Ar. S7S.-3Ä. Jahrg. RbonnementS'Bedlnsnngnt TOonnementS• Brei» pränumercmdo, LierteljShrl. SL0 Ml. monatl. 1U0 Ml. wöchenllich 2» Psg. Kit in» Hau». einzelne Nummer» S|g. Sonntag»« Nummer mil illustrierter Sonntag». Beilage»Die Neue Weif 10 Bfa. Poft« ilbonnement: 1.10 Marl Uro Monat. eingetragen in die Vost> geitttng»- NreiZIiste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oellerreich. Ungarn L.S0 Marl, sür da» übrige ku»Iand » Marl pro Monat. Postabonnetnent» nehmen an: Belgien, Dünemarl, Holland, Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schwei», erscheint»glich. Die In(ert1onS'Gel)fl|)r Petrügt für die sech»gespaltene Kolonel- Delle oder deren Raum 00 Pfg. für ■" i und gewerkschaftliche Setein». nlungs-Anzeigen Und Be�ammlungs-Anz eigen LO „Uielne Zlnreizenff, da» seiigedruckic •»«"«> Wort 20 Worte), la*'"» vu: (zulässig 2 fettgedruckte jede» weitere Wort 10 Pfg. Etellengefuche und Echlafsiellenan- zeigen da» erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch. stoben zählen sür zwei Wort«. Inserate chr die nächste Nummer müssen bis P 5 1 . Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die E bis 7 Uhr abends gel ixpei >editi0N ist Berliner Volkesblnkk. OS Zcntralorgati der rozialdemokratSfchen Partei Deutfchlands. Telegramm- Rdress« �«isIäemsIliTll Kensi", Die neue Durchbruchsschlacht im Westen. General der Infanterie z. D. v. B l u m e schreibt über das ge- waltige Ringen an der Westfront: Berlin, den 29. September ISIS. Der fünfte im grasten Stile unternommene Versuch der Feinde, unsere befestigte Linie im Westen zu durchbrechen, hat be- gönnen. Wenn er zur Entlastung ihrer in Not befindlichen Ver- Kündeten im Osten dienen soll, so kommt er reichlich spät. Wie dem aber auch sei, so steigert er die Spannung der allgemeinen Kriegslage, und die Frage, ob er gleich den ihm voraufgegangenen — bei Neuve Chapelle, in der Champagne, im Woevre und in Artois— erfolglos bleiben oder gelingen wird, beschäftigt natur- gemäß die Gemüter hüben und drüben lebhaft. Das von unseren Gegnern diesmal eingeschlagen« Verfahren unterscheidet sich von dem in den früheren Fällen befolgten dadurch, daß der Angriff dort sich gegen einen einzelnen Abschnitt der Front richtete, im gegenwärtigen Fall« aber mit einer lebhaften Kanonade auf der ganzen Front begann, der an mehreren Stellen gleich- zeitig ein durch überwältigendes Artilleriefeuer vorbereiteter An- stürm folgt«. So haben am 24. d. M. die Engländer auf der Front von Dpern und südwestlich von Lille, die Franzosen in der Cham- pagne, zwischen Reims und den Argonnen, angegriffen. Bei Upern wurde der Angriff blutig abgeschlagen und ist seitdem nicht er- neuert worden. An den beiden anderen Stellen gelang«S den Feinden, nicht unbeträchtliche Teil« unserer vordersten Linie, deren Verteidigungswerke durch Artilleriefeuer zusammengeschossen waren, zu erobern. Aber alle Versucke, darüber hinaus festen Fuß zenden drei zu fassen, sind an den nach Tagen gescheitert, an ver- schiede nen Stellen wurde seitens der Unsrigen bereits erfolgreich zum Gegenangriff geschritten. Dadurch ist die Hoffnung der An- greiser auf Gelingen deS Durchbruchs, wenn nicht bereits gänzlich vernichtet, so doch auf ein sehr geringes Mast herabgesunken. Denn nunmehr haben die Verteidigten Zeit gewonnen, starke Reserven an die bedrohten Abschnitte heranzuführen, und die Gegner können die durch zeitraubende Vorbereitungen erzielt« artilleristisch« Heber- legenheit, der sie hauptsächlich ihren ersten Erfolg verdanken, nicht mehr in gleichem Maße wie gegen unser« vorderste Linie geltend macheu. Da das Eingeständnis ihres abermaligen Misterfolges für sie schwer ist, so werden sie ihre Versuche, weiter vorzudringen, wahrscheinlich noch mehrmals wiederholen, aber der Ausgang wird kein anderer sein. Und schließlich könnten uns selbst die Folgen eines gelungenen Durchbruchs nicht erschrecken, denn die nächste Folge wäre voraussichtlich eine unS willkommene Feldschlacht. Daß wir am ersten Schlachttage nicht nur eine ansehnliche Zahl von Gefangenen gemacht, sondern auch solche verloren haben, ist bei tapferster Verteidigung und nachfolgendem Verlust von Schüstengräben unvermeidlich. Denn, wenn die Verteidiger, wie c» ihre Pflicht ist, dem zerstörenden Artilleriefeuer mutig standhalten, und beim Ansturm der feindlichen Infanterie bis zum letzten Augenblick von der Feuerwaffe und dem Bajonett tapfer Gebrauch machen, und wenn ihnen trotzdem nicht gelingt, den Angriff abzu- schlagen, so ist für sie ein Entkommen aus dem engen und ttefen Schützengraben unmöglich. Wer da nicht fällt, gerät in Gefangen- schaff. Das ist ebenso unvermeidlich, wie unter solchen Umständen der Verlust des in den Gräben befindlichen Kriegsmaterials. Unsere braven Truppen aber, die nun im Westen seit einem Jahre standhaft und unverdrossen in den ihnen angewiesenen Stellungen ausgeharrt haben, werden den gegenwärttgen Kampf besonders freudig durchfechten in der Hoffnung, daß der Erfolg den Zeitpunkt deS siegreichen VorwärtsschreitcnS näher bringt. Hoffnungen öes rufflschen Generalstabes. Dem Briefe eines russischen Beamten an da? in Genf erscheinende sozialrevolutionäre Organ„ S H i s n* entnehmen wir über die Hoff- Nungen des russischen Generalstabes folgendes: .Der russische Generalstab glaubt, daß ihm die Menschenreserben der Deutschen gut bekannt seien. Er nehme an, daß die Deutschen keinesfalls später als im Oktober in der Lage sein würden, neue Trichpenteile zu bilden, um sie an die Front zu schicken, und dast sie im April fchon nicht mehr imstande sein würden, die Lücken in den Reihen der Armeen auszufüllen. Folglich würde von diesem Augenblick an die deutsche Armee langsam, aber ununterbrochen zu .schmelzen' anfangen. Bis zu dieser Zeit würden deshalb alle ernsten Offensivhandlungen der Verbündeten vertagt. Daher auch die Parole: Den Krieg fortzusetzen und ihn.bis ans Ende' zu führen.' Da der Verfaffer deS erwähnten Briefes sich� im allgemeinen gut unterrichtet zeigt, erscheint eS nicht ausgeschloffen, dast die dar- gelegten.Hoffnungen" des russischen Generalstabes in der Tat die Grundlage für den andauernden.SiegeSwillen' der leitenden Kreise Rußlands bilden. Nachmusterung in Ungarn. Budapest, 30. September.(W. T. B.) Eine Kundmachung de? LandesverleidiguiigsministerS fordert alle Stellungspflichtigen, welche tn den Jahren 1873 bis 1896 geboren und bei früheren Muste- rungen für untaur>lich befunden worden sind, auf, sich zur Ersatz- Musterung neuerdings zu melden. Gleichzeitig wurde die Kon- skribierung der vom effektiv»» Landsttirmdienst befreiten Stellungs- Pflichtigen der JaHngäuge 1878 VtS 1896 angeordnet. mm des Wen Mnntfleis. Amtlich. Großes Hauptquartier, de« 1. Oktober 1915.(28. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Feindliche Monitore beschossen wirkungslos die Nm- gcgend von Lombartzyde und Middelkerke.— Einen neue« Angriff versuchten die Engländer gestern nicht wieder. Unsere Gegenangriffe nördlich v o u L o o s machten bei heftiger feindlicher Gegenwehr weiter Fortschritte. Einige Gefangene, zwei Maschinen- gcwehre und ein Minenwcrfcr fielen in unsere Hand.— Versuche der Franzose«, östlich von S o« ch e z«nd«örd- lich von Neuville Raum zu gewinnen, mißglückten.— In der Champagne scheiterte ein mit starken Kräften unternommener feindlicher Angriff östlich Aubärive. Ebenso erfolglos waren sämtliche französische Angriffe in Gegend nordwestlich Massiges, an denen Truppenteile von sieben verschiedenen Divisionen beteiligt waren.— Die Zahl der bei den Angriffe« in der Champagne bisher gemachten Gefangenen ist auf 194 Offiziere, 7919 Mann gestiegen.— Erfolgreiche Mncnsprengungen beschädigten die fran- zöfischeo Stellungen bei BauquoiS.— Frauzöfische Flieger bewarfen HSnin-Listard mit Bomben, durch die acht fran- zösische Bürger getötet wurden, wir hatten keine Verlnste. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmartdialls v. fjindenburg. Westlich von Dünaburg bei Grendsen wurde eine weitere Stellung des Feindes gestürmt; in Kämpfen östlich von Madziol sowie auf der Front zwischen Smorgou«nd Wischnew find rusfische Augriffe unter schweren Verluste« zusammengebrochen.— Die Heeresgruppe machte gestern 1369 Gefangene. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls lftlna Leopold von Rayern. Der Feind wiederholte seine vergeblichen Teilangriffe; alle Borstöße sind abgewiesen; 6 Offiziere, 494 Mann»nd 6 Maschinengewehre blieben in unserer Hand. Heeresgruppe des Generalfeldmarlchalls v. IllaAenlen. Die Lage ist unverändert. Heeresgruppe des Generals v. Llnflngen. Unser Angriff schreitet fort. » Die Zahl der im Monat September von deutschen Truppen im O st e n gemachten Gefangenen und die Höhe der übrigen Beute beträgt: 421 Offiziere, 95 464 Mann, 37 Geschütze, 298 Maschinengewehre, 1 Flugzeug. Oberste Heeresleitung. «* N WmIWide SemMMM. Wien, 1. Oktober.