Ur. 330.- 3Z.Iahrg. Ildonneinentz-Secklngllnge»: Sbonncmenls- Scei« tränumerand«! Bietteljähtl. 330 MI. monolL 1,10 MI, wöchenllilb 25 Pfg, frei mS Haut, Einzelne Nummer 5 Psg Sonmagt« Nummer mil illukNnerier Sonnlagt- Beilage.Tie Neue Well'>0 1!°». Bost- «lbonnemeM 1.10 Mar! vra M a n a t. Eingerragen in die Beil. Zeirungt- Breislisle llnier Kreuzband für DeuiiMIand und Oellerrenb> Ungarn L3l> Marl für da- übrige Ausland 4 Mar! pro Mona! Loilabonnementt nehmen an� Belgien, Dänemarl, Holland, Zialien. Luxemburg, Borlugal, kumäniea. Schweden und die Schweis Vliüeim izgiild. Vevlmcv Dolksblnkk. s 5 Pfennig) Dfe Insertion;-Sebohr kietrügt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 60 Pfg„ für holltische und gewerlichafMchc Vereins- und Versammlungs-Anzeigen 80 Pfg, „Aletne Anrergen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. tzulässig 2 fettgedruckte Worte), icdes weitere Wort 10 Pfg, Etellengejuche und Schlafstellenan. zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort ö Pfg, Worte über 15 Buch. staben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müfsen bis 5 Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm> Adresse! „SMialdemoKrai Bulla"« Zentralorgan der fozialdemokratifcben partei Deutfcblands. Neöaktion: SW. 68, Linüenstraße 3. ffernivrecher: Ami Moritivla«, Nr. läl g«— 1i»l S7. Dienstag, den 33. November 13K». (Expedition: SV). 68, Lindenstraße 3. Kernivrecher: sslm« Morittvlati, Nr. läl SV— läl g?. tmum Holte iwfe n let MWsml. Der Reichstag. Der Reichstag wird aller Wahrscheinlichkeit nach am Dienstag die Lex Schiffer verabschieden. Sie verbessert das Gesetz über den Belagerungszustand insofern, als nun die leichteren Vergehen auch mit Geldstrafen statt wie bisher nur mit Gefängnisstrafen geahndet werden können. Eine begrüßenswerte Reform,— aber der Belagerungszustand selbst wird durch sie leider in keiner Weise berührt. Er drückt nach wie vor mit der alten Wucht, und einzelne General- kommandos haben seit der letzten Parlamentstagung die ihnen gegebene Vcrsügungsfreiheit bekanntlich benutzt, um der öffentlichen Meinung noch stärkere Fesseln anzulegen. Ms der Krieg ausbrach, stellte ein Staatssekretär die Aufhebung des Belagerungszustandes nach Be- endigung der Mobilmachung in Aussicht; heute nach ungefähr 16 Kriegsmonaten, sind wir glücklick, so weit, daß in dem Bereich des Oberkommandos in den Marken alle ge- schlosscnen Versammlungen, in denen politische Gegenstände besprochen werden, einschließlich der Vorstandssitzungen, mit Angabe der Redner 48 Stunden zuvor angemeldet werden müffen. Alle Beschwerden, die seit dem Dezember des vorigen Jahres im Budgetaus'chuß erhoben worden sind, haben nichts geholfen, und so versprechen wir uns auch nicht viel davon, wenn in den Konimissionssitzungcn, die am Mittwoch beginnen, die alten Klagen wieder angestimmt und mit neuem Material belegt werden. Man wird sie freundlich anhören. Nach- Prüfung versprechen, und schließlich bleibt dann doch alles beim alten, oder es wird noch schlimmer. Auch die rück- sichtslose Aufdeckung der Mißstände im Plenum bietet an sich noch keine Gewähr für die Beseitigung des Uebels. Trotzdem aber wird es notwendig sein, hier deutlicher und schärfer zu sprechen als bisher, schon damit allenthalben der Irrtum zerstreut wird, als hätten sich Bereine und Preß- organe das Schweigen, zu dem sie genötigt sind, freiwillig auferlegt und als billigten sie alles das, wozu sie nicht das Wort ergreifen.„Tie Zensur", so sagte Karl Marx in einem der eisten Artikel, die er veröffentlichte,„ist die offizielle Kritik; � ihre Normen sind kritische Normen, die also am wenigsten der Kritik, mit der sie sich in ein Feld stellen, entzogen werden dürfen." Da von aller anderen Kritik abgesehen, heute auch die an der Zensur nicht im Lande geübt werden darf, ist der Reichstag um so mehr zu ihr ver- pflichtet, und die sozialdemokratische Fraktion wird sich hoffentlich mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln dagegen wehren, daß man ihr in diesem Punkte wieder wie das letzte Mal das Wort beschränkt. Wir sollten meinen, auch die Regierung mitsamt den Militärbehörden müsse sich von der UnHaltbarkeit eines Zu- stondes, der die Erörterung der wichtigsten Angelegenheiten so gut wie nicht gestattet, überzeugen lassen. Wie denkt sie sich denn überhaupt die weitere EntWickelung? Soll über die Möglichkeiten der Beendigung des Krieges und über die Friedensbcdingungen nicht eher gewrochen werden dürfen, als bis der Friede tatsächlich abgeschlossen oder seinem Ab- schluß nahe ist. In diesem Fall wird schließlich nach der Be- seitigung der Hindernisse der Diskussion ein Sturm entstehen, dem die, die den Frieden beschlossen haben, nicht standzuhalten vermögen. Der Unwille über die Nichtachtung der öffent- lichen Meinung wird, wie immer die Bedingungen auch be- schaffen sein mögen, so stark sein, daß er die Staatsmänner und Diplomaten, die die Verantwortung tragen, hinwegfegt.. Was aber wichtiger ist: ein Friede, der ohne die Mitwirkung des Volkswillens zustande kommt, birgt die größten Ge- fahren für die Zukunft. Tie Unzufriedenheit wird vom ersten Tage an an seinen Grundlagen rütteln, und keine Ne- gierung besitzt Autorität genug, um ihn zu verteidigen und zu rechtfertigen. Hat man andererseits aber die Abficht, doch irgendwann, bevor der letzte Schuß gefallen ist, die freie Aussprache zu eröffnen, dann wissen wir nicht, warum es nicht im gegenwärtigen Augenblick geschehen soll. Jeder hat sich in den seckMhn Monaten ein Bild von dem ge- macht, was Deutschland zu erreichen vermag und welches Ziel des Krieges in Teutschlands Interesse liegt. Niemand wird auch behaupten können, daß die militärische Sage eine Be- spreckmng der Kriegs, zwecke verbiete. Auf den Schlachtfeldern schreiten Deutschland und seine Verbündeten von Erfolg zu Erfolg, und zum mindesten militärisch befinden wir uns schon langst nicht mehr im Stande der Verteidigung. Dem Offizier und dem Soldaten mag auf seine Frage nach dem Ende die Antwort gegeben werden: Kampf bis zum Siege, der Politiker hat das Recht und die Pflicht, eine nähere Definition des Begriffes Sieg zu fordern und seine eigene Meinung darüber zum Ausdruck zu bringen. Ganz gleichgültig aber nun, ob die Regierung sich solchen Erwägungen zugänglich zeigt, muß dieses Thema an der ein- MelhW m(Otogen SlWMtiie». Amtlich. Großes Hauptquartier, November 1913.(W. T.«.) Westlicher Kriegsschauplatz. Auf der ganzen Front herrschte bei klarem Frostwetter lebhafte Artillerie- und Flicgertätigkcit. Nördlich von St. Mihiel wurde ein feindliches Flug- zeug zur Landung vor unserer Front gezwungen und durch unser Artilleriefeucr zerstört. In ComincS sind in den letzten zwei Wochen durch feindliches Feuer 22 Einwohner getötet und 8 verwundet worden. Oestlichcr Kriegsschauplatz. Die Lage ist im allgemeinen unverändert. Balkankricgsschauplatz. Die Verfolgung ist im weiteren Fortschreiten. Ueber 1560 Serben wurde« gefangen genommen. * Zum gestrigen Bericht über den bisherigen Verlauf des serbischen FeldzugcS ist noch zu ergänzen, daß die Ge- samtzahl der bisher den Serben abgenommenen Geschütze 562 beträgt, darunter viele schwere. Ober st e Heeresleitung. ** * Set SskemMMe(SeneioifMetliljt. Wien, 29. November.{2B. T. B.) Amtlich wird ver- lautbart: 29. November 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Keine besonderen Erciljnissc. Jtalicuischer Kriegsschauplatz. Die Jsonzoschlacht dauert fort. Auch die gestrige« harten Kämpfe endeten für unsere Truppen wieder mit der vollen Behauptung aller ihrer Stellungen. Gegen de» Görzer Brückenkopf führten die Italiener abermals neue Regi» mcntcr heran. Ungeachtet ihrer nutzlosen Verluste folgte Sturm auf Sturm. Rur bei O s l a v i j a und auf der P o d g o r a ge« lang es dem Feind, in unsere Stellungen einzudringen; er wurde aber wieder hinausgeworfen. Ansonsten scheiterten alle Vorstöße schon in unserem Feuer. Der Raum beiderseits des Monte Sa» Michele wurde gleichfalls von sehr bedeutenden italienischen Kräften vergeblich angegriffen. Bei San Martina waren das Infanterieregiment Nr. 39 und das egerländische Landsturminfantcrieregiment Nr. 6 an den Kämpfen hervorragend beteiligt. Im nördlichen Jsonzo-Abschnitt wurden heftige Angriffe gegen unsere Bcrgstellungcn nördlich T o l m e i n abgeschlagen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unsere Offensive gegen das nördliche und nordöstliche Montenegro nimmt ihren Fortgang. Die t. u. k. Truppen sind im Vordringen über den Mctalka-Sattel und südlich von Pribvj.— Die Bulgaren verfolgen in der Richtung gegen Prizrcn. Der Stellvertreter deS Chefs des GcneralstabcS. v. H o e f e r, Fcldmarschallrutnant. zigcn Stelle, wo heute ein freies Wort möglich ist, auf der Tribüne des Reichstages, angeschnitten werden, und keiner Partei mehr als der Sozialdemokratie steht es zu, den Reichskanzler über seine Pläne und Absichten zu inter- pellieren und ihm und der Welt auf jeden Fall ihr eigenes Prograimn für die Beendigung des Krieges zu entwickeln. Sie kann sich unter keinen Umständen länger bei Allgemein- Helten beruhigen und auf Allgemeinheiten beschränken. Sie muß deutlich und verständlich reden und dieselbe Deutlichkeit von den Vertretern der Regierung verlangen. Wir kenneu die Bödenken, die gegen ein derartiges Auf- treten erhoben werden, aber wir halben sie nicht für berechtigt. Wer da sagt, es könne im Auslande der Eindruck erweckt werden, als wolle Deutschland den Frieden u m j e d e n Preis, der verkennt vollkommen die selbstverständlichen Grundlagen eines jaden sozialistischen urkd demokratischen Friedensprogramms. Wenn die deutsche Sozialdemokratie der Sehnsucht nach dem Frieden Ausdruck gibt, so tut sie das in dem festen Bewußtsein, daß die breiten Massen in allen Ländern von demselben brennenden Wun'che beseelt sind, die Gefahren und die unerhörten Opfer eines Aufreibungs- krieges zu vermeiden, und wenn sie dabei die Grundlage skizziert, auf denen sich nach dem, den Sozialisten aller Länder gemeinsamem Programm eine Verständigung erzielen ließe, so kann ihr niemand, der ehrlich am Prinzip des Ver- terdigungskrieges festhält, den Vorwurf machen, sie stelle sich damit den berechtigten Ansprüchen ihrer Nation hindernd in den Weg. Ein anderer Einwand aber, der sich sogar hier und da in der Parteipresse vernehmen läßt, ist noch weniger stich- haltig. Wenn die Sozialdemokratie rodet, so heißt es, d a n n werden auch die anderen ih.en entgegenge- setzten Standpunkt hervorkehren, un'' dann sieht es schlimmer aus als zuvor. Das wäre richtig, wenn jenseits der Grenzen von den Absichten dieser anderen bisher nichts verlautet hätte. Jedoch sie sind dort genau so bekannt wie bei uns, und das Bedenkliche ist gerade, daß man sie im Auslande mit den Plänen der Regierung und den Wünschen der Mehrheit des deutschen Volkes identifiziert. Zwar kenn: man im allgemeinen die abweichende Meinung der Sozial- demokratie, aber was man vermißt, ist die Na chd r ü ck l i ch keit ihrer Betonung und ist vor allem der Versuch, von den maßgebenden Stellen Gewißheit darüber zu erhalten, nach welcher Seite sie neigen. Die Sozialdemokratie muß sich zudem nach außen viel vernehmbarer machen als die Politiker der Rechten, denn sie vermag im Gegensatz� zu diesen� einen Einfluß nur in der Oeffentlichkeit und mit den Mitteln der Öffentlichkeit auszuüben. Und endlich wird noch die Frage aufgeworfen: Was helfen alle Interpellationen, wenn der Reichskanzler nur mit Ausflüchten antwortet oder möglicherweise dem Verterdi- gungskrieg einen ähnlichen Sinn unterschiebt wie der Graf Reventlow und seine Freunde? Das würde uns freilich dem Frieden nicht näher bringen, dafür aber hülfe es uns aus dem Nebel heraus, in dem wir gegenwärtig herumtappen und schaffte jene Klarheit, die doppelt notwendig ist in einem Zeitpunkte, wo man der im August angestellten Berechnung zum Trotz neue Milliarden zur �Fortführung des Krieges fordert. Also immer wieder und trotz allem: freie Aussprachel Der bulgarische Kriegsbericht. Sofia, 29. November.(W. T. B.) Bulgarischer General st absbericht vom 27. November. Au der serbischen Front verfolgen wir den Gegner energisch trotz der schwierigen klimatischen Verhältnisse. Bei der Vorrückung gegen Prizrend machten wir von den Trümmern der Donau-, Drina- und Sumadijadivision dreitausend Gefangene und erbeuteten acht Kanonen. Bei ihrem Rückzüge gegen Montenegro vernichteten die Serben alle noch vorhandenen Feld- und schweren Geschütze. Die Reste der serbischen Armee gehen bloß mit Gebirgskanonen zurück. Unsere Vor- rückung gegen Pr'izren dauert fort. An der süd- mazedonischen Front besetzten unsere Truppen am 2rt. d. Mts. die letzte serbische Stellung an der Erna Rjeka an der Straße von Prilcp nach Monastir. Bei Alince (11 Kilometer südwestlich von Prilep) zogen sich die Serben gegen Monastir zurück. Infolge energischer Verfolgung seitens unserer Truppen konnten die Serben die Brücke über die Erna Rjeka nicht zerstören. An der erwähnten Straße haben die Franzosen bei ihrem Rückzüge auf das rechte Erna- ufer die Bahnbrücke beim Vardar, die Brücke bei Vozerei s9 Kilometer westlich von Kavadar) und die Brücke beim Defil« über die Balastica(?) verbrannt und zerstört. Monaftir von üen Serben aufgegeben. London, 29. November.(W. T. 23.)