Ar. S7?.-32. Jahr«. BbonnementS'Bcdlngungen; Hlbonnementä• BrciZ litcnumcan!>«i Liertsgährl. 3�0 Ml, moitoü. 140 SRI, wöchentlich 25 Pfg. frei inS£>g>!fzl üctüii". ZcnXvuXovqnn äer rozialdemokrati fchcn Partei Dcutfcblanda. Neöaktion: SW. HS, Linüenftraße Z. Fernsprecher: Ami Morttzplatz, Nr. 1S1 SV— ISl S7. Donnerstag, den 7. Oktober 1918. Expedition: SW. HS, Lindenstraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 131 VV— 15107. vom öalkan. Gegen üie Gntente-Politik am Salkan. Das Wolffsche Telegraphenbureau schreibt: Berlin, 6. Lltober. Am Montagnachmitiag haben die Vertreter der Entente in Sofia an die bulgarische Regierung die Forderung gerichtet, binnen 21 Stunden die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland und Oesterreich-Ungarn abzubrechen und sämtliche(NB. gar nicht vorhandenen) deutschen Lffiziere aus der bulgarischen Armee zu eilt- lassen.— Es sind, wohl gemerkt, die Verireier der drei Mächte, die unter dem Motto: Für Freiheit und Recht, sür den Schutz und die Unabhängigkeit der kleinen Staaten in den Kampf gezogen sind, die diese in das SelbsrbesrimmungSrecht Bulgariens. so' tief ein- schneidende Forderung gestellt haben. Die bulgarische Regierung wird die gebührende Antwort auf die Zumutung zu finden wissen, die das wahre Gesicht der Entente enthüllt, die von hohlen Phrasen über die.hu- manitären und völkerbefreienden Ziele deS gegenwärtigen Krieges überfliefit, alle ihren schönen Grundsätze aber fallen läßt, sobald sie glaubt, daß das ihren Interessen dienlich ist.— Gleichzeitig mit dieser diplomatischen Demarche in Sofia haben um'ere Gegner der griechischen Regierung die beabsichtigte Ausschiffung französischer und englischer Truppen in Saloniki, angeblich zur Unterfiützung Serbiens, notifiziert. England hat sich durch diesen Schritt selbst die heuchlerische Äkasle vom Gesicht gerissen, mit der eS seit Beginn des Krieges die Verletzung der belgischen Neutralität dazu benutzt hat, um in her ganzen Welt in der würdelosesten Weise gegen DeüischlandStimmung zu machen. Wie verschieden, aber liegen chie beiden.Fälle: Im Falle Belgiens war das Vorgehen Deutschlands durch den drohenden französischen Vormarsch begründet: Es handelte sich um Notwehr in einer Lebensfrage für das Deutsche Reichs Die Verletzung der griechischen Neutralität. durch Frankreich und England ist ein-Völker- rechtsbruch lediglich zur Wahrung egoistischer Jntereffen. Weder hätte die Existenz Englands oder Frankreichs auf dem Spiel ge- standen, wenn die Landung unterblieb, noch hatte die Entente Gründe für die Annahme, daß eine Verletzung der griechischen Neutralität durch ihre Gegner geplant war. Auch ist die Hilfeleistung an Serbien nur ein Vorwand. Der wahre Grund ist, Serbien in seinem Widerstand gegen Deutschland und Oesterreich- Ungarn zu ermutigen, damit es sich, ebenso wie Belgien, auf dem Altar der Interessen der Entente weiter verblutet. Deutschland soll der Weg nach Konstantinopel mit Hilfe Serbiens verlegt werden. nachdem der Versuch, den Bundesgenossen des Deutschen Reichs und Oesterreich-Ungarns an den Dardanellen niederzuzwingen, dank des heldenmütigen Widerstandes der ottomanischen Armee, kläglich ge- scheitert ist. Dieses militärische Fiasko vor der öffentlichen Meinung der eigenen Länder zu verschleiern, ist die Ueberführung der englischen und französischen Truppen auf griechffches Gebiet gleichfalls be- stimmt. Die griechische Regierung hat gegen die Verletzung ihrer Territorialhoheit durch England und Frankreich Protest erHobe». Tie Kaiserliche Regierung hat in Athen gegen die Zulassung der Landung protestiert, die mit der von Griechenland bei Beginn des Krieges verkündeten Neutralität in Widerspruch stehen würde. Dir Antwort der griechischen Regierung auf die deutschen Borstellungen liegt noch nicht vor. Eröffnet sich jetzt ein neues Kapitel in der militärischen Geschichte dieses Krieges, so bilden die jüngsten Demarchen der Entente in Sofia und Athen das Schlußwort zu einem Kapitel in der diplomatischen Geschichte der Entente, da§ die Nachwelt einmal mit dem Motto versehen wird:.Geschichte der Heuchelei'. das Rücktrittsgesuch venizelos. Paris, 6. Oktober. fW. T. B.) Die A g e u c e H a v a S erfährt aus Athen, dah Ministerpräsident L e n i z e l o s gestern vom Äönige empfangen wurde, der ihm erklärte, er könne der Politik des gegenwärtigen Kabinetts nicht bis zu Ende folgen. Venizelos habe dem Könige sein Abschiedsgesuch eingereicht. Venizelos Stellung ergibt sich aus folgender Erklärung in der Kammer: Paris, G. Oktober(W. T. B.) Meldung der Agcncc HavaS. B c n i z e l o S erklärte in der Kammer, Griechenland werde die im serbisch-griechischcn Vertrage festgesetzten Per- Pflicht» n ge» schärf st cus innehalten, selbst wenn sie Griechenland dazu führen sollten, gegen Deutschland Stellung zu nehme», was er aufrichtig bedauern würde. Venizelos gab der Ucbcrzcuguiig Ausdruck, daß es im Interesse Griechenlands sei, sich an die Seite des Bicrvcrbandcs zu ßcllcn. Seine Erklärungen wurden mit fünfzig Stimmen Mehrheit gutgeheißen. Die mohammedanischen Abgeordneten stimmten dagegen. London, 6. Oktober.(T. U.) Nach einer Athener„Times". Meldung kam es in der Kammer zu einer lebhasten Erörte- rnng. die bis 5 Uhr morgens dauerte. Bei der Abstimmung über die Regierungsanträge wurden 257 Stimmen abgegeben, 142 lauteten für die Regierung, 102 gegen sie, 13 Mitglieder, darunter 3 Minister, enthielten sich der Abstimmung, während 50 Abgeordnete fehlten. Bleidong Des Men MQUofflets. Amtlich. Großes H a»p tq u»rt i er, de» 6. Oktober 1915.(SB. T. S.) Westlicher Kriegsschauplatz. An der Höhe nordöstlich Neuville wurde ei» frauzö- fisch er Handgranaten angriff abgewiesen. In der Champagne versuchten die Franzosen auch gester», auf der bisherigen Angriffsfro-ut die Offensive wieder aufzunehmen. Mit starkem Artilleriefeuer, das sich nachmittags zu größter Heftigkeit steigerte, glaubte der Feind nnsere Stellung für den allgemein beabsichtigten Angriff sturmreif machen zu könne«, während er auf der ganze» Front seine Sturmtruppeu bereit stellte« Unter unserem auf der feindlichen Ausgangsstellung liegenden Artilleriefeuer gelaug es den Franzosen nur au einigen Stellen, ihre Truppe« zum Sturme vorzubringen, und wo sie stürmte«, wurden sie wieder unter schweren Berlnsteu zurückgeworfen. So brachen die au der Straße Somme- Pq— Touaiu mehrfach wiederholten Stnrmanläufe gänzlich zusammen, auch nördlich wie uovdöstlich der BeausHjour- Ferm« R«d nordwestlich»»« Lille sar Tonrde waren di« Angriffe völlig erfolglos. I« de« englische« Bericht, vom 1. Oktober 1315 wird behauptet, daß diexEngländer im Luftkampf. die Oberhand/ über nnsere Flieger gewonnen hätte«. Hierüber gibt fol-- gende Zusammenstellung de» beste» Aufschluß: Im Monat September find au deutschen Flugzeuge« verloren gegange«: im Luftkampf: 3 vermißt: 2 durch Abschuß vo» der Erde aus: 2 im ganze» 7 Flngzenge. Im gleichen Zeitraum verloren unsere Gegner: Engländer: Franzosen: im Luftkampf:........ 4 11 durch Abschuß vo» der Erde auS:.. 1 4 durch Landung in«.hinter«nserer Linie: 3_ 7 im Ganzen:...... 8-ff 22— 30 Flugzeuge. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldrnarfdialls v. Hlndenbnrg. Der Feind hat sich gestern zwischen DrySwjaty-See und Krewo erneut zu größere« Angriffen augesetzt; sie sind abgeschlagen oder im Feuer zusammengebrochen. Anfangserfolge erzielte der Feind bei Kosjany und hart südlich des Wisniew-Sees; durch Gegenangriffe wurde die Lage für uns nuter schweren Verlusten für den Feind wiederhergestellt. Heeresgruppen der LeneralfeldmarlchZIle Prinz Leopold von Bavern und v. llladtenlen. Die Lage ist unverändert. Heeresgruppe des Generals v. anfingen. In der Gegend westlich von Czartoryst haben sich Kämpfe entwickelt. Oberste Heeresleitung. Sei SIlMMW SwMlWsSNlSl. Wien, 0. Oktober.(W. T. B.) Amtlich wird vcr- lautbart: Wien, 6. Oktober 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Keine Aenderung. Italienischer Kriegsschauplatz. Auf der Hochfläche von Bielgcreuth wurde um Mitternacht ein starkcr italienischer Angriff, der strllcuweisc nahe an unsere Hindernisse herankam, restlos abgewiesen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts Zteues. Der Stellvertreter deS ChefS des GeneralstabeS: von Hoefer, Feldmarschallcntnant. Parlamentarismus und ans- wärtige Politik. , Von Ed. Bernstein. I. Wie wirkt der Parlamentarismus auf' die Führung der auswärtigen� Politik ein? Tie Frage ist neuerdings auch in der sozialdenrokratischen Presse erörtert worden(vergl. ,.SVo.r- wärts" vom 24. September, Leitartikel) und, so sehr sie bei uns akademischer Nvtur zu sein scheint, auch hier durchaus -der Erörterung wert.- Denn es handelt sich dabei nicht nur darum,-festzustellen, was etwa bei uns sein könnte,� sondern auch um das Verständnis für die tatsächliche Führung der auswärtigen Politik in denjenigen Läirdern, welche das parla- mentarische Regierungssystem bereits besitzen. Eine weit verbreitete Anschauung sagt, der Pariamen- tarismus möge für die innere Politik sein�x Vorteile haben, wo er aber durckiauS versage, das sei das Gebiet der auswärtigen Politik. Bei parlamentarischer Regierung fehle dieser jene Stetigkeit, welche allein ihrem Betrieb die nötige Kraft der- bürge. Sickierheit gegen eine schwankende, der inneren Kraft nnd zielbewußten Versölgung bestimmter Zwecke entbehrende ausivärtige Politik biete nur ein Regierungssystem mit starker und ständiger Zentralgewält. Gegen diese bisher vorwiegend von Anhängern des Mon- archismus verfpchtene Anschauung ist im oben erwähnten Leitartikel des„Vorwärts" schon mit Recht darauf verwiesen worden, daß auch Nuhtparlamentarische Regierungen sehr häu- fig das Bild schwankender auswärtiger Politik dargeboten haben. Bis in die neueste Zeit hinein weist die Geschichte eine Fülle von Beispielen auf, wo die auswärtige Politik nicht- parlamentarisch regierter Staaten recht unstet geführt wurde. während gerade das parlamentarisch regierte England in neuerer Zeit in seiner auswärtigen Politik eine größere Stetigkeit beobachtet hat. als viele Leute, darunter auch füh- rende deutsche Staatsmänner, erwartet haben. Sir Edward Greil, der im Lvinter 1905/06 nach dem Sturz des k nservativ- unionistischcn Kabinetts Balfour-Chaniberlain im liberal- radikalen Kabinett Campbell Bannerman-Asquith Staats- sckretär des Auswärtigen wurde, Iwt die von seinem konser- vatwen Vorgänger Lord Lansdowne abgeschlossene Entente mit Frankreich nicht nur ausgebautund aufrechterhalten, sondern durch Einbeziehung Rußlands auch noch erweitert und befestigt. Soweit wäre also der Parlamentarismus in bezug auf den Vorwurf notwendiger Unstetigkeit besser als sein Ruf. Es wäre aber falsch, diesem letzteren Beispiel unbesehen eine für unsere Frage entscheidende Beweiskraft beizumessen. Man darf zunächst nicht vergessen, daß gerade die Entente mit Frankreich und später auch Rußland unter der förderndcnMit- Wirkung, wenn nicht Anleitung, des� Königs Eduard VII. zustande gekommen ist, und ioenn deutsche Nationalisten seinerzeit die Rolle des genannten Monarchen ebenso über- trieben haben wie seinen Deutschenhaß und sein-diabolisches diplomatisches Geschick, so ist es doch Tatsache, daß der. Träger der Krone in England stets aus dessen auswärtige Politik einen großen Einfluß auszuüben vermag, auch ist serner mit Sicherheit anzunehmen, daß Eduard VII. bis zum Ende seiner Regierung, also auch noch nach dem Sturz des konservativen Kabinetts, von dieser Möglichkeit ausgiebigen Gebrauch ge- macht hat. Gerade-die Stetigkeit in bezug aus die Entente ivärc also hier in hohem Grade dem Umstände geschuldet, daß in der Bestimmung der auswärtigen Politik des Landes das Parlament und