Nr. 1V.- 33. Jahrg. Hbonnemcnts-BcdlngungeD: Hbonnemcntä• Biels ptänumetanbai BieneliäbtL 330 MI» monafl. 140 MI. wöchentlich 23 Big. frei inj Haus. Einzelne Rümmer 5 Big. Eonnlag»» Nummer mit lllustrierier Soimtagt» Deilaze.Die Reue Seit' lO B's. Soft» Slbotmemntt: 140 Marl pro Monat EinAerragen in die Post- ZeiNmcZ- BrcisUfte. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 230 Mar!, iür das übrige Ausland t Marl pro Monat. Voslabonnements nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Boriugal. Kiunäuitm, Schweden und die Schweis Llchillll lZgll«. Verlinev Volksblnkt. ZcntmXorqxn der roztaldemokratifcben Partei Oeutfcblatids. ( 5 PfennSg) BJc TnfertlonS'Gebuljr beträgt für die sechsgespalteno Kolonelzeile oder deren Raum W Psg., für politische und gewerljchaftliche Vereitle. und Versarnmlungs-Anzeigen L0 Psg. „Aleine itlnreisen", das fettgedruckte Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort lO Psg. Stellengesuche und Schlassiellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg.. jedes weitere Wort 3 Psg. Worte über 15 Buch> siaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Rummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Tie Expedinon ist bis 7 Uhr abends geöffnet Telegramm- Zldresse: „Sozialdeal oürat Bcrlio". Neüaktion: EW. 68, Linüenstrahe 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. läl 30— läl 97. Dienstag, den 11. Januar 1910. Expeüition: SW. 68, LinöenstraßL 3. Fernsprecher: Amt Moripplnp, Nr. löl 99— löl 97. Kämpfe in Monienegw. Monopole und Staatseinnahmen. Auf den ersten Blick scheint die Verstaatlichung von Wirt- schaftsbetrieben durchaus einer rationellen Finanzwirtschast auch vom Standpunkt der Arbeiterinteressen zu entsprechen. Ter Staat als wirtschaftlicher Unternehmer streicht, sobald er bestimmte Betriebe verstaatlicht, den Profit ein, der bisher privaten Unternehmern zufloß, und verwendet die Einnahme zu staatlichen Zwecken. Statt Steuern zu erheben, die ent- weder aus dem Arbeitseinkommen oder aus angeeignetem Mehrwert geschöpft werden müssen, wird der gesamte Mehrwert, der in bestimmten Produktionszweigen erzielt wird, für den Bedarf des Staates nutzbar gemacht. Indessen liegen die Dinge leider nicht so einfach und in Wirklichkeit können Staatsmonopole. zu der im sozialen Ginne schädlichsten Form der Besteuerung führen. Sie können nämlich und wirken in der Regel im gleichen Sinne wie in- direkte Steuern. Der Profit, den der Privatunternehmer erzielt, entspringt der unbezahlten Arbeit, ist angeeigneter Mehrwert. Voraus- sctzung ist dabei, daß die Produkte nach dem wirklichen Werte verkauft werden, was bei völlig freiem Wettbewerb der Unternehmer untereindndcr im großen und ganzen der Fall sonn wird. Gelingt es dem Unternehmer durch irgendwelche Mittel, die Produkte zu höheren Preisen zu verkaufen, als es dem Werte entspricht, so erhöht er damit seinen Profit. Das ganze kapitalistische Getriebe führt dazu, daß sich für die gesamten kapitalistischen Unternehmer eine Durchschnittsprofit- rate herausbildet, wobei im Preise der Waren die Hcrstellungs- tosten und der normale Profit enthalten sind. Es ist denkbar, daß der Staat als Unternehmer sich mit dieser Durchschnittsprofitrate begnügt, aber es ist kcinewegs gesagt, daß er es tun muß und wird, wo er sich das Monopol verschafft.— Das Wesen des Monopols besteht ja darin, daß jede Konkurrenz ausgeschlossen wird, der Staat der einzige Unternehmer auf dem gegebenen Wirtschaftsgebiete ist. Er bestimmt also die Preise und jeder, der die monopolistischen Güter haben will, muß diesen Preis zahlen. Die Versuchung liegt daher nahe, mit steigendem Bedarf des Staates an Ein- nahmen, die Preise in die Höhe zu schrauben. Die Ver- braucher zahlen dann nicht so viel, wie dem Werte des ge- gcbencn Gutes entsprechen würde, sondern sie zahlen, indem sie konsumieren, eine Abgabe an den Staat, zahlen im Preise der Monopolgüter eine indirekte Steuer. Unter solchen Umständen bedeutet also das Eintreten für Monopole, die aus rein fiskalischen Gründen gefordert werden, nichts anderes, als das Eintreten für in- direkte Steuern. Am schlagendsten dürfte das durch folgende Erwägung erwiesen werden: Wenn eine Steuer auf Kohlen vor- geschlagen würde, so tvürde wohl jeder Sozialdemokrat sich dagegen wenden, weil das sofort als eine indirekte Steuer erscheint, die von den Grubenbesitzern auf die Abnehmer ab- gewälzt wird durch Erhöhung der Kohlenpreise, wobei diese Abnehmer, soweit sie Produzenten sind, die Steuer wiederum abzuwälzen suchen würden durch Verteuerung der Produkte, sodaß schließlich die Kohlensteuer die letzten Abnehmer, das heißt vor allen die arbeitenden Massen treffen müßte. Da- gegen scheint jetzt, wo aus rein fiskalischen Zwecken die Verstaatlichung der Kohlengruben gefordert wird, manchem Sozialdemokraten dieser Plan annehmbar. Wer garantiert uns indessen, daß dann der Preis der Kohlen nicht weit, weit über ihren Wert gesteigert wird, daß in dieser Form die Ver- braucher von Kohle mit einer unheimlich hohen Kohlenstcuer belastet werden? Die Konkurrenz der ausländischen Kohle, die der Preistreiberei des Kohlensyndikats einen Damm setzt, müßte beim Monopol fallen, der Staat wäre für Deutschland der alleinige Lieferant und tvürde die Preise nach eigenem Ermessen diktieren, die Abnehmer müßten unweigerlich die Äohlenstener tragen.— Man komme uns nicht etwa mit dem Einwand, der Preis würde durch ein Gesetz geregelt werden: faktische Herstellungskosten und ein bestimmter Zuschlag. Gc- setze sind vergänglich. Wenn der Bedarf des Reiches steigt und durch neue direkte Steuern aufgebracht werden soll, dann kmrd die bürgerliche Majorität— und eine solche wird ja wphl der Reichstag haben, solange das Reich als kapitalisti- scher Staat besteht— statt diese zu bewilligen, lieber eine Er- hohung der Kohlenpreise zustimmen, weil das eben die indirekte Besteuerung ist, die die Besitzenden weniger trifft. Das gleiche gilt für jedes Monopol: stets wird die Gefahr vorliegen, daß es zur Deckung des Staatsbedarfs auf dem Wege der indirekten Besteuerung führt. Der maßlosen Steigerung der Monopolpreise wirkt einzig die Gefahr des verminderten Absatzes entgegen. Das ist in- Mw Oes Med SmWllim. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 10. Januar 1016.(28. T. B.j Westlicher Kriegsschauplatz. Nordwestlich von Massiges iu der Gegend des Gehöftes Maisou de Champagne führten Angriffe unserer Truppen zur Wegnahme der feindlichen Beobachtungs- stellen und Gräben in einer Älusdehnung von mehreren hundert Metern. 423 Franzose», unter ihnen 7 Offiziere, 5 Maschinengewehre, ein großer und 7 kleine Mincnwerfer fielen iu uusere Hand. Ein französischer Gegeuaugriff öst- lich des Gehöftes scheiterte. Ein deutsches Flugzenggeschwader griff die feindlichen Etappeneinrichtungcn in Fnrues an. Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist im allgemeinen unverändert. Bei Berestiany wurde der Vorstoß einer stärkeren russischen Abteilung abgeschlagen. Balkankriegsschauplatz. Nichts Neues. Ober st e Heeresleitung. Ser öslerreiSMe GkMlilWMrlU Wien, 10. Januar.(W. T. B.) Amtlich wird ver- lautbart: Wien, 10. Januar 1916. Russischer Kriegsschauplatz. Auch gestern fanden in Ostgalizicn und an der Grenze der Bukowine keine größeren Kämpfe statt; nur bei Toporoutz wurde abends ein feindlicher Angriff abgewiesen. Sonst nichts Neues. Italienischer Kriegsschauplatz. Bon Grschützkampfcu im Görzischcn, im Gebiete dcS Cot di Lana und im Abschnitt von Viclgcrcuth abgesehen, fand an der Südwcstfront keine Gefcchtstätigkeit statt. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unsere gegen Bcrane vordringenden Kolonne» haben die Montenegriner neuerlich von mehreren Höhen geworfen und Bicca erreicht. Nördlich dieses Ortes ist das östliche Lim-Ufer vom Feinde gesäubert. Die Truppen, die auf den Höhen über einen Meter Schnee zu überwinden haben, leisten Vorzügliches. An der Tara Artillerietätigkeit und Geplänkel. Die Kämpfe an der Südwestgrenze Montenegros dauern an. Der Stellvertreter dcS Chefs des Generalstabes. v. H o e f e r,'Feldmarschalleutnant. dessen nur wirksam bei entbehrlichen Produkten, wie Brannt- wein, Bier, Tabak und anderen Genußmitteln, nicht aber bei unentbehrlichen Produkten, wie Kohle, Eisen, Salz, Nahrungs- mittel. Gerade deshalb wäre in der gegebenen Lage, wo der Bedarf des Reiches plötzlich infolge des Krieges ins Ungeheure steigt, die Einführung von Monopolen auf die Produktion unentbehrlicher Güter oder den Handel mit solchen Gütern (etwa eines Getreidehandelsnionopols) das sicherste Mittel, die Lasten der arbeitenden Bevölkerung aufzubürden unter Schonung der Besitzenden. Es ist aber auch falsch, anzunehmen, daß bei der Verstaatlichung der Staat einfach den Profit einheimst, den bisher die privaten Kapitalisten ein- steckten. Ob und inwieweit das geschieht, hängt durch- aus davon ab, w i c die Verstaatlichung durchgeführt wird. Daß unter den gegebenen politischen Verhältnissen die Konfiskation der Betriebe, etwa der Kohlengruben, Zigarren- fabriken, Brennereien, ausgeschlossen ist, dürfte selbstverständ- lich sein. Wie hoch aber wird die Entschädigung sein? Denkt man sich etwa, daß der Reichstag in seiner heutigen Zu- sammensetzung darüber zu entscheiden hätte, so wird man sich wohl keinen Illusionen hingeben, daß die Eigentümer über- reichlich entschädigt würden. Nicht der reelle Wert der Betriebs- anlagen wäre dann maßgebend, sondern es würde sich um eine Kapitalisierung der Profite in dieser oder jener Form handeln. Obendrein müßte das Reich das Kapital, dessen es für diese Entschädigung bedarf, durch Anleihen aufbringen. In der nächsten Zeit nach dem Kriege dürste die Aufnahme von Anleihen nur unter sehr schweren Bedingungen möglich sein. Das Resultat wäre also: das Reich würde für die zu verstaatlichen- den Betriebe einen sehr hohen Preis zahlen und müßte außerdem den bisherigen kapitalistischen Eigentümern, oder anderen Kapitalisten, die die Anleihe hergeben, sehr hohe Zinsen zahlen. Sollen dann Zinsen und Tilgungsraten aus den Staats- betrieben herausgewirtschaftet werden, so würde sich schon dadurch die Itotwcndigkeit ergeben, die Preise der Produkte hoch anzusetzen. Die Kapitalisten könnten zufrieden sein; die Uebernahme durch den Staat könnte ein vorzügliche? Geschäft werden, während die Kosten dieses Geschäfts die Allgemein- heit in Form verteuerter Preise der Monopolgüter zu bezahlen hätte. Es ergibt sich somit, daß Staatsmonopolc, die in fiskali- schein Interesse eingeführt werden, zurBelastung der Bevölkerung mit indirekten Steuern führen, daß ferner die Enteignung zum Zwecke der Verstaatlichung finanzielle Operationen er- fordert, die sich umso schwieriger gestalten, je bedrängter die finanzielle Lage des Staates ist. Aus diesen Gründen scheint uns der Plan, den durch den Krieg herbeigeführten Bedarf an Staatseinnahmen durch Einführung von Staatsmonopolen zu decken, den Interessen der arbeitenden Massen zuwiderzulaufen, falls nicht b e s o n- dere Garantien geschaffen werden können, die eine Schädigung der Konsumenten und der in den Staatsbetrieben beschäftigten Arbeiter vollkommen ausschließen. der montenegrinische Kriegsbericht. Cetinjc, 16. Januar.(W. T. L.) H e e r e s b e r i ch t. An der Nordfront heftiger Artilleriekampf. An der Front östlich von und bei Leperiatz ergriffen wir die Offensive. Der Kampf wurde außer- ordentlich ledhaft. Nach mehrfachem Hin und Her blieben wir die Herren des Geländes. Unsere Verluste waren fühlbar, die des Feindes beträchtlich. Hartnäckige Kämpfe in der Gegend von Nözaj und Berane. Dem überlegenen Gegner gelang es, Turjak ganz zu besetzen. Wir zogen uns auf unsere Stellungen auf dem linken Ufer der Lesnitza zurück. In der Gegend von Jpek und Rugovo wiesen wir überall österreichische Angriffe ab. Unsere Front am Lowtsck»en wurde sehr heftig beschossen; Kreuzer bctei- ligten sich stark hieran. Es fand kein Jnfanterieangriff statt. Die englische Melöung über öie Räumung Gallipolis. London, 9. Januar.(W. T. B.) Amtlich. G a l l i- poli ist vollständig geräumt. London, 9. Januar.(W. T. B.) Reutermeldung.