Ar. 300.- 32. Jahrg. fntonnementS'Bedlngao�flh Kbonnementä■ Preis piänunwtanb«» Lierleliädrl. ZL0 Ml. monall. U!0 Ml. wöchentlich 2ö Prg. frei inS Hau», einzelne Nummer ö Pfg. Sonniagt. Nummer mit illultriener Eonmag»» Beilage.Die Neue Welt' lv P'a. Post» »lbonnemem: l.w Marl vro Monat. Eingetragen m die Polt- Zeitung»» Breisliile. llmer Kreuzband tlir Deulickland und Oellerrcich. Ungarn LLl> Marl. lür da- übrige iwSIand 4 Marl vro Monat, PostabonnemeM» nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien. Luxemburg. Portugal, Kumötuen. Schweden un» die Schwei» «Still lZgllch. ( 5 Pfennig) Die TnferflonS'Gebfltr Betrügt für die sechSgespaltene kolonel- »eile oder deren Raum W Pfg„ für politische und gcwerlschaftlichc VerciuS. und Bersammlungs-Alizeigen SO Pfg, „Kleine Mnzetgen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg,(zulässig 2 sctrgcdrucktc Worte?, jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg,. jedes weitere Wort ö Pfg, Worte über lSBüch- Naben zählen für zwei Worte. Inserate für die iikchstc Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeditian ist bis 1 Uhr abends geöffnet. Vevlinev Volksblntk. Telegramm. Abreise: »S«IiIlltw?IjNIl litlN»-, O'.d Zentralorgan der rozialdemokratifchen Parte» Deutfchlands. Redaftion: EW. HS, Linüenstraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzvlatz, Nr.»S» SV—»i»! g?. Cxpeüttion: EW. HS, Ltnöenstraße?. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr.»M 90—151 97. Hne MoooMe Der Wim nUMmi Der bulgarische Heeresbericht. Sofia, 29. Oktober.(W. T. B.) AmtlicherBcricht über die Ereignisse vom 27. Oktober: Nach einem viertägigen hartnäckigen Kampf schlugen unsere Truppen die im Timok- talc und vor Pirot operierende serbische Armee auf der ganzen Front. Die Serben befinden sich jetzt im allgemeinen Rück- zuge in westlicher Richtung. Wir verfolgen energisch den Feind. Wir sind schon im Besitz von Negotin, Brza-Palauka (auf dem rechten Donauufer, wo unsere Kavallerie mit den Verbündeten Truppen in Berührung kam), Zajecar, Knjazvac und zahlreichen Dörfern im Timoktale. Wir erbeuteten auf dieser Front 16 Geschütze, eine große Menge von Munition und viel Proviant. Im Talc der Nischava erstürmten unsere Truppen die südlichen Werke der Festung Pirot und ge- langten bis zur Stadt selbst, aber die Nacht unterbrach die Operationen. Der Feind wird aus der ganzen Front verfolgt. Die Einwohner der Städte Negotin, Brza-Palanka, Zajecar, Knjazevac � bereiteten unseren siegreichen Heeren begeisterte Huldigungen. Diese Städte sind mit bulgarischen Fahnen be- flaggt, und die Bevölkerung begrüßte unsere Truppen mit den Rufen:„Es lebe der Zar Ferdinand, es lebe Bulgarien, es lebe die tapfere bulgarische Annee!" In der Ebene von Kossovc erreichten unsere Truppen die Gegend nördlich von Katschanik und die obere Morava östlich von Gilani. Die durch die regulären serbischen Truppen gegen die bulgarische Bevölkerung von Uesküb bei der Räumung dieser Stadt be- gangenen Greueltaten wurden gestern von den Behörden fest- gestellt, die darüber in GegenNxirt der Konsuln von Rußland und-Griechenland, der amerikanischen Mission unter Lady Paget und zahlreicher Persönlichkeiten dieser Stadt Protokoll aufnahmen. Photographische und kinematographische- Aufnahmen dieser Greuel tourden gemacht. Die französischen Truppen, die von Valandowo gegen Tschepeli-Balkan vorgingen, wurden durch die Bulgaren mit großen Verlusten zurückgeschlagen. Am 27. Oktober erschien die russische Schwarzmecrflotte, mindestens 26 Einheiten stark, vor Warna und beschoß es während ztvei Stunden, zu gleicher Zeit warfen drei Wasser- flugzeugc Bomben auf die Stadt. Ein feindlicher Flieger wurde getroffen. Es wurden neun Einwohner getötet, dar- unter drei Frauen, und neun verletzt. Der serbische Heeresbericht. Paris, 2g. Oktober.(W. T, B.) Die Agence Havas per- öffentlicht folgenden amtlichen Bericht aus Nisch vom 27. Oktober: Am 26. Oktober zogen sich auf der Nordwesistont die auf dem rechten Morawufer befindlichen Serben nach Süden zurück und be- setzten die Linie Swilajna— Grabovac— Chetogna. Auf dem linken Morawaufer und aus dem rechten Lepenicaufer sind starke Artillerie- kämpfe eingeleitet, ebenso Kämpfe auf der Linie Wiasak— Kladur. Auf der Süd-Morawafront warfen die serbischen Truppen den Feind auf das rechte Korbeabschtearekaufer zurück. Auf der Nischawasront nichts zu melden. Bei Knjazevac zogen sich die Serben unter dem starken Drucke des Feindes auf die Stellung von Tressibaba zurück. In der Richtung Kojel— Butschie griff der Feind mit starken Kolonnen au. Während des ganzen Tages fanden Kämpfe statt. Der Feind grtff heute auf der Zajecarfront an. wo die Kämpfe noch andauern. In der Richtung Rutschul nahmen die Serben durch Gegenangriffe den Ausgang des Kutschulpasses wieder. Truppenverstärkungen für Saloniki. Rom, 28. Okiober.(W. T. B.)„Gioruale d'Jtalia" erfährt aus Kairo, daß fast alle englischen und australischen Kontingente aus Aegypten nach Saloniki abgegangen seien. Nur die unbedingt zur Landesverteidigung notwendigen Mannschaften seien zurück- geblieben. Die Abreise der griechischen Reservisten dauere an. Erst gestern seien mehrere tausend Reservisten abgereist. Melüung öer italienischen Heeresleitung. Rom, 29. Oktober.vir sie sonst beob- achteten. Das beweist, daß es nicht immer der langen Er- wägungen bedarf, die ims in Friedenszeiten und leider_ auch in den ersten dreizehn Kriegsmvnatcn als notwendig bezeichnet wurden. Ob die neuen etwas rascheren Entschlüsse sich nun auch inhaltlich tvcsentlich zu ihrem Vorteil von früheren unter- scheiden, bedarf erst der Untersuchung im einzelnen. Einen unzweifelhaften Fortschritt bedeuten die Verord- nungen, die die P r e i s f c st s e tz u n g für Kartoffeln im Groß- und Kleinhandel regeln. Wie bereits aus einer gestrigen Mitteilung hervorging, setzt der Reichs- kanzler Höchstpreise für den Verkauf durch den Produzenten fest. Gemeinden mit mehr als 10000 Einwohnern sind verpflichtet, andere Gemeinden oder Kontmunalvcrbände berechtigt, Höchstpreise für den Kleinhandel mit Kartoffeln festzusetzen. Aber Höchstpreise ohne Beschlagnahmerecht der Regierung oder Ge- meindcn nutzen bekanntlich nichts. Während die Ansang Otto- ber erlassene Bundcsratsverordnung nur Grundpreise für Kartoffelvorrätc festlegte, die von Gemeinden beschlagnahmt wurden, gilt jetzt der Höchstpreis für j e'd e s Kartoffelgeschäft. Daniit lverden auch die Schwierigkeiten für die Gemeinden wenigstens teilweise geringer werden. Denn trotzdem die Grundpreise(2,73—3,05 M.) recht oder vielniehr zu' hoch waren, gelang es besonders den Gemeinden im rheinisch-west- sälischcn Industriegebiet nicht, in zureichendem Maße Kartoffeln für ihre Bevölkerung zu beschaffen. Auch die Reichskartoffel- stelle, an die die Gemeinden sich in ihrer Not wandten, konnte nicht aushelfen. Ja selbst höhere Preisangebote bewogen die Produzenten nicht, ihre Vorräte herauszulassen. Auch die lveiterc Bestimmung, daß landwirtschaftliche Be- triebe mit einer Kartoffelanbanfläche von mehr als 10 Hektar 10 Proz. ihrer Produktion herausgeben sollten, nutzte nichts. Jetzt hat der Bundesrat dab Recht der Beschlagnahme bereits auf alle Kartoffelerzcuger ausgedehnt, die eine Kartoffelfläche von mehr als eine m Hektar besitzen; und die Menge der Kartoffeln, die beschlagnahmt lverden können, ans 20 Proz. der Kartoffelernte erhöht. Ob diese Erweiterung des Eni- eignungsrechts völlig ausreichend sein wird, läßt sich schiver sagen. Nach rohen Schätzungen werden jetzt — die Verordnung ist bereits in Kraft getreten— etwa 10 Millionen Tonnen(statt rund 1 Million) beschlag- nahmt lverden können. Nun wird aber in der Verordnung gesagt, daß Mengen, die nach dem 10. Oktober als Speise- kartoffeln verkauft worden sind, ans die beschlagnahmepflichtigen Mengen mlgercchnct lverden können. Dadurch kommt in die Rechnung ein völlig unbekannter Faktor, der die Schätzung noch unsicherer macht. Eine zweite Verordnung setzt die in der eben genannten Bekanntmachung allgemein geregelten Preise im einzelnen fest. Danach bewegen sich die Prodnzentenhöchstpreisc zwischen 53 und 61 M. Pro Tonne(2,75— 3,05 M. für den Zentner). Der Kleinhandelspreis darf den Produzentenhöchstpreis höchstens um 1,30 M. übersteigen. lieber den Zwischenhandelspreis ist in der Verord- nung nichts gesagt. Eine offiziöse Erläuterung bemerkt nur: „Der Großhandelspreis wird sich nach den lokalen Verhält- nissen zu richten haben". Für Berlin und Branden- bürg wird sich also der Erzengerhöchstpreis ans 2,75, der Kleinhandels Höchstpreis ans 4,05 M. pro Zentner stellen. Auch nach Auffaffung von Landwirten sind diese Preise noch zu hoch, und es ist fraglich, ob die Kriegcrfrauen— zumal wenn sie keinen oder nur einen geringen gemeindlichen Zu- schlag zur Kriegsunterstützung erhalten— in der Lage sein lverden, für sich und ihre Kinder dieses billigste, und doch für ihre Verhältnisse noch sehr teure NahrnngSniittel zu berschaffcn. Die Eingabe des Parteivorstandcs und der Gencralkoni Mission auf fteie Lieferung von Kartoffeln (neben Kohlen) sollte deshalb bei der Regierung schleunigst volle Berücksichtigung finden. Während die neue Kartosfelverordnung in die Gewinn- „rechte" der Produzenten und Händler cingreift, trifft die Regelung des Fleisch- und Butter Marktes in erster Linie die Konsunlenten. Nach der neuen Verordnung dürfen vom 1. November ab Dienstags und Freitags Fleisch. Fleischwaren und Fleischspeisen nicht getoerbsmäßig an Per- brmtcher verabfolgt werden. Montags und Donnerstags dürfen in Wirtschaften aller Art Fleisch, Wild, Geflügel, Fisch und sonstige Speisen, die mit Fett oder Speck gebraten, ge- backen oder geschmort sind, sowie zerlassenes Fett nicht vevab- folgt werden. Soimabcnds darf kein Schweinefleisch berad» rslch! werben. Der«fflyiose Kommentar sagt dazu-„Ein Ver« bot des Genusses von Fleisch und der Verwendung von Fett an den bezeichneten Tagen in Einzelhaushaltungen ist zunächst nicht ausgesprochen, da von der Einsicht der besser bemittelten Bevölkerungskreise erwartet werden muß, daß sie sich willig entsprechende Beschränkungen in der Verwendung von Fleisch und Fett selbst auferlegen werden. Ter Zweck dreser Verordnung ist im wesentlichen der einer sozialeren Verteilung der an sich ausreichenden Fleischvorräte. Sie wird unter Um- ständen nur vorübergehend erforderlich sein, wenn es gelingt, zu einer BerbrauchSregelung des Fleisches zu kommen. zumal die neuest? Viehzählung vom 1. Oktober eine erfreuliche Zunahme der Schweinebestände ergeben hat." Ob der Zweck der sozialeren Verteilung wirklich erreicht wird, muß füglich bezweifelt werden. Begüterte Leute können sich an den verkaufsfreien Tagen für ihren Privathaushalt genügende Vorräte für die offiziellen fleischlosen Tage ein- kaufen. Aber die breiten Schichten werden bei den hohen Fleischpreisen nach wie vor an a l l e n Tagen auf Fleisch der- zichten müssen. Trotzdem glaubt die„Deutsche Tageszeitung" in eineni Artikel, der ähnstch wie die Kundgebung des Land- wirtschaftsrats die heute auch in der Lebensmittelfrage schon recht eingeschränkte Kritik noch weiter beschnitten tvissen will. zur Sparsamkeit mahnen zu müssen: «Die Kritik soll sich ferner vor Uebertreibungen, Aufbau- s ch u n g e n und vor Schwarzmalerei hüten. Gewiß stehen wir vor ernsten und schweren Notwendigkeiten; aber es ist sachlich völlig unrichtig, von einer Not zu rede».... Mit einigen Waren, die, wenn man so sagen darf, in der Mitte zwischen Nahrungs- und Genußmittel(gehart dazu auch etwa das Schmalz, daS die Kriegerfrauen zu Brot und Kartoffeln brauchen?! Die Red. des„Borw.".) stehen, Wersen wir allerdings sparsamer und haushälterischer umgehen müsien als bisher. Auch das ist eine Begleiterscheinmrg des Krieges, die ebenso tn den Ländern bemerkbar wird, die vom Welthandelsverkehr nicht abgeschlossen sind. Sparsamkeit mit solchen Waren ist aber keine Ge- fahr, sondern wirkt erzieherisch. Die Behörden haben Veranlasiung genommen, diese erzieherische Wirkung teils zu unterstützen, teils zu sichern. Mit Fett und Fleisch ist oaS deutsche Volk in den Jahren des Friedens und auch im ersten KriegSjahre recht wenig sparsam umgegangen. Wenn es jetzt größere Spar- samkeit üben mutz, so mag das manchem unbequem sein, kann aber oer st än bigerweise als ein Notstand nicht bezeichnet werde n." Diese Sparsamkeitsepisteln, die wir im vergangenen Winter in allen Variationen bis zun: Ueberdruß gehört haben, richtig zu beleuchten, sind wir infolge des„Burgfriedens" leider schon jetzt gehindert. Die„Deutsche Tageszeitung" muß wirklich ganz eigene Begriffe von Ueberslutz und Not haben! Um zu verhüten, daß die Beschränkung der Fleischver- Wendung zu einer Steigerung der Wild- und Fisch- preise infolge erhöhter Nachfrage führt und um der schon vorhandenen übertriebenen Erhöhung der Preise zu begeg- nen, ist schließlich in einer wetteren Bundesratsverordnung der Reichskanzler ermächtigt worden, Preise für Fische und Wild im Großhaitdel am Berliner Markte(Grundpreise) nach Anhörung von Sachverständigen festzusetzen. Diese Preise sind für das Reichsgebiet maßgebend, sofern nicht die Landeszentrakbehörden zur Berücksichtigung besonderer Marktverhältnisse einzelner Wirtschaftsgebiete Abweichungen anordnen. Insoweit Grundpreise festgesetzt sind, sollen die Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern Kleinhandelshöchstpreise festsetzen. «» * Ter Parteiausschuh zur Lebensmittelfrage. Der Partcivorstand versendet durch das Pressebureau folgende Mitteilung: Parteivorstand und Parteiausschuß haben von neuem über die Zustände auf dem Lebensmittelmarkte eine gründliche Aussprache gehabt, die eine volle Ueberein- stimmung ergeben hat. Rücksichtslose Spekulation hat die schwerste Gefahr für die Volksernährung heraufbeschlvoren und in den weitesten Volkskrciscn eine Erbitterung sondergleichen erzeugt. Dieser Erkenntnis hat sich auch die Regierung nicht ent- ziehen können. Aber auch die am 29. d. M. veröffentlichten Verordnungen genügen durchaus nickt: sie bleiben Stückwerk. Mit der Politik des Abwartens und den Halbheiten muß endlich gebrochen werden. Der Parteivorstand und die Generalkommission der Ge- werkschaften haben seit Ausbruch des Krieges immer wieder bis ins einzelne Vorschläge gemacht, deren Durchführung die jetzt beklagten Zustände verhindert hätte. Uni loeitereS Un- heil zu verhüten, sind, ohne daß auf Einzelheiten eingegangen werden soll, folgende Maßregeln ohne Verzug durchzuführen. Nach Art der Brotversorgung sind alle wichtigen Lebens- mittel zu beschlagnahmen und an die Verbraucher zu Höchstpreisen abzuführen. die die Kriegskonjunktur- gewinne ausschließen und jedenfalls auch für die minder- bemittelte Bevölkerung erschwinglich sind. Tie Höchstpreise müssen unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse nach Bezirken für das ganze Reich, und zwar sowohl für den Pro- duzenten, als auch für den Großhändler wie für den Klein- Händler, festgesetzt werden. Der durch wilde Spekulation des privaten Handels in die Höhe getriebene Preis des auö dem Auslände"eingeführten geringen Quantums an Lebensmitteln und Futtermitteln darf unter keinen Umständen zum Maßstab für die Preisgestaltung auf dem inländischen Lebensmittelmarkt dienen. Den Gemeinden ist die Verpflichtung aufzuerlegen, daß sie ihre Einwohner mit Lebensmitteln versorgen. Ihnen müssen aber zu gleicher Zeit die dazu erforderlichen Rechte zur Ent- cignung und Preisfestsetzung verliehen werden. Ein verhängnisvoller Irrtum ist es, anzunehmen, daß der Groll im Volke durch noch weitere Einschnürung der Presse und durch noch weitere Beschränkung von V e r s a m m- l u n g e n beseitigt oder auch nur vermindert werden könnte. Eine Steigerung der großen Mißstimmung wäre vielmehr die sichere Folge solcher Maßregeln. Wir warnen daher vor ihnen. Tie Lcbensmteressen der breiten Maffen des Volkes erfordern mehr denn je die freie Kritik. Der französische Tagesbericht. Paris, 28. Oktober.