Kr. 384.-33. Itttyrg« HboBnfiDCTtS'BcdlngDngfBs KCormtmtuts• Preis ttömimctanbei Bietteliäötl SSO MI. monatt. UO MI. vöchenrlich 25 Cfft. fcei ins Hau!. Einzelne Nummer S Big. Sonntag?- numuier mit illultriene, Sonntag?- Beilage.Die Neue Well' lv B�«. Lost- «bonnemeMi l. 10 Mark vro Monat. Eingetragen in die Boft-Zeimnp?- Breisliste. Unter Kreuzband!2r Deutickland und Oeslerreich» Ungarn Zchv Mar!, iilr das Sbrige Ausland t Marl vro Monat. Boslaöonnement? nehmen an: Selgien. Dänemart. Holland, Ftalien. Luxemburg. Bormgal. viiinlaiien. Schweden und die Schweig CMüvt lZgflch. Verlinev VolKsblcrtt. S Pfennig) Die TnfcrflonS'6e6fll)r tetcSgt für die sechsgesdallene Kolonel- geile oder deren Raum M Pfg. für politische und gewcrllchasWche Vereins- Und Verslnnmlungs-Anzeigen Zv Pfg „Atelne Ztlnreigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg(zulässig 2 settgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellcnan. zeigen da? erste Wort Kl Pfg. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über lö Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numnier müsfen bis 5 Uhr nachmittags In der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, D-Iegramm- SBreffc: aSolaliKmdKrgt BerDg". Zentralorgan der rozialdemokrati fcbcn Partei Deutfchlands. KeüaMon: SW. HS, Linöenstraße 3. KPruiprecher: Wuit Moritivlay, Nr. U>1 90—151 97. expeöition: EW. HS, Linöenftraße 2. Kernsprecher: Amt Morttzpla«, Nr. 151 90—151 97. vom Saikan. Bulgarien greift ein. N i s ch, 12. Oktober. fW. T. B.) Meldung der Ageuce Havas. Die Bulgaren haben uns auf der Front von Kujazewac angegriffen. Zum bu/garisc/rerr Angriff auf öerf/en* Der bulgarische Angriff auf Serbien. London» 13. Oktober.(T. IL) Nach Meldungen aus N i f ch er- folgte der bulgarische Angriff auf die Eisenbahnlinie längs des oberen Tnnok in den frühen Morgenstunden des gestrigen Diens- tag. Serbischerseits wird die Zahl der unmittelbar am Angriff be- teiligten Streitkräfte der Bulgaren auf SO— 60 000 Mann geschätzt, wozu noch ungefähr 10 000 mazedonische Komitatschis kommen. Der Angriff erfolgte ziemlich überraschend und gleich mit Einsetzung so starker Kräfte, daß die serbische Vorchut auf allen Punkten schleu- nigst weichen mußte. Die Bulgaren dehnten sich nach dem lieber- schreiten der Grenze fächerförmig aus, so daß sie jetzt in breiter Front südlich der'Abhänge des Babinnosgebirges den serbischen Berteidigungsstellungen längs des Timokfluffes gegenüberstehen. Nach weiteren Meldungen haben andere bulgarische Truppen die serbisch« Grenze am Oberlaufe des NischavaflusieS überschritten und befinden sich mit den dort stehenden serbischen Grenzbedeckungs- bataillonen in heftigem Gefecht. Die Bulgaren find mit sehr starker Artillerie ausgerüstet, von der sie ausgiebigen Gebrauch machen. Die englische Presse hegt starke Befürchtungen für das Schick- sal der Hauptstadt Serbiens Nisch, weniger der strategischeu Wir- kung als des unleugbar großen moralischen Eindrucks halber. Die Regierung wird aufgefordert, so schnell als möglich mit der Aktion des Expeditionskorps gegen die bulgarische Südgrenze zu beginnen. Der serbische Kriegsbericht. Nisch» 12. Oktober.(W. T. B.) Der amtliche Bericht über die Ereignisse am 9. und in der Nacht auf den 10. Oktober lautet! Auf der Donaufront werden an den Stellungen von Analema, südlich von Ram, erbitterte Kämpfe geliefert. Unsere Truppen schlugen die Angriffe des Feindes zurück. In dem Ab- schnitte zwischen Mlawa und Morawa gingen wir zur Offensive über und warfen den Feind an das Donaufer zurück. Wir er- beuteien vier Haubitzen und vier Maschinengewehre. Da wir sie nicht fortschaffen konnien. nahmen wir Teile davon fort. In dem Abschnitte zwischen Semendria und Godomina wurde der Feind verhinderl, den Flußübergang fortzusetzen. Die feind- liche Abieilung, die den Fluß bei Semendria überschritten hatte, wurde teils vernichtet, teils erlrank sie. In Belgrad versuchte der Feind nach starker Artillerievorbereitung den großen Wratschar und Redigne zu nehmen. Er wurde mit schweren Verlusten zurück- geworfen. Auf der Savefront versuchie der Feind gleichfalls, sich der Stellungen von Zabregie und KratinSka zu bemächtigen. ES mißlang ihm. Wir warfen auch die feindlichen Angriffe in der Mutschwa, bei Obrenowatsch und in Baita zurück. An der D r i n a- front überschritten mehrere feindliche Abteilungen den Fluß im Abschnitt Tarna-Botra— Badowintzi und versuchten vorzurücken, ober es mißlang ihnen. Wir behaupteten alle unsere Stellungen. An der übrigen Front nichts Wichtiges. Mimg Oes Me» AUMAS. Amtlich. Großes Hauptanartier, de« 13. Oktober 1915.(SB. T. B.j Westlicher 5triegsschmiplatz. Englische Vorstöße nordöstlich von V e r m e l l e S wurden leicht abgewiesen. Oestlich von S o u ch c z der- loreu die Franzosen wieder einige Grabenstücke» in deneu sie sich am 11. Oktober noch halten konnten. In der Champagne scheiterte gester« abend ein französischer Angriff südlich von Tahure. Ein an derselbe» Stelle heute früh wiederholter» in mehreren Wellen ge- führter Angriff brach gänzlich zusammen. In den V o g e s e n büßten die Franzosen am West- hang des Schrahmännle einen Teil ihrer Stellung ei«. Oestlicher Kriegsschauplay. ffeeeezgfiippe lies lZenersIielämsi'lchZlIs v. Bindenburg. Westlich Dünaburg brach ein russischer Angriff in «userem Artillericfcuer zusammen. Versuche des Gegners» sich der von uns besehten Inseln des Miadziol-Sees zu bemächtigen» scheiterten. Ein russischer Angriff nordöstlich Smorgon, der bis au unsere Hinderuiffe gelangte, wurde abgewiesen. Eins unserer Luftschiffe belegte in der» gaugeocr Nacht die befestigte und mit Truppen augefüllte Stadt Düuabnrg ausgiebig mit Bomben. Deerttgruppe des Generalteldmarldialls Prinz Leopold von Bayern. Nichts Neues. Heeresgruppe des Generals v. Cinflngen. Der Feind wurde aus seinen Stellungen bei R n d k a BielSko WolSkaja vertrieben sowie über die Linie M. H. Aleksandrija-Höheu nördlich davon zurückgeworfen. « Deutsche Truppen der Armee deS Generals Grafen Bothmer warfen den Gegner nordwestlich Hajworonka (südwestlich Burkaoow) aus mehreren Stellungen. Baltantriegsschauplay. Der Widerstand der Serben konnte unsere Vorwärts- bewegnug nur wenig aufhalten. Südlich von Belgrad wurden Dorf Zelezuik und Höhen östlich beiderseits der Topciverska gestürmt. Der Angriff auf Pozarevac ist im günstigen Fortschreiten. Die Straße Pozarevac— Gradiste ist in südlicher Richtung überschrittr«. Ober st e Heeresleitung. •* Her illlmellMe SemWOMW. Wien, 13. Oktober.(W. T. B.) Amtlich wird ver- lantbart: Wien, 13. Oktober 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Bei vnrtano« an der Strypa wurde auch der viert« der gestern mitgeteilten russischen Angriffe durch öfter- reichisch-nagarische und deutsche Bataillone abgeschlagen; sonst im Nordoste» keine besonderen Ereignisse. Italienischer Kriegsschauplatz. Gester» nachmittag degannen die Italiener c!» lebhaftes Ge- fchützfeurr aus schweren und mittleren Kalibern gegen die Hochfläche von Lafraun. Auch gegen einzelne Abschnitte der küstenländischen Front entfaltete die feindliche Artillerie eine erhöhte Tätigkeit. Annäherungsversuche italienischer Jnfaaterieadteilungcn gegen Brsic und den Tolmeiner Brücken- topf wurden abgewiesen. Am Nordwestteil der Hochfläche von Toberdo zwang ein Fcncrübcrfall den Feind zum fluchtartigen Verlassen seiner vordersten Deckungen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unsere Angriffe schreiten trotz heftigster Gegenwehr des Feindes überall vorwärts An der unteren Trina warfen unsere Truppen die Serben aus mehreren Gräben. Südlich von Bcl« grad wurden dem Gegner einige zäh verteidigte Stützpunkte ent- rissen. Serbische Gegenstöße scheiterten stets unter großen Ber- lusten für den Feind. Der Stellvertreter deS Chefs deS GencralstabeS: von Hoefer, Feldmarfchalleutnant. Rücktritt Delcaft�s. Paris, 13. Oktober.(W. T. B.) Meldung der Agence HavaS. Im heutigen Ministerrate teilte der Ministerpräsident Biviaui mit» daß Delcassö ihm sein Riicktrittsgcsuch als Minister des Arnßmn überreicht habe. Das Rücktrittsgesuch wurde angenommen. Biviani übernimmt das Ministerium des Aeußcreu zusammen mtt dem Borsitz im Kabinett. Mbeitsgemsmfthast öer Klaffen! Von Rudolf Hilferding. in. Wie steht es aber nun in diesem Buche mit der Ver- tretung der sozialdemokratischen Weltanschauung» für die sa zehn Mitarbeiter berufen waren? Davon zu sprechen ist Ver- legenheit. Zehn Soziakisten und kein Wort von Sozialismus, zehn Demokraten und kein Wort von Demokratie! Oder nein, das Wort ist wohl manchmal gefallen, aber vom Geiste fehlt die Spur. Nicht daß etwa unsere Wortführer etwas gegen unser Programm oder unsere Parteianscbauungcn sagten. Die Forderungen, die wir an die staatliche Sozial- Politik oder an die Gemeinden zu stellen haben, werden ausführlich und mit gewohnter Fachkenntnis erörtert, die politische Gleichberechtigung in Reich und Staat als Erfüllung einer Selbstverständlichkeit behandelt. Darüber hinaus wird die Leistung, die die Sozialdemokratie für die Kriegführung voll- bracht bot. ausft'iSrMi und mit Genugtuung geschildert. So schreibt Genosse N o s k e: „Die deutsche Sozialdemokratie fügte sich nicht nur dein harten Muß. Total falsch ist die einmal aufgestellte Behauptung, sie Hai'-, um die politischen Vereine, die Zeitungen, die Millionen- wer?' dantellen und Tausende von Angestellten beschäftigen, zu retten und um d-e gewerkschaftlichen Organisationen vor Nach- teilen zu betoahrcn, mit innerem Widerstreben gute Miene zum bösSN Spiel gemacht, als sie den Kriegsausgaben zustimmte.� Es wurde vielmehr aus ehrlichster Ueberzeuguug jede Beeinträchu- guug deutscher Interessen vermieden und mit restloser Hingabe von Kraft, Gut und Blut versucht, nach Möglichkeit Volk und Vaterland vor Schaden zu bewahren." Und weiter: „Aus fester Ueberzeuaung hat der größte Teil der sozial- demokratischen Zeitungen sich entschieden die Betonung der Ge- rechtigkeit des von Deutschland geführten Kampfes, als unserem Volke aufgezwungen, zur Aufgabe gemacht. Mehr wie eine Million sozialdemokratischer Blätter gehen täglich ins Lau» hinaus. Viele tausend Exemplare gelangen in die Schützen- graben und an die Kampffront. Eines besonders grüßen Bcr- trauens erfreut sich die sozialdemokratische Presse bei ihren Lesern. Befestigung des Zutrauens zur Sache unseres Vater- landes, Weckung des Verständnisses für die unabwendbaren Wirt- schasilichen Schäden, die der Krieg im Gefolge hat, die Be- ichwichligung des jeden Tag von neuem keimenden Unwillens über die Teuerung, Erhaltung höchster Opferbereitschast bei den Kämpfern ließen sich die meisten unserer Zeitungen angelegen sein. Auch wenn sie Entgleisungen bei der Beurteilung des Aus- landes entgegentrat oder innerpolitische Maßnahmen forderte, beziehungsweise bekämpfte, erwies die soziaidemokratische Presse sich als einsichtsvolle Förderin der Sache Teutschlands." Und über die Haltung der Gewerkschaften schreibt Noskc: „Ein ganz besonderes Maß von Hingabc an das Vaterland sowie verständnisvollstes Verhalten gegenüber der bedrängten Lage des gesamten Volkes durch Zurückstellung von Wünschen und Forderungen ihrer Mitglieder haben die deutschen Gewerl- schaften bekundet. Als wirtschaftliche KampfeSorganisationcn sind sie nach Ueberivindung riesigster Hinderntssc, die Unternehmer, Regierungen und Behörden ihnen entgegentürmten, groß und stark geworden. Die beste Kampfregel war noch immer, jede sich darbietende günstige Gelegenheit zur Erringung eines Vorteils auszunützen. Aber unter wechselnden Verhältnissen während des Krieges haben auch die Gewerkschaften aufs strengste den Burg- frieden gewahrt. Die organisierten Arbeiter leisten angesichrs der Notlage des Vaterlandes Verzicht darauf» aus ihrer Un- entbehrlichkeit Vorteile zu erkämpfen, toozu sie sehr wohl imstande gewesen wären. Tie Orgaursalionen taten für das Vaterland erheblich mehr. Ihre großen Mittel verwendeten sie darauf, gärender Unzufriedenheit: entgegenzuwirken, indem sie meist weit über die durch ihre Satzungen festgelegten Grenzen hinaus den brotlos gewordenen Mitgliedern durch Unterstützungen über die schwere Zeit der Arbeitslosigkeit hinweghalfen. Daß eine andere Haltung möglich gewesen wäre, lehren die zahlreichen Lohnbewegungen während des Krieges in England." Aehnlichc Ausführungen finden sich auch in den meisten anderen sozialdemokratischen Beiträgen. Am weitesten im Sinne der Arbeitsgemeinschaft der Klassen sind wobl die Ausführungen W i n n i g s gehalten, wenn er schreibt: „Die Masse des Voltes weiß und fühlt, daß das Schicksal der Nation und ihres organisatorischen Ausdrucks: des Staates auch ilir Schicksal ist. Sie bestaunt den Staat nicht mehr als eins über den Wassern schwebende Urgewalt, sondern sie erkennt die Abhängigkeit seines Wesens von den frei wirkenden Kräften des VolkSgauzen und strebt und ringt, ihm mehr und mebr ihr eigenes Wesen einzuhauchen. Sie füllt sich wirtschaftlich, politisch und kulturell an dieser durch den Staat ausgedrückten Gemein- schaft beteiligt und an sie gebunden. Ihr wirtsebaftlickieS Wohlergehen hängt ab vom Stande der nationalen Volkswirtschaft, die der Bewegungsfreiheit bedarf, um sich entwickeln zu können. Ihre gewerkschaftlichen Organisationen Immen nur dann Lohn und Arbeit günstig becinslusscn, wenn Handel und Wandel blühen. So ist die Masse der Arbeiterschaft an den: Scbicksal der nationalen Votkswirtfchaft und dadurch an der politischen Gel- tung der Staatsgcmeinschaft interessiert, und so suhlt sie sich bei der Abwehr der Gefabren. die dieser von außen drohen, mit der Gesamtheit des Volkes solidarisch verbunden." Hier Verden der Lehre von der Harmonie der Klassen, die die Haltung des alten englischen Tradeunionismus be- stimmte, schon recht bedenkliche Konzessionen gemacht, und es entspricht nur solchen Auffassungen, wenn die Internationale von Winnig nicht als die notwendige Voraussetzung und Ermöglichung proletarischer Klasscnpolitik in jedem einzelnen Lande betrachtet wird, sondern als eine zweckmäßige Ver- anstaltung zur besseren Vertretung einzelner Forderungen, namentlich sozialpolitischer, deren internationale Durchfüh- rmig geringerem Widerstand begegnet als die einzelstaatliche. Solche internationale Beziehungen sind dann freilich prin- zipiell nicht mehr verschieden von den internationalen Ver- anstaltungen der Agrarier oder Biinetallisten, und der Nach- weis, daß die internationale Gesinnung des Proletariats und die nationale des Bürgertums keine Gegensätze sind, läßt sich dann leicht erbringen. Aber das alles, wenn es sich auch von unserer eigenen Anschauung weit entfernt, ist für uns hier nicht das Ent- scheidende. Uns handelt es sich um etwas anderes. Wir haben gesehen, wie im Grunde die Arbeiten der Professoren alle mit einem enthusiastischen Bekenntnis zu den Grund- lagen der herrschenden Machtpolitik enden. Und dcmgegen- über wäre wohl die Erwartung nicht unberechtigt gewesen, von den Vertretern unserer Weltanschauung ein gleich offenes Bekenntnis zum Sozialismus und zur Demokratie zu hören. Davon ist leider keine Rede. Von der großen Neugestaltung der Welt, zu der wir die Arbeiterklasse berufen glauben, die der Weltkrieg als unmittelbare Aufgabe ihrer Politik gestellt hat, wird nichts gesagt. Von den dem Sozialismus eigentümlichen Grundsätzen über die Beziehungen der Völker er- fährt man eigentlich nur aus der Polemik, die Professor Meinecke in seiner Vertretung der Machtpolitik gegen unsere „pazifistischen" Grundforderungen führt. Man sage nicht, daß solche Ausführungen unseren Genossen im Banne des Burgfriedens unmöglich gewesen wären. Das gilt vielleicht für uns an dieser Stelle. Aber wenn in einer solchen Kund- gebung unsere Vertreter nickt hätten reden können, so hätten sie ganz schweigen müssen. Daß sie aber hätten reden können, zeigen die Ausführungen der bürgerlichen Gelehrten, die gerade an die Grundproblenie ohne Scheu herantreten. In Wahrheit wäre freilich solches Reden mit dem Zweck des Buches schwer vereinbar gewesen. Will man Arbeitsgemein- schaft, dann freilich heißt es auf das grundsätzlich Scheidende verzichten. Und das Grundsätzliche, das wirklich die Klassen Trennende, das ist heute nicht Sozialreform, und nicht die Be- stätigung von Schöffen und Stadtverordneten, ja nicht ein- mal die preußische Wahlreform, sondern die Stellung zur Staatsmacht, die Frage: Machtpolitik und Imperialismus oder Demokratie und Sozialismus. Indem unsere Partei- genossen diese Frage beiseite gelassen haben, haben sie kämpf- los den bürgerlichen Professoren das politische Feld über- lassen, und es ist ihre Schuld, wenn am Schlüsse des Buches — der Bürgerliche behält das letzte Wort!— Herr Thimme für die Zukunft�die positive politische Haltung der Sozial- demokratie zum Staate verkünden kann. Das dort Versäumte hier nachzuholen, zu zeigen, welche Konsequenzen der Sozialismus aus der großen Katastrophe zu ziehen habe, welche gewaltigen, weltumfassenden Aufgaben der Demokratie gestellt sein werden, will sie nicht auf lange Zeit hinaus auf jede Wirksamkeit verzichten, das ist uns leider hier versagt. Wir müssen uns begnügen, vor den Gefahren zu warnen, die der Partei und ihrem Wesen, wie wir es bis- her kannten und liebten, erwachsen aus der politischen Be- dürfnislosigkeit, aus der Resignation und dem Verzweifeln an unserer eigentlichen Aufgabe, die aus den Ausführungen der Sozialdemokraten zu uns sprechen. Und damit erschöpft sich auch für uns die Bedeutung des Buches. Diese geistige Ar- bcitsgemeinschaft wurde nur möglich, weil auf dem Gebiete, wo die Professoren tatsächlich den Standpunkt der bürgerlichen Welt einnehmen, auf dem Gebiete der Machtpolitik, sich die Sozialdemokraten ihnen überhaupt nicht stellten: auf anderen Gebieten, wie dem der Sozialpolitik, begegnen sich zwar Sozialdemokraten und Professoren in manchem der Ziele (wenn auch nicht der Motive), aber da vertreten die Pro- fessoren leider nicht die maßgebenden bürgerlichen Schichten. Und so wird die Arbeitsgemeinschaft wohl„geistig" bleiben müssen, weil sie nicht real werden wird. Denn die Realität nach dem Kriege wird mit der des Krieges weniger Aehnlich- keit haben, als die„Realpolitiker" heute noch glauben mögen. Rutsche Denkschrift über die Dalkanlage. Petersburg, 12. Oktober.