(W. T. B.) Amtlich wird ver- lantbart: Wien, 1. Oktober 1915. Rnsfischer Kriegsschauplatz. In O st g a l i z i e n fiel nichts Besonderes vor. Bei N o w o- A l e k s i n i e c scheiterte ei» rujsischer Angriffsvcrsuch unter unserem Artilleriefeuer schon in der Vorbereitung. An der I k w a und im wolhynischcn Fcstiingsgcbiet keine Acndcriing der Lage. Am Korminbach gewannen die Verbündeten erneut Raum. Rusfische Gegenangriffe wurden abgewiesen Fünf öfter- reichisch-ungarische Eskadronen nahmen bei einem solchen Vorstoß des Feindes zwei Offiziere und vierhundert Mann gefangen und erbeutete» ein Maschinengewehr. An den letzten zwei Ge- fechtStagen fielen in diesem Raum zehn Offiziere und zweitausrndvierhundrrt Mann des FeindeS in die Gefangenschaft. Italienischer Kriegsschauplatz. An der Tiroler- und Kärntnerfront fanden gestern nur Geschützkämpfc statt. Die bereits gemeldeten Vorstöße gegen unsere befestigten Linien westlich deS Vomafchgraben wurden von den braven Salzburger Schützen abgeschlagen. Gestern früh griffe« die JtaNcncr den M r z l i V r h und die Südwcsthängc dieses Berges mit starken Kräfte» dreimal ver- gebens an; dabei erlitten fie sehr schwere Verluste. Angriffs- versuche gegen einzelne Punkte des Tolmeiner Brückenkopfes wurden ebenfalls, wie immer, abgewiesen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Der Stellvertreter deS(ZbefS deS GeneralstabeS: von Hoefer, FoSmoosthalleutuant. Die englisth-französtsche Anleihe in Amerika. Eine Gchwergeburt. Seit Wochen meldet der Telegraph fort- gesetzt die widersprechendsten Nachrichten über den bevorstehenden Abschluß einer großen englisch-ftanzösischen Anleihe aus dem New Dörfer Geldmarkt. Die Firma I. P. Morgan, die nicht nur als Finanzagentin, sondern zugleich als Vermittlerin der Kriegsauf- träge der englischen Negierung an die amerikanische Industrie fungiert, arbeitete mit Volldampf, um die amerikanische Bank- finanz für die Emission einer englisch-ftanzösischen Anleihe in Amerika zu gewinnen, als deren Betrag zuerst die Summe von 1000, dann von 800 und schließlich von 600 Millionen Dollar ge- nannt wurde. Als trotz dieses Eifers die Angelegenheit nicht vom Fleck kam, erschien eine besondere englisch-ftanzösische Finanz- kommission in New Dork, um dort und in Chicago die leitenden Bankgrösten für ihr schönes Anleiheprojekt zu bearbeiten. Und schließlich ist eS ihr denn auch nach schweren Mühen gelungen, die begehrte englisch-sranzösische Anleihe zustande zu bringen— wenn auch nicht in dem ursprünglich geplanten Umfang und in der ge- wünschten Form. Wie das Reutersche Bureau auS New Dork meldet, ist vor einigen Tage die Anleihe mit einem Bankkonsortium, an dessen Spitze die Morgangruppe steht, formell abgeschlossen worden. Frei- lich hat die englisch-ftanzösische Finanzkommission ihre Wünsche wesentlich einschränken müssen: die beiden Verbündeten erhalten nicht eine Milliarde Dollar, sondern nur die Hälfte, und ferner müssen, wenn die Gläubiger eS verlangen, die Schuldscheine bereits in fünf Jahren zum Parikurse zurückge- zahlt werden, doch können die Besitzer sie nach Ablauf dieser Zeit auch gegen s�prozentige Anleihescheine mit zehn- bis zwanzigjähriger Laufzeit umtauschen. Auch die Bedingungen, zu denen England und Frankreich sich der amerikanischen Bankwelt gegenüber haben verstehen müssen, können keinesfalls als günstig gelten. Der Zinssatz beträgt näm- lich 5 Proz. und der Emissionskurs 98 Proz., so daß also die eigent- liche Verzinsung, auf fünf Jahre berechnet, 6,4 Proz. beträgt. Außerdem erhält da? Bankkonsortium für seine Bemühungen noch 2 Proz., das heißt 19 Millionen Dollar oder ungefähr 42 Millionen Mark. Zu welchen Garantien und Zugeständnissen die beiden verbündeten Westtnächte sich sonst noch haben bequemen müssen, geht aus der kurzen Reutermeldung nicht hervor; doch kann als ziemlich sicher angenommen werden, daß die neuen Anleihepapiere ftei von jeder britischen und ftanzösischen Steuer, auch der eng- tischen Einkommensteller, sein werden. Wie aus diesen Bedingungen hervorgeht, erhalten also beide Mächte statt 600 nur 480 Millionen Dollar. Aber auch diese Summe steht nicht etwa zu ihrer fteien Verfügung. Wahrschein- lich ist sogar, daß davon gar nichts nach England und Frankreich gelangt. Beide Verbündeten haben nämlich in den letzten Monaten große Aufträge auf alle möglichen Arten von Kriegsmaterialien in den Verteinigten Staaten erteilt und auf diese Lieferungen sind meist bisher nur 20 oder 26 Proz. des Betrages angezahlt worden; der übrige Teil der Beträge wird im Oktober und Novem- ber bei der Abnahme oder Verschiffung der bestellten Materialien fällig. Zur Bezahlung dieser Forderungen sind die obigen 500»der richtiger 480 Millionen Dollar in er st er Reihe bestimmt.— Dennoch, trotzdem England und Frankreich kein neues Geld zur Verfügung erhalten, bedeutet zweifellos in der jetzigen Kriegs- läge der Abschluß der neuen Anleihe für sie einen entschiedenen Vorteil. Mag immerhin durch diese Anleihe daS Bestreben der amerikanischen Finanz, sich unabhängig vom Londoner Geldmarkt zu machen, eine gewisse Stärkung erfahren und sie für ihren zu- künftigen finanziellen Konkurrenzkampf gegen England in Mittel- und Südamerika waffnen, so verschafft doch im jetzigen Augenblick diese Finanzaktion England fteie Luft und Bewegung. Es ist durchaus irreführend, wenn schon wieder einige liberale Blätter versuchen, das Anleiheabkommen als eine nebensächliche Sache hin- zustellen, die im ganzen wenig Beachtung verdient. So uner- fahrene Politiker und Einfaltspinsel sind die englischen Finanz- männer keineswegs, daß sie seit Wochen mit allem Eifer unter durchaus nicht angenehmen Umständen hinter einer Anleihe her- jagen, die für England keinen eigentlichen Zweck hat. Wenn die beiden Westmächte nicht die 480 Millionen Dollar in Amerika geliehen erhalten hätten, so müßten sie natürlich aus ihren eigenen Geldmitteln die betreffenden zur Ablieferung gelangenden Kriegs- Materialien bezahlen, und zwar größtenteils in Gold. DaS wäre für Frankreich ein höchst heikler Zwang gewesen, denn nach dem letzten Ausweis der Bank von Frankreich steht deren Goldvorrat im Betrage von 4600 Millionen Frank bereits ein Notenumlauf von 13 309 Millionen Frank gegenüber; und noch schwerer wären vielleicht Old England die großen Goldtransporte nach der nordamerikanischen Union gefallen, hat sich doch ohnehin infolge der Goldverschiffungen nach Amerika während der drei Wochen vom 1. bis 22. September der Goldbatend der Bank von Engtand von 68/13 auf 62/M Millftmep Pfund Äerling vermindert, obgleich die B-wkleitung fast krampfhaft bemüht wai, den Gold- abfluß durch Heranziehung neuer Goldmengen zu ersetzen. AuS dieser Verlegenheit sind England und Frankreich jetzt durch den Abschluß der neuen Anleihe in New Aork befreit. Und zudem wird die Folge fein, daß Sterling- und FrankkurS, die in den letzten Tagen an der New Aorler Börse trotz aller StützungS- versuche der letzten Zeit doch nur auf 4,67 und 6,87 standen(d. h. beim Zweimonatswechsel auf London wurde das Pfund Sterling gleich 4,67 Dollar, beim Sichtwcchscl auS Paris 6,87 Frank gleich 1 Dollar gerechnet).nuninnächsterZeitvoraussichtlich st e i g e n werden. Daneben hat der Abschluß der Anleihe noch eine poli- tische Bedeutung. Er beleuchtet die Neutralität der Ver- einigten Staaten von Amerika. Bisher hat die Wilsonsche Regierung nichts von der Ausnahme einer englisch- franzö- fischen Anleihe auf dem amerikanischen Geldmarkt wissen wollen, da in solcher Anleihe eine einseitige Parteinahme Amerikas für eine der kämpfenden Mächtegruppen zu erblicken sei. Nun hat sie alle solche Bedenken fallen lassen und gestattet neben der Versor- gung Englands mit amerikanischen Kriegsmaterialien auch dessen Versorgung mit amerikanischen Geldmitteln. !-■*# H. C Der französische Tagesbericht. Paris, 1. Oktober.(W. T.®.) Amtlicher Bericht vom Don- nerStagnach mittag. Im Artois nahm der Feind unsere neuen Stellungen östlich von Souchez unter heftiges Feuer. In der Champagne besetzten wir mehrere Stellen in den Schützengräben der zweiten deutschen Verteidigungslinie westlich vom Hügel von Tahur« und westlich von der Farm Navarin. An dieser Stelle über- schritten einzelne Teile unserer Truppen die deutsche Linie und stießen entschlossen weiter vor, aber ihr Fortschritt konnte wegen sehr heftigen Sperrfeuers der Artillerie und sehr heftigen Flankenfeuers nicht behauptet werden. Unsere Mannschaften haltendie eroberten Punkte der zweiten feindlichen Linie fest in ihrem Besitz. Südlich von R i p o n t erweiterten und vervollständigten wir die Eroberung der ersten deutschen Linie, indem wir ein Stück des wichtigen Stützpunktes, der Ouvrage de la Defaite genannt wird, einnahmen. Auf der übrigen Front war die Nacht ruhig. Trotz den ungünstigen WitterungSverhältnisien warfen unsere Flugzeuggeschwader gestern Bomben auf die Verbindungslinien hinter der deutschen Front. Der Bahnhof von Bazancourt im Suippetal, Warmeriville, Pont Faverger, St. Hilaire le Petit, sowie eine marschierende Kolonne bei Somme-Py wurden mit Granaten belegt. Pari», 1. Oktober. Amtlicher Bericht vom D onn er»- tagabend. In Belgien unterstützt unsere schwere Artillerie die Unternehmungen der englischen Flotte gegen die deutschen Küsten« Batterien. Keine bedeutende Kampfhandlung im Artoi». Der Feind zeigte einige Tätigkeit in der Umgebung von Roh e. Eine starke feindliche Aufklärungsabteilung wurde durch unser Feuer zerstreut. Vor BeuvraigneS sprengten wir mehrere Minen, welche die deutschen Schützengräben zerstörten. In der Champagne gewannen wir Gelände nördlich Le MeSnil und weiter östlich zwischen der Höhe ISS(nördlich Massige») und der Straße von Lille sur Tourbe nach CornaiS-en-DormoiS; an dieser letzteren Stelle machten wir Gefangene. Einem feindlichen Gegenangriff gelang e», in der Schanze„de la Defaite" wieder Fuß zu fassen. Ein zweiter sehr heftiger Gegenangriff in demselben Ab- schnitt wurde völlig zurückgewiesen. Der Feind erlitt bedeutende Verluste. Die Aufräumung der alten deutschen Stellungen gab Ge- legenheit, die erbeuteten Kanonen alle zu zählen; ihre Zahl ist viel größer, al» bisher gemeldet war; die Gesamtzahl der dem Feinde seit dem 26. September abgenommenen Feldgeschütze und s ch w eren Geschütze beträgt bis jetzt auf der Champagne- Front allein hunderteinundzwanzig. Eine Flugzeug- gruppe belegte heute den Bahnhof Guignicourt mit zweiundsiebzig Bomben, anscheinend sehr wirksam. Unsere heftig beschossenen Flug- zeuge kehrten wohlbehalten in ihren Heimatshafen zurück. Der rujsische Heneralsiabsbericht. Amtlicher russischer Bericht vom 1. Oktober. Petrrsiurg, 80. September.