Ar. 257.-32. Jahrg. flbonncmcntS'Bedlngungni: ITbomtemnUä• Brei» drämmlermld»! kirrteljährl.&S0 Ml. monatl. LIO SH, wöchentlich 25 Pfz. frei int fyaA. 6tttjelne Kummet 6 Pfg. Soimtagt- v urnrner mit illustrierter Eamrwq». Seillige«Die Keue Welt� 10 Pf«. Post» tibonnemcnt; 1.10 KaiJ pro Ä o n a t Singelrageu in dir Post» Zeimnot- kreisliste. Unter Kreuzband jüt Teutschland und Oesterreich- Unaarn 2 50 Mari, für da- übrige ilnsland 4 Marl pro Zllonat. Postabonnementt nehmen an: Belgien, Dänernari, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, KuBiäniav Schweden und die Schweis Vlchelül Lgllch. Vevlinev Volksblstt. Zcntralorgan der rozialdemokratifchcn parte» Deutfchlands. ( 5 Pfennig) Bk Tnfcrttons-Gcbütjr betrügt für die sech-gespallene Kolonel- gelle oder deren Raum W Pig.. für politische und gewerkschaftliche Lerem-?- und Bers-munlungs.Anzeigen SO Pig. „Kleine Hnrcigen", daS settgedrullie Wort 20 Pfg. lznlässig 2 fettgedruckte Worte), jede« weitere Wort 10 Pfg. Etelleitgesuche und Schlafstellenan- g eigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buch. stoben zählen sür zwei Worte. Inscrole für die nächste Rümmer milfsen bis k» Ilhr nachmittags in der Expedition gbgegeben werden. Die Erpeditiou jtt pid 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „SozialdtnteKkJt RtrliB", Neöoktion: SW. öS, Linüenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moristplati, Nr.»öl SV— 151 07. Freitag, den 17. September 1915. Expedition: SW. 6$, Lindenstrahc 3. Fernsprecher t Amt Morippsgst. Nr.»Z»N«— 1S1S7. Lebensmittelstagen im Verlmer Rathaus. Mittelpunkt der Verhandlungen der gestrigen Stadt- derordnetenversammlung standen Lcbensmittelfragen. Tie Lebensmittelversorgung und die Teuerung ist für die groß- städtische Bevölkerung von höchster Wichtigkeit. Der Magistrat hatte der Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage ge- mackt. in der über das Verhältnis zur Reichsgetreide- pesellschaft und von der Einsetzung von Fachausschüssen zur Kontrolle der Preisgestaltung auf dem Lebensmittelmarkt Grotz-Berlins Mitteilung gemacht wurde. Zur Begründung sagte Oberbürgermeister Wer in u t h i Unsere Vorlage betrifft zwei der wichtigsten Kapitel in der Geschichte der NahrungSurittelversorgung Berlins während des Krieges. Ucbcr die Entwickelung der Browcrsorgung ist Ihnen eine Denkschrift zugestellt worden, aus der Sic ersehen, daß Berlin rechtzeitig und frühzeitig seine Kriegspflicht zu erfüllen bemüht war, nicht nur durch Ankauf von Lebensmitteln, sondern auch durch Anregung allgemeiner Mahnahmen des Reiches, an denen unsere Gemeinde sich beteiligen könnte. Diese Anregung hat, wenn auch erst nach einigen Monaten, zur Gründung der Kriegsgetreidegcsell- schaft geführt und die Stadt erlangte durch ihre Beteiligung einen unmittelbaren Einfluß auf die Getreidcversorgung der großen Massen. Auf dieser Gesellschaft fußte dann die Beschlagnahme des gesamten deutschen Getreides, und die BundcSratsvcrordnung vom 25. Januar 1915 brachte eine gesunde, durchgreifende Rege- lung, eine einheitliche, haltbare Grundlage für dos Reich und doch völlige Bewegungsfreiheit für die Gemeinden in der Einzclausgc- staltung. Ter dann bcschrittcnc, von uns selbst damals noch für halsbrecherisch gehaltene Weg deS Brotkartcnfystcms tn Grotz-Beriin bat diesem System in allen deutschen Gemeinden die Bahn ge- b rochen. Die Bevölkerung hat sich ihm ohne Besinnen und mit einem gewissen stillen Humor gefügt; sie bürgerte sich so rasch und selbstverständlich ein, weil jedermann in Stadt und Land von der Kriegsnotwendigkeit und von der gleichmäßigen Gerechtigkeit dieser Einrichtung für Stadt und Land, sür Bemittelte und Uubc- mittelte vollständig überzeugt war. Ganz so frei von Zweifeln, wie in den ernstesten Stunden des vorigen Winters können wir der neuen Regelung des Brotwcsens nicht gegenüberstehen. Der Versuch, die Städte von der Organisation ganz auszuschalten, ist ja nicht gelungen; aber eine gewisse Rückbitdung bedeutet die neue..Reichsgetreidestelle" dennoch. Wir befürchten, daß die Gctveidevcrsorgiing sich allzusehr zersplittern und zerspalten wird, daß eine Unzahl kleiner KricgSgetrcidcgcscll- schuften entstehen wird, daß die ländlichen Kreise davon Vorteil haben, die Städte, namentlich die Groß- städte.aver darunter schwer leiden können; namcnt- lich kann der Mehlpreis dadurch in Höhe und Gleichmäßigkeit bc- cinflußt werden. Wir müssen also diese Entwickelung mit größter Aufmerksamkeit verfolgen. Die bisherige Regelung hat Wirtschaft- luh wie ftnanziell sich durchaus dewährt; zur peinlichen Ucber- raschung aller Äationalökonomcn des feindlichen Auslandes haben wir das erste Kricgsjahr ohne ernste Störung der Volköernährung durchlebt; das erste Kricgsjahr wird auch wirtschaftlich immer ein Stolz für das deutsche Volt und eine fteudige Erinnerung für die deutschen Gemeinden sein dürfen. sBeifall.) In diesem Zu- sammenhang danke ich namens des Magistrats der Versammlung für ihren Anteil an diesem Ergebnis; ich spreche auch dem Magistratsdezernenten für seine Wirksamkeit die herzlichste Auer- kennung aus.(Beifall.)— Der Eintritt in das neue Erntejahr zeigt eine veränderte Beurteilung der Sachlage. Acngstlichkeit wegen des Vorratsquantums hält man nicht mehr für am Platze; in- den Vordergrund soll treten die Betämpsung der Auswüchse in der Preisbildung. Gewiß ist die diesjährige Ernteaussicht sehr er- fteulich, sür Kartoffeln sogar sehr günstig, aber trotzdem und weil auch ein llnsichcrheitskoesfizient eingesteLt werden muß, sollte man fest entschlossen sein, auf strenger Kriegssparsamkeit zu beharren. Jeder Verführung, das Brotkartensystem zu lockern, muß Wider- stand geleistet werden. Hinsichtlich der Preise für Fleisch, Milch, Butter, Eier usw. schien bis vor kurzem die Strömung vorherr- schend, für den kommenden Winter den Städten den Zwang auf- zuerlegcn, lediglich dem Kleinhandel Höchstpreise für alle wichtigen Rahrungsmittel vorzuschreiben. Diesem Vorhaben können wir keinen günstigen Ausgang voraussagen.(Zustimmung.) Die Städte können ihren Bedarf auch nicht„unter der Hand" ankaufen, was das heißt, haben wir im borigen Jahre erfahren. Wird ein Zwang »ur Festsetzung von Höchstpreisen innerhalb der Gemeinde geübt, dann muß die Gemeinde auch die Mittel haben, sich die erforder- lichen Warenmengen zwangsweise zu beschaffen(Sehr rich- vgl), und zwar durch Vermittelung der Gcsamtbeit, des Reiches. Wir dürfen hoffen, daß das Reich es sich angelegen sein lassen wird, für alle wichtigeren Artikel, besonders Milch. Karloffcln und Schweinefleisch, zu prüfen, wieweit die Höhe der Vorräte und Preise zum öffentlichen Einschreiten nötigt, und bejahendenfalls mutz durch Beschlagnahme oder Vermittelung von Zwangsankäufen dafür gesorgt werden, daß den Gemeinden die Warenmengen zu ganz bestimmten Preisen zufließen. Nur dann kann die Gemeinde Kleinhandelshöchstpreise festsetzen; sonst muß man das Haupt- augemnerk auf die Bekämpfung der Auswüchse im fteicn Handel richten. Beiden Möglichkeiten sollen unsere Preis-Kontrollörgane MUn des@tolen hnUWMs. Amtlich. Großes Hauptquartier, den IQ. September 1915. ,W.?. B.j Westlicher Kriegsschauplatz. Keine weseutlicheu Ereignisse. Ocstlichcr Kriegsschauplatz. sseeeezgruppe des Generalfcldrnarfchalls v. ssindenburg. Auf dem linke» Ufer der Düna drangeu unsere Truppen unter erfolgreichen Kämpfen in Richtung auf I a ko b st a d t weiter vor. Bei Liwenhof wurden die Russen auf das Ostufcr zurückgeworfen. Nördlich und nordöstlich von W i lu a ist unser Augriff im Borschreiten, dem Vordringen nordöstlich von G r o d n o setzt der Feind noch zähen Widerstand entgegen. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls prlna ceopold von kapern. Die Lage ist unverändert. Heeresgruppe des Generalfcldmarlchalls v. lllachenlen. Halbwegs Janowopiusk versuchten die Russen erneut, unsere Verfolgung zum Stehen zu bringen. Die feindlichen Stellungen wurden durchbrochen, sechs Offiziere, siebenhundertsechsundvierzig Mann gefangen genommen, drei Maschinengewehre erbeutet. DaS Gelände zwischen Pripjet nnd Jafiolda und die Stadt Pinsk sind in deutschem Besitz. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Wie an den vorhergehenden Tagen scheiterten rusfischc Angriffe vor den deutsche» Linien. Ob erste Heeresleitung. ** * Set WmilMe GemiMMW. Wien, 16. September.(W. T. B.) Amtlich wird»er- lanlbart: Wien, 16. September 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Alle Versuche der Russen, unsere ostgalizische Front ins Wanken zu bringen, bleiben erfolglos. Gestern führte der Feind untcr großem Aufwand von Artilleriemunition scinc Haupt- angriffe gegen unsere Front an dcr mittleren Strypa. Er wurde überall geworfen, wobei unsere Truppen durch Flan- kierungSangriffc aus dem Brückenkopf von Buczacz und aus dem Räume südlich von Zaloczc mitwirkten. Bei der Erstürmung des zwanzig Kilometer südlich von Zalorze liegenden Dorfes Zebrow wurden dem Feinde 11 Offiziere und 19(16 Mann als Gefangene abgenommen und 9 Maschinen- gewehre erbeutet. Auch inWalhynien haben unsere Streitkräfte zahlreiche Angriffe abgeschlagen. Bei Nowo Aleksiniec wurden die Russen in erbitterte« Handgemenge ans de» Schüheugräben des Jnfauterie-Regiments Nr. 85 vertrieben. Bei Nowo- Poczajcw war eS dem Feind vorgestern gelungen, an einzelnen Punkten auf das westliche Jkwa-Ufer vorzubreche». Gestern wurde er überall auf daS Ostufer zurückgeworfen, wobei er unter dcm flankierenden Feuer unserer Artillerie große Verluste erlitt. Neben dem Jnsanterie-Regiment Nr. 32 und dem Fcld-Jäger- Bataillon Nr. 29 gebührt dem Linzer Landsturm-Regiment Nr. 2 ein Hanptvcrdicnst an diesem Erfolge. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert.— Versuche der Italiener, unsere Stellungen ans dem Monte Piano im Osten zu umgehen, wurden vereitelt. Der Stellvertreter des Chefs deS GeneralstabeS: v. H o e f e r, Feldmarfchalleutnant. dienen.— Uneingeschränkt darf das Gesetz von Angebot und Nach- frage in einer Zeit nicht walten, die uns den ftcien Markt ab- sperrt und uns auch sonst einengt. Gleichmäßige Versorgung ist jetzt oberstes Gesetz, nicht Konjunkturgewinn, nicht Ausbeutung dcr Notlage des Verbrauchers; nur einen objektiv mäßigen Nutzen für Erzeuger, Groß- und Kleinhändler kann und darf es im Kriege gehen.(Sehr gut.') Wir dürfen annehmen, daß den Kontrolllom- Missionen in allernächster Zeit weittragende öffentliche Befugnisse beigelegt werden. Eine Verantwortung, die uns nicht zukommt, können wir nicht tragen. Aber wie es sich für Berlin ziemt: mutig gehen wir, wenn uns ein neuer Kricgswintcr bevorsteht, in ihn hinein!(Lebhafter Beifall.) Stadtv. Wurm(soz.): Vollaus hat der Magistrat und der Oberbürgermeister in den Grenzen seiner Zuständigkeit seine Schuldig- keit getan. Tatsächlich hat aber doch eine unverhältnisniäßige Teuerung Platz gegriffen. Natürlich kann nicht in Kriegs- zeiten eine Organisation aus dem Boden gestampft werden, wenn man in Friedenszeiten auf dem Gebiete der Nahrungsmittelvcr- sorgung alles völlig vernachlässigt bat, wenn trotz alle? unseres Drängens die Kommunen mit Machtmitteln auf diesem Gebiete nicht ausgestattet worden sind. Daß wir jetzt Preise zu zahlen haben, die in keinem Verhältnis zu den Vorräten stehen, liegt aber auch daran, daß den Gemeinden eine Vcrantwortting aufgehalst ist, der keine Rechte gegenüberstehen, die ihnen nur die Reichs- gcsctzgcbung verleihen kann. Hoffentlich wird jetzt endlich dieser Weg beschritten werden, nachdem im Reichstage entsprechende?ln- träge meiner Freunde angenommen worden sind. Auch wir beklagen ja tief die agrarische Bovorzugung; immerhin werden wir eine bessere Ausmahlung des Getreides bekommen, es kommt weniger. Kleie in das Brot hinein, die Ration ist um ein Achtel erhöht, und wir hoffen, daß dieses Achtel denjenigen zuteil werden wird, die es besonders benötigen, die Arbeiter, Kinder, Kranke. Die Denk- schrift beweist schlagend, welche Triumphe die Sclbstverwaltttng feiern kann; sie meint am Schlüsse, daß man„in Zeiten der Per- legenheit" sich an den höheren.Stellen sehr wohl erinnere, daß im Bürgertum eine ungeheure Tatkraft schlummere. Wir erwarten, daß man es nicht erst wieder zu einer„Verlegenheit" kommen lassen wird, zu Ausschreitungen der rücksichtslosen inneren Feinde, dcr Wucherer. Herr Delbrück versprach im Reichstage den Kom- muncn die notwendige Bewegungsfreiheit; aber noch jetzt, nach vier Wachen ist kein Erlaß ergangen, obwohl jeder Tag dem Volke Millionen kostet, um die die Nahrungsmittel der- tcuert werden, wenn gegen den Wucher nicht eingeschritten wtrd, Nicht nur die Arbeiter, auch die Bcanttcn, die Angestellten, die selbständigen Gewerbetreibenden leiden anfs schwerste darunter, und das, ohne daß ein sachlicher Grund vorhanden wäre als dcr, daß die Besitzer der Nahrungsmittel glauben, sie können den Krieg' als Konjunktur ausnutzen. Eine solche Aus- Wucherung der Bevölkerung kann unmöglich geduldet werden. Mit Ehrenstrafcn bei Wucherern ist wenig geholfen; Leute, die das Volk aushungern und auswucherir, bei denen sitzt die Ehre im G c l d s a ck, die kann man nur treffen, wenn man ihr Vermögen, ihren Betrieb konfisziert. Viel wichtiger als Strafen ist aber Vor- beugen; und da muß mehr geschehen, als dcr Bundesrat bisher getan hat. Sein Erlaß gegen die übermäßige Preistreiberei sieht sehr schön aus; aber auch hier werden die Gemeinden stiefmüttcr- lich behandelt; für Verlin ist nicht die Gcmcinhxbchördc, sondern der Polizeipräsident zuständig- Daraus ergibt sich schon ein Zeit- Verlust, dcr die etwa nachfolgenden Schritte unwirksam macht; dann ober: wer stellt fest, was„übermäßige" Preise sind, wenn dafür keine Instanz besteht? Soll in jedem Einzelfall der Richter anac- rufen werden? Diese Bestimmung ist einfach ein Schlag ins Wasser, eine Vorspiegelung falscher Tatsachen. Dcr Gemeinde mutz die betreffende Befugnis gegeben werden, die Gemeinde muß berechtigt sein, die Bücher einzusehen, wahrheitsgemäße Angaben zu fordern und eventuell Strafen auszusprechen. Das Recht. Höchstpreise festzusetzen, muß ferner ergänzt werden durch das Recht, Ware zu bekommen. Dazu gehört eine Reichs- Zentralstelle, wie sie dcr Reichstag einstimmig verlangt hat, eine Stelle, die das Recht dcr Beschlagnahme und dcr Enteignung von Lebensmitteln hat, die dann den Kommunalvonständen zur Verfügung gestellt werden. Vergebens warten wir auf diese BundeKratsverordnung. Die Schwierigkeiten, die die Beschlag- nähme machen soll, sind in Wirklichkeit nicht vorhanden. Für die Milch ist ja freilich dcr Einwand von Bedeutung, daß niemand gezwungen werden kann, Ware zu produzieren In Leipzig hat man feststellen können, daß die Produzenten, denen die Milch- Höchstpreise nicht paßten und die auch mit Butter und Käse nicht auf ihre Rechnung kamen, die Milchkühe schlachten ließen, weil das für sie dos bessere Geschäft war. Hier nttjßte die Zentralstelle eingreifen können, sie muß die Macht haben, das Erforderliche vorzukehren, um die Milchproduktion wieder in die richtigen Wege zu leiten. Auch die Eiseirbahnverwattung s ollte mit Frachtermäßigungen bellend eingreifen; Höchstpreise für Butter und Käse sind gleichfalls nötig. Hat doch eine Genossen, schaftsmolkerei 17 Proz. Dividende verteilt, eine Wucherdividende!?l>ich gegen die F l c i s ch n o t ist nur mit der Enteignung Abhilfe inögliey. Bei dcr Suche nach der Schuld an den hohen Fleischpreisen ist man auch aus den hohen Schlachtlohn aus dem Berliner Schlachthof gekommen. Selbst dcr Aitsnähinelohn von 35 M. aber bedeutet sür das Pfund Fleisch nur Ii Pfennig mehr, kommt also absolut nicht in Betracht. Jeder sucht die Schuld an dcr Verteuerung auf den anderen abzuwälzen. Wir tappen da vollständig im Dunkeln. Sind die Landwirte nicht schuld, so müßten die Agrarier die ersten sein, mit uns für die Gemeinden die Preiskontrolle zu verlangen. (Zuruf: Sic werden sich hüten!) Warten wir ab, wir hoffen, daß eine Verordnung herauskommen wird, die den gemeindlichen Fach- kommissionen die erwähnten Rechte gibt. Unser Gemüsebau auf den städtischen Gütern ließe sich leicht an Umfang vergrößern; eine Gemeinde, die selbst als Produzent auf den Markt tritt, kann dann auch den Preis mitbestimmen. Aber so etwas läßt sich jetzt im Kriege nicht von heute aus morgen machen.