Ar. 285.-32. Jahrg. WenntmtfltS'Btdlngmifl«: EtsntKtntn»• Steif»rftmimerant»« BierterjätirL 830 Ml. mono«. UO Ml. wöchenllich 36 Pfz. frei M Häuf. Etnielnc Kummet 5 Big. e«mtagf< nummtt mil illustrieriet Soimlagf. Beilage.Die Keue Seit* 10 S«4. Post, Hbonnemcm; UO Marl pro Monat. Eingetragen in die Bokt- Zeiamof. vreisliste. Unter Kreuzband für Deulickland und Oeslerreich. Ungarn 330 Marl, iilr daS übrige UuSIand 4 Marl pro Monat. Postabonnementf nehmen an: Belgien. DSnemarl, Holland. Jtatien. Luxemburg. Pormzal, Rumänita, Schweden und die Schweif «chklst LgNch. Verlinev Volksblerkt. � s pksnnig) die laseMons-Sedllh? HeKSgl für die sechdgespoltene Kolonel. «eile oder deren Raum 60 Pfg.. für Politische und gewerlschafillchc Berein,?. und BersnmmiungK.Anzeigen 30 Pfg. t, Kleine Zlnaeigen", das fettgedruckt c Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 P'g. Ktellengefucht und Schlafstellenan. »eigen das erste Wort W Pfg.. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über lSBucku staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer Müllen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedilion ist bis 7 Uhr abends geöffnet, kelegramm- Adresse: „Sozialdeniellrat Rwlin", Zentralorgan der rozlaldemokratifcben Partei Deutfcblands. Neüaktiou: Ew. HS, Linöenstraße Z. Fernsprecher: Am» Moriyplatz, Nr. 1S1 g0— ISl S7. Freitag, den 15. Oktober 1915. Expedition: SXO. HS, Änüenstraße Z. Fernsprecher: Amt Moripplass, Nr. 1S1 Sv— 1SI. S7. Aeiteres vordringen in 5erbiev. Mtntg(es Stollen SnnWnMs. Amtlich. Großes Hauptquartier, deu 14. Oktober 1913.(W. T. B.» Westlicher Kriegsschauplatz. Während feindliche Monitore die Küste bei Westeude, und die feindliche Artillerie unsere Stellungen nördlich von Aperu ohne Erfolg beschossen, setzte« die Engländer fast auf der ganzen Front zwischen Aperu und Laos hinter Rauch- und Gaswolken zum Angriff au, der ganz- lich scheiterte. An mehreren Stellen schlug die Rauch- wölke in die feindlichen Gräben zurück. Nur nordöstlich und östlich von Bermelles konnten die Engländer in unseren vordersten Gräben an kleinen Stellen Fuß fassen, ans denen sie größtenteils mit Handgranaten schon wieder vertrieben sind. Fünf Augriffe ohne Benutzung von Rauch- Wolken, aber mit starken Kräften gegen die Stellungen westlich von Hulluch find unter schweren Verlusten für den Feind abgeschlagen. Südlich vou AngreS wurde« dem Feinde im Gegenangriff 2 Maschinengewehre abgenommen. Bei der Sänbcrnng der kleinen Nester, die die Franzosen auf der Höhe östlich von Souchez»och besetzt hielte«, blieben 400 Man» als Gefangene in unseren Händen. In der Champagne setzten die Franzosen ihre Angriffe beiderseits von Tahure mit äußerster Erbitterung fort. Fünf Angriffe südlich, zwei nördlich der Straße Tahnre-Sonain brachen unter schweren Verlusten für die Augreifer zusammen. Nächtliche Angriffsversuche erstickte unser Artilleriefcuer im Keime. Auf der Combres-Höhe wurde ein feindlicher Graben von 120 Meter Länge gesprengt. In den Bogeseu versuchten die Franzosen, die ihnen am 12. Oktober am Schratzmäunle abgenommene Stellung zurückznuehmtn. Au unserem Hindernis brach ihr Augriff nieder. Oestlicher Kriegsschauplatz. sieeresgrnppe des Gencralfcldmarlchalls v. fjindenburg. Westlich und südwestlich I l l u x t warfen wir den Gegner aus einer weitere» Stellung, machten 650 Gefangene und erbeuteten 3 Maschinengewehre. Russische Angriffe westlich und südwestlich Däuaburg wurden abgewiesen. heerttsruppe des Generalleldmartcftalls Prinz Leopold von Hävern nnd Heeresgruppe des Generals v. Clnflngen. Nichts Neues. ♦ Deutsche Truppen der Armee des Generals Grafen Bothmer nahmen Hajworouka(südlich Burkanow) und Warfe« die Russe« über die Strypa zurück. Neuer Aeppelinangriff auf London. Amtlich. Berlin, 14. Oktober.(W. T. S.) Unsere Marineluftschiffe haben in der Nacht vom 13. zum 14. Ok- tober die Stadt London und wichtige Anlagen in ihrer Umgebung sowie die B a t t e r i e n von Jpswich an- gegriffen. Die LondonDocks, das Wasserwerl Hampton bei London und W o o l w i ch auSgiebig mit Brand- und Spreng. bopben belegt. An allen Stellen wurden starke Sprengwirkungen tNid große Brände beobachtet. Trotz heftiger Gegenwirkung, die zum Teil schon an der Küste einsetzte, sind alle Luftschiffe unbeschädigt zurückgekehrt. Der Chef deS AdmiralftabeS der Marine. Die englische Darstellung der Zeppelin- angriffe. London, 14. Oktober.(W. T. 53.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Gestern abend belegten Zeppeline einen Teil Londons mit Spreng- und 53randbomben. Es wurde nur wenig Sachschaden angerichtet. Einzelne Brände, die entstanden, waren bald gelöscht. Oeffenlliche Gebäude wurden nicht beschädigt. Zwei grauen, sechs Männer wurden getötet, bis aus einen sämtlich Zivilisten, und ungefähr vierunddreißig verwundet. Balkankriegsschauplatz. Südlich von Belgrad find unsere Truppen in weiterem Borgeheu. Die Werke der West-, Nord-, Ost» und Südostfront sind genommen. Die Ageuce Havas, daS amtliche Nachrichten- orgau der französischen Regierung, wagt zu behaupte», der im deutschen Tagesbericht vom 3. Oktober veröffent- lichte Befehl des Generals Joffre sei deut- scherseits erfunden. Demgegenüber wird fest- gestellt, daß mehrere Urabzüge des Befehls in deutschen Händen sind, und daß eine große Anzahl gefangener Offiziere wie Mannschaften ihre Kenntnis des Befehls, den sie übrigens verschiedentlich in Abschrift auch bei sich führten, unumwunden zugegeben haben. Oberste Heereslcittlng. »* * da SskmeWA semiiWMW. Wie», 14. Oktober.(W. T. B.) Amtlich wird Der- lautbart: Wien, 14. Oktober 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Der Feind griff gestern unsere Stellung westlich von T a r n o P» l an. Er stürmte, drei Glieder tief, wobei er die Männer deS ersten Gliedes nur mit Schutzschilden ausgerüstet hatte. Unsere Truppen schlugen ihn zurück. Er erlitt große Ber- luste. Sonst im Nordosten lein besonderes Ereignis. Italienischer Kriegsschauplatz. Das lebhafte Artilleriefeuer gegen unsere Stellungen auf den Hochflächen von Lafraun und Vielgereuth nnd gegen einzelne Stützpunkte der Dolomitenfront hält an. Ei» Alpini-Bntaillon, das gegen eine Vorstellung südlich von Riva vorstieß, wurde durch unser Geschützfcuer vertrieben. An der küstenländischen Front haben wir im Gebiete des Javorcek ein Stück italienischen Schützengrabens besetzt. Zwei italienische Angriffe auf dem Mrzli Brh, die nach heftiger Fcucrvorbcreitung bis an unsere Hinder- niste herangekommen sind, wurden abgeschlagen. An den anderen Teilen der Jsonzostont wie gewöhnlich Gcschützfeuer. Serbischer Kriegsschauplatz. Unsere Truppen stürmten gestern, auS der Gegend von Belgrad nach Südosten vordringend, die festungsartig verschanzten Stellungen auf dem Erinv-Brdo, dem C u» a k und der S t a z a r a. Der Feind, der, wie Gefangene aussagen, de« Befehl hatte, sich bis auf den letzten Mann zu halten, ging in regelloser Flucht gegen den Avalaberg und den Raum östlich davon zurück. Seine Verluste find außerordentlich groß. Unsere schwere Artillerie hatte wie immer bei ähnlichen Kriegshandlungen auch an diesem Erfolg rühmenswerten Anteil. Gleich günstig schreiten die Angriffe unserer Berbündete» an ber unteren Morava fort. Wir entrissen dem Gegner die Berschanzungcn an der West-, Nord- und Ostfront von Pozarevac. Der Stellvertreter des ChefS des Generalstabe»: von Hoefer» Feldmarschallentnant. vom öalkan. Ein Kriegsmanifeft ües Königs üer vulgaren. Sofia, 14. Oktober.(W. T. B.) Meldung der Bulgarischen Telegraphenagentur. Ein königliches Manifest ruft daS Volk und die Armee zur Verteidigung des von einem heimtückischen Nachbarn be- sudelten heimatlichen Bodens und zur Befreiung der unter serbischem Joche schmachtenden Brüder auf. Das Manifest gedenkt der von dem König uiid der Rcgiernng zur Erhaltung des Friedens entfaltete» Bemühungen, die de« Zweck hatten, das Ideal deS bulgarischen Volkes auf dem Wege der Neutralität zu verwirkliche» und die An- erkcnnung deS Unrechtes seitens der beiden kriegführenden Gruppen durchzusetzen, das den Bulgaren durch die Teilung Mazedoniens zu- gefügt wurde, dessen größter Teil nach den Zugeständnissen sowohl der BcrbandSmächte wie der Zcntralmächtc, Bulgarien gehören soll.„Wir werden, sagt das Manifest, die Serben gleichzeitig mit den tapferen Armeen der Kaiserreiche Mitteleuropas angreifen." » Berlin, 14. Oktober.(W. T. B.) Die hiesige bulgarische Ge- sandtschaft hat die offizielle Mitteilung erhalten, daß sich die bul- garische Regierung infolge Ueberfalls durch serbische Truppen bei Koeslendil, Trn und Bjelogradschik vom 14. Oktober, 8 Uhr früh an, im Kriegszustand mit Serbien befindet. i velcaffe. Worum geht Delcass6?— Aus Gesundheitsrücksichten heißt es. Nun, eine albernere Ausrede hätte sich nicht gut finden lassen. Ist der Minister krank, so war wohl uock je- mattd Vorhänden, der ihn bis zu seiner Wiederberstellung ver- trat. Wenn Grey sich für einige Zeit beurlauben konnte, warum nicht Dclcasse? Aber Viviani schwört in der Kammer, daß zwischen dem Minister des Auswärtigen und seinen Amtsgenossen keine Meinungsverschiedenheiten bestünden: alle Entschließungen seien in Uebereinstimniung gefaßt worden. Ob es nicht vielleicht Beschlüsse gegeben hat, be! denen die Eiustinimigkeit nur desbalb erzielt wurde, weil Herr Delcassa zufällig abwesend war, wird nicht gesagt. Die Ber- mutmig ist also gestattet, daß es z. B. mit der Einigkeit in der Frage der Balkanexpedition hapert. Ist das aber nicht der Fall, und bat der Amtsmside tat- sächlich keine abweichende Meinung in diesem oder jenem Punkt, dann um so schlimmer. Dann geht er, weil er trotz aller Uebereinstimmung in Einzelheiten an dein Ganzen ver- zweifelt und sich durch einen entschlossenen Sprung retten will, bevor die Trümmer über ihm zusmumenschlageu. Viviani muß wissen, ob es zweckmäßig ist, durch eine starke Betonung der Eimniitigkeit aller Entschließungen dieser pessimistischen Auslegung Vorschub zu leisten. Aber wie er und' die übrigen Zurückgebliebenen das Scheiden des Kollegen auch immer begründen mögen, es wird ihnen nicht gelingen, den überaus ungünstigen Eindruck zu vermischen, den es hervorgerufen hat, denn es ist alles andere eher als ein Zeichen der Stärke, wenn in diesem Augenblick der Mann das Schisf verläßt, dessen Name wie der keines anderen Franzosen mit dem Krieg und seiner Vorgeschichte verknüpft ist. Als Sozialisten sind wir gegen die Ueberschätzung des Einflusses eines einzelnen Politikers auf das Weltgeschehen gefeit, aber es wäre lächerlich, zu leugnen, daß Thöophilc Delcasse einer von denen ist, die eine starke persönliche Schuld an dem Unheil unserer Tage tragen. Von der Stunde an, in der er im Jahre 1898 zum erstenmal das Ministerium des Auswärtigen übernahm, war sein Streben auf die Isolierung Deutschlands gerichtet. Ob er bewußt auf einen Angriff hin- arbeitete, ist gleichgültig. Sicher wollte er die Demütigung des Nachbarn und sicher bemühte er sich um die Herbeiführung eines Zustandes, der den Revanchehoffnnngen des französi- schen Bürgertums Erfüllung versprach. Der Schüler Gam- bettas hielt sich dabei an die Weisung, die der Meister in dem Wort gegeben hatte, daß Frankreich, auf London undPetersburgge st sitzt, unbesiegbar sein werde, und es gelang ihm, dem Bündnis mit Rußland die Entente mit England hinzuzufügen und nach Versöhnung der englisch- russischen Gegensätze das Einvernehmen des Westens mit dem Osten herzustellen. Seinem Streben kamen die Zeitumstände wohl zu statten: das Bedürfnis der französischen Kapitalisten, die kolanialen Reibungsflächen mit Großbritannien zu be- seitigen, ihr Wunsch, durch