(W. T. B.) In der Front der Gegend Riga einige nichtssagende Offensivbersuche der Deutschen. Die Deutschen, welche versuchten, das östliche Ufer de» Riwubache» in Gegend Kemmern(28 Kilometer östlich Tukkum) zu befestigen, wurden auf da» andere Ufer zurückgeworfen. Die Deutschen griffen ebenso den Kirchhof de» Dorfe» Rose nordwestlich Birsgalen(8 Kilometer west-nordwestlich) an, aber auch hier wurden sie zurückgeworfen. Die Offensive der feindlichen Infanterie südlich deS Sees Driswjaty wurde durch unsere Kavallerie aufgehalten. Auf der Front südlich des BoginSkiseeS(IS Kilometer östlich Widsh) wandten sich viele Kämpfe zu unserem Vorteil; an mehreren Orten gingen unsere Truppen nach Westen vor. In der Gegend de» Dorfes Lubki. südlich deS Narocz-SeeS(20 Kilometer) wurde der Feind durch einen energischen Handstreich von unS zurückgeworfen und zog sich in Unordnung zurück. Der Kampf bei dem Dorfe Daniuszewo an der Wilia, stromabwärts von Smorgon(S Kilometer nördlich), endete zu unserem Vorteil. Der Feind versuchte zur Offenfiv» überzugehen, aber ohne Erfolg. Auf der Front Krewo (20 Kilometer südwestlich Smorgon)— Kraschin nordöstlich Barano- witscht(12 Kilometer)— obere Schtschara— OginSlikanal zahlreich örtliche Gefechte ohne wichtigen Einfluß auf die allgemeine Lage. In der Gegend des mittleren Styr bei Czartorsk und östlich Kolki dauern die Kämpfe an. Der Feind wurde auS dem Dorfe Kulikowicze am Styr stromaufwärts von CzartorhSk(10 Kilometer südlich) geworfen. Ebenso wurde daS Dorf KorzyScze östlich Koiki(9 Kilometer) von uns zurückerobert. Wir nahmen dort 6 Offiziere und 100 Mann gefangen. Oestlich L u c k, welches wir vor zwei Tagen räumten, außerordentlich heftiger Kampf bei dem Dorfe Silno(33 Kilometer nordöstlich Lucy. Nach einem feindlichen Angriff mußten sich unsere Truppen auS einigen Ab- schnitten zurückziehen. Durch wiederholte Gegenangriffe bei dem Dorfe Tuman(10 Kilometer südöstlich Silno) gelang e» uns indessen vorzudringen und den Feind au» seinen Schützengräben herauszuwerfen. Ein feindlicher Gegenangriff in der Gegend de» Dorfes Karpilowka bei Cuman(6 Kilometer nordwestlich) wurde zurückgeworfen. Ebenso wenig Erfolg hatten die Offensivbersuche de» Feinde» in der Gegend des Dorfes Cebrow nordwestlich Tarnopol(20 Kilo- meter) und südöstlich von Kozlow(20 Kilometer westlich Tarnopol). Unsere Kavallerie hatte mehrere Zusammenstöße mit feind- lichen Vorhuten am linken Ufer der Strypa in der Gegend der Dörfer Dobropole und Schmielowka südwestlich von Trembowla(22 und 17 Kilometer). In Erwartung genauerer Nach- richten von der Lage hielt der Generalstab, obgleich er viele für uns günstige Nachrichten besitzt, mit ihrer Veröffentlichung und Wieder« gäbe vorübergehend zurück. Gegenwärtig hält e» der Generalstab für günstig, bekannt zu geben, daß nach einer Folge für uns günstig verlaufener Gefechte der Zustand unserer Truppen auSge- zeichnet war. Der Geist unserer Truppen, welcher lebhaft seine Größe in unzähligen Nachhutgefechten kundtat, erhielt neue Triebkraft durch den von uns errungenen Erfolg über die Deutschen in den Nahkämpfen in der letzten Zeit, welche besonders häufig in der Front östlich der Linie Swenzjany— Oschmganh— stattfanden und glücklich für un§ verliefen. Die in den deutschen Reihen bemerkte Entmutigung bleibt auf den Geist unserer Truppen nicht ohne Einfluß. Die Entmutigung zeigt sich in den häufiger vorgekommenen Fällen, daß die Deutschen die Leicht- verwundeten auf dem Schlachtfelde zurücklassen, Wagen auf der Rückzugsstraße stehen lassen, durch Imstichlassen von Waffen und Munition, in der Unordnung und in der Unruhe im Feuer. Die in breiter Front angesetzte und sachlich ausgeführte Offensive unserer Verbündeten an der deutschen Westfront, welche in gleicher Weise vorwärts geht, gibt den Verbündeten erneuten Antrieb und festen Glauben an die gegenseitige Kraft und Kriegstüchtigkeit. Meldung der italienischen Heeresleitung. Rom, 1. Oktober.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom 30. September, abends. In der Gegend des Stilfser Joches dauert die Offensive unserer Truppen beim Cevedale inmitten von Eis und Schnee fort, um diese Gegend von kleinen feindlichen Abteilungen zu säubern und der Belästigung durch ferne feindliche Artillerie ein Ende zu machen. Im oberen Cordevole wurde die Tätigkeit der feindlichen Artillerie seit einigen Tagen lebhafter. Unsere Artillerie nahm gestern bei Sief eine feindliche Kolonne unter Feuer, die sich infolgedessen auflöste und einen großen Teil ihre» Wagenparks auf dem Platze zurückließ. In Kärnten und im Becken von Flitsch fanden mehrfach kleine Gefechte statt, wobei wir einige feindliche Patrouillen gefangen nahmen. Die Zahl der in der Nacht zum 29. September bei dem Kampf im Abschnitt von Tolmein gemachten Gefangenen hat sich auf 88 erhöht, darunter 2 Offiziere. Ein feindliches Wasserflugzeug warf zwei Bomben auf Porto Büro, ohne daß es Opfer gab oder Schaden entstand. Eines unserer Flugzeuge bewarf mit sichtbarer Wirkung einige Ortschaften auf dem Karst, wo man die Anwesenheit höherer österreichischer Offiziere ge- meldet hatte._ vom v- Hootkrieg. Stockholm, 30. September.(W. T. B.) Da» Ministerium deS Auswärtigen erhielt von seiner Gesandtschaft in Berlin die Mit« teilung, die deutsche Regierung habe ihr Bedauern über die Versenkung des Dampfer». Malmland" aus- gesprochen und sich bereit erklärt, Schadenersatz für den erlittenen Verlust zu leisten. Neues englisches Minenfelü. Rotterdam, 1. Oktober.(W. T. B.)„MaaSbode" erfährt, daß die englische Admiralität ein neues Minenfeld angelegt hat, über das noch nichts Näheres bekannt ist. Kämpfe bei /lüen. Konstantinopel, 80. September.(W. T. B.) Eingehende amt« fliche Berichte über die Einnahme der Stadt Lahadsch in dem an Aden angrenzenden Gebiete von Südarabien schildern die der Eroberung vorangegangenen Kämpfe als besonders er- bittert. Die oSmanifchen Streitkräfte, bestehend aus regulären Truppen aller drei Waffen und eingeborenen Kriegern, griffen am Morgen des 4. Juli die sehr starken Stellungen, die von den Eng- ländern vor der Stadt Lahadsch errichtet worden waren, an, indem sie plötzlich das Infanterie- und Artilleriefeuer eröffneten. Der Kampf, der gegen Abend an Heftigkeit zunahm, dauerte bis eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang, worauf der Feind au» feinen ersten Schützengräben vertrieben wurde und sich auf seine zweite Linie zurückzog. Er wurde weiter hart bedrängt und wich gegen 10 Uhr abends bis zu den ersten Häusern der Stadt und zu den Basteien zurück. Türkische Infanterie drang in die Stadt ein. ES folgten erbitterte Straßenkämpfe, die vielfach zum Handgemenge führten. ES blieb nicht einmal so viel Zeit, um das Bajonett aufzupflanzen, weshalb man mit dem Kolben einHieb. Der Feind zog sich allmählich gegen Aden zurück. Ein Teil der Engländer, der nicht fliehen konnte, setzte den Widerstand in einigen verschanzungen fort, die von der türkischen Artillerie heftig beschossen und schließlich zerstört wurden._®a» Artilleriefeuer verursachte einen Brand. Als sich die Engländer kämpfend in der Richtung auf Aden zurückzogen, konnten die türkischen Truppen die Stadt gänzlich besetzen. Ein Reserveoffizier und fünf indische Soldaten wurden gefangen genommen, vier Schnellfeuer- geschützt sowie fünf Maschinengewehre erbeutet. Außerdem wurden neun Automobile und anderes Kriegsmaterial genommen. Die Verluste des Feindes sind sehr groß. Während des Rückzüge» litten die Engländer schrecklich unter Durst und Sonnenstich. Mehr als zweihundert Leichen wurden auf der Straße gefunden. Nach Meldungen aus Bagdad bestätigten englische Flieger- offiziere, die an der F'-ont in Mesopotamien ge- fangen genommen worden sind, daß unter den indischen Truppen, die in der englischen Armee dienen, ein Aufstand ausgebrochen ist. Die Engländer seien