(Meldung des Reuter schon Bursaus.) Wie der„Daily Telegraph" aus Athen vom 23. be- richtet, drahtete der serbische Oberst V a s s i t s ch von der Front bei Prisrend, man habe beschlossen, sich nach Skutari und Durazzo zurückzuziehen. Die Vorhut der serbischen Truppen habe bereits die albanische Grenze überschritten. Was an Waffen nicht mitgenommen werden könne, werde vernichtet werden. Vassitsch hat jede Hoffnung, Monastir zu retten, aufgegeben, da der Feind über fünfmal stärkere Streitkräfte verfüge als die seinigen. Die Stadt sei bereits ausgeräumt. Auch der britische Konsul habe sie verlassen und sei nach Florina gegangen. Ein bulgarisches Detachement besetzte die Brücke über die Eerna, vier Meilen von Monastir. Man erwartet, daß die Bul- garen am 28. Kenaly errsichen würden, wodurch die Bahn nach der griechischen Grenze abgeschnitten würde. Der montenegrinische Hericht. Paris, 29. November.(W. T. 23.) Montenegrinischer Bericht vom 26. Noveniber. Artilleriekämpie und Erkundungsgefeckite auf allen Fronten. Wir wiesen einen lebhaften Jnsanteneangüff in der Gegend von Fochta zurück. Zranzö/lsthe Melöung über die Balkan- kämpfe. Saloniki, 29. November. sW. T. B.) Die Agence HavaS meldet von, 27. 11.: Man meldet keine Veränderung von der Front der Alliierten, da die Schneemosssn in den letzten atoei Tagen die Operationen für den Augenblick unterbrochen haben. Gestern fanden einige Scharmützel zwischen den französischen und den bulgarischen Vorposten statt. Ueber die Bewegung der serbischen und öfter- reichisch-ungarischen und deutschen Armeen ist keine andere Nachricht eingegangen als die über das Vordringen in den alten Sandschak. Die Serben erlitten aus ihrem Rückzug unbedeutende Verluste. Die Bulgaren greifen die Serben südlich von Prilep an. Sie zwangen fie, sich zurückziehen, ohne sie indessen zu verfolgen. Es ist sehr zweifelhaft, ob die Bulgaren die Serben verfolgen können wegen des schlechten ZustandeS der Slraszcn und der Bergllbergänge, die infolge des vorzeitigen Winters unbenutzbar geworden find. Der Winter ist auf dem Balkan viel früher aufgetreten. Es wäre nicht zu verwundern, wenn der Feldzug während einer langen Zeit- spanne� unterbrochen würde. Sonnabend fiel Schnee in Saloniki. Dies ist beinahe ein Phänomen, weil dort seil acht Jahren kein Schnee gefallen war. Englische Truppen und Lebensmittel kommen dauernd an. Em Entente-Sesthwaöer bei Kreta. Bern, 29. November.(W. T. B.) Der„Bund" erhält von zu- ständiger Seite folgendes Telegramm aus Athen: Eine bedeutende Floltenmacht der Entente liegt seit kurzem in den Gewässern von Milos und in der Nähe von Kreta und führt sich dort als absolute Herrscherin auf, hat die tclegraphische Verbindung der Insel mit Athen unterbrochen und setzt sich ohne Erbarmen über alle Gebote der Menschlichkeit hinweg. So wurde da« Schiff„Sola- mine", das verschlagen worden war und sich bei Milo zu bergen versuchte, trotz des Protestes des Kapitäns daran gehindert, dort seine Anker auszuwerfen. ES scheint, dah die Mächte der Entente, die fortwährend einen starken Druck auf die griechische Negierung ausüben, obschon diese alle Forderungen zugestanden hat, bemüht seien, die Lage Griechenlands je länger, desto verwickelter zu gestalten. Neue Vorftsüungsn öe? Entente in Mhen. Athen, 28. November.(W. T. B.) Das Pressebureau teilt mit: Die Vertreter der Mächte deS Verbandes begaben sich gestern zum Minister deS Acuhern und unterbreiteten ihm in freundschaftlichem Geiste gewisse Forderungen, wobei sie zugleich den Wunsch zum Ausdruck brachten, dah diese angenommen würden. Die Forderungen beziehen sich auf Erleichterungen für die Truppen der Alliierten in Saloniki. Der Minister des Aeuhern nahm die Forderungen der vier Mächte zur Kenntnis und behielt sich vor, zu gelegener Zeit darauf zu antworten. Athen, 23. November.(W. T. B.) Meldung der Agence HavaS. Wie auS guter Ouelle verlautet, hatte der gestrige Schritt der Vertreter des Vierverbandes die genaue Umschreibung der Erleichterungen zum Ziel, die gefordert werden, um den Truppen der Alliierten Beweg ungSfrei» . heit in Mazedonien zu sichern, und von denen in der ersten Note nur in allgemeinen Wendungen die Rede ist. Man ver- steht dies so, dah die Bewegungsfreiheit für die Alliierten d i e freie Benutzung der zum Transport und zur Verpflegung erforderlichen Verkehrswege ein- schließt. Die Schiffe der Alliierten sollen einen gewissen Spiel- räum erhalten. Den Blättern zufolge ist es wahrscheinlich, dah die griechische Regierung vor der Beantwortung dieser Note sich mit dem griechischen General st ab beraten wird. Athen, 29. November.(W. T. B.) Meldung der Agence HavaS. Die Antwort der griechischen Regierung auf die letzte Note deS Vierverbandes ist gestern den Gesandten der Vierverbandsmächte übergeben worden. Der französische Tagesbericht. Paris, 29. November.(33. T. B.) Amtlicher französischer Bericht von Sonntagnachmittag. Im ArtoiS eine bewegte Nacht. Kampf mit Minenwerfern und Granaten bei der Befestigung von Givenchy und in der Gegend zwischen Roclincourt und dem Gehöft Canteclerc. Nördlich des Labyrinthes schickte der Feind, nach- dem er vor unseren Werken Minen zur Explosion gebracht hatte, eine Kompagnie zum Angriff vor. ES entspann sich ein heiliger Kampf, der zu unseren Gunsten endigte. ES glückte dem Feind nicht, unseren Schützengraben zu erreichen, er besetzte nur den durch die Sprengung gebildeten Trichter. Von der übrigen Front ist nichts zu melden.— Gestern warfen unsere Flugzeuge neun Neunzig- millimetergranaten aus den Bahnhof Noyon ab und zwangen zwei Fesselballons niederzugehen. Heute früh zwang eines unserer Jagd- flugzeuge nordöstlich von Theley— St. Marlin, in der Gegend von Pont-a-Mousson, ein deutsches Flugzeug niederzugehen; es stürzte in die feindlichen Linien. Paris, 29. November.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von gestern abend. Auher der gewölmlicben Kanonade ist von der ganzen Front nichts zu melden. Nur westlich Berry au Bac wurde eine feindliche Erkundigungsabteilung im Laufe des Tages zerstreut. Unsere Flieger setzten ihre Tätigkeit sehr eifrig fort. In Belgien gelang eS einem Flugzeug, das zur Ver- folgung eines Geschwaders aufgestiegen war, einen deutschen Flieger zum Absturz zu bringen, der auf der Höhe von Bad Westende ins Meer fiel. Ein deutsches Torpedoboot und Motorboote kamen aus Ostende und Middelkerke zur Rettung herbei. Wasserflugzeuge unserer Alliierten und uniere Artillerie griffen die Motorboote an und brachten eines davon zum Sinken- Ein Geschwader von zehn Flugzeugen belegte den Flugplatz HabSheim östlich Mülhausen mit Bomben. Acht Granaten von 155 Millimeter und zwanzig von 90 Millimeter wurden aus die Flugzeugschuppen geworfen, die Feuer fingen. Ein Flugzeug auf der Erde wurde durch unsere Geschosse beschädigt. Ver- geblich versuchte der Feind die Verfolgung aufzunehmen. Eines seiner Flugzeuge wurde durch mehrere Maschinen- gewehrgeschosse getroffen, ein anderes schlug bei Lutter« bach um. In der Gegend von Nancy wurde ein deutscher Flieger durch eines unserer Kampfflugzeuge angegriffen. Der Franzose konnte sich dem Gegner nähern und ihn zum Abstürze bringen; ein anderer deutscher Flieger, der diesem Kampfe beiwohnte, machte Kehrt. Belgischer Bericht: Die Nacht und der Tag waren ruhig; schwache Tätigkeit der Artillerie. Feindliche Flieger warfen einige Bomben auf unsere Linien. Orientarmee: In den Dardanellen war der 26. und 27. No- vcmbsr durch die Tätigkeit der beiderseitigen Artillerien gekennzeichnet. Der Feind lieh vor unseren Linien eine Mine explodieren, die keinen Schaden verursachte. An unserem linken Flügel versuchten die Türken zum ersten Male, erstickende Gase gegen die Engländer an- zuwenden, ohne ein Ergebnis zu erzielen. Aus Saloniki wird vom 17. gemeldet: Hier eingetroffenen Nachrichten zufolge greifen die Bulgaren K r u s ch e w o an. Der rusilsche Generalsiabsbericht. Petersburg, 29. November. lW. T. B.) A m t l i ch e r B e r i ch t vom 28. November 1915: Außer einem schwachen Versuch, unsere Stellungen in Kurland westlich des Babit-Sees anzugreifen, der als- bald aufgegeben wurde, verlief der Tag auf der ganzen Front ruhig. Kaukasusfront: Im Küstenabschnitt am Schwarzen Meer fanden südwestlich von Chopa erfolgreiche Erkundungen unserer Auf- klärcr statt. Bei dem Dorfe TevS, nördlich des Torlum-Sees zer- l streuten unserer Aufklärungsabteilungen, die sich die Steilhänge mit I Tauen herabgelassen hatten, eine türkische Abteilung durck einen In Kurlanös alter hauvtsiaöt. M i t a u, den 15. November 1915. Die letzten Tropfen eines verebbenden BindfadenregenS fielen nieder, als ich in der elften Abendstunde den Eisenbahnzug Verlich. der mich 39 Stunden lang gefangen gehalten hatte. Zum Gange in die alte kurländischc Hauptstadt Mit au gab er mich frei. Bis in die Stadt waren noch fast 2 Kilometer zurückzulegen. Nickt über bequeme Promenadenwege, sondern über holperig-schmutziges Pflaster bei sehr mangelhafter Beleuchtung. In der voraus- gegangenen Nacht halte sich der Winter als trocken kalter Herr vor- gestellt und alle stillen Wässer und alle Pfützchen mit einer harten Decke überzogen. So fand der nachher einsetzende Regen ein geeignetes Material zur Herstellung eines kilschig-zähen Schlammes, der sich wie Pech an die Stiefel heftete. In der Stadt wurde die Schmutzschicht dünner und weniger anhänglich. Wie Klrchhofsruhe lag es über Mitau. Bald jedoch tauchen, wie Trostlichter aus dunkler Zukunst, vereinzelt elektrische Strahenlichter auf. Ueber den Alexanderprospekt komme ich in die Palaisstrahe hinein. Hier umschmeicheln mich plötzlich liebliche Klänge und Töne. Kein Zweifel, irgendwo aus dem Gewirr dunkler Umrisse entwinden sich die vertrauten Weisen. Eine scharfe Strahenbiegung bringt mich ziemlich unvermittelt vor ein langgestrecktes, hohes, zwei- geschossiges Gebäude. Ich stehe einen Augenblick still in dem ar�-. mächtigen Fenstern des oberen Stockwerkes dringenden Lichtschein und den Tonwellen eines Orchesters. Halb km Weiterhasten frage ich einen Posten:„Was ist das da oben für eine Veranstaltung?"—.Der Gewerbeverein gibt ein Konzert," höre ich.— Wo solch gesellschaftliches Leben sich regt, kann das wirtschaftliche nicht tot sein, dachte ich und stürme weiter. um ins Quartier zu gelangen. Auf dem Marktplatz hemme ich wieder die Schritte; fröhliche Melodien, die gedämpft über die Sirahe schweben, bannen des Fußes Lauf. Keine hellen Fenster verraren den Sitz heiterer Gesellschaft. Ich stehe vor einem an der Front dunklen Gebäude; durch einen schwach erleuchteten Flur gehen Feuerwehrleute ein und aus. Von ihnen erfahre ich, daß die frei- willige Feuerwehr das Fest ihres oOjährigeir Bestehens feiert. Mitau scheint heute überhaupt etwa? fröhlich gestimmt zu sein. Im Hotel „Kurland" am Markt will ich einen kleinen Imbiß einnehmen, während der ganzen Fahrt war unfreiwillige Fastenzeit gewesen. Als ich die Tür öffne, sckallt eS mir schon entgegen:„Nach der Heimat zieht'S mich wieder..." Um einen runden Tisch sitzen fünf Bürger, die in biersroher Laune ihre sanggewohnten Kehlen an deutschen Liedern erproben. Wie zur Erklärung sagt einer der Sänger von mächtigem Leibesumfang und mit gut- mutigem Ausdruck:„Es ist das erstemal seit einem Jahr, dah wir wieder deutsch singen können!"— Mit dem Abzug der Russen ist ein schwerer Druck, die Last banger Sorge von den Deutschen ge- nommen. DaS läßt sie freier aufatmen, trotz aller Beschwernisse, die aus des Krieges Unheilsschoh für alle emporquellen. Ick muh noch einen Gang durch die Stadt machen, schaffe schnell das Gepäck ins Quartier, dann wieder hinaus.— Es ist noch öder und stiller geworden. In der Vorstadt, wo vorwiegend lettische Arbeiter- bevölkerung wohnte, herrscht unheimliche Friedhofsruhe. Kein Leben atmet in dem niedrigen, fast ebenerdigen HolzhäuSchen, auch bei Tage nicht. Die Einwohner sind geflohen oder russische Gewalt hat sie vertrieben, irgendwohin in das weite zarische Reich. Auch in den Nebenstraßen der inneren Stadt, in denen ebenfalls unscheinbare Holzhäuschen überwiegen, ist es ruhig und dunkel, wie ausgestorben. Nur durch einige Hauptstraßen schallen noch die Schritte vereinzelter Soldaten und Bürgermilizen. Alle Haustüren sind geschloffen, die Fenster mit dichten Blendladen verrammelt, nirgends dringt ein Lichtschimmerchen heraus. Auf- steigender Nebel verschleiert den Schein der wenigen brennenden Straßenlaternen. Das alles verstärkt den Eindruck der Verlaffen- heir. Finster und steif starren aus der Umgebung einfacher Häuschen und trostloser Brandruinen die stolzen Häuser der baltischen Barone empor. Früher begann in den städtischen Adelshäusern um diese Zeit das gesellschaftliche Winterleben der Herren Kurlands langsam sich zu regen. Im Januar erreichten ihre festlichen Veranstaltungen im Kasino und im Ritterschaftssaale den Höhepunkt mit dem Ausklang zahlreicher Ver- lobungen. Wenn der Adel in den letzten Jahrzehnten seine früher streng bewachte Abgeschlossenheit aucb etwas durchbrechen lieh, im allgemeinen hielt er sich gesellschaftlich vom Bürgertum immer noch abgesondert. Vor dem Kriege hatte Mitau rund 46 000 Einwohner. Nach dem Einzug der Deutschen war die Bevölkerung aus ein Zwanzigstel ihres alten Bestandes zusammengeschmolzen; jetzt hat sich ihre Zahl wieder auf ungefähr 8000 erhöht. Die überwiegende Mehrzahl da- von sind Deutiche. Aus Angst, vertrieben zu werden, waren viele von ihnen und ein kleiner Teil Letten in die Wälder geflüchtet: nach dem Verschwinden der Russen kehrten sie wieder zurück. Des Krieges brutale Faust schlug den Mitauern schwere Wunden, bereitete ihnen schmerzvolle Stunden, Wochen, Monate. Groß war das seelische Leid der Deutschen. Vor einem Jahr tras sie das Verbot jeglicher Benutzung der deutschen Sprache. Weder öffentlich noch im geschlossenen Kreise durften sie sich darin verständigen, weder mündlich noch schriftlich; selbst Rechnungen in deutscher Sprache auszustellen, war bei schwerer Strase verboten. Spione, Horcher, Denunzianten lagen auf der Lauer, und manchen brachte ein unbewachter Augenblick in die Fänge der russiichen Polizei. Mit Kindern, die in ihrer Unschuld leicht des Verbotes Grenzen überspringen, konnte man sich kaum auf die Straße wagen, ohne in Gefahr zu geraten, wegen Gebrauchs der deutschen Sprache denunziert und bestraft zu werden. Die Willkür der Polizei, die sich vorwiegend an der Geldbörse der Einwohner austobte, kannte keine Grenzen. Einige Beispiele davon, loie die Hüter der Ordnung eS trieben, mögen an dieser Stelle genügen. In einem kommunalen Bureau unterhalten sich die Beamten in einer Pause flüsternd in deutscher Sprache. Ein Geheimpolizist taucht plötzlich unter höhnischem Lachen auf, diktiert jedem der Sünder 100 Rubel Strafe, streicht das Sümmchen ein und verschwindet. Noch typischer iür dos ungenierte Plündern der Polizei ist folgender Vorgang: Der Polizermcister Markatum erschein» bei einem deurschen Konditor und fordert tag» liche Lieferung von Backwaren— ohne Bezahlung I Der Konditor wendet ein, dah er nur gegen bar verkaufe. Der Polizeimeister erklärt energisch, er kaufe gegen Rechnung. Um nicht die Rache des Allgewaltigen auf sich zu laden, fügt sich der Konditor. Jeden Tag bekommt der Polizeimeister das verlangte Gebäck. Nach geraumer Zeit schickt der Konditor eine Rechnung; die Mühe des Ouittierens kann er sich ersparen. Trotzdem bekommt der treue Kunde weiter seine Ware; erst als mehrere Rechnungen seinen Beutel nicht zu öffnen vermögen, stellt der Konditor die Lieferung ein. Der Erfolg war Überraschend. Der Polizeimeister stürzt, wie an der Strippe herbeigezogen, ins Geschäft, scharrt sich um, erklärt: Hier ist es nicht sauber, da» kostet 1000 Rubel.