den russischen Verbündeten nicht in einen Krieg mit dem seegewaltigen Nachbarn jenseits des Kanals verwickelt zu werden, und vor allem die gerade in den ersten Amtsjahren Delcassäs durch die deutsche Flottenpolitik festere Gestalt gewinnende Rivalität zwischen England und Deutschland. Aber er kann doch einen großen Teil der bcdeut- samen diplomatischen Erfolge auf das Konto seiner eigenen Unermüdlichkeit und Entschlosienheit setzen, und wenn man bedenkt, daß er den Grund zu dem Schiedsgerichtsvertrag von 1903 und zu dem großen Abkommen von 1904 in einer Zeil legte, in der dank der Faschoda-Affäre der Friede zwischen Frankreich und England auf des Messers Schneide stand, so darf man bei aller Abneigung gegen seine Ziele seine Kunst der Beherrschung des diplomatischen Instruments bewundern. Nur machte eben das Ziel diese Kunst zu einem Ver- brechen, und das erkannte niemand besser als Jean I a u r e s, der bei allen Gelegenheiten das gefährliche Spiel beleuch- tete und einem zähen Kanipf gegen die Politik Tekassös führte. Nickt zuletzt ihm war es zu verdanken, daß der Mi- nistcr im Jahre 1903 zwischen Tanger und Algeciras vom Platze weichen mußte. Aber er kehrte nach drei Jahren zurück. nachdem die Zwischenzeit— ob nur durch Frankreichs Schuld bleibe heute dahingestellt— eine Besserung der Beziehungen zu Teutschland nicht gebrockt hatte. Leibverständlich dachte der wieder zur Macht gelangte auch setzt nicht daran, Jauräs' Mahnung zu entsprechen und die Freundschaft mit England ebenso wie für die Schaffung der e n g I i s ch- r n s s i s cb e n Entente auch zur Beseitigung der c n g l i s ch-d e u t s ch c n Schwieriakeiten auszunutzen. Der Gegensatz zwischen Berlin und London, der um sich fraß, ohne daß er ihn zu schüren brauchte, war ihm ein wertvoller Trumpf, den er nicht aus der Hand geben wollte. Und nun spielten andere Kräfte für iftn. Das Rüstungskapikal ütiß 3as Finanzkaprtol Set vstsckiiedenen SänSer besorgte seine Geschäfte. Hebet Marokko und den Balkan ging es zum August 191-i, der Delcasss einen vorläufigen Triumph brachte. Tie diplomatische Rechnung war aufgegangen. Aber die militärische hat nicht gestinimt. und da dieser Fehler klar zu werden beginnt, benutzt Dclcassä den Anlaß von Meinungs- Verschiedenheiten über die Balkanfragen, um sich zurückzu- ziehen. Vom Standpunkt des parlamentarischen Systems und der Ministervcrantwortlickkeit aus ist dieser Schritt voll- kommen gerechtfertigt, aber der Uebergang ins Privatleben wird den Minister nicht von der Verantwortung vor der Gc- schichte entlasten. Er wird sie zu tragen haben, wie alle die, die trotz dem Friedenswillen der Völker die zu blutigem Zu- sammenstoß treibenden Kräfte gefördert und unterstützt haben, statt ihre Macht zu benutzen, uni die Mär von der Unabwcnd- barkeit des Weltkrieges praktisch zu widerlegen. »* * Pari?, 14. Cltobcr.(SB. T. 25.) Ter„Temps" metbet: Gestern vormittag um 11 Uhr fand im Elysee unter dem Vorsitz des Präfi- deuten Poincare ein Ministerrat statt, der dadurch notwendig wurde, datz ein Nachfolger für den zurücktretenden Minister des Aeutzeren Dclcafse ernannt werden mußte. Ministerprästdcnt Villi ani hatte gestern morgen einen Brief von Deleasse erhalten, in dem ihm dieser seine Temission überreichte, die er mit Meinungsver- schiede nhciten zwischen ihm und dem Minister- rate in der Leitung der Auswärtigen Angelegen- heiten begründete. Viviani gab seinen Kollegen Kenntnis von dem Briefe Tel- casses und stellte in Uebereinstimmung mit ihnen fest, daß sich solche Meinungsverschiedenheiten im Minister- rate niemals gezeigt hätten, da Deleasse bis znm 7. Lktobcr an allen Beschlüssen des Kabinetts teilgenommen und alle sein Amtsgcbiet betreffeirden Depeschen persönlich unterzeichnet hätte, um ihrer Ausführung sicher zu sein. Viviani richtete infolge- dessen ein Antwortschreiben an Deleasse, um ihm diese Tatsachen ins Gedächtnis zu rufen und den wirklichen Sachverhalt klarzulegen. Dann beschloß Viviani mit der Zustimmung des ge- samten Ministerrates, das Ministerium des Acußcren endgültig zu übernehmen. Surgfrieöen in Bulgarien. Sofia, lt. Oktober.(2S. T. 23.) Meldung der bulgarischen Telcgraphenagentur. Nach dem«R. Pccporctz", dem offiziösen Organ der demokratischen Partei, bespricht nunmehr auch„Mir", da« Organ der Geichowpartei, die Notwendigkeiten der Lage, die angesichts der anmaßenden Haltung der serbischen Negierung die Einigkeil aller Vulgaren gebiete. Das Blatt schreibt: Die Würfel sind gefallen, es gilt nun, den Sieg zu organisieren. Die bulgarische Melöung über üen Heginn ües Kampfes. Sofia, 12. Oktober.(W. T. B.) Meldung der Agence Bulgare. Serbische Truppen überschritten die Grenze und versuchten gestern die Höhen von Koritskaglawa und Rasovati, die auf bulgarischem Gebiet westlich von Bselogradschik liegen, zu besetzen. Es., entwickelte sich ein Kampf, der den ganzen Tag andauerte. Die bulgarischen Truppen warfen die Angreifer zurück und besetzten ihrerseits die genannten Höhen. Sofia, 14. Oktober. kW. T. B.) Amtliche Meldung vom 12. Oktober. Im Zusammenhang mit der gemeldeten Verletzung bulgarischen Gebietes in der Gegend von Bselogradschik versuchten die Serben heute nacht an mehreren Stellen einen Einfall in die Gegenden von Trn, Basilovgrad und Köstcndil, um bulgarische strategische Punkte zu besetzen, die die Straße nach Sofia schützen. Ihr Versuch wurde durch bulgarische Truppen, die in der Nähe der bedrohten Punkte standen, vereitelt. Heute nachmittag gelang eS unseren Truppen die Serben zurückzutreiben. An einigen Stellen dauern die Gefechte noch an. Die bisher bekannten bulgarischen Verluste bvlaufcn sich auf 18 Tote, M schwer und IM leicht Verletzte. der serbische Kriegsbericht. Nstch, lt. Oktober.(W.TB.) Amtlicher Kriegsbericht vom 12. Oktober. An der D o n a u f r o n t ist die Lage unverändert. Nördlich Pojarevac versuchte der Feind vergeblich, sich unserer Stellungen zu bemächtigen. Cr erlitt schwere Berluste. Der Feind hatte sich nacht? des Dorfes L i p a bemächtigt. Wir zwangen ihn. sich zurückzuziehen, indem wir ihm große Verluste bei- brachten. Dem Feinde mißlang gleichfalls ein Angriff gegen Festung und Stadt Semendria. Er erlitt große Verluste. Wir behaupten unsere Stellungen an der Savefront trotz des FeuerS der feindlichen schweren Geschütze. Won der übrigen Front ist nichts zu melden. Durchmarsch italienischer Truppen durch Montenegro! Wien, 14. Oktober.(X. U.) Nach einer Meldung aus Eetinje sind dort mehrere italienische Generalstabsosfiziere ein- getroffen. ES fand eine Beratung unter Vorsitz des Königs Nikita statt. Angeblich wird der Durchmarsch italienischer Truppen durch montenegrinisches Gebiet vorbereitet. Der Kriegszuftanö in Saloniki erklärt. Paris, 14. Oktober.(W. T. B.) Der„Matin" meldet aus Athen: In S a l o n i k i wurde der Kriegszustand erklärt. London, 14. Oktober.(W. T. B.) Der römische Korrespon- dent des Reuterschen Bureaus ist ermächtigt zu erklären, daß die Regierungen des Vierverbandes Anstalten für ein k r ä f- tigcs Vorgehen mit großen Streitkräften gegen Bulgarien getroffen haben. H u li d e r t- tausend Mann sollen in Saloniki bereitsge- landet worden sein. London, 14. Oktober.(W. T. B.)„Daily Mail" meldet aus Saloniki: Das erste französisch-afrikanische Jnfan- terie-Regiment geht am 1ö. Oktober mit der Bahn nach Serbien ab. Griechenland will Serbien nicht helfen. Athen, 14. Oktober.(Von dem Privatkorrespondenten des W. T. B.) Es verlautet sicher, daß Griechenland angesichts des Ausbruches der serbisch-bulgarischen Feindseligkeiten die Politik der bewaffneten Neutralität nicht aufgibt, w e i l f n r Griechenland der casus koecleris nicht vor- liege. J&L'H■-.oJOw Des Krieges Höhepunkt. Von Richard Gädke. Berlin, 12. Oktober. Noch nie vielleicht im bisherigen Verlaufe des Krieges ist der innere Zusammenhang der Ereignisse auf all den verschiedenen Kriegsschauplätzen derart in die Erscheinung getreten wie gegen- wärtig. Ein« Ausnahme macht vielleicht allein Italien, das poli- tisch wie militärisch eine Zeit der Ratlosigkeit durchzumachen ■ scheint. Der falschen Politik ist wie in den meisten Fällen eine unglückliche Führung des Krieges gefolgt, und nun scheint bei den führenden Männern über die Ziele, die dem Heere zu stecken wären, ein arger Gegensatz zwischen dem Wünschenswerten und dem Mög- lichen zu bestehen. Kein Zweifel, daß die Sonnino und Salandra Ende April dieses Jabrcs, als sie ihren Pakt mit dem Dreibund schlössen, sich den Verlauf des Sommerfeldzuges ganz anders ge- dacht haben als er nun gewesen ist. Während Oestcrreich-Ungarn von Rumäniens und Serbiens Heeren überschwemmt und mit ihrer Hilfe die Karpajhenstcllungen von Westen und Osten gleichzeitig aufgerollt werden sollten, so daß Italiens Heeren ein Verhältnis- mätzig leichter Spaziergang durch Dalmatien, Südtirol, Kärnten und Krain anvertraut werden konnte, ist nun die Kriegslage sehr verschicden von diesen überschwänglichcn Hoffnungen; mit Sorgen sieht man die Zeit nahem, wo der stolze Ruf des Sieges.«empre svanti Savoia!" sich in ein klägliches„rückwärts, rückwärts, Ton Rodrigol" verwandeln wird. Keine Frage, daß der Einbruch der verbündeten Heere in Serbien die Lage auf dem Balkan so gestaltet hat, wie sie den Interessen des Vierverbandes nicht entspricht. Das bezieht sich zu- nächst freilich auf die politischen Verhältnisse. Wir müssen uns hüten, die bisher erreichten militärischen Erfolge zu über- schätzen. Das ist nur ein Anfang. Daß uns die serbischen Streitkräfte den Uebergang über Save und Donau nicht würden verwehren können, war von vornherein anzunehmen. Das ist eine Frage der überlegenen Artillerie und Technik. Immerhin haben die Serben in dem zweitägigen Straßcnkampf in Belgrad Zeichen ungebrochenen Mutes ab- gelegt. Wir werden dem Hauptwiderstand erst im Innern des Landes begegnen. Belgrad ist schon einmal in der Hand der Oestcrreichcr gewesen, deren Heere aber beim weiteren Eindringen zu ausgepumpt waren, um noch Erfolge zu erreichen. Allerdings warn sie damals hauptsächlich durch das unwegsame Grenzland östlich der Drina von Bosnien aus und mit Teilen durch die sumpfige Matschwa an den Saveufern eingebrochen. Die Save- Donaufront von Schabatz bis Gradiste hat eine Länge von ISO Kilometern; es gehen aber außerdem östcrreichisch-ungarische Streit- kräfte von der Drina vor und eL sind andererseits Artillcriekämpse bei Orsowa, an der rumänischen Grenze(da, wo die Bahn Bukarest— TemeSvar— Budapest die Grenze überschreitet) gemeldet worden. Verlangsamend aber wird die Natur deS Landes auf das Vordringen unserer Heere wirken. ES ist nicht gerade zu unwirtlich, bietet in FriedenSzeiten sogar ziemlich auskömmliche Hilfsmittel; aber wir wissen, inwieweit der 15 Monate währende Krieg sie bereits erschöpft hat. Das Gebirge, von dem das Land erfüllt ist, kann im Norden nur als Mittelgebirge angesprochen werden; aber es ist vielfach mit ausgedehnten Waldungen bedeckt und zeigt schroffe Formen. Der größte Feind für ein großes Heer ist die geringe Wcgfamksit deS Landes und die spärliche Zahl und Leistungsfähigkeit der Bahnen. Bis Kruschcvatz(ISO Kilometer südlich Belgrad) führen noch zwei Linien, von da bis Nisch kann man nur auf eine rechnen. Allerdings zieht von hier eine andere längs der bulgarischen Grenze zur Donau; sie kann benutzt wer- den, sobald der Donauwcg von Orsowa an frei(und zugleich den russischen Sendungen verschlossen) wird. Weiter im Süden und Südwesten des Landes steigen die Erhebungen dann zum Hoch- gebirge an und werden immer rauher; die Unterkünfte sind schlecht. Unsere Verkehrstruppen und Pioniere werden wieder ein reiches Feld der Tätigkeit vorfinden. Tie starken Angriffe der Franzosen im Westen und der Russen im Osten sind zunächst von dem Bestreben hervorgerufen, sich gegenseitig zu helfen. Ein solche» Zusammenwirken gelingt ihnen zum ersten Male. Man soll nicht sagen, daß eS ohne jeden Er- folg gewesen ist. Tos würde zunächst der tatsächlichen Lage der Tinge nicht entsprechen, wie sie auS den amtlichen Berichten deS Großen Hauptquartiers hervorgeht, und auch auS den Berichten Ioffres, soweit sie unwidersprochen geblieben sind und nicht un- glaubwürdig scheinen. Auf dem westlichen Kriegsschauplatz ist den Franzosen die Besetzung von Souchez, den Engländern die Fort- nabme von Laos geglückt. Sie behaupten, auch einen Teil des Hohenzollernwcrkes, etwa halbwegs nach Hulloch. in ihrem Besitz zu haben. Diese Eroberungen haben sie bisher behauptet, weiter vorzudringen glückte ihnen nicht. Im Gegenteil scheint eS, als feien ihre Angriffe hier nicht nur matter geworden, sondern— vorläufig wenigsten?