Nr. 294. Abonnements- Bedingungen: abonnements. Brets pranumerande Bierteljabrl 3,30 ML monatl 1,10 L wöchentlich 25 Bfg frei ins Haus Einzelne Nummer 5 Big Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt" 10 Bia Bost Abonnement 1.10 Mart pro Monat Eingetragen in die Boit Beitungs Breisliste Unter Areuzband für Deinschland und Desterreich Ungarn 2,50 Mart für das übrige Ausland Marl bro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Bortugal Rumänien, Schweden und die Schweis Ericheint täglich. Vorwärts Berliner Volksblatt. 32. Jahrgang. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 60 Bfg.,. für politische und gewerfschaftliche Bereins und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Bort 20 Bfg.( zuláffig 2 fettgebrudte Borte), jedes meitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafftellenan zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Bort 5 Bfg. Worte über 15 Buch staben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm breffe: Sozialdemokrat Berlin" Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplas, Nr. 151 90-151 97. Sonntag, den 24. Oftober 1915. Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplak, Nr. 151,90-151 97. Zusammenbruch der italienischen Offenſive an der Isonzofront. Meldung des Großen Hauptquartiers. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 23. Oktober 1915.( W. Z. B.) Westlicher Kriegsschauplah.. Nichts Neues. Deftlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. An der Nordspite von Kurland erschienen russische Schiffe, beschoßcu Betragge, Domesnees und Gipken und landeten schwache Kräfte bei Domesnees. Wiederholte, mit starken Kräften unternommene russische Angriffe in Gegend südlich von Sadewe hatten auch gestern feinen Erfolg. Sie führten bei Duki zu heftigen Nahkämpfen. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Südlich des Wygonowskoje- Sees wurden in Verbindung mit der Heeresgruppe des Generals v. Cinfingen. feindliche Angriffe gegen unsere Stellungen am Oginsky. Kanal abgewiesen. Westlich von Czartorysk ist unser Angriff im weiteren Fortschreiten, Kufli ist genommen, über sechshundert Gefangene sind eingebracht. Balkankriegsschauplak. Bei Visegrad wurde der Uebergang über die Drina erzwungen und der Feind von den Höhen südlich des Ortes vertrieben. Die Armee des Generals von Koeveß hat die feindlichen Stellungen zwischen der Lukavica und dem KosmajBerg gestürmt. Die Armee des Generals von Gall. wit hat den Gegner östlich von Palanka über die Jasenica und östlich der Morava aus seinen Stellungen in Linie Aleksandrovac- Drljevo geworfen. Ueber sechshundert Serben wurden gefangen genommen. Dem Druck der beiden Seiten nachgebend, weichen die Serben auch aus ihren Stellungen in der Linie KosuticaBerg- Slatina- Höhe( 281). Die bulgarischen Truppen setzten sich in Besitz vou Negotin und Rogljevo. Sie stehen östlich und südöst. lich von Knjazevac im fortschreitenden Angriff und wiesen südöstlich von Pirot serbische Vorstöße blutig ab. Oberste Heeresleitung. Der öfterreichische Generalstabsbericht. Wien, 23. Ottober.( W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 23. Oftober 1915. Russischer Kriegsschauplah. Von einigen vergeblichen Angriffsversuchen des Feindes bei Nowo- Aleksiniek abgesehen, kam es auch gestern an der Front südlich von Kolki zu teinerlei besonderen Ereignissen. Am Styr nehmen die Kämpfe einen günstigen Verlauf. Unsere Truppen erstürmten das mit besonderer Hartnäckigkeit verteidigte Dorf Kulli westlich von Czartorist. Jnmitten öfterreichischer Landwehr und polnischer Legionäre angreifend, legte in diesen Gefechten unsere auf allen Schlachtfeldern bewährte 10. Kavallerie- Truppen- Division neuerlich Proben ihrer Kampftüchtigkeit ab. 3 Die Zahl der von den Verbündeten eingebrachten Gefangenen erhöhte sich um einige Hundert. 