Ar. S64.-3Ä» Jahrg. (ftonnemfttfS'Bfdlngnngo»: CbonnementS• Brei« pränurneranb», »ierteljZbrl. SM Ml. monaU. UO Mi, wöcheiulich 25 Big. frei in« Hau». einzeln« Nummer s Big. Sannlag»- nummer mit illustrierter Sonntag»- Beilage.Die Neu« Welt' 10 S'n. Bosl- »lbonnement! 1.10 Mari pro Monat. Eingetragen in die Bost- Zeituna»- Breisliste. Unter Kreuzband rür Dcullckiland und Oellerreich» Ungarn 2.50 Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Bostabonnement» nehmen an: Belgien. Tänemari, Holland. Italien. Luxemburg. Bormgal. Rumänien, Schweden und die Schweis Qtdltint lZgNch. ( 5 Pfennig) Die TnferflöM'GebQlir Betrüg! für die sechsgefpaltene Kolonel- zeile oder deren Raum SO Pfg.. für polltische und gewerlschafvtche Bereius- und VersammlungS-Anzeigen W Pfg� „Aleine Anieigen". das fettgebruchc Wort 20 Big-(zulässig 2 fettgedru-lt- Worte), jedes weitere Wort 10 Berliner Volksblntk. Zcntralorgan der rozialdemokrati fehen Partei Deutfchlands. paben zählen für zwei Worte. Inserate tür die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Delegramm> Adresse: .fittitiitttotni atffli". Neöaktion: Ew. SS, Ltnüenftraßc Z. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Str. ISl S0— ISt S?. Freitag, den Ä4. September 1915. Expedition: Ew. 6$, Linöenstrahe Z. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. lSl vv— l5tS7. Ueinmg des Mrn SWlmorlim. Amtlich. Großes Hauptquartier, de« '�3. September 1915. österreichisch- ungarische Vorgehen gegen Serbien in enger Verbindung mit der bulgarischen Mobilmachung stehe. Ministerpräsident Radoslawow sei entschlossen, ohne Aufschub zu handeln und habe sogar den Vorschlag einer vor- übergehenden Besetzung der abzutretenden Gebiete durch die Vierverbandsmächte abgelehnt. Die Aufnahme öer bulgaristhen Mobilisierung. London, 23. September.(®. j. 33.) DaS Rcutersche Bureau meldet: Der Bericht, daß Bulgarien mo- bilisiere, habe in diplomatischen Kreisen natürlich viel Unruhe verursacht, obwohl man auf eine derartige Ent- Wicklung vorbereitet gewesen sei. Ueber die Bedeutung der Mobilisierung sei man augenblicklich noch im unklaren. Die bulgarische Gesandtschaft habe die Nachricht erst am 2t. Sep- tember spät ahends erhalten und erklärt, Bulgarien ivürdc weiter Neutralität bewahren, aber bewaffnete?!eutralität. In anderen Kreisen werde erklärt, Bulgarien versetze sich lediglich in denselben Zustand, wie einige seiner Nachbarn oder wie die Schweiz und die Niederlande. Surgfrieüen ia Bulgarien! Sofia, 23. September, sk3. T. SS.) Viel bemerkt wipb ein im Blatte der Geschow-Pariei erschienener Aufsatz eines der eistigsten Vorkämpfer der ruffenireundlichen Richtung in der So- branje, des Abgeordneten Boris W a s 0 w. in dem eS heißt, für Bulgarien habe die Stunde g e i ch l a g e n, w 0 a l l e r Parteihader ruhen und alle, welche auftichtig dem Valer- lande dienen, sich die Hände reichen und sich vertrauensvoll um die Regierung scharen müßten. Vaterländische Bürgerpflicht eines jeden sei es, mit staatlicher und nationaler Manneszucht den kommenden Ereignissen zu begegnen. Sobald die Fahne Bulgariens und seines Heeres entfallet werde, müßten alle Parteisahnen eingerollt werden. Die nationale Vereinigung aller Bulgaren könne nur vurch ein geeinigteS Bulgarien erreicht werden. Aur Haltung Griechenlands. Bern, 23. September. Zu de» gestrigen Gc- rächten über einen Rückirirt des Kabinetts Bratianu schreibt „Viitorul": Wir setzen diesen Nachrichten das entschiedenste Dementi entgegen: sie gehören ganz in das Gebiet der Phantasie. Indem„Epoca" derartige falsche Nachrichten noch gestern nacht verbreilete, verfolgte sie keinen anderen Zweck, als in der öffentlicheir Meinung Erregungen hervorzurufen. Zum Glück ober ist die Wirk- lichkeit anders und viel ernsrhasrer als die Sensationsnachrichten der„Epoca". Die pariser presse zu üen Salkaiu ereignissen. Von der Schweizer Grenze, den 23. Septenrber: (T. U.) Tie Pariser Presse verzeichnete vorgestern nicht ohne Unruhe das Eingreifen der deutschen Artillerie an der serbischen Front und bereitete die öffentliche Meinung ini Zusammenhang damit auf die Wahrscheinlichkeit vor, daß die Verhandlungen der Alliierten mit' Bulgarien am Ende angelangt sind, und daß Bulgarien die letzten englisch-russisch französischen Angebote ablehnen würde. Die vom Ministerium deS Aeußern inspirierte Presse hält aber noch an der Hoffnung fest, daß Bulgarien sich nicht aktiv an die Seite der Lesterreicher und Türken stellen werde, und sie droht der Regierung Radoslawows mit der bulgarischen Opposition und dem Untergang Bulgariens. „Figaro" läßt sich aus London melden, daß Rumänien einen Einmarsch deutscher Truppen in Serbien mit der Mobil- machung beantworten dürste. Das„Echo de Paris" äußert sich in dem Sinne, daß die Würfel bereits gefallen seien imd daß Teutschland, wie einzelne Zeitungen hätten erkennen lassen, entschlossen sei, sich durch serbisches Gebiet einen Weg nach Konstantinopel zu sichern. Der französische Tagesbericht. Paris, 23. September.(W. T. B.) Amtlicher B e- richt von gestern nachmittag: In Belgien ziemlich starkes Geschützfeuer im Gebiete von Boesinghe. Im Ab- schnitte von Arras und Agny lebhaftes Gewehrfeuer während der Nacht, welches gegenseitige heftige Artillerielagen hervorrief. Zwischen Somme und Oise aussetzende Beschießung der Gebiete von Armancourt und Loges. Artillerieaktionen nörd- lich des Chalonlagcrs, zwischen der Aisne und den Argonnen und in Lothringen in der Umgebung von Rechecourt,.Dousse und Leintrey. Unsere Flugzeuge bombardierten die feindlichen Lager in Middlekerke, sowie einen Eisenbahnzug zwischen Brügge und Thourout. Eine Gruppe von acht Flugzeugen bombardierte wirksam den Bahnhof von ConflanS auf der Linie Lcrdun— Metz. Paris, 23. September.