Ur. 13.- 33. Jahrg. flfconncmentS'Bedingungcn; BBonnemcalS• Steil ptänuaieriind«, Biettcliöbtl 330 Ml. monott. UO Ml. wöchenllich 25 Stfl frei ins HauZ. einzelne Nummet S Big Eonnlagt- nummei tnii tQuftrtetiei Sannlag». Beilage.Tie Nene Seif 10 H'a Bot. Kionnemem 1.10 Marl pro Monat. eingetrogen m die Soft• gcitung*. Bteirlüte Umet ttteuzband Kh Teulickiland und Cedetrcidi• Ungarn 230 Mar! lüt das übrige Ausland t Mar! oto ÜJlonat Coüobonnemcml nehmen an: Belgien. Tnnematl. Holland. Zlolien. üurembutg, Sotmgal, Kumäniea Schweden uns Sie Schnei* eritbemi tägiiik. Verliner VolktsblÄkk. ( 5 Pfennig) Die InfertionS'Gebüljr Heträgl für die sechsgefpaUene Kolonel. »eile oder deren Raum W Pia. für holitische und gewerlschailliche Verein». Und Versnmmlungs-Anzeigen SO Pfg. „Kleine Mnr eigen", das fettgedruckt Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), icdeS weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenan. »eigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über IZBuch. staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis o Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Erpedition ijt bis 7 Uhr abends geäffnel, Telegramm- Adresse: »Sozialdemokrat Bcrlig" Zcntralorgan der rozialdcmokratifcbcn Partei Deutfcblands. Freitag, den 14. Jannar 1916. Neöaktion: SW. 68, Linüenstraße Z. Fernsprecher: Ami Moritzplan. Nr. 151 SO— IKf S7. Cxpeüttion: ctD. 68, Lin�enstraße 3. kseru spreche«: Am« NioriNPla«. Rr. 151 i»0— 151 97. up Kriegs- Mi> ZkiehWmWe« des MWes MWs. Thronrede und Wahlreform. Wenn man der Thronrede mit einiger Spannung ent> gegensah, so aus dem einzigen Grunde, weil inzwischen durch- gesickert war, daß die Thronrede eine Stelle über die be- rühmte Neuorientierung unserer inneren Politik, über die preußische Wahlreform enthalten werde. Wenn wir sagten, die Nachricht war durchgesickert, so ist dieser Ausdruck eigentlich nicht ganz zutreffend. Denn daß die Nach- richt in die Oeffentlichkeit gelangte, war nicht auf irgendeine Indiskretion zurückzuführen, sondern im Gegenteil, der Oeffentlichkeit war durch allerhand offiziöse Verlautbarungen das zu erwartende große Ereignis als etwas hoch Bedeut- sames in Aussicht gestellt worden. Um so g r ö ß e r ist nach diesen wichtigtuerischen Ankündigungen seht die E n t t ä u- f ch u n g. Denn in der Thronrede selbst wird von der preu- ßischen Wahlreform nur in folgendem Satz gesprochen: »Der Geist gegenseitigen Verstehens und Vertrauens wird auch im Frieden fortwirken in der gemeinsamen Arbeit des ganzen Volkes am Staate. Er wird unsere öffentlichen Ein- richtungen durchdringen und lebendigen Ausdruck finden in unserer Verwaltung, unserer Gesetzgebung und in der Ge- staltung der Grundlagen für die Vertretung des Volks in den gesetzgebenden Körperschaften.- ,- Um auf dieses vieldeutige Sätzlein die Oeffentlichkeit vorzubereiten, hat man so große Vorbereitungen getroffen, hat man alle möglichen Berichte in die Presse lanciert, hat man alle möglichen Vorbesprechungen veranstaltet! Wenn je, so beansprucht hier das Wort Geltung, daß der kreißende Berg wirklich ein kümmerliches Mäuslein geboren hat. Selbst liberale Blätetr, wie das„Berliner Tage- b l a t t" sind höchst unzufrieden mit der Ankündigung der Thronrede. Nachdem das„Berliner Tageblatt" den von uns zitierten Satz angeführt, fügt es erstaunt hinzu:„Das ist der einzige Hinweis auf die versprochene Wahl- r c ch t s r e f o r m, ist die mit solcher Spannung er- wartete Aeußerung über diese Reform, die schon in der Thron- rede von 1908, etwas klarer und genauer als„eine der wichtilzsten Aufgaben der Gegenwart" bezeichnet wurde. Bescheidener ist die„V o s s i s ch e Z e i t u n g", die meint, „der König selbst habe sein Versprechen erneuert und man habe kein Recht, daran zu zweifeln, daß dieses Versprechen eingelöst werde". Dabei gibt die„Vossische Zeitung" zu der- stehen, daß gerade die lange Dauer des Krieges und die un- geheure Last der Opfer, die das Volk zu tragen hat, zur Er- Neuerung des Wahlrechtsversprechens geführt hätten. Demgegenüber verdient denn doch festgestellt zu Verden. daß das Versprechen der Wahlreform tatsächlich schon im Jahre 1908 gleichfalls in einer Thronrede abgegeben worden ist. Und zwar war das geschehen zwei Jahre später, nachdem der preu- Fische Finanzminister v. Rheinbaben erklärt hatte, daß die Regierung„fest auf dem Boden des Dreiklassenwahlrechts stehe und sich durch keine soziakdemokratische Agitation von diesem Standpunkt ahdrängen oder sich Konzessionen abtrotzen lassen" werde. Gerade seit dem Jahre 1906 hatten allerdings die gewaltigen sozialdemokratischen WaihlrechtskundgÄbungen eingesetzt. Der Thronrede vom Fahre 1908 folgte allerdings eine beträchtliche Pause. Erst im Jahre 1910 kam die Wahlrechtsvorlage der Regierung heraus, die im Grunde alles beim alten lassen und nur derartige Flickreformen einführen wollte, daß selbst die Nationalliberalen von ihr nichts wissen mochten. Man weiß auch, welche Kämpfe und welche Schachergeschäste sich während der Verhandlung der Wahlrechtsvorlage abgespielt haben, und wie das ganze Spiel schließlich darauf hinauslief, daß nicht das geringste zustande kam. WennmansichandieThronr«devon1908 erinnert, die in der Tat immerhin einen wesentlich bestimmteren Wortlaut hatte als die völlig nebelhaften Erklärungen der Thronrede vom Jahre 1916, und wenn man hinzu- nimmt, daß seitdem in dem furchtbaren Weltkrieg Hundert- tausende von Volksgenossen ihr Blut verspritzt haben, so muß in der Tat selbst jedes chrliche liberale Gemüt zugestehen, daß die Ankündigung der Bekundung der großen Neuorien- twrung unserer inneren Politik und chre heutige„Erfüllung" eine ungeheure Enttäuschung bereitet hat. Wir allerdings sind nicht enttäuscht gewesen. Wir wollen keineswegs behaupten, daß wir nicht denn doch eine wesentlich bestimmtere Fassung und binden- dere Zusagen erwartet hätten: aber wir täuschten uns von Anfang an nicht darüber, daß es bei allen schönen Worten doch bei der bloßen Ankündigung und dem bloßen Versprechen bleiben würde. Was es damit auf sich hat, das ist selbst denen, die in der Geschichte der früheren preußischen Politik nicht allzu bewandert find, Mtog iikS MD SlWWMS. Amtlich. Großes Hauptquartier, deu 13. Jauuar 1916.er russischen Artillerie hatte nicht zugenommen, die Verluste der österreichisch-ungarifchen Verteidiger waren trotz des Trommelfeuers verhältnismäßig gering. Die höhere russische Führung zersplitterte sich im tastenden un- sicheren Versuchen, bald hier, bald dort, zu einem großen einheitlichen Zlngriff fehlten»hr augenscheinlich die Kräfte. Der Hauptnachdruck wurde— aus politischen Gründen jodenfallS— auf den äußersten rechten Flügel der Armee Pflanzer-Baltin geworfen, der ober wogen der Nähe der rumänischen Grenze nicht zu umfassen war, und auch hier beschränkte sich der Sturm auf den nur 26.Kilometer breiten Raum Raranize— Totoroutz— Cfno, oft aber auf viel ge- ringeren Strecken. Dazwischen wurden dann wieder Vorstöße bald gegen die Tnjestrfront, bald gegen d-ie untere Strypa oder gegen deren mittleren Lauf unternommen, die in ihrer ZZereinzelung sämtlich scheiterten. Die am 23. Dezember eingeleitete Offensive erreichte ihren Höhepunkt in den Tagen des 27. bis 29. Dezember; sie wandte sich am 39. und 31. gegen den linken Flügel der Armee Pflanzer, währe od sie an der bessarabischen Grenze abflaute, kehrte vom 1. bis 4. Januar wieder zu der letzteren zurück mit Nebenan- griffen an anderen Punkten, ließ am 5. und 6. Januar erneut nach, machte am 7. Januar einen SSerzweiAnngSversuch an der Strypa nördlich Buczacz und ist am 8. und 9. fast völlig einge- schlafen. Das Ergebnis der 17tägigen Kämpfe sind sehr starke Verluste des russischen HeereS, während die Front unserer Ver- kündeten unverrückt fest steht und insbesondere Czernowitz, die nur 11 Kilometer hinter der Front gelegene Hauptstadt der Bukowina, nicht genommen werden konnte. Zum zweiten Male seit dem Spät- sommer 1915 ist also der Ansturm der Russen gegen die Südost- front unserer Verbündeten völlig mißglückt. Schon machen sich die Stimmen im russischen Lager bemerkbar, die erst für den Früh- sommer des Jahres einen neuen Angriff erwarten, nachdem die so- lange schon angekündigten neuen Streitkräfte des weiten Reiches organisiert und ausgebildet wären. Aber es ist sehr zweifelhaft, ob Rußland aus seiner Bevölkerung noch große angriffsfähige Massen herausholen kann. Der Raubbau, der dort mit den Mensckenvorräten getrieben wurde, müßte ein anderes Volk er- schöpfen; der russische!; Despotismus aber ist an sich nicht imstande, die Bevölkerung auch nur annähernd in gleichem Maße für den Krieg nutzbar zu machen, wie es in Deutschland— aber bei schwächerer Gesaintkvast auch in Frankreich— möglich ist. Die 170 Millwuen Rußlands wiegen nicht so schwer wie die 68 Mil- lionen Deutschlands. Moralisch noch ungünstiger als jene verfehlte Offensive wirkt der Abzug der Franko-Engländer von der Südspitze der Galli- p o l i- H a l b i n s e l in der Nacht vom 8./9. Januar. Die Aufgabe des DardanellenabentenerS mit all seinen für den Vierverband trüben inoralischen und politischen Folgen war dem Wesen nach bereits in der Nacht vom 13./19. Dezember entschieden, als die englischen Hauptmassen die Stellungen von Anafarta und Anzai sluchiähnlich verließen. Aber man suchte noch den Schein zu retten und auf gläubige Gemüter Eindruck zu machen. Am 22. Dezember noch versicherte Mr. Asquith im Unterhcmse:„Der Rückzug von der Souvlabai- und der Anzaizone bedeutet nicht ähnliche Operaüonen bei Kap Helles, wo wir den Eingang der Meerengen beherrsche n." Und nun ist das Ende dal Aber diesmal nicht freiwillig I Seit dem Ende deS borigen JahreS wurde das türkische Gcschützfeuer immer heftiger und verlustreicher, es bestrich von der asiatischen Seite aus den Rücken der englisch-französischen Stellung und zerstörte stellenweise die Landungsstege; Minen, Fliegerbomben legten die Verteidigung des engen Raumes mehr und mehr lahm; die Lage wurde unhaltbar; der in immer drohendere Nähe rückende Sturm der Türken mußte zur Katastrophe führen, der Abzug im Schutze der Nacht war die letzte Rettung der Truppen. Er wurde dann auch diesmal wieder geschickt ausgeführt, wenn er wohl auch mehr als einen Mann Verlust gekostet haben wird. Daß man reiche Vorräte zurücklassen mutzte, wre schon am 13. Dezember, ist selbst- verständlich. Ihre Zuruckschaffung hätte die ganze Operation in Frage gestellt. t Nun ist die Meerenge frei! und das ist ein großer Vorteil für die Türken. Nun ist die Bedrohung Konstantinopels endgültig be- seitigt und wird auch in diesem Kriege nicht wieder versucht werden; nun ist die Verbindung von Hamburg bis Bagdad ungehindert, starke Teile des türkischen Heeres sind frei für andere Aufgaben. Hamburg— Bagdad! Auch am östlichen Ende dieser Bahnlinie wird der Mißerfolg der Engländer immer ausgesprochener. Am 24. und 25 November brach ihr Versuch, Mesopotamien und seine Hauptstadt Bagdad in aller Stille zu erobern, in der verlustreichen Schlacht bei Ktesiphcm zusammen. In einem Zuge muhten sie 160 Kilometer bis zu den am nördlichen Tigrisknie gelegenen Kut- el-Amara zurückgehen. Hier ließen sie unter dem Schutze von Festungswerken eine Nachhut von 10 000— 12 000 Mann zurück, während der Rest noch 70 Kilometer weiter bis zu dem am zweiten Tigrisknie(rechtes Flußufer) liegenden Alli-Gharbi wich, wo offen- bar eine neue Macht versammelt werden sollte. Die Türken folgten rasch und erreichten schon am 4. Dezember Kut-el-Amara, wo sie in täglichen Gefechten die Engländer mehr und mehr zusammen« drängten und auf ihre letzten Berteidigungswerke zurückwarfen. Sie überschritten etwa am 23. Dezember trotz der englischen Fluß- Monitoren den Tigris und schloffen den Gegner auch von Süden der ein, während gleichzeitig eine Deckungsarmee auf Scheik-Said, 35.Kilometer südlich, vorgeschoben wurde. Gegen diese griff die neu verstärkte englische Streitmacht am 6. und 7. Januar an und holte sich eine blutige Niederlage; sie mußte mit außergewöhnlich großen Verlusten wieder zurückweichen. Das Schicksal von Kut-el- Amara scheint hiernach letzten Endes durch Aushungerung besiegelt zu fein. Die hier auf beiden Seiten verwandten Streitkräfte sind offen- bar nick» mehr gan< uiibedeiileild. dem moralische» Mikeroig gesellt sich also der materielle. Der schon jetzt entfachte Votkskrieg im westlichen Persien wird wahrscheinlich einen neuen Aufschwung nehmen. Es ist kaum nötig, darauf hinzuweisen, welche Werte am unteren Zweistromland und an den Nordufern des Persischen Golfes für England auf dem Spiele stehen. Und dazu kommt nun die nie ruhende Sorge um Aegypten und um den Suezkanal. Werfen wir schließlich noch einen Blick auf den Balkan, so be- merken wir, daß die umfassende Angriffsbewegung der Oester- reicher gegen Montenegro, nach kurzer Unterbrechung, trotz Eis und Schnee und himmelstarrender Berge, in den letzten Tagen wieder Fortschritte gemacht hat, die von den Montenegrinern nicht ge- leugnet werden. 83eide Teile melden jetzt auch österreichische An- griffe vom Südwesten, das heißt von der Küste her. Auch hier scheint das Ende in bereits absehbarer Entfernung zu liegen. Man kann die Nachricht von der Friodenssehnsucht König Nikitas für glaubhaft halten. Der rutsche Generalstabsbericht. Petersburg, 13. Januar...u.. u 5... V S..... 4 k JT....JU t-w-.1- CVf_ f.______...' r- r>"l~ S sie X& V» ss V.-y• f rt V». V4.. S\..»* V-T v-k V-. v. im Buchdruckgewerbe der deutilben Schweiz eine Arbeitszeitverkürzung von einer Stunde am Sonnabend eingetreten. Stall um 5 Uhr muß nun bereits um 4 Uhr Feierabend gemacht werden, wodurch die Arbeitszeit an dieiem Tage von 9 auf 8 und die wöchentliche Arbeitszeit von 53 aus 02 Stunden reduziert wird. In den Be- trieben mit durchgehender Arbeitszeit'oll der Arbeitsschluß mittags 1 Uhr erfolgen, die Arbeitszeit am Sonnabend eine sechsstündige und für die ganze Woche eine 51 stündige sein. Die Ausbeute ist also von einem Vierteljahrsabschluß zum anderen gestiegen. Die letztgenannte Zeche Blankenburg hat in den Iahren 1911, 1913 und 1914 überhaupt keine Ausbeute zahlen können und in dem guten Geschäftsjahr 1912 konnte sie auch nur 39 M. pro Kux ausschütten. Daß sie im letzten Viertel des Kriegsjahres 1915 mit der Ausbeute- zahlung wieder beginnen konnte, ist ein sprechender Beweis für die fortschreitend gute Geschäftslage des Ruhrbergbaues. Detttfthes Reick). Zigarren als Loh«. DaS Generalkommando in Münster hat ein Rauchverbot für Jugendliche unter 16 Jahren erlassen. Die Absichten des Verbotes sind ja verständlich und es wird sich ernsthaft gegen diese Absichten wenig sagen lassen. Das Rauchverbot schließt in sich aber auch ein Abgabeverbot von Zigarren und Zigaretten an die vom Rauch- verbot betroffenen Jugendlichen. Dadurch ergibt sich für die jugend- lichen Tabakarbeiter eine eigenartige Komplikation. In der Zigarrenindustrie ist es vielfach üblich, daß von den Arbeitern pro 160 Zigarren oder Wickel zwei Zigarren oder Wickel übergeliefert werden müssen, und dafür werden dann die sogenannten Rauch- zigarrcn gegeben. Letztere bilden also tatsächlich einen Bestandteil des Arbeitslohnes. In diesem Sinne werden sie auch als einen Teil des Einkommens angesehen und daher zur Steuerveranlagung mit herangezogen. Der dafür angestellte Satz beträgt jährlich zwischen 40 bis 60 M. Die Verfügung bedeutet deshalb für die davon betroffenen jugendlichen Arbeiter eine Schmälerung ihres Einkommens, was das Generalkommando sicherlich mit Erlaß der Verfügung nicht beabsichtigt hat. Die Gauleitungen des freien und des christlichen Tabakarbeiterverbandes in Münster haben sich des- wegen mit einer Eingabe an das Generalkommando gewandt, in dem sie dasselbe um eine Anordnung ersuchen, daß den betreffenden Arbitern entweder für die NichtVerabreichung von Rauchzigarren eine Gewentschädigung seitens der Firmen gewährt, oder sie für die Dauer der Nichtgewährung von Rauchzigarren auch keine Heber- zigarren oder Ueberwickel zu liefern brauchen. Teuerungszulagen im Dresdener Brauereigewerbe. Die im Dresdener Brauereigewerbe scbon vor längerer Zeit gewährten Teuerungszulagen waren den Arbeitern vorläufig bis zum 31. Januar 1916 zugestanden worden. Der Verband der Brauerei- und Mühienarbeiter und der der Böttcher richteten daher an den Verband der Brauereien von Dresden und Umgegend durch eine Eingabe das Ersuchen aus Weiterzahlung und Erhöbung der bisher gewährten Teuerungszulagen. Diesem Antrage hat der Unternebmerverband entsprochen. Er teilte den beiden Arbeiter- verbänden mit. daß er„mit Rücksicht auf die schwierigen Verhält- nisse. in denen sich die Arbeiter zurzeit befinden*, beschlossen habe. die Teuerungszulage bis zum 30. April 1916, also um drei Monate, zu verlängern und die Sätze für Verheiratete auf 7,50 M.. Un- verheirarete aus 6 M.. Frauen aus 4,50 M. und Kinder auf 1.25 M. Die Militarifierung der italienischen Industrie. Die Militarisierung der Arbeiterschaft ist nunmehr auch auf die Arbeiter in den italienischen Häfen und die Angestellten der Handelsschiffahri ausgedehnt worden. Das heißt, daß alle im Schisfahrts-, Transport- und Hasengewerbe tätigen Arbeiter den Militärgesetzen unterworfen sind. Aus Livoruo wird dem„Avanti" vom 3 Januar gemeldet, daß die Bergwerksgesellschaft„Elba" plötzlich, ohne weitere Verständigung mit der Arbeiterschaft, eine Verlängerung des Arbeitstages um eine halbe Stunde einführte und daß sie sich dabei auf die Akte für die Mobilisierung der In- dustrie stützen konnte._ Zus Industrie und Handel. Kriegsgewinne und Kriegsgewinnsteuer in Rußland. Prof. Tugan-Baranowsky, einer der bekanntesten russischen Nationalökonomen, erörtert in der Petersburger„Retsch" die Frag« der Kriegsgewinne und ihrer zweckmäßigen Besteuerung.