Ar 4.-33. Jahrg. Abonnenten ts-Bedlngan««! HbünnfmentS• Sretä vrSnumerand«» Vierleljährb 8,30 Ml. monatL UO Ml, wöchenilich 25 Pfg. frei tnS Hau». Einzelne Nummer S Zfg, Eonmag»- nummer mit illustrierter Eonmag»- Beilage.Die Neue Well'>0 iibonncmeM! 1,10 Marl Uro Monat. Eingetragen in die Vost- Zeitung»- Brei-llite. Unter Kreuzband für Deulilbian» und Oesterreich. Ungarn 2.30 Marl für da- übrige AuKIand « Marl vro Monat. VoslabonnemeM» nehmen an: Belgien, Dänemari, Holland. Italien, Luxemburg,«ormgal, kumättlca. Schweden und die Echtveit vlchel»! lZgNch. Vevlinev Volksblskt. s Pfennig) Die TnfertlonS'Gebflfir betrügt für die fcchzgefpaltene Kollmel- »eile oder deren Raum SO Pfg„ für politische und gewerkschaftliche Verein». Und BersauimlungS-Aiizeigen 30 P'g ..Meine Hnzcigen", da» fettgedruckte Wort 20 Pfg,, zulässig 2 fctigedruckte Worte),>edeS weitere Wort 10 Pfg Etellengefuchc und Schlasstellenat, zeigen da» erste Bort 10 P!g„ jede» § weitere Wort o Pfg. Worte über IZBuch, >ben zahlen für zwei Borte, Jnferale r die nächste Rmimier müssen bi» llhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeditioa ill bis 7 Uhr abend» geöffnet, Xelegramm- Adresse: „SoziUdaiolirat Rtrlifl", Zentralorgan der rozialdemohrati leben parte» Deutfchlands. Neüaktion: SW. 68, Linüenstraße 3. Fernsprecher: älmt Morttiplat,. Nr. 151 90—15! 97. Expedition: SN). 68, Linöenftraße 5. Sternsprecher: Amt MoritiPlaN. Nr. 131 90—151 97. fortgang tler Schlacht in SttgallÄe». Rumänien am Scheidewege. Von einem rumänischen Genossen wird uns geschrieben: Innerhalb des eisernen Ringes, der Europa einschnürt, befinden sich nur einige kleinere Staaten, die nicht oder noch nicht am gewaltigen Völkerringen teilnehmen. Von der Lage dieser Staaten ist die Rumäniens gewiß nicht die beneidens- werteste, da es wie eine einsame Insel mitten in einem wild tobenden Meere liegt. Von außen her pochen die Nachbarn init geharnischter Faust an die Pforten des Landes, der Nachbar von Osten verlangt drohend freien Durchzug für sein Heer. Tie Stellung der Regierung ist in der Tat eine äußerst schwierige und delikate. Die äußere Lage zwingt ihr die peinliche Jnnehaltung einer strikten Neutralität auf. Wie aber, wenn sie durch militärische Vorkehrungen eines ihrer Nachbarn zur Aufgabe der Neutralität gezwungen werden würde? Neben diesen äußeren Umständen machen sich aber seit Kriegsbeginn im Innern des Landes Faktoren geltend, deren Einfluß auf die Stellungnahme Rumäniens zum Weltkriege von weit größerer Bedeutung, deren Untersuchung daher für die Beurteilung der Lage sehr wichtig ist. Die Gesellschaftsschichten, die an der großen Politik teil- nehmen, sind in Rumänien in zwei feindliche Lager geteilt; das eine gravitiert nach dem Osten, das andere nach dem Westen. Die breiteste Schicht jedoch, die das eigentliche Volk umfaßt, steht abseits von den großen politischen Tagesfragen und nimmt an diesen keinen unmittelbaren Anteil. Rumänien hat weder ein unmittelbares noch ein mittel- bares Interesse an der Teilnahme an dem gegenwärtigen Kriege. Wie leer das Gerede von der„Befreiung� der Rumänien in den Grenzgebieten vom fremden Joch ist, beweist am besten die erst vor zwei Jahren erfolgte Annektierung rein bulgarischen Gebiets. Weder Ueberbevölkerung noch das Bedürfnis von Absatz- Märkten für die Erzeugnisse unserer noch in den Kinderschuhen steckenden Industrie, und noch weniger etwa das Bedürfnis der einheimischen Finanz nach auswärtigen Anlageplätzen drängen den herrschenden Klassen Rumäniens eine imperialistische Politik auf. Der Absatz seiner landwirtschaftlichen Erzeugnisse nach dem Westen ist in Friedenszeiten durch nichts gefährdet. Dagegen gibt es noch im eigenen Lande Eroberungen Wirt- schaftlicher, politischer und kultureller Art von gewaltiger Be- dcutung zu machen. Alle herrschenden Parteien Rumäniens sind sich darüber einig, daß Krieg geführt werden müsse; nur darüber gehen die Meinungen stark auseinander, wer eigentlich der Feind sei. Die einen erinnern sich, daß die Ungarn uns das schöne Siebenbürgen entrissen, die anderen, daß die Russen uns das fruchtbare Bessarabien schnöde geraubt haben. Dieser Unter- schied ist aber kein prinzipieller und bildet auch keine Schei- dungslinic zwischen der auswärtigen Politik unserer bürger- lichen Parteien. Sowohl die Liberalen wie die Konservativen und die Agrarier sind in Russophile und Germanophile geteill. Ursprünglich, bis zu der gewaltigen Karpathcnschlacht, die nach mehrmonatigem Ringen mit dem Zurückwerfen der russi- schen Flut bis mitten in die Rokitnosümpfe endete, überwogen die österrcich-ungarn-feindlichen Elemente, weil man allgemein mit einem Znsammenbruch Oesterreich- Ungarns und einer leichten Zurückgewinnung Siebenbürgens und der Bukowina rechnete. Daher neigten sich die Sympathien der rumänischen Oeffentlichkeit mehr auf die Seite der Entente. Nach der Kar- palhenschlacht aber gewann die Richtung mehr und mehr an Boden, die sich die Rückeroberung Bessarabiens als Kaiegsziel setzte. Den Zielen einer kriegerischen Politik, einerlei, ob ihre Spitze sich gegen Oesterreich-Ungarn oder gegen Rußland richtete, entsprachen vollkommen die politischen, wirtschaftlichen und militärischen Maßnahmen, die die Regie- rung im ersten Kriegsjahre traf, ohne dabei auf eine andere Opposition im Lande zu stoßen, als auf die der Arbeiterklasse und deren Sachwalterin, der Sozialdemokratie, die von An- fang an für eine Politik der absoluten Neutralität eintraten. Als wichtigste dieser Maßnahmen, die sich in ihren Folgen für die Zentralmächte besonders fühlbar machte, war das Ausfuhrverbot für Getreide und sonstige Lebensmittel. Wenn jetzt, nach l'/s Jahren Krieg, unsere Agrarier sich zu einer schwachen Opposition gegen die Negierung aufraffen und von dieser die Beseitigung des Ausfuhrverbotes und aller übrigen Exportschwierigkeiten für Getreide forderten, so geschah das des- halb, weil die Hoffnung auf die Vorteile eines kriegerischen Abenteuers durch die Gestaltung der militärischen Lage auf dem Weltkriegsschauplatz mehr und mehr schwindet und die auf- gestapelten Ernten von zwei Jahren dem vollständigen Ver- derb entgegengehen. Die Agrarier brauchten hierbei gar nicht MW m Sroßeil SliUWMS. Amtlich. Großes Hauptquartier, de» 4. Jauuar 1916. sW. T. B.) Auf allen Kriegsschauplätzen keiue Ereignisse von Bedeutung. Ober st e Heeresleituug. ** * Set öMMe SemMMMl. Wie«, 4. Januar.(W. T. B.) Amtlich wird ver- lautbart: Wien, 4. Januar 1916. Russischer Kriegsschauplatz. Die Schlacht in Ostgalizien dauert an. Der Feind setzte gestern seine Durchbruchsversuchc bei Toboroutz an der bess- arabischen Grenze mit großem Kräftcausgebot fort. Sein Miß- erfolg war der gleiche wie in den vergangenen Tagen. Die russischen Angriffe wurden überall abgeschlagen, zum TeU i« lang andanernde«, blutigem Handgemenge. Besonders erbittert waren die Kämpfe Mann gegen Mann in den zerschossene» Gräben beim Hegehaus, östlich von Raraneze, wo sich insbesondere da« WaraSdiner Infanterie- Regiment Rr. 16 neuerlich mit Ruhm bedeckte. Ebenso wie an der bessarabischcn Front scheiterten die An- griffe, die der Feind nordöstlich von Okna und gegen die Brücken- schanze bei Uscieezko führte und alle mit großer Zähigkeit er- neuerten Versuche der Rossen, im Räume nordöstlich von Boczacz in uusere Gräben einzudringen. Die Verluste des Feindes sind nach wie vor überaus groß. In einem 19 Kilometer breiten Abschnitt zählten wir 2399 russische Leichen vor unserer Front. Einzelne russische Bataillone, die mit 1909 Mann ins Gcsecht gingen, sind lant ihre« eigenen Mel- dnngen mit 139 zurückgekehrt. Die Zahl der nordöstlich von Buczacz in den letzten Tagen eingebrachten Gefangenen übersteigt 899. An der oberen Jkwa schösse« die Truppen der Heeresgruppe Böhm-Ermolli ein russisches Flugzeug ad. Die Bemannung, aus zwei Offiziere» bestehend, wurde gefangen. Jtalieuischer Kriegsschauplatz. In Südtirol und an der Dolomitenfront fanden wieder Ar- tilleriekämpfe statt. Unsere Flieger belegten ein Magazin des Feindes in Ala mit Bomben. Der Ort Malvorgeth wurde aber- malS ans schweren Geschützen beschossen. Anch im Flitscher Becken und Krngcbiet rührte fich die italienische Artillerie. Nörd- lich Dolje nahmen unsere Truppen gestern früh«ine» feindlichen Graben, um den seither hartnäckig gekämpft wird. Drei italienische Gegenangriffe wurden abgewiesen. Auf der Hoch- fläche von Doberdo kommt eS täglich an einzelnen Frontteilen zu Handgranaten- und Miuenwerserkämpfe». Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Der Stellvertreter de« EhefS de« Generalstabe«. v. Hoefer, Feldmarschalleutnant. zu einer ernsten Opposition zu greifen, denn ihre Forde- rungen stießen bei der Regierung nicht auf sonderlichen Wider- stand. Zu mehr als einem unbedeutenden Ministerwechsel führte die Bewegung der Agrarier nicht; die Lage des Finanzministers CostineScu, des Hauptes der Richtung in der Regierung, deren Politik den gegenwärtigen Interessen der Agrarier zuwiderlief, war zwar gefährdet, sie wurde aber nicht erschüttert, weil CostineScu dem Drängen der Agrarier schließlich nachgegeben hat. Die Haltung der Regierung in dieser Frage ist sympto- matisch für ihre Stellungnahme in der Kriegsfrage überhaupt. Muß auch anerkannt werden, daß das bisherige Vorherrschen der österreich-ungarn-feindlichen Stimmung in Rumänien sich nicht bloß auf französische Beeinflussung und russische Bestechung, sondern in größerem Maße auf die enge kulturelle Zusammengehörigkeit Siebenbürgens mit Rumänien und die— bisher wohl begründete— Furcht vor der Entnationalisierung und Magyarisierung der Rumänen Siebenbürgens stützte, so darf andererseits nicht übersehen werden, daß selbst die kriegslustigsten Elemente der herrschenden Bojarenkaste angesichts der isolierten Stellung Rumäniens auf dem Balkan zu einer strengeren Auffassung der Neutralität gelangt sind, als das bisher der Fall war. Freilich besteht auch jetzt noch die Gefahr, daß Rumänien— etwa durch einen russischen Durchmarschsversuch— gegen seinen Willen in den Krieg hineingezogen werden könnte. An diese Frage und an die der etwaigen Zurückeroberung Bessarabiens an der Seite der Zentralmächte sind jetzt die bevorstehenden politischen Eni- scheidungen Rumäniens geknüpft. Die Situation in Saloniki. Paris, 3. Januar.(W. T. B.) Die..Agence Havas" meldet aus Saloniki vom 2. Jmiuar: König Peter, der im serbischen Konsulat abgestiegen ist, hütet wegen körperlicher Wspannung das Zimmer. Er soll nach Saloniki gekommen sein, um die Reorganisation der serbischen Armee in die Wege zu leiten, die in Gruppen von 200 bis 400 Mann aus Albanien«intrifft. Ter König wird einen Ausruf zugunsten eines heiligen Bundes zur Befreiung des vom Feinde besetzten Landes an die Serben richten. Die Militärbehörden fahren mit der Verhaftung aller verdächtigen und bloßgestellten Personen fort. Die Alliierten beginnen mit der Anlage einer befestigten Zone an der Front der strategischen Linie, die sich über eine Gc- samtlänge von 100 Kilometern erstreckt. Amsterdam, 4. Januar. sW. T. B.) Ein hiesige? Blatt meldet aus London: Wie die„Times" aus Saloniki erfährt, wurden zabl- reiche der Spionage verdächtige Deutsche verhaftet. Unter den Per- hafteten befindet sich auch der Vizedirektor und Prokuriü der Banque de Saloniki. Verschiedene griechische und bulgarische Rotabeln und mehrere Frauen wurden ebenfalls verhaftet. Die Gefangenen wurden sofort an Bord eines Kriegsschiffes gebracht. Weitere Ver- Haftungen stehen bevor. Zur Verhaftung üer Konsuln. Paris, 4. Dezember.(W. T. B.) Die„Agenee Havas" meldet amtlich: Die in Saloniki verhasteten feindlichen Konsuln, die nach Marseille gebracht werden, werden gleich nach ihrer Ankunft in diesem Hafen, zur schweizerischen Grenze gebracht werden. Sofia, 4. Dezember.(28. T. B.) Der griechische Gc« sandte in Sofia, Raum, hat dem Ministerprästdeuten Rado- slawow den Text der Note vorgelegt, in der die griechische Regie- rung auf das energischste gegen die Verhaftung der Konsuln in Saloniki protestiert. Der Gesandte erklärte, die griechische Regierung werde mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dauacki trachten. ihrer Note Gellung zu verschaffen. Die griechische Regierung sei von dem auftichtigen Wunsche durchdrungen, jedem Mißverständnis mit den Mittelmächten unbedingt auszuweichen und das gute Verhältnis dauernd auftechl zu erhalten. Die offene Erklärung de? Gesandten hat in den Kreisen der Regierung von Sofia den besten Eindruck gemacht. Wien, 4. Januar.(28. T. 25.) In der Note der g r i e ch i- schen Regierung an die Vertreter Englands und Frankreich? wegen der Verhaftung der Konsuln in Saloniki heißt et nach der.Neuen Freien Presse" noch: Die königliche Regierung. gestützt auf ihre Souveränität, ist berechtigt, trotz der stärkeren Macht. der sie gegenübersteht, zu verlangen, daß iofort die nötigen Befehle erteilt werden zur Vorsorge für die Sicherheit der erwähnten Per- sonen bis zu deren Uebergabe an die königlich griechischen Behörden. Außerdem ist die königliche Regierung berechtigt zu verlangen, daß Befehle erteilt werden, daß die von den Alliierten festgenommeneu Perionen an die griechischen Behörden ausgeliefert werden, welch letztere sie in Obhut und Schutz nehmen werden, und zu verlangen. daß Vorsorge getroffen wird, daß die Konsulatswappen geachtet werden. Athen, S. Januar.(W. T. B.) Dem Reuterschen Bureau wird berichtet, daß die Verhaftung des norwegischen Kon- sulS Seefelder auf Befehl des Generals Sarrail in den Kreisen der griechischen Regierung verschieden beurteilt wird. An die Mächte des Vierverbande» wurde ein neuer P r o t e st ge» richtet. Wie die Blätter melden, protestierte die griechische Re- gierung auch gegen die Verhaftung griechischer Untertanen durch die Mächte de» Vierverbandes auf den Verdacht von Spionage hin. Eine ftanzösische Repreftalie gegen Bulgarien. Paris, 4. Farnrnr.(W. T. B.) Die Aponce HavaS meldet amtlich: Als Antlvort auf die willkürliche und völkerrechtswidrige Maßnahme der bulgarischen Regierung gegen den französischen Bizekonsul in Sofia, der mit der Od- Hut der Archive der französischen Gesandtschast beauftragt war. hat die französische Regierung heute vormittag unter denselben Bedingungen den bulgarischen Kanzler verhaften lassen, der die Archive der bulgarischen Ge- sandtschast in Paris überwacht. Da dieser Beamte leidend ist, wurde ihm gestattet, unter ständiger Uebertvachnng in seiner Wohnung zu bleiben._ Der ftanzösische Tagesbericht. Paris, 4. Januar.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von Montag nachmittag. In der Champagne schlugen wir bei der Siraße Tahure— Somme Py einen deutschen Handgranaten-' angriff zurück. Ja den Argoimeu beschossen bei Four de Paris unsere Tckikitzengrabenkanonen wirksam die feindlichen Schanzwerke. Die Deutschen, die aus ihren Unkerständen emflohen, wurden von unseren 7S-Millimeler-Kanonen unter einen Geschobbaflcl genommen, Paris, 4. Januar. sW. T. B.) Amtlicher Bericht von Montagabend. In Belgien war unsere Artillerie fortgesetzt lätig. Ihre Batterien beschossen gemeinsam»uit der belgischen Artillerie eine feindliche Batterie östlich St. Georges. Ihr Feuer schien wirksam zu sein. Oestrich von Boesinghe und in der Gegend von Steenstraate eröffneten wir ein erfolgreiches Geschützfeuer gegen feindliche Berbände. Südlich der S o m m e bombardierten wir die feindlichen Schützengräben der vordersten Linie. Bei Dom- vierre wurde ein feindlicher Pcovianttransport unter Feuer ge- nommen. Ein neuer Handgranatenangriff gegen unsere Stellungen westlich von Tahure scheiterte. In den V o g e s e n ziemlich lebhafter Artillerickampf. Artilleriekampf am Hirzstein. Belgischer Bericht: In der vergangenen Nacht fanden ziemlich lebhafte Artilleriekämpfe an der Dserfronl statt. Der Feind beschos; mehrere Ansammlungen bieiter unseren Linien und versuchte vergeblich, unsere Batterien zum Schweigen zu bringen, die gegne- rische Bauten und Arbeüeiobteilungen unter Feuer genommen hatten. Die englische Meldung. London, 3. Januar., lW. T. B.) Bericht aus dem West- lichen Hauptquartier. Letzte Nacht unternahm eine kleine Abteilung einen wohlgelungenen Bombenangriff, sonst nur Ar- tillerretätigkeit. Der rutsche Generalftabsbericht. Petersburg, 4. Januar.Ov Köpfen an, warfen sie in Richtung auf das Dorf Tchenar, nördlich der Stadt Kengaver(SO Kilometer südwestlich Hamadan), löteten einige Dutzend der Rebellen, machten Gefangene und er» beuteten einen Wagenzug. Wir hatten keine Verluste. Am I.Januar erwiesen Abteilungen unseres Detachements, die Hamadan besetzt hatten, der britischen Fahne, die auf dem Konsulat von Groß- britannicn gehißt wurde, militärische Ehren. Ein russische? Gbersi über öle Untaten üe? russischen Truppen. (W. T. B.) Einem Stabsoffizier des rnsfischen 8. Schützen- regiments wurde eine Abschrift deS folgenden Briefes abgenommen, der im Oktober 191S ab- gesandt sein dürste: Eure hohe Exzellenz I In letzter Zeit erschienen Anordnungen zur Htntanhaltrmg von Plünderungen durch die Kosaken. Diese schände» den russischen Namen nicht nur in Galizien, wndern in der ganzen Welt, und jetzt wiederholen sich die Plünde- ungen und Vergewaltigungen bei den friedlichen Einwohnern, bei russischen Unterlanenl Ein ähnliches Vorgehen wie da» der Kosaken findet man auch bei anderen Truppen, besonders bei den Mannschaften der Parks und der verschiedenen Trams. ES ist furchtbar, um so mehr, uls die Betroffenen nirgends Schutz finden. Selbst die Vorgesetzten verheimlichen oder begünstigen gar die Fälle von Raub und Plünde- inng. Wollte man bei den Familien der im Felde stehenden Offiziere nachforschen, so fände sich sehr viel gestohlenes Ge- >chirr, Kristall, Bilder, Teppiche. Stoff- und andere Wertsachen. Alles dies wurde weggeführt durch Offiziere und nicht durch Mann- 'chaften. Und die Oistziere. die selber ihre Hände nicht beschmutzten, Ichwiegen bei solchem Vorgehen ihrer Kameraden. Jetzt werden die Russen und die Flüchtling« beraubt. Haupt- täter sind die Kosaken, denen überhaupt nichts heilig ist. Freilich , siebt es auch Kosakenabteilungen, in denen die Offiziere die Schand- raten nicht dulden. Diese schändlichen Vorkommnisie kann man nnr durch Bestrafung der Vorgesetzten beseitigen und dadurch, daß man die Kosaken von jedem Polizeidienst ausschließt I Und was läßt sich dagegen tun, daß die Vorgesetzten die ihnen unterstellten Leute abkommandieren, ohne ihnen entsprechende Mittel um Unterhalt mitzugeben? So werden Leute zum Fonrageholen ujw. geschickt, aber man gibt ihnen kein Geld mit. In jedem bewohnten Ort muß bis zum letzten Augenblick die Polizei bleiben, und es muß ihr das Recht zustehen, plündernde Militärpersonei, zu verhaften; nur dann findet die Bevölkerung Schutz. Es ist unerläßlich, in jedem neu besetzten Ort unverzüglich Polizisten aufzustellen; ihrer gibt's genug— sie lönnten der Armee unmittelbar folgen. Während des ganzen Feldzuges wurden Gegenmaßregeln erst dann ergriffen, als niemand mehr zu beichützen war. Was wurde das ganze Jabr hindurch gemacht, und was geschieht auch etzt? Die Bevölkerung wird mit Gewalt au« ihren Heimstätten vertrieben, ihre Häuser werden verbrannt und daS darin Befindliche gestohlen— u. zw. auch bei den Zurückgebliebenen! Die Haupt- äter sind Kosaken und Marodeure. Den Flüchtlingen werden Wert« ■achen abgenommen und dann von Höberen Chargen für einen lächer- lich geringen Preis angekauft, z. B. 2 bis 3 Rubel für eine Kuh usw. Sogar umer den Augen der höheren Vorgesetzten vollziehen sich diese schändlichen Diebstähle. Alles dies ist unendlich schmerzlich und der gute Ruf der russischen Armee leidet um so mehr, daß die Armee— daS russische Volk bedeutet. Es ist unbedingt nötig, strenge und energische Matz- regeln zu ergreifen. Für die Richtigkeit: Obst. Sasonow. Meldung der italienischen Heeresleitung. Rom, 3. Januar.