Nr. 859.- ZZ.Iahrg. flbonnementS'Bedlnaungen: HSonncnieni»• LrciS rtönumcranb«! BierteliäbtL S£0 M!. monatL UO Ml. wöchenilich 25 iiffl. frei ins Haus. Einzelne Nunnner S Sonnlag». numnm mil iDuftriraet Eonntaas- Leilage.Die Neue Seit'>0 P'a Bast- AbonnemeM' i.lll Marl pro Monal. Eingelrage» in die Von. Zeimnas. Vrcisiiiie linier Kreuzband iür Deuifibland und Oeiierrerch. Ungarn 2.50 Mar! iflr das übrige Ausland « Marl vro Monal. Vollabonneincnl» nebmen an: Selglen. Tänenrarl, Holland. Jlalien. Luxemburg. Porlugal. Kimänren. Schweden uns die Schweis CrMieint tägllit Berliner Volksblnlt. ( 5 Pfennig) Die Tnferfions-- Gebühr betrügt für die sechsgespailene Kolonet- zeile oder deren lliauni so Pfg.. für politische und gewerkschaftliche Lerein-» und Versmnnilungs-Anzeigcn 50 Pfg „Allein- Hnzctgcn", da- seiigedruckie Wort 20 Psg.(zulassig 2 sellgedrnckie Worte), iedes weitere Wort 10 Pfg Stellengesuche und Schlasstcllenan zeigen das erste Wort 1u Pfg.. iedea weitere Wort 5 Psg. Worte über l ö Bi'ch. tlaben zahlen für zwei Sorte. Alilcrate W..die nächste Nummer niüisen bis S Uchr nachmittags in der Exliedftion ildgegeben werden. Die Srvedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: �oziiilitemollrat stellill". Zcntralorgan der rozialdcmokrattfcbcn Partei Deutfchlatida. RedoEtlon: EW. HS, Lwöenstraße 5. Fernsprecher:'Am, Morivpla«, Nr. ISl Sv— läl S?. Donnerstag, den 39. Dezember 1915. Expedition: SW. öS, Linöenftraße 3. Fernsprecher: Amt Moripplat«. Nr. läl 30-131 97. England vor Einführung der Dlenftpflicht Die Dienstpflicht in Engianö. Nach den neuesten Meldungen aus England hat sich der Kabinettsrat am Dienstag zum Grundsatz der D i e n st- Pflicht bekannt. Zwar entbehren die vorliegenden Depeschen in mancher Beziehung der Klarheit, aber soviel scheint festzustehen, daß die Regierung nicht länger auf die festländische Rckrutierungsmethodc verzichten zu können glaubt und daß sie dem Parlament innerhalb kurzer Frist einen ent- sprechenden Gesetzentwurf vorzulegen beabsichtigt. Eine Entscheidung von gewalsiger Bedeutung! Ein Prinzip, an dem die große Mehrheit des britischen Volkes bis zum August 1914 mit zäher Hartnäckigkeit festgehalten hat, wird aufgegeben. Das Ringen, das englische Kricgsidcologcn als die epochemachende Auseinandersetzung zwischen dem demokratischen Frciheitsgedanken und dem preußisch-deutschcn Zwangs- und Unterdrückungssystem hingestellt haben, zeitigt einstweilen den Erfolg, daß England dieses„Zwangssystcm" in einem der wichtigsten Punkte übcrnininit. Der Mi- litarismus, den es besiegen wollte, zwingt das Insel- reich, selbst zum Militarismus seine Zuflucht zu nehmen. Der Staat, der sich am längsten dagegen gcivchrt hat, auf militärischem Gebiete die Konsequenzen aus der kapitalistischen Entwicklung zu ziehen, ist im Begriff, mit den Mächten des europäischen Festlandes in Reih' und Glied zu treten. Bis in die letzten Tage hinein war es recht zweifelhaft, ob das Kabinett zu dieseni Entschluß kommen würde, und besonders in liberalen Kreisen ging die Meinung dahin, daß die einander widerstrebenden Elemente innerhalb des Ministe- riums sich auf ein Kompromiß einigen würden, durch die die Einführung der Dienstpflicht noch einmal hinausgeschoben würde. Aber die Befürworter der„Berprcußung", die Northcliff- Presse an der Spitze, arbeiteten fieberhaft, und sie hatten im Kabinett energische Freunde und Vertrauensleute, unter denen Lloyd George, der Minister für Munition und Demagogie, der eifrigste war. Ihre Stellung wurde wese«tlich gestärkt durch ein Versprechen, das zu Beginn der letzten in so großem Stil und mit so viel Tamtam unternommenen Rckrutierungskampagnc vom Premier mini st er abgegeben worden war. Sollten, so ungefähr hatte sich Asquith geäußert, nicht genug unver- heiratete Männer dem Ruf des Königs Folge leisten, so werde er sich dem Zwang nicht länger widersetzen. Nun sind die Ergebnisse des gewaltigen Werbungsuntcr- nehmens noch nicht öffentlich bekannt. Die Hoffnung, sie in der Sitzung des Unterhauses zu erfahren, in der man die Verstärkung des Heeres um eine Million beschloß, wurde ent- täuscht; Lord Derby, der Leiter der Propaganda, versicherte um dieselbe Zeit iu einer Versammlung zu Bolton, ihm selbst ständen die genauen Zahlen nicht zur Verfügung. Aber es heißt, daß die Ziffer der Unverheirateten weit hinter den Er- ivartungen zurückgeblieben sei und daß in den Listen eine verhältnismäßig viel größere Anzahl von Ehe- männern stehe, die sich an die Zusicherung hielten, sie kämen erst nach den Junggesellen dran. Herr Asquith muß jetzt, wenn er nicht wortbrüchig werden will, sein Ver- sprechen einlösen, und auch die hier und da versuchte Ausrede, das Kabinett sei durch die Worte seines Leiters nicht gebunden, hat nichts daran ändern können, daß die Mehrheit der zwei- undzwanzig oder drciundzwanzig Kabinettsmitglieder den Augenblick für den Bruch mit dem Freiwilligen- system für gekommen erachtet. Und diese Mehrheit ist allem Anschein nach recht groß, denn während man noch am Dicnstagvormittag Grey, Balfour, Lord Creme, McKenna, Hareourt, Henderson und andere als Gegner der alsbaldigen Einführung der Dienstpflicht nannte, wird in den letzten Meldungen die Opposition als sehr gering- fügig bezeichnet, und die„Westminster Gazette" stellt fest, daß es zu einer Spaltung in der Regierung nicht kommen werde. Dasselbe liberale Organ sagt auch eine glatte Annahme der zu erwartenden Vorlage im Parlament voraus. Die sehr kleine Minderheit, von der man im Unterhaus Widerspruch erwarten dürfe, werde bald zum Nachgeben gezwungen sein. In der Tat ist bei der Struktur des englischen Parlaments und bei der Abhängigkeit des größten Teils seiner Mit- glieder von der Koalitionsregierung und den Partcimaschinen an der Gesetzwerdung der Bill nicht zu zlneifeln; allein ganz so glatt, wie die„Westminster Gazette" annimmt, wird die Sache am Ende doch nicht verlaufen. Die häufigen Debatten über das Problem haben bewiesen, daß eine numerisch zwar verhältnismäßig schwache, aber doch recht rührige und euer- gische Minderheit vorhanden ist, die sicherlich nicht ver- absäumcn wird, jetzt, wo die Frage ans dem Stadium akademischer Erörterungen berausgetreten ist, der Regierung alle möglichen Schwierigkeiien zu bereiten. Unter diesen Gegnern spielt die Arbeiterpartei die geringste Rolle; Meiöms des Grsgen öWWllim. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 29. Dezember 1915. lW. T. B.s Westlicher Kriegsschauplatz. Westcnde wurde wiederum durch einen feindlichen Monitor beschossen, diesmal ohne jede Wirkung. Der gestern berichtete feindliche Vorstoß am Hirz- stein brach bereits in unserem Feuer zusammen. Am Abend griffen die Franzosen zweimal die von uns zurück- eroberten Stellungen auf dem Hartmanusweiler- köpf au. Nach dem ersten Angriff wurde der Feind überall sofort wieder vertrieben, die Kämpfe um einzelne Grabenstücke nach dem zweiten Angriff sind noch im Gange. An Gefangeucu büßten die Franzosen bisher 5 Offiziere und über 299 Mann ein. Die Engländer verloren gestern zwei Flugzeuge, von denen das eine nordöstlich von Lens durch das Feuer unserer Abwehrgeschütze zur Landung gezwungen, das andere, ein Großkampfflugzeug, nördlich von Ham im Luftkampf abgeschossen wurde. Am 27. Dezember verbrannte ein weiteres englisches Flugzeug westlich von Tille. Oestlicher Kriegsschauplatz. An der Küste bei Raggasem suordöstlich von Tukkum) scheiterte der Vorstoß einer stärkeren russischen Abteilung. Südlich von Pinsk wurde eine rnssische Feldwache überfallen und anfgehoben. Balkaukriegsschauplatz. Nichts Neues. Oberste Heeresleitung. »* Set KmeilMe MmWvslmW. Wien, 29. Dezember.(W. T. B.) Amtlich wird ver- lautbart: 29. Dezember Russischer Kriegsschauplatz. An der b e s s a r b i s ch c n Grenze wiederholte der Feind gestern seine von starkem Arlillcriefcucr eingeleiteten Angriffe in der Tags zuvor geübten Art. Seine AiigriffSkolonncn brachen überall— stellenweise knapp vor unseren Hindernissen— unter unserem Klcingcwchr- und Gcschützfeurr zusammen. Die russischen Verluste sind groß. Ocstlich Burkanow nahmen wir einige Sicherungsabtcilungen vor stärkeren russischen Kräfte» näher gegen unsere Hanptstcllung zurück. In WolHynie» stellenweise Geschützkampf. Italienischer Kriegsschauplatz. Auch gestern hielt die lebhafte Tätigkeit der Italiener an der Süd- und Südostfront Tirols an. Im Sugano-Abfchnitte wurde ein feindlicher Angriff auf den Monte Carbonile ssüdöstlich Barco) abgewiesen. Ebenso scheiterten nächtliche Unternehmungen des Gegners im Col di Lana-Gcbicte. An der küstenländischcn Front fanden an mehreren Stelle» Geschütz-, Handgranaten- und Mincnwcrserkämpfe statt. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Lage unverändert. Keine besonderen Ereignisse. Der Stellvertreter des Chefs des GeneralstabeS. v. H o e f e r, Feldmarschallcutnant. denn es sind eigentlich nur die auf dem Boden der Unabhängigen Arbeiterpartei stehenden Abgeordneten, die den Mut zum Widerstand besitzen. Wer da sind eine Anzahl sehr eifriger und sehr gewandter Radikal-Libevalen, und da sind vor allein die Iren, deren Opposition nur in dem Falle abzu- schlvächen wäre, wenn die Regrerrrng, was man noch nicht weiß, Irland von den Segnungen der Wehrpflicht aus- schließen wollte. Weit größere Hindernisse als im Parlament werden dem neuen System unter allen Umständen i m L a n d e erwachsen, denn dort wurzelt die Abneigung gegen die Zwangsrekru- tierung noch immer sehr tief. Wir erinnern uns des ein- stimmigen Beschlusses des Bristoler Gewerkschaftskongresses vom September und wir sehen, wie in der letzten Zeit zahl- reiche Versammlungen, die hauptsächlich von Arbefiern be- sucht waren, scharf gegen die Pläne der Dienstpflichtanhänger Front machen. Die bekannten Gründe werden da immer wieder ins Treffen geführt: die Wehrpflicht bedeute den Bruch mit der Demokratie, sie sei eine Waffe in den Händen der Gegner der Arbeiterbewegung, sie unterminiere die bürgerliche Freiheit. Außerdem sei es nicht wahr, daß das Frei- willigensystem bankerott gemacht habe. Tic Regierung solle nur die Familien der Soldaten, die Hinterbliebenen und die Invaliden besser unterstützen, sie solle den Anzuwerbenden die Sicherheit geben, daß sie nach dem Kriege unter den von den Gewerkschaften ausgestellten Bedingungen wieder Be- schäftigung fänden, und sie solle vor allem einmal das Kapital„k o n s k r i b i c r e n", d. h. die vom Kriege pro- fitierenden Unternehmungen durch Verstaatlichung ebenso in den Dienst des Vaterlandes stellen, wie die Arbeiter, die man entweder unter das Joch des Munitionsgesetzes beuge oder in die Schützengräben schicke. Dazu kommt dann der Widerspruch aus den: Lager der Wirtschaftspolitiker, die von der weiteren Verstärkung des Heeres eine Schwächung der int Interesse der englischen Weltstellung notwendigen Export- industrie befürchten, und endlich jener nicht ganz gering an- zuschlagende Widerstand der Quäker und anderer Elemente, die sich aus religiösen und Gewissensbcdcnken die Freiheit des Entschlusses zum Eintritt ins Heer nicht rauben lassen wollen. Es wird harte Kämpfe kosten, indessen schließlich wird auch im Lande die Regierung die Hindernisse überwinden, denn der Hinweis aus die militärischen Mißerfolge isl ein starkes Argument, und die Tinge haben sich so zugespitzt, daß nur die Alternative übrigzubleiben scheint: Dienstpflicht oder baldiger Friede. Solange für den Frieden die internationalen diplomatischen Voraussetzungen fehlen und die Massen nicht einsichtig und stark genug sind, die Rc- gierenden zur Schaffung und Anerkennung dieser Voraus- setzungeu zu nötigen, wird einstweilen der Militarismus von Triumph zu Triumph schreiten. London, 29. Dezember.(W- T. B.) Reuter meldet: Der gestrige Kabinettsrat wird sich wahrscheinlich als einer der>v i ch t i g st e n in der britischen G e- schichte herausstellen. Es wurde bei dieser Beratung tat- sächlich den großen Meinungsverschiedenheiten über den Militärdien st ein Ende gemacht. Die Erklärung A s q u i t y s, daß D i e n st p f l i ch t notwendig ist, kam nicht unerwartet und wurde im allgemeinen gut aufgenommen. Die Opposition gegen die D i e n st p f l i ch t im Kabinett ist sehr klein und im Gegensatz zu den übertriebenen Gerüchten glaubt man, daß die Minister, welche ursprünglich dagegen waren, jetzt im Amte bleiben werden. Die„Times" schreibt, daß das Kabinett gestern tat- sächlich zu dem Entschlüsse gelangte, iu Bälde einen Gesetzentwurf zur Einführung der Dien st Pflicht dem Unterhause vorzulegen. Das Blatt glaubt, daß die rasche Entschließung dem kräftigen Auftreten Lloyd Georges zu verdanken sei, der durch einige Unionistcn unterstützt wurde. Aus verschiedeucu Gründen werden im Kabinett vielleicht einige Ver- änderungen vorgenommen werden, aber Tatsache ist, daß der Vorschlag, die Dienstpflicht einzuführen, auf außer- ordentlich wenig Widerstand gestoßen ist. Versenkung eines montenegrinischen Segelschiffes. Cet'uijc, 28. Dezember.(W. T. B.) Meldung der Agence Havas. Ein ö st erreicht ich-un garische SUnlerseebool hat am 28. Dezember bei San Giovanni di Medua ein m o n t c- negrinischeS, init Lebensmitteln beladenes Segelschiff versenkt, welches mit einer kleinen Kanone den Kampf aufgenommen halte: fein Geschütz wurde aber bald gebrauchsunfähig gemacht. Die Ruffen in Persien. Teheran, 28. Dezember.(W. T. B.) Meldung des Rcuterfchcn Bureaus. Die Russen haben K a s h a n besetzt und marschieren gegen I s P a h a n. slus öer rumänischen Kammer. Bukarest, 28. Dezember.(W. T. B.) Kammer. In der Fortsetzung der Adretzdebatte ergriff der ehemalige Minister Peter Carp das Wort und sagte: Wir müssen uns Rechenschaft darüber geben, inwieweit die kriegführenden Staaten die Er- reichung des rumänischen nationalen Ideals beeinflussen. Zu diesem Zwecke müssen wir die Luft von einer Reihe von Legenden reinigen, die den Blick unsicher machen. England hat als Kriegs- grund die Verteidigung der kleinen Staaten angegeben. Wir haben gesehen, wie England sie verteidigte Die Wahrheit ist, daß es die Verteidigung jener Staaten nur übernvmmcn hat. um sich ihrer zu bedienen. England behauptet, daß es sein Schwert gegen den deutschen Imperialismus gezogen habe; Frankreich stellt sich als Verteidiger der �ivilffation hin. Der geführte Kampf ist in Wirklichkeit eine Zerstörung der gemeinsamen Zivilisation. Rußland schlägt sich im Namen der Orthodoxie und des Pansla- wismus. Der wahre Grund für den Krieg ist bei Frankreich die Wiedererwerbung der verlöre- nen Provinzen; bei England liegt der Grund darin, daß es eine deutsche MachtentfaU-�ng gc- seh e ii hak, bic s i ch in dem Worte b eZ b c u t s ch e n Kaisers a u S b r ü ck!, d a h Teutschlands Zukunft a ii f d e in W a s s e r liegt. R n tz l a n d aber will K o.1- st a n t i N v p c l, Sie Dardanellen, das Schwarze M e e r u n d die D o n a u m ü u d u n g e u. Welches hiervon sind Absichten, die gegen uns gerichtet sind? Glauben Sie, daß wir das Ideal, von dem Moldoveanu gesprochen hat, verwirk- lichen rönnen? Ich glaube� nicht. Siebenbürgen können wir nur durch Zertrnnnncrnng der österreichisch-ungarischcn Monarchie erwerben. Die Bokuwiua würde Nutzland selbst be- halten, den Banal würde es den Serben geben. l!s würde ferner die Bedingung erfüllen, die es für den Frieden ein- mal bclanntgegebeu lnit, nämlich sich Galatz nehmen. (Unruhe. I Für Nntzland kann es natürlich nur ein russisches Ideal geben. Ein Teil der Moldau und die verlorene B u- f o min a r u s s t s ch, das Eiserne Tor in serbischen Hände n, also n u ch russisch. Bedeutet dies für S> e d: e V e r w: r k l i ch u n g I h r c s nationalen Jdeals?DieS ist also die Lage. Jeder Staat hat zwei Probleme: erstens das Pro- blem seines Bestandes, zweitens das feiner Ausdehnung. Bon Deutschland können wir natürlich auch nichts anderes erwarten. Die Wirk u n g der d e u t s ch c n M a ch t haben wir immer ge- fühlt und stets in einer uns wohlwollenden Weise. Die genaue Einschätzung der Wirklichkeit führt uns zu dem Schluß, daß N u in ii n i e n de n We g einschlagen mutz, der es da- vor bewahrt, Rutzlanos Vasall zu werden. Cuza(Nationaldemokrat) ruft: Also dann sollen wir Va- fallen Ungarns werden? Earp antwortet: Wir sind bisher nie Vasallen Ungarns ge- wescn und werden es niemals sein. Der Redner fährt fort: Es hat sich bei uns eine besondere Atmosphäre politischer Erregung und Unausrichtigkrit gebildet. Die Aeutzerung Moldoveanu s, daß die siebe nbürgtschcn Rumänen nur getrieben in den Kampf gehen, ist sehr bedauerlich Diese Worte waren eine Be- schimpfuug der Helden, die den Tod gefunden haben. Wenn die Agitatoren öffentliche Versammlungen halten, sollen sie ' igen: wir gehen mit Rußland und wir werden Siebenbürgen be- kommen; aber ein Stück der Moldau werden wir per- licrcu, die Meerengen werden geschlossen wer- den und man wird uns die Donanmündungen nehmen. Delavrancca ruft: Woher wissen Sic, daß Rußland das alles will? Earp erwidert: Die Sache ist bekannt, wenn es auch nicht gesagt wird. Unter diesen Bedingungen sagt der Redner, wird da,? r u in ä n i s ch e B o l k n i ch t mit Rußland gehen. Ein solches Bündnis würbe zur Folg? haben, Zr man si h unserer Armee und unseres Volkes bedienen würde, daß aber weder uns, Nock, den übrigen Rumänen genützt würde. Was sich heute bei uns abspielt, ist schon dagewesen. Es hat schon Zeiten gegeben, wo Agitatoren, die vorgaben, den Interessen der Ration zu dienen, in Wirklichkeit das Gegenteil toten. Earp schließt, indem er sich an den Ministerpräsi- deuten wandte: Sie leiden an llnentschlossenheit; fassen Sic einen Entichlutz und Sie werden nicht mehr leiden! Eine Stimme ruft: Belagerungszustand! Earp antwortet: Wer der lärmenden Menge nicht wider- stehen kann, ist kein Staatsmann. JchwünscheJhnen,Herr B r a t i a ra u, daß die Ereignisse S: e nicht hinter s i ch h e r z i e h e n ni ö g c n, sondern daß Sie in U e b e r- c i n st i m in u n g mit Ihnen gehen. Der französische Tagesbericht. Paris, 28. Dezember.(W. T. 23.) Amtlicher Bericht von Dienstag nachmittag. In den Vogesen lebhafte Ar- lilleiieläligkeit auf der ganzen Front des H a r l m a n u S Iv e i l e r- top fcs. Auf den östlichen Hängen in Richtung Rehfelsen brachten wir durch Sperrfeuer einen Versuch des Feindes, aus seinen Gräben vorzustoßen, zum Stehen. Von der übrigen Front ist nichts zu melden. Paris, 29. Dezember.