— Einwendungen nutzen nichts, der Konditor muhte 1000 Rubel Strafe zahlen und kann sich nun das Vergnügen leisten, die Strafverfügung mit den un- bezahlten Rechnungen des Polizcimeisters zu umrahmen.— So schlimm war es in der letzten Zeit in Mitau, dah böswillige Leute es fertig bringen konnten, durch die selbst unwahre Anzeige, jemand habe deutsch gesprochen, der Polizei Opfer für ihre Gier nach Rubeln in die Arme zu treiben. Man kann sich denken, dah die Befreiung von dieser Geißel die Deutschen freier aufleben läht. Wie überall, so waren es auch in Mitau die zahlreich an- plötzlichen Ueberfall und erbeuteten ihr Geschütz. In der Gegend von Dutak am Euphrat und Lsllicb von Melasgert ist die Lage un« verändert. Nördlich des Wan-Sees in der Gegend von Ardisch bei dem Dorfe Choschkepri l8 Werst nördlich Ardischj halten wir Kämpfe mit kurdischen Banden, die unter schweren Verlusten in das Gebirge zurückgetrieben wurden. In P e r s i e n, südlich des Urmia-Sees in der Gegend von Kala Sewa, hatten unsere Truppen Zusammenstöße mit türlisch- kurdischen Banden, die vor unserem Angriff auf türkisches Gebiet flohen. Aus dem Gebiet von Teheran ist nichts zu melden seit dem Einrücken unserer Truppen in Engi-Jmam(60 Kilometer nord- östlich Teheran) und Keredj(30 Kilometer nordöstlich Teheran). Melöung öer italienischen Heeresleitung. Rom, 29. November.(W. T. B.) Kriegsbericht vom Sonntag. In dem gebirgigen Teile des Kriegsschauplatzes herrscht sehr strenge Kälte, die an einzelnen Punkten 23 Grad be- trägt, aber die Tätigkeit unserer unermüdlichen Truppen nicht ver- mindert. Im Tal des Felizon(Boite) entwickelte sich unsere Offen- sive planmäßig. Bei einem Angriff auf den Mrzli am 26 d. Mis. wurde dem Feinde ein Maschinengewehr abaenommen. Auf der Höhe nordwestlich von Görz wurden unsere Angriffe gestern erfolgreich fort- gesetzt. Es wurden starke Schützengräben erobert. Oestlich von der Höhe 185 wurde der Abstieg über den Abhang zum Jtonzo be- gönnen. Im Laufe der glänzenden Unternehmungen wurden > 15 Feinde, darunter 3 Offiziere, zu Gefongeiien gemacht. In der Gegend von Calavia haben wir nach einem heftigen Kampfe einen Abhang im Norden dieser Gegend erobert, der vom Feinde erbittert verteidigt wurde. Der Feind lieh 261 Gefangene, darunter vier Offiziere, in unseren Händen. Im Abschnitt des San Miwele wiesen unsere Truppen die üblichen Gegenangriffe zurück, fügten dem Gegner schwere Verluste zu und nabnien ihm 11 Gefangene, darunter zwei Offiziere, ab. Auf der übrigen Front, insbesondere auf dem Karst, machte unser Vormarsch noch einige Fortichritte. General Cadorna. Melöung öes türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 29. November. An der I r a k f r o n t konnten die Engländer unter dem Drucke unserer Verfolgung ihren Rückzug noch nicht einstellen: Der Bericht über die auf diesem Kriegsschauplatz aus- gefochtenen Schlacht gibt folgende Einzelheiten: Am 24. November verhinderten unsere fortwährenden Gegenangriffe bis zum Abend die feindlichen Abteilungen, sich in unseren vor- geschobenen Stellungen einzurichten, in die sie eingedrungen waren. Am folgenden Tage verjagten wir durch kräftige An- griffe, die bis zum Abend währten, den Feind aus diesen Stellungen. In derselben Nacht wurde eine andere Abteilung, die den feindlichen Rückzug bedroht hatte, gleichfalls an die Front ge- worfen. Die Engländer mußten sich eilends zurückziehen. Der Feind ließ eine große Zahl Verwundeter und Toter sowie Tiere und Kriegsmaterial aller Art auf dem Schlachtfelde zurück. Wir zählten über 1000 Leichen des Feindes, unter ihnen den Befehlshaber der englischen Reiterei. Wir erbeuteten drei Maschinengewehre, eine Fahne, Waffen, Geschosse, Tele- graphenappararc und Kriegsgerät. Freiwillige unserer Ver- folgungsabteilungen erbeuteten Kriegsgerät und sonstige Gegenstände, die der Feind bei seinem Rückzug zurückgelassen hatte. An der K a u k a s u s f r o n t nichts Wesentliches. Ein Teil unserer Flotte versenkte im nordöstlichen Teile des Schwarzen Meeres vier russische Segelschiffe und zwang ein russisches Petroleumschiff, auf Grund zu laufen. Feind- liche Vertcidigungsarbeiten in den an dieser Küste belegenen Häfen wurden durch Beschießung gestört. An der Dardanellenfront beschoß unsere Artillerie wesenden Juden, die am schwersten unrer der russischen Ver- lreibungspraxis zu leiden hatten. Kein Jude ist in Mnau zurück- geblieben. Im April begann das Vertreiben, das zuerst die ländliche Bevölkerung nach Ruhland hineinbetzte. Wochenlang dauerten die Züge von Menschen und Vieh, die sich durch Mitau wälzten in der Richtung auf Riga zu. Später folgte gezwungen die ganze Juden- schafl Da die Juden den Handel in Mitau beherrschten, zum Teil auch die handwerksmäßigen Gewerbe, und den gröhlen Teil der Warenvorräle, sowie Rohmaterialen mitnahmen, mangelt eS jetzt in der Stadt au einigen Lebensmitteln, wie Salz und Zucker, serner an Leder. Tuch und sonstigen Bekleidungsstoffen. ES ist z. B. kaum möglich, die Stiefel reparieren zu lassen. Sicherlich gibt es unter den Letten wütende Deutschenhasser und viele, die dem Kommen der Deutschen mit Angst und Grauen entgegensahen oder die vielmehr vor den Barbaren flüchteten. Manche waren durch die von den Russen verbreiteten Schauergeschichten in den festen Glauben ver« setzt worden, dah die siegreichen Deutschen ihnen Nase und Obren abschnelden oder sie sonstigen Quälereien unterwerfen würden. Wen der Schrecken vor den Deulscben nicht aus Mitau hinausjagte, den brachte die russische Polizeisaust hinaus. Nildt nur die Letten vom Lande, sondern auch die lettischen Bewohner der Arbeiterviertel wurden vertrieben, wenn sie nicht freiwillig die Flucht ergriffen. Ans Angst vor den Russen und um nicht verlrieben zu werden, verbargen' sich viele Deutsche, mit ihnen einige Letten, die nun wieder in Mitau weilen; im übrigen sind nur noch etliche Polen anwesend. Die russische Beamtenschaft ist restlos ver- schwunden. Die letzten Russen und ruisisch-chauvinistischen Letten verschwanden am 19. Juli, am Morgen des Einzugs der Deutschen. Auf den Weg leuchtete ihnen der Flammenschein von Feuerbränden, mit deren Enlfachung sie von Mitau Abschied nahmen. Die Rusien zündeten an verschiedenen Stellen der Stadt Häuser an, verboten den Einwohnern das Löschen. Rasch griffen die fressenden Flammen über die angezündeten Häuser hinaus; von mehreren Gebäudeblocks blieben nur Mauerreste und Aschenhäuschen zurück. Das Gebäude eine« lettischen Konsumvereins, dessen Räume vorher mit Petroleum getränkt worden waren, wurde zum großen Teil eben- falls ein Raub der Flammen. Man wollte den Deutschen möglichst wenig Beute in die Hände fallen lassen. Aus diesem Grunde machten die Russen auch beinahe sämtliche Elektrizitätswerke durch Sprengungen unbrauchbar. Mitau hat keine Zentralwerke: die meisten Konsumenten beziehen die elektrische Kraft von den in der Stadl zerstreut gelegenen.kleinen Privatanlagen. Zerstörungswut lieh es sich nicht verdriehen, überall mit Sprengpulver zu arbeilen, damit keine Anlage der Vernichtung entgehe. Trotzdem blieben einige kleine Werke vor der Zerstörung bewahrt. Mit deren Hilfe und dank sofort aufgenommener Reparaturarbeiten kann doch wieder ein Teil der Stadt die Wohltat des elektri- schon Lichtes genießen. In den allermeisten Häusern und Geschäftshäusern muß man sich jedoch mit dem Schein dünner Kerzchen begnügen. Auch auf meinem Hotelzimmertisch qualmt ein Kerzlein. Ganz kurz vor dem Ausmarsch der letzten Russen, am Nachmittag des 19. Juli, hörten die Deutschen noch die Drohung: die Steinhäuser werden gesprengt! Dann erlaubte man den Einwohnern, das Feuer zu löschen. Da» war blutiger Hohn, denn alle Schläuche der Feuerwehr und auch die privaten hatten die Brandstifter durchschnitten. Es waren schreckensvolle Tage, die das Häuflein Mitauer erlebte. Jetzt hegt man nur einen Wunsch, dah nämlich die abwesenden Bekannten und Verwandten, dah die Vertriebenen zurückkehren können. Die zurückgebliebenen Besitzlosen finden bei Privaten und durch das Militär Beschäftigung, der Handel blüht— daher auch die verhält« nismätzig gute Stimmung unter der Bevölkerung. D ü w e l l, Kriegsberichterstatter. wirksam die feindlichen Stellungen bei Anafarta. Die feindliche Artillerie antwortete mit Unterstützung zweier Panzerkreuzer. Ein feindlicher Monitor eröffnete ein unwirksames Feuer nach der- schiedenen Richtungen. Nachmittags beschossen zwei Panzer- schiffe Kemikli Liman und ein Kreuzer Ari Burun, vermochten aber ebensowenig wie die Artillerie, wesentlichen Schaden an- zurichten. Bei Ari Burun zerstörte unsere Artillerie in der Nähe von Kanlisirt einen seindlichen Schützengraben, der mit Stahlschutzschilden versehen war, und zwei Stellungen sür Handgranatcnwerfcr. Ein Kreuzer und feindliche Haubitzen erwiderten wirkungslos. Bei Sedd ul Bahr Handgranaten- werfen mit Unterbrechungen und Artilleriezweikampf. Vor unserem linken Flügel traf eine von uns zur Sprengung ge- brachte Mine aus eine feindliche Mine. Dort war auch Kampf mit Handgranaten und Gewehrfeuer. Wir zerstörten die seind- liche Mine späterhin. Unsere Artillerie zerstörte auf diesem Flügel eine feindliche Mincnwerferstellung. Konstantinvpel, 29. November.(W. T. 33.) Das Haupt- quartier teilt mit: An der Dardanellenfront zer- sprengte unsere Artillerie bei Anafarta durch Wirksames Feuer feindliche Truppen, die ohne Deckung waren. Die feindliche Artillerie antwortete nicht. Bei Ari Burnu Kämpfe � mit Artillerie und Bomben. Der Feind machte sehr reichlichen Gebrauch von Bomben, insbesondere am rechten Flügel, wo ein Torpedoboot wirkungslos an der Beschießung teilnahm. Bei Sedd ul Bahr am rechten Flügel lebhaftere Bomben- kämpfe. Am linken Flügel schleuderte der Feind ungefähr tausend Bomben, Granaten und Minen, richtete aber keinen besonderen Schaden an. Sonst ist nichts zu melden. Der Krieg in Gftafrika. Die aus Ostafrika vorliegenden amtlichen Nachrichten sind wenig zahlreich und reichen nur bis Ende Juli dieses Jahre. Doch er- gibt sich aus allen Meldungen, daß es den feindlichen Truppen auch jetzt noch nicht gelungen ist, auf deutschem Boden festen Fuß zu fassen. Die meisten der bisherigen Gefechte haben sich vielmehr auf feindlichem Gobiete abgespielt, einzelne Abteilungen der deut- schen Schutztruppe sind sogar bis auf größere Entfernungen auf feindliches Gebiet vorgestoßen. In dem Kü st engebiete erfolgte als bemerkenswerteste Handlung die Vernichtung des Kreuzers„K ö n i g s b e r g", der in den Nuffidji eingelaufen war. Bereits am ö. Juli wurde von der- schiedenen Kreuzern, Hilfskreuzern sowie Monitoren ein Bom- bardcment auf die„Königsberg" eröffnet. Trotzdem die Angreifer gegen 3000 Schuß abgaben, hatten sie keinen Erfolg zu verzeichnen. Tie„Königsberg" blieb gcfechtsklar und hatte nur geringe Verluste, so 4 Tote, bis durch eine Haubitzengranate getroffen worden waren. Am 11. Juli wurde der Angriff wiederholt. An dem erneuten Vorstoß beteiligten sich 4 Kreuzer, 3 Hilfskreuzer, sowie 2 starke Monitoren uno 7 armierte Walfischfänger. Nach tapferstem Widerstand und nachdem alle Geschütze der„Königsberg" außer Gefecht gesetzt waren, wurde das Schiff auf Befehl des Kommandanten in die Luft gesprengt. In dem Nordgrenzgebiet fand eine ganze Reihe von Gefechten statt. Und zlvar entfalteten einzelne Abteilungen der deutschen Schutztruppe eine rührige und erfolgreiche Tätigkeit auf englischem Gebiete, die sich in der Hauptsache gegen die Uganda- bahn sowie gegen die von dieser abzweigenden Magadibahn und die in letzter Zeit aus rein strategischen Gründen in Bau genommene Bahn Voi-Makatau iTaveta) richteten. Bei all diesen Gefechten, die zum Teil zwischen erheblichen Truppenkräften stattfanden, erlitten sie Engländer erhebliche Verluste. So in dem am 14. Juli ge- lieferten Gefechte östlich T a v e t a. Auf englischer Seite sind dabei nach einer englischen Pressemeldung ein Oberstleutnant, ein Hauptmann und 35 Mann gefallen, während 4 Offiziere und 120 Mann vernoundet wurden. Eine