„Den einen", schreibt er,„bringt der Krieg Elend und Leiden, den an- deren gewaltige Profite. Nach dem Kriege werden wir erstaun- liche Dinge darüber zu hören bekommen. Vorläufig jödoch ist dies alles mit dem Mantel... des Geheimnisses bedeckt, und nur aus indirekten Anzeichen kann man ersehen, welch ein Bacchanal der Raffsucht sich um den Köieg abspielt." In seinen weiteren Darlegungen führt Tugan-Baranowsky eine Anzahl Daten an, die durch die russische Presse bekannt ge- worden sind. So ist der Profit von 19 Großbetrieben der m e- chanischen und Maschinenbauindustrie im Jahre 1914 gegenüber dem Vorjahre um 60 Prozent— von 31,9 Millionen auf 52,3 Millionen Rubel— gestiegen. Allerdings kommt diese ungeheure Profitsteigerung nicht in den ausgeschütteten Di- videnden zum Ausdruck, die im Berichtsjahr von 17,1 auf 23,8 Mil- lionen oder von 9 auf 12 Prozent gestiegen sind. Der überwiegende Teil des Mehrverdien stes wurde für Kapiialabschreibungen usw. verwandet. Wenn dieses Bild schon im Jahre 1914, mit seinen 5 Kriegs- monaten, zutage trat, so mußte das Jahr 1915 eine noch weit stärkere Zunahme der Profite ergeben. Prof. Tugan-Baranowsky stellt denn auch fest, daß die Profite der mechanischen Industrie, ungeachtet der Berteuerurig der Kohle, des Mangels und der Ver- teuerung der Arbeitskräfte und der Desorganisation des industriellen Lebens fortgesetzt zugenommen haben. Aehnlich verhält es sich auch mit anderen Industriezweigen. So stieg der Profit der Firma„Treugolnik", der größten Fabrik der russischen Gummiindustrie, von 9,8 Millionen im Jahre 1913 auf 12,8 Millionen im Jahre 1914, während die Dividende von 21.75 auf 25 Prozent erhöht wurde. In der Zuckerindu- strie scheint die„Kriegskonjunktur" glänzende Resultate— für die Aktionäre— gezeitigt zu haben. So zeigen die Rechenschafts- berichte selbst der kleineren Betriebe— die größeren haben ihre Berichte noch nicht ausgegeben— eine Erhöhung der Profite um das Dreifache und Vierfache. In der Leinenindu- strie ist beispielsweise in der großen Fabrik von Demidow der Profit von 0,6 Millionen auf IL Millionen Rubel gestiegen. In der Baumwollmanufoktur von Rjabuschinsky hat sich der Profit fast verdreifacht, bei Prochorow ist er von l,I auf 2L Mil- lionen. bei Chludow von 0,4 auf 0,9 Millionen gestiegen usw. Auch diese Daten beziehen sich nur auf das Jahr 1914 und sind von den entsprechenden Zahlen des verflossenen Jahres wohl noch weit in den Schatten gestellt worden. Man sollte meinen, daß die russischen Großindustriellen, denen der Krieg einen wahren Goldregen ins Haus gebracht hat. unter diesen Umständen gegen eine Kriegsgewinnsteuer— die übrigens in den zirkulierenden Prospekten sehr mäßig veranschlagt ist— nichts einzuwenden haben würden. Weit gefehlt! Ihre Haltung zeigt auch in Rußland, daß zwischen patriotischen Phrasen und patriotischen Taten sin gewaltiger Abstand ist, und daß bei manchem, die es am meisten haben, der Patriotismus nur— bis zur Tasche reicht. So wettert denn auch das Hauptorgan der rus- fischen Industriellen„P r o m y s ch l e n n o st j i Torgöwlja" iJndustrie und Handel) gegen den Entwurf einer Kriegsgewinn- stouer.„Eines von beiden," schreibt es,„entweder ist die Regie- rung in der Lage, den Forderungen der Industriellen und der Kaufleute Einhalt zu gebieten und die Festsetzung gerechter, den Produktionsbedingungen entsprechender Warenpreise zu verlangen. Das wäre konsequenter, als mit der einen Hand hohe Preise zu bewilligen und mit der anderen den Mehrverdienst der Industriellen fortzunehmen. Oder die Regierung vermag ansteigende Ten- denz des Marktes nicht zu bewältigen und muß die Preise akzep- tieren, die ihr die Industriellen und die Kaufleute willkürlich diktieren. Wer auch in diesem Falle würde die Besteuerung der Kriegsgewinne zu keinen Resultaten führen, da sie nur einen neuen Antrieb zur Erhöbung der Preise bei den Kriegsliefevungen bilden wird." Man sieht, die russischen Industriellen machen aus ihren W- sichten kein Hehl und drohen schon jetzt, eine etwaige Kriegsgewinn- fteuer auf den Hauptkonsumenten, den Staat, abzuwälzen. Frei- lich ist die ironische Frage Prof. Tugan-Baranowsiys, weshalb die Industriellen bei der Existenz einer solchen„Abwälzungstheorie" gegen die Kriegsgewi nnfteuer Lärm schlagen, durchaus berechtigt. Aber andererseits wird bei der Opposition der Industriellen wolst ausschlaggebend sein, daß ihre..Abwälzungstheorie" sich nicht auto- matisch verwirklichen läßt, sondern mit so vielen„Spesen" ver- knüpft ist. daß eine glatte Wlehmmg der gesamten Steuer schon vorteilhafter erscheint. Die Goldproduktion der Bereinigten Staaten.„Times* vom 3. Januar gibt den Wert der Goldprvduktion der Vereinigien Staaten im Jabre 1915 mit 19 778 220 Pfd. Sterl. an, d. i. im Vergleich zu 1914 ein Mehr von 8 871 860 Pfund.(N. d. A.) Mlqemeine Kranken- und Sterbekasie der Metallarbeiter V. a. G.) zu Hamburg. Filiale Baumschulenweg. Den in Treptow wohnenden Mitgliedern zur Kenntnis, daß am Sonnabend, den 15. Januar, abends von 8'/,— 10 Uhr, im Lotal von Wollram, Elscnstr. 101 (Ecke ftiesholzstraBe) lassiert wird. Hörden. Als Stellvertreterin der Kaiserin nahm die Kronprin- zessin an den Verhandlungen des ersten Tages teil. Wann wäre je einer Frauenorganisation eine solche Würdi» gung zuteil geworden! Nicht einmal der Bund Deutscher Frauen. vereine, der sich selbst die Vertretung der bürgerlichen Frauen Deutschlands nennt, mit seiner halben Million Mitglieder hat das fertiggebracht. Fräulein Dransfeld konnte stolz sein aus die Be- achtung, die man ihrer Organisation schenkte. Nach allen Seiten mußte sie begrüßen und danken. Jedem der zahlreichen Würden- träger wußte sie in ihrer großen Ansprache ein paar Worte zu sagen, die ihn besonders erfreuen und ihm schmeicheln mutzten. Diese Frau mit der glühenden Beredsamkeit ist klug, und sie weiß ihre Klugheit zu nutzen. Außer der Kronprinzessin konnte sie begrüßen den Grafen Lerchenfeld als Vertreter der Königin von Bayern, den Fürst- bischof Bertram von Breslau, den Vertreter des Reichskanzlers, des Staatssekretärs des Innern, des preußischen Staatsministe- riums, insbesondere des Kuliusministers und des Landwirtschafts- Ministers, die Präsidenten des Reichsbersichmingsamts, des Reichs» gesundheitsamtcs und der Königl. Seehandlung. Nicht zu ver- gessen den Herrn Präsidenten des Reichstages, der sonderbare Ge- fühle gehabt haben mag, als er sah, daß eine Frau, man denke eine Frau, von seinem Platz mit soviel Schwung und Begeisterung die Versammelten anredete. Fürstinnen, geistliche und weltliche Würdenträger und gewöhnliche Sterbliche, alle erhielten sie ein stimulierendes Wort, Huldigungstelegramme wurden versandt und Danktelegramme verlesen. Alles klappte, kein Mißton, nichts Stö- rendes kam herein. Die Vertreter des Reichskanzlers und des Kultusministers an- erkannten die Mitarbeit der Frauen im allgemeinen und der katho- tischen Frauen im besonderen und dankten ihnen vor allem für ihre Leistungen auf dem Gebiete der Jugenderziehung. Ob sie mit allen Forderungen des Katholischen Frauenbundes ebenso einverstanden waren, konnte leider nicht festgestellt werden. Denn wenn diese Frauen auch stets ibre enge Anlehnung an die Kirche und ihre Diener betonen, was Regierungsbehörden zweifellos sehr sympathisch berührt, so forderte Fräulein Dransfeld doch auch die Mitarbeit der Frau am kulturellen Ausbau Deutschlands, der sich aus dem politischen und wirtschaftlichen gründen müsse. Und zwar nicht nur als Handlangerin, sondern auch als M i t g e st a l t e r i n. „Der Einfluß der Frau auf das kulturelle Leben bestand schon immer, aber er vollzog sich in uns unsichtbaren Kanälen. Heute ist die Frau an die Oeffentlichkeit getreten, und darum mutz sie nicht nur in der Familie, sondern auch in der Oeffentlichkeit an allen Aufgaben der Zukunft mit- wirken." Und später hieß es: „Das alte Frauenideal sM beibehalten bleiben, doch sein Wert mutz erhöht werden. Ehrfurcht soll sich mit gerechtem Selbstbewußtsein paaren. Die Frau muß weiter neue Pflichten erfüllen gegenüber ihrer Familie, in der Betätigung für das Volks- und Staatsganze und nicht zuletzt auch gegen Gott." Nockj klarer kam der Wunsch nach der Gleichberechtigung in der Gemeindeverwaltung in einem Referat von Frl. Dr. Lauer- Frankfurt a. M. zum Ausdruck. Vielfach sei die Mit» arbeit der Frau in der Gemeinde noch durch gesetzliche Bestimmun- gen gehemmt. Der Krieg machte jedoch die kommunale Mitarbeit ohne Rücksicht auf die rechtliche Möglichkeit notwendig.„Wenn nach dem Kriege aus dem Volke aber wieder das„Volk der Denker" wird, muß da für die gesetzliche Korrektur gesorgt werden." Ueber die Stellung der katholischen Frauen zu den übrigen Problemen braucht nicht viel gesagt zu werden. Ihre Haltung zur Bevölkerungsfrage, zur sittlich sozialen Mission der unverheirateten Frau, im Kampf gegen die sittlichen Mißstände im öffentlichen Leben ergibt sich aus ihrem enzzen Anschluß an die katholische Kirche, deren Auffassung allgemein bekannt ist. Die Bedeutung dieses Kongresses liegt auch viel weniger in der Arbeit, die er leistete, als in der Aufnahme,'die er bei den Behörden und den Ver- tretungen des Reiches gefunden hast Hier hat der Katholische Frauenbund eine Vormachtstellung in der bürgerlichen Frauen- bewegung gewonnen, die er sich so leicht nicht streitig machen lasse» wird. Es ist eben etwas ganz anderes, ob man. wie der Bund Deut- scher Frauenvereine, bei allen bürgerlichen Parteien um Gehör bitten mutz, oder ob man eine so mächtige und geschickte Partei wie das Zentrum hinter sich hat. Eingegangene Druckschriften. Bon der„Neuen Zeit« ist soeben das 16. Heft vom 1. Band deS 34. Jabrqanqs erschienen. Aus dem Jnbalt des Heftes beben wir bervor: Bureaukralie und Politik. Von Gustav Eckstein.— Nochmals die land- wirtfchasilichen Produltionskostcn und die Teuerung. Bon A. Hofcr.— Mitteleurova. Von K. Kautsky. tFortfetzung.)— Vom Wiilschästsmarkt. Koblenvroduktion und Koblensyndikatspolitit. Bon Heinrich Cunow.— Literarische Rundschau: Richard Kiliani. Der deutsch-englischc Wirtschafls- gegen! atz. Bon Lp. Salomon Dembitzer. Aus engen Gassen. Von L. Lessen. Die wirtschaftliche Annäherung zwischen dem Deutschen Reiche und seinen Verbündeten. Von Dr. H. Hertner. In zwei Teilen 23 M. Duncker u. Humblol. München und Leipzig. Ginarm-Fibel. Ein Lehr-, Lese- und Bilderbuch. Herausgegeben von Dr. Eberbord, Fr.th. v. Künßberg u. a. IM. G. Braunfche Hof- buchdruckerei. Karlsruhe. Ans dem deutsche« Osten. Von Dr. P. Michaelis. 2 M., geb. 2,50 M. E. Reimer, Berlin W 10. Kunftverwattung in Frankreich und Dentfchlaud. Herausgegeben von Dr. O. Graut oh. 3 M. M. Drechiei, Bern. Tie kriegführenden Mächte. Dargestellt von H. Schilling. 1 M. A. Stei s Vertag, Potsdam. Bulgarien'was es ist«nd was es wird. Herausgegeben vom Königl. Bulgattilben Konsulat zu Berlin. 20 Ps. G. Slilke, Berlin NW 7. Gewerbe- und Koiifmannsgcricht. Monatsschrift des Perbandes Deutscher Gewerbe- und Kaufmannszettchte. 2l. Jahrg. Nr. 4. Jährlich 4 M. G. Reimer, Berlin W 10. Der Tonische Krieg. Heft 69: Kriegsfinanzen. 2. Tell. Reichs- tagsreden. Von K. Helfferich. 50 Pf. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart Deutsche Zukunft— Belgien. Aus den nachgelassenen Schritten K. Lampreck-ts. l M. F. A. Perthes, Gotha. „Erfahrung«. Die Wcihnachtsersahrung eines Buben. Von H. Kutter 40 Ps.— Weltverbesserer und Weltverderbcr. Eine Sammlung von Krieasaufsätzen von G. Umstid. 1,80 M. Verlag: Art. Institut Orell Fügli. Zürich. Ter unsichtbare Tempel. Monatsschrift. Herausgegeben von Dr. E. und Dr. A. Horneffcr. 75 Ps. E. Reinhardt, München. LebcnSkunde für die weibliche Jugend. Von A. Winter. 1,50 M. R. Herroses Verlag, Wittenberg. Urber die Notwendigkeit der Schaffung von Moorschutz» gebieten. Denkschttst. 18 S. Gebr. Bornträger, Berlin W 35. Die Arbeiterfrage. Eine Eimübrung von Dr. H. Herkner. 6. er- wetterte Auflage. 2 Bände, geh. 11,50 M. J. Guttcntag. Berlin W 10. Das Bild als Verleumder. Bemerkungen zur Technik der Völker- Verhetzung. Bon F. Avenarius. 1.20 M. G. D. W. Callwey, München. Permikw R-dakt.! Alfred«i-l-pp, Neukölln. Inseratenteil verantw. Tb. Glocke. Berlin. Druck iL Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Lerlagsanstult Paul Singer u. Co., Berlin 5 V/. Hierzu 2 Beilagen«. UntcrhaltungSbl. !it i3. 33. wtm, i. KeiilM des Ismillts"§n\m PollisMdtt u.?«.««t.91«. Mbgeorönetenhaus. Erste Sitzung vom Donnerstag, den 13. Januar. nachmittags 2 Uhr. Am Ministertisch: Lcntze. v. Loebell. 'strästdent Graf Schwerin eröffnet die Sitzung mit folgender Ansprache: Als wir uns am Schlüsse der letzten Tagung, am 24. Juli. hier trennten, habe ich der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß, wenn wir uns nach einigen Monaten wieder zusammenfinden würden, unserem gemeinsamen Ziel, einem vollen Siege und der Erreichung eines ehrenvollen Friedens, abermals um ein gutes Stück näher- gekommen sein würden. Ich glaube. Sie werden mir zustimmen, wenn ich heute sage, daß sich diese unsere Hoffnung m reichem Maße erfüllt hat. auch wenn wir vielleicht»och lange nicht am Ziel angelangt sind. Rein zeitlich betrachtet, mag eS auch heute noch dahingestellt bleiben, wie lange der Krieg noch dauern mag und wie lange wir seine Last und seine Opfer noch werden tragen müffen. Aber, was unsere Zuversicht, unsere Gewißheit dafür an- geht, daß wir als Sieger aus diesem uns so frevelhaft aufge» zwungenen Kampf hervorgehen werden, so hat diese doch inzwischen durch die herrlichen Erfolge unserer Waffen und der Waffen unserer treuen Verbündeten einen ganz gewaltigen Zuwachs erfahren. (Lebhafter Beifall.)«Graf Schwerin schildert darauf die Kriegs- läge.) Mit Stolz und Bewunderung blicken wir heute auf unsere treuen sicggekrönten Verbündeten und beglückwünschen sie zu den glänzenden Erfolgen ihrer und unserer Waffen.(Lebhafter Bei- fall.) Oesierreich-Ungarn zu der Befreiung Galiziens und zu der Niederwerfung Serbiens, dieser alten Statte von Königsmorden und Bedrohungen des Völlerfriedens. Bulgarien zu der Wieder- befreiung seiner mazedonischen Stammesgenossen aus der serbischen Knechtschaft und die Türkei zu der glänzenden Verteidigung ihrer Meerengen und ihrer bedrohten Hauptstadt. Das Band aber, welches im verflossenen Jahre Blut und Eisen um das Deutsche Reich und seine Verbündeten geschmiedet haben, wird sobald keine Macht der Erde wieder zerreißen. Dieser starke unerschütterlich feste BierbundSblock bedeutet schon heule eine so vollkommene Veränderung der ge» samten Weltlage, daß er vielleicht einmal als daS weltgeschichtlich bedeutsamste Ereignis dieses ganzen gewaltigen Völkerringens gelten wird. Mit nicht minderem Stolz als auf unsere Verbün- deten und mit unbegrenzter Dankbarkeit aber gedenken wir heute auch unserer eigene:: unvergleichlichen Truppen und ihrer glän- z enden Aührer. �Lebhaft« Beifall.) Sie haben an Heldenmut und unerschütterlicher Standhaftigkeit fast Uebermenschliches geleistet. Wir alle aber willen weiter mithelfen zum Siege, jeder an seiner Stelle— ob Volksvertreter. Beamter. Gewerbetreibender oder Ar- beiter. ob daheim oder an der Front.— ja ob Mann oder Frau, wir wollen alle mithelfen bts zu einem vollen, von unseren Feinden nicht mehr ivegzutäuschenden Sieg.(Zustimmung.) Und so hofte ich, daß auch unsere beute beginnenden Beratungen nur von dem einen Gedanken getragen sein werden, nichts zu unterlassen, was dar möglichst baldigen Erreichung eines vollen Sieges und eines dauernd gesicherten Frieden? dient. Aber ebenso auch alles zu unterlassen, was die baldige Erreichung unseres höchsten Zieles verzögern könnte. Der Präsident bringt zum Schluß ein Hoch auf den Kaiser aus. AlSdami bracht: Finanzmimster Dr. Lcntzc den Etat ein. Das Ende dsS Krieges ist noch nicht abzusehen. Wir zu Hause sind es unseren braven Truppen schuldig, ebenso eisern durchzu- halten wie sie. Der Krieg bat begreislicherweiie einen gewaltigen Einfluß auf das grnzc Wirtschaftsleben ausgeübt. Uns ist ja aber die Gabe verliehen, uberall der Schwierigkeiten Herrr zu werden. Vielfach sind Frauen und Töchter unserer Streiter an deren Stelle getreten. Unsere deutschen Frauen haben bewiesen, daß sie i» den Zeiten der Not uns mithelfen durchzuhalten. Die veränöerieii wirtschaftlichen Verhältnisse zwangen aber auch Handel und Jndu- strie dazu, sich vollständig neu zu orientieren. Wir mußten nun- mehr fast alle vom Ausland bezogenen VerbrauchSgüter entweder selbst herstellen oder andere an ihre Stelle setzen. I» geradezu mustergültiger Weise hat sich diese Neuorientierung vollzogen. Auch unser gesamter Kriegsbedarf, Kleiduig, und Munition. Dünge- und Futtermittel mußten wir selbst herstellen. Was wäre aus uns geworden, wenn wir dazu nicht imstande gewesen wären. Wir konnten ja nicht, wie unsere Feinde, die Hilfe anderer in Anspruch nehmen. Dadurch haben wir aber auch viele Hunderte von Millio- nen unserevi Lande erhalten. Tie starken Zeichnungen auf unsere Kriegsanleihen find hierfür der beste Beweis. Was man vor dem Kriege für unmöglich gehalten hatte, daß daS freie Spiel der Kräfte im Handel und Wandel einmal ausgeschaltet oder eingeschränkt werden konnte, ist nun zur Wirklichkeit geworden. Infolge der Preisfestsetzungen und Beschlagnahmen sind wir nun aber auch m-t ausreichenden Lebensmitteln versehen, wenn wir auch haushällerisch damit umgehen müssen. Tie Versorgung Teutschlands mit Brot- getreide ist dauernd sichergestellt. Bei den Kartoffeln und Futter. Mitteln, die nicht demselben Maßstabe unterworfen werden tonrnen. mußten andere Maßnahmen versucht werden. Alle diese Zwang?