f 5 Pfennig) M�NtltgSltUSglt�e C 5 Pfennig) Ur. 31«. BbonnfmentS'BcdTngungen: Abonnements■ Preis vränumerand»» vierleljährl. 3�0 Ml. monotL UO Ml, wöchentlich 26 Pfg. frei ins Haus» einzeln» Nummer 6 Pfg. Sonntags» Nummer mit illustrierter Sonntags» Beilage.Di» Neue Welt�>0 Pia Post» Abonnement' 1.10 Marl xro Monat. Eingetragen ln die Post. Zeitung». Preisliste Unter Kreuzband fflt Deutschland und Oesterreich- Ungar» 2�0 Marl, für das übrige Ausland s Marl vro Monat. Poltabonnements nehmen an: Belgien. Tänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. PorMgoch «uollUtien. Schweden und die Schweis. •Uein lZgNch. 32. Jahrg. Vit InIttNons-Sedüdk detrigt für die lechsgcspallene Kolonel- »eile oder deren Raum M Pfg.. für poli tische und gewerlichastliche Vereins- und Versammlnungs-Anzeigen L0 Psg. »Alein« Anreisen", das fettgedruckt- «ort 20 Psg. izulässig 2 fettgedruckte Worte!, ledes writere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg.. jedes wettere Wort 5 Psg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Ynserale ' die nächste Nummer mülscn bis 5 l _ Uhr nachmittags in der Exvedition abgegeben werden. Die Exveditro» tjl bis 7 Uhr abends geöffnet, relegr-mm-«dreffe- �»rlÄsemdliköl Suli». Zcntra\orqax\ der roztaldcmokrattfchcn Partei Deutfcblanda. Neüaktion: EW. öS, �inöenftraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzvlatz. Nr. l3l 90— 15197. Cxpeöition: SV. öS, Linöenstraße Z. Kernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 151 99—151 97. Heftige Kelchiessung der Stadt Gocrz. Aukunstsbilöer. Es ist zu verstehen, daß von all den internationalen Fragen, deren Lösung die Zeit nach dem Kriege bringen soll, keine eingehender erörtert wird, als die zukünftige Gestaltung der Beziehungen zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn. Seit dem Ende der siebziger Jahre stehen die beiden Staaten in einer Bundesgenossenschaft, die gefühlsmäßig an eine frühere, wenn mich anders geartete, so doch äußerlich ebenso intime Gemeinschaft anknüpfen konnte. Schon lange vor dem Kriege sind dabei die Möglichkeiten eines engeren wirtschafts- politischen Zusammenschlusses hüben und drüben besprochen worden, und jetzt Hot das Schulter-an-Schulter-Stehen der Armeen und der Diplomaten in dem großen Ringen eine Stimmung geschaffen, die eine über die Allianz hinausgehende Verbindung der beiden Reiche für die natürlichste Sache von der Welt erachtet. Groß fft die Zahl der Broschüren und Artikel, die über den Gegenstand erschienen sind. Jetzt hat sich ihnen ein Buch „M i t t e l e u r o p a"*) angereiht, das den liberalen Politiker Friedrich Naumann zum Verfasser hat, und man darf schon sagen, daß kaum jemandem das Thema in diesem Stadium der Entwickelung näher läge, als diesem Manne, bei dem sich von_ jeher Stimmung und politische Berechnung zu stets originellen und häuffg auch faszinierenden Bildern zu formen pflegten. Friedrich Naumann steht in der Mitte zwischen einem alt» jüdischen Propheten und dem Leiter des staffstischen Bureaus eines großen Syndikats. Von dem einen hat er den holden Wahnsinn und das Gefühl, von dem anderen die Freude an der Ziffer und an dem zahlenmäßigen Beweis. Der Prophet freilich überwiegt, und seine Bücher sind durchweg mehr Utopie als Wissenschaft, Dichtungen, die durch einige aus Statistiken geformte Brücken mit dem Land der harten Tat- fachen verbunden werden. Das ist's, was ihm und seinen Schriften zu einer verhältnismäßig großen Schar von Be» wunderern verholfen hat, das ist's aber auch, was die Menge der Bewunderer nicht zu einer festen Partei werden läßt, denn wer die Ideen zu halten und zu begreifen sucht, dem geht's wie dem bei'dem Maskenfest im zweiten Teil des Goetheschen „Faust" mit gleißenden Gaben Beschenkten: Es löst sich auf das Perlenband, Ihm krabbeln Käfer in der Hand; Er wirft sie weg der arme Tropf Und umsunnnen ihm den Kopf. So wird auch>dos neue Buch, dieser politische BaÄecker zur Reise nach dem mitteleuropäischen Zukunftsstaat, viel ge» lesen werden, obwohl oder weil es das Problem, das es an» packt, nur oberflächlich und in der Hauptsache mit dem Gefühl behandelt und die harte und mühselige Arbeit genauerer Untersuchung und tatsächlicher Wegbereiwng anderen über- läßt. Naumann will ein Mitteleuropa, das heißt, einen mög- lichst engen Zusammenschluß zwischen Deutschland und der Donaumonarchie. Um es gleich zu sagen: wir wollen das auch, unterscheiden uns von ihm aber in der B e g r ü n d u n g unserer Absicht und, was damit zusammenhängt, in der Zwecksetzung. Naumann denkt vor allem kriegspoliffsch. Deutschland und Oesterreich müssen so eng als möglich an- einanderrücken, um gegen neue Angriffe gesichert zu sein. Weder bei dem einen, noch bei dem anderen, besonders aber bei Deutschland nicht, darf nach dem Kriege der Gedanke auf- tauchen, daß möglicherweise einmal der Verbündete von heute mit den Gegnern von heute in demselben Schützengraben stehen könne. Wenn wir es vermeiden wollen, ein Gebiet zu betreten, das heute verbotenes Land ist, können wir nur ganz allgemein sagen, daß wir Sozialdemokraten uns von einer so gearteten Erwägung nicht leiten lassen. Für unS wäre ein deutsch- österreichischer Zusammenschluß nur wertvoll als U e b e r- gang zu einer höheren Organisationsform Europas und der Welt. Wo Naumanns Pläne enden, fangen die unseren an. Und wenn wir uns damit einverstanden erklären, daß der erste Schritt von Berlin nach Wien und Budapest getan wird, so bestimmt uns dabei weder eine gemütliche Erwägung noch der Glaube, daß gerade diese Annäherung auf irgendeinem Ge- biete besonders vorteilhaft für die deutsche Arbeiterschaft und für unsere wirtschaftliche Entwickelung wäre. Mit dem Ge- müt kann schließlich doch immer nur der Oesterreich den Vor- zug geben, der in ihm einen wesentlich deutschen Staat er- blickt, während wir uns des Charakters der Donaumonarchie als eines Nationalitätenstaates, in dem nach dem Kriege die nichtdeuffcben Elemente mehr Recht fordern werden, als sie vorher besesien haben, bewußt bleiben. Und was das Wirt- •) Berlin, bei Georg Reimer.. Mang Des Großen Mnotneis. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 14. November 1315.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Keine wesentlichen Ereignisse. Oestlicher Kriegsschauplatz. Bei den heerezgeuppen äer Generalfeldmarldjaile v. hindenburg und Prinz Ceopold von Bayern ist die Lage unverändert. Heeresgruppe de» Generals v. Clnflngen. Bei Podgacie(nordwestlich von Czartorysk) brachen deutsche Truppen in die russischen Stellungen ein, machten 1515 Gefangene und erbeuteten 4 Maschinen- gewehre. Nördlich der Eisenbahn Kowel— Sarny schei- terteu russische Angriffe vor den österreichischen Linie«. Balkankriegsschauplatz. Die Armeen der Generale von Kocveß und von Gall- Witz warfen auf der ganzen Front in teilweise hart- nackigen Kämpfen den Gegner erneut zurück. 