empfindliche Niederlage wurde auch einer Schar raubender Massai beigebracht, die aus dem englischen Massai-Land eingefallen waren. Die Massai verloren dabei 92 Tote. Ueber die Kriegslage im Gebiete um den Victoria- s e e werden hauptsächlich Kämpfe gemeldet, die sich im Juni bei S ch i r a t i abgespielt haben. Eine starke feindliche Truppenmacht, bestehend aus 450 Europäern und 2000 Farbigen mit zwei Feld- geschützen und Maschinengewehren, zwang dort am 21. Juni die deutschen Truppen zum Rückzug, mußte aber am 24. Juni den ausgeplünderten und zerstörten Platz wieder räumen. Auch hier sind die feindlichen Verluste beträchtlich größer gewesen als die der deutschen Truppen. Am K i w u s c e griffen belgische Truppen wiederholt an; aber auch diese Angriffe wuvoen mit erheblichen Verlusten zurückge- wiesen. Im Gebiete zwischen dem Tanganjika- und N j a s s a s e e. also an der Grenze zwischen Deutsch-Ost-Afrika und Nord-Rhodcsicn, ist es gleichfalls zu wiederholten Zusammenstößen gekommen. Am 28. Juni griff eine deutsche Abteilung eine stärkere feindliche Truppe bei Bismarckburg an, um sich nach der Erkundung der feindlichen lleberlegenheit mit unbeträchtlichen Verlusten zurückzuziehen. Am 18. August soll nach einer belgischen Meldung eine 2000 Mann starke deutsche Streitmacht nach einem Angriff auf nur 400 Mann englifch-belgische Truppen durch zu Hilfe eilende feind- liche Hilfstruppen zurückgeschlagen worden sein und dabei schätz ungs- lveise 40 Tote und 60 Verwundete gehabt haben. Diese Nachricht hat noch keine anderweitige Bestätigung gefunden. Die Engländer fabren fort, Verstärkungen nach Nord-Rhodesicn heranzuziehen. Auch ist davon die Rede, daß aus Südafrika Verstärkungstruppen eintreffen sollen. Wahrscheinlich wird Ge- neral S m u t s Generalfeldmarschall dieser Truppen werden. Es wird jedoch dazu berichtet, daß die südafrikanische Regierung den Feldzug gegen Teutsch�Ostafrira nicht eher beginnen will, bis eine Truppenmacht von 40 000 Mann beisammen sei. Bis jetzt hätten sich erst 11000 Mann anwerben lassen. Erweiterung üer Krieg söienftpflicht in Ungarn. Budapest, November. sW. T. 33.) Die Regierung beabsichtigt dem Reichstage, der am Dienstag eröffnet wird, verschiedene Vorlagen zu unterbreiten, unter anderen einen Gesetzentwurf über Verfügungen betreffend die durch den Krieg zerstörten Liegenschaften, einen Gesentwurf über die Anerkennung des Islams als gesetzliche Konfession, einen Vertrag des Finanzministeriums über einen Teil des Sieben- bürger Erdgases, endlich einen Gesetzentwurf, durch den auS- nahmSweise innerhalb des Staatsgebietes Personen im Alter von 50 b i s 53 Jahren zu Arbeiten, die mit dem K r i e g in Verbindung stehen, unter gewissen Beschrän- kungen verwendet werden können. Ein objektives Urteil. Nach emhalbjähriger Untersuchungshaft wurde, einer Meldung des„Verl. Tagebl." zufolge, in R o m eine Anzahl von N e u t r a l i st e n, die im Mai Kundgebungen gegen den Krieg veranstaltet hatten, freigesprochen. Das Urteil erkannte, wie Kundgebungen für den Krieg gestattet seien, so müßten auch solche gegen den Krieg gestattet werden. Das Urteil und seine Begründung machen der italieni- schen Rechtsprechung alle Ehre. Nur schade, daß die im Gerichtsspruch ausgedrückte Erkenntnis so spät gekommen ist und den Slngeklagten die halbjährige Untersuchungshaft nicht erspart hat. Die Tragödie Polens. Bekanntlich sah sich der Großfürst Nikolai Nikolaje- witsch, damals Oberbefehlshaber der russischen Armeen, bei Kriegsausbruch veranlaßt, den Polen in einem schwungvollen Manifest weitgehende politische Versprechungen zu machen. Wie diese Zusicherungen gewertet werden müssen, geht au? einem Rund- schreiben des oamaligen Ministers des Innern M a k l a k o w an die Gouverneure hervor, das in der von polnischen Demokraten in französischer Sprache herauszegsbenen„Tribüne Polonaise" der- ösfentlicht wird. Das Rundschreiben lautet: „In Verbindung mit dem Manifest des Großfürsten Nikolai Nikolajewiffch und in Beantwortung der an mich gerichteten?ln- frage hinsichtlich der gegenüber der Bevölkerung des Weichsel- gebietes(russische amtliche SBezeichnung für das Königreich Polen. D. Red.) einzunehmende Haltung, setze ich die Herren Gouverneure in Kenntnis, daß das oben erwähnte Manifest sich nicht auf das We'chselgebiet bezieht, sondern lediglich die polnischen Territorien im Auge hat, die nicht zum Russischen Reiche gehören und die der Großfürst Nikolai Nikola- jewitsch im Laufe des Krieges zu erobern imstande sein wird. Solange dies nicht geschieht, wird in der politischen Lage des Weichselgebiets keine Aenderung eintreten; es müssen wir gegen- über der polnischen Bevölkerung die obligatorischen Normen in möglichst wohlwollnder Form zur Aniveudung gebracht werden." Die in diesem Rundschreiben zum Ausdruck gelangte Po-.itik des russischen Ministeriums des Innern hat freilich im Verlaus des Krieges insofern eine Wandlung ourchgemacht, als die Re- gierungsvertreter in der Augustsession der Duma— nachdem der größte Teil Polens von den Deutscheu und Oefterreichern besetzt war— feierlich das Versprechen einer Autonomie Polens wieder- holten. Das nimmt indessen dem Rundschreiben Maklakows nichts von seinem bistorischen Wert. Es scheint auch jetzt— wie in den letzten anderthalb Jahrhunderten— das tragische Schicksal Polens zu sein, daß es selbst in Augenblicken, wo man seiner Hilfe bedarf, von denen belogen und betrogen wird, die seiner Selbständig- keit ein Ende gemacht haben. Eine interessante Resolution. Das in Genf erscheinende Organ der Lenin-Richtung«So» zialdemokrat" veröffentlicht in seiner letzten Nummer die Resolution, die von den Arbeitern der Fabrik Neu-Lessner, einer der größten Metallfabriken Petersburgs, während der Kam- pagne gegen die Beteiligung an dem„Zentralen Kriegsindustrie- Ausschuß angenommen worden ist. Wir gelben diese Resolution wieder als ein charakieristisches Dokument für die Stimmung der Mehrheit der Petersdurger Arbeiter, oie sich bekanntlich gegen die Beteiligung an den erwähnten Wahlen ausgesprochen hat. Die Resolution lautet: „Wir, die Arbeiter der Fabrik Neu-Lessner, haben nach der Be- ratung der Frage über die Beteiligung am Kriegsindustrie-AuS- schuß und über die Wahl von Bevollmächtigten für Fabrikausschüsse festgestellt: Der jetzige Krieg ist inszeniert und wird geführt aus- schließlich im Interesse der bürgerlich-kapitalistischcn Gesellschaft. Das Proletariat ist an dem stattfindenden Gemetzel nicht intcr- essiert. Es bringt ihm nichts als Millionen gefallener Kameraden und Millionen Verstümmelter und Verarmter. Zugleich mit dem Krieg an die Zentralmächte haben die kommandierenden Klassen Rußlands der gesamten arbeitenden Klasse einen erbarmungs- losen Krieg erklärt. Sie haben die Gewerkschaften und BildungS- vereine der Arbeiter erdrosselt und die Arbeiterpresse vernichtet. Sie haben die Vertreter der Arbeiter in der Reichsduma verleumdet und ins Zuchthaus geschickt. Und nun, nach dreizehnmonatiger Kriegsoauer, nach zahllosen Niederlagen, die ihnen die Ueberzeu- gung beibrachten, daß man den äußeren Feind nicht besiegen kann, ohne das Land von seinen Fesseln zu befreien, machen sie den Ver- such, die Arbeiterklasse zu sich hinüberzuziehen und rufen die noch gestern mit Waffengewalt unterdrückten Ar- beiter auf, das„Vaterland" zu verteidigen. Wir können nur eine Antwort darauf geben: die Arbeiterklasse wird nur für die Befrei- ung der arbeitenden Masse der Bevölkerung weiterkämpfen, zu welcher Nationalität sie auch gehören möge. Jegliche Tätigkeit, die mit der Unterstützung des internationalen Gemetzels, mit der Unterstützung der kommandierenden Klassen verknüpft ist, die seit Jahrhunderten die arbeitende Bevölkerung unterdrücken, wird von uns abgelehnt. Wir erklären, daß nur der völ- lige Sturz der polizeilich-abfolutistischen, kapitalistischeu Ordnung das Land aus seiner jetzigen Lage zu befreien vermag. Wir for- dein die sofortige Einberufung der konstituierenden Versammlung auf Grund des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts. Wir fordern die sofortige Wieder her- stcllung aller gewerkschaftlichen, kulturellen und Bildungsorganisationen oer Arbeiter. Wir fordern Freiheit der Presse, der Versammlungen und der Koalitionen. Als dringendste Tagesaufgabe er- kennen wir an die umfassende Vereinigung der Arbeiter in gclverk- schaftlichen, kulturellen und politischen Organisationen, die einen schroff ausgeprägten Klassencharakter tragen. Die polizeilich-selbst- herrschaftliche Gewalt, oie das Land in eine Reihe von Kata- strophcn hineingetrieben hat, hält noch heute hinter den Gefängnis- mauern, im Zuchthaus und in der Verbannung unsere besten Ge- nassen, die für eine bessere Zukunft kämpfen. Wir fordern dw unverzügliche Befreiung aller wegen ihrer Po- liti schen Tätigkeit Verhafteten, Verbannten und Verurteilten." Die Gefahren üer Teuerung. Auf ihrer Suche nach den eigentlichen Urhebern der Teuerung, die sich zurzeit auch in Rußland in erschreckender Weise bemerkbar macht, haben die Demagogen aus der echtrufsischcn Presse die bc- merkenswerte Entdeckung gemacht, daß die Bourgoisic mit ihrer Lebensmittelspekulation die Teuerung künstlich hervorgerufen habe, um eine revolutionäre Gärung im Lande zu er- zeugen. So schreibr das Hauptorgan der Echtrussen„R u ß k o j e Snamja":„Es ist klar, daß die Herren Spekulanten züveierlei Ziele verfolgen: sie füllen sich nicht bloß die Taschen, sondern nähren auch die scharfe Unzufriedenheit der arbeitenden Klassen. Dies ist aber gleichbedeutend mit einer Rcvolutio- nierung der Massen, und die Regierung darf deshalb, selbst wenn man von der elementaren Fürsorge um daS wirtschaftliche Wohl des Volkes absieht, demgegenüber nicht gleichgültig oiwr neutral bleiben." Denselben Standpunkt vertritt das konservativ-klerikale Or- gan„Kolokol", das im letzten Jahr der Regierung besonders nahesteht und oft für offiziöse Zwecke benutzt wird. Auch dieses Blatt findet, daß die Bourgoisie, indem sie sich durch die Teuerung die Taschen füllt,„im russischen Volke eine starke Unzufriedenheit mit der Regierung sät, indem sie aus eine ganze Reihe ihrer Mängel hinweist". Genau so wie das Organ der Echtrussen par excellence erklärt auch dieses Blatt der russischen Bourgeoisie offen den Krieg: „Einzelne Personen aus der Bourgoisie können wohl Freunde des Volkes sein, aber die iSourgoisie als Klasse, als politische Ge- mcinschaft, ist der erste und vielleicht der gefährlichste Feind der Unabhängigkeit des Volkes, denn, erfüllt von Ehrgeiz und Macht- Hunger, will sie um jeden Preis die ganze Fülle der Gewalt in ihren Händen vereinige n." Die letzten Worte lassen die Ursachen der plötzlichen Attacke der russischen Konservativen gegen die Bourgoisie erkennen. Grund- sätzlich haben diese Elemente, die sich größtenteils aus den Reihen de? grundbesitzenden Adels rekrutieren, gegen LebenSmittelwucher, Spekulantentum usw. nichts einzuwenden. Davon zeugt die ganze VerMNgenheit der russischen Zldelskaste wie ihr einträchtiges Zu- sammenwirken mit der Bourgoisie, wenn es sich um einen gemein- samen Beutezug auf Kosten des Volkes handelt. Aber in der jetzigen politischen Situation, wo die Bourgoisie, ihre einflußreiche Stellung im Kriege ausnutzend, den bisherigen Herren des Landes einen Teil der politischen Macht entreißen will, scheuen diese sich nicht, die Verantwortung für die wirtschaftlichen Mißstände, die sie selber nicht wenig gefördert haben, auf die an- geblichen„revolutionären Tendenzen" der Bourgeoisie abzuwälzen. Kritische Lage in Persien. Konstantinopel, 29. November.(W. T. B.) Hier liegt folgender zuverlässiger Drahtbericht über die Lage in Persien vor: Seit mehreren Jahren stehen bekanntlich russische Truppen in Nordpersien, angeblich zum Schutz gegen Unruhen, in Wahrheit aber, um ohne jeden RcchtSgrnnd eine Okkupation de?. Landes vorzubereiten und in Teheran die russischen Kreaturen zu stützen. Die neuerdings erfolgte 33c- rufung angesehener Patrioten in das persische Ministerium veranlatzte den Generalgouverneur deS Kaukasus. Großfürsten Nicolai Nicolajewitsch, ohne weiteres den Vormarsch russischer Truppen von Kas Oqd auf die Hauptstadt Teheran zu befehlen, um den Sturz des Kabinetts zu erzwingen und den Russenfreund Ferma wieder ans Ruder zu bringen. Geplant war gleichzeitig die Ge- sangennahme aller nationalistischen Parlamentarier und die Beseitigung der an der Spitze der persischen Gendarmerie stehenden, dem Schah treu ergebenen schwedischen Offiziere. Die völlig überraschte Regierung mit dem Schah an der Spitze entschloß sich, der russischen Vergewaltig ung a usz u w e i ch e n u n d p r o v i s o ri s ch den Sitz des Gouvernements nach der etwas südlicher gelegenen Stadt Kum zu verlegen. Auf das im letzten'Moment feierlich gegebene Versprechen, die Truppen wieder zurückzuziehen, entschloß sich der Schah, in der Stadt zu verbleiben. Die Gesandten der Zentralmächte hatten sich auf schriftliche Aufforderung der Regierung bereits nach Kum begeben, wo das Parlament und die Führer der Patriotenpartei schon versammelt waren. Der zum Frieden neigende Schah scheint den Russen noch einmal Konzessionen machen zu wollen, um dem neutralen Lande den Krieg zu er- sparen, verlangt aber Zurückziehung aller russischen und eng- lischcn Truppen. In Persicn herrscht große Erregung. Zahl- reiche Stänime und freiwillige Scharen haben sich in der Richtung auf die Hauptstadt in Bewegung gesetzt, um den Schah gegen das brutale, rücksichtslose Vorgehen der Russen, zu schützen. vor wichtigen Entscheidungen in China? Der gewöhnlick gut unterrichieie Pekinger Korrespondent des„Daily T legraph" meldet laut der. Franks. Ztg.": Ich