Nr. 84. Erscheint täglich außer Montag«. Preik nränumerando: Vierlei- jährlich a,30 Marl, monatlich 1,10 Sit., wöchentlich 28 Pfg. frei in'« Hau«. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonnlags- Nummer mit illustr. Sonntags-Beilage„Neue Welt" 10 Pfg. Pvst-Abonnement: s.aoSU. pro Quartal. Unter Kreuz- band: Teutschland u. Oesterreich- Ungar» 2 Ml., für das übrig« AnslandZMl.pr.Mona«. Elngetr. w der Post-geitnngs- Preisliste für i-st unter Nr.«n» 11. Iahrg Infertions-Bebühr beträgt für die fuiifgefpaltene Pciitzcils oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Versaminlungs- Anzeigen 20 Pfg. Snferale für die nächste Nummer uiüsseu bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn- und Festtagen bis s Uhr Vor- mittags geöffnet. Lenifprtcher: Amt>, Vr. HOS, Telegramm- Adresse: «Soiialdemokrat Kerliii!' Verliiier Volksdlatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SV.lg. Aeuth-Strake Z. Ftn Spiegel ves VUtSlcmds. Der schottische Dichter B u r n s hat in einem seiner Lieder gesagt: „Wenn doch die Gabe uns würde beschert, Uns so zu sehn, wie Andere uns sehen." Und iil der That nichts ist lehrreicher als das Urtheil Anderer über uns. Was von dem Einzelnen gilt, das gilt natürlich auch von Gruppen und Völkern. Zu dieser Bemerkung veranlaßte uns ein Artikel, betitelt„Ein Konsularbericht", den wir im „Philadelphia-Tageblatt" vom 30. März d. I finden. Der Artikel ist so interessant, daß wir ihn voltständig wieder- geben. Er lautet: In den Berichten, die die auswärtigen Konsulate der Regierung einschicken, finden sich oftmals recht interessante Mittheilungen über die Lage der Arbeiter des betreffenden Konsulardistrikls. So berichtet der amerikanische Kousiil I. C. M 0 n a g h a n in Chemnitz über die Lage der sächsischen Bergleute das Folgende: „Der Durchschnittslohn pro Person und Jahr betrug in den Braunkohlen-Distrikten Sachsens im Jahre lLOL 147,80 Tollars. In der Nähe von Chemnitz war der Jahres- lohn 171,44 Dollars und bei Dresden 13S,1S Dollars. Diese Berechnung basirl auf den Löhnen, die den Männern, Frauen und Kindern gezahlt werden, die in den Minen beschäftigt sind. Die Löhne von Erwachsenen in den Steinkohlen-Bergwerken sind jährlich im Durchschnitt die folgenden: Chemnitz 203,40 Dollars, Dresden 261 Dollars und Zwickau 230,50 Dollars." Zu diesen Ziffern, die unserer persönlichen Kenntnip nach wesentlich zu hoch angegeben find, bemerkt der amerikanische Konsul folgendes:„Wie ist eS möglich, daßMenschea von solchen Löhnen leben können? das ist die Frage, die sich natürlicherweise aufdrängt. Die Miethe ist in den Bergen nicht nur billig, sondern thalsächlich nichts. Tie Häuser sind, das ist richtig, roh und einfach, aber ihre Bewohner leben selten oder niemals unglück lich. Ihr Brot ist reich an Roggen, und besser gebacken als bei uns. Kartoffeln sind viel billiger als i n A in e r i k a. Kleidung aller Art und Schuhe und Stieseln kosten weniger als die Hälfte, oslmals nur ein Viertel dessen, was sie bei uns kosten. Sie sind derber und schwerer, aber zweifellos besser geeignet für die Feld- und Minenarbeit. Es scheint unglaublich, daß die Gegen st än de so billig verkauft werden können, wie man 'ie hier verkaufen sieht. Es ist eine irrthümliche An- chauung, daß die erwähnten Löhne Hungerlöhne genannt werden können. Es ist wahr, daß die Landbevölkerung sehr wenig Fleisch ißt. aber die genaue Kenntniß des häus- liehen Ledens der Deutschen offenbart uns die Thalsache, daß viele der Leute Vegetarianer sind, durchaus nicht darum, weil sie müssen, sondern weil sie Anhänger dieser Lehre sind. Jeder Doktor, den ich in den Gewerkschaften !. Feuilleton. 13 Der Jude. Deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünszelinten Jahrhunderts. Von C. S p i n d le r. „Der Reiter hat nichts mit Dir fiind Deinem Volke gc- mein," versetzte Tiether's Gattin nicht ohne Hochmuth.„Er ist ein Heiliger unserer Kirche, ein Streiter für den Glauben, der allein selig macht, und man nennt ihn den frommen Ritter Georg." „Der Ritter Georg?" fragte Esther schlau und ihre Bewegung verbergend:„ich danke Euch, ehrsame Frau. Wie glücklich seid Ihr, solch' ein Bild Euer zu nennen! Ter Maler muß den Heiligen selbst gesehen haben, denn dem schönen Ritter sieht gewiß kein Sterblicher gleich." „Kein Jude freilich?" spottete Margarethe bitter:„Der Maler fand aber unter den Rechtgläubigen das beste Vor- bild, meinen... hier erröthete sie schnell... meinen Stiefsohn." Esther sah sie überrascht an, mußte aber der herrischen Geberde gehorchen, mit der Margarethe sie aus dem Ge- niache wies. Gesenkten Hauptes schlich das Mädchen nn- bemerkt, wie sie gekommen, über, die inarmorgefaßten Treppen zur weiten Hauspsorte hinaus. Schnell flüchtete sie über den Liebfrauenberg weg, wo die vor dem Stifte spielenden Jungen ihren kindischen Mulhwillen durch Schimpsworte und Steinwerfcn gegen sie äußerten, weil sie an dem blau- gestreiften Schleier die Jüdin erkannten. Wie ein Reh eilte sie an den Hütten der Scherer, gegenüber dem Römer, vorbei, vor denen Meister und Gesellen mit allerlei müßigem Gesindel in herkömmlichem Sonnlagsgeschwätz verkehrten, und gern ihren schalen Witz auf Kosten aller vorüber- gehenden Weiber übten. Nicht eher schritt sie langsamer, über Naturheilverfahren sprechen hörte, mißbilligte den zu großen Fleischgennß." Soweit der Chemnitzer Konsul der Vereinigten Staaten, dessen Schilderung über den Fleischeshaß der sächsischen Berg- lente in deren Reihen nicht geringe Heiterkeit hervorrufen wird. Daß die Bergleute und Weber Sachsens nicht häusig Fleisch auf ihrem Tisch sehen, ist sicherlich richtig? gefälscht und gelogen aber ist, daß sie das aus freier Wahl thun. Wenn sie kein Fleisch genießen, so thnn sie es deshalb, weil sie keins kaufen können, und weil zwei Menschenalter Elends sie schon so an die Karloffelnahrung gewöhnt hat, daß sie keine kräftigere Nahrung verdauen können. Es ist die„verdammte Bedürsniß- losigkcit" der sächsischen Arbeiter, die dort die niedrigen Löhne ermöglicht, und einen solch himmelschreienden Zustand wagt jener Konsul als ein Paradies zu schildern, in das er gerne auch die amerikanischen Arbeiter hineinführen möchte. Jener Konsularbericht gehört auch in die Serie von B* strebungen, die Lebenshaltung der amerikanischen Arbeiter hinabzudrücken. Dies der Artikel. Unser amerikanisches Bruderorgan hat recht: die Löhne der sächsischen Bergarbeiter sind viel zu h och an- gegeben— gut um e i n V i e r t e t bis ein D r i t t h e i l zu hoch. Bergarbeiter, die 230 und 200 Dollars, das heißt 920 und 1040 M. das Jahr verdienen, wird man in ganz Sachsen mit der Lupe nicht finden. Der Herr General konsul hat natürlich, wie daS leider in solchen Fällen fast allgemein ist, sich nicht an die Arbeiter gewandr, sondern an die Arbeitgeber, welche die Lage„ihrer" Arbeiter mit sehr erklärlichem und sehr wohl berechnetem Optimismus schildern. Der Arbeitgeber in allen Ländern der Erde ist zu gleicher Zeit der größte Optimist und der größte Pessimist— ihm selber geht es immer schlecht, und dem Arbeiter immer gut. Das Glas, durch welches er die Welt betrachtet, ist zivar nicht gefärbt, aber es hat die Eigenschaft, nach der einen Seite zu ver größern und nach der anderen zu verkleinern— je nachdem man hineinsieht. Köstlich sind die Betrachtungen des amerikanischen Herrn Generalkonsuls über den Vegetarianismus. Die meisten unserer Herreu Apostel von der„naturgemäßen Lebensiveise" hätten sich— beiläufig bemerkt— wohl attel) nicht träumen lassen, daß sie ein der Bourgeoisie so wohl- gefälliges Werk thun. Sollte ein Dutzend der Herren„Doktoren", die„in den Gewerkschaften"„den allzu großen Fleischgenuß miß billigen"— vor prassenden Arbeitern, die in einem Jahr so viel Fleisch essen, wie der amerikanische Herr General- konsul in einem Tag— sollte ein Dutzend der Herren nächstens unter den günstigsten Bedingungen nach Amerika eingeladen werden, um den amerikanischen Arbeitern das Evangelium von der menschenunwürdigen Fleisch kost zu predigen, so brauchen die Herren sich als bis sie in die Nähe der Tomkirche gekommen war, ans welcher des Hochamts Orgeltöne feierlich zu ihrem Ohre drangen, und der bösen Lust der Vorübergehenden die Fesseln der Andacht anlegten. Wie gerne hätte sie vor der offenen Pforte verweilen, in das von Weihrauchdüften er- füllte Gotteshaus schauen und sich unter all den Feierklängen, Kerzenflammen und pomphaften Ge- bräuchen den heiligen Rittersmann wieder vergegen- wärligm mögen, der in Tiether's Hanse sie so zauberisch berückt. Aber die Scheu vor roher Mißhandlung trieb sie von bannen, und si« durfte nur in sich hineinflüstern: Ihr Stiefsohn ist's? Er, der Ritter, der mit mir und meinem Volke nichts zu schaffen hat? Leider ist es so! Nun, da der für mich bisher Namenlose einen Namen trägt,.... nun, da tch ihn aussprechen darf,... nun ist er ganz für mich verloren... auch für meine Träume. Gewiß... 0 gewiß trennt ihn nicht sein Volk, sein Glaube, sein Stand allein von mir. Diese Hindernisse sind ja nichts für ein Herz, das nur im Erinneruugsbilde liebt, und allem Irdischen entsagend, nur im Reiche der Einbildung glücklich zu sein wünscht. Aber gewiß fesseln ihn andere Bande... den Angebeteten. Konnte der schöne Mann seiner Sties- mutter gleichgiltig bleiben neben den grauen Haaren ihres Gemahls? Daß sein Bild in ihrer Kammer hängt, bürgt für ein geliebtes Andenken, uitfr vereint hat sie die Liebe!— Esther's Gesicht flammte auf in Scham über die Ungerechtigkeit ihres Wahns. Die Liebe? zürnte sie gegen ich selbst: die Sünde hätte sie vereint, und Sünde ist deni Herrn meines Herzens fremd. Wahrlich! Wahrlich! Wie könnte sonst sein Antlitz das Bild eines Heiligen sein? Verzeihe mir. Du, den ich über alles liebe, nicht zu nennen wage, und in dem Götzenbilde verehre, das mein Gesetz verdammt und verflucht. Nimmer soll eine Eifersucht, wie diese. Dein holdes Andenken schwächen! An der Thüre ihrer Wohnung empfing sie der Vater, der ihr gleichgiltig im Gespräche mittheilte, daß es ihm be- reits gelungen, die Eltern seines Christenfindlings zu er- Spedition: LV. 19. ZZeuth-Straße 3. nicht zu wundern. Denn unser amerikanischer Kollege hat ganz recht: der Dithyrambus des amerikanischen Generalkonsuls auf die sächsischen Vegetarianer hat einen sehr praktischen und geschäftsmäßigen Hintergrund und Zweck: das Herabdrücken der Lebenshaltung — des KtanciarÄ of life— der amerikanischen Arbeiter. Von seinem Bourgeoisstandpunkt aus hat der Mann natürlich ganz recht. Die Arbeiter müssen jedoch auch die Lehre ziehen, die sich für sie ergiebt, nämlich die Noth- wendigkeit der internationalen Arbeiter- o r g a n i s a t i o n. So lange die Arbeiter eines Landes sich mit einer niederen Lebenshaltung begnügen, sind sie eine ständige Gefahr für die Arbeiter von Ländern mit höherer Lebens- Haltimg. Und in welchem Kulturland haben die ein- heimischen Arbeiter nicht die 5tonkurrenz billigerer Arbeits« kräfte des Auslandes zu befürchten? Wenn die Arbeiter nicht wollen, daß die Arbeiterklasse aller 5tulturstaaten schließlich auf den Stand der Löhne und der Lebenshaltung der chinesischen Kulis herab- gedrückt wird, so müssen sie durch eine wirksame nationale und internationale Organisation dieser internationalen Konkurrenz der Arbeiter die Spitze abbrechen. Festnageln müssen wir aber auf alle Fälle die er- staunte Frage des amerikanischen Generalkonsuls: „Wie ist es möglich, daß Menschen von solchen Löhnen leben können?" Ja, wie ist es möglich? Und dabei sind die Löhne der Bergarbeiter noch um 25 bis 30 Prozent zu hoch angegeben! Und die Löhne der Bergarbeiter sind noch um 50 P r o z e n t höher, als die Löhne der sächsischen Weber und Wirker! „Wie ist es möglich, daß Menschen von solchen Löhnen leben können?" Der Herr Generalkonsul steht vor einem Räthsel. Er erfindet ein Märchen, um sich das Räthsel zu erklären: das Märchen von der freiwilligen Fleisches- e n t s a g u n g. Der Herr Generalkonsul darf es uns aufs Wort glauben: die sächsischen Bergarbeiter und auch die Wirker und Weber würden jeden Tag Beefsteak und Roastbeef essen, wenn sie es zahlen könnten. Und nun wollen wir ihm seine Frage beantworten: „Wie ist es möglich, daß Menschen von solchen Löhnen leben können?" Die Antwort ist kurz und bündig: Sie leben nicht— sie vcgetiren. ga R' altern. Esther fragte mit heftiger Neugierde nach deren amen.„Du wirst es gut finden, wenn ich ihn verschweige," antwortete Ben David mit scharfem und bestimmtem Tone: „Der Greis Jochai hat mir offenbart, welch' unziemlich Gefühl Dich hinzieht zu dem Knaben. Die Thorheit muß nicht ferner genährt sein; denn unbegreiflich ist es ohnehin, wie Du Dich hinneigst zu den Söhnen und Töchtern Amaleks. Der fromme Vater, dem einst der Frieden sei, dringt darauf, daß ich Dich führe gen Worms, wo eine Schule blüht, und die Weisheit gelehrter Rabbinen. Er will gern die Traurigkeit auf sich nehmen. Dich nicht um sich zu sehen, wenn sein Angesicht bleich wird; so Du nur wieder des Paradieses würdig wirst." „Führe mich in den Tod, nur nicht nach Worms," sprach Esther entschieden und fest.„Worms ist Zodick's Vaterstadt, und folglich für mich der höllische Pfuhl, aus welchem die Teufel und Nachtgespenster stammen. Ich muß Dir gehorsamen, aber Dir vergebe dann der hoch- gelobte Gott!" Sie entfloh in ihre Kammer und schloß sich ein, allein niit ihrem Liebesbilde und ihrem Kummer. Der Vatep blickte ihr wehmüthig lächelnd nach, schlug sich die Brust, und sah seufzend empor zum Himmel. Hier ahne ich böse Stürme! sprach er zu sich. Der Ewige wolle alles zum Guten wenden. Hierauf verbrachte er den Tag in geschäft- reicher Muße, ordnete seine Rechnungen, überzählte sein Geld, das er im Keller barg, wie die übrige Habe, und kleidete sich gegen Abend in feinbürgerliche Tracht. Dann nahm er den Knaben, der ungestüm nach der Mutter ver- langte, bei der Hand, und führte ihn mit sich an das Haus der Frosche, wo er mit dem Glockenschlage der siebenten Stunde, wie befohlen, anlangte. Willhild harrte an der zngelehnten Thüre, und so wie sie in der Dunkelheit den Mann und das Kind herannahen, und die Pfortentreppe besteigen sah, winkte sie ihm, näher zu kommen und einzu- treten. Ben David folgte ihr durch das menschenleere Ge- bäude bis in das Vorgemach der eoeln Frau, die ihn also- 'VolitissHe UebeoNcktk. . Berlin, den 11. April. Der Reichstag ist nicht mehr zu halten. Hente erledigte er seine Tagesordnung mit Dampfgeschwindigkeit, und der Gedanke, welcher Alle und Altes deherrscht, ist: so schnell als möglich fertig zu werden. Dre uatiouallibcrale Presse, die den Reichstag sehr pessimistisch beurthcilt, weil die nationaNiberale Partei eine klägliche Rolle in ihm spielt, rümpft sittlich entrüstet die Nase ob dieser unanständigen Hast. Sie deutet au, daß es Mangel an Eifer und Fleiß sei. Das ist albern. Der Reichstag hat die Hauptaufgabe der Session er- erledigt— und er hat sie g u t erledigt. Er hat das Stencrbouguct des Herrn Miqnel zerknittert. zerrissen und auf den Müllhausen geworfen. Das war recht. Und daß er es ohne lange Berathungcn gethan und Herrn Micpicl bei Seite geschoben hat, ohne ihm die Ehre� langer und ernster Berathungen zu schenken. das gereicht dem Reichs- tage sicher nicht zur Schande und macht die Niederlage des Herrn Miqnel nur um so blamabler.— Der Zeulvuuiöfiihrer Dr. Lieber hat, wie die „Westfälische Volkszcitung" in ihrer Nummer vom 9. d.M. witthcilt,„bestem Vcrnchincu nach, sich entschlosien, seine Mandate zum Abgeordnctenhause nnst zum Reichstag niederzulegen. Dieser Entschluß wurde scijdn in> Vorjahre 1893 erwogen und am 1. April d. I. definitiv gefaßt." Ter Entschluß wird in dem genannten Blatt wie folgt be- gründet: Zweifellos hat die ungehörige Kritik, welche von ver- schiedencn Stelle» zu Unrecht und in unaeiuessener Weise gegen Herrn Dr. Lieber aus Anlaß seiner historisch- politischen und fiaatsinAnuischcuWürdiguug des russischen Handelsvertrages geübt wurde, zu seinem Entschluß des Rücktritts die nächste Verau- lassung gegeben. Arn Freitag früh»onnte man noch glauben, der von dem Rheinischen Bauer herausbeschiroreue Streit sei infolge der Herrn Dr. Lieber gewordenen Genugthnnug, als »velche die Eiklärung des Herrn v. Loö gelten niußte,' ohne »veitern Nnsegen beglichen. Da erschiene» in der„Nieder- rhcin. Volkszeitung" von, Freitag den 6.(Mittagsblatt) und danach in der„Kölnischen Vollszeitnng" vom Sonnabend (Abendblatt) rveilere Anzapsungen des hochverdienten Parla- menlariers,, velche er i>n Moment seines Abschiedes aus dem Land- und Lieichstage und von seinen Wählern schwerlich stillschweigend hiimchnie» kann. Herr Dr. Lieber erklärt in einein Cchrisislück vom 7. April an eines der genannten Blätter:«Ich wollte politisch sterben aus Gcsnndheitsrück- sichten und meiner Familienverhältniffe wegen, wie»»an physisch stirbt. Schickt n» o r g e»» nach mir, Ihr werdet»inen stille»» M a u»> an mir finde». So sind auch mein» Abschieds»vorte a»»nein» Wähler und politischen Friiinde abgefaßt. Morgen gedachte ich»ach Berlin zu reisen, Montag»iederziilegen, ohne Sang und Klang, ein schlichter Abschied.(Bisher noch nicht ge- schehcn. Red. d. Borw.) Ich»vollte ihn noch nach v. Loii's Erkläriing nehmen und alles»väre»vieder gut ge»vorden. „Mann über Bord!— Volldampf voran?!" Wenn ich ans Ihre(das angeredete Blatt Nr. 1ö8, Mitlag) schwiege,»vürdc der Abschied ein infamer; das kann selbst Gott mir zu- »nnthe». Wen» man von mir Cchiveigen verlangt, muß»»an nicht selb ff zügellosreden, fortwährend reizen und mit U»i iv a h r h e i t e»»virthfchaflen a u ch noch„die Wahrheit sagen" nennen. Ich»verde also reden, von der Leber, niid den Klugen zeigen, daß,»ver Klugheit predigen mußte, noch dringender Noth gehabt hätte, sie zu üben. Es thut mir ganz besonders leid, Ihnen sage» z» müssen: an allen»,»ras nun koinmei»»vird. sind Sie schuld:„tonsus rampitur arens!"(Der zu stark gespannte Bogen bricht.) Und was war»nein Verbrechen? Ich stellte den(russischen Handel?-) Vertrag Sedan gleich. Daß man ihn unmittelbar vorher im offenen Reichslage„das innere Jena" genannt hat, weiß man nicht oder verschweigt man, trotzdem daß ich bei»neinem Vergleiche nicht unterlassen, ihn ausdrück- lich als Antwort auf diese größte Schmach, die einkin preußi- scheu König nnd Soldaten ins Gesicht geschleudert»vcrdcn kann. zu»narkiren. Von einem Eindringen in nieinen Beivkggrnnd keine Spur, nicht eine Ahnung von dem Leitmotiv der ganzen jüngsten Zentrums-Politik. Wir hatten»veit mehr nach Fulda nnd Rom, als in Berlin nach Schloß und Wilhclmstraße hin den Beireis zu führen, daß»vir im neuen Reichklage nicht die demokratische Partei des nackte»,»»ifrnchtbaren Widerspruches � seien.... So, nun haben Sie's,»vie's alle» Freunden treuer Waffenbrüderschaft in mehr als 20 Jahren und einem ritt«- liehen Kämpen gegen Seinesgleichen ziemt, Ihren ehrlichen Waffengruß! Er soll kein stiller Vorivurf für Sie sein! Jetzt aber decken Sie sich, ich mich, jeder von uns so gut er kann; denn es»vird scharfe Hiebe regnen! Vous I'avez voulu!(Sie haben es gewollt!) Berehrnngsvollst ergeben Dr. Lieber." bald zu sich herein bescheiden ließ. Er übergab den Knaben Willhilds Obhut, und ging bescheidne» und leisen Trittes in Margarethen's Stube. Erwartung und Hosfnnng in den Mieden, empfing ihn die stolze Frau. „Was bringst Tu mir, David?" fragte sie gespannt: „Die Möglichkeit, die ich neulich Dir angab, ist zur bösen Wirklichkeit geivorden. Mein Sohn ist hiirüber gegangen." „�st er?" sprach Ben David mit Theilnahme:„so be« danre ich die zurückgebliebene Mutter. Beim hochgelobten Gott! ich bedanre Euch aufrichtig, denn auch wir Juden wissen, wie lieb uns Kinder sind, nnd Söhne vor asten. Ach! auch mir hat der Herr zweie genommen. Den einen durch einen grausamen Tod; den andern.., Nun des Herrn Wille geschehe!" „Er geschehe!" versetzte Margarethe kurz abbrechend: „Nbercben weil dieser Wille unabänderlich ist und nieniand aus dem Grabe rückkehrt, so ist es nicht gcrathen, in einem vergeblichen Schmerz zu verwelken und darüber das Leben zu vergessen. Ter Himmel»veiß, daß ich Dich nicht gern zu meinem inniger» Vertrauten»nachte, aber die Lage der Dinge erfordert es. Ich war arm, ehe ich dem alten Manne meine Hand gab. Tie Meinigen sind es noch. Ich bin jung, mid will nicht gerne umsonst den Winter meines Ehcherrn mit dem Kranze meiner Jugend geziert haben. Tie Vorsehung selbst hat das nicht verlangt. darum gestatt ctc sie, daß meines Gatten einziger Sohn erster Ehe dem Himmel geweiht wurde, scine Tochter Verzicht leistete auf ihr Erbe, und ich ein Söhnlein gebar, das ernst der Besitzer aller Habe seines Vaters zu werden bestimmt war. Für seine Gesundheit besorgt, übergaben»vir den Knaben einer ehemaligen Dienerin meines Haufes, die unfern von Wiesbaden verherrathet, den schwächlichen Körper des Kindes in dem stärkenden Heilbrunnen daselbst zu baden angewiesen war, nach der Vorschrift des Arztes Joseph, der uns den Aufenthalt auf dein Lande, zu Sommer- nnd Wiuterzeit, als das wirksamste Heilmittel Pirr das kränkelnde Kind anpries. Vor wenigen Wochen er- sä hre ich, der Knabe sei krank. Die Mutterangst reißt mich Ter vorstehende Brief muß in einer fast krankhaft überreizten Stimmung geschrieben worden sein, die jeden- falls einen Rückschluß aus die unerquicklichen Verhältnisse innerhalb der Zentrnmspartei gestattet. Die Zentrums- Partei kann jedenfalls nicht mehr viel Stöße dieser Art aushalten, ohne anseiiianderzufallen. Von besonderem, allgemein politischem Interesse in dem Lieber'schen Brief ist die Hindeutniig, daß der Papst nnd die Bischöfe sich gegenwärtig in rein weltliche parlamentarische Dinge einmischen und auf die Zeiitrnmssraktioiieu einen Druck auszuüben suchen zu gunsten der jeweiligen Rcgierungspolitik.