C 5 Pfennig)( 5 Pfennig) Nr. aaa. flbonnementS'ßedlngungtnt Hlonnementä Preis ptilniinictanb#i BicttPljStitl SJX> Ml. monotL l.IO Ml» «öchenllich 2t Utfl(rei in» Hau». Einzelne Kummer 5 Pfg Sonnlag»« Nummer mil illustrierler Aonnlagi- Beila«».Die Neue Wein in Pf« Post- Kdonnemem l.lv Marl uro Monat. el»«elra«en in Sie Post» geilun«»- Preisliste linier Kreuzband ftt» Deullckllan» und Oesterreich. Un«arn 2,w Marl lü, da» übrige iluslanb i Marl bro Monat Poslobonnememt nehmen aiii Selgien Dänemarl, Holland. Zlalien. Lurembur«. Poriugch, »iuuiänien. Schweden und ine Schweis «chellil IZzIIch. 3A. Jahrg. Me snlertlonz-Ledilhk beträgi für die fechsgesvallene Kolonel- leile oder deren Raum Kll Plg.. für holitilchc und gewerkschaftliche Vereins- und Verlamnilnungs-Anzeigen SO Vift. „KUine Hnretgen", da» seltgcdrurlte Wort 20 Psg. szuläfstg 2 feligedriicil, Warle). lede» wrilere Wort 10 Vig. Stellengesuche und Schlasslellcnan- zeigen da» erste Wort 10 Pfg.. jede» weitere Worl ö Vsg. Worte über lö Buch- Naben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen btS S Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijl bi» 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm.Adresse: „Sozialdcmokrai Berlta". Zctitralorgan der fozialdemokratirchcii Partei Deutfchlanda. Neüaktion: EW. HS, Linöenstraße Z. isernsprrchcr-?lm« Morinplay. Nr. ISl»«— l»! S7. Montag, den 22, November 1915. Expedition: SW. öS, Linüenstraße Z. aiernspreever: Amt Moritiplast, Nr. leil i>0— läl 97. Heftige Kämpfe am Amselfeld. das§iasko der rusiischen öalkanpolitik. Unter den vielen Enttäuschungen, die Rußland im letzten Halbjahr erlitten hat. wird die Enttäuschung über den Gang der Ereignisse am Balkan in den führenden politischen Kreisen Rußlands sicherlich am schmerzlichsten empfunden. Nicht eim mal der Verlust Galiziens, das ausersehen war, als glänzendste Perle die Zarenkrone zu schmücken, hat die russischen Nationa- listen und Liberalen so sehr enttäuscht, wie der Zusammen- bruch aller Hoffnungen auf Bulgarien, dem der radikale Um- schwung auf dem Balkan gefolgt ist. Tie nachfolgenden Er- eignisse: der Fehlschlag der Hoffnungen auf eine Intervention Griechenlands zugunsten Serbiens, der schnelle Fort- schritt der Armeen der Zentralmächte in Serbien und die ablehnende Haltung Rumäniens haben den Pessimismus hinsichtlich des Balkans in den politischen Kreisen Rußlands noch bedeutend gesteigert. In den amtlichen Kreisen ist es auf dem Boden dieser Stimmung neulich zu einer bemerkenswerten Feststellung ge- kommen. Laut einer Meldung des„D e n j" fand kürzlich in Petersburg eine Diplomatenkonferenz statt, an der außer den Vertretern der russischen Regierung auch die Ver- treter der verbündeten Mächte teilnahmen. Gegenstand der Beratung war die Lage am Balkan und die Politik der Entente. Ein ausführlicher Bericht über die Petersburger Beratung liegt zurzeit nicht vor. Bekannt ist lediglich, daß die Teilnehmer der Beratung zu dem Ergebnis gekommen sind, „die zu schroffe Aufrollung der Frage über Konstantinopel" sei eine der Ursachen des Mißerfolges der E n t e n te d ip l o m a t ie am Balkangewesen. Schon diese Formulierung wirft ein bezeichnendes Licht auf den Charakter der Petersburger Beratungen. Angesichts der eindringlichen Sprache der politischen Tatsachen sahen sich die russischen, die französischen, die englischen und die italienischen Diplomaten zu der Feststellung genötigt, daß neben den militärischen Mißerfolgen die in der ersten Hälfte des Krieges scharf betonten Ziele der Alliierten im nahen Osten den Mißerfolg der Entente am Balkan mitverschuldet haben. Diese Feststellung der Petersburger Diploniatenkonferenz richtet sich unverkennbar gegen die Politik, die die r u s s i s ch e Regierung durch die Bekundung ihrer aggressiven Ziele im nahen Osten einschlug. Vom Standpunkt der gemeinsamen Ziele der Ententemächte bedeuteten die Deklarationen@v remykins und S s a s o n o w s in der Dumasitzung vom 9. Februar d. I. über die Notwendigkeit der Eroberung Kon- stantinopels und der Meerengen eine s chlimme Nieder- läge. Diese Deklarationen deckten nicht nur den schlummern- den Gegensatz zwischen Rußland und England in der Meer- engenfrage auf, sie lösten vor allem— und das war zunächst das Wesentlichste— in Rumänien, Bulgarien und Griechen- land die heftigsten Besorgnisse hinsichtlich der Zukunft dieser Länder und im Anschluß daran eine stürmische Gegenbewe- gung gegen den Anschluß an die Entente aus. Es ist zurzeit nichts Authentisches darüber bekannt, was die russische Regierung zu Beginn des Jahres veranloßte, in so schroffer Weise in der Meerengenfrage aufzutreten und ihre Kriegsziele im nahen Osten in so herausfordernder Weise zu betonen. Tatsache ist jedenfalls, daß die russische Diplo- matie es durch ihr Auftreten mitverschuldet hat, daß sie jetzt von der Ereichung ihrer Ziele weiter entfernt ist als je. Aus dem Bericht über die Petersburger Beratung geht hervor, daß den Konferenzteilnehmern diese Erkenntnis zum Bewußt- sein gekommen ist und daß sie. daran anknüpfend, das Fiasko der bisherigen russischen Balkan- Politik festgestellt haben. Neben dieser Tatsache ist noch eine andere— innerpoli- tischen Charakters— von Bedeutung. Zu der erwähnten Konferenz waren weder die offiziellen Vertreter der Parteien noch die Dumaabgeordneten eingeladen, die sich mit Feuer- eifer in den Dienst der auswärtigen Politik des Zarismus gestellt haben. Diese in einem fast absoluten Staate auf den ersten Blick wie eine Selbstverständlichkeit anmutende Er- scheinung bedeutet indessen im jetzigen Rußland eine schroffe Brllskierung der bürgerlichen Parteien und ihrer Wortführer. Auf keinem Gebiet haben sich die bürger- lichen Parteien, vor allem die Parteien des Liberalismus. im lebten Jahrzehnt einen solchen Einfluß, eine solche Be- Wegungsfreiheit verschafft, wie in der auswärtigen Politik. Allerdings geschah das nicht durch die Unterordnung der aus- wärti?en Politik des Zarismus unter die Kontrolle und den Willen selbst der unvollkommenen parlamentarischen Jnsti- MeliW ües(Stögen AUMklm. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 21. No- j vembcr 1915.(23. T. SS.) Westlicher Kriegsschauplatz. An der Bahn Apcrn— Zonnebcke gelang eine größere Sprengung unserer Truppen in der feindlichen Stellung. Französische Sprengungen südöstlich von Souchez und bei Combrcs hatten keinen Erfolg. Bei Souchez kamen wir den Franzosen in der Besetzung des Sprengtrichters zuvor und behaupteten ihn gegen einen Angriffsvcrsuch. Auf der übrigen Front an verschiedenen Stelle» leb- hafte Feuerkämpse. Unsere Flugzeuge warfen auf die Bahnanlagen von Popcringhe und Furnes eine größere Zahl Bomben ab; es wurden Treffer beobachtet. Der englische Oberbefehlshaber sagt in seinem Be» richt vom 15. Oktober über unseren Angriff südwestlich von Loos am 8. Oktober, daß nach zuverlässigen Schätzun- gen 8999— 9999 gefallene Deutsche vor der cnglisch-fran- zösischcn Stellung gelegen hätten. Diese Behauptung ist freie Erfindung. Unsere Gesamtvcrluste an Gefallenen, Vermißten und den ihrer Verwundung Erlegcnen betrug 763 Mann._ Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist im allgemeinen unverändert. Balkan-Kriegsschauplatz. Deutsche Truppen der Armee des Generals von Kocveß haben Novibazar besetzt. Die Armee des Generals von Gallwitz und der rechte Flügel der Armee des Generals Bojadjieff kämpfen um de« Austritt in das Lab-Tal nördlich von Pristina. Tic Zahl der am 19. November gefangen gcnomme- nen Serben erhöht sich auf 3899, gestern wurden über 4499 Mann gefangen genommen. Ober st e Heeresleitung. »* Set öslmeWW'senetnlWMlW. Wien, 21. November.