C 5 Pffennig) C Pfennig) Ur. S88. Bbonnonftits-BedlngnBa«: Lbonn«neiUA• PretS prünumeraridoi «ierteyährl. SPO MI, monatL 140 MI, wöchentlich 26 Pfg. frei in« Hau». Einzelne Nummer 6 Psg. Eonntag«- numiner mit illustrierter Eonntagi- Beilag«.Die Neue Weif lO Psg Post- «bonnement: 140 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitung S- Preisliste. Unter Kreuzband mr Deutschland und veslerreich- Ungarn 2.60 Marl, illr da« übrige«lusland « Mark pro Monal Postabonneinent« nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien. Lurgenburg. Portugal, kutnänien, Schweden und die Schweis «ldet» ltgllch. 3Ä. Jahrg. Vit InieMon»- Ledahr betrügt für die sechSgespallene Kolonel- »eile oder deren Raum m Psg, sür politische und gewerlschaftliche Vereins- und VersammlnungS-Anzeigen SO Big. „Klein. Htireigen", das fettgedruclie 33 ort 20 Pffl.(zulässig 2 seiigedruckte SSortc), jede« writere Wort 10 Vlg. Etellengesuche und Echlafstellenan- zeigen daS erste Wort 10 Psg, jedes wettere Wort ö Psg. Worte über 16 Buch» staben zählen Mr zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen MS ki Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedttloa ill bis 7 Uhr abends geöffnet. Delegramm.«ldreffer �dil,Iütwo!tl7ll steklil-, Zentralorgan der Ibzialdetn okrati feben Partei Deutfchlanda. Neüaktion: EW. HS, Kinvenstraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. lSI gv— lSI S7. Expeültion: EW. öS, LinSenstraße Z. Ferusprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 151 90— 151 97. leilong Des OtoSen �oitouaiflets. Amtlich. Großes Hauptquartier, deu 17. Oktober 1915.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Feindliche Handgrauatcuaugriffe in Gegend von Bermelles und Roclincourt waren erfolglos. Der Westhang des HartmannSwcilerkopfs ist planmäßig und ohne vom Feinde gestört zu werden, heute nacht von uns wieder geräumt, nachdem die feind» lichen Gräben gründlich zerstört sind. Bei Souplet nordwestlich von Souain brachte Leut- nant Boclkc im Luftkampf ein französisches Kampfslug- zeug, damit in kurzer Zeit sein füuftes feindliches Flug- zeug, zum Absturz. Welche Erwartungen unsere Feinde im Westen auf ihre lctzteu Unternehmungeu gesetzt und welche Kräfte sie dafür aufgewendet hatten, ergibt sich, abgesehen von dem schon vcröffentlichteu Befehl des Generals Joffre vom 14. September, aus folgendem weiteren Befehl, der am 13. Oktober bei einem gefallenen französischen Stabs- offizier gesunden wurde: „Gr. H. Ou. der Ostarmcev. Geucralstab, 3. Bureau. Nr. 12 975. Gr„ H. Ou., 21. September 1915. Geheim! Weisung für die aördliche«ud mittlere Heeresgruppe. Allen Regimentern ist vor dem Angriff die uuge» hcurr Kraft des Stoßes, deu die französifcheu und cug- lifchen Armeen führeu werden, etwa iu folgcudcr Weife klar zu machen: Für die Operationen sind bestimmt: 35 Divisioueu unter General de Castelnau, 18 Divisionen unter General Foch, 13 englische Divisionen und 15 Kavallerie-Divifionen(darunter 5 englische). Außerdem stehen zum Eingreifen bereit: 12 Jnfantcrie-Divisionen und die belgische Armer. Drei Viertel der französischen Streitkräfte nehmen somit an der allgemeinen Schlacht teil. Sie werden uuterstützt durch 2999 schwere und 3999 Feldgeschütze, deren Munitionsausrüstung bei weitem jene vom Be- ginn des Krieges übersteigt. Alle Vorbedingungen für eine« sicheren Erfolg find gegeben, vor allem, wenn man sich erinnert, daß bei unseren letzten Angriffen in Gegend Arras nur 15 Di- Visionen und 399 schwere Geschütze beteiligt waren. gez. I. I o f f r e." Oestlicher Kriegsschauplatz. heerezgruPpe des Gcncralteldmarldjalls?. siindenburg. Oestlich von M i t a u warfen unsere Truppe» de» Gegner aus seinen Stellungen. Nördlich und nordöstlich Gr. Eckau wurden die Rüsten bis über die Misse zurück- gedrängt. Sie ließen 5 Offiziere und über 1999 Mann als Gefangene in unserer Hand. Vor Dünaburg wurden starke russische Angriffe abgeschlagen, die Nusteu verloren dabei 4 Offiziere, 4Ä Mann an Gefangenen. vom öalkan. Die Landungen in Saloniki. Wien, 17. Oktober.(W. T. B.) Die Südslawische Korrespon- denz meldet aus Saloniki vom 15. Oktober: Gestern und heute liefen neue Transportschiffe im Hafen ein und landeten weitere Kontingente englischer und ftanzösischer Truppen. Im Hafen wurde die französische Flagge gehißt. Die Franzosen organi» sierten ein Hafenkapitanat und einen Gendarmeriedienst. Kleine Truppenkontingente sind bereits in Richtung Gcwgheli abtranspor- ticrt. Ebenso wurden sudlich vo« Smorgou russische Bor» stöße, z. T. in Nahkämpfen, überall abgewiesen. Heeresgruppe des Leneralleldmarlchalls Prinz Leopold von Bayern. Nichts Neues. Heeresgruppe des Lenerals v. einsingen. Die Russen sind auch bei Mulczyce über deu Sthr ge- worfen. Angriffsversuche derselben am Kormyn schei- tertcn. Balkankriegsschauplatz. Beiderseits der Bahn Belgrad— Palanka wurde der Petrovgrob und der beherrschende Avala-Berg sowie der Vk. Kamen und die Höhen südlich von Ripotek(an der Donau) genommen; das Höheugeländc südlich von Bel- grad ist damit in unserer Hand. Die Armer des Generals v. Gallwitz warf deu Feind von der Podunavlje hinter die Ralja(südwestlich von Semendria) und von den Höhe» bei Sapina und Makei. Die Armee des bulgarischen Ge- nerals Bojadjeff erzwang sich den Uebcrgang über den unteren Timok und stürmte den 1198 Meter hohen Glo- govica-Berg(östlich Kujazevac), wobei 8 Geschütze er- beutet und 299 Gefangene gemacht wurden. Auch in Rich- tuug Pirot dringen bulgarische Truppen weiter vor. Die Heeresgruppe Mackensen erbeutete bisher 68 serbische Geschütze. Ober st e Heeresleitung. »» O w SllmellljWe MerttiiiilietiA. Wie», 17. Oktober.(SS. T. B.) Amtlich wird der» lautbart 17. Oktober ISIS: Russischer Kriegsschauplatz. Am Kormhnbach wurde» starke russische Angriffe abge- schlagen. Sonst im Nordosten nichts Neues. Italienischer Kriegsschauplatz. Nach kräftiger Artillerievorbereitung setzte« die Italiener gester» früh gegen den Nordwestabschnitt deS Plateaus vo« Do- berd» mehrere Jnfanterirangriffe an, die alle an unsere« Hindernissen zusammenbrachen. Der Feind erlitt große ver- laste und ging in seine früheren Stellungen zurück. Ein in den Nachmittagsstunden erneuter Angriff wurde schon durch unser Geschützfeuer zum Stehen gebracht. Am Abend und während der Nacht versuchte die feindliche Infanterie noch weiter» BorstSßr, die wie alle früheren scheiterten. Die an- greifenden Troppen werben auf drei bis vier Jnfanteric-Ncgi- menter geschätzt. Weiter nördlich am Görzer und Tolmeiner Brückenköpfe standen unserr Stellungen tagsüber«ntcr feind. liche« Artilleriefeuer. Der Gegner verschoß gegen Teile de« Tolmeiner Brückenkopfes Gasbomben. In Kärnten und Tirol stellenweise heftiges Geschützfeuer. Keine Ereignisse. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Oesterreichisch-ungarische und deutsche Bataillone haben gestern in umfassendem Angriff von Nord und SLest die ser- bischen Stellungen auf dem Avalaberge gestürmt. Die beider- sritS der Straße Belgrad— Grocka vordringenden k. und k. Truppen entrissen dem Feinde die Höhen Bclky— Kamien und Pasuljiste. Südwestlich von Semcndria und südöstlich von P-zarevar wurde der Gegner durch die Deutschen neuerlich ge» warfen. Die Bulgare« übersetzten abwärt« von Zajecar den Timok und erstürmte« die östlich von Knjazevac aufragende Höhe Glogovica, wobei sie 200 Mann gefangen nahmen und 8 Geschütze erbeuteten. Ihr Angriff schreitet überall vorwärts. Der Stellvertreter de« Chefs des GcneralstabeS: von Hoefer, Feldmarfchalleutnant. Slockaüe der bulgarischen Küste. London, 17. Oftober.