— Die Sonntasisrnhe und die Fzortbildnugsschule». Wie die„Krenz-Zeitung" erfahren hat, beabsichtigen die verbündeten Regierungen dem Reichstag noch in diesen Tagen die bereits angekündigte Vorlage wegen des Sonntags- Fortbildiings-Schulnnterrichls(Verlängerung der Frist vom 1. Oktober 1894 bis 1897) vorzulegen. Man darf wohl annehmen, daß diese Vorlage in ziemlicher Kürze ihre Er- ledigung finden wird.— Das Getreidemonopol, welches vom Grafen Kanitz und konservativen nnd antisemitischen Genossen verlangt »vird, beschäftig! noch innner die ganze Presse. Nicht blos in der manchesterlichen liberalen, sondern atich in der Zentrums- und auch theilweisc in der konservativen Presse. stößt es auf Widerspruch. Diejenigen Konservativen,»velche nicht blos von Geburt, sondern nur von Prinzip ans „Ochsen" sind, merken wohl, daß sie mit dem Getreide- nionopol selbst die Axt an das Fundament ihrer Herrfchaft legen. Das Monopol soll sich zwar nur auf das vom Auslände eingeführte Gelrc'de beziehen nnd den Zweck haben, die Getreidepreise für unsere Agrarier möglichst hoch zu halten. Aber, indem der Staat damit die unmittelbare Verantwortlichkeit für die Vertheuerung der Brotprcise übernimmt, wird er sich, zumal in Zeiten des Nothstaiides, einem solchen Ansturm der Bevölkerung ausgesetzt fühlen, daß er gezwungen wird, tief in das Mark der Großgrundbesitzer selbst einschneidende Maßregeln zu treffen. Der konservative„Rcichsbote" bekämpft denn auch den Kanitz'schcn Antrag, aber sein Der- langen ist nicht weniger folgeschwcr. Er'»vill die Getreidc-Einsuhr in das Reich nur regulirt wissen nach dem vorhandenen Bednrfniß. Aber damit fordert er die Kontrolle über den inländischen Wirthschaftsbetrieb heraus, die den Agrariern noch»veniger erwünscht sein dürfte. Jedenfalls wird durch die Anregung des Grafen Kanitz die Frage der Verstaatlichung, nicht blos des Ge- trcidchandels, sondern überhaupt des landivirthschaftlicheu Betriebes ans die Tagesordnung gesetzt. Damit wäre die beste Beseitigung des„Nothstaiides" der Großgrundbesitzer gegeben; freilich würde damit nicht blos der„Nothstand" der Agrarier, sondern zugleich diese selbst beseitigt sein. UnS kann dieses nur recht sein'.— Ei» tviirttembcrgisches VersassnngSrefönmcheu. In allen möglichen europäischen Staaten hat's letzthin Krach gegeben»vcgcn der Verfassung. Im Volke drängt es nach einer Erweiterung des Wahlrechts, und widerwillig zögernd, mit verhaltenem Grimm lassen sich die Regierungs- niänner irgend welche Zugeständnisse abtrotzen. So ist cS in Belgien gegangen; in Oesterreich ist die Wahlreform- Beivcgnng jetzt im Schwang; in England beginnt sie gleich- falls eine Rolle zu spielen und auch in Holland kriselt es. Wie viel»väre nicht gar zu bessern in den deutschen Einzel- staatcn mit ihren verzwickten und verzivacktcn Wahlsystemen, deren stünstclcien alle ans den Endzweck hinauslaufen, den breiten Massen des Volkes den Eiustuß auf die öffentlichen Angelegenheiten zu erschweren. Zu einer rechten Bewegung gegen diese Wahlsysteme ist es tvo.hl deshalb noch nicht ge- komme», weil das Volk über der Ausnutzung des wichtigen Reichstags-Wahlrcchts, das jedem erwachsenen männlichen Einwohner zugänglich ist, die Wahlrechte der Einzel- staatcn vergißt. Die Einzelparlamente erscheinen alS nebensächliche Dinge. Renerding» niacht sich da allerdings eine erfreuliche Wandlung bemerkbar. Unsere Partei ist überall dort,»vo sie aus eigener Kraft Wahlsiege erringen kann, in die Wahlbetheiligung ein- getreten nnd hat denn auch in mehreren eiiizelstantlicheu Parlamenten Sitze erobert. Unsere weitere Aufgabe»vird es sein, durch unablässige Agitation dem allgemeinen Wahl- recht zum Dnrchbruch zu verhelfen. Ans die Daner ist eine solche tiefgreifende Neuerung unvermeidlich. Diese Er- vom Lager des siechen Gemahls, den ich über diesen Punkt in Unwissenheit ließ: ich sehe meinen Sohn, überzeuge mich von einer unheilbaren Verzehning, die ihn überfallen, und denke trostlos zurückkehrend, sogleich auf die allzu wahr- schcinliche Zukunft. Damals war es, wo ich Dir, der mir schon öfter Vertrauen abgewann, ein größeres schenkte, und heute sind wir da,»vo ich mich damals nur hindachte. Hast Du gefunden, was Du suchtest? Eine Mutter, die ihr Kind für reichlichen Lohn auf ewig von ihrem Busen weist? oder eine Waise, würdig des herrlichen Loses, das ich ihr be- reite? Rede, zaudere nicht. Die Zeit ist kostbar." „Eine Mutter, die ihr Kind verkauft, fand ich nicht, edle Frau," ernvidcrte der Jude:„Selten mag»vohl dieser Vygei sein. Aber etwas besseres fand ich, einen Knaben, an dem die Welt keinen Anspruch hat, der selbst nicht weiß, ipohcr er stammt, von dessen Eltern Ihr kkine Forderung zu fürchten habt, da sie ihn verstießen." Margarethe horchte aufmerksam ans die Geschichte, die ihr Ben David zu erzählen für gut fand, ohne dabei des Edelknechts von Hülshofen zu erwähnen.„Hat der Knabe glle Eigenschaften, die ich verlangte?" fragte sie hierauf: „Braunes Haar, blaue Augen... eine flüchtige Aehn- lichkeit mit den Bildern unseres Geschlechts? das rechte Alter?" „Alles, wie Jhr's begehrt. Der Zufall konnte nicht besser dienen.—„Ueberzeugt Euch selbst." Ben David führte den Knaben herein. Willhild er- schien mit ihm und»vinkte der edlen Frau mit voller Zu- sriedenheit zu. Wohlgefällig betrachtete Margarethe beim hellen Kerzenschein das blöde dastehende Kind.— Thränen stiegen in ihre Augen.„Wahrlich!" rief sie mit aufgeregtem Gefühl:„sind diese Züge»nchr ein Fingerzeig von Gott, so weiß ich's nicht. Sprich, Willhild! Mein Knabe, wäre er gesund nnd kräftig gelvorden... hätte aussehen müssen, wie dieser. Ach, mein Johannes!" »Ich heiße Hans!" sprach der Knabe schüchtern. (Fortsetzung folgt.) kenntniß beginnt auch bereits den einzelstaatllchen Bureau- kratien aufzudämmern, und da verfallen sie denn nach altem Brauch auf den Gedanken, durch Palliativmittel das drohende Verhängniß abzuwenden. Nicht seiner sehr un- wesentlichen eigenen Bedeutung halber, sondern als ein solches Symptom der Zeitströmung ist denn auch das winzige Wahlreförmchen bcachtenswerth, das in der Form eines Gesetzentwurfes zur Verfassungsänderung die württem- bergische Regierung dem Landtage vorgelegt hat. An den beiden ständeartig organisirten Landtagskamniern wird Wesentliches nicht geändert. In die erste, bisher den Prinzen, Standesherren und sonstigen erblichen Gesetzgebern vorbehaltenc Kammer sollen ein paar Bürgermeister, Geistliche und auf Lebenszeit ernannte Regierungs- und Kammerräthe hineingeschoben werden. Sie würde dann in ihrer Znsammensetzung dem preußischen Herrenhaus ähneln. Damit erübrigt sich jedes weitere Wort der Kritik. Das»vürttembergische Abgeordnetenhaus ist gleichfalls ständeartig gegliedert. Die sieben klugen Schwaben, die zu Stuttgart das Ministerium bilden, ge- denken diese ständeartige Gliederung unangetastet zu lassen; nur so ein ganz klein Vissel verschieben wollen sie die Zu- ammensctziing. Ein paar Ritter und Geistliche weniger, ein paar Bürger viebr; darauf kommt das Stuttgarter Rcförmli hinaus. Wir halten es für kaum glanblich, daß elbst ein württembergischer Landtag über dieses gespaßige Machwerk ernsthaft„dischkutire" wird; das Reförinli wird hoffentlich gleich ins Papierkörbli wandern.— Die nothleidende» Apotheker. Selten ist wohl»in größerer Wauwau in die Welt gesetzt worden, als das bekannte Schlagwort Caprivi's, daß jede Gesetzesvorlage daraufhin ge- prüft»verde,»nie sie auf die Sozialdemokratie einivirle. Da die Sozialdemokratie blüht und gedeiht trotz allem, wa? man zu ihrer Vernichtung ins Werk setzt, so ist es auch den Verlretern der reaktionärsten und gemeinschädlichsten Interessen mög- lich, sich aus ihre Nothwendigteit als Stütze des Thrones. des Altars und des Geldsacks zu berufen. wenn etwa die Regierung sich getranen sollte, ihnen nothgedrungen die Schwingen ein wenig zu beschneide». Das habe» sich auch die Apotheker gemerkt,»veiche durch die in lapitalschonendster Form beabsichtigte Einführung der Personal- lvnzession. die dem gemeingefährlichen und skandalösen Apotheken- mucher ein Ende machen soll, sich selbstredend schwer i» ihrer idyllischen Neunundneunziger- Existenz bedroht fühlen. In der ..Pharmazeulischei, Zeitung" führt so ein Neunundneunziger olgenden possirlichen Veitstanz auf: „Der Herr Reichskanzler hat in einer seiner Reden gesagt, er prüfe jede Vorlage darauf hin, wie sie aus die Sozialdemoiratie wirke. Hoffen wir, daß das auch geschehen wird, wenn sich lue Ideen des Herrn Kultusministers resp. seines Beralbers in phar- mazentischen Angelegenheiten zu einer Vorlage»verde»» verdichtet haben. Soll- s denn wirklich möglich jnn, daß die seit Jahren sysiemälisch gegen uns lzerichleien Angriffe und Verdäch- ligungen der Sozialdemokratie einen großen und blühenden Stand, ein produkiiv(S Ge»verde vernichten können? Was anders ist oenn dieser langjährige Kamps der deutschen Apotheker gegen die sozialdemokratische Preffe und die großen Krankenkassen, als das verzweifelte Ringen der besitzenden Klasse gegen den Ansturm der alle Werth« vernichtenden Umstürzler? Jede: Stand, den die Sozialdemokratie zerrieben hat, fällt derselben als reife Frucht in den Schoost. Man sagt sich ebei.: wenn die bestehende Gesellschaft meinen Besitz, mein mit Fleiß und Arbeit erworbenes Eigenthum nicht schützen will oder kann, o vermag sie eben in der bestehe»»deu Form ihrer Aufgab« nicht »nchr gerecht zu werden. Vielleicht kämpst die Sozialdemokratie deshalb so erbittert gegen uns, weil sie glaubt, daß es für die Geister des Umsturzes keinen wirksameren Bundesgenossen geben lönn», als«inen S-. and. der berufen ist, die Geister d«r V»r- n i ch t n n g, o r g f ä l t i g z u h ü t e n. Der deutsche Apotheker ist stets ein treuer und pf.icht- bewußter Staatsbürger gewesen und wird sich niemals aus falsche Bahnen vegeben; aber er hat auch das Recht aus Schutz gegen unberechtigte Uebergriffe.".... Wenn dieser Erguß das preußische Ministerium nicht be- kehrt, dann kann man nicht anders als auch die Herren Bosse .'.nd Konsorten für vertappte Sozialdemokraten zu halten. Lasse man also den Herren Nevuundnennzigcrn ihre unbeschränkte Wncherfreiheit, ihnen, oie nach eigenem Zeugmß vor allen anoern Ordnungsmc, ischen bernsen sind, die mit der-j-stf-Sozialdemo- kratie im Bund« stehenden„Geister oer Vernichtung zu hüten" -.nd Thron, Altar und Veldsack über Gebühr hinaus am Leben zu erhalten.— Ein Vild aus dein Slegenwartsstaat. Die Ber« liner Blätter bringen ohne Kommentar folgende Notiz: Trotz der fortgesetzten Abschübe in die Provinzial-Gefäng- niffe ist das Strasgesängniß Plötzenser mit seinen 2310 Insassen immer noch'so überfüllt, daß es jeden Zugang aus dem gestern mit 1284 Gefangenen besetzten Untersuch ungs-Gefängniß zu Moabit zurück- weisen m uü. Tie frei werdenden Plätze ceichen kaum zur Aufnahme der sogenannten„ S e l b st g« st e l l e»". d. h. der Vernrtheilten, die zunächst aus freiem Fuß belaste»» sind und sich dann„freiwillig" zum Antritt der Strafe in Plötzen- see einfinden. 210 Veruriheilte büßen zur Zeil gleich im Unter- suchnngs-Gesängniß ihre Strafe ab, unter ihnen befinden sich 21 Weiber. In Untersuchungshast sind zur Zeit 913 Männer und ISö Weiber; von dem Gesainmtbestande des Untersuchungsgefängnisses entfallen 1062 ans das Landgericht I und nur 222 auf das Landgerich! II. Auch wir enthalten uns eines Kommentars.— Die Reaktionäre im österreichischen Abgeordneten- hanse, das sind mehr als nenn Zehntel sämmtlicher Abgeordneter, heucheln fürchterliche Entrüstung über einige freimnthige Aeiißernngen des jungczechischen Abgeordneten Gregr über die Monarchie. Es ist charakteristisch für die Presse, daß diese Aeußerungen in keiner Zeitung»vieder- gegeben werden, so daß wir auch nicht in der Lage sind, dieselben zu veröffentlichen.— Die Schraube ohne Ende. Die neue Kanone, von der wir vor Ostern schon schrieben, ist wirklich da. Heute wird aus P a r» s relegraphirt: „Paris, 11. April. I,»folge der.E x p e r i m en te in Calais mit einer neuen, von einem Kavallerie-Kapitän er» fundenen Ka.ioar wurde letztere für die ganze franzö» isqe Feldartilkir!« angenommen. Die Her- stellung der Lafette mir den uothivendigen Aenderungen an den Geschlitzrohren«rsordect die Summe von 249 Millionen Frank, n. Das-.eue Geschütz hat Metallräder, besitzt ver- wiudertes Gewicht und eine bedeutende Durchlchlagskraft. Da hätten»vir die Bescheerung! Bei den 240 Millionen ranks»vird es natürlich nichl bleiben. Eine andere chätznng, die uns vorliegt, ist doppelt so hoch. Nnd — jetzt müssen auch wir eine neue Kanone haben. Freue Dich, deutscher Steuerzahler!— Italien steht vor dem Staatsstreich. Herr Crispi hat der Kammer jdie Pistole aus die Brust gesetzt: „DaS ganze Budget und die Diktatur für mich oder~ bdS Leben!" Das heißt: die A u fl ö su'k g. Giebt die Kammer nicht nach, so wird sie weggejagt, Crispi über- nimmt die Diktatur, und«bereitet Neuwahleil vor", die ihm eine Majorität geben. Das ist der S t a a i s st r e i ch, wie er im Buch steht. Unsere Leser erinnern sich der Prophezeiung:„Crispi wird die Dynastie, welche er ans den Thron setzen half, auch stürzen." Crispi arbeitet wacker an der Verwirklichung des Prophetcnivorts: Bürgerkrieg— Standrecht und Staats- streich— und das alles in vier Monaten! Der Tobten- gröber reitet schnell, wie die Tobten. Die gute Hälfte des Wegs hat er schon zurückgelegt. Wie viel Zeit wird er für den Rest brauchen?— Tie Wahlen tu Holland. Bei den gestern statt- gefundenen Wahlen zur"zweiten Kammer wurden nach den bisher vorliegenden Resultaten LV Anhänger des vom Minister des Innern Dr. Tak eingebrachten Wahlreformprojektes und 35 Gegner desselben gewählt. In 10 Wahlkreisen sind Stichwahlen erforderlich. Demnach ist das Ministerium wohl zum Rücktritte ge- zwungett, da die Gegner des allgemeinen Wahlrechts gesiegt haben.— Atbeiterversichernlig in Norwegen. Die Regierung hat heute im Storlhing eine Vorlage über die Kranke»' Versicherung der Arbeiter eingebracht.— Neber die Banernnurnhen in Rumäuien berichtet ans führlich die„National-Zcitung", deren Bericht wir das folgende entnehmen: Es kann jetzt nicht mehr dezweifelt werden: in Rumänien, und zwar in der Moldau, noch genauer in den Bestrken Falcin und Verlad, haben im vorigen Monate Bauern- unrnheu stattgefunden. Es wird uns darüber folgendes berichtet Am 12. März veranstalteten die Bauern in dem ersterwähnten Bezirke eine tnmultuarifche Kundgebung gegen die Einsührung der neuen Geineindesteuenr. Das Militär schritt ein, und es gab aus Seite der Bauern 8 Todte und 40 Verwundet e. Aber schon eine Woche später sprang die Bewegung auf den benachbarten Bezirk Verlad über und wiederholte sie sich im Be- zirke Falciu. Sie hatte diesmal einen weit gcwaltthätigcren Charakter. In de» Häusern der Dorfprimare wurden alle Akten und namentlich die neuen Steuerlisten vernichtet, die Uuterpräjekten und Gemeindebeamten mißhandelt, ein Tors- notar, welcher die Eteuerlisten augefertigt hatte, mußte unter den Händen der wüthenden Bauern sogar sein Leben lassen. Schwere Mißhandlungen wurden auch nach dem Schauplätze der Unruhen geschickten richterlichen Beamten zu theil. War man nun zuerst vielleicht allzu scharf gegen die Tumultuanten vorgegangen, so beging man jetzt den Fehler, gegen die Aufrührer Abtheilungen des 12. Dorobanzenregiments (Territorial-Armee), welche sich größtentheils aus den auf- ständischen Bezirken rekrutirten, zu entsenden, und die Folge war, daß ein Unteroffizier sich weigerte, dem Befehle de' Offiziers gemäß, auf die Bauern feuern zu lassen, da unter ihnen eine Anzahl seiner Bluts- verwandten sich befinde Erst nach dieser Erfahrung wurde«in Jägerbataillon der stehenden Armee gegen die Auf rührer entsandt und es wird nun die Ruhe wohl bald wiederhergestellt werden. Drei Beschwerdepunkte namentlich sind es, welche die Leute erbittern und von der Opposition agitatorisch verwerthct werden. Ter erste betrifft die schlechte Verwaltung. Die Beamten wechseln zu schnell ihre Posten und sind außerdem nicht aus giebig bezahlt, während die Pensionsberechtigung erst nach dreißig- jähriger Dienstzeit eintritt. Die Beamten suchen also möglichst viel„Nebenverdienst" zu machen. Besonders verhaßt ist endlich die Bezahlung von 4 Franks jährlich zum Unterhalte der orthodoxen Geistlichen, während früher die Bauern das Feld des Geistlichen bestellten und ihm Viktualien lieferten. Auch hier ist es die ungewohnte Baarzah lnng, welch« besonders anstößig wirkt. Alles das zusammen ist von der Opposition für ihre Zwecke verwerthet worden und ihre systematische Ausreizung hat dann zu den geschilderten Bauern Unruhen geführt. Serbien steht vor dem S t a a t s b an k e ro tt und vielleicht vor einer Intervention der Großmächte zu Gunsten der auswärtigen Glänbiger. Die«Frankfurter Zeitung" meldet auS Belgrad: Die serbische Regierung hat die durch Baron de Leymack ihr gemachten Vorschläge der Baukeugruppe abgelehnt. Gestern Morgen hat infolgedessen die Berliner Handelsgesellschaft im Austrage der betheiligten Banken telegraphisch dem serbische» Finanzminister ein energisches Ultimatum gestellt, worin sie unbedingte Annahme der Serbien im Interesse der Gläubiger überreichten Propositionen fordert. Falls dies bis gestern Abend 9 Uhr nicht geschehen sein sollte, werden die Banken die sofortige Intervention der Kabinete von Paris, Berlin und Wien angehen. Infolge dieses Ultimatums hat gestern Nach millag ein Ministerrath stattgefunden, in welchem der Finanz minister erklärte, lieber demissioniren zu wollen, aber unter keiner Bedingung die Vorschläge der Gruppen, welche aus Serbien ein zweites Egypten schaffen wollten, an- . unehmen.— Jy einem späteren Telegramm erhält die„Frank- urter Zeitung" die Meldung, daß der Finanzminister die Vor- chläge der Bankengrnppen rundweg abgelehnt hat. Es gilt ür wahrscheinlich, daß die risis eine weitere Ausdehnung anmmmt. Der Unternehmerschwindel hat sich in A in e r i k a sogar der Arbeitslosen bemächtigt. In verschiedenen Blättern lesen wir folgende Notiz: N e w- I o r k, 7. April. Die Arbeitslosen machen nachgerade den Behörden in den Vereinigten Staaten knöch weit mehr zu schaffen, als in Europa. Ein Phantast, Namens I. S. Co x ey von Ohio, Hai de» grandiose» Plan gefaßt, die Arbeitslosen sollten in Hunderttausenden aus dem ganzen Lande vor da? Kapital in Washington ziehen und dort vom versammelten Kon- greß gesetzliche Maßnahmen zur Abhilfe ihrer Noth erzwingen. Zu dem Zwecke hat er zwei große Verbände iys Leben gerufen: die I n d u st r i e- Ä r m e e und die Armee des Reiches Christi. Beide sind gänzlich von einander geschieden. Die erstere zählt jetzt S0 000 Mann. Ter letzteren schließen sich i» jedem Dorfe auf ihrem Marsche nach Washington neue Rekruten an. 100 000 Mann, zu Fuß, zu Pferde n nd zw Wagen, sind jetzt unterwegs nach der Hauptstadt, wo sie in einigen Tagen ein- treffen können. In Oakland, Kalifornien, kam es gestern zu ernstlichen Reibungen zwischen 000 Mann von dem dortigen Zmeigvereine der Jndustriearmee und der Polizei. Der Stadt- rath beschloß schließlich, sie aus der Stadt zu schaffen und stellte ihnen einen Güterzug zur Verfügung. Anfangs weigerten sie sich, in die Güterwagen zu steigen. Schließlich aber gaben sie nach und fuhren nach Sacramento. Als die Industrie- armer von Oakland in Sacramento eintraf, wurde sie sogleich beköstigt. Der Stadtrath hielt es für da? geralhenste. sie gut zu deHandeln und dann weiter zu befördern. Dies geschah. nachdem sie aus 1000 Mann angeschwollen war. Der Gründer dieser seltsamen Arbeiterorganisation, Coxey, ist«in reicher und gebildeter Mann. Die Wahrheit ist: es handelt sich um eine Schwindel- dem sn st ratio» zu gunste» des Schutzzolls und der Mac Kinley-Bill. Der Herr Coxey scheint halbverrückt zu sein, aber hinter ihm stehen wohlberechnende amerikanische Schutzzöllner, welche seit Monaten Tag für Tag behaupten, die Krise, die jetzt Amerika verwüstet, sei blas die Folge der Angriffe auf die Mac Kinley-Bill. Und Thatsache ist, daß viele amerikanische Schutzzöllner ihre Arbeiter demonstrativ entlassen haben, mit dem Bemerk, die Wirthschaftspolitik Clevelands sei schuld an dem Nieder- gang der Industrie, wenn Arbeitslose Arbeit wollten, müßten sie durch Ausübung ihrer politischen Rechte die Freihändler zu beseitigen oder in die Bahnen des Schutzzolls zu drängen suchen. Natürlich fällt es den amerikanischen Arbeitern nicht ein, den unsinnigen Plan des Herrn Coxey auszuführen.