Ar. 345»- 3Ä.Iahrg. Bbonncmenfs-BeJlngoBgenj HBonncmenM• Stet« Jtänumtranb«» BierteliättL �30 Ml. monafl. 140 Ml. wöchenllich 25 Ltg. ftei w» Hall«. Einzelne Nummer 5 vig. Sonnl-ig»- nummer mit illustrierter Sonnt aa». Beilaae.Die Neue Welt' 10 P'«. Post- NbonnemeMi l40 Marl»ro Äionat. Eingetragen in die Vost. Zeitung«- Preisliste Hitler Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn LA) Marl. Hir da« übrige Ausland « Marl vro Monat, voslabonnemem» nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Ztalien. Luxemburg. Portugal, kumänira. Schweden UN» die Schwei«. Vlch-s-l rZgfsch, Verliner Volksblstk. S Pfennig) vir snseMon5-Ledahr beträgt für die sechsgespaltene Kalonei. >eUe oder deren Raum W Pfg.. für politische und gewerkschaftliche Verein«. und BcrsaminlungS.ZIixzcizcn W Pfg. �Alelne Anreizen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. liuläffig 2 fettgedruckte Wortes, jedes weitere Wort 10 Pfg. Etellcnaesuche und Echlafliellenm,» zeigen da« erste Wort lO Pfg, jede« wettere Wort 6 Psg. Worte über lSLuch- "oben zählen für zwei Worte. Inserate ir die nächste Nummer müssen bi« � Uhr nachnnttag« in der Erpcditiou abgegeben werden. Die Expcdiüou ist bi« 7 Uhr abend« geöffnet, Delegramm- Ad reff ei »ZgglZllltwSsMll stlllill-, Tentralorgan äer rozialdcmokratifchcn Parte» Deutfchlands. Neöaktton: Slv. SS, �lnüenstraße Z. Fernsprecher: Um« Morinplao, Str.»kl SV— 151 97. Mittwoch, de« 15. Dezember 1915. Cxpedftion: S'iv. SS, �knüenstraße 3. Fernsprecher: Amr Moritzplad. Str.»Sl SV—»Sl SD. KD» Die mette ZeSiMWeilWeMg not dein WM. Die RuWzierung Zinnlanös eine Gefahr für Schweben. Aus den Kreisen der finnischen Sozialdemokratie wird uns geschrieben: .Die»Internationale Korrespondenz� veröffent- lichte in ihrer Nr. 41 einen Artikel.Der russische Bormarsch'. Der Artikel sucht die Russifizierung Finnlands durch einige Beispiele zu beweisen. Durch die Russifizierung Finnlands soll es Nubland mög« lich werden, an die Grenze Schwedens zu gelangen, um die Halb« iniel plötzlich zu überrumpeln. Daher bedeute die Russifizierung Finnlands den ersten Schritt zur Unterwerfung Skandinaviens. Sie sei für Schweden eine sehr grofie Gefahr. Die»J. K.' bedauert die Blindheit der schwedischen Politiker, vor allem der Politiker der schwedischen Arbeiterpartei. Diese seien»unheilvoll doltrmär ver» bohrt' und wie verblendet irrten fie umher, ohne die Gefahr zu erkennen. Aber die Argumente, mit denen die.I. K.' die Rusfifikation Finnlands zu beweisen unternimmt, sind derart unhallbar, datz die nalionalislisch-reaktionäre Presie Rußlands an der Hand einer der- artigen Beweisführung die ganze Gewaltpolitik in Finnland spielend leichl als eine gemeine Verleumdung zurütiweiszn kann. Daher ist es von Wichtigkeit, diese Arbeit nicht den dienstbeflifienen PrefiekuliS des Zaren zu überlafien, fie muß von der sozialdemokratischen Presie besorgt werden. Die.F. K.' führt zunächst an. Rußland begünstige die Auswanderung der Finne«, indem es den AuSwande« rungsagenlen in Finnland Agilationsfreiheit gebe, während diese Agitation in Rußland selbst nicht zugelasien werde. Innerhalb von 10 Jahren seien aus Finnland l'/z Millionen Menschen ausgewan» dert. Dieser AuSwanderungsfirom bewirkte jedoch keine Abnahme der Bevölkerung, denn die Lücke werde durch die großrussische Einwanderung mehr wie weit gemacht... Auch von den russischen Soldaten blieben viele, nachdem sie au» der Kaserne beur« laubt worden seien, in Finnland. Die russisch-bäuerlich-proletarische Unterschicht werde dadurch täglich vermehrt. Ebenso werde die Zahl der russischen Einwohner in Finnland durch Anstellung russischer Subalternbeamter stets vergrößert.— Dazu komme noch die plan« mäßige Dezimierung der finnischen Oberllasien und der Intelligenz durch Verbannung nach Sibirien, durch Einkerkerung in die Feste Schlüsselburg. Hunderte der besten Söhne des Landes schmachteten bort... Diese ganze Serie von Behauptungen ist einfach— ohne jeden Halt! Wir sagen das durchaus nicht in dem Sinne, als gebe es in Finnland keine russische Bergewa lligung. keine Erdrosielung der finnischen Verfasiung, keine Rusfifikation usw. Nein, diese harte Wahrheit bleibt davon unberührt. Aber die Beweise der»J. K.' sind aus der Luft gegriffen. Der Schreiber scheint nicht einmal zu wisien, daß Finnland eine eigene, von Rußland total abweichende Verwaltung hat. Die Zulasiung oder Nichtzulosiung der AuSwandeiungSagenten in Finnland ist eine Angelegenheit der LandeSgesetzgcbung und geht Rußland bisher nichts an. Es ist wahr, die Auswanderung aus Finnland ist unverhältnis- mäßig groß. Sie betrug von 1901—1308 jährlich 5,5 von 1000 Einwohnern. Die enlspreäiende Zahl in derselben Zeit war z. B. in Deutschland 0.4. in Rußland 1,8. Größer war die Auswanderung nur aus Norwegen f8.6>, Schottland(8.7), Italien(10,4) und aus Irland(11,1). Sie war aber 1911 in Finnland auf 8,0 von 1000 Einwohnern gesunken. In der Zeit von 1900—1908 war die Auswanderung aus Finnland auffallend groß. In den ersten 5 Jahren dieser Zeit trieb die russische ZwangSrekrutierung tauiende junger Leute außer Lande«. Die politische Atmosphäre war gerade in den Jahren vor der russischen Revolution in Finn- land derart unerträglich, daß viele den Staub de« Vaterlandes von ihren Schuhen schüttelten. Aber der Hauptgrund ist wirtschaftlicher Art: das Land ist industriell wenig entwickelt, und die Agrar- verfasiung ist derart veraltet, daß nur ein kleiner Teil der Bevölke- rung sich des Besitzes des Bodens erfreut. Natürlich fällt aber sehr viel Schuld auf die russische Gewalt: es lag in ihrer Macht, die Agrargesetzgebung in moderne Bahnen zu lenken. DaS hat sie nicht getan. Die Meufchen finden in der Heimat nicht genügend Erwerb. sie wandern aus dem Grunde nach Amerika. Aber die Zahl der Ausgewanderten beträgt trotzdem noch nicht den zehnten Teil von der Zahl der»J. K'. In den 10 Jahren von 1901—1910 wanderten auS Finnland 138 832 Personen aus. In derselben Zeit aber aus dem Ausland 60 877 Personen zurück, so daß nur 97 953 wirftich als Aus- gewanderte anzusehen find. In den Jahren 1911—1914 wanderten 46 624 Personen aus, während 23 340 Personen zurückgekehrt sind — es verhieben in diesen vier Jahren also 21 057 Personen im Auslände. In der Zeit von 1901—1914 verlor Finnland durch Auswanderung im ganzen 119012 Menschen. Das ist doch sehr viel weniger als die»J. K.' behauptet. Andererseits kann von einer großrussischen Einwanderung überhaupt keine Rede sein. Bei der Boltszählung von 1900 wurden in Finnland im ganzen nur Mwig des StoSen Mnnflieis. Amtlich. Großes Huuptquurtler, den 14. Dezember 1915.(28. T. B.) Westlicher und östlicher Kriegsschauplatz. Striae wesentlichen Ereignisse. Balkankriegsschauplatz. Südwestlich und südlich von Plevlje habe« die Sster« reichisch nngarischen Truppen den Feind erneut zum Weichen gebracht. Dort und in den ostmontenegriuischeu Bergen wurden etwa zweitansendfünfhundert Gefangene ringe- bracht. Ober st e HeereSleitang. »* Sei MemWW SeimMWerW. Wie«, 14. Dezember.(W. D. B.) Amtlich wftd ver- lautdart: 14. Dezember 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Italienischer Kriegsschauplatz. Di« Tätigkeit der Jtalieuer in den Judicarie« daner» fort. Einzelne kleinere Angriffe des Feindes worden abgewiesen. Der an der Straße nach St. Peter gelegene Stadtteil von Gärz stand wieder unter Brtillericfeuer. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Südlich von Plevlje erstürmten unsere Truppe» die«onte- »egrinischen Stellungen auf der Brana Gora. Im Räume nördlich von Bcrane brachten wir neuerlich zwei« t«mse«ddreil>undett Gefangene ei». Der Stellvertreter deS EhelS de» Generalstabe». v. H» e f e r, Feldmarschalleutnant. 3398 Russen gezählt, und zehn Jahre später war ihre Zahl auf 7889 gestiegen— das Militär ist nicht gezählt worden. Prozentual stieg die Zahl der russischen Einwohner in Finnland von 2.2(1900) auf 2,3(1910) aus je 1000 Einwohner.— Wa« nun die Vermehrung der russisch-bäuerlichen Proletarierschicht durch die Soldaten, die im Lande verbleiben, anlangt, so lann lonstatiert werden, daß es zurzeit noch nicht einmal die geringsten Anfänge einer solchen Schicht gibt. Wenn einige russische Soldaten wirklich im Lande bleiben, so handelt e» sich nicht um solche, die auf dem besten Wege sind, mit den Finnen zu verschmelzen. Anstatt zu russifizieren, werden diese wenigen selbst finnisiert. Bis dato haben die Finnen ferner noch nicht zu beklagen, baß »Hunderte der besten Söhne der Intelligenz in Sibirien, in Schlüsselburg usw. schmachten'. In der Schlüsselburg gibt es wohl leinen einzigen Finnen, und die nach Sibirien verbannten In- tellektuellen find auch noch an den Fingern herzuzählen. Bor dem Kriege wurden aus Finnland nur einige Sozialdemokraten nach Sibirien verschickt, und zwar solche, die sich nicht auf die Staats- zugehörigkeit Finnlands stützen konnten. Finnische Sozialdemokraten wurden ihrer Gesinnung wegen bis dahin nicht nach Sibirien verbannt. Man hätte dann vielleicht über 80 000 Menschen dorthin schleppen müssen. Erst während der Kriegsdauer und auf Grund des Belagerungszustandes, wobei die Gewalthaber die finnischen Gesetze ohne weiteres übertreten zu dürfen glauben, sind drei sozialdemokratische Redakteure und einige andere Personen nach Sibirien geschleppt worden. In die Hunderte reicht ihre Zahl zum Glück nock nicht. Und nicht die große Zahl der Opfer ist eS. was Finnland beunruhigt, sondern die Talsache de» Verfassungsbruches, der Außerachtlassung der Landesgesetze, die Verletzung der Grundlagen deS Rechts! Größer ist die Zahl der Magistratspersonen. Richter usw., die wegen Mißachtung de« von Rußland gewaltsam gegen die Gesetze deS Landes und ent- gegen allen Rechtsbegriffen Finnlands aufgezwungenen sogenannten »Gleich st ellungSgeseyeS' nach Petersburg verschleppt und dort, vom finnischen Standpunkt betrachtet, ungesetzlich mit vier bis zehn Monate» Gefängnis und auf zehn Jahre Aberkennung der Amts« tähigkeit verurteilt worden sind. Aber auch hier verfolgt man die Herren nicht in der Absicht, um ihnen Stellen abzujagen und sie russischen Beamten zuzuweisen. Auf diesem Wege ist noch kein Russe in Finnlanv direkt auf einen Posten gekommen. Allerdings hat man in Rußland mit diesem sogenannten Gesetz im Auge gehabt, Be- amtenstellen zu gewinnen. Denn ohnedies war der Zar auf Grund der finnischen Verfasiung gehalten, das Land durch Landesangehörige verwalten zu lassen. Das»Gleichstellungsgesetz' soll eben die Russen mit den feindlichen Staatsangehörigen gleichstellen. Ein großer Teil der russischen Einwohner in Finnland gehört zu den Bewohnern von St. Petersburg. In der Nähe der Bahnlinie zwischen Petersburg und Wiborg sind nach und nach in den Wäldern und am Strande in Finnland zahlreiche Villen- lolonien, Sommerkurorte und Ansiedelungen entstanden, in denen Tausende von den Bewohnern der russischen Reflbenz für den Sommer Ausenthalt nehmen. Viele von ihnen verbleiben aber auch im Winter dort. Insofern es fich uin Erwerbstätige handelt, halten sie fich nur nachts und an Sonn- und Feier- tagen dort auf dem Lande auf. während ihre Familien- angebörigen, die nicht an die Stadt gebunden find, ständig dort wohnen. Diese russischen AnsiedlungSlolonien üben gewiß ihren Ein- fluß auf die umgebende finnische Bevölkerung au«. Da es sich um eine mehr begüterte Bevölkerung handelt, ist sie von der Landes- bevölkerung gern gesehen. Dabei stellt eS sich denn auch heraus, daß Finnen, die mit jenen Dillenkolonien direkt zu tun haben, sich einige Sprachkenntnisse im Russischen aneignen, daß russische Münze zur Zahlung angenommen wird usw. Finnische Nationalisten sehen diese Erscheinung keineswegs mit liebevollen Augen an. Eine Russifizierung der Finnen befürchtet aber davon niemand.— Außerdem gibt es in den Städten Finnland» russische Händler und Unternehmer. Diese wirken aber keineswegs rusfi- fizierend, sondern sie gehen selber meist in der zweiten oder drilten Generation zu Finnen resp. Schweden über. Allerdings macht die russische Gewalt Versuche und ergreift Maßnahmen, um die in Finnland lebenden Russen vor einer Entnationalisierung zu be- wahren. So unterhält sie mit großen Kosten russische Schulen usw. Vorläufig gehen aber diese Bestrebungen immer noch darauf aus, die Russen ihrer russischen Nationalität zu erhalten, nicht, die 2,9 Millionen Finnen und die etwa 400 000 Schweden de? Landes zu russifizieren. Ob eS immer so bleiben wird, wer vermag da? zu sagen? Jedenfalls aber kann man dessen versichert sein, daß für die nächsten Generationen keine Russifizierung deS finnischen resp. schwedi- schen Volke? zu erwarten ist. Wenn also die Wahrung der Nationalität als eine Garantie dafür angesehen wird, daß Skandinavien von den russischen Truppen heimlich überrumpelt werde, so ist die Sicherheit der skandinavischen Halbinsel für absehbare Zeit gewährleistet. Die Russifikalion Finnland« wird von der russischen Gewalt vorab in einer anderen Form angestrebt, nämlich in der Form der Erdrosselung der politischen Autonomie des Landes. Seine eigene Gesetzgebung und Rechtspflege, Ver« waliung, Polizeiwesen usw. sollen beseitigt und durch russische ersetzt werden, das heißt Finnland soll in jeder Hinsicht auf die Stufe eines russischen Gouvernements gebracht werden. Die Landesbewohner selber würden dann von der Landesverwaltung usw. ausgescblossen werden, die Verwaltung und Regelung des staatlichen Leben« fiele dann russischen Beamten in die Hände. Indirekt soll die Russifizierung der Administration nach und nach die Massen des Volkes dazu zwingen, Russisch zu lernen und— russisch zu werden. DaS ist die gewöhnliche RusstfizierungS- praxi» in allen anderen sogenannten.Grenzgebieten' mit»nicht russischer Bevölkerung', so zum Beispiel in Livland, in Estland, in Littauen. Polen usw. Man konnte aber anch bei diesen Völkern noch nirgends das gesteckte Ziel— die Entnationalisierung erreichen. In Finnland wird es— dank der bisherigen Autonomie— noch nn- endlich viel schwieriger, wenn nicht ganz aussichtslos sein. Die Beseitigung der verfasiung Finnlands ist für die russische Reaktion auch au« dem Grunde von Bedeutung, weil sie dadurch das provozierende Beispiel eines mehr auf Bürgerrecht und-freiheiten aufgebauten StaalSwesenS aus der gefährlichen Nähe zu rücken hofft. Daran, daß die Russifizierung Finnlands eS Rußland ermöglichen soll, große Truppen massen unbemerkt an die schwedische Grenze zu werfen, wie die»J. K.' doziert, denft die nisstsche Gewalt wohl am allerwenigsten oder gar nicht. Der»J. K.' schien eS angebracht, in Schweden die Kriegshetze zu unterstützen. Dazu war es notwendig auf die drohende Gefahr aufmerksam zu machen, die dem Lande durch die Russifikatiim Finn- lands drohen sollte. Die Russifikation besteht wirklich, doch sind die Beweise, die die ,J. K.' herangeführt hat, völlig haltlos und daher irreführend. Auch ist der Hauptzweck der Rufst- fizierung ein ganz anderer und trifft Finnland, nicht Schweden.— Damit soll keineswegs gesagt sein, als wäre Rußland der lieblichste und friedfertigste Nachbar Schwedens. Macht man jedoch die Ueberrumpelung Schwedens von der völligen Russifizierung Finnlands abhängig, so könnte Schweden noch viele Generationen ohne Sorge sein, denn Finnlands nationale Russifizierung hat noch gute Weile.___ Der bulgarische Kriegsbericht. Sofia, 13. Dezember.(W. T. B.) Aus dem Hauptquartier wird gemeldet: Der 12. Dezember des Jahres 1915 wird für die bulgarische Armee und das bulgarische Volk von großer historischer Bedeutung bleiben. Heute hat unsere Armee die letzten drei mazedonischen Städte, welche sich noch in den änden unserer Feinde befanden, befetzt: Doiran, Gewgheli, truga. Die letzten Kämpfe mit den Engländern, den Franzosen und den Serben spielten sich an den Ufern der Seen von Dorian und Ochrida ab. Der Feind wurde überall geschlagen. Mazedonien ist befreit, und auf dem mazedonischen Boden be- findet sich kein einziger feindlichgr Soldat mehr. Ueöer die Operationen dieses Tages wird folgendes ge- meldet: Nach der gestrigen Niederlage der Engländer und Franzosen auf dem rechten Wardarufer und" nach dem Durchbruch im Zentrum nahe beim Dorfe Furka zog sich der Feind gegen das neutrale griechische Gebiet zurück, von unseren Truppen verfolgt bis zur griechischen Grenze. Die Stadt Doiran wurde mittags 12 Uhr genonimen. Die Bevölkerung nahm unsere Truppen mit unbeschreiblichem Jubel auf. Un- aufhörlich durchbrausten Hurrarufe auf S. M. den Zaren die Luft. Unsere Soldaten wurden mit Blumen überschüttet. Die Gefangenen, Toten und Verwundeten gehören Hauptfach- Uch der 10. und 22. englischen Division an, bestehend aus den 29., 30., 31., 65., 66. und 67. Jnfanteriebrigaden, welche endgültig geschlagen wurden und auf ihrem Rückzüge Kanonen, Gewehre ufiv. zurückgelassen haben. Das ganze Kampffeld ist mit Ausrüstungsgegenständen übersät. Bisher wurden 200 ge- fangcne englische Soldaten gezählt. Die Kolonne, die die Franzosen auf dem rechten Ufer des Wardar verfolgte, warf die französischen Truppen nach einem kühnen und energischen Angriff aus ihren Stellungen hinaus und drängte sie nach der griechischen Grenze. Um 5 Uhr 20 Minuten nachmittags wurde die Stadt Gewgheli von unseren Truppen besetzt. Die Franzosen haben vor ihrem Rückzüge die Kasernen und die Stadt mit zwei Irankenhäusern in Brand gesteckt, die Eisenbahnbrücke über den Wardar südlich von Gewgheli wurde gesprengt. Die Zahl der Gefangenen und der Trophäen ist noch'nicht gezählt. Die Armee des Generals Sarrails ist von der Linie Doiran— Gewgheli an die griechische Grenze zurückgeworfen. Es muff anerkannt werden, daß die französischen Truppen viel tapferer als die englischen kämpften. In den zehntägigen Operationen, welche in der Geschichte als die„Operationen am Wardar und Karassu" werden bezeichnet werden, kämpfte gegen unsere Truppen eine Armee von 97 000 Franzosen und 73 000 Engländern, im ganzen also über 170000 Mann mit 600 Feldgeschützen, 130 Gebirgsgeschützen und 80 schweren Haubitzen. Die letzten Reste der serbischen Armee, welche von Bitolia über Ochrida und Struga nach Albanien zurückweichen, zogen uch nach ihrer Niederlage bei Ochrida am linken Ufer des Ichwarzen Drin zurück, wobei sie alle Brücken über diesen Fluff vernichteten. In der Frühe des heutigen Tages haben unsere Truppen bei Struga den Fluff Drin passiert. Südlich dieser Stadt griffen sie die serbischen Truppen energisch an, machten 400 Gefangene und nahmen drei Ge- schütze. Die Verfolgung in der Richtung gegen Elbaffan wird sortgesetzt. Die Mobilmachung der bulgarischen Armee wurde am 10./23. September erklärt. Sechs Tage später begann die Konzentration der Truppen. Die Operationen gegen die Serben wurden am 1./14 Oktober begonnen, und 40 Tage später, d. h. am 10./23. November war die serbische Armee bei Pristina und Vcrisowitsch endgültig geschlagen und auf albanisches Gebiet zurückgedrängt. Am 16./29. November wurden bei Prizrend und Kula Luma die letzten Reste der serbischen Armee gefangen genommen. Am 20. November bis 3. Dezember begannen die Operationen am Wardar und Karassu gegen die Engländer und Franzosen. Im Laufe von 10 Tagen war die Erpeditionsarme des Generals Sarrail geschlagen und auf neutrales Gebiet zurückgeworfen. Am 12. Dezember war ganz Mazedonien befreit und kein einziger feindlicher Soldat befindet sich mehr auf mazedonischem Boden. Dies ist der Tag seiner Befreiung. Die Verfolgung des Feindes ist augenblicklich eingestellt. Folgende Depesche des Kommandierenden der 2. französischen Armee vom 29. November Nr. 2007 charakterisiert die Fran- zosen. Die Depesche lautet:„Die französischen Truppen haben in den von ihnen befetzten Ortschaften die ganze Be- völkerung zurückgedrängt und auf alle ihre Güter, Lebens- mittel, Hausgerät, Vieh usw. Hand gelegt." Da sie jedoch ihren Mißerfolg voraussahen, haben sie die Nahrungsmittel wieder an jeden verteilt und den Rest auf ihrem Rückzüge verstreut. Die besseren Gebäude wurden in Brand gesteckt, so daß die Bevölkerung nach ihrer Rückkehr kein Dach und keine Nahrung mehr finden kann. Bulgarien als Sieger. Sofia, 14. Dezember.