Expedition: SW. b8, Linüenstraße Z. iseruivrecher: Amt Moritzplatz. Nr. isi SS— 1S1 g?. Ar. 30f5.- ST. Jahrg. ( 5 Pfennig) Die TnferftonS'GebQfir tetriigt ffit die sechSgespaltcne Üotonei- «nie oder deren Raum So Psg.. sür politische und acwerlschastliche Bcrcmö, und VcrinnunIungs.SiNicigon 30 „Ktcine Mnzeigen", das fcttgebnicfto Wort 20 Pfg. ipUMg 2fcttgcöructtc Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Etcllengesuche und Echlafstellencn). «eigen das erste Wort 10 Pfg., jedes wettere Wort 5 Big. Worte über 1° Luch. iiaden zählen für zwei Worte. Iuseratc für die nächste Kummer müssen bis G Uhr nachmittags in der Expedition od gegeben werden. Die Eipcdition ist bis 7 Uhr adendS geöffnet. Berliner Vulksblctff. der rozialdemokratircbcn parte» Deutfchlatids. Delegramm> Udress« aSoÄiMtliKlmit Brün". Redaktion: SW. 6$, Linüenstraße 3. Fernsprecher: Ami Moritzplatz, Nr.»ö» 9V— läl 97. Freitag, de« 5. November 1915, RbonncmcnlS'Seinngnogen: Abonnements• Lreis pränumerando Kierteljährl. 3�0 Ml. monatü UIO Ml, wöchentlich 2ö Ksg. frei ins Haus. Einzelne Nummer v psg Eonnlazs» Nummer mtt illusttierter Sonntags- keilage»Die Neue WelT 10 P'a. Soft- KdonnrmeiU: 1,10 Marl pro Monat. Eingettageu m die Los!. Zeinmos- Vrcislisle. lliue: Kreuzband sür Deulschiand und Oeilerreich- Ungarn 2,50 Marl, sür das übrig? Ausland t Marl pro Monat. Soslabonnement« nehmen an: Belgien. Dänemari, Holland. Italien. Luxemburg, Portugal, «liititänicn. Schweben und die Schweis «idet-t lZallch. Tentralorgan Äisch bedroht. Serbiens zwl NklSW m(Scalen SnAmckw. Amtlich. G r o fi e s Hauptquartier, deu L November 1915.(Sßj; T. B.» Westlicher Kriegsschauplatz. Nördlich vou Massiges stürmten unsere Truppe» eiueu nahe vor uuserer Front liegenden französischen Graben in einer Ausdehnung von 809 m. Der größte Teil der Be- satzung ist gefallen, unr 2 Lsfiziere sdarünter 1 Major) und 25 Mann wurden gefangen genommen. Oestlicher Kriegsschauplatz. steerezgruppe öes Generslkelclmzi'schslls v. hinäenburg. Lor Dünaburg wird weiter gekämpft. An verschiedenen Stellen wiederholten die Rnsien ihre Angriffe, überall wurden sie zurückgeschlagen. Besonders starke Kräfte setzten sie bei Garbnnowka ein; dort waren ihre Verluste auch am schwersten. Das Dorf Mikulischki konnten sie im Feuer unserer Artillerie nicht halten, es ist wieder von uns besetzt. heerezgeuppe des Generalfeldrnarlcballs Prinz Leopold von Bayern. Seine wesentlichen Ereignisse. Heeresgruppe des Generals v. CinOngen. Die Russen versuchte« gestern früh eiueu Ueberfall ans das Dorf Äuchocka-Wola. In das Dorf eingedrnugeuc Abteilungen wurden sofort wieder hinausgeworfen. Ein abermaliger Versuch des Feindes, durch starke Gegenangriffe unS den Erfolg westlich vou EzartorySk streitig zu machen, scheiterte. Aus den vorgestrigen Kämpfen wurden insgesamt 5 Offiziere, 1117 Mann als Gefangene und 11 Maschinengewehre eingebracht. Bei den Truppen des Generals Grafen vou Bothmer wurde auch gestern noch in und bei Sicmikowce gekämpft; die Zahl vcr bei dem Dorfkampf gemachtea Gefangenen hat sich ans 3000 erhöht. Russische Angriffe südlich des Ortes brachen zusammen. Balkaukricgsschauplatz. Gegen zähen feindlichen Widerstand find unsere Truppen beiderseits des Koslcnik-Berglandes(nördlich von Kraljcuoj im Bordringen. Oestlich davon ist die allgemeine Linie Zakuta— Bk. Pcelica— Jagodina überschritten. Oest- lich der Morava weicht der Gegner; unsere Truppen folgen. Es wurden 650 Gefangene gemacht. Die Armee des Gennrals Bojadjieff hat Balakouje und Boljevac(au der Straße Zajccar— Paracin) genommen und im Vorgehen vou Svrljig auf Nisch den Kalafat (10 km nordöstlich vou Nischj erstürmt. Ober st e Heeresleitung. le Hauptstadl M WMIMA GmMÄMW. Wien, 4. November.(W. T, B.) Amtlich wird ver» lautbart: 4. November 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Der Feind setzte seine Angriffe gegen die Strypafront fort. Die gegen die Stellung bei WiSniowczyk und Burkanow gerichtete« Angriffe brachen vor unseren Hindernissen zu- sammen. Bor den Schützengräben zweier Bataillone wurden 500 russische Leichen begraben. Im Dorfe Sicmikowce nördlich von Bieniawa wird nach wie vor heftig gekämpft. Oesterreichisch- ungarische und deutsche Truppe» gewannen den Ort fast ganz zurück. Die Zahl der in diesem Räume eingebrachten Gefangenen beträgt dreitausend. Auch am unteren Styr wurden zahl- reiche Borstöße des Gegners abgeschlagen. Bei den vorgestrigen Kämpfen westlich von C z a r t o r y s k hat ein aus Tnippen beider Heere zusammengesetztes Armeekorps insgesamt fünf russische Offiziere und eintauscndeinhundertsiebzchn Mann gc- fangen genommen und elf Maschinengewehre erbeutet. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Angriffe der Italiener auf dem Görzer Brückenkopf und die Nachbarabschnitte dauern fort. Gestern waren die heftigsten Stürme gegen Zagora, die Podgorahöhen und den Monte Sa» Michele gerichtet. Wieder wurde der Feind überall abgewiesen. Ruf den Podgorahöhen wird um einzelne Gräben «och gekämpft. Südöstlicher Kriegsschauplatz. OestNch von Trcbinje ist ein Angriff gegen die montrne- griuische« Grenzstellnngen im Gange. Oestlich von Bileea«nd südlich von Avtvvae wurden in den dort erkämpstru Positionen feindliche Borstöße abgeschlagen. Auf dem Berg Bobija kam eS zu Handgranatenkampf. Der serbische Widerstand im Räume von Kragujevac nnd bei Jagodina wurde gebrochen. Der Feind ist im Zurückweichen. Bon der Armee des Generals von Koeveß rückten österreichisch- ungarische Streitkräfte über Pozega hinaus. Die Verbindung zwischen Uzice und der östlich von Bisegrad kämpfenden Gruppe ist hergestellt. Süd- westlich von Cacak warfen wir den Feind von den das Tal beherrschenden Höhen. Andere österreichisch-ungarische Kolonne» nahmen dir Höhen Stollen und Lipnica Glavica und drängen die Serben ans den Drobnja-Rückcn zurück. Deutsche Truppen rückten in Jagodina ei». Von de» bulgarischen Kräften drang elne Kolonne bis Boljevac südwestlich von Zajccar vor. Eine ander« nahm den Berg Lipnica nordöstlich von Nisch. Die Angriffe der Bulgaren südwestlich von Pirot gewinnen Raum. Der Stellvertreter de? Chefs des Generalstades: v. H o e f e r, Fcldmarschalleutnant. Ministetkrise in Griechenland. Athen, 4. Nov.(W. T. B.)(Meld, der Assence HavaS.) Da es bei der Erörterung der militärischen Gesctzanträge in der Kammer zu einem Zwischenfalle zwischen dem Kriegsministcr und der venizelistischcn Mehrheit kam, stellte Ministerpräsident Z a i m i s die Vertrauensfrage. Venizelos erklärte, es sei de» Liberalen unmöglich, die Regierung zu unterstützen, deren Politik den Interessen des LandeS unheilvoll sei. Alle Partei- fützrer griffen sodann in die Debatte ein. Die Regierung kam mit 114 gegen 147 Stimmen in die Minderheit. Infolge dieses Mißtrauensvotums der Kammer erklärte Zaimis, die Ministerkrisis liege offen zutage. Er ersuche die Kammer, sich biS zur Bildung eines neuen Kabinetts zu vertagen. Der bulgarische Kriegsbericht. Sofia, 3. November.(W. T. B.) Amtlicher Bo- richt über die Operationen vom 1. November: Unsere Offensive entwickelte sich weiter. Auf der Straße Zajecar— Bolewac wurde die Linie Trzvelobrdo— Bukovo— Totarsko- pole-Velicezevica— Höhe 756— Höhe 890— Dorf Skrebinica— Höhe 919-Dorf Bclipotok erreicht. Im Svrljiski-Timoktale nahmen wir das Dors Svrljig und den Ples-Berg. Unsere Truppen gingen auf das linke Ufer des Flusses über. Nach der Einnahme von Bela-Palanka gingen unsere Truppen bis zur Linie Gradec— Höhe 917— Vrandol— Höhe 460— Bogovi— Berg-Dorf Secsnica(nördlich Surdulica). Wir machten weitere Fortschritte und eroberten ein Geschütz, eine Feldküche, sowie eine große Menge Kriegsmaterial. König Peter von Serbien war an dieser Front anwesend und gab seinen Soldaten, um sie zu ermutigen, die Beisicherung, daß die englisch-französischen Truppen im Begriff seien, der serbischen Armee zur Hilfe zu eilen. Die Lage auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz bleibt unverändert, abgesehen von unserem Vormarsch gegen die Höhen Sonteykaglava. Kleppaplania und Preslabplanina. die wir einnahmen. Südlich von Strumitza mchts Neues. Wir machten in dieser Gegend 6(X) Gefangene, er- beuteten 4 Geschütze und 2 Maschinengewehre. Die Verbündeten Truppen eroberten Goina Gora, Rudna, Glava. Gorni Mila- novacz.üü"ochevo.Starideo undPopowic. Am Vormittag desselben Tages setzten die Serben das Arsenal bor Kragujevac in Brand. die stadt wurde am Nachmittag von den Verbündeten desetzt. Die Front in SerbTen ßsr Jtaad der Front am 2'hMht.*"*• äm Der Krieg bis ans Enste. AsquitH und Bricmd haben in ihren Parlamenten über die auswärtige Politik und die Kriegslage gesprochen. Der leitende Minister Englands, der sich und seine Kollegen gegen zahlreiche und heftige Preßangriffe verteidigen mußte, hat dabei den Hawptton auf die Rechtfertigung des in der Ver- gangenheit Geschehenen gelegt, während Briand. der mit einem neuen Kabinett vor die Deputiertenkammer trat, Zustimmung zu seinem Zukunftsprogramm begehrte. Der eine sprach wie ein Advokat, der andere wie ein General, der seinen Truppen neuen Mut einflößen will. Aber einig waren sich beide in dein absoluten Vertrauen aus den endlichen Erfolg der von ihnen für gut und gerecht gehaltenen Sache. Es gibt einen Unterschied in dem Ton von heilte und dein, der an denselben Stellen vor etiva Jahresfrist angc- schlagen wurde. Es ist nicht mehr das alte, etwas übermütige Selbstbewußtsein. Der Sieg der Entente Wird nicht mehr für so über jeden Zweifel erhaben angesehen, daß es fast als eine Beleidigung des Nationalgefühls gelten könnte, die ad- solute Unmöglichkeit einer Niederlage näher zu begründen. Schließlich ist doch manches sehr viel anders gekommen, als London und Paris erwartet haben. Jedoch von irgend- welcher Geneigtheit zum N a ch ge b e n ist nicht die Rede. Die leitenden Staatsmänner Frankreichs und Englands sind nicht minder entschlossen, bis zum Siege durch- zuhalten, wie der deutsche Reichskanzler. Sie haben sich am 2. und 3. November genau ebenso zuversichtlich gegeben wie Bcthmann Hollweg am 19. August, und um auf Parlament und Volk etwas von ihrer Gewißheit zu übertragen, suchten sie eben die Dinge und Ereignisse, die in Deutschland Hofs- Illingen erwecken, von der anderen Seite darzustellen: Das russische Heer ist nur zurückgewichen, um sich zu neuem Vor- marsch zu rüsten, und die deutschen Truppen sind nicht im- stände, die schon vor einigen Monaten erreichte Linie zu über- schreiten; in Frankreich sind die Deutschen seit einem Jahre nicht vorwärts gekommen, sondern haben sogar an einzelnen Stellen vor den Alliierten weichen müssen; die Dardanellen- aktion war zwar an sich ein Mißerfolg, aber sie hat türkische Armeen festgehalten, die sonst im Kaukasus den Russen und in Mesopotamien den Engländern hätten gefährlich werden können, und was der Deutschen und Bukgaren Vordringen auf der Balkanhalbinsel angeht, so läßt sich da freilich ein Gefühl starken Mißbehagens nicht unterdrücken, allein es werden mit Eifer Gegcnmaßregeln getroffen, und wenn die Verbündeten die tapfer kämpfenden Serben nicht retten können, so werden sie sie wenigstens rächen. Man sieht, es konimt nur auf die Aufmachung an, und niögen wir nun auch die von Vriand und AsquitH beliebte Gruppierung und Beleuchtung der Tatsachen für irreführend, für widersinnig und lächerlich halten, so bleibt doch bestehen, daß England und Frankreich sich keineswegs schon als über- Wunden betrachten, daß sie an einen baldigen Frieden— wer sprach doch von dem Frieden noch vor Weihnachten?— nicht denken, ja, daß sie noch immer ans den Sieg ihrer Waffen hoffen. Träumt ihr den FriedenStag? Träume, wer träumen mag. Krieg ist das Losungswort, Sieg! Und so klingt es fort. Nun ist die Frage nur, wiedicscrSicgausseben soll, welche Bedingungen erfüllt, welche Ziele erreicht sein müssen, wenn die Ministerien und die Parlamente in London und Paris zum Frieden bereit sein sollen. Sieg ist ein relativer Begriff, in diesem Kriege mehr als in einem anderen, und schließlich müssen sich die Staatsmänner' unter diesem Worte doch etwas Bestimmtes und Greifbares vorstellen. Im Herbst 1914 hat AsquitH es auch mehrfach unternommen, sein Kriegsziel zu umschreiben.„Wir werden," so sagte er damals,„das Schwert nicht wieder in die Scheide stecken, bevor Belgien für alles, was es geopfert hat, und darüber hinaus entschädigt ist, bevor Frankreich gegen jede Angriffsdrolmng sichergestellt ist, bevor die Rechte der kleineren Nationalitäten von Europa auf eine unbedingt feste Grundlage gestellt sind und bevor die Militärherrschaft Preußens völlig und cnd- gültig zerstört wurde." Dieses Programm war unklar und phrasenhaft, aber cS war innner noch deutlicher, als wenn der englische Premier jetzt versichert, daß die englische Nation beute ebenso entschlossen sei wie je, den Krieg b i s z u m er- folgreichen Ende weiterzuführen, und alle Quellen zu erschöpfen bis„unser g e in e i n s a m e s höchstes Ziel" erreicht sei. Was ist das erfolgreiche Ende? Welches ist das höchste Ziel? Etwa die Zerschmetterung und Aufteilung Deutsch- lands? Oder nur die politische und wirtschaftliche Wiederherstellung Belgiens und die Herausgabe der okkupierten Provinzen der französischen Republik? EWas weniger verschwommen hat sich der neue Mann In Frankreich ausgedrückt:„Wir werden den Krieg bis ans Ende führen, das heißt bis zum Sieg, der den Feind aus allen besetzten Gebietsteilen hinaus- jagen wird, svwohl aus jenen, die unter der Besetzung erst seit mehreren Monaten leiden, wie auch aus jenen, die sie seit io vielen Jahren erdulden." Aber auch Briand verliert sich dann in die Wolken der Redensarten, wenn er weiter sagt:„Frankreich wird den Frieden nur dann unterzeichnen, wenn das Recht durch den Sieg lviederherge- sl e l I t ist, und wenn es alle Bürgschaften für einen d a u e r- haften Frieden erhalten haben wird." Wie wird das Recht wiederhergestellt, und welcher Friede ist dauerhaft? Man sollte meinen, daß nach fünfzehn Monaten des opfervollsten Krieges, den die Weltgeschichte je gesehen hat, die Staatsmänner eine präzisere Antwort auf diese Frage zu geben wüßten: daß sie den Völkern klarer sagten, wofür sie ihr Blut vergießen, welches Ziel man sich gesteckt hat, um welchen Preis man ringt. Vaterlandsverteidigung, Freiheit, Recht, Kultur— das alles genügt heute nicht mehr. Es sind Worte, bei denen sich der eine dies und der andere jenes denken kann, und es ist wahrlich an der Zeit, eindeutiger und gmcinverständlicher zu sprechen. Jedoch es sieht fast so aus, als fürchteten sich beide Par- teien, vor einander ihre Pläne zu verraten, denn es sind ja nicht Frankreich und England allein, die ihre ftriegsziele und Friedepsbedingungen in Nebel hüllen: die deutsche Rc- g i e r u n g hält nicht minder zurück, und auch sie hat sich, wo sie sich über den Zweck des Krieges äußerte, bisher auf Wen- düngen beschränkt, die vor Soldaten, die zu einem Sturm- angriff zu Mut angefeuert werden sollen, wohl am Platze sein mögen, die aber weder im eigenen Lande noch draußen die notwendige Klarheit über Deutschlands letzte Absichten ver- breiten. Eben erst wieder werden alle im Ausland kol- portierten Nachrichten über Friedenswünsche und Friedens- bestrebungen der deutschen Regierung amtlich für falsch er- klärt: Bülow ist in der Schweiz, um sich zu erholen, und Solf will in Holland nur liebe Freunde besuchen und einmal wieder gutes Weißbrot essen. Es ist auch nicht wahr, daß der Reichs- kanzler Hinz oder Kunz gegenüber die Erwerbung der bclgi- schen Maaslinie, die Annexion Kurlands und eine Kriegs- entschädigung von 30 Milliarden als Bedingungen des Friedens genannt habe. Schön, wir haben jetzt schon zwölf Monate lang gehört, was alles nickt wahr ist. Kann nmn es uns verübeln, wenn wir gern einnial hören möchten, war wahr ist, was die deutsche Regierung als Ziel des Krieges betrachtet? Es geht doch auf die Dauer nicht an, daß Schlackt auf Schlacht ge- schlagen wird, daß auf inimer neuen Kriegsschauplätzen die Heere gegeneinandergeführt werden, ohne daß die Völker er- fahren, was geschehen und was erreicht sein muß, damit des Friedens Glocken geläutet werden. Die anderen, so erwidert man uns, müsien um Frieden bitten, denn wir sind die Sieger. Aber leider fühlen sich die anderen nicht als die Besiegten, und so kommt man zu keinem Ergebnis. Der Krieg geht weiter ins Unendliche, weil beide Parteien sich scheuen, ihre Forderungen abzu- grenzen und auszusprechen, aus Furcht, die Bekanntgabe des Kriegszieles könne als Schwäche ausgelegt werden. Es kann dahin kommen, daß dieser Krieg mit der völligen Erschöpfung aller endet, weil keiner sagen wollte, unter welchen bestimniten Bedingungen er ihn zu beenden entschlossen sei. Soll das rerhindcrt werden, dann müssen die Regierungen endlich den Bereich der allgemeinen Redewendungen verlassen und sich zu ihrem positiven Programm bekennen, und sollten sie am Ende, durch die verschiedenen Wechselfälle des Feldzuges ver- wirrt, sich selbst kein klares Bild mehr von seinen Zwecken machen können, so sollen sie die Schleusen der öffentlichen Diskussion öffnen. Dann wird es bald Klarheit und, wie wir hoffen, bald Frieden geben. Der montenesrinische Sericht. Paris, 4. November. Amtlicher montenegrischer Bericht vom 3. November: Der Kampf südlich Visegrad dauerte am 1. No- vcmbcc an. Die Gesamtzahl der Gefangenen tvährcud der letzten Tage beträgt 300. Ter Feind hatte mehr als 800 Tote und Ver- mundete. Nach fürchterlichem Nachtlampse besetzte der Gegner den Troglaw._ Der französische Tagesbericht. Paris, 4. November. sW. T. B.) Amtlicher Bericht von gestern nachmittag. Dem letzten Bericht ist nichts hinzuzufügen. Orientarmee. Zwei Batterien griffen am 80. Oltober unseren Brückenkopf von Kriwolak an; sie wurden leicht zurück- geworfen. I» Fortsetzung von �Teiloperationen im Abschnitt von Strumica machten wir aus den Südabhängen der Grenzgebirgskctte Fortschritte. Dardan eilen- Expeditionskorps: Der Zeitabschnitt vom 20. Oktober bis zum 1. November war besonders ruhig. Er war nur durch gegcnseilige Minenexplosionen gekennzeichnet, in welchen wir die Oberhand behielren. Der Feind scheint darauf ver- zichtet zu haben, gegen unsere Linien seine Angriffe zu erneuern, ivelchc ihm bisher sehr große Verluste verursachten. Die Tätigkeit auf dem Meere war größer: Blockade der bulgarischen Küste des Aegäischen Meeres seit dem 16. Okmber durch die Flotte der Alliierten; am 21. Oktober Bombardement von Dedeagatsch, am 20. Oktober und am 29. Oktober Bombardement der militärischen Einrichtungen aus Gallipoli durch englische Monitore. Trotz Anbringung von Schutznetzen und festen Minen, welche die Türken in großer Zahl anbrachten, gelang es französischen und englischen Unterseebooten, die Meerengen zu durchfahren und ihre Vereinigung im Mamara- meer zu bewerkstelligen, wo sie die Bewegungen der lürkischen Schiffe und die Verproviannerung der türkischen Truppen auf der Halbinsel auf dem Seeweg besonders erschweren. Paris, 4. November.