(W. T. B.) Amtlicher NachmittagZ- Bericht. Im Lause der Nacht wurden nur wenig bedeutende Patrouillengefechtc und Aufllärmnjsgcsechte gemeldet, welche zu unsere» Gunsten endeten. Paris, 29. Oklober. Amtlicher Bericht von gestern abend. Man nieldet besonders starke lange Artilleriekämpfe in Belgien aus der Front Het SaS—Steenstraete sowie nördlich ArraZ im BoiS en Hache und in Reclincourt. In der Champagne richtete der Feind ein heftiges Bombardement auf unsere Stellungen von Tahure und Maison de Champagne. Unsere Batterien erwiderten mit plan- mäßigem Vergeltungsfeuer gegen die feindlichen Schützengräben, In den Vogesen beendete eine unserer Aufklärungsabteilungen am Reichsackerkopf die Zerstörung eines feindlichen Schützengrabens, welcher durch unsere Geschütze bereits eingeebnet war. Die Deutschen unternahmen einen Gegenangriff, welcher leicht zurückgeworfen winde. Belgisch er Bericht: Leichtes Bomhardement nördlich Dix- muiden. Heftigeres Bombardement zwischen dem Fährmannshaus und Steenstraeie. Der König von England verunglückt. Loudon, 29. Oktober.(T. II.) Das englische Pressebureau teilt mit, daß König Georg von England bei der Be- sichtigung von Truppen in Frankreich vom Pferde gestürzt ist. Er hat schwere Verletzungen davongetragen. Der rujsifche Generalsiabsbericht. Petersburg, 29. Oktober.(W. TB.) Amtlicher russischer Bericht V o m 28. O k t o b e r. In der Gegend von Riga keine Veränderung. Südlich de? Babil-See-5 mebrere Waldgesechte, ohne Cmfliiß auf die allgemeine Lage. Südlich Uerkül l2ö Kilomeier südöstlich Riga an der Düna) Artilleriebampf. Auf der Front bei Dünaburg griff der Feind nordöstlich Garbunowka an; es gelang ihm anfangs, einige Schützengräben von uns zu besetzen, aber wir machten einen energischen Gegenangriff und warfen die Deutschen wieder zurück. Der Artilleriekampf dauert an. Wäbrcnd des obenerwähnten Angriffs erlitien die Deutschen empfindliche Verluste durch ihre eigene Artillerie. Auf der Front Demmen- und Dryswjaty-See Artilleriefeuer. Weiler südlich bis zum Pihpet keine Veränderung. Auf dem linken S t y r- U f e r versuchte der Feind in der Gegend des Dorfes Jezieice(8 Kilometer nordwestlich des Biale» SeeS) nach Osten vorzugehen; er erlitt in unserem konzenlrischen Feuer »roße Verluste und wurde zum Rückzug gezwungen. Im Lause der Nacht zum 27. Oktober griff uns der Feind dreimal in der Gegend deS Dorfes Kumienucka(N Kilomeier westlich CzartorySk) an, wurde aber jedesmal zurückgeworfen. Das Dorf Budla(9 Kilometer westlich CzarlorySk) blieb nach heftigem Kampf in unseren Händen, Auf der übrigen Front weiter südlich und in Galizien an mehreren Stellen Arlill-riefeuer. In der allgemeinen Lage keine Veränderung. Auf der Kaukasusfront keine Veränderung. In der Ostsee kaverte das Unterseeboot«Alligator' bei den Aalandsinselu eine» deutschen Dampfer und führte ihn in unseren Hasen. Im Schwarzen Meer beschoß unsere Flotte die Hafen- batterien von Warna. Flieger warfen Bomben auf das Hafengelände. Feindliche Unterseeboote griffen unsere Kriegsschiffe an, aber ohne Erfalg._ Meldung des türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 29. Oktober.(W. T. B.) Das Haupt- quartier teilt mit: Am Vormittag des 27. Oktober griff eins unserer Unterseeboote im westlichen Teil des Schwarzen MeercS die russische Flotte an und torpedierte ein Linienschiff des Typs„Panteleimon", welches schwer beschädigt wurde. Die russische Flotte zog sich darauf schleunigst nach Sebastopol zurück. Auf der Dar- danellensront dauerten am 27. und 28. Oktober die üblichen örtlichen Kämpfe an. Bei An Burun und Sedd ul Bar nahnien zwei semdliche Monitoren an der Beschießung teil, wurden aber durch Misere Artillerie verjagt. Auf den übrigen Fronten keine Veränderung. Obgleich an der Dardanellenfront seit einiger Zeit nur ein gegenseitiges ort- liches Gewehrfeuer stattfindet, das für beide Parteien wirkungS- los bleibt, fährt der Feind weiter fort, Lazarettschiffe als Transportschiffe und Lazarettzelte für militärische Zwecke zu benutzen. So beobachteten wir deutlich am 27. d. Mts. bei Kutchuk- Kennkli, wie englische Soldaten Militärübungen vor Zelten, die das rote Kreuz trugen, machten und sich nach Schluß der Hebungen in diese Zelte zurückzogen. vom U-Dootkrieg. London, 29. Oktober.(W. T. B.) Meldung des Reuterschen BureauS. Der norwegische Dampfer«Semal'ist ver- enkt worden. Zwei Mann von der Besatzung wurden gerettet. Man glaubt, daß 19 ertrunken sind. Zoo Tote infolge öes Zeppelinangriffs. New Aork, 29. Oktober.(W. T. B.) Durch Funkspruch vom Vertreter von Wolffs telegraphischem Bureau. Reisende, die gestern mit dem Dampfer„St. Paul" eingetroffen sind, berichten, daß bei dem Zeppelin- angriff auf London am 13. Oktober etwa 300 Personen umgekommen sind. Der amtliche Bericht gab die Anzahl der Toten nur mit 36 an. Ein Passagier erklärte, an einer Stelle seien vier Bomben niedergefallen und hätten die Straßen weithin aufgerissen. Eine Bombe habe die Gasleitung in der Nähe deS Strandes getroffen und einen mehrstündigen gefährlichen Brand verursacht. Mit dem Dampfer„St. Paul" trafen 250 junge Jrländer ein, die nach Amerika gereist sind, um der Wehrpflicht zu entgehen. Hefechte in Deutsch-Gsiafrika. Le Havre, 29. Oktober.(W. T. B.) Meldung der Agence HavaS. Laut Nachiichren, welche das belgische Departement der Kolomen aus Afrika erhielt, haben am 11. September nicht weit von Russi- s i d e l t a und am 29. September in der Nähe der Grenzstation L u w u n g i sehr lebhafte Gefechte zwischen Deutschen und Belgiern stattgesunden. Die Deutschen waren genötigt, zu fliehen, nachdem sie ziemlich bedeutende Verluste erlitten hatten. Die Belgier be- mächtiglen sich eines Maschinengewehres, einer Anzahl Gewehre, Munition und zahlreichen Materials. (Anmerlung des W. T. B.: Derartige von kongo-belgischcr Seite aus Le Havre gemeldete Siegesnachrichten sind schon des öfteren durch die Agence HavaS verbreitet worden und haben sich später als falsch erwiesen.) Inöifche Hrenzkämpfe. London, 28. Oklober.(W.T.B.)«Daily Mail" ver- öffentlicht den Brief eines Offiziers über die Kämpfe an der indischen Nordwestgrenze vom 9. September. Die MohmandS zählten danach 20 000 und die britischen und indischen Truppen 10 000 Mann. Die MohmandS waren sehr tapfer und schaffen sehr genau. Die Engländer kamen in eine schwierige Lage, eine Brigade wurde hart bedrängt, eS gelang aber, eine stärkere Stellung rückwärts einzu- nehmen, in der sie sich sammeln konnte. Der Feind ging in das Gebirge zurück. Der britische Befehlshaber befahl jedoch den allgemeinen Rückzug, da er nicht in eine Falle geraten wollte, woraus ein Entkommen schwer gewesen wäre. Di« ÄampfeSart der MohmandS war dieselbe loie die britische. Alle waren in Khaki gekleidet. Sie bedrängten den britischen Rückzug auf der ganzen Strecke, wurden aber durch die Artillerie in Schach gehalten und litten durch die Kavallerie, sobald sie die Ebene erreicht hatten. Die britischen Oifiziere bezeichnen den Kampf als den schwersten seil dem Jahre 1397. Die Briten verloren 13 Oifiziere und 110 Mann. Die Verluste des Feindes werden auf 12ö0 Mann geschätzt._______ Das Kabinett üer Ehemaligen. DaS französische Kabinett hat sich französisch verabschiedet. Es wartete nicht, bis ihm die Kammer aus- drücklich ihr Mißtrauen bekundete. Es wollte in dieser Zeit den offenen Konflikt vermeiden, und gegen den Brauch wurde der Personenwechsel durchgeführt, ohne daß eine Abstimmung im Parlament vorausgegangen wäre. Der Rücktritt ivar unvermeidlich qeworden, da die Be- Ziehungen zwischen dem Ministerium Viviani und der Volks- Vertretung sich von Tag zu Tag unerquicklicher gestalteten. Man machte ganz ähnlich wie in England der Regierung den Vorwurf, daß sie das Parlament über die militärischen und politischen Vorgänge nicht genügend orientiere, und verlangte für Kammer und Senat einen stärkeren Einfluß auf die mit dem Krieg zusammenhängenden Angelegenheiten. Viviani versprach auch immer aufs neue, dem Drängen nachzugeben, und die gewünschten Ausschlüsse zu erteilen, nur blieb es bei den Zu- sagen. Bald wollte er nur vor den Kommissionen sprechen, bald erklärte er nch mit der von links geforderten Geheim- sitzung einverstanden. Dann aber weigerte er sich wieder, anderswo als in öffentlicher Sitzung Rede und Antwort zu stehen, und wenn es so weit war, bereitete die Kargheit seiner Mitteilungen doch wieder allgemeine Enttäuschung. Die Ereignisse der jüngsten Zeit mußten naturgemäß das Verhältnis zwischen Parlament und Kabinett noch weiter trüben. Der Minister des Auswärtigen, der Hauptträger der Kriegsidee in der Regierung, trat von seinem Posten zurück; am Balkan erlitt Frankreich die schwersten diplomatischen Nieder- lagen; ein neuer Feldzug wurde in Mazedonien improvisiert, und die Deputierten und Senatoren hielten dafür, daß sie über das Drum und Dran dieser Dinge viel zu wenig unter- richtet würden. Vom Standpunkt der Demokratie sind diese Klagen sicher zum guten Teil berechtigt. Andererseits aber muß man sich auch fragen, was Viviani den Neugierigen eigentlich mitteilen sollte. Sie wollten etwas hören, das sie tröstete und viel Trostreiches gab es doch nicht. So lag der letzte Grund des Unbehagens nicht in der Geheimniskrämerei der Regierung, sondern in ihren Mißerfolgen, und so sieht sich das Ministerium, das die Geschäfte seit dem Beginn deS Krieges leitete, zum Rücktritt genötigt, nicht weil es zu wenig gesagt, sondern weil es nach Ansicht der Franzosen zu wenig geleistet hat. Vivianis Nachfolger ist A r i st i d e B r i a n d � der ehe- malige Sozialist, der zweimal schon an der Spitze des Kabinetts gestanden hat und seit dem August 19 U Justizminister war. Er umgibt sich jetzt mit einer Anzahl von Politikern, die in vergangenen Jahren in Frankreich eine hervorragende Rolle gespielt haben. Er bildet, wenn man so will, eine Regierung der„Ehemaligen". Da finden wir die ehemaligen Ministerpräsidenten Freu einet. Com des, M ö l i n e und Viviani, der mit Briand den Platz ge- tauscht hat. Da ist der ehemalige Kriegsminister Gallieni. und für den ehemaligen Botschafter in Berlin, Jules C a m- b o n. hat Briand, der sich neben der Leitung das Porte- feuille des Auswärtigen vorbehätt, den Posten eines General- sekretärs im Ministerium der Auswärtigen Angelegenheiten geschaffen. Die politische«alte Garde" ist aufgeboten und die neue Regierung beweist durch ihre Zusammensetzung. daß sie entschlossen lst, die„nationale Verteidigung" mit aller Kraft fortzuführen. Diese Parole der„nationalen Verteidigung" ist es denn auch, die allem Anschein nach die Sozialisten ver- anlaßt, dem neuen Kabinett wie dem alten ihre Dienste zu widmen. S e m b a t und G u e S d c bleiben, wenn die vor- liegenden Nachrichten zutreffen, an ihren Plätzen und desgleichen wird auch Albert Thomas nach wie vor das Amt eines Untcrstaatssekretärs für die Munitionen bekleiden. Nachdem sie einmal die„nationale Verteidigung" als eine Aufgabe an- erkannt haben, die in geschlossenem Zusammenarbeiten mit der Bourgeoisie gelöst werden mutz, ist ihnen der Rückzug aufs äußerste erschwert, und nun müssen sie selbst der Fahne eines Mannes folgen, den sie mit tausend Zungen einen Verräter gescholten haben. Es ist nicht die Not allein, die einem zu sonderbaren Schlafkameraden verhilft. »» » Paris, 29. Oktober.(W. T. B.) Meldung der Agenee HavaS. Der Rücktritt des Kabinetts Viviani wird amtlich b e- kanntgegeben. Präsident Pomcarö hat die Demission ange- nommen und Briand mit der Neubildung deS Kabinetts be» austragt.__ Englische Kriegsüebatten. London, 29. Oktober.(W. T. B.) Unterhaus. Der Ab- geordnete John(liberal) fragte bezugnehmend auf eine Aeußerung SsasonowS, daß die Emsührung der Wehrpflicht und die zeitweilige Einführung eines Zolltarifs eine gemeinsame wirtschaftliche Aktion Englands und Rußlands erleichlern würde, ob die englische Regierung den Abschluß eines dauernden englisch-rus fischen Bünd- n i i I e s auf der Grundlage des Schutzzolls und der Wehr- Pflicht plane oder ob die Regierungen der Alliierien nach dem Kriege eine allgemeine dauernde Beschränkung der Rüstungsausgaben. unbedingte Regeinng von Streitigkeiten durch Schiedsgerichte und Aufhebung der Zollgrenzen unler einander anstreben würden. Lord R o b e r r C e c i l erwiderle, die Politik die Regierung werde selbstverständlich dahin gehen, die Freundichast und den Handel mit Rußland zu pflegen, aber es sei leine Zeit gewesen, Pläne zu erwägen, die erst nach demFrieden wirksani werden würden. Wedgeivood fragte, ob die Regierung eine Zollunion nichi im voraus erwägen wolle. Cecil erwiderte, die Regierung bedenke stets jede Frage im voraus. (Ironischer Beifall und andauernde Heilerkeit.) Lloyd George sagte auf eine Anfrage, A s q u i t h werde am Dienstag im Haui'e eine Erklärung abgeben. Das HauS werde, falls cS wünsche, Gelegenheit zur Debatte haben. Lowe Iragte. ob Asquilh morgen anwesend sein und Fragen beaniworten werde. Lloyd George erkläric, cö nicht besUminl zu wisien. B o o t h fragte, ob die Regierung verlange, daß das HauS den Wunsch auf Debatte ausdrücklich bekunde. Lloyd George er- widerte, nach ASquithS Rede werde es klar sein, ob das HauS eine Debatte wünsche. Es solle in diesem Falle Gelegenheit dazu haben. H o g g e fragte, ob Lloyd George nicht wisse, daß große Un- Zufriedenheit im Hause herrsSe, weil eZ diese Fragen nicht erörtern könne, über die das Oberhaus debotnert habe. Lloyd George sagte. es sei kein Grund zur Unzufriedeuheit vorhanden. Volle Gelegen- heit zur Debatte werde gegeben werden. S o o p e r fragte, ob H a l d a n e noch an der Negierung teilnehme, worüber Asqmth die Nation im Dunkel lasse. Haldane habe kürzlich einen Besuch an der Front gemacht und sich nach der Rückkebr sofort ins Kriegsamt und Auswärtige Amt be- geben, wo er sich lange aufgehallen habe. A s g u i t h habe dem Parlament und dem Publikum eine irresührende Auskunst gegeben, als er sagte, dag Haldanes Besuch an der Front mit keinem Austrag verbunden gewesen sei. Der Redner sprach die Hoffnung aus, daß Asquith Haldane endgültig und völlig von der Regierung ausschließen oder offen sagen werde, in- wiefern Haldane an der Regierung teilnehme und welche Verantwortung er in Verbindung mit dem Kriege habe. D i l l o n sagte, der Pressefeldzug gegen Haldane sei einer der schimpflichsten Vorgänge während des Krieges gewesen. Der Redner begrüßte es, daß ein Abgeordneter den Mut gefunden habe, die Ver- antwortung für die skandalösen und gemeinen Angriffe zu über- nehmen, so daß man darauf antworten könne. Haldane sei durch die Gossepresse Northcliffes aus dem Amt getrieben worden. Diese Blätter seien in den letzten Monaten die besten Freunde Deutschlands gewesen und seien täglich von der deutschen Presse als Beweis dafür zitiert worden, daß England den Krieg fürchte und ihn völlig satt habe. Hai- dane sei diesen Eipresiern geopfert worden. Sein Verbrechen sei gewesen, daß er England ermahnt habe, das Beste des preußischen Systems nachzuahmen, und er habe recht. Die Ueberpalriolen er- zählten jetzt im Lande, daß England ge�en eine Barbarennation kämpie, aber dieie Hunnen seien den Englandern in gewissen Künsten der Zivilisation überlegen, namentlich im Unterrichtswesen, und weil Haldane den Mut gehabt habe, das zu sagen, sei er von der Nortbcliffepresie verfolgt worden. London, 23. Oktober.(W. T. B.) Unterhaus. B r y c e(liberal) fragte, ob inoffizielle Verhandlungen zwischen vcranl- wörtlichen Personen in London und Berlin wegen Ab schlusses eines baldigen Friedens stattgefunden hätten, ob in derselben Absicht durch einen offiziellen Vertreter irgend- einer neutralen Macht Erkundigungen eingezogen worden sein und ob der Ministerpräsident noch an der Erklärung in der Guildhall festhalte. Lloyd George antwortete: Die Worte Asquiths gelten noch immer.