Ur. 83. Erschein! täglich außer Montag». Preis pränumerando: Viertel- jährlich s.ZO Mark, monatlich 1,10 Vit., wöchentlich 28 Psg. frei in's Haus. Einzelne Nummer 6 Psg. Sonntags-Nummer mit tllustr. Sonntags-Beilage„Neue Well" 10 Psg. Post-Abonnement: s.ZoMt. pro Quartal. Unter Kreuz- band: Teutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 Ml., für das übrige AuslandsMk.pr.Monat. Eingetr. in der Post-Zeilungs-PrelSlist« für 1«»» unter Nr. e«l» 11. Jahrg. �tlserNonS-Sebühr befragt für bit fünfgespaltene Petitzetle oder der!» viaum 40 Psg., für Vereins- tud Bersammlungs- Anzeigen 20 Pft.- Jnserate für die nächste Nummer' müssen bis 4 Uhr Nachmittags ii» der Expedition abgegeben werdenu Die Expedition ist an Wochen-- tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn-- und Festtagen bis o Uhr Siat- imtlags geöffnet kernsprechir: Amt 1, Ar. laOS. Telegramm-Abreise: «Soiiatdemokrat Setliai* Berliner Volksblail. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW.19, Aeuth-Straße 2. Spedition: SW.I9, ZZeutH-Straße 3. Die Heldenthaten der franzoftschen Volizei. Paris, den 6. April 1894, Die Polizei herrscht— die Guten mögen in Frieden loben, die Bösen mögen zittern! In ihrer Angst vor den anarchistischen Kochtöpfen wendet die Bourgeoisie sich an die Polizei um Schutz und Hilfe. Früher riefen unsere Bourgeois den lieben Gott an und die Jungfrau Maria mit den Heiligen; heute kennen sie nur die heilige Polizei, die Tag und Nacht zu wachen hat, auf daß sie ihnen die Spitz- buben, die Mörder und die Dynamiterrche vom Hals halte. Die Bourgeoisie kniet vor der neuen Gottheit nieder und giebt ihr eine Spende von 800 000 Fr., sich ihrer Gnade und Gunst zu versichern. Die Polizei versprach, die„Gesellschaft" von den Anarchisten und ihren Bomben zu befreien. Die Bourgeoisie schlummert beruhigt ein. Die Polizei hatte unbeschränkte Gewalt empfangen und sie machte unbeschränkten Gebrauch davon. Am 1. Januar nahm sie in Frankreich 2000 Verhaftungen und Haussuchungen vor; das war ihre Neujahrsbescheerung. Aber sie begnügte sich nicht mit dieser glänzenden Leistung. Seit jenem denkwürdigen Tage bringen die Zeitungen jeden Morgen eine Liste von 20 bis 30 Individuen, die unter der An- klage des Anarchismus verhaftet oder behaussucht worden sind. Freilich— 2 bis 3 Tage nachher melden die Zeitungen klein- laut, daß die Verhafteten wieder in Freiheit gesetzt sind, weil die Polizei nicht imstande war, ihnen das geringste anarchistische Verbrechen, selbst nur ein Verbrechen in Gedanken, nachzuweisen. Doch das macht der Polizei keine Kopfschmerzen. Sie setzte und setzt unverdrossen das Werk der Gesellschaftsrettung fort, und im Geiste jenes päpstlichen Legaten, der den„Christen" vor einer Schlacht gegen die Albigenser zurief:„Schlagt sie alle todt— der Herr kennt die Seinen!" sagt sie, die heilige Polizei:— Verhaften wir alle— die Richter werden ihre Leute schon kennen! Wir stehen in Paris und in der Provinz unter dem Regi- ment eines schlimmeren Verdächtigen-Gesetzes als das von 1794. Es herrscht Vogelfreiheit— ein Wort eines Trunkenbolds oder eines Narren— die Erwähnung eines Namens im Brief eines des Anarchismus Verdächtigen— kann jeden ins Gefängniß bringen. Ein Schneider wurde verhastet, weil ein Mahnbrief von ihm in der Tasche Sebastian Faure's gefunden wurde, dem er einen Anzug gemacht hatte. Frauen und sogar Kinder sind ohne allen und jeden Grund ins Gefängniß geworfen worden. Aber die Herren Bourgeois waren zufrieden. Jeden Morgen, wenn sie ihre Zeitungen lasen, schmunzelten sie behaglich:„Ah, sie arbeitet gut, diese gute Polizei: sie erlöst uns von der Pest des Anarchismus. Wir können ruhig schlafen. die gute Polizei wacht und sie steht für alles gm." Aber ach! die Kochtöpfe platzten weiter; in zwei Mielhswohnungen wären um ein Haar zwei Polizeikommisiäre, die sich nach angeblichen Selbstmorden erkundigen wollten, von Sardinenbüchsen gctödtet worden, die ein gcheimnißvoller, sich Rabady nennender Unbekannter dorthin gelegt hatte. Eines schönen Abends wirft Henry seine Bombe mitten 11 IseuMekon. Der Jude. Deutsches S i t t e» g e m ci l d e aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunde..�. Von C. S p i n d l e r. Viertes Kapitel. „Trägt der Bube mein Gesicht?" „Lieber Vater, zweifle nicht." „Ist das meiner Augen Licht?" „Vater, Vater, zweifle nicht." „Ist das metner Nase Zier?" „Vater, Vater, glaube mir!" „Ist des Knaben Mund der meine?" „Größere Aehnlichkeit giebt's keine." „Aber Weib, der Nachbar spricht.. „Bösen Zungen traue nicht." Romanze von der verschlagenen Ehefrau. „Du bist heute so saumselig und faul!" schalt die Eheivirthin des ehrsamen Altbürgers Diether Frosch ihre Eürtclmagd, die am Sonutagmorgen nicht mit dem Zöpfeslcchten fertig werden wollte.—„Welin ich heute die Kirche besuchen wollte, so könnte ich nur immerhin im Schlafmantel dahin gehen. Träges mißleidiges Ding! Was Dir seit einigen Tagen im Kopfe steckt, begreife ich nicht." Else schwieg einige Augenblicke und seufzte. Dannßaber sprach sie, da gerade wieder die Gebieterin ihre Ungeduld durch eine heftige Bewegung verrathen hatte:„Ehrsame Frau! die Schuld, daß ich nichts recht mache, mag wohl zunächst in Euch selbst liegen, denn Ihr seid seit geraumer Zeit so reizbar und unwirsch, daß Euch immer beim ge- ringsten Anlaß gleich der Zorn übermannt, und ich nur mit Zittern und Zagen Kamm und Schnürnadel zur Hand nehme, mein Amt bei Euch zu verrichten." Else schwieg, sich selber ob der Keckheit wundernd, mit der sie zu der raschen Gebieterin gesprochen, und die bösen unter die Gäste des Bahnhof- Hotels(Hotel Terminus); eines schönen Morgens reißt sich ein Anarchist den Bauch ans— bei dem Versuch, die Madelaine-Kirche in die Luft zu sprengen, und gestern kündigten die nach Sensalionsnachrichten hungernden Zeitungen in großen Buchstaben an. daß eine für den Senat be- stimmte Bombe gegenüber im Restaurant Foyot geplatzt sei und Herrn Laurent de Tailhade, der dort mit seiner Geliebten zu Abend aß, mit Glassplittern gepfeffert habe. Dieser Herr Tailhade ist derselbe anarchistische Literat, der am Tage nach dem Vaillant'schen Attentat das epische Wort von der„schönen Geste" und der Erbärmlichkeit des menschlichen Heerdengesindels dem Zaune seiner Zähne entfahren ließ. Die Polizei hat den Kopf verloren. Sie glaubte, den anarchisti- schen Attentaten, wenn ihr das in den Kram passen und ihren Interessen entspreche» würde, nach Belieben ein Ziel setzen zu können. Sie sagte sich:„Ich habe die Anarchie in Frankreich auf die Beine gebracht und losgelassen; ich habe ihr Geld für ihre ersten Zeitungen und Lockspitzel, für ihre ersten Thaten gegeben, die zwar einige dumme Esel kompromittirten, aber die noch dümmeren Spießbürger erschreckten und von meiner Nützlichkeil und Nothwendigkeit überzeugten. Heute ist es in meinem Jnter- esse, daß das Dynamit schweige, daß die Anarchie sich todt stellt — bis zur nächsten Aufführung!" Sie täuscht sich, die gute Polizei. Man hat Fanatiker und Verrückte gelehrt, sich der Sprengstoffe zu bedienen; und jetzt zeigen die Leutchen, daß sie etwas gelernt haben— sie ahmen Vaillant nach und scheercn sich den Teufel um die Erlaubniß der Polizei. Das Aufheben, das die Presse von den Anarchisten gemacht hat, war für sie eine Aufmunterung, und die unbarmherzige Strenge, mit der man sie verurtheilt, schüchtert sie nicht ein—. im Gegentheil reizt sie nur noch mehr. Emil Henry fordert den Märlyrertod; er gesteht Verbrechen, die er nie begangen hat— er ist ein Spiritist, ein Buddhist— der Buddhismus hat in der Pariser Gesellschaft viele Anhänger—, Und er glaubt, sein Blut sei berufen, die Welt zu verjüngen.' Die Polizei wollte durch ihre Massenverhaftnngcn den Glauben an eine große Verschwörung erwecken, die sich über ganz Frankreich erstrecke. Heute muß sie zerknirscht bekennen, daß sie nur einen Haufen armer Teufel gepackt hat, die sie wieder lausen lassen mußte, während die wirklich gefährlichen frei herumgehen; sie gesteht zu, daß es keine anarchistische Verschwörung giebt, daß die Dynamiter stets auf eigene Faust individuell handeln, und daß es unmöglich ist sie zu entdecken, e h e sie eine verbrecherische That begangen haben. Sie kann sie nicht einmal nach begangener That fassen, außer wenn ihr ein Zufall zu Hilfe kommt. Und wenn sie einmal einen Anarchisten hat, der von dem Rauche einer Explosion noch ganz schwarz ist, so sagt sie mit dummem Gesichte:„Den kenne ich gut— ich habe seine Photographie und die Tabelle seiner Körpermessungen; ich suche ihn schon lange— er ist mir stets entschlüpft." Die Polizei hat kein Glück: Wenn sie den Attentaten nicht zuvor- kommen kann, so hat sie das Pech gehabt, die Bankiers des An- narchismus zu entdecken. Man ist in den Papieren, dieman bei den Anarchisten beschlagnahmt hat, auf sehr seltsame Dinge ge- stoßen: Rothschild stand durck Vermittelung seines Vertrauens- manns Lafont in ständiger Verbindung mit den„Genossen". Der Anarchist Malote, der augenblicklich in London ist, hatte bei lhm ein offenes Konto; wenn er Geld nöthig hatte, so brauchte er »ur an Rothschild's Kasse zu klopfen. Der Anarchist Tournatre erhielt eine Danksagung Rothschild's— warum, weiß man nicht. Er ist soeben in Freiheit gesetzt worden, dank— ohne Zweifel— der Vermittelung des allgewaltigen Geldmannes. Die Herzogin von Uzös, die dem General Boulanger über 3 000 000 Franks gegeben hat, war ebenfalls«ine Geld- spenderin der Anarchisten, die sie ihrer Ergebenheit versicherten. Das Syndikat der Wechselmäkler von Paris hatte eine besondere Kasse für den Anarchismus, um zu verhindern, daß sich auf der Börse die Pistolenschüsse des Anarchisten Gallau wiederholten. Sebastian Faure, der bei einem Wechselmakler angestellt war, mußte als Vermittler dienen; das würde die SOO-Frankscheine erklären, die er so häufig auswechselte, und die vermuthlich aus dieser geheimen Kasse stammten; denn seit Jahren weiß man nicht, wovon er lebt. Desgleichen fand man zahlreiche Briefe von Geistlichen, die Geldsendungen ankündigten und weitere ver- sprachen. Sebastian Faure, der während der Diktatur des Constans sich der unerklärlichsten Straflosigkeit erfreute, war dazu beftimnit, Priester zu werden. Er blieb bis zum 2S. Jahre auf dem Seminar und hat sehr enge Beziehungen zu der Geistlichkeit unterhalten. Die Anarchisten haben von den Priestern die christliche Methode gelernt: die Reichen auszuplündern. Sie veranstalteten Suppenkonferenzen, die von der gesammten Presse gefeiert wurden, und in denen sie alle drei bis vier Monate 300—400 armen Teufeln Suppen gaben; sie veranstalteten jedes Jahr für diese Suppen, die sie nur einige hundert Franks kosteten, Kollekten, die ihnen Tausende einbrachten. Auf der Zuchtpolizei hat man das Notizbuch eines dieser anarchistischen Bettelmönche gelesen, in das er pünktlich die empfangenen Summen mit Betrachtungen über die Geber eintrug. In der Liste der mildthätigen Leute stehen Senatoren. Abgeordnete, Bankiers und andere Reiche, die alle dem Werke der„Brüderlichkeit" ihren Segen ertheilcn, sich für anarchistischer erklären als die Anarchisten, und die Bombenwerfer ermuthigen, auszuharren: mehrere, die ihr 20 Frank- Stück gespendet hatten, bitten, sie nicht in die Luft zu sprengen. Die Haussuchungen und die Beschlagnahmungen anarchisti« scher Papiere durch die Polizei hatten den Zweck, die Sozialisten zu kompromittiren. Man hoffte Briefe zu finden, die ein Ein- verständniß zwischen ihnen und den Anarchisten feststellten; man wollte Sozialismus und Anarchismus in denselben Topf werfen und dem gleichen Abscheu preisgeben. Allein man konnte nichts derartiges finden; was man fand, war etwas anderes. Sännnt- liche Briefe der Anarchisten waren voll wüthender Angriffe aus die Sozialisten, die ehrgeizige Menschen,„Stimmesel" und Schlaf- mühen geschimpft wurden. Der Triumph der Polizei bestand in dem ihr sehr unerwünschten Nachweis, daß Geistliche, Herzoginnen, Geldleute, Abgeordnete und Senatoren die Bankiers des An» archismus geworden sind, um sich gegen die Bomben zu schützen— vielleicht aber auch zu politischen Zwecken, die kennen zu lernen das Ministerium Perier-Raynal nicht besonders neugierig sein wird. Die Welt würde zu viel erfahren. Clallus. Folgen fürchtend; aber zn ihrer größten Verwunderung! blieb die Letztere in Schweigen versunken. Die gefalteten' Hände ans dem Schooß haltend, sah sie vor sich hin, wie von tiefem Nachdenken gefesselt, blickte dann schnell in die Höhe, strich sich die spiegelglatten Augenbrauen und sagte: „Diesmal hast Du nicht unrecht, gute Else. Ich finde das selbst. Dieser Zustand dauert schon einige Wochen." „Freilich, liebe gnädige Frau!" versetzte Else, mit gut- müthiger Besorguiß ihr ins Gesicht schauend:„Ich fürchte, Ihr seid krank, oder auf dem Wege es zu werden. Eure rosenrothen Wangen haben an Farbe verloren, und Euer Auge sieht oft aus, als schwämme es in Thränen, oder als habe es viel geweint. Ich an Eurer Stelle würde den Judenarzt um Rath fragen." Frau Margarethe schüttelte laugsam den Kopf.„Der alte Joseph ist ein geschickter Mann," sprach sie,„aber seine Arzneien heilen mein Ucbel nicht." „Warum denn nicht?" fragte die Magd:„Ist er nicht dafür bezahlt. Euch zu helfen? Ein Jude kann alles. Wo seine Kräuter nicht ausreichen, da hext er die Krankheit weg." „Einfältiges Geschwätz!" eiferte die Gebieterin.„Ich werde doch wissen, ob ich krank bin oder nicht. Das Ganze wird meines Bedenkens nicht anders sein, als die Folge der Unruhe, die meinen Schlaf stört, und mir böse Träume verursacht." „Die bösen Träume, wie die guten, kommen von Gott," meinte Else mit einem frommen Seufzer.—„Darum hat er auch zugelassen, daß gewisse Menschen die Träume aus- zulegen vermögen, als läsen sie deren Bedeutung aus einem offenen Buche. Meiner Mutter Schwester konnte fürtreff- lich damit umgehen, und bei ihren Lebzeiten hat man sie oft zu den vornehmsten Geschlechtern berufen, um Träume zu deuten. Ich habe ihr viel abgelernt, als ich bei ihr wohnte, aber freilich zu ihrer ganzen Kunst Hab ich's nie gebracht."— „So?" fragte Margarethe neugierig werdend:„Da Du so geschickt bist, hätte ich beinahe Lust, Dir daS Gesicht mi tzutheilen, das ich erst verwichene Nacht hatte, und dessen Andenken noch jetzt mit einem seltsamen Schmerz meine Seele foltert, obgleich ich wieder Lust hätte, darüber zn lachen." „Nur nicht lachen!" warnte die gläubige Else.„Ein Traum ist ein gar ernsthaft Ding. Aber nicht jedes böse Traumgesicht bedeutet darum eine böse Wirklichkeit. Ost- mals verkehrt sich des Schlummers Leid in wachende Freude. Wer im Schlafe Särge sieht, macht gewöhnlich bald eine fröhliche Hochzeit, und wer hinwiederum geträumt, er werde in der Kirche mit der Braut eingesegnet, braucht gar hänfi g kurz nachher sein Todtenhemd." „Nun!" versetzte die Frau etwas aufgeheitert:„In dem Gesichte, das ich Dir mittheilen werde, kömmt nichts von Särgen vor, und nichts von einer fröhlichen Trauung. Es wird daher wohl nichts Schlimmes auf sich haben.— Höre mir zu, gute Else. Sieh! ich schlummerte ein vor Mitternacht, und sah mich, nach manchen Traumbegeben- heiten, ans die ich mich nicht mehr besinnen kann, in einen herrlichen, zu einem lustigen Bankett geschmückten Saal ver« setzt. Es war alles spiegelblank geputzt. Blumensträuße wehten über allen mit Gold- und Silberstück gedeckten Tafeln, und ich war, gleichsam als die Königin des Festes, auf einem Thronsitz erhöht» der ganz von Rosen eiu- gefangen war." „Ach! das ist herrlich!" rief Else:„Rothe Rosen be- deuten Glück und Jugend." „Höre weiter!" fuhr Frau Margarethe fort:„Da ich nun also gefeiert da saß, von vielen köstlich angelegten Herren und Frauen umgebe», die mir dienten, so fiel mein Blick auf einen Spiegel, der mir gegenüber hing... von einer Größe, wie ich mich nicht entsinnen kann, jemals ge- sehen zu haben. Von dem Anblick überrascht, lächelte ich freundlich meinem Spiegelbilde zu und gewahre, indem ich die Lippen öffne, in der Reihe meiner Zähne einen weit- blinkenden, vom feinsten Golde gestalteten, wunderbar und zauberisch mir entgegenleuchtend. Und wie ich nun, entzückt davon, aus den Händen eines Pagen einen Becher empfange. geschnitten ans purem Edelstein, und angefüllt mit hispanischem Weine, und ihn an den Mund setze, so berührt Dolifische Weberlicht. Berlin, den 9. April. Aus dem Reichstage. Vor vollständig leeren Bänken wurden heute zunächst fast ohne Debatte der Handelsvertrag zwischen dem Reiche und der Republik Uruguay in erster und zweiter Lesung angenommen. Dasselbe geschah mit dem Patent- Marken- und Musterschutz- Vertrag mit der Schweiz, der in zweiter Lesung genehmigt wurde. Giltigkeit, 18 die Beanstandung der Wahlen beantragen, der radikalsten Vorschläge erzogen. Die Herrschaften wissen während sie nur in einem Falle( v. Polenz Plauen) die gar nicht, wie eifrig sie für uns arbeiten! 3 Der Staatsanzeiger für Württemberg" veröffentlicht den Entwurf des Verfassungsgesetes, welches den Ständen vorgelegt ist. Das Gesetz betrifft Aenderungen in der Zusammenfegung der Ständeversammlung. Die Kammer der Standesherren soll bestehen neben den Prinzen des töniglichen Hauses und den Standesherren aus höchstens 10 lebenslänglich ernannten Mitgliedern, zwei vom Könige als evangelischem Landesbischof ernannten Vertretern der evangelischen Kirche, dem fatholischen Landesbischof, den Vorständen der Zentralstellen der Landwirthschaft und der Gewerbe, je einem Vertreter der Städte Stuttgart, Ulm und Heilbronn. Letztere werden vom Könige aus je drei von den bürgerlichen Rollegien präsentirten Randidaten berufen. Das Stimmrecht ist persönlich auszuüben, jedoch können die Standesherren in Krankheitsfällen ihren Sohn oder präfumptiven Nachfolger mit der Stellvertretung beauftragen. Die Zahl der Mitglieder der ersten Rammer erhöht sich das durch von 33 auf 45. sofortige Ungiltigkeitserklärung empfiehlt. Mit neun der Das württembergische Verfassungsgesetz. Aus die Beanstandung vorgeschlagenen Berichten hat sich der Stuttgart wird telegraphirt: Reichstag bereits befaßt und in allen diesen Fällen Stuttgart wird telegraphirt: den Beschlüssen. der Kommission zugestimmt. E3 find davon betroffen die Wahlen der Abgg. v. Benda( Wanzleben), Graf v. Bismarck( Jerichow), Casselmann( Eisenach), v. Chlapowski( Fraustadt), Gescher( Wesel), Görk( Lübeck), Pichler( Paffau), Frhr. Saurma v. d. Jeltsch( Brieg), Will ( Stolp- Lauenburg). Außerdem hat der Reichstag eine Wahl beanstandet, deren Giltigkeit die Kommission beantragt hatte, die des Abg. Rothbart( Gifhorn). Ueber die Wahlen folgender Abgeordneten liegen bis jetzt die Beanstandung empfehlende Berichte der Kommission vor: Bantleon ( Ulm), Böttcher( Waldeck), von Gerlach( Köslin), Greiß ( Köln), Krupp( Essen), Lüttich( Echwarzburg- Rudolstadt), Möller( Dortmund), Siegle Siegle( Stuttgart), Wamhoff ( Osnabrück). Alle Parteien sind in der vorstehenden Morgen stehen das Gefeh über die Abzahlungsgeschäfte Lifte vertreten, nur die Sozialdemokraten und die Prüfung jener Wahlen auf der Tagesordnung, nicht, während diese wieder die meisten über deren Giltigkeit resp. Ungiltigkeit Meinungsverschieden: Protefte eingereicht und Beanstandungen heiten im Hause nicht existiren. Die Wahlen der Abge- ihrer Gegner erzielt haben. ordneten v. Polenz und Graf Moltke sollen nächste Woche, bis wohin man wieder ein beschlußfähiges Haus zusammen ußfähiges Haus zuſammen zu bringen hofft, erledigt werden. Etwas länger zo gen sich die Verhandlungen über das Gesetz betr. Abwehr der Viehseuchen hin. Von sozialdemokratischer Seite griff der Abg. Birk wiederholt in die Debatte ein. Für die Vorlage, wie sie aus der Kommissionsberathung hervorgegangen ist, stimmten unsere Abgeordneten. Eine Resolution, welche unter dem Vorwande des Schutzes gegen verseuchte Nachbarländer, die Vieheinfuhr zum Nußen und Vortheil unserer Viehzüchter erschweren und theilweise ganz unmöglich machen will, wurde gegen die Stimmen der Freifinnigen und der Sozialdemokraten angenommen. Darüber braucht man sich natürlich nicht zu wundern, denn gegen uns arbeiten Regierungs- und Unternehmungsorgane im trauten Vereine. Gegen uns werden die Gesetze ge= handhabt uns selbst kann man aber niemals unlautere Wahlpraktiken nachweisen. " Der Seniorenkonvent des Reichstages hat sich in feiner heutigen Sigung über diejenigen Gegenstände schlüffig gemacht, welche noch in der gegenwärtigen Session zur ErAuch gegen eine Flaschen weinsteuer hat dem Stutt ledigung gebracht werden sollen. garter Neuen Tageblatt" zufolge die württembergische ReNach den gemachten Mittheilungen verzichtet die Regierung aus steuertechnischen Gründen Widerspruch erhoben. gierung auf die Durchberathung der Tabak- und Wein. Die Verhandlungen hierüber sollen schon vor geraumer Zeit steuer, sowie des sogenannten Finanzreform Gesches im stattgefunden haben. Jetzt begreift man, warum es nach Plenum, da teine Aussicht auf Annahme der Vorlagen be- dem ersten Auftauchen des Gerüchtes von einer projektirten steht. Man will das Resultat einiger Kommissionssigungen Flaschenweinstener alsbald wieder stille davon wurde. Herr abwarten und dann, nachdem feststeht, daß sich für die Miquel wollte offenbar nicht zum zweiten Male ristiren, Vorlagen keine Majorität findet, die Session schließen. daß der Minister eines deutschen Bundesstaates gegen eines feiner Lieblingsprojekte im Reichstage öffentlich auftrete.= Der Seniorenfonvent verständigte sich mit dem Präfidenten dahin, daß noch die Börsensteuer in dritter Lesung Als die bösen Agitatoren, die die Reichstagstribüne sowie die Berichte der Wahlprüfungs- Kommission und mißbrauchen, um Reden und Anträge für die Massen einige kleinere Regierungsvorlagen erledigt werden sollen. außerhalb des Reichstages zu halten beziv. zu stellen, Außerdem sollen noch einige Initiativanträge, u. a. wurden von den Konservativen und Nationalliberalen stets Kündigungsfrist für Handlungsgehilfen, Abänderung des die Sozialdemokraten bezeichnet. Nun der Bund der Wahlgesetzes, Rückkehr der Jesuiten, u. s. w., die bereits in Landwirthe nach Annahme des Handelsvertrages zu erster und zweiter Lesung durchberathen sind, in dritter zerfallen droht, stellen die Herren Plötz und Kanit Lesung zum geschgeberischen Abschluß gebracht werden. Anträge, blos zu dem Zwecke, um den konservativen Bei der gegenwärtigen Geschäftslage des Reichstags Wählern einreden zu können, daß die Abgeordneten wird demnach am 18.