überdies den Angriffen der Stämme in der Küftengegcnd von Bassorah ausgesetzt, die sie in der ersten Zeit gut aufzunehmen schienen. Die Lage der Engländer im Irak sei aus diese Weise schwierig geworden. Die Offiziere find voll deS Lobes über die Haltung, die die türkischen Truppen gegen sie beobachtet haben._ die Sozialisten öes öalkans. Bekanntlich fand am 19., 20. und 21. Juli in Bukarest eine Konferenz der sozialistischen Parteien deS Balkans(mit Ausnahme der bulgarischen„Weitherzigen") statt, auf der die Bildung einer sozialistischen Arbecterföderation des BalkanS beschlossen wurde. Gemäß den Statuten der Föderation haben das Exekutivkomitee der sozialdemokratischen Partei und der General- kommission der Gewerkschaften in Rumänien �u Mitgliedern deS sozialistischen Jnterbalkanbureaus die Genossen Dr. C. R a- k o w s k>, Dr. Marinescu und Dr. Popp bestimmt, die die administrativen Funktionen des Bureaus, dessen ständiger Sitz Bukarest ist, auszuüben haben. Laut Beschluß der Konferenz gibt das Jnterbalkanbureau ein Bulletin in veutfcher und französischer Sprach« heraus, das die ausländischen Bruderparteien und Gewerkschaften über die Arbeiterbewegung in den Balkanstaaten, über die Propaganda für die Balkanföderation usw. unterrichten fall. Die erste Nummer dieses Bulletins ist nun erschienen und liefert mit ihren ausfuhr- lichen Berichten über die Sitzungen und Beschlüsse der Konferenz einen wertvollen Beitrag zur Kenntnis der Bestrebungen der Balkansozialisten in diesem kritischen Augenblick ihrer Entwickelung. Einleitend heißt es in dem Bulletin:„Zu Weihnachten deS Jahres 1909 versammelte sich in Belgrad,«inberufen von der ser- bischen sozialdemokratischen Partei, die erste sozialistische Jnter- balkankonferenz. Die serbische Partei ihrerseits führte einen Beschluß aus, der anläßlich des im Jahre 1907 in Swttaart stattge- fundenen Kongresses von den Delegierten der sozialistischen Balkan- Parteien in privater Beratung gesaßt worden war. Die zweite Jnterbalkankonferenz, deren Einberufung der An- regung der rumänischen sozialdemokratischen Partei zu verdanken ist,... ist die Fortsetzung der Belgrader Konferenz, deren Zweck und Prinzipien sie ganz und gar annimmt. Zur Belgrader sowie zur Bukarester Konferenz wurde die bul- garische sozialistische Partei der„Weitherzigen" nicht eingeladen. Alle Bemühungen der serbischen und rumänischen Sozialisten, um die Zustimmung der„engen" bulgarischen Sozialisten zu erlangen, daß auch die„Weitherzigen" zur Konferenz eingeladen würden, blieben ohne Erfolg und dienten nur dazu, die Einberufung der sozialistischen Jnterbalkankonferenz zu verzögern. Und da anderer- seits die„Engeren" sich weigerten, an einer Konferenz teilzu- nehmen, auf der auch die„Weitherzigen" anwesend wären, so sah sich die rumänische sozialistische Partei vor folgendes Dilemma ge- stellt: entweder neuerdings auf die Einberufung der Konferenz zu verzichten, oder die Mitarbeiterschaft einer einzigen der bul- garischen sozialdemokratischen Partei zuzugeben. Sobald einmal die Notwendigkeit der Wahl zugestanden war, konnte es kein Zögern mehr geben. Die rumänischen Sozialisten entschieden sich für das Zusammenarbeiten mit den„Engeren", deren Programm und Taktik dem der rumänischen sozialdemokrati- scheu Partei gleich sind. In dieser Weise gelangte die rumänische sozialdemokratische Partei dazu, die zweite sozialistische Jnterbalkankonferenz einzu- berufen, deren Zusammentritt im Interesse des Sozialismus und des Friedens auf dem Balkan sich aufdrängte." Zu dem hier geschilderten Ausschluß der bulgarischen Partei der„Weitherzigen" von der sozialistischen Balkanföderation, der einzig und allein auf die Forderung der Partei der„Engern" er» folgt ist, erhalten wir einen an das Internationale Sozialistische Bureau und an die ihm angeschlossenen sozialistischen Parleien gerichteten Protest des Zentralkomitees der„Sozialdemokrati- fchen Arbeiterpartei Bulgariens"(d. h. der Weitherzigen), der vom Sekretär des Zentralkomitees C. T. Bozvelieff und dem Ver- treter der Partei im Internationalen Sozialistischen Bureau Janko Sakasoff unterzeichnet ist. Es ist im höchsten Grade bedauer- lich, daß die Tätigkeit der sozialistischen Balkanföderation, die die Bildung der Föderation der Balkanvölker zu einer ihrer Hauptaufgaben gemacht hat, mit deckt Ausschluß einer der Internationale angeschlossenen Partei des Balkans begonnen hat. Die Verantwortung dafür trifft die bulgarische Partei der „Engern", die sich gegenüber allen Mahnungen der serbischen und rumänischen Genoffen unzugänglich gezeigt hat. Wir verkennen freilich nicht die Unterschiede in den Auffassungen und der takti- fchen Haltung der.Engern" und„Weitherzigen", die zum Teil auch in den durch den Krieg aufgerollten Fragen zutage getreten sind. Aber gegenüber der höheren Aufgabe des Zusammenschlusses aller Balkcmfozialisten zu einer kräftigen Einheit und ihres gemein« famen Kampfes für� den Frieden und das Selbstbestimmungsrecht der Balkanvölker hätten diese Unterschiede um so mehr zurück- treten müssen, als sämtliche sozialistischen Parteien deS Balkans in ihren derzeitigen Hauptzielen: dem Kampf für den Frieden und die Balkanföderation durchaus einig sind. Zur Haltung Sulgartens. New York, 1. Oktober.(W. T. B.) Der Sonderberichterstatter der„Associated Preß' drahtet aus Sofia vom 29. September: Der Führer der Demokraten Malinow besuchte gestern, bevor er einen Entschluß über den Vorschlag, einen Sitz im Kabinett RadoSlawow anzunehmen, faßte, den russischen und den englischen Gesandten, um sich über die wahren Absichten der Alliierten gegenüber Bulgarien zu unterrichten. Am Nach- mittag de» 23. September hatte Malinow eine vierstündige Audienz bei dem König Ferdinand. Bis jetzt ist Malinows Entschluß noch nicht bekannt. Die Hoffnungen, daß die Ballanlage eine friedliche Lösung erhalte, schwinder mehr und mehr infolge der Halltung der serbischen Regierung, wie sie die serbische Presse widerspiegelt. Der Eindruck gewinnt Raum, daß ein Zurück- gehen Bulgariens für dieses Land eine Lage schaffen würde, die nach dem Kriege gefährlich werden könnte, da Serbien eine feindliche Haltung einnimmt und sich nicht gewillt zeigt, Bulgariens Forde- rungen auf Mazedonien anzuerkennen. Als das einzige Mittel, einem Balkankrieg vorzubeugen, erscheint die sofortige, bedingungs- lose Abtretung der unbestrittenen Zone Mazedonien? durch Serbien und die sofortige Besetzung dieser Zone durch Bulgarien. Gut infor- mierte Kreise heben hervor, daß der Schlüssel der Lage nicht in Sofia, sondern in Nisch liege und daß die ViervcrbandSregierungcn, um die Angelegenheit zu regeln, ihre Tätigkeit don einsetzen müssen. Gestern erklärte Ministerprästdent RadoSlawow bei einem Empfang der Führer der agrarischen Partei, daß Bulgariens Hände durch keine Verpflichtungen gegenüber irgendeiner kriegführenden Partei gebunden feien, und daß die Verhandlungen betreffend Bulgariens Forderungen auf Mazedonien fortschreiten. Der Vertreter der „Affociated Preß" erfährt indessen, daß die Zeit, die noch für Unter- Handlungen übrig bleibt, sehr kurz ist, da die bulgarische Regierimg sich darüber im klaren ist, daß ein weiterer Aufschub ohne jede positive Aktion Bulgariens Interessen wahrscheinlich schädigen würde. Nenschikow über Bulgariens verrat. Petersburg, 80. Septbr.(W. T. v.) Die»Nowje Wremja" bringt einen Leitartikel M e n f ch i k o w s mit der Ueberfchrist „Bulgariens eigenes Grab", in dem es heißt: Der Verrat Bulgariens hat in Rußland große Aufregung hervorgerufen. insbesondere die Tatsache, daß der Vizepräsident der Sobranje ein Glückwunschtelegramm auS Anlaß der Einnahme der russischen Festungen an Kaiser Wilhelm gesandt hat. RadoSlawow erklärte, Rußland existiere nicht mehr, eS fei völlig von Deutschland ge- schlagen. Bulgarien dürfe sich nicht an einen Toten klammern. Un- geachtet deS Einspruches der Opposition macht Bulgarien mobil, ohne Zweifel in Erfüllung seiner Abmachungen mit der Türkei. Serbien kann nicht daran denken, gegen die Bulgaren zu kämpfen. da ihm schon die deutschen und österreichisch-ungarischen Heere in den Rücken fallen. Wenn der Vierverband nichr mächtige Hilfe senden kann, bleibt Serbien nur übrig, ent« weder seine Armee zu verlieren, oder sich auf Gnade und Ungnade dem Sieger zu ergeben. Auf diese Weise würde die Eroberung Mazedoniens nicht durch einen Krieg, sondern durch einfache Besetzung erfolgen, in ähnlicher Weise, wie Oesterreich Bosnien und die Herzegowina nach 1879 besetzt hat. Die Zulassung des Durchzuges deutscher Truppen nach Konstantinopel könnte dann, ähnlich wie dies in Luxemburg geschah, mit dem Druck der Uebermacht entschuldigt werden. In dieser Weise könnte der bulgarische Verrat ver- s ch l e i e r t werden. Es wäre unsinnig, Bulgarien irgendwelche Vorwürfe zu machen, daß es sich im allerfchwärzesten Augenblick« der russischen Geschichte unseren Feinden angeschlossen hat. Mit sitt- lichen Gründen ist hier nichts auszurichten. Das ideale Band war nur solange vorhanden, wie Bulgarien an Rußlands Stärke glaubte. Dieser Glaube wurde durch den mandschurischen Krieg geschwächt und durch den jetzigen Krieg völlig erschüttert. Ghenadiew sagte bereit« vor Jahresfrist, daß er an den Sieg der Mittelmächte glaube. Sonst hätte sich Bulgarien schon damals den Russen angeschlossen. So ist cS auch zu erklären, daß eS die Türkei gewagt bat, mit vier Großmächten Krieg zu führen, um Rußland den Kaukasus abzunehmen. ES ist nicht zu leugnen, daß die deutsche Diplomatie bei der Lösung dieser Fragen Talent gezeigt hat. Zwar hat auch deutsches Geld mitgewirkt, aber der deutsche General- ftab hat ebenfalls im richtigen Augenblick den Schleier gelüftet �und den neutralen Staaten die Aussicht auf den Sieg der Mittelmächte gezeigt._ Schweizerische Grenzkontrollabmachungen mit üem Auslände. Bern, 1. Oktober.