(25. D B.) Amtlicher Bericht von gestern abend. In Belgien sprengte unsere Artillerie ein kindliches Munitionslager vor Slcenftraeie. Im Artois haben wir den Bahnhof von LenS und den Abschnitt von AngreS wirksam be. Udosien. In der Gegend von Reims rief das Feuer unserer Batte- licn auf die feindlichen Werke im Gehölz westlich von Prunay einen großen Brand hervor. In Lothringen hat unsere Artillerie die dculichen Werke in der Umgegend von Tomevre und Bremenil er« ig!., reich beschossen. In den Vogesen heftiger Geschützkampf zwischen La Plaine und Bonhomme. Am Hartinaimsweilerkopf haben wir uns einiger Geschützgräben zwischen den Spitzen Rehfelsen und Hirz- n-in. welche der Feind noch besetzt hielt, bemächtigt. Etwa hundert Gefangene, darunter ein Offizier, blieben in unseren Händen. Belgi scher Bericht. Der übliche Geschützkampf war vor dem Zentrum unserer Front ziemlich heftig. Unsere Batterien zer- störten nahe bei Dixmuiden Unterstände und Blockhäuser des Feindes. Die englische Meldung. London, 28. Dezember. Wie„Rjetsch" meldet, sind in der Bndgelkemmiision der ReiibSduma die künftigen Aus- gaben für Unterstützung der Kriegsinvaliden und Kriegsivitiven und zur Verzinsung der Kriegsanleihen auf jährlich anderthalb Milliarden Rubel veranschlagt worden, von anderer Teite wurde jedoch diese Schätzung für viel zu niedrig erklärt. Die Regierung beabsichtigt die Einführung von StaatSmonopolcn auf Zucker, Tabak, Petroleum und Versicherungsunternehmungen, um jene Ausgaben zu decken. Noch eine amerikanische IrieüensmWon? New Jork, 28. Dezember.(2B. T. 33.) Meldung des Reu:er- schen Bureaus. Präsident Wilsons Slbgesandter. Oberst House, der amerikanische Gesandte in Belgien. Brand Whitlock, und der M a r i n e a t t a ch e B o y- E d sind heule mit dem Dampfer»Rotterdam" abgereift. Mklage wegen Inszenierung von Streiks in amerikanischen Munitionsfabriken. New Ijork, 28. Dezember. fW. T. B> Meldung des Reuierschen Bureau». Das Kongreßmitglied Frank Buchannan, das frühere Kongreßmitglied Roberl Fowler, der frühere Generalanwalt von Ohio Francis Monnett, David Lamar, der Vorsitzende des Nationalen ArbeilerfriedensraleS Jakob Taylor sowie Martin und Hermann Echulters wurden heute vor der Anklagejury des Bundes« gerichts beschuldigt, sich verschworen zu haben, um Aus- stände in den amerikanischen Munitionsfabriken hervorzurufen. Deutschlanü erkennt öie Regierung Carranzas an. Die deutsche Regierung hat die Regierung Carranzas in Mexiko anerkannt. Hierzu waren in erster Linie wirtschaftliche Gründe maßgebend, denn die Regierung muß zur Vertretung der deutschen Interessen in der Lage sein, mit einer Regierung zu verbandeln. Es kommt hinzu, daß Carranza gegen- wältig die Macht talsächlich in Händen hält, daß sich seine Macht auch stetig verstärkt, da der Einfluß seiner Gegner tatsächlich zurück- geht. Die Anerkennung ist natürlich nicht als dauernd zu betrachten. Mir der getroffenen Abmachung find sowohl die Deutschen in Mexiko als auch die Mexikaner selbst sehr zufrieden. Der indische Nationalkongreß fordert das Staatsbürgerrecht. London, 28. Dezeinber.(33. T. 33.) Meldung des Reuterschen Bureaus. In einer Rede, die er im indischen Nationalkongreß biel:. gab Präsident Sir Saryenda Sinha der Loyalität des Kongresses gegenüber dem König Georg Ausdruck. Er erklärte, aus der Tapferkeit, welche die indischen Truppen in diesem Kriege an den Tag gelegt hätten, gehe hervor, daß die Jndier auch wert seien, die Vera n tio ort un gen der Staatsbürgerschaft auf sich zunehmen. Nach seiner Meinung seien die Bedenken, ob es tunlich sei, den Kongreß während de» Krieges einzuberufen, ungerechtfertigt. England würde am besten dadurch, daß es Indien eine Selbstregierung gebe, beweisen, daß es die Dienste, die Opfer und die Treue der Inder würdige. politische Ueberslcht. Tie neuen Steucrvorlagen, welche dem Reichstage mit dem Rcichshaushaltsplan für 1916 unterbreitet werden sollen, bezwecken, wie die„Berliner Politischen Nachrichten" melden, nicht die definitive Neuordnung des Neichshanshaltes nach Friedensschluß: sie sind bcstimnit, die Mittel zur Deckung der ordentlichen Aus- gaben des Reiches in der Kricgszeit zu be- schaffen. Es werde sich demnach in der Hauptsache darum handeln, vorhandene Einnahmequellen des Reiches zu reicherer Entfaltung zu bringen. Dagegen werde die Er- schlicßung neuer reichlich fließender Ein- n a h m e q u e l l e n der Zeit vorzubehalten sein, wo es sich darum handelt, das dauernde Gleichgewicht im Reichshaus- halt zu sichern. Desgleichen seien die in Preußen zu er- tvartcnden Maßnahmen auf steuerlichem Gebiete dazu be- slimmt. für die Einnahmeausfalle und Ausgabevermehrungen im nächsten Staatshaushaltsplan Deckung zu beschaffen. Tie Auferstehung des schwarz-blauen Blocks. Es ist fast possierlich anzusehen, wie sich die Parteien, die seinerzeit den schwarz-blauen Block gebildet haben, wieder- finden, sobald eine neue Finanzreform am Horizont aufge- taucht ist. Nachdem die frcikomcrvative„P o st" der An- regung des führenden Zentrumsorgans zu einem Zusammen- schluß aller bürgerlichen Parteien zugestimmt hat, heißt jetzt die„K r e u z z e i t u n g" den Gedanken ebenfalls gut. Sie tadelt die ablehnende Haltung des„Berliner Tageblattes", die allerdings bei der bekannten Haltung des Blattes in allen die Sozialdemokratie betreffenden Fragen nicht weiter ver- wunderlich sei, und sie notiert mit schmerzlichem Bedauern die Auslassungen der„Magdeburger Zeitung", die den Schluß erlaubten, daß man sich bei den Nationalliberalen bis zum letzten Augenblick freie Hand bewahren möchte, um unter Um- ständen die neue Finanzreform auch mit der Sozialdemokratie zu machen. Die„Kreuzzeitung" schreibt: „Als eine Art Begründung wird angeführt, daß der„Vor- wärts" nur gefordert habe, die neuen Lasten in erster Linie von den Besitzenden tragen zu lassen. Uns scheint, daß das angesichts der Sachlage im Reiche genügt. Im übrigen wird sich die Stellungnahme der Sozialdemokratie früh genug klären, um kein Hindernis für die allerdings höchst er- wünschte Einigung der bürgerlichen Parteien zu sein. Worauf cs ankommt, ist, daß die neue Steuerreform der Parteitaktik entrückt und nicht unter dem Gesichtspunkt späterer Wahlgeschäfte behandelt wird. Nur dairn kann es gelingen, etwas Verhältnis- mäßig Befriedigendes zu schaffen und die Einigkeit der bürger- lichen Parteien zu bewahren." Also bereits die Forderung, daß die neuen Lasten in er st er Linie von den Besitzenden getragen werden sollen, „genügt". Damit wird in sehr dankenswerter Weise die Basis klargelegt, auf der die Blockgenossen von 1999 die bürgerlichen Parteien einigen will. Wir wünschen viel Glück zu dem Unternehmen._ .Zmn TLiederzusammentritt des preußischen Landtages wird der„Parteilosen politischen Korrespondenz" geschrieben: Der Landtag wird sich recht bald mit den neuen Zuschlägen zur Ein- kommensteuer zu beschäftigen haben, da sie schon vom t. April 1Sl6 ab erhoben werden iollen, selbsiverständlich unter Freilassung der unteren Steuerklassen. Auf diese Weise sollen 100 Millionen Marl gewonnen werden. Ilm die Härten de» alten Zuschlagsystems zu be- seitigen, wird voraussichtlich ein neues eingeführt werden, zumal es im Plane der Regierung liegt, die Erbebung der neuen Zuschläge noch auf ein weiteres Rechnungsjahr auszudehnen. Dem Landtag wird wahrscheinlich auch eine neue Krieg skreditforde- r u n g zugeben, da der im vorigen Jahre bewilligte Kredit von Ist., Milliarden Mark bis zum 1. April infolge der Ausgaben für Ostpreußen, kür die Gemeinden zu Kriegs- wohlfahrtszwecken usw. aufgebraucht sein dürfte, wenn auch zurzeit noch 409 Millionen davon zur Verfügung stehen. Größere Summen werden auch gcforden werden zur Erneuerung des Wagenparks der Eisenbahnen, der durch den Krieg stark abgenutzt worden ist. Die alljährlich er- scheinende Eiienbahnvorlage wird auch eine zweite zweigleisige Bahn nach Ostpreußen bringen. Von sonstigen Vorlagen kommt bis jetzt nur das Fischereigesetz in Frage. Die Eröffnungsrede des Ministerpräsidenten v. Belhmann wird über die»Neu- orienlierung" der inneren Politik in Preußen noch n i ch l s enthalten, erst die Thronrede nach dem Kriege wird das neue Programm entwickeln. Trübe Aussichten. Daß der preußische Etat mit einem Fehlbetrag von hundert Millionen Mark abschließt, steht jetzt fest. Freiherr v. Zedlitz führt in einer von bürgerlichen Blättern veröffentlichten Unterredung dielen Fehlbetrag in der Hauplsache auf die Verminderung der Ein- nahmen zurück, denen gesteigerte Ausgaben gegenüberstehen. Der freilonfervative Führer entrollte ferner folgendes Bild: »Dann haben wir auch die Anderthalb- Milliardenanleihe für Kriegszwecke zu verzinsen, die bis auf ein paar Hundert Millionen ausgegeben ist. 409 Millionen haben wir für Ostpreußen aufgewandt, das übrige zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, Beteiligung an der „Kriegsgekreidegesellschaft" und anderen Kriegsgesellfchaflen, für Vorschüsse an Lieferungsverbände usw. Wir bekommen zwar die anderthalb Milliarden zum Teil vom Reich nach dem Kriege zurück, weil das Reich für Kriegszwecke eintreten muß. Aber vorläufig muffen wir dock die Zinsen decken. Endlich hat der preußische Staat zu den 110 Millionen, die das Reich den Gemeinden für Unter- stützungen an Kriegerfamilien überwiesen hat, ebenfalls 110 Millionen zugelegt. Auf diese Weile ergibt sich ein slusfall von etwa 100 Millionen Mark, der durch Steuererböhungen gedeckt werden mutz. Genaues über die Sreuervorlage steht noch nicht fest. Es ist noch unbestimmt, ob die bisherigen Zuschläge zur Einkommensteuer, die etwas rob aufgebaut sind, einfach erhöht werden oder ob einheil- liche, besser geregelte Zuschläge erhoben werden sollen. Nach den bisherigen Besprechungen mir den Fraktionsführern besteht der Wunsch, es bei der jetzigen Art der Zuschläge zu belassen und diele zu verdoppeln. Wir bekommen dann bei den höheren Einkommenklaffen Zuschläge zur ursprünglichen Veranlagung von SO Proz.