die von diesem eingesetzte Regierung in Eng- land nicht unbeschränkt herrschen. In der Tat sehen viele Engländer darin einen Vorzug des Fortbestandes der monarchischen Regierungsforni bei Bestimmung der Ministerien durch das Parlament, daß der dem Parteikampf und dessen Anforderungen entrückte Träger der Krone den Parteiregierungen gegenüber das dauernde I n t e r c s s e des Landes repräsentiere. Bei dessen Bedrohung durch allzu heftigen Wechsel der Parteiführer könne er als sein Hüter sich betätigen, was namentlich von der auswärtigen Politik gelte, deren Fäden durch die Berichte der Gesandt- schasten und die persönlichen Beziehungen des Monarchen ohnehin in dessen Händen zusammenlaufen. Durch die Stetig- keit seines Amtes erwerbe der Monarch im Laufe der Zeit obendrein auf diesem Gebiet eine Fülle von Ersahrungen, die ihm den wechselnden Ministern in bezug auf Sachkunde überlegen mache. Zllles das klingt einleuchtend genug und birgt auch ein Stück Wahrheit. Es zeigt aber nicht die volle Wahrheit, und außerdem hat die Sache auch ihre Kehrseiten. Zunächst sei daran erinnert, daß bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein von Stetrakeit« der auswar- tigen Politik Englands nur wenig die Rede war. Die beiden großen historischen Parteien Englands, die sich um. die parla- lnentarische Herrschaft stritten, vertraten im Gegenteil oft sehr gegensätzliche Anschauungen hinsichtlich der auswärtigen Po- litik und betrieben diese, wenn sie an der Macht waren, auch gemäß jenen Anschauungen. Hinsichtlich des Festlandes von Europa sind die Tories traditionell antirnsiisch und demgemäß die hilfsbereiten Freunde von Rußlands Gegnern, Oesterreich und später der Türkei, während die Whigs gern mit Peters- bürg liebäugeln und wiederholt Oesterreichs Gegner unterstützen! ebenso ist die Politik der Whigs im Gegensatz zu der der Tories längere Zeit durch Hinneigung der ersteren zu Paris bestimmt. �Ein Wechsel der Ministerien hat oft genug eine vollständige Schwenkung in der auswärtigen Politik zur Folge gehabt. Natürlich nicht immer zum Besten des Landes und der EntWickelung Europas, aber auch keineswegs immer zum Schaden dieser. Nur wurde England unter diesen Um- ständen ein unzuverlässiger Bundesgenosse, und das Wort vom„perfiden Albion" ist in nicht geringem Grade dem Um- stände geschuldet, daß abwechselnd Parteien mit sehr aus- einandergehenden Tendenzen Englands auswärtige Politik bestimmten. Wären alle Fürsten unfehlbar, Einflüssen unzugänglich und von Vorurteilen frci� so würde die Sondervollmacht der Krone als regulierender Faktor zum Besseren betrachtet wer- den können. Da sie es nicht sind, ist es auch mit dieser Regulierung zum Besseren keineswegs immer zum besten be- stellt gewesen. Kenner der Geschichte Englands wissen, wie verhängnisvoll zum Beispiel der Einfluß desjenigen englischen Königs gewesen ist, der von allen Trägern der 5irone Eng- lands„sein eigener Minister des Auswärtigen" hatte sein wollen, nämlich Georgs III. Ter sehr gemessen urteilende W. H. Lecky sagt in seiner„Geschichte Englands im 18. Jahr- hundert" von Georg III., es könne„ohne Uebertreibung gesagt werden, daß er seinem Lande tiefere und schwerere Wunden schlug, als irgend ein anderer englischer König der neueren Zeit", und I. R. Green schreibt in seiner großen Geschichte des englischen Volkes:„Während der Dauer von North's Mini- sterium war tatsächlich Georg der Minister, die Schande der dunkelsten Stunde in Englands Geschichte liegt vollständig vor seiner Tür". Es bezieht sich dies auf den Unabhängigkeits- krieg der Vereinigten Staaten von Amerika, den des Königs Eigensinn und die Schwäche seines Ministers Lord North unvermeidlich gemacht hatten. Beiläufig war es auch dem Einfluß Georgs III. geschuldet, daß England während des Siebenjährigen Krieges plötzlich das Bündnis mit Preußen aufgab und durch Einstellung der Snbsidienzahlungen an letzteres beinahe dessen völlige Niederlage herbeiführte. Dyna- stische und nicht parlamentarische Macht bestimmte diesen Akt „schamloser Gleichgültigkeit gegen die nationale Ehre", wie Green ihn nennt. Nicht der große Parlamentarier Pitt- Ehatham, sondern dessen Gegner, der willige Fürstendiener Bute, stand Georg III. dabei zur Seite. Der Notenwechsel mit Bulgarien. Sofia, 6. Oktober.(W. T. B.) Amtlich wird mit- geteilt: Am Montag zwischen I und 6 Uhr nachmittags empfing der Ministerpräsident den Besuch der Vertreter Rußlands, Frankreichs undGroßbritanniens. Die beiden ersteren überreichten ihm Noten, welche den Charakter eines Ultimatums tragen und in welchen sie der von Bulgarien proklamierten bewaffneten Neutralität und dem Zwecke der bulgarischen Mobilmachung eine ge- zwungene Auslegung geben und unter Androhung des Ab- brucheö der Beziehungen darauf bestehen, daß Bulgarien offen binnen 21 Stunden seine Beziehungen zu den Mittelmächten abbreche und die deutschen und österreichisch-ungarischen Offiziere entferne, die sich angeblich bei den verschiedenen Generalstäben der bulgarischen Armeen befinden. Der britische Vertreter überreichte eine kurze Verbalnote, wonach Großbritannien seine Beziehungen zu Bulgarien abbrechen werde, falls auf dem Balkan aus der Tatsache der bulgarischen Mobilmachung Feindseligkeiten aus- brächen. Infolge fehlender Instruktionen hat sich der Ver- treter Italiens diesem Schritt seiner Kollegen noch nicht angeschlossen. Sofia, 6. Oktober.(W. T. B.) Meldung der„Agence Bulgare". Die bulgarische Antwort auf das englisch- f r a n z ö s i s ch- r u s s i s ch e Ultimatum ist am Nach- mittag überreicht worden. Am Morgen ist seitens der bulgarischen Regierung den Vertretern des Vierverbandes die Antwort auf ihre Vorschläge vom 11. September mitgeteilt worden. Dw Truppenlandung in Saloniki. Pariö, 6. Oktober.(W. T. B.) Eine von der Agence Havas verbreitete Note meldet, daß die Landung von Truppen in Saloniki gestern begonnen habe. Seit mehreren Tagen hätten die ver- bündeten Regierungen ihre Beschiiisse sestgelcgt und die notwendigen Besehle erteilt. Die Note sagt serner: Sie verhandelten zunächst mit der griechischen Regierung, die als noch neutrale Negierung Proteste erhob. Gleichzeitig bereiteten die französtscheu Offi- ziere in aller Freiheit die Landung der Truppen vor. Die französischen und englischen Offiziere fanden sowohl bei den Zivilbehörden wie bei den Militärbehörden in Saloniki den herzlichsten Empfang und konnten sofort nach ihrer Ankunft ihre Arbeiten in aller Freiheit beginnen: denn die öffentliche Meinung begriff die Notwendigkeit der Untersilitzung, welche die Verbands- mächte in diesen schwierigen Verhältnissen ihren serbischen Freunden bringen, mit denen Griechenland übrigens durch einen Bündnis- vertrag verbündet ist. Paris, S. Oktober.(W. T. 83.) Die Agence H a v a S meldet aus A t h e n: Infolge des Belagerungszustandes in Sa« loniki unterliegen die Depeschen über Trnppenbetveguitgen der Zensur. Die Nachrichten über Landung französischer Truppen widersprechen sich. Die öffentliche Meinung in Athen scheint, nachdem der erste Augenblick vorüber ist, viel ruhiger zu sein. In politischen Kreisen wird die Lage hoffnnngsvoll betrachtet. Man erkennt an, daß die Truppen der Alliierten nicht als Feind der Griechen kommen, sondern diesen helfen werden, Bulgarien im Zaum zu halten. Gegebenenfalls werden sie sich an der Verteidigung Serbiens und Griechenlands gegen einen bulgarischen Angriff beteiligen. Der französische Tagesbericht. Paris, 3. Oktober. sW. T. B.) Amtlicher NachmittagS- b s r i ch t. Im Artois ziemlich heftiges Geschützfeuer auf beiden Seiten aus der ganzen Front nördlich der Scarpe. Kämpfe mit Bomben und Lufttorpedos in den Abschnitten von OuenneviereS und Bic-fur-AiSne und auf der Hochfläche vonNouvron. In der Cham- p a g n e gleichfalls Geschützkampf, besonders in der Gegend von Epine-dc-Vedegrange, bei der Navarin- Farm und am Hügel von Souain. In den A r g o n n e n Kämpfe von Schützengraben zu Schützengraben mit Handgranaten und Petarden bei Courte-Chauffee und Fille Morte. Nördlich von Verdun traf unsere Arnllerie in der Gegend von Ornes einen deutschen Eisenbahnzug und verursachte eine sehr heftige Explosion. Von den übrigen Teilen der Front ist nichts zu melden. Eines unserer Flugzeuggeschwader belegte den Bahnhof Biaches bei Peronne mit fünfzig Granaten. Paris, 6. Oktober.(W.T.B.) Amtlicher Bericht von gestern abend. Ziemlich hcfliges beiderseitiges Geschützsener fand nördlich der Scarpe und östlich von A r r a s statt. In den Ab- schnitten von Li Lihons und Andechy kam e§ zu Schützengraben- kämpfen mit Handgranaten und Bomben. In der Champagne setzt der Feind mit Hilfe erstickender Granaten die Beschießung der hinter unserer Front südlich der Navarinfarm in der Umgebung von Souain liegenden Gebiete fort. Unsere Artillerie antwortet sehr energisch den deutschen Schützengräben und Werken. Denselben nahe- zu ununterbrochenen Geschützkampf gab es in den A r g o n n e n, im Abschnitt von Lahouyette, in Eparges, im Walde von Apremont und in Lothringen bei Moncel, Arracourt und Ancerviller. Arn Abend des 1. Oktober versuchte der Feind einen Handstreich gegen unsere Posten östlich von Orbeh in den Vogesen. Er wurde völlig zurückgeschlagen._ Der russische Generalstabsbericht. Petersburg, ö. Oktober.(W. T. B.) Amtlicher russischer Be- richt vom 6. Oktober: Auf der Front westlich Riga kleine Ge- fechte. Nördlich Birsgalen besetzien unsere Truppen einen Teil der deutschen Schützengräben und das linke Ufer des Korumflusses, welcher zwischen Elisenhof und Tannenfeld in die Dwina mündet (10 Kilometer nördlich Birsgalen). Die Kämpfe an der Front der Seen Meddum— Drhswjaty— Miadzol und Wiszniew dauern fort. Nach einem hesligen Bajonettkampf besetzten wir das Dorf Nassilina südöstlich Kosjany(6 Kilometer) und da-Z Dorf Nussaki an der Njadsjolka nördlich Postawij(8 Kilometer). Der Tajonettkampf bei dem Dorfe Rybtchany in der Gegend Russaki wandte sich zu unseren Gunsten. Wir besetzten das Dorf. In der Gegend am Smorgon und südlich davon, wie auch am oberen Njemen in der Gegend deS Dorfes Djeljatitschi fortdauernde Scharmützel mit dem Feinde, welcher sich ohne Erfolg bemüht, nach Osten vorzugehen. Südlich de? P r y p e d besetzten unsere Truppen in der Gegend des Eisen- bahnübergangcs Kowel— Sarny über den mittleren Styr die Dörfer Wolka, Huluzia(19 Kilometer nordwestlich des Eisenbahnüberganges) und die Dörfer Optowa, Wolczek und Miedwiece(6,12 und 17 Kilometer südlich Wolka Houzia); der Feind zog sich in Un- ordnung zurück. Russische Angriffe bei Gzernowitz. Czcrnowiü, 6. Oktober.(W. T. B.) An der b e ß n r a- bischen Grenze nordöstlich von Czernowiß fand in der Nähe des Pruthufcrs heute nacht ein äußerst heftiger Angriff der Russen statt. Der Angriff dauerte von 3 Uhr abends bis Mitternacht. Die Russen stürmten fünfmal. Sämtliche An- griffe wurden gut abgewiesen. Die Russen erzielten nirgends irgendwelche Erfolge. An einer Stelle beabsichtigten sie den Pruth zu durchschwimmen und unsere in der Nähe der rufst- scheu Grenze befindlichen Stellungen anzugreifen. Viele russische Soldaten ertranken dabei im Pruth. Zliegerangriff auf Nisch. Nisch, 6. Oktober.(W. T. B.) Meldung der Agence HavaS. Am Vormittag des 4. Oktober überflog ein feindliches Flugzeug Nisch, welches über der Mitte der Stadt mehrere Bomben abwarf, welchen sechs Personen zum Opfer fielen. Nelüung üer italienischen Heeresleitung. Rom, 6. Oktober.(W. T. B.)