C 5 Pfennig) MMttrtgSlMSAlt�e t» pksnnls) Ur. S60. «donnemevlZ-veiNozmse», KiemtmtrüS- Pret» fximaamAet BittteliSW. 8Ä> Mi. wonatt. uo Mi. WSchmLicb 25 Pfg. kei btä Haut. Einzeln« Swnuner 6 Big. Eonntag». ttummet mü illustrierter EonntagS- Beilage»Die Seue Seü* 10 Bfg. Post» tlbonnemeM: UO Muri pro Monat. Eingetragen in di« Post- Zeitung Z» Pret-Uste. Unter kreuzbattp für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2.50 Mari, für dad übrige iluSland i Mari vro Monat. Postabonneinent» nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Kumanim, Echweben und die Schweis «well» lZgltit. 32. Jahrg. Me Tnferflons'fieMlIlr deträgt fitr dt« sechigespaltene Kolonel- »eile oder deren Raum M Psg. sü: polittsche und gewerlschastliche Leieins- und Lersammlnungs�tnzeigen SO Psg. „Ktetat Hnreigm", das fettgedruckte Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckt- Worte). fedeS writere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Echlafstellewin- zeigen das erste Wort 10 Psg, jedes wertere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen b,s 5 Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition in bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Wress« »SczlallemgKrat EsrUs". Zentralorgan der fozialdemokratxfchen Partei Deutfchlands. Reüaktion: EW. SS, Änöenftraße Z. Fernsprecher: Aurt Morinplatz, Str. lS l. SV— tiil. S7. Montag, den 83. September INkS. Expeüitioll: SV. HS, Lwüenstraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzplat,, vbr. I'.l»0—131 97. Wilna leltinng Des Otogen MWiliets. Amtlicb. Großes Hauptquartier, de» 13. Sep» tcmber 1315.(W. T. B.) Westlicher ktriegsschauplatz. Südöstlich vou Bray(a. d. Somme*) gelaug eiae ausgedehute Sprenguug iu uud hiuter der feindlichen Stellung. In dem anschließenden, für uns günstigen Gefecht hatten die Franzosen erhebliche blutige Verluste. Es wurden einige Gefangene gemacht. Hart westlich der Argounen wurden schanzende feivliche Abteilungen durch Artilleriefeuer unter schwere» Verlusten zersprengt. Das lebhafte Artilleriefeuer dauert ans einem großen Teile der Front an. Qestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des GentralfeldmapJcftaüs v. HIndevdurg. Der umfassende Augriff der Armee des General» oberste» d. Eichhorn gegen Wilna hat zu vollem Er» folge geführt. Unser linker Flügel erreichte Molodeczno, Smorgon uud Wornjany. Versuche des Feindes, mit eilig zusammengerafften starken Kräfteu uusere Linien in Richtung auf MichaliSki zu durchbreche«, fchei- terten völlig. Durch die unaufhaltsam vorschreitende Umfassuugsbewegung und den gleichzeitigen scharfen Angriff der Armeen der Generale v. Scholtz und v. Gall. wih gegen die Front des Feindes ist der Gegner seit gestern zum eiligen Rückzug auf der ganzen Front ge» zwuugen; das starkbefestigte Wilna fiel iu unsere Haud. Der Geguer wird auf der ganzen Linie verfolgt. Heeresgruppe des LeueralleldmarlchaNs Prinz Leopold von Bauern. Auch hier wird der zurückgehende Feind verfolgt. Die Heeresgruppe erreichte die Linie Nienadowiczc—< Derewuoje— DobromySl. Feindliche Nachhute» wurde» geworfen. Heeresgruppe des Generalfeldmartchall! v. Mackenleu. Nördlich vou P i« S k ist die Wisliza erreicht. Süd» lich der Stadt ist der Strumen überschritten. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Im englischeu Uuterhause hat nach Zeitungsberich» ten der Marinemiuister Balfonr behauptet, London sei, wie jedermann wisse, uud wie auch die Deutscheu wohl wüßten, ein unbefestigter Ort, der nach den Regeln des *) Bray liegt an der Somme, 7 Kilometer südlich Albert. Wiüerlegung einer englischen Jalschmelöung. Bertin, 19. September.(SB. T. 33.) Aus dem Großen Hauptquartier wird uns geschrieben: Die„Morningpost" vom 11. September bringt in einem Eigen-Telegramm aus Petersburg die Nachricht, daß in den sechstägigen Kämpfen an der Sereth-Linie eine ganze Armee vernichtet sei. Ein deutsches Armeekorps von zwei Divisionen habe die Russen mit den wertvollsten Trophäen und der größten Zahl von Gefangenen versorgt. Eine dieser Divi- sionen sei bei Tarnopol vernichtet worden. Von den sechzehn schweren Geschützen eines deutschen Korps seien vierzehn in russische Hände gefallen. Diese lügenhaften Behauptungen über deutsche Truppen können sich nur auf die Schlacht bei Tarnopol am 7. September beziehen. deren irrtümliche Darstellung in dem Bericht der russischen Heeres- leitung vom 8. September bereits im deutschen amtlichen Tages- bericht vom 8. September widerlegt worden ist. Die russisch« Heeresleitung selbst hält nach ihrer gewundenen Erklärung im amtlichen Bericht vom 11. September ihre Angaben vom 8. Sep- tember nicht mehr aufrecht und gibt deren Unrichtigkeit im amt- lichen Bericht vom 18. September mit bemerkenswerter Offenheit zu. Gegenüber der Nachricht der„Morning Post" sei nochmals ausdrücklich festgestellt, daß die deutschen Truppen bei Tarnopol unter feindlichem Druck keinen Schritt zurückgegangen find, keiner» lei Trophäen, kein Maschinengewehr, kein Geschütz verloren haben. dagegen alle Angriffe der Russen blutig abwiesen. in deuffchem zipiNsterte» Krieges Lustuugriffe» nicht ausgesetzt fem sollte. Da es de» Minister unmöglich verborge« sei» kau», daß Loudo» durch eiue große Anzahl ständiger Befesti» gungswerke uud eiue uoch größere Zahl vou Feldwerke» befestigt ist, handelt es sich hier um eiue bewußt falsche Darstellung. Der Minister hat außerdem auzuführe« vergesseu, daß die deutscheu Luftfahrzeuge bei ihrem Er» scheiueu über Loudou stets zuerst von englischer Seite beschossen worden sind. Auch erwähnt er nicht die für die Beurteilung der Sachlage recht wichtige Tatsache der fortgesetzten Angriffe durch Flugzeuge der Verbündeten auf offene und weit außerhalb des Operationsgebiets gelegene deutsche Orffch asten, ja sogar auch auf harmlose Reisende in Personenzüge», die natürlich außerstande sind, sich zu wehren. Oberste Heeresleitung. G »• M SffMWW MMlWSOMl. Sie», 19. September.(®. T. B.) Amtlich wird ver» lastbart: IS. September: Russischer Kriegsschauplatz. I» Ostgalizie» verlies der gestrig« Tag ruhig. Gegen- über«usereu Linie» a» der I l w a entwickelte der Feind stärkere Lrtillerietätigkeit. Im welhyuischeu FestuugSdreieck ging die Besetzung unserer»enea Stellung ohne Störung durch de» Gegner Vvustattr«. Der an? Litauen zurückweichende Feind wird vou de« dort inmitten deutscher Armeen vordringende«!.».!. Streit- krästr» verfolgt. Italienischer Kriegsschauplatz. Gester« eröffnet« die italienische schwere Artillerie Neuer» bingS ei» lebhaftes Feuer gegen unsere Werke ans den Hoch» flächen von vielgrrenth und Lafrana. Im übrigen ist die Lage im Tiroler— und Särtner— Grenzgebiet nn» verändert. Der gegrn den Raum vou F l i t s ch angesetzt« Angriff, der dem Feind im Talbecken allein über tausend Man« kostete, ist gescheitert. Heute früh waren die vordersten Gräben bereits von den Italienern verlassen. Im vrsir- Gebiete versuchte der Gegner unter dem Schutze des Abend- »ebelS eine unserer Lorstellnage« zu übersallen. Diese Unter» nehmung scheiterte vollständig. Gegen Mitternacht sprengte« vnsere Truppe« die dort von de« Italienern errichtete Mauer a«S Sandsäcken samt de« dahinter befindlichen Feinde« in die Lust. Im Südwestabschnitt der Karsthochfläche vou D» b e r- b, wurde die vergaogene Nacht zur Sprenguug feiudlicher Sappen ausgenützt. Der Stellvertreter des Ehest des GeueralstabeS: v. Ho es er, Feldmars challeutnaut. Di« Lerlnste der beiden in der englischen Meldung erwähnten deutschen Divisionen betrugen am 7. September: 1 Offizier, 65 Mann tot, 3 Offiziere, 295 Mann verwundet, 32 Mann vermißt. So bedauerlich diese Verluste an sich sind, so kann man sie doch nicht als übertrieben hoch ansehen für eine Schlacht, der die Russen selbst entscheidende Bedeutung beilegen. deutjch-französischer Gefangenen- Austausch. Konstanz, 19. September.(23. T. B.) Im Laufe des gestrigen Tages ist wieder eine größere Anzahl französischer Schwerverwun- deter hier eingetroffen. Bis jetzt sind gegen tausend französische Austauschgefangene nach der hiesigen Sammelstelle verbracht worden. Insgesamt werden 1280 Franzosen gegen 409 bis 599 Deutsche ausgetauscht werden. Der erste Zug nach Lyon geht am 29. September abends von Konstanz ab. Für den Heimtransport der deutschen Invaliden sind nur zwei Züge vorgesehen. Nach öer Duma-/luflö'sung. Kopenhagen, 19. September.(T. U.)