19 Bei der gestern mitgeteilten Abwehr russischer Angriffe an Der Kampf gegen. der oberen Szezara wurden auf dem Gefechtsfelde einer durch den Sozialismus in Frankreich. deutsche Bataillone verstärkten österreichisch- ungarischen Division 10 ruffische Offiziere und 1600 Mann gefangen genommen. Italienischer Kriegsschauplatz. Mit Tagesanbruch des 22. sezten die Italiener nahezu an der ganzen füftenländischen Front neuerdings mit ihren äußerst heftigen Angriffen ein. Wie an den früheren Schlachttagen waren auch gestern alle italienischen Anstrengungen vergebens. Gegen Mittag scheiterte auf den Hängen des Javorcek ein starker feindlicher Angriff, der an einigen Punkten bis an die eigenen Stellungen herangelangt war. Am Krn, am Mrzli Vrh und an den anderen Teilen des Tolmeiner Brückenkopfes brachen zahlreiche neue Angriffe der Italiener blutig zusammen. Die feindliche Infanterie erlitt wieder schwere Verluste. Das Angriffsfeld der Alpini von Kozarsee und jenes der Bersaglieri bei Seno ist mit Leichen bedeckt. Unsere braven Truppen behielten alle Stellungen in ihrem Besių. In der Gegend von Plava drang italienische Infanterie beim britten Anlauf in unsere Gräben bei Zagora ein, wurde jedoch ungesäumt wieder hinausgeworfen. Jm Görzer Brüdenkopfe hielt das starke Geschüßfeuer tags. über an und steigerte sich gegen unsere Schützendeckungen auf der Höhe Podgora zu großer Heftigkeit. Ein feindlicher Angriffsverfuch gegen diefe Höhe wurde durch das Fener unserer Batterien vereitelt. Auf der Hochfläche von Doberdo stürmte feindliche Infanterie auch gestern wiederholt gegen den Monte San Michele. Drei Angriffe wurden blutig zurückgeschlagen. Nur einmal gelang es bem Gegner vorübergebend in unsere Stellungen einzubringen. Ein schneidiger Gegenangriff des Infanterie- Regiments Nr. 43 warf ihn überall zurück. Der Monte San Michele ist nach wie vor fest in unserer Hand. Auch sonst brachen alle gegen die Hochfläche von Doberdo gerichteten Angriffe des Feindes vor der zähen Ausdauer des tapferen Verteidigers zusammen. Zahlreiche den ganzen Tag sich wiederholende Borstöße italienischer Infanterie endeten fast durchweg mit einer regellosen Flucht des Angreifers. In Kärnten und Tirol hält das italienische Geschützfeuer an der ganzen Front an. Unter schweren Verlusten wurden drei Angriffe gegen den Col di Lana, einer bei der Grenzbrücke füdlich von Schluderbach, abgewiesen. Südlich von Arabba stürmten Tiroler Kaiserjäger eine feindliche Borstellung. Auch die Ver. teidiger der Befestigungen von Bielgereuth schlugen alle Angriffe ab. Südöstlicher Kriegsschauplah. Die Armee des Generals v. Koevek brach gestern westlich der von Belgrad nach Arangjelovac führenden Straße in die feftungsartig ausgebaute Kosmaj- Stellung ein. Die durchs Morava- Tal vordringenden deutschen Streit. fräfte warfen den Gegner von den Höhen nördlich der unteren Jasnienika hinab. Bei Orsova hat eine aus österreichischungarischen und deutschen Truppen zusammengesette Gruppe die Bergstellungen am Südufer der Donau und das Fort Elisabeth bei Tekia genommen. An vielen Punkten ihrer erschütterten Front aufgelöst und zersprengt, weichen die Serben überall gegen Süden zurück. Die Verbündeten verfolgen. Bei Visegrad haben österreichisch- ungarische Truppen den Feind von den Höhen östlich der Drina vertrieben. Die Vorrückung der bulgarischen ersten Armee machte bei Negotin, am mittleren Timot und südöstlich von Knjazevac weitere Fortschritte. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschalleutnant. Meldung der italienischen Heeresleitung. ajast, wobei fie zahlreiche Zeichen auf dem Gelände zurückließen. Die gestern von uns wiedergegebenen Ausführungen des Genossen Stalinsky über Krieg und Demokratie in Frank reich lieferten interessantes Material dafür, daß die dentofratische französische Staatsform auch im Kriege in die sozial rückständige Struttur Frankreichs Korrekturen und Milde rungen hineintrug. Das Gleiche kann aber keineswegs bon der Wirkung des Krieges auf den französischen Sozialismus gesagt werden. Durch die freiwillige Abdankung der französischen sozialistischen Partei, durch ihr widerspruchsloses Eintreten für die heilige Einigkeit und das Durchhalten ist zwar die Stellung der demokratischen. Parteien verstärkt und die Attacke der reaktionären Elemente gegen die republikanische Staatsform und das Parlament abgeschlagen worden. Aber durch diese Unterordnung der besonderen proletarischen Ziele unter die gemeinsamen Ziele der Nation ist die Stellung des französischen Sozialismus ungeheuer erschwert und eine Bewegung ausgelöst worden, die sich von verschiedenen Richtungen her gegen den Sozialismus richtet. Der von uns zitierte Aufsatz Stalinskys liefert auch dafür interessante Belege. Bei Kriegsausbruch wurde die Stellung der Regierung außerordentlich verstärkt durch die Berufung der Genoffen Guèsde und Sem wat in das Ministerium, wie auch durch die gleichzeitig proklamierte uns beschränkte politische Amnestie und die Beseitigung des fogenannten Carnet B", d. h. des berüchtigten Verzeich nisses der bekanntesten Antimilitaristen aus dem Lager der Sozialisten, Syndikalisten und Anarchisten, die ursprünglich bei Kriegsausbruch verhaftet werden sollten. Die bürgerliche Presse aller Schattierungen wurde um diese Zeit nicht müde, die patriotische Haltung der Sozialisten und Syndikalisten zu preisen, ebenso wie die führenden bürgerlichen Organe nicht genug Worte fanden, die republikanische Staatsform und die Grundsäße der großen französischen Revolution zu verherrlichen. -„ Das demokratische Regime jedoch schreibt Stalinsky -ist lediglich eine Form, in die jeglicher Inhalt hineingelegt werden kann. Und so sehen wir denn, daß alle rechtsstehenden und konservativen Gruppen unter dem Schuße der ,, nationalen Einigkeit" die größten Anstrengungen machen, um mittels des Krieges ihre Stellungen zu befestigen und auf den künftigen Inhalt der demokratischen Ordnung einen Einfluß auszuüben." Mit außerordentlicher Deutlichkeit machen sich diese Bestrebungen bei den Klerikalen bemerkbar. Der Krieg hat in Frankreich, wie übrigens in allen kriegführenden Ländern, eine starke Zunahme der religiösen Stimmungen hervorgerufen. In Frankreich, mit seinem scharf ausgeprägten Kampf gegen die Kirche, tritt dieser Umschwung besonders deutlich hervor. Die Klerikalen suchen nun, diese Situation für ihre Zwecke auszunuzen. Einige Bischöfe gingen sogar so weit, daß sie das über Frankreich hereingebrochene Kriegsunglück als Strafe Gottes für die Verfolgungen der heiligen Kirche bezeichneten. Hand in Hand mit dieser Propaganda geht eine wütende Predigt der kriegerischen Geistlichen für den wildesten Nationalismus. Niemand predigt jest in Frankreich einen solchen Menschenhaß, wie die Geistlichen in den Kirchen. Von den Worten gehen die Klerikalen oft auch zu Taten über. In den Lazaretten wird von den Geistlichen und Krankenschwestern oft ein unerträglicher Zwang auf die ohnehin seelisch deprimierten Patienten ausgeübt, um die Ungläubigen zu den Lehren der heiligen Kirche zu befehren. In der radikalen und sozialistischen Presse erscheinen täglich Proteste verwundeter Soldaten unternimmt aber nichts dagegen, weil sie die nationale Einiggegen diesen unerträglichen Gewissenszwang. Die Regierung feit zu stören fürchtet. starte feindliche Abteilungen angegriffen, zerstreut und in die Flucht Rom, 23. Oktober.