(W. T. B.) ,Utro" meldet: Der Ministerrat hat beschlossen, die So brause auf den 28. De- zember einzuberufen. Er hat festgestellt, daß die Lage Bulgariens günstig ist. Der Feldzug gegen Serbien ist glücklich durchgeiührt; Bulgarien hat sein Gebiet uin 50 000 Quadrat» tilo meler vergrößert; seine Kräfte sind so erhalten, daß cS im Verein mit seinen Verbündeten allen Ereignisien gegenüber gerüstet dasteht. Die Sobranje wird sich in erster Linie mit finanziellen Gesetzentwürfen befassen, u. a. mit einem Kriegs- tredit von 160 Millionen. Die Tagung wird am l. Januar zu Ende gehen. Die Regierung ist davon verständigt loorden, daß sie auf die Unterstützung aller Parteien außer den Sozialdemokraten rechnen kann. In der ersten Sitzung wird Radoslawow eine Rede üher die äußere und die innere Politik hallen. Der Rückzug öer Ententetruppen auf Saloniki. Saloniki, 14. Dezember(W. T. 93.) Meldung der Agence Havas. Tie englisch-französichen Truppen setzen ihren planmäßigen Rückzug diesseits der griechischen Grenze mit ganz geringen Verlusten fort. Der Zuzug englischer Verstärkungen dauert an- Der Eisenbahnverkehr auf der Verbindungslinie der Orientbahn mit Saloniki ist eingestellt. Gewgheli steht im Flammen. Zur �age in Saloniki. London, 13. Dezember. lW. T. 93.) Reuier erfährt von diplo- matifcher Seite, daß der König von Griechenland in der Audienz des diplomatischen Korps am Sonnabend persönlich Zu- sicherungen gab. die als zufriedenstellend betrachtet werden. Paris, 14. Dezember. sW. T. B.) Im Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten gab Briand Erklärungen über die Lage auf dem Balkan ab und versicherte, daß ü b e r d i e z u t r e f f e n- den Maßnahmen und ihre Ausführung Einigkeit unter den Alliierten besiehe. Paris, 14. Dezember.(W. T. 93.) Nach Blättermeldungen haben die Gesandten des Vierverbandes den griechischen Ministerptäsidenten Skuludis besucht und amtlich verständigt, daß die wirtschaftlichen M a ß n a h m e n g e g e n Griechen- land ausgehoben worden seien; die in den Häsen festgehaltenen griechischen Schiffe würden alsbald freigelassen werden. Der montenegrinische Dericht. Cetinje, 14. Dezember.(W. T. B.) Amtlicher monte- negriiiijcher Kriegsbericht vom 11. Dezember. Am Vor- mittag warfen zwei österreichisch-ungarischs Flugzeuge sieben Bomben auf Skntari, ohne Schaden anzurichten. Am Nachmittag warfen fünf andere Flugzeuge 13 Bomben auf Artivari. Zwei Bomben sielen auf die Gärten des Landhauses des Kronprinzen Danilo. Eine Bombe explodierte auf dem Magazin der Tabakregie, richtete aber nur Schaden von geringer Bedeutung an. Endlich wurden durch zwei auf Dulcigno geworfene Bomben einige Zugtiere ge- lötet. Englische Darstellung üer Rückzugskämpfe. London, 13. Dezember.(23. T. B.) Reuters Sonderkorrespondent in Mazedonien meldet �ber die Rückzugsgefechte: Unsere am meisten vorgeschobene Siellung war unier dem Namen Rocky Peak bekannt. Der Angriff der Bulgaren begann am 6. Dezember um 3 Uhr morgens mit einer enlsetzlicheii Flut von Projektilen, die un'ere Laufgräben überichüiteie. wählend explodierende Granaten die Felsen zeriplittcrien und Slücke davon nach allen Richtungen weg- schleuderten. Die Wirkung de» Feuers wurde dadurch iehr stark er- böht. Hierauf rückie die bulgarilche Infanterie in Massensormation an. Sie mußte dafür büße», obwohl wir infolge von Kanonen- Mangel nicht imstande waren, ihre Glieder, die ganz obne Deckung vorgingen, entsprechend unter Feuer zu nehmen. Unsere Mannschaften schössen im Schnellfeuer auf die anrückenden Massen, bis sie � keine Munition mehr hatten, und versuchten dann den Angriff mit dem Bajonett aufzuhalten. Sie wurden jedoch durch die Uebermachl überwältigt. Trotzdem hatten die erlittenen Verluste die Bulgaren sehr vorsichtig gemacht. Als sie sich der zweiten Lmie näherten, bombardierten sie, nachdem sie sich auf den Zeniimeler genau eingeschossen hallen, unsere Lauigräben mit Schrapnells und Granaten. Die Stellung war infolge des feindlichen Feuers bald unhaltbar geworden. Wir zogen uns so- dann auf unsere drille Verteidigungslinie zurück. Zwei Kompagnien eines irischen Regiments waren aus der Spitze eines Hügels, welcher als Kcwisspitze bekannt ist, obwohl sie nur über Gewehre verfügten. Es blieb beinahe niemand van ihnen am Leben, aber ihr Wider- stand machte großen Eindruck auf die Bulgaren, die aufgehalten wurden und uns die nötige Zeit gewöhnen, unsere Verteidigungslinie instand zu setzen. An dieser dritten Verteidigungslinie wurden die Bulgaren schließlich aufgehalten. Der französische Tagesbericht. Paris, 13. Dezember.(W. T. B.) AmtlicherBericht von Montag nachmittag. Nachdem die Deutschen in der Cham- pagne südlich des Hügels von Le Mesnil eine Mine vor einem unserer Schützengräben zur Entzündung gebracht hatten, besetzten wir den Sprengtrichter. Von der übrigen Front ist nichts zu melden. Paris, 14. Dezember.(W. T. B.) AmtlicherBericht von gestern abend. Sehr lebhafte Arlillerietäligkeit im Artois süd- weltlich vom Beaurain, wo wir ein deutsches Schanzwcrk zerstörten, nördlich von der Aisne und in der Champagne in der Gegend des Hügels von Mesnil. In St. Mihiel beschädigten unsere Batterien ernstlich die einzige deutsche Brücke, die da» Anschwellen der Maas noch übrig gelassen hatte. Bei St. Marie nördlich von St. Mihiel verursachten unsere Schüsse schwere Schäden einem deutschen Block- hauS. Neue Berichte von Augenzeugen besagen, daß unsere vor- gestrige Beschießung des Gehölzes von Bouchot(Haute Meuse) ausgezeichnete Wirkungen erzielt hat. Deutsche Schützengräben wurden vollständig zum Schweigen gebracht und eingedeckt, mehrere Maschinengewehre zerstört. Belgischer Bericht: Die Nacht verlief an der Front ruhig. Heute führten unsere Batterien wirksame Beschießungen verschiedener feindlicher Batterien und Truppen sowie eines deutschen Lagers bei Kcyen aus. Orientarmee: Nachdem wir am 11. Dezember alle buk- gariscken Angriffe abgeschlagen halten, nahmen die französischen Truppen in der Nacht vom 11. zum 12. und am Morgen des 12. De- zember ihre Rückzugsbewegungen kampflos wieder aus. Trotz der Geländeschwierigkeiten vollzogen sich diese Be- wegungen vorschriftsmäßig. Das ganze Kriegsmaterial wurde in Sicherheit gebrocht. AM 12. Dezember besetzten wir die Linie Gewgheli— Kilindir. Dardanellenarmee: Der 11. und der 12. Dezember zeichneten sich durch lebhaste Artillerielätigkeit aus. Am 12. ließen wir zwei Minen springen, die bedeutenden Schaden in den türkischen Linien anrichteten. Da der Feind seine Schützengräben sofort wieder besetzte und Rerservcn vorschickte. trat unsere schwere Artillerie in Tätigkeit und brachte ihm empfindliche Verluste bei. Zrenchs Nlelüung. London, 13. Dezember.(W. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Amtlicher Bericht aus dem britischen Hauptquartier in Frankreich: Gestern abend ließen wir an der Front von Givenchy eine Mine springen und besetzten den Trichter. Wir beschosien die feindliche Stellung östlich von Dpern und bei Frelinghm. Mit schweren Haubitzen beschosien wir einen feindlichen Minenschacht nördlich des La Basiöe-Kanals. In der Gegend der Somme kam es zu einigen Gefechten mit Laufgrabenmörsern und Gcwehrgranaten. Der rujsisihe Generalsiabsbericht. Petersburg, 14. Dezember.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom 13. Dezember 1916. Auf der Westfront keine wesentliche Veränderung.— Westlich des Boginskojcsees drangen unsere Truppen in Woinjuny ein und warten eine balbe deutsche Kam- pagnie im Bajonellkampf aus dem Dorfe. Ein Offizier und einige Soldaten mit einem Maschinengewehr wurden gefangengenommen. — Im Kaukasus keine Veränderung. Melöimg üer italienischen Heeresleitung. Rom, 14. Dezember...Daily News' melden aus W a i h> n g t o n: Das Staatsdep a r t e m e n l teilt mit, daß es den britischen und den französischen Botschafter ersucht Hai. freiesGeleite kür die deutschen Aliachös Boy. Ed und v. Papen zu erwirken. Es gilt als wahr- scheinlich, daß die beiden Regierungen das freie Geleire nur unter der Bedingung gewähren werden, daß Boy-Ed und v. Popen das Ehrenwort geben, kein militärisches Kommando lm Kriege zu übernehmen. London, 14. Dezember.(W. T. B.) Ter„Daily Tele- graph" meldet: Die Attaches Boy-Ed und von Papsn werden am 28. Dezember nach Deutschland zurückkehren. Vom U-öootskneg. London, 14. Dezember.(2B. T. B.) Lloyds meldet: Der bri- tische Dampfer»O r t e r i c", KSSS Bruttotonnen, wurde versenkt.| Die Besatzung wurde bis auf zwei getötet und drei schwer verwundete! .Chinesen gerettet.| politische Ueberslcht. Anfragen nnd Kredite. Zu Beginn der Dienstagsitzung des Reichstages hatte Genosse Liebknecht zunächst Gelegenheit, seine An- fragen zu stellen. In England ist diese Form der parla- mentarischen Kontrolle der Regierung auch bei wichtigeren politischen Fragen durchaus üblich, während sie in Teutschland noch so gut wie unbenutzt geblieben ist. Die Möglichkeit, Ergänzungsfragen zu stellen, verleiht diesem Instrument eine noch größere Brauch- barkeit, zumal in Zeiten, wo auch die parlamentarische Kritik stark eingeengt wird. Die bürgerliche Mehrheit des Hauses empfand die Anfragen Liebknechts als Störung des parlamentarischen„Burgfriedens" und unterstützte deshalb die Glocke des Präsidenten fortgesetzt durch laute unwillige Zu- rufe. Die Regierung beantwortete eine Anfrage inhaltlich, alle anderen auch formal ablehnend. Auf den Inhalt der Anfragen vermögen wir hier nicht einzugehen; wir ver- weisen daher unsere Leser auf den stenographischen Bericht. Staatssekretär H e l s f e r i ch begründete sodann bei der ersten Lesung der K r e d i t v o r I a g e die neue 10-Milliarden- Forderung. Ohne neue Tatsachen anzuführen, entrollte er dabei ein Bild von den finanziellen Verhältnissen der krieg- führenden Staaten, das bei keinem rosig genannt werden kann. Jeder Tag verschlingt ungeheure Summen, so daß— wie Herr Helfferich sagte— bei Fortsetzung dieses Krieges die europäische Kultur bedroht ist. Aus seiner Darstellung der besonderen Lage Deutschlands ist hervorzuheben, daß auch Deutschland bald vor der schwierigen und ernsten Frage der Aufbringung der Zinsenlast stehen wird. Besonders ausfällig muß die Zirspitzung der Helfferichschen Rede gegen England erscheinen. Das war eine keineswegs glückliche Ergänzung der Rede Bethmanns, über deren Be- deutung und Wirkungen bisher außer dem Genossen Lands- berg nur einerlei Meinung besteht. Genosse Scheidemann gab im Namen der Fraktions- Mehrheit eine Erklärung ab, daß die Fraktion sich die Stellung zur Kreditvorlage vorbehalte und der Ueberweisung an die Budgetkommission zustimme. Von den bürgerlichen Parteien oder der Fraktionsminderheit hatte niemand das Wort verlangt, um Erklärungen abzugeben und zur Kreditvorlage Stellung zu nehmen, außer dem Genossen L i e b k n e ch t, der sich noch vor Schcidemann gemeldet hatte, dem aber durch einen Schlußantrag das Wort unmöglich gemacht wurde. Das Haus vertagte sich bis nächsten Montag. » Uns wird aus dem Reichstag geschrieben: .Der Seniorenkonvenr des Reichstags hatte am Dienstag über die Geschäftslage sich zu entscheiden. Die Regierung möchte die vorliegenden Arbeilen des Reichstag? bis Weihnachten erledigt sehen. Dann sollte eine Vertagung des Reichstags bis März eintreten. Im Seniorenkonvent war man der Meinung, daß sich der vorliegende Stoff bis Weihnachten nicht aufarbeiten lasse; man kam daher überein. in nächster Woche, und zwar Montag und Dienstag, zwei Plenarsitzungen abzuhalten, in welchen vor allen Dingen die Kriegsgewinnsleuer und die Kreditvorlage verabschiedet werden sollen. Dann soll der Reichsrag bis 11. Januar 1916 vertagt werden.' Bürgerliche Blätter melden dagegen, daß der Reichstag noch vor Weihnachten bis zum März vertagt werden wird. Stellung der sozialdemokratische« Fraktion zu der Kreditvorlage. Die sozialdemokratische Fraktion machte sich gestern über ihre Haltung zu den angeforderten 19 Milliarden schlüssig. Für die Krediworlagc stimmten von den Fraktionsmitgliedern 5 8, da- gegen 38. Bon 19 Fraktionsmitglicdern, die durch Krankheit an der Sitzung teilzunehmen verhindert waren oder vor der Abstimmung sich entfernen mußten, waren protokollarische Erklärungen abgegeben. Bon diesen erklärten sich 7 Abgeordnete für, 3 gegen die Bcwilli- gung, so daß insgesamt 65 Fraktionsmitglicder für. 41 gegen die Bewilligung eintraten. Tie reformierte Sozialdemokratie. Die„Frankfurter Zeitung" stellt im Anschluß an die Reden von Schcidemann und Landsberg der Sozialdemokratie ein Zeugnis des Wohlverhaltens aus: So hat sich die sozialdemokratische Partei auch in dieser wichtigen Reichstagssitzung wieder in einer Weise bewährt, die zu schönen Hoffnungen für die Zukunft berechtigt. Es überrascht ja den nicht, der sie kennt, denn er weiß, daß sich die große Mehr- heil der Sozialdemokratie nur in ihrer Theorie von denjenigen politischen Kreisen unterslbeidet, die ihr praktisch nahe stehen, wenn es natürlich in einzelnen Fragen Meinungsverschiedenheiten gibt. Mit anderen Worten, die„Frankfurter Zeitung" glaubt feststellen zu dürfen, daß die Sozialdemokratie sich von der Fortschrittlichen Bolkspartei nur durch eine gewisse Liebhaberei sür theoretische Spielereien unterscheidet. Diese Neigungen lenken zwar ein wenig von der Arbeit ab und führen zu Meinungsverschiedenheiten mit den Nichts-als-Praktikern vom Schlage der Müller-Meiningen und Payer, aber man darf hoffen, daß sie immer mehr in den Hintergrund treten werden. Nach dem Kriege wird sehr viel daraus ankommen, ob wieder wie früher die prinzipiellen Erörterungen in den Vordergrund treten oder ob man sich hauptsächlich der praktischen Arbeit hin- geben wird. Es wird wahrhaftig genug zu tun sein. Große und komplizierte Wirtschastsfragen, Finanzirage», die Versorgung der Invaliden harren der Erledigung. Da gibt es reichlich Gelegen- heil zum Zusammenarbeiten, und wir wollen hoffen, daß sich auch dabei die Geistesrichiung behaupte, die sich jetzt wieder im Reichs- tag so ausgezeichnet bewährt hat. Die schönen Erwartungen der Liberalen werden sich noch weiter beleben, wenn sie sehen, welche Richtlinien der Genosse H u g o P o e tz s ch in den„Sozialistischen Monatsheften" der Partei für die Zukunft vorzeichnet. Nachdem er das Reich der Mitwirkung der Sozialdemokratie bei der Schaffung neuer StaatSmonopole versichert hat, fährt er fort: Auch bei der Löiüng der großen Staatsnotwendig- keilen kann die Sozialdemokratie nicht mehr den anderen allein die Arbeit, die Bestimmung und die Verantwortiing überlasten. Hat sie in der Stunde der Gefahr die Kriegs- kredile bewilligt, so mutz sie auch Weilerhin alle Mittel zur nationalen Verteidigung, zur Wehr- haftigkeit der Nation, zur Sicherung ihres Landes, zur Sicherung auch ihrer weiteren Zukunft, ihrer Be- tätigungsmöglichkeiten überall da, wo ihrer wirtschastlichen und geistigen Energie Aufgaben gegeben sind, nicht nur bewilligen. sondern selber schaffen und erweitern helfen. Die Zeit des negativen Radikalismus ist für die deutsche Sozialdemokratie vorüber. Poetzsch überschreibt sein Programm durchaus zutreffend: „Die Konsequenz des Reformismus", und nun kommt es nur noch darauf an, ob die Masse der deutschen Arbeiterschaft für den Reformismus gewonnen ist und sich wirklich damit be- gnügen will, fünftes Rad an dem klapprigen Wagen des Liberalismus zu sein. Die Staatenlosen dienstpflichtig. Auf Grund eines Erlasses des Ministers des Innern und des Kriegsministers vom 28. Ottober d. I. werden(laut „Kreuz-Ztg.") die Staatenlosen und die Optantenkinder in Nordschleswig amtlich aufgefordert, sich vor Ablauf dieses Jahres zur Stammrolle anzumelden. Inkrafttreten der Lex Schiffer. Das soeben erschienene„Reichsgesetzblatt" veröffentlicht die sogenannte Lex Schiffer. Sie tritt sofort in Kraft und hat aus alle wegen Vergehens gegen den Belagerungszustand eingeleiteten Ver- fahren Anwendung In all diesen kann nunmehr bei Vor- liegen mildernder Umstände statt auf Gefängnis auf Haft oder Geldstrafe bis zu 1500 Mark erkannt werden. Bei der LandtagS-Ersatzwahl im Wahlkreise Heiligenstadt- Worbis wurde Oekonomierat Lorenz- Geismar, Zentrum, mit 234 Stimmen einstimmig gewählt. Das tägliche Srot. Erhöhung der Butterpreise! Seit einiger Zeit haben wir zwar Höchstpreise für Butter, aber dafür fehlt es an genügenden Vorräten, um � die Verbraucher ausreichend versorgen zu können. Alle Bestrebungen der Regierung, die Versorgungsmöglichkeiten zu erhöhen. konnten natürlich nur begrüßt werden. Neben der Organi- sierung und Steigerung der Milchproduktion durch Zwangs- genosscnschaften käme dabei die Unterstützung der Butter- einfuhr aus dem Ausland durch staatliche Mittel in Frage. Die Regierung aber will nicht, wie bei der Einfuhr von Futtermitteln, solche Zuschüsse leisten, sondern zieht es vor, die Höchstpreise sür im Inlands erzeugte Butter zu e r- höhen, um so einen„Ausgleich" zu erzielen. Eine neue Verordnung bestimmt: „Gemeinden, die in erheblichem Umfang auf Versorgung mit ausländischer Bulter angewiesen sind, dürfen mit Zustimmung der Landeszentralbehörden oder der von ihnen bestimmten Behörden zur Herbeiführung einheitlicher Verkaufs- preise für inländische und ausländische Butter anordnen, daß zu den in der Bekanntmachung über die Festsetzung der Grundpreise für Butter und die Preisstellung für den Wetter- verkauf vom 24. Oktober 1915(Reichs-Gesetzbl. S. 705) unter II sür inländische Butter festgesetzten Zuschlägen ein weiterer Zuschlag tritt, insoweit als dies zur entsprechenden Minderung des Verkaufspreises für ausländische Butter erforderlich ist. Die näheren Bestimmungen, insbesondere über die Boraus- fetzungen. unter denen eine Anordnung nach Satz I ergehen darf, erlassen die Landeszentralbehörden.' Die Verordnung trat bereits am 18. Dezember in Kraft, und die Konsumenten werden also sofort die Wirkung der neuen Matzregel zu spüren bekommen. Tie Höchstpreise für Gemüse. Die in Kraft getretene Verordnung des Bundesrats vom 4. Dezcniber über die Festsetzung von Preisen für Gemüse, Zwiebeln und Sauerkraut hat folgenden Wortlaut: Beim Verkaufe durch den Erzeuger oder Hersteller an den Handel dürfen für 50_ Kilogramm frei nächste Verladestelle(Bahn oder Schiff) einschließlich Ver- Packung folgende Preise nicht überschritten werden: sür Weißkohl(Weißkraut........ 2,50 M. . Rotkohl(Blaukohl)),=0 . Wirsingkohl(Savoyerkohl)/.....' , Grünkohl(Braun- oder Krauskohl).. 3.—„ , Kohlrüben(Steckrüben, Wruken)... 2,50„ „ Mohrrüben(rote und gelbe Sveffemöhren, auch gelbe Rüben genannt).... L.—„ „ Zwiebeln„ , Sauerkraut(Sauerkohl)...... 12,—„ Insoweit sür Gemüse. Zwiebeln und Sauerkraut gemäß Z 3 der Verordnung des Bundesrats vom 11. November 1315 (Reichs-Gesetzbl. 