(statt 25 Proz.). Da nun auch die Gemeinden, wenn wir einen Durchschnitt nehmen, etwa 150 Proz. Zuschläge zu den ver- anlagten Steuersätzen erheben, so gibt das bei den höheren Klaffen, die auf 4 Proz. ihres Einkommens veranlagt sind, 12 Proz. Steuern, ö Proz. für den Staat und 6 Proz. für die Gemeinde. Unter solchen Umständen kann man sich denken, daß auch das Reich bei den bevor- stehenden Stcuervorlagen ein gewisses Maß halte» muß hinsichtlich der Erhebung direkter ReichSsteucrn, und daß das Reich indirekte Sieuern, wen» auch nicht auf notwendige Lebensmittel, zu Hilfe nehmen muß, um auf einigermaßen hohe Beträge zu kommen." Macht euch keine Sorgen. In einem„Neuzahrsgruß an unsere Krieger", den ein Pastor I r m i s ch aus Tottleben in dem Gemeindcblatt für den Kirchen« kreis Tennstedt veröffentlicht, schreibt der Herr Pastor in seiner Herzenseinsall: »Um uns daheim macht euch keine Sorgen. Zwar sind diele Lebensmittel und Kleidung und Schuhwerk teurer-geworden, aber wir haben doch alles Nöiige noch immer gehabt. Dazu werden beim Verkauf von Früchten und Vieh solche Preise gezahlt, daß der Landwirt mitten im Kriege große Einnahmen hat." So trostreich diese Offenherzigkeit für die feldgrauen Landwirte auch klingen mag, zahlreiche Vertreter der Landwirtschaft werden dem Herrn Pastor jür solchen Neujahrsgruß wenig Anerkennung zollen._ Das tägliche örot. Tie Ernähruugsfragen vor dem Reichstage. Ueber die Behandlung der Ernährungsfragcn in der HauShaltskommission deS Reichstages ist ein vom Grafen Westarp erstatteter schriftlicher Bericht erschienen, der nach der „Kreuz-Zeitung" das Ergebnis der acht Sitzungen von insgesamt mehr als fünfzigstündiger Dauer wie folgt zu- sammenfaßt: „Es sind ausreichend Vorräte vorhanden, um die Be- völlerung während des Kriege» zu ernähren, l'o lange dieser mich dauern sollte. Besonders wird an den notwendigsten Lebens- mineln, Brot, Kartoffeln und Fleisch, ein wirklicher Mangel nicht eintreten. Andererseits können wir mit Sicherheit nicht darauf rechnen, daß wir mebr haben, als wir brauchen. Eine Einschlänkung, be- sonders an Fett und Bulter, wird nicht zu umgcheu lein. Vor- ausietzung daiür, daß wir auskommen, ist aus allen Gebieten Sparsamkeit, gewissenhafte und von verständnisvollem guten Willen getragene Durchiührung der getroffenen Maßnahmen. Ein- schränkuirgen des Verbrauches und Steigerung der Preise müssen bis zu einem gewissen Grade als notwendige Folge de» Krieges und der Ab'perrung»r Kauf genommen werden, die unlere Feinde in der Absicht durchgeführt haben, unser Volk durch Hunger auf die Knie zu zwingen. Unter dieien Verhällniffcn leiden nicht nur die Verbraucher, sonderir sie führen auch für die Landwirrsthafl, für die verarbeitenden Gewerbe und Handwerlsbetriebe, für den Groß- und Kleinhandel eine Fülle von Erschwernissen und wirtschaftlichen Schädigungen herbei. Dank der bisher getroffenen Maßnahmen ist trotz der größeren Schwierigkeiten, die für Deutschland infolge seiner Ab'perrung be- stehen, erreicht worden, daß bei uns die Teuerung und die Ein« schränkungen hinter denjenigen in den neuiralen und feindlichen Ländern, besonder» auch in England, zurückbleiben. Es ist aber die wichtigste innerpolitische Aufgabe, daß die Maßnahmen zur Versorgung des Volkes mir Lebensmilieln und sonstigen Gegenständen des iäglichen Bedarfs mit den, Ziele der gleichmäßigen und gerechten Verteilung aller vorhandenen Vor- rüte. die Förderung der Produktion und der Verhinderung wucherischer oder sonst unberechiigler Gewinne einzelner recht- zeilig. entschieden, einheitlich und planvoll getroffen und durch- geführt werden. Daneben ist es nötig, daß alle Beteiligten. Regierung. Parlamente und Presse an der Spitze, dauernd bemüht bleiben. aufklärend und beruhigend auf die Manen der Bevölkerung ein- zuwirken und die Kenntnis von den Verhältnissen im Jnlande und Auslände und von den getr offenen Maßnahmen zu ver- breiten. Die Kommission spricht also die volle Zuversicht aus, baß die Bevölkerung in Deutschland für jede Dauer des Krieges vollkommen sichergestellt und seine ivirtschaftliche Kraft ungebrochen ist. Sie gibt der testen Ueberzeugung Aus- druck, daß da« deutsche Volk sich durch die un- mmeidlichs» ivirtschafilicheii Schwierigkeiten des Kriege» keinen Angenblick in seiner Enischlossenheit beirren läßt, den Krieg bis znm siegreichen Ende durchzuführen. Auf allen Seilen, bei den Verbündeleu Regierungen, den einzelnen Parteien und Berufsständen ist der gute und ehrliche Wille vorhanden, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in gemeinsamer Arbeit und Pflicht- bewußter HilsSbereillchast zu bekämpfen. Um der wirtichastlicheil Lage Deutschlands willen braucht der Krieg nicht einen Tag früher beende, zu werden, als die militärische und politische Lage den vollen Sieg verbürgt." Die„Kreuz-Zeitung" fügt dem hinzu' »Dieser Zuiammensassulig der Verhandlungen des Ausschusses haben a l l e P a r r e r e ir des Reichstages einmütig zugestimmt. Hoffentlich finden diese Feststellungen auch im semdlichen Lluslande, insbesondere auch in England, die ent- sprechende Beachtung." Unseres Erachtens hätte es, selbst wenn der Bericht be- sondere Beachtung in England finden soll, nicht geschadet, wenn Graf Westarp gewissen Praktiken inancher Kategorien von Lebensmittelverteuereril in seinem Resümee schärfer zu Leibe gegangen wäre. Material dürften ihm die Berhandlungen der Budgetkommission wohl genügend ge- boten haben._ Tie Höchstpreise für ausländische Kartoffelfabrikate. Berlin, 2g. Dezember.(W. T. B.) Die Trockenkartoffel-Ver- wertungs-Gesellschasi m. b. H. teilt mit: »Zufolge zahlreicher Anfragen wird erneut darauf hingewsesen, daß das Höchstpreiiegesetz vom 10. September 1915(ReichSges.-BIalt Seite 588) auch die ausländischen Erzeugnisse der Kartoffel» lrocknerei und Kartoffelstärkefabrikation umfaßt." Tie Einfuhr rumänischen Getreides. Das Abkommen über die Lieferung rumänischen Getreides, über das lange Zeit Verhandlungen schwebten, ist bekanntlich nun- mehr zustande gekommen. Die Hauptstreitfrage, die sich auf den in Gold zu entrichtenden Ausfuhrzoll bezog, ist dadurch er- ledigt worden, daß nur die Hälfte in barem Golde in Rumänien selbst bezahlt, der Rest bis nach dem Kriege bei der Reichsbant deponiert wird. Der Zlbschluß erstreckt sich auf 50 000 Waggons. Dazu kommen 800 000 Tonnen schon gekauftes und in Rumänien liegendes Getreide. Die rumänische Zufuhr wird vor allem für die Versorgung mit Futtermitteln eine gewisse Förderung und Erleichterung bringen. Ueberschätzen darf man aber ihren Einfluß nicht; denn es kann sich bei ihr schon aus transporttechnischen Gründen nur um begrenzte Quantitäten handeln, die, gemessen an dem Gesamt- bedarf, keine ausschlaggebende Rolle spielen. Kriegsbekanntmachungen. Geldsendungen an deutsche Kriegsgefangene in Frankreich. Die französische Regierung hat angeordnet, daß vom t. Januar 1916 ab bis auf weiteres von einem Absender an einem Tage nicht niehr als 180 Franken auf Kriegsgefangenen-Postanweisungeir nach Frankreich abgesandt werden dürfen. Zur Beachtung bei Reisen ins Ausland. Berlin, 28. Dezember. qisirieren, was in der Welt vorgeht,- sie soll Material heran- schaffen, das es ermöglicht, die schwebenden Fragen richtig zu beurteilen,- sie soll Wege weisen, die austrüberGegenwarizubessererZukunst führen. Hier kann es dem Teser erst recht nicht gleichgültig sein, wie die Verhältnisse dargestellt werden und von welchem Standpunkt aus sein Älatt Stellung nimmt zu nahenden Ent- scheidungen. Auch hier gewinnt das Amt der Zeitung an Schwere und Bedeutsamkeit durch den Krieg,- einmal weil er eS mit seinen Einschränkungen freierMeinungSäußerung ungeheuer schwierig macht, den Weg zu finden, der allem gerecht wird) aber nicht weniger auch, weil die Fragen, die er aufweist, in ihrer Fülle, ihrer Eigenart und ihrer Tragweite weit hinausragen über das, was andere Zeiten zu erörtern gaben. Sie werden es vielleicht mehr noch als je in dem Zahr, das an der Schwelle steht. Wir erhoffen von ihm den Krieden. Äesagt das nicht schon genug? Und doch würde der end- lich errungene Friede nur den Anfang bilden in einer Neihe von Entscheidungen, die über das künstige Schicksal der Völker bestimmen müßten, über ihre Nechte und ihre Pflichten in dem neuen Abschnitt der Weltgeschichte, über all die großen pro- bleme, die der Krieg aufgewühlt hat. Wir wissen von diesem Zahr, daß es uns— mit oder ohne Frieden— in jedem Falle vor eine Menge wichtiger p-litischer Auseinandersetzungen stellen wird. Die Maßnahmen zur Sicherung einer gesunden Volksernahrung, die Einrichtungen zur Llnterstühung der Kriegerfamilien und der Opfer dieses Krieges find noch weit von einem Zustande entfernt, der es gestatten