Ar. 854.- 8Ä.Ilchrs. Wonnementi« BtiRnjSRgnt Kjonnftnfru«• Stets ptlnutnetank»! kierleljidrl. S�O Mi. mcnofl. UO SSL, wüibenilich 28 Sfg. fiet ms Hau». Einzelne Nummer ö Pfg. Sonntag»- nummer mit illukirierier Sonmagt- keilag».Die Neue Well' 10 P'a kost» tlbonnemeM: l.w Mari pro Monat. Eingerrage» m die voll- Zeitung»- BreiKlilla llnter Kreuzband Mr Deulschland und Oeslerreich- Ungar» 2,80 Mar! für das übrige tluSland 1 Mari pro Monat voslabonnement» nehmen an: velgien, Dänemark, Holland, Jlalien. Luxemburg, vortagoi, Rumänien, Schweden und die Schwei» (mttBi lZgNch. Verlinev Volksbwkk. f S Pfennig) Sie TnlertfonS'GtböJjf Eefeflgt ffit die sechSgeshaltene Kolonel- »rile oder deren Raum 00 fg, politische und aeweriichafiliche Lersin». Ulld Lerscmunlung�i'lnzeigeii d-Z Plg Kleine Anreig-n", das fellgedritckle »ort 20 Lla, lzulä'sig 2'etrgedruche »ort«), iedes weitere Wort lo®fq. ktellenaesuchs und SchiaMcllenan- »eigen da» erste Wort lo Pia,, jedes wertere Wort 8 Pjg, Worte über löBuch- staben zählen für zwei Wone. Nuserme W!..die nächste Rrnmner münen bis S Uhr nachmittags in der Ervedition «tgegeben werde-r. Die Expedition jj» bii 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Wreff«: �»Äslöiliiollrs« Scilii". �entralorgan der rbzialcUmokratifchcn Partei Dcutfchlands. Die Suppe des AlMWiMWes MeMl. Zinanzfragen. WaS alle Welt weiß, was bereits zum Gemeinplätze ge- worden ist. daß nämlich der Krieg den Volkern für lange Zeit ungeheuere finanzielle Lasten aufbürden wird, das ist nun glücklich auch im deutschen Reichstage ausgesprochen worden. Nicht daß das„hohe Haus" sich darauf besonnen hätte, dah das Wesen des bürgerlichen Parlamentarismus in der Verfügung über das Staatsbudget besteht. Während der beinahe anderthalb Jahre, die der Krieg dauert, hat im Gegen- teil der deutsche Reichstag alles gehen lassen und nur immer bon neuem die Zustimmung zu Anleihen ausgesprochen und auch jetzt ist die Auseinandersetzuug über die Finanzen nur ganz nebenher eriolgt, gelegentlich einer Gesetzcsvorlage, die eine Steuer auf Kriegsgewinn einleitet. Bei dieser Gelegen- heit erfuhr man also, was— wie gesagt— alle Welt weiß, dafi Lasten entstehen, aber man erfuhr noch gar nichts dar- über, wie die'e Lasten getragen werden sollen. Das wird biellcicht im März erörtert werden, wenn alles gut geht. Indessen scheint es angebracht, die spärlichen Resultate der Debatte vom'20. Dezember etwas näher ins Auge zu fasien. Der Herr Schatzsekrctär wiederholte den Scherz, daß das vergangene Finanzjahr svom 1. April 1914 bis 31. März 1915) mit einem Ueberschufi von 220 Millionen Mark abgeschlossen habe und er gab der Hoffnung Ausdruck, datz auch das laufende Jahr, das am 81. März 1916 schlieft,„im Gleich- gewicht bleiben werde". Er fügte indeffen hinzu, man solle „sich keinen blauen Dunst vormachen", denn faktisch stehen die Dinge ganz anders. In der Tat: jener Ueberschuß und das erhoffte Gleichgewicht sind zustande gekommen, weil man einfach die Ausgaben für Heer und Marine aus dem Budget fortgelassen hat und sie aus den Milliarden der Kriegs- anleihen bestreitet. Da von den GcsanitauSgaben im letzten FriedenSjahre weit über die Hälfte auf die Ausgaben für Heer und Marine entfallen, so waren eben nur weniger als die Hälfte der im Budget vorgesehenen Ausgaben zu decken. Dazu kommt noch, dafi in diesen beiden Jahren dem Reiche die„außerordentliche" Ein- nähme aus dem einmaligen Wehrbeitrage zufloß. Auch ist zu beachten, daß die Ausgaben für Verzinsung der Kriegsanleihe nickt aus den ordentlicken Einnahmen gedeckt werden, sondern vorläufig werden die Zinsen mit dem geliehenen Gclde ge- zahlt. Schließlich sind nicht alle für den Friedensetat vor« gesehenen Ausgaben tatsächlich gemacht worden, sondern man hat alle nicht absolut notwendigen Aufwendungen, so;. B. Ausführung von Bauten für die Post- und die Eisenbahn- Verwaltung verschoben. Wenn also im Kriegsjahre das Gleich- gewicht im Reichshaushalt wirklich herbeigeführt wird, wie eS heißt, dann bedeutet das nur. daß die Einnahmen ausreichen, um bei weitem weniger als die Hälfte der normalen AuS- gaben zu bestreiten. Allerdings sind die Einnahmen des Reiches ebenfalls zurückgegangen, schon aus dem Grunde, weil eine der Haupt- einnahmequellen versagt, die Zölle auf eingeführte Waren. Zum Teil sind sie aufgehoben, zum Teil fallen sie fort, weil nichts eingeführt werden kann. Nun könnte man daraus schließen, daß nach dem Kriege halt auch die Einnahmen sich erhöhen werden, weil dann die Einfuhr sehr groß sein wird und folglich die Zölle viel einbringen. Indessen ist dieser Schluß mit Vorsicht zu hehandeln. denn es ist nicht wahrscheinlich, daß man die Zölle ohne weiteres wieder- einführen kann. Im letzten Friedensjahre brachten die Zölle rund 885 Millionen Mark ein, wobei sich diese Summe folgendermaßen verteilte: auS den Zöllen auf Rohstoffe für Jndustriezwecke 138,2 Millionen, auf halbfertige Waren 80,4, fertige Waren l41,2, NahrungS- und Genußmittel 554,3, lebende Tiere 21 Millionen. Selbst ein so konservativer Politiker wie Prof. Hans Delbrück stellt fest, daß eS ein Unding ist, Zölle auf unentbehrliche Nahrungsmittel und Rohstoffe zu er- heben, wenn der Preis für diese Produkte auf dem Welt- markte in die Höhe schießt; es sei aber gar kein Zweifel darüber möglich, daß dieser Krieg für lange Zeit eine un- geheure Teuerung nach sich ziehen werde.(Novemberheft der Preußischen Jahrbücher.) Da nun die Zölle einen sehr wesentlichen Teil der faktischen Einnahmen deS Reiches ausmachen und in der Hauptsache fortfallen müssen, so ist nicht abzusehen, wie man diese Lücke ausfüllen will. Aber davon ganz abgesehen, ist bisher von der Regierung auch nicht die leiseste Andeutung gemacht worden, wie sie denn sich die Zukunft denkt, bei der es nicht nur darauf an- kommt, das bisherige an Steuern aus dem Volkseinkommen herauszuholen, sondern bas Doppelte und vielleicht Dreifache, weil das unumgänglich ist, wenn die Schuldzinsen bezahlt und die Kriegsbeschädigten auch nur einigermaßen versorgt werden sollen. Der Herr Schatzsekretär ermahnte nun den Abgeordneten Hoch, ja nicht Beunruhigung in das Volk zu tragen, daß Mus Des@toBen SWlWilim. Amtlich. Große» Hauptquartier, de» 23. Dezember 1915.(W. T. 8.) Westlicher Kriegsschauplatz. Ju heißem Riogeu nahmen gestern die tapfereu Re- gimenter der 82. Landwehr-Brigade die Kuppe deS Hart- mauuSweUerkopfes zurück. Der Feind erlitt außerordeut- lich schwere blutige Verluste und ließ 23 Offiziere und (339 Mann als Gefangene in unseren Händen. Mit der Ausräumung einiger Grabenstücke am Nordhaug, in denen sie Franzosen noch fitzen, sind wir beschäftigt. Die Angabe im französischen Tagesbericht von gestern abend, eS seien bei den Kämpfen um den Kopf am 21. De- zember 1399 Deutsche gefangen worden, ist am mindesteus die Hälfte übertrieben. Unsere Gesamtvcrluste eiuschließ- lich aller Toten und Vermißten betragen, soweit es sich bisher übersehen läßt, etwa 1199 Mann. Oestlicher und Balkan-Kriegsschauplatz. Keiue Ereignisse von Bedeutung. Oberste HerreSleitnug. •• Set MlMW GkMlUWMM, Wien, 23. Dezember.(W. T. L.) Amtlich wird ver- lautdart: 23. Dezember ISIS. Russischer Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Italienischer Kriegsschauplatz. Die allgemeine Lage iß unverändert. I» de« Jodicarien lam r« auch gestern zu heftiger«» Ge- schützkSmyse». Sa der tüstenläudtfche» Front«nrb« auf de» Pidgor« der Angriff eine» italienische» Bataillon» zurückgeschlagen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Ein« in der Gegend von Tepca noch tn de» Felsen de» nördlichen Taraufer» verborgen gebliebene kleinere monttnegri- nische Abteilung wurde«ach kurzem Kampf gefangengenommen. Sonst nicht» Neue». Der Stellvertreter de» Chef» de» Generalstade». v. H o» f e r. Feldmarschalleutnant. ihm gewaltige indirekte Steuern aufgebürdet werden würden. Leider hat er seinerseits zur Beruhigung nur anführen können, daß die erste Steuer, die eingeführt wird, die Steuer auf Kriegsgewinne, eine Besitzsteuer ist, und daß die notwen- digen Lebensmittel nicht belastet werden sollen. Nun. die Kriegsgewinne sollen besteuert werden. Jedoch wird sich wohl kaum jemand darüber einer Täuschung hin- geben, daß das noch weniger ist. als der vielberufene Tropfen auf den heißen Stein. Offenbar kann man die Kriegsgewinne nur einmal besteuern, weil sie nur einmal gemacht werden. Man wird also eine einmalige Einnahme von— wenn es hoch kommt— ein paar hundert Millionen Mark erzielen, während eS darauf ankommt, dauernde Einnahmen tn Höhe von Milliarden zu schaffen. Dabei zeigte sich bei der ve- Messung der Steuern, die aus die KriegSgewtnne der Reichs- bankaktionäre gelegt werden soll, daß die bürgerlichen Parteien keineswegs geneigt find, bei der Erfaffung der Kriegsgewinne tüchtig zuzugreifen. Herr H e l f f e r t ch versichert allerding», daß die Zahlung von Steuern eine Ehrenpflicht fei, der sich die Reichen nicht entziehen werden und gab seinen Willen ftrnd, energisch auf dem Wege der Besteuerung des Besitzes vorzugehen. Schön. Indessen— Schatzsckretäre kommen und gehen, sind vergäng- lich wie die Blumen des Feldes. Man braucht nur daran zu erinnern, daß seit l908 bis 1915 die Herren v. Stengel. Sydow, Mermuth und Kühn den Posten zierten und daß die drei ersten gegen ihren Willen gehen mußten, aus keinem anderen Grunde, als dem, daß sie gegen die Unlust der Besitzenden zum Steuerzahlen nicht aufkommen konnten. Dabei haben jetzt die Wortführer der Konservativen und des Zentrums Zeugnis abgelegt, daß es bei diesen Parteien keines- wegS anders geworden ist. „Die notwendigen Lebensmittel" will Herr Helfferich nicht„weiterhin belasten". Ein spärlicher Trost! Allerdings dürfte er dazu nicht imstande sein, weil, wie gesagt, der Krieg eine derartige Verteuerung der Ackerbauprodukte herbei- führen wird, daß keine Regierung daran wird denken können, auch nur die bisherigen Korn-, Fleisch-, Butter und sonstigen Zölle aus Nahrungsmittel wieder einzuführen. Das Entscheidende ist, daß Herr Helfferich zum erste« Male den Schleier lüftete, unr seine Zukunftspläne anzudeuten und bei dieser Gelegenheit sich prinzipiell für in- direkte Steuern und insbesondere für Ver- kehrssteuern erklärte. Nun liegen die Dinge so, daß z. B. Verkehrsstcuern, die schwer auf die konsumierenden Massen abzuwälzen sind, be- reits in Deutschland bestehen(Wechfelstempelsteuer, Wert- papierstcuer, Börsenumsatzsteuer, Schecksteuer) und, wenn überhaupt, nur in geringem Maße erhöht werden können. Ver- kehrssteuern, die viel einbringen, sind allerdings denkbar. Aöcp Tatsache ist, daß derarttge Steuern auf die letzten Glieder im Verkehr, und daS find stets die werk- tätigen Massen, abgewälzt werden und zwar abgewälzt mit einer Abrundung, mit einem Auffchlag. Produzeuten und Händler, die diese Steuern entrichten, erhöhen dann ein- fach die Warenpreise um einen höheren Satz, als es durch hie Steuer bedingt wäre, ziehen Gewinn auS der Besteuerung, die Konsumenten werden doppelt geschröpft— zugunsten des Staates und der Unternehmer. DaS Entscheidende ist dieses: daS Einkommen der arbeitenden Massen in Deutschlaud ist während des beispiel- losen Aufschwunges, den der deutsche Kapitalismus seit 1870 genommen hat, erschreckend niedrig geblieben. Im Vergleich mtt England, Frankreich, den Vereinigten Staaten blieb Deutschland das Land der niedrigen Löhne. Der Krieg wirb. daraus deuten alle bisherigen Anzeichen hin, die Macht der industnellen und landwirtschaftlichen Unternehmer gewaltig steigern und eS wird den Arbeitern nicht leicht werden, hje Löhne in Einklang zu bringen mit der Verteuernng des Lebens- Unterhaltes, die totsicher eintteten wird. ES muß deshalb jede Belastung, die nicht ausschließlich den Mehrwert, den von den Unternehmern erzielten Profit trifft, sondern in dieser oder jener Weise aus dem Arbeitseinkommen geschöpft wird. die Lage der arbeitenden Maffen empfindlich verschlechtern.— Das aber und nichts andere» kündigt unS die Regierung jetzt an._ Zum Wahlergebnis in Griechenlanü. Athen, 22. Dezember.(E. T. 83.) Die Anhänger von Benizclo» und die Freund« der Entente machen die größte Anstrengung, um da« Ergebnis der Wahlen oder richtiger der Nichtbeteiligung an de« Wahlen als für Venizelo» befriedigend auszulegen, um die Auf- fassung im Auslande zu verwirren. Der Vertreter von WolffS telegraphischem Bureau ist in der Lage, offiziell festzustellen, daß da» Gegenteil der Fall ist. Die Wahlen waren ein großer Erfolg für die Regierung und beweise� daß die Partei von Venizelo», wenn sie sich an den Wahlen beteiligt hätte, stark in der Minderheit geblieben wäre. Das Seegefecht bei varna in russischer Darstellung. Petersburg, SS. Dezember,(W. T. B.) Meldmig der PeterS- burger Telegraphen-Agentur. Von berufener Seite wird gemeldet: Am 21. d. Mr». begegneten zwei russische Torpedoboote, die eine Kreuzfahrt an der bulgarischen Küste unternahmen, einem bulgarische« Torpedoboot, auf welche» sie sofort Jagd machten. Da» bulgarische Torpedoboot floh nach Varna. Unsere Torpedoboote verfolgten e» bi» zur Buchteinfahrt, als die KüstenSatterien da» Feuer auf sie er- öffneten. Unsere Torpedoboote entfernten sich au6 dem Feuerbereich der Batterien ohne Verluste noch sonsttgen Schaden.— Im Verlauf dieser Kreuzfahrt wurden zwei türkische Segelschiffe versenkt, die nach Constanza fuhren, um Benzin zu holen. Die Besatzungen wurden gefangen genommen._ Der französische Tagesbericht. Pari», 23. Dezember.(W. T.B.) Amtlicher Bericht vom Mittwoch nachmittag, von der Rächt ist kein wichtige» Er- eigni» zu melden. In den vogesen gestattete der von unseren Truppen gestern geführte Angriff unsere Stellungen auf den östlichen Hängen de» Hartman nsweilerkopfe» erheblich auSzu- breiten. Die Zahl der von uns zu Gefangenen gemachten Deutschen beträgt bisher zwölfhundert, darunter neunnnd- zwanzig Offiziere; die Gefangenen gehören verschiedenen Regt- menler« an. Pari», 22. Dezember.(W. T. S.) Amtlicher Sbend- Bericht. In Belgien zeigt die Artillerie sich im Gebiete von Het SaS und Boesinghe tätig. Südlich von ArraS gelegentliches, glücklich verlaufenes Feuergefecht in der Umgegend von BeaurainS; wir ließen eine Mine springen, welche einen feindlichen Schützen- graben vor Daucourt nahe der Liller Straße schwer beschädigte. In der Umgegend von Rohe wurde eine starke deutsche Patrouille von uns unter Feuer genommen und floh mit Hinter- lassung mehrerer Verwundeter. Auf den Maashöhen im Ab- schnitt des Bouchot- Gehölzes beschoffen unsere Batterien die feindlichen Schützengräben heftig und brachten«in Munitionslager zum Auffliegen. Auf den B o g e s e u faßte der Feind im Lause einer Reihe örtlicher kämpfe wieder Fuß i« etnem Tekl der Schützengräben am HartmannS- w e i l e r k o p f, welche wir gestern weggenommen hatten und mit Äortrilppin besetzt hielten. Die Zahl der hier gemachten deutschen Gefangenen übersteigt Dreizehnhundert. Belgischer Bericht. Unsere Batterien zeigten sich heute tätig und beschossen die deutschen Posten am linken Dierufer und da5 Lager bei Essen. Nördlich von Dixnmiden vollendeten unsere schweren Geschütze die Zerstörung des Blockhauses, welches sie gestern zusammengeschossen halten, der Feind aber wieder zu errichten suchte. ErigHsche Nelöuag. London, 22. Dezember.(SS. J. B.) Britisches Tomnruniquö. Es herrschte lebhaste Ariillerietäligkeit. besonders in der Umgegend von Fricourt. des Kanals von La Baflee und von Apern. Unsere Artillerie beantwortete das Feuer kräftig. Der rusilfche Generalstabsbericht. Petersburg, 23. Dezember. ch t vom 22. Dezember. Im Laufe des 20. Dezember be- 'choiTen in Judicarien unsere Artillerie und Flieger in kombinierter Aktion erfolgreich doS Forts Por von der Lardarogruppe. Die Beschießung wurde mit Erfolg am 21. erneuert. Zwei feindliche Flieger, die dem Luftverteidigungsdienst dieser Gruppe angehören und während dieser Aktion ausgestiegen waren, wurden von unseren Fliegern angegriffen und zur Fluibt gezwungen. Im Terragnolo- tale(Elichgebiet) versuchten.feindliche Jnfanterieobleilungen sich unseren Stellungen zu nähern. Ein Gegenangriff warf sie zurück und sie ließen einige Gefangene in unseren Händen. Im Suganatal richtete unsere Artillerie ihr Feuer gegen die Eisenbahnstation von Levico, wo Truppenbewegungen gemeldet worden waren. Am 21. wurde ein feindliches Flugzeug auf der Hochebene von Asiago von unserer Artillerie unter Feuer genommen; der Flieger mußte infolge Motordetekts landen und wurde gesangen genommen. Bon der übrigen Front meldet man einige feindliche Batteriesalven gegen das Becken von Karfreit sowie einen Streiiflug feindlicher Flieger gegen unsere Stellungen von Podgora und im Abschnitte von Pevma. Die Flieger richteten keinen Schaden an. vom �-Hootskrieg. Tortosa(Spanien), 23. Dezember.(W. T. B.)