Ar. 271.-32. Jahrg. BtonncmenfS'RcinngnngfBt Abonnement«• Beet» ptänumetanb»! Vierteljäbrl. 830 Ml. monolL UO Mi, wöchenllich 25 Sfg. frei in« Hau». Sinzeine Nummer 5 Psg. Sonnlag»- Nummer Mü illustrierrer Sonntag». Beilage.Die Neue Well' 10 P'g. Post- Abonnement: UO Marl vro Monat. Einaeiragen in die Post- Zeitung»- Preisliste. UlUer Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2.50 Mari, sllr da» übrige Au«Iand « Marl vro Monat. Postabonnement» nehmen an: Belgien, Dänemart. Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. kutnäniciu Schweden und die Schweis MStiM lZglich. { 8 Pfennig) die Tntfrfloni'GrtOIjr betrügt für die lechtgespallene Kolon ei. »eile oder deren Raum 00 Pfg, für politische und gewerkschaftliche Verein?- und VersiunmIungS-Anzeigen LO P'g. „Kleine Mnrcigen", da» fettgedruckte Kort 20 Pfg. iZUlasfig 2 fettgedruckte Karte), iede» weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und~~ »eigen da« et weitere Kort 5 staben zählen f für die nächste Nummer müssen bis ii Uhr nachmittag» w der Erpedttion ghaegeben werden. Die Erpedition ist hl» 7 Uhr abend» gr Körte), jede» weitere ~" geh S ers_______ pfg. Worte über�dKuch. � serate Schlaffiellenan- en da» erst« Wort 10 Pfg, jede» ""'..... 8u Worte. Inserat: ffl«" Verlinev Volksbwkt. Zentratorgan der fozCaldemokratifd�en parte» Deutfchlanda. Telegramm. Ndrrff« „IntiMenoknt üeNti". Neöaktion: SW. HS, Llnöenstraße Z. Fernsprecher: Am» Moritzplatz, Nr.»S» gv—»Sl. S7. Freitag, de« 1. Oktober 191F. Expedition: SW. 68, �lnöenstraße Z. Fernsprecher r Amt Moritzplatz, Nr.»Iii vv—»KI. V7. MeliiW des SliSeii SWlWiflm. Amtlich. Große? Hauptquartier, den 30. September 1915. jW. T. B.) Westlicher Zkriegsfchauplatz. Der Feind setzte seine Durchbruchsversnche gestern nur in der Champagne fort. Südlich der Straße Menin— A p e r u wurde eine von zwei englischen Kompagnien besetzte Stellung in die Luft gesprengt. Nördlich LooS schritt unser Gegenangriff langsam vor. Südöstlich von Souchez gelang es den Franzosen an zwei kleineren Stellen, in unsere Lioieu ein- zndringen; es wird dort noch gekämpft. Ein französischer Teilangriff südlich Arras wurde leicht abgewiesen. Zwischen ReimS und Argouuen waren die Kämpfe erbittert. Südlich Ste. Marie 5 Py brach eine feindliche Brigade durch die vorderste Grabenstrllnng durch und stieß auf unsere Reserven, die im Gegenangriff dem Feinde acht- hundert Gefangene aboahmen nnd den R e st vernichteten. Alle französischen Angrifft zwischen Straße Sommc-Py— Souain und Eisenbahn Challerange— St. Mcnehould wurden gestern, teilweise im erbitterten Nahkampf, unter schweren feindlichen Berlusten ab- geschlageu. Heute früh brach ein starker feindlicher Angriff an der Front nordwestlich Massiges zusammen. Nördlich Massiges ging eine dem flankierende« feindlichen Feuer sehr ausgesetzte Höhe slöl) verloren. Auf den übrige« Fronten fanden Artillerie- und Mincukämpfe statt. Ocstlicher Kriegsschauplatz. ffeerezgruppe des Gencralfeldmarfchalls v. fflndenburg. Südlich von Dünabnrg ist der Feind in die See- engen östlich von Weffelowo zurückgedrängt. Die Kavallcriekämpfe zwischen Drtzswjaty-See und der Gegend von Postawy waren für unsere Divisionen erfolgreich. Oestlich von S m o r g o n ist die feindliche Stellung im Sturm durchbrochen; eS wurden tausend Ge- f a n g e n e sdarunter sieben Offiziere) gemacht und sechs Geschütze, vier Maschinengewehre erbeutet. Südlich von Smorgou dauert der Kampf an. Der französische Tagesbericht. Paris, 30. September. jW. T. B.) Amtlicher Bericht von gestern nachmittag. Die Berichte gestatten, die Bedeutung der durch unsere Offensive in der Champagne, die mit der Offensive unserer Ver- bündeten im Artois lombiniert ist, erzielten Erfolge läglich voll- ständiger zu ermessen. Die Deutschen waren wcht nur gezwungen, auf einer ausgedehnten Front ihre mächlig verschanzten Stellungen aufzugeben, in denen bis zum Ende zu widerstehen sie Befehl hallen, sondern sie erlillen auch Verluste, deren Tesamlhcit an Toten. Ver- wundeten und Gefangenen den Bestand von drei Armeekorps übersteigt- Die Gesamtzahl an Gefangenen beträgt jetzt über 230. Die Zahl der abtransportierten Kanonen beträgt 7S. 17 öS» Gefangene und 313 Offiziere sind durch ChalonS gekommen und werden nach ihrem JntcrnierungSorte geleitet. Nach und nach wird da» Schlachtfeld gesäubert und werden die Waffen aller Art, das Schützengraben- Material und da» Parkmaterial, da» der Feind im Stiche lassen mutzte, gezählt. Im ArtoiS dauerte der gestern gemeldete Fort- schritt östlich von Souchez bis zum Abend und im Laufe der Nacht an. Wir haben nach erbittertem Kampfe die Höhe 143, den be- herrschenden Punkt der Kämme von Vimy und die südlich davon gelegenen Gärten erreicht. Die Zahl der uuverwundeten Gefangenen, die im Laufe dieser Unternehmung gemacht worden sind, über- steigt 300; sie gehören zumeist den zwei Gardedivisionen an. In der Champagne dauert der Kampf, ohne nachzulassen, auf der ganzen Front an. Im Gebiete nördlich von Massiges haben sich neue Gruppen von Deutschen ergeben; die Gesamtzahl erreichte bis zum Abend in einem einzigen Abschnitte etwa tausend. Keine bedeutende Aktion auf der übrigen Front. Der Feind beschost unsere Schützengräben nördlich und süd- lich von der Ai-Zne, in den Gebieten des St. Mardwaldes. von Troyon und von Baillh heftig, wir antworteten energisch. Notiz de§ W. T. B.: Obwohl der Bericht in seinen Ueber- treibungen ungewöhnlich weit geht, geben wir ihn, unserem Grundsatz entsprechend, ebenso wie die bisherigen, ohne jede Berkürziuig wieder. Paris, 33. September.(W. T. B.) Amtlicher Bericht »«» gestern abend. Die Känipfe dauerten den ganzen Tag auf den Höhen»wische» Souchez und vimy an. Wir be- II iiel ChSWM ffeeeesgruppe des Generalfeldmarlchalls Prinz Leopold von Bayern. Feindliche Teilangriffe gegen viele Abschnitte der Front wurden blutig abgewiesen. Heeresgruppe des Gencralleldmarlchalis v. Bladienfen. Die Lage ist unverändert« Heeresgruppe des Generals o. Llnllngen. Die Russen wurde« am oberen K o r m i n in öft- licher Richtung zurückgeworfen; eS wurden etwa 8 90 Gefangene gemacht. Zwei russische Flugzeuge wurden abgeschossen. Oberste Heeresleitung. •• 3(1 ijslmeWW GMllllWMW. Wien, 30. September.(W. T. B.) Amtlich wird ver- lautiart: Wien, 33. September 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Die Lage in O st g a l t z t e n, au der I k» a und an der Putilowka ist unverändert. Im Sumpfland des KorminbacheS erstürmte« österreichisch- ungarische und deutsche Truppen mehrere Stützpunkte, wobei 4 russische Offiziere und 1V00 Mann in Gefangenschaft fielen. Zwei feindliche Flieger wurden hrrabgeschossen. Die k. u. k. Streitkräfte in Litauen wiesen russische An- griffe ab. Die Kämpfe führten stellenweise zu« Handgemenge. Der Gegner erlitt große Berlnste. Italienischer Kriegsschauplatz. Au der Tiroler Westfront wurde in der vergangene» Nacht im Adamellogebiete gekämpft. Ei» Angriffsversuch des Feindes auf den Paß westlich der Cima Presen« wurde durch unsere Artillerie abgewiesen. Auch bei der Mandronhütte mußten die Italiener nach mehrstündigem Gefecht zurückgehen. Auf der Hochfläche von Bielgercuth griffen sie gleichfalls nachts unsere Stellungen zweimal vergeben» an. Ebenso scheiterten an der K ä r n t a t r F r» u t nächtliche Angriffe auf unsere befestigten Linien westlich de» Bombasch- graben»(bei Pontafel). Die Kämpfe bei und nördlich von Tolmein dauern fort. vor dem M r z l i B r h«ich der Feind in seine alten Stellungen zurück) gegen Dolje griff er wiederholt au, wurde aber stet» ab« gewiesen. Heute früh begann da« itattenische«rtilleriefeaer gegen den Raum von Tolmein, da« schon gestern sehr lebhaft war, von neuem. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nicht» Neues. Der Stellvertreter de» Chef» be» Generakstabe»: von Hoefer, Feldmarschalleutnant. haupteten alle eroberten neuen Siellungen. In der Champagne wurde andauernd heftig vor den Ausnahmestellungen de» Feindes gekämpft, sowie um die Verminderung des Vorsprunges nördlich von Le MeSnil, wo sich deutsche Abteilungen noch behaupten. Wir rückten auf den Hängen des Hügel« von Tahure in der Umgebung de« Dorfe» sowie nördlich Massige« vor. Beiderseitiges ziemlich heftige« Bombardement im Priesterwalde im Walde von Apremont. Der rujsische Generalftabsbericht. Petersburg, 33. September.(W T. B.) Der Grosie General« stab berichtet vom 29. September: In der Gegend nordwestlich von Friedrich st adt griffen die Deutschen ohne Erfolg die Dörfer Tichusch und Ligger nordwestlich von Birschallen an. Wir wiesen diese Angriffe mit Geschütz- und Kleingewehrfeuer ab. In der Gegend von Dünaburg geht da» Gcschützfeuer ohne Unter« brechung weiter. Wir weisen durch unser Feuer deutsche Angriffe ab. An der Front Dorf Getem,. Sventen und Medmussee dauert der Kampf an. Einige weniger bedeutende Gefechte fanden in der Gegend des Dorfes Koziany statt. In der Gegend nördlich von Krewo und südlich Oschmjany griff der Feind energisch unsere Truppen an und drängte sie etwas zuück. Südlich des Pripel griff der Feind mehrmals Czartorysk an. Die Angriffe wurden anfangs abgeschlagen, dann aber gelang es dem Feinde dank seiner Verstärkungen trotzdem, un» auf das rechte Ufer des Styr zurückzutreiben. Am 28. September eröffnete der Feind ein wütendes Feuer und griff dreimal das Dorf Neu-Alelsinik an, aber dreimal warfen wir ihn durch konzentriertes Geschütz- und Gewehrfeuer zurück. In der Gegend des Dorfes Kuptschin an der Strypa westlich von Tarnopol verstärkt sich das Artilleriefeuer. Nach einenr erbitterten Kampf be- mächligten sich unsere Truppen feindlicher Schützengräben und eine« feindlichen Verteidigungspunktes westlich von Kodatschu. In Ver- folgung ihrer Offensive griffen unsere Truppen nach einer sehr starken Artillerievorbereitung an und bemächtigten fich nach Durch« dringung von Drahtverhauen feindlicher Schützengräben östlich des Dorfe» Kuptschintze. ni Den Wim. Sturm in Gst unö West. Von Richard Gädke. Berlin, 23. September. Auf den großen Angriff der Franzosen im Westen mußte man längst gefaßt sein; er lag in der Luft, in der Natur der Dinge. Hofften sie überhaupt noch eine positiv günstige Entscheidung er- zwingen zu können, so war es höchste Zeit zum LoSbruch, so durften sie nicht so lange warten, bis der größte Teil unseres Ostheeres zu anderen Entscheidungen verfügbar wurde. Auch der Verlauf der Ereignisse auf dem Balkan drängte sie zu dem gleichen Entschlüsse. Große Erfojge im Westen, wenn möglich ein glänzender Sieg, machten die Rücksicht auf da. Ansehen de» Vierverbande« in der Welt dringend wünschenswert. Man kann sich daher nur wundern, daß der große Angriff so spät erfolgt ist. Angekündigt war er ja Monate vorher und oft genug. Wenn er so lange auf sich hat warten lassen, so dürfen wir die Ursache darin sehen, daß der solide und vorsichtige Joffve erst die erforderlichen Menschen und vor allen Dingen die erforderliche Munition bereitstellen wollte. Menschen und MunitionI Da» sind die Voraussetzungen für die mörderische Arbeit eine» modernen Angriffs. Darin liegt auch der eigentliche Kern der sogenannten Munitionsfrage, die in Frankreich, England, Rußland so viel Staub aufgewirbelt und zu scharfen Angriffen auf die Heeresverwaltungen dieser Länder Anlaß geboten hat. Die Wahrheit ist, daß an sich, nach den Erfahrungen früherer Kriege die MunitionSversor- gung genügend gesichert war. Aber dieser Krieg verschluckte, je länger, je mehr, so ungeheure Mengen an Geschossen, daß vorher selbst die kühnste Phantasie darauf nicht gefaßt war. Die feine Schießkunst, die sich während de» Frieden» auf allen Schießplätzen herausgebildet hatte, versagte vor den groben Anforderungen der Schlacht— mit möglichst wenig Munition möglichst große Wir- kungen zu erzielen, galt vorher für da» Zeichen de» geübten Ar- tilleristen. Die Beobachtungen aus der Lust und die geänderten Richworrichwngen hatten aber inzwischen die Bedingungen des Schießens gründlich geändert, sie hatten ein vasch einsetzendes Massenfeuer möglich gemacht; und dieses Massenfeuer wieder er- wies sich sofort als der wirksamste Faktor in der Schlacht. Auf ihm und der verheerenden Gewalt der Geschosse beruht die Be- deutung der modernen Artillerie in der Schlacht. Der Angriff er- langte die Ueberlegenheit nicht nur über dt« Festungen, sondern auch über die Feldbefestigungen. Die ungeheure Zahl der heraus- geschleuderten Geschosse ebnete die Schützengräben ei», wischte sie sozusagen vom Erdboden fort, zerstörte die Drahthindernisse, durch- schlug die Unterstände und erschütterte die Nerven der Männer. Alle Teilnehmer, die je unter den furchtbaren Schlägen dieses Trommelfeuers gestanden haben, schildern übereinstimmend seinen entsetzlichen Eindruck. Das aber machte die Munitionsversorgung mit einem Schlage zu einem der schwierigsten Probleme de» Feldherrn und der Kriegs- Verwaltung hinter der Front. Wenn die Franko-Engländer dem Ansetzen ihre» Angriff» ein fünfzigstündige», stellenweise siebzigstündige» Trommelfeuer vor- hergehen ließen, so darf man annehmen, daß allein hierfür jedes dazu eingesetzte Geschütz 1333 Schuß verbraucht haben mag— das wären in 3—4 Minuten je ein Schuß, während die Feuerschnellig- keit selbst noch der mittleren Kaliber da» Zehnfache beträgt. Natür- lich hat dieses Trommelfeuer nicht die vollen vierundzwanzig Stunden eines Tages hindurch angehalten, sondern ist in der Nackt durch ein Beunruhigungsfeuer— d. h. Beschießen der Anmarsch- wege und der Ortschaften hinter der Front— abgelöst worden. Aber immerhin kann man sich eine Vorstellung machen von der Höhe des.Munitionsverbrauches, von der Geschoßmenge, die stir die große Schlacht bereit gestellt werden mutzte. Die französische Heeresleitung wird nach den stüheren Erfahrungen doch mit einer wenigsten» vierzehntägigen Dauer der Kämpfe aller Wahrfchein- lichkeit nach von vornherein gerechnet haben. Das Vorbereitungsfeuer der gegenwärtig wütende» Schlacht hat nach den Berichten de» deutschen Generalstabes auf der ganzen 633 Kilometer langen Front vom Meere bis zu den Vogcsen statt- gefunden; der Angrist selbst wurde auf zwei weit voneinander eni- sernten Gebieten gleichzeitig unternommen, in zwei wohlbekannten Wetterwinkeln dieses Stellungskrieges: einmal auf der 76 Kilo- meter langen Front in der Champagne zwischen ProSnes(23 Kilo- meter südöstlich Reims, an der Chaussee ReimS— Suippes— St. Menehould) bis Ville s. Tourbe(westlich des vielgenannten Vicnne- le Chäteau am Westrand der Argonnen). Besonders in der Cham- pagne scheint er mjt außerordentlicher Entschlossenheit und Schnelle durchgeführt zu sein, der deutsche Genevalstab gesteht zu, daß hier eine deutsche Division bei Perthes, in der Mitte der Front, ihre Stellung habe räumen müssen und auf die 2 bis 3 Kilometer nörd- lich liegende zweite Stellung zurückgegangen sei. Der Bericht Joffres spricht von Erfolgen noch an anderen Punkten; er will auf seinem linken Flügel Epine de Vedegrange erobert haben, ein Ge- Höft an der Straße St. Hilaire— St. Souplet, 3 Kilometer östlich Anterivc, und auf dem rechten Flügel das Gehöft„Maisons de Champagne", 2 Kilometer südöstlich des Dorfes Ripont. Diesen Namensnennungen würde dann seine Behauptung annähernd ent- sprechen, daß er di« Deutschen auf eine Front von 25 Kilometern zurückgedrängt habe. Man kann das dahingestellt sein lassen; seden- falls ist ihm am folgenden Tage eine weitere Ausnutzung seines Erfolges nicht gelungen; die Deutschen haben ihre zweite Stellung behauptet. Natürlich wird der Kampf hier weitergehen. Hüben und drüben muß man die Massen für die weiteren Ereig- nisse bereit stellen, die Geschütze für die neue Kampfesfront ver- schieben. Im Westen hat der feindliche Angriff auf einem großen Teile der Front keine Erfolge gehabt. Nur gegen Arras hin, östlich der von Engländern gehaltenen Stellung Aermelles— Grenay, ist dieser Einbruch in unsere erste Linie auf seinem beschränkten Räume zu beiden Seiten von Laos geglückt, ein sofortiger Gegenangriff hat ihr weiteres Vorgehen zum Stehen gebracht. Der Kampf geht hier gegenwärtig um die Rückeroberung unserer vorderen Stellung. Weiter südlich griffen wieder die Franzosen mit großer Heftigkeit an; sie wollen das Dorf Souchez, am Fuß der blutgetränkten Lovettohöhe, nach lebhaftem Kampfe genommen und auch sonst Fortschritte gemacht haben. Der deutsche Bericht gesteht nur die freiwillige Räumung von Souchez zu. Aus den Mitteilungen des Marschall French geht hervor, daß er die Offensive der Engländer bauptsächlich unter dem Gesichtspunkte einer Unterstützung des französischen Angriffs betrachtet hat, um deutsche Reserven auf sich zu ziehen. Zuzutrauen wäre diese Art wohlwollender, bewaff- neter Neutralität auf dem Schlachtfelde den Engländern schon; es ist aber auch möglich, daß er seinen Bericht zur Bemäntelung feiner geringen Erfolg« abgefaßt hat. Doch auch hier ist der Kampf noch nicht beendet. Die Zahl der Gefangenen auf beiden Seiten zwischen Arras und Dpern scheint sich ziemlich auszugleichen; in der Cham- pagne aber wollen die Franzosen 16 000 unverwundete deutsche Gefangene gezählt haben, während wir bisher nur 3900 Franzosen als gefangen auftveisen. In halbamtlichen Erklärungen deutscher Zeitungen werden die Angaben JoffreS als übertrieben bezeichnet. Man hat den Eindruck, daß diesmal wirklich ein ernster An- griffSversuch vorliegt, mit dem Ziele, unsere Stellung an irgend- einem Punkte zu erschüttern und zu durchbrechen. Aus diesem Grunde müssen wir auf weitere starke und umfassende Vorstöße JoffreS gefaßt sein. Nach der Länge der Front, auf der er bisher angegriffen hat, und nach früheren Erfahrungen wird man die Stärke der von ihm für beide Schlachtfronten eingesetzten Truppen auf mindestens 16 bis 20 englische mrd französische Armeekorps berechnen müssen.