bin in der Lage, zu konüalieren, daß Verhandlungen von höchster Wichlig- keit im Gange sind. Präsident I ü a n s ch i t a i ist seil einigen Tagen persönlich damit beschäftigt, die Differenzen, in die China verwickelt ist, zu überlegen. Er betrachtet die nutzlose Neutralität und gedenkt, eine neue Politik einzuschlagen, die China aus seiner Abgeschlossenheit hervorheben und Anspruch auf eine Weltmacht geben wird. Sogar die deutschireundltche Militürpariei erkennt nun widerstrebend an, daß, wie der Rat Japans hervorhebt, die monarchische Bewegung ein falscher Schritt wäre und sicherlich China als unabhängige Nation in Osiasien ver- nichlen würde. Ich dabe wichtige Gründe, zu glauben, daß ich in Bälde in der Lage sein werde. Nachrichten von welt- politischer Bedeutung mitzuteilen. Kriegsbekanntmachungen. Ueber Fahrpreisermäßigung für Kriegsbeschädigte bringt der Verkehrsanzeiger der preußischen Staatsbahnverwaltung folgende neue Bestimmungen: Kriegsteilnehmer, die eine Verletzung oder dauernde Schädi. �ung ihrer Gesundheit erlitten haben und in die Fürsorge einer öffentlichen oder behördlich anerkannten Organisation für Kriegs- beschädigte aufgenommen sind, werden bei Reisen zur Behandlung durch Fachärzte sowie zur Unterbringung in Heil- oder AuÄril- dungsanstalten oder zum Besuch in Kurorten oder Ausbildungslehr- gängen für Kriegsbeschädigte in der 2. oder 3. Klasse zum halben Preise, in Schnellzügen außerdem gegen tarifmäßigen Zuschlag befördert, und zwar zur Hinfahrt von dem Wohnort oder Aufeut- Haltsort des Kriegsbeschädigten zum Facharzt, nach Heil- und Aus- bildungsanstalten usw., nötigenfalls vom Wohnort des Facharztes zur Weiterfahrt nach solchen, ferner zur Rückfahrt vom Facharzt, von Heil- und Ausbildungsanstalten usw, unmittelbar nach dem Wohn- oder Aufenthaltsort des Kriegsbeschädigten. Im Falle nochmaliger Untersuchung durch den Facharzt nach Aufenthalt in Heil- und Ausbildungsanstalten auch zunächst nach dessen Wohn- ort. Sofent der Kriegsbeschädigte eines Begleiters bedarf, wird diesem für die Hin- und Rückfahrt die gleiche Ermäßigung ge- währt. Die Fahrkarten zum halben Fahrpreis werden von den Fahrkartenausgaben auf Grund von Ausweisen nach vorgeschriebe- nem Muster verabfolgt. In dringenden Fällen werden Ausweise anderer Art zugelassen. Bei Beförderung in besonderem Kranken- abteil usw. wird die Fahrpreisermäßigung nicht gewährt. Zahlung der Gehalts- und Löhnungsbeiträge bei Kriegsgefangenschaft und Vermißtsein. Der preußische Kriegsminister hat unterm 24. d. Mts. bestimmt, daß vom 1. Jannar 1916 ab die Zahlung der Gehalts- und Löbnitngsbeiträge bei Kriegsgefangenschaft und Vermißtiein gemäß §§ 12,2 und 23,2 der Knegsbesoldung-Zvorschriften nicht mehr durch die Feldtruppenteile, sondern durch die in der Heimat befindlichen Ert«�sormaiionen zu erfolgen hat. Entscheidung über derartige Antrage und die Verrechnung erfolgt nach wie vor durch die Feld- trupventeile. Zur Vereinfachung des Geschäftsganges kann die Zahlung der Löhnungsbeirägc monatlich einmal, und zwar am 21. des Monats für den laufenden Monat erfolgen. Letzte Nachrichten. Ter Papst für cincn Waffenstillstand zu Weihnachten. Rom, 29. November.(W. T. B.) Reuters Vertreter er- fährt, daß der Papst wieder versuchen wird, zu Weihnachten einen Wassenstillstartd zwischen den Kriegführenden einzu- leiten. Die Gültigkeit süddeutscher Brotmarken in Sachsen. Dresden, 29. November.(T. U.) Die gemeldeten VerHand- Hungen über die Gültigkeit süddeutscher Brotmarken in Sachsen sind jetzt abgchchlossen. Vom 1. Dezember ab haben württem- bergische, badische und bayerische Reisebrotmarken die gleiche Gültigkeit wie im eigenen Lande, ebenso sächsische Marken in den genannten Staaten. Gewerksihastliches. Kriegsgefangenenlöhne in üer Gärtnerei. Die Gärtnereiunternehmerverbände hatten gelegentlich einer gemeinsamen Tagung am 7. und 8. August d. I., be- schlössen, bei den Kriegsministerien dahin vorstellig zu werden, daß den Inhabern von Gärtnereibetrieben Kriegsgefangene zu denselben Bedingungen als Arbeitskräfte zur Verfügung gestellt werden möchten, wie den Besitzern von Landwirt- schaften. Eine Gewährung dieses Verlangens hätte die Gefahr von Lohndrückereien für die freien Arbeiter zur Folge gehabt. Aus diesem Grunde richtete der Allgemeine Deutsche Gärtner- verein an� die Kriegsministerien eine Gegeneingabe: er bat, dem Wunsche der Unternehmer nicht zu entsprechen, wenn ihm aber etwa schon entsprochen sei, die Verfügung wieder rück- gängig zu nrachcm Das preußische Kricgsministerium hat nun dem Gegengesuchsteller eine Antwort erteilt, in der es heißt: „Den Gärtnereidetrieben, die sich mit der Erzeugung von Nahrungsmitteln ausschließlich oder doch vorzugsweise befassen, werden Kriegsgefangene zu den für die Landwirtschaft gültigen Bedingungen gestellt, allen anderen jedoch zu den Bedingungen für die Industrie, Handwerk und Gewerbe. An diesem Stand- Punkt wird wegen der Notwendigkeit möglichst umfangreicher Bereitstellung von Nahrungsmitteln für Volk und Heer in der jetzigen Zeit festgehalten, auch wenn einzelne Gemüse- usw. Gärt- nereien nach der gültigen Nechtspreckmng als Gewerbebetriebe angesehen werden sollten.— Im übrigen wird den dortiaen Wünschen voll Zlechnung getragen: Soweit es sich um Gärtnerei- betriebe sBlumen- usw. Gärtnereien) handelt, die in der Haupt- fache keine Nahrungsmittel erzeugen, ist die notwendige Vor- bodingung für die Gestellung von Kriegsgefangenen eine Be- scheinigung der Neichszentrale der Arbeitsnachweise, daß freie Arbeiter durch die Beschäftigung von Kriegsgefangenen nicht ver- drängt werden. Liegt diese Bescheinigung mcyt vor, so werden Krigesgefangene überhaupt nicht gestellt.... In allen Fällen, wo es nicht ohne weiteres feststeht, zu welcher beiden Gruppen ein Gärtnereibetrieb zu rechnen ist, soll die Zu- gehörigkeit zur Berufsgenossenschaft entscheiden. Daß also hier- nach die Beschäftigung von Kriegsgefangenen für die freien Arbeiter lohndrückend wirkt, kann mit Recht nicht behauptet werden.— Sollten aber Fälle glaubhaft dargetan werden, in denen ein Unternehmer, gestützt aus die ihm zur Verfügung ge- stellte Arbeitskraft von Kriegsgefangenen, versucht hat, auf den Lohn seiner freien Arbeiter zu drücken oder sie sonstwie zu be- nachteiligen, so würden ihm die Kriegsgefangenen von der Heeres- Verwaltung entzogen werden.— Eintretendenfalles wäre eine entsprechende Mitteilung an das zuständige Stellvertretende Generalkommando zu richten. Alle Eingaben von Verbänden der Gärtnereiunternehmer, welche die Berücksichtigung weitergehender Wünsche verlangen, sind bisher abschlägig beschieden worden; dies wird auch in Zu- kunft geschehen." Das Württemberg ische Kriegsministerium hat eine dem Sinne nach ähnliche Auskunft gegeben. Das königlich sächsische Kriegsministerium teilte ausdrücklich mit, daß im Bereiche der sächsischen Heeresverwaltung nach denselben Grundsätzen verfahrsn werde, wie solche aus dem Antwort- schreiben des preußischen Kriegsministeriums zu ersehen seien. Das bayerische Kriegsministerium hat zwar noch nicht ge- antwortet, doch ist bisher nicht bekannt geworden, daß dort etwa anders verfahren würde. Sollten irgendwo Verstöße gegen diese Richtlinien vorkommen, so wird darüber dem zuständigen Stellvertretenden Generalkommando Mitteilung mit dem Gesuch um Abstellung zu machen sein. Nötigenfalls würde das der Hauptvorstand des Allgemeinen Deutschen Gärtnervereins noch erfolgter Nachricht an ihn tun. Verlin unü Umgegenü. Die Firma Rheinisch-Westfälische Sackindnstrie Julius Blumen» stein ersucht uns um die Mitteilung, daß die in unierer Nr, 32l von, Sonntag, den 2l. November, genannte Firma B l u m e n st e i n weder mit der Rheinisch-Westfälischen Sackindustrie noch mit der Firma Gebrüder Blumen st ein« Mannheim identisch sei oder in irgend einem Zusammenbang stehe. Von der Firma Blumenstein war gesagt worden, daß ste eines der fünf Zwischenglieder war, durch deren Hände eine vom B a t e r- ländiichen Frauenverein vergebene Arbeit gegangen war. ehe sie zu untarrfmäßigen Bedingungen in die Hände der Arbeiter oder Arbeiterinnen kam. Es bandelt sich in dem iragiichen Bericht nicht um Julius Bliimenstein, sondern um den Kaufmann Isidor Bliimenstein, Lindeni'tr.->3, der mit der Möbelfirma? r u n ck u Co. für den Vaterländischen Frauenverein Näharbeiten als Zwischen Unternehmer ausführt. Herr Isidor Blumcnstein betrieb vor dem Kriege ein Geschäft mit Damenkragen, seit Kriegsausbruch be, faßte er sich mit der Herstellung von Hemden, neuerdings von SanV sacken. Ins Handelsregister ist Herr Isidor Blumenstein nicht ein« getragen. Veutsches Reick». Mehr Sonntagsruhe im Z�riseurgewerbe. Die seit l. April l89S geltenden Sonntagsruhevorschriften, wv nach die Gehilfen und Lehrlinge an Sonntagen in der Regel nicht länger als bis 2 Uhr beschäftigt werden dürfen und nach länger als drei Stunden dauernder Sonnlagsarbeit in jeder Woche einen freien Werktagnachmittag von spätestens 1 Uhr ab zu beanspruchen habe», oder an jedem zweiten Sonniage mindestens in der Zeit von 6 Uhr morgens bis 6 Ubr abends, oder aber an jedem dritten Sonniage tfir volle 36 Stunden von jeder Arbeit freizulasien sind, wurden im Laufe der Zert durch Veikiirzung der Sonnlagsarberrs- zeit vielfach überholt. Wird auch meist des Sonntags noch um 2 Uhr geschlossen, so ist doch rn erner ganzen Reibe von Ölten der Eiiiuhr'chluß eingeführt oder der' Zwölfubrschliiß während der Soirmrermonaie. Die Forderung der organisieiien Gebrlien gebt dabin, daß die Sonntagsarbert nicht länger als fünf Stunden dauern und um 12 Uhr mittags enden soll Diese Forderung ist erst in wenigen Städten, wie Barmen, Kiel usw., voll ertüllt sind ist jetzt auch in München verwirklicht worden, wo bisher nur an den Sonntagen des Sommerialbjabres um 12 Uhr mittags geschlossen wurde. Abgesehen davon, daß die Durchiührbaikert dieser Forderung durch die Praxis längst erwiesen ist. besteht darüber auch kein Streit mehr. Vielmehr ist ein ganzer Terl der Innungen bestrebt, die Sonnlagsarbeit auf drei Stunden zu verkürzen. Damit sind aber die organisierten Gehilfen nicht emverstanden. Und zwar erstens darum nicht, weil ihnen dann der freie Wochennachmiltag verloren ginge, zweitens aber deshalb nicht, weil in den vielen kleinen Geschäften drei Stunden zur Besorgung der Sountagsarbeilen nicht ausreichen. Eine Verkürzung der Arbeitszeil an Sonntagen von sechs bis sieben auf drei Stunden ohne jeden llebergang, schädigte die Interessen der kleinen Existenzen. Voraussetzung für die drei- stündige Sonnlagsarbeu ist ein früherer Feierabend der Arbeiterschaft des Sonnabends und die Durchführung des Achiudrladenschlusies im Friseurgewerbe. Solange diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind, bleiben die Gehilfen bei der Forderung: Zwölfuhrladen- fchluß an Sonntagen, womit nickt nur eine Verkürzung der Sonnlagsarbeit verbunden ist, sondern eine absolute Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeil, die durch dreistündige Sonmagsarbell noch verlängert würde. Weihuachtsunterstiitzung im Verbände der Glasarbeiter. Kaum eine zweite Industrie hat unter den Wirkungen des Krleges io stark gelirren wie die Glasindustrie Erst im Früb« jähr 19IS trat eine stärkere Belebung des Gewerbes ein und diese steigerte sich im Hochsommer. Auch zurzeit ist die Glasindustrie voll beschäftigt und mit Auitlögen versehen. Von den 19 006 Mitgliedern bat der Verband rund 12 000 durch Austritte und Einziehung zu den Fahnen verloren. Dieser Verlust ist zu einem kleinen Teil durch neue Aufnahmen ausgeglichen worden. Die Ausgaben für dre Arbeitslosen waren in den ersten sechs Kriegsmonalen recht bedeutend, und ist es um so erfreulicher, feststellen zu können, daß sich die Organisation von dreien Schlägen langsam erholt bat. Die Organisation ist in der Lage, für die Familien der zum Heeresdienst eingezogenen Miiglieder, die länger als ein Jobr Miiglied sind, eine WeihiiachlsunlersiLtzung von ö M. zu geben. Wenn auck die Unterstützung nur gering ist, so entsteht der Organisation trotzdem eine Ausgabe von 40 000 M., denn auch den Familien ioll die Unteistüyuna gewährt werden, deren Ernährer bereiis gefallen sind Die Unterstützung wird von den Fannlien um so freudiger begrüßt und der Werl der GewerkichaflSorganisation um so böber geschätzt werden, weil die Glasfabriken zu einem über« wiegend großen Teil in kleineren Gemeinden liegen und dort kein Zuschuß von Staatsunlerstützung gezahlt wird. Zur Lohnbewegung der Textilarbeiter in Landeshut. Der Unternehme, verband hat dem Vorschlage der Kommission von Arbeitgebern und Arbeitnehmern aus dem Textilgewerbe in Landeshul l. Schi., wonach die n ännlichen Arbeiter pro Wocke 3 M., die weiblichen 2,60 M. und die Jugendlichen 2 M. pro Woche Lohn- znlage erhalten sollen, zugestimmt, abei mit der Einschränkung, daß die bisher gewährte Teuerungszulage und die Lobnaussallentichädigung in Wegfall kommen Die Arbeiter werden erst hierzu Stellung nehmen. Tas Kontrollsystem in den??abri?en. Der Krieg begünstigt das weitere Eindringen der Frau in die Industrie sehr stark. Die allgemein gefügige Arbeitskiaft der Frau läßt aber eine Vericklechlerung der Arbeitsbedingungen befüickien, nickt allein in der Lohnhöhe, iondern auck in manchen anderen Be- triebseinrichilmgen. Sckon jetzt ist in manchen Fabriken zn be- obachien, daß heute noch viel mehr als vor dem Kriege auf die boll- ständige Ausnutzung der Arbeitskraft gesehen wird. Vorhandene Konlrolleinricklungen werden erweitert, neue Kontrolleure eingestellt und die Kontrolle selbst wird in einer Weife gehandhabt, wie nie zuvor. Bei Krupp in Essen werden die Frauen, von denen dort gegenwärtig zirka 7000 beichäftigl sind, an glatte Arbeiten gestellt und auf ihre Leistungen derart kontrolliert, daß sie stellenweise mehr leisten als bisher männliche Arbeiler. Daß diele Arbeitsweise von den Frauen auf die Dauer mit gesundheitlichen Schädigungen be- zahlt wird, unterliegt keinem Zweifel. Den Gewerkschaften ist das Eindringen solcher Mißstände nicht unbekannt. Um aber auf gründliche Abstellung zu dringen, müßten die Arbeiterinnen sich den gewerkschaftlichen Verbänden anschließen. Bei emem Vorgeben gegen solche Mißstänve müßten die Gewerk« schaftsleitungen gewissermaßen durch die organisierten Arbetterinnen legitimiert, sich eben auf die Wüniche und Fordernngen der gewerk'chafllich organisierten Arbeiterinnen des Betriebes stützen können. Ziis Industrie und Handel. Krikgsgcwinnr. Die Bayerischen Stick st oss-Werke Akt.