— Zu de» peuusylvauischeu Greuel» schreibt» deutsche Bourgeois-Zeilungen: New-Iork, 8. April. Die Aufregung in der Koaksgegend von P e n n s y I v a n i a hat noch nicht n a ch- gelassen. Die Konvention der Ausständigen in Scottdale, die sich gestern Nacht vertagte, nahm eine Entschließung an, den Ausstand fortzusetzen, bis ein Erfolg gesichert ist. Die Er- mordnng des' Ingenieurs Paddok wurde auf der Versammlung verdammt. Alles wird versucht, um die Ausständigen von der Arbeit abzuhalten. In Lemont trieben gestern 200 Frauen, die mit Knüppeln und Steinen bewaffnet waren, die Arbeiter vor den Augen der Beamten von ihrer Arbeit. Die Beamte» durften es nicht wagen, auf die Frauen zu schießen, da einige von ihnen guter Hofs- n u n g waren.— Aus dem neuen Reservoir in der Nähe von' Duubar wurden 2000 Pfund Dynamit gestohlen. Man glaubt, daß diese That den Vorläufer neuer Ruhe' slörnngen bilden wird. Es herrscht in der Gegend große Ans- regüng. Die«Ermordung" des Ingenieurs Paddok ist weit weniger ein Mord als die Erschießung eines Dutzends flüchtiger Ausständigen. Er wurde im Handgemenge gctödtet.— Daß die Frauen in diesen Kämpfen eine Rolle spielten, den Männern vorangingen ilnd den zum Schießen bereiten Polizcibeamten und Milizen wiederholt vor die Mündungen der Gewehre traten, wird auch voll anderer Seite gemeldet.— Die Bcrliilev Polizei scheint wieder einmal auswärtigen Regiernngeii gefällig sein zu wollen. Sie hat gestern wie schon so oft, eine Heldenthat im Interesse der internationale» Reaktion zu verzeichnen, indem sie ein paar harmlose russische und bulga- rische Studenten verhaftet hat. Soweit wir unterrichtet sind, kann sich der der Sicherheit des Deutschen Reiches so gefährliche bulgarische Student in deutscher Sprache gar nicht nnsdrücken, während der eine der russischen Studenten erst wenige Wochen in Berlin ist. Ueber den zweiten verhafteten russischen Studenten waren wir nicht in der Lage, uns eine Information zu verschaffen, was jedenfalls auch nicht dafür spricht, daß er irgend welche ernst zu nehmende Be- Ziehungen zur sozialistischen Partei hat. Daß die Berliner Polizei den Wünschen der russischen Behörden gegenüber willfähriger lst, als es dem Machtbewußtsein des Deutschen Reiches entspricht, ist leider bekannt, daß man aber ans dem Alexanderplatz der voin Deutschen Reiche nicht anerkannten Regierung des Herrn Slambulow gefällig ist, ist neu, wenn auch nicht erfreulich. Wir sind überzeugt, daß die Untersuchung die vollständige Harmlosigkeit der Verhafteten ergeben wird und erwarten, daß man dann ungesäumt ihre Freilassung verfügen wird, uns aber unbedingt von der Schmach verschonen wird, daß unsere Gäste, falls sie zur Ehrenrettung der Polizei ausgewiesen werden müßten, die Wahl der Grenze nicht frei- gelassen wird und daß sie etwa den Schergen des Zaren übev antwortet werden.— Psu'kciuarfjfivijtim. KonfiSzirte Lieder. Die Kreishmiptmannschast Dresden hat das Verbot der Lieder und Gedichte bestätigt, welche die Polizeidirektion vom Festprogramm des Dresdener sozialdemokratischen Vereins gestrichen hatte. Sie bleibe» verpönt wegen ihres„politischen und religiösen Inhalts". Ans letzterem Grunde wurde» beanstandet:„Lulher's Zorn",„Das Wiederfinden" und das durch den«Wahren Jakob" in weitesten Kreisen bekannt gewordene Gedicht:„Das Mirakel zu Trier". Außer jene» sieben Gedichten verfielen der polizeilichen Ungnade„Der letzte Krieg" und die„Marseillaise"— freilich ohne den allermindesten Er- folg. Beide Lieder sind bereits derart Gemeingut der Arbeiter geworden, daß keine Polizeibehörde der Welt im stände ist. deren WeiteroerbreUung zu hindern. Gedanken sind eben mv konsiszirbari » Die Buchdrucker und die Saalfrage. Wem die Leipziger Buchdrucker durch ihren Beschluß in der Saalfrage, der von uns kürzlich einer Betrachtung unterzogen wurde, dienen, geht beut- lich genug aus den hämischen Bemerkungen hervor, die sich die „Leipziger Zeitung" hierüber leistet. Dieselbe schreibt: Die Partei scheint also den wiedererwachenden Selbständig- keitstrieb der Buchdrucker unterdrücken zu wollen. Es wird sich bei dieser Gelegenheit vielleicht zeigen, welches Matz von Freiheit dem einzelnensim sozialdemokratischenZukuuftestaatzugedachlist. Reizend wäre es, wenn der Tag der allgemeinen Arbeiterverbrüderung, der 1. Mai, eine sozialdemokratische Gewerkschaft von ihrer eigenen Partei boykottirt zeigte. Unser Leipziger Bruderorgan,„Der Wähler", fertigt das amtliche Organ durch folgende treffende Sätze ab: Die Buchdrucker werden an dieser schadenfrohen Notiz viel- leicht erkennen, welches Schauspiel sie den Gegnern bieten. Im übrigen aber möchten wir der„Leipziger Zeitung" und ihrem berühmten Korrespondenten rathcn, sich den Kopf der Sozial- demokratie wegen nicht zu zerbrechen. Die jetzige Absonderung der Buchdrucker wird— so hoffen wir znversichilich— früher oder später beseitigt werden, nicht durch Unterdrückung der Freiheil einzelner Personen, sondern durch die Förderung der Eikenntniß, daß der gefaßte Beschluß ein bedauerlicher Fehler war. » Die Dreödeuet! Genosse» werden auf der Landeskonferenz der sächsischen Sozialdemokratie beantragen, daß die Partei- genossen aller Orten sich verpflichte», energisch für Erwerbung der Staatsangehörigkeit zu agiliren. ¥» • Die österreichische Sozialdemokratie wird nun wohl bald zu Grunde gehen. Zur gleichen Zeit, als in Wien der Parteitag der Sozialdemokratie tagte, hat dort der„Deutsche Bauerntag" seine Sitzungen abgehallen und folgenden für unsere Parteigenossen vernichtenden Beschluß angenommen:„Die am 27. März 1394 beim zweiten deutschen Bauerntag zu Wien ver- sammelten Grundbesitzer erklären, daß sie das Bestreben der sozialdemokratischen Partei, ihre Lehren auch in den Bauern- stand zu tragen, auf das Entschiedenste verdammen und diese von internationalem Geld« und jüdischem Geiste geleitete Agitation auf das schärfste zurückweise».— Ob die Partei den Beschluß lange überleben wird? Nuser französischer Genosse Jnle» GueSde säst, wie die„Münchener Post" mittheilt, erkrankt sein und sein Zustand soll seinen Freunden ernstliche Besorgniß einflößen. Wir hoffen, daß dieselbe sich als unbegründet erweist. Guesdcks Hm- gebung, geistige Schärfe, rastlose Thäligkeit und versöhnlich« Ge- sinnung haben am meisten dazu beigetragen, daß die zahlreichen Schulen und Organisationen, in die der französische Sozm- lismus so lange gespalten war, sich geeinigt haben und dag heule die Arbeiter Frankreichs durch eine so stattliche Phalanx von Vorkämpfern des Friedens und der Freiheit ver- treten sind. * t* Maifeier. In Crimmitschau(Sachsen) wird das Maisestkomilee beim Stadtrath die Bewilligung von 500 M. als Beitrag zu den Kosten der Maifeier beantragen und vom Spinner- und Fabrikantenvereine sowie von den vereinigten Baumeistern die Freigabe der Arbeit am 1. Mai fordern. Ans die Antwort des Stadtraths sind wir begierig. Ja wenn's für Sedan» oder sonstigen Rummel gefordert würde., Die LandshuterGe nassen haben beschlossen, die Mar- feier am Sonntag den 6. Mai zu begehen. Möge es den Genossen in kleinen Ortschaften auch schwer fallen, den 1. Mai an einem Wochentage festlich zu begehen, so sollten sie doch bestrebt sein. den Beschlüssen des Parteitags nachzukommen und ist es auch nicht möglich, Arbeitsruhe eintreten zu lassen oder große Festlich- keilen zu veranstalten, so begnüge man sich eben, durch Abhalten einer Versammlung zu demonstriren. Das Programm zur Maifeier in Magdeburg haben die dortigen Genossen wie folgt festgesetzt: Am Morgen soll eine große Versammlung statlfinoen für die Genossen, die ohne große" Schädigung die Arbeit ruhen lassen können. Das Referat in dieser Versammlung hat der Abgeordnete Albert Schmidt übernommen. Am Abend finden in allen Stadttheilen Versamm- lnngen statt. Die Bielefelder Genossen haben in bezug aus die Maiseier folgende Beschlüsse angenommen:. 1. Die heutige Vetsammlnng empsiehlt den Genossen und Genossinnen, den 1. Mai in denjenigen Werkstätten, wo es irgend möglich ist, durch Ruhenlassen der Arbeit während des Tages zu feiern. 2. Wo dies nicht angängig erscheint, empfiehlt die Ver- sammlung, den Versuch zu niachen, durch gütliche Vereinbarung mit den Arbeitgebern am 1. Mai unter Verzichtleistung auf die Mittagspause von 2 Uhr Nachmittags ab die Arbeit ruhen zu lassen. 3. Falls in einzelnen Fabriken die Arbeiter Bedenken tragen möchten, mit einem solchen Antrag aus freien Stücken an den Fabrikanten heranzutreten, empfiehlt die Versammlung, deren heutiges Bureau zu beauftragen, den betreffenden Fabri- kanten ein Zirkular zu überreichen, in welchem der Wunsch aus- gedrückt ist, am 1. Mai von Nachmittags 2 Uhr, unter Ausfall der Mittagspause, die Fabrik zu schließen.— Mit Rücksicht darauf, daß vielleicht die eine oder andere Fabrik nicht daranf eingeht, um 2 Uhr Feierabend zu machen, soll die Festrede, welche Genosse Liebknecht zu halten zugesagt hat, erst Abends 3V2 Uhr gehalten werden. Lebende Bilder und ein Kinder-Lampionzug soll den Schluß des Festes bilden. Polizeiliches, Gerichtliches:e. Freigespr ochen wurde am 7. April der Redakteur der Bielefelder„Volisivachi", Genosse Gr oth, von der Anklage des Staatsanwalts durch die Presse, einen Polizeikominissar beleidigt zu haben. Soziale Ilebevstchk. Achtung, HauSdieuer Charkotteuburgs! Heute, Don- nerstag, Abends 3 Uhr, findet im Lokale des Herrn Krause eine große öffentliche Berufsversammlung statt behuss Stellungnahme zu unserem Kongreß in Halle. In Anbetracht dieser wichtigen Tagesordnung»st es nothwendig, daß jeder Hausdiener und Speditionsarbeiter pünktlich am Platze ist. Kollegen! In Eurem eigenen Interesse siegt es, daß die Versammlung zahl« reich besucht wird. Im Auftrage der Agitationskommission. Käß l er, Burgstr. 18. Der Gasarbeiterstreik i« Wie» ist beendet— verloren für die Arbeiter, wie bei der Ungleichheit der Machtmittel voraus zu sehen war. Trotzdem die englische Gasgesellschaft ihren kontralt- lichen Verpflichtungen. Wien mit Gas zu versorgen, in ge- nügendcr Weise nicht nachgekommen ist, fand sich niemand, der gegen sie eingeschritten wäre. Hüben wie drüben der schwarz- gelben Grenzpsähl« eisern die Behörden, sich als getreue Diener der herrschenden Klaffe zu erweisen. Es gelang der Gesellschaft, slovakische Arbeiter herbei zu schleppen, die den Dienst der Streiken- den nothdürstig verrichteten. Gewaltsam wurden diese in den Werken zurückgehalten, ohne daß die Polizeibehörde sich ins Mittel ge- legt hätte.— Dem Komitee der Ausständischen gegenüber er- klärte die Direktion im Beisein des Bürgermeisters, alle Arbeiter wieder einstellen zu wolle», sobald der Streik als beendet erklärt sei. Die Wortbrüchigleit der Gesellschaft zeigte sich sofort, als die Arbeiter sich zur Wiederaufnahme meldeten. Man nahm nur die Jüngeren und ließ die Alten, die bald Pensionsberechtigung erlangten, unberücksichtigt; vor allem wurden alle als„Rädels- führer" Verdächtigen abgewiesen. Es befinden sich gegenwärtig noch 1000 Gasarbeiter ohne Beschäftigung, und helfen so das Elend der Arbeitslosigkeit in Wien noch um ein Bedeutendes ver- mehren. So rächt sich das Kapffal an Arbeitern, welche es er- folglos gewagt, ihre Lage um ei* Weniges zu verbessern. Zum Malerstrcik in Bremerhaven. Die Malermeister haben in allen Blättern der Umgegend Inserate erlasse», in welchen sie ihre„geehrte Knndschafc" ersuchen, sie in dem aus- gebrochenen Lohnkampfe zu unterstützen, indem man alle nicht wirklich dringenden Arbeiten möglichst ausschieben möge.— Die Unverfrorenheit der Herren Meisler geht wirklich weit; das Publikum soll also mir seine» Aufträgen warten, bis sie ihre Gehilfe» nach allen Regeln der Kunst ausgehungert haben. Hoffentlich wird der größere Theil der Bevölkerung die Hand hierzu nicht bieten. DviekkSlKe» dvv Vedaltttan. Wir bitten bei jeder Anfrage eine Chiffre/a Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. AmerieAv-Theater. WM- Dresdener-Straße 55. Letzte Woche in dieser Saison. Jede» Abend 9 Uhr: Lumpensusanne oder: Die Obdachlosen von Berlin. Parvdistisch. realistisches Traumbild aus dem Müllwinkel(frei nach dem Ver- brecher-Album) bearb. v. Oskar Wagner. Lnrnpensasanne, gen.„Die Gräsin", «in schon geprüftes Mädchen Franziska Häser. Die Bombe, Aftervermietherin im Müllwinkel des„Sonnenaufgangs" äosepbine Delclissenr. Brnnvald— mit bewegter Vergangenheit....... Marlin Bendir. lteMl Original-„Barna" Musikalischer Elektro-Phantast. Ferner u. a.: „Direktor Hippe" von Maptin Bendix, sowie Engen Zacher. Sächsischer Original-Humorist. Untana» Wochentags 7Vl Uhr. A«Ill!lg. Sonntags OV, Uhr. Tor-Anzeige! Sonnabend, 14. April: Benefiz für die beliebte Berliner Soubrette dvseplune Delclisenr. Sonntag: Torleizte Vorstellung. Passage- Panopticum. Die Glocke von Fr. v. Schiller. Musik von Romberg. Dargestellt in 15 lelienck. Mckem. ratweiFsche Bierhallen Kommaudantenltr.77— 70. Aell. it. größl. Etablissem. Berl. Tiiglich bei sreim Evtree der ästrrreichifchen Dinnenliapelle „DSHS" in kleinrnssisclien Nationalkostümen. Auftreten von Künstlern«. Spezialitäten I. Ranges, sowie Austreten der nordamerikanisch. Ncgergesellschafl Mp. Brown. Sonntags Ans. 5 Uhr. Entree 30 Pf. 3 Kegelbahnen. 6 Billards, pro Stunde 60 Pf. C. Koch, fr. Gambrinus. Säle für Versammlungen und Festlichkeiten sind noch an verschiedenen Tagen _ zu haben._ Alcazar. Bm Variete- u. Spezialitäten- Theater. Oresdenerstr. 52/53(City-Passage.) Bornehmster Familien-Aufenthalt. Täglich: vr. Vheater- Vorstellung. Anttreten sämmtl. Spezialitäten. Aukaue- Wochentags 8 Uhr. AMg. Sonntags 7 Uhr. Kut»«»' Wochentags 20 Pf. villree. Sonntags 30 Pf. R. Winkler." » Sanssoucilc Kottbnserstr. 4 a. Donnerstag, den tÄ. April: 4OGG. Soin£e der Stettiner Sänger in Berlin. Grosses Doppel- Konzert. Fest- Programm. 11. A.: BegrUssungs Chor an das Publikum. Ok tett von M e y s e l. Bin Abend bei den Stettiner Sängern, Humoreske für großes Orchester. arrangirt von Neumaun-Bliemcben. Anfang der Konzert-Musik VVs Uhr. Entree 50 Pf. Im Vorverkauf, wie immer, 40 Pf. Nach der Soiree: Tanakränaeken bei vollem Orchester. Freitag: Viktoria-Brauerei. Seinem Freunde Gustav Hast zum heutigen Wiegenfeste ein dreimal d. Hoch. D. austen. h. N. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß am Montag, den 9. d., 'rüh 8 Uhr, unser liebe Neffe, Kousin und Bräutigam der Sattler 2909b Hennann Mntschke in seinem 26. Lebensjahre versckneden ist. Die Beerdigung findet am Donners- tag, den 12. d. Mls., Nachm. 4 Uhr, vom Krankenhause am Urban nach dem neuen Thomas-Kirchhos in Britz statt. Die trauernden Hinterbliebenen. Castan's Panoptikum. Im 9. Kreise der Hölle: DerRM a. d. Raßmeiser. Elite-Damenkapelle Anstria Circus Renz. (Karlftrahe.) Donnerstag, den kÄ. April 1804, Abends T/s Uhr: Mn Kimstlerfest. Neue Einlagen. Ballet v. Ivo Damen Kinderorchesler. Gr. Pracht-Feuerwerk Außerdem: Der ostpr-enßische Hengst 'Älondel n Monstre-Tablean von 60 Pierden, vorgef. von Herrn R. Renz Grande Quadrille de la baute eqni tation. Die Springpferde Parthenia «. Paria, ger. v. Frau Renz-Stark u Frl. voeana Renz. Die Luflgymuastiker Gebr. Wortley:c Freitag: Ein Künstlerfest. Sonnabend: Beneiiz für Herrn R. Renz n. Familie. Fr. Benz, Direktor. Musik-Instrumente. Alle Blas-, Streich- u. Schlag-Jnstru feilte, Spieldosen zum Drehen u. selbst spielend. Mustlr- Automaten fertigt Aug. Kessler, Lanstherstr. 51. Sozialdemokratischer Mahlverein für den 1. Serliner Ueichstagsmahlkreio. veRentlioke Vensammlung am Donnerstag, den 12. April. Abends präzise 8'/- Uhr, im Lokal „Zchrffer'v Zalon", Inselstratze 10. �~ � Tagesordnung: 1. Vortrag über:„Sozialdemokratie und Staatsreligion". Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. 2. Diskussion, Mitthcilungen, Broschüren-Vertheilung.. 39** Gäste beiderlei Geschlechts haben Zutritt."Wsii 370/19 ver Vorstanil. Ze!ltrMrlU!kell-l!.Stttl>tW her Tischler«. s. w. T ertliche Verwaltung Kerlin lt. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Arbeiter friedriek Schulz am Montag, den 9. d. M., im Alter von 43 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet am Donners- tag, den 12. d. M., Nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes aus statt. 307/3 Um zahlreiche Betheiligung bittet Die Krtouerwaltung. Todes-Anzeige. Deu Mitgliedern des sozialdemo- kratischen Arbeiter- Bildungs- vereius von Adlershof zur Nach- richt, daß das Mitglied, der Hntmacher Louis Fischer am Herzschlag plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag Nachmittag S�Uhr, vom Trauerhanse Oppenstr. I statt. 293öb Um zahlreiche Betheiligung ersucht Der Vorstand. Vooes-Ztaaeige. Den Mitgliedern des Untorstütanngsvereins D entscher Hntmacher (Filiale Berlin) zur Nachricht, daß der Kollege Isoni« Fischer plötzlich am Herzschlag gestorben ist. Die Beerdigung findet Freitag, Nach- mittags 5 Uhr, vom Trauerhause in Adlershof, Oppenstr. 1 aus statt. Uin zahlreiche Betheiligung ersucht 175/10 Der Vorstand. NL. Abfahrt pünktlich 3 Uhr Nach- mittags vom Alexanderplatz(Bahnhos). Mit Gruß E. Kempe. Todes-Anzeige, Am Dienstag, den 10. April, Nach- mittags 2>/2 Uhr, starb plötzlich am Herzschlag im 47. Lebe..sjahre mein lieber Mann und unser guter Vater, der Hutmacher' 2934b Louis Fischer. Die Beerdigung findet am Freitag, den 13. d. M., Nachm. 5 Uhr, vom Trauerhause Oppenstr, 1 aus statt. Dies zeigt allen Parteigenossen, Freunden und Bekannten tiefbetrübt an Adlershof, 11. April 1S84. Die trauernde Wittwe und Kinder. T odes-Anzeige. Am Montag Vorm. 10>/s Uhr vev starb nach kurzem Krankenlager ander Proletarierkraniheit meine gute, brave Frau, unsere liebe Mutter Pauline Steinberg geb. Grüner� 2924b Die Beerdigung ist am 13. April, Nachmittags 4 Uhr, vom Städtischen Krankenhause Am Friedrichshain aus. Um stilles Beileid bittet der trauernde Gatte nebst Kindern Louis Steinberg, Tilsilernr. 18. Todes-Anzeige, Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser kleiner Liebling 2920b Mietze Winkler genannt R o ß m a n n nach kurzen aber schweren Leiden sanst entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 13. d. M., Nachmittags 4 Uhr, vom Trauerbause Nollendorfstraße 4, nach dem Neuen Schöneberger Kirch Hofe aus statt. Um stilles Beileid bitten die tiefbetrübten Eltern Louis Noßmau» und Frau und Geschwister._ Achtung! Die Besucher der letzten Volksveo sammlungen mit dem Tkema: Sozialdemokratie u. Staatsrcligiou werben hiermit darauf hingewiesen daß die angekündigte öffentliche Ver sammlung des ersten Wahlvereins mit demselben Thema heule in Tldesser's Calon, ZuW. 10, staltfindet. 2929b Zablreiches Erscheinen erwünscht. Pianciloibo Rose, Oranienburger Strasse 55, pari,_ fi fei iterintit h Verlikow, Muschelbett MtlötlMlIÜ, stellen, Spiegel bill Orauieustr. 155, III. Arheiter-KUdnngsschnle Sonntag, den 22. April, Nachmittags 1 Uhr: � Sonder-Wcktllung in der jranir. MMrlanS i>n nellev Welt." KiUrt» ä 50 Df. sind zu haben in der Nordschule, Müllerstr. l79a; Südost-Schule, Waldemarstr. 14; bei Gottfried Schulz, Admiralstr. 40a: Windhorst, Junkerstr. I, und bei Mainlock(früher Gumpel), Barnimstr. 42. 455/7 Achtung! konmen. Achtung! Tonnabend, den 44. April, Ab. 8 Uhr, in den Germania- Prachtsälen, Chausseestr. 103; _ 2. Stiftungsfest—— des Zentralverbandes deutscher Former, sowie aller in Eisen- und Ketallgiessereien beschäftigten Arbeiter. Freunde und Gönner des Vereins sind herzlich eingeladen. 154/19 Bas Komitee. Mau�oH Achtung! Maurer! General- Versammlung hes Verms zur Wühruug der Zuterejseu der Maurer Kerlin« und Umgegend am Konntag, den 15. April, Vorm. 10 Uhr, bei Krochn»M, Sebastianstr. 39. Tages-Ordnung: 1. Neuwahl des gesammten Vorstandes. 2. Ergänzungswahle» der Revisoren und des Ausschusses. 3. Abrechnung vom Maskenball. 4. Vereinsangelegenheiten. � 476/9 Mitgliedsbuch legitimirt. Kollegen? Eingetretener Verhältnisse halber muß diese Versammlung pünktlich um 10 Uhr eröffnet werden. Wir bitten die Mitglieder, dieses zu beachten. Kollegen, welche dem Verein bei- treten wollen, können sich in dieser Versammlung einschreiben lassen. Der Dorstand. Große öffentliche Versammlung der Zmüfl Vminmng her Kutscher Berlins und Umgegend Freitag, den 13. April 489-4, Abends 10 Uhr, im Lokale des Herrn AoGi, Andreasstraße 81. Tages-Ordnung: 1. Wie verbeffern die Kutscher ihre Lage? Ref.: Reichstags-Abgeordneter U. Schmidt. 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. Neue Mitglieder werden in dieser Versammlung ausgenommen. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht 143 12 Der Cinberufer. A. Schulz, Falckensteinstraße 17. J. Kuchhandlnng des„Mormarts� Kerlin SW., Kenthstr. 