(23. T. B.)„Rjetsch" meldet: Eine amtliche Denkschrift über die Lage am Balkan führt aus: Unsere Balkanpolitik war in erster Linie darauf ge- richtet, einen Block gegen Deutschland und Oesterreich-Ungarn zu schaffen. Dies war nur möglich durch die Versöhnung Bulgariens und Serbiens und die Erfüllung nationaler Forderungen. Im Juli 1014 teilte die russische Regierung Bulgarien mit, daß der Anschluß an Rußland für Bulgarien vorteilhaft wäre. Einen Aufruhr in Mazedonien und die Begünstigung des Banden- kriegcS durch Bulgarien würde Rußland als einen feind- lichen Schritt ansehen. Serbien wurde zu gewissen Opfern ver- anlaßt. Am 29. August 1914 richtete Rußland bereits eine Note an Serbien, in welcher es erklärte, daß es Bulgarien für einen Angriff auf die Türkei serbische Gebietsteile in Ausficht gestellt habe. Slin 1. September traf eine zustimmende Note Serbiens ein, in der Entschädigungen aus österreichisch-ungarischen Gebieten verlangt wurden. Ende Oktober, nach Beginn des Krieges mit der Türkei, wurden Bulgarien greifbare Vorschläge gemacht. Bulgarien ver- sprach nur die Einhaltung strenger Neutralität. Durch ihren Sieg über die Oestcrreicher wurden die Serben dann widerspenstig. Im Januar 1913 machten die Alliierten neue Vorschläge, welche jedoch infolge der Hartnäckigkeit der Serben keinen Erfolg hatten. Am 29. Mai wurden Bulgarien folgende bestimmte Vorschläge gemacht, falls es die Türkei bekriegen wolle: Erwerbung Thraziens bis an die Linie Enos-Midia, die Erwerbung eines Teils von Mazedonien mit Egri Palanka, Soppot, der Ochridalinie und Monastir nach Abschluß des Krieges, durch die Vcrbandsmächte garantiert und unter der Bedingung, daß es diese Gebiete nicht vor dem Friedensschluß besetze, dafür aber finanzielle Hilfe erhalte. Am 16. Juni verlangte Bulgarien nähere Auskünfte über einzelne Punkte und erhielt am 4. August die gewünschte Antwort mit der Erklärung, daß Serbien keinen Gebiets- zuwachs erhalten werde, solange Bulgarien die ihm zu- gesagten Gebiete nicht erhalten hätte. Rußland verlangte dabei eine genaue Angabe, wann Bulgarien gegen die Türkei vorgehen werde. Serbien gab die gewünschte Zusage am 1. September. Die Alliierten wiederholten infolge der Verzögerung der bulgarischen Antwort ihre Slngebote am 14. September mit dem ganz bestimmten Verlangen, daß Bulgarien sofort eine gegen die Türkei gerichtete Militärkonbention abschließen solle, anderenfalls würden die ihm gemachten Angebote hinfällig werden; Bulgarien aber antwortete nicht, sondern machte am 23. September mobil, und deutsche Offiziere traten in seine Armee ein. Diese Heraus- forderung konnte nicht unbeantwortet bleiben, deshalb wurde in einer Note die Demobilmachung gefordert. Da Bulgariens Antwort hierauf unbefriedigend ausfiel, wurden die diplomatischen Beziehungen abgebrochen._ Der französische Tagesbericht. Paris, 13. Oktober.(W. T. B.) Amtlicher Heeresbericht von gestern nachmittag. Bei den von uns nord- östlich von Souchez auf den Höhen von La Folie gestern genommenen Schützengräben dauerten die Kämpfe in der Nacht fort; die Zahl der in unseren Händen gebliebenen Gefangenen beträgt 159. Von der übrigen Front wird nur heftige? Geschützfeuer von beiden Seilen aus Lothringen, und zwar aus der Gegend von Neillon und Amber- viller, gemeldet. Paris, 13. Oktober.(23. T. B.) Amtlicher Bericht von gestern abend: Der Feind beschoß sehr heftig im Laufe des Nachmittags die Schützengräben, die wir ihm durch unsere gestrige Tätigkeit nordöstlich Souchez abgenommen hatten. Die Zahl der Gefangenen, die wir im Laufe dieser Tätigkeit machten, beträgt genau 164, darunter 3 Offiziere. Die Deutschen erlitten hohe Ver- luste. Eine starke gegenseitige Kanonade südlich der Somme, im Gebiete von Filloloy, Fiennes und an der Aisnefront am Plateau von Nouvron. Da der Feind noch eine gewisse Anzahl Granaten auf S o i s s o n s warf, führten wir ein wirk- sames Vergeltungsfeuer gegen seine Schützengräben und Batterien aus. In der Champagne dauert unser Vorrücken gegen die Schlucht von La Goutte an, die wir im Westen auf einer ziemlich breiten Front beherrschen. Der Feind erwiderte, indem er unsere Stellungen bei MaisonS de Champagne nördlich Massiges beschoß. Ein ver- suchter Angriff in Lothringen gegen einen unserer vorgeschobenen Posten bei der Brücke von Manhouö brach völlig vor unserem Feuer und dem Sperrfeuer zusammen. In den V o g e s e n gelangte ein heftiger Jnfanterieangriff nach starkem Bombardement mit Granaten aller Kaliber bis an unsere Stellungen am Linge und am Schratz- männle. Er wurde völlig zurückgeschlagen. Einige Elemente, die in einem unserer Schützengräben Fuß gefaßt hatten, wurden durch sofortigen Gegenangriff zurückgeworfen. Der rusilsche Generalftabsbericht. Petersburg, 13. Oktober.(W. T. B) Amtlicher Bericht vom 12. Oktober. Deutsche Wasserflugzeuge, welche den Golf von Riga über- flogen, wurden durch unsere Torpedoboote verjagt. In der Gegend von Tukkum warf eines unserer Flugzeuge vom Thp Jlja Muramjetz einige Dutzend Bomben auf einen feindlichen Wagenzug und be- spannte Artillerie. In der Gegend von Dünaburg dauern die heftigen Kämpfe an. Bei dem Dorfe Dubelischki nordwestlich Jlluxt (4 Kilometer) gelang es den Deutschen, einen Teil unserer Schützen- grüben zu besetzen. Der Kampf dauert an. Auch in der Gegend von Lalvkessy nordöstlich von Nowo-Alexandrowsk zersprengte unsere Artillerie die deutschen Truppen. Unser Artillerie- seuer zwang die Deutschen ebenfalls das Dorf Torshok südlich des DemmenseeS(15 Kilometer südlich Dünaburg) und ihre Gräben zu verlassen. Unter dem Schutze des Nebels griffen unsere Truppen gestern bei Morgengrauen plötzlich ohne zu schießen den Feind am Südzipfel des Dem m e n s e e s an, bemächtigten sich dreier feind« licher Schützengräben, machten Gefangene und erbeuleten Maschinen- gewehre. Unsere Flieger unterstützten die Feldtruppen und warfen etwa fünfzig Bomben in die feindlichen Linien zwischen Meddum und Dryswjaty-See. Südlich des Obole-Sees überschritten unsere Trupgen den Prorwa-Fluß und besetzten die Enge nördlich des Biginskoje- Sees. In der Gegend des OginSki-Kanals versuchte der Feind an einigen Punkten vor- zudringen, wurde aber schnell zurückgeschlagen. Südwestlich von Pinsk(24 Kilometer) griffen wir die Deutschen bei Komora an und warfen sie mit dem Bajonett aus dem Dorf. Sie flohen in Unordnung und erlitten durch unser Maschinengewehrfeuer große Verluste. Südlich des P r y p e t führte unsere Kavallerie aus dem linken Styrufer mehrere Streifzüge aus und hatte eine Reihe von Erfolgen zu verzeichnen. Die Angriffe des Feindes in der Gegend der Dörfer Rafalowka und Saladzin, styrabwärts von Chartorysk (17 Kilometer und 26 Kilometer), und seine Versuche, den Fluß zu überschreiten, waren ohne jeden Erfolg. In G a l i z i e n, in der Gegend des Dorfes Hajworanka westlich Trembowla(23 Kilometer an der Strypa) erzwangen unsere Truppen nach dem am gestrigen Tage errungenen Erfolge die letzte Verteidigungslinie; sie besetzten zwei Reihen Schützengräben und nahmen im Sturm die zum Werk ausgebaute Höhe östlich Hajwo- ranka. Die Befestigung dieser Höhe bestand in einer Anlage von eingedeckten Schützengräben jeder Art, verbunden durch Gänge mit Schießscharten und verstärkt durch Stahlschutzschilde. Um das Werk herum wareit Reiben von Drahthindernissen angelegt. In der Schanze ergaben sich 232 Mann, wir erbeuteten eine Kanone und 3 Maschinengewehre. Der Feind versuchte das verlorene Werk wieder zu erobern und machte mit starken Kräften einen Gegenangriff, er wurde jedoch zurückgeschlagen. Durch einen erneuten Vorstoß in der Gegend von Hajworanka erzwangen wir eine feindliche Linie auf dem Makowa- Berge und nahmen dort ein ganzes österreichisches Bataillon ge- Zangen. Das Ergebnis ist, daß der auf dem ganzen Abschnitt ge- worfene Feind beginnt, sich in Unordnung auf das andere Ufer der Strypa zurückzuziehen. Unsere Truppen verfolgten den an der Brücke vor dem Dorf Hajworanka sich dicht zusammen- drängenden Feind mit Feuer. Gegen Abend überschritten wir die Strypa. Unsere Kavallerie warf sich auf den Feind, säbelte viele nieder und nahm einen Wagenzug. Der Tag brachte 69 Offiziere, mehr als 2999 Soldaten, 4 Kanonen und 19 Maschinengewehre ein. Nelöung üer italienischen Heeresleitung. Rom, 12. Oktober.(W. T. B.) Amtlicher Heeresbericht. Angriffe und Gegenangriffe folgen einander häufig in der Gegend der Hochfläche im obersten Teil de» AsticotaleS und seiner Seiten- täler. Ein Borstoß des Feindes in der Richtung de? zweiten Kostens von Malga nördlich vom Costonberge wurde am Morgen des 11. Oktober zurückgeschlagen. Im Hochtale des Affa erzielten unsere Truppen noch einige Fortschritte. An der übrigen Front, be- onders in den Karnischen Alpen, wenig wirksames Feuer der feind- lichen Artillerie. Auf dem Karst ricktete der Feind am Abend des 11. Oktober nach einer kräftigen Vorbereitung durch Artillerie- und Jnfanteriefeucr einen Angriff auf breiter Frnnt gegen unsere Stellungen östlich von Vermigliano und auf dem Berge Sei Bufi. Der Angriff wurde rasch angehalten und mit großen Verlusten für den Feind zurückgeschlagen. C a d o r n a. Meldung des türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 13. Oktober.(W. T. B.) Das Haupt- quartier teilt mit: An der D a r d a n e l l e n f r o n t be- schoß unsere Artillerie ein feindliches Lager in der Gegend von Buyuk Kemikli und verursachte schwere Verluste. Bei Ari Burnu und Sedd ul Bahr gegenseitig schwaches Infanterie-, Artillerie- und Bombenfeuer. Am 10. Oktober wurde ein feindlicher Flieger, der in der Gegend östlich von Elarich einen Erkundungsflug unternahm, von uns herabgeschossen. Das Flugzeug wurde erbeutet, die Insassen wurden gefangen ge- nommen. Sonst ist nichts zu melden. Konstantinopcl, 12. Oktober.(W. T. T.) Das Haupt- quartier teilt mit: An der Dardanellenfront bei Anafarta traf am 10. Oktober unsere Artillerie ein feindliches Torpedoboot, das nördlich von Kiretschtepe bemerkt worden war. Daraufhin beschossen ein feindlicher Kreuzer und ein anderes Torpedoboot des Feindes zehn Minuten lang wirkungslos unsere Batterien. Eine Mine, die wir unter einem feindlichen Schützengraben zur Explosion brachten, tötete den größten Teil der Soldaten, die sich darin befanden, die übrigen flüchteten aus dem Schützengraben. Bei Ari Burun beschoß ein feindliches Torpedoboot einige Zeit lang wirkungslos unseren rechten Flügel, ein Kreuzer und ein Monitor feuerten ebenso wirkungslos in der Richtung' auf Maidos. Die Schiffe zogen sich hierauf zurück. Bei Sedd u l Bahr schoß der Feind wie gewöhnlich mehr als tausend Granaten wirkungslos gegen unsere Stellungen ab. Unsere Artillerie erwiderte, nahm die feindlichen Batterien und die Aufstellungen für Minenwerfer unter Feuer und brachte sie zum Schweigen. Sonst nichts Wichtiges. Ein Stettiner Dampfe? versenkt. Knrlskrona, 12. Oktober.(W. T. B.) Der Dampfer, deffen Torpedierung gestern vom Dampfer„Germania" beobachtet worden ist, war der Dampfer„Direktor Reppenhagen" aus Stettin. SchweÜischer proteft gegen üas vorgehen eines englischen I�-öootes. Stockholm, 13. Oktober.(333. T. B.) Meldung des Svenska Telegraphcnbyran. Die schwedische Regierung be- auftragte ihren Gesandten in London, gegen die Verletzung der Neutralität Schwedens durch ein englisches Unter- seeboot in der Ostsee Einspruch zu erheben. Kämpfe in Gftafrika. London, 13. Oktober.(W.T.B.) Das Gouvernement von Britisch-Ostafrika hat einen amtlichen Bericht veröffentlicht, wonach am 6. September auf der Ugandabahn am Meilenstein 237 und am 9. September am Meilenstein 161 eine Mine explodierte; in beiden Fällen wurde der Zug zur Entgleisung ge- bracht, aber kein Menschenleben verloren. Die britische berittene Infanterie habe am 3. September den Feind 19 Meilen südlich von Maktau angegriffen, der schwere Verluste erlitten habe. Der Feind scheine die Neubewaffnung der schwarzen Truppen mit modernen rauchlosen Gewehren vollendet zu haben. Indische Grenzgefechte. London, 13. Oktober.(W. T. B.), D a i l y T e l e g r a p h" meldet aus Kalkutta vom 11. Oktober: Ein abermaliges Grenz- gefechl hat mit 9999 Mohmands stattgefunden. Die Kampf- front erstreckte sich auf acht englische Meilen. Die Artillerie er- öffnete den Kampf. Darauf rückte Infanterie und Kavallerie vor, ein verzweifelter Kampf folgte. Der Feind versuchte, unsere beiden Flanken aufzurollen, was durch die Kavallerie des rechten und die Infanterie des linken Flügels vereitelt wurde. Panzerautomobile deckten den Rückzug unserer Kavallerie. Der Feind versuchte nicht, die Verfolgung aufzunehmen. Vivianis Erklärung. Paris, 12. Oktober.(W. T. B.) Meldung der Agence Havas. Ministerpräsident V i V i a n i hat heute im Namen der Regierung in der Kammer eine Erklärung über die diplomatische Lage abgegeben. In dieser erinnerte er daran, daß seit Ausbruch dcS Krieges die B a l k a n f r a g e sich der Ausmerksamkeit der Welt auf- gedrängt habe. Der Bukarcster Vertrag habe bei dem bulgarischen Zaren und dem bulgarischen Volk tiefen Groll zurückgelafien. Die alliierten Regierungen hätten versucht, diese Lage in gerechtem, weit- herzigem Geiste wieder gut zu machen, indem sie sich bemühten, die Einigkeit auf dem Balkan neu zu schaffen. Viviani fuhr fort: Aber trotz der beharrlichen Bemühungen der Alliierte». welchen Rumänien, Griechenland und Serbien ihre Unter- stützung gewährten, war es nicht möglich, eine auf- richtige Mitarbeit der bulgarischen Regierung zu erlangen, welche Forderungen auf Kosten der vier benach- barten Staaten geltend machte. Wir konnten aber hoffen, daß Rumänien. Griechenland und Serbien in die Opfer weitgehender Kompensationen einwilligen würden. Gegenüber der Türkei, welche sich Deutschland zur Seile gestellt hatte, hatten wir keine Rücksicht mehr zu nehmen. Auf rumänischer Seite blieben unsere Bemühungen nicht ohne Erfolg, da Ru- mänien einer Balkanentente günstig war. Die Halbmobilmachung seiner Truppen gestattet ihm, etwaige Angriffe zurückzuweisen, sich gegen den deutschen Druck zu verteidigen und die österreichischen und bulgarischen Grenzen zu beobachten. Rumänien weiß, daß nur der Sieg des Viervcrbandes seine nationalen Wünsche befriedigen kann. Um dos bulgarische Volk zu befriedigen, zögerte der Vierverband nicht, von. dem tapferen Serbien schwere Konzessionen zu verlangen. Trotz der Bitterkeit dieser Opfer übte das serbische Volk Resignation, indem es an die Kompensationen dachte, welche der Sieg der Entente ihm verschaffen würde. Die zweideutige Haltung der bulgarischen Regierung brachte die griechische Regierung dazu, ihre abwartende Politik beizubehalten. Die bulgarische Regierung antwortete spät und in dilatorischer Form auf unsere Vorschläge; gleichzeitig unterhandelte sie mit unseren Feinden. Bulgarien unterzeichnete das Abkommen mitderTürkei und v e r p fli ch t e t e si ch D e u t s ch la n d gegenüber. Die bulgarische Mobilmachung war die Antwort auf unsere freundschaftliche Frage über die Absichten der bulgarischen Regierung. Während dessen sammelten Deutschland und Oesterreich-Ungarn Truppen an der serbischen Grenze. Angesicht» dieser Haltung zogen wir unsere Vorschläge zurück und gewannen milden anderen Balkanstaaten unsere Handelsfreiheit wieder. Serbien seinerseits, deffen Mut drei ruhmreiche aufeinanderfolgende Kriege nicht verminderten, bereitete sich heldenmütig vor, auf zwei Fronten den zwischen Berlin, Wien und Sofia verabredeten Angriffen zu be« gegnen. Vom Gesichtspunkte der Moral und der militärischen Folgen aus konnten wir weder eine Isolierung Serbiens, noch eine Unterbrechung der Verbindung mit unseren Verbündeten zulassen. Um Serbien zu unter st ützen, müssen wir durch Saloniki. Vom Augenblick der bulgarischen Mobilmachung an leiteten wir Unterhandlungen mit dem griechischen Ministerpräsidenten ein. Dies ist um so natürlicher, als der Vertrag zwischen Serbien und Griechenland einen Angriff Bulgariens in Erwägung zieht. Man hat es gewagt, unser Vorgehen mit demjenigen Deutschlands zu vergleichen, als es die Neutralität Belgiens verletzte. Die Be- dingungen, unter denen wir in Saloniki landeten, der Empfang, welcher uns bereitet wurde, genügen, um die Unsinnigkeit dieser An- schuldigungen zu beweisen. Im Einvernehmen mit den Alliierten wurde von Frankreich eine energische Aktion unternommen. Unsere Haupt- sächliche Sorge ist die Verteidigung unserer Front und die Befreiung der besetzten Gebiete durch energische Bemühungen, welchen wir zu- sammen mit der werlvollen Unterstützung unserer heldenmütigen Bundesgenossen den Sieg verdanken werden. Keine Regierung hätte ihre tragische, aber einfache Pflicht anders auffassen können; aber ohne unsere Front zu schwächen, hatten wir die Pflicht, eine Mission zu erfüllen, welche unser Interesse und unsere Ehre uns auferlegten. Wir sind in vollkommener Ueberein- stimnrung mit dem Generalissimus unserer Armeen in Frankreich. Die Ueberein st im mung zwischen der englischen und der französischen Regierung ist eine vollkommene. Ich kann sie nicht besser als in folgender Form zum Ausdruck bringen: Bereits jetzt haben sich Frankreich und England in Uebereinslimmung mit ihren Verbündeten völlig verständigt, um Serbien, das uns um unsere Unterstützung bat, Hilfe zu bringen und um zugunsten Serbien?, Griechenlands und Rumäniens die Wahrung des Bukarestcr Vertrages zu sicher», dessen Bürgen wir sind. Die englische und französische Regierung sind sich einig über die Höhe der Truppenbestände, und zwar gemäss der Ansicht ihrer Militärbehörden. Russland schlietzt sich seinen Bundesgenossen an, um Serbien zu unter st ützen. Morgen werden seine Truppen an unserer Seite känipfen. Wir haben mit unseren Verbündeten unsere Pflicht getan, niemals war dieUebereinstimmung zwischen den Alliierten grösser und enger. Niemals hatten ivir ein grösseres Vertrauen in den gemeinsamen Sieg.