hat schon mehrere Male die Schlichtungskommission be- schäftigt. Sie endete im Vergleichswege, indem an Kunze als den Vertreter der klagenden Arbeiterinnen insgesamt 630 M. ge- zahlt werden, Um nicht weniger als 3272,70 M., die der Schneiderverband von einer Zwischenmeisterin nachfordert, drehte es sich bei der folgenden Klage. Die Zwischenmeisterin verlangt nunmehr diese Summe von ihrer Auftraggeberin. Der Inhaber derselben erklärte unter anderem, er hätte die Arbeit nur aus Gutmütig- keit anfertigen lassen, worauf ihm Kunze antwortete: „Jawohl, zu einer Zeit, wo gar keine Arbeitskräfte aufzutreiben waren, baben Sie Arbeiter aus reiner Gutmütigkeit beschäftigt." Da der Tlmernehmer indes nachweisen konnte, daß er die Liefe- rungen unter besonderen Abschlußbedingungen von einem Amt übernommen hatte, kam eine Einigung auf folgender Basis zu- stände: Die Zwischenmeisterin erhält von dem Unternehmer 20 M., Kunze für die klagenden Arbeiterinnen- 400 M. Deutsches Reich. Petroleum für die Tabakarbeiter. Der Senat von Hamburg hat auf eine Eingabe der Hamburger Gauleitung des Tabakarbeiterverbandes die Gewerbe- inspcktion beauftragt, ihm Vorschläge über die Regelung der Pe- troleumsrage für die Zigarrenhausarbeiter zu machen. Es fand dann eine Besprechung der Gewerbeinspektion mit der Gauleitung statt. Als zweckentsprechend wurde folgendes gehalten: Es sollen Petroleumkarten an die Hausarbeiter ausgegeben werden. Die Ver- sorgung mit Petroleum soll von einem Hamburger Peiroleumhause erfolgen und findet die Abgabe an die Hausarbeiter in den Ver- kaufsläden des Konsumvereins»Produktion" statt. Der Senat wird zu diesen Vorschlägen Stellung nehmen. Die Regierung in Schleswig hat dem Gauleiter der Tabak- arbeiter die Eingabe mit dem Anheimgeben zurückgereicht, sich an die zuständigen Gemeindebehörden zu wenden. Daraufhin sind die entsprechenden Eingaben au die Magistrate der Städte Altona. Wandsbek und Bredstedr und an den Landrat in Pinneberg gerichtet worden. Die Regierung in Stade teilt mit: „Auf Ihre Eingabe vom 18. d. M. betr. Petroleumbeschaffung teile ich mit, daß ich die Herren Lanbräte in Achim, Blumemal, Osterholz und Verden darauf hingewiesen habe, daß Bedürfnisse an Petroleum bei der Zentralstelle für Petroleumverteilung, z. H. des Herrn Fritz Hoher, Berlin 6, Schiffbauerdamm 15, angemeldet werden können, und ich stelle Ihnen anheim, sich mit ent« sprechend begründeten Anträgen an die bezeichneten Herren Land- räte zu wenden." Die Gauleitung hat daraufhin je eine Eingabe an die genannten Herren Landräte gerichtet. Der Landrat zu Achim hat dem Tabakarbeiterverband zum Zwecke entsprechender Verwendung bei der Zentralstelle für Petroleum- Verteilung folgende Bescheinigung ausgefertigt: „Im Kreise Achim wohnen einige hundert Tabakheimarbeiter, die in der kommenden dunklen Zeit mit Petroleum versorgt werden müssen. Es wird daher wunschgemäß bescheinigt, daß die Versorgung der Tabakarbeiter mit Petroleum aus wirtschaftlichen Gründen dringend erforderlich ist. Zurzeit ist Petroleum nicht oder nur in einzelnen Verkaufsstellen zum Preise von 62 Pf. für das Pfund zu haben. Diese Preise kann der Zigarrenmacher nicht bezahlen." Der Landrat zu O st erholz teilte der Gauleitung des Tabakarbeiterverbandes folgendes mit: »Bevor Ihr gefl. Schreiben vom 30. August 1913 hier ein- ging, hatte ich mich bereits an die Zentralstelle für Petroleum- Verteilung in Berlin wegen Lieferung von Petroleum an die im hiesigen Kreise vorhandenen Tabakarbeiter gewandt.— Es ist mir nun heute mitgeteilt worden, daß seitens der Reichsleitung die Frage, in welcher Weise den Heimarbeitern am zweckmäßigsten beschränkte Mengen Petroleum geliefert werden können, in Kürze durch die Zentralbehörden geregelt sein und daß deshalb empfohlen würde, das Weitere in dieser Hinsicht zunächst abzu warten. Ich werde die Angelegenheit im Auge behalten." Und auf eine Eingabe an die Zentralstelle für Petroleum- Verteilung in Berlin ging ein Schreiben mit nachstehendem In- halt ein: »Von Ihren gefl. vorgestrigen Ausführungen haben wir bestens Kenntnis genommen. Mit Rücksicht darauf jedoch, daß in bezug auf die teilweise zu ermöglichende Versorgung der Heim- arbeiter mit Petroleum von der Reichsleitung in Kürze Maßnahmen getroffen werden, mit deren Durchführung sich die Bundesregierungen resp. Zentralbehörden zu befassen haben werden, können wir die Ihnen erwünschte Pctroleumlieferung nicht ohne weiteres ver- anlassen. Wir reichen daher die uns eingesandte Bescheinigung wieder zurück, indem wir Ihnen anheimgeben, sich mit Ihrem Gesuch aufs neue an die zuständige Zentralbehörde wenden zu wollen." Demnach hat es die Reichsregierung übernommen, eine Regelung der Frage, wie die Hausarbeiter am zweckmäßigsten mit Petroleum zu versorgen sind, zu schaffen. Hus Znöustrie und Kandel. Die Schweiz als Kricgslieferantin. Dem„Grütlianer" entnehmen wir: Tie neuesten Erzeugnisse schweizerischer Uhrenfabriken sind bekanntlich Munitionsleile, die von Frankreich, England und Deutschland in Auftrag gegeben sind. Ein Freund unseres Blattes sendet uns zur Ansicht eine Kollektion kleiner und kleinster Granat- bestandtcile, die auf ein Hundertstel Millimeter Gcnanigkeit ge- arbeitet werden müssen. Erst kürzlich schrieb man der„Gazette de Lausanne" aus Ehaux-de-FondS zu diesem neuen Fabrikations- zweige: „Sowohl in der deutschen als in der welschen Schweiz waren Tausende von Arbeitern mit der peinlich genauen Herstellung der verschiedensten Teile von Granaten und Schrapnells beschäftigt. Während die für einen folchen Zweck eingerichteten Betriebe die schweren Stücke gießen, verfertigen andere— und unter ihnen zahlreiche Uhrenfabriken— die delikateren Teile der Projektile. Von allen Lieferungsverträgen, die in der Schweiz abgeschlossen wurden, fallen von Kriegsbeginn an die bedeutendsten auf Frank- reich. Diese Bestellungen, die sich auf Hunderrtansende von Stücken bcliefen, sind'sozusagen alle ausgeführt. Sie haben naturgemäß die in den vom Kriege am meisten heimgesuchten In- dustrien herrschende Arbeitslosigkeit in starkem Maße gemildert. Von nun an wird Frankreich auf die Mithilfe schweizerischer Fabrikanten verzichten können, was zu bedauern und unangenehm ist sowohl für unsere Arbeiter als für eine Großzahl von In- dustriellen, die nicht gezögert haben, sich den Umständen gemäß einzurichten. Dafür hat England weiterhin die Mitarbeit unserer Fabriken nötig; es hat mit gewissen unter ihnen bedeutende Ver- träge auf lange Daner abgeschlossen. Deutschland seinerseits setzt seine Bestellungen fort, indem es uns, wie Frankreich und England, die für die Fabrikation notwendigen Rohstoffe liefert." So weit der Bericht des bürgerlichen Lausanner Blattes. Da- nach fabriziert und liefert ein Teil der schweizerischen Industrie wahrhaft unparteiisch-neutral drei kriegführenden Ländern Kriegs- Material, so daß alle gleich gehalten sind und keines sich über Neutralitätsverletzung schweizerischer Industrieller beschweren kann. Nichtsdestoweniger ist es für Schweizer doch ein unangenehmes Gefühl, sich durch die Lieferung von Munition an der Vernichtung von Menschenleben und Kulturwerken zu beteiligen. Dagegen hat der Krieg auch eine alte friedliche schweizerische Industrie wieder zu neuem Leben erweckt. Infolge der unzu- reichenden oder gänzlich verhinderten Einfuhr von Holzkohlen aus Frankreich haben die ehemaligen Kohlenbrennereien in der Nähe des Creux-de-Van ihre Tätigkeit wieder aufgenommen, was allseitig begrüßt wird.__ Rumäniens Getreideernte. Die rumänische Regierung hat bekanntlich das Verbot der Weizenaussuhr wieder aufgehoben. Die Getreidcausfuhrzölle und die Verfügung, daß kein rumänischer Eisenbahnwagen über die rumänische Grenze hinausgefahren werden darf, sowie das Säcke- auSfuhrverbot bleiben dagegen bestehen, nur find einzelne dieser Zölle ein wenig ermäßigt worden. Sie betragen jetzt für Weizen, Roggen nnd Weizenmehl 600 Lei(300 M.f, für Gerste und Hafer 300 Lei, für Mais 400 Lei pro Waggon. Durch diese Zölle und die strengen Transportbedingungen wird zwar die Einfuhr rumänischen Getreides in Deutschland und Oesterreich-Ungarn beträchtlich er- schwert und verteuert, doch bat trotzdem ein nicht unbeträchtlicher Export aus Rumänien eingesetzt, da die rumänische Ernte große Erträge erbracht hat. Vor allem ist die Weizenernle reichlich ausgefallen._ Nach der vorläufigen Berechnung des internationalen Landwirtschaftsinstituts in Rom ergeben sich folgende Erntezahlen: 1914 1913 Doppelzentner Doppelzentner Weizen..... 12 399 745 29 600000 Gerste..... 5 366 280 5160 900 Hafer..... 3 673 984 3 800 000 Roggen..... 