(38. T. B.) Amtlicher B e- r i ch t v o n gestern abend. Dieselbe andauernde Artillerie- tätigkeit nördlich und südlich von Arras sowie zwischen Somme und Oise. Nördlich der Aisne heftiges Bombardement im Gebiet von Ville au Bois, wo wir den Feind zwangen, einen befestigten Posten zu räumen, welchen wir besetzten. In der Champagne gegenseitige Kanonade auf einer großen Zahl von Stellen. Eine feindliche Patrouille, welche versucht hatte, in unsere Linien einzudringen, wurde völlig vernichtet. Be- sonders starke Artillcrietätigkeit in den Argonnen, am West- rand im Gebiet von Haute Chevauches. Auf den Maas- höhen nordwestlich von Bouchet zerstörten unsere Batterien Schanzarbeiten und riefen eine Explosion in den feind- lichen Linien hervor. Gleichfalls heftige Kanonade im Apremontwald, auf der Lothringer Front, in den der Soldat inmitten der Mühen und Leiden im Felde dieses Segens froh wird: „Welch«ine Freude über die warme Mittagssonne, wenn man morgens vor Frost weder liegen noch stehen kann! Welch eine Freude bietet dem Soldaten nur ein Unterstand im Maulwurfs- loch, ein schützend Dach oder gar ein wärmend Lager! Wie groß ist die Freude schon an abwechselnder Kost. Die einfachen natür« lichen Freuden kommen wieder zu ihrem Rechte und die Dankbar- keit zu Galt auch für die kleinste Freude. Da soll der Krieg nichts Heilsames in sich haben? Kein Segen sein?" Dieser Krieg ist, wie Richard Fugmann weiter lehrt, entsprungen der„Urgewalt eines weisen göttlichen Erziehers." Das Volk lebce wider die Vernunft, vieliach entgegen den Gesetzen. Da griff die Vorsehung ein, um Reckt und Gesetz wieder zu Ehren zu bringen. Die fürchterliche Heimsuchung kam über daS Volk, aber„nur die Liebe Gottes ist der Grund einer solchen Heimsuchung, und der Segen des Krieges kann nicht ausbleiben, weil er ein Zuchtmittel Gottes ist". Und in noch etioaS offenbart sich die Wohllat dieses Krieges: „Der Krieg war auch einmal nötig, so frivol eS auch klingen mag. um unsere über vierzigjährige HeereSarbeit im Kriege zu erproben. Man kann sich auch in der Er- ziehung zum Wehrstand und zur Verteidigung des Vaterlandes aus Holzwege verlausen.... Klüger als zuvor wird man au» dem Kriege hervorgehen müsse». Der frühreifen Jugend war die Subordinalion zuwider und reizle die Mannschaflen, den Bor- gesetzten ein Schnippchen zu schlagen. Junge Leute, zu Tausenden durch Arbeiterorganisationen bearbeitet, hatten schon ihre be- stimmte politische Anschauung und übten Kritik an dem wider- willig ertragenen Dienst. Die einfache Kost behagte ihnen nicht. Man war verwöhnt, schüttete den Eßnapf aus. ES mutzie einmal anders kommen, eS war wiederum notwendig, in vieler Be- ziehung." Vor allem aber wird sich der Segen des Krieges darin offen- baren, daß er unS zu einem Großdeutschland verhilft. Und io sehen wir denn unseren Richard Fugmann„träumen vom W« l t r u h m e der Deutschen". Als„E d e l d e u t s ch e" sieht er uns berufen, die Well nach unserem Sinn und Willen zu forme». In reichlich kühnem Bilde versichert Fugmann, daß der unerschöpf- tiche Öuell echten deutschen Volkstum» der Welt den Stempel auf- drücken soll/und er entläßt uns mit den verheißungsvollen Worten: „Harte Edeldeutsche, mit natürlicher innerer Güte und Größe I Eine straffe Regierung, die sich die Tüchtigsten wählt. möge uns weiter beschieden sein. Militärverwaltung über Zivilverwaltung könnte unS auf Jahre noch nützen und die Einheit fördern. Wenn der Krieg Vater aller Dinge ist, so ist er für uns eine unvergleichlich e Wiedergeburt und von unbeschreiblichem Segen für unsere große Zukunft." Vogefen und in den Abschnitten der Meurthe und der Favo. Als Vergeltung für die Bombardements, welche- von den Deutschen gegen offene Städte und Zivil- bevölkmmgcii in Frankreich und England gerichtet wurden. bombardierte heute vormittag eine Flugzcuggruppc die Haupt- stadt Württembergs, Stuttgart. Etwa dreißig Granaten ivurden auf den Königspalaft und den Bahnhof geworfen. Unsere Flugzeuge wurden an verschiedenen Stellen ihres langen Weges beschossen, sie kehrten wohlbehalten in ihren Zuständigkeitshafen zurück.___ Der rustlsche Generalstabsbericht. Petersburg, 22. September.(W. T. B.) Bericht des Großen G c n e r a l st a b e s. Nordwestlich von Friedrich- st a d t machten wir bei der Besetzung des Dorfes Strygg in der Gegend von Birschallen Gefangene und erbeuteten zahl- reiche Waffen. Die hartnäckigen Kämpfe westlich von Düna- bürg, die an vielen Stellen sogar zu Bajonettkämpfen führten, dauern noch an. Auf einigen Abschnitten entivickelt die feindliche Artillerie heftiges Feuer. Bei dem Angriff unserer Truppen gegen das Torf Lcbedowo(westlich Molo- detschno) wurden die Deutschen durch einen kräftigen Bajonett- angriff zurückgeworfen. Wir besetzten das Dorf Lcbedowo. nahmen 1V Maschinengewehre, ein Geschütz, Geschosse sowie Gefangene. Nach hartnäckigem Widerstand lmirde auch durch Bajonettangriffe das Städtchen Smorgon gc- nommen, aus welcheni die Deutschen in Unordnung gegen die Uebergänge zurückflohen. Wir machten dabei vier Offi- ziere, 35(3 Mann zu Gefangenen und erbeuteten neun Ma- schineugewehre. 40 Fahrräder. Pferde und Fcrnsprcch- Material. Lest lich von Lida wurde in einem Kampfe in der Gegend des Bahnhofes von Gawia der Gegner, der den gleichnamigen F!nß überschritten hatte, auf das rechte Ufer zurückgeworfen. In der Gegend östlich des Oginsky- Kanals wurde der Feind aus dem Dorfe Retschki und aus der Gegend des Dorfes Lyscha zurückgedrängt. Wir machten Gefangen? und nahmen einige Maschinengewehre. Südlich des P r i p i c t und auf der ganzen übrigen Front nichts Wesentliches. Im Schwarzen Meere, bei dem Bosporus, hatten unsere Torpedoboote einen Geschützkampf mit dem Kreuzer „Göben"._ Meldung üer italienischen Heeresleitung. Rom, 22. September. kW. T- B.) Amtlicher Kriegs- b c r i ch t. Kühne, gut angelegte Unternehmungen des Ge- birgskrieges wurden von unseren Truppen in der Bergzone nordwestlich von Cortina d'Ampezzo ausgeführt in der Absicht. feindliche kleine Abteilungen zu verjagen, die sich durch die kleinen Täler des Tofanamassivs und der Cristallogruppe ein- geschlichen hatten und unsere Besetzung störten. Diese Unter- nehmungen nahmen im Gebiet des Cristallo, wo das rauhe zerrissene Gelände solvie eine verhältnismäßig große Zahl von Zngangsstraßen die Anlegung von Hinterhalten und einen hartnäckigen Widerstand des Gegners begünstigten, größeren Umfang an. Trotzdem wurden die feindlichen Abteilungen dank deni methodischen einheitlichen Vorgehen unserer kleinen Kolonnen nach und nach von der Höhe gegen die Täler von Felizon(Boite» und Seeland l.Rienz) hinausgetrieben. Im Becken von Flitsch nahmen wir wieder das Feuer gegen das Fort- Hermann auf. von dem nur noch die Kasematte steht' aus der noch einige Schüsse abgegeben werden. Im Gebiet von Görz eröffnete unsere Artillerie ein wirksames Feuer gegen die Bahnhöfe San Pietro und Borgs Carinzia. wo Truppen- bewegungen gemeldet wurden. Auf der ganzen übrigen Front ist die Lage unverändert. C a d o r n a. vom U- Dootkrieg. Kristiansand, 22. September/z Monaten die Jahresausgabe für die Flotte auf 146, für das Heer auf 600, die Vorschüsse an� das Ausland auf 200 Millionen Pfund Sterling. Die Kosten belaufen sich jetzt für die Flotte auf 190, für das Heer auf 715� für die Vorschüsse an das Ausland auf 423 Millionen Ptund Sterling. Nach bester Schätzung bclief sich der Betrag an uu letzten Eiatsjahr bis zum 31. März auf 450 000 Pfund, in den letzten Wochen vielleicht auf über 5 Millionen Psund«terling. Dramatische Szenen im Seniorenkonvent der Duma. Petersburg, 22. September.(W. T. B.)