— Die Erklärung Vivianis wurde an mehreren Stellen mit Beifall aufgenommen. Namens einer Anzahl seiner Freunde beantragte darauf der Deputierte Klotz, die Sitzung auf morgen, Mittwoch, zu vertagen. Der Antrag wurde angenommen und die Sitzung gc- schloffen. Die Beschränkung öes Unternehmergewinns in Cnglanö. In den vom Staate kontrollierten englischen Munitionsfabriken, deren Zahl jetzt auf fast tausend gestiegen ist, soll es bekanntlich keinen Unternehmergewinn mehr geben. Die Arbeiterpartei hat von Anfang an darauf hingewiesen, dass diese offizielle Verkündigung Lloyd Georges nur ein Scheinzugejtändnis an die Wünsche der Arbeiter ist, und dass tatsächlich den Unternehmern ein sehr reichlicher Gewinn zufliesst. Die neuen»provisorischen Regeln', die das Munitionsministerium veröffentlicht hat, zeigen nach„New Statesman' vom 2. Oktober, wie gerechtfertigt die Anschauung der Arbeiter ist. Der Eigentümer einer staatlich beauffichtigten Munitionsfabrik kann für sich bean- spruchen: 1. den durchschnittlichen Gewinn der beiden Jahre vor dem Kriege, die ausserordentlich günstige Jahre waren; 2. einen Aufschlag von 20 Proz.; 3. eine unbestimmte Summe sür besondere Abnutzung seine? Materials; 4. einen Zuschlag aus Anlass der Neuanlage von Kapital zur Munilionsherstellung; 5. eine besondere Entschädigung für den Unterschied zwischen dem neuangelegten Kapital und dem schliesslichen Wert der Neu- anlagen für den Unternehmer; 6. einen unbegrenzten Betrag für besondere Dienste, die er in Sachen der Munitionsherstellung geleistet hat; 7. 8 Proz. Zinsen von allem neu angelegten Kapital(das die Regierung übrigens zu 4Vz Proz. hätte haben können I— »New Statesman's; oder statt dessen 3. falls cS sich dabei um eine grössere neu angelegte Summe handelt, einen Gewinnzuschlag, dessen Höhe sich nach der dadurch erzielten Mehrleistung richtet. Hierzu kommt noch, dass der staatlich beaufsichtigte Unternehmer — da ja angeblich der Profit in die Staatskasse geht— von der Steuer von 50 Proz. auf Kriegsgewinn befreit bleibt. Aus diesen offiziellen Mitteilungen geht hervor, dass die Ge- werkschaften recht haben, wenn sie dies System für einen an den Arbeitern-verübten Betrug erklären. �irbeiterkunögebungen zum Dienftzwang in Englanü. Aus Amsterdam wird uns geschrieben: Am Dienstag hat die Jahreskonferenz des britischen Bergarbeiter Verbandes in Nottingham begonnen. Der Vorsitzende Genosse Smillie sprach nach einer Würdi- gung Keir H a r d i e s über die Stellung der britischen Arbeiter- klaffe zum Krieg. Es sei schwer, in dieser Zeit, wo die Ge- danken unruhevoll bei den in: Felde stehenden Angehörigen weilen, sein Denken auf die Arbeiterbewegung zu konzentrieren. Ueberall sei der Ruf an die Söhne Englands ergangen, für die Ehre des Reichs zu känipfen und habe ein begeistertes Echo gefunden. Aber die Arbeiterklasse niüsse sich trotz der von vielen nicht erwarteten Ereignisse dennoch national und international verbinden, um in Zukunft Kriege verhindern zu können. Die jetzige Agitation für den Dien st zwang sei nichts Neues, aber sie sei mit verzehnfachter Kraft in einem Augenblick wieder aufgenommen worden, wo das Freiwilligen- system eine Armee zusammengebracht habe, wie sie vor einigen Jahren kein Anhänger der Dienstpflicht erträumt hätte. Da- runi diese Agitation nicht am Platz, besonders da man keine massgebenden Angaben über o'en Gegenstand be- kommen habe. Wer könne glauben, dass das Geld, das hinter dieser Bewegung stecke. nur aufgewandt werde, um der Armee Soldaten zuzuführen-k Hinter dem Dienstzwangs-Feldzuge lauert der Arbeits- zwang in Werkstätten. Fabriken. Eisenbahnen und Berg- werken und die Einpflanzung des deutschen Militarismus. gegen den die Jungen jetzt in Frankreich und Flandern zu kämpfen glauben. Schon jetzt sehe man auf Grund des Munitionsgesetzes Arbeiter wegen der kleinlichsten Verfehlungen verurteilt. Wenn England den industriellen Militarismus bekomme, würden manche Arbeiterschichten der Verurteilung hinter geschlossenen Türen preisgegeben werden. Wenn man den Dienstzwang für Munitions- und Jndustriezwecke fordere, sollte man nicht nur die Arbeiterklasse unter Zwang stellen: „Ich bestreite— und ich bekämpfe ebenso mit aller meiner Kraft— das Recht einer Klasse, meiner Klasse den industriellen Dien st aufzu- zwingen, ehe sie selb st den Boden und das Kapital des Landes konskribiert und alles unter die Kontrolle des Staates gestellt hat." Am Schluss seiner Rede gab Smillie einige patriotische Erklärungen ab: Das Land werde sich nach den gebrachten Opfern nicht soweit erniedrigen, über den Frieden zu ver- handeln, solange der Feind noch auf dem Boden Frankreichs und Flanderns stehe. Am Dienstag hatte die Unabhängige Arbeiter- Partei in London eine Gedenkfeier für Keir Hardie ver- anstaltct. Es sprachen u. a. die Genossen Macdonald, Anderson, Lansbury und Genossin Bruce Glasier. Lansbury sagte über die Dienstzwangagitation:„Man nimmt sich vor, das Volk dieses Landes zu erniedrigen und zu ver- sklaven, und wenn es sich nicht wehrt, wird es den prcuhischen Militarismus in seiner schlimmsten Form bekommen. Die Dinge stehen jetzt schon übel genug, aber sie werden millionenmal ärger stehen, wenn jeder Mann in Khaki ge- steckt und numeriert wird— nicht für nationale Zwecke, sondern um Profit und Zins für Individuen zu schaffen. Die Unabhängige Arbeiterpartei werde keinen Vorschlag unterstützen, der in Zukunft Beziehungen mit dem Volk verhindere, das man jetzt bekämpfe. In diesem Zusammenhange seien auch die Ausführungen mitgeteilt, die der wegen seines hohen Alters zurückgetretene Sekretär der englischen Friedensgesellschaft, Rev. Dr. D a r b y, zu einem Interviewer gemacht hat. Nach einem Bedauern des Fehlschlagens der Bemühungen des„Deutsch- englischen Freundschaftsbundes" und einigen scharfen Worten über die deutsche Kriegführung sagte er:„Dieser Krieg war meiner Meinung nach unvermeidlich, weil er auf einer falschen Grund- läge der internationalen Gesellschaft beruhte. Diese Grund- läge war nur materiell. Die Nationen rüsteten unaufhörlich gegeneinander und als unvermeidliche Folge musste einmal ein Ausbruch kommen. Manche Leute sagen, dass der jetzige Krieg künftige Kriege unmöglich machen werde. Aber das kann nickt der Fall sein. Der Krieg kann den Krieg nicht heilen. Aber er kann die Nichtigkeit des Krieges zeigen und das Volk weiser und friedfertiger machen. Im Augenblick kann für den Frieden nichts Reales getan werden, aber die Zeit dazu wird kommen, wie nach dem Südafrikanischen Krieg, wo das Volk zugänglicher wurde." Verleugnen diese Sätze nicht die Schwächlichkeit des bürger- lichen Pazifismus, so zeigen sie doch in der Bemerkung gegen die Leute, die den jetzigen Krieg als Krieg gegen den Mili- tarismus ausgeben, eine Unabhängigkeit des Urteils, die da und dort noch vielen anderen Leuten zu wünschen wäre. Aus den angeführten Aeusserungen darf man nicht schliessen, dass die Bewegung für den Dienstzwang aussichtslos ist. Die Zunahme der patriotischen Stimmung gerade in der Arbeiterschaft ist unleugbar und wenn die Lektüre der liberalen Presse zeigt, dass wenige Wochen genügt haben, um die alten Dienstzwangsgegner— bis zur alten Garde des„Manchester Guardian"— schwankend zu machen, so finden wir eine un- verhüllte, wenn auch bedingte Annahme des Zwangsprinzips in einer Erklärung des Führers der Labor Party, H o d g e, der anscheinend für die während seiner französischen Reise auf ihn geübten Einwirkungen nicht unempfänglich geblieben ist. Jedenfalls hat man Aeusserungen, wie die neuliche An- kündigung der industriellen Revolution durch den Arbeiter- abgeordneten Thomas mit Vorsicht zu beurteilen, wenn man nicht durch die tatsächliche Entwickelung überrascht werden will. �afenarbeiterstreik in Dublin. London, 13. Oktober.(W. T. B.) In Dublin ist ein Hafen» arbeiterstreik ausgebrochen, von dem vier Dampferliisien be- troffen sind. Mehrere einlaufende Dampfer wurden nicht aus- geladen. Man befürchtet, dass die Bewegung, die durch Nicht- bewilligung von Lohnforderungen entstanden ist, sich auch auf andere Linien ausdehnen wird. In Bradford haben die Auf- seher der Webereien, deren Lohnforderungen ebenfalls nicht bewilligt wurden, auf den 14. Oktober gekündigt. Sollten, was man als wahrscheinlich annimmt, die Arbeitgeber die Werke schliessen, so würden Tausende von Arbeitern beschäftigungslos werden. Die amerikanische Note an Cnglanö. London, 12. Oktober.(W. T. B.)„ M o r n i n g P o st" meldet aus Washington vom 11. Oktober: Staatssekretär Lansing hat heute früh dem Präsidenten Wilson persönlich die amerikanische Note an England überreicht, die gegen die ungesetzliche Weise, wie England den amerikanischen Handel behandelt, protestiert. Der Präsident hat die Note zum ersten Male zu Gesicht bekommen. Wenn er sie gut- heißt, wird sie dem Londoner Botschafter zur Uebermittelung an die britische Regierung gesandt werden. Wilson wünscht von England ein bündiges Versprechen zu erhalten, ehe der Kongress im Dezember zusammentritt, da etliche 20 Mitglieder des Repräsentantenhauses und Senatoren der Südstaaten eine Bewegung ins Leben zu rufen planen, daß solange ein Verbot auf alle Waffensendungen an die Alliierten gelegt werde, bis der amerikanische Handel mit neutralen Häfen nicht mehr be- hindert wird. Der kriegsmüöe Amerikaner. New D o r k. 15. September.(Eig. Ber.) Letzten November begab sich der 22jährige Amerikaner Russell Kelly auf Reisen. Angeblich wollte er die Weltausstellung in San Franziska besuchen; aber später erfuhr sein in New Aork wohnen- der Vater, daß der abenteuerlustige junge Mann in Bordeaux der Fremdenlegion beigetreten war. Seitdem hat der Vater viele in lebhaftem und anschaulichem Stil geschriebene Briefe von ihm er- halten, die meist in der New Jorker„Evening Sun" veröffentlicht worden sind. Es heißt, daß Russell Kelly in dem schweren Kampfe bei Souchez am 16. Juni zweimal verwundet wurde und sich jetzt in deutscher Gefangenschaft befindet. Manches aus seinen letzten Briefen ist für die in der Schlachtlinie in Frankreich herrschende Stiinmung recht interessant. So schreibt der amerikanische Fremdenlegionär am 16. Mai an seinen Vater:„Das Bild, das ich sehe, wenn ich im schwin- denden Lichte über das Feld blicke, werde ich nie vergessen— cS wirkt wie ein schauriges Alpdrücken. Die ganze Nacht hindurch erscholl das Geschrei der Verwundeten. Ich hatte in der Nacht einen angenehmen Bettaenoffen. Es war ein toter Unteroffizier. aber er lag hinten im Graben, nur drei Schritt entfernt...... Ich mutz jetzt lachen, wenn ich versuche, an die Zivilisation zu den- ken. Aber nichtsdestoweniger müssen wir zugeben, dass die? eine großartige Welt ist, und ich bedauere es nicht, daß ich hier bin. Die deutschen Gefangenen, die wir machten, waren gut genährt und gekleidet." In dem letzten, den 16. Juni datierten Brief hat Kelly für den Krieg nichts mehr übrig. Er schreibt:„Seit dem 9. Mai ist von diesem Regiment nicht mehr viel übrig; die Italiener� sind eben freigelassen worden, um zu ihrem eigenen Heere zurückzu- kehren. Unsere Kompagnie hat zurzeit 55 Mann aus einem vollen Bestände von 250; aber wir erwarten Ergänzung von neuen Mannschaften aus Valbonne und Lyon. Ja, dieser Krieg ist ein großes Spiel. Wenn Dir das nächstemal jemand von dem Ruhm des Krieges redet, wasche ihm ordentlich den Pelz. � Man denke sich einen Sturmangriff mit spielender Kapelle und singender Mann- schaft— welch ein Blödsinn! Erstens kommen die Instrumente nie in die Nähe des wirklichen Kompfes und zweitens ist den Leuten beileibe nicht zum Singen zumute..... Die hiesigen Zeitungen bringen das Gerücht, daß Bryan durch einen Herrn Lansing ersetzt werden soll. Ich kann mich nicht entsinnen, je von dem Manne gehört zu haben. Wir befinden uns in guter Ge- sundheit und bekommen reichlich zu essen. Wir wünschen ein- stimmig, daß der Krieg bald zu Ende kommt. Du kannst es mir glauben, daß jene, die in den Vereinigten Staaten am meisten nach dem Krieg schreien, die Leute sind, die nichts vom Kriege wissen. Der 5lrieg bedeutet eine eselhafte Verschwendung und ich nehme vor Herrn Wilson und seiner Nüchternheit den Hut ab. Ich hoffe, er wird die Vereinigten Staaten vor dem Kriege be- wahren. Die Demonstration von Johannesburg. Aus Amsterdam wird uns geschrieben: In einer Wähle» Versammlung in einer Vorstadt von Johannesburg hat es eine an« scheinend recht lebhafte Demonstration gegen General S m u t s ge- geben und eS scheint nach den langen Berichten, die das amtliche Pressburcau über den zuguterletzt ohne Leibesschaden sür den Genossen Bolhas ausgegangenen Radau, dass man diesen angeblichen.Anschlag" für die Regierungspartei, d. h. sür die englandfreundliche»süd- asrikaniscke Partei" und gegen die nationalistischen Hollanders dema- gogisch ausnützen möchte. In Wirklichkeit ist die Kundgebung, über die sich dieselben Leute entrüsten, die die vom chauvinistischen Lumpenproletariat unter dem wohlwollenden Auge der Bourgeoisie veranstalleten Deutschen-.Pogrome" in den südafrikanischen Städten unlängst so niilde beurteilt haben, gar nicht von holländischen Süd- asrikancrn ausgegangen. Dies geben auch die»Daily NewS", die die Begebenheit als einen»sehr bedauerlichen Zwischenfall" bezeich- nen, zu. Sie weisen darauf hin, dass Johannesburg ein Bollwert der Arbeiterpartei und der llnionisten sei. Die Demonstration sei ausschliesslich gegen Smuts gerichtet gewesen und habe ihre Ursache in der Haltung, die Smuls in der grossen Streikbewegung von 1914 eingenommen habe. Sie zeige die Verbitterung, die die unausbleibliche Folge des Kriegsrechls sei.— Auch der»Nieuwe Rotterdamer Eourant" bestreitet, dass die Kundgebung von den holländischen Elementen der Bevölkerung ausgegangen sei, doch gibt er eine andere Erklärung. Man habe den Arbeitern, die am Zug gegen Deutsch-Südlvest teilgenommen hatten, zu- gesagt, dass sie ihre Arbeitsstellen wieder offen finden würden, aber dieses Versprechen gebrochen.— Die Demonstration scheint jeden- falls dafür zu sprechen, daß die Regierungssreunde, die neulich auf dem Kongress der südafrikanischen Arbeiterpartei die Mehrheit gehabt haben, in den Arbeiiermassen keine sichere Unterstützung finden. Bekommt aber die kriegsfcindliche Richtung in der Arbeiterpartei bei den Arbciterwählern die Oberhand, so ist die Lage der Regierung sehr bedenklich. Die„Daily News" schreiben denn auch trübselig, daß es ein grosses Missgeschick sei, dass die Buchstaben der Ver- fassung eine allgemeine Wahl in Südafrika im jetzigen Zeitpunkt notwendig mache. Der Wahlkampf der fünf Parteien sei überaus heftig und es bestehe die sehr begründete Furcht, daß der Ausgang im besten Falle eine sehr ernste Schwächung der Po» sition Bothas fein werde. Kriegsbekanntmachungen. Liebesgaben an Alleinstehende. Amtlich. Berlin, 12. Oktober.(W. T. B.) Die Bestrebungen, Soldaten, die keine Sendungen für ihre Person aus der Heimat er- halten, mit Liebesgaben zu versorgen, treten immer häufiger in die Erscheinung. Es haben sich daher einige grosse Organi- sationen der freiwilligen Krankenpflege der dankenswerten Aufgabe unterzogen, in ihrem Besitz befindliche Adressen dieser.Einsamen" an solche Personen abzugeben, die sich an dieser Art der Liebes« läligkeit für unsere Truppen zu beteiligen bereit sind. Um aber möglichst alle dieser„Allein st ehenden" durch ans der Heimat kommende Gabenpakete zu erfreuen, hat die Heeresver- Wallung angeordnet, daß die staatlichen Abnahmestellen frei« williger Gaben, deren Verzeichnis in allen Postämtern aushängt, Liebesgabenpakete, die ihnen für„Alleinstehende" zugehen, abzunehmen haben, sofern sie nicht eine persönliche Adreffe tragen. Diese Pakete werden auf dem vorgeschriebenen Dienstwege den Truppen mit der Weisung zugeführt, sie nur an solche Soldaten zu verteilen, die sonst nie oder doch nur äusserst selten Sendungen aus der Heimat erhalten. Zu diesem Zweck werden die Pakete vor der Weitersendung von den Abnahmestellen durch Aufkleben auffallender Zettel»Für Alleinstehende" besonders kenntlich gemacht. Es bleibt dem einzelnen Spender unbenommen, den Paketen Grüße, Zettel und die Adresse des Absenders beizulegen, wodurch sich in vielen Fällen Beziehungen anbahnen werden, deren Pflege und Aus- gestaltung Sache des einzelnen ist. Frachtsendungen, die mit der Bezeichnung„Freiwillige Gaben" an die Abnabmcstcllen aufgegeben werden, werden von allen Bahnen frachtfrei befördert. Zur Beschlagnahme von Nickel. Berlin, 12. Oktober.(W. T. B.) Erweiterung der Metall- beschlagnahme(Nickel). Die bestehende Verordnung(kll. 1/4. 15 KILl) über Bestandsmeldung und Beschlagnahme von Metallen vom 1. Mai 1915, die sich nur an Gewerbe- und Handeltreibende(nicht an Privatpersonen wendet, und die auf den bei allen Postanstalten I. und II. Klasse erhältlichen»Meldescheinen sür Metalle" abgedruckt ist, wurde zum erstenmal an, 14. August 1915 durch eine Nachtrags« Verfügung(ÄI. 5347/7. 15. KR.i) in bezug auf Aluminium in Fertig- sabrikaten ergänzt und erweitert. Jetzt hat sich die Notwendigkeit ergeben, durch eine neue Nochtragsverordnuug(Nr. bl. 1020/9. 15. KR�.), die mit dem 5. November 1915' in Wirkung tritt, die Ver« Wendung von Nickel, das in der Hanptvcrfügung(M. 1/4. 15. KRA) unter den Klassen 12 und 13 aufgeführt ist(vergl. Meldescheine) Weiler einzuschränken. Es ist von setzt ab verboten, Nickel nach den Bestimmungen des§ 6 b Ziffer 1—4 der Haiwtverfügung zu Kriegslieferungen im eigenen oder fremden Betriebe, zu notwendigen Ausbesserungen in einem mit Kriegslieferungen beschäftigten Betrieben oder zur Ausrechlerhaliuiig eines landwirt- schasilichen Betriebes zu verwerten. Vielmehr ist für jede Ver« Wendung aus beschlagnahmten Nickelvorräleu eine besondere Freigabe erforderlich, die auf dem vorgeschriebenen Vordruck bei der Sektion IL der Kriegsrohstosfabteilung des Königlich Preußischen Kriegsministeriums, Berlin SW. 48, Verlängerte Hedemannstr. 9/10, beantragt werden muß. Daneben bleibt zulässig die Veräußerung von Nickel an die Kriegsmetall-Aktiengescllichaft und ferner die Ab- lieferung der von der Verordnung(Nr. M. 825/7. 