496 943 800 000 Mais..... 27 827 060 28 000 000 Salpeterverschifsungcn. Die„Mornina Post" vom 8. September berichtet in ihrem Handelsteil: Im August wurden nach Europa 79 030 Tonnen sal- peter, 29 000 Tonnen weniger als im Juli, verschifft. Nach den Bereinigten Staaten gingen im August 119 230 Tonnen gegenüber 29 280 Tonnen im August 1914. Nach anderen Erdteilen wurden 27 240 Tonnen verschifft. Die Gesamwerschiffungen betrugen 225 300 Tonnen, 12 000 Tonnen mehr als im Juli. Die alten Vor- räte an der Westküste sind sehr zusammengeschmolzen. Die Entwickelung der mexikanischen Petrolcumproduktion. Die Petroleumproduktion_ Mexikos hat sich in den letzten Jahren trotz der mannigfachen Hindernisse, die ihr die inneren revo- lutionären Unruhen in den Weg legten(Caranza hat zeitweilig durch Dekret die Förderung ganz untersagt), enorm entwickelt. Schon vor vier Jahren(1911) hat sie, was die Rohölmenge anbelangt, Niederländisch-Jndien und Rumänien überholt, und heute steht Mexiko an dritter Stelle in der Reihe der Petroleum erzeugenden Staaten. Ist erst die Ruhe in den mexikanischen Gebieten wieder hergestellt, so ist mit ziemlicher Sicherheit darauf zu rechnen, daß die mexikanische Pekroleumausbeute in nicht allzu ferner Zeit auch die russische hinter sich lassen wird, zumal dann voraussichtlich das Iankeekapital noch weit mehr als bisher nach vorteilhafterer An- läge in der mexikanischen Petroleumindustrie trachten wird. Für das Bestreben der nordamerikanischen Petroleum- industrie, vornehmlich der Standard Oil Company, sich ein Welt- Monopol in Petroleum zu verschaffen, ist deshalb die Verfügung über die mexikanischen Oelländereien von größtem Werte. Tat- sächlich hat sich denn auch die Standard Oil Company den größten Anteil daran zu sichern gewußt, besonders im Tampiko-Oelgebiete; doch besitzt auch das englische Pearson-Konsortium auf der Land- enge von Tehuantepek beträchtliche Oelquellen, die freilich größten- teils noch unter Druck liegen, das heißt, noch nicht in Betrieb ge- nommen sind. Wie schnell sich die mexikanische Petroleumindustrie entwickelt hat, beweist am besten die Tatsache, daß im Jahre 1909 in Mexiko nur 2 488 742 Barrels(ä 42 Gallonen zu 3,79 Liter) erzeugt wurden, dagegen im Jahre 1912 bereits 13 689 268 und im Jahre 1913 nach der kürzlich veröffentlichten Statistik gar 18 346 320 Barrels. Wie groß die Ausbeute im Jahre 1914 war, ist noch nicht festgestellt, doch ist sicher, daß eine abermalige Produktionssteige- rung stattgefunden hat. Man schätzt die Gesamtmenge auf unge- fähr 21 Millionen Barrels. Das in dieser Industrie angelegte Kapital wird für Ende 1914 auf 830 Millionen Mark berechnet. Von dem gewonnenen Rohöl wird nur ein geringer Teil in Mexiko selbst raffiniert, da es vorläufig dort noch an genügenden Raffinerien fehlt. Das meiste Rohöl wird nach der Nordamerika- nischen Union ausgeführt, besonders nach New Jersey, wo es ge- reinigt und dann von dort aus verschifft wird. Von der Gesamt- menge mexikanischen Petroleums, die im Jahre 1914 über mexi- kanische Häsen ausgeführt wurde(eine Menge, die auf 20 674 000 Barrels angegeben wird), gingen nicht weniger als 13 476 727 Barrels nach der nordamerikanischen Union, dagegen nur 336 205 Barrels nach Europa. Gerichtszeitung. Straßenüberfall. Hart an Straßenraub grenzte der nächtliche Exzeß, der gestern den Arbeiter Gustav R e i n c ck e vor die Fericnslraf- kammcr des Landgerichts IH führte. Als in der Nacht des 14. Mai der Buchdrucker C. auf dem Heimwege nach der Reinickendorfer Straße an der Ecke der Kösliner und Wiesenstraße angekommen war, wurde er plötzlich von einem Menschen, der später als ein„Arbeiter" Wilhelm Hill festgestellt wurde, aufgehalten. Dieser forderte ihn mit drohender Miene auf, eine Mark„herauszurücken", widrigenfalls er Prügel bekommen würde. Als C. sich diese Belästigung verbat, fing Hill zunächst zu handeln an und ging in seiner Forderung zunächst auf 30 Pf. und schließlich auf 23 Pf. herunter, ohne jedoch Glück damit zu haben. Während dieser Verhandlungen erschien plötzlich Reinccke auf der Bildfläche und schlug ohne weiteres auf C. ein, der nun laut um Hilfe rief und dadurch erreichte, daß die beiden Frechlinge fest- genommen werden konnten. Der Hauptschuldige Hill war zum gestrigen Terminn nicht erschienen; aus Gerichtsbeschluß soll er verhaftet werden. Gegen R e i n e ck e erkannte das Gericht auf sechs Monate Gefängnis. Harte Strafe für Ueberschreitung der Polizeistunde. Vom Landgericht Altona ist am 20. März der Speisewirt Albert S. auf Grund des§ 9b des BelagerungszustandsgesetzeS zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er hat über die von der Militärbehörde auf 12 Uhr festgesetzte Polizeistunde hinaus Gäste vom Hose aus in sein Lokal hereingelassen und be- wirtet. Die Höhe der Strafe ist offenbar dadurch zu erklären, daß das Lokal des Angeklagten, wie es im Urteile heißt, eine Zuhälter- Wirtschaft ist. Die Revision des Angeklagten wurde am Montag vom Reichsgericht als unbegründet verworfen. Militärische Uebungen uud Fortbildungsschule. Die Zahl der Fälle, wo die Versäumung militärischer Jugendübungen als Versäumung des Fortbildungsschuluntcr- richts bestraft wurde, scheint eine erhebliche zu sein. Das Kammergericht als Revisionsiustanz hatte sich gestern abermals mit einem derartigen Strafprozeß zu beschäftigen. Wegen Uebertretung des ÖrtSstatuts der Stadt Kempen, betr. die Fortbildungsschule, hatte die Strafkammer in Ostrowo fünf FortbildungSschüler(Jurowski und Genossen) auf Grund des§ 154 der Gewerbeordnung zu je 10 M. Strafe verurteilt. Sie legten Revision ein und bestritten die Zulässigkeit der Aufnahme der militärischen Jugendübungen in den Lehrplan der Fortbildungs- schule. Das Kammer gericht hob zwar das Urteil auf und verwies die Sache zur noch- maligen Verhandlung und Entscheidung an die Strafkammer zurück. Es erklärte aber ausdrücklich, daß es an der neulich von uns veröffentlichten Entscheidung über die Zulässigkeit der Aufnahme der militärischen Uebungen in den Lehr- plan der Fortbildungsschulen festhalte. Es seien deshalb mit Recht diese militärischen Uebungen vom Kempener Magistrat in den Lehr- und Stundenplan der Fortbildungsschule aufgenommen worden. Die Zurückweisung an die«Vorinstanz erfolgte lediglich deshalb, weil die Strafkammer erstens für die Geldstrafe von je 10 M. je 2 Tage Haft als eventuelle Ersatzstrafe bestimmt hatte. statt nur je 1 Tag Haft, und weil zweitens von der Strafkammer nicht geprüft worden war, ob die jugendlichen Angeklagten die für die Erkenntnis der strafbaren Handlung erforderliche Einsicht be- sessen hätten. Krießs-ltoratrandc ist der Ersatz für Bohnen' Kaffee. Das ganze Paket kostet nur 50 Pf. In seiner Ausgiebig' keit liegt seine BiKig' keit. Heutzutage muß jede Hausfrau sparen. 'Verantw. Redakt.: Alfred Wielepv, Neukölln, Inseratenteil vercmtw, Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag-Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanimii Paul Singer L-Co., Berlin SW, Hiffzu 1 Veikäge ü. Unterhaltung M Nr. 255. 82. Zahrgeng. (Srllur des Jomitfe" Strlintt AlkMM Mittvoch, 15. September 1915. Esncna die Stäöteorönung in RuMjch-pole«. Unier dem IS. Juni ist von Generalfeldmarschall v. Hinden- bürg als Oberbefehlshaber Ost eine im BerordnungSblait der Kaiserlich deutschen Zivilverwalmng für Polen links der Weichsel am LS. Juni veröffentlichte Städteordnung erlassen. Dieselbe lehnt sich an die altpreutzische Städteordnung an. Ein Vergleich mit dieser ist von allgemeinem politischen und kommunalen Interesse. Das Anwendungsgebiet der polnischen Städteordnung erstreckt sich auf die Städte Lodz. Czenstochau, SoSnowice, Bendzin, Kalisch, Wloclawek, Pabianice, Wielun, Sieradz, Zdunska-Wola, Kuier, Lencyra, Ozorkow, Zgierz, Gosthnin, Nieszawa, Kalo, Korin, Slupca, Turek, Zawiercie. Auch auf andere Städte und große Landgemeinden kann der Chef der Zivilverwaltung für Russisch- Polen die Geltung der Städteordnung ausdehnen. Die Aufsichts- behörde kann durch Erlaß von Statuten Zweckverbände bilden. Das Bürgerrecht(Wahlrecht und Befähigung zur lieber- nähme unbesoldeter Aemter) steht allen volljährigen männ- lichen Einwohnern zu, wenn sie feit einem Jahre Einwohner der Stadt sind und entweder eine selbständige Wohnung haben oder zu einer direkten Slaatssteuer veranlagt sind. Das Wahlrecht ist also ein weitergehendes als nach der altpreußischen Slädteordnung; nach dieser ist das wahlfähige Alter das vollendete 2i., nach der' polnischen das vollendete 21.. wenn gerichtliche Voll- jährigkeit früher erfolgt ist: das vollendete 18. Lebensjahr. Wahl- berechtigt sind in Preußen nur Preußen, in Polen jeder Ein- wohner, gleichviel welchem Staatenverbande er angehört. Die Er- fordernisse der preußischen Städteordnung, daß der Wahlberechtigte seit einem Jahre die ihn betreffenden Gemeindeabgaben gezahlt und in dieser Zeit keine Armenunterstützung empfangen hat, fehlen in der polnischen. Das Wahlrecht in den älteren Provinzen Preußens ist serner davon abhängig, daß der Wahlberechtigte einen eigenen Hausstand(d. i. die selbständige Herrschaft über einen Wohnraumj hat und ferner ein Wohnhaus besitzt oder ein stehendes Gewerbe mit wenigstens zwei Gehilsen selbständig betreibt oder zur Staats- einkommensteuer oder zu einem fingierten Normalsteuersatz von mindestens 4 M. veranlagt ist oder ein Einkon, men von mehr als 660 M. jährlich hat. Nach der polnischen Städteordnung: wenn der Einwohner eine selbständige Wohnung hat oder zu einer direkten Staaissteuer veranlagt ist. Die Wahlberechtigung ist also in der polnischen Städteordnung erheblich weiter als in der preußischen gefaßt. Die preußische Städteordnung kennt keinerlei Beteiligung des weiblichen Geschlechts an der städtischen Verwaltung. Mit Mühe und Not ist nach hartnäckigem Kampfe auf Grund anderer Gesetze die Ansicht zum Siege gelangt, daß wenigstens weibliche Personen als Mitglieder in den Armen- und Waisen-Kommissionen und-Deputarionen sowie in denjenigen Ausschüssen sitzen können, die sich mit anderen Aufgaben als solchen beschästigen, zu deren Erledigung die Städte gesetzlich verpflichtet sind. Entgegenkommender ist die polnische Städteordnung dem weiblichen Geschlecht. Es können danach durch O r t s st a t u t weibliche Einwohner, die wahlberechtigt sein würden, wenn sie Männer wären, zu unbesoldeten Ehrenämtern zugelassen werden. Frauen können auch zu besoldeten Aemtern berufen werden, wenn die Aufsichts- behörde dies für den betreffenden Verwaltungszweig genehmigt hat. Die Dreiklasseneinteilung der altpreutzischen Städte- ordnung sowie die Vorschrift, daß jede Abteilung zur Hälfte aus Hausbesitzern bestehen müsse, findet sich in der polnischen Städteordnung nicht. Ein Vcrwaltungsstreitverfahren