13 Offi- ziere, 1760 Mann wurden gefangen genommen und 2 Ge- schütze erbeutet. Die Armee des Generals Bojadjieff ist im Anschluß an die deutschen Truppen von der Südliche» Morava her im Vordringen. Oberste Heeresleitung. » ♦ ün llmeMM GennMMdMl. 83 1 e n, 14. R-vember.(83. S. 89.) Amtlich wird der» lautbart: Russischer Kriegsschauplatz. Nach einem Einbruch in die feindliche Stellung norb- westlich von CzartorySk wurden über fünfzehnhundert(1500) Gefangene und vier Maschinengewehre eingebracht. Westlich von Rafalowka haben wir Angriffe abgewiesen. Sonst außer Handgranatenkämpfen bei Sapanow keine Jnfanterietätigkeit an der ganzen Front. Italienischer Kriegsschauplatz. Schon zu Beginn der neuen Schlacht hatten italienische Gefangene ausgesagt, die Stadt G ö r z würde zusammen- geschossen werden, wenn eS nicht gelinge» sollte, sie zu nehmen. Tatsächlich fielen schon an den ersten Tagen der großen Kämpfe zahlreiche Geschosse in die Stadt. Gestern unterhielt die frind- liche schwere Artillerie über den unbezwungcne» Brückenkopf hinweg ein heftiges Feuer auf Görz. Unterdessen war die er- folglose Angriffstätigkcit der Italiener vornehmlich gegen den Nordteil der Hochfläche von Doberdo gerichtet. Nördlich de? Monte San Michele ging ein Frontstück vorübergehend an den Feind verloren; abends wurde rS durch Gegenangriff voll- ständig zurückerobert. Die übrigen Borstöße der Italiener wurden sämtlich blutig abgeschlagen. Bor dem Abschnitt südlich des Monte Dri Sei Bust und vor dem Görzer Brückenkopf hielt schon unser Geschützfeuer jeden Angriffsversuch nieder. Meh- rere unserer Flugzeuge belegten Verona mit Bomben. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Armee v. Kövcß hat in erfolgreichen GebirgSkämpfen weitere Fortschritte gemacht. Die Bisegrader Gruppe hat sich nach heftigen Kämpfen dem unteren Limgcbiet genähert. Auf der Straße nach Javor wurden die Höhen Karagjorgjev Sanae im Ebartale, der Nordhang deS PlaninicarückenS erreicht. Im oberen Rastnagebiet hat sich der geworfene Gegner über BruS und Ploca zurückgezogen. Dir Armee hat in diesen Kämpfen dreizehn Offiziere und zwölfhundert Mann gefangen genom- men. Die Armee v. Gallwitz drängt den Feind in das Toplicatal zurück. Im Anschluß sind die bulgarischen Streitkräfte überall im Borgehen. Der Stellvertreter de» Chef? deS Generalstabe». _ v. H» r f e r, Feldmarfchalleutnant. schaftliche angeht, so erkennt doch selbst der Schwärmer für das neue Mitteleuropa, daß der deuffchen Volkswirtschaft selbst dann, wenn, wie es ihm ganz selbstverständlich ist, das Deutsche Reich in dem neuen Konzert die erste Geige spielt, durch den Zusammenschluß ein Bleigewicht an die Füße gehängt würde. Die Frage wird am brennendsten auf dem Gebiete der Zollpolitik, und wenn auch Naumanns Programm weit, sehr weit über die gemeinsame Regelung handelspolitischer Aufgaben hinausgeht, so muß auch er zugeben, daß hier dgS erste und größte Hindernis liegt, dessen Ueberwindung für alles weitere von Bedeutung ist. Zehn Jahre vor dem poeftschen Versuch über Mittel» europa hat er eine Dichtung über„Neudeutsche Wirtschafts» Politik" herausgebracht. Damals war er unbedingter Frei- Händler, und wer ihn für einen konsequenten Politiker hielt, mußte annehmen, daß er jetzt für eine Staatengemeinschaft ohne Zollmauer eintreten werde. Das war ein Irrtum, und Naumann macht selbst ausdrücklich auf seinen Meinungs- Wechsel aufmerksam. Die Welt, so sagt er, sei inzwischen weiter gegangen, und der entscheidende Sieg der reichÄeutschen Zoll- Parteien habe in der reichsdeutschen Wirtschaft� Verhältnisse geschaffen, die auch derjenige nicht ignorieren könne, der die neue Bewegung vorher bekämpft habe. Dazu komme, daß parlamentarisch eine feste Mehrheit für das gegenwärtige Zollsystem vorhanden sei, daß wir in den nächsten Jahren in der deutschen Politik zu viel anderes zu tun hätten, um bei aussichtslosen Mehrheitsverhältnissen einen- theoretischen Zoll- kämpf zwischen jetzt und der neuen Handelsregelung nach dem Kriege von neuem zu beginnen. Mit diesen Ausführungen, deren Schema wir- jedem Umlerner aufs angelegenste einp- fehlen, hat sich Naumann von den Auffassungen seines„un- vergeßlichen verstorbenen Freundes" Theodor Barth und seines„verehrten Freundes" Professor Brentano endgültig verabschiedet, und es hindern ihn keinerlei Rücksichten mehr, 'das Staatengebilde, das ihm vorschwebt, gemeinsam mit den Schutzzöllnern zu erbauen. Aber auch unter diesen gibt es bekanntlich noch gewisse Meinungsverschiedenheiten, die in die Alternative Zollunion oder ausschließliche Meistbegünstigung zusammengefaßt werden können. Der weitousschauende Charakter seiner Pläne treibt den Verfasser von„Mitteleuropa" ganz naturgemäß an die Seite der Anhänger eines einheitlichen Zollgebietes, nur macht er auf der anderen Seite wieder insofern Zugeständnisse, als er für gewisse Waren im Interesse- der beteiligten Gewerbe eine Zolsinie zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn bestehen lassen will. Schließlich jedoch hält er sich nicht allzu lange bei diesen Schwierigkeiten auf, denn die gemeinsame Zollpolitik ist ihm nur eine unter zahlreichen Gemeinsam- keilen, seine Absicht geht ja dahin, über all die doch nur unter- geordneten Hindernisse hinweg dem Wanderer das seiner Meinung nach so herrliche Bild Mitteleuropas zu zeigen. Wer sich in dieser trüben Zeit durch den Optimismus eines Mannes bezauhern lassen will, der die Kunst besitzt, alle Dinge auf eine einfache, glückliche Formel zu bringen, und alles Störende nach Möglichkeit aus seinem Gesichtskreis zu bannen, der soll zu dem vorliegenden Buche greifen. Will er aber Politik treiben, so muß er anderes und sehr viel nüch- terneres Material zu Rate ziehen, wobei ihm die Zusammen- stcllung, die kürzlich der Genosse Hofrichter in der„Neuen Zeit" gegeben hat, gute Dienste leisten kann. Melüung üer italienischen Heeresleitung. Rom, 13. November.(W. T. B.) Amtlicher Bericht» Unsere mit unermüdlicher Ausdauer längs der ganzen Front fort- gesetzte Offensive trug uns gestern einige neue Erfolge ein. Im Val Lagarina besetzten wir die Ortschaft Marco. Oestlich dieser Ortschaft eroberten wir den Abhang des Berges, der von Zugna Torta in nördlicher Richtung gegen Lizzana abfällt. Unsere Flug- zeuge bombardierten im vollen Fluge das Quartier des österreichisch» ungarischen Kommandos. Im Campelle-Tale griff eine Abteilung Alpinifreiwilliger, auf einer Offensiverkundung gegen Montalon be- griffen, eine starke feindliche Abteilung an, welche von Forcella di Valsorda herunterkam, und jagte sie in die Flucht. Im Hochcordevole dauern die Operationen zur Ausdehnung des von uns an dem Gipfel des Col di Lana, auf dem Siefberge sowie auf den Nordost- hängen dieses gebirgigen Massivs eroberten Raumes fort. Auf den Höhen nordöstlich Görz fanden gestern erbitterte Kämpfe mit wechselndem Glücke um Oslavia und unterhalb des Kalvariengipfels statt. Wir nahmen dem Feind etwa 59 Gefangene ab, darunter drei Offiziere. Auf dem Karst dauert unser Fortschreiten von Schützengraben zu Schützengraben hartnäckig an. Wir machten gestern neue Fortschritte gegen Boschini und eroberten einige Schützengräben und Werke. Wir behaupteten sie trotz heftiger Gegenangriffe des Feindes. General Cadorncr. die italienifthe Offensive. Wien, 13. November.