Ur. 236.-3Ä. Jahrg. Rbonnctncnts-Btilngungfu: Bbonr,cmentö• Brei- trftmtmenmk«! Tierleljährl. 3;!0 Mk, monalL 140 TOI, wöchenilich 25 Big. frei in« Hau». Einzelne Nummer S Big. Sonntag»- Nummer mit illuftri erler Sonntag»- Beiloge.Tie Neue Kell' 10 Soft- ?Lbonncmcm: 1.10 Marl Uro Monat. Eingetragen in die Soft- Zeitung«- Trei-iiite. Unter Kreuzdan» iür Tsuiichland»n> Oesterreich- Ungarn L.S? Mar!, iür da- übrige Nu-Ian» t Marl vro Monat. Soflabonnement» nebmen an: Belgien, Dänemar!, Holland. Italien, Luxemburg. Porluagi, Rumänien, Schweden und die SchM» Mchestit ttgNch. * 4 Verliner VolksblstK. s pksnnis) VIe MtMonz-eedgiir vetrligt für die fechsaelbalteuc Kolonel. geile oder deren.kaum 00 Pfg.. für politische und geivcrlschaftlichc Verein-, und Werfammlunga-Anzeigen M Pig. �Uteine Anrcig-U". da- scttgedrullic Wort 20 Pfg. l zulässig L setigedruckic Worte), jedes weitere Wort 10 P-'g Stellengesuche und Schlasstcllcnan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., ,edeS wertere Borr Pfg. Worte über lö Buch. § rbcn zählen für zwei Worte. Inserate r die nächste iltuuuncr müssen bio Uhr nachmittags in der Crpedition libgegebcn werden. Tie Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffneu Telegramm, Udresfe: „Ssiizlilewsliizl Neillii". Zentralorgan der fozialdcmoltratifcben partei Dcutfcblands. Neüaktion: SW. öS, Linöenstraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzpl«ft, Nr. 131 SO— 131 97. Donnerstag, den 16. September 1915. Expeüition: SV. 68, Linöenstraße Z. Fernsprecher: Zlmr Moristplati, Nr. 13199—13197. der ruPjvar, sich jedes, auch des grausamsten Mittels zur Verteidigung zu be dienen, wie der Gistbomben und brennenden Flüssigkeiten. Auf dem Karst warf der Feind in der Nacht vom 1l. zum 12. September auf unsere Linien eine große Anzahl von Bontbcn und andere Explosivstoffe. Das schnelle Eingreifen unserer Artillerie brachte diese Beschießung zum Aufhören, die. da üe von keinem Angriffsversuch begleitet war, vollständig fruchtlos blieb. Die erste Kriegshanölung Italiens gegen öie Türkei. Rom, 15. September.(T. 11.) Der Ministerrat hat be- schlössen, als erste Knegshandlung gegen die Türkei die sffektilfd Vlöckade der gesamten asiatischen Küste vorzunehmen. Ein bereitliegendes italienisches Geschwader hat diesbezügliche Befehle erhalten. Tic Blockade ist bereits in Kraft getreten. Vom U'Sootkrieg. Morfeillc, 11. September.«W. T. B.) Meldung der Agence Hava». Ter erste Offizier und 10 Mann der Besatzung des auf der Höbe von Orau torpedierten Dampfer»„Pille de Mosta- g a n c in" sind gestern abend an Bord des Poftdampfers„Tue d'Aumale" in Marseille angekommen. Ter Kapitän A n t o n i er- zählte folgendes c Wir befanden uns am 8. September um ö Uhr abends etwa 80 Meilen von Oran, als plötzlich ein Ilnlcrseeboot ziemlich weit von der„Pille de Mostaganei»" auftauchte. ES setzte sofort die deutsche Kricgsslaggc und signalisierte uns. wir sollten unsere Flagge zeigen. Es befahl uns dann, sofort anzu- halten. Drei Kanonenschüsie folgten. Das letzte Geschoß traf den hinteren Lustschachr des Maschinenraumes. Die Granatfpliiter der- wundeten drei Mann der Besatzung. Das Unterseeboot signalisierte daraus, Rettungsboote zu Wasser zu lassen und darin Platz zu nehmen, denn man werde den Dampfer versenken. Pier Sibaluvven nahmen 38 Mann der Besatzung ausi Das Ilmerscebool näherte sich darauf der„Pille de Moslaganein" und gab vier Kanonenschüsse von Steuerbord und zwei von Back- bord. Das Unterseeboot blieb eine Viertelstunde an der Stelle und entfernte sich, als es das Schisi ber'chivüiden sah, an der Oberfläche fahrend gegen Osten. Verluste öer französischen tzanöelsftotte. Lyon, 11. September. l'W. T. B.i Die„Tspsche" meldet aus Paris: Es sind bisher infolge der Kriegsercigniffe 29 französische Schisse verloren gegangen, davon sind 13 Segelschiffe, 13 Dampfer und 3 Fischerboote. Die Wasserverdrängung dieser Schiffe beträgt insgesamt 68 977 Tonnen. Noch keine Entscheidung über den „�rabic�-Zall. New Aork, 15. September.var. Diese Zahlen, welche sich auf alle der Gewerkschaftskommission angeschlossenen Organisationen beziehen, sind folgende: Mitgliederzahl am 1. Juli 1914... 263 255 Eingezogsu bis 1. Juli 1915.... 199 971 Danach müßten verbleiben... � 175 284 Es waren vorhanden am 1. Juli ISIS. 173 263 Also Rückgang ohne die Eingezogenen 2 021 Hieraus ergibt sich: Wenn man von der durch Ein- berufung zum Heeresdienst verursachten Minderung der Mit- aliederzahl absieht, ist der tatsächliche Verlust an Mitgliedern so gering, daß er gar nicht in Betracht konimt. Man kann also sagen: Die Zahl der Mitglieder, so weit sie nicht helzrespftichtig sind, ist stabil geblieben. Dies Resultat ist um" so höher zu bewerten, als ja der Krieg manche fühlbaren Erschütterungen des Wirtschaftslebens mit sich gebracht hat und die Gewerkschaften während des Krieges fast gar keine Agitation betreiben konnten. Schon deshalb nicht, weil die Einberufungen zum Heere in die Reihen der ge- werkschaftlichen Funktionäre und Vertrauensmänner große Lücken gerissen haben, die teils gar nicht, teils nur mangel- baft ausgefüllt werden konnten. Wenn trotzdem eine Fahnenflucht aus den Gewerkschaften fast gar nicht stattgefunden hat, so ist das ein sicheres Zeichen von der inneren Festigkeit der Organisationen. Das Bild, welches sich aus den Gesamtzahlen ergibt, ist nicht dasselbe in den einzelnen Gewerkschaften. Ein Teil der- selben hat— immer abgesehen von den zum Kriegsdienst eingezogenen Mitgliedern— eine mehr oder minder be- trächtliche Vermehrung der Mitgliederzahl erfahren, während ein anderer Teil mit einer Mitgliederabnahme zu rechnen hat. Das ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, daß eine Verschiebung zwischen den einzelnen Organisationen stattgefunden hat. Abgenommen lhaben im allgemeinen die Gewerkschaften in den Berufen, die infolge des Krieges an Arbeitsmangel leiden, während die Organisationen derjenigen BerufSzweige, die durch Kriegsarbeit reichlich Beschäftigung haben, sich erheb- licher Mitgliederzunahmen erfreuen. Auch das Zahlenverhältnis zwischen weiblichen und männlichen Mitgliedern spielt bei der Zu- und Abnahme in den einzelnen Gewerkschaften insofern eine Rolle, als die Organisationen mit starker weiblicher Mitgliedschaft durch die Einberufungen weniger beeinflußt werden als die Gewerkschaften, die vorwiegend oder ausschließlich männliche Mitglieder haben. In der nachstehenden Tabelle haben wir alle GeWerk- schaften aufgeführt, welche am 1. Juli 1914 mehr als 1900 Mitglieder hatten. Nicht berücksichtigt sind dabei die übrigen 18 Gewerkschaften mit weniger als je 1000 Mitgliedern. Die Angaben in der letzten Rubrik unserer Tabelle sind so zu der- stehen: Wenn z. B. eine Gewerkschaft am 1. Juli 1914 1000 Mitglieder hatte und 400 eingezogen sind, dann müßten am 1. Juli 1915 noch 600 Mitglieder vorhanden sein. Sind nur 550 vorhanden, so ist das eine Abnahme von 50. Beträgt die tatsächliche Mitqliederzahl aber 650, so be- deutet das eine Zunahme von 56 Mitgliedern. So berechnet hat der Holzarbeiterverband absolut und verhältnismäßig den stärksten Verlust, der Metallarbeiterverband aber den größten Gewinn an Mitgliedern. Eine auffallende Ausnahme bildet der Verband der Fleischer, der noch 517 Mitglieder hat, ob- gleich mehr Mitglieder eingezogen sind, als er vor dem Kriege überhaupt hatte. Ihm ist also während des Krieges der der- hältnismäßig größte Mitgliedergewinn zugefallen. Mitglieder. zahl am 1. 7. 1914 Bäcker....... Bauarbeiter..... Brauereiarbeitcr... Buchbinder..... Buchdrucker..... Buchdruckcrei- Hilfsarbeit. Bureauangestellte... Fabrikarbeiter.... Fleischer...... Gärtner...... Gastwirtsgehilfen... Gemeindearbeiter... Handlungsgehilfen... Holzarbeiter..... Hutmacher...... Lithographen und Steindrucker..... Maler....... Maschinisten..... Metallarbeiter.... Sattler...... Schneider...... Schuhmacher..... Tabakarbeiter.... Tapeucrer..... Textilarbeiter.... Töpfer....... Transportarbeiter... Zimmerer...... Eingezogene bis 1. 7. 1915 Mitgliederzahl am 1. 7. 1916 Zu-(+)6e- ziehungs- weife Ab- nähme(—) 5 020 11885 5 033 8 085 12 367 3 380 2 703 8 754 1704 1706 4 777 9 619 8 757 27 690 1 106 3 526 4190 2 663 80183 3 651 9 903 2 863 1 399 1907 3120 1116 51 737 2 320 2 699 4 996 2148 1211 5 702 1627 779 3 027 1728 1211 2163 4 665 1189 7162 190 1139 1614 900 32 210 1356 2 944 601 66 632 502 445 22 855 1250 1629 5 968 2 915 4 918 7 008 3133 2180 4 883 517 424 1980 5 355 3 888 15 380 771 2 386 2 048 1650 57 262 5111 5 789 1942 1415 1145 1685 747 24 380 1463 692 920 30 1961 + 343 + 1380 + 206 — 844 + 541 — 71 644 401 1320 5148 145 + + + — 1 — 537 — 113 + 9 319 + 2 816 — 1220 — 320 -j- 82 — 130 — 988 + 76 — 4 564 + 893 Von den Orgauifationen, die vor dem Kriege weniger als 1000 Mitglieder hatten, haben verhältnismäßig starke Zunahmen erfahren, die Kupferschmiede(106), die Kürschner (269), die Lederarbeiter fGcrberj(160), die Steinsetzer(214). Deutsches Reich. Das Nachtbackverbot. Im Sitzungssaale der HauShaltskommisfion des Reichstags trat am Mittwoch die Konferenz zur Borberatung eines Gesetzentwurfs betr. das Verbot der Nachtarbeit in den Bäckereien zusammen. Neben den Verbänden der Bäcker und Konditoren war auch der Zentralverband deutscher Konsumvereine vertreten. Ueber die Be- seitigung der Nachtarbeit war man im ollgemeinen einig, nur die Brotfab riken, die auf ununterbrochenen Bettieb eingerichtet find machten gewisse Vorbehalte. Dagegen gingen die Meinungen aus- einander über den Beginn der Arbeitszeil am Morgen. Beschlüsse werden in der Konferenz nicht gefaßt. Die Debatten dienen nur zur Information der Regierungsvettreter. Bestrafter Koalittonszwang. Weil ein Arbeiter in einer sächsischen Fabrik sich weigerte. einem gelben Werkverein beizutreten, wurde er entlassen. Darauf erstattete der zuständige Vertreter des Deutscken Metallarbeiter- Verbandes gegen den in Frage kommenden Werkführer Strafanzeige wegen Nötigung nach Z 153 der Gewerbeordnung. Das Resultat war ein Tag Gefängnis für den Werlführer: eine Berufung des WcrkfübrsrS gegen VaS Urteil beim Landgerichte balie keinen Erfolg, das schöffengerichtliche Urteil wurde auch hier bestätigt. Sriefkaften üer Redaktion. Sie lurtstischi EpreSswnde linde! lic«Sonnenten Lindenftr. 3, IV. Hos rcchtS, parterre, am Montag bis Freitag von 4 bis 7 Uhr, am Sonnabend von 5 vi? S Uhr statt. Jeder für den?rieslasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Wertzeichen betzusügen. Brieiliche »ntwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine«SonnemsntZauitmrtg beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in»er Sprechstunde vor. Serirägc, Schriiistkckc und dcrglcichcn bringe man in vir Sprechsinnbe mit. Meudt. 