hat naturgemäß in der polni- schen Slädieordnung keinen Platz. Die Aufsichtsbehörde tritt an dessen Stelle. Dieser ist in Polen auch im übrigen ein weiterer Wirkungskreis gegeben. So ernennt sie den Stadtverordneten- Vorsteher aus der Zahl der Stadtverordneten. Von den Magistrats- Mitgliedern wird der er sie Bürgermeister vom Chef der Zivilverwaltung sür Russisch-Polen unter Zustimmung des Ober- befehlshabers der 9. Armee, der zweite Bürgermeister von der Aussichtsbehörde(Polizeipräsident oder Kreischef) ernannt. Die Wahlordnung ist nicht gesetzlich festgelegt, sondern wird von der Auf- sichtsbehörde erlassen. Interessant ist die in der polnischen Städteordnung enthaltene Strafvorschrift gegen Weigerung der Ausübung städlischer Pflichten. Mit Geldstrafe bis 199 Ml) M. oder mit Gefängnis bis zu sechs Monaten ist in 8 31 der Städteordnung bedroht, wer sich ohne Grund weigert, die Ernennung oder Wahl zum Mitglieds der Stadt- Verwaltung anzunehmen oder die aus der Ernennung bezw. der Wahl hervorgehenden Pflichten zu erfüllen. Bei fortdauernder Weigerung kann die Strafe so oft wiederholt werden, bis der Forde- rung der Ausfichtsbehörde Genüge geschehen ist. politische Ueberflcht. Strohernte und Strohbedarf. Der Preußische Landwirtschaftsminister gibt folgendes bekannt: Infolge der Trockenheit des Vorsommers ist die Strohernte vielfach knapp ausgefallen. Der Bedarf an Stroh ist aber aus verschiedenen Gründen beträchtlich größer als in normalen Zeiten. Zunächst kommt der gesteigerte Bedarf der Heeresverwaltung in Frage, sodann ist der Verbrauch an Futterstroh größer als sonst, namhafte Mengen werden zur Herstellung von Melaffefutter und von Strohmehl verwendet, das sich bei der Verwertung des Panseninhalts der Schlacht- tiere und auch sonst namentlich als Pferdefutter be- währt hat. und schließlich soll Stroh in größerem Umfange durch Aufschließung zu einem dem Stärkemehl an- nähernd gleichwertigen Futtermittel verarbeitet werden. Unter diesen Umständen erscheint es geboten, bei der Verwendung von Stroh als Einstreu möglichst sparsam zu verfahren und hierfür alle verfügbaren Ersatzstoffe in weitestem Umfange heranzuziehen. Ms solche kommen m Betracht in erster Linie die Torfstreu i diese sollte daher allgemein Anwendung finden, ferner sollte Wald- und Plaggenstreu. Ginster. Heide usw. in größerem Umfange als sonst verwendet werden, und schließlich sollten solche Stalleinrichtungen getroffen werden, die ohne Auswendung erheblicher Kosten eine möglichste Ersparnis an Streu ermöglichen. Es darf erwartet werden, daß der der- haltnismäßig hohe Preis des Strohes seine Wirkung nach dieser Richtung hin geltend macht. Unabhängigkeit des Apostolischen Stuhles. Mehrere angesehene polnische Zeitungen, darunter der„Dziennik Slaski* und der„Kuryer Slaski", greifen scharf die Posener nationaldemokratische Partei an, welche es verhindert habe, daß die Fraktion sich für die Rechte des Papstes gegenüber Italien einsetze. Die schlesischen Abgeordneten in der polnischen Fraktion hätten es versucht, die Fraktion dazu zu bewegen, daß sie, dem Beispiel des Zentrums folgend, sich für die Rechte und die Freiheit des Papstes erkläre. Sie seien aber, trotzdem noch einige andere Abgeordnete diesem Vorhaben günstig gewesen seien, an dem Widerstande der nationaldemokratischen Mehr- heit gescheitert. Es sei zu verlangen, daß die polnische Landtags- fraktion den Fehler der Reichstagsfraktion wieder gut mache, jedoch sei die beste Gelegenheit hierzu vorüber. Trotzdem würde die Stimmung des polnischen Volkes die Fraktion zu einer richtigen Stellungnahme in dieser Angelegenheit zwingen, es würden dann die Wahlen mit den notwendigen Auseinandersetzungen kommen. Der schlechte Eindruck dieser Haltung in dieser so ausgesprochen katholischen Frage lasse sich aber nicht mehr verwischen. Erhöhung der Brot- und Mehlration. In Görlitz wird nach einer Bekanntmachung des Magistrats vom 20. Segtember ab die Höchstmenge für den Verbrauch von Brot und Mehl für jede über 6 Jahr alte Person 2250 Gramm(bisher 2000 Gramm) und für Kinder unter 6 Jahren 1000 Gramm betragen. Ter Reichstagsabgeordnete für Karlsruhe in der Warschauer Zivilverwaltung. Der fortschrittliche Reichstagsabgeordnete Dr. Ludwig Haas, der als Leutnant und Kompagnieführer im Felde steht, ist in die Zivil- Verwaltung nach Warschau berufen worden. Gegensätze in der polnischen Reichstagsfraktion. Beuthen O.-Schl., 14. September.(W. T. B.) In der polnischen Presse ist jetzt ein lebhafter Streit ausgebrochen wegen der Haltung der polnischen Reichstagsfraktion in der Frage der Freiheit und Das Nachtbackverbot. Im Reichstagsgebäude beginnen am heutigen Mittwoch die Be ratungen der Vertreter der Regierungen mit den Vertretern der in Frage kommenden Organisationen über das Verbot der Nachtarbeit in den Bäckereien. Den Beratungen liegt ein vom Reichsamt des Innern ausgearbeiteter vorläufiger Gesetzentwurf zugrunde. Der Entwurf sieht ein vollständiges Ruhen des Betriebes in Bäckereien und Konditoreien von 8 Uhr abends bis 5 Uhr morgens vor. Die Verhandlungen beginnen mit der Vernehmung von Sach> verständigen._ Krieg und Schule. Im„Archiv für Pädagogik"(Juli 1916) ist ein Aufsatz von H. Schreiber(Würzburg):„Die deutsche Volksschule der Gegen wart und Zukunft" abgedruckt, in der für die zukünftige Gestaltung des Unterrichts u. a. folgendes gesagt ist: „Die einzelnen Fächer zeigen ein neues Gesicht. Der Religionsunterricht tritt erst in den höheren Klassen auf. liegt in der Hand des Lehrers und führt den Schüler in das Ringen ein, das die Menschheit zu einer immer reineren Gottesanschauung hinaufbrachte, die ihre Strahlen überallhin warf, in die Gebiete d-r Rechte, in die Verhältnisse von Ich und Ich, von Ich und Nicht-Jch, in die Kunst usw. Was die Religion aus ihrem Schoß gebar, das darf ihr auch fürderhin dienen, ohne die Kinder zu belasten mit Spruchweisheit und geistlichen Dichtungen. Dem Ganzen liegt die geläuterte Bibel zugrunde als heilige Quelle." Dazu bemerkt der„Pharus", katholische Monatsschrift für Pädagogik(Heft 9): „Uns dünkt, der Krieg birgt die Lehre, daß der Reli« g i o n s u nt er r i ch t i n d e r S ch u l e nicht weiter hin- aus zu schieben ist, sondern von Anfang an die ganze Schularbeit durchdringen muß. Der Ruf nach guten Kirchenliedern in den Schützengräben und der Umstand, daß die Beherrschung der Texte dort gerade von den Beteiligten sehr vermißt wird, scheint ebenfalls anderes zu lehren, als was Schreiber meint. Ein Stamm wertvoller volkstümlicher deutscher Kirchenlieder sollte zum festen Besitz der Jugend vor der Schulentlassung werden." Der„Bahrische Kurier"(Nr. 263) benutzt die Gelegen heit, daran folgende Betrachtung zu knüpfen: „Bekanntlich ist bei uns in Bayern der k o n f e s s i o n s- lose Moralunterricht an Lehran st alten usw. verboten worden. Die Freireligiösen haben sich nun seiner- zeit an das Kultusministerium mit dem Ersuchen gewendet. das Verbot des steireligiösen Unterrichts aus Kriegsdauer aufzuheben. Das Kultusministerium hat s e l b st v e r st ä n d- lich abgelehnt. Nunmehr hat die Freireligiöse Gemeinde München Maßnahmen getroffen, um„im Rahmen der bestehenden Gesetze" einen„entsprechenden" Privatunterricht einzuführen. Es darf mir Genugtuung verzeichnet werden, daß, soweit der katho- tische Volksteil in Betracht kommt, der Zuzug zur freireligiösen Bewegung nachgelassen hat. Der Krieg hat sich eben auch auf religiösem Gebiete als eiserner Er- zieher erwiesen." Die Unterstützung der Kriegerfamilie» ist von der Stadt Eßlingen in Rücksicht auf den nahenden Winter neu geregelt worden. Eßlingen zahlte bisher für eine kleinere Mittel- stadt anerkennenswerte Sätze, nämlich fiir jede Frau 24 Mk, für jedes Kind unter 15 Jahren 3 M. Zuschlag zur Reichsunterstützung. Diese Sätze werden jetzt um 4 bzw. 1 M. erhöht. Danach bekommt künftig jede Frau an Reichs- und Gemeindeunterstützung 49 M., jedes Kind 19 M. monatlich ohne Festsetzung eines Höchstbetrages. Es wurde aber gleich ausgesprochen, daß bei einer Erhöhung der Reichsunterstützung der städtische Zuschlag nicht gekürzt werden soll. Sowohl die früheren Sätze als die jetzigen Erhöhungen, die nament- lich mit den enorm gestiegenen Lebensmittelpreisen begründet wurden, sind dem Einfluß der sozialdemokratischen Rathausver- treter zu danken, die die Hälfte des städtischen Kollegiums bilden. Eßlingen zahlt jetzt unter den württembergischen Städten den höchsten Zuschlag. Das rheinisch-westfälische Uebergaugssyndikat. Um dem Zwangssyndikat zu entgehen, das unter die Auf- ficht des Reichskanzlers gestellt worden wäre, haben sich die rheinisch-westfälischen Zechenbesitzcr auf ein Uebergangs- syndikat geeinigt, nachdem der Zechenbesitzer August Thyssen seinen Widerspruch fallen gelassen hat. Das Uebergangs- syndikat ist zunächst auf l'/z Jahre begründet worden. In letzter Stunde haben sich also die Werkbesitzer noch dem staatlichen Zwange entzogen und bleiben damit vorläufig noch „Herren im eigenen Hause". WolffsTelegraphenbureau meldet am 14. Sep- tember aus Effen: „In der heutigen Zechenbesitzerversammlung. an der wieder drei Vertreter des preußischen Handelsministers teil- nahmen, wurden die Erneuerungsverhandlungen des Rheinisch- Westfälischen Kohlensyndikats erfolgreich zu Ende geführt. Nachdem alle Meinungsverschiedenheiten aus der Welt geräumt worden waren, unterschrieben sämtliche bisherigen Syndikats- Mitglieder und sämtliche im neuen Vertrage aufgeführten außenstehenden Zechen mit Ausnahme der Zechen Admiral und Glückauf Segen, mit denen eine Verständigung nicht zu erzielen war, den neuen Syndikatsvertrag, der heute in der am 10. d. Mts. beschlossenen Gestalt