(W. T. B.) Amtlicher Kriegsbericht b o n g e st e r n a b e n d. An der Somme bei Frise zerstörten wir durch im rechten Augenblick zur Explosion gebrachte Gegenminen be- deutende Minenarbeilen des Feindes. Weiter südlich im Abschnitt von Beuvraignes Artilleriekampf und Kampf mit Schützengraben- kampfwerkzeugen, welcher besonders heftig war. In der Champagne suchte ein vom üblichen Bombardement mit Stickgasgranaten ein- geleiteter deutscher Angriff an unsere Stellungen südlich der Chaussonfarm im Abschnitt von Massiges zu gelangen. Die� Angreifer konnten nur in einige Stücke der vorgeschobenen Schützen- grüben an der Höhe 109 einzudringen. Wir warfen sie sonst überall zurück, indem wir ihnen empfindliche Verluste beibrachten. In den Logesen führte unsere Artillerie wirksame Feucrkonzentrierungen gegen die feindlichen Schützengrabenwerke im Violugebiet aus. Belgischer Bericht. Die feindliche Artillerie bekundete heute einige Tätigkeit und beschoß Furnes. Wulpcn, Perwyse, RouS- damme, Oostkerke und Noordschoote. Unsere Artillerie erwiderte, führte ein Vergcltungsfeuer aus und zerstreute feindliche Arbeiter an mehreren Stellen vor der Front. Der serbische Krieg. Von Richard Gädke. Berlin, 3. November. Unser ganzes Interesse wendet sich nach wie vor dem Fortgang der Ereignisse in Serbien zu. Allerdings ist der dritte Angriff der Italiener gegen die öfter- rcichische Südwestfront auch in der vergangenen Berichtswoche noch fortgesetzt worden, gegen die Isonzofront sogar mit verstärkten Kräften. Hatten sie das erste Mal 12, das zweite Mal 17 Divi- sionen eingesetzt, so sind in den letzten Oktobertagen schließlich 2Z Divisionen gegen die starke, kaum 80 Kilometer breite Stellung angestürmt. Ein Kräfteeinsatz, der vielleicht vor vier Monaten einen Erfolg herbeigeführt hätte, mußte jetzt vergeblich bleiben. Er hat nur die furchtbare Zahl der Opfer vermehrt, die die Zahl von 450 000 Köpfen bereits überschritten haben wird. Das italienische Volk muß die treulose und verfehlle Politik seiner Regierung teuer bezahlen. Uns aber kommt diese Erfahrung wahr- scheitilich zugute, weil sie eine eindringliche Warnung an die Adresse der Balkanstaaten bedeutet und im übrigen die Italiener abhält, sich in die Kriegführung gegen Serbien einzumischen. So tritt die unerschütterliche Verteidigung des österreichischen Heeres im Südwesten unserem dortige» Feldzug mittelbar hilfreich zur Seite. Gegen Ost wie gegen Südwest völlig gesichert, kann die Heeresgruppe Mackensen ihr Werk ohne Gefahr vollenden. Es ist natürlich nicht Aufgabe eines deutschen Berichterstatters, im Flusse der Ereignisse zu untersuchen, ob die italiemsch« Heerführung andere Wege und Mittel gehabt hätte, ihr Eingreifen in den Welt- krieg wirksamer zu gestalten. Wußte sie aber keine anderen Wege, dann war dieses Vorgehen nicht nur eine Torheit, sondern ein Verbrechen. Aufmerksam machen möchte ich darauf, daß es zur See im Mittelmeere beinahe ebenso steht wie im Atlantik und in der Nordsee; auch dort kommt die weit überlegene Flotte der Italiener, Franzosen, Engländer zur Unterstützung des italienischen Angriffs nicht in Betracht. Unmittelbar hat sie nur einmal in den Gang des Krieges einzugreifen gesucht: vor den Dardanellen, und hier mit entschiedenem Mißerfolge. Seitdem wirkt sie nur noch durch ihr Dasein selbst— und wer weiß, wie lange selbst diese bescheidene Wirkung noch dauern wird. In Frankreich wie in Ruhland herrscht der Stellungskrieg, nur wenig unterbrochen durch gelegentliche Vorstöße von der einen oder von der andern Seite. Zu einem allgemeinen, groß angelegte? Angriffe hat sich die russische Heerführung auch unter der nonn- nellen Leitung des Zaren nicht emporschwinge» können. Unter den„unerhörten Heldentaten", die der scheidende Großfürst Nikolaus ihr mit spöttisch-höflicher Verbeugung vor dem herrschen- den Neffen gewünscht hat, haben die deutschen Truppen bisher noch wenig zu leiden gehabt. Und schon werden wir wieder auf das kommende Frühjahr vertröstet— wie im Winter 1914! Eine gute Vorbedeutung für den schließlichen Ausgang dieser neuen Kraftanstrengung, mit der wir im Westen wie im Osten werden rechnen müssen. Auch die deutschen Angriffe in Frankreich wie in Nußland haben nur örtliche Bedeutung; sie zeigen außerdem der Welt, dcch unsere Kriegführung dort keineswegs passiv geworden ist, wie die Militärschriftsteller der feindlichen Länder ihre Völker möchten glauben machen. Mit großer Entschlossenheit toird die Offensive in Serbien fortgesetzt. Unsere Front im Norden hat nunmehr die Linie Grn. Milanolvac— Kragujewac bereits überschritten und steht über 70 Kilometer südlich der Donau. Die Serben werden gegenwärtig ihre noch verbliebenen Hauptkräfte hinter dem breiten Abschnitt der serbischen und bulgarischen Moratva versammeln. Auch die erste bulgarische Armee Bojadieff nähert sich von: Osten her dieser Linie, nachdem sie in hartnäckigen, erbitterten Kämpfen den Widerstand gebrochen hat, den ihr die Serben in richtiger Ab- schätzung der Lage gerade dort mit starken Kräften entgegengesetzt haben. Rechnen sie noch imnicr auf eine Hilfe von Süden her, dann müßten sie sich die große Bahn im östlichen Morawatale so lange als möglich erhalten nick» ihrer Hauptarmes den Rückmarsch in südlicher Richtung auf die griechische Grenze sichern. Jetzt ist am 27. Oktober Pirot genommen, Nisch ist schwer bedroht. Die zweite bulgarische Armee ist von Süden her im weiteren Vor- marsch und hat am 28. Oktober die Pässe von Katschanik gewonnen, am folgenden Tage serbische Gegenangriffe dort zurückgewiesen. Sie steht ihrerseits 140 Kilometer südlich der serbischen Morawa. So hat sich der Bewegungsraum des serbischen Heeres abermals beträchtlich verringert, damit aber zugleich seine Hilfsmittel an Lebensunterhalt und Schießbedarf. Besonders eine hinreichende Ergänzung des letzteren erscheint kaum noch möglich. Ob die serbische Hauptarmee den Kampf gegen Mackensens Scharen bisher nur mit starken Nachhuten geführt hat, wie be- hauptet wird, ist nach dem Gange der Ereignisse mindestens zweifelhaft; in jedem Fall aber wird man noch mit einer letzten verzweifelten Anstrengung der Serben rechnen müssen, um sich aus der Schlinge zu befreien, die sich immer enger um sie legt. Auch von Westen her, über Usegrad, dringen jetzt schwächere öfter- reichische Kräfte heran, die zwar nicht der ganzen serbischen Armee, wohl aber ihrem linken Flügel gefährlich werden können. Deren Los hängt nur noch von dem Eingreifen der Ver- bündeten ab. In dieser Beziehung ist die Lage noch immer ungc- klärt. Allerdings scheint man sich nach längeren: Schwanken ent- schlössen zu haben, der Expedition gegen Mazedonien freien Lauf zu lassen. Wir wissen aber nicht, wie weit die Ausschiffung der Truppen bereits gediehen ist, und noch weniger, mit welcher Sicherheit sie auf die wohlwollende Neutralität Griechenlands rechnen können. Dieses hat seinen Protest gegen die Besetzung Salonikis in aller Form erneuert. Wenn auch nur die Möglich- keit vorhanden ist, daß seine Haltung unfreundlich wird, dann kann das englisch- französische Heer keinen Schritt landeinwärts tun, ohne sich der schwersten und dringendsten Gefahr auszusetzen. Inzwischen siird die Verbündeten anscheinend noch nicht einmal über den Oberbosehlshaber einig und ebensowenig über das Stärkcverhältms der englischen zu den französischen Truppen; jeder uröchte hier gern dem andern den Vortritt lassen, denn beide nrüssen ihre letzten Reserven zusammenkratzen, um dieses neue Abenteuer einleiten zu können. Daß ihre Vortruppen auf serbischem Gebiete eingetroffen sind, kann wohl nicht mehr bezweifelt werden; sie scheinen aber bei Va- landowo am Wardar, nur 32 Kilometer von der griechischen Grenz«, in der Tat unglücklich gefochten zu haben. Auch der Rückstoß der Serben gegen Veles, 68 Kilometer nordwestlich ValandowoS an der Bahn Saloniki— Nisck, bat nach einem Augenblickserfolg mit dem endgültigen Verlust der Stadt geendet. Der wichtige Punkt be- findet sich also wieder in der Hand der Bulgaren und somit steht dem Hilfeversuch'der Alliierten ein bisher ungebrochener Riegel gegenüber. Es mag sein, daß auch augcnkilicktich noch nicht jede Hoffnung für diese geschwunden ist, beträchtliche Teile deS lveichen- den serbischen Heeres ausnehmen und vorläufig rette» zu können. Aber jeder Tag verringert diese Aussichten, die an sich nicht groß sind. Soweit wir heutzutage die Lage übersehen können, bleibt es am wahrscheinlichsten, daß das serbische Hauptheer nicht nach Süden, sondern wenn überhaupt, nur nach Südwesten gegen die montenegrinische Grenze zu seine Rettung wird suchen können. Diese Rettung aber kann den schlicßlichen Untergang nur etwas verzögern. Aber selbst wenn beträchtliche Teile nach Süden entkommen sollten, hängt ihr letztes Schicksal von dem Verhalten Griechenlands ab, das dann Farbe bekennen muß. Wie man die Sache also auch betrachtet, stellt sich die Frage des serbischen Heeres als sehr un- günstig dar— ein ganz unwahrscheinlicher Schlachtenerfolg aus- genommen. Immerhin können wir hier zu Hause noch nicht über- sehen, binnen welcher Zeit sich das Schicksal Serbiens erfüllen wird; jede Voraussage darüber wäre verfrüht, weil sie der not- wendigen, tatsächlichen Unterlagen entbehrt. Die vorstehende Da» stellung hat gezeigt, daß immerhin noch eine Reihe von unbekarrnten Größen in dieser Gleichung vorhanden ist. Lassen wir also die Ereignisse selber sprechen. Allzulange wird es ja nicht mehr dauern, daß sich die Lage auf diesem Kriegsschauplatz genügend aufklärt, um uns auch ein abschließendes Urteil zu gestatten. Meldung der italienischen Heeresleitung. Ziom, 4. November.(W. T. B.) Kriegsbericht vom 3. November. Der Feind, der in der Eile Verstärkungen er- halten hatte, versuchte durch hartnäckige Gegenangriffe unsere Offensive aufzuhalten und überdies die wichtigen von uns eroberlen Stellungen zu nehmen. Die Angriffe, die zumeist nachts mit großer Wucht ausgeführt wurden, brachen sich an dem festen Widerstand unserer Truppen und hielten den Elan unserer Truppen nicht auf. Die erwähnten Aktionen fanden in der Nacht vom 1. zum 2. und am folgenden Morgen statt auf dem Sextenstein, an der Rienztal« spitze auf dem Mrzli, in der Zone des Monte Nero, bei Zagora, im Plavaabschnitt längs der Hänge des Monte San Michele und auf dem Karst. Ueberall wurde der Feind mit schweren Verlusten zurückgeschlagen. Am gestrigen Tage erzielte unsere Offensive einige neue Erfolge. Bei Zagora begann man mit der Besetzung der hochgelegenen Häui'er des Dorfes. 72 Ge». fangene wurden eingebracht. Aus den Höhen westlich Görz spielte sich ein erbitterter Kampf in der Umgebung des Dorfe« Oslavia ab; 317 Gefangene, darunter 4 Offiziere, blieben in unseren Händen, sowie Waffen und Munition, deren Menge noch nicht bestimmt ist. Auf dem Karst vermochte unsere von der Artillerie wirksam unterstützte Infanterie nach heißem Kampf noch zahlreiche andere Schützengräben zu nehmen, welche das steile Plateau in jeder Richtung durchschneiden. Es wurden etwa zwanzig Gefangene gemacht und zwei Maschinengewehre und reichliches Kriegsmaterial erbeutet. Trotz der ungünstigen Wittcrungsverbältniffe dauern die Aktionen unserer Flieger fort. Indem sie dem Feuer zahlreicher Abwehrgeschütze auswichen, bombardierten sie wirksam die scind- lichen Lager, Schützengräben, Bahnlinien und Bahnstalionen. _ Cadorua. Kämpfe in Kamerun. Paris, 4. November.(W. T. B.) Amtlich. Trotz lebhaften Widerstandes des Feindes, welcher schwere Verluste erlitt, bemächtigte sich eine französische Kolonne am 25. Oktober de? Postens Sende an der Eisenbahnlinie Duala— Jaunde, von der im Augenblick des Kriegsbeginns 170 Kilo- rneter fertiggestellt waren. Unsere Verluste an Europäern waren gering. 26 Eingeborene wurden getötet, 79 verwundet. Wir setzten unsern Vormarsch fort und bemächtigten unS«n 30. Ok- tober Efeka. Die Deutschen zogen sich mit starken Verlusten in Richtung Jaunde zurück und zerstörten einen Teil der Eisen-, bahnstrecke, welche wir wiederherstellten. Notiz: Hierzu wird dem W. T. B. mitgeteilt: Die Station Sende(oder wie die deutsche Ortsbezeichnung lautet, Bidjoka) der Mittellandbahn, ebenso Efeka an der gleichen Bahnlinie, befanden sich bereits vor Monaten in französischem Besitz. Nach schweren Kämpfen am 3. und 4. Mai d. I. hatten die deutschen Truppen die Station Bidjoka und am 11. Mai Efeka der ftanzö fischen Uebermacht überlaffcn müssen. Der Ende desselben Monat» ein- setzende deutsche Gegenangriff warf jedoch die an der Mittelland- bahn vorrückenden Franzosen sowie die gleichzeitig mit ihnen auf der Straße Edea— Jaunde vordringenden Engländer unter schwersten Verlusten auf die Kele— Ngwe-Linie zurück; Bidjoka und Efeka wurden von der Schutztruppe wieder besetzt. Wie nach- haltig dieser deutsche Erfolg war, bewerft der Umstand, daß erst jetzt, also nach viermonaftgen Kämpfen, es den feindlichen Truppen gelungen ist, ihre Stellung bei Efeka wieder einzunehmen, falls die frcmzösffche Meldung überhaupt richtig ist. Vertrauensvotum für öas neue franzKflfche Ministerium. Paris, 3. November. Briand fuhr in seiner Erklärung fort: Die Lösung der Frag« einer Erleichterung der Zensurvorsch reiften wird dadurch möglich, daß die Presse gewillt ist, im Interesse der Landes- Verteidigung die Kontrolle, die sie selbst verlangt, anzunehmen. Die Regierung wird gemeinsam mit der Presse für die Anwendung der Gesetze die in einer Demokratie zwischen Freiheit und Autorität notwendigen Konzessionen finden. Wir werden unsere Kraft gleichzeitig aus der nationalen Meinung und aus dem Vertrauen des Parlaments schöpfen, das die Quelle unserer Autorität ist. Wir wenden uns an Ihre Mitwirkung, die uns wertvoll sein wird. Wir wissen, daß es Ihre Sorge ist, das Vorgehen der Regierung zu unterstützen. Diese ist ihrerseits bereit, ihre Aufgabe zu erfüllen und alle Verantwortung zu übernehmen. Es wird ihr am Herzen liegen, die Kontrolle deS Parlaments über ihre Handlungen zu erleichtern.� Sic wird jede Gelegenheit ergreifen, um das Parlament aufzuklären, indem sie durch regelmäßige Zusamnicnarbeit, sei es mit den Ausschüssen des Parlamentes, sei es mit dem Parlamente selbst, alle Aus« künfte gibt, auf die das Parlament ein Recht hat. So wird sich auch weiterhin die Einigkeit der Nation, des Paria- menteS und der Regierung bekräftigen. Durch sie we» den wir den Krieg zu Ende führen, das heißt bis zu dem Siogc, dcr den Feind aus allen besetzten Gebieten vertreiben wird, sowohl aus denjenigen, die seit mehreren Monaten unter dem Einfall leiden, wie auch aus denjenigen, die sie seit so vielen Jahren ertragen. Frankreich störte den Frieden nicht, indem es allen Herausforderungen widerstand. Es tat alles, um de» Frieden zu erhalten. Es ist das Opfer eines vorbedachten An- griffes, den kein Sophismus jemals wird rechtfertigen können. Rkan zwang ihm den Krieg auf, den es furchtlos annahm. Es wird erst cinlialten, wenn der Feind zur Ohnmacht niedergerungen sein wird. Frankreich wird den Frieden erst nach der Wiederherstellung des Rechtes durch den Sieg, erst wenn es alle Gewähr für einen dauerhaften Frieden erhalten haben wird, unterzeichnen. Dieses Ziel werden die Völker durch ihre praktische und enge Solidarität erreichen, die ihren Zu. sammenschluß täglich fester knüpft und die jetzt wieder durch de» Beitritt Japans zum Abkommen vom 5. Septem. bcr 1914 verstärkt wurde, wodurch die Mächte die feie» liche Verpflichtung eingingen. keinen Sonderfrieden zu schließen. Aber wir sind der Ansicht, daß das Jneinklang- bringen der Anstrengungen der alliierten Nationen noch voll» konimeiier und schneller sein kann und sein muß. So schwer es auf verschiedenen und so entfernten Schauplätzen durchzuführen sein mag, sind wir doch entschlossen, es durch engere und immer intimere Führung zu verwirklichen, ochon gestatteten es die Reisen des Generals Joffre nach Italien und England, und der Empfang, der ihm bereitet wurde, und die zwischen den General- stöben gefaßten Entschlüsse den alliierten Nationen, ihre gegen- lvärtige und zukünftige Handlungsweise einander anzupassen. Dem Rufe Serbiens Folge gebend, eilte Frankreich ihm sofort zu Hilfe. Wir sind mit der englischen Regierung völlig einig über die Führung dcr militärischen Unternehmungen mjf dem Balla«. Frankreich und seine Verbündeten werden die heldenhafte Nation, deren Widerstand die Welt zur Bewunderung zwingt, nicht im Stiche lassen. Das augenblickliche Unternehmen Deutsch- lands auf dem Balkan bezeugt den Mißerfolg seiner Be- mühungen auf den Hauptkriegsschauplätzen. Weil seine Offensive auf der französischen und russischen Front gebrochen wurde, unter- nimmt es jetzt diesen ablenkenden Schritt. Es sucht dadurch die Meinung der Welt in Atem zu halten, für die so viele Monate verstrichen sind, ohne daß die von einer zügellosen deutschen Pro- paganda angekündigten Erfolge eintraten und sich die Anzeichen der Schwäch« unter dem Anschein der Äraft zu enthüllen beginnen. Deutschlands Hoffnungen werden enttäuscht werden. Die Mittelmächte werden ihre Niederlage hinausschieben, aber sie nicht verhindern können. Wir dagegen sind entschlossen, bis ans Ende zu gehen. Unsere Feinde dürfen aus keine Mattigkeit und Schwäche unsererseits zählen. Nachdem wir unsere Aufgabe ermessen haben, so hart sie auch sein mag, wollen wir sie bis zu ihrem notwendigen Abschluß fortsetzen. Wir haben den Willen zu siegen, tvir werden siegen. In der Debatte billigte der Sozialist Baronowski die Er- klärung der Regierung und erklärte, die Abgeordneten würden der Regierung folgen, wenn es wirklich eine starke Regierung sei, welche regiere. Der Redner bat die Regierung dringend, einen Kriegsrat zu errichten, welcher es den Alliierten gestatten würde, einen gemeinsamen Plan zu verfolgen. Er fordert schließ- lich die Einführung geheimer Sitzungen. Rameil interpelliert über die Handhabung der Zensur. Der Liberale Constant fragte, welches die Absichten der Regierung seien bezüglich der in Frankreich gebliebenen Oesterreicher und Deut- schen. Der Sozialist R e n a u d e l griff die Einwendungen wieder auf, welche gegen die Methoden der parlamentarischen Arbeit ge- macht worden waren. Er trat für Beständigkeit und Einheit in der Leitung der militärischen und finanziellen Unternehmungen ein. Der frühere Minister Berard erklärte, er habe Vertrauen zu Briand, der von Männern umgeben sei, welche die Ehre des Landes verkörperten.