15. KRA.) über „Beschlagnahme, Meldepflicht und Ablieferung von fertigen, ge« brauchten und ungebrauchten Gegenständen aus Kupfer, Messing und Neinnickel" betroffenen Gegenständen(HaushaltungSgcgciistände) an die kommunalen Sammelstellen. Alle näheren Einzelkiciten sind aus dem Wortlaut der Nachtrag?« Verordnung zu ersehen, die durch Anschlag und Abdruck in der Tages- presse zur allgemeinen Kenntnis gebracht wird. Flottes BloseokleM m. ollen oDodoroen Fcm- boiten, oas sehr ßTit�-m Stoff, oaf Beide mtt besonders scbönem Qlockeoiebs—• Bock Diesen feiten schöne« Mantel mit»einen rle- len Belsen nassen Sie sebeo, am Ihn voll»u ▼ürdige«. Sein Preis Ifit Der belieble, stets crem gekaufte Astrachan- Paletot mit reich ver» slertem Gart. Tadellos sltsend Die neue kurzo Glocken- form! Ein schönes kleidsame» Jackenkleid, mit reizrollem boebstellbarcn Samtkragen ond reicher ßückenrerrlerung Praktischer Wlnter- roante: aus(caier einfarbiger Ware In allen schönen Farben m. neuartigem Sajntkragen und Glockenscboss Fescbe Plöscb- Jacke ans TorsQgllcher Ware, mit schönem breitem Betdenmloder. Gute Verarbeitung Einfacher moderner Glockenmantel mit schönem breitem Samtk ragen. Reich mit ßtoflrollen und Samt carnlort yortellhaft karierter Mantel, moderne weite Form, bübache Knopf- Verzierungen und breiter Gurt Rönigstrasse 33 am Bahnhof Alezanderplatz, Chausseestr. 113 beim Stettiner Bahnhof. Sonntags gescOlossenl Schwarze RonleKtion Unscnn Bestreben eemäss, dem Publlkara das z» bieten, a was es verlangt, haben wir, der Zelt Rechnung tragend, m auch ein Überreiches Lager in schwarxer Koniektion. Fast M alle unsere Formen in Mänteln und Jackenkleidern sind � hier in allen Grössen vertreten, und wir haben versucht, das � Ernst des Schwarz durch gefällige Formen und geschmackvolle Verzierungen zu mildern und kleidsam zu gestalten, j SHcboIt.; Alfred LJielevp. 2ni>raf"t'"t s«>. vu-ck-. Berit«. Druck u. Vertan: Borwärls Bnchdr. u. Veriaasanitati Vaul Cinaer Lc Co� Berlin SV/. Hierzu 1 LrÜagc u. Uutcrhalluussbl. Gewerkschaftliches. Das Angebot öer Irauenarbett. Ms zu Anfang des Krieges die Arbeitslosigkeit gewaltig stieg, wurden davon die weiblichen Erwerbstätigen in weit erheblicherem Maße als die Männer betroffen und erst dann, nachdem sich eine Anzahl Berufe, besonders das Verkehrs- g e w e r b e und die Metallindustrie, neu oder stärker für die weiblichen Arbeitskräfte erschloß, begann sich auch für sie die Lage auf dem Arbeitsmarkt zu bessern. Die erhebliche Zunahme der weiblichen Beschäftigten bei den Krankenkassen ist wohl der sicherste Beweis dafür. Trotz alledem bleibt aber seit Anfang dieses Jahres die Zahl der weiblichen Arbeits- losen fast immer gleich. Ja, die Arbeitsnachweise melden so- gar ein dauernd steigendes Ueberangebot weiblicher Arbeits- kräste. Nachfolgend seien die hierüber ermittelten Zahlen angegeben. Es wurden gezählt: bei den Arbeitsnachweisen in den Organisationen Sowohl die Feststellungen der Arbeitsnachweise wie die der berichtenden Organisationen lassen die mißliche Lage der weiblichen Erwerbstätigen in der Kricgszeit gegenüber dem Vorfahr erkennen. Noch deutlicher tritt dies hervor, wenn die ermittelten Verhältniszahlen angeführt und denen der männlichen Arbeitskräfte gegenübergestellt werden. Es ergibt sich dann folgendes Bild: Aus 100 offene Stellen 100 GewerFchafls. kamen Arbeitsuchende wa7en'arbeitsl°s . 1913 � 191i 1915 1914 ta mStmL trctbL männl. rveibl. mäniiL weibl. männl. mciBI. Januar. 123 167 234 105 5,8 11,1 5,0 2,4 Februar. IIS 172 218 97 4,5 9,4 3,9 2,1 März.. 93 152 173 92 2,6 3.3 2,9 1,9 April.. 100 165 161 94 1.9 9.1 2,9 1,7 Mai.. 99 158 172 100 1.7 10.0 2.8 2.6 Juni.. 96 157 168 101 1.4 9.1 2.5 2.6 Juli.. 98 165 158 99 1.4 9,7 2.8 2.4 Die größere Arbeitslosigkeit der weiblichen Ecwerkschafts- Mitglieder tritt auch bei den Feststellungen über die Häufig- keit der Arbeitslosigkeit hervor. So standen zum Beispiel iiu 2. Quartal 1915 den 8,9 Proz. männlichen Arbeitslosen 17,5 Proz. weibliche Arbeitslose gegenüber, während in dem gleichen Quartal 1914 die entsprechenden Zahlen 9,9 und 6,8 betrugen. Nach den neuesten Erhebungen der Gewerkschaften hat auch im Monat August die Steigerung der Arbeitslosigkeit bei den weiblichen Mitgliedern angehalten, denn die Arbeits- losenziffer erhöhte sich auf 9,9. DieS ist zum größten Teil auf die behördlich verfügte Betriebsein- schränkung in der Textilindustrie zurückzuführen. Wurden doch allein im Textilarbcitcrverband zu Ende August 1974 Arbeitslose, darunter 1137 weibliche, mehr ge- zählt, als zu Ende Juni. Aller Voraussicht nach wird auch in den späteren Monaten anstatt einer Befferung eine weitere Verschlechterung der Arbeitslage eintreten, was für die ge- werblichen Arbeiterinnen, besonders für die der Textilindustrie. eine trübe Zukunft bedeutet. Hier baldigst helfend einzugreifen ist Psticht des Staates und der Gemeinden. deutsches Reich. Eine gesetzliche Einschränkung der Arbeitszeit fordert der Ver- band der Hut- und Ftlzwarenarbeiler und Ar- veilerinnen. Die Arbeitstosigkeit unter den Huiarbeilern ist geradezu erschreckend. Die ganze Arbeit drängt sich auf die„Saison", aus die Monate Januar. Februar. März und Apiil zuiamnien. Aber auch in der Saiwn beirng der Plozeniiag der Arbeitsloien im Kriegsjahr 1915 für den Januar noch 13,3 Proz..'ür den Februar 14.1. für den März 16,9 und für den April 23,6, Im Mai ipian.g die Arbeitslosigkeit auf mehr als daS Toppelte hinau'. nämlich auf 43,3 Proz, Selbst in der denen ßeil sind in- der Hui- Industrie von 109 Arbeitern und Arbeiierinnen met.r ol? dopvetl iov'et arbeitslos als im Reichsdurchschmlt der Arbeitslosigkeit. Von den organisierte» Irrobhutnäaeriniien in Dresden waren in den obengenannten Saiionnionalen mebr als der fünsie Teil ohne Arbeit, Am 10, August 1914 ivurden von 3�60 organisierten Dresdener Strohhutnäherinnen 2800 als arbeitslos festgestellt. Am 10. August 1915 waren es von 2846 nicht weniger als 2509 Tros disier Ar» beilslosiaksit wurde im Dresdener Gebier Tag und Nacht sobne Toppkischichten) und Sonntag wie in der Woche geaibesiel. In gleicher Weile wurde trotz der großen Arbeitslosigkeit in den Be- trieben gewühlt, die seinerzeit Filzbelme. Tichalos. Palronen- laschen usw. fabrizierten, Der Verband der Hut- und Filzwarenarbeiler hat deswegen den Bundesrat ersucht, anordnen zu wellen: 1. a) In den SBoÜHut» und Fitzwarensabrilen dürfen die Arbeirer und Arbeiterinnen nur an böchlrens tünt Tagen in jeder Woche beschäftigt werden, b> Dre durch die Fabrikordnung festgesetzte tägliche Arbeitszeit darf nicht veilängerl werden. e) Ueber», Nacht- und Soniilagsarbeit ist verboten. dl Die Lanbeszentralbehörden oder die von ihnen bestiinmlen Be- Hörden sind ermächtigt, eine wertergehende Beschränkung der Arbeitstage und der täglichen Arbeitszeit an-uordnen. 2. al In den Seidenhut-, Klopphnt-, Haaifilzhul-, Damen- but- und Slrohhulfobriken jeder Art und Galtung ist Ueber-, Nacht- und Sonnlogsarbell, sowie jede Verlängeiung der durch die Fabrikordnung festgrsctzlen ArbeilSzeit vei boten, b) Zur Behebung der Arbeitslosigkeit unter den Heimarbeiterinnen in der Strohhiilindustrie ist die Einschränkung der Arbeitszeit sinngemäß aus diese Heimarbeiterinnen anzuwenden. Es darf an die Heim- arbeiterin nicht mcbr Arbeit ausgegeben werden, als die Betriebs- näbeiin in der täglichen Arbeitszeit machen kann, c) Die Landes- zeutralbehörden oder die von ihnen bestimmten Behörden sind ermächtigt, eine Beschränkung der Arbeitstage und der täglichen Arbeilszcir anzuordnen. In der Begründung der Petition ist aus die Notwendigkeit hingewiesen, die Arbeiislosigkeit durch Strecken der Arbeit zu be- kämpfen. Die Verminderung der Arbeitstage und der Wegsall jeg- licher lieber-, Nacht- und Sonntagsarbeil gestatte es doch, während der Kriegszeit alle Aufträge rechtzeitig erledigen zu können. Es brauche nur mit der Saisonarbeit früher begonnen und später auf- gehört zu werden. Heereslieserungen können rechtzeitig erfolgen, wenn sie bester verteilt werden, daran habe es bisher gefehlt. Trotz der gegenwärtig geübten freiwilligen Ein'chränkung der Arbeitszeit sei eine eiliheitliche gesetzliche Einschränkung unertäjz- lich, um dem vorzubeugen, dag die kommenden Saison-, Winter- und ev, Heeresausträge durch Ueber-, Nacht-, Sonntags- und verlängerte Arbeitszeit in kurzer Zeil ausgeführt und die"Arbeiter dann dem Elend der Arbeiislosigkeit preisgegeben werden. Die gesetzliche Einschränkung der Arbeil iet ferner unerlätziich für die Heimarbeile- rinnen, widrigenfalls würde der Zweck, allen längere Zeit Arbeit und Verdienst zu sichern, nicht erreicht. Gegen die Lohndrückerei bei Militärarbeiteu hat das Bekierdungsaml des VI, Armeekorps in Breslau energische Vorkehrungen getroffen. Es verpflichtet alle Unternehmer in einem scharten Verlrag, den es der„Voliswachtt zur Veröffent- lichung übergab, den Heimarbeitern in jedem Falle 75 Proz., den Werkstaltarbeitern 65 Proz, der vom Betleidungsamt gezahlten Preiie zu gewähren und das Garn zum eigenen Einkaufs- preise abzugeben. Die Unternehmer und GeschäslÄnhaber dürfen leinen Angestellten des Bekleidungsomies strebst Angehörigen) Ge- schenke oder Vorteile zuwenden ooer sie„freihalien". Was aber besonders wichtig ist, ist die Bestimmung, das auch durch Weitergabe der Arbeiten an Zwilchen meist er, Unisrarbeitgeber uiw. der Prozentsatz des Lohnes nicht sinken darf. Die Nichtbeachtung der Ver- lragsbcdmgungen hol die sofortige Entziehiing der Arbeit zur Folge und da man den Bedingungen euie gewisse rückw'rkende Krall ge- geben bat, kunnien viele Heimarbeiter idren Lohndrückern noch nach- liäglich mit Hilfe des GewerbegerichlS einen Teil des durch unsitt- l che Manipulationen eingeheimsten Piofits wieder abnehmen. Gerade in der jetzigen schweren Zeil haben die Bestimmungen große Zustimmung in den Aibeiterichichien gesunden. Zus Znövstrie und hcmöek. Kriegsprosite. Die Handelskammer in Berlin hatte vor einigen Tagen ein Gutachten erstattet, üder die Provision, die für den Nachweis eines Geldgebers für Heereslieserungen an den Vermittler zu zahlen ist. Der von der Handelskammer als üblich bezeichnete Satz von einem Prozent ist bei der Zunft der Geldvermittler aus lebhaften Wider- ipructi gestoßen und einer dieser Bermitlter führt nun im Handels« teil des„Berliner Tageblatt"»olgenden Fall an: „Dem E>n>endsr dieier Zeiten gelang es zum Beispiel, einem Hecrestieseranten den nachgevachten Kredit von 25 000 M. bei einer diesigen Bankstrma zu vermitteln. Der Heeres tieferont hatte einen Austrag aus Herstellung von 24 000 Granaten binnen drei Monaten an die Heereskeiinng zu liefern. Dieser Auftrag brachte ihm einen Gewinn von ö M. pro Gtanate, in drei Monaten also 1 20000 Mark, Das Bankgeschäft, das die 26000 M. hergab, berechnete für dieses Kapital nicht nur d,e üblichen Zinken und Provision, sondern beteiligte sich an der Herstellung der Granaien derart, daß ihm für die Hergabe dieser 25 000 M. für einige Monate ein Gesamtgewinn von zirka 6000 M zufloß. Wenn nun die Handelskammer meint, daß der Bermitiler für die Bermiitlung dieses Geschäfts, bei dem der HeersSlisferant 120 000 M,, der Geldgeber aber 6000 M. verdient, mit 250 M. abgefunden werden soll, so ist diese Meinung im höchsten Grade zu mißbilligen, denn der Vermittler bat ja gerade dem Heereslieferanten und dem Geldgeber durch seine Vermittlung zu ihren großen Verdiensten ver- Holsen." Das Bankgeschäft hat also aus das Jahr berechnet, fast 100 Proz. Zinsen genommen. Dieier skandalöse Wucher ist dadurch ver- schlciert worden, daß sich daS Bankgeschäft an dem Unternehmen be- ceiligt bat. Man kann es verstehen, wenn der Vermittler unter dieien Umständen der Meinung ist, daß ihm statt 250 M., mindestens 2500 M. gebührt hätte!-. Für die Heeresverwaltung sollten Ge- schäfte dieser Art aber ein Anlaß sein, einmal zu prüfen, ob die von ihr gezahlten Preise nicht viel zu hoch sind. Kriegsgewinnc. Die Lothringer Lederwcrke A.-G. in St. Julien erzielten einen Rohgewinn von 550 585 M. gegen 62 083 M. im Lorjahr. Der Reingewinn stieg von 30 490 auf 190920 M., wovon 10 Proz,(im Vorjahr 3 Proz.) Dividende gezahlt werden. Bsetterausstckiken für daS mittlere Norddeutschland bis Fraetagmittag. OeiUich der Oder vielfach heiter. In der Nacht zum Frei- tag lühl. In den Tagesstunden überall Mild, Im Weiten noch über- wiegend b'wölkt, StwaS nebelig, jedoch nirgends erhebliche N edeischlä ie. Nr. 284. 33. IahrMg. SeilUt des Jmiirls" fftliutt ftlliülilntl. Dounerstag. 14. Wober 1915. Die Zolgen See Teuerung. Eine Hausfrau schreibt uns: .Die Teuerung ist eine unabänderliche Begleiterscheinung des Krieges"— mit dieser, vielleicht noch achselzuckend vorgebrachten Bemerkung wird vielfach das stürmische Verlangen nach Schutzmatz- regeln gegen die steigenden Lebensmttielpreiie von denen abgewehrt, welche die Aufgabe haben, der heimischen Bevölkerung bei der lieber Windung der KriegSnöte mit behördlichen Machtmitteln Hilfe zu leisten. Ein böser Trost! Gäbe es wirklich keine wirksamen Mittel zur Eindämmung der verheerenden Preissteigerung auf dem Lebens mittelmarkte, dann mutzte der Krieg in feiner weiteren Dauer für die Gesundheit des Volkes geradezu verhängnisvoll werden. Vierzehn Monate währt nun der Krieg, vierzehn Monate die Teuerung, die nichts verschont und das Wirtschaften mit geringen Mitteln zur ständigen Qual macht. Denn das Einkommen hat sich nicht erhöht, der Krieg brachte im Gegenteil einige Monate eine empfindliche Schmälerung desselben. Die Preise der Lebensmittel aber stiegen in einem fort und steigen immer noch. Ich bezahlte ausweislich meiner Wirtschaftsbücher Änfaug August ISU und Anfang Lktober ISIS für das F l e i sch folgende Preise pro Pfund: Ans. August Ans. Oktober 1öl4 llllS M. M. Rindfleisch, besseres(Bratenstücks) Z.lO 1,90 Rinderbrust........ 0,85 1,40 Kalbskeule........ 3,10 1,60 Kalbsbrust........ 0 90 1,60 Hammelkeule......,, 1,10 1,80 Hammeldünnung...... 0,80 1,60 Schweinefleisch fKamm).... 1,— 2,10 Geräucherter Schinken.... 1,60 3.— Speck.......... 0,80 2,80 Schweineschmalz...... 0,65 2,60 Nun war vor dem Kriege der Fleischverbrauch zum Mittagstisch schon nicht hoch— für Mann, Frau und ein zehnjähriges Kind monatlich 20—22 Pfund. Und es ist auch bei weitem nicht immer vom besten Fleisch gekauft worden, Die besonders in den letzten Monaten zu der erschreckenden Höhe angestiegenen Fleisch- preise zwangen aber zu einer Einschränkung deS Fleischverbrauches auf 14—15 Pfund monatlich und die Qualität ist odeu- drein erheblich schlechter geworden. Ein Bratenstück, Filet, Rum- steak, Kotelett usw. kommt fast überhaupt nicht mehr auf den Tisch Mit dem Aufschnitt ist es nicht besser bestellt, der Preis ist ver- doppelt und Menge wie Güte müssen entsprechend herabgesetzt werden. Der Eierverbrauch schwankte vor dem Kriege zwischen 45 und 80 Stück im Monat; im Jahresdurchschnitt ergab sich ein Verbrauch von 60 Stück im Monat. Der Preis betrug Anfang August 1914 pro Stück 6 Ps., jetzt 20 Pf., die Folge: Eine Ein- fchränkung des Verbrauchs auf 28 Stück im vorigen Monat und trotzdem keine geringere Ausgabe als früher in den besten Monaten bei dem Höchstverbrauch von 80 Stück, Selbst der in normalen Zeiten schon nicht erhebliche Verbrauch von Fischen und F i s ch w a r« n, nutzte herabgedrückl und schlietz- lich auf Seefische beschränkt werden. An Butter verbrauchte ich, die Kochbutter nicht tingerechnet, bis vor einem Jahre täglich knapp ein halbes Pfund, genau monatlich 13'/, bis 14 Pfund zu dem Preise von 1,30 M. das Pfund. Allein im letzten Monat stieg der Bulterpreis von 2 M. auf 2.50 M. das Pfund. Obwohl ich den Butlerverbrauch nach und nach auf 8 Pfund monatlich, also um 8,'7 des früheren Verbrauchs habe einschränken müssen, bleibt die Ausgabe doch dieselbe. Kochbuller kann schon lange nicht mehr zur-Bereitung der Speisen verwendet werden. An den durchschnittlich 18 Litern Milch monatlich lätzt sich nichts kürzen, die Mehrkosten sollen, ebenso wie die nahezu verdoppelten Ausgaben für Fleisch, Butter, Eier anderswo herausgewirtschaftet werden. Aber wo? Die Ein« schränkung und Verschlechterung der Fleischkost, die durch die Butter» teuerung erzwungene Verminderung der Feltzuftrhr machen eine stärkere Verwendung von Mehlspeisen und Hülsenfrüchten notwendig, wenn die Gesundheit nicht vollständig in Frage gestellt werden soll; die hohen Preise haben auch da einen Riegel vorgeschoben. Die in der � Brotkarte vorgeschriebene Mehlration ist,' auch nach der Erhöhung auf wöchentlich 250 Gramm noch nicht ausreichend rmd das brotkartenfreie Mehl, das in Berlin zu 70—80 Pf. pro Pfund, also zum vierfachen des normalen Preises zu haben ist, kommt nur für die Kuchenbäckerei derjenigen Kreiie in Frage, die nicht zu rechnen brauchen. An fertigen Teigwaren wie an Hülsenfrüchten ist ivohl kein Mangel sichtbar, die Preise sind aber doch im Durchschnitt um 100 Proz. gestiegen. Wie nun den Ausgleich zwischen den verfügbaren Mitteln und dein notwendigen Nahrungsbedars schaffen? Quantitativ lätzt sich nicht sparen, wir konnten uns auch vor dem Kriege den Magen nicht überladen. Bleibt nur übrig, die Qualität der Nahrungsmenge ständig zu verschlechtern, also auszuschalten, was nicht direkt zum Bauchsüllen dient und an Stelle nahrhafter Speisen Ballast zu setzen, der wenigstens das Gefühl der Sättigung erweckt. Mein Wirt- schaftsbuch zeigt nach dieser Richtung einen rapiden Niedergang im KriegSjahre: Flersch weniger und schlechter, Brotbelag emschlietz- lich Käse nicht zu bezahlen oder nicht zu genießen, Butter und Eier fast auf die Hälfte des normalen Verbrauches zurück- geschraubt, trockene und frische Gemüse geringster Sorte in Verwendung. Zucker stark eingeschränkt, Kakao. Tee, Marmelade nahezu ganz vom Tisch verschwunden, ebenso daS für die Kinderernährung so notwendige frische Obst, obwohl das noch am wenigsten dein Wucher verfallen ist, Kartoffeln und Kriegsbrot sind zum Haupwahrungsmittel aufgerückt. Die Folge aber ist allgemeine Unterernährung! Und das bei einem wöchentlichen Wirtschaftsgeld, das nicht viel hinter dem ganzen Wochenlohn vieler flcitziger Arbeiter zurück- bleiben dürfte. Das Herz krampst sich einem zusammen, wenn man bedenkt, daß von diesem Lohn oder gar von einer Kriegsunterstützung nicht nur die Lebensmittel, sondern auch noch Miete, Kleidung, Heizung, Licht und die tausenderlei anderen Bedürfnisse einer Familie be- stritten werden sollen. Hier bedeutet die Teuerung nicht nur schlechte Ernährung, sondern Hunger, permanenten Hunger, der zu einem Gesundheitsvcrsall in weiten Volksschichten und nur schwer wieder gut zu machenden Schäden führt. Eine nach den Grundsätzen der Ernährungswissenschaft auf- gestellte Berechnung bezifferte nach den Preisen vom Juli 1914 die Ausgaben für die unumgänglich notwendigen Nahrungsmittel für 4 Personen auf 25,12 M. pro Woche. Der Lebensmtttelwucher trieb diese Ausgaben wie folgt hinauf: 1914 M. August...... 