8. Neu erschienen: Zweite Auflage von Antisemitlsmiis und Sozialdemokratie. Von A. Bebel. — Preis: 80 Dfg. Porto3pfg. � Internationales aus dem„Volksstaat" (1871—1875). Von Friedrich Engels� 72 Seiten 8° Dreis 30 Pt.- Dort-: 5 Df. Inhalt: Vorwort.— I. Abermals Herr Vogt(1871).— II. Die Bakunisten an der Arbeit(1873).— III. Zvei Flüchtlings- kuudgebnngen: a) Eine polnische Proklamation(1874). d) Programm der blanquisiischen Kommuneflüchtlinge.— IV. Soziales aus Russland 1875.— Nachwort hierzu 1894. Gegen den üiMrism Von A. Bebel und W. Liebknecht. 50 Seiten Groyoktav mit Umschlag. Preis einzeln 10 Pf.. Porto 3 Pf., in Partien 0 Pf. franko. Wider Gottes- unh Kihelglunbeu. Zwei Schriften von vr. A. Oouai. I. ABC des Wiffens für die Denkenden. II. Eine Antwort an die Bekenner des Theismus. Dreis 00 Pfennig. Dorto 5 Pfennig. Um den Bestellem die Nachnahmegebühren zu ersparen, bitten wir bei kleineren Bestellungen den Betrag der Bestellung gleich beizufügen, bei größeren per Postanweisung vorher ein- zusenden. 448/6 Knilsti Qrifitte schmerzlos eingesetzt, festsitzend. Reparaturen sofort. Weniger slllllsil» Illljlll. Bemittelte Ermäßigung. Kreslaweki, Spittelmarkl 13. Verantwortlicher Redakteur: Hugo Pützsch in Berlin. Druck und Verlag von Max Vadiug in Berlin SW., Beuthstraße 2. Hierzu zwei Beilage» 1. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 84. Donnerstag, den IZ. April 1894. 11. Jalirg. Zisvlmnenlsderichte. Tentscher Reichstag. 79. Sitzung vom 11. April 1894, 1 Uhr. Am Bundesrathstische: Nieberding. Ter erste Gegenstand der Tagesordnung, Fortsetzung der Beralhung auf Abänderung des Handelsgesetzbuches(Kündigungs- srist der Handlungsgehilfen) wird aus Antrag Singer wegen der schwachen Besetzung des Hauses(es sind etwa 49 Mitglieder anwesend) hinter die Verhandlungen über die gleichfalls auf der Tagesordnung stehenden 13 Berichte der Wahlprüfungs-Kom- Mission zurückgestellt. Die Prüfung der Wahl des Abg. W a m h o f f wird auf Antrag von Marquardfenandie Kommission zur schleunige» ergänzenden Berichterstattung zurückverwiesen. Die Wahl des Abg. Hasse(Leipzig-Stadt) wird für gilt ig erklärt. Die Wahl des Abg. Greiß(Köln-Stadt) ist angefochten worden, weil durch die Einverleibung der Vororte Kölns der Wahlkreis eine veränderte Gestalt erhalten hat. die Veränderung der Wahlkreisgrenzen aber durch Gesetz nicht festgestellt worden ist. Da die Wahl in dem durch die erwähnte Verwaltungsmaßnahme veränderten Wahlkreise stattgefunden hat, beantragt die Koni- Mission, die Entscheidung über die Giltigkeil auszusetzen und den Reichskanzler zu ersuchen, durch Ber- Mittelung der preußischen Staatsregierung die ursprüngliche Grenze des Wahlkreises Köln-Stadt, sowie die Zahl der in den einzelneu, von der Grenzveränderung berührten Wahlbezirken zur Wahl Berechtigten nach den ursprünglichen Bezirksbestandtheilen gelrennt feststellen und dem Reichstage die entsprechende Mit- theilung zugehen zu lassen. Ohne Debatte wird demgemäß bescblossen. Die Wahlen der Abg. Weber(6. Oberbayern) und P r e i ß (Kolniar) weiden für gillig erklärt. Die Wahl des Abg. Krupp wird beanstandet und die Ver- anstaltung von Erhebungen über die behauptete Beeinträchtigung der Wahlsreiheit und Verletzung des Wahlgeheimnisses durch Vernehmung einer außergewöhnlich großen Zahl von Wahlvor- ständen und Protestzeugen beschlossen. Beanstandet werben ferner die Wahlen der Abgg. Lüttich (Schwarzburg-Rudolstadt), v. Gerlach(Köslin), Möller (Dortmund), B a n t l e o n(Ulm), Siegle(Stuttgart) und Böttcher(Waldeck); es soll Beweis über die behaupteten Unregelmäßigkeiten und Wahlbceinflussungen erhoben werden. Die Wahl des Abg. B a y e r l e i n(Bayreuth) wird für g i l t i g erklärt. Hierauf geht der Reichstag auf die Fortsetzung der zweiten Beralhung des Antrages Schröder und Genossen auf Ab- ä n d e r u n g deS Handelsgesetzbuches zurück. Nach dem Antrag Schröder sollten die vereinbarten Kündigungsfristen für beide Theile gleich und entgegenstehende Vereinbarungen nichtig sein. Abg. Singer hatte beantragt, daß die Kündigungsfrist minr estens 1 Monat betragen und auf den ersten jedes Kalendennonatö ge- stellt werden sollte. Zlbg. von B u ch k a hatte eine andere Formulirung be- antragt, wonach die Kündigungsfrist für beide Theile gleich sein und die vertragsmäßige Kündigungsfrist nicht weniger als vier Wochen betragen soll; nach demselben An- trage sollen die vorstehenden Bestimmungen nicht Play greisen, wenn die Beendigung des Dienstverhältnisses zu einem bestimmten Zeitpunkt vereinbart ist. In der letzteren Fassung wird der erste Absatz des Antrages Schröder nach Ablehnung des Antrages Singer angenommen. Die ferneren Bestimmungen des Antrages Schröder: .Beim Abgang können die Handlungsgehilfen ein Zeugniß über die Art und Dauer ihrer Beschäfliguug fordern. Dieses eengniß ist auf Verlangen der Handlungsgehilfen auch auf ihre ührung und ihre Leistungen auszudehnen" werden unverändert angenommen. Damit ist der Antrag Schröder erledigt. Abg. Singer beantragt serner zu Art. 99 des Handelsgesetzbuchs folgenden Zusatz: Vereinbarungen, welche dieser Bestimmung zuwiderlaufen, sind nichtig. Abg. Singer(Soz.): Der Artikel 99 des Handelsgesetz- buches lautet wie folgt: Ein Handlungsgehilfe, welcher durch unverschuldetes Unglück an seine Dienste zeiliveise verhindert wird, gehl dadurch seiner Ansprüche nicht verlustig; doch hat er nur auf 6 Wochen Anspruch aus Fortzahlung des Gehalts. Diese Bestimmung ist durch Vertrag m einer Menge von Fälle» für Handlungsgehilfen illusorisch gemacht worden. Man darf doch die junge» Leute nicht schlechter stellen als die anderen jungen Leute, welche der Versicherungspflicht durch das Kranlenkasfen- Gesetz unterworfen sind; diejenigen aber, welche mehr als 2999 M. Gehalt haben, sind nicht kranlenversicherungspflichtig. Es könnte allerdings durch Orlsstatut ein Zwang zur allgemeinen Kranken- Versicherung ausgesprochen werden, aber hiervon ist bisher in Soziale Kämpfe vor dreihundert Jahren. Der Toppeltitel des vortrefflichen Buches, mit dem uns Schoenlank vor einiger Zeit beschenkt hat,(Soziale Kämpfe jox dreihu ndert Jahren. Altnürnbergisckie Studien. Leipzig, Tuncker und Humblot. 1894) ist leider irreführend und daher nicht gut gewählt. Die umgekehrte Reihenfolge seiner beide» Theile würde besser und genauer den Gegenstand dieser Studien bezeichnen. Denn der Verfasser giebt uns keinesivegs .ine Darstellung der sozialen Kämpfe, wie sie das 15. und 16. Jahrhundert bewegten, sondern führt uns, auf ein reiches und sorgfältig benütztes Qucllenmaterial gestützt, nur ein Bruchstück, den von der Nürnberger Gesellenschast gegen den Rath und die Meister der Stadt Nürnberg geführten Kampf in anschauliche» öildeni vor. Altnürnbergisches Gesellenleben!— daß der Verfasser gerade dieses zum Gegenstand seiner Studien gemacht hat, dafür sind im wesentlichen zwei Gründe für ihn bestimmend gewesen: die Bedeutung Nürnbergs als Gcwerbcstadt, als ein Hanplsitz des Handels, wo„Kausmannskapital und Handwerk sich zur höchsten Blüthe entsalleten, wo das wirthschastliche und das geistige Leben in kräftigen Schlägen pulsirie und die reiche Fülle und sichere Ueberlicserung des sozialgeschichtlichen Stoffes. In der geschickten Verarbeitung des reichen archivalischen Materials jür die Nürnberger Gesellenbewegung beruht der Werth des Buches; das was über die Gesellen- t en egung im allgemeinen gesagt ist, bringt im wesentlichen nichts Neues, so daß das Büchlein durch eine Streichung dieser Partie» and eine Beschränkung auf die Nürnberger Verhältnisse ein festeres Gefüge wohl zu seinem Vortheil gewonnen hätte. Wie es schon der Doppeltitel zum Ausdruck bringt, versucht das Buch einen doppelten Zweck zu erfüllen: In großen Zügen das AU- gemeine. Gattungsmäßige in der Gesellenbewegung kurz darzu- stellen und die einzelnen Momente derselben im besonderen an )er Nürnberger Gesellenbewegung zu verfolgen. Gerade dafür scheint uns aber Nürnberg nicht geeignet gewählt zu sein— oerade wegen der Eigenarligteil der letzteren, die Schoenlank selbst an anderen Punkten(S. 5 u. 146) hervorhebt und ausfuhr keinem Falle Gebrauch gemacht worden, wie denn überhaupt die freiwillige Thätigkeit der Gemeinden auf dem sozialpolitischen Gebiet alles zu wünschen übrig läßt. Ist der Reichstag ent- schlössen, aus diesem Gebiete überhaupt eine Aenderung vorzu- nehmen, so sollte er auch diesen Antrag annehmen. Bei der vorigen Berathung hat der konservative Abg. v. Buchka dem An- trage zugestimmt, hoffentlich wird er auf diesem Standpunkte heute stehen bleiben. Abg. v. Buchka(dk.) wiederholt, daß er dem Antrage zu- stimnien werde. Abg. Schröder hat zwar für die Tendenz des Antrages große Sympathien, hält denselben aber in seinen Konsequenzen für nicht unbedenklich und kann einstweilen für ihn nicht stimmen. Ter Antrag Singer wird angenommen. Abg. Spahn beantragt noch folgenden Zusatz; Auf An- trag des Handlungsgehilfen hat die Ortspolizeibehörde das Zeugniß kosten- und stempelsrei zu beglaubigen. Der Antrag- steller führt aus, daß er die sämmtlichen Bestimmungen über die Zeugnißausstelliing als besonderen Art. 64», in das Handels- gesetzbuch aufzunehmen für das Richtige hält, damit die hierin den Handlungsgehilfen zugebilligten Rechte auch den Handlnngs- lehrlingen zugute kommen sollen. Die definitive Ordnung der Sache werde in der dritten Lesung vorzunehmen sein. Der Antrag Spahn wird darauf angenommen. Auf der Tagesordnung steht ferner die zweite Berathung der vom Zentrum beantragten Abänderung der Konkursordnung. Abg. v. Bennigsen beantragt zur Geschäftsordnung diesen Gegenstand von der' Tagesordnung abzusetzen. Die Konimission habe für denselben 23 Sitzungen gebraucht und eine Anzahl ihrer Beschlüsse nur mit verschwindender Mehrheit gefaßt. Hervor- ragende Juristen des Hauses hätten ihm versichert, daß man diesen Gegenstand nur in Tage langer Berathung erledigen könne. Dazu sei das Haus in dieser Session nicht mehr in der Lage. Abg. Rintelen(Z.) widerspricht diesem Antrag; man möge doch den Gang der Verhandlungen im Plenum erst ab- warten. Durch eine aus der Linken(inkl. Nationalliberale) und der Reichspartei bestehenden Mehrheit wird der Antrag Bennigsen angenommen. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Schluß 2'/- Uhr. Nächste Sitzung Donner st ag 1 Uhr(Handelsvertrag mit Uruguay, Abkommen mit der Schweiz betreffend gegenseUigen Patent-, Musler- und Markenschutz, Vorlage betreffend die Ab- zahlnngsgeschäfte; sämmtliche in dritter Lesung; zweite Be- rathnng der Novelle zur Konkursordnung(Vorrecht des Ver- miethers.) Abg. Nickert kündigt an, daß er morgen am Schluße der Tagesordnung in Uebereinstimmung mit dem Antragsteller vor- schlagen wird, den Antrag des Grafen Kanitz betreffend das Getreidenionopol auf die Tagesordnung vom Freitag zu setzen. (Sehr gut! bei den Deutschkonservativen.) AbgeorduetenhauS. 46. Sitzung vom 11. April 1894. 11 Uhr. Am Tische des Buudesraths: Miquel, Thielen und Koinniissarien. Die Berathung des Eisenbahn-Etats wird fort- gesetzt. Das HauS geht über mehrere zum Titel„Unterhaltung der Bahnanlagen" gehörige Petitionen zur Tagesordnung über. Der Gemeindevorstand von Itummelsburg ist wegen Be- seitigung von Schienenübcrgängen in Rummelsburg durch Unter- tührung der Verbindungsstraße Berlin-Rummelsburger Chaussee unier die Geleise der Ost- und Sch lesischen Bahn vorstellig ge- worden. Die Petition wird zur nochmaligen Prüfung an die Kam- Mission zurückverwiesen. Bei den Ausgaben für die Unterhaltung der Be- triebs mittel beschwert sich Abg. FuchS/s Stunden bis aus 100 Grad Celsius und beträchtlich darüber erwärmt wurde. Dasselbe war, wie der Direktor weiter schreibt, in allen ffällen vollständig gar. sehr saftreich, batte ein sehr gutes Aus- ehe», sowie einen angenehmeren Fleischgeschmack und Geruch, wie in Wasser gekochtes Fleisch. Der Gewichtsverlust, welchen dasselbe bei diesem Kochversahren erlitten Halle, ist im allgemeinen elivas größer als bei dem in Wasser gekochten und betrug durch- schuittlich, je nach der Qualität, 33 bis 40 pCt. des Gewichles des rohe» Fleisches. Diesen Verlust finden wir aber in deiy Aussangschalen wieder in Form von konzentrirtester Fleischbrühe. vi» sestzustelle», ob in den zu kochenden Organe» sich giftige Stoffe befände», und ob diese nach dem Kochen abgetödtel worden waren, wurden Meerschweinchen mit Tuberkelmasse geimpft, welche den fraglichen Organen vor resp. nach dem 5iochen entnommen war. Ter Erfolg der Impfung war der, daß die mil der vor dem Koche» eutnommenen Masse xeinipsten Meerschweinchen nach Verlaus von 7 Wochen an allgemeiner Tuberkulose starben, die niit Jmpsstoff aus den gekochte» Organen behandelten Meerschweinchen jedoch vollkommen gesund geblieben waren. So der Direktor der städli- schen Fleischschau. Auch uns war vor einigen Tagen Gelegenheit geboten, das unter behördlicher Kontrolle vor sich gehende Kochverfahren zu beobachten, und wir müssen bekennen, daß das von uns ge- »offene Fleisch rein und saftig schmeckte und sauber zubercilet war. Wenn es nun auch über allem Zweifel steht, daß der Arme, der sich, dank unserer herrlichen Zustände für sich und seine Familie kein vollwerthiges Fleisch leisten kann, immer besser thnt, von dem sterilistrten Fleisch der tuberkulösen Rinder und Schweine zu kaufe», als seine paar Pfennige für die irdischen Ueberbleibsel eines alten Droschkengaules sortzniversen, so bleibt es doch ein eigenes Ding um diese der arbeitenden Bevölkerung bewiesene„Wohlthat". Ucber nichts läßt sich bekanntlich mehr und fruchtloser streiten, als über die Art der Befriedigung des Gaumens. Wer sich zu Tisch setzt, der will und soll sich aller widerwärtigen Gedankm in bezug auf die von ihm zu konsumuendc» Speisen entledigen, und sowie der normal genährte Kulturniensch auch am saftigsten Hunde- und Katzenbrate» keinen Gefallen finden kann, so kann für ihn auch nimmermehr das sterilisirte Fleisch tuberkulöser Rinder und Schweins ein Ideal bilden. Ten lebendigen Beweis dafür liefert die Bourgeoisie, die sich weislich hütet, sich an dem wohlschmeckenden und gesunde» Fleisch der geschlachlelcn kranken Thiere zu erquicken. Und was der Bourgeoisie rechl ist, das soll, wofür die klassenbewußte Ar- beilerschast zu sorgen hat, dem Proletarial nicht mehr als billig sein. Unsere Pflicht al» Sozialdemokralen ist es. Zustände zn schaffe», in denen es jedem Menschen möglich ist, sowohl seinem Geist wie seinem Körper reine und undurchseuchte Nahrung zu- zuführen. Huudcbrateu. Daß die» appetitliche Gericht kein leerer Wahn ist, den nur das Hirn eine» Gerhart Hauptmann oder eines gewohnheitsmäßigen Hetzers ansbrülen konnte, zeigt jetzt eine Aufforderung, welche der Deutsche Thierschutzverei» zu Berlin, Dresdcnerstr. 45, den Zeilungsredaklionen zur Veröffentlichung zusendet. In der Aufforderung wird das Publikum daraus auf- merksam gemacht, daß hier heimlich ein schwunghafter Handel mir Hunden betrieben wird. Die Thiere iverde», so heißt es, rheilS zum Zwecke des Bcrspeisens und theils für die Vivisektion verlaust; der Preis für so ein Thier betrage in der Regel nicht mehr n-ie 1 Mark oder 1,50 Mark. Der Thierschutzverein er- sucht des Weiteren die Hundebcsitzer, aus ihre werthvolleu Thiere sorgiöltig zn achten und wendet sich schließlich an die gesaiumte Bevölkerung Berlins, ihm darin beizustehen, jenen unlauteren Hundehandel thunlichst zu unterdrücken. Das ist leicht gesagt. Unter ter gcsammten Bevölkerung Berlins sind unseres Erachtens auch diejenigen einbegriffen, welche in Ermangelung sonstiger Atzung sich von dem für ekelhaft ge- haltenen Hundefleisch nähre» müssen. Und da der hungrige Magen sich ungern um Zeitmigsaussorderungen, und scie» „das miltelallcrliche Handwerk dcn Kampf mit der mehr und mehr sich enisaltenden bürgerliche» Wirlhschafts- form anSzusechtcn halte", so stand in diesem Kampfe die organisirte und privilegirte Gesellenschast auf Seite des Hand- werks.— So ist also die Stellung der Gcsellenschast«ine zwie- schlächtige, wie sich das aus derselben zwischen Meister» und sich bildendem Proletariat in der Mitte mit Nothwendigkeil er- giebt, und der von ihr geführte Kampf ein solcher nach zwei Seite». Es ist der von den Nürnberger Gesellen gegen den Rath und die Meister geführte Kampf, der endlich 1573 mit einen» Kompromiß z, vischen den beiden Parteien endigte, de»»vir noch in Kürze berühren»vollen. Durch die soziale Enlivickelnug sah sich der Rath zivar zur Anerkennung der Gesellenorgaiiisa- tionen gszlvu»»geii, behcnmtelc aber doch die Macht der Ober- aussicht und das Nechl, die Ord»»»»g vorzuschreiben. So erkannte er z. B. in der Beutlergesrllen- Ordnung vom 10. Slugust 1531 die Organisalio» der Beuilcrgcscllen und das Recht der Arbeits- veimiillimg an, strich ober a»is den» Entwurf, de» die geschivo- reue» Meister und die Gesellen verfaßt hatten, die eigene Gerichtsbarkeit der Gesellen nebst zivei anderen Artikel», die sich gegen die verheiratbcte» Geselle» und die Frauenarbeit richtete», aus. Gegen dies Licchl des Arbeilsnachiveise» i»id die eigene Gerichtsbarkeit, die die Gesellenverbände in Anspruch»ahmen, »nid die daraus eulspruiigeneu.Mißbräuche" sind de»»» auch die Reich-tagsabschiede von 1551, 1559, 1566 gegen die geschenkte»» Hand- »verke, d. h. die ursprünglich mir dcin Recht der Schenke. Her- berge begabte» Handwerke. Mit diese» beiden Waffen»vürden die Gesellenorgaiiisationei» jeden Einfluß aus die Höhe des Ar- beilslohns, Länge der Arbeitszeit, dcn Arbeitsvertrag verloren haben und zur Uubedeulendhcit herabgesunken sei». Aufs«»ergischste» ahm den gegen die Gesellenverbände eröffneten Kampf die Reichsstadt Nürnberg aus, die sich zu diescn» Zivecke in Verbindung mit den anderen süddeutschen Neichsstädren Älugsburg, Ulm, Negcnsburg setzte. Der Schilderung dieses Kampfe» um das ttoalilionsrecht ist das 6. und 7. Kapitel des Buches ge- widmel; Kapitel ö stellr die Organisation der Gesellenoerbände »ach dem Kompromiß dar, das 9. Kapitel behandelt die Arbeits- verinittelmig. die in Nürnberg nicht einheitlich geregell war, sondern i» einigen Geiverken in Händen der Meister, in anderen in denen der Gesellen lag, die Arbeitszeit, besonder» das Halten der guten Nionlage, die Löhne und Lobiikäuipfe, für die iv»r den Leser auf das Buch selbst venveisen müssen.. ll. diese auch von schonendster Sanftmuth eingegeben, küniniert, so bleibt dem Thierschutzverein, wenn er einsichtig handeln »vill, nichts übrig, als die bezeichneten Gourmands von der Aus- sorderung zum Thierschutz auszunehmen. Wollen die Mitglieder des Vereins noch ein Uebriges thun, so mögen sie iin stillen Kämmerlein einmal sinnig darüber nachdenken, daß es mit dem Thierschutz zwar ein prächtiges Ding ist, daß es aber»virltich erst bnman gehandelt heißt,»venn man sein Theil für die Idee des Menschenschntzes thul, für den Menschenschutz, der in erster Linie Zustände in sich schließt, unter denen kein ziveibeiniges Wesen gezivungeu ist,»nit den vierbeinigen Protektions- linderndes Thierschntzvereins seinen wüthenden Hunger stillen zu müssen. Eigeuthiimliche Ansichten über die„Störung der öffent- lichen Ordniina" scheinen in gewissen Kreisen vorherrschend zu sein. Am 17. September v. I. meldete der Genosse Köster aus Schöneberg eine Volksversammlung für den Landort Kummers- d o r f an, dieselbe»vurde aber verboten, da eine„Störung der öffentlichen Ordnung' zu befürchten sei. Auf die beim Regiemugs- Präsidenten erhobene Beschwerde wurde das Verbot als nicht gerechtfertigt erklärt. Es meldete nunmehr aus Vorsicht der Reichstags'Abgcordnete des Kreises, Genosse Zu b eil, selbst die Versammlung an und sie fand auch statt. Der Bescheid des Regierungspräsidenten erging am 30. November vor. IS. Kurze Zeit vorher hatte Genosse Köster eine Versa»»nluug der Geiverkschasten Schönebergs einberufen, jedoch wlirde dieselbe in letzter Stunde vom Amtsvorsteher verboten, da»viederilm«ine„Slörmig der öffentliche» Ordnung" zu befürchten sei. Auch hier betrat der Einberufer den Be- schiverdeiveg und es erging an ihn am 11. Dezember, als« 14 Tage nach Au fbeb l»»ig des erstgenannten Verbotes, der Bescheid, daß die Beschiverde zurückgeiviesen sei,„da eine Störung der öffentlichen Ordnung vorauszu- 'ehe»,(?) ,o a r. Jnzivischen hatte die Bersammlung an einem anderen Tage in größter Ruhe getagt„ohne Störung". Auf die beim Minister erhobene Beschiverde erging sodann am 30. März d. I. die Mittheilung, daß�das Ministerium keine Veranlassung habe, in dieser Angelegenheit von Aussichtsivegen ein« ziischreitei», dem Einbernfer hätte ja der K l a g e w e g offen ge» standen! Also, ivem» die Schöneberger Genossen eine Versammlung abhalten, von»brein gesetzlich yeivährleistetei» Koalitionsrecht Ge- brauch machen wollen, so müssen sie dies erst beiin Gericht aus- klagen. Ist dies nicht zu beklagen? Daß die größten Feinde eines geordneten Ge- meiiitvesens im ehrboren»»nd befestigten Grundbesitz sitzen, ergab sich am Dienstag Abend in einer vertraulichen Besprechi», ig, »velche die Gniiideigenthünier der Nordseite des noch jnicht