— ganz eingeschlafen. Da« würde die Nach- richten über ihre sehr großen Verluste glaubwürdig erscheinen lassen. Ueberhaupt wird man feststellen müssen, daß die Eng- länder im Angriff bisher keine sehr große Zähigkeit bewiesen haben. Min wird vielmehr wie noch immer in ihrer KricgSge- schichte auch diesmal die Erscheinung beobachten, daß sie ihre eigenen Truppen zu schonen beflissen sind— wenigstens die national englischen. Mit kanadischem und indischem Blute sind sie freigiebiger. Größere Zähigkeit beweisen die Franzosen in der Champagne. Dem ersten glücklichen Angriff vom 25. September, der die vordere deutsche Linie in einiger Ausdehnung in ihre Hände gebracht hat, haben sie seitdem weitere starke Vorstöße gegen die zweite Stellung folgen lassen, sogar unter Heranziehung neuer Divisionen. Nicht überall blieben sie hierbei erfolglos; im Osten des Schlachtfeldes haben sie das Torf Tahure und den Raum recktS und links davon genommen und sind darüber hinaus gegen die Höhe 130 vorge- drungcn. Hier haben sie dem deutschen Gegenangriff allerdings wieder mehrere hundert Meter Raum abtreten müssen. Ihr Ge- wirai beträgt der Tiefe nach gegen 5 Kilometer; von einem Durch- bruch der deutschen Stellung kann natürlich keine Rede sein. Aber die Schlacht geht, wie e» scheint, weiter. General Joffre versucht seine Ziele sprungweise, von Etappe zu Etappe, zu erreichen, wo- bei sein M-nschenverbrauch ein großer ist. Wir werden vielleicht noch längere Zeit hindurch größere Angriffe erleben, wie die feind- liche Presse ankündigt— so lange, bis die schon eingesetzten und noch heranzuschaffendcn starken Streitkräfte Schlacke geworden sind. Schon in meinem letzten Berichte wies ich darauf hin, daß die Verhältnisse, die sich auf dem ö st l i ch e n Kriegsschauplatze her- ausgebildet haben, aus de» allgemeinen Verbältnissen zu erklären sind und nicht daraus, daß Führung und Truppe deS russischen Heeres auf einmal eine Tüchtigkeit erlangt hätten, die ihnen vor- dem fehlte. Inzwischen ist der Douauübergang der verbündeten Streitkräfte eingetreten. Auf dem nordöstlichen Kriegsschauplatze haben die Gegenangriffe der Generale Ruski und Ewert keine Er- folge erzielt, wie wortreich auch die Berichte de» russischen Haupt- quarticrs geworden sind. Daß sie hier und da deutscht Angriffe zurückgewiesen, da» Vordringen deutscher Truppen aufgehalten, an einzelnen Stellen auch, selbst Raum gewonnen haben mögen, ändert ' die Kriegslage im allgemeinen nicht. Sie kennzeichnet sich durch einen gewissen Charakter der Ruhe und des Gleichgewichts. Fn Wolhynien und Ostgalizien bingegcn haben die Russen sebr entschlossen, mit zeitweise unzweifelhaft sehr überlegenen Kräften und mit der entschiedenen Absicht eines großen Sieges angegriffen. Sic haben eine Zeitlang sowohl westlich des Serech wie im Norden am Styr-Abschnittc Fortschritte gemacht, sind sogar auf das West- liche Ufer des Styr vorgedrungen. Durch das Eingreifen der 11. Armee, v. Linsingen, sind alle ihre Angriffe gegen den rechten Flügel und Mitte des verbündeten Heeres zurückgewiesen worden. In Wohlhynien steht der Kampf noch. Doch scheinen die Russen überall auf daö Ostufer des Styr zurückgeworfen worden zu sein. Immerhin werden hier noch größere Kämpfe zu erwarten sein. Es ist ja klar, daß die Heersührung des Feiudes aus politischen Gründen dieser Südostfront besondere Aufmerksamkeit zuwendet; aber die verbündete Heerführung ist sich natürlich ihrer Wichtigkeit ebenso bewußt. ES ist das vorteilhafte in unserer allgemeinen Lage, daß wir letzten Endes doch überall die Vorhand an uns gerissen haben. Die unvergleichliche Gunst unserer zentralen Lage, unterstützt durch ein treffliches Bahnnetz, kommt uns hierbei gewiß zustatten. Die Strategie der inneren Linie feiert in den gewaltigen Verhältnissen dieses Kriege» ihre Triumphe. Aber sie kann es nur, wteil wir im Osten wie im Westen auf Feindesboden stehen, und uns darum ohne jeden Schaden zeitweise dort in der Verteidigung halten können. Es ist ja an den Gegnern, unS wieder hinauszuwerfen— wenn sie eS können, unsere Heere dort zu schlagen. Daher sind wir imstande, den eigenen Angriff immer dort zu führen, wo wir es aus militärischen Gründen für vorteilhaft halten. Und die ein- zige Bedingung ist, daß wir an irgendeiner Stelle die zum An- griff erforderlichen Kräfte verfügbar machen können. Das ist jetzt gegen Serbien geschehen. Wenn wir dort einen durchgreifenden Erfolg erzielen, und in der Champagne uns gegen Josfres hartnäckige Angriffe zu behaupten vermögen, dann haben wir den Sieg errungen und jener ist letzten Endes geschlagen worden. In diesem großen Ringen kann man nur die Gewichte in unserer Wag- schale vermehren, bis endlich die des Gegners hoffnungslos in die Höhe schnellt. Wir müssen un« darauf gefaßt machen, daß darüber noch geraume Zeit vergehen wird, dies ist kein Krieg der raschen Entscheidungen. Dazu ist er viel zu ernst und schwer und folgenreich. Englische Drohungen gegen Griechenland. London, 14. Oktober.(W. T. B.)„Daily C h r o n i c I e" schreibt in einem Leitartikel: Die Alliierten, deren Flotten da8 griechische Gebiet und seinen Handel in der hohlen Hand halten, werden sich zu überlegen haben, wie lange sie die griechische Neutralität dulden können. Sie mögen Zaimiö eine Frist geben, aber keine unbegrenzte. Englische Gefürchtungen. London, 14. Oktober.(W. T. B.) Der Schriftsteller Seton Watson sagte in einem Vortrage: Wenn Serbien untergeht, wäre die Türkei gerettet und d i e Dardanellen wären für unS verloren. Die Nachricht würde wie ein Blitzlicht den ganzen Orient durchfliegen. Unser Ansehen in Aegypten wäre zu Ende, unsere Stellung in Mesopotamien bedroht. Jeder Bazar Indiens würde von dieser. Nachricht widerhallen und Pcrsien in Waffen stehen. Der französische Tagesbericht. Paris, 14. Oktober.en und den Saal räumen lassen. Pugliesi Conti blieb trotz der Er- Mahnungen seiner Freunde, selbst als die Lichter gelöscht wurden, auf seinem Platze, und erklärte, er werde nötigenfalls die ganze Nacht auf der Tribüne bleiben. Bei Wiederaufnahme der Sitzung setzte Pugliesi Conti, der noch immer auf der Tribüne stand, seine Rede fort. AlSbald ereignete sich ein neuer Zusammenstoss zwischen ihm und Deschanel. Da er fortfuhr seine Kollegen anzugreifen, beschloß die Kammer, die Zensur zur Anwendung zu briugtn, und darauf verließ er endlich die Tribüne. Oberst Driant ermahnte im Namen derer, die an der Front kämpften, zur Einig- keit und erklärte: Niemand hat mehr Sympathie al« ich für de» Minister des Auswärtigen, der vor einigen Jahren vom„Kaiser" vor die Tür gesetzt luurde. Etienn« erhob gegen diese Aeusserung Ein« spruch: Ich war in demselben Kabinett wie Deleassä Minister und kann nicht zulassen, daß gesagt wird, Delcassö habe eine solche De- luüligung erlitten. Seine Kollegen hätten das nicht geduldet. Er ist damals au« freiem, eigenem'Willen gegangen. Nachdem noch mehrere Redner gesprochen batten, wurde die VertraucnStagtSordnung mit 372 gegen 9 Stimmen angenommen und die Sitzung geschlossen. Die nächste Sitzung wurde für Freitag anberaumt. Politische Ueberslcht. Professor Brentano zur Erweiterung der Anbaufläche. Zu dem alten Streit, ob die deutsche Landwirtschaft in der Lage sei, den Nahrungsmittelbedarf des deutschen Volkes zu decken, ergreift im„Berliner Tageblatt" wieder einmal Prof. Brentano- München das Wort. Der Krieg hat seinen verneinenden Standpunkt befestigt und der Hinweis auf die Steigerung der Ernteerträge erlaubt ihm auch nicht für die Zukunft die Hoffnungen seiner wissenichaftlichen Gegner zu teilen. Diesen Ertragssteigerungen seien tech- Nische und ökonomische Grenzen gezogen, die bald erreicht werden würden. Wenn die Bevölkerung Deutschlands um die Mitte des 20. Jahrhunderts 100 Millionen betrage, so käuten an landwirtschaftlich nutzbarer Fläche auf den Kopf noch etwa 0,33 Hektar und an Getreideland etwa ein halber preußischer Morgen. Keine Ertragssteigerung sei denkbar, die es ermögliche, daß ein so kleines Stück Boden den Bedarf decke. Nun meint man vielleicht, es komme die Schlußfolge- ning: also mutz Deuffchland zum Freihandel übergehen und eine auswärtige Politik treiben, die ihm den Weg zu den Weltgetreidemärkten offen hält. Aber Brentano biegt nach einer anderen Richtung um. Er stellt fest, daß Belgien und die von deutschen Truppen besetzten Teile Frankreichs selbst der Gctrcidczusuhr von außen bedürften. Dasselbe gelte von dem etwa wiederherzustellenden Königreich Polen, und auch die wirtschaftliche Angliederung der östcrreichisch-ungarischen Monarchie werde Teutschland wenig Helsen. „Anders," se fährt er fort,„steht es mit Russtsch-Litauen und den baltischen Provinzen.... Ausserordentlich grosse Flächen, darunter solche von hervorragender Fruchtbarkeit, harren dort des deutschen Ansiedlers und deutschen Kapitals, um ausser- ordentliche Erträge abzuwerfen. Wer für eine dem deutschen Bedarf genügende deutsche Landwirtschast schwärmt, mühte vor allem darauf aus sein, dass der Wunsch der Deutschen in de» baltischen Provinzen erfüllt und Litauen und die baltischen Pro- vinzen mit dem Deutschen Reich vereint und mit deutschen Kolo- nisten aus Russland und Altdcutschlaud besiedelt werden." Steuererhöhung in Bayern. Im FinanzauSschuss der Kammer der Abgeordneten erklärte bei der allgemeinen Budgetdebatte Finanzminister Breun ig unter anderem, das vorliegende Budget sei ein völlig neu durchgearbeitetes Budget. Die Annahme der Kliegsbeendigung noch im Jahre 1915 und dementiprechender wirtschaftlicher Verhältnisse für 1910 gebe der Fortführung des Staat«- hauShallcS eine feste Grundlage. Ein anderer Weg für die Aufstellung des Budgets bestehe nicht, ausser man wolle ein reines Kriegsbudget ausstellen, bei dem die vorgeschriebene Bilanzierung nicht oder nur durch eine wesentlich stärkere Steuererhöhung al« die massige von 25 Proz. bewirkt werden könnte. Die vorgeschlagene Steuererhöhung von 2 5 Proz. sei notwendig, da der ausgewiesene Fehlbetrag sich ja schon bei normal günstigem Verlauf der Jahre 1910/17 ergebe. Für die Annahme einer Vermögens st euervorlage bestünde keine Aussicht. Auch in Württemberg denke man an eine wesentliche Erhöhung der Einkommensteuer. Wolle man in der Er- füllung der bisher durchgeführten oder neu sich ergebenden kulturellen und sozialen Aufgaben nicht zurückgehen, so müsse man eben die Mehrlastcn auf sich nehmen. Nachdem ausgibige Ein« nahmequellen nicht in Aussicht stünden, müsse man in erster Linie trachten, durch Ersparnisse an entbehrlichen Zwecken Mittel für wichtigere Ausgaben zu gewinnen. Beruhigen könne nur die Tat- fache, dass unter dem Bölkerkriege die Feinde noch schwerer litten, und die Zuversicht, dass, wie man die Kraft zur Abwehr der Feinde gefunden habe, man auch die Kraft finden werde, sich wirtschaftlich wieder emporzuringcn und die s ch iv e r c n L a st c n, die noch kämen, zu tragen und nach und nach tunlichst bald die Schulden wieder abzubürdcn. Nach der„Tägl. Rundschau" erklärte bei der Erörterung ein Redner: Der Zensur habe es an örtlicher und zeitlicher Einheit gefehlt. Uebrigcus sei sie geradezu zur Deckung des jetzt regierenden Ministeriums verwendet worden. Die Unterdrückung des seit 44 Jahren bestehenden konfessionslosen Moralunterricht« stelle auch einen Bruch deS Burgfriedens dar. Die eigentliche Quelle des Versagen« unserer Diplomatie war das Fehlen einer besseren politi- schen Erziehung dcS Volke« und deS Parlamentarismus der Regie- rung. Bei dem rein bureaukralischcn System könne man die Tüchtigsten nicht herausfinden.