(Lauter Beifall.) Wir würden nicht daran denken, Friedensverhandlungen an« zuknüpfen außer im Einvernehmen mit den Alliierten und in Uebereinslimmung mit dem Ab- kommen vom September 1314. Dies ist stets vollkommen deutlich gewesen, und ich weiß nicht, worauf die Frage hinaus will. Bryce bemerkte, Lloyd George habe den ersten Teil der Frage nicht besonders beantworter. Llopd George erwiderte, nachdem er die Punkte der Frage nochmals durchgesehen halte, emphatisch: Gewiß nicht. Ein ruPscher Aufruf. Wolffs Telegraphenbureau meldet unter denr 28. d. M.: „Russische Blätter veröffentlichen den Wortlaut eines Auf- ruf>5 der ru s fische ir Sozialisten an das russische Proletariat. Sie fordern die Arbeiter eindringlich auf, sich jeder Handlung darin zu enthalten, die unmittelbar oder mittelbar dem Feinde nützen könne. Es heißt in denr Aufrufe. daß alle Sozialdeinokraten in der Auffassung einig seien, daß eine russische Niederlage im Kriege gleichbedeutend mit einer Niederlage im Kampfe für die Freiheit sei und daß die Nieder- läge in erster Linie das Proletariat treffen werde. Das arbeitende russische Volk wolle kämpfen gegen die Wirtschaft- liche, politische und kulturelle Bedrohung durch Deutsch- land und gegen die Sklaverei, die mit dem Vor dringen Deutschlands verbunden sei. Der Aufruf verwirst den Gedanken eines Sondersriedens, der die größte Gefahr für die Demokratie bedeute.— Der Leiter der Arbeitergruppen der Duma K e r e n s k y halle eine lange Unterredung mit dem K r i e g s m i n i st e r." Es handelt sich bei diesem Aufruf offenbar um die Kundgebung einer Gruppe von russischen Sozialdemokraten und Sozialrevolutio- nären um P l e ch a n o w und A l e x i n s k y, die kürzlich im Aus- lande eine„Konferenz" abgehalten haben. Besondere Bedeutung ist dem Aufruf nicht beizumessen, da die große Mehrheit der Arbeiter, wie noch dieser Tage der Beschluß der Petersburger Arbeiter, den Zentralkriegsausschnß zu boykottieren, erwies, es ablehnt, den Krieg als„Befreiungskrieg" anzusehen. Daß die abweichende Meinung des nationalistischen Häufleins in den russischen sozialistischen Parteien bei den unorganisierten Arbeitern einigen Anklang findet� kann nicht Wunder nehmen. Ebenso wenig verwunderlich ist die Tatsache, daß die bürgerliche Presse, die die Anschauungen der Mehr- heit der russischen Arbeiter systematisch vor der Leserwelt fälscht— wie auch in anderen Ländern— mit besonderem Eifer sür die nationalistischen Sozialisten Reklame macht. In der obenstekendcn Meldung ist schließlich richtig zu stellen, daß Kerenskh nie„Leiter der Albeitergruppen der Duma" ge- Wesen ist. Er ist Führer der aus radikalen Bauernabgeordneten be« stehenden„Arbeitergruppe"(Trudowaja Gruppa), die sich nie als sozialistische oder Arbeitergruppe bezeichnet hat und auf eine solche Bezeichnung auch keinen Anspruch hat. falsche Gerüchte. Berlin, 29. Oktober.(W. T. B.) Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt unter der Ueberschrift: Ein falsches Gerücht. „Das von einzelnen holländischen Zeitungen mitgeteilte Gerücht, daß neuerdings einige 80 Belgier wegen Kriegsverrats und Spionage in Lüttich zum Tode verurteilt seien, beruht auf freier Erfindung. In Lüttich sind in letzter Zeit weder Todesurteile wegen Be- günstigung des Eintritts von Belgiern in feindliche Armeen ergangen, noch ist dort überhaupt ein Verfahren in einer derartigen Strafsache anhängig." Ferner meldet die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung' unter dem Titel: Das erfundene Guthaben. „Mehrere englische Blätter haben die Nachricht gebracht, daß der Deutsche Kaiser bei der Bank von England ein Piivatguthaben von 1 Million Pfund Sterling besitze, welchen Beirag die englische Re- gierung als Vergeltungsmaßregel gegen die Person des Kaisers zu beschlagnahmen beabsichtige Wir können feststellen, daß diese Nachricht jeder Grundlage cnt« kehrt, da der Deutsche Kaiser überhaupt kein Privalgulhaben bei der Bank von England besitzt." politische Uebersicht. Tie Alldeutschen. Der Gesamtvorstand des Alldeutsche» Verbandes hat am vorigen Sonntag in Berlin eine„geschlossene und vertrauliche" Sitzung ab- gehalten, über die folgender Bericht vom Alldeutschen Verband ver- breitet wird, dessen Bedeutung mehr zwischen denZeilen liegt: „Die Tagung wurde, wie üblich, vom Vorsitzenden, Rechts- anwall Claß, mit einem eingehenden Bericht über die politische Lage eröffnet, der, gestützt auf zahlreiche bemerkenswerte Einzeltatsachen. ein wahrheitsgetreues, ungemein belangreiches, allerdings nicht durchgängig erfreu- l i ch e s Bild der gegebenen Wirklichkeit zeichnete. Im weiteren Verlaufe der Sitzung überbrachte einer der Führer der jungflämischen Beweguna. Pfarrer Domela Nieuwenhuis(Gent) unter Darlegung der fläii.uchen Wünsche und Ziele die Grüße dieses Bruderstommes, während Ritterguts- besitzer Silvi Broederich aus Kurland dem Alldeutschen Ver- band die Grüße und den Dank der Balten sür die ihnen vom Verbände allezeit bekundete Treugesinnung übermittelte: Dr. M. Hainisch, Wien, berichtete über die Stimmung und die Wünsche des Deutschtums in dem verbündeten Oesterreich-Ungarn. Alle drei Redner, deren Berichte der Tagung im besonderen Maße den „alldeutschen" Stempel aufdrückten, fanden stürmischen Beifall." In den Gesamtvorstand des Alldeutschen Verbandes sind u. a. gewählt worden: Gcheirmat Kirdorf und der nationalliberale Ab- geordnete Bacm eister(Elberfeld) sowie der Führer der früheren alt- nationallibcralen Gruppe: Fuhrmann. Aus der Zentrumspartet. Der Reichsausschuß der deutschen Zentrumspartei hat sich am 24. Oktober mit den Friedenszielen, mit sozialen Fragen und mit der Volksernährung beschäftigt. Laut dem Bericht der„Kölnischen Volkszeitung" Mr. 880) wurde zur Friede usfrage eine Entschließung angenommen, die sich im allgemeinen mit der Haltung derNational- liberalen und der Konservativen deckt. In den L e b e n s m i t t e l f r a g e n wurde„überaus scharfe" Kritik an den verspäteten und lückenhaften Maßnahmen des Reichsamts des Innern geübt, Es wurde eine nachdrückliche Eingabe an den Reichskanzler beschlossen, die dem Reichs- kanzler mit entsprechenden Begleitworten persönlich übergeben werden soll. Zusammenfassend wird von den Verhandlungen gesagt: „Die Zenlrumsparlei braucht ihre Grundsätze und die allgemeine Richtung ihrer Politik gemäß den jetzt geni achten Erfahrungen in keinem Punkte abzuändern. Theorie und Praxis der Partei haben auch wählend dieses Weltkrieges die Probe bestanden, ge- wisiermaßen die geistige Feuerlaufe erhalten." Für die politischen Kämpfe nach dem Kriege seien schon jetzt die notwendigen Vorbereitungen getroffen. Tic Behandlung der Sozialdemokratie in Bayern. Am Mittwoch fand die erste Sitzung des Gemeinde- beamtengesetz-Ausschusses in der neuen Session des bayerischen Landtages statt. Die Beratung setzte ein bei dem Art. 12. Am Ende einer längeren Geschäftsordnungdebatte gab der Staatsminister v. Soden im Namen der Staatsregierung die folgende Erklärung ab: „Die Begründung zu Art. 12 Abs. 1 des Entwurfes legt dar, daß sich ein berufsmäßiger Gemeindebeamter durch eine Betätigung als Sozialdemokrat der Achtung n n- würdig machen würde, die sein Amt erfordert und daß er deshalb disziplinar zu ahnden wäre. Angesichts der vaterländischen Haltung, die im gegenwärtigen Kriege auf dem Boden der gel- tenden Staatsordnung auch von selten der Sozial- demokraten an den Tag gelegt wurde, hält die K. Staats- regierung jene Darlegung nicht aufrecht und erachtet damit diese Stelle der Begründung als weggefallen. Hierbei steht die K. Staatsregierung auf dem Stand- Punkt, daß der Wortlaut des Art. 12 unverändert zu bleiben hat und hofft, daß die Beratungen über den Gesetz- entwurf in Kürze zu Ende geführt werden." Die bayerische Regierung beabsichtigte, den Ausgleich des Staatshaushalts durch einen 25 prozentigen Zuschlag zu den Staatssteucrn zu erzielen. Da der Finanzausschuß der Ab- geordnetenkammer hierfür aber wenig Neigung zeigte, ist jetzt eine zeitweilige Aussetzung der Schuldentilgung in Aussicht genomnien worden. Auf die Erklärung, die am Mittwoch im Ausschusse des bayerischen Landtages zur Beratung des Gemeiildcbcamten- gesetzcS der Staatsminister v. Soden zum Artikel 12 dieses Gesetzes gab, haben unsere Genossen am Donnerstag folgendes geantwortet: „Die Staatsregierung stellt sich mit ihrer zu Artikel 12 des Gemeindebeamtengesetzes abgegebenen Erklärung auf den Standpunkt, daß ein berufsmäßiger Gemeindebeamter durch eine Betätigung als Sozialdemokrat sich nicht der Achtung unwürdig mache, die sein Amt erfordert, und daß er deshalb disziplinär nicht zu ahnden sei. Wir erkennen an, daß damit die Staatsregierung ihre Absicht bekundet hat, eine gegen eine bestimmte Partei gerichtete Tendenz aus dem Artikel 12 aus- zumerzcn. Da indessen für die Rechtsprechung nur der Gesetzes- text und nicht Regierungserklärungen zu Gesetzesentwürfen maßgebend sind, ersuchen wir die Staatsregierung, die selbst- verständliche Folgerung aus ihrer Deklaration zu ziehen und dem Absatz 1 des Artikels 12 des Gemeindebeamtengesetzes den folgenden Satz anzufügen: „Diese Achtung verletzt der Gemeindcbeamte nicht durch Ausübung der staatsbürgerlichen Rechte und Betätigung seiner politischen, religiösen und wissenschaftlichen Ueber- zcugung.""_ das tägliche Srot. Reichsbutterkarten. Der Beirat der ReichSprüfungS stelle für Le- ben§ mittelpreise trat am Freitagvormittag unter dem Vorsitz des MinisterialdirekiorS Luiensly in seinem Ausschuß für Milch, Bulter, Käie und Eier zunächst in Erörterungen über die Verbrauchsregelnng von Butter und Kunst fetten ein. Im allgemeinen ging die Ansicht dahin, daß die Einführung von Reichsbutterkarten zur Einschränkung und gleichmäßigen Regelung des Verbrauchs erwünscht sei. Ferner wurde Mitteilung über die in Aussicht genommene Regelung der Preise und Ver- tcilung der Kunstspeisesette gemacht. Die Fette sollen vorzugsweise der minderbemittelten Bevölkerung zur Verfügung gestellr werden. Für unbedenklich erachtet wurde die Einschränkung der Erzeugung von Fettkäse, während die Herstellung von Weichkäse, besonders von Quark, allgemein für erwünscht erachtet wurde, und zwar unter Fest- setzung von Höchstpreisen. Auf eine einheitliche Regelung sür das ganze Reich wurde von mehreren Seiten Wert gelegt. Tie Bundesratsvcrordnung über Fleisch- und Fett- verbrauch. § 1. Dienstags und Freitags dürfen Fleisch. F l e i s ch w a r e n und Speisen, die ganz oder teilweise auS Fleisch bestehen, nicht gewerbsmäßig an Verbraucher v e r a b- o l g t werden. Dies gilt nicht für die Lieferung unmittelbar an die Heeresverwaltungen und an die Marineverwaltung. § 2. In Gastwirtschaften, S ch a n k- und Speise- wirtschaften sowie in Vereins- und Erfrischungsräumen dürfen 1. Montags und Donnerstags Fleisch, Wild, Geflügel, Fisch und sonstige Speisen, die mit Fett oder Speck gebraten, gebacken oder geschmort sind, sowie zerlassenes Fett und 2. Sonnabends Schweinefleisch nicht verabfolgt werden. Gestattet bleibt die Verabfolgung dcS nach Nr. 1 oder 2 ver- botenen Fleisches als A u f s ch n i t r auf Brot. § 3. Als Fleisch im Sinne dieser Verordnung gilt Rind-, Kalb-, Schaf-, Schweinefleisch, sowie Fleisch von Geflügel und Wild aller Art. Als Fleischwaren gelten Fleischkonserven, Würste aller Art und Speck. Als Fett gilt Butler und Butterschmalz, Oel, Kunstspeisesette aller Art, Rinder-, Schaf und Schweinefett. § 4. Die Beamten der Polizei und die von der Polizdi beauftragten Sachverständigen sind befugt, in die Geschäfts- räume der dieser Verordnung uuterligenden Personen, insbesondere in die Räume, in denen Fleisch, Fleischwaren und Fett gelagert, zu- bereitet, feilgehalten oder verabfolgt werden, jederzeit ein zu- treten, daselbst Besichtigungen vorzunehmen, GeschäitSaufzeich- nungen einzusehen, auch nach ihrer Auswahl Proben zum Zwecke der Untersuchung gegen Empfangsbestätigung zu entnehmen. Die Unternehmer sowie die von ihnen bestellten Betriebsleiter und Aufsichtspersonen sind verpflichtet, den Beamten der Polizei und den Sachverständigen Auskunft über das Verfahren bei Her- stellung ihrer Erzeugnisse, über die zur Verarbeitung gelangenden Stoffe und deren Herkunft sowie über Art und Uinfallg des Absatzes zu erteilen. Z 6. Die Unternehmer haben einen Abdruck dieser Verordnung in ihren Verkaufs- und Betriebsräumen auszuhängen. § 7. Mit Geldstrafe biö zu e i n t a u s e n d f ü n f- hundert Mark oder mit Gefängnis bis zu drei Monaten wird bestrast: 1. wer den Vorschriften des Z 1 oder des§ 2 zuwiderhandelt: 2. wer den Vorschriften des§ 6 zuwider Verschwiegenheit nicht beobachtet oder der Mitteilung von Geschäfts- oder Betriebsgeheim« nisten sich nicht enthält: 3. wer den im§ 6 vorgeschriebenen Aushang unterläßt; 4. wer den nach§ 10 erlassenen Ausführungsvorschriflen zuwiderhandelt. In dem Falle der Nr. 2 tritt die Verfolgung nur auf Antrag des Unternehmers ein. 8 8. Die zuständige Behörde kann Gastwirtschaften, Schank- und Speisewirlschafien, Vereins- und Erfrischungsräume schließen, deren Unternehmer oder Betriebsleiter sich in Befolgung der Pflichten unzuverlässig zeigen, die ihnen durch diese Verordnung oder die dazu erlassenen Ausführungsbestimmungen auferlegt sind. Das gleiche gilt für sonstige Geschäfte, in denen Fleisch, Fleischwaren und Speisen, die ganz oder teilweise aus Fleisch bestehen, feilgehalten werden. Gegen die Verfügung ist Beschwerde zulässig. Ueber die Be- schwerde entscheidet die höhere Verwaltungsbehörde endgültig. Die Beschwerde bewirlt keinen Ausschub. § 3. Die Vorschriften dieser Verordnung finden auch auf Verbrau cherverein ig un gen Anwendung. 8 10. Die Landeszentralbehörden erlassen die Bestimmungen zur Ausführung dieser Verordnung. Sie bestimmen, wer als zu- ständige Behörde und als höhere Verwaltungsbehörde im Sinne dieser Verordnung onzuiebe» ist. Die Landeszentralbehörden oder die von ihnen bezeichneten Behörden sind befugt, an Stelle der in den 88 1 und 2 bezeichneten Tage andere zu bestimmen sowie Ausnahmen von den Vorschriften in den 88 1 bis 3 zu gestatten. 8 11. Diese Verordnung tritt mit dem 1. November 1313 in Kraft. Der Reichskanzler bestimmt den Zeitpunkt des Außerkrafttretens. Berlin, den 23. Oktober 191S. Obstverwertung. 25?. T. B. meldet: Bor einigen Wochen ist bei der Zentral-Ein« kaufSgesellschaft in Berlin ein Kriegsausschutz der deutschen Obst- derarbeitungsinimstrie ins Leben gerufen worden, der sich aus Vertreter der Obstkonsrrven- und der Marmeladenindustrie zu, sammensetzt. Die Aufgabe dieses Kriegsausschusses war, die über- aus reichliche Obsternte dieses Jahres der Industrie bzw. dem Ver- brauch zuzuführen und damit der minderbemittelten Bevölkerung ausreichende Mengen billiger Aufstrichmittel als Ersatz für Fett und Butter sicherzustellen. Diese Aufgabe ist bis jetzt durchaus be- friedigend gelöst worden. Tie Obst verarbeitende Industrie ist mit so großen Mengen von Obst zur Erzeugung von Marmeladen per- sehen worden, daß einzelne Fabriken in diesem Jahre das Doppelte und Dreifache an Marmeladen erzeugen werden wie in früheren Jahrein Ferner ist es durch die Vermittelung der Stadtverival- tungen gelungen, große Mengen frischen Obstes direkt dem Ber- brauch der breitesten Volkskreise zuzuführen. Bis jetzt haben schon etwa 200 Städte, einzelne davon bis zu 10 Wagen Obst bestellt, so daß auf diese Weise ganz bedeutende Obstmengen in den Verbrauch übergegangen sind, die sonst infolge des großen LlngebotS voraussichtlich verloren gegangen wären. In der letzten Sitzung des Kriegsausschusses sind die Preise, die den Obstzüchtern gezahlt werden, abgeändert worden. Danach werden für Aepsel vom 1. November ab b,— M., vom 1. Dezember ab 6,— M., für Birnen 4,50 M. bzw. 5,50 M. für den Zentner gezahlt. Die Mnahmebedingungen sind in einer Anleitung nieder- gelegt, die vom Kricgsausschuß der Obstvcrarbeitungsindustric, Berlin, Französische Straße 14, kostenlos zu beziehen ist. Auch die katholischen Arbeiter werden unruhig. Der Herb st delegierten tag der katholischen Arbeitervereine von Köln verlangt in einem Tele- gramm an den Reichskanzler ungesäumt energische Maßnahmen gegen die ins Ungemesscne steigenden Preise der allernotwendigsten Lebensmittel. Das Telegramm schließt: „Nur so kann in den breiten Schichten des Volkes die bis- herige opferfreudige Stimmung erhalten und befördert werden." Letzte Nachrichten. Meldung des türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 29. Oktober,(W.T.B.) Das Haupt- quartier berichtet von der D a r d a n e l I e n f r o n t: Bei Anaforta traf eine von unserer Artillerie abgeschossene Bombe ein feindliches Munitionsdepot. Sie brachte es zur Entzün- dung. Der Brand dauerte fünfzehn Minuten. Unsere Ar- tillerie zerstreute feindliche Truppen, die Verschanzungen aus- warfen. Die Antwort des Feindes hatte kein Ergebnis. Bei Art Burun schleuderte der Feind in der Nacht vom 28. Oktober bis zum Morgen Bomben gegen die Gräben auf unserem rechten Flügel. Am 28. Oktober bei Tage eröffnete die feind- liche Artillerie ein wirkungsloses Feuer in verschiedenen Rich- tungen. Bei Sedd ul Bahr gegenseitiges Artilleriefeuer und Kampf mit Bomben und Torpedos. Der Feind schoß gegen unseren linken Flügel ungefähr tausend Geschosse ab, die nur Erdstürze in einigen unserer Schützengräben hervorriefen. Sonst nichts von Bedeutung. Gewerkschaftliches. Verlin und Umgegend. Die städtischen Arbeiter und die Teuerung. Eine Versammlung der Arbeiterausschuhmitglieder und Ver- trauenZmänner der städtischen Arbeiter beschloß am 22. Oktober, dem Herrn Oberbürgermeister nachstehende Erklärung mit der Bitte um wohlwollende Berücksichtigung zu unterbreiten: Die heutige, von Vertrauensmännern und Arbeiterausschuß- Mitgliedern sämtlicher städtischer Betriebs Berlins vollzählig be- suchte Versammlung beauftragt die Kommission schleunigst, bei seiner Exzellenz dem Herrn Oberbürgermeister der Stadl Berlin persönlich vorstellig zu werden und zu beantragen, daß 1. Eine nochmalige und ausreichende, sämtliche in den städtischen Betrieben beschäftigten Personen, männlichen und weiblichen Geschlechts umfassende, allgemeine Teuerungs- zulage mit rückwirkender Kraft ab 1. September zur Aus- Zahlung gelangt. 