— Briand antwortete den Interpellanten und erklärte, daß man alle Gefühle kenne, welche seit dem Krieg im Lande wach geworden seien. Das Land, welches in den grau- samsten �Stunden den Kopf hoch getragen habe, fürchte nicht, daß seine größten Interessen öffentlich erörtert würden. Briand spendete denen Lob/ welche in tragischen Stunden die Verantwortung trugen, und verlangte ein st immiges Vertrauen, das notwendig sei, um mit Nutzen zu regieren. Briand bestätigte, daß demnächst eine Vereinbarung betreffs der Zensur getroffen werden würde. Er schloß mit den Worten: Es »rnn keine Unstimmigkeit unter uns geben. Nur ein vollständiger Sieg kann uns befriedigen. Um zu dem vielleicht fernen Augenblick zu gelangen, wo wir einer Friedensfrage gegen- überstehen, werden, müssen wir erst siegreich gewesen sein, müssen wir die dem Schöße Frankreichs entrissenen Provinzen erst zurückerhalten haben, werden Völker, wie die gemarterten Belgier, echt vollständig wieder ausgerichtet sein müssen. In diesem Kriege ist Frankreich der Vorkämpfer der Welt. Es kämpft sür� Zivilisation und Freiheit. Ein dauerhafter Friede kann der Welt erst gegeben werden, wenn Frankreich und seine Alliierten die Freiheit der Völker wieder erobert haben. Die Kammer be- schloß, die Rede Briands öffentlich anschlagen zu lassen, und nahm mit 6ö1 gegen eine Stimme eine Vertrauens» tagesordnung für die Regierung an. »» « französische Presiesiimmen. Paris, 4. November.r 1' n 9 betragen wird. Wie geivöhnlich, wird A s q u i t h die Vorlage einbringen, sich aber dabei auf die Besprechung der sinanziellen Aussichten beschränken. Trotzdem wird die Gelegenheit zu einer neuen Debatte über den politischen und mtlitarischen Zustand benutzt werden. Fum rusilschen LNinisterwecksel. Die Agenzia atefani dementiert nach einer Depesche aus Petersburg die Gerüchte über den Rücktritt des Ministers des Aeußercn L-sasonow. Sesiechungsgelöer ües Vierverbanües in Sulgarien. Sofia, 4. November.(53. T. B.) Das Regierungsblatt „Narodni Prava' bringt eine eingehende Aufstellung der Bestechungssummen, die im Laufe des Monats Sep- tember von den Agenten des Vier Verbandes an verschie- den« bulgarische Politiker gegeben wurden, die für einen Krieg gegen die Türkei agitierten. An die erwähnten Personen wurden 1 voll 000 Fr. ausgezahlt, ferner im Laufe des Monats September und bis zum 1s. Oktober mehrere Schecks im Betrage von 2 740 000 Frank an einen Bauernbündler, endlich an andere Personen Be- träge von rund 18 000 000 Fr. Das Blatt teilt mit, daß eine Untersuchung eingeleitet wurde. Gegen Dienstverweigerungs- Propaganda. Aus A m st e r d a m schreibt man uns: Ein vor einiger Zeit erschienener Aufruf zur Verweigerung des mililärischen Dienstes, zu dessen Unterzeichnern außer.christlichen Anarchisten' und Anhängern verwandter Gruppen auch mehrere Parteigenossen, hauptsächlich toistoianisch angehauchte Prediger gehören, hat hier und da einige Konfusion augerichtet. Da andererseits auch die Absicht einer behördlichen Verfolgung und Maßregelung der Unterzeichner bekannt geworden ist, hat sich die Parteileitung der holländischen sozial- demokratischen Arbeilerpartei zu einer öffentlichen Erklärung ver- anlaßt geiehen, die auf die völlige Uglauglichkeit individueller Dienstiveigerung zur Belämpsung des Militarismus hinweist und die individuelle Revolte gegen den Staat überhaupt ablehnt. Die Erklärung betont auch die von allen sozialistischen Parteien ver« trerene Forderung der allgemeinen Volksbewaffnung zur Verleidigung der nalionalen Selbständigkeit und für Holland im besonderen die Notwendigkeit der Mobilisation, um das Land außerhalb deS Welt- krieges zu halten. Die Parteileitung spricht den Parleigenoffen unter den Unterzeichnern ihr Bedauern aus, wendet sich aber gleich- zeitig gegen Verfolgungen und Maßregelungen, die nur die Sympalhien für das Manifest stärken würden. Die Regierung möge das Manifest dem Urteil deS gesunden Menschenverstandes des holländischen Volks überlasten. Srauchen wir öen Reichstag! Der Reichskanzler hat die sofortige Einberufung des Reichstages niit der Begründung abgelehnt, daß die Paria- mentstagung nur das Reichsamt des Innern in seinen wich- tigen Arbeiten zur Volksernährung stören würde. Leider sind die Beschlüsse der Regierung in der Lebensmittelfrage bisher keineswegs so praktisch und durchgreifend gewesen, daß wirk- lich eine derartige Rücksichtnahme auf das Reichsamt weiteren Kreisen notwendig erscheinen wird. Wir erwarteten vielmehr, daß der Reichstag dem Reichsamt seine Aufgabe erleichtern würde, zumal wohl nicht ohne Grund behauptet wird, daß die Vorschläge des Reichsamt des Innern durch andere Regierungsstellen wieder teilweise durchkreuzt würden. Die tatkräftige Unterstützung durch den Reichstag sollte daher dem Reichsamt des Herrn von Delbrück nur willkommen sein. Wenn der Reichskanzler weiter in seiner Antwort mitteilt, der Reichstag würde ja doch bereits Ende November ein- berufen, so geht daraus zunächst ersreulichenveise hervor, daß frühere Meidungen über Hinausschiebung der Reichstags- tagung bis zum 9. Dezember der Grundlage entbehren. Aber die weitere Rechnung, eine sofortige Einberufung würde den Zusamnientritt nur um acht Tage beschleunigen, scheint uns nicht ganz einwandfrei. Selbst wenn das„sofort' erst den 10. oder 15. November bedeuten sollte, wäre der Reichstag immerhin 2 bis 3 Wochen früher zusammen als als beabsichtigt. Nun sind die Fragen der Volksernährung und des Belagerungszustandes so wichtig, daß jeder Tag, um den die Entschlüsse beschleunigt lverden, für die Volksgesund- heit und die Voiksfreiheit einen großen Gewinn bedeutet. Die bürgerliche Presse, die gegen die Forderung der so- fortigen Einberufung Bedenken erhoben hat, sucht denn auch nach weniger formalen Einwänden. Dr. Oertcl in der „Deutschen Tageszeitung' meint, daß in der Presse und in Versammlungen genug Gelegenheit geboten sei, die Forderungen an die Regierung zu begründen. Wir waren nicht wenig erstaunt, ein derartiges Urteil zu lesen. Auch dem Abg. Oertel ist doch bekannt, daß mehrere Blätter wegen ihrer Kritik zur Lebensmittelversorgung verboten, viele andere durch die Vorzensur an freien Aeußerungen gehindert worden sind. Im übrigen meint Dr. Oertel, die Regierung tue doch bereits ihre Pflicht. Aehnlich schreibt auch die „Kölnische Volkszeitung': „Im Uebrigcn könnte der Reichstag ivohl Kritik üben an der Haltung des Reichsamls des Innern, an der verspäteten Jnangriff- nähme und Zlussührung der Maßnahmen, an ihrer Halbheil und Planlosigkeit, wie es von der Presse schon geschehe» ist. Aber ein- mutige positive Angabe der maßgebenden Gesichtspunkte würde sich doch nur sehr schwer erzielen lassen. Alle Vollmackiten zu praktischen Maßnahmen hat der Reichstag be- reits bei seiner letzten Tagung der Regierung übertragen.' Es ist leider richtig, daß sich der Reichstag in blindem Vertrauen auf die Regierung vieler Rechte begeben hat; aber die Verhältnisse auf dem Lebensmittclmarkt werden hoffentlich bei den ReichStagsmitgliedern den Willen gestärkt haben, nicht alles der Regierung zu überlassen, sondern selbst einzugreifen. Da auch die„Kölnische Volkszeitung" und die„Deutsche Tageszeitung' die Maßnahmen der Regierung scharf kritisiert haben, entspringt ihr Widerstand gegen die sofortige Reichs- tagseinberufung wohl nur der Furcht, es könne auf der Reichs- tagstribüue der jetzigen Stimmung der Massen zu lebhaft Ausdruck gegeben werden. Wir vermuten, auch der Regierungs- tvidcrstand erklärt sich hieraus, und man beabsichtigt, durch neue Verordnungeil erst wieder eine gewisse Beruhigung der Geister zu schaffen. Diese Abneigung gegen eine Kritik in öffentlicher Reichstagssitzung spricht die„Deutsche Tageszeitung" übrigens ganz offen aus, soweit die durch den Belagerungszustand und die Pressezensur gekennzeichnete politische Situation in Frage kommt. Auch w i r würden es lieber sehen, wenn diese Kritik vermieden werden könnte. Aber die Erfahrung der vierzehn Kriegsmonate hat nun einmal leider gelehrt, daß ohne öffentliche Kritik die Mißstände, die von allen Seiten zugegeben werden, nicht zu beseitigen sind, Wenn die„Deutsche Tagesztg.' trotzdem diese notwendige Kritik nicht wünscht, dann ist das nur so erklärlich, daß sie trotz eigener böser Erfahrungen die Verhältnisse noch immer erträglich findet und jedenfalls nicht so sehr darunter leidet wie die sozialdemokratische Presse. Entweder ist die„Deutsche Tageszeitung" der Meinung, daß„es nachgerade Zeit geworden ist, die Erörterungen gewisser Dinge frei zu geben", und dann muß sie mit uns für diese Forderung in allen ihren Konsequenzen energisch eintreten; oder sie fügt sich freiwillig in den gegenwärtigen Zu- stand und dann können ihre Wünsche nach Besserung nicht ernst genommen werden. Wir sind jedenfalls der lieber- zeugung, daß das Volk ein Recht darauf hat, als ein mündiges Volk behandelt zu werden, und daß daraus keinerlei Schaden, sondern nur Vorteile gerade mit Rücksicht auf das Ausland entspringen können. Das tägliche Srot. Regelung öer Milch» unö Schweinefleisch» preise. Der Bundesrat hat heute eine Verordnung über die Milch preise und den Nlilch verbrauch erlassen. Danach sind Gemeinden berechtigt, Höchstpreise für Milch beim Verkaufe durch den Erzeuger, sowie im Groß- und Kleinhandel festzusetzen. Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern sind zur Festsetzung von Höchstpreisen im Kleinhandel verpflichtet worden. Für die Festsetzung ist die Zustimmung der Landeszentralbchördc nötig. Der Reichskanzler kann allgemeine Anordnungen über die oberen Grenzen der Festsetzungen treffen. De» Gemeinden ist ferner die Pflicht auferlegt worden, die nötige Milch für die Versorgung von Kindern, Kranken und stillenden Müttern sicherzustellen. Sie können das durch Einrichtung eigener Verkaufsstellen, durch Ver- einbarung mit Landwirten und Milchhändlern, durch Ausgabe von Bczugsbercchtigungen(Milchkartcnj, durch Regelung des Milchver- kaufs zu bestimmten Stunden oder sonst in geeigneter Weise tun. Ferner hat der Bundesrat durch eine Verordnung die Preise für Schlachtschweine und Schweinefleisch geregelt, und zwar hat er hier die Höchstpreise auf den Haupt- markten für Schlachtschwcine festgesetzt und einen Höchstzuschlag für Schweinefleisch und frisches Fett bei der Abgabe an den Ver- braucher festgelegt. Die Höchstpreise für Schlacht- schweine betragen danach für Berlin auf 50 Kilogramm Lebendgewicht bei Schweinen im Lebendgewicht unter 00 Kilogramm 70 Mark, von 00 bis 80 Kilogramm 85 Mark, von 80 bis 100 Kilogramm 100 Mark, bei Sauen 95 Mark; bei Schweinen mit höherem Schlachtgewicht ist eine entsprechend er- höhte Staffelung der Preise vorgesehen, um durch die zunehmende Spannung die Aufzucht des Fcttschweins zn begünstigen. Der Höch st preis für des Pfund frischen Schweine- fleischs wird in Berlin 1,40 Mark, für das Pfund frischen Fetts 1,80 Mark betragen. Da der Schlacht. schwcincprcis nach dem Lebendgewicht bestimmt werden mußte, so dürfen jetzt Schweine im allgemeinen nur nach Lebendgewicht ge- handelt werden. Es sind weiterhin Bestimmungea getroffen, die den Behörden das Recht geben, den Markt und die Zufuhr frische» Schweinefleischs von außerhalb zu regeln sowie die vorhandenen Schweinebcstände auf die Schlächter zu verteilen. Endlich ist den Gemeinden das Recht gegeben, die Uebcrlassung nach Marktschluß unverkäuflich bleibende Schweine zu einem 5 Mark niedrigeren Preise als dem Höchstpreise zn verlangen. Schließlich hat der Bundesrat feine Verordnung vom 25. Sep- tember 1915 über Preisyrüfungsstellcn und VerforgnngSregelung, soweit sie die Bersorgungsregelung betrifft, erheblich erweitert. Während die bisherige Fassung den Behörden und Gemeinden Be- fugnisse zur Einwirkung nur gegenüber dem Handel und dem Gc- werbe gab, steht ihnen diese Einwirkung nunmehr auf auf Er- zeuger und Hersteller des notwendigen Lebensbcdarfs— z. B. Molkereien— zu. Weiterhin gibt die Verordnung den einzelnen Regierungen die Möglichkeit, Erzeuger und Hersteller sowie Händler zwangsweise zu Bcrsorgnngsverbändcn zusammenzuschließen. Da- nach können beispielsweise Landwirte eines größeren Gebiet» zur Milch- und Flcischvcrsorgung, Molkereien zur Buttervcrsorgung einer Großstadt, Händler zur Kartoffclversorgung eines Industrie- gcbicteS zusammengxfchlosscn werden. Woher kommt die Teuerung? Die Kokonialwarengroßhandlung Hensclu. Haenert, Aktiengesellschaft in Halle, kann ihre Dividende von 6 auf 15 Proz. erhöhen._ In Wien wie anderswo: Am 14. Mai 1915 ersuchte die Ge- meinde Wien die Regierung um Beschlagnahme der von der Firma Stein in Kühlhäuser eiiigelagerten 48 000 Fasane für den Wiener Konsum. Am 12. Oktober wurde das Gesuch erledigt. In diesen fünf Monaten hat die Firma weit über 47 000 Fasane zu ihren Preisen verkauft. Jetzt lagern noch 300 Stück. Letzte Nackrichten. Aus der Haft entlassen. Stuttgart, 4. November.(T. II.) Der sozialdemokratische Landtagsabgeordnete West meyer, der zwölf Wochen in Karlsruhe in Untersuchungshaft verbrachte, ist gestern aus der Haft entlassen lvorden. Angriffe auf die englische Negierung. London, 4. November.(W. T. B.) Im Oberhaus hielt gestern Lord Willoughby de Broke eine Rede gegen die Regierung und den Premierminister. Später kam es zu einer Debatte über die Zensur. Lord Morley sprach als erster Redner gegen die Art, wie die Zensur gehandhabt werde.__ Französische Niederlage in Mazedonien. Köln, 4. November.(W. T. B.) Die„Kölnische Zeitung' meldet aus Sofia: Nach sicheren amtlichen Mitteilungen sind die französischen Landungstruppen jetzt nordöstlich von Prilep von Bulgaren, die von Gradske und Negotin(Mazedonien) her augegriffen hatten, vernichtend geschlagen und teils zersprengt, teils gefangengenommen wurden. Die französischen Gefangenen sind schon in Küstendil angekommen. Verhandlungen der Deutschen Neichselnkalifskommlssion mit der bulgarischen Regierung. Sofia, 4. November.(T. U.) Die hier tätige Deutsche Reichs- einkoufskommffsion steht in eifrigen Verhandlungen mit der Re- gierung, die bald einen günstigen Abschluß erreichen werden. Die Regierung wird von den großen bulgarischen Vorräten an Futtermitteln und Hülsenfrüchten betmchtlich« Mengen abgeben.___ Vom II-Bootkricg. London, 4. November.(W. T. V.)(Meldung des Reutcrschen Bureaus.) Lloyds berichtet aus MiddlcÄborough: Der englische Dampfer„Friargate" mit 204 Bruttotonnen wurde versenkt. Fünf Mann von der Besatzung sind gelandet worden. Organisationen zur Prüfung durch den Krieg verursachten „Kapital-Arbeit", dieses einzige Gewerksthastliches. Wiederbelebung der französischen Gewerkschaftsbewegung. Aus Amsterdam wird uns geschrieben: Ein Aufruf des französischen Allgemeinen Arbeiterverbandes an die angeschlossenen Berufsverbände und Arbeiterbörsen fordert die organisierte Arbeiter schafl auf, eine Reihe von Fragen, die die Ar- beilerbewegung in hohem Matze betreffen, schon jetzt in Erwägung zu ziehen. Denn.das gewerkschaftliche Leben kann nicht stehen bleiben, nichts von dem. was gestern unsere Zukunfts- Hoffnungen, unsere Erwartungen einer verbefferten Existenz darstellte, darf verschwinden.' Darum ist eine erböhte Tätigkeit für bestimmte Ziele Vonnöten. Sie ist auch das beste Mittel gegen die moralische Depression, die Ursache der Schwäche. Das Selbst vertrauen mutz wieder erwachen. Die vom Verbandsvorstand den unterbreiteten Fragen sind: 1. Die Ersatzleistung für die Schäden. „Wir sind der Meinung, datz das Eigentum der Proletarier, von der Entschädigung nicht ausgeschlossen werden darf.' 2. Die Probleme der Reorganisation der Arbeit und die geeigneten Bedingungen einer fortschreitenden Entwicklung der französischen Industrie. 