752) Höchstpreise für die Abgabe im Kleinhandel an den Verbraucher festgesetzt werden, dürfen sie folgende Sätze sür 0,5 Kilogramm beste Ware nicht überschreiten: für Weißkohl(Weißkraut)....... 0,06 M. , Rotkohl(vaukohl)......... 0,07„ „ Wirsingkohl(Savoyerkohl) und Grünkohl (Braun- oder Krauskohl..... 0,06„ „ Kohlrüben(Steckrüben, Wruken)... 0,05 r , Mohrrüben(tote und gelbe Speisemöhren, auch gelbe Rüben genannt).... 0.08„ „ Zwiebeln............ 0,15„ , Sauerkraut(Sauerkohl)....... 0,16„ Bei einer Acnderung der Erzeuger- oder Herstellerpreise gemäß§ 2 der Verordnung vom 11. November 1916 tritt eine entsprechende Herabsetzung dieser Sätze ein. Diese Bestimmung tritt mit dem 13. Dezember 1315 in Kraft. Sie gilt bis auf weiteres nicht sür das Gebiet von Elsaß-Lothringen.__ Kriegsbekanntmachungen. Für die Beförderung von Postkarten mit Abbildungen nach dem Ausland treten infolge des in der Bskannimachung des Herrn Reichskanzlers vom l. Dezember 1915 erlassenen und im„Reichsanzeiaer" Nr. 284 vom 2. Dezember 1915 veröffentlichten Aus- und Durchfuhrverbotes auf Grund des§ 5 der Postordnung vom 20. März 1900 folgende einschränkende Bestimmungen in Kraft. Verboten sind: Postkarten mit Abbildungen von Städten, Stadtteilen, geographisch genau bestimmbaren Ortschaften und Land- schaften, besonders hervorragenden Baulichleiten und Denkmälern Deutschlands, Oesterreich-Ungarns, der Türkei, Bulgariens und der von den verbündeten deutschen, österreichisch-ungarischen, türkischen und bulgarischen Heeren besetzten feindlichen Gebiete, Nicht unter das Verbot fallen: Postkarten mit Wildungen der bezeichneten Art a) nach Oesterreich- Ungarn, der Türkei, Bulgarien sowie den von deutschen oder von mit Deutschland verbündeten Truppen be- setzten feindlichen Gebieten, wenn die Wbildungen Städte usw. des Bestimmungslandes oder-gebietes der Postkarte darstellen; b) im Feldpostverkehr an Truppen usw, oder Militärbehörden in feindlichen Gebieten. Letzte Nachrichten. Gricchisch-deutsche Vcrh«ndlungeu. Athen, 14. Dezember.(28. T. B.) Meldung«der Agence Havas: Nach einer nicht amtlichen Meldung sollen die Deut- schen von der Regierung verlangt haben, daß die den Alliier- ten gewährten Erleichterungen mit der griechischen Neutrali- tat im Einklang ständen. Eine amtliche Bekanntmachung über den griechisch-deutschen Meimingsaustausch ist nicht erschie- nen. doch glaubt man, daß die Deutschen nicht zu weit zu gehen wünschen, da sie anerkennen, daß die Umstände für Griechen. fand außergewöhnlich sind, Gewerksthastllches. Arbeitgeber-Zeitung� unö Kriegsinvaliüenfürsorge. Die„Arbeitgeber-Zeitung w-ird nicht müde, ihre bnrg- friedliche Gesinn'ung zu beteuern. Im Leitartikel ihrer neuesten Num- mer vom 12 Dezember ruft sie wieder pathetisch aus:„Wir wollen den Frieden, den Burgfrieden, wir wollen seine Erhaltung während des Krieges und nach dem Kriege, und wir müssen darum auf nichts mehr bedacht sein, als darauf, daß alle Gelegenheiten vermieden werden, welche diesen Frieden stören können." Jede Verhandlung mit den Gewerkschaften,.die sich als Vertreter der Arbeitnehmer ausgeben", schafft aber nach ihrer Ueberzeugung die Möglichkeit, daß der Friede gestört werde, folglich müssen die Unternshmer jede Verhandlung mit den Gewerk fchaf» t e n, ja deren Anerkennung als die Vertreter der Arbeiterintec- essen von vornherein mit aller Entschiedenheit ablehnen. Wenn die Unternehmer in allen Arbeiterangelegenheiten allein entscheiden, wenn insbesondere verhütet wird, daß die Gewerk- schaften an der Regelung der Arbeitsbedingungen mitwirken, dann ist der Burgfrieden am zuverlässigsten gesichert. Man wird der .Arbeitgeber-Zeitung" zugeben müssen, daß sie großen Fleiß auf- wendet, den Gedanken des Burgfriedens zu— karikieren. Den Vovwand zu ihrer Predigt gegen den Burgfrieden findet das.Zentralblatt deutscher Arbcitgebervcrbände" in den Bestre- bungen, welche die Fürsorge für die KriegSinvali- den zum Gegenstand haben. Es geht diesem Organ, welches sich als Vertreter der Unternehmer ausgibt, wider den Strich, daß in diesen Fragen auch die Gewerkschaften mitwirken wollen, und mit komisch wirkendem Eifer wendet eS sich gegen.Gemeinsame Beratungen". .ES soll immer weiter gemeinsam beraten werden, es fallen die Zusammenkünfte den Charakter ständiger Kommissionen, Einigungs- und S ch l i ch t u n g s k o m m i s s i o n e n, gewinnen. Gemeinsam soll beraten werden von den Arbeit- gebern und von denen, die sich als Vertreter der Ar- beitnehmer aus geben, von den Gewerkschaftlern... Es soll geiweinsam über das Los der Kriegsbeschädigten beraten werden, über die Arbeitsvermittlung, über die Ent. lohnung, über die Art der Beschäftigung, ja am Ende über jede einzelne, alltägliche Handlung der Kriegsinvaliden. Es soll ge- meinfam beraten werden über alle Beschwerden, die sowohl Ar- bcitgeber wie Arbeiter in der Bekämpfung unlauterer Konkurrenz und Preisdrückerei vorzubringen haben. ES soll gemeinsam beraten werden, ob Schädigungen des Ge- werbes oder einzelner Gewerbeangehörigen irgendwelcher Art festzustellen sind und von wem etwa solche Schädigungen ausge- gangen sind. Es soll gemeinsam beraten werden, wie weit und aus welche Weise und von wem gegen solche etwa festzustellenden Uebelstände angekämpft werden muß. An allen Orten und wo möglich in allen Gewerben sollen aus Anlaß der Unterbringung der Kriegsinvaliden gemeinsame Sitzungen abgehalten werden, und immer und überall sollen die Vertreter der genannten Gew e r k s ch a f ton Sitz»nd Stimme haben." Die Redaktion der.Arbeitgeber-Zeiwng" scheint der Versuch. bei dieser Gelegenheit unlauter« Konkurrenz und Preisdrückerei im Gewerbe durch gemeinsame Matznahmen der Unternehmer und Arbeiter zu bekämpfen, ganz aus dem Häuschen gebracht zu haben. Unseres Wissens ist ein solcher Versuch bisher nur in einem Gewerbe unternommen worden, und dort wurde dieser Gegenstand auf Betreiben der Unternehmer in das Pn>. gramm der Arbeitsgemeinschaft aufgenommen! In der Hauptsache ist es ihm aber darum zu hin, das Recht der Unternehmer zu betonen, in der Frage der Kriegsinvalidenfür- sorge selbständig und frei von jeder lästigen Kontrolle vorzugehen. .Es ist die selbstverständlich« und hundertmal betonte Ehrenpflicht der Arbeitgeber, die Kriegsbeschädigten nach besten Kräften in ihrem Forikourmen zu unterstützen und sie in ihren Betrioben unterzubringen. Aber dieser Ehrenpflicht wollen und werden sich die Arbeitgeber allein unterziehen, ohne daß es dazu irgendwelcher besonderer Kommissionen, gemein- samer Beratungen oder sonstigen Beiwerks bedarf. Haben eS etwa die Arbeitgeber verdient, daß ihnen in diesen Punkten ein so tiefes, geradezu beleidigendes Mißtrauen entgegengebracht wird?" Nicht alle Arbeitgeberverbände stehen auf diesem Standpunkt, verschiedene haben bereits durch die Tat bewiesen, daß sie das Zu- sammenarbeiten mit den Gewerkschaften in der Frage der Kriegs- beschädigtenfürsorge nichi als eine unerhörte Zumutung betrachten. Die Absichten der Unternehmer, in deren Namen die.Arbeitgeber- Zeitung" in dieser Frage sprechen darf, müssen aber in der Tat mit dem allergrößten Mißtrauen betrachtet werden. Kündigt doch das Blatt mit dankenswerter Offenheit an, daß bei der Be- schäftigung der Kriegsmvaliden der Profit, den sie dem Unter- nehmer bringen, von ausschlaggebender Bedeutung sein mutz. Es wird zwar gesagt, daß ihnen„ein guter und gerechter Lohn ohne jede Rücksicht auf die Rente zuteil werden" soll. Aber— der Betriebsleiter allein soll zu bestimmen haben, was ein guter und gerechter Lohn istl Wenn von den Gewerkschaften in Uebereinsftmmung mit allen billig denkenden Menschen die Forderung vertreten wird, daß die Kriegsinvaliden zu den tariflichen Löhnen beschäftigt werden müssen, so wird dabei der selbstverständliche Vorbehalt gemacht, daß bei der Bemessung des Zeitlohns auf die verminderte Leistungs- fähigkeit des Invaliden Rücksicht genommen wird. Der Kriegs- beschädigte, der im Akkord arbeitet, muß nach dem gleichen Tarif bezahlt werden, der für die übrigen Arbeiter im Betrieb gilt. Wer diesen Grundsatz nicht an- erkennt, will den Lohn drücken. Die.Arbeitgeber-Zeitung" gibt nun den Fabrikanten, die sich der Kriegsinvaliden als Lohndrücker bedienen wollen, einen freund- lichen Rat, wie sie ihr Verhalten bemänteln können. Sie schreibt: .Leicht gesagt, im Akkordlohn müsse sich erweisen, was der Invalide zustande bringt! Wenn er aber die gleiche Menge an Ware, die ein gesunder Arbeiter in drei Tagen fertigstellt, erst in fünf Tagen zuwege bringt, so kann sein Akkordlohn unmög- lich aus die gleiche Höhe des andern gesetzt werden, denn dem Fabrikanten kommt diese in fünf Tagen fertiggestellte Ware natürlich erheblich teurer zu stehen als das in der kürzeren Zeit fertiggestellte Produtt." Und das Blatt, das den Gedanken verficht, daß dem Invaliden ein niedrigerer Akkordlohn gezahlt werden muß als dem gesunden Ar- bester, weil sonst der Profit deS Unternehmers Not leiden würde. hat den Mut. im gleichen Atemzuge die Opferwilligkeit deS Fabri- kanten zu rühmen,.weil ihm auch die Unterbringung der Invaliden auS höheren Rücksichten am Herzen liegen muß". Die zornige Abwehr.gemeinsamer Beratungen" in der Kriegs- invalidenfürforge durch die.Arbeitgeber-Zeitung" muß die Gewerk- schaften, die etwa dieser Frage noch nicht die notwendige Aufmerk- samkeit geschenkt haben, auf die Wichtigkeit dieses Gegenstandes hin- weisen. Wenn man verhüten will, daß aus der Invalidenfürforge der Unternehmer ein Mittel wird, die Kriegsopfer ungebührlich aus- zunutzen und gleichzeitig die Lage der gesunden Arbeiter zu ver- schlechtern, dann wird man der.Wohltätigkeit" der Unternehmer sorgsam auf die Finger sehen müssen. Fabrikanten, die es mit ihrer Mitarbeit in der Kriegsinvalidenfürsorge ehrlich meinen, werden auch gegen die Mitwirkung der Gewerkschaften nichts einzuwenden haben. Wer sich aber durch solche Mitwirkung beschwert fühlt, beweist dornst nur, daß ihm gegenüber das größte Mißtrauen am Platze ist. VerNn unö Umgegenö. ZI 200 M. Arbeitslohn zu wenig gezahlt. vor einigen Wochen erlebten wir vor der Schiichlungskommission für Mititärbelleidung einen Fall, über den wir seinerzeit berichlelen. Es handelt sich um die Klage emeS gwischenmeisterS der Mützen- brancbe, der von der Firma S. W e st m a n n eine in die Tausende gehende Lohnnachzahlung verlangte, weil ihm die Firma weniger als den vom Belleidungsomt vorgeschriebenen Arbeitslohn ge- zablt halte. Die Verhandlung der Klage wurde damals zwecks näherer Prü'ung der Forderung vertagt. Sie kam aber nicht wieder vor die ScMichlungskommission, weil sich der Beklagte mit dem Kläger inzwischen aus Zahlung einer erheblichen Summe verglichen batte. Später hat dann— wie„Der Kürschner" in seiner neuesten Nummer misteist— derielb« Zwischenmeister W o l l m a n n auch die Firma Sprechert auf Nachzahlung von 39Sl) M. bei der Schlichtungskommission verklagt. Nun forderte aber Fritze als Bertreier des Kürschnerverbandes für 26 von Wollmann beschäftigte Arbeiter und Arbeiterinnen den ihnen gebührenden Anteil an der Nachzablung. Bekanntlich verlangt da? Bekleidungsamt, daß von den Arbcnslöhnen, die es seinen Lieseranten zubilligt, 75 Prozent den ausführenden Arbeitern zukommen, während die übrigen 25 Proz. auf den Lieferanten und seine Zwischenunternehmer kommen. Diese Klage endete mit einem Vergleich, wonach die Firma Sprechert 3606 M. zur Verteilung an die 26 Arbeiter und Arbciwrinnen zablt, welche Klage erhoben haben. Außer diesen gibt es aber noch eine Anzahl von Arbeiterinnen, meist Heim- arbeiterinnen, die nicht geklagt haben, aber berechtigt sind, durch Klage bei der Schstchiiingskommlision Nachzahlung zu verlangen. lieber die Summen, um welche die Arbeitnehmer hier geschädigt sind, macht.Der Kürschner" folgende Angaben: ES bandest sich um Militär- mützen, die in der Zeit von Milte Dezember 1914 bis Ende August 1915 ane-ferligt wurden. In dieser Zeit bat Möllmann für Westmann 84 000 Feldmiisen angefertigt und erbiest pro Stück nur 33'/, Pf. Der Arbeitnebmerlohn von 75 Proz. beträgt aber 59 Pf. Rechnen wir glatt 84 Pf. pro Mütze, so find pro Mütze 25 Pf. Arbeitnehmer- lohn gleich 21 91X1 M. zu wenig gezahlt. Außer diesen 25 Ps. hält« Herr Wollmann Anspruch am Üniernehmergewinn von 6 Ps. pro Mütze gleich 5040 M. Für die Mützen von Sprechert erhielt Woll» mann pro Stück 49 Pf., mithin zu wenig Arbeilnehmertohn pro Mütze 19 Pst gleich 3999 M und Wollmann pro Mütze 6 Pi. gleich l26v M. Insgesamt wurden für die 195 999 Mützen 3l 299 M Lobn zu wenig gezahlt. Davon entfallen 24 999 M. auf die Arbeit- nebmer und 6399 M. auf Wollmann. Dies Beispiel zeigt wieder, wie eS manche Unternehmer ver« stehen, sich trotz aller gut gemeinten Vorschriften der Militärbehörden an den für die Aibciter»nd Arbeiterinnen bestimmten Löhnen zu bereichern. Ein Teil der Arbeiter bat ja noch zur rechten Zeit den Weg gefunden, um zu seinem vollen Lobn zu kommen. Viele, viel- leicht die meisten, finden diesen Weg nicht, und dann bleibt den Unternehmern ein recht ansehnlicher Kriegsgewinn, der in keiner Weise gerechtfertigt werden kann, denn er ist von den Löhnen der Arbeiter und Arbeiterinnen in vertragswidriger Weise abgezwackt. Die Modelltischler befinden sich zurzeit in äußerst günstiger Konjunktur. Dieser Lage entsprechen indeS die derzeitigen Löhne ebensowenig wie den hohen Lebensmittel- und Bedarisartikelpreisen. Es ist zwar in den meisten Betrieben eine Teuerungszulage ge- währt worden, die übrigen Werlstätten find diesem Beispiel bis jetzt aber noch nicht gefolgt. Es wird Sache der betreffenden Arbeiter sein, dafür zu sorgen, daß auch ihnen die nur allzu berechtigte Zu- läge zukommt. Im ganzen haben 362 Modelltischler die Teuerungs« zulogc noch nicht erhalten. Jnsbeiondere ist dies in den Privat» wertitälten noch nicht der Fall. Dabei könnten diese Beliiebe dies um so eher, als sie— wenn auch nur indirekt— stark an Heeres- lieserungen beteiligt sind._ Rasland. Beendigung deS Bauarbeiterstreiks w Arbo« am Bodensee. Der Vermittlung deS Srboner Gemeinderate« gelang eS nach zweistündigen Verhandlungen den Bauarb«»terstreik mit dem Erfolg zu beendigen, daß die Maurer eine Erhöhung de« durchschnittlichen Stundenlohnes um 2 CtS. auf 63 Eis. und die Handlanger auf 51 Cts., serner Lohnzuschläge von 25 Proz. für Uederstunden und von 59 Proz. für Nacht- und SonntagSarbeit zugestanden erhielten. Diese bescheidenen Zugeständnisse sollen aber erst mit dem 1. Januar 1916 in Kraft treten. lveotxol»«« Direktion: Max Reinhardt. 7'/, Uhr: Maria Stuart. Donnerst: Ein SommernachtstrÄdin, Kamm erspiele. 8 Uhr: Der Welbstenfel. Donnerst: Der Welbstenfel. Volkwbilhnc. Theater a. BOlowpl. S'ft Uhr: Wallensfeln» Tod. Donnerstag: Traumulu». DirT�Meinhard-Bernauer. Theater i. d. Königgrätzerstr, 8 Uhr: Der Vater. Komödienhaus. 8 Uhr: Die rätselhafte Fran Berliner Theat. 8 Uhr: Wenn zwei Hochzeil machen. ychm. 3'/, Uhr: Der Zauberzylinder. Lessin�-Theater. Direktion: Victor Barnowsk]:. 8 Uhr: Komfldle der Worte. Donnerstag: Komödie der Worte. Freitag: Kaiser und GalilSer. Deutsches Künstler-Theater. Allabendlich 8 Uhr: Die aeliRO Kxzellcna. URANIA TaubcnstraSe 48/49. 4 Uhr(Halbe Preise): Ton den Karpathen bis Brest- Idtowak. 8 Uhr: Die Dardanellen, nnd der Bospoms. Theater für Mittwoch, 15. Dezember. Dentscbes Opernhans Cbarlottbg. 7 uhr: Taunliäuser. Frledrich-Wilhclmstädt Theater. 8 uhr. Der WildschQlz. Gebr. HCtrilf©lU.TbsstSf 8 uhr: Bosenblatt's Geheimtip Kleines Theater. 8 uhr: Henriette Jaeoby. Komische Oper. 3'j, Uhr: Oer tapfere Clan. 8 uhr: Jung muß man sein Metropol-Theater s uhr: Die Kaiserin ÄsU Montis Operetten-Theater Letstcs Gastspiel Louis Treumann. 8 Uhr: Der Wellenbummler Lnstspielhans. 8«;. u.: Krieg im Frieden. Residenz-Theater 81/. Uhr: Die Prinzessin Test NN. Sonnt. 3V. U.: Die Schöne t. Strand. Schiller-Theater O. s uhr: Die iünl Frankfurter. Schlllor-Th.Charlottenbg. s uhr: Jungbrunnen. Thalia-Theater. s tmr: Drei Paar Schuhe. 4 Uhr nachm.: Schneewittchen. Theater am Koilendorfpl. 3'l4 Uhr: Domröschen. 8'/, U. i. 450, Male: Immer teste druttl Theater des W ewtens 8 uhr: D. Fräulein y. Äml mit Guido Thlelaoher. 4 Uhr: Frau Holle. Trianon-l beater. 4 Uhr: Kotklippehen. S'ftUhr: Bodo s Brantschan JU Berliner Konzerthaus. Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/91. Heute; Großes Konzert. Berliner Konzerthaus-Orchester Anfang 8 Uhr. Eintritt 30 Pf. Anfang 8 Uhr. Freitag, den 17. Dez.: Gr. Weihnachtsfeier zum ß— des im Felde stehenden Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 98. Luisen-Theater. Heute 4 ll.: Kindern orltellg. 20, 80 Ps. Schneeweischen and ftosenrot. s- mr- Die Allwördens. Rose-Theater. 8'l, Nhr: Staatsanwalt Alexander. Sonnabend 4 Uhr: Rübezahl Sonnlag 3 Uhr: Hänsel und Grete). Walhalla-Theater. 4 Uhr: Prinzessin EdeltrauL s Uhr: Lieb Vaterland. Uirekilee Adsll V-g« | Telet.; LBizow 7341 j Beate Mittwoch; [Letztes Auftreten!! Qussy Holl Sebnelder-Daneker Ab mer den 16. d. M. orge Vorechiedone neue KunstMIteü u Loreh- Ikarler ■n Pferde! Dann-MM 14 «eitere Schlager Lebendes 9 Spielzeug• Walter»telner „Artistenkinder" -Crlan" 8 Kemos LUli Nador Edler mit.\lckl Ucrm. Klink Krcmos 4 Paetzolds C. Lion: Berat usw. Billettverk. 11—1 a. d. Kasse| 1 sowie Werthelm u. Invaliden�. Circus Busch. Heute Mittwoch 8 Uhr: H Heister-Experiment !l Oer Rekord der Telepathie II u. die übrigen Schlager! u. a.: Golem— Rublnl Pappchen, 8 Facorys. 10 Uhr IC Jubel« 19. Aut Ersolgr. Ausltat. Stück Auttflhrung. Mtl. abcl in 3 I k. v Pauls Busch Kneta Wiesenthal „Flotte Bursche" Operette i. 1 Akt v. F. v. SuppA Mitwirkende: Else Bern»— Lette Werkmeister r Thalia-Theat a. O. Klte Haatea— Steffi Walldt Gustav Matzner— Heinrich Peer Hanna Ewald— Jan Paul Außerdem: Der Reichsballen-Theater. Stettiner Sänger. Zum Schlutz: DietoiiderEM Außerdem Weihnachtsprogramm. Für Mititarper- jonen volllomm jreier Zutritt zu d.Stett. Sängern. Ansang 8 Uhr. ixzx*|»|»zrauexxxzzxxxxxsi� Ortscrappe Berlin. Sonnabend, den 10. Dezember 1015, Im grollen Saale des Gewerkschaftshaosea, Berlin SO<8, Engelufer II: Musik s Abend Mitwirkende; Fengler Die Herren R. n. E. Torpal, FrSnlein Else Kühn— die Herren Hex und Alfred PrenB sowie die innsl knllselte Abteilung. 2/16* 8aal0flnang 51/, Ehr. Besinn 7 Ehr. EinlaCkarten a 30 Pf. sind«n haben bei Hortch, Angel- Ufer 15, Hejrse, Boyenstr. 19, Strandt, Schivellieiner Str. 40, in den adrigen Zahlstellen sowie in der Geschäftsstelle, Frllz Kruse, Mariannenstr. 11, Fernspr. Moritzplatz 1576. KVSt______ V oijft-Tlieater. Badstr 68. Badstr. 58. Mittwoch, de« 16. Dezember 1915: Sein ganzes Glück. BoUSschauIpiel in 4 Auszügen von Karl M. Jakobh. Kafieneräffnung 7 Uhr. Aul. 8 Übt. iSoS •SvS SSaiss# Tagl. 8 Uhr, Sonnt. 3'/, u. 8 Uhr Großer Erfolg! Der neue heitere Dexember- ond Weihnächte- Spielplan. Ausnahmsweise sind Vorzugskarten auch für Sonnabend, I8_ n. Sonntag. 19. Dez., gültig. Casino« Theater Lothringer Str. 87. Nen! Neu! TügL 8 Uhr: Ten' Was wachste NU? Posse in 3 Auszügen von Hau« Berg. Dazu da» grotze Festprogramm. Franz Amon I 8 Kariert I Erben I Sonntag 4 Uhr: Familie Sehnasn. 