„Rjetsch- meldet: Die Schlußsitzung der Duma gestaltete sich zu einem höchst dramatischen Vorgang. Am Vormittag lonrde ein S e n i o r e n k o n v e n t der Duma abgehalten, in welchem der Sekretär der Duma nach einer scharfen Rede gegen die Regierung einen Krampfansall bekam. Bei der Verlesung des VerlagungSnkaies verließen die Sozialisten, die Mitglieder der Bauerngruppe und die Progressisten ostentativ den Saal mit dein Rufe:»Warten Sie, bis ivir hinaus sind. Dann lesen Sie weiter!' In Privatsitzungen nach dem offiziellen Schluß kam eine außerordentlich niedergedrückte Stimmung zum Ausdruck. Die Redner der Kadetienpartei Schingarcw und Roditschcw brachen bei ihren Reden in Weinkrämpse aus. Die Kadettenparlei beschloß, ihre Mitglieder nicht aus den Kommissionen herauszunehmen, bevor der Block gemeinsame Beschlüsse gefaßt habe. Der Sozialist T i ch e i d s e und der Bauernsührer Kerenski verließen die Sitzung mit der Erklärung, daß jetzt der Kampf ins Volk ge- tragen werden müsse. Alle Fraktionen b e« schlössen, i n P e t e r S b u r g versammelt z u bleiben. Duma unü /trbeiterklasie. Die Petersburger Telegraphenagentur der« breitet, wie wir dem„Berl. Tagebl.' entnehmen, folgendes:„Ilm die beunruhigenden Meldungen über di- Lage in Petersburg zu widerlegen, kann mitgeteilt werden, daß tatsächlich Arbeiter an verschiedenen Fabriken die Arbeit niedergelegt haben, um gegen die Dumavertagung zu pro- ' e st i e r e n. und daß ebenfalls das S t r a ß e n b a h n p e r s o n a I die Arbeit niedergelegt hat, wodurch der Straßenbahnverkehr unterbrochen wurde. Aus dem Ilmstand aber, daß die Ar« beiter keine Forderungen stelllen und sich in Erwartung der Wiedereröffnung der Duma ruhig verhielten, geht hervor. daß der Ausstand keine revolutionäre Tendenz halte, also ein bloßer P r o r e st der Arbeiterklasse war. die ihre n a t i o na le Vertretung bedroht steht. Tie Ruhe ist in den Arbeiterkreisen bald zurückgekehrt. Nur in M o f I a» fand der Ausstand größere Verbreitung. Auch dort aber haben die Arbeiter nicht dem Rus d»r«ufftacheler, sondern dem Ruf des Bürgermeisters Folge geleistet, der sie zur Ruhe und Wiederaufnahme der Arbeit für Heer und Flotte mahnte." Wer hätte es noch vor wenigen Wochen für möglich gehalten, daß die offiziöse russische Telegraphenagentur in einem solchen Tone von a u s st ä u d i g e n Arbeitern sprechen würde. Die Arbeiter hätten die Arbeit niedergelegt, weil sie„ihre nationale Vertretung bedroht" sahen. Der Ausstand habe aber keinen revolutionären Eharaltcr getragen, sondern bloß den Charakter eines Protestes der Arbeiterklasse. In dieser Würdigung des AnSstandeS äußert sich uuverkeimbar die A n g st der herrschenden Burenukratie vor der revolutionären Energie der Arbeiterklasse. Sic hat die Duma wegen ihrer Machtbegehrlikbleit nach Hause geschickt. Nun sieht sie. daß selbst ihr Attentat aus die u n demolratische Duma regen Wicderhall bei der Vortruppe der Temolratie, der Arbeiter- klaffe, gefunden hat. Dieser Widerhall kann die Stellung des oppo- silionellen Blocks cnorin verüärlcn. wenn seine Wortführer nicht aus liberaler Angst vor dem Volke sich in die Arme der Biireaukralie stürzen und einen billigen Frieden mit ihr schließen. keine Verhaftung von Duma- �bgeorüneten? Die Petersburger Telegraphenagentilr dementiert m kategorischer �orm die Nachricht, derzufolge der Zar den Armccoberbefehl an General Rutzki übergeben haben soll und bezeichnet sie als eine Erfindung. Weitere, wohl ebenfalls aus Stockholm stammende Telegramme von Berliner Blättern melden die N e r h a f t n n g b o n 17 Duma-Mitglicdcrn und die I n t e r n i e r u n g von acht dieser Mitglieder in der Peter- und Panls-Feswng. Sämtliche Duma-Mitglieder sind auf freiem Futze. Streik rujsischer Munitionsarbeiter. Petersburg, 22. September. jW. T. B.s Eine Bekanntmachung des Kommandanten des Peterburger Militärbezirkes vom 15. Sep- tember stellt fest, daß wiederum Streikbeiveguugen unter den Munitionsarbeitern ausgebrochen sind und daß die Arbeiter sogar auf den Straßen D e m o n st r a t i o n s v e r s a m m l u n g e n ab- gehalten haben und über Fragen verhandelten, die die Arbeiter gar nichts angingen. Dadurch erleide die Armee einen Ausfall an Munition. General Rnßki habe dies bereits als Vaterlands- verrat bezeichnet, was der Kommandeur unterstreichen müsse. Wenn auch schmerzliche Geschehnisse vorlägen, so sei deshalb doch keinerlei Anlaß, gleichzeitig im Innern einen Aufruhr zu stiften. Der Korn- mandeur rät den Arbeitern an, zu arbeiten und nicht über ihren Wirkungskreis hinauszugehen. kartoffelhö'chftpreise ins. Radf.-Komp. des 1. Armeekorps), 46, 56, 51, 56, 57, 58, 59, 61, 63, 65, 66, 67, 69. 75, 77. 78, 86. 81, 85, 86, 87, 88 ls. Jnf.-Reg. Nr. 59), 96, 91, 92, 94, 95, 128, 129(s. auch Ref.- Fest.-Maschinengcw.-Abt. Nr. 2), 141, 143 bis einschl. 148, 156, 151, 152, 157 bis einschl. 162, 164 bis einschl. 169, 172, 173, 176, 188, 336, 332, 335, 344, 353, 359 bis einschl. 363, 368, 369, 376, 371, 374, 375. Res.-Jns.-Regimenter Nr. 1, 5, 7, 11, 18, 26. 24, 26, 27, 32, 51, 66, 61, 65, 76, 72, 76, 77, 86, 81, 83, 84, 87, 88, 92, 93, 94, 130, 204, 205, 207, 227, 231, 234, 235, 236, 250, 254, 256, 260, 262, 269(s. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 276), 276. Ers.-Jnf.-Reg. Gropp (s. Jnf.-Reg. Nr. 344). Nes.-Ers.-Jns.-Reg. Nr. 1. Landw.-Jnf.- Regimenter Nr. 8, 16, 12(s. Landw.-Jns.-Reg. Tietz), 18, 21, 25. 31, 33, 34, 49. 61, 66, 68, 84, 85, 87 und Reg. Tietz. Landst.-Jnf.- Reg. Nr. 9. Ueberplanmäßig. Landw.-Jnf.-Bat. Nr. 4 des 4. Armee- korps. Landst.-Jnf.-Bataillone: Altdamm, Briesen, II Cöln, Col- mar, Guben, I und ll Königsberg. Landst.-Jnf.-Ers.-Bataillone: Nr. 8 des 6. Armeekorps(Freiburg i. Schl.>, ll Limburg. Landst.- Jnf.-Ausbild.-Bat. Münster. Jäger-Reg. Nr. 2; Bat. Nr. 16(siehe Jäg.-Reg. Nr. 2); Ref.-Bataillone Nr. 1, 3, 4, 26, 21; Ers.-Bar. Nr. 11 Radf.-Komp. Nr. 86, sowie Radf.-Kompagnien des 1. Armee. korps und Müller des Gouvernements Libau; Res.-Komp. Nr. 36; Radf.-Abtl. Königsberg Nr. 72. Feld-Maschinengewehr-Zug Nr. 226 (s. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 231); 1. Ersatz-Maschinengewehr-Komp. des 2. Armeekorps; Festungs-Maschinengewehr-Abtl. Nr. 4 Posen; Res.-Festungs-Maschinengewehr-Abtl. Nr. 2; Festungs-Maschinen- gewehr-Trupp Nr. 18(s. Landw.-Jns.-Reg. Nr. 68). Kavallerie: Reg. der Garde du Corps; 1. Garde-Trag.; 1. Garde-Ulanen; Kürassiere Nr. 6; Schwere Res.-Reiter Nr. 3; Drag. Nr. 2, 13, 26; Husaren Nr. 9; Res.-Husaren Nr. 5; Ulanen Nr. 5, 6, 7, 16, 11; Lairdw.-Reg. Nr. 96; Res.-Abteilungen Nr. 43 und 47. Feldartillerie: 5. Garde-Reg.; Regimenter Nr. 5, 8, 11, 15, 17, 18. 23, 25, 34, 37, 38, 41, 42, 45, 47, 55, 56(s. Feldart.-Reg. Nr. 17t, 168, 261; Res.