« m t l i ch e r H e e r e S b e r i ch t vom 5. Oktober abends. Im Tonalegebiet erstieg am Abend des 3. Oktober eine italienische GebirgSabteilung den steilen Torrionegipfel am Ende des Strinotales, vertrieb einige Gruppen des Feindes, die sich dort festgesetzt hatten, zerstörte die von ihnen begonnenen Verteidigungsanlagen und kehrte in ihre Linien zurück, um sich dem heftigen Feuer der seiiidlichen Artillerie zu entziehen. Unsere Batterien setzten das Sperrfeuer gegen die Zugänge zum Torrione fort und verhinderten so den Gegner, ihn wieder zu besetzen. Im Fellatale versuchte der Feind in der Nacht zum 4. Oktober einen Angriff auf unsere Stellungen auf dem Ponteb- bana, wurde aber zurückgeschlagen. Auf dem Karst da? gewohnte Geschützsener. Noch weiterer Zugverkehr wurde auf der Triestcr Eisenbahnlinie zwischen den Stationen Nabresina und San Giovanni beobachtet. General Cadorna. vom U-Dootkrieg. London, 6. Oktober.dcilstücks mit Erbsen ober Bohnen hätte in diesem Jahre die dreifache oder auch nur die doppelte Wtühe und Arbeit erfordert wie in den letzten Jahren. Die wirkliche Ursache der Teuerung so vieler Lebensinittel liegt eben einfach darin, daß die über den Durch- schnittSbedarf hinausgehenden Ansprüche der HeereSverpflegung eine vergrößerte Nachfrage hervorgerufen haben, während zugleich infolge der Abschließung Deutschlands vom Weltmarkt die Zufuhr der betreffenden Verbrauchsartikel auS dem Auslande stockt. Da- durch ist ein Mißverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage ein- getreten, das nun von den Produzenten und Händlern in ihrem Interesse ausgenützt, oft durch Zurückhaltung der Vorräte noch mehr gesteigert wird. Man sucht, wie der schöne Ausdruck lautet, die..günstige Kriegskonjunktur" nach Kräften auszunutzen. Dabei treibt ein Interessent den anderen. Der Grotzschlächter, der für ein Schwein, das früher 1 Vi. gekostet hat, nun 300 M. zahlen muß, schlägt jetzt nicht auf den Zentner Lebendgewicht, wie früher, lö M. auf, häufig auch nicht nur 4g M., sondern wenn möglich 50 M.z denn, wie er sagt, kostet ihm fa auch der Zentner jetzt das Dreifache und zudem hat er infolge der Teuerung einen sehr ver- ringerten Absatz. Und der Ladenschlächter wieder, der sonst viel- leicht für den Zentner 55 M. bezahlte und jetzt dafür an den Groß- schlächter 170 M. bezahlen mutz, schlägt ebenfalls nicht pro Pfund 20 Pf. auf, sondern, wenn es sich irgend machen lätzt, 40 bis 50 Pfennig. Womit noch durchaus nicht gesagt ist, dah er jetzt einen größeren Geschäftsgewinn hat, denn während er früher 12 Zentner Schweinefleisch pro Woche ausschlachtete und daran einen Roh- gewinn von 240 R. hatte, schlachtet er jetzt vielleicht nur noch 4 Zentner in der Woche aus und verdient daran nur 160 bis 200 Mark. Aber mag er auch selbst im ganzen von der Teuerung keinen Vorteil, sondern im Vergleich zu früheren normalen Zeiten einen Verlust haben, der am schwersten Getroffene ist doch der Arbeiter, Angestellte, Beamte, der die ihm abgeforderten hochgetriebenen Preise für notwendige Nahrungsmittel zahlen mutz und weder seine Einnahme dementsprechend zu erhöhen vermag, noch die Möglichkeit hat, sonst in irgend welcher Form einen Teil seiner Mehrlaste» abzuwälzen, gar nicht zu reden von den Kriegerfrauen, die mit ihren Kindern von den ihnen gewährten Unterstützungen leben müssen. Es ist daher kein Wunder, wenn angesichts der enormen Kriegsgewinne, die der Krieg so manchem in den Schatz wirft, wäh- rend er die Lebenshaltung anderer Kreise tiefer und tiefer herab- drückt, sich immer lauter der Ruf nach Abwehrmatznahmen gegen den Lebenömittelwucher erhebt. Lätzt sich auch unter dem heutigen Wirtschaftssystem und den durch den Krieg herbeigeführten Markt- Verhältnissen nicht jede Preistreiberei verhindern, so lassen sich ihr doch durch geeignete Matzregeln Schranken setzen. Freilich durch zarte Verordnungen, die in keinem Fall den sogenannten berechtigten Produktion«, und Handclsintcressen zunahetreten und möglichst wenig in das wohltätige System der sogenannten freien Konkurrenz eingreifen möchten, ist nicht viel zu erreichen I Energisch muß schon zugepackt werden. Zu diesen Maßregeln, die wenig Zweck haben und gewisser- rnatzen nur der Verzierung dienen, gehören auch die jüngsten Strafandrohungen gegen den LebenSmittelwucher und die Bundes- ratSverordnung über die Errichtung von Preisprüfungsstellen. Was ist Wucher? Wo beginnt er und wo hört er auf? Ist eS schon Wucher, wenn— um an daS obige Beispiel anzuknüpfen— «in Ladenschlächter auf ein Pfund Speck 40 bis 50 Pf. aufschlägt. früher hingegen nur 25 Pf.? Sicherlich, pro Pfund„verdient" er jetzt mehr, aber nicht im Verhältnis zu seinem eigenen Einkauf»- preis, und noch weniger vielleicht im Verhältnis zu seinem Ge- schäftSkapital und seine» Geschäftsunkosten— vornehmlich dann nicht, wenn sein Absatz sich sehr verringert hat. Vielleicht wird der eine oder andere, der den Lebensmittelwucher gar zu toll und unvorsichtig betrieben hat, dem Gesetz zum Opfer fallen; aber ein irgendwie namhafter Druck auf die Preise ist davon in keiner Weise zu erwarten. Und die Verordnung über die PreiSprüfungSstellen? Sie leidet schon von vornherein daran, datz sie die PreiStrei- b c r e i dort sucht, wo stein der Hauptsache gar nicht steckt, nämlich im Kleinhandel. Keineswegs kann der Klein- Handel von der Beaufsichtigung und der Preisregulierung aus- geschlossen werden, soll der Zweck der Matzrcgel erreicht werden; aber es zeugt von einer völligen Verkennung der ganzen jetzigen Sachlage, wenn die Verordnung die Preistreiberei bezw. den Le- bensmittelwucher im Kleinhandel sucht, anstatt dort, wo er eigent- lich liegt: in der landwirtschaftlichen Produktion. Soll die Verordnung wirklich nützen, dann müßte sie eine Art Reichsauffichtsbehörde und Reichsversorgungsstelle einsetzen, deren Aufgabe es zunächst wäre, durch Kommissionen schleunigst die land- wirtschaftlichen Produktionskosten und Produktionsgewinne fest- zustellen und daraufhin Richtpreise für das ganze Reich zu normieren, nach welchen, je nach den besonderen lokalen Verhältnissen, durch die Kommunen oder»och besser durch größere Kommunalverbände die örtlichen Preise festzusetzen wären, natürlich innerhalb bestimmter enger Grenzen und, damit nicht örtliche Willkür frei schalten kann, unter Oberaufsicht der ge- nannten ReichoaufsichtSbehörde. Erst an diese Fe st st eilung der Erzeugungspreise hätte sich dann die Nor- niieruug von Markt- und Kleinhandelspreisen anzuschließen. Die Bundesratsverordnung geht dagegen aus Rücksicht auf die Landwirtschaft an solcher Feststellung der Produktionskosten und Produktionspreise ganz vorüber und setzt erst bei der Nachprüfung der Preise auf de» städtischen Lebensmittelmärkten ein. Sie zäumt, wenn man so sagen darf, das Pferd beim Schwanz auf. Nach§ 2 der Verordnung sind nur die Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern zur Einsetzung von PreiSprüfungSstellen ver- pflichtet, während tatsächlich gerade auf dem flachen Lande, vor- nehmlich in den GutSbezirkcn, die Pceisuntersuchung und Preis- normierung einsetzen müßte. Allerdings dürfen auch kleinere Ge« meinden, wenn sie wollen, solche Prüfungsstellen einrichten, und auch die Landeszentralbehörden können nach Belieben kleine Ort- schuften zu Kommunalverbänden zusammenschließen und in diesen die Errichtung einer Preisprüfungsstelle anordnen. Aber Zwang ist das keineswegs! Wieweit die LandeKzentralbehörden und die "iändlichen Gemeiirdcn von diesem Recht Gebrauch machen wollen, bleibt ganz ihrem wohlweisen Ermessen überlassen. Hinzu kommt noch, datz den PreiSprüfungSstellen von vorn- herein eine unrichtige, viel zu beschränkte Aufgabe gestellt wird. Im 8 4 der Verordnung heißt es darüber: Die Preisprüfungsstellen haben die Aufgabe: 1) auS ihrer Kenntnis der Marktverhältnisse auf der Grundlage der ErzeugungS-, VerarbeitungS- und sonstigen Gestehungskosten, die den örtlichen Verhältnissen angemessenen Preise zu ermitteln, 2) die zuständigen Stellen bei der Ucberwackung des Handels mit Gegenständen des notwendigen Lebensbedarfs sowie bei der Verfolgung von Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften über Höchstpreise und über die Regelung des Verkehrs mit Gegenständen des notwendigen Lcbcnsbedarfs zu unterstützen. Danach kann man bei flüchtigem Lesen meinen, die Prüfung»- stellen sollten auch die ErzeugungSkosten und die landwirtschaftlichen Produktionskosten ermitteln. So ist aber der Z 4 durchaus nicht zu verstehen. Vielmehr sollen nach dem deutliche» Wortlaut des Satzes die Erzeugungspreise, wie sie der Landwirt dem Zwischen- Händler abfordert und von ihm erhält, als Grundlage angenommen und nur nachgeprüft werden, welche weiteren Verkaufspreise auf Grund dieser dem Landwirt gezahlten Einkaufspreise den örtlichen Ver- Hältnissen angemessen sind. Im zweiten Absatz diese« Paragraphen ist denn auch nur noch von einer„Ueber wachung des Han- d c l s", von Zuwiderhandlungen„gegen die Vorschriften über Höch st preis e", von der„R e g e l u n g d e s Verkehrs" mit Nahrungsmitteln die Rede, nirgends von einer Untersuchung der Produktionskosten und ihrem Verhältnis zu den von den land- wirtschaftlichen Unternehmern geforderten sogenannten Erzcu- gungSprcisen. Obendrein sind den PrüfungSftellen auch noch die Mittel zur Prüfung sehr beschränkt worden. In die Bücher der HandelStrcibenden und deren Geschäftspapiere, wie Rechnungen, Schlutzscheine, Frachtbriefe, Lagerscheine usw. dürfen sie nur Ein- ficht nehmen, wenn sie von der zuständigen Behörde vorher die Erlaubnis eingeholt haben. Ebenso unzulänglich ist die„V e r s o r g u n g s r e g e l u n g". Die Gemeinden können zwar für die Handel- und Gewerbe- treibenden ihre« Bezirks(nicht für die landwirtschaftlichen Bc- triebej bestimmte Vorschriften über Preise, Buchführung, Absatz usw. erlassen, aber nur nach Zustimmung der Landesbehörden. Wenn sie wollen, dürfen sie auch selbst die Versorgung ihrer Ge- meindemitglieder mit bestimmten Nahrungsmitteln übernehmen und zu diesem Zweck Verkaufsstellen errichtet, doch sind sie nur berechtigt, innerhalb ihres eigenen Bezirks Beschlag- nahmen von Lebensmitteln vorzunehmen, und nur, nachdem die zuständig«! Behörden ihre Einwilligung erteilt haben. Auch wird in solchem Fall der Preis, den die Gemeinde für die beschlag- »ahmten Waren zu zahlen hat, von dieser Behörde festgesetzt. Wie aber, wenn eine städtische Gemeinde in ihrem Bezirk keine nennens- werten Vorräte notwendiger Lebensmittel zur Beschlagnahme vor- findet? Nun, dann hat sie einfach die Preise zu zahlen, die die ländlichen Produzenten verlangen. Auf dein Lande kann sie nichts mit Beschlag belegen. So sind die Interessen der Landwirtschaft nach allen Seiten gründlich gewahrt. Man sieht, ein« recht wertvolle Verordnung — für ländliche Großproduzenten. H. C. politische Uebersicht. Brotgetreide für 5?utterz»vecke. Amtlich. Berlin, 6. Oktober.