(W. T. B.) Meldung des Reuterfchen Bureaus: Der Kommandant der verbündeten Flotten im östlichen Mittelmeer teilt mit, daß die Blockade der bulgarischen Küste an der Aegäis am 16. ds. 6 Uhr früh begonnen hat. Den neutralen Schriften wird 48 Stunden Zeit gelassen, um aus der Blockadggone wegzufahren. Nilitärische Naßnahmen Rumäniens. Bukarest, 13. Oktober.(W. T. B.)(Verspätet eingetrof- sen.) Das Amtsblatt veröffentlicht eine königliche Verordnung, durch welche der Jahrgang 1916 für den 29. d. Mts. einberufen wird und jene Jahrgänge, deren aktive Dienst- zeit am 14. November enden würde, bis auf weiteres unter den Fahnen behalten werden. Ein Praktiker über Klassen- foliöarität. In dem Thimme-Legienschen„Buch der 29" äußern sich zehn bürgerliche Gelehrte zu der Frage, ob und wie eine Zu- sammenarbeit der Sozialdemokratie mit dem Bürgertum in Zukunft möglich sein wird. In den jüngst im„Vorwärts" veröffentlichten Artikeln des Genossen Hilsevding wurde bereits aufmerksam gemocht, daß die Beantwortung dieser Frage durch bürgerliche praktische Politiker von größerem Werte wäre. Heute können wir wenigstens einen bekannteren Poli- tiker, den freikonservativen Abgeordneten v. Dewitz, zitieren, dessen Auftatz„Unternehmertum und Arbeiterschaft in Gegenwart und Zukunft"(in der Zeitschrift„Das neue Deutschland") sich wie ein Beitrag zu dem genannten Buche liest. Dewitz stellt die Frage sehr präzis nach dem Verhältnis von Unternehmertum und Arbeiwrschast; aber was die Pro- fessoren darüber während der Kriegszeit gesagt haben, nötigt ihm nur ein geringschätziges Urteil ab: »Der Abstieg von ideologischer Höhe zur praktischen Möglichkeit wirb oft mit einer nicht beneidenswerten Leichtigkeit überwunden. Es ist zu bedauern, wenn unser« Gelehrten, welche dem praktischen Berufsleben meist fernstehen und dessen Lebensbedingungen nicht kennen, in wirtschaftlichen und politischen Fragen die Vorzugs- stellung beanspruchen, die ihnen auf ihrem Berufsgebiet zukommen mag. Man ist ihren Vorschlägen gegenüber nur zu oft zu dem Einwurf genötigt: welch ein Trugschluß gegenüber jeder Er- fahrung I" Eine nähere Erörterung der Vorschläge, die von dieser Seite kommen, hält der Praktiker daher überhaupt für über- flüssig. Er begnügt sich mit einer Besprechung der aus Arbeiterkreisen stammenden Aeußerungen und sagt dazu: „Was noch am meisten befriedigt, ist die von fast allen sozial- demokratischen Schriftstellern bewnte und selbstbewußte Aeuße- rnng, daß sie eS ablehnen,«inen Lohn für Pflichterfüllung und Wohlverhalten im Kriege zu verlangen.... Weniger befriedigend wirft eS dagegen, daß keine der radikalen Forderungen, die vor dem Kriege von der Sozial- demokratie gestellt wurden, weder auf politischem, noch auf Wirt- schastlichem, noch auf kulturellem Gebiet fallen gelassen wird." So zufrieden Dewitz nun zunächst mit den G e w e r k- schatten„in nationaler Beziehung" ist, so skeptisch äußert er sich über die wirftchaftlichen Bestrebungen der Gewe�kschaf- ten. Ob die Gewerkschaften hier„über jeden Zweifel hinaus- gewachsen sind, wird davon abhängen, wie sie ihr K o a- l i t i o n s r e ch t in Zukunft auszuüben gedenken". Das Unternehmertum, in dessen Namen Dewitz spricht, wird jeden- falls seine Politik gegenüber den Arbeitern in wirtschaftlicher Beziehung kaum ändern können: „Daß sie als reine Berufsorganisationen durch die Gesetzgebung anerkannt werden, liegt noch dem entgegenkommenden letzten Reichstagsbcschluß durchaus im Rahmen der Möglichkeit. Daß aber die sozialistisch« Kriegswirtschaft, in die uns die Not der Stunde hineinführte, in die Friedenswirtschaft eingereiht wird, steht nicht zu erwarten. Einen nahezu vollständigen Verzicht auf Selbständig- keit, wie er in der auch jetzt wietierhollen Forderung der Gewerkschaften nach einer Beteiligung an der Verwaltung des Unter- nehmenS, einer Lohnfestsetzung durch Einigungsämter oder der staatlichen Festlegung von Mindestlöhnen liegt, wird und kann das Unternehmertum niemals annehmen. Auch die Bestrebungen aus eine allgemeine Einführung deS TarifvertragSsYstems sollten nicht z u hoch gespannt werden.... Ein wesentlicher Bestand- teil unserer Industrie verhält sich jedenfalls gegenüber der Ein- führung von Tarifverträgen mit den Gewerkschaften nach wie vor ablehnend. Die Absicht, sie auf dem Wege des wirtschaftlichen Zwanges durchsetzen zu wollen, schließt daher die Ansage neuen Kampfes ein«nd jeden Versöhnungs- oder Vermittlungsgedanken aus. Was die Arbeitslosenunterstützung betrifft, so ist sie bekanntlich durch das Zusammenwirken von Reich staatlicher Sozialversicherung. Bundesstaaten, Gemeinden und Gewerkschaften im Krieg an einzelnen Orten durchgeführt worden. Die Vermitt- lung haben dabei die Gewerkschaften übernommen. In der Friedenszeit dürften sich aber für die Anwendung eines gleichen Verfahrens erhebliche Schwserigkeiten orgeben." Man kann nicht sagen, daß diese Sätze gerade ver- heißungsvoll für die Arbeiterschaft klingen. Noch skeptischer steht Dewitz der Sozialdemokratie gegenüber. Im allgemeinen zwar soll sie mit anderen Augen angeschm werden:„Es bat sich aus ihrer Presse, namentlich in den„Sozial: st ischen Monatshefte n", eine große Zahl von Berührungspunkten mit den bürgerlichen Kreisen ergeben, die nicht unberücksichtigt bleiben sollte." Aber die Tatsache, daß die Gegner der Kreditbewilligung in der Fraktion von 14 auf 36 gestiegen sind, ohne daß diese Genossen aus der Partei hinausgeworfen worden sind, stimmt Dewitz sehr bedenklich: „Ein ungeteiltes Vertrauen zur Gesamtheit der Sozkaldemo. kratie scheitert demnach im Ausmaß nationaler Gesiiuiuug an der mders gearteten Willensrichtung der bürgerlichen Parteien. Denn $cr M i ndl.' r'ke!! ÄbÄvegung in iicr Sn�iaidemokratie bleibt die Inteenntionale leider knä luiciitigcrc, weil sie nach wie vor mehr von einer Furcht vor dem Groll der Internationalen, als dem der t�aiionalen beseelt isl. Damit t?at dieser Teil der Sozialdemo» lraiic das Recht verloren, nach dem Krieg auf nationale Fragen des Reichs EinHutz zu üben/ Schlimmer noch als die internationalen Ziele der Arbeiterbetvessung schöbt Dewitz den Grundsatz des Klaffen- kainpses eins und hier findet auch die sogenannte„Partei- niehrheit" keine Gnade von seinen Augen: „Man spricht viel von einer Wiedergeburt des Volkes, von einer Neuorientierung. Ja deutet denn der Entschluß der sozial- demokratischen Parteileitung vom 28. Juni 1915, den Klaffen. kämpf anfrechtznerlialte», darauf hin? Wird doch sogar in dieser Bekanntmachung die Sicherung des Vaterlandes als Vorbedingung des Klaffcnkampscs und damit als Mittel zum Zweck dezeichnet. Entweder heißt das, wir wollen— oder es heißt, wir haben kein anderes Mittel, wie die Verewigung de- Kampfes unserer von den übrigen Volksgenosse» abgesonderten Kaste. Klingt das nicht wie eine Aeußerung ablehnenden Hohnes gegenüber den Tönen der Versöhnung, die an allen Ecken und Enden des Vaterlandes der Sozialdemokratie gegenüber verlauten?" lkber das Ziel des Klassenkampfes— die Hebung der Lebenshaltung— will Dewitz mit sich reden lassen. Aber das Mittel gefällt ihm ganz und gar nicht. Und zwar hat er— „ethische" Bedenken. Welcher Art diese„Ethik" ist, geht aus den Vorschlägen vor, die Dewitz selbst zur Erreichung des Zieles der wirtschaftlichen Bestrebungen in der Arbeiterschaft macht: „Wenn der Klaffenkampf gegen da? Unternehmertum demnach in seiner sittlickkn Basis versagt, so ist dafür zum großen Teil die bewußte Ausschaltmig jeder anderen Art einer Verständigung, wie die