(Meldung der Itgence Havas.) Ein französischer Dampfer, der vor einem Unterseeboot, welches ihn zu torpedieren versuchte, flüchtete, strandete bei der Mündung des Ebro. Man hofft die aus Zucker bestehende Ladung zu retten. Die Entwicklung öes Krieges auf öem öalkan. Von Richard Gädke. Berlin, den 21. Dezember 191S. Die Nachricht, daß die Liquidierung de» Dardanellen-Unternehmens seitens der Engländer begonnen hat. kommt nicht ganz überraschend. Tie Presse des Vierverbandes hatte mehrfach dar- auf vorbereitet; sie selbst hatte sich die Verbreitung der Gerüchte angelegen sein lassen, daß deutsche und österreichische schwere Ar- tillerie mit reichlichem �schießdedarf auf den Dardanellen einge- troffen sei. Die Tätigkeit der türkischen Geschütze war in den letzten Wochen eine lebhafte geworden, und schließlich war es schwer zu glauben, daß die Kräfte des Vierverbandes stark genug sein würden, zu gleicher Zeit das Unternehmen»on Saloniki und von Gallipoli mit Nachdruck durchzuführen. Froher oder später erwartete man also den Abzug des Dardanellerrheeres von der Halbinsel, an deren Strand eS sich mit Mühe und Not unter schweren Verlusten behauptet hatte. Soweit man die Vorgänge des 19. Dezember nach den bisher vorliegenden Nachrichten beurteilen kann, ist die Einschiffung des Landungsheeres an der Suvlabucht und bei Ari Burun freiwillig von den Engländern begonnen und unter dem Schutze eines dichten Nebels anfänglich unbemerkt von den Türken durchgeführt worden. Um deren Aufmerksamkeit von dem sehr schwierigen Unternehmen abzulenken, ist von der dritten Larrdungsstelle an der äußersten Südspitzc der Halbinsel, also von Scdd-uI-Äahr aus, ein starker Angriff gegen die so oft und so heiß umstrittenen Höhen von Krithia unternommen worden Man hat den Eindruck, dag die englische Heeres- und Flottenteirung nicht ohne Geschick ver- fahren ist. Erst als ein beträchtlicher Teil des Heeres, teils bereits eingebootet, teils im Abzüge begriffen war, wurde die Tätigkeit des Gegners in den türkischen Laufgräben bemerkt— vielleicht weil der Nebe! inztvischen lichter geworden war— und nun sofort ein starker Angriff auf die englischen Nachhuten ins Werk gesetzt. Hierbei ist eS zu harten Kämpfen gekommen, in denen diese unter großen Verlusten allmählich bis an das Meer zurückgedrängt wurden. Die türkischen Berichte sagen noch nicht, daß dem abziehenden Feinde auch seine letzten Decrungsstellungen fortgenvmmen sind. Doch darf man ohne weiteres annehmen, daß inzwischen auch sie so oder so geräumt wurden. Daß die Eng- länder hierbei noch werden mehr Haare gelassen haben, ist gleich- falls wahrscheinlich, wenn man auch mit dem Eingreifen der ge- samten zur Stelle befindlichen Flotte und ihrer schweren Schiffs- geschütze rechnen muß. Der Angriff von Sedd-nl-Bahr aus ist natürlich, wie immer, abgeschlagen worden; ihre ursprünglichen Stellungen aber scheinen •die Landungstruppen einstweilen behauptet zu haben, da der tür- kische Bericht ihre Eroberung nicht erwähnt. Man darf es wohl als selbstverstälidlich betrachten, daß der Abzug auch aus ihnen nur eine Frage kürzester Zeit sein wird. Dann ist die gesamte Dardanellen-Halbinsel frei vom Feinde. Als am 19. Februar die erste Beschießung der Dardanellen- fort» durch die englisch-französisch« Flotte begann, habe ich sofort geurteilt, daß ein Schisfsangriff allein nie zum Ziele führen werde. Zudem war er zu spät und mit gänzlich unzureichenden Kräften unternommen worden. Die allmähliche Verstärkung der Seestreitkräfte durch einzelne Schiffe neuester Bauart und Größe diente nur dazu, die Verluste des Angreifers zu vermehren. Man hatte wohl anfänglich mit dem moralischen Eindruck der Beschie- tzung gerechnet und gehofft, daß sie die Politik der Balkanvölker zugunsten des Dreiverbandes beeinflussen werde. Auch scheint eS fast, daß man eine stärkere Unterstützung von Norden her, gegen den Bosporus, durch die russische Flotte und das russische Heer vor- ausgesetzt halte. Da aber der materiell« Erfolg gänzlich ausblieb und das Unternehmen so fläglich scheiterte, wandte sich oer mora- tische Eindruck gegen unsere Feinde, die auch hie der Türkei waren. Dazu kam, daß der Beitritt Italiens zum Dreiverbände auf Griechenland wich Bulgarien, die Enthüllung der politischen Ziele auch auf Rumänien nicht anfeuernd, sondern abschreckend wirkten. Die Einbuße an moralischem Ansehen bewog nun den Dre-- verband zu dem Versuch, den Mißerfolg durch den Einsatz eines starken Landungsheeres doch noch auszugleichen, obwohl man sich sagen mutzte, daß das Unternehmen inzwischen gegen die besser vorbereitete und stärker gerüstete Türke: aussichtsloser geworden sei. Am 2b. April nahte sich eine mächtige TranSportflotte mit einem starken Heere dem asiatischen wie dem europäischen User der Dardanellen. Unter dem Feuer der schiffsgcschütze gelang die Landung an zwei Punkten des europäischen Ufers: bei Ssdd-ul- Bahr— wo die alten türkischen Besten zusammengeschossen waren und bei Kaba Tepe(Ari Burun), wo es keine Verteidigungsan- lagen gab; er mißglückte gänzlich an den anderen Stellen. Aber auch die gelandeten Truppen konnten sich nur unter verlustreichen dauernden Kämpfen, wenige Kilometer vom Meeresstrande ent- fernt, mühselig behaupten. Die Höhenstellungen selbst blieben fest :n der Hand oer Türken, so oft sie auch bestürmt wurden. Den Franko-Engländern sind in dem achtmonatigen Feldzuge keine weiteren Lorbeeren beschieden gewesen. vmvunSet. „ES war ein gokdner Morgen im August--* Sieben Wochen waren wir feit Beginn der Offensive durch Polen marschiert, nach Rutztand eingedrungen, die Russen be- •'ändig vor uns hertreibend in fast täglichen Gefechten. Freilich. ■jaS weiß der Soldat vom Ganzen: Nichts. Er marschiert auf Vordermann, ißt und trinkt, wenn er was hat, schwärmt aus auf Befehl, legt sich auf Befehl, buddelt und schießt, wenn er was zu sehen kriegt. Jeder Tag voll mühseligen Marschierens, harten Kampierens, schwirrenden Kugeln, ort naß geschwitzt und dann kalten Sprühregen von oben. Dazu das unangenehme Jucken der Läuse. Die Näcbte ohne Ruhe. Der Russe greift an des Nachts, Sonntags und oei Regen. Ist es aber Sonntagnacht und es regnet, dann kommt er in hellen Scharen. Sieben Wochen, der Dag zu vierundzwanzig Stunden und vierundzwanzig Stunden jeden Tag im Freien zermürben Körper und Geist eines Men. 'cheu, der dreißig Jahre lang Heim und Bett für nötig erachtete •/nd Tag und Nacht reinlich schied: der Tag der Last, die Nacht der Ruh. Ich war fertig. Am 20. August hatte mein Kamerad Franz. der Württemberger Molker, einen Bienenkorb ausgeräubert, wir hatten mit unfern schmutzigen Händen die Honigwaben geknetet und den Leckerfegen ins Kochgeschirr geträufelt. Mit meiner letzten Zigarette bewaffnet, war er hineingestiegen und brachte Sützig- ;it und Bitternis. Zahlreiche Bienenstiche ließen sein Gesicht zur Unkenntlichkeit verschwellen, die Augen waren verschwunden, und aus einen: schwarzbärtigen Etwas mit Pickelhaube quoll als ein breiter blutrünstiger Riß daS Lippenpaar von einem Ohr zum andern. Helfen könnt ich ihm nicht, denn eS gab kein Wasser, und wenn ich ihn ansah, mutzte ich bersten vor Lachen. Er ver. >'uchte dann gutmünz zu lächeln und bewirkte, daß die Kompagnie "oe Lachen gefechtsun fähig wurde. Was verdroß es ihn: die Nacht gab es Regen und er gena». Am 21. August sahen wir eine Milchkuh mit strotzendem Euter an einen Zaun gebunden. Rasch entschlossen erbarmte ssch Franz ihrer blökenden Not und melkte sie leer. Sie geborte einer fremden Kompagnie, und deshalb stand ich mit meinem Spaten dabei, grub Kartoffeln aus und war ber-it, jeden Störenfried zu erschlagen. Keiner kam„ und mir blieb der Mord erspart. Es gab Quetsch- kartoffeln mit Milch! Dieser unerhörte Genutz von fetter frischer Milch machte mir Magenbeschwerden schlimmster Art. Um �12 Uhr kroch ich aus dem Zelt ins Freie und hängte meinen Bauch gegen ein glimmendes Lagerfeuer. Um 12 Uhr begann meine Wache und um Z�l Uhr mußte ich das Bataillon alarmieven. Wir rückten durch das dunkle Dorf nach vorn. Auf Vordermann durch eine kotige Dorfstraße über einen Sumpf au einen Bahn- dämm. Herüber! Ehausseebäumel Halt!„Franz, ich kann nicht mehr, heute mach ich Schluß!"(„Fuffzehn!" in der Soldaten- spräche.) Einige Kugeln pfiffen herüber.„Zu�weise nach links ausschwärmen! Vierter, dritter, erster, zweiter Zngl Jeder Zug ISO Schritt Abstand, Marsch!" Ein paar hundert Meter vorwärts. Hinlegen! Deckung auswerfen! Die Dunkelheit hob sich von der feuchten Stoppel, und ein lichter grauer Nebel lag nun vor der Ferne, undurchdringlich und durchdringend bis auf die Haut. Mich fror erbärmlich. Ich kratzte mir etwas Haferspreu von dem Feld zusammen, legt« das wenige in meine niedrige Grube, warf den Tornister auf die Kopfdeckung und schlief. Einige Kugeln pfiffen und ein paar Schrapnells platzten in unserer Nähe. Nur im Halb- schlaf hört« ich noch dies brechende Krachen, wie wenn eine wütende große Katze fauchend aufspringt. Ich mochte ein« Stunde ge- schlafen haben, die Sonne stand schräg vor unS wie ein gleißendes großes Goldstück. Mattglänzend und ohne Wärme.„Fertig machen! Auf! Marsch!" Das Gewehr aufgebuckelt, den Daumen in die Tornisterriemen, geht eS vorwärts. Einige hundert Meter weiter ist ein kleiner, flüchtig aufgeworfener Graben. Halt! Tornister und Gewehr fliegen auf den Grabenrcmd. Infanterie- kugeln fliegen und zwitschern uns um die Köpfe; schnell den Spaten heraus, den Graben etwas tiefer geschürft und einen bequemen Sitz ausgestochen Einer aus dem Zuge äugt nach vorn und beobachtet etwaige Bewegungen der vorderen Linie. Das andere packt sich zum schlafen zurecht.— Ein sanfter Stoß meines Kameraden schreckt mich aus meinen Träumen:„Erich, paß Du mal auf. ich leg mir pennen." Ich reibe mir die Augen und springe hoch, um gleich wieder unterzuducken. Ein Hagel von Geschossen schwirrt auf uns los.„Na. warum schießen denn die Schweine so ver- rückt?"—„Guck Dir doch mal um. unsere Reserven rücken vor." — ,.Na, det is doch keen Grund, zu kurz zu schießen."—„Ach, laß mir pennen, die hör n auch wieder auf."— Franz hatte außer anderen zwei gut« Eigenschaften: er war nicht neugierig, und dann konnte er schlafen, wo und wann es irgend ging. Hatten wir auf dem Marsch fünf Minuten Rast, so schlief er davon mindestens vier Minuten. In diesem Augenblick krachte es hinter unS los. Schwere, ganz schwere und leichte sausten über unsere Köpfe hinweg. Bor uns log ein weites ebenes Feld, im Hintergrunde links sing ein Haus an zu qualmen. Einige Schrapnellwölkchen standen darüber. Auch Panje schickte seine freundlichen Gäste herüber. Schrapnellwölkchen über uns. Granatenspritzer vor und hinter uns. Nicht allzuviel, aber genug, um ein paar von unfern Leuten aufschreien zu machen. „Sanitäter nach rechts!"—„Sanitäter nach links!"—.Ziegler von der S. Korporalschaft hat eine in die Trust gekriegt."—.Sani- So entschloß sich der Vierverband, neue starke Streitkräfte zu entsenden, die ihm aber dann notwendigerweise auf dem entschö- denden Kriegsschauplatze in Flandern und Frankreich fehlten. Das Bündnis mit der Türkei begann sich für Deutschland schon damals nutzbringend zu gestalten. Am g. August geschah die neue Lan- dung nördlich von Ari Bnvun, in der Suvla-Bai; sie war gut und überraschend vorbereitet und glückte zunächst; aber die HeereS- leitung wie die Truppe erwies sich als unzulänglich, den über- raschenden Angriff bis zur Entscheidung durchzuführen. Ihre Höhenitellung bei Anaforta bewachten die Türken mit unerschütter- licher Tapferkeit und verhinderten damit den Rückenangriff gegen die Küstenwerks von Maidos und Kilid Bahr, ja, sie rückten all- mählich dem LandungSheere näher und näher auf den Leib. AIS sie mit Geschützen und Schießbedarf genügend versehen waren, wurde deren Lag« bedrohlich. Stach türkischer Quelle und auch nach Kritiken englischer Zei- tunyen wären auf Gallipoli im Laufe der Zeit insgesamt 500 000 Mann eingesetzt worden, die zuletzt 50 Proz., d. h. 250 000 Mann Verluste an Toten, Verwundeten, Gefangenen und Kranken gehabt hätten. Da die Kämpfe andauernd und heftig waren, und das Klima für Europäer sehr ungünstig ist, oie Wasserversorgung äußerst mangelhast war, so haben diese Angaben nichts Unwahr- scheinliches, wenn wir sie auch nicht nachprüfen können. So zeitigte das Dardanellenabenteuer einen schreienden Miß- erfolg. Die Rückwirkung aus die islamitische Welt wrrd eine gswal- tige: ein, das Ansehen des Kalifen in Konstantinopel außerordentlich steigen. Große türkische Streitkräfte werden für andere Bsrwen- dung frei, die deutschen Unterseeboote und Torpedoboote im Mittel- meer finden nun auch in den Dardanellen einen sicheren Rückhalt. Die englischen Streitkräfte von Gallipoli sollen nach einem anderen Kriegsschauplätze überführt werden, so hat Asquith im Untexhause erklärt. Wir werden bald erfahren, wohin. Sollten sie zur Verstärkung der Salonikier-Armse dienen, so werden die Berbältrnsse auf den: Balkan um so spannender werden. Bisher war dieses Unternehmen seitens des DierverbandeZ ebenso zerfahren, so zögernd und unentschlossen eingeleitet, wie der Angriff auf die Dardanellen. Um den Serben zu helfen, kamen die Truppen des General Sarrail zu spät und zu wenig zahlreich. Verhältnismäßig geringe Streitkräfte der Bulgaren genügten, sie nördlich der Tschrna Jjeka aufzuhalten u:ch gleichzeitig die ser- bische Südarmee um Monastir zu bedrängen. So wurde der richtige Plan des serbischen Oberbefehlshabers, nach Süden über Leskovac und durch den Katschanik-Paß durchzubrechen, zur Erfolg- losigkeit verurteilt. Als dann das serbische Heer zersprengt war, gingen die rasch verstärkten Bulgaren in Söd-Mazedonien ihrerseits zu beiden Seiten des Wardar zum Angriff über. In barten Kämpfen vom 2. bis 14. Dezember warfen sie Engländer wie Fran- zosen über die griechische Grenze zurück und fügten ihnen beträcht- liche Verluste zu, die zwischen 20 000 und 35 000 Mann betragen haben sollen. Bisher hat sich das Entente-Heer zu einer Wieder- aufnahm« des Angriffs nicht entschließen können; es verschanzt sich vielmehr zwei bis drei Kilometer südlich der serbischen Grenze in der Linie Kilindir(östlich des Wardar)— Majadag(westlich des Wardar) un>d verbandelt mit den Griechen über die Befestigung von Saloniki. Man sollte meinen, daß die politische wie militärische Lage auch an dieser Stelle einer baldigen Lösung entgegendrängt. Versenkung eines japanischen Dampfers. Malta, 22. Dezember.(W. T. B.) Meldung der Agence Havas.) Der japanische Dampfer„Saco Maru" wurde am 21. Dezember im östlicben Mittelmeer durch ein seind- liches Unteri'cebool ve:sen!t. Die Hasenbehörde von Alexundria wurde durch Funkspruch benochrichlig: und sandle Hilfe. Notiz: In Lloyds Register ist ein Dampfer„Saco Maru" 6227 Br. Reg-T. ausgesührt, vielleicht handelt es sich um diesen. Amsterdam, 23. Dezember. ch e B l 2 t t er bringen die Nachricht, daß am 21. d. M. der schwedische Dampserr„Argo" mit Bannware von Kopenhagen nach Raumo unterwegs, unweit Uilängau- Leuchtturm innerhalb schwedischer Hobeiisgewässer aufgebracht und nach einem deutschen Hasen geführt sei. Wolifs T e le g r q p h e n- Bur eau erfährt hierzu von zu st ändiger Stelle: Der Dampfer ist allerdings innerhalb schwedischer Gewäsier an- geholten und dann nach Swinemünde geführt worden. T:es war ein bedauerlicher Mißgriff. Der Dampfer ist daber unmittelbar nach täter, wie ist's?"—„Leben tut er, aber bewußtlos!" Ich setze mich zurecht und guck nach vorn. Die Sonne war inzwischen hoch, und es war angenehm warm unter ihren Strahlen. Hinter mir in einem Loch saßen der Unteroffizier Kunze und der Lehrer Goebel. Ich glaube, sie waren beide Lehrer, aber man bätte sie auch beide für Straßenräuber halten können, wenn die Kronen- knöpfe nicht ihre zerfetzten Röcke notdürftig über ihren Körpern geschloffen hätten. Dem einen fehlte der Hosenboden, dem andern klafften die Knie mit gähnenden Mäulern. GoebelS blasses Gesicht schaute mit großen gutmütigen Augen und großer rotvcrschnupfter Nase aus einer krausen monströsen Barwmrahmung hervor. „Kennst Du Konrcrd Ferd. Meyer?" frage ich,„mir geht ein VerS von ihm durch den Kopf auL„Huttens letzte Tage".—„Nee— wie heißt denn der VerS?" „Es war ein goldner Morgen im August, Das zweite Gras gedieh mit Kraft und Lust, Die ganze blüh'nde Wiese klang Und wog:' und schwirrte, flattert', zirpt' und sang! Ich stand in Halm und Blumen, überflammt Vom süßen Sonnenlicht, zum Tod verdammt. Da warf ich in die blüh'nde Wiese mich. Verbarg das Haupt und weint« bitterlich.— Und lange lag ich still im grünen Tal. Mein eigen Bildnis— oder GrabeSmal!" —„Das ist ja wundervoll; wie heißt der Mann? Meher?"— „Ja, aber Konrad Ferdinand, einer unserer besten Romantiker." —„Den werde ich mir mal kaufen, wenn ich nach Hause komme. Weißte, wir haben als junge Lehrer gar keine Zeit, uns für die Literatur zu interessieren, besonders wenn man wie ich ein bißchen schwer von Begriff ist. Solange man noch das zweite Examen vor sich hat, gibt's nur Fachliteratur, weiter nischt." Unterdessen kam eine Kompagnie ausgeschwärmt und ging über uns hinweg, der Hauptmonn C., eine Gerte in der Hand. schritt voraus.„Nanu? Was mach! Ihr denn hier? In'ner halben Stunde ist Sturm angesetzt! Macht Euch man vorwärt»." Gleich darauf hieß es:„Fertig machen!"