(W. T. B.) Der Bundes- rat hat der Reichsgctreidestclle auf ihr Betreiben durch Perordnung bom 2. Oktober 1916 die Ermächti- g u n g erteilt, Brotgetreide, daS ihr gehört, z u svntterz wecken verschroten z» lassen. Die Neichögetreidestclle hat ferner das Recht erhalten, nicht mahl- fähiges Brotgetreide zu �ntterzwecken verwenden oder ver- arbeiten zu lassen. Am 4. Oktober 1916 hat nun der Aufsichts- rat der Reichsgctreidestelle daraufhin beschlossen, zunächst b i s zu drei Millionen Doppelzentner Brot- getrcide verschroten zu lassen und zum Preise von 39 M. ohne Sack frachtfrei Empfangsstation für den Doppcl- zentner abzugeben. Da zurzeit in erster Linie für reichlichere �ettbeschaffung und Milcherzeugung, namentlich für die Säuglinge in den dichtbevölkerten Gebieten zu sorgen ist, sollen nach übereinstimmender Absicht der ReichSgetreidcstelle und der ReichSfuttermittelstelle in erster Linie Milchvieh und m ä st u n g s r e i f e Schweine bedacht werden. Die Reichs- futtermittelstelle wird ihrem Beirat die näheren Bestimniungen über die Verteilung an die Äommunalverbände nach diesen Grundsätzen vorschlagen. Die Lcrschrotung wird schon jetzt in die Wege geleitet, sodatz die Versendung an die Kommunal- verbände in Kürze beginnen kann. Ticü Futtcrschrot wird mit Eosin gefärbt, um dadurch Umgehungen zu verhüten. Die Bundesratöverordnung vom 2. Oktober 1915 ordnet an, datz nur die ReichSgetrcidestelle, aber kein Kommunalverband und kein Sclbstwirtschaftler ohne Genehmigung der Reichs- getreidestelle Brotgetreide zu Futterzweckcn vcrichroten lassen darf. Die sparsame und einheitliche Bewirtschaftung des Brotgetreides, wie sie durch die Reichsgetreidestelle für die Ernährung des Volkes erreicht wird, hat eS ermöglicht, datz in diesem Jahre Getreidebestände, die unmittelbar für die menschliche Broternährung entbehrlich sind, mittelbar für die Volksernährung mit Fett, Fleisch und Milch verwendet werden. Europa und Rustland. Graf Monis, der frühere deutsche Botschafter in Rom, ein Diplomat, der sich durch ein besonnenes Urteil und einen gewissen Freimut auszeichnet, hat im„Berliner Tageblatt" einen Artikel veröffentlicht, dem er die llcberschrift„Europa" gab. Der Gedankengaug seiner Ausführungen, die an das bekannte„Völker Europas, wahrt eure heiligsten Güter" an- knüpften, war ungefähr der folgende: Da eS eine Solidarität europäischer Interessen gegenüber den nichteuropäischen Na- tionen und Staaten gibt, ist das gegenseitige Sichzerfleischen der europäischen Völker unter wirtschaftlichen und kul- turellen Gesichtspunkten zu bedauern. Die Finanzen werden allenthalben aufs schwerste erschüttert; die gewaltigen Verluste an Menschenleben und Arbeitskraft find ein Hemmnis für die weitere EntWickelung; die auf niedrigerer Kulturstufe stehenden Völker werden den Respekt vor dem„weißen Mann" verlieren. Aufgabe des Staatsmannes ist cS. die Mitbürger auf den Boden der Wirklichkeit zurückzuführen. Diese Wirklichkeit verlangt die Wiederherstellung Europas und bei der weitgehenden Kon- solidicrung der staatlichen Verhältnisse den Verzicht auf den Versuch einer wesentlichen Ver- schicbung der Grenzen. Alles das gilt freilich nicht für das Verhältnis zu R u tz l a u d, denn das russische Reich ist ein Gebilde, dem das europäische Gepräge fehlt. Es gehört nicht in den Ring der Kulturstaaten und höchstens, wenn es von seinen„heterogenen" Bestandteilen im Westen befreit sein wird, bestehen Möglichkeiten für feine allmähliche Europäisterung. Diese Abhandlung hat daö lebhafteste Mttzfallen der „Kreuz-Zeitung" erregt, die besonders die Klage deS Grafen Monis über den Verlust an Menschenleben in den Vordergrund zu stellen sucht, da auS diesen Betrachtungen im Auslände der Schlutz gezogen werden müsse, datz die Kriegs- Müdigkeit bei uns um sich greife, und man nur durchhalten brauche, um unS niederzuringen. Diese Beschwerde scheint uns in jedem Betracht gegen- standslos zu sein, zumal da Graf MvntS nicht von dem Menschenverlust Deutschlands, sondern von dem Europas gesprochen hat, und dcu darf man doch wohl feststellen, ohne sich damit dem Verdacht auszusetzen, die KricgSlust der feindlichen Staaten zu erhöhen. Aber wir nehmen an, datz der„Kreuz-Zeitung" selbst auch etwas anderes wichtiger ist, nämlich das Ver- hältnis zu Rutzland. Das Zarenreich zu Asien rechnen, heißt wie sie sagt,„die Politik aus dem Bereiche des reale Jnter- essen kühl abwägenden Verstandes, in den sie Bismarck an- scheinend unverrückbar gestellt hat, tvieder in den schwankenden Nebel haltloser Stimmungswcrte hinüberführen", und das ist ein Einwand, der ernster genommen zu werden verdient. Tatsächlich ist die Abgrenzung des Grafen Monis mehr vom Gefühl als von sachlichen Erwägungen diktiert, und infolge- dessen ist sie künstlich und unhaltbar. Man mag einen Krieg der europäischen Völker untereinander noch so sehr beklagen, aber es geht nicht an, diese europäischen Völker in einen Gegensatz zu airderen Nationen zu stellen. Auch ein konsolidiertes Europa ist darauf angewiesen, mit den nichteuropäischen Staaten in wirtschaftliche, kulturelle und völkerrechtliche Beziehungen zu treten, bei denen die Länder jenseits des Ozeans ebenso gut wie die jenseits der Weichsel beanspruchen können, auf gleichem Futz behandelt zu werden. Europa ist schließlich doch nicht viel mehr als ein geographischer Begriff. Jeder Versuch, eine Art von heiliger Allianz der europäischen Völker gegen die anderen zu bilden, wird scheitern, und die Schaffung einer Solidarität Europas hat höchstens einen Sinn, ivenn sie als Vorstufe einer Organisierung der Welt aufgefaßt wird. Nur verfällt die„Kreuz-Zeitung" ihrerseits in einen anderen Irrtum, wenn sie ausschließlich die Aufnahme Nutz- l a n d s fordert. Sie unterscheidet sich dann vom Grafen Monis nur noch dem Grade nach, aber nicht mehr grundsätzlich. Und dann liegt sreitich die Frage nahe, od sie den europäischen Charakter Rußlands nur deshalb so nachdrücklich und liebevoll unterstreicht, weil sie die Ansichten deS ehemaligen Botschafters über die Grenzen unseres Kontinents für falsch hält oder weil sie auch bei dieser Gelegenheit wieder die Notwendigkeit guter Beziehungen speziell zu Rutzland betonen, und unter Umständen lieber noch England aus dem Bereiche Gesamteuropas verweisen möchte. Der bedrängte Oberbürgermeister. Zu den Städten, die für Kriegerfrauen keine Zuschläge zuc SiaatSunterstützung zahlen, gehört auch Kattowitz. Man glaubt die Not damit zu lindern, daß man von der Stadt auf besonderem Antrag zwar einen kleinen monatlichen Zuschuß zur Miete direkt an die Hausbesitzer zahlt. Ganz deoürftige Familien erhalten auch auf besonderem Antrag Lebcnsmittelportionen aus der Volks- küch«. Anträge des GeiverifchaftSkartellS und des„KriegSauS- fchusses für Konfumentenintercssen" uni einen kommunalen Zu- schlag zur Wehrunterstützung fanden biher beim Magistrat keine Berücksichtigung, trotzdem in Kattowitz die Lebensmittelpreise mit zu den höchsten im ganzen Reiche gehören. Der Unwille über die tatsächlich unzureichende Wehrnnter- stützung kam denn auch am letzten Freitag bei deren Auszahlung sehr deutlich zum Ausdruck. Gegen 50 Kriegerfrauen zogen in daS Rathaus und erwarteten dort den Obcrbürger- meister. Als dieser erschien, verlangten sie eine Erhöhung der Wehr unter stützung, weil sie bei der ungeheuren Kieuerung sich davon nicht einmal das N o t we n- d i g st e fürs Leben beschaffen könnten. Der Ober- bürgermeister versprach den Frauen ihre Wünsche nach Möglich- keit zu erfüllen und damit waren die Frauen, von denen viele ihre schlecht ernährten Kinder mitgebracht hatten, zufrieden. Ueber viel ernstere Szenen, an der ebenfall« not- leidende Kriegerfraucn, aber in viel größerer Zahl be- teiliat waren, berichtet auch noch die bürgerliche„K a t t o w i tz e r Zeitung". Solche NoisiandSszenen können für alle Zukunft vermieden werden, wenn der Staat den Lebensmittelwucherern energisch zu Leibe geht und wenn die Stadt Kattowitz dem Beispiel der anderen Städte folgt, indem sie aus kommunalen Mitteln die UnterstützungS- sätze ihrer Kriegerfamilien erhöht. Mandatsmüde. Der elsässische Landtagsabgeordnete Notar K ü b l e r in Colmar hat sein LandtagSmandat und seine Ehrenämter niedergelegt und Wird sich völlig aus dem politischen Leben zurückziehen. Nachwahl zum Preußischen Landtag. DaS Mandat des konservativen Landtagsabgeordneten Dr. Geigolat ist durch seine Wahl in ein höheres Pfarramt erloschen. Seine Wiederwahl dürfte im Zeichen des Burgfrieden» gesichert sein. Letzte Nachrichten. Abreise der Vicrvcrbands-Tiplomaten aus Sofia. Londsn, 6. Oktober.(W. T. B.)„Morning Post" erfährt aus Petersburg, daß der russische Gesandte in Sofia infolge einer Blind- darmoperation unmöglich abreisen könne; er werde wahrscheinlich als Privatmann in Sofia bleiben, bis er wieder hergestellt sei. Offiziell aber werde die russische Gesandtschaft heute abend Sofia verlassen. Die anderen Gesandschaften der Alliierten würden ihr folgen. Der Vertreter Griechenlands werde wahrscheinlich bleiben, bis eine offene kriegerische Handlung gegen sein Land von selbst feine Abreise herbeiführe. Zur Beilegung des„Arabic"-Koilflikts. New N«rk» 6. Oktober.(W. T. B.)(Von dem PrivaEorrespon- denten von Wolffs Telegraphischem Bureau.) Die amerikanische Presse und die Beamten in Washington sind über die Beilegung des ,.Arabic"-KalleS hochbefriedigt. Die letzteren vertrauen vollkommen auf Deutschlands aufrichtige Versicherungen, keine weiteren Unterseeboot st reitigkeiten hervorzurufen und die freundschaftlichen Beziehungen fortzusetzen. Meldung der italienischen Heeresleitung. Rom, 6. Ottober.(W. T. B.) Amtlicher Heeresbericht. Im Terragolotale besetzte eine unserer Kolonnen auf der Straße nach Rovereto am 5. Oktober die Ortschaften Camper! und Alla Volta am Südhange des Dosso del Sommo(Hoch- fläche von Vielgereuth). Der Feind räumte auch eilig den benachbarten Flecken Piazza und zog sich gegen Potrich zurück, verfolgt vom wirksamen Feuer unserer Artillerie. �u kleinen Zusammenstößen kam c» bei Filon bei Solas auf dem sattel zwischen Fella und Dogna südwestlich von Leopoldskirchen, sowie gegenüber Peteano auf den Nordhängen deS Görzer Karstes. Der Gegner wurde zurückgeschlagen und ließ auch einige Gefangene in unseren Händen. Cadorna. Russische Truppen in Pcrsien. Pari», 6. Oktober.(W. T. B.) Der„Temps" meldet aus Kairo: Nach Berichten auS Teheran haben die Russen in Enseli, dem persischen Hafen am Kaspischen Meer, zweimal Truppen ge- landet. Die Truppen rückte» nach kurzem Aufenthalt in Ardabil gegen Kaowin vor. Die Maßregel wird hingestellt als Erwiderung auf die Haltung der Deutschen in Persien und auf die Besetzung von Äermanschah durch die Türken, woraus hervorgehe, datz die persische Regierung nicht in der Lage sei, für die Wahrung ihrer Neutralität zu sorgen. Gewerksihastliches. Handlungsgehilfen und Arbeitsnachweisfrage. Die Natweudigleit einer gesetzlichen Regelung der Arbeits- nachweisfrage wird auch don den Handlungsgehilfen empfunden. Der freigewerkschaflliche Zentralverband der Handlungsgehilfen, so- wie der Deutschnationale Handlungsgehilfenverband und andere treten für paritätische Facharbeitsnachweise ein, deren Gründung sie von den größeren Gemeinden verlangen. Dagegen gibl der Verband deutscher Handlungsgehilfen in Verbindung mit reichlich einem Dutzend kleiner und kleinster Vereine eine Vakanzenliste zweisel- hafler Güte heraus, die er mit dem prunkendeu Namen„Gemein- nützige kaufmännische Stellenvermittelung für Teutschland' be- zeichnet. Diese Bezeichnung ist irreführend und geeignet, die Ge- meinden davon abzuhalten, kommunale paritätische Arbeitsnachweise zu gründen. In den Organisationen der Geschäftsinhaber herrscht in dieser Sacke ziemliche Unklarheit. Die einen treten für paritätische Arbeitsnachweise ein, die anderen möchten zum Teil aus Unkenntnis die erwähnte Vakanzcnliste fördern. Die Vakanzen- liste hat aber für die Handlungsgehilfen nicht den Wert, den pari- tätische Arbeitsnachweise haben. Die Herausgeber der Vakanzenliste verfolgen auch nicht nur den Zweck, Stellen zu vermitteln, sondern wollen durch diese Einrichtung Mitglieder gewinnen. Das ist der Grund, warum sie sich den sozialpolitischen Bestrebungen zur Grün- dung paritätischer Arbeitsnachweise entgegenstemmen. Sie haben jetzt in aller Stille an viele Staatsbehörden Eingaben geschickt, worin sie den paritätischen Arbeitsnachweisen den Wert absprechen und ihre Valanzenliste empfehlen. Petroleum für die Heimarbeiter. Nach dem.Tabakarbeiter' sind dem Kreise Herford für die Tabakarbeiter in der Heimindustrie von der Petroleumzentrale in Berlin 8000 Liter Petroleum für den Verbrauch im Monat September überwiesen worden. In einer Zusammenkunft beim Land- tat, an der sowohl der Gauleiter der freien sowie