erhöhter Lohnzahlung oder verkürzter Arbeitszeit bei höherem Lohn verantwortlich zu machen. Die Gewerkschaften streben lediglich eine Solidarität zwischen den Arbeitern an. Heiwemann vertritt sogar die Ansicht, daß das Werturteil zwischen den unorganisierten und den organisierten Arbeitern, die sich in eine Gemeinschaft ein- gliedern, nicht zugunsten der ersieren ausfallen könne. Der Gc- danke, daß eS sich die Gewerkschaften auch zur Aufgabe machen könnten, aufeineJilteressengemeinschaft der Unter- nehm er mit den Arbeitern binzwvirken, sofern dadurch ihr« Ziele zu erreichen si-rd, erfährt jedenfalls starke Ablehnung. Die Gewerkschaften würden ja dadurch einen Teil ihrer Stoßkraft ein- büße»! Ihnen ist demnach der Kampf wichtiger als das Ziel des Kampfes. Darin liegt der fundamentale Fehler, der die Gcwerk- scbastcn nie zu vollem Einfluß kommen lassen wird, wenn sie ihn nicht abstellen. Der Kampf bleibt ihnen ja immer noch, aber zunächst muß das ihm angeblich vorausgehende Verständi- gungsprinzip ander« Formen annehmen. Es ist etwas ganz ande- res, ob die Arbeiter auf Kosten des UiiternehmergewinneS Forderungen aufstellen, oder ob sie eine Produktiv nSver- mehrung anstreben und an ihr eine Anteilnahme ver- langen." Dewitz sieht den NiikinipfungSpnnkt einer Jntereffen- gemeinschaft zwischen Unternehmern und Arbeitern in der Idee, die Beiträge der Unternehmer für die Krankenvcrsiche- rnng niit der Höhe der Dividende steigen zu laffen. Er er- läutert das an folgendem Beispiel: „Bei allen Aktiengesellschaften läßt sich da» z. B. unschwer durchführen, wenn die Arbeiter sich mit dem Unternehmer dahiw einig!«», daß von jedem Prozent Dividende ein Zehntel von diesem zur Speisung der Zusatzrentenvcrsicherung verwendet würde. Wenn demnach bei mehreren Unternehmen von 50 Millionen Mark Grundkapital in dem einen Fall 5 Proz., in dem anderen 19 Proz. Dividende zur Verteilung gelangien, so würden in dem ersten Fall 250 999 M., in dem zweiten 599 099 M. in die Zusatzrenten. lasse der Arbeiter fallen. Auf den ersten Blick mag sich der Akkio- när dagegen wehren, obgleich die Kürzung von hl hzw. 1 Proz. gegenüber einem gesunden Shsiem der Arbeiterbeteiligung am Gewinn nicht entscheidend sein darf; indes wird auch er sich bald überzeugen, daß der Ausfall ausgeglichen wird, weil der Trieb des Arbeiters, die Dividende zu erhöhen, mit dem Wunsch des Aktionärs den gleicken Weg gebt. Dieser Trieb wird sick noch steigern, wenn die bei niedrigen Dividenden erhöhte eigene Beitragsleistung des Arbeiter? mit steigender Dividende stufen- weise sinkt, ja allmählich gänzlich fortfällt." Wir wollen gar nicht davon reden, daß es eine Kleinig- keit ist, die Bilanzen so zu frisieren, daß die Dividende niedrig oder ganz misfällt. Aber steht denn überhaupt die Höhe der Dividende eines einzelnen Unternehmens in fester Be- In„Ruhestellung". Folgender Feldpostbrief von der Westfront wird uns zur Verst. F.! Tie letzte Woche sind wir hart mitgenommen worden. Am 26. bezogen wir Ruhestellung in.... Doch die Ruhe, die uns hier geboten wurde, war etwas zweifelhafter Natur. Zunächst einmal vom... des Abends l-ll Uhr Abmarsth. Die Ablösung ist eingetroffen, und wir können uns auf den Weg niachcn. Mit einmaliger kurzer Ruhepause ein 3 tl stündiger Marsch. Wir mußten die Straße benutzen, da der am Nachmittage und am Abend niedergegangene Regen die näheren Waldwege ungangbar gemacht hatte. Heller Mondenschein lagerte auf den Fluren und machte nnS den Marsch erträglich. Lange Reihen von Munitionskolonnen kamen uns entgegen, die die Artillerie- siellungen aufsuchten, um dieselben mit Schießmaterial zu ver- sehen. Weiß hoben sich am Wege, beinahe gespensterhaft, die Birkewholzkreuzchen ab, die die letzte Ruhestatte gefallener Krieger bezeichnen. Den zerschossenen Ort M...., eigentlich mehr eine Farm, lasten wir links liegen. Zum größten Teil sind die Häuser schon wieder aufgebaut, die Mauerreste sind beseitigt und neue an ihrer Stelle haben bald wieder wohnliche Räume entstehen lasten. Im Walde wird einmal Rast gemacht, um die einzelnen herauf- marschierenden Züge zu sammeln und in geschlosiener Konipaguie- kolonne geht eö nun weiter dem Städtchen zu. Die Luft ist ab- gekühlt, und eS drückt der voll« Tornister nicht allzu sehr und mit verhältnismäßig guter Stimmung ziehen wir unseres Weges. Morgens kurz nach 2 Uhr treffen wir am Bestimmungsorte ein und beziehen die Quartiere. Auf den Zementfußboden einer Fabrik iit Stroh geschüttet. Schnell fliegt der.Affe' von den Schultern. Zeltplan und Mantel wird heruntergenommen. Erster« breiten wir ans dem Stroh aus, der Tornister darauf als Kopfkissen, der Mantel als Zudecke und das Lager ist fertig. Die notwendigsten Sachen ioerden zurecht gelegt, rasch der Platz auf- geräumt, und dann eilen wir hinaus zur aufgefahrenen Feldküche. die Kaffee für uns gekocht hat. Dazu wird noch ein bisset gegessen und dann gebt es zur Ruhe. ES ist 3 Uhr morgens. Doch noch harrt eine unliebsam« Ueberraschung unserer. Gerade wollen wir uns zum Schlafen niederlegen, da erscheint der Feldwebel.„Uin 5 Uhr mutz die Kompagnie zum SlrbeitSdienst stehen!" Das gab aber lange Gesichter. Schnell streckten wir uns hin, denn um 4 Uhr mußten wir da halt aufstehen. Es ging auf den Bahnhof, um Bretter abzuladen. Die Wagen mußten unbedingt leer ge- macht werden. Mit nicht allzu großer Lust gingen wir an die Arbeit. Die Müdigkeit und die Anstrengungen des Marsches lagen uns nach in den Gliedern, doch bald gewann aber die gute Stim- mung wieder die Oberhand. Und gegen ZI Ubr war die Arbeit vollbracht. Schnell nahmen wir darauf die Mahlzeit ein, um uns rasch noch einmal zum Schlafen niederzulegen und das Versäumte nachzuholen. Nachmittags reinigten wir dann unsere Sachen und abgespannt legten wst uns früh zum Schlafen nieder; denn laut ziehung zu dem Grade der Arbeitsleistung des einzelnen Ar- bciters? In Unternehmen, die mit Vertust abschließen, können die Arbeiter unter schwierigeren Bedingungen ar- beiten als in Fabriken, die hohe Gewinne ergeben. Der Ausweg, den Dewitz für die neue„Arbeitsgemein- schaft" vorschlägt, ist einfach nicht diskutabel. Aber seine Kritik der früheren Vorschläge zur Anbahnung eines engeren Verhältnisses zwischen allen Bevölkerungsklassen bleibt deZ- halb nicht weniger lehrreich. De? französische Tagesbericht. Paris, 17. Oktober.(W. T. B.) A m t l i ck> e r Ber i ch t V o n Sonnabend nachmittag. In Lothringen warfen wir heute nacht mehrere Gegenangriffe gegen die Schützengräben, die wir gestern nördlich von Reillon besetzt batten, zurück. Die Zahl der Gefangenen, die wir im Laufe der Kämpfe machten, beträgt etwa 199. In den Vogesen versuchte der Feind nach Mitternacht mit starken Kräften zwischen dem Linge und dem Schratzmännle einen Angriff, dem eine heftige Kanonade vorausgegangen war und der von Sperrfeuer auf unsere zweiten Linien und Zugangsgräben be- gleitet war; er wurde vollständig zurückgeschlagen. Von der übrigen Front wird kein besonderes Ereignis gemeldet. Paris, 17. Oktober.