__ BundesratSbeschlüsse. In der Sitzung des Bundesrats gelangten zur Annahme: Der Entwurf einer Bestimmung, betreffend den Belrieb der Anlagen der Grossindustrie, die Vorlage, betreffend einen dritten Nachtrag zur deutschen Arzneitaxe 1914, der Entwurf einer Bekanntmachung über die Verarbeitung von Bucheckern, und der Entwurf einer Bclannt- machung über das Verbot deS Anstreichens mit Farben aus Bleiweiss und Leinöl._ Sozialistischer Wahlsieg in Norwegen. Kristiania» 14. Oktober.(W. T. B.) Die S t o r t h i n g s- wählen haben überall ordilunasinätzig stattaefunde«. 59 Wahlen find entschieden, in 04 Wahlkreisen ist Stichwahl erforderlich. Gewählt sind bisher 33 Negierungsparteilec der radikalen Linken, 15 Sozialdemokraten, 9 oppo- sitionclle Rechte und Freisinnige, 2 Arbeitcrdcmokraten. Die Regierungspartei ist in der Mehrheit ziemlich unverändert und gesichert. Die Rechte hat bereits im ersten Wahlgangs 3 Wahlkreise verloren. Insgesamt wurden 597 000 Stimmen abgegeben, hiervon 222000 in Stadtkreisen, 375000 in Landkreisen; für die Regierungspartei 198 052, für die S o z i a l i st e n 188 082, Rechte und Freisinnige 100 151, Arbeiterdemokraten 20 383. Der Stimmenzuwachs gegen die letzte Wahl von 1912 beträgt für die Sozia l i st e n 40 Prozent, für die Regierungspartei 15 und für die oppositionelle Rechte 5 Prozent. Letzte Nackrichten. Englands Appell an die Steuerzahler. London, 14. Oktober.(W. T. B.) N n t e r h a u S. Bei der zweiten Lesung der Finanzvorlage rief die Erklärung des Finanzsekretärs des Schatzamtes Montagu, daß jeder Bürger darauf gefaßt sein müsse, schließlich die Hälfte seines Einkommens in Form von Steuern und Anleihen dem Staate zur Verfügung zu stellen, großes Aufsehen hervor. Tic Absage Griechenlands an Serbien. Lyon, 14. Oktober. Gemüse Zervelat............. ptund 2eo Salami............... Pfund 2«° Teewurst............ pjund 270 Mettwurst nach Brannschw. Art Pfd. 230 Jagdwurst........... Pfund 210 Knoblauchwurst....... Pfand 220 Brüh-Mettwurst....... Pfand l45 landleberwnrst....... Pfund 1" Zwiebelwurst......... Pfand l« RotWnrst............. Pfand l« SUlZWnrSt............ Pfand 1'° Würstchen In Dosen...... Dose l« Kochblrnen................ 10 Pf.| Beerblank-Birnen...... Pfund 35 pl Grosse Kochäpfel...... Pfand 1 5 Pf. Rote Tafeläpfel......, Pw-z 35 Reinetten(Rainbour)..ipfuoa 35?£. Treibhaus-Weintrauben p,°»<- 65 pt Weisskohl 7 pf- Mohrrüben................. 10 m. Kohlrüben............ pr»°< 9 pt| Radieschen........... s n°°e 10 p- Z 8chwarzvurzel........ p,D»a 20 pt g Blumenkohl.....*»»' 45, 20, 35 pt Z Schürzen Hausschürzen Q C guten Stoffen....... �***• Blusenschürzen»n. 1 45 Qlngham, tchOn garniert.. Blusenschürzen.», 045 ▼orzügt. Gingham. reich bei. Kleiderschürzen 095 guten Stötten. scbSn garniert** Kinderschürzen � Q_ _ ans(entern Gingham u. siritsse|"i> = Indlgostotf........*5—40 JL �25 �65 r r 295 350 yO �50 225 Grosse 65-80 Tändelschürzen streift Datist mit reich Stirkereigaru Teeschürzen gestreift u glatt. Batist m. achöner Stickerei garnier. 50, 95« 95.. 135 r 25 Tändelschürzen'.?'i,.in QC 1 and türk Stoffen, schön garniert J A TändelSChÜrZen-»>, Tr»ger ans ge- 1 25 streikt. Stoffen, ringsberum mit türk. Volant Kinderschürzen � 95 GrBsse•»25 65-80£ tvmaersenurzen A, a. gut glatt Batist, mit®J8"e I- FaltenToi.n Bindeband 45 50 X Regenschirme für Damen und Herren Regenschirme mit seidenem rntteral 090 nnd KaturtiBeken................. Halbseidene Gloria mit aeid.Futierai �90 nnd sehSnem Katnrstocksorliment ild.Fufferal Q f ....... 4' Halbseide mit seidenem Futteral, ele- C90 aante Rundhakea.................*** Surah-Halbselde mit seid. Futteral. /t90 moderne Bundhakea.......... Reine Seide mit modernem Rundbaken, /�25 mit wattet Futteral................." Parti. Beaensthlrme für Damen Halbseide marine, grün. lUa, moderne*725 Eundbakcn Reine Seide marine, grün und Q75 S III.......................... vj IlMmiMMI»!!MMIIW»!I Verantw. Redakt.: Alfred Wielrvv. Neukölln. Inseratenteil verantw. TH. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u.Lerlagsanstali Paul Singer Sc Co., Berlin SVk. Hierzu 1 Beilage u. Unterhaltungsbl. Nr. 285. 32. ZahrMg. öeöenken zu? Kartoffel- Verordnung. Uebcr die z» erwartenden Wirkungen der Bundesratsverordnuini zur Rartoffelverso�giing gegen die Meinungen auseinander, aber niemand hegt besonders hohe Erwartungen. Die.Kreuz- Zeitung" befürchtet Schwierigkeiten bei der Durchführung und tragt,<0ie der Kommunalverband den Bedarf feststellen solle. Die Eytfljrung des letzten Jahres habe gezeigt, dag der Kartoffelbedarf in den Städten und Jndustrieorten viel zu sehr überschätzt werde. Daher mügtc in diesem Jahre zunächst in den einzelnen Kommunal- verbänden eine genaue Feststellung des Bedarfs erfolgen. Das werde kaum möglich sein, ohne dag die Kommunalverbände die minder bemittelte Bevölkerung öffentlich auffordern, ihren Bedarf für Herbst und Winter bei ihrer Kommunalbehörde anzumelden. Das wird in der Tat notwendig sein, wenn sich die Gemeinden einigermaßen gegen die Gefahr sichern wollen, nachher auf ihren Vorräten sitzen zu bleiben. Aber es kommt nun noch eine weitere Schwierigkeit hinzu. Die Gemeinde ist absolut verpflichtet, die bei der Rcichskartoffelstelle angemeldeten Mengen auch abzunehmen. Kann sie ihrerseits dieselbe Verpflichtung auch den Konsumenten auferlegen? Die werden sich zum guten Teil zu einer Abnahme bestimmter Quanten nicht zwingen lassen wollen und darauf speku- lieren, dag bei vorgerückter Jahreszeit der Preis der im freien Ver- kehr zu erwerbenden Kartoffeln unter die von der Gemeinde zu zahlenden.Grundpreise" sinken könne. Hier liegt eben der schwache Punkt des ganzen, so komplizierten Systems. Nun meint ein.fachmännischer Mitarbeiter" der„ V o s s i s ch e n Zeitung", dag vielleicht die neue von Kartoffel- Händlern gegründete Gesellschaft, die ein mit 23 Proz. einzuzahlendes Kapital von 2 Mill. Mark ausbringen will, Hand in Hand mit den Kommunen der großen Städte gehen und diesen Rückhalt bieten könne, und'es scheint ihm nur fraglich, ob die in der Verordnung festgesetzten Preise von 35— 6l M., die nur für die durch die Rcichskartoffelstelle zu beziehenden Kartoffeln gelten, einen risikolosen Anreiz für die neue Gesellschaft bieten können, sich mit großen Kartoffelmassen festzulegen. Uns scheint es vor allen Dingen fraglich, ob nicht die Ein- schiebung dieses Verbandes den Zweck der Verordnung vollständig illusorisch machen könnte. Es gibt Grundpreise für die Produzenten, aber keine für die Händler, und wer weiß, was die Verbraucher schließlich für die Kartoffeln zahlen müßten, die für 53— 61 M. pro Tonne bei den Erzeugern eingekauft wären? Die. K r e u z- Z e i l u n g" hat am Ende recht mit der Ver- mutung, dag die Rcichskartoffelstelle die zu erwartenden Ansprühe der Kommunalverbände leicht befriedigen könne. Aber nur deshalb, weil diese Ansprüche mit Rücksicht auf die erwähnten Schwierig- keilen gering sein werden, viel geringer jedenfalls, als es im Interesse der Volksernährung liegt. Das Blatt stellt selbst folgende Berechnung an: „Die gesamte Kartoffelanbaufläche Deutschlands dürfte etwa 3 Millionen Hektar betragen. Davon entsallcn auf den Groß- grundbesitz, der im wesentlichen von der Verordnung getroffen »vird,. eirua 6.66 Millionen Hektar, also der fünfte Teil der ge- samten Anbaufläche. Man schätzt die Ernte dieses Jahres auf 36 bis 53 Millionen Tonnen, demnach beim Großgrundbesitz auf 16 bis 11 Millionen Tonnen. Hiervon werden durch die Ver- oidnung nur der 16. Teil, gleich 1 Million Tonnen, beschlagnahmt." Der Gcsamtbedarf für Zwecke der menschlichen Ernährung be- trägt etwa 15 Millionen Tonnen. Das Quantum, das eventuell zu beschlagnahmen ist, kann also unmöglich ausreichen, die Ansprüche auch nur der unbemittelten Bevölkerung zu decken, und wenn darauf hingewiesen wird, daß der Knrtoffelstclle zunächst ja noch der freie Markt zur Verfügung stehe, so wissen die Beherrscher deS freien Marktes auch sehr gut, was die Glocke geschlagen hat und die Rück- ficht auf die Möglichkeit einer Beschlagnahme von 1 Million Tonnen wird sie nicht veranlassen, niedrige Preise zu stellen. Die Hoffnung des„Beil. Lokal-Anzeigers", es werde der Reichsstelle gelingen, frei- händige Einkäufe in größerem Maßstabe zu einem niedrigeren, als dem auch von diesem Blatte als übertrieben hoch empfundenen Grund- preise abzuschließen, wird sich also kaum erfüllen. Das tägliche Srot. Glänzende Aussichten l Die Flcischlvarenfabrik Vogt u. Wolf Aktiengcsell- sckmft in Gütersloh zahlt für das abgelaufene Geschäftsjahr 30 Proz. Dividende. Wie in der Generalversammlung mitgeteilt wurde, haben auch die ersten Monate des de- gonnenen Geschäftsjahres wieder„gute Ucberschüsse gebracht, so das; die Aussichten als glänzend zu bezeichnen sinV. In der Tat, für die— Aktionäre sind die Aussichten glänzend; aber für die Konsumenten? Zuckcrprofite. Nichts vermag die Zuckcrpolitik der Regierung besser zu beleuchten als folgende Tatsache: Die Aktiengesellschaft Zuckerfabrik Schroda steigert ihre Dividende von S-l aus 40 Prozent. Der Reingewinn der Gesellschaft stieg von 306 800 auf 500 000 Mark.