— Verweigert der Bundesrat der Gemeinde diese Vollmachten, dann kann diese nm erklären, sie könne keine Verantwortung tragen, ohne die Macht» mittel zu beichen. Wir hoffen, daß die Beschlüsse dc-Z Reichstages dazu führen werden, daß der Bundesrat endlich diese Verordnung erläßt und daß tau der Auswuegerung ein(5ndc gemacht wird. Tie Zeit drängt! iBcifall bei den Sozialdemokratien.) Stadtb. tsirssel: Alles, was praktisch hier in Frage kommt, ist schon in der Rede des Ccherbürgcrmeisters skizziert worden. Ten Vorwurf des Wuchers ganz allgemein zu erheben, wie es in den Worten des Vorredners lag, ist nicht berechtigt. Mit dem Vorredner hoffe ich, daß der Magistrat mit Nachdruck die ihm un- entbehrlichen Befugnisse von der Ncichsverivaltnng verlangen und erlangen wird. Dem Lobe der Denkschrift und der Anerkennung für den Magistratsdezernenten schließen wir uns freudig an, zollen aber auch der rastlosen und energischen Wirksamkeit des Tber- bürgermeistcrs auf diesem Gebiete»nsern ganz besonderen Tank. (Zustimmung.) Stadtv. Dr. Kuhlmann(Fr. Fr.) äußert sich im wesentlichen in gleichem Sinne wie Cassel. Mit dem Oberbürgermeister bedauert er, daß die großen Kommunen bei der Umgestaltung der Kriegs- getreidegescllschaft so schlecht weggekommen sind; an Rechten hätten sie überhaupt nichrs behalten. Mit der Einrichtung der Preiskon- trolle könne der Berliner Handel zufrieden sein. Tie allgemeinen Angriffe gegen den Lebensmittclwucher schössen über das Ziel hin- aus; die neuen Znstitutionen sollten ja erst prüfen, ob und wo Wucher vorliegt. Mit dem andauernden Geschrei über Wucherpreise arbeite man eigentlich nur weiteren Preissteigerungen vor.(Zu- stimmung und Widerspruch.) Im allgemeinen werde man mit der Kontrolle keine irgendwie bedeutenden Ermäßigungen erzielen; man werde die Teuerung hinnehmen müssen. Tamit schlössen die Ausführungen über diesen Gegen- stand. Hoffentlich veranlassen sie den Bundesrat zu schnellen und wirksamen Maßnahmen, damit die Bevölkerung den be- vorstehenden Winter, sollte es noch einmal ein Kriegs- Winter werden, nicht allzu schwer zu überstehen braucht. Der rusilsche Generalftabsbericht. Petersburg, 16. September.(W. T. B.) Ter Große G c n c r a l st a b hat gestern abend bekanntgegeben:?tord- lvestlich von D ü n a b u r g entwickelte der Feind ein heftiges Artilleriefeuer in der Gegend der Straße Jlluxt- Elowka. Südwestlich von Tiinaburg griff der Feind ohne Erfolg an und zwar zivischeu den Seen von Ovilc und Wcikuze und zwischen der Straße nach Tiinaburg und der Meierei Samawy. Von Dawgelischki und Mewerjischki nordöstlich von Swientziany haben wir die Deutschen vertrieben. An den Uebergäugen des Wilijaflusses in der Gegend östlich der Eisenbahn von Warschau ivurde der Feind zurück- geworfen. Lebhafte örtliche Gefechte fanden in der Gegend dcZ Dorfes Ziuki östlich von S k i d e l und in der Gegend der Eisenbahn Wolkoivysk— Lida statt. Am Ober- lauf des Njemen ging der Feind mehrmals zur Offensive über. Nördlich des Fleckens Mosty trieb der Feind unsere Vostcu über den Fluß Selnia zurück. Oestlich desselben Fleckens wurden erbitterte deutsche Augriffe abgelviesen. An der Straße von KartuSka-Bcrcza nach Siniawka erreichten die feindlichen Vorhuten den Griwbafluß. Zwischen Jasiolda und Pina entwickeln sich Kämpfe nordivcsllich und westlich von Pinsk bei den Dörfern Motol, Nowoschizp und Potapo- witsch!. Oestlich von Kowcl und am Fluß Stochod machten wir bei der Einnahme der Dörfer Hulewicze und Rudka- Nirynska nach hartnäckigem Widerstände zwei Offiziere und 74 Soldaten zu Gefangenen und erbeuteten vier Ma- schineugewchre. Der Feind, der an seiner Front südlich vom Pripjet westwärts zurückgeworfen worden ist, macht an verschiedenen Orten Gegenangriffe mit starken Kräften und leistet hartnäckigen Widerstand. Bei der Einnahme der feindlichen Stellungen bei den Dörfern Korabliszczi und Pohorjelce im Nordosten von Dubno fielen sieben Maschinengewehre, eine Kanone, 57 Offiziere, Lästll Soldaten in unsere Hände. Durch den darauf folgenden Gegenstoß wurden unsere Truppen zurückgeworfen. In dem Kanipfe in der Gegend von Hladki und Worobiokolvka im Nordlvesten von Tarnopol machten wir 5 Offiziere, 547 Soldaten zu Gefangenen und erbeuteten zwei Maschinengewehre. Das Dorf Worobiowka und das Gehölz im Norden davon wechseln den Besitzer. Am Strhpa-Flnß südwestlich von Tarnopol eroberten lvir durch einen kräftigen Angriff das Torf Bie- niawa. Ter Feind floh auf das andere Ufer des Flusses, wobei er große Verluste erlitt. Ein hartnäckiger Kampf ent- wickelt sich an der Strypa westlich von Trembowla in der Gegend des Waldes von Burkanoiv und des Dorfes Zlotniki. Gegen Abend durchbrachen unsere Truppen die feindlichen Drahtverhaue, warfen den Feind durch Bajonettangriff aus seinen Schützengräben, bemächtigten sich des Torfes und des Waldes und gingen im Rücken des Feindes auf das andere Ufer der Strypa. Wir machen hier mehr als 1500 Gefangene. Der französische Tagesbericht. Paris, 16. September.(W. T. B) Amtlicher B c- r i ch t von gestern n a ch ni i t t a g: Im Artois fanden im Abschnitt von Neuville und Bretcncourt Känipse niit Hand- granatcit statt, die von einigen Artillerieaktionen begleitet ivaren. Kämpfe mit Bomben ereigneten sich ini Gebiet von Lihons westlich von Chaulnes und im Saint Mard-Wald östlich Tracy le Val. Ziemlich lebhaftes Geschützfeuer nördlich des Lagers von Chalons. Im Westteil der Argonnen gab es Minenkämpfe. Die Nacht verlief ohne Zivischenfall auf der übrigen Front. Paris, 16. September.(W. T. B.) Amtlicher B c- r i ch t von gestern abend. Nördlich und südlich von Arras sowie im Gebiete von Roge wurde» die Artilleriekämpfe kräftig fortgesetzt. Auf der Hochfläche von Ouennevieres Kämpfe mit Bomben und Handgranaten. Am Aisne Marne- Kanal ist die Tätigkeit der beiden Artillerien aus die Front Berry au Bac-Laneuville gerichtet, wo der Feind seit einigen Tagen sich bemüht, uns aus unserem Brückenkopf von Sapig- ticul zu verjagen. In der Ehampagne Artilleriekampf, der gegen Abend langsamer wurde. Auf den Maashöhen stellten ünserc Beobachter die Zerstörung einer iciitdlichcn Batterie fest. Aus dem Walde von Apremont, den: Priesterwalde und dem Gebiet von Saint Tis wird gleichfalls Artillerictätigkeit gc- meldet, bei der wir im Vorteil blieben. Luftgefechte an üer englischen �ront. London, tK. September.(W. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Feldmarschall French berichtet: Auf beiden Seiten wurde lebhafte artillcrisiischc Tätigkeit entwickelt, vor allem südöstlich von ArmentiereZ und bei Dpern. Drei feindliche Flugzeuge wurden zum Landen gezwungen, zwei davon waren von unseren Kanonen gc- troffen. Im Laufe dicicr Woche fanden über den deutschen Linien einundzwanzig Luftgefechte statt; elfmal zogen die Deutschen den kürzeren. /lnkunft französischer �lustauschgesangener in Konstanz. Konstanz, 16. September.(W. T. B.) Gestern abend sind die ersten französischen Austauschgefangene u. 300 M ann an der Zahl, hier eingetroffen. Sie wurden in Lazarette verbracht, wo sie von einer Kommission noch einmal untersucht werden. Deutsch-englischer Austausch von Diensinntauglichen. Durch neutrale Vermittlung ist zwischen der deutschen und der großbritamiischcu Regierung nunmehr eine Verständigung dahin getroffen ivordcu, daß von beiden Teilen den im Ge- biete des anderen Teiles zurückgehaltenen Männern zwischen 17 und 55 Jahren die Abreise gestattet wird, soweit sie für eine militärische Verwendung während der Tauer des Krieges untauglich sind. Melüung öer italienischen Heeresleitung. Rom, 15. September.(W. T. B.) Amtlicher Kriegs- b c r i ch t. Ter Feind, der dieser Tage bedeutende Verstär- kungcn erhalteil hatte, versuchte an mehreren Pliukteu der Front ciiieu starken Druck gegen unsere Linien durch In- fanterieangriffe auszuüben, denen heftiges Gcschützfcucr vor- ausging und die von solchem begleitet waren. Aber die An- strengiingeii Ivaren vergeblich. Aehnliche feindliche Angriffe werden im Popcuatal(Änsiei) und längs des Kammes der Karnischen Alpen vom Oberläufe des Degano bis zum oberen Teil des Chiarso gemeldet. Feindliche Flugzeuge überflogen Vicenza und warfen Bomben ab, durch die vier Einwohner leicht verletzt wurden. Sic überflogen ferner Tolmezzo und die Niederungen von Flitsch und Karfreit. Ein anderes Ge- schwadcr versuchte einen neuen Angriff auf Udine, wurde jedoch von unseren Kampfflugzeugen angegriffen, zurückgewiesen und verfolgt. Auf dem Karst wurden die feindlichen Lager bei Nabrcsina und Comcn von unseren Fliegern wirk- sani beschossen.__ von öer Daröanellenfront. Konstantinopel, 16. September.(W. T. B.) Das Haupt- quartier teilt mit: An der D a r d a ii c l l e n f r o n t ist die Lage unver- ändert. Bei Anaforta gelang es unseren Truppen, in der Nacht zum 14. September feindliche Kräfte durch kühne lieber- fälle zu beunruhigen, zu zerstreuen und zur Flucht zu zwingen. Bei Sedd»l Bahr brachten wir am linket Flügel eine Gegenmine zur Erplosion, die eine feindliche Mine zer- störte. Am rechten Flügel verhinderten wir durch Bomben- würfe die feindlichen Truppen, Schützengräben im Zickzack anzulegen und brachten ihnen Verluste bei. An diesem Flügel brachte unsere Artillerie zwei feindliche Batterien zum Schweigen. Unsere Batterien an den Meerengen nahmen am 13. Septcniber feindliche Truppen in der Umgebung des Kap Hellas unter wirksames Feuer, ebenso die Lauduugsstelle von Tekkc Burun, den Abschnitt von Sedd ul Bahr und die feindlichen Batterien von Hiffarlik, die auf unsere Infanterie schössen. Wir erzielten durch unsere Beschießung ein gutes Ergebnis bei den feindlichen Truppen, die feindliche Batterie von Hissarlik wurde zum Schweigen gebracht. Am 14. Sep- tember zersprengten dieselben Batterien eine feindliche Ar- tilleriestellung bei der Landungsstelle von Sedd ul Bahr. An den anderen Fronten nichts Bedeutendes. Deutsche I�Soote im Schwarzen Meer. Petersburg, 16. September. kW. T. B.)(Meldung der Peters- burgcr Telegrapben-Agentur.) Auf der Höhe von Odeffa. zehn Meilen von der Küste, hat der englische, mit Ladung nach Nikola- jew bestimmte Dampfer„Patagonia" Havarie erlitten. Man nimmt an, daß sie durch ein deutsches Unterseeboot ver- ursacht sei. Ter russische Rcgierungsdampfcr„M a r i a", welcher voranfuhr, wurde gleichfalls von einem Unterseeboot angegriffen, entging aber der Gefahr. vom �-Sootkrieg. Paris, 16. September.(SS. T. B.) Meldung der Agenc» HavaS. Das M a r i n e m i n i st e r i u»i veröffentlicht eine B e- k a» n t in a ch u n g, welche besagt, daß die Anwesenheit deutscher Unterseeboote au den Küsten d c S Ozeans auf der Höhe der Mündungen der Loire und G i r o n d e die Bevölkerung nickit erregen dürfe. Das Ministerium habe die not- wendigen Vorkehruugeu gegen etwaige Angriffe deutscher Unteriee- boote getroffen. Die vorhandenen seckrä'le seien bereits verstärkt worden und würden es nötigenfalls noch. Ebenso ivie im Slcrmel- kanal, Ivo die Verteidigung äußerst lvirkiain gewesen sei. werde das deutsche Verfahren, das dein Menschenrccht und den Grundsäycn der Menschlichkeit zuwiderlaufe, nur zu wenig zahlreichen und verein- zelten Unternehmungen führen können. Majsenverurteilung indischer versibworer. London, 16. September.(23. T. B) Tie Blätter melden aus Kalkutta: In dem Prozesse wegen der 2? c r s ch w ö- rung von Lahore wurde das Urteil gefällt: 24 An- geklagte wurden zum Tode, 27 zu lebenslänglicher Verbannung. 6 zu Gefängnis verurteilt. kriegsöebatte im englischen ttnterhause. London, 1ö. September.(W.T.B.) Im U n t c r b a u i e annvortete M a c R a in o r a ans eine Frage, daß Admiral Sir Percy Scott mit der artilleristischen Verteidigung Londons gegen feind- liche Flugschiffe betraut worden sei und daß diese Verteidigung der Admiralität und nicht dem jlriegsann unterstehe. Lowe(Unionist) fragte, ob die Regierung das VerteidigungSsystem von Paris gegen Luflraids in Erwägung gezogen und ähnliche Schritte zur Verteidigung Londons getan habe. MacRamara eiwiderte, daß er im öffentlichen Interesse nichts sagen lönne. D a l z i c l fragte, ob Mac Ramara einen vernünftigen Grund angeben könne, iveshalb Scott nicht früher dieses Kommando erhalten Hobe. Mac Ken na sagte, er hoffe, das Budget in der nächsten Woche einbringen zu können. Die kleinen Beträge der Kriegsanleihe zu 5—26 Schilling beliefen sich, soweit bisher festgestellt ivorden sei. aus 2 476 566 Pfund Slerling. Tennant sagte, er könne ü b c r O st a f r i k a keine Erklärung abgeben, da keine wichtigen Nachrichten vorlägen. Premierminister Asquith erklärte, das Haus solle regelmäßig Mon- tag. Dienstag und Mittwochs tagen. Booth(liberal) fragte, ob As« guith die Frage geheimer Sitzungen erwogen habe. Tillon(Nationalist) richicw die Aufmerksamkeit auf die Er- klärung zugunsten der Wehrpflicht, die eine Slnzahl Slbgeordneter, die gegenwärtig Oifiziere sind, in der Presse veröffentlichten. Ter Redner fragte, ob es anerkannten Gruiid'ötzeii entspreche, daß sich aktive Osffziere in einer brennenden politischen.Streitfrage an die Oeffenllichkeit wendeten. Wenn das geduldet würde, müßte er die Frage stellen, ob den Unteroffizieren und Soldaten dieselbe Gelegenheit gewährt werden würde, ihre Meinung zu äußern. Der Redner warnte davor, die Streiisrage in die Armee zu tragen. Wedgwood(liberall, der.Offiziers- uniform trug, nahm das Recht freier Meinungsäußerung für Ab- geordnete, die in der Armee ständen, in Anspruch. Er beHalle sich das Recht vor. über alle militärischen und politischen Fragen innerhalb und außerhalb des Hauses zu sprechen. Hauptmann G u e st(liberal), der zu den Unterzeichnern der Erklärung für die Wehrpflicht gehört, sagte, diese beabsichtige nicht, die Agitation zu schüren. Es sei aber kein Grund dafür vorhanden, daß sie ihre Ueberzcugungen aufgeben sollten. Guest forderte die Regierung dringend am, den Tag für die Erörterung der Wehrpflicht- frage anzusetzen. Chaplin(Unionist) bekannte sich als allen Anhänger der Wehrpflicht, aber die Entscheidung müsse der. Regierung überlassen bleiben. H o d g e(Führer der Arbeiter- Partei) sprach die Hoffnung aus, daß die Regierung der Agitation nicht nachgeben werde. Das Haupterfordernis sei nicht so sehr, mehr Soldaten als mehr Kriegsmaterial. Die Agitation für die Wehrvflichr bedrohe die Einigkeit der Ration und würde eine sehr üble Wirkung auf die Verbündeten haben. Er ver- traue darauf, daß die Regierung auf das entschiedenste erklären werde, daß die Zeit für die Wehrpflicht