vorlag. Das Uebergangssyndikat ist deni- nach für die Zeit vom 1. Januar 1916 bis zum 31. März 1917 zustandegekommen: ein mühseliges Werk von größter Bedeutung für unser gesamtes Wirtschaftsleben ist damit zu einem glücklichen Ende gebracht worden. Der heutige Erfolg ist den rastlosen Bemühungen Geheimrats Dr. Kirdorf zu danken, der niemals davon abgelassen hat, immer wieder von neuem auf die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses des Ruhrkohlenbergbaus hinzuweisen." Der Verkehr mit Hülsenfrüchte«. Obgleich bereits in den Zeitungen mehrfach darauf hinge- wiesen ist, daß seit dem 27. August d. I., dem Tage des Jnkraft- tretens der Bekanntmachung über den Verkehr mit Hülsenfrüchten vom 26. August 1916, jeder Handel mit Hülsenfrüchten verboten ist, der nicht an oder durch die Zentraleinkaufs-Ge- s e l l s ch a f t G. m. b. H. in Berlin erfolgt, enthalten nicht nur die größeren Tageszeitungen, sondern auch die Fachblätter des Klein- und Großhandels häufig Anzeigen, in denen Hülsenfrüchte zum Verkauf angeboten werden. Es sei deshalb nochmals nach- drücklichst darauf hingewiesen, daß ein derartiger freier Handel schon jetzt verboten ist. Der in der Verordnung genannte 1. Okto- ber ist nur der Tag, auf den sich die Anzeigepflicht bezieht. Er hat mit dem Handelsverbot an sich nichts zu tun. Wer gegen dieses verstößt, kann auf Grund der Verordnung mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 15 9M M. bestraft werden. Verlängerung der Mandatsdauer der braunschweigischen Landesversammlung. Die Landesversammlung hat einen Gesetzentwurf, durch welchen die Mandatsdauer der Abgeordneten um zwei Jahre ver- längert wird und die Neuwahlen entsprechend hinaus- geschoben werden, einstimmig angenommen. Soziales. Schadeuersatzansprüche wegen verpfuschter Arbeit. Die Kammer 5 des Gewerbegerichts hatte sich am Diens- tag mit drei Klagen zu beschäftigen, die infolge von verpfuschter Arbett an Granatzündern entstanden sind. In zwei Fällen handelte es sich um das mit Maschinen aus- geführte Bohren und Gewindeschneiden an Granatzündern sowie um ungelernte Arbeiter, die mit diesen Arbeiten erst kurze Zeit— in einem Falle eine Woche im andern Falle zwei Wochen— beschäftigt waren und vordem ganz andere Ar- beiten verrichtet hatten. Die Arbeiter hatten bei einer ver« hältniSmäßig kleinen Zahl von Zündern die vorgeschriebenen Maße nicht genau innegehalten, wodurch die betreffenden Zünder un- verwendbar geworden sind. Die Unternehmer haben den Arbeitern nicht nur den Akkordlohn sür die verpfuschten Zünder nicht bezahlt, sondern darüber hinaus noch einen Betrag des verdienten Lohnes zurückbehalten, um sich gegen den durch die verpfuschte Arbeit ent- standenen Materialschaden zu sichern. Die Arbeiter klagten auf Zahlung des verdienten Lohnes, während die Unternehmer im Wege der Widerklage einen den einbehaltenen Lohn wesentlich übersteigenden Betrag als Schadenersatz verlangten. In beiden Fällen sprach das Gericht den Arbeitern den zurück- behaltenen Lohn abzüglich des Akkordsatzes für die verpfuschten Stücke z u und wies die Widerklage ab mit der Be- gründung: Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der Lohn für die verpfuschten Arbeiten nicht bezahlt werden braucht. Aber für den entstandenen Schaden ist der Kläger, der als ungelernter Arbeiter erst kurze Zeit mit den fraglichen Arbeiten beschäftigt war, nicht haftbar. Das Gericht will damit nicht sagen, daß jeder un- gelernte Arbeiter für den von ihm verursachten Schaden nicht Haft- bar ist. Aber in den ersten ein bis zwei Wochen, wo der Arbeiter angelernt wird, darf man nicht zu weitgehende Ansprüche an seine Leistung stellen. Es handelt sich hier immerhin um eine gewisse Präzisionsarbeit, zu deren Erlernung eine angemessene Zeit er- forderlich ist. Da der Kläger nicht durch grobe Fahrlässigkeit den Schaden verursacht bat, ist er nicht haftbar. Im dritten Falle klagte eine Arbeiterin, der wegen einer kleinen Zahl falsch gebohrter Zünder 19 M. einbehalten worden sind. Die Klägerin ist ihrer unbcstritlenen Angabe nach eine außer- gewöhnlich gewisienhafte und zuverlässige Arbeiterin, die bereits seit Mai Zünder bohrt. Der Unternehmer hat ihr einen Wochenverdienst von 46 M. garantiert; sie hat aber einschließlich Sonntags- und reichlicher Ueberstundenarbeit einen Wochenverdienst von 69 M. er« zielt. Die fehlerhafte Arbeit führt die Klägerin auf einen Mangel an einem Maschinenteil zurüch der trotz ihrer Meldung beim In- genieur nicht beseitigt worden sei.— Das Gericht beschloß, den Ingenieur hierüber als Zeugen zu hören. Krieg und Betriebsunfälle in Rußland. Die russische Arbeiterzxitschrift„Versicherung der Ar- Leiter" teilt in ihrer Nr. 6 intereffante Angaben über den Ein- fluß der„Kriegsmobilisierung der Industrie" auf die Häufig- keit der Unfälle auf den Fabriken und auf die Zahl der Erkrankungen der Arbeiter mit. Die angeführten Angaben, die den Berichten der Krankenkassen entnommen sind, geben zwar kein allgemeines Bild der in allen russischen Industriebetrieben herrschenden Zustände, sie sind aber charakteristisch für die seit Kriegsbeginn entstandenen Veränderungen. Hiernach entfielen auf je 1999 Mitglieder der Krankenkassen Unfälle: Zunahme ln Proz. i isw vom 1. Sept. bl» 1. Sept. 1914 Fabrik Leßner(Petersburg).. 12,9 Petersburger Metallwerke.. 11,6 Nikol. Werke....... 22,9 Putilow-Werke...... 16,9 Russisch-Baltische Fabrik(Riga) 11,9 . Nach denselben Berichten entfielen auf je 199 Arbeiter Krank heitstage im Monat bis 1. Sep- temb. 1914 bis 1. Jan. 1916 17,3 13.4 23.9 21,9 14,9 38 16,6 4.6 49 27.3 v. 1. Sept. �„ bis 1. Jan. Zunahme 1916 Putilow-Werke....... 69,3 77,9 Brjansker Werke(Jekaterinoslaw). 66,8 79,8 Russisch-Baltische Fabrik(Riga).. 67,6 92,6 Danach hat die außerordentliche Jntensifizierung der arbeit, die Verlängerung der Arbeitszeilcn usw. die' denkbar schlimmsten Wirkungen auf die Gesamtheit der Arbeiter ausgeübt. in Proz. 27,7 39 37 Industrie« die Lebensmittelteuerung in öerlin. Der Direktor der stnMischm Markthallen in Berlin, Herr Spiecker, veröffentlicht im.Berk. Tageblatt" einen Artikel, in dem die Preise für die wichtigsten Nahrungsmittel zusammengestellt sind. Gegen den gleichen Zeitraum des Vorjahres sind die Fleischpreise um etwa SO Proz. gestiegen. Rindfleisch kostet im Kleinhandel 2 M. bis 2,80 M., troljdcm eine grojze Verminderung des Bestandes an Rindern nicht zu konstatieren ist. D e r B e st a n d ist ziemlich so geblieben, Ivie er vor dem Kriege war. Direktor Spiecker führt die Preissteigerung zurück auf die hohen Kosten für Kraftfutter und auf die gestiegenen Löhne. Da-Z Kalbfleisch ist natürlich von der Höhe der Rindfleischpreise und von der Aufzucht abhängig. Je mehr aufgezogen wird, desto knapper ist der Auftrieb der Kälber. Von den Mastkälbern ist dasselbe zu sagen, wie von den Rindern. ES fehlt das Kraftfutter. Die Preise für Kalbfleisch haben jetzt eine Höhe erreicht, wie sie bisher niemals verzeichnet worden ist. Im Kleinhandel kostet daS Kilogramm Kalbfleisch 2,60 bis 3 M.— AIS schwer erklärlich wird die Teuerung beim Hammelfleisch bezeichnet. Im Klein- Handel beträgt der Preis jetzt 2,80 M. bis 3 M. Dazu wird bc- merkt: Schafe sind sehr genügsame Tiere, die mit kümmerlicher Weide zufrieden sind, den Winter über mit magerem Stroh und Heufutter durchkommen und zur Mast selbst nicht allzu viel Kraftfutter be dürfen. Für diese Kategorie ist d e r h o h e P r e i s. der angelegt werden mutz, kaum zu rechtfertigen. WaS nun das Schweinefleisch anbelangt, so ist dies heute im Gegensatz zu sonstigen Zeiten daS teuerste Fleisch, um 60 M. teurer als daS Ochsenfleisch im Grotzhandel. Im Grotzhandel standen Schweine am l. September 1916 auf 130—182 M. gegen 62—39 M. am 1. September 1914. Im Kleinhandel: 1. Sept. 1914 1. Sept. 1916 per 1 Kilogramm Schweinerücken und Rippespeer.. 2,40 3,60—4,00 Schweineschinkcn....... 1,50 3,60 Schweineschulterblatt und Bauch.. 1,30 3,40 Schweineschmalz........ 1,60 3,60 Speck, geräuchert....... 2,40 3,60—3,80 Schinken, geräuchert...... 3,00 4,00 Schinken, ausgeschnitten..... 4,00—4,60 5,20 Die Ursachen sind hier, so führt Herr Direktor Spiecker aus, verschieden. Einmal die verschiedensten Matznahmen der Regierung, die aus Besorgnis, datz die Kartoffelvorräte zur Ernährung unseres Volkes nicht ausreichen, das Abstechen von 6 Millionen Schweinen anordnete jfast 23 Prozent des Bestandes), dann wieder das Fehlen der erforderlichen Kraftfuttermittel und daS Verbot der Körner- verfütterung. ES kommt daher eine voll ausgemästete Ware kaum noch auf den Markt. Hauptsächlich kommt eine Mittelware auf den Markt, die trotz wenig Ausgiebigkeit horrende Preise erzielt. Die Verarbeitung zur Dauerware(Konserven) hat sich nicht als gute Matzregel erwiesen. ES fehlten die geschulten Kräfte, es wurde zu hastig gearbeitet, und so sind mindestens 30 Prozent ver» darben und iv erden jetzt von den Konserven- fabriken waggonweise nach Rüdnitz gebracht und dort zu Wagenschmiere verarbeitet. Zu der Preisbildung bemerkt der Verfasser: «Sehen wir nur einmal, durch wie viel Hände ein Stück Vieh geht, ehe der Konsument von ihm ein Stück Fleisch bekommt. Ein kleiner Händler auf dem Lande tauft von dem Bauer ein Stück Vieh. Also schon die zweite Hand. Er verkauft es an einen grötzeren Händler, der vielleicht einen Waggon verschiedener Tier- gattungen zusammenbringt, den er nach Berlin schickt. Hier erhält es der Kommissionär zur Verwertung. Von dem Kommissionär er- steht es der Grotzschlächter, der es an den Ladenschlächter verkauft, von dem eS schlietzlich an den Konsumenten kommt. DaS Fleisch geht also vom Bauer bis zum Konsumenten(diese beiden nicht ge- rechnet) durch fünf Hände. Jeder der Vermittler verdient etwas an dem Fleisch; kommen noch hinzu die verschiedenen Frachtkosten, an denen auch noch nebenbei verdient wird, die Futter-, Schlachtkosten und so weiter." AuS diesen Darlegungen erhellt zur Genüge, wie planlos die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung heute bestellt ist. In dem oben auszugsweise wicdergegebenen Artikel des Herrn Spickeer gibt der Verfasser als Ursache der Teuerung u. a. an: Der Krastfuttermangel, die allgemeine Erhöhung der Löhne und die teuren Fuhrenlöhne. ES wird ausgeführt, datz auf dem Berliner Viehhof einem Schlächtergesellen, der wirklich schlachtet. 