(W. T. B.) Amtlich wird ver- lautbart: 21. November 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Im Wolbdiiischen und am Stvr stellenweise Gefchiitzfeuer, wobei die Russen Gasbomben verwenden.— Sonst keine besonderen Ereignisse. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Italiener haben neuerdings Streitkräfte von der Tiroler Front ins Görzische gebracht. Unter Einsatz solcher Berstärkungen greift der Feind den ganzen Görzer Brückenkopf neuerlich an. Bor dem Monte Sabotino brachen mehrere Bor. stoße in unserem Feuer zusammen. Im Abschnitte von?sla- vija gelang es dem Gegner, in unsere BcrteidigungSlinic ein- zudringen. Ein Gegenangriff brachte jedoch diese Stellung mit Ausnahme einer Kuppe nordöstlich des Ortes, um die noch gekämpft wird, wieder in unseren Besitz. Drei feindliche Bor- stoße gegen Pcvma mißlangen unter schweren Verlusten. Be- sonders heftige Angriffe waren auch diesmal gegen die Pod- gora gerichtet. Auch hier wurden die Italiener blutig abge. wiesen. Der Raum beiderseits de? Monte San Michele stand unter starkem Artillrriefruer. Rachmittags gingen am Nord- hange des Berges bedeutende feindliche Kräfte vor; ihr Angriff scheiterte in unserem Kreuzfeuer. Das gleiche Schicksal hatten mehrere Borstöße gegen den Abschnitt von San Martina und — nördlich des Görzer Brückenkopfes— gegen die Straßen. sperre bei Zagora. In Tirol schlugen die Verteidiger de? Col di Lana zwei italienische Angriffe auf die Spitze dieses Berges ab. Südöstlicher Krieqsschauplatz. Eine österreichjsch-ungarische Kraftgruppe erzwang sich gegenüber den nördlich von Cajnice eingenisteten Monte- negrinrrn den Nebergang über die obere Drina. Novibazar wurde von deutschen Truppen besetzt. Oestlich davon warf im Jbartal eine östcrrrichifch-ungarische Kolonne den Feind zurück. Die Zahl der in diesem Räume gestern eingebrachten Gefange- nen übersteigt ZWO. An den Eingängen de? Amselfeldes wird heftig gekämpft. Der Stellvertreter de? Chefs des GeneralstabeS. v. Hoefer, Feldmarfchalleutnant. tutionen, die im letzten Jahrzehnt entstanden, sondern durch die Kapitulation der bürgerlichen Parteien vor der auswärtigen Politik des Zarismus. Zurückgedrängt von jedem Einfluß auf die innere Politik, zu � deren radikalen Umgestaltung er zu feige und zu eigennützig war, hoffte der russische Liberalismus auf dem Gebiete der äußeren Politik seine Regierungsfähigkeit nachzuweisen und den ihm fehlenden Einfluß zu gewinnen. Mitbestimmend war natürlich auch der Umstand, daß die russische Bourgeoisie und ihre liberalen Wortführer von einer erfolgreichen äußeren Politik wirtschaftliche Errungenschaften erhofften, die einen Ersatz für den Zusammenbruch ihrer Hoffnungen auf eine durch Reformen beschleunigte kapitalistische EntWickelung im Innern bieten konnten. Nach dem Staatsstreich Stolypins im Jahre 1997 begann die fieberhafte Tätigkeit des Libera- lismus auf dem Gebiete der äußeren Modernisierung der aus- wärtigen Politik des Zarismus. Zu derselben Zeit, wo die wegen„Hochverrats" verurteilte sozialdemokratische Fraktion der zweiten Duma ins Zuchthaus und in die Verbannung wanderte, reisten die Vertreter der bürgerlichen Parteien, mit M i l j u k o w an der Spitze, nach London, um für den Zarismus Reklame zu machen. Es bleibt der künftigen Ge- schichtsschrcibung vorbehalten, den Anteil der Schuld festzu- stellen, den der russische Liberalismus durch seine intensive Mitarbeit an der Ausgestaltung der europäische!: Mächte- gruppierungen und an der Vertiefung ihrer imperialistischen Gegensätze an dem Ausbruch des Weltkrieges zu tragen hat. Einen besonderen Eifer bekundete der russische Liberalismus in den Fragen des nahen Ostens, in der B a l k a n f r a g e, in der armenischen Frage, in der p e r s i s ch e n Frage. Und nicht zu geringem Teil ist es seinen Treibereien zuzu- schreiben, daß das russische Volk, ohne daß es dies ahnte und wollte, durch die Verschärfung der Gegensätze der Großmächte am Balkan und in Vorderasien in den Weltkrieg hinein- geschleudert worden ist. Jetzt erntet der russische Liberalismus, was er gesät. Seine kühnen Träume von der Schaffung eines Großruß- lands im Becken des Schwarzen Meeres mit Hilfe der Entente sind ebenso zusammengebrochen, wie seine Hoffnungen auf die Eroberung der politischen Macht im Innern durch die Unterstützung des Zarismus in der auswärtigen Politik. Die offizielle Diplomatie bekundet ihren bisherigen Kampf- genossen aus den Reihen des Liberalismus ihre Mißachtung, indem sie sie von der Beratung ausschließt, auf der das Fazit ihrer bisherigen Politik gezogen wird. Und im Lande selbst kommt— wie aus mannigfachen Aeutzerungen der bürger- lichen Presse hervorgeht— mehr und mehr eine scharfe Verurteilung der auswärtigen Politik des Liberalismus zum Ausdruck, die die jetzige Katastrophe mit verschuldet hat. Mehr und mehr kommt es offenbar auch den bürgerlichen Kreisen Rußlands zum Bewußtsein, daß die Aufrichtung und Erstarkung Rußlands nicht durch Unter- stützung imperialistischer Ausbreitungspläne, sondern durch Beseitigung des alten historischen Schutts und durch radikale innere Reformarbeit gefördert werden kann. Olockaöe Hriechenlanüs? London, 21. November.(W. T. B.) Den Blättern wird aus Athen gemeldet, die britische Gesandtschaft habe mitgeteilt, daß die Ententemächte eine wirtschaftliche und kom- merzielle Blockade Griechenlands beschlossen haben. Kitchener in Saloniki und Mhen. Lyon, 21. November.(W. T. B.) Wie„Progres" aus Sa lo- n i k i meldet, ist K i t ch e n e r Freitag vormittag aus SRudros in Saloniki«ingetroffen. Er hatte eine Besprechung mit den eng- tischen Generalen. Kitchener reiste wieder ab, ohne ans Land gegangen zu sein. Athen, 20. November.(W. T. B.)(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Lord Kitchener ist hier angekommen und besuchte in Begleitung des britischen Gesandten den König. Die Audienz dauerte über eine Stunde. Später besuchte Kitchener den Mi- nisterpräsidenten SkuludiS. Heute abend reist Kitchener wieder von Athen ab. Der montenegrinische Sericht. Cctinje, 21. November.(W. T. B.) A m t l i ch e r B e r i ch t. Am 17. und 18. November beschoß der Feind wirkungslos unsere Stellungen aus allen Fronten. Schlechtes Wetter behindert« die Tätigkeit der Infanterie. Der französische Tagesbericht. Paris, 21. November.(SB. T. B.) Amtlicher Bericht von gestern nachmittag. Man meldet von der Nacht nur Artillerietätigkeit und einige Handgranatenkämpfe in der Gegend von Arras, bei den Verschanzungen des Labyrinch, in den Argon- nen bei Courte-Chaussee und Vauquois und in Lothringen bei Reillon. Paris, 21. November.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von ge st ern abend. An mehreren Stellen der Front konzen- triertes Feuer unserer Artillerie, dessen wirksame Ergebnisse wir feststellen konnten, namentlich in Belgien in der Gegend von Boesinghe, wo deutsche Schanzwerke zerstört wurden, und an der Somme bei Beuvraignes, wo wir kleine Posten und eine gepanzerte Kuppel des Feindes vernichteten. Auf der ganzen Front die ge- wohnliche Tätigkeit der beiden Artillerien. Belgischer Bericht. Nach einer ruhigen Nacht herrschte am Tage lebhafte Tätigkeit der feindlichen Batterien und Flieger. Unsere Artillerie zerstreute feindliche Arbeitsgruppen, beschoß die Verteidigungswerke des Feindes und bekämpfte seine Artillerie. Der rujsisihe Generalsiabsbericht. Petersburg, 21. November.