26,44 September..... 26,74 Oktober...... 27,09 November..... 27,86 Dezember..... 28,74 1915 M. Januar...... 29,65 Februar...... 31,49 März....... 32,90 April....... 34,01 Mai....... 30,40 Juni....... 37,36 _ Jetzt im Oktober, nach den skandalösen Preistreibereien der letzten drei Monate würden diese Ausgaben sicher 50 M, wöchentlich weil übersteigen. Wer aber kann so viel nur für Nahrungsmittel aus- geben? Alle schönen wissenschaftlichen Lehren über Volksernährung wirken wie Hohn, wenn schamloser Wucher das Volk nicht au-Z der Huiigerzone berauskommen läßt. Halbheiten können das Uebel nicht be- jeitigen. Reichsgetreide- und ReichStarloffeistelle, Brot-, Fleifch- und Milchkarlen helfen da nicht. Auch die kommunalen Maßnahmen gehen fehl, denn die Preise der von Gemeinden abgegebenen Waren folgen den Wucherpreisen der Händler und begünstigen sogar hier und da noch die Preistreiberei. Nur Hoch st preise für alle Nahrungsmittel und VerkausSzwang, verbunden mit rückiichts- losesten Strafen gegen alle Nahrungsmittelwucherer können Besserung bringen. Die ewigen Rücksichlen und Sorgen um Erhaltung des Geschäftsprofits sollten in dieser Zeit bitterster Kriegsnot endlich wegfallen. Also: Schnell zugreifen und kräftig zugreifen! politische Ueberstcht. Genossin Zetkin aus der Haft entlaffen! Genossin Klara Zetkin, die unter der Anklage des Landes- Verrats seit Ende Juli in Karlsruhe in Untersuchungshaft war, ist aus der Haft entlassen worden. Die Wirkung des„Burgfriedens8'. Unter der Ueberschrift:„Was not tut!" schreibt die«Bahr. Lib. Corresp.": „Das Wort„Burgfriede" scheint für viele politische Organi- sationcn die Bedeutung eines Schlafmittels zu haben. Die politi- schen Kreise aller Parteien— in manchen Bezirken— verhalten sich in einer gründlichen Art untätig, als od die Ausrufung des Burgfriedens ihnen die Durchführung aller ihrer Aufgaben unmöglich gemacht hätte; sie gefallen sich in einer ungestörten Ruhe." Es wird dann dargelegt, daß diese Auslegung des„Burg- ftiedens" über das Ziel hinausschießt und der AufgabenkreiS der politischen Organisation wird wie folgt umschrieben: „Neben der wirtschaftlichen und charitativen Mobilmachung in der Heimat darf die geistige und sittliche Mobilmachung nicht verabsäumt werden Eine flüchtige Umschau auf den Wirrwarr von unklaren Ansichten, Befürchtungen, gefährlichen Urteilen, dum- men Redereien im Volke tut die Dringlichkeit solcher Arbeft deutlich klar. Ter manchmal zutage tretende wirtschaftliche Eigennutz bedarf unzweifelhaft eines Gegengewichts durch Aufklärung, Mahnung und selbsttätige gemeinsame Maßnahmen der Gutgesinnten. Die Er- örterung der Kriegsziele im Volke geht unserer Beob- achtung nach vielfach falschen Bahnen, die jede Wirklichkeit außer acht lassen, jede gegenteilig« Meinung in Bann tun. und schließlich in ihrer verknöcherten Einseitigkeit Hoffnungen heranzüchten, deren Entäuschung oder Ueberbietung durch den schließlichen Kriegserfolg eine unkluge Erbitterung zur Folge haben kann. Hierin kann nur Aussprache, gegenseitige Kritik, Aufklärung Besserung schaffen." Gegen die letzten Sätze richtet sich nun eine parteiossiziöse Notiz de? nationalliberalen„Deutschen Kurier", worin eS heißt: „Die Partei vertritt als selbständige und sich ihrer Ver- antwortlichkeii bewußte Parle! ihren einmal gewählten Stand- punkt, der in langen Konferenzen beratschlagt, kritisiert und durch den Austausch gegenteiliger Meinungen herbeigeführt ist, heule ebenso wie früher. Auch wir hätten nichts gegen einen Austausch der verschiedenen Meinungen; auch wir glauben, daß diese gegen- seitige Kritik nur zum Besten des Vaterlandes sein kann. Daran ist ja aber im Augenblick nicht zu denken und deshalb erübrigt es sich, darüber viele Worte zu machen. Es kann sich nach unserer Ansicht im gegenwärtigen Augenblick nur darum handeln, mehr oder weniger bestimmte Hoffnungen, die eines jeden Brust bewegen, zum klaren Bewutztsein zu erwecken und zu festige», damit bei einem F r i e d e n s i ch l u tz ein fester, durchgebildeter nationaler Wille schirmend hinter den Männern steht, die einen Frieden zu schließen gewillt sind, der diese Hoffnungen und Er- Wartungen des Volkes nicht enttäuscht." Die nationaliiberale Parteileitung wünscht also, daß der „Burgfriede" innerhalb der Partei strikte innegehalten werde. Vorsichtige Berichterstattung. Die„Weser-Zeitung" gibt Gerüchte wieder, wonach der Sturz deS Großfürsten Nikolai Nikolaijewftsch nicht nur auf seine Fehler in der Hecrführung, fondern auch auf die Entdeckung großer Unter- schlagungen des Generalissimus zurückzufiihren sei. Man spreche von der Veruntreuung von 350 Millionen Rubel. Auch der ehe- malige Kriegsminister Suchomlinow soll sich unter der Anklage des- selben Verbrechens in Untersuchungshaft befinden. Od diese Angaben zutreffen, oder ob sie sich nur auf wilde Klatschereien gründen, wissen wir nicht. Wir erwähnen sie zu- nächst auch nur um der Bemerkung willen, mit der die„Weser- Zeitung" die Wiedergabe der Gerüchte rechtfertigt. Sie sagt: „In Friedenszeiten würde man sich hüten, solchen Ver- mutungen offen Ausdruck zu geben, während dieses rasenden Krieges aber, wo unsere Feinde und gerade die Russen so scheutz- liche, unmenschlich« Verbrechen begehen, braucht man weniger vorsichtig zu sein. Man kann wohl auf den allgemeinen Sumpf hinweisen, dem so viele gleißende, innerlich faul« Blüten ent- sprießen, und kann einem Menschen wie Nikolai alle? zutrauen." Wir sind weit davon entfernt, einem russischen Großfürsten nicht alle» zuzutrauen, aber datz man in Kriegszeiten mit „solchen Vermutungen" weniger zurückhaltend zu sein brauch« als im Frieden, will uns nicht in den Sinn. Beschränkung des �ortbildungsschulunterrichts zugunsten der militärischen Borbereitung. Dem„Westfäl. Volksblatt" wird aus dem Regierungsbezirk Osnabrück berichtet, datz dort für die Dauer des Krieges der eigentliche Forlbildungsschulunicrricht bis auf zwei Stunden wöchent- lich beschränkt und lehrplanmätzig die Uebungen zur militärischen Vorbsreiiuug au die Stelle der freigewordenen Stellen gesetzt werden sollen. Der theoreuiche Militärunterricht soll in den Lehrplan mit- aufgenommen werden. Eine solche grundsätzliche Aenderung wird sicher genereller Eni- scheidung bedürfen. Es mutz darauf hingewiesen werden, datz die Besucher der Schulen ganz allgemein jetzt unter dem Mangel an ordentlichem Unterricht leiden; ihn noch weiter zu beschränken, ist sehr bedenklich. Neue Richtlinie» für die militärische Vorbereitung? Da» K r i« g s m i n i st e r i u m hat auf Veranlassung von Schulen und besonders konfessioneller Vereine der Jugendpflege fol- aende neue Verfügung über die militärische Vorbereitung der Jugend erlasse»: „Schule und Jugendpflege sind mehrfach vorstellig geworden, weil ihre Interessen durch zu häufige, oft auch zu anstrengende Uebungen der militärischen Borbereitung geschädigt worden sind. So großen Wert die Heeresverwaltung auch darauf legt, datz man bei den Uebungen der militärischen Vorbereitung eine Trennung »ach Schulen, Konfessionen usw. vermieden wird, so darf das doch nicht dazu führen, daß in dieser Hinsicht ein Zwang auf Vereine ausgeübt wird, die auf eine langjährige segensreiche Arbeit an dcr�Jugend zurückblicken können, und nunmehr in ihrem Bestand gefährdet sind. Wenn solche'Vereine die militärische Vorberei- tung in ihr Programm nicht aufgenommen haben, so können sie nicht gezwungen werden, zum Beispiel zugunsten einer einmal oder mehrere Wale in der Woche übenden neugegründeten Jugendkompagnie auf ihre eigene Vcreinsorbeit nahezu zu ver- zichten. Der Standpunkt der Heeresverwaltung läßt sich �sehr wohl mit den Interessen von Schale, Kirche und Jugendpflege vereinigen, wenn das richtige Maß innc gehalten wird. Die Heeresverwaltung hält es daher für die Folge der Kriegszeil für ausreichend, wenn unter Berücksichtigung der Wünsche de» vorgenannten JnteressenkreiseS im Laufe eines Monats nicht mehr als vier Hebungen zur militärischen Vorbereitung im allgemeinen abgehalten werden. Für Sonntagsübungen be- darf es hinsichtlich des Beginns eines Einvernehmens mit der Geistlichkeit. Ein Zwang zur Teilnahme an einem Feldgottesdienst darf nicht ausgeübt werden. Tie Heeresverwaltung wird demnächst an die Stelle der Richl- linien Anhaltspunkte für die Ausbildung herausgeben und ersucht die königlichen stellvertretenden Generalkommandos usw., schon jetzt darauf hinzuweisen, daß Ueberanstrengung der Jugendlichen vermieden werden, und das Anstreben von Höchst- und Wettübun- gen, besonders bei Märschen, verboten wird. Sehr heiße Tage sind für Marschleistungen zu vermeiden. Gelegentlich« ärztliche Untersuchung der Teilnehmer vor und nach einem Marsche ist sehr erwünscht." In der Verfügung wird unter anderem weiter darauf hinge- wiesen, daß jeder junge Mann, der regelmäßig an dem Vor- bereitungsdienst teilgenommen hat,«inen entsprechenden Ausweis für den Eintritt ins Heer als Empfeh- lung erhält. Der„Kölnischen Zeitung'(Nr. 984) gehen zu dieser Verfügung Bemerkungen zu, in denen es u. a. heißt, daß das Abflauen derTeilnahme anden Nebung« nin der wirtschaftlichen Behinderung, dem Widerstand so mancher Höberen Schulen und der konfessionellen Jünglingsvereine zu suchen sei, die ihre Mitglieder gesondert zu halten wünschen. Schließlich wird folgende inter- essante Mitteilung gemacht: „Aber alle diese Erfahrungen, die während des Bestehens der militärischen Vorbereitung gemacht worden sind, drängen unbc- dingt zu der Einführung de? Zwangesan der T e i l- nähme, wie das mit geringen Ausnahmen aus allen Berichten hervorgeht. Und es verlautet, datz in dieser Beziehung bald ein wichtiger Beschlutz der Heeresverwaltung zu erwarten ist, oer allerdings der Genehmigung deS Reichstags be- darf, aber hier wohl die Mehrheit der stimmen finden wird." Vertagung der hessischen Landtagswahle». Die hessische Kammer, die am DienSlag zu einer kurzen Tagung zusammentrat, beschloß, die in den Jahren 1914/15 oder in der ersten Hälfte des JahreS 1916 notwendig gewordenen oder not- wendig werdende» Wahlen der Abgeordneten zur Zweiten Kammer auf die zweite Hälfte des JahreS 1916 zu verschieben. Weiter wurden Matznahmen beschlossen, um den Kriegsteilnehmern das Wahlrecht zu sichern._ „Nene Gefahren in Polen.- Unier dieser Ueberschrift bringt die„Germania" einen Artikel„von besonderer polnischer Seite", in dem die Ursachen der Matznahmen der deutschen Verwaltung gegen revolutionäre Um- triebe in den besetzten russisch-polnischen Gebieten erörtert werden. Der Verfasser des Artikels erwähnt die folgenden zwei Ansichten: Einige meinen, daß die deutschen Behörden in Polen im Irrtum wien, wenn sie die in Frage stehende Agitation als von den rndikal-polnischen und revolutionären Elementen herrührend beurteilen; eö handle sich uni eine rein soziale Bewegung, die dadurch hervorgerufen sei, daß die blühende polnische Industrie — infolge des Krieges und aller mit demselben verbundenen Umwälzungen und Umstandeu—- eine schwere Krisis durchs macht, deren sehr ernste Konsequenz eine weitverbreitete Art veitslosigkeit unter der Fabrikbevölkerung sein mußte. Da außer- dem seit dem Rückzug der Russen aus Polen eine große Teuc- rung der notwendigen Lebensmittel allgemein herrscht, hat das den Fabrikarbeitern drohende Elend eine starke Gärung unter denselben hervorgerufen, die schwerlich aufhören wird, bevor die maßgebenden Faktoren zu einer energischen Sanierung der traurigen ökonomischen Lage im Lande schreiten. Andere Berichterstatter vertreten die Meinung, e< handle sich in der Tat um eine revolutionäre Agitation, die von den Feinden Teutschlands, mit Hilfe der leider nicht fehlenden pol- nischen radikalen und antisozialen Elemente, hervorgerufen sei. Zweck dieser unwürdigen Arbeit— die insbesondere Rußland und England erwünscht sei— wäre, durch Herbeiführung ernster Unruhen die Regierung zu blutigen Repressalien zu zwingen, damit polnisches Blut fließe, und alle Feinde Deutschlands dann mit Triumph vor der ganzen Welt über die„deutsche Barbarei" zu schreien imstande seien. Polnisches Blut und polnisches Un- glück haben indessen für diese eigenartigen„Freunde" Polens keine Bedeutung, wenn man nur auf irgendivelche Weise den Deutschen moralischen Schaden zuftigen und das Gute verhindern könnte. daS im vom russischen Joch befreiten Polen die deutsch- Verwaltung nnt dem aufrichtigsten guten Willen zu schaffen angefangen hat." Ein Urteil darüber, welche der beiden Ansichten die richtige ist, fällt der Verfasser nicht. das tägliche Srot. Die bestrafte Stadt Tilsit. Die Siadt Tilsit hatte Höchstpreise für eine Reihe von Lebens- Mitteln festgesetzt. Dieser Versuch, der Bevölkerung zu billiger Nahrung zu verhelfen, schlug aber fehl, da Produzenten und Händler den Markt der Stadt regelrecht boykottierten. Wenn wirklich einig- Landleute sich willens zeigten, ihre Ware in Tilsit abzusetzen, so wurden sie auf dem Wege von Händlern abgefangen, die ihnen ihre Produkte abkauften, um nur ja dem verhaßien Ort die Zufuhr ab- zuschneiden. Schlietzlich sah sich die Stadt genötigt, zunächst die Hvchstpreile aufzuheben. Erfolg: am nächsten Marktlage wurde für Butler 2,50 bis 3,00 M., ja zuletzt 8,50 M. gefordert und Eier kosteten sechs Slück eine Mark. So rächte man sich für die Höchst- preise. Die.Tilsiter Allgem. Ztg." meint, datz diese Borkonmmisse ein grelles Lichl auf die Ohnmacht der Kommunen in Sache« der Preis- regulierung würfen und verlangt, datz sich die Regierung ins Mittel lege. Diese Forderung ist berechtigt, aber im vorliegenden Falle sollte sich zunächst einmal der Staatsanwalt bemühen. Hier liegt Wucher klar auf der Hand und den Lebensmittelwucherern sollten doch die bürgerlichen Ehrenrechte entzogen werden. Der Handel mit eingeführtem Getreide. Zu der Verordnung, daß alle eingeführten Getreide- und Futter- mitielmengen an die Zentraleinkaufsgesellschaft geliefert werden müssen, schreibt die„Nordd. Allg. Ztg.": Die Verordnung, betreffend die Einfuhr von Getreide, Hülsen- flüchten, Mehl und Futtermitteln vom 11. September 1915, be« zweckt, die Mißstände zu beseitigen, die sich bei der Einfuhr dieser Erzeugnisse entwickelt hatten.... Wie bekannt, ist die Verteilung der im Inland gewonnenen Mengen von Getreide, Hülsen- früchten und Futtermitteln Gegenstand einer umfassenden und bis in« kleinste sorgfältig durchgearbeitete« Regelung gewesen, deren Zweck eS ist. jedem das zuzuteilen, was ihm nach Lage der aT gemeinen WirtschaftsverhSllnisse einerseits, seiner besonderen Be dürfniste anderseits gewährt werden kann. Diese Ivohlabgewogene Regelung wird empfindlich gestört, sobald sreie Vorräte im Verkehr sind, die sich jeder— jedoch nur zu Liebhaberpreisen— verschaffen kann. Damit wird die Organisation unseres Wirtschaftslebens durch- löchert, und zwar letzten EndeS zugunsten derjenigen, deren Ver- hältniste eS ihnen gestatten, besonders hohe Preise anzulegen. Es erwies sich demnach notwendig, die Verteilung der bezeich ncten Erzeugnisse in eine Hand zu logen und sie einer Stelle zi übertragen, die ausreichende Gewähr für eine sachkundige Durch führung dieser Aufgabe bot. Dies ist der Grundgedanke der Verordnung vom 11. September, die in Verbindung mit der früheren Verordnmig vom 26. August über den Verkehr mit Hülsenfrüchten vorschreibt, daß alle ein- geführten Erzeugnisse der erwähnten Art an die ZenlraleiukaufS gesellschaft m. b. H. in Berlin zu liefern sind. Ilm allen Möglich leiten gerecht zu werden, ist zugleich der Reichskanzler(Reichsamt des Innern) ermächtigt worden, in geeigneten Fällen Ausnahmen zuzulassen. Der Handel, soweit er sich im Ausland betätigt, ist damit nicht ausgeschlossen. Es ist ihm lediglich in der P r e i s- fcstsetzung durch die ZentraleinkaufSgescllschast ein fester Maß st ab gegeben, den er bei seiner Kalkulation berücksichtigen wird. Die Preisprüfungsstelle für das Reich. Den Vorstand der neugeschaffenen PrüfungSstclle bilden: Unter- staatssekretär im Reichsamt des Innern Richter, Vorsitzender, Präsi- dent Kautz erster Stellvertreter, Mtnisterialitzrcktor Lusensky zweiler Stellvertreter, Geheimer Oberregierungsrat Jung Geschäftsführer. Dem Beirat gehören an die Vertreter der Einzelstaaten beim Bundesrat, ferner die Mitglieder des Reichstags: Graf v. Schwerin- Löwitz, Dr. Röficke(k.), Stnbbendorf(Rp.), Herold, Giesberts(Z.), Bassermann, Dr.Böhmesnatl.), Fischbcck,Wendorf(Vp.). B-hrendstWirt. Bg.), Seyda sPole), Robert Schmidt, Eberl. Außer- dem sind vertreten die Landwirtschaft, die Städte. Handel und Gc- werbe und endlich die Verbraucher, letztere durch die Herren: Ver- bandsdirektor Kortbaus- Berlin, AmtSrickiter a. D. Hetz- Berlin (Hauptverband deutscher gewerblicher Genossenschaft-nl, Dr. Crüger- Berlin, Fabrikant E. Nolte-Lüdenscheid(Allgemeiner Verband der Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften), Geschäftsführer Seifert- Hamburg, Dr. A u g u st M u l l e r- Hamburg(Zentralverband deutscher Konsumvereine). Universitälsprofessor Dr. Zimmermann- Lichtcrfelde, Redakteur Joseph Beckcr-Berlin(Kriegsausschutz jür Konsumenteninteresscn)._ Tie Buttertcncrung. Der Rat der Stadt Chemnitz hat mit Rücksicht auf die fort- gesetzte Steigerung der Buttcrpvckse beschlossen, nicht nur am Orte, sondern auch an den Bezngsorten den Ursachen der Steigerung nach- zugehen, um die Schuldigen eventuell zur Verantwortung zu ziehen. Die Stadt will auch bei der Regierung dahin vor- stellig werden, daß diese sich für Höchstpreise für das ganze Reich verwende. Zur gemoinsanien Abwehr der steigenden Milch- und Butterpreise bemühte sich die Aachener Stadtverwaltung seit längerer Zeit, eine Vereinbarung unter den rheinischen Groß- städten zustande zu bringen, durch die überall Höchstpreise für Milch und Butler festgesetzt werden sollten. Diese Bemühungen sind ge- scheitert. Die Folge davon ist, daß, um nur ein Beispiel zu nennen, die Preise auf, den holländischen Buttermärkten durch Händler und Agenten der rheinischen Großstädte fortwährend in die Höhe getrieben werden, und diese höheren Preise werden dann schnell auch zum Prcisregulator für die einheimische Pro- duktion. Mit der Milchversorgung ist es ähnlich. Von allen rheinischen Großstädten hatte Aachen allein einen Höchstpreis für Milch festgesetzt. Er betrug ab Laden oder frei Haus 24 Pf.; die Versorgung ging in befriedigender Weise vor sich und auch die Land- Wirte waren mit dem Preise zufrieden. Run erfolgten aber ständig lleberangebote anderer Städte und Händler im Bezugsgebicte Aachens, und die Aachener Milchvcrsorgung wurde gefährdet. Um dieser Gefahr vorzubeugen, war die Stadt gezwungen, den Höchstpreis auf 26 Pf. zu erhöhen, damit wenigstens die Erneuerung laufender Kontrakte gesichert ist. Freilich ist eine neuerliche Erhöhmig nicht ausgc- schloffen, wenn nicht die anderen rheinischen Großstädte entsprechende Vereinbarungen treffen. 