— Auch die Russen im Osten stnd in diesen Tagen an den ver- schiedensten Stellen ihrer Front zum entschlossenen Gegenstoße vor- gegangen; sie scheinen vor allen Dingen die bedenkliche Lage ihres Heeres um Wilna durch scharfe Angriffe gegen die deutschen Um- faflungsflügel entlastet zu haben. Aber auch General Rußki im Norden ist immer wieder über die Düna hinüber zum Angriff vor- gebrochen und hat auch die Verteidigung seiner Stellung um Düna- bürg höchst aktiv geführt. Man muß weitere Nachrichten abwarten, ehe man den Stand der Dinge im Nordosten beurteilen kann. Die kraftvolle Offensive des Generals Iwanow, die er mit großen Verstärkungen ungefähr um den 6. September gegen die Heere de» Erzherzogs Friedrich zuerst in Ostgalizien und dann in Wolhynien begann, scheint sich in den letzten Tagen erschöpft zu haben. Ihr Ergebnis war, daß er den weiteren Vormarsch der ver- bündeten Armeen drei Wochen lang aufhielt und sie an einigen Stellen zurückgedrückt hat. Auch hier werden wir abwarten müssen, ob er noch stark genug ist, im Gebiet der Festung Rowno und am Sereth die Verteidigung fortzusetzen oder ob nun der österreichische Heerführer seinerseits versuchen wird, den kleinen Rest von Galizien zurückzugewinnen, der noch in der Hand des Gegners ist. Die Beschießung, die deutsche und österreichische schwere Artillerie von den Nordufern der Donau und der Sarve gegen be- festigte serbische Städte am 19. September begonnen hat, hat bisher kerne Fortsetzung gehabt und einen neuen Angriff gegen Serbien. von dem so viel geredet wird, bisher noch nicht eingeleitet. Auch hier können erst die Ereignisse selbst über die Absichten der ver- bündeten Heerführung volle Klarheit schaffen. Nur will es scheinen, als ob im Osten wie im Westen der Atem der kriegerischen Ereig- nisse bald lebhafter gehen wird. Wir werden auf allen diesen Kriegsschauplätzen der Entscheidung näher kommen. An den Dardanellen hingegen uird in Italien herrscht nach wie vor verhältnismäßige Ruhe; die Berichte Cadornas erzählen seit Wochen mit der gleichen Einförmigkeit von italienischen Erfolgen, die doch seit 4 Monaten keine irgendwie merkbare Veränderung der Kriegslage haben mit sich führen können. Ein energieloser Krieg, dabei nicht ohne blutige Opfer, in dem man wesentlich auf die Siege der andern rechnet und eS schon als großen Erfolg bc- trachtet, einige hunderttausend Lesterreicher von wichtigeren Auf- gaben ferngehalten zu haben. Sperre üee französisch-schweizerischen Grenze. Paris, 30. September.(W. T. B.) Meldung der Agence HavaS. Auf Ersuchen der Militärbehörden ist die franzöfisch-schweizerische Grenze zurzeit für den Personenverkehr von Frankreich nach der Schweiz gesperrt worden. Die Beförderung von Briefen, Tele« grammen und Postpaketen, einschließlich für Kriegsgefangene, nach der Schweiz wird augenblicklich gleichfalls eingestellt. Außerdem können Telegramme nach gewissen Ländern ebenfalls, jedoch nicht länger als 48 Stunden, zurückgehalten werden. GnglanÜ gebraucht noch �00 000 Rekruten. Haag, 29. September.(W. T. B.) Der.Nieuwe Conrant* meldet au» London: Hauptmann G u e st habe in der gestrigen Sitzung des Unterhauses erklärt, nach seiner Berechnung würden die Engländer in den nächsten zwölf Monaten 1 400 000 Mann an der Front haben müssen, dazu an Reserven 1700 000, zusammen 3 100 000 Mann. Wenn man die gegenwärtige Stärke des Heeres in Rechnung stelle, ergebe sich, daß im nächsten Jahre noch 900 000 Mann angeworben werden müßten. Wenn die Regierung Gewißheit geben könnte, daß sie 20« bis 2ö000 Mann wöchentlich durch Freiwilligen-Werbung aufbringen könne, würde er und seine Freunde sich zufrieden geben. Diese Wde GuestS wurde von den Gegnern der Dienstpflicht heftig kritisiert und selbst einige ihrer Anhänger verließen zum Zeichen der Unzufriedenheit mit der Art, wie ASquithS Wunsch außer acht gelassen wurde, den Saal. Melüung üer ttalienischen Heeresleitung. Rom, 30. September. fW. T. B.j Amtlicher Heeres« b e r i ch t von gestern: Im Abschnitt von T o l m e i n hat der Feind, den wir auf der Höhe von Santa Maria immer härter bedrängt hatten, in den Nächten auf den 28. und auf den 29. September gegen unsere Stellungen zwei überraschende Augriffe versucht, wurde aber beide Male zurückgeschlagen. Gestern nacht griffen Abteilungen unserer GebirgStruppe» Stellungen des Feindet, die sich in der Richtung auf die SperrfortS des Krn gegen Tolmein hinziehen, an. Es gelang ihnen, den Feind an einigen Stellen mit schweren Verlusten zurückzujagen und ihm sechzig Gefangene und zwei Ma- schinengewehre abzunehmen. Im Jionzo wurden drei schwimmende Minen aufgefischt, die die Ocsterreicher immer noch auslegen, um unsere Brücken zu beschädigen. C a d o r n a. Zur Explosion öes �Seneüetto Grin*. Rom, 30. September.(W. T. B.) Laut.Messaggero* fanden bei der Explosion des Linienschiffes.Benedetto Brin" der Kom- Mandant, Kapitän Faraforni und der Fregattenkapitän Candeo den Tod. Von Offizieren wurden nur die Ingenieure und drei Aerzte gerettet. Gegenüber den Ucberlebenden wurden außerordentlich strenge Vorkehrungen getroffen, um zu verhindern, daß sie vor dem offiziellen Verhör mit dritten Personen sprechen. Die Melüung des türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 30. September.(W. T. B.) Das Haupt- quartier teilt mit: An der Dardanellenfrout ist die Lage un- verändert. Am 27. September brachten unsere ä ü st c n- batterien ein feindliches Torpedoboot in der Gegend des Kcrevizdere zum Sinken und bc- schössen wirksam die feindlichen Stellungen an der Küste von Sedd ul Bahr. In der Nacht vom 27. zum 28. September überraschten unsere nach verschiedenen Richtungen aus- gesandten Erkundungsabtcilungen eine feindliche Ab- tcilung in einem Hinterhalt, machten sie zum Teil nieder und nahmen den anderen Teil gefangen. Sie schlugen andere Erkundungskolonnen, die sie angetroffen hatten, in die Flucht und erbeuteten eine Anzahl Gewehre und Munition. Bei Sedd ul Bahr erwiderte am 28. Sep- tember unsere Artillerie kräftig das Feuer verschiedener feind- licher Batterien, die einen Augenblick lang unsere Stellungen beschossen hatten und brachten sie zum Schweigen. Von den anderen Stellen ist nichts zu melden. vom öalkan. Die französische presie für scharfes vorgehen gegen Bulgarien. Paris, 29. September. fW. T. B.) Die Presie erklärt, die energische Sprache, die die Diplomatie des Vierverbandes jetzt in Sofia führe, werde Bulgarien dahin aufgeklärt haben, daß es nur durch eine sofortige Rückgängigmachung der Mobilmachung den Vierverband zufriedenstellen könne. Das Zaudern Bulgariens sei nur ein Manöver, um die Mobilmachung ruhig be- endigen zu können und dann verräterisch— wie im Jahre 1913— unversehens über Serbien her- zufallen. ES sei zweifellos, daß Griechenland seine Pflicht als Bundesgenosse Serbiens erfüllen und sich gegebenenfalls der Landung von Truppen der Alliierten in Salonili nicht widersetzen werde. .Echo de Paris" schreibt: Die Bulgaren täuschen uns, wie die Deutschen, die Oesterreicher und die Türken uns getäuscht haben. Heute muß man Bulgarien eine kurze Frist stellen, um zu deino- bilisieren oder mit uns zu brechen. Denn wenn Bulgarien die sofortige Demobilisierung verweigert, dann erfüllt es die Bedingungen, welche Sir Edward Grey als eine Begründung für den Abbruch der freundschaftlichen Beziehungen aufgestellt hat. Wir können nicht abwarten, bis Bulgarien seine Stunde wählt. ES ist notwendig, daß französische und englische Truppen in Mazedonien gelandet werden und daß wir dadurch bezeugen, daß wir zu unseren serbischen und griechischen Bundesgenossen und Freunden halten. ES ist notwendig, daß ein Manifest des Zaren, des Enkels jenes Zaren, welcher Bulgarien das Leben gegeben hat, feierlich das bulgarische Volk auf den Verrat aufmerksam macht, der in seinem Namen begangen wird. Es ist notwendig, daß russische Soldaten um jeden Preis in den serbischen Reihen kämpfen.—„Matin" schreibt, wenn die Armeen der Alliierten nach Serbien gingen, so sei es nur, um Serbien gegen einen doppelten Angriff zu schützen, aber keineswegs um einen Angriff gegen Oesterreich-Ungarn aus- zuführen, an den man zweifellos seit einem Jahre schon öfters ge- dacht habe, den man aber aus politischen Gründen stets ausgeschaltet habe. Oelcasss verspricht Serbien Unterstützung. Paris, 30. September.(W. T. B.) Meldung der Agence Havas. Ministerpräsident V i V i a n i und der Munster des Aeußern D e l c a s s ö wurden gestern vormittag von dem Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten, der sich auch mit der Frage der Dardanellenexpedition befaßt, gehört. Nach der Sitzung wurde keine amtliche Mitteilung ausgegeben. Immerhin wird versichert, daß Delcasss, ebenso wie dies Sir Edward Grey am Tage zuvor im eng- lischen Unterhause getan hat, den Entschluß der alliierten Mächte förmlich bekräftigt habe, Serbien zu unter st ützen, falls es angegriffen werden sollte. Die griechische Mobilisation. Athen, 30. September.(T. U.) Der gesamte Eisenbahnverkehr mit Serbien, Bulgarien und der Türkei ist völlig unterbrochen. Eine baldige Wiederaufnahme des Betriebes wird auffallender- weife nur für Bulgarien und die Türkei, nicht aber auch für Serbien in Aussicht gestellt. Ter Schiffahrtsvcrkehr der griechischen Linien ist«ingestellt, da alle Dampfer für Heereszwecke gechartert wurden. Die Gendarmerie ist gleichfalls mobilisiert, und der Polizeidienst auf dem Lande wird durch Kadetten versehen. Die meisten Schulen im Lande sind geschloffen und mit Truppen belegt. Die Hafenbehörden in Saloniki haben strenge Vorschriften über Aus- und Einfahrt in den Hafen erlassen. Jedes Schiff, das die Vorschrift nicht befolgt, wird beschossen. Man erwartet eine Ein- schränkung des privaten Telegrammverkehrs. Keir tzaröies Testament. Im März dieses Jahres schrieb Keir Hardie, damals schon ein kranker Mann, feinen letzten Artikel, der gleichzeitig im „Labour Leader" und im„Glasgow Forward" erschien. Sein Titel lautet„Patriotismus gemessen in Millionen"� und er be- handelt den Vorteil, den gewisse kapitalistische Kreise aus dem Kriege ziehen. Der Schluß aber, wo Keir Hardie noch einmal das Grundprinzip seiner Politik verficht, daß die Arbeiterklasse sich nur selber befreien kann und sich daher von den bürgerlichen Par- teien unabhängig halten mutz, klingt wie ein Vermächtnis und ein letzter Appell an das englische Proletariat: „Ich schließe, indem ich die Aufmerksamkeit der organisierten Arbeiter auf die Tatsachen lenke, daß Imperialismus, Militaris- mus uird Patriotismus während des letzten halben Jahrhunderts ungefähr 200 Millionen Pfund Sterling im Jahr durch Kapitals- anlagen im Ausland dem Raub der Finanzklassen hinzugefügt habro, und daß diese Summe in jedem Jahre rapide wächst. Der gegenwürtlge Krieg hat. zugeführt und wird zuführen viele Millio- nen im Jahr dem Besitz der gewerbe- und handeltreibenden Klaffen. Die Firmen, die der Flotte Schiffe liefern, und die Kanonen bauen, große und kleine, häufen einen Reichtum auf größer als eS je einen gegeben hat hier und im Auslande. Unsere Banken und unsere millionenschweren Kapitalinvestoren werden allein aus den für England notwendigen Kriegsanleihen 60 Millionen Pfund im Jahr ihren Einkommen hinzufügen, und sie werden diesen Betrag noch erheblich steigern durch die An- leihen, die den Verbündeten und den neutralen Ländern ge- währt werden. DaS ist die Belohnung der Reichen und Wohlhabenden— der patriotischen Imperialisten. Und die Arbeiter: wo sind ihre Gewinne? Der Arbeiter macht jetzt viel Ueberstunden und leistet viel Stückarbeit. In den meisten Fabriken bekommt er Lohnerböhungen oder einen Zuschlag, der ihm über die gestiegc- nen Lebenskosten hinwegbelfen soll, und die meisten seiner Führer belehren ihn. es sei eine Tugend, sich ohne viel zu fragen, den Anordnungen der Regierung zu fügen. Aber der Krieg wird zu Ende gehen, und wie wird dann die Lage der Arbeiter sein? Die Lohne werden nach einer ge- wissen Zeit unvermeidlich sinken, und die besitzende und Herr- schende Klasse, die zurzeit so stolz ist auf den Patriotismus des Arbeitsmannes, wird noch immer obenauf fein. Jbre Einkom- men aus den Anlagen in den Kolonien und im Ausland werden immer noch wachsen. Ihre Zinsen aus den Kriegsschulden werden nicht bedroht sein, aber der Arbeiter und der kleine Geschäftsmann werden die Zange spüren und jeder von jenen„Patrioten" wird seine ganze Kraft aufbieten, um den Arbeitsmann in den Niederungen des Lebens zu kalten, in die ibn Gott gestellt hat." Keir Hardie beklagt da»», daß die sozialistischen Parteien dem Krieg gegenüber versagt hätten, aber er sieht in den Streikbewe- gungen in England ein Zeiche» des Erwachens. „Wenn dieses Erwachen beschleunigt werden kann, wenn die Führer der arbeitenden Klasse frei heraus sagen werden, daß Liberale und Konservative gleichmäßig den Finanzleuten den Rücken decken und den Krieg unterstützen und deshalb gleich- mäßig daran interessiert sind, den Arbeiter niederzuhalten, dann wird in der Tat die Wendung kommen. Die Demokratie wird sich aus ihrer gegenwärtigen hilflosen Abhängigkeit erheben und eine wirkliche Macht werden. Wenn der Krieg nur noch eine verblassende Erinnerung an ein blutiges Traumgesicht sein wird, und wenn wir wieder den realen Dingen des Lebens inS Angesicht schauen, dann wird sich eine große und mächtige Agitation zugunsten der vollständigen Befreiung der Demokratie erheben. Männer Und Frauen werden in einer Reihe stehen und so die Kontrolle über die innere und auSlvärtige Politik gewinnen und die Herrschaft derer brechen, für die Imperialismus und Militarismus Reichtum und Maäü bedeuten. Sie werden das Volk in allen Ländern zur Herrschaft berufen und so einem Geschlecht, dos lange gelitten hat, Heber- fluß, Friede und Eintracht bringen." Ter Prophet hat von weitem das Land der Verheißung ge- schaut, das zu betreten ihm nicht vergönnt war. Aber hoffentlich werden sich andere finden, die denen, an die seine letzten Worte gerichtet waren, als Führer auf dem rechten Wege vorangehen. Textilarbeitersireik in Italien. Mailand, 30. September.(W. T. B.) Der„Secolo" meldet, daß die Weber gestern früh in Lugano, Galla- rate und Busto Arfizio wieder Streikversammlungen abhielten. Ungefähr 35 000 Weber seien a u s st ä n d i g. Gestern früh hätten sich die Gemeindevorsteher des Ausstands- gebiets versammelt, um über den schweren Streik zu ver- handeln und die Möglichkeit einer Verständigung zu prüfen. Die Vertreter der Webereigesellschast und der Arbeiterpartei seien dabei getrennt gehört worden. Für heute früh seien gemeinsame Verhandlungen zwischen den Vertretern der Industriellen und den Textilarbeitern angesetzt. die hollänüisihe Thronrede. Aus Amsterdam schreibt man uns: Die Thronrede, womit die Königin am 21. die parlamentarische Session eröffnet hat, beschränkt sich auf Gesichtspunkte der n a t i o- n a l e n Politik. Die Sorge, die im vorigen Jahre das Land be- drückte— nämlich, ob es gelingen werde, der Gefahr, in den Krieg bineingcrissen zu werden, zu entgehen— findet diesmal keinen Ausdruck, und wenn zweifellos diese Gefahr nicht als unbedingt überwunden gelten kann, so bleibt doch die Erwartung gerecht- fertigt, daß die vorsichtige und zugleich entschlossene Unabhängig- keits- und Neutralitätspolitik Hollands auch weiter von den krieg- führenden Mächten respektiert werden wird. Ist durch diese Politik das Kriegselend vom Lande ferngehalten worden, so zeigt sich mich, wie die Thronrede feststellt, die wirtschaftliche Lage erheblich gün- stiger als im vorigen Jahre:„Obzwar auch jetzt das wirtschaftliche Leben durch den Zustand Europas noch stark gedrückt ist, kann doch mit Beftiedigung darauf hingewiesen werden, daß sich der Acker- und Gartenbau im allgemeinen in einem günstigen Zustand befinden." Tatsächlich machen die Agrarier und die mit ihnen in Beziehung stehenden Handelskreise ausgezeichnete Ge- schäfte. Auch sonst ist die Geschäftslage, abgesehen vom Hafen- betrieb, vom Baugeivcrbe und von der Diamantindustrie, nicht schlecht oder, wie die Thronrede sagt,„konnten die nachteiligen Folgen der verschiedenen Schwierigkeiten für Handel und Gewerbe beschränkt und die Geschäfte möglichst in Gang erhalten werden." Die Reederei lieferte für die große Fahrt günstige Ergebnisse, für die kleine allerdings sehr ungünstige, auch die Lage der Seefischerei ist befriedigend. Der im vorigen Jahre sehr schlechte wirtschaftliche Zustand in Niederländisch-Judien gibt jetzt„keine Gründe zu Bc- sorgnis". Auf die Staatsfinanzen hat natürlich die internationale Lage, durch die außerordentlichen Ausgaben und die dauernde Bereit- schaft von Heer und Flotte— von einer Erleichterung der per« s ö n I i ch e n Lasten der Mobilisation wird nichts gesagt— sehr ungünstige Wirkungen geübt. Sie geben Anlaß zu einer R e o r- ganisation des Steuerwesens, die zugleich die längst dringende Sanierung der Gsmeindefinanzen anbahnen soll. In welchen