— Bekanntlich gibt es für Zucker nicht Höchst-, fondern Mindestpreise. Noch vor kurzem hat die Regierung den Preis für Rohzucker für 1913/16 wieder erhöht. Die Gclvinne, die von den Zuckerfabriken im Jahre 1014/15 gemacht ivnrden, waren der Regierung offenbar noch zu niedrig. Jetzt können die Aktionäre dank der Für- sorge der Regierung für das nächste Jahr eine noch höhere Dividende erwarten! Die Verwaltung der Zuckerfabrik ist natürlich über das Ergebnis höchst erfreut; sie schreibt sogar in ihrem Bericht: „Ten Dank, den wir unserem Vaterlande für den Schutz, den es uns gewährt, schulden, wollen wir zum Aus- drucke bringen und werden der Generalversammlung einen dementsprcchendcn Antrag einreichen." Auf diesen„Dank" sind wir wirklich neugierig. Es ist schade, daß die Gesellschaft vorläufig noch so schamhaft darüber schweigt. Weitere Erhöhung der Bierpreise! Wie die«Tätliche Rundschau" von wohlunterrichleter Seite er- fählt, wird der Verein der Brauereien Berlins und Umgegend schon in naher Zeil— voraussichtlich sogar schon bis zum 1. November dieses Jahres— die Bierprcise nochmals erhöhen. Welchen Be- trag diese Herauffetzung der Preise erfahren soll, ist noch nicht genau festgelegt; indessen herrscht in den Brauerlreiseir die Ueberzeugung vor, daß sie ziemlich erheblich ausfallen wird, weil die Markt- Verhältnisse für die Beschaffung der Rohmaterialien zurzeit durchaus unbefriedigend seien. Insbesondere begegnet die Beschaffung des Malzes und der Gerste Schwierigkeiten, weil eS mit Bezugscheinen für Gerste vielfach hapert. Wenn die neue Verteuerung dieses„früher so beliebten Ge- tränkes"— wie die„Rundschau" sagt— auch nicht s o unangenehm empfunden wird wie der Wucher mit den notwendigen Nahrungs- Mitteln, so liegt doch ein Grund für die Preissteigerung nicht vor, da bereits früher der Preis mehrfach in die Höhe getrieben wurde. Die Städte über die Neuregelung der Kartoffel- Versorgung. UnS wird geschrieben: In einer von zahlreichen deutschen Stadtverwaltungen beschickten Besprechung hat Einstimmigkeit darüber geherrscht, daß die Städte durch ihre Beteiligung an der neuen Gesellschaft nicht in der Lage sind, einen Teil der der Reichsleitung obliegenden Ver- antwortung für die Kartoffelversorgung zu übernehmen und daß be- sonders eine Verantwortung für die Richtigkeit des von der Reichsleitung gewählten Weges die städtischen Verwaltungen nicht treffe. Andererseits haben die städtischen Verwaltungen dem an sie ergangenen Ruf zur Beteiligung an der Kriegskartoffelgesellschafl Folge geleistet. Der auf die Städte entfallende Teil des Stamm- tapiials ist auf 52 deutsche Städte einschließlich der Landgemeinde Berlin-Steglitz verteilt und bereits fest gezeichnet worden. Was auch bei uns nötig wäre! Während in Deutschland nur ganz unzureichende Maßnahmen zur Versorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln getroffen worden sind, hat die deutsche Zivilverwaltung in Polen sich zu einer durchgreifenden Regelung, nämlich der Beschlagnahme aller Kartoffelvorräte entschloffen. Der Verwaltungschef bei dem Generalgouvernement Warschau hat bekannt gemacht, daß sämtliche Kartoffeln und Kartoffclfabrikate in den Gouvernements Kaliscb, Plock, den Kreisen Wloclawec, Nieszawa, Kutno, Gostynin des Gouverneinenls Warschau, sowie den Kreisen Ezensiochau, Bendzin, Lask, Lodz und Brzeziny des Gouvernements Petrikau beschlagnahmt sind. Ein Verkehr mit Kartoffeln und Kartoffel- fabrikaten ist nur innerhalb der Kreise mit Genehmigung des Kreis- chefs zulässig. Alle bereits abgeschlossenen Lieferungsverträge, die zur Lieferung außerhalb eines Kreises verpflichten, werden auf- gehoben, ohne daß Käufern oder Verkäufern ein Anspruch auf Eni- schädigung zusteht. Bereils geleistete Anzahlungen sind zurückzu- geben.— Hinsort dürfen Verträge zur Lieferung außerhalb eines Kreises nur noch zugunsten der Zivilverwaltung des General- gouvernementS abgeschlossen werden. Für die Ankäufe der Zivil- Verwaltung wird der Kartoffelpreis frei Waggon nächster Bahnstation auf 1,25 Bk. per Zentner festgesetzt. Bei einer Entfernung von über sechs Kilometer. Zwischen Hof und Station wird Anfuhr von 1 Pf. per Zentner und Kilometer gewährt. Bei ausnahmsweise ungünstigen Wegen kann eine Sonderzulage bewilligt werden. 1,23 M. gilt zugleich als Höchstpreis. Für ausgesuchte Eßlartoffeln kann der Kreischef bis 2 M. bewilligen.— Mit Genebmigung des Kreischefs sPolizeipräsidenten) können aus- gesuchte Eßkartoffeln zu höchstens 2 M. nach Warschau, Lodz, Sosnowice und Ezensiochau sowie nach Teutschland geliefert werden, letzleres nur durch die Hand der Zivilpcrwaltung.— Preis für Kartoffelflocken 9, Kartoffelwalzmehl 10, Kartoffelschnitzel 8,50, Kartoffelmehl L Qualität 13,50 M. Auch die Preise sind wesentlich niedriger angesetzt als das für Deutschland kürzlich vom Bundesrat geschah. Ms Grvß-Ssrlm. Kampf um ßleifch unö Zett. Es ist keine Uebertreibung wenn wir sagen, daß in Berlin täglich Tausende von Personen kämpfen, um ein kleines Quantum Fleisch oder Schmalz zu erlangen. Allerdings wird dieser Kampf nicht mit Mitteln der Gewalt, ja nicht einmal mit heftigen Worten geführt. Aber, ist nicht ein nnverhältttis- mäßiger Aufwand von Zeit und Kraft, ein zähes Ausharren in feuchtkalten Herbstnächten auch ein Kampf? So kämpfen Ta�j für Tag Tausende, um für ihr gutes Geld ein Stück Fleisch oder ein Pfund Schmalz an den städtischen Verkaufs- stellen zu erstehen. An den Markthallenständen, wo städtische Fleisch, und Fettwaren verkauft werden, drängen sich die Massen lange vor Eröffnung der Hallen und reißen sich fast die Kleider vom Leibe, um die begehrte Ware zu erstehen. Ganz besonders stark ist der Andrang an der Ecke der E l d c n a c r und T h a c r straße, wo die Stadt in einem Ge- bände des Schlachthofes Schmalz, Gefrierfleisch und frisches Hammelfleisch zum Verkauf stellt. Gestern und vorgestern haben wir das Treiben an dieser Stelle beobachtet.. Schon am Mittlvochnachmittag fanden sich zahlreiche Frauen ein in der Absicht, dort ans der Straße zu warten, bis die Verkaufsstelle am nächsten Morgen um 7 Uhr geöffnet werden würde. Während des Tages vertrieben Schutzleute die Wartenden. Aber in den Abendstunden, wo die Polizei die Ansammlung nicht mehr hinderte, fanden sich Hunderte von Personen, meistens Frauen, ein. Auf mitgc- brachten Schemeln und Fußbänken setzten sie sich längs der Mauer auf der Straße nieder. Um 3 Uhr abends bestand die Menge aus mehreren hundert und um Mitternacht war sie um weitere hunderte angewachsen. Sie alle nahmen die Beschwerden einer schlaflosen Nacht im Freien und das Risiko eines kalten Regenschauers auf sich, um bei dem Verkauf, der nur von 7— 10 Uhr vormittags währt, nicht zu spät zu kommen. Als die Verkaufsstätte geöffnet wurde, wehrten Schutz- leute deni allzu ungestümen Andrängen. Gruppenweise wurden die Käufer eingelassen, lim 0 Uhr, als etwa die Hälfte der Wartenden abgefertigt war, erlebten wir eine .Ucberrafchung. In Begleitung eines uns unbekannten Herrn erschien Oberbürgermeister Mermuth. Er sah sich das Treiben vor und in dem Verkaufsraum an und entfernte � sich dann mit seinem Begleitet;. Hoffentlich hat die Besichtigung den Herrn Oberbürgermeister davon überzeugt, daß die völlig un- geregelte Art des Verkaufs von Flcischwaren durch die Stadt zu argen Mißständen führt. Wir hätten gewünscht, Herr Oberbürgermeister Mermuth wäre noch eine halbe Stunde länger an Ort und Stelle geblieben. Tann� hätte er die Klagen ilnd die Wünsche der enttäuschten Frauen hören könizen, die nach einer schlaflosen Nacht voll Hoffen und Harren leer ailsgingen.__________________——_- Freitag, 15. Mober 1915. Um lAlO Uhr waren im Innern der Halle noch etwa 100 Käufer. Weiter wurde niemand mehr eingelassen. Ein Schutzmann, der dem Schlachthofbeamten zur Schließung �der Türen riet, sagte, es feien noch gegen 1000 Menschen draußen. Diese tausend haben also vergebens eine Nacht auf der Straße zugebracht. Als ivir hinaustraten unter die Menge der Enttäuschten, da bekamen wir ihre Klagen zu hören, von denen wir wünschten, daß sie das Ohr des Oberbürgermeisters erreicht hätten.' Zahlreiche Frauen umringten uns und klagten, daß sie schon drei, vier Nächte hintereinander vor der Tiir der Verkaufsstelle gewartet und doch nicht zeitig genug dagewesen wären, um etwas zu bekommen. So müßten sie auch heut wieder leer nach Hause gehen, während andere, die gestern erst gekauft hätten, auch heute wieder einen Ein- kauf hätten inachen können. Die Frauen meintem es gehe nicht immer nach der Reihe. Manche Käufer verständen es, sich vorzudrängen oder würden vielleicht bevorzugt. Mit Recht meinten die Beschwerdeführerinnen, der Fleischverkauf müsse geregelt werden. Eine Kontrolle dnrch Karten, ähnlich der Brotkarte, müsse eingeführt werden, damit die vorhandene Ware möglichst gleichmäßig ans die Konsumenten verteilt werde. Unter allen Umständen müsse verhindert werden, daß Leute, die heut erst mehrere Pfund Fleisch und Schmalz kauften, morgen schon wieder das gleiche Quantum bekommen könnten. Tatsächlich gebe es Leute, die man täglich in den vordersten Reihen der Wartenden Jehe und die verhältnismäßig große Einkäufe machen, während andere nächtelang vergebens gewartet hätten. Wir empfehlen diese Wünsche der Berücksichtigung durch die städtischen Behörden. * In der Weddinghalle. Unter ungeheurem Andrang erfolgte bisher in den Markthallen der Verkauf von Speck, Schinkenfett und Schmalz zu Vorzugspreisen. Solange der Verkauf am Nachmittag vor sich ging, standen bereits um 1 Uhr mittags die ersten Reflektanten, meist Frauen, vor der Halle, um zu etwas Speck oder Schmalz zu gelangen. Mit den Stunden schwoll die Menge immer mehr an, so daß die letzten auf der Straße stände». Droben, am Wedding, waren die Zustände besonders schlimm. Es kam vor. daß Frauen, vom langen Stehen erschöpst, ohnmächtig zusammenbrachen. Direkt lebensgefährlich wurde die Sache aber, wenn das Tor um die fünfte Stunde geöffnet wurde. Dann drängte die Menge wie ein wilder Sturzbach in die Halle, wobei es natürlich zu den unerguicklichsten Szenen kam. Einzelne Frauen wurden in die Stände gequetscht, andere in umherstehende Kicpcn gestoßen und es kann von Glück gesagt werden, wenn hierbei sich nicht ein schwereres Unheil ereignete. Was aber besonders zum Unwillen herausforderte, war der Umstand, daß manche Käufer mit Hilfe von Familienangehörigen geradezu„hamsterten" und möglichst viele der so heiß umstrittenen Waren in Sicherheit brachten. Soweit die Meinung der benachteiligten Käufer zum Ausdruck gelangte, er- hoffen sie durch die Einführung des Markensystems eine beffere und gerechtere Regelung des Verkaufs. Am gestrigen Tage war nun durch Zettelanschlag bekannt ge- geben worden, daß der Verlauf der erlvähnten Fette nur noch von morgens 7 Uhr an erfolge. Viele der Frauen hatten das nicht rechtzeitig erfahren, und so sammelten sich auch gestern bereits in den frühen Nachmiltagsstunden Hunderte von Kauflustigen vor der Halle in der Reinickendorfer Straße an, obgleich die Bekanntmachung ausgehängt war. Sie standen und harrten in der Hoffnung, daß vielleicht doch noch eine Wendung in den Anordnungen der Markt- Hallenverwaltung eintreten könnte und sie noch etwas Speck oder Schmalz erhalten würden. Es blieb aber wie angekündigt. Als um 5 Uhr geöffnet wurde, war nichts von den begehrten Artikeln zu haben. Solche Frauen aber, die schon am Morgen dagewesen waren, erzählten, daß auch zu dieser Zeit schon ein wilder Kampf um die Fetie enistauden sei. Um 5 Uhr früh waren die ersten Käufer gekommen, um 7 Uhr begann der Verkauf und um'/,8 Uhr war auch kein Fussel mehr von Speck oder Schmalz vorhanden. Kriegs-Elcndsbilder. Durch die Berliner bürgerliche Presse läuft folgende recht viel- sagende Schilderung:„Vor den Berliner Kasernen entwickelt sich um die Mittagszeit ein lebhaftes, buntes Bild, nicht feldgrau, sondern nüchtern und verschänit. Gegen 12 Uhr erhält der Militärposten Besuch: der Blechcimer, die Blechtanne und der irdene Topf er- werben sich dann hier für kurze Zeit Heimatrecht. Alle Mütterchen und alte Männer, junge Frauen und Kinder erscheinen mit diesen Gefäßen bewaffnet und stellen sich recht fein in Reih und Glied auf. So stehen sie bis midenhalb Stunden und warten geduldig auf den—„Küchenschwaben", der in einem Blechkessel das übrig- gebliebene Mittagessen bringt. Die Teuerung für Lebensmittel treibt manchen zum Kascrnentor, der es sich früher nicht hat träumen lassen, daß er einst verschämt übriggebliebenes Militärmittagesscn er- bitten werde." Meldepflicht für Kunstgegenstände ans Kupfer«sw. Der Berliner Magistrat teilt mit: Wiederholt ist die Ansicht laut geworden, daß von den durch die Beschlagnahmeverordnung vom 31. Juli 1915 betroffenen Gegenständen diejenigen, die als Kunstgegenftände und alle Erbstücke betrachtet werden, nicht zu melden sind. Diese Auslegung der Verordnung ist unrichtig. Alle in der Bekanntmachung genannten, im Z 2 der Berliner Ausführungs- bestimmungen> J f'i'• iSütK flför die devtscheu Gefangenen in Ruhland. Zu der Hilfsaktion für die deutschen Gefangenen in Rußland. erfahren wir noch, daß diese Aktion nicht auf Sibirien allein beschränkt ist. sondern bei der Verteilung der Pakets auch nach Möglichkeit