� G e- ncral Monroe meldet: Die Räumung der Halb- inselGallipoli ist erfolgreich durchgeführt. Alle Kanonen und Haubitzen wurden weggeschafft außer 17 abgenutzten Gc- schützen, die vor dem Abzug in die Lust gesprengt wurden. DieGesamtverluste sind ein b ri ti s ch c r S o I d a t, die Franzosen hatten keine Verluste. Englisches Schlachtschiff gesunken. London, 9. Januar.(W. T. B.) A m t l i ch. Das Schlacht- schiff„Edward VII." ist auf eine Mine gestoßen und mußte wegen des hohen Seeganges aufgegeben werden. Es sank bald darauf. Die Besatzung konnte das Schiff rechtzeitig verlasse». Verluste an Menschen- leben sind nicht zu beklagen, nur zwei Mann sind verletzt, „King Edward VH" war 17 800 Tonnen groß und 1903 vom Stapel gelaufen. Seine Schnelligkeit betrug 19 Seemeilen, seine Besatzung bestand aus 780 Mann. Mgetriebene öeutsche Rettungsringe. ktopenhagen, 10. Januar.(W. T. B.) Aus Stockholm meldet „Politiken": In den letzten Tagen sind an der Küste von Golland fünf Rettungsringe angetrieben. Nach ihrer Aufschrift stammen sie von einem deutschen Kriegsschiff. Auch bei Visby sind einem Telegramm zufolge Rettungsringe gleicher Art angetrieben. Notiz des W. T. B.: Wie wir von zuständiger Seite er- fahren, kommt ein Unfall eines deutschen Kriegsschiffes nicht in Frage. Wenn treibende Wrackstücke, Bojen, Schwimmwesten und dergleichen jetzt öfter in der östlichen Ostsee angetroffen werden, so können sie nur von dem Untergang der„Bremeu" herrühren._ Der franZösische Tagesbericht. Paris, 10. Januar.(W. T. B.) A m t l i ch e r B c r i ch t v o n Sonntag nachmittag. Im Artois führten unsere Batterien im Laus der Nacht ein wirksames Feuer auf die deutschen Schützen- graben westlich von Blairville aus. In der Champagne beschossen wir deutsche Verbindungsgräben südwestlich der Höhe von Le Mesnil, wo Truppenbewegungen gemeldet waren. Paris, 10. Januar.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von Sonntagabend. Iu Belgien wurden zwei Abteilungen feind- licher Infanterie vom Feuer unserer Artillerie östlich Lombaertzyde überrascht und zerstreut. In der Champagne explodierte eine deutsche Mine südlich der Anhöhe von Le Mesnil. Um den Trichter entspann sich ei» Kampf mit Haiidgranaien, in dem wir die Oberhand behielten. Die unsere Linien bei St. Hilaire le Grand und Ville snr Tourbe beschießende feindliche Artillerie wurde von unserer Artillerie wirksam niedergekämpft. Der Feind konnte trotz der von unseren Beobachtern festgestellten Vorbereitungen zum Angriff seine Schützengräben nicht verlassen. In den Argonnen sprengten unsere Schützengraben- kauonen ein Munitionslager in den feindlichen Linien bei Fille Morte in die Lust. In den Vogesen führten wir auf feindliche Ansammlungen nördlich Metzeral ein wirksame? Artilleriefeuer aus. Die Deutschen, welche das Dorf räumten, wurden unter das Feuer unserer 7,S Zentimeter-Geschütze genommen. Nordwestlich Münster bei Stoßweier riefen wir mehrere Brände in den feindlichen Schanz- iverken hervor. Südlich des Hartman nsweilerkopfeS gelang es dem Feinde nach einer Reihe fruchtloser Angriffe, die heftigem Artillerie feuer folgten, sich eines kleinen Hügels nördlich des Hirzstein- gipfelS zu bemächtigen. Unter diesen Umständen wurden unsere Truppen, die den Gipfel besetzt hielten, zurückgeführt. Nach Aus- sagen von Augenzeugen fügte unser genaues Sperrfeuer dem Feinde erhebliche Verluste zu. Der Artilleriekampf wird fortgesetzt. Belgischer Bericht. Der Artillcriekampf war heute auf der Front der belgischen Armee lebhaft. Unsere Batterien waren besonders tätig bei der heftigen Beschießung feindlicher Transporte in der Gegend von Schoorbakke und Clerken. O r i c n t a r m e e. Am 8. Januar vormittags bombardierten feindliche Flugzeuge die Lager der Alliierten in der Umgebung von Saloniki. Materialschaden unbedeutend. Ein Flugzeug wurde von unserer Artillerie heruntergeschossen. Die englische Meldung. London, 9. Januar. sW. T. B.i Amtlicher Heeresbericht. In der letzten Nacht herrschte die übliche Tätigkeit südlich von Armenttöres. Der Feind unterhielt ein heftiges Gewehr- und Maschinengewehrfeuer. Die Beschießung südlich von Prelenghien verursachte in den feindlichen Linien einen ernsthasten Brand. Der ruPsche Generalftabsbericht. Petersburg, S. Januar.(W. T. B.) Amtlicher Bericht des Großen General st abes. Westfront. An der Front vom Rigaischen Meerbusen bis zum Prypec keine Veränderung. Südlich vom Prhpec versuchte der Feind von neuem, Ezartorysk zu nehmen, wurde jedoch zweimal mit empfindlichen Verlusten zurückgeworfen. In Galizien, in der Gegend der mittleren Strypa, vertrieben unsere Truppen den Feind end- gültig vom östlichen Flußufer. Neuere Meldungen ergänzen die Zahl der am 7. Januar gemachten Gefangenen auf 20 Offiziere, 1175 Soldaten und 3 Maschinengewehre. Kaukasus. In der Küstengegend eröffneten die Türken am 7. Januar ein lebhaftes Gewehrfcuer und versuchten unter AuS« uutzung des Nebels auf das rechte Ufer des Arkhava-FlusseS über- zusetzen, wurden jedoch zurückgeworfen. Südlich vom Urmiasee, in der Gegend des Djaghatu- Flusses warfen wir türkische Truppen zurück. Der Feind, welcher gegen die Stadt Assadabad südwestlich von Hamadan die Offensive ergriffen hatte, flüchtete gegen Kangawar <40 Kilometer südwestlich Assadabad), verlor ungefähr 40 Tote und ließ viele Verwundete auf dem Kampfplatze zurück. Im Schwarzen Meer versenkten unsere Torpedoboote einen großen Dampfer, der vom Bosporus kam, um Kohlen zu laden: später hatten sie eine Begegnung mit dem Panzerkreuzer „Gäben". Unsere Torpedoboote, von dem feindlichen Kreuzer ver- folgt, zogen sich unter dem Schutz eines Linienschiffes, welches sich in der Nähe befand, zurück; es entwickelte sich ein Gefecht auf große Entfernung, worauf„Gäben", seine Geschwindigkeit ausnutzend, schnell»ach dem Bosporus zu verschwand. Wir hatten weder Ver- lusts noch Havarie._ Meldung der italienischen Heeresleitung. Rom, 10. Januar.sozialdemvtraten haben beantragt, den Reichskanzler zu ersuchen, dahin zu wirken, daß der Belagerungszustand aufgehoben und insbesondere die Freiheit der Presse wieder hergestellt wivd. Die Nationalliberalen beantragen, den Reichskanzler zu er- suchen, dafür zu sorgen, daß 1. unter dem Einfluß der jetzt gelten- den Ausnahlnebestünmungen keine Einrichtungen geschaffen werden. die geeignet sind, auch in Friedenszeiten die Preßfreiheit und die Freiheit der öffentlichen Meinung zu beschränken: 2. daß beim Kriegspresseamt und bei allen Generalkommandos Preßabicllungen aus Vertretern der Militärbehörde und sachverständigen Zivilpersonen gebildet werden, damit die Härten der Zensur beseitigt oder gemildert werden; 8. daß jedem Zeitungsverbot zunächst eine mit Begründung versehene Warnung an den Verlag vorausgehen muß. Abg. Dittmann begründet den sozialdemokratischen Antrag: Der heutige Zustand ist ungesetzlich, denn er steht im Wide:- sprach mit der Verfassung. Die Voraussetzungen für die Auf- rechterhaltung deS Belagerungszustandes sind nicht gegeben; mit Ausnahme von einem Teil der Reilhslande ist kein deutsches Gcvict vom Feinde bedroht. Redner stützt seine Auffassung auf die Eni- stehungsgeschichte des Gesetzes von 1851. Das öffentliche Leben ist zurzeit in Deutschland völlig unterbunden. Die kommandierenden Generäle üben nicht bloß eine vollziehende, sondern direkt eine gesetzgebende Tätigkeit aus. Damit werden die Parlamente geradezu ausgeschaltet. Zum Schutze militärischer Dinge genüge völlig das Spionagegesetz.— Wie steht es mit der Verantwortlich- keit der Generäle? Die Zensur arbeitet nicht nur lcmgsam. iic unterdrückt auch die freie Meinungsäußerung. Die Zensur streicht Artikel völlig harmlosen Inhalts. Am fihlimmsten liegen die Verhältnisse im Korpsbezirk Münster. WaS man dort der „Rhein.-Westf. Ztg." zu besprechen gestattet, wird der opposi'io- nellen Presse zu erörtern verboten. Bürgerlühe Organe, die für die Friedenspropaganda wirken, wurden verboten, weil ihr Be- streben angeblich an Lcmdesverrat grenze. Das Versammlungs- recht ist so gut wie beseitigt; man gestattet nicht einmal, Kritik an den Regierungsmaßnahmen in der Ernährungsfrage zu üben. Redner trägt eine ganze Reihe recht drastischer Beweise vor. Jcdc freie Regung der Arbeiterschast wird unterbunden; selbst die Feststellung, daß in einem Betriebe Differenzen ausgebrochen sind, durfte nicht veröffentlicht werden. Im Bezirk Münster hat man sogar Werfftatibesprechungen verboten. Man hat auch versucht. die Parlamentsöffentlickckeit zu unterbinden. Redner erörtert dann eingehend den Loebellschen Presseerlaß. Tie sozialdemokratische Presse steht direkt unter einem Ausnahmercchi. Der Belagerungszustand dient aber auch dazu, oppositionell gc- sinnte Personen in ihrer persönlichen Freiheit zu beschränken. Wer nah wie vor von seinem Staatsbürgerrecht Gebrauch machen will, riskiert, in militärische Schutzhaft genommen zu werden. Diese Zustände sind geradezu unhaltbar. Ministerialdirektor Lewald behauptet, daß der Belagejjuiigs- zustand zu Recht verhängt ist; die Voraussetzungen sind schon dann gegeben, wenn das Reichsgebiet bedroht ist. Verantwortlich sind die kommandierenden Generäle nur dem Kaiser. Der Reicks- tanzler hat dafür keine Verantwortlichkeit zu tragen. Durck die Schaffung des Kriegspresseamts ist für die Presse eine wesenilicke Erleickierung eingetreteli. Tie Zensur ist nötig; sie besteh! in allen kriegführenden Staaten. Abg. Fischbeck erklärt, daß seit dem Bestehen deS Kiiegs- presscamts der Zustand sich erheblich verschlechtert hat. Die Zensur unterdrückt auch Dinge, die lediglich den Untcrnehm«'rn unbeguem sind. Ein erheblicher Teil der Schuld liegt in der Person der Zensoren. Die Zeitungen werden sogar verantwortlich gc�nacht für Fehler, die von der Zensur selbst bc- gangen worden sind. Dabei werden die einzelnen Zeitungen ganz verschieden behandelt. Ein Zensor in Schlesien übt sich sogar u, Verbesserungen des Stils der Zeitungen; ein Zitat von Lena». das ihm nicht gefiel, dichtete er einfach um! Der Bmchhandel tvird schwer geschädigt durch die Präventivzensur. Die Art, wie man die Presse behandelt und bevormundet, ist direkt unwürdig. Redner erörtert dann den Friedensartikel der„Neuen Züricher Zeitung". an dem die Zensur Streichungen vorgenommen hat, wodurch das Bild wesentlich verändert wurde. Tie vom Redner vorgebracktcn Beispiele über Leistungen der Zensur riefen vielfach stürmische Heiterkeit hervor. Selbst die amtlicken Nachrichten der Stadt Berlin sind unter Zensur gestellt worden. Die Erörterung der Differenzen zwischen der Stadt Berlin und dem Zweckverbande ist vom Oberkommando einfach verboten worden. Redner greift dcrnn den Loebellschen Presse- erlaß scharf an, durch den die Presse in absolut unzulässiger Weife beeinflußt werden soll. Zeitungen, die die Artikel der betreffenden Korrespondenz nicht abdrucken wollen, wurden mit Zensurmaß- nahmen bedroht. Dieser Erlaß des preußischen Ministers des Innern bedeutet den schlimmsten Bruch des Burgfriedens. Die Unabbängikeit der Presse wird damit außerordentlich gefährdet. Die preußische Regierung versucht auf diese Weise die kommenden Wahlen zu beeinflussen. Unterstaatssekretär Zimmermann nimmt das Auswärtige Amt gegen verschieden« Vorwürfe in Schutz. Der Redner macht dann vrtrauliche Mitteilungen zum Beweise dafür, daß die Er- örterung der Kriegsziele noch nicht freigegeben werden kann. Ein �Vertreter der preußischen Münsters des Innern erklär t. der Presseerlaß gehöre vor den preußischen Landtag. Die preußi- sche Regierung nehme auch für sich die publizistische Freiheit in Anspruch. Die Erlasse waren zwcrr geheim, sie hatten aber das Licht der Oeffentlichkeit nicht zu scheuen. Tie Artikel der Korrc- spondenz sollten austlärend wirken. Ein Zwanz zur Aufttabme der Artikel ist nicht ausgeübt worden. In einer von dem Re- gierungsvertreier verlesenen langatmigen Erklärung wird diis Vorgehen des Ministers als völlig harmlos hingestellt. i Die Rc- gieruitg müsse die Möglichkeit haben, auch ihre Absichten der Ocffentlickkeit zu unterbreiten. Abg. Graf Westarp bespricht den Einfluß des Auswärtigen Amis auf die Zensur. Das Vorgeben gegen einen Teil der Presse ist durchaus einseitig; darunter leidet ganz erheblich die— konservative Presse.