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Anfrage 1: a) Ist die Regierung bei entsprechender Bereitschaft der übrigen Kriegführenden bereit, auf der Grundlage des V e r« z i ch t s auf Annexionen aller Art in sofortige Friedensverhandlungen einzutreten? Diese Anfrage ziehe ich zurück, nachdem am Donnerstag der Herr Reichskanzler sie bereits verneint hat. Die Regierung will den Eroberungskrieg, nicht den Fried enl b) auf welcher sonstigen Grundlage ist die Re- gierung bereil, in sofortige Friedensverhandlungen einzutreten? Staatssekretär des Auswärligen Amts v. Jagow beginnt irrtüm- licherweife mit der Verlesung der Antwort auf eine spätere Anfrage des Abg. Liebknecht. iHeiterkeit.) Hierauf wird folgende Antwort auf die erste Anftage erteilt: Nach den Verhandlungen vom S. d. Mts. muh ich es ablehnen, auf die Frage zu antworten. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.) erbittet das Wort zu einer Er- gänzung der Anfrage: Welches Verhalten gedenkt die Re- gierung einzuschlagen gegenüber dem Friedensvorschlag einer neutralen Regierung, wie er jetzt von der Schweizer Sozialdemokratie beim Schweizer Bundes- rat... lllnruhe und Zurufe.) Präsident Dr. Kacmpf: DaS ist keine Ergänzung, sondern eine neue Anfrage, die nicht zulässig ist. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.) verliest nun die Anfrage 2: Ist die Regierung endlich bereit, die Dokumente und das sonstige amtliche und halbamtliche Material über die unmittelbare Entstehung des Weltkrieges, insbesondere b) über die diplomatische Vorgeschichte des österreichischen Ultimatums an Serbien vom 23. Juli 1914, darunter die offiziellen und offiziösen Verhandlungen zwischen der deutschen und der österreichischen Regierung seit dem Mord von Serajewo, b) über die Vorgeschichte deS Bruchs der luxemburgischen und belgischen Neutralität, dem Reichstag und dem deutschen Volk vorzulegen? Ist sie bereit, für die sofortige Einsetzung einer parlamen- tariscken Untersuchungskommission einzutreten, die unter Kontrolle der Oeffentlichkeit die Verantwortlichkeit prüfe und die Verant- wortlichen der Sühne zuführen soll. Staatssekretär v. Jagow: DaS erforderliche Material für die Beurteilung der Entstehung des Weltkrieges und die Neutralitäts- frage ist bereits veröffentlicht. Die Regierung wird aber auch ferner- hin über wichtige diplomatische Verhandlungen Veröffentlichungen vornehmen, soweit ihr dies für die Aufklärung der Oeffentlichkeit erforderlich erscheint. Für die Ein- fetzung einer parlamentarischen Kommission einzutreten, lehnt die Regierung ab. Die Verantwortlichkeit und die Sühne treffen nur unsere Gegner. Abg. Dr. Liebknecht erbittet das Wort zur Ergänzung.(Heiter- keit.) Ist die Regierung bereit, das gesamte amtliche dokomenta- rische Material sofort vorzulegen? Staatssekretär v. Jagoui: Ich habe nichts hinzuzu- fügen. Abg. Liebknecht lSoz.): Zur Ergänzung!(Große Heiterkeit und Unruhe.) Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß nach einer am 5. Dezember v. I. gemachten Aeuherung des früheren italienischen neutralistischen Ministerpräsidenten G i o I i t t i Oesterreich schon im Jahre 1913 einen Angriff gegen Serbien plante?...(Stürmische Unruhe und Zurufe.) Präsident Kacmpf: Das ist eine neue Anfrage. Wir gehen über zur nächsten Anfrage. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Ich habe nach Z 31 der Geschäftsordnung das Wort zur Ergänzung der vorigen Anfrage noch er- beten... Präsident Kaempf: Sie haben schon zwei Ergänzungen gemacht. Abg. Dr. Liebknecht: Die Geschäftsordnung sieht keinerlei Einschränkungen vor. Unter groher Unruhe des Hauses verliest der Redner eine weitere Ergänzung:„Warum hat der Herr Reichskanzler dem Reichstag vor und in der Sitzung vom 4. August 1914 das am 2. August ergangene belgische Ultimatum verschwiegen?* Präsident Kaempf: Auch das ist keine Ergänzung, sondern eine neue Ansrage. Haben Sie noch eine Ergänzung zu dieser An- frage?(Stürmische Heiterkeit.— Liebknecht ruft:.Jawohl!") Ich gebe Ihnen das Wort zu keiner weiteren Ergänzungsfrage. Wir kommen dann zur nächsten Anfrage. Anfrage 3. a) Ist der Regierung bekannt, dah die Maffe des deutschen Volkes die maßgebende Bestimmung über die auswärtige Politik Deutschlands für sich beansprucht, d. h. die Ersetzung der Geheimdiplom alie durch eine unter dauernder Kontrolle der Oeffentlichkeit stehende auswär« tige Politik und deren allgemeine Demokrati- sierung fordert. d) ist die Regierung bereit, dem Reichstag noch während deS jetzigen Tagungsabschnittes einen Gesetzentwurf vorzulegen, der diese Forderung erfüllt und die Entscheidung über Krieg und Frieden der Volksvertretung überträgt? Staatssekretär v. Jagow: Die Regierung ist nicht bereit, den Wünschen des Herrn Abg. Liebknecht zu ent- sprechen und eine hierfür erforderliche Verfassungsänderung vor- zuschlagen. Damit erledigt sich auch der erste Teil der Anfrage. (Abg. Liebknecht: Neuorientierung!) Anfrage 4. Weiß die Regierung, in welch schwerer Wirtschaft» l i ch e r Not sich die Masse des deutschen Volkes infolge des Krieges, der Gewinnsucht kapitalistischer Interessen- g r u p p e n und des Veri'agenS der Regierung befindet? Ist die Regierung endlich bereit, zur Steuerung dieser Not bei energischer Steigerung der allgemeinen KriegSfüriorge ohne weiteres Zögern unter Beiseileschiebung aller Sonderinteressen die erforderlichen Schritte zur ausreichenden Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln(Nahrung, Kleidung, Unterkunft, Heizung, Beleuchtung) zu tun, und zwar durch Regelung der Produktion nach den Jmereffen der Allgemeinheit durch Beichlagnabme der Vorräte und ihre gleichmäßige Ver- teilung auf die Geiamibevölkerung, so zwar, daß sie den Bedürf- tigen bei einfachster und weitherzigster Prüfung der Bedürstigkeit, unter icharter Anspannung öffentlicher Mittel, aber unter grund- sätzlicher Ausschaltung der Armensürsorge auf diesem Gebiete. kostenlos oder zu leicht erschwinglichen Preisen in auSreicher Menge zur Verfügung stehen? Ministerialdirektor Lewald: Der Herr Reichskanzler lehnt die Beantwortung der Frage ab. Abg. Liebknecht(Soz.): Zur Ergänzung!(Große Heiterkeit.) Erkennt die Regierung an, daß nach den bisherigen Erfahrungen die allgemeine Beschlagnahme der Vorräte... Präsident Kaempf: DaS ist keine Ergänzung, sondern eine neue Anfrage. Abg. Liebknecht: Ich erbitte das Wort zu einer anderen Er« gänzung(Gr. Unruhe und Heiterkeit). Wird die Regierung die Be- schlüsse der Budgetkommission in der Richtung dieser Forderungen möglichst früh durchführen? Ministerialdirektor Lewald! Ich lehne namenS des Herrn Reichskanzlers die Beantwortung dieser Ergänzungs- frage ab. Anfrage 5. a) Welchen Begriff verbindet die Regierung mit dem Wort.Neuorientierung" der inneren Politik? b) Hat sie ein konkretes Programm zu dieser Neuorientierung? o> Welches ist dieses Programm im einzelnen? ä) Wann gedenkt die Regierung es zu verwirklichen? s) Ist die Regierung bereit, noch im Laufe des jetzigen Tagungsabschniltes oder wann sonst die erforderlichen Vorlagen zur Demokratisierung von Verfassung, Gesetzgebung und Ver- waltung des Deutschen Reiches und seiner Einzelstaaten, ins- besondere zur Reform des Wahlrechts für die gesetzgebenden und Verwaltungskörperschaslen und zur Demokratisierung der Wehr- verfaffung zu machen? Ministerialdirektor Lewald: Der Herr Reichskanzler lehnt die Beantwortung auch dieser Frage ab. Abg. Liebknecht(Soz.): Zur Ergänzung l(Große Unruhe.) Wie stellt sich die Regierung besonders zur Frage der preußischen Wahl- reform?(Stürmische Heiterkeit rechts.) Das ist eine Frage, die das ganze deutsche Volk betrifft. So behandelt die Regierung und der Reichstag die Lebensfrage des deutschen Volkes. Das Volk weiß nun, woran es ist.(Andauernde große Unruhe). Präsident Dr. Kaempf: Das ist keine Ergänzung, sondern eine neue Anfrage. Damit sind die kurzen Anfragen erledigt. Es folgt die erste Beratung des Nachtrags zum Reichshaushaltsetat mit dem neuen Zehnmilliardenkredit. Reichsschatzsekretär Dr. Hclfferich: Erneut wird ein Kredit von 10 Milliarden zum Zwecke der Kriegführung gefordert. Die Begründung dieses Nachtragsetats ist einfach. Nach 16 Monaten mililäriicher Niederlagen phantasieren unsere Feinde noch immer von der Zerschmetterung und Vernichtung Deutsch- landS. Der Krieg, so hart und grausam er ist, wird also weiter- geführt werden, um den Preis jedes Opfers zur Sicherung von Volk und Reich.(Bravo!) Die geforderten Kredite sollen uns die finanzielle Bewegungsfreiheit geben, die für die Weiterführung dieses Daseinskampfes notwendig ist. Ihre Zustimmung wird der Welt von neuem beweisen, daß unser Entschluß zur Durchhaltung un- erschütterlick ist, und daß jede Rechnung auf die Aushungerung des deutschen Volkes eine falsche Rechnung ist und bleibt.(Sehr richtig!) Die bisher bewilligten Kosten belaufen sich auf 39 Milliarden Mark. Bei der letzten Bewilligung im Monat August habe ich die monatlichen Ausgaben auf zwei Milliarden beziffert. Seitdem sind vier Monate verflossen, in denen die Summe noch übertroffen wurde. Aber alles in allem ist die Steigerung der Ausgaben seit dem Frühjahr nicht allzu erheblich gewesen, besonders hat der März noch nicht 2 Milliarden Mark erfordert. Trotz der Erweiterung der Kriegsschauplätze, trotz der Auf- stellung neuer Formationen, trotz der Steigerung der Preise aller Rohstoffe ist es uns gelungen, das Anschwellen der monatlichen Kriegsausgaben in verhältnismäßig geringen Grenzen zu hallen. Alle in Betracht kommenden Stellen haben sich durchdringen lassen von der Notwendigkeit sparsamster Wirtschaft. Aber auch die größte Sparsamkeit hat ihre Grenzen. Kaum jemals hat ein Krieg solche Anforderungen gestellt, wie dieser, und auch bei äußerster Sparsamkeil wird man mit gesteigerten Kosten rechnen müssen. Seil der letzten Bewilligung von 19 Milliarden sind etwa vier Monate verflossen. Der größte Teil davon i st also heute be- reils verausgabt; eine Auffüllung der Kredite ist erforderlich, wenn wir nicht in wenigen Wochen in unserer Bewegungsfreiheil in unzulässiger Weise beschränkt werden sollen. Weiter haben wir die Art und Weise zu berücksichtigen, wie die Kredite bisher flüssig gemacht worden sind und gemacht werden sollen. Die bisher aufgelegten und gezeichneten Kriegsanleihen belaufen sich auf rund 25lli Milliarde Mark gegenüber einer Anlcihcbewilligung von 39 Milliarden. Nicht in Anleihe gegeben ist also ein Betrag von 4� Milliarde. Hiervon ist ein Teil flüssig gemacht in Schatzanweisungen, der Rest wird auf demselben Wege flüssig gemacht werden bis zu dem Zeitpunkt, wo die Ausgabe einer neuen Anleihe in Betracht kommt. Dem bisherigen finanziellen Erfolg verdanken wir es, daß wir bis zum März auskommen werden. Die Höhe deS neuen Kredits ist wiederum 19 Milliardest, so daß die gesamten Kosten dann 40 Milliarden erreichen. Es ist schwer, eine so gewaltige Summe dem allgemeinen Verständnis näher zu bringen. Ich kann nur wiederholen, was ich im August schon ausgeführt habe, daß in dengesamlen deutschen Eisenbahnen mit allem rollenden Material kaum mehr als 29Milliarden investiert sind. An dieser Belastung der Allgemeinheit mag der einzelne ermessen, welche Opfer er auf sich zu nehmen hat, um seine Pflicht als Staatsbürger zu erfüllen. Aber wen» unser Volk das Bewußtsein von der Nolwendigkeit der Pflichterfüllung hat, die den deutschen Mann und die deutsche Frau stets ausgezeichnet haben, so haben wir keinen Grund, an dem guten Ende zu zweifeln. Das bisher gerade auf finanziellem Gebiet Geleistete gibt uns die beste Gewähr hierfür. Auch unsere Feinde haben sich überzeugen müssen, daß auf dem Gebiete der Finanzen die Kraft und der Wille nirgends so in Einklang stehen als bei uns. Der kategorische Imperativ der Vaterlandsliebe und der Pflicht feiert in diesen Milliarden seine Triumphe.(Lebhaftes Bravo.) Mehr als vier Millionen Zeichner haben sich an der letzten Kriegsanleihe beteiligt, und es müssen sich deshalb, da nur 6 Proz. der deutschen Steuerzahler über ein Einkommen von mehr als 3999 Mark verfügen, drei Millionen Personen mit einem E i n k o m m e n b i s z u 3 9 9 9 M. an der Zeichnung der Anleihe beteiligt haben.(Hört! hört!) Die Anleihe rst also eine Volks- anleibe im wahrsten Sinne des Wortes, sauer ersparte Groschen wurden opferwillig dem Vaterlande dargebracht.(Beifall.) Wir danken auch von dieser Stelle aus allen, die zu diesem großen Er- folge beigetragen haben.(Erneuter Beifall.) Wir haben die Volks- anleihe gemacht, die die Engländer machen wollten, aber nicht machen konnten. Die englische Anleihe, die mehrere Monate lang zur öffent- lichen Zeichnung auslag. war, wie im englischen Unterhause zugegeben werden mußte, ein glatter Fehlschlag, denn dort wurden in Monaten Millionen, bei uns ober in Wochen Milliarden gezeichnet. Heule belaufen sich die Einzahlungen auf mehr als 19.6 Milliarden und sind damit der Pflichlzahlung um 4Vz Milliarde voraus.(Hört! bört!) Das ist der beste Beweis dafür, wie leicht die deutsche Volkswirtichait die Hergabe derartiger Kapitalien bewerkstelligen kann. Dabei sind die D a r l e b n s k a s s e n für die Zwecke der Kriegsanleihe nur in ganz ge- ringem Umfange in Anspruch genommen worden. Unsere Spar- lassen zeigen ein sehr erfreuliches Bild, ebenso der Depositen- bestand unserer Banken. Es sind hier Höchstziffern erreicht, wie sie in Friedenszsiten niemals erreicht worden sind. Trotz der Ein- zahlungen auf drei Kriegsanleihen sind die Einlagen bei unseren Banken beule höher als vor Jahresfrist.(Hört! hörl l) Der Stand unserer Reichsbank ist nach wie vor günstiger, als irgend einer der Zentralbanken in einem der kriegführenden Länder. Freilich, unsere Feinde wollen das nicht gelten lassen. Typisch dafür ist die Schrift eines Mr. Davis:»Das britisch-deutsche Finanzwesen". Diese Schrift, milder Deutschland von Holland aus überschwemmt wird, behauptet, daß lvir unsere Bankdirektoren durch Drohungen und unter Berufung mn daS Kriegsrechr gezwungen hätten, uns die Depositen für die Zwecke der Kriegsanleihe auszuliefern.(Lachen.) Die Zensur hat bei mir angefragt, ob sie die Verbreitung dieser Schrift verhindern solle. Ich habe natürlich angeordnet, daß die Zensur der Verbreitung dieser Schrift keine Hindernisse in den Weg legt.(Sehr gut!) Man frag: sich, ob es denn möglich ist, das Urteil selbst durch die im Kriege auf- gewühlten Leidenschaften so furchtbar zu trüben, und ich nehme dies zum Anlaß zur Selbstprüfung, ob wir unsererseits bei Beurteilung der Verhältnisse unserer Gegner ebenso vorgehen wie diese gegenüber uns. Aber ich glaube, der Deutsche ist zu gewissenhast und zu ernst, er neigt eher nach der andern Seite und dazu, die Schwierigkeiten bei sich zu Hause zu überschätzen und die Schwierigkeiten bei dem andern zu gering zu sehen.(Sehr wahr!) Wie haben sich nun die Finanz- Verhältnisse in der Gesamtheit, auch bei unseren Feinden, gestaltet? Ich habe im August die täglichen Kriegskosten aller kriegführenden Staaten auf 399 Millionen Mark geschätzt. Dies reicht heute nicht mehr aus; die K r i e g s I o st e n betragen jetzt 320 bis 330 Millionen Mark pro Tag, im Monat 8 bis 19 Milliarden Mark, im Jahre nahezu 129 Milliarden Mark bei allen kriegführenden Staaten.(Lebhaftes Hört! hört!> Von diesen gewaltigen Kriegskosten entfallen heute noch etwas weniger als zwei Drittel auf unsere Gegner, etwas mehr als ein Drittel auf uns und unsere Verbündelen. Mr. Asquith hat kürzlich selbst die laufenden Kriegskosten Englands auf täglich 199 Mill. an- gegeben. Damit hat uns England wohl endgültig überholt. England hat bisher etwa 13 Milliarden Mark, wir 25 Milliarden durch langfristige Anleihen gedeckt. Frankreich. das bisher nur ganz minimale Beträge seiner Kriegskosten duräi 19jährige Obligationen aufgebracht hat, macht erst jetzt verzweifelte Anstrengungen mit einer zu sehr niedrigem Kurs aufgelegten An leihe. Der zweite Unterschied ist, daß wir bisher das Geld für uns und unsere Verbündeten so gut wie ausschließlich im Jnlande ge- deckt und aus den Geldern der inländischen Arbeit geschöpft haben. Endlich haben wir unsere Anleihen nach einem einheitlichen, ein- fachen und großzügigen Plan durchgeführt, die Bedingungen für das Reich von Schritt zu Schritt verbessert und den Erfolg von Schrill zu Schritt vergrößert. Unsere von Anfang an 5 proz. Anleihen wurden nacheinander zu 97,5. dann zu 98,5, zuletzt zu 99,5 mlsgegeben und der Ertrag war 4.5, dann 9, dann 12,2 Milliarden Mark. Bei unseren Gegnern ein Tasten und Suchen, Verlegenheitsmaßnahmen und fortgesetzte Verschlechterung der Geldbeschaffung. Frankreich Hai seit Beginn des Krieges 22 Milliarden Frank aufgenommen, aber in sehr buntscheckigen Teilbeträgen. Als Deutschland bald nacli Kriegsausbruch mit einer bprozentigen Anleihe von 97,5 heraus- kam, sprachen die französischen Zeitungen vom deutschen Staats bankrott. Jetzt wird die 6prozentige französische Anleibe zu 86,» ausgegeben.(Hört! hört!) Die llprözentige französische Rente wird höher als zum Kursstand in Zahlung genommen und die bisher teilweise gesperrten Sparkasseneinlagen werden ganz ausgezahlt. wenn sich der Besitzer verpflichtet, Kriegsanleihe damit zu zeichnen. Morgen soll die französische Zeichnung geschloffen werden. wir warten das Ergebnis in Ruhe ab.— Wenn Sir Grey am 4. August 1914 sagte, der Krieg werde England kaum größere Opfer auferlegen, wenn es sich an ihm beteiligt, als wenn es beiseile stehe, so werden sich die englischen Staatsmänner inzwischen eines Besseren haben belehren lassen müssen. Zu Anfang des Krieges erklärte Lloyd George, eS entspreche alter englischer Tra- dition, einen sehr erheblichen Teil der Kriegskosten durch Steuern aus- zubringen, wodurch die Kosten der napoleonischen Kriege zu 49 Proz gedeckt worden seien. Die Entwicklung der englischen Wirtschaft zeigt. daß dieser Plan gescheitert ist und daß England heute um die Aus rechterhaltung seines Budgets kämpft. Das ist ein sehr schwerer Kampf, von dem ich offen sage, dasi er uns auch noch bevorsteht. In England und Frankreich hegt man die größten Besorgnisse infolge dieser Erscheinungen, Wer ein richtiges Bild von dem finanziellen Stand der einzelneu Mächte gewinnen will, muß die Kurse der Konsols vergleichen. Seil 1913 ist die französische 3prozenlige Rente von 87 auf 64'/, im Kurse zurückgegangen, die englischen Konsols von 73,69 auf 58, die deutsche Reichsanleihe von 77,7 auf 79. Der Kursrückgang in England ist also doppelt so groß, in Frankreich dreimal so groß als in Deutschland.(Bravo I) Wir stehen in diesem Krieg stark und fest aus unseren eigenen Füßen. Dank unserer Arbeit schaffen uns Landwirtschast und Industrie auf heimischem Boden alles, was lvir zum Kriesührcn brauchen.(Beifall.) Wir zahlen ausschließlich an uns selbst, während die Feinde Milliarden an das Ausland entrichten müssen. In diesem Unterschied liegt die Gewähr, daß wir auch iveiterhin den Vorsprung behaupten werden. Aber das ist noch nicht alles. Das politische Weltreick England ist zum größten Teil auf der britischen Geldmacht ausgebaut und wird durch diese Geldmacht zusammengehalten.(Sehr richtig!) Seine Alliierten hat England zumeist mit Geld an fick gesessell und bisher die meisten Kriege nur mit Geld geführt. Auck bei Beginn deS jetzigen Krieges glaubte England nach dieser be- währten Methode arbeiten zu können. Dieser englische Kriegsplan bat sich nicht durchführen lassen. Unsere braven Truppen haben die Engländer gezwungen, in diesem Kriege nicht nur Geld, sondern auch Blut einzusetzen. Sie haben England gezwungen, eine eigene Armee aufzustellen, und die Wirkung war, daß die Kriegskosten Eng- landS nahezu ins Ungemessene gewachsen sind. Wir wollen uns in aller Ruhe und Nüchternheit darüber Rechen- schaft geben, daß mit Englands Finanzen und Englands WirtschaflS- läge die Grundlagen des englischen Wellreichs ins Wanken kommen. Man kann das englische Weltreich mit einem großen Sonnensystem vergleichen. Alles Licht geht von dem Zenlralstern aus. Verliert die Sonne einen wesentlichen Teil ihrer Kraft, dann wird das ganze Planetensystem untergehen. Genau so ist es hier. Ver- liert England seine gewaltige wirtschaftliche und finanzielle lieber- legenheit, so verliert es den besten Teil seiner Kraft, und sein Weltreich ist dein Untergange nahe. Teutschland steht anders da. Wir können es vertragen, ärmer zu werden, wir bleiben doch, was wir sind.