1. Vielleicht könnten Sie v»m KriezSzeiangensn-Bitrea« de-ä Rusfischen Roten Kreuzes in Petersburg Auskunft erhalten. 2. Solango der Tod Ihres Ehemannes nicht festgestellt ist, könne» Sie auch keinen An» wag aus Witwenrente stellen.— 28. 20. Da Ihr« Einnahmequelle fetzt eine wesentlich andere geworden ist, können Sic nach dem jchigen Ein- lommen zur Steuer veranlagt werden.— Gasten 1889. Sie haben keinen Anspruch ans Lohn wahrend Ihrer Krankheit.— Ä». L. 22. 1. Wenn Sic nicht auS der Kirche ausgeschieden sind, muß die Kirchensteuer für Sie bezahlt werden, Beantragen Sie Stundung der Steuern. 2. Eine?c- schwerde ist aussichtslos.— C. 50. Sie müssen sich jetzt melden. Die Zeiche» bedeuten: lungenkranr, dienstlmtauglich— Bohnsdorf G. 15. Ja. — H. H. SO. Herzkrank; die Buchstaben bedeuten: Heer-Ordmmg.— Z. Nervenleiden; dienstuntauglich.— P. 28. 381. 1 Ja. 2. Bei dem Nersicherungiamt Berlin, Klosterftr. 67/68.— R. ft. 100. Allgemeine Körperschwäche; dienstunfähig.— M. R. 30. Sie müssen zunächst ein Einverständnis mit dem Wirt darüber erzielen, ob der Mictsverträg am 1. Oktober zur Auslösung kommen soll.— R.<2. 104. Diese Zeichen beziehen sich nicht auf die Krankheit, sie sind die Num»isr der VorstcllungS- liste.— E. D. 23. Krankheiten der Unterleibsorgane■, landsturmpstiaitig. — T. lt. Wenden iiie sich an den Regimentskommandeur.— St. 52. An Frau Kühler, Enzelufer 21 III.— A. F. 26.!. und 2. In Vots- dam Meldung beim BczirkSkommando, dort orfahren Sic alle« Nähere. 8. Wir nennen: Nachrichten über die Einstellung in Unterosfizierfchulen 16 Pf., desgleichen in Unterofstziervorfchulen 19 Pf. Zu beziehen durch die Buchhandlung Vorwärts, Berlin, Lindenstt. 3.— 991. 28. 176. Nein. — R.<1. B. K. 12. 1. Nein. 2. Ja. 3. Das Erziehungsrecht steht Ihnen ohne weiteres zu.— Teltnw 806. Der Abzug von der Kriegs- Unterstützung ist uns unverständlich. ES müßte zunächst festgestellt werden, warum dieser Abzug ersolat ist. StaatSeinkommenstcuer tonnen jetzt von Kriegsteilnehmern nicht erhoben werden.— K. K. 100. Wenden Sie sich — W. Kropsanlage.— Kottbu«. Sie müssen sich beim Polizeirevier melden.—<5. S. 27. Wen» Ihr Ehemann als Werkmeister angestellt war. hat«r Anspruch aus sechs Wochen GeHall.—« MR»« � � ", v«ickbaltis« «UM®« | hie sardevsbmfrage.- � Iv Gsnntags bleiben unsere Geschäfte geschlossen! Königstraße SS •rn Sahnhos«leximdnplcch CZausseefiraße 143 beim Stetttner Bahnhof Verantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw. Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer L-Co., Berlin LVV. Hierzu 1 Beilage u. Uuterhaltungsbl. Hr. 256. 32. Iahrgaug. DkilM Ks Jorrttls" Iftliitre DckslllsII. DoNttstag, 16. Zeptemder 1915. Teuerung und Kriegsunterstützung. Seit Beginn des Krieges ist der Lebensunterhalt immer teurer geworden. Erst langsamer, dann in beschleunigterem Tempo stiegen die Lebensmittelpreise. Mit Schrecken sahen die Hausfrauen, wie ihre verfügbaren Geldmittel immer mehr entwertet wurden, wie sie für die gleiche Summe immer weniger Waren erhielten. Die Verteuerung der Lebenshaltung seit Ausbruch des Krieges ist mit 100 Proz. eher zu niedrig, als zu hoch gegriffen, namentlich für Berlin und Vororte, wo nach vorliegender Statistik die Teuerung innerhalb Deutschlands den höchsten Grad erreicht hat. Der Statistiker Richard Calwer errechnet nach den Aufzeichnungen aus 195 deutschen Plätzen für Deutschland im Durchschnitt eine Steige- rung des wöchentlichen Nahrungsmittelaufwandes von 25,12 M. ,m Juli 1914 auf 37,36 M. im Juni 1915, also um 12,24 M. oder 49,7 Proz. Der Berechnung find zu Grunde gelegt die Kosten der Normalration des deutschen Marinesoldaten, verdreifacht für eine Familie mit zwei Kindern. Für Berlin und Vororte da gegen stieg der errechnete wöchentliche Aufwand in der selben Zeit von 24,75 M. auf 38,61 oder um 13,86 M. gleich 56 Proz. Berlin und Vororte stehen nach Calwers Berechnung mit der absoluten Preissteigerung innerhalb Deutschlands obenan, es folgen dann Schleswig-Holstein mit 13,54 M., Königreich Sachsen mit 13,34 M., Ostpreußen mit 13,23 M.; den Schluß bilden Bayern mit 9,84 M. und Hessen mit 9,31 M. Aber die Calwersche Statistik bringt die Lebensmittelteuerung nicht in ihrer vollen Wirkung zum Ausdruck. Seine Feststellungen beschränken sich auf eine Reihe be- ftimmter Waren und für fest begrenzte Mengen. Eine Verschiebung im Verbrauch der einzelnen Warengattungen kann das Resultat der Teuerung erheblich ungünstiger beeinflussen. Das geschieht dann, wenn die vorhandenen Mittel nur die bescheidenste Ernährung gestatten, die dazu notwendigen Nahrungsmittel aber weit mehr im Preise gestiegen find als andere, wenn sie auch an sich billiger sind. Und seit Juni sind die Preise weiter gestiegen. Eine weit größere Preissteigerung finden wir denn auch in den neueren Feststellungen der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend. Die Verkaufspreise für«ine Reihe von Lebens- Mitteln vom 1s. August 1915 sind den Preisen vom 15. August 1914 gegenübergestellt. Es handelt sich hier um Waren 52 verschiedener Sorten: Aufschnitt- und Fettwaren einschließlich Butter und Margarine, ferner Kakao, Kaffee, Salz, Mehl, Hülsenfrüchte, Nudeln, Grütze, Graupen, Reis usw. Die Preise sind berechnet für je 1 Pfund pro Warensorte. Am 15. August 1914 kosteten diese 52 Pfund der verschiedenen Warensorten 35,63 M., am 15. August 1915 dagegen 61,86 M. Die Steigerung beträgt hier 73,6 Proz. Größer noch ist die Steigerung nach der Zusammenstellung des Statistischem Amtes der Stadt Berlin. Hier sind die Preise festgestellt für 23 Warensorten: Wurst, Speck, Schmalz, Käse, Hülsenfrüchte, Graupen. Reis, Kartoffeln, Kakao. Von jeder Waren- forte 1 Pfund kostete die Gesamtmenge am 1. August 1914 12,70 M., dagegen am 1. August 1915 29,24 M. Die Steigerung beträgt hier 131 Proz. Brot und Fleisch sind in beiden Zusammenstellungen nicht enthalten. Die Preissteigerung für diese Lebensmittel bleibt hinter der allgemeinen Preissteigerung nicht zurück, wie wir gestern schon dargetan. So darf man die Lebensmittel« teuerung mit Recht auf über 100 Proz. berechnen. Wer also jetzt mit den gleichen Mitteln wie vor Ausbruch des Krieges haushalten muß, ist übel daran, wenn seine Mittel damals nur eine geringe Ernährung seiner Familie gestatteten... Die KriegSuntersiützung für die Kriegerfamilien wird immer unzulänglicher. Wo geringe Ersparnisse vorhanden waren, sind sie sicher im Laufe der Zeit schon aufgebraucht. Eine Anzahl Frauen ist leidend, Erwerbsarbeit ist ihnen ärztlich verboten, wenn sie nicht noch größeren Schaden an ihrer Gesundheit nehmen sollen. Andere haben einen bestimmten Beruf nicht erlernt und es ist ihnen nicht möglich, ihrer Körperkoustitution ent- sprechende Arbeit zu finden. Wieder andere find durch kleine Kinder an das HauS gefesselt und können auch Heimarbeit nicht finden, weil die eingearbeiteten Kräfte erklärlicherweise bevorzugt werden und soviel Kräfte nicht beschäftigt werden, als zur Ver- fügung stehen. Aber auch wo ein geringer Verdienst erzielt oder ein geringer Zuschuß vom Arbeitgeber deS einberufenen Ernährers gezahlt wird, find die Verhältniffe infolge der dauernd zunehmenden Teuerung unhaltbar geworden. Kleider und Schuhzeug sind auf- gebraucht, besonders dort, wo die Einberufung des Mannes sofort oder bald nach Ausbruch des Krieges erfolgte. Neuanschaffungen waren meistens nicht möglich, weil die vorhandenen Mittel kaum zum allernotdürftigsten Lebensunterhalt reichten. Wer hörte und sah, wie manche Frau sich und ihre Kinder durchbringen mußte, der begriff, wieviel Tapferkeit auch das stille Dulden bedeutet. War es aber noch im Sommer möglich, beispielsweise mit dem zerriffenen Schuhwerk auszukommen, so macht der Winter dem ein Ende. Und die Lederpreffe sind so hoch. Und der Winter erfordert auch neue Ausgaben für Heizungsmaterial. Der Reichstag hat nun in seiner Sitzung vom 26. August zu der Frage der Kriegsunterstützung Stellung genommen. Der Antrag der Kommission auf Erhöhung der Kriegsunterstützung wurde an- genommen und der Regierungsvertreter, Ministerialdirektor Dr. Le- wald, stellte eine Erhöhung der Mindestsätze in Aussicht. Im württembergischen Landtag hatte die Regierung erklärt, daß Würitem- berg im Bundesrat für eine Erhöhung der Kriegsunterstützung ein- treten werde. Der badische Minister des Innern hat die Erhöhung der Mindestunterstützung als Reichssache erklärt, fügte jedoch hinzu, es sei Sache der Lieferungsverbände, eine entsprechende Er- höhung eintreten zu lassen; solange diese ihre gesetzlichen Verpflichtungen zu erfüllen in der Lage seien, erkenne er das Bedürfnis für eine solche Erhöhung nicht an. Es darf nun erwartet werden, daß von Reichswegen bald etwa? in der Sache geschieht. In welchem Umfange müssen wir erst abwarten. Aber die R-ichsunterstützung wird wieder gleichmäßig sein und nicht die besonderen Fälle berücksichtigen, auf die wir hingewiesen haben. Hier muß der Lieferungsverband nachhelfen und sobald als möglich. Er braucht auch nicht so lange zu warten, bis die Reichsunter- stützung geregelt ist. Besondere Verhältnisse erfordern eine be- sondere Regelung, unbeschadet deffen, was allgemein geschieht. Und Eile ist erforderlich. politische Uebersicht. Gegen den Wucher mit eingeführtem Getreide. In letzter Zeit hat sich in einigen aus dem Auslande, besonders au» Rumänien, eingeführten Getreideorten eine wilde Spekulation entwickelt. Da für das aus dem Auslände bezogene Getreide die Bundesratsverordnungen über Höchstpreise, Ausmahlung und Mischung nicht galten, die Importeure und Zwischenhändler also an die Beachtung der kriegswirtschaftlichen Bestimmungen nicht gebunden waren, bot sich ihnen die Gelegenheit, durch spekulative Maßnahmen für feine, unvermischte Getreide- und Mehlsorten ungewöhnlich hohe Preise herauszuschlagen, nicht selten doppelt so hohe Preise, wie sie durch die bekannten Bundesratsverordnungen für die inländische Er- zeugung festgesetzt sind. Besonders ist der Preis für ausländischen Mais in den letzten Wochen enorm hochgetrieben worden. Vielfach wurde solcher Mais mit 600—650 M. pro Tonne bezahlt. Dieser Preistreiberei zu wehren, hat endlich der Bundesrat fol- gende Verordnung erlassen: K 1. Roggen, Weizen, Gerste, Hafer, Mais. Hülsenfrüchte, Roggen- und Weizenmehl, Roggen-, Weizen- und Gerstenkleie, allein oder in Mischungen auch mit anderen Erzeugnissen, die nach dem Inkrafttreten dieser Verordnung aus dem Ausland eingeführt werden, sind an die Zenrraleinkaufsgeselljchaft m. b. H. in Berlin zu lieiern. Für die Lieferung an die Zentraleinkaufsgesellschaft gelten die vom Reichskanzler festzusetzenden Bedingungen. Z 2. Als Ausland im Sinne der vorstehenden Bestimmung gilt nicht das besetzte Gebiet. § 3. Der Reichskanzler erläßt die erforderlichen Ausführungs- bestimmungen; er kann Ausnahmen zulassen. Der Reichskanzler bestimmt auch, unter welchen Bedingungen diese Verordnung auf die Durchfuhr keine Anwendung findet. § 4. Mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geld- strafe bis zu fünfzehnhundert Mark wird bestraft, wer der Lieferungspflicht nach§ 1 nicht nachkommt oder den von dem Reichskanzler erlassenen Ausführungsbestimmungen zuwiderhandelt. 