(W. T. B.) Amtlicher Heeresbericht. In der Gegend von Lagazuoi nördlich von Falzarego ließ der Feind sinige Minen springen, was den Sturz einer Lawine und einiger .�elsstücke verursachte. Für uns entstand indessen dadurch kein Schaden. Auf dem Karst unternahm der Feind am 2. Januar einen Angriff gegen unsere Stellungen auf dem Monte San Michele, wurde aber mit schweren Verlusten zurückgeschlagen. C ad o rn a. Meldung des türkischen Hauptquartiers. Koustantinopel, 4. Januar. kW. T. B.) Das Haupt- quartier teilt mit: An der Jrakfront lvurden alle Versuche der bei Ali Gharbt aufgestellten feindlichen Abtei- lungen, den Truppen bei Kut el Amara zu Hilfe zu kommen, zurückgewiesen. An der K a u k a s u s f r o n t am linken Flügel aus- setzendes Infanterie- und Artilleriefeuer, sonst nichts. An der Dardanellenfront schleuderte in der Nacht vom 2. zum 3. Januar ein Torpedoboot einige Geschosse in die Richtung von Ari Burun und zog sich dann zurück. Bei Sedd ul Bahr beschoß unsere Artillerie bis zum Morgen die Stellungen des Feindes und seine Lager zwischen Sedd ul Bahr mrd Teile Burun. In dieser Nacht beschoß ein Kreuzer und am 3. Januar zwei Kreuzer wirkungslos eine Zeitlang unsere Stellungen. Unsere Artillerie traf zweimal einen dieser Kreuzer. Nachmittags eröffnete die feindliche Artille- rie ein plötzliches Feuer gegen unser Zentrum und den linken Flügel. Unsere Artillerie erwiderte kräftig, dachte die feindliche Artillerie zum Schweigen, zerstörte einen bedeutenden Teil der feindlichen Schützengräben und verhinderte einen Transport. Vormittag beschossen unsere Küstenbatterien zeitweilig die Landungsstellen von Sedd ul Bahr und Tekke Burun, zwangen zwei Transportschiffe von der Londungs- stelle zu entfliehen und verursachten in der Nähe der Lan- irnngsstelle einen Brand, der den ganzen Tag andauerte. Vom U-Sootskrieg. London, 4. Januar.(W. T. W.) Reutermeldung. Der Dampfer der P. n. O-Linie.Geelong" wurde im Miltelmeer versenkt. Alle Passagiere, die sich an Bord befanden, wurden gerettet. Der Dampfer ist 7954 Tonnen groß. London, 4. Januar.(W. T. B.) Lloyds meldet, daß der Dampfer„G e e l o n g", der nach einer Reutermeldung versenkt worden sein sollte, nach einem Zusammenstoß mit dem bri- tischen Dampfer„Bonvilston* im Mittelmeer gesunken ist. Washington, 8. Januar.(W. T. B.) Reutermeldung. Lan sing beschloß, wegen der Versenkung der„Dasaka M a r u* keine Schritte zu tun, da er nicht sicher sei, daß Amerikaner an Bord waretl. Zur Versenkung öer„p ersieh. London, 8. Januar,(ffi. T.©.) Reutermeldnng. Die P. u. O.- Linie teilt mit, daß weitere elf Gerettete vom Dampfer, P e r s i a" in Malta gelandet wurden. Washington, 3. Januar.(W, T. v.) Reutermeldung. Der Konsul der Vereinigten Staaten in Alexandrien berichtet, daß die .Persia" eine 4,7zölliIe Kanone an Bord hatte. Die amtlichen Kreise erklären jedoch, daß diese Talsache an der eigentlichen Sach- läge nichts ändem würde.__ Die Ereigm'sie in Deutsih-Süöwesiafrika. Einer kurzen Zusammenstellung des Kommandos der Schutz- truppen entnehmen tvir folgendes: Am 2. August 1914 traf im Schutzgebiet Deutsch-Südwestasrika von der Großstation Nauen über Kamina(Togo) der Funkspruch ein: Heer und Flotte mobil. Die Schutztruppe, neun Kompagnien und drei GebirgSbatterien stark, hatte gerade ihr Manöver, das etwa 150 Kilometer südöstlich Windhuk stattgefunden hatte, beendet und befand sich auf dem Rückmarsch nach den Standorten. Diese hatten nunmehr die Truppen in Eilmärschen zu erreichen, um auch ihrer- seits die Mobilmachung vorzubereiten. Wenige Tage später wurden Angriffsabsichten der Südafrikani- scheu Union bekannt, worauf die Mobilmachung befohlen wurde. Erster Mobilmachungstag war der 8. August. An Neuformationen wurden in der Hauptsache aufgestellt: acht Kompagnien, zwei Balte- rien Feldkanonen 96, eine leichte Feldhaubitzbatterie, eine Revolver- kanonenbatterie und vier Feldlazarette. Durch besondere Verfügung des Gouverneurs wurde dann noch Mitt« August ein„Südafrikani- scheS Freikorps" aus einigen 100 Schutzgebiets»Buren und sonstigen Ereiwilligen unter Führung deS schon längere Zeit in Deutsch- üdwestafrika lebenden Buren Andries D e w e t gebildet, so daß die Gesamtstärke der südwestafrikanischen Streitkräfte zu Beginn des jfeldHuges einschließlich der in den größeren Wohnorten und aus Stationen verbleibenden Besatzungen etwa 5000 Mamc betragen haben dürfte. Zwei Flugzeuge, die sich seit Mai 1914 im Schutz- gebiet zu Versuchszwecken befanden, leisteten unter Oberleutnant v. Scheele im Verlauf des Krieges vorzügliche Dienste. DaS„Südafrikanische Freikorps" trat zunächst an der Südost- ecke des Schutzgebiets gegen Vortruppen der Union in Tätigkeit. Das Freikorps war durchweg beritten und verstärkt durch«ine Batterie Feldkanonen 96 alter Art, unter Führung des Haupt- manns in der Schutztruppe Haußding. Solange noch Hoffnung auf eine Vereinigung mit den aufständischen Kapburen bestand, hat es sich gut geschlagen. Nach Zusammenbruch der Burenbewegung jedoch mußte das Freikorps aufgelöst werden; die dienstfähigen und mili» tärpflichtigen Leute wurden in die Truppe übernommen, die übrigen «ntlaffen. Die letzten Gestellungspflichtigen waren bis Ende August bei ihren Truppenteilen eingetroffen. Die Stimmung war vorzüglich, obwohl seit Zerstörung der Funkenstation in Kamina in der Nacht vom 24. zum 25. August eine Nachrichtenübermittelung aus Deutsch- land durch die Großstation Nauen nur selten, nach Deutschland überhaupt nicht mehr möglich war. Das von der britisch-südafrikanifchen Regierung gegen unser Schutzgebiet geplante Vorgehen war durch die Aufttandsbewegung der Buren vorläufig ins Stocken geraten. Mitte September be- schloß daher der Kommandant der Schutztruppe, Oberstleutnant v. Heydebreck, den Unionstruppen, die sich in erheblicher Stärke bei Steinkopf südlich des Oranje gesammelt und die schwachbesetzte Station Ramansdrift überfallen hatten, schon in den deutschen Oranjebergen mit seiner Hauptmacht entgegenzutreten, während die beiden von Lüderitzbucht und Swakopmnnd ins Landesinnere führenden Bahnlinien nach teilweifer Zerstörung nur von schwachen Kräften unter stien Hanptlenten von Münstermann und ScnltetuS besetzt wurden. ES wurden nunmehr drei gemischte Detachements aufgestellt. Ende September kam es zwischen Teilen dieser Hauptmacht der Schutztruppe unter Oberstleutnant v. Heydebreck(Generalstabsoffi. zier Hauptmann Weck) und einer größeren Abteilung der Unions- truppen in den Oranjebergen zum Gefecht bei Sandfon- t a i n, wo eS der Truppe gelang, drei feindliche Schwadronen mit Artillerie und Maschinengewehren zu umzingeln und nach heftigem Kampfe, der von 7 Uhr früh bis 5 Uhr abends dauerte, zur Ueber. gäbe zu zwingen. Die SiegeSbeute betrug 300 Gefangene(darunter der verwundete Oberst Grant), viele Gewehre, zwei Feldgeschütze, vier Maschinengewehre, Pferde, Wagen, Zelte und reichlich Pro- Viani. Die Schutztruppe hatte etwa SO Tote und Verwundete zu be- klagen. Anfang Oktober hatten die Engländer in Lüderitzbucht, wo schon am 19. September englische Schiffe erschienen waren, mit der Ladung einer größeren Trnppenmacht begonnen, die schließlich ins- gesamt auf 8000 Mann stieg. Die Hauptmacht der Schutztruppe, ohne das Detachement Franke, wurde daher unter Major Ritter nach Ans an der Bahn Lüderitzbucht— Keetmanshoop gezogen. Die aufständiscken Buren der Kapkolonie unter Maritz und Kemp hatten sich Ende des Jahres 1914 näher an die Südostecke des Schutzgebietes herangezogen und dort mit wechselndem Erfolg gegen die Uniontriippen gekämpft. Die Ereignisse»m die Jahreswende sind jedoch dunkel. Jedenfalls hat sich Kemp mit seinem und einem Teil des Kommandos Marth bald ergeben. Die gewaltsame Erkundung des Majors Ritter an der Süd- ostecke(zwei Kompagnien, eine Batterie, verstärkt durch eine bisher selbständige Abteilung des Oberleutnants Frhr. v, Hadeln) war zu- nächst von Erfolg begleitet. Anfang Februar griff er die am Nord- ufcr des Oranje in der Käprolonie bei Kakamas verschanzten Eng- länder überraschend an, warf sie über den Fluß und zerstörte sämt- liche Fähren. Da der Feind aber fortgesetzt Verstärkungen erhielt und eine Umgebung zu befürchten war, wurde die Abteilung nach scharfem Gefecht, in dem Oberleutnant der Reserve Voigts, die Leutnants Moebus und v. Wegnern und etwa 30 Mann fielen, wieder aus Ukamas zurückgenommen. Als jedoch kurze Zeit darauf von Swakopmnnd aus ein großer, von Botha persönlich geführter Angriff drobtc, wurde die Abteilung Ritter an die. Bahnlinie Swa- kopmund— Windhuk gezogen. In der Gegend bei Üiamas blieb nur die schwache Abteilung des Oberleutnants Frhrn. v. Hadeln zurück. Weihnachten 1914 landeten die Engländer eine starke Abteilung südafrikanischer Truppen in Wälfischbai und begannen alsbald von hier aus eine Bahnlinie nach dem Norden zum Anschluß an die Bahn Swakopmnnd— Windhuk zu legen. Mitte Januar zogen sie, ohne daß ihnen Widerstand geleistet worden wäre, in Swakop- mund ein, Inzwischen war eine neue größere Abteilung, die hauptsächlich aus den von Norden zurückgekehrten Frankeschen Truppen bestand, unter Major a. D. Wehle gebildet worden. Diese Abteilung griffen die Uniontrnppen Ende März 1915 bei Jakalswater und Riet (100 Kilometer östlich Swakopmnnd) mit überlegenen Kräften überraschend cm und warfen sie unter großen Verlusten für uns auf Kubas zurück. Die Engländer sollen bei Riet 10 000 und bei Jakalswater 6000 Mann stark gewesen sein, gegen etwa 450 bzw. 230 Mann auf unserer Seite, Die bei Jakalswater stehende Abteilung, eine Kom- pagnie und eine Halbbatterie mußte sich nach völliger Umzingelung und schwerstem Kampfe, und nachdem die Munition verschossen war, der fünfundzwanzigfachen feindlichen Uebermacht ergeben. Die Ge- wehre waren kurz vor der Uebergabe zerschlagen und die beiden Ge- schütze unbrauchbar gemacht worden. Die Verlustzahlen dieses unglücklichen Gefechts stehen noch nicht fest; sie müssen jedoch an Toten und Verwundeten erheblich gewesen sein. Starke feindliche Abteilungen mit„Hunderten von Kraftwagen"— die Schntztruppe verfügte im ganzen über vier Autos!— gingen im südöstlichen Teil des Schutz- gebiets und auch von Süden her vor, so daß die Grenzschutzabteilungen der Hanptleute Medding und Schoepffer und die des Oberleutnants Freiherrn v. Hadeln dem Drucke weichen mußten, wodurch die Truppen in Aus Gefahr liefen, abgeschnitten zu werden. Auch Keettnannshoop wurde geräumt. Den Befehl über die Nachhut der nach Norden abziehenden Süd- truppen übernahm Hauptmann a. D. v. Kleist. Bei Kabus, nördlich Keetmannshoop und bei Gibeon hatte diese Nachhut in der zweiten Aprilhälfte dann noch gegen weit überlegene Kräfte Gefechte zu be- stehen, von denen das bei Gibeon für uns besonders verlustreich war. Indes ging kein Geschütz oder Maschinengewehr verloren. Von ungünstigem Einfluß ernf den Verlauf dieses Rückzuges war, daß im April auch die etwa in der Mitte des Schutzgebietes wohnenden 400— 500 Gewehre starken Rehobother Bastards, wohl von Agenten aufgewiegelt, sich erhoben. Es gelang jedoch, die Auiständischen durch die gegen sie entsandten Abteilungen unter Major Graf v. Saurma- Jeltsch und Hauptmann Hensel in Schach zu halten. Die Offensivkraft der Schutztruppc war indes noch nicht gebrochen. Im Verlaufe der folgenden Gefechte erhielt jedoch der Feind von allen Seiten und mit derartig überlegenen sowie mit zahlreichen Geschützen, Maschinengewehren und Panzerkraftwagen ausgestatteten Kräften Verstärkung, daß es nur einem überaus geschickt geleiteten Rückzugs- manöver zu verdanken ist, daß außer einigen Verwundeten niemand in Feindeshand fiel; auch kein Geschütz und Maschinengewehr ging verloren. Wir hatten etwa 50 Tote und Verioundeie. Nachdem durch den mißglückten Vorstoß auf Trekkoppje und nach Ueberrumpelung einer Kompagnie in Ltjimbingwe ein großer Teil der Bahn Swakop- mund— Windhuk in feindlichem Besitz war und der Feind auch von Süden her übermächtig nachdrängte, wurde Windhuk geräumt und am 12. Mai vom Feinde besetzt. Die Hauptmacht der Truppe lsiug längs der Otawlbahn in das Kalkfeld beim Waterberg zurück, wo-� selbst Mitte Mai auch die Nachhut des Hauptmanns a. D. v. Kleist und die Abteilungen Graf v. Saurma-Jeltsch und Hensel sich ein- fanden. Als der an Zahl jetzt mindestens zehnfach überlegene Gegner im Juni nicht nur immer weiter nach Norden nachdrängte, sondern auch über Ontjo ausbiegend die Truppe bereits überflügelt hatte, ging die Truppe in die Gegend von Otawi und später nach Korab zurück. Die Depots und Lazarette waren bereits im Laufe des April nach Norden verlegt und in Tsumeb-Namutoni und Grootfontein stationiett worden. Die Lage war nun folgende: In Korab lag in wenig günstiger Stellung, teilweise verschanzt, die Schutztruppe. Der Gegner schloß mit mehreren Abteilungen, von denen jede stärker war als die gesamte Schntztruppe, mit zahllosen Geschützen, Maschiuengewehren, Panzcrkraftwagen Korab in weitem Umkreise ein. Otawi, Gaum, Tsumeb und Namutoni waren vom Feinde besetzt. Letztere beiden Orte waren mit den ganzen Vorräten in Feindeshand gefallen. Di« Pferde und Maultiere der Truppe, die schon lange kein Kraft- futter mehr erhalten hatten, waren nicht mehr verwendungsfähig. ein Durchbruch also unmöglich. Munition war noch vorhanden« aber die Verpflegung ging zu Ende. Da entschloß sich der bei der Truppe befindliche Gouverneur, zur Vermeidung von weiterem aussichtslosen Blutvergießen. namentlich mit Rücksicht aus die hohe Zahl von in die Truppe ein- gestellten Ansiedlern ,deS dünn bevölkerten Landes und zur Er- zielung möglichst günstiger Uebergabebedingungen. zu unter- handeln. Diese Unterhandlungen führten am 9. Juli 1915 zur Uebergabe der gesamten Truppe und des Schutz- gebiets. Nach diesen Bedingungen sollen die Offiziere ihr« Waffen und Pferde behalten, müssen sich aber verpflichten, an den gegenwärtigen Feindseligkeiten zwischen Großbritannien und Deutschland sich nicht wieder zu beteiligen. Die übrigen aktiven Schntztruppen und Polizeisoldaten wurden im Schutzgebiet inter- niert. Sämtliche Reservisten(Landwehr und Landsturm) haben nach Abgabe ihres Ehrenwortes �die Erlaubnis erhalten, zu ihren Heimstätten und Arbeitsstellen zurückzukehren. Die Zidilbeamten konnten in ihren Wohnungen bleiben. Der Bericht schließt: Di« Engländer hatten keinen Grund. diesen tragischen Abschluß der kriegerischen Ereignisse als außer- ordentliche' Waffentat zu preisen. Denn nur eine 200 Offizier« und wenig über 3000 Mann starke Truppe hatte nach fast ein- jährigem ehrenvollen Kampfe— rund 400 Mann, darunter 5t Offiziere und Sanitätsoffiziere, waren gefallen oder verwundet — die Waffen gestreckt, nachdem jede Aussicht auf Sieg zur Un- Möglichkeit geworden war. 65 000 Mann, ausgerüstet mtt reich- lichem und modernstem Kriegsgerät, hatte die Südaftikanische Union nach ihrer eigenen offiziellen Angabe mit einem Kostenauf- wand von 300 Millionen Mark gegen unser« schwache, nur zur Auftechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit gegen Eingeboren« bestimmte Schutztruppe ins Feld führen müssen, um den„Erfolg" von Korab zu erreichen. Die klein« Schutztruppe ist von der feindlichen Uebermacht einfach erdrückt worden. Die Oesetzimg Jaunües. London, 3. Januar.(W. T. B.) Amtlich. Ein« britische Abteilung besetzte am 1. Januar I a u n d e in Kamerun. Der Feind zog sich nach Südosten zurück. Unsere Truppen haben Fühlung mit der Nachhut des Feindes. Die Behörden in Jaunde flüchteten. »« * Berlin, 4. Januar.(SB. T. B.) Nach einer Reuter- meidung ist Jaunde, das Zentrum der Verteidigung Kameruns am 1. Januar in die Hände des Feindes gefallen. Mit diesem Fall mußte schon seit längerer Zeit in Anbetracht der ungeheueren englisch- fran- zösisch-belgischen Uebermacht, die, mit allem modernen Rüst- zeug der Kriegsführung versehen, von allen Seiten die klein« Schar der tapferen Verteidiger des großen Schutzgebietes be- drängte, gerechnet werden. Doch auch jetzt hat die Schutz- truppe die Waffen noch nicht gestreckt, sondern sie zieht sich kämpfend zurück. Daß sie mit unVergleich- lichem Opfermut und unerschütterlichem Vertrauen auf den schließlichen Sieg der deutschen Sache in Europa nun schon fast anderthalb Jahre lang das Schutzgebiet gehalten hat trotz ihrer Abgeschlossenheit von aller Zu- fuhr aus der Heimat, trotz der großen Ueberlegenheit des Feindes an Zahl und Kriegsmitteln, dafür gebührt der tapferen Truppe und ihrem umsichtigen Führer, Oberst- leutnannt Zimmermann, der heiße Dank des Vaterlandes, und wenn auch die Schutztruppe trotz heldenmütigster Gegen- wehr schließlich völlig unterliegen sollte, so ist Kamerun für uns noch nicht verloren. Ueber das endgültige Schicksal auch dieser Kolonie wird auf anderen Kriegsschauplätzen entschieden werden. Inöijche Wünsche. Bombay, 1. Januar.(SB. T. 83.