(Sehr richtig!) Für ein verarmtes England aber heißt es:„b'inis Britamriao I"(Sehr wahr!) Wenn aber einmal das britische Weltreich in die Brüche gegangen sein wird, dann wird es auch in Jahrtausenden nicht wieder aufstehen. (Allseitige Zustimmung.) Und angesichts dieser Lage wagt eine Re- gierung niit einem solchen Risiko das frevelhafte Wort vom Er- scköpfungskriege Deutschlands zu sprechen. Wir wissen, daß trotz aller Absperrungen Brot, Kartoffeln und andere wichtige Dinge bei uns billiger sind, als in England und Frank- reich. Und die Feinde sollen wissen: wir verzichten aus jeden Ueberfluß, wenn es sein muß, wir wollen lieber jede Not, als des Feindes Gebot ertragen.(Lebhafter Beifall.) Die deutsche Eisenfaust hat jetzt mit wuchtigen Schlägen das eiserne Tor zerschlagen und durch Serbien den Weg nach dem Osten geöffnet. Die deutsche Eisenfaust wird zu neuen Schlägen ausholen, wenn unsere Feinde eS durchaus so haben wollen.(Lebhafter Beifall.) Die Verantwortung für das Blut aber, das weiter fließt, und für die Not, die kommt, für die s ch w e r e n G e f a h r e n, bieder ganzen europäischen Kultur drohen, fällt nicht aus Deutschland(Sehr wahr.) Sie fällt auf jene, die sich nicht ent- schließen können, uns angesichts unserer gewaltigen Waffenerfolge. die leine Welt uns streitig inachen kann, die nötigen Rechte für die Sicherung unserer Zukunft zuzugestehen. Wir stehen fest wie ein Fels in der heimischen Erde, an dem Goldpseiler des britischen Reiche? aber leuchten in Flainmenichrift die Worte beim Gastmahl des BelsazaS:„Mens mene tekel upharsin!"(Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Abg. Scheidemann(Soz.): Die bei frfiheren Gslegeicheiten. so behält sich meine Fraktion auch bei diesem Gesetz ihre endgültige Entscheidung bis �ur dritten Lesung vor. Wir haben den Wunsch nach einer gründlichen Aus- spräche über allgenicinpolitische und finanzpolitische Dinge, gerade im Anschluh an diese Vorlage. Wir glauben aber, dafi das zunächst am zweckinäfiigsten und besten in der Budgetkommission geschieht. Deshalb erklären wir uns mit der von den verschiedensten Seiten augeregten Verweisung der Vorlage an die Budgetkommission ein- verstanden.(Bravo!) Ein Schlußantrag wird angenommen. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.) (zur Geschäftsordnung): Nach der Geschäftsordnung müssen vor der Abstimmung über einen Schlußantrag die noch auf der Rednerliste stehenden Abgeord- neten dem Hause mitgeteilt werden.(Widerspruch.) Weiter verweise ich darauf, daß als einziger Redner außer Scheidemann ich auf der Rednerliste stand und daß ich mich als erster zum Worte gemeldet hatte zu dem ausgesprochenen Zweck, in diesem Hause zu protestieren gegen...(Andauerndes Läuten der Glocke des Präsidenten.— Laute Zurufe der Mehrheit. Unruhe im Hause, in der die folgenden Worte des Redners verloren gehen. Liebknecht ruft u. a.: Sie wollen die Wahrheit nicht hören!) Abg. Basicrinann(natl.) beantragt die Neberweisung der Vor« läge an den Ausschuß für den Reichshaushalt. Abg. Ledcbour(Soz.)(zur Geschäftsordnung): Ich möchte Ver- Wahrung dagegen einlegen, daß das Haus, anstatt abzuwarten, ob der Herr Präsident es für nötig hält, gegen einen zur Geschäfts- ordnung sprechenden Redner einzuschreiten, seinerseits durch fort- tvährcndes Schreien den Redner am Weiterreden behindert hat. lLachen.) Ich nehme Veranlassung, gegen diese Verletzung der Würde des Hauses zu protestieren.(Zustimmung bei den Sozial- demokraten.— Lachen bei der Mehrheit.) Abg. Dr. Ncumann-Hofer(Vp.): Ich stelle fest, daß das Haus Dr. Liebknecht so lange angehört hat, bis der Präsident die Glocke schwang. Erst als Dr. Liebknecht mit dem Reden auch dann nicht aufhörte und er sich den Anordnungen des Präfidenten nicht fügte, hat das Haus durchaus richtig Dr. Liebknecht am Weitersprechen ge- hindert.(Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.) Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Das Verhalten deS Hauses hat mich nicht erstaunt. Das preußische Abgeordnetenhaus war mir ein gutes Beispiel für derartige Sitten und Gebräuche. (Lachen bei der Mehrheit.) Die Vorlage geht an den Ausschuß für den ReichshauShalt. Die Vorlage auf vermehrte Einstellung von Hilfsarbeitern beim Reichspatentamt wird in erster Lesung angenommen. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung Montag 11 Uhr. KriegZgewinnsteuer, Kriegs- abgabcn der Reichsbank und Bericht der Budgetkommission über Er- nährungsfragen. Schluß Ö*U Uhr._ Sozialpolitik und heeresftagen vor der Haushaltskommission des Reichstags. (Sitzung vom 14. Dezember.) Die Kommission hatte beschlossen, alle Anträge, d-ie auf eine Steigerung der Ausgaben hinausla-ufen, zusammen zu beraten. Deshalb wurden mit den sozialpolitischen Anträgen auch jene An- träge beraten, die aus eine bessere Bezahlung der Soldaten hinaus- taufen. Abg. S t ü ck l e n(Soz.) weist darauf hin, daß sich der sozial- demokratische Antrag, der 80 Pf. Löhnung für Soldaten in Feindes- laird und SO Pf. Löhnung für Soldaten im Innern Deutschlands verlangt, ziffernmäßig von dem Antrag des Zentrums nicht unter- scheidet, dagegen die Forderungen mit aller Bestimmtheit ausstellt, während der Zentrumsantrag der Regierung immer die Möglich- köit läßt, einer Entscheidung aus dem Wege zu gehen, lieber die Hosten des Antrages siird sich die Sozialdemokraten völlig klar; sie sind aber der Auffassung, daß nicht etwa bei den Soldaten gespart werden darf. Zu einem erheblichen Teil können diese Mittel ge- Wonnen werden durch eine gründliche Reform der Kriegsbesol- fuingsordnung. Der Antrag sei nicht gestellt, wie der Schatz- sekretär vermutet, damit die Soldateu ihren Angehörigen Geld schicken können, der Antrag hat seine Ursache vielmehr darin, daß die Soldaten nicht mehr in der Lage sind, mit ihrer Löhnung ihre Bedürfnisse bestreiten zu können. Vielfach haben Kricgerfrauen ihren Männern Geld ins Feld geschickt, und manche Kriegerfrau hat sich die paar Groschen förmlich abgehungert, die nötig waren, um für den Mann einige Kleinigkeiten kaufen zu können. Alles, >vas sich der Soldat in der Heimat kaufen muß, ist um 100 bis -'OD Proz, teurer geworden; demgegenüber ist eine Erhöhung der Löhnung um S0 Proz. nur ein schwacher Ausgleich. Die Truppen ilagen vielfach über die Ernährung. Sie haben das Bedürfnis und sind nicht selten gezwungen, sich noch Nahrungsmittel zuzukaufen. Das allein rechtfertigt die Erhöhung der Löhnung. Oftmals werden die Soldaten auch dadurch geschädigt, daß die Kantinen an Unternehmer verpachtet sind. So hat z. B. der Pächter der Kantine beim KriegsbekleidungSamt in Kassel es fertiggebracht, die Butter- aöchstpreise zu überschreiten. Die Reform der Kriegsbesoldungs- ordnung ist nur eine halbe Maßregel. Redner kündigt an, daß feine Partei einen umfassenden Antrag nach der Richtung hin stellen wird. Die deutschen Soldaten sind nicht im Feld, um Geld zu verdienen; man wird das auch den Offizieren nicht unterstellen dürfen, und deshalb ist es notwendig, daß die Gehälter der Offi- ziere eine gründliche Reorganisierung erfahren. Die Regierung hat dem Beschluß des Reichstages, das Beköstigungsgeld der Mann- schaft auf 1,20 M. pro Tag zu erhöhen, keine Folge geleistet, und gerade darin liegt die Ursache, daß jetzt Klagen in großer Menge kommen. Durch Annahme der sozialdemokratischen Anträge könne diesem Uebelstand gesteuert werden. Abg. Gröber(Z.) bespricht zunächst die Frage der Familien- Unterstützung. Das Zentrum wollte die Erhöhung der Unter- stützung an eine Einkommensgrenze von 2000 M.,� die der Mann im Frieden hatte, binden. Auch dieser Redner wies darauf hin, daß die Aufbesserung der Soldatenlöhnnng eine dringende Not- wendigkeit ist. Die Aivilbeamten, die als Militärbeamte tätig und, führen bei hohem Einkommen ein sehr angenehmes Leben. Das müsse verbitkernd wirken. Staatssekretär Helfferich erklärt, daß er bei Annahme dieser Anträge die Verantwortung nicht übernehmen könn«.� Für eine Verbesserung in der Mannschaftsverpflegung sei hinlänglich gesorgt. Man habe die Absicht, einen neuen Fonds zur Verfügung zu stellen, aus dein Härten ausgeglichen werden können. Auch die Anträge zur Familieuversorgung seien von so großer finanzieller Bedeutung, daß er sich darauf nicht einlassen könne. Er bittet, keine bindenden Verpflichtungen zu beschließen. General v. Owen erklärt, die Verpflegung sei ausreichend ge- regelt; auch die Menge reiche vollständig aus. Abg. Bauer(Soz.) bekämpft die vom Zentrum beantragte Ein- kommensgrenze von 2000 M. Auch die Voraussetzung der Bedürftig- keit darf nicht festgehalten werden. Die Unterstützung soll nicht den Charakter der Armenuntcrstützung tragen. Die Beschlüsse einer Bürgermeister-Konferenz. die jüngst in Berlin tagte, könne nicht maß- gehend sein. Diese Konferenz haben überdies nur die Lieferung von .Kohlen und Karwffeln abgelehnt. Die Gemeinden müßten gezwun- gen werden, zur Staatsunterstützung einen Beitrag von mindestens 50 Proz. zu leisten. Es sei nicht zu verstehen, weshalb sich die Regierung gegen die Einrichtung einer Beschwerdeinstanz wende. Zu den Verwaltungsbehörden als Ausstchtsorgane habe die Masse des Volkes nur wenig Vertrauen. Abg. Werner(Ant.) tritt für eine Erhöhung der Unterstützung ein und betont, daß die Kreisbehörden in Hessen die Unterstützung vielfach aus den nichtigsten Gründen ablehnen. Abg. Lieiching(Fortschr. Vp.): Die Heeresverwaltung habe die Aufgabe, Sparsamkeit zu üben. Diese Sparsamkeit müsse auch auf die Kriegsbesoldungsordnung ausgedehnt werden. Bei der Fa- milienunterstützung muß das Beschwerderecht an eine besondere In- stanz zugestanden werden. In Oesterreich sei die Unterstützung weit besser geregelt; dort zahle alles der Staat. Die vom Zentrum ver- langte 2000-M.-Grenze sei ungerecht und deshalb unannehmbar. Staatssekretär Helfferich erklärt, daß man die österreichischen Verhältnisse nicht einfach auf Deutschland übertragen könne. Man wolle dein Reiche eine neue Last von 50 Millionen Mark aufbürden, die nicht getragen werden könne. Abg. Hoch(Soz.) erkennt an, daß die erlassenen Verfügungen sehr wohlwollend gedacht, in der Praxis aber nicht brauchbar waren. Gerade aus kleinbürgerlichen und kleinbäuerlichen Kreisen kommen die meiste» Klagen. Beamte, die eingezogen sind, erhalten das volle Gehalt und dabei handele es sich oft um reiche Leute. Das mache eben die Schablone.— Redner verlangt, daß an die beurlaubten Soldaten für die Dauer des Urlaubs Verpflegungsgelder gezahlt werden sollen. Die Verpflegung im Felde sei in sehr vielen Fällen nicht genügend. Abg. Stücklen(Soz.) weist darauf hin daß in den Briefen aus dem Felde und aus der Heimat von den Soldaten viel über die Berpflegnng geklagt wird. Kein Mensch verlange, daß man, ivenn die Armee, wie in Serbien, im Vormarsch begriffen ist, den Sol- daten die Nahrung auf die Stunde vorgesetzt werden müsse. Wo die Möglichkeit dazu nicht besteht, wird es natürlich auch nicht ver- langt. Man darf aber nicht vergessen, daß mitunter bei der Ver- teilung der Fleischvorräte nicht gerade einwandfrei verfahren wird. Die Klagen, die aus der Heimat kommen, find zu verstehen. Man darf aber nicht übersehen, daß Leute, die 12— 14 Stunden Dienst tun müssen, eine bessere Verpflegung brauchen, als sie vielleicht im Zi- villeben vorhanden war. Vielleicht wäre es angebracht, den Mann- schaften eine größere Brotration zu geben. Redner fordert noch ein- mal die Festsetzung des Beköstigungsgeldes auf 1,20 M. pro Tag und schließt sich der Forderung an, den Urlaubern Verpflegungs- geld zu bezahlen. Man solle über die Stimmung der Mannschaften sich keiner Täuschung hingeben und alles tun, um Beschwerden ab- zustellen. Kriegsminister v. Wandel erklärt die Stimmung der Truppen als ausgezeichnet. Die Verpflegung sei völlig ausreichend. Eine Er- höhung der Löhnung wäre absolut unnötig, die Kriegslöhnung reiche vielmehr vollständig au?. Unzufriedene gebe es eben überall, also auch in der Kaserne. Es sei vielleicht besser, wenn man die Fa- milien höher unterstütze. Das Kriegsminifterinm habe bereits eine Verordnung fertiggestellt, durch welche den Urlaubern das Beköstigungsgeld für die die Zeit ihres Urlaubs bereits beim Antritt der Urlaubsreise bezahlt wird. Wenn bei der Ausbildung der Truppen Leute dienstunfähig werden, ohne daß eine Dienstbeschädigung vorliegt, dann ist jetzt schon die Möglichkeit geboten, unterstützend einzugreifen. Die Erhöhung des Verpflegungssatzes auf 1,20 M. pro Tag wäre zum Teil hinaus- geworfenes Geld. General v. Owen erklärt, daß zu dem Verpflegungssatz von M Pf. Zuschüsse gegeben werden. Wo die Verpflegung der Mann- schaft in eigener Regie erfolgt, sind sogar Ueberschüsse erzielt worden. Die Brotration reiche vollständig aus. Den Vorkommnissen in Kassel soll nachgegangen werden. Die gemeinsame Verpflegung durch den Truppenteil selbst sei nicht überall durchzufiibren. Abg. v. C alker(nall.) schildert die Erfahrungen, die er als Kommandeur eines Ersatz-Batrnllons gemacht habe. Die Verpfle- gung sei gut, vielfach seien allerdings die Geschmäcker verschieden. Dem Rechnung zu tragen, sei nicht möglich. Mit Erhöhung der Mannschaftslöhnung erreiche man gar nichts. Abg. Stadthagen(Soz.) bespricht die Familienversorgung. Das Gesetz gebe jetzt keine Handhabe, die Gemeinden zu zwingen, Unterstützung zu leisten. Der Begriff der Bedürftigkeit müsse aus dem Gesetz heraus. Die Summen, die für eine Verbesserung er- forderlich sind, dürfen nicht schrecken. Je älter die Eingezogenen sind, um so höher wird die Zahl derer, die auf Unterstützung Anspruch erheben können. Redner schildert, daß man einer Kleinbesitzersfrau, die Unterstützung forderte, den Rat gegeben habe, ihre beiden Kühe zu schlachten; als bedürftig im Sinne des Gesetzes wollte man sie nicht ansehen. Eine Beschwerd einstanz ist nötig; denn nur dann, wenn diese Instanz entschieden hat, ist auch eine Zwangsetatsführung bei der Gemeinde möglich. Abg. Roland-Lücke(natl.) rechfferftgt die ablehnende Hal- tung des Schatzsekretärs. Die Finanzen des Reiches müssen geschont werden. Die Aufbesserung der Löhnung würde allein 900 Millionen im Jahre kosten. Abg. Neumann-Hofer(Fortschr.) bespricht den Unter- schied zwischen der Mannschaßts- und der Offtziersbesoldung. Er meint, es wäre vielleicht besser, die Kriegsbesoldungsordnung ganz zu beseitigen und einfach die Frisdensgehälter zu bezahlen. Das Prinzip sei völlig falsch, dem Offizier im Kriege mehr zu geben als wie im Frieden. Die Verpflegung der Mannschaften sei gut. Abg. Graf Westarp(kons.) macht den Vorschlag, alle An- träge als Material zu überweisen. Ilbg. K r e t h(kons.): Die Verpflegung im Felde ist ausge- zeichnet. Ihm habe eiu Landwehrmanm versichert, daß es ihm im ganzen Leben noch nie so gut gegangen sei. Daß die Offiziere gut bezahlt werden, ist deshalb berechtigt, weil sie einen doppelten Haushalt führen müssen. Die Erhöhung der Mannschaftslöhnnng könne man nicht durch Ersparnisse decken. In Belgien bemühe man sich gege7iwärtig, moralische Eroberungen zu machen; ein Bestreben, das nicht im mindesten Zweck habe. Abg. Giesberts(Zentr.) tritt für allgemein« Selbstbe- wirtschaftung bei den Truppen ein. Di« Verwalter der Lebens- mittelvorräte müssen in die Möglichkeit versetzt werden, mehr Brot zu geben, wenn solches verlangt wird. Abg. Bauer(Soz.): Ein Einkommen von 2000 M. ist für ländliche Verhältnisse ziemlich hoch; in den Städten liegen die Dinge aber anders. Es geht in unser Rechtssystem nicht hinein, iwß man einen Rechtsanspruch schafft, aber eine Beschwerdeein- richtung verweigert. In einem Falle ist einer schwangeren Frau vom Armenvorsteher die Unterstützung verweigert worden mit dem Hinweis darauf, daß sie arbeiten solle. Bei der Behandlung der Verwundeten ist zu bedauern, daß man Leute, deren Wisderher- stelluug ausgeschlossen ist, nicht auS'dem Heeresverband entläßt. Es müßte direkt verboten werden, daß bei der Verpflegung der Mannschaften Ersparnisse gemacht werden. Di« Fälle(nid sehr häusig, daß Mannschaften, die im Heere ihre Gesundheit einbüßen, nichts erhalten, weil keine Dienstbeschädigung vorliegt. Nach dieser Richtung hin mutz das Gesetz geändert werden. Der Begriff „Dienstbeschädigung" wird vielfach viel zu eng ausgelegt. Auch der Unterschied zwischen Dienstbeschädigung und Kriegsdienstbe- schädigung müßte in Wegfall kommen. Dringend nötig ist, daß man auch den unehelichen Kindern den Anspruch auf Rente zugesteht. Abg. G o t h e i n: Die Klagen des Vorredners sind berechtigt. Der Zustand ist unhaltbar, daß ein« einzig« Instanz darüber ent- scheidet, ob die Wehrunterstützung bezahlt werden soll oder nicht. Gegen einen abweisenden Bescheid ist so gut wie nichts zu machen. Das widerspricht dem Rechtsempfinden des Volks, deshalb mutz «in« Beschwerdeinstanz geschaffen werden, die sachverständig«nt- scheiden kann. Am besten war« eS, schon bei Stellung de» An- träges ein« Kommission entscheiden zu lassen, in der all« am Ort vorhandenen Parteien vertreten sind. Mindestens aber müßte für jeden Regierungsbezirk eine Berufungsinstanz eingerichtet werden. Abg. Erzberger stellt fest, daß die Mehrausgaben für die beantragte Erhöhung der Mannschaftslöhnung pro Monat 45 Millionen Mark in Anspruch nehmen würde. Die Anträge der Konservativen auf Zuschüsse zur Beschaffung billiger Lebensmittel würden dagegen einige hundert Millionen Mark erfordern, deshalb sind die Einwände, die gegen die Erhöhung der Mannschaftslöhnung gemacht werden, durchaus nicht stichhaltig. Die Diskussion wendet sich dann wieder den sozialpolitischen Anträgen zu. Abg. Bauer(Soz.) begründet die von den Sozialdemokraten beantragte Erhöhung der Wochenhilfe und die Ausdehnung des Kreises der Berechtigten. Redner zeigt, welche Schwierigkeiten sich gerade auf diesem Gebiet ergeben haben. In Zweifelsfällen ver- weist man die Interessenten immer an die Krankenkassen, die aber nur dann eine Bezahlung leisten können, wenn sie die Gewähr für den Ersatz haben. Schließlich wurden alle Anträge, die zur Familienunterstützung gestellt sind, einer Unterkommission von sieben Mitgliedern über- wiesen.— Es wurde dann ein von allen Parteien gestellter Antrag auf Herabsetzung der Altersgrenze für den Bezug der Altersrente beraten. Ministerialdirektor Caspar stützt sich auf die in der Denkschrift angegebenen ablehnenden Gründe und erklärt, der Bundesrat dürfte einer solchen Aenderung des Gesetzes kaum zu- stimmen.