- maßregeln bedeuten eine schwere Last für daS ganze Land. Durch die ZwangSmaßregeln mit den Futtermitteln trat naturgemäß eine Verringerung der Bichhaltung ein. Die preußische StaatSregierung bat es deshalb unternommen, zur Vermehrung der Schwnneprodul- tion die vom Balkan bezogenen Streufuttermittel an einzelne Unternehmer abzugeben und die Preisdifferenz auf die Staatötafse zu übernehmen. Auf diese Weise sollen in den nächsten Monaten 4t>lZ(XX> fette Schweine auf den Markt gebracht«erden. Im Jahre 1K14 schloß die StaaiSrechnung infolge der Tat- fachen, daß nur noch fcie ersten vier Monate das Bild eines FriedensjahreS beten, mit eine»! erheblichen Defizit ab. Der Eisenbahnverkehr ging erheblich zurück und die Aus- gaben esiigen. Diese Mehrausgaben haben auch verhindert, daß die Erträgnisse wieder in vi« Höhe gingen, als sich der Güterver- kehr wieder zu beleben begann. Die Mindererträgnisse des Eisen- bahnverkebrS sind dort nicht dem Staatshaushalt zur Last ge- fallen, sondern wurden vom Ausgleichsfonds übernommen. Noch eine zweite Einrichtung der preußischen Finanzverwaltung ist oft genug wegen ihrer ThesaurierungSpolitik angegriffen worden, weil sie bei neuen Anlagen immer darauf drang, daß«in Teil der Kosten nicht aus Anleihen übernommen, sondern aus den laufen- den Einnahmen gedeckt werden müssen. Wäre das nicht geschehen. so müßten wir jetzt Schulden mit neuen Schulden bezahlen. Wir werden daher auch in Zukunft bei dieser bewährten Finanzpolitik verbleiben müssen. Der Haushaltsplan für 1Q1S ist zwar schon während des Krieges aufgestellt worden, aber es mußte dabei da- von ausgegangen werden, daß der Frieden bald eintreten werde. Deshalb gibt er i» wesentlichen nur die Zahlen de« Etats für lgl< wieder. Abgesehen»an den Eisenbahnen ist das Extraordinarium überall gekürzt worden. Wie im Jahre lvlt sind auch ISlö dre Staatseinnahmen fast überall zurückgegangen, während die Auö- gaben in die Höbe gingen. Die Teuerung bedingte, daß noch weiter Zulagen gewährt werden mutzten. Der Etat balancierte diesmal zwar mit einer um b Millionen kleineren Summe als im Vorjahr, trotzdem ist nicht damit zu rechnen, daß wir mit den vorhandenen Einnahmen auskommen. Mit dem Desizit von 1314 könnte man sich zur Not abfinden. Wenn aber wieder ein neues Defizit hin- zutrut. und die Reibe weiterer Defizite nicht abzusehen ist, dann entsteht die Gefahr, daß eine Kapitalschuld anwächst, die selbst mit den größten Ueberschüssen nicht wieder abgetragen werden könnte. Diese Erkenntnis nötigt das Staatsministerium. Maßnahmen vor- zukchlagen, durch die das Defizit sobald als möglich abgetragen werden kann. Wir haben uns entschloffen, eine Erhöhung der SlaatSeinnahmen um 100 Millionen Mark durch Erhöhung der Staatszuschläge herbeizuführen. Die Erhöhung der Staatsein- nähme soll im Wege einer KriegSsteuer herbeigeführt werden, die also mit dem Ende des Krieges wieder erlischt, weil eine gänzliche Neuordnung der direkten Steuern während des Krieges undurchführbar ist. Erhöht werden durch da» neue Gesetz nur die Steuer- zuschläge. Mit Rucksicht auf die außerordentliche Teuerung haben wir eine Erhöhung der Steuerzuschläge erst von einem Einkom- men von mehr als 2400 M. m Vorschlag gebracht. Diese Er- höhung beträgt bei einem Einkommen von 2400 M. 8 Proz. und steigt so. daß bei 100 000 M. Einkommen die Erhöhung mehr als 100 Proz. des ursprünglichen Steuersatzes ausmacht. Eine Er- höhung der Vermögenssteuer erscheint nur durchführbar, wenn eine Neuveranlagung vorgenommen wird. Das verbietet sich aber zurzeit vollständig. Der Minister bittet den vor- gelegten Gesetzentwurf wohlwollend zu prüfen und bald zu verabschieden. Wie im Borjahre ist es wieder notwendig, durch das Etatsgesetz die Ermächtigung zur Ausgabe von Schatzanweifungen zu erl eilen. Der Fonds zur Unterstützung der Gemeinden, für den im Borjahre 110 Millionen Mark zur Verfügung gestellt wurden, ist beinahe erschöpft, er soll deshalb wettere 110 Millionen Mark erhalten. Für Ostpreußen bleibt lwch viel zu tun übrig. Einstweilen müssen sämtliche Ausgaben von der preußischen Staatskasse vorschußweise erfolgen, solange das Reichs- gesetz noch nicht erschienen ist. Es wurden bisher über 350 Millio- nen Mark verausgabt. Zurzeit sind nur iwch 5000 ehemalige Be- wohner Ostpreußens außerhalb ihrer engeren Heimat unterge- bracht. Mit dem Wiederaufbau ist überall begonnen worden, und wir hoffen, daß die vielgeprüfte Provinz einer schöneren und glücklicheren Zukunft entgegengeht.(Lebhafte Zustimmung.) Der inneren Kolonisation werden wir weiter unsere lebhafteste Aus- merksamkcit zuwenden. Der ostpreußischen Landgesellschaft sind für die Kolonifatwn des Landes erhebliche Staatsdarlehen gegeben worden. Die Tätigkeit zur Urbarmachung von Mooren und Oedländereicn wurde wesentlich vermehrt. Durch Gewährung von Notstandsdarlehen suchen wir Angehörige des Mittelstandes, die durch Einberufungen um ihre Existenz gekommen sind, die Möglichkeit zur Gründung eines neuen Berufes zu verschaffen. (Beifall.) DaS Gesamtbild läßt sich dahinzujammenfassen, daß der Krieg an unserem Staatshaushalt natürlich nicht spurlos vorüber- geht, wir brauchen aber nicht ängstlich zu sein.(Beifall.) Wir wollen zu der altgerühmten preußischen Sparsamkeit zurückkehren, nach welcher jeder Pfennig dreimal umgewedet wird, bevor man ihn ausgibt. Di« Hauptsach« ist, daß unsere Finanzen gesund bleiben, daß wir den Krieg gewinnen und unserer Feinde Herr werden. Dahinter muß alles andere zurücktreten. Gewiß ist der Krieg heut« fühlbarer als vor Jahresfrist, aber das ist unvermeid« lich und wrr müssen und können uns damit abfinden. Was von uns, die wir zu Hause geblieben sind, verlangt wird, sind nur unbedeutende Entbehrungen in unserem persönlichen Leben gegen- über den Entbehrungen unserer Brüder an der Front.(Beifall.) Wenn diese dort täglich und stündlich ihr Leben einsetzen, sollten wir eS nicht vermögen, obne Murren und Klagen uns einiges zu versagen, an das wir gewöhnt find. Erst kommt unser Vaterland. dann nochmals und nochmals und dann erst das Schicksal des ein- zelnen. Die Hoffnung unserer Feinde, mit der sie sich Mut zu machen suchen, beruht auf eitler Täuschung. Wenn wir die Verlautbarun- gen der feindlichen Regierungen über unsere Bedrängnisse lesen, so fassen wir uns an den Kopf und sagen, das ist ja alles eitel Lug und Trug. Viel Blut wird noch fließen. Aber tun wir weiter unsere Pflicht und vertrauen wir auf Gott, dann wird uns auch eine Welt von Feinden nicht unterkriegen und über- winden, l Lebhafter Beifall.) Damit schließt die Sitzung. Nächste Sitzung Montag, den 17. Januar, vormittags 11 Uhr. (Präsidentenwahl, kleine Borlagen, erste Lesung de? Etats.) Schluß 3X Uhr. Reichstag. 28. Sitzung, Donnerstag, den 18. Januar ISIS, nachmittags 2 Uhr. Am BundeSratStiich: Dr. Delbrück. Die Beratung über ErnÄhrungSfragen wird fortgesetzt. Abz. Simon(Soz.): Hätte die Regierung die ihr von den Vertretern meiner Partei und den Gewerkschaften rechtzeitig gemachten Vorschläge befolgt, so wäre die Erbitterung über die Mißstände in der Nahrungsmittel- Versorgung im Volke nicht vorhanden. Wir können bei unserer Kritik keine Rücklicht nehmen aus den schamlosen Lebensmittelwucher, der unier der Duldung der Negierung Wochen- und monatelang betrieben worden ist. In der Presse und in den Ver- sammlungen wird die Kritik hieran unterbunden. weil die Zensurbehörde und die Regierung der falschen Meinung ist, daß die Erbitterung aus der öffentlichen Erörterung stammt. Sie könnten sich in den Läden überzeugen, welche Erbitterung bei den Kriegerfrauen durch die im- verschämt hohen Preise ausgelöst wird. Auch die Landwirte sind an der Preistreiberei beteiligt, wie die Verurteilung von Landwirten wegen lleberschreiiung der Höchstpreise zeigt. Un- sinnig ist die Bestimmung, daß auch der Bewucherte bestraft wird; das hält ihn von der Anzeige ob, wir haben deSbalb den Antrag auf Aufhebung dieser Bestimmung gestellt. Der Berichterstatter sagte, daß wir bei sparsamer Wirtschaft mit unseren Lebensmitteln aus- kommen können. Es muß dock aufreizend wirken, wenn daS Volk hört, daß genug Lebensmittel vorhanden sind daß die Bevölkerung fie ober wegen der wucherischen Pieiie ni»t erkalten tonn. Enteignung. Preissestsctzuny und Verteilung Kütten die Gtundlagen bilden müssen für die Maßnabmen der Regierung. Das wollte die Regierung aber nicht, weil es den über- Ireienen Anschauungen und der Rechtsaussassung der bürgerlichen Kreise zuwiderlief. Deshalb zögerie sie mit Maßnahmen, und diese ögerung hat da« Volk mit Hunderten nicht nur, sondern mit ausenden von Millionen bezahlen müssen, die in die Taschen der Spekulanten geflossen sind. Auch heute nock meint die Regierung, daß boh« Preise notwendig seien, um die Produktion anzuregen. Tie Landwirt« sind mit den Maßnabmen der Regierung sehr zu- frieden, fie baben ihnen goldene Früchte gebracht, wie ein bäuer« liches Organ in Unterfranken schrieb. Jawohl, goldene Früchte für die Landwirtschaft, Hunger, Not und Elend für weite BcvöllcrungSsthichtcn find daS Resultat der Maßnabmen der Negierung. Bei allen Maß- nabmen ist die Regierung auf halbem Wege stehen geblieben. Die Ueberichreitung der Höchstpreise beim Schweiiieflkiich ivird begünstigt dadurch, daß nicht auch zugleich Höchstpreise für Wurst festgesetzt wurden. Möge die Regierung nicht ruhig zuseben. daß jetzt auch die Preise für Rindfleisch bis zu unerschwinglicher Höhe steigen. Auch die i ReichSgetreidestelle hat nicht für die Versorgung der Bevölkerung mit ! billigen Lebensmitteln gesorgt, sondern sie ungebührlich verteuert. Freilich trifft auch bier die Regierung die Schuld, die die Eebührcn ungewöhnlich hoch festsetzte, inimer aus dem Gedanken heraus, nur durch großen Verdienst ivird die Produktion angeregt. Hat man sich doch aus das Bedelsche Wort berufen: Ohne Profit raucht lein Schornstein. Bebel wollte damit nur betonen, daß die bürgerlichen Äreiie nicht durch das Interesse für die Allgemeinheit zum Pro- duzieren veranlaßt werden, sondern nur durch den Profit. Ein nettes Zeugnis wird dem Patriotismus der kapitalistischen Kreise von der Regierung ausgestellt, wenn sie meint, daß auch in dieser Zeit nur überaus hohe Profite zur Produktion anregen. Ein Skandal ist es, daß die ReichSgetreidestelle dem Volke geradezu Wucherpreise abverlangt. Auch die Futtermittel werden durch die Politik der Reichsgetreidestelle übermäßig verteuert. Im vorigen Herbst hat der preußische Landwirisckaftsrat mit Herrn v. Schwerin- Löwitz an der Spitze die Ernte als vorzüglich geschätzt. E» wurde mit großen Ueberschüssen an Getreide gerechnet und von den Vertretern der Landwirtschaft wurde deshalb stürmisch verlangt, daß das Getreide zu Finterzwecken freigegeben werde. Wir waren alle freudig bewegt, über dieses Ergebnis der Ernte, konnten doch dadurch die Brotrationen etwas freigebiger gestaltet werden. Run mit einem Mal hören wir, daß das Ergebnis der Ernte erheblich hinter den Schätzungen zurückgeblieben ist. Trotzdem aber hat man erstklassigen Weizen verschrotet. l'Hört! bort!) und hat sogar einer Koriispirituszentrale 45 000 Tonnen Roggen zum Schnapsbrennen übergebe». Wie da» zumnimenhängi. dafür kann vielleicht Herr v. Brockhausen nähere Ausklärung geben.(Hört! hörtl b. d. Sozialdemok.) Jedenfalls dürfen sich die Herren vom Landwirtschaftsral nicht wundern, daß man nach dieser Probe ihrer Sachverständigkeil ihrem Urteil in Zukunft da» größte Miß« trauen entgegensetzen wird. Welche große Meugen von Getreide verfüttert find, geht auch daraus hervor, daß vielfach Landräte in der Presse dringend davor warnen muhten, gegen das Bcrsülterungsverbot nicht zu verstoßen. Die ReichSgetreidestelle hat seinerzeit in einem Rundschreiben selbst den Kommunalverbänden empfohlen, männliche Einwohner mit eigenem Arbeilseinkommen bis zu einer bestimmten Einkommengrenze und von einem bestimmten Alter ab bei der Eihvbung der Brolraiionen zu berücksichtigen. Trotzdem dieser Weg etwas ichematisch sei, sei er doch der einfachste und daher praklischste. Und nun kommt dieselbe Stelle und macht den Städten die schwersten Vorwürfe, daß sie unverantworllicherlvcise Iuiatz- brotkarten ausgegeben hätten. Der erwähnte Fall ist übrigens nicht das erste Mal, daß die Regierung durch angeblich sachverständige Auskünste zu falschen Maßnahmen gekommen ist. ES ist soviel über das große Schweinemorden im vorigen Jahr gesprochen worden. Die Ursache lag darin, daß die Landwirte die Bestände viel zu niedrig angegeben hatten.(Sehr richtig l bei den Sozialdemokraten.) AI? sich nachher der Irrtum herausstellte, wurden dann die Schwetne als„innerer Feind" mit Rücksicht auf die Karlosselknappheit in Massen geschlachtet. Was die Kartoffelpreise anlangt, so wird jetzt wieder von einer Erhöhung gesprochen. Ich warne die Regierung dringend davor. Das müßte geradezu katastrophal wirken.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Man komme nicht mit dem Einwand, daß es in FriedenSzeilen ebenso hohe Kartoffelpresse gegeben hat. Heule liegen die Dinge ganz anders. Nachdem die Preise für Fleisch und Gemüse für Ar« beiter und Mittelstand uneiickwinglich geworden sind, find die Kar- löffeln daS einzige Ersaynohrungsmittel für große Voltskreise, die heule, leider sage ich. daS Drei» und Vierfache an Kar- toffeln verbrauchen als früher. Verteuert man auch die Kartoffel noch, dann beschwört man Zustände heraus, für die wir jede Verantwortung ablebnen müssen.(Erneute lebhafte Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) Eine Erhöhung der Preise wird übrigens, wie die Erfahrung lehrt, keineswegs zu eiiiem größeren Angebot führen. Im Gegenteil wird dann damit gerechnet, daß der einen Erhöbung eine zweite folgt und die Kartoffeln werden erst recht von dem Markte zurückgehalten. Hier kann nur eine Beschlagnahme der Kartoffeln helfen. Auch bei soirstiaen Kriegs- maßnahmen hat die Regierung vollständig versagt. Ich habe schon im Dezember 1315 die Regierung auf die ungerecht» fertigt hohen Lederpreise hingewiesen. Auf dem Ledermarlt wurden Ansang des Krieges die reinsten Phantasiepreise bezahle Es machte sich eine wüste Spekulation geltend. Die ätticgsleder- Aktiengesellschaft machte in den ersten neun Kriegs,» onaten einen Umsatz von 1300 Millionen Marl. Rechnet man nur 300 Proz. Preis- steigerung, so ergibt sich, daß daS deutsche Volk in dieser Zeit allein für Leder 806 Millionen zuviel bezahlte. Die Dividenden vieler Lederfabriken sind ganz enorm gestiegen, von 4 auf 30 Proz. zum Beispiel. Die schließlich festgesetzten Höchstvreise für Leder sind noch viel zu hoch, sie stehen immer noch bis 200 bis 300 Proz. über den Friedenspreisen. Sie sollen ja nun Weiler abgebaut werden. Auch auf dem Gerbstoffmartt hat eine ungeheure Spekulation in einheimischen Geibstoffen schon im November v. I. eingesetzt, und die Regierung hat bisher nichts ge- tan, um dieser Spekulation ein Ende zu machen. Auf der anderen Seite ist eine Notlage der Arbeiter tatsächlich vorhanden. Große Schichten der arbeitenden Bevölkerrng arbeiten seit Kriegsausbruch nur drei, vier Tage in der Woche. Bei einer Aufnahme über 787 Haushaltungen, die in Bremen veranstaltet wurde, zeigte sich, daß 52 Familien nur ein Wocheneinkommen von 5 bis 1b M. hatten, 31 ein Einkommen von 16—20 M. pro Woche(Hört) hört! bei den Soz.), 45 Familien konnten überhaupt keine Milch bekommen. bei den übrigen wurde per Kopf und Woche nur 48 Pf für lPlilch aufgewendet. Die Kinder st erblichkett hat daher außcrordent- lich zugenommen. Das Volksinteresse gebietet, mit fester Hand zuzu- greisen und nicht hallzumachen vor den Interessen der einzelnen. Dr. Roeficke weist auf die hohen Preise der Lebensmittel in Eng- land hin. DaS ist für das deutsche Volk ein schlechter Trost. Daß auch die Arbeiterlöhne gestiegen sind, ist nur bei einer verschwinden- den Minderheit der Fall. In der Rüstungsindustrie wurden reklamierte Arbeiter, wenn sie in einer Kommission wegen einer Teuerungszulage vorstellig wurden, am anderen Tage eingezogen.(Hört! hört! bei den So- zialdemokraien.) In England dagegen bewirken auch höhere Lohne einen Ausgleich zu den hohen Lebensmittelpreisen, dort schrecken dir Arbeiter auch vor dem Streik nicht zurück und fragen nicht danach, ob die Rüstungen darunter leiden. In Deutschland dagegen ist ein Ausgleich durch höhere Löhne incki rvr- banden. Gewerkschaftsbeamten, die in der Fabrik mit Ar- beilern in Fühlung traten, die bei Mililärlieferungen beschäftigt waren. wurden mit V e r h a s t u n g bedroht.(Hört! hört! bei den Sozial- demotraten,) Nach Calwer betragen die Kosten der gesteigerten Lebenshaltung bei den Arbeitern 60 Proz. Ein großes Stück Volk»- kraft geht jetzt durch Unterernährug verloren. Bisher haben wir von der Regierung nur gule Worte gehört, und sicherlich hat fie auch guten Willen. Das allein genügt aber nicht, es muß auch die genügende Kraft dadinterfleben. Hier hat die Regierung ver« sagt, sie schwankt hin und her; für schwankende Gestalten ist aber in dieser ernsten Zeil nicht Platz, sie bringen nur Unbeil für da« Volk, und müssen daher dinier und vor der Front beseitigt werden. DaS Volt erwartet, daß man sich nicht nur über die AushimgerungS- Pläne der Engländer entrüstet, sondern daß man auch rücksichtslos den wucherischen Elementen, die das Volk ausbeuten, zuleide geht. Wird daS Volk in dieser Erwartung getäuscht, so geroten wir in eine unheilvolle Situation.(Beifall bei den Sozialdemokoten.) Abg. Marx(Z.): Das �aghasts und vi�l zu.spüle Eingreifen der Regierung bat zu vielen Mißständen besonders auch in der Kartoffclfrage gefiikirt. Lon den Verhältnissen im Rheinland haben die Herren Dr. Roesicke und Ganlp leine blasse Ähnung, dort hat eine!v i r k l i cd e Kar- raffeln ot geherrscht. Dabei fehlte es nicht etwa an Kartoffeln überhaupt im Lande, sondern der gehler lag in der Organisation. Bei den �-chwicrigleiteu der Butter-, Fett-.' Milch- und Fleischver- iorgung liegt der Kardinalpunkt in den unerhörten Preistreibereien für die Futtermittel, an denen auch die ReichSsutrermittelstehe be- reiligt ist. Hierin mutz Wandel geschaffen iverden ini Interesse der gesamten Bevölkerung. Das Verfahren der Reichsgetreidestelle gegen- über den kleinen und mittleren Mühlen hat der Äbg. v. Gamp mit Recht scharf getadelt, eS liegt darin eins Verletzung der Jntereffen des Mittelstandes, die doch gerade eine besondere Berücksichtigung verdienen. Die PreiSprüfiingsstellen sollten besser ausgebaut werden, sie könnten dann segensreich wirken. lBeifall mi Zentrum.) Präs. Kacmpf: Die Aeutzerung des Abg. Simon, die Reichs- geirerdestelle fordert Wucherpreise, überschreitet die parlamentarisch zulässigen Grenzen. Utttcrstaatssekretär Michaelis: Die Ueberwcisniig der verhültnismätzig nicht allzu erheblichen Menge von ÜL VilO Tonnen Roggen an Kornbrcnnereien isi von der Rerchsgetreidestelle beschlossen worden, weil die dann als Rückstand bleibende Schlempe den gunermittelwert des Roggens ungefähr wiedergibt.— Tie Gewährung von Zusatzbrotkarten hat die Reichs- getrcidesielle ausdrücklich von einem besonderen Arbeitseinkommen von 2-500 M. abhängig gemacht. Mir ist nicht bekannt, datz Gym- nasiasren und Dienstmädchen ein solches Einkommen haben. General v. Hove»: Auf die Ausführungen des Abg. Simon bezüglich der Leder- preise isi schon im HauptauSschntz geantwortet worden. Wir muffen bei unserer ganzen Kriegswirlschast hierbei zwei Perioden unterscheiden. In der ersten ivar das oberste Gesetz, so rasch wie möglich unseren HeereSbedars zu decken, an eine Prciswirti'chaft konnte man da nicht denken. Das damalige Ziel, datz die Neuformationen recht- zeitig ins geld kommen mutzten, ist erreicht worden. Dann erst konnte man an eine Preisregulierung denken, während es vorher allein darauf ankam, die Industrie zur Höchstleistung zu veranlassen. In der zweiten Periode kam es dann zunächst zu Richtpreisen durch freie Vereinbarung der Industrie und schlietzlich zu Höchstpreisen. Diese sollen jetzt noch borabgesetzt werden und es sollen auch Höchstpreise für Gerbstoffe eingeführt werden. Damit ist wohl allen berechtigten Wünschen entsprochen. Abg. Held(natl.): Wir muffen durchhalten, wir wollen durchhalten, wir werden durchhalten.— Ich will Kleinmalerei treiben. Zunächst das Schwein. Schwein oder Nichlschwein, das ist hier die grage. fHeiterleit.) Man lönrue auch von, wiffenichastlichen Schwein sprechen. Denn die Herren Professoren rechnen genau aus, was jedes Schwein an Kartoffeln fritzt. Dann wurden die Schweine gemordet und Dauerwaren mutzten hergestellt werden. Wei den Kommunen ist aber viel davon verdorben. Belch ein Verlust nicht nur für die Lavdwirlschast, sondern für unser gesamtes Volk.