- Ges. erhöhten ibre Dividende von 8 auf 12 Pioz. Der Geschäftsbericht des Unternehmens, das vom Reich mit dem Bau und dem Betriebe neuer Werke iür die Erzeugung von Kalkstickstoff und der ans diesem abgeleiteten Stoffe betraut ist, stellt fest, daß die Veikaufs« vreise der Jnlandswerke fiir Kalkst' ckstoff im Ge'chäslsjahr 1914/15 keine Aendeiung erfabren haben. Die wesentliche Besserung des Fahresergebniffes gegenüber dem Vorjahre begründet der Berich: mit dem flotlen Verkauf der Lagervorräte und Erzeugnisse und der oesteigenen Leistungssähiakeit der Betriebe. Der Fabrikationsertrag stieg von 1,45 ani 2,06 Millionen Mark. Aus dem nach 661 825 M. si. V. 551 853 M.) Abschreibungen verfügbaren Reingewinn von 1145 660 M.(653 185 M.) gelangen 12 Proz. si. B. 8 Proz.) Dividende auf 8 Millionen Mark Aktienkapital zur Ausschüttung. Tie Svandauer-Bergbrauerei vorm. C Beckmann Ä. G. steigerte ihren Reingewinn von>87 600 aus 256 329 M. Die Dividende wird von 4 auf 5 Proz. erhöbt. Die Taliemen betragen 27 586 M.(gegen 22 429 M. im Vorjahre). Das Bankguthaben stieg von 446 786 ant 759 759 M. Der Verein für Zellstoffindustrie A. G. in Dresden zahlt nach reichlichen Abschreibungen eine Dividende von 2 Proz. k>m Vorjahre 0 Proz.» Die Süddeutsche Juteindustrie A. G. erhöht die Dividende von 4 ans 6 Proz. Die Vogtländiiche Maschinenfabrik verteilt eine Dividende von 6 Proz.(im Voi jähre 0 Proz). Die Kottbuser Maschlnenbauanstakt und Eilen« gießerei A. K. kann für das abgelaufene Geschäftsjahr 6 Proz. Dividende verteilen; im Vorjahre Halle das Unternehmen mit 44 350 M. Verlust abgeschlossen�_ Zur Beschlagnahme von Schlaf- und Pferdedecken(Woilachs) wird amtlich mitgeteilt: Vielfach ist die Annchl verbreitet, daß die nach dem l. Oktober 1915 hergestellten Decken der Beschlagnahme nach der Bekannt« machung W. M. 231/9. 15. K. E. A.(„Reichs-Anzeiger" Nr. 232) nickt unterliegen, wenn sie weniger als 1250 Gramm wiegen oder Keiner als i80X1M ow sind. Demgegenüber wird daiauf bin- gewiesen, daß nach Z 2, letzten Absatz, der genannten Bekannt- machung sämtliche am 1. Okiober 1915 in der Herstellung be« findlichen und künftig herzustellenden Decken und Deckenstoffe be- ichlagnahmt werden, und zwar in dem Augenblick, wo sie abgewebt den Webstuhl verlaffen. Dabei ist es gletchgüllig, in welchen Mengen. Giößen und Gewichlen ihre Herstellung erfolgt. Zugleich wird empfohlen, die teil dem 1, Oktober 1915 her« gestellten und beschlagnahmten Decken dem Webstoffmeldeamt anzumelden, soweit dies nicht ichon geicheben ist. Eine öffentiiche Bekanntmachung, durch die die Meldung dieser Decken und Decken« flösse angeordnet wird, ergeht demnächst. EingeyanKene Druckschriften. Die Wahrheit über Amerika. Von Dr. K. 2. Henning, 1.80 M., geb. 2.40 M. I. Klmtbardt. Leipzig. Denkmale der Kunst in den südlichen Kriegsgebiete«. Von L. Planiscig. 2 M. A. Schroll u. Co, Wien l. Dem sozialen Friede» entgegen. Rückblicke und Ausblicke. Von W. Spiecker. 80 Ps. E. Runge, Verlin-Lichlerielde, Ter Krieg 1914/15 in Wori und Bild. Hestbl— 58. Jede Woche ein Oest. 30 Ps. Bong u. Co.. Berlin IV 57.. � � Der Teutone. Kriegsroman von K. Wieder. 8,50 M., geb. 4 M. C. F. Müller. Leipzig. � Kriegspostlarteu. Von B. Wennerberg. 2. Serie: 6 Karten 50 Pf. A. Langen, München, Ein Borichlag zum Schuh unserer Kriegs- und Zibilgesangene» i» Feindesland zegen Zölunq und Mißbandlung. Von Dr. A. Tbomsen. 14&. Helwingiche Verlassbuchliandlung, Hannover._ Sozialdemokratischer Wahiverein fiir den 6. Berliner Reichstagswahikreis. Heute Dienstag, den 30. November, abends 8� Uhr: Mitglieder-Versammlung 229/3» in den Pharns- Sälen, Müllcrstr. 142. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht des Abgeordneten. 2. Diskussion. Referent: Rcichstagsabgeordneter Qsorg Ledebour. Ohne UHtsliedwbnch kein Zatrltt."MF_ Der Vorntnnd. Schöneberg. Heute Dienstag, den 30 d. Mts., abends 8'/z vhr: NitgiiederversammIungäezAahivmins in den Neuen Natliaussäle«. Marün-Luther-Straße 69. Tagesordnung: 1. Vortrag de? Genossen EmU Elchhorn: Der Dalka», seine wirtschaftliche und politifche Dedentnng. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zahlreiche» Besuch erwartet Der Borstand. EL. Den Mitgliedern des Wahlvereins hiermit zur Kenntnis, dag die Bibliothek fce« Wahlvereins jede Woche Mittwochs und Sonnabends in der Zeit von 5-7 Uhr»achmirtazS gedffnet ist. tS/2 " Verantw. Redakt.: Alfred Wielevv. Neukölln. Inseratenteil verantw. Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag J. u, 4. LuZGki'ikii Iftr dootsobo Lebrar u. LebteiiBoen. «.t&e Geldgewinne tob Jlork Losa k 3 Jd., Porto n. List« 341 PI ampl Carl Eeiaize, BtrUs V7 Jetzt 21 Unter den Linden 2t tiiuiuru: und hrambiiiDrrri Dpn Roben Meyer, Fnb.: 1».«öltet? Mariannenstr. 3. Tel.MpI. 345 Spezlalarzt l>p. med. Wockentnß. Friednchstr 125 lOranienb. Tor), für Syphilis. Harn- n Frauenleiden— Ehrlich-Hata-Kur /Dauer 12 Tage), Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Beruis- störung. Teilzahlung.* Sprechstunden: 10— i und 4— 8 3n Stelen Stonaen - Die- wochenichrift für Arbeiterfamilien wöchentlich l Heft für lv pf. Soldaten- Sprachführer Oeutsch-Ironzösisch Oeutjch. polnisch das Stück zu 15 pf Neutsch. 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WWWWWWWWW Vorwärts Buchor. u. BtttagsalMatt Paul SingerörCo., Berlin LXV. Hierzu 1 Beilage u. Unterhaltungsbl� Nk. 380. 32. Jahrgang. Scilqt iw Jonnürtf ßttlintt ÄlKsdlxIt. Dienstag, 30. Novmber 1915. politische Ueberslcht. /v Deutsche Gesellschaft 1914. Am Sonntag hat in Berlin die feierliche Gründungs- dersammlung der„Deutschen Gesellschaft 1914" stattgefunden. Es ist das jener Klub, der die Aufgabe hat, den Geist von 1914 auch über den Krieg hinaus zu erhalten und seinen aus allen politischen Lagern stammenden Mitgliedern statuten- gemäß Gelegenheit zu bieten, sich von Mensch zu Mensch über die Land und Volk bewegenden Fragen auszusprechen. Die Zwecke der Gesellschaft erläuterten noch einmal der General- oberst v. Moltke und der zum Vorsitzenden gewählte Kolonial- staatssekretär Dr. Solf.„So ist unser ganzes Volk", sagte Herr von Moltke,„geeint durch den Krieg. Die heilige Flamme der ValerlandÄiebe"hat die Schranken zerstört, die uns trennten. Wir erlebten das Wort Lagardes:„Ein Volk sein, heißt eine gemeinsame Not empfinden". Diese Einigkeit macht uns unüberwindlich, sie wird uns einen ehrenvellen dauernden Frieden sichern." Der Kolonialstaatssekretär führte unter anderem aus:„Die Deutsche Gesellschaft 1914 will den Geist der Einheit und der Vaterlandsliebe, der sich in den Augusttagen 1914 so herrlich und herzerfrischend dargetan hat, im deutschen Volke wach erhalten. Sie will den Acker, auf dem die Einheit erwachsen ist, weiter bestellen." Er sprach auch von der„in den letzten Jahren vor dem Krieg drohenden Mechanisierung unseres Lebens mit ihrer Gefahr für das höchste Glück der Erdenkinder die Persönlichkeit. Er erinnerte an den deutschem Hoffen drohenden Winter dumpfer Ver- drossenheit, den erst die heilige Sonne der August- tage 1914 endgültig verscheucht habe" usw. Der Klub hat das ehemalige Pringsheimsche Palais an Wilhelmstraße bezogen, und daß er sich aus zahlungsfäbigen Personen zusammensetzt, bewies der Kassenbericht, nach dem die Jahresbeiträge der zirka 940 Mitglieder schon jetzt 110000 M. betragen. Es war eine sehr illustre Gesellschaft, die sich an dem Gründungsabend zusammen fanden: Der Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg, jetzige und ehemalige Mi- nistcr, HosmarschällL und Erbmarschälle, die Generalobersten v. Kessel und v. K I u ck, wirkliche ünfT gewöhnliche Geheimräte, Bankdirektoren und eine Anzahl Parlamentarier. Von Sozial- demokraten waren anwesend der dem Vorstand des Klubs an- gehörende Dr. S ü d e k u m, ferner Dr. Leo A r o n s, Paul G ö h r e und der ehemalige Leiter der„Leipziger VolksM.'" L c n s ck� Interessant ist, daß abgesehen von dem Grafen NevenIuTw scheinbar kein bekannterer konservativer Politiker anwesend war. Die Konservativen sehen die Dinge wohl nüchterner an._ Zur Kriegsgewinnsteuer. Die Ankündigung der Kriegsgewinnsteuer scheint die Herren Kriegslieferanten doch etwas zu beunruhigen. In den letzten Tagen sind einige Fälle von Selbstbesteuerung der Äriegsgewinne durch die Presse gegangen. Für eine Reche von Kriegsfürsorgezwecken sind Gelder aus en Er.. ägnissen einiger am Ärtegsgeschäfte beteiligten Aktiengesellschaften bekannt geworben. Wichtiger ist das, was aber nicht bekannt geworden ist. Das ist ein sehr ausführlicher Fragebogen des Zentralverbandes deutscher Industrieller, de' an die Unternehmer, wie wir vermuten, nicht nur an die M.rglieder des Zentralverbandes deutscher Industrieller, in den letzten Wochen versandt wurde. Da wird eindringlich gefragt nach allen Wohlfahrtsleistungen jedes einzelnen Unter- nehmers seit Beginn des Krieges. Von der Kriegsgewinn- steuer ist hierbei nicht die Rede, wohl aber von den großen Leistungen der Gewerkschaften auf diesem Ge- biete, denen mit möglichst großen Zahlen die Lei- stungen der Unternehmer entgegengestellt werden sollen. Für die Gewerkschaften ist diese Umfrage sehr ehrend. Es ist bedeutungsvoll, wenn die entschiedensten Unternehmer- organisation den Leistungen der Gewerkschaften die Leistungen des reichen Unternehmertums entgegenstellen muß. Die Ver- mutung, daß aber daneben auch Herrn Helfferichs Steuerabsichten ein Stein zwischen die Füße gerollt werden soll, erscheint nicht unwahrscheinlich wegen des zeitlichen Zusammenfallens dieser statistischen Erhebung und dem Bekanntwerden der Be- stimmungen des Gesetzentwurfes über die Kriegsgewinnsteuer. Wir hoffen, daß diese Statistik einige Anhaltspunkte dem Reichsschatzsekretär geben wird, der Steuerscheu mancher Herren erfolgreich entgegenzuwirken. Wilhelm II. in Wien. Kaiser Wilhelm II. weilt zum Besuche Kaiser Franz Josephs in Wien._ Zur Tagung des Reichstages. Das Gerücht, daß der Reichskanzter bereits in der heutigen ersten Sitzung des Reichstags das Wort ergreifen werde, hat einen förmlichen Sturm nach den Tlibünenkarten entfesselt. Die Besucher werden sich allerdings in ihren Erwartungen getäuscht sehen, denn es erfolgt lediglich die dritte Beratung der Lex Schiffe«, die nur kurze Zeit m Anspruch nehmen wird. Am Mittwoch beginnen die Verhandlungen der Budgelkommission, bis zu deren Beendigung da» Plenum vertagt wird. Ter Reichskanzler wird voraus- sichtlich erst am 10. Dezember im Plenum des Reichstags sprechen. Einberufung des preustischen Landtags. Der preußische Landtag soll, wie verlautet, auf den 11. Januar 1916, also zum äußersten Termin einberufen werden. Außer dem Kriegsetat werden nur einige Vorlagen eingebracht werden, die sich auf kriegswirtschaftliche Maß- nahmen beziehen. Man rechnet damit, daß der Landtag seine Arbeiten in etwa fünf Wochen erledigen kann. Das Zentrum gegen Staatssekretär Delbrück. In der Presse des Zentrums, speziell in der„Köln. Volksztg." war gegen den Staatssekretär im Reichsamt des Innern, Dr. Delbrück, der Vorwurf erhoben worden, daß ihn die Haupt- schuld an der ungenügenden Regelung der Lebensmittelversorgung treffe. Diese Angriffe dürsten eine Fortsetzung in der Budget- kommiision finden. Die„Voss. Ztg." schreibt dazu:„In Zentrums- kreisen scheint Neigung zu besteben, einen Vorstoß gegen den Leiter des ReichSamtS des Innern, Staatssekretär Dr. Delbrück zu unter- nehmen und ihm die Hauptschuld an Maßnahmen der Lebensmittel- Versorgung beizumessen, die vornehmlich Unzufriedenheit erregt haben. I Wenn diese Auseinandersetzung über die vier Wände des Haushalts- �ausschuffes hinausdringt, wird auch der preußische Landwirtschafts- I minister Frhr. v. Schorlemer-Lieser, der bei der Beurteilung wirt- I schaftlicher Maßnahmen des Bundesrates zu dem Staatssekretär des Innern im Gegensatz gebracht worden ist, auf der Tribüne des Reichstages einer scharfen Kritik ausgesetzt sein." Das tägliche Srot. Erweiterung des Beschlagnahmerechts für Kartoffeln. Amtlich wird mitgeteilt: Die Bekanntmachung über die Kartoffelpreise vom 28. Oktober 1915 gab die Möglichkeit, Kartoffeln bei Landwirten zu enteignen. Es war jedoch die Einschränkung vorgesehen, daß diese Enteignung sich auf höchstens 20 Proz. der gesamten Kartoffelernte eines Kartoffel- erzeugers erstrecken dürfe. Der Bundesrat hat nunmehr in seiner Sitzung vom 29. November den Landeszentralbehörden oder den von ihnen bezeichneten Behörden die Berechtigung gegeben, zu bestimmen, daß auch über mehr als 20 Proz. verfügt werden könne. Diese Behörden können also die in der 20 Prozentgrenze liegende Einschränkung teil- weise oder auch ganz und gar aufheben. Ferner hat der Bundesrat verlangt, daß auf die Mengen, die enteignet werden können, nur die Mengen anzurechnen sind, die der Landwirt bereits nachweislich nach dem 10. Ok- tober 1915 als Speisekartoffeln verkauft und geliefert