Linien sich die Reform bewegen soll, erfährt man aus der Thronrede allerdings nicht. Weiter stellt die Thronrede im Hinblick auf das Jns-Leben- Treten der Invalidenversicherung die allgemeine Reform der sozialen Versicherung in Aussicht. Daß eine Marin«. Vorlage angekündigt und einstweilen eine„Ersetzung" des Flottenmaterials geplant wird, kann in diesen Tagen nicht über- raschen. Pon großer Wichtigkeit für die innere Politik könnte die An- kündigung werden, daß die früher angekündigten Entwürfe zur Reform des Staatsgrundgesetze» vorgelegt werden sollen. Die Ankündigung, worauf sich die Thronreve bezieht, geschah 1913 mit den Sätzen:„Die Verfassungsreform zur B e r l e i h u» z des Wahlrechts an alle männlichen Niederländer von einer bestimmten Lebenszeit(mit festzustellenden Ausnahmen) und zur Aufhebung der verfassungsmäßigen Bc- schränkung der Zuerkennung des Wahlrechts an Frauen soll ohne Verzug vorbereitet werden." Macht die Regierung mit diesem bedeuteirden Reformprogramm Ernst— und es wird ihr nicht an Mahnern fehlen— wird natürlich der Kampf der Parteien wieder aufleben und von Burgfrieden nicht mehr die Rede sein. Eine konservative Stimme über üie ruflische Sozialdemokratie. Von den Presseäutzerungen über die Vertagung der Tum« und die Haltung der Parteien verdient eine Aeuherung des klerikal- konservativen.Kolokol", der in den letzten Monaten oft zu offiziö- sen Zwecken Kennet wurde, besondere Beachtung. Das Blatt schreibt: „Die Mehrheit der Duma hat völlige Verworrenheit und Halt- losigkeit gezeigt. Eine Ausnahme unter den Parteien bildet die sozialdemokratische Fraktion. Nur sie hat ihre Mei- nung ungekürzt, frei, klar und bestimmt ausgedrückt. Sie hat ihren Protest nicht mit Seufzern, nicht mit ratlosem, elenden Jammern, sondern durch schroffe Formulierung ihres Stand- puulteS, durch mutigen, kühnen Protest unterstrichen, ohne selbst mit der elementaren Achtung vor den Gesetzen des Landes und dem Befehl der obersten Gewalt zu rechnen. Wir sind keine Staats- anwcrlte, um die Haltung dieser Fraktion gegenüber dem Zaren- ukas(das Blatt deutet hier auf den demonstrativen Protest der sozialdemokratischen Fraktion bei der Verlesung deS Zarenukascs über die Vertagung der Duma hin) vom Standpunkt irgendeines Artikels des Strafgesetzbuches zu bewerten, wir können aber nicht umhin, die unzweifelhafte Tatsache zu unterstreichen, daß es diese Fraktion gewesen ist, die keine Verwirrung gezeigt hat und fest auf ihrem Fundament geblieben ist." Bei dem allgemeinen Bestreben der konservativen russischen Presse, die Haltung der Parteien bei der Vertagung der Duma für reaktionäre Zwecke auszuschlachten, ist eS nicht ausgeschlossen, daß die dargelegte Beurteilung der Haltung der sozialdemokratischen Fraktion dem Wunsche entsprungen ist, die Regierung gegen die Sozialdemokratie scharfzumachen. DaS ändert aber mchtS an der Tatsache, daß gerade das zitierte konservative Organ den Unter- schied zwischen der Haltung der sozialdemokratischen Fraktion und den bürgerlichen Parteien treffend formuliert hat. Wenn die liberal» Presse sich jetzt über diese Kennzeichnung aufhält, oder gar der sozialdemokratischen Fraktion darau« einen indirekteil Vorwurf macht, daß sie von den Konservativen gelobt wird, so ist das nur für daS bose Gewissen der Liberalen charakteristisch. politische Ueberflcht. 12 101 Millionen Kriegsanleihe. Berlin, 30. September.(W. T. B.) Für die Zeich- nungeu auf die dritte Kriegsanleihe ist nun- mehr ein Ergebnis von 12101 Millionen Mark fest- gestellt worden. Darunter befinden sich 2169 Millionen Mar! Schuldbuchzeichnungen. In welcher Weise sich die Zeichnungen auf die verschiedenen Arten von Anmeldestellen verteilen, er- gibt sich aus der nachstehenden Ucbersicht, die zum Vergleich die Ergebnisse der ersten und zweiten Kriegsanleihe heranzieht. Es wurden gezeichnet auf die HI. II. I. Kriegsanleihe Millionen Mark 12 101 9 061 4 460 Die Feldzeichnungen sind in der vorstehenden Uebcrsicht nicht enthalten. Unterstaatssekretär Zimmermann über Holland und Belgien. Der Berliner Vertreter des„Nieuwe Rotterdamschi Courant" batte eine Unterredung mit dem Unterstaatssekretär de« Auswärtigen Amts, Herrn Zimmermann. Er berichtet seinem Blatt darüber:„Herr Zimmermann erinnerte zunächst an die falsche Auslegung seiner Unterredung mit dem Holländer Troelstra. Der Unterstaatssekretär erklärte wiederum, daß Teutschland nicht daran denke, Hollands Neutralität oder politische oder wirtschaftliche Freiheit zu verletzen. Zum Glück dringe in Holland die Ucvcr- zeugung immer mehr durch, daß Holland von Teutschland nichts zu fürchten habe. Wir wollen gute Freunde und Nachbarn bleiben. Leute, die in Deutschland dann und Ivaim anders sprachen, seien politisch bedeutungslos. In Teutschland erkenne man dankbar die strikte Art und Weise an, in der Holland seine Neutralität be- vbachtct. Ter Vertreter des„Nieuwe Rotterdamsche Courant" bc- rührte die belgische Frage. Er bemerkte, daß das Schicksal Bel- giens Holland sehr zu Herzen gehe.„Es ist," erwiderte Unter- staatssekretär Zimmermann,„im Augenblick nicht möglich, zu sagen, loie nach dem Kriege das Verhältnis zwischen Teutschland und Belgien sich gestalten wird. Das ist eine sehr schwierige Ange- legenheit. Eine Lösung muß gefunden tvcrden. Aber eins steht fest: Teutschland muß Sicherheit haben, daß Bel- gien nicht ein Vorposten Englands tverde. Dies werden wir verhüten."—„Sie sind somit überzeugt, daß die Bestimmung des Schicksals Belgiens von Teutschland abhängig wird?" fragte der Vertreter des„Nieuwe Rotterdamsche Courant". 7—„Gewiß," antwortete der Unterstaatssekretär,„davon sind wir in Deutschland alle fest überzeugt. Wir werden uns keine Bedin- gu ngen auferlegen lassen. Wir werden dafür sorgen, daß, was sich jetzt ereignet«, sich nicht wiederholt. Wir haben unsere Friedens- liebe reichlich bekundet. Wir sind ein friedliches Volk. ES ging uns gut. WgS konnten wir bei einem Kriege gewinnen? Aber jetzt wollen wir einen Frieden durchsetzen, der uns gegen die Wieder- bolung eines derartigen Krieges schützt. Wir werden durchhalten, bis dieser Zweck erreicht ist." Was aus Polen werden wird, sei, so sagt der Unterstaatssekretär, noch ebensowenig sicher wie daS Schicksal Belgiens." Tie Auslassungen des Unterstaatssekretärs Zimmermann sind deshalb beachtenswert, weil hier zum ersten Male seit der Rede des Herrn v. Bethmann vom 4. August 1914 Andeutungen darüber gemacht werden, wie man sich an amtlicher Stelle die Zukunft Bel- giens denkt. Allerdings gibt es ja sehr verschiedenartige Wege, auf denen sich unter Umständen eine Sicherheit dagegen schaffen läßt, daß Belgien zu einem„Vorposten Englands" wird. „Gerüchte" und„Treibereien". In der von der„Nordd. Allg. Ztg." vsröffentlichtcn offiziösen Zurückweisung der Gerüchte von einem beabsichtigten Frieden mit England ist der Satz enthalten: „Kommentare, die an die Entschließung des engeren Vor- standes der konservativen Partei geknüpft werden, deuten an, daß auch bei dieser Kundgebung solche Gerüchte mitgespielt haben." Darauf antwortet nun die„K r e u z z e i t u n g": „Die Entschließung des konservativen Parteivorstandes, auf di? hier Bezug genommen wird, konnten wir aus Gründen, die dem Blatte(der„Nordd. Allg. Ztg.") bekannt sein dürften, nicht unverkürzt wiedergeben; deshalb mutzten wir überhaupt daraus verzichten, sie unseren Lesern mitzuteilen. Infolgedessen war es uns auch unmöglich, die �Erklärung irgendwie zu kommentieren. Daß von anderer Seite an die Erklärung des Parteivorstandes Kommentare der von der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" bezeichneten Art geknüpft worden waren, ist uns nicht bekannt geworden. DaS Blatt wird sich wohl der Verpflichtung kaum entziehen können, solche Kommentare nochzuweisen. In größeren Zeiwngen sind sie jedenfalls bi» heute nicht zu finden. Wenn in der.Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" gleichwohl der Andeu- tung Raum gegeben wird, daß bei der Kundgebung des kon'ser- vativcn Parteivorstandes Gerüchte mitgespielt haben, die als un- begründete, bösartige und die Interessen des Reiches schädi- gende Treiberei bezeichnet werden, so ist eine Antwort hierauf weder zurzeit möglich noch nötig. Der engere Vorstand der konservativen Partei pflegt seine Beschlüsse nach sorgfältigen Erwägungen und nicht auf Grund törichter oder bösartiger Gerüchte zu fassen." Während so die„Kreuzzeitung" in Abrede stellt, daß„Ge< rächte" auf die konservativen Beschlüsse einen Einfluß ausgeübt hätten, drückt sich die doch zweifellos ebenfalls wohlunterrichtete „Deutsche Tageszeitung" etwas vorsichtiger aus. Sic will es„dahingestellt lassen", ob die erwähnten Gerüchte ein« Rolle gespielt haben. Sie vermutet aber, daß„Treibereien" berücksichtigt worden seien, die für eine„Verständigung" mit England zu arbeiten und in dieser Richtung Einfluß auf leitende Stellen in Deutschland zu gewinnen bemüht sind, und die ge- legentlich den Anschein zu erwecken gesucht haben, als sei ihre Bc- mühung um die Erlangung eines solchen Einflusses nicht erfolglos geblieben. Das ist alles reichlich unklar und dunkel, und wir erfahren nicht, von wem die„Treibereien" ausgehen und auf welche Stellen sie Einfluß gewonnen haben oder gewonnen haben wollen. Das kräftig« Dementi wird aber nun wohl den Vorstand der konser- vativen Partei von der Energie und Zuverlässigkeit des Reichstags überzeugen, und wenn die Konservativen dem nicht Ausdruck geben sollten, so wird es Herrn v. Bethmann doch immer- hin eine Freude machen, daß ein Blatt wie die„Berliner Neuesten Nachrichten" die Gelegenheit benutzt, sein Lob in allen Tönen zu singen: „Herr v. Bethmann," so heißt es dort,„steht auch ohne dies neue Bekenntnis über dem Verdacht, gerade jetzt in das Fahr- Wasser einer schwächlichen Politik steuern zu wollen. Seit seinem letzten Auftreten im Reichstag kann davon nicht mehr die Rede sein. Die Entschiedenheit, mit der er sich dort gegen alle senti- mentalen Praktiken aussprach, wird ihm gerade von denen nicht vergessen werden, die früher zuweilen Veranlassung zu haben glaubten, den Menschen mehr als den Kanzler in ihm bewundern zu sollen. Wie der Leiter der Reichsregierung genau weiß, was die überwältigende Mehrheit des Volkes von ihm erwartet, so vertmut diese Mehrheit auch, daß er ihre Hoffnung nicht zu- schänden werden lasse," Wenn die„Berliner Neuesten Nachrichten" auch nicht das Man- dat haben, im Namen der überwältigenden Mehrheit deS deutschen Volkes zu sprechen, so vertreten sie doch die Meinung sehr einfluß- reicher Kreise der Großindustrie, auf deren volles Vertrauen der Kanzler natürlich den größten Wert legt. Kartoffelnot in Westdeutschland. Aus dem Rheinland wird uns geschrieben: In Westdeutschland pflegen um diese Jahreszeit auch die minderbemittelten Voltstreise ihren Kartoffelbedarf für den ganzen Winter einzukellern. Da in diesem Jahre noch niemand weiß, ob und zu welchem Preise dies möglich ist, bemächtigt sich der Bevölkerung eine lebhafte Unruhe. Nicht nur die sozialdemokratische, sondern auch die christliche Nr- beiterpresse gibt ernsten Befürchtungen Ausdruck. Die„Kölnische Volkszeitung" richtete einen Alarmruf nach Berlin, die katholische „Westdeutsche Arbeiterzeitung" schreibt:„Reichsregierung hilf, ehe es zu spät ist", der Kölner Erzbischof mahnt in einem Hirtenbrief, daß Aergernis vermieden werde, und die katholischen Arbeiterver- eine sandten eine Abordnung nach Berlin, um vor dem Reichs- kanzler persönlich über die Ungewißheit in der Kartoffelversorgung die ernstesten Vorstellungen zu erheben. Infolge dieser einmütigen Bewegung im Westen haben am 28. September die Minister Dr. Delbrück, v. Loebcll und Sydow, begleitet von einem Stab von Dezernenten, Oberpräsi- deuten und Regierungspräsidenten in Düsseldorf Beratungen mit Vertretern der Gemeinden und daran anschließend mit Vertretern der Konsumvereine und Gewerkschasten aller Richtungen abge- halten. Tie Herren aus Berlin wurden von den Vertretern der Ar- beiter unzweideutig und mit großer Entschiedenheit über die Stim- mung, die Befürchtungen und die Erwartungen unserer Industrie- bevölkerung aufgeklärt, die in diesem Jahre nicht wieder enttäuscht werden darf. In Westdeutschland glaubt niemand daran, daß«in höherer Kartoffelpreis als etwa 3,59 M. für den Zentner notwendig ist. Ist doch eine Rekordernte sicher, die sich nach amtlichen Schätzungen auf 52 Millionen Tonnen beläuft, während private Schätzungen sogar bis auf 69 Millionen Tonnen gehen. Hinzu- kommen noch 19 bis 12 Millionen Tonnen, die die Reichsregierung aus Polen einzuführen beabsichtigt. Schon aber hat der Kartoffclwucher eingesetzt. Aus ostdeutschen Gebieten, wo in F-riedenszeiten Kartoffeln zu 1,89 M. der Zcnlner offeriert wurden, kommen jetzt für genau dieselben Kartoffeln An- geböte zu 3 M. und 3,29 M. für den Zentner ab Erzeugungsstelle. Die westdeutschen Verbraucher sind bereit, der Landwirtschast in mehr als ausreichender Berücksichtigung ihrer höheren Unkosten einen K r i e g s z u s ch I a g von 25 bis 39 Prozent zu be- willigen. Dann würden gute Speisckartoffeln den Verbraucher» im Osten zu 2 M. und im Westen zu 3,59 M. geliefert werden können. Mehr dürfen die Kartoffeln bei so riesiger Ernte nicht kosten. Alle Maßnahmen, die nicht eine solche Preisbegrenzung sichern, sind ungenügend. Ohne Unterschied der Parteistellung halten die Verbraucher an der Auffassung fest, daß ohne sofortige rücksichtslos durchgreifende Zwangsmatzregeln, die sowohl die Landwirtschaft wie den Handel treffen müssen, auch in diesem Jahre nichts erreichi wird. Die Forderungen bleiben: Beschlagnahme, mindestens der zur menschlichen Ernährung notwendigen Kartoffeln, V e r- kaufszwang und ein System von Höchstpreisen, das mit etwa 3,59 M. frei Keller endet. Ferner ist Annullier u n g aller Verkäufe nötig, denn Werksverwaltungen, Städte usw. haben sich jetzt schon aus purer Angst und in mangelndem Ver- trauen in die Reichsregierung zu viel zu hohen Preisen eingedeckt. Bloße Warnungen der Regierung vor Angsteinkäufen helfen nichts. Jeder scheut die Erfahrungen des vorigen Jahres. Die Regierung mutz die Forderungen der Verbraucher unverzüglich zur Grundlage ihrer Maßregeln nehmen. Eher wird es im rheinisch-wcstfälischcn Industriegebiet keine Ruhe geben. Wirksame Mittel gegen die Teuerung forderte eine starkbesuchle Versammlung der Delegierten der sozialdemokratischen Landesorganisation Ham» burgS und des Gewerkschaftskartells Hamburg- Altona, die am 28. September tagte. Reichstagsabgeordneter Genosse Stubbe, der die Lebensinittelpolitik seit Kriegsbeginn darstellte und einer Kritik unterzog, erwähnie die interessante Tat- fache, daß selbst in Hamburg noch 79 Proz. der Steuerzahler nur bis zu 2999 M. Einkommen haben. Angesichts der fortschreitenden Verteuerung der wichtigsten Lebensmittel(zum 1. Oktober wird für Hamburg eine Erhöhung des Milchpreises um 4 Pf. auf 28 Pf. angekündigt) müsse die Arbeiterschaft immer wieder ihre Forderungen geltend machen. In der Debatte wurden die Vorgänge auf dem LebenSmittelmarkte scharf kritisiert. Ein Delegierter führte auS, NoSke habe in dem bekannten„Buch der Zwanzig" es sozial- demokratischen Blättern als Verdienst angerechnet, daß sie den Un- willen über die Teuerung beschwichtigt hätlen. Ueber die Folgen solcher Politik köune man sich nicht beklagen. Von anderer Seite wurde der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß die Arbeiter- schaft die politischen Konsequenzen ans den mitgeteilten Tatsachen zu ziehe» wissen werde. Eine Resolution, die weitgehende Beschlagnahme, Festsetzung niedriger Höchstpreise für alle Lebens« mittel, gleichmäßige Verteilung der wichtigsten Nahrungsmittel und schäfers Nahrungsmittelkontrolle bcrlangt, wurde einstimmig angenommen. In der Resolution wird zum Ausdruck gebracht, daß die Delegierten 159 909 organisierte Arbeiter, mit den Familien die Hälfte der Bevölkerung vertreten, in deren Namen sie die Forde- rungen erheben._ Die Landwirtschaft verteidigt sich. Die„D e u t s ch e T a g e s z e i t n n g" ist über alle Maßen er- grimmt darüber, daß den Landwirten die Schuld an der Teuerung gewisser Lebensmittel zugeschoben wird, und sie macht ihrem ge- preßten Herzen in folgender Weise Luft: „Das Gertbuie, die Landwirte seien die Urheber der Teuc- rung, ist seit dqr Büiidesratsverordnung gegen den Kriegswucher zum StrahenlärM angeschwollen, und mau hört an verschiedenen Stellen deutlich den Ruf heraus:„Haltet den Dieb." Leider, ist es in dem Gedränge nicht festzustellen, ob nicht gerade diese Rufer Leute mit vollgestopften Taschen sind und sich solcherart bemühen, die öffentliche Aufmerksamkeit von ihrer eigenen Person abzu- lenken. Mag ziffernmäßig noch so oft der Beweis geführt werde», daß der Großhandel dem Gemüse bauenden Landmann Spott- preise bietet, die nicht einmal die Erzeugungskosten decken, mag für jeden Einsichtigen klar sein, warum beim Mangel an Kraft- futter die Fleischpreise steigen müssen, das rührt die Hetz e r nicht und bestärkt sie nur im Verschweigen unbestreitbarer Tatsachen." Wir erwähnen diese Abwehr, weil sie zeigt, wie man in dieser Zeit nicht doch alle? sagen kann. Sogar von„Hetzern" darf die „Deutsche Tageszeitung" reden. Freilich, gewisse Bedenken scheinen auch ihr gekommen zu sein, denn sie hat ihren verärgerten Artikel über den„bösen Agrarier und den brave» Händler" im Feuilleton untergebracht. Offenbar gilt nach ihrer Auffassung der Burgfriede nur über dem Strich. Ilebrigens enthält der Feuilletonaufsatz noch eine andere Stelle, die hervorgehoben zu werden verdient. Es ist dort die Rede von dem„staatssozialistischen" Charakter bestimmter RegierungSmaß- regeln: „Dem die wirtschaftliche Notlage ausbeutenden Zwischen- Händler ist der Kappzaum angelegt worden, und zwar durch ein Stück Staatssozialismus. Ob dieser wobl weiterwirken wird? In mancher Hinsicht wäre es zu wünschen, schon deshalb, um dem den Massen mundgerecht gemachten inter- nationalen Sozialismus das Wasser abzugraben." Wir freuen uns, unsere eigene Ausfassung von Wesen und Zweck des Kriegssozialismus hier bestätigt zu finden. Vortragsverbote. In Hamburg sprach Genossin Z i e tz im Stadtteil Barm- beck in einer gutbesuchten Mitgliederversammlung der Partei über die Teuerung. Als sie am 23. September den Vortrag in dem ans bamburgischem Gebiete liegenden Städtchen Bcrgedorf wieder- holen wollte, ivnrde der Vortrag verboten. Dagegen konnte der Vortrag am nächsten Abend in Altona unbeanstandet gehalten wenden.