würde, sie als über allen Streit erhaben anzusehen. Und schon hat der Schatz- sekretär des Reiches angekündigt, daß in wenigen Wochen dem Reichstage neue Gieuervortagen unterbreitet werden sollen, von deren Umfang sich vielleicht erst wenige ein rechtes Äild machen und über deren Art der Ver- treter der Regierung sich so merkwürdig schweigsam verhielt. Im Tager der bürgerlichen Parteien aber regt es sich bereits, für die Forderungen der Regierung einen Block zu schaffen, der alle weit umfassen soll— nur die nicht, die ins parla- ment gewählt wurden, um dort die Interessen der Arbeiter- schaff zu vertreten. Wen ginge das alles mehr an als die Massen des werk- tätigen Volkes, die Arbeiter und ihre Frauen und Kinder, die sie, hinausziehend ins Feld, daheimlafien mußten? Muß es nicht für sie von höchster Wichtigkeit sein, daß sie im Kampf um all diese Fragen in einer Weise unterrichtet werden, die kein anderes Ziel kennt als das, ihrem Niesten zu dienen? Keine andere Zeitung vermag das gleichermaßen wie ein Älaff, hinter dessen Herausgabe nichts steht als das Interesse der Arbeiterbewegung. Nicht Objekt kapitalistischen Gewinn- strebens, sondern mit seinen Erträgnissen den Zwecken der Arbeiterpartei dienstbar, nicht geleitet in dem Bestreben, durch Sensation und Tiebedienerei vor niedrigen Instinkten möglichst viele Teser einzufangen, iondern einzig bestimmt durch den Wunsch, die Augen des Proletariats zu schärfen für die Be- urteilung des öffentlichen Tebens und jeine Interessen vor der Oeffentlichkeit zu vertreten, hebt sich der„Vorwärts" das Arbeiterblatt Verlms, aus der ganzen anderen presse heraus.. 1 Was ein anderes Blatt um gleichen preis bieten kann an � Unterhaltendem und Belehrendem, das bietet auch der„Vor- wärts", nur vielleicht in weniger aufdringlichem Aufputz und �mit mehr Geschmack und Verantwortlichkeitsgefühl. Was j irgendein anderes Blaff in der Eröfferung kommunaler und politischer Fragen leisten mag, kam« vollends— vom Stand- punff des Arbeiters aus gewertet- nie das ersehen, was der „Vorwärts" gibt. Es handelt sich hier ja nicht nur um eine Orientierung. In den Zeiten des Kriegs ist die Presse mehr noch als sonst eine Kundgebung, ein Stück Semvnstration des Volkswillens. Ie größer die Massen, die hinter einem Blaffe stehen, um so größer die Wirkung seiner Worte vor der Oeffentlichkeit, gegenüber den Behörden, dem Parlament, der Regierung. Wer eine Vertretung der Arbeiterinteressen will, hat da- mit die Pflicht, sich hinter jenes Blaff zu stellen, das sie nach Parteistellung und Organisation seiner Einrichtungen vertriff. Ie mehr derKriegSzustand dieMöglichkeitandererWillens- kundgebungen verbietet, um so mehr wird es Notwendigkeit, daß jeder, der als Proletarier für seine Rechte und Bedürfnisse eintreten, als Sozialist für die Zukunft seines Volkes wirken will, es tut, indem er seinem Blaffe, dem„Vorwärts", die Treue hält. Und nicht nur das gilt es, nicht nur selbst treu bleiben! Es muß heißen, auch neue Leser werben! Ieder kann es bei Arbeitskollegen und in Freundeskreisen. Ieder tue es um der Sache willen, die ja auch die seinige ist! Vor allem vergesse man auch nicht derer im Felde. Tos- gerissen von der Heimat, brennt ihre Begierde nach regel- mäßigen Nachrichten. Wir können ihnen nicht wohl Tieberes tun, als sie durch regelmäßige Zuweisung eines Blaffes unter- richten. Aber nicht nur um eine Gefälligkeit handelt es sich. Die da draußen werden— wir hoffen es— wieder heimkehren. Sie werden wieder Staatsbürger sein, die mitensscheiden sollen über die Geschicke des Volkes, dem sie angehören. Schaffen wir ihnen beizeiten das Rüstzeug für die Kämpfe, in die sie dann treten sollen. Sorgen wir dafür, daß auch sie, soweit sie Arbeiter sind, aus dem„Vorwärts" erfahren, um was es sich handelt. Treu und fest steht das Blaff der Berliner Arbeiter auf den Grundsätzen, die sich die sozialistische Arbeiterbewegung in wissenschaftlicher Durchdringung der geschichtlichen Zusammen- hänge und Möglichkeiten und in klarer Erkenntnis der Inter- essen der breiten Massen geschaffen hat. Sorge ein jeder mit, daß sie trotz Völkerzwist und Kriegs- not ihre kraftvolle Vertretung finden können. Helfe ein jeder nach Kräften mit, daß sich neue Taufende scharen um das Tofungswort: „Vorwärts"! Mus öer Partei. Unsere Toten. Am Montag, den 27. Dezember, verstarb in Mannheim infolge einer Gallensteinoperation der Geickäflsführer des Bauarbeiter- Verbandes der Zablstellc Mannbeim-Ludwigsbafen, Genosse Joseph P s I i e g n e r im Alter von 57 Jahren. Pfliegner war früher in Leipzig-Gohlis. wo er dem Gemeinderat angehörte, hervorragend tätig. Nach Mannheim siedelte er 1906 über. 1908 wurde er erst in das Stadlverordnetenkollegium gewählt, woselbst er sich bald durch seine SacvlenntniS Ansehen zu verschaffen wusite. Wegen seiner gewerlschaftlichen Tätigkeit lehnte er im Jahre 1913 eine Wiederaufstcllung als Landtagskandidat ab. Ein sozialistischer Wahlsieg in New Jork. Zum erstenmal betritt ein Sozialist das Parlament des Staates New Dork. Dies ist Genosse Abraham S ch i p l a k o w, der Sekretär der Berernigten jüdischen Gewerlschaslen in New Jork, der bei den neulich stallgebabien allgemeinen Provinzwahlen im 23. Assembly Distrikt mit großer Stimmenmehrheit seinen demokratiichen und revublikanischen Gegner aus dem Felde geschlagen hat. Der er- wäbnte Distrikt besteht aus der New Aorker Vorstadt Bronsville, die meist von Juden bewohnt ist. unter denen das Arbeiterelemcnl do- miniert. Schiplakow, der Kandidat der sozialistischen Partei, wurde sowohl von den jüdischen als von den nichtjüdischen Gewerkschaften aufs kräftigste unterstützt._ Mus Znöustrie und Handel. Handelsverkehr mit Russisch-Pole». Der zur Förderung des Handelsverkehrs zwischen Deutschland und den besetzten Gebieten Nußlands gebildeten Amtlichen Handels- stelle Deutscher Handelskammern haben sich, wie aus den, Bureau der Handelskammer zu Berlin mitgeteilt wird, nunmehr 69 Handels- kammern aus allen Teilen Deutschlands angeschlossen. Die hierdurch verbreiterte Grundlage der Organisation hat es dem Vorstand ermöglicht, die Bedingungen für die Benutzung der Handelsstelle seitens deutscher Firmen wesentlich zu erleichtern. Es ist beschlossen worden, eine Verwaltungsgebühr für die mit Rußland getätigten Geschäfte(bisher 2 Proz) von den der Handelsstelle bei- tretende» Firmen überhaupt nicht mehr zu erheben, und ebenso die Zuschläge zu den Eintragungsgebühren für Firmen, die in mehreren Geschästszweigen Geschäfte zu machen beabsichtigen, abzuschaffen. Die beitretenden Firmen haben daher fortan nur die feste jährliche Eintragungsgebühr zu zahlen. Der Umfang der Tätigkeit der Handelsstelle und ihre Benutzung seitens der Kaufmannschaft wie der Behörden ist in ständiger Zunahme begriffen zumal nachdem ihr durch Erlaß des Generaigouverneurs die Zensursreiheit endgültig gewährt worden ist. Anmeldungen von hiesigen Firmen, die der Handelsstelle noch beizutreten wünschen, nimmt die Handelskammer zu Berlin entgegen._ Petrolcummarkt 1914. Im Jahre 1914 wurden nach einem Bericht des deutschen Generalkoniulats in Amsterdam dort 596 09(1 und nach Rotterdam 1 775 090 Faß Pelroleum eingeführt gegen 715 999 und 2 542 999 Faß im Vorjahre. Der Preis für 199 Kilogramm amerikanisches Pelroleum betrug bei Beginn des Jahres 13,59 Gulden und stieg im November auf 14,19 Gulden. Die Preise für russisches und galizisches Petroleum entiprecken denen Amerikas. Der Vorrat an Petroleum betrug am Ende des Jahres in Amsterdam 64 727 und in Rotterdam 55 417 Faß._ Mus Sroß-öerlin. Wer gut daran ist. In Berlin gibt es Tausende von Geschäftsleuten, die mit Butter und Fen Handel treiben. Und diese Geschäftsleute haben auch einen Verwandten- und Bekanntenkreis, der nicht klein ist. Wer nun zu diesem Kreis gehört, ist gut daran; er braucht über Bulter- und Fettmangel nicht zu klagen, er bezieht seinen Bedarf aus erster Hand. Erst dann kommen die andern. In den Markthallen kann man das beobachten, wer sich zuerst sichert. Wenn das große Publikum zum Einkaufen kommt, hat der Schlächter entweder wenig oder gar kein Fett mehr, es ist schon abgegeben, und an den Butterständen ist es nicht viel besser. Die Abnehmer sind vielfach die übrigen Slandinhaber. Sie sind die ersten an der Spritze. Und wieviel Tausende von Ladenschlächtcrn gibt es in Berlin, so daß Zehntausende von Familien von der Fettknappheit verschont bleiben. Und nun gar W vielen Geschäfte, in denen Butter feilgeboten wird. Wer hat, der hat l___ „Grober Unfug." Auf einem Straßenbahnwagen der Linie 19 gab es am 2. Oktober abends nach 11 Uhr zwischen Jnvalidenslraße und Oranienburger Tor einen lebhaften Wortwechsel, weil ein Fahrgast seine Meinung über den Krieg äußerte und ein anderer Fahrgast ihm das verwies. Beim Anblick eines vorübermarschierenden Trupps Soldaten, die feldmarschmäßig ausgerüstet zum Bahnhof zogen, ließ ein auf dem Hinlerperron des Wagens stehender Buchdruckerinvalide Reich im Gespräch mit einem Bekannten von ieiuem Gefühl über die Opfer des Krieges sicv zu einigen kräftigen Be« merkungen verleilen. Ein im Innern des Wagens sitzender Sub- direklor Wolf aus Haleniee hörte die Aeußeruiigcn Reickis. ging auf Veranlassung einer Dame hinaus, gebot dem Sprecher Sckwelgen, drohte ihm Ohrfeigen