- 20. b. M. der Schluß der Session und der Bund sich ihrer Interessen weiter an= stattfinden. nehmen, sie handeln also gerade so, wie ihrer Sozialdemokraten. Ein solcher Meinung nach die Für Herrn Miquel bedeutet die Entschließung des Seniorenkonvents, das ganze Steuerbouquet fallen zu lassen, eine Niederlage, die in jedem Lande mit wirklich parlamentarischem Regiment den sofortigen Rücktritt nothwendig machen würde. Man hat Herrn Miquel nicht einmal die Ehre gethan, sein Steuerbouquet zu diskutiven man hat es sang- und klanglos in den Orkus hinabgeworfen. Der Reichstag ist eben kein Landtag und fein Land raths tag. Dort unter seinen Junkern fann Herr Miquel noch eine Zeit lang auf Vergangenheitslorbeeren ausruhen und Zufunftswechsel ausstellen für den Reichstag ist er abgethan.Die zweite Kammer soll bestehen aus 8( feither 18) Mitgliedern des Ritterschaftsadels, aus 4( seither 6) evangelischen Prälaten, einem Domkapitular, dem ältesten katholischen Defan, dem Kanzler der Landesuniversität, einem gewählten Bertreter der technischen Hochschule, je 3 Vertretern der landwirthschaftlichen Gauverbände und Handelskammern, vier Abgeordneten der Stadt Stuttgart( seither 1) und je einem der Städte Tübingen, Ulm, Heilbronn, Reutlingen, Ellwangen und Ludwigsburg, endlich aus 63 Vertretern der Ober- Amtsbezirke, zusammen aus 95 Mitgliedern gegen 93 feither. Die übrigen Bestimmungen betreffen den Wahlmodus. Stuttgart wird in vier räumlich begrenzte Wahlbezirke getheilt. Die Wahl der landwirthschaftlichen und Handels- Abgeordneten erfolgt durch Liftenwahl. Gleichzeitig ist ein Gefeßentwurf eingebracht worden, welcher diese Wahlen regelt. wirthihojulithen Bochbdblade and Bla Die ständische Vertretung ist nach dem Gesetzentwurfe etwas schwächer, als nach dem in Kraft stehenden Verfassungsgesetze. Auf den Vorschlag kommen wir eingehend zurück, sobald uns das Wahlgesetz vorliegen wird. is Der Poltergeist der alten Raketenkiste soll nun feierlich als Nationalheros verkündet werden- also ver langt es die„ Nationalliberale Korrespondenz". Da an dem Reichstag Hopfen und Malz verloren ist, so soll das preußische Abgeordnetenhaus die Stellung des deutschen Volkes zu dem Fürsten Bismarck bezeichnen." auch entsprechen, wenn die Seffion bis in die Hundstage Das Abgeordnetenhaus wird diesem Wunsche vielleicht dauert. Kamerun. Das Berliner Tageblatt" schreibt: Wie wir erfahren, wird der Bericht des Herrn Rose über die Vorgänge in Kamerun nicht cher publizirt werden, als bis die oberste Disziplinarbehörde ihren Spruch gefällt haben des Kanzlers Leist, der hierher zurückberufen ist erfolgen. agitatorischer Antrag ist der Getreidemonopol- Antrag, der wird. Die Entscheidung hierüber wird erst nach Eintreffen nach der National- Zeitung" lautet: Der Reichstag wolle beschließen: " den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage baldigst einen Gesetzentwurf vorzulegen, wonach: 1. der Einkauf und Verkauf des zum Verbrauch im 3ollgebiet bestimmten ausländischen Getreides, mit Einschluß der Mühlenfabrikate, ausschließlich für Rechnung des Reichs erfolgt. 2. die Verkaufspreise im Mindestbetrage wie folgt fest gesetzt werden: a) für Weizen auf 215 Mart pro Tonne, b) für Roggen c) für Gerste d) für Hafer . " 105 155 " " " " 155 " 185 " 17 80 " " " 175 27 " # 155 " e) für Hülsenfrüchte " Die Einigung der sozialistischen Parteien Nugarns ist wieder mißlungen. Wir kommen auf die neueste Phase dieser bedauerlichen Konflikte noch zurück. In Paris bereitet die Regierung sich auf den ersten Mai vor. Sie hat angeordnet, daß Truppen aus der Umgegend herangezogen werden, und daß am 1. Mai das Asphaltpflaster überall mit Sand zu bestreuen ist, damit die Kavalleriepferde beim Angriff auf Volksmassen nicht hin stürzen. Wie es im Schädel dieser Angstbürger wohl aussehen " muß? Herr Casimir Perier scheint gerade so viel Berstand zu haben, wie seine Polizei. " f) für Supinen g) für Malz h) für Mais i) für Mehl und Mühlenfabritate: entsprechend den für das Getreide festgesetzten Mindestpreisen nach dem gesetzlich fixirten Ausbeuteverhältniß. Der beanstandeten Wahlen wird, so schreibt die Magdeburger 3tg.", es in diesem Reichstage außergewöhn lich viele geben, und allem Anscheine nach wird auch eine größere Zahl Mandate als in souftigen Legislaturperioden für ungiltig erklärt werden. Es sind bei den letzten Wahlen auffallend viele Kandidaten mit einer Mehrheit von wenigen Stimmen gewählt worden, und de ist es nicht allzu schwer, in Protesten der Wahlprüfungskommission Verstöße gegen das Wahlreglement vorzuführen, die, wenn sich bei der Die Herren, die fich über jeden Lohnkampf der Arbeiter Untersuchung ihre Richtigkeit herausstellt, genügen, um zu entrüsten, die über die Begehrlichkeit der Massen trauern, einer Ungiltigkeit der Wahl zu führen. Ju vielen die einen Minimallohn zur Friftung eines menschenwürdigen Fällen wird wahrscheinlich die Partei des Gewählten Daseins als eine die heutige Ordnung umstürzende Forde in der Lage fein, auch Verstöße anzuführen, rung bezeichnen, wollen von der Exekutive unserer privatderentwegen auch Stimmen der Gegenpartei für ungiltig wirthschaftlichen Ordnung feste Getreidepreise erhalten, fefte erklärt werden müßten, in der Regel unterläßt aber die Preise, die den Weltmarktpreis um ca. 20 pCt. übersteigen. vorläufig fiegreiche Partei derartige Eingaben. Die Wahlprüfungs- Kommission hat bisher fleißig gearbeitet. Sie hat dem Reichstage, abgesehen von den mündlich erstatteten, schon 37 schriftliche Berichte vorgelegt, von denen 18 die Nur fröhlich darauf zu mit solchen Anträgen! Die Begehrlichkeit der das Volk aushungernden Agrarier wird dadurch ins hellste Licht gerückt und auch die Ruhigsten im Lande werden dadurch zum Verständniß und zur Diskussion franz nud Kerzen in der Hand, zur Kirche wandelten, paßten vom April 1892 im Cafe Very, der vorige Woche in Anarchist und Polizist. Der Urheber des Attentats London verhaftete Clement, hat dem Polizeirichter ge standen, daß er nach seinem Attentat, das bekanntlich zwei Menschen das Leben foftete, auf furze Zeit ins Ausland gegangen sei, dann aber ein Jahr lang in Paris gelebt habe, und zwar ohne irgend welche Berkleidung. 190 191 19 Das spricht Bände. ada sit didn Die alten Götter gehen. Nachdem neulich, fast neunzig Jahre alt und fast ein Menschenalter verschollen, Bittor Considerant in Paris gestorben war, hatte man nicht mehr gehört, daß es noch Fourieristen gebe. Wie wir nun heute in den Pariser Blättern lesen, hielten vorigen Sonnabend in einem Restaurant des Balais Royal achtzig Fourieristen, die letzten Ueberlebenden, ein gemeinsames Mahl wären die Herren nicht so gar nüchtern, so Alles alte kaum der erste Tropfen meine Bunge, als plöglich mit wo der Vater sitzt mit dem Sohne und dem Geifte. Stiftet einem schrillenden Klange, dem gleich, den ein zerschmettertes Messen, gelobt Wallfahrten, damit das Unheil sich wende, hätte man sagen können: ein Symposium. Kelchglas von sich giebt, der goldene Zahn gewaltsam los- das Euch droht!" springt von den übrigen und klingend zur Erde fällt. Ich Aberwißiges Geschöpf!" schalt Frau Margarethe, be- Herren, doch von jugendlichem Jdealismus, und sie hielten bücke mich schnell nach dem Entwurzelten, aber zu meinen müht, durch den aufgeregten Zorn Herr ihrer Bangigkeit Menschengeschlechts, dem die Erlösung kommen werde durch Reden und brachten Toaste aus auf die Zukunft des Füßen war der glatte Boden des Saals zu wüftem Schlamm zu werden:„ Schweig jeht mit Deiner albernen Rebel Serlicht die Heilslehre des großen Meisters Fourier. Und sie Weinst geworden, der, wie ein Strudel gährend, das goldene Du, ich glaube an Deine tolle Auslegung und widerliche trennten sich dann, die alten Herren, mit dem Versprechen, Kleinod immer tiefer hinabschlürfte in den schwarzen Mund. Besorgniß. Lug und Trug ist die Traumdeuterei, und wofern in einem Jahr wieder zusammen zu speisen. Wie viele es Mein Jammer war nicht zu beschreiben, bis eine Hand ich höre, daß Du diese wahnsinnige Kunst noch ferner aus bann noch sein werden? Ihr Glaube aber wird sich eraus dem neblichten Dufte um mich her sich herausstreckte, übst, um Leichtgläubige zu schrecken und zu ärgern, so laffe füllen. Die Erlösung wird kommen. Freilich der Erlöser mit einem blüthenweißen Zahne zwischen den Fingern, und ich Dich durch den Stöcker aus der Stadt bringen!" ihn an die Stelle des Verlorenen sette. Aber, Kind, Du Else, die nicht recht begriff, wie so schnell das Ver- heißt nicht Fourier, wenn auch Fourier ihm ein Bruchbist bleich geworden,... rede... was hältst Du von tranen der Herrin fich in Ungnade verkehren konnte, padte, theilchen seiner erlösenden Kraft gegeben hat. diesem Traume?" um sich nicht durch Widerrede um den Dienst zu bringen, Die Lage der Franzosen in Madagaskar hat sich Frau Margarethe blickte ängstlich zagend in die Augen alle ihre Geräthschaften zusammen, und ließ, ohne eine Silbe infolge der Aufstände daselbst erheblich verschlimmert. Heute der Magd, die, eine bangende Zuhörerin, sich vor ihr zu reden, die Zürnende allein. Margarethe ging heftig hin werden von Wiarseille aus Marinetruppen nach Madagaskar niedergekauert hatte, und endlich, die Hände der Gebieterin und her von Tisch zu Schrank, vom Spiegel zum Fenster. eingeschifft werden. an ihre Brust drückend, ausrief: D, das ist ein bös Ge- Sie riß die Flügel des letzten auf, und starrte in den naßfichte liebe Fran! Ach, welch Unheil mag es Euch ver- falten Wintertag hinaus: aber die geputzten Leute, die Rosen- faden. Heut Abend findet im Unterhaus eine Abstimmung Das Kabinet Rosebery hängt an einem Zwirns. tündet haben. Also doch?" fragte Margarethe, von einem leichten wenig zu ihrer grollenden Stimmung; sie öffnete ihren statt, die den Faden zerschneiden könnte. Die Entscheidung Frost geschüttelt:„ Unbarmherzige, Tu hörtest noch nicht Juwelenschrein, aber das Gefunkel der Steine ergötzte nicht hängt von den rebellischen Irländern ab; stimmen diese mit alles, und beinahe follte ich dir Echonungslosen das Ende ihren traurigen Sinn; sie wollte sich in ihr Schlafgemach der Opposition, so muß das Ministerium entweder zurück Schlafgemachtreten, oder das Parlament auflösen. verschweigen. Doch mußt Tu jetzt alles wissen, da ich Dir einschließen, aber im Begriff einzutreten, gewahrte sie das treten, oder das Parlament auflösen.- 18 so viel verrathen. So wisse denn, daß, während mein Auge Bild ihres Ehegemahls, das sie von der Wand herab Die drohende Krisis in der englischen Kohlens hoffnungslos dem golden en Punkte folgte, der immer tiefer ansah in ernſtem Schweigen, und unmuthig warf sie industrie. Aus London schreibt unser Korrespondent: Vorigen sintend, nur wie ein ferner Stern noch in dem gährenden die halboffene Thüre ins Schloß. Aber gerade da fie Dienstag ist die Einigungskommission der Kohlenindustrie im Dunkel sichtbar war, sein neugepflanzter Stellvertreter unruhig sich niederließ in den bereiten Sorgenseffel, und sogenannten Federationsdistrikt in London beisammen gewesen, um über ihre Statuten endgiltig Beschluß zu fassen. Der gemäß in meinem Munde lebendig wurde, sich, in eine graue der Vernunft das Feld einräumen wollte, trat ein der Abmachung vom November vorigen Jahres vom Sprecher Schlange verwandelt, auf meine Brust herabringelte, und Gaft in die Stube, der nicht zur ungelegeneren und des Parlaments ernannte„ Unparteiische", ein schottischer Richter mit heißem Schmerze sich da einbohrte, wo das Herz wiederum nicht zur gelegeneren Beit hätte kommen können. Lord Shand( die höheren Richter führen den Lordstitel) präSchlägt Ein Laut der Ueberraschung entfuhr Margarethen, da fidirte. Die Vertreter der Arbeiter wollten den Minimallohn haltet ein, liebe Frau!" seufzte Else unter ängft- fie die wohlbekannte Weibergestalt in der Tracht der ins Statut aufgenommen haben, aber Lord Shand gab den lichem Bittern; das ist des Entsetzlichen zu viel! Gilt, Nassauer Bänerinnen kerzengerade auf der Schwelle Stichentscheib gegen fie. Desgleichen in den Fragen der Festsetzung der Verkaufspreise und des Rechtes der durch Gebet und fromme Gaben des Himmels Born zu stehen fah.p wenden, der Euch ein liebes Kleinod rauben will, aus deffen Willhild! Willhild!" rief sie halblaut, und wollte der Kommission, über die Profite der Kohlenbefizer genauere Nachforschung zu halten. G3 follte dieser Entscheid nicht Berlust ein immer nagender Wurm entspringen und Euer Frau entgegeneilen, aber das Bittern ihrer Kniee ver die Stellung des Unparteiifchen zu den betreffenden Fragen über. Herz verzehren wird. Betet zu der heiligen Mutter, zu den hinderte sie daran." Was bringt Dich so schnell wieder haupt ausdrücken, nur wolle er, so erklärte derselbe, die Punkte Märtyrern, daß sie Euer Wort führen vor dem Throne. I hierher? Unglücksbotin!" ( Fortsegung folgt.) deshalb nicht in's Statut setzen, um der Kommission für später " in überall freie Hand zu lassen. Die Arbeitervertreter find jedoch Alle schönen Entschlüsse der Regierung und alle schönen organisation anerkannt würde ein anderer Redner, von dieser Fürsorge für die Politik der freien Hand durchaus Beschlüsse der Cortes zur Milderung der Noth stehen Biel- München, meinte sogar naiv, die Regierung hätte den Namen nicht erbaut, und sehr begreiflicherweise. Sie ſetzt den einzigen einstweilen nur auf dem Papier. Dagegen wird man vor: Fachgenossenschaft" nur gemacht, um die Linke des Reichstags Erfolg des großen Ausstandes von Neuem aufs Spiel. Wäre es nicht um die Sicherung des Minimallohnes für die Zukunft aussichtlich sehr schnell Ernst machen mit dem Anarchisten- nicht fopfscheu zu machen, aber das Nebeneinanderbestehen gewesen, so hätten die Arbeiter damals schon im Oktober wieder geseh, das die Regierung den Cortes vorgelegt hat von zwei verschiedenen Organisationen sei doch nur zu leicht geanfahren können. Blos um feinetwegen haben diefelben noch offenbar dazu angeregt durch die glänzenden Erfolge, welche eignet, in die Ginigkeit der Handwerker Bresche zu legen. Die Handwerker verlangen deshalb eine einzige Zwangsmehre lange Wochen weiter gehungert, und als endlich der die französische Regierung mit ihrem Anarchistengeset Organisation für alle Handwerksbetriebe ohne Rücksicht Rompromiß geschlossen wurde, geschah es unter der Voraus- erzielt hat, und von denen in unserem heutigen Leitartikel auf die Zahl der beschäftigten Arbeiter und auch für fehung, daß die Einigungskommission den living wage" zur das Nähere zu lesen. diejenigen Gewerbebetriebe oder kleineren Fabrikbetriebe, Grundlage ihrer Arbeiten machen werde. Und nun? Die Verbrechen der pennsylvanischen Unter- würden.( Wie aus einer Bemerkung des Geheimraths Sieffert denen weniger als zwanzig Arbeiter beschäftigt nehmerbande. In einer der letzten Nummern der New- hervorging, ist diese lettere Bestimmung vom Handelsministerium Yorker Volks- Zeitung" finden wir nachstehende Notiz, die auf prinzipiell akzeptirt worden.) Herr Beutel scheiterte freilich bereits die jüngste Blutthat und deren Haupthelden, den berüch an der Definition des Begriffs Handwerk und seine Erklärung tigten Frid, ein grelles Licht wirft. Die Notiz lautet: lief auf taum etwas anderes hinaus als auf das Wortspiel Das verbrecherische Spiel, daß die Carnegie Stahl- Kom- Handwerker sei jeder, der ein Handwerk betreibe". Aber um pagnie gelegentlich des Homestead- Streits mit der öffentlichen den Mangel an Begriffen zu verschleiern, stellten auch bei Herrn Meinung trieb, wird immer mehr enthüllt. Jedermann er- Beutel Worte genug sich ein, und im Namen der Handwerker Deutschinnert sich der angeblichen Vergiftungsaffäre lands nahm er in bezug auf die Forderungen den Mund recht voll. von damals, wobei eine große Anzahl von Scab3( nicht zum Beitritt in die Zwangsinnungen sollten mit Ausnahme organisirte Arbeiter), die die Stellen der Streifer eingenommen des Handels und der in den§§ 29-37 der Gewerbe- Ordnung hatten, gefährlich erfrankten. Carnegie, Frid genannten Gewerbe, aber einschließlich des Musikergewerbes, nicht und Konsorten stellten die Sache so dar, als ob die blos alle die genannten Kategorien der Gewerbetreibenden, Streifer es gewesen seien, die Gift in das Essen sondern zur Beitragspflicht auch diejenigen Gewerbetreibenden praktizirt hätten, das den Scabs von der Kompagnie ver- berbeigezogen werden, die im Nebenbetriebe Gesellen handwerks aufgetischt. abfolgt wurde, und selbst vor Gericht wurde dieses Märchen mäßig beschäftigten, z. B. Brauereibefizer, welcher Böttchergesellen beschäftigen 2c. Von einigen Rednern wurde allerdings einDie Grubenleitungen haben in den letzten Monaten wieder in's Blaue hinein fördern lassen und Riesenbestände in den Kohlendepots aufgehäuft. Wiederholt haben die Leiter der Federation diesen Unfug gegeißelt und auf seine verderblichen Konsequenzen hingewiesen; ihre Worte waren, da keine Aktion ihrerseits sich daran schloß, in den Wind gesprochen und jetzt ist der Markt von Neuem überfüllt. Der Absah an Hauskohle war während der zweiten Hälfte des Winters infolge milder Witterung sehr gering, die Preise bedenklich gefallen und Lord Shands salomonische Erklärung giebt den Masters geradezu die Sanktion, bis auf Weiteres die Preisdrückerei ins Ungemessene zu betreiben, Lieferungsverträge jeder Art abzuschließen und so die Situation herzustellen, wo der einzige Ausweg Lohnreduktion oder längerer Ausstand heißt. es Der Delegirte der Arbeiter für den Nottinghamshire Diftritt, W. Bailan, hat vorgestern auf einem großen Meeting bei Nottingham der Verstimmung über Lord Shands Entscheid sehr energischen Ausdruck gegeben und Protest dagegen erhoben, daß Genannten zustehen solle, demnächst durch seine Stimme eine baldige Herabjegung der Löhne che dem möglich zu machen. Lieber würden sie den Kampf von Neuem aufnehmen. Nach einem heute eingelaufenen Telegramm aus Manchester herrscht unter den Bergarbeitern Lancashire's die gleiche Stimmung. Andererseits heißt es auf der Kohlenbörse, daß eine Lohnreduktion um mindestens 20 pCt. schon jetzt unvermeidlich sei. Kurz, die Situation ist sehr gespannt und fann leicht zu einer ernsthaften Krisis führen. Kommt es aber zu einer Neuauflage des Riesenausstandes, so dürften sich, da die Arbeiter diesmal den Kampf mit leeren Taschen und in ganz anderer Stimmung wie vorigen August aufnehmen, Szenen à la Featherfone noch in verstärkter Auflage wiederholen und dem Kampfe leicht eine politische Wendung geben. B Jezt hat, wie eine Depesche aus Pittsburg meldet, einer gewandt, daß man bei einer solchen Ausdehnung der Zwangsjener Arbeiter, der damals gegen die Streifer sich gebrauchen innungen auch sozialdemokratische Gewerbetreibende in die Inließ, eine Entschädigungstlage gegen Die nungen hineinbekäme, aber nach dem Vorgange von BielCarnegie Kompagnie eingeleitet. Er behauptet, daß München tröstete man sich nicht der Hoffnung, daß man in den er zu drei verschiedenen Zeiten während des Streites bei der Innungen die Sozialdemokraten am besten„ bekehren" könne. Kompagnie in Arbeit trat, seine Speisen in den Restaurants Die Furcht vor der Sozialdemokratie beherrschte, neben der der Kompagnie einnahm, und dreimal infolge des Genusses Furcht vor der Macht des Kapitals, überhaupt die Handwerksder Speisen gefährlich erkrankte. Es behauptet, nachweisen zu meister, die so mannhaft gegen die Reichsregierung als die können, daß die Köche der Carnegie'schen Kom Interessenvertretung des Großtapitals ihre Lanze einlegten. pagnie mit Wissen und unter Billigung der um Bresche in die Sozialdemokratie zu legen, sollten in erster Beamten Gift in die Speisen gethan hätten. Linie die Gesellenausschüsse dienen. Im Zusammenarbeiten Kann der Mann den Wahrheitsbeweis für diese Behaup- von Meistern und Gesellen freilich haben nach den Vortung antreten, und er würde eine so schwerwiegende schlägen der Handwerksmeister die Gesellen nur das Recht mitBeschuldigung taum ohne dem erhoben haben so wäre damit zurathen, aber gar nicht oder nur in beschränktestem Maße mitnur bestätigt, was die Arbeiter von Homestead schon zur Zeit uthaten würden die Gesellen lernen, daß sie dasselbe InterGestern tam im Parlament der Antrag des BergarbeiterAbgeordneten Sam Woods auf Verstaatlichung der Bergregale des Streits behaupteten, daß nämlich die Carnegie und Frick esse mit den Meistern verbinde, organisirte man die Gesellen und Bergbau Wegerechte zur Verhandlung. diese Vergiftungsgeschichte inscenirt hätten, um den Streifern dann noch, nach dem Borschlage Faßhauer- Köln, in zunftmäßigen Beide Be lastungen des Bergbetriebes sind hier Privat Eigenthum, die Sache in die Schuhe zu schieben, und so die öffentliche Zwangsorganisationen, so machte man es ihnen unmöglich, Meinung gegen dieselben einzunehmen. gleichzeitig der politischen Organisation der Umsturzpartei" an und welche Bedeutung fie haben, geht daraus hervor, Ob freilich die Pittsburger Gerichte trotz allen event. Bezugehören. Am schärfsten fam die Furcht vor der Sozialdemodaß im vergangenen Jahre über 5 Millionen Pfund Sterling gleich über 100 Millionen Mark in Form solcher Abgaben an weises gegen die Stahlkönige entscheiden werden, das ist eine kratie in den Ausführungen des Malermeisters Voß- Hamburg Private gezahlt werden mußten, die von Rechtswegen in die Tasche andere Frage. Wie in Preußen der König, so ist in Pittsburg zum Ausdruck, der die Oberaufsicht über die Innungen den VerDer Bergarbeiter gehörten, nach Abzug vielleicht einer mäßigen der Stahlkönig durch Gerichte nicht faßbar. Die echten Könige waltungsbehörden genommen und dem Innungsausschuß überAbgabe an den Staat. Woods befürwortete, daß der Staat alle und die Stahlkönige können Verbrechen begehen, so viele fie tragen wissen wolle, weil in die Gemeindebehörden immer mehr wollen, fie bleiben unverleßlich und werden es wohl auch sozialdemokratische Elemente Eingang fänden, die den Bestrebungen nachweisbar durch Kauf erworbenen Regale regelrecht zu angemessenen Sägen ankaufen, die aber, deren Ursprung im Dunkeln bleiben, bis einmal das Bolt die Richterfunktionen selbst in die des ehrsamen Handwerkes, der festesten Stüße von Thron und Hand nimmt. Altar, Steine in den Weg legen fönnten". liege, turzer Hand übernehmen solle. Natürlich hatte er damit im Parlament fein Glück, der Unglückselige vergaß, daß das Carnegie, Frid und Konsorten hinauslief, das ftand für stande sind, die gegenwärtige Entwickelung von Industrie und Daß die Vergiftungsgeschichte auf eine Teufelei der Weise den Beleg dafür, wie wenig die Handwerksmeister im Herr Voß Hamburg lieferte übrigens auch in klassischer Grundsatz aller gesitteten Länder ist, die Nachforschung nach jeden Dentfähigen von Anfang an fest, und wurde durch Gewerbe zu verstehen. Wo die Groß- Industrie immer mehr auf Eigenthum je älter, um so heiliger, und daß es fundamentalerieben von in fest, bend für dem Ursprung von Eigenthum nicht stattfinden zu lassen. Item, die Prozeßverhandlungen zur Gewißheit erhoben. Allein die gelernten Arbeiter Verzicht leistet und auch leisten kann, sprach es wurde Herrn Asquith leicht, den Widerspruch nachzuweisen, der Gerichtshof hütet sich, die Spur, welche zu den er den Berlepsch'schen Vorschlägen gegenüber bezüglich des Lehrlings in den sich Woods durch seinen Vorschlag gesetzt, und darzu Schuldigen führen mußte, zu verfolgen. legen, daß wenn einmal Ankauf stattfinden