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der indische Nationalkongreß lehnte den Antrag der Engländerin Frau Besant, einen Indischen Home Rule- Bund zu gründen, gegen die äußerst heftige Opposition einer Minderheit ab, der die jüngere Generation der indischen Politiker angehört. Auf einer Tagung des MorlenbundeS führte der Präsident aus, die einzige mögliche Regierungsform für Indien sei die S e l b st- regierung unter britischer Führung. Der Präsident tadelte, daß die Engländer bei der Regierung bei Landes vielfach den indischen Gestchlspunkt außer acht ließen, und forderte, daß den Jndiern die hohen Stellen in Heer, Flotte, Diplomatie und Verwaltung zugänglich gemacht würden, sagte jedoch, daß man mit der Ver- wirklichung dieser Wünsche bis zum Ende des Krieges warien müsse. Die indischen Muhammedaner wünschten niemals einen Krieg mit der Türkei. Dies ser das denkbar größte Unglück. Sie wünschten dringend, daß die muhammedanüchen Länder beim Friedensschluß nicht in ihrer Würde gekränkt würden. Bei den weiteren Ver- Handlungen kam eS zu heftigen Lärmszenen, so daß die Sitzung geschlossen werden mußte. Die Schlußsitzung verlief ruhig, nachdem die opponierende Minderheit ausgeschlossen worden war. Kein Ausweg. Zürich, 4. Januar.(W. T. B.) Der militärische Mitarbeiter der.Zürcher Post' würdigt die Hoffnungen der Entente unter eingehender Besprechung der Kriegslage. Er kommt zu dem Schlüsse, daß selbst bei Annahme der französischen Auffassung über die Ver- luste der beiden Gegner, bei Slusschaltung jeder Hilse von anderen Staaten, die jedoch immerhin denkbar sei, der rein militärische Ab- nutzungSkrieg noch für Monate an der Westfront kein Er- g e b n i s verspricht. Was den Handelskrieg anlangt, fragt der Kritiker: Kann die Entente ihre Kapitalverluste durch die bedeutende Verschuldung in Amerika und die uneinbringliche Verminderung ihrer Handelsflotten durch die deutschen Tauchboote endlos erlragen? Ww glauben, daß allein schon die Stellung dieser Fragen genügt, um darzutun, daß auch der wirtschaftliche Ab- nutzungskrieg von der Entente nicht ohne schwerste Schädigung der eigenen Interessen unbeschränkt weitergeführt werden kann. Mili- tärisch wie wirtschaftlich sind die Mittelmächte heute so Widerstands- fähig, daß sie einem reinen Abnutzungskrieg ebenso ruhig entgegen- sehen können, wie die Gegner. Ungarn unü öas öeutsch-öfterreichijche Wirtfchaftsbününis. Budapest, 4. Januar.(W. T. B.) Im Magnaten- f> a u s sagte Ministerpräsident Graf Tisza aus eine An- irage des Grafen Johann Hadik über die wirtschaftlichen Verhandlungen mit Oesterreich und Deutschland, die Regie- rung habe Verhandlungen mit Oesterreich begonnen, um .Klarheit zu gewinnen, ehe Verhandlungen mit Deutschland begonnen würden. Was die wirtschaftliche Annäherung an Deutschland betreffe, so lasse sich hierüber heute schwer sprechen, da leicht M i ß v e r st ä n d n i s s e eintreten könnten. Der Redner sei ein überzeugter Anhänger eines möglichst innigen Verhältnisses zu Deutschland, aber man dürfe hierin nicht weiter gehen, als die Volkswirtschaft- lichen Interessen dies erwünscht erscheinen ließen. Diese Fragen dürften nicht von einem doktrinären oder vom politftchen Standpunkte aus beurteilt werden, son- dern einzig und allein müsse das wirtschaftliche Interesse der beteiligten Staaten maßgebend sein. Die Antwort'des Grafen Tisza wurde zur Kenntnis genommen. Das kommenöe Wehrpfllchtgesetz in Cnglanö London, 4. Januar.(W. T. B.) Reuter meldet: Heute tritt das Parlament wieder zusammen. Der Bericht Lord De r b h s über die Ergebniffe seiner Kampagne wird heute ver- öffentlicht werden, also gerade gelegen für die morgige E r k l ä- rung Asquiths, in der dieser die Pläne der Regierung aus- einandersetzen wird. Wahrscheinlich werden die Verhandlungen über das Dienstpflichtgesetz eine Woche dauern. Man erwartet allgemein, daß man Abänderungsanträge annehmen wird, die, soweit möglich, den Wünschen aller Fraktionen entgegen- kommen werden. Es ist so gut wie sicher, daß die beschränkte Dienstpflicht, wenn nicht einstimmig, so doch mit überwälti- gender Mehrheit angenommen werden wird. Ebenso ist fast sicher, daß Irland n i cht unter das neue Gesetz kommen wird. In der Arbeiterkonferenz am Donnerstag wird dann über Asguiths Erklärung beraten werden. Es werden daran tausend Vertreter aller Arbeiterorganisationen des Landes teil- nehmen. Die Haltung der Arbeiter wird ganz von dem Beschlüsse dieser Versamlung abhängen. Man glaubt aber, daß die Ge- mäßigten, die für eine beschränkte Dienstpflicht für die Dauer des Krieges find, die Oberhand über die Dienstpflichtgegner haben werden, die befürchten, daß ein provisorisches Dienstpflichtgesetz später in ein dauerndes umgewandelt werden könnte. H a r- c o u r t und Samuel werden als Nachfolger Sir John Simons genannt. London, 4. Januar.(SB. T. 33.) Meldung des Neuderschen Bureaus. Aus den Berichten über die Ergebnisse des Derbyschen Werbefeldzuges geht hervor, daß von den unverheirateten Männern, die sich hätten anwerben lassen sollen, übt 160 sich nicht gemeldet haben. London, 4. Januar.(SB. T. B.) Die Einpeitscher der Parteien fordern die Abgeordneten in dringendster Form auf, zur Unter- Haussitzung am Mittwoch pünktlich zu erscheinen. Asquith werde die Bill über den Militärdienst einbringen. Eine wichtige Debatte werde folgen, eine Abstimmung sei möglich. Der parlamentarische Mitarbeiter von„Daily Ehra» nicle" sagt: Die Angriffe auf die Bill werden erstens von den Anhängern de» Prinzips der Freiwilligkeit erfolgen, zweitens von denen, die fürchten, daß eine Vermehrung der Armee England wirtschaftlich zu sehr schwächen würde. Der Arbeiterführer Hodge schreibt im Wochenblatt„People*, er wünsche die Wehrpflicht und würde Neuwahlen erzwingen, wenn Asquith seine gegenwärtige Haltung aufgäbe. Hodge meint, wenn Neuwahlen über die Frage der Wehrpflicht ausgefochten würden, würden alle ihre Gegner unterliegen. Der Londoner Berichterstatter des„Manchester Guar- d i a n" erfährt, daß Asquith nicht beabsichtige, alle Unverheirateten überhaupt zum Militärdienst heranzuziehen, bevor die Verheira- teten in Betracht kämen, sondern, daß er nur innerhalb der ein- zelnen Gruppen, die Lord Derby geschaffen habe, so vorgehen werde. Der„Mvanti" im Kriege. Der italienische Genosse E. Renata, der in dem Pariser „Nasche Slowo" eine Schilderung Italiens im Krieg« entwirft, schreibt über die Haltung des„Avanti", de? führenden Organs der italienischen Partei: „Verfolgt von allen Nationalisten und Interventionisten, außerstande, ihre Angriffe zu beantworten, stützt sich der„Avanti" einzig und allein aus das Proletariat, dem er noch nie so wie jetzt aus der Seele gesprochen hat. Zur Zeit des Tripoliskrieges stand fast da» gesamte Prole- tariat und ein großer Teil des Bürgertums Norditaliens hinter dem„Avanti, während fein Einfluß in Süditalien verschwindend klein war. weil der Süden aufgestachelt durch die nationalistische und imperialistische Presse, für die Eroberung Tripolitaniens eintrat. Jetzt, wo der Wahnsinn dieses Abenteuers und die Un- gehsuerlichkeit des damaligen Lügenfeldzuges in der Presse auf- gedeckt ist..., kann man den Arbeitern und den Sauern Süditaliens wegen ihrer damaligen Kriegsbegeisterung kein«„Vor- würfe" machen, da der Tripolisfeldzug in eine Zeit fiel, wo die Auswanderung nach Amerika wegen der sinkenden Nachfrage nach Arbeitshändcn im Steigen begriffen war, und daS tripolitanische Abenteuer einen neuen Ausweg für die Auswanderung und den Erwerb versprach. Im jetzigen Kriege jedoch sind die„Jntellek- wellen" mit wenigen Ausnahmen in das Lager der Nationalisten übergegangen, alle„führenden" Syndikalisten, einstmals die heftigsten Kriegsgegner, sind jetzt die lautesten Rufer im Streit, allerdings nur im Wortstreit, denn die Mehrzahl von ihnen sitzt noch heute in den Cafes herum. Der jetzige Krieg— fährt Genosse Renata fort— hat die Sozialisten in den Stand gesetzt, ihre Reihen zu zählen, ihr« wirk- lichen Kräfte zu mustern, die sonst im Getümmel der Wahl- kämpfe und allerhand lokaler wirtschaftlicher und politischer In. teressen nicht zu erfassen sind. Die Reihen sind gelichtet, daS darf aber kein Bedauern erwecken: kann man auch die Zahl der Ge- sinnungsgenossen leichter zählen, so weiß man heute, mit wem man es zu tun hat. Daß Arwr L a b r i o l a sich im Lager der Interventionisten erwies und seine Vergangenheit endgültig ver- leugnete, hat bier bei niemandem Staunen erweckt, da man ihn nur noch als besten italienischen Nationalökonomen geschätzt hatte. Empfindlicher war der Verlust Ettore C i c c o t t i s, von dem musterhafte marxistisch« Schriften(so eine Studie über die Sklaverei vom Standpunkte des historischen Materialismus) und eine Uebersetzung aller Schriften von Marx, Engels und Lassalle stammen. Auch Ciccotti, der seinerzeit mit solcher Energie gegen den Tripolisfeldzug protestierte, ist in das Lager der Jnterventio- nisten übergegangen und hat an die Stelle des Marxismus einen sentimentalen, rhetorischen MazzinismuS gesetzt." Schon der tripolitanische Krieg hatte den Rahmen der Partei durchbrochen, indem er das Ausscheiden der Reformisten herbei- führte, die sich übrigens noch heute als Sozialisten bezeichnen, ob. wohl sie mit dem Sozialismus nichts gemein haben. Der jetzige Krieg hat noch einmal ein« Säuberung der Partei— diesmal eine endgültige— herbeigeführt: alle zweifelhaften Elemente sind frei- willig oder gezwungen aus der Partei ausgeschieden, da alle Frak- tionen— wenn von taktischen Unstimmigkeiten abgesehen wird— ausnahmslos geschlossen und entschieden vorgingen. Man kann heute mit Sicherheit sagen daß die gesamt« sozialistische Partei Italiens gegen den Krieg ist... Der italienische Sozialismus hat de«.nationalen Block" nicht akzeptiert und die innere Einheit aller wahren Sozialisten aufrecht erhalten. T r e v e s. der Vertreter des rechten Flügels der Partei und ein Gegner der Orthodoxie des linken Flügels, schreibt fast täg- lich— was früher unmöglich gewesen wäre— im„Avanti, dem Organ des linken Flügels nach dem letzten Kongreß. Die Partei kennt nicht die Aufgabe des Kampfes gegen den äußeren Feind, sie ist dem Kampf gegen den inneren Feind treu geblieben, und in diesem Kampf steht die Einheit der Partei über jedem Zweifel. Allerdings hat Mussolini eine Anzahl Sozialisten mit sich gerissen: zunächst viele Bourgeois, die sich dem Sozialismus ange- schlössen hatten, dann aber auch die sogen, revolutionären Syndi- kalisten, ferner Demokralen, Romantiker und„Intellektuelle". Ihm folgte auch ein Teil der Arbeiter, die sich— größtenteils aus Sym- vathie für das oemokratische Frankreich— um das Organ„Popolo d'Jtalia" gruppiert hatten.... Viele Arbeiter, die sich für Mussolini begeisterten, sind nach und nach von ibm abgefallen, als sie erkannten, in welchen Abgrund er sie herabzog. Was jedoch die offizielle sozialistisch? Partei betrifft, so hat sie keine Einbuße erlitten, da die Zahl der neueingetretenen Mitglieder nach dem Aus- bruch des europäischen Krieges, mehr aber noch nach der österreichisch- italienischen Kriegserklärung, wie nie zuvor gestiegen ist, was beson- ders bemerkenswert ist angesichts der ungeheuren Schwierigkeiten der jetzigen Zeit.... Kennzeichnend ist mich noch folgendes: Seit Be- ginn seines Erscheinens hat der„Avanti" eine Rubrik für Sammlungen zugunsten des Blattes eröffnet. Die Einnahmen waren sehr bescheiden und ergaben jährlich nicht mehr als einige hundert Frank Jetzt jedoch sind seit Kriegsausbruch ca. 60 000 Frank auf diese Weise eingelaufen. Jeder sandte seine kleine Spende mit irgendeinem Wunsch:„Es lebe die Internationale!"„Beste Wünsche für euer Blatt!"„Als Zeichen der Zustimmung für eure Halwng!" usw. Man erzählte mir in Italien, daß diese Rubrik die Zensur besonders be- unruhigt. In der Spalte der„Wünsche" sind die meisten weißen Flecks, aber die Namen der Spender und die Summen, die sogar von der Front kommen, bleiben stehen, und diese Daten sprechen lauter als jede Statistik._ dieVieöereinberufung ö erDuma Von den russischcm bürgerlichen Parteien, die in der letzten Augustsession in heftige Opposition zur Regierung traten und der starken Unzufriedenheit im Lande Ausdruck gaben, haben bisher nur die P r o g r e s s i st e n den Mut ge- funden, die Duckmäuferpolitik des„liberalen Blocks" zu durch- brechen, der auf die Fußtritte der Regierung und der immer unverschämter auftretenden Rechtsparteien mit demütigem Schweigen und völliger Passivität antwortete. Mit ihrer, von uns bereits gemeldeten, demonstrativen Abberufung ihrer Vertreter aus den„besonderen Beratungen" bei den Mini- sterien hat die Fraktion der Progressisten einen enffchiedenen Schritt in'der Richtung der Wiederaufnahme des Kampfes gegen die Regierung getan. In ihrer aus diesem Anlaß ver- öffentlichten Deklaration bezeichneten die Progressisten diesen Schritt als eine Antwort auf die ungesetzmäßige Hinaus- schiebung der spätestens für Ende November angekündigten Wisdereinberufung der Duma. Aber auch unabhängig davon bezeichneten sie ihre Mitarbeit in bureaukratischen Jnsti- tutionen, die nur als Deckmantel für Willkürherrschaft der Regierung mißbraucht wurden, als eine enorme Schädigung der Volksvertretung.„Sie paralysiert die Kontrollfunktrone» der gesetzgebenden Kammern, untergräbt die Autorität der Volksvertretung, indem sie ihr eine Verantwortung zuweist, die sie nicht zu tragen vermag, und gibt sie Vorwürfen preis, von denen sie frei sein muß." Mit diesen entschiedenen Worten wiesen die Progressisten jede weitere Zusammen- arbeit mit der unverantwortlichen Regierung selbst auf dem Gebiete der Kriegshilfe zurück. Nun tritt die Fraktion der Progressisten mit einer neuen Deklaration in Form eines Rechenschaftsberichts für die letzten drei Monate an die Oeffentlichkeit, um ihre Gegnerschaft gegen die Regierungspolitik ausführlicher zu begründen. Die am 16. September stattgesundene Vertagung der Duma — heißt es in diesem Bericht— hinderte die Volksvertretung daran, die Beratung der Militärzensurvorlage zu beenden und die Berichte über das neue Revisionsstatut zu� prüfen, das „eine längst ersehnte Ordnung in die Kontrolle über die Ver- ausgabung der Staatsnnttel hineintragen sollte. Der Reichsrat konnte aus demselben Grunde die Vorlage Wer die progressive Einkommensteuer nicht erledigen. In den drei Monaten nach der Vertagung der Duma—• heißt es in dem Bericht weiter— hat sich vieles zum Schlechten verändert. Das Land, märchenhaft reich an Kohle. Naphtha und Wald, leidet Mangel an Heizmaterial; obwohl das Land eine ungeheure Menge Korn, Vieh, Zucker, Butter usw. erzeugt, leiden viele Ortschaften Not�an diesen Produkten und eine drückende Teuerung lastet über dem ganzen Reich. Maßnahmen, wie das Verbot der Ausfuhr von Pro- dukten aus vielen Ortschaften oder die Uebergvbe des halben Eisenbahnnetzes in die Verwaltung der Militärbehörden haben die Lage nur noch verschärft und einen günstigen Boden für Mßbräuche geschaffen. Die finanziellen Maßnahmen, die zu dieser Zeit ge- troffen wurden, haben ihren Zweck nicht erreicht und stehen hinter den überwältigenden Bedürfnissen, die der Krieg ge- schaffen, weit zurück.... Es war klar, daß die Einberufung der Duma unter diesen Umständen der Regierung nicht erwünscht sein konnte. Die Duma hätte die Regierung scharf kritisiert; sie hätte von ihr Rechenschaft und Bewegungsfrei- heit für die Selbsttätigkeit des Volkes for- dernmüssen. „Alle verstanden— heißt es in dem Bericht wörtlich—, daß die Duma nötig war nicht bloß zur Prüfung des Bud- gets, sondern auch zur Organisierung des Landes, zur Schaf- fung der Bedingungen, die erforderlich sind für die Entwicke- lung der Selbsttätigkeit des Volkes und die höchste Anspan- nung aller seiner Kräfte, die der Krieg fordert. Alle erkann- ten klar, wie notwendig es jetzt ist, daß die Volksvertretung die gesamte Tätigkeit der Regierung sowohl für die Ver- sorgung der Armee wie für die Aufrechterhaltung der Ord- nung im inneren Wirtschaftsleben des Landes sorgfältig überwachen soll." Die fortgesetzte Hinausschiebung der Einberufung der Duma hat diese so dringend notwendige Tätigkeit der Volks- Vertretung unterbunden. Diese Tatsache erklärt die Fraktion der Progressisten als ausschlaggebend für die Richtung ihrer jetzigen und künftigen Taktik. Man geht Wohl nicht fehl, in diesen Worten eine offene Kampfansage der Pro- gressistenpartei an die Regierung zu sehen. Zwar steht diese Partei im bürgerlichen Lager noch ziemlich isoliert, da die Majorität der Kadettenpartei unter der Führung M l l- j u k o w s diese angeblich„impressionistische" Politik vor- läufig ablehnt und es vorzieht, von den künftigen Errungen- schatten ihres Blocks mit den Oktobristen zu träumen. Aber abgesehen davon, daß die Progressistenpartei, als Vertretung der kapitalkräftigsten bürgerlichen Schichten, schon allein eine beträchtliche Macht repräsentiert, kann von der weiteren poli- tischen EntWickelung erwartet werden, daß die Forderungen der Progressisten bald denselben Widerhall im Lande finden wie ihre' Forderungen vor dem Zusammentritt der Duma im verflossenen Herbst. Unter diesem Gesichtswinkel erscheint das jetzige Auftreten der Progressistenpartei als symptomatischer und bedeutsamer Auftakt zu der bevorstehenden Einberufung der Duma.__ Die amerikanischen Rüftungspläne. Amsterdam, 4. Januar.(W. T. B.) Hier eingetroffenen amerikanischen Blättern zufolge ist in«den Pittsburger Eisengießereien ein Streik ausgebrochen, durch den die Munitionslieferungen an die Alliierten verzögert werden. Die Fabrikbesitzer versuchen eine Beilegung des Streiks. Ferner berichten diese Blätter, daß Senator Kenyon eine Vorlage für Besteuerung der Gewinne eingebracht hat, die durch Lieferungen für Kriegszwecke in Europa erzielt worden sind. Die Einnahmen aus dieser Steuer sollen für die nationale Verteidigring verwendet werden. Durch einen weiteren Gesetzentwurf, den Senator Kenyon einge- bracht hat, soll den Schiffen, die Munition befördern, ver- boten werden, Passagiere aufzunshmen. Kenyon erklärte, die Rüstungspläne in Amerika seien erst dadurch notwendig ge- worden, daß fremde Nationen durch'die amerikanischen Muni- tionsverkäuse gereizt worden seien. Freigabe von Deutschen. Washington, 3. Januar.(W. T. B.) Reutermeldung. Auf daS Ersuchen der Vereiniglen Staaten gab die ftanzösiiche Regierung den Auitrag, die Deutschen, die kürzlich von einem sran�östschen Kreuzer bei Puertorico an Bord amerikanischer Schisse gefangengenommen wurden, frei zu lassen. Lette Nackrichten. Der montenegrinische Kriegsbericht. Paris, 4. Januar.