-Regimenter Nr. 6, 9, 15, 16, 17, 43, 44, 56; Abtl. Nr. 263; Landw.-Abtl. des 9. Armeekorps; 1. Laudw.- Batterie des 26. Armeekorps. Ballonabmebr-Kanonen-Zug Nr. 19. Fußartillerie Regimenter Nr. 3, 9, 18(s. Feldart.-Reg. Nr. 18); Res.-Regimenter Nr. 4, 5, 8; Landw.-Bat. Nr. 2; Batterien Nr. 265 und 355. Schwere 12 Zentim.-Batterie Nr. 325. Pioniere: I. Garde-Bat.; Regimenter Nr. 23, 31; Bataillone: l. Nr. 5, I. Nr. 6. I. Nr. 9, II. Nr. 11, II. Nr. 14, I. Nr. 16; Kompagnien Nr. 269 und 363; Res.-Koinpagnien Nr. 46, 47, 76, 85; 1. Landw.-Komp, des Gavdekorps, 1. des 9. und 1. des 14. Armeekorps; Landst.-Park-Komp. Nr. 2; Abt. der 5. Kav.-Division. Scheinwerferzug Nr. 1 des Gardekorps; Leichter Scheinwerferzug Nr. 213; Feld-Scheinwerferzug Nr. 229; Res.-Scheinwerferzug Nr. 42. Leichte Minenwerfer-Abtl. Nr. 256; Mittlere Minenwerfer- Abtlungen Nr. 114, 184, 195; Schwere Minenwerser-Abteilungen Nr. 8, 42 und 48. Verkehrstruppen: Linien-Kommandantur Lodz. Eisenbahn- ban-Komp. Nr. 18. Avmee-Fernsprech-Abtl. Nr. 17; Fernsprech- Abtl. des 21. Armeekorps. Feldsliegertruppe. Etappen-Kraftwagenkolonne Nr. 28 der 2. Armee. Train: Korps-Brückentrain Nr. 18; Fuhrparkkolonne Nr. 2 der 56. Jns.-Div. und Nr. 45. Etappen-Fahrparkkolonne Nr. 36 der 163. Jns.-Div. Feldbäckereikolonne Nr. 119. Munitionskolonnen: Artillerie-Munitionskolonne Nr. 5 des 16. Armeekorps; Res.-Artillerie-Munitionskolonne Nr. 164; Fuß- artillerie-Munitionskolonne der Landw.-Div. Königsbera. Landwehr-Sanitäts-Kompagnie Nr. 27. Armierungsbataillone. Die Verlustliste Nr. 56 der Kaiserlichen Marine wird veröffentlicht. Die sächsische Verlustliste Nr. 197 bringt Verluste des Ins.- Reg. Nr. 162; Res.-Jns.-Regimenter Nr. 166, 162, 163, 166, 243, 244; Landw.-Jns.-Regimenter Nr. 166, 161; Weitere Verluste. Die württembergische Verlustliste Nr. 276 enhält Ver- luste des Jnf.-Reg. Nr. 121; Res.-Jnf.-Reg. Nr. 121; Füsilier-Reg. Nr. 122; Grenadier-Reg. Nr. 123; Jnf.-Rog. Nr. 125, 127, 186. WettcrauSstchten für das mittlere Rorddeutschland biS Sonvabendmittag. Ein wenig wärmer, zunäch't vorwiegend heiter und trocken; später im Westen langsame Zunahme der Bewölkung. Soweit Vorrat Sillige Lebensmittel Soweit Vorrat Kolonialwaren Kartoftslrnekl....... Pkund 30 pi. Gerstengrütze....... pjund 55 Pf Große Graupen...... ptund 55 Pf. Grilnkorn neue Ernte____ Pfund 75 Pf. Grünkorngrieß neue Emie, Pfd. 80 Pf. Grünkornflocken neue Ernte, Pfd. 80 Pf. Grünkornmehl neue Emte, Pfd. 80 Pk. Perl-Sago......... Pfund 60 Pk. Kartoffelgraupen..... Pfund 60 Pf. Suppen nach böhmischer Art besonders k. Ea�arelte u. Pensionen geeignet Spargel, Hühner, Jäger, Rindfleisch, Ochsen-Nieren, Leber, Schoten mit« nn Kalbfleisch, Schinken.... Pfund 1•ZU Wurstwaren Zervelatwurst....... Pfund 2.50 Plockwurst......... Pfund 2.30 Teewurst.......... Pfund 2.70 Berliner Mettwurst... Pfund 2 m. MaUSSChinken 2—3 Pfund, Pfund 2.80 Gek. Schinken 2.50 Jagdwurst.......... Pfund 2.10 Landleberwurst...... Pfund 1.70 Rotwurst....... Pfund 1.30 1.90 Frisches Fleisch Schmorfleisch Pfd. 1.15 Kno«nhenl'30 Roastbeef Pfd. 1.10 ohneKnochen 1.50 Rinder-Querrippe..... Pfund 1 m. Kaßler-Rippespeer E"kJ.tflck""nd 1.50 Mittelstück Pfd. 1.70 im Ganzen Pfd. 1.60 Pökelkamm......... Pfund 1.70 Pökelrinderzunge..... Pfund 1.15 Fische Schellfisch pm. 48 Plötzen �d 40pt Grüne Heringe..... Mandel 85 Pk. Lebeode Lausitzer Karpfen pid 1.10a 1.20 Lebende Hechte..... Pfund 1.40 Lebende Schleie.... Pfund 1.45 Lebende Aale. Pfund 1.10 bis 1.50 Klippfisch.......... Pfund 58 pr. Salzfische...... Pfund 35 bis 45 Pf. Geflügel Gänse............. pim>a 1.35 u. 1.45 Enten............. pw-a 1.70 u 1.90 Junge Hühner..... piund 1.80 u. 2 m Suppenhühner...... pw->z 1.70 u. 1.90 Obst und Gemüse Brüsseler Veintrauhen Pfund 65 Pf. Kaiserkronen........ Pfund 18 Pk. Butterbirnen........ Pfund 13 Pf, Gravensteiner Aepfel.. Pfund 25 Pf Eßäpfel............ Pfund 13 Pf. Kochbirnen....... 3 Pfund 25 Pf. Blumenkohl...... Kopf 18 20 Pf. Gurken pid 8pf. Radieschen Bund 10 Pf. Sellerie-Knolle........ 18 20 Pf. Zwiebeln......... 2 Pfund 25 Pf. Butter und Käse Tisch- u.Tafelhutter pid 2.14u 2.18 Va-Pfund Paket........ 1.07 u 1.09 Landbutter.......... Pfund 1.80 Pflaumenmus........ Pfund 52 Pf. Harzer Käse Khte, 100 steck 3.10 Räucherwaren Kieler Schleibückilnge... swck 10 pl Sprottbücklinge.......... 95 p,. Lachsbücklinge.......... s«<* 15 pi. Geräucherte Aale....... tmiSSn Brat-Schellfische..... 4 uter o«-« 2.90 �;tvk iele VßtKß� Landleberwurst....... Dose 2.30 Halberstädter Würstchen Dose 1.35 Würstchen mit Sauerkohl Dose 1.25 Kraftfleisch.......... Dose 1.60 Zunge............ Dose 2.25 Gekochter Schinken lB Schei{£Bse 1.50 Gewürfeltir Schinken 1.25 Bratwurst........... Dose 1.60 Ochsenmanlsaiat, Fleischsalat, Sülze do« 85 Pf. Feldpostbriefe mit Wurstwaren in verschiedenen Preislagen Teepunsch-Extrakt MhÄ 70 Pf. Haushalt-Artikel Sonder-Preisc Freitag u. Sonnabend Oranienburger Kernseife 55 Pf. Seifenpulver„Olympia"» Pakete 50 pf. 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Basma......... stück 1.50 iooosl 13.50 Pasdia......>00 stock 2 m. iooo stock 18 m. Osymandros ioo stock 2.85 iooo stock 27 m. Ißeranto. Redakt.: Alired Wielepp. Neukölln. Inseratenteil verantw. TH. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanftall Paul Singeräc Co., Berlin SW. Hierzu 1 Beilage u, UnterhaltungSbl. », m K»,., ßtilagt des Jütmilits" f ttliutt DsIdsdlM**,.«■>***«*■ fin unsere Postabonnenten! Unsere Postabonnenten machen wir darauf aufmerksam, daü das Abonnement auf den„Vorwärts" in den nächsten Tagen erneuert werden muß. Unsere Abonnenten wollen dir Erneuerung baldigst vornehmen, damit in der Zustellung der Zeitung keine Unterbrechung eintritt. Ter„Vorwärts" erscheint täglich und kostet pro Monat 1,10 Mark und ist bei der zuständigen Postanstalt zu be- stellen. Beim AusbleibenoderbeiverspäteterLie- fcrung einer Nummer wollen sich die Postbezieher stcts nur an den Briefträger oder die zu- st ä n d i g e B e st c l l- P o st a n st a I t wenden. Erst wenn Nachlieferung und Aufklärung nicht in angemefiener Frist er- folgen, wende man sich unter Angabe der bereits unter- nommcnen schritte an unseren Verlag. Jelöpost-Mbonnements. Wir weifen unsere Leser darauf hin, daß unsere sa m tlichenFilialspcditionenwiedie Haupt- c x p e d i t i o n Feldpost-Abonnements auf de«„Vorwärts" zum Preise von 1,10 Mark monatlich entgegennehmen. Tie Zeitung wird den im Felde Stehenden von unserer Hauptexpeditio» als Feldpostbrief täglich nach- gesandt. Bei Bestellung des Abonnements ist genau anzngeben, welchem Armeekorps, Tivision, Brigade, Regiment, Bataillon, Kompagnie usw. der Empfänger angehört. Die britischen Gewerkschafter unö der Krieg. Von