(W. T. B.) Amtlicher Kriegs- bericht vongestern abend. Im A r t o i s warfen wir einen neuen deutschen Angriff im Bois en Hache am Weskhang des Tales von Souchez völlig zurück. Die von gegenseitiger Kanonade begleite- ten Kämpfe von Schützengraben zu Schützengraben dauerten südlich der Somme im Gebiete von Lihons und Onesnoy en Santerre an. Der Feind erneuerte seine Beschießung des Gebietes hinter unserer Front in der Champagne, wobei er tränenerregende Granaten anwandte. Unsere Artillerie erwiderte, indem sie die feindlichen Batterien und Schützengräben beschoß. Kämpfe mit Bomben und Handgranaten in den Argonnen nördlich von La Hohette sowie in Vanquois. In den Vogesen gestattet« uns ein kräftiger Gegenangriff, alle unsere Stellungen am Gipfel de? HartmannSweilerkopfes wieder einzunehmen und uns außerdem eines zuvor vom Feinde be- setzten Feldbefestigungswerkes zu bemächtigen, wo wir 59 Ge- fangen« machten. Eine Flugzeuggruppe bombardierte am Sonnabend den Bahnhof von S a b l o n und den Bahnhof von Metz, wo vielfach das Platzen von Geschossen auf dem Bahnhof und auch auf einem in Fahrt befindlichen Zuge, welcher an einem Weichenstellerhaus halten mutzte, beobachtet wurde. Der rujsische Geiteralftabsbericht. Petersburg, 17. Oktober.(SB. T. B.) Amtlicher Bericht vom 16. Oktober. Artilleriekampf bei Kalnzem südlich Schlock(12 Kilometer). Westlich Grünwald, östlich Mitau(27 Kilometer) gingen die Deutschen nach Artillerievorbereitung in der Nacht zum 15. Ok- tober über die Eckau, wurden jedoch durch unseren Gegenangriff auf das linke Ufer zurückgeworfen. In der Gegend der Meierei Mißhof an der Eisenbahn südöstlich Riga, an der Misse, sehr lebhafter Ariilleriekampf. Die Versuche der Deutschen, südlich Mißbof die Misse zu überschreiien, wurden erfolgreich durch Artillerie, und Jnfanteriefeuer zurückgewiesen. Den Bahnhof RömerShof nördlich Fricdrichstadt belegten deutsche Flugzeuge mit einigen Bomben. Aus der Düna front antworteten die Deutschen mit mehre- ren Angriffen entlang der Chaussee Jllurt— Meddum-See; alle Angriffe wurden abgeschlagen. Während deö gestrigen heißen Kampfe? bei dem Vorwerk Gateni, zwischen dem Demmen- und DrySwjaty-See, bemächtigten sich unsere Truppen des Vorwerks, machten Gefangene und erbeuteten Maschinengewehre. Wir er- hielten hier gute Auskunft über die sehr großen Verluste, die der Feind in den letzten Kämpfen auf der Front Dünaburg— Demmen- Sec— Trhswjaty-Tee— Boginsjoje-See hatte. Südlich Dünaburg bis zum Prypjet ist die Lage unverändert. In der Nacht des 15. Oktober warf ein Zeppelin 59 Bomben auf Minsk, unsere Artillerie beschoß ihn sofort. Bei dem Dorf Nowosiolki am Styr, südlich Ezartorvsk ergriff der Feind nach Artillerievorbereitung erfolgter Ankündigung sollte die Kompagnie am nächsten Tage wiederum Arbeitsdienst verrichten.•?i3 Uhr wecken. Die Küche stand bereit? mit dem Kaffee da. Die Feldflasche wurde gefüllt, das Strurngepäck fertig gemacht und Schanzzeug in Empfang ge- nominell. Und so ausgerüstet zogen wir um 414 Uhr unsere Straße.... Nach dreistündiger Wanderung erreichten wir unser Ziel. Eine Straße sollte fahrbar gemacht werden für schweres Geschütz. Schnell und flott ging trotz der mangelhaften Ruhe die Arbeit von statten und nachmittags gegen 5 Uhr war die Arbeit, soweit diese für uns in Betracht kani, fertiggestellt. Nach kurzer Ruhepause erfolgte der Abmarsch, und um 8 Uhr waren wir wieder im Quartier. Müde und abgespannt schmeckte kaum das Abendbrot, und kurz darauf versank alle» in Schlummer. Am nächsten Morgen?46 Uhr wecken und darauf vormittag exerzieren. Nachmittags dasselbe. Lang- samer Schritt, Wendungen, Griff!! Gegen Abend ging ich baden. Kaum aber war ich im Wasser, ertönte das Alarmsignal. Da hieß e?, schnell heraus aus dem Wasser und hinein in die Kleider und fort zum Quartier. Zum Glück war es nur blinder Alarm, um die Schnelligkeit der Aufstellung zu prüfen. Doch mir war nun die Lust vergangen, nochmals das Bad aufzusuchen. Ich zog es vor, um'A'J Uhr schlafen zu gehen. Dienstagvormittag exerzieren, A 11 Uhr einrücken. Tarauf Reinigen der Effekten zum Sachen- appell, der für 1.39 angesetzt war. Es blieb kaum Zeit, das Mittag- essen einzunehmen. Die Geschichte zog sich bis gegen h-5 Uhr hin. 4.49 im Quartier, 4,55 antreten zum Arbeitsdienst. Ich kam kaum dazu, den heißen Kaffee herunterzuschlürfen. Einen Bissen Brot steckte ich mir in die Tasche»nd verzehrte ihn unterwegs. Rasch wurde der Mantel gerollt, das Kochgeschirr raufgeschnallt, der Hatronengürtel wieder gefüllt und fort ging es. Nachdem wir uns mit dem Schanzzeug bewaffnet hatten, traten wir 5.39 den Marsch an, langten 8.30 am Stellplatze an und waren um 9.30 am Arbeitsplatz Ein Laufgraben sollte ausgehoben werden, der unter allen Umstanden eine bestimmte Tiefe evrdchen sollte. Der gegnerische Laufgraben war nicht weit entfernt, wir sahen die auf- geworfenen Hügel im Mondesglanze weiß herübcrlenchten. Unser Schanzen wurde bemerkt und bald prasselten die Granaten und Schrapnells berüber. Leuchtkugeln stiegen auf und beleuchteten das Vorgelände. Fest an den Boden gepreßt warteten wir das Ende des Feuerns ab, um dann schnell wieder den Spaten und die Hacke zur Hand zu nehmen und die Feuerpause auszunützen. Schnell drangen wir in den Boden ein, denn die Verhältnisse zwangen uns zur intensiven Arbeit. Ich konnte nicht umhin, das grandiose Schauspiel der in der Finsternis explodierenden Granaten zu be- staunen. Um die feindlichen Batterien zum Schweigen zu bringen, feuerten unsere 15-Zentimeter-Haubitzen und 13-Zentimeter-Lang- rohr-Geschütze, und da» vereint mit demselben Feuer des Gegners konnte auch starken Naturen auf die Ilerven fallen, um uns krachte es und der Feuerschein beim Explodieren erleuchtete blitzartig das Gewölk. Schlag auf Schlag von hüben und drüben. Ich preßte mich in eine kleine Mulde, ein früheres Granatloch, und stellte meine Beobachtungen an. Schwer atmeten neben mir die Kameraden. Manch einer mag wohl ein Stoßgebet zum Himmel geschickt haben. Aber es half nichts, wir mußten aushalten, der Graben mußte fertig werden. Man konnte meinen, in ein Gestsitter hineingeraten die Offensive und kam etwas vorwärts, wurde jedoch durch unsere Abteilungen gezwungen, etwas später auf seinen Ausgangspunkt zurückzugehen. Bei dem Dorfe Hajworonka westlich Trembowla an der Strhpa setzt der Feind seine Angriffe fort. Hier verstärkte der Gegner gestern sein Artilleriefeuer, welches mehr als eine halbe Stunde dauerte; hierauf machte der Feind mehrere Angriffe, wurde jedoch jedesmal zurückgeschlagen. Mehrere heftige Zu- sammenstöße mit dem Feind fanden südöstlich Buczacz statt, wo die Deutschen an mehreren Stellen die Offensive ergriffen. In der Ostsee torpedierten englische Unterseeboote sechs deutsche Transportschiffe, von denen fünf versenkt wurden. Einer wurde aus Strand gesetzt. Melöung öer italienischen Heeresleitung. Rom, 16. Oktober.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von Sonnabend. Mit Ausnahme kleiner Angriffe unserer Abtei- lungen am Ausgang deö Assatales längs der Kärntner Grenze und auf eiingen Abschnitten der Karstfront lagen während des gestrigen Tages keine militärischen Ereignisse von besonderer Bedeutung vor. General C a d o r n a. Meldung des türkijchen Hauptquartiers. Konstantinopcl, 16. Oktober.(W. T. B.) Das Haupt- g u a r t i er meldet: An der Kaukasusfront warfen wir die Russen, die einen Ueberraschungsangriff auf unsere Stel- lung versuchten, in der Gegend westlich von Kentek zurück und fügten ihnen schwere Verluste zu. An der Dardanellensront örtliche Feuergesechte. Sonst nichts von Bedeutung.— Bei Sedd ul Bahr zerstörte eine Mine, die wir in der Gegend des Kerevizdere zur Explosion brachten, unter Mitwirkung unserer Artillerie ein feindliches Blockhaus. Sonst kein Ereignis. Die englischen Daröanellenverlufte. Paris, 16. Oktober.(W. T. B.) Der»New Daick Herald' erfährt aus London: Unterstaatssekretär Tennant hat im Unterhause erklärt, daß von den Verlusten an den Dardanellen bis zum 9. Oktober(96 899 Mann) 1185 Offiziere und 17 772 Soldaten tot, 2632 Offiziere und 66 229 Soldaten verwundet und 383 Offiziere und 8797 Mann vernrißt sind. Die U-9oot-Tatigkeit im Mittelmeere. Athen, 17. Oktober.