solle und anders Und wer jene Vergiftungsgeschichte in Szene setzen zu verstaatlichen ginge heute nicht teine solche Unterscheidung fonnte, um die organisirten Arbeiter zu schädigen, der ist möglich sei. Es würde daher eine Summe von über 150 Mil- auch kapabel, die neuesten Greuel eingefädelt zu haben. Idealismus die Handwerksmeister beseelen muß, wenn sie troßlionen Pfund erforderlich sein, den Ankauf zu vollziehen, und woher die Verzinsung derselben decken? Aus dem Bergbau? Dann bliebe deffen Besteuerung die gleiche. Aus den Taschen der Steuerzahler? Das ginge doch auch nicht. Und so sei der Gedanke wesens den Verdacht aus, daß die Ausbildung der Lehrlinge durch ehrfame Handwerker in Handwerker in erster Linie der der Großindustrie zu gute kommen würden. Unter diesem Gesichtspunkte wird man es zu würdigen wissen, welcher opferfreudige dem die Lehrlingsausbildung ganz ausschließlich für sich in Anspruch nehmen. Die Debatte felbft tam über die engen Gesichtspunkte der überhaupt möglich ist, zu freierer Der Minister deutete dann noch einige Mittel an, die jeßigen Verhältnisse nach gewissen Richtungen hin zu reformiren, und Höhe. Während Nagler- München die Bestimmung des Berlepsch'schen Vorschlages, daß das Votum des Gesellenversprach dahingehende Vorlagen sobald die Regierung Zeit In den Germaniasälen haben sich etwa 800-1000 Sandwerks- ausschusses aufschiebende Wirkung für die Beschlüsse der dazu finde. Und nachdem noch der radikale Abgeordnete Cremer meister aus allen Theilen Deutschlands zusammengefunden, um Innungen haben sollte, abfällig kritisirte, weil die Forderungen Deutscher Innungsin Berlin. ſo lajje fich die Gache nicht bewertsteuigen, sympathischer, aber und allgemeiner Handwerkertagen günstler are bouer- Dorting berbob fice eter bemerkt, es gäbe ja noch den Weg, eine Zeitgrenze für die den talmigoldenen Boden des Handwerkes neu zu vergolden. der Gesellen an die im der Unzufriedenheit in die idyllische jezigen normiren, 150 Die vertreten Geheimrath gegen 43 Stimmen abgelehnt. Das ist auch nicht geeignet, die das preußische Ministerium für Handel und Gewerbe, vertreten Harmonie der Innungen hineintragen würde, meinte Möller Relief des Handwerkertages zu erhöhen, ist auch die hohe Polizei der Zeit fortschreiten und den billigen Forderungen" der ArBergarbeiter in guten Sumor zu verſeßen. geeignet, durch Geheimrath Sieffert, leiften hierbei Assistenz. Um das unter lebhaftem Widerspruch der Versammlung, daß man mit Italien. In der Rammer fam es am Sonnabend durch Regierungsrath Friedheim in Person vertreten. Nun fann beiter Rechnung tragen möchte, aber auch dies nur, um der noch zu einer kleinen Szene. In der schon erwähnten dem Handwerke nichts an dem Erfolge fehlen, der ihm 1890 im Sozialdemokratie Abbruch zu thun. An der Sozialdemokratie Kommissionssigung, wo Crispi fich gegen jede Streichung Neuen Palais gewünscht worden ist: daß das deutsche Hand- werden sich die Bünstler noch völlig den Magen verderben, da des Militär- und Marine- Budgets erklärte, sollte er auch wert blühen, wachsen und gedeihen möge bis zu seiner Höhe vor sie ihnen schon jetzt so schwer im Magen liegt. gesagt haben, die Armee sei schon geschwächt" worden. dem dreißigjährigen Kriege". Dadurch fühlte der frühere Kriegsminister sich beleidigt. voll in Erscheinung treten zu lassen sind außer den Vertretern Der Telegraph berichtet über die betreffende Rammer verhandlung: zu Parlamentarischjes. tag zu einer Sigung zusammen. An Stelle des Herrn v. Man Die Steuerkommission des Reichstages trat am Mon uffel, welcher aus der Kommission ausgetreten ist, wurde der bg. Rintelen zum Vorsitzenden und der Abg. Paasche deffen Stellvertreter gewählt. Der Abg. Singer schlägt vor, ginnen, damit dieselben auch noch im Plenum erledigt werden mit der Berathung der Steuervorlagen sobald als möglich zu be= fönnen. Rintelen theilt mit, daß er beabsichtigt hatte, mit der Berathung des Zabatsteuer Gefeßes am 9. April au be Um den Anachronismus ber zünftlerischen Bestrebungen der ultramontanen und deutschkonservativen Fraktionen, die ex officio überall da anwesend sein müssen, wo es sich um eine Rom, 7. April. Deputirtentammer. Bei der Be- Rückwärtsrevision der Kulturentwickelung handelt, auch noch rathung des Gesezentwurfs betreffend die Aushebung der Jahres Vertreter der freifonservativen und nationalliberalen Partei, der flaffe 1874 zum Militärdienst wies der frühere Kriegsminister Geburtshelfer der manchesterlichen Gewerbe- Ordnung, gegen die Belloux die Behauptung zurück, welche der Ministerpräsident fich der ganze Zorn der Zünstler richtet, anwesend. Gine beCrispi heute in der Finanzkommission gethan haben soll, daß neibenswerthe Holle spielen die Herren Auch- Liberalen" auf nämlich die Armee in der letzten Beit geschwächt worden sei dem Handwerkertage allerdings nicht, denn aus den Worten Crispi erklärte unter größter Aufmerksamkeit des Hauses, die manchen Redners sprach offenes Mißtrauen gegen die ehrlichen Regierung habe sich heute in der gedachten Kommission gegen Absichten der nationalliberalen Fraktion, Schuhmacher Salge die Forderung weiterer Ersparnisse erklärt, denn man habe hinsichtlich der Armee genügende Sparsamkeit walten laffen. bemofraten lieber feien als die Nationalliberalen, so daß es der hatte, ist ihm ist ihm das, durch die Presse in Er habe niemand angreifen wollen, aber man dürfe künftighin ganzen Lungenkraft des Atg. Placke bedurfte, um mit seiner weiteren Kreisen bekannt gewordene Schreiben bés die Armee nicht in dieser Weise angreifen und eine fo ge Namen der Mehrheit der nationalliberalen Fraktion abgegebenen Er glaube, es sei eine Pflicht des Anstandes und der Höflichkeit, Staatssekretärs Grafen v. Posadowsti zugegangen. wichtige Frage leichthin behandeln. Italien habe zu große Erklärung: seine Partei werde durch die That beweisen, wie die Sigungen zu solcher Beit anzufeßen, in welcher die ReOpfer für seine Armee gebracht, als daß es deren Fortbestand sehr sie das Handwerk im Sinne der zünftlerischen Bestrebungen gierung in der Lage ist, ihre Vorlagen durch berufene Ver in Frage stellen könnte. Uebrigens werde der Kammer nicht fördern wolle, Gegenliebe bei den Handwerksmeistern zu treter zu vertheidigen. Gefcher( fons.) glaubt, daß für die Die Gelegenheit fehlen, diese Frage ausführlich zu befinden. handeln. Belloug erklärte sich durch diese Erklärung zufrieden- Auch die Herren Regierungsvertreter, die hier mit platonischen Mitglieder im Hause zu haben sind, während in allen Par Steuergesetze in der Form, in welcher fie vorliegen, nur wenige Liebesversicherungen das Handwerk hätschelten, mußten manche teien die Absicht besteht, aus dem Zabat und dem Wein Bis jetzt hat die Kammermehrheit ihren verneinenden unzweideutige Aeußerung des Mißtrauens mit anhören. Aber größere Summen herauszuschlagen. Richter beantragt, in der Alberteien Standpunt nicht aufgegeben, und voraussichtlich kommt zur Rettung des Handwerkes lafien fich doch nicht aus der Welt nachten Sizung nicht nur die Tabakſteuer, fondern auch be a bie souach zum Konflikt. fteuer auf die Singer schlägt vor, auch Inzwischen arbeiten die Kriegsgerichte. nichaffen, und diese Vorschläge haben das Handwerk, das bereits Steuerreform mit auf die Tagesordnung zu sehen, da sich diese Süditalien wurden eine Anzahl Aufrührer" zu längeren 34 refigniren begann, mit neue Hoffnungen erfüllt. Ihr Muth drei Gefeße ganz gut in einer Sigung erledigen lassen. Gegen Gefängnißstrafen verurtheilt." Und in Sizilien ift fogar fo sehr gewachsen, daß ein Redner, Hinze Hannover, diefe summarische Abschlachtung erklären sich die Nationalliberalen -Palermo hat der- um 8 Tage verschobene Brozeß er den Sturz Bötticher's und Rottenburg's, aber auch den steuer andere Mitglieder in die Kommission zu entfenden, zum wagen durfte, die Art an die dieichsregierung zu legen, indem und Konservativen, zum Theil weil sie beabsichtigen, zur Weingegen den Abgeordneten de Felice Giuffrida am miquel's für nothwendig crlläre. ehe dem Handwerk geholfen Theil auch, weil sie glauben, daß man den Gefeßentwürfen der vorigen Sonnabend begonnen, Die Anklage lautet auf werden könne. Hochverrath und Umsturz der Verfassung. Das Haupt- Um die Berlepsch'schen Vorschläge bezw. um die Gegen Gesetz eine besondere Sigung angesetzt werden muß. Die nächste Regierung wenigstens so viel Achtung schuldig ist, daß für jedes Belastungsstück, auf grund dessen die Anklage erhoben ward, vorschläge, festgestellt von Mitgliedern des Berliner Zentral: Sigung findet am Montag, den 16, April, Morgens 10 Uhr statt. hat sich bekanntlich als eine Fälschung Crispi's ausschusses der vereinigten Innungsverbände 2c., bandelt Auf der Tagesordnung ist nur das Zabat Steuergeset. 13. eine herausgestellt. es fich deshalb auch ausschließlich in den Verhandlungen. Die Berlepsch'schen Vorschläge gipfelten in der Einführung ber Hannover sprach es sogar offen aus, daß ihm die Sozial: getheilt ginnen. Nachdem er diese Absicht der Regierung mitgestellt. es Die Hungerrevolution in Südspanien hat vor den platonischen Versprechungen, den brotlosen Arbeitern Arbeit zu schaffen, natürlich nicht Halt gemacht. Unter dem heutigen Tag wird aus Madrid gemeldet: In den Industriebezirken herrscht seit einigen Tagen unter tativen Innungen, in der Grrichtung von Gewerbekammern, in Zwangsorganisationen der Handwerksmeiſter neben der fatul- Soziale Uebersicht. einer Regelung des Befähigungsnachweises, der Einführung von Ein Theil der Arbeiter des Richardsch a chtes bei Gefellenprüfungen und einer firengeren Regelung der Befugnisse Sobau( Böhmen) stellte gestern( Montag) die Arbeit ein. Die Lehrlinge anzuleiten". Mit diesen Vorschlägen fam v. Berlepsch, Ursachen find noch nicht bekannt, jedoch läßt der Inhalt des den Arbeitern eine zu ernsten Befürchtungen Anlaß gebende im ausgesprochenen Gegensatz zur Reichsregierung, zwar den Telegramms, welches auch meldet, daß es zu Ausschreitungen Gährung, welche auf die sehr gedrückten Löhne in den Fabriken Forderungen der Handwerker fast den ganzen Weg entgegen, aber getommen fei, darauf schließen, daß der Verwalter bei den Arzurückzuführen ist. Man befürchtet besonders, daß es in doch noch nicht weit genug, wie die Gegenvorschläge" und die beitern fich besonders mißliebig gemacht hat. Sevilla und Gadig zu blutigen Zusammenstößen zwischen Verhandlungen lehrten. " Briefkaffen der Redaktion. anzugebeu, unter der die Antwort ertheilt werden soll. den Arbeitern und der Polizei kommen wird. Auch die Land- Auf lebhaften Widerspruch stieß zunächst die Bestimmung arbeiter befinden sich in großer Mothlage; fie des Regierungsvorschlages bezüglich des Nebeneinanderbestehens schließen sich überall den Industriearbeitern an, um mit diesen von Fachgenossenschaften als Zwangsorganisationen für diejenigen wir bitten bei jeder Anfrage eine Chiffre( Zwei Buchstaben oder eine Baht) gemeinsam auf Besserung ihrer Verhältnisse hinzuwirken. In Handwerker, die nicht in Innungen organisirt sind, neben den Gordova durchzogen die Arbeiter die Straßen und plünderten Innungen. Der erste Redner des Tages, Schuhmacher, Oberdie Bäckereien; jedoch gelang es der Polizei, die Ruhe ohne meister Beutel, meinte zwar, der Name der Zwangsorganisation firengeres Einschreiten wieder herzustellen. thäte nichts zur Sache, ivenn nur das Prinzip der Zwangs. thided S. T. Das Bureau der„ Iduna" ist Charlottenstraße 82. St. 1020. 1. ja. 2. 185. Für den Inhalt der Juierate über nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Dienstag, den 10. April. Opernhaus. Der Troubadour. Carneval. Schauspielhaus. Hannele. Meister Gert Westfaler. Sie ist stumm. Se Alcazar. Variété- u. SpezialitätenTheater. Dresdenerstr. 52/53( City- Passage.) Vornehmster Familien- Aufenthalt. Täglich: Gr. Theater- Vorstellung. Auftreten sämmtl. Spezialitäten. Anfang: Wochentags 8 Uhr. Entree: Wochentags 20 Pf. Sonntags 7 Uhr. Sonntags 30 Pf. R. Winkler. Deutsches Theater. Der Herr Ge Böhmisches Brauhaus, nator. Berliner Theater. Narcis. Leffing- Theater. Madame SansGêne. Landsberger Allee. Dienstag, den 10. April cr.: Friedrich- Wilhelmädt. Theater. Vorlekte Soiree der arme Jonathan. Residenz- Theater. Der Maskenball. Wallner- Theater. Geschlossen. Neues Theater. Vater und Sohn. Central- Theater. Der neue Kurs. Adolph Erukt- Theater. Charley's Tante. Vorher: Die Bajazzi. Viktoria Theater. B Melusine. Stettiner Sänger Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Die schöne Im Vorverkauf Berlin Alexanderplat- Theater. wie's lebt und liebt. National- Theater. Eine Nacht im 40 Pf. ( siehe Blafate) Zum Schluß: Neu! Ballhaus. Vorher: Kaiserwetter. Theater Unter den Linden. Der Obersteiger. Hierauf: Columbia. Die Zigeunerkapelle American Theater. Lumpen- Susanne, oder: Die Obdachlosen von Berlin. Wintergarten. Spezialitäten Vorstellung. M Benzin Gullasch. Parodistisches Ensemble von Mensel. Donnerstag, 12. April, in Sanssouci: 4000. Soirée der Stettiner Sänger Reichshallen- Theater.Spezialitäten in Berlin, verbunden mit gr. DoppelKonzert, Fest Programm und TanzSpezialitäten Kränzchen Vorstellung. Apollo Theater. Vorstellung. Kaufmann's Variété. Spezialitäten Vorstellung. Parodie Theater. SpezialitätenVorstellug. National- Theater. Große Frankfurterstraße 132. Eine Nacht im Ballhaus. Schwank in 4 Aufzügen von H. Kneifel. Regie: May Sam ft. Vorher: Kaiserwetter. Schwank in 1 Aufzug von A. Schmasow. Regie: Mar Samst. Rasseneröffnung 6/2 Uhr. Anfang 71/2 Uhr. Morgen: Dieselbe Borstellung. Central- Theater. Alte Jakobstr. 30. Dienstag, den 10. April 1894, Bum 2. Male: Der neue Kurs. Posse mit Gesang in 3 Atten von Leopold Ely. Musik von Julius Einödshofer. Anfang der Vorstellung 71/2 Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Der neue Kurs". Adolph Ernst- Theater. Heute: 1 Am Freitag, Abends 61/2 Uhr, verstarb nach furzem Krankenlager an Sozialdemokratischer Wahlverein der Proletarierkrankheit unser lieber für den 1. Berliner Reichstagswahlkreis. Bruder Wilhelm Schuldig. Die Beerdigung findet heute, Dienstag, Nachm. 5 Uhr, vom Lazarus- Krankenhause, Bernauerstraße, aus statt. Die trauernden Hinterbliebenen. Am 7. April verstarb plötzlich unser Kollege Gustav Duschka am Herzschlage. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 11. April, Nachm. Oeffentliche Versammlung am Donnerstag, den 12. April, Abends präzise 82 Uhr, im Lokal ,, Scheffer's Salon", Inselstraße 10. Tagesordnung: 1. Vortrag über:" Sozialdemokratie und Staatsreligion". Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. 2. Dis tuffion, Mittheilungen, Broschüren- Vertheilung. 370/19 Gäste beiderlei Geschlechts haben Zutritt. Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein 3 Uhr, von der Leichenhalle des Big für den 2. Berliner Reichstags- Wahlkreis. orfer Kirchhofes of feat. aus statt. 2899b der Pianoforte- Fabrik von P. Scharff. Derlammlung am 8. April verſchied meine liebe am Dienstag, den 10. April, Abends 8½ Uhr, im Lokal Am Frau 28966 Clara Meyer geb. Reinicke. Der trauernde Gatte Louis Meyer, Veteranenstr. 6. 2891b Danksagung. des Herrn G. Bohne, Hasenhaide 45/47.. Zagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Zadek. 2. Diskussion. 3. Anträge Der Vorstand. und Fragen. 878/13 Sozialdemokratischer Wahlverein Für die liebevolle Theilnahme bei für den 5. Berl. Reichstags- Wahlkreis. der Beerdigung meiner unvergeßlichen lieben Frau, unserer guten Mutter sage Mittwoch, den 11. April, ich allen Genossen, Freunden und Ver- im Lokal des Herrn Brühning, Rosenthalerstraße 11-12: wandten, sowie dem Gesangverein Rothe Nelte" in Schöneberg und für die zahlreiche Kranzspende meinen herzlichsten Dank. Der trauernde Gatte nebst Kindern. Gustav Lehmann, Maurer. Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Th. Glocke über: Klassentämpfe". 2. Disfussion. 3. Verschiedenes. Gäste willkommen. Uin zahlreichen Besuch bittet Eine zweireihige Rorallentette mit Der Vorstand. goldenem Schloß ist Sonntag Abend Die Zahlstellen des Wahlvereins find folgende: Richter, Neue Königauf dem Wege von Wilhelminenhofstrasse 90; Achilles, Greifswalderstr. 210; Wittchow, Kl. Hamburgerstr. 27; bis Restaurant Karpfenteich( Treptow) Weber, Landsbergerstr. 41; Krüger, Hirtenstr. 10. verloren gegangen. Bitte den ehrlichen Finder, obige gegen Belohnung, da dieselbe ein theures Andenken, bei J. Adler, Mustauerstr. 14, v. 2 Tr., ratweil' scheen. Bierhallen G Kommandantenkr.77-79. Welt. u. größt. Etablissem. Berl. Läglich bei freiem Entree Gauverein Berliner Bildhauer. Dienstag, den 10. April, Abends 8% Uhr, Fester Arbeitstisch, Regal billig zu im Lokale des Herrn Ehrenberg, Aunenstraße Nr. 16: vert. Alexandrinenstr. 111, 3 Tr. r. !! Roh- Tabak!! 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Heute: Lumpensusanne oder: Die Obdachlosen von Berlin. Parodistisch- realistisches Traumbild aus dem Müllwinkel( frei nach dem Ber: Elite- Damenkapelle Austria. PassageBrunnenstr. 185. Versammlung. Zages Ordnung: Geschäftliches. Wahl eines Revisors für den Zentralvorstand. Holzbildhauer- Abend. Vortrag des Herrn Dr. W. Förster über:" Die Solidarität im Lichte der Kulturgeschichte". Verschiedenes. Arbeiterinnen! 42/5 Formen( Bockfaçon) wieder Am Mittwoch, den 11. April, Abends 8 Uhr, bei Bolk, 37 Als anerkannt reelle und billigste Einkaufs- Quelle des Süd- Ostens für Gold-, Silber-, Alfénidewaaren( Gig.Fabr.) goldene u. silberne Uhren empfiehlt sich H. Gottschalk, Goldarbeiter und Uhrmacher, 37 Admiral- Straße 37 Musik- Instrumente. Alle Blas, Streich u. Schlag- InftruAlte Jakobstraße 75: Groke Versammlung der in Buchbindereien, Album-, Karton- und LuruspapierFabriken beschäftigten Arbeiterinnen. Tages- Ordnung: 1. Bortrag der Kollegin Frau M. Greifenberg über: ,, Die Lage der Arbeiterinnen und wie ist dieselbe zu heben?" 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Die Kollegen werden ganz besonders ersucht, ihre Mitarbeiterinnen auf diese Versammlung hinzuweisen und dieselben zum zahlreichen Erscheinen zu veranlassen. Kollegen als Gäste willkommen. 458/20 Die Einberuferin. Achtung! Steinarbeiter Berlins und Umg. Große öffentl. Versammlung mente, Spieldofen zum Drehen u. felbft am Mittwoch, den 11. April, Abends 8 Uhr, im Lokale spielend, Musik Automaten fertigt Aug. Kessler, Eaußherstr. 51. KRONEN 1000 44 GARN YARDS 50582* Panopticum. Bestes Nähgarn! Die Wedding- Park", Müllerstraße 178. Tages Ordnung: 1. Vortrag über:" Organisation". Referent Genosse Näther. 2. Diskussion. Sämmtliche Schrifthauer sind ebenfalls eingeladen in Betreff der Lohndrückerei bei Fint u. Comp. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist ein jeder Kollege verpflichtet, zu erscheinen. Die Agitations- Kommission. J. 2.: J. Buchmann, Willibald- Alerisstr. 89. Freireligiöse Gemeinde. Barteigenossen, am Dienstag, Abends 8 Uhr, findet Rosenthalerstraße 38 die Neuwahl des Vorstandes statt, Glocke Gardinen- Fabrike it baher Pflicht eines jeden Genossen zu erscheinen. von Fr. v. Schiller. Mufit von Romberg. Dargestellt in 15 lebend. Bildern. Circus Renz. Dienstag, den 10. April 1894, Abends 71/2 Uhr: Großes Lager gestickter und engl. Tüllgardinen, Stores, weiß und rême. Große Auswahl in Sopha-, Einz.zu den billigsten Fabrikpreisen. E. Knape aus Eutsch in Sachsen Berlin N., Brunnenſtr. 21, pt. Auf auf zur fröhlichen Jagd! 1000 Damen!!! brecher- Album) bearb. v. Oskar Wagner. Lumpensusanne, gen.„ Die Gräfin", Parforce- u. Rastadenritt. Ballet von 100 Damen. Meute von 40 Hunden. ein schon geprüftes Mädchen Franziska Häser. Außerdem: Der ostpreußische Hengst Die Bombe, Aftervermietherin im Müll- Blondel, vorgeführt von Herrn R. Renz. winkel des Sonnenaufgangs" Cromwell und der Steiger Alep, geDer Josephine Delclisseur. ritten von Frl. Oceana Renz. 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Achtung! Brauereiarbeiter. Achtung! Große öffentliche Versammlung sämmtlicher in den Brauereibetrieben beschäftigten Arbeiter Berlins und Umgegend am Mittwoch, den 11. April 1894, Abends 8 Uhr, in der Berliner Ressource, Kommandantenstr. 57. Tages Ordnung: 1. Die Bedeutung des 1. Mai und Stellungnahme zur Maifeier. Referent Reichstags- Abgeordneter F. Zubeil. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. HOF Die Versammlung wird präzise 81/2 Uhr eröffnet. Die Agitations- Kommission. Wienerstr. 13. 57812* Blumen- Geschäft und Kranzbinderei. Vereinskränze mit Widmung 2887b in bester Ausführung Ceitsch. zu billigsten Breifen. Künstl. Zähne schmerzlos eingeſeht, ſeſtſißend. Reparaturen sofort. Weniger Bemittelte Ermäßigung. Kreslawski, Spittelmarkt 13 Hierzu zwei Beilagen Berantwortlicher Redakteur: Hugo Pötsch in Berlin. Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. 1. Beilage zum„Vomiirts" Bttliner VoMIatt. Nr. 82. Dienstag, den 10. April 1894. 11. Jahrg. Nnvlmnenksvevtehte. Deutscher Reichstag. 77. SitzungvomS. April 1894, 1 U Hr. Am Bundesrathstische: v. Bötticher.v. Marschall, Nieberding u. A. In der ersten Berathung des Handels- und Schiff- fahrtsvertrages mit Uruguay bemerkt Abg. Gtaf Kanitz(dk.), daß seine Fraktion zweifellos in ihrer überwiegenden Mehrheit diesem Handelsvertrage zustimmen werde. Der Vertrag enthalte allerdings die bedenkliche Bestim- mung, daß Uruguay sich vorbehält, mit den südamerikanischen Staaten Brasilien, Argentinien und Paraguay noch besondere Verträge zu schließen, deren Vortheile dem Deutschen Reiche nicht znsallen sollen; doch könne dieser Umstand nicht ausschlaggebend sein. Die deutsche Industrie sei vor zu großen Hoffnungen auf die Ausfuhr nach Uruguay zu warnen; die deutsche Landwirth- schaft könnte eventuell sogar direkten Nachtheil von dem Vertrage haben, jedenfalls wird sie keinen Gewinn davon haben. Redner bittet infolge deffen dre verbündeten Regierungen, dem jetzt eingebrachten Antrage der Konservativen auf Fixirung des Preises für ausländisches Getreide ihr Wohlwollen zuzu- wenden. Da der Antrag als Initiativantrag keine Ausficht habe, noch in dieser Session berathen zu werden, so würde Redner sehr erfreut sein, wenn die Regierung vorher mit einem selbständigen Gesetzentwurf derselben Tendenz an den Reichstag käme.