8 5. Die Verordnung tritt mit dem Tage der Berkündung in Kraft. Der Reichskanzler bestimmt den Zeitpunkt des Außerkraft- tretens. Durch die obige Verfügung wird das aus dem Ausland ein- geführte Getreide und Feinmehl dem freien Verkehr entzogen. Wohl kann jeder Getreide aus dem Ausland einführen, aber er darf es nicht offen oder unter der Hand an Zwischenhändler, Bäcker, Konditoren zu Wucherpreisen verkaufen, sondern muß es an die Zentraleinkaufsgesellschaft in Berlin zu den dafür festgesetzten Höchstpreisen abliefern. Außer gegen den Getreidewucher richtet sich aber diese Maßregel auch gegen Rumänien, das bekanntlich für das nach Oesterreich-Ungarn und Deutschland ausgeführte Getreide sowie für Hülsenfrüchte hohe Ausfuhrzölle erhebt, für Weizen z. B. 600, für Mais 400, für Hülsenfrüchte 900 Lei(1 Lei— 80 Pf.) pro Waggon, und zu diesen Anfuhrzöllen kommen noch hohe Fracht kosten, besondere Spesen und Schmiergelder hinzu, so daß z. B. der rumänische Mais, bis er von der nächstgelegenen ungarischen Bahn- station weiter befördert werden kann, pro Tonne oft über 400 M- kostet. Durch die neue Bundesratsverordnung wird Rumänien dieser vorteilhafte Export, der nicht anders als eine unverschämte Ans beutung der Notlage der beiden Zentralmächte bezeichnet werden kann, sehr erschwert; denn der deutsche Importeur kann künftig solche Wucherpreise nicht mehr bezahlen. Will Rumänien sein überschüssiges Getreide absetzen, mutz es sich entweder in anderen Auslands- gebieten Abnehmer suchen— was ihm durch die Dardanellensperre sehr erschwert wird— oder es muß die Auslandszölle und Fracht- kosten erheblich herabsetzen. Die Preistreiberei für Gerste. Die Landwirte arbeiten mit allen Mitteln dahin, für Gerste Phantasiepreise zu erzielen. Der Höchstpreis für beschlagnahmte Gerste ist auf 300 M. festgesetzt; die Gersteverwertungsgesellschaft, der die Aufgabe zufällt, Gerste für die Industrie aufzukaufen, bietet bis 360 M. Das ist den Landwirten aber zu wenig, weil rumänische Gerste 700 M. pro Tonne kostet. Dieser hohe Preis für rumänische Gerste erklärt sich daraus, daß Rumänien hohe Ausfuhrvergütungen für Getreide erhebt. Weil nun Rumänien zu solchen Mitteln greift, deshalb glauben die deutschen Landwirte daS Recht zu haben, für ihre Gerste ebenso hohe Preise zu verlangen. Für die Preisbildung der deutschen Gerste können nur die Produktionskosten in Frage kommen; diese sind aber zweifellos nicht erheblich höher, als wie in früheren Jahren auch, so daß der gewährte Höchstpreis von 300 bezw. 360 M. schon als ein sehr gewinnbringender Preis an- zusprechen ist. Die„Deutsche Tageszeitung" bringt nunmehr an der Spitze ihrer Beilage folgende Aufforderung: „Bekanntlich hat der Deutsche Landwirtschaftsrat die Gründung von Gersteverkaufsgesellschaften angeregt, um der Organisation der Brauereien Stellen zu bieten, mit denen die Preisfrage ge- regelt werden kann, und zwar zur Zufriedenheit beider Teile. Soweit uns bekannt geworden, besteht in den Brauerkreisen der dringende Wunsch, zu einer Verständigung, und zwar alsbald zu gelangen. Wir erfahren, dab Schritte zur Gründung von Gersten- Verkaufsgesellschaften nunmehr getan sind, weshalb den gersten- bauenden Landwirten anzuraten ist, das Ergebnis dieser Bestrebungen abzuwarten und vorläufig keinerlei Gerste abzugeben. Die zu schaffenden Stellen werden versuchen, die Angelegen- heit mit den bereits bestehenden Einrichtungen, der Gersten- Verwertungsgesellschaft und dem Handel, zur endgültigen Lösung zu bringen." Der Zweck dieser agrarischen Gründungen besteht darin, die Gerstenverwertungsgesellschaft auszuschalten und die Industrie, ins- besondere die Brauereien zu zwingen, bei den agrarischen Verkaufs- gesellschaften ihren Bedarf zu erheblich höheren Preisen zu decken. Fraglich ist nur, ob die Regierung es sich gefallen lassen darf, daß die Agrarier hier ihren Willen in so offenkundiger Weise durchsetzen. Wenn das Gesetz über den Wucher irgendwo Anwendung finden muß, dann zweifellos gegenüber den Leuten, die sich anschicken, einen so unglaublichen Wucher mit Gerste zu treiben. Der durchschnittliche tägliche Kartoffelverbrauch in Familien. Einer Anregung der Reichsregierung und de? Deutschen Städte- tages folgend, hat die Stadt Düffeldorf während der Woche vom 2. bis 8. August eine Erhebung über den täglichen durchschnittlichen Kartoffelverbrauch der städtischen Beamten, Angestellten und Arbeiter vorgenommen. Erfaßt waren 3686 Familien mit 15 997 Köpfen. Vor kurzem hat auch die Stadt Berlin eine derartige Erhebung ge- macht. Es ergeben sich folgende Durchschnittszahlen über den Kar- toffelverbrauch in Gramm auf den Tag und den Kopf: in Düsseldorf in Berlin Oberbeamte.......... 401 332 Mittlere Beamte........ 579 426 Untere Beamte......... 796 531 Angestellte und Bureouhilfspersonal, 749— Technisches Aufsichtspersonal.... 745 501 Gelernte Arbeiter......., 917 603 Ungelernte Arbeiter...... 1182 696 Ueberhaupt 939 691 Der gegenüber Düffeldorf so niedrige Verbrauch in Berlin ist darauf zurückzuführen, daß die Berliner Erhebung Ende April bis Anfang Mai, während sehr hoher Kartoffelpreise, vorgenommen wurde. Gleichmäßig aber regelte sich in beiden Städten der Kartoffelverbrauch nach der sozialen Gliederung. Das Düsseldorfer statistische Amt sagt dazu: „In Düsseldorf war ebenso wie in Berlin der Kartoffelverbrauch den Einkommensverhältnissen gerade entgegen- gesetzt, d. h. die in der Familie durchschnittlich täglich verzehrte Kartoffelmenge war um so niedriger, je besser die Einkommens- Verhältnisse waren und umgekehrt. Eine Erhöhung der Kartosfelpreise muß also nicht nur absolut, sondern auch relativ das Haushaltungsbudget umso stärker belasten, je geringer das Einnahme-Soll zu buchen ist. Das Streben der Behörden nach Erhaltung niedriger Kar-- toffelpreise erfüllt daher eine soziale Pflicht." Die Stadtgemeinde als Preisregulator. Der Umstand, daß die Stadt Augsburg Milchverkaufs- stellen einrichtete und dort den Liter Milch mit 22 Pf. ver- kaufte, während er bei den Händlern 24 Pf. kostete und ein weiterer Preisaufschlag angekündigt worden war, hat bewirkt, daß die Händler fast allgemein wieder auf den Preis von 22 Pf. zurückgehen mußten. Ein Teil der Händler liefert so- gar zu diesem Preise die Milch noch frei in die Wohnung.— Der Vorgang beweist, daß, wenn die Stadtbehörden kräftig zugreifen, auch der unsinnigen Steigerung der Lebensmittel- preise vorzubeugen ist._ Die Zusammensetzung des preuhischen Herrenhauses. Nach einer am 1. Oktober vorigen Jahres erfolgten Fest- stellung, bestand diese Körperschaft aus 406 Mitgliedern; 46 Stimmen ruhten. Unter den Herrenhausmitgliedern be- fanden sich damals 18 Staatsminister und Staatssekretäre leinschließlich a. D.), 19 Hof- und Oberverwaltungsbeamte, 2 aktive Justizbeamte, Offiziere(aktive, ä la suite, z. D.) 49, Reichs- und Staatsbeamte a. D. 42, Offiziere a. D. 57, Provinzialbeamte(einschließlich a. D.) 12, Gemeinde- und Korporationsbeamte(einschließlich a. D.) 52, Universitäts- Professoren und Lehrer 19, evangelische Geistliche 2, Kaufleute und Bankiers 7, Privatbeamte 2, Landwirte 72, Gewerbe- treibende und Industrielle 5, Aerzte und Handwerker je einer. Auf den ersten Blick ersieht man aus dieser Zu- sammenstellung, wie wenig diese Körperschaft nach ihren Be- standteilen der sozialen Schichtung in der preußischen Be- völkerung entspricht._ Vom Geistesleben unserer Frontsoldaten. In der„Kölnischen Volkszeitung"(Nr. 747) veröffentlicht ein katholischer Feldgeistlicher recht interessante Beobachtungen über die Seelenstimmung der Feldgrauen. Er schließt aus dem Inhalt der Schriften, die man den Soldaten im Felde zusendet, daß man in der Heimat über die Gedanken und Gefühle der Feldgrauen schlecht unterrichtet ist: In nationaler Hinsicht leiden manche Schriften an krankhaftem Ueberschwang, der auf den Soldaten ab« st o ß e n d oder lächerlich wirkt. Wir wollen nicht in den Fehler der Franzosen und Engländer verfallen, die unser ganzes Volk als Barbaren und Wilde verschreien. Wir wollen an unseren Feinden nicht nur das Schlechte sehen, und unsere Soldaten hm es auch nicht. Sie leben lange genug in feindlichem Lande, um zu wissen, daß es in jedem Volke auch gute und edle Menschen gibt. Der Verfasser betont ferner, daß auch in militärischer Hinsicht die Soldaten weit davon entfernt sind, ihre Gegner zu unterschätzen. Nicht minder falsch sei es, von ihrer Kriegslust zu faseln. Auch die Freude am Kriegs um des Krieges willen ist unseren Soldaten fremd. Gerade unsere Be st en haben nur ein Bedauern für die herben Verluste und Leiden, Härten und Verwüstungen, die mit jedem Kriege un- trennbar verbunden sind.... Wenn unsere Feldgrauen auch ent» schloffen sind, den Krieg, koste es, was es wolle, bis zum Ende durchzukämpfen, so werden sie doch die Stunde des Friedens von ganzem Herzen segnen; denn den Krieg mit seinen seelischen und körperlichen Entbehrungen haben sie reichlich gekostet. Der katholische Geistliche meint, daß seine Ausführungen gewiß Widerspruch erwecken, aber sie bezeichneten die Dinge, wie sie find. Der Priester warnt übrigens auch in religiöser Beziehung vor Uebertreibungen und Süßlichkeiten, da sie der Grundstimmung des Heeres durchaus nicht entsprächen. Bedenken gegen eine Friedensprozessto«. Der Kardinalerzbischvf von Köln, der schon wiederholt in Hirtenbriefen heiße Friedenssehnsucht verraten hat, rief die Glau- bigen fiir Sonntag, den 12. September, zu einer großen Bittprozkssion„zur Beendigung des Krieges" auf. Da der Erzbisckof in Zeitungsanzeigen von Riesenlettern alle katholischen Vereine Kölns zur Beteiligung aufforderte, war eine gewaltige Kundgebung zu erwarten. Im letzten Augenblick aber teilten die katholischen Blätter Kölns mit:„Die für Sonn- tag in Aussicht genommene und behördlicherseits genehmigte Pro- zession findet eingetretener Bedenken wegen nicht statt." Zum Streit über de« Verfaffer des.Z'uccuse". Wir erhalten folgende Zuschrift: Basel, 12. September 1918. Dem anscheinend von der„Deutschen Tageszeitung" aus- gestreuten, in einer Ihrer letzten Nummern erwähnten Gerücht gegenüber, ich sei der Verfasser des Werkes J'acouse, bitte ich Sie, dieses Gerücht als unwahr zu bezeichnen. Ich bin nicht der Verfasser des genannten Werkes. Prof. Dr. Robert Michels. Steckbrief wegen Hochverrats. Gegen den am 25. März 1862 in Egisheim geborenen Redakteur Emil Boll, der bis zum Kriegsausbruch das„Journal d'Alsace" in Straßburg leitete, ist vom außerordentlichen Kriegs- gericht in Straßburg wegen Hoch- und Landesverrats ein Steckbrief erlassen worden. Das gesamte Vermögen, das Boll in Deutschland besitzt oder das ihm später zufällt, ist beschlagnahmt worden. Neue Unruhen in Portugal. Lyon, 15. September.