— Vor den Mitgliedern des Verbandes der Küper in Ham hu r g wollte Genosse Umland einen Vortrag über d i e Kommune von 1871 halten. Ter Vortrag wurde verboten.— In einem preußischen Vorort Hamburgs, in Wandsbeck, sollte kürzlich der Genosse K a l n b a ch über den DeutschenBaucrn- krieg sprechen. Auch dieser Vortrag wurde verboten. Tagung des bayerischen Landtages. Die Zweite Kammer des bayerischen Landtages wurde am Donnerstag mit einer Ansprache des Präsidenten V, Ortcrer eröffnet, Dann ergriff der Ministerpräsident Graf v. H e r t I i n g das Wort. Er pries die Einigkeil des deutschen Volke« und die Tapferkeit der mit Dculschland Verbiindeten. Die Rechnung unserer Feinde werde sich als falsch erweisen. Dank ge- bühre der Landwirtschast, dem Handel und dem Handwerk; dem gewerblichen Arbeiter müsse eine besonders danlbare Anerkennung gesagt werden. Auch das patriotische Verhalten der Arbeiterverbände werde der baheriiche» Regierung unvergeßlich bleiben.— ES� fei ver- fasiungsgemäß unnötig und auch nicht zweckmäßig gewesen, den Landtag zu einer besonderen Nottagung außer der Zeit einzuberufen, Bon den Aufgaben der Zukunft wolle er heute nicht reden; die Probleme, die sie in ibreni Schöße trägt, seien noch zu wenig ge- klärt, ja ihrer Lösung fehlte vielfach die tatsächliche Unterlage, Mit dem Äunsche, daß der Geist der Einmütigkeit auch über den Verhandlungen des LmidtagS walten und daß alles Trennende zurücktreten möge, sowie mit dem Versprechen der Bercitsckmft der Regierung, ihren Teil hierzu beizutragen, schloß der Minister- Präsident seine Ausfübrungc». Aus der Budgetredc des Finanzministers v, Bräuning sei mi!- geteilt, daß der voraussichtliche Fehlbetrag des Jahres 1914 sich auf etwa 16— 15 Millionen Mark stellen werde. München, 39. September.(W. T. B.) Das JustiMinisterium hat der Kanimer der Abgeordneten einen Gesetzentwurf über die Niederschlagung von Strafverfahren gegen Kriegsteilnehmer zugehen lassen. Der Begründung zu dem Gesetzentwurf ist zu entnehmen, daß noch ein weiterer Gnade na kt in Aussicht genommen ist. Es ist ein weitgebender Gnadenbeweis zugunsten von Kriegsteilnehmern beabsichtigt, die bereits rechtskräftig verurteilt waren und dann für das Vaterland die Waffen getragen haben.________ Interpellation im bayerischen Landtag. Die liberale Fraktion hat im bayerischen Landlag folgende Inter- pellation eingebracht: „Warum ist der Landtag nicht, wie in den anderen Bundes- staaten, zu einer außerordentlichen Tagung einberufen worden zur Besprechung aller init den, Kriegszustände in Verbindung stehenden Fragen? Welche Maßnahmen bat die Regierung angesichts des Kriegszustandes ihrerseits getroffen und gedenkt sie noch zu treffen in der Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln, in der Fürsorge für Kriegsteilnehmer, in bezug auf die Verhältnisse des Handels, der Industrie, de» Handwerks, des Haus« und Grund- besitzes, der Landwirtschaft, der freien Berufe, der Beamten, der Lehrer und der Arbeiter?" ffnegsbekanntmachungen. Noch keine �eldpostpäckchen nach dem Ostheere! Berlin, 30. September 1215.(W. T. B.) Bekanntmachung. Die durch die ungiinstigcn BefirberungSverhältniffe herbeigeführte Anhäufung von Postsachen auf den östlichen Kriegsschauplätzen hat leider noch nichtbehoben werde» können. Im Einvernehme» mit der Heeres- Verwaltung wird daher das Verbot der Annahme und Be« förderung privater Feldpostdriese über 59 Gramm (Päckchen) an die Truppenangehörigcn der Ostawuccn di» ein- schließlich 5. Lltober verlängert. Hiernach unzulässige Sendungen werden den Absendern zurückgegeben werben. Der Staatssekretär des Rcichspoftamts. (gez.) Kractke. Letzte Nachrichten. Tie Opfer des Unglücks auf der Zeche„Holland". Gelfenkirchen, 39. September.(T. II.) Von den gestern bei der Schlagwetterexplosion auf der Zeche„Holland" veruiiglückteil 25 Bergleuten sind inzwischen 7 gestorben, so daß die Gesamtzahl der Opfer bis jetzt 2 beträgt. Gewerkschaftliches. 25 �ahre Deutscher Hlasarbeiterverbanü. Am 1. Oktober 1916 blickt der Verband der Glasarbeiter auf eine SözShricie Tätigkeit zurück. Im Jahre 1890 gegründet, hatte die Organisation zunächst unter den denkbar schwierigsten Verhält- nissen zu leiden. Die Unternehmer wollten unter keinen Umständen zulassen, daß die Glasarbeiter ihrer Berufsorganisation Seitreten. Welcher reaktionäre Geist bei den Industriellen vorhanden war, geht aus einer Bekanntmachung hervor, die seinerzeit Herr Heye in Nicn bürg an das Fabrikstor heften ließ und die folgenden Wortlaut hatte: „Es wird daS Gerücht ausgesprengt, daß ich nichts gegen eine Beteiligung der Arbeiter an dem sozialdemokratischen Verbände der Glasarbeiter Deutschlands einzuwenden hätte. Um nun meinen Standpunkt auch diesen, Verein gegenüber richtig zu stellen, er- kläre ich, daß ich mir mein Eigentum jedenfalls zu erhalten suche. Würde ich die Sozialdemokratie auskommen lasten, so würde ich also den von Sozialdemokraten ähnlicher Art wie Horn geleiteten Verband der Glasarbeiter Deutschlands dulden, dann wäre das Ende jeder ruhigen Arbeit gekommen und die Industrie damit dem Untergang geweiht. Ich warne daher jeden Arbeiter, sich nicht verleiten zu lassen, weder dem sozialdemokratischen Fach- verein, oder dem Verband der Glasarbeiter Deutschlands beizu- treten, ich würde genötigt sein, denselben sofort zu entlasten. gez. Heye." Wenn solche Anschauungen bei den gewaltigsten Industriellen vorhanden waren, dann ist es begreiflich, daß der jungen Organi- sation daS Leben sehr schwer gemacht wurde. Aus diesem Grunde ging auch der Aufstieg des Verbandes nur langsam vorwärts. Wie wenig jedoch die organisationsfeindliche Gesinnung selbst des gewaltigen Herrn Heye vermochte, die Organisation nieder- zuhalten, zeigt am besten die Tatsache, daß im Jahre 1900 bei ihm die Arbeiter streikten, und da er nicht nachgab, schlosten sich die übrigen Flaschenarbeiter ihren Kollegen solidarisch an. So standen vom 27. Juli 1901 bis zum 16. September 4113 Glasarbeiter im Ausstand. Der Streik, der mit Unterstützung der übrigen Arbeiter- schaft Deutschlands geführt wurde, kostete 690 000 M. Er ging aber für die Arbeiter vollständig verloren. Die Drangsalierungen der Arbeiter durch die Unternehmer nahmen min kein Ende; groß war die Zahl der Gemaßregelten, Unter solchen Umständen trat auch in der Organisation ein Rück- schlag ein, von dem sich der Verband nur langsam erholen konnte. Durch zähe OrganisationS- und Agitationsarbeit nahm er aber ständig an Mitgliedern zu. Im Jahre 1913 erreichte er mit 19 312 Mitgliedern seinen Höchststand. Für die Verbesserung der Lohn« und Arbeitsbedingungen hat die Organisation in den 26 Jahren vieles geleistet. Bis zum Jahre 1900 stand die Sonntagsarbeit in höchster Blüte. Da- gegen mußte ein energischer Kampf geführt werden. Die Industriellen erklärten, daß die Beseitigung der Sonntagsarbeit den Ruin der deutschen Glasindustrie herbeiführen würde. Den Petitionen der Arbeiterorganisation an den Reichstag, ein gesetzliches Verbot der SonntagSarbeit herbeizuführen, folgten Gegenpetitionen der In- dustriellen. Wenn trotzdem heutze die Sonntagsarbeit in der deutschen Glasindustrie beseitigt ist, so ist dies also das ureigenste Werk des Verbandes der Glasarbeiter. Von den Errungenschaften um die Verkürzung der Arbeitszeit und die Erhöhung der Löhne geben die jährlichen statistischen Zusammenstellungen deS Verbandes den besten Beleg. Aber auch durch seine UnterstützungSeinrichtimgen hat der Verband den Mitgliedern manche Hilfe geleistet. In der Zeit seines Bestehens hat er an Arbeitslosenunterstützung 981 000 M., an Streik- Unterstützung 16 668 M., an Gemaßregeltenunterstützung 113 200 M., an Umzugsunterstützung, die erst am 1. Juli 1901 zur Einführung kam, 76 500 M., an Sterbcunterstützung, eingeführt am 1. Juli 1907, 29 300 M., an Krankenunterstützung, eingeführt am 1. Juli 1910, 160 000 M. gezahlt. Außerdem wurden ansehnliche Summen für Rechtsschutz ausgegeben. Besonderer Aufmerksamkeit erfreute sich bei den Industriellen daS Organ des Verbandes. Die geringste Beleidigung wurde der- folgt. 2Vs Jahre Gefängnis und über 1000 M. Geldstrafen wurden dadurch über den Redakteur verhängt, eine fllr den Setter eines VerbandSorganS sehr hohe Strafsumme. Wohl kaum eine zweite Organisation hat de» Kampf gegen einen so mächtigen Gegner zu führen, wie die Glasarbeiter. Wenn trotz aller dieser Schwierigkeiten der Verband in der deutschen Ge- werkschaftsbewegung gleich Schritt und Tritt hielt, so ist das ein Beweis von unerschütterlicher Tatkraft und ständigem Opfermut, den die deutsche Glasarbeiicrschaft in dem 2Sjährigen Ringen an den Tag gelegt hat. Jetzt hat auch der Weltkrieg einen ungeheuren Einfluß auf die Organisation ausgeübt. Uebcr 8000 Mitglieder haben ihrer Militärpflicht zu genügen und groß ist bereits die Zahl hergefallenen und verwundeten Mitglieder. In den 26 Jahren hat die Organisation für ihre Mitglieder Großes geleistet. Mit Stolz kann sie auf ihre Tätigkeit zurück blicken und fich der Hoffnung hingeben, daß auch nach dem Kriege die deutsche Glasarbeiterschaft treu zu ihrer Organisation stehen und alles daran fetzen wird, um die wirtschaftliche Lage der Glas- arbeiter weiter zu heben. Deutsches Neich. Zur Beseitigung von Zweifeln und Härten bei der Durchführung der Bundesratsverordnung vom 12. August 1913, betreffend die Einschränkung der Arbeitszeit in Spinnereien, Webereien und Wirkereien hat das sächsische Ministerium des Innern seine Meinung in einigen der wichtigsten und dring lichsten Zweifelssragen durch eine Verordnung in nachstehendem Sinne eröffnet: a) Das Ministerium neigt zu der Auffassung, daß in Betrieben mit wechselnden Schichten das in ZI bezeichnete Höchstmaß von 60 Stunden wöchentlich nicht nur für die Arbeitszeit der einzelnen Arbeiter und ihrer Schichten, sondern für die Arbeitszeit des Betriebes gilt. Betriebsinhaber, die ihren Betrieb mit wechselnden Schichten ohne ausdrückliche Ausnahme betoilligung bisher über 50 Stunden wöchentlich hoben arbeiten lassen, werden deshalb aufgefordert, hzxS der Handelskammer unverzüglich anzuzeigen. Soweit auch fernerhin die Zulassung einer Arbejitszeit des Betriebes über 60 Stunden wöchentlich mit wechselnden Schichten gewünscht wird, empfiehlt sich zur Abwendung straf- rechtlicher Weiterungen sZ3) sofortige Einreich ung von Ausnahmebewilligungsanträgen an die Handelskammer. b> Die Bekanntmachung vom 12. August 1916 gilt auch für Heizer und M a s ch i n i st e n, für R e i n i g u n g s- und Jnstandhaltungsarbeiten sZ 105o, Abs. 1, Ziffer 3 G,-O.), für An- und Abfuhr von Gütern und B e- und Eni- laden von Eisenbahnwagen. Allgemeine Ausnahmen in diesen Punkten sind angestrebt; bis zu ihrem Erlaß bleibt aber nur der Weg der Ausnahmebewilligung auf Grund von Z 2 a.a.O. Der Industrie wird deshalb zur Abwendung strafrechtlicher Folgen sZ 3) zunächst die Stellung von Einzelanträgen an Die Handelskammer nahegelegt, c) Ob und inwieweit die Arbeit von Musterzeichnern, Auischlagev?, Packern und dergleichen Arbeitern als eine handelsgewerblljhe, mcht unter die Bekanntmachung vom 12. August fallende anzusehen ist oder sich im Rahmen der Her« stcllung der Waren hält, wird sich nur von Fall zu Fall entscheiden lassen. Gegebenenfalls werden auch hier zur Abwendung strafrecht- licher Weiterungen Antsfige auf Bewilligung von Ausnahmen der Handelskammer einzureichen sein. KuslanS. Gerichtliche Anerkennung von Hungerlöhnen in der Schweiz. Die wegen ihrer Hungerlöhne und der Nichtbewilligung von geforderten Lohnerhöhungen boykottierte Zigarrenfabrik Ormond in Veveh hatte den.Basler Vorwärts" verklagt, weil er in der Boykottveröffentlichung behauptet hatte, die Firma bezahle die schlechtesten Löhne, die menschenunwürdig sind. Und das schlechte Beispiel der Firma Orznond befolgten auch die übrigen Zigarren- firmen in der französischen Schweiz, mit der einzig«: AuS- nähme der Firma Vautier in Uvcrdon. Bor Gericht be- stätigte der Gewerkschaflssekretär Viret als Zeuge, daß zur Zeit der Lohnbewegung die Wickleriunen bei Ormond bei Stundenlöhnen von 23 bis 26 Cts. Wochenlöhne von 9—10 Fr. verdienten, während die genannte Firma Vautier bedeutend höhere Löhne zahlt. Während ihre Arbeiterinnen hungern und verkümmern. führt die Besitzerin der Fabrik, Frau Ormond, die aus dem Unter- nehmen Millionen Gewinne zieht, in Paris und Nizza ein luxuriöses und genußreiches Leben. Das Basler Gericht sprach unter diesen Umständen unseren angeklagten Genosien frei Sämtliche Kosten hat die millionenreiche Ausbeuterm, die gemütvolle Frau Ormond zu tragen._ Mus Inöustrie und Handel. Erhöhung der Dividende— Kürzung der Kricgsunterstützung. Die Zeitzer Eisengießerei und Maschinenfabrik in Köln-Ehren- feld konnte ihre Dividende auf 15 Proz., gegen 12� im Vorjahre, erhöhen. Gleichzeitig kürzte sie den Kriegersrauen die Unter- stützung um 20 Proz. und verweigerte den Arbeitern eine Teue- rungszulage.__ Weltindustrie und die Schweiz. S. H. betont in der.Zürcher Post" vom 26. 9.(Abendblatt) als Aufgabe der Neutralen nach dem Kriege vor allem die F ö r d e- rung der Annäherung der jetzt kriegführenden Länder. Als Vorbereitung hierzu ist aber ein Einleben in das Wesen der aus- ländischen Industrien dringend nötig, denen die Schweiz zu dienen haben wird. Anstoßen mutz vermieden, anpaffen im weitesten Sinne möglich werden. Mit den neuen Handelsverträgen muß gerechnet werden: sie sind Waffen, aber der Ver« mittler muß ihnen die Schärfe nehmen. Der Ausgleich der Gegensätze erfolgt auf neutralem Gebiet, Angebot und Nachftage ivird nach dem Krieg nicht überall sofort aus brieflichem oder inünd- lichxm Wege zwischen den Kriegführenden erledigt werden, vielmehr Ivird der Neutrale die Vermittlung führen. Aber auch für die dauernde Zukunft liegt in der Neutralifierung des Handelsverkehrs das Heil Sie wird möglich in der Hand Neutraler, die sich auf die Statistiken der Länder stützen. Diese sind in Vorstudien Durchzuarbeiten, Vergleichungsgrundlagen muffen entstehen. Für die Schweiz im besonderen kommt aber noch in Betracht, daß auch die eigene Industrie der Stärkung bedarf, da sie, wie die aller Neutralen, nach dem Kriege in hohem Maße zur Deckung des Bedarfs der Kriegführenden wird herhalten müffen. Das Maß der Hebung der eigenen Industrie wird ebenso wie das der Vermtttelung durch die statistischen Grundlagen bestimmt. Darüber hinausgehen wäre gefährlich. Es ist verfehlt, jetzt alle möglichen Industrien in der Schweiz einbürgern zu wollen. Günstig liegen die Vorbedingungen z. B. für die Spiel- Warenindustrie, da eine schnitztechnisch geübte Bevölkerung' vor- banden ist. nicht für die Spiegelglasindustrie. Zu empfehlen ist Ausbau der Nähmaschinen- und Äuto-Jndustrie, auch Flugzeug- fabrik wäre denkbar, da gute Motoren erzeugt werden. Der Spezial-We�kzeugmaschinenbau sollte durch Waffenfabriken ergänzt werden, nötig und günstig wäre Haushaltungsmaschinenfabrikation, Herstellung von Motorpflügen, Gießereimaschinen u. a. im Lande. Die vorhandene billige elektrische Energie ist die beste Grundlage für die chemische Industrie. Es werden lauter solche Industrien zu empfehlen sein, die einen Bedarf decken und zugleich sich gut an Vorhandenes und vorhandene Bedingungen anschließen. Eingegangene Druckschriften. Mt der soeben erschienenen ersten Nummer beginnt die»Neue Zeit« ihren 31. Jahrgang. Unter den Parteizeitschristcn nimmt die.Neue Zeil" eine hervorragende Stellung ein und sollte jedem Parteigenossen unentbehrlich sein. Die»Neue Zeit" beschäftigt sich mit den wichtigsten Fragen der Gegen- wart in durchaus wisscnschnstlichcr Weise, sie wird das Interesse der Leser zu sesscln verstehen, und bei der bevorstehenden Neuorientierung in der inneren Politik des Deutschen Reiches ist es zwcisciloS, daß die Anschauungen, Wünsche und Forderungen der größten Partei Deutschlands, wie sie t» der Neuen Zeit- vorgetragen werden, nicht ungchört verhallen. ES dürfte daher beim Jahreswechsel bei einigem Bemühen der Partei- genossen leicht möglich sein, neue Leser sür die.Neue Zeit- zu gewümciu Probenummern werden gerne zur Verfügung gestellt. Aus dem Inhalt der ersten Nummer des 34. Jahrgangs heben wir folgendes hervor: Der Wert der Internationale. Von Eduard Bernstein.