„Rjetsch" meldet aus Petersburg: Der Polizeimeister von Moskau verbot die Abhaltung jeder Versammlung, sogar die Sitzungen der Krankenkassen. Im gemeinsamen Geschästslokal der koope- rativen Vereine wurde eine Untersuchung vorgenommen, wo- rauf fünf Mitglieder verhaftet und wegen politischer Ver» gehen angeklagt wurden. Besitz. Teuerung unö Surrogat' wirtschast. In der kapitalistischen Wirtschast war von jeher die Grenz« schwer zu ziehen, wo das reelle Geschäft aufhört und der Schwindel beginnt. Die Konkurrenz zwingt die Produzenten, billige Z3are auf den Markt zu bringen, und das geschieht zum Teil auf Kosten der Qualität. Der Konsument kann unmöglich eine so nmsassende Kenntnis aller Güter, die er braucht, besitzen, daß er sie richtig ein- schätzen könnte, und das bildet den Anreiz, ihn systematisch über? Ohr zu hauen. Freilich, soweit die Fabrikanten und Kaufleutc untereinander Handel treiben, wird auf Reellität gehalten, ein- fach, weil man sich gegenseitig auf die Finger sieht. Jede gutgeleitcte größere Fabrik hat Fachmänner, die die Beschaffenheit der ge« kauften Rohstoffe und Halbfabrikate ganz genau prüfen; wenn erforderlich, richtet sie ein chemisches Laboratorium ein, in dem Stichproben der angelieferten Produkte vorgenommen werden. Der Großhändler hält es ebenso. Damit ist aber nicht gesogt, daß der Großhändler Produkte von schlechter Qualität nicht kaust, sondern nur, daß er sie eben nach ihrem reellen Wert bezahlt. Um ein Beispiel unter Tausenden herauszugreifen: Fabrikanten und Händler wissen genau, daß ein aus stischgesponnener Schafwolle hergestelltes wollenes Gewebe dauerhafter ist, als ein Gewebe, das aus alten Wollenlumpen fabriziert wurde, wobei man die Lumpen zerfasert und die Fasern zu neuem Garn verspinnt. Der Witz ist, daß man diesen Stoff durch entsprechende Behandlung beim Färben und Appretieren so behandelt, daß der Nichtfachmann ihn vou solidem Tuch nicht mehr unterscheiden kann, ja selbst der Fachwann wird nicht immer in der Lag« sein, solche.Lumpenwolle" oder Shoddh, wie die Engländer es nennen, genau zu erkennen. DaS liebe Publikum freut sich über das„billige" Kleidungsstück, um dann zu merken, daß der SonntagSrock in verblüffend kurzer Zeit verschlissen ist.— Diese systematische Warenfälschung ist der- art verbreitet, daß sie in der kapitalistischen Wirtschaft überhaupt nicht mehr auszurotten ist, und ganz boshafte Leute behaupten, das Wesen deS technischen Fortschritts bestehe darin, Dreck so herzu- richten, daß man ihn nicht mehr vom soliden Produkt unterscheiden kann. Der AriogSkapitalismns, dessen Anpassungsfähigkeit vielfach so laut gerühmt wird, scheint nun dies« Kunst ganz besonders zu pflegen. Die Rohstoffe werden knapp, da macht man aus der Not ein« Tugend und—„streckt", waS auf gut denffch bedeutet, man ersetzt solide, vollwertige Stoffe durch Surrogate. Mit dem Brot fing es an. 2Leil die Regierung auf die sozial- demokratischen 2Larnungen nicht hörte und zu spät sich de? Ernste? der Lage bewußt wurde, stellte sich Knappheit an Getreide ein, und wir bekamen das„Kriegsbrot", das eine Beimischung von Kar- toffeln hat, dadurch um die Hälfte mehr Wasser enthält, als gutes Brot enthalten soll und infolgedessen erheblich geringeren Nährwert besitzt. Gewiegte Geschäftsleute haben denn gar bald heraus- gesunden, wie lukrativ die Anwendung dieses Prinzip? der „Streckung" sein kann. Ein Mordskerl zum Beispiel ist der Wurst- fabrikant, der sich sagte: wenn man Brot strecken kann, warum nicht auch Wurst; darauf tat er Kartoffeln in den Wurstbrei und fabrizierte„erstklassige" Leberwurst. Die Geschichte kam ans Tages- licht, weil er Streit mit seinem Wcrksirhrer bekam und das Ge- Werbegericht sich mit der Angelegenheit befassen muhte. Bekannt ist auch, welcher geradezu unerhörte Schwindel mit den für„Liebesgaben" bestimmten Produkten getrieben wurde. Einige Lebensmittelchemiker haben sich das Verdienst erworben, vor den famosen Kaffeepräparaten, deren wichtigster Bestandteil Anilinfarbe ist, zu warnen, vor den Teebomben, mit denen es sich ähnlich verhält, vor der„haltbaren" Butter, die aus Rindertalg besteht, vor dem Kakao, der nur gemahlene Schalen enthält, vor dem famosen„Grog", den die Schweine nicht«lögen, und was sonst der Herrlichkeiten mehr sind. Ein ganz Gescheiter ist auch ein gewisser Herr Sauer, der die Butter„strecken" will. Als die Polizei vor seinem„Butter-Pulvcr" warnte und unser Breslauer Parleiblati das zur Kenntnis der Leser brachte, machte er seinem Herzen in einer Zuschrift an die Redaktion Luft: sein Pulver bestehe aus Stärkemehl, das mit Natriumkarbonat versetzt ist; es bat die Aufgabe, Butter zu cmulgieren, d. b. zu binden, wobei„einerseits das köstliche Aroma der Naturbutter erhalten bleibt, andererseits eine streichfähige Masse entsteht, die man wirklich gut als Brotaufftrich gebrauchen kann, d. h. als Brotauffirich für diejenigen, welche den Buttergeschmack haben wollen und hierzu Käse und Aufschnitt essen können. Mit einem Worte, das Zeug riecht nach Butter und ist sonst Schund. Wenn dann Händler die Butter„strecken", indem sie dieses Zeug hineintun, so hat Sauer damit nichts zu schaffen, sein Vorteil ist nur, daß er Stärkemehl mit Natriumkarbonat versetzt zu Apothekerpreisen verkaust. Aber der gute Mann plaudert nun aus der Schule: seine herrliche Erfindung wird mißbraucht von ganz gemeinen Kerlen, die einfach Kartoffelmehl mit Salz ohne Natriumkarbonat verkaufen und ihn um die Frucht seiner Mühen bringen. Also: Fälschung des Falsifikats— höher geht's nimmer! Da Herr Sauer einmal im Zuge ist, plaudert er denn auch weitere Geheimnisse aus den Mixturenküchen aus, so über ein „Honigpulver", das mit 3S Pf. verkauft wird, während eS 3 bis 4 Pf. wert ist und aus Weinsteinsäure, gefärbtem Zucker und Honig-Seifen-Parsüm besteht, wobei das letzte„in reinem Zu- stände wie die Pest stinkt und schwere Gesundheitsstörungen ver- anlassen würde". So erfährt man gelegentlich die Geschäfts- gcheimnisse der Pantscherl Auch die Vorgänge mit der„Streckung" der Milch in einer großen Molkerei, die in einer GcrichtSvcrbandlung aufgedeckt wurden, und die famose Geschichte mit den„Hühnerbrühewürfeln" aus Rindertalg und Salz sind noch in frischer Erinnerung. Doch täusche man sich nicht darüber, daß die Gerichte gar nicht in der Lage sind, wirklich erfolgreich einzuschreiten. Das Gesetz ist weit- maschig genug, um die Schwindler durchschlüpfen zu lassen, denn es verbietet nicht und kann nicht verbieten, daß allerlei Präparate feilgeboten werden, die unter irgendeinem Phantasienamen gehen und in marktschreierischen Reklamen angeboten werden. Ein ver- bürgtes Geschichtchen, das in Leipzig erzählt wird, deutet an, wie man es macht. War da ein Stammtisch der Altphilologen; eines Tages kam ein biederer Mann und bat die Herren um einen schönen griechischen Namen für ein neues Fleischpräparat, da? er in den Handel bringen wollte. Die Philologen waren so boshaft, ihm ein Wort vorzuschlagen, das in getreuer Uebersetzung bedeutet: „Nichts von Fleisch". Die schönen Etiketten in Buntdruck waren bereits fertig, als einen der Spaßvögel Gewissensbisse plagten und er den Fabrikanten warnte. Der gute Mann war dann in seinem Schreck so naiv zu fragen:„Ja, aber woher wußten Sie's denn, daß nix von Fleisch darin ist?" Es ist zu befürchten, daß unter den bestehenden Verhältnissen die Surrogatwirtschaft noch weiterhin die wundersamsten Blüten treiben wird. Je teurer die reellen Lebensmittel werden, desto eifriger werden die„Erfinder" sich an die Arbeit machen. Das gehört nun einmal auch zu der vielgerühmten„Anpassungsfähig- keit der Kriegsindustrie". Abhilfe ist da recht schwer. Das einzige Mittel ist, d a ß d i e NahrungSmitteliontrolle aufs schärfste geHand- habt wird und daß die Behörden über alle Surro- gate, die in den Handel kommen, die Oeffent- lichkeit aufklären. Das Publikem aber sollte dop- pelt und dreifach vorsichtig sein-mnd auf die Bauernfängerei nicht hereinfallen.•■ � RlWsche Generalftabsmelöung. Petersburg, 18. September.(W. T. B.) Der Gene- ralstcib des Generalissimus teilt mit: Die Kämpfe o.it der Front westlich von D ü n a b u r g dauern mit der- selben Hartnäckigkeit an. Wir schlugen deutsche Angriffe nördlich von Jllukst zurück und brachten dem Feinde schwere Verluste bei; wir machten hier durch Gegenangriffe ungefähr hundert Gefangene und bestatteten nach dem Kampf zahl- reiche feindliche Leichen. Haufen von deutschen Leichen liegen vor unseren Drahthindernissen. Wir schlugen gleichfalls einen deutschen Angriff bei der Eisenbahnstation Zelofka westlich Jllukst zurück, indem wir den Deutschen schwere Verluste zu- fügten und sie zur Flucht zwangen. Durch einen zweiten Angriff gelang es den Deutschen, das Gehöft Steidern zu erobern, wo unsere Schützengräben durch die deutsche schwere Artillerie vollständig zerstört waren. Deutsche Truppenteile, die gewisse Bezirke zwischen dem Trily- und Sammawasee an- griffen, wurden durch das Feuer unserer Stellungen in der Gegend der Seen südwestlich und südlich Dünaburg zurück- geworfen. Die Deutschen sehen sich gezwungen, wegen unseres vernichtenden Feuers zu Sappenarbeiten ihre Zuflucht zu nehmen. Tie hartnäckigen Angriffe des Gegners lafsen nicht nach. Deutsche Abteilungen erschienen südlich Dünaburg im Gebiete der oberen Dissenka. Ter Gegner besetzte das Torf Das unteriröisthe Dorf ln öer Champagne. Der Berliner Korrespondent des Amsterdamer„Algemeen Handelsblad", der vor kurzem die deutsche Front im Westen be- sucht hat, sendet seinem Blatte eine Schilderuna der deutschen Front und gibt dabei eine anschauliche Darstellung über ein so- genanntes unterirdisches Dorf. Wir entnehmen daraus das Folgende: Es war irgendwo an der Front, wo ich ein solches unter- irdisches Dorf sah. Die Truppen selbst hatten ihren Standpunkt in einem reizenden Dorfe