(Große Heiterkeit.) Ein Beslhluß des engeren Vorstandes der konservativen Partei ist von der Zensur verstümmelt worden; dagegen durfte eine Kundgebung des sozial- demokratischen Vorstandes veröffentlicht werden. Gegen den Vorstand der Konservativen ist sogar ein offiziöser Angriff erfolgt. der in der Oeffentlichkeit nicht abgewehrt werden konnte. Tie linksstehende Presse erfreut sich einer weit größeren Freiheit. Tas Dementi deS Artikels in der„Neuen Züricher Zeitung" ist zweisel- los völlig ernst zu nehmen; die Art der Veröffentlichung ließ aber ein« besonders glückliche Hand vermissen. Die Ausgabe der Zensur mutz sein, zu unterdrücken, was dem Vaterland schaden form, dagegen Batf niffi von fHt erfaßt werden, was dem Vater- kind nützen kann. Allzu ängstlich braucht man nicht zu sein, denn das Ausland saugt schließlich aus allen Blüten Honig. Mit der Unterbindung der Kritik schadet man der Sache nur. Kritik ist nötig, man solle sie mit Freuden begrüßen. Uniterstaatssekretär Zimmermann stellt fest, daß das Auswärtige Amt nur insofern sich der Zensur bediene, als dies im Interesse des Ressorts liegt. Abg. Wein hausen fFortschr.): Parteilichkeit kann man der Zensur nicht zum Vorwurf machen. Deshalb braucht man aber die Tätigkeit der Zensur nicht zu billigen. Die Verhältnisse sind im Lause der Zeit immer schlechter geworden. Zuerst befaßte sich die Zensur nur mit militärischen Fragen, setzt hat sie auch die poli- tische Haltung in den Kreis ihrer Machtvollkommen�it gezogen. Die Pressekonferenzen sind zu bloßen Jnstruktionsstunden für Journalisten geworden. In der Zensur herrscht eine völlige Zer- fahrenheit. Di« Vorschriften sind derart angewachsen, daß sie heute kaum mehr übersehen werden können. Die Presse mutz min- destens eingehend informiert werden. Die Zensur stellt sich auch schützend vor Einzelpersonen: sie macht auch nicht Halt vor lokalen Dingen. Man verbietet Theaterstücke, das Singen harmloser Lieder, ja, man hat sogar verboten, daß Damen in öffentlichen Lokalen rauchen! Die Zensur verbietet Zeitungen ohne Rücksicht aus den enormen Schaden, der damit verbunden ist. Man sollte aber doch mindestens erwarten dürfen, daß die Verbote auch be- gründet werden, damit man weiß, weshalb das Verbot erfolgte. Die Oberzensurstelle hat sogar versucht, die Berichte über Par- lamentsverhandlungen zu unterdrücken. DaS Kriegs-Presseamt hat dahin gewirkt, daß die Zensur eine weitere Verschärfung er- fuhr. Ein« solche Behandlung hat die Presse Deutschlands wahrlich nicht verdient. Die Zensur soll sich nur auf militärische Dinge beziehen. Abg. Dr. Stresemann beschäftigt sich mit dem Loebellschen Presseerlaß, der allerdings auch den Reichstag angeht, um so mehr. als die dort empfohlene Korrespondenz auch zu Wahlzwecken be- nutzt werden soll. Der amtliche Apparat wird dazu benutzt, die Zeitungen zu zwingen, bestimmte Artikel aufzunehmen. Eine Kritik an diesem Zustand wird schließlich von der Zensur unter. drückt. Soll diese Korrumpierung der öffentlichen Meinung viel- leicht der Beginn der Neuorientierung sein? Die Klagen über die Zensur wiederholen sich immer wieder, das Kriegs-Presseamt ist aber bezeichnenderweise hier gar nicht vertreten, erfährt vielleicht gar nidKs von diesen Klagen. Daß man die innere Politik unter Zensur stellt, ist völlig unhaltbar. Mit der Einschränkung der Preßsreiheit leistet man Deutschland den schlechtesten Dienst. DaS Ausland kennt unsere Verordnungen, kennt unsere Parlaments- Verhandlungen; aber die Presse darf nichts schreiben. DaS Verbot der Versammlungen, die Cinretchung des Manuskripts der Reden find Dinge, die sinnlos sind. In Crimla nd wird an der Regierung die schärfste Kritik geübt. Darin zeigt sich gerade die Stärke dieses Landes. Deshalb kann es auch nicht von Nachteil sein, wenn man sich in Deutschland frei aussprechen darf. Die kommandierenden Generale dehnen ihre Wirksamkeit immer weiter auS. Soll über die kommenden neuen Steuern etwa auch nicht geredet und ge- schrieben werden dürfen? Unter allen Umständen aber muß gefor- dert werden, daß endlich die Erörterung der KriegSziel« freigsgäben wird. Die Wirkung einer solchen Diskussion auf das Ausland soll man nicht überschätzen. In der öffentlichen Meinung hat die Re- gierung ein Instrument in der Hand, das sie nicht unbeachtet lassen soll. Redner fordert schließlich die sofortige Zurückziehung des Loebellschen Presseerlasses. Abg. Gerftenberger(Z.) bezeichnet die Zensur alz klein- lich. In Bayern ist der sozialdemokratischen Presse die größte Freiheit zugestanden worden, die Zentrumspresse ßat man aber deschränkt, als sie auf die sozialdemokratischen Angriffe antworten wollte. Die Zensoren spielen sich jetzt geradezu als Redakteure auf. Feldpostbriefe durften u. a. deshalb nicht veröffentlicht wer- den, weil sie dem Zensor nicht interessant genug erschienen. AIS Zensoren müßten Leute ausgelvählt werden, die frei sind von bureaukratischcr Beschränktheit. Man müßte außerdem eine be- sondere Instanz schassen, die allein das Recht haben soll,«in Ver- bot zu erlassen. Die Behandlung der Presse erklärt sich aus der lilering-schätzung, die die Presse in Deutschland genießt. Oberst Hoffmann gibt Auskunft über S18 Beschwerden, die Abg. Dittmann überreicht hat. Die größere Hälfte erwies sich als unbegründet, ein Teil war zweifelhaft und'nur ein kleiner Teil erwies sich als berechtigt. Abg. Stadthagen stellt fest, daß er den Ausführungen deS Grafen Westarp über die Zensur zustimmen könne. In der Tat bestehe ein ganz unhaltbarer Zustand. Es entstehen im Volke all« möglichen tollen Gerüchte, und die Presse ist nicht in der Lage, Aufklärung zu verbreiten. Wendet man sich an die Behörden, so erhält man entweder keine oder ewe vollständig unzureichende Ant- wort. DaS ganze System, das wir heut« haben, ist gesetzwidrig. Für die Zensur sind nicht militärische, sondern politische Interessen maßgebend. Man schreibt der Presse die Haltung vor, die sie ein- zunehmen hat, und gleichzeitig verbietet man der Presse, kenntlich zu machen, daß es sich um ein Eingreifen der Zensur handelt. Die Zensur geht sogar so weit, daß sie selbst die Titel von Büchern streicht, die im literarischen Teil der Zeitungen angekündigi wer- den. Man soll sich nicht darüber täuschen, daß im Ausland kein Mensch daran glaubt, daß das deutsche Volk in allen Punkten einig ist. Die rechtsstehende Presse hat weit mehr BewegungS- frciheit; Versehen, die dort vorkommen, deckt man einfach mit dem Mantel der Liebe zu. Nach dem Gesetz darf nur eingeschritten werden im Interesse der öffentlichen Sicherheit. Dieses letztere Kriterium ist aber in den allerseltensten Fällen gegeben. Der Lccbellsche Erlaß war ein Mißbrauch der Amtsgewalt. Redner er- läutert dann an der Hand von Korrekturbogen des„Vorwärts" das Wirken der Zensur. Stürmische Heiterkeit und allgemein« Zustimmung bewiesen, wie die Bridgetkommission über diese Tätig- Zeit der Zensur denkt. Redner hob hervor, daß man auf diese Weise Mißstimmung in die weitesten Kreise trägt. Dem„Vor- wärts" wird gestrichen, was andere Zeitungen bringen dürfen. Diese Behandlung ist in der Tat unerhört. Die nationalliberalen Anträge beseitigen das Uebel nicht. Man muß die völlige Be- ieitigung der Zensur fordern. Sie kann beseitigt werden, denn man hat die Strafgesetze zur Verfügung, die als vollkommen aus- reichend bezeichnet werden müssen. Die Unterbindung der freien Meinungsäußerung ist ein Beweis von Schwäche. Klarheit wird nur geschaffen, wenn der sozialdemokratische Antrag angenommen wird, und auch der Zusatz, der von den Sozialdemokraten zum nationalliberalen Antrag gestellt wurde, der lautet; Das Verbot einer Zeitung darf nur mit Zustimmung des Reichskanzlers er- folgen. Wenn dieser Antrag angenommen wird, dann hat der Reichskanzler die Verantwortung für ZeitunaSverbote zu tragen. Abg. R o e s i ck e findet die Kritik an ver Zensur berechtigt. Die Zensur solle man zwar nicht aufheben, aber man �olle sie umgestalten: denn es ist durchaus nicht angängig, die Bevölkerung wie Schuljungen zu behandeln. Redner bestreitet schließlich, daß die agrarische Presse eine Ausnahmestellung einnehme.— Die Verhandlungen gehen am Dienstag weiter. Lanöwirtschaftliche „Sachverständige*. Wie t»ir bereits in der SonntagSausFabe meldeten, h«t sich eine Sitzung der Borsitzenden der L a n d w i r t s ch a f t s» ka m me r n in Anwesenheit des preußischen LandwirtschaftS- Ministers über die schwebenden Ernährungsfragen in einer Weise ausge'prochen, die die schärfste Kritik verdient. Die Landwirtschaftskammervorsitzcnden erklärten sich mit dem gegenwärtigen Zustand der Lebensmittelversorgung durchaus zufrieden und, soweit sie Wünsche hatten, gingen diese in einer Richtung, die keineswegs die Interessen der Konsumen- ten berücksichtigt. Es ist den Hausfrauen nur zu gut bekannt, daß, ähnlich wie im vergangenen Winter, auch diesmal wieder Kartoffel- knapphcit herrscht. Die Landwirtschaftskamniervorsitzenden dagegen erklärten sich mit der bisherigen Regelung der Kar» tosfelversorgung vollkommen einverstanden. Anstatt ihrer- seits auf Grund ihrer vielgerühmten Sachkenntnis schon jetzt Whilfemaßnahmen für die sicher zu erwartende Ver- schärfung der Kartoffelknappheit vorzuschlagen, wollen sie erst wieder eine neue statistische Feststellung der vorhandenen Kartoffelvorräte abwarten. Di« Butterversorgung ist nach Ansicht der Kammervorsitzenden ebenfalls in die„richtigen Wege ge- leitet". Die Sachverständigen scheinen ganz übersehen zu haben, daß die Buttervorräte dem Bedarfe keineswegs ent- sprechen. Auch hier wäre es ihre Aufgabe gewesen, prak- tische Vorschläge zur Steigerung der Buttererzeugung zu machen. Aber der offizielle Bericht über die Sitzung teilt nur mit, daß sich die Kammervorsitzenden gegen die so not- wendige Einfuhrung der Reichsbutterkarte gewendet haben. Diese Ablehnung wäre aber nur dann verständlich gewesen, wenn die Kammervorsitzenden sich hätten verpflichten können, für eine so große Buttererzeugung zu sorgen, daß die Möglich- keit ausreichender Versorgung jedes einzelnen gewährleistet würde. Solange die Butterproduktion nicht wesentlich ge- steigert wivd, muß wenigstens eine bessere Verteilung durch Einführung von Butterkarten in die Wege geleitet werden. In der Mitteilung über die Aussprache des Vorsitzenden über die Fleischversorgung vermissen wir einen Hinweis auf den Mangel an Schweinefleisch. Waren die Sach- verständigen auch hier von den gegenwärtigen Verhältnissen vollkommen befriedigt? Dagegen vernehmen wir, daß Höchst- preise für Rindvieh einstimmig als„undurchführbar" er- klärt werden. Gründe für diese Auffassung werden in dem Bericht nicht angegeben; es wäre auch schwer, welche zu finden. Eine Preisfestsetzung schlug die„Sachverständigen"- Versammlung allerdings vor: die Heraufsetzung der R ü b e n p r e i s e, die natürlich notwendig die Verteuerung des Zuckers zur Folge haben würde. Wir haben nicht die Ab- ficht, die Urteile und Vorschläge der Versammlung im ein- zelnen ausführlich zu kritisteren. Dagegen liegt eine Frage nahe: Ist es bloßer Zufall, daß die Sachverständigen ihr Votum gerade kurz vor Beginn der Parlamentssitzungen ab- gaben, wo die Ernährungssragen eingehend behandelt werden sollen? Sollte mit Hilfe der Sachverständigen und des preußi- schen Landwirtschastsministers noch rasch den Regierungs- Vertretern der Rücken gesteift werden, um ihre Antworten auf Beschwerden im Reichs- und Landtag in bestimmter Richtung zu beeinflussen? Die besondere Politik des Landwirtschastsministeriums ist auch im Kriege mehr als einmal Gegenstand der Erörte- rung gewesen. Die letzte von diesem Ministerium veranstal- tete Sitzung der Landwirtschaftskammer-Porsitzenden dürfte einen neuen Anlaß dafür liefern. politische Ueberflcht. Tie Getreidcvorräte. Berlin, 10. Januar. Amtlich. Die Bestandsauf- n a h rn e vom 16. November 1915 hat ergeben, daß die Brotgetreidevorräte im Deutschen Reiche aus- reichen, um die Bevölkerung und das Heer bis zur näch- sten Ernte zu ernähren. Es hat sich aber gezeigt, daß die freieren Maß- nahmen, welche bei Beginn des zweiten Wirtschaftsjahres getroffen wurden: Freigabe von Hinterkorn und Futterschrot, geringere Ausmahlung und Erhöhung der Brotration b e i Perbrauchern und Landwirten die Auf- fassung erweckten, als wenn unser Vorrat über» reichlich und Vorsicht nicht von Nöten wäre. Diese Auffassung ist irrtümlich; wir inüssen auch im zweiten Jahre streng haus- halten, wenn wir nicht nur reichen, sondern auch mit einer hinlänglichen Reserve ins nächste Wirtschaftsjahr hinüber- gehen wollen. Das Kuratorium der Reichsgetreide st elle hat daher beschlossen, unter vorläufiger Aufhebung der freieren Maßnahmen, zu den Best im- mungen des Verteilungsplanes des vorigen Jahres zurückzukehren und die Tageskopf- menge wie im Frühjahr 1915 festzusetzen. Für die Bedürfnisse der Schwerarbeiter nach stärkeren Brotrationen wird wie bisher ausreichend ge- sorgt werden.