(W. T. B.) In den letzten Tagen sind folgende Schiffe durch deutsche und österreichisch» ungarische IJ-Boote versenkt worden: 1. engl Tanldampfer H. C. Henry. 4219 Br. R. T.*) 2., Dampfer Heyden.... 4000, 3. italienischer Dampfer Cyrene.. 3236. 4. engl. Dampfer Sailor Prince.. 8144„ 5.,, Halyzones... 5993, 6.,„ Thorywood... 8184„ 7.,, Apollo..... 8774„ Der Gedanke ist nicht von der Hand zu weisen, daß die enormen Dampferverluste der Verbündeten während der letzten Wochen die eigentliche Ursache für die gemeldete Stockung der Truppenlandungen in Saloniki sind. •) Mit Teeröl nach LemnoS. Wittes politisches Vermächtnis? Der bekannte Mitarbeiter der„Germania" berichtet seinem Blatte über einen Brief Wittes an den Zaren, der kurz vor seinem(im Frühjahr erfolgten) Tade geschrieben, von dem Groß- fürsten Nikolai Nikolajewitsch beschlagnahmt und vier Monate nach seiner Niederschrift bei dem davongejagten und unter Anklage gestellten Kriegsminister Suchomlinoff anläßlich einer Haussuchung gefunden sein soll. Da Witte, der als deutsch- freundlich galt, keine Audienz bei mZaren erlangen konnte, soll er den Entschluß gefaßt haben, seine dringenden Warnungen an den Zaren in einem Brief zusammenzufassen. Ist dieser Brief zu sein. Hellauf wurde die ganze Gegend beleuchtet, und schnell spähte ich wieder einmal über den Rand hinaus. �Doch wenn die Sprengstücke der Schrapnells und Granaten herübersurrten mit brummendem Geräusch, dann duckte ich mich schnell wieder zur Erde nieder, die Nase förmlich in den Sand steckend. Doch außer einer unbedeutenden Verletzung durch einen kleinen Splitter hat uns das Feuer weiter nichts geschadet. Kurz nach 12 Uhr war die Arbeit vollendet und eilends ging es dem Quartiere zu, das wir müde, matt, gegen 3 Uhr morgens erreickten. Doch nicht alle kamen an; in größeren Zwischenräumen kamen diejenigen, die fußkrank ge- worden waren, die letzten morgens um 8 Uhr. Für 19 Uhr vor- mittags war Sachsmreinigen angesetzt, nachmittags wieder exerzieren. Doch wir konnten kaum die Beine heben, und besonders Vorzügliches haben wir nicht geleistet. Am nächsten Morgen 6 Uhr Stellen zum Felddienst, verbunden mit längeren Märschen, von dem wir erst spät am Nachmittag heimkehrten. Schnell wurde das Mittagbrot verzehrt, denn um 5 Uhr mußten wir schon wieder fix und fertig dastehen, mit gereinigten«achen, denn die Ablösung der Wache sollte vor sich gehen; der übrige Teil hatte wieder einen dreistündigen Marsch vor sich, da wieder Schanzdiemt für diesen Teil angesetzt war. Unser zweiter Zug rückte auf Wache, und ich hatte das Pech, Hauptwache zu erwischen. Hatte ich solange nicht präsentieren gekonnt, hier lernte ich es, denn ich wurde dazu be- fohlen und mußte es können, trotzdem ich es noch nicht geübt hatte. Na, es ging mit Mühe und Slot, und zuletzt brachte ich es ganz gut fertig. Sonnabend nachmittag gegen Ab Uhr erfolgt« die Ablösung, um 4,49 im Quartier, um 5 Uhr wieder fertig stehen zum Abmarsch: wiederum eine Schnitte Brot eingesteckt, nur die Feldflasche gefüllt, und los ging der Marsch. Abends um 1419 Uhr waren wir im Schützengraben. vom tzeimatsurlaub wieder in Rußland. Ein Parteigenosse, der als Unteroffizier in Litauen steht, schreibt unS: Wilkomir, den 3. 10. 1916. Acht ganze Tage war ich zu Haufe, raus aus den längst ge- wohnten Verhältnissen. Wenn ich nicht lesen könnte, hätte ich nach Ueberschreiten der Grenze bei Byofren sofort an der Ordnung in und um die Häuser, auf den Feldern und Straßen gesehen, daß ich wieder auf deutschem Boden war. Komisch wirkte das Getriebe der Großstadt auf mich und auch meine Kameraden erzählen davon. Bei der Rückfahrt dasselbe Bild, nur umgekehrt, sowie die Grenze passiert ist, alles durcheinander, die bekannte Unordnung, die man ein halbes Jahr lang täglich vor Augen hatte. Zerschossene oder verbrannte Hänser fallen nicht mehr auf, sie sind zu zahlreich und man gewöhnt sich an ihren Anblick, aber in den vom Kampf ver- schonten Orten bietet sich dem Auge immer wieder etwas Neues. Und gerade die letzten acht Tage boten des Interessanten viel. Fünf Tage Marsch, drei Tage auf dem Njemen per Schiff. Eine ganze Kompagnie auf einem großen Kahn, Bagage und Pferdematerial auf zwei anderen, von einem Raddampfer geschleppt. Ein eigen- artiges Vergnügen. Nachts können wir nicht fahren, die Fahr- ftrahe ist zu gefährlich, an manchen Stellen gleitet der Dampfer erht, so kann alZ er als das Pol! ts che Vermächtnis Wittes an den Zaren bezeichnet werben. In seinen Gedankengängen er- innert er in vielem an die Anschauuiigen, die mehrfach in den Kreisen der hohen Bureaukratie und des Hofes laut geworden sind. Schon aus diesem Grunde beansprucht der Bericht der„Germania" ein gewisses Interesse. In dem Briefe, der, wie bemerkt, im Frühjahr geschrieben sein soll, setzt Witte zunächst dem Zaren alle Gründe auseinander, die es für ratsam erscheinen lassen, eine friedliche Eini- gung mit Deutschland anzustreben. Für einen aufmerk- samcn Beobachter, der es mit Rußland? Zukunft ehrlich meint, sei die militärische Ueberlegenheit Deutschlands erwiesen. Die Ilebeclegenheit sei so groß, daß Rußland keine Aussicht habe, sie m einem langen Kriege auszugleichen. Andererseits sei das mili- tärische Prestige Rußlands noch intakt, denn die Siege des beut- schen Heeres würden aufgewogen durch die Erfolge des russischen in Galizien und in der Bukowina. Augenblicklich habe vielleicht auch Deutschland ein gewisses Jnter- esse an einem billigen und schnellen Frieden mit Rußland, um seine ganze Macht gegen seine westlichen Feinde führen zu können. Vielleicht sei sogar ein Friede ohne Geldentschädigung und ohne große Gebietsabtretung zu erlangen. Die Stellung des Hauses Romanow würde auch, wenn jetzt der Friede käme, nicht erschüttert werden, denn die Friedensbedingungen würden für Rußland ehrenvoll sein, und auch Deutschland hätte an dem Be- stände der alten Dynastie ein wirtschaftliches Interesse, damit möglichst schnell und ungestört wieder nor- male Verhältnisse in dem großen Nachbarreiche eintreten können. Ganz anders würde es allerdings werden, wenn die deutschen II uterhändler ein vollständig zerschmettertes Rußland gegenüber haben würden, dann würden sie wohl kaum nach den russischen Wünschen fragen, sondern einfach die deutschen Befehle diktieren, das Schicksal des Haus es Romanow wäre ihnen dann auch gleichgültig. Weiter kommt dann Witte auf Rußlands Verhältnis zu seinen Bundesgenossen Frankreich und England zu sprechen. Das Bündnis mit Frankreich will er gelten lassen, obwohl er sich nicht verhehlt, daß die französische Freundschaft für Rußland bisher mehr Nachteile als Vorteile gebracht habe. Die französischen Milliarden seien mehr für französische Wünsche als für russische Bedürfnisse verwendet worden. Beide Länder hätten aber in der Welt so wenig Berührungspunkte, daß«in gutes Einvernehmen auf längere Zeit immerhin möglich sei. Ganz anders sei es aber mit England. Tie Interessengegensätze zwischen Rußland und England seien in der Welt so mannigfaltig und zum Teil so zugespitzt, daß ein fried- licher Ausgleich für die Zukunft undenkbar sei. Rußlands Bündnis mit England sei etwas Anormales und Lebenswidriges, es diene lediglich Englands Interessen. Englands Bestreben sei, das mächtig aufkommende Deutschland mit russischer Hilfe niederzuzwingen. und dann Rußland, das, wenn Deutschland vernichtet ist, England