die Gefangenenlager von gang Rußland be- rücksichtigr werden sollen. Auf Grund vielfacher Anfragen wird uns ferner mitgeteilt, daß selbstverständlich auch� die österreichischen Gefangenen Berücksichtigung stnden, da das Deutsche Komitee Hand in Hand mit einer öfter- reichisch-ungarischen Organisation arbeitet, welche über Wladiwostock die österreichischen und deutschen Gefangenen mit Liebesgabenpakcten versorgen wird. Von besonderer Wichligkeil ist es. daß die Pakete unpersönlich zur Versendung gelangen, da die russische Re- gierung keinerlei Ausichrifl gestaller. Die in Aussicht genommene Zahl der Pakete ist aber eine so große, daß zweifellos alle unserer gefangenen Landsleute und Bundesgenossen in den Besitz eines Pakers gelangen werden, um so mehr als durch die dankenswerte Mitwirkung des schwedischen Roten Kreuzes die Gewähr dafür geboten ist, daß die Pakete auch wirklich in die Hände der Gefangenen ge- langen. Im Interesse der guten Sache sind Geldspenden dringend er- wünscht. Gegenstände, die zur Versendung bestimmt sind und Geld- spenden werden in der Sammelstelle für Berlin und die Provinz Brandenburg, der Geschäftsstelle des Roten Kreuzes in Berlin, Mark- grafenstraße 40(nicht Markgrafendamm, wie es in der Notiz in unserer Dienstagnummer fälschlich hieß) angenommen. Pferdegespanne ohne Beleuchtung. Das Oberkommando in den Marken erläßt folgende Bekannt- machung: Für den Landespolizeibezirk Berlin und für die Gemeinden im Kreise Teltow Berlin-Treptow, Berlin-Britz, Berlin-Dahlem, Berlin-Friedenau, Berlin- Grunewald, Berlin- Johannisthal, Berlin-Lankwitz. Berlin-Lichterfelde. Berlin-Marien- darf, Berlin-Niederschöneweide, Berlin-Schmargendorf, Berlin- Steglitz, Berlin-Tempelhof. im Kreise Niederbarnim Berlin- Pankow, Berlin-Reinickendorf, Berlin-Weißensee bessimme ich hiermit im Anschluß an meine Bekanntmachungen vom 13. Juli t914— 0 No. 34 458— und vom 6. September 1915— 0 No. 40 656—: Zur Ersparung von Beleuchtungsstoffen wird die Fort- lassung der Beleuchtung an allen mit Pferden be- spannten Fuhrwerken bis auf weiteres gestattet. Die bestehenden polizeilichen Vorschriften treten insoweit außer Kraft. Der Oberbefehlshaber in den Marken. von Kessel, _ Generaloberst. Weihnachtspakete nach überseeischen Ländern. Es empfiehlt sich, die Weihnackitspakete nach den überseeischen Ländern, mit denen ein Pakctvcrkehr zurzeit möglich ist, namentlich nach den Vereinigten Staaten von Amerika, schon Anfang November bei der Post ein- zuliefern, damit die rechtzeitige Aushändigung dieser Sen- düngen an die Empfänger gesichert ist. Postamt in der Potsdamer Straße. Das Postamt Berlin W 71 wird aus dem Hause Schöneberger Ufer 25 nach den neuen Diensträumen im Hause Potsdamer Straße 31 verlegt. Die Verlegung erfolgt am 16. Oktober nach Schluß des Dienstes. Die Potsdamer Straße erhält damit wieder ein Postamt, wie dies vor vielen Jahren der Fall war, ehe das Postamt 33 nach der Lützolv- und später nach der Körner- straße verlegt wurde._ Berliner Strahenreiniger als Schöneberger Nothelfer. Auf Grund angestellter Erhebungen konnte bereits Ende August festgestellt werden, daß an der Sollstärke der im Etat vorgesehenen Mannschaften nicht weniger als 15 Vorarbeiter, 608 Arbeiter und 57 Burschen fehlen. Trotzdeni müssen die zurückgebliebenen Mann- schaften, die naturgemäß in hohem Maße ällere Leule in sich bergen, die Arbeiten in gewohnter Weise zu bewälligen versuchen. Daß die Reinigungsarbeiten selbst bei größter Anstrengung namentlich in den Nebenstraßen manches zu wünschen übrig lassen, wird hiernach durchaus begreiflich erscheinen. Unbegreiflich aber erscheint, daß trotz dieser ver- minderten Arbeiterzahl noch immer Leute übrig sind für Zwecke, für die sie nicht bestimmt sind. Am Mittwoch, den 6. Oklober. hatte das Personal(Kutscher und Mitfahrer) der Wirtschaitsgenossenschaft der Grundbesitzer in Schöneberg wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. Sofort wurden auf Veranlassung des Direktors der Berliner Straßenreinigung 37 Mann der Straßenreinigung ab- kommandiert, um in Schöneberg Rausreißerdienste zu leisten. Wie gesagt, handelt es sich in der Mehrzahl um ältere Leute, die diese ihnen zugemutete schwere Arbeit gar nicht bewältigen können, ganz abgesehen von der Verwerflichkeit dieses Verfahrens überhaupt; sie lehnten deshalb die Aufnahme der Arbeit ab. Einige der in Frage kommenden Arbeiter ließ sich der Herr Direktor nun vorführen und machte ihnen den Vorwurf der Arbeits- Verweigerung. «Was, Sie sind zu schwach?! Sind Sie Soldat gewesen?' „Nein, Herr Direktor!" „So, wie kommen Sie denn überhaupt zu unS? Wie lange sind Sie schon bei der Straßenreinignng „Siebzehn Jahre. Herr Direktor!" „Ach so, damals war ich noch nicht hier; ich nehme nur Soldaten an!" So der Dialog zwischen Direktor und Arbeiter. Daß auch sonst in der Straßenreinigung„straffe Zucht und Ordnung" herrscht, ist sa allgemein bekannt. Für die„Jugend- seklion" fungiert als Drillmeister ein Herr Oberaufseher Pater- mann. Dieser Herr hat das Schimpfen gewissermaßen vom Hand- werk zur Kunst erhoben. Wetts nicht glaubt, gehe aufs Tempelhofer Feld, sehe, höre und staune!— Aber„er meint es nicht so schlimm", versichert der Herr nachträglich! Daß die Zahl der sich zur Beschäftigung in der Straßenreinigung„drängenden" jungen Leute sich trotzdem vermindert, ist begreiflich. Leider muß befürchtet werden, daß Berlin dabei seinen Ruf als„die sauberste Stadt der Welt' einbüßt. Ob der Allgemeinheit damit geholfen ist, erscheint doch höchst fraglich._ Wie manche G miner arbeiten, dafür liefert folgende Zuschrift einer Leserin aus Lichtenberg einen neuen Beweis: Am Sonnabend erschien in meiner Wohnung ein kleiner untersetzter Mann und bat, ihm doch eine fiir meine Nachbarin bestimmte Pappmappe abzu- nehmen nnd ihm die zu entrichtenden 30 Pfennige zu bezahlen. In meiner Gutmütigkeit tat ich das. Die Mappe trug die Aufschrist: Lesezirkel Gottlieb Richter, Berlin NO. Große Frankfurter Str. 50/51 und enthielt zwei„Münchener Blätter" und ein Exemplar„Lustiges Blatt". Als ich nach einiger Zeit meiner Nachbarin die Sachen übergeben wollte, war sie nicht wenig erstaunt, denn sie liest die Zeitungen gar nicht und hat sie auch nicht bestellt. Ich war aber meine 30 Pf. los. Zur Warnung für andere sei dies mitgeteilt. Einbrecher in der Pfandleihe. Reichs Beute, deren Wert sich noch nicht genau feststellen ließ, aber 10 000 M. sicher überschreitet, machten Einbrecher in der vergangenen Nacht in der Pfandleihe von Lewin in der Neinickendorfer Str. 12l. Neben den Räumen dieser Pfandleihe im ersten Stock steht seit einiger Zeit eine Wohnung leer, die durch eine verstellte Tür mit den Geschäftsräumen verbunden war. Einbrecher brachen nun die Verbindungslllr auf und machten sich dann an die beiden Gcldspinde, in denen die Wertsachen aus- bewahrt wurden. Während sie mit dem einen nicht fertig wurden, gelang es ihnen. da» ondero. ganz, aufzuknacken"--Hier- �fanden sie dann die große Beute, mit der fie verschwanden, ohne, eine Spur zw! hinterlassen. Das Opfer einer Gasvergiftung ist der 65 Jahre alte Pförtner Ludwig Müller vom Tempelhofer Ufer 6a geworden. Der bejahrte Mann wollte den Gasofen in seiner Pförtnerstube anzünden, um dann auf dem Ruhebett etwas zu schlafen. Nachdem er den Hahn gerade aufgedreht hatte, wurde er an die Haustür gerufen, weil jemand kam und sich nach einem Mieter erkundigte. Darüber ver- gaß er, daß er den Hahn zwar aufgedreht, das Gas aber noch nicht angezündel hatte, und legte sich zur Ruhe hin. Ein starker Gas- geruch machte Hausbewohner auf die Pförtnerstube aufmerksam, und jetzt fand Frau Müller, die aus ihrer im Hinterhause gelegenen Wohnung herbeigerufen wurde, ihren Mann besinnungslos daliegen. Ein Arzt von der nahen Unfallstation erkannte, daß die Herz- tätigkeit noch nicht ganz erloschen war. Er und Samariter der Feuerwehr bemühten sich deshalb drei Stunden lang mit dem Sauerstoffapparat, den Verunglückten ins Leben zurück zu rufen, es gelang ihnen aber nicht mehr. Kleine Nachrichten. Beim Spiel verunglückt ist Mittwoch der äjährige Walter Fisch aus Steglitz. Er lief vor dem Hause Schloß- straße 126 gegen einen in der Richtung nach Berlin fahrenden Straßenbahnwagen der Linie W und wurde umgestoßen. Der Kleine schlug mit dem Kopf heftig auf das Straßenpflaster aus und erlitt eine klaffende Kopfwunde. Der Verunglückte fand im Kreis- krankenhause in Lichterfelde Aufnahme.— Erhängt hat sich der 45 Jahre alte Tapezierer Franz GrieS in der Weißenburger Str. 6. Am 15. v. M. verließen seine Frau und Kinder die Wohnung und bezogen eine neue. Er selbst blieb mit wenigen Habseligkeiten noch zurück. Als seine Frau ihm Mittwoch ein Paket bringen wollte, er- gab sich, daß er sich am Türdrücker erhängt hatte. Ms öen Gememöen. Tie Gewährung von Lcrnmittcln an Schulkinder. In Neukölln scheint die Gemeindeschulverwaltung zu Beginn des Winterhalbjahres nicht rechtzeitig Vorsorge getroffen zu haben, daß jeder hinreichend begründete Anspruch auf unentgeltliche Hergabe von Lernmitteln für bedürftige Schulkinder rasch genug erfüllt werden kann. Wenn man die Lernmittelgewährung, statt sie für alle Kinder der Volksschule ohne weiteres als eine selbstverständliche Beigabe der Unterrichtsgewährung anzusehen und einzuführen, leider nur aus die bedürftigen Kinder beschrärrkt, so sollte wenigstens die Lösung dieser kleineren Aufgabe sich ohne Stockungen vollziehen. Wir erfahren aus einer Gemeindeschule Neuköllns, daß gegenüber einem sogleich am ersten SÄultage gestellten Antrag auf Barmittelgewährung der Rektor zunächst nur Versprechungen geben konnte und schließlich noch ani fünften Schultage erklären mußte, das gewünschte Buch würde erst geliefert werden. Inzwischen wartet der Schüler und mit ihm noch ein paar andere aus derselben Klasse auf das unentbehrliche Lernmittel, woraus sich für den Unterricht und mehr noch für die Anfertigung von Hausaufgaben allerlei Unbequemlichkeiten und Störungen ergeben, weil die betreffenden Kinder auf den Notbehelf der Milbenutzung von Büchern ihrer Mitschüler angewiesen sind. Daß dies auch für einen Lehrer ein unerfreulicher Zustand ist, läßt sich denken und verstehen. Kann es denn so sehr schwer sein, rechtzeitig die erforderliche Menge von Lern- Mitteln herbeizuschaffen, damit solchen Verzögerungen vorgebeugt wird? Der Rektor soll sogar die Befürchtung aus- gesprochen haben, daß bis zur Lieferung des Buches vielleicht noch Wochen hingehen könnten, aber hoffentlich ist er in diesem Punkte nur falsch verstanden worden. Weiler soll dieser Gemeindeschulrektor zu der Mutter— sie ist eine Kriegerfrau, die für ihren Sohn zum ersten Male um Lern- mittelgewährung bat— gesagt haben, sie wisse doch, daß die Stadt Neukölln nicht soviel Geld habe. Die Aeußerung wäre, wenn sie etwa wirklich so gelautet ha: und nicht gleichfalls nur ein Mißverständnis vorliegt, mindestens sehr überflüssig. Jeder weiß ja, daß jetzt auch manche Mutter nicht soviel Geld hat, ihrem Kinde ein teures Buch zu kaufen. Im Hinblick auf die Zeitverhältnisse und besonders auf die allgemeine Teuerung muß man auch er- warten und fordern, daß die<£ladt Neukölln mehr Geld als bisher für die Gewährung von Lehrmitteln hergibt. Viel hat sie niemals für die Lernmittelgewährung übrig gehabt und auch der Krieg ist ihr kein Anlaß gewesen, erheblich mehr bereitzustellen. Zur' Gewährung von Lernmitteln für bedürftige Schulkinder wurde, nachdem im Jahre 1913 der mäßige Betrag von 8474 M. ausgegeben und für das Jahr 1914 der um ein Geringes höhere Betrag von 9000 M. bewilligt worden war, für das Jahr 1915 wieder nur ein geringes Mehr bewilligt und nur 