(Hört! hört! links.) Abg. Hammacher(natl.) bezweifelt, daß die letzte Aus- führung des Vorredners ganz ernst gemeint ist. Er giebt zu, daß die Landwirthschast an diesem Vertrage kein Interesse hat, und wünscht zu wissen, warum der schon im Sommer 1892 abgeschlossene Vertrag erst heute zur Verhandlung gelangt. Direktor im Auswärtigen Amt Reichardt: Nach Artikels des Vertrages ist Deutschland die unbedingte Meistbegünstigung eingeräumt. Die Bedeutung der Klausel im Artikel 4 unierliegt keinem Zweifel; sie stammen aus dem alten Vertrage des Zoll- Vereins mit Urugnay. Unter Unentgelllichkeit und Eutgeltlichkeit der Zugeständnisse ist verstanden Aequivalent oder kein Aequi- valent. Unzuträglichkeiten werden sich aus dieser Fassung nicht ergeben. Der Vertrag ist deshalb so spät zur Vorlage gelangt, weil Uruguay nicht dazu kam, das über den Vertrag abgeschloffene Protokoll seinen gesetzgebenden Körperschaften vorzulegen und wir den Grundsatz befolgen, solche Verträge dem Reichslage erst vorzulegen, nachdem sie der andere Kontrahent genehmigt hat. Das ist inzwischen geschehen. Abg. Möller(natl.): Daß unser Export nach Uruguay zurückgegangen ist, liegt an der ungünstigen wirthschafilichen Lage zener Staaten und der eben erst überwundenen Schwindel- Periode daselbst. Abg. Barth(frs. Vgg.): Wenn Graf Kanitz bei dieser Ge- legenheit die Regierungen auffordert, für seine neueste Idee be- treffs der Fixirung der Preise für ausländisches Getreide den ersten Schritt zu thun, so wird das Schweigen vom Bundes- rathsiische ihn wohl bereits eines Besseren belehrt haben. Die von uns abgeschlossenen Tarifverträde allein schon machen es unmöglich, den Antrag zur Annahme gelangen zu lassen. Der Antrag will einen Minimalpreis von 215 M. für die Tonne Weizen, 75 M. mehr als der heutige Preis. Damit würde der Zoll von 3,50 M. für Getreide mit einem Schlage auf 11 M. erhöht, und eine solche Maßnahme würden sich die Vertrags- stallten einfach nicht gefallen lassen. Abg. Rickert: Ich glaubte, der Antrag sei ein Scherz. Sollte er wirklich eingebracht sein, dann bitte ich dringend, alles zu unternehmen, um ihn noch auf die Tagesordnung zu bringen. Dieser Antrag muß, bevor wir auseinandergehen, noch gründlich beleuchtet werden. Abg. Graf Kanitz(dk.): Ich freue mich außerordentlich, daß Herr Rickert dem Antrage zustimmt(Große Heiterkeit und Wider- spruch links),-- dann habe ich ihn zu meinem Bedauern miß- verstanden. Damit schließt die Generaldiskussion. Der Vertrag wird in zweiter Lesung unverändert ohne Debatte angenommen. Es folgt die zweite Berathung des Abkommens mit der Schweiz betreffend den gegenseitigen Patent-, Muster- und Markenschutz. Berichterstatter der VI. Kommission, die diese Vorlage vor- berathen hat, ist Abg. Paasch«. Die Kommission hat das Ab- kommen unverändert angenommen. . Abg. Hammacher(nl.): Die Kommission hat ausführlich über die Schwierigkeiten verhandelt, welche der deutschen chemischen, namentlich der Farbewaaren-Jndustrie dadurch er- wachsen, daß die Schweiz nur Erfindungen patentirt, welche durch Modelle darstellbar sind. Bleibt es bei dieser unlauteren Konkurrenz, so wird schlimmstenfalls zum letzten Schritte, zur Kün digung des Vertrages, geschritten werden müssen. Abg. Lenzmann(Frs. Vp.): Diese Bedenken haben unsere Freunde in der Kommission bewogen, gegen den ganzen Vertrag zu stimmen; ich halte aber seine Vortheile für so groß, daß dieser eine Punkt schließlich nicht entscheidend sein kann, und rede daher der Ablehnung nicht das Wort. Ich bitte aber die Regierung energisch und dringend, im Interesse der Be- fcitigung dieses Mißstandes die Diplomatie� in Bewegung zu setzen und eventuell die Kündigungsklausel in Anwendung zu dringen. Abg. v. Stumm(Rp.) bestreitet, daß hier mrt Recht von einer oononrrsnos deloyale gesprochen werden kann. Abg. Hammacher bleibt bei seiner Auffassung stehen. Abg. Bachem: Die schweizerische» Fabrikanten haben deutsche, zum Theil unter großen Kosten gemachte Erfindungen einfach nachgemacht und die deutschen Erfinder damit aufs stärkste benachtheiligt. Dieses Verfahren ist unkair, und eine Gesetzgebung, die es gestattet, muß reformirt werden. Abg. v. Stumm bemerkt, daß es doch früher auch m Deutschland erlaubt gewesen sei» die Patente fremder Länder auszunutzen. � p ni Abg. Müller-Sagan(Frs. Vp.) tritt dleser Ausfuhrung entgegen. Darauf wird die Vorlage unverändert angenommen; die dazu eingegangenen Petitionen werden durch diesen Beschluß für erledigt erachtet. Die Novelle zum Gesetz betreffend die Abwehr und Unter- drückung von Viehseuchen ist von der Vlll. Kommission vor- berathen worden. In Z 4 des Gesetzes soll eine Erweiterung der Befugnisse des Reichskanzlers dahin aufgenommen werden, daß derselbe, wenn eine Seuche in einem für den inländischen Viehstand bedrohlichen Umfange auftrilt, die Regierungen der betheiliglen Bundesstaaten zur Anordnung und einheitlichen Durchführung der nach Maßgabe dieses Gesetzes erforderlichen Abivehrmaßregeln zu veranlassen hat. I» der Debatte, an welcher sich die Abg. Kuyphanseu(dl.), Ctcphan-Beuthen(Z.). Müller- Sagan(freis. Vp.) betheili�n. ivird die Frage erörtert, ob nicht diese Befugniß des Reichs- lanzlers zu weit in das selbständige Verfügungsrecht der Einzel- stallten eingreift. Auf die Frage, wie weit überhaupt eine Sperre zur Verhinderung der Einschleppung von Seuchen wirksam sein la n. erwidert Geheimrath Haust, daß in den letzten 25 Jahren günstige Erfolge thatsächlich erzielt worden sind. Abg. Gröber(Z.) bekämpft die neue Bestimmung mit per- fassungsmäßigen Bedenken. Abg. Müller verweist demgegenüber darauf, daß nach dem Wortlaut der Bestimmungen der Kanzler-die Einzelregierungen zu Anordnungen veranlassen solle. § 4 wird in der Fassung gegen die Stimmen des Zentrums angenommen. Tie in§ 17 vorgeschriebene Beaufsichtigung aller Pserdel und Viehmärkte durch beamtete Thierärzte soll nach der Novelle ausgedehnt werden auf Gastställe, Schlachthäuser und Ställe von Viehhändlern. AbgHBöckel(Antisemit) befürwortet einen Antrag, der den Viehhändlern die regelmäßige Führung eines Buches über sämmb liche einzelnen Stücke ihres Bestandes vorschreiben will. Der Antrag soll mit dazu helfen, dem zum überwiegenden Theile unehrlich betriebenen Viehhandel stärker zu Leibe zu gehen und dem Thierarzt die Kontrolle zu erleichtern. Die Kontrolle des Viehhändlers könne nicht scharf genug wahrgenommen werden. Abg. Kruse(natl.) bittet, diesen Antrag wegen der damit verbundenen Erschwerung des Handels und wegen der Schwierig> keit der Durchführung abzulehnen. Abg. Birk(soz.) macht darauf aufmerksam, daß die öffent- lichen Schlachthäuser doch bereits unter lhierärztlicher Aufsicht stehen und also eine nochmalige Stellung derselben unter thier- ärztliche Aufsicht widersinnig sei. Er beantragt eine entsprechende Aenderung des Textes in tz 17. Preußischer Landwirlhschastsminister v. Heyden stellt dem Hause anheim, in dieser Richtung die Kommissionsbeschlüsse oder die Borlage anzunehmen. Der illnlrag Böckel wird abgelehnt, die Kommissionsfasfung angenommen. tz 18 des Gesetzes soll dahin abgeändert werden, daß auch schon vor der Feststellung des Ausbruches einer Seuche durch vcn beamteten Thierarzt die Veterinärpolizei zur Anordnung allgemeiner Schutzmaßregeln berechtigt sein soll. Abg. Birk hält diese Bestimmung für unzureichend; es müsse etwas Durchgreifendes geschehen. Ein wirksamer Schutz gegen Viehseuchengefahr werde durch dieses Gesetz gar nicht erreicht, weil die Thierärzte durchschnittlich erst 2—3 Tage nach der Meldung zu dem erkrankten Vieh kommen, die Seuche aber inzwischen»och stark um sich gegriffen hat. Außerdem sind die Thierärzte für den kleinen Mann viel zu kostspielig. In Oberbayern hat man vielfach aus der Gemeinde einen Mann augestellt, der auf die erste Anzeige vom Vorkommen eines Krankheitsfalles die Ställe sofort desinfizirt und die Anzeige an den Bürgermeister erstattet. Zu den Polizeiorganen, denen man diese Dinge überlassen wolle, habe der kleine Landmann kein Vertrauen. Zur dritten Lesung wird Redner einen bezüglichen Antrag stellen. Artikel 2—5 werden darauf unverändert nach den Kom- missionsvorschlägen angenonunen. Artikel 6 trifft besonder« Bestimmungen für die Maul- u n d K l a u e n s e u ch e. Es soll ein neuer Z 44a eingeschaltet werden, welcher in seinem ersten Absatz nach festgestelltem Ausbruch der Seuche die Polizei ermächtigt, die Impfung aller Thiere auf demselben Gehöft oder aus derselben Weide anzuordnen. Ferner soll das Weggeben von Milch aus einem Seuchcngehöft oder einer der Sperre unterworfenen Feldmark oder Ortschaft verboten oder an die Bedingung ge- knüpft werden können, daß die Milch vorher abgekocht wird. Das Weggeben ungekochter Milch aus Sammelmolkercien soll nach dem dritten Absatz ebenfalls für die Zeit der Seuchen- gefahr verboten werden können. Für die Zwangsimpsung hat die Kommission sich einstimmig ausgesprochen; heute indeß be- antragt die Mehrheit der Kommissionsmitglieder die Streichung des ersten Absatzes unter Berufung auf die zweifelhaste Er- fahrung, welche mit der Zwangsimpsung gemacht worden sind. Die Abgg. Kruse, Stephan- Beuthen, v. Kardorff(kons.) und Birk befürworten diesen Antrag. Es wird demgemäß beschlossen, der Rest der Vorlage jedoch in der Fassung der Komniissionsbeschlüsse angenommen. Die Kommission beantragt ferner folgende Resolution: An die ver- bündeten Regierunge» das dringende Ersuchen zu richten: 1. In betreff' der Einschleppnng von Viehseuchen aus dem Auslande, insbesondere der Maul- und Klauenseuche, die aller- strengsten Maßregeln zu ergreifen, und zwar: a) gegen die Länder, in denen die veterinärpolizeilichen Maß- regeln genügende Garantie für die Seuchenfreiheit nicht geben. vollständige, dauernde Grenzsperre einzurichten, b) gegen die übrigen Länder die Grenzsperre so lange fest- zustellen, bis der Gesundheitszustand der Thiere daselbst in aus- reichender Weise als gesichert erscheint, soweit die Befugniß hierzu nicht durch besondere Vereinbarungen beschränkt ist; o) die Einsuhr von ausländischem Schlachtvieh nur nach jenen Schlachtviehhöfen zu gestatten, an denen Einrichtungen zur vollständig getrennten Ausladung, Ausstellung und Abschlachtung desselben getroffen sind und zwar nur unter Bedingung sofortiger Abschlachtung; 2. zu veranlassen, daß in bezug auf die Tilgung der Maul- und Klauenseuche im Jnlande durch Instruktion seitens des Bundesraths bestimmt werde, daß a) im Falle größerer Ausdehnung der Seuche die Desinfektions- maßregeln sofort in Vollzug gesetzt werden, insbesandere b) Vorschriften erlassen werden, daß die Thier- ärzte, welche einen Seilchenstall besucht haben, bevor sie andere Gehöfte oder Ställe betreten, durch Desinfektion die Uebertragung der Seuche durch ihre Person verhindern. Abg. Birk führt Klage über die bei der Viehverladnng vor- kommenden abscheulichen Mißhandlungen des Viehes. Abg v. Kardorff bestreitet dies. Minister v. Heyden kann einen durchgreifenden Nutzen dieser Maßregel unk so weniger erkennen, als seit 1875 nur in einem Quartal die Maul- und Klauenseuche in Deutschland nicht ge- herrscht hat. Abg. Geschcr(dk.) tritt nachträglich für die Resolution ein. Minister v. Heyden: Bei den Befürwortern der Resolution scheint mir doch der Veterinärpolizciliche Gesichtspunkt gar zu sehr hinter den Wunsch zurück zu treten, daß überhaupt kein ausländisches Vieh mehr über die Grenze herüberkommen soll. Abg. MüNer-Sagan bestreitet, daß eine wirksame Sperre überhaupt durchzuführen sei. Nachdem noch die Abgg. v. Plötz(dk.), Hilpert(bayrischer Bauernvereinler) und Bantleon(nl.) für die Resolution plädirt haben, wird dieselbe gegen die Stimmen der Linken a n g e- n o m m e n. Schluß 5'/« Uhr. Nächste Sitzung Dienst ag 1 Uhr(Ab- zahlungsgeschäste, Wahlprllfungen). Abgeordnetenhaus. 44. Sitzung vom 9. April 1894. 11 Uhr. Am Ministertische: Thielen und zahlreiche Kommissaricn. Die Spezialberathung des Etats der Eisenbahn-Ver- w a l t u n g wird fortgesetzt und zwar beim zweiten Titel der Einnahmen: Aus dem Güterverkehr 659 700 000 M. Vom Abg. Gothein liegt folgender Antrag vor: Die Staatsregierung zu ersuchen 1. unter Aufhebung der auf rein kilometrischer Grundlage beruhenden Normal-Gütertarife Staffel- tarise für sämmtliche Arten von Gütern einzuführen; 2. mit den anderen deutschen Bahnverwaltungen in Verhandlungen wegen gleichmäßiger Durchrechnung der so gebildeten Tarise auch auf deren Strecken einzutreten. Nach längerer Debatte erhält das Wort der Abg. Gothei«(Fr. Vgg.): Graf Kanitz hat die sozialen Gefahren der jetzigen Zeit geschildert. Wenn auch nicht der Ver- kehr allein diese sozialen Mißstände geschaffen hat, sondern das Zusammendrängen der Menschen immer dort stattfindet, wo die politischen Geschicke eines Landes entschieden werden, so hat doch der Güterverkehr die Zentralpunkte immer bevorzugt. Die Frachten spielen jetzt eine wesentliche Rolle bei den Preis- sestsctzungen für die Produzenten und Konsumenten. Der Pro- duzent, der auf weite Entfernungen Rohstoffe und Kohlen be- ziehen muß, steht schlechter da, als derjenige, welcher beides i» der Nähe hat. Wenn im Osten die Landwirthe geringere Löhne zahlen, als im Westen, so wird dadurch auch die Lebenshaltung heruntergedrückt und die Aufgabe wäre gerade, die Lebenshaltung der Arbeiter zu heben. Die Industrie entwickelte sich da, wo bereits ein Stamm geübter Ar- bciter vorhanden war. Diese Möglichkeit fehlt in gewissen Theilen des Ostens, wo die Bedingungen für die Ansessig- machung einer größeren Zahl von Arbeitern nicht vorhanden ist. Die schlechten Gütertarife haben die Konzentration der Industrie befördert; die Verbilligung der Frachten durch die Staffeltarife wird eine Besserung herbeiführen können. Die höheren Löhne der Berliner Arbeiter entsprechen auch ihrer größeren Leistungs- fähigkeit. Als in Gottcsberg eine neue Fabrikanlage errichtet werden sollte, verdienten die Maurer aus den Weberdörfern 2,50 M., die aus dem schlesischen Kohlenrevier 3 M., Berliner Arbeiter aber bei niedrigen Akkordsätzen 7,50 M. Redner empfiehlt seinen Antrag. den er allein gestillt habe auf grund eigener Sachkenntniß, für den keine Partei die Verantwortung trage. Abg. Vueck(natl.): Die Frage der Staffeltarife ist nach den letzten Verhandlungen eine sehr prekäre; meine Partei hat keine Gelegenheit gehabt, sich damit zu befassen und wird daher kaum in der Lage sein, aus diesen Antrag einzugehen. Nach längerer weiterer Debatte bemerkt Minister Thielen: Die Staatsregierung kann auch nur wünschen, daß das Haus heute über den Antrag Gothein zur Tagesordnung übergeht. Auch innerhalb der Gütertarife hat eine Buntscheckigkeit Platz gegriffen, welche wünschenswerther- weise beseitigt werden muß. Aber diese hat nicht den Nachtheil wie bei den Personentarifen(Hört! links). Nach sehr eingehender Diskussion zieht Abg. Gothein den Antrag zurück, behält sich vor, denselben in dieser oder ab- geänderter Form einzubringen und bittet die Fraktionen, sich mit dem Antrage zu beschäftigen. Nachdem Abg. Bueck(natl.) noch einmal für die Ausnahme- tarife für Oberlahnstein eingetreten war und Geh. Rath Hoeter seine früheren Ausführungen wiederholt hatte, wendet sich Abg. Schmitz-Erkelenz gegen den zurückgezogenen Antrag und ver- theidigt die Nothwendigkeit der Aufhebung der Staffeltarife,! die im Interesse der westlichen Landwirthschast gelegen habe. Abg. Richter: Die Aufhebung der Staffeltarife war nicht nothwendig für die Durchführung des Handelsvertrages; die Mehrheit wäre nur eine geringere gewesen. Ich beklage die Aushebung der Staffeltarife als einen Rückschritt von einem ge- sunden Grundsatz. Es sind allerdings im Wesentlichen Preußens Vertreter gewesen, welche auf die Aufhebung der Staffeltarife gedrängt haben. Sie haben zedensalls der Allgemeinheit damit keinen guten Dienst geleistet. Herr v. Bötticher, so nachgiebig er sonst war, hat sich gehütet für die Zukunft eine Zusicherung z« geben über die Staffeltarife. Anfangs schien es, daß man Bayern eine solche Zusicherung geben wollte. Ich habe darauf hingewiesen, daß das nur in Form eines Vertrages mit Zustimmnng des Landtages geschehen könnte. Ich bin nicht berufen, die preußische Regierung zu vertheidigen. Aber wie kommt Graf Limburg-Stirum dazu, der Regierung Vorwürfe zu machen. Ansang März standen die Staffeltarife hier auf der Tagesordnung, aber da hat die Mehrheit des Abgeordnetenhauses unter Vortritt des Grafen Limburg von einer Debatte Abstand genommen und eine von mir provozirte Debatte wurde von der Tagesordnung abgesetzt. ES ist nun ein- getreten, was ich gesagt habe, daß das Haus überhaupt keine Stellung zu dieser Frage nehmen konnte, es hat sich selbst mund- todt gemacht. Graf Limburg-Stirum verwehrte es mir damals, das Ansehen des Hauses zu wahren. Das nachträgliche Reden hat keinen Zweck. Abg. Graf Limburg-Stirum: Der Vorredner verwechselt das Ansehen Preußens und des Abgeordnetenhauses. In dieser Frage hat das Haus nicht zu beschließen und das Ansehen Preußens lag allem in der Hand der Regierung. Abg. Richter: Diese feine Unterscheidung kann ich doch nicht gelten lassen. Die Regierung entscheidet allein; aber das liegt gegenüber dem Landes-Eisenbahnrath ebenso und doch hat sie dessen Urtheil angerufen und damit bekundet, daß sie fach- liche Gründe hören will und da hätte doch die Meinung des Landtages eine größere Bedeutung als die des Landes-Eisenbahn- raths. Man hatte ja auch Anträge gestellt und es ist also Schuld der Mehrheit des Hauses, wenn damals aus der Debatte nichts wurde, wenn man diese Staffeltarife nutzlos dem Handelsvertrage opferte. Der Titel wird darauf genehmigt. Eine Petition der Bier- großhandlung Schubert u. Cie in Görlitz wegen Rückzahlung von Eisenbahn-Frachtbeträgen wird durch Uebergang zur Tages« ordnung erledigt. Darauf wird die weitere Berathung um 4Vi Uhr auf Dienstag, 11 Uhr, vertagt. Vsvketnadirtpliken. GeschiiftSsozialismns. Vor wenigen Wochen hat der „Vorwärts" die Art und Weise gegeißelt, wie ein Leipziger Buchhändler für seine Geschäftsspekulationcn die Maske der Parteigenossenschaft vorbindet. Von derselben Firma— Ernst Wiest in Leipzig— ist gegenwärtig ei» neues Unter- nehmen auf den Büchermarkt geworfen, für welches abermals die Werbetrommel gerührt wird, als ab es sich dabei um ein Unternehmen handle, das speziell für Parteikreise, im Partei-Jnteresse herausgegeben werde. An unsere Partei» presse, an Partei buchhändler, an Partei kolporteure und an die Parteigenossen ist von dieser Verlagsbuch- Handlung W i e st in Leipzig kürzlich ein Prospekt für eine illustrirte Wochenzeitung versandt worden, der folgendermaßen beginnt: .Werther Genosse! Da das Bedürfniß nach einer sozialistischen Unterhaltungsliteratur ein immer lauteres wird, habe ich mich entschlossen u. s. w." Für die Varteiblätter ist noch die Lockangel aus- geworfen, in der Probenummer extra empfehlend aufgeführt zu " " " " " werden, falls fie als Gegenleistung mehrmals ein Reklame- deutungen bei der letzten Serbfifontrolle, von dieser vollkom- I 38. Bringt er seine Tour nicht in die Höhe, wird er ents Inserat aufnehmen. Auch dieses für die Parteigenossen menen Umgestaltung in der Organisirung den Mannschaften laffen. bestimmte Inserat giebt das Versprechen, dem Bedürfniß hinreichende Mittheilung zu machen. Alle bisherigen Zahlen 39. Meldet ein Kontrolleur, daß der Kutscher scharf, also nach einer gediegenen fozialistischen Unterhaltungs- und Nummern in der Eintheilung der Bezirksämter sind um flott gefahren hat( ob wahr oder nicht, darüber hat der Kutscher literatur gerecht zu werden", und erklärt außerdem aus- gewandelt, und niemand erhält eine Benachrichtigung, wie tein Wort zu verlieren) zahlt er 1 M. drücklich, der Inhalt werde unter strenger Wahrung und wo er neuerdings einregistrirt ist, zu welcher Kontroll- NB. Die Kontrolleure werden ausgeschickt, Straffälle zu abtheilung er sich fortan zu halten hat. Jeder Parteigenosse wird also in den Glauben verfekt, es denken, daß nach solchen Umgeſtaltungen be it besonderer Bein- es noch 20 Pf. besonders. Man sollte ermitteln, bringen sie zu wenig, werden sie entlassen. die öffentlichen Bekannt- 40. Weiß der Kutscher am Zahltag seine Strafen nicht, toftet handele fich um ein sozialistisches, den Partei- machungen in Berlin und Umgegend nun Interessen dienendes Blatt; in Wirklichkeit handelt es sich lichkeit geschähen. Aber das Gegentheil ist der Fall. In den Damit der Herr Bolle nicht mit dem Gesetz in Konflikt komme, einfach und ausschließlich um eine Spetulation auf den Vororten weist teine öffentliche Bekanntmachung auf die dies- müssen die Angestellten des Sonnabends erst ihre Strafen erGeldbeutel leichtgläubiger Parteigen offen. jährigen Frühjahrskontrollen hin, wie das früher regelmäßig legen, bevor sie den Lohn ausgezahlt erhalten. Derselbe beträgt Die Beweise dafür sind: geschah. Die Vorortbewohner, soweit kontrollpflichtig, find also für die Kutscher 21 Mart, wozu drei Mart Prämie" tommen, Daffelbe Birkular, dasselbe Inserat für diese Illustrirte gezwungen, zu ihrer Information eigens nach Berlin zu kommen, welche, wie man sagt, als das Geld zu betrachten sein sollen, Bolts- Zeitung" ist auch für den Buchhandel zur Ausgabe ge- um dort die Plakatsäulen zu lesen und werden hierbei gewiß oft von dem die Strafen" abgezogen werden. Vielfach natürlich langt und in verschiedenen Rolportage- und Buchhändler genug unverrichteter Sache zurückkehren müffen, um ein anderes übersteigen die Strafgelder die Prämie, denn die vorhin niedriger Inseratenblättern annoncirt worden. Aber hier sind selbstverständ- Mal ihr Heil zu versuchen. Die Ankündigungen nun, die au gehängten Bestimmungen werden so strenge gehandhabt, daß lich alle parteigenössisch klingenden Rebensarten den Berliner Plakatsäulen in den letzten Tagen des März und Strafen von 5 bis 12 Mart teine Seltenheit sind. weggefallen und ebenso aus Vorsicht oder aus Wahr- am 1. April angeheftet waren, erfüllten insofern nicht ihren Wo die Strafgelder bleiben, wissen die Angestellten nicht heitsliebe? alle Bersprechungen auf fozialistischen Bwed, als die meisten über ihre Zugehörigkeit zu diesem oder genau, wie es heißt, sollen sie in eine sogenannte Wohlfahrtskaffe Inhalt unterblieben! jenem Bezirkskommando völlig im Dunkeln waren, die Ein- fließen. Ja noch mehr, dieselbe Illustrirte Bolts- Zeitung", die bei ladung" zur Kontrollversammlung also gar nicht daraufhin zu Es ist ja bekannt, daß Herr Bolle nicht allein frrenge, fon den Parteigenossen das Bedürfniß nach sozialistischer prüfen im ftande waren, wann und wo sich der Einzelne ein- dern auch wohlthätig ist. So hat er aus seinen Mitteln für die Unterhaltungsliteratur" befriedigen und unter st renger Wah zufinden hätte. Und gerade an dem Morgen, an welchem Heilandskirche eine Glocke zum Preise von 8000 Mart gestiftet, rung sozialistischer Prinzipien" redigirt werden soll, ist in die Bersammlungen begonnen, also am 2. April, wo noch so welche das Lob frommer und wohlthätiger Menschen verkünden diesen Buchhandel- und Kolportage Zeitungen als ein Blatt mancher durch einen Blick auf die Plakatsäulen sich vor der soll. Zu wohlthätigen" Zwecken werden auch auch die Erempfohlen, das für jede Familie( ohne Rücksicht also auf dreitägigen Einsperrung hätte retten tönnen da glänzten die träge gewisser Arbeitsstunden Arbeitsstunden benutt, an denen nicht politische und religiöse Ueberzeugung ein Hausschaß im bekannten orangefarbenen Bettel durch Abwesenheit! Nach den nur die Angestellten, sondern auch deren Frauen theilzunehmen vollsten Sinne des Wortes werden soll." diesjährigen Frühjahrskontrollen wird's denn infolgedessen auch haben. Die Betheiligung der Frauen ist eine freiwillige", wer Tiefe Thatsachen werden genügen, um unseren Protest gerecht von Versäumnißstrafen nur so hageln! Mit welchem Erfolge? von ihnen nicht an der Strickjtuude theilnimmt, ist von den Thee fertigt erscheinen zu lassen gegen solche Versuche, die angebliche Mun, dem Militarismus haftet bekanntlich vor Allem die Eigen abenden, sowie von sämmtlichen Veranstaltungen( Ronzerten 2c.) Parteigenossenschaft finanziell auszunüßen. fchaft an, fich mißliebig zu machen: immer nur schneidig! ausgeschlossen. Die Strickstunde findet alle 14 Tage statt und Mag Geschäfte machen wer will, mag Zeitungen gründen Wer vergütet den Wehrleuten und Reservisten der Vororte dauert zwei Stunden. Wolle und Nadeln werden geliefert und wer will, mag Kundschaft und Abnehmer unter Parteigenossen die geschäftlichen Verluste, die sie durch die neuerdings beliebte mit der fertigen Waare macht Bolle Wohlthätigkeits- Bereinen fuchen wer will jedermann hat das Recht dazu, aber er sage Kontrolle in Berlin erleiden, wer vergütet die Kosten für die Geschenke. Möglich, daß diese Sorte Wohlthätigkeit nicht allein offen und ehrlich, daß es sich um ein Geschäftsunternehmen Reifen, die sie machen müssen, um erst einmal die Kontrollzeit berühmt macht, sondern auch gelegentlich einmal einen Orden abwirft. handle, zum Riſiko und Vortheil eines Ginzelnen, daß fich ftüße zu erfahren, und dann, um sich der Kontrolle wirklich zu unter- Trefflich wird für die jungen Leute gesorgt, welche bei Herrn Bolle in auf das Recht der guten Qualität; aber man ermecke ziehen? Der Militärfiskus doch nicht etwa!