(W. T. B.)(Meldung der Agence HavaZ.)' Ein aus Cetinje heute eingetroffener montenegrinischer Heeresbericht besagt: Arn 2. Januar schlugen wir während des ganzen Tages An- griffe in Richtung Wojkovac zurück. Wir nahmen die Stellung von Bogicevic wieder, jagten den Feind in die Flucht und fügten ihm ernste Verluste zu._ Die Fvrdsche Friedensexpedition. Frankfurt a. M., 4. Januar.(W. T. B.) Die„Frankfurter Ztg." meldet aus Kopenhagen: Durch das Entgegenkommen der deut- schen Behörden darf die Fordsche Friedensexpedition durch Deutschland nach dem Haag reisen. Die Mitglieder der Expedition dürfen den Sonderzug in Deutschland nicht verlassen und keine beschriebenen Papiere, Drucksachen und photographischen Apparate mitführen. Die Mitglieder erhalten vom deutschen Generalkonsulat in Kopenhagen die Pässe. Die Abreise aus Kopenhagen erfolgt am Freitag. Die meisten Teilnehmer kehren am 12. Januar mit dem Dampfer„Rotterdam" der Holland-Amerika-Linie nach New Dort zurück. Nur eine Friedensdelegation bleibt im Haag zurück. Gewerksthastllches. Hergarbeiterwünsche. Die im Oberbergamtsbezirk Dortmund vertretenen Organisa» tionen der Bergarbeitera). Schiller-Theater O. 8 uhr: Jungbrunnen. Schlller-Th.Charlottenbc. s uhr: Zwei glockliche Tage. Thalia-Theater. s uhr: Drei Paar Schuhe. Theater am Koltendorfpl. 3*/. Uhr; DornrOsehen. 8'/. Uhr: Immer teste drulT! Theater des Westens s mir: D. Fräulein?. Amt mit Guido Thieltcher. 4 Uhr nachm.: Krau Holle. Trlanon-Theater. 4 Uhr: Hotkhppchea. 81,« Uhr: Verheiratete lunggeMlIen. Berliner Konzerthans. Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/91, Thellch Großes Konzert. Berliner Konzerthaus-Orchester FranA-.�iSm Anfang 8 Uhr. Eintritt SO Pf. Anfang 8 Chr. An allen Wochentagen Blachmittags-Konzert bei vollem Orchester und freiem Eintritt. Luisen-Theater. 4= SehneeweißetiEH Dilti itargt. »»Bettelstudenten Sonntag, 9. Januar, 3 Uhr: Frau Bettina ond ihre Söhne. Rose-Theater. s Uhr: Der Weg zum Glück. Sonnabd. 4 Uhr: Hänsel und Gretel. Walhalla-Theater. 4 Uhr: Hhnsel und Gretel. s uhr- Lieb Vaterland. Der epfolgreiehe neue Janaar-Spielplan! Außerdem: „Flotte Bursche44 Operette i. 1 Akt v. P. ▼. StippA Mitwirkende: Else Berns— Lotte Werkmeister y. Thalia Theat a. O. Kart Buseh— Steffi Walidt Qustav Matzner— Heinrieh Peer Hanna Ewald— Josef Conrad) Casinos Theater Lothringer Str. 37. Tagt. 8 Uhr: Von! Von! STon f Was machste int? Posse in 3 Auszügen von HanS Berg. Allabendlich stürmischer Beifall. Dazu das erslkl Spezialilätcnprogi. Sonntag 4 Uhr: Familie Schnase. ReiebZbaiien-Tbealer. Stettiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Für Militärpcr- sonen vollkomm. freier Zutritt zu d.Stetl. Sängern. ircüsiBusch Heute Mittwoch, S. Januar; Zum Schluß der Schulferien nochmals | große Yor-ITj steüungenUg nachm. 31/, Uhr' und abends 8 Uhr. g Nachm. 1 Kind frei, weit, halbe Pr. In beiden Vorstellungen, anch nachmittags ungekürzt das groge. �____ Prunk-___ Ausst.-StDck Ein Winter- tnärehen in 5 Akten von Paula Busch nach den Mysterien des Millelaliers, Vorher in beiden Verstell, d. neuen > Spezialit, d. grogart. Jan.-Progr. VoiKt-TIieatSi'. Badstr 58. Badstr. 58. Mittwoch, den 5. Januar 1916: „Ein edles Herz". Orig.-Volksschauspiel in 5 Abt. von Joh. Heim. Mirani. Kasseneröffnung 7 Uhr. Ans. 8 Ubr. Eis-Ärena Udmiralspalast Großes Eis-Ballett. 81/, Uhr. Preise 2, 3 and 4 Mark. Vorzügliche Küche. Possen-Theater LinienstraJJe, a. d. Fnedrichstr. Melonenbaum. Posse mit Gesang v. Theo Haiton. Meschugge ist Trumpf Posse in 2 Akten r. Leonh. Haskel mit Leonh. Haskel a. Siegfried Berisch. T3gl. 8Uhr. Sannt. 31/, u. 8 Uhr. Ein Lnxns-Programm! Treomann- Lersen, PersSnl. Anftr. in dem Akt Gegensätze berühren sich. Heines Werke > 3 Sünde 4 Mark- Luchhandlung Vorwärt» Direhüoa Adolf Vogei 1 Telef.: LBtzow 7341 1 Das große konkurrenzlose Neujahrs- Programm! S Ä t, E tt V O Milda Breiten. Nansens Seelöwen! Karl Kaxstadt 1 [ I. Garcia| Ada Pagtm| l.orch. 11 Ikarier zu Pferde Walter Steiner. Vary| Else Gorell und die übrigen Schlager I! Anfang 8 Uhr. BilletWerk. 11—1 a. d. Kasse j I sowie Wertheim u. Invalidend. stnnahmetteiien für„Kleine Anzeigen4' Berlin C. A. Hahnisch, Ackerftr. 174. O. Karl Melle, Petersburger Platz 4. R. Wengels, Markus ftraße 36. O. L. Zucht, Ammanuelkirchitr. 12. A. Wolgast, Wattstraße 9. H. Fischer, vastianstraße 6. Karl Mars. Greisenhagener Str. 22. I. Hönisch, Müllersrr. 34a. H. Bogel, Lortzingstr. 37. »TW. Salomen Joseph, WilhelmShavener Str. 48. SW. G. Schmidt. Bärwaldstr 42, 8. St. Irin. Prinzenstr. 31. H. Lehmann. Kottbnsrr Dann» 8. 84». Paul Böhm, Lausttzer Platz 14/15. P. Harsch, Engelufer 15. Adlcrshot. Karl Schmarzlose, Bismarckftr. 28. Itanmschalenwog. H. Hornig, Marientbaler Str. 18, L Borsigwalde. Paul Kienast, Rauschst r. 10. Charlotten barg. Gustav Scharnderg, Sesenbeimer Str. 1. Crledrichshagen. Ernst Wertmann, Köpenicker Str. 18. Cirliaaii. Franz Klein, Kriedrichsrr. 10. Johannisthal. Max Gouschur, Parkstr. 23 Karlshorst. Hermann Billing, Dönhoffstr. 28. Köpenick. Emil Wistter, Kietzerstr. 6. Lade». Lichtenberg 1. Ctto Seilet. Wartenbergstr. 1. Lichtenberg 11. 31. Rosenkranz, Alt-Boxhageu 5«. \ eukölln. M. Heinrich, Neckarftr. 2. E. Rohr, Siegfried« slraße 28/29. 81ertcr-8chöaewelde. Wilh. Unruh, Brüdenstr. 10. Xowawes. Karl Krohnberg, Friedrichkirchplatz 27. Ober-Schöneweide. Alfred Bader, Äilheiminenhosstr. 17. Laden. Pankow. Ctto Ristmauu. Äühlenftr. 30. Ucinlckendorf. P. Eursch, Provinzstr. 56. Laden. Schöaeberg. äsjilhelm Baumler. Marriu-Luther-str. 69 un Laden. Spandau. Schuhmacher, Breitestr. 64. Steglitz. H. Berusee. Aisenstr. 5. Tempelhof. Joh. Krohn, Borussia ftt. 62. Treptow, gioverr Grameuz, Kiesdolzstr. 412, Laden. Wciüensee. Gustav Rostkopf, Berliner Allee 11. tzVlImcrsdorf. Paul Saiubert. Äilu 1msaue27. lachmlttagS-KOIlZCrt De: vonem urunesrer unu ireiom �iiun»._,_____,,- Lerantw. Redakt.: Alfred Wielevv. Neukölln. Jnferatenteil verantw. Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanitalt Paul Singet&. Co., Berlin SW. Hierzu 1 Beilage u. Unterhaltung. 1-1. ür. 4. 33. Zatmaag Mimt des iloriuürtö" berliner MÄuioch. 5. Januar UM 6. Der Sonöerbunö. Von Hugo Haafe. Nach einer kurzen Abwesenheit von Berlin lese ich heute die Artikel Wolfgang Heines mit der Ueberschrift „Der Sonderbund" in der„I. K." vom 29. Dezember und 30. Dezember 1915. Nachdem seine bösartigen per- sönlichen Anwürfe den Weg in die bürgerliche Presse gefunden haben, kann ich sie nicht mit der stillschweigenden Verachtung behandeln, die sie sonst verdienten. Ich will wenigstens einigen der gröbsten Verleumdungen die Tatsachen entgegenstellen. Heine schreibt:„Freilich. Haas? hatte sich gesträubt, diese Erklärung(vom 4. August 1914) zu verlesen, da er ja ein Gegner der Kreditbewilligung wäre, aber sein Sträuben hatte etwas von dem einer Jungfer gegen d i e U ni a r ni u n g; er beteiligte sich sogar an der Be- r a t u n g über die Fassung der Erklärung." Das Gegenteil ist Wahrheit. Ich habe es trotz dringender Wünsche vieler mir nahe- stehender politischer Freunde abgelehnt, der Kommission, der die Abfassung der Erklärung übertragen wurde, anzugehören. ich habe ihren Verhandlungen nicht beigewohnt und mich an ihnen in keiner Weise beteiligt. Ebenso weist Heine, dast die niedrige Verdächtigung, ich hätte mich nicht ernstlich gegen die Verlesung der Erklärung gesträubt, der Wahrheit widerspricht. Ich habe sofort, nachdem die Fraktion die Bewilligung der Kredite beschlossen hatte, aus freiem Antriebe in einer privaten Unterredung den Genossen Scheidemann ersucht, als Sprecher der Fraktion im Reichstag aufzutreten, da ich mich dazu austcr Stande fühlte. Scheide- mann willigte ein und niemand hätte vor der Sitzung des Reichstags von dieser Unterredung etwas erfahren, wenn nicht Genosse Stalten in der Fraktionssitzung des 4. August 1914 die Frage angeregt hätte, wer die Erklärung verlesen solle. Die einfache Mitteilung über meine Verständigung mit Schcidemann rief eine mir unbegreifliche Erregung hervor. Stürmisch wurde von mir verlangt, ich müsse die Erklärung verlesen. Ich bemühte mich immer wieder, die Kollegen zu beruhigen und setzte auf das eindrücklichste die Gründe meiner Weigerung auseinander. Bei der damals herrschenden Stim- mung blieben meine Einwendungen wirkungslos; man forderte von mir iu leidenschaftlicher Weise die Verlesung der Erklärung als eine mir obliegende Pflicht. Wenn Heine schreibt:„Die Mehrheit der Frattion glaubte leider, Haase durch diesen Auftrag eine Ehre zu erweisen", so entstellt er den Vorgang, indem er der Fraktion ein Motiv unterschiebt, das niemand gcäustert hat. Nicht um den Austausch von Komplimenten handelte es sich damals, sondern um die Frage, was die Pflicht erheische. Mein wiederholter Einwand, man könne mir nicht zu- muten, eine Kundgebung der Fraktion vorzutragen, die mit nieiner lleberzeugung nicht übereinstimme, wurde mit dem Bemerken zurückgewiesen, dast ich mich mit der Kundgebung durchaus nicht identifiziere, da ich in den einleitenden Worten zuni Ausdruck bringen könne, dast ich einen Auftrag der Fraktion auszuführen habe. Als nach langen Erörterungen plötzlich ein Beschluß darüber herbeigeführt wurde, ob ich die Erklärung zu ver- lesen hätte, habe' ich'durch Zuruf sofort gegen eine Beschlust- sassung in dieser Frage protestiert. Vergeblich; mit über- wältigender Mehrheil stimmte die Fraktion entgegen meiner Auffassung dafür, dast ich als Beauftragter der Fraktion ihre Erklärung verlesen solle. Nachdem die Fraktion auseinander- gegangen war, habe ich dann den Genossen Scheidcmann noch- mals gebeten, er möchte die Vertretung der Fraktion über- nehmen. Er erwiderte mir, dast er durch den Beschluß der Fraktion als ihr Sprecher ausgeschaltet sei und deshalb meiner Bitte nicht willfahren könne. Erst jetzt entschloß ich mich, zumal, da sofort eine Be- sprechung mit dem Präsidenten erforderlich war, einzugreifen, um die Fraktion in einem wichtigen Moment nicht unvertreten zu lassen. Die Vorgänge bis zum Schluß der Fraktionssitzung hat Heine unmittelbar erlebt, die sich daran anknüpfende Unterredung zwischen mir und Scheidemann ist der Fraktion mehrere Male mitgeteilt und von Schcidemann bestätigt worden. Als ein Genosse mich später wegen der Verlesung der Er- klärung— nach seiner Versicherung übrigens wegen Unkenntnis deS Sachverhalts— persönlich angriff, ist dies in der Fraktion auf das schärfste getadelt worden. Trotz alledem wagt es jetzt Heine, um seine politischen Zwecke zu fördern, wider besseres Wissen nicht nur mich herunterzureißen, sondern die Parteigenossen und die gesamte Lcffentlichkeit irre zu führen. Er kann sich gar nicht genug darin tun, das Gift der Verleumdung auszustreuen. So schreibt er:„Wir haben ja gesehen, wie Haase es mit Ehre und Gewissen für vereinbar gehalten hat, 10 Monate lang seine Stelle als Vorsitzender der Partei und der Fraktion zu miß brauchen, um erst im Stillen, dann auch öffentlich die Haltung der Partei zu durchkreuzen, die er am ersten Tage des Krieges als ihr Wortführer öffentlich verkündet hatte. Die unerhörte Lang- mut der Parteigenossen hat ihm dies leider ermöglicht. Nicht alles, was über sein Verfahren zu sagen wäre, kann heute öffentlich gesagt werden; nicht aus Rücksicht auf ihn, die er nicht verdient, sondern im Interesse derVcrteidigungDeutsch- l an ds. Seine Sondererklärung vom 21. Dezember setzt nur das öffentliche Siegel unter eine schon seit Jahr und Tag betriebene Tätigkeit, die die besten U e b e r l i e f e r u n g c n der Partei verletzte und das Gefühl der Ver- autwortung für seine Stellung als Parteiführer vollkommen vergessen hatte." Es ist schwer ernst zu bleiben, wenn ein Heine einem Parteigenossen daraus einen Vorwurf machen will, dast er durch seine Tätigkeit„die besten Ueberliefcrungon der Partei verletzte". Zu den besten Ueberlieferungcn der Partei gehört ihre grundsätzlich klare Stellung zum Militarismus, über die— von einigen Eingängern. oder um das neueste Liebliugswort Heines zu gebrauchen, Quertreibern abgesehen— die gesamte Partei einig war. Dieser besten Ueberlieferung schlug Heine in seiner Rede, die er am 22. Februar 1915 in Stuttgart öffentlich hielt, mit voller Absicht ins Gesicht. Auf die Einzelheiten seiner Ausführungen kann erst später? eingegangen werden. Von anderen Streichen Heines gegen die Ueberliefe- rungen der Partei, als deren Hüter er sich aufspielt, braucht nach dieser Probe füglich nicht mehr gesprochen zu werden. Ueber die Aufgabe eines Parteiführers, über Ehre und Gewissen st reite ich niit einem Heine nicht, da mich von ihm eine Welt trennt. Ich habe während des Krieges nicht als Vorsitzender der Par- tei oder der Fraktion, sondern als Parteigenosse genau so wie viele andere meine Anschauungen vertreten, sobald ich von Parteiorganisationen dazu ausgefordert wurde, so zum Beispiel als Korreferent gegen Heine. Das mag ihm unangenehm sein, berechtigt ihn aber nicht zu seinen infamie- renden Schmähungen. Dadurch, daß ich am 4. August 1914 für die Fraktion eintrat, um sie nicht im Stich zu lassen, bin ich nicht der Gefangene der jeweiligen Frak- t i o n s m e h r h e i t geworden. Ich habe dasselbe Recht wie jeder andere Parteigenosse, für meine Anschauungen zu werben, und die Pflicht da�u, wenn die von der Mehrheit be- triebene Politik nach meiner lleberzeugung eine verderbliche ist. Glaubte Heine, daß meine Tätigkeit, die ich nie im stillen, sondern offen seit 10 Monaten ausWÜbt habe, ein Mistbrauch meiner Stellung sei, so hatte er die verfluchte Pflicht und Schuldigkeit, in der Fraktion den Antrag zu stellen, dast mir mein Amt als Vorsitzender entzogen wurde. Er wird doch nicht glauben machen wollen, daß ihn eiue„un- erhörte Langmut" daran gehindert habe? Bereits am 4. August 1914 hatte ich den Entschluß ge- faßt, mein Amt niederzulegen, was jedoch durch die Haltung der Fraktion vereitelt wurde. Als ich mich dann durch inneren Zwang bei der Abstimmung über die letzte Kreditforderung getrieben sah, gegen einen Beschluß'der Fraktion zu handeln, habe ich vor der Abstimmung den Vorsitz in der Fraktion niedergelegt. Heine fühlt selbst, daß die von ihm ausgesprochenen Verleumdungen nicht ausreichen, um die von ihm ge- wünschte Stimmung zu erzeugen. Er versichert deshalb, noch mehr Waffen gegen mich zu besitzen, er könne jedoch heute nicht alles öffentlich sagen, was über mein Ver- fahren zu sagen wäre, er null sich freilich die für ihn schmerz- liche Zurückhaltung nicht aus irgendeiner Rücksicht für mich auferlegen, nur das Interesse der Verteidigung Deutschlands schließt ihm den Mund. Nach seinem Auftreten habe ich Heine sehr vieles zuge- traut, aber ich habe es für undenkbar gehalten, daß er in oie Niederungen der Revolverpolitiker herabsteigen würde. Will er sich nicht mit einem unauslöschlichen Makel belasten, so wird er öffentlich erklären müssen, ob ich jemals in der Frak- tion, in Versammlungen oder sonstwo etwas gesagt oder ge- tan habe, was im Interesse der Verteidigung Deutschlands nicht ans Licht kommen dürfe. Noch eine Frage liegt nahe: Heine maßt sich wohl 'das Recht an, das, was er nicht öffentlich sagt, dort, wo ihm nicht geantwortet werden kann, in nichtparteigenössi- s ch e n Kreisen, über Parteigenossen unter Anführung und Verdrehung von Partei-Jnterna ungestraft zu sagen? i-' Entlädt sich auch sein Haß'besonders gegen mich, so schont er auch andere Parteigenossen nicht. So behauptet er, den Deklaranten— und nach dem Zusammenhange bezieht sich diese Ausführung auf die sämtlichen 44 Fraktionsmitglieder der Minorität— sei„die Gefahr, in der sich Deutschland be- findet, weniger wichtig, als die Gefährdung der eigenen Wünsche und Sympathien". Diese Genossen, von denen ein erheblicher Teil unter dem Sozialistengesetz gekämpft und für das Proletariat, unser Volk und die Menschheit das ganze Sein eingesetzt hat, gegen solche Verdächtigungen zu vertei- digcn, ist wahrlich nicht nötig. Besonders haben es ihm die Berliner Genossen angetan, die die Ansichten der Fvaktionsminderheit vertreten; sie werden von ihm als Schreier bezeichnet und'des Terroris- mus geziehen. Daß die Leiter der Groß-Berlincr Organisation einmütig an die Fraktion das Er- suchen gerichtet haben, gegen die Kredite zu stimmen, das ficht ihn nicht an. Von selbst versteht es sich, daß er dem„V orwärt s" einen Fußtritt versetzen muß, hat doch der„Vorwärts" die Zirkel der Nationalisten und Imperialisten in der Partei oft genug gestört. Bei seinem starken parteigenössischen Verant- wortlichkeitsgefühl kann er es sich nicht versagen, der Oeffent- lichkeit über den Abonnentcnstand des„Vorwärts" Mittel- langen zu machen, die obendrein unrichtig sind. Es stört ihn nicht, daß Blätter, die seine Richtung vertreten, ebenfalls einen großen Abonnentenverlust gehabt haben. Beim„Vor- wärts" sind� aber für ihn nicht die Kriegszustände, sondern die Quertreiber und Sonderbündler daran schuld. Für die Stellung, die die Sozialdemokratie zur bllrger- lichen Gesellschaft, zur Regierung, zur Kriegspolitik der herrschenden Klassen einzunehmen hat, geht ihm jedes Ver- ständnis ab, und so setzt er an die Stelle von Gründen Be- schinipfungen und Verleumdungen. Er schreckt nicht davor zurück,„gewissen Leuten" vorzuwerfen, daß sie der Kriegs- führung„den Makel eines imperialistischen Eroberungskrieges anzuheften suchen, um den Schein einer Rechtferti- gung für ihre Verweigerung der Kredite zu haben", lieber diese Gedankeuverwirrung und die Unkenntnis der Kriegs- literatur sowie über die ungeheuerliche Verleumdung der Parteigenossen soll kein Wort niehr gesagt werden. Eine grundsätzliche parlamentarische Taktik ist Heine ein Buch mit sieben Siegeln. Er steht dabei weit hinter dem italienischen Miiiisterpräsidcnten zurück, der vor kurzem im Parlament das Verhalten unserer italienischen Genossen von ihrem Standpunkt gegenüber dem Krieg als logisch bezeich- nete. Nach dem mir vorliegenden Bericht äußerte Salandra im Senat, die sozialistische Fraktion lehne auf Grund ihrer Prin- zipien den Krieg ab und„das gereiche ihr zur Ehre". Heine sagt von einer solchen Taktik, sie zeuge„weder von Mut, noch von Wahrheitsliebe". Er spricht von einer abfurden Angst vor der Verantwortung und vergißt, dast selbst die Majorität am 4. August 1914 erklärt hat, die Verantwortung für den Krieg falle den Trägern der imperialistischen Politik zu, sie lehne die Veranhvortung ab. So paart sich bei Heine