9500 M. in den Etat eingesetzt. Die Erläuterungen zum Etat begründen daS mit „größerer Jnansvruchnahme durch den Kriegszustand"— wie wenn für die voraussichtlichen Mehransprüche der Kriegszeit eine AuSgabe- erhöhung um nur 500 M. etwas bedeuten könnte. Erhöhte Teuerungszulagen in Charlottenburg. Seit dem 1. April d. I. zahlt die Siadt Charlottenbnrg ihren Beamten und Angestellten mit höchstens 2000 M. Einkommen eine Teuerungszulage von 3 M. für Ledige und Verheiratete ohne Kinder nnd von 6 M. für jedes Kind. Die damals noch erträglichen Lebens- mittelpreise sind inzwischen erheblich gestiegen, so daß sich eine Er- höhung der Sätze als dringend erforderlich erwies. Der Magistrat hat deshalb beschlossen— und den Stadtverordneten vorgeschlagen — mit Wirkung vom 1. Oktober ab, und zwar bei Verheirateten bei einer erweiterten Einkommensgrenze von 2500 M., die Teuerungs- zutage folgendermaßen festzusetzen: Ledige und kinderlose Ver- heiratete erhalten fortan statt 3 M. 12 M. pro Monat, Verheiratete niit einem Kind 18 M. statt 6 M. und für jedes weitere Kind je 6 M. Auch für diejenigen Angestellten, die schon seit Jahren eine Familien- zulage beziehen, wird der Zuschlag iür jedes Kind entsprechend den neuen Grundsätzen erhöht. Durch diese Maßnahmen hofft der Charlottenburger Magistrat die empfindliche Teuerung in etwas aus- zunleichen._ Uuzuträglichkeiten bei der Metallablieferung. In Treptow-Baumschulenweg kam es DonnerStagvor- mittag im Ralhause zu bösen AufWitten. Wie zu erwarten, war der An- drang der Gemeindemitglieder, welche vor Toresschluß noch die der Be- schlagnahme unterworfenen Metallgegenstände freiwillig abliefern wollten, ein sehr starker. Die Abfertigung konnte naturgemäß nur langsam vor sich gehen, so daß die Avlieferer viele Stunden matten mußten, ehe sie an die Reihe kamen. Eine bei Massenandrang un- vermeidliche Erscheinung, die eben in Kauf genommen werden muß. Was aber mit Recht höchsten Unwillen unter den Bttngern des Metalles hervorrief, war der Mangel jeder Ordnung in der Ab- fertigung. Wohl wurden Nummern ausgegeben, niemand aber f orgle für Aufstellung in der richtigen Reihenfolge und für Freihaltung der Passage zum Mfertigungsraum. Die Folge war, daß sich die Masse in einen engen Korridor, der zum Abnahmezimmer führte, hineinpreßte und hier die Ellenbogenwafr darüber entschied, wer in die vorberste Reihe kam. Arm-, schwächliche Frauen mir niedrigen Nummern wurden weit hinten in eine Ecke gedrückt, in der sie stundenlang stehen mußten, ohne sich nur rühreir zu können, während vorn hohe Num- mein zur Abfertigung gelangten. Das meiste zur Abgabe gelangende Material bestand aus Waschkeffeln, aus denen am oberen Rande der Eisenring entfernt worden war, und die deshalb ringsum scharf- zackige Ränder hatten. Glücklich, wer sich an diesen Zacken im Ge- dränge nur die Kleider zerrrß und nicht schlimmere Flerschwunden zuzog. Erst nach»stunden wurde endlich durch Polizeibeamte etwas Ordnung in die. erregte, eingekeilte Menge gebracht. Lebensmittelverkauf in Steglitz. Die Lebensmittelslelle der Gemeinde verkauft zurzeit folgende Waren: Dauerwurst 2,20 M, Leberwurst 1,10 M., Rotwurst 1,20 M., Schinken, gekocht 2,20 M. das Piund. Erbsen 55 Pf., Bohnen 60 Pf.. Rindfleisch in Brühe 1,30 M., Rindsgulaich 1,30 M., Rinderschmor- fleisch 1,30 M.. Büchsenfleisch 1,30 M, Kürbis 5 Pf., Mohrrüben 7 Pf., Rotkohl 8 Pf., Wirsinglobl 7 Pf. und Weißkohl 7 Pj� das Pfund. Rot- und Leberwurst wird nur Donnerstags und Sonn- abends abgegeben._ StaötverorönetenversanMlMg. 22. Sitzung vom Donnerstag, den 14. Oktober 1915, nachmittags 5 Uhr. Vorsteher Wickelet eröffnet die Sitzung nach 5)4 Uhr. Der Ausschuß für die Borlage betr. den»schuUastenvergleich mit Neukölln ist gewählt; ihm gehört von der sozialdemokratischen Fraktion u. a. Stadtv. Stadthagen an. Der Ausschußbericht über die Vorlage betr. die Bekämpfung der Diphtherie im Stadtgebiet ist vom Stadtv. Prof. Landau(Fr. Fr.) erstattet. Der Ausschuß hat sich mit den vom Magistrat in dieser Beziehung getanen Schritten einverstanden erklärt und ferner mit Befriedi- gung von dem Magistratsbeschlusse betr. die Einstellung von vorläufig fünf F ü r s o r g e s ch w c st e r n Kenntnis ge- nommen. Die zeitliche Beschränkung der Erleichterung der Auf- nähme auch der Leichterkrankten in die städtischen Krankenhäuser (ohne vorherige Prüfung der Kostenfrage) auf zwei Monate soll indes in Fortfall kommen, andererseits soll der Magistrat die Armenärzte ersuchen, sich auch in den Privat- und Kassen- sprechswnden den an Diphtherie erkrankten Familienmitgliedern der Kriegsteilnehmer zur Verfügung zu stellen, er soll auch die eventuelle Zuziehung der Schulärzte erwägen; den Patienten soll unter den Armenärzten ihres Armenkreises freie Wahl zuge- standen werden. Inzwischen ist die schon dekannte Eingabe des Aerzteaus- fchusses von Groß-Berkin eingegangen, worin gegen die Beschrän- kung der Behandlung auf die Armenärzte und gegen das Prinzip der Ilnentgeltlichkeit Einspruch erhoben und die Vereinbarung einer Vergütung mit der Vertretung der Berliner Aerzteschafl sowie die Zulassung sämtlicher Aerzte gefordert wird. Stcrdw. Galland(Linke; beantragt mit Rücksicht auf diese Ein- gäbe und auf mehrere andere seit der Ausschußberatung einge- tretene Umstände Zurückverweisung an den Ausschuß. Verzögert werde dadurch nichts. Stadtv. Dr. Wehl(Sog.): Wir schließen uns diesem Antrag an. Im Ausschüsse hatten wir ausdrücklich beantragt, den Magi- strat zu ersuchen,„außer den Armenärzten auch andere Aerzte durch freien Aufruf heranzuziehen, die zur Behandlung von Fa- milien der Kriegsteilnehmer bei ansteckenden oder bei allen Krank- Heiken bereit- sind". Dissen Antrag, den der Ausschuß mit allen gegen unsere Sttmmen leider abgelehnt hat, haben wir heute wieder eingebracht und bitten, ihn dem Ausschuß mit zu überweisen; er entspricht ungefähr dem, was der Aerzteausschuß will. Die ärzt- liche Behandlung Kranker ist doch schließlich tatsächlich Vertrauens- fache und der erzwungene Verzicht auf den Haus- oder Familien- arzt unter Umständen recht mißlich. Aehnliches wie in Schöne- berg, Neukölln, Cbarlottenburg zu schaffen, mutz auch in Berlin möglich sein. Hoffentlich wird unser Antrag im Ausschuß jetzt mehr Zustimmung finden. Seit der Magistrat die Maßnahmen zur radikaleren Bekämpfung der Diphtherie durchgeführt bat, sind bereits Mißstände eingetreten, deren Beseitigung erforderlich ist. Man hat die Kriegsteilnehmersrauert veran- laßt, bevor sie einen Arzt in Anspruch nehmen, zum Bezirksvorsteher zu gehen. Diese sind jetzt schon überlastet; andererseits genügt doch der Unterstützungsbogen auch beim Arzt als Legitimation. Sodann hat der Magisttat wissen lassen, daß er nicht darauf eingehen könne, die Maßnahmen als dauernde einzuführen, sie feien nur getroffen„für die Dauer der gegenwärtigen Epidemie". Der Städtmedizinalrat seinerseits er- klärt, von einer Epidemie fei noch keine Rede; hier liegt also ein Widerspruch vor. Wir werden vor dem Magistrat in diesem Punkte nicht kapitulieren. Endlich ist folgendes zu beanstanden: Die nach- trägliche Kostendeckung wird jetzt so gehandhabt, daß die Frauen wenige Tage nach'der Aufnahme ihrer kranken Kinder ein Schrei- ben ins HauS geschickt erhalten, welches sie auffordert, 9 0 Mark zu zahlen, widrigenfalls die Sache an die Armen- Verwaltung abgegeben wird. Das ist unsozial und unangemessen und geeignet, Erbitterung heraufzubeschwören. So haben wir uns die Maßimhme des Magistrats nicht gedacht; hier muh dem bureaukratisch einhertrottenden Amtsschimmel etwas in die Zügel gefallen werden. Stadtv. Dr. Jsaac(Linke): Um eine Epidemie wirksam zu bekämpfen, muß man sich alle Faktoren zunutze machen, also auch nicht die einzelnen Aerzte, sondern ihre Allgemeinheit. Darum be- dauere ich die Beschränkung aus die Armenärzte. Ganz unabhängig von der Eingabe bitte ich deshalb dringend, diese Frage zur Prü- fung dem Ausschutz zurückzugeben. Auch die Frage, ob vielleicht die Behandlung nicht ganz kostenlos erfolgen sollte, scheint eventuell der Erötterung wert. Stadw. Mommsen(Fr. Fr.): Diese Fragen hat der Ausschutz schon erörtert, auch die Aerztepetition bringt nichts Neues. Wir haben nichts gegen nochmalige Ausschutzberatung, machen aber darauf aufmerksam, daß es sich hier um eine Kriegs maß- nähme handelt, daß man nicht bei diesem Anlaß aus dem Hand- gelenk radikale Aenderungen vornehmen darf. Eine Maßnahme wie die ärztliche Fürsorge für die Kriegerfamilien kann nicht allgc- mein der Aerzteschafl übertragen werden; es ist an sich nicht un- richtig, wenn die Stadt sich dabei in erster Linie auf ibre bc- amteten Aerzte beschränkt, die dafür angestellt sind. ES ist also nur zu prüfen, ob wirklich Anlaß vorliegt, bier von einer an sich bewährten Verwaltungspraxis abzugehen. Auch ist nur bei den beamteten Aerzten eine gewisse Disziplin gewährleistet. Stadtv. Cassel(Linke): Wir werden im Ausschüsse lediglich nochmals erörtern, ob die Bekämpfung der Diphtherie sichergestellt ist und wieweit es etwa zweckmäßig und geboten erscheint, über den Kreis der beamteten Aerzte hinauszugehen. Durch die heutige Diskussion lassen wir unS keineswegs festlegen, auch nicht durch die Ausführungen des Kollegen Dr. Weyl. Wenn der Magisttat für die Kostendeckung sorgt, tut er nur seine Pflicht. In der Ueber- Weisung der Fälle an die Armenärzte liegt absolut nichts Be- leidigendes oder Herabwürdigendes. Nur sachliche Gründe veran- lassen uns zur Zurückverweisung. Stadw. Dr. Wehl: Das gilt genau so auch für uns. Tie Disziplin ist nicht im geringsten gefährdet; handelt es sich doch nur darum, die organisierte freie Arztwahl durchzuführen, die völlig genügende Kautelen bietet. Wer bezahlen kann, soll bezahlen, das ist auch unsere Meinung, es handelt sich bloß um die Form des Verfahrens. Daß ich die Armenärzte als solche in der öffent- lichen Meinung herabdrücken wollte, davon kann gar keine Rede sein; aber die Ueberweisung in die Armensprechstunde hat etwas OdiöseS, und die Scheine, die die Frauen vom Bezirksvorsteher ucit- bringen müssen, tragen den Stempel der Armendirettion. Stadtv. Cassel: Im Kostenpunkt handelt es sich eigentlich bloß um eine Etikettenfragc. Tie Hauptsache ist, daß die Behandlung nicht als Armenunterstützung gilt. Die Borlage geht hierauf an den Ausschuß zurück. Auf den Höcbstbettag von 130 Millionen Mark für den Er- w wr b der B.E.W, ist am 1. Oktober d. I. eine Abschlags- z«h l u n g von 123 Millionen geleistet worden: der Restbettag wird erst nach Feststellung der Buchwerte zu erlegen sein. Tic Ver- fammlung nimmt davon Kenntnis. Schluß der öffentlichen Sitzung M7 Uhr. Soziales. Stcinbergs Krawattenakad emie. Vor dem Gcwerbegericht begegnete uns gestern ein alter Bekannter, der Kaufmann Adolf' Stcinberg. Er hatte vor einigen Jahren in der Oeffentlichkeit unliebsames Aufsehen er- regt durch seine Krawattenakademie, deren Geschaftspraris zahlreichcnjälrbeiterinnen schwere Enttäuschungen und emp- ftndlichcn Schaden verursacht hat. Die Klage, welche jetzt das Gewerbegericht beschäftigte, gleicht auf ein Haar den Klagen, die vor Jahren schon vor Gericht und in der Presse gegen Stcinberg erhoben worden sind. Eine Ar- beiterin hat aus eurem Zeitungsinserat entnommen, daß sie bei Steinbcrg das Krawatteunähen erlernen kann und dann gleich- falls von Steinberg lohnende und dauernde Beschäftigung erhalten wird. Einen Lehrkursus hat die Klägerin allerdings durchgemacht und dafür 20 M. Lehrgeld sowie 13,80 M. für Material bezahlt. Aber die lohnende und dauernde Beschäftigung blieb aus. Die Klägerin ist auch der Meinung, das; sie in dem LehrknrsuS nicht richtig