300 Prozent Preissteigerung. Ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie ein gewiffer Teil der Landwirte und des Großhandels die Kriegskonjunklur wahrnimmt zum schweren Schaden für die konsumierende Bevölkerung, liefert der Weißkohl. Dieses Produkt wird reichlich, namentlich im Rhein- lande, erzeugt. In normalen Jahren kostet der Zentner davon ab Station durchschnittlich 80 Pf. Im vorigen Jahre stieg dieser Preis schon auf SV Pf. bis 1,20 M. Dieses Jahr nun wird durchweg für den Zentner der geradezu ungeheuerliche Preis von vier Mark gefordert I Das ist also eine Steigerung von 500 Proz. Bleibt es bei diesem Preise, wie nur zu sehr zu befürchten, dann kostet der Zentner im Kleinhandel mindestens 6 M. Das ist darauf zurückzu- führen, daß einmal noch Fracht und Spesen auf den Einkaufspreis kommen, dann aber, daß gerade beim Weißkohl stets durch Abfallen von Blättern und natürlichen Schwund ein großes Manko entsteht etwa 10 bis 15 Zentner pro Waggon. Totenliste der Partei. Ein Opfer des Weltkrieges geloorden ist im Alter von Ig Jahren Genosse Götze- Tilsit, Angestellter des Fabrikarbeiterverbandes. Der Verstorbene hat sich um die ostpreußische Arbeiterbewegung be- sonders verdient gemacht. Nicht nur seinem Verbände, sondern auch der Partei, dem Konsumverein und der proletarischen Jugend- bewegung hat er wertvolle Dienste geleistet. Er gehörte zum un- ausgebildeten Landsturm, wurde ausgebildet und vor Wilna wurde er schwer verwundet. An den Folgen dieser Verwundung starb er in einem Lazarett. So schnell geht das nicht. Einen Sonntag werden Sie sich noch vor dem Ansturni der Kolonne zurückziehen müssen. wohl Soziales. Ei« bedrängter Kolonneuführer. Als Führer einer Akkordmaurerkolonne hatte der Maurer Kleist einen Vertrag mit der Firma Held u. F r a n ck e ab- geschlossen, worin unter anderem bestimmt wird, daß je 25 Pf. von dem Akkordlohn für 1000 Steine einb. ehalten und erst nach Vollendung des ganzen Akkords ausbezahlt werden. Kleist hat die Arbeit lange vor ihrer Vollendung aufgegeben und den einbehaltenen Betrag deshalb nicht bekommen. Er klagte auf Aus- «ahlung desselben beim G e w e r b e g e r i ch t und führte aus, er habe die Arbeit gegen seinen Willen ausgeben müssen, lveil die Mitglieder seiner Kolonne als Menschen und Arbeiter io schlecht geartet seien, daß er mit ihnen nicht arbeiten konnte. Er würde gern auf den einbehaltenen Betrag verzichten, aber er werde von der Kolonne arg bedrängt. Er habe ein Schanklokal. Oort erscheine jeden Sonntag die Kolonne, sie mache furchtbaren Irach und verlange von ihm das Geld. 75 Pf. habe jeder nur zu ieanspruchen und dafür werde er so mit Lärm und Schimpfereien iedrängt, daß er schon mehrere Sonntage seinem Lokal ferngeblieben fei. Da der Anspruch des Klägers an dem von ihm eingegangenen Vertrage scheitein mußte, riet der Vorsitzende zu einem Vergleich. Aber davon wollte der Kläger nichts wissen. Ein Urteil sei ihm lieber— sagte er— damit er es seinen Akkordmaurern schwarz auf weiß zeigen könne. Das Gericht erkannte dann auf Ab- weisungderKlage. Als der Kläger hierauf bat, ihm das Urteil noch vor dem nächsten Sonntag zuzustellen, meinte der Vorsitzende begütigend: der Partei. Jahresbericht der schwedischen Sozialdemokratie. Aus dem soeben herausgegebenen Jahresbericht geht hervor, daß sich die Mitaliedcrzahl um rund 8000 erhöht hat und jetzt 84 410 beträgt. Dieser Mitgliederzuwachs ist das Resultat einer planmäßigen, umfassenden Agitations- und Organisationsarbeit. Roch in keinem Jahre sind so viele neue Parteivereine gegründet worden als in dem verfloffenen. Ucberall aus dem Lande hat die Partei neuen Boden gewonnen, selbst in solchen� Gegenden, wo man es nicht erwartet hatte. Im ganzen sind 27 neue Organisationen entstanden, und beim Abschluß des Jahres bestanden 780 sozialdemokratische Vereine in Schweden. Die rastlose Arbeit in den Organisationen hat auch gute Resultate gezeitigt. Bei den Kommunalwahlen in den Städten konnten trotz des sebr ungünsti- gen Pluralwablsystems, das dem einzelnen das Recht gibt, bis 40 Stimmen abzugeben, 66 neue Mandate erobert werden und in den Landgemeinden sogar 312. Im ganzen sitzen in den Städten 426 und in den Landgemeinden 754 sozialdemokratische Vertreter. In den übrigen kommunalen Institutionen, wie Schulkommissionen usw., sitzen im ganzen 4705 Genossen gegen früher 2691. Im Jahre 1913 gab es 145 sozialdemokratische Provinzialratsmitglieder, jetzt sind es 193. Während so die allgemeinen Parteivereine an Zahl und Mitglieder gewachsen sind, befinden sich die speziellen Vereine der weiblichen Genossen und die des immer selbständiger auftretenden Jugendverbandcs auf dem Wege des Rückganges. So hattstn am Jahresschluß alle sozialdemokratischen Frauen- vereine zusammen nur noch 838 und der Jugcndverbaud, der schon auf 13 000 Mitglieder gestiegen war, 7000 Mitglieder, die in 275 Vereinen verteilt find. Vorenthaltung der Jnvalidenkarte. Daß bei der Lösung des Arbeitsverhältnisses dem Ar- beiter die Jnvalidenkarte nicht sofort ausgehändigt wird, kommt öfter vor. Aber es handelt sich dann in der Regel um einen Irrtum oder ein Persehen auf der einen oder anderen Seite. Doch es passiert auch— wie ein Prozeß vor der Kamnier 3 des Gcwerbcgerichts zeigte— daß Angestellte großer Betriebe mit Absicht die Jnvalidenkarte zurückbehalten, um den Arbeiter dadurch zur Erfüllung an ihn gestellter Forderungen zu nötigen. 1. Der Zimmerer Grunow forderte von der Baufirma Held u. Francke wegen Vorenthaltuug der Jnvalidenkarte im Klagewcge 105 Mark Schadenersatz. Wie der Kläger dar- legte, war er auf einer Arbeitsstelle in Anhalt beschäftigt. Dort teilte er an einem Freitag dem zuständigen Angestellten der Firma mit, daß er am Sonnabend aufhören wolle, man möge also seine Jnvalidenkarle zurecht machen. Bei der Lohnzahlung am Sonn- abend erhielt der Kläger seine Karte nicht. Man schickte ihn nach dem Bureau einer anderen Baustelle, wo er die Karle holen sollte. Ob er sie hier geforderl hat, ist ziveiselhast. Der Kläger reiste, ohne seine Karte bekommen zu baben. nach Berlin. Vier Tage später er- hielt er aus Anhalt einen Brief, ivorin ihm der dorlige Vertreter der Firma mitteilt, er könne seine Invaliden- karte erst dann erhalten, wenn er einen ihm bei der Lohnzahlung nicht abgezogenen Vorschuß von M. zurücksende. Der Kläger, loelcher behauptet, die 6 M. seien ihm in Anhalt bereits abgezogen worden, ging mit dem Brief nach dem Berliner Bureau der Firma. Hier wurde ihm gesagt, man werde nach Anhalt telephonicrcn und die sofortige llebersendüng der Karte veranlassen. Trotzdem vergingen noch acht Tage, ehe der Kläger in den Besitz seiner Jnvalidenlarie kam. Der Prozeßverlreter der Firma erkannte an, daß hier ein Ver- chulden von Angestellten der Firma vorliege, iür da-s sie haftbar sei. Er verglich sich deshalb mit dem Kläger auf Zahlung von 05 M. 2. Dem Zimmerer Voß, der gegen die Aktiengesellschaft ür Beton- und Monierbau auf 60 Mark Schaden- er s atz klagte, ist die Jnvalidenkarte nicht ausgehändigt worden, anscheinend aus ähnlichen Gründen wie in vorstehendem Falle. Voß hat in Biesteritz gearbeitet. Bei seiner Entlassung hat ihm der dortige Vertreter der Firma statt der Jnvalidcnlärte einen Eni- läffuugsschein gegeben, aus dem drei oder vier Versicherungsmarlen, die in die Karte gehörten, ausgeklebt und entwertet waren. Mir diesem Schein in der Hand hat der Kläger versucht, Arbeit zu be- kommen, er ist aber abgewiesen worden, weil er die Jnvalidenkarte nicht hatte. Erst elf Tage nach seiner Entlassung bekam er die Karte.— Der Vertreter der beklagten Firma schloß vorbehaltlich des Widerrufs innerhalb dreier Tage einen Vergleich, wonach der Kläger 3 0 Mark erhalten solll Verlustlisten. Die Verlustliste Nr. 352 der preußischen Armee enthält Verluste folgender Truppen: Infanterie usw.: Garde: 1. und 2. Garde-Res.-Reg.; Garde- Füs.-Reg.; Garde-Jäger-Ers.-Bat. Lehr-Jnf.-Reg. Gren.-, bezw. Ins.-, bezw. Füs.-Regimeuter Nr. l, 2, 3, 4, 10, 14(f. auch Jus.- Reg. Nr. 149), 15, 19(f. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 222), 21, 26, 31 bis einschl. 35, 45, 63, 65, 66, 67, 70, 73, 81(f. auch Res.-Jnf.-Reg. Nr. 81), 86, 87, 90, 92. 99. 109, 118(s. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 222 1, 129, 130, 141, 143, 147, 149, 150, 151, 152, 157, 162, 164, 165, 176, 190, 352, 353, 357, 358, 361. Res.-Jnf.-Reaimenter Nr. 2, 3, 12, 19, 31, 34, 35, 66. 74, 81. 87, 93, 110, 201, 202, 214, 215, 216 (letztere drei s. Schwere Minenwerfer-Abt. Nr. 39), 222, 223, 234, 252. Ers.-Jnf.-Reg. Nr. 7(s. Jnf.-Reg. Nr. 352). Res.-Ers.-Jns.- Regimenter Nr. 2, 3 und 4. Landw.-Jnf.-Regimentcr Nr. 2, 4, 11, 12. 18. 19, 21. 32, 34, 37, 39. 46, 47. 51(s. auch Jnf.-Reg. Nr. 352), 53, 57, 65, 87, 199, 349. Landw.-Erf.-Jnf.-Regimenter Nr. 1. 2. 4(s. Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 349 1. Brig.-Ers.-Bataillone Nr. 5 (f. Jnf.-Reg. Nr. 358), 6 ls. Jnf.-Reg. Nr. 357). Landw.-Brig.-Ers.- Bataillone Nr. 13(s. Landw.-Ers.-Jnf.-Reg. Nr. 2), 26 und 27 (beide s. Landw.-Ers.-Jnf.-Reg. Nr. 1), 38. Landst.-Jnf.-Bataillone: 1 Cöln, Cosel, Gießen, II Gleiwitz, Hildesheim, II Jnsterburg. i Lätzen, 9. Münster, II Neuß. II Stade, 2. II Trier, Waldenburg. Laiidst.-Jnf.-Ers.-Bataillone: 5. des 6. Armeekorps(Cosel) und 1. Darmstadt. Landst.-Jnf.-Ers.-Komp. Jauer. Jäger- Bataillone Nr. 4 und 14; Rcs.-Baiaillone Nr. 2, 3, 4 und II. Radfabrer-Kom- pagnien Nr. 154 und 1. der Laudw.-Tiv. Königsberg; Res.-Kompagnien Nr. 75 und 77. Feld-Maschinengcw.-Züge Nr. 145(s. Res.- Jäger-Bat. Nr. 3), 210(s. Jnf.-Reg. Nr. 176), 238(s. Rep-Jäger- Bat. Nr. 3). Kavallerie: Ulanen Nr. 2. Feldartillerie: Regimenter Nr. 11. 14. 15. 17, 31, 34, 37, 40, 52, 80; Res.-Regimenter Nr. 13, 20, 25, 29; Landsü-Batteric des 17. Armeekorps. Fußartilleric: Mörser-Batterie Nr. 219. Schwere Küsten- mörser-Battcrie Nr. 3. Pioniere: I. Garde-Bat.; Garde-Ers.-Bat.; Regimenter Nr. 18, 19, 20, 23. 24, 25. 31: Bataillone: I. und II. Nr. 6, I. und II. Nr. 8, II. Nr. 11, I. und III. Nr. 16. I. und II. Nr. 17, I. und II. Nr. 21. I. Nr. 26. I. Nr. 27, I. und III. Nr. 28; Erf.-Bataillonc Nr. 3 und 26; Kompirgnien Nr. 108, 213, 221, 237, 304; Reü-Kompagnien Nr. 43, 48, 49, 85, 91; Landw.-Kompagnien: 2. des 4., 2. des 8. und 1. des 9. Armeekorps; 1. Landst.-Ers.-Komp. des 5. Armeekorps. Res.-Scheinwerfer-Zug Nr. 42; Leichter Festungs-Scheinwerfer-Zug Nr. 4. Leichte Minenwerfer-Abteilungen Nr. 201, 202, 212, 257; Mittlere Minenwerfer-Abteilungen Nr. 113, 114, 1 18.; Schwere Minenwerfer-Abteilungen Nr. 8, 19, 33, 37, 39. Vcrkehrstruppcn: Mil.itär-Eicsnbakndirekticnr Nr. 8. Fern- sprech-Abt. Nr. 36 des 3. Reservekorps. Feldfliegertruppe. Train: Res.-Div.-Brückeutrain Nr. 21 der 21. Res.-Tiv. Fuhr- parkkoloune Nr. 5 des 1. Armeekorps. Ueberplamnäßige Magazin- Fuhrparkkolonne Nr. 4 der 35. Ref.-Div. Sanitäts-Kompagnic Nr. 52 des 4., Rr. 1 des 5. und Nr. 1 des 7. Armeekorps. Armierungs- und Stratzerchau-Fornrationen: Armierungs- Bataillone. Straßenbau-Komp. Nr. 32. Depotvcrwaltung der Arrillcrie-Prüfungs-Kommission. *« Liste Nr. 1 der au? Frankreich zurückgekehrten, den kaiserlichen Schützte Uppen angehörenden AuS- tauschgefangenen und Liste Nr. 4 der aus Frankreich zurückgekehrten preußischen Austausch g,eefta»u.g�.n e n wird vcröfseutlicht. Der Schluß der baperi scheu Verlustliste Nr. 226� meldet Verluste der Res.-Jns.-Regimeuter Nr. 16. 17, 20, 21, 22; Landw.- Jnf.-Regiinenter Nr. 1, 2, 3, 5, 6, 7, 8; Ers.-Jnf.-Reg. Nr. 1; Brig.-Crs.-Batailloue Nr. 4, 5, 6, 7, 10; Landst..Jnf.-Bataillonc Kaiserslautern, Wasserburg, Weilheim; 2., 7., 8. Cbevaulegers-Reg.; Nes.-Kavallerie-Rcg. Nr. 5; 3., 4., 5., 6., 8., 10. Feldartillerie-Reg.; Gebirgs-Kanonen-Abt. Nr. 2; Res.-Feldart.-Reg. Nr. 1, 6; Landw.. Fcldart.-Reg. Nr. 6; Landw.-Feldart.-Abt. Nr. 3; Ers.-Feldari.- Reg.; Landst.-Art.-Abt. Nr. 1; 1. und 3. Futzart.-Reg.; Futzart.- Batterie Nr. 299; Res.-Fußart.-Regimenter Nr. 1, 2, 6; Landw.- Futzart.-Bat. Nr. 2; Fußart.-Bat.-Stab Nr. 211(Bat. Hoellcr); Pionier-Reg.; 1., 2., 3. Pionier-Bat.; Flieger-Abt. 1.4; Fernsprech- Abt. 2; Mittlere Mincmverfer-Abt. Nr. 104; Res.-Pionier-Bat. Nr�2; Mineurabt. Nr. 1(Ers.-Div.); 2. Landw.-Pionier-Komp� Res.-Arl.-Munitionskolonne 1; Landw.-Jnf.-Munitionskolonne Res.-Fuhrparkkolonne 4; Sanitäts-Komp. Nr. 2, 1. Armeekorps; Res.-Sanitäts-Komp. 1; Mobiler Transport-Zug Nr. 6. Berichti- gungen früherer Verlustlisten. Die württembergische Verlustliste Nr. 282 enthält Ver- luste des Gren.-Reg. Nr. 119; Nes.-Jnf.-Regimenter Nr. 119, 120; Landw.-Jnf.-Regimenter Nr. 120, 121; Jnf.-Reg. Nr. 124; Landst.- Jnf.-Bat. Calw; Feldart.-R«g. Nr. 13; 3. Feldpionier-Komp. Ver- luste durch Krankheiten. Berichtigungen früherer Verlustlisten. die Gliederung der Zeichnungen auf die dritte Kriegsanleihe. Die„Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Mehr noch als die beiden ersten hat sich die dritte Kriegsanleihe zu einer wahren Volksanleche gestaltet. Alle Schichten der Bevölkerung. Reiche und Arme, haben, jeder nach seinen Kräften, zn dem ungeheuren Erfolg der Anleihe beigetragen. Die Gesamtzeichnung von rund 12101 Millionen Mark besteht aus 3 351 746 Emzelzeichnungen, die sich nach der Größe wie folgt gliedern(die eingeklammerten Ziffern geben die Ergebnisse der zweilen und ersten Kriegsanleihe):_ bis von über 300 M. 600, 1100, 21ß0. 5100. 10100. 20 100, 50100. 100 100. 500 100, 1000 000. 200 M. 500. 1000. 2 000. 5 000, 10 000, 20 000, 50 000. 100 000, 500 000, 1000 000. Zahl der Zeichnungen 686 289 812 011 831 923 593 576 415 576 145 286 54 513 33 392 10 512 7 274 849 545 452113)( 581 470)( 660 776)>, 418 861)/ � ( 361 459) 180 903) 46 105) 26 407) 7 742) 4 361) 538) 325) 231 112) 241 804) 453 143) 157 591) 56 438) 19 813) 11 584) 3 629) 2 050) 361) 210) Betrag in Millionen Mark 107 348 811 899 1636 1 184 868 1 188 876 1801 709 1774 ( 71) ( 254) ( 604)1 ( 733)/ (1354) (1 057) ( 746) ( 926) ( 648) (1 066) 440) 162) l. ( 36) ( Hl) ( 687) ( 679) ( 450) ( 807) ( 410) ( 316) ( 509) ( 287) ( 869) 12 101(9 060)(4 460) zusammen 3 551746(2 691060)(1 177 235) Zu beachten ist dabei, daß die vorstehende Aufstellung noch nicht einmal die gesamte Zahl der Einzelzeichnungen zum Ausdruck bringt. Bekanntlich sind diesmal in weil größerem Um'ang als bei den früheren Kriegsanleihen durch Schulen, Bereine, Berufs- Vertretungen, Arbeitgeber usw. Zeichnungen gesammelt und in einer Summe an die Zeichnungs- und Vermittlungsstellen weitergegeben worden, sodaß sie ,n der Aufstellung nur als eine Zeichnung erscheinen, während sie tatsächlich eine große Zahl von Emzetzeichnungen enthalten. Ueber diese Sammelzeichnungen ist eine Erhebung eingeleitet worden, deren Ergebnis später veröffentlicht weroen wird. Die Verteilung der Zeichnungen aus die Zeichnungs- und VernnUlungsstellen ist schon bekanntgegeben, hat sich herausgestellt, daß unter den Beträgen, die den Zeichnungen bei Banken und Bankiers zugezählt worden sind, rund-80 Millionen Mark Zeichnungen bei Sparkassen enthalten find. Die gemeldeten Ziffern ändern sich dadurch wie folgt: Zeichnungen bei der ReickiSbank „, den Banken und Bankiers.... ,, den Sparkassen........ ,, den Lebcnsversicherungsgesellschaften ,. den Kreditgenossenschaften.... ., den Postanstalten....... 569 Millionen Mark 7 391 2 877 417 680 167 zusammen.. 12 101 Millionen Mark Die Zeichnungen der Truppen im Felde sind in obigen Zahlen nicht enthalten. Die Einzahlungen auf die IH. Kriegsanleihe erreichten bis zum 11. Oktober, also eine Woche vor dem erste« Pflicht- j Zahlungstermin, de» Betrag von 6803 Millionen Mark. Diphtherie-Merkblatt. Das im Kaiserlichen Gesundheitsamte bearbeitete, im Verlag von Julius Springer in Berlin herausgegebene Diphtherie-Merk- blatt(Einzelpreis 5 Pf., 100 Exemplare 8 M.) beschreibt in gemein- verständlicher Weise die Krankheit, ihren Verlauf, ihre Erkennung und Behandlung und bespricht die Uebertragung der 5krcmkheit, die Absonderung der Kranken, daS Verhalten deS Pflegepersonals, die Beseitigung der Ausscheidung, die Behandlung von Wäsche usw., die Desinfektion der Wohnung und die Beförderung von Diphtheriekrankcn. Nachstehend geben wir einiges aus dem Merk. blatt wieder, um weiteren Kreisen Kenntnis von dem Erkennen und von der Behandlung dieser ih-eimtückischen, ansteckenden Krank- bcit zu verschaffen. Bei kaum einer zweiten Krankheit ist so wie bei der Diphtherie schnelle Hilfe und sofortige Zu- ziehung eines Arztes erforderlich. Im Merkblatt heißt es: Die Diphtherie, auch bösartige Rachenbräune, brandige Bräune vder Halsbräune genannt, ist vorzugsweise eine Erkrankung des Kindesalters; sie befällt jedoch auch Erwachsene. Die Diphtherie ist eine ansteckende Krankheit; sie wird durch eine bestimmte Baktiercnart, den Diphtheriebazillus, hervorgerufen. Die bei Hühnern, Tauben und Kälbern beobachteten, als Diphtherie be- zeichneten Erkrankungen sind von der Diphtherie deS Menschen verschieden und auf Menschen nicht übertragbar. 