— Dieser Ansicht schloß sich auch Staatssekretär Helfferich an. Die Annahme des Antrages in der Kommisston ist gesichert. Die Beratung geht weiter. Ueber die Rede MolkenbuhrS zu dieser Sache werden wir morgen berichten. Jim der Partei. Aus den Organisationen. Eine KreiZgeneralversammlung des Solinger Kreises be- schäfligte sich am Sonnlag m'.t der Entgegennahme des Geschäfts- berichts. Beschlossen würbe, an Stelle der bisher üblichen General- Versammlungen Kreiskonferenzen abzuhalten, die sich aus gewählten Delegierten und den Funktionären zusammensetzen. Die Generalversammlung ist durch die Einführung von Konfe- renzen nicht grundiätzlich beseitigt. Sie mutz einberufen werden, wenn drei Distrikte es beantragen. Zum Schluß wurde eine Resolution angenommen, die sich mit der Hallung der Fraktionsmehrheit nicht einverstanden erklärt und auch eine entschiedenere Slellungnahme unserer Fraktionsredner bei der Begründung der Friedensinlerpellation gewünscht hätte. Jim Industrie und Handel. Preistreibereien in der Schweiz. v. Der Verband der schweizerischen Papier- und Papierstoff« fabriknitten hat neuerdings die Papierpreise gleich um 25 Prozent auf einmal erhöht, nachdem mehrmalige Preiserhöhungen bis zu 10 Prozent vorausgegangen waren. Die Preissteigerungen werden mit„Schwierigkeiten in der Beschaffung sämtlicher Roh- und Hilfsstoffe für die Papierfabrikation sowie der Steigerung der Preise für dieselben in unvermindertem Maße" begründet.'Die T a g e s p r e s s e hat infolgedessen ihre Jahrseabonnements um 80 Eis.-bis 1 Fr. pro Jahr erhöht und läßt überdies verschiedene Beilagen, wie Kalender, Eisendahnfahrpläns und Somitagblätter wegfallen. Der schweizerische S ch o k o l a d e n tr u st(„Syndikats- kammer der schweizerischen Schokoladenfabrikanten") hat mit dem 10. Dezember die Schokoladenpreise um 15 Proz. erhöht, die aber angeblich der Steigerung der Rohmatericnpreiie nicht entsprechen. Eine größere Preiserhöhung sei nur deshalb nicht erfolgt,„um die Preise' dieses wichtigen Lebensmittels in möglichst bescheidenem Nahmen zu hallen"._ Soziales. Abkürzung der Wartezeit in der Angestelltenversicherung. Der Bundesrat hat am 9. Dezember auf Grund des§ 3 des Gesetzes über die Ermächtigung des Bundesrats zu wirffchaftlichen Maßnahmen usw. vom 4. August 1914 folgende Verordnung erlassen: „Die im§ 395 des Versicherungsgesetzes für Angestellte be- stimmte Frist, innerhalb welcher eine Abkürzung der Wartezeit zum Bezüge der Leistungen dieses Gesetzes gestattet werden kann, wird für alle Personen, die vor dem 1. Januar 1915 zu den An- gestellten im Sinne des§ 395 gehören, bis zum Schlüsse des- jenigen Kalenderjahres verlängert, welches auf das Jahr folgt, in welchem der Krieg beendet ist. Rückzahlung des Versichcrungsbeitrags des Angestellten. Nach dem Gesetz sind die Beiträge für die Angestelltenversiche- rung zu gleichen Teilen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu tragen. Zur Einzahlung verpflichtet ist der Arbeitgeber, der den vom Angestellten zu entrichtenden Teil des Beitrags nur bei der nächsten Gehaltszahlung und, wenn das unterblieben ist, bei der übernächsten Zahlung in Abzug bringen kann, es sei denn, daß eine verspätete Entrichtung der Beiträge ohne sein Borsch u I- den erfolgt. Die Frage, ob ein solches Verschulden vorliegt, ist vor kurzem wieder Gegenstand zweier«treitverfahren vor dem R e n t e n a u s s ch u ß der Angcstelltenversicherung gewesen. In einem Fall bestand zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ein Sonderabkommcn, nach dem letzterer sich bereit erklärt hatte, sich gegebenenfalls die Beiträge in weiteren Abständen und in größeren Beträgen abziehen zu lassen. Der Rentenausschuß hat auf Nichtigkeit einer solchen Vereinbarung und auf Rückzahlung der aus diese Weise dem Angestell- ten abgezogenen Be itragsanteile erkannt. Dagegen ist in einem anderen Falle die Berechtigung de? Nachtrag- liehen Abzugs anerkannt worden. Die Arbeitgeberin hatte im April 1913 das Streiw erfahren über die Versicherungspflicht des Angestellten beantragt und bis zur Entscheidung Beiträge nicht ge- zahlt. Die nachträgliche Zahlung erfolgte hiernach ohne ihr Ver« schulden._ Obligatorischer Lohnzuschlag von 2b Proz. für Ueberzeit in der Schweiz. Der schweizerische Bundesrat hat kürzlich abermals das Fabrik- gesetz durchbrochen und die Kantonsregierungen ermächtigt, Arbeits- Zeitverlängerungen sowie Nacht- und Sonntagsarbeit, und zwar auch für Frauen und Jugendliche in weitestem Maße zu bewilligen und dafür Lohnzuschläge von 25 bis 50 Proz. vorzuschreiben. Sie konnten dies, aber mußten es nicht. Dieses Vorgehen des Bundes- rates, der dabei überdies keinen einzigen Arbeiterverlreter zu Rate gezogen hatte, erregte in der Arbeiterschaft tiefste Entrüstung und der sozialdemokratische Parteilag in Aarau protestierte energisch da- gegen. Daraufhin machte der Bundesrat den Lohnzuschlag obli- gatorisch, aber wieder nur mit einer Begünstigung der Unternehmer, indem er unterschiedslos für Ueberstunden-, Nacht- und Sonntags« arbeit bloß einen Lohnzuschlag von 25 Proz. festsetzte. Es sollte aber die ganze unsoziale Praxis wieder aufgegeben werden. Mißhandlung eines Lehrlings. Der Schlosser- und Maschmenbauerlehrling Kummerow, btr b«*» Unternehmer Pcrlewitz in der Lehre war, halte beim Gewerbegericht auf Lösung des Lehr Vertrages wegen wiederholter Mißhandlung ge« klagt. Der Verlrag ist dann durch rechtskräftiges Ver- säumniSurteil gegen den Beklagten gelöst worden. In einer neuen Klage forderte nun der Lehrling eine Vertragsstrafe von 100 M. von dem Beklagten. Infolgedessen mußte der Beweis über die Mißhandlungen erhoben werden. Der Beklagte behauptete, er habe den Kläger nur einmal mit einem Stock geschlagen, weil der- selbe eine wertvolle Arbeit verdorben hatte. Der Kläger gab da- gegen an, er sei öfter in grober Weise geschlagen, ja der Beklagte habe ihn sogar mit einem schweren Eisenstück geworfen. Die Zeugenvernehmung ergab, daß der Lehrling öfter geichlagen wurde, und zwar in einem Falle mit einem etwa dreiviertel Meter langen Stück Schauerleiste. Ein ärztliches Attest stellt fest, daß der Kläger, anscheinend infolge von Stockschlägen, Hautabschürfungen an beiden Oberarmen aufwies.— Das Gericht erkannte die Forde- unge des Klägers als berechtigt an und verurteilte den Beklagten zur Zahlung von hundert Mark, Literarifthe Rundschau. /lrbeiterintereflen unö Kriegsergebnis. Ein gewerkschaftliches Kriegsbuch. Herausgegeben von Wilh. Jansson. Berlin 1915. Verlag der Internationalen Korrespondenz A. Baumeister. 167 S. Preis 2 M., geb. 3 M. Im Mittelpunkt aller unserer Erörterungen über die Stellung der Arbeiterschaft und ihrer Organisationen zum Kriege mutz die Frage stehen, wie die Arbeiterintereisen durch den Fortgang und durch das Ergebnis dse Krieges beeinflutzt werden. Es ist daher sehr zu begrüßen, wenn diesem wichtigsten Problem unserer Zeit eingehende Studien gewidmet werden, und gerade wir Marxisten müssen auf solche Untersuchungen den größten Wert legen. Be- steht doch die marxistische Politik in nichts anderem als in der Orientierung der Politik nach dem ausschließlichen Richtpunkt der Förderung der Arbciterinteressen. Gerade der Marxismus hat uns gelehrt, daß das Proletariat sich in seinem Handeln nicht nach irgend welchen Schlagworten zu richten hat, sondern nach der fort- gesetzten sorgfältigen Untersuchung seiner jeweiligen Klasseninter- essen, wobei es natürlich über der Gegenwart nicht die Zukunft, über dem Einzelnen nicht das Allgemeine, die GesamtbÄvegung vergessen darf. Die 16 Gewerkschafter, die sich zur Abfassung deS neuen „Kriegsbuches" zusammenfanden, haben nicht den Einflutz des Kriegsergebnisses auf alle Arbeiterinteressen untersucht, sondern nur die ökonomische Seite des Problems. Die politischen Folgen des Krieges insbesondere ftir die Förderung und Ausgestaltung der Demokratie blieben fast ganz außerhalb des Rahmens der Be- trachtungen. In seinem Schlußwort hat allerdings Gen. Jansson eme Reihe politischer Forderungen der Gewerkschaften formuliert, ohne aber die Frage näher zu untersuchen, inwieweit ihre Ver- wirklichung von dem Ausgang des Krieges abhängig ist. In der Tat hätte auch diese schwierige Untersuchung, deren rückhaltlose öffentliche Erörterung überdies durch die Zeitumstände unmöglich gemacht wird, den Umfang des Büchleins sehr stark anschwellen lassen müssen. Man muß deshalb die Beschränkung auf das wich- tigste Problem, das ökonomische, hier nur durchaus gerechtfertigt finden. Die sozialpolitischen Folgen des Krieges haben Robert Schmidt und Rudolf Wissell in den beiden einleitenden Kapiteln behandelt, sie mußten sich aber auf einige allgemeine Andeutungen über diese schwierige Frage beschränken. Die Autoren haben nicht das Thema allgemein zu behandeln gesucht, sondern jeder hat die Verhältnisse des Industriezweiges, mit dem er durch langjährige praktische Tätigkeit vertraut ist, dar- gestellt, und tatsächlich bieten viele von den Beiträgen eine Fülle interessanter Mitteilungen. Besonders wissen Hue über Bergiverks- und Hüttenindustrie, Schneider über die chemische, Kayser über die Holz-, Girbig über die keramische, Blum über die Leder-, Krätzig über die Textilindustrie wertvolle Daten beizubringen und die statistischen Angaben durch anschauliche Darstellung der verschiede- nsn Zweige ihrer Industrien und ihrer Beziehungen zum Auslande zu beleben. Dies« Frage der Abhängigkeit der Industrien vom Rohstoff- bezug und der Ausfuhr der Fertigwaren nach dem Auslande nimmt in den Erörterungen den größten Raum ein und hierüber wird reiches Material von sachkundiger Hand gesammelt. Aber mit der Sammlung und Vorführung des Materials ist es nicht getan; eö müssen Folgerungen gezogen, es muß die Frage beantwortet werden, wie Verlauf und Ausgang des Krieges auf die ein- zelnen Industrien wirken könnten. Infolgedessen konnten sich die Äuwren unmöglich an das Programm halten, das ihnen das Vor- wort der Schrift mit den Worten vorzeichnet: Unabhängig von mehr oder weniger wissenschaftlichen Doktrinen erstreckt sich diese Unter- suchung lediglich auf die tasächlichen Verhältnisse in den einzelnen Jndustriegruppen." Eine solche bloße Feststellung von Tatsachen wird vielleicht nach Beendigung des Krieges möglich sein, wenn sich dessen Folgen überblicken lassen. Allerdings wird sich auch diese ungemein schwierige und komplizierte Aufgabe ohne theoretisches Rüstzeug nicht bewältigen lassen; heute aber, mitten während der Kriegszeit, ist die Wirkung der Kriegsergeb wisse auf die Arbeiter- interessen eben noch keine.Tatsache", es ist daher auch völlig aus- geschlossen, sich bei ihrer Untersuchung lediglich auf die Wiedergabe von Tatsachen zu beschränken, und in Wirklichkeit tun dies auch die Autoren keineswegs. Im Gegenteil, sie bewegen sich oft in sehr luftigen Höhen theoretischer Abstraktion, fteilich meist ohne sich dessen selbst bewußt zu werden; denn eS sind nicht ihre eigenen oder von ihnen bewußt durchdachten und geprüften Theorien, sondern Schlagworte der bürgerlichen Presse, bei deren Anwendung die meisten gar nicht mehr wissen, daß es sich hier eben nicht um Tat- lachen, sondern nm Theorie» handelt, und die sie daher unbesehen als richtig hinnehmen. So sagt z. B. Hue i» feiner sonst, wie gesagt, sehr wertvollen Studie gleich anfangs;.Selbstverständlich ist eine Industrie in der Regel am günstigsten gestellt, die ihren Bedarf an Rohstoffen und halbfertigen Materialien im reichlichsten Maße aus dem In- lande decken kann." Hier haben wir nicht die bloße Mitteilung von Tatsachen, sondern eine allgemeine Betrachtung, eine„mehr oder weniger wisienfchaftliche Doktrin", die zwar den meisten Leuten heute.selbstverständlich" erscheint, die eS aber keineswegs ist. Bleiben wir gleich auf dem Gebiet, in dem Gen. Hue zu Hause ist. Im Jahre 1887 überstieg die Ausfuhr von Eisenerzen aus Deutschland die Einfuhr noch um 708 000 Tonnen; im Fahre 1913 überstieg die Einfuhr bereits die Ausfuhr um 11 Millionen Tonnen. Hat dieser Mehrbedarf an Eisenerzen die deutsche Eisen- industrie irgendwie behindert? Keineswegs. Hue weist selbst auf den ungeheuren Aufschwung dieser Industrie gerade in den letzten Jahren hin. Noch deutlicher sprechen die Zahlen, die Hue selbst für Belgien mitteilt. Im Jahre 1900 betrug dort die Erzförderung bloß 248 000, 1913 gar nur mehr 125 000 Tonnen. In denselben Jahren aber stieg die Produktion von Roheisen von einer Million auf fast zweieinhalb, die von Rohstahl von 644 000 Tonnen auf bei- nahe 2 Millionen. Vergleichen wir damit die Angaben für Schwe- den. Dort stieg in derselben Zeit die Erzgewinnung von 2,6 auf 7,5 Millionen, die Erzeugung von Roheisen und Rohstahl aber nur von 800 000 auf I 320 000 Tonnen. Natürlich hängt die Entwicke- lung der Eisenindustrie von vielen Faktoren ab. Einer der wichtig- sten ist unstreitig die billige Versorgung mit Erz. Ob dieses aber iin_ eigenen Lande gewonnen wird oder im Auslände, ist ökono- misch ganz gleichgültig. Deutschland bezog aus Frankreich, d. h. vor allem aus Französisch-Lothringen, ungeheure Erzmassen: im Jahre 1905 erst 280 000 Tonnen, 1913 schon fast 4 Millionen. Welchen Vorteil hätte die deutsche Eisenindustrie gehabt, wenn diese Gruben zu Deutschland gehörten? Hue zitiert selbst zustim- mend den französischen Autor Delaifi, der darauf hinwies, daß der Besitz des erzreichen Departements Meurthe et Moselle für Deutschland.ganz unnötig sei, da unsere Kapitalisten selber ihren deutschen Rivalen durch freiwilligen Verzicht einen großen Teil derin wert- volles Nachschlagewerk geworden. Die Illusion, daß man die schwierigsten Fragen der Wissenschast ohne theoretisches Rüstzeug bloß nach den persönlichen Erfahrungen gewerkschaftlicher Praxis beurteilen könne, hat einen mißglückten Versuch aus ihm gemacht. ».(fä&eia. Sozialdemokrat KreisiaUverein liederbarnlni Bezirk Friedrichshage». Am Sonntag, den 12. Dezem- der, verstarb unser langjähriges Mitglied HeliM Mölzner. Ehre feinem Andenke«! Die Einäscherung findet am Donnerstag, den IS. Dezember. nachmittags Z Uhr, im Krema- torwm zu Treptow-Baumschulen- weg statt. Um zahlreiche SeteMgnng bittet 247/10 Der Borftand. SozialdemokratiselierWalilvereli] lenkölliL Am#. Dezember verstarb unser Parteigenosse Kledsrä coorslii Siegfriedftr. 43(14. Bezirkl. Ehre seinem Andenken! Dt« Beerdigung findet heute Mittwoch, den IS. Dezember, nachmittag» 4 Ubr, aus dem Neuköllner Gemeinde-Friedhos, Mariendorser Weg, statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borftand. DeotAiier Transportarbeiter-Tertand. Bezirksverwaltung Groß-Berlln, Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Droschken- sllhrer Gottfried Seifert von der Firma Thrau, Frank« surter'Allee, am 12. d. M. im Alter von 5L Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Di« Beerdigung findet am Donnerstag, den 16. d. M., nach« mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle de« FriedhoseS in Marzahn aus statt. 69/11 Die Bezirksverwaltung. Am 13. Dezember entrih unS der Tod nach kurzer Krankheit unseren lieben Freund und Kol- legen, den Schriftsetzer Franz Porekeit geboren am 22. Dezember 1853 in Gumbinnen. 37 Jahre am gleichen«rbest». platze tätig, war er uns allen immer ein leuchtendes Borbild steter Hilssberci tschast und wahrer Kollegialität. Wir werden ihn nie vergesse«. Berlin, 14. Dezember 191S. vle Kollegen der Norddeat geben Bocbdrockerel. Die Einäscherung findet am Freitag, den 17. Dezember, nach- mittag« 5 Uhr, im städti'chcn Krematorium in der Gerichtstraße statt. 3010b Nachruf. Am 90. November starb an den Folgen eine» Bauchschusses im Feldlazarett unser lieber Kollege, der Werkzeugmacher Gusisv Fröhlich Jnsanterie-Regiment 205 10. Komp. im Alter von 28 Jahren. 120N Wir werden sein Andenken stete in Ehren halten! vle Kollegeo der Firma Deutsche Waffen- und Munitions-Fabriken, Wittenau. Abtellnne Werkxeagban I. T*«. Am 3. Dezember verstarb an seiner am 23. November er- littenen Verwundung unser Mit- glied, der Schristgteßer ZOOSb Paul Krause im Alter von 2S Jahren. Vorher hatte er für bewiesene Tapserkeit da» Eiserne Kreuz II. Klasse erhalten. Ein ehrende« Andenke« de« wahrt ihm Der Berein der in Schriftgießereien beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins. Danksagung. Für die vielen wohltuenden ve- weise liebevoller Teilnahme beim Hinscheiden meines lieben Mannes, unseres guten Vaters und Schwieger- sohnes, des Gastwirts 131A Reinhold Schulz sagen wir allen Freunden und Be- kannten unseren herzlichsten Dank. Neukölln, 13. Dez. 13. Knesebeckstr. 87. Wwe. H. Schulz, geb. Wirfig. Rtax und Erna al« Kinder. Wwe. Hose, Schwiegermutter. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß unser lieber Onkel und Vetter, der Schriftsetzer Franz Porekeit geboren am 22. Dezember 1833 in Gumbinnen am 13. Dezember im Elisabeth- Krankenbause nach kurzer Krank- heit plötzlich und erwartet ver- starben ist. 3009b Die Einäscherung findet am Freitag, den 17. Dezember, nach. mittags 3 Ubr, im städischen Kremawrtum in der Gerichtstragc statt. Berlin, de» 14. Dezember 1913. Im Namen der Hinterbliebenen Snntisw Zimmermann, Frann Porekeit. Ziehung 22. u. 23. Dezember. Cftotß■)> otferie für Kranken- und Kinderpflege 3667 Gewinne zus. Markw. 000 000 >10000 Los«& 3 M., Porto a.Listo 30 Pf. empl Carl Eeintze, Barl In W, tatet 21 Unter den Linden 21. LASCA »üot�Taok-'IS% SkvXxb 15 icP I-"-,..«' Spezialarzt Dr. med. Wockenfnfi, Friedrlchstr. 126(Oranienb. Tor), für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrllch-Hata-Kor(Dauer 12 Tage), Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufsstörung. Teilzahlung. j Sprechstunden: 10—2 und 4— 8 Rabattmarken der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend. � Preise klein Auswahl xiocl*. gross PIQsohmantel. ßeelplftfok, Boidonplüaob, Wollplüocb, Kzimzner jetit nooh 45,—, 58,—, 76,—, 106,—, bei Neaaafertiztisg bis TS,—, 115.-. 145.-. 210,—. Astrachanmäntel la bester Aniffihroaf bei Neaanschsflan� 83,-, 66.-. bis 125,— v Pelzmantel. 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C III CifhtflP Wrangelatr. 76 f. N. dlOlltf Eck. Cuvrystr. dHerrevi-u.Ha5bengard.» JH>_ Badatr. 26, Eck* .J>a>er Prtnian-AHa*. Faiilsdiilfl.�hÄrn.'tr Letke 5 Slupeckl, SeköiüL-üle« 70• WähmaactihtetT" Bcllraann, E, Gollnowstr. 28 Nähmaschinen NäbmaschineD Lldan In allen Stadtteilen. d Optiker. Hlaoh«nll«e"r~k OroB, Fant, Wartcbanerstr. 68. Schobert, Carl Nklln. Bcrg.tr. 14 4 Weine, Llkgre, Frncfatsatte p SSvig® �©Ixagj 60 FiHalen in allen StadleHen.! UUMMU Aota- Ges. ca.550Vertaofs8tell. ßr;-ßcrl. Booatkaap SEMPER IC EU < Wepnlcherungen~k „Deutschland" Berlin Arbeitenrersichernng— Schützen- Sterbckasscnvcrsichcrg. atraßo 3. Meierei C. Bolle A.-G. Berlin Altester und grSsster Milchwlrtschaftllcher — Orossbotrleb= ladtepeler JSXTA lie erste selöstspiel. Uoppelgeipd Pataeeruhofer ■ Gqggenberger« Ro�enWilerstr. tA.| Alexanderpl., Ricfa. ScfaloßnieSa PHÖtonP..Pliarate MJSfifSÄ�ki; Photo-Jansen, Haaptatr. 23- 4„ Schreatowarw» OTProchnow.kWIn Hera-naairlt < Olara-j u. Botriyvaren> Lehmann, Alb., Prankf. Allee40 4 /ahnatellor ft W.Best, SktliU.tslr.O 8�Wrtgj«lilr. 4 MahladoH k Frau A. Paget. Kolonialwaren. 4 Morlendorf HsWagner.Kcnign. 1 1. Fleiich-lVarilä jBrhnftnrr; mfteb Wielgva. Neukölln, üftr de» anfeiattnteü vermitw«: TH. Glocke. Berlin. Druck u.VerIag:«orwärt> Buchdruckerei u. Berlagsanitalt Paul Singer&. 60, Berlin SW. Nr. 345. 82. Iahraaag. 