__ Grosthungern. Unter diesem Titel veröffentlicht die nationaMberale „Magdeburgische Zeitung" einen Leitartikel, in dem es heißt: „Und nun soll eine neue Zeit des Großhungerns kommen. Die Riesenlast der Steuern, die uns erwartet, der mindestens vorläufige Rückgang des Wirtschaftslebens, wird große Kreise zum Zurückschrauben der gesamten Lebens- Haltung zwingen. Wir sind, was sie anlangt, in den letzten Jahrzehnten über das Maß, daS gerade in diesen Dingen sein mutz, vielfach, ja fast allgemein hinaus» gegangen. DaS„über die Verhältnisse leben" war die Regel geworden. Man hat eS selbst noch in diesen Kriegszeiten bis weit in die unteren Steuerklassen be» obachtet und gerügt. Aber auch die, die sich'S finanziell leisten konnten, tneSrn eine wirtschaftlich und sittlich verwerfliche Verschwendung in der Gestallung des äußeren Lebens. Doppelt verwerflich, da sie als böse« Beispiel wirkte. KomfortiSmus ist als Bezeichnung geprägt für den Zustand, in dem die äußere Be- haglichleit und Ueppigkeit eine wesentliche, wenn nicht die be- herrschende Stelle in unserem Denken und Tun einnehmen. Er ist äußerlich und innerlich verknüpft n«it dem MammoniSmu», der Anbetung des Geldes und der Schätzung aller Dinge, auch unseres Tun« und unserer Gesinnung nur nach ihrem Geldwerl. KomfortiSmus und MammomsmuS— beides Fremdworte, die wir nichl verdeulschen wollen, denn sie bezeichnen fremden Im- Port, englischen das erste, amerikanischen das andere. Diese durchaus undeutichen Erscheinungen müssen bei uns verschwinden, wenn die Periode des Großhunger ns nicht zu bösen inneren Gegensätzen und Störun- gen führen soll." Eine Glossierung dieser Ausführungen muß man sich leider bis zur Zeit nach dem Friedensschluß ersparen. Die notwendige Wahlrechtsreform. Unterrichtete Kreise bezeichnen die Meldung, daß eine spontane Erklärung der preußischen Staatsregierung für die Neuregelung des preußischen Wahlrechts erfolgen werde, als glaubwürdig. Die„Post" erfährt dazu von �>arla- mentarischer Seite", daß die Thronrede einige allgemeine Sätze über die Reform enthalten werde: „Das, was man mit dem Worte„N cuorientic- r u n g" der inneren Politik nach Friedensschluß zusammen- faßt, dürfte zwar in der Thronrede gleichfalls seine Stelle finden, wohl auch die Frage der Reform des preußische u Wahlrechts berührt werden, schon um klarzustellen, daß die Landesregierung sich hier nicht schieben läßt, sondern die Führung in der Hand behalten will. Aber man wird sich zweifellos auf einige allgemeine Sätze b e- schränken und Einzelheiten vermeiden. Daß weiter die Staatsregierung an der Auffassung festhält, daß das gesctz- geberische Werk selbst erst nach Friedensschluß zur Durchführung gelangen kann, steht gleichfalls außer Zweifel. Diese Auffassung muß jetzt um so berechtigter er- scheinen, als nach den Wahrnehmungen der letzten Zeit die Erfahrungen der Kriegszeit vielleicht noch nicht ganz abgc- schlössen sind und es keineswegs völlig ausgeschlossen er- scheint, daß die Eindrücke bei Kriegsanfang in dem einen oder anderen Punkts durch die Erfahrung späterer Zeit eine Be- richtigung erfahren müssen." Einige allgemeine Redewendungen werden die preußi- schen Wähler keineswegs befriedigen. Damit sind sie nun seit bereits 17 Monaten abgespeist worden. Die Regierung hat sich inzwischen doch auch nicht init Versprechungen begnügt, sondern fordert Tag für Tag sehr reale Leistungen. Notstandskredite für zurückkehrende Kriegsteilnehmer. Die preußischen Minister für Handel und Gewerbe, der Finanzen und des Innern veröffentlichen einen Erlaß an die Oberpräsidenten, worin staatliche Mittel zur Gewährung von Beihilfen an die Provinzen in Aussicht gestellt werden, die ihrerseits die Frage der Gewährung von Notstandskrediten an zurückkehrende Krieger regeln sollen, damit diesen die Fort- führung der bisherigen Berufstätigkeit ermöglicht wird. Ins Auge gefaßt ist hierbei besonders der selbständige Mittelstand. Es heißt in dem Erlaß u. a.:„Wir vertrauen, daß die zur Vergebung öffentlicher Arbeiten berufenen Behörden bei der Zuweisung von Beschäftigung die besondere Berück- sichtigung der Kriegsteilnehmer aus dem selbständigen Mittelstande sich angelegen sein lassen werden. Daneben aber wird m einer Reihe von Fällen auf die als Hilfsmaßnahmen vor allem angeregte Gewährung von Darlehen zur Fortführung oder Wieederaufrichtung des Betriebes nicht verzichtet werden können." Der wirtschaftliche Beirat. In den Beirat zur Erörterung der mit der Versorgung der Be- völkerung mit Lebensmitteln zusammenhängenden Fragen sind nach einer Bekanntmachung des.Reichsanzeiger" berufen worden die ReichSIaasabgeordnelen: Bastermann, Rechtsanwalt und Stadtrat in Mannheim, Bauer, Vorsitzender der Generalkommission der Ge- werkschaften Deutschlands in Neukölln, Dr. Böhme. Berlin-Lichtcrfelde, Dombeck, Redakleur in Beuthen, E b e r t, Parteisekretär in Treptow- Berlin. Erzberger, Schrittsteller in Berlin, Fiscbbeck, Sladtrat in Berlin. GieSbert«, Arbeiterkekretär in München-Gladbach, Herold, Landesökonomierat, Gutsbesitzer auf Haus Loevelinke bei Münster, Dr. Matzinger. königlich bayerischer Gymnasialprofessor in München, Molke» buhr, Parteisekretär Schöncborg-Berlin, Dr. Roesicke, Rittergutsbesitzer in Görsdorf(Mark), Robert Schmidt, Ar- beitersekrelär in Karlshorst bei Berlin, Dr. Wendorff, Gutsbesitzer in Toitz bei Nossendorf. Kreis Grimmen. Graf v. Westarp, königlich preußischer Oberverwaltungsgerichtsrat in Schöneberg-Berlin. Zu den neuen Tabaksteuern. Der„Generalanzeiger für.Zigarren-, Zigaretten- und Tabak- Handel" will an maßgebender Stelle erfahren haben, daß die bis- herigen Mitteilungen über neue Tabaksteuern, die am 1. April d. I. in Kraft treten sollen, zum mindesten verfrüht sind. Die Regierung habe unter den vielen Vorschlägen ihre Entscheidung noch nicht ge- troffen. Am meisten Aussichten habe noch immer die Banderole- Steuer. Die Mehreinnahmen durch Erhöhung de« Zolle« au« Zigarren- tabak usw. werden selbst im Reichsjchatzamt nur auf zirka 60 Millionen Mark geschätzt, da billige Tabake und mittlere Sorte nicht weiter belastet werden können._ „Glühende Patrioten". Der Königsberger Grundbesitzerverein nahm nach einem Referat über.Die Verpflichtung von Siaat und Gemeinde zur Erstattung von Mieleaussällen" folgende Entschließung an: .Die am 6. Januar 1316 im ArtuShose zu Königsberg tagende Generalversammlung des Königsberger HauSbesitzervereins, erfüllt von glühendem Patriotismus, ist gern bereit, dem Vaterlande in schwerer Stunde mit Gut und Blut zu dienen, und möchte in der Betätigung der Vaterlandsliebe hinter keinem anderen Stande zurückstehen. Mit schmerzlichem Bedauern muß sie aber fest- stellen, daß durch die bisherige einseitige Belastung des Hausbesitzer- stände« viel« tüchtige Mitglieder der Versammlung dem sichercii Untergange entgegengeführt werden. Sie begrüßt mit Genugtuung die Ministerialerlasse, welche den Hausbesitzern eine umfassende Hilfe in Aussicht stellen, entnimmt aus diesen zur Beruhigung die An- erkennung der staatlichen Pflicht zum Ersatz der unverschuldeten Ausfälle und schöpft daraus die feste Hoffnung, daß es gelingen werde, schon jetzt die Wege zu ebnen, die zu gerechten Bestimmungen führen, welch« die Erstattung der Verluste regeln." Letzte Nachrichten. Deutschland und Amerika. Washington, 10. Januar.(W. T. B.)(Meldung des Rcuterschen Bureaus.) Deutschland verspricht m der Note über die Versenkung der„William P. F r y c", den Nichtkämpfern Gelegenheit zu geben, sich in Sicherheit zu bringen, ehe das erbeutete Schiff versenkt wird, außer wenn Wetter und See sowie die Nähe der Küste Gewähr bieten, daß die Boote den nächsten Hafen erreichen, wird den an Bord befindlichen Personen nicht befohlen werden, in die Boote zu gehen. Die deutsche Regierung lehnt den Vorschlag Amerikas, die Sachverständigen zur Feststellung des Scha- dens in Washington zusamnientreten zu lassen, als für sie nicht angängig ab und empfiehlt den Zusammentritt der Kommission in Deutschland. Sie beantragt ferner, eine schiedsgerichtliche Auslegung des preußisch-amerikanischen Handelsvertrages durch ein besonderes Schiedsgericht von fünf Mitgliedern, das am 15. Juni im Haag zusammen- treten soll._ Eine aMerikanische Note an England. Washington, 10. Januar.(W. T. B.)„Central News" meldet: Staatssekretär Lansing bereitet eine N o t e a n E n g- l and vor, worin eine Äbschwächung der Blockade nachgesucht wird. Die Note begründet dies mit der früheren Erklärung Englands, daß Lebensmittel nicht als Banngut betrachtet wevben können. Gewerkschaftliches. Die Textilarbeiter unö öas Verarbeitungsverbot. Das staatliche Verarbeitungsverbot für Wolle, Baum- tvolle und Bastfasern hat eine erhebliche Abschwächung des Beschäftigungsgrades in der Textilindustrie gebracht. Viele Unternehmer waren und sind jetzt noch dadurch gezwungen, Betricbseinschränkungen, ja sogar Betriebsschließungen vorzu- nehmen. Bei den: Mangel einer zureichenden Betriebsbericht- erstattung ist es freilich nicht möglich, den Grad der Ab- schwächung des Beschäftigungsgrades zutreffend zu kenn- zeichnen. Man ist eben nur auf die Statistiken der B e- triebskrankenkasscu angewiesen. Diese verzeichnen nun schon seit mehreren Btonaten eine ständige Mitglieder- abnähme. Und zwar betrug nach Abzug der arbeitsunfähig Kranken und Wöchnerinnen die Abnahme der: im rnännl. Beschäftigten tveibl. Beschäftigten Juni 1915 5095=- 4,13 Proz. 1534--- 0,79 Proz. Juli. 3953-- 3,34„ 3114 1.79, August, 5360--- 4,68„ 4978----- 2.67. September, 5848— 5,33, 5933= 3,25, Oktober. 4868— 4,89. 2441= 1,40. Für die Zeit vom 1. November bis 1. Dezember ist gleich- falls eine Mitglicdcrabnahme festgestellt worden, deren Höhe ist aber leider in absoluten Zahlen nicht angegeben. Am schlechtesten ist naturgemäß, wie auch aus dem„Reichsarbeits- blatt" vom Monat Dezember ersichtlich ist, der Geschäftsgang in der Baumwollindustrie. Besonders die sächsischen und schlesischen Baumwollspinnereien berichten über einen weiteren Rückgang des Beschäftigungsgrades wegen des Spinn- Verbots und wegen des Ausbleibens von Heeresaufträgen. Auch seitens der bayerischen Baumwollspinnereien und -Webereien werden die Arbeitsverhältnisse im November für schlechter als im Vormonat erklärt. Weniger befriedigend be- schäftigt sind dann ferner noch die Baumwoll-, Weiß- und Buntlvebereien Süddcutschlands sowie die sächsischen Vigogne- spinnereien. Aber auch in den anderen Zweigen der Textil- Industrie ist der Geschäftsgang wesentlich matter geworden. Für die Färbereien und Appreturanstalten wird z. B. ein Abflauen des Beschäftigungsgrades nicht nur dem 3>ormonat gegenüber gemeldet, sondern es wird sogar angegeben, daß der Zustand im November 1914 ein besserer war. Eine Ve- lebung der Beschäftigung trat nur nach diesen Angaben in den Roßhaarspinnereicn und in der Seidenstoffindustrie ein. Dieser außerordentlich schlechte Geschäftsgang spiegelt sich denn auch in den Arbeitsloscnzählungen des Textilarbeiter- Verbandes wider. In dieser Organisation waren noch zu Ende Oktober 6,0 Proz. von den männlichen und 13,9 Proz. von den weiblichen Mitgliedern arbeitslos, gegen nur 2,2 und 7,7 Proz. zu Ende Juni. In dem gleichen Maße stieg, auch die Zahl der Arbcitsloscntage. Sie erhöhte sich von 183014 im 2. Quartal auf 261060 im 3. Quartal, also um 78046. Im Laufe des Monats November hat sich zwar die Arbeitslosenziffer für beide Geschlechter zusammen von 11,4 auf 9,2 Proz. vermindert, sie ist aber trotzdem immer noch um das Zehnfache höher als zu normalen Zeiten. Diese hilfs- bedürftigen Textilarbeiter und-arbciterinnen, deren Lage in- folge ihres schmalen Verdienstes an und für sich schon nicht rosig ist, nachhaltigst zu unterstützen, ist Pflicht der Einzelstaaten und Gemeinden, die dies bisher noch nicht alle für nötig be- fundeu haben._ verlin und Umgegend. Teuerungszulagen für die Bauauschläger. Am Sonntag beauftragte die Branckenversammlung der Bau- onschläzer ihre Kommission, wegen Gewährung einer Teuerungs- zulage von 20 Prozent mit der Unternehmerorganisation in Ver- Hindling zu treten. Dieser Beschlutz wurde einstimmig gefatzt und damit begründet, datz die Bauanschläger nach einem Lohntarif arbeiten, der seit 20 Jahren in der Hauptsache unverändert geblieben ist. Eine Erhöhung hätte längst gefordert werden müssen. Wenn eS bisher nicht geschehen ist, so deshalb, weil die Kollegen durch fort- gesetzte Steigerung ihrer Arbeitsleistung ihren Berdienft erhöht haben. Angesichts der gegenwärtigen Teuerung erscheint eine Er- höhung der Tarifsätze nicht nur gerechtfertigt, sondern geboten. Ferner wurde beschlossen, die Branchenversammlungen wieder regelmätzig abzuhalten, und zwar am zweiten Sonntag jeden Monats bei Hummel, Sophienstr. 