(W. T. B.) A m t l i ch e r D e- richt vom 20. November. Auf einigen Stellen der Front bei Riga heftiges Artillcriefeuer. Westlich Dünaburg mußten die Deutschen ihre Stellungen in der Gegend der Eisenbahn nach Ponjewiez aufgeben. In den vom Feinde verlassenen Gräben fanden wir wieder Waffen, Munition und noch unbeeidigte Leichen. In den anderen Abschnitten von Riga bis zum Prypet keine Ver- änderung. Auf dem linken Sthrufer konnte der Feind sich in dem besetzten Gelände halten, jedoch haben wir am lg. November die Stadt Czartorhsk zurückerobert, ebenso das Dorf Kozlince auf dem linken Sthrufer stromabwärts CzartorySk(S Kilometer). Gesierreichisch-rujsische ßliegerkämpfe. Bukarest, 21. November.(T. U.) Der„Universur meldet aus Dorohoi: Oesterreichisch-ungarische und russische Flieger erscheinen häufig über Bcssarabien und die Bukowina, um Rekognoszierungen auszuführen. Täglich kommt es infolgedessen zu Luftkämpfen. Als am Donnerstag«in österreichisch-ungarisches Flugzeug über Novo- silica erschien, um die russischen Stellungen auszuspähen, wurde es sofort von rusfischen Flugzeugen verfolgt. Die russischen Flieger warfen ivomben nach dem österreichischen Flugzeug. Trotzdem 25 Bomben geworfen wurden und mehrere davon in unmittelbarer Nähe der Flugmaschine explodierten, kehrten die beiden Flieger unversehrt zurück. Zwei rusfische Bomben fielen auf rumänisches Gebiet, ohne jedoch Schaden anzurichten. An der bessarabischen Grenze ist lebhafter Artilleriekampf zu verzeichnen._ Meldung der italienischen Heeresleitung. Rom, 21. November.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von gestern. Im Cordevoletale schickte der Feind am 18. No- vember nach einer intensiven Artillerievorbereitung starke Kräfte zum Angriff auf den Gipfel de? Col di Lana vor. Er wurde zurückgeschlagen. Im Gegenangriff gegen den Kampfplatz wurden Waffen, Munition und Handbomben erbeutet. Aus Kärnten wird lebhafte Tätigkeit der beiden Artillerien gemeldet. LängS der Jsonzofront dauerte der Kampf gestern heftig an. Im Ab- schnitt von Zagvra eroberten die Unsrigen ein starkes Sperrtverk. Die Beschießung dauerte von feiten unserer Artillerie kräftig fort. Es wuvde mit Erfolg ein Angriff auf die Höhen nordöstlich von OSlavia eingeleitet. Auf dem Karst faßte unsere Infanterie nach einem glänzenden Angriff festen Fuß auf einem Stück des Kammes des Monte San Michele unterhalb der dritten und der vierten Spitze. Heftig« feindliche Gegenangriffe zur Wiederrrobe- rung der Verloreiren Stellungen brachen zusammen, obgleich ihnen ein starkes konzentrisches Feuer zahlreicher Batterien voranging. Sie scheiterten sämtlich am festen Widerstand der Unsrigen. Wir von öer wesifront. Erlebnisse und Eindrücke.*) Alarm und Marsch. Jäh schreckte der Alarmbefehl die Mannschaften— man war gerade beim Mittagesten— aus ihrer Reserveruhe. In einer Stunde marschbereit I Wie in einem Ameisenhaufen wimmelt es nun hin und her. Der läuft hin, ein paar Kameraden zu su-ben; der hat noch Wäsche draußen zum Trocknen hängen, die er nun halb- naß abnehmen und einpacken muß; dieser ist kommandiert, beim Aufpacken der Wagen zu Helsen; jener hat beim Fourier- Unteroffizier anzutreten. um für seine Gruppe Lebensmittel zu empfangen. Die übrigen packen Tornister und rollen Mäntel. Es ist ein Hunde: tstimmigeS Rufen und Fluchen auf dem großen GutShof, der der Kompagnie als Quartier gedient hat. Dazu die Spannung, was eigentlich los sein könnte. ES hat in den letzten Tagen fernher besonders heftig gerollt und gebrummt. Zweifellos, es ist dort irgendwo etwas„im Gange* gewesen. Aber was. wo, mit welchem Resultat,— wer weiß! Allerlei Gerüchte schwirrten umher; aber sie widersprechen sich. Hier hieß eS: die Franzosen sind durckigebrochen. Dort: die Deutschen haben in ge- lungenem Borstoß die Linien feindlicher Gräben genommen und achtzehntausend Gefangene gemacht. Der Feldwebel kommt herüber.„Na, wollt Ihr nicht antreten? In zehn Minuten soll die Kompagnie stehen.'— Die wenigsten sind fertig. Mit doppelter Hast eilt nun aber alles hin und her. schreit und gestikuliert. Der Alarm ist recht überraschend gekommen, und man hatte es sich— so weit hinter der Front— wohl auch ein bißchen gar zu bequem gemacht. Mit der Zeit kommt aber doch alles in Ordnung. Die angesetzte Stunde für das Antreten� ist noch nicht gekommen, als schon die ersten, fix und fertig ausgerüstet, den voll- gepackten.Affen' auf dem Rücken, auf dem Sammelplatz erschemen. Bis alles beisammen ist, vergeht allerdings noch einige Zeit, und der Feldwebel tobt. Die leylen, die angetrottet kommen, kriegen auch noch von dem Kompaqnieführrr ihren Anpfiff, der. hoch zu Roß, pünktlich erschienen ist, sich kurz mit den anderen Offizieren besprochen hat, während die Zugführer Gepäck und Anzug kontrollieren. Endlich ist es soweit, daß die Züge.melden' können. Bis auf zwei oder drei.Unauffindbare' alles.zur Stelle*. Der Feldwebel gibt die Meldung dem Kompagniefübrer weiter. Der winkt..Kompagnie herumkommen!' Die beiden Flügel schwenken, so daß ein Halbkreis entsteht. „Na, Leute I" sagt der Hauptmann,.wir haben jetzt einen ordentlichen Marsch vor uns, heute, und wohl auch morgen. Ick hoffe, daß da jeder seine Ehre drein setzt, nicht unterwegs sckilapp zu machen. Schlappmachen gibt es überhaupt nicht. Der letzte Mann wird vorne gebraucht. Das mögt Ihr Euck, merken. Außer- dem habt Ihr hier lange genug herumgelegen. Danke— zurückschwenken I* Nun rückt die Kompagnie zum Sammelplatz des Bataillons. Ein halbes Stündchen dauert es hier noch. Endlich ist alles so- weit. Kompagnie nach Kompagnie empfängt die Kommandos: „Gepäck umhängen! Gewehr in die � Hand! Umhängen I Ohne Tritt— marsch I' •) Diese Schilderungen stammen von einem Genoffen, dessen Truppe bei der Abwehr der letzten großen französischen September- Offensive mitwirkte. Die Red. nahmen dem Feinide 75 Gefangene ab. Die Ueberfälle von feind- lichen Flugzeugen dinierten fort. Eines von ihnen wurde gestern durch das Feuer unserer Abwehrkanonen in der Zone von Milegna auf der Hochfläche nordwestlich Arsiero heruntergeholt. Ein ftalienischeS Flugzeuggeschwader warf gestern über dem feindlichen Flugfeld von Aisovizza gegen lvll Bomben ab und richtete auf ihm Verwüstungen an. Die Flugzeuge kehrten unversehrt zurück. Cadorna. Melöung öes türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 20. November, 5� Uhr abends.(W. T. B.) Das Hauptquartier teilt mit: An der D a r d a n e l- l e n f r o n t verjagte eine unserer Patrouillen eine kleine feindliche Abteilung aus ihren Schützengräben und erbeutete 1(XX> Sandsäcke und eine Menge Spaten und Hacken. Ein im Kojum Liman gestrandeter Schleppdampfer wurde durch eine unserer Pionierabteilungen zerstört. Unsere Ar- tillerie traf mit einer Granate ein feindliches Torpedoboot. das auf der Höhe von Atche gegen uns feuerte. Das feindliche Schiff entfernte sich in Nauch gehüllt. Bei Ari Burun hefti- gerer Kampf mit Artillerie und Bomben. Bei Sedd ul Bahr gegenseitiges Infanterie- und Moschinengewebrfeuer; desgleichen heftiges Feuer der Artillerie und Kampf mit Bomben. Unsere Artillerie zerstörte ein feindliches Blockhaus am Ker- vizdere und brachte die dort aufgestellte Artillerie zum Schweigen. Sonst nichts zu melden. Zur Torpeüierung öer fincona. Turin, 21. November.(W. T. B.)