— Herr Gamp war erstaunt, datz für Kinder Zusatzbrotkarten gegeben werden. Unsere deutschen Jungens und besonders unsere deutschen Jungens aus dem Lande sind gute Esser, sie laufen zwei Stunden weit zur Schule und können deshalb einen ordentlichen Riemen per- trogen.— Bedauerlich ist, datz man bei den Matznahmen über die Ernährung nicht auch praktische Hausfrauen zu Rate gezogen hat.— Der sozialdemokratische Antrag aus Abstufung der Höchstpreiie würde eine Erschütterung der Höchstpreise nicht bedingen können; und wenn der Antrag auch eine Beschlagnahme des Schlachtviehs fordert— nun, was dabei yerauskonimr, siehe Schwein!— Der Wille zum Durch- hallen ist in allen Kreisen des Volkes vorhanden, bei den Kon- sumenten und Produzenten, und datz es geschieht, daraus wollen wir alle hinarbeiten.(Bravo! bei. den Nationalliberalen.) Abg! Fischbeck(Fortschr. Vp.) f Die Vorwürfe des Unterstaalssekretärs gegen Berlin, hier seien zuviel Zusatzbrotkarten ausgegeben worden, sind un- berechtigt: die erweiterte Ausgabe von Zusatzbrotkarlen ist gerade auf Anstotz von oben her, seitens der Regierung, erfolgt.— Den Bebelscheu Ausspruch„nur vom Profit raucht der Schornstein" suchte Herr Simon als m anderem Zusammenhang gesprochen hin- zustellen, als er gestern von Wendorff zitiert worden ist. Es bleibt aber richtig, datz ohne Profit und Nutzen niemand, auch der Klein- Händler. Kartoffeln nicht verkaufen kann, und darunter leidet dann vor allem die konsumierende Bevölkerung. Die Kartoffelpreise km Herbst waren aber ganz ungesund und da hätte rechtzeitig ein- gegriffen werden müssen. Aber den sozialdemokratischen Antrag, datz die Höchstpreise für Kartoffeln überhaupt nicht mehr heraufgesetzt werden, können wir nichl annehmen; der Landwirt kann im Ma> und Juni, nachdem er die Kosten der Lagerung und deS Schwundes getragen hat, nichr zu denselben Preisen verkauien wie im November. — Die Schweineprelse in Berlin sind ganz ungesund. Aber seien »ir doch ehrlich,«ich hierherstelleir und im Tone der Ueberlegen- heit über den Schweinemord sprechen, als ob das etwas garrz Verrücktes, nur von Professoren AuSgebecktes, ist doch ganz unberechtigt. Im Reichstag sind gerade die Herren von der Rechten und die Nationalliberalen mit rnrS für die Abschlachtung der Schweine eingetreten, und einstimmig isi der Antrag im Reichs- rage angenommen worden. Wo sind denn damals die Helden ge« blieben iHeiterkeil), um dagegen zu treten. Wer drautzen Demagogie treiben will, mag in der Art eines PoffenreitzerS über diese Dinge sprechen. Aber vor ernsten Männern, die dabei waren, als die Beichlüffc geratzt wurden, soll er schweigen.(Lebhafter Beifall bei der Volkspartei.) Die Weitcrberatung wird auf Freitag 1t Nhr vertagt.(Borher: Kurze Anfragen.) «chlutz öl/4 Uhr.__ Zensur und Selagerungszustanö vor dem Haushaltsausschuft des Reichstages. Sitzung vom 13. Januar 1913. Abg. S t r e s e m a n n bedauert, datz die Regierung die Er- örlerungen über die neuen Steuern noch nicht für zensursrei er- klärt hat. Die Nationalliberalen müssen e s ab- lehnen, in die Beratung der Steuervorlagen einzutreten, wenn die öffentliche Diskussion darüber nicht frei gegeben wird. Tie Zensur muß mehr daraus achten, datz nicht Auslandstelegramme verbreitet werden, die eine Stimmungsmache für Amerika l-ezwecken.— Viele der Zivilinternierten haben es unterlassen, sich naturalisieren zu lassen, nur um nicht Soldat werden zu müssen.— Die Eingabe der 6 Wirtschaftsverbände an den Reichskanzler ist mit der Ab- ficht der„Berner Tagwacht" übermittelt worden, um Deutschland Schwierigkeiten zu bereiten. Die Eingabe ist nach rein wissen- schaftlichen Grundsätzen aufgestellt. Blotze Eroberungsabsichten liegen den WirtschaftSverbänden fern; nur soll Sicherheit für die Zukunft geschaffen werden. Redner erörtert dann die bekannten , Forderungen im einzelnen. Die vom Abg. Heine geäußerte Vermutung, datz man mit der Aufstellung dieser �Forderungen hauptsächlich auf die innere Politik im reaktionären«inne wirken wolle, trifft nicht zu. Die Nationalliberalen begrüßen den Tag, der dem preutzischeic Volte ein besseres Wahlrecht bringt. A&g. Heine: Bei Beginn der Debatten hat Abg. Sirese- Nlunu die Eingabe der WirtschaftZverbände begraben, jetzt hat er sie wieder zum Leben zu erwecken versucht. Tie Abgg. Slresemann und Roesicke haben der N�gierung mit ihren Ausführungen acm&yu Material für die Becbehaltung der Zensur geliefert. Die AllMvung der Zensur ist aber schon deshalb notwendig, um den Annektiönspolitikern zu ermöglichen, einmal zu sagen, wie man rn. machen soll, damit ihre Ziele verwirklicht werden können. Aus den verschiedensten Gründen ist es nichr möglich, diele Forderungen als ernü gemeim zu nehmen. Tie Wirkung der öffentlichen Er- örterung der erwähnten Forderungen auf das Ausland isi nicht so schlimm, nachdem sie im Ausland ja doch schon bekannt find. Datz�die Eingabe der„Berner Tagwacht" zur Veröffentlichung in die Hand gespielt wurde, kann nickt sckarf genug verurteilt werden. Datz von rechtsstehender Seite versucht wird, dem Reichskanzler, wemi nicht jetzt, so doch später, Sckwieri gleiten zu machen, kann nach den gehörten Auslassungen nicht zweiselhaft sein. Minftterialdirektor Lew a�d: Bis jetzt hat sich die Zensur in die Betrachtungen über die«leuerfragen noch nicht eingemengt. und sie wird das mich nicbj tun, solange Gehässigkeiten vermieden werden. Gewisse Auswüchse der Kritik müssen allerdings be- schnitten Iverden. Abg. Gras Westarp: In konservativen Kreisen denkt kein Mensch daran, dem Reichskanzler während des Krieges Schwierigkeiten zu bereiten. Das hindert aber nickt, sachliche Be- denken gegen die Politik der Regierung zum Ausdruck zu bringen. Der Abg. Oertel habe dem Reickskanzler weder das Vertrauen noch das Mißtrauen der Konservativen ausdrücken wollen. Abg. GieSberts findet die wirtschaftlichen Forderungen der 6 Verbände berechtigt.— Der Zentrumspresse hat die Zensur den Abdruck eiroer Eingabe der christlichen Arbeiter um Errichtung von Arbeits nackweisen ver- boten. Di« sozialdemokratische Presse hingegelt hat die Eingabe veröffenilichen dürfen. Die Zeniur hat der Zentrnmsprcsse erklärt, solcher Anregungen bedürfe es nickt, die Behörde wisse selbst, was sie zu tun habe. Abg. Gothein wendet sich gegen die Besirsbungsn gewisser Annerionspolitiker. Die Gefühle der Konfervatwen gegenüber dem Reichskanzler sieben nunmehr fest. Die Wirtsckaflsverbände haben bei Erhebung ihrer Forderungen reckt wenig Sackkunde gezeigt. Abg. Mumm(Wirtsch. Vg.) wüwck.t, datz die Erörterung der Kriegszielc etappenweise freigegeben werde. Abg. Stadt ha gen tritt der Auffassung des Ministerial- direktors Lewald über die Zensur in Steuersragen entgegen. In Berlin sind Erörterungen dieser Art direkt verboten. Nur rein theoretische Bctracktungen sind gestattet. Eine kritische Be- leuchtung aber isi unmöglich. Gerade aber darauf kommt es an. Eine Reform der Zensur ist undenkbar, sie mutz in ihrem ganzen Umfang beseitigt Iverden. Äbg. Roesicke: Die Eingabe der Wirtschaftlichen Verbände ist keineswegs begraben, sie wirkt im Gegenteil recht erfreulich weiter. Wie die gesteckten Ziele erreickt werden sollen, ist nickt Sache der Verbände. Die Berösfentlickung der Eingabe in der ausländischen Presse war nicht gerade sckädlick. Sie bewies dem Ausland, daß wir den Mut haben, offen zu sagen, was wir wollen. Abg Heine stellt fest, datz die Abgg. Graf Westarp und Roesicke ausdrücktich betont haben, datz die Konservativen nur während des Krieges nichts gegen den Reichskanzler unternehmen wollen. Daraus kann man aus ihre Absichten nach dem Kriege schließen. Abg. Graf Westarp entgegnet, datz er die seiner Partei zu- geschobene Absicht der Kanzlerstürzerei zurückweisen müsse. Damit war die Diskussion erschöpft. Die Abstimmung ergab folgendes Resultat: Abgelehnt wurde der sozialdemokratische Antrag, den Reichskanzler zu ersuchen, dahin zu wirken, datz der Belagerungs- zustand aufgehoben und insbesondere die Freiheit der Presse wieder- hergestellt wird. Angenommen wurde dagegen die Resolution, den Reichs- kanzler zu ersuchen, dafür Sorge zu tragen: 1. datz unter dem Einfluß der jetzt geltenden Ausnahme- bestimmungen keine Einrichtungen geschaffen werden, die geeignet sind, auch in Friedenszeiten die Prctzsreiheit und die Freiheit der .öffentlichen Meinung zu beschränken; 2. dasi beim Kriegspresseamt und bei allen Generalkomman- doS Pretzabtcilungen aus Vertretern der Militärbehörde und fach- verständigen Zivilpersonen, gebildet werden, damit die Härten der Zensur beseitigt oder gemildert werden: 3. datz jedem Zeitungsvcrdot zunächst eine mit Begründung versehene Warnung an den Verlag vorausgehen mutz. Angenommen wurde auch der zu dieser Resolution ge- stellte Zusatz der Sozialdemokraten:„Das Verbot einer Zeitung darf nur mit Zustimmung des Reichskanzlers erfolgen." Angenommen wurde ferner folgende Resolution der Fort- sckrittler, den Reichskanzler zu ersuchen, dafür Sorge zu tragen, datz jedenfalls Fragen der inneren Politik und der Handelspolitik der Pretzzensur nicht unterworfen werden. Bei der Beratung der Petitionen forderten die Abgg. Hoch und Ledebour größte Gewissenhaftigkeit bei der Aushebung der jungen Jahrgänge.— Die Vertreter des K r i e g s m i n i st e- r i u m s gaben Auskunft über die getroffenen Maßnahmen. Die Kommission erörterte dann die.Baralong"-Affäre. Diese Verhandlungen waren streng vertraulich. preßstimmen zur preußischen Thronrede. „Berliner Lokalanzeiger". „Die Kämpfer drautzen und daheim— das isi der Grundton, auf dem diese Thronrede gestimmt ist.... Die eiserne Probe, von der die Thronrede ivricht, bat das preußische Volk bisher glänzend bestanden. Es wird auch weiterbin allen Anforderungen dieser schweren Kriegszeit geioachssn sein und ohne Murren alle Opfer tragen und bringen, die von ihm verlangt werden. Dieie liegen nicht tntr aus materiellem Gebiete. Datz wir für das kommende war schon längst kein Gebeimms mehr. Sie werden um so williger hingenommen werden, als die könig- liche Staatsregieruny mit Genugtuung dlirans verweisen kann, datz sie trotz und während des ÄrisgeS auch die dringenden Kultur- aufgaben des Landes nicht leiden läßt.... Ein freierer Geist brüderlichen Vertrauens soll fernerhin alle Schickten der Nation umschlingen und in den StaatSeinrickinngen zum Ausdruck kam uten. So deutet die Thronrede auch auf die Wählrechisreform hin, die schon einmal versucht worden ist und nach dem Kriege erneut in Angriff genommen werden soll. Eine Zusage, die, in so ernster Stunde gegeben, schon an sich als ein schöner VertvauenKbeweis der Krone gelten darf, für deren Erfüllung aber geWitz auch, wenn. die Zeit gekommen ist, die höchsten'Anstrengungen aller berufenen Stellen werden eingesetzt werden. Hoffentlich ist der Augenblick nicht mehr fern, da dieie eigentlichsten Friedensarb eilen in Angriff genommen werden können." „Berliner Tageblatt". „Dort, wo im letzten Teil der Throtivede von dem„Geist gegen- seitigen Verstehens und Vertrauens" gesprochen wird, beißt es auch, Zieser Geist werde„lebendigen Ausdruck finden in unserer Ver- waltung, unserer Gesetzgebung und in der Gestaltung der Grund- lagen für die Vertretung des Volkes in den gesetzgebenden Körper- schaften". Das ist der einzige Hinweis auf die versprochene Wahl- rechtsrefovm. ist die mit solcher Spannung erwartete Aeutzerung über diese Reform, die schon in der Thronrede von 1998, etwas klarer und genauer, als„eine der wichtigsten Aufgaben der Gegen- wart" bezeichnet wurde. Vielleicht hatte Herr v. Belknnann Holtoeg beabsichtigt, etwas mehr zu sagen. Vielleicht hat die Schilderhebung der Resormgegner ihn bewogen, der Erklärung eine möglichst unauffällige und unbc'nmntte gorm zu geben. Jedenfalls darf man wohl bemerken, daß der Wortreichium, der vorher in der Erörterung des angekündigten Ereignisses verausgabt worden ist, in keinem Verhältttis zu den wenigen und nicht gerade ereigmsschweretl Worten ficht, mit denen die Thronrede das Problem erledigt.... Im ssänzen hatte man den Eindruck, datz die VersatMttlung von der Thronrede etwas mehr erwartet hatte. Dem Wcnigeu und Un. bestimmten gegenüber, das sie brachte, hielt man sich zurück. Auch die Mitteilung über die gesetzgeberischen Plane der Regierung brachten in keiner Richtung eine Ueberraschung...." „Täglich« Rundschau": ., Der Wahlresormpassus der Thronrede, die auch sm übrigen keinerlei Ueberraschung bringi, und nur Bekanntes bestätigt/ gibt genau das, was wir von ibm erwarte ten und was man einzig üud allein davon erwarten durste. JedeS Weniger oder Mehr wäre ein Zuwenig oder ein Zuviel gewesen. Mögen die Parteien bei den anschließenden Verhandlungen des Parlaments sich von dieser Ein- ficht bestimmen lassen- Diese Stunde hat- dringlichere Forderun- gen und anderen Stöfs zu fruchtbarer Kritik als diese Sorge von morgen." „Voffische Zeitung": .. Aus den Worten, die der König heute durch den Minister- präsidenteu verlesen ließ, klingt deutlich heraus, daß auch der gekrönte Führer des Preutzenvolkes sich nicht im Zweifel darüber besindei, ivas allein unsere Erfolge gestützt bat und unseren Sieg vollenden kann: die deutsche Organisation oder, wie die Thronrede sich ausdrückt, die aus Ordnung gehaute Freiheit und der Geist der Gemeinsamkeit, den das ganze Volk u> vorbildlicher Weise bekundet. Vielleicht bat mancher, als der Krieg begami, die Wirkung dieses Volksgeistcs in seinar Wirkung unterschätzt.,.. Je länger aber der�Krieg dauern desto mehr wurden sich Regierende und Negierte darüber klar, datz ein Krieg so langwierig und so voll schwerer Opfer obne die willige Mitwirkung aller VolkSklassen nicht einen Tag länger geführt werden könnte.... Nun hat der König selbst sein Versprechen erneuert, und wir haben kein Recht, daran zu zwei- feln, datz dies Versprechen eingelöst werden wird." „Deutsche Tageszeitung". .. Daß wir, von fast allen Soften von Feinden umgeben, dauernd die starke Ronarchie. das unsere ganze gesunde Voltlkraft umfassende monarchische Heer, daß wir in unserem ganzen poli- tischen Ausbau die in der Thronrede zutreffend formulierte„Frei- beit. aus Ordnung gebaut", nötig haben, die uns jederzeit die denkbar stärkste und wirkungsvollste Zusammenfassung aller staat- Ilcken und volklichen Kräfte zur Sicherung des Reiches ermög- licht—> diese Erkenntnis ist durch den gegenwärtigen Krieg auch in� Kreise gedrungen, die sie zuvor nicht in hinreichendem Matze besaßen. Wem: deshalb in der Thronrede deutlich' auf eine Aenderung des preußischen Wahlrechts nach dem Kriege hinge- wiesen wird, so vermögen wir uns dieser Folgerung aus den Lehren der Kriegszeit nicht obne weiteres anzuschlietzen, hätten vielmehr geglaubt, datz es zunächst das Gebotene gewesen wäre, abzuwarten, ob und wieweit der Krieg eine sachlichere und vor- urteilsfreiere Würdigung des gegenwärtigen Wahlrechtes in Preußen bringen werde. Aus diesen Punkt behalten wir uns vor zurückzukommen... „Kreuzzeitung". „... Die sachlichen Ankündigungen der Thronrede bringen nach den� Mitteilungen, die in letzter Zeit in die Oeffentlichkeit sselangt sind, keine Ueberraschung..., Tie angekündigte Stelle über die Wabkrecktsfrage hat mit-dem Satze, datz der Geist gegen- seitigen Verstehens und Vertrauens auch im Frieden fortwirken und in der Gestaltung der Grundlagen für die Vertretung des Volkes in den gesetzgebenden Körperschaften Ausdruck finden werden eine Fassung erhalten, die Festlegungen im einzelnen vermeidet. Danach bleiben die von uns hervorgehobenen Bedenken bestehen. Die Haltung der Presse der Linken kann uns in der Uaberzeugung, datz sie berechtigt sind, nur bestärken.... „Germania". »... Politisch von größtem Interesse i>t der Abschnitt der Thronrede über die neue„Gestaltung der Grundlagen für die Vertretung des Volkes in den gesetzgebenden Körperschaften", Ans eme Neuordnung des preußischen' Wahlrechts bat sick'die Regierung damit wiederum festgelegt und bestätigt, daß, es einer der wesentlichsten Punkte in der Neuorientierung unserer inneren Politik, die von anderer Stelle bereits früher für die Zeit nach dem Kriege angekündigt war, bilden mutz und bilden wird. Ein auch nur allgemeiner umschriebenes Programm wird dafür in diesem Augenblick wohl niemand verlangen können...."' politische Ueberßcht. Nochmals Ernährungsfragen. Aitcß die Tonnerstagsitzung des R e i ch S t a g s wurde naS, von der Beratung der Ernährungsfragen ausgefüllt. Genosse Simon ging mit den Lebensmittelverteurern und der Regie- rung sehr scharf ins Gericht. Er schilderte eingehend die Notlage und die steigende Erbitterung des Volkes und präzisierte noch- mals die Forderungen unserer Partei. Ihm trat zunächst der Zentrumsabgeordnete Marx entgegen und dann der Präsident der Reichsgetreidestelle Michaelis und ein Per- treter des Kricgsministeriums, die die von Simon erhobenen Vorwürfe zu entkräften versuchten. Ter nationalliberale Ab- geordnere H e I d vernichte an den ernsten Fragen der Volks- ernährung seinen nicht gerade sehr geistvollen Witz. Ab- geordneter F i s ch b e ck(Fortschr. Vp.) verteidigte die Matz- nahmen der Kommunen, den„berechtigten Profit" des Handells und polemisierte schlietzlich gegen gewisse landwirt- schaftliche Kreise, die jetzt über die Regierungsverordnungen grollen, während sie ihnen früher zugestimmt haben. Die� Weitcrberatung der Ernährungsfragen, die nun schon drei Plenarsttzungen beschäftigt haben, werden am Freitag vormittag fortgesetzt. Wir haben gewitz nichts gegen eine gründliche Beratung der so autzerordentlich lvichtigen Er- nährungsverhältnisse. Aber uns scheint, datz man auch bei dieser Rcichstagstagimg wiederum wie bei allen vorangehen- den der Erörterung dieser Frage so viel Raum einräumt, um nachher die Behandlung der Z e n s u r f r a g e n um so rascher abwürgen zu können. Tas wäre schon deshalb zu bedauern, weil die Lösung der Volksernährungsfragen wesentlich von der Möglichkeit uneingeschränkter Kritik in"der Presse abhängt. Der Seniorenkonvent des Reichstages trat am Donnerstag abermals zu einer Sitzung zusammen. Genosse Liebknecht hat zwei abgeänderte Anfragen dem Präsidenten überreicht, die dieser zurückweisen will. Der Seniorenkonvent gab dem Präsidenten die Ermächtigung, während der Kriegszeit An- fragen, die das Interesse des Reiches schädigen könnten, nicht auf die Tagesordnung zu setzen. ES wurde dabei hervorgehoben, daß dieS nickt dazu führen dürfe, etwa ein Mitglied des Hauses mund- tot zu machen. Von einer Aenderung der Geschäftsordnung wurde Abstand genommen._ Die Einbringung des preuftische« Etats. Im Preußischen Abgeordnetenhause brachte der Finanzminister am Donnerstag im unmittelbaren Anschluß an die vorläufige Konstituierung zugleich mit dem StaatShauSholtseiat noch zwei andere Gesetzentwürfe aus seinem Ressort ein, die mit dem Etat in mehr oder minder engem Zusammenhange stehen, die«teuervoilage und die Vorlage betreffend Bewilligung von weiteren 119 Millionen Mark für Zwecke der KriegSwohlfahrtSpflege. Herr Lentze gab eine Darlegung unserer Finanzverhältnisie, die nach seiner Darstellung keine erfreuliche ist, aber doch immerhin, Ivenn man die Kriegslage berücksichtigt, ein eriragticheZ Bild ergibt. DaZ Defizit deS RechnungS- jahres 1814 beträgt 116 Millionen Mark, eine Summe, die durch die neuen Steuerzuschläge mit Leichtigkeit ausgebracht werden kann. Die Steuerzuschläge selbst sollen bei Einkommen von weniger alS S400 Mark nicht und bei Einkommen von mehr als 2i00 Mark progressiv gestaltet werden; Bei den höchsten Einkommen steigt die Erhöhung bis zur Verdoppelung. Wir hätten ja gewünscht, daß i>ie Grenze, von der ab bis Erhöhung beginnt, weit höher hinausgerückt worden wäre, aber wir wisien, tote wenig die Regierung einer so sozialen Maßnahme geneigt ist, und es wird ihr sicher große Ucüerwindung gekostet haben, daß sie nicht auch von noch ge� ringeren Einkommen eine Kriegssteuer erheben kann. Wenn sie das nicht getan hat, so weniger aus allgemein sozialen Gesichts- Punkten, sondern wegen der ungeheueren Steigerung der Preise für alle Lebensmittel. Fn der Kommission, der die Steuerborlaae zugleich mit dem Etat überwiesen werden wird, wird über die Gestaltung dieser Kriegssteuer noch mancherlei zu reden sein. Nicht nur auf sozial« demokratischer, sondern auch auf bürgerlicher Seite sind schon jetzt in der Presse Bedenken gegen diese Art der Regelung laut geworden. Tie Generaldebatte zum Etat, die voraussichtlich eine recht ein- gehende sein wird, beginnt am Montag nächster Woche. Ter preußische Etat. Dem Vorbericht zum preußischen Staalshaushaltsetat für 1916 enstiebinen wir: Der Etat schließt in Einnahme und Ausgabe mit 4 819 431 641 M. ob. die Schlußsumme ermäßigt sich gegen den Etat deS laufenden Jahres um 3 932 288 M. Einnahmen und Ausgaben halten ohne Anleihe das Gleichgewicht, l Infolge der Begrenzung des für allge- meine StaatSzwecke verwendbaren ReinüberschusieS der Eisenbahn- verioaltunq auf 2.19 Proz. des statistischen Anlagekapitals ist im Erat der Eisenbahnverwallung als Rücklage in den Ausgleichsfonds die Sumnrr von 48ö 397 M. in Ansatz gebracht.) Abgesehen von der Rücklage in den Ausgleichsfonds stellen sich für das Etatsjahr 1916 die ordentlichen Einnahmen auf... 4 899 665166 M. die dcruerndenAuSgabenauf.... 