— Ich hatte mir unterweilen mein Hemd übern Kopf gezogen und suchte in per warmen Sonne die Läuse daraus ab. 26 blutrünstige Tiere waren eines jämmerlichen Todes gestorben. Schnell das Hemd herauf, Rock an, Tornister, Gewehr umgeworfen— los! Me Sache wurde brenzlich, Jnfanteriekugeln schwirrten und die Panjekanone spie. Wir nahmen schnellen Schritt und warfen uns öfters hin. Als ich zum letzten Sprung mich hochnache. stöhnt neben mir einer auf: „Ach Gott!" und klappt zusammen und kullert wie ein Häufchen zur Erde.„Franz!" schreie ich betroffen.—„Hier!" ruft'S mir zur Rechten. Ich ducke mich zu dem Verwundeten nieder. SS ist dem Einbringen in Swinernflnde auf Anweisung de« ThefS deS Admiralstnbes der Marine mit freiem Geleit nach dem Ort, wo er angehallen war, wieder entlassen worden. Ter Mitzgrifs ist begangen worden im Änschlutz an einen Vorfall, der sich mit demselben Dampfer in der Nacht vorher in der Nähe von Simrishamn abgespielt hatte. Da dieser Vorfall von sckiwediscden Blättern in nicht zutreffender Weise besprochen wird, wird hiermit folgendes festgestellt: Der Dampfer ,Argo* wurde in dieser Nacht von zwei deutschen Torpedobooten außerhalb des schwedischen Hoheitsgebietes aufgefordert, zu stoppen, damit er auf Bannware untersuch: würde. Er stopple zunächst, drehte dann aber mit Hartruder und äußerster Kraft auf das zwanzig Meter querab von ihm liegende deutsche Torpedoboot zu. um es zu rammen. Nur durch ein sosortiges Gegenmanöver gelang es diesem, den Rammstost so abzuschwächen, daß leine ernst« lichers Beschädigung eintrat. Während dieses Manövers gelang es dem Dampfer, in die nahen schwedischen Gewässer zu entkommen. Der deutsche Kommandant hat darauf in Achtung der schwedischen Hoheltsgewässer van der Verfolgung abgelassen, obgleich der Dampfer mit unbedingter Bannware für Rußland, nämlich Geschoß« drehbänken, vollbeladen war. Es sei noch hinzugefügt, daß wie fest« gestellt worden ist, der Kapitän, der Steuermann und der Lotse des Dampfers betrunken waren. M eine Mne aufgelaufen. Frankfurt a. M., 23. Dezember.(SB. T. B.) Die„Frarckfurte�. Zeitung" meldet aus Amsterdam: Ein großes Trans« Port schiff ist zwei Seemeilen südlich von Sunderland auf eine Mine gelaufen und gesunken. Nlelöung öes türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 23. Dezember.(W. T. B.) Das Haupt- quartier teilt mit: An der I r a k f r o n t ist die Lage unverändert. An der Kaukasusfront versuchten im Ab» schnitt von Milo russische Abteilungen an uns heranzukommen. Ihre Vorhut wurde nach zweistündigem Kampf verjagt. An den anderen Teilen der Front dauern die Patrouillenkämpfe an. Ander Dardanellenfront versuchten fünf Torpedoboote und ein Kreuzer des Feindes sich Saros zu nähern, mußten sich aber, nachdem eines unserer Geschosse den Kreuzer getroffen hatte, wieder entfernen. Bei Sedd ul Bahr richtete der Feind am 22. Dezember anhaltendes Artillericfeuer gegen unseren rechten Flügel. Unsere Artillerie zerstörte mehrere Schützengräben und Bomben- laßer des Feindes und brachte durch drei Treffer feindliche Haubitzenbatterien zum Schweigen. Unter der noch nicht aufgezählten Beute von Ari Burun wurden auch mehrere Minenwcrser, Pontons und Decauvillewagen gefunden. Ein feindliches Flugzeug, das ani 22. Dezember Birseba überflog, wurde von uns heruntcrgcschossen. Einer der Insassen wurde gefangengenommen, der andere war tot. wehrpfljchtüebatte im Unterhaus. Lolltnm, 22. Dezember.(SB. T.®.) Ausführliche Meldung. Unterhaus. T e n n c> n t sagte in Beantwortung einer Frage, das Londoner Verleidigungskoips gegen Luftangriffe sei noch nicht dem KiiegSamte unlerslelll worden. Di Hon lNationalist) sragtc, ob der Regierung bekannt sei, daß gewisse sehr reiche Engländer ihr Eigentum in England verlausten und nach New Jorl übersiedelten, um der Besteuerung zu entgehen, und ob diese Leute Pässe erhielten. Minister des Innern John Simon erklärte, davon nichts zu wissen: die Erteilung der Pässe sei sehr erschwert.(Zwischenruf Markhams: Außer für Parlamentsmitglieder.) Premierminister A s q u i t h sagte auf eine Anfrage, Sir John Hamilton sei nicht aus dem Orient zurückgekehrt, um ein neues Kommando zu übernehmen. Wenn er ein anderes Amt elhielte, würde es bekannt gemacht werden. Asquilh begründete dann die Forderung der Heeresvermehrung um eine Million Mann und sagte, die Armee aus den verschiedenen Kriegsschauplätzen betrage einschließlich der Engländer über See über 12S0(>c>st Mann. Die Verluste seien febr groß. Die Reliutierung drene in erster Linie zur Auffüllung. Dos Hauvtziel müßte stets fein, die Effektivstärke möglichst der Sollstärke entiprechend zu erhalten. Asquith jubr fort: Das ist namentlich bei den Territorialtruppen schwer. Wir brauchen viel mehr Leute, um die neuen Formationen aufzufüllen und die gesamten Streitkräfte zu verstärken. ASquith lehnte es ab, anzugeben, wieviele Divi- nonen oder wieviel Mannschasten nötig seien und sagte: Wir brauchen alle Männer militärfähigen A l l e r s, die nicht aus wirtschaftlichen Gründen unentbehrlich sind. Wir brauchen, noch den nötigen Abzügen, für die Herstellung der Munition und die Auirechierhaltung des Exvoribaridels die der schwarze Maurer Buchholz. Er hatte arg unter Durchfall zu leiden gehabt, die ganze Zeit. Am Tage vorher klagte er mir, er könne nicht mehr. Er war erbärmlich mager geworden seit der Seit, wo ich vor sieben Wochen zum erstenmal mit ihm abgekocht hatte auf dem Marsch zur Front. Im Winter war er als Holz« fäller in den Wald gegangen und haue dort das Kochen aus dem ff gelernt.„Eine Ente," sagte er,..in Papier gewickelt und mit Lehm eingefchiofsen und dann ins Feuer geschmissen, dl« wird prachtvoll." Ich habe sein Rezept nicht erproben können, ab er's getan hat. weiß xh nicht, denn wir sind wenig mehr zusammengekommen, weil er in«ine andere Korporalschaft kam nach der Einteilung in die Kompagnie. Nun lag er vor mir, riß die Augen auf und gab keinen Laut von sich.— Was aus ihm gewovden ist. habe ich nicht mehr in Erfahrung bringen können. Man rief mich aus dem Graben, der wenige Schritte vor uns lag und die andern schon aufgenommen hatte. VorwärtSl Ich schleppt« mich ein paar Schritte weiter in ein Loch und sprang in den Graben. Haupt- mann GL war darin mit feiner Kompagnie.„Bon welcher Kom- pagni« seid Ihr?"—„Elfe!"—„Was macht Ihr denn noch hier hinten beim zweiten Bataillon? Eure Kompagnie liegt vorn, in lv Minuten ist Sturm angesetzt!"—„Wir sind Reservczug!"— Unteroffizier Schubert ist neben uns. Wir nehmen strammen Schritt, werfen uns hin, wieder auf. vorwärts! Die ganze Be- sinnung habe ich wohl nicht mehr, denn ich weiß nicht, ist es still um uns gewesen aber Höllenlärm. Rur die Granatenspritzer sehe ich rings aufwirbeln, als wenn ein Knabe eine Handvoll Steine in einen Sumpf schmeist, und die schweren Spritzer springen auf und tümpeln. nur riesenhafter ist alles, und ich wundre mich einen AugenSlick. nicht getroffen zu werden, halte die Hand wie schützend vor di« Augen und ttabe vorwärts neben Franz. Endlich sind wir an dem russischen Graben, den wir noch gar nicht gesehen haben, und springen hinein. Ein paar tote und ichwerverwundete Russen liegen drin.„Pfui Deibel," sagt einer,„die Bande hat heute Artillerie in Masse!"— Ich untersuche schnell einen Ruffensack nach Brot, finde nichts und werfe ihn ärgerlich weg. Wir müssen tveiter vorwärts, steigen auS dem Graben heraus und gehen ein paar Schritte. Da ist es mir. als ob mir«in singender Draht zwischen die Füße geworfen wird, ich schmeiße mich hin und krieche in den Graben zurück. Ganz kurz von links her pfeift ein Ma- schinengetvchrfeuer in uns hinein. Ein paar Minuten, dann ist es still. Nachher erfahre ich von einem, er hätte am Dorf einen Offizier und drei Mann an einem Maschinengewehr gefunden und dies« mit drei Kameraden niedergemacht.— Alz das sonderbare Pfeifen verstummt war. machten wir unS wieder auf. Wieder spritzten Granaten um uns her. Links von uns liegt ein lang- gestrecktes Dort. Die untere Hälfte, an der wir letzt vorbei- kommen, steht in Rauch und Flammen. Der Rauch schlägt über imS her, bedeckt unS und beißt ü, die Augen, bis wir an die obere Höchstzahl, gleichviel, ob wir das Freiwilligenkhstem oder den Dienst- zwang anwenden. Der Rückzug von der E u v l a b a i und der Anzaczone bedeutet nicht ähnliche Operationen bei Kap Helle«. wo wir den Eingang der Meerengen beherrschen. Dieser Schiitl geschah gemäß den Urteilen milttärischer und seemännischer Rat« geber. Nachdem Monroe und Kilchener alle Stellungen geprüft hatten, hat die Regierung den Rückzug mft großem Widerstreben gutgeheißen. R e d m o n d sagte, es sei skandalös, daß noch kein ausführlicher Bericht Sir John Hamiltons über die Expedition an der Suvlabai vorliege. Redner erklärte sich durch LsquithS Rede enttäuscht, da sie nichts über Beibehaltung oder Ausgabe des Fretwilligensystem« sage. Die Entscheidung müsse bald fallen. Die Einführung der Wehr« Pflicht würde aber unheilvoll sein, die Nation spalten und im Parla- ment und im Lande heftig belämpft werden. Die nationalistische Partei sei unter den augenblicklichen Umständen entschieden gegen jede Form einer Dienstpflicht. S t a n t o n(Arbeiterpartei) erklärte sich gleichfalls als durch ASquiths Rede nicht befriedigi. da sie offenbar etwas der- heimliche. Der Bericht Lord Derbys müste ungünstiger sein, als er sein dürfte, sonst wäre er dem Unterbaufe bereits mit« geteilt.— Holl(Liberal) fragte, ob die Regierung versucht habe, mehr als die bisher bewilligten drei Millionen Mann auszuheben. — ASquith sagte, das Gesetz sei in keiner Weise verletzt worden.— Der Redner, der in Liverpool Reeder ist, sagte, er bekomme in den Häfen London und Liverpool nur halb so viel Arbeiter al« er brauche; andere Reeder seien in gleicher Lage, und das werde täglich schlimmer.(Hört! hört!) Auch der Eisenbahn fehlten Ar- beiler; die TranSporlftage sei aber wesentlich sür die ZahlungS- fähigkeil der Nation. Die Hauptaufgabe Englands sei, die Verbündeten finanziell und mit Munition zu unterstützen; den Ver- bündelcn müsse es überlassen bleiben. Soldaten auszubringen. iHörr! hörr!) Redner widersprach der Heeresvermehrung, welche den festen Auibau der Nation und ihre Fähigkeit, den Krieg zu ge- Winnen, gefährde. C a r s o n bekämpfte Holt und sagte, die Regierung behandle die Jndustriefrage eher zu schonend. Er habe an der Regierungs- forderung nur auszuietzen. daß sie zu spät komme und nicht groß genug sei. Das Gallwoliunlernehmen sei eine große Enttäuschung; ihre Ursachen müßten später untersucht werden. Thomas(Arbeiierpartei) sprach gegen die Wehrpflicht; im Notfälle müsse Lord Derbys Werbearbeit wiederholt werden. D r l l o n(Naiionalist) forderte eine genauere Darlegung der Gründe sür die HeereSvermebrung und für die Ansicht, daß daS Land sie ertragen lönne. Dillon fuhr fort, die Zeit werde kommen, wo die geiamte Politik und Diplomatie, die zu diesem Kriege ge- führt und England in die jetzige Lage gebracht hätten, erörtert werden müßten. Irland werde jedenfalls die Dienstpflicht nicht dulden. Parker(Arbeiterpartei) sagte, er werde der Dienstpflicht scharf widersprechen. G r i s f i t b(liberal) erklärte eS für zu spät, die Dienstpflicht zu bekämpfen, sie bestehe in gewissem Sinne seit Beginn von Lord Derbys Arbeit. R u n c i m a n legt« die Methode der Regierung für die Be- urlaubung unentbehrlicher Arbeiter aus dem Heere dar. Die Debatte dauerte bei Redaktionsschluß der Blätter fort. Austritt öer liberalen �bgeorüneten aus üen rusiischen KriegshilfskommWonen. Als Antwort auf die neuerdings erfolgte ungesetzliche Hinausschiebung der Wiedereinberufung der Duma hat die Fraktion der P r o g r e s s i st e n in der Sitzung vom 11. De- zember beschlossen, die von der Duma in die besonderen Konferenzen bei den Ministerien gewählten Mitglieder ihrer Fraktion aus diesen Konferenzen abzuberufen. Ein ähnlicher Beschluß ist mit großer Stimmenmehrheit auch in der Fraktion der Kadetten angenommen worden. Damit scheiden die Vertreter der liberalen Parteien aus den Institutionen aus, die während der Augustsession der Duma geschaffen wurden, um eine Zusammenarbeit der Bureau- kratie mit den Vertretern der politischen Parteien zu ermöglichen. Durch ihren Eintritt in diese Kommissionen hofften die Liberalen Einfluß auf die Verwaltung zu gewinnen und gewisse Kontrollfunktionen auszuüben. In Wirklichkeit jedoch benutzte die Bureaukratie die liberalen Ab- geordneten als Kulisse, hinter der sie ungestört ihr früheres Tretben fortsetzen konnte. Es war der Regierung zwar recht angenehm, daß manche stehen gebliebenen Räder des Ver- waltungSmechantsmus dank der Mitwirkung der„Vertreter der Gesellschaft" in Gang gebracht wurden, sie dachte aber im übrigen nicht daran, aus dieser Mitwirkung die Kon- sequenzen zu ziehen, die die Liberalen offen und insgeheim herbeiwünschten. Als vor der plötzlichen Vertagung der Hälfte kommen, die noch unversehrt ist. Hier hat stch ein Trupp mit einem Zugführer versammelt und weiß nicht recht, was zu tun ist. Ruh« ist eingetreten. Wir verschnaufen uns etwas. Franz stöbert im Haus und bringt einen kleinen Kanten verschimmeltes Brot an. Gierig essen wir's auf. Der Unteroffizier, der den Zug führt, meint:„Wir wollen quer durch das Dorf auf die andere Seite gehen. Vielleicht gibts da was zu sehen." Wir machen uns aus. ein knapper Halbzug, und kommen über die Land- stratze aufs freie Feld. Das Land steigt von hier aus sachte an. Als wir auf der Höhe sind, sehen wir links ein« kleine Schar land» einwärts lausen. Hinter ihnen aus der Waldecke vor uns tauchen geordnete Massen auf. Kein Mensch kann sich ein Bild machen. echließlich setzt links von uns Maschinengewehr, und Infanterie- ;euer«in und die Mass«n stutzen.„Panje macht einen Gegen- angriff," schreit einer.„Feuer!" Wir stellen unS hin und schießen, was das Zeug hält. Da wird es auch im Wald vor uns lebendig. In tiefen Reihen rücken die Kolonnen von etwa 800 Meter her an. Zunächst sind es nur Flecken in der Landschaft, die Farbe und Gestali zu wechseln scheinen, wie bei herausziehendem Gewitier graue Wolken sich türmen. Ich hin niedergekniet. Laden, zielen, ab- drücken— laden, zielen, abdrücken!— Immerfort nach Herzens- lusr reingefeueri in die größer wertenden, näherkommenden Massen. Ich habe das Gefühl: heute kommt's noch toll. Wir paar Mann werden über den Haufen gerannt, von dieser ruhig sich wälzenden Masse erdrückt. Laden, zielen, schießen! Immerfort. Mit einer fast teuflischen ZBut bemerke ich etwa 5 Tresser. Rechts von unS entsteh! mit einemmal ein Lärm; unser rechter Flügel fängt an zurückzulaufen. Ein Hallo geht los. Franz schreit:„Die Schweine türmen. So eine feige Bande." Mit einemmal schreit einer: Hurra! Alles schreit wie besessen mit: Hurra, Hurra!, daß die Kehlen bersten. Unterdessen wird weiter geschossen. An 200 Patronen habe ich verschossen. Da ruckt's heftig in meiner linken Schulter, die linke Hand fliegt mit Gewehrschaft nach hinten.„Franz!" schreie ich.„der lange Hund da vorn hat auf mich geschossen. Schieß mir das Schwein!"—„Haste eins weg?" —„Ja. ich kann den Arm nicht hoch kriegen, das Schlüsselbein scheint kaputt." Franz legt an und schießt. Der lange Laban rollt sich zusammen. Ein Maschinengewehr setzt ein. Haufen fallen drüben. Panje macht sich nieder in die Erde, einige laufen sporn- streichs zurück. Ich habe mich auf den Rücken geworfen und stich« den Tornister loszuwerden. Der Arm fängt lebhaft an zu schmerzen. Ein Unteroffizier schnallt mir das Lederzeug ab. ich krieche ganz elend und hilflos die flache Mulde zurück ins Dorf. Unter heftigen Schmerzen atme ich auf, als ich hinter einem Panjehaus liege und ein Kamerad mir die blutende Schulter ver- bindet. Ein paar Läuse nimmt er mir noch lachend ab und sagt: „Du brauchst keen Blut mehr herzujeben. Dat jenügt."—„Laß doch die Witze", wimmere ich, süßsauer lächelnd, und trabe zurück. Duma im Herbst die Befürchtung laut wurde, die Mitwirkung der„gesellschaftlichen Kräfte" für die Versorgung der Armee könnte durch einen Konflikt mft den Parteien untergraben werden, vermochten Vertreter der Regierung triumphierend darauf hinzuweisen, daß die bei den Ministerien gebildeten Kommissionen unter Beteiligung der hierzu gewählten Ab- geordneten ganz gut die Duma mft ihren Kommissionen ersetzen könnten. Die elementarste Einsicht hätte damals den liberalen Mitgliedern der Ministerkonserenzen den Austritt aus diesen Institutionen diktieren müssen. Aber die Abgeordneten blieben taub gegenüber allen dahinzielendrn Aufforderungen von ItnkS und fuhren unermüdlich fort, die Fußtritte der immer unver« schämter werdenden Reaktion mft seelenruhiger Arbeit in den Ministerkonferenzen zu beantworten. Sie wollten, so erklärten sie, den Gegnern im„schwarzen Block" keinen Vorwand geben, sie der Gleichgültigkeit gegenüber der KriegSnot zu bezichtigen, denn höher als alle Gegensätze der Parteien und alle innere politischen Kämpfe stehe das Gebot der gemeinsamen Arbeit zur Abwehr und zur Vernichtung des Feindes. Erst jetzt haben die liberalen Mitglieder der Ministerkonserenzen die Unhaltbarkeft dieses Standpunktes eingesehen und— wenn auch reichlich spät— den Mut gefunden, daS reaktionäre Wüten der Regierung mft dem Boykott der Ministerkonferenzen zu beantworten. Annahme eines Kriegskreöits in tzollanü. Haag, 23. Dezember.