- Und solch ein Kost und Logis find. Sie haben von Morgens früh bis Abends nicht durch Borbinden der Parteimasfe der Parteimaske den Glauben, System, das mit denen, die für dasselbe kämpfen und bluten, ein spät Dienst, damit sie nur nicht auf Abwege gerathen. Die es handle sich um ein Partei Unternehmen, wenn geradezu widersinniges Spiel treibt, indem es jeden mit Arrest Arbeit, Meierei- Arbeit u. s. w. beginnt für sie Morgens 1/23 Uhr, es fich wie hier blos um eine Finanzfpekulation eines Geschäfts- bedroht, der sich zu einem irgendwo angekündigten aber keines dann geht es bis 1/7 Uhr, wo es Raffee, zwei trockene Schrippen mannes handelt, der für die Parteitreise Genosse wegs allen bekannt gegebenen Zeitpunkte und an einem irgendwo und gleich zweites Frühstück( zwei belegte Stullen) giebt. Nun fein will, für die Gegner Nichtgenosse, immer aber blos bestimmten Orte nicht einfindet, ein solches Eystem ist es, dem geht es weiter bis 1/211 Uhr. Von 1/211 bis 12 Uhr ist Mittag. Geschäftsmann ist. heutigen Tages der Beutel strotzt von dem Gelde, das des Um 1/212 Uhr wird gemeinschaftlich gegessen; wer nicht zur rechten Wolfes Schweiß erworben! Zeit am Blaße ist, zahlt 50 Pf. Strafe, da um 1,12 Uhr ge= 1/24 Uhr Vesper, um 4 Uhr ist„ Feierabend". Nach" Feierabend" betet wird. Hierauf wird bis 3 Uhr weiter gearbeitet, bis tommt Juftruktion, Kirche, Schnitzelstunde( Korbschnißerei), wozu das Holz geliefert wird. Die erste Arbeit kann der Künstler für fich behalten, dagegen muß er die anderen Sachen abliefern, welche dann ebenfalls überall wohlthuend umherwandern. Zum Schluß wollen wir noch bemerken, daß, als der Vorwärts" im Januar d. J. gelegentlich der strengen Kälte Herrn Bolle aufgefordert hatte, für feine Milchwagen Begleiter Mäntel zu beschaffen, ein Appell stattfand, der mit dem ftrengen Verbot endigte, sich hinter dem Wagen her warm zu laufen. der von Herrn Bolle wieder ins Leben zurückgerufenen alten Wen gelüftet es nach dieser kleinen Blüthenlese nicht nach Zeit, in der der Brotherr väterlich waltend für das Wohl seiner nechte sorgte? Es geht doch nichts über einen modern- romantischen Musterbetrieb Die Parteipreffe hat unseres Grachtens die Pflicht, gegen folche Geschäftspraktiken sehr vorsichtig zu sein und den Parteiund Schliche kommt! genossen reinen Wein einzuschenken, wenn sie hinter solche Kniffe 9 0 annoncen zum Ausdruck kommt, wirkt geradezu verblüffend. Aus Die Frivolität der Gesinnung, welche in gewissen Zeitungs. der Fülle des uns in dieser Hinsicht zu Gebote stehenden Materials Der frühere verantwortliche Redaktene der„ Elsaß- greifen wir nur 3 Inserate heraus, welche uns im Laufe der Lothringischen Volkszeitung", Genoffe Jaedh, wurde am eßten Woche in einem hiesigen Blatte zu Geficht gekommen sind: am 1. Freitag wegen einer Breßbeleidigung zu einer Gefängnißstrafe Gin junger ferngefunder Maun erbietet sich als Reife begleiter bei alleinstehenden Damen." von 14 Tagen verurtheilt. Der Staatsanwalt hatte 2 Monate begleiter bei alleinstehenden Damen." 2. Zur Erlangung beantragt. Der Angeklagte fonnte nachweisen, daß der Artikel er pbilosophischen Doktorwürde" stehen Arbeiten in die Zeitung aufgenommen wurde, als er taum 2 Tage in literarischen, sprachlichen und geschichtlichen Inhalts zur VerMülhausen war, und der Verfasser bezüglich des Thatbestandes Schürzen wird garantirt." Gine uns bekannte Lehrerwittwe, fügung." 3." Lohnender Verdienst durch Nähen von sich durchaus auf die Angaben seines Gewährsmannes verlassen welche von ihrer färglichen Pension nicht leben kann, meldete mußte. In derselben Berhandlung wurde Genosse Jaeckh wegen Dorzeitiger Beröffentlichung einer Anklagefchrift zu 40 M. Geld- ich unter der angegebenen Chiffre und erhielt von dem Fabrikanten Groß in der Manteuffelstraße das Anerbieten, besagte Arbeit zu ftrafe ev. 4 Tagen Haft verurtheilt. astonben dem wahrhaft fürstlichen Entgeld von 18 Pf. pro Dutzend zu Den Verein Vorwärts" in Buenos Aires, der machen. Kommentar zu allen drei Annoncen überflüssig. aus deutschen Parteigenossen besteht, hat ein schwerer Schlag Aus Bolle's Meierei. Des Anschauens werth ist das getroffen. Das Klubhaus, in dem das Versammlungslokal, die Strafregister, mit dem in diesem patriarchalisch geleiteten InBureaus, sowie auch zahlreiche Gaftzimmer vorbanden sind, ist stitut das Personal in chriftlicher Furcht und Sitte erhalten total abgebrannt. Das ganze Gebäude war aus Holz aufgeführt wird. Eine kleine Blüthenlese aus der Leporelloliste von Strafen, und so war dem rasch um sich greifenden Elemente nicht das welche wir nachstehend veröffentlichen, wird, wie wir denken, der Geringste zu entreißen, sodaß auch eine umfangreiche Bibliothet Arbeiterschaft zeigen, was man sich unter einem christlichen und sämmtliche Utensilien des Vereins ein Raub der Flammen Musterbetrieb vorzustellen hat: geworden sind. Das Haus ist nur mit 10000 Franken versichert, 1. Kommt der Kutscher früh Morgens zu spät( die Arbeit während der Neubau mindestens das Doppelte fosten wird. beginnt 3/44 Uhr), so toftet die Viertelstunde 10 Pf., die erste jedoch 80 Pf. 2. Kommt er mit ungeputzten Stiefeln, so zahlt er 20, auch 50 Pf. " Einen bedauerlichen Beschlußt, so schreibt der Leipziger Wähler", haben in ihrer letzten Versammlung die Leipziger Buchdruckergellilfen gefaßt. Es wurde nämlich eine Resolution 3. Fährt er 1 Minute zu spät vom Hof, 20 Pf. angenommen, die befagt, daß es dem Vorstand der Buchdrucker4. Kommt er Mittags mit dem Wagen zu früh oder organisation überlassen bleiben soll, in der Zukunft bei Bedarf auf den Hof, 20 Pf. von der vom sozialdemokratischen Witationstomitee aufgestellten sozialdemokratischem zu spät " Herr Bolle handelt auch mit Johannisbeerwein. Die Rutscher werden mit 50 Pf. gestraft, wenn sie feinen Wein des Morgens mit auf die Tour nehmen und mit 20 Pf., wenn sie keinen Wein verkauft haben. Die Freistunde für die Gefangenen der Musteranſtalt Plößensee Mehr Freistunde für die Gefangenen im Sommer! ist im Winter von 11-12 Uhr Mittags und zwar wird dieselbe sehr prompt innegehalten; ob es da regnet ober schneit, gelinde oder falt ift. Sogar bei der vorjährigen strengen Kälte wurde teine Ausnahme gemacht und was es heißt, in dem leichten kann nur der ermessen, der diesen Bärentanz" selbst mitgemacht Sträflingsanzuge bei 23 Grad Kälte im Kreise herumzutraben, hat. Anders verhält es sich mit der Freistunde in den Sommer monaten, in welchen sie von 6-7 Uhr Abends stattfinden soll, aber niemals innegehalten wird. Um 6 Uhr Abends treten die Gefangenen zwar ihre Freistunde an, müssen jedoch 5. Fährt er einen anderen Weg nach der Tour oder zurückschon um 3/47 Uhr wieder in ihre schwülen Arbeitsbaracken ein als vorgeschrieben, 20 Pf. Lokallifte abzuweichen". In dem Referate sowohl wie seitens des Genossen Eichler, der jene Resolution einbrachte, war ausgedrückt worden, daß die jetzt zur Verfügung stehenden er Säle für die Gewerkschaft der Buchdrucker völlig 11= genügend seien. Einen in der Sache auf das Gleiche hinauskommenden Beschluß haben bekanntlich vor einiger Zeit auch die Buchdrucker in Stuttgart gefaßt und auch in anderen Städten ist Aehnliches vorgekommen. In gewissen Kreisen der organisirten Buchdrucker scheint danach die Ueberzeugung vorzuherrschen, daß sie die Solidarität der sozialdemokratischen Arbeiterschaft entbehren können. Daß dieser Beschluß gerade den Leipziger Arbeitern gegenüber gefaßt wurde, welch letztere die Buchdrucker gelegentlich ihres letzten Streits in geradezu heroischer Weise unterstüßten, beweist, daß mit Undant auch in Arbeiterfreisen leider noch oft gelohnt wird. " " 6. Fährt er etwas schneller als vorgeschrieben, so zahlt 50 Pf. 7. Nach Hause zu 1 M. 8. Fährt ein Rutscher dem andern vorbei, 50 f. 9. Ist das Pferd warm" geworden, namentlich bei Glatteis, 50 Pf. 10. Verliert das Pferd ein Eisen, entweder 3 M. oder Entlassung. 11. Hat der Kutscher bei schlechtem Wetter einen Rock über der Blouse, 20 Pf. 12. Jeder Kutscher hat einen vorgeschriebenen Fahrplan auf der Tour. Jede Verspätung von 2 Minuten ab, 20 Pf., 10 mi nuten ab, 50 Pf. 13. Ebenso muß jeder Kutscher sein Kundenbuch führen. Für jede Falsch- oder Nicht. Eintragung, 20 Pf. Er muß also Milch verkaufen, sofort Buch führen und abpassen, daß er nicht die Zeit verfäumt. sie rücken, um in der kurzen Zeit von 5-10 Minuten die glühend heiße Abendsuppe hinunterzuschlingen; denn Puntt 7 Uhr müssen die einzelnen Abtheilungen schon wieder nach ihren Schlafstellen marschiren. Da nun im Sommer eo ipso eine Stunde länger Arbeitszeit ist, weil die Arbeit schon um 6 Uhr Morgens beginnt, so wäre es doch eine Kleinigkeit, wenn man die Leute schon um 1/26 Uhr Abends aufhören, dann bis 1/27 Uhr ſpaziren gehen und schließlich in Ruhe ihre Suppe genießen lassen würde. Da der Staat von dieser halben Stunde feinen besonderen Schaden hat, glauben wir mit Recht verlangen zu dürfen, daß den Gefangenen eine volle Stunde zur Erholung gewährt werde. disse sid Berhandeln vor Gericht geschäftsmäßig". " 1 Das Berliner Gewerbegericht, welches, wie ja auch aus unseren Berichten über seine Verhandlungen hervorgeht, im Großen und Ganzen segensreich wirkt, hat doch schon wiederholt zu Klagen Veranlassung gegeben. Es handelte sich vorwiegend um das Verhalten einzelner der vorsitzenden Richter, z. B. gegen Parteifinanzen. Der Vertrauensmann von Riel ver 14. Für Beschmutzen der Hände zahlt der Kutscher 20 Pf. öffentlicht die Abrechnung vom 1. Quartal 1894: Die Wahl- 15. Hat der Kutscher keine weiße Schürze vor, oder hat er uns mehrfach geklagt wurde, sollen denselben von einigen der über Prozeßvertretern und Beiständen klagender Arbeiter. Wie freistasse des 7. Echleswig- Holsteinschen Wahlkreises schließt mit hochgesteckt oder beschmutzt, 20 Pf. einer Ein- und Ausgabe von 843,10 M. ab. Die Kieler Lokal: Herren Vorsitzenden oft recht große Schwierigkeiten bereitet werden 16. Klingelt er falsch, so sahlt er, früher 1 M., jetzt 20 Pfund es soll oft langer Auseinandersetzungen bedürfen, ehe der tasse meist eine Einnahme von 1689,25 M., und eine Ausgabe 17. Auf 50 Liter Milch bekommt der Kutscher einen Liter Vertreter seine Funktion als solcher ausüben darf. Gewöhnlich von 886,26 M. auf, sodaß ein Kassenbestand( inkl. Wahlfonds) Milch zu, damit jedem Kunden reichlich gemessen werden wurde eingewendet, der Vertreter betreibe augenscheinlich das von 802,99 M. vorhanden ist. In den drei Monaten wurden kann. Fehlt 1/32 Liter mehr, als der Kunde verlangt hat, zahlt auf dem flachen Lande verbreitet: 16 000 Broschüren Der ein er 25 Pf, bei 1/16 Liter 50 Pi., 1/8 Liter 1 M., 1/4 Liter 2 M. Gastwirthsgehilfe" in einer Abhandlung treffend: In diesem Hierzu bemerkt der zigfte Rettungsweg", ferner 5000 Exemplare der Nord- Wacht", u. f. w. fowie 400 Boltszeitungen. 18. Der Kutscher muß seinen Wagen selbst waschen und Falle( bei geschäftsmäßiger" Vertretung) würde allerdings der diefes dann dem Kontrolleur melden, versäumt er es, zahlt er nwendung § 29 des Gesetzes, betreffend die Gewerbegerichte, in tommen müssen, der ausdrücklich besagt, 20 Bf. 15 daß Rechtsanwälte und Personen, welche das Berhandeln 19. Ist der Magen nicht ganz sauber, 20 Pf. vor Gericht geschäftsmäßig betreiben, vor dem Gewerbegericht 20. Benutzt er zum Waschen einen fremden Eimer oder eine nicht zugelassen sind. Dann ist es aber Sache dessen, der den fremde Kanne, 20 Pf. Einwand der Geschäftsmäßigkeit der Vertretung erhebt, die 22. Ist der Wagen nach dem Waschen nicht genau mit den Richtigkeit seiner Behauptung nachzuweisen, nach dem Grundsay: anderen ausgerichtet, 20 Pf. Wer behauptet, muß beweisen. Gelingt ihm dies nicht, so ist nach dem Sinne und der Absicht des Gesetzgebers der Vertreter ( Beistand) zuzulassen. Daß Arbeiter sich häufig vertreten lassen, mag wohl darin feinen Grund haben, daß ein Theil derselben vor Gericht zaghaft ist und sich zu unbeholfen fühlt und daß die Betreffenden deshalb gern einen ihrer Genossen, der energischer als jie, die Vertretung überlassen. Der Umstand, daß ein Arbeiter soviel Solidaritäsgefühl besitzt und seinen Klaffengenossen ohne Vergütigung einen derartigen Dienst leiftet, mag Befremdendes haben. Sad für manche Angehörige der herrschenden Klasse allerdings etwas " Polizeiliches, Gerichtliches ze. Beschlagnahmt wurden durch die Halber stadter Staatsanwaltschaft die Geschäftsbücher der Sonntags Beitung". Warum? Weil der Verlag in dem Ber dacht steht, Kegel'sche Liederbücher verkauft zu haben. Bei der bekannten Genauigkeit, mit der die Behörden ihres staatserhaltenden Amtes walten, dürfte es nicht unmöglich sein, daß die Expedition längere Zeit, vielleicht auf Wochen ohne Ge schäftsbücher bleiben wird. Wer entschädigt nun den Verlag für die unvermeidliche Geschäftsstörung, und glaubt denn die Behörde, daß, wenn das Verbrechen" wirklich begangen worden wäre, das groß und breit in den Büchern stehen würde? Lokales. то und 22. Ist die Laterne nicht geputzt, 20 Pf. 23. Liegt ein Gegenstand im Wagen, 20 f. 24. Jit der Bodfasten nicht verschlossen, 20 Pf. 25. Ist die Peitsche zerbrochen oder verloren, 20 Pf., muß der Kutscher selbst leisten. Ersay 26. Falschrechnen wurde früher mit 20 Pf. gestraft( jetzt 5 Bf.) 27. Läßt der Kutscher einen Rest von mehr als 1 M. zum nächsten Tag, 25 Pf. 28. Nichtvorzeigen des Fahrplans im Romtoir alle Tage 20 f. 29. Ebenso das Nichtgrüßen des Kontrolleurs oder der Rundent, 20 f. 30. Dantt der Kutscher nicht beim Geldempfang, 20 Pf. 31. Stellt er eine Kanne, ob voll oder leer, auf den Burschen 50 Pf. 32. Vergißt er einen Kunden zu besorgen, zahlt er 3 M. 33. Zuspätkommen zur Instruktion, 20 Pf. Die militärische Kontrolle, welche über die Personen des Beurlaubtenstandes" ausgeübt wird, nimmt geradezu den Charafter einer Landplage an. Nicht genug, daß man da alle Mannschaften jährlich zweimal oder mindestens einmal bei Arrestandrohung zusammentrommelt, nicht genug damit, daß man sie mit den zeitraubendsten, nuglofesten Vorlesungen lang fit, weilt, ihnen politische Reden hält oder für Kaiserdenkmäler bei ihnen sammelt und daß man sie für einen Tag unter die Gewalt einer mittelalterlichen Gesezesinstitution stellt; nein, neuerdings haben die Bewohner der Berliner Vororte noch ganz besondere Neberraschungen auf diesem Gebiete erfahren. Man hat nämlich feit dem 1. Januar d. I., auf mehrere Meilen in Umkreise von Berlin, sämmtliche Mannschaften unter die Berliner Kontrolle gestellt und die ganze Sache in vier Landwehr- Bezirkskommandos eingetheilt, ohne indessen, außer einigen ganz unbestimmten An34. Gänzliches Fehlen zur Instruktion, 50 Pf. 35. Jede Flasche, die am Wagen zerbrochen wird, kostet 15.Pf. 36. Abhanden gekommene oder beschädigte Sachen hat der Kutscher auf seine Kosten zu ersetzen. 87. Die Waaren, welche der Kutscher morgens vergißt, mitzunehmen, muß er troydem bezahlen. dxour Das Auskunftsbureau des Herrn Schimmelpfeng, Charlottenstraße, hat sich um die Lösung der sozialen Frage verdient gemacht. Da ein Grundübel, vielleicht das Grundübel unserer gefegneten Aera in dem Umstand, daß der Arbeiter von feinem Werkzeug getrennt ist, wurzelt, so beschlossen die genialen Leute, dem Arbeiter sein Werkzeug wiederzugeben. Wie jedes wahrhaft Große wahrhaft einfach ist, so auch hier Plan und Ausführung: Bei dem Auskunftsbureau sind zur Bedienung der Schreibmaschinen Arbeiterinnen angestellt. Die Angestellten werden euphemistisch zwar Damen genannt, aber fragt man einen der Edelsten und Besten, ob sie der arbeitenden Frau das Prädikat„ Dame" zugestehen, so müffen sie auf Ehrenwort" nein fagen! Diesen Arbeiterinnen nun vertauft er Herr Schimmelpfeng eine Schreibmaschine, also ihr Werkzeug. P;t ist sogar so gütig, nicht gleich baare Zahlung zu verlangen. sondern er zieht den Kauspreis, 450 Mark, in monatlichen Raten vom Gehalt der Arbeiterinnen, das monatlich zwischen 70 bis 100 Marl beträgt, ab> Weiter kann man die Vereinigung von Genie und Menschenfreundlichkeit offenbar nicht treiben. Wenn nun die Arbeiterin einige Jahre recht sparsam ist, dann hat sie nachher— o Wonne!— ein Eigen- thum in Gestalt einer— unbrauchbar gewordenen Schreibmaschine. Inzwischen hat sie etwa nothwendige Reparaturen aus ihrer Tasche zu bezahlen, aber das ist nicht mehr als billig, da sie ja Eigenthümerin ist. Auch wird sie dein Herrn Schimmel- pfeng diese Bezahlung nicht noch obendrein zumuthen wollen. Dap dieser Herr ihr die Maschine nicht theurer verkauft als er st« selbst emkauft ist bei so viel Genie und Größe selbstver- ständlich. Gins ist ungelöst bei dem Problem: Herr Schimmelpfeng tSßt die Arbeiten fürff« i n Bureau auf fremden Maschinen besorgen. Bezahlt er Benutzungsgeld? U. A. w. g. .»Hier rönnen junge Mädchen daS Pnhfach gründlich erlernen". Was dieser so unschuldig aussehende Zettel, den man namentlich in jetziger Zeit vielfach in den Geschästsläden hängen sieht, für ein Mädchen zu bedeuten hat, ahnen wohl die wenigsten der jungen Geschöpfe, die aus der Schule entlassen und nunmehr gezwungen sind, sich nach Möglichkeit selber zu ernähren. Die Ausbeutung der weiblichen Lehrlinge in der Hutputzbranche beschränkt sich im Durchschnitt auf die Zeit vo» acht Uhr Morgens bis zehn Uhr AbendS. Während dieser Zeit haben die Mädchen in emem dunklen, nach dem Hof zu gelegeiien Berliner Zimmer wie angenagelt auf dem Fleck zu sitze» und sich als Zuarbeiterinncn nach Kräften von dem Geschäftsinhaber ausnutzen zu lassen. Die Lehrzeit in der Hutputzbranche ist gewöhnlich auf sechs bis neun Monat bemessen und meistens ist es Gebrauch, daß der Lehrling, oder dessen Eltern dem Unternehmer noch eine bestimmte Summe als .Lehrgeld" hinzuzahlen. Hat schließlich so ein armes, mittler- weile hochgradig bleichsüchtig gewordenes Geschöpf seine sechs oder neun Monate abgerissen, so ist es gewöhnlich berufen, noch eine oder zwei Wochen von dem alten Prinzipal weiter beschäftigt zu werden; nachdem diese Anstandszeil vorüber, wird das Mäd- che» aber mit mathematischer Gewißheit entlassen, da mittler- weile das alte Spiel von vorne begonnen hat und Platz für neue «Lehrlinge" gemacht werden muß. Die ausgelernte Putzmacherin sucht Arbeit und macht dann nicht selten die Erfahrung, daß man ihr«in„Gehalt" von sechs Mark pro Monat anbietet. Hat das Mädchen Eltern, die es mehr oder weniger kümmerlich mit durchschleppen können, so mag die Sache unter Umständen ja f chen; ist ein« solche Arbeiterin aber auf sich allein angewiesen, o bleibt ihr trotz aller muckerischen Heulmeierei absolut nichts anderes übrig, als entweder zu verhungern oder ihren Leib meisb bietend zu verkaufen. So will es die göttliche Weltordnung. Ncber die„zunehmende Gefühlsverrohung" der Ar« beiter können wir wieder einmal berichten. Bor kurzem war «ine Kolonne Speicherarbeiter vom Berliner Spediteurverein auf dem Ostbahnhof in der Personenhalle mit dem Ausladen einer Lovry zusammengepreßter Wollballen beschäftigt. Ein ca. vier Zentner schwerer Ballen fiel nun beim Herabwerfen vom Wagen so unglücklich, daß ein Arbeiter mit beiden Füßen unter den- selben zu liegen kam. Erschreckt glaubten sämmtliche Arbeiter, daß ihrein Kollegen von dem Ballen beide Beine zerquetscht wären und sie sprangen eilig hinzu, um ihn von der Last zu befreien. Jedoch einem günstigen Zufalle hatte der Arbeiter es zu ver- danken, daß er mit heilen Knochen davongekommen war. Ebenfalls erschreckt durch den fallenden Ballen und das Un- glück, das derselbe bei seiner werthen Person hätte anrichten können, wurde der Herr Direktor, der mit dem zur Beaufsichti- gung der Arbeiter anwesenden Vorarbeiter dicht in der Nähe des fallenden Ballens stand, und sich deshalb zu folgendem Ausruf veranlaßt sah:„Kommen Sie nur hier weg, sonst komnten auch Sie noch unter einen Ballen und dann haben wir keinen Vorarbeiter." Selbstverständlich ging den Arbeitern ob einer solchen Herz- losigkeit die Galle über und ihre Entrüstung über eine solche Nichtachtung der Arbeiterknochen machten sie denn auch in recht drastischen Worten kund. Wenn dem Borarbeiter das Unglück passirt wäre, so wäre daS für den Herrn Direktor sehr schmerzlich gewesen; und wenn gar der Herr Direktor selber unter dem Ballen gelegen hätte, so-- na, es ist ja nur«in Arbeiter gewesen! Die Gesiude-Orduuna auf Umwegen will der Verein Berliner Milchpächter einfuhren. Es ist nämlich das Schreck- liche vorgekoininen, daß die bei den Pächtern beschäftigten Kühler wiederholt«leichtsinnig" ihre Stellung verlassen haben. Damit solche unthaten unmöglich werden, will der Verein jetzt Kontroll- bücher für die Kühler einführen, welche natürlich der Prinzipal in Verwahrung zu nehmen hat. Beabsichtigt nun der Kühler, sich zu verändern, so hat der neue Prinzipal, bei dem der Ar- beiler in Stellung treten will, sich erst das Kontrollbuch von dem alten zu fordern. Durch derartige Umständlickkeiten hofft mau die Kühler einzuschüchtern, so daß sie sich wohl fühlen in ihrer Stellung und darin so lange verbleiben, bis es dem Prinzipal gefällt, sie vor die Thür zu setzen. Hoffentlich Machen die Kühler den Herren Milchpächtern einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Das lästige Uiusteigen auf der Wanuseebah» wird vom 1. Mai er. an nicht mehr in Steglitz, sonder» wieder in Zehlen- dorf stattfinden. Eine