3. Die Frage der fremden Arbeiter. Der Mangel an Arbeitskräften auS dem Inland wird fich nach den Menschenverlusten des Krieges noch stärker geltend machen. Da- her ist der Appell an fremde Arbeitskräfte auf erweiterter Stufen- leiter nötig. Schon hat die Werbearbeit im Ausland begonnen- Wenn es die Absicht der Gewerkschaften nicht sein kann, sich der Heranziehung von Ausländern zu widersetzen, so ist doch eine Reglementierung der Einwanderer nötig, die für die gelten« den Löhne und das freie Funktionieren der Gewerkschaften Bürg- schaften gibt. Die Arbeiterklasse, die bedeutende Opfer gebracht hat, mutz das Recht bekommen, sich frei auf dem Boden ihrer Klaffen- interesien zu organisieren, ohne datz das Unternehmertum ihr andere, unorganisierte Proletarier entgegenstellt, die durch ein völliges Fehlen von Freiheiten und Bürgschaften im Zaum gehalten werden. Die Einwanderung von fremden Arbeitern mutz also unter Mit- Wirkung der Arbeiterschaft und unter Kontrolle der Staaten geregelt werden.„Die Einwanderer müssen nach Einvernehmen der Zentralorganismen der Arbeiterschaft der verschiedenen Länder, unter der Auft'icht und gegenseitigen Bürgschaft jedes Staates für seine Angehörigen rekrutiert und nach den Produklions« stätten gebracht werden. Eine Lösung derEinwanderungs« frage auf einer anderen Grundlage als der der P r i n z i p i e n des Internationalismus würde uns unbeachtet lassen und fich gegen uns richten. 4. Die Frage der Lebensmittelteuerung, der Wohnungsmieten, der Kriegspensionen usw. Die Einzelheiten dieses Programms mögen der Kritik unter- warfen sein. Es ist z. B. schwer auszudenken, welche Ersatzleistung für die durch die Arbeiter an ihrer Arbeitskraft erlittenen Kriegs- schäden die Verfasser des Aufrufs von der Bourgeoisie und ihrem Staat erwarten. Das Wort vom.Kapital-Arbeit' schmeckt noch stark nach Proudhonianischer Konfusion. Von grotzer Wichtlgkeit ist indes die Ankündigung selbst, die Gewerkschaftsaktion schon jetzt, im Kriege, kräftig aufzunehmen und autzerordentlich bedeutungsvoll ist die Betonung der Wiederaufnahme der Be- ziehungen mit den Organismen derGewerkschafts- internationale. Auch sonst zeigt der Aufruf, daß die �französische Gewerkschaftsbewegung an Tiefe und Klarheit zunimmt und datz sie— z. B. in der Forverung der Staalskontrolle über die Einwanderung— ebenso über den dogmatischen Anarchismus hinaus fortgeschritten ist, der einmal eine Rolle in ihr gespielt hat, wie sie trotz des Krieges und der täglichen nationalistischen Pretzhetze jedes Wort der Gehässigkeit oder der Leidenschaft, ja auch nur des Vor- Wurfs gegen die Genoffen des Auslandes vermeidet. Man hat bis in die letzte Zeit so manche irreführenden Artikel und Reden gelesen. die glauben machen konnten, datz die französische Arbeiterschaft vom patriotischen Rausch völlig ergriffen sei und an nichts denke, als Tag und Nacht unter dem Segen des Burgfriedens Kanonen und Mu� nilion zum Vernichlungswerk zu produzieren, und nun kommt dieser Aufruf zur rechten Zeil, um die im Ausland gegen die französischen Arbeiter laurgewordenen Beschuldigungen ebenso zu widerlegen wie Lobsprüche der vom Kriegsfieber die ergriffenen Minister.. veutstdes Heid). Polizeiina �nahmen gegen Gewerkschaftsvertreter. Mitglieder des Bauarbeiterverbandes und des Zimmerer- Verbandes, die bei der Firma Helff u. Heinemann in Köln be- fchäfligt sind, veranstalteten am l9. Okiober eine sogenannte Bau- besprechung, zu der nur die bei der betreffenden Firma tätigen Mitglieder der beiden Gewerk- schasten eingeladen und erschienen waren. In dieser Versammlung sollten zwei Gewerkschaftsangestellte Bericht über die Frage der Teuerungszulage erstatten. Als die beiden Ver- treler der Gewerkschaften das Lokal betraten, wurde ihnen von dem überwachenden Polizeiwachlmeister erklärt, die Gewerkschaftsvertreter dürsten ohne eine besondere Genehmi- gung an der Versammlung nicht teilneb in en. Die Versammlung konnte infolgedessen nicht ab- gehalten werden. Aus eine Beschwerde der beiden Gewerk- schafisangestelllen an den Kölner Polizeipräsidenten erfolgte diese Antwort: Da sich die Teilnahme an der Versammlung am 18. d. Mts. nicht lediglich auf die Arbeiter der Firma Helff u. Heinemann beschräntte, so war die Versammlung öffentlich und unterlag der Genehmigung des königlichen Gouvernements. Eine solche war nicht erteilt und konnte daher die Beteiligung anderer Personen als der ftaglichen Arbeiter nicht geduldet werden. Äutzerdem entsprach das Versammlungslokal nicht den für öffentliche Versammlungsräume bestehenden Vorschriften. Erinnert ichon der letzte Absatz dieses polizeilichen Schreibens sehr an die Art. die vor dem Kriege gegen die Arbeiterbewegung beliebt war, so geht das polizeiliche Einschreilen selbst weit über das vor dem Kriege Erlebte hinaus. Die Fol�e des von der Kölner Polizei verlretenen Standpuukles wäre, datz künftig Gewerkschaflsangestellte, wenn sie pflichtgemäß auf Verlangen der Mitglieder an einer Zu- sammenkunft von einem halben Dutzend Gewerkschaftern teilnehmen müssen, immer erst die Genehmigung durch das Gouvernement nach- zusuwen hätten. Denn durch die Teilnahme von zwei Gewerkschafts- Vertretern würde die Versammlung.öffentlich'. Von den neuen Bahnen, die in der Behandlung der Gewerkschaften eingeschlagen werden sollen, erkennt man in diesem Vorgehen nichts. Mus Industrie und Handel. Sriegsgewinne. Die Sächsische Maschinenfa brik vorm. Richard Hart- mann A.-G. in Chemnitz erzielte einen Rohgewinu von 1,96 Mill. Mark(i. V. 1,62 Mill. M.>. Aus dem Reingewinn von 1.67 Mill. Mark(i. V. 9,34 Mill. M.) wird eine Dividende von 7 Proz. verteilt(i. V. 0 Proz.). Die Deutsche Spreng st off A.-G. berechnet einen Ueber- schütz von 351 779 M.(gegen 289 496 M.). Die Dividende wird von 29 auf 24 Proz. erhöbt. Dem Geschäftsbericht zufolge wurden beide Fabriken von Anfang August ab fast ausschließlich für die Aus- führung bedeutender Heeresaufträge in Anspruch genommen, zu welchem Zweck umfangreiche Erweiterungen der Fabrikationsanlagen unter Aufwendung grotzer Mittel notwendig wurden. Der Waren-Kommissions-Bank in Hamburg ver« bleibt nach erhöhten Abschreibungen ein Ueberschntz von 584 153 M., der den des Vorjahres(45 923 M.) um das Zehnfache übersteigt. Nach erhöhten Abschreibungen werden 35 Proz. Dividende verleilt (gegen 4 Proz. i. V.). Die Tantiemen betrugen 192 999 M.(gegen 725 M. i. V.). Die A.- G. für Fabrikation von Eisenbahn- Material in Görlitz erhöhte ihre Dividende von 8 auf 9 Proz. „Besch laguahmefreies" Garu. Im Handel wird neuerdings vielfach sogenanntes„beschlag- nahmefreies' Baumwollgarn angeboten. Bei den Webereien herrscht die Auffassung, datz dieses Garn zu beliebigen Baumwoll-Web« und -Wirkwaren verarbeitet werden dürfe. Diese Meinung beruht auf einer mißverständlichen Auffassung der verschiedenen Verordnungen der Militärbehörden. Beschlagnahmt ist gemäß§ 7 der Bekanntmachung be- treffend Veräußerung. Verarbeitung und Beschlagnahme von Baum- wolle usw.(W n 2548/7. 15. K. ß. A.) das Garn, das nach dem 14. August 1915 gesponnen worden ist. Es darf von der Spinnerei nur gegen den vorgeschriebenen amtlichen Belegschein 3 oder auf Grund einer ausdrücklichen Freigabeerklärung der Kriegs-Rohstoff- abreilung veräußert werden. Früher gesponnenes Garn ist.beschlagnahmefrei'. Seiner Veräußerung steht also nichts im Wege. Dagegen darf seine Verarbeitung nur in dem Rahmen erfolgen, in dem das Her- stellungsverbor für Baumwollstoffe(W II 1293/6. 15. K. ß. A.) und die auf Grund des Paragraphen 3 dieser Bekanntmachung er- laffenen allgemeinen Ausnahmebewilligungen sie gestalten. Zur be« liebigen Verarbeitung frei ist hiernach lediglich das Garn, das nach dem 15. Juni 1915 aus dem Auslande eingeführt oder das aus Baumwolle gesponnen ist, die nach dem 15. Juni 1915 aus dem Auslande eingeführt wurde. Ferner ist zur beliebigen Verarbeitung frei Absallgarn, Garn in den Nummern von Nr. 69 englisch an auf- wärts und endlich Garn, das bei Erlaß des Herstellungsverbotes bei der verarbeitenden Firma bereits vorrätig war oder vor dem 12. Juli 1915 auf Grund älterer Abschlüffe an sie abgesandt ist. Diese letztere Ausnahme soll jedoch den Webereien nur das Auf- arbeiten ihrer eigenen Bestände ermöglichen. Werden also der« artige Garne weiter veräußert, so ist der Käufer zu ihrer Ver- arbeitung nicht befugt._ Kapitalsverdoppeluug der Landwirtschaftlichen Zentral-Darlehns- kasse für Deutschland. Die Verwaltung beruft eine außerordentliche Generalversammlung auf den 8. Dezember d. I. zwecks Erhöhung des Aklienkapttals von 19 auf 29 Millionen Mark. Der Heeresdedarf au landwirtschaftlichen Produkten ist naturgemäß autzerordentlich groß; allein die Zentralstelle zur Beschaffung der Heeresverpflegung hat seil ihrer Errichtung bis End« September folgende Abschlüsse vermittelt: Roggen........... 695 069 Tonneu Weizen........... 192 830, Roggenmehl......... 89 968, Weizenmehl......... 7 447 r Hafer........... 1 705 226„ Gerste........... 13 423, Heu............ 17 041, Stroh........... 11 080, Mengekorn aus Hafer und Gerste.. 8 999 Rinder(Schlachtvieh)...... 299 496 Stück Schweine.......... 894 537, Hammel.......... 318 104, Magcrvieh.......... 80 099, Wie schon bei den letzten Tagungen, wird vermutlich auch die?« mal wieder eine eingehende Denkschrift über die Tätigkeit der Zentralstelle dem Reichstag unterbreitet werden. ttvatscires Theater. Direktion: Max E-einiiardt. 7ll, Uhr: Judith. Sonnabend: Ilaria Stuart. Kaniineraplcle. 71), Uhr: Zum ersten Male: Der Llebcstrank. Bonnabend: Der Vater. Tolksbtihne. Theater a. BDIowpl. 8 Uhr: Der Sturm. Sonnabend u. Sonntag: Der Sturm. Dir. Meinhard-Bernauer. Theater iö der KöDirätzerStraSe 8 Uhr; Hedda Gabler. Komödienhaus. 8 Uhr: Rausch. Berliner Thealer. 8 Uhr: Wenn zwei Hochzeit machen. URAIilA Tanbenstr. 48/49. 8 Uhr: Die Dariaoellen, Konstantinopel onii der Bosporus. Passen-Theater 81/.(Folies Caprice) 81/. freund Locwe 8einc I�ante mit Haskel und Berlseh. Theater für Freitag, den S. November. Dentscbes Opernhaus Cbarlottbg. suhr: Bollnianns Grzäblungen. Friedrich-Wilbelmstädt. Theater. 8 uhr: Der Troubadour. o.br. Herrnfe6d.Th..t.r 8 uhr: Rosenblatt's Geheimtip Kleines Theater. s uhr: Ein kostbares Leben. Komische Oper. 8 uhr: Jung muß man sein Snntsg 3'/,; Gold gab ich(Dr Eisen. Dentscbes Künstler-Theater. s uhr: Die selige Exzellenz. lieosliisr-Tbeater. 8 uhr: Don Juan. Metropol-Theater s uhr.- Die Kaiserin tKU Sonntag nachm. 3 Uhr: Mar t ha. LdüMtsplelhauM. sv. u.Herrsebaitl. Diener gesneht Hontls Operetten-Theater Gastspiel Louis Treumann. 8 Uhr: Ein Tag: im Paradlea. Residenz-Theater 8.,. u.: Die Prinzessin m 1 Schiller-Theater O. s uhr: Mein Leopold. Schlller-Th.Charlottenbg. ußr: Jugend. Thalia-Theater. s uhr: Drei Paar Schuhs. Theater am Kollendorfpi. 8llt Uhr: Immer teste druff! Sonnt 31/, U.; Die Oollarprinzessln Theater des Westens 8 uhr: Der künstliche Mensch, Trlanon-Theater. s'i.u.; Bodos Brautschau Rose-Theater. s Uhr: Des Vaters Schuld. Sonnabend 4 Uhr: Aschenbrödel. 1 Walhalla-Theater. 8 Uhr: Der HQUenbesitzer ' Sonnabend: Lohengrin. Metropol-Tbeater IW Heute 8 Uhr•-MS Die Kaiserin sMaria Theresia). Gr. Operette in 3 Akten v. J.Brammer u. Alst. Grünwald. Musik v. Leo Fall. I» Szene gesetzt vom Direktor Richard Schultz. siritzl Massary Molly Wessely Albert Kutzaer Rolf Branner Rosa Valetti Josef Lad! a. Q. etc. ircasiBttsd) hagl. 8. Sonnt. u 8 Uhr; Ein nnerreichtes PrDgramm!! Blessems die gröBten Equillbristik- Wunder der WeUll! Paul Jülich mit»einen Rekruten! Klara Berat phänomen. Licht- u. Flammen-Tänze. Ä Birkenedcrs Orahtseilkünstler. Der ? Vuikanmenseh? und die übrigen Schlager des reichhnlt. Programms. Tägl. 8 Uhr. Sonnt. 31/, u. 8 Uhr. Otto Reutter mit der Ballade von der Marmelade n. seinen übr. Nov.-Neuheiten. Dazu d. bochorig Nov--Progr. Casinos Theater Lothringer Str. 37. Tägl. 8 Uhr: Untergrundbahnh. vchinbauser Tor. Trotz des grosien Gefolges! \ur noch kurze Zelt! Familie Schnase. ieil August auf dem Spielplan. Sonnt. 4 Uhr: Der liebe Fridolin. VoiKt-TheatSR'. Badstp 58. Badstr. 58. Freitag, den 5. November: Dorn's Resi. Sonnt. 3 IL; Die Bettlerin u. ihr Kind. Ab Montag aus Anlaß des GeburtS- tages v. Schiller: Die Räuber. Kasieneröffnung 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. 10 Uhr: Bichel _jjGermanba*_8Iej£� Reiehshallen-Theater. Stettiner Sfinj-cr. Zum Schluß: Ein Malrosen- bild von Meysel. Für Mtlitärper- sonen volllomm. freier Zutritt zu d. Stell. Sängern. Ansang 8 Uhr. RspHnsi' Konzerthaus. Mauerstr. 82. 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B.-Notiz meldet: Nock, dem Einfülirungsflesetz zur Reichsversicherungsordnunj, hat der Bundesrat für die bevorstehende Tagung des Reichs- lages diei'em die gesetzlichen Vorschriften über die Altersrente zur ernculeu Beschlufifanung vorzulegen. Es handelt sich dabei um die Frage, ob die Altersgrenze des 70. Lebensjahres des Versicherten für den Bezug der Altersrente am das 65. Lebensjahr herabgesetzt werden soll. In seiner heuligen Sitzung bat der Bundesrat beschlossen, diese Herab- sctzung der Altersgrenze in der Vorlage für den Reichstag zurzeit nicht zu empfehlen. Die Herabsetzung der Altersgrenze würde, wie in einer versicherungs- technischen Denlichrifr nachgewiesen wird, eine Erhöhung der Bei- träge zur Invaliden- und Hintcrbliebenen-Versicherung notwendig machen und eine Mehrbelastung des Reiches mir Relchszllsrtmb zur Folge haben. Beides kann im gegenwärtigen Zeitpunkte nicht befürwortet werde». Die Gründe für die Ablehnung der Forderung, die Alters- grenze endlich vmi 70 aus mindestens 65 Jahre herabzusetzen, sind keineswegs zutreffende. Schon bei Verabschiedung der Reichs- bersichcrungsordnung wäre eine Herabsetzung ohne Beitrags- crhöhung möglich gewesen. Die von der Regierung dagegen angeführte Rechnung hat sich durch die Praxis ebenso wie die für die sogenannte Witwen- und Waisenvcrsicherung aufgestellte Rechnung als völlig unzutreffend erwiesen. Das ist im Reichstag insbesondere vom Abgeordneten Genossen Molken- buhr an der Hand der inzwischen gezahlten tatsächlichen Leistungen einivandfrei nachgewiesen. Hoffentlich wird der Reichstag die Herabsetzung der Altersgrenze verlangen. Die Kriegsziele des Zentrums. Nach mehr als 8 Tagen veröffentlicht Wolffs Telegraphen- Bureau die ihm sofort übergebene Resolution des Zentrums zur Kriegszielfrage in folgender Form: Wie aus Frankfurt am Main gemeldet wird, hat der Reich sausschuff der Zentrumspartei bei seiner hiesigen Tagung folgenden Beschluß gefaßt: Die Weltaufgabe, die der Tüchtigkeit und dem Fleiß des deutschen Volkes gesetzt ist, fordert volle Bewegungsfreiheit seiner schaffenden Kräfte in der Heimat, auf dem freien Meer und über See. Die äußere Bedingung für eine gedeihliche Entwicklung des deutschen Volkes ist, wie die Erfahrungen des Weltkrieges klar gezeigt haben, eine erhöhte Sicherheit gegen die militärischen und wirtschaftlichen Vcrnichtungspläne der Feinde. Die furchtbaren Opfer, die der Krieg unserm Volke auferlegt, rufen nach einem verstärkten Schutze unseres Landes ini Osten und Westen, der den Feinden verleidet, uns wieder zu über- fallen, und der die volkswirtschaftliche Versor- g u n g unserer wachsenden Bevölkerung dauernd gewährleistet. Zu dieser erhöhten Sicherung unseres Reiches muß eine solche unserer verbündeten Staaten treten. Reben dem Schutz der äußeren Güter erhoffen wir aber zur Begründung des Glücks unseres teueren Vaterlandes noch die sorgsame Pflege der sittlichrcligiösen Volkskräfte, weil sie die Ursache der wahren Größe Deutschlands und das Mittel göttlicher Führung zu all den wunderbaren Erfolgen deutscher Großtaten sind. Was Deutschlands Fürsten und Bürger, Heer und Flotte. die Männer auf dem Schlachtfeld und im Schützengraben, auf den Kriegsschiffen ober und unter der See und in der Luft, sowie was die Männer und Frauen der Arbeit bisher geleistet haben, erfüllt uns mit dem Gefühl unauslöschlichen Dankes und der frohen Zuversicht, daß es mit Gottes Gnade gelingen wird, den Endsieg zu erringen für Deutschlands Wohl und Ehre._ „Während des Krieges". Im Organ des Hannoverschen Kricgervereins wird fol- gendcr Erlaß des preußischen Ministers v. Locbcll mitgeteilt: „Was den Hannoverschen Kriegcrverein sMiliiärverein für Mederiachsen) anbelangt, so habe ich dafür Sorge gelragen, daß die von Eurer Hochwohlaeboren hervorgehobenen �Verschieden- Helten in dem Verhallen der Behörden gegenüber den einzelnen Orlsgruppen dieses Vereins beseitigt werden. Als Grundsatz wird sesigehatlen werden, daß während deS Krieges die Behörden gegenüber allen Vereinen, deren Tätigkerl mit den vaterländischen Interessen nicht in Widerspruch steht, gleichmäßig ver- fahren." Herr v. Loebell, der, wie der von uns veröffentlichte P r e s s c- E r l a ß zeigt, bereits eifrig für die Zeit nach dem Kriege die öffentliche Meinung zu beeinflussen sucht, scheint in jeder Weise für die Zukunft vorzubauen. Schon jetzt hält er ängstlich darauf, das Versprechen gleichartiger Behandlung von Kriegcrvercincn nur für die Dauer des Krieges ab- zugeben. Nach dem Kriege hat es wohl, soweit Herr v. Loebell in Frage kommt, auch nach außen hin mit der„Ncuoricntie- rung" ein Ende. Kein Strafverfahren gegen den Bund „Neues Baterland". Wle von dem Bund„Neucs Vaterland" mitgeteilt wird, ist die Mille September von der.Rhein.