(W. T. B.)„Nouvelliste" meldet auS Madrid: Eine neue Aufftan-dsbewegung wird aus Portugal ge- meldet. Unruhen finden nicht nur in Lissabon, sondern auch in mehreren Provinzstädten statt. /lus Groß-Serlin. Reife nach /llt-Serlin. In einem Aufsatz über Alt-Berlin(„Wasmutbs Monats- best« für Bautkunft") stellt der Berliner Stadtbaurat Lud- w r Hof f m a n n. der Erbauer des Märkischen Museums, an erster Stelle den Satz: „Im 18. Jahrhundert war Berlin eine der schönsten Städte." ?as fällt einem unwillkürlich ein. wenn man einen Abendspaziergaug nrackt in der Gegend zwisdren Spittelmarkt und Aleranderptatz. Es wird ein sentimentaler Spaziergang, weil hier das Vergangene auf Schritt und Tritt über die Gegenwart siegt. Und obne zu wollen, nimmt man eine solche Wanderung dann ein bisfchcn pathetisch uird denkt Gedaifken, die man sonst nicht denkt. Wie kann es denn auch anders 'ein in diesen Straßen, die angefüllt sind mit altersgrauen, hygienisch nicht gerade einwandfreien, aber architektonisch be- merkenswerten Bauten! Wieviel Berliner von�heute kennen diese stillen Gassen und Winkel rund um das Stadthaus mit seinem gaukelnden Turm? * Da steigt man aus dem Bahnhof Jnselbrücke empor in den dämmernden Abend und sieht sich plötzlich den schwarzen Mauern bröckelnder Speicher gegenüber. Es rieckt nach Teer und Rauch. Auf der Spree, die hier hafcnartig buchtet, lasten Schleppkähne mit blauen, roten und grünen Ringen um die Schornstein«. Ein wenig weiter hinten tauchen große, graue Kästen ans dem dumpfen, öligen Wasser, die Behälter gefangener Fische. Windschief gewordene Häuschen, etwa 100 bis 200 Jahre alt. Mächtig ausladende Tachgebilde, in denen noch ein Atem barocker Kraft lebendig ist. In Dunkelheiten er- wacht die Neugier: Der überraschte Blick fällt in geduckte Eingänge mit verführerisch schönem Türen, in enge Gassen, deren Saumhäuser sich gegeneinander neigen, als würden sie einander bekomplimentieren mit der von höfischer Liebenswürdigkeit überpuderten Etikette der Zeit vor 1789... Hier wird man unbedingter Verehrer des Barock. Es ergeht eurem damit ähnlich Nüe in Wien, tvenn man durch alte Gassen schlendert, vorbei an Häusern voll mariatheresia- niichem Eleist, vorbei an weiten, grünen Höfen voll verlorener Operettenmelodter. Rokokoträumereien im zwanzigsten Jahr- hundert! Und man findet— was man eigentlich kaum er- wartet hat— daß mich Berlin seine Vergangenheit und seine Romantik besitzt. Nur daß sie vielleicht nicht ganz so farbig und so heiter ist wie die Vergangenheit und Ronrantik von Wien, der ewig lachenden Stadt am blauen Donauband. _» In einer unlängst erschienenen feinsinnigen Schrift:„Die Mark Brandenburg. Ein unientinrentaler Spaziergang von Robert Breuer".(„Der Kunstfreund", Juliheft 1915) heißt es u. a.: Schwarz ist die Gesamtfarbe dieser dmnmernden und doch fühlbar vom Lärm durchschlagenen Welt. Hier und da werden die Sinne von der elastischen Betvegung, dem natu- ralistischen Blattspiel oder der hellenischen Sehnsucht eines Ornaments, das breit über die Fassade läuft oder in lockeren Akzenten die Fenster ralnut, nervös gereizt. Aus den Kellern stinkt eS: abgerissene Menschen, Verlorene und Vergessene. drücken sich in den unzuverlässigen Hausfluren umher..Hinter den Fenstern, die noch nach außen schlagen, sitzen alte, faltige Frauen. An einer Ecke stelst ein Gasthaus, niedrig, hehäbig, mit Giebel und Satteldach, davor, von grünen Lettern ein- gezäunt/ein krummer Nußbaum.... Am Molkenmarkr das Haus des Münzsuden Evbraim, eine kokette Beweglichkeit: die Gitter der Balkone ein eisernes Scherzo, in das die Putten, die allenthalben herumstehen, mit Rokokowitz hineinklingen. Gleich dahinter der gotische Block von St. Nicolm; barocke Grabsteine eines brummigen Bürgertums an trotziger Find- lingsinauer.... Seltsam kreischen die rostigen Scharniere der Jungfernbrücke im Siegeschor der Mechanik: eine Primi- tivität mis Balken und Ketten auf einem zerfchundenen Sockel von rotem Sandstein.... An Wedekind und die Büchse der Pandora denkt man in-dem schmutzigen Gewinkel des K'rögel: die schlichte Harmonie der Aufklärung regelt den nüchternen Hof eines Hauses in der Brüderstraßc, in dem einst Nicolai wohnte... Stolz steigt die Treppe im Erinerlerichen Hause, das mit horizontalem Selbstbewußtsein gegenüber dem alten Marstallgebäude(das durch das wilde Getümmel eines Ihne- schen Neubaues fast umgerissen wird) von dem Format eines längst ausgestorbenen Geschlechts zeugt. * Entzückende Alt-Berliner Aufnahmen aus dem Amateur- atelier des Architekten Karl Brand mann. Sie her- dienen, neben die Stiche des Märkischen Museums gehängt zu werden, das an der Waisenbrücke steht(und vielleicht nur an dieser Stelle stehen kann. Anderswo würde es deplaciert wirken.) Dieies Museum kann man mit Reckst ein Repetito- nirm der in der ganzen Mark angesiedelten Baustile nennen, mehr eine Belehrung als eine schöpferische Tat. Halbdunkel sind sein« Säl« und Zimmer, aber ihr Inhalt ist im« eine einzige Illustration zu der Geschickte des halsstarrigen und ansässigen Volkes, das an den Uiern der Spree und Havel durch Jahrhunderte um Brot und Freiheit kämpft. Und noch etwas anderes: Da stellte ein junger Oester- reicher mit dem gewöhnlichen Namen Karl Mayer bei Amelang und anderen Kunsthändlern nnt fast ungewöbn- l icher'Ägabung gezeichnete Alt-Berliner Bilder aus. Vor diesen Bildern bleibt man stehen. ch Das Auge kann nck nicht sattsehen: Da ist die Friedrichs- aracht. die an die Grackt von Amsterdam erinnert. Die Grünstraße, die Rittergasse und Petristraße— Reminiszenzen aus lauter kleinen deutschen Städten: Aus Nürnberg, Rochen- bürg, Alt-Köln etwa. Oder der bereits erwähnte Krögel, der einer Straße von Neapel ähnlich sieht. Tie Parochialkirche mit ibrem Kolonistensymbol, die Jungfernbrücke, die Kirche von St. Nicolai.... Hinter den Geickästssckildern einer babarischen Neuzeit versteckt, träumt dieses Stück Alt-Berlin einen beschaulichen Traum von Tagen, da noch ein König am Krückstock durch die Gassen ging und in einem vornehmen Palais am Molken- warft, mit sein gedachtem und gemetztein plastischen Schmuck, zu Gast erschien. Das Palais steht beute noch. Und rand herum schlummern ruhige Winkel von srülzer neben dein verwirrenden Durcheinander von modernen Bauteilen aller Größen und aller Verhältnisie. Welch eine Welt von Gegensätzen! ♦ Diese Hymne auf Alt-Berlin hat auch eine andere, lehr ernste Seite. Eine der ersten Arbeiten des neu gegründeten Berliner Wohnungsamtes, das seine Tätigkeit bei Ausbruch des Krieges eingeschränkt hat. war die Feststellung, daß gerade in diesem Alt-Berlin die schlimmsten, gesundbeits- gefährlichsten Wohnungen sich befinden. Und als kürzlich die Ausführung der beschlossenen Verbreiterung der Parochial- straße beim Magistrat beantragt war, lehnte der Magistrat diesen Antrag ab, obwohl die dort stehenden Gebäude längst iin Besitze der Stadt sich befinden und die Wohnungen als die schlechtesten bezeichnet wurden, die in Berlin bestehen. Es gibt Leute, die da meinten, der Grund dieser Ablehnung liege darin, das Herr Baurat Hoffmann die alten baufälligen Häuser erhalten wissen wollte, damit das Stadthaus m seiner Wir- kung mehr in Erscheinung träte. Gasanstalten und Kokserzeuguug. Dieser Tage waren in einem Blatte Ausführungen über Koksmangel in den städtischen Gasanstalten enthalten, die den Magistrat zu folgenden Mitteilungen veranlassen: Die städtischen Gasanstalten haben bis zum Kriegsbeginn ihre Kohlen zum großen Teil aus England, den Rest aus Ober- schlesien bezogen. Das Gemisch der englischen und schlesischen Kohlen ergab bei der Gasfabrikafton einen trefflichen Koks, der sich in Berlin mit Recht einer so außerordentlichen Beliebt- heit erfreute. Seitdem die Zufuhr englischer Kohlen fortgefallen ist, fehlt das härtende Material. Der Koks, den man aus oberschlesischen Kohlen allein gewinnt, ist so brüchig, daß er durch die Rosten fällt und als Heizmatertal nicht das leistet, was man vom Koks erwartet. Es galt also, in Teutschland Kohlen zu finden, welche diese härtende Eigenschaft besaßen. In Beftacht kamen nieder- schlesische und westfälische Kohlen, welche als Ersatz für diese englische Kohlen hätten dienen können. Es ergab sich aber, daß weder Niederschlesien noch Westfalen imstande waren, die erforderlichen Quanten zu liefern und dies, obwohl die Preis- frage angesichts der schwierigen Verhältnisse ausgehört hat eine entscheidende Rolle zu spielen. Die Verwaltung war daher gezwungen, zuzugreifen, wo immer eine Gelegenheft sich bot. Oesterreichisch-schlesische, mährische, böhmische, polnische Kohlen wurden in beträcht- lichen Mengen angekauft. Diese Kohlen gaben Gas. aber nicht Koks. Die GaSfabrikafton ließ eine Masse zurück, die zu Feuerung auf Rosten nicht verwendet werden kann. ES kam dahin, daß die Verwaltung selbst nicht mehr imstande war, mit diesem Material ihre Gaserzeugungsöfen zu heizen und zu diesem Zweck aus Westfalen Schmelzkoks kaufen mußte, ohne sich auch hiermit voll eindecken zu können. In dieser Lage sind die Gaswerke dazu geschritten, wozu ihnen nach ihren Bedingungen ein Recht gegeben ist, ihren Abnehmern zunächst 40 Proz. des verschlossenen Quantums zu streichen. Sie sind aber nicht imstande, unter den obwaltenden Verhältnissen den Rest wirklich zu liefern, und die Abnehmer werden gut tun. soweit sich eine Möglichkeit bietet, sich ander- weitig zu decken. Inzwischen ist ein neuer Versuch gemacht, in Westfalen Kokskohlen zu erhalten. Sollte er glücken, würden sich da- durch die Verhältnisse günstiger gestalten. Von einer mangelnden Voraussicht kann nicht die Rede sein, da die Gaswerke sich nur innerhalb der Schranken be- wegen können, die ihnen von den Verhältnissen diktiert und von den maßgebenden Stellen festgesetzt sind. Hinterbliebenen-Ztzürsorge in Berlin. Die Fürsorge für die Hinterbliebenen gefallener KriegSteilnebmer wird in Berlin seit Monaten von der Zentrale für private Fürsorge, Floftwellstr. 