(W. T. B.) Die zweite Kammer hat den außerordentlichen Kriegskredit von 50 Millionen Gulden für das Jcchr 1916 angenommen. politische Ueberstcht. Arbeitsruhe in den Staatswerkstätten. Amtlich. Berlin, 23. Dezember.(W. T. B.) Eine erfteuliche WeihnachtSüberraschung ist den in den Staats- Werkstätten mit der Herstellung von Waffen. Geschützen und Muniffon beschäftigten Arbeitern und Arbeiterinnen zu- teil geworden, die zugleich die bisher erzielten Leistungen auf diesem Gebiete erkennen läßt. Während nämlich im vorigen Jahre an den Weihnachts- und Neujahrsfesttagen in diesen Werkstätten zur Deckung des überaus großen HeeresbedarfS gearbeitet werden mußte, ist eS, wie wir hören, der Heeresverwaltung in diesem Jahre möglich gewesen, die Staats» Werkstätten während der Feiertage stillzulegen und die Arbeit ruhen zu lassen. Die neuen Steuer«. Staatssekretär H e l f f e r i ch hat im Reichstage erklärt, daß er sein Steuerprogramm nicht mitteilen könne, weil die Verbündeten Regierungen noch nicht darüber entschieden haben. Mittlerweile sickert aber doch immer mehr von den neuen Stcuerplänen durch. So teilt der„Beel. Lokal-Anzeiger" mit, daß man zunächst aller Voraussicht nach in erster Linie die Erhöhung bereits bestehender Reichssteuern, insbesondere der Zigaretten st euer und anderer Steuern, die nicht die große Masse des Volkes treffen, ins Auge fassen werde. Es ist anzunehmen, daß die Steuervorlagen gleichzeitig mit dem Reichshaushaltsplan für 1916 dem Reichstage zugehen werden. Daß die Zigarettensteuer die Masten des Volkes nicht trifft. ist eine etwas kühne Schlußfolgerung.— Die Mitteilung, daß in Preußen die Steuerzuschläge verdoppelt werden sollen, wird offiziös dahin berichtigt, daß noch kein Beschluß des Smats- Ministeriums vorliegt. Daß es aber so kommen wird, vermag man nicht zu bestreiten._ Der Ernährungsbeirat. Der aus 15 Reichstagsmitgliedern bestehende Beirat, der gemeinsam mft dem R.'ichsamt des Innern die Lösung der Ernährungsprobleme zu beraten hat. soll nach einem Wunsche der„Köln. Volkszeiiung" möglichst schnell und entschlossen handeln. Mit Recht bemerkt das ultramontane Blatt dazu, daß mit weiteren Reden diese wichtigen Fragen weder mehr geklärt noch gelöst werden können.— Von sozialdemokratischer Seite sind sür diesen Beirat vorgeschlagen die Genossen Schmidt(Berlin). Ebert, Molkenbuhr und Bauer. Kriegsbekanntmachungen. Bekanntmachung. Mit Rücksicht auf den Neujahrsbriefverkehr können Prrvat- briefsendungen im Gewicht über 50 Gramm(Fcldpostpäckchen) nach dem Feldheere in der Zeit vom 29. Dezember bis einschließlich 2. Januar nicht angenommen werden. Der Staatssekretär deS Reichspostamts. Kraetke. Letzte Nachrichten. Aus dem rumänischen Senat. Bukarest, 23. Dezember.(W. T. B.) Der Senat setzt« die Adreßdebatte fort. Senator Z e n o p o l(Anhänger Take Jonescus) ist der Meinung, daß Rumänien nur eine Politik verfolgen kann, die auf die Einigung aller Rumänen abzielt. Die für Bessarabien arbeitende Strömung komme nicht auS der öffentlichen Meinung, sondern sei fremden Geldern zu verdanken. (Zwischenruf des Senators JSworanu:„Schlecht genug, daß wir uns um Bessarabien nicht gekümmert haben!") Als der letzte Redner, Senator P a l t e n e a n u, daS Wort ergreift, ruft T o m a I o n e s c u:.Ich möchte wissen, welchen Preis der Redner für den Wechsel seiner politischen Ansichten erhalten hat." Es entsteht ein großer Tumult, in dessen Verlauf Senator Polteneanu Toma JoneScu einen Unverschämten nennt und ihn daran erinnert, daß Gregor Eantacuzene im Senat ihn beschuldigte, daß er sich für ärztliche Dienste bezahlen ließ, die er verpflichtet war. umsonst zu leisten.(Beifall.) Senator Palteneanu fragt weiter, ob sein Bruder ihn beauftragt habe, eine solche unverschämte Frage zu stellen. Toma JoneScu verläßt darauf mit seinem Bvitder Take JoneScu, der während deS Zwischenfalls gleichfalls anwesend war. seinen Sitz. Palteneanu erklärt, daß er für die Advesse stimmen werde. Die Anhänger der nationalen Aktion müßten wissen, daß nur ente einzige Aktion möglich sei und sollten die öfferrtliche Meinung hierauf vorbereiten. Warum sollen wir. ruft er. nur nach Westen und Novden marschieren können, wo es doch leichter ist, Bessarabien zu erhalten? Man müsse die Lage logisch beurteilen und den Umständen Rechnung tragen. Der Augenblick für Rumänien sei nicht verloren, und die Regierung werde sprechen, wenn er gekommen sei» werde. Gewerksthastllches. Oettin und Umgegend. Feiertagsruhe im �riscurgcwerbe« Der gesetzliche Ladenschluh der Friseure an den zweiten Feier- tagen ist in fast allen größeren Städten Deutschlands seit Jahren eingesührt, wogegen es in Grotz-Berlin noch immer an der ersorder- lichen Zweidrittelmehrheit der Selbständigen hierzu fehlt. Nun ist allerdings im Tarifverlrage des Gehilscnverbandes mit einem Teil der Geschäftsinhaber vereinbart: Am zweiten Ostcr-, Pfingst« und Weihnachlsfeiertage dürfen Gehilfen nicht beschäftigt werden. Die zulässigen Ausnahmen bei Kranlheii des Arbeitgebers wie in den Fällen, wo eine Witwe Geschäftsinhaberin ist, erstrecken sich jetzt auch auf die von den Frauen der im Kriegsdienste stehenden Meister geführten Betriebe. Nur ein kleiner Teil der Geschäfte bleibt gänzlich geschlossen, während andere früher als sonst des Sonntags geschlosien werden. Damit nun nickt den Gegnern der jährlich drei- tägigen Feiertagsruhe im Friieurgewerbe aus ihrem unsozialen Ber- halten ein Vorteil erwäckst, empfiehlt es sich, dem Wunsche der Ge- hilfenorgonisation zu folgen und die Friseurgeschäfte am zweiten Feiertage überhaupt nicht in Anspruch zu nehmen.— Am ersten Feiertage ist bis 2 Uhr nachmittags offen. Deutsches Netch. Die ordentliche Generalversammlung des Textilarbeiterverbandes, bis für 1316 fällig war, wird während der Dauer des Krieges nicht einberufen. Der Borstand des TextilarbeiterverbandeS sieht deshalb von der Einberufung der Generalversammlung ab, weil ein großer Teil der sonst im Verbände tätigen Mitglieder zum Heere eingezogen ist; diese Mitglieder wären somit von der Delegation und Milberatung auSgeschloffen. Die Generalversammlung würde aber auch, wenn sie noch während der Dauer des Krieges abgehalten werden müßte, in ihren Beschlüssen sehr behindert sein. Unmöglich würde es sein, die Beitrags« und Unterstützungsfragen zu regeln, da ja kein Mensch während der Dauer des Krieges weiß, wie sick später daS geschäftliche Leben gestaltet. Auch zur Beratung und Einleitung sonstiger Aktionen würde die Zeil ungeeignet sein. Nach Beendigung deS Krieges wird der Vorstand, sobald es nötig ist, eine außerordentliche Generalversammlung einberufen. Bergarbeiterorganisationen und Grnbenverwaltnnge«. Die in Oberschlesien vertretenen Bergarbeiterverbände waren gemeinschaftlich mit einer schristlicken Eingabe bei allen im Revier vorhandenen Bergwerken vorstellig geworden und hatten mit Rück- ficht auf die Teuerung um eine Erhöhung der Löhne für alle Arbeiter ersucht. Neben dem Hinweis aus die Verteuerung der BekleidungS- und Haushaltsartikel war auch noch auf die Verteuerung deS Eprengmaterials hingewiesen, die sich auf 80 bis 100 Proz. beläuft und wodurch der Nettolohn der eigentlichen Bergarbeiter(Häuer)— denn nur diese gebrauchen das Material— stark vermindert wird. Der Sprengstoffverbrauch ist in Obcrschlesien sehr groß, weil die Kohle infolge ihrer Härte, der sehr mächtigen Flötze und der schlagwetterfteien Gruben fast ausnahmslos durch Sprengungen ge- Wonnen wird. Es ist keine Seltenheit, daß eine Kameradschaft, bestehend aus zwei Häuern, in einem Monat bis zu 200 M. für Sprengmaterial verbraucht. Die Kosten werden den Arbeitern vom Lohne abgezogen, daß dies angesichts des großen Verbrauchs eine Verteuerung von 80 bis 100 Prozent ausmacht, dürfte einleuchten. Einige Werke tragen die Verteuerung des SprengmaierialS oder haben nur einen geringen Auftchlag gegenüber der Friedenszeit vor- genommen. Vielleicht genügt dieier öffentliche Hinweis, um auch andere Werke zu diesem Entgegenkommen zu veranlassen. Die Antworten der Werke aus d>e Eingabe liegen nun— mit Ausnahme von zwei Gesellschaften— vor. Die Vereinigte König«» und Laurahvtt«(GeneraMreAor Herr Geheimer Bergrat Hi l g er) und die Schlesisch« Aktiengesellschaft für Bergbau- und Zinkhütrenbetrieb (Generaldirektor Herr Geheimer Bergrat Remy) haben es nicht für nötig gehalten, den Arbeiterorganisationen eine Antwort zu er- teilen. Die genannten Herren find stellvertretende Vorsitzende im Berg- und Hüttenmännischen Verein, der bekannten oberschlesischen Unternehmerorganiialion. Der erste Vorsitzende der Unternehmer- organisation, Herr Bergrat Dr. Ingenieur Williger, hat aller- dings sowohl als Vereinsvorsitzender wie auch als Generaldirektor der Katlowitzer Aktiengesellschaft geantwortet. Die Antwort als General- direklor läßt an Deutlichkeit nichts vermissen. Da wird ausgesührt, daß es einer Mahnung der Arbeiterorganisationen, die Löhne auf- zubessern, nicht bedurft hätte und man glaubt auch, eine solche künftig entbehren zu können. Wörtlich heißt es am Schluß des Schreibens: .Wir werden unS im übrigen von unserem bewährten Prinzip, die Lohnverbälwisse direkt mit unseren Arbeitern zu verhandeln, auch in Z u k u n st nicht abbringen lassen. Wie die Dinge bei uns liegen, ist eine' Zwischen- schaltung von B e r u f s v e r e i n e n bei den Wer- Handlungen nicht erforderli ch." Die Direktion der Hultichiner Steinkohlengruben sagt, daß sie nach wie vor die Arbeiterorganisationen als Ver- treter der Belegschaft nicht anzuerkennen ver- möge und die Direktion der Herren Kommerziemäte B o r i i g- Berlin schreibt, daß sie die Eingabe, welche aus Erhöhung der Löhne abziele,.diesmal unter Berufung auf den Burg« frieden beantworte'. Man steht, daß die Begriffe über de« Burgfrieden recht eigenartige sind. Die anderen Werke, darunter auch die Königliche Bergwerks- direktion, schweigen sich über die sehr wichtige Frage der An- erkennung der Arbeiterorganisationen völlig aus. Nur aus der Anl- wort der Fürstlich Pleßicken Generaldireklion kann man bei einigem Optimismus eventuell die Geneigtheit herauslesen, die Arbeiter- organisalionen anzuerkennen und mit ihnen zu verhandeln, wenn die Arbeiter stärker organisiert wären. Es heißt darin, daß, da nur ein kleiner Teil der Belegschaft den die Eingabe unterzeichneten Verbänden angekört, über weitere Maßnahmen zur Erleichterung des augenblicklichen Notstandes wie bisher mit den Arbeiterausschüssen verhandelt würde. In einem Punkte machen die Unternehmer Konzesstonen. Sie erkennen die Arbeilerausschüsse für berechtigt an. Anträge in Lohn« fragen zu stellen und in ihren Sitzungen darüber zu verhandeln. trllher war diese Frage strittig. In den meisten Fällen wurde den rbeiterauSschnssen das Recht, über Lohniragen Berbandlungcn zu führen, abgesprochen. Für die Arbeiter erwächst aus dieser Meinungs- änderung die zwingende Pflicht, bei Wahlen zu den Ausschüssen auf dem Posten zu sein, damit geeignete Vertreter hineinkommen, die dort die Interessen ihrer Mitarbelter verfechten. Anerkannt wird in den meisten der Antworten, daß die Familien der Bergarbeiter durch die Teuerung zum Teil in Be« drängniS geraten seien. Nur wird betont, daß die Werke schon alles getan hätten, was möglich sei, um einen Notstand zu verhindern. Das ist nicht für alle zutreffend, obwohl sie es einheitlich behaupten. Die Werke können eine weitere Steigerung der Selbstkosten an- gesichiS deS flotten Geschäftsganges und der wiederholt vor- genommenen Erhöhung der Kohlenpreise tragen, ohne daß sie in ihrer Existenzsicherheit bedroht würden. Die Arbeiter haben ohnehin mancherlei Schwierigkeiten zu bestehen, wie auch die Direktion der Fürstlich von Donnersmarckschen Berg- und Hüttenwerke anerkennt. denn sie schreibt: .Wir erkennen im übrigen gerne an. daß unsere Arbeiterschaft die mancherlei Schwierigkeiten und Unbeguemlickkeiien, die die KrieySzeil für die Arbeiter auch m ihrem engeren Tätigkeitsfelde mit sich bringt, z. B. die Einstellung zahlreicher ungeübter oder nicht voll letstungsfähiger Kräfte, die Beschäftigung von Kriegs- gefangenen, mit denen eine Verständiauna schwierig ist, die Ver- Wendung neuartiger Sprengmittek und Schießmethoden usw. wMg auf sich genommen hat.' Auch an die Unlernehmerorganisation, den Berg- und Hütten- männischen Verein war die Eingabe mit der Bitte gesandt worden, in ihrem Sinne zu wirken. Der Verein erklärte, wie schon in allen früheren Fällen, es auch diesmal den einzelnen Verwaltungen über- lassen zu müssen, wie sie sich zu den Anträgen ihrer Belegschaften stellten. Damit soll der Glaube erweckt werden, als kümmere sich die Unternehmerorganiiation nicht um die Lohnverhältnisse. UnS sind im Gegensatz dazu vertrauliche Anweisungen des Vorstandes dieser Vereinigung bekannt, worin gesagt wird,.daß mit Rücksicht aus die Wichtigkeit und Tragweite aller Lohn- fragen eine Abmachung zwischen den Gruben« und Hüttenverwaltungen Oberschlestens dahin- gehend besteht, daß keine Verwaltung eine wesent« liche und generelle Lohnerhöhung irgend welcher A r r vornimmt, ohne zuvor dem Oberschlesischen Berg- und Hütten- männischen Verein von ihrer Absicht Kenntnis und hierdurch Ge- leizenbeit gegeben zu haben, die geplante Maßnahme zu- nächst im Kreise aller beteiligten Verwaltungen zu beraten". Das den Verwaltungen zur Beachtung empfohlene Rundschreiben steht mit der jetzigen Auslassung in direktem Widerspruch, den der Vereinsvorstand ielbst erklären mag. Tatsache ist und bleibt, daß der Berg- und Hüttenmännische Verein im Konzert der oberi'chlesi- schen Bergwerksbesitzer den Ton angibt. Daran kann alles Bestreiten nichts ändern. Die Bergarbeiter können nach alledem mit einer freiwilligen An« erkennung der Gleichberechtigung nicht rechnen, sondern müssen sich diese erringen._ Ein Protest der Kölner Arbeiter. Wie wir schon kurz mitteilten, versucht das orgoirisserte Unter- nehmertum in Köln den Burgfrieden dazu zu benutzen, um den Arbeitern einen einseitig von den Arbeitgebern gegründeten und verwalteten Arbeitsnachweis aufzuzwingen. Die Karlelle der freien Geweik'chaften, der christlichen Gewerkschaften und der deutschen Gewerkvereine wenden sich in einer scharfen Erklärung gegen diesen Vorstoß deS Unternehmertums. Er wird als ein Bruch deS Burg- friedens bezeichnet, wie er nach Ansicht der Arbeiter nicht schlimmer ge« dacht werden kann. TieJndustnellen trügen ohne Rücksicht auf den Burg- ftieden einen sehr bedenklichen Zündstoff in das gesamte Kölner Wirlichaflsleben. Die Arbeiterorganisatronen seien' einmütig der Ansicht,.daß zu der geplanten Neugründung eines einseitigen Unter- nebmernachweises nur Sonderinteressen ousschlacjiebend sein können. Deshalb erheben wir gegen diese weitere Zersplitterung des Kölner ArbeitsnachweiSweiens entschieden Einspruch und müssen jede Ver- antwortung für olle weiteren Folgen, die durch diesen Vo-ftoß der Unternehmer entstehen, ablehnen". Das Gouvernement der Festung Köln hat sowohl mit den Arbeiterorganisationen wie mit den Unter- nehmern Verhandlungen eingeleitet. ligi Uhi Sonnabend, den 22. Dezember, vor- mittags 11 Uhr, Kleine Frankfurter Straße 6: Vortrag deS Herrn Dr. H. Hasse:.so Ihr nicht werdet wie die Kinder'.— Sonntag, den 26. Dezember: Herr Ernst Däumig:.Der Islam und seine Be- kenncr". Avgrmrtne Kranken» on» Tterbetasse der Metallarbeiter (B. a. G.) zu Hamburg. Filiale Baumschulenweg. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß am Montag, den 27. Dezember(dritter Feiertag), abends von 8— tO Uhr, im Lokal von Boche, Baumschulenstr. 67, daS letztemal in diesem Jahre kassiert wird. Märkische Ipietvereinigung. Weibnachlen, 2. Feiertag: Fußballspiel Luckenwalde— Fichte 9, 17 und:!i B. C.(kombiniert) aus dem Fichte- turnplatz Reinickendors-Ost, Thuner S trage am Schäfersee. Ansang 2 Uhr. «SetterauSllchteu für das mittlere Norddentlchland biS Sonnabend mittag. Im westlichen Binnenland« gelinder, in den anderen Gegenden, be' anders im Küstengebiete ziemlich strenger Frost mil weit ver- breiteten, im Südwesten vielfach starken Niederschlägen, hauptsächlich Schnee- fällen KON-- UNOM Begehrte» Weihnachisgeschenk! DieVollkomnnenhelt unserer� Erzeugnisse sfempeln Joseffi Cigoreffen zu Quoll /dts- Marken ersten Ron�es! Gegründet 1876 Vartand nach allen PIStzen Oeutschlanda. Wertpapiere und Krietfeanleihe nehme zum vollen Wert anstatt bar in Zahlung;. Möbelfabrik Rob. Seelisch BERLIN 0 112. 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Sehwarzdrosseln, Star«, Itoltehlchen, Zeisige, Stieglitze, Hänflinge, Buchfinken, Grünfinken, nur tadellos gesunde und ernge- fütterte Vägel kommen zum verlaus, prima flott fing ende Kanal ien hähne, Alle Vogetsullersorten in prima Qualität. Friiz Krüger Zoologische Handlung, Pcstalozzistr. 