— Marx'.Zur Kritik der politischen Oekonomie-. Von Friedrich Engels.— Der Zusammenbruch deS Zarismus. Von 81. Stein.— Aeußcre und Innere Politik. Von K. Kautsky.— Der deutsch- österreichische Zollverein. Von Anton Hofrichter. Von der„Gleichheit«, Zeitschrist für die Interessen der Arbeilcrwnen ist uns soeben Str. 1 des 26. Jahrganges zugegangen. Slus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Frauenarbeit und Frauenlöbne während des Kriegs.— Die Not der Kriegersrauen. Von G. P.— Der Deutsche Tertllarb eiterverband im ersten KriegSjahr. Von vir.— Aus der Bewegung: ikricgerfrauevversammiuug.— Gcwcrlschafllichc Rundschau.— Gcnosseiischasltichc Rundschau. Von H. P.— Notizenteil: Burgfrieden.— Für den Frieden.— Sozialiftische Frauenbewegung im Slusland.— Frauen- slimmrecht.— Verschiedenes. Leipziger Straße Königstraße Rosenthaler Straße Moritzplatz --- ik Soweit Vorrat \ Wurstwaren ZervelatwurstpM2.60 2.80 Plockwurst... Pfund 2.50 Berliner Mettwurst Pfd. 2 m. Fleisch Rinder-Querrippe., p�nd 95 pi Rlnderkamm...... pf«nd 1.05 ScJimorlielsdi 1.20 Boasltjes! mn Knochen, Pfand 1*10 Hammelkeule pfd.l.30jrtrtil.40 Hammelrückenpsdl.303ehiiti.40 HammeldOnnung.. Pfand 1.20 Hammel dicke Rippe Pfand 1.30 Kalbskeule und-rücken im �Pfund 1.30» geteilt Pfand 1.40 Kalbskamm u.-Brust p«. 1.20 Kalbsspitze...... Pfand 1.30 Caßler Rippespeer 1.n Eckstück, 2—3 Pfund. Pfund i.JÜ Im Ganzen 1-r a Piund••...»«...•*.vw Mittelstück 1»TA Pfund............... l.iW Frische Rinderzungen MO Maussohinken f SM; 2,80 Landschinken»S"m 2.80 G8k.SchinkenÄm2.50 Für Feldpostbriefe t Landleberwurst. Dose 2.30 Fieischwurst... Dos« 2.30 Bratwurst..... Do« 1.60 Kraftfleisch... Dose 1.60 HzHuksMek WBrstcliei v«. 1.35 Ochsenmaufaalat, 1_�?9® Sülze, Fleischsalat j 85 PL Feldpostbriefe nit Wurstwaren in verschiedenen Preislagen. Butter n. Käse Tisch- u. Tafelbutter Pfund 2.32 u. 2.38 '/i-Pfnnd-Pakete 1.16 n. 1.19 Landbutter Pfand____ 1.95 Faust- u. Spitzkäse stlO Pf. Gen. lümeladi Pfd. 55 n. 65 Pf. •TMlUcje Xfebensmtttel Kolonialwaren Kalsir. Anszig- EmUnelil zur Ballung von Kuchen, Pfunh Oa Pf. MaiSprieSSznrßenftg. jä v. Spei», o. Puddingen, PId Jv n. Pf. Perl-Sago m Bereitung v. co Rote Grütze........ Pfnnd OU Pf Kartoffelmehl____ nad 30 Pf. Weizengriesi.... Pfand 78 Pf. Geflügel Gänse Pfund 1.35 und 1.45 Suppenhühner. Pfund 1.60 Brathühner., Ä_ Pfund 1.95 und 2.15 SebilttiiideiiLllittaml79 Bfi mit anueU 1 Ptand-PAet /ön.öa Pt Räucherwaren Kieler Bücklinge S Stück.... 25 Pf. S Stock.... 10 Pf. Sprott-Bücklinge Pfand 1.10 Flundern Pfand 70 u. 90 pl Rebhühner stock 1.55 2.20 Fische Kabeljau in ganzen Fischen, Pfund 30 u. 55 Pt Bornaale................ Stück 20 Pf. Schellfisch.......... Pfand 38 u. 55 pl Schollen................. Pfund 50 Pf. Rotzungen.............. Pfund 80 pl Kopf- oder SdiwanztWck In stanzen FUchcn Kostproben 11-1 und 5-7 Uhr Pfand. 35 PL 40 PL Verkaufsstelle der Zentral- Einkaufs- Gesellschaft Lebende Lausitzer Karpfen Pfd 1.10 o. 1.20 Lebende Schleie...... Pfund 1.10 n. 1.50 Lebende Aale........ Pfand 1.10 b. 1.50 'Salzfische MUtelzta de 45 N PL Obst Gwensteiner.....Pfand20pf. Kaiserkronen..... Pfand 20 pl Tiroler Aepfel.... Pfand 15 pl Goldparmänen.... Pfand 18 pl Große KocMnen- Pf°nd 25 Pk. Gemüse Zitronen..... du 45«. 55 pl Gurken........... Pfand 8pl Sellerie-Knollen« I5n.20a Weißkohl......... Pfand 5 pl KÜrbiS........... Pfund 5 PL Radieschen.....• Bund 10 pl Leipziger Sitafie Hirsch und Wildschwein zu den billigsten Tagespreisen. verantw. Redakt.: Alfred Wielevv. Neukölln. Jnseratentefl veranüo. Th. Glocke, Bekliü. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchen-, u. Lcrlägsaästalt Paul Singer L- Co., Berlist SW. Hierzu 1 Beilage u, Unterhalfangsbl. Nr. 271. 32. Iahryavg. Itilnjf i>es Jntitiirls" fttlintt WIMM, Freitag. 1. Oktober 1915. Sie militärische Vorbereitung öer Jugend. Unter dieser Ueberschrist veröffentlicht Herr RegierungSrat M o l s e n in Uelzen einen längeren Aufsatz"), der auch für einen größeren Leserkreis von einigem Interesse ist. Der Herr Verfasser wirft zunächst einen Rückblick auf das eben zurückgelegte erste Jahr des Bestehens der Jugend-Kompagnien. Sie haben sich, meint er, die Sympathien weiter Kreise erworben und auch die Wünsche der Jugendlichen selbst befriedigt. Aber trotzdem hat der Mitgliederbestand der Jugend Kompagnien schon jetzt abgenommen. Nicht nur das: Aucki die Teilnahme der Treugebliebenen ist nicht mehr so, als sie es in der ersten Zeit war. Herr Molsen macht dafür das gewiß bei vielen jungen Leuten immer sich bemerkbar machende Strohfeuer verantwortlich, das eben so schnell wieder erlischt, als es sich �nt- flammt hatte. Dann haben aber auch, nach dem Verfasser, manche Gewerbetreibende, die junge Leute beschäftigen, ein Haar in der Sache gefunden..Die Gewerbetreibenden haben den zunehmenden Personalmangel mit der Zeit mehr und mehr empfunden; und eS war daher erklärlich, daß sie Lehrlinge und Gehilfen den Betrieben möglichst �zu erhalten suchten. Endlich sind auch den Schulen, deren Arbeit unter der militärischen Jugenderziehung nicht selten zu leiden hatte, hier und da Bedenken aufgestiegen, die die.Liebe zu den Jugend-Kompagnien abkühlten." Der wichtigste Grund aber ist der, daß die militärische Jugend- erziehung bis jetzt eine rein freiwillige war.(Wir möchten hier einschalten, daß wiederholt an einzelnen Orten der Versuch gemacht worden ist, Zwang anzuwenden.) Das ist nach Ansicht des Ver- fassers ein Mangel. Die jungen Leute müssen an Gehorsam und Disziplin gewöhnt werden. Sie dürfen nicht beliebig aus den Kompagnien ein- und austreten können..So lange bei freiwilliger Teilnahme Mitglieder der Jugend-Kompagnien einem unbequemen Zwange durch Austritt aus dem Verbände sich entziehen können, so lange sie also mit Erfolg den Gehorsam verweigern können, sind die Jugend-Kompagnien kein höheres Institut zur Erziehung zur militärischen Disziplin; wohl aber liegt die Gefahr der Beförderung der Disziplinlosigkeit nahe! Wenn man sich nicht dazu entschließen könng. Zwang anzuwenden, so solle man überhaupt davon absehen, die Jugend militärisch zu erziehen. Man möge es dann bei dem, wap vor dem Kriege auch schon war, bewenden lassen. Durch Gesetz sollen alle jungen Leute von 16 Jahren ab zur Teilnahme an den notwendigen Uebungen verpflichtet werden. Das deutsche Volk, meint Herr Molsen, werde auch nach diesem Kriege .gottlob davor bewahrt bleiben, ruhigen Besitzes behaglich sich zu erfreuen". Wir werden gezwungen fein, unsere Rüstungen auf den höchsten Stand zu bringen. Darum muß die Zeit, in welcher der junge Mensch am meisten aufnahmefähig ist, benutzt werden.„Ins- besondere wird auch Fürsorge zu treffen sein, dad die Jugendlichen elwa vom 17. Lebensjahre im Gebrauch der Schußwaffe unterrichtet werden." Das Verlangen danach ist bei den Jugendlichen vor» Händen und berechtigt. Der Verfasser hat keinerlei Bedenken gegen diesen frühzeitigen Umgang mit Schußwaffen. Im Gegenteil: er ist der Meinung, daß dann die Unglücksfälle infolge unvor- sichtigen Umgehens mit Gewehren bestimmt abnehmen. Dem Feinde wird der von Jugend auf mit der Waffe vertraute Deutsche ein gefährlicherer Gegner werden, als der Neuling, der erst schnell in der Handhabung des Gewehrs unterrichtet werden muß. Auch Uniformen müssen alle Teilnehmer an den militärischen Uebungen tragen.„Die Uniform hebt den KriegSgeist und das Pflichtbewußtsein und unterstützt, dem Körper gut angepaßt, wesent- lich die Ausbildung des Körpers. Schanzzeug und Rucksack als Ersatz für den Tornister sind gleichfalls notwendig. Die Marsch- Übungen werden dann mit allmählich gesteigertem Gewicht im Ruck- sack unternommen. Für die Uebungen, Märsche usw. ist jede Woche ein ganzer Tag vorgesehen. � Dazu sollen dann zwei Abende kommen. Größere, zusammenhängende Uebungen sind, so meint Herr Molsen, in einem halben Tage nicht zu bewältigen. Als geeignetster Tag wird der Mittwoch vorgeschlagen. Zwar verhehlt sich der Verfasser keines- Wegs, daß der Ausfuhrung seiner Vorschläge auch gewisse Bedenken entgegen stehen. Eingriffe in den Stundenplan sowohl der höheren Schulen als auch der Fach- und Fortbildungsschule» wäre wohl kaum zu umgehen. Aber auch„Belästigungen der Handel- und Gewerbetreibenden". Aber alle diese Bedenken stellen sich bei näherer Prüfung als weniger erheblich heraus, als sie auf den ersten Blick erscheien. Diese Bedenken und auch der Kostenpunkt „dürfen ausschlaggebend nicht sein, wenn eine Steigerung der Wehr- kraft und die Rettung eines guten Teiles Volkskraft in Frage kommt, der in den Städten untergeht." Die Geschäftsleute könnten bei Ordnung ihrer Betriebe von vornherein auf diese Einrichtung Rücksicht nehmen. Auch daS Publikum muß sich eben danach einrichten und darf an diesem Tage eben nur das Notwendigste be- sorgen und sich damit abfinden, daß„auf Zustellung von Waren an diesem Tage nicht zu rechnen ist." Später, wenn das Bedürfnis dazu sich einstellen sollte, kann dann auch der halbe Sonntag noch unter UebungSzwang gestellt werden. Zum Schluß heißt es' Landes zusammengefaßt wurden. Die erste Resolution, die er an- nahm� beklagt den europäischen Krieg. Ein Exekutiv-Komitee mit dem'Lntz in Valparaiso wurde gewählt. Es soll die Herausgabe eines amtlichen Parteiorgans Jkt Vanguardia" in die Wege leiten. „Der Zwang zur Teilnahme an den Uebungen der Jugend- Kompagnien ist sofort einzuführen. Es liegt kein erkennbarer Grund vor, die Regelung bis nach Friedensschluß hinauszuschieben. Jugend-Kompagnien ohne Zwang sind halbe Arbeit und... In- stiwte, die Gefahr laufen, der Disziplin nicht förderlich zu sein. Wenn unser Volk in Friedenszeiten schon alle Selbstdisziplin nötig hat, um sich in der Welt durchzusetzen, so haben wir während der gegenwärtigen ernsten Zeit erst recht alles zu vermeiden, was unserer Jugend bei der Schulung zur Selbstzucht schaden könnte. Also sofort Zwang zum Eintritt in die Jugend- Kompagnie n."_ Mus öer Partei. Erklärung. Wir werden um Abdruck der nachstehenden Zuschrift gebeten: Die„Mannheimer Volksstimme" behauptet in einem pole- mischen Artikel, die internationale sozialistische Konferenz zu Zimmerwald sei von Nationalrat Grimm in Bern veranstaltet worden. Demgegenüber stellen wir fest, daß die Konferenz auf Veranlassung des Parteivorstandes der italienischen Sozialdemokratie stattfand und demnach nicht privaten Ursprungs ist. Bern, 27. September 1915. Jnternotionale sozialistische Kommission. Opfer des Weltkrieges. Wie uns aus Wien mitgeteilt wird, ist in den letzten Kämpfen ?;egrtl die Russen der volnische Sozialist K r a k- D u d z i l n i l c ge- allen. AlS Mitglied der Polnischen Sozialistischen Partei wurde er während der russischen Revolution nach Sibirien verbannt, flüchtete von dort und studierte dann in Lemberg. Bei Ausbruch des Krieges trat er in die polnische Legion ein, war bei der Orgaiiisterung einer Ulanen-Abteilung tätig und wurde zum Offizier befördert. Jetzt hat ihn eine Kugel hingerafft. Ter Sozialismus in Chile. In Chile hat vor kurzem der erste allgemeine sozialistische Kongreß stattgefunden, auf dem die sozialistischen Kräfte des •).Zeitfragen", Nr. 19, Beilage der»Deutschen Tageszeitung", Stadtverordnetenversammlung. 21. Sitzung vom Donnerstag, den 30. Septem ber 1915, nach mittags 5 Uhr. Die Sitzung wird nach 5'A Uhr vom Vorsteher Michelet mit einem ehrenden Nachruf für den am 26. d. M. verstorbenen Stadtv. Bankier George(Fr. Fr.) eröffnet. Die städtische Flußbadeanstalt an der Moabiter Brücke mutz wegen der am Bahnhof Bellevue in Angriff ge nommenen Eisenbahnbrückenbauarbeiten entfernt werden. Die Frage des späteren Wiederaufbaues soll vorbehalten bleiben. Gegen den Magistratsantrag auf Bewilligung der 10 000 M. Abbruchskosten wendet sich Stadtv. Körte(Fr. Fr.), der es für richtiger und für die Stadt vorteilhafter hält, die Anstaltauf Abbruchzu verkaufen. Sein dahingehender Antrag gelangt ohne weitere Diskussion zur Annahme. Der Baublock zwischen Bornholmer, Grünthaler und Straße 4b(Abt. Xl des Bebauungsplans) soll durch zwei Erschließungsstratzen l und II aufgeteilt, das Grundstück Grünthaler Str. 43 für 77 000 M. angekauft und außerdem dort ein S ch u l g r u n d st ü ck mit dem Eingang von der Grünthaler Straße erworben werden. Die Versammlung stimmt zu. Zur wirksameren Bekämpfung der Diphtherie- Epidemie im Stadtgebiet hat der Magistrat die Aufstellung weiterer 60 Diphthericbetten im Kranienhause Moabit beschlossen und die Aufträge bereits erteilt. Ferner soll für die Dauer der herrschenden Epidemie, und zwar zunächst für zwei Monate, die Aufnahme Diphtheriekranker in ein städtisches Krankenhaus ohne vorherige Prüfung der Kostenfrage erfolgen. Die vom Stadtmedizinalrat in erster Linie gegebene Anregung, Fürsorgeschwestern anzustellen, die ihre Fürsorge in erster Reihe den Familien zu widmen hätten, in denen diphtheriekranke Schulkinder sich befinden, hat der Ma- gistrat zunächst den zuständigen Deputationen zur Beratung über wiesen. Stadtv. Dr. Wetzl(Soz.): Wir beantragen Ausschußberatung. Wenn der Ausschuß schon heute ernannt wird, kann unbedingt eine Verzögerung der Erledigung nicht entstehen. Es liegt uns daran, Anregungen zur Ergänzung und Verbesserung der Vorlage zu geben, die ohne die Fürsorgeschwestern nur Stück, und Flickwerk, za völlig zwecklos ist. Das hat erst gestern noch Geh. Rat Klemperer vom Moabiter Krankenhaus im„Lokal-Anzeiger" nachgewiesen. Mehr wert als heilen ist vorbeugen; und diese Schwestern sind die Trägerinnen vorbeugender Maßnahmen, sie können in die Fa- Milien eindringen und dafür sorgen, daß die Kranken früh» zeitig in Behandlung kommen. Der nahende Winter mit den Gefahren der Unterernährung, der Folge der stetigen Steigerung aller Lebensmittelpreise, bereitet der Seuche den Nährboden; diesen gilt es abzugraben. Dazu gehört auch Herabminderung der Preise und Erhöhung der Unterstützung der Kriegsteilnehmerfamilien. Wird wirksam vorgebeugt, so brauchen wir vielleicht die 60 neuen Betten gar nicht. Auch eine andere Lücke wäre auszufüllen. Die ärztliche Fürsorge für die Kriegsteilnehmerfamilien ist jetzt den Armenärzten ausgebürdet. Es ist zu verstehen, wenn eine Mutter «S als beschämend empfindet, in solchem Falle in die Sprechstunde des Armenarztes gehen zu müssen. Die Behandlung Kranker ist doch Vertrauenssache. Es wäre schon viel gebessert, wenn die Frauen sich in freier Wahl den ihnen geeignet scheinenden Armenarzt aussuchen oder den zuständigen Armenarzt auch außer. halb der Armensprechstunde konsultieren könnten.— Von den Deputationen hat die für die Krankenhäuser heute der Institution der Fürsorgeschwestern bereits zugestimmt; aber es kann vielleicht noch Wochen und Monat« dauern, bis auch die anderen schlüssig geworden sind. Man soll doch nicht so bureaukratisch verfahren, sondern die Institution schleunigst schaffen und sie dem Medizinal- rat unterstellen. Wir können nur wünschen, daß sie eine ständige wird, auch für Friedenszeiten. Stadtrat Doflein: Wir schulden den Armenärzten Dank für ihre Bereitwilligkeit, in ihren Sprechstunden auch die Kriegsteil- nehmerfrauen unentgeltlich zu behandeln; der Gedanke, daß damit die Behandlung der Frauen ein Akt der Armenpflege geworden wäre, ist niemals aufgetaucht. Ueber die beiden gegebenen An- regungen kann ja mit den Armenärzten verhandelt werden. Stadtv. Prof. Landau(Fr. Fr.) ist auch über das den Armen- ärzten implicitc bekundete Mißtrauen befremdet. Auch seine Fraktion ist mit Ausschußberatung einverstanden und legt den größten Wert auf die alsbaldig« Bestelluna von Fürsorge- schwesrern, die die Vorbedingung für eine wirksame Vorbeugung darstellten. An geeignetem Material fehle es nicht. Stadtv. ltzalland äußert sich für die Linke in gleichem Sinne. Stadtv. Dr. Zadel(Soz.) findet es doch etwas auffallend, daß der Magistrat die vom Medizinalrat in die e r st e Stelle gerückte Anregung zurückgestellt hat. Die Schwestern seien das wesent- liche Erfordernis; bei der Diphtherie sei die Krankenhausbchand- lung nicht absolut nötig, sondern es komme darauf an, daß die Krankheit schnell erkannt werde. Geschehe das in den ersten drei Tagen, so genüge ein einziger Eingriff für eine glatte Heilung. Die Belehrung der Familien könne nicht anders und nicht besser erfolgen, als durch Fürsorgeschwestern. Sodann empfiehlt Redner die allgemeine unentgeltliche Gewährung des Serums, einfach auf das Rezept der Aerzte hin, wie es in Neukölln längst geschehe. Bürgermeister Dr. Reick«: Schon aus Höflichkeit haben wir nichts gegen einen Ausschuß einzuwenden, aber ein besonderer Grund dafür scheint mir doch nicht vorzuliegen. Auch die Armen- Verwaltung hat bereits ihr zustimmendes Votum abgegeben, und die Schuldeputation wird auch nicht Wochen, oder gar monatelang auf sich warten lassen. Medizinalrat und Magistrat in einen Gegensatz zu bringen, ist ein Versuch niit untauglichen Mitteln. Stadtmedizinalrat Dr. Weber: Das Serum wird an Bedürf- tige schon jetzt kostenlos abgegeben, auch zu prophylaktischen Impfungen. Die vorherige Erledigung der Kostenfrage schied bis- her nur in schweren Fällen aus, jetzt soll das auch bei den leichten geschehen. Stadtv. Dr. Wetzl: Nicht nur die Höflichkeitsrücksicht, sondern die innere Notwendigkeit gebietet die Zustimmung zur Einsetzung eines Ausschusses. Die Deputationen werden, wenn ein Versamm- lungkbeschlutz vorliegt, doch etwas schneller arbeiten bzw. ein- schlvenken. Die Tüchtigkeit unserer Armenärzte schätze ich sehr hoch; in der Armensprechstunde aber geht bei dem kolossalen An- drang doch eine Behandlung mehr oder minder in Bausch und Bogen vor sich. Stadtv. Dr. Zadel: Ohne die Fürsorgeschwestern können wir die leichten Fälle gar nicht ermitteln. Die Serumgewährung mutz von allen Umständlichkeiten befreit werden. Die Vorlage geht nunmehr an einen Ausschuß, der vom Vorstande sofort ernannt wird und dem auch Glocke, Hintze, Stadthagen, Dr. Wehl(dieser als Vizevorsitzsnder) und Wurm(Soz.) angehören. An den Magistrat von Neukölln will der Magistrat im Vergleichstvege als Zuschuß zu den S ch u l l a st e n für die Jahre 1893—1906 dia Summe von 214 712 M. zahlen. Unseren 1 Lesern ist über den Sachverhalt bereits ausführlich Mitteilung ge- macht worden. Die Vorlage wird nach kurzer Debatte an einen Ausschuß verwiesen. Schluß 7 Uhr._ Mus Groß-öerlin. ßelögraue Kinöermäöchen. Nach der Kriegsschnelleheschlicßung gab es einen schmerz- lichen Abschied. Wird er jemals wiederkommen, der sein Glück nur wie die Eintagsfliege genoß? Wird die junge Frau den kurzen Ehetraum tauschen müssen mit demWitwcn- schleier? Die Feldpostbriefe wurden seltener und seltcucr. Die kriegerischen Ereignisse in ihrer reißenden Schnelligkeit und die schweren Anforderungen des Dienstes ließen eS nicht immer zch, daß der tapfere Krieger statt zum Schwerte nach Wunsch zur Feder griff. Bange Wochen und Monate ver- rannen in zehrender Ungeduld. Dann nach langer P)ause wieder mal eine Kunde und noch eine... er lebt, ist munter und gesund. Wie er sich freut, der junge Gatte. auf die Heimkehr, auf den ersten Urlaub... und auf den Stammhalter I Alle anderen Gedanken werden zurückgedrängt von diesem einen in �dcn knappen Feldbriefen. Immer von neuem kommt etwas dazwischen. Nein, es geht noch nicht. Tausende. Zehntausende, denen das Heimweh frißt am Herzen, nlüssen warten. Endlich..