des christlichen Verbandes teilnahmen, wurden die Bedingungen, unter welchen Petroleum zur Verteilung gelangen soll, besprochen. Das Petroleum soll an solche Heimarbeiter verteilt werden, die in den drei Monaten April. Mai und Juni als Heimarbeiter einen Gesamtverdienst von mindestens 4ö M. erzielt haben. Die Arbeit- geber haben dem Amte eine Liste der beschäftigten Heimarbeiter einzureichen. Wer infolge Krankheit oder aus anderen Gründen den obengenannten Verdienst nicht erreichte, oder überhaupt nicht als Heimarbeiter beschäftigt war, hat dem Amte einen entsprechenden Nachweis zu liefern. Wenn auch durch die Eingaben der Tabakarbeiter veranlaßt, Petroleum beschafft wird, so reicht das Quantum doch wahrscheinlich zur vollen Ver- sorgung nicht aus. Das betont auch der Landrat in folgendem an die beiden Gauleitungen gerichteten Schreiben: «Im Auftrage des Herrn Regierungspräsidenten in Minden weise ich darauf hin, daß bestenfalls nur ein Teil des Bedarfs an Petroleum gedeckt werden kann. Der gemeinsamen Kommission des deutschen und des christlichen Tabakarbeilerverbandes für Westfalen. Lippe und Waldeck gebe ich daher anheim, mit ihrem ganzen Einfluß dahin zu wirken, daß alle Arbeiter, die an Lei- tungen von Gas oder Elektrizität wohnen, schleunigst Anschluß für Licht nachsuchen.' Vom Landratsamt in Lübbecke wurde der Gauleitung des Tabakarbeiterverbandes in Westfalen mitgeteilt, daß dem Kreise einst- weilen 8860 Kilogramm Petroleum für die Heimarbeiter überwiesen worden sind. Das sind etwa 482o Liter. Dem Kreise Minden soll ein ähnliches Quantum überwiesen worden sein. Im Waldeckschen Kreise Pyrmont ist von einer Petroleumüberweiiung für die dortigen HauSarbeiter nichts bekannt. Auf die Eingabe an das dortige Kreisamt hat die Gauleitung des Tabakarbeilerverbandes eine Antwort bisher nicht erhalten. , Der Senat in Bremen macht folgendes bekannt:„Von der Zentralstelle für Petroleumverteilung in Berlm ist dem Bremischen Staat zunächst für den Monat September eine be- stimmte Menge Petroleum zur Verfügung gestellt worden, die außer den im freien Handel verkauften Mengen für Zwecke der Landwirtschaft und Heimarbeiter unter Benutzung von Petroleumkarten verteilt werden soll. Es sind nur diejenigen Betriebe berücksichtigt worden, die unbedingt auf Petroleum an- gewiesen sind. Nicht berücksichtigt sind also alle Betriebs, welche elektrisches Licht, Gas oder andere Beleuchtungsmöglichkeiten be- sitzen." Leider werden anscheinend die Heimarbeiter kaum das zur Aus- Übung ihres Gewerbes erforderliche Quantum Petroleum erhallen, auch dort nicht, wo für sie eine besondere Versorgung eingerichtet worden ist. Der Landarbeiterverband kein politischer Verein. Ende Juni dieses Jahres besuchte der Gauleiter Grötzner- Breslau einen Kollegen in einem Dorfe im Kreise L i e g n i tz. Die im gleichen Gesindehause wohnenden fünf oder sechs Landarbeiter- familien fanden sich in der Wohnung ihres Kollegen ein, um von Grötzner Auskünfte zu erhallen über die Erlangung der Kriegs- Wochenhilfe und andere Kriegsunrerstiitzungen sowie über die Ein- richtungen des Verbandes. Die Polizei erfuhr von diesem Zusammen- sein und überraschle den Wohnungsinhaber mit einem Strasbesehl über 50 M. oder 10 Tage Haft, unter der Beschuldigung, er habe eine öffentliche Versammlung zur Erörterung politischer Angelegen- heiten veranstaltet, ohne hiervon Stunden vor Beginn der Ver- sammlung unter Angabe des Orts und der Zeit der Polizeibehörde Anzeige erstattet zu haben. In der Schöffengerichtsverhandlung, die auf Antrag des Bestraften stattfand, beantragte jedoch der Staatsanwalt selb st Frei- s p r e ch u n g, weil der Landarbeiterverband kein poli- tischer Verein und seine Zusammenkünfte nicht anm�depflichtig wären. Das Gericht gab diesem Antrage statt. Beigelegter Bergarbeiterstreik in Oberschlesien. Der Bergarbeilerstrcik auf der Konkordiagrube in Hinden- bürg O.-S. ist beigelegt. Die Direktion bewilligte eine Gedinge- und Lohnerhöhung. Das Gedinge wird um zwei Pfennig pro Wagen und der Schichtlohn für diejenigen, die bisher unter 4,50 M. pro Schicht verdient haben, um zwanzig Pfennig pro Schicht erhöht. Von einer Teuerungszulage kann nicht geredet werden, da die Löhne erst jetzt wieder die Höhe erreicht haben, die sie vor dem Kriege hasten. � Bei Krupp. re Hochkonjunktur hat auch für die Kruppschen Arbeiter Verdienststeigerungen gebracht. Diese gleichen aber die Steigerung der Kosten des Lebensunterhalts während des Krieges nicht aus. ie sind auch vorwiegend auf Ueberstunden- und Sonniagsarbeit und nur in ganz vereinzelten Fällen auf Lohnzulagen zurückzuführen. Einzelnen Zulagen stehen umfangreiche Akkordkürzungen entgegen. Besonders häufig wird den Frauen— von denen jetzt nahe an 7000 im Kruppschen Betrieb beschäftigt sind— ein geringerer Akkord gezahlt, als er sonst den dieselbe Arbeit verrichtenden Männern ge- zahlt wurde. Ten Bemühungen der Organisationen, Teuerungszulagen zu erreichen, steht die Firma ablehnend gegenüber. Wie schon einmal, wird sie auch nächstens noch einmal eine Gratifikation an olle Arbeiter und Angestellten zahlen. Die Teuerungszulage lehnt sie ab, weil die Löhne nach ihrer Angabe sehr gestiegen seien. Die Direktion gibt den Durchschnittslohn für ungelernte Arbeiter mit über 6 M., für gelernte Arbeiter mit über 9 M. pro Tag an. Den Arbeitern kommen diese Angaben sehr hoch vor, sie vermuten, daß zu den u n gelernten Arbciiern auch alle a n gelernten— die man in Wirklichkeit als ungelernte nicht bezeichnen kann � gerechnet werden. Nähere Auskunft wird dem Krankenkassenvorstand, der die Verhand- lungen führt— direkte Verhandlungen mit den Organisationen wird abgelehnt— nicht gegeben. Nur so viel wurde«ntgeieilt, daß unter dem Lohn verrechnet werden u. a.: die Tageszulage von 1 Mark, die ortsftemden Arbeitskästen gezahlt wird; die Zuschüsse zu den Menagen, Unterkunft usw. ortsfremder Arbeiter; eine Minder- einnähme aus Wohnungen, eine Million Mark, die die Firnra Krupp aus eigenen Mitteln zu den Unterstützungen für Krieger im Felde zur Verfügung stellte. Auf die Einrichtung eines Arbeiterausschusses läßt sich�die Finna nicht ein. Einen Zuschlag für Nachtarbeit lehnt sie aus Rücksicht aus andere, weniger leistungsfähige Firmen ab. Die Firma erklärte außerdem, daß sie stch zu den Verhandlungen mir dem Krankenkassen- vorstand nur aus Rücksicht auf die außergewöhnliche Zeit herbeilasse. Sie warnte die Arbeiter, sich übertriebenen Hoffnungen für die Zu- kunft hinzugeben. Wie man sieht, hat die Firma Krupp das Umlernen noch nicht für nötig gehalten._ Verlustlisten. Die Verlustliste Nr. 346 der preußischen Armee enthält Verluste folgender Truppenteile: Infanterie usw.: Grenadier- bzw. Infanterie- bzw. Füsilier- Regimenter Nr. 7, 8, 9, 13, 14, 16, 18, 22, 23, 26, 28, 32, 38(siehe auch Rcs.-Jnf.-Reg. Nr. 2271, 42, 44. 53. 56 bis einschl. 60. 67. 68, 69, 70, 74, 76 is. Jnf.-Rcg. Nr. 54s. 80, 81, 84. 86, 87. 89, 91. 95. 99..110, 112, 113 is. auch Res.-Jnf.-Rcg. Nr. 250 1, 114, 116, 117, 128, 129, 132, 135, 136, 140, 141, 145, 146, 150, 151, 152, 154, 156, 159, 160, 161, 162, 164, 170, 173, 175, 176, 188. Reserve- Infanterie-Regimenter Nr. 7, 8, 15, 20, 22, 23, 24, 26, 27, 28, 30, 40, 46, 52, 60, 61, 64, 71, 75, 80, 82, 87, 130, 207, 208, 211, 212, 221, 227, 231, 235, 236, 238, 240, 250 bis einschl. 254, 257 bis einschl. 267, 269, 270, 272. Eri'atz-Jnfanterie-Regiment Nr. 28. Landwebr-Jnfanterie-Regimenter Nr. 6, 8, 9, 11, 12, 19, 25, 26, 27. 28. 30. 37, 46, 47, 57, 80, 109. Jäger-Bataillone Nr. 1, 7, 8. 14; Reservc-Jäger-Bataillone Nr. 4, 5, 21. Fcstungs-Maschinen- gewehr-Kompagnie Nr. 4. Kavallerie: Kürassiere Nr. 1; Dragoner Nr. 9, 14, 15; Jäger zu Pferde Nrs 1(s. Landw.-Kav.-Reg. Nr. 1) und 6; Landwehr- Regiment Nr. 1. Feldartillerie: 4. Garde-Regiment; Regimenter Nr. 2, 4, 15, 16, 19, 20 is. Landw.-Kav.-Reg. Nr. 1), 25, 30, 69; Reserve-Regi- ment Nr. 13. Futzartillerie: Regimenter Nr. 3, 9, 10, 16; Reserve-Regi- menter Nr. 7 und 17. Fußartillerie-Batterien Nr. 223, 262, 304. Schwere 15-Zentimeter-Kanonen-Batterie Nr. 4. Pionier: Regimenter Nr. 23, 29. 31; Bataillone Nr. 5(siehe Landw.-Jns.-Reg. Nr. 6) und II. Nr. 7; Kompagnie Nr. 221. Mittlere Minemverfer-Abteilung Nr. 114; Schwere Minenwerfer- Abteilung Nr. 37. Luftschi sfer-Bataillon Stollwerck(s. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 23). ** Der Schluß der bayerischen Verlustlffte Nr. 225 meldet Verluste der Reserve-Jnfanterie-Regimenter Nr. 18, 22; Reserve- Jäger-Bataillon Nr. 2; Londwehr-Jnfanterie-Regimenter Nr. 1, 3, 10, 15; Brigade-Ersatz-Bataillone Nr. 1, 2, 4; Landsturm-Jnfan- t-erie-Bataillone Nürnberg lll und Wasserburg; 2. Schweres Regiment Nr. 1; Landwehr-Feldartillcrie-Regimeut Nr. 6; 1. Fuß. artillerie-Regiment München(Reu-Ulm); 2. Futzartillerie-Regi- ment Metz; 3. Futzärtillcrie-Regiment Ingolstadt; Reserve-Futz- artillerie-Regiment Nr. 3; 1., 2., 3. Pionier-Bataillon; Pionier- Fubrpark-Kolonne 1, 1. Armeekorps; Berichtigungen früherer Ver- lustlisten. AI-■ ✓ ■y* -ssTy VJ -y/ IT? JC vrwm % Reizender Sindermantel auS schönen, einfarbigen warmen Stoffen. Mit uied- lichem hochknöpfbaren Plüschkragen. 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Der Manche st er Guardian", die größte und einfluß- reichste liberale Tageszeitung in England, widmet unserem ver-- ftorbenen Genossen Äeir Hardie einen sehr warmen Nachruf. Sie sagt von ihm u. a.: „Er besaß einen Mut. der stark und unbeugsam war, weil er ganz spontan und natürlich war, und nie konnte ihn die Furcht, in der Minorität zu bleiben oder eine unpopuläre Sache zu vertreten, auch nur eine Sekunde lang von dem Wege abbringen, der ihm durch seine edlen Instinkte vorgezeichnet war. Er war ein Mann von strenger Integrität, vollkommen frei von Selbstsucht. Die Leidenschaft des Rassenhasses- oder der nationalen Selbstüberhebung war ihm fremd.... Er wird in unserem öffentlichen Leben vermißt werden. Sein Verlust ist nicht zu vergleichen mit dem von Jaurös, der ein großer Staatsmann war und eine große Begabung mit einem vortrefflichen CKarakter verband. Aber beim Aufbau des neuen Europas auf den Ruinen des alten ist jeder herzhafte Mut und jeder edle Trieb vonnöten...." Es verdient bemerkt zu werden, daß ein großes bürgerliches Blatt solche Worte des Ruhmes für einen Mann findet, der all seine Kraft in den Kampf gegen die bürgerliche Gesellschaft eingesetzt und da? letzte Jahr seines Lebens benutzt hat. um die Arbeiter zur Opposition gegen den Krieg, als ein von der Bourgeoisie herauf- beschworenes Unglück zu entflammen. Der Londoner Mitarbeiter des„Manchester Guardian" erinnert daran, daß Keir Hardie auf einer Versammlung, die vor einigen Jahren stattfand, einiges über sich selbst erzählt habe. Er sei, so führte er damals aus, bei seinem Eintritt ins Parlament in bezug auf die Arbeiterbewegung nicht skeptisch gewesen, aber er habe beim Betreten des Unterhauses gefühlt, daß er in eine fremde Atmosphäre komm?. Seine drei ersten Jahre im Parlament seien die schrecklichsten seines Lebens gewesen. Während seiner ganzen parlamentarischen Zeil sei er niemals zu einem Bankett, zu einer Hoszeremonie oder zu einer offiziellen Veranstaltung gegangen, weil er gefühlt habe, daß er außerhalb der Sphäre jener Leute stehe, die � dort zu treffen seien. Als man ihn fragte, warum er nie' einem Empfang im Buckingham Palast sKvnigsschloß) beigewohnt habe, war seine Antwort:.Ich nehme niemals eine Gunst an, die ich nicht erwidern kann. Der König kann mich in den Buckingham Palast bitten, aber ich kann ihn nicht in meinen Hinterhof bitten, und so halte ich mich lieber fern." Irrsinnig geworden. In Karlsruhe ist der Genosse Jakob Trabinger, der seit seiner Verhaftung im Juni d. I. an einer Gemütsslvrung litt, in eine Geisteskrankheil verfallen. Er wird aus dem Unlersuchungs- gefängnis in eine Heilanstalt übergeführt. Von den mit ihm ver- hafteten Genossen und Genossinnen sind nur noch drei in Haft: Dietrich, Kruse und Zimmer. Straferlaß. Genosse Otto Geithner wurde bekanntlich wegen Majestäts- beleidigung, die er durch die Veröffentlichung der Fabel„Feldmäuse und Hamster" nach Richterspruch begangen hat, zu einer dreimona- tigen. tZefäNgnisskpafe- verurteilt....Zwer Drittel dieser Strafe hat Genosse. Geithner.''verbüßt.ein Gestelluttgsbefehl beendigte zunächst die Haft. Jetzt erhielt der Lanösturmrekrut Geithner die Mitteilung� daß Mm der Relt,.Mller Mrgfe erlassen ist.