(W. T. B.) In einem Rundschreiben an die Kantonsrcgierungen empfiehlt der Bundesrat, als Vor- Bereitung für Abmachungen, welche er mit den benachbarten Staaten über die Kontrolle schriftlicher Ausweise auf den Grenz- stationen treffen will, eine Reihe von Vorkehrungen, um zu verhindern, daß paß- und mittellose Ansländer ins Land kommen, deren Abschiebung auf Schwierigkeiten stoßen würde und welche der Schweiz zur Last fallen könnten. Ueberall an der Grenze sollte eine strenge Ausweis- kontrolle eingerichtet werden, der jeder Ausländer sich zu unterwerfen hätte, wobei zu untersuchen wäre, ob der Fremde im Besitz von Papieren ist, welche ihn nach Maßgabe der bestehenden Verträge zum Erwerb einer Nieder- lassungsbewilligung berechtigen, da die Schweiz den Aus- länder nur aus Grund eines solchen Papieres seinem Heimats- staat wieder übergeben kann. Die kantonale Polizei soll die Ausweiskontrolle mit Hilfe des Militärs und der Zollbeamten möglichst nahe an der Schweizer Grenze vornehmen; die Kontrolle soll, wenn möglich, überall Anfang Oktober in Kraft treten. Die Stimmung in öer französischen sozialistischen Partei. Fast gleichzeitig mit der Veröffentlichung der Tagesordnung für den Kongreß, den die sozialistische Partei Frankreichs zu Weih- nachten abhält, dementiert das Exekutivkomitee einen in der „Berner Tagwacht" erschienenen Artikel, der die Opposition in der französischen Partei schildert. Das Exekutivkomitee behauptet dem- gegenüber, daß in der französischen Partei volle Einmütigkeit be- stehe. Eine Resolution, welche die bisherige Politik der Partei- leitung und der Kammersraktion billige, sei im Nationalrat ein- stimmig angenommen worden, und auch die Pariser Organisation habe mit LS23 gegen 334 Stimmen und bei 1K9 Stimmenthaltungen die Politik der Parteileitung gebilligt. Auf dieses Dementi antwortet der französische Korrespondent des Basler„Vorwärts" das Folgende: „Die Tatsachen, die das Dementi anführt— Billigung der Politik der Parteileitung, sei es einstimmig, sei es mit erdrücken- der Mehrheit— sind richtig. Das Exekutivkomitee dementiert jedoch nicht die Tatsache, daß innerhalb der sozialistischen Partei eine Opposition gegen seine Politik vorhanden ist. Um die Ding« ins richtige Licht zu setzen, führen wir zunächst einige Tatsachen an. Der Nationalrat ist einberufen worden infolge eines Protest- zirkulars der Föderation des Departements Haute Vienne, das allen Organisationen zuging und worauf das Exekutivkomitee sehr gereizt antwortete. Die Föderation des Departements Haute Vienne ist einer der stärksten Parteiverbände. Auch in anderen Or- ganisationen wurden ähnliche Resolutionen angenommen. Die Kammerfraktion selbst ist keineswegs einstimmig. Die jüngste Dele- gierung eines ihrer Mitglieder in die Regierung wurde nur mit Zweidrittelmehrheit beschlossen. Soweit die Annahme der Reso- lution des Nationalrats in Frage kommt— bezüglich der Seine- Föderation(Pariser Organisation) stellt da» Dementi selbst die Tatsache einer Opposition fest—> kam deren Annahme zustande: 1. weil von der Parteileitung der Opposition scheinbar erhebliche Konzessionen gemacht wurden; 2. weil die Delegierten, vor die fertige Tatsache gestellt, die in verantwortlicher Position stehenden Genossen nicht desavouieren und vor allem die Parteieinheit auf- rechterhalten wollten. Schließlich befand und befindet sich die fran- zösische Partei im Irrtum über die Situation in der Jnter- nationale. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, daß in der fran- zöfischen Partei eine starke Mißstimmung vorhanden ist, so genügt es, die Einberufung des Parteikongresses mit dem TageSordnungs- Punkt„Die sozialistische Partei und der Krieg" anzuführen. Es würde überflüssig sein, nach Kriegsjahren diese Frage zu dis- kutieren, wenn darüber Einstimmigkeit herrschen würde. Wir wollen mit diesen Feststellungen keineswegs sagen, daß das Exekutivkomitee der französischen Partei die Internationale „verraten" hat. Die Partei hat auf keinen Fall gegen die Grund- sätze der Internationale gehandelt, wenn sie die Verteidigung deS angegriffenen Vaterlandes als Pflicht erklärt«. Die„Dele- gierung" von Parteigenossen in die Regierung war nichts anderes oder sollte nicht? anderes sein, als die letzte Konsequenz dieser Pflicht. Die Parteileitung und di« Kammerfraktion haben nicht vorausgesehen, daß sie sich damit an die Regierung binden und ihr« eigene Politik der Politik der Regierung unterordnen. Die Partei macht nun krampfhafte Versuche, aus dieser Zwickmühle her- auszukommen. Daher die Opposition. Sie wird mit Dementis nicht aus der Welt geschafft." « Neber neuere Unstimnügkeiten in der französischen Partei be- .richtet auch das Züricher.Volksrecht": „Einen tiesgehenden Zwiespalt zwischen der sozialistischen Kammergruppe und den aus ihr hervorgegangenen KabinettSmit- gliedern ließen vorgestern(25. September) die Budgetreden der sozialistischen Abgeordneten erkennen. Ihre Vorwürfe wegen des passiven Verhaltens der Regierung gegenüber den Lieferungsmitz- brauchen richteten sich auch gegen Sembat, Guesde und Thomas. Sie wären vorgestern zurückgetreten, wenn nicht knapp vor der Abstimmung über den Staatshaushalt der greise Ribot sie beschworen hätte, in dem kritischen Augenblick, wo Frankreichs Staatsbesitz auf dem Spiel« stehe, auszuharren. Da- durch wurde für den Augenblick der Friede zwischen dem linken Flügel des Kabinetts und der Opposition hergestellt." Erhöhung öer französischen Soldaten- löhnung. Paris, 1. Oktober..;<'f}.'''fö...%v$>£'■'f � Sonntns: v. 12— Ä geöffnet. wV*" Wt&j&srtt'■' �'?/' Stiefel werden stete bevorzugt, da ihre öüte. Passform und Preiswü'rdiökeit unübertroffen sind. SAL AMAN SSM«. Schuhßes.«n.b.H.- Berlin. zentrale: WS. frfedrichs Als sie ihn abends um 10 Ilhr von dort wegnehmen wollte, mV sie darin ein Paket in Zeitimgspapier, do-s die Leiche eines .ugeborenen Knaben enthielt. Die Revierpolizei beschlagnahmte den Fund und die Rrilninalpolizei leitete alsbald die Ermittelungen »ach der Mutter des toten Kindes ein.— Einsam gestorben ist eine 57 Jahre alle Anna Brandl, die in der Straßmannstr. 42 sür sich allem�hauste. Als man sich gestern nach ihr umsah, weil sie schon drei Tage nicht mehr zum Vorschein gekommen war, fand man sie tot vor dem Bette liegen. Wahrscheinlich bat sie der Schlag gerührt. -- In ihrer Wohnung erhängt bat sich die 41 Jahre alte Pfimncrfrau Ida Matehia aus der Von- der- Heydt- straffe 10. Als ihr Mann gestern nachmittag von einem Ausgange heimkehrte, fand er sie tot an der Stubenlür hängen. /Zus den Gemeinöen. Stadtvcrordnctensitzung in Lichtenberg. Der wichtigste Punkt der Tagesordnung war der Bericht des Magistrats über»Die Kriegsausgaben der Stadt" bis Ende Juni 1915 und der Antrag, zur Leistung von Kriegsausgaben weitere 3 Millionen zu bewilligen. Bei dem Bericht wies unser Redner nach, daff die Maßnahmen des Bundesrates zur Bekämpfung der Lebensmitteltcuerung leider völlig unzureichend seien und die Städte trotz der bisherigen groß- artigen Leistungen nicht die Möglichkeit haben, der unglaublichen Preistreiberei ein Ende zu bereiten. Ein enger Zusammenschluß der Groß-Berliner Gemeinden zwecks Durchführung des gemein- samcn Einkaufs von Lebensmitteln nnd der Durchführung sozialer Forderungen sei dringend erforderlich. Die Fürsorge für Kriegs- beschädigte, insbesondere die Unterbringung der Kriegsverletzten in Arbeitsstellen, wie überhaupt das große Problem der Arbeits- losenfürsorge sei in Gemeinschaft mit den Gewerkschaften zu er- ledigen. Trotzdem bereits im Juni für Lichtenberg eine Deputation für Kriegssürsorgc gewählt worden sei, habe bis jetzt noch keine Sitzung stattgefunden. Da im kommenden Winter für Feuerungs- Materialien mit einer ungeheuren Preissteigerung gerechnet wer- den müsse, so sei es dringend geboten, auch hier durch rechtzeitigen Ankauf von Heizmaterial Vorsorge zu treffen. Die vom Magistrat geforderten 3 Millionen wurden alsdann einstimmig bewilligt. Bei der Beratung eines Antrages auf schnellere Erledigung der Mictsbeihilsegesuche gab der Stadtrat E äffe bäum eine llebersicht über die Arbeiten des bestehenden Mietsamtes. 