keinen ausreichenden Widerstand mehr entgegensetzen kann, zu be- seitigen. Das Bündnis mit England müsse aufge- hoben werden, ein Bündnis mit Deutschland zur Niederhaltung Englands sei anzustreben. Mit Teutschland beständen nur wirklich« Interessengegensätze im Orient, und diese ließen sich schon bei beiderseitigem guten Willen über- brücken. Die französische Munitionsinüusirie unü öie Arbeiter. Aus Amsterdam wird uns geschrieben: Der NnterstaatSsekretär für die französische Munitionsindustrie, Genosse Albert Thomas, hat seinen letzten Aufenthalt in England dazu benutzt, um in einer Versammlung von englischen Gelverk- schoftsführern im Munitionsministerium am 6. d. M. zur kriegerischen Aufmunterung eine Rede über das patriotische Beispiel zu halten, das die französischen Arbeiter geben. Der Redner sagte unter anderem:„Vom September bis Februar haben die Arbeiter der Kriegswerkstätten keinen Sonntag und keinen Feiertag gekannt. Sie dachten nicht daran(1). ES kam die Zeit, wo die Maschine früher ermüdete als der Mensch. Da fand man eS ratsam, ihnen einen Tag in vierzehn Tagen oder den Sonntag- vormittag freizugeben. Ties blieb seither das regelmäßige hart über den Sand. Auch hier auf dem Njemen merkt man sofort, wann die Grenze passiert ist, nicht nur an den Dörfern und Städtchen, sondern auch an der Beschaffenheit und dem Zustand der Flußufer. Zurückgekehrte Juden lassen sich unterwegs mit ihrem Boot ins Schlepptau nehmen und verkaufen Aepfel, Pflaumen und andere Sachen. Dabei suchen sie ihren eigenen Bedarf zu decken, Seife, Streichhölzer, Tabak, Lichte und dergl. sind begehrte Sachen. Blinzelnden Auges wird nach Rum oder Kognak gefragt. In Kowno nächtigen wir in einer großen russischen Kaserne aus blanker Pritsche. Auch hier Schmutz über Schmutz, wir sind froh, daß wir weitergehen. Mit klingelndem Spiel unserer improv:- sicrten Kapelle geht es nach der Landstraße, die sich Hunderte von Kilometern in lchnurgerader Richtung hinzieht, aber in ziemlich gutem Zustande ist. Jedenfalls weil sie als RückzngSstraße von der russischen Heeresleitung gebraucht wird und vor kurzem auch gebraucht wurde. An der Straße überall Spuren des Kampfes, Gräber, Ruinen. Von den Bergen dort über der Wylia hat die deutsche Artillerie herübergeschossen, erzählen unsere„Panjes". In einem Dorfe machen wir Quartier, die Häuser werden abgesucht und in jedes einige Mann untergebracht. Ich ziehe«ine Stell- macherwerkstätte vor, trotzdem eine warme Stube zu ertragen wäre. Wer seine Nase einmal in eine litauische oder kurländisch« Bauern- stubc, deren Fenster nie geöffnet werden, gesteckt hat, wird kein Verlangen mehr haben, in solchem Raum zu schlafen. Nun sind wir in Wilkomir und haben Ouartierc bezogen in einem Gerichts- gcbäude, in dem die Russen auf ibre Art gehaust haben. In Goldap sah ich dieselben Bilder. Soll ich sie beschreiben?— Mir ekelt davor. Ich liege mit meiner Korporalschaft in einem Zimmer, das wohl eine Art Bibliothek sein muß.' Herrliche Bände sind in den Schränken enthalten, aber leider ist ein großer Teil zerrissen und zerfetzt. Einwickelpapier. In der Stadt müssen gut situierte wohl- habende Leute gewohnt haben, man sieht es an den Häusern der Hauptstraßen und den noch vorhandenen Möbeln usw. Die Be- wohner sind meistens weggetrieben. Arm« Juden sind es, denen man begegnet. Auf dem Markt ist ebenfalls nicht viel zu haben und schon erheblich teurer wie in Pl.... und S....(Siehe Ar- tikcl im..Vorwärts":„Aus Kurland".) Mit drei bekannten Fein- den: Flöhen, Läusen und Fliegen schlagen wir uns in gewohnter Weise herum, und ich bin gerade furchtbar tücksch, weil mir die letztgenannten das Schreiben so schwer und ungemütlich machen. Vorigen Abend wurden ein Koiakenoffizicr und l3 Russen auf die Wache gebracht, deren Wachhabender ich augenblicklich bin. Um zwei Uhr nachts fahre ich erschrocken zusammen beim Lesen meines Buches. „Saget Se amol, wo geht ma hier brunza(austreten), i muatz naittg lnötig) amol naus," werde ich auf echt schwäbisch angeredet. Ein gefangener Russe steht barfuß hinter mir. „Mensch, wie kommen Sie nach Rußland, Sie sind doch Württemberger? Woher da?" frage ich alles auf einmal. „I hau(habe) Deutschland no nia g'seha, mei Großvatter ischt vor 100 Johr nach Rußland ausg'wandert, nach Bessarabien. Wir bent eigene Schule, Kirche und au a Zeitung in deutscher Sprach. Wenn mir bloß Land kriega könntet, meine zwei Söhne sind au im Feld, i weiß nix von ehna." Nun ist er in Deutschland, das er nie zu sehen hoffte. System. Vor dem Krieg war mit den Arbeitern keines-' wegs leicht umzugehen. Sie waren gewohnt, zu diskutieren und für ihre Interessen und Rechte zu kämpfen. In Frankreich waren die Streiks vielleicht nicht so gut organisiert wie in England und es gab eine Menge kleiner Streiks. Die Arbeiter waren bereit, um kleiner Streitfragen willen, auS Stolz und Eigenliebe und manchmal nicht einmal aus Interesse zu streiken. Aber mit Beginn des Krieges hat es in Frankreich keinen einzigen Ausstand gegeben, nicht einmal einen Vierundzwanzigstundenstreik! Manchmal gab es kleine Schwierigkeilen, aber immer konnte die Intervention entweder eines Parlamentsmitgliedes oder des Munitionsministers selbst oder sonst jemandes, der die Arbeiter verstand und ihre Nöte mit- fühlte, im Laufe eines einzigen TagcS eine friedliche Beilegung herbeiführen. Die Arbeiter erklärten sich bereit, vorläufig alle Schwierigkeiten zu vermeiden, die sich au« der Anwendung der Ge- werkschaflsvorschriften und-gebräuche ergeben konnten. Dafür war auch die Regierung auf die Erfüllung ihrer Pflichten bedacht. In jeder Munitionswerkstätte wurde der Anschlag der Lohnliste vorge- schrieben, was ehedem schwerer durchzusühren gewesen war. Es war schwer, das regelmäßige Gewerkschaftsleben während des Krieges aufrechtzuerhalten, aber jeder in eine KriegswerlstStte ab- kommandierte Offizier bekam den ausdrücklichen Befehl, mit den lokalen Gewerkschaften in Fühlung zu bleiben und mit ihnen über technische und sonstige Fragen zu konferieren. Der Arbeiter war Soldat geworden, der Soldat wurde Arbeiter/ Man geht wohl nicht fehl, wenn man diese Schilderung als etwas gar zu rosenfarbig ansieht. Die patriotische Absicht mag da ebenso mitgespielt haben wie die leichlbegreifliche Neigung eines Schöpfers, sein Werk wohlgeraten zu finden. Wir erinnern uns, in der„Bataille Syndicaliste* und selbst in der„Humanitö" weniger begeisterte Ausführungen über die Zustände in manchen Armcewerkstätlen gelesen zu haben. Genosse Albert Thomas hat zweifellos in seinem jetzigen Amt sein glänzendes Organisationstalent bewiesen, aber es könnte doch sein. daß sich dabei sein Verhältnis zu anderen Organisationsgedanken unwillkürlich verschoben hat. Dafür spricht die überlegen staats- männische Art, wie der ehemalige Herausgeber der»Revue Syn- dicaliste' über die Streikneigungen der französischen Arbeiter in Friedenszeiten redet, ebenso wie der Umstand, daß in seinen Aus- führungen über die Kriegsbegeisterung der französischen Arbeiter die doch nickt unwichtige Talsache, daß just die Organisation der in erster Reihe an der Munitionsindustrie beteiligten Metall- a r b e i t e r in ihrer ablehnenden Haltung gegen den Krieg und die kriegspatriotische Arbeiterpolitil verharrt, nicht zum Ausdruck kommt. Auch der rednerische Schlußeffekt, wonach der eine Kriegswerkstätte beaufsichtigende Offizier durch den bloßen Verkehr mit der Gewcrk- schaft zum Arbeiter wird, scheint auf eine Ueberschätzung der all- gemeinen menschlichen Wandlungsfähigkeit zurückzugehen. Im