„S t a m p a" veröffentlicht das Protokoll des Verhörs mit dem Kapitän der „A n c o n a*. Aus diesem geht hervor, daß der Kapitän, als das Unterfeeboot erschien, auf Deck war, ferner, daß der erste Schuß nicht das Schiff traf, sondern 20 Meter davon vorbeiging, und daß der Kapitän trotz des Warnungsschusses keinen Befehl gegeben hat, zu stoppen, sondern ruhig weiterfuhr. Auf der Weiterfahrt versuchten die Reifenden und die Besatzung, die Rettungsboote herunterzulaffen. Das Unterseeboot feuerte weiter auf das Schiff, bis es endlich hielt. AuS den Aussagen des Kapitäns geht schließlich hervor, daß das Unterseeboot nicht weiter ge- feuert hat, nachdem daS Schiff gehalten hatte. Macöonalös Ausscheiden aus dem Internationalen öureau. Vorläufig liegt uns nur die kurze, der„Morning Post" entnommene Nachricht vor, daß Genosse Ramsay Macdonald von seinem Posten als Vertreter der englischen Sozialisten im Internationalen Bureau zurückgetreten sei. Wir müssen weitere Mitteilungen abwarten uird können heute nur der» muten, daß— wenn die Meldung überhaupt richtig ist— das Ausscheiden Macdonalds in den zwischen dem Führer der Unabhängigen Arbeiterpartei und der parlamentarischen Labour Party bestehenden Meinungsverschiedenheiten über den Krieg und die Stellung zur Regierung seinen Grund hat. Der als Nachfolger Macdonalds genannte Will T h o r n e ist in der englischen Arbeiterbewegung eine bc- kannte Persönlichkeit. 1857 in Birmingham geboren, mußle er schon im Alter von sechs Jahren in einem Barbiergeschäft sein Brot verdienen. Mit sieben Jahren arbeitete er auf einer Seilerbahn und mit acht in einer Zicgelhütte. Im Jahre 1889 half er den Gasarbeiterverband begriinden und heute ist er der Generalsekretär dieser Organisation. Seit 1996 sitzt er im Parlament als Vertreter des Wahlkreises West Ham, der früher einmal Keir Hardie ins Unterhaus ent- scmdt hat. Beim Ausmarsch aus dem halbverlasjenen Dorf ist die Stim- mung recht geboben. Das Ungewisse— noch immer weiß ja keiner etwas Näheres über das Wohin und Warum— reizt, das Neue lockt. Und die Glieder find noch frisch. Man fingt ein paar Liever —„Lippe-Detmold, eine wunderschöne Stadt" und„Ist alles du— un—-kel, ist alles trü— ü— be". die Leiblieder der Truppe— und ruft den Weibern, die in den Türen und Fenstern erscheinen.„Auf Wiedersehen' oder auch allerlei Scberze zu. Als die erste halbe Stunde Marsch vorüber ist, läßt der Sing- eifer aber schon beträchtlich nach. Es ist ein elender, ausgefahrener Weg, der überwunden werden mutz, dazu geht es bergauf und bergab. Die Tornisterriemen beginnen bereits unverschämt zu schnüren. Man hat wieder viel zu viel hineingestopft. Fabelhaft, was sich alles so zusammenfindet, wenn man immer bloS im Stellungskampf liegt und dann gar noch so ein paar Wochen Reserve hinter der Front kriegt. Jetzt hat man die Bescherung... Nach zwei Stunden scharfen Marschierens gibt es endlich die erste Zehn-Minuten- Pause. Es wurde höchste Zeit. Man ist„ehrlich kaputt". Die Tornister fliegen nur so vom Rücken; die müden Glieder strecken sich in dem rauhen GraS längst des Weges. Der Boden ist hart und kalt, trotzdem ruht es sich vorzüglich. Nach der kurzen Pause wieder zwei Stunden Marsch. Nun bleiben bereits die ersten Schlappmacher zurück. Die Kompagnie- sührer, die hinter ihren Kompagnien reiten� suchen mit aufmunternden Worten nachzuhelfen. In den Reihen der Marschierenden wird eS stiller und stiller. Nur ab und zu noch ein Anschwellen der Stimmen, wenn in der Ferne ein Ort auftaucht... oder der Wind lauter und drohender das ferne Geroll schwerer Geschütze herüber- trägt... Als die zweite Marschstunde sich ihrem Ende zuneigt, kommt man in einen größeren Ort, in dem noch Einwohner in beträcht- licher Zahl zu wohnen scheinen; im �übrigen ist alles voll von stab. Da gibt es— endlich!— nun nicht nur Aufenthalt, sondern auch allerlei Erfrischungen: Wasser, Kaffee, Aepfel und Birnen. Die Geister beleben sich noch einmal. Ein paar Nachzügler finden sich wieder zur Truppe. Optimisten machen sich schon Hoffnungen, man würde hier überhaupt Quartiere beziehen. Langjam senkt sich ja auch die Dämmerung auf die Erde. Aber es heißt noch einmal: Aufl Und noch einmal zwei Stunden Marsch in scharfem Tempo folgen. Zuerst geht eS nun wieder ein paar Kilometer mit Gesang und Munterkeit. Aber dann werden die Füße um so schwerer, und die Tornffterriemen drücken und schnüren ärger denn je. DaS Dämmerlichl wich längst dem Dunkel. Glücklicherweise geht aber bald der Mond auf, so daß man wenigstens halbwegs sehen kann. Aber wie weit soll der Marsch denn noch gehen? Die ganze Nacht durch,— gleich mit einem Mal« bis zur Front Die sechste Marschswnde kommt, und mindestens der fünfund- zwanzigste Kilometer, ehe in der Ferne ein paar Lichter auf- tauchen, von denen eS heißt, daß sie aus dem Dorfe herüber- schimmern, in dem die Müden Nachtruhe finden sollen. DaS Tempo ist doch beträchtlich langsamer geworden, als daS Bataillon endlich einrückt. Gott fei Dank geht die Zuweisung der Quartiere schnell. Man macht nicht viel Federlesens. Je dreißig, fünfzig, hundert Mann abgezählt— und hinein in eins der Ge- Höfte. Mag dann jede Gruppe sehen, wo sie in einer der Scheunen, auf Heuböden oder in Pferdeställen einen Platz findet. Ein bißchen Train ist schon einquartiert. Wer das schadet nicht. Es sind ältere, In den Auseinandersetzungen über die Stellung der eng- lischen Arbeiter zum Krieg ist Tborne nicht besonders her- vorgetreten. Der Mittelweg. Wieder hat ein Mitglied des englischen Oberhauses. Lord Ribbesdale, vom Frieden und seinen Möglichkeiten ge- sprochen, und er hat zu verstehen gegeben, daß sich doch ein Mittelweg finden müsse, auf dem man zu einem Frieden gelange, den nicht der eine dem andern aufzwinge. Die Stimmen mehren sich also, die dem Aufreibungskrieg des Herrn Churchill widersprechen. Die Idee eines Friedens, der sich nicht auf dem entscheidenden Sieg der einen und der militärischen Niederlage der anderen ausbaut, gewinnt in England an Anhängern. Man hält es für möglich, daß die Streitenden auf dem Wege einer Verständigung und eines vernünftigen Ausgleichs ein Ende herbeiführen. Ob die Schlußbemerkungen des Lords, es gehe England scheinbar noch zu gut. als daß es jetzt schon der Aufstellung von Friedensbedingungcn nähertreten könne, ernst oder ironisch gemeint waren, ist gegenüber dieser Tatsache von unter- geordneter Bedeutung. Es wäre nun, wie wir schon verschiedentlich angedeutet haben, verfehlt, anzunehmen, daß diese Ansichten erwachender Besonnenheit in Deutschland ganz allgemein mit Genugtuung begrüßt würden. Im Gegenteil, sie erwecken hier und da steigendes Unbehagen und es wird eindringlich vor dem „Gimpelfang" der Briten gewarnt. Den„Mittelweg" zu be- schreiten, sei um der Zukunft Teutschlands willen Verhängnis- voll; es muß bei uns bis zum vollständigen Sieg gekänipft werden. Der Churchillschen Parole des Zerreibungskrieges muß die Forderung des Zerschmetterungskricges entgegen- gestellt werden. Graf Reventlow drückt diesen Gedanken in der„Deutschen Tageszeitung" jetzt so aus: Zum Siege gehört in diesem Kriege unauflöslicher als je die Ausnutzung des Sieges. Ein unaussetzter(soll wohl heißen.unausgenupter"— Die Red.) Sieg ist kein Sieg. und ein Krieg, der durch einen Friedensschluß unterbrochen würde ohne Ausnutzung des Sieges und ohne Benutzung der Fähigkeit, völlig zu siegen, würde sich schon bald nach dem Friedensschluß als ein verlorener Krieg darstellen. Und an einer anderen Stelle: Es kommt nicht in erster Linie darauf an, den Krieg schnell zu beendigen, sondern darauf, daß wir eine Lage schaffen, die uns in den Stand setzt, bei Friedensschluß die deutsche Zukunft tatsächlich (nicht durch Papier) zusichern. Hinter die ungeheuere, gar nicht zu überbietende Bedeutung dieser pflichlmäßigen Aufgabe jede» Deulslden und dieser Forderung an das deutsche Volk und seine Leiter, treten alle anderen Rücksichten weit zurück. Die Umstände hindern den Grafen Reventlow und seine Freunde natürlich zu sagen, was sie sich unter einer Ausnutzung des Krieges vorstellen. Englische vorschüsie an öie Verbündeten. London, 21. November.