2150 Fälle sind bis zum 30. September gemeldet. Davon wurde in 1250 Fällen eine Einigung erzielt, während in 198 Fällen gegen den Willen der Kricgerfraucn Abzüge von der Unterstützung gemacht wurden. Bei 191 Anträgen nahmen die Antragsteller die Klagen zurück und in 125 Fällen wurde eine besondere Mietsbeihilfe gewährt, 110 Klagen verliefen ergebnislos. Trotzdem von sozial- demokratischer Seite auf manche Härten gegen Kriegersrauen bei den Urteilen dcS Mietsamtes hingewiesen wurde, muß doch an- erkannt werden, daß sich die Errichtung des Mietsamtcs bewährt nnd dasselbe in den verflossenen dreiviertel Jahren viel Arbeit geleistet hat. Neuköllner Aufwendungen für Kriegsfürsorge. Der Magistrat hat jetzt eine Zusammenstellung der von Neukölln bis zum 31. August 1915 entstandenen Kosten für Kriegsfürsorge wrgenommen. Danach beträgt die Reichsiinterstützung für die An- vorigen der Kriegsteilnehmcr 4 301 412 M., der Gemeindezuschuff 4 108 059 M., die Mietsbeihilfe 1 551 102 M, Für freiwillige Kriegs- wohliahrtpflege(Unterstützung der Erwerbslosen) wurden 599 037 M., für Anstellung von Hilfskräften 267 713 M., sür außerordentliche Interstützung in Krankheils- und Stcrbefällen 129 828 M., für vürgerhalle, Volksküche und Kinderspeisung 9-2 195 M., für Hebammen- und Wvchnerinnenhilfe 10 985 M. und für Verschiedenes 79 737 fl'' verausgabt. Insgesamt betrugen die Ausgaben 11200 068 1 außerdem noch 453255 M. sür Zinsen, die sür schwebende Krieg anleihen gezahlt wurden. Von diesen Ausgaben trägt die Reichs lasse 4 301 412 M., die Provinz den Zuschuß sür Arbeitslose in Höhe von 258 672 M, und den freiwilligen Spenden wurden 15 000 M. entnommen. Die Gemeinde hat somit außer Zinsen noch 6 625 584 M. aufzubringen. Von den Einwohnern stehen nicht weniger als 35 000 im Felde 28 220 Kriegersamilien mufften im ersten Kriegsjahre unterstützt »erden. (öcmüscvcrkauf der Gcmciiidc Steglitz. Ter Verkauf findet von heute ab nicht mehr auf dem Markt statt, sondern in einem Laden des Hauses Schloff- st r a ff e 32. Verkaufszeit nur wochentags von 9— 12 und 3 bis 7Vz Ubr.— Heulige Preise: Weißkohl 4 Pf., Rotkohl 7 Pf., Mohr- rüben 7 Pf., Kürbis 5 Pf. das Pfund. Lcbeusmittelfürsorge in Potsdam. Der Potsdamer Magistrat hat jetzt im Hause Luisenstr. 4 eine Zweigniederlassung für den Verkauf von Lebensmitteln eingerichtet. rn der ebenso wie in der städtischen Turnballe in der Türkstraße Reis, Schmalz. Erbsen, Bohnen, kondensierte Milch und Rindfleisch- konserven verkaust werden. Mit Ausnahme von Reis und konden- sierler Milch sind auch die städtisch besorgten Lebensmittel bei den meisten Kauflcuten der Nahrungsmittclbranche zu vorgeschriebenen Preisen � erhältlich. Neu in den Verlehr wurden die Vollheringe (Slofullhcringe) gebracht, die für 15 Pf. pro Stück verkaust werden. Zu diesen Lebensmitteln werden sich in nächster Zeit 250 Zentner Speck, ungarische Eier und Eßkartoffeln gesellen, die in einer Menge von zirka 20 000 Zentner beschafft wurden. Die Preise betragen sür Erbsen Pfund 55 Pf., Bohnen 50 Pf., Schmalz 2 M., kondensierte Milch pro Dose 35 Pf.__ � Eine«tue Mctallsammclstelle für Altmaterial eröffnet die Stadt Cbarlottenburg am beutigen Sonnabend im Hause Schlüterstr. 54, Ecke Niebuhrstraße. � Die Sammelstelle ist täglich von 9— 12 Uhr vormillagS und 5—7 Uhr nachmittags geöffnet. Auskunftsftelle für die Hinterbliebenen der Krieger. Die Stadtgemeinde Wilmersdorf hat eine besondere Organisation zur»Fürsorge sür die Hinterbliebenen der im Kriege gestorbenen Soldaten" geschaffen� Diese Organisation will den Hiiiterblicbencn der gestorbenen Soldaten möglichst mit Rat und Tat helfend und sürsorgend zur Seile stehen. Diese Auskunstsstelle befindet sich im Hause Brandenburgische Str. 1, 3 Treppen, Zimmer 34, und ist geöffnet von 8—3 Uhr. Mus aller Veit. Grüfze aus einem Kriegsgefangenenlager. Biel Gutes erleben wir jetzt nicht, desto mehr Unangenehmes. Eine sozialdemokratische Zeitungsredaktion, die an der Entfaltung der in ihr schlummernden Kräfte durch die Kriegswirren behindert ist. die nicht, wie gewohnt, die Früchte ihrer zähen Arbeit täglich wachsen und gedeihen sieht, verfällt naturgemäß der Resignation. Sind doch die Organisationen so gut wie ausgelöst, der.Stamm der Leser in alle Winde zerstreut, mindestens aber losgelöst von dem gemeinsamen Boden, auf dem der Meinungskampf in ehrlicher Weise ausgefochten wurde. Und doch kann eine unscheinbare Sache uns neuen Lebensmut, neue Hoffnungen einflößen, wenn es auch nur eine einfache Feldpostkarte ist. Eine solche erhicllcn wir dieser Tage aus einem Kriegsgefangeuenlagcr in Rußland. Man schreibt uns auf dieser: K o st r o m a, 14. 9. 15. Im Anschluß an das soeben leise gesungene Lied:«Nach der Heimat möcht ich tviedcr" senden wir Ihnen die freundlichsten Grüße in der Hoffnung, Ihnen dieselben auch recht bald mündlich erstatten zu können. A. Schulz. K. K. M. Schulz. P. Rutke, Hamburg II. W. Stubbe, Bremen. A. Smloka. K. Strunk. K. Moser. Karl Krause. Zurzeit verwundete Kriegsgefangeue in Kostroma(Rußland), Hospital Nr. 26, und früher eifrige Leser Ihrer geschätzten Zeitung. Es mag vielleicht manchem komisch erscheine», daß wir mit dieser einfachen Zuschrift ein großes Wesen machen. Doch wir glauben Grund dazu zu haben. Beweist uns doch diese Karte, wie auch andere, die wir früher schon erhielten, daß der Krieg es bei vielen doch nicht vermocht hat, sie wurzellos zu machen. Ihre Gedanken kehren aus den fernsten Gegenden zurück zu den Dingen, die ihrem Leben schon Inhalt gaben, ehe sie der Krieg mit seinen Schrecken umtobte. Ihre Sehnsucht richtet sich nicht nur auf die Erreichung der Heimat, sondern auch auf den Kreis der Genossen, mit denen sie ein inniges geistiges Band zusammenhielt. Hoffen wir, daß ihr sehnlichster Wunsch recht bald in Erfüllung geht. Schwere Explosion in einer Kammfabrik. Solothurn, 1. Oktober. Die Explosion in der Kammfabrik in HLmliswil hat 30 Tote gefordert. Etwa zehn weitere Personen wurden lebensgefährlich verletzt und etwa 40 leichter. Vermutlich wurden einzelne Arbeiter durch die Explosion sofort gelötet. Die übrigen konnten wegen des Feuers und des Ranckies keinen Ausweg finden und verbrannten. Die Fabrik mit großen Vorräten an Zelluloid und Horn ist bis auf das Mauerwerk niedergebrannt. Sie beschäftigte 350 Arbeiter._ Beim Kartoffeldiebstahl erschossen. Ein Einwohner aus Bens- hausen(Thüringen) hatte bemerkt, daß ihm wiederholt von seinem Grundstück Kartoffeln gestohlen worden waren. Er legte sich deshalb nachts mit einer Schußwaffe auf die Lauer. Als dann eine Frau erschien und Kartoffeln ausmachte, erhielt sie von dem Aufpasser einen Schuß, an dessen Folgen sie gestorben ist. Die Untersuchung ist im Gange._ Beraubte Mekka-Pilger. Der Ausbruch des Krieges der Türkei mit den Ententemächten bat vielen mohammedanischen Familien aus Java Unglück gebracht. Tausende Javaner, die die Betfahrt nach Mekka unternommen hatten, wurden nämlich von Arabern, die sich die durch den Krieg geschaffene Anarchie zunutze machten, unterwegs überfallen und vollständig aus- geplündert. Ihnen blieb nichts übrig, als zu Fuß weiterzuivandern und zu betteln. Ein javanisches Hilfskomitee hat für sie rasch über 100 000 Fl. aufgebracht. Indes zogen sie dem Geld die Heiin- beförderung vor. In der zweiten Ängusthätste brachte ein Schiff 2000 dieser Mekkapilger nach Java. Es waren Männer, Frauen und Kinder, alle in Lumpen gehüllt, vom Elend ausgemergelt. Manche konnten vor Schwäche nicht stehen und mußten getragen werden. Andere Schiffe mit Pilgern sind noch unterwegs. Brand eines norwegischen Dampfers. Der norwegische Dampfe- „Elisabeth" ivurde auf der Fahrt von Leith nach Ronen durch Brand zerstört. Die Besatzung wurde gerettet. IZ Tote bei dem Zechcnungliick Holland. Von den bei dem Unglück auf der Zeche Holland in Watten- scheid verletzten 25 Bergleuten sind im Laufe der Nacht noch vier ihren Verletzungen erlegen, so daß die Explosion bisher 13 Opfer gefordert hat._ Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 3. Oktober, vormittags ll�llbr, Kleine Frankfurter Straße 6: Vortrag des Herrn A, Fischer: „Sittlichkeit und Sitte". Märkische Spielvercinigung. Bezirk Gros?- Berlin. Am Sonntag, den 3. Oltobcr, nachmittags'S'l, Ubr, finden folgende Spiele der I. Klasse statt: Eiche- Tegel— Sporweicinignng, R. B. C.— Neukölln. Velten-Fichte lV. Oberspree-Fichle lll, Fichte VII— Sparta I, Fichte XVIll— Eintracht._ Geschäftliche Mitteilungen. Die Firma Stefan ESders, Berlin, Kaiser-Wilhelm-Straße 55, versendet einen neuen Katalog, in welchem sie aus ihre rcichbaltigen Lager der Herren-, Dnmen- und Kindergardcrobe hinweist. Aus Wunsch steht der Katalog jedem Jmercssenten gratis und franko zur Verfügung und der Besuch dieses größten Spezwlhaufcs in Berlin ist ohne Kaufzwang gern gestattet. Die Firma Hermann Slotowsky Söhne, Landsberger Str. 33 und Schcrcrstr. 7, gibt in ihrem heutigen Inserat den Verlaus von billigen Lebensmitteln bekannt. Im Interesse der Minderbemittelten und um Wiedervcrkäuscr auszuschließen, sollen jedoch nur kleine Quantitäten abgegeben werde».