2. KilU des Jotmiils" Kerlim IcksblÄ Mittvoch,!5. Dezember l!)I5. Ein Kultur-dokument. Das„Berliner Tageblatt" veröffentlicht unter dem Titel ..Eine burgfriedliche Ansprache" einen gedruckten„Brief" des konservativen Reichstagsabgeordneten Landrat a.D. von Bonin an seine Wähler und bemerkt dazu: „Der Erlaß des Ministers v. L o e b e l l, der den Burg- frieden für geeignet hielt, künftige Wahlen durch Beein- flussung der Kreisblätter vorzubereiten, beginnt Schule zu machen. Der Landrat a. D. v. B o n i n, Rittergutsbesitzer und Vertreter des Neustettiner Wahlkreises im Reichstag, richtet an seine Wähler eine gedruckte Ansprache, deren Gegen- stand fast ausschließlich der künftige Kampf gegen den„i n n c- r e n Feind" ist. Er behauptet,„die konservative Presse ist durch die Zensurbehörde mundtot gemacht", deshalb bleibe nur der Weg eines Briefes an die Wähler übrig, um mit ihnen„in einer gewissen Verbindung" zu bleiben. Die Kritik, die Herr V. Bonin an der auswärtigen Politik der Regierung, namentlich gegenüber Amerika, übt, glauben wir übergehen zu sollen. Er faßt sich hier kurz, wenn auch kräftig. Um so ausführlicher begründet er sein unbc- grenztes Mißtrauen gegen die„Neuorientierung" der inneren Politik: ..Wenn man aber die Politik unserer Reichsregierung seit Jahrzehnten verfolgt bat und ungefähr weih, welche Anschau- ungen und Einflüsse in den maßgebenden Kreisen herrschen, so kann man leider kaum im Zweifel darüber sein, daß diese Neu- orientierung in der Richtung einer noch größeren Demokratisierung unserer öffentlichen Zu- st ä n d e geplant ist." Das ist das Leitmotiv, und danach geht es zunächst an die „kriegswirtschaftlichen Maßnahmen der Reichsregierung": »Da ist zunächst die unterschiedliche Behandlung der Tage!- presse: während die konservativen Zeitungen mundtot gemacht sind, hetzen der„Vorwärts" undandereJudenblätter ziemlich ungeniert gegen uns Konservative und die Landwirt- schaft weiter... Der erste Fehler, der gemacht wurde, bestand meines Erachtens darin, daß für das Rohprodukt(Brotkorn) ein Höchstpreis festgesetzt wurde, anstatt für das Fertigprodukt(Brot), an dessen Preis die Verbraucher doch alleine ein Interesse haben. Die Folge davon ist, daß das Brot in den Großstädten und Industriezentren fast doppelt so teuer ist. als es nach den Kornpreisen sein dürfte, und daß die Großmühlen durch die Für- sorge der K.-G. Millionen über Millionen verdienen. Und da- für werden die konservativen Landwirt« des Brotwuchers und anderer Scheußlichkeiten beschuldigt! Ich fürchte, der Bundesrat wird an seiner gegenwärtigen Kartoffelpolitik auch wenig Freude erleben— es l st nicht so leicht, den Zukunftsstaat einzuführen! Als letztes, aber nicht unwichtigstes, möchte ich in diesem Zusammenhange hinweisen auf die Haltung der demokratischen Presse und Abgeordneten, die auch ein gutes Teil Schuld an der Teuerung trifft. Es wiederholt sich hier genau derselbe Vorgang wie bei der Reichsfinanzreform. Wir haben damals für gewisse Waren, wie Streichhölzer, Zigarren u. a. m. Preissteigerungen erlebt, die in den geringfügigen Steuer- belaftungen gar keine Rechtfertigung finden konnten, vielmehr nur eine Folg« des verlogenen Gezeters im Reichstage und in der liberalen Presse waren. Wenn der Inhaber irgendeiner Ware täglich in der Zeitung liest, daß die Ware knapp und teuer ist, und noch teurer werden wird, so läßt er sich daS nicht zweimal gesagt sein." Der alte Faden, daß eS keine Uebelstände geben würde, wenn es keine Kritik gäbe, wird noch eine Weile weiter- gesponnen, dann kommt ein anderes Thema an die Reihe: »Im übrigen werden aber auch die Herren Asphaltvolitiker sich noch mehr mit dem Gedanken vertraut machen müssen, daß Krieg ist. und daß sie ihr gewohntes Leben nicht gemächlich weiterführen können. Die Sozialdemokraten find regierungsfähig ge- worden und ziehen ungehindert in alle möglichen Behörden usw. ein. In der letzten kurzen Tagung des Reichstages hatte die Regierung nichts Eiligeres zu tun, als eine Abänderung des Vereinsgesetzes durchzudrücken, die den sozialdemokrati- schen Gewerkschaften schrankenlose Freiheit gewährt. Wohin soll das alles führen?! Soll nach dem Kriege der Zukunftsstaat mit lüdischerSpitze aufgerichtet werden?! Es wird sehr großer Anstrengungen von unserer Seite bedürfen, um eine solch« EntWickelung zu verhindern, und in gesundere Bahnen zurückzuleiten, was schon verfehlt ist. Den damit verbundenen schweren Kämpfen werden wir nicht auS dem Wege gehen dürfen. Ich habe den Eindruck, daß die Reichsregierung sich durch die gegenwärtige Haltung der So- i a l d e m o k ra t i e und des Judentums täuschen ätzt. Sie scheint diesen Mächten es als ein Verdienst anzu- rechnen und als ein Beweis von Gesinnungsänderung zu be- trachten, daß sie die Milliarden bewilligt haben und im Kriege anscheinend ihre Schuldigkeit tun. Das ist aber doch so selbstverständlich und liegt so sehr in ihrem eigensten Interesse, daß ich darin kein Verdienst erblicken kann. Die sozialdemo- kratischen Führer wissen doch ganz genau, daß ihnen die Wähler zu Hunderttausenden weglausen würden, wenn sie jetzt«ine andere Haltung einnehmen wollten. Die wirklichen An- schauungen der Sozialdemokratie kommen zum Ausdruck in der unveränderten Hetz« des„Vorwärts" und anderer sozialdemokratischer Blätter, und in der Tatsach«, daß die sozialdemokratischen Abgeordneten im Reichstage nach wie vor in das übliche Hoch auf Seine Majestät den Kaiser nicht einstimmen— nicht einmal der Offizierstellvertreter Dr. S ü d e- kum in Uniform! Wenn die Herren sich nicht einmal zu dieser rein äußerlichen Huldigung entschließen können, so läßt das ihre innerliche Stellung zur Monarchie und zu der Person des Kaisers deutlich erkennen. Wer die heutige Haltung der Sozial- dcmokratie für etwas andere? hält als ein Produkt aus Angst und Heuchelei, den beneide ich um seinen Opti- miSmus." Im Anschluß an jene unverantwortlichen Anklagen wider Volkskreise, die im Schützengraben und daheim ihre Pflickst tun wie konservative Wähler auch, folgt dann sogleich der Aufruf zum Kampf wider den inneren Feind: „Ich bin meinerseits der Ansicht, daß die Neuorientie- rung unserer Politik in der entgegengesetzten Richtung zu suchen ist. Vor allem in einer viel bestimmteren und konsequenter durchgeführten Betätigung nationaler Gesichts- punkte, wozu der durch den Krieg herbeigeführte nationale Auf- sckchrnng rncht nur eine wohl nie wiederkehrende Gelegenheit und Veranlassung bietet, sondern der Regie. rung geradezu die Pflicht dazu auferlegt. Hiermit haben eben die Sozialdemokratie und die Judenschast nichts zu tun. Wenn unser Volksleben innerlich gesunden soll, unser Volk aus dem Kriege nicht bloß einen Gewinn an Land und Leuten heim- bringen, sondern auch eine religiöse und sittliche Erneuerung der Volksseele,«inen neuen Ausgangspunkt politischer Eni- Wickelung, bann müsse« dtese beide» Mächte für «nsere künftige Politlik unschädlich gemacht werden." Herr v. Bonin hat selbst die Empfindung, daß er seinen Brief unmöglich schließen könne, ohne auch über die preußische Wahlreform ein kräftiges Wort gesagt zu haben: „Nur auf einen Punkt muß ich aber noch eingehen; er be- trifft die Frage des preußischen Wahlrechts— eine der traurigsten Hinterlassenschaften der Bülowschen Mißwirffchaft. Die Sozial« und andereDemokraten schämen sich ni ch t, für ihre Pflichterfüllung während des gegenwärtigen Krieges eine Belohnung, und als solche eine Reform des preußischen Wahlrechts, zu fordern. Ich bin mir im Hinblick auf andere Vorkommnisse nicht ganz sicher, ob die Staatsregierung Festigkeit und Entschlossenheit genug besitzen wird, ein solches Ansinnen zurückzuweisen, weiß mich aber mit allen konservativen Männern im Kreise und über die konservativ« Partei hinaus mit vielen preußischen Patrioten darin einig, daß hiervon nun und nimmer die Rede sein kann. Das preußische Volk hängt mit Liebe und Vertrauen an seinem bewährten Wahlrecht, und die Demo- kraten aller Schattierungen haben nicht das Recht, namens deS preußischen Volkes zu sprechen." Mit soviel Liebe und Vertrauen hängt das preußische Volk an seinem Wahlrecht, daß es zu achtzig und mehr Prozent ineistens gar nicht mehr wählen geht! Den Schluß des Briefes macht ein Ausblick auf die künftige Finanzpolitik. Herr v. Bonin erklärt, der Weg zu Reich seifenbahnen gehe„nur über seine Leiche" und stellt dann den Grundsatz einer neuen Zollpolitik auf: »So sehr sich unser System des Schutzes der nationalen Ar- beit auch bewährt hat, so glaube ich doch nicht, daß die Linke das anerkennen und die Konfeguenzen daraus ziehen wird._ Zahlreiche Aeußerungen in ihrer Presse lassen vielmehr schon jetzt er- kennen, daß sie nach wie vor namentlich gegen die landwirtschaft- lichen Zölle Sturm laufen werden, der fanatische Haß, der den größten Teil des deutschen Liberalismus, abweichend von dem anderer Länder, gegen die Landwirtschaft beseelt, bürgt da- für. Einer gewissen Revision werden unsere Zollsätze fieilich be- dürfen, aber in anderer Richtung. Ich meine, wir müssen einen Ausgleich, eine gerechtere Abmessung der landwirt- schaftlichen und der industriellen Zölle unter sich anstreben. Die letzteren sind verhältnismäßig viel höher als die ersteren und schädigen dadurch indirekt die Landwirtschast, indem sie der letzteren Kapitalien und Arbeitskräfte künstlich ent- ziehen... Eine solche tveibhausartig« EntWickelung der In- dustrie, wie wir sie erleben, birgt doch auch große Gefahren in wirtschastlicher und politischer Beziehung in sich. Wenn die Ver- industrialisierung des Reiches in dem Tempo weiter fortschreitet wie bisher,- können die gefährlichen Krisen und Rückschläge gar nicht ausbleiben. Bei der Neuregelung unseres Zolltarifs lege ich weniger Wert auf die absolute Höhe der Zollsätze als auf einen billigen, gerechten Ausgleich zwischen den großen Produktions- gebieten— sei es durch eine Ermäßigung der in- dustriellen Zölle oder eine Erhöhung der landwirtschaft- lichen, wir werden hierauf um so mehr dringen müssen, als die Landwirtschaft nach dem Kriege ja in eine außerordentlich schwierige Lage geraten wird." Wir stimmen den Schlußsätzen des„Berliner Tageblatts" völlig zu, in denen es heißt:„Wir verzichten angesichts all dieser Offenherzigkeiten auf jedes weitere Wort der Kritik. Wir halten es für geradezu verdienstvoll, daß Herr v. B o n i n den Stimmungen und Wünschen, die ihn und gesinnungs- verwandte Kreise beherrschen, einmal so ungeschminkt Aus- druck gegeben hat, und zwar zu einer Zeit, woderReichs- tag versammelt ist. Der kann doch, um mit den: Reichstagsabgeordneten für Köslin 5 zu reden,„von der Zensurbehörde nicht mundtot gemacht werden", Mus Groß-öerlin. Krieg unü Schuljugenü. Wie vorsichtig man in der Beurteilung des Einflusses des Krieges auf die verschiedensten Gebiete sein und wie sehr man sich vor übereilten Schlußfolgerungen hüten muß, dafür ist charakteristisch ein Vorgang, der sich in Charlottenburg abgespielt hat, der aber darüber hinaus für ganz Deutschland Interesse haben dürfte. Uebereinstimmend hatten die Stadtärzte in ihren letzten Berichten hervorgehoben, daß auch während des Krieges die hygienischen Lebensbedingungen und die gesundheit- lichen Zustände durchaus günstige gewesen seien, und auch die Verwaltung hatte daraus den Schluß gezogen, daß trotz der gewaltigen Umwälzungen, die der Krieg in der Lebens- weise des einzelnen wie der Gesamtbevölkerung mtt sich ge- bracht habe, die Gesundhcttsverhältnisse nicht ungünstig beein- flußt worden seien. Nunmehr veröffentlicht ein Charlotten- burger Schularzt. Dr. Kettner, in der„Deutschen Medi- zinischen Wochenschrift" einen lesenswerten Artikel über das erste Kriegsjahr und die großstädtischen Volksschulkinder, worin er zu wesentlich anderen Ergebnissen kommt. Herr Dr. Kettner gibt offen zu, daß die Annahme, daß eine sichtbare Beeinflussung der Vvlksschüler durch den Krieg nicht zu beobachten ge- Wesen sei, nicht zutrifft. Soweit es sich um erwachsene Personen handle, habe sich schon um die Mitte des ersten Kriegsjahres nachweisen lassen können, daß die körperlich schwer arbeitenden Bevölkerungsschichten nicht genügend ernährt werden— ein Umstand, der bekanntlich den Anlaß zur Aus- gäbe von Zusatzkarten für Brot und Mehl ergeben hat. Ebenso wichtig, bisher aber nicht genügend beachtet, ist die Frage, ob nicht etwa auch die Kinder von der durch den Krieg unzweifelhaft hervorgerufenen ungünstigen Lage beein- flußt werden. Diese Frage ist nach Dr. Kettner um so wichtiger, als es sich bei unserer heramvachscnden Jugend im Gegensatz zu den Erwachsenen, von denen nur ein,>venn auch nicht unbeträchtlicher Teil betroffen wird, um ganz andere Zahlenmasscn handelt, denn sie alle brauchen und verbrauchen zum Aufbau und zur EntWickelung ihres Körpers weit größerer Energiemengen, als sie der körperlich schwer ar- bettende Erwachsene zur Erhaltung seines Körperbestandes benötigt. Naturgemäß werden, wie bei den Er- wachsenen. so auch unter den Kindern diejenigen am ehesten schädigenden Einflüssen zugänglich sein, die unseren arbeitenden Bevölkerungsschichten angehören, da deren Entwicklung durch Verschlechterung der sozialen Lage ihrer Eltern doppelt gefährdet erscheint. Dr. Kettner, dessen Aufsicht ein Bezirk mit etwa 5000 Kindern vom zartesten Säuglingsalter bis zum vollendeten 14. Lebensjahre unterstellt ist und der an einer Stelle wirft, wo Großstadt und Industrie sich die Hand reichen, und wo die verschiedenen Zweige der Jugendfürsorge zusammengefaßt sind, stellt nun auf Grund seiner Beobachtungen folgendes über die Einwirkung des ersten Kriegsjahres auf die groß- städtischen Arbeiterkinder fest: Die in der Fürforgestclle vorgestellten Säuglinge und Kleinkinder im sogenannten Spielalter haben unter der Ungunst der Verhältnisse bedeutend weniger gelitten als zu Beginn des Krieges befürchtet wurde. In vermehrter An- zahl sind eigentlich nur zwei Krankheitsbilder beobachtet worden, die in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Krieg zu bringen sind, einmal die sogenannte englische Krankheit, die er als eine Folge der verschlechterten häuslichen Verhältnisse ansieht, und zweitens Krämpfe, worin er den Ausdruck der nervösen Beeinflussung der jungen Mütter während der Schwangerschaft erblickt, soweit diese nach Aus- bruch des Krieges eintrat. Dagegen hat er trotz des wechseln- den und teilweise recht heißen Wetters Erkrankungen an Magenkatarrhen nur selten, Todesfälle daran überhaupt nicht beobachtet. Für die Säuglinge erklärt er sich dies günstige Ergebnis aus den bundesrätlichen Bestimmungen über die Wochenhilfe, indirekt auch aus dem Geburtenrückgang und daraus, daß ein nicht unbeträchtlicher Teil der Kriegerfrauen mit ihren Kindern aufs Land zog, für die Kleinkinder bis zum vollendeten sechsten Lebensjahre aus der gerade in Ar- beiterkreisen zutage tretenden, oft rührenden Uneigennützigkeit der Eltern, die lieber selbst oft bittere Not leiden, als daß sie ihren Kindern auch nur die geringsten Entbehrungen materieller Natur zumuten würden. Ein wesentlich anderes Bild zeigt sich im Schulaltcr, wo die Kinder während eines großen Teils des Tages der elterlichen Gewalt entzogen sind. Auf die körperliche Ent- Wicklung der Schulfinder hat schon das erste Kriegsjahr einen deutlichen Einfluß ausgeübt, und zwar ist sowohl die G e- Wichtszunahme als auch das Längenwachs- tum bei Knaben und Mädchen im Kriegsjahre 1915 hinter den voraufgegangenen Friedens- jähren zurückgeblieben. Zunächst allerdings ver- neint Dr. Kettncr die Frage, ob die Schulkinder bereits direkt geschädigt sind; ob aber dieser noch nicht uugünstig zu nennende Zustand bei längerer Dauer des Krieges anhalten wird, erscheint ihm zweifelhast. Jedenfalls dürfte der Um- stand, daß von 33 Schülerinnen einer Klaffe im Aller von zehn Jahren innerhalb eines Zeitraums von fünf Monaten 2 Gewichtsstillstand, 26 Abnahme bis zu 2 Kilogramm und nur 5 eine Gewichtszunahme aufwiesen, die aber auch bedeutend hinter den Mittelwerten der Friedensjahre zurück- blieben, zu ernsten Befürchtungen Anlaß geben und die schleunige Inangriffnahme vorbeugender Maßnahmen erforderlich machen. Will man eine schwere Schädigung unserer heranwachsenden Schuljugend sowohl an sich als auch als Trägerin kommender Generationen vermeiden, dann sorge man dafür, daß sie ausreichend ernährt werde. Es wäre wünschenswert, wenn überall Untersuchungen nach der gleichen Richtung angestellt würden. Aber dabei allein darf es nicht bleiben. Gemeindeverwaltungen und Rc- gierungen müssen auch die entsprechenden Schlußsolgerungen daraus ziehen._ Arbeiter-Bildungsschule. Die Kurse deS LehrplanS für für das 4. Vierteljahr 1915 gehen in dieser Woche zu Ende. Bis zum Beginn des Unterrichts im nächsten Vierteljahr ist daher die Bibliothek der Schule nur Sonntags abends von 8—9 Uhr geöffnet. Der Verkauf des ausländischen Schweinefleisches. Durch preußische AuSführungSanweisung ist bekanntlich der Verkauf von ausländischem Schweinefleisch, Schweinefett und aus- ländischen Schweinefleischwaren von der Genehmigung deS Gemeindevorstandes abhängig, falls der Berkauf zu höheren Preisen als zu den für das Inland festgesetzten Preisen stattfinden soll. Der Ma« gistrat hat nunmehr unter dem Dalum des gestrigen Tages eine Bekanntmachung des Inhalts erlassen, daß er diese Genehmigung unter bestimmten Bedingungen erteilen will. Die vornehmlichsten Bedingungen sind, daß neben den auS- ländischen Waren inländische in der gleichen Geschäftsstelle nicht aufbewahrt und feilgehalten werden dürfen, daß die Geschäftsstellen als Verkaufsstellen für ausländische» Fleisch kenntlich gemacht und die Preise an einer für jeden Käufer erkennbaren Stelle beut« lich lesbar angeschlagen werden müssen. Außerdem mutz sich der Geschäftsinhaber, der mit Auslandsware handelt, strengen Kontroll- vorschrfften. insbesondere hinsichtlich der Buchführung, unterwerfen. Zuwiderhandlungen sind mit hohen Strafen bedroht. Von einer Preisfestsetzung für die ausländischen Waren ist vorläufig abge- sehen; es wird jedoch in der Bekanntmachung darauf hingewiesen, daß derjenige, der für die Waren Preise fordert, die einen über« mäßigen Gewinn enthalten, strenger Bestrafung sich aussetzt. Die Verordnung tritt bereits heute am Ib. Dezember in Kraft._ Die Höchstpreise für Schweinefleisch. AuS unserem Leserkreise kommen Aufragen, warum für Kasseler t,60 M. geforden wird, da der Höchstpreis für Schweinefleisch nur 1,40 M. beträgt. Nach den getroffenen Bestimmungen ist der Höchstpreis nur für frisches Schweinefleisch festgesetzt, für geräuchertes oder gepökeltes Fleisch sind höhere Preise zugelassen. Die Fahrpreisermäßigung für Angehörige von Kriegs- teilnehmern in Deutschland, Oesterreich und Ungar». Für die Fahrpreisermäßigung für Angehörige deutscher, österreichischer und ungarischer Kriegsteilnehmer treten am 15. Dezember einheitliche Bestimmungen in den Binnenverkehren der ein- zelnen Bahnen in Kraft. In Oesterreich und Ungarn ist die Inanspruchnahme der Fahrpreisermäßigung abhängig von der Beibringung einer Bestätigung des Lazaretts über die Er- krankung. Verwundung oder das Ableben des Krtegsteil- nehmerß, sowie darüber, daß dem Besuch nichts entgegensteht. Auf dieser Bestätigung muß von der Polizeibehörde des Wohn- ortes des Angehörigen eine Bescheinigung über folgende An- gaben enthalten sein: Name des Reisenden und Verwandtschaft- liches Verhältnis zum Kriegsteilnehmer, Reisezweck, An- fangs- und Endstatton der Reise und Reiseweg. Aus- gestellt werden diese Bestätigungen in Oesterreich durch die polizeiliche Bezirks- oder die landeSfürst- lichc Polizeibehörde, in Ungarn vom Oberstuhlrichter- amt der Polizei- oder politischen Kreisbehördc. Eine durch- gehende Abfertigung nach österreichischen und ungarischen Stationen ist nicht jUtlässig. Der halbe Fahrpreis wird auf den österreichischen Bahnen gewährt für Eltern. Kinder. So- schwPer, Ehefrau und Verlobte in der