gänzliche Beseitigung dieser Unbequemlichkeit wäre dringend zu wünschen. Eiue Schöneberger Orduuilgsstiitze. Vor einigen Tagen meldeten wir in der Gerichlsjeitung, daß ein Herr Flanger bei einer Echöneberger Submissionsangelegenheit sich einer so schweren Urkundenfälschung schuldig gemacht hat, daß das Landgericht II sich nicht für zuständig erklärte und die Sache an die Geschworenen verwies. Wie wir nachträglich erfahren, ist dieser Herr Flanger derselbe Ordnungsniann, der vor Jahresfrist in der Schöneberger Gcineindevertrelung den bekannten ordnungsfreundlichen Antrag einbrachte, wonach ein Gemeindevertreter, der die Verhandlungen der Gemeinderathssitzung sich zu«stören" unterfinge, mit Ausschluß bis zu einem Jahre und event. auch mit einer Geldstrafe gezüchtigt werden sollte. Kurze Zeit, nachdem Herr Flanger mit der Einbringung dieses famosen Antrages die Bewunderung aller wahren Ordnungsmänner eingeheimst hatte, kam es bei Aufdeckung der Submissionsgeschichte heraus, in welcher Weise er selber den Begriff der«Ordnung" interpretirte. Man kann sich den Schmerz der ordnungsparteilichen Gemeindevertreter ob dieser fatalen Affäre vorstellen. Wer war am Charfreitag i» Stolpe? Am Charsreitag fand sich beim Ga st wirth Bergemann in Stolpe an der Nordbahn eine Gesellschaft ein, welche sich unter Anderem durch einige Vorträge auf dem Klavier unterhielt. Der Gast- wirth Vergemann erhielt nun dieser Tage von seilen des Amts- Vorstehers eine Strafversügung über 10 M., da er am genannten Tage in seinem Lokal„Gesangs- und Musikvorträge, somit rauschend« Vergnügen" gestattet habe. Da es für Vergemann von großer Wichtigkeit ist, sich nicht bei dieser Verfügung zu beruhigen, so will er richterliche Entscheidung beantragen und er ersucht daher diejenigen, welche sich am Eharsreitag bei ihm be- fanden und sich in der oben angeführten Weise unterhalten haben, ihre Adressen gefälligst mittheilen zu wollen. Die Polizei ist in der Hauptstadt des Staates der Intelligenz doch nicht allmächtig. Dieser fast wie eine Blas- phemie klingende Ausspruch beruht, wie wir unsern Lesern allen Ernstes versichern können, auf Wahrheit und er bedarf nur der Einschränkung, daß da» Machtwort der Berliner Polizei zwar nicht nach unten, wohl aber nach oben hin eine Grenze seiner Wirksamkeit hat. Zur Zeit tritt bekanntlich der Schneidermeister Dowe aus Main; mit einem kugelsicheren Panzer auf, in dessen Festigkeit der Erfinder so großes Vertrauen setzt, daß er, mit ihm angelhan. sich in einem öffentlichen Lokal selber als Probier- objekt für einen Kunstschützen hergeben wollte. Aus be greiflichen Gründen mußte dies Effektstück jedoch unter- bleiben; die Polizei verbot Herrn Dowe, seine Brust dem Achtmillimeter- Geschoß preiszugeben und die Gigerl- ,velt kam um eine ganz exquisite Sensationsnummer. Dieser Auesall muß nun von einigen Interessenten doch nicht ganz verwunden worden sein, denn das eigenartige Vergnügen, das öffentlich polizeilich inhibirt worden war, fand am Sonntag dennoch, natürlich privatim statt. Ein Berichterstatter meldet darüber: Trotz des polizeilichen Verbots hat der Schneidermeister Dowe seine kugelsicher gepanzerte Brust gestern als Zielscheibe dargeboten. Freilich bandelte es sich nicht um eine öffentliche Vorstellung, sondern um eine Aufführung, die hinter verschlossenen Thüren vor Engländern, Amerikanern, Franzosen und einem hiesigen höheren Offizier von statten ging. Ein hiesiger Diplomat wollte gleichfalls Augenzeuge der Leistungen sein, wurde aber durch hohe» Besuch am Erscheinen verhindert. Die Schieß- Übungen, die sich auf Dowe nicht beschränkten, sondern von den Kunstschützen des Wintergartens in geradezu haarsträubender Weise ausgedehnt wurden, ließen bei den wenigen Zuschauern das Blut fast in den Adern erstarren. Der Schütze Westnen richtete auf etwa 40 Schritt ein festgeschraubtes Gewehr auf ein hängendes Ei«in, stellte seinen Kopf unmittelbar unter das Ei und entlud das gerichtete Gewehr durch einen Schuß auf den Abzug. Das Ei wurde tadellos von seinem Haupte geschossen. Derselbe Schütze wurde alsdann mit einem Holzrahmen umgeben, der seinen Körperformen angepaßt und unmittelbar an dem den Körper berührenden Rand mit Gipseiern behängt war. Im Schnellfeuer mit einem Magazingewehr schoß Martin die Eier, die neben den Augen, den Wangen u. s. w. hingen, mit entsetz- licher Sicherheit weg. Weiter schoß Martin auf etwa hundert Schritte Entfernung ein Ei mit einer Kugel vom Kopfe seines Genossen, und schließlich mit zwei Pistolen zugleich zwei Eier von dem Haupt herunter. Nun trat der gepanzerte Dowe's siegesbewußt in die Schranken. Nachdem eine Kugel des jetzigen Infanterie- gewehres einen Eichenblock in der Länge eines Meters glatt durchgeschlagen hatte, prallte eine zweite an Domes Brnst ab und blieb im Panzer stecken. Jeder Zuschauer schloß unwillkiir lich die Auge». Der Erfinder rief lächelnd:„Es ist garnichls zu fühlen' und erhielt auf seinen Wunsch noch einen zweiten Schuß auf das Herz. Die aufregende Vorstellung endete mit einem Schnellfeuer auf ein gepanzertes Pferd, das dabei ruhig fraß und ab und zu bei dein Knall zusammenzuckte. Die Versuche auf Dowe solle» demnächst bei einer vornehmen Persönlichkeit im engsten Kreise wiederholt werden. Man sieht, wir haben Recht; an der Umgebung einer vor- nehmen Persönlichkeil prallt das Machtaebot der Polizei ebenso sicher ab, wie das Achtmillimeter-Geschoß an die Brust des ge panzerten Schneidermeisters Dowe. Zeugen gesucht. Die Personen, welche bei der Schutz- mannsaffäre zugegen waren, die sich am 2. April, Abends um 8'/s Uhr vor dem Hause Thurinstraße 35, Moabit, zugetragen hat. werden ersucht, ihre Adresse bei Karl Bönicke, Former, Wittstockerstraße 4, Quergeb. 3 Treppen rechts, abzugeben. Ein Nollkutscher wurde am vorigen Mittwoch Abends zwischen 6>/, und 7 Uhr vor dem Hause Dresdenerstr. 123 von zwei Schutzleuten festgenommen. Die Zeugen dieses Vorgangs werden dringend ersucht, ihre Adresse dem Kutscher zur Ver- fügung zu stellen und dieselbe im Bureau des Verbandes der Geschäftsdiener. Packer und Berufsgenoffen, Neue Grünstr. 10 I, Fernsprechamt I, Nr. 810, abzugeben. Tie Leiche der kleinen Frida Klahm ist am Sonntag Vormittag um II Uhr gefunden worden. Wie seiner Zeit be- richtet, erdrosselte die Ehefrau des Arbeiters Klahm in der Wohnung, Cuvrystr. 43, am 22. Februar d. I. ihren Sohn Richard und verließ dann mit Frida das Haus. Wie anfangs angenommen wurde, ist die Mutter mit dem zweiten Kind am Schlesischeu Thor in das Wasser gegangen; denn die Leiche wurde an den Berliner Mörlelwerken am Schleusen-Ufer aus- gefischt. Frau Klahm selbst ist»och nicht gesunden. Die Polizei gegen das Elend. Zweiunddreißig polizei- lich gesuchte Personen sind in der Nacht zum Sonnabend bei einer Streife des 5. Polizeireviers am Alexander- Ufer längs des Hafens aufgegriffen und dem Gewahrsam eingeliefert worden. Im ganzen wurden 36 Personen an dem Wasserlaufe nächtigend betroffen, von denen nur vier nach Feststellung der Persönlichkeit wieder auf freien Fuß gesetzt wurden. ES ist alleS schon dagewesen— sagt Ben Akiba! Daß aber ein Hauswirth aus seinem eigenen Hause„rückt", das dürste denn doch noch nicht dagewesen sein. Dieses Kunststück hat am Sonnabend ein HauSwirth aus der Schönhauser Allee fertig gebracht. In aller Morgenfrühe rückte die Rück-Kompagnie an und als die Miethcr noch in Morpheus Armen lagen, ging's auf nach— Pankow! Noch am selben Tage wurden dem guten Manne, der selbstverständlich nicht vergessen hatte, die April- miethen einzukassire», verschieden? von Miethern ohne Bezahlung entnommene Gegenstände abverlangt, und wenn erst der„Mann mit der blauen Mütze" Einkehr hält, wird in der Sommerfrische auch der romantische Hintergrund nicht fehlen. Dem„Haus- eigenthnmer" muß wohl vo» seinem Hause kein Stein viehr ge- hört haben; nur so ist sein Staatsstreich erklärlich. Polizeibericht. Am 7. d. Mts. Vormittags wurde in der Novalisstraße eine Frau sichtlich krank betroffen und nach dem Krankenhause gebrackt. Sie hatte angeblich sich zu vergiften ver- sucht.— In seiner Wohnung, in der Meinelerstraße, brachte sich ein Mann in selbstmörderischer Absicht eine tiefe Schnittwunde am Halse bei.— Nachmittags tödtete sich ein Handwerker in seiner Wohnung in der Oranienstraße durch einen Schuß ins Herz.— In der Neue» Köniastraße wurde ein Schutzmann von den beschäftigungslosen Arbeitern Meyer und Pieper, die er mehrfach vergeblich vom Bürgersteig fortgewiesen hatte, mit Faustschlägen angegriffen. Ein dem Schutzmann zu Hilse eilender Polizeiwachtmeister machte von seiner Waffe Gebrauch und ver- letzte den Pieper durch einen Hieb über den Kopf. Meyer flüchtete nun, lies blindlings gegen eine vorüberfahrendc Droschke und verwundete sich an dem hierbei zertrümmerte» Fenster derselben unerheblich am Vorderai».— In der Fabrik von Sielass, An- klamerslr. 32, fiel ein Arbeiter durch die Fahrstuhlthür aus dem ersten Stock heraus und erlitt anscheinend schwere innere Verletzungen.— Gegen Abend stürzte vor dein Grundstück Wilhelmstr. 29 eine Frau und brach das linke Bei». Am 8. d. M. Vormittags sprang ein Mann vom Schlülerstege in die Spree, er wurde noch lebend aus dem Wasser gezogen.— Bei den Berliner Mörtelwerken am Schleusen-Ufer wurde die Leiche der seit dem 22. v. M. vermißten Tochter des Arbeiters Klahm an- geschwemmt. Das Kind ist anscheinend erwürgt und ins Wasser geworfen worden. Abends erlitt eine in der Falckensteinstraße wohnende Frau, als sie Spiritus in einen brennenden Spiritus- kocher nachgießen wollte, so schwere Brandwunden, daß sie nach dem Krankenhause gebracht werden mußte.— In der Nacht zum 9. d. M. geriethen an der Ecke der Gyps- und Auguststraße zwei italienische Gypsfignren-Händler in Schlägerei, wobei der eine von seinem Gegner durch einen Messerstich am Unterleibe so schwer verletzt wurde, daß seine Ueberführung nach dem Krankenhause erforderlich»vlirde.— Am 7. und 8. d. M. fanden sieben kleine Brande statt. Kleiue Theater-«ud Literatur-Chronik. Oskar Höcker, der auch den vielen Mitgliedern der „Freien Volksbühne" bekannte Künstler des Lessingtheaters ist am Sonntag einem Nervenleiden erlegen. Schon vor einigen Wochen, so schreibt uns Direktor Blumenthal, bei dem letzten Austreten Oskar Höcker's im Lessingtheater, machte sich bei ihm eine Ver- dunkelung des Gedächtnisses, eine Unsicherheit im Wort bemerk- bar, die bei dem stets so überaus gewissenhaften Künstler nur als Zeugniß einer keimenden Krankheit betrachtet werden konnte. Die Kunst der Aerzte hat das Leiden vergeblich zu bekämpfen gesucht, und so war der Tod für Oskar Höcker eine Befreiung von schwerem Siechthum. Das Lessingtheater erleidet durch das Hinscheiden dieses Künstlers einen Verlust, der schwer zu ersetzen ist. Seine reiche schöpferische Kraft, sein schauspielerisches Fein- gefühl, die vornehme Mäßigung in der Wahl seiner Mittel, die Behaglichkeit seines Humors, die Würde seines Ernstes und die Vielseitigkeit seines Gestaltungsvermögens, das zugleich mit dem saubersten Künstlerfleiß gepaart und durch eine lückenlose lite- rarische Erziehung unterstützt war, hat Oskar Höcker zu einem der werthvollsten schauspielerischen Mitarbeiter des Lessingtheaters gemacht. Gerhart Haupt mann's„Weber" sollten am Wiener Carl-Theater vor geladenen Gästen zur Aufführung ge- langen. Im letzten Augenblick verbot die Polizei jedoch das Stück und rettete dadurch die k. k. österreichisch-ungarische Monarchie vor jähem Untergang. Ueber das geplante Heine-Denkmal äußert sich viel vernünf- tiger als wir ihm zugetraut hätten, Herr Ernst v. Wilden- brück. Er schreibt in der„Nation": „Meiner Ansicht nach ist in der Sache alles gesagt. Es handelt sich nicht mehr um Gründe und Gegengründe, sondern um Empfindungen. Aus meiner Empfindung heraus erfolgt meine Antwort. Ich bin ein Deutscher von stark ausgeprägtem Nationalgefühl. Mein Nationalgesühl ist aber nicht ein solches, daß es bei der rechten Hosennath anfängt, um bei der linken zu enden, es ist auch kein Kultus, kein Weihrauchschwingen vor einem Altar, aus dem Germania in aUgermanischer oder mittelalterlicher Tracht paradirt, es ist Liebe. Und weil ich dem Grundsatz nicht huldige, daß Liebe blind macht, bin ich nicht blind gegen die Schwächen Deutschlands und gegen die Gefahren, die es bedrohen. Zu diesen rechne ich vor allen den geistigen Pauperismus, der sein Kalibangestcht über Deutschland zu erheben beginnt. Ich verstehe darunter die Verödung an Kops und Herz, dl« sich bei uns auszubreiten be- ginnt. Den hauptsächlichen Grund zu dieser Erscheinung erblicke ich in der von Tag zu Tag fortschreitenden Respeklosigkeit vor dem Geiste und vor der geistig überlegenen Individualität. Darum sollten sich, meiner Ansicht nach, die wahrhaft Gebildeten von ganz Deutschland einmüthig zusammenfinden, wo sich die Gelegenheit bietet, diesem Respekte vor dem Geiste durch eine greifbare Handlung Ausdruck zu verleihen. Und eine solche Gelegenheit ist hier geboten. Kein Mensch, ob persönlicher Freund oder Feind Heinrich Heines, zweifelt ernsthaft an der Größe seines Geistes. Kein Mensch ist sich ernsthaft unklar darüber, daß Heinrick Heine mit seinen Werken die Seele Deutsch- lands beschenkt und bereichert hat. Darum sollten sich die Gebildeten Deutschlands klar darüber sein, daß die Frage ganz falsch behandelt wird, wenn man sie von dem be- schränkten pro- oder antisemitischen Standpunkt aus behandelt; sie sollten sich klar sein, daß eine viel größere, wichtigere gerade zur Entscheidung steht. Diese Frage aber lautet r Soll in Deutschland Geistesgröße immer und unter allen Umständen anerkannt und soll der Persönlichkeit, von der sie zum Wohle Deutschlands ausgegangen tst. Dank in sichtbarer Gestalt bewahrt werden— oder soll es in Deutschland Zeiten und Stimmungen geben dürfen, wo Geist hinwegdekrctirt, Ver- dienst als nicht vorhanden, Dankbarkeit als überflüssig erklärt wird? So steht die Frage, und so lautet sie. Wer in ihrer Beantwortung zweifeln will, der zweifle— ich für meine Person habe sie beantwortet, indem ich dem Komitee zur Errichtung eines Denkmals für Heine beigetreten bin. Indem ich Ihnen, geehrter Herr, freistelle, von dieser meiner Aeußerung in der „Nation" Gebrauch zu machen, verbleibe ich hochachtungsvoll er- gcbenst Ihr Ernst v. Wildenbruch." Berlin, 1. April 1894.— Witteruugsiibersicht vom 0. April. Witterung in Deutschland am 0. April. 8 Uhr Morgens. Bei gleichmäßig vertheiltem, ziemlich- hohem Luftdruck und schwachen östlichen Winden, dauert die trockene, freundliche Witterung in ganz Deutschland noch fort. An der Ostseeküste ist es nebelig, auch im oberen Rheingebiete hat die Bewölkung etwas zugenommen, in den übrigen Landestheilen ist aber der Himmel völlig wolkenlos. Die Temperatur ist im Nordosten etwas gesunken; zu Swinemünde liegt sie heute Morgen nur 2 Gr. über dem Gefrierpunkte, während Mülhausen i. E. 12 Gr., Karlsruhe und Borkum 11 Gr. Celsius Wärme melden. Berliner Wetterbureau. Wetter-Prognose für Dienstag, de» 10. April 1894. Warmes, zunächst»och heiteres, trockenes Wetter mit mäßigen südöstlichen Winden; nachher zunehmende Bewölkung. Berliner Wetterburea». Tlzeslcv. DaS Zentral-Theatce wartet«, am Sonntag mit einer vor- geblich neuen Posse auf, der dadurch noch besonders der Stempel des Interessanten ausgedrückt wurde, daß man sie vielversprechend „Der neue Kurs' nannte. Leider läßt sich von dem Schaustück des Zentral-Theaters noch weit mehr, als von der Tragi- Komödie auf der politischen Bühne sagen, daß der neue Kurs nichts anderes ist, als die alte Nummer in Grün. Der neue KurS am Sonntag Abend stellte einen modernen Tingeltangel dar, den sich die reichgewordene Wirthin des Weißbierlokals ziim„Grünen Aal" an Stelle ihrer allen B»de errichtet hatte. Sie wird von«inein Schwindler über den Löffel barbirt und nach uraltem Theaterbrauch von ihren alten, treuen Dienstboten wieder auf die Beinej geholfen, nachdem der unvermeindliche Krach eingetreten. Ein Thema, wie man sieht, das auch sur ein modernes Baby kaum mehr etwas Im- vonirendes haben dürfte und dem im Centraltheater auch durch die Einflechtung von einigen Dutzend uralten Kalauern und durch die Vorführung einiger Spezialitäten, so der Barornn Rahden und des Schneidermeisters D nichts von seiner an- geborenen Langweiligkeit und J>ihall»..osigkeit geraubt wurde. Es ist schade um die tüchtige Künstlerschaar, die im Zentral- Theater versammelt ist, daß es bisher noch nicht möglich war, o»v» PubUkum wie für die Bühne gleich. befriedigendes Zugstuck zu ergattern.» �> v Derlammlungen. Trescowerstr. bei Michael.. Hermann Sonntag. Retschach'sche Braueret. Gängergruß, Friedrichshagen, Blant's GesangRestaurant. Epheu, Gerichtsstr. 10 bei Gebrandt. Derein Echo 29 Uhr Abends Uebungsstunde bei Reimann, Alte SchönGesangverein Gerechtigteit Westen, Bülowstr. 59 Die Kranken- und Sterbekasse der Berliner Haus- hauſerſtr. 42. b. Werner. Gesang u. Theaterverein Acacie( gem. Ghor), Beughofstr. 8 diener hielt am 3. d. M. ihre odentliche Generalversammlung ab. bei Behlendorf.- Arbeiter- Gefangverein Freiheit 2, Adlershof, Oppenſtr. Freies Lied 1, Friedrichsberg, Wacht auf Weißenburgerstr. 24, Gde Der Vorsitzende theilte zunächst mit, daß das Kaffenlokal sich feit Gde, Grünauer Chaussee, bet Paulig. Blumenlese, Sebastianftr. 3, bei Meier. dem 1. April Oberwasserstr. 10, parterre rechts befindet und von Friedrich- Karlstr. 11 bei seinecke. dieselben Bernau, im Schüßenhaus. Senefelder, Lands12-5 Uhr Nachmittags geöffnet ist. Der Kassirer gab hierauf Freiheit 3, Echo 3, Behlendorf, Karlstraße bet folgenden Vierteljahresbericht: Einnahme 24 630,71 M., Ausgabe bergerstr. 31 bei Seehausen. Männergesangverein a ch' auf, Pantor, Wollantstr. 115 Eichentranz. 7127,02 M., es verblieb somit ein Vermögen von 17 503,69 m. tegler. bei Männergesangverein Männergesangverein Rottbuser Har und wurde dem Kassirer auf Bericht des Ausschusses Decharge Prenzlau, im Kaifergarten. bei Albert Mömes. Weddinger Harmonie, ertheilt. Im weiteren wurde beschlossen, den§ 6 dahin zu ändern, monie, Böthstraße Müllerstr 7. Männerchor Nord- Ost, Landsberger Allee bei Ferd. statt 40 Pf. Wochenbeitrag 45 Pf. zu erheben und diesen Beschluß Sofort in Kraft treten zu lassen. Der§ 7 wurde dahin geändert, Wirthshaus). daß die Abfäße 4 und 7 ganz gestrichen wurden und erhalten I menrausch, die erwerbsunfähigen Kranken somit freien Arzt nebst Medifa- Naunynftr. 86 bí Zubeil. menten und 10 M. Krankengeld pro Woche. Bei§ 9 beschloß haus. die Versammlung Strafbestimmungen über das Verhalten erfranfter Mitglieder. Zum Schluß wurden als Vertreter der Kasse bei der Kommission eingeschriebener Hilfskaffen die Kollegen August Kuhntke und August Maier gewählt; eine Anregung verbande anzuschließen, wurde dahin erledigt, daß der Vorstand des Kollegen Oswald Grauer, sich dem deutschen Kassendie Sache prüfen und der nächsten Generalversammlung Bericht erstatten soll. Das National- Theater bot in den beiden Stücken, die am Sonntag zur Aufführung gelangten, seinen Besuchern gerade teinen besonders genußreichen Abend. Raiserwetter" betitelte fich das eine derselben. Es ist ein Schwank in 1 Akt von Alfred Schmasow, in dem uns zwei hysterische Weiber aus der Bourgeoisie vorgeführt wurden, die nach einem, wenn auch nicht geschickt angelegten Roup ihrer geplagten Männer machen sich die von den Zeitungen eingeimpfte Dynamitfurcht su Nuken, indem sie ein Kistchen mit Resedafamen explodiren lafsen das Versprechen abgeben, vernünftig zu werden. Das zweite ältere Stück von Kneifel, das unter der neuen Firma:" Eine Nacht im Ballhause" aufgeführt wurde, konnte ebenfalls nicht den bescheidensten Ansprüchen, die man an den Inhalt eines Stückes und an die Schauspieler im Nationaltheater stellt, gerecht werden. Der Inhalt ist furz folgender: Ein ehrfamer Landpfarrer fommt auf seiner Reise nach Berlin in schlechte Gesellschaft". Das Unglück will es, daß er in einem berüchtigten Ballhause den Rath Gernbock trifft, den er soeben eine Gehaltsaufbesserung schickt schwindelt er sich aus der Situation heraus. Auf den einen Schwindel muß ein neuer gepfropft werden und einige andere folgen diesem nach, bis aus dem allen in heillofer Verwirrung die sonderbarsten Mißverständnisse und Verwechselungen entstehen. Der Schluß bekannt: Aufklärung, Aussöhnung, Umarmung und Heirathen. Man kann der Direktion in teiner Weise zu der Auswahl eines solchen Repertoir ein Lob spenden. um angegangen war. Ge= Die Rezension über die letzte Vorstellung der Freien Voltsbühne mußte leider im letzten Augenblick wegen Raummangels aus der heutigen Nummer zurückgestellt werden. Wir bitten unsere Leser dieferwegen um Entschuldigung und versprechen, die Besprechung über diese Vorstellung morgen zu bringen. Gerichts- Beitung. halle. Hagemann. Krause. Harmonie Rirdorf, Bergstr. 120 bet Bartha( Deutsches Heimathtlänge, Köpenick, Rosenstraße bei Troppenz.. Sängerfreiheit Gräfeftraße 34 bei plög. Arion, Wittenberge, Thurmftr. 23, BentralLiedesfreiheit 2, Strausberg, Wilhelmstraße, Weber's Kaffee8u= Froh Soffnung( B. W.) Kulmstr. 36 bei Raumann. Edelweiß 1, im Restau-= Gleichheit, Lothringerstraße 81 bet funft 1, Stegliz, Ahornfir. im Gambrinus. rant Kasch, Oranienstr. 190. Männer- Gesangverein Wilmersdorfer Liedertafel Möller's Garten. Gesangverein Con= Wilmersdorf, Berlinerstr. 40 cordia, Oranienftr. 109. Frete Feldblume, Manteuffelstr. 67 bet natreon, Abends 9-11 Uhr, bei Keßner, Annenstraße 16. Gefang-, Turn- und gesellige Vereine. Dienstag. Gefangverein Silpert. - Gesangverein Musikverein Gesangverein Alpenott bufer harmonie, Boedbftr. 8 bet Albert Möwes. Nord 8-11 Uhr, Wriezenerstr. 6, bei Gendte. glühen 2 bei Nomad, Manteuffelftr. 9. Arbeiter Bitherklub Freiheitstlänge. Jeden Dienstag Abends don bis 11 Uhr bei W. Richter, Bülowftr. 65 am Dennewiß- Play. Turnverein Gesundbrunnen. Die 1. Männer- Abtheilung turnt von Berliner Turngenossenschaft. Die 9. Männerabtheilung turnt jeden Turnverein 8 -V 8-10% uhr in der Zurnhalle des Leffing- Gymnasiums, Bankſtraže 9-10. Dienstag und Freitag in der Gemeindeschule, Blumenstr. 63 a. ich te. Jeden Dienstag und Freitag, Abends 8-10 Uhr, Stalizerſtr. 