kcnali- sirtcn und bis jetzt vernachlässigten Straßenzuges von der Jahn- slraße bis zum Hermann-Platz abhielten, um über Mittel und Wcge zu berathschlagen, dem unhaltbare»» und der Stadt nicht zur Zierde gereichenden Zustande abzuhelfen, und der Magistrat veranlaßt»verde,» könne, die bisher nur in Aussicht gestellte Kanalisation beziv. Regulirung des Straßenzuges endlich in An- griff zu nehme». Hierbei ka»n zur Sprache, daß die städtische Bandepiltaiioii schon unter dem 28. Oktober 1892 auf eine Be- chwerde des Eigenthümers Kliem, der durch ein ain 13. J>ili stattgehabtes Geivilter erheblichen Wasserschaden erlitten hatte. anlivortete, cs sei anerkannt»vorden, daß durch Ausführung der Kanalisation Abhilfe geschasfe» werden könne. Um diese indessen zu ermöglichen— die Mittel ständen bereit(— ei zuvor die Landabtretung dem Bebauungsplan gemäß an die Stadt erforderlich. Dazu aber hätte» sich die Grund- eigenthümer nicht oder nur unter für die Stadt linaiinehmbaren Bedingungen bis jetzt entschließen könne». Tic Versanimlung war der Meinung, daß eine Aenderung der trostlosen Zustände uiiler den obivalteude» Uniständeil.kanm in absehbarer Zeil zu geivärligen sei, da gerade die Grundeigenthümer, die bei ihrer Vermögens- läge am ersten in der Lage seien. Land abzutreten»ind auch bei der Versainnilung durch Abivesenheit glänzten, trotz erfolgter Einladung(Niemetz, Pfaffeiiläuder'sche Erben), sich dem Plan zegcnüber ablehnend verhielten, eine Einigung mit diesen eutcu nach den vielen vergeblichen Versuchen auch nicht zu er- »vnrten sei. Wir»vollen übrigens die Hans- und Grnndeigenthüiner nicht beleidigen. Wen» cs an den Geldbentel geht, so sind alle ehr» baren Ordnungsuiäniier die ärgsten Anarchisten— Ausnahmen sind mit der Laterne zu snche». A»S der AcichSdriickerei wird»»»s ein Fall gemeldet, der den militärischen Charakter dieses Jnstitnls anfs»eile dokumentirt. Anfang Januar d. I. hatte sich das Gerücht verbreitet, daß sich der Kaiser die Druckerei aiisehei» wolle, die dann selbstverständlich Ichleunigst in die entsprechende Verfassung gesetzt wurde. Die Setzersäle wurden von Grund aus gemacht, d. h. die Decken. Wände, so>vie die Regale gestrichen u. s. w. Die hier im Akkordlohn arbeitenden Schriftsetzer ivaiidtei» sich mit der Bitte »in» Entschädigung für die Zeit der Renovation an ihre Vor- gesktzten,»vorauf kein anderer Bescheid erging, als daß ihnen ain olgciidei» Tage die Akkordarbeit, die einen wesentlich höheren Verdienst ermöglicht als die Arbeit im Taglohn-- entzogen wurde. Durch eine ziemlich genaue Berechnung hat man nun nnoeblich festgestellt, daß einige sdieser dergestalt gemaßregelten Arbeiter seildcn» in der Arbeitsleist»ing so weit herabgegangen sind, daß der Werlb der geleisteten Arbeit mit dem dafür gezahlten Loh», um ca. 2 M. pro Woche differirt. Anstatt nun die Arbeiter,»vie das vielleicht ein Privatunternehmer, wsiiii er sich geschädigt(staubt, gethan hätte, zur Ersülliing ihrer Pflicht au- zuhalten, niinint man ei»„Komplott" an und kündigte an» letzten Freitag fünf Setzern,»neift verheiratheten Leuten, die 13>/», II, iV\, 4 und 21/i Jahre dort schon thälig waren, auf grund des Z 1 der Arbeitsordnung, der da lautet:„Jeder Arbeiter ist ver- pstichlct,... das Jnlereffe der Reichsdrnckerei in jeder Hinsicht zu»örderi» ec."— Es läßt ja, so äußerte sich kürzlich einer der maßgebenden Herren, die Direklion ganz kalt, was die Zeitungen über sie schreiben, deshalb braucht nian über die Bedeutung der Erörterung dieses Falles nach dieser Richtung hin nicht im Unklaren zu sei». Wir lassen uiis auch darum in der Annahme genügen, daß die Verwaltung dieser staatlichen Anstalt in münschcnswcrtber Weise hierdurch die Erkennlniß bei der Masse befestigt, daß selbst laugjährige treue„Dienstzeit' den Arbeiter auch nichl davor schützt, bei der ersten besten Kleinigkeit aus daS Straßenpflaster geworfen zu werden. Die verklagte Hoheit. Durch Aushang a» Gerichtsstelle und „öffentliche Zustellung" in»„Ncichs-Anzeiger" ladet dre Gerichts- ■chreiberci des königliche» Landgerichts I Berlin Se. Hoheit den Prinzen Aziz Hassan Be»), zuletzl in Berlin, Barulherstr. 5, jetzt unbekannten Ausrnthalls, auf eine von dein Kalifmani» Julius Berger in Berlin, durch den Rechtsanivalt Bauer, hier, erhobene Wechselllage»vegen 2000 M. nebst 6 pCt Zinsen und 17,37 M. Wechseluukosteu vor die erste Kammer für Handelssachen, ans den 29. Juni 1894, Vormittags 10 Uhr, zur Verhandlung des Rcchlsstreits. Ob Hoheit geruhen»verde», in die Erscheinung zu lrelc»? Wir glauben kaum, daß Hochdieselben wegen solcher Lappalie ihre durchlauchligsten Beine in Bewegung setzen»vcrden. Ein aufregender Vorfall ereignete sich dieser Tage in der §ricdrichstraße. Ein armer Krüppel, der 59 Jahre alle Händler sidor Knopp aus der Zionskirchstraße 9,, vurde nm die Miltags- zeit in eine»» Fahrstuhle von der Mohrenstraße aus über den Dänin» gebracht. In diesem Augenblick fuhr ein Arbeitsuiagen in scharfer Gangart heran, und der Kutscher Wilheln» Bürger aus der Denneivitzstraße 7 konnte auf dein Asphaltpflaster nicht mehr rechtzeitig Herr seines Gespanns»verde». Unter dein Auf- schrei des Publikums erfolgte ein Zusammenstoß des Arbeits- »oagens mit den, Fahrstuhl, aus dem der Krüppel auf die Straße geschleudert wurde. Knopp»vurde mit Verletzungen nach seiner Wohnung gebracht. Gefahr für das Leben ist nicht vorhanden. vegen den Kutscher ist die Sache anhängig gemacht worden. Ei» Politischer Gefangener iu fsessel»! Der früher in Pankow, jetzt in Nieder-Schönhausen ortsangehörige Töpfer Z. war wegen des sogenannten Vergehens der Majestätsbeleidigung zu sechs Monate» Gesängnih verurtheilt worden: als er einige Zeit nach erfolgter Verurtheilung die Aufforderung zum Straf- antritt erhalten batte. unterließ er es. sich freiwillig zu stellen._ Am Montag Morgen konnte man nun das Schauspiel sehen, daß der Töpfer Z. vom Gemeindediener des OrteS Nieder- Schönhausen gefesselt nach Plötzense» übergeführt wurde! Eine Verurtheilung zu schwerer Strafe wegen einer Handlung, die nur noch in solchen Ländern als Strafthat betrachtet wird, welche in geistiger Kultur zurück- gehalten sind, und dann die Fesselung des Verurtheilten— das ist ein Bild, welches einzig des Landes würdig ist. dem der Gewaltmensch Bismarck das Zeichen der Knechtschaft und der Kuechtseligkeit ausdrücken durfte. Wie bcklagenswerth. wie niedrig stünde unser armes Vaterland da. wenn in ihm nicht Millionen Sozialdemokraten in der Ueberzeugung lebten, daß es an ihnen ist, Deutschland zu einem Kulturlande zu erheben. Auch iu Pankow giebt eS keine» Nothstand. Zu diesem in Str. öl des„Vorwärts" mitgetheilten Artikel wird uns von der Armenlommission berichtigend unlgetheilt: 1. Es ist un- richtig, daß das Kommissionsmitglied. Herr Schneidermeister Bilz, gegen die Ausführungen der mit der Zlecherche beauftragten Mitglieder, welche in 3 von K Fällen eine Ablehnung des Unter- stiitznngsgesuches beantragten,„energische Einwendungen" erhoben habe. Derselbe hat vielmehr sich diesen Ausführungen an- geschlossen und in diesen drei Fällen mit sämmtlichen Mitgliedern für die Ablehnung g e st i m m t. 2. Der Arbeiter Hoffmann habe bereits wieder Arbeit gefunden, als er sich erhängtet nicht Arbeitslosigkeit und Nothstand, soudcnr andere Gründe haben seinen Selbstmord ver- anlaßt. Ohne auf die Tendenz des betreffenden Artikels irgend- ivie näher einzugehen, erklärt die unterzeichnete Kommission, daß ihre Miiglicder sich keine„bequeme Meinung" des ein- zeluen! Falles bilden, sondern jedesmal genau und gründlich untersuchen, und daß sie selbst aus grund dieser Recherchen und nach eingehender Erörterung völlig unparteiisch ihre Be- schlösse saßt. Die A r m e n- K o m m i s s i o n. gez. Bußler. Dr. Fischer. H. Grünenthal. Gramms. Ed. Schulze. Sceaer. E. Grunow. Hartwig. Mosel. Grünthal. Pichl. Sello. Rahn. Zu dicser Berichtigung bemerkt unser Genoffe Bilz-Pankow: Zwar habe ich gegen die Unterstützung zweier Leute gestimmt, von denen der eine als ein Trunkenbold und der andere als einer Unterstützung nicht bedürftig von den betr. Kommissions- nntglietern bezeichnet wurde, wohl aber habe ich gegen die be- kannten Ausführungen des Herrn Nahn Einspruch erhoben und für «n. en bedürftigen Arbeiter W., wie wohl noch erinnerlich sein dürfte, IllM. durchgqetzt. Betreffs des Arbeiters Hoffmann bemerke ich, daß er seit kurzem Arbeit gefunden, jedoch seine Entlassiing zu gewärtigen halte, weil es ihni infolge Mittellosigkeit an der Möglichkeit ge- brach, sein Krankeiiknsseiibuch in Ordnung zu bringen. Dies» neu» Widerwärtigkeit trieb den Armen zu dem Verzweiflungsakt. Im Uebrigen ist es auch meine Ansicht, daß die Parleiangehörig- keit mit den Beschlüssen der Armcn-Kommissionsmitglieder nichts zu Ihun hat und daß jedes Mitglied seine Recherchen nach bestem Wissen und Gewiffen erledigt. Der Hinweis, daß obiges Schrift stück weder von mir noch von dem Genossen Lübig unterschrieben ist, wird, denke ich. sür die Genossen genug sagen. Bilz. Arteiterrisiko. Am Mittwoch Mittag siel der Arbeiter Schulze, Hirtenstr. ö, drei Stock hoch vom Bau herab. Er erlitt am Kopf und am Arm so schwere Verletzungen, daß er mittels Droschke nach dem Krankenhause befördert werden mußte. Mit eiuer praktischen Neu-Einrichtnng will in kurzem ein Unternehmer vor das Berliner Publikum treten, vorausgesetzt, daß ihm seitens der Behörden nicht zu viel Schwierigkeiten ge- macht werden. Derselbe beabsichtigt nämlich, an srequenten Stellen, besonders vor Bahnhösen, kleine elegante Pavillons zu errichten, in welchen dem Publikum gegen das geringe Entgelt von 5 Pseimigen Waschgelegenheit geboten werden soll. Eine solche Einsührung würde sich der besondere» Gunst der an- komniciiden Reisenden zu erfreuen haben, die bei eventueller Be- mitzuug der Waschloiletten in den Bahnhösen Lb Pfennige und noch mehr zu entrichten haben. Tie Raupen deS General-Postmeisters. Hierzu wird uns noch aus unserem Leserkreise geschrieben: Ihre Mittheilung in Nr. 79. daß die Raupen auf den Bäunien iui Reichspost-Garten überhandnehmen und sich von da auf die Nacdbargrundstücke verbreiten, so daß die Betroffenen sich in Klagen über diesen Um- stand ergehen, nimmt mich Wunder. Warum? Erstens, weil sich im Postetat unter Tit. II der Ausgaben ein Posten von 30 ovo M. befindet, der im Dispositiv die Bezeichnung trägt:„Zur Unterhaltung der Dienslgebäude auf dem Grundstückskomplex Leipzigerstraße Nr. 14 bis 18.. ferner zur Unterhaltung des zum Dienstgebäude i n der Leipzigerstraße Iv gehörigen harten s� zweitens weil man noch nie gehört hat, daß Herr w Stephan sich zu Gunsten des Staatssäckels in seinem Ressort besondere Beschränkungen auserlegt hätte.(Ver- gleiche die Vergrößerung seiner auf Gesellschaften von 500 Personen berechnete Dienstwohnung auf Staats- kosten.) Sollte dies dennoch jetzt in diesem Punkte der Fall sein, so wäre es um so höher anzuschlagen, als ich geneigt bin an- � zunehmen, daß Herr v. Stephan, einem auswallenden Gefühle der Großherzigkeil und dem schönen Bibelspruche:„Wer zweien Röcke hat, der gebe dem, der keinen hat" folgend, beabstchligt, die Ersparniß aus diesem Titel der Wiltwe unseres unglücklichen Kollegen, des Postschaffners Aug. Weber zu überweisen. Und dann könnte man mit dem Erfolge der Postetats-Debatten wohl zufrieden sein. Ein Uiialücksfasl nnaewöhulicher Art kam am gestrigen Cpätabend auf der Oranieuburger.Saintälswache zur Behandlung. Ter sechsjährige Sohn Edwin des in der Hessischenstr. 4 wchncndcn Arbeiters Semmler spielte gestern Abend in der elterlichen Wohnimg mit seinen bleiernen Soldaten am Spiel- tische Krieg, wobei er mit einer kleinen Kanone mit Knallerbsen nach der aufgebauten Festung schoß. Eine Knallerbse flog hierbei gegen den Zylinder der auf dem Tische stehenden Petroleum- laiupe, der Zylinter zersprang und ein glühend heißes Glas- theilchen flog dem Kinde in das rechte Singe. Bevor die glühende Glasmasse wieder herausgeschafft werden konnte, hatte sie in dem Auge bereits unsäglichen schaden angerichtet, sodaß man im Lazaius- Krankenhause, wohin der unglückliche kleine Edwin von der Sanitätswache aus geschasfl wurde, leider wenig Hoffnung auf Wiederherstellung des schwer lädirten Auges geben konnte. Schon»vieder ist der Kriminalpolizei das Verschwinden eines Schulmädchens gemeldet worden. Am 2. April, 8 Uhr Morgens, verließ die am 30. November 1883 geborene Emma Einn eisen die elterliche Wohnung in der Panlstr. 3, um aus die traße hinunter zu gehen und von diesein Augenblick an ist die Kleine spurlos verschwunden. Nachforschungen in Krankenhäusern, Kliniken u. s. w. durch die sofort benachrichtigte Polizei haben kein Resultat ergeben, so daß nur die Annahme vorliegt, daß das Mädchen verschleppt worden ist. Di« verschwundene Kleine ist sür ihr Alter gut entwickelt, hat starkes hellblondes Haar, und mar mit einem rolhen Trikolkleid, blaugestreifter Schürze, Leder- paiiloffelii und schwarzen Strüinpsen bekleidet. Mau wolle M«l> düngen, die irgend einen Anhalt über den Verbleib des Kindes geben löiiiien, bei dem nächstbelegenen Polizeibureau oder bei den Eltern der Vermißten machen. Polizeibericht. In der Nacht zum 10. d. Mts. wurde vor dem Hause Borflgftraße II bei einer Schlägerei zwischen zwei Arbeitern der eine zu Boden geworfen. Er erlitt dabei außer einigen Verletzunaen am Auge einen Bruch des Borderarms und mußte nach dem Krankenhause gebracht werden.— Am 10. d. M. Nachmittags gerieth auf dem Zionskirchplatze ein dreijähriger Knabe unter die Räder einer Kutsche und erlitt mehrere Rippen- brüche.— Vor dem Hause Paukstr. 45 lies ein l2jährig«r Knabe, der einem Pserdebahnwagen nachgerannt war und fortgewiesen wurde, gegen einen in entgegengesetzter Richtung fahrenden Pferdebahiiwagen und wurde dabei am Kopfe erheblich verletzt. — Als Abends ein Handwerker in die im ersten Stock des Hauses Dunckerstr 6 belegene Wohnung seiner bis- herigen Wirthin gewaltsam eindrang, sprang deren 12 Jahre alte Tochter, die sich allein in der Wohnung befand, aus Furcht vor Mißhandlungen durch das Fenster auf den Hof hinab und erlitt einen Bruch des Unterschenkels.— An der Ecke der Koppen- und Großen Frankfurterstraße wurde ein lljähriger Knabe durch einen Geschäflswageu überfahren und am �uße bedeutend ver- letzt.— Im Hause Lützowstraße 23 fand ein Schornsteinbrand statt. WitteruugSiibersicht vom 11. April. Stationen. Swisteinünde t aniburg. erlin.. Wiesbaden. München. Wien.. Haparanda Petersburg Cook... Aberdeen'. Paris.. A g?» •J 3<3"H £ s ~ M OJ 2 JO sS 'S x jqW C JO C »CS I -L 1=3*** leitet £ 768 767 768 763 764 765 774 769 759 762 762 NO OSO O O O NNW Still NNO NO SSO Still 2 4 2 1 2 2 2 2 1 halb bedeckt wolkenlos heiter wolkig heiter wolkenlos bedeckt bedeckt Regen heiter bedeckt ZZs: I II Sfö sa 5 II & 11 6 8 -4 2 10 ' 12 12 Witterung in Deutschland am II. Aprik, 8 Uhr MorgenS. Längs der Ostseeküste, sowie zwischen Rhein und Weser hat sich der Himmel bewölkt; in den übrigen Landestheilen ist das Wetter heiter, und allgemein ist es noch trocken geblieben. Die Temperatur, welche auch gestern Nachmittag 20 Gr. Celsius viel» fach überschritt, ist in der westlichen Hülste Deutschlands heute srüh noch ein wenig höher, als vor 24 Stunden, dagegen ist es im Ostsee-Gebiete, wo die Winde sich nach Nordost gedreht habe», ziemlich kühl geworden: in Memel liegt die Morgen-Temperatur nur 1, in Nensahrivasser 2 Gr. über den Gefrierpunkt. Berliner Petterbureau. Wetter-Prognose für Dounerstag, den IS. April 1894. Trockenes und vorwiegend heiteres, etwas kühleres Wetler mit frischen, nordöstlichen Winden. Berliner Wetterb ureau. Gorröliks-Ileikuttg. Heber den Stand der Prozesse, den die Mitte Januar entlassenen 17 Chorsänger gegen den Linden-Baiivmin führen, ersähet die„Biihiiengeiiossenschaft": Die Prozesse sind nnmnehr in erster Instanz mit einer Ausnahme sämmtlich zu gunsten der Chorsänger entschieden worden. Danach ist erstens die Entlassung des männlichen Chorpersonals in der von den Chorsängern geschilderten Weise durch ein Machtwort des Herrn Arendt wirklich verfügt worden, was von der Direktion des Linden-Theaters im Prozesse bestritten wird, und zweitens ist diese Entlassung ungerechtfertigt. Nur zu uugunsten des Chorsänger- Keller ist auf grund der Beweis- aufuahme aiigenommeii worden, daß infolge eines von ihm nur mündlich mit der Direktion vereinbarten unvollkommenen Ab- kommens seine Ansprüche nicht weiter als von einem Tage zum andern reichten, kiellcr will sich bei dieser Enticheidung ebenso wenig beruhigen, wie der Linden-Bauverein in den übrigen Sachen, und so wird denn aller Voraussicht nach der ganze Streit noch einmal in der Berufiiiigsinstanz erörtert werden. Deutsche Kultur. Wegm Beleidigung des Kronprinzen von Preußen, eines, wenn wir nicht irren, zwölf- bis vierzehnjährigen Knaben, ist der Hultenarbeiier Wilde in Königs- Hütte vom Landgericht Beuchen zu der furchtbaren Sirafe von neun Monaten Gefängniß verurtheilt worden. Koniinentar überflüssig. In ausgedehnter Sitzung hatte das Schwurgericht am Landgericht I eine Anklage wegen Verbrechens gegen ß 213 St.-G.-B. gegen die Hebamme Antonie Boginski und sieben ihrer weiblichen Klienten zu verhandeln. Frau B. betrieb die in dem gedachten Paragraphen mit Strafe bedrohte Unter- drückung keimenden Lebens gewerbsmäßig und soll sich eines be- ventenden Zulaufs von Frauen und Mädchen aus den ver- schiedeuslen Gesellschailsklaffeu ersreut habe». Ihre verbrecherische Geschäslspraxis ist durch die Kriuiüllnalkonimissarien Damm mid Ostthcereii, sowie durch mehrere Polizei-Ageuten aufgedeckt worden. Auf grund des Wahlspruchs der Geschworenen ver- nrtheille der Gerichtshof jdie Angeklagte Boginski zu 6 Jahren Zuchthau?. Bon den Mitangeklagten wurden zwei freigesprochen, im Übrigen lauteten die Strafen aus iJahr 3 Monate. 6 Monate und 2 Monate Ge- fängniß. Ein Miistevbeamter. Das Schwurgericht in Gleiwiy ver- handelte dieser Tage gegen den Polizeisergeanten Honuek ans Peiskreischam wegen Brandstiftung. Die Geschworenen er- achleren H. für überführt, 13 Brände angelegt zu haben, und der Gerichtshof verurtheilte ihn zu zehn Jahren Zuchthaus. Das Motiv scheint gemeine Gesinnung gewesen zu sein, indem sich H., der sich im Dienste sehr unbeliebt gemacht hatte, für Beschwerden durch Brandlegung zu rächen suchte. Eine weibliche Riickkonipngnie stand gestern vor der ersten Strafkammer des Landgerichts l.' Die Ehefrau Marie Gott- s ch a I k hatte in einem Hanse in der Urbanstraße eine Wohnung inne. Es war ihr zum 1. August vor. I. gekündigt worden, da sie die Miethe iür Juli aber noch nicht bezahlt hatte, so hatte der Haiisverwalter Fiebig sich das Zurückbehaltungerecht an den Möbeln ausbediingen. In der Mittagsstunde des 28. Juli vorigen Jahres erschien nun ein kleiner Möbelwagen vor deni SaUse und ein Dutzend fleißiger Hände regte.sich, um die achen der Frau Gottschalk herauszuholen. Innerhalb zehn Minuten war die Wohnung fast vollständig geräumt. Als der Verwalter merkte was vorging, wollten Frau Gollschalk und zwei getreue Nachbarinnen, die Arbeiter-Ehefrauen Wilhelmiiie Sommer und Luise R i e s a ck, gerade das letzte Stück, eine bereits auseinandergenommene Bettstelle, hinaus- tragen. Fiebig verbot den beiden fremden Frauen die Wohnung und untersagte der Frau Gottschalk das Fortschaffen der Bett- stelle. Ein dreistimmiges Hohngelächler war die Antwort. Fiebig riß sodann die eine Längsseite an sich und versuchte auch, sich in den Besitz der zweiten zu setzen. Da ging es ihm aber schlecht. Die Frauen Gottschalk und Sommer schlugen ihn mir dem schweren Brett über den Arm, sodaß er seine Beule wieder fallen lassen mußte. Dann fielen sie über ihn her und bearbeiteten seinen Kopf mit Fmistschlägen. Die Dritte. Frau Riesack, ließ es au kräftigen Ermunterungen, dem Verwalter keine Gnade zu schenken, nicht fehlen, während sie sich deS letzten Möbels bemächügie und auch diese» auf die Straße trug. Inzwischen hatten die beiden streitbaren Weiber von dem Verwalter abgelassen, Frau Sommer gab seinem heruntergefallenen Hut noch einen so kräftigen Fußtritt, daß er nicht mehr zu gebrauchen war, und dann eilten sie zum Wagen hinaus, der inzwischen von nicht ermittelten Männern beladen worden war. Die ganze Rückkompagnie führte im Davongehen eine Art Siegestanz auf und schüttete Hohn und Spott über den ihr nachblickenden Verwalter. Auch im gestrigen Termine verrielhen die drei Verlreterinnen des „zarten Geschlechts", daß sie Wehrkraft besaßen„Jst Allens nicht wahr!" behaupteten sie nach der Vernehmung eines jeden Zeugen. Der Gerichtshof verurtheilte die Sommer zu fünf, die Gottschalk zu drei Wochen und die Riesack zu 10 Tagen Gesängniß. „Ick nehme die Strafe nich an",„Ick ooch nich" und„Ick erst recht nich". Damit verließen die Verurtheilten den Saal. Der Zeuge Fiebig hielt sich in respektvoller Entfernung. Ter Räuber anS der Wnhlhaide, Maurer Gustav Paul Krause aus Berlin, der am 26. Juni v. I. vom Schwur- gericht am Landgericht 11 wegen schweren