( W. T. B.) Kriegsbericht von gestern. Längs der ganzen Isonzo front von Starfreit zum Meer be Unsere glücklich begonnene Offensive längs der Grenze Tirol- gannen unsere Truppen nach anhaltender Artillerievorbereitung Nicht minder energisch gehen die Nationalisten Trentino entwickelte sich auf der ganzen Front bis zum Meer. am 21. Oftober morgens den Angriff auf die feindlichen Stellungen, bei der Propaganda ihrer besonderen Ziele vor. Das französ In Judikarien, wo die Besetzung des Monte Melino uns viel welche durch ausgedehnte Eisendrahtnege geschüßt, von mehreren sische Volt, so erklärt Stalinsky, ist keineswegs von einem Kriegsmaterial eintrug, besetzten wir den Monte Dei Pini und den Schüßengrabenlinien gebildet und durch zahlreiche Streitkräfte verteidigt zoologischen Nationalismus" durchdrungen. Es herrscht eine Flecken Tirano Inferiore. Jm Lagarinatal versuchte der Feind, wurden. Unter heftigem konzentrietem Feuer der Artillerie. Maschinen heftige Erbitterung gegen die Deutschen, die noch verstärkt unterstützt von Batterien auf dem Monte Biaena am 20. d. M. gewehre und Infanterie des Feindes, der außerdem Handgranaten wird dadurch, daß die pazifistischen. Hoffnungen der breiten abends einen Gegenangriff gegen unsere neuen Stellungen auf dem fchleuderte, eroberte unsere faneidige und hartnäckig vorrückende Maffen, die vor dem Kriege energisch die RüstungsverstärMonte Croiano. Er wurde zurückgeichlagen nnd verfolgt und erlitt Infanterie mit dem Bajonett wichtige Stellungen im Raume des fungen bekämpften, durch die Ereignisse in Trümmer geschwere Verluste. Im Hochbrienz rüdten unsere Truppen über die Monte Nero, das sehr starte Schüßengrabensystem unterhalb des schlagen wurden. Auf diesen Bunkt richten nun die NatioHöbe im Monte Cristallo- Massiv vor, wobei sie den schwer zugäng Mrzligipfels im Abschnitte von Tolmein und zahlreiche wohl- nalisten ihre Anstrengungen. Sie suchen mit allen Mitteln lichen Raudkofelgipfel erreichten und sich zu gleicher Zeit in der befestigte Schüßengräben auf dem Hügel Santa Lucia nördlich von den Haß gegen die Deutschen, gegen alles Deutsche zu schüren Ebene in der Richtung auf Schluderbach feindlicher Schüßgengräben Gör sowie die fefte Schanze auf den Monte Sabotinohängen und den Glauben an die Solidarität der Menschheit endgültig bemächtigten. Sie machten einige Gefangene. Im Fellatale fügten Auf dem Karst wurden die starken Linien des Gegners ebenfalls an zu zerstören. Die jetzigen Ereignisse bieten ihnen eine blutige tübne Einfälle unierer Abteilungen der feindlichen Verteidigungs- mehreren Punkten durchbrochen und feindliche Abteilungen vernichtet illustration für die von ihnen vertretene Anschauung, daß die anlage schweren Schaden zu und trugen uns Waffen und Munition und zerstört. 1184 Soldaten und 25 Offiziere wurden gefangen Bölfer untereinander sich stets wie Wölfe bekämpft haben und ein. Leopoldstitchen steht in Flammen. Im Seineratale wurden genommen. General Cadorna. lauch in Zukunft bekämpfen würden. Sieran werden ent" sprechende politische Forderungen geknüpft: Verstärkung dcsB!ilitarisinus,Unterordnui:gderZivil- gewalt unter die Militär gewalt, Unter- d r ü ck u n g aller a n t i z e n t r a l i st i s ch c n B e st r e- btlngcn, d. h. des Radikalisnms, Sozialismus und Syndikalismus. die die Einheit der Station zerstören." Mit besondereni Nachdruck wird die Propaganda gegen den Sozialismus von der kapitalistischen Bour- g e o i s i e geführt. Wir sahen bereits, welchen ungeheuren Einfluß diese am besten organisierte Klasse auch im Kriege auf die gesamte französische Politik ausübt. In ihrem Kampf gegen den Sozialismus steht ihnen nun eine gewaltige Presse und die offiziöse Wissenschaft mit allen Hilfsmitteln zur Seite.