-Wcstf. Zeitung" in die Well ge- sctz'.e Nachricht, gegen den Bund„Neues Vaterland" sei wegen Landeverrats ein Ermiltelungsoerfahren eingeleitet worden, falsch. Der Bund habe sofort festgestellt, daß weder dem Vorstand noch der GeschänSlenung von einem solchen Ermitielnngsverfahren das ge- ringste bekannt geworden sei. Nnn bat die„Rhein.-Wests. Zeitung" neuerdings m einem Artikel der„Anti-Oorlog Raad ans dem Gimpel- fang" behauptet, daß sich gerade setz: das Berliner Polizeipräsidium mit dem Buiid„Neues Vaterland" wegen Landesverrats beschäftige. Auch davon weiß der Bund nichts. Aus den Kreisen des Bundes ist Viecher niemand deswegen vernommen worden. Der Bund weist im übrigen die Denunzjationsverilicke der„Rhein.-Westf. Zeitung" zurück und sagt, seine Leiler wissen besser, als die Lenle, die sich aus der Verbreitung der gegen ihn gerichteten Verleumdungen ein Geschäft machen, was sie ihrem Lande schuldig seien. Rücktritt dos Admirals v. Capelle. Recht überraschend kommt die Meldung, daß der Unter- � staatssekrctar im Reichsmarineamt, A d m i r a l p. C a p e l l e, j aus seinem Amte geschieden ist. Ter Admiral war der Stell- 1 Vertreter des Staatssekretärs v. Tirpitz. Als Grund für sein Ausscheiden wird Krankheit angegeben. Die Zukunft der Reichslande. Ueber die Zulunst der Reichslande schreibt der Landtags« Abgeordnete Frhr. v. Zedlitz und Neukirch in der„Po st": „In einem interessanten Aufsatze über Angliederung und Ex- pansion erklärt Professor Kohler, daß die Bismarcksche Politik gegen- über Elsaß-Lothringen verfehlt gewesen sei. Man hätte d a S eroberte Gebiet einfach teilen und die einzelnen Bruch- stücke deutschen Bundesstaaten zuweisen sollen; man hat dies nicht getan. Demgegenüber mag daran erinnert werden, daß zunächst allerdings daran gedacht worden ist, Eliaß-Lothringen an deutsche Bundesstaaten auszuteilen, insbesondere sollte Elsaß mit Baden zu einem größeren alemannischen Reiche vereinigt werden. Dieser Plan ist aber, soweit bekannt, damals an der Forderung Bayerns gescheitert, das zum Ausgleich die pfälzischen Teile Badens, ins- besondere Heidelberg und Mannheim, wieder mit der bayerischen Pfalz vereinigen wollte. T orauf konnte und wollle der Großherzog von Baden natürlich nicht eingehen, und ist der erste Plan ans- gegeben und Elsaß-Lothringen zum Reicks land erllärt worden. Im Hinblick auf die gerade jetzt wieder brennende Frage der Gestaltung Elsaß-Lothringens mag es gut sein, sich daran zu erinnern, daß da- mals der Plan der Austeilung der Reichslande an verschiedene Bundesstaaten an einer politischen Schwierigkeit gescheitert ist. Aber auch als die von Frankreich gewonnenen Landesteilc zum ReichSlaud erklärt worden waren, wurden sie zunächst lediglich als Provinz des großen deutschen Staatswesens bc- handelt. Die Zenlralverwaltung war in Berlin mit dem Reichs- kanzleramte vereinigt, in Straßburg waltete ein preußischer Ober- Präsident allen guten Schlages und regierte die neugewonnenen Landesteile nach der bewährten Ueberlieferuirg guter preußischer Verwaltung. In den ungefähr acht Jahren dicier Sachbehandlung ist für die innere Verichmelzung des Reichslandes niit Deutich- land sehr viel Ersprießliches geschehen und es ist, soweit man jetzt in der Lage ist mit Sicherheit zu urteilen, als bestimmt anzu- nehmen, daß, wenn man auf dieser Bahn folgericknig sorlgeschrincn wäre, die Verschmelzung des Reichslandcö mit Deutschland bei Beginn des großen Krieges längst vollständig sich vollzogen hätte. Die Fehler begannen in der Hanpriache erst mit der eisaß-Iothnngischen Verfassung von 1879, der Verlegung des Ministeriums nach Straßburg und der Errichtung der Stailhalterschaft, Das war der erste Schritt auf der abschüssigen Bahn, die schließlich zu der jüngsten elsaß-lothringitcheu Verfassung führte, die jetzt Ivohl all- gemein als ein schlimmer Fehlgriff erkannt ist... Wenn man in bezug auf die Neuordnung der Tinge in Elsaß-Lothringen daher die Zeit Bismarcks sich wieder ins Leben ruft, so wird man nicht an die Gcstaliung der Dinge nach 1879, sondern zweckmäßig an die er st en Jahre erfolg reicher Vor waltung in Elsaß- Lothringen anzuknüpfen hoben." Bruch des Burgfriedens. Wie in vielen Orten Deutschlands hatten auch unsere Genoffen in E b e r S w a l d e mit den übrigen Parteien Vereinbarungen zur Wahrung des gegenseitigen Besitzstandes bei der bevorstehenden Sladiverordnetenwahl getroffen. Da in Eberswalde die in den großen Eisenbahuwerksiätten beschäftigten Arbeiter eine gewisse Rolle spielen, nahmen an diesen Abmachungen, neben den Berlrelern aller Parteien, auch zwei Vertreter der königlichen Eisenbahnwerkstatt teil. Auch sie unterschrieben das Protokoll der Vereinbarung als bindend, nach dem unseren Genossen ihr Besitzstand ungeschmälert erhalten und ein Bezirk den Eisenbabnwerkstätten zur Besetzung für ihren Kandidaren srergegeben wurde. Zu großem Erftaunen der übrigen an der Abmachung Beteiligten stellten jedoch die Eisenbahner gegen unsere Genossen Gegenkand-daien auf und fordern in öffentlichen Inseraten zu deren Wahlt e s o r m der L a n d e§ st e u e r n: Befreiung der tlemen Einkommen bis zur vierten Steuerstufe, stärkere Progression der Steuer aus Einkommen von 6000 M. au, Ausbau der Ergänzungssteuer zu einer Vermögenssteuer aus alle Vermögen von 10 000 M. a». Wegfall der indirekten Steuern, Erhebung der Grundsteuer nach dem sogenannten gemeinen Werte; Einführung des geheimen, allgemeinen, gleichen Wahlrechts zu Landtag Gemeinde, Bezirks- und Kreisvertretung illr alle Reichsangehörigen; Gewährung des unbeswränkten KonlitionsrechicS für alte Staatsarbeiter nnd Bebte»stete, Einführung eines Knapp sckasts- gesetzes für das Reich.'Schaffung von Knapp- schaftsvereinen. An die Spitze oller dieser Anträge ist ausdrücklich die Forderung nach Beseitigung der Pressezcniur und des Belagerungszustandes. das energisltie Verlangen nach Vereins- und Beriammlungssreiheit gestellt. Ueber weitere Anträge wird sich die Fraktion später noch schlüssig werden. Als Redner zur allgemeinen Vorberatung des Etats wurden die Abgg. Fräßdors,' Lange und F l e i ß n e r bestimint. Die Elalsberatnngcn, die Gelegenheit zu einer Erörterung der allgemeinen politischen Lage bieten, dürften wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des November statlfinden. Verbotene Bersammlung. Zu Mittwoch abend wollle der Ausschuß für Konsumenten- interessen in Leipzig eine Versammlung nach dem Kristallpalast ein- berufen, die sich mit der Fleischteuerung beschäftigen sollte. Diese Versaminlung ist nun von der Polizei verboten worden, weil j sich an die Zenlrallheaterversanimlung am letzten Sonnlag eine I Demonstration angeschlossen habe. Das Ministerium des Innern. ! dessen Entscheidung angerufen worden sei, habe nach Lage der Um- stände Bedenken getragen, dem BersammIungSverbot des Polizei- amtes entgegenzutreten. Ein neuer Gesandter Persiens in Berlin. Der bisherige persische Gesandte Hovhannös Khan ist sür eine anderweite diplomatische Verwendung in Aussicht genommen und an seine Stelle Hussein Kult Khan Nawab zum Gesandten in Berlin ernannt worden. Der neue Gesandte, der in Berlin be- reits eingetroffen ist, war längere Zeil persischer Minister des Aeußern._ Eine Nachwahl in Holland. Aus A in st e r d a m wird uns geschrieben: Am 28. Oktober fand im 9. Bezirk von Amsterdam, dessen parlamentarischer Vertreter Genosse V liegen wegen seiner Ueberbürdung durch sein Amster- damer Schöffenamt zurückgetreten war, die Nachwabl statt. ES standen einander drei Kandidaten gegenüber: Genosse V a n d c n Tempel, Sekretär des Verbandes niederländischer Fachvercine, und der Antirevolutionär De V l u g t sowie das Mitglied der „sozialdemokratischen Partei" W i j n k o o p. Für Van den Tempel tralen nur die bürgerlichen Fortschrittsparteien ein, De V l u g t war der Kandidat der ganzen reaktionären Koalition. Von 21 967 gingen nur 13 139 zur Urne. Gewählt wurde Genosse Van den Tempel mit 7121 Stimmen. De Vlugt bekam 5897, Wijnkoop bekam 121 Stimmen, die hauptsächlich von den Syndikalisten herrühren._ Au Ken Staötverorönetenwahlen Alis dem Gebiete des Gesundheitswesens ist im Juili dieses Jahres von den städtischen Körperschaften ein städtisches' Gesundheitsamt mit weitgehenden Aufgaben und Befugnissen beschlossen worden. Damit ist eine Forderung erfüllt, die seit Jahren von der sozialdenrokratischen Fraktion aufgestellt und erhoben wurde. Zum ersten Male hatte die sozialdema- kratische Fraktion die Schaffung eines städtischen Gesundheits- amtes zu Beginn des Jahres 1893 gefordert. Damals ivurde init 66 gegen L3 Stimmen über den Antrag zur TageS- ordnung"übergegangen. Das hinderte aber die sozialdcmo- kratische Fraktion nicht, immer von neuem die Forderung zu erheben bis zu ihrer endlichen Verwirklichung. DaS Jahr 1915 brachte tinscre Gcilosscn ans Ziel. Auch der Schutz der Wöchnerinnen ist durch besondere Bt> schlüsse der städtischen Kralikcnhausdeputation im Oktober 1915 auf Antrag unserer Genossen vermehrt worden. Immer aber war bei allen Maßnahmen der Gesichtspunkt vorherrschend, daß wohl schnelle tatkräftige Hilfe ein wesentlicher Faktor zur Gesundung der Bevölkerung sein müsse, daß aber weit besser solche Maßnahmen seien, die vorbeugend wirken. Das soll jetzt bei Bekämpftlng der Diphtherie besonders maßgebend sein durch die Anstellung von Fürsorgcschwestern. Auch auS- reichende sachgemäße ärztliche Behandlung der Kriegerfamilien ist von unseren Genossen verlangt worden. Man dürfe diese Familien nicht lediglich auf die Inanspruchnahme des Armen- arztes verweisen, sondern man müsse unter allen Umständen den Arzt des Vertrauens den Kriegerfamilien zur unentgelt- lichen Versügilng stellen. Die ganze Kriegszeit hindurch war die ausreichende Sorge für die Familien der zuni Heeresdienst einberufenen Krieger und die Hilfe für die durch den Krieg in Not Geratenen eine Hauptaufgabe der sozialdemokratischen Fraktion im Nathausc. Diese Tätigkeit unserer Genossen ist zwar äußerlich kaum in die Erscheinung getreten; sie war wenig geräuschvoll, aber nichts destoivcniger intensiv. Zahlreiche UnterstützungSfragcn sind in Kommissionen, Ausschüssen und durch andere Be- sprechungen und Vereinbarungen zustande gekonimen, wobei offen anerkannt iverdcn soll, daß gerade in Berlin bei den übrigen Gruppen der Versammlung volles Verständnis und Ivcitgehcndes Entgegenkonimen bewiesen wurde. Und würde in einzelnen Untcrstützmigskommissioneu bei Bemessung der Unterstützungen weniger kleinlich und eng- herzig Verfahren werden, sondern mit der Weitherzigkeit, wie sie eigentlich sein soll, würde auch auf diesem Gebiete manches besser sein. Wiederholt hat sich die sozialdemokratische Fraktion gegen die Kleinlichkeit und Pfcnnigfnchserci einzelner Kommissionen mit aller Deutlichkeit gewendet; sie ist auch im Rathause für eine ausreichende Sicherung der Wohnungs- Möglichkeit durch eine angemessene Mietshilfe eingetreten. Es wird auch tvcitcr die Aufgabe unserer Genossen sein, mit aller Entschiedenheit der heute herrschenden Willkür auf dem Ge- biete der Kriegsunterstützung ein Ende zu machen; durch Festsetzung allgemeiner Grundsätze, an die sich die Kom- Missionen zu halten habeil. Auch auf anderen Gebieten der Kriegsfürsorge haben unsere Genossen ihre ganzen Kräfte eingesetzt, um der not- leidenden Bevölkerung Hilfe zu bringen, und auch hier ge- schah das ohne Inanspruchnahme der breiteren Oeffentlichkeit. Eine der Hauptaufgaben bildete die Versorgung der Bevölke- rung mit den notwendigen Lebensmitteln. Bei Ausbruch des Krieges stand die Gemeinde vor neuen schweren Aufgaben. So ziemlich alle vom Reich beschlossenen Gesetze und Verordnungen wurden den Gemeinden zur Aus- sührilng übenviescn und wäre der Gemeinsinn durch die der Gemeinde zustehende, leider sehr beengte Selbstverwaltung nicht genügend entwickelt gewesen, so wäre die Durchführung der zahlreichen Kricgsverordnungen zu einer Unmöglichkeit geworden. Aber die Kriegssituation ließ schwere Aufgaben leichter bewältigen. Es zeigte sich in dieser Zeit, wie bc- gründet die in Friedenszeiten aufgestellte sozialdemokratische Forderung war. daß es Sache der Gemeinde sei, eine groß- zügige Lebensmittelversorgung in die Hand zu nehmen. Immer aber ivurde diese Forderung im Rathause aufs schärfste bekänipft, selbst die Erzeugnisse der städtischen Güter- Verwaltung sollten in die Hände von Privatpersonen gelegt und nicht selbständig verwertet iverden. Der Krieg hat der Gemeinde, weil sie ohne große Erfahrung und unvorbereitet an diese Aufgaben herangehen mußte, viel Lehrgeld gekostet; hoffentlich ist dieses Lehrgeld nicht umsonst gebracht und trägt dazu bei, auch in Friedeuszeiteu die sozialdemokratischen An- träge in die Wirklichkeit unizusetzen. Möglichst umfangreiche Eigenproduktion der Gemeinde au Fleisch, Gemüse und anderen notwendigen Lebensmittelli in Verbindung mit Selbstbeschaffung und direkter Abgabe an die Bevölkerung muß zu den ersten Aufgaben einer tociscn Gemeindeverwaltung zu hören. Tic große Kartoffelnot im Februar dieses Jahres ver- anlaßte die sozialdemokratische� Fraktion zur Einbringung einer Interpellation, die in der Sitzung am 4. März'verhandelt wurde und im September interpellierten unsere Genossen den Magistrat wegen der außerordentlichen Teuerung und ersuchten ihn. einen Druck auf die Rcichsrcgicruug aus zimben zur Ergreifung von Linderungsmaßrcgeln in der Teuerungsfrage. Es hieße die Geschichte der städtischen Ver- Ivaltung schreiben, toollten wir iin einzelnen aufzählen tvclchc Arbeit die sozialdemokratische Fraktion im Rathau'i ausgeübt hat. Wir wollen uns an den einzelnen Beispielen genügen lassen. Sie zeigen aufs klarste, in welcher Weise die Interessen der erwerbstätigen Bevölkerung von unseren Genossen vertreten worden sind und daß in zahlreichen Fällen infolge Ausdauer und Energie manches Ziel erreicht worden ist, das früher unerreichbar schien. Sie nötigen die Erkenntnis auf, daß die städtische Verwaltung gar nicht denkbar ist. ohne die tatkräftige Mitwirkung der Sozialdemokratie und sie zwingen die Wählerschaft der 3. Abteilung, am 7. November die Kandidaten der Sozialdemokratie mit großer Stinimcnmehrhcit von neuem in das Rote Haus in der Königstraße zu wählen Staötverorönetenversammlung. 24. Sitzung vom Donnerstag, den 4. November 1916, nachmittags 5 Uhr. Vorsteher-Stellvertreter Cassel eröffnet die Sitzung nach SU Uhr mit einer Ansprache an den Vorsteher, in der er ihm namens sämtlicher Mitglieder der Versammlung im Anschluß an die syeier seines 80. Geburtstages die Versicherung der treucslen Anhänglichkeit und verebrungsvoller Hochachtung ausspricht und den Wunsch hinzufugt, daß der Gefeierte noch lange in gleicher Rüstigkeit und Kraft des Körpers und Geistes seines Amtes walten möge. �. Vorsteher Michelet spricht nochmals seinen Dank für die ihm gewordenen Ehrungen aus, erneuert das Gelöbnis, der bleiben zu wollen, der er bisher geewsen, und nimmt dann seinen blumen bekränzten Sitz auf der Vorstandsestrade ein. Die Vorlage wegen Durchführung besonderer Maßnahmen zur wirksameren Bekämpfung der Diphtherie war am 14. Oktober an den Ausschuß zurückverwiesen worden. Dieser hat in erneuter Beratung an seinen früheren Beschlüssen auch be- züglich der Erleichterung der Krankenhausaufnahme als einer dauernden Maßregel festgehalten, dagegen auf die Vor stellungen der Armenärzte hin seine Vorschläge betreffs der ärzt� lichen Behandlung der Kriegsteilnehmersamilien einstweilen zurück, gezogen und empfiehlt, den Magistrat um eine diese Frage neu regelnde Vorlage zu ersuchen. Tie jetzigen Ausschutzanträge ver tritt wiederum Stadtv. Prof. Dr. Landau iL.). Stirdtv. Galland(2.) spricht im wesentlichen im Sinne der Ausschußanträge; die erbetene Vorlage werde hoffentlich tunlichst beschleunigt werden. Bedauerlich sei, daß der Magistrat noch immer nicht die geplanten Erleichterungen bei der Krankenhausaufnahme als dauernde Einrichtung zugestehen wolle. Oberbürgermeister Wcrmuth: Selbstverständlich wird der Ma, gistrat rechtzeitig neu? Beschlüsse fassen, damit keinerlei Stockung eintritt.