- nach einer besonders forschen Leistung hat es die KompagniSmutter verkündet... er darf auf eine Woche nach Hause. Vergessen sind alle Strapazen, vergessen all' die furcht- baren KrießSeindrückc. nur die Freude des Wiedersehens in der Heimat füllt daS ganze Herz. Ja, so schnell geht's doch noch nicht. Vom Osten oder Westen nach Berlin dauert die Reise zwei und mitunter drei Tage. Langsam, viel zu langsam für das Stürmen in der Brust faucht der Zug in die mächtige, menschengcfüllte Halle. Brennend suchen die Blicke, bis sie sich finden. Da steht sie. die er seit einem Jahre nicht gesehen, hält ihm jauchzend das kleine Ouack ent- gegen. Ein anderer ist er geworden, tiefgebräunt und bitter- ernst.... Was man erlebt hat da draußen im Felde, das vergißt man ja nicht wieder. Warm hat er die Eltern, die Gattin geherzt und geküßt... und steht nun stumm, leise zitternd, in selige Gedanken versunken vor dem, was ist von semem Fleisch und Blut. Wie ganz anders doch, als wenn er zu Hause blieb! Tausend Ge- danken hat er gesponnen, wie der Junge wohl aussieht, und hat ihn nun mit seinem hellen Kriegsgcschrci leibhaftig tior sich. Der gehört ihm, solange er in der Heimat ist, nur ga.iz ihm. Sanft wehrt er die Eltern, die Gattin ab. nimmt den seinen blonden Schreihals auf den starken Arm und schreitet stolz wie ein siegreicher Feldherr durch die Gasse des Bahnsteigs. Das Publikum auf dem Bahnsteig, auf der Straße bleibt wie gebaimt stehen. Seht doch, ein Kinder- mädchcn in Feldgrau. Man siehst es jetzt so oft und freut sich des herzigen Anblicks immer witAdcr. Der Feldgraue wird ver- legen. Was die Leute nur haben.*■ ivas sie nur Ivollen! Es ist doch so selbstverständlich, daß er seinen Jungen nach Hause trägt, zart und behutsam wie ein Vögelchen in der rauhen Kriegerfaust. Nicht das erste Mal i�t es ja, daß er Kinder- mädchen spielt. Da oben in Belgien und später in Russisch- Polen... wie oft haben da er u.tzd seine Kameraden die hungrigen Mäulchen gefüttert und gPtan, was doch nur Menschcnpflicht ist. Treuherzig erzählt pr... vom Selbst- verständlichen. Leuchtenden Auges hören ihm die Eltern, die Gattin zu. Und morgen, überluotgeA, alle Tage, die schnell schivindendcn in der Heimat, schiebt er den Kinderwagen, wenn es froh hinausgeht in die frische Herbst- luft. Weißt Du noch. Du großer blonder.Junge, was Du einst Deiner Braut sagtest? Ich und dvn Kinderwagen schieben... lieber Scheidung mit Pauken utzid Trompeten l Schalkhaft hält es ihm die junge Frau vor. Und er lacht aus vollem Halse und trottet im feldgrauen Kle)Hc treu hinter der Ehestandskutsche mit dem kleinen blonden �Jungen, der sein, ganz sein ist._ Dumpfiges Mehl. Aus Werneuchen schreibt uns der Besitzer der Datznpfmühle Lehmann auf unsere unter obiger Spitzmarke veröffentlichte lllotiz: „Wenn ein schlechtes Mehl geliefert wird, dann gibt manv selbstverständlich den Mühlen schuld, doch tut man den Mühlen in idiesem Jahre vollständig damit unrecht. Zu Anfang dieses Jahres be- mühte man sich zwecks Sicher st ellung der Volksernäh» r u n g, die Getreidemengen von den Landwirten nach großen Lager» räumen zu schaffen, um die nötigen Reserven für die letzten Monate des Erntejahres aufzuspeichern. Als Lagerplätze kamen zum größten Teil die Mühlen in Betracht. So wurde dann von der K.-G. daL Getreide den Mühlen zugeführt, so wie es von den Landwirten geliefert wurde und zwar infolge der sehr feuchten Witterung«- Verhältnisse der ersten Monate in etwas klammem Zustande. Ein großer Teil des Roggens lagert nun von Januar bis September mit allen Witterungsverhältnissen, der Blütezeit, der anhaltenden großen Hitze des Sommers kämpfend; daß da das Getreide einen Sommergeruch bekommt, ist wohl jedem Laien leicht verständlich. So wurde auch unter miberem die Mühle Lehmann, Wer- neuchen, angeklagt, dumpfiges Mehl abgeliefert zu haben. Vor- bezeichnete Mühle hat ihren Roggen in jenen ersten Monaten be» kommen und hat jetzt noch einen Teil deS Roggens auf Lager, daS heißt rund gerechnet 8— 9 Monate Lagerung für feuchtes Getreide. Dazu kommt noch die anhaltende Gluthitze des SommerS, so daß für den im Silo warm gewordenen Roggen keine Abkühlung her- beigeführt werden konnte, trotz stärker Bearbeitung bei Tag und Nacht. Auf dringendes Ersuchen um Vermahlung des Roggens wurde kein Gehör geschenkt. So war dann ein« Folg« ein Dumpfigwerden des Roggens. Andere Großmühlen wurden Tag und Nacht beschäftigt, so daß sie ihren Roggen nicht lange zu lagern hatten uiid auch infolgedLssen ein einwandfreies Mehl liefern konnten. So ist also die Dumpfigkeit des Mehles einzig und allein auf die kriegerischen sowie Witterungsverhältnisse zurückzuführen. Die Bäcker beklagen sich mit Recht, ein dumpfiges Mehl zu bekom- men, daß sie aber andererseits nicht die Zeit in Betracht ziehen, ist sehr bedauerlich. In der Nummer 266 wurden die Ursachen des schlechten Mehle« auf ein Täuschungsmanöver der Mülflenbesitzer zurückgeführt, die das Getreide anfeuchten, um durch eine 10—12 Proz. schärfere Ausmahlung, als das Gesetz eö zuläßt, die dunkle Farbe des MehleS vermeiden zu ttvbllen. Wie denkt sich der Verfasser eine 10 bis 12 Proz. stärkere Ausmahlung? Die gesetzliche Ausmahlung betrug 83 Proz., dazu. 12 Proz.— 97 Proz. Bei der langen Lagerung sind mindestens 5— 6 Proz. Manko, mithin würde nur eine 9 Proz. stärkere Ausn/ahlung ein Roggenschrot ergeben. Damit wäre wohl die Ansicht d/esselben ganz und gar hinfällig. Es ist ein Kleines, diesen Uebelstand zu beseitigen, indem man solches Mel/ mit gutem neuen Mehl vermengt und ergibt das nach dem Urteil, der„Versuchsanstalt für Getreideverarbeitung" ein so- gar vorzüglich backendes und schmeckendes Brot." Die Zuschrift des Herrn Lehmann sucht das Dumpfigwerden des Mehles zu erklären, sie ändert aber nichts an der Tatsache selbst, dcH dieses Mehl den Bäckern zum Verbacken geliefert worden ist und daß die Konsumenten das dumpfig schme'ckende Brot voll bezahle«/ und verzehren müssen. Di'- in unserer Notiz über Anfeuchten von Getreide gemachten Angaben sind Aeußerungen von Sachverständigen, die diese städti- schen Behörden gegenüber getan haben. Fälschlich totgesagt. Es war Ende August vorigen Jahres. Da erhielt eine in der Voigtstr/aße wohnende Familie F. die traurige Nachricht, daß der im Osten kämpfende Sohn gefallen sei. Der Feldwebel, der die Nach- richt um die Eltern unterzeichnete, sprach bei der Gelegenheit sein herzl/chstes Beileid aus. Auch die dann erscheinende Verlustliste be- stäti/gte noch einmal die schmerzliche Kunde, daß der Sohn durch Kopfschuß gefallen sei. Trauer kehrte in die Familie F. um den er- litVenen Verlust ein. Jetzt nach Jahresftist bringt der Briefträger eine Karte. Die Mutter traut ihren Augen nicht. Das ist doch die Handschrift ihreS Erich. WaS: Erich lebt? Ja er lebt; er schreibt es selber. Er teilt mit, daß er sich als Kriegsgefangener in Schkotow in Ost- sibirien befindet. Er sei wohl und bat die Mutter, sich um ihn keine Sorgen zu machen. Er nimmt an, daß die Mutter wohl nicht wisse, wo er sich befinde, da er noch keine Nachricht erhalten habe. Die Karte ist datiert vom 10. Juli und dieser Tage ange- kommen. So groß der Schmerz über die Nachricht von dem Verlust deS Sohnes war, so groß die Freude über die überraschende Mit- teilung, daß der Totgesagte und Betrauerte noch lebe. Solche Fälle kommen öfter vor, sie sind begreiflich. Bei den sich oft schnell abwickelnden Aktionen find Verwechselungen nie ganz zu vermeiden trotz aller Gewissenhaftigkeit, mit der zu Werke ge- gangen werden möge. Die Meldungen über den Verbleib anderer Kameraden werden oft von Kameraden an Vorgesetzte erstattet. Da kann in der Eile schon mal eine Verwechselung und irrtümliche Meldung vorkommen. Manche Mutter und manche Kriegerftau wird die Mutter deS Kriegsgefangenen in Ostsibirien beneiden und wünschen, daß auch die ihnen gemachte Nachricht vom Tode des Sohnes oder Gatten sich als falsch erweisen möchte. Gültiges Berliner Or�srecht. sHeranzichung von Grundbesitzern zu Sträßenverbreiternngskosten.) Gemäß ihrem schon 1902 durch/ einen Gemeindcbeschluß kundgegebenen Willen, in Zukunft sion dem Recht aus Z 9 des Kommunalabgabengesetzes Gebrauch zu machen, beschlossen die städtischen Körperschaften von, Berlin im Jahre 1908, zu den Kosten der Verbreiterung d/er Universitätsstraße zwischen Georgcnstraße und Dorotheenst/raße die Besitzer der auf der Ostseite dieser Straßcnstrecke belegenen Grundstücke wegen der ihnen durch die Verbreiterung erwachsenen Vorteile zu Kosten- beitrügen heranzuziehen. U'zd zwar wurden die Beiträge auf 50 Proz. des Mehrwerts der Grundstücke, den sie durch die Verbreiterung erfahren haben, festgesetzt. Die Bedingungen, unter denen die Heranziehung der Grundbesitzer erfolgen sollte, wurden näher formuliert Auf Grund dieses Äpezialbcschlusies von 1908 wurde nun im Jahre 1913 die Gesellschaft Bureauhaus, Universitäts- straße 2, 3 und 3 a xvAt 94 578 M. herangezogen. Die Gesellschaft klagte auf Freistellung und beantragte, den Gcmeindebeschlilß von 1908 für ungültig zu erklären. Der Bezirksausschuß wies die Klage ab und erachtete den Gemcindebeschluß für gültig. Das Oberberwaltungsgericht hat jetzt die Eni- scheidung bestätigt. Zur Begründung wurde unter anderm ausgeführt: Aus den klaren Bestimmungen des Kommunalabgaben- gesetzcs und r/us der Entstehungsgeschichte ergebe sich, daß die Erhebung Vv/N Beiträgen gemäß§ 9 auch dann zulässig sei, wenn die im öffentlichen Interesse erfolgte Veranstaltung(hier die Straßenverbreiterungs vor der Fassung des Beschlusses über die Erhebung von Beiträgen ausgeführt sei, ja selbst, wenn die. Ausführung vor dem Inkrafttreten des Kommunal- abgabenaesetzes erfolgte. Auch handele es sich hier bei der Verbrei/erung der fraglichen Straßenstrecke um eine selb- ständig/e Veranstaltung gemäß§ 9. Von einer g r u n d- s ä tz l/i ch e n Ungleichmäßigkeit in der Behandlung der An- lieger der Straßenstrcckc, die allein das Ortsrecht un- gültig machen könnte, könne hier auch keine Rede sein. Denn die, Grundbesitzer der Westseite seien auf Grund tatsächlicher Er- w/ägungen aus Gründen der Angemessenheit und Billigkeit nicht zu Beiträgen herangezogen worden. Die Nachprüfung olcher Gründe liege aber dem Vcrwaltungsrichter nicht ob. Auch sonst liege keine Ungleichmäßigkeit im Rcchtssinne vor. Von Verjährung der Forderung könne ebenfalls keine Rede sein.— Und verfehlt sei schließlich auch der Einwand der Gc- sellschaft, daß die Aufnahme der Verbrefterungskosten in den städtischen Etat von 1903 eine endgültige Deckung der Kosten bedeutete, so daß ein Verfahren gemäß ß 9 des Kommunal- abgabengesctzes nicht mehr möglich gewesen wäre. Dieser Einwand, der von Bedeutung sei, werde nämlich dadurch entkräftet, daß der Etat bei diesem Punkte einen Hinweis auf den allgemeinen Beschluß von 1902 enthalte, nach dem in Zukunft von dem Rechte auf Erhebung von Beiträgen aus§ 9 des Kommunalabgabengesetzes Gebrauch gemacht werden sollte. Daraus sei auf den Willen der städtischen Körperschaften zu schließen, die Kosten für die Verbreiterung nur vorläufig in den Etat einzustellen, nicht aber eine end- gültige Kostendeckung durch den Etat vornehmen zu wollen. Nach alledem sei das Ortsrecht(Spezialbeschluß von 1908) rechtsgültig und die klagende Gesellschaft mit Recht zu dem Kostenbeitrage von 94 578 M. herangezogen worden. Kein späterer Unterrichtsbeginn in Berlin. Wir lesen in einem hiesigen Blatte folgende Notiz:.Es war von einigen Seiten angeregt worden, an den Berliner Gemeinde- schulen den Beginn des Unterrichts statt wie bisher um 8 Uhr in den dunklen Wintermonaten Dezember bis Februar einschließlich um Z'/z Uhr beginnen zu lassen. Als Grund für diese Maßnahme wurde angegeben, daß die Kinder bei Beginn der Schule um 8 Uhr oft bei Licht arbeiten müßten, daß im Westen der Monarchie der Unterricht auch erst um 8'/, Uhr anfange usw. Alle diese Gründe sind aber nicht stichhaltig befunden worden, und daher wird an den Gemeindeschulen in Berlin der Unterricht auch in der dunkelsten Zeit des Jahres um 8 Uhr seinen Anfang nehmen/ Unsere Ansicht gegen eine beabsichtigte Verschiebung de? Unterrichts- beginnes haben wir kürzlich dargelegt. Deputation für das städtische Gesundheitswesen. Gestern fand im Dienftgebäude des städtischen Medizinalamtes die erste Sitzung der durch Gemeindebeschluß neu gebildeten Depu- tation für das städtische Gesundheitswesen statt. Als Mitglieder gehören ihr an die Stadträte Stadtmedizinalrat Geheimrat Dr. Weber, Geheimrat Dr. Moste, Dr. Franz und Runge, ferner die Stadtverordneten Geheimrat Dr. Landau, Justizrat Galland, Dr. Wehl, Dr. Kuhlmann, Dr. Jsaac, Wurm, Dr. Herzberg und Meyer sowie als Bürgerdeputierte die Universitätsprofestoren Geheim- räte Dr. Flügge und Dr. Gabriel. Der Vorsitzende der Deputation, Stadtmedizinalrat Dr. Weber, gab einen kurzen Ueberblick über die Entstehungsgeschichte und die Aufgagen der neuen Deputation, deren Tätigkeit von größter Be- dcutung für das städtische Gesundheitswesen sein wird. Im Vorder- grund der Beratung stand die Frage der Beschäftigung von be- sonderen Fürsorgeschwestern zur Diphtherie-Bekämpfung, eine Frage, die in engem Zusammenhang steht mit den Maßnahmen zur Diphtherie-Bekämpfung, die auf Grund der Magistratsvorlage in der gestrigen Stadtverordnetensitzung Gegenstand eingehender Er- örterungen bildete. Es wurde beschlosten, dem Magistrat zu empfehlen, alsbald aus dem Bestände der städtischen Schwestern dem Medizinalamt 5 Schwestern zur Verfügung zu stellen, die als besondere Fürsorgeschwestern bei der Bekämpfung der Diphtherie tätig sein sollen. Diese Fürsorgeschwestern, die in der bakteriologischen Abteilung des Medizinalamtes theoretische und praktische Ausbildung für diese Tätigkeit erhalten sollen, sollen ihre Fürsorg« in erster Reihe im Anschluß an die Diphtheriebekämpfung in den Schulen den Familien widmen, in denen sich kranke Kinder befinden. Das Medizinalamt hat für die Obliegenheiten dieser Fürsorge- schwestern Leitsätze aufgestellt, die Billigung der Deputation fanden. Vom Auto überfahren. Ein schreckliches Unglück ereignete sich am Dienstagnachmittag 4t/� Uhr an der Ecke der Nostiz« und Bergmannstraße. Zwei Kinder, ein Mädchen von S und ein Knabe von ö Jahren, überschritten, an- gefaßt, den Fahrdamm der Bergmannstraße, als ein Auto von der Bellc-Alliance-Straße her in voller Fahrt daherkam. Die Kinder hatten fast die Mitte des Fahrdammes erreicht, als sie das Auto- mobil bemerkten. Im ersten Schrecken wollten sie umkehren, liefen aber doch vorwärts. Im nächsten Augenblick geschah etwas Schreckliches. Das Auto bog nach derselben Richtung aus, wohin die Kinder liefen. Ein dumpfes Krachen und zwei Kinderleiber lagen regungslos am Boden. Der Knabe mitten aus dem Damm, das Mädchen lag 10— 15 Schritte davon und war bis nahe an die Bordschwelle geschleudert worden. Schutzleute hoben die Verunglückten auf, die kein Lebenszeichen mehr von sich gaben. Das Auto war über alle Berge. Dieser Vorfall gibt allen Eltern die eindringliche Mahnung, den Kindern immer wieder einzuschärfen, vor dem Ueberschreiten eines FahrdammeS erst nach beiden Seiten sich umzusehen, ob auch in der Ferne nicht etwa ein Auto naht. Das Ueberschreiten der Bergmannstraße ist übrigens lebensgefährlich wegen der vielen Autos, die gerade in dieser von Kindern und Erwachsenen belebten Straße fahren._ Kleine Nachrichten. In ihrer Wohnung tot aufgefunden wurde in der vergangenen Nacht die 56 Jahre alte Pförtnerfrau Josephine Noll geb. Mielenz aus der Besselstraße 15. Sie ist wahrscheinlich am Herzschlag gestorben. Die Leiche lvurde zur bestimmten Fest- stcllung der Todesursache beschlagnahmt und nach dem Schauhauie gebracht.