(W. T. B.) Aus dem Kriegspresse» quartier wird gemeldet: Die neuen großen Kämpfe im Gör- zischen. Nach kaum einwöchiger Pause haben die Kämpfe großen Stiles an der Jsonzofront wieder begonnen. Aus nahe» liegenden Gründen konnten sich die Italiener keine längere Ruhe gönnen. Anfangs Dezember soll das Parlamevt eröffnet werden. Vis zu diesem Zeitpunkte gilt cS, irgendeinen militärischen Erfolg nnt allen Mitteln und ohne Rücksicht auf weitere schwerste Opfer zu erzwingen. Auch inogen die übrigen Vierverbandsmächte, vor allem England, das die Kohlenversorgung und damit alle Macht über Italien in Händen hat, zur Fortsetzung der nicht von der Stelle rückenden Offensive gedrängt haben. Jener Erfolg soll nun an den Namen der Stadt Görz geknüpft sein. Was drei vergeblich mit immer steigenden Verlusten be- zahlte Schlachten nicht zu gewinnen vermochten, soll durch den jetzigen allgemeinen Ansturm erreicht werden. Dieser richtet sich vorerst hauptsächlich gegen jenen Teil der küstenländischen Front, der schon in der dritten Jsonzoschlacht, namentlich gegen Ende, den Hauptangriff zu bestehen hatte, also gegen die Hochfläche von D o b e r d o, und zwar insbesondere den Abschnitt nördlich vom Monte dei sei Bust, dann gegen den Görzer Brückenkopf und den Raum von P l a v a. Nachdem schon am 9. November eine lebhafte Tätigkeit des Feindes, wie sie seinen großen Angriffen vorauszugehen pflegt, beobachtet worden war, setzte am 19. mor- genZ gegen den ganzen Angriffsraum eine Artillerievorbereitung ein, die sich gegen mittag zu größter Heftigkeit steigerte. Die trotz reichlichen Nachschubes in der Kampfpause nicht unerschöpflichen Munitionsvorräte erlaubten es den Italienern diesmal nicht mehr, das einleitende Geschützfeuer wie zu Beginn der dritten Jsonzo- schlacht auf mehrere Tage auszudehnen. Ihre Infanterie mußte sich mit einigen Stunden begnügen. Im Räume von Plava galten dem Orte Zagora wieder die wütendsten Anstrengungen des Fein- des, dem es nach siebenmaligem Sturm starker Kräfte am 19. d. M. nachmittags gelang, in die südliche Häusergruppe des Ortes ein- zudringen. Das abendliche Unwetter machte bekanntlich dem Kampfe nahezu an der ganzen Front ein Ende. So beschränkte er sich bei Zagora auf ein stehendes Feuergefecht. Am folgenden Morgen schritten unsere Truppen zum Gegenangriff, eroberten die verlorene Häusergruppe zurück und besetzten auch zur Verbesserung ihrer Stellung mehrere anschließende Gräben des Feindes. Dieser versuchte nun einen Angriff nach dem anderen, um seine frühere Linie wiederherzustellen. Alle diese Vorstöße brachen jedoch in unserem Feuer zusammen. Ebenso erfolglos waren alle Stürme gegen den Görzer Brückenkopf. Am Monte Sabotino wurde schon der erste Angriff an unseren Hindernissen blutig ab- geschlagen. Die weiteren vermochten im Feuer nicht mehr vorwärts zu kommen. Hierauf beschränkte sich die feindliche Infanterie am zweiten Kampftage auf das Schießen aus ihren Deckungen. Auch bei Oslavija warfen unsere Truppen, dar- unter Abteilungen des Krainer Infanterieregiments Nr. 17, den stürmenden Gegner immer wieder zurück. Vor Pewma wurden seine Ansammlungen schon durch Geschützfeuer zersprengt. Im Ab- schnitte von Podgora kam es zu den heftigsten Handgranaten- kämpfen. Mehrmals versuchten die Italiener mit Hornsignalen vorwärts zu stürmen. Unser flankierendes Maschinengewehrfeaer machte die Angreifer nieder. Unsere Artillerie schoß die feindlichen Reserven zusammen, die aus dem Räume von Lucinico nachgezogen werden sollten. Im nördlichen Teil der Hochfläche von Doberdo waren die Jnfantcriekämpfe auch diesmal wieder besonders erbittert. An beioen Tagen begannen sie nach ll Uhr vormittags und dauerten bis zum Einbruch der Dunkelheit. Bei Peteano vermochte der Feind nach dem ersten abgeschlagenen Angriff seine Truppen durch die Zone des Artilleriefeuers nicht mehr vorwärts zu bringen. Am Nordabhang des Monte San Michele gewann er vorübergehend ein Grabenstück. Er wurde bald wieder restlos hinausgeworfen. Die braven Jäger schlugen dann alle weiteren Angriffe ab. Vor dem Berge selbst wurden die feindlichen Bewegungen schon durch Feuer niedergehalten. Im Abschnitte von San Martina hatten namentlich die un- garischen Jnfanterie-Regimenter Nr. 39 und 49 im heftigsten schweren Feuer und gegen die unaufhörlichen Angriffe starker Kräfte durchzuhalten. Wieder bewährte sich die erprobte Tüchtigkeit dieser tapferen Truppe. In erbitterten Nahkämpfen mit Hand- granaten oder im Handgemenge Mann gegen Mann schlugen sie den verhaßten Gegner unzählige Male zurück. Gewann er da oder dort ein Stück der zerschossenen Gräben, so war er alsbald wieder daraus entfernt. Kein Schritt breit des zerwühlten Karstbodens ging ver- loren. Weiter südlich am Monte dei sei Bust wies das steierische Landlvehr-Jnfanterie-Regiment Nr. 29 am 19. November fünf italienische Angriffe ab, wobei es jedesmal die Stürmenden mit herausfordernden Avanti-Rufen und mörderischem Feuer begrüßte. denkt über öie Ursachen nach! Das„Berliner Tageblatt" veröffentlicht folgende Zu- schrift von Ellen Paaschs unter dem Titel„Deutsche Frauen und der Friede": Im„Tag" vom 19. Oktober schrieb Dr. Käte Schirmacher einen kleinen Aufsatz unter der Ucberschrift„Geduld". Sie be- schreibt darin die Vorteile, die der Krieg mit sich bringt. Ich gebe ihre Worte wieder: „Wir Deutschen hatten mit einer Anzahl übler Friedensgewohnheiten des Wohl- und Genußlebens zu brechen; der lange Krieg besorgt das gründlicher als ein kurzer. Wir hatten noch allerlei Gegensätze und Reibungen innerhalb des deutschen StammeÄbetvußtseins zu überwinden— das geschieht wohl endgültig in der schon über ein Jahr währen- den treuen und siegreichen Waffenbrüderschaft aller Deutschen an allen Grenzen unseres Landes und bei seinen Bundesgenossen. Was früher geographischer Name war, wird jetzt Anschauung und Besitz. Daß Süd und West den Ost und Nord mit ihrem Blut verteidigen, ist dauernder Gewinn für unser Volkstum, feine Einigkeit. Auch daß die östlichen Probleme dem Süd- und Westdeutschen so nahe gerückt werden. Diese Erziehung und Vertiefung gibt nur ein langer Krieg. Bringt er uns eine Höherwertung des Ostens, so eine Minderwertung des Westens. Die Legende von Frankreichs über- legener Kultur und Zivilisation stirbt in den schmutzigen Ouar- tieren, die unsere Truppen gleich anfangs auf französischem Boden beziehen mußten. Daß mit