— Den Ausschußantrag wegen der Aerztefrage wird der Magistrat in eingehende Erwägung nehmen. Stadtv. Dr. Wehl lSoz.): Tie ablehnende Stellungnahme des Magistrats zum ersten Punkt wird hoffentlich nicht zu bedenklichen Konsequenzen bei der Bekäinpfung der Seuche führen. Zur Re- gclung der ärztlichen Behandlung hätte der Ausschuß eigentlich dem Magistrat gewisse Fingerzeige geben sollen; darcm fehlt es gänzlich. Die Hauptsache ist und bleibt doch die schnelle Diagnose. Die Armenärzte haben, wie wir heute hören, der Stadt die un- entgeltliche Behandlung der Angehörigen der Angehörigen der Kriegsteilnehmer zum lb. November gekündigt. Ich bedaure auch das sehr, weil es aus- sieht, als ob die Armenärzte dem Magistrat die Pistole auf die Brust setzen wollen. Eine gewisse Schuld liegt freilich aber�auch an der Verwaltung, die schon zu Beginn des Krieges die Sache hätte regeln müssen. Es herrscht Einmütigkeit darüber, daß die Behandlung der Angehörigen der Kriegsteilnehmer losgelöst tverden muß von der Armenfürsorge, und daß die unentgeltlicke Behandlung in eine entgeltliche umgewandelt werden muß. Es muß auch die organisierte freie Aerztewahl herbeigeführt werden. Das auffällige Anschwellen der Zahl der Diphtherieerkrankungen ist zum Teil auf die Unterernährung, zu einem sehr erheblichen Teil aber auch� aus die Wohnungsverhältnisse zurückzuführen, � wie Professor Sobernheim eingehend nachgewiesen hat; wo die Menschen dicht zusammengedrängt wohnen, fordert die Diphtherie mit kon- zentrierter Heftigkeit ihre Opfer. Eine vernünftige Bau-, Wohnungs- und Siedelungspolitik muß die Stadt treiben; ein freilich unzulänglicher Anfang ist die Schaffung eines Wohnungs- amtes gewesen, das man noch dazu im Anfang des Krieges ge- schloffen hat. Wir bitten den Magistrat, das Amt schleunigst wieder in Funktion zu setzen; Charlottenburg hat das seinige bereits wieder eröffnet. Wird allen gegebenen Anregungen nach- gegangen, dann werden wir auch mit diesem tückischen Feinde unserer Kinder fertig werden. Stadtrat Doflein: Ein Vakuum in der ärztlichen Behandlung der Kriegsteilnehmerfamilien wird auf keinen Fall eintreten. Nach dem ganzen Verhalten der?lrmcnärzte ist gar nicht daran zu denken, daß sie den Magistrat in eine Zwangslage versetzen wollen. Stadtrat Fischbeck: Der Direktor des Wohnungsamtes steht im Felde, der juristische Beirat fehlt, der größere Teil der Beamten ist' zu den Fahnen eingezogen; die Wohnungspfleger sind zum großen Teil in die Mietseinigungsämter eingestellt. Mit dem reduzierten Personal läßt sich� eine ersprießliche Tätigkeit des Amtes nicht durchführen, jedenfalls nicht von heute auf morgen. Das Prinzip der Wahrnehmung der Wohnungsinspektion durch Berussbeamte darf auch nicht durchbrochen werden. � Unser Wohnungsamt besitzt ja leider auch keine polizeilichen Befugnisse. Stadtv. Cassel: In dem Punkte der vorschußfreien Ueber- nähme Tivhtheriekranker in unsere Krankenhäuser sollte der Ma- gistrat unseren Wünschen doch entgegenkommen und diese Matz- regel dauernd einführen. Die wirksame Bekämpfung der Seuche hängt, wie uns völlig einwandfrei dargetan ist, doch Haupt- sächlich von der Schnelligkeit des Einschreitens ab. Bei der großen Ansteckungsgefahr darf der finanzielle Gesichtspunkt nicht ausschlag- gebend sein. Der Magistrat will erst noch Erfahrungen sammeln, wie heute der Oberbürgermeister erklärte; wir möchten doch bitten, die Sache alsbald zu erledigen.(Beifall.) Der Ausschußantrag wird einstimmig angenommen. In gemischter Sitzung von Magistrat und Stadtverordneten unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters erfolgt hierauf die Wahl von 27 Mitgliedern und 11 Stellvertretern für die Ein- kommensteuerberufungskommission. Für den verstorbenen Stadv. Dr. Paul sFr. Fr.s werden ge- wählt: in die KanalisationsdeputationJB r ü ck n e r(Soz.), in die Wasserwerksdeputation Dr. Zadel(«oz.) Den Magistratsvorschlägen zur'Abänderung des B e- bauungsplans für die Gegend des W e st b a f e n s(Be- thesda-Stift und veränderte Zuführung der Beuffelstraße auf die Königsdammbrücke) erteilt die Versammlung ihre Zustimmung. Infolge der langen Tauer deö Krieges und der wachsenden Teuerung hat sich das von der Wai senverwaltung ge- zahlte Pflegcgeld mehr und n«hr alS unzulänglich erwiesen. Vom 1. Oktober 1916 bis Ende März 1916 soll es gegen die bis- herigen Sätze von 30 Mk. für schwächliche Säuglinge, 21 Mt. für Kinder bis zu l'A Iahren. 18 Mk. für Kinder von.l� bis 2 Jahren uni 3 Mk.; von 16 Mt. für Kinder von 2 bis 3 fahren, 13,50 Mk. sür Knaben von 3 bis 6 Jahren, 12 Mk. für Mädchen von 3 bis 6 Iahren um 1,50 Mk.: von 13.50 Mk. für Knaben von 6 bis 14 Iahren und von 10,50 Mk. für Mädchen von 6 bis 15 Jahren um 4.50 Mk. erhöht werden. Tie Versammlung erteilt ihre Zustimmung ohne Debatte. i Die vom Reich mit Rücksicht auf die Teuerung beschlossene neue Erhöhung der Bezüge dcr Kricgcrfrauen von 12 auf 15 Mk. und der sonstigen K r ie g s u n t e rst ü tz t est um monatlich 1,50 Mk. für die Monate November bis April wird eben- falls von der Stadt verauslagt»verde». Auch für diese Erhöhung einen städtischen Zuschlag vou 100 Proz. zu leisten hält der Ma- gistrat nicht für geboten und für nicht vereinbarlich»nit den Grund- sähen ordnungsmäßiger Verivaltung oer städtischen Finanzen. Da- gegen»vill er in» Falle besonderen Bedürfnisses Kriegerfamilien und Einzelunteritützten auf Kosten der Stadt Briketts im Werte von 3 Mk. monatlich verabfolgen lassen, auch soll im glciwcn Falle zur Beschaffung von Schuhwerk der Betrag der Zu- »vetsung aus dem Sammelfonds an die einzelnen Unterstützung»- kommissionen erhöht»verde»». Stadv. Leid»Soz.»: Gegen die vorläufige Ilebernabine der neuen Reichsleistung auf die Stadtkasse haben»vir natürlich nichts eiirzuwcirdcn; unsere Genehmigung ist ja ohnehin eine nachträg- liche, �weil schon am 1. November die erste Üiate ausgezahlt worden ist. Schon Ende Oktober haben mehrere Vororte die betreffende»» Gcineindöbeschlüsse gefaßt; weshalb»vir so spät dazu kommen, ist nicht zu erkennen. Der vezügliclic Ministerialerlaß betreffend die Ausführung datiert schon von» 14. Oktober. In der Berfüguirg beißl es ausdrücklich, daß diese Erhöhung der Mindestsätze von den Liezferuligsvervändei» nicht als Anlaß angesehen»verde»» darf, ihre L c i st u n g e n herabzusetzen. Darüber herrscht»vöhl auch in dieser Versammlung Einmütigkeit.— Anders liegt es hinsichtlich der neuen Zuwendungen,»velchc die Gemeinde ihrerseits den An- gehörigen der Kriegsteilnehmer machen»vill. Der Magistrat schlägt Zuwendungen von 3 M. vor, wofür Köhlen geliefert werden sollen. Tie Art,»vie dieser Vorschlag an uns gebracht wird, hat bei uns sehr gemischte Gefüble ausgelöst, weil sie eine„besondere Bedürftigkeit" kol»struiert. Wir nehmen daran entschieden An- stoß, denn bisher haben»vir in der ganzen Kriegsfürsorge nur den Begriff der„Bedürftigkeit" gekannt, der noch dazu auch heute schon sehr oehndar ist ui»ö von den verschiedenen Koimnissionen ganz verschieden aufgefaßt wird. Diese Ungleichheiten würden sich nur noch verschlimmern, ir>enn wir dein Magistrat folgen und dieser Willkür noch Borschub leisten würden. Für uns»st diese B e d i»i g u n g u n a n n e h m b a r. Deshalb wollen wir in einem Ausschuß die Frage noch besonders besprochen haben. Es muß ge- nau umgrenzt werden, wer eine Zuwendung erhalten soll. Eine ganze Reihe proletarischer Frauen, die in der Kriegsfürsorge tätig sind, hat bereits die außerordentliche»Schwierigkeit der Durchfüh- rung dieses Gesichtspunktes betont. Noch jetzt besteht ja in eini- gen Kommissionen die Uebung. daß z. B. den Frauen,»velche von der Englischen Gasgesellschaft Unterstützung beziehen, jede städtische lliiterstüchung versagt wird.»Hört! hört!) Eine solche Behandlung der Privatunterstützung macht letztere schließlich zum Fluche für die betrefßeriden FainUien.(Zustimmung uird Widerspruch.) In vielen Fällen wird auch der Arbeitsverdienst der Kriegerfrauen benutzt, um ihnen die gesamte Unterstützung zu entziehen. Auch da- gegen müssen wir Einspruch erheben. Es müssen einheitlichere Grundlagen für das ganze städtische Untcrstützungswesen aufgestellt, es muß eine Art Existenzminimum festgesetzt werden. Das ist sehr�wohl durchführbar. Stadtv. Mrdler»2.» tritt dem Antrage auf Ausschußberatung bei. Ein Teil der Fraktion könne sich ebenfalls mit dem Begriff der �besonderen Bedürftigkeit" nicht befreunden. Stadtv. Mommsen(Fr. Fr.) spricht im gleichen Sinn«. Die Feststellung des„besonderen Bedürfnisses" würde den ohnchin chon überlasteten Beamten eine ganz unglaubliche Arbeit machen. Man müsse auch die Frage der Zweckmäßigkeit der Hergabe von Kohlen statt baren Geldes gründlich prüfen. Stadtv. Cassel: Tatsächlich verfährt ein Teil der Unter- »tützungskommissionen nach Grundsätzen, die im Gegensatz zu dem Willen der Versammlung stehen. Leider liegt die Hauptschuld an dem Mangel einer Berufungsinstanz; das ist ein großer Uebel- stand, der sich besonders bei den Mietunterstützungen geltend macht. (Beifall.) Die Vorlage geht an einen Ausschuß von 15 Mitgliedern, der ofort vom Vorstande ernannt wird. Von den Sozialdemokraten gehören ihm u. a. Fischer, Hintze, Hoffmann, Leid ait Zur Verstärkung und Verbreiterung der Weide»». dämm brücke werden 200 000 Mk. gefordert. Die Bewilligung erfolgt ohne Diskussion. Dem Deutschen Hilfsausschuß für das Rote Kreuz in Bulgarien sollen aus städtischen Mitteln 20 000 M. über- »viescn werden. Oberbürgermeister Wermuth: Mit einmütiger Freude hat das deutsche Volk den Ruf aufgenommen, durch eine Spende dem Roten Kreuz für Bulgarien hilfsbereite Sympathie zu erweisen. In diesen Tagen, in denen der Heldenmut der verbündeten Heere so herrliche Früchte zeitigt, wird Berlin seinen Beitrag zu dieser Spende gewiß mit doppelt frohem Herzen darbringe»».(Beifall.) Die Bewilligung erfolgt einstimmig. An der„K ar t o f f e l v e r so rg u n g", G. m. m. b. H.. hat der Magistrat die Stadt Berlin bei der Gründung mit 100 500 M. Stammeinlagc beteiligt und ersucht die Versammlung um ihre nachträgliche Genehmigung. Die Versammlung stimmt zu. Eine umfangreiche Vorlage betrifft die Kricgsbcschädigtenfürsorge der Stadt Berlin. Unter Voraussetzung der Erstattung der Kosten aus Reichsmitteln öll die Stadtgemeinde diese Fürsorge auf den» Gebiet der Nach- behandlung, der Berufsberatung, Berufsausbildung ünd Be- chulung sowie der Arbeitsvermittlung übernehmen. Organe der Fürsorge sollen sein: ein Magistratskommissar, ein Hauptausschuß, ein ärztlicher Beirat, die Gewerbegruppen der Berufsberatung, die Zentralstelle für Vermittlung von Arbeitsgelegenheit und eine Auskunftsstellc. Besondere Vorschriften regeln die Zuständigkeit dieser Organe. Wegen der Kompliziertheit der Zuständigkeit der einzelnen Fälle nach Berlin bzw. nach den Vororten ist mit der Provinz Brandenburg ein-e Vereinbarung getroffen worden. Stadtv. T-ve(L.): Wir beantragen Ausschußberatung, um dieses sehr schwierige Problem gründlich zu erörtern, namentlich bezüglich der Organisation. Es gilt eine Zersplitterung auf diesem Gebiete in Groß-Bcrlin zu verhüten. Stadtv. Ritter(Soz.): Auch wir sind für einen Ausschuß, »vünschen aber dessen alsbaldige Ernennung durch den Vorstand. Nach meiner persönlichen Erfahrung wird die ganze Einrichtung zu vollem Leben erst gelangen,»venn— und, wie wir alle hoffen, recht bald— der Krieg zu Ende sein wird.(Lebhafte Zustimmung.) Wir hätten zu der Vorlage eine Reihe von Anmerkungen zu machen; zu unserem Antrage auf Ansschußberatung kommen wir hauptsächlich durch den Uinstand, daß in dem 20glicdrigsi» Haupt- aüsschuffe uns eine Vertretung der Berliner Arbeitgeber- und Arbeitnehmerschaft zu fehlen scheint. Ohne jeden Schaden können diesen 20 noch je zwei Vertreter der genannten beiden Kategorien hinzutreten. Für die Beschulung und namentlich für die Um- chulung wird viel auf die richtige Auswahl der Berufsberater ankommen. Da ferner die Militärrenten außerordentlich gering sind, manche Kriegerfamilien auch ihre Ersparnisse völlig haben aufzehren müssen, so»vird, um den einzelnen den Usbergang in einen anderen Beruf zu ermöglichen, auch finanziell größte Weit- Herzigkeit geübt werden müssen. Es kommen hier auch die schon aus den Lazaretten entlassenen Kriegsbeschädigten in Betracht. für die nach der Vorlage nur ausnahmsweise eingesprungen werden »oll. Im Ausschuß wird sich auch hierüber weiter verhandeln lassen. Stadtrat Tc. Preuß: Die hier in Frage stehende Organisation besteht und arbeitet seit Monate»» und bedarf jetzt Ihrer nach- t r ä g l i ch e n Genehmigung. Tie größte Schiväche, die der früheren Vorlage anhaftete, war der zu große Beirat; an dem scheiterte sie damals, im Mai. Ter neue, kleinere, funktioniert bereits, und ihm gehört auch eine Reihe von Stadt- verordneten an. Die Mitgliedschaft einer Arbeitgeber- und Arbeitervertretung im Hauptausschuß ist deshalb nicht nötig, weil die Berufsberatung und die Arbeitsvermrttelung schon jetzt fast ausschließlich in den Händen der Ar- beiter- und Arbeilgeberorganifativiren liegen. Das Verhältnis zur Provinz Brandenburg ist durchaus zufriedenstellend geregelt. Eine neuerliche Vereinbarung zwischen den in Frage toniinci»den In- stanzen strebt oie Errichtung einer Reichszentralstellc an, in der »vir böchstwahrschcinlich»verde»» mitarbeiten können. Stadv. Dr. Nathan»Fr. Fr.): Wesentliches an der Vorlage »viro nicht. geändert»verde»» können; wir haben es mit praktisch bereits geiväbrtcn Grundlagen zu tun. Doch haben wir nichts gegen Ausschpßbcratlmg. Stadtv. Dave erklärt sich mit der sofortigen Erncnnuirg des Ausschnsses einverstanden. Tie Versammlung beschließt die Einsetzung eines' Ausschusses und der Vorstand ernennt denselben sofort. Als Nachtrag zur Tagesordnung liegt ein schleuniger Antrag Modler(L.) vor: den Magistrat»im eine Vorlage zu ersilchen. die es ermöglicht, de» im Felde stehenden Angehörigen der zu Berlin gebörendcii Truppeirkörper eine Weih» n a ch t s.f r e u d e durch Liebesgaben zu machen. Nachdem der Ober bürgern» ei st er erklärt hat, daß eine solche Vorlage der Versawmlung sehr bald zugehen»verde, wird der Antrag zurückgezogen. Schluß der öffentlichen Sitzung gegen 8 Uhr. Ttos Groß-öerlin. Kriegsfürsorge der Stadt Berlin. Die Berliner Stadtverordnetenvers amm- l u N g hatte gestern wieder über einige Maßregeln der Kriegs- sürsorge zu beschließen. Es kam dabei zu ausgedehnten Er- örterungen, vor allem auch zu einer rückhaltlosen Aussprache über die Unterstützungen der Kriegerfamilicn und über die Engherzigkeit einzelner Unterstützungskommissionen. Die Unterstützungen der Kriege rfaniilien sind in ihrem für Rechnung des Reiches zu gewährenden Teil, wie bekannt, für die Wintcrmonate erhöht worden. Ten Zuschuß der Gemeinde möchte nun der Magistrat nicht durch- gängig um denselben Betrag erhöhen, sondern nur bei„ b e s o n- d e r e m Be d ö r f n is". Auch soll dann das Mehr nicht in barem Gelde, sondern in Gutscheinen auf Kohlen gegeben werden. Gegen die Beschränkung auf Fälle eines„besonderen Bedürfnisses" wandte sich namens der sozialdemokratischen Fraktion scharf unser Genosse Leid. Er lehnte diese Bestimmung aufs ent- schiedenste als unannehmbar ab,»veil durch sie der Will- kür Tür und Tor geöffnet werde. Bei der Gelegen- heit rechnete er einmal mit gewissen Unterstützungskommissionen ab, in denen schon heute der Begriff der Bedürftigkeit eng- herzig genug ausgelegt»vird und nur zu oft einer Kriegersrau bei Zulvendungcn des früheren Arbeitgebers ihres ManneS die Unterstützung aus Reichs- und Gemeinde- Mitteln versagt ist. Er nannte hier in erster Linie die durch Beschlüsse dieser Art unliebsam bekannt geivordene K o in- Mission VA, in deren Bezirk viele Arbeiter der englischen Gaswerke wohnen und so manche Frau eines solchen Ar- beiters wegen der ihr von den Gaswerken gewährten Beihilfe keine weitere Unterstützung erhalten hat. Einheitliche Grund- ätze für die Unterstützungskommissionen seien notwendig, um solchen Ablehnimgsbeschlüssen einen Riegel vorzuschieben. Auf die scharfen Angriffe unseres Redners fand Stadtrat V e n z k y, der Borsitzende dieser Kommission, kein Wort der Erwiderung. Er brachte es nur zu einen» schwachen Versuch, sich durch einen Zwischenruf zu wehren. Ten Antrag unserer Genossen, die Magistratsvorlage wegen des gerügten Mangels einem Ausschuß zu überweisen, unterstützten auch alle frei- sinnigen Redner. Stadtverordneter Cassel pflichtete dem Verlangen nach einheitlichen Unterstützungssätzen bei, damit die beklagten Ungleichheiten endlich mal ein Ende nähmen. Die Einsetzung eines Ausschusses wurde beschlossen. Die K r i c g s b e s ch ä d i g t e n f ü r s o r g e der Stadt arbeitet schon seit mehreren Monaten, aber erst jetzt legt der Magistrat den Stadtverordneten einen ausführlichen Organi- sationsplan vor. Den Kriegsbeschädigten will inan Haupt- sächlich durch Berufsberatung und Berufsausbildung sowie durch Arbeitsvermittlung die Möglichkeit schaffen, ihr Fort- kommen zu finden. Ten vom Magistrat aufgestellten Ent- Wurf unterzog Genosse Ritter einer eingehenden Kritik, die manches als noch sehr verbesscrungsbcdürf.tig nachwies. Seine Bedenken suchte Stadtrat P r e u ß zu zerstreuen. Auch diese Vorlage wurde einem Ausschuß überwiesen. Abgabe von Diphtherieserum. Mit dem Verein der Berliner Apolbeker ist ein Ueberei,»kommen dahin getroffen worden, daß die Apolheken an Familienangehörige von Kriegsleilnehmern unentgeltlich Diphtherieserum verabfolgen, wenn neben dem Rezept des verordncden Arztes der Kriegsumer« ftützungsfchein des LieferungSvcrbandes Berlin in der Apolycke vorgelegt wird. Zur Vermeidung jeder, gerade bei Diphtherie be« sonders gefährlichen Verzögerung wird nachdrücklichst darauf hinzu- »veisen sein, daß niemand, der unentgeltlich Serum wünscht, ohne den Unterstützungsschein zur Apotheke geht. Ein großer Warenschwindel. Ein großangelegter Warenschwindcl ist durch die Aufmerlsamkeit eines GeldbriesträgerS und einer Zimmervcrmielerin im Keime er- stickt worden. In dem Pensionat von Fräulein Schaede in der Charlottenstraße 74/75 mietete am Montag vor 14 Tagen zum Ende der Woche ein Mann, der sich Adolf Reumann nannte, ein möbliertes Zimmer, das er für geschäftliche Zwecks benutzen»vollte. Als seine Privanvohnung gab er Tempelhof, Bosestraße 40, an. Die verein- barte Miete wollte er an» 1. November bezahlen. Schon nach iveniqc» Stunden ging er, ohne sich über seine Person weiter auszuiveiien oder Papiere vorzulegen,»vieder weg. Der Vermieterin hinterließ er noch den Auftrag, zwei Tische und Stühle in das Zimmer zu stellen, die von Maschinenschreiberinnen benutzt werden sollen. An» Freitag früh kam der Geldbriefträger mit einer Anweisung für Adolf Neumann. Dieser war bis dahin noch nicht»vieder in seinen» Zimmer gewesen. Jetzt erschien er plötzlich vor der Haustür und fragte den Geldbriefträger. wohin er gehe. Als dieser sagte, daß er bei Adolf Neumann zu bestellen habe, erklärte er, dieser Neunioiin sei er. und bat, ihm das Geld gleich auszuhändigen. Der Post- beamte ließ sich aber darauf nicht_ ein, ging � hinauf und Ivurde gleich stutzig, als er nur ein unscheinbares Pappschild an Neumanns Flurtür fand. Auck» die Wirtin äußerte ihre Bedenken. So bekam, Neumann" das Geld nicht ausgezahlt. Er bat den Briefträger, am nächsten Tage wiederzukommen bis dahin werde er sich die erforderlichen AuSiveiSpapiere beschaffen. Daun ging er gleich wieder weg mit dem Bemerken, daß er in Potsdam gcicbäft- iich zu tun habe, und kam nicht wieder zurück. Am Sonntag schrieb er aus Potsdam an die Wirtin, es fei ihm»»och nicht gelungen, sich die AuSweispapiete zu besorgen. Er habe nicht geglaubt, daß ihm die Post solche Scherereien machen würde, da es sich doch bei ihm um ein reelles Unternehmen handle. Unterdessen gingen bei der Wirtin für ibn jeden Tag Hunderte von Postkarten und Briefen ein. auch ganze Stöße von Zeitungen, die folgende Anzeige enthielten: .1». Taiel-Margarine. Vorzügliche Qualität in i-Pfd.