— Beim Spielen ertrunken ist gestern nachmittag der acht Jahre alte Schüler Willi Schulz aus der Harzer Straße 83 zu Neu- tölln. Der Knabe tummelte sich mit mehreren anderen zwischen der Wildenbruchbrücke und dem Elsensteg auf dem Ufer des Neu- köllner Schiffahrtskanals. Dabei kam er der Böschung, die hier steil abfällt, zu nahe, glitt ab und fiel mit einem lauten Aufschrei ins Wasser. Nur noch einmal tauchte er auf, dann ging er sofort wieder unter und blieb verschwunden, bis man ihn nach längerem Suchen abends als Leiche landete.— Auf der Straße vom Tode überrascht wurde gestern nachmittag der Dr. phil. Wilhelm Schultz aus Zeuthen, ein Mann von 68 Jahren, der sich vorüber- gehend in Neukölln aufhielt. Hier brach er vor dem Hause Sprem- berger Straße 11 plötzlich besinnungslos zusammen und starb schon auf dem Wege nach der Unfallstation in der Steinmetzstraße im Krankenwagen. Die Leiche wurde zur Feststellung der Todesursache beschlagnahmt._ /ius den Gemeinden. Stadtverordnetenversammlung in Charlottenburg. In der Sitzung am Mittwoch erfolgte zunächst die Einführung des auf 12 Jahre wiedergewählten Stadtrats und Kämmerers Scholtz. Neugewählr an Stelle des Stadtrats Boll, der auf eine Wiederwahl verzichtet hat, und des Stadtrats Scydel, der den Posten des Bürgermeisters von Halle antritt, wurden die Stadträte Göritz aus Danzig und Dr. Houtermans auS Posen. Sodann genehmigte die Versammlung verschiedene ElatSüberschreitungen, darunter die der zur Feststellung der Mehlvorräte und der Brot- kartenausgabe ausgeworfenen Mittel. Im übrigen erledigte die Versammlung nur unbedeutende Vorlagen und Petitionen. Eine Petition des Haus- und Grundbesitzervereins betr. Erlaß der Gemeindegrundsteuer im Verhältnis zu den erlassenen Mieten wurde dem MagHtrat als Material überwiesen, ebenso eine Petition des Deutschen Privatbcamtenvereins betr. Errichtung öffentlicher Stellen- nachweise. Die für nächsten Mittwoch in Aussicht genommene Sitzung fällt auS Mangel an Beratungsstoff aus. Hausbefitzerwünsche in Wilmersdorf. Die Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vom 29. Sep- lember brachte einen Vorstoß der Fraktion der Freien Vereinigung zugunsten deS„notleidenden Hausbesitzerstandes". Eben ist das städtische Hypolhekenamt eröffnet, aber der Beistand, den diese Einrichtung den bedrängten Hausbesitzern leisten kann, genügt den eifrigsten Vertretern ihrer Interessen noch nicht, und die Absicht der Freien Vereinigung geht dahin, Wilmersdorfer Bürgern, denen während des Kriegszustandes oder innerhalb dreier Monate nach dessen Beendigung eine auf höchstens 75 Proz. des Grundstücks- wertes auslaufende nachstellige Hypothek auf ein in Wilmersdorf gelegenes bebautes Grundstück durch Kündigung oder Zeitablaus fällig wird, den Betrag der Hypothek als verzinsliches Darlehen auf ein Jahr ohne Abzahlungsverpflichtung aus städtischen Mitteln zu gewähren. Begründet wurde der Antrag von dem Stadiv. v. d. B 0 r g h t, der bekanntlich mit der Haus« und Grundbesitzerbewegung aufs engste verwachsen ist, aber er fand schon bei der liberalen Fraktion lebhaften Widerspruch. Die Redner der Liberalen, die Stadtvv. Cohn, Leibholz, Zouac und Edel, betonten durchweg ihre herzlichen Sympathien mit dem Hausbefitzerstande, aber es gehe den» doch nicht an, daß die Stadt ein Risiko übernehme, wie es der An- trag vorsehe. Es gab eine ziemlich lebhafte Auseinandersetzung zwischen den Liberalen und dem Herrn van der Borght, der u. a. versicherte, es bereite ihm ein psychologisches Vergnügen, konstatieren zu können, daß die liberale Fraktion in dieser Frage versage. Er drohte seinen Gegnern mit der Rache der Hausbesitzer Genosse Breitscheid schloß sich im großen und ganzen den von liberaler Seite vorgebrachten Bedenken an. Die Stadt dürfe bei Kricgsunterstüyungen vor einem Risiko nicht zurückschrecken, aber das Risiko, das hier zugunsten der Hausbesitzer und Hypolheken« gläubiger gefordert werde, sei ungeheuer groß und stehe vor allem nicht im Verhältnis zu den Risiken, die man bei den Beihilfen für andere Schichten eingehe. Es könne dahin kommen, daß die Stadt schließlich auf einer Anzahl der von ihr beliebenen Hänser sitzen bleibe. Das sei dann zwar der Anfang von einer Art von Munizipal« sozialismus und Redner freue sich, Herrn v. d. Borght als Mitkämpfer für die Erwerbung von Haus- und Grundbesitz durch die Stadt begrüßen zu können(Herr v. d. Borght winkte lebhast ob), jedoch für richtiger halte er es dann doch, wenn sich die Stadt die Grundstücke und Häuser, die sie besitzen wolle, selbst aussuche. Der sozialdemokratische Sprecher bemängelte auch noch eine Reihe von Einzelheiten der Vorlage, der er in jeder Beziehung ablehnend gegenüberstehe. Der Gegenstand wurde schließlich an den Finanzausschuß ver- wiesen, in dem kein Sozialdemokrat ist. Der Magistrat griff in die Debatte nicht ein. Genosse B r e i t s ch e i d meinte, dieses Schweigen sei hoffentlich darauf zurückzuführen, daß der Magistrat durch eine ablehnende Stellungnahme das„psychologische Vergnügen" des Herrn van der Borght nicht noch erhöhen wolle. Kindcrfürsorge in Neukölln. Mit Rücksicht auf die durch den Krieg hervorgerufenen schwie« rigeu Familienverhältnisse hat die Kinderfürsorge in Neukölln seit Kriegsbeginn eine erbebliche Ausdehnung erfahren. Unter reichlicher Gewährung von Beihilfen aus städtischen Mitteln wurde darauf hingewirkt, daß die Gelegenheiten, Kinder tagsüber unter Aufficht zu geben, vermehrt wurden. So bestehen jetzt zwei Mädchenhorte, in der Bergstraße 29 und in der Friedelstraße 68. ein Knabenhort in der Steinmetzstraße 113. Für die noch nicht schulpflichtigen Kinder sind sieben Kindergärten eingerichtet, Kirchgasse 3, Leuaustraße 4—7, Fuldastraße 50/51, Nansenstraße 12, Hermannstraße 214, Weise- straße 34, Dclbrückstraße 45. Für die unter zwei Jahre alten Kinder bietet die städtische Kinderkrippe, Canner Straße 42, Ge- legenheit zur Unterbringung. Außerdem tragen die vom Frei- willigen Erziehungsbeirar und der Sozialdemokratie eingerichteten Spielnachmittage dazu bei, die Kinder, welche der elterlichen Aussicht entbehren müssen, den Gefahren der Straße zu entrücken. Um Kindern Gelegenheit zur Einnahme des Mittagessens zu verschaffen, bestehen drei Kindervolksküchen des Freiwilligen Erziehungsbeirats in der Steinmetzstraßc 113, Canner Straße 46 und Fnedelstrnße 68. Soziales. Rekordarbeiter oder Betrüger? Wie diese Frage zu beantworten sei, darüber stritten die Parteien in einer Klage, die am Donnerstag vor der Kammer 2 des Gewerbegerichts verhandelt wurde. Kläger war der Sattler Becker. Er forderte von der LederwarensabrikUnion G. m. b. H. 97 M. Akkordlohn, die zu zahlen sich die Firma weigerte, weil ihrer Angabe nach der Kläger seit längerer Zeit mehr Arbeiten in Anrechnung gebracht und bezahlt bekommen habe als er tatsächlich gemacht haben könne. Derartige betrügerische Schiebungen sollen bei der Union in größcrem Umfange vorgekommen und verschiedene Arbeiter sollen daran beteiligt gewesen sein. Wie es möglich war, daß mehr Akkordarbeiten abgeliefert werden konnten als die Arbeiter über- Haupt angefertigt hatten, konnte nicht aufgeklärt werden. Schiebungen der angegebenen Art konnten jedenfalls nur ausgeführt werden, wenn man annimmt, daß es im Betriebe der Union an der erforderlichen Kontrolle und geschäftlichen Korrektheit fehlte. Möglichenfalls sind die fertigen Arbeiten bei der Verrechnung und Bezahlung den Arbeitern nicht sogleich abgenommen worden, so daß es möglich war, daß bereits bezahlte Arbeiten am nächsten Lohntage nochmals verrechnet und bezahlt werden konnten.— Ein Zeuge bekundete, der Kläger habe wenig gearbeitet, sei öfter zu spät gekommen, habe einen erheblichen Teil der Arbeitszeit rauchend und Vier trinkend verbracht und trotzdem ungewöhnlich große Mengen Arbeit abliefern können.— Zum Beweise dafür, ob ein Arbeiter die vom Kläger in den letzten drei Wochen seiner Be« schäftigung abgelieferten Arbeiten überhaupt habe anfertigen können, wurden als Sachverständige der Lederwarenfabri- kant Kobau und ein Meister der Königlichen Ar« tilleriewerk statt vernommen. Ihr Gutachten ging dahin: Wenn angenommen würde, daß der Kläger ein ungewöhnlich tüchtiger Arbeiter sei und schneller arbeiten könne als irgendeiner von den vielen, den Sachverständigen bekannten tüchtigen Facharbeiter, dann müßte er, um die angegebenen Arbeiten fertigzustellen, in der ersten Woche 85, in der zweiten Woche 87. in der drillen Woche 104 Stunde» gearbeitet haben, während die regelmäßige Arbeitszeit in der Union wöchentlich 53 Stunden betrug. Der Kläger blieb allen Vorhaltungen gegemiber dabei, daß er nur sein ehrlich verdientes Geld fordere. Er habe die fraglichen Arbeiten talsächlich gemacht. Sie seien nicht immer in derselben Woche, wo sie fertiggestellt waren, abgeliefert und verrechnet worden. Daraus erkläre sich, daß wohl in einer Woche mehr abgeliefert als hergestellt sei, weil Arbeiten aus vorhergegangenen Wochen hinzu- kamen. Er habe allerdings ungewöhnlich viel geleistet, denn er sei ein hervorragend flinker Arbeiter, auch sei es mit der vorschrifts- mäßigen Ausführung der Arbeiten in der ftaglichen Zeit nicht genau genommen worden. Er brauche für die betreffenden Arbeiten kürzere Zeit, als ihm die Sachverständigen angerechnet hätten.„Wozu brauchen wir Sachverständige?"— sagte der Kläger— „ich bin bereit, mich hierherzusetzen und die Arbeiten vor den Augen des Gerichts anzu- fertigen. Das ist der be st e Beweis". Das Gericht wies den Kläger mit seiner For- derungab. Es hielt für erwiesen, daß er die in den fraglichen drei Wochen abgelieferten Arbeiten selbst bei größtem Fleiß und unter Zuhilfenahme von Ueberstunden nicht habe leisten können und daß er sich auch früher schon an Betrügereien gegen die Firma be- teiligt habe. Der hierdurch der Firma entstandene Schaden sei größer als die Forderung des Klägers. Wenn auch die Auftechnung eines Schadeneesatzanspruches gegen verdienten Lohn unzulässig sei, fo habe doch der Kläger gegen Treu und Glauben gehandelt. Sein« Forderungen an die Beklagte seien auf einen Verstoß gegen die guten Sitten zurückzuführen und deshalb abzuweisen. Die Velveiswürdigung des Gerichts fordert zu sehr er- heblichen Bedenken heraus. Der Beklagten lag der Beweis ob, daß tatsächlich mehr angerechnet als abgeliefert sei. Den hat sie nach keiner Richtung erbracht. Auch nicht für eine einzige Woche hat sie aufzuklären vermocht, wodurch die ver- meintlich falsche Abrechnung erfolgt ist. Die Kachverständigen konnten naturgemäß nichts über das Beweisthema, nämlich darüber bekunden, ob weniger als dem Kläger angerechnet wirklich abgeliefert i st. Mochte aus ihren Aussagen selbst zu folgern sein, daß nicht mehr der Beklagte zu belveisen hatte, daß und wie viel weniger geleistet als berechnet ist, sondern daß nunmehr dem Kläger der Beweis für seine Leistungen oblag, so durfte das Gericht, ohne dem Recht zu nahe zu treten, doch den vom Kläger für seine Behauptungen angetretenen Beweis nicht ablehnen. Die freie Beweis- Würdigung des Gerichts in allen Ehren: sie darf aber nicht so weit gehen, daß Annahmen über Möglichkeiten an Stelle der Ueberzeugung von Tatsachen treten. Das schöne Prinzip der freien Bciveiswürdigung fordert, daß alle Beweise über erhebliche Punkte erhoben werden, selbst wenn die Be- hauptungen unwahrscheinlich erscheinen. Erst dann kann eine Würdigung des Beweises eintreten. Gerlchtszeitung. Aenderunge« im Gerichtsverfahren. Mit dem heutigen Tage tritt die Bundesratsverordnung vom 9. September über Entlastung der Gerichte in Kraft, deren Inhalt wir sofort nach ihrem Erscheinen mitgeteilt haben. Nach der Verordnung ist nach Eingang einer Klage beim Amts- oder Land gericht zunächst ein Zahlungsbefehl zu erlasien, wenn nicht der Kläger glaubhaft macht, daß der Bc- klagte den Anspruch bestreiten und sicb auf die Klage einlassen werde. Wird gegen den Zahlungsbefehl Widerspruch erhoben, so findet mündliche Verhandlung statt. Wird kein Widerspruch erhoben, so wird der Zahlungsbefehl für vorläufig vollstreckbar erklärt. Gegen den Vollstreckungsbefehl ist der Einspruch zulässig. Im Verfahren vor den Amtsgerichten soll das Gericht, wenn beide Parteien im Termin erscheinen, vor Eintritt in die mündliche Verhandlung die Sühne versuchen. Berufung und Beschwerde ist nur zulässig, wenn der Anspruch 50 Mark übersteigt. Die Anwaltskosten find von der unterliegenden Partei nicht mehr zu ersetzen, wenn der Streitgegenstand nicht mehr als öl) Mark beträgt und im Verfahren auf Privatklage wegen Beleidigung. Von den weiteren Vorschriften ist hervorzuheben, daß für einen Antrag auf Bewilligung des Armenrechts es endlich der Beibringung eines obrigkertlichen Zeugnisses über das Unvermögen de? Klägers nicht mehr bedarf, wenn ein uneheliches Kind seinen Anspruch auf Unterhalt geltend machen will._ Ungültige Generalkommando-Berordnung. Am Mittwoch erklärte das Reichsgericht eine auf Grund des§ 9b des Bclagerungsgesetzes vom kommandierenden General des V. Armeekorps erlassene Verordnung, die den Verkehr mit Gefangenen verbietet, aus formellen Gründen für ungültig. Der kommandierende General des V. Armeekorps hatte auf Grund des BelagerungsgcsetzeS am 6. November eine Verordnung erlassen, die jede»(auch geschäftlichen) Verkehr mit Kriegsgefangenen und jede unbefugte Unterhaltung mit solchen verbot und Zuwider Handlungen mit Geldstrafe bis tOlX) M. oder einer Haflstrafe br dachte. In der Verordnung war ausdrücklich erklärt, die in§ Sb des Bclagerungsgesetzes allein zugelassene Gefängnisstrafe solle nicht in Frage kommen. Trotzdem verurteilte das Landgericht Görlitz den Zimmermann Hermann C a S p e r wegen Uebertrctung dieser Verordnung zu vierzehn Tagen Gefängnis. Der An geklagte hatte im Görlitzer Rufienlager mit Zimmerarbeiten zu tun und hat unter einem den Gefangenen zugänglichen Bretterstapel in einem Rucksack 50 Päckchen Zigaretten, eine Flasche Spiritus, Wurst, Speck und Butter niedergelegt. Die Revision des Angeklagten hielt der ReichSanwält ohne Beweis darüber, ob der komman- dierende General als oberste Polizeibehörde oder auf Grund deS Be« lagerungsgesetzeS habe vorgehen wollen, für bedenklich und beantragte Zurückverweistmg in die Vorinstanz. Das Reichsgericht ging über diesen Antrag hinaus. Es sprach den Angeklagten mit folgender Begründung frei: Der Senat habe die Anordnung de? kommandierenden Generals für ungültig erachtet: festgestellt fei allerdings, daß die Anordnung im Interesse der öffentlichen Sicherheit auf Grund des§ 9b des Belagerungsgesetzes erlassen worden ist. Trotzdem aber erkläre der kommandierende General in der Verordnung selbst, daß die Strafe, die ß 9b androht, für Zuwiderhandlungen gegen sein Verbot nicht in Frage kommen soll. Dies sei ein Widerspruch, wodurch die Ver- ordnung selbst ungültig werde. ftm aller Welt. Wegen Majcstätsbclcidigung und Vergehens gegen das Kriege- zustaudogeseh ivurde nach der„Post" der Privatgelehrte George de Wagner in Feucht bei Nürnberg von der N ü r n- berger Strafkammer unter Anrechnung von sechs Monaten Untersuchungshaft zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Der Verurteilte ist der Sohn eines früheren preußischen Offiziers, der später als Vertreter des Fürsten von Monaco am Vatikan und in Wien tätig war und den Titel eines Comte erhielt, den auch der Angeklagte führt. Dieser hatte das Stuttgarter Gymnasium besucht und später in Rom Philosophie und Theologie studiert, seine Studien aber wegen Krankheit unterbrochen. Nach Kriegsbeginn nmhte er sich als Ausländer täglich beim Bürgermeister melden und alle Briefe nach dem Auslande dem BezirkSamtc vorlegen. In mindestens drei Fällen hat er Briefe an seine in Rom lebende Schwester oder deren Kammerfrau mit schweren Beleidigungen des Deutschen Kaisers und der deutschen Behörden gesandt. Verurteilung eine? OrdcnSschwindlcrs. Die Wiener Straf- lammer verurteilte den Ordenoschwindler Friedrich Hahn zu anderthalb Jahren schweren Kerkers und Verlust des Adelstitels. Hahn, der auch aus dem großen Pariser Ordens- ichwindelprozeß her unrühmlich bekannt geworden ist, hat unter Beilegung des pompösen Titels Friedrich Graf Guigne de Champans allen Titel- und OrdenSsüchtigcn unter Abnahme hoher Gebühren versprochen, ihre Schmerzen zu stillen. Durch alle mög- lichen Ausreden versuchte er die Ungeduldigen hinzuhalten, bis diese merkten, daß sie einem Gauner in die Hände gefallen waren Sturmkatgstrophe in Neuorlcans. ReutcrS Bureau meldet ans Neuorleans: Ein Wirbelsturm verursachte Mittwochabend großes Unheil. Zehn Menschen sind tot, 150 vor- wundet. Der Materialschaden beträgt über 1 Million Dollar. Die Schiffe im Hafen blieben unbeschädigt. Die Schlagwetterexplosion in Wattenscheid. Von den bei der Schlagwetterexplosion auf Zeche Holland in Wattenscheid verletzten 25 Bergleuten sind sieben ihren Verletzungen erlegen. Die Zahl der Toten steigt damit aus neun. Bier Menschenleben dnrch Gasvergiftung vernichtet. In Schwerin(Mecklenburg) halte die Arbeiterfrau K a b l vor dem Schlafengehen vergessen, den Hauptgashahn zu schließen. Durch einen schadhaften Gummischlauch am Kochapparat entwich über Nacht Gas und füllte die Räume der Wohnung, in der alle Fenster geschloffen waren. Frau Kahl und ihre drei Kinder im Aller von 4—10 Jahren wurden durch das entwichene Gas erstickt. Eifcnbahnunfall. Der um 9 Uhr 39 Minuten abends von Geithain in Liebertwolkwitz fällige Personenzug Nr. 4509 ent- g l e i st e am Mittwoch bei seiner Einfahrt in den Bahnhof Liebert- wolkwitz. Ein Wagen vierter Klasse legte sich um und wurde eine Strecke geschleift. Hierbei wurden zwei Personen tödlich und fünf leicht verletzt. Großfeuer in einer Wollfabrit. Mittwochabend brach in der Schafwollfabrik von Manuel Hecht in B r ü n n ein großer Brand aus, der rasch um sich griff. Das vierstöckige Gebäude, in dem sich die Spinnerei und die Appretur befanden, wurde voll- ständig eingeäschert. Der Schaden ist sehr beträchtlich. Frsst im Harz. Verschiedene Striche des Harzes und Thürin- gens sind in den letzten Tagen von einem empfindlichen Frost heim- gesucht worden. Die Kälte betrug stellenweise bis zu 7 Grad. Durch diesen frühzeitig eintretenden Frost haben die gärtnerischen Betriebe sehr gelitten. Die älteste Pariser Zritting eingcgangen.