87, an der 5urche, Fernipr.: Slemplatz 18495, -Ätvtvoofl/'IS Qtutwfi/—�Kan�MvicA/ 15 tHf St umJti»> � TCtwSxt«. M„ kaust Ball, MUllZ6n Münzen Handlung. Wilhelmitr, 46/47 „Eile zu Wie" Pelzmen- JpezlBKiaus P Eckhaus Oranienplatz i Grosse Auswahl Skunks, Äarder, Nerz, Opossum, echten and imitierten Aldflkd Füchsen, modern gearbeitet� Nur prima Felle Stolas, ainffen, Kragen. Damen-Pelz-Hute Wirklich billige Preise genao aal die Firm»„Ell» zu Welle" Dresdener 8lra.»« and dl» dir. 119 r» achten iManaaan«rtiaitaolort dla»utgsataM- tan Waren für den bszelchnetan Prala. Eigene Kürschnerei. Reparaturen""Ä8* Sonntag 12— 2 Uhr geAfknet SINGER NiflMÄSCHINEN für Uaaai-ebraoek and für den Erwerb. 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August vorigen Jahres in der Tat auf dem Boden der jetzigen Minderheil gestanden ist und daß die Bewilligung der Kriegskredite mit den von der früheren Mebrheit gefaßten prinzipiellen Beschlüssen und deren theoretischen Begründung im Widerspruch steht. Diese Tat- sacke vertuschen wollen heißt der Minderheit das Wasser auf die Mühlen leiten." Zu derselben Zeit schreibt die„Volksmacht", gegen die Sonderaktion der Minderheit polemisierend: Und warum das alles? Handelt es sich wirklich um die Retluiig gesährdeler Prinzipien? Was am 4. August nicht eine grund sätzliche, sondern eine rein taktische Frage war. kann bis zum 21. Dezember 1912 nichl plötzlich wieder hehrstes Prinzip geworden sein. Auch heute ist es noch eine taktische Frage, ob die Zustimmung der sozialdemo kralischen Fraktion zu den Rüstungskrediten sich vordem Volke und der Weltgeschichte rechtfertigen läßt oder nicht. Kein Zweifel, hier stehen sich zwei grundverschiedene Auffassungen gegenüber. Was dem einen als eine Frage des Prinzips erscheint, hält der andere für eine rein taktische An- gelegenheit. Man ist sich innerhalb der Mehrheit über das Wesen der Kreditbewilligung keineswegs einig. Die Bedeutung dieses Widerspruchs für die weitere Eni- Wicklung der Dinge liegt auf der Hand und deshalb müssen wir uns etwas näher mit ihm beschästigen. Nach Ansicht der Bielefelder„Volksmacht" hatte die Fraktion am 4. August>914 und am 21. Dezember 1915 ausschließ- lich taktische Erwägungen anzustellen. Das heißt: Grund- säye, Programmforderungen und dergleichen kamen nicht ins Spiel. Es war eine Frage reiner Zweckmäßigkeit, ob man so oder so stimmte. Die Stellung der Sozialdemokratie gegenüber dem Krieg im allgemeinen und gegenüber diesem Krieg im besonderen war von gar keinem Belang. Ihre Auffassung vom Vater- land und der Notwendigkeit seiner Verteidigung, ihr Ver- hältnis zur Regierung und zu den bestehenden Par- teien, ihre Bewertung der Internationale— das alles konnte auf ihre Entscheidung keinerlei Einfluß ausüben. Sie hatte nur zu prüfen, was mehr opportun sei, ja oder nein zu sagen und sie entschlossen sich zu dem Ja, weil sie über- zeugt Ivar, daß das für ihre Stellung im Reichstag und im Lande draußen anr vorteilhaftesten sei. Sie würde mit Nein ge- stimnit haben, wenn sie sich von der Ablehnung für ihre eigenen Zwecke mehr versprochen hätte. Einige ihrer Kritiker haben bekanntlich für ihr Verhalten . den Grund angeführt, daß sie Angst für den Bestanid der Orga- nisationcn, die Sicherheit der Kassen und anderer materiellen � Güter gehabt haben. Diese Vermutung ist von leitenden Stellen in Partei und Fraktion stets entrüstet zurückgewiesen worden, aber man wird zugeben, daß in dem Augenblick, wo die Sache auf das taktische Geleise geschoben wird, es kein Verbrechen mehr sein kann, auch derartige Erwägungen für maßgebend zu halten. Ist meine Abstimmung eine Zweck- Mäßigkeitsfrage, so habe ich nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, zu prüfen, ob durch das eine oder das andere Votum die Einrichtungen gefährdet werden können, die zwar nicht den Inhalt des Parteilebens ausmachen, wohl aber für seine Formen und Möglichkeiten sehr stark in Betracht kommen. Da über die Motive nicht abgestimmt wird, ist eine Untersuchung, ob Mitglieder der Fraktion und wieviele sich bei ihrer Stellungnahme zu den Krediten von derartigen taktischen Kalkulationen haben bestimmen lassen, aussichtslos. Aber nach unserer Meinung erweist man der Mehrheit auch einen außerordentlich schlechten Dien st, wenn man ihr in diesem Fall Opportunitätsrücksichten nachsagt. Schon deshalb, weil in dem Augenblick, wo die Abstimmung offen als von Zweckmäßigkeitsgründen diktiert hingestellt wird, der Zweck selbst vereitelt ist. Hatte das Votum vom 4. August mit Prinzipien nichts zu tun, wie kann man dann von der Regierung und den bürgerlichen Parteien eine Aenderung ihres Verhaltens gegenüber der Sozialdemokratie verlangen? Hat diese sich nur aus Zweckmäßigkeitsgrllnden der Kriegslage angepaßt, dann versiert sie nicht nur den Schatten eines Anspruchs auf bessere Behandlung, sondern sie kann auch nicht erwarten, daß ihr neue Massen zuströmen werden. Vor allem aber wäre es ein Beweis ungeheurer Kurz- sichtigkcit, wenn tatsächlich die Mehrheit der Fraktion das Prinzipielle der Angelegenheit nicht er- kann t hätte. Ja, was sind denn am Ende noch grund- sätzliche Fragen für die Sozialdemokratie, wenn die der Be- willigung der für einen Krieg notwendigen Mittel nicht zu ihnen rechnen soll? Hier ist der Sozialismus so gut wie die Demokratie im Spiel, und hier kann sich ein Sozialist nicht durch das Hervorsuchcn taktischer Momente der Verant- wortung, die die grundsätzliche Stellungnahme mit sich bringt, entziehen. Deshalb ist der Karlsruher„Volkssreund" mit seiner Ansicht durchaus auf dem richtigen Wege: es ging am 4. Aitgust 1914 und an den anderen Kreditbewilligungstagen um Grundsätze, nur um Grundsätze, und an dieser Tatsache ändert auch nichts die allmähliche Umgrrippierung der Stim- men innerhalb der Fraktion. Die allmähliche Verschiebung erklärt sich nicht mit dem Wechsel taktischer Anschauungen. sondern sie rechtfertigt sich mit der Meinungsänderung über die aus dem Wesen und dem Programm der Partei zu ziehen- den prinzipiellen Schlüsse, und wenn dabei auch die bessere Erkenntnis vom wahren Charakter des Krieges in den Vordergrund gerückt wird, so heißt auch das nicht, der Taktik den Platz einzuräumen, der dem Prinzip gebührt. Ob schon alle die Dreißig davon durchdrungen sind, daß sie im Gegensatz zur Mehrheit auf dem Boden der von der Partei vor dem Kriege anerkannten Grundsätze stehen, mag dahingestellt bleiben. Aber diese Ueberzeugung kann nur gc- nährt werden, wenn der Karlsruher„Volksfreund" ihrer Hal- tung die Folgerichtigkeit bescheinigt. Die Mehrheit freilich. die gerade deshalb von ihm Lob erntet, weil sie mit dem alten Prinzip gebrochen oder doch den Ansang mit dem Bruch �.......... gemacht hat. hat allen Anlaß zu beten:„Gott schütze mich vor. sondern"— so Die parteipresse zum vorgehen öer Minderheit. meinen Freunden I" Im allgemeinen äußert sich die Parieipresie recht ruhig und sachlich zu dem Vorgehen der zwanzig Genossen, die im Reichstage durch Genossen Geyer eine die Kreditbewilligung ablehnende Er- klärung abgaben. Fast übereinstimmend kommt zum Ausdruck, daß dieses Vorgehen keine Parteispaltung nach sich ziehen werde, daß im übrigen aber die Entscheidung über das Vorgehen dem nächsten Parteitag überlassen werden müsse. Nur einige Organe, so vor allem die„Bielefelder Volkswacht" wenden sich in be- sonders gehässiger Weise gegen die Vertreter der Minderheit. Wir lassen nun die einzelnen Stimmen im Auszug folgen: „Leipziger Bolkszeitung". Wer wollte den Ernst der Stunde verkennen? Zum erstenmal. seitdem die sozialdemokratische Fraktion in, Reichstage größere Be- deutung besitzt, hal eine Anzahl ihrer Mitglieder offen einen von der Mebrheit abweichenden Standpunkt eingenommen und ihn durch eine Erklärung ausdrücklich begründet. In einer Partei, die der Einigkeit und Geschlossenheit des Auftretens mit Recht stets eine» so großen Wert beigemessen hat, und der die Disziplin als eine wesentliche Garantie des Erfolges gilt, ist daS ohne Zweifel ein Schritt, den nur die dringende und unvermeidliche Notwendigkeil zu rechtfertigen vermag Daß sie in diesem Falle vorlag, dafür bürgen uns zunächst und vor ollem die N a m e n derer, die sich zu dem außergewöhnlichen Vor- gehen entschlossen haben. Selbst, wenn man den Jüngeren unter ihnen das nötige Verständnis für die Tragweite ihres Handelns ab- svrechen wollte, den Geyer, Horn, Stolle, Zubeil, Htmse, Bernstein, Schwarz, Bock usw., Männern, die in manchen Kämpfen erprobt sind, wird niemand den Vorwurf zu machen wagen, daß sie das Interesse der Partei leichtfertig aufs Spiel setzten. Wer die Vorgeschichte der Ereignisse vom Dienstag kennt, weiß außerdem, wie reiflich alles Für und Wider geprüft worden ist, weiß, wie lange die meisten von ibnen gezaudert haben, bevor sie sich zu diesem Bruch mit den Traditionen der Partei bereit fanden. Natürlich, es i st ein Bruch mit den Traditionen. Es galt bis- her als Grundsatz, daß die. denen Ueberzeugung und Gewissen ver- bot, sich der Mehrheil zu fügen, bei der Abstimmung den Saal ver- lasten, so wie es jetzt die 22 anderen getan haben, die zu den Krediten nicht ja iagcn konnten. Aber es gibt Dinge, die höher gcwertet werden müssen als die Uebcrlicfcrung und ein anerkannter Brauch kann für eine Minderheit, wenn Großes aus dem Spiel steht, niemals ein unübersieigbareS Hindernis sein. So wenig wie die Disziplin darf die Tradition zum Fetisch werden. Entscheidend bleibt unter allen Umständen das Interesse der Partei, und die Rücksicht auf das Wesen der Sache kann den Bruch mit der Form gebieterisch fordern. „Hamburger Echo." Der Deutsche Reichstag lad heule eine betrübende Szene: Bei der Entscheidung über die Kriegslredite trennten sich zwanzig Mitglieder der sozialdemokratischen Fraktion von dieser und stimmten, nachdem sie durch Gever hatten eine Erklärung abgeben lassen, mit Nein, also entgegengesetzt zur Mehrbeil. Damit ist der S e p a r a« tismuS aus dem inneren PaneUeben in die volle Ocffentlichkeit gelangt und er muß als eine Tatsache hingenommen werden, an der zunächst nichts zu ändern ist. Was versucht werden konnte, um den unheilvollen Schritt der Minderbeil hintanzuhallcn, ist geschehen. Die Mahnungen sind fruchtlos gebtieben. zuletzt auch'der dringende Appell des Parteivorstandes, oder vielmehr setner überwiegende» Mehrheit. Da jedoch unter den gegenwärtigen Verhältnisten die Ver- Weigerung der KriegSkredite nur eine Demonstration ist und nichts Weiler, konnte sie ohne Schaden umeinommen werden. Ohne Schaden für das Vaterland nämlich, denken die Separatisten; denn sie wissen, das Geld wird doch geschafft, die Truppen bleiben die- selben wie zuvor und— hml— die unmittelbare KriegSnol bleibt unferm Volk ja doch erspart. Und nachher sind wir die Prinzipiellen, die Unanlastdaren. die Hüter des heiligen GralS. In der Tat: wenn die deutsche sozialdemokratische Partei keine weitere Aufgabe hätte, als im Prophetenton zuzeiten die Versiche- rung abzugeben, sie bestehe, sei anderer Meinung, werde weiter be- sieben und immer anderer Meinung sein, so wären die Separatisten vollkommen>m Recht. Da aber die sozialdemokratische Partei nicht gegründet und nicht unter schweren Opfern auSgebaui worden ist, um Dcklamalionsübungen vorzunehmen, sondern weil sie als poli- tische Verlreiung der Arbeiterklasse die Aufgabe hat, e l w a S zu vollbringen, dem Ziel der Umwandlung der Gesellichaslsform immer näher zu komme», so muß sie ihre Macht zu stärken, also ihren Anhang im Volk zu mehren suchen Leicht rst es, den Beifall derer zu erzielen, die mit dem Kriege „unzufrieden" sind, weil etwas von persönlichen Opfern, und sei es auch nur das Ausgeben von Gewohnheiten oder Bequemlichkeiten, verlangt wird. Für diese ist die Demonstrationspolrtik eine vor- treffliche Sacke: denn das macht weiter keine Mühe und sieht gut aus, selbst wenn es nichts nützt. Etwas anderes aber ist es. M a ch t z u g e w i n n e n, sich mit den wahren Interessen des Volkes in Vereinbarung zu halten und, wenn die Zeit der neuen Regelung gekommen ist, den Fortschritt zu erzwingen. Macht aber gibt einer Volkspartei nur die G e< s ch l o f s e n h e i t. Die Separatisten sind anderer Meinung. Sie suchen die Partei- organisation von obenher zu zerstören. Die Gegenwirkung muß von unten kommen! „Bolksstimme" iChemnitz). Aber mag die Minderheil auch Bethmann ein Verbrechen daraus machen, daß er vorsichtig sprach und dies für wichtig genug erachien, um daraufhin eine Abstimmung zu ändern, die sich nichl um Beth- mann und Spahn, sondern um das Schicksal des deutschen Volkes dreht. Jedenfalls gibt die Erklärung der Mmderbeil zu, was unleugbar ist, daß die Annexionspläne unserer Feinde gegen Deutschland noch un« geschwächt fortbestehen. Ein nennensweiterWiderstandgegen diese seind- lichen Annexionspläne, eine so starke Macht, wie sie die deutsche Sozialdemokratie darstellt, ist in den feindlichen Ländern nicht vor- banden. Wohl regen sich hier und da Stimmen der Vernunft— es wäre ja auch um der Menschheil zu verzweifeln, wenn nicht einmal das wäre!— ober starke politische Kräfte stehen im Ausland hinter Friedensneigungen leider noch nicht. Auch das steht in den Erklärungen der Mebrheit und Minderheit im Reichstage gemeinsam. Und wir begreifen eigentlich nicht. wie danach die Minderheit zu ihrer Stellung gekommen ist. Kann sie irgend eine Garantie dafür über- nehmen, daß, wenn der deutsche Reichskanzler allen Annexionen absagt, der Friede heute er- reichbar ist? Das wird sie nicht versprechen können und damit entfällt, wie uns scheint, die Berechtigung ihres Vorgehens. Sollte einst an deutschen AnnexionSgelüsten der Friede scheitern, den die Feinde anbieten, so würde die ganze deutsche Sozialdemokratie einmütig mit allen Mitteln gegen eine so frivole Fortsetzung des Krieges kämpfe». Aber eine solche Möglichkeil besteht natürlich überhaupt nicht, sie hat der Reichskanzler ausdrücklich abgelehnt. Die Sonderaktion der Minderheit ist aber nicht nur keine Forderung oder Beschleunigung des Friedens, schmerzlich es ist, das auszusprechen, eS muß ge« verzögert die Rückkehr des Friedens. Ein ganz sicherer Gewährsmann ichreibt uns aus der Schweiz, daß der französische Minister Sembat bereits am 6. September gejagt hat, Frankreich müsse das Kricgsgeschäft liquidieren, wen» es seststchc, daß die deutsche Arbeiterschaft bis zum Ende durch- hielte; aber glücklicherweise habe er sehr beruhigende Nach- richte», daß sich ein großer Umschwung anbahne. Das ist charakteristisch! In der Hoffnung auf eine Zersplitierung des deutschen Volkes setzt Frankreich den Krieg sort. Ohne Geyer, Haase und Bern st ein wäre Deutschland dem Frieden näher, als es so ist. Wie tief wir bedauern, daß gerade Sozialdemokraten statt zur Abkürzung, zur Verlängerung des Krieges beilragen, bedarf keiner weiteren Ausführung. „Volksmacht"(Breslau). Nichts ist erreicht und konnre erreicht werden durch die Sonder- aktion als die Zerlrünimerung unserer Disziplin, das werden die Außenseiter am meisten bedauern, wenn die anderen einmal so handeln wie sie und wenn der feste Bau der deutschen Aibeuer« bewegung dabei liefe Riste erhält. Die Minderheit hat, so einwands- frei sie sich äußerlich hielt und so schwierig ihre Lage gegenüber der eigenen Ueberzeugung war, weder dem Vaterlande noch der Partei mit ihrem Verhalten genützt. Möge sich wenigstens die Aus- einanderietzung über den Fehltritt in sachlichen Formen bewegen. Und möge daraus nicht eine Verlängerung des Krieges entstehen, weil die Gegner auf die Uneinigkeit Deutschlands rechnen und sie nun ihre Anstrengungen erhöhen! „SchlcSwig-Holsteinische Volksztg.". ES liegt uns fern, den zwanzig bisherigen Genosten scheltend gegenüberzulreten. Wir sehen den Riß. der sich da ausgeian hat, mit Sckmerz. Wir beklagen ihre unheilvolle Tat und die darin liegende Verblendung aus das Höchste, aber tvir geben die Hoff- nung noch nicht auf. daß wenigstens ein Teil von ihnen noch zur Einsicht kommen wird. Hoffentlich werden sie im Deutschen Reichs- tage Gelegenheit finden, in aller Ruhe ihre Ideen vorzutragen und wahrscheinlich werden sie auf diesem Wege dazn kommen, den inneren Widersinn ihrer Gedanken und die mangelnde Berechtigung ihrer Beschlüsse vor der ganzen Welt zu enliv'.ckeln Sicher ist auch, daß eine ungestörte Debatte allen Zuschauern bald klar machen wird, daß es sich hier nichl etwa um zwanzig Mann bandelt, die einen Geist und einen Willen haben, sondern um eine Gruppe, in der fast jeder einzelne anders denkt und in der, wieder abgesehen von Liebknecht, der kaum noch wiegt, die Jdeengänge des srübere» Land- tagsabgeordneten Borchardt einen besonderen äußersten linken Flügel markieren. Was nun die Wirkungen angeht, io geben wir uns der Hoff- nung hin, daß die Spaltung einmal nicht so weit geben wird, daß man nicht bei jeder sozialen Vorlage die einbunderlundzehn Mann wieder zusammenfinden wird. Im übrigen rechnen wir damit, daß sich verschiedene Genossen wieder im Gange der Ereignisse zur Fraktion Zurückfinden werden und daß die dann noch bleibenden Unentwegten eines schönen Tages nicht mehr cm Reichstage sind, weil sie für ihre verstiegenen unpraktischen Gedankengänge kein Echo im Herzen der deutschen Arbeileischaft fanden. „VolkSblatt"«Halle). WaS die Partei selbst ans dieser Spaltung der Fraktion in dieser einen Frage für