Straßenraubes in einem Falle zu acht Jahren Zuchthaus verurtheilt wurde, stand heute wiederum vor dem Schwurgericht am Land- gericht II. um sich wegen vollendeten Straßenraubes in drei Fällen und wegen versuchten Straßenraubes in einem Falle zu verantworten. In den heute zur Anklage stehenden Fällen ist die Untersuchung schon einmal eingestellt worden, weil die Opfer den Räuber nicht mit ausreichender Bestimmtheit rekognosziren konnten; daß das Verfahren wieder aufgenommen und mit Erfolg durchgeführt werden konnte, das hat eine„Ballonmütze" zu Wege gebracht. Als im Juni gegen Krause verhandelt wurde, der aus dem Waldwege zwischen der Oberspree und der Bahn- station Sadowa der 63jährigen Frau Rohleder 72 M. gewaltsam weggenommen hatte, stellte sich heraus, daß der Räuber auf seinen Raubzügen stets eine Ballonmütze getragen hatte. Eine solche Mütze befand sich bei den Sachen des Angeklagten. Sie wurde zur Stelle gebracht, der Angeklagte mußte sich damit bedecken upd nun wurde er von allen Zeugen mit vollster Bestimmtheit rekognoszirl, worauf die Staatsanwaltsthaft von Neuem Anklage erhob. Die Ballonmütze spielte auch ui der heutigen Sitzung eine hervorragende Rolle. Mit Hilfe derselben wurde der An- geklagte überführt, am 19. Juli 1392 die unverehelichte Hermine Fehmel aus dem Wege von„Sadowa" nach„Ostend" überfallen und unter Bedrohung mit dem Verluste des Lebens der- selben eine Uhr, und das Porleinonnaie mit 3 Mark Inhalt geraubt zu haben. Im Frühjahr 1893, kurz nach der Beraubung der Frau Rohleder, welche ihm die vorerwähnten 8 Jahre ein» trug, hat er in der Nähe des Treptower Bahnhofes die unver- ehelichte Fürschner überfallen, dieselbe durch die Drohung, sie mit dem in seiner Hand befindlichen Messer niederzustechen. am Schreien verhindert und ihr das Portemonnaie mit 5 M. abgenoniuicn. Am 15. April v. I. befand sich eine Frau Busch auf dem Wege. zwischen„Bahnhof Baumschulenweg" und Treptow, als ihr aus einem Gebüsch heraus der Angeklagte mit dem blanken Messer in der Hand entgegen stürzte und ihr Geld verlangte. Die Frau hatte nur 20 Pfg. bei sich, die sie in ihrer Angst zwar hergab, doch klagte sie, daß dies ihr ganzes Vermögen sei und sie den Liest des Tages hungern müsse. Wurde nun der Räuber von einer weichmüthigen Regung ersaßt oder war er der Meinung, daß eS sich nicht der Mühe verlohne, um 20 Pfg. einen Straßenraub zu begehen,— genug, er gab der Fran die 20 Pfg. wieder. Zwei Tage später— am 17. April— fiel er in derselben Gegend die Arbeiterin Martha Sommer an, welche nach der Coundö'schen Färberei zur Arbeit gehen wollte. Er riß ihr das Jaquet auf und verlangte ihre Uhr. Sie entwand sich seinen Händen und lief Hilfe- schreiend davon, doch holte er sie wieder ein,, als er aber nach der Uhr griff, kamen Leute in Sicht, welche im Auftrage des Treptower Amtsvorstehcrs auf den Räuber vigilirten und min ergriff er die Flucht. Er entkam zwar, doch wurde er bald darauf von der Polizei gefaßt. Er bestritt, wie früher, hartnäckig seine Schuld und versuchte einerseits sein Alibi nachzuweisen, anderer- seits den Arbeiter Paul Pfleger als den Thäter zu bezichtigen. Beide Versuche mißlangen kläglich. Pfleger wurde den Be- raubten vorgestellt, welche mit vollster Bestimmtheit behaupteten, nicht Pfleger sonder» der Angeklagte sei der Thäter. Bezüglich seines angebotenen Alibibeweises mußte ihn sogar die eigene Mutler im Stich lassen. Tie Geschworenen bejahten sämmlliche Schuld- fragen. Der Staatsanwalt beantragte sieben Jahre Zuchthaus. weil der Angeklagte mehr als fünfzehn Jahre nicht bekommen könne. Ter Gerichtshof nahm zwar als Einsatzstrafe für jeden Fall 3 Jahr Zuchthans an, summirte diese Einsatzftrafen jedoch auf eine Gesanimt-Ziisatzstrafe von 4 Jahren Zuchthaus, so daß derselbe noch 12 Jahr zu verbüßen hat. Als der Augellagte dieses Urlheil hörte, rief er laut und höhnisch:„Na, det is man int, nu kann d er S t a a t s- a n w a l t die andern drei Jahr alleene abmachen!" und als ihn der Gerichlsdiener zum Gefängniß zurücksührte und zum Schnellergehen aufforderte, meinte der Angeklagte:„N a ni a n immer langsam, sonst k r i e g e n S i e e e n p aar in die Fresse, det Sie vorneweg loosen!" DeiTammUmgeu. S»li»Idc»ie!,r>>ti>>tz»r Agitatio»«»«»»,» fiiriM« Krrif« Ul>t<«»t>«eo, Schwciiiil». T»rga>l und«ersammlunz heul«, Z>oi>n«lslag, de» iz. v. M., Adendü 8 Uhr, in den Arminhalle«, Kommandanleiiftr. ao. vorlraz de» NeichZlnqS-Abgeordneien Fritz Zubei!. Krauen- und Mädchen. gildu»o»v«r«in de» arbeitend»» Palii!» sür DerUn und Umgegend. Versammlung der Filiale Moabil am Donnerslag, den Ii. d. M., Abend»*<% Uhr, in Ahrens Brauerei, Thurmstr.»i-ii. Bortrag deS Herrn Ad. Hossmann über den Kampf ums Dasei». zierband dcutschee Sarbier»»tr., Kretin, Filiale Norden. Berfamm- luug am Tounerstag, den Ii. April, Ahends iv Uhr, bei Belli», Brunnen- straße z«. zeliriinesii» der Kerlinrr Arbeiter und Arbeiterin»»» xnr ersten Mise bei zl»->üch«säUe». Donnerstag, de» It. April, AbcndS v Uhr, bei Boltz. Alle Jalobstr. 7«: Ausnahme de« Inventars und Borstandssitzung. «esrlliger perein Lerth». Sitzung bei Roll, Adalberistr. iii, ilbendS » Uhr. Ardeiter-Kildungafchul». Donnerstag, NbendS S�ioz; Nhr: Nord» Schule, Müllerstr.>78»; üieschichie(neue). Südost-Schul», Waldemar- strasts It: Seschichle(alle). Bei allen Unlerrtchlisüchern werden neue Thcil- nehmer, Damen und Herren, teder Zeit ausgenommen. Bei allen UnlerrichiSsüchcr» tonnen Schüler und Schülerinnen auch jetzt Im Lause des Semesters, einlreten. frse-«. lliobntirklnb». vaunrrstag. Dietzgen, Abends s!; Uhr, chröder, Wiesenstr. zg.— N eue Z e it, Abends 8Ji Uhr, Boyenstr. 40, bei wiesdo».— Süd-Ost, bei TollSdors, Eorauer- und ISvrlttzerstraöen Ecke.— »lud der Freunde bct»nadl, Swinemünderstrahe 120.— Halene lever, AdendS s)i Uhr, Restaurant Bischof, Baumschulenweg Dreptow.— Sviialistischer Lese- und DiSIutirllub Abends s% Uhr, Reichenbergerstr. 107, Sitzung.— DiSlutirtlud„Zeitgeist' jede» Donnerstag nachdem I. und Id. de« Monat« bei Tenipel. Langest?.«r,, Abenvs Sj: Uhr.— DiSkutirtlub„Bleich heit"(Wsitsnsee) bei KlebS, Chor- lottcnbumer- und Roeltestrabcn- Ecke, Abends«)( Uhr.— August Betb AdendS» Uhr tm Restaurant Zubeil. Arbeiter-KSngrrbnnd BerltnS und Umgegend. Alle Aenderungen im BereinSIalonder sind zu lichten an Frtedr. Korium, Manieusfelstr. 40, v. 1 Tr. toiilierstag. UebungSstunde Abends»Uhr. Aufnahmel neuer Mitglieder.— t. Urb an, Annenftr. s, bei Protz.—» 0 r n b l u m e, Br. Franlsurlerftr. isa b Bold.—Früh ItngSlust, Bülowstr. s», bei Werner.— B r e tz s l f ch l u st, Annenstr. 10, bei Ehrenberg.-Weiße Rose. Reintckendors, Seeschlobcheu bei Böttcher.— Morgen rothl, RummelSburg, Berlinerstraße 0, bei Friesecke— Dorf glöcklein, Wilmersdorf, Berliner- und Auguflstr.-Eckc bei Schulz.— E i n t g t« t t(Huwiacher), Pappel-Allee s/«, v. A. Meinhard!.— Harmonie. Dempelbof, Dorffir. 10, bei B-rth.-Ost-und West preußischerMänner- B e fongoerein. Neue Königftr. 7S, bei Hahn.—Edelweiß», Polsdam Brandenburger»ommunilation 10 bei Blaser.— Borax, Retchenberger- straße ie« bei Schult.— Freie Sänger, Mautstraße», bei Rudolf.— Z u l u n fr 3, Vellen, det W. Brunow.— Kreuzberger Har- monte, Hasenhaid« ds— 53, Kurth'« Salon.— M orgenara u e n(Bäcker) 4-5 Uhr Nachm. Königstr. 7» det Hahn.— Steinfeyer-Sänaerchor «aft-ni-n Allee Nr. 28 det Maiwald.- Liedes Echo, Reich-nberaer- straße Nr. 24 bei Tauschte.— Vorwärts«, Eharlolteuhura. Bismarck» straße 80.— A b e n d r 0 t h in Alurtch- Wilmersdorf bei Möller.— Besangverein der Stuckareure Bärt-»und Umgegend, Teudelstr»0 bei Preußcr.— Arbeiler-Wesangveretn<.> �.u Nenmeisterstr. 5 bei«tadle — Vorwärts 2 Schönhauser A-iP. Kuhlmei,.— Lara 2,«har- lottenburg, Wallstr. 54.— Besangrd.\7T Kürschner, LandSbergerslr 31 bei Tcchauscn.— Biockenreiiw Achter Ehor) Kastanien-Allee 8ä/» n» r a ch l L. 9l«u.-aHeiüde, SHubeibevftr. b. HaSbors.— Arbeiter- Oefanno. OranienburgerBorstabl, Hochstr. 3Sa b, fflife.— Liberi« l. SuDiqftv. 24 bei bei Zhielsch�— Flöler'schcrWcs an gvsrein, Koppen- kr. es c bei Lorenz.— S i n t r a ch l 3, vberswaide, Sisenbahnstr. n bei Tüball. — T i i a n i a, Cuvrqsir. 4» bei Tielsch.— Morgenrolhz in Köpenill. Mugyelheiinerftr. 4 bei Hclb.— Alpenrose, Forslersir. 22.— A rion 2, «borinerstraße 27 bei Hailand.- Felsenfest(sein. Chor). Neue Hoch- Krabe 42 bei Paul Alimann.— Jungs Eiche, Reiniclendorf, Sesellschafis- Krabe U bei L. Harimann.— Freundschasi I, Brunnensir.>43 bei Osioald Berliner.— Maiglöckchen 2, Reichenberaersir. is bei Hofsmann. Gund der gesellige» Ardeitervereine Keriina und Umgegend. Ave Zuschrifien den Bund beirefsend find zu richten an: P Senl, Adalberlslraße oz. Zionnrrstag: BergnügungSoeretn Bruderbund, Andreasftr.$ bei Noll.— Rauchllub Graue Wolke, Krautstr. 48. � Verein Grun«Eiche(vor dem Halle'schen Thor), Solm-Zstr.> bei Kayorke.— «crgnügungsverein Jugend lusi. Ohmgasse 2 bei Krebs.— Rauchllub Dezimalwaage. Krautstr. 32 bei Justnger.— Rauchklub Erholung, Wi-nersir. 13 bei Tricschuer.— Rauchllub Elvira, Abends S Uhr bei Bringborn, Madaisir. 12.— Humuriilischer Klub Universum, Beteranen- Krabe 18. bei Echulz.— Bruderlichkeii, Pücllerstr. 42 bei Stabernack.— Geselliger Klub der alten Moabit er. Emdener- u. Wadenserstr.-Ede bei Echirnier, Abends g-io. «»sang-,»urn- und gesellig» Uereiue. Nonnerkiag, Männer- Sesangverein Alt-Dessau. Abends 2 Uhr, bei Sind, Wrangelstr. si.— «esangsablheilung des sozialdeniokralischcu Arbeitervereins für Weißense« und Umgegend. Donnerstags und Sonnabends Abend bei Milder(Pfelfenmuiier), Königs- Ehauffee.— Männer- Sesangvereln Dqroltenne, Abends 2 Uhr bei Faustmann, Reichenbergerkr. 7Sa.— Gesangverein S l o den re in. gemischler Ehor, Abends von 2 bis n Uhr bei Knarp, Kastanien Allee 26—98.— Musil-Dileltanlenverein L-Hengrtn, Abends 8!s Uhr, bei Trischmann, Jüdenstr. 65. Zheaierverei» Freundeskreis 9 Uhr im Restaurant Bräuer, Eoms- sirabe 47.— Thealerverein Crescendo bei Maibner, Gartcnstr. 162.— Theatcrverei» Maig lödchen. Englischer Hof, Neue Robttr. 3.- Thealer- Gesellschaft Harmonie, Donnerstag Abends 2� Uhr, Chorinerstr. 56.— Privallhcatcr-Sesellschasl Philharmonie, Sitzung mit Damen Donnerstag, bei Nowak, Manteustelstr. 2. Geselliger Klub Blau- Beilchen, Abends 2 Uhr, bei Schönwälder Oranienstr. 135.— Berein ehem. 22. Gemetndeschüler, punit 2 Uhr bei Schröder, Sieglitzerstr. 18.— Bergnügungs-Berein Renata 2 Uhr, Abends im Restaurant Götz, Oranienstr. 153.— Gesangverein Proletari at (gem. llhor) Abb. 9 Uhr, Uebungsttunde b. Mvwes, Bödhstr. 8.— GeselligerBerein Un l v er s um, Sitzung mit Damen Abends 9% Uhr bei Hapcnian» Lothrinoerstrabe 81. Borträge, Fidelilas.— Geselliger Berel» Universum, Sitzung Abends 9% Uhr, im Restaurant Neumann, Linienslr. 12: Bornäge, Fidelilas.— Verein Gemüthlichleit und Klub tumor, Abends 2X Uhr, Lothrtngerstr. loö: Geselliges Beisammensein mit amen, Fidelitas und Tanz.— Wännergesangverein SangeSsreunde, Abends 2— Ii Uhr, Patzenhofer Ausschank, Landsbergerftrabe Nr. 82.- — Geselliger Berein„H e r t h a", Tonnecstaa, Sitzung bei Roll, Adalbertstr. 21 Abend« 2 Uhr.— Verein Wanderklub(Norden), Sitzung jeden Donnerstag von 9 Uhr Abends im Restaurant C.Baatsch. Hennigsdorserstr. 24.— Waldesgrün, Abends 2 Uhr Sitzung bei Nebelin, Langeslrabe 108.— st it ber ftub Gl« ich h eik,« Uhr Abends, bei H. Reimann, Alle Schön- hauserftr. 42.- Geselliger«lub der A 1 1 e n M o a b i t e r: Jeden Tonnerstag Abend von!£9— 10 und jeden Donnerstag nach dem 15. Sitzung mit Damen in der Emdenerstr.«7 bei Schirmer.— Geselliger Arbeiterverein Hoffnung bei Wililer, Mariannenstrabe 48.„,- Rauchklub» o l l e g i a, Abends 2 Uhr, bei Hermann Rohr, Nauntm- ftrabe 78.- Rauchllub Waldesgrün. AbendS 8� Uhr, Restaurant A. Gaspar, Reichenbergerstr. 113«.— Rauchklub Ohnesorge, Abends 2 Uhr, bei Jakob, Boedhstr. LI.— Rauchllub»ernspitze. Abends «K Uhr, bei A. Böhl. Rüdersdorserftr. 8.— Rauchllub Arabi Pascha. AbendS 9 Uhr, b. Restauraleur Schröder, Srephanstr. 45.— Klub O h n e n r e i r, Abends 2 Uhr Springslubbe's Restaurant, Manteusselsir. 87.— Rauchklub S ü d- W e st. Abends 2 Uhr, Simeonstr. 23 bei Flid.- Rauchklub Brüder- l i ch k e i«, von 9 bis Ii Uhr bei Stabernad, Püdlerstrabe 49.— Rauch- klub Nordstern, jeden Donnerstag nach dem 15. im Monat bei E. Leinide, Friedrich- Karlstrabe Ii, Friedrichsberg.— Rauchklub Fidelio, Abends 8tz Uhr im Restaurant Heine, Eisenbahnstr. 23.— Rauchklub Pseifendedel, Sitzung Abends 8 Uhr, bei J-ratsch. Lange- strabe 24.— Vorwärts, Donnerstag bei Salomo, Oppelnerstr. 22.— Abguß I, Abends 2 Uhr, bei F. Nawrodt, Markusstr. 25. Skalklub Tournee, Abends 8!c Uhr. bei Ullrich. Wrangelstr. 84.— Skat- klub R üdwärts, Abends 8!j Ubr bei Arndt Pallisadenstr. 47.— Skat» klub Gordischer Knoten Abends 9 Uhr, bei Schilling. Fachverein der Klempner Berlins und Umgegend. Arbeits- ausgäbe AbendS 8X-I0 Uhr. Sonntag 10—12 Uhr bei Stramm, Ritter- strafie 123. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Sonntag, dt» 1', im Lokale des Herr» April, Uormittago IO'.l Uhr, Boltz, Alte Jakobstratze Nr. 75: Wlilt>kil-Ms»M»Il»lg der Drechsler und verwandter Berufsgeuossen. Tages»Ordnuiig: I. Werth und Nutzen der Orgmüsation.(Referent wird in der Ber- sammluiig bekliunt geinncht). 2. Tiskussion. 3. Verschicvcncs. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, piiuktlich zu erscheinen. 439/6 Dir Grtsvcrwaltnng. Lese- und Diskutierklub der Freunde, Am Sonutag, den 13. und SV. April, Abends 3 Uhr, im Gesellschaftshans, Ttvincmiiudcrstr. Nr. S3: 2 große öffentliche Versammlungen für Männer und Frauen. T a g e s- O r d n n n g: I. Vortrag über:„Marx Kapital". Referent Genosse Svlivplev. 2. Dislusflon.— Zur Deckung der Nnkosten Entree 10 Pfennig. 289öb Um recht rege Betheiligung ersucht Der Dorstand. Große öffentliche Nersamutlnug her Lohgerber, LeberjünGer«tld Berilssgelloisell Berlins Lonnsdenck,«ien>4. April, Abends 8 Uhr, im Lokale das Herrn Feind, Wein�Strasse Ho. II. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genosse» Rohrlack. 2. Ctcllnngnahine zum 1. Mai. 3. Bericht des Telegirten der Berliner Geiverlschafts-Koinnlission. 4. Abrech- nung über die stattgehabten Sammlimgen. 5. Verschiedenes. Die Agitationo-Kommisston. Lve/tl I. A.: G. B u s s e. Leffentl. Korbmacher-Btlsammlnng Freitag« de» 13. b. W.« Abends 8 Uhr, bei Ghrrnberg, Annenstr. 16. Tages-Ordnung: I. Wie feiern wir den I. Mai? 2. Bericht des Telegirten der Geirerkschasts-Kommission. 3. Verschiedenes. 203/12 Der Einbcsufrr. NB. Tie Verbaiidsversannnlung findet am 16. d. Mts., Abends LVg Uhr, bei Roll, Adalbertstraße 21. statt. Ksll088eu8L!lsit8- Bäckerei für Berlin und Umgegend. (Elngetr. Genossenschaft mF/ beschränkter Haftpflicht.) Beabsichtigte und unbeabsichtigte Täuschnng seitens der Konkurrenz veranlaßt uns, unser Fabrikat durch eine Marke zu schützen, die wir hiermit den werthen Genossen und Genossinnen bekannt geben und zu beachten bitten. Genessensebafts-Bäckerei für Berlin und Umgegend SCHUTZ- AI AEKE. (Eingetrag. Genossenschaft m. b.H.) Mit dieser Marke ist jedes unserer Brote belegt, und lütten wir bei Fordernng von Genossenschasts-Brot daraus zu achten, daß d.is verabreichle Brot diese Marke trägt. 97/19_ Der Dorstand._ �Iteubvrg'sFllrbttei,Wlislberei,Cttbtrl>b.-Relch.-Alljl., NeneJakobstr.lV, Brunaeustr. 162, Audreasstr. 54, Fruchtstr. 36, Potsdamerstr. Ho. 57/58, Alto Sohönhanserstr. 2, enipf. s. z. Färd. u. Reinig, v. Garderob. jev. Art, Spitzen, Gard., Möbelst, gef. I Mk. p. 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Wahl dreier Kassenrevisoren(l Ar- beitgeber und 2 Arbeitnehmer) zum Jahresabschluß. 3. Wahl eines Kranken- besucher- Stellvertreter. 4. Statuten- änderung der§§ 1 bis 63. 5. Anträge. 6. Verschiedenes. Nach§ 47 des Statuts. Nur Telegirten haben Zutritt. Ter Vorstand. Gustav Erbe, 1. Vorsitzender, Spandau, Gr. Wall in der Havel. Rudolph Balke, Schriftführer. Madaistr. 9. 327/19 Asiljler-Velck. Sonnabend, den 14. April, Abends 9 Uhr, Melchiorstr. 15: General> Versammlung. Tagesordnung: Kassenbericht pro I. Vierteljahr 1394 Beschlußfassung über die diesjährige Landpartie. 333/17 Vereinsan gelegenheiten. Der Vorstand. Kranktil- linil Btgrilbllijjkilist siir die im Bttliner kürtler- Nlj Bronceilr- totübe be- MigtesPttssm(�§.60.) Dienstag, den 17. April, Abds. 8 Uhr, in Boltz' Festsälen, Alte Jakobstr. 75: Ausserord.Generalversammlmig. T.-O.: Wahl des Vorsitzenden event. dessen Stellvertreters, zweier Schrift- führer, vier Beisitzer und eines Aus- schußmitgliedes. Quiltungsbuch legi- limirt. 2926b Der Vorstand. N. Schmolt.stellv. Vors. Gekaust werden jede Anzahl weißer Mäuse, Tanzmäuse, Lachtaube», Eich- Hörnchen, Brieftauben und andere Tauben, Mehlwürmer, neue und alle Vogelbauer und Vogelspinden, tllcdt- mann» Madaistr. 2, am Schles. Bahnh. Kinderwagen, größtes Lager, billigste Preise, von 10 M. an. auch Theilzahlung. 57058* W. Holze, LtWeupm 3. Zeisige, Finken, Hänflinge 75 Ps., Stieglitze 1 M., Slaare 1—1,50 M., Kanarienroller 4, 5, 6 M., Drosseln 5—6 M., VogeUeim, Goldfische, Land- frösche, Schlagnetze, ff. Eierbrot, Käfige zu Fabrikpreis. Redtmann, Madai- straße 2, am Schles. Bahnhof. 290ld Üfllllürttllltll'�zl Dr. H öfch, Linien- vUlfIOU))llUj« ftrase 149, 8-10, 5 bis 7, Sonntags 8—10 Uhr. !! Roh- Tabak!! Sämmtl. in- u. ausländischen Sorten, gntr Qualität, tadelloser Hrand, in billigster Preislage, empfiehlt Hcinr. Franck, Brunnenstr. 105. SJIF' Formen(Bockfagon) wieder vorräthig. 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Sozisle lleUerlirlIt. Tlchtnng! Allgemeine Kranken- und Sterbe- lasse der Metallarbeiter(E. H. Nr. 29 Hamburg). Den Mitgliedern und denjenigen, welche es werden wollen und ihren Wohnsitz in A d l e r s h o f, Grünau. A l t- G l i n i et e oder Köpenick haben, zur Nachricht, daß in Adlershof eine Verwaltungsstelle eingerichlet ist. Meldungen nehmen entgegen: O. B a r t e l s. Bevollmäch- tigter, Bismarckstrnhe S9a. 2 Tr. und Heinrich Bökert, Kassirer. Bismarckstr. 37, Laden. Die Schieferdecker MaunheimS ersuchen ihre Kollegen den Zuzug nach Mannheim fernzuhalten, da verschieden: Mann- heimer Schieferdecker gcmaßregelt sind.— Die Arbeilerblätter werden um Abdruck dieser Notiz gebeten. Zum Malerstreik in Zürich. Die Meister haben ver- sucht, in München Arbeitskräfte zu erlangen. In den„Neuesten Nachrichten" erschien eine ganz unschuldige Annonce, daß 59 Maler und Anstreicher gesucht würden. In einem Gasthofe sollte die lebendige Waare gekauft werden. Ivo Arbeitslose hatten sich ein- gefunden, aber auch 100 Sozialisten waren erschiene». Ein Münchener hielt eine feurige Rede und— keiner ließ sich dingen. Ein würdiger Eidgenosse, Malermeister Frick in München, wollte den Handel abschließen. Er log, er wisse gar nichts vom Streik in Zürich, telegraphirte aber dann an die Meister in Zürich: .Alles gescheitert!" Gegen ZOOV Ziegelarbeiter der Wiener-Berger Ziegelfabrik haben die Arbeit niedergelegt, weil man ihnen eine Erhöhung der Löhne nicht bewilligen wollte. Bei Strafe der Entlassung haben die Nürnberger Bäckermeister ihren Gesellen verboten, dem Fachverein beizutreten. Sollte diese Praxis weiter geübt werden, so wird die Gehilfen- orgauisation die Namen dieser Herren veröffentlichen, damit den Arbeitern Gelegenheit geboten wird, ihre Gegner kennen zu lernen. Die Arbeitslöhne in der europäischen Textilindustrie. Unttr dieser Spitzmarke machte kürzlich ein Leitartikel der „Frankfurter Zeitung" die Runde durch eine Reihe bürgerlicher uud sozialistischer Blätter. Das statistische Material war einem Bericht der englischen Arbeitskommission entnommen. In diesem Artikel wurde» die Wochenlöhne der deutschen Weber, für Männer auf 18—24 M., für Frauen auf 7,70— 13,50 M. bei OOstündiger Arbeitszeit pro Woche angegeben. ES war ferner berechnet, daß Deutschland mit seinen Stundenlöhne» an vierter Stelle rangirt; danach sollen die Stundenlöhne für Männer 32, für Frauen 16 Pfennige betragen.