nicht gekommen sei. Pringle(liberal) sagte, es sei nickit mehr zu verhindern, daß die Wchipflichlfrage im Parlament erörtert werde, nackdcm sie in der Presse, aut dem Gewerkschastslongreß und anderwärts behandelt worden sei. Die Blätter teilen offen mit, welche Minister für die Webrpflickit. welche dagegen und welche unentschieden ieieii. Lloyd George habe öffentlich gefordert, daß Kabinett, Parlament und Nation die Wehrpflicht annähincii. Pringle fuhr fort: Minister Harcourt habe in einer Rede in seinem Wahlkreis die Gründe für die Wehrpflicht widerlegt. Es sei uiiter diesen Umständen unmöglich, daß das Parlament allein die Frage nicht erörtere. Dieses Parlament sei zwar im Slbsterbcn, müsse aber der Nation als Führer dienen. Erstaunlicki fei, daß der Führer der Arbeiterpartei der Regierung unbedingtes Vertrauen zu- billige, währead alle wüßten, daß die Regierung uneinig sei und ihre Uneinigkeit im Jnlairde und im Auslande durch die Presse bekannt geworden sei. D a l z i e l(liberal) erklärte sich persönlich mit Lloyd Georges Vorrede einverstanden. Das Kabinetr solle dein Haus volle Informationen über die grundlegenden Tatsachen geben. Asquith solle dem Hause offen sagen, ob kein Staatszwang nötig sei, dann werde sich das Haus damit zufrieden geben. Asquilh muffe sagen, od er mit Llohd George oder mit Harcourt einverstanden sei. Oberst H i e r m a n sagte, die Entschc�ning hänge von Kitchcner ab. Es wäre am besten, wenn die ganze Debatte i»i Parlament und in der Presse verstunimeii und die Nation ruhig abwarten würde, bis Kitchcner den Augenblick für gekommen halle, zu spreche». I o y ii s o n H i ck s(Unionist) sagte, ivenn die Abgeordneten sanst- mütig die Slnsichteii der Regierung annehmen sollten, könnten sie ebensogut nach Hause gehen und sich nützlicher beschäftigen. Die Regierung habe 13 Monate freie Hand gehabt. Die Nation beginne der Zensur müde zu werden. Die Politik der Geheimnis» k r ä in e r c i k ö n u e nicht viel länger dauern. Die Nation sei entschlossen zu wisse», wie der Krieg geführt weide, und werde bald sordcrii, daß nichls geheim bleibe. Die Nation verlange Bescheid darüber, wie der Schutz Londons und der Zustand des FkugdiensleS beschaffen sei. Mae C a l l u in Scoll(liberal) er- klärie. der einzige Weg, den Krieg zu gewiiineii, sei, der Regierung zu vertrauen. Durch parlamentarische Debatten werde der Krieg nicht gewomicu. Einige Abgeordneten meinten, daß die Regierung kein Veriraucn mehr verdiene. Das seien dieselbe», die die Koalilioii geschaffen hätten und sie setzt bekämpften. Sl s a u i l h crinahnlc die im aktiven OsstziersverhällniS stehenden Abgeordneten, sich ibrer Verantwortung bewußt zu bleiben. Er bedauerte, daß die öffentliche Streiisrage über die Wehrpflicht cnlstanden ici, aber die heutige sprunghaste und oberflächliche DebaNe sei die uu- befriedigendste Arr, das schwierige Problem zu behandeln. Wenn die Regierung demnächst ihre Schlüsse gezogen habe, iverdc sie eS dem Hause mitteilen, woraus die Debatte folgen werde. Bei der Einbringung des Kredits von 256 Millionen Pfund Sterling sagte Asquith. damit steige der Betrag, der bisher angesprochen worden sei. auf 1 262 Millionen. In der Zeit seit dein letzten Kredit bis zum 11. September seien anormale Ausgaben nötig gewesen, über die zu sprechen nicht im öffentlichen Jmereffe liege, die sedoch zur Finanzierung gewisser notwendiger Operationeir dienlen. Ei» Teil dieses Betrages werde im Laufe weniger Monate zurückgezahlt sein, der Rest später getilgt werden. Die Geiaml- ausgaben des Finanzjahres betrüge» bisher 566 Millionen Pmnd Sterling. Man erwarte nicht, daß die Slusgaben für die Flotte während der letzten sechs Monate des Füianssahres anwachscir würden. Er glaube, daß die gesamten wöchentlichen Ausgaben nicht 35 Millionen übersteigen würden, iind daß der neue Betrag bis zur drineu Novembertvoche reichen werde. Alles, was notwendig sei, nm das große notwendige Werk des MunitionsministeriumS zu vervollständigei,, sei eine genügende Anzahl von Arbeitskräften. Premierunnister Asquith teilte ferner mit. daß seit Beginn des Krieges drei Millionc» Mann im Heer und in der Flotte Dienst genommen haben. Er gab danii cineu Neberblick über die militärische Lage und sagle: Der heutige Krieg ist ein Krieg der Technik, der O r g a n i s a t> o n und der Ausbaue r. Ter Sieg wird wahricheinlich dein zufallen, der sich am besten rüstet und am längsten durchzuhalten vermag, und das wollen lvir tun.(Beifall.) Nach weiteren Milleilungen Asquiihs Betragen die den aiidercu Ländern gewährten und versprochenen Vorschusse bis jetzt 256 Millionen Pfund Sterling. Lord Roberi Cecil autworteie auf eine Frage, ob Friedensverhandlungen stattgefunden hältcn, es sei ihm unmöglich zu sagen, was für Besprechungen z iv i s ch e n Deutschland und den Ver- einigten S l a a l e n slaitgefuiiden hätten, da sie nicht zu einer Kenntnis gebracht worden seien. Wie bekaniil, habe die deutsche Regierung leine direkten Friede nsvorschläge ge in acht. Man könne sich augenblick- lich kaum vorstellen, daß eine Möglichkeit für Deutschland bestehe, Vorschläge zu iiiachen. die von den Alliierten in Erwägung gezogen werden könnle». England werde lein e Friedens- Vorschläge anders als in U e b e r e i n st i m in u n g m i t seinen Bundesgenossen oder mit den durch Beitrag um- schriebe»?" Pflichten in Erwägung ziehen. Kitchener über üie Kriegslage. London, 16. September.(W. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Lord K i t ch e n e r sagte in einer Rede im Oberhaus: Während der letzten Monate ist die Front der Alliierten im W e st e n so gut wie unverändert geblieben. Das bedeutet nicht, daß eine Er- schlaffung in der Tätigkeit aus den Schlachtfeldern eingetreten wäre. Tie Stellungen sind auf das äußerste verstärkt worden, nicht nur durch die Anlage von Schützengräben, sondern auch durch die starke Vermehrung der schweren Geschütze. Die französischen Gräben bilden ein Netzwerk schier undurchdringlichrr Befestigungen. Die Deutschen benutzten vor kurzem Gase und brennende Flüssig- ketten und bewarfen unsere Linien mit Bomben, die erstickendes Gas ausströmten. Derartige Angriffe, die nichts Ueberrafchendes mehr haben, haben wegen unserer Gegenmatzregeln viel von ihrer Wirkung verloren. Feldmarschall French hat ansehnliche Verstär- kungen erhalten. Die neuen Divisionen haben jetzt bereits Ersah- rung in der Kriegführung, weshalb sie mit gutem Erfolg in der Feuerlinie den Platz jedes anderen Teiles des englischen Heeres einnehmen können. Mit diesen Verstärkungen von elf Divisionen konnte Feldmarschall French seine Front ver- d r e« t e r n und noch ungefähr siebzehn Meilen von der französischen Front übernehmen. lieber den östlichen Kriegsschauplatz sagte Kitchener: ES war offenbar die Absicht der Deutschen, die russischen Armeen in ihrer gegenwärtigen Gestalt zu vernichten und dadurch bedeu- tende Truppenmengen sür andere Kriegsschauplätze freizubekommen. Aber wie andere Pläne des deutschen GeneralstabS, so führte auch dieser zu einem großen Mißerfolge. Zu den größten und verdienst- vollsten Taten dieses Krieges gehört die meisterhafte Weise, in der mit den russischen Streitkräften gegenüber den wütenden Angriffen eines Feindes, der sowohl an Zahl wie an Kanonen lind Munition weitaus überlegen war, operiert worden ist. Das russische Heer ist als Streitmacht unangetastet geblieben. Man darf nicht vergessen, daß Rußland mit seinen ausgedehnten Gebieten immer imstande gewesen ist, auch die größten Einfallarmeen zu umfassen und zu vernichten. Dazu ist es jetzt sicher nicht weniger imstande, als vor einem Jahrbundcrt. Tie Deutschen scheinen ihr Pulver beinahe verschossen zu haben. Ihr Aufmarsch in Rußland, der anfangs mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von fünf Meilen täglich aus- geführt wurde, ist auf eine Meile täglich zurückgegangen, und wir sehen, wie die Truppen, die die Deutschen prahlerisch als geschlagen und vernichtet bezeichnet haben, noch immer auf der ganzen Front hartnäckigen und tapferen Widerstand leisten, ja an einigen Stellen sogar den auf russischem Gebiete andringenden Deutschen fühlbare Verluste beibringe». Kurz, wir können ruhig erklären, daß die Deutschen, obwohl sie allein durch das Gewicht ihrer Kanonen über- legen waren, selbst große Verluste erlitten und nichts anderes als braches Land und geräumte Festungen gewonnen haben. Ihre Strategie scheint also mißglückt zu sein, und die Siege, von denen sie sprechen, können sich noch, wie schon so oft in der Kriegsgeschichte, als verhüllte Niederlagen entpuppen. Bei der Besprechung der Lage auf Gallipoli äußerte sich Lord Kitchener anerkennend über die Tapferkeit und Zähigkeit der australischen und neuseeländischen Truppen. Man habe Beweise genug dafür, daß bei den Türken, die von den Deutschen geführt oder, besser gesagt, getrieben würden, eine Demoralisierung ein- getreten sei. Das sei ohne Zweifel ihren ungewöhnlich schivcren Verlusten und dem zunehmenden Mangel an Hilfsmitteln zuzu- schreiben. Es sei nur gerecht, wenn man anerkenne, daß die Krieg- führung der Türken unendlich viel höher stehe, als die ihrer deut- scheu Meister. Kitchener schloß seine Rede mit den Worten: Einige der neuen Armeen, die wir vorbereitet und ausgerüstet haben, stehen bereits im Felde; andere werden ihnen schnell ins Ausland folgen. Die Art und Weise, wie der Aufruf nach Rekruten hier beant- tvortet worden ist, ist fast ein Wunder zu nennen. Man soll aber nicht vergessen, daß der Nachschub von Mannschaften, um die Truppenkörper im Felde auszufüllen, zu einem großen Teil von dem dauernden starken Zufluß an- Rekruten abhängt. Ich bin sicher, daß wir alle davon überzeugt sind, daß die Truppen, die wir ausschicken, bis zum Ende in voller Stärke erhalten werden müssen. Ilm daS zu erreichen, müssen wir die Zahl der Rekruten vermehren; und die Frage, wie ein genügend starker Zufluß an Mannschaften gesichert werden kann, um die Fcldtruppen in voller Stärke erhalten zu können, nimmt unsere ganze Aufmerksamkeit in Anspruch. Sie wird, wie ich hoffe, sehr bald eine praktische Lösung finden. Lb- wohl eine Abnahme der Rekrutenzisfcrn wahrzunehmen ist, glaube ich doch, daß alle Stände mit rühmenswerter Vaterlandsliebe dem Aufrufe zum Militärdienste Folge geleistet haben, und ich zweifle keinen Augenblick daran, daß das Volk alle Opfer, die zu einem siegreichen Ausgang nötig sind, gerne bringen wird. Englische Nationalsozialisten über Irieüensbeüingtmgen. »Morning Post" vom 9. September berichtet über eine Sitzung des sozialistischen nationalen VerteidiguugSausschusscS. Ter Vorsitzende John Hodge führte aus: Dadurch, daß einer Sozialist ist, lstbt er nicht notwendigerweise den Stolz auf seine Nationalität auf. «.Oeifall.j Man könnte fast glauben, daß diejenigen(gemeint ist die „Unabhängige Arbeiterpartei), die die Verbündeten zu jetziger Zeit zur Formulierung von Friedensbedingungen drängen wollen, mehr Interesse an Deutschland als an ihrem eigenen Lande hätten.(Bei- fall.) Teutschland ist voll Heuchelei und Tücke. Es darf keine Uebereinkunft mit irgend welchen Vertretern des feindlichen Landes b e st e h e n. Ramsay Macdonald hat erklärt, daß trotz alledem eine Abordnung nach dem Kontinent (Berner Kongreß; bekanntlich verweigerte die englische Regierung den Paß) gesandt würde.„Nun wohl, ich als unabhängiger So- zialist und als Gewerkvereinler protestiere gegen solche Handlung. Wenn das die Politik ist, die sie einschlagen wollen, dann müssen wir Gewerkvereinler sie aus der Arbeiterpartei hinauswerfen." Eine von dem Parlamentsmitglied G. H. Roberts eingebrachte Resolution venvirft die Intrigen einer kleinen Gruppe von Fana- tikcrn als illoyal gegen die Arbeiterklasse, die Nation und die Ver- bandsoölker und protestiert gegen Friedensbedingungen, welche die politische und wirtschaftliche Freiheit Belgiens, Nordfrankreichs, Elsaß-Lothringens und Polens nicht wiederherstellen. Die Reso- lution wurde angenommen. Ein stark überschätzter Beschluß. Reuter folgend berichtet das Wölfische Bureau von einer Sitzung der Zentralabteilung der englischen sozialistischen Partei, die folgende Entschließung angenommen habe: Angesichts des Belckilusses der englischen Sektion des intern a t i analen sozialistischen Bureaus sowie der französischen und belgischen sozialistischen Parteien, keine Verhandlungen mit s o z i a l i st i s ch c n Abgeordneten feindlicher Länder anzuknüpfen, und angesichts der unbefriedigenden und zweideutigen Stellung des sozialistischen Bureaus im Haag, ferner um den Abscheu über das illoyale Betragen verantwortlicher Mitglieder der englischen sozialistischen Partei aji S z u d r ü ck c n, die versuchten, den Beschluß der englischen Sektion des internationalen sozialistischen Bureaus zu umgehen, indem sie einen Abgeordneten nach Bern entsenden wollten, weigert sich die Abteilung in Beantwortung des Er- suchens der internationalen Kommission der englischen sozia- listischen Partei, für diesen Zweck irgendwelchen Geldbeitrag zu leisten. Die Resolution bezieht sich auf eine vor ein paar Wochen er- gangenc Aufforderung des internationalen Komitees der B. S. P.. mit Rücksicht auf die Notwendigkeit einer Wiederhcritelliiiig der Internationale den Spezialfonds der Partei durch besondere Geld- Zuweisungen zu unterstützen. Tatsächlich haben eine ganze Reih« von Ortsgruppen und Zwcigver- einen diesem Ersuchen entsprochen. Ein paar, bei denen vielleicht Rücksichten auf ihre eigene Kasse mit in Betracht kamen, verhielten sich auch ablehnend, und zu ihnen gehört die Organisation, deren Beschluß das Wolsfsche Tclcgraphen-Bureau der deutschen Oeffentlichkeit unterbreitet. Wolfs nennt sie die„Zentralabtcilung der englischen sozia- listischen Partei". Tatsächlich ist eS die Central London Brauch, das heißt der B e z i r k s v e r e i n London Mitte, der am 13. September in einem kleinen Lokale 24 Maida Vale W. zu dem Entschluß gekommen ist, die gewünschte Geldunterstützung abzu- lehnen. Ueber öie Stimmung in öer französischen Arbeiterschaft berichtet das Züricher„Volksrecht": Tie französische Bourgeoisie macht den französischen Sozialisten die Umcm sacröe so sauer wie nur möglich. Wenn man auch nicht voraussagen kann, daß sich in der fran- zösischen Partei ein vollständiger Umschwung vorbereite, so ist jedenfalls öie Haltung der französischen Parteipresse, ab- gesehen von der durch und durch gonvernementalen „Humanitö", eine ganz andere geworden, als noch vor wenigen Monaten, c�o schreibt die„Bataille Syndicaliste": „Niemals zeigte sich der Unternehmer arroganter und anmaßender gegenüber denjenigen, die seinen Reichtum schaffen, als gerade jetzt. Tie riesigen, auf skandalöse Weise ergatterten Kriegsgewinne der Großindustriellen und Aus- Hungerungsspekulanten von der Sorte Baumann, Treyfus u. a. m. zeigen uns sonnenklar, daß in jedem Land— und das unsrige macht keine Ausnahme— das Proletariat alle Kosten des Krieges trägt; es liefert Blut, Arbeit, Geld ohne Hintergedanken, während der Ausbeuter sich mästet und sich brutal aller in seiner Macht befindlichen Uiiterdriicknngs- mittel bedient, um das Proletariat noch mehr zu knechten. Es ist ganz selbstverständlich, daß die nationale Assoziation des Kapitals nie zu existieren aufgehört hat, und daß morgen, vom Augenblick des Friedensschlusses an, die kaum unter- brochenen internationalen Beziehungen der Unternehmer wieder ausgenommen werden. Man wird wieder plaudern und„arbeiten" mit Wien, Berlin und Konstantinopel so gut wie mit London, Rom und all den anderen. Unsere kapita- listischen Macher werden morgen wieder Konsortien bilden mit Schneider und Krupp und werden sich mit Leichtigkeit und ohne Scham darüber einigen, wie die Schate gemeinsam zu scheren seien. Bevor ein Jahr nach Friedensschluß verflossen sein wird, wird das Kapital seine internationale Verbindung wieder her- gestellt haben, inn Aussperrungen und andere Maßnahmen zu organisieren, durch welche das Proletariat zu Paaren ge- trieben werden soll. Aber man möchte, daß wir, die Proletarier aller Länder und aller Berufe, in deni nationalen Rahmen verbleiben, den die Regierungen uns vorschreiben wollen. Notwendigerweise müssen wir der Macht der Unterdrücker diejenige der Unter- drückten entgegensetzen. Diese Macht besteht und hat längst Proben ihrer Bedeutung abgelegt. Morgen wie gestern müssen wir die proletarische Internationale der goldenen Internationale der Kapitalisten entgegensetzen. Es ist not- wendig, daß wir sobald wie möglich die Bande, die uns mit unseren Brüdern aller Länder verbanden, wieder knüpfen." Es darf nach diesen Ausführungen, so bemerkt das „Volksrecht", ivohl erwartet werden, daß die„Bataille Spndi- caliste" und jene Parteipresse, die mit ihr einig geht, ihr möglichstes �nn wird, um die französische Sozialdemokratie ans der Sackgasse gouvernementaler Politik heraus zu bringen. » Die Duma vertagt. Petersburg, 16. September.