nächst der Eisenbahn, jedoch der Ab- stand von diesem Platze nach den Lausgräben war zu groß, als daß die Soldaten— sobald Alarm geblasen wurde— beizeiten ihren Kameraden zu Hilfe eilen konnten. Deshalb mußten näher bei der Front ein paar tausend Mann untergebracht werden. Und für diese baute man also das unterirdische Dorf. Dreitausend Mann wohnen darin, dreitausend erwachsene Menschen schlafen, essen und ruhen oder gehen in dem unterirdischen Dort spazieren. Und doch sahen wir das Dorf nicht, bevor wir mit der Nase davorstanden. Steht man vor dem Dorfe, so sieht man allein den äußeren Bau, so wie man bei einer Maulwurfshöhle äußerlich lediglich die herausgestoßenen Erdhaufen über dem Boden zu Gesicht bekommt. Weiter geht der Vergleich allerdings nicht, denn das Dach dieses Torfes zeigt die ausgesuchteste Ordnung und systematisch praktischste Einteilung. Ueber der Erde steht die Pforte des Dorfes, an der ssch sogar deö.Name der Garnisonstadt der hier wohnenden Soldaten be« findet. Dann sieht man den Aufbau in drei Stockwerken, und zwar für jedes Bataillon eine Etage. Die Treppen sind gerade und leicht begehbar in Sand und Stein ausgehauen, mit Dielen belegt, so daß die soliden Soldatenstiefel ohne einzusinken darüber hinwegkommen; außerdem sind Holzgeländer vorhanden. Die Haupttreppen führen geradenwegs zum Hauptpunkt von unten nach oben. Tie drei Stockwerke sind durch breite Straßen, von denen wiederum Seitenstraßen abzweigen, miteinander verbunden. Alle Straßen im Dorfe haben eigene Namen; im anderen Falle wäre es jedenfalls nicht leicht, von der einen unterirdischen Woh- nung auf dem kürzesten Wege zur anderen zu gelangen. Durch diese Systematik gleicht die ganze Anlage einem Irrgarten. Ueber der Erde sind außerdem einige Lauben� sowie lustige Hütten� mit Veranden, Kasinos für Offiziere und Soldaten, Erholungsplätzen, um bei gutem Wetter ein wenig Luft zu schnappen, Karten zu fpielen oder ein Glas zu trinken. Denn mehr als nötig ist bleibt doch kein Mensch, sofern er sich noch nicht in einen wirklichen Maulwurf verwandelt hat, gern unter der Erde. Da das Auge auch auf seine Rechnung kommen will, sind sogar Schmuckplätze an- gelegt. Die Einsäumung der Bürgersteig« an den Wegen ist nach gut bürgerlicher Gewohnbeit mit leeren Flaschen, hi« mit dem Hals nach unten eingegraben sind, ausgeführt. Wo die Erde durch das Graben und Wühlen in Unordnung gebracht wurde, hat man sie wieder geebnet und mit Gras oder Moosstücken belegt. So liegt also der Ueberbau des Torfes von 3000 Einwohnern wie ein Garten mit Wegen, Lauben und primitiven Schmuckanlagen, wie der Teckel eines riefigen Baukastens. Von den Seitenstraßen anS Widsy. Vorgeschobene feindliche Truppenabteilungen nah- men den Bahnhof von Wileika in Besitz. Auf dem linken Ufer der W i l i j a und westlich von Wileika sind hart- näckige Kämpfe im Gange, dabei wurde eine Anzahl Feinde getötet. Dieselbe Hartnäckigkeit kennzeichnet die Kämpfe an der mittleren Wilija in der nächsten Umgebung der Stadt Wilna. Der Feind versucht hartnäckig in die Stadt einzu- dringen. Südöstlich von O r a n y wurden unsere Abteilungen durch hartnäckige Angriffe bei Radun und Smiltsching be- drängt. Bei Zaretschie, westlich von Schutschin, ist ein Kampf im Gange. Viele deutsche Leichen liegen vor unserer Front. In der Gegend westlich des Flusses Lebeda, eines rechten Nebenflusses des oberen Njemen, entwickelte der Feind hef- tiges Artilleriefeuer bei den Dörfern Malewitfchi und Tu- browa. Unsere Deckungstruppen sind dort etwas bedrängt worden. Auf der Szczarafront überschritten die Deutschen unter vein Süutz des Nebels auf Pontons den genannten Fluß bei der Meierei Rischtschitza südlich von Slonim. Feind- liche Vorhuten, die zwischen der Jasiolda und dem Pripet eine Offisive unternahmen, erschienen an der Mündung der Jasiolda in den Pripet, und zwar auf dem rechten Ufer der Jasiolda und bei der Stadt Pinfk. Am mittleren Stochod fanden unbedeutende Kavalleriescharmützel statt. Teilkämpfe bei den Dörfern Borowno und Gulewitschi. Unsere Kavallerie, die den Feind in der Gegend südwestlich von Kolki verfolgte, griff ihn bei dem Torfe Rudniki an, schlug ihn in die Flucht, machte viele mit dem Säbel nieder und machte sechzig Ge- fangene. Wir nahmen die Ortschaft Jurawitschi südlich vom Dorfe Rudniki im Sturme. In einem allgemeinen Vorstoß am 17. d. Mts. in der Richtung R o w n o— K o w e l gelang es uns, den Gegner zu überwältigen, der sich in Unordnung zurückzog, wobei er viele Gefangene in unserer Hand ließ. Oestlich von Gorodischtsche, das nordwestlich von D e r a z n o liegt, wurde der Feind aus seinen Schützengräben geworfen. Hier erbeuteten wir eine Fahne und nahmen einen Major vom 8. Regiment und über 8W Mann gefangen, die Reste des Feindes wurden in die Wälder zerstreut. Gleichzeitig setzten unsere Truppen, nach- dem sie die feindliche«Jfront bei dem Dorfe Ruda Krasnoja südlich von Derazno eingedrückt hatten, die Offensive fort, schlugen den Feind in den Wäldern bei der Ortschaft Tsurnane »nst machten noch 1800 Gefangene. Die Zahl der erbeuteten Maschinengewehre ist noch unbekannt, denn sie werden von den Truppen, die sie erbeutet haben, gegen den Feind ver- wendet. In der Gegend westlich von Wischniwetz wiesen wir feindliche Angriffe bei den Dörfern Lopuchur und Wolitza zurück. An mehreren Punkten der Gegend unmittelbar am rechten Serethufer brachten wir dem Feinde empfindliche Schlappen örtlichen Charakters bei. Unter den von uns ver- zeichneten Nachrichten verdient die Mitteilung Aufmerksam- keit, daß die Oesterreicher alles Kupfer aus der Kuppel des großen Klosters von Potschaywe entfernt haben. Der amtliche deutsche Kriegsbericht über die im Kriegs- bericht des Generalsstabs des Generalissimus vom 8. Sep- tember gemeldeten Trophäen muß nach den von der Front kommenden ergänzenden Meldungen als der Wirklichkeit ent- sprechend anerkannt werden, die Geschütze und Gefangenen sind nämlich mit wenigen Ausnahmen nicht deutschen, sondern österreichischen Ursprungs gewesen. Japanisches Kriegsmaterial für Rußlanö. Paris, 18. September.(28. T. B.) Der Berichterstatter des „TempS" in Petersburg meldet: Der japanische Kriegsminister hat beschlossen, ISOO Fabriken mit etwa 100 000 Arbeitern zur Ausführung der Bestellungen von Kriegsmaterial für Rußland zu verwenden. Die japanische Regierung prüft außerdem den Plan der Errichtung einer neuen Gewehrfabrik, die gleichfalls der Deckung des russischen Bedarfes dienen soll. gehen in kurzen Entfernungen einige Tritte zu den Zugängen der unterirdischen Wohnungen empor. Da sind alsdann die großen Soldatenkammern, in denen 40 Mann aus Holzpritschen, die mit Holzwolle gepolstert sind, nebeneinander liegen können, und wo außerdem noch Platz genug ist für Tilsche, Bänke und den Kochherd. Selbst da? Fenster fehlt nicht, das Licht und Luft gibt und auch Ge- legenheit zum Entkommen bietet, wenn dennoch eine Granate ihr Ziel erreicht und der normale Ausgang, die Tür, unbrauchbar wird. Luxus findet man in diesen Räumen für die Mannschaften natür- lich nicht, aber, was die Hauptsache ist, sie sind trocken und bieten jeden Schutz gegen alles, was von oben kommen tarn. Bequemer sind schon die Wohnungen der Offiziere. Ein Hauptmann z. B. besitzt eine Wohn- und Schlaftammer; die Wohnkammer enthält einen Tisch, ein paar Stühle, Sofa, Hängelampe mit Spiritus- glühlicht und Bilder an den Wänden, und die Schlafkammer ein Bett, das mit einer Gardine verhängt ist, sowie eine einfache Wasch- gelegenheit. Da ist es wirklich auszuhalten. Vor allen Tingen im Sommer, wenn man durch die Fenster eine so schöne Aus- ficht auf die fernen Felder und Wiesen hat. Natürlich fehlt auch nicht das Bureau des Bataillonsschreibers mit Tischen, Stühlen, Lampen und Schreibmaschine. Sogar für den Bataillonshund ist«ine wunderbar farbige Hütte, allerdings über der Erde, ge- baut, die ruhig in dem schönsten Villengarten Platz finden könnte. Das viele Graben und Hacken hat natürlich manchen Bäumen das Leben gekostet.?lber sorgfältig wurden neue Bäume gepflanzt, freilich nicht so sehr um der Schönheit willen, sondern wegen der feindlichen Flieger. Eine spezielle Küche brauchte nicht gebaut zu werden. Am Fuße der Lichtung— auch unsichtbar für Neugierige, die hier wohl etwa? zu suchen haben, aber nichts finden werden�— befinden sich die Feldküchen. Unmittelbar in der Nähe davon sind große Becken angelegt, die Wasser enthalten zum Spülen der Eß- geschirre und weiteren Reinigungsbedürfnissen. Auch eine be- sondere Pumpe, die Wasser für die Leibwäsche hergibt, ist vor- handen. Ursprünglich bohrte man diesen Brunnen in der Hoff- nung, Trinkwasser zu erhalten. Jedoch das Wasser ist zu kalkrcich, unsauber und hart für diesen Zweck. Das Trinkwasser muß also aus einem nahen Dorfe, in dem man einen besonders tiefen Brunnen eigens zu diesem Zwecke bohrte— die Champagne ist be- kanntlich wasserarm— herbeigeleitet werden. Also hat man von jenem Torfe nach dem unterirdischen Dorfe Schienen gelegt.