__" öriefkaften üer Reüaktion. Die luristilche Sprechstunde findet für Abonnenten Lindenstr. Z, IT. Hof rechts, parterre, am Montag bis Freitag von 4 bis 7 Nor, am Sonnabend > r i e> t a ft« n bestimmten Anfrage Merlzeichen beizufügen. Briefliche denen leine Abonnementsguitrung Eilige Fragen trage man in der und dergleichen bringe man in die von 5 bis 6 Uhr statt. Jeder für den ist ein Buchstabe und eine Zahl alZ Antwort wird nicht erleilt. Antrage», beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Sprechstunde vor. Verträge, Schriftstüitc Eprechstiiiide mit. M. D. 30. Wenden Sie sich mit einem Antrag an das Ersatzbataillon des Regiments, von dem Ihr Mann eingezogen wurde.— A. H. LS. Chronische Leiden der Unterleibsorgane; dauernd untauglich.— W. B. 100. Sic müssen Ihre Absicht, aus der Landeskirche auszutreten, dem Amtsgericht des Bezirks, in dem Sie wohnen, miitcilcn und an dem von dem Amtsgericht innerhalb 4—6 Wochen anzusetzenden Termin Ihren Austritt persönlich vor denr Amtsgericht erklären.— C. N. 2. Sie gehören nicht zu den Ausgemusterten und werden persönliche Order erhalten. — S. K. III. Sie sind nicht verpflichtet, den Kessel abzuliefern, müssen ibn aber in der Zeil vom 17. Oktober bis 15. November anmelden.— K. B. 100. Sie köiincii noch einberufen werden.— P. B. 99. Nein. — B. E. 1. Die Mictsunterstützling wird Ihnen jedenfalls verweigert, weit die Kommission annimmt, daß keine Bcdürsiigkcit vorliegt. Sie lönnten Beschwerde beim Magistrat einlegen.— Dietrich. Das Examen kann jetzt abgelegt werden.— A. 83. Sie sind verstchclungspflichtig aus Grund Ihrer Beschästigung in der Gasanstalt.— P. Z. 87. Mit der ersten Bezeichnung ist bestimmt gesagt, daß jemand sejddicnstfähig ist. Die zweite Bezeichnung ist ein weiterer Beoriss und läßt zu, daß jemand auch garnisondicnslvcrwendungSsähig sein kann.— F. H. 20. Rauh, jedoch nicht zu kalt.—;Äx_4 09 ci«o_ lang, mit Einlage, warm!' rc'* o-* nafätleri:' J spater 50.-, ,6—, 9o.- in Krimmer, Wvllpl Osch,) j tlt g, 81_ PMÖh i 1 später 70.-, 96.-. 125,- ! j.t.t 85- 3C.-50.-(70 �«_) spät 3#.— 5«-«.— jetzt K»,»1- 33- 64- später 20.— 30.— 45.— 80.— I B 1 tt 4 m m an« besten, reichen, völligen Stoffen, w darunter elegan te Einzelmodella Gummi, u. wiiitrdieMe ätidtnmlnt.l ans besten Stoff«, in allen T.rben n. 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Erster Maschinenmeistor als Stütze des Lbermaschinenmeisters sofort gesucht. mllitärsteie Herren wollen sich melden bei Imderg druckerei, Wilhelmstraße 118.__ Nur erfahrene und & Lefson, Buch- 25506 K«antwortlicher Redakteur: Alfred Scholz, Neukölln. Für den Jnferatenteil»erantw.i Th. Glocke. Berlin. Druck u.Berlag:ivorwärt» Buchdruckerei u. Lerlagsanjtalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. in. 272. st Lte KeMs KelltM iltS„NlimW" Dl Z Soziales. Das System der Firma S. Rcichmaun. Die eits mehreren Prozessen vor dem Gewerbegericht und der Schlichtungskommission sür Militärbekleidung bekannte Firma S. Reichmann, Markgrafe n st r. 25, stand gestern wieder als Beklagte vor der Kammer 1 des Gewerbe- gcrichts. Vierzehn Arbeilcrinnen, die bei der Firma auf Militärarbeit beschäftigt waren, klagten auf Lohnzahlung sür zwei Wochen wegen kündiguugsloscr Entlassung. Wie in den früheren Prozessen, so be- rief sich die Firma auch jetzt wieder auf ihr System, wonach nicht die Firma, sondern die von ihr beschäftigten und von ihr als Meister be- zeichneten Schneider die Arbeitgeber dcrÄlägerinnen gewesen seien. Nach den eigenen Angaben de? Firmeninhabers kam das Arbeitsverhäll« nis so zustande: Die Firma suchte durch Zeitungsinserale Arbeite- rinnen. Darauf meldeten sich die Klägerinnen im Geschäftslokal der Firma, Markgrafenstr. 2ö. Von hier wurden sie durch einen bei der Firma angestellten Zuschneider nach Linden- straße 69 geführt, wo in Räumen, welche die Firma ge- mietet hat, und an Maschinen, welche der Firma ge- hören, die angeblichen' Miisker arbeiteten. Die Arbeite- rinnen wurden dann den einzelneu„Meistern' zugewiesen. Bei dieser Gelegenheit sollen nach Angabe des Inhabers der Firma sowohl der. Zuschneider wie die betreffenden„Meister" den Arbeiterinnen erklärt haben, daß sie nicht von der Firma, son- dern von den„Meistern" eingestellt und auf Rechnung der„Meister" beschäftigt werden. Die beiden für den vorliegenden Fall in Frage kommenden„Meister" bestreiten, eine solche Erklärung abgegeben zu haben, und behaupten, sie seien keine Meister, sondern von der Firma beschäftigte Gehilfen und könnten als Arbeitgeber der ihnen"zugewiesenen Arbeiterinnen gar nicht in Frage kommen. Ferner steht nach den eigenen Angaben deS Firmeninhabers fest, daß die Firma die Löhne der Ar- beiterinnen bestimmte und auch zahlte.— Zwei ihrer An- gestellten, auf welche si4_ die Firma als Zeugen berief, konnten nur angeben, daß es das System der Firma sei, die„Meister" als Arbeitgeber der Arbeiterinnen anzusehen. Tatsachen, welche geeignet sein könnten, diesem System rechtliche Folgerungen zugunsten der Firma zu ziehen, konnte keiner der Zeugen angeben. Nach Lage der Sache kam das Gericht', wie in den früheren Prozessen, zu der Ueberzeugung, daß die Firma S. Reichmann als Arbeitgeberin der Klägerinnen anzusehen sei. Da Kündigungs- ausschlug nicht vereinbart war, so wurde die Firma ver- urteilt, den Klägerinnen die geforderten Be- trägezuzahlen. Die gestohlene Hose. Einem jugendlichen Arbeiter war auf der Arbeitsstelle eine Hose gestohlen worden. Er meldete das dem Arbeitgeber. Dieser machte einen anderen Arbeiter namhaft, der allein der Dieb sein könne, und riet dem Bestohlenen, sich au diesen zu halten. Der au- gebliche Dieb kam nicht wieder zur Arbeit, aber der Bestohlene hätte dessen Adresse beim Arbeitgeber erfahren können. Der B e- stohlene tat aber keine Schritte gegen den mut- maglicheil Dieb, sonder>r klagte einige Wochen später beim Gewerbegericht gegen den Arbeitgeber auf Schadenersatz für die gestohlene Hose.— Die Kammer 5 erklärte den Anspruch des Klägers als unbegründet, weil er gegen den ihm bekannten Täter nichts unternommen, sondern die Sache auf sich habe beruhen lassen.— Der Kläger zog auf den Rat des Vorsitzenden hierauf die Klage zurück. Ersatzkasse und Ortskasse. Zwei die Rechte der Ersatzkassenmitglieder betreffenden Entscheidungen sind vor kurzem durch die zuständigen Instanzen ergangen. Der heutigen Rechtslage entsprechend wurden fol- gende Rechtssätze aufgestellt: 1. Durch die Beitragszahlung wird die Befreiung von der Zwangsmitgliedschaft eines Ersatzkassenmitglicdes zur zuständigen Allgemeinen Ortskrankenkasie aufgehoben. 2. Bei Nichtzahlung der Beiträge an die Ersatzkasse hat die Allgemeine Ortstrankenkasse im Erkrankungsfall einzutreten. Tie Fälle, in denen die Folgerungen aus diesen Rechts- normen gezogen wurden, waren folgende: 1. Der Zimmerer K. war Mitglied der Zentral« und Sterbe- kasse der Zimmerer zu Hamburg sErsatzkasse). Anfang April 1914 wurde von ihm bei der zuständigen Allgemeinen Ortskrankenkasie der Stadt Berlin der Antrag aus Befreiung gemätz ß 517 der ReichsversicherungSordnung gestellt. K. mutzte mittlerweile den Arbeitgeber wechseln und wurde von diesem zur Allgemeinen Orts- Irankenkasse angemeldet, die vollen Beträge ivurden gefordert und gezahlt. K. erkrankte am 1. Juni 1914, die Ortskasse zahlte zunächst bis zum 15. Juni die satzungsgemätze Unterstützung, stellte diese dann aber mir der Begrüiidung ein, datz die Rechte des K. trotz der Bezahlung der Beiträge auf Grund des Befreiuugsantrages ruhen. Das V e r s i ch e r u n g s a m t L i ch t c n b e r g verurteilte die Krankenkasse zur Zahlung der Unterstützungen'mit der Begründung, datz K. Pflichtmitglied der Kasse sei. Rechte und Pflichten können zwar auf Antrag ruhen, sie leben aber sofort wieder auf, sobald auf die Vergünstigung des Ruhens verzichtet wird. Dieser Verzicht ist im vorliegenden Fall durch die Zahlung der Beiträge an die Krankenkasie einivandfrei ausgedrückt worden. Auf eingelegte Be- rufung trat das Oberversicherungsamt Groß- Berlin der Entscheidung der Vorinstanz bei. 2. Der Zinimercr R. war von» 19. August 1914 bei einem Arbeitgeber' in Stettin beschäftigt. Am 18. Oktober war gemätz § 517 R.V.O. das Ruhen der Mitgliedschaft bei der Allgemeinen Ortskraukenkasse in Stettin beantragt ivorden. Mitte November schied R. aus der Beschäftigung aus, trat jedoch am 16. Dezember wieder ein. Am 26. Februar 1915 erkrankte N. und erhob nunmehr bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse Anspruch auf Unterstützung. D>e Kasse lehnte den An'pruch ab, weil R. von der Mitgliedschaft befreit, mithin Rechte und Pflichten ruhen. Der Zentralkrankenkasse der Zimmerer hatte N. nur bis zum 10. August 1914 Beiträge geleistet, war also spätestens Ende Dezember 1914 aus dieser Ersatz- kasse ausgeschieden. Der von ihn, gestellte BcfreiungSantrag konnte erst mit Wirkung vom 1. Januar 1915 in Kraft treten. Vom Versicherungsamt Prenzlau wurde die Allgemeine Orts- krankenkasie zur Gewährung der statutarischen Leistungen ver- urteilt. Ans den Gründen:„N. war kraft des Gesetzes bei der Allgemeinen Ortskrankenkasie Stettin versicherungspflichtig. Seine Zugehörigkeit zu dieser Kasse wird von derselben auch nicht bestritten. Es bleibt zu prüfen, ob die Behauptung der Kasse, die Rechte des Klägers gegen die Kasse ruhten solange, bis der früher gestellte An- trag gemätz§ 517 R. V. O. zurückgezogen wird, zutreffend ist. Die Frage ist zu verneine». Das Gesetz legt den Versicherungspflichtigen nicht die Pflicht auf, einem nach K 517 R. V. O. gestellten Antrag beim Aus- scheiden aus der Ersatzkasse zurückzuziehen. Es liegt vielmehr den Ersatzkassen»ach tj 521 R. V. O. ob. den Austritt eines versicherungs- Pflichtigen Mitgliedes seiner Krankenkasie mitzuteilen. Bei Unter- lasinng dieser Pflicht kann nur nach 8 530 R. V. O. gegen den oder die Säumigen eingeschritten, nicht aber dem Versicherlen die gesetz- liche Unterstützung im Krankheitssalle vorenthalten werden. Das Ruhen der Rechte und Pflichten Versicherungspflichtiger gegen ihre Krankenkasie setzt die Mitgliedschaft bei einer Ersatzkasse voraus. Beim Austritt aus der Ersatzkasse unter Verbleiben in der versicherungspflichtigen Beschäftigung leben die ruhenden Rechte und Pflichten gegen die zuständige Kasse folglicherweise kraft Gesetzes so- fort wieder auf. ohne Rücksicht darauf, ob die versicherungspflichtige Person an- oder abgemeldet ist oder ob Beiträge entrichtet sind. Da auch die Bestimmungen des§ 513 N. V. O. berücksichtigt sind, steht es autzer Zweifel, datz R. zur Zeit seiner Erkrankung in keiner Be- ziehung zur Zentralkranken- und Sterbekasse der Zimmerer stand. Für die Gewährung der Unterstützung kommt also nur die Beklagte in Frage."