„Der Kampf gegen den Sozialismus nimmt mit jedem Tage an Stärke zu. Galt es noch bei Beginn des Krieges als gefährlich, eine solche Kam- pagne zu unternehmen, so ist die Bourgeoisie jetzt, nachdem die Soziali st en sich bei der nationalen Ver- tcidigung an die Spitze aller gestellt und er- klärt haben, daß sie ihre Pflicht bis zu Ende erfüllen würden, der Anschauung, daß inan mit den S o z i a l i st e n nicht mehr viel Umstände zu machen brauch e." Natürlich werden die isozialisten— allerdings nur die, welche die offizielle Durchhaltepolitik der Partei mitmachen— auch jetzt noch wegen ihres Patriotismus in der bürgerlichen Presse gelobt. Hierbei wird die Politik der Sozialisten stets als Preisgabe ihrer früheren„Vcrirrungen" dargestellt.„Die bürgerliche Presse versichert ihre Leser, die Sozialisten hätten auf dem Altar des Vaterlandes größere Opfer dargebracht als alle anderen Bürger, da sie außer allem anderen noch ihre Ideen geopfert hätten. Und gegen diese Ideen, nicht gegen ihre Träger sind nun die vergifteten Pfeile der bürgerlichen Propaganda gerichtet." Die Gelehrten und Publizisten des kapitalistischen Lagers weisen„wissenschaftlich" nach, daß nun, nachdem der Krieg zu einem völligen Zusammenbruch der„deutschen Idee" des Klassenkampfes geführt, von einem internationalen Sozialis- mus keine Rede mehr sein könne. Wenn überhaupt, könne es jetzt nur einen nationalen Sozialismus geben. Des- halb wird in der kapitalistischen Presse jeder Hinweis auf den Internationalismus als Vaterlandsverrat und jedes Be- kenntnis zum Klassenkampf und Sozialismus als„preußische Machination" bezeichnet. Wenn es nicht paradox klingen würde, würden wir sagen, daß der hier geschilderte Kampf aller reaktionären Mächte gegen den französischen Sozialismus die Tatsache bestätigt, daß in keiner Bewegung der Jetztzeit soviel Jnternationalis- mus steckt, wie in der in allen Ländern sich entfaltenden Be- wegung gegen den Internationalismus. Fiir Frankreich muß festgestellt werden, daß die Sozia- listen und Syndikalisten dieser Attacke nur geringen Wider- stand leisten. Befangen in der Anschauung, daß zurzeit nichts so gefährlich sein könnte, als die Störung der inneren Einig- keit vor dem Antlitz des Feindes, liefern sie ihren Klassen- feinden eine Position nach der anderen aus. Sie hoffen, daß alle gegen den Sozialismus gerichteten Strömungen sich als kurzweilig erweisen und nach dcni Kriege einer starken Klassen- bewegung des Proletariats weichen würden. Sie schöpfen aus der allgemeinen Erbitterung gegen den.Krieg, die sich, wie Stalinsky bezeugt, mit besonderer Kraft in der Armee geltend macht, die Zuversicht, daß der Sozialismus aus dem Kriege neue gewaltige Antriebe erhalten und Eingang in solche Kreise finden würde, die sich bisher dem Sozialismus unzugänglich gezeigt haben. Gegen Hoffnungen und Er- Wartungen ist schwer zu streiten. Tatsache ist aber vorläufig, daß die Gegner der Sozialisten: die Klerikalen, Nationalisten und Kapitalisten, sich keineswegs mit platonischen Hoff- nungen und Erwartungen begnügen, sondern um dieselbe Zeit, wo die französischen Proletarier an den Grenzen ver- bluten, um das Vaterland der Armen und Neichen zu schützen, offen und insgeheim die Waffen schnnoden, um ihre Gegner von gestern mit verstärkter Energie auch morgen zu bekämpfen. Griechenlanü und Rumänien. Herr Zaimis und seine Ministerkollegen sind weit davon entfernt, des früheren Ministerpräsidenten Venizelos' Auf- fassung zu teilen, daß ihre Interpretation des Biindnisver- träges mit Serbien unehrenhaft für Griechenland sei. Sie verharren dabei, der Bündnisfall sei nicht gegeben und wer- den sich, wie wir annehmen, für ihre abweichende Meinung darauf berufen, daß Venizelos, da er den Bündnistraktat mit- verfaßt und unterzeichnet habe, die nötige Unbefangenheit fiir seine Auslegung fehle. Allem Anschein nach sind auch die freundlichen Angebote der Vierverbandsmächte nicht imstande, die Haltung der griechischen Regierung