� In speziellen Wagen wird das Trinkwasser herangeführt, da? in über- deckten Betonkanälen nach einem unterirdischen Reservoir fließt, wo es kühl und sauber bleibt. Für die Gesundheit der Truppen ist also aufs beste gesorgt. Sollte doch ein Soldat krank werden, das heißt nicht so ernst krank, daß er hinter die Front gebracht werden mutz— ein verdorbener Magen oder wunde Füße sind kein Beinbruch, sagt der Deutsche—. dann kann er im unterirdischen Hospital still uitd ungestört— sei es auch ein wenig im Dunkeln— ausruhen. Im unterirdischen Dorf erholen sich die Soldaten nacki einem Verbleib von vier Tagen in den Laufgräben. Ihre Ruhe wird lediglich von«inigen Uebungsstunden im Marschieren und Schießen unterbrochen. So ist es also wirklich bei trockenem, nicht zu kaltem Wetter gut auszuhalten. Man kann nach der ermüdenden Auf- regung an der Front, wo die Granaten donnern und die Kugeln pfeifen, gemächlich an der reinen, freien Lust sich gütlich tun. Auf diese Weise wird auch bei den Truppen ein guter Geist erhalten. Der französische Tagesbericht. Paris, 18. September.(W. T. B.) Amtlicher Nachmittagsbericht. Im Abschnitte von Neuville- Roclincourt, vor Roye und auf der Hochfläche von Ouenne- vieres war die Nacht bewegt. Dort waren vielfach Gefchütz- falven aus verschiedenen Kalibern, Bombenkampf und Gewehr- feuer, aber kein Vorgehen der Infanterie zu verzeichnen. In dem Gebiete von Berry-au-Bac, in der Champagne um Per- thes und zwischen der Aisne und den Argonnen andauernd lebhaftes Artilleriefeuer. Bon der übrigen Front ist nichts zu melden. An den Dardanellen keine bedeutende Bewegung. Zwischen dem 12. und 17. September arbeiteten die Türken an mehreren Stellen der Front mit Minen, ein Versahren, das sie bisher noch nie angewendet hatten. Am 17. September, vormittags, wurde eine feindliche Minengalerie zerstört, ob- wohl sie vor unseren Gegenminen einen mehrtägigen Vor- sprung hatte. Das Unternehmen glückte vollständig ohne Ver- luste für uns. Paris, 19. September.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von gestern nacht. Im Gebiete von Lom- baertzyde gegenseitige Aktion mit Schützcngraberikampstverk- zeugen. Unsere schwere Artillerie zerstörte zwei Beobach- tungsposten. Im Artois wird die Artillerietätigkeit beider- seits fortgesetzt, besonders im Abschnitt Neuville-Roclincourt. Die Wirksamkeit unseres Feuers gegen Maschinengewehre und Bombenwerfer wurde an mehreren Stellen festgestellt. Im Gebiet von Rohe Handgranatenkampf und Gewehrfeuer, welches von einigen Ärtillerieaktionen begleitet war. Im Micttetale(nördlich Berry-au-Bac) nahmen wir einen kleinen deutschen Posten. In der Champagne beschossen wir als Er- widerung des Bombardements des Gebietes des Chalons- Lagers durch den Feind heftig die deutschen Biwaks. Oestlich Chaillon(nordöstlich Saint-Mihiel) wurde ein deutscher Fesselballon heruntergeschossen. Vor Saint-Mihiel schnitt unsere Artillerie eine große Brücke, eine Schiffbrücke und drei Stege ab. In den Vogesen Kanonade im Ban-de-Sapt und in Violu. vom letzten Zeppelin-Mgriff auf Conöon. Amsterdam, 18. September.(W. T. B.) Wie der Karre- spondent von Wölfls Telegraphischem Bureau von aus England hier eingetroffenen Reisenden erfährt, ist bei dem letzten Zeppelin- angriffe auf London auch die Bank von England ge- troffen worden. Der Zeppelin war don den Fenstern des be- kannten neutralen Klubs in Albemarlestrect bei Piccadilly deutlich sichtbar. Der angerichtete Schaden ist viel bebeutender als bisher angenommen wurde; allein in einer Fabrik, die getroffen wurde. wird der Schaden auf ISO 000 Pfund Sterling geschätzt. Die Zahl der Getöteten und Verwundeten soll in die Hunderte gehen. Meldung öer italienischen Heeresleitung. Rom, 18. September.(W. T. B.) Amtlicher Heeresbericht. In der Nacht vorn 16. hum 17. Sep- tember griff der Feind nach heftiger Artillerievorbereitung unsere Stellungen am Monte Coston nordwestlich von Arsiero an, wurde jedoch mit Verlusten zurückgeschlagen. Arn sol- genden Morgen griffen unsere Truppen feindliche Streitkräfte auf dem Monte Valpiana im Tale des Bergbaches Maso (Brenta) an, und zerstreuten sie. Eine andere unterer Ab- teilungen zerstörte feindliche Deckungen auf dem Felde Fo- sernica im Tale des Bergbaches Vanoi(Cismen). Im Ab- schnitte von Flitsch haben wir nach Beendigung der Ver- schanzungsarbeiten in den kürzlich eroberten Stellungen un- sere Offensive wieder aufgenommen, um den Zugangsweg zu dieser Senke vollständig zu sperren. Auf der ganzen Front von dem schroffen Rombonfelsen bis zu den gefährlichen be- waldeten Hängen des Javorcek und den kahlen Felsen von Dazu gehört nicht zuletzt Beschäftigung und Ablenkung, und es war ein« Lust, zu sehen, wie viele emsig dabei waren, ihr Dorf immer noch schöner und gemütlicher zu machen, die Schmuckanlagen zu verbessern nnd die Rasenflächen instand zu setzen. Andere schrieben in den Lauben Briefe, lasen die Zeitung oder unterhielten sich beim geliebten Schafkopfspielen. Es herrschte durchweg eine Stimmung ruhiger Zufriedenheit und würdiger Haltung. Und diese Stimmung' dünkt mir in dieser Umgebung die einzig wahre und richtige...._ Eine Solöatensiaöt. Mit flatternder Rauchfahne schnob der Zug durch die vom Sonnengold überflutete Spätsommerlandschaft, Die einzelnen Ab- teile waren durchweg voll besetzt, meist von Kriegsangehörigen. � die zu einem Besuch— dem letzten vielleicht— nach der Soldatenstadt Döberitz fuhren, zum Teil auch von Soldaten, die ihren Urlaub beender hatten. Gesprochen wurde durchweg über das Soldatenleben und den Krieg. „Wir werden wohl gar nicht hineinkommen, Bubi,' meint eine Dame zu einem kleinen blonden Jungen, der mit seinen hübschen. hellen Augen vergnügt in die vorüberflitzende, abwechselungsreiche Szenerie schaut. .Ach, ich geb' dem Posten ein Trinkgeld, dann laßt er uns schon dur»," lautet die schlagfertige Antwort. Schallendes Gelächter folgt dem drolligen Ausspruch kindlicher Weisheit und Geistesgegenwart. Da taucht schon Döberi» aus. Die Lokomotive keucht asthmatisch in den Bahnhof hinein, von brausendem Stimmengcwirre empfangen. Eine wimmelnde Menschenmenge auf dem Bahnsteig. Ruien, Winken, Tücherschwcnken, Küsse, Händedrücken, Freudctränen. Der kleine blonde Junge fliegt einem martialischen Jägeroffizier an den Hals. Auf der Slraße ein wogendes Gedränge. Die Sonne brennt, in dicken Schwaden wirbelt der Staub auf. Ein langer Zug Soldaten zieht hinaus ins Feld. Blumen am Helm. Blumen an der Brust, Blumen im Mund und Blumen in der Gewehrmündung. Selbst die kleinen Pferdchen, die mit Maschinen- gewehren nnd sonstigen Kriegsgerätschaften bepackt, so munter dahin- traben, sind mit Blumen geschmückt: liebevolle Hände und Herzen haben die Kinder Floras an die ausrückende Truppe in ver- schwcnderiicher Fülle verteilt. Bald wechselt das Bild, nur eine Staubwolke zeigt an, wo die Krieger hingezogen sind. Kantinen tauchen auf dicht am Wege. � und Läden aller Branchen, Schießbuden und fliegende Obsthändler. Daneben flutet das Leben vorüber, bunt und emsig � und ungehemmt. Reiter, Geschäflswagen, Radfahrer, Trainfuhren— in endlos langer Kette passiert das Gewirre den Eingang zur Soldaten» stadt. Doch nicht so glatt gebt alles durch, ein Posten mit ge« schultertem Gewehr wachr, daß unmilitärische Fußgänger und Fuhr« werke nicht ohne Erlaubnisschein oder militärische Begleitung ins Innere der Stadl gelangen. Mit Trinkgeld, wie der kleine Knirps meinte, ist da nichts zu machen, es Versucht'S auch gar keiner.... Rechts am Wege steht eiue Bank, da sitzen Angehörige von Kriegern und harren� bis sie abgeholt werden und am Posten vor- übergehen dürfen. So geht cS auch uns. Einmal in das Herz de» militärischen Treibens gelangt, bieten sich dem Auge eine Fülle der interessantesten Eindrücke. Baracken aus Mauerwerk und solche aus Wellblech breiten sich auf diesem Rieseuterrain aus und beherbergen Lipiilk hat unsere Infanterie, unterstutzt durch wirksatnes und ausdauerndes Artilleriefeuer sich mit Erfolg den stark be- festigten Linien des Feindes genähert, in die ausgedehnten Drahwerhaue breite Breschen geschlagen, auf dem Javorcek- berge einige Schützengräben im Sturm genommen, einen Beobachtungsposten und zroei Blockhäuser gesprengt und öst Feinde, darunter 2 Offiziere, gefangen. Im Karstgebiet der- suchte der Feind in der Nacht vom 16. zum 17. September zwei kleine Angriffe, wurde aber zurückgeschlagen und ließ einige Gefangene in unseren Händen. Verletzung üer rumänischen Neutralität öurch Rußlanü. Bukarest, 13. September.(T. U.)„Jndependence Roumainc" meldet: Ein russisches Torpedoboot verfolgte bei Konstantza zwei Segelschiffe, die in die Tuzlabucht flüchteten. Da? Torpedoboot liegt nun in rumänischen Gewässern und bewacht beide Segelschiffe. Tie rumänische Regierung forderte in Petersburg die Zurück- ziehung de? Torpedobootes. Tie rumänische Regierung forderte die russische Regierung auf, das Handelsschiff„Kraiova", das von der russischen Flotte gekapert wurde, freizulassen. Die U-Soot-Tätigkeit im Mittellänüischen Meer. Konstantinopcl, 13. September.