____,.......... Ms Industrie und Handel. Kriegsgewinne. Die Stahl u. N o e l k e A.-G. für Zündnadel- fabrikation in Kassel steigerte ihren Rohgewinn von. 483 775 auf 820 070 M. Nach erhöhten Abschreibungen verbleibt ein Reingewinn von 388 220 M. gegen 201 970 M. im Vorjahre. Die Dividende erhöhtn'ich von 10 aus 12 Prozent: Tantiemen und Rück- lagen werden ebenfalls erheblich gesteigert werden. Die B a n n i n g A.-G. in Hamm erhöht ihre Dividende von 4 auf 14 Proz.; statt 44 000 M. zahlt sie diesmal 154 000 M. an ihre Aktionäre. Der Reingewinn stieg von 83 160 auf 214 940 M. Tantiemen, Rücklagen und Vortrag auf das kommende Jahr werden wesentlich höher bemessen als im Vorjahr. Ms Groß-Serlin. Schröpfung 5er Gemeinde. In den letzten Monaten gingen wiederholt Notizen durch die Presse, in denen es hieß, es sei ein hiesiger Einwohner oder eine Einwohnerin von Gerichten deshalb verurteilt worden, weil sie zu Unrecht Unterstützung, sei es Arbeitslosen- oder Kriegsunterstützung, erhoben hätten. Wenn es auch nicht zu billigen ist, daß auf unreelle Weise von der Gemeinde Gelder erhoben werden, so muß man andererseits berück- sichtigen, daß es sich fast ausschließlich um arme Teufel handelt, die vielleicht auch noch durch Not zu ihrem Schritt getrieben worden sind,'und man kann fragen, ob es gleich notwendig war, den Strafrichter in Belbegung zu setzen. Ganz anders und bösartiger liegt aber die Sache, wenn sich bestimmte Erlverbskreise zu dem Zwecke zusamnienfinden, um die Gemeinde bewußt und planmäßig zu schröpfen, wie das aus den Perhandlungen in der gestrigen Sitzung der städtischen Tiefbaudeputation zu entnehmen ivar. Dort wurde folgender Sachverhalt festgestellt: Die Vergebung der Aus- führung von Pflasterarbeiten für das Los II der Nord-Süd- bahn sollte im Wege der beschränkten Submission erfolgen. Aus diesem Grunde wurden sechs Steinsetzfirmen aufgefordert, Gebote abzugeben. Unter Mitwirkung des Syndikus der Steinsetzerinnung fand unter den Bewerbern eine Verständigung darüber statt, daß der Mindestfordernde verpflichtet wird, an die bei der Subhastation ausfallenden Unternehmer Ver- gütungen zu zahlen. Infolgedessen mußte ein Steinsetzmeister die Summe von 24 000 Mark in Akzepten hinterlegen, die an die anderen Unternehmer zur Verteilung bestimmt waren. Durch einen besonderen Umstand kam die Sache zur Kenntnis der Lauleitung und des Vorsitzenden der Tiefbaudeputation Herrn Geheimrat Stadtbaurat Krause, der nunmehr eine öffentliche Ausschreibung der Pflasterarbeiten anordnete. Das Ergebnis dieser Ausschreibung differierte mit dem niedrigsten Angebot der ersten beschränkten Submission mit etiva MOOO M.. 118 000 M. gegen 80 000 M. Eingehende Ermittelungen und Vernehmungen haben ergeben, daß die Innung ihren Mitgliedern eine Meldepflicht auferlegt, tvenn sie zu Arbeiten aufgefordert werben. Ter Syndikus verhandelt mit den Unternehmern und dann wird die zu leistende Abgabe festgesetzt. Das ist nicht nur bei den Arbeiten der Nord-Südbahn geschehen, sondern auch schon in früheren ! Fällen, selbst bei'Unterhaltungsarbeiten, wo 5— 10 Proz. 1 an die ausgefallenen Bewerber abgegeben werden mutzten. Durch ein Vorgehen, wie es hier die Herren Steinsetzmeister belieben, wird die Stadtgemeinde planmäßig und systematisch geschröpft. Mit der Wahrung der Interessen des Gewerbes hat ein solches Verfahren nichts mehr zu tun. Die Tiefbau- deputation hatte sich schlüssig zu machen über Maßnahmen, die die Wiederholung derartiger Raubzüge auf den Geldbeutel der Gemeinde unmöglich machen. Es wurde beschlossen, die Unternehmer, die bei der Ver- gebung von Pflasterarbeiten der Nord-Südbahn zusammen- gewirkt haben, aus der Unternehmerliste zu streichen, sie also in Zukunft für Pflasterarbeiten für die Stadt nicht mehr heranzuziehen. Ferner soll die Sache der Gewerbedeputaffon als Aufsichtsbehörde der Innung unter- breitet werden. Erwogen werden soll noch, inwieweit strafrechtliche Gesichtspunkte in Betracht kommen. Um solche Ausplünderung zu vermeiden, soll ferner geprüft werden, ob in die Verträge besondere Bestimmungen auf- zunehmen sind und endlich wird die Frage der Ausführung der Pflasterarbeiten in eigener Regie der Stadt mehr wie je brennend werden. Die neue Weidendamm-Brücke. Infolge der Unterführung der Nord-Südbahn unter der Spree hat die Weidendamm-Biücke abgebrochen werden müssen. Es war beabsichtigt, die Brücke wieder so herzustellen, wie sie war. Bei näherer Durcharbeitung des Projekts ergab sich aber die Notwendig- keit, Aenderungen vorzunehmen, soweit die Fahrbrücke in Frage kommt. Die bisherige Breite von 12,4 Meter genügt dem dortigen starken Wagenverkehr nicht in vollem Umsange, zumal auch die Straßenbahn die Brücke stark befährt. Eine Verbreiterung der Fahrbrücke auf 15 Meter erweist sich als dringend geboten. Das ist auch schon deswegen nötig, weil der Verkehr an der Ecke der Komischen Oper sehr groß ist, und die in die Brücke laufende scharfe Kurve der Straßenbahn an jener Stelle leicht zu Verkehrsschwierig- keilen und auch zu Unfällen führt. Die zu beiden Seiten der Fahrbrücke liegende Fußgängerbrücke soll von der Fahrbrücke unabhängig gemacht werden, so daß die Fußgänger von den Schwankungen der Fahrbrücke in Zukunft nicht mehr behelligt werden. Diese Aenderungen bedingen aber einen nicht unerheblichen Kostenaufwand, sie erfordern die Summe von 200 000 M., die aus den für die Nord-Südbahn Berlins gestellten Anleihemitteln entnommen werden sollen. Die Tiefbaudeputation stimmte in ihrer gestrigen Sitzung dem Projekt zu. Petroleumschwindel. Ein groß angelegter Petroleumschwindel, der seit längerer Zeit die Kriminalpolizei beschäftigte, ist jetzt aufgeklärt. Der Unter« nehmer wurde ermittelt und festgenommen. Er entpuppte sich als ein 30 Jahre alter, aus Birnbaum gebürtiger Schlosser Alfred Liese, der ein Doppelleben führte. Während er in der Lychener Straße bei seiner Tante wohnte und den Tag über in seinem Beruf arbeitete, betrieb er-unter dem.Namen. Siebert aus Magdeburg in der freien Zeit einen ausgedehnten Pctroleumhandel, ohne auch nur über einen Tropfen dieser jetzt kostbaren Flüssig- Anzeigen des Inhalts, daß er große Mengen Petroleum abzugeben habe. Bewerbungen gingen gleich haufenweise ein. Jeder Geschäfts- mann wollte Petroleum haben, um seine Kundschaft beftiedigen zu können. Liese, der sich Petroleumhändler Siebert aus Magdeburg nannte und für diesen Zweck in Verlin ein Zimmer gemietet hatte, sandte allen Bewerbern gedruckte Bestellscheine zu und teilte ihnen mit, daß ihnen eine beliebige Menge zur Verfügung stehe, sobald sie den Kaufpreis eingesandt hätten. Er erklärte dabei, daß er eigens für die Petroleumversorgung als Vertreter einer Magdeburger Hand- lung sich in Berlin niedergelassen habe. Die Geschäftsleute trugen kein Bedenken, je nach ihrem Bedarf an Petroleum größere und kleinere Beträge sofort einzusenden. Um auch seinen Wirtsleutcn jeden Verdacht zu nehmen, fuhr er jedesmal nach Magdeburg und telegraphierte von dort, daß er erkrankt sei und erst nach Wieder- Herstellung seiner Gesundheit zurückkehren werde. So fiel es nicht auf, daß der Mann gar nicht auf seinem Zimmer blieb. Für die Auszahlung der Postanweisungen hatte er alle Schritte getan. So- bald er nun an einer Stelle genug eingenommen hatte, wechselte er die Wohnung. Die Besteller warteten unterdessen vergeblich auf die Ware. Anfragen in Berlin blieben unbeantwortet, Erkundigungen bei der Bahnverwaltung ergebnislos. Darüber verging dann immer so viel Zeit, daß„Siebert aus Magdeburg" seine Taschen vollstecken und seinen„Geschäftsbetrieb" verlegen konnte. Zuletzt kam Siebert auf den Gedanken, rasch noch einen großen Zug zu machen. Deshalb machte er zwei Betriebsstellen zugleich auf. eine in der Barnim- und eine in der Landsberger Straße. Jetzt kam ihm aber, bevor der große Streich gelang, die Kriminalpolizei auf die Spur. Beamte besetzten gestern sein Zimmer in der Landsberger Straße, beschlagnahmten viele Postanweisungen, die in seiner Abwesenheit eingingen, und nahmen den Schwindler fest, als er erschien, um das eingelaufene Geld ab- zuholen. In zwei Tagen waren wieder 3000 M. eingegangen, auf jeder Stelle ungefähr gleich viel. Der Verhaftete, der dein Unter- suchungsrichter vorgeführt wurde, gibt an, daß er in Birnbaum ein kleines Grundstück besitze. Dort sei er mit einer Hypothek in Vor- legenheit gekomme». Um sie ablösen zu können, habe er sich Geld verschaffen wollen. Der beschlagnahmte Betrag wurde für die Be- steller aus der Provinz sichergestellt. Die endliche Regulierung der Sccstraße von der Amrumer Straße bis zum Nordufer soll nunmehr erfolgen. Dieser Teil der Seestraße war seit vielen Jahren ein Schandfleck für jene Gegend. Im Sommer waren die Passanten dieses Straßenteilö in große Staub- Ivolken gehüllt, insbesondere die zahlreichen Besucher der dort liegenden Friedhofe. Erst jetzt kann die Stadt Berlin auch diesen Straßenteil würdig herslelleü, da sie infolge der nunmehr erfolgten Eingemeindung Plötzensees und der. Jungfernheide nach Berlin Eigentümerin dieses Stückes der Sceslraße geworden ist. Da die dort stehenden prächtigen Bäume erhalten werden sollen, wird die Fortführung der Secstraße bis zum Nordufer etlvas anders gestaltet werden als das Anschlußstück. Mwendung für Ferienwanderungen. Vom Minister der geistlichen und Unterrichtsangelegen- heften find der Schuldeputation als Beihilfe für Ferien- Wanderungen von Gemeindeschulkindern 5000 M. zur Ver- fügung gestellt worden. Die Wanderungeit sollen den Zweck verfolgen, die Kinder- möglichst der Straße zu entziehen, sie vor Verwahrlosung zu hüten und sie auch während der Ferien es. die Schule und ihre Lehrer, zu fesseln. Diese Wanderungen, die bereits in den großen Ferien vorgenommen tverden sollten, ließen sich in dieser Zeit nicht verwirklichen, da die Höhe der Zuwendung erst gegen Ende der Sommerserien bekannt wurde, auch während der Ferien eine entsprechende Rundfrage an die Rektoren nicht erlassen werden konnte. Außerdem war noch für die Kinder in ausreichender Weise auf den Ferienspielplätzen usw. gesorgt worden. Die Wanderungen haben nunmehr während der Herbst- ferien stattgefunden, und zwar in die weitere Umgebung Berlins._ Der schaurige Fund, über den wir aus der Blumenstraße be- richteten, ist jetzt ausgeklärt. In einem Keller des Hauses 88 fand ein Knabe das Knochengerüst eines Mannes in voller Kleidung. In einer Tasche steckte ein Ausmusterungsschein auf den Namen August Ulrich aus Weißensee. Der Tote ist jetzt festgestellt als ein 23 Jahre alter Arbeiter dieses Namens, der bei seiner Mutter, einer Witwe, in der Schii'-lbeiner Straße wohnte. Der junge Mann wurde im September vorigen Jahres als dauernd dienst- untauglich ausgemustert. Er war damals schon schwach, kränkelte immer mehr und konnte keine Arbeit mehr aushalten. Zuletzt nahm er am 29. April bei einer Brauerei Beschäftigung an, mußte sie aber noch an demselben Tage wieder aufgeben. Seine Mutter riet ihm dringend, doch zu einem Arzt zu gehen. Das lehnte Ulrich jedoch ab. Er meinte, der Arzt werde ihn ins Krankenhaus bringen und davon wollte er nichts wissen. Auf dringendes Zureden der Mutter erklarte er am nächsten Tage, daß er nun doch einen Arzt aufsuchen wolle, ging auch von Hause weg. kehrte aber nicht mehr zurück. 