— Ist es nun schon schlimm genug, daß das Reich der„sozialen Reformen" an vierter Stelle marschirt, so ist die Thalsache, daß obige Löhne der Wirklichkeit gar nicht entsprechen, sondern viel zu hoch gegriffen sind, für das Deutsche Reich nur noch beschämender. Wie dem„Sächs. Volksblatl" aus dem Erzgebirge geschrieben wird, sind die Durchschnittssätze der englischen Kommission, soweit sie deutsche Verhältnisse betreffen, als richtig nicht anzuerkennen. Es heißt dort: Wir müssen vielmehr aus uns zugegangenen Informationen von sächsischen und reußischen Textilarbeitern heraus, erklären, daß die geschilderten Löhne für den Durchschnitt mindestens um ein Drittel zu hoch gegriffen sind; dagegen sind wir in der Lage, die für die Frauen der Textilindusirie angesetzten Löhne von 7,70— 13,öO M. für die Männer in Anspruch nehmen ,u müsse»; die Frauenlöhne sind»och geringer. Im Voigtlande. wie- in Greiz, betragen die Löhne von Webern z. Th. oft genug nur 6— 7 M. Wenn in Westdeutschland vereinzelte Löhne bis zu 24 M. pro Woche gezahlt werden, so mag man sich berechnen, daß bei einer gewissenhaften Aufstellung der Textilarbeiterlöhne in Teutschland ein höherer Durchschnittssah, als von uns oben angegeben, nicht denkbar ist. Es scheint uns beinahe, als seien die Erhebungen auf den Kontore» der Spinn- und Webfabrikanten vorgenommen worden, während die Arbeiter hierüber gar nicht gefragt worden sind. Die Barbier- uud Friseur> Iiinuiig von Braun- schweig hat beschlossen, im Sommerhalbjahr die Geschäfte an Sonn- und Festtagen 4 Uhr Nachmittags zu schließen. Der Be- schluß geht freilich nicht weit genug; es ist aber immerhin zu begrüßen, daß Bresche gelegt wird i» die alte Anschauung, es müsse Jeder Gelegenheit haben, sich am Sonntag verschönern zu lassen. Uebrigens wird sich's bald zeigen, daß mit dem neuen Zustande der Dinge eben alle, auch die Meister zufrieden sind. Die Berner Schneidermeister habe» den Gesellen ein Ultimatum zugestellt, in dem es heißt, daß, wer bis zum 2. April nicht die Arbeit bedingungslos wieder aufgenommen habe, auf Beschäftigung überhaupt nicht mehr rechnen könne. Da sich die Gchilfei durch diesen Schreckschuß nicht einschüchtern ließen und sich Streikbrecher nicht fanden, sehen sich die Meister nun ge- , wungen, einzuschwenken. Sie suchen Verständigung mit den Ge- Hilfen. Drei Mitglieder der Meisterschaft, drei Mitglieder der Streiktommission und der Stadtpräsident sollen zusammen be- athen. Vergnügte Aktionäre— arme Bergleute. Ter Zwickauer Steinkohlenbauverein zahlte für 1893 240 M. pro Aktie. Ins- zesammt wird eine Jahresdividende von 600 000 M. zur Ver- lheilung konnnen. In Brutto wurden 918 072 M. verdient, wovon unter anderen>72 095 M. Kohlenzehnten an die Grund- stücksbesitzer der zehntpflichtigen Felder gezahlt werden mußten. Ein Streik polnischer Weber, der niit einem voll- kommenen Sieg der Arbeiter endete, ist kürzlich in dem polnischen Städtchen Z a'w i e r e i e ausgekänipfl worden. Wir lheilten seiner Zeit nur den Ausbruch des Streiks mit. über de» Verlaus und Ausgang wird uns erst jetzt ein eingehender Bericht zugestellt, aus dem wir folgendes mitzutheilen für angebracht halten: Die Ursache deS Streiks bildete die Einführung'des russischen Maßes (Arschin) an stelle der polnischen Elle. Diese Maßregel wurde vor Kurzem von der russischen Regierung den polnischen Fabrikanten geboten und von diese» auch bereitwilligst aus- geführt. Warum auch nicht, die Herren machten dabei ein Ge- schäslchen. Das Arschin ist nämlich um ein Fünftel, länger, als das alte polnische Maß, den Arbeitern sollte aber der Lohn nach der alten Weise bezahlt werden, was einen Lohnabzug von 40 bis 45 Kopeke»(80 bis 90 Pf.) wöchentlich bedeutete. Diese Maßregel wurde am 8. März bekannt gemacht; an dem- selben Tage beschlossen die Arbeiter, ihre Thätigkeit einzustellen. An,»ochsten Tage erschienen von den 5000 Arbeitern, die in der Fabrik beschäftigt sind, nur einige Dutzend, die aber nach einigen Stunden die Arbeit ebenfalls verlieben. Nun versuchte man, die Arbeiter einzuschüchtern. Der Direktor ließ zunächst die vermeintlichen Rädelsführer zu sich kommen und drohte ihnen mit der Polizei. Als das nichts half, wandte er sich an den Gouverneur von P i o t s k o w, der auch gleich das ganze Städtchen mit Kosaken füllte. Diese Maßregel trug nur dazu bei. den Arbeitern vor Augen zu führen, was ihnen bevorstehen würde, salls sie sich zu Gewaltlhätigkeiten hinreißen lassen würden.— Tie Verabredungen wurden in den Schenken ge- pstogen, wobei die Parole ausgegeben war, nichl wehr als ein Gläschen Schnaps zu trinken. Auch der in früheren Jahren mit Erfolg durchgeführte Versuch der russischen Beamten, ans dem Streik eine Judenhatz zu machen, wollte nicht gelingen. Nach Verlauf ei»cr Woche sahen sich die Fabrikanten gezwungen, nicht nur sämmtliche Arbeiter zu entsprechend erhöhten Löhnen wieder einzustellen, sondern sie hatten auch noch eine Entschädigung für den durch den Streik verlorene» Arbeitsverdienst in der Höhe von 30 000 Rubel(60 000 M., 12 M. pro Kopf) zu zahlen. — Mögen unsere polnischen Genossen aus diese», Beispiel lernen, mögen sie daraus ersehen, was Arbeiter im stände sind zu er- reichen, wen» sie ebenso einig sind, als besonne». Als Heilmittel für noth leid ende Landwirthe wurden unter anderem auch die„ländlichen Spar- uud Vorschuß- vereine de» kleinen Bauern empfohlen. I» Wirklichkeit sind sie nichts, als gewohnliche kapitalistische Jnstilulionen, die nur denen Vortheile bringen, die sich mit größeren Kapitalien daran be- theiligen können. So hat kürzlich der ländliche„Spar- und Vorschnßverein für Bohnitzsch" bei Meißen die Dividende für die Aktionäre auf I62/3 pCt. festgesetzt. Wer bringt diese Dividende anders auf als diejenigen, die den Kredit des Vereins in Anspruch nehmen müssen, und das sind die kleinen verschuldeten Bauern. Der Verband der Grubenarbeiter von Pas de Calais hat, wie man uns aus Paris berichtet, am jüngsten Sonntag in Lens eine Konferenz abgehalten, die sich 1. mit dem in Graissessac stattzufindenden Landeskongreß der Bergarbeiter, 2. mit der Maifeier, 3. mit dem internationalen Bergarbeiter- kongreß zu befassen hatte. Den Vorsitz führte Basly, Ab- geordneter von Pas de Calais. Der Landeskongreß wird sich, wie Abgeordneter Lamendin rcfenrt, der gleich Basly ein ehe- maliger Bergarbeiter ist, in erster Linie mit der Gründung eines Siationalverbandes der französischen Grubenarbeiter zu beschäf- tigen habe», sodann mit dem Gesetze über die Pensionskassen der Grubenarbeiter, dem Achtstundentag und dem Gesetze betreffend die Grubenarbeiter-Delegirten, welche bekanntlich die ihnen unter- geordneten Gruben auf deren Sicherheit zu prüfen und zu in- spiziren habe». Mit der Vertretung ihres Verbandes hat die Konferenz die Genossen Lamendin und Bruguel betraut. Bezug- lich der Maifeier waren alle Delegirte» darüber einig, daß jeder sein bestes dazu beizutragen habe, um sie so großartig als möglich zu gestalten. Das Präsidium des Verbandes wurde zu diesem Zwecke beauftragt, ein Manifest zu erlassen und für die Ein- berufung öffeullicher Versammlungen zu sorgen, in welchen dieses Manifest vorzulesen und zu kommentiren sei. Im übrigen wurde es den Arbeiter» der einzelnen Grnbenorte überlassen, den 1. Mai in der Weise zu feiern wie sie es für die Bedeutung dieses Tages am zweckmäßigsten erachte». Bezüglich des zu Pfingsten in Berlin stattfindenden internationalen Bergarbeiter-Kongresses beschloß die Konferenz, nebst Lamendin noch einen zweiten Delegirte» dorthin zu entsenden und entfiel die diesbezügliche Wahl auf Genosse C a d o t. Schließlich kamen noch alle die Plackereien zur Sprache, denen die Sicherheitsdelegirten seitens der Grubengcsellschaften ausgesetzt sind und wurde, um dem Abhilfe zu verschaffen, beschlossen, deni- nächst eine Konferenz sämmtlicher Sicherheitsdelegirten einzu- berufen. Dieselbe wird in Hönin- Liötard stattfinden. Zum Schlüsse sei noch erwähnt, daß das Baarverrnögen des Verbandes drr Grubenarbeiter von Calais 200 000 Fr. beträgt und auf Vorschlag des Verwaltuugskomitees in 3prozentiger Rente an- gelegt werden wird. Streik»ud Patriotismus. Wie die inglische Gas- gesellschafl in Wien sich S l o v a k e n herbeiholt, um die streikenden Wiener Gasarbeiter zu Paaren zu treiben, wie die Züricher Malermeister sich nicht scheuten,»ach München zu gehen, um die verhaßten„Dütsche" direkt nach der Schweiz zu versenden, damit sie im stände wären, ihre streikenden Gehilsen auszuhungern, so wenden sich die S t u t t g a r t e r Schneider nach Berlin,»im Streikbrecher zu finde». Zum Teufel»nit dem Patriotisinus, sobald der Geldbeutel in Betracht kommt. Wir berichteten in der Sonntagsnummer, daß sich Agenten zur Amverbung von Schneidern nach Stuttgart in Berlin be- finden. Dieselben haben, außer durch die verschiedensten Arbeits- nachiveise, auch durch Inserate im„Lokal-Anzeiger" und„Volks- Zeitung" 50 Schneider bei sehr hohen Preisen zu ergattern versucht. Um nun die Art und Weise der Anwerbung kennen zu lerne», meldeten sich einige organisirte Schneider. Diesen wurde der hohe Lohnlarif, den sie in Stuttgart bezahlt er- halten sollen, vorgelegt und man scheute sich nicht in Gegernvart der anfangen wollenden Schneider über die„Unverschämtheit" ihrer Stuttgarter Kollegen zu schimpfen, die an einem Stück 5 M. »»ehr verlangen,»veil es ihnen„zu ivohl gegangen" sei. Montag 'Abend fanden sich denn eine ganze Anzahl Schneider auf dem Anhalter Bahnhof ein. Nach Verlesung der Namen im Wartesaal, ivelche großes Aufsehen erregte, fand eine all- gemeine Traktirung init Bier statt. Die Zeche»vird wohl 5 bis 10 M. ansgemachl haben. Sodann wurden 30 Billets gelöst und dieselben am Eingang des Bahnsteiges jedem einzelnen nach Nennung seines Namens überreicht. Es befanden sich darunter Schlächter, Schuhmacher, Barbiere, Klempner u. s. w. Viele der Abfahrende» schiene» nur die Herzensgüte der nobel» Agenten in Anspruch nehmen zu wolle» und eine billige Fahrt in die Heimath mag ihnen bei den schlechten Zeiten eben auch nichl so univillkommcn geivesen sein. Kaum ein Dutzend dürste Stuttgart erreiche»; das dortige Lohnkomitee ist von ihrer Ankunft in Kenntniß gesetzt»vorde». Die Angeivorbenen sind säinmtlich Un- organisirte und sie sind auch nebenbei bemerkt, recht schlechte Arbeitskräfte, die für die Firmen in Stuttgart kaum zu ge- brauchen sind. Um so unverständlicher ist die Bockbeinigkeit der Unternehmer, die lieber erst Tausende ausgeben, ehe sie de» gerechten Forderungen ihrer Arbeiter entgegenkommen. Mittleriveilc wird aber aus Stuttgart berichtet, daß eine größere Firma die Forderungen der Gehilfen, einschließlich der zehnstündigen Arbeitszeit, bewilligt habe, sodaß sofort 12 Mann die Arbeit aufnehmen konnten. Andere Firmen sind mit der Lohiikommission in Ver- bindung getreten und sind zur Bcivilliguug der Forde- rungen geneigt. Die Schneidermeister,»velche die Forderungen der Gehilfen beivilligt haben, sind selbstverständlich mit Auf- trägen überhäuft uud bemüht, die besten Arbeitskräfte an sich heranzuziehen. Durch die letzten Urlheile des Gewerbegerichls sind die Hoffnungen der Meister auf einen Sieg bedeutend herab- gedrückt»vordcn. Auch das Wetter ist dazu angethan, der ge- rechten Sache der Schneidergehilfen zun, Siege zu verhelfen. Vorss>»r»ttlungen. Ter Allgemeine Deutsche Tapezierer- Verein (Filiale Berlin) erörterte in seiner Mitglieder-Versainmlung am 2. April die Stellung zum Kongreß aller in der Bekleidnngs- Industrie beschäftigten Arbeiter. Ein Beschluß in der angeregten Frage»vurde nicht gefastt. Hierauf brachten mehrere Mitglieder die Mißstände in den Werkstätten von Gerson, Flalow u. Priemer zur Sprache. Eine weitere Erörterung dieser Angelegenheit soll in einer öffentlichen Versammlung erfolgen. Nach Erledigung einiger Vereinsangelegenheiren erfolgte der Schluß der Ver- saininlung. Der sozialdemokratische Wahlverein für den zweiten Berliner Reichstags-Wahlkreis tagte am 10. April in» Lokale des Herrn Bohne, Hasenhaide Nr. 45/47. Stadtv. Dr. Zadel besprach in einem sehr beifällig entgegengenommenen Vortrage„die Leistungen der Berliner Stadtverwallung auf dem Gebiete der Gesundheilslehre". Der Redner»viderlegte die Be- hauptung der bürgerlichen Presse, wonach Berlin infolge seiner Kanalisation eine der gesündesten Städte sei. Wohl sind die bürgerlichen Schriststeller schnell bei der Hand, aus der seit 20 Jahre» stets rückwärts gegangene» Sterblichkeitsziffer diesen Schluß zu ziehe», er enveise sich jedoch als Trugschluß, sobald man die Verschiebung der Bevölkerungs« resp. der Wohnungs- Verhältnisse in Betracht ziehe. Durch die fortgesetzte Mieths- steigernng»Verden die kinderreichen Arbeiterfamilien nach den Vororte» gedrängt,»vährend der Zuzug von außerhalb Personen in, besten Lebensalter umfaßt. Nicht die Verbesserung der sanitären Einrichtungen sind es also,»velche den Rückgang der Sterblichkeit verursachen. Eitel Humbug ist es, wenn der Moniteur der freisinnigen Stadtverwaltung, die„Vossische Zeitung" behauptet: Die Kanalisation habe innerhalb 10 Jahren 120 000 Menschen das Leben gerettet und damit die Stadt- verivaltung beweihräuchert. Im Gegentheil seien die sanitären Zustände derartig, daß sie dringend der Ausbesserung bedürfen. Redner bewies dies zunächst an der schlechten Beschaffenheit des Waffers. Lange Zeil versorgten die Stralauer Werke den Osten und Südosten Berlins mit Typhnskeime enthaltendem Wasser; die Hälfte der Straßenbrunnen liefern ebenfalls ungenießbares Wasser. Die Wohnungsverhältnisse sind für die heutige Gesell- schast ein„Rühr mich nicht an". 100 000 Personen hausen in Berlin noch in Kellerlöchern, die häufig krankheiterregende Pilze an den Wänden aufiveisen. Größere Aufmerksainkeit müsse auch der Kontrolle der Nahrungsmittel geschenkt»verde»», wie über- Haupt gegen die Erkrankung der Berliner Bevölkerung seitens der städtischen Verivaltung eine andere Sorgfalt als bisher am Platze wäre. Der Vortragende schllderte die Ansteckungsgesahr in den überfüllten Schulen, die nur ziveimal im Jahre gründ- lich gereinigt»vürden, rügte das Fehlen von Badegelegenheit in denselben, soivie den abschlägigen Bescheid gegen de» Antrag aus Anstellung von Schulärzten. Die so nothwendige Des- infektion müsse unentgeltlich vorgenommen werden; jetzt ruft sie beiin Publikum das größte Unbehagen hervor. Nach scharfer Kritik an den Kranken-Anstallen und Erholungs- Stationen kain der Referent schließlich auch auf den Kranken- Transport zu sprechen, den man falscheil Weise Privaten über- lasse. Auch hier zeige sich der heutige Klassenstaat in seiner krassesten Forn»; wer nicht genügend bezahlen kann, wird ohne jede Rücksicht auf seine» Zustand in holperigen Wagen beförderl. da es auch hierbei vier verschiedene Klaffen giebt. Pflicht eines jeden Arbeiters ist es daher, unausgesetzt für die Ziele der Sozialdemokratie agitatorisch zu»virkeu, damit die Beseitigung der heutigen Gesellschaflsform, die solche erbärmliche Zustände zeitigt, um so schneller vor sich geht.(Lebhafter Beifall). Eine Diskussion folgte dem Vortrag nicht. D a st i g forderte zur regen Agitation für den„Vorwärts" auf. Ferner machte Kitzing aufmerksam, baldigst die Billets zur Oster-Malinee abzurechnen und gab zum Schluß eine Zuschrift der organisirten Kellner bekannt,»vorin diese, auf der Resolution der GeiverkschaftZkommissio»(Versammlung vom 12. Dezember 1892) fußend, die Genossen ersuchen, sie in ihrem Kamps gegen Unternehmer und Kommissionäre zu unterstützen, indem sie die Wirihe anhalten, bei Vergnügungen ihre Kellner nur aiis dem Arbeitsnachweis der Berliner Gastivirlhsgehilfeu, Annenstr. 16, zu entnehmen. Die Ethische Gesellschaft hielt am 5. März ihre ordent« liche Generalversammlung ab. Der Kassenbericht ergab eine Einnahme von 915 M. und eine Ausgabe von 699 M., mithin Kassenbestand 215 M. Außerdem hat der Rcndant einen eisernen Bestand von 287 M. Nach Z 3, Absatz 3, wurden die Mitglieder Book und Bugcnhagen, ebenso Herr Deininger in einer früheren Versammlung, aus dem Verein ausgeschlossen. Als Revisoren wurden Hinkel, Glaser und Noack, als Bibliothekar Restaurateur Donath, Saarbrnckerstr. 27, geivählt. Die Töpfer(Zentralorganisation) hielten am 3. April eine Mitgliederversammlung ab, in der Kollege Jakobey über die Bcslrebungeii der Unternehmer iin Töpfergewerbe reserirte. Der Z 75 des Krankenkassen-Gesetzes, der den Innungen das Recht verleiht, Krankenkassen zu gründen, führt bei den Töpfern zu argen Schädigungen der Kollegen. Denn dadurch, daß die Kollegen oft die Arbeitsstätte ivechseln, kommen sie von einer Kasse in die andere, und so erhalten sie wegen der kurzen Mit- gliedschaft die Mindestleistung in der Kasse. Ebenso vertreten die Jnmmgs-Schiedsgerichle einseitig die Unternehmerinteressen. Unter Vereinsangelegenheiten wurde ausgeforderi, sich recht rege an den freiwilligen Sammlungen zu betheiligen. Ter Verein zur Wahrung der Interessen der Maurer hielt ain 5. d. M. seine ordentliche Mitglieder-Versammlnng ab. Von einein Vortrag des Genossen Dr. Heyuiann, der am Er- scheinen verhindert war, mußte Abstand genommen werden. Die Abrechnung vom Maskenball konnte nicht vollständig gegeben »verden, da die Kollegen Binkoivski, Linke, Mecke»ind Lange mit den Billels im Rückstände sind. Sodann wurde das Mitglied Jezorke, nachdem Kollege Blaurock dies begründet und mehrere Redner ihn, zugestimmt, gegen 5 Stimmen aus dem Verein aus- geschlossen. Ferner»vurden drei Kollegen, die»vegen des 1. Mai eine» unfrciivillige» Aufenthalt genießen, init 60 M. unterstützt. Zum Schluß forderle der Vorsitzende die Versammlung ans, für die im Entstehen begriffene örtliche freie Hilfskasse zu agitiren. Die Generalversannulung ist am 15. April einberufen, das Stiftuugssest findet in diesem Jahre ain 14. Juli bei Lips statt. Eincgutlicsuchte öffentliche Versammlung der Ziminerer Berlins und U»ngegc»d tagte am 8. April in der„Ressource". Komma», dantenstr. 57. Nach Verlesung des Protokolls über die Verhandlungen der letzte» Versammlung voin 4. März,»vurde zu- nächst die damals vertagte Debatte über die Maifeier aus- genommen. Der Vertrauensmann Fischer trat für strikte Arbeitsruhe ei». Der Delegirte zur Gelverkschastskoimnisstou, Kamerad Stöhr gab die Beschlüsse derselben in dieser An- gelegenheit bekannt und empfahl deren Befolgung. Obst be- z,ve»fclte die Möglichkeit einer konsequenten Arbeitsruhe in An- betracht der schlechten Konjunktur im Bauaeiverbe und der schtvachen Organisation der Zimmerer, die kaum den zehnten Theil der Berufskollegen uiiifasse. Mit dem Beschluß der Geiverk- schaftskommission im großen und ganze» einverstanden, hält er eine gesonderte Versmnmlung am Vormittag für zweckmäßiger. Tamm hält im Baugeiverbe i» erster Linie eine strikte Durch- sührung der Arbeitseuhe für möglich; allerdings»nüffe noch steißig dafür agilirr werden. Sebastian, E r n st und S ch in i d t' äußerten sich wie Obst; Lehmann unterstützte die Ausführungen Tarn m. Eine Resolution des letzteren»vnrde abgelehnt, dagegen die des Kamerad B o t h gegen 4 Stimmen angenommen; „Die:c. Versammlung erklärt von einem Beschluß einer ein- heitlichen Arbeitsruhe am I.Mai abzusehen. Dagegen verpflichtet sie jeden Zimmerer überall, d. h. in jeden» Gewerbebetrieb, wo ohne ivirthschaftliche Schädigung— abgesehen von einem Lohn- aussall— eine Arbeitsruhe durchzuführen ist, dafür einzulretei» uüö serner alZVann die am Tage siatlfindenden Versanmttüngen sowie die am Abend vor sich gehenden allgemeinen FcierlichkeUen zu besuchen. Um aber für die Zukunft eine wirkliche Demonstration her- verführen und allen Chikanen und Hindernissen seitens der Unter- nehmer bei einer Arbeit-ruhe entgegentreten zu können, verspricht die Versammlung, zuvor für die Organisation aller Kameraden im Gewerbe Sorge zu tragen, denn otme, oder durch nur schwache Organisation wäre jeder Versuch einer Arbeilsruhe von vorn- herein hinfällig." Vorher hatte auch folgender Zukatzantrag Ost ermann's einstimmige Annahme gefunden:„Beantrage am I. Mai eine selb ständige Versammlung einzuberufen und t cn Vertrauencmann zu beauslragen, noch ein silugblait zur Ausgabe zu bringen, welches de» internationalen Charakter der Maifeier klarlegt." Dem Vertrauensmann wurde überlassen. Ort und Zeil der Versammlung so zu treffen, das; bei schwachem Besuch eventuell sich ein Anschluß an eine der von der Geirelkschastskommission beschlossene» Versammlungen nach Jndustriegruppen noch ermög- licht- Tie Berichterstattung des Delegirten zur Gewerkschafls- kvnimission wurde vertagt. Als Revisoren wählte die Versammlung Obst und Hinz. Pete reit forderte zur unermüdliche» Agitation für die Arbeiterpresse, namentlich zum Abonnement aus den„Vorwärts" auf. Fischer theilte mit, daß umher schwirrende Gerüchte über Lohndrückerei beim Bau der Aus- siellung in Treptow nach seinen Recherchen sich nicht be- wahrheitet haben. T a m m appellirte an das Ehrgefühl der Kameraden, die Beschlüsse der Versammlungen im vorigen Sommer hochzuhalten und sich Mann für Mann dem Verein der Zimmerer Berlins anzuschließen. Einem drohenden Ausbruch des„Organi- fations-Formenstreits" in neuer Auflage traten Richert und Fischer entschieden entgegen. Letzterer schloß die Versammlung kurzer Hand mit dem Bemerken, daß er erstecht worden sei, noch mitzutheilen, daß die nächste Versammlung des Vereins der Zimmerer am 22. April stattfindet. Die Freie Vereinigung der Blumen- und Putz- feder- Arbeiter und Arbeiterinnen hielt am 6. April ihre vierteljährliche Generalversammlung ab. Der zur Verlesung gelangte Kassenbericht weist einen Bestand auf von 8,75 M. Da es bei der geringen Anzahl der organisirten Berufs- genossen nicht mehr möglich ist. die für eine kräftige Agitation nothwendigen Gelder aufzubringen, hatte Jäger den Antrag auf Auflösung des Vereins gestellt. Als jedoch nach kurzer Debatte «in Mitglied daraus aufmerksam machte, daß die Gewerkschafts- kommifston jetzt Agitationsversammllingen veranstalte, wurde der Antrag zurückgezogen. Es findet deshalb die nächste Versammlung am 8. Mai bei Ehrenberg statt. Der Fachverei» der Mnsik-Jnstrnmenten-Zlrbeiter hielt am 7. April bei Keller, Bergstraße 68, eine Mitglirder-Versamm- lung ab. Wegen des schwachen Besuches mußte der erste Punkt der Tagesordnung: Vortrag des Genossen Keßler über„Gc- werkschastsorganisation" von der Tagesordnung abgesetzt werden. Zu Vereinsangelegenheiten ermahnte Kollege Scholz in längerer Ausführung die Anwesenden, auf die Kollegen, welche bis jetzt noch keiner Organisation angehören, dahin einzuwirken, daß sich dieselben einer Organisation"anschließen. Ferner giebt der Vor- sitzende bekannt, daß die Bibliothek im Norden geregelt ist und empfiehlt dieselbe den Mitgliedern zur Benutzung. Auch theilte der Vorsitzende mit, daß Kollege Erdmann als gcmaßregelt an- erkannt worden sei. Zugleich giebt der Vorfitzende noch bekannt, daß das diesjährige Sommersest am 18. Juni in der„Neuen Welt" stattfindet. Ju einer gutbesuchteu öffentlichen Sattler-Versamm' lung, in welcher Kollege Schcrdin über die Bedeutung des 1. Mai sprach, wurde beschlossen, daß sich die Sattler am I.Mai früh um 9 Uhr bei Wienecke, Alte Jakobstr. 