übrigen verdienen die tatsächlichen Mitteilungen des französischen Munitionsministers auch außerhalb Englands Beachtung. politische Uebersicht. Ein Jubiläum. Ein Festtag deS Proletariats würde wohl der 18. Oktober dieses Jahres gefeiert worden sein, wenn nicht durch den blutigen Weltkrieg und dessen Folgen jede Feierstimmung unterdrückt würde. An diesem Tage vor 20 Jahren trat die auf dem Partei- tag zu Halle geschaffene Neuorganisation der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in Kraft. Von den in den Vorstand und in die Kontrollkommission gewählten Genossen ist Alwin Gerisch der einzige, der bis zum heutigen Tage der Körperschaft angehört, in welche er 1800 zum erstenmal gewählt wurde. Jahrzehnte hatte er das vielbeneidete Amt als Kassierer. Er wurde zwar nicht beneidet wegen der gelvaltigen Arbeit, die er zu bewältigen hatte. Beneidet wurde er von den Kassierern aller politischen Parteien und wohl auch von Finanzministern. So oft Gerisch seinen Jahresbericht veröffentlichte, kam in den Zeitungen aller Parteien der Neid mehr oder weniger offen zum Vorschein, denn kein Kassierer einer anderen Partei und selbst die meisten Finanzminister der Staaten konnten über so günstigen Stand der Finanzen berichten, wie Gerisch in der Regel berichtete. „Wenn i bloß ebbeS z'raucha hält," sagt er zum Abschied. Ich gebe ihm meine letzten zwei Schweizer Stumpen, die ich bei mir habe. „Vergelts Gott, Landsma," sagt er und hebt die Hände.»Wes- halb bloß ist das alles?" sagt er noch und weg gehts nach Deutsch- land. Ich hätte so gern die Sprache meiner Heimat länger gehört, aber was nützen alle Wünsche, die Zeit geht ihren Gang weiter. Komööienhaus:»Meine rechte hanö�. Kristian Elster, der Dichter dieses Lustspiels, ist, so deutsch der Name klingt und ein so heimatlich vertrauter Gartenlaubengeist in seinem Lustspiel umgeht, uach dem Theaterzettel, der einen Uebersetzer nennt, Ausländer, vermutlich Norweger. Man weiß nicht, ob man es als ein gutes oder schlechtes Zeichen deuten soll, daß solche früher auf dem heimischen Markt und wie man ohne Iln- bescheidenheit behaupten darf, zum Teile besser produzierte Dutzend- wäre jetzt vielfach aus der Fremde importiert werden muß.— Von irgendwelchem Ansätze zu einer Lustspielidce oder lustspielmäßig durchgeführter Charakteristik ist keine Rede, aber auch das so be- liebte Surrogat, die Technik schtvankhafter Ueberrafchungskomik fehlt fast völlig. So wunderlich der Autor seine Leutchen reden und sich benehmen läßt, er bringt's mit Hilfe dieser weitgetriebenen De- naturierung erst ganz am Schluß zu einigen spaßigen Effekten. Im Hause des Direktors Wilborg— dem bekannten Manne mit gutem Kern in rauher Schale— laufen zwei gleich unmögliche Ingenieure herum, von denen der eine wohl den Typ modern ner- vöser renommierender Strcberei, der andere den eines trotzigen unbeholfenen Naturburschentums repräsentieren soll. Der eine schneidet der heiratsfähigen Tochter, einem vorlauten blasierten Gänschen, die sich die Langeweile durch Flirts zu kürzen sucht und darin den Beweis hochgradiger Modernität sieht, die Kur; der andere, vom Verfasser verurteilt, sie inniglichst zu lieben, sagt ihr Grob- heitcn und imponiert ihr damit. Die Stellung der beiden zu dem Chef ist ähnlich. Der schmeichelnde Streber wird kaum beachtet, während der andere, je deutlicher er seinen Widerwillen gegen das Projekt des Direktors, einen norwegischen Wasserfall englischem Kapital in die Hände zu spielen, bekundet, um so höheren Respekt gewinnt. Am Schlüsse stiftet ein kluges Tippfräulein, die rechte Hand des Chefs, nachdem sie sich selbst mit einem leider auch nur recht matt skizzierten Dichterjünglinge verlobt bat, Ordnung. Sie bringt die verzankten Liebenden zueinander und löst auf diese Weise das dem Direktor gegebene Versprechen ein, die von dem Starrkopf eingereichte Kündigung rückgängig zu machen. Erfreut gibt der den väterlichen Segen. Tor Herre wird sein Schwiegersohn und Kom- pagnon, und der in seiner Nationalität bedrohte Wasserfall bleibt norwegisch.— Die Anmut und überlegen diskrete Schalkhcit, mit welcher Fräulein Gläfener diesen Tippfräuleinschutzgeist spielte, entschädigte für manches und verHals dem letzten Akt zu stärkerem Beifall. Di« übrigen Hauptrollen waren durch die Herren Lei- tinger, Eugen Burg und S t e i n b e ck und A g d a N i l s s o n vertreten. ch.. Die Genossen, die Gelegenheit hatten, die aufteibende Tätig. keit des pflichteifrigen Genossen kennen zu lernen, bewunderten die Zähigkeit, mit der er große Hindernisse überwand und die schwierige Arbeit betvältigte. Durch Krankheit wurde er vor einigen Jahren gezwungen, den Kassiererposten abzugeben. Im Vorstand blieb er und setzt seine ganze Kraft ein. das Wohl und den Fortschritt der Partei zu fördern. Wir wünschen, daß dem Jubilar noch viele Jahre beschieden sind, zur Mitarbeit an dem Werk, dessen Aufbau er seine Lebens- kraft gewidmet hat._ Unsere Getreidcvorräte. Amtlich. Berlin, 17. Oktober.(W. T. B.) Vor kurzem ging durch die Zeitungen die Nachricht, daß die Reichsgetreide- stelle in diesem Erntejahr drei Millionen Tonnen Brot- getreide über die zur menschlichen Ernährung im Rahmen der jetzigen Verbrauchsbeschränkung erforderlichen Vorräte hinaus verfügbar habe. Sie könne und müsse daher zur Linde- rung der Futter mittelknappheit statt der 200 bis 300 000 Tonnen, die sie bereits in Form von Futterschrot abzugeben beschlossen habe, mindestens 1 Million Tonnen für Zwecke der Viehfütterung bereitstellen. � Diese Nachricht bedarf der Richtigstellung dahm, daß mit dem bezeichneten Ueberschuß jedenfalls gegenwärtig nicht ge- rechnet werden kann. Denn vorläufig steht z i f f e r n- mäßig nur fest, was zur menschlichen Ernährung sowie als Saatgut und als Reserve gebraucht wird, während der Ge- samtertrag der diesjährigen Brotgctreideernte bisher nur schätzungsweise ermittelt ist. Danach kann zwar die menschliche Ernährung ohne Zweifel als sichergestellt � angesehen werden, aber die Höhe des tatsächlichen U e b e r s ch u s s e s ist noch unsicher. Infolgedessen ist es ein unbedingtes Gebot pflichtmäßiger Vorsicht der Reichsgetrelde- stelle, daß sie gegenwärtig keinesfalls mehr Brotgetreide der menschlichen Ernährung entzieht, als sie nach Maßgabe ihrer Berechnungsuntcrlagen verantworten kann. Erst die bevor- stehende Vorratserhebung Ende November dieses Jahres wird ein einigermaßen klares und einwandfreies Zahlenbild des Ergebnisses unserer neuen Ernte liefern, so daß auch erst dann mit einiger Sicherheit beurteilt werden kann, ob etwa noch mehr Brotgetreide für menschliche Ernährungszwecke entbehr- lich wird. Jedenfalls aber darf die Abstellung des Futtermangels nicht allein oder hauptsächlich von Maßnahmen der Reichsgetreidestelle erwartet Werdern Der Streit um die bayerischen Gesandtschaften. Im Finanzausschuß des bayerischen Landtages kam es am Sonnabend zu lebhaften Auseinandersetzungen über einen sozialdemokratischen Antrag, der die Aufhebung der bayerischen Ge- sandtschaften in Oesterreich, in der Schweiz, in Rußland, Frankreich und Italien forderte. Abg. Müller(Soz.) begründete den An- trag sowohl mit politischen Gründen als auch mit Gründen der Er- sparnis und führte insbesondere aus, daß die politisch« Tätigkeit der bayerischen Gesandtschaften sehr wenig erfolgreich gewesen ist. Die wirtschaftlichen Interessen Bayerns aber lassen sich weit besser wahrnehmen, wenn die deutschen Konsulate im Ausland eine zweck- entsprechende Umgestaltung erfahren würden.