5. Tarifkündigung der Weistgerber und Färber. Der Tarif der Weitzgerber und Färber geht am 1. März zu Ende. Im vorigen Jahre ist, in Anbetracht des Krieges, der Kündigungstermin stillschweigend übergangen worden. Nunmehr sind Vorstand und Schlichtungskommission zu dem Ergebnis gelangt, datz der Tarif gekündigt werden soll. Der Wochenverdienst der be- treffenden Arbeiter ist derart unzureichend, datz ein auch nur be- scheidenes Auskommen ausgeschlossen ist. Eine Aufbesserung ist so- mit unumgänglich nötig. Em Antrag, dem Vorstande und der Schlichtungskommission das Recht zu geben, den Tarif am 1. Februar d. I. zu kündigen, wurde debattelos angenommen. Soziales. Durch eine unrichtige Auskunft auf der Polizei geschädigt. Ein Dienstmädchen in einem Milchgeschäft hatte seine Stellung zum 1. Oktober gekündigt. Aus Zureden durch die Inhaberin des Geschäfts blieb das Mädchen noch bis zum Nachmittag des 2. Oktober in der Stellung. Hierzu ließ sich das Mädchen, obgleich es eine neue Stellung für den 1. Ok- tober angenommen hatte, durch eine Auskunft, welche die Arbcitgeberin auf dem Polizeirevierbureau in der Göbenstraße erhalten hatte, bewegen. Diese Auskunft ging dahin, daß der Umzugstag für Dienstboten der 2. Oktober sei, datz also an diesem Tage die alte Stellung zu verlassen und die neue anzutreten sei. Im Vertrauen auf diesen Bescheid wollte das Mädchen am 2. Oktober nachmittags die neue Stellung an- treten, wurde hier aber zurückgewiesen. Die neue Arbeitgebern hatte, als das Mädchen am 1. Oktober ausblieb, die Stelle anderweitig besetzt. Das Mädchen konnte nun trotz aller Bemühungen im Monat Oktober keine Stellung mehr finden. Es klagte deshalb beim Gewerbegericht gegen seine frühere Arbeitgeberin auf Erstattung von Lohn, Kost- und Logisgeld für einen Monat im Betrage von 99 M.— Nach einer Auskunft, die das Gewerbegericht beim Polizeipräsidium einholte, würde bei vierteljährlich gemieteten Dienstboten nach KZ 42 und 44 der Gesindeordnung der 2. Oktober als Umzngstag zu gelten haben. während für monatswetse gemietete Dienstboten der 1. Oktober der Umzugstag ist, sofern der Dienst am ersten des vorhergegange- nen Monats angetreten und nichts anderes vereinbart ist. Dieser Fall lag hier vor. Da die Klägerin auf Veranlassung der Be- klagten einen Tag länger in der Stellung geblieben ist und dadurch die neue Stellung verloren hat, so war die Beklagte schaden- ersatzpflichtig. Auf Anraten des Gerichts verglich sie sich mit der Klägerin aus Zahlung von 60 M. Die Beklagte sprach ihr lebhaftes Bedauern aus, datz sie durch eine Auskunft bei der Polizei in diese unangenehme Lage gekommen ist. Das Arbeitsverhältnis der Statisten. Die Leitung des Deutschen Künstlertheaters hatte für die Auf- führung des Lustspiels„Die selige Exzellenz" eine Anzahl Sta- tistinnen durch die Theateragentin Schütz engagiert. Die Damen hatten in ihren eigenen eleganten Gesellschaftskleidern mitzuwir- ken und bekamen ein Honorar von je 3 M. pro Abend. Um das Engagement lohnend erscheinen zu lassen, hatte die Agentin den Damen eine vielleicht dreitzigmalige Aufführung des Stückes in Aussicht gestellt und der Spielleiter Plate« hatte sogar- gesagt, das Stück werde vielleicht fünfzigmal aufgeführt werden. Aber schon nach achtmaliger Aufführung wurde„Die selige Exzellenz" vom Repertoir abgesetzt und damit war die Beschäftigung der Sta- tistinnen zu Ende. Einige der Damen klagten beim Gewerbegericht auf Schadenersatz, weil sie nur in der Voraussetzung einer min- bestens dreitzigmalige» Aufführung das Engagement angenommen hätten. Mit zwei Klägerinnen verglich sich die Theater- leitung. Als dann aber eine dritte Dame klagte und noch weitere Klagen z-u erwarten waren, lehnte die Theaterleitung einen Ver- gleich ab und berief sich darauf, datz Statisten und Statistinnen immer nur für einen Abend engagiert werden. Das sei der herrschende Brauch. Ein Engagement auf längere Dauer oder eine Kündigung gebe es bei Satisten und Statistinnen nicht. Da? Gewerbegericht lietz sich vom Deutschen Bühuenverein und von der Genossenschaft Deutscher Büknenangeböriger Gutachten erstatten. Beide Gutachten sagen übereinstimmend, es sei orts- üblich, datz«Statistinnen nur tageweise und ohne Kündigung be- schäftigt werden. Da nach diesen Gutachten die Klage aussichtslos erschien, zog sie die Klägerin auf Anraten des Vorsitzenden zurück. Verlustlisten. Die Verlustliste Nr. 425 der preutzischen Armee enthält Verluste folgender Truppen: Infanterie usw.: Garde: 1. und 5. Garde-Regiment zu Futz' 7. Garde-Jnsanterie-Reg.; Garde-Grenadier-Regimenter Franz, Elisabeth und Nr. 5; Garde-Füsilier-Regunent(f. Lehr-Jnfanterie- Regtment). Lehr-Jnfanterie-Negiment. Grenadier- bezw. In- fanterie-, bezw. Füsilier-Regimenter Nr. 1, 2, 3, 7 bis einschl. 12, 18, 21, 49, 53, 64, 58, 61, 63, 66, 67, 70, 72, 73, 75, 77 bis einschl. 81. 84, 85, 86, 90, 92, 95, 109, III, 112, 113, 115, 128, 135, 138, 141 bis einschl. 148, 150, 151, 153(s. Reserve-Jäger-Bataillon Nr. 20), 155 bis einschl. 158, 160, 161, 162, 164, 165, 166. 167(f. In- fanterie-Negimcnt Nr. 54), 168, 170, 174, 176, 184, 185, 187, 190, 329, 330. Reserve-Jnfantcrie-Regimenter Nr. 9(s. auch Infanterie- Regiment Nr. 54), 11, 17 bis einschl. 20, 51, 52 ss. auch Gebirg--- Maschinengewehr-Abteilung Nr. 2171, 59, 61, 64, 65, 67, 68, 69, 71. 76 bis einschl. 84, 86, 87, 92. III, 201 bis einschl. 206, 208, 209, 213, 219 bis einschl. 223, 227 bis einschl. 233, 239, 251, 255, 256, 257, 259, 260, 263, 264, 266, 268, 269, 271, 272. Landwehr. Jnfanterie-Regimenter Nr. 2, 3, 4, 10, 11, 12, 18, 21, 51, 53, 57, 61, 74, 75, 76, 80, 84, 87(s. Reserve-Jnsanterie-Regiment Nr. 17), 93, IIS, 379(f. Festüngs-Maschinengewehr-Abteilung Nr. 14). Landsturm-Jnsanterie-Regiment Nr. 11. Jnfanterie-Ersatz Truppe Beverloo. Ersatz-Depot des 40. Reservekorps. Etappen-Hilfs- Bataillon Nr. 8. Jäger-Bataillone Nr. 1, 3, 4. 5(f. Reserve- Jäger-Bataillon Nr. 20), 9; Reserve-Bataillone Nr. 8, 20, 21, 24. Radfahrer-Kompagnie Nr. 154. Ersatz-Maschinengewehr-Abteilung des 16. Armeekorps; Gebirgs-Maschinengewehr-Abteilung Nr. 217; Feld-Maschinengewehr-Zug Nr. 55 ff'. Reserve-Jnsanterie-Regiment Nr. III); Festungs-Maschinengewehr-Abteilung Nr. 14(Königs- berg i. Pr.); Maschinengewehr-Kompagnie Nr. 2 der 16. Landwehr- Division(s. Festungs-Maschinengewehr-Abteilung Nr. 14). Kavallerie: Dragoner Nr. 2, 9, 11, 13, 21, 23, 24; Husaren Nr. 2, 4, 6, 16; Ulanen Nr. 9; Jäger zu Pferde Nr. 2, 9, 11; Reserve-Jäger zu Pferde Nr. 1. Feldartillerie: 3. und 6. Garde-Regiment; Regimenter Nr. 3, 9, 14, 20, 22, 31, 35, 39, 44, 46, 57 ff. Laudwehr-Feldartillerie- Regiment Nr. 4), 63, 75, 76, 101, 104, 225; Reserve-Regimenter Nr. 14, 20, 52, 62; Landwehr-Regiment Nr. 4; 1. Landwehr- Batterie des 14. Armeekorps. Fußartillerie: Regimenter Nr. 6, 8, 14, 16; Reserve-Regi- menter Nr. 2, 5, 11, 20. Futzartillerie-Bataillon Nr. 36; Batterien Nr. 190, 265, 292, 365, 436, 453, 515, 553b, 561. Mörser-Regi- ment Nr. 6. Pioniere: Regimenter Nr. 18 und 19; Bataillone: I. Nr. 4, II. Nr. 6, I. Nr. 10, II. Nr. 16. Ersatz-Bataillon des Pionier- Bataillons Nr. 10; Reserve-Kompagnie Nr. 52; 2. Landwehr-Kom- pagnie des 15. und 1. des 18. Armeekorps. Garde-Minenwerfer- Kompagnie Nr. 7. Minenwerfer-Bataillon Nr. 2; Minenwerfer- Kompagnie Nr. 7; Mittlere Minenwerfer-Abteilung Nr. 152. Verkehrstruppen: Eisenbahn-Regiment Nr. 1 ff. Reserve- Jnfanterie-Regiment Nr. 228). Feldluftschiffer- und Feldflieger- truppe. Train: Leichte Proviantkolonne Nr. 6 des 2. Armeekorps; Reserve-Proviantkolonne Nr. 12. Etappen-Fuhrparkkolonne Nr. 105. Munitionskolonnen: Jnfanterie-Munitionsiolonne Nr. 3 des Garde-Reservekorps, Nr. 3 des 3., Nr. 4 des 7. Armeekorps und solche der 58. Jnfanterie-Division; Reserve-Jnfanterie-Munitions- kolonne Nr. 22 des 9. Reserveiorps und Nr. 9 der 6. Reserve- Division. Artillerie-Munitionskolonne Nr. 3 des 1. Armeekorps, Nr. 7/15 des 22. Reservekorps und Nr. 190 der 17. Landwehr» Division; Neserve-Arkillerie-skffMunitionskolonne Nr. 102 des 41. Reservekorps; Futzortillerie- Munitionskolonne Nr. 4 des 27. Reservekorps; Reserve-Futzartillcrie-Munitionskolonne Nr. 1 der 3. Reserve-Division. Etappen-Munitionskolonne Nr. 59. »* Armierungs-Formationen: Bataillone Nr. 14, 28, 31, 50, 53, 81, 95, 102, 117; Ersatz-Kommando Kü stritt. Der Schluß der sächsischen Verlustliste Nr. 243 wird veröffentlicht, deren Inhalt wir schon vor einigen Tagen mitgeteilt haben. /■:;v fj,, jl i.■ """ i k kDndcrbcrq 11 Boonekarnp Maag-Bitler, .Js* Vareebn E Ende] JRan verlange ausdrücklich: I In derb erg •Boonekarnp 5EMPERIDEM oder einfach: linderberg Die Worte„Underberg",„Underberg-Boonekamp" sowie die Devise„Semper ldema sind tdr mlcb gesetzlicb geschützt und bürgen für die von mir seit nahezu 70 Jahren vertriebene vorzügliche Qnalitül H. Underberg-Albrecht RHEINBERG(Rhld.) Gegründet 1846. dDeuistbm tootfc Berantw. Redakt.: Alfred Wieletzv. Neukölln. Inseratenteil veramw. Tb. Glocke. Berlin. Drmi u. Vertag: Vorwärts Luchdr. u. Verlagsangati Paul Singer LcEo., Berlin SW. Hierzu 1 Beilage u. llnterhaltuogM" auo,§n\ut des Jorniiils" Derlllm Pollislilutt. m Mus öer Partei. Die Frage der wirtschaftlichen?lnnähcr«»g Deutschlands und Oesterreich-Ungarus. Mit der Frage der wirtschaftlichen Annäherung Deutschlands und Oesterreich-Ungarns beschäftigte sich am Sonntag, den 9. Ja- nuar, eine Sitzung der sozialdemokratischen Reichstagssrak- tion und des Parteiausschusses. Zu dieser Besprechung hatte der Vorstand unserer deutsch-ösierreichischen Bruder- Partei die dankenswerte Anregung gegeben. An der Sitzung nahmen als Vertreter des Parteivorstandes der deutsch-österreichischen Partei die Genossen Dr. Adler. Ellenbogen, Renner und Seitz und als Vertreter der österreichischen Gewerkschaflskommission die Genossen Domes, Grünwald und Hanusch teil; ferner hatten die Zentral- vorstände der deutschen Gewerkschaften je einen Vertreter delegiert, die Generalkommission der Gewerkschaften war anwesend und es war weiter eine Vertretung des Zeniralverbandes deutscher Konsum- vereine geladen und erschienen. Der Genosse Dr. Renner hielt das einleitende Referat, in dem er die Frage der deuiscd-österreichischen Annäherung, die zurzeit in Deutschland und in Oesterreich in der Presse und in Interessenten- kreisen vielfach erörtert wird, zunächst theoretisch behandelte, um dann darzulegen, daß auch das Proletariat ein großes Interesse daran hat. mit Aufmerksamkeit den Bestrebungen zu folgen, die sich bei den Bourgeoisien beider Reiche zwecks einer wirschast- lichen Annäherung bemerkbar machen. Es müsse daiür gesorgt werden, daß die Interessen des Proletariats bei den Verhandlungen zur Geltung kommen, damit die an und für sich berechtigten Bestrebungen auf eine Annäherung nicht in einer Weise vollzogen werden, die für das Proletariat eine Erschwerung seiner Existenzbedingungen mit sich bringt. Genosse C u n o w behandelte als zweiter Referent ergänzend da« besondere Interesse, das das deutsche Proletariat an diesen Fragen hat.