Folgerungen ziehen wird, ist nickt voraus- zusehen. Das hängt nicht nur vom Willen der Mehr- und Blinder- heil ab, sondern von der Weiterentwicklung der gesamten politischen Situation. Der Riß in der Geschlossenheit der Fraltion-hallung ist aber die ernsteste Warnung— und zwar an beide Seiten der Partei. Die Mehrheit der Fraktion hat unbedingt die Pflicht, dem ungestümen Weilerdrängen gewisser einflußreicher Parteikrene nach rechts entgegenzutreten, auch ihnen gegenüber die GcschlvMthcii und Einheit zu wahren. Sonst wird die konseqrtem MziNfflffche Minderheit zu weiteren Schritten gedrängt, die wir alle vorn Standpunkt eines geschlossenen Organisalionskörpers der Partei nicht wünschen. Die FraklionSmehrheit muß sich sagen, daß ein- mal die Zeit kommen wird, wo dos Kriegsende die normalen Bedingungen der bürgerlichen Gesellschaft wieder herstellt. Bis dahin bleibt selbstverständlich der Organisation skörper der Partei intakt, wenn auch während des weiteren Fortganges des Krieges noch weitere zerrissene Abstimmungen im Reichs- tage nicht ausgeschlossen sind. Erst nach Wiederherstellung der Ver- faisungsfreiheiten, der Möglichkeit offener Stellungnahme aller Glieder der Partei wird sich zeigen, welche weiteren Kon- iequenzen die FraklionSmehrheit aus ihrer jetzigen Haltung ziehen will. Dann setzt erst der kritische Punkt für die Partei- einheit ein. Deshalb liegt jetzt kein Grund vor, von„Partei- spaltung" zu reden. Die Erlläiung des Genosse» Geyer zeigt, daß lediglich politische Gründe und rhre Bewertung für die Stellung der Minderheit maßgebend waren, daß man mit keinem Worte die Haltung der FraktionSmehrheil berührte. Sobald der Zwang des Krieges ausgehoben, wird auch die Auffassung der dann im Vordergrunde stehenden politischen Dinge wieder eine einheitliche werden, zum mindesten insoweit, daß ein geschlossenes Handeln möglich ist. Das ist unsere feste Ueberzeugung. die in der liefen historisch« materialistischen Geschichtsauffassung ihre Stütze findet. Die Abstimmung der 20 können wir nickt als„Schlag gegen die Einheit der Partei" auffassen, sondern erblicken in ihr— wie iogar ein bürgerliches Blatt— die einfache Auslösung einer Gewissens- frage. „Bolksfrcund"(Braunschweig). Mit dem 21. Dezember beginnt eine neue Entwicklung. Ein neuer Abschnitt nicht nur für die deutsche Sozialdemokratie, sondern auch für dre Internationale, deren führende Sektionen immer noch die deutsche und französische Sozialdemokratie sind. Der 2l. De- zember ist der Beginn einer neuen Entwicklung er ist noch nicht diese Entwicklung selbst. Er ist eine zu ersüllende Aufgabe, nichts mehr, aber auch nichts weniger. I sagt werden— sie verlängert den Krieg und �tos Industrie und Kandel. 49 Proz. Dividende! In der Generalver>ammlung der Münchener RsickversicherungS- Gesellschaft wurde nach dem Vorschlage der Verwaltung beschlossen, drei Millionen Mark als 49 p r o z e n l i g e Dividende aui das eingezahlte Aktienkapital zu verteilen, die Reserve für unvorher- gesehene Ereignisse um eine Million zu verstärken, der National- stiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen 399 990 M. zuzuwenden, für weitere Zwecke der Kriegsfürsorge 159999 M. zurück- zustellen und den nach Abzug der statutarischen Tantiemen des Auf- sichlsrats verbleibenden Rest von 3 913 629 M. vorzutragen. DaS geplante Ausverkaufsverbot. Die Reicksregierung plant ein Verbot von Ausverkäufen und Sonderangeboten jealicher Art in Woll- und Baumwollwaren. Der „Verband deutscher Waren- und Kaufhäuser" hat sich deswegen an die Reichsregierung mit dem Ersuchen gewendet, daß— falls ein solches Verbot erlassen würde— wenigstens die Modewaren von diesem ausgeschlossen und Jnventurverkäufe von beschränkter Zeit- datier zugelassen würden. Der Verband hält es nicht für gerecht- fertigt, ein solches Verbot auch auf konfektionierte Waren ins- besondere Modeartikel, zu erstrecken, da durck ein derartiges Verbot nicht nur weile Kreise der Bevölkerung getroffen werden, sondeni es auch Industrie und Handel unmöglich gemacht würde, die außer Mode gekommenen Waren zu verkaufen. Auch wir sind der Meinung, daß in der jetzigen Zeit dc> all- gemeinen Teuerung dem Teil der Bevölkerung, der weniger auf die Aufmachung, alZ auf die praktische Brauchbarkeit von Wäsche- und Kleidungsstücken sehen mutz,'sine billigere Kaufsgelegenheit nicht unmöglich gemacht werden sollie. Der niederländische Heringshaudel im Oktober. Im Oktober ISIS wurden nach einem Berich: des deutschen Generalkonsulats in Amsterdam nach den Niederlanden 82,2 Mill. Kilogramm Heringe eingebracht gegen nur 24,4 Mill. Kilogramm im Borjabr. Der Geiamierirag der niederländischen Heringsfischerei in den aeljn Monaten Januar bis Oktober lölS war 82.7 Mill. Kilo- gramm oder 689 000 Kantjes Heiinge, davon 897 000 Kantjes Voll- Heringe, 187 000 Kanljes Matjesheringe und 90 000 Kantjes Stör- Heringe, während in den ersten zehn Monaten des Vorjahres nur 432 000 Kanljes eingebracht wurden. Die Einfuhr von Heringen betrug im Oktober 1914 129 000 Kilogramm gegenüber 631 000 im gleichen Monat des Vorjahres. In den ersten zehn Monaten 1915 wurden eingeiührl ll.7 Mill. Kilogramm, 1914: 6.9 Mill. Kilo- gramm. Ansgesührt wurden im Oktober 1915 35 Mill. Kilogramm gegenüber nur 18,7 Mill. Kilogramm im Oktober 1914. Die Aus- fuhr in den ersten zehn Monaten betrug 96 Mill. Kilogramm gegen- über 63 Mill. Kilogramm im Vorjahr. Die Ausfuhr von Bücklingen betrug im Oktober 1915 450 000 Kilogramm gegenüber nur>88 000 Kilogramm im Oktober 1914. In den ersten zehn Monaten wurden 3 Mill. Kilogramm Bücklinge ausgeführt gegenüber 935 000 Kilogramm im Jahre 1914. fltis Groß-öerlin. die Serlmer Votksfpenüe. Ruf die vom Roten Kreuz veranstalteten Opfertage folgt die Berliner V o l k s s P e n d e, für die mit dem Kriegs- auöschutz für warme Unterkleidung die Gemeinde- behörden Berlins werben. Daß die Volksspende sich von den Opfertagen in einem wichtigen Punkte unterscheidet, sagten wir bereits vor mehreren Wochen in einer den Opfcrtagen gewidmeten Betrachtung. Die Erträge der Volksspende sollen zum Teil für Unter- stützungen verwendet werden, über deren Bewilligung die Gemeinde selber durch ihre Untcrstützungs- kommifsionen entscheidet. Die Unterstützungen, die den Kriegersamilien nach Gesetz und Gemeindebcschluß zustehen, werden aus dem Gemeindesäckcl gezahlt. Auslegen muß der Gemeindesäckel emstweilen auch die für Rechnung bes Reiches zu zahlenden Beträge: ihre Rückerstattung ist ihm für die Zeit nach Friedensschluß in Aussicht gestellt. Aber die Unter- stützungskommissionen müssen in den leider nicht seltenen Fällen, wo eine besondere- Notlage sich fühlbar macht, noch mit besonderen Beihilfen eingreifen. Die- Mttel hierfür wurden bisher dem Sammelfonds entnommen, der in den ersten Wochen nach Kriegsausbruch aus den Erträgen einer sofort ausgeführten Spendensammlung entstand. Zwei Millionen Mark flössen in diesen Fonds— sie sind im Laufe des nun schon 17 Monate dauernden Krieges zerronnen. In Berlin müssen jetzt rund 200 000 Kriegerfamilien regelmäßig unterstützt werden, und auf rund 9 Millionen Mark pro Monat stellt sich die Summe der ihnen zu zahlenden Unter- stützungen. Was bedeuten demgegenüber 2 Millionen Mark Sonderbeihilfen, die sich auf 17 Kriegsmonate verteilen! Die Berliner Volksspende, für die jetzt die Gemeindebehörden um die Mitivirkung aller Schichten der Bevölkerung bitten, soll neue Mittel bringen, um den U n t e r st ü tz u n g s- kommifsionen weit e,rL bi_eL_.G ewähru ng besonderer Beihilfen zu ermöglichen. Das ist der eine Verwendungszweck des hoffentlich reichlichen Ertrages der Volksspende. Der andere ist die Beschaffung warmer Unter- kleider, die unseren Kriegern, unseren den Leiden eines neuen Winterfeldzuges entgegensehenden Volksgenossen. als Liebesgabe zukommen soll. Im Hinblick auch auf diesen Ziveck wiederholen wir unseren Wunsch, daß die Volksspende besten Erfolg haben möge. Die für die Volksspende tätigen Helfer und Helferinnen werden nach Weihnachten mit ihrer Werbearbeit beginnen. Als Grundlage der Organisation wird die Einteilung des ganzen Stadtgebietes in Armenkommissionen dienen, und die Armcnkommissionsvorsteher werden in den einzelnen Bezirken auch die Leitung übernehmen, doch hat im übrigen die Volksspende selbstverständlich nichts mit der Armen- Pflege zu tun. Ueber die Aufgabe, die hier zu lösen ist, gab in der letzten Versammlung der Armenkommissions- Vorsteher ein Vortrag des Stadtrats Doflein die erforderlichen Ausklärungen. Die Arnienkommissionsvorsteher zeigten, wie der im„Gcmeindeblatt" des Magistrats veröffentlichte Sitzungsbericht meldet, einmütige Bereitwilligkeit zur Teil- nähme an den Arbeiten. Die Helfer werden in die W o h- nungen gehen, nicht um selber Beiträge einzusammeln. sondern um zunächst zur Zeichnung zu bewegen. Zeichnen kann man einen einmaligen Beitrag oder einen monatlichen oder einen wöchentlichen, wobei auch die kleinste Spende angenommen wird. Die Einsammlung der gezeichneten Beiträge soll später durch besondere Kassierer besorgt werden; sie werden auch die monatlichen oder wöchentliche» Beiträge regelmäßig aus den Wohnungen abholen. Aus den laufenden Beiträgen hofft man für die ganze Kriegsdauer eine einigermaßen sichere Einnahmequelle zu haben, die den Sammelfonds immer wieder auffüllt und eine über die gesetzliche Verpflichtung hinausgehende Unterstützung von Kriegerfamilien ermöglicht. In der Versammlung der Armenkommissionsvorsteher wurde gesagt, je länger der Krieg dauere, desto größer würden infolge Einziehung älterer Land- sturmleute die Anforderungen. Frankfurt a. M. habe eine gleichartige Sammlung ins Werk gesetzt, die der Stadt eine monatliche Einnahme von 80—85000 M. bringe. Werde die Sache mit Lust und Liebe angefaßt, so sei auch in Berlin für die Volksspende aus vollen Erfolg zu rechnen. Kartoffelverkauf der Stadt Berlin. In den letzten Tagen hat sich an verschiedenen Stellen in Berlin eine Knappheit an Kartoffeln bemerkbar gemacht, obwohl genügend Vorräte vorhanden sind. Dem will der Magistrat etwas abhelfen. Er gibt bekannt: Noch immer gelangen an den Magistrat Berlin Anfragen von Privaileuien, wo sie Kartoffeln beziehen können. Obgleich i* den letzten Trostfreien Wochen reichlich Kartoffeln nach Berlin herein- gekommen sind und die Händler Berlins ihre Kunden zu versorgen selbst in der Lage waren, hat die Stadt in allen ihren Markthallen mit Ausnahme der Markthalle in der Lindenstraße und am Magdeburger Platz fortgesetzt Kartoffeln in Mengen bis zu 10 Pfund zu dem für Berlin festgesetzten Kleinhandelspreis verkaufen lassen. Die Nachfrage nach diesen Kartoffeln war jedoch, wie mit Rücksicht aus die anderweitige Versorgung auch nicht anders zu erwarten war, keine besonders rege. Trotzdem will der Magistrat vorläufig, auch mit Rückficht aus die bevorstehenden Festtage, diesen Kartoffelverkauf aufrechterhalten und ihn sogar auch m de» beiden Markthallen am Magdeburger Platz und in der Lindenstraße neu aufnehmen. Somit ist also in allen Stadtteilen Berlins mühelos Gelegenheit gegeben, Speisekartoffeln zu erhalten._ Wer Butter einführt oder erzeugt. Der Magistrat hat gestern eine Verordnung erlassen, nach der jeder, der gewerbsmäßig Butter in dem Bezirk Groß-Berlin erzeugt, in ihn einführt oder von außer- halb bezieh«, unter Ausfüllung des hiersübr vorgeschriebenen Forinulars der Bulterversorgungfielle Groß-Berlin, Berlin. Post- straße 16, am Montag jeder Woche,— zum erstenmal am 27. De- ,ember 1915— über Einfuhr, Bezug. Erzeugung und Veräußerung der Butter Anzeige zu erstatten hat. Das Formular ist in dem Bureau. Poststr. 16, Zimmer 33, erhältlich. Die Versorgung Groß-Bcrlins mit ausländischer Butter ist auch auf solche Gemeinden der Kreise Teltow und Niederbarnim aus- gedehnt worden, die in dem sog. Brolkartenbezirk nicht eingeschlossen sind, ihren Bedarf an Butter aber bisher in Berlin gedeckt haben. Die Friscurgrschäftc schließen am zweiten Feiertag um 12 Uhr mittags, worauf das Publilum besonders hingewiesen wird. Am Wcihnachtsheiligabend sowie am l.. und 2. Wcihnachtöfciertag fällt die juristische Sprechstunde aus._ Weihnachtsschnee. Ein starker Schneefall ging gestern über Berlin nieder nach dem starken Frost der letzten Tage. Das Slroßenbild Berlins trug denn auch den üblichen Charakter. Ter Verkehr wurde stark beeinträchtigt. Tie Lastiuhrwerke kamen nur mühsam vorwärts, zumal die schweren Zugpferde vielfach fehlten. An manchen Stellen kamen die Fuhr- werke nicht weiter. Auch der Straßenbahnverlehr litt und an den Haltestellen warteten zahlreiche Fahrgäste lange Zeit vergeblich auf Beförderung. Für unsere Jugend bedeutet der Schneefall eine reudige Ueberraichung und an den Weihnachlstagen werden die Schlitten hervorgeholt werden, um dein Rodelsport zu huldigen. Kesselexplosion in Charlottenburg. Eine schwere Kcsselexplosion ereignele sich gestern nachmittag in dem Wohnhause Olbcrsstr. 2 in Charlotlenburg in unmiticlbarer Nähe des Bahnhofs Jungfernheide. Im Keller des Vorderhauses befindet sich die Zentralbeizungsanlage, und diese war seit einigen Wochen defekt gewo-.de». Es wurden Reparaturen vorgenommen und diese waren gestern so weit beendigt, daß am Nachmittag eine Prüfung der Anlage vor sich gehen sollte. Gegen 4 Uhr machte sich in dem Hause eine gewaltige Erschütterung bemerkbar und aus dem Keller drangen klägliche Hilferufe Es wurde die Feuerwehr und die Polizei davon in Kenntnis gefetzt. Als man in den Keller ein- drang, fand man den Schlosserlehrling Gustav Mecklenburg aus Berlin. Müllerstr. 68, mit schweren Verletzungen aus. Er wurde von der Feuerwehr nach dem Krankenhause Westend gebracht, starb aber auf dem Traneport dahin. Der Schlosser Roberl Schultz, 43 Jahre alt, zu Berlin, Müllerstr. 34 wohnhaft, erlitt schwere Brandwunden und außerdem Brüche der beiden Beine und Arme, so daß wenig Hoffnung bestehr, ihn am Leben zu erhalten. Der Portier des Hauses, Hermann Siebmann, trug ebenfalls schwere Brandwunden und Knochenbrüche davon. Der Portier Schmidt aus Charloltenburg, Tegeler Weg, wurde leichter verletzt; er wurde nach Anlegung eines Verbandes in seine Wohnung geschafft. Die beiden anderen Schwerverletzten wurden nach dem Krankenhaus Westend gebracht. Die Explosion hat einen gewaltigen Schaden veruriucht> im Hausflur sind die Treppen beschädigt, auch wurden zahlreiche Fensterscheiben zertrümmert. Tie verlorene Tlktentäsche. , Weittragende- und schmerzliche Folge» hat der Verlust einer Aktentasche, nach der jetzt eifrig gesucht wird." Vor acht Tagen, am Donnerstag, den 16. d. M., nahm ein Herr, der die Gefangenen- lager in Rußland besucht, mit den deutschen Gefangenen dort ge- fprochen und ihre Wünsche entgegengenommen hat, am Christlichen Hospiz in der Wilhclmstr. 34 mit Frau und Kind eine Kraftdroschke nach der Babelsberger Str. 6 in Schöneberg. Auf da» Verdeck wurden ein Rohrplattenkoffer, ein sogen. Schiffskoffer, und ein grüner Segelluch- koffer geladen. Diese Sachen nahm der Kraflwagensührer am End- Punkt der Fahrt wieder herunter, um sie auszuhändigen. Die schwarze Aktentasche des Fahrgastes dagegen wurde vergessen und blieb im Wagen liegen. Das ist um so bedauerlicher, als sie nicht nur eine größere Geldsumme, sondern was wichtiger ist, äußerst wertvolle Papiere enthält, deren Verlust für unzählige deutsche Familien und deutsche Krieger sehr schmerzvoll ist. Denn unter diesen Papieren befindet sich eine Liste der deutschen Kriegsgefangenen in russischen Lagern, die durch den Herrn ihren Aufenthalt und ihre Wünsche den Angehörigen in der Heimat be- kannigeben wollten. Die Ausführung dieser menschenfreundlichen Aufgabe ist nun so lange unmöglich, als die Tasche mit der Liste fehlt. So müssen Tausende von Familien weiter in Besorgnis um ihre Lieben bleiben und die Krieger harren vergeblich aus die Er- füllung ihrer Wünsche. Um so notwendiger ist es, daß der. der die Tasche besitzt, sie unverzüglich abgibt. Alle Mitteilungen Über ihren Verbleib nimmt der 5. Kriminalbezirk des Polizeipräsidiums ent- gegen. Hier sollte sich auch unverzüglich der Führer des Kraft- Wagens melden. Die Fahrt fand abends um 10 Uhr statt, Der rotlackierte Wagen hatte einen Verbrennungsmotor und ein grau- gestreiftes Manchcsterpolsier. Der Führer wird sich der Fahrt ohne Zweifel noch erinnern._ Borbrannt. Ein schweres Brandunglück hat sich in Spandau ereignet. Die in der Wörther Straße dortselbst wohnende 57 jährige Witwe D., die schon seit längerer Zeit leidend war, wollte sich in der vorgestrigen Nacht eine Medizin zubereiten, um sich Linderung zu verschaffen. Frau D. zündete eine Kerze an und wollte damit in das Nebenzimmer gehen. Dabei kam sie mit der Flamme einem großen Tuch zu nahe, das sie umgelegt hatte; das Tuch fing Feuer und in wenigen Augenblicken stand das Kopfhaar und die Nacht« kleidung der Bedauernswerten in hellen Flammen. Auf die SchmerzenS- rufe der Frau erwachte die Tochter, die sofort zu Hilfe eilte. Wer erst nach längeren Bemühungen gelang eS dem Mädchen, durch Auf- werfen von Betten das Feuer zu ersticken. Frau D. hatte bereits am Kopf und am Oberkörper schwere Brandwunden davongetragen und brach befinnungSlos zusammen. Auf Beranlaffung eines sofort hinzugerufenen ArzteS wurde die Verunglückte nach dem städtischen Krankenhause gebracht, wo sie gestern nach qualvollen Leiden den erlittenen schweren Verletzungen erlegen ist. In der Schule gestorben ist gestern der in Köpenick sehr be- kannte und geschätzte Lehrer an der dortigen 4. Gemeindeschule Dummer. Während D. in seiner Schulklasse im Gespräch mit dem Rektor der Anstalt verweilte, brach er plötzlich zusammen und ver- schied nach wenigen Augenblicken. Ein hinzugerusener Arzt stellte fest, daß ein Herzschlag dem Leben des im 54. Lebensjahre stehenden Maimes ein Ende gemacht hatte. Lehrer Dummer stand mehr als 28 Jahre im Schuldienste der Stadt Köpenick. Für 3000 M. Schweinefleisch und Wurst stahlen Einbrecher in der vergangeneu Nacht auf dem Grundstück Seeftr. 