Ed. Bernstein. Ter AUgemcine Kongreß der britischen Gewerkschaften, der in der Woche vom 6. bis 11. September in Bristol tagte, stand völlig unter dem Eindruck und Einfluß des gegenwärtigen Weltkrieges und seiner für die Arbeiterklasse in Betracht kommenden Fragen. Was er neben den letzteren noch verhandelt hat, ist nicht von solcher Natur, das Ausland sonderlich zu interessieren. Es handelt sich da zunächst um die Erneuerung von Beschlüssen, die zwar mancher vedcutungsvollen Forderung Ausdruck geben, aber in bezug auf sie nur früher Gesagtes bekräftigen, ohne neue Gedanken von größerem Interesse hinzuzufügen. Für die nichtenglische Welt sind von weseiulichem Interesse nur die Stellungnahme dieses Paria- mcnls der englischen Arbeiterklasse zum Weltkrieg selbst, zum Militarismus im allgemeinen und zur Frage der Zwangsaus- bebung für den Kriegsdienst und die KriegSansorderungen im be- sonderen. Tic Beschlüsse, die der von über 600 Delegierten besuchte Kongreß in bezug auf diese Punkte gefaßt hat, sind bekannt unb in der sozialistischen Presse des In- und Auslandes lebhaft kommen- tiert worden. Dabei ist die bemerkenswerte Erscheinung zutage getreten, daß nicht nur Organe der äußersten sozialistischen Lin- ken, wie die„Berner Tagwacht", von der das begreiflich genug ist. sie als Auswüchse oder Siege des reinsten Chauvinismus be- zeichneten, sondern daß auch in Organen der äußersten Rechten der Sozialdemokratie, wie z. B. daS„Hamburger Echo", Leuten, bei denen doch Kundgebungen für das Recht des eigenen Landes zum Krieg auf verwandte Empfindungen stoßen müßten, in glei- wem Liebte hingestellt wurden. Aber in dem einen wie im andern Falle liegt der gleicbe Mangel an Maß im Urteil vor. Taß auf dem Kongreß in Bristol auch chauvinistische Aeuße- rungen gefallen sind, soll weder bestritten noch beschönigt werden. Die Allgemeinen britischen Gewerkschaftskongresse umfassen alle Flügel der britischen Gewerkschaftsbewegung, also Leute, die man bei uns in den rechts von den freien Gewerkschaften stehenden Gcwerkvcreinen verschiedener Art findet, und darum kann man die Allgemeinen englischen Trade Unions-Kongresse nicht am Maß- s>ab unserer allgemeinen Kongresse der freien Gewerkschaften ab- schätzen. Es hat auf den ersteren immer Leute gegeben, die gerade in Fragen der Auslandspolitik zu den Konservativen hielten. Und wenn ihre Reihen heute durch Leute verstärkt sind, die man sonst ans der Linken das große Wort führen hörte, so ist das heute ultra- radikal, morgen ullranational leider keine aus ein einzelues Land beschränkle Erscheinung. Es geht aber nicht an, die teils einstimmig, teils fast ein- stimmig gefaßten Beschlüsse des Bristolcr Kongresses auf den Ein- fluß solcher Elemente zurückzuführen. Ter Kongreß hatte unter seinen Teilnehmern eine große Zahl von Persönlichkeiten, die man als charaktervolle Vertreter der schönsten Ueberlieferungen der englischen Arbeiterbewegung kennt, und die bei den der- schiedensten Gelegenheiten gezeigt haben, daß sie den tönenden Schlngworten und bestechenden Argumenten jeder Art von Chauvi- nismus unzugänglich sind. Wer über den Eingebungen des Tages den Blick nicht verlieren will für die großen Zusammenhänge der 'Arbeiterbewegung, die aus den Verwüstungen des Krieges heraus- zuretten jedes Sozialdemokraten Bestreben sein mutz, hat sich nicht lange bei den von jeher als rückständig bekannten Elementen der Bewegung oder den Sensationshaschern vom Schlage eines Ben Tillet aufzuhalten, sondern seine größte Aufmerksamkeit den Vertretern des Sozialismus zuzuwenden, die seit Jahren die bri- tischen Gewerkschaftskongresse zu sozialistischer Politik voranführen und sich zu fragen, wie es kommt, daß diese Leute, daß neben einem Serton ein Clynes, ein R. Smilli«, ein W. Thorne und Gleichgesinnte diesmal taten, was sie nie zuvor getan, nämlich zu- gunsten eines von England geführten Krieges sprachen oder stimmten. Ucberhaupt ist es das erstemal gewesen, daß ein engliscker Geivcrksckaslskongreß eine Resolution zugunsten eines Krieges be- schlössen hat. Wieviele Feblcr die englische Gewerkscbaftsbewegung auch hat, wie rückständig in gewerbepolitischer Hinsicht das Ver- lwlten eines Teils der Trade Unions auch noch ist, so bat die Bewegung doch gerade in den Fragen der äußeren Politik ihres Landes sich bisher merkwürdig taktfest gezeigt und eine glänzende Vergangenheit aufzuweisen. Um nicht weiter zurückzugreifen, sei nur an die von Marx in der Jnauguraladresse"der Internationale als einen politischen Sieg der englischen Arbeiterklasse geschilderte rühmenswerte Haltung der englischen Gewerkschaften beim nordamerikanischen Bürgerkrieg erinnert, wo die gewerkschaft- lich organisierten Textilarbeiter Lancashires entgegen ihrem da- maligen wirtschaftlichen Interesse und im Widerspruch mit dem Geschrei fast der ganzen von der Bourgeoisie beherrschten Presse Englands entschieden für die Nordstaaten der Union gegen die Eng- land seine Rohbaumwolle liefernden Südstaaten ihren Mann stell- tmi Die Internationale selbst wurde auf einer Demonstration englischer Arbeiter zugunsten einer demokratischen auswärtigen Politik Englands in der Polenfrage ins Leben gerufen. In neuerer Zeit sehen wir beim Burenkrieg die namhaftesten Fübrer der englischen Gewerkschaften sehr entschieden gegen diesen Krieg Stellung nehmen, obwohl bei ihm nicht alles Recht auf feiten der Buren und nicht alles Unrecht auf feiten Englands stand. Und I. Chamberlains Feldzug für den zollpolitischen Im- perialismus, so sehr dessen Programm gerade den Jndustriarbeitern Englands nrundgerecht gemacht worden war, woran ist er vor jetzt zehn Jahren gescheitert? In erster Linie am Nein der organisierten englischen Arbeiterschaft. An Tatsachen dieser Art muß man sich erinnern, wenn man die jetzigen Beschlüsse des englischen Gewerkschaftskongresses richtig einschätzen will. Einzelne Gewerkschaften mögen sich auf ihrem Berufsfelde engherzig benommen haben, aber jedesmal, wenn die organisierte Arbeiterschaft Englands als Ganzes zu einer bcdeut- samen Frage der Zeit Stellung zu nehmen hatte, dann hat sie dies auch im Geist der großen Gedanken der Arbeiterbewegung unserer Zeit getan, dann sind die Beengtheiten und Beschränktheiten ein- zelner Gewerbe zurückgedrängt worden von den großen allgemeinen Strebungen der modernen Arbeiterschaft, sind Zünstelei und Kasten- geist erdrückt worden vom Klassenbewußtsein des sich als Einheit fühlenden Proletariats. Es ist keine Wiederholung früherer Stellungnahme, sondern ein Abweichen von der bisherigen Praxis, eine Neuerung, wenn der Kongreß von Bristol einer Resolution zustimmte, die einen Krieg Englands für gerechtfertigt erklärte. Will man einen ähn- lichen Vorgang auS der Gcsckichte