(W. T. B.) Meldung der Petersburger Telegraphenagentnr. Ein kaiserlicher Erlaß hat die Vertagung der Duma angeordnet. Gemäß dem kaiscr- lichen Erlaß vom Januar 1915 wird die Tnma wegen der außergewöhnlichen Umstände spätestens im November ihre Sitzungen wieder aufnehmen. Dleibt Gorempkin? London, IL. September.(T. II.) Ter„TimeS"-Korrespondent in Petersburg berichtet: Die Rückkehr GoremykinS aus dem Haupt- quartier hat allein Anscheine nach keine Veränderung in der inneren Politik Rußlands gebracht. Aus den vorliegenden Berichten kann entnommen werden, daß der Vorsitz i m M i n i st e r r a t vor- läufig nicht in andere Hände übergehen wird. Auch steht zu hosten, daß es mit dem Tumablock zu keinem Konflikte kommen ivird. Die„Nolvoje W r e m j a" wendet sich gegen die hartnäckigen Gerüchte über die bevorstehende Auflösung der Duma und bezeichnet sie als bösartige Versuche, die Einheit in einem Augenblick zu stören, der für den inneren Frieden von böchstcr Be- dentung ist. Dagegen hört die„Börsenzeitung" von gutinformierter Seite, daß. wenn einige Punkte des Programms der Fortschrittler zur Besprechung gelangen, es sich zeigen werde, daß man ihre Wünsche hinsichtlich der Neubildung des Ministeriums mit einem ,.non possmnus�(Wir können nicht) beantworten werde. Es soll ein neuer Versuch gemacht werden, um zu einer Verständigung mit den Forlschrittlern zu gelangen, sollte dieser mißglücken, so würde die Schuld an der Verwirrung der Lage in vollem Umfange der Regierung zufallen. Die Explosion üer(Dchta-werke. London, 16. September.(W. T. B.) Meldung des Reuterschon Bureaus. In einer Veröffentlichung, die unter der Ucbcrschrift„Der große Krieg" erschienen ist, heißt es: Der Schlag, der Rußland lahmlegte, war die Erplosion in der Munitionsfabrik von Ochta bei Petersburg. Es ivar schon lange bekannt, daß diese Erplosion stattgefunden hat. Nun wird noch daraus hingewiesen, daß diese Fabrik das halbe Heer mit Munition versehen hatte und die einzige große Fabrik dieser Art in Rußland getvesen ist. Dieser Schlag hat Rußland in einem iür das Land äußerst kritischen Augenblicke getroffen. Ganz Petersburg wurde durch die Explosion wie durch ein Erdbeben erschüttert. Tansende von Arbeitern ver- loren ihr Leben. Die ganze Fabrik ivurde vernichtet. Die Putilotv-Werke erzeugen wohl ebenso gute Be- lagernngsgeschütze, wie die deutschen Fabriken, aber keine Ge- schösse. Diese könnten nur auf den: Wege über Archangelsk eingeführt werden. England und Frankreich müßten den Russen alle Munition, die sie entbehren könnten, zur Ver- fügnng stellen. Englische Beurteilung üer russischen Lage. London, 16. September.(W. T. B.) Die„Times" meldet aus Petersburg: Die 3i ü ck k c h r G o r c m y k i n s auS dem Hauptquartier hat die Lage nicht gebessert. Der Wechsel im Ministerpräsidinin scheint aufgeschoben zu sein. Man wird versuchen, die Vorschläge des fortschrittlichen Blocks auszuführen. Kurze Parlamentsferien sind nicht nnwahrschein- Itcli," aber noch nicht gewiß. Man muß hoffen, daß. wie immer die Entscheidungen des Ministerrates ausfallen mögen, kein Streit entstehen werde.„Nowoje Wreinja" will den hartnäckigen Gerüchten von einer bevorstehenden Auslösung der Duma keinen Glanben schenken. Die„Börsenzeitung" meldet aus bester Quelle, daß wohl einige Punkte im Programme des fort- schrittlichen Blocks in Erwägung gezogen tverden mögen, daß aber der Forderung de? Blocks nach Umgestaltung des Ministeriums, die nicht die Unterstützung der großen Masse der Bevölkerung habe, ein nitbcdingtes non possnmns cnt- gegengesetzt werden würde. Es iverde neuerdings der Versuch einer Verständigung mit dem Block gemacht tverden, und wenn dieser fehlschlagen sollte, würde der jetzigen Regierung die Verantwortung für die Ermöglichung des Sieges und sür die notwendigen Neuerungen zufallen. London, 16. September.(W. T BZ Ter m i l i t ä r i s ch e Mitarbeiter der„Times" schreibt: Der Wechsel im Oberbefehl der r u s s i s ch e n A r m e e verursacht eine gewisse Besorgnis. Wir fragen uns erstaunt, was die Ursachen und Wirkungen dieser Veränderungen sein können. Ein neuer Befehlshaber sucht natürlich den Vor- gänger zu übertreffen, er wählt oft andere Wege, kennt viele Schtvierigkeiten der Lage nicht und setzt sich und die Truppen leicht vermeidbaren Enttäuschungen ans. Der russische Wider- stand scheint, seitdem Alexejew Chef des Gencralstabes ge- worden ist, hartnäckiger geworden zu sein. Es scheint,_ daß die russischen Heere unter dem Zaren eher brechen als biegen werden. Aber das kann ein vorübergehender Eindruck sein. Ter Mitarbeiter sagt schließlich: Ter Angriff im Norden ist der g e f ä h r l i ch st c, und wenn cr� nicht auf- gehalten werden kann, tverden die r u s s i s ch c n Er- folge bei Tarnopol keine bedeutenden Nach- Wirkungen haben. Für Dumba-Märe. Haag, 16. September.(W.T.B.) Der„Nienwc Courant" meldet aus New Jork: Da das drahtlose Ersuchen des Botschafters Dumba, ihn mit Urlaub abzuberufen, gestern in den Blättern erschien, erhob im Namen Dum bas der deutsche Botschafter Graf Bcrnstorff beim Staats- s c k r c t ä r L a n s i n g dagegen E i n s p r u ch und tvies darauf hin, daß diese Mitteilung Tumbas auf u n g c s c tz- l i ch c W c i s c in die Hände der Presse geraten und ohne Berechtigung veröffentlicht lvordcn sei. L a ii s i ii g sprach seine E n t r ü st u n g über den Vorfall ans und versprach, die Angelegenheit dem I n st i z d e p a r t c- m e n t vorzulegen. Der deutsche Botschafter ver- sicherte, daß auch amtliche Briefe Dumbas mehrmals unter- schlagen worden seien. Fortsetzung üer verhanülungen über üen „�rabic�-ßall. New Aork, 16. September. Vom Privatkorrc- s p o n d c n t c n des W. T. B. Nach übereinstimmenden Be- richten, die hier vorliegen, hat die amerikanische Regierung die Absicht, die deutsche A u f z e i ch n u n g über die Ver- s e n k u n g d c r„ A r a b i c" zu n.ä ch.st nicht z u b e a n t- Worte n. Sie steht auf dem Standpunkte, daß die unver- Wittelte Veröffentlichung von Noten/ die immerzu muß- verstanden werden und nur Erregung hervorrufen, nicht zweckmäßig ist. Die amerikanische Regierung wünscht vielmehr die Angelegenheit in vertraulichen B c- s p r c ch u n g c n zwischen dem Staatssekretär Lansing und dem Botschafter Grafen Bernstorff friedlich zu regeln. Die englisch-franzö'sische Anleihe in Amerika. New Aork, 16. September.(W. T. B.)(Von dem Privat- korrespondenten von Wolfis Telegraphischem Bureau.) Der Feldzug gegen eine cnglisch-fraiizösische Milliardenanlcihe scheint heute das ganze Land ergriffen zu haben. Mitglieder der englisch-französischen Finanzkommission erhielten Droh- briefe, die der Polizei übergeben wurden. Washington, 16. September.(W. T. B.)(Meldung des Reuter- schen Bureaus.) Staatssekretär Lansing hat auf Befragen er- klärt, die beabsichtigte. Anleihe für die Alliierten sei keine Verletzung des Völkerrechts. Früberen Anleihetiersuchen habe die Regierung widersprochen, weil sie öffentlich zur Zeichnung aufgelegt werden oder den Vereinigten Staaten durch sie große Goldbeträge eut- zogen werden sollten. Die jetzige Anleihe sei aber eine Kredit- anleihe zur Bezahlung von Forderungen amerikanischer Bürger, und die Regierung sehe sie ebenso, wie den Handel mit Bannwaren, als private kaufmännische Transaktion an; über solche übten aber neutrale Regierungen niemals eine Kontrolle aus. Letzte Nachrichten. Ter Zeppeliu-Angriff ans London. Amsterdam, ib. September.(W. T. B.) Das„Handelsblad" erfährt von einem seiner Leser folgende Einzelheiten über den letzten Zepp-lin-Angrist aus London. Tanacb war der Angriff mit Brand- uni. Explosivbomben sehr ernsthaft, linier anderem wurde das Gebäude getroffen, in dem das niederländische Kon- sulat untergebracht i!t, ferner ein Omnibus, der bei clncm Bahn- hos der City mit ö Fohrgästen, dem Chauffeur und dein Schafs- ner voll'länd.g zertrümmert wurde. Aus den Häusern, die von Brandbomben getroffen waren, wurden die verkohlten Leichen von Männern, Frauen und Kindern her- vorgeholt. Ilnter den 196 Opfern befanden sich vier Soldaten. Als um 10 llhr Ö." Minuten die erste Bombe fiel und die Kanonen -Nif das Lustschiss zu feuern begannen, wurden die Besucher der Theater>osort ersucht, die Gebäude zu verlassen. Die Lichter wnr- den ausgelöscht; nirgends entstand«ine Panik. Sobald einer der an verschiedenen Stellen der Stadt anfgestelllen Scheinwerfer das Luftschiff gefunden batte, vereinigten alle Scheinwerfer ihre Licht- kegcl aus den Zeppelin, der in großer Hohe schwebend, deutlich sichtbar war und wie eine Alnininiumzigarve aussah. Das ganze Schauspiel dauerte 19 bis 15 Minuten, woraus die Ruhe im Publi- kum sofort wiederkehrte. Tic aetrosfencn Straßen wurden sogleich durch Bretterzäune abgesperrt. Tie folgenden Tage bis zum Sonntag war die City voller Menschen, die herbei kamen, um den aiigerichteren Schaden zu besicbtigen. Ter Gcwäbrsmann des „Handelsblad" versickert, daß bei allen bisherigen Luftangriffen kein einziger militärisch wichtiger Punkt getroffen worden sei. Die Versicherungsgesellschaften, die gegen durch Zeppeline angerichtete Schäden versichern, würden von Menschen überlaufen. Gewerksthastliches. Ter Verband der Lithographen und Steindrucker uach einem Kriegsjahr. /Durch den Weltkrieg wurde besonders da§ Lithographie- und Steindruckgewerbe hart betroffen. Schon seit einer Reihe von Jahren batle eZ unter einer schweren wirtschaftlichen Depression zu leiden. Ansang des Jahres IL 14 setzte eine Besserung ein, die aber durch den plötzlich ausgebrochenen Krieg zunichte gemacht wurde. Die Arbeitslosigkeit stieg ins Ungeheuerliche! Ende August 1914 hatte der Verband die größte Arbeitslosigkeit seit seinem Bestehen zu ver- zeichnen, figg.i Mitglieder— 53,2 Proz. waren vollständig arbeits- los. 3193 konnten nur halbe Tage und weniger arbeiten und nur 2717 hatten volle Beschäftigung. Daneben wurde im Lause des Monats August beinahe der vierte Teil aller Mitglieder zum Kriegs- dienst eingezogen. Dies kam beinahe einem völligen Zusammen- bruche des Verbandes gleich, weshalb der Verband seine statu- tarischen Unterstützungen außer Kraft setzen mußte und nur eine Arbeitslosen'Notstandsunterstützung zahlen konnte. Allmählich ging die Arbeitslosigkeit zurück; viele Mitglieder fanden in der Kriegsindustrie Beschäftigung. Auch bewirkte die weitere Einziehung vieler Mit- glieder zum Militär den Rückgang der Arbeitslosigkeit. Durch den Rückgang der Arbeitslosigkeit konnten am 17. April eine Reihe Unter- stützungserweiterungen eingeführt werden, und seit 1. August find wieder einige Verbesserungen eingetreten, indem Reise-, Arbeitslosen-, Umzugs- und Krankenunterstützung jetzt wieder bis zu den im Statut vorgesehenen Höchstbeträgen gezahlt werden, allerdings in verkürzten Wochensätzen, so daß dadurch die Bezugsdauer verlängert ist. Trotz derKürzungen der Unterstützungen wurden im abgelaufenen Kriegsjahre, vom 1. August 1914 bis dahin 1915 331 188 M. für Unterstützungen ausgezahlt. Die Entnahme an Beiträgen betrug jedoch nur 351 170 M., während im vorhergehenden Jyriedensjahre, vom 1. Juli 1913 bis 1. Juli 1914, an Beiträgen 1013 641 M. eingingen. Die Einnahmen im ersten KriegSjahre betrugen also ungefähr nur den dritten Teil der in Friedenszeiten. Bei aller erdenklichen Fürsorge, die der Ver- band den Daheimgebliebenen, in Not Geratenen angedeihen ließ, hat er seine im Kriege befindlichen Mitglieder nicht vergessen. Weil viele von den Zurückkehrenden nicht sofort Arbeit finden werden und daher vom Verband unterstützt werden müssen, wurde durch die Maßnahmen de? Verbandes schon wieder ein Fonds angesammelt. — Es ist erfreulich, daß der Verband diese schwere Zeit bisher so überstehen konnte und es ist begründete Hoffnung vorhanden, daß er nach Kriegsschluß sein« Verpflichtungen wieder voll er- füllen kann. Eine mißlungene Tarifbewegung. Von den Stettiner GastwirtSgebilfenvereinen war den dortigen Gastwirten ein Tarif unterbreitet, der die jetzt bestehenden Sätze fest- legen sollte. Die Anregung ging eigentlich von den Unternehmern selbst aus. Die beiden Gastwirte, der Stadtverordnete Meier und Hotelier Hintze, hatten in einer Sitzung des Kuratoriums für den Facharbeitsnachweis sich dahin geäußert, daß in dieser schweren Zeit ein Handinhandarbciten zwischen Prinzipal und Angestellten besonders geboten sei. Die Gehilfen waren der Meinung, daß dieses burgfried- liche Verhältnis gar nicht besser zu erreichen sei, als durch die Ausstellung bestimmter Regeln in Arbeits- und Lohnverhältnissen. In einer öffentlichen Versammlung vom 25. Juni wurde in Anbetracht der außerordentlich schlechten Lohnverbälmisse der Beschluß gefaßt, den von den Vorständen der Steltiner Gehilfenvereine auszuarbeitenden Tarifentwurf der Gastwirteinnung zur Annahme zu unterbreiten. Als Vorsitzender einer Tarifkommission wurde von den Gehilfen der Stadtrat Dr. B e h m in Vorschlag gebracht. Der Entwurf wurde der Innung am 2. Juli unterbreitet. Wie bescheiden die Forderungen der Gastwirtsgehilfen waren, mag man aus der folgenden grundlegenden Bestimmung des vor- geschlagenen Tarifes ersehen: „Festangestellte Kellner erhalten monatlich 30 M. In Geschäften, wo Kost gewährt wird, bleibt dieselbe bestehen, kann jedoch mit 1 M. pro Tag abgelöst werden."' Am 29. Juli wurde nun in der Jnnungsversammlung über die Eingabe verhandelt, sie wurde unter schweren Vorwürfen gegen die Gehilfen abgelehnr. Es läge keine Berechtigung zu solchen Forderungen vor, im übrigen wurde mir schwarzen Liften gedroht. In der gleichen Monatsversammlung diskutierten die Herren von der Innung auch über die Frage der weiblichen Bedienung. Auf ein entsprechendes Bittgesuch an das Generalkommando, so heißt es in dem Bericht über die Jnnungsversammlung weiter, ist eine Antwort noch nicht erfolgt, wahrscheinlich infolge der Gegenvorstellungen seitens der Kellner- verbände. Zur Unterstützung des von der Innung eingebrachten Gesuches ist auch der Tarifvertrag dem Generalkommando eingereicht worden. Darauf ist an die Innung die Abschrift eines den Kellner- verbänden vom Generalkommando zugestellten Schreibens gelangt. So war an den Verband der Gastwirtsgehilfen am 23. Juli folgendes Schreiben vom stellvertretenden Generalkommando des 2. Armeekorps eingegangen: „Es ist zur Kenntnis des stellvertretenden Generalkommandos gekommen, daß die Kellner und Gastwirtsgehilfen an die Gast- Wirteinnung zu Stettin mit dem Vorschlage eines neuen Tarif- verwages herangetreten find. Wenn die Kellner unter Ausbeutung der Zwangslage der Gastwirte von ihren Forderungen nicht Abstand nehmen und nicht unter den bisherigen Bedingungen weiter- arbeiten, wird das stellvertretende General- kommando die Einstellung weiblicher Bedie- nung gestatten." Die Angestelltenverbände sandten dem Generalkommando hierauf folgendes Schreiben zu: Abt. Z No. 31543. Stettin, den 28. 