uns die Gvundbegrifse von Ordnung, Reinlichkeit und Behagen in diese französischen Land- striche erst einziehen mußten, ist eine Lehre, die der lange Krieg dem Einfachsten nnberlöschlich in die Seele brennt. Auch betreffs französischen Geschmacks, geistigen und sittlichen Durcbfchnitts der Bevölkerung macht selbst der Ungelehrte in diesen Monaten gründliche Shtdien. Hergebrachte Urteile und Verblendungen zerrinnen." Es ist mir fast unmöglich, die Gefühle zu schildern, die ich beim Lesen dieser Zeilen enipfand. Dazu also die unzähligen Opfer, das Blut, der Jammer, die Tränen? Wie ist es möglich, daß eine Frau ihr Gemüt so verhärtet hat? Wie ist es möglich, daß eine Frau schreiben kann:„wir waren so tief im Wohlleben drin, daß nur ein längerer Krieg uns davon befreien kann"? Es fehlte nur noch, daß Fräulein Schirmacher schrieb:„Wie herrlich, daß so viele Deutsche jetzt endlich einmal an die frische Luft kommen!", oder„daß der Tangorummel aufgehört hat", oder „daß die Großstadtdamen, die sonst vor Langeweile zugrunde gehen, jetzt endlich, endlich etwas zu tun bekommen! Sie müssen Tees und Bazars zum Besten erblindeter Krieger abhalten, sie müssen Komitees bilden, um Lotterien für die Kinder gefallener Soldaten zu veranstalten-- welch herrliche Zeit, die unseren Damen diese Schaffensmöglichkeit gibt!"... Dr. Käte Schirmacher hat kein Wort für die Schrecken dieses Krieges. Ob sie in dem ganzen langen Kriegsjahr wohl um keinen Menschen gezittert hat? Und wenn sie in der beneidenswerten Lage ist, kein Familienmitglied verloren zu haben, denkt sie nicht Der anschließende Abschnitt bis zum Meere stand auch zeitweife unter Trommelfeuer. Jeder Verbuch der italienischen Infanterie, aus ihren Deckungen vorzubrechen, wurde sogleich durch unser Ar- tilleriefeuer vereitelt. Während dieser großen Kämpfe an der Hauptangriffsfton: waren im Räume zwischen Plava und Flitsch an beiden Tagen, von einem Vorstoß gegen den Vrsic abgesehen, keine italienischen An- griffe abzuweisen, wohl aber standen einzelne Teile dieses Front- raumes unter mehr oder weniger starkem Artilleriefeuer. Der französische Tagesbericht. Paris, 14. November. jW. T. B.) Amtlicher Bericht von gestern nachmittag. Einige Artillerieaktionen fanden im Artois, in der Champagne und südlich Saint Couplet statt. Im Laufe der Nacht ereigneten sich lebhafte Handgranatenkämpfe im Gebiete von Chaulnes und südlich Somme Py im Gebiete des Souainhügels. Paris, 14. November.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von ge stein abend. In Belgien im Gebiet von Boesinghe richtete unsere Artillerie heftiges Feuer gegen die deutschen Stel- lungen, besonders gegen eine Dampfmühle, die dem Erdboden gleich gemacht wurde. Diese sehr wirksame Beschießung brachte diefeindlichen Batterien zum Scheigen. Andere Artilleriekämpfe fanden an der Avre bei Andechy, nördlich der Aisne bei Ville au Bois sowie in der Champagne im Gebiet des Hügels von Le Mesnil statt. Bei Eparges brachte das Eingreifen unserer Batterien das Feuer der feindlichen Minenwerfer zum Schweigen. Im Abschnitt von Flirey heftiges beiderseitiges Geschützfeuer. Rujsische Generalsiabsmelüung. Petersburg, 14. November.(W. T. B.) Amtlicher russischer Bericht vom 13. November. In der Gegend von Schlack brachten unsere Truppen dem Feinde in der Verfolgung schwere Verluste bei und drängten ihn westlich Kemmern zurück. Auf der übrigen Front Vorpostengefechte. Auf der Kaukasusfront keine Veränderung. Gibt GnglanÜ üas Daröanellenunternehmen auf? Der„Deutschen Tageszeitung" wird aus Stock- Holm berichtet: Auf Grund der eingehenden Berichte Kitcheners hat sich Eng- land veranlaßt gesehen, der russischen Regierung mitzuteilen, daß es sich aus strategischen Gründen von der Dardcmellenaktion zurückziehe! Kitcheners Nijsion. Manchester, 14. November. sW. T. 33.) Der parlamentarische Mitarbeiter des„Manchester Guardian" berichtet, daß AsquitH vorgestern im Unterhause sagte, die Gründe, die Kitcheners Abreise veranlaßten, seien sehr ernst gewesen und sehr plötzlich und unerwartet eingetreten. Das Kabinett habe Don- nerstag morgen Beschluß gefaßt, worauf Kitchener am Abend ab- gereist sei. AsquitH an Churchill. London, 14. November.(W. T. B.) Die Antwort, die AsquitH auf den Brief Churchills erteilte, lautet: Ich hoffte, daß Sie Ihren Entschluß einer nochmaligen Prüfung unter- ziehen würden, und bedauere zu erfahren, daß Sie sich nicht dazu imstande fühlen. Sie haben sowohl im Kabinettsrat wie in der Verwaltung in der Führung und Leitung des Krieges Dienste ge- leistet, die niemand besser würdigen kann als ich. Es schmerzt mich aufrichtig, daß Sie es als Ihre Pflicht ansehen, das Kabinett zu verlassen. Ich bin sicher, daß Sie fortfahren werden, eine aktive wirksame Tätigkeit im weiteren Verlauf des Krieges auszuüben. an die unzähligen, weinenden Hinterbliebenen unserer und der feindlichen Gefallenen? Es ist ein schlimmer Augenblick, wenn die Nachricht kommt:„Ihr Mann, Ihr Sohn ist in dem Gefecht... gefallen." Erschüttert steht man davor: Es ist unmöglich, es kann ja nicht sein! So frisch und fröhlich zog er aus, jetzt tot und irgendwo, in fremdem Land von einem Menschen, den ich nicht hassen kann, erschossen! Und niemand von uns dabei, der ihm noch einmal, zum letzten Male für alles dankt, was er uns in seinem Leben an Gutem und Schönem gab! Es ist ein schlimmer Augenblick, Fräulein Schirmacher, und danken Sie Gott, wenn Ihnen kein Lebenskamerad, kein lieber Bruder, kein treuer Freund fiel. Es gibt Menschen, die diesen Krieg für durchaus notwendig hielten und halten. Aber hoffentlich denken auch all diese Menschen:„Nie wieder, nie wieder auf Erden soviel Jammer und Tränen!" Und darum meine ich, muß die Friedens- b e w e g u n g in Deutschland nach dem Kriege ins Ungeheure wachsen. Und wer ist berufener, an diesem Werke mitzuarbeiten, als die Frauen? Ihr Frauen, die ihr euer Liebstes hergabt, ihr Mütter, die ihr euern einzigen Sohn, ihr Mütter, die ihr alle Söhne gabt, ihr Schwestern, denen nie wieder ein treuer Bruder zur Seite stehen wird, denkt an die Zukunft! Sollen wir jungen Frauen, die wir frische blühende Kinder um uns herum spielen haben, sie auch in zwanig Jahren opfern? Es darf nicht sein! Wer mag da noch mit reiner Freude Kinder großziehen? Oder sollte es Frauen geben, die ihre Kinder für den Krieg gebären? Es wird mir schwer, das anzunehmen. Die deutschen Frauen müssen jetzt viele Kinder gebären, um die Lücken wieder auszufüllen, aber nicht für einen Krieg, sondern für einen ewigen segensvollen Frieden. Drum sage ich: Weg mit aller Halbheit, denkt über die Ursachen nach und ihr alle, die ihr in zwanzig Jahren etwas zu verlieren habt, lebt nicht in den Tag hinein, sondern helft, an dem Friedensgedanken arbeiten, der kein Phantasiegebilde ist, ebensowenig wie die Abstinenz oder die Bodenreform es ist! Und ihr, die ihr