zu beeinflussen, obwohl diese Offerten, wenn wir den Nachrichten der Presse Glauben schenken dürfen, recht weit gehen. England hat sich außerordentlich freigebig gezeigt und nicht nur Dinge versprochen, die es selbst einst- weilen noch nicht besitzt, sondern sogar die Insel C y p e r n als Lohn für die Bundesgenossenschaft in Aussicht gestellt, jenes Cypern, das es sich im Jahre 1879 von der Türkei selbst als Preis dafür ausbedang, daß es den Frieden von San Stefano, der ein unter russischer Vormundschaft stehendes Bulgarien bis an die Tore von Konstantinopel vorschob, auf dem Berliner Kongreß kassieren half. Cypern würde eine nicht unbeträchtliche Steigerung der griechischen Macht im westlichen Mittelmeer bedeuten, und wenn es gar zutrifft, daß man der Regierung zu Athen noch mit dem Dodekanes, der Kleinasien vorgelagerten Insel- gruppe, und mit der Stadt Smyrna und ihrem Hinterland gewinkt hat, dann— ja dann muß Griechenland, das sich durch solche Angebote nicht locken läßt, wohl recht geringes Vertrauen in die militärische Zukunft der Entente besitzen. Nun hat nach den Meldungen, die einer der kenntnis- reichsten und verlässigsten englischen Journalisten, Herr D i l l o n, nach London gelangen läßt, der Vierverband seine Bemühungen um Griechenlands Gunst noch nicht eingestellt. Nur beginnt er, auf Versprechungen zu verzichten und sich auf das Fordern zu beschränken, wobei bereits ein leiser Unter- ton von Drohungen mitklingt. Die Befürchtungen des Kabinetts Zaimis, ein griechisches Vorgehen gegen Bulgarien werde einen ernsten Zusammenstoß mit Bulgarien zur Folge haben, sei, so erklären die Ententeleute, unbegründet, da die englischen und französischen Streitkräfte sich zwischen die dcutsch-österreichischen und die griechischen Truppen schieben würden, und wenn überdies das Kabinett Zaimis entschlossen sei, einen Zusammenstoß mit den Zentralmächten zu ver- meiden, so bleibe es um so weniger verständlich, daß es die Armee mobilisiert halte. Eine Abrüstung würde darauf hin- deuten, daß die Truppen der Alliierten, die jetzt in Saloniki von der Gnade der griechischen Truppen abhängig sind, von diesen nichts mehr zu fürchten hätten. Antwortet Griechenland auf diese Anregung ausweichend, so wird den Diplomaten kaum etwas anderes übrig bleiben, als deutlicher zu sprechen und nun, nachdem ein Bündnis nicht zu erreichen war, wenigstens die unbewaffnete Neu- tralität zu verlangen. König Konstantin und seine Minister wandern zurzeit auf einem sehr schmalen Grat, und ein energischer Vorstoß der Entente— wenn anders sie dazu willens und fähig ist— kann ihnen die Jnnehaltung ihres bisherigen Weges erschweren und sie zu einer klareren Stellungnahme für die eine oder die andere Seite zwingen. Nichts ist schwieriger, als in der gegenwärtigen Situation an der bewaffneten Neutralität festzuhalten, und deshalb verdient die in einer italienischen Zeitung aufgetauchte Nachricht auch wenig Glauben, daß Teutschland dem Zaren von Bulgarien ausdrücklich die bewaffnete Neutralität Griechenlands in Aus- ficht gestellt habe. Nach derselben Quelle sollen den Bugaren auch ähnlich beruhigende Versicherungen bezüglich Rumäniens gegeben sein. Diese Behauptung ist ebenfalls mit Vorsicht aufzu- nehmen, wenn auch, wie neuerdings wieder die Androhung der Verhängung des Belagerungszustandes wegen der Agi- tation der Interventionisten beweist, die rumänische Re- gierung den Wünschen Rußlands und seines Verbündeten wenig Entgegenkommen beweist. Nach allem: der Balkanfragen sind noch immer eine ganze Reihe. Verurteilung bulgarischer Rbgeorüneter. Sofia, 23. Oktober.