113. Sie 'drangen vom Hofe aus mit Nachschlüsseln oder Dietrichen durch die Hintertür in den Laden der.Norddeutschen Flqisch�enlrale* und schleppten 30 Schinken, 10 Schweinebäuche. 10 Sckiulterbläiter, ein halbes Schwein, 50 Pfund Rückenselt und Wurstwaren aller Art weg. Außerdem nahmen sie auch noch eine Anzahl Gänse mit. Ein geisteskranker Mann wurde gestern auf dem Potsdamer Platz angehalten. Nur mit dem Hemde bekleidet ging er früh- morgens bei der bitteren Kälte im Freien umber, bis ein Schutz- mann ihn wahrnahm und mit einer Droschke nach der Charils brachte. Wahrscheinlich ist der Unglückliche aus einem Krankenhaus entwichen. Beim Bierailaden schwer verunglückt ist gestern aus dem Lehrter Bahnhof der Mitfahrer eines Brauerwagens aus Schöneberg.' Als er ein volles Faß nach dem Keller bringen wollte, glitt er aus und fiel hin. Das Faß rollte ihm über den Körper hinweg und ver- letzte ihn io schwer, daß ihn die Babnhofswache nach der Charit« bringen mußte. Wieder ein Kind verbrüht. Der Arbeiter llhley, ein ostpreußi- scher Flüchtling, bewohnt in det_ Breslauer Straße 10 im Quergebäude mit seiner Familie eine Stube und Küche, die lehr ärmlich ausgestattet sind. Am Sonnabendnachmiltag wollte Frau Uhley ihren ein Jahr allen Sohn Stephan baden. Werl es ihr an einein geeigneten Untersatz fehlte, so mutzte sie die Badewanne in der Stube aui den Fußboden stelle». Das Wasser war zunächst zu beiß. Während nun die Frau nach der Küche ging, um kaltes zu holen, kroch der Kleine, der in der Nähe auf dem Fußboden laß, an die Wanne heran und iaßte mit beiden Armen tief in das heiße Wasser hinein. Als die Mutter zurück kam, lag er mit schweren Ver-- br.ühungen neben der Wanne. Ein Arzt, den die Mutier gleich holte, bemsthte sich vergeblich, den Kleinen zu reiten. Die Leiche wurde beschlagnahmt. Aus drr Straße vom Tode ereilt wurde gestern abend um 6 Ubr die 62 Jahre alte Witwe Emilie Richter auS der Brunnenstraße 97. Sie wurde vor dem' Hauie Römintener Straße 3 dicht vor der Tür bewnßtlos liegend aufgesunden und von einem Schutzmann nach der nächsten Hilsswache gebracht. Hier konnte der Arzt nur noch den Tod feststellen. Gesangliche Veranstaltung. Die Männcrchöre„Norddeutsche Schleife" und.Männerchor Norden" veranstalten am zweiten Feier- tag in der„Neuen Philharmonie", Köpenicker Straße 98/97, ein Weihnachtskonzert, das um 6'/., Uhr beginnt. Ms öen Gemeinöen. Die Butterfrage vor dem Charlottenburger Stadt- Parlament. Die Zustände, die beim Ankauf einer Reihe von Nahrungsmitteln zutage tteien, haben die sozialdemokratische Fraktion der Charlotten« burger Stadtverordnetenversammlung veranlaßt, den Magistrat an- zufragen, welche Maßregeln er zu ergreifen gedenkt, um für die be- stehenden Mißstände bei der Butler«, Fett- und Flcischversorgung der Bevölkerung Abhilfe zu schaffen. Tie Anfrage war bereits vor mehreren Wochen gestellt, wurde aber erst am letzten Mittwoch be- antwortet. Genosse Will ließ es in der Begründung nicht bei einer Kritik der städtischen Maßnahmen bewenden, sondern er be- schästigte sich auch mit den Anordnungen der Reichsregierung, wobei er sich, weil er nach Ansicht des Vorstehers in seiner absälligcn Kritik zu weit gegangen war, eine Rüge zuzog. In der Sache ielbsr tadelte er es scharf, daß Groß-Berlin im Gegensatz zu einer Reihe anderer Gemeinden nicht energisch genug vorgehe, er forderte dringend die Einführung von Butterkorten, damit die vorhandenen Bestände wenigstens gerecht verteilt werden können. Die Rede, die der Oberbürgermeister Dr.- Scholz zur Be- antwortung der Anfrage hielt, war hauptsächlich auf die Wirkung nach außen berechnet, aber den Kern der Sache traf das' Stadt- oberhoupt nicht. Er machte, wie er sich ausdrückte, bei uhig ende Mitteilungen. Zunächst erllätte er. wir erhallen schon zum-Fest so- viel Bulter aus dem Auslande, wie sonst um diese Zeit in normalen Friedensjahren. Bezüglich des Fleisches teilte der Vertreter des Magistrats mit, daß der Stadt Charlottenburg für die Zeit vom Januar bis Mai nächsten Jahres 6000 Schweine im Mindestgewicht von 2l0 Pfund geliefert werden und daß der Magistrat infolgedessen wöchentlich 600 anstatt bisher 400 Zenlner Gefrierfleisch zur Ver- sügung stellen wird. Im übrigen stellte sich der Oberbürgermeister der Bulterlarle sehr skeptisch gegenüber und riet am Schluß seiner von der Mehrheit mit großem Beifall aufgenommenen Rede den Kriegerfrauen, ihre Männer, die im Felde stehen, nicht durch Briefe über Entbehrungen und Unbequemlichkeiten in der Heimat zu be- unruhigen. In der Debatte wurde von unseren Rednern, den Genossen Wille, Gebert und Katzen st ein, wiederholt der Einführung einer Butterkarte das Wort geredet, während in den Kreisen der Liberalen die Anschauungen darüber geteilt find. Es fehlte auch nicht an Stimmen, daß alles in bester Ordnung sei. Von den sonstigen Vorlagen interessiert nur noch die betr. die Uebernahme des Fuhrwesens für die städtische Straßen- reinignng in eigene Regie, die entsprechend dem Antrage des Ausschusses mit großer Mehrheit angenommen wurde, Die erste Sitzung nach Neujahr findet am 5. Januar statt. Speckverkauf in Neukölln. Außer den bestehenden Speckverkaufsstellen. Freibank Kirchhof« straße, Jnnstraße 26 und Steinmetzstraße 46/47, hat der Magistrat jetzt in dem Hause Kaiser-Friedrichstraße 38 eine vierte Speck- Verkaufsstelle eröffnet. Zum Verkauf gelangt ungeräucherter gesalzener amerikanischer Speck zum Preise von 2 M. pro Pfund. Verkaufszeit:'9— 12 Uhr vormittags, 4—7 Uhr nachmittags. Lebensmittelverkauf in Lichtenberg. In den vier städtischen Verkaufsstellen und in den durch rote Plakate als amtliche BeilausSstellen bezeichneten Kolonialwaren- geschälten werden demnächst folgende Lebensmittel verkaust: ReiS, Pfund 65 Pf., Erbsen lgrüne ungeschälte) Pfund 50 Pf., und weiße Bohnen. Pfund 55 Pf. Kondensierte Milch. Dose 75 Pf. Reis wird nur gegen Vorzeigung der Brotkarten abgegeben. Auf eine Brotlarte darf nicht mehr als>/z Pfund Reis verabfolgt werden; dem einzelnen Käufer darf ouiti bei Vorlegung mehrerer Brotkarten im ganzen nicht mehr als 1 Pfund verlaust werden. Ferner werden in den vier städlischen Verkaufsstellen außer den sonst zum Verkauf gestellien Flelschworen gegen die im Rathause zu erhaltenden Fleischbozugskarten abgegeben: Fetter Speck, Pfund 2,20 M., Schmalz, Pfund 2,40 M., Tafel- Margarine, Psund 1,40 M., Schweinefleischkonserven, die 1 Pfund« Dose zu 1,35 M., die 2 Pfund-Dose zu 2,65 M. weihnachtsveranftaltungen. Eharlottcnburg. Das Arbeiterjugendheim veranstaltet am ersten WeihnachtSseiertag im Heim sür seine Besucher eine Weihnachls- feier. zu der die Ellern herzlichst eingeladen sind. Beginn pünktlich'1,7 Uhr. Am zweiten WeihnachtSseiertag findet eine Horden- Wanderung statt. Die Treffpunkte werden im Heim bekanntgegeben. Arbeiterjugend Steglitz und Friedenau. Sonntag, den 2S. Dezember(zweiten Feiertag), nachmittags ö Uhr, im Jugendheim, Kniephojj- strah« 89; Bei�nai�Jäfrier, bestehend auf Gelang. Rezitationen und Mandolinenspiel. Die Ellern und Freunde der Arbeiterjugend sind will« kommen. OberschSneweid». Am ersten VeihnachtZfeiertsg veranstaltet der Wahlverew mit Unterstützung des Gesangvereins und der Sportvereine einen Fanülienabend. Alles Nähere die Plakate. Soziales. Falsche Adresse. Beim KriegZmmisterium in Berlin gehen unausgesetzt Gesuche und Beschwerden über Familienunter st ützungen, Miele- und Wochenbeihilsen, auch Aufwandsentschädi- gungen für soldatenreiche Familienein. Mit der Gewährung von Unterstützungen dieser Art hat das Kriegs« Ministerium nichts zu tun. Die Anträge erleiden durch ihre Weilergabe an die zuständigen Stellen nur Verzögerungen, womit den Antragstellern sicherlich nicht gedient ist. Gesuche don Familien in den Dienst eingetreiener Mannschaften um Gewährung von Unterstützungen auf Grund des Gesetzes vom 28. 2. 1888/4. 8. 1914 sind ebenso wie Gesuche um Mietebeihilfen an die Lieferungsverbände(Landrat oder Magistrats zu richten. Ansprüche auf Aufwandsentschädigungen für soldatenreiche Familien sind bei der Gemeindebehörde des Ortes anzumelden, in dem der Berechtigte seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat. Gesuche um Wochenbeihilfen wolle man an die Kranlenkasien oder, falls Mitgliedschaft nicht besteht, an die Lieferungsverbände richten. Beschwerden sind dem Regierungspräsidenten oder, wenn sie sich gegen ihn selbst richten, dem Minister des Innern einzureichen. Für außerpreustische Gebiete sind die Landministerien zuständig. Der Abzug deö GarmsonsunterhaltS vom Sechswochengehalt. Von dem nach der überwiegenden Rechtsprechung des Kauftnannsgerichts dem einberufenen Handlungsgehilfen zu- stehenden SechSwochengehalt kann nach einer Entscheidung der 3. Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts ein entsprechender Betrag für die Unterhaltskosien abgezogen werden, wenn der betreffende Gehilfe sich noch in Garnison befindet. In dem der Beurteilung unterlegenen Falle stützte sich die Be- klagte, die KonfektionSexporlfirma Lamm, auf den Standpunkt deS Kammergerichts und beniängelie im übrigen auch die Höhe der For- derung, da Kläger auch beim Militär Entschädigungen geniefit.— Die Kammer hielt an dem stets eingenommenen grundsätzlichen Siandpunkt fest, dafi die Einberufung als wirtschaftliches Unglück anzusehen fei. Das i'ei hier um so mehr der Fall, als Kläger einen noch Vis Jahresschlufi laufenden festen Verlrag mil der Beklagten hatle. Von dem danach dem Kläger zustehenden Gehalt für sechs Wochen seien aber 1,79 M. pro Tag für den Unterhalt in Abzug zu bringen, den er in der Garnison Wittenberg geniefie. Die Mannschafislöhnung hingegen komme nicht in Abzug. Demnach wurde die Beklagte zur Zahlung von 296 M. verurteilt. Filialunweseu zum Schaden von Kriegersraueu. Der Filialistenunfug hat gegenwärtig wieder erschrecken- den Umfang angenommen, besonders haben es jetzt die Filtalengründer auf unerfahrene Kriegerfrauen abgesehen, denen sie eine selbständige Existenz versprechen, während es den„Gründern" m der Hauptsache um Erlangung einer Kaution zu tun ist. Wie derartige Filialgründungen zustande kommen, zeigte eine vor der 4. Kammer des Berliner Kauf- mannsgerichts stattgehabte Verhandlung. Klägerin war eine Kriegerfrau, die von dem beklagten Händler Ernst Turban zur Leiiung eines Zweiggeschäfts für Gummi« abiätze engagiert wurde. Aufier Prozenten vom Verkauf sollte sie ein festes Monatsgehalt von 50 W. bekommen. Sie führte auch über einen Monat lang die Filiale in der Wilsnocker Strafie, als sie aber nach Ablauf des Monat« um ihr Gehalt bat, w e i g ä r t e sich T., ibretwaSzuzahlen, weil angebNch ein gröfiereS Manko entstanden sei. Die arme Frau, die den ganzen Tag über fleifiiz gearbeitet hatte, mufite tatsächlich ohne einen Pfennig Entgelt das Geichäst Verlasien. Bor Gericht kam der Beklagte mit dem seit- samen Einwand, das Gebalt sollte überhaupt.stehen bleiben", als Elsatz für eine von der Klägerin verlangte Kaution. Als ihn der Vorsitzende fragte, wovon denn die Frau in der Zwischenzeit leben sollte, erwiderte T. zur Ueberraschung des Kollegiums:»Dazu bekommt sie ja ihre U n t e r st ü tz u n g l" Zur Bekräftigung seines Standpunktes betonte der Fklialengründer noch, dafi er das System bei allen seinen Filialen eingeführt habe, und daß e s bisher immer noch glatt gegangen fei. Die Beweisaufnahme ergab, dafi nur bei der Laaeraufnahme die Klägerin zugegen war, die übrigen Abichlufiarbeiien wurden ohne ihr Zutun und in ihrer Abwesenheit gsenacht.— D a S Kaufmannsgericht verurteilte T. zur Auszahlung der verdienten S8 M.— Die Inventur wurde nach einstimmiger Ansicht de« Gerichts nicht als beweiskräftig im vorliegenden Falle angesehen. Eine Vereinbarung, daS Gehalt als Kaution zurückzu« behalten, verstohe gegen die guten Sitten. Das Gehalt müsse nach dem Handelsgesetzbuch sofort bei Fälligkeit ausbezahlt werden. Aufierdem stehe dem Beklagten ein Aufrechnungsrecht ebensowenig zu wie ein Zurückbehaltungsrecht. Gerichtszeitung. Widerstand. Ein Widerstand gegen die Anordnungen deS Ober- lommandos hat dem Produktenhändler Wilhelm Siechmann, der gestern vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte stand, hohe Strafe eingebracht. Er war wegen Beleidigung und Vorgehens gegen eine Ver« Ordnung des Bundesrats amieklagt. Als in seinem Geschäft ein Revisor erschien, um in Gemäyheit der erlassenen Bundesrats- verordnur, die Geschäftsbücher einzusehen und den etwaigen Bestand an Wolle und Baumwolle auszunehmen, wurde der Angeklagte sehr ungemütlich und sträubte sich, dem Verlangen deS Revisors nachzukommen, indem er eine höchst unpassende Bemerkung über diese„Be- lästigung" machte. Er randalierte dann weiter und erging sich in groben beleidigenden Ausdrücken, die an den Revisor gerichtet waren, indirekt aber da« Oberkommando treffen sollten.— Der Amtsanwalt beantragte gegen den bereit? vorbestraften Angeklagten eine Gesamtstrafe von einem Jahr Gefängnis. Das Urteil lautete aus acht Monate Gefängnis. Die gerupften Proviuzialen. Daß es noch immer Leute giebt, die sich von Berliner Rittern des Kümmelblättchens neppen lassen, ist eigentlich er- staunlich, und doch ist es eine Tatsache, die durch eine Ver- Handlung vor der 3. Strafkammer des Landgerichts I illustriert wurde. Am 12. Juli d. I. war der Landwirt G. aus einem Oertchen der Provinz Brandenburg aus dem Pferdemarkt in Friedrichs- f e l d e erschienen, um bei der dort stattfindenden Pferdeauklion mit- zubieten. Er tat dies auch, kam jedoch nicht zum Ziel. Da drängle sich dem biederen Landmann ein Mann— später als vielfach vor- bestrafter Bauernfänger Fritz Feit festgestellt, als liebevoller Rat« geber auf und erklärte dem G., dafi die Pferde ja viel zu teuer seien, er wisse in Berlin«ine Witwe, die neun Pferde besitze und diese nicht so teuer verkaufe. Der Landwirt liefi sich beichwatzen und machte sich mil Feit auf den Weg zu der angeblichen Wirtin. Unterwegs wurde in einem Schanklokal in der Weberstrafie Station gemacht und dort erschien.zufällig" der gleichfalls schwer vorbestrafte Tischler Geri'on Herzmann und als er hörte, dafi vom Pferdetauf gesprochen wurde, mischte er sich tu daS Gespräch und interessierte den G. leb- hast für die Pferde, die angeblich bei.seinem Bruder in Bitterfeld" stehen sollten. Der Landwirt war schliefilich auch nicht abgeneigt, mit dem Bruder, der als.Wilhelm Alt, Babnbositrafie. Bitterfeld" bezeichnet wurde, in Verhandlung zu treten. Inzwischen begannen die beiden Hochstapler damit, sich an dem schönen Spiel.Kümmelblätt- chen" zu ergötzen. Heizmann, der die Karten warf, machte die? absicht- lich so ungeschickt, dafi e« nicht schwer war, die Lage der kritischen Karte zu bestimmen; trotzdem verlor sein Partner Feit absichtlich wiederholt. Dies erregte das Staunen deö Landwirts, der sich an- heisckiig machte, jedesmal die Karle zu bezeichnen. Er kam dann der Aufiorderung, e« einmal selbst zu versuchen, mir Vergnügen nach und— hatte in wenigen Minuten seine ganze Barschaft, die er zum Pferdeankauf mit sich führte, in Höhe von 3499 M. verloren. Man tröstete ihn damit, dafi das Geld ihm nicht verloren gehen, sondern alS Kaution für den in Bitterfeld abzufchliefienden Pferdehandel hier aufbewahrt werden solle. Herzmann ging denn auch ans Telephon, tat so. alS ob er mit dem Bruder in Bstierfeld spräche und kün- digte anscheinend den Besuch de« G. an. Diesem war e« gelungen, mit einem raschen Griff in letzter Minute sich noch einen Zwanzigmarkschein von seinem verlorenen Gelde wieder zuzueignen und er fuhr nun in Erwartung der Dinge, die da kommen sollten, nach Bitterfeld. Torr suchte er vergebens nach einem Wilhelm Alt und nach einer Bahnhofstrafie und nun erst dämmerte eS bei ihm aui, dafi er Bauernsängern in die Arme gefallen war. Er fuhr schnell nach Berlin zurück und alarmierte die Polizei, die die beiden Kartenkünstler auch bald zur Strecke brachte. Inzwischen hatten diese einen zweiten Landwirt S. nach derselben Methode in kürzester Frist um 1999 Mark geprellt.