14 Tage später traf ihn sein Onkel auf dem Balienplatz und redete ihm zu, doch nach Hause zu gehen. Das lehnte er ab mit dem Bemerken, seine Mutter wolle immer, daß er zum Arzt gehe, und das tue er nun einmal nicht. Seitdem war der junge Mann, der an der Lunge litt, verschwunden. Wahrscheinlich ist er schon um diese Zeit, also Mitte Mai, in den Keller gegangen, um zu übernachten, und dort elend umgekommen. Nägelschtvindler. Nägelschwtndlcr scheinen seit einigen Tagen ihr Wesen in der Umgebung des eisernen Hindenburgs zu treiben. Es find mehrfach Personen an die Kasse vor dem Denkmal herangetreten, die bereits im Besitze von Nägeln waren. Diese Nägel waren den-betreffenden Personen angeblich auf der Straße von Händlern verkauft worden, lvichen aber in Form und Farbe io merklich von den offiziellen eigens für das Denkmal hergestellten Nägeln ab, daß das Treiben sofort als Schwindel erkenntlich wurde. Vorsicht bei Kriegssammlungen. Die Regelung der privaten Kriegssammlungen ist neuerdings durch eine Bundesratsverordnung und die daran anknüpfenden AuS- führungSverordnungen erfolgt. Oeffentliche Sammlungen, der Per- trieb von Gegenständen und Veranstaltungen zur Unterhaltung und Belehrung bedürfen der behördlichen Genehmigung, die in Preußen nach dem Bereich, über den sich das Unternehmen erstreckt, von der Ortspolizei oder dem Regierungs- oder Oberpräsidenten einzuholen ist. Die Aufsicht der Behörden gibt aber nur eine gewisse Gewähr dafür, daß schwindelhasle Unternehmungen, die vielfach unter Aus- uutz ung- bekannter und angcschener-Mamen ihr Wesen treiben, �aus- geschaltet werden. Daß aber eine Sammlung einem wirklichen Be« dürfnis entspricht, daß die Mittel zweckmäßig verwendet werden, besagt die behördliche Genehmigung nicht. Nach wie bor hat das Publikum die Pflicht, sorgsam den Zweck dee Sammlung und die Verwendung der Mittel zu prüfen. Berliner Asylverei» für Obdachlose. Im September� d. I. »ächtigten im Männerasyl 8021 Personen, im Frauenasyl 1856 Per- sonen. Arbeitsnachweis wird erbeten für Männer und Frauen Wiesenstr. 55/59._ Krone-Schau. Unter dieser Bezeichnung wird heute der Zirkus Charles am Ausstellungsplatz Treptoiv an der Wiener Brücke sein Unternehmen für das Berliner Publikum eröffnen. Kleine Nachrichten. Auf dem Bahnhof Treptow vom Tode überrascht wurde gestern nachmittag eine unbekannte Frau von etwa 70 Jahren. Sie wurde bewußtlos aufgesunden und nach dem Bcthanien-KrankenhauS gebracht, starb aber gleich nach der Aus- nähme. Die Persönlichkeit der Greisin konnte noch nicht festgestellt tverden.— Sich selbst erdosselt hat eine 30 Jahre alte Ehefrau Adelheid E. aus der Libauer Straße. Die Frau litt schon seil längerer Zeit an starker Nervenüberreizung. In einem Anfalle legte sie sich gestern nachmittag, auf dem Sofa liegend, eine Schnur um den Hals, machte am anderen Ende eine Schlaufe, steckte in dieso den Fuß hinein und erdrosselte sich, indem sie die Schnur zutrat. Als ihr Mann abends bei derHeimkehrdiellnglückliche auffand, war sie tot.— Aufgeklärt ist ein Leichenfund, über den vor ungefähr 10 Tagen Mitteilung geniacht wurde. Im Walde bei Müggelheim wurde am 22. vorigen Monats ein älterer Mann tot aufgefunden. Dieser ist jetzt festgestellt als der 33 Jähre alte Tischler Peter Carstensen aus der Manteuffelstr. 76. dessen Verschwinden wir kürzlich mitteilten. Der Mann war seit Monaten schwer nervenkrank und arbeitsunfähig. Er Ivar schon wiederHoll tagelang von Hause weggeblieben, aber immer wieder zurückgekehrt. Am Morgen des 20. September ging er unter dem Vorwande anS, daß er Petroleum holen wolle, und kam nicht wieder. Zwei Tage später fand man ihn im Walde tot lviedcr. Man nimmt an, daß ihn dort der Schlag gerührt hat. /Ins den Gemeinden. LebcnSmittelfürsorge in Tempelhof. Die letzte Gemeindevcrtretersitzung beschloß zunächst die Gültig- keit der Ersatztvahl des in der zweiten Wählerklasse gewählten Herrn Reutier H. Albrecht.— Hierauf wurde eine Vorlage betreffend .Sicherstellung des komniunaleu Wahlrechts der Kriegsteilnehmer" einstimmig angenommen. Müller(Sozy wünscht Auskunft, wie diejenigen Einwohner und Kriegsteilnehmer rechtlich gestellt werden, die inzwischen Wähler in Tempelhof geworden seien. Der Bürger- meister erwiderte, daß die im Januar 1915 aufgestellte Wähler« liste maßgebrud sei, neu hinzukommende Wähler könnten nicht aufgenommen werden. Im übrigen können Sie ja(zu den Sozialdemokraten) obwohl Sie immer für Erweiterung des Wahlrechts find, gegen die Vorlage stimmen. Genosse Frantz legte gegen diese vollständig unangebrachte Aeußerung Verwahrung ein und legte dar, daß die königliche Verordnung eine Lücke aufweise. lieber„die Einrichtung von öffentlichen Verkaufsstellen für Nahrungsmittel" berichtete der Bürgermeister, daß in beiden Ver- kaufsstellen ein täglicher Umsatz von rund 500 M. erzielt werde. Um die kleineren Geiverbelreibenden nicht zu schädigen, können die- selben Waren zum Selbstkostenpreise von der Gemeinde beziehen. Ter Schöffe T r e n n e r wendete sich gegen diese Einrichtung. Nicht nur, daß die Wochenmärkte den Geschäftsleuten Konkurrenz bereiten, erscheine nun auch noch die Gemeinde auf dem Plan und unterstütze d'ese Bestrebungen. Schöffe Jung kritisierte in äugerst scharfen Worten und unter allseitiger Zustimmung die unerhörte Preiswucheret. Dl« getroffene Einrichtung sei notwendig, weil man gerade aus. gerechnet in Tempelhof alles teurer bezahlen müsse. Müller lGoz.) erklärt, daß auch er den Preiswucher nicht schärfer hätte verurteilen können, als wie es sein Borredner getan habe. Während unsere Soldaten draußen das Baterland verteidigen, müssen ihr, An- gehörigen die unentbehrlichsten Lebensmittel zu überaus hohen Preisen bezahlen. Wenn der Schöffe Trenner von der Schädigung einiger GemiisehSndler gesprochen habe, so sei doch nicht zu per» geiien, daß die geschaffene Einrichtung doch alle» Einwohnern. namentlich den Aermsten zugute komme! für diese scheine er aller- dings wenig Interesse zu haben. Aber auch alle anderen Gewerbe- treibenden und Geschäftsleute habe» einen Vorteil vom billigen Ein- kauf durch die Gemeinde. Dem Bericht des Herrn Bürgermeisters wurde hierauf gegen«ine Stimme zugestimmt. Gerichtszeitung. Lebensmittelverkauf der Gemeinde-�berschöneweide. Wie im Vorjahre sollen auch in diese», Jahre Spetsekartoffel» von der Gemeinde angekauft werde». Um eine genaue Uebersichi über die zu beziehenden Mengen zu haben, werden alle Einwohner, welche sich an diesem gemeindlichen Einkauf beteiligen wollen, aus- gefordert, ihren Bedarf innerhalb einer Woche im Gemeindehaus«, Luisenstr. S3. 1 Trepp« Zimmer 8, anzumelden. Insbesondere wird den Kriegerfrauen anheimgestelll. sich zu melden, ftür diese ist Teilzahlung in geringer Höhe gestattet. Die Besteller sind aller- dings zur Abnahme der angemeldeten Mengen verpflichict. Boraus sichtlich wird frei Haus geliefert. Es ist den Haushaltungen zu empfehlen, sich beizeiten mit den genügenden Kartoffilvorräte» zu versehen, da es nicht ausgeschloffen ist, daß wieder erhöhte Preise verlangt und andererseits bei frühzeitig eintretendem Aroft sich Bezugsschwterigkeiten einstellen werden. Auch wurde in der letzten Sitzung der Kriegskommission Hit schloffen, die noch vorhandenen Gemeindelebensmiitel im Kleinverkauf nunmehr unmittelbar an die Berbraucher abzugeben. ES sind folgende Waren zu nachstehenden Preisen, A. Fletsch- und Fettwaren: Fetter Speck 1.50, Magerer Speck 1.R, Pökelfleisch 1,90 pro Pfund! Schweinefleisch in Brühe 1,40 pro Büchse; Margarine 1,1S, Schlackwurst L,40, Schinken 2,10 pro Pfund. B. Kolonialwaren! Reis 0,39, Erbsen 0,64, Italienische Dohnen 0,64, Perlgraup«(mittel) 0,83, Perlgraupe(grobe) 0,57, Hartgries 0,03, Weizengxies 0,58 pro Pfund, Wurst und Schinken wird nur im ganzen verkaust, die übrigen Fleisch- und Fettwaren nicht über 1 Pfund, Kolonialwaren nicht unter 2 Pfund an den Einzelkäuser abgegeben. Um einen größeren Andrang an den Berkaufstagen zu der- meiden, ist der Ort in zwei Bezirke geteilt. Für den westlichen Ortstetl bis zur Schillerpromenade einschließlich derselben, dazu ge- hören Edisonstrahe, Stemensstraße, Deul«. Watt-, Nalepa-, Tabbert- straße usw., ist der Freilag jeder Woche, für den östlichen Teil. Wilhelminenhofstraße ab Schillerpromenade, Frischen-, Klara«, Luisen-, Marien-, Rathenaustraße usw., ist der Dienstag jeder Woche als Berkaufstag festgesetzt. Der Verkauf selbst findet in der neuen Schul« In der Nalepa- straße von 2 bis 6 Uhr statt. Zu beachten ist, daß jeder Käufer sich durch die den Haus- Haltungen zugestellte Warenbezugskarte legitimieren muß.____ EHcrrlottenburger MietSsiniguugsamt und DahrlshnS« kasse im ersten KriegSjahr. Bon seiner Srrichiung im November 1014 bi« Ende September 1015 haben dem Charlottenburger Mieteinigung«- amt 1182 Fäll« zur Schlichtung vorgelegen. Davon wurden 1149 erledigt, und zwar 490 im Borverfahren, 719 im Hauptverfahren. In 108 Fällen wurde eine Mieisbeih'lf« gewährt. Di« übrigen Fälle wurden teil« ebenfalls durch Bergleich. teils ohne Vergleich durch Gutachten oder Belehrung erledigt, teils blieben sie ohne Ergebnis. Di, meisten anhängig gemachten Fälle betrafen Mietswerte zwischen 500 und 1200 Mark, nämlich 514. und zivischen 1200 und 900 Mark, nämlich 385 Fälle. Die städtische Darlehnskass« ist seit ihrer Gründung Ende August vorigen Jahres bis zum Ende September 1015 ihrer Aufgabe, kleine Gewerbe- und Handeltreibende sowie Hauseigentümer in der durch den Krieg hervorgerufenen schwierigen Lag» zu unter- stützen, voll gerecht geworden. LS7 Anträge im Gesamtbeträge von 903 277 Mark sind in dtesem Zeitraum von der Kasse bewilligt worden._ Städtischer Eierverkauf in Lichtenberg. Durch die Stadt wird in dieser Woche auf dem Wochenmarkt« in der S o p h i e n st r a h e Freitag von 8—1 Uhr, dem Wochenmarkte am Biktoriaplatz Sonnabend von 3—8 Uhr, auf dem Wochen- markte an der Frankfurter Allee Donnerstag von 8—1 Uhr der Berkauf von Eiern zum Preise von 19 Pf. für da« Siück erfolgen. Der Berkauf findet ausschließlich an Einwohner von Lichtenberg statt. Mehr als 15 Stück werden an«ine Person nicht abgegeben. Wieder- Verkäufer erhalten keine Eier. Soziales. Witwenrente und Unterstützung. Das gestern herausgegebene Reichsgcsetzblatt veröffentlicht daS vom Reichstag und Bundesrat angenommene Gesetz über Cinstigung eines Absatzes 6 im 8 IV des Gesetzes betreffend die Unterstützung der Familien in den Dienst eingetretener Mannschasten vom 28. Februar 1888. Danach ist als Abs. 6 zuzufügen: Die Fainilienunterstützung wird während dreier Monate über de« Zeitpunkt hinaus, von dem an die den Hinterbliebenen auf Grund des Gesetzes vom 17. Mai 1007(Neichs-Gesetzbl. S. 314) zu zahlenden Hinterblicbenenbezüge zuständig sind, weiter gewährt. Etwa darüber hinaus gezahlte Familienunterstützungen gelten als Vorschußzahlungen auf die Hinterbliebenenbezüge und sind bei deren Auszahlung einzubehalten. Dies Gesetz tritt am 20. Oktober in Kraft. Von spätestens diesem Zeitpunkt ab dürfen also von den Witwen- und Kinder- renten Jamilienunterstützungen nicht für mehr als 8 Monate abgezogen werden._ Ausscheiden auf eigene» Wunsch. Muß das Zeugnis des Handlungsgehilfen auf Verlangen das Ausscheiden„auf eigenen Wunsch" enthalten? DaS Kauf- mannSgericht bejahte mit Recht in seiner letzten Sitzung diese Frage in einer Klage gegen die Aktiengesellschaft„Poldt- Hütte". Di« Beklagte hatte gegen die Tätigkeit des Klägers in