an und ließ ihn schließlich durch Polizei fest- halten. Die Folge war eine Anklage gegen Reich wegen groben Unfugs, den er dadurch begangen haben sollte, daß er aufreizende Reden geführt habe. In der Verhandlung vor dem Amtsgericht Berlin-Milte(Abteilung 1491, die gestern stattfand, erklärte der Angeklagte Reich, er habe nur sein Bedauern über die Opfer des Krieges ausdrücken lvollen. Zwei Zeugen, darunter jener Subdirektor Wolf, bekundeten scharfe Ausdrücke, die Reich gebraucht habe. Daß er selber Reich mit Ohrfeigen bedroht halte, gab Wolf zu. Wenn aber Reich mit seinen Reden nichts Schlimmes beabsichtigt habe, bedauere er jetzt, die� Festnahme veranlaßt zu haben. Der Verteidiger Rechtsanwalt Siegfr. Weinberg forderte weitere Aufklärung des Sachverhalts durch Vernehmung des in Be- gleitung von Reich gewesenen Mannes, der als Zeuge geladen, aber wegen Einberufung zum Heere nicht erschienen war. Zu laden sei auch die Slraßenbahnscbaffnerin. die in der Untersuchung be- kündet habe, ihr sei die Sache erst dadurch aufgefallen, daß Wolf sicki hineinmengte. Dem Amtsanwalt genügten die Aussagen der Belastungszeugen. Reichs Reden seien geeignet gewesen, die Zu« Hörer zu erregen, und offenbar habe er das auch nur gewollt. Der- artigen Aufreizungen müsse man. weil sie jetzt, in der Zeil dieses uns' frevelhaft ausgedrungenen Krieges, besonders gefährlich seien. energisch entgegentreten. Da sei die höchstzulässige Strafe, 6 Wochen Hast, angemessen. Der Verteidiger hielt Frei« sprechung für geboten, weil hier gar kein grober Unfug im Sinne des Gesetzes vorliege. Höchstens hätten durch Reichs Meinungsäußerung andersmeinende Zuhörer sich belästigt gefühlt, aber auch diese Empfindung könne weder bei der aufsichtführenden Schaffnerin sehr stark gewesen sein noch bei dem Zeugen Wolf, der ja jetzt selber sein Einschreiten bedauere. An eine Beunruhigung des Publikums in seiner Allgemeinheit sei nicht zu denken, auch habe es an jedem Vorsatz zu einer solchen gefehlt. Wenn jede Meinungs- äußerung. die einem anderen unangenehm sei, grober Unfug sein sollte, wohin würde man da kommen. Wolle das Gericht nicht ohne weiteres sich dem Antrag auf Freisprechung an- schließen, so sei zur Ladung jener anderen Zeugen zu vertagen. Das Gericht glaubte keiner neuen Beweise zu bedürfen und erkannte nach kurzer Beratung auf Verurteilung. Ausführlich war die Urteilsbegründung, die der Vorsitzende, Amtsgerichtsrat Prost, gab. Reich habe lediglich aufreizen wollen. Daß dies seine Absicht gewesen sei und hier grober Unfug vorliege, hätten gerade die Laien des Richterkollegiums, die Schöffen, herauszemerkt. Gerechtfertigt sei die höchste Strafe, die beantragten sechs Wochen Haft. Bedauern müsse man, daß nicht noch eine höhere Strafe möglich sei._ Silvester und am Neujahrstag fällt die juristische Sprechstunde aus. Tie nächste Sprechstunde findet am Montag, den 3. Januar, von 4—7 Uhr statt. Neunnhr-Häuserschlust in Berlin's Bei Hauseigentümern Berlins ist in letzter Zeit der Wunsch rege geworden, ihre Häuser am Abend statt um 19 Uhr schon um 9 Uhr schließen zu dürfen. Das würde, ineinen sie, eine bedeutende Er- sparnis bringen, weil dann auch die Treppen nur bis 9 Uhr beleuchtet zu werden brauchten. Ersparen soll der Neunuhr« Häuserschluß nicht nur den Hauseigentümern einen Teil der Aus« gaben für Gas, ersparen soll er, sagen sie, auch einen Teil der für die Gaserzeugung nötigen Kohlen, womit der Kohlenbedarf ver« ringert und die Kohlenknappheit gemildert werde. Die Freie Vereinigung Berliner Hausbesitzer hat geradezu daS Oberkommando in den Marken gebeten, für die Wohnhäuser in Berlin„im Interesse der Allgemeinheit" von 9 Uhr ab die Beleuchtung der Treppen und Flure zu verbieten und Schließung der Haustüren anzuordnen. Darauf hat der Polizeipräsident den Bescheid gegeben, in Berlin seien polizeiliche Vorschriften über die Dauer der Offen« hallung von Wohnhäusern bisher nicht ergangen, sie bleibe in das Belieben der Hauseigentümer gestellt, soweit nicht Vertrags« abmacktungen mit den Mietern entgegenstehen. Die Polizei fordere im Interesse der öffentlichen Sicherheit nur, Treppen und Flure in Wohnhäusern so lange zu beleuchten, als diese tatsächlich geöffnet und daher jedem zugänglich seien. Demgegenüber ist in einem hiesigen Blatt darauf hingewiesen worden, daß eine Bekanntmachung für Berlin von 1865 vorschreibt:„Die Beleuchtung, welche sich auf alle, jedermann zugänglichen, tatsächlich dem Verkehr dieuendcn Treppen und Flure zu erstrecken hat, muß das ganze Jahr hindurch, also ohne Unter« schied der Jahreszeit, während derjenigen Stunden erfolgen, in welchem es au ausreichender Erleuchtung durch natürlilves Licht mangelt, und zwar bis 19 Uhr abends." Falls diese Vorschrift noch gelte, müßlen alle Berliner Hauseigenliiiner, ungeachtet anders- lautender Abmachungen mit Mietern, ihre Häuier bis l9 Uhr er- leuchten. Wir wollen hinzufügen, daß glücklicherweise wohl in den meisten Berliner Mielsverlrägen festgelegt ist, die Osfenhaltung des Hauses dauere bis 19 Uhr. Wenn das auch nur in der sogenannten Hausoidnung steht, so ist doch unter der Voraussetzung einer bis 19 Uhr dauernden Offen« hallung gemietet worden. 9hm wild flemclbct, daß die HauZeigentkiiner im Hinblick auf jenen Bescheid des Polizeipräsidenten jetzt die Mieter um ihr Ein- Verständnis mit dem Neunuhrschluß für HauSIür und Treppen« beleuchtung ersuchen wollen. Was aber werden die Hauseigen« tümer sagen und tun, wenn Mieter ihren Anspruch auf eine bis 10 Uhr dauernde Hausoffenhaltung und Treppenbeleuchtung nicht preisgeben wollen? Und was werden Mieter tun, deren Hauswirte vielleicht den Einfall haben, ihre Häuser noch viel früher als um 9 Uhr zu schließen und dann nach jenem Bescheid des Polizei- Präsidenten auch um so viel früher mit der Beleuchtung aufhören? Wenn cS dem Belieben des Hauswirtes überlassen ist, wann er schließen will, so kann einer am Ende die Beleuchtung ganz sparen. Indes, unseres Erachtens hat jeder Mieter sogar ohne vertragliche Abmachung einen Anspruch auch darauf, daß zu der für den öffentlichen Verkehr üblichen Zeit jedem Fremden, der ihn etwa besuchen will, der ungehinderte Zutritt zu d e m H a u s e g e s i ch e r t ist. Schließt der Hauswirt schon früher sein Haus, so möge er einen Pförtner anstellen oder jede Wohnung mit einer bis zur Haustür führenden Klingelleitung ausrüsten, was natürlich bei großen Mietskasernen seine Schwierigkeiten hat. In der VerkehrSzeit aber, wo jedem Fremden, der nicht verdächtig ist und nicht lästig wird, der Zutritt zum Hause zu dem Zweck des Besuches eines Mieters gestattet und ermöglicht werden muß, darf dann selbstverständlich auch die Treppenbeleuchtung nicht fehlen. Bezüglich der Höhe der Ersparnis an Gas und Geld, die von dem Ncunuhr-HanSschluß zu erwarten wäre, scheint man sich über- triebcnen Hoffnungen hinzugeben. Der Verbrauch aus einer einzigen Stunde fällt gegenüber dem Gesamtverbrauch wirklich nicht sehr ins Gewicht. Uebrigens könnte manchem Hauswirt, der die Ein- schränkung der Veleuchtungsdauer durchsetzt, hinterher eine Ueber- raschnng blühen. Wenn nun Mieter, weil ja die Treppen» beleuchtung in der Miete als Nebenabgabe mit« bezahlt wird, einen entsprechenden MictSantcil zurückfordern? Einen traurigen Ausgang bat ein blutiger Streit genommen, der sich vor vier Wochen in der Simeonstr. 13 abspielte. Dort wohnte für sich allein der 02 Jahre alte, von seiner Frau geschiedene Mon- leur und Techniker Gustav Helferich. Mit ihm geriet der Hauswart Anton Wilzcwsli in Streit, weil er ihm den Brolkaricnabschnitt nicht zurückgeben ivollte. Es kam zu einem Handgemenge, und dieses endete damit, daß Helfer icb ein langes spitzes und scharfgeschliffenes Messer ergriff und seinem Gegner schwere Verletzungen an der Brust und am Halse beibrachte, bis er zusammenbrach. Auch der Sohn des HauSwarlS, der seinem Vater zu Hilse eilte, wurde an beiden Händen mit dem Messer verletzt. WilzewSkr ist jetzt im Kranken- hause am Urban seinen Verletzungen erlegen. Helferich behauptete zwar, daß er in der Notwehr gehandelt habe, wurde aber verhaftet und auch in UntersuckungShafl behalten. Zu dem Schwcstcrndrama i» der Wrangelstraße erfahren wir nocki, daß die ttcberfallene, die Llljährige Minna Polorowski, mit dem Leben davonkommen wird. Die Verletzungen haben sich glücklicher» weise nicht als schwer erwiesen. Dagegen ist der Zustand der Täterin, der löjährigen Anna P., nach wie vor hoffnungslos. Kleine Nachrichte». Ein schwerer Straßcnunfall hat sich in der letzten Nacht in Eharlottenburg ereignet. Als die Arbeiterin Emma Lehmann, Stuttgarter Platz 3 wohnhaft, auf dem Nachhausewege begriffen, den Fahrdamm der Wilmersdorfer Straße überschritt, glitt sie an einer schlüpfrigen Stelle aus und fiel so unglücklich, daß sie mit dem Kopf heftig gegen die Bordschwelle aufschlng. Die Ver- unglückte, die einen Schädelbruch erlitten hatte, erhielt auf der nächsten Rettungswache einen Notverband und wurde von dort nach dem Krankenhauic Westend geschafft.