4, ausgeübt. Ihrer jahrelang gepflogenen Arbeitsweise getreu, sucht die Zenftale in engerVerbindung mit der .Nationalftiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen" das Schicksal der Kriegs- Eltern, Witwen und Waisen so zu ge- stalten, daß eine durchgreifende Hilfe es ihnen ermöglicht, sich eine neue selbständige Existenz auf gesunder wirtschaftlicher Grundlage zu schaffen. Es ist ihr bereits in vielen hundert Fällen gelungen, die wftlschaftlichen Verhältnisse durch Verhandlungen mit Gläubigern und Hauswirten zu regeln, kleinere Geschäftsbetriebe nach Möglichkeit zu erhalten, oder eine neue, den jetzigen Umständen der Kriegswitwen angepaßte Berufsausbildung durchzuführen. Da- bei ergibt �sich eine umfassende Jugendfürsorge, die besonders auf eine gute Schule und berufliche Ausbildung der Kinder Wert legt und den Müttern in schwierigen Erziehungsftagen zur Seite steht. Auch für eine weitgehende gesundheitliche Fürsorge an den oft durch die langen Kriegsmonate erschöpften und nach dem Tode des Mannes gänzlich zusammengebrochenen Witwen wird durch Beschaffung von ErholungS- Aufenthalt oder Kräftigungsmittel Sorge getragen. Die Anbahnung persönlicher Beziehungen zu den oft sehr bedrückten Kriegswitwen ergibt sich dabei von selbst und hilft oft die Durchführung der erforderlichen Maßnahmen fördern. Dieser schwierigen Arbeit kommen naturgemäß die seit zwei Jahrzehnten gesammelten Ersahrungen der Mitarbeiterschaft der Zentrale für private Fürsorge sehr zustatten und ermöglichen es ihr, eine wirk- lich umfassende, durchgreifende Fürsorge in einer großen An- zahl von Fällen auszuüben und so dem VolkSwirtschaftSleben gesunde, gesicherte Familienverhältnisse und eine gut erzogene junge Generation zu erhalten. Die Zentrale, die in enger Fühlung mit allen wichtigen Fürsorge-Organisationen arbeitet, erstrebt einen Zu- sammenschluß aller in Beftacht kommenden Kreise auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege, um sich auf diese Weise zu einer Zentralstelle für die Hinterbliebenen-Fürsorge in Berlin auszubauen. Zu diesem Zwecke veranstaltet die Zentrale einen AuSbildungSkursuS für die sich auf dem Gebiete der Hinterbliebenen-Fürsorge betätigenden Personen._ Gegen hohe Viehpreise. In der gestrigen Versammlung beschloß die Berliner Fleischer- innung, an die StaatSregierung wegen der hohen Viehpreise folgende Resolufton zu richten: .Der Preis für Schweine hat auf dem Berliner Viehhof eine Höhe erreicht, welche e» unmöglich macht, Schweinefleisch und die aus Schweinefleisch anzufertigende Fleischware auch nur mit dem nllerbescheidensten Nutzen zum Verkauf zu bringen. Fettschweine in Klasse A und B kommen schon seit langer Zeit überhaupt nicht mehr auf den Markt. Für die übrigen zum Austrieb gelangenden Schweine müssen Preise gezahlt werden, welche zu dem wahren Wert dieser Tiere in gar keinem Verhältnis stehen. Es ist im Interesse der Volks ernährung dringend.erforderlich, daß seitens der Staats- regierung auf diesem Gebiet, durch geeignete Maßregeln Abhilfe geschaffen wird."--'---' Toppelselbstmord eines Ehepaares. Im Hause Rigaer Sft. 26 wurden gestern früh der Ingenieur Grigat und seine Frau erschossen aufgefunden. Die Gründe der Tat find noch nicht geklärt. Grigat hatte sich in der letzten Zeit mit Erfindungen beschäftigt, die Verbesserungen der Marinewaffen zum Ziele hatten. Er scheint damit aber wenig Erfolge gehabt zu haben. Vor kurzem ivurdc Grigat einberufen. Gestern traf er aus Urlaub in Berlin ein und zeichnete noch mit seiner Frau den Siest seines Vermögens für die Kriegsanleihen. Die Leichen der beiden Er- schoffenen wurden beschlagnahmt. Unfall auf dem Bahnhof Bellevue. Auf dem Bahnhof Bellevue hat sich gestern mittag ein schwerer Unfall zugetragen. Dort waren mehrere Arbeiter mit dem Richten von Eisenbahnschienen beschäftigt. Als ein Stadtbahnzug in die Halle einfuhr, traten die Arbeiter zurück. Ein Arbeiter rutschte aber aus und geriet unter den einfahrenden Zug. wobei dem Unglücklichen beide Beine abgefahren wurden. Er wurde in hoffnungslosem Zu- stände nach dem Krankenhause gebracht. Ein Kind verschwunden. Die Berliner Kriminalpolizei beschäftigt das Verschwinden eines Kindes, das im Juli 1S12 von einem Mädchen im Birchow-Äranken- hause zur Welt gebracht wurde. Als das Kind nach den standeS- amtlichen Aufzeichnungen so alt war, daß e» geimpft werden sollte. war eS an der Stelle, an der es gemeldet war, nicht zu finden. Alle Nachforschungen waren vergeblich. Die Mutter de» KindeS de- hauptet, daß sie es bald nach der Geburt auf dem Flur eines Hause« in der Frankfurter Allee ausgesetzt habe. Zunächst war sie mit dem Kinde, dessen Geburt auf dem Standesamt gemeldet wurde, zu ihrer Schwester gegangen. Auch an anderen Stellen, an denen sie später wohnte, meldete sie eS an. obgleich sie eS, wie sie jetzt behauptet. ausgesetzt hatte und seinen Verbleib nicht mehr wußte. Tie Schwierigkeiten begannen, als der Impfschein besorgt werden sollte. Jetzt konnte das Mädchen nicht mehr verhindern, daß sich die Polizei mit der Angelegenheit beschäftigte. Ob die Behauptung von der Aussetzung des Kindes zutrifft, muß noch untersucht werden. Das Kind soll damals, als die Mutter es auf den HauSflur legte, in eine schwarze Pelerine und einen weißen BarcheMunftrrock mit dem Zeichen I. S. eingewickelt gewesen sein. U« einen Tag älter gemacht haben wir unseren Parteifreund August Pohl, dem wir schon gestern 60 Jahre alt werden ließen. obwohl das große Ereignis erst heute einftitt. Wer aber so wie Pohl sein Leben lang für die Partei gearbeftet und fich nie Ruh und Rast gegönnt hat, kann schließlich auch schon 2 Tage Geburt»- tagSgratulattonen verftagen._ Der Deutsche Arbeiter-Wanderbnnd„Die Naturfreunde"� veranstaltet am Sonntag, den 19. September, seine letzte diesjährige Oberspreewaldfahrt. Teilnehmerkarten a ö,7S M. sind in den Zahl- stellen bis Freitagabend und bis Sonnabendmittag 12 Uhr bei Horjch. Engelufer 1ö, und Fritz Kruse, Mariannenstr. 11(Fernruf Moritzplatz 1S7S) zu haben. Ttraßeusperrung. Das Polizeipräsidium teilt mit: Die Straße cnn Weidendamm ist von der Prinz-LouiS-Feckinand-Straßs bis zur Friedrich-Karl--Straße wegen Pflasterarbeiten vom 16. d. Monats ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Retter gesperrt. Mus den Gemeinöen. Urlaubsgelder i« Wilmersdorf. Der HeiniatSurlaub unserer Kriegsteilnehmer wurde in vielen Fällen dadurch beeinträchtigt, daß die Anwesenheit des neuen Essers im Heim mit seinem kargen Solde, der hin und wieder nicht einmal rechtzeitig zur Auszahlung gelangen kann, die Lebenshaltung recht knapp gestaltete. Um diesem Mangel vorzubeugen, hat der Magistrat von Wilmersdorf beschlossen, jedem Urlauber vom Feldwebel ab- wärt», dessen Urlaub 4—15 Tage beträgt und dessen Familie die gesetzlich festgelegte Staat«- und GemeindefnegSunterftützung bezieht, aus städtischen Mitteln für jeden Urlaubstag eine Mark als außerordentliches VerpflegungSgeld auszahlen zu lassen. Dieser Beschluß ist mit dem gestrigen Tage in Kraft getreten. Er hat also keine Gültigkeit für Urlaubszeiten von 1— S und mehr als 16 Tagen. Mietbeihilfe««ad Steverzahlung in Weifte«see. D e r H aus« un d G rund b est tz e r v e r e in von 1884 hat an die Gemeindevertretung den Antrag gestellt: Die Gemeinde- Vertretung wolle beschließen, Mietbeihilfen an die durch den Krieg in wirtschaftlicher Notlage Geratenen in ausreichender Höh«, mir rückwirkender Kraft auf die ganz« Dauer de« Kriege« zu zahlen. ohne die Zahlung von dem Nacklaß eine« Teile« des Vermieters ab- hängig zu macken. Ferner: Die Gemeindevertretung wolle be- schließen, die ZahIungSftist für die Steuern während der Dauer des Krieges auf zwei Wochen zu verlängern und erst im letzten Monat des Quartals mit der Beitreibung zu beginnen. Zur Be- gründung wird angeführt, daß festgestellt ist. daß Mietdeihilfen nur gewährt werden, wenn der Vermieter 25 Proz. von der Miete ab- läßt. Nach den Bestimmungen soll ober die Notlage de« Vermieters geprüft und eventuell ein geringerer oder auch kein Nachlaß gewährt werden. Auch die Höhe der zu gewährenden Unterstützung reicht nicht aus und haben in vielen Fällen den Charakter eines Almosens. Zu dem zweiten Antrag wurde bemerkt, daß trotz des nahe bevor- gehenden Zusammenbruch« vieler Steuerzahler die Gemeinde Weißensee mit der Beitreibung der Steuern, Gebühren und sonstigen Zahlungen in der rücksichtslosesten Weise vorgeht. Verlustlisten. Di« Verlustliste Nr. 328 der preußischen Arme««ttbäll Verluste folgender Truppen: Feld-Jntendanturen de» 22. Reservekorps und der 25. Reserve- Division. Etappen-Kommandantur Nr. 210. Infanterie usw.: Garde: 5. Garde-Regiment z. F.; 2. Garde- Reserve-Rrgiment; Garde-Jäger- und Garde-Reserve-Jäger-Ba« taillon. Grenadier-, bzw. Infanterie-, bzw. Füstlier-Reginienter Nr. 2, 3, 4(s. Landw.-Jnf.-Regt. Nr. 11). 6. 7. 10. 11. 15, 16, 23 (f. auch Landw.-Jnf.-Regt. Nr. II). 25. 26, 29. 30. 34. 44(s. auch Jns.-Regt. Nr. 372). 4«, 49, 51, 53. 56. 58, 66, 66. 67, 72. 76. 78. 79. 81, 82(f. auch Landw.-Jnf.-Regt. Nr. 74), 84. 87, 92, 94. 95(s. auch ,veldfliegertruppe). 98, 99. 112, 143. 146. 147(f. auch Res.-Jnf.-Regt. Nr. 59). 148. 150, 151, 169, 173, 175, 176(s. Res.-Jnf.-Regt. Nr. 59'. 186. 357. 361. 362. 369, 371, 372. Reserve-Jnfanterie-Regimenter Nr. 2, 3, 5. 7. 18. 19. 21(f. Srs.-Jns.-Regt. Runge), 22, 24 bis einschl. 2«. 35, 48, 56, 57(s. Landw.-Jnf.-Regt. Rr. 84). 59. 60. 6l. 66. 73. 74. 76. 80. 81. 82. 84. 88. 91. 93. 99. 110, III, 204, 206, 208. 211. 213, 215, 216, 217. 218, 219. 220, 222. 223, 224. 227. 230, 234, 236, 251 bis einschl. 260, 262, 269. Ersatz-Jnfanterie-Regiment Runge. Reserve- Ersatz- Infanterie- Regimenter Nr. 1 und 4. Land- Wehr-Jnfanterie-Regimenter Nr. 1. 2, 10, II, 12, 20, 21, 22, 23, 24, 25. 26. 38. 53, 74, 80. 82, 84, 87, 99. 109, 116. IIS, 349, 350. Landwehr-Ersatz-Jnfanterie-Regimenter Nr. 2, 4(f. Landw.-Jnf.- Regt. Nr. 349). Laiwsturm-Jnsanterie.Regnnent Nr. 11. Ersatz- Infanterie-Regiment Königsberg Rr. 1(f. Res.-Jnf.-Regt. Nr. ö9i. Brigade-Ersatz-Bataillone Nr. 7(f. Jnf.-Regt. Nr. 357), 33(f. Ins.- Regt. Nr. 362). Landwehr-Brigade-Ersatz-Bataillon Nr. 9(f. Land- wehr-Ers.-Jns.-Regt. Nr. 2). Landsturm-Jnfanterie-Bataillone: IV Bonn, Demaueschingen, 1 Jnsterburg, Kiel, Kreuzburg, Schlett- stadt, Stettin, Stralsunds Waldenburg. Landsturm-Jnsanterie-Er- satz-Bataillone: 1. des 15. Armeekorps(Sftatzburg i. E.), 14. de» 4. Armeekorps(Torgau). Jager-Bataillone Nr. 2. 5, 7, 9,' 11: Res. Bataillone Nr. 3 und 17. Reserve-Radfahrer-Komvagnie Rr. 49. Feld-Maschinengewebr-Züge Nr. 33(f. Rest-Jäger-Batl. Nr. 17). 140, 187 und 269 letztere beiden s. Garde-Res..JSg«r.Bataillonn Reserve-FestungS-Maschinengewebr-Abteilung Nr. 4 Metz: Ge- dirgS-Maschinengewehr-Abteilung Nr. 205. KaSalleri«: ftüraffter« Nr. 2 und 7; Dragoner Nr. 16; Husaren Nr. 4 und 6(beide f. Ers.-Kav.-Regt. der 4. Landw.-Division); Res.- Ulanen Nr. 5(f. Pionier-Regt. Nr. 23); Jäger zu Pferde Nr. 11 (f. Ers.-Kav.-Regt. der 4. Landw.