4 699 289 642 M. der Ueberichuß im Ordinarium auf... 191 375 524 M. die außerordentlichen Einnahmen auf 9 766 475 M. die einmaligen und außerordentlichen Aus- g a b e n auf......... 299 656 692 M. der Zuschuß im Extraordinarium auf.. 199 899 217 M. Der Ueberichuß im Lrdinarium übersteigt mithin den Zuschuß im Erwaodinarium um,......... 485 807 M. und diese Summe entspricht der Rücklage in den Ausgleichsfonds. In K 3 des Eiatsgesetzes ist dem hervorgetretenen Bedürfnisse entsprechend als Betrag, bis zu dem zur vorübergehenden Verstär- kung des Betriebsfonds der GeneralstaatSkasie Schatz- a n w e i s u n g e n ausgegeben werden dürfen, der Betrag von 3 Milliarden Mark(gegen 1915 mehr l'/a Milliarden) eingesetzt worden.(SB. T. 23.) Tic erste Sitzung des Herrenhauses. Das Oberhaus des Preußischen Landtages wählte am ersten Tage der neuen Session einen neuen Präsidenten an Stelle deS verstorbenen Herrn v. Wedel-PieSdorf. Die Wahl siel auf den lang- jährigen Schriftführer Graf Arnim-Boitzenburg. Der neue Präsident will den Erwartungen entsprecben, die seine Kollegen und Wähler gewiß geleitet hätten, nämlich 1m Herrenhause den altpreußischen Geist in Geltung zu halten, der unser Volk so groß gemacht habe. Der Herrenhauspräsident erwähnte auch die großen und schweren Ausgaben, vor die dieses Parlament nach dem Kriege gestellt sein werde und die nicht nur nach den Rücksichten der Politik und nach dem Verstände zu lösen sein würden, sondern auch aus der Volksseele heraus. Diese Aufgabe sieht Graf Arnim darin, dem deutschen Wesen neuen Nährboden zu schaffen, damit es rein von fremdländischer Schlacke, fest und unüberwindlich kommenden Geschlechtern überliefert werden könne. Dann werde es sich zeigen, ob das Volk reis gewesen sei. das zu werten, was das Schwert erwarb. Der Präsident schloß mit der Erkärung, daß sich das Herrenhaus wie bisher von dem Grrmdsatz leiten lassen werde: Das allgemeine Wohl ist das höchste Gesetz. In seinem Nachruf auf Herrn v. Wedel hatte der Vizepräsident, Oberbürgermeister a. D. v. Becker, den Reichstag, dessen Präsident Herr v. Wedel auch mal gewesen war, als die„vor- riehmste parlamentarische Körperschaft� bezeichnet. Der Bericht verzeichnet bei diesem Kompliment keinen Beifall. Da auch der eine Vizepräsident. Frhr. v. Landsberg, während der Pause gestorben ist. hatte auch für ihn eine Neuwahl stattzu- finden, die aus den Fürsten v. Salm-Salm fiel. Freitag: Vereidigung und Geschäftsplan. Kohlensyndikat und Steuerpläne. Schatzsekretär Helfferich sagte in seiner Stcuerrede am 29. Dezember im Reichstage:„Wenn es sein muß, wird auch der deutsche Kapitalismus das Geld hergeben, nicht nur für 5 Proz., sondern in Fvrni von Steuern, die keine Zinsen bringen. Diesen Patriotismus brauchen wir und er wird hoffentlich nie fehlen, sonst könnte man an der Zukunft»inseres Volkes verzweifeln." Vielleicht erfährt dieser Optimismus des Reichsschatz- sekretärs eine Ivesentliche Abkühlung, wenn er erfährt, daß, noch ehe seine Steuerpläne das Licht der Oeffentlichkeit er- blickt ljabcn, die deutschen Industriellen schon auf und daran sind, ue zu durchkreuzen und unschädlich zu machen. In den maßgebenden Kreisen der Großindustrie rechnet man mit ziemlicher Bestimmtheit niit der Einführung einer Förderung» st euer auf Bergwcrksprodukte. Man glaubt, daß bei der Regierung der Wunsch obwaltet, das Gruben- kapital besonders zu den Kriegslasten heranzuziehen, weil es am Kriege recht gut verdient hat. Diese Absicht würde auch nicht den Versicherungen des Reichsschatzsckrctärs widersprechen, daß auf die notwendigen Nahrungsmittel während de» Krieges keine neue Abgabe gelegt werden soll. Tie Sozialdemokratie müßte freilich eine solche Steuer be- kämpfen, das Grnbenkapital würde auch die Steuer nicht selbst tragen, sondern sie auf die Verbraucher abwälzen. Diese Vermutung bestätigt in aller Form das rheinisch- w c st f ä l i s ch e K o h l e n s h n d i k a t: es hat in seinen neuen Verkaufsbedingungen folgende Sätze stehen: „Die Presie verstehen sich für eine Tonne frei Eisenbahn- wagen auf der liefernden Zeche, zahlbar bis zum 15. des der Lieferung folgenden Monats in bar und ohne jeden Abzug. Sie erhöhen sich um den Betrag, der als Rei ch S-oder La n des st euer auf Bergwerkserzeugnisse er- hoben werden sollte." Das ist in der Tat die einfachste Methode der Steiler- abschüttclung l Tie ZeutraleinkaufSgesellfchaft errichtet in der Rhemprobinz und in Westfalen Z w e i g st e l l e n, um die Ernährung dieser dicht- bevölkerten Provinzen leichter sichern zu können. Dr. Büsing gestorben. Der langjährige frühere nationalliberale Reichstagsabgeordnete für den Wahlkreis Schwerin-Wismar, Ge- heimer Finanzrat Dr. Büsing ist 78 Jahre alt gestorben. Höchstpreise für Käse. Der Bundesrat hat in seiner gestrigen Sitzung eine Verordnung über Käse beschloffcn. Die Verordnung setzt Höchstpreise für die einzelnen, zur Herstellung zuge- lassenen Käsesorten fest und zwar Hersteller- und Ladenhöch st preise. Tie Festsetzung von Preisen für den Großhandel und den Zwischenhandel ist Sache der Landes- Zentralbehörden und der von ihnen bestimmten Behörden. Tie Vorschriften der Verordmnig gelten nicht für Käse, der im Ausland hergestellt ist. Ms öer Partei. Aus der sozialdemokratischen Fraktion. Das„Pressebnrean" 4eilt uns mit: „Die sozialdemokratische Fraktion befaßte sich am Mitt- ivoch mit dem Verhalten des Genossen Liebknecht, der aber- mals, ohne die Fraktion vorher zu verständigen, dem Bureau des Reichstags eine Anzahl Anfragen überreicht hat. Tie Fraktion faßte folgenden Beschluß: Da Getto isa Liebknecht sortgesetzt gegen die Beschlüffe der Fraktion bandelt und somit die Pflichten der Fraktionsgemein- schon ans das gröblichste verletzt, erklärt die Fraktion, daß Lieb- tnecht dadurch die Rechte, die ans der Fraktioitszugehörigkeit entspringen, verwirkt bat." Der Sinn des im schlinunsten Kanzleikurialdentsch ab- gefaßten Beschlusses ist dunkel. Welche Rechte„entspringen" aus der Fraktionszugehörigkeit? Wer gibt den Fraktions- Mitgliedern das Recht, die„VerWirkung" des Rechts eines ihrer Kollegen auszusprechen? Die Fraktionszugehörigkeit berubt auf der Wahl des Abgeordneten durch seine Wähler und auf dein Parteitagsbeschluß des Einigimgskongrcsses und der späteren sozialdemokratischen Parteitage. Danach hat der von den Soziakdenwkraten gewählte Abgeordnete das Recht und die Pflicht, der sozialdeinokratischen Fraktion anzugehören. Diese Rechte und dieie Pflich- ten kann lediglich eine Erklärung des Parteitags oder der Wähler des Abgeordneten beseitigen, niemals die Fraktion. Was soll die„Erklärung" der Fraktion, Ge- nosse Liebknecht habe„die Rechte, die au» der Fraktion»- Zugehörigkeit entspringen, verwirkt", heißen? Wird die Fraktion einen offiziellen Kommentar zu der kauderwelschen „Erklärung" geben? tzn dem„Berliner Lokalanzeiger", der den Untertitel„Z e n t r a l o r g a n für die Reichshanptstadt" führt, und in der„Deutschen Kriegszeitung" wird ein Bericht der„Schwäbischen Tagwacht" über die Fraktionssitzung wieder- gegeben, in dem es heißt, durch den Beschluß sei Liebknecht „aus der Fraktion ausgeschlossen". Da die Fraktion wiederholt beschlossen hat, über ihre Sitzungen dürften nur vom Vorstand der Fraktion Berichte in die Presse gehen, so beruht jener Bericht der„schwäbischen Tagwacht", wenn er zutrifft, aus„sortgesetzter gröblichster Verletzung der Beschlüsse der Fraktion". durch ein Fraktionsmitglicd. Immer- hin gibt er einen Fingerzeig dafür, was die Fraktion oder Fraktiönsmitglieder mit ihrer orakelhaften„Erklärung" aus- gedrückt wissen wollen. Trifft die schwäbische Deutung zu, so liegt eme gegen die Gesamtpartci und die P a r t e i t a g s b e s ch l ü s s e wie gegen die Einheit der Partei gerichtetes Vorgehen vor, für das es ein Bei- spiel in der Geschichte der Partei überhaupt nicht gibt, wah- rend aus der Geschichte gegen die Partei sich ihm nur das „Maulkorbgesetz" aus dem Jahre 1879 an die Seite stellen ließe. Bebel schreibt über dieses Monstrum:„Ein be- sondercs Aussehen rief der in dieser Session(1879) eingebrachte Gesetzenrwurs betreffend die Strafgewalt über die Mitglieder des Reichstags hervor. Es genügte Bismarck nicht in seiner Verfolgungssucht, daß er das Sozialistengesetz erhalten hatte; er wollte, daß nunmehr auch jede unbequeme Opposition im Reichstag erstickt werden könne. Der Gesetz- entwurf richtete sich zugestandenermaßen in erster Linie gegen die sozialdemokratischen Redner, seine Bestimmungen konnten aber jeden Augenblick auch gegen unbequeme bürgerliche Oppositionsredner"Anwendung finden. Für die Ausübung der Strasgewalt über die Reichstagsmitglicder sollte eine Kommission niedergesetzt werden, bestellend aus den drei Prä- sidentcn und zehn Mitgliedrn des Reichstags. Diese Koni» Mission sollte je nach der Schwere der Ungebühr gegen einen Redner beschließen können: 1... 2____ 3. Ausschließung aus dem Reichstag auf eine bestimmte Zeit... Dieser Gesetzentwurf war eine Ungeheuerlichkeit, wie sie nur aus der Gewaltnatur eines Bismarck entstehen konnte. Im Reichstag bekam der Entwurf die Spottbezeichnung„Maul- korbgesetz". Der Reichstag lehnte die freundliche Einladung zum moralischen Selbstmord— denn etwas anderes war der Entwurf nicht— ohne Kommissionsberatung ab. In der Debatte wurde von den Rednern fast aller Parteien dar- gelegt, es sei eine Ungeheuerlichkeit. Reichstagsmitgliedern zuzuinuten, einen solchen Entwurf anzunehmen, der die Be- cinträchtigung des Rechtes aller Wähler verlange. Denn aus Grund der Wahl säßen alle Abgeordneten im Reichstag: wie könne man ihnen zumuten, einen Kollegen auszuschließen, der auf Grund desselben Rechtes wie alle Abgeordneten seine Rechte und seine Pflichten ausübe". Die Maulkorbserklärung der Fraktion nimmt sich, wenn die„Schwäbische Tagwacht" ihn richtig interpretiert, heraus, die einem sozialdemokratischen Abgeordneten durch die Ge- s a m t p a r t e i übertragenen Rechte ihm abzusprechen, sie für „verwirkt" zu erklären. Das ist eine Auflehnung von „Führern" gegen den Gesamtwillen der Partei, der nur die eine Wirkung haben kann, daß er die Einheit der Partei untergräbt und an Stelle des Gcsamtwillens der Partei und der Wähler„Erklärungen" der„Führer" zu setzen versucht. Ist der Fraktionsbeschluß in dem Sinne auszulegen, den ihm die„Schiväbische Tagwacht" gibt, oder welchen Sinn soll erhaben?_ Der Popanz des Sondcrbundes. In einer Polemik gegen den Genosien Haase. der bestritien hat, daß die Minorität einen Sonderbund bilde, schreibt die Dort« munder„Arbeiterzeitung": „Wenn Haase das glaubt, was er sagt, dann kann man nur erwidern, er weiß selbst nicht, was vorgebt, und wird von der Minderheit ganz unglaublich an der Naie herningesührt. Wahr ist, daß der Sonderbund längst besteht. Äonfc- rcnzen und Sitzungen abhält und Schmähschnftru verbreitet. Wahr ist, daß diese Leute während des Krieges um alles in der Welt keinen Parteitag wollen, daß sie sich aber mit dem Plane einer Reichskon sercnz tragen, die in Wirk-- lichkeil ein Parteitag des Sonderbundes der Minderheit sein soll. Für den Parteitag des Sottderbundes ist rege agitiert worden, und es sind auch schon D e l e-> gierte n wählen vorgenommen worden. Wenn nun iir den Blättern und von Personen der Minderheit immerzu betont lvird, sie wollten keine Trennung, sie wollten gerade die Festigung der Partei, so wird man in Anbetracht der bekannten Tatsachen davon leider nur noch mit allem nötigen Vorbehalt Kenntnis nehmen können. Ob Haase von diesen Dingen wirklich keine Kenntnis hat?" Wir wisien nicht, woher die Dortmunder„Arbeiterzeitung" ihre, Weisheit hat. Sollte aber tatsächlich ein„Parteitag" oder wie man es sonst nennen will, der Minderheit geplant sein, so würden wir uns dagegen wenden. Im Leitartikel in unserer letzten Somttags- nummer über die französische Parteikonferenz haben wir die Gründe dargelegt, die gegen die Abhaltung eines Parteitages unter dem Kriegszustande sind angesichts der Kriegswirkungen auf unsere Organisationen sprechen. Was wir da über den Parteitag im all- gemeinen gesagt haben, gilt natürlich für einen etwa beabsichtigten Parteitag der Minderheit. Aber die Ausführungen der Dortmunder„Arbeiterzeitung" sind ein Schulbeispiel für den PharisäismuS, der sich jetzt leider in eknim Teile unserer Partcipresie breit macht. Was auf der Gegen- seite geschieht, wird mit allen Registern größter Entrüstung in GrunS und Boden verdammt. Geschieht es im eigenen Lager, so wird es entweder mit dem Mantel verzeihender Liebe zugedeckt oder beschönigt und entschuldigt. Hat die Dortmunder„Arbeiterzeitung" den Mut, zu behaupten, daß an den verschiedenen Orten die tätigen Anhänger der Mebrheit nirgends und niemals zusammenkommen und außerhalb der gegebenen Parteiorganiiationen„Konierenzeir und Sitzmtgcit abhalten" i Welchen Vorgängen verdankt zun, Beispiel" die Gründung deS Bremer Mehrheitsblatts ihr Entstehen? Oder ist die.7. X., die, ivie uns versichert wird, ein reines Privaltniternehmeit iein soll, nicht auch ein Produkt von Sitzungen, Besprechungen, Zusammenkütiften oder einer sonstige» Art von Verständigting gleichgesinnter Mitarbeiter, deren schrift« stellerische Leistungen wir auch als„Schmähichtistcn" bezeichnen könnten, wenn wir uns die polemischen Manieren der Blätter vom Schlage der Dortmunder„Arbeiterzeitung" zu eigen machen ivollten? Oder kommen die Männer, die die bekannte Leitartikel-Korreipondenz der großen Umlerner herausgeben, nicht auch zusammen, um zu beraten, wie sie ihre Anschauungen an den Mann bringen? Wir wollen es mit diesen Beispielen genug sein lassen. ES ist schon schlimm genug, daß die große Tragik deS gegenwärtigen Völkerringens die Meinungen in unserer Partei zu so tiefgehenden Geaensätzen bringt. Wozu da noch zu den Mitteln der Kinderstube greisen und die AnderSdetikenden und ihr Tun zum Popanz machen, mit dem auch polnische Kinder auf die Dauer nicht geschreckt werden können? Mit der Frage eines ausicrordcnttichen Parteitages beschäftigt sich die„Fränkische Tagespost" in einem tätigeren Ar- rikel. Unser Sdürnberger Parietblatt hält die Abhaltung eines Parteitages in der gegenwärtigen Zeit für untunlich. Zur Be- gründuttg wird u. a. gesagt: „Man tttutz dach damit rechnen, daß ein Parteitag unier diesen Boraussetzungen(schwacher Besuch infolge des Krieges) kaum das moralische Gewicht und die einigende Kraft haben kann, die wir dem Parteitag freudig zubilligen möchten. Zu all dem tonuiii, daß die Tagesordnung de» Parteitags sehr schwer festzustellen fein wird: es�wird nicht möglich sein, ihn aus die Mitzbilligimg der 29 Genossen, die zu der Erklärung Geyer» im Reichstage standen, auf die Absetzung der Redaktion deS„Vorwärts", wie auf die Fest- legung der Kriegspolitik der Mehrheit der Reichstags fraktion zu beschränken. Auch die Mitglieder der Mehrheit der Reichstags- fraktion und ihre Fremide werden es kaum ablehnen können, auch noch über einig« andere wichtige Fragen Beschlüsse des Partei- tagS herattszttsorderu; man wird sich ebenso lebhaft für die Politik des Genoffen Kolb wie für die des Genossen Karl Liebknecht intcr« essieren, man wird um die Frage der künftigen Steuerpolitik doch nicht wie um einen beigen Brei herumgehen können, man lvird tu einer.Zeit, wo so viele» und auch so unklare» über die Neuorieniie- rung der deutschen Politik gesprochen und geschrieben, geheimnist und getuschelt wird, von dem Parteitag verlangen, daß cr um- schreibe, was die deutsche»--ozialdemokratie unter der Reuorientic- rung der deutschen Politik an sich und für die Sozialdemokratie im besonderen zu verstehen habe. Mau wird zu umschreiben haben den Begriff des Disziplinbrnches und die Gefahren, die sich hieraus entwickeln können; man wird aber auch einen Aus- iveg zu suchen haben, der sich aus dem Pflichtensircit des Disziplinbruchs gegen Partcitagsbeschlüsse und des Tisziplinbrucks gegen Fraktionsbeschlüsse ergeben kann, und man lvird dann vor die schwierige und für den Parteitag gar Verhängnis- volle Frage gestellt sein, ob die höchste entscheidende Behörde der Partei der Parteitag oder die Reichsiagssraftion sei. Neben diesen großen Kragen, um die kein nächster Parteitag berumkommen