grobe Unkenntnis und Verständ- nislofigkeit mit hochmütigem Absprechen und Verdächtigen. Es ist eine durchaus unwahre Darstellung, daß die Mino- rität einen Sonderbund bilde, Sie trennt sich nicht von der Partei, sondern sucht sie zu festigen, und sie erlebt die Genug- tuung, daß ihr Vorgehen zwar nicht in rührenden, aber in frisch-kräftigeu Worten vielfach die vollste Zustimmung findet. politische Leberslcht. Bericht über Ernährungsfragen. Der amtliche Bericht über die Verhandlungen des Haus- haltsausschusscs des Reichstages über die Ernährungsfragen ist nunmehr der Oeffentlichkeit übergeben worden. Der Verfasser des Berichts, Abg. Graf Westarp, hat den Bericht allerdings etwaS stark landwirtschaftsfroundlich gefärbt. So hat er den Inhalt der Reden der Abgeordneten Röstcke, Kreth usw. ziemlich ausführlich wiedergegeben; die Ausführungen der anderen Abgeordneten aber ziemlich summarisch abgetan. So ist z. B. die mehr als ein- stündige Rede des Abg. Käppler, die dieser über die Mühlenfrage hielt, kaum besonders erwähnt worden. Die agrarische Presse wird vermutlich jene Teile der weitesten Oeffentlichkeit unterbreiten, die den Anschein erwecken, als ob die Landwirtschaft besondere Opfer gebracht hätte. Demgegenüber mutz doch darauf hingewiesen werden, datz, wie schon die lauge Dauer der Verhandlungen zeigt, die Kritik an der Landwirtschaft und an der Versorgung mit Lebensmitteln eine ziemlich ausgiebige gewesen ist. Die Sitzung, in der die Feststellung des Berichtes erfolgte, war derart ungünstig angesetzt, datz wohl die Mehrzahl der Mitglieder kaum in der Lage war, vorher den Bericht einem genauen Studium zu unterziehen, und daraus erklärt es sich, datz eine Reihe von sehr beachtlichen Mängeln ungerügt mit unterlaufen sind. Dte Verhandlungen im Plenum werden allerdings für genügende Klarheit sorgen. Die Dienstpflicht der Heimatlosen. Die Landräte in Nordschleswig haben an die dort wohnen- den, sich im wehrfähigen Alter befindlichen Heimatlosen die Auf- fooderung gerichtet, sich zur Stammrolle zu melden. Dazu schreibt der Reichstags« bgcordnete H a n s s e n in seiner Zeitung„Heimdal": „Im(ZaHre 1013 wurde zum§ 11 des Reichsmilitärgesctzcs vom Jahre 1888 folgender Zusatz angenommen: „Personen, die keinem Staat angehören, können, wenn sie sich dauernd innerhalb der Grenzen des Deutschen Reiches oder dessen Kolonien aufhalten, als Deutsche zur Erfüllung ihrer Wehrpflicht angehalten werden." Auf Grund dieses Paragraphen hat der Minister deS Innern im Verein mit dem Kriegsminister am 28. Oktober 1013 eine Ver- ordimng erlassen, nach der die Heimatlosen, die festen Aufenthalt in Nordschleswig haben, sich zur Stammrolle melden müssen. Nun sind aber vor längerer Zeit eine Anzahl Heimatlose von selten unserer Behörden aufgefordert worden, sich in Dänemark zur Stammrolle zu melden. Viele kamen dem Rufe nach und dienten ihr« Wehrpflicht ab im dänischen Heere, jedoch ohne dadurch das dänische Staatsbürgcrrecht sofort zu erhalten. Darunter sind Leute, die erst in den letzten Monaten aus dem dänischen Heeres- dienst entlassen wurden. Unsere Regierung ist nun aus diese Ver- Hältnisse aufmerksam gemacht worden und wird in allernächster Zeit darüber einen Beschlutz herbeiführen, wie diese in Preußen wohnenden dänischen Soldaten behandelt werden sollen. Die bei uns einberufenen Staatenlosen erhalten nach einem Jahr preußi- sches Unreranen recht. Abgewiesen können sie nur dann werden, 'wenn sie die allgemeinen Bestimmungen der Aufnahme nicht er- füllen wollen. Die Militärbehörde sichert invaliden Heimatlosen sofort Jnoaltdenpension und sonst Zulagen ohne Ansehen der er- folgten Aufnahme im Staatsverbande zur Zeit der Verwundung." Warnung vor direktem Bezüge von Butter aus dem Auslände. Amtlich wird mitgeteilt: Zahlreiche Vorfälle, die bei den Zollbehörden und der Zentral- Einkaussgesellschaft m. b. H. wahrgenommen wurden, lassen er- kennen, datz deutsche Gemeindeverwallungen und Privatleute immer wieder sich Butter aus dem Auslände kommen lassen und nicht daran denken, datz diese Butter ihnen ausnahmslos mir erheblichem Schaden abgenommen wird. Es wird wiederholt dringend vor den Angeboten einzelner deutscher und ausländischer Butlerhändler beziehungsweise Meiereien gewarnt und gebeten, derartige Angebote, in denen siels die Ablieferpflicht verschwiegen wird, der Staatsanwaltschaft zur Verfolgung wegen versuchten Betruges zu übergeben. In den meisten Fällen handelt es sich dabei überwiegend auch noch um Ueberschreilung der Höchstpreise, da die deutschen Händler gar nicht befugt sind, ausländische Butter zu Preisen in den Verkehr zu bringen, die dte deutschen Höchstpreise überschreiten. Die Zentral- Einkaufsgesellschaft m. b. H. hat bedauerlicherweise schon wiederholt gegen Stadtverwaltungen und Butterhändler das Strafverfahren einleiten müssen._ Ms öer Partei. Eine falsche Behauptung. Unter dieser Ueberschrift schreibt die„Königsberger Volkszeitung": Einige Blätter haben mitgeteilt, Genosse Haase habe noch am 18. Dezember erklärt, er würde sich dem Fraktionszwange fügen, am 20. Dezember sei er erst anderen Sinnes geworden. Die Behauptung ist unwahr._ Sozialdemokratischer Stadtrat bestätigt. Die Bestätigung als unbesoldeter Stadtrat hat nunmehr Gcnosie Emil Neukirch, Redakteur der„Breslau erVolkswacht", erhalten. Seine Einsiihrung erfolgt in der nächsten Stadtverordnete»- sitzung. Genosse Neukirch steht 23 Jahre im Dienste der Arbeiter- bewegung, darunter 12 Jahre als Redaltenr der„VolkSwacht". AuS den Organifationcn. Am 2. Januar befatzle sich der erweuene Vorstand des Wahlkreises Solingen mit de» Auffassungen der Mehrheit und Minder- beit. Nach langer Beratung wurde mit 31 Stimme» bei zwei Ent- halluugeir folgende Resolution angenommen: Die erweiterte Vorstaudssitzung des Wahlkreises Solingen nimmt mit Befriedigung davon Kcnnlnis, datz 20 Mitglieder der Minder- heit unserer Reichstagssrakrion der Sliiiimuiig weiter Parleikreise durch die Ablehnung der neuen Rriegskredile Ausoruck gegeben haben. Die Sitzung bedauert, datz nicht die gesamte Minderheit sich zu dieser entschlossenen Stellungnahme..... einschlietzen konnte. Daher wenden sich die Versammelten auch entschieden gegen jeden elivaigeu Versuch, die Fraklioiismmderheit durch den Parteiausschutz zu disziplinieren. Die Sitzung onvartet. daß bei der kommendeir Vorlage des Reichsetats sie gesamte Fiaklion..... eine eigene proletarische Politik machr. 25 Jahre Kasseler„Volksblatt". Noch ein Zeilun�sjubiläum im Kriege: Unser Kasseler Partei- organ erschien am Montag in festlichem Gewand. Es feierte den Tag der Wiederkehr seiner Gründung vor 25 Jahren. Die illustrativ und rextlich reich ausgestattete Nummer gibt ein lebendiges Bild von der EntWickelung der Arbeiterbewegung im ehemaligen Kur- Hessen seit Mitte der sechziger Jahre, insbesondere natürlich der letzten zweieinhalb Jahrzehnte. Genosse Wilhelm P f a n n k u ch, der Erwecker der Kasseler Arbeiter zu organisatorischem Streben vor nun schon rund 50 Jahren, der auch der geistige Vater des Kasseler.Volksblalr" war, eröffnet die Reihen der Mitarbeiter. Von den seitherigen Redakteuren schließen sich Heinrich Huhn, Paul John, Karl Thiel, Gustav Garbe und Philipp Scheidemann mit Beiträgen an. Erster politischer Redakteur des Blattes ist Genosse Heinrich S t r ö b e l gewesen. Welche wertvollen Dienste das Kasseler Arbeiterblalt, das schon 1886 in dem nur ein knappes Jährchen erschienenen»Hessischen Volks- freund" einen Vorgänger harte, der Arbeiterbewegung leistete, geht u. a. aus folgendem hervor: 1912 gab es in seinem Verbreitungs- gebiet 45 515 sozialdemokratische Reichstagswähler, 7000 politisch und 15 000 gewerkschaftlich organisierte Arbeiter. Zwei Wahlkreise CKastel und Eschwege-Schmalkalden) wurden genommen und in 70 Stadt- und Dorfparlamenlen sitzen 180 sozialdemokratische Ver- treter. Ter Kampf um die Parteieinheit in der schweizerischen Sozialdemokratie. Das Zentralkomitee des Schweizerischen GrütlivereinS beruft auf den 30. Januar 1916 eine außerordentliche Delegiertenversamm- lung nach Zürich ein, nachdem auf die Initiative zweier Grülli- sektionen der Stadt Zürich hin 130 Sekliouen sie verlangen. Der Hauptpunkt der Tagesordnung ist die Stellungnahme des Grülli- Vereins zu den Beschlüssen des sozialdemokratischen Parteitages in Aarau betreffend die Parteiorganisation. Dazu beantragt die Sektion Luzern die fernere Aufrechterhaltung des Grlltlivereins und die eventuelle Wahl eines neuen Zentralkomitees. Es ist im Interesse der Partei nur zu begrüßen, daß die Ent- schcidung bald fällt, nachdem wochenlang rm»Grütlianer' eine wüste Hetze zahlreicher Einsender gegen die Partei betrieben wurde, die zugleich bekundete, wie viel zweifelhafte, mehr bürgerliche als sozialdemokratisch gesinnte Elemente noch immer im Grütiverein un- gescheut ihr Unwesen treiben können, deren Ausmerzung und Ver- unmöglichung durch die Vereinheitlichung der Partei sie mit Recht befürchten. Gegen die Parteieinheit mit Auf- lösung des Grütlivereins haben sich bisher außer jenen Einsendern nur etiva 130 bürgerlich gesinnte Grütlianer im Kanton Glarus ausgesprochen. Dagegen hat sich der Grütliverein Autzersihl(Stadt Zürich),.der mit seinen 441 Mit- gliedern zu den stärksten Grütliiektionen zählt, mit vier Fünftel gegen nur ein Fünftel für die volle Parteieinheit mit Auflösung des Grütlivereins ausgesprochen, ebenso eine Delegiertenversammlung der Grütlivereins des Kantons Zug und außerdem zahlreiche Grülli- sektionen in allen Teilen des Landes. Die große Mehrheit, mit der auf dem Parteitag in Aarau die Reorganisation beschlossen wurde, hat den Sekretär des Schweizer. Grütlivereins, Genossen F ä h n d r i ch in Zürich veranlaßt, aus den 80. März 1916 seinen Rücktritt zu erklären, um ganz in den Dienst der Partei zu treten. Fähndrich bekleidete 11 Jahre lang den Sekretärvosten. und noch auf dem Aarauer Parteitag trat er für die fernere Aufrechterhaltung des Grütlivereins ein. Sein Rücktritt ist die mutige Konsequenz des Aaraucr Parteitages und ein hoher Be« weis von Parteidisziplin und Parteisolidarität. In einer in der Parteipresse veröffentlichten längeren Erklärung weist Genosse Fähndrich auch die völlige Aussichtslosigkeit eines von der Partei losgelösten„Rumpfgrütlivereins" nach, der die Arbeitersache nur schädigen, aber nicht fördern könnte. Genosse James Alston. Aus New Aork wird uns geschrieben: Ende November starb in Glasgow der Genosse Stadtrat James Alston im Alston im Alter von 59 Jahren. In ihm ver- liert die I. L. P. einen ihrer Gründer, die Glasgower Sozialisten chren„Vater" und die ganze Arbeiterwelt einen der tüchtigsten Schöpfer auf dem Gebiete des Munizipalsozialismus. Er begann seine öffentliche Laufbahn als Vertreter der Arbeiter im schulrat zu Eathcart, dem er 5 Jahre lang angehörte. Im Jahre 1904 wählten ihn die Arbeiter Glasgows in den Stadtrat, dem er bis zu seinem Tode angehörte. In den letzten drei Jahren war er Magistrat. In der städtischen Politik entfallcte er eine äußerst rege Tätigkeit, die sehr viel dazu beigetragen hat, die Stadt Glasgow zu einem Mekka der Munizipalreformer zu machen. Alston gehörte zu den tätigsten Män- nern, die die Ueberführung der Straßenbahnen in den Besitz der Stadt befürworteten und durchsetzten, was sich für die EntWickelung Glas- gows von unschätzbarem Werte erwiesen hat. Liefert das Unter- nehmen doch jetzt so große Ueberschüsse, daß eine großzügige kommu- nale Sozialpolitik in Angriff genommen werden kann. Eine Woche vor seinem Tode wurde ihm die langerhoffte Ehre zu teil, zum Ein- berufer(Vorsitzenden) des Straßenbahnansschusses ernannt zu werden. Alle, die den Alten kannten, werden fiy vorstellen können, wie an- feuernd diese Wahl auf ihn wirken mußte.' Denn Alston war ein Plänemacher, und zwar einer, der seine Pläne auch mit großer Zähig- keit durchsetzte. Eines seiner bedeutendsten Werke war die Einfüh- rung eines Mindestlohnes(der jetzt 29 Schilling die Woche beträgt) für alle die zahlreichen städtischen und ländlichen Arbeiter der Stadt. Man wird sich kaum irren, wen man angibt, daß die Landarbeiter auf den Gütern der Stadt Glasgow die am besten bezahlten in der Welt sind. Unter den zahlreichen Reformen und Unternehmungen, die durch seine Initiative durchgeführt wurden, sind namentlich zu er- wähnen: die Erweiterung des städtischen Gutsbesitzes und der städtischen landwirtschaftlichen Betriebe; die städtische Selbstver- sicherung; Ausflüge der unbemittelten Mütter und Kinder nach den städtischen Ländereien; das Berufungsrecht der Arbeiter gegen Entlassung. Der Besucher der großen schottischen stadt, der den Genossen in seiner Teewirtschaft, die 23 Jahre lang der Tveffpunkt aller Sozialisten und Reformer Glasgows war, antreffen konnte, war erstaunt über die Fülle der Gedanken, die er in dezug auf die EntWickelung des städtischen Lobens entwickelte. Seine näheren Freunde warfen ihm wohl manchmal säerzhaft vor, daß er alles munizipalisieren wollte. Sein großes Ziel war, die öffentlichen Angelegenheiten den Händen der Privatunternehmer zu entreißen und die große Stadt zu einer wirklichen Kommune und Nähr- Mutter der arbeitenden Bevölkerung zu machen. Seine uneigen- nützigen Anstrengungen zum Wohle seiner engeren Mitbürger ließen ihn aber nicht die Aufgaben der nationalen und internatio- nalen Politik vergessen, in der er dieselbe Stellung einnahm wie sein Freund Keir Hardie. Seit dem Jahre 1911 war er Parla- mentskandidat der I. L. P. für den Glasgower Wahlkreis Camlachie, in dem viele Aufträge der englischen Admiralität aus- geführt werden. Was seine Wahl bisher vereitelte, war seine un- erschütterlichc Feindschaft gegen die Aufrüstung, die dem in Glasgow sehr populären Manne viele Stimmen kostete.„Nie," erklärte er dem Schreiber dieser Zeilen vor zwei Jahren,„werde ich mich dazu herablassen, den Wählern ein X für ein El vorzu- machen." Seine Gesinnungstreue hat er auch in diesem Kriege bewiesen. Er war Vorsitzender des Glasgower Zweigvereins der „Union of Democratic Control". Der wackere Kämpe des Prole- tariats starb infolge einer Lungenentzündung, die er sich bei einer Rede während des Micterstrciks zugezogen. Mus Znöustrie und Kandel. Private Schwcfelwirtfchaft. Amtlich. Im amtlichen Teil des »Reichsanzeigers" ist eine Bekanntmachung über die Auskunfts- erteilung auf Grund der Verordnung betreffend die private Schwefelwirt schast vom 13. November 1915(Reichsgesetzbl. S. 761) erfolgt, wonach die umlagepflichtigen Erzeuger und Eigen- tümer von Schwefelsäure und Oleum die für die.Berech- uung der Umlage erforderlichen Auskünfte bis zum 15. Januar 1916 zu erleilen haben. Fragebogen sind, soweit sie nicht unmittelbar zugegangen sind, von der VerivallungSstelle für private Schwefel- Wirtschaft, Berlin W 66, Mauerstr. 63—65, zu erfordern. Die Nicht- erteilung der Auskünfte oder eine unrichtige Angabe ist nach der Verordnung strafbar. Australien gegen den Handel mit dem Feinde.»Morning Post" vom 23. Dezember teilt mit: Australien vorbot die Einfuhr, aus- genommen mit besonderer Erlaubnis des Handelsministeriums, a) von Waren aus feindlichen Ländern, b) von Waren, die von feind- lichen Personen oder Firmen hergeslelll werden oder ihnen gehören, o) von Waren, die von Firmen hergestellt werden, die mittel- oder unmittelbar unter der Aufsicht feindlicher Personen stehen, ck) von Waren mit einer Handelsmarke, deren Besitzer Untertan eines feind- lichen Staates ist.(Sä d. A.) Die Liters- unö Invaliöenrentner m Serlin im?ahre Der Bericht der Landesversicherungsaifftalt Berlin weist 7155 im� Jahre 1914 gestellte Renitenanträge auf. Es entfallen 6765 aus die Invaliden- und 390 auf die Altersrente. Hierzu kommen aus dem Vorjahr 705 unerledigt gebliebene Invaliden- und 16 Altersrentenanträge. Insgesamt standen somit im Berichts- jähr 7479 Invalidenrenten und 496 Altersrenten zur Erledigung. Von den Anträgen wurden 4679 Invaliden- und 349 Altersrenten bewilligt, 2191 Invaliden- und 39 Altersrenten abgelehnt. Von 109 Altersrenten entfallen 93 auf Männer und 7 auf Frauen. Im Durchschnitt von 1891/1914 kommen von 109 Alters- renken 81 auf Männer und 19 aus Frauen. Der Anteil der Frauen an den Altersrenten ist gegen das Vorjahr wieder um 2 Proz. ge- funken und hat damit den niedrigsten stand seit Bestehen des Ge- setzes erreicht. Die Altersrente nach Berufsarten gegliedert, stehen die Metallarbeiter mit 59 an erster Stelle. Ihnen schließen sich die Holzarbeiter mit 44, das Handelsgewerbe mit 43, die Bau- arbeitcr mit 38, die Dienstboten mit 24, die Textilindustrie unt 15 und die Papier- und Lederarbeiter auch mit je 15 Rentnern an. Von den Ältersrentnern waren 241(238 männliche und 3 weibliche) verheiratet. Am 31. Dezember 1914 waren insgesamt 2262 Alters- rentner— 1927 männliche und 335 werbliche— vorhanden. Die Invalidenrenten bewilligungen haben im Jahre 1914 relativ und auch in der Prozentziffer zugenommen. Jnsge- saurt lagen 7479 Anträge vor, davon wurden 4679— 62,78 Proz. (1918: 59,09) aller Anträge bewilligt und 2191— 29,33 Proz. (gegen 39 Proz. 1913) Anträge abgelehnt. Die Bewilligung der Invalidenrente zeigt in den letzten zehn Jahren folgende Be- wegung: Es wurden Renten bewilligt 1905: 5399, 1906: 5984, 1907: 4942, 1908: 5119, 1909: 5994, 1910: 4398, 1911: 4219, 1912: 4977, 1913: 4397, 1914: 4679. Die Zahl der Bewilligungen betrug 1995 rund gerechnet 75 Proz. und sank im Berichtsjahr 1914 aus 62,78 Prozent. Die Zahl der Ablehnungen stieg in dem gleichen Zeitraum von 947— 13,42 Proz. aus 2191= 29,33 Proz. Die absolute Ziffer der Ablehnungen ist die höchste in den zehn Jahren, dagegen ist die Prozentziffer um ein geringes(9,67) gegen das Vorjahr gesunken. In wenig günstigem Licht erscheint die Anstalt Berlin, wenn die Zähl der Ablehnungen hier mit der im Reich verglichen wird. Von 100 erledigten Renten entfallen ans Berlin: Bewilligungen 68, Ablehnungen 32; auf das Deutsche Reich: Bewilligungen 84, Ablehnungen 16. Die Ablehnungen bei 100 festgesetzten Renten sind also bei der Anstalt Berlin doppelt so hoch wie im Deutschen Reich. Als Ursache der Ablehnung der Invalidenrente wird in 1822 Fällen— 83,1 Proz. noch nicht vorhandene Invalidität bezeichnet; in 300 Fällen— 13,7 Proz. Erlöschen der Anwartschaft; in 50 Fällen c-: 2,3 Proz. Nichterfüllung der Wartezeit. Von den Ad- lehnungen wurden 1159 männliche und 1932 weibliche Versicherte be- troffen. Aus 190 Rentensestsetzungen kommen