-Division); Ersatz-Regiment der 4. Landwehr-Divrsion; Reserve-Abteilung Rr. 4S. Jeldartillerie: Regimenter Nr. i, 2, 3, 6, 16, 27, 34, 37, 57, 112, 219; Reserve-Regimenter Rr. 20 und 49. Fußartillerie: Regimenter Nr. 7, 11, 14; Rsserve-Regimenter Nr. 1 und 10; Bataillon Rr. 38. Pioniere: III. Garde-Bataillon; Regimenter Nr. 18, 23, 26, 29, 31; Bataillone: I. und II. Nr. 2, II. Rr. 4. I. und II. Rr. 10, III. Nr. 28; Kompagnien Nr. 108 und 237; Reserve-Kompagnien Nr. 44, 78, 82; 1. Landwehr-Kompagnie des 2., 2. des 7. und 1. des 17. Armeekorps; Abteilung der 6. Kavallerie-Division. Minentverfer- Abteilung der 33. Jnfanterie-Division(s. Feldort.-Regt. Nr. 34); Mittlere Minenwerfer-Abteilungen Nr. 101, 118 urtd 138; Schwere Minenwerfer-Abteilungen Nr. 17, 38, 57. VerkebrStruppen: Linien-.Kommandantur Lodz. Militär-Ersen- bahndirektion Nr. 3. Eisenbahnbau-Kompagnie Nr. 3. Landwehr- Eisenbahnbau-Kompagnie Nr. 1. FestungS-Eisenbahnbau-Komp. Nr. 2. Fernsprech-Abteilung Nr. 1 der 12. Armee, sowie solche deS 2. und 6. Armeekorps; Fernsprech-Zug der 4. Jnfanterie-Divifion; Fernsprech-Toppelzug Nr. 107. Feldfliegertruppe. Train: Train-Abteilungen Nr. 7 und 11; Train-Ersatz-Ab- teilung Nr. 14; Brückentrain des Gardekorps; Korps-Brückentrain Nr. 14. Fuhrparkkolonne Nr. 108 des 40., Nr. 114 deS 41., Nr. 158 des 17. Reservekorps, sowie Rr. 2 der 103. Jnfanterie-Division; Reserve-Fuhrparkkoloniw Nr. 55 der 26. Reserve-Dwision; Maga- zin-Fuhrparkkolonne Nr. 4 der 11. Armee. Magazin-Fuhrpark- kolonne Nr. 11 und solche Nr. 137 des 10. Armeekorps. Etappen- Fuhrparkkolonne Nr. 2 des 4. Armeekorps. Proviantkolonne Nr. 1 der 119. Jnfanterie-Division; Leichte Proviantkolonne Rr. 1 der Etappen-Inspektion der 11. Armee. Feldbäckereikolonne Nr. 2 des 17. Armeekorps; Etappen-Bäckereikolonne Nr. 1 der Bug-Armee. Pferdelazarett des 26. Reservekorps. Munitionskolonne»: Staffel stob 11 deS 3. Armeekorps.(F) Artillerie-MunitionSkolonne Nr. 4 des 14. Armeekorps; Fußart.- Munitionskolonne Rr. 225; Reserve-Jnfanterie-MunitionSkolonne Nr. 45. Reserve-Sanitäts-Kompagnie Nr. 61. ArmierungS- und Straßenbau. Formationen: Armierungs-Ba- taillone. Straßenbau-Kompagnien. ** « Ter Schluß der wü r t t e m b e r g i sch e n Verlustliste Nr. 263 wird mitgeteilt, deren Inhalt wir bereits gestern bekannt gaben. Die V e r l u st l i st e Nr. 48 der Kaiserlichen Marine wird veröffentlicht. Soziales. Bezahlung für Gestelluogeu. Der§ 616 deS Bürgerlichen Gesetzbuches schreibt in seinem ersten Absatz vor: .Der zur Dienstleistung verpflichtete wird des Anspruch« aus Vergütung nicht dadurch verlustig, daß er für eine Verhältnis- mäßig nicht erhebliche Aeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Berscbulden an der Dienstleiiiung verhindert »icd.* Diese Vorschrift findet ans die Fälle Anwendung, in denen der Arbeiter z. B. durch Krankheit, militärische Uebungen. AaHrneHinung von Terminen, Kontrollversammlungen, Ge- stellirngöterminen oder überhaupt durch staatsbürgerliche Pflichten und dergleichen an der Arbeitsleistung verhindert ist. § 616 findet auch dann Anwendimg, wenn die Vergütung nach Stücklohn bemessen ist. Ein Ausschluß des§ 616 B.G.-B., wie er durch Abreden oder Arbeitsordnuugen hier und da auS- gesprochen wird, ist nach§ 2 des LohnbeschlagnahmcgesetzeS nichtig, sofern der JähreSlohn 2006 M. nicht übersteigt. In diesem Sinne wird K 616 B.G.-B. von allen nam- haften Kommentatoren und in der Rechtsprechung, z. B. vom hiesigen Gewerbegericht in einem Urteil vom 8. Oktober 1914, ausgelegt. Buhe wege» Koutraktbruchs. Tie.Germania'. A.- B. für Druckeret, beschäftigte einen jungen Mann als Radfahrer, der 20 M. Wochenlohn erhielt und acht Tage Kündigung Hütte. Da er an einer anderen Stelle boheren Lohn und leichtere Arbeit bekommen konnte, hörte der iunge Mann ohne Kündigung auf. Tie Firma verlangte durch Klage beim Gewerbegericht eine Buße von 20 M.. mußte sich hier aber belehren lassen, daß sie. weil der Beklagte erst 16 Jahre alt ist, nur 10,80 M.. also den sechsfachen Betrag deS ortsüblichen Tagelohns jugendlicher Arbeiter verlangen kann. Der Vorsitzende schlug vor, die Firma möge sich mit einer Buße von 5 M., die zu zahlen der Beklagte sich bereit erklärte, begnügen. Der Vertreter der Klägerin wollte zunächst von einem Vergleich nichts wissen. Er sagte, eS komme alle Tage vor, daß junge Leute plötzlich aufhören. Dem müsse durch Verurteilung zum vollen Beirage der Buße vorgebeugt werden. Schließlich ging der Vertreter der Klägerin auf den Vergleichs- Vorschlag ein und gab zu Prolokoll, daß die erhaltenen 5 M. einer WohltaligkcitSaiistalt überwiesen werden sollen. In einem anderen Falle hatte der Buchdruckereibesitzer W o g n e r einem Buchbinder, der ohne Kündigung aufaebört hatte. 16,14 M. Lohn embehalten. Der Buchbinber klagte auf Zahlung "ohne?, während der Arbeitgeber durch Widerklage 24 M.(den sechsfachen Betrag deS ortsüblichen Tagelohns) al« Buße '"äderte. Da eine Aufrechming gegen den Verdienren Lohn nicht zulaisig»st. so ging das U r t e i l de« Gerichts dahin, daß der Be- klagte dem Klager 16,40 M. Lohn und der Kläger dem Beklagten 24 M. Buße zu zahlen hat. Streit um das Houorar des Filmschauspielers. Die Deutsche Bioskop-Gesellschaft wollte bei Neubabelsberg eine Filmaufnahme machen. Die für diesen Fall engagierten Schauspieler waren pünktlich zur Stell«, nur der Darsteller der Hauptrolle war ausgeblieben. Die Aufnahme konnte infolgedessen nicht gemacht werden. Die meisten Schauspieler waren damit zufrieden, daß ihnen die Gesellschaft die Hälfte de« Honorar« zahlte. Einer von ihnen Ilagte aber beim Gewerbegericht auf Zahlung de« vollen Honorar« von 6 M. und 80 Pf. Fahrgeld. Der Vertreter der Beklagten er- klärte. cS sei ortsüblich, daß. wenn die engagierten Darsteller am Ausnahmeort erschienen seien, die Aufnahm« aber nicht stattfinden könne, nur die Hälfte de« Honorars gezahlt werde. Bei vorheriger Absage der Ausnahme werde gar kein Honorar gezahlt. DaS sei im Cafe Monopol, wo die Film- darsteller engagiert werden, allgemein bekannt.— Der Kläger bestrill. daß diese Bedingungen ortsüblich seien und meinte, ihm seien sie jedenfalls nicht bekannt gewesen. Das Gericht konnte sich angesichts der entgegenstehenden Be- bauptungen nicht überzeugen, ob die angegebenen Bedingungen ort«. üblich sind und hätte wenn eine Entscheidung verlangt worden wäre erst Beweis darüber erbeben müssen. Deshalb schlug da« Ger»cht den Parteien einen vergleich vor. wonach sie sich die ,lre»t.ge Differenz teilen, die BeNagte dem Kläger also 4,30 M. zahlen(olle. Der Vertreter der Beklagten, welcher fürchtete, durch Annahme de« Vergleichs gegen das Geschäftsprinzip der Firma zu verstoßen, ging erst nach langem Besinnen und telephonischer Rück- sprach« m,t der Firma auf den vergleich ein. Plötzlichkeit al« Erforderuis eiue« Betriebsunfall«. Nach der ständigen SpruchpranS des ReichsvcrsicherungS. amtes werden an den Begriff.Betriebsunfall" ganz bestimmte Erfordernisse gestellt. Danach ist als Betriebsunfall anzusehe« ein plötzliches, zeitweise beschränktes, mit dem Betriebe im Zusammenhang stehendes Ereignis. WaS als plötzliches Er- cignis anzusehen ist, hängt von den jeweiligen Umständen ab. So ist zum Beispiel beim Erfrieren ein halber Tag noch als zeitig begrenztes plötzliches Ereignis angesehen worden. Im zur Besprechung dienenden Fall ist von der BerufSgenoffenschaft ein Plötzliches Ereignis verneint, von den rechtsprechenden Instanzen jedoch anerkannt worden. Eine Landarbeiterin verspürte am 15. August ISIS beim Gra» mähen am rechten Mittelfinger plötzlich einen Schmerz, der durch das Drücken mit der Schafschere verursacht worden war. Räch einiger Zeit schwoll der Finger an, es trat Vereiterung ein, operativ mußt« eingegriffen, der Mittelfinger entfernt werden. Die Branden- burgische landwirtschaftliche Berussgenossen« schaft lehnte den Anspruch der verletzten auf Eni- schädigung ab, weil die Erkrankung niiht durch ein plötzliches Ereignis verursacht worden, sondern ollmählich beim Schneiden von Gras mit der Schere entstanden sei. Di« durch die tägliche Arbeit entstandenen Druckstellen seien in Eiterung übergangenen, mithin läge ein Betriebsunfall nicht vor. Das OberversicherungSamt Groß-Berlin der« urteilte auf eingelegte Benimng die verufsgenoffenschast zur Anerkennung der EnIschädigungSpflicht, Da» OberversicherungSamt sagt u. a. in den EntscheidungSgründen:.Der Annahme der Beklagten, daß da« Leiden allmählich entstanden sei. konnte sich das Oberver» sicherungsamt nicht anschließen. Die Klägerin hat an dem fraglichen Tage zum erstenmal Gras geschnitten und diese Tätigkeit zog sich etwa fünf Stunden am Nachmittag hin. Nach der Rechtsprechung de? Reichsversicherungsamtes ist ein Zeitraum von einigen Stunden, höchstens aber eine durch nicht zu lange Pause» unterbrochene Ar- beitSschicht als ein dem Erfordernis der.Plötzlichkeit' noch ge- nügender.verhältnismäßig kurzer Zeitraum aufzufassen'. Der Zu- sammenhang des Leidens mit dem in Betracht lammenden voriall wurde al« höchst wahrscheinlich angesehen. Gegen diese Entscheidung legte die BerusSgenossenschast Rekurs beim Reichsversich e- r u n g S a m t ein. Der Rekurs wurde zurückgewies en. Damit ist da« ReichSversicherungSomt seinen früheren Entscheidungen gefolgt und hat abermal« den Versuch der Genossenschast, den Le- griff Betriebsunfall einzuengen, zurückgewiesen. Gerichtszeitung. Wie ei« HauSwirt eiue Kriegerfra« behandelt. Unter der Anklage der gefährlichen Körperverletzung und Sachbeschädigung, des Hausfriedensbruches und der Beleidi- gung stand der Schuhmachermeister und Haue- wirt Karl Stephan aus NowaweS, Priesterstr. 