der englischen Arbeiterbewegung haben, dann mutz man zurückgreifen auf die Zeit deS Krimkrieges, zu dessen Gunsten allerdings auch Avbeiterdemonstrationen in England stattgefunden haben. Aber diese Demonstrationen gingen nicht von den Gewerkschaften aus, sondern wurden betrieben und organisiert von den Chartisten unter der Führung von Ernest Jones. Sie sollten dazu beitragen, der erlöschenden Chartistcnbewcgung neues Leben einzuflößen. Es ist ihnen das nicht gelungen, sie hatten nur Augenblickserfolg, den sie obendrein dem Umstand ver- dankten, daß der Krimkrieg gegen Rußland ging, damals die Vor- macht der Reaktion in Europa. Es ist gewiß ein vom deutschen Standpunkt aus betrübender Umstand, daß der Beschlutz des Kongresses von Bristol � in der Kriegsfrage auf englischem Boden sein einziges Analogon in jener chartistischen Demonstration von 18o6/1857 findet, daß, was vor 60 Jahren in den Augen sozialistischer englischer Arbeiter das offizielle Rutzland war, heute in den Augen von deren Söhnen oder Enkeln das offizielle Deutschland ist.. Aber es ist unserer wenig würdig und schlüge den besten Ueberlieferungen det deutschen Sozialdemokratie ins Gesicht, wollten wir uns über den Ernst dieser Erscheinung— rund 600 Delegierte gegen 7 stimmten der Kriegsresokution zu— mit klotzen Schlagworten abfinden. Wogegen die Resolution sich grundsätzlich wendet, ist etwas, was die deutsche Sozialdemokratie seit ihrem Bestehen bekämpft, wogegen sie von Jahr zu Jahr schärfer Stellung genommen hat, nämlich der Militarismus/ Das ist nun gewitz ein vieldeutiger Begriff, und man könnte folgern, dah. Weil in der Resolution Matznabmen von Deutschlands und Oesterreichs Militärbehörden angegriffen wenden, sie auch nur den Militarismus in Deutschland und Oesterreich als verwerflich erscheinen lassen wolle. Diese Folgerung wurde aber nur möglich iiifolge der ungenauen Ueber- setzung der Resolution in den der deutschen Presse zugegangenen Berichten. Laut diesen Berichten hätte der Kongretz schlechthin den Militarismus als eine„Gefahr für den Fortschritt der Menschheit" hingestellt. Im englischen Wortlaut heitzt es jedoch: „sl! systerns ol militarism"— alle Systeme des Militarismus, und dieser offenbar absichtlich gewählte Ausdruck schlietzt jene Folgerung aus. Das Urteil, über dessen sachliche Richtigkeit oder Unrichtigkeit wir uns hier nicht zu verbreiten haben, soll den Militarismus keines Landes und keiner Gattung un- geschont lassen. Datz es ernst gemeint ist, zeigt die einmütig angenommene Re- solution des Kongresses gegen die Agitation auf Einführung des Zwangs zum Militärdienst. Unter militärtechni schein Gesichtspunkt mag es widerspruchsvoll erscheinen, den Krieg, den die Regierung fübrt, für gerechtfertigt und bis zum siegreichen Ende notwendig zu erklären, und dann dieser Regierung dasjenige gesetzliche Macht- mittel zu versagen, das die Ausbringung der erforderlichen Kon- tingente mit dem geringsten Zeit- und Kostenaufwand und bei wahrscheinlich doch zweckmäßigster Auslese zu ermöglichen verspricht. Aber unter dem Gesichtspunkt der vorerwähnten Resolution ist es folgerichtig gehandelt. Ihr liegt die Befürchtung zugrunde, datz, wenn einmal der gesetzliche Militärzwang erst da ist, er auch leicht zur dauernden Einrichtung werden kann, sowie die Auffassung, datz Allgemeinheit der Dienstpflicht der erste Schritt zur Militarisierung der Nation sein würde. Auch hierüber sind selbst unter Sozialisten Meinungsverschiedenheiten denkbar, da Ausbildung zur Wehrhaftig- keit noch nicht notwendigerweise Erfüllung mit militaristischem Geist zu bedeuten braucht. Aber mit der Auffassung der Engländer von Freiheit und Demokratie wäre es in der Tat schwer vereinbar. Die Kehrseite davon ist der Umstand, datz, sobald man den ge- gebenen Krieg für notwendig geworden erklärt, man wohl oder übel genötigt ist, die Werbearbeit der Regierung für diesen Krieg zu unterstützen. Der Kongretz hat nicht nur alles gutgeheißen, was von Führern der getverkschaftlichen Arbeiterpartei in dieser Hinsicht schon geschehen ist, er hat sich auch für Fortsetzung und etwaige Er- Weiterung dieser Tätigkeit ausgesprochen und die Ansprache des Ministers Lloyd George entgegengenommen, diezwarunmittel- bar die Förderung der Waffen- und Munitionsfabriken im Auge hatte, aber der Sache nach die ganze Werbung für die Zwecke des Krieges umfaßte, wie denn Lloyd George als Verfechter der Idee des Militärzwanges bekannt ist. Seine Rede war mit ihrem Hin- weis auf die deutsche» Arbeiter als die wahren Urheber der großen Siege der deutschen Heere ein Meisterstück agitatorischer Demagogie und scheint in Sachen der Munitionsftage ihren Zweck ziemlich erfüllt zu haben. Gegen die Absicht des Ministers verriet sie aber auch, daß bei dem jetzigen System in England heute kein Krieg möglich ist, der nicht die volle Unterstützung der organisierten Arbeiter für sich hat. Sie bedeutete einen Bittgang der Regierung bei den Arbeitern, offenbarte diesen ihre ungeheure politische Macht in der Frage von Krieg und Frieden.., Ms der Partei. Kundgebung der Wiener Genossinnen für Klara Zetkin. Die„Wiener Arbeiterzeitung" veröffentlicht eine Notiz unter der Ueberschrift:„Kundgebung für Klara Zetkin." Aus der Notiz geht hervor, daß die Vertrauenspersonen der sozialistischen Frauen Wiens versammelt gewesen sind und bei dieser Gelegenheit auch der Genossin Klara Zetkin gedacht haben. Die Resolution, von der cS am Schluß heißt, daß sie mit lebhafter Zustimmung angenommen worden ist, wird durch einen weißen Fleck dargestellt; die Zensur hat die Resvlution gestrichen. Ms Znöustrie unü Handel. Viehpreise im Großhandel im ersten Vierteljahr 1915. In den soeben erschienenen„Vierteljahrsheften zur Statistik des Deutschen Reichs" findet sich eine vergleichende Uebersicht über die Gestaltung der Viehpreise in zehn deutschen Städten im ersten Viertel- jähr 1011 bis IS 15. Wir entnehmen ihr die Angaben für Berlin. als den wichtigsten deutschen Marktort. Es kostete demnach der Doppelzentner Lebendgewicht im ersten Vierteljahr ... 1911 191t 1915 M. M. M. Ochsen, dollfleischige.... 90.8 102,0 112,4 mäßig genährte,. 73,0 83,0 88,3 Kühe, vollfleischige.... 78,3 87,6 96,9 „ mäßig genährte... 58,5 70,7 73,9 Schweine 1....... 