kann, wird eine nicht geringe Zahl kleiner Fragen das Interesse des Parteitags aus sich lenken, so die Methoden der Parteipolemik, der Mitarbeit an gegnerischen Zeitungen, der Mitwirkung bei nichtsozialdemokratischen Organisationen, die Wirt- samkeit einzelner Parteigenossen usw. usw. In kurzer Zeit, in 6, 7 Tagen, dürfte sich eine so große Tagesordnung nicht erledigen lassen, vielleicht wird das Doppelte oder Dreifache dieser Zeit kaum genügen. Wenn auch unbeschränkte Zeit zur Verfügung stehe» sollte, so wird die Partei von diesen Verhandlungen, vielleicht auch von den Beschlüssen nichts erfahren; es wird uns wohl nicht Vesser gehen als den Franzosen, denen ja gestattet wurde, einen groß- spurigen Kriegsansrus im Sinne der Regierung, aber auch, sonst gar nichts von den Debatten, von den Beschlüssen, von den Reden, von dem Stärkeverhältiiis der Gruppen aus ihrem Parteitage in der Presse und in Parteiversammlungen zu berichten. Dadurch würde aber ein Parteitag die wichtigste Kraft, nämlich die der Ueberzengung, verlieren. Seine Beschlüsse toürden, soweit sie überhaupt verössentlicht werden können, der Gefahr der Auslegung ausgesetzt sein. Eine Erörterung über die Berhandlutigen des Parteitags in den einzelnen Organisationen dürfte sehr erschwert, an vielen Orten ganz unmöglich sein. Aus diesen Gründen ist der Parteitag während de» Krieges auch nicht im entferntesten mit der Slntorität auszustatten, aus der bisher seine Knist, seine einigende Gewalt, seine politische Bedeutung, seine Richtunggebung für die zukünftige Haltung der Parteigenossen strahlte." Gegen den Artikel der„Fränkischen Tagespost" wendei sich die Chemnitzer„Volks st im m e". Sie schreibt: „... Die geschilderten Schwierigkeiten der Telegiortcnloahl, der freien Aussprache und der ehrlichen Veröffentlichung der ge- faßten Beschlüsse kann sich jeder, der die Rechiszustände unter den Kriegsgesetzen kennt, selbst leicht vorstellen. Wenn indessen die „Fränkische Tagespost" meint, der geplante Parteitag müsse alle mit unserer Haltung im Kriege verknüpften Fragen ausgiebig er- örtern, und wenn sie bereits ein tingehetircs Programm aufstellt, dessen Erledigung wochenlange Aussprachen zur Voraussetzung setze, pflichten tvir nicht mehr bei. Der Parteitag könnte nur dann einen vernünftige« Zweck haben, weint er sich aus die not- Ivendigsten disziplinaren Maßnahmen beschränkte. Diese körnten in nichts anderem bestehen, als in der Uebcrtragung aller Befug- nisse, die in Friedenszeiten der Parteitag hat, aus Parteivorstand und Parteiausschuß.... Ilnter dem Sozialistengesetz konnte man auch nicht regelmäßig Parteitage abhalten; die Führung der Parieigeschäste wurde daher der Fraktion übertragen, und als im Jahre 1ÜS4 die bekannten Streitigkeiten wegen der Dampfern ToBSerthon»itstanLen, IFutSd aM-ruSlÄZ fesiacleg� Saß Fraktion, solange sie unter dein Kriegszustand oes Ausnahme gsfetzeS die Leitung habe, unbedingt auf Unterstützung aller Ge- nossen. vor allein auf die des Zentralorgans zählen müsse, sobald sie einmal einen bestimmten Beschlutz gefaßt habe. In gewiffein �sinne vestehen heute solche Ausnahmezustände wie damals. Der Krieg hat die Partei überrascht, und sie war deshalb nicht in der Lage, für ihre Zentralleining die notwendigen Umstellungen den Kriegszustand vorzunehmen. Bei der langen Kriegsdauer das nunmehr unerläßlich geworden... aur ist Ärbeiter.Jugend. Dw soeben erschienene Stummer 2 des 8. Jahrgangs hat u. folgenden Inhalt: Sehen lern«,. Pon Jürgen Brand.— Wie man in früherer Zeit mit den Berteurern und Verfälschern der Lebensmittel umging. Von Rudolf Wissell.— Der Wobltatigtei bub. Bon Fritz Müller, Zürich. üSchlutz.i— Don Quirote, feine Zeit und sein Wert. Bon Franz Diederich.— Ein Lied hinterm Ofen zu singen. Von Mathias Claudius.— Der richtige Weg. Von Ernst Almsloh.— Das weibliche Lernjahr. Von Hedwig Wachelchcim.— Aus der Jugendbewegung. düZ j ihre? küchltgsten Arbeiierinnen. die jetzt als Älagevin austrat. Endi —- September von Mainz nach•Berlin. Um die Kosten der lieber» sicdelung nach Berlin bestreiten zu können, erhielt die Klägerin einen Borschutz, der ihr nach und nach vom Lohn abgezogen werden sollte. Diese Abzüge wurden vom Prokuristen der Firma so boch bemessen, daß der Klägerin, die zwei Kinder zu versorgen hat, nicht genug übrig blieb. Ihrem Unwillen über die hoben Abzüge machte die Klägerin Luft durch Bemerkungen über den Prokunisren. Zw« männliche Angestellte der Firma hatten nichts eiligeres zu tun, als diese Beuierkungen dem Prokuristen so zu hiiiterbriiigcn, wie sie sie verstanden zu baben glaubten. Nach Ansicht dieser Zwischen- träger soll die Klägerin gesagt baben. der Prokurist habe der Firma gehörendes lNarerial für seine Prttxztgei chatte nerftrouchi. obne es zu bezahlen. Obgleich die Klägerin entschieden beitritt, sich der- art geäußert zu baben, wurde sie Ende Dezember plötzlich entlassen und stand nun mittellos da. Die Klägerin bsan- fvruchte Lohn für die lstägige Kündigungsfrist. Ersatz der durch die Ueberiiedelung nach Berlin verursachten besonderen Auswendungen und lOft Mark als Gratifikation, die ihr für die Einrichtung des Betriebes versprochen worden sei. Als Zeugen vernahm da? Gericht die beiden Zwischenträger, vom Hememöejchulwesen Berlins. Der Berliner Magistrat hat durch sein Nachrichtenamt den Zeitungen eine Zusammenstellung von Zahlen auS dem Gcnieindelchulwcsen itbersandr, die den« jetzt fertigen Ler tvaltungc.bericht über daS Schuljahr das mit März v.liö endete, entnommen sind. Da die VerwaltungS berichte der Stadt Berlin meist erst lange nach Schluß des Berichtsjahres an die Oestentlichkeit gelangen, so mutz man die darin enthaltenen Angaben, auch wenn sie sich auf eine schon reichlich weit zurückliegende Zelt beziehen, für aller neuestes hinehmen. Bei dem Gemciudeschulwesen hatten wir wenigstens für die B c s e tz u n g s z i f f e r n bisher noch eine andere Quelle, nämlich die halbjährlichen Uebersichten über die Klassen besetzung, die der Magistrat seit zwei Jahrzehnten den Stadt verordneten alle Halbjahre und meist ohne grotze Ler zögerung vorlegte. Die Uebersicht für den Winter 1914/15, die Anfang Januar 1915 den Stadtverordneten zuaing, entz hielt die Bejetzungsziffen, aus November 1914, dieselben, die auS dem nun endlichjcrtiggestellten Berwaltungsbericht über das Schuljahr 1914/15 jetzt durch das Nachrichtenamt den Zeitungen mitgeteilt worden sind. Im„Vorwärts" konnte man die betreffenden Zahlenangaben bereits vor nun genau einem Jahre lesen, so datz wir eigentlich darauf ver zichten möchten, sie nochmals herzusetzen. Weil aber keine neueren Angaben vorhanden sind, seien hier jene alten wiederholt: im Winter 1914/15 war die durchschnittliche Klossenbesctzung in den Oberklassen 35,65 Kinder, in den Klassen I 35,54, in den Klassen II 41,28, in den Klassen III 42.93, in den Klassen IV 45,72, in den Klassen V 47,32, in den Klassen VI 47,52, in den Klassen VQ 49,25. Neue An gaben über die Klassenbesetzung sind deshalb nicht vorhanden, toeil inzwischen der Magistrat für gut gehalten hat. die Zu- sammenstellung und Vorlegung der halbjährlichen Uebersichten zu unterlassen. Er glaubt, den in dieser KriegSzeit viel beschäftigten Rektoren und Lehrern jetzt nicht auch noch die Lieferung der Zahlen auS ihren Schulen und Klaffen zumuten zu dürfen. Datz die U n t e r r i ch t S e r f o l g e der Gemcindeschulen Berlins s i ch weiter gebessert haben, lätzt die auf den Verwaltungsbericht sich stützende Mitteilung deS Nachrichten- amts erkennen. Wieder haben die Kinder, die bei Vollendung der Schulpflicht aus ewer der drei Klassen der Oberstufe ab- gingen, sich etwas gemehrt. Gemeldet wird, datz in 1914/15 von den abgehenden Kindern in den die Oberstufe bildenden Klaffen„Oberklaffe" und„Klasse I" und„Klasse II" zu- sammen 91,84 Prozent satzen, gegenüber 91.61, 91,31, 91,81, 90,82. 91,21, 88,40 Prozent in den sechs Vorjahren bis 1908/09 zurück. Offenbar falsch ist aber die weitere Angabe deS NachrichtenamtS, datz in 1914/15 bei Ein- rechuung der noch vor Erfüllung der Schulpflicht dispensierten Kinder, die sämtlich gleichfalls eine Klaffe der Ober- stufe besucht haben mutzten, im ganzen 98,28 Proz. der ab- gehenden Kinder die Oberstufe erreicht hätten. Die Zahl wurde wohl so falsch dem neuesten Verwaltungsbericht ent- nommen. In diesein Punkt war schon der vorjährige Ver- waltungSbericht infolge eines Rechenfehlers, auf den bereits damals im„Vorwärts" hingewiesen wurde, zu einem sehr unrichtigen Ergebnis— irrtümsich 98,46 Proz. statt tatsächlich nur 92,15 Proz.— gelangt. Es scheint, datz diesmal jener Rechenfehler wiederholt worden ist. Für 1914/15 wird die richtige Ziffer des Anteils aller aus der Oberstufe ab- gegangenen Kinder statt aus 93,28 Proz. auf etwa 92,5 Proz. anzunehmen sein. Genaue Nachrechnung ist erst möglich, wenn der Verwaltungsbericht selber vorliegt. Auch über die Erschwerungen, die der Kriegszustand den Gemeindeschulcn gebracht hat, teilt daS Nachrichtenamt ewiges mit. In 1914/15 seien der Militärbehörde zur Ver- sügung gestellt worden für die Unterbringung von Mann- schaften hiesiger Truppenteile 107 Gemeindeschulen, für Sammlung und ärztliche Ilntersuchuna von ErgänzungS- Mannschaften 47 Schulhöfe samt 1? Turnhallen und 34 Konferenz- und Klassenzimmern. Soweit Schul- gebäude für längere Zeit in Anspruch genommen wurden, erhielten die betreffenden Schulen ihren Unterricht in den Räumen der iflachbarschulen. Zur Erläuterung wollen wir hinzufügen: ausquartierte Schulen mutzten grotzentetls, soweit nicht für sie in den Nachbarschulen unbenutzte Räume ver- fügbar wäre», ihren Unterricht an den Nachmittagen haben, so datz manche Räume vom Morgen bis zum Abend benutzt iourden. Ersatz mutzte auch für die zur Fahne einberufenen Lehrer besorgt werden, was erreicht wurde teils dadurch, datz man die Lücken möglichst durch Vertreter ausfüllte und man das ganze Lehrpersonal zur vollen Pflichtstundcnzahl heranzog, zum Teil aber auch dadurch, datz schwachbesetzle Klaffen der- selben Schulen zusammengelegt, gleichscmestrige Klassen der Oberstufe benachbarter Schulen verewigt wurden und schließ- lich sogar die Unterrichtsstunden eingeschränkt wurden. Soziales. Das Prinzip des Unternehmers. c?m Fall, wo em Unternehmer„aus Prinzip" erklärte, er wolle lieber verurteilt werden als sich mit der klagenden Arbeiterin vergleichen, spielte sich am Donnerstag wieder vor der Kammer 2 des Gewerbeaerichts ab. Verklagt war die Firma R l, c i n i s ch- W e st sä l i sch e S a ck i n d u it r i o. Jfir Hauptgeschäft beniidet sich in Mannheim. In Berlin Ii>n sie kürzlich eine Zweigniederlassung errichtet. Um den hiesigen Betrieb in Gang zu bringen, schickte die Firma eine während«ne von schästigte Zeugin Hannober sesigestyien Höchstpreise für Wurst beimVerkanf von Braun» ichwegrrMett« undLeberwurst überschritten hatte. Sie hatte eingewandt, sie habe geglaubt, die Höchstpreisfestsetzung gelte nicht für Speziali» täten. DaS Landgericht hat hierin einen unbeachtlichen RechtSirnum erblickt. Das Reichsgericht dagegen war der Meinung, daß es sich um einen tatsächlichen Irrtum handele, der unter Umständen die Angeklagte straffrei machen könne. Da nicht geprüft war, ob die Angeklagte durch Fohiläffigkeit zu ihrem Glauben gekommen war, hob das ReichSgericht damals das Urteil a u s und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Dieses bat nun im Dezember v. F. die Angeklagte freigesprochen. Warum dies ge- schehen ist, kann aus dem jetzt durch die Presse gehenden Berichte nicht entnommen werden, ioviel steht aber fest, daß die Freisprechung nicht erfolgt ist, weil das Reichsgericht den oben erwähnten grund- sätzlichen Ausspruch getan baben soll. In dem Wortlaure der reichs» gerichtlichen Entscheidung ist auch nicht mit emem Worte von der- gleichen Dingen die Rede. Nach Lage der Sache ist also anzu» nehmen, daß die Angeklagte nunmehr freigelprochen worden ist, weil das Landgerichl angenommen hat. daß sie sich über die Bedeutung der Höchstvreisiestsctzung im Jrrrum befunden hat und ohne Fahr» lässigkeit zu diesem Irrtum gelangt ist. der Klägerin geladene noch bei der Firma üe ausgeblieben war. Nach Angabe der Klägerin soll diese Zeugin m i t E n t l a s s u n g b�e d r o h t w o r d e n s e i n. falls sie ver Ladung der Klägerin Folge leiste. Durch die Zeugenaussagen sollte die angebliche Belervigung des Prokuristen festgestellt werden. Das Gericht breit aber die Be- leidigung nicht für erwiesen, weil die Airgaben der ver- uommeiien Zeugen incht zuverlässig erschienen. Deshalb riet das Gericht dem Vertreter der Beklagten dringend, sich mit der Klägerin zu vergleichen, um so mehr, da die plövlick« Entlassung wogen einer nicht betviesenen Beleidigung de? Prokuristen doch recht rigoroS sei. Doch der Eber der Firma, Kaufmann Blumen- stern, lehnt«„aus Prinzip" jeden Vergleich ab. Er meinte, die Klägerin habe gar keinen Rechtsanspruch auf Bezahlung. Nichc anders als durch ein Landgerichtsurteil würde er sich zur Zahlung verpflichten lassen. Geld spiele für die Firma keine Rolle, sie wolle nur ihren Prokuristen nicht beleidigen lassen. Doch sei er. Blumenfter», bereit, der Klägerin ein Darlehen von 80 M. zu geben, damit sie die Miete für ihre Berliner Wohnung zahlen und nach Mannheim zurückreisen könne. Wenn er das Darlehen m den Schornstein schreiben werde, so sei das seine Sacke. Nur eine Verpflichtung der Klägerin gegenüber wolle er nicht anerkennen. Auf Antrag des Herrn Blumenstern, der versuchen will, sich auf dieser Basis außcrgerichrlich mit der Klägerin zu vergleichen, wurde der Termin vertagt._ Ter zum Kriegsdienst eiugegogenc Vertreter eines Volksschul lehrers behält seinen Anspruch auf Gehalt. So entschied dieser Tage das Oberverwaltungsgericht in eine: gegen Zwangsetatisierung gerichteten Klage der Stadt Müblheim an der Rubr. Die Begründung ging dahin: Nach dem K 66 des ReichsmilitärgesetzeS sollten die ReiehS-, Staats» und Kommunal� beamten durch ihre Einberufung zum Mllilärdienst in ihrem bürgerlichen Dienstverhältnis keinen Nachteil erleide»:.— Nach Ab fatz i des§ 86 blieben die näheren Beuimmungen den einzelnen Bundesregierungen überlassen. Die entsprechenden Ausfübrungs Vorschriften seien in Preußen 1588 durch Mintsterialvorschriften gegeben worden. Danach habe ein Beamter, der während des Krieges einberufen werde, sein Gehalt weiter.zu beziehen, falls er ange- stellt oder ständig gegen Entgelt beschäftigt war. Im Gegeniatz dazu fei für die nur vorübergehend beschäftigten Bc, amten die Fortzahlung des Gebalts nicht vorgesehen.— E» sei nicht zu prüfen, zu welcher Kategorie die„beauftragten" Lehramts bewerber hier zu rechnen sei«!. Tie Stadt sage nun, sie se:en über- baupt keine Beamten im Sinne der Vorschrift«:, weil sie in das Lehramt nicht nach den Bestimmungen des Volksfchulunterhaltungs gefetzes berufen worden seien. Diese Auffassung sei falsch. Alt Beamte anzuseben seien auch Lehrpersonen, die einen staatlichen Auftrag zur Verwaltung einer erledigten Lehrerstelle bekommen und in ein Treu- und UnlerordnungSverhältniS zu der betreffenden Behörde tveten. Das treffe hier zu. Tie Vorschriften für die An stellung von Gemeindebeamlen kämen nicht in Betrackit. da die VolkSichullehrer keine Genteindebeamten feien.— Es wäre nur noch oic Frage zu beantworten, ob die Heid«! Lehramtsbewerber als bloß vorübergehend gegen Entgelt beschäftigt anzu seben seien. Tie Frage sei aber zu vernein»». Denn als nur vorübergehend beschästigl seien nur solche Beamten anzusehen, deren Auftrag zeitig begrenz» sei, entweder durch den Auftrag selbst oder durch besondere Umstände. Bei einem Auftrag, bei dem der Be treffende auch nur bis auf weiteres dazu beruten fei, die beamtete Stellung einzunehmen, liege keine bloß vorübergehende Beschäftigung vor: der fragliche Beamte sei als ständig be- ch ä f t i g t im Mnne der maßgebend«: Borschriften anzufehe»: und habe das Gehalt weiter zu bekommen.(VIII. A. 28. 