(T. 11.) Die Tätigkeit der deutschen'U-Boote im Mittclmeer steigert die Nervosität der Eng- länder. Vorläufige zusammenhängende Ergebnisse dieser mit großer Kühnheit unternommenen Aktion, die die Furcht und Be- wunderung unserer Gegner zugleich erregen, sind nicht bekannt. Vorgestern torpedierte ein deutsches U-Boot in der Nähe von Kandia einen englischen Transportdampfer von IS 003 Tonnen, der vollgeladen auf dem Wege von Aegypten nach den Tardanellen unterwegs war. Er sank in kurzer Zeit. Irieöensöemonftrationen in üer Schweiz. Die Sozialdemokratische Partei, der Schweizer Gewerk- schaftsbund, die Jugendorganisation, der Arbeiterinnen- verband und die italienische sozialistische Partei in der Schweiz rufen die Schweizer Arbeiter zum 3. Oktober für eine Friedensdemonstration zusammen. Die lokalen Organi- sationen sind mit der Durchführung der Friedensdemon- stration betraut. Demgemäß erscheint im„Basler Vorwärts" ein Aufruf zur Teilnahme an dieser Friedcnsdcnionstration. Es gelte nicht nur, für den Frieden im allgemeinen mit Nachdruck zu demonstrieren, sondern auch Stellung zu nehmen gegen die schweizerische Hetzprcsse, die syste- matisch für das bewaffnete Eingreifen der Schweiz an der Seite der einen oder anderen kriegführenden Partei agitiere:„Unseren zivilen und militärischen Behörden muß rückhaltlos erklärt werden, daß die Arbeiter für eine solche frivole Politik nicht zu haben sind und ihr mit allen Mitteln entgegenarbeiten werden. Wir dürfen nicht dulden, daß wegen der Profttintcressen der herrschenden Klassen neue Quellen des Elends erschlossen werden. Wir haben aber auch dem Bürger- tum zu erklären, daß wir gewillt sind, an den Idealen der modernen internationalen Arbeiterbewegung durch alle Mühsal und Leiden hindurch festzuhalten.... Nicht ruhen und rasten werden wir, bis der Kapitalismus überwunden ist.... Der Sozialismus allein wird die Menschheit dauernd von der Geißel deS Krieges befreien." Zum englischen Kabinettskonfiikt. Amsterdam, den 13. September 131S.(Privattele- g r a m m des„Vorwärt S".) Ter Parlamentskorrespondent der„Taily News" stellt die aufrüttelnde Wirkung seiner Eni- viele Tausende von Soldaten und Militärpersonen. Idyllisch, in zierlich gepflegte Gärlcn gebettet, erhebt sich das Offizierskasino. Durch die Büsche leuchten roie Hosen— französische Gefangene harken die Wege und verrichten sonstige Arbeiten. Weiter hinaus geht's, wo die Felder sich bis zum Horizont aus- dehnen. Friedlich pflügt ein Landmann seinen Acker auf der An- höbe. Gigantisch groß zeichnen sich Mann und Roß vom sonnen- bellen Himmel ab. Links crhebr sich eine Zuckerfabrik, daneben Baracke an Baracke.„Maubeuge",„Masuren" usw. sind sie getaust. Eine Windmühle reckr ihre Riesenflügel wie drohend empor. Auf einem freien Platz spielen gefangene Engländer Fußball. Andere kehren von der Arbeit heim. Ein brünetter Franzose bastelt an einem Fenster herum. Die Sonne neigt sich bereits. Im blauen Aether surren Flug- Maschinen. Eine, zwei, drei— ach, bald sind es ihrer Legion. Zahlreich wie die Stare knattern sie einher. Manche kreisen hoch oben und sind fast unsichtbar klein, andere streichen gigantisch groß knapp über die Wipfel der Bäume hinweg. Bewundernd folgt daS Auge den seltsamen Erscheinungen. Der Sehnsuchtslraum längst ver- wehter Geschlechter ist lebendige Wirklichkeit geworden. Endlich ist der Flugvlatz erreicht. Kaum 100 Meter entfernt starten die Flieger. Ein überwältigend schöner Anblick, wenn Maschine um Maschine nach kurzem Anlauf sich wie von Fecnhänden cmporgetragcn von der Erde löst und dem Gesetz der Schwere spoitel. In majestätischer Ruhe steigl der künstliche Vogel immer höher und höher, immer weiter sorr, um nach einer elegant ge- zogenen Schleife wieder zurückzukehren und sanft auf den weichen Rasen niedcrzugleiten. Ringsum lagern Zuschauer, meist Soldaten mit ihren Frauen oder Eltern. Einer verbindet das Angenehme mit dem Nützlichen und sammelt Pilze. Der Abend nähert sich. Die Kiefern flammen auf im glutroten Sonnenbrand, wie Kupfer leuchten die Stämme, die Wipfel gleichen goldenen Kronen. Von einem Soldaten geführt, trabt ein blanker, gutmütiger Fuchs vorüber und auf seinem Rücken spreizt sich gravilälisch der kleine Blondkopf, der auf den klangvollen, ticfpoeliichen Namen „Ingo" bört und der den Posten bestechen wollte durch ein Trink- geld.„Kann ich nicht fein reiten Z" ruft sein Helles Stimmchen ein über das andere Mal. Es dimlelt. Ueberau flammen Lichter auf. In den Ställen runioren die Pferde. Vor den Baracken sitzen Soldaten und essen und plaudern. Geraucht wird auch, und nicht zu wenig. Am tief- schwarzen Nachthiminel funkeln die Sterne wie Diamanten in Samt. Wir sitzen im Zimmer. Ter Lscn prasselt, der�Teclopf summt seine trauliche Weise. Draußen wird'S empfindlich kühl. Auk dem Heim- weg merken wir es. Der Mantel tut gut. Hell leuchtet aus den Baracken der Lichrschimmer. Das Leben der Soldaten spielt sich vor aller Augen ab. Einige flicken, andere vutzen irgend einen Gegenstand, einer schreibt auf'den Knien mit Bleistisl Briefe und noch ein anderer hat sich's bereits im Bell bequem gemacht und liest eine Zeitung. Die Straße ist noch stärker belebt als am Tage. Soldaten über Soldaten. Die Zivilisten streben dem Bahnhof zu und belagern den Fahrlaricistckialter. Bald kommt der Zug und nimmt sie am, die vielen, vielen, die hierher kamen, um ein teures Herz zu erfreuen und die nun selbst heimfahren mit wehem Schmerz in der Brust! hüllungen über die Intrige der den Dien st zwang an- strebenden Minister fest. Jedoch besteht die Gefahr fort durch das Treiben von Verschworenen, hinter denen Lord M i I n e r steht und die den Beistand Kitcheners erhoffen, der sein Sphinx- schweigen über diese Angelegenheit bewahrt. Am tiefsten wirkte die vom Arbeiterparteiler Thomas gemachte Androhung eines Eisenbahnerstreiks. Aber Eutzen und M i l n er setzen ihre Krisenpolitik zur Konstituierung eines Tienstzwangskabinetts Grey-Balfourt fort. Ob Lloyd Georges widerstreben wird, ist zweifelhaft, vermutlich aber wird er die Dienstzwangspolitik nicht auf die Spitze treiben. Churchill ist für den Dienstzwang, ist jedoch einflußlos. Bonar Law schwankt. Die«Daily News" zählen 20 entschiedene liberale Zwangsdienstler auf; über die Hälfte der liberalen Unterhäusler seien Dienftzwangsgegner. über ein Sechstel des Restes folge der Regierung. Tie Torymehrheit des Oberhauses plant durch Verwerfung der Sessionsverlängerung im Januar Neuwahlen zum Unterhause herbeizuführen. Die „Nation" warnt die Staatslenker, einen Konflikt zwischen Kapital und Arbeit hervorzurufen. Rtan könne einen Engländer nicht zwingen, zu arbeiten. Der„New Statesman" greift Lloyd Georges an, der nach seinem montägigen Appell gegen seine Kollegen hätte zurücktreten müssen. Jetzt scheine ein früheres Gerücht sich zu be- stätigen, nach dem er die Koalition brechen und ein Kabinett unter eigener Leitung bilden wolle. In einer Zuschrift an die„Daily News" pflichtet der Sekretär der Transportarbeüergetverkschaft, Williams, den Erklärungen des Arbeiterparteilers Thomas bei. dieenglischeNarineMWoninGriechenlanü. Athen, 13. September. sW. T. B.) Der Vertrag zwischen der griechischen und der englischen Regierung über die englische Marinemission ist auf ein Jahr erneuert worden. Der König hat gestern lange mit VenizeloS gearbeitet. Ter Zusammenkunft wird angesichts der Neugestaltung der Balkanlage Bedeutung beigemessen. Russisches. Kopenhagen, 18. September.(W. T. B.) Die„R j e t s ch" bringt eine Reihe bemerkenswerter Nachrichten: Ein U k a s ordnet die Ausgabe von elfhundert Mil- lionen Rubel neuer Schatzanweisungen im Umtausch gegen bereits umlaufende an, so daß nicht mehr als vier Milliarden Rubel in Schatzanweisungen im Umlauf sein sollen. Die polnischen Reichsratsmitglieder haben eine Denkschrift ausgearbeitet, in der sie die Aufhebung des G e- setzes von 186 3, betreffend Einschränkung des Grundbesitzes von Polen und Beschränkung der Verwendung von Polen und Katholiken im Staatsdienste verlangen. Die Denk- schrift führt weiter aus, das Mißtrauen gegen die Polen gehe so weit, daß sie bisher keine SemstwoS erhalten hätten, die Religions- Verfolgungen würden trotz des Manifestes von 1305 fortgesetzt. Ein Kongreß lettischer Vereinigungen, der von 123 Vertretern von solchen besucht war, hat über die Regelung der Unter st ützung von Kriegsflüchtlingen beraten. Ein erschütterndes Bild von der furchtbaren Lage der Flüchtlinge wurde dort entrollt. Die russische Verwaltung behandle die Massen, die auf der Eisenbahn in der vierten Klasse oder zu Fuß auf den Landstraßen ankämen, mit völliger Gleich- gültigkeit; nationale Gegensätze machten sich dabei unheilvoll geltend, und auch die Hilfsorganisationen der Gesellschaft würden davon beeinflußt. Besonders die Verhältnisse in PeterS- bürg wurden in den schwärzesten Farben ausgemalt: die Flüchtlinge würden in Nachtasylen untergebracht, wo sie sich tagsüber nicht aufhalten dürften, und deren gesundheit- liche Verhältnisse jeder Beschreibung spotten; nach sieben Tagen muhten sie daS Asyl verlassen und sich Arbeit verschafft haben. In der Provinz seien die Verhältnisse noch viel schlimmer. Ein jüdisches Komitee habe aus N i s ch n i- Nowgorod ein Telegramm erhalten, daß dort viele arme jüdische Familien in Jahrmarktsbuden, Tau- sende aber auch unter freiem Himmel lagen; die meisten Kleinstädte könnten überhaupt kein« Flüchtlinge mehr aufnehmen. Hegen üie französische Zensur. Die Zensur, schreibt Compere- Morel in der„Huma- nite" vom 14. September, duldet nicht die kleinste Anspielung gegenüber den Eroberungsideen und der Annexionspolitik gewisser Leute, aber sie erlaubt anderen die täglich« ausführlich« Ver- ösfentlichunz eines ganzen territorialen Zerstückelungsprogramms gegenüber den feindlichen Notionen. Warum? Wo sind die Gründe für diese ebenso dummen wie lächerlichen Unterschiede in der Behandlung? gegen üie Duma-Vertagung. Paris, 13. September.