91,3 99,6 157,5 Kälber I........ 122,2 139,2 1 31,2 Hammel I....... 79,4 94,1 110,6 Die Preissteigerung war danach am bedeutendsten_ bei den Schweinen, wo sie nahezu 60 Proz. betrug. Das Rindvieh stand nur um etwa 10 Proz. über den Preisen des Vorjahres, Hammel um 16 Proz., während für Kälber sogar ein um 8 Proz. niedrigerer Preis notiert wurde. Von dieser relativ günstigen Gestaltung der Rinder- und Kälberpreise hat man freilich im Detailhandel nicht viel zu spüren bekommen, wo auch für diese Fleischsorten im Frühjahre Preise von unerhörter Höhe gefordert wurden. Anfhebung des englischen Wollausfuhrverbote». Die„Morning Post" vom 17. September berichtet: Die Kriegs-Handelsabteilung kam zum Beschluß, daß ungefähr 125 000 Ballen Croßbred- und andere Wolle für die Ausfuhr ver- fügbar bleiben. Die Abteilung macht daher bekannt, daß sie bereit ist, Ausfuhrerlaubnisgesuche für angemessene Mengen nach ge- nehmigten Bestimmungsorten in Erwägung zu ziehen. Hierzu ichreibt ein Mitarbeiter, daß dieser Entschluß vom Handel willkommen geheißen würde. Unter genehmigten Be- stimmungs orten versteht man die Länder der Verbündeten und die Vereinigten Staaten. Die auszuführende Menge ist größer, als man erwartete. Die für die jetzige Auktion von Kolonialwolle fest- gelegte Wollmenge beträgt ungefähr 200 000 Ballen. Für die nächste Serie trafen bis zum 8. September 70 000 Ballen ein. Die „unsichtbaren Vorräte"(Wolle, die von den Kolonien direkt in die Fabrikzentren gesandt wird) sind sehr beträchtlich. Die Wollschur in England wird aus 400 000 Kolonialballen geschätzt. Die Auktion der Wolle der neuen Saison hat in Australien begonnen, und diese Wolle wird bald in England eintreffen. Die Aufhebung des Aus- suhrverbotes auf koloniale Croßbred- und englische Wollsorten wird die Stauung in den Londoner Docks und Lagerhäusern beheben, dem Markte eine sehr nötige Anregung geben, und etwas dazu bei- tragen, eine» Teil des englischen Ausfuhrhandels ans den Stand vor dem Kriege zurückbringen. Soziales. Haben Verwundete Anspruch auf Krankengeld? Nach ß 214 der Neichsversicherungsordnung behalten Versicherte, die in den voraufgegangenen 12 Monaten mindestens 26 Wochen oder unmittelbar vorher mindestens 6 Wochen versichert waren und wegen Erwerbslosigkeit aus der Krankenkasse ausscheiden, den?lii- spruch auf die Regelleistungen der Kasse, wenn der Versicherungsfall während der Erwerbslosigkeit und binnen 3 Wochen nach dem Aus- scheiden eintritt. Der Anspruch fällt jedoch weg, wenn der Erwerbs- lose sich im Auslände aufhält und die Satzung nichts anderes bestimmt. Es tritt nun die Frage auf: Hat danach der aus der Versiche- rung ausgeschiedene Kriegsteilnehmer Anspruch aus der Krankenversichcrung, wenn er innerhalb 3 Wochen nach seinem Aus- scheiden aus der Kasse verwundet wurde? Diese Frage ist zu bejahen, falls der Kriegsteilnehmer im I n l a n d e verwundet wurde. und ist auch. wie wir seinerzeit mitteilten. in diesem Sinne zuerst in Karlsruhe und später vom Reichsversicherungs- amt entschieden. Zum mindesten zweifelhast aber ist die Möglichkeit einer Bejahung, wenn es sich um im Ausland Verwundete handelt. Das Öberversicherungsamt Dresden hat diese Frage im Gegensatz zur Vorinstanz jetzt verneint, weil es gegen das Gesetz verstößt, das von deutschen Truppen besetzte Ausland als Inland in versicherungstechnischem Sinne anzusprechen. In den nächsten Tagen wird das Reichsversicherungs- a in t die Frage ans Anlaß eines Mecklenburger Falls zu entscheiden haben._ Eine Tchlächtcrmamsell ist eine Haudlungsgehilfin. Bäckcrmamsells, Schlächtermamsells und ähnliche Ver- käuferinnen sind Handlungsgehilfen, wie wir gegenüber einer irrigen hin und wieder auftauchenden Anschauung an Kauf- mannsgerichten dargelegt haben. Ihnen steht also auch eine scchswöchentliche, mindestens eine monatliche Kündigungsfrist zu. So entschied in ihrer letzten Sitzung auch die Kammer I des hiesigen Kaufmannsgerichts. Der beklagte Schlächtermeister Robert Sprotte wollte das Kauf- mannsgericht als zuständige Instanz nicht gelten lassen. Nach seiner Ansicht sei die klägerische Mamsell Alma K. gewerbliche An- gestellte, die Klage gegen ihn als Jnuungsmitglied gehöre mithin vor das JnnungSschiedsgericht. Die Klägerin hingegen, die tatsäch- lich als„Verkäuferin" engagiert wurde, betrachtete sich als kauf- mämüsche Angestellte. Als solche habe sie, wie sie ausführt, auch nicht nötig gehabt, die rein gewerbliche Art des Scheuerns des Ladens auszufübren. Wegen dieser Weigerung wurde ihr schließlich die so- fortige Entlassung zuteil. Das Kaufmannsgericht verurteilte den Beklagten antragsgemäß zur Zahlung von 50 Marl Rest- geholt. Die Zuständigkeit des KauimannSgerichtS sei, so heißt es in der Begründung, zu bejahen. Als Verkäuferin sei sie. gleichviel ob sie Fleisch oder andere Ware verkaufe, Handluugsgehilfin. Komme man aber zu diesem Ergebnis, so konnte in der Verweigerung deS Scheuerns des Ladens noch kein Grund zur sofortigen Entlassung gefunden werden. Gegen ähnliche Fälle könne der Arbeitgeber sich nur durch ver- tragliche Festsetzung all der Arbeiten sichern, die er von seiner Ver- käuserill verlange. Mne««anfsindbare Zwischenuntcrilehmerin. Wie Militärarbeiten von Personen, die ohne selbst zu arbeiten, gute Geschäfte machen wollen, von einer Hand in die andere weitergegeben ivcrden, zeigte wieder eine vor der Kammer 2 des Gewerbcgerichts verhandelte Klage. Die Firma S ch l o g m a n n(Inhaber Kühn) hatte Militärsattlerarbeiien an eine F r a» rt ä t c S ch ni i d r vergeben. Käte Schmidt hatte aber nicht die Absicht, die Arbeuen selbst zu machen, sondern sie gab sie weiter an eine Frau Cohn. Auch Frau Cohn hat höchst wahrscheinlich die Arbeiten wieder weiter- gegeben, denn eine Arbeiterin ist sie sicher nicht. Als Frau Cohn den Arbeitslohn von Käte Schinidt nicht bekommen konnte, behielt sie die fcrtiggcstelllen Sachen zurück. Dann verlangte die Firma Schlosimann die Herausgabe der Sachen von Frau Cohn. Diese wollte aber nur gegen Zahlung des Arbeitslohns von 20 M. die Sachen herausgeben.— Bor dem Gewcrbegericht, wo die Firma Schlosimann gegen Frau Cohn aus Herausgabe der Sachen klagte, erklärten beide Parteien, das; sie ja gar nichts mit- einander zu tun hätten. Die Klägerin habe ihre Sachen und die Beklagte ihren Arbeitslohn von Frau Käte Schmidt zu fordern. Aber beide Parteien stimmten auch darin übercin, dast Käte Schmidt spurlos verschwunden und nicht aufzufinden ist.