ihrem Betriebe nichts einzuwenden, lehnte aber die Ausstellung de« Zeug« niffe« ab, um«ine grundsätzliche Entscheidung der Frage herbeizu« führen. DaS Kauf mannSgericht sprach dem Kläger den geforderten Zusatz im Zeugnis z u und verurteilte die Gesellschaft zur antragsgemäßen Abänderung. Der Gehilfe könne, so heißt es m der Begründung, die Bescheinigung im Zeugnis ver- lange», daß er.aus eigenen Wunsch" au« den Diensten der Gesell- schaft ausscheide. Nach der Ueberzeugung der sachverständigen Bei« jitzer sei eS handelsüblich, daß in Fällen, in denen der Angestellte kündigt, ihm dies im Zeugnis bescheinigt werde. ES geschehe da« schon darum, um die Annahme zu beseitigen, daß der Gehilf« aus irgend welchen Gründen entfernt wurde. Brotkarten für Dienstmädche«. Nach einer vorgestern vom Reichsgericht ergangenen Eni schetdung bedarf die Berliner Lrotkartenverordnung vom IS. Februar dringend einer Ergänzung, um der Schädigung vorzubeugen, die durch Borenthaltung von Brotkarten an ab ziehende Dienstmädchen entsteht. DaS Landgericht hatte ange nommen, die Berletzung der Pflicht, dem abziehenden Dienfb boten seine Brotkarte mitzugeben, sei strafbar. Anders hat das Reichsgericht entschieden. Der Rechisanwalt und Notar Justizrat Stachowski war vom Landgericht I am 7. Mai wegen Vergehens gegen die Brolkarien Verordnung zu 30 M. Geldstrafe verurteilt, von der Anklage der nichr rechtzeitigen Meldung setner beiden Dienstmädchen jedoch steige- sprechen worden. Die beiden Mädchen Ivaren von auswärt» zugezogen und waren für einige Zeit Mitglieder seine« Haushaltes. Als sie die Stellung verliehen, um in Berlin anderweit Stellung anzn nehme», hat der Angeklagte ihnen die Brotkarten, welche ihm vom Magistrat übergeben worden waren, nicht mitgegeben Darin hat das Gericht das strafbare Delikt erblickt. Darin, daß er die Mädchen, als sie zugezogen waren, nicht unverzüglich, sondern erst nach drei Tagen beim Magistrat gemeldet, sah die An- klage ein weiteres Delikt, das Gericht hat jedoch insoweit aus Freisprechung erkannt. Auf die Revision des An geklagten hob daS RetchSgerich, da« Urteil auf, so- weit er verurteilt worden ist. und sprach ihn frei; außerdem wurde die Repision der Staatsanwaltschaft gegen den freisprechenden Teil des Urteils als unbegründet verworfen. Die Verordnung des Magistrats vom 12. Februar betreffend die Brotkarten biete, heißt es in den Gründen, nach ihrem Wortlaute keine genügende Grundlage zu der Verurteilung des Angeklagten. Die Brotkarten werden dem Haushaltungsvorstand in der erkorderltchen Anzahl übergeben. Sie lauten nicht auf eine bestimmte Person, son- dem sie werden für so vstl P-rsonen gegeben, als der Haushaltung»- vorstand zu unterhalten hat. Daran« folgt, daß nur er der Verfügungsberechtigte ist. ES kann von ihm nicht verlangt werden, daß er die Karten herausgebe zu einer Zeit, da die Unterhaltepflicht nicht mehr bestand. Die Revision der SiaatSanwaltschafr ist un- begründet, weil da« Landgericht mit Recht angenommen hat, daß die Meldepflicht nicht dem Mieter auferlegt ist. Feldpostmarder. Gestern hatte sich wieder dl« sechst« Strafkammer det Land- gerichi« I mit einem Feldpostdiebe zu beschäftigen. Angeklagt war der Postgehilfe Max W a s s« r st« t n, der aus den Postämtern in Weißensee und Kaulsdorf beschäftigt gewesen war. Er hatte ins- gesamt 39 Sendungen, welche Zigarren. Zigaretten. Schokolade. serner«ine Taschenlampe enthielten, unterschlagen. Da» Gericht erkannte, dem Antrage de» Staatsanwalts gemäß, aus ein Jahr und sechs Monate Gefängnis. Mus aller Welt. Schickt keine feuergefährlichen Gegenstände ins Feld! Uns geht nachstehende Zuschrift zu:»Am 9. September»st ein vom Feldpostamt de» 41. Reservekorps zur Bearbeitung der geldpostsrndungen benutzte« Gebäude durch Feuer zer- stört worden, wobei dt« zur Abholung durch die Truppen be- reitliegende Post, in der Hauptsache Feldpostpäckchen,«in Raub der Flammen wurde. Au» den wiederholten explosionsartigen Geräuschen während de« BrandeS muß geschloffen werden, daß sich unter den Päckchen trotz der wiederholten War- nungen unzulässige Sendungen mit seuergefähr- lichen Gegenständen(Streichhölzchen, Benzin usw.) befunden baden, die durch Selbstentzündung in Brand geraten sind. ES wäre dringend zu wünschen, daß da» Publikum sich endlich die Warnungen der Postverwaltung zur Nachachtung dienen lasse.' Wir möchten auch unsere Leser bitten, die vorstehend, Warnung streng zu beachten. Da« nötige Zündmaterial kann den Soldaten auch auf anderem Weg« verschafft werden als durch privat» Feldpost- sendungen. Nur zu oft sind durch Auherachtlaffung der Warnungen ganze Feldpostsendungen einem durch Selbstentzündung entstandenen Brande zum Opfer gefallen und stnd viele unserer Krieger um die ersehnten Annehmlichkeiten gebracht worden. Echte Kameradschaft. Ueber einen hervorragenden Beweis echter Kameradschaft wird uns nachstehendes mitgeteilt: In der Nacht vom 31. zum 22. September d. I. lag die neunte Kompagnie deö Infanterieregiments Graf Bülow von Dennewitz (9. Westfälisches) Nr. 55 in Stellung vor einem Waldstück. Diese Stellung war in der vorhergehenden Nacht besetzt worden. Deutlich hörte man einen weit vor der Front liegenden Verwundeten rufen. Ihn zu holen war unmöglich, da die Stellung de« Feinde» in dem unübersichtlichen Gelände nicht festzustellen war und vorgehende Leute dem Feinde in die Hände gefallen fein würden. Reservist D ü st e r s i e k aus Alverdissen(Lippe) entschloß sich trotzdem, den Berlvimdeten hereinzuholen. Nachdem ihm mehrfach wegen der Aus- sichlSlosigkeit seines Borgehens abgeraten worden war, schloß«r sich einer Krankenträgerabteilung an, die während der Nacht etwa« vor die Stellung ging, hier jedoch liegen blieb, während er allein in dem unbekannten, ganz dunklen Gelände weiter vorkroch, bis er endlich den Verwundeten fand. Mit vieler Mühe gelang ,S Düster- siel, den noch immer nach Waffer verlangenden, durch zwei Brust- schüsse verletzten Verwundeten aus seinen Rücken zu bringen und ihn, abwechselnd kriechend und zeitweise tragend und stützend, bis zu den Krankenträgern durch die feindlichen Lorposten und Patrouillen zu bringen._________ Schnee im Erzgebirge. Seit dem 4. Oktober herrscht in den oberen Lagen des sächsischen Erzgebirges Schnecwetter. Bei dem 000 Meter hoch gelegenen Oberwiesenthal sind die Höhen bereits von Schnee bedeckt. Auch in anderen hochgelegenen Teilen Deutsch- lands ist bereits Schnee gefallen, u. a. im Schwarzwald und im Harz. Hochwasser in Schlesien. Der jetzt seit einer Woche fast un- unterbrochen niedergehende Regen, der zeitweise wolkenbruchartigen Charakter annahm, hat in verschiedenen Orten Schlesiens Hoch- waffer herbeigeführt, das weite Strecken Land überschwemmt«. An manchen Orten mußten die Beivohner ihre Häuser verlassen. Da da« Wetter sich jetzt bessert, hofft man auf baldig« Besserung der Lage. Sriefkaften üer Reüaktion. Dt« IvriMl»« Eprechslunde finde« sür Sdonnenten jiwdenft». 3, IT. Hol pechts, parterre, am Msntag bis Sreitag bon 4»i» 7 Uhr, am Sonnabend van b»«» 8 Uhr statt. Jeder für den« r t» I» a st« n bestimmten«ntrage ist ein Buckistabe und eine Zahl als Mert«,i-d«n deizuffigen. SrieNiche Antwort wird nicht erteilt. Antragen, denen lein« AbonnemenIZmiiiiung beigefügt ist, werben ni-t>t beantwortet,«ilige Sragen trage man in der Sprechstunde vor. Sertrsge, echrififthik«»n» dergleichen»ringe man in die Sprechstunde mit.» R. R.»«. Die Gebühren betragen etwa 4,50 M.— E.®ch. 3. Dauernd garnison- und arbclisverwendungSunsähig.— E, C-, 39. Wenn der Betrag der KriegSwitwenrente höher ist alt dt««nadengebührntsse. ja soll nach einer Berordnuna di« Rente sotort in Anrechnung gebracht werden, Die Rente ist beim gemeinen Soldaten stet« höher al» die «nadengebühriiiste.— Unterm Haum. Da der alte Bertrag«etterlöust, könnten Sie Ihre Forderung durch Klag» gelten» machen.— B. W, 2. Sie sind zur Anmeldung der Gaslyra nicht verpflichtet. —wverwaltuna� Deutscher Transportarbeiter- Verband. OliIrkmrwnltunB GreB-Berlin. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der In- dustriearbeiier Hermann Hagedorn am 2. Ottober im Atter von 52 Jahre» verstorben ist. Khrr seinem Andenke»: «7/13 01« Btilrkevirwaltung Nach fast achtmonatiger treuer Pflichterfüllung starb den Helden. tod am 1«. September beim Sturmangriff mein tnniggcliebter Mann, unser lieber Bruder, Schwager und herzensguter Onkel, der Wehrmann Ernst Möbius im Landwehr- Ins.- Regiment 24, 11. Kompagnie im Alter von 44 Jahren. Er wird uns unvergeßlich bleiben! Frau Ijnlse Möbln* geb. Koch nebet Angehörigen u. Bekannte«. Niederschinhausen, 7. Ott. 1915. Ruhe sanft in fremder Srde l Wer ihn gekannt, weiß, wa« ich an ihm verliere. LSKSv Am 9. August siel im Völker- ringen unser lieber Mitarbeiter, der Anleger 8587b Otto Schulz im Alter von 33 Jahren. gerner starb im Kriegslazarett am 25. September unser lieber Mitarbeiter, der Stereotypeur Rudolf Kienitz im Alter von 2g Jahren. Leicht sei ihnen die Srde. DaS Personal der Buch. druckeret H. S. Hermann, Gewidmet zu seinem Gedurts- tage am 7. Oktober. Den Heldentod fürs Vaterland starb am 14. Juni 1915 aus dem Felde der Ehr« durch Kopfschuß nach zehn Monate langen, harten. schweren Kämpfen mein Herzens- guter, unvergeßlicher, lieber Mann, der Landsturmmaim Paul Striszik Res.-Sns.-Rea. 203, 10, Komp. im 44, Lebensjahre. 3421 Im tiefsten Schmerz Frau Berta tStrinzlk nebst Eltern u.(jtoiichwlntern. Du warft mein Glück, von- Schicksal mir erkoren, Mein Leben, meine Sonne warft nur Du, Die Sonne schwand, Dein Leben ging verloren. Wie gern ging ich mit Dir zur Ruh, Doch leider ist dies Los mir nicht beschieden. Drum schlummere sanst, Du liebes, gutes Herz, Gott schenke Dir den ewigen Frieden. Und wenn mir auch bricht das blutende Herz, Ich muß nun criragen den lurcht- baren Schmerz. Schlas wohl mein lieber Paul, schlaf wohl! Ruhe sanft in fremder Erde. Den Hcldcnlod fürs Vaterland starb am 19. September 1915 durch Nückenschuß mein heiß. geliebter Mann und treusorgender Vater seines Kindes, der Wehr- mann 8583b Richard Bohl Res.-Jns.-Regt. 64, 5, Komp. im Alter von 29 Jahren. Dsts zeigen tiesbetrübt an Die trauernde Gattin Marth«»lohl gcb. Oinlor. (»rich Bohl als Sövnchcn. Johanna Tinter als Schwieger- mutier. OSkar Ttnter als Schwager, zurzeit im Felde, nebst Frau. Franz Budnik als Schwager, zurzeit im Felde, nebst Frau. tklfriede Tinter als Schwägerin. Du bist so schwer geschieden, Du treu geliebte« Herz, Du hast nun Deinen Frieden und wir den bitt'ren Schmerz. Magst Du in fremder Erde zur Ruh gebettet lein, Du wirst in nnpren Herzen doch nie vergessen sein. jjjj Ruhe sanst!| Danksagung. Für di» vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Sohnes, Vaters, Bruder«, Schwagers und Onkels krifcc SchuEtze sagen wir allen Verwandten, Freun- den. Bekannten, dem Watzlverein des 4. Wahlkreises, dem Metallarbeiter. verband, dem Männerchor Fichte- Georgtna 1879, den Kolleginnen und Kollegen der Firma E. Lorenz A-G. und D. T, W., Zeughosstrak«, jns- beiondere Herrn Wieloch für die sinn- reichen Worte an der Bahre des Dahingeschiedenen unseren herzlichsten Dank. A Im Namen der Hinterbliebenen Ott« LIcMch und Frw. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Tettnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage Hiernut allen Be- teiligten herzlichsten Dank. � Max Breitenfeld. Als Opfer de» Weltkriege«, fern von der Heimat, fiel unser lieber Kollege und Freund, der Unterossizicr Willi Butte vom Nes.-Jns.-Reg. Nr. 12 im Alter von 29 Jahren. Wir haben in ihm einen pstichtgetreuen Kollegen ver. loren und werden sein Andenken stets in Ehren halten. Die Einrichter und Schlosser als Kollegen des Kabelwerks Oberspree. Abtg.Spk. Presserei.