— Auf die Referate folgte eine sehr interessante Diskussion, an der sich unsere österreichischen Freunde lebhaft be- teiligten. Die Verhandlungen hallen zunächst den Zweck, die Ein- leitung zu bilden für die Diskussion, die in den Parteien beider Reiche über diese Frage einsetzen wird. Die Referate wurden steno- graphisch aufgenommen und werden in Kürze im Druck erscheinen. Sondervorgeheu der Bremer Minorität. Unter der Ueberichrift.Spaltung in der Bremer Sozialdemokratie' berichtet die.Deutsche Kriegszeilung': .Zu den 29 Kredilverwcigercrn im Reichstage hatte auch der Vertreter Bremens, der Abgeordnete Henke, gehört, der auch in seinem Blatte, der„Bremer Bürgerzeilung', den Standpunkt der Fraklionsininderbeit mit großer Schärfe vertritt, ohne die anders denkenden Parteiangehörigen seines Wahlkreises in seinem Blatte überhaupt zu Worte kommen zu lassen. Die Anhänger der Mehrheit der Reichstagslraktion im Wahlkreise Bremen haben sich nunmehr zur Herausgabe eines eigenen Wochenblattes ent- schlössen, das unter dem Titel.Bremer Korrespondenz' am morgigen Sonntag zum erstenmal erscheint. Der Gewerkschaftssekrelär Niendorf zeichnet als Leiter dieses Blattes, das rn seinem pro- grammatischen Einführungsartikel der.Bürgerzeitung' vorwirft, daß sie mir ihrer Haltung die Parleiinteressen in gröbster Weise verletzte. Wörtlich heißr es da weiter:.Die Herausgabe der.Bremer Korrespon- denz' ist eine Notwendigkeit, die jene verantworten müssen, die unter Hintansetzung des Parlciimeresses ihre persönlichen Zwecke zu be- friedigen suchen.' Die Artikel der ersten Nummer belassen sich aus- schlreßlich mit dem Disziplinbruch der Zwanzig und den Angriffen des Bremer Parteiorgans auf die Wehrherl der Rcichstägsfraklion und der Partei.' Soweit wir unterrichtet sind, trifft es zu, daß die rechtsstehende Minorität in Bremen ein eigenes Nachrichtenblatt herausgibt. Die in der Notiz enthaltene Behauptung, daß die anders- denkenden Parleiangehörigen nicht zu Worte kommen, entspricht nicht den Tatsachen. Wiederboll haben Vertreter der rechtsstebendcn Minorität in längeren Artikeln ihre Ansichten der Leserschaft der »Bremer Bürgerzeitung' zum Ausdruck bringen können. Ein Gewerkschaftsführer zum Vorgehe« der Minderheit. Genosse K n o l l. der Vorsitzende des Sleinsetzerverbandes und MikgUed der Generalkommiision schreibt in einem„Unverant- liche Politik' bezeichneten Artikel in der.Allgemeinen Stein- setzer-Zeilung' vom 9. Januar 1916 u. a. über die Stellungnahme der Gewerkschaften folgendes: .Für die Gewerkschaften bleibt auf alle Fälle die Politik deS 4. August Leitstern und Richtschnur ihres künftigen Verhaltens. Für die Gewerkschaften gibt es in dieser Hinsicht keinen Um- fall, kein Hinübergleiten in die gegensätzliche Politik, ja nicht einmal eine stillschweigende Anerkennung einer solchen— und das selbst dann nicht, wenn die heulige Fraktions- mehrheil sich wirklich in eine Minderheit verwandeln sollte. Hier handelt es sich um eine Lebensfrage der Gewerk'chaflen. Und da keine sich ihrer Verantwortung bewußte Gewerkschafisleiinng für eine gewerkschaftliche Selbmordpolitik zu haben ist, so ist es gänzlich ausgeschlossen, daß es für die Gewerkschaften im geringsten ein Ab- weichen von der bisherigen.Kriegspolitik' gibt. Wonach sich die- jenigen politischen Kreise, die bisher auf ein Zusammenarbeiten mit den Gewerkschaften Wert gelegt haben, werden richten müssen. Es verlohnt nicht der Mühe, hierüber noch weitere Worte zu verlieren, da der Standpunkt der Gewerkschaften und ihr Interessen- kreis in dieser Frage so fest umrissen ist. daß jedes weitere Wort darüber nur zu Unklarheiten führen könnte. Wir hoffen auch nicht, daß sich in den Gewerkschaflskreisen Leute finden werden, die aus Angst ums.Mandat' umfallen, auch dann nicht, wenn es der Miiiderheit mit ihrer von Sachlichkeit und Ehrlichkeit vielfach nicht angekränkelten Methode gelin, en sollte, hier und da in Gewerkschafls- kreisen vorübergehend Verwirrung anzustiften. Die Gewerkschafts- Icitungen werden das schlechte Beispiel, das eine Anzahl ans ihrer Mitte hervorgegangener Politiker hier gegeben haben, hoffentlich nicht nachahmen. Es kann nun allerdings die Frage auftauchen, wie sich die zur heutigen Fraktionsmehrheit gehörigen Gewerkschaftler ver- halten sollen, wenn wirklich die Mehrheit sich zur Minderheit wandeln sollte. Sollen diese dann das üble Beispiel der Minderheit von gestern nachahmen und gegen die neue Mehrheit stimmen? Nachdem die bisherige Linksniinderheit selbst die Frakiions- d i s z i p l i n gcsvrengt hat und mithin eine solche nicht mehr vor- Händen ist, könnte man einer künftigen Rechtsminderheit keinen Vorwurf daraus machen, wenn sie so Handelle. Denn die DiS- ziplinbrccher sind und bleiben eben jene, nicht sie. Aber trotzdem möchte ein solches Verfahren obne weiteres nicht zu empfehlen sein, denn die große Masse sieht schließlich nur die Tal und nicht die Motive derielbcn. Und die Tal bliebe als schlechtes Beispiel be« steben, ein Beispiel, das Gewerkschaftsführer nicht geben sollen. Ebenso wenig aber haben diese Mitglieder der Fraktion sich darauf zu beschränken, ihr Nichteinverständnis mit einer neuen Mehrheit lediglich dadurch zu bekunden, daß sie das tun. was die zwanzig Disziplinbrecher nicht getan haben: sich der Stimme zu enthalten. Sie sind meiner Auffassung nach in er st er Linie Gewerkichafter und nicht Politiker und sie haben im Interesse der Gewerkschaften die unbedingte Pflicht, auch im Reichstage positive Gewerkschaftspolitik zu treiben. Das können sie nicht, indem sie sich der etwaigen neuen Mehrheit- schweigend unterordnen. Es bleibt ihnen also gar nichts anderes übrig— das müßten nötigenfalls die gesamten Gewerkschaften von ihnen verlangen— als in solchem Falle ihr Rcichstagsmandat niederzulegen und eine Wiederwahl da- von abhängig zu machen, daß ihre Wähler sie ausdrücklich ermächtigen, die Mittel zur Landesverteidigung solange z« bewilligen, als solche notwendig sind." An Stelle eines Kommentars verweisen wir auf eine Stelle in Shakespeares Hamlet II, 2._ Stellungnahme zur Fraktionshaltung. In der Kreiskonferenz des zweiten Berliner Wahl- k r e i s e s wurde gestern nach einem Referat des Abgeordneten Ge- nossen Richard Fischer nachstehende Resolution mit 57 gegen 17 Stimmen angenommen: Die Funktionäre des zweiten Berliner Reichstagswahlkreises er- klären sich mit der Haltung der 29 im Reichstage einverstanden. Sie bedauern, daß nicht alle 44 Abgeordnete der Minderheit geschlossen vorgegangen sind. Sie bedauern ferner lebhaft, den Abgeordneten ihres Kreises nicht unter dieser Minderheil zu finden. » Die Kreiskonferenz des Wahlkreises Niederbarnim billigte in ihrer am Sonnabend abgehaltenen Sitzung die Haltung der Kreisvertreter im Zentralvorstand, die für die dort zugunsten der Minderheit angenommenen Resolution gestimmt hatten. » Die Parteileitung des 16. sächsischen Kreises sChemmtz, Vertreter Noske) hatte die Ausschußvertreter aus den 32 Bezirksver- einen zusammenberufen, um sich mit den Vorgängen in der Fraktion zu befassen. Nach längerer Erörterung wurde bedauert, daß die FriedenSinlerpellalion unserer Fraktion bei den sozialistischen Par- teien der kriegführenden Staaten kein Echo gefunden habe. Die Bewilligung der Kredite wurde gebilligt, und be- dauert, daß Parteigenossen die vornehmsten demokratischen Grund- sätze preisgegeben haben. Der Ausschuß weist ferner alle Be- strebungen von links oder rechts, die auf eine Spaltung der Partei hinauslaufen, mit Entschiedenheit zurück, und fordert von allen Mitgliedern, daß sie Disziplin halten. Die Annahme der Erklärung erfolgte einstimmig. Mus Groß-öerlin. die �lrzthilfe für Kriegerfamilien. Die ärztliche Versorgung der Angehörigen von Kriegs- teilnehmern soll in Berlin, wo sie bisher von den Armen- ärztcn mitbcsorgt wurde, nun endlich in anderer Weise geregelt werden. In der letzten Stadtverordnetensitzung konnte auf die Anfrage, wie weit die Verhandlungen hierüber gediehen seien, der Magistrat eine erfreuliche Antwort geben. Zwischen Magistrat und Aerzteschaft war soeben eine Einigung zustande gekommen, so daß die Stadtverordneten demnächst eine Vorlage zur Beschlußfassung zu erwarten hatten. Sie ist jetzt fertiggestellt und wird in der nächsten Sitzung(am 20. Januar) beraten werden. Mit der Aerztekammer für Brandenburg einschl. Berlin will der Magistrat einen Vertrag schließen, der den in Berlin wohnenden Angehörigen von Kriegsteilnehmern die BeHand- lung durch die sich beteiligenden Äerzte sichert und der Ge- samthcit dieser Aerzte nach Maßgabe ihrer Tätigkeit eine Vergütung innerhalb des Höchstbetrages von 500000 Mark für das Jahr gewährt. Für die ärztliche Versorgung der Kriegerangehörigen, die eine Familienunterstützung, erhalten und keiner Krankenkasse angehören, wird das ganze Stadt- gebiet in 23 Arztbezirke eingeteilt, die mit den Bezirken der 23 Unterstützungskommissionen zusammenfallen- In jedem Bezirk werden alle in ihm wohnenden Aerzte(auch Spezial- ärzte) zur Behandlung der Kriegcrfamilien des Bezirkes zu- gelassen, wenn sie sich den Bedingungen des Vertrages unter- werfen, und jedem Angehörigen von Kriegsteilnehmern steht freie Wahl unter allen Äerzten des Bezirkes zu. Ist für eine Kricgcrfamilie bereits ein Arzt aus einem anderen Bezirk tätig, so kann dieser weiterbehandeln, falls er in seinem Bezirk zu den vertraglich beteiligten Aerzten gehört. Die Aerzte müssen alle kranken Kriegsangehörigen, die sich durch Ueberweisungsschein ihres Bezirksvorstehers oder des Militär- burcaus der Stadt als zur Inanspruchnahme berechtigt aus- weisen, in ihrer gewöhnlichen Sprechstunde und nötigenfalls auch in der Wohnung behandeln. Die Aerztekammer wird durch ihren Vorstand die Aerzte Berlins zur Beteiligung auffordern; eine Liste der Teil- nehmer soll später bekanntgegeben werden. Aus den von der Stadt bereitzustellenden 500000 M. wird die Aerzte- kammer den einzelnen Aerzten das ihnen zukommende Honorar auszahlen. Das Abkommen gilt nach dem vom Magistrat genehmigten Entwurf zunächst nur für das Vierteljahr vom 15. Januar bis 15. April und kann dann und nach jedem weiteren Vierteljahr immer um ein Vierteljahr verlängert werden, falls nicht gekündigt wird. Ueber den Vertrags- entwurf hat nun die Stadtverordnetenversammlung zu be- schließen._ Höhere Preise für Tclikateftwurst. Der Verband Deutscher Kaufleute für die Delilateßbranche hat an den Magistrat eine Eingabe gerichtet, in der um Zulasiung höherer Preise für Delikateßwurst ersucht wurde. Diesem Ersuchen ist stattgegeben worden in einem Schreiben des Magistrats an den Vorsitzenden des Vereins, in dem es heißt: .Wir haben beschlosien, auch weiterhin, und zwar vorläufig bis zum 1. Februar 1916, den Weiterverkauf von solchen Würsten zu höheren als in der Verordnung vom 14. Dezember 1915 festgesetzten Preisen zu gestatten, die auch im Frieden als Delikatessen hergestellt zu werden pflegten und sich nach Art ihrer Zusammensetzung bezw. Zubereitung als besondere Delikatesse darstellen und so einen höheren Preis rechtfertigen swie zum Beispiel Gäri'eleberwurst und Trüffelwurst). Für die Zeit nach dem 1. Februar 1916 werden wir Ihre Anträge in wohlwollende Er- wägung ziehen.' » Ueber die Vorgeschichte dieser Eingabe wird uns vom„Kriegs- ausschuß für Konsumenteninteressen' geschrieben.' Nach Blättermeldungen hatte der Verband der Delikateßwaren- Händler Deutschlands in einer Eingabe an den Berliner Magistrat Protest erhoben gegen die Höchstpreise für Delikateßwurst, deren Nor- mierung von den Verbrauchern zwar als viel zu hoch und als ein zu starkes Entgegenkommen an die Händlerwünsche empfunden, trotz- dem aber wenigstens grundsätzlich mit Genugtuung aufgenommen worden waren. Der Protest der Wursthändler geschah nun unter mehrfacher Betonung des„Interesses der Konsumenten ll) und Ver- braucher". In Wirklichkeit wurde eine wesentliche Herauffetzung oder überhaupt eine Beseitigung der auf 2,99'SU. festgejetzten Höchstpreise bezweckt. Angeblich sollten einige Wurstsortcn nicht unter 2,89 M. beim Fabrikanten erhältlich sein. Offenbar handelte es sich bei der Eingabe der Wursthändler, wie leicht