ausgebildet sei, daß ihr in dem Inserat falsche Vorspiege- lungen wegen lohnender Beschäftigung gemacht worden seien und deshalb verlangt sie die Rückzahlung des Lehr- geldes und des für Material entrichteten Betrages. Vor dem Gewerbegericht erfuhr die Klägerin durch die Ausführungen des Beklagten Steinberg, daß sie sowohl den Inseraten wie einem ihr übcrgebenen Prospekt eine zu große Vertrauensseligkeit entgegen- gebracht hat. Hätte sie das Ding genau betrachtet— was wohl nur geschehen wird, wenn jemand der Sache mit Mißtrauen gegenüber- sieht—, dann würde sie bemerkt haben, daß der Unterricht von F r a u G. Steinberg erteilt wird, während das Versprechen lohnender und Lauernder Beschäftigung von Herrn C. F. A. Steinberg aus- geht, der zwar den Arbeiterinnen diese verlockende Aussicht stellt, damit aber keineswegs die Verpflichtung eingeht, allen Zöglingen seiner Frau Arbeit, geschweige denn lohnende und dauernde zu geben. Ob die Klägerin mit ihrem Anspruch gegen Steinberg durch- dringen wird, hängt davon ab, ob sie im nächsten Termin beweisen kann, Steinberg habe ihr Versprechungen gemacht, die er nicht er- füllte und gar nicht erfüllen wollte. Ei» Landgerichtsurteil zu deu Militärschiteidertarifeu. Ein uns soeben bekannt gewordenes, am 31. August er- gangenes Urteil der 7. Ferien-Zivilkammer des Landgerichts I bestätigt den Standpunkt,, welchen die Kammer 1 des Gc- werbegerichts unter Vorsitz des Magistratsrat Dr. Leo seither eingenommen hat in der Frage, ob die von den Militär- bekleidungsämtern vorgeschriebenen Stücklöhne auch' in solchen Fällen bezahlt werden müssen, wo Arbeiter zu geringeren Löhnen Arbeit geleistet haben. Im vorliegenden Falle handelt eS sich um eine Klage des Schneiders Strache gegen die Firma Lax u. Lowcnstein. Der Kläger wurde mit der Forderung auf Nachzahlung der Differenz zwischen dem Tariflohn und dem ihm gewährten Lohn abgewiesen. Die vom MagistraiSrat Dr. Leo verfaßte Begründung des Gewerbe- gerichisurteils sagt: Der für die KricgSbcklcidung in der Kommission des Gewerbegerichts festgestellte Tarif begründet kein Recht, so weit seine Positionen nicht mangels anderer Vereinbarungen als an- gemessen in Betracht kommen. Im übrigen müssen sie eine wertvolle Richtschnur bilden für die Vereinbarung der Löhne zwischen Arbeit- gebern und Arbeitnehmern und endlich werden sie meßflebend sein den verschiedenen Verbünden und insbesondere dem Kriegsbeklcidungsamt insofern, als Abweichungen von den Normen des Tarifs die Ent- ziehung weiterer Lieferungen für das Kriegsbekleidungsamt zur Folge haben dürften.— Ucber..diese..disziplinaren. Folgen hinaus hat aber der Tarif eine pr i pa t r e ch 1 1 ich e'W ir Inn g nicht. Dafür fehlt ihm, wie bislang ollen Tarifverträgen,, dier gesetzliche Grundlage eines Tarifgesetzes.— Auch davon kann keine Rede' sein, daß die Abweichung vom Tarif ein Verstoß gegen die guten Sitten im Sinne des Z 133 des Bürgerlichen Gesetzbuchs wäre. Denn jedem, sowohl Unternehmer wie Arbeiter, muß es freistehen, solange ein Hindernis durch Gesetz nicht besteht, den privatrcchtlichen Arbeitsvertrag nach eigenem Ermessen abzuschließen, sofern er die oben erwähnten disziplinaren Folgen aus sich nimmt. Die tarifliche Mehrrordcrung entbehrt daher rechtlich der Grundlage und so war der Kläger abzuweisen. Gegen dies, am 21. April 1915 gefällte Gewerbegerichtsurteil legte der Kläger Berufung ein, die das Landgericht mir folgender Begründung verworfen hat: Wenn die Milnärbehörde, die dem Beklagten Arbeit übergeben hat, bestimmte Lohntarife den Arbeitgebern vorgeschrieben hätte, so würden sich daraus nur recht- liche Beziehungen zwischen dem Beklagten und der Militärbehörde ergeben und die letztere befugt sein, die Beklagte wegen Zuwider- bandlung zogen vertragliche Vereinbarungen haftbar zu inachen. Dem Kläger als Arbeiter, der mit der Beklagten einen bestimmten Arbeitslohn vereinbart hatte, geben diese für die Arbeitgeber be- stehenden Lohnvorschrifien aber keirren Anspruch auf Entlohnung nach dem Tarif. Dies würde nur dann zutreffen, wenn den Tarifen vom Generalkommando gesetzlich bindende Wirkung beigelegt wäre, was der Kläger selbst nicht behauptet. Gerichtszeitung. Ein Flugblatt-Prozeß. Wegen Anreizung zu Gewalttätigkeiten verschiedener Klassen der Bevölkerung begangen durch Verbreitung eines Flugblattes standen die Genossen Walch er, Götsch und Thctmeyer vor der Berliner Strafkainmer. Als Zeugen waren die Genossen Scheidcinann und Stadthagen geladen. Genosse Scheidcmann war aber zur Verhandlung nicht er- schienen. Die Verhandlung semd auf Antrag des Staats- anwalts, der vom Verteidiger ThetmeycrS, dem Genossen Rechtsanwalt H e i n e m a n Ii unterstützt wurde, unter Aus- fchluß der Öffentlichkeit statt. Dem Antrage widersprachen die Angeklagten Walchcr und Götsch, sowie deren Verteidiger Dr. Weinberg. Der Staatsanwalt beantragte gegen Walchcr zwei Jahre, gegen die beiden anderen Angeklagten neun Monate Gefängnis. Das Gericht sprach die Angeklagten von der Anklage der Anreizung zu Gewalttätigkeiten frei, verurteilte aber wegen Verstoßes gegen§ 9b des Belagerungs- zustandsgesetzes Walcher zu drei Monaten, Götsch zu zwei Monaten und Thetmeyer zu sechs Wochen Gefängnis. Walcher und Götsch wurde auf die Strafe je ein Monat Untersuchungs- Haft angerechnet; beide sollten auch ai>S der Haft entlassen werden. Ländliche Dienstboten und das Kriegszustandsgcsctz. Das Reichsgericht verhandelte dieser Tage über die Frage, ob eine in Bayern auf Grund des Kriegszustandsgesetzes er- lassene Anordnung zu Recht besteht. Vom Landgericht Straubing war am 28. Juli eine Dienstmagd wegen Vergehens gegen das Kriegszustandsgesetz zu drei Wochen Gefängnis verurteilt worden. Auf Grund dieses Gesetzes hatte die Militärbehörde im Interesse der Sicherung der Ernte angeordnet, daß landwirtschaftliche Dienstboten während des Kriegszustandes ohne Genehmigung ihrer Dienstherren oder ohne einen wichtigen Grund ihre Arbeitsstelle vor Abschluß der Erntearbeiten nicht ver- lassen dürfen. Dieser Anordnung hat die Angeklagte zuwider gehandelt, indem sie ohne wichtigen Grund ihren Dienst bei dem Landwirt K., bei dem sie schon drei Jahre in � Stellung war, plötzlich ver- lasten hat. Sie war mit K. auf dem Felde beschäftigt und wurde von diesem zur Rede gestellt, weil sie bei der Zerkleinerung der Erd« schollen angeblich allzu gewissenhaft zu Werke ging. Als sie Wider- ipruch erhob, wurde K. ärgerlich und gebrauchte einige Rede- Wendungen, die wie es im Urteil heißt, im Schriftdeutsch nicht üblich sind, aber von der bäuerlichen Bevölkerung der fraglichen Gegend nicht als Beleidigung aufgefaßt werden. Der Meinung der Ange- klagten, daß sie von K. schwer beleidigt worden sei und deshalb einen wichtigen Grund zur sofortigen Niederlegung der Arbeit ge- habt habe, ist das Gericht nicht beigetreten. Die Revision der Angeklagten wurde vom Reichsgericht verworfen, weil nach den getroffenen Feststellungen eine gröbliche Beleidigung der Angeklagten durch ihren Dienstherrn nicht vorliege. fläus aller Welt. Friedrich der Grohc unter Zensur. Unser Wiener Parteiblatt, die.Arbeiter- Zeitung", schreibt: „Die heutigen Zensoren haben aber schon gar nichts von dem Selbstvertrauen, das Friedrich der Große zeigte, als er einer»n- bequemen Druckschrift gegenüber sagte:.Niedriger hängen!" Im Gegenteil, der Wiener Staatsanwalt scheut sich nicht einmal, dem großen Prcußenkönig selbst das Wort abzuschneiden. ES ist ja wahr, er war in seiner Jugend ein arger Ketzer und nicht umsonst hat ihn sein Vater als.Querpfeifer" beschimpft. Daß aber Zitate aus seinem.Antimachiavell", der in vielen Ausgaben anstandslos in Deutschland erschienen ist, dem Rotstift verfallen, war doch der Aera des Weißen-Fleck-ThphuS, die wir jetzt erleben, vorbehalten. In der Tat. der Staatsanwalt hat in der letzten Nummer des„Kampf" den Artikel von Max Adler„Friedrich der Große über Krieg und Frieden" vollständig nnterdrückr. Der übrige Teil des Heftes blieb — man muß wirklich schon sagen erstaunltcherweise— unversehrt." Immerhin war die österreichische Zensur nicht so grausam, diese Ausführungen unseres Wiener Parteiblattes, das bekanntlich unter Präventivzcnsur erscheint, zu unterdrücken. Das Hochwasser im Odergebiet. Die Oder fft, wie aus Br e i- l a u gemeldet wird, wieder im Steigen begriffen. Oberhalb Bres laus hat sich ein großer See gebildet.— Im Eulengebirge ist eine Katastrophe eingetreten. Der Verkehr ist überall unter- bunden. Häuser und Fabriken sind eingestürzt, Tammbrüche konu- ten nur mit größter Mühe verhindert werden. Der Schaden an Feldfrüchten ist bedeutend. Di« Neiße gleicht einem See. Die Tal- sperre im Schlesierial hat schon 5 Millionen Raummeter Wasser aufgestaut. Bestrafung eines Wucherers. Von dem Landgericht in D r e s- den wurde der Viehhändler Hugo Kühn aus Bunzlau wegen Wuchers zu 1000 M. Geldstrafe verurteilt. Kühn batte aus dem Dresdener Viehhof eine Kuh und zwei Bullen für 3502 M. angekauft und trotzdem jeglicher Zwischenhandel verboten war, innerbalb einer Stunde für 3331 M. weiterverkauft. Er hatte also im Hand umdrehen an einem wichtigen Lebensmittel 159 M. verdient. Brand eines Panoramagebäudes. In München ist das auf der Theresienhöhe stehende, 1886 erbaute Panoramagebäude, das wertvolle Schlachteugemälde enthielt, niedergebrannt. Der Schaden ist außerordentlich groß. ES wird Brandstiftung angenommen. Doppelselbstmord eines Liebespaares. In Ammerland am Starnberger See ist Mittwoch ein Paar eingetroffen, das sich ein Zimmer mietete und Tonnerstag früh wt darin aufgefunden wurde. Beide hatten sich vergiftet. Ans hinterlasscncn Briefen geht hervor, daß es sich um einen Kaufmann aus Berlin und eine Frau aus Hamburg handelt. Der Toppclselbstmord dürste das Ende eines Liebesdramas sein. Verlustlisten. Die Verlustliste Nr. 353 der preußischen Armee enthält Verluste folgender Truppen: Infanterie usw.: 66. Jnf.-Brig s. Stollenbau-Kommando. Garde: Garde-Jäger- mii Gaode-Schützen-Bat. Gren.-, bezw. Ins.-, bezw. Ms.-Regimenter Sir. 6, 7, 8, 9, 14, 15, 16, 19(f. auch Jnf.-Reg. Nr. 332), 21, 22, 26, 30, 31, 33, 34, 36. 37, 38, 53, 54, 56. 62, 69, 70, 76, 77, 79, 84, 85. 86, 94, 98, 128, 129, 130, 132, 135 /z Pfund 1.40 Gemüse Grflne Bohnei____ Pfund 27 pl Spinal........ Pfund 15 pl Rosenkohl...... Pfund 28 pl Blumenkohl,. Kopf 25u.28pl SchwarzwufLelo. 2 Pfund 45 pl Radieschen....«Bund 10 pl Zitronen. otz. 40 50 u. 60 pl ■frt 9 VfS Kopf, oder Sdhvansstflck In Jansen Fltdien MlHefsfödt balzfiscne �..35«. 40« 4Z Koalproben 11— 1 und Pt 5—7 ülir. 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Z'/i Uhr(KX Pr.): Die Geschwister— Die Mitschuldigen. Tolkwbflhue. Theater a. BDIowpl. y/jUbr; Der Stnrm. URANIA TanfaenstraBe 48/49. 8 Uhr: Von den Karpathen bis BrestsLitowsk. Theater für Freitag, den 15. Oktober. Berliner Theater s uhr: ExfrabMer. BefrtachM KOnstier-Theater. 8 uhr: Peer Cynt liesslng-Tbeater. s uhr; Stein untsr Steinen. Deutsche« Opernbaas Cbarlottbg. 8 uhr; üw BettelstadeoL Frledrich-WilhelmsfidL Theater. sv.u.: Der Yogelhändler. Oebr. Hcrrilfcld-Th.ofof s uhr: Benjamin maclit alles, Kleine« Theater. s uhr: Ein kostbares Leben. Komische Oper. 8 Uhr; Jnngr niuli man»ein. Sonnt. 3»/,: Gold gab ich für Eisen. KomSdlenhan« Vornnzeig«: Sonnabend T1/, Uhr: 7,. 1. M.: Meine rechte lland. Knatspiclhans. s'/.u.: BerrscbattUleiiergestieM Monti« Operetten-Theater Gastspiel Louis Treumann. 8 Uhr; Ein Tag Im Paradies. Realdona-Tbeater s'u v: Die PriDzessln M 1 Schiller Theater O. 8 uhr: Mein Leopold. Schlller-Th.Charlottenbg. 8 uhr: Heimat. Thalia Theater. 8 Uhr: Bre! 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