-Packung. 5 Pfd. für 7 Mark. 5-Kilogramm-Postpakct. netto 9'/., Pfd. 13 Mark franko. Nur»egs« Boremsenduu» isi Betrages.' Nur solange Vorrat reicht. Adolf Neumann, Berlin SW 12, Nahrungsmittel en gros Charlottenstr. 74/75."_ .Neumann" hatte diese Anzeige in mindestens 50 Zeitungen in Schlesien, Ostpreußen, Westpreußen, Pommern, Thüringen und im Rheinland und Westfalen je viermal hintereinander veröffentlicht. Um dieses wirklich billige Angebot be- warben fich brieflich, telegraphisch und telephonisch nicht nur Privat- und Geschäftsleute, sondern auch Gemeindeverwaltungen und, merkwürdigerweise, auch Molkereien und Gulspächler. Ja, sogar aus dem Felde kamen viele Bestellungen von Kriegern, die die gesparte Löhnung benutzen wollten, um ihren Frauen zu Hause mit der billigen Margarine eine Ueberraschung zu bereiten� Viele Bewerber hielten sich nicht erst lange mit Anfragen auf, sondern schickten gleich den Betrag für mindestens eine Postsendung ein. Telegravhische Bestellungen lauteten in mehreren Fällen bis auf 100 Zentner. In Postanweisungen gingen bis jetzt schon 6000 Mark ein.„Herr Neumann" aber bekam zum Glück nicht einen Pfennig ausgezahlt. Die Postverwaltung behielt alles in Gewahrsam, obgleich„Neumann" eines Tages auf dem Amt erschien und ein Schreiben der Gemeindeverwaltung vorlegte, daß er dort wohne und Inhaber einer Lebensmittel-Großhandlung sei. Die Post erkundigte sich in Tempelhof. und dort wußte man nichts von diesem Treiben., Neumann" aber war, als diese Aus- kunft einging, bereits verschwunden. Er hatte sich das Schreiben wahrscheinlich selbst gefälscht. Nach diesem Be- such auf dem Postamt hat man nichts mehr von ihm ge- sehen. An dem Pensionat in der Charlottenstraße aber geht den ganzen Tag die Klingel. Bon morgens bis abends kommen Leute, die vertrauensselig Geld eingeschickt, aber keine Margarine bekommen haben, auch Händler von außerhalb, aus Breslau, Hirsch- berg usw., die sich jetzt mit dem Großhändler persönlich in Ver- bin'dung setzen wollen. Die Kriminalpolizei hat alle Maßregeln ge- troffen, um des Schwindlers habhaft zu werden. Der Tapezierer Neumann, der in der Bosestr. 40 zu Tempelhof wohnt, hat mit ihm nichts zu tun. Der Gauner hat seinen Namen mißbraucht. Pasfierscheinc zur Reise an die Front. Dem Oberkommando in den Marken gehen fortgesetzt Gesuche um Ausstellung von Passierscheinen zu Reisen an die Front usw. zu. Das Oberkommando weist erneut darauf hin, daß alle derartigen Gesuche von Inländern, die im Landesvolizcibezirk Berlin wohnen, an das stellvertretende Generalkommando des Gardekorps, Hinter dem Gießhause 3, von den in den übrigen Bezirken der Provinz Brandenburg wohnhaften, an das stellvertretende Generalkommando des Hl. Armeekorps, Genthiner Str. 2, zu richten sind. Ausländer haben fich, soweit sie sich im Landespolizeibezirk Berlin aufhalten, an die Kommandantur Berlin, die übrigen ebenfalls an das stell- vertretende Generalkommando des HI. Armeekorps zu wenden. Eine genaue Befolgung dieser Vorschriften liegt zur Verhütung von Verzögerungen im eigenen Interesse der Gesuchsteller. Ein Stiergefecht in Weistcnsee. Zu einem regelrechten Kampfe mit einem wildgewordenen Stier ist es Mittwoch in Weißensee gekommen. Aus einem Schlachthauie in der Lothringen Straße war nachmittags ein junger, kräftiger Bulle ausgebrochen. Das Tier rannte auf ein Laubengrundstück und dann gegen einen festen Drahtzaun. Hier blieb er in dem Draht hängen und überschlug sich. Gegen mehrere Männer, die den Bullen von dem Laubenland verjagen wollten, lief das wilde Tier mit gesenkten Hörnern an, und nur mit knapper Not gelang es ihnen, zu flüchten. Schließlich eilten einige Schlächtergesellen herbei, und es entspann sich nun ein förmliches Stiergesecht, dem zahlreiche Zu- schauer beiwohnten. Aber auch die Schlächter, die sich mit schweren Hammern und Stoßmessern bewaffnet halten, vermochten zunächst nichts gegen den rasenden Bullen auszurichten und gerieten vielfach in Gefahr, aufgespießt zu werden. Als einer von ihnen auf das Dach einer Laube kletterte und den Stier- anlockte, rannte das Tter mit solcher Gewalt gegen die Laube an, daß sie beinahe umgeworfen worden wäre. Schließlich fiel das Tier einer List znm Opfer.- Es wurden aus dem Erdboden Schlingen-aus starken Wäsche- leinen ausgelegt, der Bulle hineingeiockl und durch Zuziehen der Schlingen zu Fall gebracht. Totgeschlagen. Als in der Nacht zum letzten Montag der Be- sitzer R. aus Hermsdorf nach Hause kam, bemerkte er auf dem Hofe seines Grundstücks einen Mann, der sich an den Türen zu schaffen machte. Auf die Frage des Besitzers erwiderte der Unbekannte, daß er Unterkunft für die Nacht suche. Von dem Besitzer vom Hose ver- wiesen, begab sich der Fremde zu dem Nachbarbauie des Besitzers F., der ihn bald darauf in einem Zimmer auf dem Sofa liegend vorfand. F. rief nun den Besitzer R. und zwei weitere Bekannte hinzu und alle vier verabfolgten dem Eindringling eine gehörige Tracht Prügel, wobei auch ein Stock mit Stahleinlage in Tätigkeit getreten ist. Die vier Personen brächten dann schließlich den Unbekannten nach der Arrestzelle und holten dann den Nachtwächter herbei, der den Fremden einschloß. Als der Wächter nach kurzer Zeit nach dem Manne sah, fand er ihn tot vor. Die ärztliche Unter- suchung hat ergeben, daß dem Toten offenbar durch mehrere Hiebe über den Kopf der Schädel zertrümmert worden ist. Die Leiche ist polizeilich beschlagnahmt. Die Persönlichkeit des Toten konnte bis- her noch nicht ermittelt werden. Der Verstorbene ist etwa 35 bis 40 Jahre alt und war gut gekleidet. Ausweispapiere hatte er nicht bei sich.' Die Berliner Feuerwehr wurde am Donnerstag früh mn 6 Uhr nach der Spenerstr. 11 gerufen, wo zwei Frauen bewußtlos auf- gefunden wurden. Sie hatten sich mit Gas vergiftet. Den Be- mühungen der Samariter gelang, es beide Frauen zu retten. In der Stralauer Allee 23n versuchte ein 26jähriges Fräulein aus un- bekannter Ursache aus einem Fenster im zweiten Geschoß zu springen. Die Feuerwehr spannte bei ihrer Ankunft sofort ein Sprungtuch auf und es glückte, das Fräulein in dem Tuch aufzufangen und dann dem Krankenhaus Bethanien zu überweisen, wo es in Pflege ge- nommen wurde. Im Zirkus Schumann entstand am Mittwoch abend kurz vor Schluß der Vorstellung ein Brand. Bei dem Schlußbilde geriet durch herabfallendes Feuerwerk der Baldachin in Brand. Die Flammen konnten bald gelöscht werden. Das Publikum blieb während der Löschung ruhig.— In der letzten Nacht brannte anr Küstriner Platz 9 das Sägewerk. � Der Deutsche Arbeiter-Wandcrbund„Die Naturfreunde" ver- anstaltet am Sonntag, den 7. November, im großen Saal des Gewerkschaftsbauses einen Volksliederabend. Einlaßkarten a 30 Pf. sind in der Geschäftsstelle Fritz Krause, Mariannenstraße 11, bei Horfch, Engelufer 15, sowie in den Zahlstellen zu haben. Ms öen Gemeinden. Teuerungsdebattcn in der Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung. Die Sitzung der Charlottenburger Stadtverordneten vom Mitt- woch war wiederum durch die Beratung einer Reihe von Vorlagen ausgefüllt, die durch den Krieg bedingt waren. Von der Mitteilung über die Erhöhung der U n t e r st ü tz u n g für die Familien der Kriegsteilnehmer, von der wir unsere Leser bereits in Kenntnis gesetzt haben, ersuchte der Magiilrar zustimmend Kenntnis zu nehmen. Die sozialdemokratische Fraktion konnte sich hiermit nicht einverstanden erklären, sie beanrragte eine Erhöhung der Sätze für die kinderreichen Familien, rief aber durch diesen von den Genossen K a tz e n st e i n und Gebert befür- warteten Antrag den lebhaften Widerspruch, teilweise sogar Aus- bräche der Entrüstung bei den bürgerlichen Rednern hervor, die den Standpunkt vertraten, da� man an einem mit dem Magistrat ver- einbarlen Kompromiß nicht rütteln dürfe. Der sozialdemokratische Antrag wurde denn auch mit großer Mehrheit abgelehnt. Zur Annahme gelangte die Magistratsvorlage, wonach die Sätze für die Erwerbslosen f.ürforgs während des Krieges eine geringe Erhöhung erfahren sollen, und zwar für alleinstehende Männer oder Frauen auf 7 M., für ein Ehepaar auf 11 M.. für jedes Kind unter 16 Jahren auf 2,60 M. und� für jede erwachsene Person desselben Haushalts auf 4 M. wöchentlich. Genosse Dr. Borchardt forderte bei dieser Gelegenheit die baldige Einberufung der gemischten Deputation, damit die Grundlagen für einen Ausbau der Erwerbsloscnfürsorge auch in Friedenszeiten be- raten werden könnten. Eine recht lebhafte Debatte entfesselte der Bericht des Aus- schusses über die Magistratsvorlage betreffend� Kriegs- t e u e r u n g s z u l a g e n. Wir haben die Beschlüsse des Aus- schusses kürzlich bereits mitgeteilt. Die Sozialdemokraten stellten hierzu eine Reihe von Abänderungsanträgen. So beantragten sie u. a. die Heraufsetzung der Diensteinkommensgrenze für die Gewährung von Teuerungszulagen für verheiratete und kinderlose Arbeiter und Angestellte von 2000 auf 2500 M., und ferner, daß Familienhäupter mit einem jährlichen Diensteinkommen von nicht mehr als 1600 M. eine um 50 Proz., Familienhänpter mit einem jährlichen Dicnsteinkommen von nicht mehr als 2000 M. eine um 25 Proz. erhöhte Kriegsteuerungszulage erhalten sollen. Die Anträge wurden von den Genossen Dr. Borchardt und Gebert begründet, von den Rednern der bürgerlichen Parteien aber bekämpft und samt und sonders abgelehnt, es blieb bei den Vorschlägen des Ausschusses. Das gleiche Schicksal widerfuhr einem sozialdemokratischen An- trage zur Frage der L e b e n s m i t t e l t e u e r u n g. Der Ausschuß hatte beantragt, den Magistrat zu ersuchen: 1. Maßnahmen zu er- greifen, um die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln für die weitere Dauer des Krieges zu sichern; 2. den städtischen Verkauf von Lebensmitteln soweit als möglich auszudehnen und die Verkaufspreise auch ferner so festzusetzen, daß da- durch höchstens die Selbstkosten gedeckt werden; 3. sür die minderbemittelte Bevölkerung, namentlich die Angehörigen von Kriegsteilnehmern, besondere Vergünstigungen eintreten zu lassen. In scharfer Weise übte Genosse Katzenstein Kritik an der Lebensmittelteuerung und an den bisher vom Reich, vom Staat und von den Gemeinden ergriffenen Maßnahmen. Unser Redner zog sich hierdurch den Unwillen der Ver- treter der liberalen Fraktionen zu, die durch die Angriffe aus die Regierung nervös wurden und ganz besonders ungehalten waren über einen von der lsozraldemokratie gestellten Antrag, der den Magistrat ersucht, den Reichskanzler auf- zufordern, behufs durchgreifender Regelung der Nahrungsmittel-. Versorgung die unverzügliche Einberufung des Reichstages zu ver- anlassen. Unter Ablehnung des sozialdemokratischen Antrages wurden die Anträge des Ausschuffcs mit geringfügigen Aenderungen angenommen.. Unterstützungserhöhung in Neukölln. Nachdem schon i» der vorigen Woche die Kriegsnotstandskom- Mission öen Kriegerfrauen neben der erhöhten Reichsuntcrstützung eine Feuerungszulage im Werte von 3 M. pro Monat bewilligte, beschloß sie in ihrer gestrigen Sitzung, den Kindern und den übrigen untcrstützungsbcrechtigten Angehörigen der Kriegsteilnehmer außer der staatlichen Erhöhung noch einen kommunalen Zuschlag von 75 Pf. pro Monat und pro Kops zu bewilligen. Ein weitergehender Antrag der sozialdemokratischen Vertreter wurde abgelehnt. Den Kriegerfrauen darf der kommunale Zusckllag nur entzogen werden, wenn das jetzige Einkommen mehr wie 75 Proz. des vordem Kriege bezogenen Einkommens beträgt. Lichtbildervortrag der Stadtgemeinde Neukölln. Montag, den 8. November 1915, abends 8Vö Uhr, veranstaltet die Stadtgemeindc Neukölln in der Aula der Realschule, Boddin- straße 34/41, mit dem Universitätslektor Dr. E. Th. Waller(Sund) einen Lichtbildervortrag über„Wanderungen durch Schwedens Kultur- land und Wildmarken". Kinder, auch tn Begleitung Erwachsener, haben keinen Zutritt. Numerierte Platzkarten, die zugleich zur kostenlosen Abgabe der Garderobe berechtigen, sind züm Preise vost 10 Pf. im Ralhause, 2 Treppen, Zimmer 210. während der Dienst- stunden von 8—3 Uhr, sowie an der Abendkasse erhältlich. Der Vortrag beginnt pünkrlich zu der angegebenen Zeit, so daß ver- spätet kommende Besucher nicht zugelassen werden können. Kartoffelhöchstprerse in den Vororte». Dem Beispiele Berlins folgend, haben auch jetzt die Vorort- gemeinden Eharloltenburg, Schäneberg, Wilmersdorf und Tempel- hos die Höchstpreise für Kartoffeln auf 40 Pfennig pro Pfund festgesetzt. Lebensmittelfürsorge in Adlershof. Es sollen in nächster Zeit Eier sür 17 Pf. das Stück, Weißkohl Vi Zentner 1,75, Kohlrüben V« Zentner 1,25 M. abgegeben werden. Außerdem kommen Hülsenfrüchte und Heringe zum Verkauf. Das Gemüse wird direkt durch die Gemeinde verkauft, während der Ver- kauf der übrigen Lebensmittel in den durch Plakate kenntlichen Ge- schäften, darunter Konsumgenossenschaft, unter Konirolle der Gemeinde stattfindet. Heimarbeiter und Einwohner, welche nur auf Petroleum- beleuchiung angewiesen sind, erkalten von der Gemeinde Petroleum. Die Abgabe erfolgt nur gegen Vorzeigung der Pelroleuinkarlc. Zur Erlangung derselben ist eine Bescheimgung des Hausbesitzers not- wendig, aus der hervorgeht, daß Bewerber nur auf Petroleum- beleuchiung angewiesen sind. Die Karten sind erhältlich Gemeinde- amt Bismarckstraße, Zinimer 10, Mittwoch und Freitag von 8 bis 11 Uhr vormittags._ Soziales. Die deutschen Bergarbeiter im Jahre 1914. Die Knappschaftsberufsgenoffenschast hat vor kurzem ihren Rechenschaftsbericht sür das Jahr 1914 herausgegeben. Einleitend bemerkt der Berichterstatter, daß der un August 1914 ausgebrochene Krieg hemmend aus die Entwickelung des deutscheu Bergbaues ein- gewirkt habe. Die Kuappschastsberufsgeuosscuschaft zähhe im Jahre 1914 insgesamt 1896 versicherte Betriebe mit 841 118' be- schästigten Arbeitern. Die insgesamt gezahlte Lohnsumme betrug 1268 639 607 M. oder pro Arbeiter im Jahr 1508,28 M. Die Zahl der Betriebe ist um 82, die der beschäftigten Arbeiter um 77 687 oder um 8,5 Proz., die Lohnsumme um rund 190 000 000 M. oder um.13,0 Proz. zurückgegangen. Die Lohnsumme des einzelnen Arbeiters ist von 1587,52 M.(19131 1508,28 M. oder rund gerechnet um 80 M.(1914) zurückgegangen. Ein trübes Bild in dem Kampf ums Dasein der Bergarbeiter sind die Unfälle. Die Zahl der gemeldeten Unfälle betrug im Berichtsjahr 122 982 gegen 133 710(1913). Das ist ein Rückgang um 10 728. Indessen, so erfreulich das Sinken der Unsallzisfer ist, so kommt als Ursache hierfür lediglich die recht erhebliche Abnahme der Zahl der beschäftigten Arbeiter, die mit Ausbruch des Krieges einsetzte, in Betracht. Ziehen tvir einen Vergleich zwischen dem Berichtsjahr und dem Vorjahr(1913), so sind nur die Monate Januar bis Juli beider Jahre in Rechnung zu stellen; dann ergibt sich folgendes: in den ersten sieben Monaten des Be- richtsjahres wurden 82 841 Unfälle gegen 77 399 in derselben Zeit l1913> gemeldet. Das ist(1914) ein Mehr von 5442. Von 1894 bis 1910 wurden 1206 674 Unfälle gemeldet, diese Ziffer stieg auf 1 699 552 im Jahre 1914. Oder auf 1000 versicherte Personen kamen im Berichtsjahr 146,21 gemeldete Unfälle. Massenunsälle — das sind solche, bei denen 10 oder mehr Personen ver- letzt wurden— fanden im Berichtsjahr 6 statt. Insgesamt wur- den durch sie 48 Personen getötet und 53 verletzt, gegen 30 und 57 im Jahre 1913. Die Zahl der entschädigungspflichtigen Unfälle— das sind solche, die nach Abschluß des Heilverfahrens bzw. nach Wlauf der 13. Woche noch erwerbs störende Unfallfolgen hinterlassen haben— betrug 12 672. Unter diesen bilden die schweren Unfällen ein besonders trauriges Bild. Unfälle mit t ö d- lichem Ausgang wurden 1952, mit dauernder völliger Erwerbsunfähigkeit 72, mit dauernd teil weis er Erwerbsunfähigkeit 2342 und mit vorübergehen- der Erwerbsunfähigkeit 8256 gezählt. Auf 10 000 versicherte Per- sonen kamen 23,21 Todesfälle gegen 23,08 im Jahre 1913 und aus 10 000 versicherte Personen kamen 150,66 c n t s ch ä d i g n n g s- Pflichtige Unfälle. Außerordentlich hoch ist die Zahl der Uu- fülle, die infolge der„Gefährlichkeit des Betriebs an sich" verursacht wurden. Sie beträgt 67,05 Proz. Diese hohe Prozentziffer steht wohl in ursächlichem Zusammenhange mit der Geringfügigkeit der Summe, die für Ar b e i t er.s chu tz, sür Leben und Gesundheit der Bergarbeiter im Berichisjahr von der Berufsgcnossenschaft aufgewendet wurde. Für die Heber- tv a ch u n g der Betriebe wurden insgesamt 8753,27 M. aus- gewendet; die Sektionen I(Bonn) und VI(Bculhen, Oberschl., haben nicht einen Pfennig dafür ausgegeben; die große Sektion II hat ganze 339,11 M. dafür hergegeben. Für Erlaß von Unsallverhütungsvorschnften wurden insgesamt 713,70 M., darunter vom Genossenschaftsvorstande allein 545,27 M. aus- gegeben. Soll der Arbcitcrschutz im Bergbau nicht mehr als „weiße Salbe"'sein, so würden auch die„Gefahren des Betriebs an sich" durch, planmäßige Ueberwachung der Betriebe ganz erheb- lich zurückgehe». Ju schreiendem Gegensatz zu der Knappheit der Mittel für Ueberwachung der Betriebe stehen die enormen Kosten für„lieber- wachung" der Rentenempfänger. Für die Unfalluntersuchuiegen, Fcstsbellu ng der Renten und Ueberwachung d e r R e n t c n- cmpfängcr wurden im Berichtsjahre 631 534,82 M., für Vergütungen, Reisekosten, Tagegelder usw. an dm ehrenamtlichen Organe des Gcnossenschastsvurstandes und der Sektionen wurden 54 620,29 M. ausgegeben. Die Zahl der Unfälle nach Wochentagen gegliedert ergibt folgendes Bild: Von den gemeldeten Unfällen im Jahre 1914 entfallen auf den Sonntag 2423, Montag 13 801, Dienstag 20 675, Mittwoch 20 613, Donnerstag 19 493, Freitag 20 378, Sonnqbend 20 599, zufainmsn 122 982. Die ungeheuer große Vernichtung von Menschenleben, von Familienglück und Lebensfreude, die in den furchtbar hohen Unfallziffcrn zum Ausdruck konunt, findet ihre Ursache in der übermäßig langen Arbeitszeit, dem Akkord° g c d i n g c, dem ungenügenden A rb e i t'e r s ch u tz und in der geradezu völlig ungenügenden Ueberwachung der Betriebe. Die Renteneutschädigung betrug im Berichtsjahr 29 958 475,06 Mark, davon erstmalige Renten 4 000 049,03 M. Die Durch- schnittsreute zeigt das folgende interessante. Bild: Die Vollrcntc betrug bei den Sektionen I 805,67 M.,.11 955,03 M., III 750,41 M., IV 756,97 M.;'V 704,97 M.. VI 791,67 M„ VIT 772,38 M., Vi!I. 811,82 M. Durchschnittlich betrug die Rente für eine Person bei den Sektionen: I. 33,82 Proz. der. Vollrcnte 292,81 M. II.' 30,86. V'„ 294,76. III. 28,02,., 285,34„ IV. 27,20,,. 