verständlich, um eine Verfol- gung des Händler-, nicht des Verbraucherinreresses. Auch der als Schrecknis cm die Wand gemalte direkte Postbezug durch die Kon- sumenten bedeutete ja nur für die Händler nicht für die Verbrauchcr cine Gefahr. Machte die Eingabe also schon durch diese Verschiebung der Motive einen eigenartigen Eindruck, so erst recht durch die wei- teren Ausführungen. In der Presse war ein freisprechendes Reichs- gerichtsurteil über eine Hannoversche Wursthündlerin wegen Ueber- schreitung der dortigen Höchstpreise für Braunschweiger Mettwurst wiedergegeben worden, in dem als Begründung dekretiert sein sollte. daß die Gemeinden Höchstpreise nur für die am Orte gelvonncncn Erzeugnisse festsetzen dürften. Die Eingabe der Delikateßhändler be- hauptet sogar, daß der Wortlaut dieses Reichsgerichtsurteils im Verbandsburean vorliege und verlangte vom Berliner Magistrat, wieder„im Interesse der Konsumenten", schleunige Maßnahmen(gc- meint war die Aufhebung aller Wursthöchstpreise) und Beseitigung der Unklarheiten und Unsicherheiten infolge der neuen Entscheidung des obersten Gerichtshofes. Nun wird plötzlich bekannt, daß der Satz über die Berechtigung gemeindlicher Höchstpreisfestsetzungen, der in den Kreisen der deutschen Kommunen begreiflicherweise lebhafte Un- ruhe erweckt hatte, in dem Urteil überhaupt nicht ent- halten ist, und daß alle Bestürzung zum Glück unbegründet ge- Wesen ist. Man mutz daher unwillkürlich die Frage aufwerfen, ob zwischen den eigenartigen Unterlagen für die Wursthändlereingabe und der fast noch eigenartigeren unrichtigen Zeitungsmeldung nicht irgendwelche(natürlich.konsumentenfreundlichen') Beziehungen be- stehen könnten. Wiedereröffnung des städtische« Verkaufs von Gefrierfleisch. Gestern nachmittag ist von neuem in den städtischen Ver- kaufsstellen der'Verkauf von Gefrierfleisch(Schweinefleisch) aufgenommen worden. Die Preise entsprechen den für Schweinefleisch festgesetzten Kleinhandelshöchstpreisen. Die Ab- gäbe erfolgt gegen Vorzeigung der Berechtigungskarte nach den Bestimmungen der Bekanntmachung vom 6./30. August 1915, die im einzelnen aus den Anschlägen in den städtischen Verkaufsstellen erhellen. Es wird nur nochmals besonders darauf hingewiesen, daß der Ankauf von städtischen Fleischwaren zur Weiter- Veräußerung und gewerblichen Verarbeitung sowie zur Abgabe in Gastwirtschaften verboten ist und Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen der Verordnung mit hohen Strafen be- legt ist._ Der städtische Fleischverkauf hat die Preise für Hammel- fleisch ermäßigt. Es werden abgegeben Keule, Rücken und dicke Rippe zu 1,20 M., das übrige Fleisch zu 1,10 M. pro Pfund._ Verkehrsfragen. Die wegen des Baues der Nordsüdbahu erforderliche Umleitung der Linien der Großen Berliner Straßenbabn aus der südlichen Friedrichstraße, und zwar der Linien 53, 55. 96 durch die Linden-, Markgrafen-, Kochstraße, der Linien 43, 44, 79, 73 durch die König- grätzer, Hedemann-, Wilhelm-, Kochstraße erfolgt vom 12. Januar ab. Schwerer Unfall in cinenr Varite. Ein schwerer Unfall ereignete sich am Sonnlogavend während.der Borstellung im Villoriathealer (früher Sanssouci) in der Kotibuser Slraße 6. Dort lritt seit,.den.. Welhnachtsfeierlagen der chinesische Gnufter Kok Kam Tay mit seiner Frau auf. Er benutzt bei seinen verschiedenen Darbietungen u. a. auch ein Drahtseil, das über dw Milte des Saales nach der Bühne hin gespannt ist. An diesem Seil fährt er, an seinem Zops hängend, mittels einer Rolle von etwa 15 Meter Höhe nach der Bübne hinab. Nachdem der Chinese sich am Sonntag an seinem Zopf aulgehängt und seiner auf der Bühne stehenden Frau das Zeichen gegeben hatte, sauste er mit Blitzesschnelle über die Köpfe des Publikums hinweg. Als er die Saalmilte erreicht, ritz plötzlich das Seil und der Artist stürzte in das Publikum hinab. Hier fiel er auf einen Zuschauer, der eine blutende Kopfwunde erhielt. Mehrere Damen fielen in Ohnmacht. Der Artist ist mit einem blauen Auge davongekommen. Die Nummer ist aus dem Programm gestrichen worden. Zeugen gesucht. Personen, welche gesehen haben, wie dieser Tage in der Wilhelmstraße in Lichtenberg ein Knabe von' der Straßenbahn übelfahren und schwer verletzt wurde, werden um Angabe ihrer Adressen an Kliem, Lichtenberg, Augustastr. 4, gebeten. Mus öen Gemeinden. Butterkarte« in Pankow. Der Gemeindevorstand von Pankow macht bekannt, daß bis auf weiteres Buller nur gegen Vorzeigung der Brotkarten, und zwar auf jede Karte ein Viertelpfund pro Woche, jedoch nicht mehr als ein Psund aus einmal(aus vier Brotkarten) verkauft werden darf. Der Verkäufer ist verpflichtet, auf der Vorderseite jeder Brotkarte den Verkauf durch Ausdruck des Geschäslsstempels oder in sonstiger Weise kenntlich zu machen. Auf Brolkarlen, die einen solchen Vermerk tragen, und auf Zusatzbrolkarten darf in keinem Geschäft Butler verkaust werden. Es wird ausdrücklich hervorgehoben, daß der Besitz der Brot- karte ein Recht auf Lieferung einer bestimmten Menge Butter nicht begründet. Speckverkauf in Schönow. Heute beginnt die Gemeinde mit dem Verkauf des angekauften Speckes. Der Verkauf findet von 1—4 Uhr bei Ehrke, Berliner Slraße stall und wird regelmäßig am Dienstag jeder Woche fort- gesetzt. Der Speck wird»ur gegen Vorzeigung der Spcckkarlen, die heule von 19— 12 Uhr im Gemeindebureau zu haben sind, abge- geben und zwar in Mengen von'/z bis 3 Pfund pro Kopf und Woche Der Preis belrägl für selten geräucherten Speck 2,29 M. und für fetten gesalzenen 2 M. pro Pfund. GerichtSAeitung. Aus einer Heiratsfabrik. Heitere Geschichten aus der großen Werkstatt der Ehe- vermittelung kamen gestern wieder einmal in einer Verhand- lung vor der dritten Strafkammer des Landgerichts I zur Sprache. Wogen Betruges in einer ganzen Reihe von Fällen war der Kaufmann Paul Grimm in Schöneberg, Inhaber des„Bureaus Ideal Paul Grim m". Unter den Linden 43, angeklagt. Der Angeklagte hatte sich auf das ganz einträgliche Geschäft des Ehestifters gelegt, d. h. er bchchränkte sich darauf, in Anzeigen in Prov'nzblättern eine nur in seiner Phantasie bestehende Schöne als heiratslustig dem verehrten Männevvolke anzubieten. Es war immer eine junge linderlose Witwe mit einem Vermögen von 175 999 M., stattliche sympathische Erscheinung, musilalisch, tadellosen Rufes, völlig liniderlos. deren �rsuerzahr abgelaufen wäre und die sich nun wieder verheiraten wallte. Begreiflicherweise fanden sich gar viele, denen daran ßc= legen war, die Braut heimzuführen. Es entwickelte sich dann eine höchst ergötzliche Korrespondenz mit den Heiratskandidaten uirb dein Ehestifter, der nach einer sorgfältig ausgearbeiteten Schablone des weiteren die Vorzüge der jungen Witwe schilderte, seine Lobsprüche stellenweise sogar bis auf ihre Füße ausdehnte und schließlich ganz bescheiden und mit der Versicherung, daß er „fair und gewissenhaft" diese delikaten Dinge bearbeite, seine eigenen Bedirrgungen zur Sprache brachte. Diese gingen dahin, daß er 1 Proz. des bei der Eheschließung von der Witwe ein- gebrachten Heiratsgutes und außerdem für Spesen, Auslagen und dergleichen 200 M. beanspruchte, wovon er 100 M. als sofortige Anzahlung verlangte. Gegen solche Vorausbezahlung sträubten sich gewöhnlich die heiratslustigen Männer. In solchen Fällen hatte der Angeklagte wieder einen Schoblonenbrief zur Hand; darin setzte er in verbindlichster Form auseinander, daß er sich auf bloße Versprechungen nicht einlassen könne, da er von den Damen, die er unter die Haube bringe, eine Provision nicht verlangen könne und die Herren der Schöpfung ihm schon häufig unliebsame lieber- raschungen in l»ezu� auf die versprochene Provision bereitet hätten. Nach§ 656 B.G.B, sei ein Ehevermittler ja auch ziemlich vogelsrei, denn dieser besage:„Durch das Versprechen eines Lohnes für den Nachweis der Gelegenheit zur Eingehung einer Ehe oder für dte Vermittelung des Znstandekommens einer Ehe wivd eine Ver- bindlichkeit nicht begründet." Man werde es daher gütigst nicht als Beleidigung auffassen, wenn er von seinem Verlangen nach einer Anzahlung nicht abweiche. Hatte er wenigstens zum Teil diesen oder jenen Heiratskandidaten zur Einsendung von Geld bewogen, dann ging die Komödie weiter: er teilte den Bewerbern mit, daß die� begehrenswerte Wittib bereit sei, sich mit ihrem zukünftigen Bräutigam zur Augenscheinnahme, ihm auf halbem Wege ent- gegenkommend, zu toeffen. Dieser wurde nach Eisenach, jener nach Görlitz, ein dritter nach Güstrow bestellt und alle Einzelheiten des Zusammentreffens, bei dem der Angeklagte als Regisseur mit- wirken sollte, schriftlich besprochen. Natürlich beanipruchte der ?lngeklagte für seine Regie an Ort und Stelle Reisekosten und Tagegelder. Wenn dann die hoffnungsreichen Ehekandidaten in froher Erwartung an Ort und Stelle eintrafen und sehnsüchtig tmf den Augenblick warteten, wo sich die Tür des Hotels öffnen und der Angeklagte als Agent Amors die tugendsame Witwe feierlichst zu geneigtem Wohlwollen empfehlen würde— dann mußten sie bald einsehen, daß sie die Reise vergeblich gemacht hatten, denn weder von dem Angeklagten noch von seiner Schutzbefohlenen war die geringste Spur zu enddecken. Einer von den Betrogenen hat 1 volle zwei Tage in Eisenach gewartet und erst als er auf alle seine dringenden Telegramme an den Angeklagten keine Antwort erhielt, betrübten Herzens die Rückreise angetreten.— Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten 2 Jahre 6 Monate Ge- fängnisundZJahreEhrverlust. Er meinte, die Briefe des Angeklagten wären eigentlich wert, gesammelt und als moderne Märchen herausgegeben zu werden. Das Gericht ver- urteilte den Angeklagten nach dem Antrage des Staatsanwalts und verfügte die sofortige Ver- Haftung. Mus alier Welt. Wieder Methylalkobolvergiftungen. Wie aus München ge- meldet wird, hat in Penzberg eine schwere Methylalkohol- Vergiftung mehrere Todesopfer und schwere Erkrankungen ge- fordert. Nach dem Genüsse des von dem Händler M o v e r t her- gestellten Schnapses sind bereits drei Personen gestorben und zwei schwer erkrankt. Die Toten sind eine Tage- löhnersfrau und zwei Bergleute, Väter von mehreren Kindern. Der Händler Modert wurde verhaftet. Eine gerichtliche Kom- Mission ist zur Untersuchung eingetroffen. Der Schnaps soll an- geblich aus Meerrettich hergestellt gewesen seim Selbstmord eines Rechtsanwalts. Der Rechtsanwalt Dr. Vetter in Dresden hat unter aufsehenerregenden Umständen Selbstmord begangen. Er hatte am Sonnabendmittag Termin beim Ober- landesgericht in einem Prozeß mit der Albert-Theater-Gesellschaft, deren Vorstand er eine Zeitlang war. Während der Verhandlungen wurde er vom Vorsitzenden hur Ordnung gerufen, weil er gegen eine Zeugin sehr erregt heftige Vorwürfe erhob, und ersucht, den Saal zu verlassen. Er begab sich auf den Flur hinaus, wo er sich erschoß. Dr. Vetter, der im 47. Lebensjahre stand, war in Dresden durch die Gründung der Albert-Theater-Gesellschaft eine bekannte Persönlichkeit geworden. Raubmord. In der Nähe von Stuttgart wurde am Sonntag im Feuerbacher Wald der SSjährige Fabrikarbeiter Wetzler mit durchschnittenem Hals und einge- schlägenem Schädel aufgefunden. Es liegt Raubmord vor. Dem Ermordeten wurde der Wochenlohn geraubt. Als der Tat verdächtig wurde ein 18 Jahre alter Arbeiter, der mit Wetzler zusammen arbeitete, verhaftet. Eine aufgehobene Entmündigung. Die Enimündigung des venezuelaischen Plantagenbesitzers und deutschen Staatsangehörigen Rudolf Haß ist auf Betreiben seiner Vormünder, des Recht?- amvalts Dr. Meyer-Hamburg und des Rcichstagsabgeordneten Genossen Adolf Thiele-Halle, durch Beschluß des hamiburgischen Gerichts für Entmündigungssachen vom Dezember 1915 a u f g e- hoben worden. Bekanntlich wurde der„Fall Haß" wiederholt im Reichstage, zuletzt im Mai 1914, erörtert. Eröffnung des�.HaunstcintunnclS. Der Haunsteintunnel und mit ihm die verbesserte Linie Tis fach— Ölten auf der Strecke Basel— Ölten— Gotthardbahn ist dem Verkehr über- geben worden. Die neue verbesserte Linie hat eine Länge von 18 Kilometern, darunter den 8136 Meter langen Haunsteintunnel. ExplosionSunglück in einer amerikanischen Pulverfabrik. Wie aus Philadelphia gemeldet wird, hat eine furchtbare Explosion in der Pulverfabrik Dupont in Carneyspoint stattgefunden. S e cki s Arbeiter sind getötet, viele verletzt. Die Fabrik beschäftigte 15 000 Arbeiter in Tag- und Nachtschichten bei der Herstellung von rauchlosem Pulver und Pikrinsäure. Die Ursache der Explosion tjt noch nicht festgestellt._ öriefkaften der Redaktion. Z. O 12. I. Dasür ist keine Altersgrenze festgesetzt. 