bei den Männern 41 und bei den Frauen 57 Ablehnungen. Die höchsten Ziffern der Ablehnungen der Invalidenrente fallen auf die Lebensalter von 69— 64 Jahren. Die Ursachen der Ablehnung sieht der Bericht in den Berliner Avbeitsmarktverhältnissen. Weil in der Großstadt, meint er,„die alten Leute immer noch als Boten, Hausrciniger, Wächter usw. Gelegenheit finden, in diesen Stellen mehr als ein Drittel des normalen Lohnes zu verdienen." Auch für die Frauen soll das zutreffen, die als Aufwärtcrin, Reiuemachfrau, Näherinnen u. dergl. noch mehr als das übliche Drittel verdienten. Diese Gründe sind nichts weniger als stichhaltig. Die Ursachen der hohen Zahl der Ablehnungen dürften vielmehr lediglich in der Art der Begut- achtung der Vertrauensärzte der Landesversicherungsanstalt liegen. Man fragt oft erstaunt: auf Grund welcher Kenntnis des Wirt- schaftsmarkts und der Erwerbsfähigkeit kommt denn der Arzt dazu, zu begutachten, der Versicherte sei„noch nicht im Sinne des Z 1255 der Reichsversicherungsordnung invalid, sondern in der Lage, noch „mehr als das übliche Drittel des„Ortslohncs" verdienen zu tonnen?" Es ist bedauerlich, daß solche Fälle nicht nachuntersucht sind, nicht festgestellt wird, ob denn die nach ärztlicher Ansicht noch nicht Invaliden in der Tat noch über ein Drittel des Ortslohnes verdienen. Nachzuprüfen wären insbesondere die Fälle, in denen der als„erwerbsfähig" Geschriebene wenige Tage oder Wochen nach Empfang solcher Begutachtung an Entkräftung starb. Dem Un- wcsen derartiger Begutachtungen sollte endlich gesteuert werden. Die soziale Fürsorge der Anstalt Berlin erfährt eine charakte- ristische Beleuchtung auch durch die Tatsache, daß in den 1144 Fällen, in denen die Versicherten die Rentenbescheide bei dem Ober- Versicherungsamt durch Berufung angefochten hatten, in 203 Fällen das Oberversicherungsamt Invalidität im Sinne der Reichsver- sicherungsordnung anerkannt hat. Wie wäre das Ergebnis gewesen, wenn alle Rentcnablehnungsbescheide auf Grund noch vorhandener „Evwerbsfähigkeit" angefochten worden wären? Es ist unbillig, auch in den Fällen abzulehnen, wie es in der Praxis leider ist, in denen sich die Erwerbsfähigkeit über das gesetzliche Drittel erhebt. In diesen Grenzfällen, sollte die Anstalt endlich anerkennen, liegt tatsächlich Invalidität vor, zum mindesten muß billiges Ermessen zugeben, daß der Beweis, keine Invalidität liege vor, nicht geführt ist und deshalb Rente zu bewilligen ist. In den ersten Monaten nach Ausbruch des Krieges ist denn auch nach dieser, der Billigkeit und dem Recht entsprechenden Regel verfahren. Leider wurden bald wieder die alten, unsozialen Wege eingeschlagen. Im Berichtsjahr entfallen auf 100 Renten für Männer 64,3 für Frauen, durchschnittlich kamen in den Jahren 1391/1914 aus 100 Männer nur 55,7 Frauen. Die höchste Ziffer der Invaliden- rentner im Berichtsjahr weisen die Altersklassen 65 bis 69 Jahre auf. Bei den Männern sind es 514, bei den Frauen 382, oder ans 100 Renten entfallen bei den Männern 17, bei den Frauen 19. Auffallend hoch ist auch die Invalidität in den jüngsten Lllters- klaffen von 20— 24 Jahren; bei den Männern sind es 74, hei den Frauen 68: von 25—29 Jahren bei den Männern 163, bei den Frauen III; von 30— 34 Jahren bei den Männern 174, bei den Frauen 78 oder vom Hundert bei den Männern 2, 5 und 6, bei den Frauen 3, 6 und 4. Auf 109 Renten bei den Männern kommen über 70. bei den Frauen dagegen nur 30 auf Verheiratete. Im Be- richtsjahr kamen von 199 bewilligten Renten bei den Männern 16, bei den Frauen nur 7 infolge eingetretenen Todes nicht zur Aus- zahlung. Am 31. Dezember 1914 zählte die Anstalt Berlin insgesamt 33 839 Jnvalidcnrcntner, darunter 15 896 Frauen. Hinterbliebencnfürsorge. Die Renten an die Witwen werden erst dann gewährt, wenn die Witwe invalide ist, also nicht mehr das„gesetzliche Drittel"(für Berlin 75 Pf. pro Tag) verdienen kann. Im Jahre 1914 wurden von insgesamt Z684 vorhandenen Anträgen durch Bewilligung der Witwenrente 756, der Waisenrente 969, des Witwengeldes 411 und der Waiscnausstcucr 5 Anträge endgültig erledigt. Am Jahres- schlug 1914 zählte die Anstalt Berlin 649 Witwer- bzw. Witwen- und 2955 Waisenrenten. Insgesamt 2695 Renten. Soziales. Anspruch der verwundeten oder erkrankten Kriegsteilnehmer auf Krankengeld. Dem Großen Senat beim Reichsversicherungsamt ist die Frage vom sächsischen Landesversicherungsamt zur Entscheidung überwiesen. ob im Feindesland verwundeten oder erkrankten Kriegsteilnehmern ein Anspruch auf Krankengeld zusteht, falls die Verwundung oder Erkrankung in die dreiwöchige Frist des Z 214 R.-V.-O. fällt. Das sächsische Landesversicherungsaint hatte in einem früheren Falle die Anwendbarkeit des Z 214 der Reichsversicherungsordnung verneint, während das Reichsversicherungsamt in einem anderen, aber gleichartigen Streitfälle im bejahenden Sinne entschieden halle. Da das Landesversicherungsamt auf dem Gebiete der Krankenversicherung für das Königreich Sachsen die höchste richterliche Instanz ist, lagen somit zwei letztinstanzliche Entscheidungen vor, die in unvereinbarem Widerspruch miteinander stehen. Mit Rücksicht darauf hat das Landesversicheiungsamt Veranlassung genommen, in einem ihm jetzt vorliegenden Fall seine Stellungnahme einer nochmaligen Prüfung zu unterziehen. Es blieb nach längerer Beratung bei seiner früheren Entscheidung stehen, hat aber im Hinblick darauf, daß noch eine Anzahl gleichartiger Fälle der endgültigen Entscheidung harren, in denen sämtlich auf Abweisung des Klageanipruchs erkannt werden müßte, von einer UrteilSsällung abgesehen, vielmehr beichlosfen, die Angelegenheit im Interesse der dringend erwünschten Einheulichkeit in der sozialen Rechtsprechung dem Großen Senat beim Reichs- Versicherungsamt zur Entscheidung zu unterbreiten. Der Ueberweisungstag. Eine bemerkenswerte Entscheidung, die besonders die Ver- sicherten der Krankenkassen angeht, hat das Potsdamer Oberversicherungsamt in seiner letzten Sitzung ge- troffen. Der Arbeiter Karl Reizig in Nauen klagte gegen die All- gemeine Krankenkasse des Kreises Niederbarnim auf Erstattung des Krankengeldes. R. war bei einer in Reinicken- darf ansässigen Firma beschäftigt und wurde zu Arbeilen am Funken- rurm in Nauen überwiesen. Hierbei erkrankle er und beanspruchte dann von der Kasse, die seine Beiträge einvfaiigen. aber die Leistung verweigert hatte, das Krankengeld. Die Sache hat bereits den ganzen Jnslanzeuzug durchgemacht und war vom Reichsversicherungsamt an daö_ Oberversicherungsamt zurückverwiesen worden, weil man ver- absäumt hatte, den Vertreter des Klägers vom letzren Termins« ergebnis zu benachrichtigen. Zu entscheiden war die strittige Frage über den Ueberweisungstag. Obwohl R. seit 1. September 1913 in Nauen gearbeitet halte, wurden seine Beiträge nach der Kreiskrankenkasse Niederbarnim abgcfübrt, weil der Sitz der Betriebsfirma in Reinickendorf liegt. Die KreiSkrankenkasie bat aber am letzten Tage der zulässigen Frist, und zwar am 31. März 1914, von ihrem Ueberweisungsrechr Gebrauch gemacht und R. der Nauener Ortskranken ka fse zugeschrieben. Die lieber- Weisung langte in Nauen am 1. April ein. Während deswegen der Vertreter des Klägers die Verurteilung der Niederbarnimer Kaste beantragle, da seiner Ansicht nach die DreimonalSfnst überschritten war, kam das Oberversicherungsamt zur Ver- urteilung der Nauener Ortskrantenkasse. Denn es hielt nicht den Tag des Eintreffens, sondern den Zeitpunkt der Absendung der Ueberweiiung für maßgebend. Da die Reinicken- dorfer Kaste in die Kreiskrantenkasse übergegangen war, ist diese zur Ueberweisung berechtigt gewesen. Das auffällige Ergebnis für den Kläger, der zu seinem Gelds zwar kommt, liegt darin,, daß. er die Kosten seiner Klage zu tragen hat, weil die'Niederbarnimer Kasse nicht für leistungspflichtig anerkannt wurde. Dienstvcrtrag und Krieg. Eine öer wichtigsten wirtschaftlichen Rechtsfragen, die durch den Krieg ausgelöst worden sind, ist die, welchen Ein- fluß der Kriegsausbruch auf die zahllosen Dienst- un d Anstellungsverträge ausübt, ob der D i e n st- Herr berechtigt ist, den Angestellten infolge des Kriegs ohne weiteres zu entlassen. Das Reichsgericht hat in einer jetzt vorliegenden Entscheidung vom Zst. November 1915 ein solches Recht des Diensthcrrn verneint und damit die Streitfrage endgültig zugunsten derAnge st eilten und durchaus in Ilebereinstimmung mit den von uns bald nach Ausbruch des Krieges gemachten Ausführungen ent- schieden, die dem„Vorwärts" eine Reihe von Angriffen, zwar� auch von Kreisen zuzogen, die das Recht der Arbeiter wahrzunehmen haben. Die Praxis ist nach anfänglichem Schwanken zum überwiegenden. Teil unserer Anschauung beigetreten, das von uns zitierte Urteil des Reichsgerichts stebt gleichfalls auf dem Standpunkt, daß der Kriegsausbruch kein wichtiger Grund für den Diensthcrrn zur fristlosen Auflösung des Tienstvertrages ist, selbst wenn der Betrieb, für den der Angestellte tätig ist, infolge des Krieges für den Diensthcrrn nicht mehr lohnend ist und sogar wenn er aus diesem Grunde überhaupt den Betrieb einstellt. Nur eine durch den Krieg verursachte von der Frage der Gewinnerzielung ganz unab- hängige tatsächliche Unmöglichkeit der Fortfüh- rung des Betriebes ist als wichtiger Grund zur Vertrags- aufhebung anzusehen. Der höchste Gerichtshof sagt in seiner Entscheidung: An sich ändert der Krieg an bestehenden Dienstverhältnissen nichts. Daß seine Folgeerscheinungen Dienstberechtigten wie Dienswerpflichteten wirtschaftlich in eine schwierige Lage bringen und die Notwendig- keit der Vertragseiffüllung für den einen wie für den anderen Teil als eine Härte erscheinen lassen können, ist gewiß. Durch die Vor- schriften des geltenden Rechts ist dem Richter aber nicht die Macht- defugnis erteilt, zur Milderung der Härten des Krieges einen Ausgleich zwischen den Vertragsteilen zu schaffen. Nach Lage oeS geltenden Rechts kann es nur darauf ankommen, ob anzuerkennen ist, daß die Kriegsfolgen einen wichtigen Grund für den Dienstherrn abgeben können, das Dienstverhältnis fristlos zu kündigen. Grundsätzlich ist nun davon auszugehen, daß ein wich- tiger Grund nach§ 626 B.G.B, nicht schon dann vorliegt, wenn die unter der Einwirkung des Krieges entstandene wirtschaftliche Lage den Betrieb, fiir den vertragsmäßig der Dienstvernflichtete tätig zu sein hat, nicht mehr lohnend erscheinen läßt, ja selbst dann nicht, wenn aus diesem Grunde der Dienstberechtigte sich zur Einstellung des Betriebes entschließt. Insoweit hat allein der Dien st berechtigte die wirtschaftliche Gefagr des Betriebes zu tragen. Ein wichtiger Grund fiir die Auflicbung des Dienstvertrages ist erst dann als vorhanden an- zuerkenne», wenn die Weiterführung des Betriebes mit Rücksicht auf die Folgezustände des Krieges unmöglich erscheint. Diese Unmöglichkeit braucht nicht darin zu begehen, daß Vernichtung, Plünderung oder andere Kr/egsereignisse die Hilfsmittel des Be- triebes zerstört haben, sie ist schon dann gegeben, wenn nach den tatsächlichen Äerbältnissen vernünftigerweise und nach Treu und Glauben dem Dienstberechtigten die Weiterführnng unter keinen Umständen zugemutet werden kann. Eine Unmög- Kdjletf in diesem Sinne ergeben die iatsachlichen VerhZltniffe de? vorliegenden Calles nicht. lCs handelte sÄ um den Betrieb der Herausgabe einer Exportzeitschrift für Süd- und Mittelamerria und es wurde angenommen, daß die Postverbindung mit den über- seeischen Ländern keineswegs völlig gehindert ist.) lNktenzcichen: III. lüll/lS.) Unternehmerprinzip. Ein Einrichter wurde durch einen Meister der Maschinenfabrik von Richard Weber. Kottbuser Ufer, eingestellt und sollte zu Beginn des nächsten Tages ansangen. Als er zu dieser Zeil er« Ichien, wurde er nach dem Arbeitsnachweis(richnger Kontrollbureau) der Metallindustriellen geicbick», um sich von dorr den Schein zu holen, ohne den die Milglieder des Verbandes der Metallindustriellen keinen Arbeiter beschäftigen. Ueber die Beschaffung dieses Scheines vergingen einige Slundeu, welche die Firma dein Arbeiter nicht be> zahlte. Denn sie rechnet den Beginn des Arbeitsverhältnisses erst von dem Zeilpunkt an, wo der Arbener mit dem Schein des Ztonlroll- bureaus in der Hand die Arbeit antritt. Der Arbeiter ist dagegen mit vollem Recht der Ansicht, daff er bereits eingestellt war, als man ihn nach dem Schein schickte, und daß ihm die zur Besorgung desselben verwandte Zeil bezahlt werden muff. Der Arbeiter ist schon am dritten Tage seiner Beschäftigung wieder entlassen worden, und zwar zwischen 1i3 und s!i 5 Uhr nachmittags, während die regelmätzige Arbeitszeil bis 7 Uhr währt. Die Entlassungszeit wählte der Meister deshalb, daff der Arbeiter seine Papiere aus dem Lohnbureau, welches um 5 Ubr geschlossen wird, abholen könne. Da der Arbeiter erst sein Werkzeug abzugeben halle, erreichte er das Lohnbureau erst kurz nach S Uhr. Der Leiter des Bureaus war zwar noch anwesend, aber die Herausgabe der Papiere verweigerte er, weil die Bureauzeil abgelaufen war. Der Arbeiter beanspruchte durch Klage beim Gewerbegericht Bezahlung der Zeit, die er für die Beschaffung des ArbcitsnachweisescheinS brauchte, ferner Bezahlung der beiden Stunden von 5 bis 7 Uhr am Ent- laffungstage und Lohn für 14 Tage wegen kündigungsloser Ent- lassung. Die letztere Forderung hal das Gewerbegerichl in einem früheren Termin durch Teilurteil abgewiesen. Im gestrigen Termin erkannte das Gericht die anderen Forderun ge>l des Klägers als berechtigt an, ebenso die von ihm verlangte Bezahlung des Tages nach der Ent- I a s s u n g. weil er durch verspätete Herausgabe der Papiere an diesem Tage keine Arbeit finden konnte. Das Gericht(Kammer S) ging davon aus. daff das Arbeitsverhältnis an dem Zeitpunkt be- ginnt, wo der Kläger zum Arbeitsantritt bestell! war, daff am Ent- lassnngslage die normale Arbeitszeit voll bezahlt und dem Kläger bei der Entlassung die Papiere ausgehändigt werden mufften. Die Firma wurde verurteilt, dem Kläger 20 M. für die angegebene Zeil und aufferdem 3,35 M. Versäumniskosten für den gegenwärtigen Termin zu zahlen. Mit der abgewiesenen Forderung auf 14 Tage Lohn war die berufungsfähige Summe erreicht. Der Vertreter der beklagten Firma erklärte, er werde Berufung einlegen. Also wegen eines Objekts von 23,35 M. will eine grohe Firma die Berufungsinstanz anrufen. Jedenfalls aus.prinzipiellen Gründen" soll das Umernehmerpunzip durchgefochten werden, wonach der Arbeiter sich auf seine Kosten durch das Bureau des Verbandes der Metalliudustriellen kontrollieren zu laffen und sich auch hinsichtlich der Herausgabe der Papiere der Willkür der Firma oder ihrer Angestellten zu fügen hat? flus Groß-öerlin. �vaterländische Unterhaltung � billiges vergnügen/' Es gibt beneidenswerte Leute, die immer noch diesen Krieg anders als von seiner bitterernsten Seite zu nehmen vermögen.„Was wißt Ihr vom Krieg!?" denkt und fragt mancher, der draußen alle Schrecken. des Schlachtfeldes durch- lebte und dann als Urlauber die vergnügliche Unbefangenheit der Daheimgebliebenen sehen muß. Aber von einem gewissen Standpunkte aus mag es fast ein„Verdienst" scheinen, just in dieser Zeit sich ein fröhlich Gemüt zu bewahren und ihren Ereignissen eine sozusagen unterhaltende Seite abgewinnen zu können. Denen, die das wollen, wird in Berlin— im belebtesten Teile der Stadt, ganz nahe der Straße„Unter den Linden"— ein eigenartiges Vergnügen geboten. In einem Laden ist eine sogenannte Schießbude eingerichtet, ähnlich den Schieß- buden, die in Kleinstädten auf Jahrmärkten und in Berlin auf Rummelplätzen zu finden sind, aber angepaßt den bc- sonderen Zeitverhältnissen. Was der Schicßlustige hier aufs Korn nimmt, sind nicht Figuren von brüllenden Löwen, wippenden Tänzerinnen und dergleichen, wie man es bei alt- modischen Schießbuden gewöhnt ist. Hier tritt der forsche Schütze vor eine auf Pappe und Leinwand gemalte Land- fchaft hin, die ihm den Stellungskrieg vortäuschen soll, und er darf nun in den Schützengräben aus der über die Ränder hervorguckenden Besatzung sich sein Ziel wählen. Draußen vor dem Laden hängt ein Plakat, das dem vorübereilendeu Wanderer die Reize dieser zeitgemäßen Schießbude anpreist: Schützengraben. Neu. Neu. Vaterländische Unterhaltung. Billiges Vergnügen. Jedermann im Schützengraben. Die Schützengrabcn-Schießbude als„vaterländische Unter- Haltung" und„billiges Vergnügen"! Wer, dem es bcschieden war, das Leben und das Sterben im Schützengraben in ihrer grausigen Wirklichkeit kennen zu lernen, hätte das sich träumen lassen? Doch der Schützengrabcnmann hat wohl selber cmpsunden, daß es auch Leute geben könnte, denen sein Hin- weis auf die„Unterhaltung" und das„Vergnügen" nicht An- reiz genug ist, bei ihm einzutreten und für einen Groschen drei Schuß zu wagen. Auf diese Spielverderber ist ein zweites, im Schaufenster ausliegendes Plakat berechnet, das der Schützen- grabcn-Schießbude auch einen ernsten Zweck nachrühmt. Man liest da unter anderem: Beste Vorübung für militärisches Schieffen. Deutsche, schiefft Euch ein, jeder Schutz muff Treffer sein. Die erste Stadtverordnetenversammlung im neuen Jahre findet am Donnerstag statt, die mit der Einführung und Ver- pflichtung der wieder- bezw. neugewählten Stadtverordneten beginnt._ Städtischer Verkauf von Schweineschmalz. Am Mittwoch, 5. Januar ISIS, beginnt in den städtischen Ver- kaufSstellen fiir Fellwaren und Schinken der Verkauf von städtischem Schweineschmalz. Der Verkaufspreis beträgt 2 M. für ein Pfund, die Abgabe erfolgt täglich, und zwar so lange der Vorrat reicht, in Höchstmengen bis zu einem Pfund. Im übrigen verbleibt es bei den für den Verkauf von Fleisch- und Fettwaren getroffenen und früher veröffentlichten Bedingungen. Zum Bezüge sind also nur Berliner Einwohner befugt, die sich durch eine von der Brotlommission ausgegebene BcrechrigungSkarte ausweisen Kinnen. Der Ankauf von städtischem Schweineschmalz zur Weiterveräufferung und gewerblichen Verarbeitung sowie zur Abgabe in Gastwirtschaften ist verboten. Vcnzol-Beschaffung. Von unterrichteter Seite wird darauf hingewiesen, daff gegen- wärtig beträchtliche Mengen Benzol am Marlte sind. Motorenbesitzer und sonstige Verbraucher sollten diese günstige Lage benutzen und ihren Bedarf für die nächsten Monate(Frühjabrsbestellung) schon jetzt decken. Sie werden dadurch Beschaffungsschwierigkeiren ver- melden, die sonst im Frühjahr, wenn der Bedarf allgemein höher wird, eintreten werden. Blindenverdienst. Die Blindenbcschäfligungsanstalt der Stadt Berlin ist durch den Krieg nicht in ihrem Betrieb gehemmt worden. Der jetzt vom Ma- gistrat bekanntgegebene Jahresbericht über die Blindenpflege im Verwaltungsjahr 1S14(1. April 1914 bis 31. März 1915) meldet, daff die Ausfälle an Austrägen für einzelne Abteilungen der Anstalt durch reichlichere Aufträge für andere Abteilungen wettgemacht wurden. Die Beschäftigung der nach der Anstatt kommenden Blinden war die übliche: Stuhl- und Korbflechterei, Einziehen und Pechen von Bürsten und Besen, Anfertigung von Hängematten und Netz- taschen; aber auch die Löhne, die dasür gezahll werden konnten, hielte» sich— leider— auf der üblichen, bescheidenen Höhe. Es beteiligten sich an Stuhlflechterei 55 Blinde, an Korbflechterei 23, an Bürsten- und Besenmacherei 97(davon an Einzieherei 37, an Borstenpecherei 11, an Piassavapecherei 49), ferner an weiblichen Handarbeilen 9. aufferdem am Flechtkursus 21, find zusammen 205 Blinde. Den monatlichen Durchsckmittslobn gibt der Bericht an für Stuhlflechterei auf 18,71 R!.. für Korbflechterei auf 51,25 M., für Bürsten« und Besenmacherei, und zwar Einzieherei auf 29,24 M., Borstenpecherei auf 61.68 M.. Piassavapecherei auf 45.02 M., für weibliche Handarbeiten aus 5,14 M. Monatlicher Mindest- und Höchstverdienst waren in Stuhlflechterei 3,92 M. und 31,94 M., in Korbflechterei 35,74 W. und 83,86 M., in Bürsten- und Besenmacherei 9,64 M. und 84,26 M.