46, vor dem Potsdamer Schöffengericht. Mit ihm war die Verletzte, Frau Marie Porin, angeklagt, die ebenfalls der Körperverletzung beschuldigt war. St. hatte niil der Frau wegen der Bodenbenutzung einen Streit. Er begab sich in ihre Wohnung und binnen kurzem artete dt« Au»- einandersetzung in T ä t l i ch k e i t au«. Der Aufforderung, die Wohnung zu verlassen, kam St. nicht nach. Als er auf die Frau eindrang, suchte sie eine Kohlenschaufel zu ergreifen. St. entriß sie ihr, warf dann die Frau mehrmals in die Ecke, versetzte ihr Tritte mit dem Filzpantoffel und zerrte sie schließlich an den Haaren bis zum Flur. Erst durch Dazwischrnlrelcn seiner Frau fand die Szene ein Ende. Augenzeugen bestätigten, daß die angegriffene Frau sich nicht der Schaufel al« Abwehrmittel be« dienen konnte. Trotzdem brachte St. ein Attest über allerlei ver» letzungen bei. DaS Schöffengericht folgte nicht dem Antrage des Staatsanwalts, der sechs Wochen Gefängnis als Sühne forderte, sondern verurteilte den Angeklagten St. wegen einfacher Körperverletzung nur zu 10 0 Mark Geldstrafe. Die Mit- angeklagte wurde freigesprochen, da sie in Rotwehr handelte. Der Hauswirt ist recht billig fortgekommen. Bedauerlich ist, daß die Mißhandelte mitangeklagt war. Bergrößerunge» gratis. Eine Anklage wegen unlauteren Wettbewerbs beschäftigte gestern die Ferienstrafkammer des Landgerichts II. Angeklagt war der Bilderhändler Otto Alte, der beschuldigt wurde, rn öffentlichen Ankündigungen, um den Anschein eines be- sonder« günstigen Angebot« zu erwecken, wissentlich unwahre und zur Täuschung de« Publikum« geeignete Angaben gemocht zu haben. — Im Januar diese« Jahre« gründete der Angeklagte unter der hochtönenden Firma.Mitteldeutsche Porträt« Zentrale'«in Unternehmen, dessen.GeichäsiSräume' au« dem Wohnzimmer des A. und einem Keller bestanden. Ein von ihm angestellter Oberreiscnder stellte in irgendeinem Provinzorte Unter- Vertreter an, welche dann die Dörfer heimsuchen und mit Hilse der von Alten verfaßten Prospekte Kunden anlocken mußten. Räch diesen Prospekten sollte jeder, wie durch Fettdruck hervorgehoben wurde, eine.garantiert ähnliche Vergrößerung' einer vorhandenen Photo- graphie gratis erhalten. Wie e« mit dieser. Gratis lreferung' bestellt war, zeigte eine ander« Stell« des Prospelt» in kleiner Schrift, nach welcher der Besteller, wenn er nicht eine Retusche des Bilde« oder einen Rahmen hierzu bestelle, für da« unretuschierte Bild 85 Pf. zu bezahlen habe. Aufgabe der Reisenden war e« nun. den Leuten mitzuteilen, daß sie sich doch unmöglich da» unretuschierte Bild in da« Zimmer hängen könnten. Wenn die betreffenden Leute dann damit einverstanden waren, so waren sie nicht wenig erstaunt, daß sie für die.GratiS'-Vergrößerung 6 M. und mehr bezahlen mußten. Das Gericht war der Ansicht, daß schon in der Anwendung der Finna.Mitteldeutsch« Porträt- Zentrale' eine Täuschung des Publikums liege, da dieses hierdurch in den Glauben versetzt werde, eS handle sich um«ine große Firma»md eine durch Massenabsatz verbilligte fachmännisch« Arbeit, während der An- geklagte telbst gar nicht Fachmann» sei, sondern die Bildern bezw. Rahmen selbst erst ansenigen lasse. Mit Rücksicht aus die bisherige Unbescholtenheit de« Angeklagten lautete da« Urteil nur aus SO M. G e l d st r a f e._ Ei« Gemeingefährlicher. Ein Wüstling, der sich an einem Kinde vergangen, stand gestern in der Person de« Händler« Max Cohn vor der Ferienstrafkammer de« Landgerichts l. Der Angeklagte hott« eines Tage« da« Hau« Frankfurter Allee 64 betreten, um dort einen Abort aufzusuchen. Plötzlich hörten Hausbewohner von dieser Stelle klägliches Kinder- S«schrei und al» sie nach der Ursache sehen wollten, kam au« dem bort der Angeklagte herauSgestllrzt und sucht« zu entfliehen. Er wurde aber festgehalten und nun stellte«S sich heraus, daß er ein Keines fünfjähriges Mädchen durch 10 Pf. an sich gelockt und versucht hatte, e« an jenem verschwiegenen Orte zu vergewaltigen; als das Kind schrie, hat er sogar versucht, et durch Zudrücken der Kehle am Schreien zu verhindern. Da« Gericht verurteilte den Unhold zu 1 Jahr Zuchthau». Eutziehuug au« der Fürsorgeerziehung. Durch Beschluß deö Amtsgerichts in Berlin war der Sohn der Frau W. der Fürsorgeerziehung unterworfen worden. Er wurde der Anstalt in Lichtenberg überwiesen. Er entwich dann aus der Anstalt. Demnächst wurde er durch einen Kriminalbeanlten in der Wohnung seiner Mutter angetroffen, als er beim Essen saß. Er wurde festgenommen und gestand auf der Wache, bei seiner Mutter gegessen und geschlafen zu haben. Frau W. wurde vom Landgericht wegen Uevertretung des jf 31 des Fürsorgeerziehungsgesetze« zu zwei Wochen Gefängni» verurteilt. Es wurde angenommen, daß sie Beihilfe zur Ein- ziehung aus der Fürsorgeerziehung geleistet habe. Da« Kammer- gerickt hob am Dienstag da« Urteil auf und verwies die Sache zu nochmalig« Verhandlung und Eni- scheidung an das Landgericht zurück. Begründend tvurd« ausgeführt: Da« Uneil fei ntcht haltbar. In dem Teil der Urteilsgründc, wo festgestellt sei, wa« als erwiesen erachtet wurde, sei nur alSerwieicu hingestellt, daß die Angeklagte ihren Sohn beherbergt und beköstigt habe. Weiter führe dann da« Urteil au«, daß bei dem festgestelltcu Sachverhalt ein Vergehen gegen§ 21 de« FürsorgeerziehungSgesetze« vorliege. Bei dieser Erwägung komm« dann da« Urteil mit einem Male mit der Annahme, daß die grau wohl ihren Lohn im Keller verborgen gehalten habe. In dem erwähnten erwiesenen Sack- verhalt fehle aber jeder Anhalt dafür, wie das Gericht zu dieser An nähme komme, also an emer entsprechenden Feststellung. Fehle aber eine solche direkte Feststellung, dann fehle eine genügende Grundlage für die Anwendung des§21. Denn ein Gewähren von K o ü und Logt» allein genüge nicht zur Erfüllung de« Begriffs der Beihilft zur Entziehung au« der Füriorgeerziehung. Es müßte vielmehr in dies« Beziehung eine Tat, gleit vorliegen, die gegen die ZwangSerziehungSbehörde gerichtet sei. Wenn die Mutter weiter nichts tue, al» dem Kind« Kost und Nachtquartier zu geben, dann handele sie nicht gegen die Zwangserziehung«- behörde, sondern lediglich für da« Kind. Ilnrcc diesen Umständen sei eine nochmalige Nachprüfung des Gachverhalrs geboten, zu welchem Zweck die Zurückverweisung an die Vorinstanz erfolge.___ Ms aller Welt. DaS schwache Geschlecht. In der..Münchener Post' lesen wir nachstehende bemerken«- werte Geschichte: Am 30. Mai wurde in der Familie deS praktischen Arzte« Dr. I a u t in der Müllerstraße Geburtstag geftiert. Tie Gaste, die bei offenen Fenstern und Balkontüren tafelten, wurden gegen 2 Uhr nach« so laut, daß sich vor dem Hause eine kleine Menge ansammelte, die über das provozierend laute Gelächter zur Nachtzeit und der der gegenwärtigen KriegSzert sich entrüstet äußert«. Schließlich kam auch ein Schutzmann in Zivil, der an der Glocke de« Hauses läutete, um die Schließung der Fenster und Balkontüren zu veranlassen. Daraufhin verfügte sich die Frau Doktor in höchsteigener Person die Trepp« hinab, öffnete die Türe, versetzte ohne viele Worte dem Schutzmann einen S toß vor die Brnst, warf ihm die schwere HariStüre gegen die Nase und rauschte wieder die Treppe hinauf. Gegen die Dame wurde Anzeige erstattet wegen tätlichen vergreiftnS an einer Amtsperson, vor Gericht trat die Frau Doktor außerordcntlirl, selbstbewußt auf. Sie nahm unter strllschtocrgender Duldung des Gerichts nicht wie andere Sterbliche auf der Anklagebank, sondern am Berteidigertische Platz. Da» Gericht konnte sich indessen n i cb r dazu entschließen, die Dame zu verurteilen, weil angeblich nicht nachgewiesen war, daß die Angeklagte sich bewußt war,«inen Schutzmann vor sich zu haben. Interessant wäre gelvesen, setzt die..M. P. hinzu, zu erfahren. ob die laute Geburtstagsfeier, durch die die Rachruhe der An- wohner auf da« empfindlichste gestört wurde, nicht ein Strafmandar wegen groben NnsirgS im Gefolge hatte. Es werden zurzeit bäukig viel harmlosere Fülle als grober Unfug unter Straft gestellt. Der ideale Pressezeasor. In der russischen Duma besprach der sozialdemokratische Ah- geordnete S a d e n k o in einer Rede die Pressezensur und stelli- bei dieser Gelegenheit fest: »An einem Ort wurde die Zensur von einem verabschiedeten Obersten ausgeübt, der auf beiden Ohren taub war. in daß die Presse davon abgeschnitten war, ihre Vorstellungen mündlich vorbringen zu können.'__ Ein Drama auf hoher See. Londoner Blätter melden, daß ein norwegischer Dampfer inBrimSby zehn Mann der Be- satzung eines niederländischen HeringSloggerS ge- landet hat, der am Sonnabend früh 130 Meilen von �carborougv treibend aufgesunden wurde. Die Besatzung war Wahn- sinnig geworden und hatte drei Kameraden getöte i. Eine' Bauerntragödie. Au» Landau an der J'ar schreibt mau der„Düdd. Ztg.': Unmittelbar vor der Zwangsversteigerung seine« Anwesen« beim Notar entspann sich zwischen dem Gastwirt Berg- b a u« r und seinem Harwtgläubiger. dem Güterhändler Kellner, ein wilder Messerkamps, bei dem der Wirt. Vater von fünf Kindern. getötet und sein Gegner lebensgefährlich verletzt wurde. Der Wirt war von diesem verleitet worden, seinen schönen Bauernhof herzugeben und da« Wirtshaus dastlr mit an- zunehmen, auf dem er zugrunde gegangen ist. Ein schweres Autowodiluuglück ereignete sich in der Nähe von Z o p p o t. An einer Wegkreuzung stieß da« Automobil des Ober- Präsidenten v. Jagow mir einem Motorrad zusammen. Der Fahrer de« letzteren, der aus Breslau stammende Lazareltinspckloc Michalik, der dem Hilfslazarett Villa Miramare in Zoppot vor- stand, erlitt durch den schweren Zusammenprall de» Tod. parteiveranstaltungen. VberichSurwetdr. DomierStog, den 14. d. M.. abend« S>). Uhr. findet im Nilbelminenhol eine Sffentüik!« Versammlung aller Frauen, deren Männer zum Felddienst eingezogen und noch tingezogen werden(lalt. Ge- meindeveftreter R. Schwarzburger spricht über:.Rechte uns P stich ten der Kriegersrauen/ Recht reger Besuch wird er wartet. Spandau. Freitag, de» 17. Seplemder, abend« 8';, Uhr: Mitglieder- versainmlimg im.Roten Adler', vorn 1 Trepp«. TageSoriinung: 1. Bericht über die Boifrände-Konitienz. 2. Bortrag über polilische Tagesfragcn. 3. VeretnSangelegenbeilen. 4. Verschiedene». Jugenüveranstaltungen. Lankwitz. Die Jngcndgenossen unb Genossinnen beiciligen fiitj an der von den südwestlichen Vororten geplanten Spielpartie nach Lüwenhmch Treifpuntt ,/46 Uhr an der katholischen Kirche, Kuriürktenttraße. Fahrgeld 30 Ps. Tagesproviant ist mitzubringen. SitzmigStage der Stadt» und Gemeindevertretungen. RdlerShof. Freitag, den 17. d. M., abends S Ilbr, im Gemeinde- hau». StegliN. Freitag, den 17. September, abend«« Uhr. im Rathau«. Diese Sitzungen sind IssentNch. Jene»«emeindeangetzSng« iß de- rechtlgt, ihnen al» Zuhiree beizuwatznen. LSetteranSstchte» kür da« mittlere Rorddeutichland bis sifteitagmittag. MendS und morgen« großenteil« nebelig.(Zn den Tagesstunden warm und viellach heiter, aber' noch veränderlich. Nirgend« erhebliche Niederschläge. I. Haut.. Harn-, Frauenleiden. nerv. Schwäche, Betnkrant« jeder Art, Ehrlich Hat«- Knren in Hl. Homeyer Untersuchung.,»«»en i. Harn Usw. Fiiulrlcksti. 81, Stm Spr. 10—2, 5—9, Sonnt. 11—2. Honorar möbig, auch Tellzahl. 2 ev aratr« Tamenztmmer. Ltotte für MaHnzüge. Paletots, Dtster Meter 8, 8, 10, IS M. DaraeB-MiD- M Ulster-Stoffe „Raatzaltan' Meter 3, 5, 7 9R. SeiMselie. Persianer imit. Aatraeba« Meter 10, 15. 20 M. Koch A Seeland, räch l.ager Gertrandtenstraße 20—21.' 57« Deutsche Reichsauleihe. (Dritte Kriegsa»tleilse.) Zur Bestreitung der dr�ch den Krieg erwachsenen Ausgaben werden weitere 5% Schuldverschreibungen des Reichs lnerntit zur öffentlichen Zeichnung aufgelegt. Tic Schuldverschreibungen sind seitens des Reichs bis zum 1. Oktober 1934 nicht kündbar: bis dahin kann also auch ihr Zinsfuh nicht herabgesetzt werden. Tie Inhaber können jedoch darüber wie über jedes andere Wertpapier jederzeit(durch Verkauf, Verpfändung usw.) verfügen. Bedingungen. 