2. Eine bestimmte Norm iit dafür nicht gegeben; jeder kann Anspruch daraus erbeben. 3. Eine bestimmte Grenze ist unleres Wissens nicht gezogen. 4. Ein Gesuch um Unterstützung ist zwecklos. Wenn Sic dienslbeichädigt sind, müssen Sic sormeüen Antrag aus Rente stellen.— I. B. LS. Deshalb kann Ihnen die Unterstützung nicht entzogen werden.— O. S. 56. Der Kriegsdienst wird aus die aktive Dienstzeit angerechnet.— E. III. Ohne lthrc Ein- willigung nicht.— I. H. 100. Da die Kündigung Ihrem Ehemann zugestellt ist, sind Sie zur Räumung der Wohnung verpslichtcl. — E. K. 3. Wenn die Beiträge weitergezahlt sind, besteht Anspruch aus Krankengeld sür die Zeit, in der Ihr Mann lazarettkrank war.— W. T. 3. 1. Ja. 2. Gewerbeordnung.— E. B. G. 100. Da Ihre Frau den Vertrag nicht unterschrieben hat, mußte der Wirt Ihnen die Kündigung rechtzeitig zustellen. Ihre Frau muß dem Wirt mitteilen, dag seine Kündigung nicht rechtsgültig ist, weil sie Ihnen nicht zugestellt wurde.— R. 302. Mindestens 50 Mark pro Monat.— Eh. 19. I.Ja. 2. Das Jahreseinkommen des Mannes muß den Betrag von 1500 Mark überstiegen haben. 3. Die Frau erhält auf Grund der gellebten Marten des Ehemannes nur Witwenrente, wenn sie selbst invalid ist; aber die Kinder erhalten jetzt die Waisenrente. Antrag ist beim Versichernngsamt Berlin, Klosterstr. K5/67, unter Vorlegung der Ouittungskarten cm- zureichen. 4. Nein._ ZLetterauSsichten für daS mittlere Norddeutschland btS Mittwoch mittag. Mild und teilweise ausklarend, jedoch vorwiegend trübe, mit wiederHollen, im Norden vielfach starken, im Süden schwächeren Regcnfällen. # Unserem langjährigen Ver- Ireter des Kreises, dem Reichs- A ($> tagsabgeordncten® Fritz Zubeil| zu seinem 68. Geburtstage W herzlichen Glückwunsch!® Mehrere Genossen S des Kreises. F Äseieeiieeeeeeecete ftT Unserem Genossen G G Karl Sitner«»d Fraa| ch die besten Glückwünsche zur zi G Silberhochzeit. 102b G Die Funktionare des 6. Viertels;£ /i\ des Soz. Wahlvereins Lichtenberg. Jn \ �SSSSSSSSSSSSSSSS� Am 8. Januar verschied nach langem, schwerem Leiden mein geliebter Mann, unser guter Vater, Schwager und Onkel, der Schriftsetzer Max Gähne im Aller von 4« Jahren. Die? zeigt tiesbetrübt au Witwe Emma Gähne nebst Kindern. Di« Beerdigung findet am Mittwoch, den 12. Januar, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Halle des St. MarkuS-KirchhoseS in WilhelmSberg aus statt. 108b Atp Sonnabend, den 8. Januar starb nach langer, schwerer Krank- heit unser lieber Kollege, der Schristsetzer 112b Max Gähne im Alier von 46 Jahren. Mit ihm verlieren wir einen Mitarbeiter, der tn der ganzen Arbeiterbewegung immer in den vorderen Reihen stand. Durch sein offenes und kollegiales Wesen hat er sich bei uns ein gutes Ge- denken gesichert. Ruhe in Frieden: DaS Personal der Königl. Hofbuchdruckerei E.S.Mittler& Sohn, Berlin. SozIaldemokratlsoliepffalilvEreln I. d. Uerl. Reiclisiagswatilkreis. Frankfurter Viertel. Bez. 264. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Schrist. setzer Max Gähne, MarkuSstr. 25, gestorben ist Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 12. Januar, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Halle des Markus- Kirchhofes in WilhelmSberg aus statt. Der Borstand. TYPOGR&PHIi. Den werten Mitgliedern die traurigeNachricht, daßunsec treues Mitglied, Kollege Max Gähne im 46. Lebensjahre verstorben ist. Ehre seinem Andenke» k Beerdigung siehe vorstehend. Recht zahlreiche Beteiligung, besonders der Sänger, erwartet ver Vorstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß am 7. Januar, abends 6'/, Uhr, nach langem, mit großer Geduld ertra- genen Leiden mein innigstgeliebter Mann, unser Ireusorgendcr Vater, mein guter Sohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Metall- schlcifer 1I6A ttuxo Zckaeiäer saust entschlafen ist. Ida Schneider nebst Töchter. Witwe Marie Schneider als Mutler und Anverwandte. Neukölln, den 7. Januar 1916 Thüringer Str. 15. Die Einäscherung findet am Mittwoch, den 12. Januar, nach- mittags 3 Uhr. im Krematorium in Treptow, Baumschulenweg statt. SozialdemokrafischerWalilyereiD Mölln. Am 7. Januar» verstarb unser Parteigenosse Hn�o Schneider (Thüringer Str. 15, 12. Bezirk). Ehre seinem Andenke«: Die Einäscherung findet am Mittwoch, den 12. Januar, nach- mittags 3 Ubr, im Krematorium zu Baum'chulenweg, Ktesholz- straße, statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. sepkln de? Fpeidenkep Nlp Feobp- bsstattiing ssn Berlin. Am 7. Januar verstarb unser Mitglied, der Metallschleiser Hnxo Schneider (Neukölln, Thüringer Str. 16) im 46. Lebensjahre. Ehre feinem Andenken! Die Mnäfcherung findet am Mittwoch, nachmittags 3 Uhr, im Krematorium zu Treptow statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 281/6 Her Vorstnnd. prn lktzten Zcheidkgruß! unserem lieben Kollegen HuZn Schneider gewidmet von seinen Kollegen der l». T. W.. Schleiferei. Ehre seinem Andenke»! VEPband öbp KupIepsctiniiedB Deutschlands. Filiale Berlin. Am 8. Januar verstarb an Ge- hirncntzündung unser Kollege Lmil Pannier im Aller von 20 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 12. Januar 1916, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des LichtcnbergerGemeinde-Frted- Hosts in Marzahn aus statt. Um rege Beteiligung bittet Der Filialvorstand. Zentpal-KpaskEn- u. StfirbEkasss der deotseben WageDbauer. VersicherungSv. a. Gegenseitigkeit. Drisverwaliung Neukölln I. Am 7. Januar starb unser Mit- glied Wilhelm k�Iemminx. Die Beerdigung hat bereits stattgefunden. Am 18. Ottober 1916 siel im Felde unser Mitglied Bolsslw Zebrowski, Wir werden ihr Andenlen stets tn Ehren halten. 267/1 Die Ortsverwaltuug. Neukölln I. Nach langen, schweren, mll Ge- duld ertragenen Leiden verstarb am 8. Januar er., vormittags 10 Uhr, mein innigstgeliebter Mann, unser herzensguter Vater, Bruder, Schwager und Onkel, der Tischer �.uxust Gutsehe im 64. Lebensjahre. DicS zeigen, um stilles Besteid bittend, tiestetrübt an Im Namen der Hinterbliebenen Lina Gutfche geb. Loeffler nebst Sohn und Tochter, Naunynstr. 45. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 12. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Thomas-KirchhosS, Her- mannstraße, auS statt. 103b DeiMp flolzarbeiterTerband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler iugust Gutsehe Naunynstr. 45 im Aller von 64 Jahren ge- storben ist Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 12. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle oeS Friedhosts der Thomas- Gemeinde in Neukölln, Hermann- straße, auS statt. 81/10 Die OrtSverwaltnng. Spar-o. Mrepein„Solidaria". Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser langjähriger Rendant August Gutsche am 8. Januar verstorben ist Beerdigung: Mlltwoch 3 Uhr von der Leichenhalle des Thomas- Kirchhofes auS. 281/6 Der Vorstand. Danksagung. Allen Freunden und Verwandten, besonders den Kollegen und Kolli» ginnen der A. E.-G., Abteilung Meister Schappo, sowie dem Lauben- verein St. Georg sür die Beteiligung an der Beisetzung meines lieben ManneS 105A Wilhelm Richter meinen herzlichsten Dank. Wwe. Lisbeth Richter, Pankstr. 88. ßeutseliep MelaUapbeiter-Verbaiid Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht. daß unser Mitglied, der Schmied Hnxo Flechner (Oberschöncweidc, Wattstr. 12) am 7. Januar gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 11. Januar, nach- mittags 3'/« Uhr, von der Leichen- balle de« Gemeinde-Friedhosts in Oberschöncweide aus statt. Rege Beteiligung erwartet 110/8 Die Ortöverwaltung. üenlsehEP BauarbEller- Verband. Zweigverein Berlin. Bezirk Norden I. Am 7. Januar verstarb unser Mitglied, der Hilssarbeiter Adolf Sander. Die Beerdigung findet heute, Dienstag, nachmittags st, 4 Uhr, von der Halle deS Gethsemane. Kirchhofes tn Nicderschönhausen- Nordend auS statt. Um rege Beteiliaung ersucht 140/2 Die örtliehe Verwaltung. Statt jeder besonderen Keldung. Hiermit allen zur Nachricht, daß mein lieber Mann, unter guter Vater, Groß- u. Schwiegervater, der Tischler und Parkett- sußbodenleger 113b Wilhelm>Vendt plötzlich am 10. Januar infolge tzerzlähmung im Alter von 64 Jahren verstorben ist Dies zeigen tiesbetrüht an Wwe. Frau Friederike Wendt und Kinder. Die Beerdigung findet mn Freitag, den 14. Januar, nach- mittags 3 Uhr, auf dem neuen St. Paulsklrchhoi. Plötzcnsee, statt. kerliner Danksagung. Für die Teilnahme an der Be- erdigung meiner von mir innigst ge- liebten Mutter lobanng Noack geb. Straube sage ich allen meinen tiesgesühlien Dank. Max Noack, Untffz.Ldst-Btl., Schwedt a.O.,II1/2». zur Zeit im Felde. Am 17. Juli fiel als weiteres Opfer des Weltkrieges unser lieber Mitarbeiter, der Rotations- Maschinenmeister Gustav Bodenthin im 31. Lebensjahre. Ruhe sanft! Beerdigung Mittwoch, den 12. Januar, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Garnison« Friedhofes, hinter der Hasen- Heid«, am Tempelhoser Feld. Das Personal der 109b Buchdrnckcrei H. S. Hermann. Im treuen Gedenken zn seinem 87. Geburtstage 11. Januar 1S16. AIS Opfer des furchtbaren Welt- kriegeS siel am 22. September 1914 unser inniggeliebter, hoffnungs. voller Sohn, der Gefreite Paul Duphe 2. SanitätS-Kompagnie. Alles würd' ich geben Dir, Könnt ich heut' bringen meine Wünsche Dir. O könnten wir noch einmal siebend Dich umfassen, Nur noch ein einztgeSmai in Deine treuen Augen sckau'n. Vergeblich unser sorgen u. Hoffen, Alles sollte nur I-in sür Dich, Deine Zulunst sollte stehen Dir offen. Nun ruhest Du in stemder Erde in Feindesland, Ach, Du bist zu früh geschieden, Schuldlos sankst Du in daS Grab, Deiner allen Eltern Frieden Nahmst, geliebter Sohn, mit Dir hinab. In schmerzlicher Erinnerung Deine trauernden filtern J. Dnpke u. Fraa Dnpke geb. Balz, Berlin-Wilmersdorf. Heines Werke - s sznde 4 Morl- Buchhandlung BonvSrt» Danksagung. Für die niclen Beweise herzllcher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, meines guten VaterS Karl Lugscbeider, sagen wir allen Verwandten, Freunden, Belannten, dem Wahlverein Neukölln und dem Holzarbeiterverband, ins- besondere Herrn Stadtverordneten Karl Leid sur di« trostreichen Worte am Sarge des Entschlafenen sowie dem Männcrchor des Transport« arbeitcrverbandeS für den ftimmung»- vollen Gesang unseren herzlichsten Dank. 111b Elise Lugschcider nebst Tochter. ~ mit Hustenansäl- iQ len u. starker Ver- fXj.ck/ schleimung findet Jtnihjti/t wirksame Hilfe S iMtSyliUl durch Reichels Echte Asthmatropfen, berühmt durch ihre Wirkung Zahlreiche Erfolgsberichte. Fl. 2.50 91. Otto Reichel, Berlin 43, Eisenbahnstr. 4. Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Hastpstich t. Bilanz per 30. September 1915. Aktiva. 1. Kassalonto..... 3 963,13 2. Bankkonto..... 21 783,28 3. Warenkonto..... 7 723,30 4. Eiiiricht,.Kto, 13 061,60 Abschreibung. 3061,60 5. Gespanntonto 11 550,— Abschreibung. 3 050,— 6. Gespannunkostentonto. 7. BetriebSuntost enkonto. 3. Konto pro Diverse.. UT 10 000,— 8500,— 825,23 75,— 610,— 53 429,96 17 080,— 29 400,— 550,— 1400,- 4 999,96 Passiva. 1. Konto pro Diverse.. 2. DarlehnSkonto... 3, ReservesondSkonto.. 4. Konto der Genossen. 6. Gewinn- u. Verlustkonto alter Saldo 2 030,22 neuer. 2 969,74 M, 53 429,96 Im Lause deS Geschäftsjahres 1914/15 ist kein Genosse beigetreten und keiner ausgeschieden, 102/3 ES gehörten der Genossenschast am Schluß des Geschäftsjahres 1914/15 14 Genossen an mit einer Gesamt- Hastsumme von 1400 Mark und dem gleichen Geschäftsguthaben. Die Hast- summe hat sich nicht vermehrt und nicht verringert. Berlin, den 10, Januar 1916. Der Verstand. A. Michaelis. Paul Lenz. LpeÄstsrlN Dr. med. IVockenfaß, Friedrichstr. 125(Oranienb. Tori, für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata-Kur(Dauer 12 Tage), Blutuntersuchung. Sohnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufsstörung. Teilzahlung. 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