(W. T. B.) Im heutigen„Petrograd" betitelten Leitartikel der„G u e r r e Sociale" wettert Gustave Herve gegen die Vertagung der Duma und erklärt: Wer dem Zar diese» Rat gegeben habe, verdiene gehängt zu werden. Die Sozialisten, Demokraten und Liberalen der alliierten und neu- tralen Staaten hätten gehofft, daß ein neues freiheitliches Ruß- land im Entstehen begriffen sei. Jetzt seien an einem Tage alle Hoffnungen zusammengestürzt. Die englische, französische und italienische Presse dürften trotz der Zensur gegenüber diesem Staatsstreiche der rückschrittlichsten Bureaukratie nicht stumm blei- ben. Die Presse müsse ihre Proteste dem Proteste der Liberalen Rußlands anschließen. Es sei die Pflicht der Presse, im Interesse des gemeinsamen Sieges alle Regierungen aufzufordern, den schlecht unterrichteten Zaren davon zu benachrichtigen, daß der Triumph der Bureaukratie allen verbündeten Völkern als eine noch ernstere Katastrophe erscheine als der Verlust Warschaus und ganz Polens. Italien unü üie darüanellenaktion. Mailand, 13. September.(W. T. B.)(Ueber Bern.)„Corriere della Sera" erfährt aus Rom, daß über den gestrigen Ministerrat noch kein« amtliche Veröffentlichung erfolgte, daß der Ministerrat aber beschlossen hat, durch die Agenzia Stefani eine amtliche Auf- stellung zu geben, in der Finanzminister Danco die neuen Steuer- matznahmen begründen wird. Außerdem ist Daneo beauftragt war- den, weitere Dekrete für die Ausführungsbestimmungen der neuen Steuererhebungen vorzubereiten.— Nach der Agenzia Nazionale werde der Mehrertrag der neuen Steuern auf 33 bis 60 Millionen Lire geschätzt.— Der„Corriere della Sera" führt weiter aus, daß der Ministerrat sich nachmittags mit der internationalen Lag« und besonders mit der Lage auf dem Balkan mit Bezug auf die Bezwingung der Dardanellen beschäftigt habe. Man wisse zwar nicht mit Sicherheit, ob der Ministerrat sich nur grundsätzlich mit dieser Angelegenheit beschäftigt oder sie in unmittelbarer Beziehung mit der möglichen Teilnahme an der Unternehmung betrachtet habe. Sicher ist, so schreibt„Corriere della Sera", daß unsere Kriegserklärung an die Türkei, der keine bestimmte kriegerische Handlung gefolgt ist, nicht dazu gedient hat, das Ansehen Italiens auf dem Balkan zu erhöhen. Infolgedessen wurde der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zur Türkei von feiten unseres Landes nur in dem Sinne verstanden, daß Italien sich in der Orientfrage endgültig von Deutschland getrennt hat, daß die Kriegserklärung aber nicht dazu gedient hat, unseren Einfluß bei den Neutralen zu vermehren. Man glaubt deshalb mit Recht, daß der Ministerrat sich mit unserer etwaigen Teilnahme an den Operationen gegen die Meer- engen oder mit einer Landung in Kleinasien be- schäfiigt hat, auch unter dem Gesichtspunkt des Eindrucks, den die? auf die neutralen Länder machen dürfte, denen gegenüber das diplomatische Vorgehen des VierverbandeL keine großen und entscheidenden Ergebnisse zu erzielen scheint. politische Uebersicht. Der deutsche Ttädtetag. Im Münchener Rathause fand Sonnabend eine vollbesetzte Vorstandssitzung des Deutschen Städtetages mit sehr umfang- reicher Tagesordnung statt. Den Vorsitz führte teils der Vor- sitzend« des Vorstandes, Oberbürgermeister Mermuth- Berlin, teils der stellvertretende Vorsitzende, Oberbürgermeister Dr. v. B o r s ch t- München. Einen großen Raum in den Ver- Handlungen nahm die Besprechung der Nahrungsmittel- fragen ein. Hinsichtlich der M i l ch f r a g e wurde mit Nach- druck betont, daß im Interesse der städtischen Bevölkerung durch- greifende Maßregeln ergriffen werden müssen. Ter Vorstands- sitzung war eine Sitzung des Nahrungsmittelausschusses des Deutschen Städtetages vorausgegangen, in der u. a. eingehend die Kartoffelfrage erörtert wurde, Die Regelung des Verkehrs mit Stroh. Wolsfs Telegraphen-Bureau teilt mit: Dem Vernehmen nach ist eine neue gesetzliche Regelung des Verkehrs mit Stroh zu erwarten. Das Stroh ist in erster Linie berufen, bis zu einem gewissen Grade die Lücken auszufüllen, die durch die fehlende Einfuhr von Kraftfutter aus dem Ausland entstanden sind. In jedem Landwirtschaftsbetriebe muß das Stroh mehr als sonst zu Fütterungszwecken herangezogen werden. Die landwirtschaftliche Versuchsstation in Göttingen ist damit beschäftigt, bis zu Beginn der Winterfütterung ein Ver- fahren auszuarbeiten und den Landwirten bekanntzugeben, daS eine bessere Ausnutzung des Strohes bei der Fütterung ermög- licht. Aber auch die Strohnrengen, die der einzelne Landwirt cnt- behren kann, müssen zahlreiche und wichtige Zwecke der Volks- Wirtschaft erfüllen. Der Strohhäcksel bildet unter den gegebenen Umständen die Grundlage der Ration der in städtischen, indu- striellen und gewerblichen Betrieben tätigen Zugtiere, er wird in wertem Umfang dazu benutzt, um aus der Rübenmelasse ein trans- portables Futter herzustellen. Die Herstellung von Strohmehl hat«inen beträchtlichen Umfang angenommen, es wird direlt zur Pferdefütierung, dann aber auch zur Umwandlung verschiedener Stoffe, wie Panseninhalt der geschlachteten Wiederkäuer, Blut, Kartoffeln usw. in haltbare, versandfähige Ware verwendet. Schließlich ist eine Fabrikation von Strohkrastsutter in die Wege geleitet, das in seiner Nährwirkung dem Stärkemehl gleichwertig ist. Berücksichtigt n:an noch, daß auch die Heeresverwaltung höhere Ansprüche als sonst an den Strobvorrat stellt, so wird daraus die hohe Bedeutung, die das Stroh in der heutigen Volks- Wirtschaft beansprucht, ohne weiteres klar. Der Strohverbrauch im landwirtschaftlichen Betriebe soll selbstverständlich durch die gesetzliche Regelung nicht berührt wer- den. Für das in den Verkehr kommende Stroh sind aber Preise in Aussicht genommen, bei denen der Erzeuger seine Rechnung findet. Eine Regelung des Verkehrs mit Stroh scheint aber unter den geschilderten Verhältnissen unerläßlich, da sonst die Gefahr besteht, daß die Spekulation sich dieses Artikels bemächtigt. Nach alledem wird Stroh in der beVorst«ben den Wirt» schastsperiode einen sehr guten Preis haben, und es kann den Landwirten nicht dringend genug geraten werden, alle irgend greifbaren Ersatzstoffe für Streuzwecke zu verwenden und möglichst viel Stroh für die Verfütterung im eigenen Betriebe und zum Verkauf freizumachen, denn es darf nicht vergessen wer» den, daß in den von der Trockenheit des Vorsommers betroffenen Gebieten auch die Strohernte unbefriedigend gewesen ist. Hilfe für Kriegerfamilien. Bei dem Parteisekretär für Ostpreußen, Genossen Linde, liefen a»S Srädren und Landgemeinden andauernd zahlreiche Beschwerden über unzureichende Unterstützung der Kriegerfamilien � ein. Auch in Versammlungen wurde vielfach geklagt, daß die Fürsorge für die Kriegerfraue» unzureichend sei. Genosse Linde hat die Beschwerden den zuständigen Stellen unterbreitet und auch eine Unterredung mit dem Oberpräsidenten von Ostpreußen gehabt, der dabei zugeben mußle, daß eine Reihe Gemeinden zu wenig und auch gar keine Unterstützung zahlten. Den Ge« ineindeii hätten die Mittel dazu gefehlt, da aber die Regierung Gelder für diese Zwecke bereit gestellt habe, so würde er dafür sorgen, daß schwachen Gemeinden Geldmittel zur Unterstützung der Kriegerfamilien bewilligt würden. Wenn die Frauen mitunter nicht korrekt behandelt worden wären, so liege das daran, daß die Be- Hörden jetzl viel Arbeit zu leisten und Mangel an geübtem Personal hätten. Einige Mißstände sind inzwischen beseitigt worden. kriegsbekanntmachungen. Zur Bestandsmeldung von Wolle usw. Amtlich. Berlin, 13. September. sW. T. B.) Die neuen Meldescheine für die Bestandsmeldungen von Wolle, Baumwolle, Flachs, Ramie, Hanf, Jute, Seide und von daraus hergestellten Web-, Wirk- und Strickgarnen sind zur Meldung der Bestände nach dem Stande am 1. Oktober d. I. vom 20. September ab bei den örtlich zuständigen amtlichen Vertretungen deS Handels (Handelskammern) erhältlich und dort umgehend anzufordern. Tie alten Meldescheine dürfen für die Bestandsmeldungen vom 1. Oktober nicht mehr benutzt werden. Letzte Nachrichten. Explosion in einer französischen Munitionsfabrik. Paris, 13. September.(W. T. B.)