36 Mark Lohn pro Tag gezahlt werden müsse. Zu der Behauptung, datz die hohen Löhne der Flcischergesellen an der Teuerung mitschuldig seien, bemerken wir, datz nach unseren Informationen auf dem Berliner Viehhof in der Zeit der Massenschlachtungen nur in ganz vereinzelten Fällen ein ähnlicher Tagelohn bezahlt worden ist. Das geschah auch nur dann, wenn daS Vieh an dem betreffenden Tage abgeschlachtet werden mutzte. Leute aber zu wenig zur Verfügung standen und sich die Arbeitgeber gegenseitig überboten, um AuShelfer zu bekommen. Es mutzte dann aber auch von morgens 6 Uhr bis abends 11 Uhr ohne besondere Pause, also 18 Stunden eine autzer- ordentliche Arbeitsleistung vollbracht werden, autzerdem waren diese Helfer oft noch verpflichtet, andern morgens das Fleisch aufhauen und nach der Markthalle bringen zu helfen. Der Lohn war also für eine fast dreifache Arbeitszeit berechnet; dabei mutz noch beachtet werden, datz nur in der Woche zwei'solcherSchlachttage stattfinden. Im übrigen fand, wie schon erwähnt, eine solche Be- zahlung nur in einigen Fällen in der Zeit der Massenabschlachtung statt, die fast ein halbes Jahr zurückliegt. Die Löhne der Gesellen in den Wurstfabriken und Fleischereien dagegen haben bei weitem nicht eine solche Steigerung erreicht, wie sie durch die allgemeine LebenSmittelteuerung notwendig gewesen wäre. Die EinstellungSlöhne sind allgemein nur bis 5 M. pro Woche gegenüber den Löhnen vor dem Kriege gestiegen, was die Abmachungen mit der zuständigen Organisation beweisen. In einzelnen Fällen wird dieser Satz etwas überschritten. Die Steige- rung der Lebensmittelpreise beträgt aber nach dem WirtschaftS- Statistischen Bureau von Richard Ealwcr für Berlin pro Woche über 14 M. für eine vierköpfige Familie seit Ausbruch des Krieges. Es werden in den matzgebenden Wurstfabrikcn pro Woche 36 M., 38 M., 40 M. und 45 M. bei zehnstündiger Arbeit ohne Beköstigung bezahlt. Konservenfabriken zahlen 48 M. und 60 M. Höhere EinstellungS- löhne als 60 M. werden nicht gezahlt. ES kann also keine Rede davon sein, datz die Löhne der Schlächtergesellen irgend welchen Einflutz auf die Fleisch- teuerung haben. ES sind andere Ursachen dafür matzgebend. Will man untersuchen, welche Umstände vertmernd auf das Produkt vom Produzenten bis zum Konsumenten wirken, so darf man nicht unerwähnt lassen, datz die Massenabschlachtung und die übereilte Produktion bei der Konservierung der Fleischwarcn dazu erheblich beigetragen haben. Hunderttausende von Zentnern der besten Fleisch- waren sind dadurch verdorben, allein der Berliner FleischvernichtungS anstatt zu Rüdnitz wurden im Monat November 1914 über lOCKX) Zentner Flcischwaren zur Vernichtung übergeben. Es wäre da jedenfalls recht nützlich gewesen, wenn die Regierung bei ihrem Erlatz über die Abschlachtung der Schweine auch bestimmt hätte, datz nur Fabriken die Verwertung und Konservierung des Fleisches übertragen wird, die darin auch pral tische Erfahrung besitzen und für eine einwandfreie Konser Vierung eher eine Garantie bieten können, als Leute, die in ihrem Leben noch keine Konservenfabrik gesehen haben und sich nun emsig um die Fabrikation von Fleischkonserven bemühten, in der Hoffnung, dabei recht viel verdienen zu können. Die Fleischteuerung wird nicht bekämpft mit Argumenten, wie sie Herr Spiecker vorträgt. Es ist eine Irreführung, für die Teue- rung die Löhne der Fleischergesellen als Vorwand zu benutzen, während das Publikum sehr wohl weitz, datz die Ursachen ganz wo anders zu suchen sind._ Mus Hroß'Serlin. Zur Kriegsbefchäüigtenfürsorge. Gestern fand im Berliner Rathause unter Vorsitz des Stadtrats Dr. Preutz eine Sitzung des Ausschusses für die Kriegsbeschädigtenfürsorgc statt, an der vom Magistrat der Stadtkämmerer Bötz, die Geheimräte Straß- mann und Weber, Stadtrat Maaß, von den Stadtverordneten Stadtvcrordnetenvorsteherstellvertreter Cassel, die Stadtverord- neten Dr. Landau, Dr. Wehl, Dr. Jsaac, Brh und Ritter, ferner Vertreter des Sanitätsamtes des Gardekorps, des Roten Kreuzes, der Königliche Gewerbe- und Rcgicrungsrat vom Polizeipräsidium, die dirigierenden Aerzte der städtischen Krankenanstalten und weitere Sachverständige teilnahmen. Die Veratungen befaßten sich vornehmlich damit, die Berliner Lehrwerkstätten in weiterem Umfange für die Kriegs- beschädigten nutzbar zu machen. Die in Berlin vorhandenen Lehrwerkstätten, die für alle nur in Betracht kommenden Berufe eingerichtet sind, können mit ihren 300 freien Plätzen bei einmaligem wöchentlichen Unterricht 3000 Kriegsbeschädigten der Lazarette und Sammelstellen wegen ihrer Einrichtungen, ihres geeigneten Lehrpersonals und wegen ihrer Vielseitigkeit ivertvolle Dienste leisten. Es sollen in diesen Lehrwerkstätten beschäftigt werden zunächst alle Kriegsbeschädigten, die nach dem Urteil des behandelnden Arztes zur Unter st ützung des Heilv erfahrens sich betätigen sollen, und sodann die dienst- untauglichen Kriegsbeschädigten zwecks Wiedergewöhnung an Arbeit, um das Vertrauen zu den verminderten eigenen Kräften zu stärken, zwecks Erlernung der Arbeit mit künstlichen Gliedmaßen und behufs Erlernung eines neuen Berufes. Man einigte sich auf folgende vom Stadtverordneten Dr. Wehl und Direktor Dr. Grundscheid vorgeschlagenen Leitsätze: 1. Die Medizinalabteilung des Kriegsministeriums soll gebeten werden, alle in den Lazaretten und Sammelstellen befindlichen Kriegsbeschädigten zur Benutzung der Lehrwerk- stätten aufzufordern, 2. den Beschädigten sollen Freifahrtkarten für die Fahrten nach der Werkstatt bewilligt werden, 3. die Kriegsbeschädigten sollen durch entsprechende Aus- hänge und Anschreiben in den Lazaretten auf die Werkstätten und Lehrkurse aufmerksam gemacht werden. Es wurde schließlich eine Kommission gewählt, die sich zwecks persönlicher Verhandlung nach Maßgabe der obigen Leitsätze mit der Medizinalabteilung des KriegsministcriumS in Verbindung setzen soll. Tie Berliner Bautätigkeit in der Kriegszeit. Infolge des Krieges ist die Bautätigkeit beträchtlich zurückgegangen. Wie sehr sie in Berlin nachgelassen hat, ersieht man unter anderem aus der Minderung der Baugesuche. In 1914 war die Baulust auch vor dem Kriege schon schwächer als in 1913, der Kriegsausbruch aber drückte sie vollends herab. Während z. B. im Juli 698 Baugesuchc eingegangen waren, gingen im August sofort nur noch 310 Baugesuchc ein. Und seitdem ist es so geblieben— oder noch weniger geworden. Aus den zwölf Monaten August 1913 bis Juli 1914 wurden 664, 670, 690, 632, 591, 533, 610, 667, 609, 603, 655, 698, zusammen 7622 Bau- gesuche gezählt, dagegen brachten die zwölf Kriegs- monate August 1914 bis Juli 1915 nur 310, 336, 303, 287. 230, 273, 255, 283, 227, 224, 149, 186, zusammen 3063 Baugesuchc. Im ersten Kricgsjahr war die Gesamtzahl der Baugesuchc nur vier Zehntel derjenigen derselben zwölf Monate des vorhergehenden Jahres. Aehnlich minderten sich in 1914 die Bauscheinertcilungen und die Bau- gcnehmigungen: es würden gewählt z. B. aus Juli und August an Bauscheinerteilungen 48 und 44, an Baugenehmigungen 324 und 182. Für die 12 Monate August 1913 bis Juli 1914 und für die 12 Kriegsmonate August 1914 bis Juli 1913 belief sich die Zahl der Bauscheinerteilungen. auf zu- sammen 769 und 310, die der Baugenehmigungen auf zu- sammen 3357 und 1275. Auch hier ist eine Verringerung auf weniger als die Hälfte festzustellen. Tie Friedhöfe der Stadt Berlin. Aus dem Bericht über die Verwaltung der Gemeinde- friedhöfe und des Krematoriums für 1914 entnehmen wir folgendes: Die Friedhöfe Seestraße und Friedrichsfclde sind voll belegt, so daß auf Reihenstellen auf elfterem keine Be- erdigungen niehr erfolgen, auf letzterem nur, soweit durch Ab- lauf der Liegefrist Platz wird. Dagegen ist noch genügender Raum für bessere Begräbnisstellen und besonders für Familienstellcn vorhanden. Auf dem Friedhof Gerichtstraßc finden Erdbestattungen nur noch auf früher vorbehaltenen Stellen statt, weil das ganze Gelände zur Vergrößerung des Urnenhains verwendet wird. Um dem Mangel abzuhelfen, wird in Buch-Karow ein neuer Gcmeindeftiedhof angelegt. Die Anpflanzungen sind schon weit vorgeschritten, mit der Aufführung der Gebäude ist begonnen. Die Urnenhalle in der Gerichtstraße ist ebenfalls nahzu belegt, so daß zwei Flügel angebaut werden mußten, die im Rohbau fertiggestellt sind. Hierdurch wird der Bedarf an Urnennischen auf eine lange Reihe von Jahren gedeckt werden. Die Zahl der eingeäscherten Personen ist auch im Bc- richtsjahrc wieder gestiegen, und zwar auf 1123 gegen 968 im Vorjahre. Auf dem Anstaltsfriedhofe in Buch ist an bevorzugter Stelle eine Abteilung für gefallene Krieger eingerichtet worden. Die Kosten der Beerdigung und die Unterhaltung und Schmückung der Gräber mit Blumen trägt die Stadt. Nach der Beendigung des Krieges soll ein Denkmal errichtet >verdcn. Kriegslicht statt Petroleum. Trotz aller Bemühungen wird der Bedarf der Zivilbevölkerung an Leuchtpetroleum für den kommenden Herbst und Winter nur zu einem Teil gedeckt werden können. Die Reichs- und Staats- behörden sind