15.) Der Kampf um die Rente. Ein Packer erlitt am 22. Mai 1911 durch Betriebsunfall eine Oueischung de» Kopfes. Ihm fiel auS einer Höhe von LV, Meter eine 20 Kilogramm schwere Kiste auf den Kopf. Er arbeitete zu- nächst— nachdem er sich von dem Schreck erbolt hotte— weiter, klagt« indessen ständig über Kopfschmerzen, auch stellten sich Schwindel» anfalle ein. Diese wurden immer intensiver, so daß er sich am 7. Juni 1911 in die Behandlung«ine» Nervenarztes Dr. H. be- geben mußte. Er stellte dann bei der BerufSgenossenichaft den An- trag auf Gewährung der Unfallrente, da er völlig erwerbsunfähig fei. Der behandelnde Arzt, Dr. H., erklärte den Perletzten durch daS bei ihm bestehend« fchivere Nervenleiden— welches unstreitig eine Unsalliolge sei— für voll erwerbsunfähig. Die BerufSgenossenichaft hörte ihren Arzt, den Nervenarzt Dr. Plaerel Dieter erklärte, eS lägen Anzeichen eines Nervenleidens vor. Der Packer ei infolge deS Nervenleiden« völlig erwerbsunfähig fei. Das Leiden tebe aber in keinem ursächlichen Zusammenhange mit dem Unfall. Daraus lehnte die Berufsgenossenschaft die Ent- schädigungSaniprÜche deS Verletzten ob. Trotz dieser Ablehnung nahm sie den Packer noch einmal in„Heilbehandlung" und„Beobachtung" seines körperlichen ZustandeS durch Dr. Plaezek. Auch nach dem Abschluß des erneuten„HeilverfabrenS" wurde der Anspruch deS Verletzten, da ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Unfall und dem Nervenleiden nicht bestehe, abgelehnt. Auf die eingelegte Berufung holte das O b e r v e r s i ch e r u n g»- a m t ein ärztliches Gutachten deS Professor» Dr. Weber ein. Dieser Gutachter kam zu dem Ergebnis, daß da» Nervenleiden und vor allem eine psychische Hemmung beträchtlichen Grades als Folge de» Unfälle» anerkannt werden müsse, da sich das KranlheitSbild unmittelbar an den Unfall an- geschlossen habe. DaS Oberversicherungsamt schloß sich diesem Gut- aihier an und verurteilte die Berussgenossenschaft, dem Ver- letzten vom Beginn der gesetzlichen Enrschadigungspflicht die Voll- rente zu gewähren. Die BerusSaenossenslbaft legte gegen diese Entscheidung Rekurs beim ReichSverstcherungSamt ein. Ihr Rekurs wurde zurückgewiesen._ Gerichtszeitung. Das Reichsgericht und die lokalen Höchstpreise. Große Aufregung verursachte eine in der letzten Zeit durch einige Blätter gehende Mitteilung au« Hannover, wonach da» Reichsgericht entschieden haben sollte, daß die Gemeinden mir Höchst- preise für örtliche Produkte festsetzen dürsten. Diese Nachricht ist vollständig falsch. DaS Reichsgerichtsurteil, um das es sich bandelt, ist am 6. Juli 1915 gefällt worden. Eine Wurstbändlerin in Hannover war verurteilt loorden, weil sie die vom Magistrat in Lele", i3lertcli.'j,92 R. Verlag in ZMttgart, Schloß ltr. sE Briefgeheimnis. Ein recht liedonkliches Mittel, um Beweise für die Un- treue ihres Eheincmites in die Hand zu bekommen, bat die Zigarettenbändlerin Anna Menzel in Anwendung gebracht, die gestern unter der Anklage der versuchten Bestechung und der Anstiftung zu einem Amtsvergehen vor der Strafkammer des Landgerichts II stand. Mit ihr war der 17fähnge ehemalige Po st ausHelfer Willi Schmidt wegen unbefugter Brieföffnung angeklagt. Frau M. stand mit ihrem Mamte in Scheidung; sie hatte ihn in Verdacht, mit einer Frau Richter in Steglitz i» unerlaubtem Verkehr zu sieben und es war ibr daran gelegen, für den Ehe» scheidungsprozetz Beweisstücke zu erhalt«!. Da wollte eö der Zufall, daß sie in der Hand des Posiaushelters Mütichke einen an die Frau Richtet gerichteten Brief, den diel« zu bestellen kalte. erblickte. Da die Adresse diese» Briefes die Halidschrist ihres Mannes zeigte, so bat sie den Ponausheifcx um U.cherlassung des Briefes, wobei sie lviederholt sagte:„Ich gäbe Got» weiß!vaS darum,»venn ick rn den Besitz deS Brieses käme." Ihre Bemühun- gen waren jedoch vergeblich, denn der junge Mann blieb fest und erklärte endgültig, datz er Beamter fei und solche Sacken nicht mache. Mehr Glück hatte die Angeklagte bei Schmidt, den sie schon längere Zeit kannte uird als Schüler mehrfach zur Besorgung von Gängen verwendet hatte. Dieser ließ sich aus ihre Bitten dazu herbei, ihren Wünschen nachzukommen: als ihm in seiner Eigen- schast als Postbote wieder ein offenbar von dem Ehemann Menzel an Frau Richter adressierter Brief in die Hände fiel, öffnete cr ihn und teilte der Angeklagten M. den Inhalt mit! Frau R. wurde durch ein paar Zeilen von Menzel zum Stelldichein bestellt. Da« Gericht verurteilte Frau Menzel zu 6 Monaten und 1 Wocke, den Angeklagten Schmidt zu 1 Monat Ge- f ä n g n i S._ Ms aller Welt. KriegShyänen. I« Augsburg bestrafte das Schöffengericht einen Bäcker« meister mit 500 M. oder 50 Tagen Gefängnis, weil der Kliegö- spekulant Kalkeier an ein Mtlitärinstitut zu Wucher- preisen verkauft hat. Er hatte sich 10 000 Stück zu billiget: Preisen angekaust, um später ein gute» Geschäft damit zu machen. In Dortmund erhielt ein betrügerischer Hausbesitzer fünf Monate Gefängnis; er halte die Stadt dadurch be- trogen, daß er Kriegersrauen, die von der Stadt MietSuntcr- stützung bekommen, veranlaßt«, falsche Angaben über den Mietspreis und den Umfang der von ihm abgemieteten Wohnung zu machen. ES schweben noch einige ähnliche Betrug»» Verfahren. Die Elberfclder Strafkammer verurteilte einen Butter- Händler Marx auS Groß-Odinghaui'en zu drei Monaten Gefängnis und ISO M. Geldstrafe. Der Mann hatte langjährigen Abnehmern in, Wuppertale Butter zum Höchstpreise von 2,55 M. da» Pfund geliefert, die 2 7 Proz. Wasser enthielt. In Hagen(Wests.) stellte das städtische Rahrungsmittelamt fest, daß von dortigen Händlern zum Preise von 1,25 M. das Liier verlaustes. S a l a t ö l"- E r s a tz au« 98 Proz. Wasser bestand und 0,05 Oel- oder Fettgehalt hatte. Wegen Preistreibereien mit Lebensmittelir wurden von sächsischen Gerichten verurteilt: Ter Mitbesitzer der grotzei: Mühl«lgesellschaft in Knauth-Kleeberg, F e st n e r, zu 1500 Marl; er hatte Futterschrot zu übermäßigen Preisen derkausi; der Rittergutspächter Töpfer in Groß-Zschocher zu 1000 M., weil er Kartoffeln zu 4,20 M. statt 2,50 M. für den Zentner verkauft hatte; endlich der Gutsbesitzer Urban in Leisnig zu 800 M. und der Gutsbesitzer Kretfchmar au- demselben Orte zu 100 M., weil sie Schweine weit über den Höchstpreis verkauft hatte». So wird die Notlage der Konsumenten von profitlüsternen Leuten trotz aller Verordnungen und Gesetze ausgebeutet. Schwer« Eisenbahnunfölle. Mehrere schwere Etsenbahnunfälle, bei denen wieder eine ganze Anzahl Menschen Leben und Gesundheit einbüßten, werden wieder gemeldet. Am DtenStag überfuhr ein von Algeringen(Elsaß) fälliger E r z z u g da» geschlossene Einfahrlsignal des Bahnhots H a y i n g e n, woselbst er auf einen Güterzug aufstieß. Bei dem Sufstoß verunglückten tödlich die im Packwagen VeS Erzzuge» sich aufhaltenden Schlosser TheweS und C n n z aus Diedenhofen, während der Lokomotiv- tührer Verletzungen schwerer Natur davontrug.— Mittwochabend stieß bei orkanartigem Sturmwind auf der S t a t i o n F i s ch a u(Niederösterreich) der Schneebergbahn ein Personen- z u g»ntt einer auf dem Gleise stehenden Lokomotive zu- sammen. 81 Personen, darunter fünf vom Zugpersonal, wurden verletzt, eine von ihnen schwer.— Nach einer Blättermeidung aus Mäbrisch-Lstrau entgleiste gestern auf der Strecke zwischen Oderberg und F r e i st a d t der Waggon eine« Lolalzuge« und stürzte über die Böschung ob. 40 Personen wurden verletzt, davon acht schwer. Fraueamord in Elbing. In Elbing wurde die 25 Jahre alte Materialwarenhändlerin Hedwig Kling mit einem Messerstich in der Brust tot in ihrem Bett aufgefunden. Von dem Mörder fehlt jede Spur. Bier Geschwister ertrunken. Auf dar Nogat kantete ein Ruderboot, wobei der Infanterist Preutz und seine drei Schwestern ertranken. Eingegangene Druckschriften. Ter Neue Merkur. Monatslchrist sür geistiges Leven. Tezemvcr» Heft. 1,50 M. G. Müller, München. Tie slriegslese. Nr. 72. KriegsauSgade der ZSochenschrijt„Tie Veraniwonücher Redcfleur: Alired Wielepp, Reulöllm Für den Inseratenteil oerantw.: Tb. Glockk. Berlin. Druck lt.I!Zeriag:VorwärlS Duchdruckem li. Verla gsanstal!$«3 i-mger H Jo, »t.� 33. 2. ötllllljt!itö„llormartö" ß crlinct Polblilutt. M°s �w..riAk. Staatszwang oöer Freiwilligkeit für öen Zahnenöienst. Von Ed. Bernstein. DaS Bsrk>clngr,is geht seinen Wag. Schrittweise gibt die Gesetzgebung Englands das Prinzip der Freiwilligkeit des Fahnen- dienstes preis, das bis vor Beginn des jetzigen Krieges die recht- liche Grundlage des englischen Heerwesens bildete. Die Äbstim- mung vom 6. Januar im Hause der Gemeinen, bei der 403 Abge- ordnete gegen 105 dem Gesetzentwurf des Kabinetts Asquith ihre grundsätzliche Zustimmung erteilten, bedeutet den Bruch mit der Fundamentalide« der bisherigen HeereSverfasiung Englands, da dieser Entwurf für Unverheiratete und diesen gleichstehende Mtecr in besnmmten Altersjahren den gesetzlichen Zwang zum Militärdienst verkündet. Wie in anderen Fragen, so hat auch in dieser der Krieg sich als großer Umwälzer betätigt. Ob aber als Umwälzer im Sinne des Fortschritts oder der Reaktion, ist eine Frage, deren Beant- Wartung keineswegs so ohne weiteres gegeben ist. Es kommen da soziale Gesichtspunkte in Betracht, die genauer untersucht sein wollen, bevor cm abschließendes Urteil gefällt werden kann. In England findet die Opposition gegen den gesetzlichen Zwang zum Militärdienst ihr« entschiedensten Versechter in den Kreisen der sozialistischen Arbeiterschaft und der vorgeschrittenen bürgerlichen Demokratie, und ohne für demokratische Parteien Unfehlbarkeit zu beanspruchen, wird mm« doch in dieser Tatsache allein einen triftigen Anlaß sehen, sich mit den Gründen dieser schroffen Gegnerschaft näher zu befassen, die nur bei der kleinen Minderheit der Opponenten in grundsätzlicher Verwerfung dieses oder überhaupt jedes Krieges ihre Wurzel hat. Zmiächst muh man sich von der in Deutschland selbst bei So- zialisten zu findenden Vorstellung frei machen, daß die allge- meine Verpflichtung zum Militärdienst schon deshalb etwas Demo- kratisches sei, weil sie alle Diensttauglichen ohne Unterschied treffe. Gleichheit ist niemals schlechthin schon Demokratie. Zur Gleichheit der Verpflichtung müssen noch viele andere Einrich- tungen und Rechte hinzukommen, bevor sie begründetermaßen als demokratisch wird bezeichnet werden können. Sonst würde, dieö kann nicht oft und scharf genug betont werden, sogar das russische Heerwesen den Anspruch darauf haben, demokratisch genannt zu werden, wo es doch faktisch nur eine zäsaristische Einrichtung ist. Solange die Verfügung über das Heer in den Händen von Klassen oder sonst bevorrechteten Elementen ist, deren Interessen und Ideologien sich von denen der breiten Volksmasse mehr oder «veniger unterscheiden, ist schon dadurch der Allgemeinheit der Dienstpflicht der demokratische Eharaiter entzogen. Ganze Menschenalter während« Gewöhnung an die allgemeine Dienstpflicht mag Angehörigen der FeftlandSstaaten das Gefühl dafür genommen oder bis zur Indifferenz abgeschwächt hoben; es wird aber dort um so stärker sein, Ivo ein Volk mit regem politischen Empfinden, das auf seine F reibest Wert zu legen gewohnt war, die Einrichtung erst bekommen soll. Die Demo- tratie eines solchen Volkes wird sich durch die schimmernde juristisch: Forin der Sache Nicht darüber täuschen lassen, daß sie eine» Tages Erziehungsmittel und Waffe für ein« schlechthin antidemokratische Politik werden kann. Insoweit ist es durchaus begreiflich und gerechtfertigt, daß die Sozialisten UtÄ Gewert- schaftier Englands die allgemeine Dienstpflicht als staatliches Zwangsgesetz mit dem größten Mißtrauen betrachten. Freilich sind weder die herkömmliche noch die derzeitige Ver- fassung des englischen Heertoesens von großen Mängeln teils tech- nischer und teils politischer Natur frei. Seiner herkömmlichen Verfassung nach ist das eugliscbe Heer aus Soldaten zusammengesetzt, die sich teils aus freiem Eni- schlutz zum Heerdienst anmelden, teils durch Werber für diesen gewonnen werden, wobei die Zusage an den Werber ebenfalls auf freiem WillenSakt beruhen muß. Der reguläre englische Soldat ist somit Berufssoldat, aber et ist darum noch kein Söldner im bisherigen Sinne dieses Wortes, denn den Söldner kennzeichnet, daß er seine Dienste jedem beliebigen Lande und für alle mög- lichen Zwecks verkauft. Der englische Soldat ist aber Landes- aiigehöriger, und die Zwecke, für die er eingestellt wird, sind vom Im Ghetto. Ende Dezember 1915. •.Brauchen Die Pelz, Herr/"—„Sehr guten Pelz!"—••Bitte zu kommet« sehen!"— so redete sprudelnd ein rangaufgeschossener Füngling auf inich ein. Au» einen Torlveg, der aus tzinen düsteren Hof sühr», kam er Herauageschossen. Mir halb zur Seite, die lange über meine linke Schulter vorschiebend, rannte der Anreißer 10 bis IS Schritt hinter mir her. Auf dem mit Holz beleaten Bürgersteigc hatten zwei Menfchen nebeneinander kaum Platz. Wie taub eile ich weiter. Kaum bin ich diesem Geschäftsmann eist- rönnen, da stürzt schon ein anderer auf mich zu. Ein Kerlchen mit lustig blitzenden Augen. Der Kopf saß ihm wie auf den Rumpf gesetzt zwischen den breiten Schultern.„Suchen der Herr zu taufen Stiefel? Kann empfehle« feine Ware. Billig...!"— Ich antworte wie ein Fisch und haste weiter. Ein kleiner Knirps nimmt mich in Empfang.—..Hier. Herr, Resterat ie, wenn Se wollen nehmen zu speisen..."— Stumm, ohne mich umzuschauen, gehe ich wester. Nur so oder durch unzweideutig« Unfreundlichkeit kann ich mich dies« Anreißer erwehren. Wie Klette» hängen sie sich an den Vorübergehenden, oft zwei und drei zu gleicher Zeit. Fch gehe durch die deutsche Straße in Wilna. Es ist eine der Hauptgeschäftsstraßen der Stadt. Ueber das Kopfsteiilpflaster der kaum sechs Meier breiten Verkehrsader holpern die Wagen, in den Torbögen und an den Ladentüren stehen die Kundcnfischer. In den meist kleinen schiefen Häusern— viele davon i,. Fachwerk er» baut— reiht sich Geschäft an Geschäft, Handwerkerstube an Hand- werierladen. B«kausSräume im Erdgeschoß und in den Stock- werken bis hinaus unter das Dach. Ist« die duntlsu schmutzigen Höst stnd sie hineingekrochen. Tie meisten Räume siiw eng und düster. F« enger Gemeinschaft findet man Luxus. Schmutz, Un- ordnung und durchaus wertlose Dinge. Feine Pelze und Schund, Antiquitäten, Wurst, Stiefel, Käse. Musikinstrumente. Sodawasser, Seif«, Kuchen, Schuhfett, Heringe, Konfekt, Streichhölzer, Seiden- bänder, Schnürsenkel usw. So sieht e« in der Deutschen Straße au»; sie ist sozusagen der Hauptstrom, in den sich eine Reibe ve» unsauberen Rehenflüssen ergießt. Folgt man deren Lauf rechts und links v»m Hauptstrsmbstt der Deutschen Straße au», kämmt man in ein ganz alte? Judenvtertel hinein, das den Charakter des mittelalterlichen Ghetto gut erhalten hat. Die schmalen Gaffen verlaufen in andere, w«in möglich noch schmaler«, schmutzige und dunklere Gäßchen, au» denen man in die Säcke winkliger Höfe gerät. Für den Fremden ist es unmöglich, in diesem Gewirr von krummen, kreuz und quer durcheiiianderlaufendn« Gaffen, Stiegen, Durchschlüpfen und Höfen sich zurechtzufinden. In diesem, wie Gesetz genau umschrieben. Selbstverständlich ist«in solches Be-! rufsheer in einem Klassenstaat weit davon entfernt, sine demo-' kretische Einrichtung zu sein. Aber die Beschränkung des Heere» auf freiwillig ihm Beitretend« ist darum nock nicht weniger demo- kratisch als der von Staats wegen verfügt« Dienst zwang. ES ist nicht abzusehen, warum ein Land, da» im Verhältnis zu seiner Bevölkerung nur eine mäßige Zahl von Soldaten braucht, für deren Rekrutierung in ähnlicher Weise die Freiwilligkeit soll maß- gebend sein lassen, wie dies in großen und mittleren Städten bei der Rekrutierung der Feuerwehr der Fall ist. Indes kuit Tstoje. Der Weltkrieg macht für England ein Heer notwendig, das viel zu groß ist, um auf Soldaten von Beruf im vorber geschilderten Sinn« beschränkt werden zu können. E» braucht neben den paar hunderttausend Soldaten von Beruf Millionen von Soldaten aus staatsbürgerlicher Pflicht. Solange«s ging, hat man gesucht, auch bei dieser Rekru- tierung an dem Grundgesetz der Freiwilligkeit festzuhalten. Nominell, oder um einen oben gebrauchten Ausdruck festzuhalten, juristisch genominen, ist auch da» gegenwärtige Mllionenheer Englands ein Heer von Freiwilligen. Tatsächlich jedoch ist die Freiwilligkeit bei einem erheblichen Teil der Eingestellten nur Schein. Ein in den verschiedensten Formen und mit oft sehr «inschönen Mitteln ausgeübter moralischer Druck trieb oder treibt sie ms Heer. Quälereien aller Art, Drohungen mit materieller Schädigung und Schlimmere» werden von Fanatikern des Patrio- tismus angewandt, den anscheinend Diensttauglichen so lange zuzusetzen, bis sie den Weg zum GeftellungSamt als das kleinere Uebel wählen. Es liegt auf der Hand, daß die formale Frei- tvilligkeit unter solchen Umständen der Deckmantel für Ungerech- tigkeilen sein kann, die bei einem sinngetreu durchgeführten Gesetz, das alle Wehrfähigen zum Fahnendienst verpflichtet, vermieden werden würden. Nicht minder bedeutsam sind die technischen Nachteile, die mit dem Freiwilligkeitssystem verbunden sind, wie es zurzeit gehandhabt wird. Der Krieg hat seine eigenen Gesetze, denen sich niemand ent- ziehen kann, der überhaupt in ihn eintritt. Man kann auch da sagen: Beim ersten sind wir frei, Beim ztveiten sind wir Knechte. Es steht, von gewissen extremen Ausnahmefällei« abgesehen, in jedes Landes sd. h. heute seiner Regierung) freier Wahl, ob eS sich auf einen Krieg einlassen soll oder nicht. Hat es aber für den Krieg entschieden, so ist eS, solange dieser dauert, nicht mehr freier Herr seiner Entschließungen. In bezug auf die Bewegung und Verteilung seiner Truppen und in bezug aus die Größe von ihrem Aufgebot wird eS in zunehmendem Grade abhängig von Vorgängen im Lager des oder der Gegner. Ter Leiter seiner Truppen ist in der Lage eines Menschen, der mit Elementar- kräften zu kämpfen hat, er muß imstande sein, Massen, deren Größe ihm durch das Aufgebot des Gegner» vorgeschrieben wird, jederzeit rasch nach bestimmten Pui«kten dirigieren zu können. Er wird also unter sonst gleichen Umständen um so Bessere» leisten können, mit je größerer Sicherheit er sich sagen kann, welche Truppenzahl ihm zur Verfügung steht. Dom Freiwilligkeitssystem haftet aber der Fehler an, daß es mit allem Kräfteaufwand, den ez erfordert, sehr langsam und unregelmäßig arbeitet. also zwei Grundforderungen an ein« gute HeereSfiihrung geradezu in« Gesicht schlägt. E» steht dem System der gesetzlichen Dienst- Pflicht gegebenenfalls ähnlich gegenüber wie die alte Empirie der stsstematifch arbeitenden wissenschaftlichen Methode der Gegen- tvart. Mit der Empirie mag dasselbe Resultat zu erzielen sein wie mit der modernen wissenschaftlichen Methode, aber um zn ihm zu gelangen, brauckü es bei ihr jedenfalls mehr Zeit als bei letzterer. Im Krieg aber ist das Wann von nicht geringerer Bedeutung als das Wieviel. An Beispielen dafür hat eS in den hinter un» liegenden anderthalb Jahren nicht gefehlt. Diese technischen Gesichtspunkt« sind es, die u. a. einen Lloyd Georg« zum?li«bänger der Zwang Sau Shebung gemacht haben, die bei seinen Waliser Wählern schwerlich populär ist. Rein fach» männisch betrachtet, bat er wohl auch die größere Logik auf seiner Seite. Jedenfalls ist sei» Standpunkt ohne wettere» begreiflich. Schwer verständlicb ist aber der Standpunkt derer, die den jetzigen Krieg für unbedingt nottvendig erklären, in jeder Weise Stirn» mung für ihn mache» und doch alle auf Staatszwang für den Kriegsdienst abzielenden Forderungen leidenschaftlich bekämpfen, zum Verstecken eingerichteten Zusammenwürfeln von Unübersichtlichkeit, Dunkelheit, Schmutz, gähnenden Löchern, die irgendwohin in das Innere sogenannter Häuser fl'ihren. fühlt man sich in eine fremde Welt versetzt. Wenige Schritte davon entfernt pulsiert gvoßstädtisckes Lebeiu Es ist auch eine fremde Welt, die sich hier erhalten hat. Sic bildet ein besonderes Blatt in der Geschichte ruf» sischer Politik. Aus Kernrußland wurden die Juden fast restlos vertrieben,««ach Polen, Litauen. Kurland und in die Ukraine hinein. Und hier wiederum durften sie nur in den Städten wohnen. Schon die früher in die genannten Gebiet« eingewanderten Jude«« wurden von der übrigen Bevölkerung als lästige Konkurrenten empfunden. Als solche betrachtete man natürlich auch den neuen Zustrom. Ge- zwungen und freiwillig schloffen sich die Gehetzten. Verachtete««, durch große Verbrechen und kleinliche Schikane Verfolgten in ihren Siedelungcn zusammen. Ganz enge, als sollte so der eme des anderen Schutz und Stütze sein. Wa» die Not gebar, erhält die alte, von Generation zu Generation überkommene Gewohnheit. Ohne äußeren Zwang bleiben viele Juden in der Beschränktheit, UnHygiene, in dem Schmutz und dem Dunkel der elenden Juden- viertel wohnen. Von Genossen, die in Wilna geboren uiE aufge- wachsen, mit den Verhältnissen g«it vertraut sind, hörte ich, daß in den elenden Hütten, in den erbärmlichsten Gäßchen, in dieser Zu- smnmenhäufung von Unrat und Bedürfnislosigkeit Loute mit mcht geringem Vermögen ui«d reichlichem Einkommen wohnen, Leute, die im besten Stadtteil ein eigene« HauS zu bewohnen in der Lage wären. Allerdings, die große Masse der Bewohner de» Juden» viertel« gehört zu den Enterbten, den gänzlich Besitzlosen. Di« Zabl der in den Städten zusammengepferchten Juden war zu groß, als