83. treffen, um von hier aus gemeinsam eine Versammlung zu besuchen. Nachmittag Ausflug nach Wilhelmiuenhof. Treffpunkt daselbst zwischen 3 und 4 Uhr.---... Für die Arbeiter in der Ttearin-Fabrikation war am 9. April eine Versammlung einberufen, in der zu einer Begut- achtung im Ministerium des Innern über die Durchführung der Sonntagsruhe in diesem Gewerbe zwei Arbeiter gewählt werden sollten. Das Referat hatte Genosse R. Schmidt übernommen. Leider war die Versammlung sehr schwach besucht, da die Zeit zur Einberufung und Vorbereitung der Versammlung zu kurz war. Es wäre deshalb zu wünschen, daß bei ähnlichen An- forderungen der betreffenden Organisation etwas früher die Mit- theilung zugeht. Der Referent verbre'lete sich eingehend über den Werth der Sonntagsruhe für den Zlrbeiter. Bei einigem guten Willen müsse es auch in der Stearin-Fabrikatiou möglich sei», die Sonntagsruhe durchzuführen. Der Testillationsprozeß könne wohl unterbrochen werden, womit auch die geradezu ungeheuerliche Praxis der L4stündigen Schichtdauer beim Wechsel überflüssig würde. Dem schließt sich in der Diskussion der Genosse Fa b e r an. To mal bemerkt, in der Fabrik wo er »hätig, können nicht mehr Apparate aufgestellt werden, mithin müßte Sonntags gearbeitet werden. Wolter ist der Meinung, daß wohl durck; Vermehrung der Apparate eine Sonntagsruhe mög- lich ist. Aber ob es der Fabrikant will, das ist eine andere Frage. Ein anderer Redner bekämpft ebenfalls die Sonn- ragsruhe. In betreff der überaus traurigen Lohn- Verhältnisse, die in der Debatte gleichfalls besprochen, bemerkt ein Redner, daß allerdings bei dem Millionär Cpielhaoe» so niedere Löhne gezahlt werde», wie sie kein anständiger Fabrikant in dieser Branche zahle. Schüler und Arndt sprachen für die Sonntagsruhe. Jahn äußert sich dahin, daß vor 4 Jahren in der Stearin-Fabrikatio» eine Sonntagsruhe bestand; warum sollte denn heute keine Sonntagsruhe möglich sein? Nach Erledigung der sehr ausführlichen Diskussion wählte die Versammlung G i e d i u s zum Delegirten. Ei» zweiter Delegirter konnte nicht"gewählt werden, da es an einer geeigneten Person fehlte. Eine öffentliche Versammlung der Färber. Deka- teure, Appreteure, Hilfsarbeiter und Ar- b e i t e r i n n e n tagte an» 8. April bei Gründer, Köpnickerstr. Ivo. Der Reserent, Stadtverordneter Genosse T h. M e tz n e r, sprach in einem aussührlichen Vortrage über„Zweck und Nutzen der Gewerkschaften". Im Wesentlichen bestäligte die Diskussion die Nolhwendigkeil der gewerkschaftliche», sowie der. von» Referenten ebenfalls mit in Betracht gezogenen politischen Vereinigungen. Im Uebrigen zeigte die theils rccht erregte Debatte dieselben Er- scheinungen, an der die meisten junge» Organisationen kranken, kleinliche Streitereien über ganz nebensächliche Dinge. Wieder- holt und nicht ohne Erfolg bemühten sich der Vorsitzende, Kollege B i» d i g, Frau Müller, Textilarbeiter Masch und der Refe- reut den übrigen Rednern klar zu machen, daß alle Arbeiter, gleichviel welcher Branche oder Gewerkschaft sie angehören, ge- nieinsani unter den» Drucke des Kapitals ständen»md es somit Aller Pflicht ist. bei jeder Vermcidnng von Zwistigkeiten fest zu- fammen zu stehen. Folgende Resolution wurde angenommen: „Die Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Resereuten einverstanden, und verpflichtet sich, nach Kräsle» dahin zu wirken, daß die Organisation gestärkt»vird, um Schulter an Schulter dem Unternehmerthum stark und mächtig entgegen- zustehen." Als Delegirter der Geiverkschaftskonunistion wurde Kollege B i n d i g gewählt, lieber die Frage des I. Mai»vnrde ein Beschluß nicht gefaßt. Kollege Bindig schlug vor. jeder Kollege möge sich seinem Wahlverein anschließen. Einstimmig wurde be- schlössen, die streikenden Wiener Kollegen zu unterstützen, und zu diesem Zweck schleunigst Sammellisten anserligen zu lassen und in Umlauf zu setzen. Die selbständigen Kürschner und Mützenmacher hatten am 9. April eine öffentliche Versammlung. In derselben referirte Stadtverordneker Mehner über„Jndustnedetriebe und Hand- werksbetriebe" und kam dabei auch auf eine unter den selbst- ständigen Kürschnern verbreitete Petition betreffs des Allers- und Jnvalidengesetzes zu sprechen. Redner zeigte, daß die in den Motiven der Petition geforderte Beseitigung der Gewerbe- freiheit und Einführung des Befähigungsnachweises neben das Ziel schießen, daß nur gemeinsame Bekämpfung des Kapitals eine dauernde Besserung der Verhältnisse berbeiführen kann. In der Diskussion sprachen sich zunäcbst die Kollegen Fischer. Thomsen und Barnek im Sinne des Referenten aus und forterten die Anivesenden ans. sich der modernen Arbeiterbewegung anzu- schlicßeii. Buchdrucker Kallwo und Schneider Volkmann suchten die Versaminluug nicht blos zum Unterschreiben der erwähnten Petition zu überreden, in welcher hiesige Handwerksmeister auf Abänderung des Alters- und Jnvaliditcitsgesctzes antragen, sondern auch Anhänger für die Innung zu gewinnen. Beide Herren hatten bei der Versammlung wenig Glück mit ihren Darlegungen, deren Verkehrtheit die nachfolgenden Retner zeigten. Eine Resolution, in»velcher die Anwesenden sich den Aus- sührungen des Referenten voll und ganz anschloffen, fand ein- stimmige Annahme. Tie Holzarbeiter(Tischler, Drechsler, Bürstenmacher:c.) hielten an» 9. April in den„Arminhallen" eine gut besuchte öffentliche Versammlung ab. Außer der Maifeiersrage sollte auch die zurückgestellte Tagesordnung der vorigen Versammlung, die Stellungnahme zur Gewerkschaslskoinmission betreffend, erledigt werden. Das Referat über die Bedeutung des 1. Mai hatte Genosse W. P f a n n k u ch übernommen, der auf den Beschlüssen der internationalen Ardeiterkongresse und der Parteitage fußend seinen interessanten Vortrag mit der Aufforderung schloß, die Maifeier in demselben Geiste»vie bisher zu begehen. Alle Vor- bereitungen zur Demonstration seien in nmsassendster Weise ge- troffen, jetzt gelte es nur für jeden aufgeklärten Arbeiter, sich daran zu belheiligcn, damit sie imposant und»virkunasvoll »verde.— Ter brausende Beifall beivies daS volle Ein- verständniß der Versammlung mit seinen Darlegungen. Die Diskussion zog sich bis gegen 1 Uhr hin und betheiligte» sich natürlich auch einige„Anhänger der schärseren Tonart" daran, die aber mit ihren sich häufig widersprechenden An- sichten nicht durchzudringen vermochten. Tischler K o b l e n z e r begründete folgende Resolution:„In Erwägung, daß unter den derzeitigen schlechten Eriverböverhältnissen ein allgemeines Ruhenlassen der Arbeit am I. Mai nicht durchführbar ist. beschließt die:c. Versammlung: Ueberall dort, wo die Kollegen ans e-gincr Kraft seiern können,»vird ihnen die Arbeilsruhe zur Pfl'cht oea'.acht. Ter Vertrauensmann»vird beaustragt, am I.Mai vormittags eine öffentliche Holzarbeiter- Versammlung einzuberufen, mit dem auf die Bedeutung des Tages bezüglichen Thema. In»vciterer Erkcnntniß, daß ohne starke Organisation die Arbeitsruhe ruch fernerhin unmöglich ist, verpflichten sich die Anivesenden, mit allen Kräften für den Holzarbeiter-Berband zu agitiren."— Millarg gab die Beschlüsse der letzten Aer- sammlnng der Gewerkschaflskominission in Angelegen- Helten der Maifeier bekannt und ersuchte»m Annahme der vorstehenden Resolution mit der»veiteren Aufforderung, sich auch zahlreich an den am Abend des I. Mai arrangirten Feierlichkeiten der Partei zu betheiligen. Mit übergroßer Majorität fand schließlich vorstehende Resolution Annahme. In anbetracht der vorgerückten Zeit wurde der zweite Punkt der Tagesordnung zurückgestellt. Zum Schluß gab die Versammlung»och folgender Resolution ihre Zustimmung:„In anbetracht des wichtigen Kampfmittels, welches die Arbeiterschaft in ihrer Presse besitzt,»st es Pflicht eines jeden denkenden Kollegen, nebe» der Agitation für die Organisation auch das Abonnement für den„Vorwärts" zu empfehlen. Eine öffentliche Versammlung von Schneidern und Schneiderinnen tagte, schwach besucht, am 9. April im Allen Schntzenhause, Linienstraße, zwecks Fortsetzung der in der letzten Versammlung abgebrochenen Debatte über da? Thema:„Wie schädigen uns die Händler ec.". Tie Versammlung war von Leuten, die sich wiederholt im gespreizten Tone„als Anarchisten" bezeichneten, besucht und geleitet,»vas immerhin doch nicht als Entschuldigung dafür dienen kann, daß sich die Redner mir den größten Albernheiten unterhielten, lieber das zur Verhandlung stehende Thema wurde gar nicht gesprochen, dafür gab es als Ersatz die unsagbar plattesten Schimpfereien ans die„freche, ver- lumpte" Sozialdemokratie und Krastausdrücke»vie:„Besser den russischen Zar mit der Knute als die Herrschaft der Sozialdemo- kraten.. und so fort. Ter eigentliche Grund für dieses Schimpf- konzcrt ist darin zu suchen, daß man einer dieser fragwürdigen Gestalten etwas unsanft an sein Sündenregister in einer früheren Versaimnliing crinncrle.— Bei Besprechung der Maifeier ganz dasselbe Bild, lange Tiraden und nachdem kein Beschluß, sondern um der„verfluchten Majorität" nicht Konzessionen zu machen, ist der„Wunsch" eines beliebigen Menschen, der den„Willen" kund- gab, den I. Mai gemeinsam mit den Anarchisten zu feiern, be- stimmend für den„Entschluß" der Versammlung. Ans die näm- liche geistreiche Art»vnrde auch der Verlranensmann Mahlitz ernannt.— Zur nächsten Versammlung»volle» diese Helden die sozialdkmokralische Fraktion und die„modernen kleinen Führer" vor ihr Forum zitiren. Au die Vügler nud Mäiitelarbeiterinnen VerliiiS»var Einladung zu einer öffentlichen Versammlung ergangen, die am 9. d. M. im„Wedd ing-Park" stattfand Trotzdem ein sehr»vich- liger Punkt ans der Tagesordnung stand, nämlich die Frage: „Wie verschaffen sich die Brigler und Mäntelarbeiterinnen ihre Lohnauszahlung am Ende jeder Woche?" war die Versammlung doch nur schwach besucht, Die scheußlichen Verhältnisse in der Mäntelbranche fanden durch den Referenten Herrn Zitzmann eine kurze abcr treffende Beleuchtung. Während es sonst etivas Selbstverständliches sei, daß der Arbeiter am Schlüsse der Woche. d. h. des Sonnabends, seinen verdienten Arbeitslohn ausbezahlt erhalte, so seien derartige Fälle in der Mäntelbranche mit der Laterne zu suchen. In den meisten Fällen würde erst Montag Abends der Lohn ausgezahlt, in sehr vielen Fällen abcr auch dann nicht einmal. Daß das Lohnholen. beiouders für Ar- beiterinnen, vielfach mit großen körperlichen Gefahren verbunden sei, sei bekannt. Andere„Meister" zahlten»vieder erst vierzehn- täglich, obgleich sie alle acht Tage vom Geschäfte Geld erhielten u. s.'v. Redner»vies auf die Benachlhei- ligung der Arbeiter hin,»renn dieselben so außer der Zeit ihren Lohn erhielte» und kau, zu dem Schlüsse, daß darauf hingeivirkl werden müsse, daß die Lohnzahlung des Sonn- abends erfolge. Zu diesem BeHufe wußte der Referent leinen besseren Rath zu ertbeilen, als den, eine Teputatioii an die Vor- stände der drei Meislervereinigungen: Dameumäntelschneider- Innung, Dainenmäntel- Schneidermeister- Verein, und Verein „Mode" zu entsenden, um dieselben zu bitten, doch zu ermög- lichen, daß fortab sonnabendliche Lohnanszahlung erfolge. Nach- dem in der Diskussion speziell die Arbeitsverhältnisse in der Mäntelfabrik von Eladthagen einer kleinen Erorlernng unter» zogen ivorden waren, erklärte sich die Versmnmlmig mit dem Vorschlage des Referenten einverstanden und wählte in die Te- putativ!» die Herren Zitzmann, Lossow, soirie Frau N o a ck. Jni Anschlüsse hieran referirte wiederum Herr Z i tz m a n n über die„Organisation" der Bügler. Dieselbe besteht aus einem Verein, der einen Arbeitsnachweis unterhält und damit ver- meint, alles gethan zu haben. Zum Uebecflusse hat sich am Wedding noch ein zweiter Büglerverein gegründet und sollen im Osten und Südosten noch zwei»veitere Vereine gegründet werden. Herr Z i tz m a n n stand auch hier auf dem Standpunkte, daß den Herren Meislern nicht etwa»vehe gethan werde» dürfe, daß mau vielmehr mit diesen Hand in Hand gehen müsse, um eine Besserung der Verhälluisse herbeizusühren. Eine öffentliche SsgitntionSversnmmluttg fü r Bncy« drucker, Hilfsarbeiter und-Arbeiterinnen wurde am 10. April im„KönigShof", Büloivstraße, abgehalten. M a s s i n i legte in seinem Vortrage über:„Die gewerbliche Lage, deren Ursachen und Folgen, und wie bessern»vir dieselbe die Situation dar, wie sie sich im Buchdruckgeiverbe seit dem letzten Streik im Jahre 1891 sehr zu Ungunsten der Arbeiter ge- stallet hat und welche Schwierigkeilen eine zielbewußte Organi- sation, der Buchdruckerverband, überwinden muß, um hier bessernd einzugreifen. Der erklärliche Widerstand! der Prinzipale werde beivußt oder unbewußt gestärkt durch die Agitation des „Gulenberg-Bundes", einer Gehilfenorganisation, die die Tendenzen des Verbandes für„verhetzend" erkläre, und in der Harmonie zivische» Arbeiter und Unternehmer ihr höchstes Ideal erblicke, was im wesentlichen aus die Billigung jeder Unternehmerlaune hinauslaufe. Ter Redner erinnert daran, daß die hiesigen or- ganisirten Gehilfen(ca. 3000) innerhalb eines Vierteljahrs nicht weniger als 41 640 M. für Arbeitslosen-, Krankenunlerstützung sc. aufgebracht haben, ein schöner Beweis für die Solidarität der Arbeiter, der es jedem nahelegen sollte, sich ebenfalls seinen kämpfenden Brüdern anzuschließen. In der sich diesem beifällig aufgenommenen Vortrag anschließenden Diskussion wurden die in verschiedenen Druckereien eingerissenen Mißstände einer regen Besprechung unterzogen, in der besonders die Unsitte der Ueberstunden und"die bis ins Ungemessene gesteigerte Lehr- lingszüchterei von mehreren Rednern und Redncrinnen die herbste Kritik erfuhr. Die letzteren beklagten sich auch über rigorose Behandlung und Lohnkürzung seitens mehrerer Maschinenmeister. — Ter laut ge,vordenen Ansicht, daß sich zwecks Förderung einer energischen Agitation Versammlungen der einzelnen Drucke- reien empfehlen lassen, traten Wachs und M a s s i n i aus taktischen Gründen entgegen und forderten eben so wie F a b e r die Anivesenden auf, für guten Besuch der nachfolgenden Bezirks- Versammlungen, die den Beweis lieferten, daß es auch im graphischen Geiverbe vorwärts gehe. Sorge zu tragen. Die ge- planten sechs weiteren Versammlungen vertheilen sich folgender- »naßen: Donnerstag, den 12 April, Brochnoiv, Sebastianstraße; Freitag, den 13. April,„Südost", Waldemarstraße; Montag, den 16. April,„Konkordia", Andreasstraße; Dienstag, den 17. April, „Königstadt", Schönhauser Allee; Donnerstag, den 19. April, Lange, Moabit, Siroinstraße; und Freitag, den 20. April, Nord- deutsche Brauerei, Chausseestraße. Schöneberg. Der hiesige Arbeiter- Bildungsrerein hielt am 2. April seine regelmäßige Versammlung ab, in der Genosse Zunker über„Vegetarismus und Sozialismus" sprach. Die humanen und sanitären Gründe der Vegetarier für ihre Lebens- »veise müßten als berechtigt anerkannt werden. Es sei erwiesen, daß durch starken Fleischgenuß eine Anzahl langwieriger Krank- heilen enlslände und auf das Gemüth verrohend»virken. Die optiinisiischen Hoffnungen der Vegetarier, daß ihnen die Zukunft gebore, wies der Redner zurück. An der Diskussion belheiligten sich mehrere Redner. K o h l m a n n stellte den Antrag, an» 16. April eine außerordentliche Generalversammlung einzuberufen, M a s u ch verlangt festzustelle»», welche Mitglieder des Arbeiter- Bildungsvereins bei der Gcmeinderaths- Wahl ihr Stimmrecht nicht ausgeübt haben. Beide Anträge»verde» angenommen. Rixdorf. In einer öffentlichen Versaminluug, die hier ain 5. April tagte, referirte Genosse Schwartze in einem beifällig aufgenommenen Vortrag über die Arbeitsverhältnisse im Kutscher- geiverbe. Redner bedauert, daß in anbetracht der großen Zahl der ain hiesigen Ort wohnenden Kutscher so wenige dem Verein angehören. Eine eingehende Kritik erfuhren die Verhältnisse bei dem Fuhrherrn Scheller. Ter Lohn der Kutscher beträgt hier 13—20 M., der der Mitfahrer 15—18 M. Eine gewiß dürftige Bezahlung, besonders wenn man die ungesunde und ekelerregende Beschäftigung des Müllabfahrens in belracht zieht. Mit der Auf- sorderung, sich der Vereinigung der Kutscher anzuschließen, beendet Redner seinen Vortrag. Die Debatte bewegte sich iin Sinn« des Referats und gelangte hieraus eine Resolution zur An- nähme, die ihr Einvernändniß mit dein Referenten bekundet. Codann wählte die Versammlung zum Delegirten der Gewerk- schastskommission den Kollegen Frisch. Die nächste Versammlung findet am 18., April bei Nehse, Steinmetz- und Falkstraßen- Ecke statt. DaS Nixdorfer Gewerkschafts-Kartell beschäftigte sich in seiner Sitzung am 6. April mit der Stellungnahme zum 1. M»i. Textilarbeiter Schulz bemerkte in seinem einleitenden Referat, daß bereits eine Volksversammlung beschlossen habe, allen Ar- beitern, die eine Maßregelung nicht zu befürchten haben, wird die Pflicht auferlegt, am 1. Mai zu feiern. Zu diesem Zweck findet um 8 Uhr Vormittags eine Versammlung statt, deren Theilnehiner sich dann bei schönem Wetter zu einem Ausflug vereinigen. Ain Abend wird sodann ein Kommers veranstaltet. Diesem Beschluß trat die Versaininlllng bei, nachdem sich alle Redner in der Diskussion für denselben ausgesprochen hatten. Hilfsarbeiter Lieben stellt den Antrag, die öffentliche» Gewerk- schafts-Versammlnngen müssen vom Ausschuß des Gewerkschafls- Kartells einberufen werden. Man»vill damit vermeiden, daß an. einem Abend mehrere Versammlungen tagen. Die Versammlung stimmt dem zu. Die Berlesung der Präsenzliste ergiebt die An» Wesenheit von 13 Delegirten; es fehlen die Vertreter der Maler und der Holzbearbeitungsmaschinen- Branche. Die Versamm- lungen sollen künftig um 6>/s Uhr eröffnet werden. Anfragen sind zi» richten an den Vorsitzenden des Ausschusses Albert Schulz, Berlinerstr. 132, II. Reinickendorf. In einer Versammkitiig des hiesigen Ar- beiter-BildungSvereins, die am 8. April tagte,»vnrde nach längerer Debatte beschlossen, daß die Vereinigung nicht mehr die Kosten für den Gesangschor Liedertafel trägt. Die Sänger erklärten sich damit einverstanden, die Kosten selbst zu tragen. Vviekkayeu ver Redaktion. Wir bitten bei jeder Anfrage eine Chiffre(Zwei Buchslaben oder eine Zahl) anzugeben,»nier der die Nnlwvr! ertheill werden soll. Abonnent Luckenwalde. Wenn Sie nicht infolge der Krankheit entlassen ivorden sind, so muß der Arbeitgeber, sobald Sie sich»vieder gesund melden, Sie weiter beschäftige» oder min- destens mit Utägiger Frist kündigen. Ohne weiteres löst Krank- heit das Arbeitsverh'iltmß nicht ans. A. Sp. latt. Jawohl. Otto 04. Die Auffassung des hiesigen Gewerbegerichts gcht dahin, daß die vorbehaUloie Annahme des Lohnes und das Unter- lassen des Protestes dein Arbeiter den Anspruch auf die l4lägig>: Entschädigung entzieht. Sie können daher nichts machen. Jensen. Es bcdars bei Ihrer Sache einer eingehenden Be- sprechung. Wenden Sie sich an einen Rechtsanwalt. A. S. 40. Zahlen Sie die 50 M. unter Vorbehalt der Rückforderung und klagen Sie dann auf Rückzahlung. W. B. Sie brauchen an Kontrollversammlungei» nicht theil- zunehmen. 'Alter Abonnent. Sie müssen dem Hauswirth oder Ver- »valter ebenfalls den Eintritt gestatten. L. L. Wenn der Wirlh bcivcisen kann, daß er die Gäste aufgefordert hat, die Gäste aber trotz ernstlicher Aufforderung nicht gegangen sind, so»vird er freigesprochen werden und mag auf richierliche Entscheidung antragen. K. 10. Warm empsunden, doch haben wir für Gedicht« keine Verwendung. L. Z. Wir senden regelmäßig Pflichtexemplare. Es liegt ja auch in unsere»» Interesse, daß die ösfenllichen Bibliotheken unsere Literatur sammeln und den Interessenten zur Verfügung stellen. Die einschlägigen gesetzlichen Besliminnngen sind§ 30 Absatz 3 des Reichs-Preßgesetzcs und§ 6 des preußischen Preß- gesctzes vom 12. Mai 1851. Verantwortliche: Redakteur: Hugo Pötzsch in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. SW, Beuthstraße 2.