daher seit längerer Zeit bemüht, für die Schaffung von Ersatzbeleuchtung Sorge zu tragen. Seit Beginn des Krieges ist vielfach die elektrische oder Gasbeleuchtung an Stelle der frühe- ren Petroleumbeleuchtung getreten. Wo dies nach den örtlichen Verhältnissen nicht möglich gewesen ist, wird für den Petroleum- crsatz im nächsten Winter auf das Spirituslicht hingewiesen. Die Hauptschwierigkeit, nämlich die Beschaffung einer ge- nügenden Anzahl der bisher aus Kupfer und Messing hergestellten Brenner, ist von der Industrie durch die Herstellung eines ohne Verwendung von Kupfer und Messing gefertigten Brenners überwunden worden. Nachdem weiter von den Behörden durch geeignete Matznahmen die Bereitstellung hinreichender Mengen Spiritus gesichert worden war, ist unter Mitwirkung und Aufsicht der obersten Reichs- und Staats- behörden eine Vertriebsgesellschaft, die SpirituS-Glüh- licht-KriegSges ellschaft m. b. H. zu Berlin, Leipziger Strahe 2, gegründet worden mit dem Zwecke der Versorgung Deutschlands mit Kleinbeleuchtungsmitteln für Spiritusglühlicht, insbesondere des Vertriebes von Spiritusbrennern für Klein- beleuchtungszwecke. Die Gesellschaft wird den neuen Spiritus- brenner unter der Bezeichnung ,, Kriegslicht" einschlietzlich Docht zum Kleinhandelspreis von 4 M. vertreiben. In diesen Betrag ist der Preis für die Zubehörteile, wie Glühstrumpf, Zylinder, Füll- kännchen, Füllstück, deren Beschaffung etwa noch 1,25 M. Unkosten verursacht, nicht eingeschlossen. Um die Einfichrung der neuen Brenner nach Möglichkeit zu fördern, sind die Staats- und Kom- munalbehörden veranlaßt worden, Bestellungen auf die Brenner zu sammeln und der Kriegslichtgesellschaft die Sammelaufträgc zu übermitteln. Behörden und Kommunen werden die neuen Brenner, die etwa von Mitte September lieferbar sein werden, zu einem Vorzugspreise unter der Verpflichtung erhalten, sie zum Preise von 4 M. an die Bevölkerung abzugeben. Die neuen Brenner lassen sich auf jede Petroleumlampe auf- schrauben. Von der Reichsleitung ist angeregt worden, überall dort, wo der Bedarf an Licht nur teilweise gedeckt werden kann, größere Säle in Schulhäusern oder dergleichen für die Bevölkerung zur Ver- fügung zu stellen. Eine solche Schaffung von Arbeits- und Auf- enthaltsräumen soll namentlich Heimarbeitern und Heimarbeitc- rinnen Gelegenheit geben, ihre Arbeit auch in den dunkleren Tagesstunden zu erledigen und sich den erforderlichen Verdienst zu sichern. Ein sechzigjähriger Parteiveteran. Am heutigen Tage vollendet Genosse August Pohl sein sech- zigstes Lebensjahr. Das wäre an sich nichts Besonderes, wenn wir in dem Geburtstagskind es nicht mit einem Genossen zu tun hätten, der ununterbrochen von der Pike auf sein Bestes der Partei gegeben. Sein proletarische? Klasscngefühl zog den Genossen Pohl schon frühzeitig in die sozialistische Bewegung hinein. 1878 wirkte unser Freund eiftig im 3. Kreis für die Wahl Rackows. Bei allen späteren Parteiaktionen stoßen wir immer wieder auf den stillen, aber fleißig für die Partei arbeitenden August Pohl. 1851 wirkte Pohl im 4. Kreise für Bebels Wahl, und bei der Stadtverordneten- Wahl 1883 finden wir ihn erneut nach außen in die Erscheinung treten. 1884 gründete Pohl mit Parteifreunden den Arbeiter- bezirksverein„Glückauf", dessen Vorstand er auch angehörte, um sich später an dem Bezirksverein„Vorwärts" zu beteiligen. In der damaligen schweren Zeit nabm Pohl alle Mühen, Opfer und Gefahren ruhig auf sich, immer als Bezirksführer wirkend. Durch einen aus Anlaß der Unabhängigen-Bcwegung gefaßten Be- schlutz mußte Pohl sein Arbeitsgebiet nach dem 4. Kreis verlegen, um nach einiger Zeit seine Tätigkeit im 3. Kreis von neuem au*- zunehmen und teils als Abteilungsführer. Kassierer und 2. Vor- sitzender des Wahlvereins, teils als Mitglied der Agitation?- kommission und der Prcßkommission und nach Gründung der Zcn- tralisation in Berlin im Jahre 1905 als Vorsitzender des 3. Kreises und Mitglied des ZcntralvorstandcS in Groß-Bcrlin seine Partei- Pflicht auszuüben. Tie Genossen des 3. Kreises sandten Pohl wiederholt nach den Parteitagen, in einem Falle nach dein Jnter- nationalen Kongreß.— Auch in der gewerkschaftlichen Bewegung Berlins hat Pohl in den ackitziger Jahren als Metallarbeiter in der wirksamsten Weise die Interessen seiner Berufskollegen vertreten. nicht ohne deswegen oft gemaßrcgclt zu werden. So kann August Pohl am heutigen Tage mit Stolz auf seine Vergangenheit zurück- blicken. Sein Leben war seiner Sache, unserer Partei gewidmet; nicht zuletzt speziell dem 3. Wahlkreis, mit dem er verwachsen ist. In allen Stürmen stand Pohl fest und unerschütterlich; er wich und wankte nicht von dem Posten, auf den er gestellt. Seit Jahr- zehnten bildete er sozusagen mit das Rückgrat der Berliner Partei- genosscnschaft trotz mancher schweren Schicksalsschläge, die unseren Freund getroffen. Hoffen wir, daß es dein Geburtstagskind ver- gönnt ist, noch recht lange seine Kräfte der Partei zu widmen. In einer Zeit wie heute können solche kampferprobten Genossen wie August Pohl, die unbeirrt und unbekümmert um alle Ilmlerner ihren Weg gehen, sehr vorbildlich wirken. Vorsorge gegen Unfälle. Unter Hinweis auf unsere Mitteilung vom Sonntag, den 5. 9. er., unter der Ueberschrist«In Ausübung des Berufs uinS Leben gekommen" wird uns von gut unterrichteter Seite fol- gcndcs mitgeteilt: Der Arbeiter Paul Janson, welcher kurze Zeit als Boden- arbeiter in dem Speditionsgeschäft von Bergemann u. Co., Chaussee- straße 57(Inhaber Herr Rißmann), beschäftigt war, sollte am betreffenden Tage mit eiarm Kutscher, welcher von dem Güterboden Farbe aufgeladen hatte, mitfahren, um dem- selben beim Abladen der Fässer behilflich zu sein. Be- dauerlicherweise fehlte an dem Wagen ein Trittbrett zum Aufsteigen, so daß Janson von der Seite aufsteigen mußte. In demselben Augenblick rückten die Pferde an und Janson, wclcher�sich an ein ausrechlslehendeS Faß festhielt, fiel zu Boden und das Faß auf ihn. Mit dem linken Bein kam derselbe vor daS Rad zu liegen, welches ihm das Fleisch buchstäblich vom Knochen löste. Janson hatte noch die Geistesgegenwart, sich den Stiefel selbst vom verletzten Fuß zu ziehen. Wie leider in vielen solchen Fällen war auch hier kein Verbandzeug vorhanden, so daß erst Handtücher her- beigeholt werden mußten, um das Blut zu stillen. Der Verletzte soll nach Aussagen von Zeugen ea.'/3 Stunde gelegen haben, bevor derselbe mit dem Kutschwagen fortgeschafft wurde. ES besteht die Meinung, daß der Verletzte hätte gerettet werden können, wenn in dem Betriebe Verbandzeug vorhanden gewesen und für eine schnellere Fortschaffung des Verletzten gesorgt worden wäre. Nachdem dieser schwere Unfall gescheben ist, ist ein Verband- kästen in Große einer Zigarrenkiste nebst Verbandzeug angcschaß't worden. In vielen Fuhr- und Speditionsbeirieöen fehlen leider noch an den Wagen die TriubreUer zum Aufsteigen. Dieser Unfall sollte Anlaß sein, an allen Wagen Trittbretter anbringen zu lassen. Sandsacklöhne. Wir veröffentlichten in Nr. 246 eine Bekanntmachung des Magistrats von Charlottenburg, die darauf hinwies, daß die Heeres- verWallung bei Aufträgen zur Anfertigung von Sandsäcken die Unternehmer verpflichtet, den Heimarbeiterinnen einen Lohn von mindestens fünf Pfennig pro Stück zu zahlen und ihnen das Nähgarn umsonst zu liefern. Unter Bezugnahme hierauf wird uns jetzt mitgeteilt, daß arbeit- suchenden Sandsacknäherinnen in Neukölln bei einem Zwischen- Unternehmer Wunsch lSteinmetzstraße 41/42) in der vorigen Woche nur 4 M. für 100 Stück, also 4 Pf. pro Stück, geboten wurden, wobei sie auch noch das Garn aus eigener Tasche bezahlen sollten. Zugleich wird darüber geklagt, daß bei diesem Zwischenunternehmer an dem betreffenden Tage, weil„kein Stoff da war", viele Arbeit- suchende zunächst ohne Arbeit weggeschickt und für den folgenden Tag nochmals hinbestellt wurden. Am Tage vorher hatte er durch „Morgenpost"-Annonce„100 Sandsacknäherinnen" verlangt und zur Meldung aufgefordert, doch war aus der Annonce nicht zu ersehen, daß er nicht sogleich Arbeit mitgeben konnte. Mit dem Lohnangebot von nur 4 Pf. pro Sandsack steht dieser Meister keineswegs„unerreicht" da. In der Bekanntmachung des Charlottenburger Magistrats wurde erwähnt, daß einzelne Unter- nehmer nur lU/z Pf. zahlten, aber selbst das ist noch nicht der „Gipfel". Etwa Ende Juli, als im„Vorwärts" längst auf die Un- gleichheit der in der Sandsacknäherei gezahlten Löhne mehrfach hingewiesen und Proben davon mitgeteilt worden waren, ließ in Berlin eine Kriegerfrau sich bei einem Zwischenunternebmer Henseleit (Soldiner Straße 65) noch mit 1,70 M. für 100 Säcke abspeisen. Sie war zu ihm gegangen infolge einer„Morgenpost"- Annonce, durch die er hundert Sandsacknäherinnen suchte. Die Sandsäcke, die sie zu nähen bekam, waren von der üblichen Art. Bügel brauchte die Arbeiterin nicht anzufertigen und für Befestigung von Schnüren sollte sie noch 10 Pf. pro 100 Stück erhalten, doch übernahm sie nur die Näharbeit. Nach Anfertigung von 150 Säcken halte sie diese Arbeil satt, weil ihr ein derartiger Lohn denn doch zu gering schien. Von den 2,55 Mark, die ihr für die 150 Säcke zu zahlen waren, mußte sie auch noch das Garn kaufen. Da sie ein teures Garn zu 50 Pf. pro Rolle nahm und drei Rollen davon verbrauchte, so gingen hierfür 1,50 Mark drauf. Es blieb ihr mithin für 150 Säcke nicht mehr als 1,05 Mark! Mau möchte alles das für gar nicht glaubhaft halten, weil eine so niedrige Entlohnung geradezu un- möglich scheint, aber die Frau versichert uns aufs bestimmteste, daß ihre Angaben der Wahrheit entsprechen. Sie hat uns leider erst lange nachher gemeldet, wie wenig ihr damals bei Henseleit gezahlt wurde. Selbstverständlich sollen auch Zwischenunternehmer den Nähe- rinnen nicht unter 3 Pf. pro Sandsack zahlen. Beschwerden über zu geringen Lohn für Näharbeiten nimmt unter anderen der V e r- Bjand der Schneider und Schneiderinnen entgegen. Sein Bureau befindet sich Sebastianstr. 