7. 15. An das stellvertretende Generalkommando des zweiten Armeekorps. Antwortlich Ihres geehrten Schreibens vom 23. d. Mts. er- lauben sich unterzeichnete Vereine folgendes zu erwidern: Die wirtschaftliche Lage der gastwirtschaftlichen Angestellten ist äugen« blicklich eine außerordentlich schlechte, da in den metslen Geschäften kein Lohn bezahlt wird und die Einnahmen an Trinkgeldern durch die Einberufungen zum Heeresdienst bedeutend geringer geworden, hinzu konimr noch eine Steigerung der Steuern sowie der Lebensmirtelpreise. In der am 8. Juni stattgehabten Sitzung des Kuratoriums für den städtischen paritätischen Arbeitsnachweis machten die Herren Stadtverord- neter Meier und Hotelier Hintze, beide Mitglieder der Gastwirte- innung, den Borschlag eines engeren Handinhandarbeitens zwischen Arbeitgeber und-nehmer. Dieses nahmen die Kellner zum An- laß. der Stettiner Gastwirteinnung den Entwurf eines Tarif- Vertrages zu unterbreiten und gleichzeitig um Verhandlungen zu bitten. Eine Ausbeutung der Zwangslage der Gastwirte ist nicht beabsichtigt, sondern waren die beteiligten Vereine der Anficht, diese Frage auf dem Wege der friedlichen Verhandlung zu er- ledigen. Ein Beweis hierfür wird sein, daß der Dezernent des städtischen Arbeitsamtes, Herr«tadtrat Dr. Behm, die Verminelung in dieser Frage übernommen hat, was dieser Herr gewiß nicht machen würde, wenn er wüßte, daß in diesen schweren Zeiten wirtschastiche Zwangsmaßregeln in Aussicht gestellt würden. Zu jeder weiteren mündlichen Auskunst find wir gern bereit und bitten höflichst um Angabe von Zeit imd Ort. Zur besseren Orientierung erlauben wir uns, je eine Ab- schrift des Tarifentwurfes sowie das Anschreiben an die Stettincr Gastwirteinnung beizufügen. Mit aller Hochachtung ergebenst (Folgt die Unterschrift von drei Vereinen.) Ob diese Zuschrift die Auffassung und die Stellungnahme de? stellvertretenden Generalkommandos zu ändern vermochte, ist uns nicht bekannt geworden. Der Abschluß eines Tarifvertrages ober scheiterte an dem Widerstand der Stettiner Gastwirteinnung. Soweit GDottai Fleisch Roastbeef mit Knochen.., Pfund 1 M. Rinderkamm........ pfund95pf. Rinder-Querrippe..... Pfund 95pf. Gehacktes Fleisch.;;. Pfund 1 m. Ochsenschwanz Pfund 80pf. Pökelrinderzunge..;:. Pfund 1.20 Fische Kabeljau ohDe Kop'-"£anzcn �3 50 Pf. Seelachs 40 Pf. Dorsch(kleine Kabeljau).. Pfund 16 Pf. Schellfisch..... Pfund 28 n. 55 Pf. Makrelen 2 stück 25 Pf. Rotzungen Pfund 50 Pf. Klippfisch in ganzen Fischen, Pfund 50 Pf. lebende Aale. Pfund 1.25 bis 1.60 Lebende Karpfen Pfd. 1.10 und 1.20 Silli�e Lebensmittel Wurfiwaren Geflügel Obst««» Gemüse lefttlil- b. Salamiwurst.Pfund 2.50 Plockwurst...... Pfund 2.40 Teewurst....... Pfund 2.50 Rollschinken e-spfd, Pfd. 2.80 Mausschinken2-3 Pfd., Pfd.2.60 Schinkenspeck 2.60 Preßkopf Ä 1.40 Bekochter Schinken?ÄK,2.50 Jagdwurst....... Pfund 2 m, Landleberwurst...Pfund 1.50 Rotwurst...Pfund 1.70 1.30 Gänse.... Pfund 1.35 u. 1.45 Enten.... Pfund 1.70 u. 1.90 Suppenhühner... Pfund 1.80 Rebhühner stock 1.45 u. 1.95 Sulfet und Tisch- D.Tafelbntter Pfd.2.08u.2.12 %-Pfund-Pakete 1. 04 u. 1.06 Eß- U. Kochäpfel. Pfund 10 Pf. Rostocker Aepfel. Pfund 13 Pf. Eßbirnen..... a Pfund 25 Pf. Brüsseler Trauben Pfund 65 Pf. Zitronen. Dtzd. 50 60 70 Pf. Grüne Bohnen. a Pfund 35 Pf. Thomaten...... Pfund 25 Pf. Blumenkohl Kopf 18 23 26 Pf. Sellerie Kopt 18 Mohrrüben pfd. 25 Pf. Pflaumenmus... Pfund 52 Pf EdamerKJsepfd.l�OLIrahargerSOpf. Rot- u. Wirsingkohl. Pfd. 7 Pf. Harzer Käse Kiste loostück 3.10 Zwiebeln..... a Pfund 25 Pf jSalZfische etwa 23% Eiweißgehalt. Kostproben 11—1 und 5—7 Uhr Kopt- oder Sdrvanzstück ganzen hen MUtekMck Verkaufsstelle der In fi. F!«ch„ Pfund 35 pf. 40 Pf. 45 Pf. Zentral- Einkaufs- Gesellschaft Soweit GDortat Räucherwaren Kieler BQcklinges stck.20u3Stck. 25 Pf. Sprott-Bücklinge...... Pfund 90Pf. Aale.............. Bund 55 Pf. Brat-Schellflsche... 4-Liter-Dose 2.90 Kolonialwaren kalser-Auszig ErsatziehlÄ�ffl 60pt Maisgrieß � Berei,,ing.wn.Spepfsuen340p,. Schnitt- Nudeln ÄM 88 78«. Makkaroni.......... 88°.78?l. Olympia- Bouillon-Würfel Dose 10 20 50 100»0 Stück 33 Pf 65 Pf. T30 2.90 14 M. Puddingpulver 55pt Grießpudding™?f�.GTSoc,e 65pf. Kunstgelee 45 Pf Saucenpulver™4. 17« Saucenpulver°'4. 33pt Rote Grützepuiver 65 pi Sondev- GJJveife Herbst, und Wmter-Rleiöunx Freitag und Sonnabend Herren Morgen] oppen(Hausjopper) 13 M, 15 M. Beinkleider dunkle Streifenmuster 7.25 8.50 Gummi-Mäntel 29 m. 32 m. Militär• Regenhaut mäntel"*; 18.50 Als Feldpostbrief ver- scndbsr Militär- Regenhant- westen 5.50 Militär-Unterzieh-Westen mit Aermel, wasserfestem Stoff- Q pr\ bezug, warm gefüttert..... X J.DU (Standiget Gßetkanft Offizier- Mäntel, Pelerinen, Röcke, Reit- u. Stiefelhosen. Maniel aus haltbarem Winterstoff, neue Verarbeitung, warm gefüttert für etwa 5-7 8- 10 11- HJ�hre 12.25 13.75 15.50 Kurzer Mantel aus gutem, haltbarem, blauem Cheviot gefüttert, Aermel mit Stickerei, Kragen mit Abzeichen lüretna 2-4 5-7 8-10Jahre 10.50 12 m 13.50 Gchlupfanzug aus modernem, haltbaren Stoff, mit"weißem abknöpfbaren Kragen, Beinkleid gefüttert für etwa 3-5 6-8 9- 12 Jahre Knaben- aus oliv geripptem, baumwoll. Lammet 10-12 13-14 Jahre Beinkleider für etwa 3-5 6-9 2.75 3* 4 m. 4.50 Schlupfanzug-»> blauem Stoff, mit reicher Garnierung für etwa 3-5 6-8 9-12 Jahre 6.50 8 h. 9.50 Mantel gutem Winlerstoff. Rücken mit Gurt, Aermel mit Spange für etwa 5-7 8-10 11- 14 Jahre 16 m. 19 M. 13.25 Kurzer Mantel aus blauem Cheviot, gefüttert, Kragen mit Abzeichen, Aermel mit Stickerei für etwa 2-4 7.25 3-7 8,75 M/r leiptiga* Straße. Iunglmgsanzug besond. bill., soweit Vorrat, a. blauem Stoff, 2 reih. Form lür etwa li-U 18-17 J«hre Mantel aus braunen U'interstoffen, gefüttert, Rücken m. Gurt, Aermel m. Spange für etwa 5-7 8-10 Lerantw. RiSzkt,:. Alsred LZielep». Reukölln. Inseratenteil vergntw. Th. Glocke. Berl«. Tr«S».Verlag: Vorwärts Buchör. a, Vcrlagsanjtalt Paul Singer Lr Co, Berlm SW. Hierzu 1 Beilage u, Unterhaltungsbl. «r.257. 32.»« KilUt des JOllillö" Millft WlliSblM. Fortsetzung öes Angriffs im Osten. Von Richard Gädke. Tie Verlangsamung, die.die deutsche Offensive gegen Osten etlva vom 4. September an erfahren hat, ist sehr erklärlich. Die Zerstörung der Bahnen und besonders ihrer Brücken ist der nächst- liegende Grund.. Die Heranführung alles Nachschubs mutzte damit große Verzögerungen erleiden. Unsere Heere haben sich mehr und mehr zusammengedrängt; wenige Bahnen müssen ihnen alle Be- dürsnisse heranbringen. Im wesentlichen werden für die achl deutschen Armeen des Nordostens zunächst nur vier durchgehende Linien zur Verfügung stehen. Königsberg— Kowno, Schorn— Lyck— Bialystock, Warschau— Bialystock, Jwangorod— Brcst-Litowsk. Womit nicht gesagt ist, datz sich die Zahl dieser Zubringerlinien nicht noch vermehren ließe. Aber selbst jene vier werden schwerlich schon bis jetzt unmittelbar hinter die Front führen. Die Landstraßen aber werden schlechter, je weiter man vordringt und je weiter die Jahreszeit vorrückt. Der Ersatz für den täglichen Abgang an Toten,' Verwundeten, Kranken mutz ebenfalls herangeführt werden. Wenn die Russen in ihren letzten Berichten unseren Verlust auch tenden- ziös übertreiben— sie behaupten Dinge, die sie gar nicht wissen können—, so wäre es doch lächerlich zu leugnen, daß diese- täglich fortgesetzten Kämpfe gegen einen Gegner, der nur Schritt vor 'Schritt iveicht, auch uns blutige Opfer kosten müssen. Es ist also klar, datz in den Vormarsch immer wieder Operations- pausen gelegt werden müssen, damit die eigene Truppe nicht aus- gepumpt wird. Auch das ist nicht verwunderlich, daß die Verzöge- aung sich besonders deutlich auf den Flügeln des Vormarsches aus- prägt: im Norden zwischen Düna und Wilija, im Süden an der Serethlinie. Denn dorthin haben die Russen seit geraumer Zeit alle Verstärkungen geworfen und dort ihren Widerstand von Tag zu Tag verdichtet. Ganz richtiger Weise! Sie wollen die vcr- bündeten Heerscharen verhindern, die äußere Flanke ihrer großen Vcrtcidigungsfront zu gewinnen. Denn darin läge für sie eine viel größere Gefahr, als in der sogenannten Trennung ihres Heeres in zwei große Gruppen durch die Sümpfe der Poljessi. Bisher ist es ihnen geglückt, die Umfassung ihrer Flügel den Gegnern zu verwehren. Im Norden haben sie eine starke, vor- »värtsgebogene Flanke zwischen Riga und Dünaburg gebildet, die sich noch immer südlich und westlich der Düna zu halten vermochte; und dadurch haben sie entscheidende deutsche Fortschritte in dieser für sie besonders gefährlichen Richtung verhindert. Seit dem letzten Sonntag scheint nun allerdings unser Angriff in diesem weiten Gebiete wieder in rascheren Fluß zu kommen. Die Muffen behaupten, datz große deutsche Verstärkungen hier einge- troffen seien, geben aber im übrigen ihre rückgängigen Bewegungen gu. Einen besonders harten Widerstand haben sie zwischen Wilna und Grodno geleistet; auch hier'scheint er nunmehr gebrochen zu fein. Uebrigens hat man auf diesem KampfeSfeldc ein Beispiel vor sich, daß die russischen Berichte den unseren scheinbar wider- sprechen können, ohne darum etwas bewußt Unwahres zu be- haupten. � I» seiner Veröffentlichung vom 11. September sagt daS russische Hauptquartier über die Kämpfe östlich Grodno:„Wir warfen diese Angriffe mehrmals mit dem Bajonett zurück. S k i d e l und das nordwestlich davon gelegene Niekrasza konnten erst nach hin- uird hcrwogcndcn Äcnnpfcn von uns in der.Nächst endgültig erobert werden." Es ist ganz klar: Der russische Bericht ist früher abgefaßt und gibt eine für feine Waffen günstige Episode aus dem nach dem deutschen Bericht.:hin-''und hcrwogendsne Kampfe" wieder; der deutsche, als der spätere, übermittelt uns den endgülti- gen Ausgang. Wenn man dann noch berücksichtigt, daß wir die russischen Berichte um einen Tag später als die deutschen erhalten, so werden wir in den meisten Fällen die Widersprüche zwischen beiden aufzuklären vermögen. Das wird in gewissem Maße auch für die hartnäckigen und niehrtägigen Kämpfe auf dem Südflügel, um Tarnopol und Trem- bowla am. Sercth, gelten dürfen. Die Russen, die am 8. September die Niederlage von. zwei deutschen Divisionen meldeten, scheinen sich diesmal— abgesehen von einer geflissentlichen Uebertreibung ihres Erfolges— hauptsächlich in der„Firma" geirrt zu haben. Tie deutsche Berichtigung betont dann auch nur,„kein deutscher Soldat ist auch nur einen Schritt gewichen". Im übrigen aber geben die deutschen wie die österreichischen Mitteilungen unum- wunden zu, daß die fünftägigen Kämpfe vom 7. bis 12. September den russischen Waffen einen Vorteil gebracht haben: die Front der Verbündeten am mittleren Sereth ist um mehrere Kilometer auf die Höhen östlich der Strypa zurückgenommen worden. Die Armeen Böhm-Ermolli und Graf Bothmer sind zeitweise in die Verteidigung zurückgefallen. Die Entscheidung muß nun von den weiteren Fort- schritten der Armee Puhallo und des linken Flügels Böhm-Ermollis im Norden, der'Armee Pflanzer-Baltin im Süden gebracht werden. Besonders im Norden dauert die Offensive über Dubno hinaus auf Rowno fort; sie mutz schließlich ihre Rückwirkung auf die heftigen Kämpfe in der Mitte ausüben, wenn es ihr glückt, durch- zudringen. Es kann wunderbar scheinen, daß die Russen gerade hierhin w erhebliche Verstärkungen geworfen haben und hier seit Monaten zum ersten Male aus der Verteidigung wieder zum An- istst! übergehen. Denn die Entscheidung des Gesamtfeldzuges wird aller Voraussicht nach im Norden fallen. Wahrscheinlich sind hier- für mehr politische als militärische Gründe matzgebend gewesen. Sie sollen erstens wohl das letzte Stück galizischen Bodens— der spateren Abrechnung wegen— behaupten; sie möchten ferner Kiew, die kleinruiiiiche Haupfftadt, schützen, des moralischen Prestiges wegen- u-ic dritte Hauptstadt des Reiches soll nicht in die Hände des Gegners fallen. Und endlich mag der außenpolitische Grund einwirken, daß sie Bessarabien, das Grenzland gegen Rumänien hin nicht ausgeben möchten. Datz sie aber selbst durch ein sieg- reiches Vorgehen gegen- Lemberg noch imstande wären, die Offensive der De u ff che n auf Wilna und Minsk zu erschüttern, werden sie faum glauben, immerhin muh man die Energie anerkennen, die sie hier entwickeln. Sie widerspricht auch der Annahme, daß das russische Heer als Ganzes sich schon geschlagen fühle; offenbar viel- rnchr sind seine Bestandteile sehr vcrschiedenwertig. Neben ein- zclneu Armeekorps, die sich mit hervorragender Tapferkeit schlagen, gibt es andere, die beim ersten'Anlauf der Deutschen die Waffen fortiverfcn. Die Heeresleitung aber scheint den Rückzug nicht mehr fortsetzen, sondern eine neue allgemeine Schlacht annehmen zu wollen. Die Entscheidung in einer solchen würde dann allerdings wohl von weittragender Bedeutung werden. Neben den Ereignissen im Osten verschwinden nach wie vor die Ereignisse aus allen anderen Kriegsschauplätzen. Wenn Franzo- sen wie Engländer alles Unheil noch immer auf ihren Mangel an ..cunition schieben, so ist das gerade herausgesagt eine sehr durch- sichtige Ausflucht. Tatsächlich gehen sie mit ihren Geschossen weit berschwenderischcr nin. als die deutschen Truppen; bei allen ihren -lngriffen. großen ivie kleinen, eröffnen sie ein Höllcnfcuer— soviel a.. dw heig werdenden Rohre nur irgend gestalten. Die Gewalt dieses tfeuers ist kaum mehr zu überbieten, die Geschütze geben alle? her, was sie mit ihren augenblicklichen Ladevorrichtungen an Raschheit deö tfciiers leisten können. Der Ruf nach mehr Geschützen und Schicßbcdars ist weiter nichts als die Entschuldigung für die Untätigkeit, sur die Entschlußlosigkeit des Fcldherrn. Warum die licanzosen aber so ruhig und mitleidlos zuschauen, wie die Russen einmal über das anderemal geschlagen werden, ist nicht leicht zu sagen. Joffre ist doch ein zu einsichtiger Feldherr, um nicht zu sehen, daß hieraus schließlich für seine eigene Sache ein nicht mehr gutzumachender Schade entstehen muß. Denn die Rechnung, daß selbst unsere Siege im Osten uns schließlich so schwächen müßten, datz wir im Westen zur Entscheidung unfähig würden, hat mehr als ein Loch. Wenn sie es jetzt nicht wagen, uns dort anzugreifen; welche Aussichten können ihnen noch blühen, wenn wir erst vom Osten Kräfte nach dem Westen überführen können— es seien nun sehr viele oder weniger! Man kann also nur feststellen, datz der Gegner sich zurzeit nicht für stark genug hält, uns mit Hoffnung auf Sieg anzugreifen, und daß er nur die vage Hoffnung hegt, daß die Zeit für den Vierverband arbeite. Warum eigentlich? Möglich, daß er in- zwischen Kräfte sammelt, daß er noch auf die Unterstützung durch ein italienisches Heer hofft, oder immer noch glückbringende Zwischenfälle auf dem Balkan erwartet. Wir können seine ge- Heimen Gründe nicht erraten, wohl aber uns der Sachlage freuen, die seine Untätigkeit für uns schafft. Je gründlicher wir im Osten abrechnen können, desto klarer wird der Himmel auch im Westen. politische Ueberstcht. Beschlüsse des Bundesrats. In der Sitzung des Bundesrats am Donnerstag gelangten zur Annahme: der Entwurf einer Bekanntmachung über die Höchstpreise für Erzeugnisse der Kartoffeltrocknerei sowie der Ä'artoffelstärkefabrikatiou, der Entwurf einer Bekannt- machung über die Regelung des Absatzes von Erzeugnissen der Kartoffeltrocknerei und der Kartoffelstärkefabrikation, der Entwurf einer Bekanntmachung über das Außerkrafttreten der Bekanntmachung über die Höchstpreise für Futtcrkartoffeln und Erzeugnisse der Kartoffeltrocknerei sowie der Kartoffel- stärkefabrikation vom 23. Februar 1913, und der Entwurf einer Bekanntmachung wegen Verarbeitung von Kartoffeln in Getreidcbrcnnereien im Betricbsjahre 1915/16. Dem vom Reichstag angenommenen Entwurf eines Gesetzes wegen Aenderung des Gesetzes betreffend die Unterstützung von Familien in den Dienst eingetretener Mannschaften vom 28. Februar 1888 wurde zugestimmt. Rcichsausschuff für Kriegsbcschädigtcnfürsorgc. Berlin, 16. September.