(W. T. B.) Meldung der bulgari- schen Telegraphenagentur. Das Kriegsgericht ver- urteilte den Agrarier S t a m b o l i s k y, der der antimili- taristischen Propaganda überführt wurde, zu lebens- länglichem Gefängnis. Wegen derselben Strafsache waren auch zwei andere agrarische Abgeordnete Charenkoff und Torlakoff angeklagt. Das Kriegs- gericht verurteilte Charenkoff zu zwei Jahren Ge- fängnis: Torlakoff wurde freigesprochen. Der bulgarische Heeresbericht. Sofia, 23. Oktober.(W. T. B.) Amtlicher Bericht über die Operationen am 21: In dem Tale des oberen Timok gelangten unsere Truppen auf das rechte Ufer des Flusses. In Mazedonien wird der Feind weiter verfolgt. Wegen der außerordentlich schlechten Witterungsverhältnisse wurden die Operationen an gewissen Teilen der Front ver- langsamt. Von ein Uhr nachmittags bis zum Abend haben zwölf englische und französische Schiffe die Wste des Aegät- schen Meeres beschossen, besonders die offenen Ortschaften Porto Lagos, Maronis, Makri und Dedeagatsch, die keinerlei Befestigungen besitzen. Diese Operationen der feindlichen Flotte haben keinerlei militärische Bedeutung. Der französische Tagesbericht. Pari«, 22. Oktober. kW. T. B.) Amtlicher NachmittagS- 6 er i cht: Der ffeind versuchte gestern abend vergeblich einen An- griff gegen die östlichen und südlichen Vorsprünge des kleinen Fort« von Givenchy. Im Tale von Souchez, von wo er vorzurücken suchte, wurde er gleichfalls sehr leicht zurückgeworfen. In der Champagne blieb da§ deutsche Bombardement westlich Tohure. öst- lich des Hügels von MeSnil, und im Gebiete von Ville iur Tourbe sehr heftig. Wir erwiderten überall durch sichtlich sehr wirksames Vergeltungsfeuer gegen die deutschen Batterien und Schützengräben. In den Argonnen sprengte die Explosion einer unserer Minen einen feindlichen Posten in die Luit und zerstörte ihn vollständig. Eine Gruppe unserer Flugzeuge bombardierte den deutschen Flugpark von Cunel zwischen den Argonnen und der Maas. Paris, 23 Oktober. sW. T. B.) Amtlicher Kriegsbericht von gestern abend. In Belgien in der Umgebung von Lom- baertzyde brachten wir, während die deutsche Artillerie unsere Schützengräben beschojj, feindliche Angriffsversuche sofort zum Stehen, indem wir durch umer Feuer die feindlichen Kräfte zerstreuten, welche sich in der Nähe der Front versammelten. Andererseits be- schoß unsere Artillerie im Laufe des Tages wirksam die deutschen Schützengräben und Quartiere zwischen Avre und Oise. In der Champapne und den Argonnen behielt das Feuer unserer Batterien gegen die Kanonade, welche vom Feind gegen unsers Stellungen in der Umgebung vo» Tahure, Massiges, La Harazöe und Fvur de Paris gerichtet wurde, die Ueberhand. Auf der übrigen Front meldet man keine bedeutende Aktion. Der rusiifche Generalsiabsbericht. Petersburg, 23. Ollober. jW. T. B.) Verspätet eingelaufener Schluß des amitichen russischen Berichts vom 2 1. Ol« tob er: Bei Nowo Aleoksinicc, 31 Kilometer nordwestlich Tarnopol nahmen ww gesteru durch einen energischen Handstreich einen Teil der feindlichen Stellungen. Wir eroberten ebenfalls die Stellungen bei LopuSzno jö Kilometer nördlich AleoksiiiieO. Im Laufe des Tage« machten wir bei diesen Kämpfen 138 Offiziere und ungefähr 7500 Soldaten zu Gefangenen und erbeuteten 2 Geschütze und zahlreiche Maschinengewehre. Amtlicher Bericht vom 22. Oktober 1915. Bei dem Dorfe Olai, an der Straße von Mitau, warfen wir abermals einen heftigen Angriff des Feindes zurück. An der Front Friedrichstadt— Jakobitodt— Dünaburg keine Veränderung. In der Gegend südlich vom BoginSkojesee drangen unsere Truppen an ein- zelnen Punkten in westlicher Richtung weiter vor. Die Deutschen machten mehrere Gegenangriffe, wurden aber in vielen Fällen durch das mörderische Feuer unserer Abteilungen mit großen Verlusten zurückgeworfen. Der heftige Kampf bei dem Dorfe Duki. westlich von Postawy (4 Kilometer) endete mit der Eiunabme dieses Dorfes durch unsere Truppen. Südlich Baranowilschi kämpften unsere Truppen aus den Höhen vor Mal-Luli(13 Kilometer), machten in dielen Kämpfen von neuem 20 Offiziere und 1568 Mann zu Gefangenen und er- beuteten 3 Maschinengewehre. Auf dem linken Slyr-Ufer dauert der Kampf an. Nach angestellten Untersuchungen ergänzt sich die Zahl der an verschiedenen Stellen in dieser Gegend gemachten Gefangenen, zu den bereittS gemeldeten, um 67 Offiziere mit 2025 Mann. Weiter südlich und in Galizien für uns vorteihalfte Gefechte. Bei Nowo Aleoksinicc und nördlich davon nichts von Be- deutung._ vom Seekrieg. Lindin. 