37/38, Ouergebäude, linker Eingang, 3 Treppen. Sprechstunden find 9—1 Uhr. Ein falscher Fcldgrancr, der zuletzt in Schöueberg Kindern und Burschen Fahrräder abschwindelte, hat jetzt seine Tätig- keil nach der Friedrichstadt verlegt. Gestern trat er in der Friedrichstraße und deren Neben- und Querstraßen auf, ohne daß es gelang, seiner habhaft zu werden. Ein gefährlicher Kinderfmmd ist am Wedding aufgetreten. Ein junger Mann in Dienerkleidung lockte dort ein sieben Jahre altes Mädchen an sich, verschleppte es unter Borspiegelnngen und Ver- sprechungen nach dem Hause Fennstr. 31 und verging sich dann an ihm. Der falsche Kiuderfrcund hat einen kleinen blonden Schnurr- bart und trug zu seinem braunen Dieneranzug gelbe Gamaschen. Die gelben 51nöpfe seines Anzuges trugen einen Namcnszug. Nach dieser Beschreibung wird es wohl bald gelingen, den Burschen un- schädlich zu machen. Einen Abschicdsbricf mit feinem eigenen Blute schrieb der in der Jüdenstraße 48 �wohnende 40 Jahre alte Sattler Theodor I o n a s s o n auS Schweden, der gestern nachmittag von seinen Wirtsleuten tot am Bcttpfoften hängend aufgefuirden wurde. Neben der Leiche lagen ein Dolch und ein Rasiermesser, die beide mit Blut besudelt waren. Tie Kriminalpolizei stellte fest, daß sich der Mann entkleidet, mit beiden Messern in Unterleib, Brust und Arme nrehrere tiefe Schnitte und Stiche beigebracht, dann wieder angekleidet, �mit seinem eigenen Blut einen Abschiedsbricf an seine Frau in Schweden geschrieben und sich endlich am Bettpfosten erhängt hatte. Wahrscheinlich hat der Mann in einem Anfall von religiösem Wahnsinn Hand an sich gelegt. Die Leiche wurde bc- schlagnahmt und abends nach dem Schaubause gebracht. Kurse für Arbcitcrsamaritcr werden Ende September beginnen und zwar in folgenden Lokalen: am 20. September: Köpenicker Straße 62. Vcreinshaus; am 23. September: Charlottenburg, Bis- marckstr. 33 im Restaurant: am 24. September: Schölteberg. Vor- bergstr. 11, Restaurant: am 27. September: Swinemünder Str. 42 un Gesellschastshaus; am 1. Oktober: Neukölln. Weichselstr. 8. Ideal- Passage fRestaurants: am 4. Oktober: Lichtenberg, Scharnweber- straße 60, Restaurant. Das Nähere wird dort bekanntgemacht. Die Gebübr für den Kursus beträgt 2,50 M. und ist spätestens in der ersten Unterrichts- stunde zu eiilrichlen. Kleine Nachrichten. Auf der Monumcntenbrücke überfahren und getötet wurde gestern nachmittag ein Knabe von etwa vier Jahren. Er starb auf dem Wege nach der nächsten Unfallstation. Die Leiche wurde nach dem Schöneberger Schauhaus in der Eythstraße gc- bracht. Ter Verunglückte trug einen blanweißen Malrosenanzug, schwarze Strümpfe und gelbe Schuhe. Er hat dunkles Haar.— Durch Gas haben gestern nicht weniger als vier Personen ihrem Leben ein Ende zu machen versucht. Alle erreichten ihr Ziel.— Erhängt hat sich der 66 Jahre alle Zigarrenmacher Ferdinand Albrechl in feiner Wohnung in der Kuglcrstr. 7 am Türpfosten der Slube. Der Mann zeigte schon länger Spuren von Lebensüberdruß. _ Den Tod im Wasser suchte und fand eine unbekannte Frau, deren Leiche am Tiergartenufer in der Nähe der Tampferanlage aus dem Landwehrkanal gelandet wurde. Die Unbekannte ist etwa 35—40 Jahre alt, mittelgroß, schlank und hager und trug eine schwarze Bluse, Rock. Schürze, Strümpfe und Halb- schuhe.— Von der Gotzkowskhbrück- sprang gestern ein un- belanuter Mann in die Spree. Seine Leiche ist noch nicht gefunden. Der Mann der etwa 50—55 Jahre alt sein inochle und mittelgroß ist, hat graues Haar und Schnurrbarl und trug cm graues Jackett, eine graue Manchesterhose, schwarze Stiefel und eine schwarze Schirm- mutze.— Die juocndliche Selbstmörderin, die vor einigen Tagen nachts an der Freiarchenbrücke in den Landwehrkanal, prang. ist jetzt gelandet und als ein Dienstmädchen Alma Mix erkannt. Was sie in den Tod getrieben hat. weiß man nicht.— Festgestellt wurde letzt auch die Persönlichkeit der Ertrunkenen, die gestern am Gartcnuier aus dem Landwehrkanal gelandet wurde. Es ist ein 13 Jahre altes Lehrmädchen Charlotte Rybicky aus Schöueberg, da« jeit dem vergangenen Mittwoch vermißt wurde. Auch hier ist der Beweggrund zum Selbstmord unbekannt, cbcn,o bei dem vl, Jahre alten Weißgerbcr Friedrich Ehner aus der Prinzennuee oer in der Panke lot aufgesundeir wurde.— Hilflos gestorben ril der lungenkranke 36 Jahre alle Arbeiter Jobann Motze! ouZ der"Jcker�r. 10, Vor acht Tagen Ijrach er infolge jeino» kranken Zustandes auf der Straße zusammen und wurde nach seiner Wohnung gebracht. Die Ueberführung in ein Krankenhaus lehnte er ab. Nachdem man in den letzten Tagen nichts mehr von ihm gehört hatte, wurde am Montag die Wohnung geöffnet. M. wurde tu stark verwestem Zustande auf dem Fußboden liegend aufgefunden. Bus öen Gemeinöen. Stadtverordnetensitzung in Schöneberg. Die Versammlung am Montag nahm zunächst Kenntnis von einem Kommissionsbeschluß, wonach den städtischen Arbeitern die vom September 1914 bis Februar 1915 geleisteten Ueberstunden nachträglich bezahlt werden sollen. Die Standinhaber, die auf den Wochenmärkten das Publikum überteuern, sollen von den Märkten verwiesen werden.— Die Dienstzeit der Stadträte Schüler, Kob. Fincke, Dr. Kriege!, Jacobs und Molkenbuhr läuft am 31. März 1916 ab. Die notwendigen Ergänzungswahlen sollen von dem zustän- digen Ausschuß vorbereitet werden. Stadtrat Fleischauer hat mit- geteilt, daß er fein Amt niedergelegt habe. Bon den Erben deS verstorbenen Millionärs Mette wird beabsichtigt, eine„Gustav-Mette- Stiftung" zu gründen. Bei Verkäufen der den Erben gehörenden Grundstücke sollen nach Abzug der entstehenden Kosten 10 Proz. des Ertrages der Stiftung überwiesen werden.— Die Versammlung beschloß ferner, eine Gustav-Koch-Sliftung in Höhe von 30 000 M. an- zunehmen. Die Zinsen davon sollen für im Dienst Verunglückte und deren Angehörige verwendet werden.— Beschloffen wurde weiter, den während des Krieges geborenen Kindern, deren Väter nach der Geburt an einer Kriegsverletzung ge- ftorben sind, ein Sparkassenbuch über 10 M. auszuhändigen mit der Bedingung, diesen Betrag erst nach Vollendung des 20. Lebensjahres abzuheben. Bei den Nachbewilligungen von Mietsunterstützungen wünschte ein bürgerlicher Stadtverordneter die Gewährung eines höheren Prozentzuschlages, da die Hausbesitzer überlastet seien. Vom Ge- nassen K ü t e r wurde verlangt, die Hausbesitzer, die keine Miets- ausfälle hätten, stärker zur Steuer heranzuziehen und durch ein Um- lageverfahren die größeren Mietsverluste zu decken. Von einem anderen bürgerlichen Vertreter wurde die Vorschlag bekämpft, da- gegen vom Genossen Bernstein befürwortet. Der Antrag wurde daraus einem Ausschüsse überwiesen. Auskunftsstelle fiir Angcstelltenversicherung in Schöneberg. Der Ortsausschuß Schöneberg der Vertrauensmänner für die Ängestelllenversicherung hat eine Geschäftsstelle in den Räumen des Bureaus für Sozialpolitik Berlin W 30, Nollendorsstraße 29/30, errichtet. Schriftliche Anfragen, die sich auf die Angestellten- Versicherung im Bezirk Schöneberg beziehen, werden jederzeit von dort erledigt. Für mündliche Anfragen ist eine Sprechstunde ein- gerichtet Dienstag und Freitag von 12—2 Uhr. Kinderveranstaltunge», in Neukölln. Mittwoch. Spielpartie nach dem Turnplatz der Freien Turnerschaft. Treffpunkt 2 Uhr an der Wildcnbruchbrücke(Elsenstraße). Donnerstag. Ausflug nach der Königsheide. Treffpunkt l'/z Uhr am Richardplatz. Mundvorrat ist mitzubringen. " Sonntag. Ausflug nach Karolinenhof. Treffpunkt früh 9 Uhr am Ringbahnhof Neukölln. Kinder über 10 Jahr müssen 50 Pf., unter 10 Jahr 30 Pf. und gemahlenen Kaffe und Mundvorrat mitbringen._ Genleindewahl in Lankwitz. Am 10. September ist in der dritten Wählerklasse an Stelle des ausgeschiedenen Gemeindeverordneten Bartelt der Postsekretär Streibing mit 86 Stimmen ohne Gegenkandidaten für die Zeit bis zum März 1918 gewählt worden._ Verlustlisten. Die Verlustliste Nr. 327 der preußischen Armee enthält Verluste folgender Truppen: Infanterie usw.: Garde: 5. Garde-Rcgiment z. F.; 2. Garde- Reserve-Regiment; Garde-Grenadicr-Regiment Franz; Garde- Jäger-Bataillon. Lehr-Jnfanterie-Regiment. Grenadier-, bzw. Infanterie-, bzw. Füsilier-Regimenter Nr. 1(f. auch Res.-Jnf.- Regt. Nr. 1), 2. 3, 4, 6, ll. 12. 16, 18, 21, 22, 23, 26, 29. 33, 34, 37, 43, 51. 53, 54, 56, 58, 60, 62, 63, 64(s. Res.-Jnf.-Regt. Nr. 230), 65, 66, 67, 60, 70. 73(,'. Res.-Jnf.-Rsgt. Nr. 230), 74, 77, 80, 82, 85, 89(f. Res.-Jnf.-Regt. Nr. 84), 91, 95. 07(f. Jnf.-Regt. Nr. 60), III, 112, 113, 114, 117, 129, 135, 137(f. auch Jnf.-Regt. Nr. 60), 143, 151, 153, 154, 157(s. Res.-Jnf.-Regt. Nr. 230). 160. 166, 170. 171, 175, 176, 188, 189, 331, 344, 352, 357 bis einschl. 362, 364, 368, 369, 370, 371, 374 und Regiment v. Ouitzow. Reserve-Jnfanterie-Regi- menter Nr. 1, 3, 5, 17, 18. 21. 22. 25. 27. 46, 56. 59. 61. 64, 66, 60. 71, 77, 80, 84, 91, 99, 203, 207, 209, 212, 216, 219. 221, 223, 225, 280, 252, 257, 259, 260, 262. Ersatz-Jnfauterie-Regimenter Nr. 28 und Königsberg Nr. 3. Reserve-Ersatz-Jnfanterie-Regiment Nr. 1. Landwehr-Jnfanterie-Regimeiiter Nr. 2, 4, 9, 18, 24, 25, 31, 34, 49, 52, 56, 84, 116, 349. Landwehr-Eosatz-Jnfanterie-Regi- ment Nr. 4(f. Landw.-Jnf.-Regt. Nr. 349). Landslurm-Jnfanterie- Regimenter Nr. 7 und 109. Brigade-Ersatz-Bataillone: Nr. 32 (s. Jnf.-Regt. Nr. 364), 40(s. Jnf.-Regt. Nr. 368), 50(f. Jnf.