nichts mehr zu verlieren habt, denen der Krieg alles nahm, ich bitte euch, denkt an uns und helft uns Jüngeren� damit uns der Jammer und der Kummer später erspart bleibet" Cin Gedenktag schweizerischer Unabhängigkeit. In der Schweiz rüstet man sich zu einer bescheidenen Gedenkfeier zur Erinnerung an die in der Schlacht vom 15. November 1315 am Morgarten im Kanton Schwyz errungene Unabhängigkeit. Die Bürger des kleinen Ländchens Schwyz hatten langjährigen Konflikt und blusige Auseinandersetzungen mit dem von Oesterreich„bevorzugten" großen und reichen Kloster Einsiedeln. Gegen Habsburg war schon der erste Schweizerbund von 1291 gerichtet, den die Kantone Uri, Schwyz und Unterwalden gegründet und der später, nachdem auch Luzern sich angeschlossen hatte, zur Erreichung größerer Sie wissen selbst, daß ich aus persönlichen Gründen die Trennung unserer langen Gemeinschaft tief empfinde. „Weekly Dispatch" meldet, daß Churchill am Mittwoch zu seinem Regimente nach Frankreich abreisen wird. Griechenlanös Verhältnis zu Serbien. Lyon, 13. November.(W. T. B.)„Nouvellifte" läßt sich aus Saloniki drahten: Die von Dragumis aufgeworfene Frage bezüglich der Entwaffnung der Serben, falls sie auf griechischen Boden zurückgeworfen würden, beschäftige alle Kreise. Die Frage des Rückzuges der Serben sei nur eine Seite des Problems. Die Hauptfrage sei die Sicherung der Etappen des Heeres der Alliierten; denn wie könnte oie griechische Grenze den alliierten Truppen offen bleiben und gleichzeittg den an ihrer Seite kämpfenden serbischen Truppen verschlossen bleiben. Die Alliierten müßten demnach förmliche Zusicherungen erhalten. Griechenland würde durch einen Versuch, die Serben zu ent- waffnen, in den Augen der Alliierten eine ebenso schwerwiegende Handlung begehen, als wenn es versuchte, die französisch-eng- lischen Truppen zu entwaffnen und sich den ernstesten Folgen aus- setzen. Man glaubt, daß der Plan bezüglich eines Vorschusses an Griechenland nicht zum Abschluß gelangen werde, ehe diese Frage gelöst sei. Das ungarisihe Parlament. Budapest, 14. November.(T. U.) Das ungarische Parka- ment wird auf den 30. November einberufen werden. Vertagung üer chinesischen Monarchie. London, 14. November.(W. T. B.)„Daily Telegraph" meldet aus Peking: Die Antwortnote der chinesischen Regierung an die Alliierten besagt, daß die Frage der Wiederherstellung der Monarchie bis auf weiteres hinausgeschoben w oi d e n sei. Die hollänöische Arbeiterschaft im Krieg. Aus Amsterdam wird uns geschrieben: Am 8. und 9. November hat in Amsterdam ein außerordentlicher Kongreß des Niederländischen Fachvereinigungs-Berbandes getagt. Auf seiner Tagesordnung stand die 33esprechung der wirtschaftlichen Situation und der Aufgaben, die der organisierten Arbeiterklisse durch sie gestellt sind. Es wurden folgende Gegenstände besprochen: Die Maßregeln der öffentlichen Körperschaften für die Lebensmittelversorgung(Referent Genosse Wibaut); die Arbeitslosenversicherung(Referent Ge- nosse Van den Tempel); Die Leistungen der Unter- stützungskomiteeö(Referent De Miranda); Der ö kons mischeZu st andHollandsunddteArbeiterklasse während des Krieges(Referent Genosse Henri Polock); Die Erhöhung des Geldeinkommens der Arbeiter und die Aufgabeder Fachbewegungin der nächsten Zukunft(Referent Genosse O u d e g e e st). Diese verschiedenen Referate, ergänzt durch die Diskussionsredner, ergaben ein anschau- liches Bild der gegenwärtigen Lage des holländischen Proletariats. Im ganzen wurde gezeigt, daß die Arbeiterschaft wohl imstande ge- wesen ist, die Regierung zu einer Reihe von Maßregeln zu bewegen, die von der großen Masse, besonders der organisierten Ar- beiter, die vollständige Verelendung fernhielt. Die Leistungen z. B. in der Lebensmittelversorgung, wo die Regierung die Herstellung wohlfeilen Brotes durch Mehlabgabe weit unter dem Einkaufspreis sicherte, sind sicher beachtenswert. Die Arbeitslosenunterstützung hat speziell den Arbeitern, die schon den bestehenden Versicherungs- kassen angehörten, ermöglicht, in der schlimmen Zeit, wenn auch nicht ohne bittere Entbehrung, durchzuhalten. Ihre fichtbare Wirk- samkeit hat denn auch zur Ausdehnung der Versicherung geführt. Die Zahl der Versicherten betrug am 1. September d. I. 19l 352 Sicherheit mit dem Kanton Zürich in ein Bündnis trat und an den folgenden Kämpfen teilnahm. Die Urichweizer befolgten auch die Taksik, bei Kaiserwahlen es mit den Gegnern der Habsburger zu halten. Als 1315 bei der Kaiserwahl Ludwig von Bayern gegen Friedrich von Oesterreich als Deutscher Kaiser gewählt. Friedrich aher von der Minderheit der kaiserwählenden Kurfürsten als Kaiser proklamiert wurde, schlugen sich die Schwhzer sofort auf die Seite Ludwigs und verweigerten Friedrich die Hitldigung. Gleichzeitig wendeten sie in ihrem alten Markenstreit mit dem unier österreichischer Herrschaft stehenden Kloster Einstedeln wieder einmal Gewalt an. Jetzt entschloß sich Oesterreich zum Kampfe unter der Führung von Herzog Leopold, der dann aber mit seinen Rittern am 15. November 1315 am Morgarten von den Schwyzern geschlagen wurde. Nun wurde der junge Bund von 1291 erneuert, und Kaiser Ludwig bestätigte die Freiheilen der Waldstätte. Bis 1341 erschienen noch Reichsvögte, um die Huldigung entgegen- zunehmen, im übrigen aber ging alle Gewalt an die Landsgemeinden und die Landammänner(Minister und LandeSpräfidenten oder Prä- sidenten der kantonalen Republiken zugleich) über. Uri, Schwyz und Unterwalden waren freie Republiken geworden. In seiner Schrift über Winkelried sagt Karl B ü r k l i von den Schwyzern:„Ihren Trotz und ihre Zuversicht schöpften die Schwyzer aus dem Bewußtsein, mit ihrer Bewaffnung, ihrer Taktil und ihrer Tapferkeit auch einem viel größeren Feinde gewachsen zu sein. Diese drei Vorzüge waren Leste eines Stammes, untrennbar verbunden. Die Wurzeln dieses Stammes sproßten aus einem Gemeinwesen, das auf der innigsten Veraesell- schaftung, auf voller sozialer, wirtschaftlicher und politischer Gleich- berechtigung beruhte, in dem alle Interessen gemeinsam waren. Nur aus einem solchen Gemeinwesen, aus einer Markgenossenschaft im ganzen Sinn des Wortes, konnte sich ein Wehrweien entwickeln, das an festes Ineinandergreifen, an freiwillige Disziplin, an Tapferkeit und an Aufopferungsfähigkeit die höchsten Ansorderungen stellte. Nur da konnte, ja mußte aus innerstem Antrieb, im Kampfe jeder an seinem Platze seine ganze Kraft und selbst sein Leben einsetzen, wo das Bewußtsein mächtig war, daß nur der Sieg der Gemeinschaft den Fortbestand des einzelnen oder seiner Familie sicherte und gewährleistete." Bürkli schließt:„So tritt uns ein ganzes Volk vor die Seele, das nicht nur im Kampfe, sondern in allen Lebensbeziehungen den Wahlspruch führte, den man heute oft als gedankenlose Redensart zitiert, der aber einst Wahrheit war und in einer höheren gesellschaftlichen