2. Daß die Grenze des Jahreseinkommens, bis zu welcher die Teuerungszulage gewährt werden soll, auf mindestens 2500 M. hinaufgesetzt werden möge. 3. Daß der Tagesverdienst der in Stundenlohn und in den Außenbetrieben beschäftigten Personen, die im Winter bei gekürzter Arbeitszeit arbeiten müssen, nicht gekürzt werden und der gleiche wie im Sommer bleiben soll. 4. Daß an sämtliche, einen eigenen Hausstand führenden städtischen Arbeiter und Arbeiterinnen die notwendigsten Lebensmittel in ausreichendem Maße zum Selbstkostenpreise abgegegeben werden. In Erwägung und Würdigung der Tatsache, daß Berlin mit seinen Nachbargemeinden ein einheitliches Wirtschaftsgebiet bildet und daß in den kommunalen Betrieben der Nachbargemeinden be- schäftigte Perionen im wesentlichen unter den gleichen Miß- ständen leiden, beauftragen wir die Geschästsleitung des Verbandes der Gemeinde- und Staalsarbeiier, diese unsere Entschließung den in Frage kommenden Gemeindeverwaltungen mit dem höflichen Er- � suchen um alsbaldige Berücksichtigung zu unterbreiten. M ü n t n e r schilderte in der letzten Quartalsversammlung des Gemeindearbeiter-Verbandes den Besuch der Kommiision, der er an- gehörte, beim Oberbürgermeister, der den vorgetragenen Wünschen ein erfreuliches Verständnis entgegengebracht und energische Maß- nahmen gegen die Lebensmittelteuerung zugesagt habe. In der Diskussion über diesen Bericht wurde sehr über die Lebensmittelverhällnisie geklagt und eine wöchentliche Zulage von tl M. als nicht zu hoch bezeichnet. Die Mitgliederzahl der Berliner Zahlstelle des Gemeindearbeiter- Verbandes beträgt jetzt wegen der vielen Einziehungen zum Militär nur 5105. Die Agitation unter den weiblichen Berufsgenossen war ergiebig. Es wurden 233 Frauen neu aufgenommen. Es hat sich auch gezeigt, daß die Frauen ihre Arbeit zu voller Zufriedenheit ausführen. Pflicht der männlichen Arbeiter sei es. wie von der Verbandsleitung ausgeführt wurde, diese Frauen mit Rat und Tat zu unterstützen und sie zu tüchtigen, treuen Verbandsmitgliedern zu erziehen._ Frauenarbeit und Lchrlingsausbilduug bei der A. E. G. Die Elektromonteure und Helfer beschäftigten sich in einer Branchenversammlung mit der Einführung der Frauenarbeit im Mo nteurberuf durch die A.E. G.. Abteilung 2-, sowie mit der L e h r li n g s f r a g e. Versuchs- weise sind seitens der genannten Abteilung der Ä. E. G. für In- stallationsarbeiten auf Bauren sechs Frauen eingestellt worden. Die Versammelten waren der Meinung, daß die Montagearbeiten auf Bauten für Frauen ungeeignet seien, und daß, wenn die A. E. G. an die Elekinomonteure höhere Löhne zahlte, sie auch genug männ- liche Arbeitskräfte für die fragliche Tätigkeit finden würde. Uebri- gens nimmt man an, daß es sich bei jenem Versuch der Ein- führung von Frauenarbeit für die Strakstrommontage hauvtsächlich um die Erlangung billigerer Arbeitskräfte handelt. Die Firma soll noch bei de» hier angestellten Kriegerfrauen die diesen bisher ge- zahlten Unterstützungen ersparen. Die Elektromonteure werden auf Versuche der erwähnten Art gut Obacht geben. Lohnverträge der Allgemeinen Elektrizitäts- gesell schaft zwecks handwerksmäßiger Erlernung des Jnstellationsberufs für Stark st rommontage. die zur Sprache kamen, erregten die ganz besondere Aufmerksamkeit der Versammlung. Dazu wurde gesagt: Vorweg wäre zu be- merken, daß es sich hier nicht etwa darum handle, älteren Leuten Gelegenheit zu geben, sich in diesem Beruf die nötigen Vor- kennwisie anzueignen und zu dem Zwecke zunächst als Hilfs- Monteur zu gehen; sondern es handelt sich vielmehr, wie ein vorliegender Lehrvertrag ergibt, darum, junge Leute, die aus der Schule entlassen seien, durch ein regelrechtes Lehrverhältnis berufs- mäßig vorzubilden. Zwar klinge es für jeden Kenner des Berufs der Elektromonteure unwahrscheinlich; trotzdem sei es aber so. Der Lehrling hat drei Jahre zu lernen und erhält vertragsgemäß im ersten Jahre pro Woche 5 M., im zweiten Jahre pro Woche 6.50 M. und im dritten Jahre pro Woche 8 M. Demgegenüber sei eine An- Weisung interessant, die der Monteur erhalte, dem jeweilig ein Lehr- ling zur Ausbildung zugewiesen sei. Darin sei u. a. gesagt, wie und als was der sogenannte Lehrling auf dem Lohnzettel geführt werden solle. Es beiße an der Stelle wörtlich: .Aus dem Lohnzettel ist der Lehrling wie ein Hilfsmonteur aufzuführen."„. In Beziehung zu der angeführten Vertragsbesirmmung gebracht, heiße das auf gui Deutsch, der Lehrling bekomme im ersten Jahr zwar nichl ganz 10 Pf. pro Stunde, werde aber bei der Arbeil als tilfSmonteur geführt. Bei der Firma sei es nun üblich, für die ohnstunde von Hilfsmonieuren den Kunden eine Mark zu berechnen. Wenn nun die Firma auch für die Lohnstunde des Lehrlings, den sie ja auf dem Lohnzeitel als Hilfsmonteur geführt wissen wolle, der Kundschaft eine Mark berechnen würde, dann würde dadurch die Kund- schaft nicht etwa benachleiligt. Denn die Tätigkeil eines Hilfsmonteurs sei durch einen nur einigermaßen intelligenten junge» Mann nach einiger Zeit wirklich auszuführen. Daraus gehe aber zugleich auch hervor, daß eS unrechl sei, einen jungen Mann drei Jahre mit dem angegebenen niedrigen Kostgeld zu binden. Uebrigens: was er als Eleklromonteur zu wissen und zu können habe, sei nicht ausreichend, um in dem so ausgelernten jungen Mann einen Handwerker im landläufigen Sinne zu erblicken. Dazu gehöre weit mehr. Der Berus des Elektronionieurs sei lern handwerksmäßiger Beruf, sondern er erfülle nur eine Spezialiätigkeit, die ent- weder von ungelernten Leuten ausgeübt werde oder aber nur ein kleiner Ausschnitt des gesamten Mechaniker- berufes sei. Auf ein solches, sogenanntes Lehrverhälinis einzu- gehen, heiße nichl vorsichtig genug die Zukunft des Lehrlings be- raten zu haben. Auch die sonstigen Bestimmungen des sogenannten Lehrvertrages selber, den die A. E. G., Abteilung Z, den Eltern oder den Stellvertretern vorlege seien durchaus nicht dazu angetan, zum Abschluß eines derartigen Lehrvertrages anzureizen. Es heiße im ß 4 des Lehrverlrages, daß, wenn der Lehrling vor Ablaut der Lehrzeit den Beirieb verlasse und in einen anderen ähnlichen Betrieb ohne ausdrückliche Einwilligung der Gesellschaft eintrete, von der Firma ein Entschädigungsanspruch von 200 Mark erhoben werden könnte. Es sei nichl ersichtlich, wie die Firma den Nachweis eines Schadens erbringen wolle, wenn der Lehrling trotz des erwätnten geringen Kostgeldes auf dem Verrechnungszettel als Hilfsmonteur behandelt werde. Dazu komme, daß die Gesellschaft selbst sich ver- tragllch das Recht vorbehalte, erstens während der elften drei Monate jederzeit einseilig das Verhältnis lösen zu können und sich serner das Recht für die darauf folgende Zeil vorbehalte, den Vertrag mit vierwöchenilicher Frist zu kündigen, wenn nach dem„allein maß- gebenden Gutachten" des Ableilungsvorsiandes der Lehrling snach Fähigkeilen, Fleiß. Betragen) nicht einschlage. Natürlich habe sich die Firma im Verlrage auch die jetzt moderne Bestimmung nicht entgehen lassen, wonach der Lehrling unter Berücksich- tigung einer vierwöckentlichen Frist gekündigt werden könne, wenn er ohne Zustimmung der Gesellschaft einem Verein oder Verbände beitrete, l!) Es sei schließlich auch noch wichtig, darauf hinzuweisen, daß die Ausbildung dieser sogenannten Lehrlinge den Elektromonteuren der Firma übertragen werde, ohne daß diese Elektromonteurs selber die zur Ausbildung von Lehrlingen notwendig vorauszusetzenden Fähigkeiten hätten. Auch habe der Lehrling, wie ausdrücklich gesagt werde, alle Arbeiten, einschließlich Botengänge und Besorgungen, zu erledigen. Wie in der Debatte noch betont wurde, sind von den bisher eingestellten 30 Lehrlingen auch etliche solchen Monteuren zugewiesen worden, die aus anderen Beruseu stammten und sich erst im Beruf mit der Zeit die Fähigkeiten von Monteuren angeeignet hätten. In der Versammlung wurde empfohlen, diese Lehrlings- ausbildungsmelhode der Oeffenllichkcit bekanntzugeben und'sie außerdem dem Gesellenausschuß bei der Handwerkskammer zur Kenntnis zu bringen, damit dieser an zuständiger Stelle auf diese Dinge hinweise._ Die Lage der Töpfer. Aus dem Geschäftsbericht der Berliner Filiale des Zentralver- bandes der Töpfer geht hervor, daß die Bautätigkeit im dritten Vierteljahr noch ebenso daniederlag, wie vordem. Es kamen nur 12 Bauten in Frage, aus denen 120 Töpfer beschäftigt waren. Die Privatarbeiten, die Mitte August einsetzten, boten den noch im Beruf tätigen Töpfern zeitweise ausreichende Beschäftigung. so daß manchmal der Nachfrage nach Arbeitskräften nicht genügt werden konnte. Doch diese Arbeitsgelegenheit ist großenteils vorüber und die Zahl der Arbeitslosen be- ginnt wieder zu steigen. In der vorigen Woche waren sechs Arbeitslose gemeldet, in der letzten Woche waren es schon 26. Wenn die Arbeitslosenziffer nicht höher ist, so liegt das daran, daß viele Töpfer während des Krieges in anderen Berufen Beschäftigung ge- funden haben. Die Arbeitsvermittlung nach auswärts war nur ge- ring. Sie erstreckte sich lediglich auf Ostpreußen, wo nach und nach ein Teil der Berliner Töpfer Arbeit gefunden haben.— Zu einer Arbeilseinstellung wegen unverglaster Fenster kam es in diesem Herbst nur auf einem Bau, wo gegenwärtig noch die Arbeit ruht.— Dre finanzielle Lage der Filiale wird als durchaus günstig bezeichnet. Die Mitgliederzahl beträgt 503. Rechnet man die eingezogenen Mitglieder hinzu, so ist während des Krieges kein Mitgliederverlust eingetreten. vetitsiches Reith. Verunglückter Kriegsinvalide. Nach dem„Proletarier", dem Organ des Fabrikarbeiterverbandcs, ereignete sich in der Hasseroder Papierfabrik in Heidenau ein sehr bedauerlicher Unfall. Der Kalanderführer M. Lüttich aus Mügeln wollte das Papier, welches um die Walzen gelausen war, abwaschen. Das Papier war zu naß gefeuchtet und blieb deshalb an den Walzen kleben. Zu dieser Arbeit mußte er die linke Hand nehmen, weil ihm die rechte Hand im Kriege verletzt worden ist. Er ist im Januar vom Militär deshalb entlassen worden. Bei dem Ab- waschen geriet Lütlich mit der linken Hand oberhalb der Schutzlciste zwischen die Walzen, wobei ihm das Handgelenk und ein Teil des Unterarmes zerguelicht worden sind. Ob die Hand, welche selbst wenig gequetscht ist. erhalten werden kann, ist sehr fraglich. Das ist seit kurzer Zeil der zweite dem„Proletarier" gemeldete Fall, �aß 5tr>egsvcrletzle an einer Papiermaschine zu Schaden kommen. .ueti sie nicht mehr im vollen Gebrauch ihrer Glieder sind. Solche Vorfälle gemahnen daran, bei der Auswahl der Tätigkeit für Kriegsverletzte deren körperlichen Zustand ganz besonders sorgfältig zu berücksichtigen._ Arbeiterinnen und Jugendliche im Bergbau. Wie in dielen anderen Berufen, so hat auch im Bergbau die Zahl der besänftigten Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeiter während des Krieges zugenommen. Allerdings werden die Ar- beiterinncn nur über Tage beschäftigt, während ein Teil der jugendlichen Arbeiter, weil die einschlägigen Schutzbestimmungen aufgehoben wurden, auch unier Tage beschäftigt werden. Für den preußischen Bergbau ergibt sich, das zweite Ouartal 1014, also die Zeit vor dem Kriege, verglichen mit dem zweiten Quartal 1015, über die Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern folgendes Bild: Zahl der be- Zahl o. beicväit. slbätt. jugendl. männl. Arbeiierinnen Ai beiler II. Ouartal II. Ouartal 1914 1013 1014 1913 Oberschlesien....... 5785 7574 7266 9257 Niederickilesien...... 840 411 003 1256 Dortmund........—— 15397 19957 Saarfiskus.......—— 1932 2173 Aachen.........—— 620 659 Niederrhein.......—— 580 607 Halle lBraunkohlen).... 596 1267 1065 1553 Linksrbemiscki(Braunkohlen).— 52 640 780 Halle(Salzbergbau).... 12 36 185 246 Clausthal(Salzbergbau)... 1 45 171 173 Mansfeld(Erzbergbau)...— 112 739 928 Oberharz(Erzbergbau)... 7 217 200 237 Siegen«Erzbergbau).... 250 268 945 1012 Nassau-Wetzlar(Erzbergbau). 23 40 273 433 Sonst, rechtsrheinisch.... 121 138 287 285 Sonst, linksrheinisch.... 68 63 77 93 7205 10223 31290 89664 Demnach ist die Zahl der weiblichen Arbeiter gestiegen um 3018, die Zahl der jugendlichen Arbeiter jedoch um 8364 Personen. Neuerdings gehen auch einige Zechen des Ruhrgebiets zur Be- fchäftigung weiblicher Arbeiter über, eine Erscheinung, die nicht gerade sympathisch berührt. Vor allein bedeutet aber die ständig steigende Zahl der beschäftigten Jugendlichen eine wachsende Gc- fahr für Leben und Gesundheit dieser Leute, da sicher nicht wenige auch unter Tage beschäftigt werden. Kusianü. Teuerungszulage« in der schweizerischen Schuh- und Lederindustrie. Der Schweizerische Lederarbeiterverbond hat an allen Orten, wo er Sektionen hat, an Schub- und Ledcrfabnkanten, Schuhmacher- und Sanlermeister die Forderung einer lOprozentigen Teuerungs- zulage gestellt. Da auch die schweizerische Schuh- und Lederindustrie mit Kriegspreisen und Kriegsgewinnen arbeilet, ihre Arbeiter aber ebenfalls unter der drückende» Teuerung schwer leiden, erscheint die Forderung nach einer Teuerungszulage vollauf berechtigt. Mus der Partei. Zum Tode Keir HardicS. In der Nummer des„Labour Leader" vom 21. Oktober 1915 wird jetzt das Telegramm veröffenllicht, das der Parteivorstand der deutschen Sozialdemokratie am Tage nach dem Ableben des Genosien Keir Hardie an den Vorstand der„Jndependent Labour Party" gerichtet hat. Das Telegramm hat folgenden Wortlaut: „Anläßlich des Hinscheidens des in der gesamten Arbeiter- Internationale hochverehrten Genoffen Keir Hardie, dcS tapferen Vorkämpfers der Jndependent Labour Party, drücken wir den eng- lischen Genossen unser herzlichstes Beileid aus. Der Vorstand der deutschen Sozialdemokratie." Mus Industrie und Handel. Kriegsgewiune. Die Gelscnkirchener Gußstahl- und Eisen- werke vorm. Munscheid u. Co. erziellen einen Betriebsgewinn von 2,86 Mill. Mark(gegen 1,26 Mill. Mark i. V.) Der Ueberschuß stieg von 0.73 auf 1,98 Millionen Mark. Die Dividende kann daher verdoppelt werden(12 gegen 6 Prozent). Im Geichäflsbericht heißt eS:„Im Laufe deS Dezember erhielten wir von der Heeres- Verwaltung so umfangreiche Bestellungen, daß wir, wollten wir nicht unsere langjährigen Abnehmer vernachlässigen, uns genötigt sahen, eine bedeutende Erweiterung unseres Betriebes vorzunehmen. — Auf unterem Werk in Gelsenkirchen, war dies nicht in aus- reichender Weise möglich, so daß wir vor der Wahl gestellt waren, entweder an anderer Stelle zu bauen, oder ein uns geeignet ericheinendes Werk anzugliedern.