— DaS G ericht verurteilte die beiden gemeingefährlichen Gauner zu je fünf Jahren Zucht- Haus. Kau» Kegelu nach 10 Uhr polizeilich verboten werden? Das Oberverwaltungsgericht hat in einer kürzlich er- gangenen Entscheidung diese Frage grundsätzlich für die Fälle bejaht, in denen das Kegeln die Nachtruhe stört. Die Polizeiverwallung von Altona erliefi an den Casöwirt Böttcher folgende polizeiliche Verfügung:.Der Betrieb Ihrer beiden Kegelbahnen stört die Nachtruhe der Bewohner deS HauseS Flott- becker Chaussee 14 in dem Matze, dafi nach dem Gutachten deS Stadt- arzles deren Gesundheit leidet. ES wird Ihnen eine Exekutivstrafe von 39 Mark für jeden Fall angedroht, wo auf den gedachten Kegel« bahnen nach 19 Uhr abends gekegelt wird." Die von B. beim Regierungspräsidenten und beim Oberpräfi- denten in Schleswig erhobenen Beichioerden wurden aus den Gründen der polizeilichen Verfügung abgewiesen. B. klagte darauf beim OberverwallungSgericht auf Aufhebung der Verfügung. Das Oberverwaltungsgericht wies die Klage des W i r i S a b. ES führte in den Gründen aus: Es stehe fest, dafi das Kegeln an mehreren Tagen der Woche bis 12 und 1 Uhr nachts gedauert habe und dafi der Lärm so deutlich in den an der Hinter- front des Hauses belegenen Schlafzimmern zu hören war. dafi an eine Nachtruhe während dieser Zeit nicht zu denken gewesen sei. Der Senat gebe auch davon aus, dafi die Zeit der Nachtruhe von 19 Uhr abends an gerechnet werden müsse. Unter den obwaltenden Umständen fei«ine Gesundbeitsgefährdung durch Störung der Nacht- ruhe anzunehmen. Deshalb sei die Polizei befugt gewesen, ihre Verfügung zu erlassen. Die Befugnis leite sich her aus§ 19. Teil 2, Titel 17 des Allgemeinen Landrechts, der in der ganzen Monarchie gelte und wonach die Polizei unter anderem die Aufgabe habe, dem Publikum oder einzelnen seiner Mitglieder drohende Gefahren abzu- wenden. 1?lls aller Welt. Ei« salomonisches Urteil. AuS Hessen wird der»Franks. Ztg." folgendes Geschichtchen er- zählt: Zwischen den Einwohnern von Viernheim und Wein« heim besteht seit längerer Zeit ein gespanntes Verhältnis, das be« i anders zum Ausdruck kommt, wenn die Bewohner beider Orte ge- meinsam die elektriiche Bahn nach Mannheim benutzen. Da gibt«S zuweilen nicht nur Reibereien, sondern auch Tätlichkeiten, so dafi schliefilich das Bezirksamt einschreiten muhte. Diese» gab die Sache an die zuständige Eisenbahngesellschast zur Entscheidung, die nun mit salomonischer Weisheit entschied, dafi die Weinheimer bei Benutzung der Bahn nur in dem Motorwagen, die Biernheimer nur in dem An- Hängewagen Platz nehmen dürfen. Seitdem herrscht Ruhe zwischen den feindlichen Brüdern._ Zur Explosion in Le Havre. Noch amtlicher Angabe fanden bei dem ExplosionSunglück in der belgischen Munitionsfabrik in Le Havre I3ö belgische Ossi ziere und Soldaten ihren Tod. 299 Personen wurden schwer und 899 leicht ver- wundet. Die vielfach austretenden Gerüchte von einem ver- brecherischen Anschlag aus die Munitionsfabrik haben sich bisher nicht bestätigt. Knabcnmord in Schlesien. In der Gegend von Tannhausen wurde aus einem Teiche die Lerche de« 14 jährigen Schuhmacher- lefrlingS R a j ch k e gelandet. Der Tote, dessen Füfie zusammen- aeoundcn waren, wie» eine schwere Stichwunde am Schädel auf. Als inutmafilicher Täter wurde der Lehrkollege de« R., der 15 jährige Lehrling Franke, verhastet. Die Zahl der Millionäre in Breslau beträgt nach den soeben veröffentlichten Hauptergebnissen über die Beranlagung zur Staats» einkommen- und Ergänzungssteuer zusammen ISS. Von diesen ver- steuern 138 ein bis zwei Millionen Mark, 49 zwei bis vier Mllionen Mark, 5 vier bis sechs Millionen Mari. 3 sechs bis acht Millionen Mark, einer 9.2 Millionen Mark und die beiden reichsten zusammen 27 Millionen Mark. Strenge Kälte in Schwede«. Wie„Rational Tidende" aus Stockholm möldet, herrscht in Schweden eine außerordentliche Kälte. In der Umgegend von Stockholm ist gestern das Thermo- meter aus 2 5 Grad Celsius unter Null und in Jemtland aus 53 Grad Celsius unter Null zurückgegangen. Äußer» dem weht noch ein heftiger Nordsturm, der bereits vielfach Verkehrs- störungen zur Folge gehabt hat. So erleiden die Exprehzüge von Stockholm südwärts und nordwärts mehrstündige � Verspätungen. Die bisher in" Schweden gemessen« niedrigste Temperatur betrug 49 Grad Celsius unter Null im Iah« 1881. Verlustlisten. Die Verlustliste Nr. 412 der preußischen Armee enthält Verluste folgender Truppen: Infanterie usw.: Garde: 3. und 4. Gardc-Regiment z. F.; 1. Gavde-Res.-Regiment; Garide-Grenad-ier-Regimenter Alexander und Elisabeth; Gacke-Füsilier-Regiment; Gavde-Reserve-Jäger- und Garde-Schutzeu-Bataillon. Grenadier- bzw. Infanterie- bzw. Füsilier-Rsglmenter Nr. 1, 3. 4(f. Res.-Jns.-Regt. Nr. 2571, 8, 10, 11, 18 bis einschl. 21, 24, 25, 41, 43, 44, 49, 53, 54, 55, 59(f. auch GebirgS-Maschinengew.-Abt. Nr. 2151, 61 bis cinichl..67 �letzteres s. R-es.-Jns.-Regt. Nr. 46>, 69,. 71(f. auch Gebirgs- Maschinengew.-Abt. Nr. 222 und 223), 75 bis einschl. 78, 89, 82, 83, 84, 97. 98(letztere beiden s. Res.-Jns.-Regt. Nr. 46), 116(s. Land- wehr-Jns.-Regt. Nr. 83), 117, 128, 129, 139, 135, 136, 138, 149. 144. 145, 147, 148. 149, 151 bis einschl. 154, 158 bis einschl. 161. 163 bis einschl. 172, 339, 332, 343, 345, 347. Reserve-Fnsanterie-Regi- menter Nr. 2, 7, 8, 18 bis einschl. 22, 24, 38, 49, 46, 55, 64, 65,. 66, 68, 69. 74. 75(f. auch Res.-Jnf.-Regt. Nr. 46). 77. 89, 8t, 82, 109, 118, 130, 204, 226, 227, 229 bis einschl. 233, 249 bis einschl. 255, 257. Res.-Ers.-Jnf.-Regt. Nr. l. Laudw.-Jns.-Regimenter Nr. 2 bis Shrschl. 5 9, 10, 18, 20, 21, 22. 24, 38; 39, 49, 51, 53, 65, 68. 78, 75, 76, 82, 83, 109. Landst.-Jns.-R egi menter Nr. 3, 8, 9, 19, 29. 5. Land- sturm-Jnfanterie-Ersatz-Bataillon Braunschweig(s. Landjt.-Jns.- Regt. Nr. 19) und 2. Gießen. Jäger-Bataillone Nr. 3, 4, 7, 19; Reserve-Bataillon Nr. 20. Gebirgs-Maschinengewekr-Ahteilungen Nr. 215, 222, 223; Feld- Maschinengewehr-Zug Nr. 254(f. Landsl.- Jnf.-Regt. Nr. 9); Festungs-Maschinengewtt>r-Kompagnie Nr. 4 Straßburg. Kavallerie: Kürassiere Nr. 3; Dragoner Nr. 4, 5, 18. Feldartillerie: 1. Garde-Regiment. Regimenter Nr. 3, tt, 14, 17, 37, 38, 40, 42, 52(f. Res.-Feldart.-Regt. Nr. 1), 62, 74..80, 88, III, 201, 213, 228, 237; Res erve-Reg-imenter Nr. 1, 19, 12, 17, 48, 67, 68; Landwehr-Reg-iment Nr. 3. Fcldartillevie-Abt. Nr. 293; Landwehr-Abteilung der 4. Landwehr-Divifion. Gebirgskanrmen- Abteilung Nr. 1. Pioniere: Regimenter Nr. 23, 29, 39; Bataillone: II. Nr. 3, I. Nr. 4, l. Nr. 6, l. Nr. 16, II. Nr. 27, III. Nr. 28; Kompagnien Nr. 112, 229, 233, 241. Mraenwerfer-Kompagnie Nr. 216; Mittlere Minenwerfer-Abteilung Nr. 159. Verkehrstruppen: Armee-Telegraphen-Abteilung Nr. 2. Fern- sprech-Abteilungen des 18. RefervekorpS, der 3. Reserve-Division sowie Nr. 7 und 31. Feldfliegertruppe. Tvain: Reserve-DivisionS-Brückeutrain Nr. 7 der 7. Reserve- Division. Landsturm-Tvain-Eskadron des 17. Armeekorps. Pro- vicmtkoloune Nr. 2 der 1. Garde-Reserve-Dirnsion; Schwere Proviantkolonne Nr. 6 des 15. Armeekorps. Fuhrparllolonne Nr. 69 der 25. Reserve-Division. Etappen-Hilfsbäckereikolonne Nr. 2 des 4. Armeekorps. Pfevdedepot der 3. Garde-Fnfanterie-Division. Etappen-Wagendepot der Avmee-Abteilung Woyrsch. Munitionskolonnen: Jnfanterie-Munitionskolonne der 197. In- fanterie-Division. Artillerie-Munitionskolonne Nr. 2 des 3. Armee- korps. Reserve-Artillerie-MunitionSkolonne Nr. 61 der 47. Ref.- Division. Land-wsh r-Fuß a rt.- M u nitio n Sko lonne Nr. 4 der 88. In- fanterie-Division. Etappen-Munitionskoloune Nr. 129. SanitätS-Formationen: Sanitäts-Kompagnie Nr. 1. der 3. Garde-Jnfanterie-Division. Nr. 3 des 17. Armeekorps und Nr. 79 der 4. Kavallerie-Divifion. Gebirgs-Sanitäts-Kompagnie Nr. 292. Feldlazarett 4 des 8. Armeekorps(s. Jnf.-Regt. Nr. 20). ArtnierungSBataillone Nr. 17, 20, 35, 80, 81, 103. »* Di« bayerisch« Verlustliste Rr. 242 enthält Berichtigungen früherer Verlustlisten._ Eingegangene Druckschriften. Von der.Neue« Zeit-» ist soeben das 13. Heft vom 1. Band deS 34. Jahrgangs erschienen. AuS dem Inhalt deS Heiles heben wir hervor: Rußland als Nattonalitätenstaat. Von S. Semtowskh.— Der rote Fade» der preußischen Geschichte. Von F. Mehring.— DaS politische Ideal und die praktilche Politik. Bon Edmund Fischer.— Zur Technik der Landwirt- schast. Von Karl Marchionini.— Literarische Rundschau: Dr. L. Löwen- seid, Ueber den Nationalcharakter der Franzosen imd dessen krankhafte Aus- wüchse(Psychopathia gallica) in ihren Beziehungen zum Wellkrieg. Von Gg. Engetdert-Gras. Das englische Gesicht. Von G. Elkstein.— Notizen: Rußland und wir. Bon E. Pernclitorsser. Internationalismus oder„Lo- totuditmuS"? Von 8p.— Anzeigen: Hermann Schlüter, Die Chartisten- bewegung. Arbeiterinteresien und Kriegserlebnisse. Von der.Gleichheit--, Zellschrisi für die Interessen der Arbeiterinnen itt uns soeben Nr. 7 de« 2b. Jahrganges zugegangen. AuS dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Friede!— Was uns«oi tut. Von Luise Zietz.— Der Aarauer Parteitag und die Frauen. Pon Z.—(Sc- Werks chasUiche Rundschau.— Genosienschasttiche Rundschau. Von H. P.— Notizenteil: Für den Frieden.— Arbeitslosigkeit der weiblichen Erwerbs- tätigen.— Frauenstimmrecht.— Fürsorge für Kriegerfamilien.— Frauenarbeit. Pom„Wahren Jacob-- ist soeben die zweite WeihnachtSnummer erschienen._ Sriefkasten der Redaktion. Sie lurtsltl»« Sprechstunde findet sttr»donnenten Lwdrnftr. S, IV. Pol rechts, parterre, cm Montag bis gretlag von t dt» 7 Uqr, am Sonnabend von 6 tt» 8 Uhr statt. Jeder für den Briefkasten bestimmten Anfrage ist ein Buchftab« und ein« Ladt al» Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erleilt. Anfragen, denen keine AbonnementSaviliung beigefügl ist. werden nicht dcantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. lveelrtg«, Schriftstücke und dergleichen bringe man in die Sprechstunde mit. Am Weihnachtsheiligabend sowie am t. und 2. Weihnachtsfeiertag fällt die juristische Sprechstunde aus. M. B. 74. Die Reparatur hat selbfwerständlich der Wirl zu leisten. — 51. R. 46. 1. Da die Operation als nicht erheblich erachtet Iverdcn wird und Dienstjäbigkeit nach dieser Operation eintreten dürste, so muß sich der Sohn dieser unterziehen. 2. Aus Grund eine» dienstlicheti Befehl» kann die Operation vorgenommen werden.— P. K. 38. Das Aller spiell dabei keine Rolle, nur die Höhe deS Lohnes. Die Frau soll sich bcschwcrdesührend an daS BersicherungSamt, Klosterstraße 67, wenden. — LarlShortt 41. 1. Ja. 2. Mit Erfolg läßt sich dagegen nichts tu«. 8. Nein, die Mitgliedschaft ist jedenfalls erloschen, weil ver- säumt wurde, Beiträge zu zahlen oder well das Mitglied ausgesteuert ist. Eingegangene Druckschristen. AuS der Werkstatt des Krieges. Sin Rimdblick über die organi- satorische und soziale Kriegsarbeit in Lesterreich-Ungarn. Herausgegeben von Oberstleutnant A. Veltze. Pappb. 3,29 Kr. Manz, Wien 1. Handbuch für Heer und Flotte.(Lieser. 85.) Herausgegeben von G. v. Alten, Generalleutnant z. D. 2 M. Bong u. Co., Berlin IV. 57. Taschenbuch der Kriegsflotten 1615.(Nachtrag.) Herausgegeben von Kapitänleutnant B. Weher. 1 M. I. F. Lehmann. München, Draußen im Felde. Von C. Pgbsl. 44 S. Verlag: Schristleitung der.Zeitung der 19. Armee", Wilna, Berhardinerstr. 2. GM M WA MW G 0» 0 GM GM kaufen Sie von Kavalieren wenig gebragene Boryie im Versatz gewesene Jackett- und Kocl.- __ l_ m m I 1 II A Äö ansttce, Paletot«, rister, Serie I: 10—18 51.. Sehe II:£0—80 51.. größtenteils auf Seide fflinn rllin»» W I I e» IR I �> kW LÜH � Kemer Selegsndeitskaufe in neaee ZlaSgrai-cker-ode, enorm dillig. Biesenposten Kleider, II II»' W�WW III llllll'ZII rte KoHtttme, Plttachmitntel. auf Seide, jetzt nur ÜO 35 51. 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Dezember verstorbe», und der Lackierer Otto Hiller [am IL Dezember verstorben ist. «hre tt-rem Andenke»! Die Beerdigungen habe» bereits I stattgefunden. 137/13 Die Qrtsverwaltnug. llenvcner golzarbellenerband. ladlrtvll» Vvell». De» Mitglieder» zur Nachricht, daß unser Kolleg«, der Dichter Reinhold litsehke Treptow, Schraderstr. 18, im Alter von gg Jahre« ge- starben ist. i?hrr seinem Andenke»! Dt« Beerdigung findet am Sonnabend, de» 28. Dezember. nachmittags 3 Uhr, auf dem Se- meindefriedhof in der Kiefholz. (trotzt statt. Um rege Beteiligung ersucht 91/1« Die Ortsverwaltung. Zum Sterbetage meines lieben, unvergetzlichen Manne» und Vaters Msx Rusch 23 Tiefe« Dezember 1914. Schweigen herrscht an Deinem Grabe, kSehmut im verlassenen HauS, Und die Liebe spricht in dielem Nachruf ihre Schmerzen aus. In fchmerzlicher Srinnerung Frau Fmma Rusch und Kinder. Pankow, Florastr. 20. STA Danksagun ittunfl. Astr die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung memeS Ileben Manne«, de« BraueieiaibeiterS Wilhelm Wwzrneo sage ich allen Bekannten sowie dem Zenlralverb. d. Brauerei» und Miihlenarbeiter, den Kollegen d. Patzenh. Brauerei Abt. t u. 2, den Gen. de» 2. Verl. Reichst.» Wahlkr. u. insbesondere sür die trost- reichen Worte de« Herrn Roth meinen herzlichsten Dank. 28b 9k»«. stvguvt» 9kaga«e geb. frdmel. Katzlerstr. 3. Berlin SW, Lindenstr. 3 Stumschreit au hlludrrt Iahrea. Dichtungen von Plate«, Chamifl», Beranger, Herwegh, Freiligrath,«eller, Turgenjew, vjirnson, Henckell, Gorki, Pre ezaug, Diederich u. a. Herausgegeben von Dr. Franz Diederich Preis 60 Pf. ■ drme schhch-spielS IMÜHLE-IM-K Zusammen 50 Pfennig »orto tO Pfannig Leicht in der Tesche und Im Tcrnistep su tragen. 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Bergmann, Ratzel. Zola, Dtaupastant. e«nonnt«, Tolstoi. : SarschilL Turgensesf, Wall Whinna». Da« Buch geh» darauf aas, drn ! Menschen zu zeigen, d« das sch»«« Schlaf al ftritg zu besteh eu hat. 3» der Vorwärts-Bidliokhet find ferner erschienen: Bd. 1. Srwedt. Roman an« dem Proletarterleben von ?L Ger , 2. Der Ausweg. Ein« Srzähluna von Ernst Preczang * r 3. Da« Laad der Zukunft. Reisebeschrribunq von Leo Kolisch— Mit einer Einleitung v. Paul Söhre . 4. Verschrobene» Volk. Erzählungen von R.Srvhsch » S. Der Prinzipienreiter. Eine Erzählung au« dem Jahr>848 von Wilhelm Bio« , 6. In de« Tod getrieben. Zwei Erzählung« von Ernst Preczang , 7. Der Pariser Gare« und Auderr« voa Minna Kautsch » 3. Mutter. Ein Frauenschicksal»cm Zvh. Ferch , 9. Der Morgen graut. Erzählungen aus dem Prole- tarierleben von M Andersen- Rexö , Ist. 1000 Mark Belohnung. Kriminalroman von Äans tdyan '„IL Die AettereteL Eine humoristische Erzählung von O. Ludwig m 12. Vom Watsenhan« zur Fabrik. Geschichte einer Proletarierjugend voa S. S). Dikreiter , 13. Der Gotteslästerer. Roman au« dem Leben der erzqedirgischen Waldarbeiter von A. Ger '„14. Die Marketenderin. Erzählung au« der Zeit der Revolutionskriea« von Erckmann- Chatria»' , IS. Krtegsbries« an« Belgien und Rordsrautteich. Bon Dr. Koester und G. No«ke. Mit 3 Bildern und 1 Karte „ 16. Kriegsberichte an« Ostprenße«»nd Ruhlaad. Boa WNHelm Düwell. Mit 8 Bildern«. l Karte Di« vi»*|w«lchntU« Baudch«, ftud «chsstedi»«vif«« Zugend«apfohl« VlIIIl SlllM??! Verlin SW. 68. Lindenstraße 3. |«d«r Art Weih nachts- Verkauf ■eh«■ere-Kpmeew Echt AlMhsa-rweha Echt sti en-Hnraiel bisher M. 100.— bis M. 800- jetat M. 50.— bis M ISO.— bisher M. 86.— bis M. 160.— jetct U. 85.— bis M. 00— isher M. 46.— bis M. SO.— Jetrt ohne Aaanahm« M. 18.— u Pelz war en-F abrik tr Str. 58, 1 Tr.,,,�* Htzuts Ma 8 Uhr g«Sftnst. 3n Freien Stunden Verlag Buchhandlung Vorwärts � /�s Wöchentlich-1 ittusir. Heft, preis.11/1� In diesem Roman zeichnet die beliebte Erzählerin Leben und Schicksal eines Mädchens aus dem Volte, da» in die sogenannten ersten Sesellfchaftskreife gelangt, um dort in allen feinen Er. Wartungen von Glück bitter«nttäufcht zu werden. Betrogen in der Eh«, unbefriedigt von dem hohlen Wesen ihrer Umgebung, flüchtet sie au» dem Hause ihres Manne», erlebt als Kranken- fchwester die Schrecken des Kriege» und rettet sich endlich zum Sozialismus empor. In den Kreisen der russischen Revo» lutlonäre in der Schweiz finden wir sie wieder! ein Jugend» freund und Gesinnungsgenosse begegnet Ihr, und zum zweiten Male entscheidet sich ihr Schicksal Durch seinen Stoff sowohl wie durch die packende, immer lebhaft« Darstellung wird der Roman bei jedem Sozialisten eh» starte» Interesse finden, und namentlich die weiblichen Leser werden das Schicksal ihrer Gefinnungsgenosfin mit wachsen. der Teilnahme verfolgen. Di» Bilder zeichnet Professor I. vamberger- München. Reben dem Hauptroman erscheint zunächst: Oie Belagerung von Pfalzburg. Erzählung von Erckmann-Ehatriaa. vtes« Erzählung schildert eine Episode cm» den napoleonischen Kriegen: dos Zurückströmen der geschlagenen französischen Vrmee durch Lothringen, das mit Bangen erwartete Rahen der feind» lichen Heere, die Vorsichtsmaßregeln in der Stadt und schließ- llch die Belagerung selbst mit all ihrer Verwirrung Angst, Rot und Schrecken. wettere Erzählungen werden folgen. Jede» Heft bringt außerdem leichtverständlich« wissenschaftlich» Aufsätze und Notizen aus allen Leben», und Wissensgebieten. Luch dem Humor wird ständig eine Ecke etngeräumL Bitte genan auf Namen nnd Haannummer s«s achten. ftBWBIHWW JMMttaxi ayw rouwa MItMa. TRUSTFREI!-GEORG A.JASMATZI AKTIENOESCLLSCMAFT- TMfSTFMl I SR t-s SfUHUenftU USUURtiA. kud».«ettstS:«itSSM»Mtl�erei l ÜHUdQ&nftaR Vaul SU�ei s So. BMU1