(Unter- ablettungen nennt der Bericht hier nicht), in den weiblichen Hand- arbeiten 2,71 M. und 7,60 M. Ueber den Verdienst pro Arbeitstag und pro Arbeitsstunde steht nichts in dem Bericht, aber man fühlt sich versucht, ihn zu berechnen. Während die toeibliche Handarbeiten nur Gelegenheitsarbeit waren, wird für Stuhl- und Korbflechterei sowie für Bürsten- und Besenmacherei angegeben, daff die Arbeits- zeit„täglich 7 Stunden" dauerte und daff die 175 an diesen Arbeiten beteiligten Blinden„in der Zeit von 8—4 Uhr in der Anstalt be- schäfligt" waren._ Weniger Verlangen nach zinslosen Darlehen? Zur Gewährung zinsloser Darlehen sind die Mittel zweier von der Stadt Berlin verwalteter Stiftungen bestimmt, der Friedrich- Wilhelms- Anstalt für Arbeitsame und der mit ihr verbundenen Bieder see-Stiftung. Aus dem neuesten Jahres- bericht beider Stiftungen, der das Verwaltungsjahr 1914(1. April 1914 bis 31. März 1915) bebandelt, ijt zu ersehen, daff sie gerade dies- mal— obwohl der gröffte Teil des Verwaltungsjahres in die Kriegs- zeit fiel— einen beträchtlichen Rü ck g o n g ihrer Tätigkeit gehabt haben. Die Friedrich-Wilhclms-Anstalt für Arbeitsame, die übrigens nicht etlva eine„Anstalt" in dem sonst üblichen Sinne des Wortes ist, gab in den drei Jahren 1912/13, 1913/14, 1914/15 aus den Zinsen ihres jetzt ziemlich zwei Drittel Millionen Mark betragenden Vermögens an 248, 233, 160 Personen Darlehen im Gesamtbetrage von 27 210 M., 26 520 M., 17 345 M.; sie leistete mithin im letzten Jahr sehr viel weniger als in jedem der beiden vorhergehenden Jahre. Von der Biederscc-Stiftung, die bei der Geringfügigkeit ihres Vermögens ohnedies nur einen kleinen Kreis von Hilfesuchenden berücksichtigen kann, erhielten in den letzten drei Jahren 72, 69. 51 Personen Dar- lehen im Gesamtbettage von 5510 M., 5165 M., 3525 M.; es ist also auch hier eine nicht unbeträchtliche Minderung festzustellen. Für die Stiftungen ist die Möglichkeit zu helfen sehr davon abbängig, daff die Rückzahlung der zinslos gewährten Darlehen rasch und annähernd vollständig erfolgt. So ganz glatt wickelt sich allerdings das Rück- zahlungsgeschast nicht ab, und manche Beträge sind durch keine Ein- ziehungsversuche und selbst nicht durch Zwangsvollstreckung und Offen- barungseid wieder hereinzubringen, weil die Schuldner auch durch die ihnen gewährte Hilfe ihre wirtschaftliche Lage zu bessern nicht ver- mochten. Die Rückzahlungen brockten in den letzten drei Jahren bei der Friedrich-Wilhelms-Anstall 29 100 M., 25 808 M., 18 758 M.; bei der B ieders ee-Stiftung 7085 M., 6104 M., 3954 M. Aus der hier auch bei den Rückzahlungen im letzten Jahr eingetretenen bedeuten- den Verringerung könnte geschlossen werden, daff die Gewährung neuer Darlehen eingeschränkt worden sei, weil die notwendige Wiederauf- füllung der Stiftungskassen diesmal noch mehr als sonst zu wünschen übrig gelassen habe. Man kann aber auch umgekehrt die Abnahme der Rückzahlungen als eine Folge der Minderung neuer Darlehen auf- fassen, und es scheint, daff in der Tat diese Erklärung eher das Richtige trifft. Offenbar hat es nicht so an Mitteln gefehlt, neue Darlehen zu geben, sondern man ist wohl diesmal bei der Entscheidung über die Darlehnsgesuche noch vorsichtiger als sonst verfahren. Denn wir werden doch nicht annehmen sollen, daff im letzten Jahr das Verlangen nach zinslosen Darlehen und die Zahl der diesbezüglichen Gesuche um so viel geringer als sonst gewesen sei. Es fällt auf, daß be'de Stiftungen diesmal das Jahr mit erheblich höheren Kassenbeständen abschließen konnten. Am Schluß des letzte» Verwaltungsjahres hatte die Friedrich-Wilhelms-Anstalt über 16 901 Mark(gegenüber 9581 M. im Vorjahr), die Biedersee-Stiftung in bar 4025 M.(gegenüber 3086 M. im Vorjahr). Beide Stiftungen konnten mich das letzte Jahr wieder mit einer Besserung ihres Gesamtver- mögens abschließen. Milchpantschereien. Milchpantschereien führten gestern den Molkerei- besitze r Wilhelm Gleich und dessen Ehefrau unter der Anklage des Vergehens gegen das Nahrungsmittel- gesetz vor das Schöffengericht Berlin-Mitte. Bei den Angeklagten wurde am 2. bezw. 4. Ottober Milch ent- nommen, welche 25 bzw. 20 Proz. Waffer enthielt. Eine angestellte Probe ergab, daff die Kühe de» Angestellten beim Melken gute Milch gaben. Die Angeklagten bestritten, Wasser in die Milch gegossen zu haben und gaben dem jetzigen unzureichenden Futter die Schuld an der mangelhaiten Beschaffenheit der Milch. Der Sachverständige Pros. Dr. I u ck e n a ck erklärte dagegen, daff, wenn auch der Fengehalt der Milch im allgemeinen sich verringert habe, sie doch unmöglich einen so hohen Prozentsatz Wasser zeigen könnte, wenn sie nicki künstlich verwässert worden wäre.— Der Staatsanwalt bc- anlragle je 100 M. Geldstrafe. Das Gericht ging über diesen Antrag hinaus und verurteilte den Ehemann zu 300 M. und die Frau zu 200 M. Geldstrafe. Zugleich wurde die Veröffentlichung des Urteils auf Kosten der Angeklagten verfügt. Nach Ansicht des Gerichts hätten die Angeklagten systematisch die Milch verfälscht; derartige Vergehen müßten aber in heuliger Zeit streng bestraft werden._ Unfall durch(Sasvergiftung. Am 3. Januar 1916, abends gegen 8üz Uhr, wurde die siebzig- jährige Witwe Maria Kirks in ihrer Wohnung. Antlamer Str. 41, tot im Bett liegend ausgefunden. Sie hatte m der Sttveslernachl bis gegen Sft, Uhr noch bei Hausnachbarn geweilt und ist seit dieser Zeit nicht mehr gesehen worden. Beim Oeffnen der Wohnung war ein starker Gasgeruch wahrnehmbar. Gasvergiftung dürste die Todesursache sein. Es handelt sich wahrscheinlich um einen Unfall. Für 30 000 M. Waren verschwunden. Eine hiesige Spedition sandle Montag nachintttag einen ihrer Kutscher mir einem Roll- wagen aus, der 17 große Kisten� mit Handschuhen, Seldeilwareu, Neusilberwaren und dergleichen Sachen mehr geladen hatte. Uni 4 Uhr nachmittags entledigte sich der Kutscher in der Rochstraffe unter einem Vorwande seines Mttfahrer» lind verschwand dann inu der Ladung, die nach den bisherigen Feststellungen an die 30 000 M. wert ist. Um 12 Uhr nachts fand man das Fuhrwerk führerlos und leer im äußeren Nordosten der Stadt in der Huselandjiraffe wieder. Von dem Kutscher und der Ladung hat die Kriminalpolizei, der als- bald Anzeige gemacht wurde, noch keine Spur gefunden. Weifte» sich um zum Teil schwere Kisten handelt, die er allein kaum bewältigen konnte, so ist anzunehmen, daff der Kulscher Helfershelfer gehabt und das die Bande nach einem vorbereiteten Plane gearveilet hat. Vielleicht ist die Ladung in verschiedenen Teilen auf andere, bereit gehaltene Wagen übergeladen und mit diesen weggeschafft worden. Der uu- getreue Kutscher, nach den Papieren, die er vorlegte, ein 24 Jahre aller Otto Zuchowskr aus der Anklamer Str. 42, war erst vier Tage im Dienst. Man hatte ihn ohne Bedenken angenommen, weil er schon in Speditionen beschäftigt gewesen war und entsprechende Papiere vorwies. Auf seine Ergreifung und die Wiederbefchaffung der gestohlenen oder unterschlagenen Waren setzt die Versicherung»- gesellschaft, die für den Schaden aufzukommen hat, eine angemessene Belohnung au». Alle Mitteiluugeu zur Aufklärung sind schleunigst an die Kriminalpolizei im Zimmer 51 des Polizeipräsidium» zu richten. Ob der Kulscher wirklich Otto Zuchotvski ist, steht noch nicht fest. Der Geistesgegenwart zweier Kinder ist es zu verdanken, daff ein gefährlicher Einbrecher auf frischer Tat verhaftet werden konnte. Der Verhaftete, ein gewerbsmäßiger Einbrecher, dem zahlreiche m letzter Zeit verübte Einbrüche zur Last gelegt werden, war gestern mittag von dem zehnjährigen Bruno B o j a n o w S k i und der elfjährigen Käthe G e r s o n beobachtet worden, wie er mit einem schweren Palet beladen au» der im Hause Michaellirchstr. 19 ge- legenen Wohnung einer Witwe herauskam. Die Kinder folgten uu- auffällig dem Manne und teilte» den in ihnen aufgestiegenen Ver- dacht, daff der Fremde in der Wohnung einen Diebstahl verübt habe. einem Schutzmann mit. Als dieser den Mann feststellte und da» Paket untersuchte, erwies sich der Verdacht als richtig. Der Ein- brechcr hatte in der Wohnung der Witwe mehrere himderl Mark Geld, Schmucksachen und andere Dinge gestohlen. Durch die Ans- merksamkeit der Kinder ist die Frau n»ii vor schwerem Schaden be- wahrt worden. Eingebrochen. In der Nacht vom 3. zum 4. Januar haben Spitzbuben dem bekannten Pelzwarengcschäst Julius Weile, Dresdener Str. 119, einen Besuch abgestattet, lrotzdein der Laden hell erleuchtet gewesen ist. Sie scheinen jedoch bei der Aus- Übung ihres Hanpwerts gestört worden zu sein, denn der Geschäfts- Inhaber hat nur einen relativ geringen Verirrst an Pelzen zu be- klagen. Grofffeuer kam gestern abend aus noch nicht aufgeklärter Ursache in dem Hause Költtgin-Augusta-Sttaßc 21, Ecke der Matther.- kirchstraffe, zum Ausbruch. Als die Gefahr bemerkt wurde, schlugen die Flammen schon hell aus dem Dache des Hauses, in dem sich unter anderem das Bureau de» Provinzlalverbaildes der Provinz Brandenburg befindet, empor. Tie herbeigeeilte Feuerwehr ging mit vier Schlauchleitiuigen von Dampf- und Motorspritzen ichcr die Treppen und mehrere Maschinenlei tern vor. Sie könnte es aber nicht mehr verhindern, daß der Dachjtuhl des Vorderhauses total niederbrannte und das obere Geschoß durch Wasser beschädigt wurde. Erst in später Stunde konnte die Wehr wieder abrücken. Kleine Nachrichten. Aus dem Landwehrlanal gelandet ivurde gestern die Leiche des 26jährigen Dienstmädchen» Martha Dow c aus Hainburg, die zu Weihnachten eine belarnue Familie in Berlin besucht hat..Was das Mädchen in den Tod gelnefteiv ist unbekaiml.— Einsam gestorben ist der 76 Jahre alle, frühere Tischler G u st a v Müller aus der Waffmaiinstc. 32?.. Da der Alte seit mehreren Tagen nicht mebr gesehen worden war, öffnete mau gestern seine Kellerwohnung und fand ihn tot im Bette liegen: die Leiche wurde nack dem Schauhause gebracht.— Eine noch sehr jugendliche, aber doch schon gefährliche Taschendiebin ivurde vor- gestern in einem Kaufhause am Alexanderplatz dabei erwischt, als sie einer Dame die Geldbörse au» der Handtasche stahl. Man fand bei ihr unter anderem auch eine Vorladung der Kriminalpolizei, wo sie sich gegen die Anzeigen wegen mehrerer Taschendiebstähle verantworten sollte. Den Gang zur Polizei benutzte die Miffraienc, die erst 16 Jahre alt ist, schnell noch, um ihrem schlimmen Hange zu folgen. Berliner Asyl-Bcrein für Obdachlose. Im Monat Dezernber V. I. nächtigten im Männer-Asyl 8111, im Frauen-Aftzl 2302 Per- sonen. Arbeitsnachweis wird erbeten für Männer»nd Frauen Wiesenstr. 55/59._ Ms öen Gemeinöcn. Schweinefleischhöchstpreisc für Nicderdarnim. Der Landrat des Kreises Riederbarnim hat jetzt die für Berlin und die Nachbargemeinden bestehenden Höchstpreise für Schweine- fleisch auch für nachfolgende Orte des Kreises Niederbautlill, fest- gesetzt: Buchholz, Friedrichsfelde. Heinersdoif. Hohenschönhausen, Niederschönhausen, Oberschöneweide, Pankow. Reinickendorf, Rosen- thal, Stralau, Tegel, Weiffensee, Wittenau, FriedrichShagen, Hcrms- dorf, Lübars, Frohnau, Kaulödorf, Biesdorf und Mohlsdorf. Städtischer Äartoffclticrkauf in Lichtenberg. Aus dem ftädtischcii Kartoffellagcr werden Kartoffeln von jetzt ab nur noch gegen Vorzeigung der Brotkarte ab- gegeben. Der Verkauf erfolgt ausschließlich an Einwohner von Lichtenberg zum Preise von 4 M. fiir den Zentner. Die vorläufige Verkaufsstelle befindet sich in den Schul kellern Holteistratze(Eingang Böcklinstraffe). Verkaufszeit wochentags von 9-2 Uhr. Milchumrken in Potsdam. Gleichzeitig mit den neuen Brotmaclen sind an alle berechtigten Personen durch die Brolmarkeuverteiler die MilchMarken ausgegeben worden, die in der Form den Brotmarken gleichen. Empfang»- berechligt sind nur Kuidcr und Kraule gegen ärztliche Bescheinigung. Die Milchmarke gewährleistet die Verabiolgung eines flz Liters Milch für den Tag und die Person, für Säuglinge ist ein größeres Quantum vorgesehen. Der bisherige markenfreie Bezug der Milch steht allen Potsdamer Einwohnern zu, die ihre Milch von einem auswärtigen Händler beziehen. Wie an zuständiger Stelle bemerkt wird, hal die Einführung der Milchniarkeii vorläufig nur emm Er- hebungswert, um einen Ueberblick über den Verbrauch zu erlangen und in Zeiten der Milchknappheir den Verkauf zugunsten der Be- dürftigen regeln zu können. Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Rofenthal. Sitzung am Donnerstag, den 6. Januar 191S, abends 6 Uhr, im großen SitzungSjaale des LcrivaUungsgebäudes, Hauplstr. 94. Diese Sitzungen find össcnllich. Jever GemeindeangehSrige Ist be- cechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. BdctlerauSsichte» für das mittlere diorddeutichiand bi» Donnerstag mittag. Von Westen nach Osten fortschreitende Neu- crwärmung. Zeitweise heiter, jedoch überwiegend bewöllt und � östlich der Oder meist geringe, im Westen stärkere Regensälle. Gerichtszeitung. Alkohol in fester F-orm. Wieder hatte sich gestern die 4. Strafkammer des Landgerichts 1 in einer Anklage wegen unlauteren Weit- bewerbes und Nahnmgsmittelverfälschnng mit einem Erzeugnis der Liebesgabenindustrie zu beschäftigen. ES handelte sich um einen von einer zum Zwecke des Ver- triebs von Hecresartikeln begründeten, inzwischen eingegangenen Firma„Germania G. m. b, H." in Verkehr gebrachten, so- genannten„Alkohol in f e st e r F o r m der in Tuben von 5k lein Händlern zum Preise von 1 M. und darüber verkauft wurde. Der Ancieklagle, Chemiker Georg Sittifl, battc die Anregung zu dieser Herstellung gegeben, die er auf die Weise ermöglichte,' dnfe er ttognal«, Arrak- oder Rnm-Verichnitt mit Zucker und Gelatine vermengte und auf diese Weise eine festere Masse herstellte, die nun al-Z„Alkohol in fester ftorm" in den Handel ging und großen Ab- sah fand. Auf den Tuben war dann noch die Bezeichnung an- gebracht:„Geschmack Kognak" bezw.„Geschmack Arrak" oder„Gc- sckmack Num" und in den Reklamen wurde das Erzeugnis ge- priesen als„Eine Wohltat für unsere trierenden Krieger im Felde." Die Sachverständigen Prot. Dr. Baier und Chemiker Dr. Aufrecht haben bekundet, daß es sich um ein in jeder Beziehung minderwertiges Produkt handelt. In solcher Tube sei nur 1,7 Proz. Alkohol nachweisbar, es handele sich also gar nicht um„Alkohol in fester Form", sondern um ein Phantasie- Produkt, welches unter falscher Bezeichnung in den Verkehr gebracht sei und nebenbei noch recht schlecht schmecke. Der ganze Inhalt der Tube sei 10 Pf. wert, die Zinntubc koste etwa 17 Pf., io daß etwa 25 bis 27 Pf. als Gesamtwert sich ergeben. Das Publikum werde zweifellos durch die gewählte Bezeichnung irregeführt und habe das minderwertige Produkt viel zu teuer bezahlt. Da Herr S i t t i g als technischer Berater und Geschäftsführer für die Firma tätig war, so wurde gegen ihn die Anklage erhoben. Justizrat MargoninSki bekämpfte diese auS suristischen und tatsächsichen Gesichtspunkten. Das Gericht kam aber zu einer Verurteilung im Sinne der Anklage. Die Strafe wurde nur auf 50 Mark Geldstrafe bemessen, da der Angeklagte nicht der Hauptträger der Firma ge- wesen und auch den geringsten materiellen Vorteil von dem Betriebe gehabt habe._ Bankbeamte vor Gericht. Der Beleidigungsprozeß zwischen Herrn Frendenberg, dem Vorsihenden des Deutschen Bankbcamtenvercins, und Herrn Weiß vom Vorstande des Allgemeinen Verbandes Deutscher Bank- beaniten beschäftigte DienStag den Strafsenat des Kammergerichts als NevisionSinstanz. Zwischen den beiden Bankbeamtenvereinigungen besteht ein gewisser Gegensatz. Dieser kam zum Ausdruck anläßlich der im Juni 1914 erfolgten Wahlen zur Verwaltung der als neutrale Pensions- lasse bezeichneten Pensionskasse, die von den Arbeitgebern, nämlich vom Zentralvcrband des Deutschen Bank- und BankiergewcrbeS, ge- bildet worden ist. Für die Wahl hatte der Deutsche Bankbcamtenverein 10 000 Bollmachten erlangt, mittels denen es ihm gelungen war, seine Kandidaten in die in der Verwaltung der Pensionskasse den Angestellten vorbehaltenen Plätze zu bringen. Für den anderen Beamtenvcrein, den Allgemeinen Verband Deutscher Bankbeamten, blieb der Erfolg auS. Zwischen Weiß, einem VorstandLmitgliede des letztgenannten Vereins, und anderen Personen kam eS nun einige Tage später zu einer Unterhaltung über den Vorgang, wobei die Frage berührt wurde, wer die Stempclkosten für die 10 000 Vollmachten bezahlt haben möge. Durch Aeußerungen dcS Herrn Weiß, von denen Herr Freudenberg erfuhr, fühlte sich Freudenberg verletzt. Er verklagte Weiß wegen Beleidigung. Das Landgericht als Berufungsinstanz erachtete für erwiesen, daß Weiß gesagt habe: Der Deutsche Bankbcamtenverein habe die Stempelkosten nicht bezahlt. Vielleicht hätte der Zentral- verband de« Deutschen Bank« und BankiergcwerbeS sDie Arbeitgebervereinigung) sie bezahlt. Vielleicht hätte dieser Zentral- verband ein Interesse daran gehabt, daß der Allgemeine Verband der Deutschen Bankbeamten sdem Weiß zugehört) nicht sieate! vielleicht gebe