1. Verlauf der Krankheit. Die Erkrankung an Diphtherie tritt gewöhnlich 2 bis 5 Tage nach Aufnahme deS Ansteckuugsstofss auf. In der Regel beginnt die Krankheit mit Eingenommenfein des Kopfes, Hitzegefühl(Fieber) und allgemeiner Mattigkeit, häuf-g verbunden mit Halsschmerzen und Schlingbeschwerden; die Zunge ist dick belegt. Im Halse sieht man zu dieser Zeit zuweilen nur Rötung und Schwellung der Mandeln und der Rachcnschleim- haut, häufiger aber grauweiße Flecke oder gar mitzfarbigen Belag auf den Mandeln. Beim Betasten der Unterkicfergegend findet man die Drüsen geschwollen und schmerzhaft. Im weiteren Verlaufe der Krankheit kann der Belag mehr oder weniger rasch au Ausdehnung gewinnen und in schweren Fällen auf das Zäpf- chen, den Gaumen, die Nasenschleimhaut(Nasendiphtherie) sowie auf den Kehlkopf(Kehlkopfdiphtherie, diphthcritischer Krupp) über- greifen. Meist wird der Kranke von heftigen Schmerzen im Halse gequält, die Zunge ist trocken, er klagt über großen Durst, fiebert mehr oder weniger heftig; der Atem ist übelriechend, Eßlust fehlt. Bei günstigem Verlaufe sinkt das Fieber bald, der Belag löst sich und wird oft in hautartigen Stücken ausgestoßen. In solchen Fällen kann die Krankheit innerhalb einer Woche in Genesung übergehen. Jedoch stellen sich nach Ablauf der eigentlichen Krank- hat nicht,-selten Folgezustände(Nierenentzündung, Herzschwäche, Herzlähmung und Lähmung verschiedener Muskeln, namentlich der- jenigen des Schlundes und gewisser Augenmuskeln) ein, von denen einige mit ernster Gefahr für das Leben verbunden sind. Daher ist für den Genesenden noch mehrere Wochen lang große Schonung notwendig. In ungünstig verlaufenden Fällen liegt häusig der Kranke mit fahler Gesichtsfarbe matt und teilnahmslos, wie schwer der- giftet, da und unter allmählicher Abnahme der Herzkraft tritt der Tod ein. In anderen Fällen nimmt der Bciag in den Luftwegen vst unerwartet rasch zu, so daß diese mehr und mehr verengt wer- den; es entsteht heftige Atemnot, das Gesicht erscheint stark ge- dunsen, die Lippen blaurot, Ein« und Ausatmung sind von einem lauten, sägenden Geräusche begleitet. Die Kranken sind vor Angst kaum inr Bette zu halten. In diesen Fällen vermag meist nur noch ein schleuniger operativer ärztlicher Eingriff(Luftröhrenschmti) die Atemnot zu linbern und da» Leben zu erhalten. Tie Krankheit kann auch in dem Kehlkopf, der Nas« oder an anderen als den obengenannten Stellen des Körpers zuerst auf- treten. So beginnt die Diphtherie zuweilen mit heiserem, bellendem Husten oder sie fängt, namentlich bei Säuglingen, mit einem hef- tigen, von reichlichem Ausfluß auS der Nase begleiteten Schnupfen an. Neben den schweren Erkrankungen kommen, wie bei allen übertragbaren Krankheiten, auch bei der Diphtherie solche mit leichten Erscheinungen und geringen Bescbwerden vor. Derartig leicht erkrankte Personen werden um so mehr zu einer Quelle der Ansteckung, ms sie häufig den Verdacht auf Diphtherie nicht er- wecken und unbehindert mit anderen Personen verkehren. 2. Erkennung»nd Behandlung der Krankheit. Fühlt sich ein Kind nicht wohl, so versäum« man nicht, ihm in den Hals zu sehen, etwa unter Zuhilfenahme eines Löffels, mit dessen Stiel der Zungenrücken schonend niederzudrücken ist. Sträubt sich ein Kind, den Mund zu öffnen, so führt vorübergehendes leichtes Zusammen- drücken der Nasenflügel am einfachsten und schnellsten zum Ziele; die Kinder öffnen bei verhinderter Nasenatmnng den Mund ohne Zwang von selbst. Bei der Untersuchung hüte man sich davor, daß man von dem Kranken angehustet wird. Sieht man eine stärkere Rötung oder einen granweißen Belag, so ziehe man u n- verzüglich einen Arzt zu Rate. DieS tue man auch bei Ver- dacht auf Kehlkopf- und Nafendiphtherie. So lange eine Diphtherie-Epidemie herrscht, empfiehlt eS sich, Kindern täglich in den Hals zu sehen, selbst wenn sie keine krank- haften Erscheinungen zeigen. Auch sollte man die Kinder früh- zeitig mit dem Gurgeln vertraut machen, damit sie gegebenenfalls von dem ärztlicherseits verordneten Gurgelwasser Gebrauch machen können. DaS beste Heilverfahren bei Diphtherie ist die Einspritzung von Diphtherieheilserum. Je frühzeitiger es angewendet wird, um so günstiger sind die Aussichten auf Heilung. Ueber die Natur der Krankheit gibt nur eine bakteriologische Untersuchung der Beläge und des Nasenschleims sichere Auskunft; sie sollte daher in jedem Falle veranlaßt werden. Staatliche oder städtische Anstalten, in denen eingesandtes Material kostenlos untersucht wird, sind in allen größeren Verwaltungsgebieten vor- handen. Diphtheriekranke sind möglichst bald von der Umgebung, namentlich aber von Kindern, abzusondern und am besten einem Krankenhause zu überweisen, damit die anderen Familienmitglieder nicht angesteckt werden. Die Ueberführung in das Krankenhaus ist auch im eigenen Interesse des Patienten wegen der nicht selten plötzlich«intretenden Lebensgefahr zu empfehlen; sie wird jeden- falls dann dringend ratsam, wenn dem Krauken ein eigenes Zimmer nicht eingeräumt werden kann oder besonderes Pflegepersonal nicht zur Verfügung steht oder eine Uebertragung auf weitere Kreise zu befürchten ist, wie in Schulgebäuden, Erziehungsanstalten, Gasthäusern. Wirtshäusern, Pflege-, Straf- und sonstigen An- stalten, Milch- und sonstigen Lebensmittel-Handlungen usw. Besuche in den Familien Kranler sind zu vermeiden. Das Küssen von Kranken und Genesenden ist gefährlich und deshalb zu unterlassen. Selbst bei leichtem Krankheitsoerlaufe sind die ge- sunden Kinder aus einem Haushalt, in dem sich ein Diphtherie- kranker befindet, von jedem Schul- und Unterrichtsbesuch und vom Verkehre mit anderen Kindern auf Straßen und Plätzen sernzu- halten. Auch die erwachsenen Angehörigen des Kranken sollen den Perkehr mit fremden Kindern unterlassen. Dem Leiter der Schule ist von dem Erkrankungsfalle sofort Meldung zu machen, damit zum Schutze der übrigen Kinder rechtzeitig Vorbeugungsmaß- regeln getroffen werden können. Bei Kindern, welche mit Di- phtheriekranken in Berührung gekommen sind, ist täglich der Hals zu untersuchen; bei verdächtigen sbraukheitSerscheinungen ist sofort der Arzt zu benachrichftgen. Mus Groß-6erlm. /ws dem Kapitel öes Mietrechts. Die Wohnungsfrage für Kriegerfraucn spielt im öffcnt- liest ai Leben eine ausschlaggebende Rolle. Wohnen müssen die Knegerfamilien jetzt so gm wie in Friedcnszeitcn. Der Mann steht im Felde, sein Einkommen, aus dem die Miete bestritten wurde, ist fortgefallen. In den weitaus meisten Fällen sind die Frauen der im Felde Stehenden auf Unterstützungsmittel angewiesen. Einkommen aus gewinnbringender Beschäftigung deckt in den wenigsten Fällen alle Ansprüche, die an eine ran, zumal wenn Kinder vorhanden sind, gestellt werden. oweit Miethilfe durch die Gemeinde gewährt wird, ist sie in der Hauptsache nicht so hoch, um die gc- samte Miete zu decken. Nur bei ganz kleinen Wohnungen mag die Mietunterstützung zur Miete voll ausreichen und auch nur dann,>venn keine Kinder vorhanden sind. So kommt es, daß je länger je mehr sich Mietreste anhäufen, die fast ständig zu Differenzen zwischen Vormieter und Mieter Anlaß geben. Denn auch hinter den Hauswirten stehen wieder Hypothekcngläubiger, die ihre Zinsen verlangen. Ein Wechsel der Wohnung der Kriegerfran wird besonders dann schwierig, wenn Mietreste vorhanden sind. Ter Hanswirt kann auf die Mietschuld nicht verzichten, die Kriegerfrau hat kein Geld, um die Mietschuld zu zahlen. Der Wirt klagt und hält sich schließlich an die pfändbaren Gegenstände. Es häufen sich auch die Fälle, daß Frauen ohne weiteres die bisherige Woh- nung verlassen, nur anderweitig zu mieten. Es ist die Frage aktuell geworden, ob die von der Stadt gezahlte Mietbeihilfe dem alten oder dem neuen Hauswirt zu zahlen ist, wenn der Mietvertrag nicht ordnuitgsgemäß gelöst ist. Unserer Meinung nach ist die Antwort sehr ein- fach. Die Micthilfe der Stadt wird gegeben, um die Wohnungsmöglichkcit der Kriegerfrau zu erleichtern. Sie kann also nur gegeben werden an den Hauswirt, der Kriegerfraucn Wohnung gibt, nicht aber dem, der sie gegeben hat. Die Auseinand�setzung zwischen früherem Hauswirt und seiner Mieterin ist eine Sache für sich. Es ist kein Zweifel, daß bei der jetzigen Situation beide Teile leiden. Es kommen auch andere Fälle vor, die dem Hausbesitzer Kopfschmerzen bereiten. Ein solcher Fall wird im Briefkasten des„Grundeigenftini" wie folgt behandelt: „Frage: Die Ehefrau des zu einer immobilen Truppe eingezogenen Ehemannes mietete am 6. Februar p. 1. April d. F. in meinem Hause eine Wohnung und zahlte sogleich a konto der ersten Mietrate 4 M. an. Sie hat auch neben dem im Miel- vertrag üblichen Paragraphen auf meine an sie gerichtete Frage noch mündlich Versicherl, daß die einzubringenden Möbel ihr Eigentum seien und daß sie von ihrem Ehemann die Genehmigung hat. für sich und ihre Familie Wohnung zu mieten. Die Mieterin hat aber die Wohnung ohne Angabe eines Grundes am 1. April nicht beziPen und eine andere Wohnung im Vorort gemietet und auch bezogen. Infolgedessen habe ich gegen die Mieterin zunächst aus Zahlung der Aprilmiete und in einem zweiten Prozeß auf Zahlung der Maimiele gellagt. Auf Grund der inzwischen rechtskräftig gewordenen Urteile habe ich in der jetzigen Wohnung der Ehesrau(Mieterin) pfänden lassen. Jetzt richtet der in Königsberg bei einer Armierungstruppe eingezogene Ehemann unter Beifügung einer eidesstattlichen Versicherung seiner Ehcfrcpl und eines nahen Verwandten die Aufforderung an mich, die Möbel, die nicht seiner Frau, sondern ihm gehören, freizugeben. Inzwischen hat der Ehemann einen Einstellungsbeschluß erwirkt und durch s�lnen Anwalt Jntelvcntionsktage gegen mich auf Freigabe der Pfand- stücke erhoben. Soll ich mich nun aus den Jntervcntionsprozeß einlasscu oder freigeben? Ist der von der Ehefrau geschlossene Miel- Vertrag rechtsgültig und uir den Ehemann rechtsverbindlich? Muß der Ebemann den. mit der Ehefrau in Ausübung ihrer Schlüßelgewau abgeschlossenen Mielvertrag nachträglich anerkennen, auch wenn die Ehefrau die gemietete Wohnung grundlos nicht bezogen hat? Was kann ich mit dem erstrittenen rechtskräftigen Urteile gegen die Ehe- stau anfangen? Kann jetzt nachträglich gegen den Ehemann, Ivelcher zur Erhaltung der Frau und Familie— ivozu doch sicherlich auch eine Wohnung gehört— verpflichtet ist, Klage auf Mietzahlnng mit Erfolg erhaben werden, oder kann schon in dem Jnterveiüions- Prozesse Widerklage erhoben werden, daß der Ehemann den Miet- vertrag seiner Frau anerkennen muß? Kann ich mich eventuell auf die erweiterte Schlüsselgewalt der Ehefrau in Kriegszeiten stützen, zumal der Ehemann durch Mietung der notwendigen Wohnung seitens der Ehefrau stricht unbillig ausgenutzt worden und in keine schwierige Vermögenslage geraten ist. Der Syndikus gibt darauf folgende Antwort: Bei der Be- antwortung Ihrer Frage kommt es in der Hauptsache darauf an, ob die Ehestau wirklich Vollmacht von ihrem Ehemann gehabt hat oder nicht. Hatte sie Vollmacht, dann hat sie den Ehemann auch mit verpflichtet und der Ehemann kann zur Duldung der Zwangsvollstreckung sogar in das eingebrachte Vermögen seiner Frau und in sein eigenes verurteilt werden. Selbstverständlich kann er in diesem Fall nicht als Jntervenient für seine Möbel austreten. Hatte die Ehestau jedoch keine Vollmacht ihres Ehemannes zur Abschließung eines Mietvertrages, so können Sie sich auch nur an die Frau halten und der Mann ist berechtigt, der Zwangsvollstreckung in seine Gegen- stände zu widersprechen. Ihre Annahme, daß die Frau im Nahmen der Schlüsselgewalt gehandelt haben konnte, als sie den Mietvertrag abschloß, kann ich nicht bestätigen, da das Abschließen eines Miel- Vertrages nicht zu dem häuslichen Wirkungskreise der Frau gehörig angesehen werden kann." Man ersieht aus diesen Darlegungen, wie verzwickt das Mietrecht ist und welche Fragen sie selbst dem Juristen stellt. Ob der pfändende Hauswirt einen wirklichen Schaden durch Nichtbezug der gemieteten Wohnung gehabt hat, und ob die Vornahme der Pfändung unbedingt notwendig war, können wir nicht nachprüfen. In sehr vielen Fällen weigern sich Hauswirte, an Krieger- stauen zu vermieten, anstatt gegen Kriegerfraucn zu klagen, weil sie die Wohnung nicht beziehen. Fflcischcrsatz. Neuerdings wird ein Präparat unter dem Namen.Fleischersatz' in den Handel gebracht, über welches das Reichsamt des Innern jetzt an die Bundesregierungen und Landratsämter folgende Ver- 'ügung erlassen hat: .Aus einer Eingabe der Fleischersatz-Zentrale in Charlotten- bürg, Wilmersdorfer Str. 74, haben wir ersehen, daß sich diese Firma zwecks Verwertung ihres Verfahrens zur Herstellung eines �genannten Sparfleisches(Fleischersatzes) an die Regierungen und Magistrate gewandt hat. Nach den Ermittelungen handelt es sich um ein Unternehmen deS Bäckermeisters Friedrich Nichter in Charlottenburg, dessen Ver- fahren im wesentlichen darin besteht, Blut von Schlachttieren unter Zusatz von Wasserstoffsuperoxyd zu erhitzen, um es zu entfärben (bleichen) und zu einer festen Masse gerinnen zu lassen, die als Er- satz für Fleisch bei der Herstellung von Wurstwaren, Hackbraten, Fleischllößen und dergleichen Verwendung finden soll. Die ganze Art der Reklame erweckt den Eindruck, daß Richter unter dem Deckmantel der Fürsorge für die ä rm ere B ev ö lk erun g zur Linderung derFleisch- not sein Verfahren geschäftlich ausbeuten möchte. Da sich das Blut der Schlachttiere nach den bewährten her- kömmlichen Verfahrensarten erheblich billiger und einfacher der menschlichen Ernährung zugänglich inachen läßt, liegt für daS Richteriche Verfahren kein Bedürfnis vor. Es ist sogar zu besorgen daß es zum Verfälschen der in Betracht kommenden Nahrungsmittel Anlaß bietet. Jedenfalls ist von einer amtlichen Förderung der Bestrebungen der Fleischersatz- Zentrale ab zusehe n." Der Landrat in Lieguitz schließt an die Bekanntmachung des ministeriellen Erlasses die folgende Verfügung: .Die Polizeiverwaltung zu Parchwitz sowie die Herren Amts- Vorsteher des Kreises ersuche ich, daß Fleischermeisjer, die das Richtersche Verfahren erwerben und anwenden, ihre in Betracht kommenden Erzeugnisse im Sinne von Z 10 deS Gesetzes, betr. den Verkehr mit Nahrungsmitteln und Gebrauchsgegenständen, vom 14. Mai 1879(R. G. Bl. S. 14S) einwandfrei kennzeichnen, damit die Bevölkerung nickt dadurch durch Täuschung übervorteilt wird.' Die Verfügung des Reichsamts des Innern ist aber durchaus unzureichend. Die Besorgnis allein, daß das Fleischersatzmiltel zur Verfälschung der Nahrungsmittel dienen könnte, hilft uns nicht über die Tntsache hinweg, daß dieses bereits geschieht und weiter geschehen wird, wenn nicht ein Erlaß veröffentlicht wird, daß der.Fleischersatz" gewerblich nicht in den Handel gebracht und ver- arbeitet werden darf, wenn das hergestellte Produkt leine genügende Deklaration aufweist. Der Landrat von Liegnitz trifft in seiner Be- kanntmachung vollkommen das Richtige. Notwendig ist aber, daß die Deklaration von Reichs wegen vorgeschrieben und die nähere Bc- Zeichnung der Deklaration bestimmt wird. Es gilt die Konsumenten vor großer Uebervorteilung zu schützen. Auf die Produzenten wird die Warnung allein nicht viel Eindruck machen, bei diesen ist bc- lanntlich der Profit der ausschlaggebende Teil. Städtisches Hammelfleisch. In den städtischen Fleischftänden der Markthallen wird je nach den Vorräten frische? Hammelfleisch zum Verkauf gelangen. Die Preise sind vom Magistrat wie folgt festgesetzt: Keulen mit Bein, Rücken und dicke Rippe 1,30, Dünnung 1,20 per Pfund. Für den Hammelfleischvcrkauf gelten dieselben Anordnungen welche für den Gestierfleischverkauf getroffen sind. Insbesondere findet die Abgabe nur gegen Vorlegung der AuSweiSkarte statt. Die ärztliche Behandlung von Kriegerfamilien. Im Hinblick aus die Beschlußfassung eines Ausschusses der Stadtverordnetenversammlung über die ärztliche Behandlung von Kriegerfanrilien durch die Armenärzte, hat im Namen der Aerzte« schaft der Aerzteausschuß von Groß-Bsrlin Einspruch dagegen erhoben 1. daß die Behandlung von erkrankten Familienmitgliedern ausschließlich Armenärzten übertragen wird, 2. daß, wie bisher, die Hilfe unentgeltlich zu erfolgen hat Nich: nur im Interesse der Aerzteschaft. sondern ganz besonders in dem der Familien der Kriegsteilnehmer, fordert der Aerzte- ausschuß: 1. daß über die zu zahlende Vergütung eine Verein. b a r u n g mit der Vertretung der gesamten Aerzteschaft Berlins erfolgt; 2. daß die Behandlung der Familien sämtlichen Ber- liner Aerzteu, die sich mit den zu vereinbarenden Be- dingungen einverstanden erklären, übertragen wird. Diese Regelung ist in den Vororten Berlins, Charlottenburg. Neukölln, Pankow, Schöneberg, zur allgemeinen Zustiedenheit bereits durchgeführt worden. Was diesen»Vororten' möglich ist, wird gewist der Königlichen Haupt- und Residenzstadt Berlin nicht unmöglich sein. Den Angehörigen der Kriegsteilnehmer den Stempel der Ortsarmen aufzudrücken und ihnen den Arzt ihres jahrelsngcn Vertrauens zu nchnien, wird als unangemessen verworfen. Für die Unzufriedenheit, die bereits jetzt in diesen Kreisen besteht, liegen Beweise vor. Die Stadtverordnetenversammlung, die sich am heutigen Donner?