(T. U.) Minister Mc Kenna hat als Antwort auf eine Frage eines Parlamentsmitgliedes mitgeteilt, daß England aus dem Reichsfonds im Jahre 1914/15 51 025 000 Pfund Sterling an andere Mächte ge- liehen hat und daß die Gesamtsumme der noch versprochenen Vorschüsse für das laufende Finanzjahr wahrscheinlich 425 Millionen Pfund betragen werde. Hevorsiehenöefimneftie öer Suren-Nebellen Kapstadt, 20. November.(W. T. B.)(Meldung des Reuterfchen Bureaus.) DaS Parlament ist eröffnet worden. Der Generalgouverneur hielt eine Rede, in der er durch- blicken ließ, daß Aussicht auf Begnadigung der Re- gemütliche Leute, die bei der Platzverteilung helfen und zurecht- weisen, wo Heu und Stroh zu holen ist. Ordentliche Bündel Heu und Stroh—, das ist natürlich die Hauptsache. Wichtiger noch als der Kaff«, den die Küche noch zu guter Letzt ausgibt. Es find ihrer genug, die nicht einmal mehr darauf göwartet haben. Sie haben ein paar Schnitt« Brot gegessen, den Rest aus der Feldflasche heruntergewunken, die Stiefel abgestreift und sich todmüde ins Stroh geworfen. Wie köstlich es sich doch auch in Heu und Stroh schläft, wenn man so recht müde istl Glücklicherweise haben die höhen Vor- gesetzten ein Einsehen und lassen schlafen— bis neun, bis zehn Uhr am nächsten Vormittag. Aber dann heißt es: Zum Weitermarsch fertig machen I Um elf Uhr wird die Küche noch einmal Essen ausgeben. Dann soll gleich losmarschiert werden. Man munkelt, die Kilometerzahl, die für diesen Tag vorgesehen ist, soll die des vorigen noch bewächtlich übersteigen. Dabei schmerzen die Glieder noch vom Tage vorher, und die Beine wollen sich gar nicht richtig bewegen. Das schönst« aber ist: der Himmel schaut grau in grau her- unter, und von Zeit zu Zeit plätschert eS recht vergnüglich auf die Erde nieder. Die Swaßen sind aufgeweicht und zeigen große graue Pfützen. Von den Häuserdächern tropft es: klack, klack— klack, klack. Windstöße schütteln die Baumkronen, daß die gelben Blätter nur so hochflattern... Angenehme Aussichten Aber es hilft nichls. Punkt elf Uhr fünfzehn Minuten„steht" die Kompagnie. Elf Uhr dreißig setzt sich das Bataillon in Be- wegung. Elf Uhr fünfundvierzig begrüßt eS ein erster ausgiebiger Regenguß. Zwölf Uhr ist alles naß bis auf die Haut. Und die Tornister mit aufgepacktem Mantel und aufgeschnallter Decke haben das Naß so richtig aufgesogen und wuchten doppelt so schwer denn je. Was hilft es, daß dieser und jener inzwischen unter seinen Sachen aufgeräumt, Bücher und Andenken, Strümpfe und Hemden hinausbefördert hat: das Gewicht der Nässe gleicht alles wieder aus. An den Stiefeln klebt der Lehm in dicken Paketen; und jeder Tritt spritzt eine graubraune Sauce über Schäfte und Hosen, selbst hinauf bis zum Rock und zu den Aermeln. Man glitscht oft mehr als man geht. Und mehr als einer setzt sich mit dem Hinter- teil in den Dreck. Dann lacht es wohl in seiner Umgebung kräftig auf, und der Galgenhumor treibt fem« Blüten. Im übrigen ist die Stimmung herzlich herunter. Wenn einer etwas dem Gehege seiner Zähne entschlüpfen läßt, ist es in neun von zehn Fällen ein kräftiger Fluch. Dabei wieder ein Tempo... und Pausen alle Jubeliahre ein- mal, freilich, was nützen einem jetzt auch die Pausen! Hinlegen kann man sich ja doch nicht auf die nasse Erde. Man hockt auf dem Tornister und stiert. Durch grauen Schleier trostlos verwahrloste Felder; hier und da ein verlassenes, zerschossenes und halbverbranntes Dorf. Ein paarmal vorbeirasselnde Wagen, tutende Auwmobile, die den Dreck meterweit spritzen. Wie weit soll es denn noch gehen? Der Geschützdonner klingt näher und näher. Aber noch deutet nichts oder wenig darauf, daß man sich dem eigentlichen Kampf- gebiet nähere. Dabei dämmert es schon wieder, früher freilich als sonst. Die Glieder wollen kaum noch. Einer nach dem andern bleibt zurück. Wieder kommt der Hauptmann, aufzumuntern und an- zufeuern. Aber es hilft wenig. Wenn der Regen jetzt auch wieder nachgelassen hat— der Schmutz, di« Nässe, die Läng« des Weges... Bellen Bestehe soBald alle Einzelprozesse erledigt seien. General Hertzog teilte mit. dag er Beantragen werde, Dewet auf freien Fuß zu setzen und eine allgemeine Amnestie zu erlassen. politische Ueberstcht. Friedensgeneigtheit der Gegner und„Durchhalten". Die Parole des„Durchhaltens" ist gewöhnlich damit begründet worden, daß die Gegner Deutschlands an ihren Plänen zur militärischen Niederwerfung Teutschlands fest- halten. In letzter Zeit haben sich wieder die Stimmen in England gemehrt, die für eine baldige Beendigung des Ringens eintreten. Aber auch aus dieser Tatsache wird jetzt wieder der Schluß gezogen, daß Deutschland nun erst recht „durchhalten" müsse. Wir gaben erst kürzlich einige dahin- gehende Bemerkungen des Grafen Reventlow aus der„Deut- schen Tageszeitung" wieder. Jetzt äußert sich auch Freiherr v. Zedlitz in der„Post" nach einer Uebersicht über die politische und wirtschaftliche Situation Englands dahin: „Faßt man das ganze Bild zusammen, so erkennt man, daß in der Tat für Grogbritannien sehr dringende Gründe militärischer, w�tschaftlicher und finanzieller Natur dafür sprechen, den jW:ieg möglich st bald z u beendigen. Daß daraus für uns die Konse?uenz zu ziehen ist:„Durch- halten", liegt auf der Hand." Unverstand. Fräulein Dr. Käthe Schirmacher, eine Dame, die früher einmal in der bürgerlichen Frauenstimmrechtsbewegung eine gewisse Rolle gespielt hat, hielt vor kurzem in Kiel eine Rede über Krieg und Frieden. Sie hat nach dem Bericht der „Kieler Neuesten Nachrichten" kurz gesagt den Wunsch, daß das Ringen recht lange dauern und daß Deutschland, wenn nun einmal doch die Stunde des Friedens komme,„hart gegen das Ausland" sei. Darüber hinaus will sie aber auch die deutsche Bildung reformieren. Französisch und Englisch sollen in den Mädchenschulen nicht mehr als Pflichtfächer gelten, die Kennt- nis dieser Sprachen sei nicht nötig für eine gebildete deutsche Frau. „Das deutsche Mädchen muß durch Wandern. Turnen, durch Schaffung einer Mädchenjugendwehr zu körperlicher Tüchtigkeit er- starkl werden. Hand in Hand damit gehen sollte eine Erstraffung in geistiger Hinsicht. Erst durch den körperlichen militärischen Drill können dafür die Grundlagen gelegt werden." Mit einem Wort. Fräulein Käthe scheint der Meinung zu sein, daß wirklich nationale Gesinnung und positive Kennt- nisse sich nicht miteinander vertragen. Aber sie bleibt nicht bei der Erziehung stehen: „Der Verkebr mit dem Auslände muß nach dem Kriege ge- ringer werden, planloses Umherreiien aukhören. Auch von dem deutschen Handel wird völkische Würde gegenüber dem Verkehr mit dem Auslande verlangt, da Vorteile, die aus Kosten der Würde erlangt werden, mit nationalem Verlust enden.— Wer französische Romane kauft, begeht unlauteren Wettbewerb gegen unsere eigenen Schriftsteller." Eine merkwürdige Auffassung von unlauterem Wett- bewerb l Aber vielleicht denkt Fräulein Doktor daran, daß ein von ihr verfaßtes Buch über Voltaire so wenig Anklang gefunden hat, und diese Erinnerung läßt sie den amüsanteren französischen Autoren zürnen. Wie sie denn überhaupt auf Frankreich sehr schlecht zu sprechen ist. Als sie noch in Paris lebte, schrieb sie für deutsche Zeitungen Artikel, die an den republikanischen Einrichtungen kein gutes Haar ließen, und jetzt beweist sie die Minderwertigkeit der Franzosen mit dem Satze, daß sie im Gegensatz zu Deutschland ebenso wie die Engländer keine„Sagen und Märchen, köstliche Volkslieder, Sitten und Gebräuche und staatliche Ueberlieferungcn" besäßen. Da dröhnt von hinten lautes Gerassel her.