55-56. Turnhalle, Brinzen- Allee 8. Nach dem Turnen geselliges Beifammensein im Turnverein Norden, jeden Dienstag Abends von 8 bis 10 Uhr in der Restaurant Bum Thüringer, Prinzen- Allee 10. Eine öffentliche Filzschuharbeiter Versammlung, die am 8. April tagte, erörterte die Stellungnahme zu den in letzter Beit erfolgten Maßregelungen. Obwohl die Saison gerade beginnt, wo sonst immer Arbeiter gesucht werden, sind bei Hinge, Jakobs und bei Struck Arbeiter, die am Streit betheiligt gewesen, entlassen worden. Insbesondere wird Kollege Willner nicht mehr eingestellt oder, wenn er bereits angefangen hatte, in wenigen Tagen wieder entlassen. Hiergegen muß, so bemerkte Kollege Willner in der Versammlung, von den Arbeitern der betreffenden Fabriken etwas gethan werden; denn unter diesem System reißen bereits verschiedene andere Mißstände ein. Bei Hinge ist die Arbeitszeit länger als auf anderen Stellen und die Be- Theaterverein Freundestreis, Sigung Abends 9 Uhr, Restaurant zahlung nicht besser. In der weiteren Diskussion hierüber wurde bedauert, daß die Hinge'schen Arbeiter nicht erschienen waren, und hervorgehoben, daß bei Hinge die Arbeiter um so eher etwas erreichen könnten, als dort um Weihnachten tein Stück auf Lager gearbeitet worden sei. Man beschloß, die Hinge'schen Arbeiter zu einer neuen Versammlung einzuladen. Unter Berschiedenem wurden bann mehrere Mittheilungen gemacht, darunter auch die, daß am Sonntag, den 22. April, Flugblattvertheilung für ganz Berlin stattfindet; die Abholestellen werden noch im Vorwärts" bekannt gegeben. Fortgesetzte Betrügereien zum Nachtheile der Berliner Stadtvertretung führten gestern den Kanzlisten Heide müller vor die erste Straffammer des Landgericht I. Der Angeklagte war auf dem Viehhofse angestellt. Für jedes dort auf der Stadtwaage zu wägende Schwein, find 10 Pfennige zu zahlen. Dem Angeflagten lag es ob, diese Gebühren in Empfang zu nehmen und die Eintragung in eine Lifte zu machen. Wie er zugab, hatte er sich seit länger als Jahresfrist eine Nebeneinnahme dadurch verschafft, daß er weniger Schweine eintrug, als gewogen worden waren und den so erzielten Ueberschuß in Fidelitas. Er soll der Stadt dadurch einen seine Tasche fließen ließ. Schaden von etiva 360 M. zugefügt haben. Der Gerichtshof erkannte nach dem Antrage des Staatsanwalts auf drei Manate Gefängniß. mit Der ließ und Achtung, 3. Wahlverein. Generalversammlung am Donnerstag, den 12. April, Abends 8% Uhr bei Deigmüller. Alte Jatobstr. 48a. Fachverein der Tapezirer Berlins. Bersammlung am Dienstag, den 10. April, Abends 8½ Uhr, bet Bols, Alte Jakobftr. 75. Diskussion über " Parlamentarismus“. Ber Theater- Verein Othello 2 Abends 9 Uhr, bei Lägers, Gartenstr. 13-14. - Privat- Theater- Gesellschaft Berliner Humor, Abends 9 Uhr, Köpniderftraße 158 bei Buchs. Privattheaterverein Grescendo, Abends, bet Nicolay, Elifabethkirchstr. 14.-Theaterverein Bultania, Abends 9½ Uhr, bet Schütte, Alte Schönhauserstr. 23-24, Sigung mit anschließendem Tanz. Kazorke, Solmsstr. 1. Theaterverein Morgenroth zu Friedrichsberg tagt mit Damen, Abds. 9 Uhr im Vereinslokal bet Chriften, Friedrich Karlstr. 26. Fidel e Geister, Sigung bei Besseler, Wein- und Gollnowstraßen- Ece. Bergnügungsverein Amicitia, s uhr, bei Schönnagel, Barnimstr. 47. Bergnügungsverein Nord macht, Abends 9 Uhr, im Lotale bei HermerSchmidt Perlebergerfiraße 28. Geselliger Verein Brüderschaft, abends 9 Uhr, im Restaurant Dittmann, Berlebergerstr. 9.- BergnügungsBergnügungsverein Sturnalia, Abend 9 Uhr, Andreasstr. 3, Sizung. verein Fidelio, Abends 9 Uhr Sigung mit Damen bei Seifert, Gefelliger Verein Mehr Licht, Abends 9 Uhr, Touristentlub Wanderluft Große Frankfurterstr. 133 bei Golds. Geselliger Verein abends 9 Uhr, Franfediftr. und Schönhauser- Allee- Ece. Regina Sigung mit Damen Oranienstr. 163 bet Schönwalder. gnügungsverein una. Sigung bei haberecht, Große Frankfurterstraße 30, Männerchor Waldesrauschen im Restaurant Hohenzollern", Sendelstraße. Bergnügungsverein Berolina Abends 9 Uhr im Restaurant Proz, Annenstr. 9. Orientalischer Rauchflub Spar- und Kreditverein, Abends 9 Uhr, Reichenbergerstraße 24, bei Schröder.- Rauchflub Dammer wolte. Böchstr. 1. Rauchflub Bruderbund. Abends 9 Uhr, bet Stabernact, Gauverein Berliner Bildhauer. Siehe Inferat in dieser Nummer. Berliner Naturheilverein 2. Am Dienstag, den 10. April, Abends Bücklerst. 49. Rauchflub Beitgeist, Abends 9 Uhr bei Kaspar, Restaurant zum Beitgeist, Bernauerstr. 72.- Rauchflub Unversagt bei G. Ruppin, 8 uhr, in oad's Feitfälen, Brunnenstr. 17: Bortrag des Herrn Dr. med. Rauchtlub Portorico, Abends Blumenstraße 49. 9 Uhr, bei Böhm über Gicht und Rheumatismus. Rauchtlub Gemüthlichteit 2, Rauchtlub Blaue Luft, nr. 3, Damburg). Die Mitglieder ber Drtsverwaltungen Berlins versammeln Bentral- Kranken- und Sterbekasse der Tischler u. f. w.( E. S. Kohn, Wrangelstraße Nr. 136. Rauchflub Abguß, 8 Uhr, sich am Mittwoch, den 11. April, Abends 8 Uhr, bei Quandt, Stralauer Rauchklub Grüne Quafte, Abends 9 Uhr, Münchebergerstr. 29, Restauration Schmeift. Rauchflub Eldo= traße 43. Tagesordnung: Aerzte- Angelegenheit. RauchArbeiter- Bildungsschule. Dienfiag Abend von 8X- 10% Uhr. Morbrado Abends 8% Uhr bei Gayer, Ballifadenitraße Nr. 66-67. Schule, Müllerstraße 179a und Südost: Schule, Waldemarfir. 14: Boltsth. flub Zabats blüthe, Sigung, Abends 9 Uhr, Blumenftr. 19. medizin. Bei allen Unterrichtsfächern werden neue Theilnehmer, Damen und tiub Columbus, Abends 8% Uhr, bet a. utte, Oppelnerftr. 23. Herren, jeder Zeit aufgenommen. Rauchtlub Gut gesinnte Freunde, Georgenkirchstr. 65 bei Müller. Bund der geselligen Arbeitervereine Berlins und Umgegend. Rauch klub Sumatra, Abends 8 Uhr, bei krause, Gitschtnerstr. 93. alle Buschriften, den Bund betreffend, find zu richten an P. Gent, Stattlub Eintracht Abends 9 Uhr bei Grande, Laufigerstr. 60. Adalbertstraße 95. Dienstag. Musikverein Hoffnung, bei Dreßler, Stattlub Rother Junge, Sigung alle Dienstage nach dem 15. und Eisenbahnstraße 6. Geselliger Musikdilettanten Berein Münfter Spielabend alle Dienstage von 9-11 Uhr im Restauraut Boedbftr. 7 menn, bei Wilte, Hochstr. 32a. Uebungsstunde und Aufnahr Stattlub Schnitt, Abends 8% Uhr, bei Trittelwig, Herrn Herrath. Theaterverein Freundschaft, Abends 9 Uhr beim Faltensteinstr. 7. Büglerverein Norden. Jeden Dienstag, Abends Mitglieder. Kartentlub Lustige Theater- Gesellschaft Liberte, Rottbuser 9 Uhr, Sigung, Kastanien- Allee 40, im Restaurant. Anhaltiner, Tempelhofer Ufer. Damm 103 bet Meter. Zheaterverein Freie Kunst, Blumenstraße Nr. 46 Brüder, bet Restaurateur E. Rattle, Krautstraße 48. Regeltlub Ho13bei went, 8% Uhr.- Echüßenverein Freifugel, Gfaltzerstr. 34 bei Sente mustel Abends 8 Uhr, im Restaurant Hahn, Rattborstr. 18. Rauchflub Gut gesinnte Freunde, Abends 9 ubr, bet Müller, Georgenfi rchftr. 65.- Musikverein Osiris, Mariannenstr. 32 bet Dober Arbeiter- Sängerbund Berlins u. Umg. Alle Menderungen im Bereinstalender find zu richten an Friedr. Kortum, Manteuffelfir. 49, v. 2 Tr. Dienstag, Olympia, bds. 9 Uhr, Uebungsstunde. Aufnahme neuer Mitglieder. Schildhorn, Usedomstr. 33 Adalbertstr. 8 bei Sauermann. Alpenglode, Grüner Weg 29, bei Saeger. mielte. bet Birt. Inverzagt 2, Moabit, Humor, Straußbergeritr. 3 neuer Abends 9 Uhr bei Achsel, Köpenickerstraße 161. Abends 9 Uhr bei Bredlow, Bülowfir. 65. bet Schulze, Weberstr. 10. 1 Rauchbei Herr Karl Paasch beschäftigte gestern wieder einmal die III. Straffammer des hiesigen Landgerichts I. diesmal aller dings nicht als Person, sondern in Gestalt einiger Flugblätter, zu denen er den Stoff geliefert hatte. Als Paasch aus der Frrenanstalt Herzberge beurlaubt worden war, um einen Termin in Leipzig wahrzunehmen, fandte er dem antisemitischen Redakteur Sedlazek die Manuskripte zweier Briefe zu, die er seinen Ber: theidigern Rechtsanwälten Hertwig und Dr. Ivers zugestellt hatte. Weiteres Manuskript beschäftigte sich Person des Herrn Dr. Serres. Herr Seblazek diese Briefe in Gestalt von Flugblättern drucken hierselbst vertheilen, die Druckschriften wurden aber bald polizeilich mit Beschlag belegt, da sie schwere Beleidigungen der Personen enthielten, gegen welche sie gerichtet waren. Mit Herrn Dr. Hertwig geht Paasch in seinem Briefe besonders scharf ins Gericht und es läßt sich auch nicht einmal andeuten, welche Schandthaten der geisteskranke Mann seinem Vertreter, der ihn vor Gericht wiederholt ostentativ seinen Freund" genannt, an dichtete. Ihr Fall," so heißt es u. a. in dem Briefe, ist eine Wiederholung des Falles v. Brandt im Kleinen; derselbe scheint bei Ihnen ( Depeschen des Bureau Herold.) Borbild gemesen zu sein." Herrn Rechtsanwalt Dr. Jvers wird Mous, 9. April. Im Treibhause des hier wohnhaften in dem betreffenden Briefe schlankweg vorgeworfen, in dem Be 8 Jante.. Waldkapelle, Reichenbergeritr. 19 bei Rofch er. Notars Bernard fand gestern eine Bomben- Explosion statt, leidigungsprozesse v. Brandt gegen das Interesse von Paascharbeiter- Waibund, Newawes, Wallstraße bei Gärtner.-Sänger welche bedeutenden Materialschaden hervorrief. Man vermuthet und für das Interesse der Gegenpartei gehandelt zu haben. tette, Kottbuser Damm 74 b. A. Silte.- Kreuzberg, Arndt- u. Noftißstr.- Ede. einen Racheakt. Ite Linde, Mariannenftr. 48 bet Gütler.- Vorwärts 4, Herr Paasch ist bekanntlich inzwischen entmündigt worden und bei Winter. ( Wolff's Telegraphen Bureau.) Ginigteit 2 die Einleitung eines Strafverfahrens egen ihn daher unzulässig. Rathenow, Restaurant Zur Erholung bei W. Friefecte. Weinstraße 11 bei Feind. Gesangverein der Böttcher Steineiche, Neue Sonntag, 8. April. In Scottdale, Pennsylvanien, haben Der 3. Straftammer war es gestern nur vorbehalten, die Ein Friedrichstr. 20 bei Keller. Borwärts 8, Marwig, bei Milhelm Nölte. die Ausständigen den Beschluß gefaßt, den Ausstand fortzusehen. - hilaria, Frankfurterstr. 30 bet Haberecht.- Wiederhalt nicer: ziehung der Druckschriften aussprechen und die Vernichtung der firaße 191 bei Roge. Vorwärts 3, Friedrichsfelde, Wilhelmyraße 10 Gestern vertrieben 200 mit Steinen und Stöcken versehene Frauen vorfindlichen Exemplare, sowie der zu ihrer Herstellung bebei Member.- Gefangverein Rothe effe 2, bei Rabe, Ruppiner- und die Arbeiter aus der Fabrik in Lamont. Die Polizei magte nicht Echönholzerstraßen- Ede. Gefangverein intra ch, t, Nieder- Schönweide, auf die Frauen, von denen mehrere Kinder mit sich führten, zu stimmten Platten und Former anzuordnen. Restaurant Streitler, Grünauerstr. Mohr'iches Doppelquartett. Neue Königstr. 73 bei Hahn. Gefangverein Frohlinn in Stralau, Gräflich schießen. ftein. bei Ihn'scher Depeschen. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Große Berliner Schneider- Akademie. Norden: Vertanensmänner- Versammlung ( Bezirk Wedding- Gesundbrunnen) am Mittwoch, den II. April, Abends 82 Uhr, im Lokale Kolberger Salon, Kolbergerstrasse 23. Tages- Ordnung: Besprechung über unsere Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Die Ortsverwaltung. 439/5 Allgem. Hilfsarbeiter- und Arbeiterinnen- Verein Berlins und Umgegend. Mittwoch, den 11. April, Abends 8½ Uhr, bei Scheffer, Inselstraße Nr. 10: Ordentliche General- Versammlung. Zages Ordnung: 1. Raffenbericht vom 1. Duartal. 2. Wahl des Vorstandes. 3. Kommissionsbericht. 4. Vereinssachen. Sämmtliche Mitglieder werden dringend ersucht, in dieser Versammlung zu erscheinen. Mitgliedsbuch ist mitzubringen. Mitglieder, welche bereits über 4 Monate mit den Beiträgen rückständig sind, haben sich beim Kassirer zu melden, widrigenfalls dieselben gestrichen werden. 82/2 Der Vorstand. Ausstellung Jtalien in Berlin Mai- October 1894 1894 auf dem Terrain der West- Eisbahn ( Stadtbahn- Station Zoologischer Garten). Kinderwagen, Bolsterwaaren und Möbel, 5990L* = Wichtig für jede Dame! Berlin C., Rothes Schloss nur No. 1. 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Drud und Verlag von Maz W. Holze, Dranienstraße 3. A. Mann, Tapezier und Dekorateur, Ein str. 145 Lederarbeiter, der perfekt in ( Ecke Rheinsbergerstr.) Hauptgesch. Nahmenfachen und Tresors ist. Zu Brunnenstr. 95 vis- à- vis Humbolds- melden bei Friedrich Moench, Prinzenhain. straße 47, zwischen 2-3 Uhr Nachm. Bading in Berlin, SW, Beuthjtraße 2. 2. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Zlr. 8A. Dienstag, den 10. April 1894. Soziale Aeveeftiftt. Charlottenburg. Parteigenossen i In den nächsten Tagen liegen beiden Hansunrthen oder deren Stellvertretern die Wähler- listen aus. Sorge jeder dasür, daß sein Name richtig eingetragen wird, damit er bei den Ersatzwahlen im Herbst sein Stimmrecht ausüben lann. G. Beyer. R« die Parteigenosse« aus den Kreisen Witten- berg, Schweinitz. Torgau und Liebenwerda. Wir richten an unsere Parteifreunde die Bitte jetzt, nachdem wieder viele nach langer Arbeitslosigkeit in Berlm ihrer Arbeit nach- gehen, auch eingedenk zu fein jener Ausgaben, die die Partei von ihnen fordert. Mögen deshalb die Genossen wieder zahlreich in unseren Versammlungen erscheinen. Wenn Ihr des Sonn- abends nach Hause fahrt, vergeht nicht, Agitationsmaterial mit- zunehmen, hallet fest an Eurer Organisation. Tie nächste Versammlung findet am Tonnerstag, Abends 8 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20, statt. Referent Reichstags-Abgeordneter Z u b e i l. Im Auftrage des Vorstandes Karl Lohse, Weißensee, Straßburgerstr. 33. Achtung, Eteinarbeiter Berlins und Umgegeud i Tie Agitationskommission ist zu der Ueberzcugung gekommen, daß in Berlin unsere Organisation mehr gepflegt werden muß. Die Lohndrückerei und schlechte Behandlung hat einen Umfang angenommen, die ihres Gleichen sucht. Wem wir sehen, wie Kollegen, die den Muth haben, sich dagegen aufzulehnen, auf die Slraße fliegen und diejenigen von außerhalb, von denen die Meister annehmen, daß sie sich alles gefallen lassen, mit Vorliebe beschäftigen, dann sollte es jedem klar fein, daß Mißstände in unserem Berufe bestehen, die dringend der Abhilfe bedürfen. Aber was ist schuld daran Eure Trägheit in Sachen Eurer Organisation. Ein kleines Häuflein nur steht zur Sache, aber die große Mehrzahl sieht gleichgiltig zu. Was waren wir vor unserm Streik? eine geachtete und respcktirende Masse. Also auf! Thne Jeder seine Schuldigkeit und zeige, daß wir keine Feiglinge sind; erscheint alle Mann zu den in Kürze statt- findenden Versammlungen, die im„Vorwärts" bekannt gemacht werden. DieAgitationskommission derSteinarbeiter. An die Maurer! Auf dem Neubau der Artilleriekascrne in Potsdam haben die Maurer die Arbeit eingestellt, da ihnen vom Maurermeister Naumann aus Dessau ein Lohn von 25 und 30 Pf. pro Stunde gezahlt wird. Wir ersuchen die Kollegen den Zuzug fern zu halten. Das Gewerkschaftskar teil in Potsdam. Achtung, Schuhmacher! Das internationale Echuhmacher-Sekretariat Zürich veröffentlicht fol- gcnde Bekanntmachung: Laut Meldung des Fachvereins Ölten (Sololhurn) haben 40 Handarbeiter der weltbekannten Schuh- fabrik B a l l y- Sch ö n e w e r d wegen Maßregelungen die Arbeit eingestellt. Eine der Arbeitsniederlegung vorausgegangene Unterhandlung zwecks Herbeiführung eines gütlichen Vergleichs, und ausgehend vom Bnndeskoniiter des schweizerischen Gewerk- schaslsbnndes und des Oltener Fachvereins, scheiterte an dem ausgeprägten kapitalistischen Selbstbewußtsein des Millionärs Herrn Bally. Wir ersuchen zur Abhaltung des Zuzugs fremder Arbeits- krast strenge Maßregeln zu treffen. Auch erinnern wir nochmals, den Zuzug nach Zürich fern- zuhalten. Die Maurer und Zimmerer von Wittenberge haben die Arbeit niedergelegt; sie verlangen einen höheren Lohn, der jetzt nur 22—27 Pf. beträgt. An sämmtliche Kollege» und Gewerkschaften Berlins. Wir ersuchen alle diejenigen, welche noch im Besitz von Sammel- listen des letzten S ch u h m a ch er st r e i k s sind, dieselben ab- zuliefern behufs baldiger Abrechnung. Die Sammellisten sind zu senden an Richard Temmler, Berlin, Zeughofstr. 0, Quer- gebäud» part. Die Lohnkommission. Achtung, Former! Der Streik der Former in Keula dauert hartnäckig fort. Leider müssen wir berichten, daß sich Gi» gnillotinirter deutscher Dichter. I. G.(Eulogius) Schneider,-j 10. April 1794. Die Schicksale der deutschen Dichter der Aufllärungsperiode waren häufig seltfam und romantisch. In der Regel waren aber diejenigen von ihnen, welche Ausklärung und Revolution be- sangen, in praxi recht brav und harmlos. Eine merkwürdige Erscheinung ist aber der Dichter, welcher der Gegenstand der vorliegenden Skizze ist. Ein Theolog, der freie Liebesliedcr schreibt, gelegentlich auch Schauspieler ist, als Dekan einer theologischen Fakultät der Göttin Vernunft Loblieder singt, ein Franzislanermönch, der Hyninen auf die Preßfreiheit schreibt, ein im Alumnate «zogener Mann, der von den Revolutionsmännern geköpft wird, weil er allzu revolutionär ist, das ist eine seltene Erscheinung aus dem deutschen Parnaß, und es mag nicht unpassend sein, wenn man zur 100. Wiederkehr seines Todestages des Mannes gedenkt. , Johann Georg Schneider wurde 1756 zu Wippfeld im Würz- burgischen als der Sohn armer Höckersleute geboren. Den all- niälig anwachsenden kleinen Besitz verwendeten die Eltern zur Erziehung ihres Sohnes, dessen Begabung der heimathliche Pfarrer frühzeitig erkannte. Ter junge Schneider zeigte nämlich früh eine ungewöhnliche Beredsamkeit und erschien dem Psarr- Herrn besonders veranlagt für den Stand eines streitenden Klerikers. 1766 kam er in das Knabenkonvict des Juliusspitals zu Wnrzburg, von wo aus die armen Knaben das Jesuiten- gymnasium besuchten. Mit 15 Jahren finden wir ihn schon an der Universität als„luimariista." eingeschrieben. Nach Ab- solvirung der philosophischen Vorstudien entschied er sich gegen den Willen der Eltern, die ihn zur Theologie drängte», für das Slechtsstudium, für welches er wenig Begabung hatte und aller- dings auch brauchte, weil er die größte Zeit schöngeistigen Lieb- habereien widmete. Als bald darauf d,e Jesnitenhcrrschast in Würzburg gestürzt wurde und auch auf andere Tinge, als auf die Theologie Gewicht gelegt wurde, hätte er Gelegenheit zu einem gründlichen Studium gehabt, aber seine Leichtleblgkeit und Genußsucht hinderte ihn daran, denn er machte so tolle Streiche, daß er seinen Freiplatz verlor und 1776 Würzburg bei Nacht und Nebel verließ. Von da an breitet sich ein unbehagliches Dunkel über seine Schicksale aus. In dieser Zeit dürste er wohl wandernder Schauspieler gewesen sein, denn alle seine Freunde berichten ein- stimmig, daß er einmal Schauspieler gewesen war. Er gerielh aber in immer größere? Elend, suchte in der Heimath Zuflucht, wo er sie aber nur für kurze Zeit fand, und an sich selbst ver- zweifelnd ward er endlich Franziskaner. Aber im Orden ge- staltete sich sein Leben keineswegs ruhig, sondern die Zügel» trotz der traurigen Verhältnisse doch noch Kollegen von außer- halb finden, die den Verlockungen der Direktion nicht widerstehen können, somit als Streikbrecher gegen uns auftreten. Nach einigem Hiersein haben jedoch schon mehrere Former, darunter Johann Hoffmann aus Leipzig, Mitglied des deutschen Metall- arbeiter-Verbandes, und Heinrich Ulbrich aus Sprottau, Mit- glied des Zentralverbandes deutscher Former, Buch Nr. 1792, dem hiesigen Eldorado am Freitag den Rücken gekehrt. Die Hoffnung haben wir, daß, wenn die noch vorhandenen Streikbrecher erst in Akkord sollen arbeiten, auch sie so schnell wie möglich den Staub von Keula's Fluren«on ihren Pantoffeln schütteln werden. Deshalb, Kollegen allerorts, ver- laßt uns nicht in unserem gerechten Kampfe, denn unser Sieg ist sicher, wenn Ihr uns noch, wie bisher, Eure materielle und moralische Unterstützung gewähren wollt. Wir hoffen, daß auch wir wieder in die Lage kommen werden, Euchfunsere Solidarität zu beweisen. Für die bis dahin gewährten Unterstützungen unseren besten Dank, namentlich den Berliner Metallarbeitern und Formern. Der Geist unter den Streikenden ist ein sehr guter. Alle Briefe und Geldsendungen sind wie bisher an Carl S o rn m e r, Former in Muskau i. L., Schmelzstraße, zu richten. Der Vertrauensmann. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck ge- beten. Achtung, Korbmacher! Auf der Generalversammlung des Verbandes deutscher Korbmacher zu Erfurt wurde beschlossen, um die Agitation erfolgreicher betreiben zu können, Deutschland in Agitationsbezirke einzutheilen. Dies ist geschehen und ge- hören zu dem 2. Bezirk(Sitz Berlin) Friedrichsfelde, Beelitz, Treuenbrietzen, Luckenwalde, Wittenderg a. d. E., Kottbus, Sora», Guben, Fürstenberg, Frankfurt a. d. O., Fürstenwalde, Oranien- bürg, Liebenwalde, Prenzlau, Wolgast, Stettin, Greifeuhagen, Pommerensdorf, Altdamm, Stargard, Landsberg a. d. W., Küstrin, Buckow, Strausberg. Auf gruud obigen Beschlusses hat sich in Berlin die Agitationskommission konstiluirt. Es gehören hierzu die Kollegen Brückner, Karl Jungnickel, Keller und Voigt. Wir er- suchen die Kollegen, uns Adressen zu übermitteln, und wo agitatorische Kräfte verlangt werden, wolle man sich an die Kommission wenden. Kollegen, zeigt, daß ihr endlich gewillt seid. Eure Lage zu verbessern und schließt Euch dem Verband deutscher Korbmacher an. Sollten Genossen.anderer Gewerkschaften in der Lage sein, uns von Orten, wo keine Filialen des Verbandes deutscher Korbmacher bestehen, Adressen zu übermitteln, so sind wir gern bereit, die Unkosten zurück zu erstatten. Alle Anfragen sind an den Unterzeichneten zu richten. Im Austrage der Agitationskommission: H e r m. Carl, Berlin SW., Nostizstraße 45. Der Streik der Sattler in Zürich dauert fort. Die Forderungen sind hauptsächlich eine zehnstündige Arbeitszeit und ein Minimalloh» von 4 Franks pro Tag. In einem uns zu- gehenden Schreiben der Lohukommission heißt es zum Schluß: Um unsere Forderungen durchzusetzen, benölhigen wir der Hilfe aller Kollegen, jeder Kollege meide Zürich. Oder man wende sich an das Arbeitsnachweis- Bureau der Sattler, Zürich I, Prcdigerplatz 34, wo jede Auskunft ertheilt wird. Unterstützungen nimmt entgegen: H. Richter, Sattler, Zürich III, Arnoldgasse 20. lieber den Verlaus der Bewegung wird in der„Sattler- und Tapezirer-Zeilung Deutschlands" und in der„Arbeiterstimme" berichtet. Arbeiterrisiko. In Petersburg, Virgiuien(Norfr amerika) flog am Sonnabend eine Fabrik von Fenerwerkskörpern in die Luft, wobei 11 Personen getödtet und 7 verwundet wurden. — Nach Meldungen aus Chatelineau(Belgien) fand in der letzte» Nacht in einer dortigen Kohlengrube in einer Tiefe von 587 Metern eine Explosion schlagender Wetter statt. Die Grubenarbeiter konnten sich retten bis auf 5. welche schwer ver- letzt wurden, bei 3 derselben sind die Verletzungen tödtlich. In Bremerhaven sind gegenwärtig 90 Maler am Streik betheiligt; eine große Zahl der Unverherratheten ist abgereist. Nur wenige Streikbrecher haben sich bis jetzt gefunden. Um die Zureisenden zu kontrolliren, sind die Chausseen von den Ausständischen besetzt; man hofft auf baldigen Sieg. losigkeit seines Geistes brachte ihm immer neue Wirrsale. Ob- zwar seine Begabung bald erkannt war, und er nach einigen Monaten Lektor des Klosters wurde, so zog er sich dennoch Haß und Verfolgung der Orden.sbrüder zu, denen sein heller Kopf und feine Liebe zur Dichtkunst Aergeruiß und Thorheit war. Und doch leistete er damals das Beste. Man möchte in seinen Gedichten keinen Franziskanermönch vermuthen. Dieselben sind freilich noch im Geschmacke der lessiugischen Zeit geschrieben, aber häufig von hohem Schwünge und hoher Begeisterung. In dieser Zeit übersetzte er' auch die Briese des heiligen Chrysostomus. Unversöhnlichen Haß erregte er bald vollends durch seine 1785 gehaltene Predigt über christliche Toleranz. Von nun an fand er keine Ruhe niehr, bis ihn Herzog Karl von Württemberg als Hosprediger zu sich nahm. Wenn er in Stuttgart predigte, war die Kirche voll, aber in kurzer Zeit wich seine religiöse Be- geisternng. er verband sich mit den Jlluuunisten und sagte einst in öffentlicher Versammlung folgendes: „Den Fanatismus verfluchen, das Szepter der Dummheit zertrümmern, für die Menschenrechte kämpfen, das können Eure Höflinge nicht." Ehrgeizig, unfähig ein Joch zu ertragen, von Leidcuschasten erfüllt, verstimmte er bald seine Gönner und war froh 1769 nach Bonn gehen zu können, wo er alsbcld Lehrer des Griechischen und der schönen Wissenschaften wurde. Hier war er wieder wie ein Fisch im Wasser. Er ließ sich säkularisiren und lebte ganz dem Geiste der Ausklärung. Dabei war er sehr rührig, lehrte am Gymnasium und an der Universität, dichtete fleißig und schrieb über Aesthetik. 