— Es bot sich nun Ge- iegenheit, die Hagener Gußstahlwerke zu erwerben, die unicren Gelsenkirchener Betrieb in glücklicher Weise ergänzen und es UNS ermöglichlcn, die an uns gestellten Anforderungen zu erfüllen. Bei der Fusion wurde ein Buchgewinn von 1993 213 M. erzielt, der zu besonderen Abschreibungen verwendet wurde. Die Erwartungen, die wir in den Erwerb des Hagener Werkes setzten, haben sich er- füllt. Nach Abschluß der der Vollendung entgegengehenden um- fangreichen Neu- und Umbauten wird sich unsere Leistungs- f ä h i g k e i t nahezu verdoppeln. Für die zum Heeresdienst einberufenen Arbeiter haben wir uns bis jetzt Ersatz beschaffen können. V«»»d»r P*l»wi i«.#0. Oskar Wollburg Berlin Nf Brnnnenstr. 56 n. 57. Konfektionslians f. Damen- n. Uädcben-Be�Ieldang Bedeutende Prelsermdßisuns bU» 30 e|j b.T.bf.i.UV tf ,n!■»II»» Farben, mit langer BebeSJaeke, Kostüme"&•" 24." 36.- 46.-« 6?.- >« I.■ in retcbnsaekvolUter Verarbeitung mit PalOlOtS Ä-r.2 16.» 262-34.- m% AMin-, Bieilm- Melle 0. Mail, Tornebmer Schnitt, erprobte Qnelit&te» 26.7s 37.7S 49- KS.- Klnfler-» Baokneoh-Klelder, Roatftm«, Motel«nr. •ind gleichfallt im Prei.e bedeotead berabgeietet | Blosse AMIung A Trauer-Bekleidung.| Prniiwtrter AstraelukB M&oUl 267A- IcuMcMüm Icutschc Stoffe Irutfchc Arbeit Winter- Ulster Winter- Ueberzieher Winter-Zoppen für Herren. Jünglinge» Knaben Niedrige preise! BaerEoh ehcvffetfhaft 29—30 ®t. Sronlfurter Str. 20 3 c r I i b ®cgr.l!91 Senntcg ton 12—2 jcfffBdl "verantw. Redakt.: Alfred Wielevv. Neukölln. Inseratenteil veranuo. Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Luchdr. u. Verlagsannau Paul Singer u. Co..»erlmSW. Hierzu 2 Beilagen u. UntcrhaUungsbl. Nr. 300. 32. Jahrgang. WM ks Jonirtf Wim öoteliliitt. Aonnabknii. 30. Oktober 1915. Kartoffeln und kohlen für Sie Kriegerfamilien! Die Vorstände der Sozialdcmotratischen Parrei und der Gcneralkommission der Gewerkschaften haben dem Reichskanzler am Mittwoch, den 27. Oktober, folgende dringliche Forderungen unterbreitet: »Die den Angehörigen der Kriegsteilnehmer zugebilligte Er- höhung der Unterstützungssätze steht in keinem Verhältnis zu den Preissteigerungen aller Lebensmittel. Die bei weitem große Mehr- zahl der Kriegerfrauen sieht mit den schlimmsten Befürchtungen den kommenden Wintermonaten entgegen. Woher sollen sie das Geld nehmen, um ausreichende Nahrungs- und Heizmittel, Kleidung, Wäsche und Schuhe für sich und ihre Kinder zu beschaffen? Zweifellos könnte von den Familien der Kriegsteil- n e h m e r wenigstens eine sehr schwere Sorge genommen werden, wenn man ihnen für die Wintermonate November, De- zember, Januar, Februar und März die Kartoffeln und Kohlen auf Kosten des Reiches liefert. Das wird eine nicht unerhebliche, indes im Verhältnis zu den gewaltigen Kriegs- kosten geringfügige Summe erfordern; aber gleichviel, wie hoch der Betrag sein wird, der für den erwähnten Zweck ausgegeben werden müßte— wir sind es den Familien derer, die nun schon 16 Monate lang Unerhörtes an Strapazen und Entbehrungen geleistet haben, schuldig, nach Möglichkeit für sie zu sorgen. Wir müssen tun, was wir irgend können, um den Familien der Krieger Heizmaterial und ausreichende Nahrung zu verschaffen. Die Kartoffel ist für die minderbemittelten Bolkskreise neben dem Brot das wichtigste Nahrungsmittel. Nach einer überaus reichlichen Ernte haben wir sie glücklicherweise in großer Menge zur Verfügung. Kein Volksvertreter kann gegen eine Forderung sein, durch die die schlimmsten Sorgen von Weib und Kind unserer Truppen bis zu einem gewissen Grade gemildert werden. Die Frauen werden auf- atmen, werden mit etwas weniger Sorge dem Winter entgegen- sehen. Bezugsberechtigt müßten alle Angehörigen des HeereS und der Marine sein, soweit ihnen die vom Reich geregelte Unterstützung zusteht. WaS die Lieferung von Kartoffeln betrifft, so müßte fiir jede erwachsene Person eine bestimmte Menge bewilligt werden; ebenso für jedes Kind, das ein bestimmtes Alter erreicht hat. Wir sehen davon ab, über die Durchführung unserer Vorschläge an dieser Stelle Einzelheiten vorzutragen; sie wird sich mit Hilfe der Gemeinden leicht regeln lassen. Wir geben der Ewartung Ausdruck, daß unsere Anregung baldigste Berücksichtigung findet. Sie ist diktiert von der Absicht, das Los der Frauen und Kinder zu erleichtern, deren Männer und Väter das Reich zu unermeßlichem Danke verpflichtet ist.* Kriegerfrauen ohne Unterstützung. DaS gegen manche Kriegerfrauen angewendete Verfahren, ihnen die Unterstützung aus Reichs- und Gemeindemitteln zu ver- sagen, weil ihnen Einnahmen aus privaten Zuwendungen oder aus eigener Erwerbstätigkeit zufließen, wird wieder durch einige Fälle beleuchtet. Anspruch auf Unterstützung haben die Familien der in den Heeresdienst eingetretenen Mannschaften, falls Bedürftig- k ei t vorliegt, aber das Gesetz sagt nicht, was bei einer Krieger- samilie unter Bedürftigkeit zu verstehen ist. Tie Entscheidung bleibt den ausführenden Organen überlassen, den zur Unter- stützung verpflichteten Lieferungsverbänden(Gemeinden, Kreise) und ihren zu diesem Zweck einzurichtenden UnterstützungSkommis- sionen. wobei dann selbst in einer und derselben Gemeinde, wenn sie wegen der Größe ihres Gebietes mehrere Kommissionen ein- richten«uß. mcht immer Einheitlichkeit des Verfahrens zustande kommt. Selbstverständlich kann für die Frage, welche Krieger- familien als der Unterstützung bedürftig gelten müssen, die Be- dürftigkek nicht in de» für die Armenpflege gegebenen engen Be- grenzung aufgefaßt werden, wie ja diese ganze den Krieger- familian gewährte Hilfe überhaupt nichts mit Armenpflege zu tun hat. In Berlin haben die Gemeindebehörden bei den im Dienst der Stadt beschäftigt gewesenen Arbeitern für nötig gehalten, den Kriegerfamilien durch Gewährung einer Arbeitgeberbeihilfe eine über die Reichs- und Gemeindeunterstützung der Kriegerfamilien hinausgehende Minde st ein nähme zur Be st reitung des LebensunterhaltSzu sichern, so daß gegenüber dem früheren Lohn des Mannes die Frau bis zu Sll Proz., jedes Kind 6 Proz., die ganze Familie aber im Höchstfalle 76 Proz. bezieht. Auch manche Arbeitgeber Ijabsn erfreulicherweise nicht gezaudert, den Familien ihrer zum Heeresdienst einberufenen Arbeiter eine regelmäßige Beihilfe zu zahlen, die sie sich als Zulage zu der den Familien nach dem Gesetz zukommenden Unterstützung aus Reichs- und Gemeindemitteln dachten. Diese privaten Zuwcn- düngen haben nun. wie im„Vorwärts" bereits mehrfach gezeigt wurde, nicht selten den Anlaß gebildet, einer Kriegerfrau die ge- setzliche Unterstützung zu verweigern, weil ja jetzt keine Bedürftig- keit mehr vorliege. So ist verfahren worden selbst in Fällen, wo die privaten Zuwendungen noch nicht denjenigen Betrag erreichten, den die Stadt bei ihren eigenen Arbeitern als Mindesteinnahme der Kriegerfamilien für nötig hält. Zuwendungen von Privat- Personen oder von Vereinen dürfen, falls die gesetzliche Unter- stützung als notwsndig erachtet und gezahlt wird, auf den Betrag der Unterstützung nicht angere-bnet werden. Manche Kommissionen sahen in dieser Bestimmung kein Hindernis, die BcdürftigkeitS- Vorschrift so aufzufassen, daß wegen privater Zuwen- düngen die gesetzliche Unter st ützung ganz ver- sagt werden kann. Das sei dann, meinte sie, keine Anrechnung. Ein Fall dieser Art. den wir besonderer Beachtung empfehlen, wird uns wieder aus dem Gebiet der im„Vorwärts* schon öfter erwähnten Unterstützungskommission V A(Teil der Luiscnstadt) bekannt. Di« Frau eines öei der englischen Gasgescllschaft be- schäftigt gewese,,en Arbeiters, der im August vorigen Jahres ein- gezogen wurde, hat bisher keine Kriegsunterstützung und keine Mietsbeihilst erhalten, trotz wiederholten Anträgen auf Unter- stützung. Die Gasgesellschaft zahlt an die kinderlose Frau ein« Beihilfe von wöchentlich 14 M.. mithin sah die Kommission keine Bedürftigkeit. Das einzige, was man bewilligte, waren ein paar außerordentliche Unterstützungen. Ein Mehr an Hilfe wäre der Frau zu gönnen, da sie krank ist und besonders an Blutarmut und Nervenschwäche leidet. Nachdem ihr daS schon im Oktober vorigen Jahres von dem sie behandelnden Arzt bescheinigt worden war, hat im September dieses Jahres derselbe Arzt in einem � neuen Attest erklärt, daß sie infolge auffallender Verschlechterung ihres ZustandeS in Gefahr ist, völlig erwerbsunfähig zu werden. An Miete schuldete sie jetzt für 6 Monate zusammen 132 M. Daß man den Frauen von Arbeitern der englischen Gasgesellschaft wegen der Arbeitgeberbeihilfe die gesetzliche Unterstützung versagte, ist in Kommission V A auch sonst oft vorgekommen. Eine dieser Frauen, die von der Gesellschaft wöchentlich 14 M. für sich und je 1,60 M. für ihre beiden Kinder bezieht, hat schon viermal be- antragt, ihr daneben die gesetzliche Unterstützung zu geben, aber alle Anträge wurden abgelehnt. Da sie auch keine Mietsbeihilfc erhält, so ist sie bereits über 90 M. an Mieteresten für 7 Monate schuldig geblieben. Auch über die Unterstützungskommission lV L (Teil der Tempelhofer Vorstadt) klagt die Frau eines im Felde stehenden Angestellten der englischen Gasgesellschaft, daß sie wegen der von der Gesellschaft ihr geivährten Beihilfe von wöchentlich 14 M. für sie und 1,69 M. für ihr Kind bisher weder Kriegs- Unterstützung noch Mictebeihilfe erhalten hat. Auch sie hat ihren Antrag auf Unterstützung mehrfach wiederholt, immer ohne Erfolg. Wäre ihr Mann bei den Gaswerken der Stadt beschäftigt gewesen, so hätte sie nach Maßgabe seines früheren Einrommens auf monatlich 38 M. für sich und ihr Kind zu rechnen. Eine andere Kriegerfrau, die wieder der Kommission V A untersteht, hatte es einer von dem Arbeitgeber ihres Mannes gezahlten Beihilfe zuzuschreiben, daß man ihr die bisherige Mietebeihilfe entzog. Da die kinderlose Frau nur noch die 24 M. Kriegsunterstützung er- hält, so blieb sie für vier Monate die Miete schuldig. Nachdem inzwischen die Zuwendung des Arbeitgebers immer geringer gc- worden war und schließlich ganz aufgehört hatte, beantragte die Frau aufs neue eine Mietebeihilfe. Sie ist ihr jetzt endlich bc- willigt worden. Von derselben Kommission V A hat auch eine Kriegerfrau, die ein kleines Kohlcnyeschäft betreibt, sich für nicht bedürftig erklären lassen müssen. Nur für ihren Jungen erhält sie 12 M. Unterstützung, obwohl die Unterstützung immer für Mutter und Kind bewilligt werden soll. Für die Frau selber werde, nahm die Kommission an, der Ertrag des Kohlengeschäfts reichen. Was so ein Geschäft den Sommer hin- durch einbringt, kann man sich leicht denken. Das war so wenig, daß die Frau jetzt schon 179 M. Miete schuldet. Auch für den Winter erwartet sie diesmal nicht viel Einnahmen, weil jetzt jeder auf Ersparnisse Hedacht ist. Im übrigen dürfte, weil in letzter Zeit noch viel kleine Haushaltnngen sich Gaseinrichtung verschafft haben und auch mit Gas kochen, der Feuerungsbedarf ohnedies geringer werden. Tie Anrechnung eines Arbeitseinkommens, die in dem zuletzt geschilderten Fall erfolgte, kann zu denselben Härten führen wie die Berücksichtigung privater Zuwendungen. Hält man derartiges für zulässig, so mutz den betreffenden Krieger- familieen wenigstens eine angemessene Mindesteinnahme zuge- billigt werden. Wir verweisen hierzu nochmals auf das, was wir oben über die den Familien der Gemeindearbciter Berlins gc- währte Beihilfe gesagt haben. Das Existenzminimum, das man da aufgestellt hat, sollte auch für die Familien anderer Arbeiter und kleiner Gewerbetreibender gelten. flus Groß-öerlm. der �§unfziger� auf öer Straßenbahn. Das Fünfzmpsennigstiick ist wohl nirgends sehr beliebt, aber besonders nicht auf der Äraßenbahn.„'s ist ein Fünf» ziger!" mahnt der vorsichtige Fahrgast, wenn er dem Schaffner das so leicht mit dem Groschen zn verwechselnde Geldstück überreicht. Wer viel auf der Straßenbatin fährt, wird Mcinnngsverschiedercheiten und Streitigkeiten darüber, ob's nur ein Zehner war oder ob auf einen Fünfziger heraus- gegeben werden mußte, schon öfter mit angehört haben. Ein Schaffner, der da nicht scharf aufpaßt, kann in die Lage kommen, auch mal auf einen simplen Groschen herausgeben zu müssen. Bei der Wagcnnbcrsüllung, unter der wir alle leiden, kann ein Schaffner auch das Mißgeschick haben, daß er auf einen wirklichen Fünfziger— zweimal herausgeben muß. Ein Vergnügen ist's nicht für den Schaffner, sich durch den mit Ueberzähligen angefüllten Wagengang bis� zum Vorderperron durchzuarbeiten und noch vor der nächsten Haltestelle wieder zum Hinterperron zn gelangen, wo er beim Ein- und Aussteigen der Fahrgäste auf dem Posten sein soll. „'s ist ein Fünfziger!" schreit der auf dem Vorderperron stehende Fahrgast besorgt hinter dem Schaffner her, während dieser mit dem Geldstück, ohne sogleich herausgeben zu können, nach dem Hinterperron znrückstrebt. Mit scharfem Auge verfolgt der mißtrauische Eigentümer des Fünfzigers jede Bewegung des Schaffners, der sich von neuem in den Wagen hineinarbeitet, und erwartungsvoll sieht er den Nickeln entgegen, die er noch zu kriegen hat. Kürzlich beobachteten wir— am Donnerstagabend— in einem Wayen der Straßenbahnlinie 99 ein Vorkommnis, das so recht zeigte, wie verdrießlich solche Wechselgeschäfte einem Schaffner werden können. Die Schasfnerin, die den über- füllten Wagen bediente und reichlich zu tun hatte, nahm von mehreren auf dem Vorderperron stehenden Personen gleich- zeitig die Geldstücke entgegen, darunter nicht weniger als drei Fünfziger. Werk sie an der nächsten Haltestelle wieder ihren Posten auf dem Hinterperron einnehmen mußte, konnte sie erst später auf die Fünfziger herausgeben. Sie reichte die herausgegebenen Groschen durch das Fensterchen, indem sie laut und deutlich nacheinander rief:„Einmal Fünfzig I" und: „Zweimal Fünfzig!" und:„Dreimal Fünfzig!" Jeder, der das hörte, mußte der festen Meinung sein, daß alles ordnungS- gemäß erledigt war. Nach einiger Zeit meldete sich aber vom Vorderperron ein Herr und erklärte, er habe auf seinen Fünf- ziger noch herauszubekainmen. Die Schaffnerin lehnte seine Forderung ab und berief sich darauf, daß sie ausdrücklich durch Zuruf feine Aufmerksamkeit auf das in Empfang zu nehmende Geld gelenkt habe. Fahrgäste, die im Waxzen saßen, be- stätigten ihr das, doch der Herr beharrte dabei, er habe kein Geld herausbekommen.„Dann muß geradezu ein anderer das GeK angenommen haben," sagte schließlich die Schaffne- rin, aber keine der noch auf dem Vorderperron stehenden Per- sonen meldete sich. Was sollte die Schaffnerin tun? Ein recht verschlafener Fahrgast muß das ja allerdings sein, der sich die auf seinen Fünfziger herausgegebenen Nickel von einem anderen vor der Nase wegnebmen läßt. Die überängst- liche Schaffnerin. die wohl noch Anfängerin war, reichte unter dem lebhaften Widerspruch der im Wagen sitzenden Fahr- gaste nochmals vier Groschen durch das Fensterchen— und der Herr auf dem Vorderherron war befriedigt. Auf Vor- Haltungen, die man ihr wegen ihrer Nachgiebigkeit machte, erwiderte sie: ,.— um Streit zu vermeiden!" Jawohl, um Streit zu vermeiden,� entschließt mancher Schaffner und manche Schaffnerin sich, einen Pflock zurückzu- stecken. Wär's aber nicht besser, wenn auch die Fahrgäste jeden Streit zu vermeiden suchten und beispielsweise beim Wechseln von Geld die Augen ordentlich aufmachten? Einem auf dem Vorderperron stehenden Fahrgast auf ein größeres Geldstück herausgeben zu müssen, das sollte man dem Schafs- ner möglichst gar nicht zumuten, besonders nicht bei Wagen- überfüliung._ Butterhöchstpreise für Berlin. Der Magistrat hat in seiner gestrigen Sitzung eine Ver- ordnung über Butterhöch st preise im Klein- Handel erlassen, die bereits am 1. November tn Kraft tritt. Danach darf in Berlin der Preis für Butter im Klein- Handel nicht übersteigen für Handelsware I 2.55 M.» für Handelsware II 2,45 M-, für Handelswaarc III 2,80 M. und für abfallende Ware 1,95 M. für je 1 Pfund. Als Kleinhandel im Sinne der Verordnung gilt der Ver- kauf an den Verbraucher, soweit er nicht Mengen von mehr als 5 Kilogramm zum Gegenstande hat. Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis oder mit Geld- strafe bestraft; daneben kann auch auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden. Tödliche Unfälle. Einen tödlichen Ausgang nahmen zwei Unfälle, die in den letzten Tagen Kindern zustießen. In der Donaustr. 119 zu Neulölln fiel gestern, wie wir mitteilten, der 3 Jahre alte Sohn dcS Schlächtergesellen Neckzeh vom Balkon des vierten Stocke?, als er das Schneetreiben beobachten wollte. Der Verunglückte sollte rasch nach dem Krankcnhause in Buckow gebracht werden. Leider erlitt der Wagen unterwegs einen Achsenbruch. Jetzt mußte man den Kleinen mit der Straßenbahn nach dem KreiSkrankenhause bringen. So verzögerte sich die Hilfe und verschlimmerte sich sein Zustand, sodaß er bald starb.— Der 0 Jahre alte Sohn Gerhard deS Drehers Krafft au-Z der Euvrystr. 27 wurde dort überfahren. Er starb gestern trotz ärztlicher Hilfe in der elterlichen Wohnung an den Folgen der Ver- letzungen._______ Millioneilumsätze auf den Rennbahne». Die in Karlshorst und in Hoppegartsn veranstalteten Kriegs- rennen brachten Millionenumsätze am Totalisator. An den acht Karlshorster Renntagen wurden insgesamt 3 828 919 M. umgesetzt- Am Schlußtage, am Sonntag wurde mit 711 819 M. der Höchst- mnsatz erreicht. Der Umsatz in Hoppegarten belief sich an den 17 Renntagen, an denen der Wettbewerb erlaubt war, auf8199369M. ES wurden also in Berlin im ganzen rund 12 Millionen Marl am Toto gewettet. Dazukommen noch die allerdings erheblich niedrigeren Umsätze auf der Trabcrbahn Mariendorf. Die Neue freie Volksbühne hielt am 27. Oktober ihre diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung ab. Sie beschloß damit ihr 26. Vereinijahr. Der Vorsitzende wies auf die Bedeutung des Tages hin. DaS erste Vierteljahrhundert des Bestehens der Volksbühne ivar eine ständig ansteigende Linie der Entioicklung. In den ersten zehn Jahren wirkte der Verein in verhältnismäßig begrenztem Rahmen; er veranstaltete Nachmittagsvorstellungen unter eigener Siegte für seine Mitglieder. Eine breitere Basis deS Wirken? schuf sich der Verein, als er dazu überging, seinen Mitgliedern die Re- pertoirevorstellunge» der besten Berliner Theater an Sonntagnach- mittagcn zugängig zu machen. DaS brachte eine von Jahr zu Jahr anschwellende Mitgliedcrzahl. bis sie derart gc- wachsen war, daß zum eigenen ständigen Theaterbetricbe übergegangen werden mußte. Diese dritte Perrode der Entwicklung setzte vor 6 Jahren ein. Es wurde zunächst daS frühere Wolzogen- Theater in der Köpenickcr Straße gepachtet und inzwischen daS große selbstgeschaffene Hans am Bülowplatz fertiggestellt. Welche Bc- geisterimg dieses Werk weckie, wie die Mittel zu diesem großen Bau aus Miiglicdcrkrcisen aufgebracht wurden, das bildet ein einzig- artiges Beispiel deS opferbereiten Mitwirken? aller Volkükreise an einem idealen Werke. Neben dem Theater hat der Verein in dem letzten Jahrzehnt auch andere Gebiete der Kunst, besonders Konzerte, literarische Vorlesungen und Vorträge über bildende Kunst in den Bereich seines Wirkens einbezogen. Der Krieg hat die an- steigende Entwickelung des Verein* naturgemäß gehemmt, aber nicht gebrochen. Es konnte in der Mitglieder- Versammlung daraus hingewiesen werden, daß auch in diesem Spieljahr die Mitgliedcrzahl wieder vorhanden ist, die einen leisttnigssähigen Weiterbestand gewährleistet. Es will jedenfalls etwas bedeuten, wenn in diesen Zeiten sich noch rund 49 999 Menschen im Verbände der Freien Volksbühnen vereinigen, um Erholung und Erhebung bei der Kunst zu suchen. Die Preiserhöhung der Abend- Vorstellungen wurde nicht eben freudig aufgenommen, aber man sah die Notwendigkeit ein; sie konnte den Gesamteindruck der Versamm- lung nicht beeinflussen._ Ter Löw'.ist loS. Uns wird geschrieben:„Auf einem städtischen Grundstück im Norden Berlins. Ecke Behm- und Bellermannstraße sind in einem vergitterten Wagen zehn Löwen und Löwinnen untergebracht. Vor diesem Wagen ist ein Zwinger aus eisernen Gittern errichtet. Der Wagen ist mit dem Zwinger durch einen von eisernen Gittern gc- bildeten Gang verbunden. Zur Fütterung, und um Platz für das Reinigen des Wagens zu gewinnen, werden die Tiere fast täglich in den Zwinger getrieben. Bei dieser Gelegenheit muß der Besitzer der Löwen den Zwinger von außen betreten und ihn auch wieder nach außen verlassen. Der Zwinger ist von außen nur durch eine einfache Tür von zirka 9,99 X 2,09 Meter zugänglich. Es erscheint mir sehr bedenklich, daß der Zwinger- eingang nicht als Doppeltür auSgebikdet ist. Durch die einfache Tür könnten beim Oeffnen derselben doch mal ein oder mehrere Löwen entkommen. Die Befürchtung des BriefschrciberS hat sich leider schon erfüllt. Am Sonntag entwichen 6 Löwen aus dem Zwinger und spaziertew im Freien umher. Sie wurden bald wieder in den Käsig getrieben und richteten kein Unheil an. Diesmal ging also die Sache noch glimpflich ab. Welche» Unglück hätte aber angerichtet werden können, wenn die Tiere, wild geworden, ihren Weg weiter genomnicu hätten?_ Schule und Haus. Der Unterricht in der Sckrnle kann nur dann von Erfolg sein, Ivenn Schule und Haus möglichst einträchtig zusammenwirken. Leider wird das Verhältnis zwischen diesen beiden Faktoren öfters unliebsam gestört. Folgender uns zur Verfügung gestellter Brietwcchsel zwischen einem Vater und einem Lehrer der 62. Gemeindeschule legt hiervon Zeugnis ab. Zerschundcn und zerschlagen kehrt ein Schüler nach Hause. Der Vater im Feldgrau kehrt in seine Wohnung zurück und sieht zu seinem Entsetzen seinen vom Lehrer Söse zugerichteten Sohn. Er schreibt an den Lehrer folgenden Brief: An Herrn Lehrer......, 62. Gemeindeschule, hier. AlZ ich am 26. Okt. nachmittags ö Uhr vom Dienst zurückkam, hörte ich. daß mein Sohn Adolf ivegen angeblich begangener Ungehörigkeiten im Klassenzimmer gestraft loorden sei. Die Schuld oder Mitschuld kann hier unerörtert bleiben. Von Interesse ist die Slrafart und der geübte Strafvollzug.— Die meinerseits vorgenommene Besichtigung meines Sohnes ergab, dag an der linken oberen Stirnseite die Kopfhaut verletzt und eine starke rot gefärbte Anschwellung, sog. Beule, vorbanden war. Ferner zeigten sich am Halse blutrot unterlaufene Striemen, die angeblich von Schlägen mit der Hand herrühren sollten. Soweit meine persönlichen Feststellungen. Nach Aussage meiner Frau war bei meinem Jungen nach Siück.'ehr von der Schule die linke Gesichtsseile angeschwollen und zahlreiche Fingerabdrücke auf der Wange sowie am Halse sichtbar. Gegen eine derartige unpädagogische Behandlung eines elf- jährigen Schülers lege ich entschieden Verwabrung ein und ersuche um Aufklärung, weshalb die gegen meinen Sohn geführten Schläge gerade gegen den Kopf und Hals gerichtet waren, die doch bekannt- lich die größten Schädigungen für den jugendlichen Organismus herbeiführen können. Achtungsvoll Unterschrift. Der Lehrer antwortete: K. H. mit dem ergebenen Bemerken zurück, daß Ihr Sohn wegen ungebührlichen Benehmens von mir in Ermangelung eines Stockes eine Ohrfeige erhielt. Als er darauf seinen Platz aufsuchte und seinen Trotz durch Werfen des Stuhles zum Ausdruck brachte, erhielt er mehrere Schläge von mir auf die Hände, welche er allerdings vor dem Gesicht hatte. Ich bestreite ganz enischieden, Ihren Sohn auf den Kopf, wo angeblich die Beule sein soll, und auch an den Hals geschlagen zu haben, gebe aber zu, daß vielleicht i n d e r Aufregung ein Schlag mehr gefallen i st, als not- wendig war. Die Mitschüler, welche neben Ihrem Sohne saßen, werden bestätigen, daß ich in der geschilderten Weife Ihren Sohn bestraft habe. Berlin, d. 27. 10. 15. Hochachtungsvoll Unterschrift des Lehrers. Die Antwort deS Herrn Lehrers ist bemerkenswert. Er gibt selber zu, in der Aufregung mehr geschlagen zu haben als not- wendig war. Das»müdeste wäre gewesen, daß er dann ein Wort der Entschuldigung gefunden hätte, damit Schule und Haus sich nicht ganz entfremden._ Zu dem Ucbcrfall in der Frankfurter Allee wird»nitgeteilt, daß der Uebeltäter der ist. für den er sich ausgab, ein 19 Jahre alter Tischler Robert L-chwichtenberg aus Stolp. Der junge Mann hat früher schon einmal in Berlin gewohnt und gearbeitet. Bis zun» 23. d. Mts. war er in Lichtenberg, wo jetzt auch seine Mutter»oohnt, in Schlafttelle. Wie er sagt, hatte er seit 8 Tagen keine Arbeit und seit vorgestern auch kein Geld nrehr. Als ihin nun DonnerStagmorgen seine Wirtin den Kaffee brachte und erzählte, daß sie weggeben»nüsse, beschloß er, sie in ihrer Abwesen- heit zu bestehlcn. Die Stubentür, die die Frau abaeschlossen hatte, inußte er mit Gewalt erbrechen. Aus den Behältnissen hatte er sich gerade schon die Gold- und Wertsachen herausgesucht, als ihn Frau Ileberschacr überraschte. Er warf sie zu Boden, würgte sie, stieß ihr ein Uinschlagetuch»irit Gewalt in den Mund, so daß das Gebiß tief in den Rachen hineingeriet, schleifte sie nach der Küche, schob sie von dort in die Speisekammer hinein und schlug mit den Worten:„Du Hund, Du Aas, bist Du noch nicht ruhig", solange auf sie ein, bis sie sich nicht»nehr rührte. Der Räuber verließ darauf die Wohnung, traute sich aber nicht zum Hause hinaus, weil die Frau unterdessen wieder zu sich gekommen war und aus dein Fenster um Hilfe rief. Er lief die Treppe hinauf, um sich auf dem Boden zu verstecken, fand aber die Tür verschlossen. Uuter- dessen kamen Hausgenossen und Schutzmänner und nahmen ihn fest. Frau Neberschaer ist durch die Mißhandlung bettlägerig krank ge- loorden. Ihr Gesicht ist von den Schlägen ganz verschwollen und aufgedunsen. Sie leidet auch stark unter der seelischen Erregung, die der plötzliche Ueberfall ihr brachte. Um sich das Leben zu nehmen, hat sich eine 20 Fahre alte Hed- wig Schirmacher aus ihrer Wohnung in der Wilhelmhavener Str. 20 entfernt. Das Mädchen, das>nit einem Kinde vor acht Tagen aus dem Krankenhaus entlassen wurde, hinterließ ihrer Stubengenossin das Kind mit der Bitte, es in gute Hände zu geben. Sie schrieb ihr iveitcr, sie sei am Ende ihrer Kraft und wisse nicht mehr, woher sie die Nahrung für das Kind nehmen solle, habe es aber nicht überS Herz bringen können, es umzubringen. Die Polizei hat den Kleinen noch dem'Waisenhause gebracht. Das Mädchen hat früher schon einmal geäußert, daß eS sich ertränken wolle. Wahrjchemlich ist es jetzt irgendwo ins Wasser gegangen. Warnung vor Verfälschungen. Das Polizeipräsidium teilt mit: Im Handel mit gehacktem Rind- und Schweinefleisch find seit einiger Zeit wiederholt Verfälschungen durch Verarbeitung von Milz, Sehnen und anderen Abfällen sowie sogar durch Zusatz von Wasser beobachtet worden. Derartige Verfälschungen, die bereits zu Klagen Anlaß gegeben haben, sind insbesondere auch deswegen verwerflich, weil gehacktes Fleisch vornehmlich von der minderbemittelten Be- völkerung gekauft wird. Der Polizeipräsident warnt daher dringend vor derartigen Täuschungen und macht zugleich auf die gesetzlichen Folgen aufinerksam._ Rechtzeitige Erneuerung der Gewerbescheine. Das Polizeipräsidium teilt mit: Diejenigen Gewerbetreibenden, welche in Berlin eine gewerbliche Niederlassung besitzen und im Jahre 1916 persönlich oder durch in ihren Diensten stehende Reisende für die Zwecke ihres Gewerbebetriebes Waren aufkaufen oder Be- siellungeu auf Waren suchen wollen, werden in ihrem eigenen Interesse aufgefordert, die hierzu gemäß 88 44, 44a der Reichs- gewerbeordnuug erforderlichen LegitimationSkarten für das Jahr 1916 baldigst zu beantragen. Der Antrag ist" wenn die gewerbliche Niederlaflung im Bezirk der Polizeireviere 1, 2, 8, 5, 6, 12, 13, 14, 15, 16, 19, 20, 21, 22. 26. 27, 29. 37, 38, 40. 55 und 93 liegt, bei dem Polizeibezirksamt Berlin-Mitte am Molkenmarkt 1, sonst bei dem für die gewerbliche Niederlassung zuständigen Revier zu stelle»?. Andernfalls würde bei der großen Anzahl der eingehenden Anwäge die rechtzeitige Aus- stellung nicht gesichert sein.__ Verlorene Tauscudmarkschcine. Ein arines Mädchen hat auf dem Wege von der Filiale der Bank für Handel und Industrie in der Ritterstr. 81 bis zur Kommandantenstr. 77/78 einen Betrag von 2360 M., bestehend aus zwei Tausend- und drei Hundertmarkscheinen, aus der geöffneten Handtasche verloren. Sie bittet den Finder, das Geld gegen gute Belohnung bei der Firma S. Katz, Straußfeden»- fabrik, Kominandantenstr. 77/78, abzugeben. Botanischer Garten und Museum. In der Zeit von Mitte Oktober bis Ende Rtärz ist der Botanische Garten in Dahlem nebst den Gewächshäuser»» am ersten Sonntag eines jeden Monats von Uhr hei freiem Eintritt geöffnet,' An den Wochentagen der Wintermonate ist der Garten von 8 Uhr früh bis zur Dämmerung, die Schaugewächshäuser mit Aus- nähme des Sonnabends von 10— i Uhr für die Inhaber von Er- laubnisfcheinen, welche den bei den Pförtnern käuflichen Führern beiliegen, zugänglich. Das Botanische Museum ist jeden Mittwoch von 10—3 und jeden ersten Sonntag im Monat von 11—2 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. öen Gemeinöen. Erhöhte Unterstützung für Kriegerfrauen in Neukölln. Die K r r e g s n o t st a n d s k o in m i s s i o n beschloß in ihrer letzten Sitzung den Ehefrauen der Kriegsieilnehmer neben der Reichsunterstützung von 15 M. pro Monat ab 1. November und den bisher gezahlten 12 M. Gemeindeiinlerstütziing w e i» e r e 3 M. Zuschuß zu gewähren. Diese erhöhte Unterstützung soll in Form von Brennmaterialien gewährt werden. Zu diesem Zweck lvird an die unlerstützungsbedürftigen Frauen eine Kane mir Bons verabfolgl, und können darauf 250 Preßkohle» oder eine entsprechende Menge Koks bei den Händlern entnommen werden. Die Regelung über die Höbe der Znichläge zu der voin Reiche gewährten Unterstützung der Kinder der Kriegsteilnehmer ba» sich die Kommission vorbehalten. Hierüber soll in der nächsten Woche Beschluß gefaßt werden. Unrerstützung erhallen zurzeit 26 029 Ehefrauen von Kriegsreilnehmern mit 40 200 Kindern. Neben der Preisprüfuugsstelle Groß-Berlin wurde eine gleiche önliche PrüfungSstelle eingerichtet, die unverzüglich in Funktion tritt. Charlottenburger Weihnachtsliebesgaben. Die Stadt Charlottenburg will, wie im Borjahre, ihren Feldgrauen, die nun schon länger als ein Jahr im Felde stehen. Weih- nachisgaben spenden. Zur Beschaffung von Weihnachtsliebesgaben kür das Regiment Elisabeth hat der Magistrat— unter Voraussetzung der Zustimmung der Stadtverordnete»»— 5000 M.. für das »närkische Armeekorps 7000 M. und für das GardekorpS 3000 M. zu diesem Zweck bewilligr._ Steigende Kriegslasten der Gemeinden. In Neukölln belaufen sich die im September d. I. gezahlten Unterstützungen an Kriegerfamilien auf rund 1 055 000 M., während die hierfür geleisteten Ausgaben im ersten Kriegsmonat, im August 1914 270 000 M. betrugen. An außerordeuittchen Unterstützungen lArztkosteii, Geburtshilfe, Medikamente) wurden im September 1915 rund 22 000 M. ausgegeben, etwa 8000 M. mehr als im August 1915. An Mietbeihilfen, die vierteljährlich nachher zur Auszahlung kommen, entfallen aus die Monare Juli bis September 1915 354 000 M. Die Leistungen für die Kriegswochenhilse betrugen im September 1915 222Z M.(August 1915 1537). Ein Rückgang zeigt sich dagegen bei den Ausgaben der freiwilligen Kriegswohlfahrls- pflege, das heißt den Unterstützungen solcher Personen, die indirekt durch den Krieg in Not geraten sind; für diese brauchten im Sep- tember dieses Jahres 2000 M. weniger aufgewendet zu werden, als im August._ Pankower Mastnahmen zur Linderung der Kriegsnot. Durch eine Reihe entsprechender Maßnahmen der Gemeinde soll der durch die Teuerung hervorgerufenen Notlage vorgebeugt werden. Von den im Frühjahr dieses Jahres durch die Gemeindevertretung bewilligten 910 000 M. zur Beschaffung von Fleisch und Fleischkon- serven sowie Hülsenfrüchten ist bis Ende Oktober etwa die Hälfte verausgabt worden. Ein Drittel der beschafften Lebensmittel ist be- reits wieder verkauft, während die anderen zwei Drittel teils durch hiesige Gewerbetreibende zu von der Gemeinde vorgeschriebenen Preisen abgegeben werden,»eils zu gegebener Zeit zum Verkauf ge- langen sollen. Außerdein lvcrden lausend weiter geeignete Lebens- mittelankäufe vollzogen.