hat. Die Voraussetzung der Lieferung ist hierbei neu. Die Höchstpreise für Schweinefleisch. Der Bundesrat hat eine Verordnung beschlossen, in der bestimmt wird, daß die Verordnung zur Regelung der Preise für Schlachtschweine und für Schweinefleisch vom 4. November 1915 auf aus dem Auslande eingeführte Schweine und auf frisches Schweinefleisch und Fett, das aus dem Auslande eingeführt wird, keine Anwendung findet. Den Landeszentralbehörden ist es überlassen worden, Bestimmungen über den Vertrieb dieser Waren zu treffen. Erhöhung der Schwcinefleischhöchstpreise? Die„Deutsche Tageszeitung" schreibt: „Von beachtenswerler Seile wird uns mitgeteilt, daß man an gewisse» Stellen auf Grund neuer Prüfung des Sachverhalts zu der Ansicht gelangt sei, die gegen wärtigenSchweine- fleischpreise würden den Interessen des Fleischergewerbes nicht ganz gerecht; eine entsprechende Aenderung werdeinsAugegefaßt. Wir möchten diese Mitteilung, wenn auch zunächst mit einem gewissen Vorbehalt, weitergeben." Sollte die Regierung wirklich die Absicht haben, die Schweinefleischpreise zn erhöhen— woran wir noch nicht recht zu glauben vermögen—, so würde das eine neue Kapitulation der Regierung vor dem Boykott der Landwirte und Fleischer bedeuten. Von dem Tage des Inkrafttretens der SchweinHöchstpreise an ist der Schweinemarkt nicht mehr oder nur ganz unzureichend beschickt und die Fleischer bringen ebenfalls kein Schweine- fleisch zum Verkauf, well sie durch die Verarbeitung des Fleisches zu Rauchfleisch und Wurstwaren bessere Preise erzielen können. Höchstpreise ohne allgemeines Beschlagnahme- recht bleiben eben, wie sich immer wieder zeigt, unwirksam. Aber es wäre natürlich der verkehrteste Weg, nun die Höchst- preise zu erhöhen, statt den Zwang zum Verkauf einzuführen. Sollte die Meldung der„Deutschen Tageszeitung" auf Wahr- heit beruhen, so kann gegen eine solche Absicht der Regierung nicht lebhaft genug protestiert werden. Die hohen Bierpreise. In der Presse der Gastwirts sind vor einigen Tagen scharfe An- griffe gegen die Brauereien erhoben worden, die es verstanden haben, aus der Not der Zeit, durch Preiserhöhung, Kapital zu schlagen. Eine Zuschrift an die„Deutsche � Tagesztg." behauptet nun, daß es manchen Wirten mit diesen Vorwürfen durchaus nicht ernst sei und zum Beweis dafür wird folgendes Beispiel an- geführt, das sich auf ein bekanntes' Bierhaus am Potsdamer Platz in Berlin bezieht:„Die Brauerei wird eben- falls um 5 M. die 100 Liter erhöht haben, aber das Bier- Haus benutzt den Anlaß, anstatt bisher für 0,4 Liter 30 Pf., jetzt 3ö Pf. zu nehmen; daraus ergibt sich, daß es einen Nutzen von 7>/z Pf. für das Liter besonders hat. Angenommen, das Bierhaus schenkt in seinen beiden Lokalen täglich 40 Hektoliter auS(es wird sicherlich nicht viel weniger sein), so hat es einen täglichen Extra- nutzen von 300 M. oder jährlich— ganz knapp gerechnet— von 100 000 M. Daß die durch den Krieg verursachten Unkosten nicht solchen Betrag auch nur annähernd aufwiegen, liegt auf der Hand. Dazu kommt ein fast ebenso hoher Nutzen aus dem Wegfall des freien BrotS." Zus öer Partei. Aus der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Die sozialdemokratische Neichsiagsfraktion hat folgenden Beschluß gefaßt: Unter Umgehung und Ausschaltung der Fraktion geht Lieb- k n e ch t durch Einbringung„Kurzer Anfragen" fortgesetzt seine eigenen Wege, obwohl gerade diesmal weder zeitliche, noch Hinder- nisie anderer Art vorlagen, die von ihm selbst mit aufgestellten Fraktionsbeschlüsse zu respektieren. Die Reichstagsfrakiion weist diese fortgesetzten Provokationen durch Liebknecht aufs schärfste zurück und lehnt jegliche Ver- anlworlung ab. Ein englischer Parteitag. Vom 23. bis 23. Januar wird in B r i st o l die Jahres- konferenz der englischen Arbeiterpartei tagen, die bekanntlich die verschiedenen Richtungen der englischen Arbeiter- bewegung umfaßt. Man kann sich da auf sehr interessante Dis- kuisionen gefaßt machen, da die entgegengesetzten Meinungen über den Krieg und seine Beendigung heftig aufeinanderplatzen werden. Schon jetzt kündigt der„Labour Leader" die Opposition der Unabhängigen Arbeiterpartei gegen die Leitung des großen Verbandes an. Sie habe dadurch, daß sie sich mit der Regierung identifizierte, die Erfüllung der Pflichten, die der Sozialismus ihr auf- erlege, vernachlässigt.„Sie hat sich selbst mit Hand und Fuß an die Regierung gefesselt und ist infolgedessen auf der einen Seite verantwortlich geworden für eine Gesetzgebung nach Art der Mit- nitionsakle, die" weit davon entfernt, die Arbeiterklasse zu be- freien, ihr neue Ketten angelegt hat, und sie bat aus der anderen Seite eine gemeinsame Aktion mit den Sozialisten der anderen Länder zu einer ehrenvollen Beendigung des Krieges unmöglich gemacht." Eine ganze Anzahl von Resolutionen für die Konferenz liegen bereits jetzt vor. Einige, die besonders aus den Kreisen der Gewerl- schaften stammen, wie vor allen Dingen die der nationalen Vereint- gung der Dockarbeiter, billigen die Haltung der Arbeiterpartei; andere, die mehr von den politischen Organisationen ausgehen, miß- billigen sie. Die Unabhängige Arbeiterpartei selbst legt vier Re-- solutionen vor, die sich ans die Munitionsakte, auf das Steuer- Programm, auf die auswärtige Politik und auf die Wiederherstellung der Internationale beziehen. Der Antrag zur auswärtigen Politik hat folgenden Wortlaut: „Die Konferenz ist der Ansicht, daß dieses Land die Gefahren des Militarismus einschließlich der schrecklichen Ungerechtigkeit und der Last der Wehrpflicht nicht vermeiden kann, wenn die au§- wältige Politik der Regierung sie in geheime Bündnisse und Unter- nehmungen verwickelt und den Verständigungen mit fremden Regie- rungen zum Zweck der Aufrechterhaltung dessen, was als Gleichgewicht der Mächte in Europa bekannt ist, oder zum Zweck der Ausdehnung von Einflußsphären im Interesse der Finanz- und Handelskrcise und der Kapitalisten. Die Konferenz erklärt daher, daß lein Vertrag und kein Abkommen geschlossen und keine Unternehmung im Namen Großbritanniens begonnen werden soll, ohne die Billigung de S Parlaments, und daß ein entsprechender Apparat geschaffen werden muß, um die parla- mentarische Kontrolle über die auswärtige Politik zu sichern." Die Resolution über die Wiederherstellung der Jnter- nationale lautet so: «Die Konferenz erneuert ihr Bekenntnis zu der fundamentalen Einigkeit der Jtlteresten der Arbeiter aller Länder und der Bestrebungen der internationalen sozialistischen und Arbeiter- bewegung, die unglücklicherweise für eine Zeit in dem Strudel des europäischen Krieges untergegangen ist. Sie ersucht die Leitung, die äußersten Anstrengungen zu machen, um so bald es die Umstände irgend erlauben, das Wiederzusammentreten des Internationalen Kongresses und des Internationalen Bureaus zu sichern, damit sich die Stimme der organisierten Arbeiter ver- nebmbar machen und bei der Feststellung der Grundsätze für den Friedensschluß wirksam werden kann und damit die internationale Bewegung wieder hergestellt wird." Auch von anderen Gruppen liegen Anträge zu demselben Gegen- stand vor._ Ein seltenes Jubiläum konnte am Montag, den 20. November, unser alter Parteigenosse Theodor Schwartz-Lübeck be- gehen. An diesem Tage waren 50 Jahre vergangen, seitdem er als Bürger seiner Vaterstadt vereidigt worden ist, nachdem er be- reils am 31. Oktober 1835 als solcher angenommen worden war. In jener Zeit war das Bürgerwerden in Lübeck ziemlich kost- spielig. Es mußten 80 Mark bezahlt werden und außerdem hatte sich der neue Bürger eine Bürgergardistenuniform zu beschaffen. Ferner mußte er jährlich 13 Kurantmark für die Ueberlassung der Waffen an den Staat entrichten. Das laufende Jahr ist übrigens für Genossen Schwartz in bezug auf seine öffentliche Betätigung ein rechtes Jubiläumsjahr zu nennen, denn er gehört 25 Jahre dem Reichstage und 10 Jahre der Lübecker Bürgerschaft als Mitglied an. Trotz seines hohen Alters— er steht jetzt im 75. Lebensjahre— ist„Thedje, der Schipper", wie er viel genannt wird, körperlich und geistig noch frisch. Wir hoffen, ihn noch recht lange unter den Banner* trägern der Partei zu sehen,...,. —-- r*—" Die Verpflegungssätze in öen fläötiflhen /wflalten im Kriegsjahr. Bei der Vorberatung des Etats in der Deputation für die städtischen Irren an st alten ist diesmal der Durchschnitts- Verpflegungssatz um 15 Pf. pro Kopf und Tag erhöht und damit endlich eine Forderung erfüll! worden, welche von uns schon bei der vorjährigen Eratsberatung erhoben, von der Deputation aber ab- gelehnt worden war. Es bedurfte erst des zahlenmäßigen Nach- weises der von uns vorausgesagten und nun wirklich eingetretenen Unterernährung sin Buch) und der Veröffentlichung dieses Nachweises im„Vorwärts", um in der Deputation die durch die Preissteigerung aller Lebensmittel längst gebotene Erhöhung des Verpflegungssatzes durchzusetzen. Am 10. September hatte der„Vorwärts" jene Veröffentlichung gebracht, am 11. September regte der Stadtmedizinalrat bei der Deputation an. eine Prüfung der Kost in der Irren- an st alt Buch durch das Medizinalamt vornehmen zu lassen, und am 17. September wurde dieser Anregung stattgegeben; vom 11. Oktober ist der ausführliche Bericht des Vorstehers der chemischen Abteilung des Medizinalamts über das Ergebnis dieser Prüfung datiert, erst am 23. Oktober wurde er vom Stadlmedizinal- rat an die Deputation übersandt, erst am 18. Nvvember bekamen die Mitglieder der Deputation gelegentlich der Etatsberatung Kennt- nis von demselben— so sehr das schleunige Eingreifen des Medizinal- anilS Anerkennung verdient, so unverständlich bleibt die Verzögerung in der Mitteilung des Ergebnisses an die Deputationsmitglleder. Die Prüfung selbst wurde in der Weise vorgenommen, daß auS den Speiseberechnungsbogen der Anstalt Buch für die Wochen: 12. bis 13. Juli 1014 sZeit vor Kriegsausbruch), 8.„ 12. Dezember 1014(vor Inkrafttreten der Beschlüffe der Kriegskommiision), 21.„ 27. März 1015(nach Jnlrafltreten dieser Beschlüsse), 25.„ 31. Juli 1015 sin welcher Zeit die Gewichtsabnahme Aufmerksamkeit erregte), die täglichen Durchschnittkostsätze deS III. Tisches berechnet und insbesondere die in diesen Kostsätzen enthaltenen Mengen von Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten sowie der Energiewert sin Kalorien) fest- gestellt wurden. Der aus diesen Kostsätzen, resp. den dafür aufgewendeten Roh- Materialien pro Kopf und Tag errechnete Nährwert sührt den Bericht- erstattcr zu folgenden Schlüssen: Im Dezember 1014 hatte im Vergleich mit dem Juli 1014 eine Verminderung des Nährwertes der Kosisätze noch nicht statt- gefunden. Dagegen ist für die Zeit vom 21. bis 27. März 1015 eine recht beträchtliche Abnahme des Nährwertes festzustellen; dem entspricht die Gewichtsabnahme vom Dezember 1914 bis April 1015 bei den Männern durchschnittlich um 3,5 Kilogramm, bei den Frauen um 1,4 Kilogramm(bis Juli 1015 bei den Männern sogar 5,5 Kilogramm). Die Verminderung des Nährwertes hat überwiegend ihren Grund in der Verminderung der Brotgabe von 413 bezw. 302 Gramm auf 277 Gramm auf den Kopf, zum geringeren Teil in der sehr beträchtlichen Einschränkung der Käsegabe und— später- hin— der Fleischgabe und Milch.„Bei der Aufstellung der Kostsätze im März 1015 ist mithin im wesentlichen übersehen worden, einen Ersatz für die beträchtlich verminderte Brotgabe zu schaffen."„Die Verminderung der Kostsätze hat das Ernährungs- glcichgewicht der Kranken erheblich gestört."„Die im Juli 1014 geltenden Kostsätze waren ziemlich genau auf den Nährstoffbedarf der Kranken eingestellt, so daß eine Aenderung, welche den Nähr- stoffgehalt herabsetzte, als unzulässig angesehen werden muß." Mit diesen Feststellungen des Medizinalamts wird das Urteil gesprochen über die„erfolgreichen" Bestrebungen, schon lange vor dem Jtnis�e die Verpflegungssätze in den städtischen Anstalten systematisch herab�ilietzen. Jahr für Jahr bis zu dem jetzt wirklich konstatierten Grad hon Unterernährung. Während fich bis 1911 z. B. in Dali- darf als Durchichnittsverpflegungssatz 1,10 M. ergab, ging derselbe seirdem zurück 1912 auf 1.02 M.. 1913 auf 0.946 M., 1914 auf 0.854 M.— beini Hl. Tisch(für Kranke) von 76 Pf. auf 72, 65, 5.8 Pf. pro Kopf und Tag, und ebenso wurde in den übrigen An- stalten die Verpflegung des Hl. TisckieS systematisch herabgedrückt— ein in diesen Jahren zunehmender Lcbensmittelteuerung in der Tat nicht gering einzuschätzender„Erfolg") Der Beschlust der Deputation im Vorjahre, welcher sidb um die Erhöhung der Kostiätze herumdrückte, indem er es dem Magistrat überliest, eine Erhöhung der Verpflegungssätze in allen städtischen Anstalten vorzunehmen und es im übrigen den Oekonomieinspektoren der einzelnen Anstalten anheimstellte, Nachforderungen zu erbeben, falls sie mit den alten Kostsätzen nicht auskämen, hatte nur daS Gegenteil bewirkt, nämlich die kategorische Order des Herrn KämmererS an die Inspektoren, unter keinen Umständen jene sunzu reichenden) Verpflegungssätze zu überschreiten, und damit das erzielt. waS von uns vor einem Jahr als Wirkung dieieS Beschlusses prophezeit wurde:„zu einer weiteren Verschlechterung der Ernährung aufzufordern". Die Deputation konnte sich dem Eindruck dieser Vorgänge nicht entzieben, sie beschlotz— Wuhlgarten hatte bereits im Etatsentwurs die Erhöhung des Verpflegungssatzes aus 1,10 eingesetzt und Tall dorf diesen Satz ebenfalls schon jetzt erreicht—, für alle Anstalten den Verpflegungssatz für 1916 auf 1,10 Mark zu erhöhen. Es ist zu erwarten, dah Magistrat und Stadtverordneten Versammlung dem Beichlust der Deputation beitreten. Die daraus erwachsende Mehrausgabe(über 800 000 M.) dürfte im Gesamtelat der Anstalten geringer lein, einmal durch weitere Entlastung der Privatanstalten und Ueberfübrung in unsere eigenen sBuch Il?