Ordnung wieder wahr werden soll: Alle für Einen und Einer für Allel Sei öen �rmierungsttuppen in Dften. Bohnwagen 1352. Die ArmierungSkompagni« wechselt ihre Arbeitsstätte. Bald nach Sonnenaufgang steht sie auf dem Riesendcchnhof des großen russischen Festungsortes mit Mann und iSagage zum Verladen be- reit. Der Zug erwartet sie und nach kurzer Zeit ist die Kompagnie mit Wagen und Vorräten in Güter- und Personenwaggons unter- gebracht. Auf einem Güterwagen steht dampfend die Feldküche. Die Mannschaften finden in den Personenwagen Platz. Die hoch- gepackten Rucksäcke ruhen in den Gepäcknetzen. Die Abfahrt verzögert sich und die Soldaten verlassen noch einmal die ZVagen. Auf dem ausgedehnten Bahnhof streifen sie umher und betrachten die Anlagen. Auf Wetter Fläche schmiegt gegen 73 206 am Kriegsbeginn. Bis jetzt haben 108 Gemeinben Ar- beitslosenfonds errichtet. Die Unterstützung der Nichtorganisierten durch die UnterstützungSkomiteeS ist weniger befriedigend. Auch zeigt sich schon in manchen Orten die Tendenz, die Zahlung der Unterhaltsbeiträge mit Berufung aus die Besserung der allge- meinen wirtschaftlichen Situation einzustellen und die Unterstützung der Armenpflege anheimzugeben. Tatsächlich aber ist die Ar- beitslosigleit in einer Reihe von Berufen, vor allem der Diamant- schleiferei. dem Baugewerbe und im Hafenbetvieb, noch so grotz. daß von einer Fortdauer der Krise gesprochen werden darf. Die Aus- weise verschiedener Armenbureaus zeigen, daß der Pauperis- m u S, der schon früher 8 bis 9 vom Hundert umfaßte, auf 11 vom Hundert gestiegen ist. Die zu diesem Punkt angenommene Re- solution fordert denn auch die Fortsetzung der lokalen Arbeitslosenunterstützung für solange, bis normale Verhältnisse wiederkehren. Die Lage der Arbeiterschaft erscheint aber besonders trüb, wenn man sie mit der der anderen Klassen vergleicht. Das Referat des Genossen Polock zeigte mit einer Fülle von Details, wie außerordentlich diebesitzenden Klassen Hollands vom Krieg profitieren. Der Panik am Beginn des Krieges folgte eine Epoche üppiger Profite, die sich, wenn sie auch nicht an die mancher amerikanischer Firmen heranreichen, doch als ein breiter Goldstrom darstellen. Eine Reihe von Industrien und ganz be- sonders die Schiffahrtsunternehmungen und die Landwirtschaft sacken gewaltige Gewinn« ein. Die glänzende Lage der Landwirtschaft wirkt wieder auf Luxusindustrien zurück, wie die Gold- und Silbers Warenindustrie. Aber die Arbeiterschaft und die Unterbeamten bekommen sie in der L e b e n s m i t e l t e u e r u n g zu fühlen, denen die hie und da erreichten Lohnstetgerungen nicht entsprechen. Die Wirkungen bleiben nicht aus. Im ersten Halbjahr 1916 hat die Kindersterblichkeit bedeutend zugenommen, ein Herabsinken des von der Arbeiterschaft erreichten sozialen Niveaus ist unverkenn- bar. Deshalb mutz die Aktion der Gewerkschaften für die Lohn- erhöhung— diese ist dem Teuerungszuschlag grundsätzlich vor- zuziehen, der tatsächlich auf Lohnderminderung hinausläuft— mit aller Kraft wieder einsetzen. Die Verhandlungen deS Kongresses haben ein erfreuliches Bild der Lebenskraft und der klaren Entschlossenheit der holländischen Gewerkschaftsbewegung gegeben. Sie hat eine gefährliche Zeit siegreich überstanden— von Juli 1914 bis 1. Oktober 1915 ist die Zahl der Mitglieder der modernen Gewerkschaften von 90 000 auf 84 000 gestiegen— und darf den Kämpfen der Zukunft mit Zu- verficht entgegensehen. politische Uebersicht. Zur Teuerung. Teuerungszulagen für die Arbeiter. Die Schiffbau-Aktiengesellschaft„Weser" in Bremen hat ihren verhei- rateten Arbeitern, die spätestens am 1. Oktober d. I. bei ihr in Beschäftigung getreten sind, eine einmalige außerordentliche Kriegsbeihilfe in Höhe von 24— 60 M., je nach der Anzahl der Kinder dieser Familien, gewährt. »» • Verhaftet wurde in Augsburg der Butter» und Eierhändler Karl Pitz. Er hatte in der näheren und weiteren Umgebung alle erhältlichen Eier aufkaufen lassen, um sie zu lagern. Dadurch war die Züfuhr von Eiern zur Stadt fast vollständig abgeschnitten und der Preis stieg um fast 100 Proz. Auch gegen die Eheftau deS Pitz ist ein Strafverfahren anhängig gemacht. «» * Die Fleischpreise. In der SonntagSnummer der „Deutschen Tageszeitung" lesen wir: „Es geht also. In Drossen in der Mark verkauft der Magistrat an jedermann bestes Rindfleisch für 1 M. daS Pfund. Schweinefleisch mit 1,30 M. und Wurst mit 1.60 M. Tarauf haben die Schlächter die Preise noch unterboten. Sie geben das Rindfleisch schon mit 90 Pf. ab. Die weitere Folge ist, daß auf den sich Gleis an Gleis, steht Zug neben Zug. In zahlreicher Folge verkehren die Züge in vier Richtungen. Und noch vor zwei Wochen tag das ganze Bahngelände tot und brach Der abziehende Gegner hatte zerstört, was an den Anlagen nur zerstörbar war; von den Bahnhofsgebäuden sind nur die schwarzgebrannteu Umfassungs- mauern stehengeblioben. Die Spurweite der Gleise paßte nicht für das deutsche Wagenmaterial. Und heute pulsiert reges Leben auf dem Bahnhof und zahlreiche deutsche Bahnbeamte bevölkern den Gleiskomplex. Aber das alles dient nur dem Kriege, dessen blutige Spuren den Bahnknotenpunkt in Gestalt vieler Lazarett- züge berühren. Die schnell« Wiederherstellun« des Bahnhofes läßt die Vermutung zu, daß die Zerstörung durch den abrückenden Gegner doch nicht mit umsichtigem Vorbedacht, sondern mit ziem- licher Eile und Plötzlichkeit erfrngt ist. Der Transportzug der Armierungssoldaten bleibt den Tag über auf dem Bahnhof liegen. Er wird also den Mannschaften längere Zeit als Unterkommen dienen. Sobald die Soldaten die Situation überblickt haben, hält eine gewisse Wohnlichieit ihren Einzug in die besetzten Abteile. Die Rucksäcke öffnen sich, und ihren gerundeten Leibern entguillen all« die kleinen, für Nahrung und Notdurft des Tages unerräßlichen Dinge. Schon beim Früh- ftück beginnt das Auspacken und im Verlauf der Stunden folgt ein Stück dem anderen. Bald braucht man dies, bald daS. Auch für des Körpers Bequemlichkeit sorgt man nach und nack. Die Land- sturmmänner sind nun einmal in der Mehrzahl schon in jenem Alter, in dem man die schweren langschäftigen Stiefel gern mit leichten Pantoffeln, den Rock mit der Drillichjack« vertauscht. Auf dem Trittbrett eines Wagens improvisiert ein Schipper sogar einen Frisiersalon. So hat sich auch im Abteil D. deS Personenwagens dritter Klasse, Nummer 1362, eine primitive Behaglichkeit heraus- gebildet. Sechs Armierungssoldaten bevölkern täs Abteil und haben das Transportmittel in einen Wohnraum umgewandelt. Sie würden es schon einige Zeit darin aushalten. Jeder richtet seinen bescheidenen Platz nach seinen Bedürfnissen ein. Di« Schmalz. büchsen und die Marmeladeneimerchen stehen bereit. Für Mittag- brot sorgt die treue Gulaschkanon«. Am Nachmittag aber locken die Sechs aus der eigenen Büchse einen kräftigen Kaffee. Der