— Ein zweiter Unfall hat sich an der Ecke der Kaiserallee und der Niedstratze zugetragen. Dort sprang die achtjährige Else Henting trotz der dringenden Mahnung des Schaffners von einem Straßenbahnlvagen der Linie.? während der Fahrt ab und kam zu Fall. Die Kleine erlitt eine Gehirn- erschüttcrung und mußte nach dem Lichtcrfelder Kreiskrankenhause gebracht werden. Der Botanische Garten in Dahlem ist am Sonntag, den 2. Ja- nuar 1916. von 11 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags dem all- gemeinen Besuch geöffnet. Das Botanische Museum von 11— 2 Uhr. Kinder unter 10 Jahren haben auch in Begleitung Erwachsener keinen Zutritt. Zentralverciu für Arbeitsnachweis. Kriegerfrauen haben in gleicher Weise wie Dienstmädchen Zutritt zu den auf 3 M. vierteljährlich ermäßigten Ausbildungskursen für weibliches Hauspersonal des Zentralarbeitsnachweises. Gelehrt wird das Schneidern nach Ullstein-Schnitlmusiern, das Plätten von Kragen, Vorhemden und Oberhemden, das Ausbessern von Wäsche und Kleidern.— Der Unterricht findet einmal wöchentlich abends von 7'/z— t/zlv in der Abteilung für Hauspersonal, Eichhornstr. 1, statt. Anmeldungen dort in der Zeit von 8—12 und 4—7 Uhr. /ins den Gemeinöen. Anmeldung zur Stammrolle. Der Landrat des Kreises Teltow erläßt eine Bekanntmachung, nach der sich sämtliche Militärpflichtige im Kreise, welche in den Jahren 1866, 95, 94, 93 und früher geboren sind, unter Vorlegung ihres Militärausweises in der Zeit vom 2. bis 8. Januar 1916 in ihrem Wohnort zur Stammrolle anzumelden haben. Zur Anmeldung sind verpflichtet: 1. die als untauglich oder als zeitig untauglich zurück- gestellten Militärpflichtigen von 1896, 95, 94, 93 und die Restanten, 2. die infolge Reklamation Zurückgestellten. 3. die als arbeitsverwendungsfähig fArbeitcr) bezeichneten, bisher nicht eingestellten Militärpflichtigen von 1896, 95, 94, 93 und die Restanten, 4. diejenigen Militärpflichtigen aus dem Jahre 1896, welche zwar für eine Waffengattung ausgehoben, bisher aber nicht einge- stellt worden sind. Im Kreise Niederbarnim haben sich diejenigen Militärpflichtigen, welche in den Jahren 1895, 1894 und früher geboren sind und eine endgültige Entscheidung über ihr Militärverhältnis noch nicht er- hallen haben, in der Zeit vom 2. Januar bis 15. Januar 1916 in ihrem Wohnort zur RekrutierungSstammrolle anzumelden. Desgleichen haben sich auch in dem obengenannten Zeitraum alle die' Mannschaften des Jahrganges 1896 zur Rekrutierungs- stammrolle anzumeldeu, welche bisher noch nicht ausgehoben sind. Kartoffelbestandsaufnahme in Lichtenberg. Der Magistrat hat beschlossen, am 2. Januar eine Bestands- aufnähme der Kartoffelvorräte vorzunehmen. Aufgenommen werden Mengen von 29 Pfund und darüber, ganz gleichgültig, ob der Ver- wahrer der Eigentümer ist. Die Hauswirte sind verpflichtet, die ihnen zugehenden Hauslisten bis zum 3. Januar ausfüllen zulassen. Wer seine Anzeige bis zum 4. Januar nicht mittels der Hausliste erstattet hat, mnß sie am folgenden Tage schriftlich und portofrei nach dem Ralhause, Zimmer 32, einsenden. Ncisverkauf i» Wilmersdorf. Der von der Stadtgemeindc beschaffte Reis gelangt in der Zeit vom 3. bis 16. Januar durch die Kleinhändler zum Berkauf. Wilmersdorfer Einwohner sind berechtigt, gegen Vorzeigung ihrer Brotkarte wöchentlich>/e Pfund Reis zu entnehmen. Die Klein- Handelspreise sind wie folgt festgesetzt: Bruchreis Pfund 44 Pf., Arracon und Siampatna kurz 60 Pf. und italienischer gekörnter Reis 64 Pf. pro Pfund. Die Geschäfte, die städtischen Reis führen, find durch ein Plakat»Städtischer Reisverkauf" kenntlich gemacht. Soziales. Das geistige Eigentum des Arbeiters. Eine nicht uninteressante Rechtsfrage, die aber, weil sich die Par- teien schließlich verglichen, nicht zur Entscheidung kam, hatte die Kammer 4 des Gewerbegerichts zu prüfen. Der Kläger hat 21 Jahre beim Pianofortefabrikanten MörS gearbeitet. Er hatte Mechaniken verschiedener Modelle einzubauen, von denen jedes erst ein zeitraubendes Ausproben der erforderlichen Maße verlangte. Der Kläger hatte die für jedes Modell von ihm er- mitteilen Maße und Bearbcitungsmctboden in ein Buch eingetragen. Diese Aufzeichnungen benutzte er bei seinen späteren Arbeilen. Da- durch fiel das Auöproben in jedem Einzelfall fort, der Arbeiter er- sparte Zeit und kam somit bei seinen Akkordarbeiten besser zurecht.— Infolge des Krieges stockte der Betrieb. Der Kläger mußte aus- setzen und schließlich wurde das Akkordverhältnis gänzlich gelöst. AlS der Kläger sein Werkzeug holte, vermißte er das Buch. Der Fabrikant hatte eS an sich genommen und verweigerte die Herausgabe. Im Klagewege forderte nun der Arbeiter die Herausgabe dcS Buches und eine Vergütung von 5 Mark für die Benutzung desselben. Nach Angabe des Klägers hat der Beklagte an Hand der Auf- zeichnungen im Buche einen anderen Arbeiter angelernt, also einen materiellen Nutzen aus dem vom Kläger herrührenden Inhalt des Buches gehabt. Im Laufe der Verhandlung äußerte der Vorsitzende Zweifel darüber, ob das Gewerbegerichl zuständig fei für die Forderung des Klägers, welche sich auf die Benutzung seines geistigen Eigentums durch den Beklagten stützt. Außer dieser Frage tauchte noch eine andere auf. Das Buch selbst, nämlich das unbeschriebene Papier ge- hörte dem Beklagten, während der Inhalt zweifellos als das geistige Eigentum des Klägers anzusprechen ist. Die Fällung eines Urteils erübrigte sich, weil der Beklagte schließlich auf Anraten des Gerichts im Vergleichswege dem Kläger das Buch auslieferte und 5 M. zahlte._ Ueberstundeu werde» nicht bezahlt. Von der KonfektionSfirma Baumgarten verlangte ein dort bc- fchäftigt gewesener Hausdiener, der jetzt Soldat ist, durch eine Klage bei der Kammer 1 des Gewerbegerichts 123 M. für Ueberstundeu, die er während einer Arbeitsdauer von ungefähr vie. Monaten geleistet hat. Der Kläger hatte mit der Firma einen schriftlichen Arbeitsvertrag abgeschlossen, worin ausdrücklich angegeben ist, daß die Arbeitszeit um 6 Uhr endet. Da er bis 8, auch bis 9 Uhr abends gearbeitet bat, glaubt er selbstverständlich einen recht- lichen Anspruch auf Bezahlung der Ueberstundeu zu haben. Die Be- klagte vertrat jedoch die auch am Richtertische— sowohl auf der Arbeitgeber- als auch auf der Arbeitnehmerseite— geteilte Ansicht, daß es in der Konfektion ortsüblich sei, Ueberstunden nicht zu be- zahlen. Die Hausdiener bekämen, wenn sie Ueberstunden machen, Abendbrotgeld und wären damit zufrieden. Wenn der Kläger nach Schluß der vertragsmäßigen Arbeitszeit Ueberstunden machte, so gebe ihm das an sich noch keinen Anspruch auf Bezahlung der Ueber- zeit. Einen solchen Anspruch würde er nur dann haben, wenn er ausdrücklich Bezahlung der Ueberstunden verlangt hätte.— Nach diesen Erörterungen begnügte sich der Kläger mit einem Vergleich, wonach ihm die Firma 25 M. zahlt. Gerichtszeitung. Der Brustbeutel eines gefalleneu Offiziers als DiedeSbeute. Gegen das Andenken eines Verstorbenen hat sich der Dekorations- maler Emil B u h s e durch eine Tat vergangen, die ihn unter der Anklage des Diebstahls vor den Strafrichter führte. Der Angeklagte, der wegen eines vor Jahren in der Königgrätzer Straße unter dem Schutze einer fchwarzen MaSke verübten Raubanfalls vom Schiour- gerichl mit 3Vz Jahren Zuchthaus bestraft worden ist, war längere Zeit im Arbeitshause zu Strausberg untergebracht. Von dort entwich er im Juni d. I. auf tollkühne Weife, indem er aus einem Fenster im vierten Stockwerk heruntersprang und den Straus- berger See schwimmend durchguerte. Es gelang ihm auf falsche LegilimationSpapicre hier bei dem Malermeister Wilke in Charlottenburg Stellung zu erhalten. Sein Meister schickte ihn eines Tages zur Ausführung von Malerarbeiten in die Woh- nung der verwitweten Hauptmann K. in der Suarezstraße. Hier bemerkte Buhse in einer Schublade einen seltsam geformten Schlüssel. Nach mehreren an verschiedenen Truhen und Schränken angestellten Versuchen fand er heraus, daß dieser Schlüssel zu dem im Schlaf- gemach stehenden Geldschrank paßte, den er nunmehr einer ein- gehenden Durchsuchung unterzog. Als er hierbei zufällig auf eine Feder drückte, sprang plötzlich ein verborgenes Ge- h e i m f a ch des Schrankes auf, in dem ein geöffnetes Feldpostpaket lag. Es enthielt den ledernen B r u st b e u t e l deS vor kurzem gefallenen Hauptmanns. Das Regiment hatte den Beutel mit den darin befindlichen Wertsachen der Gattin des Ge- fallenen übersandt, die ihr letztes teures Andenken an den Toten an dieser vermeintlich unauffindbaren Stelle bewahrte. In dem Beutel befanden sich die goldene Uhr nebst Ketre, ein silbernes Zigarettenetui, eine Anzahl Banknoten und einige belgische Goldmünzen. Der An- geklagte steckte den Beutel nebst Inhalt ein, schloß den Schrank wieder zu und entfernte sich, indem er der gerade nach Hause zurück- kehrenden Inhaberin der Wohnung erklärte, daß er noch Farbe zum Anstreichen besorgen müffe. Er ließ sich nicht wieder blicken. In der folgenden Nacht vergrub er aus Furcht vor einer Haussuchung das gestohlene Gut in den Anlagen des Char- lottenburger Amtsgerichtsplatzes. Als er sich einige Tage später, und zwar wieder zu nächtlicher Stunde, an der betreffenden Stelle einfand, um die Sachen abzuholen, mußte er zu seiner Enttäuschung feststellen, daß der Schatz bereits von anderer Seite gehoben war. Die Person deS Schatzgräbers ist unbekannt ge- blieben. Buhse selbst wurde unmittelbar darauf von einem Schutzmann, der ihn in das Gebüsch hatte hineinkriechen sehen, festgenommen.