> und zum anderen Mal durch Ersparnisse in den Pflegerlöhnen— Ersatz männlichen durch weibliches Pflegepersonal usw. Auch das P f l e g e r p e r s o n o l hat unter der Herabsetzung der Kosflätze im Kriegsjabr austerordentlich zu leiden. Namentlich aus Wuhlgarten treten immer wieder lebhafteste Klagen an uns heran. Wie in der Deputation seitens der Direktion bestätigt wurde, hat das Personal nun bereits über ein halbes Jabr lang keine Butter mehr zu sehen bekommen, sondern Tag für Tag nichts anderes als Rübensast e 1 1 a sl e n bestimmtsn Anfrage ift ein Luclillabe und eine Zahl als Mertzeuben beizusügen. Briefliche Annoort wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine Abonnementsauitiung beigefügt ist. werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man m der Sprechstunde por. vertrüge, Schrififliicke und dcrgicichen bringe mar in dir Ebrechstuiide mit. R. R. LS. Darüber tonnten wir Information nicht erhalten. — Gesundbrunnen 30. Wahrscheinlich handelt es sich um Milben, die am besten durch freien Licht» und Lustzutrilt ,u beseitigen sind. — W. K.«4. Zu finden im Adreßbuch, 2. Band, Teil 4. Seite 42g unter „Sleppaiistaiien", und Seite 81 in der eisten Spalte nnter.Tischdecken'. F. 3. 4. Nein.— H. L. 10. Wir glauben, daß eine Klage Aussicht aus Erfolg hätte.— R. U. 3. 1. Ja. 2. Nein.— W. R. 33. Die staatliche Unterstützung sür die Frau beträgt 13,50 M., für jedes Kind 7,50 M. monatlich. Die Höhe der lommunalen Unter- stützung ist in dem Kreise den einzelnen Gemeinden überlassen. — Friede 101. t. Bon dem Franzoien Lesseps. 2. England. 3. 185g bis 186g. 4. Ungefähr 480 Millionen Frank.— F. 4». Tobolsk liegt im nord- westlichen Sibirien. Das Lcnagebiel m Ostsibirien.— M. B. S3. 1. und 2. Die Gendarmerie untersteht dem Landrat. An welchen Orten des be- treficnden Kreises die Wachkommandos sich befinden, ist unS leider nicht be- fannl.— R. 32. Auf diesem Gebiet der Bautechnik sind wir leider nicht bewandert— C. P. 81. Bon feilen der Stadt Berlin sind solche Spenden erfolgt. Sobald dies wieder geschieht, finden Sie in unserem Blatte eine diesbezügliche Mitteilung.— P.«• 43. Eine Unterstützung, meist sür Sfudiercnde._ SvetterauSsichten für das mittlere Norddeutschland biS Mittwoch mittag. Bon West nach Ost fortschreitende Erwärmung und Trübung und rm Westen zunächst geringe und allmählich an Stärke zu- nehmende Niederschläge: im Osten noch größtenteils trocken. MptßVM öep ZimniEFleiile Gpoß-Berllns. Am Sonnabend, den 27. No- vcmbcr, vormittags 11'/, Uhr, vcr- Ichied nach langer Krankheit am Speiseröbrenkrcbs unser Mitglied und Kamerad Hennsim Rotermund . Richthoicnstr. 3. Ehre seinem Andeuken l Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 1. Dezember, nach- mittags 3'/, Uhr. von der Leichen. Halle des Auserflehungs.KtrchhoieS in Weißensee, Lichtcnberger Str., auS statt. 2934b Der Borstand. Vepdsml der Sattler und PoptElenillep. Ortsverwaltung Berlin. Am 3. November fiel als Opfer deS WeltlricgeS unser Kollege, der Täschner Paul kutenscdüu 20 Jahre all. Ehre seinem Andenken! 118/19 Die Ortsverwaltung. Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands. Zahlstelle GroB-Berlin. Nachruf. Am 22. November verstarb unser Mitglied Emil Wunieke. Ebre seinem Andenke» l 56/9 Die Ortsverwaltung. „Männerchor Ost" M. d. D. A.-S.-B. Am 17. August stet durch Kopf« Ichuß unser langjähriges Mitglied, der Sangesbruder Vilti Blumentbai. Wir betrauern in dem Ge. iallenen das dritte Opjer dieses Völkerringens. Ehre seinem Andenken l 57/7 Ter Vorstand. Am 26. November, abends 10 Uhr, enlschlies nach langen, schweren, mit Geduld ertragenen Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Sohn, Bruder und Schwager, der Klempner dosepk Rleisedmauu im 46. Lebensjahre. 29316 Dies zeigen tiefbelrübt an Vfw. Anna Fleischmann geb Schmidt nebst Kindern. Neukölln, Bergstraße 61, 27. November 1915. Die Einäscherung findet am Mittwoch, den 1. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, im Krematorium zu Treptow, Kiesholzstrage, stall. Allen Verwandten. Freunden! und Bekannten zur Nachricht, daß die Uebersührung der Leiche meines Sohnes, des Erjatzreservisten Wilhelm Hämisch vom Schtachtselde nach hier voll zogen ist. 29326 Um stille Teilnahme bittet im Namen der trauernden Hinter bliebenen Frau Berta Römisch. Adlershos, 29. November 1915. Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 1. Dezember, nach- mittags 3 Uhr. von der Leichen- balle des hiesigen Gemeinde- friedhofcs aus statt. GUIiMI'fCHUHE 131* lEiHMfrKNUNl Hierdurch die traurige Mit- teilung, daß meine liebe Frau, unsere herzensgute Mutter und Tochter piissbetk �iüiier geb. lkUu-IiBezIlat, nach langjährigem schweren Leiden am 27. November, nachmittags 4'/, Uhr, sanst cnllchlasc» ist. Dies zeigen tiesbetrübt an Fritz M«Her, Sohn, Tochter, Schwester u. Vater. Die Beerdigung findet heule Dienstag, den 30. November, nachmittaas 2 Uhr. von der Leichenhalle des Zeittralsricdhoses in Friedrichsselde aus statt. 8A vanksaxunK. Für die mir erwiesene Teilnahme beim Hinschechen meines Mannes Martin Bungert sage ich den Kolleginnen und Kollegen der Firma Gittenscld sowie dem Herrn Verbandsvcrlreter herzlichen Dank. 10521 Frau H. Bangert und Kinder. Statt besonderer Anzeige! Allen Freunden und Belannlcn die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, Muller, Schwiegcr- mutier und Großmutter Marie Fuchs ge». Jung nach langem Leiden am 27. No- vember verstorben ist. Dies zeigt tiesbetrübt an FIlriirtopll Facha nebst Familie Höpfner, Wcbcrslr.9. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 1. Dezember,»ach- mittags 39, Uhr, von der Leichen- halle des Zentral-Friedhofes in Friedrichsselde aus statt. 2933b Am Donnerstag, nachm. II'/, Uhr. starb nach langem, mit vieler Geduld getragenem Leiden unsere liebe Kollegin 101/13 Frl. Valerie Ivaneic. Als letzten Gruß gewidmet von den Kollegen und Kolleginnen der Firma C. Lorenz A. G., Abt. Zunderbau. Tie Beerdigung findet heule Dienstag, den 30. d. Mts., nachm. 2 Uhr, auf dem Katholischen Fried- hoi, Mariendorscr Weg, ilatt. Nachruf. AIS Opfer des blutigen Böller- ringcnS siel mein Freund und Kollege 128A Heinrich Eberwein. Ein Muster von Aufrichtigkeit und Treue gegen seine Kollegen, ein unvergleichlicher� ehrlicher Charakter ist mit ihm dahin- gegangen. Sein Andenken lverden in Ehren hochhalten Familie Fiebe, Berlin-Karlsborst, Dönboffstr. 28. Vslcsr>VolIburx Trauer- Magazin Berlin N,, Brunnenstraße 56. Große Auswahl in schwarzer Konfektion; auch einz. Röcke, Blusen, Hüte etc. Anfertigung nach Maß in 12 Stunden. Aenderungen sofort.* deutscher Holzarbeiter-Verband. Verwaltung Berlin. Mittwoch, den 1. Dezember 1915, abends 8 Uhr: Vertrauensmänner- Versammlungen der Bezirke und Branchen. Tagesordnung: 1. Bericht des Obmannes. 2. Ausgabe der statistischen Fragebogen. Jede Werkstatt muh vertreten sein. Mitgliedsbuch«nd Vertrauensmännerkarte legitimiert. Versammlungslokale: nichlcr. Südwesten nnd Westen: Hasenheide 89 Sei Klei». Süden: Sei Ewald. Schonleinsir. 6. Südosten 1 und n: Sei Siehe. Naunynstr. 9. Osten II:/®e' Huth. Warschauer Str. S1. Osten III: Sei Kloß, Boxhagener Str. 28. Oestllctae Vororte: Bei W. Schulz, Lichtenberg, Kronprinzen- straße 47, Ecke ScharnweSerstraße. Vordosten: Bei Merkman». Gr. Frankfurter Str. 16. Itosentbaler nnd Schönhauser Vorstadt: Bei Büttner, Schwedter Straße 23. Weddiug nnd Hoablt: Sei Mechtel, Kolberger Str. 28. Weißensee: im„Prälaten«. Lehderstr. 122. ASends 6 Uhr. Venköiin: Sei Albert Schmidt, Reuterstr. 123. Oder» Schöneweide,.4. dt. Vinxpiat«: Sei Hauk, Nieder- Schöneweide, Hasselwerder Str. 12. ö'l2 Uhr. KUchemnÖbetbrand�e Sei BrSlke, Weidenweg 52. ßautird�Ur. Bezirk 1: Südwesten, Süden, Südosten Sei Kutscher, UrSanstr. 93. Bezirk 8: Vörden und nördliche Vororte Bei Gliesche, Kopenhagener Str. 74. Bezirk 4: Gesundbrunnen, Wedding nnd Boablt Sei Sachse, Lindower Str. 26. Bezirk»: VenköUn Bei Schenk, Rosenstr. 24. Bezirk 6: Charlottenbnrg; Bei Thunack, Wielandstr. 4. JVIöbel- u. 8tuhlpoUcrcr sowie IMagaztnarbeiter. Südosten: Bei Prettin, Mariannenstr. 41. Vörden: Bei Günther. Brunnenstr. 96. Osten: Bei Schröder» Boxhagener Str. 5. JVJafcIniiciiarbdter. Südwesten: Bei Mann, Hornstr. 2, 5'/, Uhr. Vörden: 6'l, Uhr, Bei Kaczerowski, Ravenöstr. 6. Südosten; Bei Elert, Kottbuser Str. 19, 5'/, Uhr. Osten: bei Nterkuiann, Große Frankfurter Str. 16, 6 Uhr. Korbmacbci* Bei Krause, Mariannenplatz 8. Drecbrici*-, Hlabaftcr- und Creppcngeländer- branebe Bei Stein, An der Stralauer Brücke 3. Vergolder Bei Krüger. Engeluser 14. Miiitöiiritriimenteil-MeHei' „Andreasgarten«, Andreasstr. 86. Bürftcnmacber aSends 8 Uhr, HolzmarNftr. 21. 8cbirmmad>cr abends 8 Uhr, An der Stralaner Brücke 3. 8teUmacber Bei Hummel, Sophlenftr. 5. Jalousiearbeiter Bei Gretve. Rungeftr. 30. Bisten- und Boffermacber abends 8 Uhr, Holzmarttstr. 21. Bamm- und Raarsdimuckarbeitcr B�i,mÄBl2i?' pcrlmutt-, Born- u. 8tdnnußarbe»ter um s uhr Bei Greive, Rungestr. 30. JVIodeU- und fabnhtiscbkr ÄLfe f v'®ei Dienstag, den 30. November, abends 6 Uhr: Dockarbeiter Holzmarttstr. 21. Laden- und Bontormöbelbrancbc: 81/2 90/20 Die Ortsverwallung. Wichtig für Herren I Wegen bevorst. Einberufung erste HerrenkIeider=Fabrik gibt ülsler, Paletots, Änzöae, feFtig™dh Maß 'auch im Einzelverkauf ab. Verkaufszeit 10— 6. Sonnabends 10— 8. Sonntag 12�2. Bolkenmarkt 7-8. IV., Ecke Eiergasse. Fahrstuhl. 200 000 Lose. Ziehung am 3. und 4. Dezember der Allgemeinen Deutsctien Pensionsanstalt für Lehrer und Lehrerinnen Gewinne zahlbar ohne Abzug= Mark Geld-Lotterie 33 Gewinne zahlbar oooo 1 Haupt- Gewinn M I"imOrlg.- kvSC Preis von 3 Mark Lud. HOüer& Co, Porto u. Liste emp.ehlen u. 30 Pf extra versenden = BERLIN W= Weröersclier Murk� 10 H.& P. Uder, Tabak-Großliandlnng und Tabaktabrik. Spezialität: Nordhäuser Kautabak von Q. A. Kanewaoker, Qrimm§ Trtepel. == Stets frisch zu den äußersten Engrospreisen.' === Amt Morltzpl. 3014.— ä mit Hustcnaniäl- jta. len u.liarlerVer- schleimung findet JrkmVftt/7«lÄ'ame Hilfe * B durch Reichels Echte Asthmatropfen, Bc> rllpmt durch ihre Wirkung Zahlreiche ErsolgsBerichle. Fl. 8.00 ZI. 0N» Reichel, Seriin 43, EisenBahnstr. 4. Ich BaBe niich in Niederschöneweide als Aerztln niedergelassen. Dr. med. Martha Ruhen, Berl.- Vlederschönewelde, 2846B* Epreeslr. 1 II. Fernsprecher: Oberschöneweide 933. Kriegs-Postkarten für die Front. Wir liefern unseren Soldaten die neuesten Kriegs- Postkarten von der West- und Ostfront— 100 Stück, sorgfältig sortiert, 2 M. 1000 Stück 18 M.— sowie Jede andere Art Ansichtspostkarten.— Prospekte gratis.* Bonness& Hachteld, Verlag, Potsdam, Postfach 432, 6. KreuMch-Süddentsche (232. Königl. Urentz.) Klassenlotterle S. Klasse 19. Ziehungstag 29 NoveniBer 191S Vormittag Auf jede gerogelie Nummer sind zwei gleich hohe GeMiune nesallen, und zwar j« einer auf die Lose gleicher Stummer in den beiden Abtetluogeu i n. U. Nur dir Gewinne über 240 M. sind in Klammern beigesügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 200(600) 27 87 64 622 83 826 33 97(1000) 1077 263 382 68 682 741 860 927 2216 313 400 604 900 9 8011 122 47 78 323 688 773 843 4036(3000) 101(6001 82 86 344 402 83 623 771 8054 264 894 609 890 726 46 88 6080 250(10001 330 49 (1000) 430 802 6 38 7 018(1000) 83(10001 680 816 707 62 63 830 3 016 123 819 32(1000) 67 75 748 91 927 8269 488(600) 682 697 803 50043 161(500) 95 668(600) 75 937 11001 230 38 43 62 87 344 404 582 773 826 1 2134 33 277(5001 328 419 608 684 836 1 3030 42 M 318(600) 61 773 i 3000 i 807 928 1 4029 38 65 400 67 70 620 24 29 638 67 832 932 1 5032 69 206 389 601 763 85 819 965 1 6029 82 158 60 308 681 746 882 942 61 IV 184 440 571 844 1 8002 134 49 204 69 383 90 678 807 996 19037 76 HO(1000) 224 53 55 416 613 635 719 49 60 823 959 20173 83 386 649(1000) 758 811 63 931(3000) 21164 315 420 830 31 2 2212 89 965 2 3024 127 439 2 4182 205(1000) 65 415(500) 512 90 710(3000) 860 905 20(1000) 25188 96 1500) 262 70 609 25 748 2 8619 27(1000) 824 78 2/ 031 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Prcnßisch-Sttddentsche (802. Königl. Pre»st.) Klassenlatterie d. Klasse 19. Ziehungstag 29 NovcmBer l9lö Nachmittag Auf jede gezogeue Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, nnd zwar je einer auf die Lofe gleicher Nummer lu den beide» Abteilungen l u. II. Nur die Gewinne über 240 M. find in Klammern beigesügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdruck oerboten) 63 177(1000) 246 387 676 624 796 926 1019 867 963 2164 (3000) 68 304(1000) 76 601 40 784 818 34 76 923 3163 85 220 27 64 325 62 99 471 84 632 81 4061 207 99 351 425 662 637 61 744 966 6013(3000) 16 30 353 68 63 784(1000) 874 969 (600) 6088 372 76 449 67 70 949 7 260 383 97 431 666 94 688 712 64 71 8008 22 69(1000) 143 433(1000) 617 28 65 699 720 37 9051 76 237 397 10271 426 728 11016 169 202 327 33 47 612 847 923 1 2103 27 226 49 328 634 62 702 848 72 1 3058 71 120 64 214(1000) 366 630 930 1 4232 67 369(15 ODO) 405 604 37 743(6001 867 943 1 3130 48 671 737 902 16048 138 347 775 926(1000) 17087 363 748(600) 801 84 81 66 601 18128 288 97 343 744 49 804 28 948 19074 223 362 92 99 443 668 70 836 66 75 62 2 0072 221 619 626 900 21084 446 84( 3000) 556 623 70 2 2278 848 63 71 606 74(3000) 781 666 2 3188(3000) 207 99 465 669 896 700 878 839 46 62 2 4 292 306 60(3000) 70 88 667(1000) 652 924 72 80 2 8 065 161 499 603 14 64 805 991 2 6049 67 130 45 286 98 382 622 89 723 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Für den Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. Lerlagsanstalt Paul Singer&(So* Berlin SW.