Duft des guten Gebräus erhöht die Behaglichkeit. Die Männer denken kurze Zeit nicht an den Krieg, sie lesen in alten Zeitungen, schreiben Grütze an die Lieben daheim und plaudern von ftied- lichen Dingen. Der Abend senkt sich über den Bahnhof. Lichter glühen auf Nnd auch im Eisenbahnheim der Sechs wird in einer mitgebrachten Lckterne eine Kerze entzündet. Schwach beleuchtet sie die Wände des engen Raumes. Die Männer rücken eng zusammen und be- ginnen ein friedliches Spie». Der Skat fehlt niemals in den kargen Ruhestunden der deutschen Soldaten. Mit Andacht geben sich die Abteilgenossen ihrem Spiel« hin und lange wird es ausgedehnt. Tie Leute nutzen die Zeit, denn das Kriegs leben zeigt sich selten von einer so gemütlichen Seite. Und doch naht die Zeit, die zur Ruhe mahnt. Sech» Männer sollen in dem engen Abteil die Nacht verbringen. Sie pflegen eine Beratung über die Verteilung des schmalen Raumes. Jedem Soll es möglich gemacht werden, die müden Glieder auszustrecken. Zerwöhnt und anspruchsvoll find ja die Soldaten im Felde nicht, weder bezüglich ihrer Quartiere noch in anderen Dingen. Aber sie haben es auch gelernt, jedes kleine Mittel auszunutzen, um sich das harte Feldleben hier und dort zu erleichtern. So machen sich denn auch unsere sechs Armierungsleute an die Arbeit, ein für alle Dörfern im Kreise Weststernberg die Fleischer Rind- und Schweine- fleisch noch 10 Pf. billiger anbieten, und das Angebot wächst." Noch immer Kartoffelnot. In Westdeutschland haben sich die bisherigen Bundesrats- Verordnungen in der Kartoffelftage fast als ganz wirkungs« loS erwiesen. In Köln sind die Kartoffeln so knapp, datz die Stadtverwaltung nicht wagt, den durch die Bundesratsverordnung vorgeschriebenen Kleinhandelspreis von 4,86 M. für den Zentner festzusetzen. Kosten doch laut dem amtlichen Marktbericht in Köln die Kartoffeln i m Großhandel 4.60 M. bis 6,5 0 W. Im Kleinhandel werden 6 bis 9 Pf. dafür be- zahlt, also zum Teil mehr als das Doppelte deS durch die BundeSratSverordnung vorgeschriebenen Höchstpreises. Auch die Zentrumspresse(„Kölner Lokal-Anzeiger" Nr. 312) wirft der Land- Wirtschaft spekulative Absichten vor:»Die Kattoffeln sind in Mieten vergraben oder liegen in den Scheunen und Kellern in der Er« Wartung, daß vielleicht die Regierung sich noch einmal besinnen und neue, der Landwirtschaft noch mehr Vorteil bietende Höchst- preise festsetzen werde." Unser Kölner Parteiblatt verlangt, daß das stellvertretende Generalkommando Kartoffeln beschlagnahmt. Der jetzige Zustand sei unerträglich. Einzelfälle. Die Nerdhäuser Polizeiverwaltung machte vor einigen Tagen in den dortigen Zeitungen die Mitteilung, datz sie, um den fort- gesetzten Verstößen gegen die festgesetzten Höchstpreise für Butter zu steuern, gegen eine Händlerin Strafantrag gestellt habe. Al« Ant- wort hierauf veröffentlichte nun der Gutsbesitzer, für den die Händ- lerin die Butter verkauft hatte, eine„Rechtfertigung" seiner zu hohen Preisforderung, in der es u. a. heißt:„Ich gelobe insofern feier« lichste Besserung, indem ich verspreche, nicht früher ein Stück Butter wieder nach Nordhausen zu liefern, bis sich die Verhältnisse für die Landwfttschaft im allgemeinen geklärt und für die Viehhaltung im besonderen gebessett haben. Gutsbesitzer Teichmann. Herreden." Zur Lebensmitteleinfuhr aus Bulgarien. Der Sonderberichterstatter des �berliner Lokalan z e i g e r s". Kurt Aram, telegraphiert seinem Blatt folgendes: Zwischen der Zentral-EinkaufSgesellschaft Berlin, die auch im Interesse Oesterreich-Ungarns handelt, und der bulgarffchen Be- Hörde für Heeresverpflegung, dem„Comite de Prevohane'. ist eine allgemein« Vereinbarung getroffen worden, daß die Zentrak-Ein- kaufsgesellschaft vom„Comite de Prevoyane' den gesamten, nach Deckung eigener Bedürfnisse für Ausfuhr verfügbaren Ueberschutz Bulgariens an Lebens- und Futtermitteln übernimmt,«inschlietz- lich der MaiSbeständ« der Ernte 1915, die un kommenden Frühjahr versandtbereit werden. Für die Preise wurde ein« beiden vertrag- schk«tzenden Teilen gerecht werdende Grundlage festgestellt. So beträgt der Preis für Mais etwa 160 Proz. des durchschnittlichen Friedenspreises. Auf der Donau werden die Getreidetransporte in den nächsten Togen, auf der Bahn Nifch— Belgrad voraussichtlich in kurzer Zeit organisiert. Die Ausfuhren werden also schon bald in großem Umfange beginnen. Die Beladung der ersten Schleppkähne mit Mais ist bereits im Gange. kriegsbetanntmachlmgen. Zur Regelung des Heeresbedarfs an Baumwoll- Erzeugniffen. Amtlich. Berlin, 14. November.(W. T. B.) Im Publikum ist vielfach die Meinung verbreitet, dqß neuerdings die Kriegs- Rohstoffabteilung des Kriegsministeriums die Beschaffung des Heeresbedarfes an Baumwollerzeugnissen übernommen habe. Diese Auffassung ist irrig. Die bisher mit der Beschaffung des Heeresbedarfes in Baumwollerzeugnissen betrauten Stellen(das Bekleidungsbeschaffungsamt, die KriegsbeklcidungSämter, die In- tendanturen, Hauptsanitätsdepots usw.) beschaffen nach wie vor ausreichendes Nachtlager zu bereiten. Zwischen den Gepäcknetzen werden Zeltbahnen gleich Hängematten ausgespannt, in denen die zwei kleinsten unter den sechs Bewohnern des Abteils Platz finden. Dann überbrücken die Schipper den Zwffchenraum zwischen den Bänken mit Brettern, und auf der so entstehenden Fläche ruhen bald drei Soldaten friedlich nebeneinander. Für den sechsten Käme- raden bleibt ein Platz am Fußboden zwischen den Bänken. Das Lager ist hart. Zeltbahnen. Mäntel, Röcke und— im Glücksfalle— eine Deck« bilden das„Bett". Der Luftraum im Abteil genügt auch nicht den Anforderungen moderner Schlafzimmerhygiene. Nur in einer Beziehung erinnert die seltsame Wohnung an modernen Komfort: es gehört ein Abort dazu. Unsere Schipperleute haben sich bald auf ihren Schlafplätzen zurechtgerückt und schlafen ruhig bis in den Morgen hinein. Der Gedanke an den folgenden Tag stört ihre Träume nicht. Sie wissen, datz sie nicht selbst über ihr Geschick verfügen und nehmen vom Tage. was der Tag bringt. Am Morgen beginnt die Fahrt, und nun dient das Abteil den Soldaten mehrere Tage als Wohnraum. R. S. Theater in der Königgriiher Straße: Maria Stuart. Irene Triesch feierte in dieser Maria-Stuart- Aufführung. die der der Reinhardtbühne im Abstände von nur zwei Wochen folgte, einen seltenen Triumph. Stürmischer Jubel rief sie am Schluß um Mitternacht(so lange hatte die um 7 Uhr be- ginnende Vorstellung gedauert) wieder und wieder hervor. Der Direktion Meinhardt u. Bernauer gebührt für den die Größe Schillerscher Dichtung wieder einmal zu unmittelbarer Anschauung erhebenden Theaterabend aufrichtiger Dank. Schon die Jungfrau von Orleans, welche die Triesch vor einer Reihe von Jahren am Nollendorfplatz, an der damals noch von Halm geleiteten Bühne spielte, hatte durch ein« strömende Innigkeit des Gefühls mit fortgerissen. Jedoch