_ Verlustlisten. Die Verlustliste Nr. 342 der preußische n Armee enthält Verluste folgender Truppen: Generalstab des Feldheeres. Oberkommando der Bugarmee. � Generalkommando des Gardekorps, des 1. Armeekorps, des 10.,' 17., 19. und 41. Reservekorps. Stellvertretendes General- kommando des 5. Armeekorps. Infanterie usw.: Stab der 3. Garde-Div., der 23. und 39. Ins.- Div., der 5. Res.-Div. sowie der Landw.-Div. v. Bredow. Stab der 7. Jnf.-Brig.; Stellvertretendes Kommando der 6. Jnf.-Brig.; Stab des Detachements v. Westernhagen. Garde: 2. Garde-Reg. z. F.; Garde-Gren.-Reg. Franz(s. Rcs.-Jnf.-Reg. Nr. 56); Garde- Jäger-Bat. ss. auch Res.-Jnf.-Neg. Nr. 13); Garde-Res.-Jäger-Bat.; Garde-Schützcn-Bat. Lehr.-Jnf.-Reg. Gren.-, bezw. Jus.-, bezw. Fiis.-Regimcnter Nr. 1, 2(s. Gren.-Neg. Nr. 9),. 5, 9, 11, 13 (|. auch Res.-Jnf.-Reg. Nr. 13), 14, 15, 16, 18, 21 ss. auch Ins.- Reg. Nr. 375), 24, 27. 28, 30, 34, 35, 38, 39.(f. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 50), 40, 47(f. Gren.-Reg. Nr. CJ), 53(f. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 13), 55(j. auch- Landw.-Jns.-Neg. Nr. 16), 56 ss. auch Res.-Jnf.-Reg. Nr. 56), 57(s. Res.-Jnf.-Neg. Nr. 13), 58, 61(s. Res.-Jns.-Reg. Nr. 269), 62, 65, 66 ss. auch Gren.-Reg. Nr. 9), 67, 69, 70, 71. 75, 84. 95, 112, 117, 13l. 132, 136, 140, 141, 142, 143, 146(s. Ins.- Reg. Nr. 14 und Res.-Jnf.-Reg. Nr. 59), 147(f. auch Res.-Jnf.- Neg. Nr. 59), 148, 149, 150, 151 Letztere beiden s. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 59), 152, 159(s. auch Res.-Jnf.-Reg. Nr. 56), 160, 162, 165, 168, 174, 175, 176, 184, 187, 357, 358, 360, 361, 362, 369, 370, 371, 375 und Reg. BoeterS ls.'Jns.-Reg. Nr. 375). Res.-Jnf.-Regimenter Nr. 3. 5 n. Jnf.-Reg. Nr. 375), 12, 13, 16, 16, 20, 22, 24, 28, 29, 37, 38, 39, 49(f. auch Jnf.-Reg. Nr. 375), 51, 52(s. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 269), 53, 56, 59, 66, 71, 75, 202, 204, 206, 207, 208, 20st, 213, 217, 219, 220, 221, 223, 224, 269, 270. Nes.-Ers.-Jnf.-Reg. Nr. 1. Landw.-Jnf.-Regimenter Nr. 6, 12, 16, 21, 30, 31, 35, 39, 51, 57, 72, 350. Landsl.-Jns.-Regimcnter Nr. 8, 11 und 20. Brig.-Ers.- Bat. Nr. 50 ss. Jnf.-Reg. Nr. 358). Landst.-Jnf.-Bataillone: III Münster, Muskau, Schlettftadt, Striegau. Landst.-Jnf.-Ers.- Bat.: Crossen. Rekrutendepot des 23. Reservckorps. Etappen- Hilfs-Kompagnien Nr. 21 und Nr. 36 der 11. Armee; Etappen- Sammel-Komp. Nr. 1 der Bugarmee und Nr. 22. Jäger-Reg. Nr. 3; Bataillone Nr. 1(f. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 59), 5, 9; Rest- Bataillone Nr. 8, 19(st Res.-Jnf.-Reg. Nr. 217). Festungs-Nadst- Komp. Neubreisach. Maschinengew.-Abt. Dicdenhofen; Gcbirgs- Maschineugew.-Abt. Nr. 205; 1. und 2. Ers.-Maschinengew.-Komp. des Gardekorps; Feld-Maschiucngew.-Züge Nr. 109(st Res.-Jnf.- Reg. Nr. 39), 242(st Landst.-Jnf.-Reg. Nr. 8), 269(st Garde-Res.- Jäger-Bat.). Kavallerie: Garde-Kürassiere; 1. Garde-Ulanen; Kürassiere Nr. 1(s. Kav.-Reg. Nr. 88) und 7; Schwere Res.-Reiter Nr. 3; Dragoner Nr. 8, 23(st Feldfliegertruppe); Husaren Nr. 16; Ulanen Nr. 2; Jäger zu Pferde Nr. 13; Reg. Rr. 88. Feldartillerie: Stab der 3. Garde-Brig.; 2. und 4. Garde- Reg.; Regimenter Nr. 31, 35, 40, 44, 46, 79, 88; Res.-Regimenter Nr. 1, 13; 44,-69; 68. Futzartillcrie: 1. Garde-Reg.; Regimenter Nr. 8, 13, 16, 18; Res.-Regimenter Nr. 4, 5, 11, 13, 16, 18; Landw.-Bataillone Nr. 4 und 11; Batterien Nr. 273 und 314. Schwere 15-Zcntimeter-Ka- nonen-Latterie Nr. 4. Pioniere: 3. Garde-Bat.; Garde-Ers.-Bat.; 2. Landw.-Komp. des Gardekorps; Regimenter Nr. 19, 23, 25; Bataillone: II. Nr. 1, I. Nr. 2, I. Nr. 6, I. Nr. 7. I. und II. Nr. 8, I. Nr. 10, I. Nr. 14, I. Nr. 17; Res.-Bat. Nr. 34; Ers.-Bataillone Nr. 3»nd 5. Verkehrstruppen: Eisenbahn-HilsS-Bat. Nr. 2; Rest-Eisen- bahnbau-Kompagnien Nr. 2 und 14. Armee-Telegraphen-Abt. Nr. 9. Fernspr.-Abt. Nr. 32 des 2. Armeekorps. Feldluftschiffer- und Feldfliegcrtruppe. Train: Train-Abteilungen Nr. 5, 14. 17, 20. Divisions- Brückentrain Nr. 20 des 10. Armeekorps und Nr. 25; Res.-Div.- Brückentrain Nr. 44. Proviantkoloiuie Nr. 2 des Gardekorps; Leichte Proviantkolonne Nr. 5 des 3. Armeekorps und Nr. 1 der 107. Jns.-Div. Fuhrparkkolonne Nr. 7 des 2. und Nr. 5 des 6. Armeekorps, Nr. 5 der 1. Ins.- und Nr. 4 der 35. Res.-Div.; Res.-Fuhrparkkolonne Nr. 45 des 6. Reservekorps; Laudw.-Fuhr- Parkkolonnen Nr. 2, 3 und 4 des Landwehrkorps; Magazin-Fuhr- Parkkolonnen Nr. 8 und 152; Etappen-Fuhrparkkolonnen Nr. 145 der 10. Armee, Nr. 1 des 1. und Nr. 3 des 6. Armeekorps, Nr. 25 der Laudw.-Div. v. Bredow und Posen Nr. 5. Festungs-Fuhrpark Diedenhofen. FeU>bäckereikolonne Nr. 103 der 11. Armee. Etappen- Pferdelazarett Nr. 1 der 11. Armee. Munitionskolonnen: Jnf.-Munitionskolonne Nr. 1 der 119. Jns.-Div.; Res.-Jnf.-Munitionskolonne Nr. 47 des 23. Reserve- korps und Nr. 49 der 47. Res.-Div. Artillerie-Munitionskolonnen Nr. 2 und 3 des Garde-Reservekorps;(B's-Miinitionskolonne Nr. 8 des 16. Armeekorps; Feldart.-Munitionskolonne Nr. 198 der 4. Jns.-Div.; Artillerie-Mumtionskolonne Nr. 2a der 54. Jns.-Div.; Landw.-Artillerie-Munitionskolonne Nr. 2 der Landw.-Div. von Bredow. Munitionskolonne Nr. 67. Sanitäts-Formationen: Sanitäts-Komp. Nr. 1 des 2., Nr. 2 des 6. und Nr. 3 des 16. Armeekorps; Nes.-Sanitäts-Komp. Nr. 17 des 18. Reservekorps; Landw.-Sanitäts-Komp. Nr. 28 des 13. Ar- meekorps. Feldlazarette Nr. 4 und 5 des Garde-Neservekorps, so- wie Nr. 7 des 19. und Nr. 7 des 17. Armeekorps; Nes.-Feldlazarett Nr. 8 des 21. Armeekorps, sowie Nr. 119 und 112 des 49. Reserve- korps; Festungs-Lazarett Metz; Res.-Lazarett Weimar. Frei- willige Krankenpflege. Fortifikationcn, Armierungs- und Straßenbau-Formationen: Fortifikation Neubreisach. Armierungs-Bataillone. Straßenbau- Kompagnien. Artillcriedepot Thorn. Proviantämter der Etappen-Jnspektion der Bugarmee und des 1. Reserbekovps'.' KriegsbekleidungSamI deS 14. und Res.-Bekleidungs.amt des 3. Armeekorps. BezirkskomMandoS: Belgard und I Düffeldorf. »-* * Der Schluß der sächsischen Verlustliste Nr. 200, deren Inhalt wir gestern bereits mitteilten, wird veröffentlicht. Die württembergische Verlustliste Nr. 276 meldet Ver- luste des Ers.-Jnf.-Rcg. Nr. 52; Gren.-Reg. Nr. 119; Nest-Jnst- Regimenter Nr. 119, 121; Füs.-Neg. Nr. 122; Jnf.-Regimenter Nr. 126, 127; Res.-Jiff.-Reg. Nr. 246; Laudst.-Jnf.-Bat. Calw; Landw.-Feldart.-Rea. Nr. 1; 1. und 2. Feld-Pionier-Komp.; 2. Landw.-Pionier-Komp.; 4. und 5. Fekd-Pionier-Komp.; Ver- luste durch Krankheiten; Berichtigungen früherer Verlustlisten. Eingegangene Druckschristen. Vom„Wahren Jacob" ist soeben die 20. Nummer des 32. Jahrganges erschienen. Der Preis der Nunimer ist 10 Pf. Probcnummcrn sind jederzeit durch den Verlag I. H. W.'Dietz Aachs.®. rn. b. H. in Stuttgart sowie von allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. Vom Kriege gegen die deutsche Kultur. Von Dr. O. Fleischer. 1 M. H. Keller, Franlsurt a. M. Der deutsche Krieg. Hcst 63 i Indien im Weltkriege. Von Dr. H.V.Staden.— Hcst 64: Die Ziele unserer Wcltpolitik. Von A. Hcttncr. Einzclhest 50 Ps. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart. »OW . w.',; Die Kriegsnot zwingt, genau zu rechnen! Wenn Sie V'4, V �%% V ** Möbel o«. Garderobe brauchen und die Ware ItiChS gGgee ECaSSO Käufen können, dann kommen Sie zu uns, Kulanft und reell werden Sie bedient! Stet« das Neueste finden Sie am Lager .K' Berlin Norden Krediihaus C. Wachsmann£ Co. Reinickendorfer Str. 15' Backer- und Konditoreien BacM Romsiemtl Inh. Gust. Müller i flFiiialcn im Saden, Osten n.ümgebnnflf DUlanloRnflfl �tralauer Allee 23* [jmfll IcDUljüMilcli, Frühstück fr.Il8.[ OezugsQii eilen- Verzeichnis Berlin-Osten Erscheint wCelientlich Binmal.:: Cntemtebeiid» Geschäfte empfehlen«ich b»i Einkäufen iiniiifiuiiiiiaa ! Haus-u.Küchengerät.l Glas»nd P orzellan[ y Mi Frankfurter Alleo 166. 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