23. Oktober.(W. T. B.) Amtlich wird mitgcteilr, daß in der Woche bis zum 29. Oktober nur ein Schiff von 2971 Tonnen vom Feinde versenkt worden ist. Die Zahl der an- gekommenen und ausgefahrenen Schiffe betrug 1279. ES wurden keine Fischerfahrzeuge versenkt oder genommen. Aur Sesihießung öes �valeiV. Stockholm, 23. Oktober.(23. T. B.) In dem Bericht an den Marineminister berichtet der Kommandant des Unter- seebootes„H v a I e n", daß„Hvalen" und das Werkstätten- schiff„Blenda" Donnerstag 6.15 früh Istad verließ, Richtung Ocresund. Beide Schiffe führten deutlich die schwedische Kriegs- flagge; Wetter war sichtig. 7.30 früh wurde ein deutscher Trawler entdeckt in Backbordnähe eines Dampfers. Der Trawler entsandte eine Signalrakete und feuerte dann fünf bis acht Schüsse gegen das Unterseeboot, wobei ein Unteroffizier vertvnndet ivurde. Die Beschießung fand auf einer Entfernung von 1500 Meter statt. Nach Älushören derselben liefen die schwedischen Schiffe in Istad ein. Der deutsche Trawler signalisierte das Verlangen, an Bord der„Hvalen" anzulegen, was abgewiesen wurde. Ein zweiter Trawler vereinigte sich mit deni ersten, worauf beide ostwärts steuerten.„Hvalen" befand sich bei der Beschießung 2,3 Seemeilen von Land entfernt. fimerikanisihe Unterseeboote für Cnglanü. Amsterdam, 22. Oktober.(W. T. B.) In amerikanischen Blättern findet sich folgende Meldung aus Boston vom 3. Ok- tober: Eine Flottille neuer amerikanischer Unter- seeboote, die der britischen Flotte in Gi- b r a l t a r zugeteilt worden sind, hat die Reise über den Atlantischen Ozean mit eigener Kraft zurückgelegt. Die Unterseeboote wurden vom Kanonenboot„Kanada" und dem Hilfskreuzer„Calgarian" begleitet und fuhren die ganze Zeit an der Oberfläche. Zum Deginn üer kämpfe in Afrika. London, 23. Oktober.(W.T.B.) In der Sitzung de§ UnterhoukeS vo« 21. d. Mts. frarue Snowden, ob das AuSwärlige Amt eine amtliche Erwiderung auf das dem'che Memorandum betreffend die S n s« pendierung des Krieges in Zentrolairika veröffent- lichen wolle. Lord Robert Cecil erwiderte: Der erste von Deutschland begangene feindselige Akt sei, so viel er Wiste, die Truppenzn'ammen- ziebung bei Ekododo. Bonga und Maronga{?). die der franzönschen Regierung am 11. August gemeldet wurde. Daraus folgte der E'nbruch in daS Njasialand am 29. August, der Angriff aus den Halen Alberiville am Tanaanjikasee am 22. August und der Uebettall aus T'avo in Britisch-Ostafrika am 6. September. Der deutsche Vorschlag sei von dem amerikanischen Botschafter am 24. September empfangen worden. Der amerikanische Botschafter habe am 29. November den Bescheid erhalten, daß der Vorschlag unausführbar sei, da die Feindselig- leiten bereits beiderseits begonnen hätten, darunter deutsche Angriffe auf Britisch-Ostafrika. Zentralafrika und Alber'v'lle. A n m e r k u n g d e s W. T. B. In der bekannten Denkschrift des Reichskolonialamts über die Verhandlungen betreffend die Neutralisierung des konventionellen Kongobeckens ist bereits fest- gestellt, daß es im ganzen afrikanischen Kolonialkrieg nirgrnvs die Deutschen, sondern überall unsere Feinde gewesen sind, die zuerst die Offensive ergriffen haben. Ein letzter versuch ües englischen Königs. London, 23. O'tober.