— Des weiteren hat die Gemeinde sich auch bemühr, den Einwohnern bei der Kartoffelbeschaffung behilflich zu sein. Zu einem mäßigen Preise sollten soivohl größere Posten wie auch kleinere Mengen gute Eßkartoffeln(erstere frei Haus, letztere durch Selbstabholung vom Bahnhof Pankow-Schönhausen) abgegeben werden. Leider hat die bekannte derzeitige Lage auf dem Kartoffel- markt es bewirkt, daß die Lieferungen nicht so exakt wie erwartet, erfolgen und auch mit einer geringen Preiserhöhung(statt 4 M. mindestens 4,50 M. pro Zenlner) gerechnet werden muß.— An Stelle des zum Heeresdienst einberufenen Genoffen Kubig wurde von der Gemeindevertretung Genosse Gahma nn in die Lebensinittelkommisfion und Genosse Schmidt in den Kriegsausschuß gewählt. Um die Mietsbeihilsen auch für den Hausbesitz wertvoller zu gestalten, wurde in der letzten Gemeindevertretersitzung auf Antrag von bürgerlicher Seile die Einreichung einer Eingabe an den Minister des Innern, den Reichskanzler und Bundesrat beschlossen, worin um den Erlaß einer Verordnung ersucht wird, welche während des Krieges sowie während eines Jahres nach Beendigung desselben jede Kündigung von Hypotheken, Erhöhung laufender Hypothekenzinsen sowie jede Provisionsbcrechnung beun Hypolhekenverkehr untersagt. Hergabe von Schulräumen für Heimarbeiterinnen. Der Potsdamer Magistrat hat denjenigen Heimarbeiterinnen, die in ihrer Häuslichkeit eine ordentliche Beleuchtung entbehren müssen, täglich zwischen 6—8 Uhr in drei Gcmeindeschulen je einen Raum zur Verrichiung von Näh-, Strick- und Handarbeiten zur Ver- fügung gestellt. Den ärmeren der Heimarbeiterinnen ist dainit gleich- zeitig der Vorteil eines geheizten Zimmers geboten. Soziales. Koufumgenosieuschaften und Kriegsbeschädigte. Das Tarifamt beschäftigte sich am 21. d. Ms. mit der Frage:„Sind die Genossenschaften verpflichtet, Angestellte, die als Kriegsbeschädigte zurückkehren, wieder einzustellen?" Hierzu wurde folgender Beschlutz gefaßt: „Das Tarifamt erklärt sich aus formal-rechtlicheu Gründen für unzuständig, diese Frage zu regeln; es fordert aber die zilsiändigenKörperschaflenauf, Vereinbarungen über die Weiterbeschäftigung der Kriegsbeschä- digtenzutreffen. Bei diesen Vereinbarungen ,st nach Ansicht des Tarifamts der Gedanke zu verwirklichen, daß den Kriegsbeschädigten gegen- über das weitestgehende Entgegenkommen zu erweisen ist; sie sind, wenn irgend möglich, wieder zu b-schäfttgen, wobei der Grundsatz Geltung haben muß, daß ihre Bezahlung, ohne Rücksichtnahme auf die Rente, nach der Leistungsfähigkett erfolgt. Bei Regelung dieser Frage durch Vereinbarungen zwischen den zuständigen Körperschasten wird empfohlen, das Tarifamt als Enffcheidungsinstanz auch über� Stteitfragen, die dieser Angelegen- heit emspringen, anzuerkennen." Bestimmte Vorgänge veranlaßten dann das Tarifamt, noch folgende grundsätzliche Entscheidung zu treffen: .Die Tarifverträge gelten in ihrem vollen Umfang auch während der Kriegszeit. Andere Vereinbarungen, sofern sie nichr zwischen den Tarifkontrahenten erfolgen, sind unzulässig." Wer ist der Arbeitgeber? Die Kammer 1 deS Gewerbcgerichts hatte sich gestern wieder mit einem Prozetz zu beschäftigen, in dein eine Ar- bcitcrin, die den Umständen nach annehmen mutzte, sie sei bei einer Konfektionsfirma beschäftigt, erst vor dem Gewerbe- gericht erfuhr, datz nicht die Firma, sondern ein von derselben beschäftigter Schneidergeselle der Arbeitgeber der Arbeiterin gewesen sein soll. Die Klägerin, ivelche von der Firma Leopold Ascher einen Lohnrest von 17 M. fordert, hat im Geschäftslokal dieser Firma Heimarbeit an Mili.ärjacken bekommen. Die Vertreterin der Firma behauptet, diese Arbeil sei aus Rechnung ihres Gesellen ge- macht worden, der auch den dafür zahlenden Lohn von der Firma erkalten, aber eines TageS aufgehört habe, ohne die Forderung der Klägerin zu begleichen. Die Firma beschäftige zwei derarlige Gesellen, denen es überlasten sei, Näherinnen nach Bedarf auf eigene Rechnung zu beschäftigen. Wie sich in der Verhand« lung herausstellte, konnte die Klägerin nach der ganzen Art des Betriebes nichis anderes annehmen, als daß sie für die Finna Ascher arbeile und die beiden Schneider die Arbeiten als Angestellte der Finna ausgaben. Die Direktrice, welche das Geschäft selbständig leitet, weil der Inhaber rm Felde steht, ist so vorsichtig gewesen, sich von der Klägerin bei deren Ab» gang eine Ausgleichsquiilung unterschreiben zu lassen, wodurch die Klägerin bescheinigt, daß sie weder an die Firma noch an als Zwilchenmeister bezeichnete Schneider Ansprüche habe. Ahnungslos hatte die Klägerin diese Ouittung unterschrieben und erst vor dem Gewerbegerickl erfubr sie. welche Bedouiung das Schrift« stück hat. Die Vertreterin der Firma bestand vor Gericht iehr entschieden auf ibrem Schein. Sie mußte sich aber vom Vorsitzenden sagen lassen, daß es doch nichr schön sei. sich gegen einen unbe- strilienen Anspruch au» verdienten Lohn durch eine abnungslos ge- gebeue Unterschrift zu sichern. Da nach Lage der Sache wahrschein- (ich angenommen werden müsse, daß die Firma die Arbeitgeberin der Klägerin sei, so sei die Firma für den Lohn auch in dem Falle haftbar, wo ihr Angestellter zwar den Lohn erhalten, aber nicht allsgezahlt habe. Schließlich bemängelte die Vertreterin der Firma noch die Höbe der Forderung und erkannte als berechtigt nur 11.25 M. an, die sie im V e r g l e i ch s w e g e zablte. Der Anspruch der Klägerm ist ja so im Vergleichswege teilweise erfüllt. Daran, datz er nur zum Teil befriedigt ist, trägt die von uns wiederholt bekämpfte Auffassung über die Gültigkeit einer Ansgleichsquittung Schuld. Nach Z 2 des Lohnbeschlagnahmegesetzes ist, soweit eine Lohnbeschlagnahme unzulässig ist, auch„jede Verfügung durch Zession, Anweisung, Verpfändung oder durch ein anderes Rechts- g e s ch ä f t ohne rechtliche Wirkung". Diese zum Schutz des Arbeiters getroffene Vorschrift erstreckt sich auch auf die in der Ausgleichsquittung enthaltenen ausdrücklichen oder durch An- erkcnntnis ausgesprochenen Verzichte. Diese sind rechtlich un- zulässige Rechtsgeschäfte über den Lohn. Auch wenn die Aus- gleichsquittung erst nach dem Fälligkeitstage des Lohnes aus- gestellt ist, ist solcher Verzicht nichtig, weil er offensichtlich gegen die guten Sitten verstötzt. Im vorliegenden Falle trat noch hinzu, datz die Firma, die behauptete, in keinem Vertrags- Verhältnis zur Klägerin zu stehen, sich nicht auf einen Vertrag berufen kann, der von der gegenteiligen Auffassung ausgeht. So wünschenswert es ist, datz endlich die Praxis allgemein Ausgleichsquittungen als ungültig erklärt, so dringend ist auf der andern Seite die hiermit wiederholte Mahnung an die Arbeiter an» Platze: nichts zu unterschreiben, bevor man sich über die mögliche Tragweite der Unterschrift durch Erkundi- gung bei Sachverständigen Rat geholt hat. Kci» Arbeitgeber hat ei» Recht auf eine Ausgleichsquittung. Beitreibuug nach 30 Jahren. In Nr. 261 brachten wir einen Berich: über eine Verhandlung vor dem Kaufmannsgericbt in Sachen der Kohlenfirma Paul Dorfs gegen das Inka isobureau Paul Strasdas. Die klägeriscke Firma halle die Kosten eingellag», die ihr aus einem Pfändungsbeschluß gegen einen bei ihr beschäftigten HandlungS- gehilfen enlstanden waren.. Mit der Schuld des Handlungsgehilfen sollte es eine eigenartige Bewandtnis haben. Sein vor 30 Jahren verstorbener Vater iollie Schulden gehabt haben, diese sollten ourch die Beklagte ausgekauft und nun nach 30 Jahren beizutreiben ver- sucht sein. Die Behauptung über die Entstehung der Schuld beruhte aus den eigenen Angaben des Handlungsgehilfen und wurden von der Klägerin geglaubt. Tatsächlich waren sie, wie uns jetzt glaubhaft dargelegt ist, erfunden, um den wahren Sachverhalt zu verdecken. Dieser war folgender: Der Hand- lungsgehilfe hatte im Jahre 1910 bei einer Firma eine größere Summe unterschlagen und sich zur ratenweisen Abtragung der Unterschlagung verpflichtet. Er kain seiner Verpflichtung nicht nach. Darauf übergab die Gläubigerin im Jahre 1913 die Sache dem Fnkassobureau Strasdas zur Einklagung. Es wurde Urteil und dann der Pfändungsbeschlutz erwirkt. Der dem Bureau Strasdas auf Grund der untvahren Angaben des Handlungsgehilfen gemachte Vor- Wurf, es habe eine vor 30Jahren aufgekaufte Forderung bcizliweiben ge- such», ist also unberechtigt. Er wurde von der Firma Dorff geglaubt, die deshalb die Kosten einklagte, zu deren Traaung Strasdas in Höhe von 1 M. verurteilt wurde, weil kein beschlagnahmesähigeS Gehalt vorlag. Die Firma Dorff hätte wahrscheinlich die Klage unterlassen, wenn sie den richtigen Sachverhalt gekannt hätte. Be- dauerlich ist. daß der Handlungsgehilfe durch seine falschen Angaben seinen Chef getäuscht und das Jnkassobureau fti einen falschen Ver- dacht gebracht hat. �iis aller Welt. Milch für Hunde. Die„Kölnische Volkszeitung" bringt(Nr. 883 vom 28. Oktober) zu dem Kapitel eine Einsendung, die wie folgt lautet: „In den gettoffenen Anordnungen ist die Verfütterung von Vollmilch an Kälber und Schweine, die älter als sechs Wochen sind, untersagt, um die Versorgung der Bevölkerung, insbesondere der Kinder, mit diesem unentbehrlichen Nahrungsmittel zu sichern. Was soll man aber dazu sagen. datz nach anderer Richtung nach wie vor der größte Miß- brauch mit der Verfütterung von Milch getrieben wird? Täglich kann man„Damen" mit einem bis vier Hunden in eleganten Cafss einer bekannten mitteldeutschen Badestadt erscheinen sehen, um diesen Vierfüßlern j e ein Ltter Vollmilch verabfolgen zu laffen. In der be- tteffenden Stadt laufen an„angemeldeten Hunden" allein 4000 Stück, fast ausschließlich LuxuShunde. umher, die meist so fett gefüttert sind, datz sie kaum noch laufen können, während es für Tau sende von kleinen Kindern andernötigenMilchfehlt. oder diese doch so teuer ist, datz sie für ärmere Leute kaum beschafft werden kann. Ein Hundehalteverbot(Wach-, Polizei- und Sanitätshunde ausgenommen) wäre gewiß am Platze, und� es wäre jedenfalls richtiger, die unnützen Luxusttere abzuschaffen als Kinder zugrunde gehen zu lassen." Brandkatastrophe in einer Sch>»le. In Peabodh in Masiachu- setts(Nordainerika) find bei einen» Brande in einer Armenschule neunzehn Knaben und Mädchen umgekommen. Ebensoviele wurden verletzt. Es befanden sich siebenhundert Kinder in der Schule, als plötzlich eine Explosion stattfand und Flammen emporschlugen. Die Ursache des BrandeS ist noch nicht mit Sicherheit festgestellt. Ten Nebenbuhler mcdcrgcschosicn. Im Schankraum dl?K Holels Excelsior in München hat der MUitär-Ajsisienzarzt Dr. S l r a u tz aus Wien den 22jährigsn Liebhaber seiner Frau, einen Kaufmann Weiß aus Wien, vor den Auejen der entsetzlen Gäste nieder- geschossen. Der Verletzte ivurde in der chirurgischen Klinil operiert, sein Zustand ist lebensgefährlich. Verlustlisten. Die Verlustliste Nr. der preußischen Armee enthält Verluste folgender Truppen: Gtappen-Jnspektion der Südarmee. Infanterie usw.: Stab der 8. Juf.-Tiv. Garde: 3., 4. und b. Garde-Reg. z. F.; 7. Garde-Jnf.-Reg.; Garde-Gren.-Regimenter Alexander und Elisabeth; GaÄe-Res.-Iäger-Bat. Gren.-, bezw. Inf.-, bezw. Füf.-Regimenter Nr. 9, 11, 12 ss. Res.-Inf.-Reg. Nr. 12), 11. 1(3, 17, 18, 25(f. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 68 1, 26, 36, 37 (letztere drei f. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 263), 38(f. Jnf.-Reg. Nr. 51), 45, 47(f. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 68), 51, 60(f. Res.-Jnf.-Reg. Nr. IT), 63, 64, 68(f. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 68), 69(f. Res.-Jnf.-Regimenter Nr. 17 und 68>, 70(s. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 17), 72 is. Ref.-Jnf.- Reg. Nr. 263i, 75(f. auch Jnf.-Reg. Nr. 51), 80, 85(letztere beiden f. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 68), 88, 97, 98, 109, III, 112, 113, 116, 117, 128(f. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 263), 150, 151, 152, 153, 156, 157(f. auch Jnf.-Reg. Nr. 51), 159, 160, 161, 162(f. auch Garde-Gren.-Reg. Elisabeth), 163 bis einschl. 176, 188, 193, 352, 354, 361, 368, 371. Res.-Jnf.-Regimenter Nr. 11. 12, 15, 16, 17, 60, 65, 66, 67, 68, 72, 74. 77, 88, 130, 226, 228, 249, 256, 258, 259, 263. Landw.- Jnf.-Regimenter Nr. 9. 11, 12, 15, 18, 37, 66, 71, 76, 81, 83, 109, 110, 116, 350. Landst.-Jnf.-Reg. Nr. 8. Landst.-Jnf.-Bataillone: 6. Münster und Weißenfels(beide s. Garde-Gren.-Reg. Elisabeth). Jäger-Bataillone Nr. 7, 9, 11; Nes.-Bataillone Nr. 6, 11, 17. Feld- Maschinengew.-Züge Nr. 81, 163(beide f. Landw.-Jnf.-Neg. Nr. 83), 253(s. Res.-Jäger-Bat. Nr. 11). Kavallerie: 1. Garde-Dragoner; 1. Garde-Ulanen; Kürassiere Nr. 4; Dragoner Nr. 1, 4, 20, 22; Husaren Nr. 1, 8, 13, 15; Ulanen Nr. 5, 11, 13. Feldartillerie: 2. und 3. Garde-Reg.; Regimenter Nr. 2, 5, 8, 10, 12(f. Res.-Feldart.-Reg. Nr. 21), 15, 19, 21. 24. 25. 46, 51, 54. 58, 63(f. Res.-Feldart.-Reg. Nr. 21), 75, 112, 225(f. Res.- Feldart.-Reg. Nr. 21); Nes.-Regimenter Nr. 16, 21, 22. Ballon- abwehr-Kanonen-Zug Nr. 44(s. Res.-Feldart.-Reg. Nr. 21). Fußartillerie: 1. und 2. Garde-Reg.; 1. Garde-Res.-Reg.; 2. Garde-Landw.-Bat.; Regimenter Nr. 1, 3, 4 bis einschl. 11, 13, 14, 15, 18, 20, 22; Res.-Negimenter Nr. 1, 2, 4, 5, 6, 7, 9, 11, 13, 14, 15, 17, 18, 20, 22; Futzart.-Bataillone Nr. 21 und 54; Landw.- Bataillons Nr. 5, 6, 20. Fußart.-Batterien Nr. 83, 101, 312, 313, 478; 4. Res.-Batterie Nr. 26; Fußart.-Landst.-Bataillone des 7. und des 17. Armeekorps. Kurze Marine-Kanonen-Batterie Nr. 6. Pioniere: I. Garde-Bat.; Pionier-Versuchs-Komp.; Pionier- Regimenter Nr. 18 und 29; Bataillone: I. Nr. 4, I. und II. Nr. 6, I. Nr. 8, I. und II. Nr. 9. II. Nr. 10. I. und II. Nr. 11. I. Nr. 15, III. Nr. 16; Res.-Bat. Nr. 39; Pionier-Äomp. Nr. 205; Res.- Kompagnien Nr. 44 und 52; Pionier-Abt. der 1. Kav.-Div.; 1. Land- sturm-Komp. des 8. und 1. Landst.-Ers.-Komp. des 7. Armeekorps. Minenwerfer-Komp. Nr. 246. Leichte Minenwerfer-Abteilungen Nr. 215 und 226. Etappen-SanitätSdepot der 3. Armee. «* • Die bayerische Verlustliste Nr. 230 bringt Verluste des 1., 4., 5.. 7., 8., 11.. 12., 14., 16., 17. und 18. Jnf.-Reg.(Schluß folgt.) �arteiveranstaltungen. Wilmersdorf. Moutag, den 1. November, abends pünktlich um 9 Uhr, Mitsliederversammlung iui„Viltoriagarten", Wilbelmsaue 114/115 (kleiner Saal). Vortrag des Genossen E. Bernstein über:„Die Jnter- nationale in der Vergangenheit und Futurist." Spandau. Montag, den 1. November, abends S'/, Uhr, Generalversammlung bei Dertz, Kurstr. 21. Tagesordnung: Kassenbericht, Tätig- keitsbcricht der Stadtoerordnetcnsraktion, Ausstellung der Kandidaten zur Stadtverordnetenwahl. Bernau. Sonntag, den 31. Oktober, nachmittags 5 Uhr, findet unsere Mitgliederversammlung im stokal von Adols Hermann, Bürgermeister- slraße 225, statt. Bericht der Stadtoerordnetcnsraktion und Stellungnahme zur Stadtverordnctenwahl. Aufstellung der Kandidaten. Jugenöveranftaltungen. Wilmersdorf. Sonntag, den 31. Oktober, vormittags, findet ein Besuch des Berliner Aquariums statt. Der Eintrittspreis beträgt für die jugendlichen Mitglieder 10 Pj. Treffpunkt HjS Uhr, Jugendheim. Mannheimer Str. 51. Lichtenrade. Sonntag, den 31. Oktober. Vortrag: Der Lehrlinq im Mittelalter. Zlnsang 6 Uhr. im Lokal Matthcs, Dorsstr. 27. Von 5 Uhr: Uebungsstunde der Mandolinenspieler. Geschäftliche Mitteilungen. Die Firma S. Joseph, Schöneberg. Hauvtstr. 1, Ecke Grüne- waldstraffc, emvfielt in bcniigcr Nummer ihre Wiuler-Ulster und-Paletots, sowie Joppen in großer Auswahl. Freireliptosc Gemeinde. Sonntag, den 31. Oktober, vormittags 9 Uhr. Papvcl-Allee 15/17; Neukölln. Ideal-Passage; Tegel. Babnhosslr. 15, und Lbcr-Schöneweide, Klarastr. 2: Freireligiöse Vorlesung.