— Der Minister- Präsident H e r t l: n g verteidigte die Auftechterhaltung dieser Gesandtschaften, die einen Ausdruck des bayerischen Souveränitäts- rechtes darstellten.— Von liberaler Seite wurde der sozialdomo- kratische Antrag nur sehr lau unterstützt und schließlich dahin ein- geschränkt, daß nur die Gesandtschaften in Rußland, Italien und Frankreich eingezogen werden sollen. Schließlich wurde der Antrag von der Zentrümsmehrbeit abgelehnt. Graf Hertling gab im Anschluß daran die Erklärung ab, daß der � Auslieferungsvertrag zwischen Bayern und Rußland nach dem Krieg unter keinen Um- ständen wieder erneuert werden soll. Eine warnende Stimme. Im„Tag" befaßt sich Dr. Julius Bachem mit dem Ver- halten der Landwirtschaft während der Kriegszeit. Er stellt fest, daß in breiten Massen der Bevölkerung eine Stimmung herrscht, die der Landwirtschaft sehr ungünstig ist. Wenn er auch die Be- rechtigung dieser Stimmung nicht in ihrem vollen Umfang an- erkennt, so sieht er sich doch veranlaßt, der Landwirtschaft bor Augen zu halten, daß auch sie ein Teil Schuld an der enormen Teuerung trägt. Ganz besonders aber mußte, nack Ansicht Bachems, ein ungünstiger Eindruck dadurch entstehen, daß vie landwirtschaft- lichen Organe immer bestrebt waren, die Opferwilligkeit der Land- Wirtschaft ganz besonders zu betonen. In dieser Hinsicht sagt der Verfasser u. a.: „Von einzelnen Auslassungen in spezifisch landwirtschaft. lichen Organen, welche als eine Herausforderung, fast als eine Verhöhnung der in sehr schwieriger Lage befindlichen Kon- sumentenschichten zu wirken geeignet erscheinen, sei hier abgesehen. Ungeschickt war aber schon der immer wiederkehrende nachdrückliche Hinweis, daß die deutsche Landwirtschaft durch ihre bedeutenden, trotz großer Schwierigkeiten unverminderten Leistun- gen sich den größten Dank des deutschen Volkes verdient habe. Die Tatsache in Ehren, aber das Aufgebot äußerster Kraftanstrengun- gen kann doch kein besonderes Ruhmeszeugnis für die Landwirt- schaft sein, denn alle deutschen Volkskreise haben an ihrem Platze und nach ihren Fähigkeiten das gleiche getan. Und es darf auch nicht vergessen werden, daß es die gesamte Wirtschaftspolitik war, welche die Landwirtschaft zu der Höhe und Leistungsfähigkeit ge- führt hat. die uns jetzt in den Stand setzte, den Krieg wirtschaftlich durchzuhalten. Um dieses Erfolges willen haben die Millionen Städter und Arbeiter lange Jahre beträchtliche Lasten getragen." Demission des spanischen Ministeriums. Paris, 17. Oktober.(W. T. B.) Die Agence HavaS meldet aus Madrid: Dem Heraldo zufolge hat das Kabinett gestern morgen in einem Ministerrat beschlossen, zurückzutreten und den Ministerpräsidenten Dato ermächtigt, die Demission dem König zu unterbreiten._ Letzte Nachrichten. Abgeordneter Wamhoff gestorben. Verlin, 17. Oktober.(W. T. B.) Wie der„Deutsche Kurier" meldet, ist der nationalliberate Reichstags- und Larvdtagsaligeordnete Hermann Wamhoff heute gestorben. Kriegserklärung Frankreichs an Bulgarien. Paris» 17. Oktober.(22. T. 25.) Die Agence Havas meldet amtlich: Da Bulgarien an der Seite der Feinde gegen einen der Verbündeten Frankreichs den Krieg begonnen hat, stellt die Re- gierung der Republik fest, daß vom 16. Oktober sechs Uhr morgens ab durch Verschulden Bulgariens der Kriegszustand zwischen Bul- garien und Frankreich besteht. Ter Postvcrkehr nach der Ost- und Westfront. Amtlich. Berlin, 17. Oktober.(W. T. B.) Vom IL. Oktober ab ist der Privatpaket- und Frachtstückgutverkehr an alle Truppen des östlichen und westlichen 51riegsschauplatzes freigegeben. Er bleibt vorläufig nur noch für die auf dem Balkan kämpfenden Heeresangehörigen gesperrt. Im Verkehr nach dem Nordosten muß mit verlangsamter Be- förderuug gerechnet werden, weshalb es sich empfiehlt, den 2Zersand dorthin einstweilen auf das Notwendigste zu beschränken. Mus Groß-Serlin. Strickwolle für unterftützungsbeöürftige Irauen. Die Preußische Heeresverwaltung beabsich- tigt, im Laufe der kommenden Monate eine größere Menge wollener Socken durch unterstützungsbedürftige Frauen (namentlich Kriegerfrauen) im ganzen Reichsgebiete gegen Lohn stricken zu lassen. Sie wird sich hierbei der Ver° mittelung des Kriegsausschusses für warme Unterkleidung in Berlin— Reichstagsgebäude— und der Territorial-Delegierten der freiwilligen Krankenpflege bedienen und rechnet auf die tätige Mitwirkung der gemein- nützigen Vereine und Unternehmungen, die sich die Unter- stützung hilfsbedürftiger Frauen zur Aufgabe gemacht haben. Das erforderliche Strickgarn— Marke„Vaterland 1915"— soll aus den Beständen des Kriegsministeriums zum Preise von 8,19 M. für das Kilogranim zur Verfügung gestellt wer- den. Wegen Zuteilung von Strickaufträgen und Strickgarn wollen sich die gemeinnützigen Vereine und Unternehmungen in Groß-Berlin unmittelbar an den Kriegsausfchuß für warme Unterkleidung, im übrigen Reichsgebiet an den für ihren Bezirk zuständigen Territorial-Delegierten wenden. Anforderungen von weniger als 199 Kilogramm können jedoch nicht berücksichtigt werden. Die Socken sind nach Normalmaßen an- zufertigen. Probesocken und Größenangaben werden vom Kriegsausschuß auf Antrag übersandt werden. Die fertig- gestellten Socken sind in Groß-Berlin durch Vermittelung des Kriegsausschusses für warme Unterkleidung, im übrigen Reichsgebiete durch Vermittelung des Territorial-Delegierten an das nächstgelegene preußische Kriegsbekleidungsamt abzu- liefern. Dieses Amt erstattet den mit 8,19 M. für 1 Kilogramm Strickgarn gezahlten Kaufpreis mit 8,99 M. für das Kilogramm Socken zurück, so daß der Gewichts- und Garn- Verlust damit ausgeglichen ist, und zahlt außerdem den für Groß-Berlin vom Kriegsausschuß für warnie Unterkleidung, im übrigen Reichsgebiet vom Territorial-Delegierten für seinen Bezirk in ausreichender Höhe festzusetzenden Stricklohn. Bemittelte Kreise werden an der Herstellung der Socken nicht beteiligt. Ein Weiterverkauf des Strickgarns ist unzulässig. Auch für die Anfertigung von Wollsachen-Liebes- gaben stellt die Heeresverwaltung den vorgenannten ge- meinnützigen Vereinen und Unternehmungen größere Mengen Strickgarn zur Verfügung. Der Vertrieb des Garns ist aus- schließlich dem Kriegsausschutz übertragen worden. Der Preis beträgt für Vereine und gemeinnützige Unternehmun- gen 8,95 M. für das Kilogramm. Die gewünschten Mengen sind von diesen Vereinen usw. unmittelbar beim Kriegs- ausschutz unter gleichzeitiger Einzahlung des Kaufpreises an- zufordern. Anforderungen von weniger als 199 Kilogramm können auch hierbei nicht berücksichtigt werden. Die Vereine und Unternehmungen dürfen das Garn nur an Selbstver- stricker weitergeben und von diesen höchstens einen Aufschlag von 5 Pf. für das Kilogramm fordern; sie haben dafür Sorge zu tragen, daß die aus dem Garn hergestellten Wallsachen an Organisationen abgeliefert werden, die sich die Versorgung von Truppenverbänden mit Wollsachenliebesgaben zur Aufgabe gemacht haben. Für die Versorgung einzel- n e r Personen mit Liebesgaben kann Strickgarn nicht ab- gegeben werden._ Geschäft und Wohlfahrtspflege. Girre Terquickung geschäftlicher Interessen mit der Wohl- fahrtspflege der Kriegsbeschädigten ist wiederholt beobachtet und gerügt worden. Eigens zu dem Zweck, die Vornahme von Tamm- lungen aus eigennützigen Gründen unter der Maske der Kriegs- Wohlfahrtspflege unmöglich zu machen, ist am 22. Juli 1315 eine Bundesratsverordnung erlassen worden. Ein besonders eigenartiger Fall ist folgender: Am 3. Juli 1315 wurde ein Verein„Vaterlandsspende zur Errichtung deutscher KriegSbeschädigten-Erholungsheime"