1790 kamen seine gesammelten Gedichte heraus, welche hintereinander fünf Auflagen erlebten. Köstlich ist die Vorrede zu denselben; er fagt ganz aufrichtig, daß er die Gedichte als Mönch ge- schrieben habe, daß er sich aber gar nicht bemüht habe, die Liebe daraus zu verbannen. Manche würden sogar Ketzerei wittern, aber Gedichte seien ja keine Beichte. Die Revolution wird an vielen Stellen schwungvoll besungen. Allmälig aber zogen sich ob seines Freimuthes die Sturm- wölken zusamnien und das Gewitter brach los, als sein„katecho- tischer Unterricht in den allgemeinen Grundsätzen des praktischen Christenlhunis" erschien. Selbst die Protektion des Kurfürsten nützte ihm nichts und er floh über den Rhein. Am 12. Juni 1791 kam Schneider in Straßburg an, am 18. Juni war er schon Dekan der theologischen Fakultät. Aber auch in dieser Stellung brach sein freiheitlicher Sinn durch. Er leistete, was noch kein Kleriker gethan hatte, den Bürgereid und hielt im Hauptdome leidenschaftliche Predigten, in welchen er die revolutionären Tagesereignisse mit Bibel- stellen belegte. Ja, er kündigle sogar ein Kolleg über pastorale Rechtsprechung nach der neuen Konstitution an. Im Tezeniber war er schon Vizepräsident des revolutionären, konstitutionellen Klubs, in welchem er so extrem war, daß er bald Mit der Verfolgung der politischen Partei zu- gleich betreibt man in Sachsen auch die Knebelung der Gewerkschaften. Aus Meinersdorf und T h a l h e i m im Erzgebirge geht der Burgstädter„Volksstimme" die Mit- theilung zu, daß am 31. März in Thalheim und am 3. April in Meinersdorf ein Gendarm im Auftrage des königlichen Aints- Hauptmanns zu Chemnitz sämmtliche dem Textilindustrie-Verbande Deutschlands gehörige Schriftstücke und Bücher verlangte, welchem Verlangen der Meinersdorfer Vertrauensmann auch nachge- kommen ist. Dem Vertrauensmann von Thalheim wurde unterm 4. April der Bescheid zu theil, daß die Zahlstelle aufgelöst sei. Zuwiderhandlung würde ihn mit dem Strafgesetz zusammen- bringen. Trotz des Einspruchs, daß überhaupt keine Zahlstelle vorhanden sei, sondern nur Einzelmitglieder, und er nur als Beauftragter dastehe, blieb der Herr Amtshauptmann bei seinem Entscheid. Selbstverständlich wird Beschwerde geführt werden. In Freiburg i. B. befinden sich seit acht Tagen über 600 Maurer im Ausstände; an demselben betheillgen sich sowohl die einheimischen als auch fremde und ausländische Be- russgenossen. Der Ausstand ist heute ein allgemeiner; die wenigen, welche noch in Arbeit standen, sind gleichfalls dem Streik beigetreten. Ursache des Streiks ist kurz die, daß, nachdem die Meister bis auf einen die Forderung der Gesellen, die 10 stündige Arbeitszeit einzuführen, bewilligt hatten, eine Woche später ihr gegebenes Wort brachen und verlangten. daß wieder 11 Stunden gearbeitet werde. Die Bauthätigkeit ist eine recht rege, so daß es innerhalb einer kurzen Frist möglich lein wird, den Kampf zu Gunsten der Arbeiterschaft durchzu- führen. Es geht daher an alle aufgeklärten Arbeiter, besonders an die im Süden Deutschlands und in den südlichen Nachbarstaaten wohnenden, das Ersuchen, vornehmlich dafür zu sorgen,', daß der Zuzug ferngehalten wird. Die Aus» st ehe n den bedürfen dringend der Hilfe. Alle Sendungen sind zu richten an Joh. T r ü tz l e r, Hildastraße 5. Derselbe ertheilt gern weitere Auskunft. Ueber die Lage bringt der New-Jorker„Vorwärs" einen der Bergarbeiter in Nordamerika „Vorwärs" einen längeren Artikel. Dieser hat um so größeres Interesse, als gegenwärtig in P e n n s y l v a n i e n ein erbitterter Lohnkampf der Kohlengräber tobt; einige Stellen aus demselben mögen deshalb auch hier Platz finden. Die Lage der Bergarbeiter ist durch die Krists eine verzweifelte geworden. Viele Gruben sind ganz geschlossen, an- dere arbeiten einen odeß zwei Tage in der Woche. Man lebt vom Pump, aber vielfach borgt der Krämer trotz seines Wucher« gewinns nicht mehr. Die Lage wird von den Kapitalisten ausgenutzt, um unbe- queme Gesetze illusorisch zu machen. Das Trucksystem steht trotz des gesetzlichen Verbotes in voller Blüthe. Es giebt allerdings eine Organisation unter den Köhlen- gräbern— den Verband der Vereinigten Bergwerksarbeiter, aber dieser umfaßt kaum Vis dieses großen Gewerkes und ist selbst von der allgemeinen Muthlosigkeit angesteckt. Er tonnte den Arbeitern keine Stütze sein gegen den wachsenden Druck des Kapitalismus, er ist kein Führer, welcher die Unglücklichen au? der Nacht der Rathlosigkeit und Entmuthigung zum Licht der Erkenntniß und der Hoffnung führen könnte. Nach jahrelanger Thätigkeit hat der Verband es nicht ein- mal vermocht, eine Kerntruppe heranzubilden, die den Kampf versteht, die einen Einblick hälte in die Faktoren, welche das Schicksal der Arbeiterklasse und die Enlwickelung der Arbeiterbewegung bestimmen. Die Zahl der Kohlengräber in Pennsylvanien giebt genanntes Blatt auf 200 000 an, mehr als zwei Drittel des ganzen Gewerks. Von dieser fliiesenarmee sind vielleicht 5000 organisirt. In Ohio giebt es 26 972 Kohlengräber, davon sind 9000 organisirt, und Ohio ist der bestorganisirte Staat, soweit das Bergarbeiter-Gewerk in Betracht kommt! Die Staaten Illinois, West-Virginia, Kentucky, Indiana, Tennessee, Kansas, Missouri und Iowa liesern zusammen noch etwa 75 000 Kohlen- gröber, wovon vielleicht 6000 organisirt find! Und dabei faselt man noch von einem Generalstreit der Bergarbeiter! der Gegner seines Protektors, de? Maire Dietrich wurde. Bald spaltete sich eine jakobinische Gruppe ab. Aber auch diese Jakobinergruppe zerfiel in eine französische und in eine deutsch- revolutionäre. Dieser letzteren Haupt war Schneider. Der Klub hatte bald sein eigenes Journal„Den Argus", und das vermehrte den Einfluß Schneider's immer mehr. Von August bis November war er Äizebürgermeister von Hagenau, im Februar 1793 wurde er öffentlicher Ankläger des Krimmaltribunals am Niederrheine, und im Mai Ankläger beim RevolutionStribnnal. Man sagr, er sei mit der Guillotine umhergezogen, allein es war gesetzliche Vorschrift, daß die Guilloline dem öffentlichen Ankläger nach- gefahren ward. Schneider wollte die Konservativen und Aristo- kraten zwingen, die Assignaten al pari anzunehmen und Getreide für die Armee zu liefern. Natürlich machte er sich den Gegnern der Revolution sehr ver» haßt, doch darüber setzte er sich hinweg. „On ni'apelle le Marat de Strassbourg et je in'en glorifie", »Man nennt mich den Marat von Straßburg, ich bin stolz dar- aus", sagte er. Tie Rücksichtslosigkeit seines Verfahres beschleunigte die Katastrophe. Am 14. Dezember heirathete er ein Bürgermädchen und zog auf einem Prunkwagen in die Stadt ein mit dein bloßen Schwerte in der Hand, von sechs Schimmeln gezogen. Das war auch den Revolutionären zu viel, welche fürchteten, daß Schneider die Revolution in Mißkredit bringen könnte. Am 21. Dezember wurde er verhastet, crtn 10. April klagte man ihn an, er habe sich mit de» Deutschen verschworen, und erfand allerlei Gründe, um ihn aus dem Wege räumen zu können. Er wurde verurtheilt und noch am selben Tage enthauptet. Er fiel als ein Mann, dessen Genie nicht von Charakter getragi.r ward. Seine Predigten sind Muster des deutsche» Stils, seine Gedichte werden verschieden beurtheilt und es ist vielleicht nicht unpassend, zwei Urtheile nebeneinanderzustellen. Kurzsagt:„die Gedichte sind von weichen Gefühlen durchdrungen und in einer lebenswarmen Sprache geschrieben"; Goeoecke wiederum spricht von einer winselnden Sentimentalität und einem gekünstelten Gefühle, welches sich in der Regel bei Tyrannen zeige. Eine Probe aus seine»,„Hymnus auf die Publizi- tät", welcher 1785 gedichtet ist, mag hier zur Bcherzigung Platz finden: Erstgeborne des Lichts! Göttin! Erlöserin! Noch besinget dich kein Barde Tcutoniens, Und von unsere» Altären Dampft noch kein Weihrauch dir! Drum, o Heil, damvf' heute mein Weihrauch Und mein' festlich L,ed preiset die goldenen Früchte, welche dein Füllhorn Ueber die Erde gop. S. Br. " 1 Derlammlungen. 4 # # die Der die Schlächtermeister einzuladen; lettere sind von den Beiträgen sich an den Vortrag knüpfte, wurden von den Genossen und Auch die Arbeiter- Sanitäts- Räther, Raßler zur Tellersammlung entbunden." von Fräulein Löwenherz Eine öffentliche Schlächtermeister Versammlung war nöthigen Ergänzungen geliefert und die miserablen tommission soll zugezogen werden. von dem Schlächtermeister Mercier am 8. April einberufen. Der zweite Punkt der Tagesordnung hatte ungefähr das. Lohn- und Arbeitsbedingungen der unteren Staatsbeamten, aus der Proletarier mit den blanken Knöpfen" einer Besprechung Die Tagesordnung lautete: Wie ist dem Verkauf von minder selbe Resultat wie der erste. Da keine Schlächtermeister werthigem Fleisch auf dem Zentralviehhof entgegen zu treten?" genommen die paar sozialistischen vorhanden waren, fonnte unterzogen. Zur Verhandlung gelangte sodann die feinerzeit Wie stellen sich die Schlächtermeister Berlins und Umgegend natürlich eine Etellungnahme der Schlächtermeister Berlins und im Vorwärts" bekannt gegebene Maßnahme des Amtsvorstehers zur Errichtung eines unentgeltlichen Arbeitsnachweises?" Die Umgegend" zur Errichtung eines unentgeltlichen Nachweises nicht von Friedenau gegenüber der Speditionsfirma Schumacher. Schlächtermeister glänzten durch Fernbleiben von der Versamm erfolgen. Hervorgehoben wurde im Laufe der sich entwickelnden Genoffe Grauer theilte mit, daß die Angelegenheit, wie er lung, ihre Stelle im geräumigen Saale der Arminhallen nahmen Ge- Diskussion von verschiedenen Rednern, daß die Meister durch durch Rücksprache mit dem Herrn Schumacher erfahren habe, sellen ein; aus der beabsichtigten Schlächtermeister- Versammlung ihr Nichterscheinen auch hinsichtlich der Nachweisfrage bewiesen noch in der Schwebe sei; hoffentlich werde der Herr Amtshätten, zu einer Verständigung mit den Gehilfen nicht vorsteher auch noch zu der Ansicht gelangen, daß seine Einwurde eine Versammlung von Echlächtern. Nur wenige Meister waren erſchienen, Bunächst nahm Keßlinte das Wort, um zu konstatiren, bin, ona bieten autollen, alle Redner traten für Selbsthilfe miſchung hier gar nicht am plage ist.- Die weitere Disdas es ihm nicht möglich gewesen sei, zum ersten Punkt der ein, dafür, eine starke Organisation der Schlächter zu schaffen, fuffion entrollte ein trübes Bild der im Transportgewerbe vorTagesordnung einen Referenten zu bekommen. Einige sozial- um im wirthschaftlichen Kampf den Forderungen: Beseitigung herrschenden Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft. demokratische Stadtverordnete hätten sich zu mehr oder von Kost und Logis beim Meister, kürzere Arbeitszeit, Beseitigung Berliner Spediteur- Verein" stellt die Rollfutscher mit 16 M. minder nichtigen Ausreden des Kommissionärunwesens und ein unentgeltlicher Arbeitsnach- Wochenlohn ein, während die Begleiter der Wagen, welche auch bewegen lassen. Gaß= in ann: Daß die eingeladenen Schlächtermeister nicht weis, der in den Händen der Gehilfen ruht, zur Anerkennung aushilfsweise fahren müffen, sogar mit 10 M. entlohnt" werden. verhelfen. Das Treiben der Stellenvermittelungs- Von diesen beschämend niedrigen Löhnen wird theilweise die erschienen, besage, man wolle nichts auf Seiten derselben Beschlossen wurde, in Raution noch in Abzug gebracht und die oft nicht geringen mit arbeiterfreundlichen Meistern und den Gesellen zu thun Bampyre erfuhr schärfste Kritik. der einzuberufenden Volksversammlung an die Berliner Strafgelder, die wegen der nichtigsten Sachen verhängt werden. haben, nicht mit ihnen verhandeln, auch da, wo sich ein Boden Arbeiter mit der Frage heranzutreten, ob sie gewillt seien, die Nachdem noch einige geschäftliche Angelegenheiten geordnet zu gemeinsamer Berathung biete. Diese Antwort möge man sich Schlächtergesellen in ihrem gerechten Kampf gegen das Stellen waren, wurde die Versaminlung, die dem Verbande der Hausmerten. Die Schlächtermeister hätten, fährt Redner fort, ein ihrer würdiges Organ, die" Bentral- Fleischerzeitung", welche sich vermittlungsunwesen zu unterſtüßen und dahin zu wirken, daß diener, Packer und Berufsgenossen eine ganze Anzahl neuer Mitin ihrer legten Nummer zu einer Warnung vor dem Besuch werden, welche sich weigern, ihre Gesellen vom unentgeltlichen Die Riftenmacher nahmen in ihrer öffentlichen Versamm die Schlächtermeister beim Einkauf besonders berücksichtigt glieder zugeführt hatte, geschlossen. der Versammlung verstiegen habe. Man mache darin die Man mache darin die Meister gruselig, indem man den Einberufer als einen Nachweis der Schlächter zu entnehmen. Ein Antrag, des wegen Freund des sozialdemokratischen Schlächter Fachvereins be- seiner Ausführungen in einer früheren Versammlung der lung am 7. April zunächst die Abrechnung des Vertrauensmannes zeichne und außerdem den Meistern, welche in die Ver- Schlächter in Anklagezustand versetzten Herrn Wiener, für ihn entgegen. Am 1. Januar 1894 war ein Baarbestand von fammlung gingen, in Aussicht stelle, sie müßten eventuell ihre durch eine Listensammlung einen Beitrag zu den Rechtsanwalts- 128,57 M. vorhanden. Die Einnahmen betrugen bis Ende März Knochen nach Schluß derselben auf der Sanitätswache zuſammen- nach Abbüßung seiner event. Strafe durch den Ertrag einer 56,95 M., mithin verblieb am 1. April ein Raſſenbestand von foften aufzubringen, wurde abgelehnt, jedoch beschlossen, Wiener 38,95 M., die Ausgaben 95,90 M., dies ergiebt ein Defizit von nähen lassen.( Brrrr!) Damit die Würze der Verleumdung 71,62 M. Die Revisoren bekundeten die Uebereinstimmung dieser nicht fehle, werde schließlich den Einberufern der Versammlung Sammlung zu unterstützen. Angaben mit den ordnungsmäßig geführten Büchern. Nach Erunterschoben, sie hätten diese nur einberufen, um die leeren Kassen Die öffentliche Versammlung der Maurer, welche am theilung der Decharge erstattete schernig seinen Bericht als durch die Groschen der Meister füllen zu lassen. Redner ist der 8. d. M. im Norden tagte, erledigte zunächst den in der vorher Delegirter zur Gewerkschafts- Kommission. Redner legte beide Meinung, das Wort von der einen Krähe, welche der anderen gegangenen Versammlung vertagten Punkt jener Tagesordnung: Aemter nieder, wurde aber fast einstimmig wiedergewählt. Die die Augen nicht aushade, treffe auch auf die Schlächter Stellungnahme zur Maifeier". Das Referat hatte Genosse Neuwahl der Revisoren fiel auf Karge, Tiefe und Brudow. Schlächter- Stellungnahme meister bezüglich der Bewegung gegen gegen den Verkauf ge äther übernommen. Der Vortragende tam nach Lage der In Angelegenheit der Waifeier, mit der sich schon eine Versammfochten finnigen und tuberkulosen Fleisches auf dem Zentral Sache zu dem Schlusse, den Maurern anzuempfehlen, teinen Be- lung beschäftigt hatte, fam es auch diesmal noch zu feinem BeViehhof zu. Sie gingen, menu sie auch hier und schluß zu fassen, der von der Allgemeinheit nicht zur Ausführung schluß. Eine von Tschernig im Sinne der Beschlüsse des Dort dagegen färmten, immer 1111 den heißen Brei gebracht werden würde, d. h. nicht einen Beschluß zu fassen Kölner Parteitages und der Gewerkschafts- Kommission gestellte herum. Mercier führt gegenüber Aeußerungen des Vorredners, dahingehend, den 1. Mai durch unbedingte Arbeitsruhe zu feiern. Resolution stieß bei Schubert und S. Müller auf heftigen nach denen das gefochte Fleisch franker Thiere ekelhaft und Gleichzeitig empfahl er aber auch den Maurern, dahin zu wirken, Widerstand. Sie plaidirten für strikte Arbeitsruhe. Nach langem fraftlos, aber nicht direkt schädlich sein soll, aus, das sei nicht daß in Zukunft der 1. Mai in der Weise gefeiert werden kann, Für und Wider wurde auf Antrag Grunow's bin der Verder Fall; es komme immer auf die Waare an. Backen junger, in welcher er gefeiert werden sollte und müßte, daß die Berliner trauensmann beauftragt, zu Sonntag, den 15. April, nochmals guter Schweine z. B. fochten wohl in der Zeit gar, welche man Maurer den alten, leider verloren gegangenen Ruf, die Vor eine Versammlung einzuberufen. auf dem Viehhof das kranke Fleisch tochen lasse; Backen an und fämpfer in der gewerkschaftlichen Bewegung zu sein, wieder er für sich bereits minderwerthigen( alten zc.) Biehs bedürften hin: ringen. Dazu gehöre aber eine fräftige Organisation. Die In der öffentlichen Versammlung der Steinarbeiter gegen oft einer bedeutend längeren Zeit. Er selbst habe sich bei Anempfehlung des Referenten, den 1. Mai nur in bedingter vom Sonntag, den 8. April, referirte Kollege Rizing über die einem Budifer, der Schweinebacken vom Viehhofe hatte, davon Weise durch Arbeitsruhe zu feiern, fand nicht die allgemeine Bu- Frage des 1. Mai und begründete seine Stellung an der Hand überzeugt, daß sie zum Theil noch vollständig roh waren. ftimmung der verhältnißmäßig spärlich Erschienenten. So traten der Rongreß- und Parteitags- Beschlüsse dahingehend, daß das Die Gesundheitsschädlichkeit werde also nicht auf jeden Dietrich, Kaufmann, Klettte, Karpe, Bielice Rubenlassen der Arbeit am 1. Mai wohl als wünschenswerth, Fall beseitigt.Wozu die soziale Noth der Zeit führe, welche und me te voll Energie für absolute Arbeitsruhe am 1. Mai jedoch nicht als unerläßlich bezeichnet werde. Die Steinarbeiter, den Armen zum Kaufen möglichst billiger Nahrungsmittel ver- ein. Der nüchternen Auffaffung der Lage der Dinge, wie sie denen die Möglichkeit gegeben ist, ohne wesentliche Schädigung anlaffe, zeige folgende Thatsache. Dem Bedürfniß nach billiger von Blaurock, Mäther und Töpfer Karl Thieme zum ihrer Interessen während des Tages zu demonstriren, sollen sich Waare nachkommend, verkauften auf dem Nixdorfer Wochen- Ausdruck gebracht wurde, gelang es indessen, die Versammlung der Versammlung aller im Baufach beschäftigten Personen an markt die Fleischer äußerst billige Wurst. Die Käufer glaubten, von einer übereilten Beschlußfassung abzuhalten. Um eine schließen, Abends haben sämmtliche Steinarbeiter sich an den Berdieselbe sei von Schweinefleisch. Weniger vertrauensvoll habe größere Klärung über die Frage der Maifeier herbeiguführen anstaltungen der resp. Kreise zu betheiligen. Nach sehr eindie Polizei eines Markttages Proben von 15 verschiedenen und die Stimmung der Kollegenschaft zu erforschen, sollen über gehender Debatte wurde dementsprechend beschlossen und hinzuSchlächtern genommen und untersuchen laffen. Sämmtliche Proben 14 Tage zu gleicher Zeit mehrere öffentliche Maurerverfamm- gefügt, von den am Maifesttage Arbeitenden einen 50 Pfennigerwiesen sich als Pferdefleisch haltig, einige waren reines Pferde lungen einberufen werden, welche über die Frage der Maifeier Beitrag, der zum Nußen der Gewerkschaft verwendet werden soll, fleisch. Könne man, frägt Redner, den Leuten verdenken, endgiltig zu beschließen haben werden. Nachdem trat die Ver- zu erheben. solche Waare auf den Markt zu bringen, wenn infolge sammlung in die Ergänzungswahl der Vertrauensmänner ein. Ueber den Streit der Steinmezen in Löwen der Anweisungen einer städtischen Verwaltung in Berlin der Ber- Wedding mußte wieder ausgesetzt werden. Für Nordost wurde bergi. Schl. berichtete Thomas Rigdorf. Durch die tauf des finnigen und tuberkulosen, wenn auch gefochten Fleisches gewählt Golze, für Südost Herm. Schwabe. elende Bezahlung sind 20 Kollegen, obwohl unorganisirt, veranlaßt Nachdem noch Reßlinke an dem Fern worden, in eine gestattet bleibe? Lohnbewegung einzutreten. bleiben der Meister Stritit geübt hatte, wurde folgender Antrag Die Versammlung der Rollkutscher und verwandten Die Versammlung bewilligte 50 M. mit der Maßgabe, angenommen: Berufsgenossen, welche, gut besucht, im großen Saale des Hotel daß bei längerer Dauer des Lohnkampfes weitere Zuschüsse geDas Bureau wird beauftragt, sich mit den sozialdemo Alexanderplatz am Sonntag Abend tagte, nahm mit lebhaftem leistet werden. Nachdem sehr ausführlich darüber diskutirt Tratischen Vertrauenspersonen ins Ginvernehmen zu setzen und Beifall einen Vortrag des Genossen Faber über Der Staat war, wurden einem Kollegen 20 m. als Beihilfe überwiesen. eine Boltsversammlung einzuberufen, um die Arbeiter und die Arbeiter" entgegen. Der Referent schilderte in drastischer Kollege Buchmann gab bekannt, daß zu gunsten der Nedaktion Berlins von den Gefahren zu unterrichten, welche der Genuß Weise den Interessengegensatz zwischen Arbeiter und Rapitalisten, des Bauhandwerker" Agitationsnummern des Blattes verausgabt des berühmten billigen Fleisches im Gefolge haben kann, welch' letztere den Staat nur als Fußschemel benutten und in werden, deren weiteste Verbreitung sich jeder angelegen sein lassen und fie zur Stellungnahme dagegen zu bewegen. Zu der Ber- welcher wenig rühmlichen Art der Staat als Arbeitgeber den follte. Der Delegirte zur Gewerkschaftskommission forderte außersammlung sind die sozialdemokratischen Stadtverordneten und Besitzlofen gegenüber auftritt. In der lebhaften Debatte, welche' dem zum Abonnement des Vorwärts" auf. Lassalle- Cray- Nadeln für Wiedervert. Muster frco. g. Einf. v. 20 Pf. versch. 40 Pf. Bestellungen erb. rechtzeitig! H. Guttmann, Stempelfabrit zc., Berlin N., Brunnenstraße 9. 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Obige zwei Stücke dürften gerade legt für die bevorstehende Maifeier willkommen sein. Regel hat seinen Schwant vollständig neu bearbeitet. Während er darin die plumpe Verfolgungssucht und den täppischen Zenfureifer der österreichischen Polizei und Staatsanwaltschaft in fröhlichster Laune geißelt, hat Brauße ein Charakterbild gezeichnet, das die Unverschämtheit jenes Unternehmerthums brandmarkt, das nicht zufrieden, die Arbeitskraft der Lohnsflaven bis auf's Aeußerste auszubeuten, auch noch die politische Gesinnung und das Familienleben ,, feiner Untergebenen" zu fnechten sich anmaßt. Zahlreichen Bestellungen steht entgegen Buchhandlung des ,, Borwärts Verantwortlicher Redakteur: Hugo Pötzsch in Berlin. Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2.