„Matin" meldet: In der Pulver- und Granatenfabrik in Le P e c q, in der Donnerstag vor- mittag eine Explosion stattgesunden hatte, ereignete sich am Nach- mittag eine neue ebenso heftige Erplosion, durch die wieder sehr großer Schaden angerichtet wurde. Auch diesmal wurden mehrere Arbeiter verletzt. Eine strenge Untersuchung wurde von den Militärbehörden eingeleitet. Ms Groß-öerlin. Gememöliche Kriegsaufgaben. Außerordentlich umfangreich sind die Gebiete, die der Krieg den Gemeinden zugewiesen hat. Man bedurfte der Gemeinden zur Ausführung all der zahlreichen Maßnahmen und Verordnungen, die uns der Krieg bescherte. Kriegsfür- sorge und Lebensmittelversorgung der Bevölkerung stellten an die Gemeinden dauernd große Anforderungen. Je nach der finanziellen Leistungsfähigkeit und einer mehr oder minder starken sozialen Einsicht werden die Aufgaben ver- schieden gelöst. Zwei Gebiete gemeindlicher Kriegsaufgaben wurden gestern in einer Konferenz sozialdemokratischer Gemeindevertrcter Groß-Berlins besonders erörtert. Die Lebensmittelfrage und die Arbeits- beschaffung für die heimkehrenden Krieger. Ueber den ersten Punkt verbreitete sich Genosse Wurm in längeren Ausführungen. Wurm schilderte im einzelnen die Phasen der Verordnungstätigkeit des Bundes- rates, das Hin und Her auf diesem Gebiete, die Einflüsse und Jnteresienfragen, die eine gewichtige Rolle spielten und viel- fach nur Halbheiten zustande kommen ließen, bis schließlich die Bundesratsverordnung vom 25. Januar endlich ganze Arbeit machte, soweit es sich um die Getreide- und Mehlversorgung handelte. Ausfüh�ndes Organ dieser Ver ordnung war in letzter Linie die Gemeinde. Schwere Sorgen bereitete den Gemeinden die Versorgung der Bevölkerung mit Fleisch, Kartoffeln und anderen Lebensmitteln, zumal vor allem der den Gemeinden auferlegte Zwangsankauf von Fleischdauerwaren stark preissteigernd wirkte trotz vermehrten Viehangebots. Die Gemeinden stehen auf diesem Gebiete vor neuen Aufgaben, nämlich der Preisfestsetzung für Lebens- mittest Der Lebensmittelwucher bedinge das. Die Preise sollen lokal festgestellt werden. Das habe aber nur dann einen Sinn, wenn die Gemeinden erzwingen können, daß die be- nötigte Ware auch auf den Markt gebracht werden mutz. Fest- setzung von Richtpreisen durch die Gemeinden müssen Hand in Hand gehen mit dem Recht der Beschlagnahme und Ent- eignung. In Berlin sei die Organisation bereits geschaffen, lokale Kommissionen in den Vororten zu bilden, sei erforder- lich. Im übrigen habe eS sich in der Kriegszeit gerächt, daß die Gememden in Friedenszeiten die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln fast ausschließlich dem freien Handel über- lassen haben, als diese Aufgabe selber zu lösen. So sei es ge- kommen, daß die Gemeinden plötzlich vor neue Probleme gestellt worden seien, deren auch nur teilweise Lösung schon viel Lehrgeld erfordert habe. Die Selbstproduktion und Be- schaffung wichtiger Lebensmittel müsse in Zukunft erhöhte Pflicht der Gemeinde sein. In der Diskussion wurde u. a. betont, daß der Brotpreis in Berlin heute leider noch eine Höhe habe, wie kaum in einer anderen Stadt und daß eine schleunige Preisherab- setzung unter allen Umständen zu fordern fest Ueber die �Arbeitsbeschaffung für die aus dem Felde Heimkehrenden referierte Genosse Adolf Cohen. Er legte eingehend die Schwierigkeiten dar, die sich auf dem Aröeitsmackte bei Beendigung des Krieges durch dm Entlassung bec Kriegsteilnchmec aus dem Heeresverbande ergeben müssen. Um dieser Schwierigkeiten Herr zu Werder, müsse jetzt schon vorgearbeitet werden. Es muß eine Rege- lung der Arbeitsnachweisfrage angestrebt werden; eine Ein Gegen die Ausveotung der Sandsaöknäherinne«. Di« von uns fortgesetzt veröffentlichten Klagen über die beutung von Sandsacknäherinnen scheinen an den maßgebenden Stellen nicht ohne Berücksichtigung geblieben zu sein. Bestand auch bisher schon die Anweisung, daß bestimmte Preise gezahlt werden sollten, so hat die Praxis doch ergeben, daß hiergegen in der schlimmsten Weise gefrevelt wurde, und zwar durch Vergebung an Vermittler und Zwischenhändler, die ihrerseits in der willkürlichsten Weise die Arbeiterinnen entlohnten. Dem soll in Zu- kunft ein Riegel vorgeschoben werden. Es geht uns amtlich folgende Meldung zu: Berlin, 13. September. Unternehmern und Lieferanten, die durch Zwischenhändler und Vermittler bei der Fertigung von Sandsäckcn die Arbeiterinnen durch Herabdrücken der Stück-Nählöhne auszubeuten suchen, so adß es diesen nicht möglich ist, sich den ortsüblichen Tagesverdienst zu ver- schaffen, werde» die Betriebe geschlossen. Di« vorstehende Verordnung ist nur zu begrüßen. Sie verrät den entschiedenen Willen, der Ausbeutung der Sandsacknäherinnen durch gewissenlose Unternehmer ein Ende zu machen. Hoffen wir, daß sie das Ziel auch erreicht. Bermittelungsschwindler. Auf Kriegerfrauen hatte es ein Bermittelungsschwindler abgesehen, der vorgestern unschädlich gemacht wurde. Er entpuppte sich als ei» 84 Jahre alter Ingenieur Huge Flatauer, der den Strafbehörden schon viel zu schaffen gemacht hatte. Bei Krieger- fcauen, die durch Anzeigen Beschäftigung suchten, trat er als.Ver» mitteler Gerstmann' oder.Beauftragter des MietSkontorS in der Jägerstraße' usw. auf. erklärte ihnen,.daß sie da und dort sofort eine Stellung antreten könnten", ließ sich 2— 8 M. Vermittlergebühr zahlen und schickte dann die Frauen mit einem entsprechend ausgefüllten Zettel nach der Stelle, die er ihnen angegeben hatte. Die Frauen opferten oft ihre letzten Groschen für die Vermittelnng. Vorgestern wollte Flatauer in einem Geschäft in der Spandauer Straße etwa? kaufen.für seinen Onkel, der bezahlen werde". Der Geschäftsmann schöpfte Verdacht und holte die Polizei. Diese hatte einen guten Fang gemacht. Dem Verhafteten find 4g Fäll« seine? VermittelungSschwindelS schon nachgewiesen, weitere Mitteilungen nimmt die Kriminalpolizei im Zimmer 10S entgegen. Hausverwalter«ud Kriegerfrau. In Nr. 210 vom L August berichteten wir anS Charlottenbnrg über daS Vorgehen des Verwalters deS einer Grunderwerbsgesell- schaft gehörenden Hauses Drohsenstr. 4 gegen einen zum HeereS- dienst einberufenen Mieter und dessen Frau. Wegen einer Miete- schuld, die nach der Einberufung des Mannes entstanden war, war» den beide Eheleute innerhalb der ersten zwei Wochen«ach dem Fälligkeitstag auf Zahlung und Räumung verklagt und in dem von beiden nicht wahrgenommenen Gerichtstermin verurteilt. Ueber Herrn Dr. jur G. Schöps, der als Geschäftsführer der Gesellschaft daS Hans verwallet, sagten wir, daß er später der Frau, als sie die Wohnung mit ihrer Wirtschaft verlassen wollte, Betten und Matratzen zurückbehalten habe. Jetzt, sechs Wochen nach Veröffent» lichung jenes Artikels, wünscht Dr. Schöps unsere Darstellung zn berichtigen. Dr. Schöps hebt hervor, die Frau habe widerrechtlich Sachen mitgenommen, trotz vorherigem Hinweis auf das Pfand- recht des Wirtes. Er erwähnt nicht, daß unter denjenigen Sachen, deren Mitnahme durch sein Dazwischentreten verhindert wurde, Betten und Matratzen waren. Aber er erklärt:.Unwahr ist, daß die Frau kein« ordnungsmäßige bzw. hinreichende Lagerstätte ge» wollte sie aus der Kriegslage Nutzen ziehen.' Man beachte, daß der.Vorwärts"-Artikel nur nackte Sachdarstellung gab und kein Urteil über Dr. Schöps enthielt. Aver das hindert ihn nicht, jetzt die Frau in dieser Weise berabzusetzen. Der Ehemann habe, be- hanptet er, in der ganzen Zell von September vorigen Jahres ab guten Verdienst gehabt. Warum fügt er nicht hinzu, daß der Mann auch stets seine Miete zahlte? Nach der Einberufung hörte das auf, weil da eben der„gute Verdienst' aufhörte. Gegen die E5c- leutc führt Dr. Schöps noch an, daß sie im Termin nicht vertreten waren; daß sie gegen das Bersäumnisurteil Einspruch erhoben, aber im neuen Termin wieder nicht erschienen, worauf wieder Versäumnisurteil erging; daß sie Gerichtsbeschluß auf einstweilige Einstellung der Versteigerung erwirkten, aber die geforderte Sicher- heitsleistung von 70 M. nicht zahlten, worauf die Versteigerung ihren Fortgang nahm. Das alles zeigt doch wie sehr infolge der Einberufung des Mannes die in Gerichtssachen nickt bewanderte Frau in der Wahrnehmung ihrer Rechte beeinträchtigt war. Der Zirkus Busch ist am Sonnabend wieder eröffnet worden. Er war vor mehr als Jahresfrist geschlossen, die Lust- barkeitssteuer hatte dem Unternehmen große Einbußen an Renta- bilität gebracht. Die Versuche des Direktors Stosch-Sarasani- Dresden, den Zirkus für Berlin zu öffnen, scheiterten an zahl- reichen Schwierigkeiten. Aus die verschiedensten Anregungen hin bat Kommissionsrat Busch es unternommen, die alte Zirkusstältc wieder neu zu beleben. Das Programm ist den Umständen nach immerhin recht annehmbar und dürfte bei seiner Vielgestaltigkeit jedem etwas bringen. Auf zirzensischem Gebiet können die Reit- künstle rinnen Geschwister Blumenseld und Troika mit drei Schul- Pferden sich sehen lassen, auch die Freiheitsdressuren des Ehe- paarS Torthh-Dlthoff sind nicht übel. Mit großer Exaktheit führt die Gregorh-Truppe ikartsche Spiele aus. Als Armeeherkules stellt sich S i d i vor, der mit Kanonenkugeln spielt als wären es Gummibälle. Interesse erregt auch Herr Nathan, der ohne Arme geboren und ausschließlich auf den Gebrauch seiner Füße enge- wiesen ist. Es gebort sicherllch große Ausdauer dazu, um mit den Füßen die Geige so zu handhaben, daß wir eine Arie aus Trou- badour hören. Daß KakadnS als Akrobaten und Kunstradfahrer .erzogen" werden konneu, beweise» BelloniS Wunderdressurcn. Radrennen in Treptow. Dem AuStvay der gestrigen Renneu im Eportpark Treptow konnte man bei objektiver Würdigung durchweg nicht daS geringste Interesse abgewinnen. Die burgfriedliche Zell scheint nun gar schon unter den Rennfahrer», die von Renntag zu Renntag den frischfrShlichen Kampf immer mehr vermissen lassen. Geltung zu erlangem Die eigentliche Zugnummer des Programms, ein HO-Kilometer-Rennen zwischen dem neuen Meistersahrer Jankc und Stellbrink, wurde ganz zur Farce. Janke gefiel sich gleich von Anfang an in fortwährendem Motorwochsel, ohne daß ein fichtbarer Grund vorgelegen hätte. Vom 40. Kilometer ab pendelte er im Schneckentempo ohne Motorführung um die Bahn und weigerte sich, Anschluß an die ihm wiederholt geboten« Führung zu nehmen Er blieb in diesem Rennen 12 Kilometer 130 Meter hinter Stell- brink zurück. Die Resultate der weitereu Rennen waren: Dauer- rennen über 10 Kilometer: 1. Stellbrink, 2. Janke.