— Schlieszlich einigten sich die Parteien dahin, das; die Klägerin gegen Zah- lung von 12 SU. die Sachen von der Beklagten ausgelicserl be- kommt. Eine von zwei Firmen begehrte Arbeitskraft. Zwei Piitzfederfabrikantcn, auf der einen Seite Cohn, auf der anderen Seite Lauer, beanspruchten beide die Arbeitskrast einer Reiherbinderin, des 18 jährigen Fräulein Popp. Bei der Firma Cohn war Fräulein Popp beschäftigt. Da ihr der Lohn zu niedrig war, bewarb sie sich auf Grund eines Zeiiungs- inseratS um Beschäftigung bei der Firma Lauer. Hier wurde sie an- genommen und sollte nach Ablauf ihrer Kündigungsfrist, die sie bei Cohn innezuhalten hatte, die Arbeit bei Lauer antreten. Als Cohn diese Angelegenheit erfuhr, schlop er sofort einen schriftlichen Arbeitsvertrag mit Fräulein Popp. Sie loill sich zur lluterzeichnuiig des Vertrages mit Cohn dadurch haben bewegen lassen, daß Herr Cohn seinen Konkurrenten Lauer schlecht machte. Schon nach einer Stunde kam ihr zum Bewusztsein, das; sie durch Unterzeichnung des Vertrages mit Cohn eine recht unüberlegte Handlung begangen habe. Deshalb teille sie Herrn Cohn sofort mit, daß sie den Verlrag rückgängig mache, da sie bei Lauer bereits fest engagiert sei. Aber Cohn bestand auf dem Vertrage. Fräulein Popp dagegen ging nach Ab- laus der Kündigungsfrist zu Lauer Cohn klagte nun beim Gclverbcgcricht gegen Fräiilein Popp a u f Erfüllung des Arbeitsvertrages. Das heißt, sie sollte bei Lauer aufhören und zu Cohn zurückkehren. Der Kläger Cohn behauptete, als er den schriftlichen Arbeitsvertrag mit der Be- klagten abschloß, sei sie noch nicht von Lauer seil engagiert gewesen, denn sie habe erst am folgenden Tage eine Probearbeit bei Lauer angefertigt. Das ArbcitSgesuch bei Lauer sei nur ein Manöver der Beklagten gewesen, durch das sie einen höheren Lohn von dem Kläger erlanqclt wollte. Da die Beklagte den schriftlichen Verlrag mit Cohn abgeschlossen habe, bevor sie von der Firma Lauer fest engagiert war, so habe er. der Kläger, aber nicht sein Konkurrent Lauer Anspruch auf die Arbeitskraft der Be- klagte. Fabrikant Lauer, als Zeuge vernommen, erklärte, dasi er die Beklagte schon bei ihrer ersten Meldung für die Zeil nach Ablauf ibrer Kündigung eingestellt habe. Die Probearbeit habe Fräulein Popp ohne sein Verlangen gemacht. Das Engagement sei davon nicht abhängig gewesen. Der Kläger Cohn erklärte zuerst die Angaben des Zeugen mit groszer Bestimmtheit für unwahr und be- aniragte denen Vereidigung. Als der Zeuge bereit war, den Eid zu Iclsteit. erklärle Cohn, daß er die Klage zurücknehme. Die Firma Lauer ist also im Kamps uni eine anscheinend sehr wertvolle Arbeitskraft Siegerin geblieben. Hoffentlich wird die wertvolle Kraft auch gut bezahlt. Genossenschaftliches. Fünfzigjähriges Jubiläum des Allgeinciticu Äolisumvercins in Basel. In diesem Jahre ist eS ein halbes Jahrhundert, daß der Baseler Konsumverein gegründet wurde. In der Statistik des Vereins figuriert das Jahr 186r Süd c u ß> und d'.e Cholera große Fortschritte macht. Ganze Dörfer lind Landstriche in Beßarabien, Podolien, Cherson und Tailrien sind verseucht. In zahlreichen Ortschaften sind mehr als 10 Proz. der Bevölkerung erkrankt, wovon mehr als 50 Proz. sterben. Infolge Mangels jeden Aerztematerials. das sich beim Heere befindet, sind die sanitären Maßnahmen äußerst ungenügend. Die polizeilichen Maßnahmen versagen ganz. Bclriigcrischc Hcercsliefcranien in Italien.„Sccolo" meldet aus Florenz, daß Eulhüllungeu über einen neuen ZieferugS- j k a n d a l bevorsteben. Eine Florentiner Firma, die Leder- lieferunaen für das Heer übernoimnen halte, jvll eine täuschende N a ch a h ni u n g von Leder geliefert haben. Die Polizei in Florenz habe Maßnahmen getroffen, um den Spekulanten, die Wolle und Wollsache» auskauften, daS Handwerk zu legen. Explosion auf einem englischen Dampfer. Der englische Dampfer„Groningen" ist in die Luft geflogen. Ein Mann von der Besatzung wird vermißt; der Rest, darunter mehrere Ver- wundete, ist gerettet. Opfer der Klatschsucht. Au? Wien tvird gemeldet: Der beim 09. Infanterieregiment dienende Landstunninfanterist Adolf Brauner ans Wien hatte von bösartiger weiblicher Seite mehrere Briefe ins Feld erhalten, worin ihm die Untreue seiner Verlobten, der Kontvristin Steffir, geschildert wurde. Als Branner Urlaub bekam, eilte er nach Wien und gab auf das Mädchen, als es abends aus vem Ge- schäft kam, aus einem Revolver zwei Schüsse ab. Dann richtete er die Waffe gegen sich selbst. Beide liegen ickwerverletzt im Stefanie- spital. Es stellte sich heraus, daß das Mädchen einen tadellose» Lebenswandel führte und zu Unrecht verdächtigt wurde. Jugenövsranstsitungen. Meinictendorf-Oft. Sonnlag. dcn 2g. September, iiachmtilags 5 Uhr. findet im Lugendhcim, Hoppcslr eine Schulenttaslungsleier Natt. Diksclbc wird in Harinonnimsvicl, llhorgcsang, Rezitalion, sowie einer Festrede bestehen. Die tScnojjcn und tKeyossimien werden gebeten, ihnen etwa bekannte Schulcnllasjciie aus diese Feier hinzuweisen. Allgemeine Kranke»- und Sterbekafie der Metallarbeiter a.(«.) Hamburg. Filiale V n u m! ch ul en w c g. Sonnabend. dcn 25. Scplember, abends 8'/, Uhr, im Lokale von Boche, Baumschulen. strajje 67; Mtglied-rverjauimlniig. öriefkaften öer Redaktion. Tie IixrtflifdK Sprechsiunde sindct für Abomienten Ltndenftr.>, lV. Hof rechts, l'arlcm. am Montag Ins Sreilng von t bis 7»»r, am Sonnabend von b bis 6 Uhr statt Jeder tlir de» V r l e i i a st e n bestimmten Antrage tst ein'vnchltabe und eine Lahl alt Mert�etche» beizufügen, vrtefliche ktniwort wird ntch: erievt. tilnlragen, denen. leine Llbonnementtauitiiing bcigcfügl tst, werden nicht beantworiot.(lillge Jrazen trag« man in der Sprechstunde bar. ivcrträge, eqrlftftüac»»d dcrglcichc» bringe man in die Si>rrchtt»ndc mit. Bulgarien I!U5. Sic sind zur Zahlung der Kosten verpflichtet.— TL. T. 71. Ja.—<6. 49. 75. Geringer Herzfehler, dlcnstsäblg.— ly. H. 00. Siein.— R. SS. 500. Sie müssen sich beim Bczirkskommando melden. � 3. T. 34. 1. Nur an Behörden. 2. Nein. 3. Das kommt auf dcn Verdienst der Frau an. Unter Ninständeii wird ihr die Unter- Itübung verweigert.— N. A. 202 1. 1. Der Ehemann erbt in diesem Falle nicht, sondern die Kinder der Frau. 2. Ja. 3. Erledigt sich durch vorstehende Antwort. 4. Ja. 5. Ja.— O. L. 25. Sie mühten sich an an da- MUüärbnreail des Magistrat?, illlosterstr. 67/68 wenden.— M. H. Ii>. Für 4 Wochen.— Brotkarte;!8. Die Abschnitte abzuliefern ist der Mieter verplltchtet.— L. 2S. 60. Tie betreffenden ffnifchribungeii haben wir nicht zur Hand. Sie sind übrigens nicht vereinzelt. Da zur Durch- si'chrung Jbi'eZ ProzeffeS in den bisherigen Instanzen ein Anwalt nötig U'ur. wirb dieser doch sicher die Entscheidungen des Reichsgerichts angeführt haben. Die Kosten sind nicht genau anzugeben, sie würden aber unter ZOO Mark kaum betrage,?.— W S5. Nein, Ihr Ehe- mann war versicherungspstichtig in Brandenburg.— M. 33. Die Frau kann nicht exmittiert werden. Der Hauswirt ist allerdings berechtigt. die pfändbaren Möbel einzubchaiten.— F. L. Wenn Sie selbst Mitglied der Krankenkasse sind, erhalten Sie nur von dieser die Wochenbcihilse, nicht auch noch von der Kasse, bei der Ihr Ehemann Mitglied war.— SBJ. I. IL Da die Ehe NnderloS ist, erbt die Frau die Hälfte, die Geschwister und Mutter des Verstorbenen die andere Hälfte.— A. K. 300. Die Zahlen bezeichnen nicht die Art der Krankheit; es sind wahrscheinlich die neuere» Zahlen der Vorstellungsliste. —