(W. T. B.) Im Landeshaus der Provinz Brandenburg ist heute nachmittag in einer Ver- sammlung von Vertretern der deutschen Bundesstaaten ein Reichsausschuß für Kriegsbeschädigtensür- sorge gegründet worden, der den Landesdirektor der Provinz Brandenburg v. Winterscldt zu seinem Vorsitzenden wählte. Als Kommissar des Reichsamts des Innern wohnte Geheimer Regierungsrat K l e h m e t der Besprechung bei. Namens des Staatssekretärs des Reichsamts des Innern erklärte Gc- heimer Regierungsrat Klehmet, daß der Staatssekretär gerne einen Vertreter zu der Gründungssitzung des Reichsausschusses entsandt habe, und daß der Ausschuß der wohlwollenden Unterstützung der Neichsrcgicrung sicher sein könne. Landes- direktor v. Winterfeldt schloß die bedeutungsvolle Versamm- lung mit dem lebhaften Wunsche, daß das hohe Ziel, die Kriegsbeschädigten wieder zu tüchtigen und' nützlichen Mitgliedern unseres Volkes zumachen, voll erreicht werden möge. „Es wird erwogen!" Wie die„Tägl. Rundschau" erfährt, wurden an den zu- ständigen Stellen neue Maßregeln zur Bekämpfung der herrschenden Teuerung erwogen. Die Zahl der zur Beratung stehenden Vorschläge ist sehr groß. Man dürfte sich, von anderem abgesehen, für diejenigen entscheiden, die daraus abzielen, daß eine amtliche Untersuchung der Preise geschaffen wird. Eine Untersuchung, durch die der Einkaufs- preis der verschiedenen Nahrungsmittel festgestellt und durch die weiter erwogen wird, ob der Verkaufspreis zu dem Ein- kaufsprcis in einem angemessenen Verhältnis steht. Außerdem haben die günstigen Erfahrungen, die verschiedene Gemeinden mit dem Unternehmen gemacht haben, dazu angeregt, die Ver- sorgung ihrer Mitglieder mit Nahrungsmitteln selbst in die Hand zu nehmen. Wenn der herrschenden Teuerung durch andere Mittel nicht beizukommen ist. werden noch viele andere Gemeinden die Versorgung ihrer Mitglieder mit Nahrungs- Mitteln selbst durchführen. Hoffentlich führen diese Erwägungen, die recht spät ein- setzen, bald zu greifbaren Zielen. Die Lebensmittelteucrung ist heute derart, daß weite Kreise bittere Not leiden. Eine Verfügung über die russischen Arbeiter. erläßt der stellvertretende kommandierende General des 9. Armee- korpö in Altona. In Verbindung mit dein Verbot, russischen Arbeitern Eisenbahnfahrtarten zu verkaufen, wird bestimmt: „Nach Maßgabe des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851 werden mit Gefängnis bis zu einem Jahre be- straft: a) Russische Arbeiter, die sich einer Unbotmäßigkeit oder einer Widersetzlichkeit gegen die Arbeitgeber oder deren Vertreter schuldig machen, b) alle Personen, die sich der Aufwiegelung oder Aufhetzung russischer Arbeiter zum Zuwiderhandeln gegen ein obrigkeitliches Gebot oder gegen eine Anordnung der Arbeitgeber schuldig machen, desgleichen, wer in aufrührerischer oder aufhetzerischer Weise Miß- vergnügen oder Unzufriedenheit in bezug auf die gegenwärtige oder zukünftige Regelung des Arbeitsverdienstes oder über die aus An- laß des gegenwärtigen Krieges getroffenen obrigkeitlichen Anord- nungcn zn erregen sucht. Die bei einer Zuwiderhandlung gegen diese Vorschriften Ge- troffencn sind festzunehmen. Den Behörden wird ein nachdrückliches Einschreiten gegen jede Verfehlung der im Lande zurückgehaltenen Russen zur besonderen Pflicht gemacht."__ Arbeitsgelegenheit für die aus dem Felde zurückkehrenden Krieger. In Augsburg hat die sozialdemokratische Rathausfraktion an das Kollegium der Gcmcmdebevollmächtigtcn folgenden Antrag gestellt: Der Magistrat ist zu ersuchen: 1. Jeyt schon die nötigen Vorarbeiten zur Beschaffung von Arbeitsgelegenheit sowohl im Hoch- wie im Tiefbau treffen zu lassen, damit einer eventuell eintretenden Arbeitslosigkeit vorgebeugt werden kann; 2. die SlaatSministerien und die Kreisregierung zu ersuchen, die von diesen Stellen projektierten Arbeiten für den Fall einer Arbeitslosigkeit bereit zu halten und für möglichst ausreichende Arbeitsgelegenheit Sorge zu tragen; 3. einen Aufruf an die Arbeitgeber und die Bevölkerung voir Augsburg und Umgegend zu erlassen, in welchem um Bereitstellung von Arbeiten aller Art ersucht wird. Das Gemeindekollegium hat den Antrag dem Magistrat zur Würdigung überwiesen, und der Magistrat nahm ihn einstimmig an und beauftragte das Bauamt, sofort geeignete Projekte auszuarbeiten und baldigst in Vorlage zu bringen. Ter Konsumverein als Helfer. In S t r i e g a u i. Schl. erklärten die Fleischernteister öffentlich, sie hätten beschlossen, in Zukunft keine Schweine mehr einzukaufen und zu schlachten, da das Geschäft nicht mehr genug Gewinn ab- werfe, sondern nur Verluste bringe. Daraufhin hat der Arbeiter- konsumverein Striegau beschlossen, das Abschlachten der Schweine sofort selbst in die Hand zunehmen und hat mit dem Verkauf des Fleisches schon begonnen. Neue Wählerinnen in Norwegen. Am 11. Juni 1913 erweiterte das norwegische Swrthing das bis dahin an die Steuerlcistung gebundene Wahlrecht der Frauen, und in diesem Jahre werden sie nun zum erftenmal unter dem allgemeinen Wahlrecht wählen können. Man glaubt, daß aus diese Weife 239 voll neue Wählerinnen geschaffen werden, so daß die Zähl der wahlberechtigten Frauen etwa auf Söll 999 steigen würde. Bei den letzten K o m m u n a l w a h l e n im Jähre 1919 gab es 319 729 stimmberechtigte Frauen, aber das kommunale Wahlrechtenthält die beschränkende Vorschrift der zweijährigen Ortsansässig- keit, während das Storthingwahlrecht nicht an eine solche Aufent- Haltsdauer geknüpft ist. Bisher hat nur einmal eine Frau, die liberale Lehrerin Anna Rogstad, die als-„Ersatzabgeordneter" gewählt wurde, an der parlamentarischen Arbeit teilnehmen können, und zwar auch nur eine kurze Zeit, nämlich 14 Tage, als der konservative Storthing- abgeordnet« General Braille ertrankt war. Ob die norwegischen Frauen in diesem Jahre Sitze im Parlament erringen werden? Jedenfalls darf man sicher sein, daß sie sich eifrig att den Wahlen beteiligen werden. Als sie im Herbst 1999 das erstemal zur Wahl- nrne schritten, gaben SS,29 Proz. der wahlberechtigten Frauen ihre Stimme ab, gegenüber 67,47 Proz. bei den Männern. Die Ziffern von den letzten Wahlen iin Jahre 1912 liegen uns nicht vor. Sehr interessant wird es sein, zu vergleichen, welche Wirkung die Ausdehnung des Wahlrechts auf �cinen größeren Kreis von Frauen auf die Zusammensetzung des Storthings 1>aben wird. Tie Wahlen, von 1999 brachten eine konservative Mehrheit, die jedoch schon 1912 von einer liberalen Mehrheit abgelöst wurde. Die Aus- dehnung des allgemeinen Wahlrechts auf die Frauen wird, wie man wähl erwarten darf, dazu beitragen, die Linke im Parlament weiter zu stärken._ Cine Konferenz in der Schweiz. Unter diesem Titel schreibt das„Züricher Volksrecht": Die bürgerliche Presse hat dieser Tage einige sehr phantastische Mcl- düngen über eine internationale Soztalistenkonferenz, die insbesondere auch in ihren Einzelheiten ganz unzutreffend waren, weitergegeben, worauf auch das Dementi von sozialistischer Seite nicht aiisgcblicben ist. Inzwischen bestätigen zlvei ausländische Parteiorgane die Tat- fache, daß in der letzten Woche irgendwo in der Schweiz eine intcr- näNonäle" soziallstifchc Konferenz' stattgefunden hat.' Ter„Laböür Leadcr" teilt mit, daß leider die drer englischen Delegierten, die zn dieser Konferenz abgeordnet- waren,- von der englischen Regierung an der Abreise verhindert worden sind. Wir enthalten uns irgendwelcher Angaben über die Konferenz und warten die diesbezügliche offizielle Mitteilung ab, die jeden- falls in Bälde erscheinen wird. Für heute beschränken wir uns darauf, das teilweise wiederzugeben, was der„Avanti" im Lest- artikcl seiner gestrigen Nuomter darüber enthält. Wir wollen also die Neugier unserer Gegner befriedigen, so- weit das die Notwendigkeiten unserer Aktion und Erfordernisse unserer Taktik in diesem Falle gestatten. So erklären wir denn, daß wirklich vor einigen Tagen eine höchst wichtige Zusammenkunft interuationalcr Sozialisten an einem Ort in der Schweiz— aber nicht in Bern— stattgefunden hat. Dem fügen wir weiter bei, daß die Vereinigung— an welcher in vollster Harmonie an die vierzig Sozialisten als Vertreter poli- tischer und wirtschaftlicher Organisationen von über einem Dutzend Nationen, Frankreich und Deutschland inbegriffen, teilgenommen haben— während vier Tagen gegenseitiger Beziehungen und Be- sprechungen, inspiriert vom Grundsatz gegenseitigen Vertrauens, mit Einstimmigkeit beschlossen haben, gleichzeitig ein Manifest an alle Proletarier Europas zu erlassen. Das Manifest, das gleich- zeitig in deutscher und französischer Sprache abgefaßt wurde, trägt di-e Unterschrift von je zwei Vertretern jeder Nation und ist das historische Dokument für die Wiedererweckung der proletarischen Internationale. Der„Avanti" bemerkt dazu weiter, daß es nur dem Krieg und- den reaktionären Regierungen der verschiedenen kriegführett- den Länder zuzuschreiben sei. wenn die Konferenz insgeheim ab- gehalten worden fei und ihr Ergebnis nicht sofort, habe bekannt gc- geben werden können. Die ungeduldigen bürgerlichen Journa- listen, die der proletarischen Internationale bereits den Grabgesang angestimmt hatten, würden vielleicht zur Einsicht kommen, daß das doch zu voreilig geschehen fei. Die bürgerliche Presse habe auch bereits berichtet, daß die phantastische Berner Konferenz dem Internationalen Sozialistischen Bureau in Brüssel ein anderes internationales sozialistisches Bureau entgegengestellt habe. Das sei ganz und gar unrichtig, obschon man verstehen könne, daß es unsere Gegner sehr gerne sähen, daß die Sozialisten Zeit und Kraft in einem Bruderkampf verschwendeten. Alle seien darin einig gewesen, der Internationale ihre frühere Organisation, und ihr internationales Bureau zu erhalten, wie auch alle vorbehaltlos die Notwendigkeit anerkannten, die Tätigkeit der sozialistischen Bc- wcgung in allen Ländern zu beleben ilnd zu veranlassen, daß auch das Internationale Bureau seine Tätigkeil wieder aufnehme. Mus öer Partei. Zur Aufklärung. Der L a n d e s V o r st a n d f ü.r Württemberg erlaßt rn der..Schwäbischen Tagwacht" nachfolgende Erklärung.: Wir sind genötigt, wiederholt feststellen zu müssen, daß die „Sozialistische Vereinigung" in �Stuttgart und in anderen Orten fälschlich unter dem Namen„Sozialdemokratischer Verein" Mit- gliedervcrsammlungen und Zusammenkünfte einberuft sowie immer noch Beiträge einziehen läßt. Die Gruppe„Sozialistische Vereinigung" ist aus der Sozial- demokratischen Partei Württembergs ausgeschieden, gehört somit der Partei nicht mehr an und hat kein Recht, namens der Sozial- demokratischen Partei irgendwelche organisatorische Tätigkeit zu entwickeln. von der„Sozialistischen Vereinigung" ausgegebenen �uittungömarken lragen fälschlich den Aufdruck„Sozialdemokrat i�che Partei Württembergs"� Diese Fälschung hat den Zweck, bei iiu]cccii Parteimitgliedern ober deren Frauen Gelder einzuziehen, die daiin nicht für die Zwecke der Sozialdemokratischen Partei vcr- tocudct� werden, sondern eine nuhlose Vergeudung finden in der Zwcckloicn Dcmonstrationssucht der Sozialistische» Vereinigung. a. ic für die württembergischc Landesorganisation und damit fi'r die Sozialdemokratische Partei Teutschlands gültigen �.uittungSmarken haben für männliche Mitglieder blauviolcttc, für weibliche Mitglieder braune Farbe. Zum offensichtigen Zweck der Täuschung wurden die Marten der Sozialistischen Vereinigung unteren früheren roten Beitragsmarken genau nachgeahmt; in letzter Zcst sollen diese etwas geändert, die frühere Inschrift und die rote Farbe jedoch bcibcbaltcn worden sein. Wir ersuchen alle Parteimitglieder, zu beachten, daß diese Gruppe jeden Zusammenhang mit der Sozialdemokratischen Partei gelöst iind somit kein Recht und keine Legitimation hat, im Namen der örtlichen sozialdemokratischen Vereine oder im Namen der sozialdemokratischen Landesorganisatioti sich zu betätigen. Wir bringen diese Feststellung wiederholt zur Kenntnis aller Parteimitglieder, weil die Sozialistische Vereinigung nicht den Mut bat, offen als Gegcnorganisation der sozialdemokratischen Partei Württembergs aufzutreten. Stuttgart, den 14. September ISlü. Der Landesvorstand der Sozialdemokratischen Partei Württembergs. Vorgänge in der schwedischen Partei. Unter der Ucberschrift„Ausschluß deutschfreundlicher Sozial- demokratcn aus der schwedischen Sozialdemokratie" berichtet die Baumeistersche„Zntcrnationalc Korrespondenz" von einem Aus- ichlußantrag, den die Stockholmer Parteiorganisation beim Partei- vorstand gegen die Genossen Professor Steffen, Tr. Dngve Larsson und Otto Järte beantragt habe. „Der Beschluß erklärt, daß die Arbeiterkommunc Stockholms diese Genossen nicht mehr als Parteimitglieder anerkennen kann, weshalb der Ausschluß aus der Gesamtpartci gefordert wird. Als �wund wird angegeben, daß sie sich durch Mitarbeit an einem anonym erschienenen Buche über die schwedische AuslandSpolitii in der Beleuchtung des Weltkrieges für den Anschluß Schwedens an die Zentralmächte ausgesprochen haben. Das sei gleich- bedeutend mit Kriegshetze. Sin Beweis für die fragliche Mit- arbeit wurde nicht erbracht. Wie verlautet, ist auch Branting für den Ausschluß." Zunächst sei festgestellt, daß die Darstellung der I. K., gelinde ausgedrückt, irreführend ist. Vor allem rückt die Ucberschrift die Angelegenheit in ein ganz falsches Licht. Es ist nicht die „ T e n t s ch f r e u n d l i ch k e i t" der drei erwähnten Genossen, die sie mit der Arbeiterkommune Stockholms in Konflikt gebracht hat, fondern ihre direkte und indirekte Unterstützung der auf ein Eingreifen Schwedens in den Krieg gc- richteten„a! t i V i st i s ch e n" Propaganda. Das vor kurzem erschienene Sammelwerk„Schwedens Auslandspolitit in der Beleuchtung des Weltkrieges" enthält das Programm jener Clique, die darauf auS ist, das schwedische Volk und die schweiüsche Regierung zu einem Präventivkrieg gegen Rußland zu veranlassen. Es steht im schroffsten Widerspruch zu der bisher von der schwedischen Sozialdemokratie cingenmnmenen Haltung, ja mehr als das, es be- kämpft sogar ausdrücklich die Stellungnahme der schwedische» Liberalen und übt außerdem ganz allgemein abfällige Kritik an der Demokratie auf dem Gebiete der inneren Politik sowohl wie auf dem der auswärtigen. Alsbald nach Erscheinen dieses Werkes wurde von der Stock- holmer Parteiorganisation an verschiedene Mitglieder, von denen man wußte oder zu wissen glaubte, daß sie an der Abfassung der Schrift beteiligt seien, eine entsprechende Anfrage gerichtet. Otto iflärte, Dngve Larsson und Professor Gustaf F. Steffen lehnten in ziemlicb schroffer Form eine Auskunft über ihre Mitarbeiterschaft ab, erklärten aber mehr oder weniger deutlich, daß sie auf dem Boden der in dem Bücke vertretenen Anschauungen ständen. Steffen insbesondere äußerte sich dahin, daß er, ahne sich mit jedem Wort in„Schwedens AuSlandöpolitik" zu identifizieren, der Meinung fei, daß sein hauptsächlicher Inhalt nicht wider die Grundprinzipien der Internationale und der sckwedischcn Sozialdemokratie verstoße. Von einer Reihe von Ortsorganisationen(Göteborg, Möllendal, Stockholm usw.) ist dann der P a r t e i v o r st a n d zu einem Ein- schreiten gegen den Aktivismus innerhalb der Partei aufgefordert worden, und am vergangenen Sonnabend hat dieser unter befon- deiem Luiuveis aus das mchrfack erwähnte Buch einen Beschluß gefaßt, der im wescntlicken folgendes besagt: l. Tie durch das Buch betriebene oktivistifche Agitation steht im schärfsten Gegensatz zu der klaren und ehrlichen NeutralitätS- Politik, die die schwedische Sozialdemokratie getrieben wissen will. 2. Diese Propaganda ist nicht zu vereinbaren mit den Grund- sätzen der sozialistischen Internationale, die den Angriffskrieg auch dann, wenn er sich als Präventivkrieg maskiert, verwirft. !Z. Der Parteivorstand hält das Mitwirken bei dieser kriegS- hetzerischen Propaganda für unvereinbar mit der Mitgliedschaft in der schwedischen sozialdemokratischen Partei. 