— Malfahren für Flieger. Endlauf: 1. Kvahner. 2. Hoffmann, 3. Behrendt.— Dauerrenneu über IS Kilometer: 1. Stellbrink, 2. Janke.— Prömtenfahren über 10 Runde«: 1. Behrendt. 2. Hoffmann, Krahner.— Prämien erhielten Hildebrandt und Lange. hatlichkeit auf diesem Gebiete kann erst die Grundlage schaf- habt hätte." Bei ihr habe der Gerichtsvollzieher, als er an einem fen, auf der weiter gebaut werden kann. Es müssen Mittel' �-!C—~tL-------- � J bereit gestellt werden zur Unterstützung derjenigen Kriegs- tsilnchmer, die nicht bald in Arbeit treten können. Anspruch auf Unterstützung mutz jeder Kriegsteilnehmer haben, dem nicht durch die Arbeitsnachweise eine seinen körperlichen und beruflichen Fähigkeiten entsprechende Arbeit nachgewiesen werden kann. Ourch Gesetz muß erreicht werden, daß die KriegSunterstützung an die Familien solange fortgezahlt werde, bis der Ernährer in Arbeit stehe. Die Unterstützungs- maßnahmen müssen in enger Verbindung mit den Gewerk- schoflen geschehen, wie das heute schon in einer ganzen Reihe von Gemeinden der Fall ist nach dem Muster der Stadt Berlin. Die Konferenz erklärte sich mit einer im Sinne dieser Ausführungen gehaltenen Resolution einverstanden. Wie�s gemacht wird. Die Stuttgarter Milchverkaufszentrale, welch« dieselben Ten- denzen verfolgt, wie die Interessengemeinschaft Märkischer Milch- Produzenten in Berlin, erläßt in der.Süddeutschen Milchgeitung" unter anderem folgende Bekanntmachung: .In den letzten Tagen hat die Milchliefernng wieder etwas zn- genommen, nachdem anfangs des Monats Knappheit herrschte. Den Landwirten muß immer wieder gesagt werden, daß es das einfachste und rentabelste Mittel ist, in Zeiten von größeren Anlleferungen die Milch auf dem Lande zu verwerte» und nicht Unbestellt in die Stadt zu senden. Derartige Sendungen verursachen sofort eine» Druck auf die Preise. sSehr richtig! R. d. V.) Wir geben gern zu, daß man nicht immer Leute dazu hat und auch nicht überall hierzu einge- richtet ist, aber wenn man die Genossenschaftsrechner, selbstverständ» llch gegen �angemessene" Vergütung, zur Verbutterung verpflichten würde, wäre abgeholfen." Sollte dieses Znrückbehaltungs» und PreiSfteigernngSfystem nicht auch in der Mark Brandenburg Anhänger haben? Nach den augenblicklichen Verhältnissen in der Berliner Milchversorgung zu urteilen, könnte man wohl zu der lleberzeugung kommen. Es ist eben— Krieg. Und warum sollten sich die Märkischen Milch- Produzenten nicht auch am Kriege beteiligen. Bekanntlich kommt aber nach dem Krieg auch wieder— Frieden. Grober Unfug. Seit einiger Zeit werden in den verschiedensten Gegenden Groß- Berlins mit Schreibmaschine hergestellte Zirkulare verbreitet, die an bestimmte Männer gerichtet sind und die Aufforderung enthalten, sich der zurückgebliebenen Frauen und Mädchen der zum Heere einge« zogenen Krieger anzunehmen und für Geburtenzuwachs zu sorgen. In einigen Zirkularen wird darauf hingewiesen, daß die nötigen Anweisungen auf dem zuständigen Polizeirevier erteilt würden und der Erfolg nach neun Monaten nachgewiesen werden müßte. Das Ganze soll ein Scherz sein, deutet aber in Wirklichkeit ausweine recht niedrige Gesinnung hin. In einem uns vorliegenden Falle wird dem Zirkular ein amtlicher Charakter zu geben versucht durch An- gäbe eines Aktenzeichens und der Unterschrist.Magistrat Berlin" und dadurch, daß das Schreiben mit einer anscheinend schon be- nutzten Siegelmarke des Amtsgerichts Berlin-Schöneberg versehen ist. Die Burschen, die in ernster, schwerer Zeit sich derartige Nieder- träcktigkeiten erlauben, dürften, wenn sie erwischt werden, sehr ernstliche Folgen zu erwarten haben. anderen Tage die widerrechtlich mitgenommenen Sachen pfändet«, .Bettstelle rwtt Matratze und einige Betten' gefunden. Welche unserer Angaben soll hierdurch berichtigt werben? Daß der Frau keine hinreichende Lagerstätte geblieben sei, haben wir nicht gesagt. Di« Frau selber hielt allerdings, was ihr geblieben war, nicht für sehr einladend. Für die nächsten Rächte suchte sie mtt ihren Ktn- der» anderswo Unterkunft Herrn Dr.©che' ist es vermutlich zu tun um die Feststellung daß er nicht alle Betten einbehielt DaS wurde im.Vorwärts" auch gar nicht behauptet, wie ja der Wort. laut deS Artikels zeigt Dr. Schöps legt auch Wert darauf, jetzt durch den.Vorwärts" bekanntzugeben, daß die Frau nur aus Bös- Willigkeit nicht gezahlt habe. Das ist sein« Meinung, aber den Beweis für die Richtigkeit bringt er nicht Soll das ein Beweis sein, daß— wie er hervorhebt— die Frau annahm, die Grund- erwerbsgesellsckaft müffe sich mit der ihr zuzubilligenden Miete- berhilfe zufrieden geben, und trotz Vorhalt bei dieser Meinung blieb? Ueber die Frau sagt er:.Wie andere böswillige Schuldner, Ms aller Welt. LebevSgefährtlu ohne untere Extremitäten gesucht! I« der Plenen Züricher Zeitung' erschien kürzlich ein In- serat, dessen Inhalt von erschütternder Tragik ist. Di« Annan« lautet: .Deutscher Krieger. anS vornehmer Familie, zum Invaliden geworden(OBerschemelamput) und deswegen von seiner Braut treulos verlassen, sucht Leidensgefährtin zur LedeuSzesShrtiu Dame» mit einer fehlenden od. lahmen un- teru Extremität, die aber tzevz und Gemüt haben, und zur Führung eines trauten, glücklichen Hausstandes sich gewachsen fühlen, find inständig gebeten, im Leide eines verwui�, wn, edlen HerzenS im verstümmelte» Körper sich zu teilen und unter gefl. Angabe der Familien- und Gesundheitsverhältnisse vertrauensvoll zu schreiben unter Chiffre E 8155 an die Annoncen- Abteilung der Neue» Zürcher Zeitung.' DaS gewaltigste Weltereignis ist wirklich reich an neuen For- men des Lebens. Der verstümmelte Krieger—, die treulose Braut — die unbekannte Lahme, welche dem Aermsten über das Herzeleid um die grausame Ungetreue hinweghelfen soll— welche Fülle von Stoff für einen begabten Dramatiker!-- «»»sssss» S' Dem Funktionär"hJ Gnatav Schmidt S ylj neblt Gemahlin � vO die besten Glückwünsche zur w | Silber-H-chzeit. m Die Funktionäre d. 15. Abtt.Rr.« Unser« BeztrkSführrr Herrn GnslaYScWtneöstGeinatilln zur Silberhochzeit die herz- lichsten Glückwünsche. DleGeesseeo de« 266.Bezlrt«. � SozialdeinoMetierWaiiivereiD 1. 1 4. Bert. ßeiehstagswaMkrels. Landsberger Viertel. Bez. 340 I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Bäcker (justav Wehde, Löweftr. 29, gestorben ist. Ehre seinem Zlnbenkeu: Die Beerdigung findet heut- Montag, nachm. 2 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-Fried Hofes in Friedrichsseide, aus statt. Um rege Beteiligung wird er- sucht. Der Vorstand. Vtfdani! der Haler, Lackierer, Anstreielier usw. Filiale Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Lackierer Paul Musterer (Sektion der Lackierer) am 15. September verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Montag, den 20. d. M.. nachmittags 4 Uhr. von der Halle des Elisabeth- Kirchhofes, Prinzen- aller 6S, aus statt. Die OrrSverwaltnng. ZentralYerbaiid der Bäcker, konditeren und?erw. ßeruisgenossen. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß nnier Mitglied, der Bäcker Gustav Wehde am 17. d. M. im Alter von 28 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke» t Die Beerdigung findet am Montag, den 20. d. M., nach- mittags 2 Uhr, von der Halle des städtischen Friedhofes in Fried- richSjelde ans statt. Die OrtSverwaltnng. Stempelfabrik Robert Hecht, Inh.:AlIr.SclnieIIer Berlin S. 48, Ritterstr. 1X6, liefert schnell und billig alle Arten Ztempel in bester Ausführung. lMwiriei - � I in Ausflugsorten; | empfehlen thre�okale j : derArbeiierschafiam besten: I durch eineAnzeige j : im Vorwärts. 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VjS-VjlO U. abds.. Sonnt. 11-1- 43 Seiten starte Broschüre gratis und postfrei in verschlossenem Kuvert. Prinzenstr. Potsdamer Str. 117 ÄufkläFende Verantwortlicher Redakteur: Ernst Däumig, Steglitz. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck«.Verlaz: PorwärtsBuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer Sc Co, Berlin SW.