— Bormittags 11 Uhr. Kleine Franksurtcr Straße 6: Vortrag des Herrn Dr. H. B a e g e: „Unsere Erziebungsausaaben." Arbettor-Samariterbund. Kolonne Groß-Berlin. Lehrstunde haben nächste Woche 4. und I. Abt.: Montag, den 1. November Lichtenberg, Scharnweberstraße, Ecke Kronprinzenstraße bei Schulz. 3. Abt.: Freitag, den 5. November Schöncberg, Vorbergstr. 11, Haendel. Mittwoch, den 3. November, Köpenicker Str. 62, Kieske, Vorstandssitzung. Betrifft Toten- sonntag._ Deutscher Arbeiter-Wandcrbund„Die Naturfreunde«. Ortsgruppe Neukölln: Sonntag, 31. Oktober, Städteiabrt nach Luckenwalde. Kloster Zinna, Jüterbog. Abfahrt 5.40 Uhr, Anhalter Bahnhos, nicht 5.35 wie im Tonrcnpregramm. Abfahrt von Neukölln 4.58 Uhr bis Potsdamer Ring- bahnbos. Märkische Tpielvereiniguug. Bezirk Grast- Berlin. Am Sonntag, den 31. Ottober, finden folgende Spiele der I. Klasse statt. Velten— Sportvereinigung. Fichte XVI— Neukölln. Rummclsbnrg— R. B. C. Sparta-Wcißcnsee. Fichte IV— Eiche, Tegel Frisch Frei— Fichte III. Fichte VII— Eiche, Köpenick. Oberspree— Fichte IX. Spielansang 3 Uhr. önefkaften der Redaktion. Die lurtftische Svrechstmib« findet sür Abonnenten Lindenftr. g, IV. Hos rechts, parterre, am Montag bis Freitag von 4 bis 7 Uhr, am Sonnabend von 5 bis K Uhr statt. Jeder kür den B r t e t k a st e n bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Lahl als Merkzeichen belzufügen. Briefliche Antwort wirb nicht erteilt, ilnsragen, denen leine Abonnementsquitlung beigefügt ist. werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Svrechswnde vor. Lertrüge, echrlststückc und dergleichen bringe man in bi» zprechsiunde mit, M. 10. Die Miete können Sie deswegen nicht einbehalten. Sie bezw. Ihr Mann könnten nur auf Lösung des Vertrages klagen. Sie müßten dann zunächst eine Vollmacht Ihres Mannes haben. Die Klage erscheint uns aber nicht sehr aussichtsvoll.— A. 10. Es müßte Beschwerde beim Regierungspräsidenten eingelegt werden, wenn eine Beschwerde beim Landrat ohne Erfolg war.©egeu die Entziehung des Deputats wird sich in diesem Falle nichts machen lassen.— S. M.«. Wir glauben nicht, daß eine Nachmusterung in Ihrem Falle noch erfolgen wird. Ihre Aus- Musterung ist jedenfalls als endgültig zu betrachten.— K. E. 51. Wenn die Frau entgegen Ihrem Willen den Vertrag abgeschloffen hat, können Sie nicht dafür hastbar gemacht werden. Wohl aber kann Erfüllung des Ver- träges von Ihrer Frau verlangt werden und eventuell durch Klage ein vollstreckbares Urteil erwirkt und Sachen Ihrer Frau gepsändet werden.— — O. H., Fichtestrastc. Die Drohung des Hauswirts, er werde dasür sorgen daß der bei ihm wohnenden Kriegersiau die M i e t e b e i h i I s e wegen Nichtzahlung ihres Mieieanteils entzogen wird, ist nicht ernst zu nehmen Er wird froh sein, daß die Kriegerjrau eine Mietebeihilje erhält, die ja in seine Tasche stießt. Zu entscheiden hat über Gewährung oder Entziehung der Mielcbcihilie nicht der Hauswirt, sondern die Unlcrslützungslommission. — Ä. B. 1885. Ihre üluffassung ist auch die unsrige, die wir wiederholt im„Vorwärts" vertreten haben. Die Behörden sind aber anderer Aus- sassung weshalb Sie gezwungen sind, die Zuwendungen, die Sie vom Arbeitgeber Ihres Mannes erhalten, anzugeben.— A. S. 32. Von 1500 M an.— L. W. 100. Sie haben als Braut leinen Erbanspruch. Auch die dem Bräutigam gemachten Zuwendungen können Sie nicht zurück. verlangen Das Versprechen unter Zeugen ist nicht rechtsverbindlich, wenn nicht ein Testament darüber vorliegt.— C. K. 100. Wenn Sie Witwen- rente beziehen, haben Sie sür die gleiche Zeit keinen Anspruch aus Gnaden- löhnnng. da die Witwenrente höher ist.— W. S. 85. Die Frage, ob das Fährgeld zur Ülrbcitsstätte vom steuerpflichtigen Eiukommeu abgezogen werden kann, ist strittig. Sie können nicht verpflichtet werden, persönlich auf dem Steuerbureau vorzusprechen. Unter Hinweis ans Ihre bereits bei- gebrachten Beweise wenden Sie sich nochmals schristiich an die Steuer- behörde, stellen Sie den Sachverhalt dar, daß Sie durch die Per- säumnis eine erhebliche Verdienfteinbuße erleiden— M. M. 1000. Nein, der Vorschuß wird Ihnen erst nach Tilgung der Kosten durch den Per- urteilten zurückerstattet.— A. P. 100. Die Bezeichnung kenueu wir nicht. — H. B. K. 100. Die Firma zahlte doch die Unterstützung nur, solange Sie im Heeresdienst standen. Wenn Sie jetzt im Fabüibetriebe zur Arbeit kommandiert sind und regelrecht Lobn beziehen, wird die Firma die Unter. stützung nicht mehr zahlen.— Witwe. 1. An das Alexander-Regiment. 2. Sie niüßten bei dem Gemeindevorstand des Ortes ansragen. in dem oder in dessen Nähe der Ehemann beerdigt ist. 3. Das Gesetz hat erst Geltung vom 20. Oktober an. Sprechen Sie bei uns in der Sprechstunde nach Verlans von drei Wochen noch einmal persönlich vor.— W. L. 24. Auch die Staatsunterstützung kann verweigert werden, wenn die nach dem Gesetz vorgeschriebene Bedürftigkeit nicht vorhanden ist. Diese wird in Ihrem Fall- verneint werden.— Streit. Verjährung tritt sonst nach zwei Jabren ein, da die Verjährungsfrist jetzt um ein Jahr verlängert ist, also nach drei Jahren. Wenn der Vcrläuscr klagt und beschwört, kann Verurteilung erfolgen, weil der Gegenbeweis von Ihnen durch Vorlegung der Quittungen nicht gejährt werden kann. — L. Sch. OK. Wenden Sie sich an das Bezirtskommando. Ob der Sohn für dauernd untauglich besunden wird, können wir nicht wissen, dar- über entscheidet der Militärarzt.— M. L. 57. Wenden Sie sich an das österreichische Konsulat. Soviel wir aber wissen, besteht sür die österreichi- scheu Heercspflichtigcn diese Bestimmung nicht.— B. D. 8. Nein, Sie werden gegen die Kürzung der Unterstützung in diesem Falle mit Erfolg nichts unternehmen kömren,— M. B. 100. Nein, wenn Sie dm Nach- iveis erbringen können, daß die Wirtschaft Ihr Eigentum ist. Sicherer wäre schon, wenn ein gegenseitiges Testament gemacht würde; Anleitung dazu bekommen Sie bei uns in der Sprechstunde.— Friy 1837. 1. Zwischen den beiden Bezeichnungen ist kein Unterschied. 2. Aus die cigentliche Dauer der Dienstzeit wird die Kriegszeit nicht erhöht angerechnet. 3. Der Rentenanspruch ist für Kriegsfreiwillige der gleiche.— P. R. 54. Der Bezug vom Arbeitgeber muß angegeben werden. Die Mietsunterstützung kann verweigert werden.— L. P. 75. Die Krankenkasse, bei der Ihr Mann Mitglied war, wird in diesem Falle die Wöchnerinnenunterstützung ablehnen. Sie könnten dann aber Antrag ans Wöchnerinnenunterstützung bei der Steuerkasse stellen. Wetteraussichte» für da? mittlere Norddeutschland biS Sanntag mittag. Kiühl und zeitweise nebelig, sonst heiter, nur im Süd- Westen stärker bewölkt; nirgends erhebliche Niederschläge. Völdsiil! lies fsdriMeiies Deutschlands Zahlstelle Groff-Berlin. Am Montag, den 1s. Oktober, fiel als Opfer des Weltkrieges unser angestellter Hauskasfierer UeinlmR'd Menzel. Wir verlieren in ihm einen unserer Besten und werden den Verlust schwerlich ergänzen können. Sein gerader und ehrlicher Charakter, seine Pflichttreue gegen- über der Organisatton, sichern ihm ein bleibendes Andenken. 56/6 Die OrtSverwaltnug. DeutseDer Bolzarheitenerliantl. Zahlstelle Berlin. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler mm Schmidt Dunckerstr. 2, im Alter von 24 Fahren gestorben ist. Ehre seinem Audenkeul Die Beerdigung fand am Man- tag, den 25. Olwber, aus dem Friedhos der Eiias-Gememde in Nordend statt. gc. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler �Mhcet Baartz Stargarder Str. 12, im Atter von 67 Jahren starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung fand am Mon- tag, den 25. Oktober, aus dem Friedhos der Gethsemane. Ge. meinde in Nordend statt. 89/13 Tie Ortsverwaltung. Mtedänil der fiaschinlsteD a. Beizer sowie BerDlsg.Deutsclil. Geschäftsstelle Gros-Berlin. Am Mittwoch, den 27. Oktober, verstarb unser Kollege �uxust l eins, als Vorsitzender, als Turn- wart, wo er stand, gab er sein Bestes. Sein Name wird einen Ehrenplatz in der Arbeiterturn- bewegung erhalten. Groß und unersetzlich sür den Verein ist der Verlust dieses Mannes und immer werden wir dankbar seiner ge- denken. Ter Vorftaud. Badattmarlcen der Konsumgenossenschall Berlin und Umgegend. Man tut gut, diu drei PliiSOBt-Tage Garderobe Trotz des Krieges suf bequemste Teilzahlung Wochenrate f�yf M. 1.— Haman Unilan Kostome, ESeka, Blusen. Ulster, UdillBfl" InUUClI Mäntel In Tuch, Samt, Astrachan In grosser Auswahl Entzückende Nenheiten am Lager PelZWaren in jeder Preislage Herren- Anzöge, Paleiots und Ulster Knaben- n. Kädchen-Carderobe für Jedes Alter Beiser, Lothringer Str. 67 Sonntags von 12—2 Uhr geAftnet| Gummlwlnt»! 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Gemäß§ S des Äricgsleistungsgesetzes brachte der Magistrat der Stadl Lingen(Provinz Hannover) das sich dort aufhaltende Landsturm-Bataillon in Bürgerquartier unter, und zwar sollten die Bürger und Hausbesitzer, die Einquartierung erhielten, auch die Be- köstigung besorgen. In das Haus des Regierungsrats Molsen, der seinen eigentlichen Wohnsitz m Uelzen hat und sich nur zeitweilig in seinem Hause in Lingen aufhält, sollten drei Mann einquartiert werden. Molsen war in Uelzen und das Mädchen, dem er während seiner Abwesenheit von Lingen die Aufsicht über das Haus anver- traut halle, war in dem Hause auch nicht anwesend. Jedenfalls wurde der Polizei daS Haus nicht geöffnet. Nach zweimaligem ver- geblichen Versuch, in das Haus zu kommen, brachte die Polizei die drei Landsturmmänner bei einem Gastwirt unter, der sich von der Stadt pro Mann für Wohnung und Beköstigung 2,50 Mark zahlen ließ. Der Magistrat verlangte von dem Regierungsrat Rückerstattung der 7,50 Mark und betonte, später werde er den Reichszuschutz er- halten. Molsen klagte nach vergeblichem Einspruch gegen den Magistrat. Er verfocht die Änsicht, er habe höchstens 4.50 Mark zu zahlen. Der Bezirksausschuß in Osnabrück gab dem Kläger recht: Der Magistrat hätte die Soldaten zwangsweise im Hause des Regierungsrats unterbringen können. 3 M. für Behausung könne er daher nicht Verlangen. Der Magistrat legte Revision ein und legte dar, der Bezirks- ausschuß übersehe, daß die Leute auch volle Beköstigung erhalten sollten. Die einfache zivangSweise Unterbringung in dem nicht be- wohnten Hause würde keinen Zweck gehabt haben. Das Ober- Verwaltungsgericht gab der Revision des Ma- gistratS statt, hob die Vorentscheidung auf und wies die Klage des RegierungSratS Molsen ab. Wiederciusetzuug in den vorige» Stand. Eine für Rechtsanwälte und Prozeß- Parteien wichtige Entscheidung hat das Ober- Verwaltungsgericht gefällt: Die Schloßbrauerei Schöneberg hatte ihren Rechtsanwalt im Jahre 1914 mit der Durchführung ihrer damals sehr zahlreichen (mehr als 100) Biersteuerprozesie betraut. ES ging auch alles gut, bis auf eine einzelne Sache, betreffend die Berliner Bierstcuer für den April 1914, deren Ermäßigung um 1799 M. erstrebt wurde. Diese Sache war zwar auch unstreitig ihren ordnungsmäßigen Weg in die Kanzlei des Anwalts gegangen, hier aber irgenwic hängen geblieben. Bei der großen Fülle der damals im Bureau des An- waltS behandelten Biersteuersachen blieb zunächst unbeachtet, daß jene eine Sache aus der Kanzlei nicht zur Ilnterschriftleistung an den Anwalt zurückkam. So wurde die Klagefrist versäumt. Erst nach längerer Zeit erhob in dieser Sache der Prozeßvertreter die Klage und beantragte zu gleicher Zeit die Wiedereinsetzung in den vorigen LNand. weil die Schuld an der Fristversäumnis lediglich ein Angestellter des Anwalts habe. Der Bezirksausschuß gewährte auch Wiedereinsetzung in den vorigen Stand und erkannte nach der Klage dahin, daß die Steuer u m 1799 Mark zu ermäßigen sei. Der Magistrat legte Revision ein. Er rügte lediglich, daß die Klage wegen FristversäumniS keinen Erfolg haben durfte. Die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand sei zu Unrecht aus- gesprochen worden. Das Oberverwaltungsgericht hob am Mittwoch die Vorentscheidung auf und erkannte auf Ab- Weisung des Ermäßigungsanipruch. Gründe: Der Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand hätte a b- gelehnt werden müssen. Ein Grund zur Wiedereinsetzung würde hier nur Vorligen, wenn es sich nur um ein Versehen eines Angestellten des Anwalts handelte. Denn ein Versehen des Anwalts selber gelte wie ein Versehen der Partei. Der Senat nehme ein Versehen des Anwalts an. Es liege darin, daß der Anwalt soviel Prozesse annahm, daß er selber die Kontrolle nicht mehr ausüben konnte. Weiter liege ein Versehen darin, daß er nur alle sechs Wochen die Frisienwahrung kontrollierte. Bei Fristen von vier Wochen und 14 Tagen sei daS zu wenig. Der Einwand, daß der Anwalt krank gewesen sei, enl- schuldige die Frislversäumnis auch nicht. Der Anwalt müsse dann eben für ausreichende Vertretung sorgen. Somit war wegen Frist- Versäumnis die Klage endgültig abzuweisen. Eingegangene Druckschristen. Von der»Neuen Zeit« ist soeben das 3. Heft vom 1. Band des 34. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt dcS bestes heben wir hervor-. Persönliche Ueberzeugung und Parteidisziplin. Von K. Kautskh.— Die Zimmerwalder Konferenz. Bon E. M.— Die Kriegswirtschaft. Bon August Mai.(Schluß.)— Vom Wirtschastsmarkt. Von Heinrich Cunow.— Die Berliner Butleiversorgung im Frieden und Krieg. Bon Anton Hofrichter. — Literarische Rundschau: W. Bürklm, Süd- und Mittelamerika unter dem wirtschafllichen Einfluß des Weltkrieges. Bon Lp.— Anzeigen: Charles DumaS und C. Rakowsii, Des Locialistss et la Guerre(Die(Sozialisten und der Krieg). Die„Neue Zeit' erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Poslanstalten und Kolporlenre zun: Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Hcst koslct 25 Pfennig. Don der„Gleichheit«. Zeltschrist snr die Interessen der ArberlerUmen ist UNS soeben Nr. 3 des 26. Jahrganges zugegangen. AuS dem Inhalt dieser Nummer hebe» mir hervor: Die größere Gefahr. Von I. Bistinor. — Die Lage der Tertilarbciier. Von Hermann Jäckel.— Die Fortiührung der MutlerschastSsüriörgc. Von Fr. Kleeis.— Aus der Bewegung: Dank. — Der.Zcntralwahlvcreiu' für Teltow-Beeskow-Storkow-Charlottenburg. — Die BezirkSIeltimg Berliu-OSerschöneiveide.— Gewerkschaftliche Rund- schau.— Erfolgreiche Lohnbewegung imorganifierier Zigaretteimrbeitcrinncn in Gens.— Genossenschaftliche Rundschau. Von H. F.— Notizenteil; Burgfrieden.— Für den Frieden.— Sozialistische Frauenbewegung im Ausland.— Frauenstimmrecht.— Die Frau in öffentlichen Aemiern. Die„Gleichheit' erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 40 Ps. Durch die Post bezogen bewägt der Abonnementspreis vierteljähr- lich ohne Bestellgeld 55 Pf.; unter Kreuzband 85 Pf. Jahresabonnement 2,60 Marl. Vom„Wahren Jacob« ist soeben die 22. Nummer des 32. Jahrganges erschienen. Ter Preis der Nummer iit 10 Pf. Proben Ummern sind zedcrzeit durch den Verlag I. H. W. Tiep Aachs. G. m. b. H. in«tnllgart sowie von allen Buchhandlungen und Kolportcure» zu beziehen. Eingegangene Druckschristen. „Deutsche Revue«. Monatsschrift. Herausgegeben von Zi. Fleischer Aicrtclj. 6 M. Deutsche BerlagSanstalt, Stuttgart. „Tie Aktion«. Wochenschrift für Literatur und Kunst. Herausgegeben von F. Pfemsert. Sonderheft:„Rußland'. 50 Ps. Verlag„Die Aktion", Berlin-WilmerSdors. DaS trautste Marjellchen. Erzählung von Agnes Härder. 3 M. F. A. Perthes, Gotba. Fiiianzwirtschastliche Zeitsrage«. Heft 16: Weinhandel und Schaumweinstener. Von Dr. H. Rchm. 1,40 M.— Heft 17; Finanzen in und nnrti dem Kriege. Von Frhrn. v. Zedlitz-Ncukirch. 60 Ps.— F. Enke, Stuttgart...... Die Kirche nach dem Kriege. Von D. Martin Rade. 53 E.— I. C. B. Möhr, Tübingen. Friedrich Engels als Kriegswisienschaftler. Von E. Drahn. tKultut und Fortschritt Rr. 524/25.) 50 Pf.— F. Dietrich, Gautsch b. Leipzig. Die Deutsche Warschauer Zeitung. Gründung und technische Ein- richwng. 35 Pf.— E. Frolscher, Leipzig, Lößniger Str. 44. Die deutsche Volkswirtschaft im Kriege.?!achtrag Oktober ISIS Kostenlos zu beziehen durch daS Archiv der Diskonto« Gesellschaft. Berlin W. 8. Letzte Bilder. 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