1. Zeichnuugsstelle ist die Reichsbauk. Zeichnungen werden von Sonnabend, den 4. September, an bis Mittwoch, den ÄÄ. September, mittags 1 Uhr bei dem Kontor der Reichshauptbauk für Wertpapiere in Berlin(Postscheckkonto Berlin Nr. 99) und bei alle» Zweig- anstalte» der Reichsbank mit Kasseneinrichtung entgegengenommen. Die Zeichnungen können aber auch durch Vermittlung der Königlichen Seehandlung(Preußischen Staatsbank) und der Preußischen Central-Genoffenschaftskasie in Berlin, der Königlichen Hauptbank in Nürnberg und ihrer Zweiganstälten, sowie sämtlicher deutschen Bauken, Bankiers und ihrer Filialen, sämtlicher deutschen öffentlichen Sparkassen und ihrer Verbände, seder deutsche« Lebensverfichernngsgesellschaft und jeder deutschen Kreditgenossenschaft erfolgen. Auch die Post nimmt Zeichnungen an allen Orten am Schalter entgegen. Auf diese Zeichnungen ist znm 18. Oktober die Vollzahlung zu leisten. 2. Die Anleihe ist in Stücken zu 20 000, 10 000, 5000, 2000, 1000, 500, 200 und 100 Mark mit Zinsscheinen zahlbar am 1. April und 1. Oktober jede? Jahres ausgefertigt. Ter Zinsenlauf beginnt am 1. April 1916, der erste ZinSschein ist am 1. Oktober 1916 fällig. 3. Der Zeichnungspreis beträgt, wenn Stücke verlangt werden, 99 Mark, wenn Eintragung in das Reichsschuldbuch mit Sperre bis 15. Oktober 1916 beantragt wird, 98,80 Mark für je 100 M. Nennwert unter Verrechnung der üblichen Stückzinsen(vergl. Z. 8). i. Die zugeteilten Stücke werden auf Antrag der Zeichner von dem Kontor der Reichshauptbank für Wertpapiere in Berlin bis zum I.Oktober 1916 vollständig kostenftei aufbewahrt und verwaltet. Eine Sperre wird durch diese Niederlegung nicht bedingt; der Zeichner kann sein Depot jederzeit— auch vor Ablauf dieser Frist— zurücknehmen. Die von dem Kontor für Wertpapiere ausgefertigten Depotscheine werden von den Darlehnskassen wie die Wertpapiere selbst beliehen. 6. Zeichnungsscheine sind bei allen Reichsbankanstalten, Bankgeschäften, öffentlichen Sparkassen, Lebensverficherungsgesellschasten und Kreditgenossenschaften zu haben. Die Zeichnungen können aber auch ohne Verwendung von Zeichnungsscheinen brieflich erfolgen. Die Zeichnungsscheine für die Zeichnungen bei der Post werden durch die Postanstalten ausgegeben. 6. Die Zuteilung findet tunlichst bald nach der Zeichnung statt. Ueber die Höhe der Zuteilung entscheidet das Ermessen der Zeichnung-- stelle. Besondere Wünsche wegen der Stückelung sind in dem dafür vorgesehenen Raum auf der Vorderseite des Zeichnungsscheines anzugeben. Werden derartige Wünsche nicht zum Ausdruck gebracht, so wird die Stückelung von den Vermittlungsstellen nach ihrem Ermessen vorgenommen. Späteren Anträgen auf Abänderung der Stückelung kann nicht stattgegeben werden. 7. Die Zeichner können die ihnen zugeteilten Beträge vom 30. September d. I. an jederzeit voll bezahlen. Sie sind verpflichtet: 30% des zugeteilten Betrages spätestens am 18. Oktober 1915 20%„„„„„ 24. November 1915 25 o/o„„. 22. Dezember 1915 25%„ f„... 22. Januar 1916 zu bezahlen. Frühere Teilzahlungen sind zulässig, jedoch nur in runden, durch 100 teilbaren Beträgen des Nennwerts. Auch die Zeichnungen bis zu 1999 Mark brauchen diesmal nicht bis zum ersten Einzahlungstermin voll bezahlt zu werden. Teilzahlungen sind auch auf sie jederzeit, indes nur in runden durch 100 teilbaren Beträgen des Nennwerts gestattet; doch braucht die Zahlung erst geleistet zu werden, wenn die Summe der fällig gewordenen Teilbeträge wenigstens 100 Mark ergibt. Beispiel: Es müssen also spätestens zahlen: die Zeichner von M. 300 M. 100 am 24. November, M. 100 am 22. Dezember, M. 100 am 22. Januar, die Zeichner von M. 200 M. 100 am 24. November, M. 100 am 22. Januar, die Zeichner von M. 100 M. 100 am 22. Januar. Die Zahlung hat bei derselben Stelle zu erfolgen, bei der die Zeichnung angemeldet worden ist. Die im Laufe befindlichen unverzinslichen Schatzanweisungen des Reiche? werden unter Abzug von 5% Diskont vom Zahlungstage, frühestens aber vom 30. September ab, bis zu dem Tage ihrer Fälligkeit in Zahlung genommen. 8. Da der Zinsenlauf der Anleihe erst am 1. April 1916 beginnt, werden auf sämtliche Zahlungen 5% Stückzinsen vom Zahlungstage, frühestens aber vom 30. September ab. bis zum 31. März 1916 zugunsten des Zeichners verrechnet. für Schuldbuch- Beispiel: Von dem in Z. 3 genannten Kaufpreis gehen demnach ab für Stücke cintragungen b«i Zahlung bis zum 30. September Stückzinsen für ein halbes Jahr— 27,"/». tatsächlich zu zahlender Betrag also nur M. 99,50 M. 99,30 ,„ am 18. Oktober« sür 162 Tage= 2,25 7«,. ,, ,, M. 99,75 M. 99.55 „„ 24. November„ für 126 Tage= 1,75 7«,*„„ M. 97,25 M. 97,05 sür je 100 Nennwert. Für jede 18 Tage, um die sich die Einzahlung weiterhin verschiebt, ermäßigt sich der Stückzinsbetrag um 25 Pfennig. 9. Zu den Stücken von 1000 Mark und mehr werden auf Autrag vom Reichsbank-Direttorium ausgestellte Zwischeuschetue ausgegeben, über deren Umtausch in Schuldverschreibungen das Erforderliche später öffentlich bekanntgemacht wird. Die Stücke unter 1000 Mark, zu denen Zwischenscheine nicht vorgesehen sind, werden mit größtmöglicher Beschleunigung fertiggestellt und voraussichtlich im Januar 1916 ausgegeben werden. Berlin, im August 1915. Neichsbank-direktorium. Havenstein. v. Grimm. Qewerkschaftshaiis Sonntag, den 19. September 1915: Im herrlichen Naturgarten, bei schlechtem Wetter in den Parterre- sälen Unterhaltungsabend bei komischen und heiteren Vorträgen. Verstärktes Orchester. Einmaliges Gastspiel der Operettensängerin Frau Dr. Ffulda. Die Oscheit-Kapelle. Im Vartcrre-Restaurant: Sonntag mittag: Freitag, den 17, Sept. 1915, ein sehr billiger Schnell verkauf nicht unter 5 Pfd. a Pfund Ochfenfleisch, schier.... 1,50 Roastbeef........ 1,25 Kalbskeule« u. Rücken 1,20—1,30 Hammelkeulen und Rücke» 1,50 Schweinefleisch. Rohe Gansekleine 1,70-1,80 .. 1.50 a Pfund Meischwurst....... 1.80 Thüringer Schlackwurst,. 2,00 Gothacr Salami..... 2,00 Braunschweiger..... 1,80 Landleberwurst..... 1,60 Gefüllter Schinken.... 1,60 Knoblauchwurst..... 1,50 Pommersche Bratwurst.. i,so Ein Riesenposten holländischer Fettschweine das Pfund 1,79-1,89 M. Ein groster Posten Oderbrucher Fettgänse von 19 bis 13 Pfund, das Pfund 1,39— 1,40 M. Diese komme« auch heute schon zum Berkauf. Suppeokuochen das Pfund 39 Pf. Zentralverband der Handlungsgehilfen. Bezirk GroB-Berlln. Heute TonnerStag. den 1«. September, abends 8'/, Uhr: Mitglieder Vers ammlung in den.IrmlnkuIIeii, Komandantenftr. 58/59. Tagesordnung: 1. Kassenbericht sür das 1. und 2. Quartal. 2. Geschöstsbericht. 3. Be» richt der Revisoren. 4. Verschiedenes. IM- Wir bitten unsere Mitglieder, recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen, da laut Verfügung die Versammlungen um 11 Uhr geschlossen werden müsse». 78/7 Blv Ortrvenrultuue. Bentsches Theater. Direktion: Max Reinhardt. 7l/3 Uhr: Jadith. •Freitag: Was ihr wollt. Kamin erspiele. 8 ITlir: Der W'elbstealel. Freitag: Wetterleuchten. Volksbühne. Theater a. BQIowpl. 81/, Uhr: Der Kaufmann v. Venedig. Freitag: Die Räuber. IIRASiill TaubenstraBe 48/49. 8 Uhr: Von den Karpathen bis BrestsLitowsk. Theater für Donnerstag, 16. September. Bontls Operetten-Theater Gastspiel Louis Treumann, 8 Uhr: Hoheit tanzt Walzer Berliner Theater g uhr: Extrablätter. Deutsches Künstler-Theater. s uhr: König Salomo. Lessms-Theater. s uhr: Baumeister Solneß Deutsches Opernhaus Chartottbg. 8 uhr: Die Fledermaus. Friedrich-Wilhelmsfädt. Theater. s-/.uhr- Lehmanns Kinder Gebr. Hermfeld. Theater s uhr: Benjamin macht alles. Kleines Theater. L'/.u.: Ein kostbares Leben. Komische Oper. s uhr: Jung muß man sein. Sonnt. S'/.U: Gold gab ich für Eisen. Lasts] B'U astspielhans. rU.Jerrsehaltl. Diener gesucht Residenz-Theater sv. Uta Der Sonnenvogel. Schiller- Theater O. s uhr: Rosmersholm. Schlller-Th.Charlottenbg. I.Yhiaie: Mein Leopold. Thalia-Theater. s Uta; Drei Paar Schuhe. Theater am Xollendorfpl. 81/« Uhr: Immer feste druff: SonntS'/jUhr: Die Dollarprinzessin. Theater des Westens 8 uhr: Der brave Fridolin Theater in der Königgräfzer Straße 8 uhr: üeber die Kraft. Trianon-Xheater. 87. u,: Die Hydra. V oigt-Theater. Badstr. 58. Badstr. 58. Beginn der Winterfaifon: 39. September 1913. '.'lbonnemenls werden entgegen- genommen. Thctäc? Fe lies Capricc g'u Possen-Theater öz. Onkel Mendelsohn Citrons geben sich die Ehre mit Leonhard Hasbel nnd Siegfried Bcrlsch. Rose-Theater. 8 Uhr: Der Goldfuchs. Sonntag 3 Uhr: Die Etiegerbraut. Walhalla-Theater. Anfang 8 Uhr: Tie Stunde kommt! Sonntag 3 Uhr: Muttertagen. Friecirichstr. 218 Direktion: Adolf Vogel. Heute Donnerstag. IHept. Kroße A mit kolossalem Progr.!| Else Kupfer 1 Sylvester-Trio, Fang- kunstler | Rolf Bolbein, Kora. Mal- Akt 1 Kmilia Rose, Anti- podenspiele Patti- Frank- Truppe Jleister der Akrobatik Berta Steinert und 2 Assistent., phänom. Kunstschütz, u. Equilibr. Mia Werber | BrUder Stanley, Zeitvertreib i. Billardsalon | J. Garcla, unerreichte Schattenspiele 4 Korleys 4 Terwandl. Tans-Akt Regia" Martin Kempinski Humorist „Alles in Trümmer" Humoristisch.Pantomime Neueste optische Berichte vom Kriegsschauplatz. Jaul Lincke dirigiert!�i Casino? Theater Lothringer Str. 37. Tägl. 8 llhr: Die neue Berliner Bolksposse Familie Schnase. Ilrberlm. Handlung. Urberlin. Figuren. Borher der erstkt. Spezialitäten-Teil. Vorverk. j. b. ganze Woche o. 11— 2 Uhr. Sonnt. 4 Uhr: IM« gute Ttama. I musl kal. Wund., spielt f I 22 Instrumente> I Tägl. 8 Uta Sonnt. 37, u. 8 Uhr Das Programm! Reiebsballen-Tbealer. Stettiner Sänger. Ans. 8 U. Zum 226. Male: 1. Militärisch. Zeit bild von Meysel. Miiitärpcrionen u. deren Angehö- rigen vollkommen ireier d.Stett. Zutritt zu oängern Verwaltungsstelle Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Bureau geöffnet von 9—1 Uhr und von 4—7 Uhr. Achtung! Die Branchenversammlung sowie die Ver- trauensmännerkonferenz der Rohrleger und Helfer sällt diesen Monat aus. Achtung! Klempner! Die Konferenz der Vertrauenspersonen findet in diesem Monat nicht statt. 119,6 vi« OrtsTarwaUnng. Zirkus Busch. Fernspr. Norden 840 Wiedereröffnung Sonnabend, 18. September, abends 8 Fhp, persönl. Leitnug des Direktors Kommissionsrat P. Busch mit einem auserlesenen Spielplan von 15 erstklassigen Nummern 15 Vorverkauf täglich ab 10 Uhr an dop Zirkus- kassen, bei A. Wertheim und Invalidendank. Durchweg ermäßigt© Kriegspreise. �■£iri Bahnh. Börse. Wh Sonnabend, ij unter persönl. Leit mit eine I iMF 18 erst: Vorverkauf kassen, bei Dnrchwe) Zentralverband der Lederarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. . Filiale Berlin I., S o n n a b e n d, den 18. September, abends 8 Uhr, bei Schmidt. Prinzen-Allee Nr. z»: 133/9 1=� Versammlung Tagesordnung: Tie Unterstünungsfrage. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Verantwortlicher Rehalteur: Alfrep Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Dh. Glocke. Berlin. Druck».Verlag: Borwärt« Luchbruckerei u. Verlagsanjtalt Paul Singer& Co, Berlin SW.