�Die«Gazette de France", die älteste in Paris erscheinende Zeitung, teilt mit, daß sie sich«aus kriegswirtschaftlichen Gründen" gezwungen sieht, ihr Ersweinen am l. Oktober einzustellen. Die«Gazette de France", die ein Organ der Royalisten war, wurde bereits im Jahre 1632 gegründet. Verlustlisten. Die Verlustliste Nr. 841 der preußischen Armee enthält Verluste folgender Truppen: Infanterie usw,: Garde: 1., 2., 3. und 5. Garde-Reg. z. F.; 7. Garde-Jnf.-Reg.; 2. Garde-Res.-Reg.! Garde-Greu.-Rcgiiucutcr Alexander, Franz(f. auch Res.-Jnf.-Reg. Nr. 55), Elisabeth, Augusta(f. auch Res.-Jnf.-Reg. Nr. 53); Garde-Gren.-Neg. Nr. 5 (f. Jnf.-Reg. Nr. 49); Garde-Füs.-Reg. Garde-Jägcr-Bat.(s. Inf.- Reg. Nr. 56). Lehr-Jnf.-Reg. Gren.-, bezw. Inf.-, bezw. ß-üs.- Regimenter Nr. 1, 6, 13, 15(f. auch Jnf.-Reg. Nr. 56), 16(f. auch Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 55), 19, 21, 22, 25. 31, 32. 33, 34. 36, 38, 42, 49, 54, 55(st auch Res.-Jnf.-Reg. Nr. 55), 56, 59, 60, 69, 71 (st auch Jnf.-Reg. Nr. 82), 72, 79(st Res.-Jnf.-Reg. Nr. 73), 84, 92, 94, 98, 99, 109, III, 113, 114, 115, 117, 118, 128, 129, 132, 140, 141, 142, 143, 145, 148, 150, 152, 153, 154, 156, 157, 159, 163, 164, 165, 168, 169, 172, 175, 188, 363. Ref.-Jnf.-Regimenter Nr. 3, 18, 19. 21, 22, 36, 51, 55, 56, 59, 60, 71, 73, 84, 88, 94, 109, III, 116(st auch Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 85), 118, 211, 213. 217, 219, 220, 221, 224, 227, 231, 251, 254. 262, 267. Landw.-Jnf.-Regimenter Nr. 2, 4, 18(st Landw.-Jnf.-Ncg. Nr. 84), 24, 25, 32, 34, 46, 55, 60, 71, 72, 84, 85, 98, 110, 116, 118. Landw.-Ers.-Jnf.-Regimenter Nr. 2 und 3. Landw.-Brig.-Ers.-Bataillone Nr. 9(st Landw.- Ers.-Jnst-Rog. Nr. 2). 43(s. Landw.-Ers.-Jnf.-Neg. Nr. 3). Landst.- Jlis.-Bataillone: I Bromberg, I Gleiwitz, I Glogan, I und II Hagenau, Könitz, I Liegnitz, II Potsdam, II Saarbrücken, II Stolp, Torgcm. 4. Landst.-Jnf.-Ers.-Bat. des 4. Armeekorps. Jägcr-Reg. Nr. 2; Bataillone Nr. 2, 4(st Nes.-Jäger-Bat. Nr. 21), 14; Res.- Bataillone Nr. 2, 5, 6, 10(st Jäger-Reg. Nr. 2), 16, 21, 22. Res.- Nadf.-Kompagnien Nr. 54 und 82. Maschiiieugcw.-ijGteilungen Nr. 1 und 9; 2. Ers.-Maschinengcw.-Komp. des 1. AnneekorpS; Feld-Maschinengew.-Zug Nr. 134(st Jnf.-Reg. Nr. 172). Jnst- Schießschule(st Res.-Jnf.-Reg. Nr. 55). Kavallerie: 1. Garde-Dragoner; Schwere Rest-Reiter Nr. 3; Dragoner Nr. 10 und 16; Rcs.-Husaren Nr. 5; Ulanen Nr. 10; Res.-Ulanen Nr. 5; Nes.-Reg. Nr. 49. Feldartillcrie: Regimenter Nr. 1, 5, 11, 14, 17, 20, 21, 35, 38, 41, 46. 57, 58, 59. 82, 205, 213; Nest-Rcgimenter Nr. 7 15, 16, 18, 20, 22, 45, 46, 49, 67, 70; Landw.-Reg. Nr. 9. Gebirgskanoucu- Batterie Nr. 4. Fußartilleric: 1. Garde-Reg.; 1. Garde-Landw.-Fußart.-Bal. Regimenter Nr. 1(f. auch Feldart.-Reg. Nr. 1), 9, 13; Nes.-Reg. Nr. 3; Laudw.-Bat. Nr. 6. Batterien Nr. 213 und 365. Pioniere; 1. Garde-Bat.; Regimenter Nr. 29 und 30; Bataillone: II. Nr. 3, l. Nr. 6, 1. Nr. 8, I. Nr. 10, I. und 11. Nr. 15, I. und II. Nr. 17, 11. Nr. 21, II. Nr. 26; Ers.-Bat. Nr. 5; Komp. Nr. 246f Res.-Komp. Nr. 46. 1. Landw.-Piouicr-Komp. des 9. Armeekorps(st Landw.-Jnf.-Neg. Nr. 85). Leichte Minenwerfcr- Abtciluiigen Nr. 208 und 282; Mittlere Mincnwcrfer-Abt. Nr. 106. Schwere Funkeustation Nr. 20. Straßenbau-Komp. Nr. 43. Kriegsakademie(st Res.-Jnf.-Reg. Nr. 55). ** Der Schluß der bayerischen Verlustliste Nr. 224 ent- hält Verluste der Mineurabteilung Nr. 1; Schwere Minenwerfcr- Abt. Nr. 3; Nes.-Pionier-Bataillone Nr. 2, 3; Res.-Piouicr-Komp. Nr. 16, 17; Pionier-Park-Komp. Nr. 17; Pionier-Park-Komp. Nr. 6 i2. Armeekorps); Armieruugö-Bataillone Nr. 1 und 2; Res.- Art.-Munit.-Kolonne Nr. 10; Feidbäckerci-Kolonne 1, 3. Armeekorps; Sanitäts-Komp. 2, 2. Armeekorps; Berichtigungen früherer Verlustlisten. Die sächsische Verlustliste Nr. 200 bringt Verluste des Jnf.-Reg. Nr. 178; Rcst-Jnf.-Negimcnter Nc. 101, 102, 106, 133, 241, 243; Landw.-Jnf.-Regimeuter Nr. 101, 104, 107; Landst.-Jnf.- Req. Nr. 19; Landst.-Bataillone: Zittau(XII. 7), Leipzig(XIX. 1), (XIX. 4),(XIX. 5), Würzen(XIX. 9); Ers.-Bat. Leipzig(XIX. 6); Rcst-Jäger-Bat. Nr. 12; Radst-Koinp. Nr. 58; Feld-Maschiueu- gewehr-Züge Nr. 73, 177, 180, 181; Feldart.-Regimenter Nr. 28, 48; Ers.-Abteilungen der Feldart.-Regimenter Nr. 28, 48; Pionier- Bataillone: l. Nr. 22; II. Nr. 22; Fernspr.-Abt. Nr. 12, 12. Armee- korps; Res.-Fernsprech-Abt. Nr. 12, 12. Res.-ArmcekorpS. Die württembergische Verlustliste Nr. 275 enthält Verluste des Ers.-Jnf.-Reg. Nr. 51; Jnf.-Reg. Nr. 120; Füs.-Reg. Nr. 122; Jnst-Reg. Nr. 124; Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 124; Mittlere Minenwcrfer-Abt. Nr. 137; Sanitäts-Komp. Nr. 2; Verluste durch Krankheiten; Berichtigungen früherer Verlustlisten. parteiveranftaltungen. Marlendorf. Dienstag, den 5. Oktober, abends 8'/. Uhr: O Vortrag, der aus drei Vorträgen bestehenden Vortragsscric über«Europäische Kc- schichte". Referenl: Genosse B r e i t s ch e i d. Tie Teilnahme an allen drei Abenden lostet 20 Pf.; Kricgcrsraucn und Jugendliche frei. Sämtliche Vorträge sind«» bei Bcnschcck, Ehausseeslraze, statt. Briefkasten üer Redaktion. Die luristische Sprechllunde findet für Abonnenten Lindcitstr. 8, TV. Hof rechts, varterre, am Montag bis Freitag von t bis 7»v», am Sonnabend von i bis 6 Uhr statt. Jever für bcn Briettasten bestimmteil Anfrage tft ein Buchstabe und eine Labl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine AbonnemenlSauitmug beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man tn der Sprechstunde vor. Bcrträzr, Schrlstsliiikc und bergleichc» brwgr man w dir Sprechstunde mit. 400. O. B. Wenden Sie sich an die Deutsche Zeutrale für Jugend- fürsorgc, Monbijouplah ll— R. H. 102. Hat der im Kriege gefallene Sohn snr den Unterhalt der Mutter gesorgt, so kann sie Antrag ans Kriegs- cllcrngcld stellen. Der Antrag ist unter Beibringung der GcburtS- nnd Stcrbcurkundc des Sohnes beim Polizeirevier oder Bczirkskoinmando einzureichen. Hat der jetzt im Felde stehende Sohn für den Unterhalt der Mutter gesorgt, so kann sie Antrag aus KriegSunlcrstntzung bei der Stcucr- lasse ihres BczirlcS stellen.— W. D. 79. 1. Ja. 2. Strafbar nicht, die Sachen können aber nach dem 16.-November enteignet werden. 3. Ergibt sich aus der vorstehenden Bcaiitwortmig. Der kupserne Kessel wird jetzt ziemlich hoch bezahlt; Sie können ja, wie es viele Frauen tun, aus dem Erlös sich cvcnt. einen Zinlkcsjel kaufen.— BS. 3i. tt7. Da Sic jetzt in andere versicherungspslichiige Beschäsligung eingetreten sind, so mühen Sic Ihren Ausirilt aus der anderen Kranlcnkahc melden. Sie können nur nach einer Zuschusikasse angehören.— Ii. 9. 1. Lungenleidend, dienst- untauglich. 2. Unsähig auch als Arbeitssoldat. 3. Wahrscheinlich nicht.— H. 123. Sie haben Anspruch aus Löhnung. Wenden Sie sich mit einem Antrag an die BataillonSkahc.— H. K. 100. Mariendorf. Ihr Mann hat keinen Anspruch aus Krankengeld. Nur wenn die Erkrankung bis zum 29. Mai eiiigewctcn wäre, hätte noch Anspruch bestanden. Sic hätten die Versicherung sorlsctzen müssen.— LS. W. 90. Nein. WcttcrauSjichtc» für daS mittlere?iordde»tschlnnd bis Toiiiiabcndmittag. Zeitweise heiter, aber noch kühl und veränderlich, mit öjler wiederholten, im allgemeinen geringen Regenschauern. Hoatrsclisi»'l'tie»ter. Direktion: Max Keinliardt. y'/sUbr; Kolleeo Cranipton. Sonnabend: Judith. Sonnt. 21/jU.(Kl. Preise): Hamlet. Kammeniplele. H Uhr: Der Woibstcnlel. Sonnabend: IVelbsteulel. Sonntag ä'/j Uhr(Kl. Preise): Die deutschen Kleinstädter. Volksbühne. Theater a. BOIewpl. S'/.Uhr: Die Räuber. Sonnabend: Der Kaufmann von Venedig. Rose-Theater. «uhr- D4e KriegsbFaut. Sonnabend 4 U.: Hansel». Gretel. Sonntag 3 Uhr: Muttcrsegen. Walhalla-Theater. o Iis«. Zum 1. Male: o upr. 3j)l8 l)ct Sonntag 3 Uhr: Die Räuber. Ttieater kür k'reitax,«ten 1. Oktober. Berliner Theater s uhr: Extrablätter. Deutsches Künstler-Theater. s uhr: Seine einzige Frau LeHslne-Theater. s uhr: Don Juan. Deutsches Opernhans Charlottbg. 8 uhr-. Der Wildschütz. Friedrich-Wilhclmsfadt. Theater. 8i!4 u.: Der logelliändler. Gebr. Hearnfeld.Th.ater s uhr: Benjamin macht alles. KlelncH Theater. s'i, u.: Ein kostbares Leben. KomiHche Oper. s uhr-. Jung muß man sein. Sonnt. 3'/,: Gold gab ich für Eisen. KomUdienhans s uhr: Die Frau von 10 Jata. iustapielhaus. ■/.u.: Herrselaftl. Diener jeswlit liustapielhaos. S'I. Ronti* Operetten-Theater Gastspiel Louis Treumann. 8 Uhr: Hoheit tanzt IValzcr Residenz-Theater s uhr: Die Priozessin m Nil. Sehiller-TIzeater O. s uhr.- ffolltäter der Menschheit. Schiller- Th.CharloUenbg. 8 uhr: Mein leopald. Thalia Th eater. s uhr: Drei Paar Schuhe. Theater am Siollendorfpl. 8'/« Uhr: Immer feste drnflf! Sonnt. S'/jU.: Der Graf v.lutomburg. Theater des Wewtcn« Honte; Goschlossen. Morgen Tl, Uhr: Zum 1. Male: Der künstliche Rensch. Theater in der Könlügrätzer Straße 8 uhr: HeMa Gabler. Trianon-Theatcr. s'i« uhr: Lehmanns Kinder Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/91. Berliner Konzerthaus. Im nenon Schmuck. Heute: Großes Konzert. Berliner Konzerthaus-Orchester Kranz Anfang 8 Uhr. Eintritt 30 Pf. Anfang 8 Uhr. Rorgen Sonnabend, den 2. Oktober: Feier des Geburtstags Sr. Exzellenz des Generalfeldmarschalls v. Hlndenburg durch großes Doppel-Konzert. Anfang 8 Uhr. Heute Freitag 8 Uhr: Tlnihan armlose Uliman, Rnnstschittze u. d. übrig glänzend. Nummern. Morgen nloümrna« SVa Uhr: ags' Sgy Große Smilef-iacliiiiittagsTorstellifDp jodor Erwachsene 1 Kind frei, weitere Kinder halbe Preise, ebenso Militär vom Feldwebel abwärts. Anfang des Abend- WW Programms S Uhr.«BW» Voigt-Theater. Badstr. 58. Badstr. 58. Freitag, den 1. Oktober: Das Milchmädchen von Schölteberg. Gesangsposse i. 3 Akt.». Mannklädt. Ab Montag: Gwige Liebe. Kassenerösinung 7 Uhr. Alst. 8 Uhr. Taubenstra8e 48(49. 8 Uhr: Von den Karpathen bis ßrestsLitowsk. Thcertcr Folie s Caprite th Possen-Theater 6h Onkel Mendelsohn Citrons geben sich die Ehre mit T.eonhard Ha«kel und Sicgrfrled Rcriisch. Guido Tbieischer: „Wie repariere ich mein Auto". „Venus im Grünen" Operette von Oskar Straus. Mitwirkende; Else Berna— Ida Russka Gustav Matzner-Julius Spielmann. Kate Erholz-Nelson Am Klavier: Rudolph Nelson sowie das große Eröffnungs- Programm. Reiehsballen-Tbeaier. Stcttlner Slingee. Ans. S U. Zum tili. Male: Militärisch. Zeit bilb von Megsel. Militärpersonen U. deren Angehö- rigen vollkommen freier Zutrillzu d.stett.Sängen!. zMEEOHG«»«SSSSSSls�. Zur Silberhochzeit des Ge-% noW| K. Rolack| gratulieren mehrere Genossen.® Bez.«SA, Neukölln. I Casino= Theater Lolhringer Str. 37. Tägl. 8 Uhr: Die neue Berliner Volksposse Familie Schnase. Urberlin. Handlung. Urberlin. Figuren. Vorher der erstkl. Spezialitäten-Teil. Vorwerk, s. d. ganze Woche v. l l— 2 Uhr. Somit. 4 Uhr: Ter liebe Fridolin. Tägl. 8 Uhr. Sonnt. 31/, u. 8 Uhr. 4 Trümpfe 1 l.ur.v JiiewellianHen! in ihren Tanz.dichtungeu. Robert Stcidl!! der Unverwüstliche. „Her Amerikaner"!!! Komödie v. MargwiUs. Otto Rcutter!I!t in seinen Neuheiten und das neue unübertreffl. _ Oktober-Programm._ i In e Berufsgenossen Deutschi.-Geschäftsste le Groß-Berlin Sonntag, den 3. Oktober, vormittags Uhr, im Gewerkschaftshaus, Berlin, Engelufer IS, Saal 1: Seneral- Versammlung. Tagesordnung: 1. GeschästZbericht. 2. Kassenbericht. 3. Anträge. 4. Verschiedenes. Das Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Am Saaleingang mutz Mitgliedsbudi ober Mitgliedskarte zur Absleuipeiung vorgelegt werden, ohnedem kein Zutritt. 143/3 Die OrtzverHvnUnnx. ri—« a rinOTit „hi�v.ii Vorstandes der SPD" Hermann T ietx Freitag Gwßer Lebensmittel-Verkauf � � � nur Leipziger Straße und Alexanderplah � � � � »u Soweit Vorrat Schmorfleisch mitr»«»!,«»,. pfum t 00 Roastbeef mit Knocben.,,,,. Pfand 1 Rinderkamm............... 95 Gulasch................ Pfand 1°° Kalbskeule totem.........Pfand l40 Kalbsvorderfleisch..... nundi20 Kalbshaxe............pfa-d 80 Hammelkeule im o.n.«.... ptand tM Pökelbrust.................. 1»° Pökelzunge............. Pfand l20 Pökelkamm............. Pfand i80 KaSSler im 0»n»0» Pfand 1 60 Leb. Schleie u. Karpfen.. pta.d 1 18 Lebende Aale..... Pfand I00 1 8° Lebende Rlele— ptand 55, 75 pt ia frische Bleie....... pfu.a 48 pt Schellfisch....... Pfand 32, 40 Pf KabeljSU im Gnnian. t Pfand 35, 45 Pf Knurrhahn............ 38 n. Bratschollen t»»«»f»ii«nd., Pfand 25 n. Rotzungen mmelgroM.... Pfand 55 Pf. Kabeljau-Klippfisch�; Pfand 48 Pf. SchellflschtKlIppflsch�pfd 58 Pf. Dellkatess-Klfppflsch frVA"! 65 rt. io st. 35 Pf. 50 pf. Salzheringe»um Einloten. Matjesheringe neno holt., t St. iinninii Feldpost-Artikel Ochsenschwanzsuppe.......... Jägersuppe mit Fleischklössen. Linsensuppe mit Fasan....... Corned Beef................... Würstchen In Dosen.............. Hamb. Rauchfleisch mit Gemüse; Fasan mit Sauerkohl......... Rehbraten..................... Kalbsfrikassee................. Sardellen-Butter... t�nelube große Tube Anchovis-Paste— j 35 pi. 65 Pf. Flelsch-Pains..... Tube 35 Pf. 70 Pf D/es Ist nur eine kleine Auswahl unseres reichhaltigen Lagers Obst, Gemüse Gr. Kochäpfel.. Pfd. 15 Pt Goldparmäne. Z Pfd. 35 Pf Tirol. Köstliche 2 Pfd 3 5 Pf Kochbirnen... 3 Pfd. 25 Pf- Luisenbirnen... Pfd 15 Pf- Kaiserkronen. 2 Pfd. 3 6 Pf Weintrauben... Pfd. 65 Pf- Tomaten...... Pfd. 25 Pf Zitronen Dtzd. 30, 40, 50 Pf. Kürbis........ Pfd. 5 Pf- Weisskohl..... Pfd. 7 Pf- Wirsingkohl.... 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Zum Sterbetag meines lieben unvcrgeft- lichen Mannes. Vor einem Jahr, da nahm der Weltkrieg mir mein höchslesGIiiek, Du mein geliebter Mann kehrst nimmermehr zurück, Verlassen bin ich und die Deinen, Die heihe Tränen um Dich Ge- lieblcii weinen. Er ging dahin, den ich so innig liebte, Der gute Gatte, meine? Lebens Glück. Er ging dahin, der nie mein Herz betrübte, Und ließ mich einsam. Irostlos hier zurück. Ich bab' ein schönes, kurzes Glück besessen, Nun schlummert es aus ewig un> vergessen. Wenn uns auch bricht das blutende Herz, Wir müssen ertragen den furcht- baren Schmerz. Im tiefsten Schmerz 10SA Wlv. Anna Wilhelm. Charlottenburg, den X.OktoberXÜXS. »R»«______ kaust Ball. InUHZvll Wanzenhandlung. Wilhelmstr. 46/47. Allen ißerwandken, Frcunben und Beiannien die traurige i Nachricht, daß mein über alle« geliebter, unvergeßlicher Mann,| der Händler Fritz Döhring am 2. August im Lazarett infolge Kopfschusses im blühenden Alter von 32 Jahren verstorben ist. Im tiefen Schmer, im Namen sämtlicher Hinterbliebenen nie trauernde Witwe Frida BOhrlng. Neukölln, Heidelberger Str. 80. S6A Allein zu sein— drei Worte, leicht zu sagen, Und doch so schwer, so endlos schwer zu tragen. Die Bitterkeit von allen Schmerzen, das Herbste Von aller Pein, ist einem armen Menschenherzen Wohl daS Gefühl, verlassen zu sein. Verlassen heißt Hoffnung ausgeben Aus ein eiträumles heißes Glück, Noch oft im Geist den Traum durchleben Und wissen, er kehrt nie zurück. Du warst allein mein ganze» Glück. Köpenick. Für die ausrichtige Teilnahme und reiche Kranzspende bei der Beerbt- gung unserer teuren Entschlafenen sagen hiermit besten Dank 10SA B, Lietsche nebst Tochter Frida und Sohn Erich mit Frau. ■ i. 1' öuvtaX-SaLUacA/ 45«P-fj dtütocA--{Kon�nUch/>15 Ittwaltungsstrile Kerlm N 54, Finieustr. 88-85. Telephon; Amt Norden 185, 1239, f987, 9714. Bureau geöffnet von 9— X und von 4— 7 Uhr. Sonntag, den».Oktober, vormittags l»'/, Uhr: Vrandten- Versammlung der eilen-, tüetall- u. ßevolverdrcher fowic ftundfci)le)fer in Obiglos Festsälen(früher Keller), gr. Saal, Koppenstr. 29. Tagesordnung: 1. Tie Errichtung einer Zentralstelle für die Arbeits« nachweise der Provinz Brandenburg. Referent: Kollege.4.d<»Il Cohen. 2. Bericht über die gegenwärtige Loge. 3. Branchcnangclegenheiten und Verschiedenes. Zur befonderen Beachtung! E« werden wichtige, im Interesse der Allgemeinheit liegende Fragen berührt, und es ist Pflicht aller Kollegen und Kolleginnen, in dieser Versammlung zu erscheinen. »W Ferner werden die Eintrittskarten für den am 31. Ottober er« stattstndenden Kunstabcnd ausgegeben. Dl« OrtSTerwaltung. Leranjworllicher Nepafteur: Alfred Wielep», KeMllv. Vür de» Lnferatenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck �Berlsg:«orwärt» Buchdruckerei u, BerlagSanjtalt Paul Singer& So, Berlin SW,