„Rechts heran!" geht es durch die Reihen. Hallo, Artillerie im Trab! Und nicht bloß eine Batterie, eine Abteilung. In endloser Kolonne Geschütz hinter Geschütz, dazwischen Munitionswagen, Bagage, Feldküchen. Hei, wie das donnert und poltert und rattert und klirrt! Und wie die Gäule auSgreifen! Rufe fliegen hinüber und herüber. Der Bataillonskommandeur hat halten lassen, damit die ganze Straße für die Artillerie freigemacht werden kann. In Ruhe kann man die wilde Jagd an sich vorbeisausen sehen. „Es mutz ganz was Besonderes loS sein, wenn die so im Trab herankommen", das ist die allgemeine Meinung. Und das belebt die Müden und Matten wieder einigermaßen. Als endlich der Weitermarsch angetreten werden kann, geht eS wieder flotter— hinter der Artillerie drein. Mehr und mehr belebt sich jetzt die Straße. Man stößt auf eine zurückkehrende Munitionskolonne. Dort steht ein Wagentroß und lädt Bretter ab, augenscheinlich zum Barackenbau. Man kommt durch Gehölze, in denen Artillerie lagert. Die Zahl der vorbei- sausenden Autos nimmt ständig zu. Man sucht durch Zurufe Neues zu erfahren. Aber immer noch läßt sich nichts Sicheres erkunden. Die Franzosen haben neuer- dings angegriffen, das scheint sicher. Schwere Kämpfe, die noch anhalten... Aber die Front immer noch weit entfernt; der eine sagt zehn, der andere zwanzig Kilometer... Dann wird es mit dem Hinkommen heute wohl doch nichts mehr werden. Schon hat sich der Abend über die Heide gebreitet, nebelig und dunkel... Aber weshalb dann noch immer kein Halt? Warum immer noch weiter? Vor den Augen schwankt und flimmert eS, in den Ohren singt die Ermattung... Da, endlich, die Spitze biegt vom Wege ab. Zu einer Wald- lichtung hin. � Da wird wohl endlich Schluß gemacht werden. Allerdings, Häuser, Baracken sind nirgends zu entdecken. Also wohl Zeltlager. Recht erfreulich— bei der Nässe! Aber die Glieder sind so kaputt, daß auch ein Lager auf der feuchten, kalten Erde unter der dünnen Zeltleinwand noch lockend erscheint. Gott sei Dank, wirtlich: die Spitze hält. Nun kommt auch für die eigene Kompagnie das Kommando: Halt! Die Gewehre werden zusammengesetzt, die Tornister abgelegt. Aber da— was ist das? Täuschte sich das Ohr? Da rief doch jemand:„Sturmgepäck fertigmachen I"— Sturmgepäck? Soll es denn noch weiter gehen? Und am Ende gleich„hinein"... Kein Mißverständnis! In einer halben Stunde soll wirklich weiter marschiert werden. Vor einer Viertelstunde hätte jeder geschworen: Eine Un- Möglichkeit! Jetzt aber, wo der Befehl gekommen ist, wird es doch geben. Das Wörtchen„Sturmgepäck" hat wie ein Zauber gewirkt. Erregt wispert es hin und her. Weiß der Himmel, was die Nacht noch alles bringen soll. Da darf es kein Ermatten geben. Zitternde Hände nehmen Mantel. Zeltbahn und Kochgeschirr vom Tornister, um es zum Sturmgepäck zurechtzuschnallen. Als dann der Befehl zum Antreten und Weitermarschieren kommt, ist alles mit eigener Schnelligkeit zur Stelle. ES regnet wieder. Von den Helmen rinnt eS in dicken Tropfen über die Backen und in den Nacken. Die Haut schauert unter der Nässe. Die wundgelaufenen Füße scheuern schmerzhast an den lehmschweren Stiefeln. Die dicke, feuchte Mantelwolle drückt auf Schulter und Brust... Aber ohne Murren setzt sich jetzt Fuß vor Fuß, und Minute um Minute geht es vorwärts durch Nacht und Wetter, dorthin, wo drohender und drohender die Geschütze ihre eherne Stimme erklingen lassen. So viel Worte, so viel Unsinn! Und so etwas wagt eine Frau nicht etwa bei einem Appell der Mädchenjugendwehr, sondern in einer Versammlung von erwachsenen Menschen vorzutragen. Tut es denn wirklich not, im Auslande den Eindruck zu erwecken, als sei das deutsche Volk eine Gesell- schaft von Banausen, und als sei sein Kriegsziel die Ver- breitung von möglichst viel Unwissenheit? Die Kriegsgewinnsteuer. Die Stiftungen der Firma Krupp haben einer Reihe von bürgerlichen Blättern Anlaß zu der Bemerkung gegeben, daß die fteiwillige Hergabe eines Teils des Reingeivinns zu wohltätigen Zwecken die beste Art der Kriegsgewinnbesteue- rung sei. Wir halten eine derartige Argumentation für äußerst gefährlich, denn sie ist geeignet, die Notwendigkeit einer all- gemeinen Kriegsgewinnsteuer zu verschleiern. Es darf keines- falls in das Belieben des einzelnen Unternehmers gestellt werden, ob und in welcher Höhe er seine Mehrgewinne der Allgemeinheit zur Verfügung stellen will. Auch die Art der Leistung kann bei freiwilligen Gaben leicht zu einer Schädigung allgemeiner Interessen führen, denn nicht alle Wohlfahrtsinstitutionen wirken trotz bester Absichten im höheren Sinne sozial. Der Notwendigkeit gesetzlicher Bestimmungen über die Verwendung von Kriegsgewinnen kann sich auch die„Kreuz- Zeitung" nicht verschließen, aber sie hält es trotzdem für notwendig, gegen den„Vorwärts" zu polemisieren, weil, wir bei der Besprechung des Kruppschen Geschäftsberichts diese Notwendigkeit in den Vordergrund gestellt haben. S i e zieht aus der neuen Stiftung noch eine andere Folgerung: „DaS Vorgeben der Familie Krupp aber, die darin alter und bewährter Ueberlieferung ihres Hauses folgte, zeigt aufs neue den hohen Wert, den aus sozialem wie aus wirtscbaftlichem Gebiete die Einzelpersönlickikeit kraftvoller, ihrer Pflichten und ihrer Verantwortung wohl bewußter Unternehmer hat. Solche Persönlichkeiten und Familien mit ihren industriellen Werken sind ein Besitz, auf den stolz zu sein und dessen sich zu freuen das deutsche Volk auch aus diesem Kriege erneuten Anlaß nehmen wird." In Konsequenz dieser Anschauung bewertet die„Kreuz- Zeitung" auch die Ueberweisung von 16 Millionen Mark an die Kruppschen Angestellten-Fürsorgefonds anders als wir es tun: „Wer die Einrichtung Krupps kennt, weiß, daß WohnungS- kolonien, Konsumanstalt und Pensioiiseinrichiungen dieser Firma von jeher in der ganzen Welt vorbildlich und bahnbrechend zum Segen der Arveiter gewirkt haben. Er gegrüßt es mit Freude, daß diesen Zwecken der Fürsorge für die Angehörigen des Werkes jetzt wieder l6 Millionen zufließen. In dem Umstände, daß das Verhältnis zwischen Unternehmer und Arbeiterschaft hierdurch fest und vertrauensvoll gestaltet wird, erblicken wir im Gegensätze zu mancher stüher versochlenen sozialdemo- kratischen Anschauung, an welcher der„Vorwärts" unbelehrbar festhalten zu wollen scheint, einen Vorteil, der gerade in der gegenwärtigen Kriegslage besonders sich bewährt." Der Unwille über unseren Krupp-Artikel scheint bei der „Kreuz-Zeitung" vor allem deshalb so groß zu sein, weil wir an gewisse Vorgänge in der neueren Geschichte des Kruppschen Unternehmens erinnerten. Beeinflussung der Presse. UnS wird geschrieben: Leute, die umfangreiche Jnseratenaufträge zu vergeben haben, besitzen damit ein Mittel, auf die gesamte Haltung von Zeitungen oder auf ihre Stellung zu bestimmten Fragen entscheidend ein- zuwirken. Es ist also ganz natürlich, daß Kreise, deren eigent- licheS Ziel Einwirkung auf die Presse ist, dies auf dem Umweg über den Inseratenteil versuchen. Man erinnert sich der groß- kapitalistischen Gründungen, die vor dem Kriege sich zur Auf- gäbe machten, die Presse des In- und Auslandes im Interesse des deutschen Imperialismus zu beeinflussen. Diese Tätigkeit ist nicht eingestellt worden, aber nur soweit die Beeinflussung der inländischen Presse in Frage kommt, sei hier das folgende Beispiel mitgeteilt: In Essen gibt eS eine Ausland-G. m. b. H., der die ge- samte westdeutsche Schwerindustrie besonders nahe steht und deren Leiter besonders von einem Kruppschen Direktor ihre Weisungen empfangen. Diese G. m. b. H. betätigt sich seit geraumer Zeit als Annoncenexpedition. Die maßgebendsten westdeutschen Jndustriefirmen vergeben ihre Inserate nur durch diese Gesell- schaft, so daß deren Jnseratenvermittelung heute schon mehrere Millionen Mark im Jahr umfaßt. Wenn das Geschäft erst einmal weiter ausgebaut ist, werden Korrespondenzen und Artikel. die von der literarischen Abteilung der Gesellschaft— die eine Filiale in Berlin schon eröffnet hat oder demnächst eröffnen wird— versandt werden, selbstverständlich bei vielen Zeitungen liebevolle Berücksichtigung finden. Die literarisch« Abteilung der Gesellschaft wird bis zum Friedensschluß besonders die Forderungen zu popularisieren ver- suchen, die in der bekannten Eingabe der Wirtschaftsverbände niedergelegt sind, nach dem Krieg ergibt sich von selbst die Ver- legung deS Schwergewichts der Tätigkeit auf das Gebiet der Zoll- Politik, der Sozialgesetzgebung, des Arbeiterschutzes usw.