-Regt. Nr. 358) und Nr. 55. Landsturm-Jnfanteric-Bataillone: I Allen- stein, I Cüstrin, Dessau, I Hagenau, Lennep, Limburg, II Osterode, Torgau. Wehlau. Landsturm-Jnfanterie-Ersatz-Bataillone: I Me- schede, Schwedt a. O., 7. des 7. Armeekorps. Jüger-Bawillone Nr. 3 die Irren- anstatt am Schlaganfall gestorben. Ter Besu» in lebhafter Tätigkeit. Wie„Secolo" meldet, eni- wickelt der Vesuv in den letzten Tagen eine lebhafte Tätigkeit. Dem Krater entsteigen hohe weiße Rauchsäulen. Tie Ausbrüche erfolgen unter Aschenauswurf. Seit Montagabend 10 Ilbr ist am Haupt- krater ein Lavaerguß zu beobachten. Parteiveranftaltungen. Eharlottenburg. Mittwoch, den 15. September: Persammlung der Jugendscktion im Jugendheim, tllosineiiftv 4, vorn I. Neukölln. Heute abend b1;, Uhr, im Jugendheim, Fuldastr. 55/56: Periamnilung der Jugendscltion. Pottrag des Genossen Klüß über: Natur- erkenntniS. Nöntgontal, Buch, Zepernick. Donnerstag, den 16. Septeniber 1515. 8'/z Uhr. findet im Lokal von August Lange der Zahlabend statt. Zahl. reiches Erscheinen ist wegen der wichtigen Tagesordnung notwendig. Wetteraussichtcn für daS mittlere Nvrddeutschlniid Iiis Tonnerstagmittag. Zeitweise heiter, aber sehr veränderlich und im Süden meist leichte, im Norden vielsach etwas stärkere Negensällc. Temperaturen durchschnittlich wenig verändert. Eingegangene Druckschristen. Ter Büille siegt. Ein Beitrag zur KttcgSk>üPpclsür''orac. Von H. Würtz. 136 S. O. Elsner, Berlin S 42.' � Das stille Leuchten. Roman von P. Erabein. Geb. 1 R. Verlag Tie reutavie Ziegenzucht. Bon Elisabeth SIrieS. 80 Pf.— Die rentable Nubgeslugelzucht. Von Elisabeth Aries.!,20 M.— Staats- bürger-Bibliothek Heft 57: Jungwehranleitung. Von P. I. Busch. 40 Ps. Volksvereinsverlaz, M.-Gladbach. Dokumente zum Weltkrieg 1944. Herausgegeben von Ed. Bern- st ein. Hest 10: Daö Grünbuch Jtalieus 1. Teil vom 9. Dezember 1914 bis 4. März 1915. 50 Ps. Buchhandlung.Vorwärts", Berlin SW. 68, Lindenstr. 3. Die Tat. Sozial-religiöse Monatsschrijt für deutsche Kultur. Heft 6. Viertels. 3 M. E. Diederichs, Jena. Die nationale Einheitsschule. Von W. Rein. 60 Ps. A. W. Zick- fcldt, Osterwieck-Harz. Merkblätter bcs Weltkrieges, llcbcrsicht über die Entwiälung des Krieges. Bearbeitet von Haupim. I. H. Sandow. 90 Ps. Boll& Pickardt, Berlin NW 6. Ter Deutsche Krieg. Heft 61: Die Schweiz im Weltkrieg. Von I. Schaffner.— Hest 62 Ter Krieg und die deutsche Musik. Von Dr. F. Bachmann. Einzelhejt 50 Ps. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart. Sriefkaften öer Reüaktwn. Die iuristische Sprechstunde findet für Abonnenten Lmdenftr. 8, TV. Hof rechts, parterre, am Montag bis Freitag von 4 bis 7 klär, am Sonnabend von 5 bis 6 Uhr statt. Jeder für den Briefkasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine Abonnementsguitmng beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Berträge, Cchriststuckc und dergleichen bringe man in die Eprcchstnnde mit. Weh,-KZ. Lungenkrank; landsturmpflichtig.— I. G. 3. Wenn Tie damals keinen Bescheid von der Militärbehörde erhalten haben, brauchen Sie sich nicht zu melden.— H. H. 20. Nach der am 10. Septernber er- solgtcn Bekanntmachung müssen sich auch die gedienten Mannschaften, und zwar beim Bezirkskommando oder Bezirksfeldwebel melden.— E. A. Eberswalder Str. 29. Lungenkrank; dienstuntauglich.— Infanterist 1800. 1. Ja. 2. An die Armcnkommission.— 2l.;>k. 19. Sie müssen sich melden.— Herta 11. Ja.— Löwe 28. Altersrente wird vom 70. Lebensjahre gezahlt.— P. N. 17. 1. Wir empfehle» Ihne», durch Vermittlung des Buchdruckerverbandes eine Beschwerde beim Tarisamt der Buchdrucker einzulegen. 2. Ja, entsprechend dem Lohnsatz.— Ober- lausist 50. Da die Schwester Verdienst hat, wird die in dem Gesetz vor- geschriebene Bedürftigkeit verneint werden. Beschwerde wäre eventl. beim Landrat einzureichen.— O. M. 965. 1. und 2. Ja. 3. Nein. — K. M. Jena. Sie müssen sich jetzt melden.— B. 20. Sie können die für diesen Zweck deponierten Gelder nicht pfänden lassen.— K. I. 2126. 1. Sie haben keinen klagbaren Anspruch aus die Verbandsunler- stützung. Die Verbände waren mit Ausbruch des Krieges gezwungen, ihre Unterstützungssätze herabzusetzen. 2. Versuchen Sie erst, von der Herrschast ein anderes Zeugnis zu erlangen; andernfalls müssen Sie sich"an das Polizeirevier wenden.— Portier 20. Sie müssen die Verpflichtungen aus dem Portiervertrag weiter erfüllen, ebenso ist der Hauswirt zu den gleichen Leistungen Ihnen gegenüber verpflichtet; evenwell müßten Sie vor dem Amtsgericht klagen.— F. M. 100. Nach den Gnadenerlassen des Kaisers ist das jetzt möglich.— S. M. 6. Sie müssen sich auf dem Polizeirevier melden.— H. H. 74. und 200. B. P. Sie müssen sich beim Bezirkskommando oder Bezirksfcldwebel melden. frclreligföfe Gemeinde Jugendweihe unserer Kinder. Am Sonntag;, ülen 19. September u. am Sonntag:, den 26. September, vorm. 10 Uhr im Berliner Stadthaus, Eingang JüdenslraBe(an der Straulauerstr.). Am 19. September Festrede Herr W. JSanasse: Des Volkes Jugend zu Licht und Freiheit.—• Am 26. September Festrede Herr Dr. B. Wille: Die Ernte wie die Saat.— Auf beiden Jugendweihen: Harmonium, Violine, Cello. Mitwirkung des Kinderchores. Fintrittspreis 29 Pf.. Kinder 1« Pf. 53/3 Jeden Sonntag vorm. 11 Uhr. Kleine Frantfnrter Straße 6: Vortrag. SozialiieniokralischerWalilveFEin iL 1 g. Berl. Reiclistagswatükreis. 20. Abt. Bez. 794. Am Sonntag, den 5. September, ! oerstarb unsere Genossin, die Berkäuserin iMouedenUimMick Prinz-Eugen-Straße 1. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute I Mittwoch, den 15. September, Meerane(in Sachsen) statt. ! 227/15 Der Vorstand. SozialileniokratisclierWalilvErein Kreis Kieiierharniin. Bezirk Wcißcnsee. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Schankwirt Otto Lcfiimdt (Bezirk I) am 13. d. Alts, verstorben ist. Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung findet Donners- tag, den 16. d. Mts., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde- Friedhofes, Rölcke- straße, aus statt. 18/15 Ter Vorstand. Verbanil[i.GEniEinilE-u.Slaalsarlj. Filiale 6! roß Berlin. Den Mitgliedern geben wir hiermit Nachricht vom Tode des Kollegen Kurl Stock von der Parkvcrwaltung, Revier 5. Ehre seinem Andenken! Beerdigung heute Mittwoch, den 15. Septbr., nachmittags Uhr, von der Leichenballe der Thomas- gemeinde, Neukölln, Hermann- straße, aus. Um rege Beteiligung bei der Be- stattung des Kollegen ersucht 35/12 Die Ortsverwaltung. Männerchor„LereliE-Eiiiigkeit" (Hutmacher). (Mitgl. d. D. Arb.-Sängerb.) Am 29. August fiel als Opfer des Weltkrieges durch Herzschuß unser treuer Sangesbruder Otts» Ehre seinem Andenken! 60/5 0er Vorstand. Am 13. d. M. verschied nach I langem, schwerem, mit Geduld f ertragenen Leiden mein innigst- ! geliebter Mann, unser treu« > sorgender Vater, Schwiegervater, I Großvater, Bruder, Schwager und Onkel : Oifto Schmidt j im Alter von 54 Jahren. Im Namen aller Hinter- i blieben en Klara Schmidt geb. Hübler nebst Kindern. Di« Beerdigung findet am l Donnerstag, den 16. September, � nachmittags 4 Uhr, von der ! Leichenhalle des Weißenseer ! Friedhoses, Rölckestraße, aus statt. L9A Als Opfer des Weltkrieges fiel j unser lieber Sohn 95A Paul 0\io 1 im blühenden Alter von vierund- j dreißig Jahren. Dies zeigt tiesbetrübt an Familie Emil Otto. Zentralverbantl der ZinunerEF DentseMands. Zahlstelle Berlin und Umgegend, Bezirk 10. Nachruf. Den Berussgenosscn zur Nach- richt, daß unser langjähriges Mitglied üermsun SeMw am Sonnabend, den 11. Sep- tcmber 1915, verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung hat am Diens- tag, den 14. September 1915, aus dem Kirchhose der Süd- West- Gemeinde in Stahnsdorf statt- gesunden. 254/15 Der Vorstand. Nach langem, sehr schwerem Leiden, starb am 11. September im besten Alter von 34 Jahren mein lieber Mann und guter Vater, der Maurer 233/5 Otto Sachtleben. Im tiefsten Schmerz Frau Luise Sackitlebeu und Söhnchen Vlalter Rhemsberger Straße 40. Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 16. September, nachmittags 4>/, Uhr, von der Halle des Zions-Kirchhoeses, Nordend, auS statt. Als Opfer des Krieges starb am 27. August unser Genosse, der Gürtler b5A ps&d Biank Lübbener Str. 22. Ehre seinem Andenken! Die Genossen des Bez. 196, 11! b.4. Kreises. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem Freien Gastwirisverein und Wahl- verein meinen herzlichsten Dank. .Auxustc Buchwald geb. Kühn.__ 27A Am 7. Juli starb durch Schrap- nellschuß mein lieber Mann, unser guter Sohn. Schwiegersohn, Bruder und Schwager Lrick Zesch (geboren 15. September 1886). Im Namen der trauernden Hinterbliebenen ssrab Emilie Zesch geb. RoiB Gleimslraße 21. 2411b Ruhe sanft in fremder Erde! Danksagung. Sage hiernrit allen Freunden und Bekannten, sowie allen Beteiligten bei der Beerdigung meines lieben Mannes meinen herzlichsten Dank. Die trauernde Wirme Auguste Heinke und Kinder. t/r» -fäilUdbdlr cJtiw Xü' Münzen Frack-, Smoking-, Qehrock-Verleih-Institut S. Berg Nachf, Borchardt, Friedriclistr. 115 Soanteg 8—10 geöffnet. ' s I no elv halten, ist AuBwabien saen ausserhalb gegen 8 APBahlnog ohne Kanfzwang. Ol» möglWa ist, die bDBgen Preise ISnger zu bis Somvabend Modell-Kostüme, einzelne Aufführungen au« Samt, Kammgarn, Tuch, in lila, tob.-weinrot, blau, statt bis 185.— für 7 3« £infaclie, cedlceenc Kostttmc. im regelrechten Verkauf bis 100.—, zu zwei Preisen:<43.— Ä3o— Stta-SeidenjiiinraiBläntil statt bis 6a—,,, SC»,-" Lodenkostüme statt bis 46.—,. lör 27�2 Starke tngoreB linden in allen Abfceilnneen Passende«. Entzückende GummlnillMel blau, tob, srän Ka*ir.- i-arn, f elnil.Ciummierang statt 79.— 53.— 3a— 39.— 27.- 20.- Modell- Röcke schwarz u. farbig, ttfi statt bis 40.—*»6#. Iraglido. Noch gebe!