208,63„ V. 32,99,. 232,36, VI. 34,79.,„ 227,55, VII. 31,05,,„ 239,85, Vm. 35,67„„ 289,61. Für die Gesamt-Berussgenossenschaft. betrug die durchschuittliche Vollrcntc 861,40 M., die Durchschni ttsrente für eine Person betrug 30,90 Proz mit 266,14 M. Im Ringen um ihre rmd ihrer Angehörigen Existenz haben die Bergarbeiter auf dem Schlachtfelde der Arbeit von 1866 bis 1914 entsetzliche Opfer bringen müssen:' 37 431 Tote,'2171 dauernd v-ölli.ge Krüppel und 122 348 vorübergehend cÄverbSMfähigo' rKrüppcl.- -: Fürchtdären JauuNer und Elend decken diese trockenen kalten Ziffern auf. Sie heischen gebieterisch: ein Reichs berg- g e s e tz un d mehr B c r ga r b e i t c r f chu tz. Aufschiebung des Arbeiterschtches in der Großeisenindusiric. Am 4. Arai 1914 beschloß der Bundesrat auf Grund der KZ 1201 und 189 b der Gewerbeordnung einige Schuhmaß- nahmen sür die Großeisenindustric. Diese sollten am 1. Dezember 1914 in Kraft treten. Gleichzeitig wurde bestimmt, daß die auf Grund des Z 3 der Verordnung vom 19. Dezember 1908 gestatteten Ausnahmen außer Kraft treten sollten. Eine Bnndesratsverordnung vom 21. Oktober 1914 verschob jedoch das Inkrafttreten des angeordneten Arbeiter- schutzes und das Außerkrafttreten der Ausnahmen auf den 1. Dezember 1915. Der gestrige„Reichs-Anzeiger" enthält eine neue Bundesratsverordnung, die das Inkrafttreten des Arbeiterschuhes auf den 1. Dezember 1916 verschiebt und auf denselben Zeitpunkt das Außerkrafttreten der Ausnähmen von der Verordnung vom 19. Dezember 1903 verlegt. Gerichtszeitung. Das Reichsgericht über das Bentcrecht. . Zum erstenmal in diesem Kriege hat der höchste deutsche Gerichtshof Veranlassung gehabt, zu dem Begriff des Beute- rechts Stellung zn nehmen. Es handelte sich um die Verurteilung eines Angeklagten wegen Unterschlagung an inilitärischen Kleidungsstücken, die von einem Gesechtsselve stammten. Grundlogend führt das Reichsgericht im Urteil vom 3. Mai 1915 nach der Zusammenstellung der neuesten Kriegsurteile des Reichsgerichts von ReichsgerichtSral Conrad in der„Deutschen Strafrechls- Zeitung" aus, daß derartige Sachen, die ein kriegführender Staat an Angehörige seines Heeres zum Gebrauch überläßt, also zunächst in' seinem Eigentum stehen, dann, wenn ihr Träger im Gefechte fällt oder sie im Stich läßt, wegwirft oder preisgibt, nicht herrenlos werden, weil eS dazu des Verzichts auf das Eigentum durch de» Berechtigten bedürfe. Zum Beutemachen sind Privatpersonen nach Landesrecht nicht befugt; nach Kricgsgebrauch und den völkerrechtlichen Verein- barungen ist die Kricgspartei zwar zur Erbeulung der dem Feind völlerrechtlich abgenommenen Gegenstände berechtigt, die Beute gehört aber dem beutemachenden Staat, nicht dem einzelneu Soldaten, es bedarf der Ermächtigung, wenn er die erbeutete Sache soll behalten dürfen. Spielen mit Revolver. Die Unsitte, mit einer Schußwaffe zu spielen, hat wieder einmal� einen schweren Unglücksfall zur Folge gehabt, für den der 17jährigc Handelsschüler Franz Rosenheimer aus Wien zur Verantwortung gezogeil wurde. Der wegen fahrlässiger Tötung angeklagte junge Mann ist der Sohn eines in Wien ansässigen Fabrikbesitzers und kaiserlichen Rats. Er ist in Wien der sogenannten alademischen Legion beigetreten, welche aus jungen Leuten besieht, die auf den verschiedeneu Bahuhöfen bei der Ankunft und der Abfahrt der Truppen und dem Eintreffen von Verwundeten freiivillige Hilfe leisten. Da sie bei dieser Tätigkeit oft des Nachts von einem Bahnhof zum andren wandern müssen, Pflegen sich die jungen Leute mit.Revolvern zu ver- sehen. Auch der junge R. batte sich, ohne daß seine Eltern davon wußten, einen sechsläufigen Revolver angeschafft, und als er nach Berlin fuhr, um seine Ferien im Hause seiner in Schöneberg wohnenden verheirateten Schwester zu. verleben, nahm st die Schuß- Itmffe mit, naKdcm er inich seiner Meinung alle darin befindlichen Paironen herausgenommen halte. Am 3.' September kam er mil deni Revolver in die Küche, in welcher seine Schwester und das Dienstmädchen sich befanden. Als die Schwester die Schustwaffe in der Hand des Bruders sah, bekam sie Angst, wurde aber von dem Angeklagten, der sich über diese Angst amüsierte, dahin belehrt, das; ja gar keine Patronen sich darin befänden. Da bekam das Dienstmädchen den Einfall, den Angeklagten lächeln� aufzufordern, doch mal auf sie zu schiehen; der junge Mann erhob auch die Waffe in der Stich,»na auf sie, plöhlich krachte ein Schuh und eine Kugel drang dem Mädchen in die linke Kopfseite. Die Getroffene brach lauiloS zusammen und starb nach wenigen A u g e n b I i c! e n. Der Angeklagte, dem das beste Leumundszeugnis negeben wird, fleht noch heute unter dem seelischen Druck, den diekeS Ereignis aui ihn ausgeübt hat und bereut tief, was er mil feinem unseligen Späh angerichtet hat. Bei der ganzen-Sachlage hielt das Gericht mit dem Rechtsanwalt Dr. Klee ein miideS Slralmas; für angebracht und verurteilte den Angeklagten zu drei Woche» Gefängnis. Der fahrlässige Schühe soll auch der bedingteil Begnadigung empfohlen weiden. bzw. Ins.- bzw Füs.-Regimenter Nr. 6, 7, 11, 12, 15, 13, 17, 13, 21, 23, 31, 33, 35, 36(s. Feldfliegerlnippe), 40, 41, 43, 46(f. Jnf.- Reg, Nr. 373), 49, 51 bis einschl. 55, 50, 61, 70, 72, 77, 88, 84, 85, 88, 90 bis einschl. 95, 97, 90, 109, III, 112, 114, 115(f. Jnf.-Reg. Nr. 116), 116, 117, 128, 130, 132, 135, 138, 137, 140, 141, 144, 147, 149 bis einschl. 153, 155, 157, 158, 159, 161, 163 bis einschl. 168, 186, 193, 362, 857, 358, 859, 361, 862, 885, 808, 369. 370, 371, 378, 375. Res.-Jnf.-Regimenter Nr. 6, 7, 12, 15, 16, 18, 84, 38, 48, 51, 55, 60, 61, 72(f. Jnf.-Reg. Nr. 72), 73, 77, 83, 87, 88, 93, 98, 99, III, 116, 130, 220. Landw.-Jnf.-Regimenter Nr. 5, 6, 11, 15, 18(f. auch Landw.-Jnf.-Reg, Nr. 84), 26, 27, 34, 35, 39, 49, ! 53, 61, 75, 77, 84, 85, 99, 109, 116, 349. Brig.-Ers.-Batailloue Mus o!ler Welt. Eine treffende Antwort. Eine gute Belehrung wurde einer sparsamen Dame zuteil, die folgende Anzeige erlassen hatte:„Eine Dame von zarter Gesundheit sucht eine passende Gesellschafterin. Diese mus; häuslich, musika- lisch, liebenswürdig, in der Pflege erfahren, von gutem Aussehen sein und früh«rufstehen. Temperenzleriunen bevorzugt. Gemüt- lichcS Heim, kein Gehalt." Einige Tage später erhielt die Dame einen Korb. Beim Oeffnen präsentierte sich eine Kaste als Inhalt, die einen Brief folgenden Inhalts um den Hals gebunden hatte: „Gnädige Frau! Es freut mich, Ihnen auf Ihre Anzeige eine durchaus passende Gesellschafterin senden zu können, die allen Ihren Anforderungen entspricht. Sie ist häuslich, im Besitz guter Stimm- mittel, sieht früh auf, besitzt einen liebenswürdigen Charakter und gilt allgemein für hübsch. Sie hat als Pflegerin große Erfahrung, da sie schon eine zahlreiche Familie aufgezogen hat. Ich brauche kaum zu bemerken, daß sie vollständig Teinperenzlerin ist. Gehalt l>eansprucht sie nicht und wird Ihnen für ein gemütlkhes Heim durch treue Dienste dankbar sein." Die verschwundene Leiche. Ftne kaum glaubliche Geschichte hat sich in Steinwitz(Thü- ringen) zugetragen. Dort wurde früh 7 Uhr die Tienstmagd Leder im Porzigschen Gute erhängt aufgefunden und für tot gehalten. Als man gegen mittag nach der Leiche sehen wollte, war sie der- schumnden. Die Magd hatte sich vollständig erholt nnd war, ohne jemand in Anspruch zu nehmen, nach Altenburg gegangen. Verlustlisten. Die Verlustliste Nr. 371 der preußischen Armee enthält Verluste folgender Truppen: Gouvernement Graudenz. Infanterie usw.: Garde: Garde-Schützen-Bataillon. Gren.- , Nr. 10. 12(beide s. Jnf.-Reg. Nr. 350). 15l210 Uhr pünktlich am Herz- bergplatz. ßrauenvsremftaitungen. Ter Verein für ftraiicu und Mädchen der Nrheiterklasse hat eö sich feit(einem Belieben zum Ziele geletzt, in seinen VeAammiimgen be- ( anders alle für die proletarischen.«rauon bednitungSoollen ftraien zu erörtern, ihnen einen Sammcipuni: geistigen Lebens und ooilttsch sozialer Aiisllärung zu geben.— Tic nächsten Mitgliederversammlungen finden stliti: Monlag, den 8. November, Vortrag des Genossen Robert Dchmidt über:.Unsere ioffalvolitischeii Forderungen nach dem Kriege." Montag, den 13. Dezember, Vortrag des Genossen Heinrich Schulz über:.Unsere Erzieherausgaben nach dem Kriege." Bersamm- InngSIotal: Neue Pbilhgrmonie, Kövenicker eir. 96/97.— Mäste haben keinen Zutritt, doch können neue Mitglieder vor Beginn der Versammlungen ausgenommen werden. Tcutseder Zlrbciter-Wanderbund»Tic Naturfreunde«. O r t S- g r u P P e Neukölln- Unsere MonatSoersammlung findet heute Frei- tag- den 5. November, abends S'/, Uhr, im.Fdeai-Kassno", Weichsel» sirnfie 8, statt Der Schut.verdaiid der Schwerhörigen veranflaltet am Dienstag, den 9. N o v e in b e r, abends S'/, Uhr. im B ü r g e r s a a I des Rathauses /Eingang ftönigstraiiei eine grosse öfien-llche Beriammlung. Alle LeidenSgeiährle» und Freunde unserer Bestrebungen sind berzlich will- lommen. Eintritt frei— Es morden u. n. Vorträge über Zweck und Ziel unseres Verbandes, Slellenoermittelung, Abseh-Unterricht. Horavparate ge- datlen. Vielhörer zur freien Benutzung für alle Leidensgefährten. öriefkasten üer Reöaktion. L. A. ivv. 1. Mietznschuss kann in dem Falle verweigert werden. 2. Sic sind verpflichtet, das anzugeben. 3. Ja. 4. Sie haben nur noch Anipruch auf zwei Wochen Wochengeld und eveiitl. aui Sttllgeld.— Tranbe 21. Als gewerblicher Arbeiter können Sie im Fall der Er- krankung ircht den Lohn für 14 Tage beanipruchen. Zahlt Ihnen der Unternehmer noch für 14 Tage Lobn und werden Sie innerbalb der Zeit vom Aizt arbeitsfähig geichrieben, so müssen Sie(ich dem Unlernebmer wieder zur Bersüguna stellen.— M. B. lvv. Die Frau bat, wenn Bedürstigteit vv- liegt, Anipruch aus Unterstützung. Drele wirb ihr von der Gemeinde gezahlt, in der sie und ihr Mann bei seiner Einberuiung ihren Wohnsitz hatten. Anspruch aus Witwenrente besieht für sie.— Z. 7. Ja. — P. H.<»• Sic müssen innerhalb der im Rentenentziehungsbescheid angegebenen Frist bei der Bernfsgenossenfchaft Einfpruch einlegen. Etbalten Sie Iveiterc» Bescheid, so würden wir Ihnen empfehlen, in unlere Sprech. stunde zu kommen.— J. III. Sie müssteu mit Ihrer Sache ichon periönlich in die juristische Sprechstunde lommen.— X.?). Z. Ja. — 31. ST. 10. 1. Der Antrag auf Löbnung ist an das Ersatzbataillon des Regiments, von dem der Gefangene eingezogen wurde, zu richien. 2. Nach einem(Mass des Kriegsminiftcriums vom 9. Februar d. I. soll den Miiitärkindern eine Schulgeidbeihilfe gewährt werden. Der Antrag ist vom Vater durch feinen Truppenteil zu stellen.— M. ST. 23. An das Erjatz- bataillon des Neginiculs, von dem Ihr Mann eingezogen wurde.— ZitetterauSfichren für das mittlere Rvrddenrfctiland diS Sonnabend mittag. Ein wenig kübler. Zunächst noch überall trübe und nebelig mil weitverbreiteten, östlich der Oder vielfach starken Regenfälleu. Später im Westen beginnende langsame Aufbeiterung- I SoaaliieraokratiseiiepWaWverein! k. ö. S. Berl. Reislistagswalffeis,| 13. Abt. Bez. 677. Am Mittwoch, den 3. November,> verstarb unser Genosse, dcrj Schlosser Mnislöl'l Elberscldcr Str. 10. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet an>> Sonnabend, 6. November, nach- mittags 3 Uhr, vom Traucrhaujc au? nach dem Heilands- Kirch- boic in Plötzenjce statt. Ilm rege Beteiligung wird er- sucht._ Nachruf. 19. Abt, Boz. 831. Am Freitag, den 22. Oktober, verstarb unsere Genossin Martha BaehRiann Schwedenstr. 11. Ehre ihrem Andenke«! Die Beerdigung hat bereit? I stattgesunden. 228/12 Der Vorstand. Mpal-Veitoi! der Bitte ber, Weinkiifer n. Hilfsarbeit. Deotselil. Filiale Merlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Oberbinder Paul Anderka am 1. November im Alter von 31 Jahren verstorben ist. Ehre seinem 31 ud outen! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 6. November, nachmittags 2'/, Uhr, von der Halle des städtischen Friedhofes, -Niillcrstrabe, Ecke Scestrejje, aus 1 statt. Um rege Beteiligung ersucht >22/11 Der Vorstand. SoziaidemokratischerWablvereiD Biederliarnini. Bezirk WaidmannSlust. Ortsgruppe Birkenwerder. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unter Genosse, der Schmied kmst Hennig am 2, November im Alter von 37 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Zlndenken k 246/20 Der Vorstand. Heute mittag ll'/, Uhr > schlies nach kurzem, schwerem � Leiden mein inniggeliebter Mann, � unser treusorgender Vater August karnstork l im 46. Lebensjahre. Dies zeigen in liesem Schmerze an | Emma Barnstorf geb. Btaschke nedsl Kindern Berlln, den 3. November 1915. ! Elberselder Strasse 10. Die Beerdigung findet morgen_ 1 Sonnabend, den 0. November, | nachmittags 3 Uhr, vom Trauer- hause, Elberselder Strasse 10 aus, nach dem Heilands-Kirchhof in Plötzensee statt. !iievtseberMarbeiler-Verbai!d| Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dass| j unser Mitglied, der Mechaniker Oskar Winkel Steglitz, Götiingerstr. 9 | am 1. November gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute � > Freiiag, den 5. November, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- I balle des Gemeinde-Friedhofes in| | Klein-GIienicke aus statt. Rege Beteiligung erwartet Tie Ortsverwaltnng. Nachruf. Den Kollegen ferner zur Nach- > richt, dass unser Mitglied, der Gehilfe tHax Baumbach 1 Schiertestr. 22, am 28. Oktober [ gestorben ist. Ehre seinem Andenken! 121/16 Tie Ortsverwaltnng. Hiermit allen Verwandlen und Bekannten zur Nachricht, daß mein lieber, treusorgender, Herzens- guter Gatte, Vater, Grossvater, Bruder, Schwager und Onkel, der Oberbinder iPsull ilnderka nach längerem, schwerem Leiden injolge NücksallS am 2. November 1915, vormittags£'/< Uhr, ver- sterben ist. A Dies zeigen, um stille Teil- nabme bittend, tiesbetrübt an Witwe 3l»derkä»ebft STiudern und Enkeikind. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 6. November, nachmittags 2'/, Ubr, von der Pditippus-Apostel-Kcwclle nach dem städtiichcn Fricdbos, See- strasse. Ecke Müllerstrasse, aus statt. KmkkllWn-Dorstiilldt! Manie« a>r>inzx. Für die vi-Icn �Beweise herzficher Teilnabme beim Hinscheiden meiner lieben Frau Annes Sommer sage ich allen Verwandten und Be, kannten, dem Wabiveretn und für die trostreichen Worte der Genossin Matschke meinen herzlichsten Dank. Niederlchönhaulen. Lindenstr. 3. A Fz-lvckrlvl» fiinlnmez'. Allgemeine Ortskra nken kass e für Berlin-Britz. Die vom Vorstande beim Versiche- rungsamt des Kreises Teltow bean- tragte teilweise Wiedereinführung der satzungsmässigen Mehrleistungen ist nunmehr genehmigt und wird sortab nach§ 20 Nr. 2 unserer Satzung das Krankengeld vom dritten Tage ab und auch sür Sonn- und Feiertage gewährt; nach§ 22 Abs. 2 unserer Satzung wird an Versicherte, sür die lein Hausgeld zu zahlen ist, ein Krankengeld(Taschengeld) in Hö von einem Zehntel deS Ärundlohi und nach§ 33 Abs. 1 der Satzung als Sterbegeld das Drelssigfache des Grundlobns gewährt. 271/19 A. Haack, 1. Vorsitzender. 16(9 Vis TJcrZuge �tiefet fernen-ScfimlrcKnopf- Stiefel in.fartigcn(oin5cit2>ai, 39-42 01$ 50 Vamen■�fieiyreau■ Schnür Stiefel.•$/*{ XacKKappe, neue omeriK: Tonn ffl wv \90 ft Tlcmclhnar'- Schufve angenefm fürJ Aaus Nf t/r» cJttLw Heines Werke > 3 Lände 4 Mark« Ja) er Cln. .v Wfcvteä'».-itift'.« u:» tiAi Alsvksniker ZkMe!» LvMosssr Ansügs kaucksu Lio am dosten uns diUt�ston in äom xi-iiliten d»p«-nial?rvit>vliäkt von Koknen& Jöring, Arbeits- und Berufs-KIeidung Alexanderstraße 12. Roscnthaler Straße 53. Landsberger Allee 148. Neukölln, Bergstr. 66. Buchhandlung Borwärt» Verwaltung Berlin. TeL-Amt Moritzplatz 10623, 3578. Bureau: Rungestrasse 30 Heute Freitag, den S. November, abend» 8ff, Uhr: Stt�ung der Ortsverwaliong. Dt- General-Versammlung findet«m Freitag, den S6.??ovcmber, im GewerkschaftShanse statt. 89/19 Die Ortsverwaltnng. Ntwltttunyssttllk Krrlin 54, LinirnKr. 83-85. Telephon: Amt Norden 185, 123S, 1987, 9714. Bureau geöffnet von 9— 1 und von 4— 7 Ilhr. 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