— Das Wirken einer Organisation, die durch die eben angedeuteten Mittel eine Menge Zeitungen völlig in die Hand bekommt, bedeutet eine große Gefahr für die Interessen der Minderbemittelten! Lette Nachrichten. Das neue portugiesische Ministerium. Paris, 2l. November. sW. T. B.) Wie der„Temps" aus Lissabon meldet, hat der Präsident der Republik das Rücktritts. gesuch deS Kabinetts Castro angenommen. Di« Blätter melden, daß das neue demokratische Kabinett folgendermaßen zusammengeictzt wivd: Vorsitz: Affonso Costa; Inneres und Finanzen' Alexandra Braga; Justiz: Catanho de Menzes; Krieg: Norton de Mottos; Marine: Leotie D e r e g o; Aeußeres' beiro; Unterricht: JoaodeBarros. Das Parlament wird vor be i r o; Unterritch: Joa de Barros. Das Parlament wird vor dem 2. Dezember zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen- berufen werden. Von einer Lawine verschüttet. Brig, Lt. November. fW. T. B.) Eine Militärpatrouille, die aus einem Offizier und fünf Soldaten der GebirgSinfanterie be- stand, wurde im Simplongebiet von einem Schneesturm über- rascht. Eine Rettungsabteilung hat die fünf Soldaten als Leichen aufgefunden. Ms Groß-Serlin. Totensonntag. Diele Taufende lenkten gestern ihre Schritte nach den Friedhöfen, um liebe Angehörige zu besuchen. Die Friedhöfe waren schwarz von Menschen, und an manchen Stellen war der Andrang geradezu lebensgefährlich. Die Verkehrsmittel reichten wie immer nicht aus, und so mußten zahlreiche Fried- Hofsbesucher weite Wege zu Fuß zurücklegen, um an ihr Ziel zu kommen. Kränze, Blumen, insbesondere Wachs- und Papierblumen, wurden reichlich angeboten, vor manchen Friedhöfen mußte man förmlich Spießruten laufen, so stark war das Angebot von Papierblumen durch Kinder._ Der gestrige Friedhofsbesuch überwog bei weitem den am Bußtag, der den Friedhöfen auch schon einen starken Be- such gebracht hatte. Das Wetter war glücklicherweise trocken. Opfertage. Es vergeht kaum ein Tag, an dem uns nicht ein oder mehrere Aufrufe zu Sammlungen zugehen. Die Sammlungen haben die verschiedensten Zwecke zum Ziel, und es wurde allseitig begrüßt, daß durch eine besonders zu fordernde Genehmigung eine größere Sicherheit für die Verwendung der gesammelten Gelder gegeben sein würde. Aber die Regellosigkeit der Sammlungen besteht nach wie vor. Aus der großen Sammeltätigkeit sind vor allem hervor- zuHeben Sammlungen für unsere braven Truppen im Feld und für die Daheimgebliebenen, die besonderer Hilfe bedürftig sind. Bei diesen von den verschiedensten Organisationen und Privat- untevnehmungen unternommenen Sammlungen besteht die große Gefahr der Zersplitterung, einmal im Sammelwesen selbst, und dann bei der Verteilung. Viele Personen werden täglich mehrere- mal angegangen, für die verschiedensten Zwecke zu geben, was oft dazu führt, daß die einzelnen Zwecke leiden, und dann kann ins- besondere bei der Verteilung von Geldern oder Gaben zu leicht die Wirkung eintreten, daß an manchen Stellen doppelt und drei- fach gegeben wird, während viele andere gar nichts erhalten. Das Schlimmste ist und bleibt aber die große Regellosigkeit der Sammeltätigkeit, die wiederum durch eine oft eifersüchtige Kon- kurrenz verschiedener Organisationen hervorgerufen wird. Wir haben im Laufe des Krieges nach dieser Richtung hin manche Erfahrungen gemacht. Die besten Absichten aber können auch dis- kreditiert werden durch die Art der Sammlungen, und eS ist im Laufe des Krieges schon wiederholt von sehr namhaften Persön- lichkeiten Front gemacht worden dagegen, Sammelmittel durch Veranstaltung geräuschvoller Festivitäten aufzubringen, die manch» mal eher den Veranstaltern oder auch der Befriedigung des Ehr- geizes dienen. Uns scheint, daß auch der neueste Plan des Roten Kreuzes von Berlin in seiner Ausführung so geartet ist, daß er lebhaften Anstoß erregen wird. Das Rote Kreuz von Berlin hat die Absicht, am 3., 4. und ö. Dezember Opfertage zu veranstalten. und zwar in Groß-Berlin. Die Sammlung der Spenden wird durch H a u s l i st e n, sodann durch Büchsensammlungen in den Wagen der Straßen, und Untergrundbahnen, in den Gast- wirtschaften aller Art und weiter durch Kollekten geschehen, die Behörden, Banken, Warenhäuser und Fabriken unter ihrem Personal veranstalten lassen. Ferner sollen die Lokale je nach der Zahlungsfähigkeit des bei ihnen verkehrenden Publikums For- mulare für einen Zuschlag von 5, tv und 20 Pf. auf jede Rechnung erhalten. Endlich sollen die Geschäfte und Gastwirt- schaften ersucht werden, einen bestimmten Teil ihrer Einnahmen dem Roten Kreuz zugute kommen zu lassen. Der Ertrag der Opfertage ist teils zu WeihnachiSgaben für unsere Truppen an der Front bestimmt, teils für alle die Hilfs- aktionen, in denen das Rote Kreuz von Berlin seit Beginn des Feldzugs tätig ist. So sehr wir wünschen, daß den kämpfenden Truppen wie den Daheimgebliebenen und Notleidenden reichlich viel zugewandt werden möge, so sehr befürchten wir durch die Art der Sammlung, daß sie leicht ins Gegendeil umschlagen kann und ein Fiasko er- leidet. Es ist uns beispielsweise bekannt, daß die Stadt Berlin die feste Absicht hat, durch Einleitung einer großen Hilfsaktion unter der Berliner Bürgerschaft den Sammelfonds zugunsten der Familien der Kriegsteilnehmer zu ergänzen. Der Antrag zur Genehmigung dieser Sammlung ist gestellt. Dieser Sammelsonds hat schon viel Gutes gestiftet. Ohne gegen die guten Absichten des Roten Kreuzes in Berlin irgend ein Wort sagen zu wollen, müssen wir doch betonen, daß solche allgemeinen Sammlungen zugunsten einer einzigen Organisation dahin führen, daß andere Zwecke Not leiden und daß sie schließlich auch nicht oft wiederholt werden können. Es wird eine allgemeine Zählungs- unlust eintreten, wie das jeder Fahrgast der Straßenbahn ge- legentlich der Büchsensammlung für die Kindewolksküchen wohl zur Genüge erlebt hat. Die Sammlungen wurden vom Publikum — und wir haben das selbst von vielen gutsituierten Leuten gehört— als eine arge Belästigung empfunden. Wir wollen niemand abhalten, für Zwecke zu geben, die gut und nützlich sind, soweit das das Portemonnaie gestattet. Aber Einspruch muß erhoben werden gegen die jetzt wieder beliebte Art der Sammlung zugunsten einer einzigen Organisation, worunter die unter offensichtlicher Kontrolle stehenden Einrich- tungen der Stadt Berlin in der schwersten Weise leiden zum Nach- teil der reichliche Hilfe bedürftigen Familien Einberufener. Jnvalidenwerkstatt. Der Vorstand des Kriegsbekleidungsamts deS Gardekorps er- sucht uns um Veröffentlichung folgender Zeilen: Auf Veranlassung des Kriegsministeriums haben die stellver- tretenden Generalkommandos bei den ihnen unterstehenden Beklei- dungsämtern Einrichtungen zur Beschäftigung von KriegSinvaliden getroffen. Beim Kriegsbekleidungsamt deS Gardekorps ist dem Lager E(Berlin SW. 68, Verlängerte Charlottenstr. 