eS bei der Pensionsveisicherung etwas zu vertuschen. Die Straftammer sprach jedoch Weiß nach dieser Feststellung mit folgender Begründung frei: Die Aeußerung des Angeklagten Weiß könne allerdings nur dahin verstanden werden, daß der Zentral« verband für das Bank- und Bankiergewerbe durch Zahlung von 15 000 M. Stempelkosten die Wahl von Mitgliedern des Deutschen BankbeamtenvereinS habe fördern wollen, um mit ihrer Unterstützung Unregelmäßigkeiten in der Pcnsionökasse zu vertuschen. Auch habe Weiß damit die Ehre deS Herrn Freudenberg als Vorsitzenden des Deutschen BankbeamtenvereinS schwer gekränkt. Es sei aber gleich- tvodl auf Freisprechung zu erkennen, weil Weiß der Schutz deS § 193 des Strafgesetzbuchs— Wahrnehmung berechtigter Interessen— zuzubilligen sei. Das Kammer gericht hob auf die Revision des Privatklägers Freudenberg dies Urteil neb st Feststellungen auf und verwies die Sache zur nochmaligen Verhandlung an d a s Landgericht zurück. Gründe: Es fehle im Strafiammerurteil an einer Fest- stellung, aus welchen Gründen dem Angeklagten Weiß der Schutz des K 198 zugebilligt worden sei, indem die Strafkammer nicht ge« prnsr habe, zu welchem Zwecke die Aeußerung des Angeklagten gemacht worden sei. Zum Beispiel, ob sie gemacht worden sei, bloß um sich zu unterhalten oder aus anderen Gründen. Betrug bei Lerpfleguug von Truppe«. Wegen Nichteinhaltung eines LieferungSvertragcs über die Be- dürfnisse des Heeres während eines Krieges,§ 329, hatte sich am 20. September v. I. der Rentier Valentin Kärcher II vor dem Landgericht Darmstadt zu verantworten. Er wurde nur wegen versuchten Betruges zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Mit einem anderen hatte er es über- nommen, die durch den Bahnhof B. durchfahrenden Soldaten zu verpflegen. Insbesondere sollte für jeden Soldaten zu einer Mahlzeit zweihundert Gramm frisches Fleisch gc- liefert werden. An dem in Frage kommenden Tage bat der An- geklagte den militärischen Verpflegungsbeamten S., zu gestatten, daß das Fleisch sogleich bei dem liefernden Metzger gewogen werde. S. Ivar damit einverstanden. Da er indesien Verdacht schöpfte, daß Un- regelmäßigkeiten vorkommen könnten, so verfolgte er die weiteren Ereignisse mit Aufmerksamkeit. Das Fleisch war in Würfel zer- schnitten in zwei großen Schüsseln geliefert worden und wurde an- geblich der Bequemlichkeit wegen zunächst nr vier kleinere Schüsseln getan und sollte aus diesen in die Kochkessel kommen. S. bemerkte nun. daß nach dem Einschütten in die Kochkessel nur drei leere Schüsseln dastanden. Schließlich wurde festgestellt, daß die vierte Schüssel auf Veranlassung des Angeklagten in den Eisfchrank gestellt ivorden war, um ihren In- halt der Verwendung für die Soldaten zu ent« ziehen. Die Ausrede des Angeklagten, er habe geglaubt, dieses Fleisch werde zur Wurst verwendet, fand keinen Glauben, da daS Fleisch zu Wurst nicht in Würfel geschnitten, sondern gemahlen wird. Ein Vergehen gegen Z 329 nahm das Gericht deshalb nicht an, weil die Lieferung der Verpflegung an das Militär noch nicht erfolgt war. Dagegen wurde festgestellt, daß der Angeklagte versucht hat, den Verpflegungsbeamten zu täuschen, um sich selbst einen rechts- widrigen Vermögensvorteil zu verschaffen. Die Revision des Angeklagten wurde am Montag vom Reichsgericht verworfen. Haftung des Kreisverbandes bei Schneeverwehungen. Für die verkehrssichere Beschaffenheit öffentlicher Straßen hat grundsätzlich der Eigen- t ü m c r und Unterhalt ungspfli ch t i g e der Straße einzustehen. Das ist in Preußen bei den Landstraßen in der Regel der Kreisverband. Der Umstand, daß die Gemeinden bei der Unterhaltung der Kreisstraßen inner- halb ihres Ortsbezirks Hand- und Spanndienste zu leisten haben, ist eine nur das Rechtsverhältnis zwischen Kreis und Gemeinde berührende Verpflichtung. Dritten Personen gegenüber bleibt der Kreis für die Verkehrs- sicherheit haftbar. Trifft seine gesetzlichen Vertreter bezüglich der Beseitigung von S ch n e e u n d E i s auf der Kreisstraße ein Verschulden, so ist er für einen dadurch verursachten Un- fall schadenersatzpflichtig. In diesem Sinne hat das Reichs- gericht in dem folgenden Streifalle am Montag entschieden. Am 18. März 1912 ist der Fuhrhaller R. auS Rastenburg mir einer Fuhre Langholz auf der Landstraße Rastenburg— Lätzen durch das Dorf S ch w a r z st e i n gefahren. Die Straße war dort teilweise sehr eng, namentlich war an einer Biegung der Straße schwer durchzukommen, weil sich an der linken Seite des Weges eine Schneeschanze befand. R, war abgestiegen und ver'uchte den Wagen am hinleren Ende seitwärts zu drücken; dabei kam er zu Fall imd zog sich eine erhebliche Beinverletzung zu. Er nahm nun den Kreis Rastenburg auf Schadenersatz in An- spruch und macbte gellend: Ursächlich für den Schneefall sei die Scbneeschanze gewesen; dafür, daß dieses Verkehrshindernis nicht beseitigt gewesen sei, sei der Kreis als Eigentümer und Unter« Haltungspflichtiger der Straße haftbar. Der Beklagte machte dem- gegenüber geltend, der Unfall sei nicht durch die Schneeschanze, sondern durch ungeschicktes Hantieren des Klägers verursacht worden; er, der Kreis, habe auch gar nicht für Beseitigung des Schnees auf der Dorfstraße zu sorgen gehabt, dies sei vielmehr Sache der Ge- meinde gewesen, die ihm hinsichtlich der Unterhaltung der Straße innerhalb des Ortsbezirks zur Leistung von Hand- und Spann- diensten verpflichtet sei. Während das Landgericht Bartenstein die Klage abwies und auf die vom Beklagten erhobene Widerklage feststellte, daß dem Kläger keinerlei Schadensansprüche aus dem Unfall zustehen, hat das Oberlandesgericht Königsberg die Entscheidung von einem Eide des Klägers abhängig gemacht: wenn er beschwört, daß sich der Unfall so zugetragen hat, wie er behauptet, soll der Be- klagte zum Schadenersatz verurteilt und die Widerklage abgewiesen werden; bei Nichtleistung des Eides soll umgekehrt entschieden werden. Diese Entscheidung hat das Reichsgericht jetzt be- stätigt. Mus aller Welt. Ein seltsamer Schmugglertrick. Bei der Einfahrt in die Stadt G r o j e c in Nussisch-Polen, süd- lich von Warschau, wurde dieser Tage von dem Posten stehenden deutschen Soldaten ein ganz eigentümlicher Schmuggel ent- deckt. Am Eingange in die Stadt wurde von dem Soldaten ein offener Wagen angehalten, auf dem ein kranker, in einen langen Pelz und Schaftstiefel gekleideter Mann mit über das Gesicht eingedrückter Pelzmütze lag, so daß die Gesichtszüge unkenntlich waren. Der Rosselenker, welcher nebenher ging, konnte aber nur einen Passierschein für seine eigene Person vorzeigen, während für den Kranken kein Passierschein vorhanden war. Der Fuhr- mann und verschiedene angeblich zufällig herbeigekommene Per- sonen versicherten jedoch dem Posten, der Kranke müsse schleunigst zum Arzte gebracht werden, da sonst Lebensgefahr für ihn vor- handen sei, auch wäre er so schwach, daß er sich überhaupt nicht rühren könne. Einen Passierschein habe man wegen Zeitmangels nicht mehr besorgen können. Der Soldat nahm aber die Mütze von dem Gesicht ab, um zu sehen, ob der Kranke wirklich so schwer leidend sei, und fand zu seinem großen Erstaunen statt des angeb- lichen Kranken ein großes längliches Blechgefäß vor. Die Untersuchung ergab, daß dieses Gefäß Spiritus enthielt, den man auf diese Weise einschmuggeln wollte. Der Fuhr- mann wurde verhaftet._ Fünffacher Mord und Selbstmord. In München gab am Montag abend der 38jZhrige Hausdiener Anton L i e b l auf seine Geliebte, der von ihrem Manne geschiedenen SSjährigen Wo Ith äter und ihre vier Kinder Revolverschüsse ab. Die Frau und drei Kinder waren sofort tot; das vierte Kind er« lag seinen Verletzungen in der chirurgischen Klinik. Nach der Tat brachte sich der Mörder selbst Schüsse bei, denen er gleich- falls erlag. Der Grund zu dieser furchtbaren Bluttat ist darin zu suchen, daß Liebl wegen begangener Unterschlagungen seine schwere Bestrafung befürchtete. Explosion auf einem amerikanischen Tanffchiff. Reuter meldet aus New Jork: Durch eine Explosion im Tankschiff„Azteo" im offenen Dock von Broocklhn, auf welche ein Brand folgte, ver- loren zwanzig Personen, die im Schiffsraum ar- betteten, ihr Leben. Eine folgenschwere Granatenexplosion ereignete sich in Deckenpfronn bei Hanau. Dort zeigte der Landwehrmann Schöffler seiner Familie eine aus dem Felde mitgebrachte Gra- nate. Das Geschoß explodierte auf bisher nicht aufge- klärter Ursache. Frau und Tochter wurden durch Gra. natsplitter auf der Stelle getötet und der fünf- jährige Sohn so schwer verletzt, daß der Tod nach weni. gen Stunden eintrat. Eine NachbarSfrau, die gleichfalls im Zimmer verweilte, wurde leicht verletzt. Zusammenstoß zweier englischer Militärzüge.„Az Est" meldet aus Athen: Bei der Station Salamis auf der Linie Saloniki- Dedeagaffch erfolgte ein Zusammenstoß zweier englischer Militär- züge, wobei ein« große Anzahl Soldaten das Leben verloren. Neun Wagen wurden gänzlich zertrümmert. In Saloniki glaubt man an einen Anschlag. Folgenschwere Einäscherung einer dänischen Oclmühle. In AarhuS ist die große Oelmühle in Brand geraten und nach kurzer Zeit vollständig vernichtet worden. Die Oelproduk- tion ist jetzt zum Stehen gebracht worden, bis ein neues Fabrikgebäude errichtet werden kann. Dies wird— wie die„Politiken" schreibt— unabsehbare Folgen mit sich ziehen. Die Mühle war die einzige skandinavische Fabrik, die Margarineöl liefert. Während des Krieges sind gering« Mengen auS Amerika gekommen, der überwiegend« Teil aber der Margarinefabriken in Dänemark, Norwegen und Schweden haben ihr Oel aus AarhuS bezogen. 600 Arbeiterwerdenbrotlos. Die Mühle wird mit englischem Kapital betrieben. Der Schaden beziffert sich auf 2 Millionen Kronen. Man fürchtet, daß binnen kurzem sich in Dänemark ein sehr ernster Mangel an Margarine fühlbar machen wird, da die Margarinesabriken nur über sehr geringe Mengen verfügen. �odessturz französischer Flieger.„Echo de Paris" meldet: 'kuf dem Marsfelde bei L u n e V i ll e sind zwei Flieger ab- stürzt. Einem wurde durch einen Propeller der Kopf ab- geschlagen, der andere wurte in hoffnungslosem Zustande ins Krankenhaus gebracht. Ein Eifersuchtsdrama. In Ludwigshafen erschoß der 37 Jahre alte Schlosser Grimm nach einer Eifersuchtsszene seine Frau und sich selbst. Beide wurden sterbend in das Kranken- Haus eingeliefert. Wintergcwitter in Sachsen! In Lößnitz im Erzgebirge wurden durch Blitzschlag d r ei H ä user eingeäschert. täglich in kleinen und großen Posten. volKN«!»-, Fandrl&. Co., Luxemburger Strafte 32.• Veraurwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp. Neukölln. Für de» Inseratenteil verantw.: Td. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckere, u. Verlagsanstalt Paul Singer& Eo, Berlin SW. Verlustlisten. Die Verlustliste Nr. 420 der preußischen Armee enthäli Verluste folgender Truppen: Infanterie usw.: Garde: Garde-Grenadier-Regimeut Nr.' (f. Res.-Jnf.-Rcgt. Nr. 227); Garde-Schützen-Bataillon. Grena ■biet« bzw. Infanterie- bzw. Füsilier-Regimenter Nr. 6 bis einschl 11, 14, 15, 16, 31 bis einschl. 34(letzteres s. auch Res.-Jnf.-Regl Nr. 227), 37, 41 bis einschl. 45(letzleres s. auch Gebirgs-Maschinen� gewehr-Mt. Nr. 211), 49(s. Nes.-Jnf.-Regt. Nr. 227). 54, 59, 61 63(s. auch Jnfl-Regt. Nr. 157), 64. 67. 69, 70, 72, 74, 75(f. aucb Res.-Jnf.-Negt. Nr. 212), 77, 78, 81, 82, 83. 85. 86. 88, 89. 92 bis einschl. 95, 97, III, 114, 115, 117, 129, 131, 136(s. Res.-Jnf.-Neg! Nr. 227), 137, 140(s. Res.-Jnf.-Regt. Nr. 227), 144 bis einschl. 147, 149, 151, 152, 153, 155 bis einschl. 158, 169, 168, 179, 171, 174. 175, 176, 187. Reservc-Jnfanterie-Regimenter Nr. 3, 5, 7, 9 bis einschl. 13, 31. 35, 36, 56, 60, 67, 69, 72, 76(s. Jnf.-Regt. Nr. 187), 73, 79 (s. auch Landw.-Jnf.- Regt. Nr. 85), 80, 81, 83. 87. 88. 94. 130. 201, 202. 204. 207. 208. 209, 212, 213, 214, 218, 223, 225. 227(s. auch Gebirgs-Maschineugew.-Abt. Nr. 218 und 227), 235, 237, 25? 260 (f. Jnf.-Regt. Nr. 64). Reserve-Ersatz-Jnfanterie-Negiment Nr. 4. Landwehr-Jnfanlerie-Regimenter Nr. 4, 5, 7, 8, 10, 33, 34, 35, 39, 57, 76, 77, 80, 84, 85, 93. Jäger-Bataillone Nr. 4, 5, 7; Reserve- Bataillone Nr. 1 und 10. Festungs-Radfahrer-Kompagnie Neubreisach. Gebirgs-Maschinengewehr-Abteilungen Nr. 211, 218, 227. Kavallerie: Regiment der Gardes du Corps. Kürassiere Nr. 2 und 4; Schwere Reserve-Reiter Nr. 2; Dragoner Nr. 1, 2. 13; Husaren Nr. 1 und 16; Reserve-Husaren Nr. 1; Jäger zu Pferde Nr. 10(s. Ers.-5kav.-Regt. der 4. Landw.-Division); Ersatz-Kav.- Regt, der 4. Landwehr-Division; 1. Landswrm-Eskadron des 1., 2. des 5. und Landsturm-Eskadron des 20. Armeekorps; Reserve- Kavallerie-Abteilung Nr. 82. Feldartillerie: 1. Garde-Regt.(s. Res.-Feldart.-Rogt. Nr. 36). Regimenter Nr. 6, 7. 9 20, 22, 24, 40, 45, 59, 63(s. Res.-Feld art.- Regt. Nr. 21), 73, 80, 201; Res erve-Regimenter Nr. 19, 20, 21, 22, 33, 35, 36, 51, 69; Landwehr-Regiment Nr. 15. Feldartillerie-Abt. Nr. 204. Gebirgskanonen-Battevie Nr. 1; GMrgskanonen-Abt. Nr. 3. Pioniere: Regimenter Nr. 18, 23, 24, 25, 35, 36; Bataillone: I. und II. Nr. 7, II. Nr. 9, I. Nr. 15. I. Nr. 16, I. und II. Nr. 21. Ersatz-Bataillon des Pionier-Bataillons Nr. 21. Pionier-Kompagnie Nr. 104. Nescrve-Scheimverferzug Nr. 38. Berkehrstruppen: Militär-Eisenbahndirettion l. Feldflieger- truppe. Train: Train-Abteilung Nr. 10. Feld-Traineskadron des 7. Armeekorps. Divisions-Proviantamt A des 40. Reservekorps. Munitionskolonnen: Artillerie-(?)Munitionskolonne Nr. 4 des 14. Armeekorps; Reserve-Art.-Munitionskolonnen Nr. 41 und 183. Reserve-Feldlazarett Nr. 99. Armierungs-Bataillone Nr. 58, 76. Kriegsbekleidungsamt des 17. Armeekorps. »* * Die bayerische Verlustliste Nr. 244 meldet Verluste der Jnfanterie-Regimenter Nr. 1, 2, 3, 5, 6, 7, 8, 9, 19, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 19, 29, 21, 22, 28, 24; Reserve-Jnsirnterie-Regimenter Nr. 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 10, 12, 13, 14, 15. 16. 17, 18, 19, 20, 21, 23; Lairdwehr-Jnf.-Regimenter Nr. 1, 2, 3, 4, 6, 8, 10, 12; Brigade-Ersatz-Bataillon Nr. 2, 4, 7, 8, 12; Landsturm-Bataillone: Dillingen, Nürnberg II. Feldartillerie: 2., 5., 6., 3., 10., 11., 12. Re- giment, Leichte Mun.-Kolonne, bisher zuget. der II. Abt. Württemb. Feldart.-Regts. Nr. 116; Reserve-Negimenter Nr. 5, 6; Landwehr- 'Ragt. Nr. 6; Ersatz-Regiment. Fußartillerie: Bataillon Nr. 10, Batterien Nr. 411, 427, 466, Artillerie-Meß-Trupp 48; Reserve- Regt. Nr. 1, Reserve- Bataillon Nr. 6; Landwehr-Bataillon Nr. 2. Pioniere: Regiment, 1. 2., 3. Bataillon, Kompagnien Nr. 19, 29; Miuenwerfer-Komp. 208, Mittlere Minenwerfer-?lbt. Nr. 104; Reserve-Bataillone Nr. 2, 4; 1. Landw.-Komp. 3. Armeekorps. Flieger-Abt. 1. Fernsprech-Abt. 3, Festungs-Eisenb.-Bau-Komp., Lieserve-Eisenbahn-Baiukolnpagnie Nr. 4. Feldbäckeroi-Kolonne 11; Sanitäts-Komp. 2, 1. Armeekorps; Sanitäts-Komp. 1, 3. Armee- korps; Feld-Lazarett 3(11. Jns.-Div.), Kriegs-Lazarett-Abteilung 3. Armeekorps. Armierungs-Bataillone Nr. 5, 9. Berichtigungen. Die württembergische Verlustliste Nr. 326 veröffent- licht Verluste des Brigade-Ersatz-Bataillons Nr. 51; Infanterie- und Landwehr-Jnfanterie-Negiment Nr. 121; Füsilier- und Land- Wehr-Fnfcmterie-Regiment Nr. 122; Grenadier- und Landw.-Jnf.- Regt. Nr. 123; Jnfanterie-Regimenter Nr. 124, 125 ,127, 180; Re- serve-Jnf.-Negimenter Nr. 246, 248; 4. Landwehr-Eskadron; Feld- artillerie-Regimenter Nr. 13, 49; Reserve-Feldart.-Regt. Nr. 64; 3. und 4. Landw.-Piowier-Komp.j 4. Feld-Pionier-Komp.; Pionier- Komp. Nr. 116. Weitere Verluste. Berichtigungen früherer Ver- lustlisteu._ Sriefkaften üer Reüaktion. Die lurtstst»« Eprechslunde findet für ildonnenten Lindenstr.», re. Hos rechts, vartcrre, am Montag bis Freitag»an 4 big 7 Ugr, am Eonnabend irteflasten bestimmten Anfrage Merkzeichen beizufügen. Brieflcch« denen keine StbonnementSouitlung Eilige Fragen trage man in der und dergleichen bringe mar tu die von 5 bis 6 Uhr statt. Jeder für den ist ein Buchstadi! und eine Lahi als Antwort wird nicht erteilt, Aniragen, beigefügt tft, werden nicht beantwortet, Eprechstunde vor, vertrüge, Schriftstücke Sprechstunde mit, E. B. 100. Wenn die Mietszahlung monatlich erfolgt, kann die Wohnung am 15. zum letzten jeden Monats gelllndigt werden. — B. B. 100, 1. Ja. 2. Solange Bedürstigkeit vorliegt. 3. An das Ersatzbataillon deS Regiments, von dem der Ehemann eingezogen wurde. 4. Nein.— I. 125. Die Mutter kann beide Unterstützungen beziehen. —®. G. 82. Die Bezeichnung kennen wir nicht,— R. B. 37. Nein, wenn Sie nicht sür sämtliche Schulden die Bürgschaft übernommen haben, — O. D. 71. Wenden Sie sich an die Abteilung für Kriegsgefangene in der Auskunstsstelle des Kriegsministeriums, Berlin, Dorolheenstr, 48. — Feldgran. Sie müssen die Steuern vom 7. September ab zahlen. — F. K. 99. Nein.— E. H. 3«. Lungen- und bcrzkrant: landsturm- pflichlig,— F. G. 8. Strafbar laben Sie sich deshalb nicht gemacht. — E. K. 99. Nach den vertraglichen Bestimmungen ist die Aufrechnung geqen die Miele nicht zulässig; Sie dursten deshalb keinen Abzug von der Miete machen. Im Falle einer Klage würden Sie zur Zahlung verurteilt werden,— C. S. 44. Gegen den Abzug der Unterstützung werden Sie mit Erfolg nichts unternehmen können,— K. L. 4. Sie find verpflichtet, die Forderung zu zahlen, da Verjährung noch nicht eingetreten tst. — M. W. 26. Nein, Sie müßten mindesten» sechs Wochen verstche- rungsfflichiiges Mitglied der Kasse gewesen sein,— A. K. 999. Nein. Die Verordnung des Oberkommandos in den Marken vom 31. Dezember 1915 betreffend Veräußerung«- und VerarbeitungS- verbot für reine Schafwolle, Kamelhaare. Mohair, Alpaka, Kaschmir oder andere Ticrhaare sowie deren Halberzeugnisse und Abgänge tritt am 31. Dezember d. Js. in Kraft. Die vollständige amiliche Bekanntmachung dieser Verordnung erfolgt in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung". Berlin, den 31, Dezember 1915, Der Polizet-Prästdent. vom und tritt Die Verordnung des Oberkommandos in den Marken 31. Dezember 1915 betreffend Veräutzerungs-, VerarbeitungS- Bewegungsverbot für Web-, Trikot-, Wirk- und Strickgarne am 31. Dezember d. Js. in Kraft. Die vollständige amtliche Bekanntmachung dieser Verordnung erfolgt in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung". Berlin, den 31. Dezember 1915. Der Polizei-Präsident. laRunsIlioiiig 1° w5* kartons 4.20 M, frei seder Poststation u. Nachn, tt, KIU, Harntag, Kttlinhch-Ntrlmiif öl straüe 20.