— Vor Gericht verwies Rechtsanwalt Dr. Harry Pincus als Verteidiger auf ein Gutachten, das Geb. Medizinal- rat Dr. Leppmann gelegentlich der früheren Strafvollstreckung er- stattet hat; in diesem wird der Angeklagte als ein erblich belasteter Psychopath bezeichnet, wenn auch§ 51 St.-G.-B. nicht Anwendung finde.— Der Staatsanwalt beantragte ein Jahr Gefängnis. Das Urteil lautete auf eine Gefängnisstrafe von neun Monaten. flus aller Welt. Kriegsgefangenenfürsorge in New Aort. Am 20. Oktober ist in New Dork eine neue Wohltätigkeits- besirebung unter diesem Namen mit dem Zweck ins Leben gerufen worden, die Lage der in Sibirien und anderen Teilen der Welt untergebrachten deutschen, österreichischen und ungarischen Kriegs- gefangenen beffern zu helfen. Der Ausschuß setzt sich aus hervor- ragenden Deutschamerikanern zusammen. Die in allen New Dorker deutschen und verschiedenen größeren englischen Zeitungen ver- öffenlkichten Aufrufe haben bereits über 12 000 Dollar in bar und zirka 1500 Liebesgabensendungen gebracht, so daß über 200 Kisten von je zwei Zentner Bekleidungsstücken, und zirka 30 000 Rubel an die Hilfs- aition Tientsin durch Vermittelung des Amerikanischen Roten Kreuzes zur Verteilung an deutsche, österreichische und ungarische Gefangene in Sibirien gesandt wurden. Diese Bestrebungen sind inzwischen auch auf den Versand aller in Deutschland und Oesterreich-Ungarn nicht genügend reichlich vorhandenen Artikel an Gefangene in Eng- land, Frankreich usw. ausgedehnt worden. Die K. G. F., deren Räume sich in New Jork, North Moore Street 24 befinden, wird also von hier aus Pakete an deutsche, österreichische und ungarische Gefangene nach allen Lagern übernehmen, sofern die Beträge mit Angabe der gewünschten Sachen und genauen Adressen der Empfänger von de« Spendern bei den deutschen, österreichischen oder ungarischen Banken eingezahlt»der der K. G. F. direkt übersandt werden Die Banken werden höflichst gebeten, die Adressen, Wünsche und Beträge an K n a u t h, Nachod u. Kuehne, Leipzig, weiterzugeben, wo die Uebermittlung nach hier erfolgt. Bei der Zugentgleisung in Brntschen sind endgültig 17 Tote, 33 Schwerverwundete, 24 Leichtverwundete fest- gestellt worden. Elf Personen haben nur leichte Abschürfuitgen erlitten. Die Verwundeten, denen schnelle Hilfe und alle möglichen Erleichterungen zuteil wurden, fanden Unterkunft im Bentschener Krankenhaus. Das Befinden einzelner scheint leider wenig bc- friedigend. Schiffe im Eise eingefroren.„Nationaltidende" meldet aus Christiania: Ueber 100 Schiffe, zumeist amerikanische, englische, französische und auch einige norwegische, sind i m Weißen Meere vom Eis überrascht und eingeschloffen worden, so daß sie gezwungen sind, dort zu überwintern. Verlustlisten. Die Verlustlist« Nr. 416 der preußischen Armee enthält Verluste folgender Truppenteile: Infanterie usw.: Garde: 1. Gavde-Negiment zu Fuß(s. Res.- Jnf.-Reg. Nr. 203); Garde-Qandsturm-Jnfanterie-Bataillon Wüns- dorf. Grenadier- bzw. Infanterie- bzw. Füsilier-Regimcnter Nr. 9 bis einschl. 12, 31, 32(s. auch Gob.-MasKinengcw.-Abt. Str. 220), 33. 34. 35. 37, 41, 42, 43, 46, 49, 53. 57. 69. 62. 63, 64 70, 72 fs. Fernsprech-Abt. Nr. 4), 73, 75. 77. 79. 80, 81. 84. 89, 90, 93. 94, 99, 109, III bis einschl. 117, 129 bis einschl. 132, 135, 137, 138, 140, 141, 147, 148, 149, 152, 153, 154, 156, 157, 138, 160, 161, 162, 164, 167(f. Rej.-Jns. Nr. 203), 170 bis einschl. 176, 188. Reserve-Jnfanterie-Regimenter Nr. 9, 11, 31, 35, 48, 56, 59. 60, 61, 64, 66, 67, 69, 70, 73, 74. 76. 78. 80, 82. 80. 87, 92, 98 ls. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 203). III, 130. 201, 202 ks. auch Nes.-Jnf.-Reg. Nr. 203), 203 bis einschl. 208. 211. 214, 217, 220. 223, 225. Landwehr-Jnfanterie-Regimenier Nr. 9. 10, 11, 31 bis einschl. 35, 40. 52, 56. 57, 76 fs. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 69). 84, 110. Landstnrm-Jnfanterie-Bataillone: 2. Stade, 1. Stockach, 3. Trier, 1. Wahn, Wismar. Landsturm-Jnfauteric-Ersatz-Bataillone: Saar- gemünd, 3. Saarlouis, Siegen, Stettin, 2.� Straßburg. 1. Land- sturm-Fnf.-AuSbildnngs-Bat. St. Avold. Etappen-Sammel-Koinp. Nr. 2. Jäger-Bat. Nr. 14; Reserve-Bat. Nr. 14. 2. Ersatz- MaschinengeweHr-Kompagnie des 9. Armeekorps; Gcbirgs-Ma- schinengew-ehr-Abteilung Nr. 220; Feld-Maschinengewehr-Zug Nr. 335(s. Gren.-Reg. Nr. 10). Jnfanterie-Scheinwerferzug der 46. Reserve-Division. Kavallerie: 1. Garde-Dragoner; 1. und 2. Garde-Ulanen. Kürassiere Nr. 2, 3, 6, 7; Dragoner Nr. 4, 14, 17, 21; Husaren Nr. 6 und 9; Ulanen Nr. 2 und 11; Jäger zu Pferde Nr. 3. 13 ls. auch Ulanen Nr. 2). 7. Landsturm-Esiadron deS 5. Armeekorps. Feldartillerie: Regiment Nr. 4 ls- Ferirsprech-Abt, Nr. 4). Gebirgskanonen-Batterie Nr. 1. Fußartillerie: 1. Garde-Regiment. Regimenter Nr. 1, 3, 4, 6, 7, 9, 16, 20; Reserve-Rcgimenter Nr. 6, 7, 8, 11. 18. Fuß- artillerie-Bataillon Nr. 26, 27, 28, 39; Ersatz-Bataillon Nr. 24; Landsturm-Bataillon des 4. Armeekorps. Fuhartillerie-Batterien Nr. 190, 206, 251, 394, 396, 488. Meßplan-Mteilung des 4. Armeekorps. Vermessungs-Abteilung Nr. 5. Verkehrstruppen: Eisenbahn-Hilss-Bataillon Nr. 2. Tele- graphen-Bataillon Nr. 3. Garde-Fernsprech-Wteilung. Fern- sprech-Abteilung Nr. 4; Reservc-Fernsprech- Abteilung Nr. 24; Fernsprech-Ersatz-Abteilung Nr. 2. Train: Ersatz-Abteilung d-er Garde-Train-Wteilung. Train- Abteilungen Nr. 1, 4, 5, 6, 8, 17, 20. Ersatz-Abteilung der Train- Abteilung Nr. 6. Korps-Proviantamt des 10. Armeekorps. Korps- Brückentrain Nr. 18. Reserve-Korps-BrückentrainS Nr. 38 und 39. DivisionZ-Brückentrain Nr. 86. Proviantkolonne Nr. 5 des Garde-Neservekorps. Leichte Proviantkolonne Nr. 1 der 6. Ka- vallerie-Division. Fuhrparkkolonne Nr. 3 des 8. Reservekorps und Nr. 3 der 56. Jnfanterie-Division; Reserve-Fuhrparkkolonne Nr. 4; Magazin-Fuhrparkkolonne Nr. 85 der Nfemcn.Armee; Etappen- Fuhrparkkolonne Nr. 2IX. Feldbäckereikolonne Nr. 1 des 8. Armeekorps. Zentral-Pferdedepot Nr. 5; Reserve-Pferdedepot Nr. 35. Pferdelazarett Lissa. MunitionSkolönnen: Artillerie-MunitionSkolonne Nr. 2 des 1. Armeekorps. Fußartillerie- Munitionskolonne Nr. 255. Etappen- Munitionskolonnen' Nr. 52 und 131._ Sanitäts-Formationen: Sanitäis-Kompagme Nr. 3 des 6. Armeekorps. Reserve-Feldlazarett Nr. 120. Festungslazarett Warschau. Lazarettzug Nr. 7. Etappen-Kommandantur Nr. 5XIV. Intendanturen und FeldkriegSkaffen: Intendantur der 11. Armee. Etappen-Jntendan-tur der XIV. und Stellvertretende Intendantur des 1. Armeekorps. Fcldkriegskasse der Etappen-Jn- spektion der 9. Armee. Feldpost: Armee-Postdirektion der Armee-Adteilung Woyrsch. Feldpostamt des Beskidenkorps. Zivilverwaltung für Russisch-Polen. »* » Die sächsische Verlustliste Nr. 240 enthält die Liste 1 über die aus russischer Gefangenschaft zurückgekehrten sächsischen Heeresangehörigen lAustauschgefangenen); ferner Verluste der Jnfantcrie-Regimenter Nr. 102, 104, 106, 133, 139, 177, 181, 182, 183, 192; Reserve-Jnfanterie-Regimenter Nr. 102, 104, 107, 133, 242, 243, 244, 245; Landwehr-Jnfanterie-Regimenter Nr. 103, 104, 107, 133; Ersatz-Jnfanterie-Regimenter Nr. 23, 24, 32, 40; Jäger-Bataillone Nr. 12, 13; Reserve-Jäger-Bataillon« Nr. 12, 13, 25, 26; Fuhartillerie-Regimenter Nr. 12, 19; Fußartillerie-Ba- taillone Nr. 27, 38, 58; Reserve-Fußartillerie-Bataillon Nr. 12; Landwehr-Fußartillerie-Bat. Rr. 19; Landsturm-Fußartillerie-Bat. des 12. Armeekorps; Futzartilleri«-Batterien Nr. 123, 278; Meß- Planabteilung._ Jugenüveranftaltungen. Adlershof. Sonnabend, den l. Januar ISIS, findet eine Partie nach Kiekemal statt. Treffpuntt früh 8 Uhr im Jugendheim, BiSmarcksw. 31. Unkosten entstehen nicht._ Sriefkaften der Redaktion. Silvester und am Neujahretag fällt die juristische Sprechstunde aus. C. W. 55. Ihr Mann ist verpflichtet, sür Ihren Unterhalt zu sorgen. Sie können beim Amtsgericht einen Beschlutz erwirken, wonach Sie wegen der groben Beschimpfungen von ihm getrennt leben können.— L. G. lv l>. Wenn der Gläubiger damit einverstanden ist, können Sie die schuld als Hypothek eintragen lassen. Die Eintragung mutz beim Arundbuchrichicr geschehen. Sie können aber auch dem Glaubiger einen Schuldschein über die geliehene Summe ausstellen.— Hermann 38. 1. Altersrente wird nach vollendetem 70. Jahre gezahlt. Die Frau hat aber keinen Anspruch. da sie viel zu wenig Marken geklebt hat. 2. Nein. 3. Sie miltzten sich mit einer Anzeige an das zuständige Polizeirevier wenden.— E. Tl. 25, Ja. M. 812. 1. Ja. 2. Die Abzüge sür Invaliden- und Liranken- Versicherung können in diesem Falle nur sür höchstens zwei Monate erfolgen. 3. Beim Berficherungsamt der Stadt Berlin, Klosterstr. 67, — Tobolsk. l. In dem Falle ja. 2. Ja, da der Betreffende mit der Leistung feiner Dienst« in Verzug geraten ist. 3. Ja, au» den vorher angeführten Gründen. 4. Gegen die Firma wird fich nichts wetter unter- nehmen lassen. Die Frau hätte nur Anspruch aus staatliche Unterstützung. — Kottbus 1915. Zu t. und 3. Die Arbeitslöhne sind von den Be- kleidungsämtern besonders geregelt. Ueber die Festsetzung aus Ihrem Amte sind wir nicht unterrichtet. 3. Die Verpflegungsgebührcn sür Be- urlaubte stehen allen Unteroffizieren und Mannschaften zu; ausgenommen ist sogenannter SonntagSurlaub, der aus kürzere Zeit von der Garnison aus erteilt wird.— U. P. Entzieht fich unserer Kenntnis.— P. 5. Ja.