1, wo die aus dem Felde zurückgekommenen Sachen wieder instand gefetzt wer- ven) eine Jnvaliden-Werkstatt angegliedert, die aus einer Schuh- macher- und Sattler- sowie aus einer Schneiber-Abteilung besteht. Hier wind namentlich denjenigen Kriegsinvaliden, die infolge Ver- wundung usw. nicht mehr in der Lage sind, ihrem bürgerlichen Berufe nachzugehen, die Möglichkeit gewährt, sich für einen neuen Beruf heranzubilden, so daß sie in den Stand gesetzt werden, sich und ihren Angehörigen den nötigen Lebensunterhalt zu verschaffen. Die Einrichtung bietet aber auch Aussicht auf dauernde Beschäfti- gung, da beabsichtigt ist, die eingestellten Kriegsinvaliden bei Be- Währung später im Betriebe des Bekleidungsamts als Handwerker zu verwenden. Für die Beschäftigung in der Jnvaliden-Werkstatt kommen nur solche Kriegsinvaliden in Betracht, die bereits aus dem Militär- Verhältnis ausgeschieden sind. Ihre Einstellung erfolgt auf Arbeits- vertrag und je nach Neigung und Fähigkeiten als Schneider, Schuh- macher oder Sattler. Als Vergütung wird ihnen ein Tagelohn be- willigt, der für einen auskömmlichen Lebensunterhalt ausreicht; von dem Lohn kommen nicht etwa die den Invaliden gewährten Renten, Kriegs- oder Verstümmelungszulagen in Abzug. SinstellungSgesuche können schriftlich oder mündlich angebracht werden, und zwar sowohl in der oben bezeichnet»« Invaliden-Werkstatt selbst(beim Lager E, Berlin SW. 68, Verlängerte Charlottenstraße 1) wie auch im Hauptgebäude des Kriegsbekleidungsamts des Gardekorps(Zimmer 121 des Wohlfahrtshauses, Berlin NW. 6, Lehrter Str. 57). Die Einstellung findet dann nach militärärztlicher Untersuchng und Feststellung des Grades der Erwerbsfähigkeit statt. Die Löhne für die neuen Offizieruniformen. Bei den Verhandlungen, welche die Vertreter der Arbeiter- und der Arbeitgeberorganisationen der Schneider wegen der Löhne für die neuen Offizierunisormen in Nürnberg geführt haben, konnte eine Einigung über den Lohnsatz für die Litewka und die Bluse nicht erzielt werden. Deshalb gaben die Unparteiischen hinsichtlich dieser beiden Positionen einen Schiedsspruch ab, über dessen An- nähme oder Ablehnung die örtlichen Organisationen zu entscheiden haben. In Berlin soll nach dem Schiedsspruch die Litewka mit 16,50 Mk. und die Bluse mit 17,56 Mk. bezahlt werden. Eine am Sonnabend abgehaltene Versammlung der dem Schneiderverbande angehörenden Militärschneider nahm zu dieser Angelegenheit Stellung. Schon während der Berichterstattung über die Nürnberger Verhandlungen bekundete die Versammlung starke Unzufriedenheit mit den im Schiedsspruch aufgestellten Lohnsätzen. Noch mehr kam die Unzufriedenheit in der Diskussion zum Aus- druck. Allgemein wurden die Löhne als zu niedrig bezeichnet und ein Satz von 21 Mk. für die Bluse als angemessen erklärt. Aus diesem Grunde verlangten die meisten Redner die Ablehnung des Schiedsspruches und die Verweigerung der Anfertigung der frag- lichen Stücke.— Mitglieder der Verhandlungskommission und des Verbandsvorstandes erklärten das Zustandekommen des Schieds- spruches und die Gründe, welche für die Unparteiischen maßgebend waren. Diese Redner verwiesen darauf, daß im Verhandlungswege nicht mehr erreicht und ein Streik unter den gegenwärtigen Ver- Hältnissen nicht durchgeführt werden könne. Hierdurch konnte aber die lebhafte Opposition gegen den Schiedsspruch nicht merklich be- einflutzt werden. In geheimer Abstimmung lehnte die Ver- sammlung den Schiedsspruch mit III gegen 16 Stimmen ab. Hiernach wurde noch bemerkt, daß die Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches an dem vom Hauptvorstand zusammenzustellen- den Gesamtergebnis der Abstimmung in allen Orten abhänge, auf das die Abstimmung der Berliner Mitglieder jedenfalls von erheb- lichem Einfluß sein werde. Eine Anfrage, was nun zunächst geschehen solle, wurde vom Vorstandstische dahin beantwortet: Die Gesamtabstimmung muß bis zum 1. Dezember beendet sein. Bis dahin ist, den Verein- barungen gemäß, unter den bisherigen Verhältnissen weiterzuarbei- ten. Das heißt: für Litewka und Bluse werden die bisherigen a conto-Lohnzahlungen geleistet, bis die endgültige Entscheidung über die strittigen Lohnsätze vorliegt. lÄK Bräute beschwindelt. Der 46 Jahre alte Geschäftsreisende Friedrich Rosenkranz hat den Heiratsschwindel besonders verstanden. Er gab sich in der Provinz als biederer Fabrikbesitzer aus und verstand es so, seit Mai dieses JohreS, 126 Witwen und Mädchen zum Teil recht an- sehnliche Beträge abzunehmen. Jetzt ereilte ihn sein Schicksal. flus aller Welt. Betrug beim Verkauf von Wurstwaren. In Freiburg i. B. hat eine amtliche Untersuchung folgende Schwankungen des Ge- Wichts bei je 16 Stück Würsten ergeben: Cervelatwurst(15 Pfund) zwischen 486 bis 775 Gramm; Bratwurst(15 Pfund) 426 bis 566 Gramm; Leberwurst(12 Pfund) 666 bis 1656 Gramm; Blut- Wurst(12 Pfund) 1136 bis 1586 Gramm. Um diesem Betrug vor- zubeugcn, wird das Bezirksamt Freiburg künstig Höchstpreise für Wurstwaren mit der Bestimmung festsetzen, daß 16 Stück der so- genannten abgebundenen Würste ein bestimmtes Gewicht haben müssen. Dabei werden für die Trockensubstanz der Wurst feste Grenzzahlen bestimmt. Manche Würste wiesen bei der amtlichen Kontrolle einen Waflergehalt von 81,2 Proz. auf. Wctteraussichten für baS mittlere Norddeutschlanb bis DienS- tag mittag: An der Küste noch größtenteils bewölkt und etwas nebelig; im Bininenlande trocken und besonders im Süden vielfach heiter; langsame weitere Abkühlung. Ihrem Kollegen Ernst Popitz nebst Frau zur Silber- Hochzeit die herzlichsten Glückwünsche senden die Kollegen der Firma \w Franz Stock, Abt. Schäfer äi SSSSSSSSSSSSSSSS� Bekanntmachung der Allgemeinen Orts- Krankenkasse Ksid umsonst! Pklzgnrnituren. exlrabillige ei sttlaistge StunkSstoias, Fuchsstolas, Opossum- sfunkse, Fuchsgarniluren, Skunks- muffen. Riclennuswabl spoitbilliq« Pelzneubeiten. Herrenanzüge, Hen en- Ulster, Herrenbosen, Winterpaletols, Burschenanzüge, Bauchanzüge. Spoit billiger Bellenvertaus, Wäilbevcrkaus, Gardinenverkaus, Tcppichvcrlaus, Uhrcnverkaus, Goldsachcn Grog- Berlins allerbilligstc Einknussquelle: Pjandieihhaus Hermannplatz 6.* e/r» Den verehrlichen Kassenmitglicdern geben wir hierdurch betannt, daß die durch Notgcsetz vom 4. Äugust 1914 aus die Regelleistungen herabgesetzten Mehrleistungen der Kassen durch Besckilus des Vorstandes vom 18. August ISIS, mit Zustimmung des Versicherungsam ls Berlin-Lichten- berg bei diesseitiger Kasse wieder eingesührt werden, und zwar werden die alten satzungsmäfiige» Leistungen gewährt nach Z S0 der Satzungen, d. h. kür jeden Krankheilstag intl. der sonn- und Feiertage ein Krankengeld in Höhe des halben Grundlohns aus die Dauer von 39 Wochen: ferner nach 8 SS» Abs. II. Es erhasten also diejenigen Versicherten. jür die kein Hausgeld zu zahlen ist, neben der Krankenhauspflege ein Krankengeld in Höhe von llu des Grundlohnes. 273/2 Diese Wiedereinführung der alten Leinungen tritt mit dem Tage dieser Veröffentlichung in Kraft! Der Borstand der Allgemeinen OrtS-Krankeu lasse Berlin-Lichtenberg. L. A.: Max Liedloss. II. Vorsitzender. �MwulfuÄk-fäillidhdi/ Stoffe {Qr ly-lRziise, Paletots. Dtster Meter 6, 8. lO, 12 M. Damen-Kostiini- Dod Ulster-Stolle „Neuheiten" Meter 3, 5. 7 M. SeiieD-Plilsclie, PersiaDer imit Astrachan Meter 10, 16, 20 M. Koch& Seeland, Tnch-Lager Gertraudtenstraffe 20—21.• CuchtigcIMchinen- Kcparauir-Schloiier stellt sofort ein A.-G.,• Fabrik Spandau, Hamburger Str. 44. Tttchtlger Werkzeug-Scharfschleifer wird sofort verlangt. Edrlcl, A Graetz, Berlin SQ., Elseustr. 90/94. 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