4. Ter Parteivorstand ist bereit, die Konsequenzen zu über- nehmen gegenüber einzelnen Mitgliedern der Partei, die an dieser Propaganda mitwirken. Punkt 1 bis 3 wurden einstimmig angenommen, Punkt 4 mit 16 gegen 6 Stimmen. Tie Minorität hielt die Bemerkungen über die Konsequenzen für überflüssig, die Majorität war der Ausfassung. daß die aktuellen Ausschlicßungsfragen noch nicht geklärt seien, daß aber um so mehr mit aller Deutlichkeit die unvermeidlichen Kon- sequenzcn der aktivistischcn Propaganda von feiten einzelner Parteimitglieder unterstrichen werden müßten. Die Angclcganheit der drei angeklagten Genosien wird weiter untersucht. ES steht aber über jeden Zweifel fest, daß von nie- man dem daran gedacht worden ist oder gedacht wird, sie wegen ihrer deutschfreundlichen Ge- sinnung zur Rechcnschaft zu ziehen, sondern daß ein- zig und allein ibrc Teil nah vi e an einer immer unvcr- Vii liier auftretenden Kriegspropaganda den Grund zu einem Einschreiten gegen sie bildet. Totenlistc der Partei. Der Krieg hat nach so vielen anderen Opfern nun auch den Vertrauensmann der Wchlauer Sozialdemokraten, Genossen Karl Schelle, hinweggerafft. Schcikc war einer von jene» schlichten Pionieren unserer isachc, wie sie beute nur noch in den agrari- schen Kreisen Ostdeutschlands zu finden sind. Fast ganz allein- flehend mit seiner Gesinnung, ohne Versammlungsraum oder sonstige Propagandamittel, begann er die Arbeit für die als richtig erkannte Lehre, indem er sein eigenes kleines Grundstück in Gansehr bei Wehlau als Bersaminlungslokal hingab, selbst den Wahlbercin gründete, sein Vorsitzender wurde und auch in Schnee und Eis des Winters die Versammlungen dort abhielt. Ohne Aussicht auf Anerkennung oder größere Erfolge diente er still seinem Ideal, nur von innerer Genugtuung am Werke getragen, bis ihn jetzt der Krieg hinwegriß. Doch in dem stillen Ackerstädtchen werde» noch noch Jahren die Proletarier in Ehren des schlichten Vorkämpfers an ihrem Orte gedenken. Soziales. Toruiftcr mit Pappeinlagc. Zum zweiten Male beschäftigte sich am Donnerstag die Cammer 2 des Gewcrbegenchts mit einer Klage deS Sattlers Zacharias gegen die Lederwarsnfabrik von Fischer und Richter (Inhaber Äiohr). Wie ivir am 27. August berickteten, bat der Kläger im vorigen Termin behauptet, die beklagte Firma habe ihn« zur Weilervcr- arbeitung Tornister übergebe», die aus vorschriftswidrigem Material hergestellt gewesen seien. Stall Traiisparenilcder sei Guttapercha verwendet morden und die Böden hätten eine Einlage von Pappe gebabl. Tie Verwendung eines solchen Materials— sagte der Kläger— sei ein Betrug der Hecresverivaltung gegenüber. Da er sich nicht des Betruges mitschuldig machen wolle, habe er die Fertig- stellung dieser Tornister abgelehm, er verlange aber Bezahlung der übertragenen Arbeit. lieber die Behaiiptung dc-Z Klägers, zu den fraglichen Tornistern sei in betrügerischer Absicht vori'chrisiswidrigeS Material verwendet Wörde», wurde im gegenwärtigen Termin der Ledertvarensabrikant und Getverbegcrichtsbeisitzer K i r s e ck vernommen. Der Kläger lehn t e den Sachverständigen ab mit der Begründung: Herr Kirseck habe, als er zur Besichtigung der Tornister beim Kläger war, zu diesem gesagt, was et sich deim um das Material zu küinnicr» habe, er köinic dach verarbeiten, was ihm übergeben werde, denn er trage doch nicht die Verantivorluiig dafür, ob die Tornister vorschriftsmäßig angesciligl werden oder nicht. Das Gericht wie» das A b l c h n u n g s g e s u ch zurück, weil die Aeußerung deS Sachverstäiidigen leine Bedenken gegen feine Uiiparicilichlcit errege. Der Sackverständige Kirseck gab hierauf folgendes G u t a ck t c n ab: In den fraglichen Tornistern sei statt Transparcnllcder anderes Lcder verarbeitet. In den Böden sei eine Einlage von Fiber. Das sei lvasscrdichlcr, der Poppe ähnlicher Stoff. Ein aus solchem Stoff oiigeserligtcr Tornister lvürde nach den heut geltciidcn Vorschriflen von der Heeresverwaltung nicht abgenominen werden. Früher, als die jetzigen Vorschriften noch nicht bestandcii, habe die HccrcS- verwatluiig tausende von Tornister» aus dem hier in Rede stehenden Material unbeanstandet abgenommen. Das sei auch im Februar, wo der Kläger die belreffenden Tornister am'crligcn sollte, der Fall gewesen. Eine betrügerische Absicht liege nicht in der Verwendung des angegebenen Materials. Der Beklagte bcmcrllc, et habe bis Milte April 3030 Tornister von demiclben Material, welches der Kläger beanstandele, anfertigen lassen. Dieielbeii seien unbeanstandet abgenommen worden. Der Kläger, der die Vernehmung eines andereil Sachverständigen beantragte, beansprucht 37,30 M, Arbeitslohn für die ihm übergebciicn Tornister, deren Ferligmackung er ablehnte. Der Beklagte fordert durch Widerklage 320 M. für da? vom Kläger zurückbehaltene, jetzt nicht mehr verwertbare Material.— Zu einer Enlicheidung kam cS noch nicht, weil über den Anspruch des Klägers erst Beweis erhoben werden soll._ Her mit einem RcichSknappschaftsgesetz Ein Reichsbcrggesetz und ein RcichsknappschaftSgesetz, das die bestehenden III Knappschaflsvereine und-vcreiuchen zu einer Zenrral- knappschaftSkasse zusammenschweißt, ist eine alte Forderung der Bergarbeiier. Sie ist im Reichslage wiederholt von sozialdcmo- kratischer Seite erhoben und auch von bürgerlicher Seite unterstützt. Auch eine große Reihe Bergbeaniter befürworten die endliche Er- rillung der von den Bergarbeitern ohne Unterschied ihrer politischen Richtung gestellten Forderung. So unter anderen Lberbergrat Dr. Adolf Arndt in seinem Buche„Bergbau und Bergbaupolitik". Dringend zeigt der Krieg die Notwendigkeit einer einhcit- lichen, ganz Deutschland umfassende» ZenlralkuappschaftSkasse an Stelle der III Vereine. Der Krieg würde so manchem Knappschaftsverein sein Ende bereiten, wenn nicht Vorsorge getroffen wird, die Vereine vor dem Bankerott zu bewahren. Großes Elend bräche sonst über Invaliden, Witwen und Waisen herein. Im Allgeincinen!tnappschaslSverein Bochum iiiid bis jetzt über 130 000 Mitglieder zum Kriegsdienst eingezogen. Beinahe ein Drittel der gesamten Mitgliedschaft befindet sich also im Felde. Bei anderen Vereinen wird eS ähnlich aussehen oder auch noch ein höherer Prozentsatz in Frage kommen. Wiebiel Invaliden nach dem Kriege ihre Knappschaflspension bekommen müssen, wer lueitz eS? Kopitallräftige Vereine wie der Bochumer Allg. Knappschaftsverein. der am Schlüsse des Jahres 1314 ein Vermögen von 134 310 371 M. allein in der Pensionskasse hatte, mögen diese kritische Zeit überwinden, a b e r s ch l i m m. f e h r s ch l l m in wird es für so manchen kapitalarmen Verein und damit auch für die armen Invaliden und Waisen stehe n. Mit allen Mitteln ist deshalb darauf zu drängen, daß ein Reichsknappschaflsgesetz und damit ein allgemeiner Knappschaft-!- verein für alle Bundesstaaten, mit Zweigstellen vielleicht wie bei der Jnvalidenversichming, geschaffen wird. Ebenso wie eS bei dieser Versicherung verschiedene Beitragsllaffen gibt, könnte dies auch bei dem zu errichtenden Zentralverein sei», um so verschieden- artige Beitragszahlung und unterschiedliche Leistung weiter zu gestalten. Welch ungeheuere Belastung der Krieg mit sich bringt, zeigt uns eine Aufstellung des Bochumer Knappschastsvcreius für ein Kriegsjahr. Danach betrug der Ausfall an Beiträgen un« gefähr 22 000 000 M., der Mehrzugmig an Invaliden, wenn nur 3>/g Proz. der Jnvalidisieningen der Kriegsteilnehmer zugrunde gelegt werden, einen jährlichen Rentenanspruch von 16 000 000 Mark, der Mehrzugaug von Witwen einen jährlichen Renten- betrag von 8 000 000 M.. von Waisen 3 000 000 M., demgemäß würde für ein Kriegsjahr eine Rentenmehrbelastung von 27 000 000 M. und ein Beilragsausfall von 22 000 000 M., zu- ammen 43 000 000 M. zu veranschlagen fein. Dabei sind vom Bochumer Knappschaftsverein die neuen Borschriften des Knapp- jchaftSlriegsgesetzos vom März ISIS noch nicht in Rechnung gestellt. Auch werden sich die nachteiligen Folgen des Krieges auf den Gesundheitszustand der Kriegsteilnehmer erst später herausstellen. Es kommen also ungeheure Summen bei den Knappschaftsvereinen in Betracht, die allein infolge des Krieges mehr ausgegeben werden müssen, Schon bat das Handelsministerium sich an die Oberbcrgämter »lit einem Erlaß gewandt, um zur Vcrickmelzung einzelner Knapp- 'chaflsvereiiic, und zivor jener, die keine 10 000 Mitglieder zählen. Stellung zu nehmen. Dock auch bei anderen Vereinen bort man es chon in allen Fugen krabcn, deshalb ist es an der Zeit, ganze Arbeit zu schaffen und das wäre: ein Reichsknappschaftsgesetz und eine Zcntralknappschasiskosse für ganz Teutschland! Eine Maßnahme für Arbeitslose. Im Staate Idaho brachte der sozialistische Senator Earl Way« land Bowman ein Notstandsgesetz ein, das von der Legislatur an- genommen und auch vom Gouverneur unterzeichnet wurde. Das Gesetz verpflichtet Counly und Staat, jedem Bürger, der sechs Mo- nate im Staate und 30 Tage im County wohnt, im Falle der Arbcitslosigleit für die Dauer Vau CO Tagen in einem Jahre Be- schäfligung zu geben. Da Idaho die Gleichberechtigung der Ge- Ichlcchtcr onerlannt und durchgeführt hat— die Frauen haben das Wahlrecht—, so trifft dieses Gesetz auch eus die Frauen zu. Das Gesetz sieht vorerst nur Straßenbau als Beschäftigung vor. Aber den Countybehörden steht eS frei, die Arbeitslosen auch mit ollen anderen Arbeilen zu beschäftigen. Der Arbeitslose stellt bei der Countybehörde den Antrag auf Beschäftigung. Er beschwört, daß er Bürger sei, keine Beschäftigung finden könne, keinen veräußerlichcn Besitz im Werte von mehr als 1000 Dollar habe und die ihm zu- gewiesene Arbeit nach bestem Wissen und Können ausführen ivollc. Nachdem für die Richtigkeit dieser Angaben ein Grundeigentümer gebürgt hat, muß ihm Arbeit gegeben werden. Wenn er die ihm zugewiesene Beschäftigung ablehnt, wird der Arbeitslose eincWochc lang zurückgestellt: nimmt er dann die Arbeit wieder nicht an, so geht er auf ein Jahr seines Anspruches vcr.luslig. Die Bezahlung für die geleisterc Arbeit geschieht jeden Sonn- abendmittag. Die Kosten tragen Staat'jni> County(Gemeinde) gc- meinschaftlich, indem das County einfach di? verausgabten Beträge einfach zur Hälfte von den an den Staat zu leistenden Steuern abzieht. Das Gesetz wurde ohne besonderen Widerspruch fast einstimmig angenommen. Gerichtszeitung. Feldbestellung am Sonntag. Ter Auffassung, daß die Gutsbesitzer während deö�Krieges sich um die polizeilichen ArbcitSvcrbotc für den Sonntag nicht zu kümmern haben, trat am Ticnstag das Kammer- gcricht entgegen. Die Verordnung des Lberpräsidenten der Provinz Wcslprcußcn über die äußere Hcilighaltung der Sonn- und Feiertage ver« bietet— ebenso wie glctchanige Verordnungen für die anderen preußischen Provinzen— für die Sonn- und Feiertage, mit gewissen Ausnahmen alle öffentlich-bcmcrlbarcit Arbeilen. Zu den verbotenen Arbeiten gehören auch die gewöhnlichen Feldbestellungen und unter: den Feiertagen, die geschützt sind, wird auck der Karfreilag genannt. Der Gutsbesitzer Bönning in Kleinwinenberg halte itun am Karfreilag aus denr von ibm bcivirlschaflelcit Gut Dung fahren lassen. Darin wurde nun die Ucberlretung der Verordnung gefunden. Er bestritt, sich strafbar gemacht zu haben. Er berief sich darauf. daß in der KricgSzeil die besonderen Verhältnisse die seiertäglicka Feldbestellung als zulässig erscheinen ließen. ES handele sich hier um Feldarbeiten, die zur Sicherung der künsligen Ernte notwendig wären. Mindestens müßten die Ausnahmevor- schriften der Vcrordimng Anwendung finden, wonach auch jeteriags Arbeiten vorgenommen werden dürften, die in Notfällen oder im öffentlichen Interesse unbedingt vorgenommen werden müßten. Von seinen vier Arbeitspferden seien zwei von der Miluärbchörda requiriert worden. Auch habe ihm der militärisch eiitgezogene Bruder gefehlt. Zu seinen Gunsten spreche auch eine Zeitungsnotiz, lvonach in Kriegszeiten auch an den Feiertagen alle landwirtichaiilichen Arbeiten im Interesse der Volksernährung gemacht werden lönnten. Die Strafkammer inSchneidcmühl verurteilte den Angellagten zu einer Geldstrafe und führte auS: Die Auffassung des Angeklagten und die von ihm in der Zeitung gelesene Aitfsasittitg seien irrig. Er hätte die Vorschriften der Verordnung beachten müssen. Die fraglichen Arbeiten könnten forner nicht als aus- nahmsweise durch die Verordnung gestattet angesehen tverden. Es seien keine Arbeiten, die in Notfällen oder im öffentlichen Interesse unbedingt vorgenommen werden müßten. Ein solcher Notfall, wie ihn die Verordnung meine, könne bier nicht anerkannt werden. Er habe die Arbeiten auch nicht im öffentlichen Inleresie vornehmen lassen, sondern in seinem eigenen Interesse. Durch die Zeilungs- notiz hätte er sich nicht beirren lasten dürfen. Das Kammergericht verwarf die vom Angeklagten ein- gelegte Revision als unbegründet. Ms Znöustrie und Handel. KricgSgewinne. Die Schiffbaugesellschaft B l o h m und V o ß in Hamburg er- zielte im GeschäsiSjahr 1314/13 einen BetricbSüberschuß von S 238 133 M. gegen 3 236 333 M. Der Ueberschuß stieg um an- nähernd 2 000 000 M. Nach Abschreibungen und Anlageergänzungcn in Höhe von 2 431 103 M. verbleibt ein Reingewinn von 1 360 330 M. gegen 703 232 M. Nach Uebcrweijung von 300 000 M. (i. V. 100 000 M.j an den Reservefonds werden Prozent auf die Vorzugsaktien und 6 Prozent Dividende an die Stammaktien vcr- teilt. Im Vorjahre betrug die Dividende 4 Prozent. Die Bergbau- und Hütlen-A.