- tag mit der Angelegenheit zu befassen hat, wird die Sache zur noch- maligen Beratung an den eingesetzten Ausschuß zurückgeben, um die Einwände der Aerzteschaft zu prüfen. Hin Schwindler, der eS auf arme Leute abgesehen hat, treibt seit einiger Zeit sein Unwesen. Er tritt als Diener wohlhabender Leute ayf, kommt zu Handwerkern und bestellt sie angeblich im Aus« trage seines Dienstberru zur Ausführung dieser oder jener Arbeiten nach dem Hause seines Auftraggebers. An anderer Stelle erschien der Gauner mit der Frage, ob jemand, den er mit Namen nennt und der auch auf dem Grundstück wohnt, nicht zu Hause sei, weil auf Klopfen nickt geantwortet werde. Er bittet dann, ihm einen Brief mit 100 M., die der Betreffende cflS Unterstützung von seiner Dienstherrin bekommen solle, zu übergeben. AH5 Unterpfand, daß der Brief auch wirklich besorgt werde, läßt er sich dann von den Leuten, die selbst nichts übrig haben, zwei Mark oder noch mehr geben. Der Brief culhält immer nur Papierschmpstl oder anderes wertloses Zeug. Der Kniff ist dem Gauner schon in mehr als dreißig Fällen gelungen. Kleine Nachrichten, Eine Falschmünzerin, die falsche Fünfmark- stücke in Umlauf brachte, ist von der Neuköllner Kriminalpolizei dingfest gemacht worden. Es handelt sich um die 21jährige Stickerin Wanda Mayer, die in der Berthclsdorferstraße in Neukölln eine gut eingerichtete Falschmünzerwerkstatt betrieb. Diese ver- brecherische Kunst will sie von ihrem jetzt in Rußland gefallenen Bruder Roman Mayer gelernt haben.— Mit Leuchtgas vergiftet hat sich die 33 Jahre afle Wltwe Elise Eltze aus der Kopenhagcner Straße 10. WaS die Frau zu dem Selbstmord getrieben hat, ist noch nicht bekannt._ Mus öen Gemeinöen. Städtischer Lebensmittelverkauf in Neukölln. In den städtischen Berkaufsstellen: Richardstr. 01, Steinmetz- straße 12, Weserstr. 203, Hermannstr. 22, Warthestr. 8, werden von jetzt an nachstehende Lebensmittel veriauft: Fleischkonserven: Rindfleisch Büchse 1,30 M„ Misch- fleisch Büchse 1,40 M,, Schweinefleisch Büchse 1,45 M. Gemüse: Weißkohl Pfund 7 Pf., Wirsingkohl Pfund 10 Pf,, Kohlrüben Pfund 0 Pf., frische Eier Stück 17 Pf. Eier werden pro Tag und Familie höchstens 15 Stück ausgegebeu. Isländer Fettheringe werden zum Preise von 12 Pf. pro Stück nur noch so lange ausgegeben, als der Vorrat reicht. Der Verkauf von Heringen aus der neuen Ernte wird voraussichtlich Anfang nächster Woche stattfiitden können. Die Preise für diese Heringe itehen noch nicht fest, Die Verkaufsstellen sind geöffnet von 8—12 Uhr mi* von 3—8 Uhr. Tätigkeit des Neuköllner Mieteinignngsamts. Nach der dom städtischen SNieteinigungSamt Neukölln auf- yestelllen Uebersicht über die Geschäftstätigkeit vom 1. Januar bis 30. September 1915 wurden in diesem Zeitraum 3078 neue Anträge ans Meteinigimg gestellt und zwar 1120 schriftlich und 1958 münd- lich. Von diesen Anträgen wurden 412 vor oder während der Ver- Handlung vor dem EinigungSamt zurückgezogen, in 205 Fällen erfolgte eine Vertagung. Von den verbleibenden 2401 Sachen, die zur endgültigen Erledigung gelangten, scheiterte in nur 209 Fällen die Anbahnung eines Vergleichs, während in 2113 Fällen ein Ver« gleich geschlossen wurde. 133 Sachen sind noch nicht zum Abschluß gelangt. Die vergleirpsweisc erledigten Anträge betragen also etwa 93 Proz. sämtlicher 2208 erlcdigteir Sachen. Jir dem gleichen Zeitraum sind an 129 SitzungStagen insgesamt — mit Einschluß der Vertagungen— 8382 EiniguiigSverhandlungcn abgehalten worden, durchschnittlich also 20 in jeder Sitzung. Von dem königlichen ÄmtSgenchl Neukölln wurde außerdem in 139 Mictstreilsachen ein Gutachten des MicteiniguiigSamteS über die Gewährung einer Zahlungsfrist und die Beseitigung der Ver- zugSiolgen eingefordert. Air vermissen in dem Bericht eine Angabe über die Höhe der Mienorderungen, die den Klagen zugrunde lagen, und der Höhe des bewilligten Mietnachlasses. DaS ist schon deshalb notwendig, weil von Neukölln in, Otegeiiiatz zu anderen Gemeinden ein bestimmter pcozeuiualer Mietnachlaß nicht gefordert wird. /jus öer Krauenbewegung. Die New Yorker Polizisten für das Franenstimmrecht. Im allgemeinen wird man die Polizisten kaum zu den fort« schrittlichsten Menschen rechnen. Aber die Polizisten der Weltstadt Neiv Zork. die hohen wie die.niedrigen Beamten, scheinen eine ÄuS- nähme zu machen. Nachdem sich vor einer Woche der NnterstützungSverein der Polizeileutnants dieser Stadt für daS Frauenstimmrccht ausgesprochen, haben fich nunmehr auch die Mannschaften dafür erklärt. Ihr Per- bmrd, der Unterstützungsverein der Polizisten, der 9000 Mitglieder zählt, hat einstimmig folgende bemerkenswerte Resolution ge- faßt: .Da daS Frauenstimmrecht keine Parteisrage, sondern eine Frage der Gerechtigkeit und der Deniolratie ist, die die Männer des Staates New Dork bei der am 2. November statt findenden Wahl zu entscheiden habe». Und da die Frauen von New Dork ebenso intelligent, patriotisch und gesetzachtcnd sind wie die vier Millionen Frauen, die heute Oi zwölf Staate» der Union mit gleichem Stimmrecht, die beinahe die Hälfte des Gebietes der ganzen Vereinigten Staaten um- fassen, wählen. Und da wir aus unserer Praxis als Polizeibeamte wissen, daß die Frauen im Vergleich mit den Männern selten das Gesetz miß- achten oder verboeckerisch sind und weniger als 0 Proz. der Per- brecher umfassen, die im ganzen Lande auf öffentliche Kosten in Gefängnissen eingesperrt werden müssen. Und da wir glauben, daß unsere Interessen al? öffentliche An- gestellte direlt beschützt werden durch die Stimmen der Frauen unserer Familien, die bei allen Fragen, die unser Wohlergehen im öffent- lichen Dienste betreffen, mit uns sind, beschlossen wir daher: Der UnterstützungSPerein der Polizeibeamien der Stadt New York unterstützt die Bestrebungen der Krauen nach politischer Gleichheit und fordert seine Mitglieder auf, am 2, November 1915 für das Frauenstimmrechtsamendement zu stimmen." Wie die Frauen versichern, werden sie in ihren Straßen- Versammlungen, die jetzt überall in New York abgehalten werden, von den Polizisten aufs beste unterstützt. Die Polizeibeamten der alten Welt konnten in dieser Sache von ihren New Yorker Kollegen manches lernen._ Ms aller Welt. Ein KricgSabcuteuer im afrikanischen Busch. Ter»Berl. Polksztg." entnehmen wir nachstehende interessante Schilderung: Amerikanische.Heitlingen enthalten die Wiedevgabe eines Briefes, der in London aus Afrika eingetroffen ist, in den, eine eigenartig« Episode des dortigen Krieges mitgeteilt wird. Leut- nant E. H. B u r t vom Mtddlcsex-Niegiment schreibt darüber fol- gendes: .Ter dicke Busch in Afrika ist für den Kampf außerordentlich ungeeignet, und die Kämpfe darin siitd geradezu schrecklich. Man ist infolge de» schwierigen TerrainS gezwungen, einzeln borzugehen, und wir kommen höchstens eine Meile(englische Meile) in der Stunde vorwärts. In einem derartigen Urwald hatten wir ein eigenartiges Zusammentreffen mit Sihinozerossen, die uns plötzlich attackierten. Wir waren gerade über einen ver- trockneten Fluß gegangen und erstiegen einen Hügel, alle infolge der großen Anstrengungen mehr schläfrig als wach, als ich plötzlich ein furchtbares Hilfsgeschrei hörte und ein gräßliches Durchein- ander zu meiner Rechten wahrnahm. Der Himmel war bewölkt und im Busch war es dunkel, so daß ich kaum unterscheiden konnte, was denn eigemlich vorging, bis ich die Gestalt eines riesigen Rhinozerosses wahrnahm, das unter meinen Leuten hecumtram- Welte. Bei der Attacke hatte das Üihinozeros die Träger des Ma- schinengewehrS über den Haufen gerannt, worauf alle anderen Träger voller Schreck ihre Lasten hinwarfen und in den Unvald entflohen. ES war eine schöne Bescherung, und die NunitionS- schachteln flogen nach allen Richtungen durch die Luft. Wir fingen gerade an, die Lasten und das Gepäck wieder zu sammeln und uns zusammenzufinden und zum Marsche neu zu formieren, als wir wieder ein scheußliche« Brüllen hörten und die Büsche in unserer Nähe krachten. Sofort warfen die Träger das Gepäck hin und suchten Deckung, aber das wilde Vieh raste direkt über sie weg. Wiederum entstand ein grenzenloser Wirrwarr, und die Neufocmie- rnng nahm nunmehr tüchtig Zeit in Anspruch, denn die Lastträger waren auf Nimmerwiedersehen entflohen. Als endlich die Kolonne fertig stand, raste ein drittes Rhinozeros direkt durch unser« Mitte. Ich selbst war mit einem Sergeanten in ein Dickicht geschleudert worden, während die Avantgarde den Versuch gemacht hatte, auf Bäume zu klettern und andere sich flach auf die Erde gelegt hatten. Tie Neger machten voller Strecken förmlickes Wettllettern auf die Bäume. Helme und AusrüstungSgegenstände flogen nach allen Züchtungen umher, und es war ein gräßliches ChaoS. Unser Sammeln dauerte nunmehr längere Zeit, und eS war sehr schwierig, die Leute, von denen einzelne verwundet waren, wieder zusammen zu bringen. Die Träger aber waren spurlos verschwunden." Ein weiblicher Briefträger verurteilt. Wie dem„Berl. Tageblatt" au» Halle geschrieben wird, hatte sich vor der dortigen Straf- kämm er die Briefträgerin Anna Dippe an» Quedlinburg wegen Beraubung und Unterschlagung von Jeldpostsendungen zu verantworten. Psychologisch interessant sind die Gründe, die die Angeklagte für ihr Vergehen anftihrte. Die Feldpostbriefe hat sie geöffnet, nm Näschereien herauszunehmen; ein Paket hat sie zurück. gehalten, weil daraus eine gestickte Decke mit einem sehr hübschen Muster hervorgeschaut habe; andere Briefe bat sie erbrochen au» tlteugier, da sie wissen wallie, mit wem die ihr bekannten Adrcssa- tinnen korrespondieren; fünf Briefe, die man unter einer Prome- nadcnbank gefunden und die zur Entdeckung der Straftaten ge- führt hatte», will sie verloren haben, als sie sich bei einem Dienst- gang in der Dämmerung mit einem Soldaten dort zum Verweilen niedersetzte. Da» Gericht sah das Treiben der Angeklagten ftir gemeingefährlich an und erkannte auf sechs Monate Ge- t ä n g n i». Schlagwetterexplosii», auf Zeche Konkordla. Auf der Zeche Kon- kordla in Oberhausen(Rheinland) entstand eine Schlagwetterexplosion. Es fanden dabei zwei Mann den Tod, zwei wurden schwer verletzt. Die Erplosion entstand beim Abtun von Sprengschüssen. Ein Revoluerattentat. In Kassel verletzte am Dienstag- abend ein unbekannter Mann in einer Stehbierhalle die dort be- fchäftigte Büfettdame. Der Täter ist entkommen. Wettcrkntassrophe in Tripolis. Schweizer Blätter melden aus Mailand: Ein furchtbarer Wolkenbruch suchte in der Nacht auf den !>. Oktober die Stadt Tripolis heim und richtete außerordent- lich schweren Schaden an. Die meisten Fensterscheiben der Stadt wurden zertrümmert, ganze Dächer weggefegt. Die Radiotele- graphische Station ist zerstört. Neue» Erddebeii in Italien. Aus Lugano wird gedrahtet: „Secolo" berichtet an» R e g g i o Emilia, daß am Donntag nach Mitternacht dort ein heftiges, zwölf Sekunden andauerndes, hüpfende» und wellenförmige« Erdbeben stattfand. Ein großer Teil der Bevölkerung wurde von einer Panik erfaßt und eilte auf die Straßen. In den Straßen fielen einige Kamine herab, Gebäude bekamen Sprünge und fielen ein. «rbeitcrwanderer. DI« Abteilung Südosten bei Deutschen Arbelter- Aanderbunde».Die Nalrnsreunde" veraiislaltct am Freitag, den 15. Lltober, einen Ltchtdildervortraa. Thema:.Waiidcrbilder au» der Mark". Bor- tragender: Genosse Kramer. Garderobe 15 Pf. Gäste willkommen. öriefkaften öer Reöaktion. Die Iirnliilche Sprechstunde findet fflt Abonnenten Lindeustr. 5, IT. Hof recht», varterre, am Montag bii Freitag von i dtl 7 Nor, am Connabend von 5 bl» S Übe statt. Jeder für den B r t e I l a st e n beltimmlen Anfrage ist ein Buchstabe und eine Lahl al! Merkzeichen beizufSge». Brieflich« Antwort wird nicht erteilt. Anfrage», denen keine AdonnemenlSouitlung betgestigt ist. werden nicht deantwortet. Eilige Fragen trage man in der -vrechstund« vor. Beeträgc, Schriftftüite und dergleichen dringe mar in die Bdrechstniide mtl. Fräulein H. K. 1V7. 1.— 5. Im österreichllchen Konsulat könucn Sie Jlbr'Anliegen vortragen und erhalte» in allen Pliiitteii mastgebenden Bc- Icheid.— Q. B. 0lS. Dänifche« Note» Kreuz in Kopenhagen.— 2. 250. Engel, Teuilchc Slilkunst 5,—, Finck, Sprachbau 1.25, Liion. Deullche Grammatik 9.90. Zu habe» In un>erer Buchhandlung. Linden- straße.!!.— G. 100. und E. 3- 20. Von solch einer Prämie ist uns nichts bekannt.— N. G. 81. Napbtalin. Kreosolvuder oder auch?lniiol. I. C. 100. Wenden Sic sich an die DtiftungSdeputaiton de» Magistrat», Voststrafie 16.— H. A. 099. Wenden Sie sich an den Ver- band der Schneider und Schneiderinnen, �cdastianstratzo 37—33. — I. G. 02. Nein.— BS.<8. 88. Nein.— Bar. wärtS 77..Berliner WodnungSzeilung' in der Ebarlattenstraße 2S. — W. I. 61. 1. Für den durch den Unfall verursachten schaden hastet natürlich die BerniSaenostenlchalt, in Ihrem Fall aber nicht für den vollen Verlust der SrwerbSläblgkcit, da diese schon vor dem Unfall gemindert war. Nach Stellung des Antrages ans Rente erhallen Sie einen Rentenbcscheid. ES würde sich empfehle», mit dein Bescheid zu uns ,u kommen. 2. Nein. — F. L. XS. Sic müssen Ihren WobnungSwechlel dem Bezirksrommaudo unter Angabe Ihrer genauen Personalien mitteilen.— F. B 29. 1. und 2. DaS wissen wir nicht, die Preise werden erst nachher festgesetzt. 3. Nein, cS wird auch dann Enilchädigung gezahlt.— T. F. 30. Dajür ist keine bestimmte Grenze scstgeietzt.— F. 2. 50. Ja.— Fricfntt. Denn Die die Einipruchsirili von vier Dachen nach Zustellung der Steuer- Veranlagung nicht vcrläumt baden, müssen Sie noch einen Bescheid er> halten. Erinnern Sie beim Vorsitzenden der SleuerveranIaguiigSIoinmiision an die Erteilung des Bescheides.— Traube 2t. 1. 36 Ps. Pio Woche. 2. Ja, Mitteilung ist an daS VcrsscherungSamt Berlin, Klosterstr. 67,68, zu machen. 3. Als gewerblicher Arbeiter kommt eine 14 tägige KündigungS- trist in Betracht; als Handlungsgehilfe eine 6wSchige vor OuartalSschiuß. — O. P. 107. Eine Reklamation hat wenig Aussicht auf Ersolg.— M. H. 80. 1. Sie sind in diesem Fall zur Kündigung dcS Vertrage» im Namen Ihres Mannes berechtigt. 2. Die Pfändung kann nach vorauf- gegangener Klag« und Verurteilung stattfinden.— W. Zd)l. 35. 1. Er- lundigen Sie sich aus der Kasse oder sehen Sie in dem Kassenstatut nach. 2. Degen Unterkunft der Wöchnerin wenden Sie stch an da» Zentral- bureau, Ei.geluier 21.— R. 700. DaS ist der weitere Begriff, er schließt in sich Felddienstsätzigkeit.— Wrnmt) 80. Sie müssen durch den Vormund die Alimentation betreiben lassen. Wenn nachweisbar Vermögen vorhanden Ist, kann dieses für den Unterhalt de» Kindes in Anspruch genommen werden. Der Vater ist verpflichiel, nach den gerichtlichen Abmachungen zu zahlen.—Vsxner Pensionär von der städt. Parkoerwaltung. Shrc feinem Slndenle«: 35/18 Di« Ortsverwaltung AIS Opfer des Weltkrieges fiel am 17. September 1915 mein inniggeliebier Mann und treu- sorgender Vater seiner zwei Kinder, der Landsturmmann Renittlm Neaendorf im 44. Lebensjahre heute nach 16jähriger glücklicher Ehe. Im tiessten Schinerz Frau Luise Nenendorf m,d Kinder Erna und Else. Allein zu sein— drei Worte, leicht zu sagen. Und doch so schwer, s« endlo» schwer zu tragen. Geliebter Mann und herzensguter Vater schlas in Ruh', Unsere Liebe deckt Dich zu. Dan kHagnn k. Für die vielen Bewcffe herzlicher Teilnahme sowie für die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unsere» guten VaterS und Schwiegervaters Wilkelm öaudsck sagen wir hiermit allen Vcrirandten, Freunden, Belannten, dem Betriebs- lciier Herrn Wendt, sowie den Mit- aebeilern der Maschineniabrik Ober- Ichöncwelde(Ableitung Gießerei), dem Deutschen Metallarbeiterverband iBer- lin), dem Gesangverein.Fichte-Geor- gtnia", dem iozialdemolraiilchen Wahl- verein Bohnsdorf, den Mietern der Baugenossenschaft.ParadieS', WS- bcionvere Herrn Dorncr für feine trostreichen Worte am Sarge de» Da- hingeschiedenen unsern innigsten Danl. Wwe. P auliue Baudach nebst Kindern. Kervose 1 Störungen u ErregungSzu- 1 I iiSndi.Schlaflosigkeil, nervöse I j.Hcrzbelchwerden— Retadeiss „Baldramenl-1(reiner Pflanze, iau»zug), ein ungemein bc- I ruhigende», heillamwirkcndes l Spezifikrun, d. natürl. Mediz. I s. d. Nerven. Flasche 2 Mark. I Vo in Apotbel. u. Drog. nich l erhältb, franko geg. 2,50. Otto! ülcirticl, Barlin 4S,Eltenbahnet.4. 1 W lelbllai einer l-cibl>lii i—— i—..................................- '" VenmtwörNch« gtefcdttem: Alfred Wiclepp, NeuMn. Für de» Inserat enteil verantw.: Ttz. Glocke. Berlm. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. BerlagSanftalt Paul Singer&«o, Berlin SW. Größte AnswaW. Billigste Preise. L MohrenstraBa 37a (Kolonnaden) II. Or, rranklurlar Str. IIS (nahe Andreasstr.) Auwahltendungen tefert. Ami Zentrum 7890. Sonntag 12— 2 Uhr gettlneL Allgemeine Kranken-«.Mbekaffe der Mtikllarbkiter. . i.il------ L. a. G. Hamburg.»........■■■. Mitgliecker-ver!ammlllngen der Filialen Filiale- finden statt: i»«i-Il» 1: Sonnabend, den 18. Oktober, abend» 6 Uhr, in Hebels Braueret, Bergmannstr. 5—7. Bsi-Ui» S: Montag, den 18. Oktober, abends 8*/, Uhr, bei Scholz, Adalbertstr. 4. Berlin 8: Sonnabend, den 10. Oktober, abend» Sft, Uhr, beiKayfcr, Reichenbcrger Str. 154. Ber-ltiR 41: Sonnabend, den 18. Ottoder, abend« 8*/, Uhr, bei Wittenberg. AndrcaSftr. 2«. Ber-lln 5: Sonnabend, den 10. Oktober, abend« 8*/, Uhr, bei Thiel, Rückerstr. 7, Berlin 8: Sonntag. den 17. Oktodor, vormittag« 10 Uhr, bei Meyer. Ackerftr. 123. Berlin 41: Sonnabend, den 10. Oktober, abends 8 Uhr, bei C. Meyer, Lühowftr. 7. Berlin>8: Sonntag, den 17. Oktober, vormittag« 10 Uhr, bei Heinke. Kopenhagener Straße 67. <71»nrlott«nl»nrg;: Sonnabend, den 18. Oktober, abend« 8'/, Uhr, im BolkShaufe, Rofinenstraße 3. Llehtenberg 1: Sonnabend, den IG. Oktober, abends 81/, Uhr, bei I. Blum. Franffurter Allee 227. Tckeiiltenderg; II: Sonntag, den 17. Oktober, vormittag? 10 Uhr, bei Blume, AII-Boxhagen 56. HeakSBIln: Sonnabend, den 18. Oktober, abend««V, Uhr, bei Tappert, Steinmetzftr 114. Onnkner: Sonnabend, den 1». Oktober, abend» v Uhr, bei Schröter. Fioraftr. 5—6. BchOneberc: Sonnabend, den 23. Oktober, abend« 9 Uhr. in der Schloftbrauerei Schäneberg, Hauplftr. 120/124, »te»llt»: Sonnabend, den 28. Oktober, abend» 81/, Uhr, bei (Llement, Düppelfir. 7, lenepelkok: Sonnabend, den 18. Ottober, abends 8'/, Uhr, bei Benscheck in Mariendorf. llhauffeestr. 27. WUdnn: Sonntag, den 17. Ottober, vormittag« 10 Uhr, bei Rodaneck. Wildauer Hof. I» allen V e rsamm I u n g e«: vom'S, Omartal 1915. Die Ortsverirnltange-n. Kassenbericht 120/15 K Keine Petroleum-Not! ______ tr helle« Licht durch unsere vorzügl. Onrdlt-Tleeklnnipen. Viel heller und billiger al« Petroleum. sBrcnnlosten p. Stunde nur 1'/, Pf.( Vollitänd. Lampe nur 4.58 M.« fein vernickelt nur 7.58 M. Zahlr. Dankschr. Versand v. Nachnahme von Kogre« ckt BitHr. Berlin, Mauerttr. 83/84