konnte sich das Bild nicht zu voller Einheit zusammenschließen. Die Zartheit der Gestalt ließ den Glauben an die sieghaft gewaltig« Schlachtenkämpferin nicht aufkommen. Hier aber, in der Figur der königlichen Dulderin, deren leidenschaftliches Frauenherz, nach einem letzten, jähen Auf- flackern bei der Begegnung mit der verhaßten Feindin, sich zu weihevoller Hoheit läutert, kam das eigene Wesen der Künstlerin der dichterischen Konzeption aufs glücklichste entgegen. Der schwer- mutig gefaßte sanfte Klang der Stimm« löste Resonnanzen eines mit Bewunderung gemischten tiefen Mitleids aus, und ebenso sympathisch überzeugend war der Ausdruck des Stolzes, des Glauben? an das angestammte Herrscherrecht, der Geiftesstarke. Der Reiz, den sie einst in ihrem Jugendglücke auf die Männer ausgeübt, mit dem sie, ohne es zu ahnen, auch jetzt noch als Gefangene den Schwärmer Mortimer berauscht, erwacht im blassen Antlitze von neuem, wenn Hoffnung und Erinnerung ein Lächeln strahlend darüber breiten. Wunderbar fein war in der Szene mit Elisabeth die Skala der Empfindungen bis zu dem wilden Ausdruck der Empörung nachgebildet. Das Höchste aber bot der letzte Akt, der rührende Abschied von dem weiblichen Gefolge, die Beichte vor dem inbrünstig ersehnten katholischen Priester. Bewegungen und Stimme waren hier wie von einem Hauche schwebender Ver- klärung umzittert. Vortrefflich wirkte auch FrauFehdmerS Königin Elisabeth. Sie gab der Heuchelei einen Applomb von majestätischer Sicherheit, der es begreifen ließ, wie sich die niedere Seele durch solchen Schein ihren Bedarf selbst und sind nur in der Vergebung an bestimmte Betriebe durch die von der Kriegs-Rohstoffabteilung geschaffene Organisation zur Regelung der Beschäftigung der gesamten Baum- Wollindustrie beschränkt. Hiernach sind alle Angebote an die KriegS-Rohstofsabteilung und überhaupt alle Angebote von Stoffen, die noch nicht fer- tig gewebt vorliegen, vollkommen zwecklos. Wer fcr- t i g e, ohne Inanspruchnahme eines Belegfcheines zu liefernde Stoffe im Besitze hat, kann diese den beschaffenden Stellen nach wie vor anbieten, ebenso wer bereit ist» fettige Stoffe im Lohn zu k o n- fektionieren. Angebote von Stoffen, die unter Verwendung eines Beleg- scheineS gewebt werden sollen, werden nur vom Kriegsausschuß der Deutschen Baumwollindustrie, Berlin, Charlottenstr. 37, e i n- gefordert und sind ohne Aufforderung ebenfalls zwecklos. Außerdem besteht, wie aus zahlreichen Anfragen und Zu- schriften zu entnehmen ist, vielfach Unklarheit über die Bedeutung und Ausfüllung der Beleascheine 3 für die Verarbeitung von Baum- wolle und Baumwollabgängen. Die Heeresverwaltung hat daher Erläuterungen zum Belegschein 3 veröffentlicht, die bei den Handels- kammern erhältlich sind. Hervorzuheben ist, daß die Belegscheine nur dazu bestimmt sind, dem Heereslieferanten die Stoffe oder� Garne zu beschaffen, die er zur Erfüllung deS Auftrages benötigt. Ist also ein Auftrag bereits mit Hilfe von Lagerbeständen an fertigen Stoffen oder von Garnen ausgeführt, die der Beschlagnahme und dem Her- stellungsverbot für Baumwollstoffe nicht unterliegen, so darf der Belegschein nicht dazu benutzt werden, das Lager neu aufzufüllen. Würde bei einem solchen Falle gleichwohl ein Belegschein ausgc- fettigt und die darin geforderte eidesstattliche Versicherung abge- geben, so setzten sich die Beteiligten der Gefahr strafrechtlicher Verfolgung aus._ Lette Nachrichten. Die Zeitungen am Bußtage. Berlin, 14. November.(SB. T. 95.) Das Oberkommando in den Marken teilt mit, datz mit Rücksicht auf den Ernst der gegenwärtigen Kriegszeit und auf die religiösen Empfindnn- gen weiter christlichjer VolkSkreife die für Sonntags erteilte Genehmigung zur Herausgabe von Mittagszeitungen und von Extrablättern fürdenButztagunddasToten- fest auch in diesem Jahre keine Geltung hat. Das Feilbieten von Zeitungen ist nur in offenen Verkaufsstellen von 12 Uhr mittags bis 2 Uhr nachmittags gestattet. Jede weitere Beschäftigung im Zeitilngsgewerbe hat an beiden Tagen bisMitternachtzu unterbleiben. Meldung deS türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel» 14. November.(W. T. B.) Das Hauptquartier meldet von der Dardanellen- front: Am 11. und 12. November dauerte der örtliche FeuerauStaufch mit Unterbrechungen an. Die wirksame Ant- wort unserer Artillerie machte sich in den feindlichen Stellungen bemerkbar. 95ei Anafarta nahmen zwei feindliche Torpedoboote und bei Ari Burun ein Kreuzer und ein Tor- pedoboot deS Feindes ohne Ergebnis an dem Feuer der Land- truppcn teil. Unsere anatolischen Zlüstenbattcrien beschossen wirksam die feindlichen Truppen in der Umgebung von Sedd ul Bahr und Mortoliman und die dort befindlichen feind- lichen Schlepper. Sonst nichts von Bedeutung. Der bulgarische Heeresbericht. Sofia, 14. November.(W. T. B.) Amtlicher Heeresbericht vom 12. November. Die Operationen auf allen Fronten entwickeln sich zu unseren Gunsten. Wir haben die Franzosen, die über das südliche Ufer des Flusses Tscher- nareka gegangen waren, im Gegenangriff über den Flutz zurückgeworfen._ selber ju täuschen vermag und ließ zugleich das wahr« Innere er- scheinen. Das Kalt-Herzlose des Organs Lang in Momenten des ZornS wie der Ton von schneidend pfeifenden Gertenhieben. Heber- raschend gut gelang trotz seiner ausgesprochenen männlichen Er- scheinung Herrn Hart lau MortimerS fanatische Jünglingsleiden- schaft. Gleich eindringlich verkörpert« Albert Steinitz, der Gast aus München, den nüchtern kalten, gegen jedes menschliche Gefühl gepanzerten Burleigh. K a y ß l e r als Leicester und Lettinger als Talbot und Mierendorff als Paulet schlössen den Kreis. Eine würdig stilvolle Dekoration verstärkte den Eindrzick. «lt. Theater öes wefieas:„Das Muleln vom Hmt"' Um die Operette steht eS gegenwärtig nicht zum Besten. Wohl wären kompositorische Talente für diese Gattung da, aber eS fehlt an rechter Musik. Solange nämlich all dciS Zeug,>»«s prätentiös Liedmelodien, Tänze usw. genannt wird, handwerkSenäßig, also ohne dichterische Nötigung, geschrieben und heute diesem, morgen jenem Worttext untergeschoben zu werden pflegt, kann es keine Besserung geben. Leo Gilbert bedeutete ehemals eines starke Hoffnung. Mit diesem Optimismus ist es nun wohl aus. Wenigstens läßt sich an einer Musik, die jetzt zum zweiten Male als Neuheit vorgesetzt wird, nichts BewnnderSwertes finden. Erst im Monopoltheater war's ein Ausstattungsstück und hieß:„Woran wir denken". Jetzt ist's eine Operette und heißt:„Das Fräulein vom Amt".... Von der Musik also könnte mQ Origrlnalpreinea. kannten Harken O l I w I» Amt Rpl., SOXd. Ziehung 20. u. 22. November W Rote+ Lotterie Gesamtw. d. Gewinne Mark: 120000 Erster Hauptgewinn 50000 Lose beider Lotterien z. Originalpreise von je 3 M. 1 Porto u. Liste 10 Lose ein. Lotterie m. eleg. 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