H.»md IH. Wagen- klaffe für Personen- oder Schnellzüge, auf den ungarischen Bahnen für Eltern, Kinder, Geschwister und Ehefrau in der ILL Klasse nur zum Besuch. Auf deutschen Bahnen erhalten die Ermäßigung auch Adoptiveltern und Adoptivkinder in un- beschränktem Umfange. Großeltern, Enkelkinder, Schwieger- und Pflegeeltern, auch Stiefeltern sowie Geschwister der Ehe- srau des Kriegsteilnehmers dann, wenn sie die nächsten An- gehörigen vertreten, weil diese nicht mehr leben oder nicht reisefähig sind. Dies muß polizeilich bescheinigt werden. Zu- lässig ist auch die II. Klasse. Vorzulegen ist eine ortspolizei- liche Bescheinigung. Ueberall mutz die Entfernung mindestens 5l) Kilometer betragen._ Doppelsclbstmord eines Schwesternpaares. In der Nacht zum Dienstag haben zwei in der Güntzelstraße in Wilmersdorf wohnende Porträtmalerinnen, zwei Schwestern im Alter von 37 und 41 Jahren, ihrem Leben durch Einatmung von Gas ein Ende gemacht. Der Grund ist unbekannt. Vorher hatten sie verschiedene Briefe geschrieben, an die Polizei sowie an einige Tageszeitungen. In einem auch an unsere Redaktion gerichteten Briefe teilten fie mit, daß sie in der letzten Nacht den Freitod ge- sucht hätten und baten darum, ihre Namen in Rücksicht auf ihre Familie nicht zu nennen. Diesem letzten Wunsche kommen wir hier- mit nach._ Zu der Bluttat in Neukölln erfahren wir. daß das Befindendes Provisors Grofie leidlich ist. Die Aerzte hoffen, ihn am Leben er- halten zu können, wenn nicht unvorhergesehene Zufälle eintreten. Der verhastete Andresen, der gestern von der Neuköllner Kriminal- Polizei noch einmal verhört wurde, um dann dem Untersuchungs« richter zugeführt zu werden, zeigt keine Spur von Reue. Er ist ganz ruhig und erklärt, daß er mit seiner Tat sehr zufrieden war. Andresen leidet an der Wahnvorstellung, daß ihn die Juden ver- folgen und daß jüdische Aerzte ihn falsch behandelt und ihm eine Geschlechtskrankheit angedichtet hätten. Diese Vorstellung hat in ihm einen Haß auf alle Juden erzeugt. So kam er auch dazu, Grosse aus dem Wege räumen zu wollen, weil er ihn irrtümlich für einen Juden hielt. Festgenommen wurde gestern morgen der Durchbrenner aus Nauen, der 18 Jahre alte Maschinenschreiber Eberhard Ortleb, der der Mehlverteilungsstelle in Nauen 28 OVO M. unterschlug, die er auf der Post einzahlen sollte. Ortleb fuhr, wie wir schon mitteilten, am Sonnabend mit einem Vorortzuge nach Berlin. Die hiesige Kriminal- Polizei ermittelte am nächsten Morgen, daß er die Nacht über unter dem Namen Erick Schlulius in einem Gasthofe in der Gegend des Anhalter Bahnhofes gewohnt hatte. Einen neuen Lederkoffer zur Bergung seiner wenigen Habseligkeiten hatte er gleich nach der An- kunst in Berlin gekauft. Weil er aus Gotha stammt und in Erfurt Verwandte hat, so vermutete die Kriminalpolizei, daß er zunächst jene Gegend aufsuchen werde. Sie setzte alsbald alle Behörden, die in Betracht kamen, in Kenntnis, und so gelang es der Erfurter Kriminalpolizei, den Flüchtigen gestern morgen in der Nähe von Erfurt zu ermitteln und festzunehmen. Er wurde dann dem zustän- digen Amtsgericht Liebenstein zugeführt. Bei ihm fand man noch 27 800 M. Der Verhaftete hatte noch keine Gelegenheit gehabt, sich neue Sachen zu kaufen und trug noch die Kleidung, in der er Nauen verlosten hatte. Den falschen Namen Erich SchlutiuS hatte er ge« wählt, weil ein anderer junger Mann, mit dem er in Nauen an einem Tische arbeitete, so heißt. Aus dem Wasser gezogen wurden gestern die Leichen zweier Männer, deren Persönlichkeit noch nicht festgestellt werden konnte. An der Charlottenburger Schleuse fand man einen Mann von 60 bis 70 Jahren mit grauem Haar und Vollbarl. An der Sickingenbrücke landete man einen besser gekleideten Mann im Alter von SS bis 4S Jahren mit vollem Gesicht, hoher Stirn und dunklem, etwas graugemischtem Haar und starkem Schnurrbart. Beide Leichen trugen Bruchbänder. Kleine Nachrichten. In geistiger Umnachtung hat der 44 Jahre alte Schuhmacher Hermann Dankel aus der Marienburger Str. 2 seinem Leben ein Ende gemacht, indem er sich in seiner Laden- Wohnung gestern mit Gas vergiftete. �lus öen Gemeinöen. Kommunal-Tchuhmacherwerkstatt in Lankwitz. llm den geradezu unhaltbar gewordenen Zuständen auf dem Ledermarkt zu begegnen, die es in erster Reihe der minderbemittelten Bevölkerung äußerst schwierig machen, sich mit dem nötigen Schuh- zeug zu versehen, hat die Gemeinde Lankwitz eine durchaus nach- ahmenswerte Einrichtung getroffen. Sie fft dazu übergegangen, eine Schuhmacherwerkstatt für hilfsbedürftige Kriegerfrauen einzu- richten. Dort werden Frauenschuhe für 2 Mark mit Sohlen und Absätzen von gutem Leder versehen, für Schuhe größerer Kinder werden 1,S0 Mark und für Schuhe kleinerer Kinder 1 Mark verlangt. Die zu reparierenden Schuhe werden bei der Kriegsfürsorgeabteilung der Gemeinde abgegeben. Es wäre durchaus wünschenswert, wenn auch andere Gemeinden diesem Beispiele folgen würden. Auch im Gemeindeinteresse dürfte eine solche Fürsorge liegen, da schließlich doch in letzter Linie die Kosten der durch mangelhaftes Schuhzeug hervorgerufenen Erkran- kungen bei hilfsbedürftigen Einwohnern die Gemeinden übernehmen müssen, Sie wirken also nur vorsorgend, wenn sie dem Beispiel von Lankwitz folgen._ Kriegsfursorge in Stralau. Die Gemeindevertretung beschloß in ihrer letzten Sitzung, ein zweites Darlehen in Höhe von 60 000 M. für Kriegswohlfahrts- zwecke aufzunehmen; dem Gemeindevorstand werden hiervon zum Ankauf von Lebensmitteln 16 000 M. überwiesen. Ein Antrag der Berliner Ostbahnen auf Zustimmung der Gemeinde zu einer beab- fichtigten Fahrpreiserhöhung auf den der Gesellschaft gehörenden Bahnen wurde abgelehnt.— Die Bewilligung eines Beitrages für das Alt-Stralau 21 zu errichtende Kriegsgenesungsheim wurde aus- gesetzt.— Die Wählerlisten für 1916 sollen nach den für 191S maßgebenden Steuerlisten neu aufgestellt werden.— Den zum Heere einberufenen Mannschaften und Unteroffizieren wird, sofern ihre Angehörigen Reichs- und Kreisunterstützung erhalten, vom IS. Dez. ab vom 4. Tage bis zu 14 Tagen ein Verpflegungszuschuß von 1 M. pro Tag gezahlt; für Erholungsurlauber jedoch nur dann, wenn ihnen keine Extra-Unterftützung gezahlt wird. Städtischer LebenSmittelverkanf nur an OrtSangehSrige. Der Magistrat der Stadl Wilmersdorf hat eme Ber- ordnung erlassen, die am heutigen Tage in Kraft tritt, wonach der Verkauf der vom Magistrat beschafften Waren nur noch an donige Einwohner zulässig ist. Die Verbraucher müssen bei der Entnahme von Waren in den städtischen Verkaufsstellen oder in den städtischer Aufsicht unterstehenden Geschäften jedesmal die sür die betreffende Woche ausgestellte Brotkarte vorzeigen. Ausdehnung des Speckverkaufs in Neukölln. Der von der Stadtverwaltung beschaffte Speck wird von jetzt ob auch in der städtischen Freibank, Kirchhofstr. 20, an sämtliche Neuköllner Einwohner sbisher nur an Minderbemittelte) verkauft. Im Hause Steinmetzstr. 46/47 wird heute eine neue Verkaufs« stelle sür selten und mageren Speck eröffnet. Berkaufszeit: Montag. Mittwoch, Donnerstag und Sonnabend von 9—12 Uhr und 4 bis 7 Uhr. Preis: 2,20 M. für fetten und 2 M. je Pfund für mageren Speck. Bettkarten in Eichwalde. Der Gemeindevorstand von Eichwalde hat beschlosten, vom IS. Dezember ab den fteien Verkauf von Butter, Schmalz. Mar- garine und dergl. zu verbieten und die Abgabe dieser Artikel nur gegen Vorzeigung von Fetlkarten zuzulassen. Die Fettkarten werden auf dem Raihause ausgegeben. Die Abgabe und Entnahme von Fett ohne Fettkarten soll nach den geltenden Bestimmungen bestraft werden. Gerichtszeitung. Selbstmord im Untersuchungsgefängnis. Auf ungewöhnliche Art hat ein im Untersuchungsgefängnis sitzender Kaufmann Lorbeer seinem Leben ein Ende gemacht. L., ein noch junger Mann, ist am 16. November von der 1. Straf- kammer des Landgerichts I wegen Beihilfe zum Verbrechen gegen Z 218 St.-G.-B. zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Zur Verbüßung der Strafe sollte er nun iu das Gefängnis zu Tegel übergeführt werden. Unmittelbar vor dem Abtransport eilte er in einem unbewachten Augenblick zum vierten Stockwerk des Unter- suchungsgesöngnisteS empor und stürzte sich von hier aus auf den mit Granitsteinen gepflasterten Boden der Mittelhalle hinab. Sein Kopf zerschellte hierbei vollständig; der Tod trat auf der Stelle ein. Mus aller Welt. Was ein Redakteur alles leisten soll. Durch ein in einem Fachblatt für Druckereien erschienenes Inserat sucht eine im Regierungsbezirk Trier täglich erscheinende Zeitung mit Akzidenzdruckerei einen erfahrenen, militärfreien, lokal- kundigen Fachmann als Redakteur, technischen Leiter, Metteur, Maschinenmei st er. Setzer, Buchhalter usw. Ob der Betreffende auch im Haushalt des inserierenden Unter- nehmers das Stubenmädchen und die Köchin ersetzen soll, wird zwar nicht gesagt, doch das.usw.' läßt auch diese Möglichkeit offen. Die in Frage kommende Zeitung scheint schon nach Loebellscher Methode hergestellt zu werden, nach der der Herr.Redatteur' noch imstande ist, eine Anzahl ihm nicht zustehender Arbeiten nebenbei zu verrichten. Das Redigieren macht ihm dann kein Kopfzerbrechen mehr. Ei» Trinkgeld erskavdal in der Schweiz. In Bern bat das Zentralkomitee der schweizerischen Landesausstellung von 1914 aus dem Reingewinn von rund 100 000 Fr. seinen drei Mitgliedern Dr. Moser, Regierungsrat des Kantons Bern, eine.Gratifikation" von 80 000 Fr., dem Nationalrat Hirter, dem Stadtpräsidenten und Ständerat Steiger je 10 000 Fr. bewilligt, drei reichen Herren zusammen also SO 000 Fr., obwohl ersterer sowieso als Präsident des Direktionskomitees eine Jahresbesoldung von 4000 Kr., Steiger eine solche von 2000 Fr. hatten. Die.Berner Tagwacht' hat den Trinkgelderskandal enthüllt mit dem Erfolg, daß die reichen Trink- gelderherren ttefgekränkt nun aus die SO 000 Fr. verzichten, die jetzt zur Unterstützung der vielen Rotleidenden in der Stadt Bern ver- wendet werden können. Verlustlisten. Die Verlustliste Nr. 404 der preußischen Armee ent- hält Verluste folgender Truppen: Infanterie usw.: Garde: 2. und 3. Gards-Reg. z. F.; Garbe- Gren.-Reg. Elisabeth; Gavde-Füs.-Reg.; Garde-Jäger- und Garde- Res.-Jäger-Bat.; Gavde-Schützon-Bat.(f. Garide-Füs.-Reg.). Gverr- bzw. Ins.- bzw. Füs.-Rogimenter Nr. 2, 3, 6 bis einschl. 10, 12, 14 bis einschl. 18, 22, 24, 26, 29 bis einschl. 32(letzteres s. auch Ge- bivgs-Maschinonyew.-Abt. Nr. 221), 87, 40 bis einschl. 44, 49, S1, 53, 54, 56, 57, 60, 63, 64, 66, 68, 70, 71 fs. auch Jnf.-Reg. Nr 32), 76, 76. 79. 82, 84. 88 fs. Res.-Jns.-Reg. Nr. 88), 89, 91, 92, 97, III, 113. 114, 131, 142, 143, 144(s. Res.-Jns.�ieg. Nr 228), 147, 148, 150, 151, 152, 155, 158, 168, 170, 172 bis einschl. 176, 330, 341, 373, 377. Rös.-Jns.-Regimenter Nr. 6 bis einschl. 9, 11, 15, 17, 19, 21, 22, 26, 27, 29, 30, 31, 49. 59, 61, 64. 67. 68, 69, 72, 76 bis einschl. 79, 81, 83. 87, 88, 90, 93, 118, 203 bis einschl. 206. 213. 216, 221, 223, 224, 226 bis einschl. 233, 250. 259, 260, 266, 267, 272. Res.-Ers.-Jnf.-Reg. Nr 1. Landw.-Jnf.-Regsmenter Rr 3 bis einschl. 12. 15, 19. 22, 24, 29. 47. 51. 53, 56. 57. 61, 72, 73, 75. 78. 83. 84, 87, 109. Feld-Ers.-Bat. Nr. 1 des 7. Armeekorps. Jäger-Bataillone Nr 2, 3, 4, 7, 9, 11; Res.-Bataillone Nr. 3, 4, 20. Raidsahrer-Komp. Nr 54 und solche der 11. Lanbw.-Div.; Res.-Radfahver-Komp. Nr 81. Maschinengew.-Abt. Nr. 2; Ge- birgs-Maschinengew.-Abt. Nr. 221; Feld-Maschinengew.-Züge Nr. 15(f. Res.-Jäger-Bat. Nr 4), 81(st Landw.-Jws.-Reg. Nr 83), 90(st Jnf.-Reg. Nr. 15), 286(st Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 56). Kavallerie: Dragoner Nr. 16; Husaren Nr 6; Ulanen Nr 9 und 14; Jäger zu Pferde Nr. 7. Feldartillerie: 3. und 4. Garde- Regiment; 1. Gaobe-Rest-Reg. Regimenter Nr. 1, 5, 8, 16, 17, 27, 31. 37, 42, 52, 62, 63, 82; Res.-Regimenter Nr. 3 und 7; Landw.-Rog. Nr 9; Landw.-Abt. des 14. Armeekorps; 2. Landst.-Batt. des 6. Armeekorps. Fußartillerie: 1. Garde-Reg. Reg. Nr. 4; Bat. Nr. 38; Erst- Bat. Nr 26; Landw.-Bat. Nr. 5. Fußart.-Batt. Nr. 228. Pioniere: I. und III. Garde-Bat. Regimenter Nr. 18 und 23; Bataillone: l. Nr. 1. I. Nr. 2, l. und II. Nr 9. l. Nr 10. l. Nr. 16, l. Nr. 17. I. Nr 28; Res.-Bataillone Nr. 32 und 34; Pionier-Komp. Nr. 213; Res.-Kompagnien Nr 44 und 75; 2. Land- wehr-Komp. des 13. und 3. Landft.-Komp. des 4. Armeekorps. Paonier-Abt. der 6. Kav.-Div. Minenwerfer-Bat. Nr 1. Feldfliegertruppe. Train: Etappen-Kraftwagenpark der Lrmee-Abt. Woyrsch. Pferdedepot Nr. 1 des 5, Armeekorps. Munitionskolonnen: Artiller: e-Munitionskolonne Nr. 2 der Landw.-Div. v. Bredow und Art.(?)- Munitionskolonne Nr. 187; Res.-Art.-Munitionskolonne Nr. 6 des 7. Reservekorps, Nr. 81 der 76. Res.-Div. und(?) Nr 92 des 40. Reservekorps; Fußart.- Muniiionskolonne Nr 5 des 40. ReservckorpS und Nr. 3 der 58. Jnf.-Drv. Landwehr-Feldlazarett Nr. 6. Armierung-Bataillcme Nr. 27, 33, 53, 81, 112. •* * Die sächsische Verlustliste Nr. 236 meldet Verluste der Jnf.-Regimeniter Nr 100, 101, 104, 106, 107, 133; Res.-Jnf.-Regi- menter"Nr 100, 101, 102, 107; Landw.-Jnf.-Regimenter Nr 101, 102, 103, 104, 107; Sani tätS-Kompagmen Nr 2. 19. Armeekorps; Nr 123;»ef�SamtätS�ompagi««« Rr 2. l2. Rofervekorp«; Nr 53. 27. Steservekorp«: Eist.-Sani täls- Kompagnie» Rr 5, l0. Srst- Div.; Feldlazarett Rr 11, 12. Armeekorps;»es.-Feldlazarett Nr. 5, 12. Referoekorps; Frei». Krankenpflege; ArmierungS-Bat. Nr. 23. Die württembergische Verlustliste Nr. 319 veröffentlicht Verluste des Ers.-Jnf.-Reg. Nr. 52; Gren.-Reg. Nr. 119; Landw.- Jnf.-Reg. Nr 120; Füst- und Res.-Jns.-Reg. Nr 122; Landw.- Jnf.-Reg. Nr. 123; Ins.- und Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 125; Ins.- Regimenter Nr 126, 180; Ulanen-Reg. Nr 20; Feldart.-Reg. Rr. 13; Sanitäts-Komp. Nr 3; Verluste durch Krankheiten; Be- richtigungen früherer Berlustlisten. Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Rosenthal. Donnerstag, den 16. Dezember er., abends 6 Uhr, im großen Sitzungssaal des Verwaltungsgebäudes,.nauptstr 94. Diese Sitzungen finv Sffcnilich. Jever Ecmciuvcangchörige ist b«> rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Sriefkaften der Redaktion. Die lurifttfche Sprechstunde findet Kr Abonnenten Lindenftr. 3, IT. Hof rechts, parterre, am Montag bis Freitag von* bis 7 Ugr, am Sonnabend von S bis C Uhr statt. Jeder sür den Brteilasten bestimmten Antrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merlzeichen beizufügen. Brieflich« Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine Aoonnementsauittung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Verträge, Echriftstü-ke und dergleichen bringe man in die Sprechstunde mit. B. T. 10». 1. Ob Sie mindestens 10 Proz. erwerbsunfähig sind, können wir nicht entscheiden. 2. Wir würden Ihnen empfehlen, einen Antrag aus Kriegsrente beim Bezirkskommando einzureichen. 3. Einziehung könnte auch ohnedies erfolgen, wenn die Reklamation abgelaufen und Sic nach ärztlicher Untersuchung für dienstfähig befunden werden. 4. Nein.— — ÄK. 99, Wegen Öerabsetzung der Sehschärfe seinerzeit der Erfatzrefervc überwiesen.—-331. B. 115. Nein.— Akazie 8. Dienstuntauglich; die erste Ziffer bezeichnet Herzkrankheit, die zweite Kranlheiten des Lymph- shstcms.— Eilt 342. 1. Beiträge für Invaliden- und Krcmkenverfichc- rung können nur für zwei Lohnpcrioden in Abzug gebracht werden. 2. Senden Sie die Kündigung dem Hauswirt zu.— Neuwelzow 91. 2. Da die Kündigung nicht vorschristSinäßig nach den Bestimmungen der Police erfolgt ist. ist die Ansicht des Agenten richtig; der Vertrag ist nicht gelöst.— F. P. Liegnitzer Straffe 19. Das entscheide'»er Militär- arzt; wahrscheinlich werden Sic nicht mehr eingezogen. Die Zeichen bc- deuten: lungenkrank; dienstuntauglich.— Berta 100. Kranienlasse wie Invalidenversicherung sind nicht absolut vervilichlet, Zahnersatz zu leisten. K. 24. Ja; Beschwerde dagegen ist unzulässig.— K. 23. Sie müssen sich melden; Nachuntersuchung wird dann slattsinden.— W. F. 19. 1. Die Eltern find berechtigt, Antrag aus Auswondsentichädigung zu stellen, wenn die Söhne insgefami 6 Jahre Mililärdienstzeit nachweisen können. 2. Ja. 3. Der Antrag kann sofort aus dem Polizeirevier gestellt werden. 4. Antrag aus kkriegselterngcld ist aus dem Polizeirevier zu stellen.— 31. E. 25. Pk. 1. Der Betreffende steht im MililärverhälMis. 2. Wen» die Reklamation vom Arbeitgeber aus erfolgt, ja.— R. G. 4. Nein.— F. G. 86. 1. Wenn Sie beide großjährig find, bedarf es keiner weiteren Papiere. 2. Wenn die Trauung in Berlin statifinden soll, min; das Aufgebot bei dem Standesamt bestellt werden, in dessen Bezirk Sie Ihren Wohnsitz haben. 3. Rein/ 4. Etwa 4 Wochen.— L. K. 26 und P. 27. Nein. — Lisa 400. Wenn die Entbindung nicht vor dem 20. September dieses Jabres stattfand und der Mann zur selben Zeit im Heeresdienste sich be- fand, oder inzwischen gefallen oder im Dienst gestorben ist, kann Zuwendung erfolgen. Außerdem muß Bedürftigkeit vorliegen. Adresse: Kricgskinderfpende deutscher Frauen. Prioatkanzlei der Frau Kronprinzessin, Potsdam.— H. G. 25 und M. 13. Die Berliner GewerkfchaftSkommisfion. Engelufer IS, hat die Vermiltelung von Pachtstellen übernommen, und dürste Sie auch in Ihrem Vorhaben beraten können.— A. B. 25. 1. Unseres Wissens zum halben Fahrpreis. 2. Zu erfragen bei der Aus- kunslsflelle Potsdamer Bahnhof, wo Sie sich so wie lo wegen Fahrpreisherabsetzung vorher hinwenden müssen.— P. R. 34. Aus den städtischen Gasrevier-JnspeNionsbureauS, wo Sie auch de» jetzigen Preis erfahre».— Jt. 500. Aufbewahrung im Keller ist vorzuziehen. WetterauSstchteu für das mittlere Rorddentfchland bis Donnerstag mittag. Zeitweise heiter, jedoch vorwiegend wolkig und westlich der Oder geringe Niederschläge. Temperaturen um den Gefrierpunkt schwankend. flnnal)mefte!kn für„Kleine flnzelgen" Berlin C. A. Halmiich. Ackerstr. 174. O. Karl Melle, Petersburger Platz 4. Si. WengelS, Martnsitr-ße SS. XO. 8. Zucht, Immanuelkirchstr. 12. X. 2t. Wolgast. Wattstraße 9. H. Fischer, Bafttanftraße 6. Karl Mars. Greisenhagener Str. 22. J.Hönisch, Müllerftr. 34». •ö. Bogel, Loryingstr. 37. WV. Salomo» Joseph, Wilhelmshaven er Str. 4L. «XV. G. Schmidt. Bärwaldstr 42. 8. St. Fritz, Prinzenitr. 3t. H. Lehmann. Kottbuser Damm 8. SO. Paul Böhm. Lausttzer Platz 14IIö. P. Harsch, Engelufer 15. A.«t. Karl Ichwarzlose. Bismarckstr. 28. Bnnn,»el>nlen« ex. jp. Hornig, Maricnlbaier Str. 1», I. BerKixtvnlde. Paul Kienait. Räuichstr. 10. 1 harlotlenburt«, Gustav Lcharnderg, sei enden» er Str. 1. t'riedricbailiaxea. Ernst Werkmaan, Köpenick«: Str. 18. Ortinaa. Franz Klein, Friediichstr. 10. Johannintbal. Max Go»schur. Pa-kst-«3 I4.arl>»l>or»t. Hermann 8 Illing, Dönhosfslr. a» Köpenick. Emil Wiffler, Kietzcrflr. 6. Uaden. Ideiltcn berx i. Otto■Settel, Wartenbergstr. 1. Lichtenberg; II. 31. Roieukranz, All-Boxhagen 5«. �ieakiilln. M. Heinrich, Neckaritr. 2. C. Rohr, Siegfried« jlraße 28/29. Nieder-Schöncweide. Wild. Unruh. Brücienftr. 10. Conane». Karl Krähnberg, Friedrichkirchplatz 27. Obcr-ScbUneHcidc. Alfrev«aver, WUhelminenhofstr. 17, Lade». lKankuw. Otto Riffmann, Mublenstr. 30. Iteinickendorf. P.(Snrich, Prooinzslr. 56, Laden. Schönebcrg. Wilhelm Bäumler. Marnn-Lulher-Str. 69 im Laien. Spandau. Schuhmacher. Brcilestr. 64. Steglitz. H. Berniee, Alfenstr. ö. Tcmpeltaof. Joh. Rrohn, Borufsiastr. 62. Treptow. Robert tdrcuzenz, Kiejbolz/u.-12, Laden. WeiUcnsce. Gustav Roffkopf, Berliner Allee 11. Wilutenidorl. Paul Schuh ert, Wilhelms aue 27.