-G. Fricdrichshütte in Her» dotf erzielte im Geschäftsjahr 1314/15 einen Reingewinn von 1 652101 M. gegen 1528 46» M. im Vorjahre. Die Dividende in Höhe von 8 Proz.. im Vorjahre 5 Proz., erfordert 320 000 M.. nimmt also nur den 3. Teil des Gewinnes in Anspruch. Die Schuhsabril Ed. Lingel Akt. Ges. in Erfurt erzielte nach Abschrcibungeit von 230 385 M.-incii Reingewinn von 718 125 M-, aus dem 10 Proz. Dividende verteilt werdcn. Die F. W. Busch Akt. Ges. in Lüdenscheid beantragte für 1314/15 dte Erhöhung der Dividende von 7 auf 12 Proz. Jugendbewegung. Eine neue Jugendorganisation in Stuttgart. Eine neue Jugendorganisation ist vom S t u t t g a r- ter Gewcrkschastskartcll ins Leben gerufen worden. Vor einigen Wochen hatte das Kartell beschlossen, die bis- hörige Verbindung mit der freien Jugendorganisation, die besonders in materieller Unterstützung ihren Ausdruck fand, nur dann aufrecht zu erhalten, wenn die Leiter der Jugendorganisation, soweit sie politisch organisiert sind, der anerkannten Partei- organisation angehören. Die über diese Fragen zwischen beiden Körperschaften geführten Verhandlungen führten zu dem Ergebnis, daß die Jugcndlciter den Beitritt zu dem der Landes- organisation und der Gcsamtpartei angeschlossenen Sozialdemo- kratischen Ortsvcrcin und ebenso jede Anerkennung der Beschlüsse des Kartells ablehnten. Das Kartell beschloß daraufhin, i» llcbcr- einstimmung mit einem Beschluß der Zentralstelle für die arbeitende Jugend die Unterstützung der Stuttgarter freien Jugcndorgani- sation einzustellen. Ter vom Sozialdcmolratischen Verein und vom Gewerkschastskartell gemeinsam eingesetzte JngendauSschuß bat nun- mehr unter dem Namen.Arbeiterjugend" eine neue Jugend- organisation gegründet. Eingegangene Druckschriften. Heft LS der„Neuen Zeit- vom 17. September ISlS hat tolq enden Inhalt: Ialob Piitiner: Tie größere Gesahr.— Aöolj Brau»:z.aS Buch der Zwanzig.— Fr. Mehring: Kriegsgcschichtliche Probleme lLchluv i— Heinrich Cunow: Bom WirhchaltZmarkl.— Literarische Rundschau Altans Pcsold, Volk, mein Poll...«cdichtc der KricqszcU— Gustaf Kosslnua. (Die deutsche Vorgeschichlc, eine heroorragend nationale AMstenschasl. Von der„Wlctdiheit", Zeitschrift für die Interessen der Arbeilcrwnen ist uns soeben die Nr. 26 des 25. JabrgangeS zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Einladung zum Abonnement. — Zwei Wrundsraqcn der sozialen Furiorge für Kriegerwülven und suieger, wailcn. VL— Das weibliche Dienftiahr. sie, erat von Mathilde Wurm. Schluß.)— Aus der Bewegung: Genoistmien, macht es nach!— Notizen- teil; Burgsrieden.— Für den Frieden.— Arbeitslosigkeit der weiblicheii Erwerbstätigen.— Frauenstimmrcchl.— Fürsorge für Mutter und Kind. Die.Gieichheii* erschein! alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf. Durch die Post bezogen betrögt der AbonnemenlSpreiS oicrieljähr- lich ohne Bestellgeld SS Pf.: unter Kreuzband SS Pf. Jahresabonnement 2, SV Mark. Vom„Wahren Jacob- ist soeben die 13. Nummer des 32. Jahrganges erschienen. Der Preis der Nummer ist 10 Pf. Probcnummcrn find jederzeit durch den Verlag I. H. W. Dich Nachs.($. m. b. jj. in Stuttgart sonne von allen Buchhandlungen und Kvlpvricurci! zu beziehen. Ms Groß-öerlin. Aus der Berliner Ttadtverordnetenversaminlung. Tic Stadtverordneten Berlins beschäftigten sich in ihrer gestrigen Sitzung mit einer Magistratsvorlagc, die Kenntnis gab von Aendcrungen und Neuerungen in der Lebens- mittelfürsorge dieser Kriegs zeit, von der Um- lcitung der Kriegsgctrcidegesellschast in die Reichsgetreidestellc und von den durch die Gemeinde zu schaffenden Einrichtungen zur Uebcrwachung der Lebensmittelpreise. Dabei kam es zu einer sehr beachtenswerten Aussprache über den Lebens- vi i t t e l w u m c r, den besonders der sozialdemokratische Redner Genosse Wurm scharf geißelte. An anderer Stelle des Blattes wird darüber berichtet.— Heber die vom Magistrat aufgestellten Grundsätze für die Tätigkeit der neuen.Deputation für das städtische Gesundheitswesen" und des.Medizinalamts der Stadt Berlin" war Beschlutz zufassen. Zu den Aufgaben der Deputation gehört Ueberwachung und Förde- rung aller städtischen und mit städtischen Mitteln unterstützten gesundheitlichen Veranstaltungen und Einrichtungen. Ter Etadtmedizinalrat ist Mitglied der Deputation und Leiter des McdizhtalaiittS; er ist beiu�t, mit beratender Stimme an den Sitzungen anderer Depututiwacn teilzunehmen, wenn sie An- gelegenhciten beraten, die«rön Geschäftskreis der Deputation für das GeiundheitSiveseiz berühren. Die Stadtverordneten- Versammlung erklärte sich mit der Magistratsvorlage ein- verstanden, nachdem in einer kurzen Erörterung der Stadt- medizinalrat Weber und die Stadtverordneten Cassel, Wehl und Lanjdäu die Hoffnung gedeihlichen Wirkens der eine Z u s cpm ni e n f a s s u n g des Gesundheitswesens bringenden Organisation ausgesprochen hatten. Das Personal der früheren B. E. W.(gegen 2300 Personen) soll möglichst vollzählig zum l. Oktober d. I. in den städtischen Dienst übernommen werden. Ten übertretenden Arbeitern und Angestellten, die bisher Mit- glieder der Ruhegehaltskasse waren, soll die Mitgliedschaft bis zu zehn Jahren auf die städtische Dienstzeit angerechnet werden, wenn die Kasse eine entsprechende Deckungssumme an die Stadt zahlt. Das Gleiche soll gelten für solche, die infolge Eintritts ins Heer oder Marine aus der Kasse ausgeschieden sind. Auch die(etwa 180) Angestellten, die formell als An- gestellte der A. E. G. gelten, sollen mit dem ihnen für die NuhegcldgFwährung zustehenden Dienstalter überwiesen werden, lvofür die A. E. G. lOO 767 M. an die Stadt zu zahlen hat. Tic zum Kriegsdienst eingezogenen Arbeiter und Angestellten der B. E. W. werden gleichfalls in städtischen Dienst über- uommen, �nd ihren Angehörigen werden vom 1. Oktober 1910 ob die bisher von den B. E. W- gewährten Unterstützungen von der Stadt weitergezahlt. Die Stadtverordneten g e- we h m i g t c n diese Bestimmultgcit. Ter Zentralverein"für Arbeitsnachweis will seinen Angestellten mit Gehältern bis 2000 M. eine Kriegsteuerungszulage von 10 M. pro Monat ab 1. April 1915 gewähren. Dem Magistratsantrag, die für das Etatsjahr 1915 hierzu erforderlichen 8780 M. dem Verein als BcihiÜe zu geben, wurde zugestimmt. Tie �nsatzbrotkarte. Die von der Reichsverteiluiigsstelle neuerlich festgesetzte Kopfpartion ermöglicht eS den Gemeinden, sich bei der Zuteilung von Zusotzbrotkarlcn freier zu bewegen. Ein Ausschutz der Grotz- Berliner lLrolkartengeineinschast angehörenden Kommunalverbände beschäftigt sich daraufhin schon seit einiger Zeit mit der Prüfung der Frage, in welcher Weise die Zusatzbrotkarten einem weiteren Kreise der Bevölkerung zugänglich gemacht werden könnten. Die Haupt- schwierigkeit liegt darin, datz die Bevölkerungsgruppen, bei denen der Bedarf nach einer höheren Brotportion vorherrscht, umgrenzt werden müssen, während doch auf der anderen Seite das Sparziel nicht aus dem Auge gelassen werden darf. Die vorbereitenden Arbeiten werden bald zu Ende geführt sein, und eS ist zu erwarten, datz als- dann dem Brotbedars der Bevölkerung in höherem Matze als bisher durch Zusatzbrotkarten genügt werden kann. Wenn die Abgabe von Zusatzbrotkarten wirklich Wert haben soll, so darf sie nicht an die heute geltende» Bestimmungen gebunden werden, die mit Zeit und Unkosten verknüpft sind. Diese Bedin- gungen sind es auch, datz die Zusatzbrotkarte nicht so in Anspruch genommen wird, wie es dem Bedürfnis entspricht. Teuerung und Waisenpflege. Die Teuerung macht sich auch in der Berliner Waisenpflege stark bemerkbar. Die Pflegeeltern der in Familienpflege befindlichen Kuider der Berliner Waisenverwaltung sind je länger je mehr nichl in der ttage, den ihnen anvertraute» Kindern die Pflege und die Ernährung zuteil werden zu lassen, die für erforderlich erachtet wird. Eine Anzahl Pflegeeltern haben.Pflegelinder zurückgebracht mit der Begründung, in der heutigen teueren Zeit die Kinder nicht ernähren zu können, da sie sich selber sehr einschränken müssen. Neue Pflege- stellen sind immer schwerer zu erhalten. Soweit Säuglinge in Frage kommen, sei Milch, Grietz und Seife sehr verteuert. Während früher für das Liter Milch 20 Pfennig ge- zahlt worden sei, koste er jetzt 28 bis 80 Pfennig. Grietz sei um mehr als das Doppelte gestiegen und Seife sei nur schwer zu haben. Besonders aber trete die Teuerung bei den älteren, schulpflichtigen Kindern in die Erscheinung. Die im Wachstum be- sindlichen Kinder essen ost mehr wie Envachsene und sind kaum satt zu machen. Eine Erhöhung der Pflegegeldsätze für die KnegSzeit sei. so wurde in der letzten Sitzung der Waisendcputation betont, nicht mebr zu umgehen, wenn man die an die Ernährung der Pflege- tüider geknüpften Anforderungen nicht herabsetzen wolle. Das könne man aber nicht. DieWaisendeputation beschlotz daher, die Sätze für Säuglinge — auch für genesende Säuglinge— um 3 M. monatlich aufzubessern, für die Kinder bis zum sechsten Jahr- soll 1.S0 M. mehr gezahlt werde», während sür die älteren schulpflichtigen Kinder die Sätze um 4,00 M. erhöhl werden sollen. Zunächst soll die Zulage auf sechs Monate beschlossen werde». Für das Jahr berechnet, würden die Kosten der Teuerungszulage sich auf 822000 M. belaufe»! für die Zeit vom 1. Lklober bis 1. April würde die Summe 161000 M. betragen. Gasabgabe ohne Gasuhren. Die P-troleumknappheit hat viele Haushaltungen veranlatzt. zu andere» Beleuchtungsmitteln ihre Zuflucht zu nehnicii. insbesondere auch zu», Gaslicht. To wurden von der Stadt Düsseldorf in der Zeil vom 1. August 1014 bis 1. August 191S insgesamt 11 73g Gasuhren und-Automaten neu aufgestellt, während diese Zunahme in früheren Jahren nur wenig über 4000 betrug. Die Zahl der Gasabnebmer stieg von 42 710 auf ZYö80. Am 1. September d. I. lagen noch 3848 unerledigte Austräge auf Einrichtung von Gas- licht vor. Da ei nicht möglich ist, für alle diese Aufträge GaSmesscr zu veschasfe». will die Stadl Tüsseldorj dazu übergehen, ab 1. Lklober vorübergehend Gas ohne Mefler zu liesern gegen Vorausbezahlung einer Monats- pauschale. Diese Gasabgabe erfolgt höchstens sür fünf Leucht- flammen von je einem Gasverbrauch von nicht über 180 Liter in der Stunde nebst einem einfachen oder Doppellochkochcr. An Ab- gaben werden monatlich berechnet: 1. für die erste Leuchtflamme 2 M. und sür jede folgende 1,50 M. Ist die zweite oder folgende Lenchiflamnte eine Flurlampe, die nachgewiesermatzen einen Gas- verbrauch von nicht über 70 Liter in der Stunde hat und abends spätestens 10 Uhr gelöscht wird, so ermätzigt sich die Abgabe aus 1 M. für diese Leuchtflamme. 2. Für einen Einlochkocher 1,80 M. 3. Für einen Doppellochkocher 2,20 M. Bei der Anmeldung ist autzerdem eine Anschlutzgebühr von 3,50 M. zu entrichten, wofür später ein Gasmesser unentgeltlich gesetzt wird. Ein vergessenes Jubiläum. In der alle Kreise aufregenden Kriegszeit werden Ereignisse leicht vergessen, die immerhin ein gewisses allgemeines Interesse be- anspruchen können. Es sind jetzt 23 Jahre her, datz sich im Nestau- rant Mewes in der Fichtestr. 20 eine Anzahl Arbeitergesangvereine zusammenfanden zur Gründung des Arbeiter-SängerbundeS Berlins und Umgegend. Zu Sonntag, den 14. September 1890 ivaren 100 Gesangvereine geladen. 73 Bereine halten Bertreter geschickt. Die Gründung des Bundes wurde vollzogen und es zeichneten sich sofort 45 Vereine ein. Der Bund hatte sich die Pflege der Freiheitslieder zur Aufgabe gestellt und in den 25 Jahren seines Bestehens hat er diese Ausgabe nach Möglichkeit zu erfüllen gesucht. Schwierigkeiten sind auch dem Bunde nicht erspart geblieben. Es war nicht leicht, die vielen kleinen leistungsunfähigen Vereine zu grötzeren leistungsfähigen Chören zusammenzuschlietzen, aber Ausdauer führte auch hier zum Ziel. Wir hatten die Freude, in de» letzten Jahren Gesangsdarbielnngen hören zu können, die auf gute Schulung und grotzen Fleth schlietzcn lictzen. Der Krieg hat auch auf dem Gebiete des Arbeitergesanges grotze Lücken gerissen und im letzten Jahre haben die Berliner Arbeitersänger sich häufig darauf beschränkt, den vielen Leidenden in Lazaretten und anderen Heilanstalten durch Vortrag schöner Lieder neuen Lebensmut zu spenden. Rechte Freude am Gesang werden Sänger und Sangesfreunde erst nach dem Kriege wieder empfinden, wo das Niederdrückende des Kriege- gewichen sein wird. Städtische Urlnubsgelder an Kriegsurlauber. Der Beschlutz de« Magistrats von Wilmersdorf, an jeden Kriegs- Urlauber vom Feldwebel abwärts, dessen Urlaub 5 bis 14 Tage be- trägt und dessen Familie die gesetzlich festgelegte Staats- und Gemeinde-Kriegsunterstütznng bezieht, aus städtischen Mitteln sür jeden Urlanbstag eine Mark als auherordcntliches VerpflegungZgeld auszahlen zu lassen, ist sehr erfreulich und verdient der Nachahmung. Es ist Tatsache, datz heute der Urlauber bei einem Besuch eine grotze Belastung der Familie ausmacht, wenn er von der kargen Kriegs Unterstützung in seinen Urlaubstagen mitleben soll. In Berlin ist in einigen Fällen von einsichtsvollen Bezirksvorstehern hin und lvieder eine Extraunterstützung aus Sammelmitteln befürwortet worden, aber im allgemeinen wird in solchen Fällen nichts gegebe». ES wäre daher sehr erwünscht, wenn das Wilmersdorfer Beispiel Nachahmer fände. Erfurter Blumenkohl. Gegen die von Weigel(Erfurt) in der Zeitschrift des Deutschen Pomologen-Vereins veröffentlichten Angaben über die Ein- und VerkausSprcise von Erfurter Blumenlohl in Berliner Berkaufs stellen wenden sich eine Anzahl hiesiger Grotzhändler in folgender Zuschrift: .Der Blumenkohl wird von den Erfurter Züchtern an die hiesigen Grotzhändler der Zentralmarkthalle überhaupt nur zum bestmöglichsten Verkauf gesandt und haben dieselben P'und l10 Rotwurst............ P'und l20 Sülzwurst........... P'und l00 Obst und Gemüse Bssbirnen......... 2 Pfand 25 P'. Kaiserkronen...... 2 Pfund 35 P'- Kochbirnen....... 3 Pfund 25 Pf. Blauer Treibhauswein P'und HZ Pk. Grosse Kochäpfel•.2 Pfund 25 P' Kanada-Reinetten.. 2 Pfund ZZ Pf. Goldparmänen..... Pfund 25 P'. Rot- u. Wirsingkohl. P'und 7 P' Weißkohl ru. 5, Mohrröb. 25 P'- Meerrettig......... sunte 20 P'- Salzheringe zum Einlegen...... 10 Stück 35 pf- Fr. Makrelen e�iS Kolonialwaren Gerstenflocken.... P'und 48 P'- Maisgrieß......... P'und 42 P'- Maismehl........ Pfund 42 P'- MIMUMIMIWI» Ära�chakken n™* 25??. Tapiokamehl'....... P'und 38 Pf- Kuchenmehl ohne Brotmarke, backiertie mit Milch, l-Pid.-Paket 78 P'- lafrischeBleie»,» 45 i Fische Lebende Schleie.... pfd i15 Lebende Karpfen... p.d. l15 SChOllen mittelrress.. Pfd. 48 Pf. Schellfisch.... pfd 23, 38 p< KabellaU l Oanren Pfd. 30, 40 Pf- Rotznnsen mittdtross Pfd. 48?'. Rabell.-Kllppfisch Ä 48 Denk.-Klippflsch?« 05 p« Schellf.-Kllppf. 53 Pf Holl. Natjesherinee st. 15 pf. Pf- i Gebrannter Kaffee veredelt 1 durch d" Thumsche Ter- 1 38 i 50 1 60 1 80 Ü fahren........ kkii-ui 1111 g V»rfÄÄ.Sf,*I,BUMi»chHn«»• Bohnen- QA pi= Nartee Kaie.». Surr.g.ten, Pfund VU s Aeräntwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für tze« Inseratenteil vercmtw,: Th. Glocke, Berlin, Druck u. Verlag-Borwärt»«uchdruckerei u, Verlagsanstalt Paul Singer&(Ja, Berlin SW.