daß auch nur der größere Teil von ihnen sich durch Geschick und regen Geist aus den Niederungen sozialen Elends hätte heraus- heben können. Die Mehrzahl von ihnen mußte al« Handwerker und einfache Handarbeiter das töglickx Brot zu erwerben suchen. In der Lohnarbeit noch mehr als im Krämergewerbe schraubte die gegenseitige Konkurrenz das Einkommen bis zur untersten Grenze de» Möglichen herab: der Handarbeiter sowohl al» der Handwerker und Händler hungert von einem Tag»um anderen, er hungert sich durchs Leben. Kein Wunder, da» die kulturellen Bedürfnisse dieser Menschen außerordentlich gering sind; dort, wo Ansprüche lebendig werden und Befriedigung heischen, stellen sich ihnen die schweren Hindernisse sozialer Ohnmacht und politischer Gebundende« hindernd in den Weg� Die Quellen de» Bewußtsein» der Ursachen gesellschaftlichsn Elends und de« Willen», die Ursachen wegzu- räumen, entspringen jedoch nicht de«n jüdischen Kleinbürgertum, nicht dem Rassegefühl, sondern der Klassenerkenntnis der jüdischen Loynarbeiterschast. Die Gassen und Gäßchen im Fudenvierick sind so eng, daß in die unteren Räume der ichiefen und erbärmliche«« Häuser meiste;«« I wie das insbesondere die Mehrzahl der englischen Gewerk» | schaftler tut. Und doch ist dieser Widerstand durchaus logisch und unter dem Gesichtspunkt demokratischer Entwicklung der Völker begrüßenswert. Ihn leitet der Gedanke:„Wehre den Anfängen!" Seine Verfechter befürchten, daß. wenn das dünne Ende de« Keils „StaatSzwang zum Heeresdienst" erst einmal eingetrieben ist, die Logik der Dinge es bis zum Eintreiben des dicken Endes weiter» führen wird, und dem wollen sie vorbeugen. Soweit sie nicht auch Gegner des jetzigen Krieges sind, wie so viele unserer Freunde von der Jndepsndent Lab mir Partv, wollen sie jedenfalls ver- bindern, daß dieser Krieg ein Anfang werbe, England auf die Bahn der Militärstaaten�zu drängen. Sie betrachten die Unzn- träglichkeiten des heutigen Drucks zur„freiwilligen" Einreibung für das kleinere Uebel, solange dem gegenwärtigen Zustand in jeder Hinsicht der Eharakter eines Ausnahmezustandes gewahrt bleibt, und würden daher Wahrscheinlich lieber diesen Druck noch erhöhen, ehe sie zugäben, daß für den Staalszwang zum Heeresdienst ein Präjudiz geschaffen wird. Es ist das ein Gedankengang, der, wie eingangs bemerkt, den Angehörigen der Festlandsstaaten fremdartig berührt, und namentlich uns guten staatssrommen Deutschen liegt er wellen- fern. Aber das kann kein Grund fein, über ihn obenhin abzu- urteilen. Tieferes Eindringen in ihn wird vielmehr zeigen, daß ihm eine Allsfassung vom Wesen und den Lebensbedingungen eines freien Volkes zugrunde liegt, für die uns der Sinn deshalb abhanden gekommen ist,«veil wir uns daran gewöhnt haben, die Demokratie fast mir noch bureaukratisch zu begreifen, dem Staat aber eine fast mystische Erhabenheit über die Parteien beizulegen. Welche ihn durch ihre soziale Macht in Händen haben und seiner Politik ihren Stempel ausdrücken. flus Groß-öerlin. Herabsetzung üer Brotration. Gestern vormittag fand iin Berliner Rathause eine Kon- ferenz der an der Groß-Berliner Brotkartengemeinschaft an- geschlossenen Gemeinden statt. Gegenstand der Besprechung war die Abänderung der Brotguote. Es wurde beschlossen, die Brotmenge in Groß-Berlin dahin zu verringern, daß in Zukunft anstatt Wie bisher wöchentlich 1950 Gramm nur noch 1900 Gramm Brot verabfolgt werdeil sollen. Die Zusatz- brotkarten, die bisher auf 500 Gramin lauteten, werden auf 850 Gramm ermäßigt. Ter Brotpreis wurde für ein Zivei- kilobrot auf 78 Pf.— bisher 80 Pf.— festgesetzt; der Preis für ein Kilobrot bleibt der gleiche: 40 Pf. Diese neuen Be- stimmungen treten ain 1. Februar d. I. in Kraft. Per» anlassung zu dieser Maßnahme gab die Tatsache, daß wöcheiü- lich ganz erhebliche Mengen unbenutzter Brotkarten an die Brot- kommisstonen zurückgegeben lvurden, so daß mit Rücksicht auf ein sparsames Verteilen des Brotes die neue Maßnahme durch- führbar erschien._ Die Zusatzbrotkarte. Au» dem Rathause wird beriMel: „Im Reichstage ist als auställig bezeichnet worden, daß die Zahl der Zusatzbrotkarten in Berlin sich seit dem Herbst IStö wesentlich gehoben habe. Es muß mlSdrücklich festgestellt werden, daß die Ursache hiervon in keiner Weise bei der Groß-Berliner Brotkartengemeinschaft liegt. Diese ist an das ganze System der Zusatzbrotkarte zögernd herangetreten und hat sie zu Anbeginn peinlich und sorgfältig auf die s ch w e r arbeitende Bevölkerung beschränkt. Das Direktorin in der ReichSge- trei bestelle war eS jedoch selbst, daS durch Rundverfügung vom 23. Juni 1915 diese Grenze fallen ließ. Es empfahl in dieser Per- stlgung, bei der regelinäßigeir BrotkartenauSgabe auf Antrag jedem über zwölf Jahre alten Ei»r wohner ohne Unter» schied deS Geschlechts mit einem eigenen Arbeitseinkommen bis zu 2590 M. oder bis zu 3000 M.— also landwiruchastlichen und gewerblichen Arbeitern, Kleinlandwirten. Handwerkern, kleinen Beamten— eine Zusatzbrolkarte wöchentlich auf denKopf zuzustellen. Mit solch weilumfassenden Definitionen ist natürlich auch einem gelegentlichen Mißbrauch die Tür geöffnet, ohne daß aber solche unberechtigten Ina»« Ipruchnahmen die Gesamtzahl irgendwie bceinfluhen. Stellt man die kein Strahl von Tageslicht hineinfallen kann. Da sitzt ein Schuh- macher in seiner drei bis vier Quadratmeter großen Werkstatt. Das Handwerkszeug ist sehr dürftig� jedoch i» einer Ecke steht eine Näh- Maschine. Ter Besitzer bezeichnet sich als einen Schnellschuh- macher. Gleich zum Mitnehmen— wie beim Kirmespholographen. Nebenan hockl in seinem engen, dunklen Lädchen ein Esfcnwarcii- bändler. Was er verkauft? Ketten. Schlösser, Hafen, Nägel, Schlüssel, allerband alles halbverrostetes Zeug. Kaum zu glauben, daß sich Liebhaber dafür finden. Aber sie kommen, wird mir ver- sichert. Besonders an Sonn- und Feiertagen. Die vom Lande hereiilkommenden Polen, Litauer, Weißrussen sind es, die solche schätze erwerben. Wahrscheinlich in der Meinung, besonders billig zu kaufen. Solche Konsumcntenschaft erklärt den Geschäftsbetrieb m diesem Viertel. Jetzt sebe ick nur Juden und jeder scheint cu« Händler zu sein. Einer des anderen Kunde. Aber selbst bei der allergrößten Besckeidenbeit kann keine Gesellschaft nur vom Handel leben, es muß doch auch Produzenten geben. Hier ist eS das Landvolk, das mit den bescheidensten gewerblichen Erzeugnissen zu- frieden ist. Der Nachbar des Etsentvarenhändlers unierhält ein.Mode» Warengeschäft", Musen, Spitzen, Handschuhe, Bänder, Hüw kuim man dort haben. Auch hier, wie in allen Stadtteilen, steht der männliche und Weibliche Anreißer auf der Lauer. Ein Mädchen m Stöckelschuhen, in schmutzig zerrissenem Rock, stürzt aus einem Laden heraus:„Was wünschen ze kosen? Papiermesser, Zigarre««?"— Das muß»nan den Juden lassen, sie sind findig, und mit erstaun- licher Fixigkeit wissen sie sich jedem neuen Bedürfnis anzupassen. Kaum sind die Deutschen einige Tage lang in der Stadt, und schon verkauft der Jude Zigarren und andere Sachen nach dem Geschmack der Deutschen, die sonst hier nickt verkauft wurden. Aus der Tür eines WeihwarenlädchenS ruft mir ein junges Mädchen zu:.Taschentücher gefällig? Strümpfe?" Ein Schneider hockt uüt ssiner Arbeit dicht«n Fenster seiner Klause, um das gar spärlich eindringende Tageslicht auszunutzen. An der Ecke einer Gasse ist ein Laden von noch nicht zwei Quadratmetern Bodenslärbe. Auf einem Stuhl in der Tür sitzt die Verkäuferin. Alte dreckige Handtaschen aus Stroh bietet s«e an. Auf einem Brett im Laden stehen einige Dosen und Schachteln, deren Inhalt mir verborgen bleib«. -- In einer anderen Gasse hat sich der Greßhandei«ngeniüef. Graupen, Zwiebeln, Mehl und andere Konsumartikel werden ge» handelt. In einem Hufe haben Fleischer ihre Verkaufsstände ein» gerichtet. Es wird flott gekauft. Den meisten Zuspruch hat eln Stand, an dem nur Knochen verkaust werden, das Pfund zu 4 bis 6 Kopeken.— Knocheiisuppen gehören für die meisten Arbeiter in Wilna schon zu selten erreichbaren Genüsse». D ü w e l l, KriegsberichterstaLter, Zusatzbrotkarie auf den Begriff der Bedürftigkeit, su kann eö auch nicht Wunder nehmen, wenn fast ein Drittel der Gesainl Vevölkerung sie beansprucht. In Berlin trat aber eine wesentliche Ausdehnung der Zusatzbrotkarten erst ein, als die ReichSgetreidestclle infolge des erhöhten Ausmaßes an Nahrungs- und Futtermitteln, das man von Reichs wegen auf Grund der erstmaligen Ernte- schätzung feststellen zu müssen glaubte, sich zu einer Erhöhung der den lüudlicheir und städtischen Kreisen zugebilligten Mehlporlion entschloß. Doch nahm hier die Ausgabe von Zusatz- karten niemals einen solchen Umfang an, daß man die von der zentralen Stelle zugebilligte Mehlportion auch nur erreicht hätte. Wenn jetzt besonders auf Drängen der Stadtverwaltungen die Mehlporlion auf die Ziffern des vorigen Jahres eingeschränkt ivird, so müssen selbstverstänlich auch die Zusatz brotkartcn der Einschränkung mit unterliegen. Aber e S ist überraschend, daß die Steigerung ihrer Z a h jetzt voir derselben Seite beurängelt wird, lvelchc allein ihre Ausdehnung veranlaßt hat." Verkehr mit Kuhmilch und Sahne. TaZ Polizeipräsidiuni teilt mit: Mit Bezug auf Z 18c der Pollzeiverordnnng vom 15. März lSl)2. betreffend den Verkehr mit Kuhmilch und Sahne im LandeSpolizeibezirk Berlin, bringt der Herr Oberpräsident das Verzeichnis derjenigen Futtermittel, die im Jahre Iblö an Kindermilchkiihe verabfolgt werden dürfen, zur Kenntnis der beteiligten Kreise. 1. Wresenheu; es muß gut gewonnen sein, frische Farbe und aromatischen Geruch besitzen, nicht mit giftigen Pflanzen und nicht in nennenswerter Menge mit wenig gedeihlichen Kräutern durchsetzt, nicht schimmelig, dumpfig, staubig und mit Befallungspilzen überzogen sein; 2. Stroh von Halmfrüchten; es darf nichr dumpfigen Geruch be- sitzen, nicht mit Befallungspilzen besetzt und nicht mit schüdtichen Kräutern durchmengt sein i 8. gute, unverfälschte und nicht verdorbene Roggen- und WeizenHeie: 4. gutes, unverfälschtes und unverdorbenes Hafer- und Gersten- schrot; 5. Leinsamenmehl tn vorzüglicher Qualität; ti. getrocknete Burtreber in vorzüglicher Qualität? 7. Steffens Originalzuckerschniyel in vorzüglicher Qualität; 8.„Trockenkarloffeln." Zur Herstellung des Trockenpräparates dürfen faule oder durch pflanzliche oder tierische Parasiten verdorbene Kartoffeln nicht verivendet werden; !). Trockenschnitzel. Alle anderen Futtermittel sind verboten. Roggenschrot darf mit Ausnahme der von den zuständigen Staatsstellen zur Verteilung überwiesenen geiärbten Mengen sEosin- Roggenschrot) nach der Bekanntmachung des Bundesrais vom 28. Juni 1915 über das Verfüttern von Brotgetreide pp.(R.-G.-Bl. S. 381) als Futtermittel nicht verivendet werden. Nächte, die so dunkel und schwer sind. Der Schlaf ist ein Göttergescheuk. Der gesunde, tiefe, er- quiekende Schlaf. Der größte Dieb, sagt ein Sprichwort, er stiehlt uns einen erheblichen Teil des Lebens. Gut geschlafen, halb ge- gessen, heißt eS nach einem andern. Jedenfalls kann ohne aus» reichenden Schlumnrer kein Mensch auf die Dauer bestehen, soll er nicht an Gesundheit, Körpergewicht und Wohlbefinden erhebliche Ein- büße erleiden. Die Gölter schenkten in einer launigen Stunde den Schlaf, und die Menschen erfanden in einer glücklichen Stunde das Bett dazu, ohne welches der Schlummer an Äöstlichkell wesent- lich verliert. Zu einem guten Schlaf gehört ein gutes Bett. Es ist die Vorbedingung dazu. Wer hat's erfunden, erdacht? Eine Schlemmernatur, gewiß. Aber niemand kennt ihn. Kein Lied, kein Heldenbuch nennt seinen Namen, untergegangen im Dunkel der Zeiten ist sein Andenken. Denkmäler, wohin du trittst auf der Erde, für alle möglichen Leute, alle erdenklichen Verdienste, dem Schöpfer des Bettes hat man keines gesetzt. Auch nicht nötig. Wie der Heineverehrer in dessen Werken das schönste und dauernste Denkmal erblickt, so der dankbare Schläfer, der sich des Abends mit einem wohligen Aufatmen ins Bett sinken läßt und gönnerhaft brummt: .So'n Bett, das ist doch wirklich was Schönes, wer das erdacht hat.. Zum Schlaf, zum köstlichen Schlaf, gehört aber nicht nur ein Bett, es gekört dazu ein von den gröbsten Lebenssorgen befteiteS Gemüt. Sonst kann das molligste Bett zur Qual werdeir.„Schlafe gut, träume süß Ein frommer, schöner Wunich. Wo Schreck- gespenste gängeln, kann die arme, geplagte Seele keine Ruhe finden. Sorgen sind am Tage schon schlimm, in der Nacht können sie zur Tormr werden. Wer es früher nicht erfahren hat, konnte es in diesen StriegSzeiten erleben. Im Frieden gab es auch Sorgen, be- ruilicher, gesundheitlicher und sonstiger Art. Sie waren meist zu überwinden. Nuir aber wachsen sie ins Giganlische und greifen brennend heiß an» Herz. Wenn die Nacht kommt und Millionen müder Menschen sich zur Ruhe begeben. dann kommen sie. die hohläugigen Gestalten und setzen sich auf die Bettkame und bleiben getreulich bis der Morgenstern erlischt. Fast ein jeder bat draußen im Felde einen Lieben, von dem er in jeg- licher Stunde nicht wisien kann, wie es ihm geht. Da setzt dann da» Grübeln ein, das Nagen und Bohren, die stumme, bange Frage: „Wo bist du und wie geht es dir?" Da können die Nächte so lang werden, so lang und schwer. Da hört das Ohr jeden Glockenschlag. eS hört des Nachbars Hund bellen und den Wasserhahn in der Küche tropfen. Und die Stunden rücken mit bleierner Müdigkeit vorwärls. Und immer denken: Da draußen ist Krieg, da geht es ums Ganze, und da wallen die Gewehre und donnern die Geichütze. Und so geht es die ganze Stacht, mit kurzen Unterbrechungen, und die Lippen werden trocken und die Augen schmerzen und daS Herz klopft so seltsam rasch und hart. Und wenn eS draußen, am Himmel, dämmert, fallen die Lider schwer und trunken zu und die Seele schlummert noch einmal kurz ein, bis die Pflicht ruft, streng und gebieterisch. Ach, die Nacht war so lang und doch so kurz. Die neuen Troschkenvorschrifte« und die Kraftwagen- sührer. Mit den verschärften Droschkenvorschriften beschäftigte sich am Dienstag eine Sektionsversammlung der Kraftwagenführer deS Deutschen Transportarbeiterverbandes. Wir haben Mitteilung ge- mach: von dem Inhalt einer Eingabe der Interessenten an daS Polizeipräsidium. Unter Zugrundelegung dieser Eingabe hat dann auch eine Be- sprechung mit dem Vertreter des Polizeipräsidenten stattgefunden, die aber sehr wenig eingehend war und. wie in der Sektions- Versammlung der Kraftwagenführer am Dienstag ausgeführt wurde. im Ergebnis nicht befriedigend. Besonders stark fei betont worden, daß, wenn die Anzeigen wegen Fahrtverweigerung nicht aufhörten, für jeden Fall der entsprechenden Zuwiderhandlung die höchste Strafe einträte, und im Wiederholungsfalle mit Fahrscheinentziehung ge- rechnet werden müßte. Etwas anderes wäre es, so habe der Herr Regierungsrat erklärt, wenn die Fahrer nach der Droschken- ordnung berechtigt wären, Fahrten abzulehnen. Anzeigen in solchen Fällen sollten nicht berücksichtigt werden. Ein solcher berechtigter Grund wäre nach§ 85, wenn der Wagen nicht mehr betriebssicher sei. Nach diesen Milteilungen entspann sich eine lebhafte Diskussion, in der namentlich Beschwerde geführt wurde über unberechtigte An- zeigen, auch vieler aus dem Publikum. Dazu wurde noch von den Vertretern der Organisation ge- äußert: Die Presse, namentlich die„B. Z." und das„Tageblatt". hätten erst das Publikum gegen die Droschkenmhrer in unberechtigter Weise eingenommen. Die Presse habe nicht die Umstände der jetzigen Zeit berücksichtigt, wie sie auch in der Eingabe an das Präsidium ihren Ausdruck fänden. Die Droschken seien an Zahl zusammen- geschrumpft. Das Droschken suchende Publikum sei aber gleich zahl- reich geblieben, denn was durch den Krieg abgegangen wäre. sei hier wieder ersetzt durch das Verbot der Privatkraft- wagen. Das Publikum müßte auch daS berücksichtigen. Dann müßten die angestrengten Fahrer auch essen und sich erholen können; sie seien auch Menschen. Die Verkehrspolizei berücksichtige die Um- stände auch nicht. Nach den kritisierten Vorschriften könnte ein Fahrer, der nach zwötfstündigcr Fahrt nachhause wolle, durch mehr- malige Aufforderungen aus dem Publikum unter Umständen noch stundenlang weiter auf der Straße festgehalten werden. Unerklärlich sei der Widerspruch, in welchem dieser Rechtszustand zu der Be- stimmung des Z 85 der Droschkenordnung stehe, wonach der Fahrer, der nach seinem Dienstantritt zwölf Stunden Fahrt hinter sich habe. keine Fahrt mehr annehmen solle.— Ein Redner glaubt, daß die neuen Vorschriften als rechtswidrig angefochten werden könnten. DaS sei aber langwierig. Es müßten noch anders Schritte unter- nommen werden. Die Versammlung nahm dann einstimmig folgende Reso- lutiou an: „Betreffs der Aussprache mit dem Verkehrs kommissariat erklärt die Versammlung das Entgegenkommen des Regierungsrats als un- genügend. DaS Vorgehen der Polizei betreffs der Fahrt- Verweigerungen sei einseitig und berücksichtige nicht die geringe Anzahl der Droschken, die den Berkehr mit dem droschkenfähigen Publikum in den heutigen Zeiten nicht genügend bewältigen können. Weiter berücksichtigt die Polizei nicht die schlechte Beschaffenheit des Belriebsmaterials. Die Sektionsleitung wird bemiftragt, mit den Droschkenbesitzern weiter in Verbindung zu treten, um die not- wendigen Abwehrmaßnahmen zu beraten und weitere Schritte zu unternehmen."_ Der Frauenmörder aus der Hussitcnstrafte verhaftet. Der wegen Ermordung seiner Geliebten Elise Hinske gesuchte Arbeiter Paul Hagen ist in Eisleben verhastet worden und hat die Tat eingestailde». Er wird von Beamten der Mordkoimnission nach Berlin lransportiert, um hier eingehend vernommen zu werden. Aus den inzwischen erfolgten Zeugenvernehmungen geht herbor, daß die Beziehungen zwischen Hagen und seiner Geliebten sich infolge des Scheidungsprozesses der Frau Hagen gegen ihren Mann sehr verschlechtert hatten. In diesem Prozeß soll die Hinöke zugunsten Hägens einen Eid geleistet haben. Hageir scheint ihr»un damit gedroht zu haben, daß dieser Eid falsch sei und daß er sie anzeigen lverde, wenn sie ihn verlasse. Das Mädchen hat sich durch diese Drohung wiederholt noch bewegen lassen, wieder bei ihm zu bleiben, dann aber erklärt, eS wäre ihm auch das jetzt gleichgültig. Auch eine Drohung, daß sie bei einer Trennung so nicht davon- kommen werde, erwiderte sie einmal: Wenn schon, dann ist es mir auch gleich. Nach weiteren Ermittelungen ist die Tat am 5. Dezember spät abends verübt worden. Zwischen 7 und 8 Uhr gab es in der Wohnung den letzten„Krach". Mehrere Leute hörten das Mädchen schreien. Dann wurde eS wieder ruhig. Kurz vor Mitternacht wiederholte sich daS. Jetzt sah man plötzlich wieder Licht in der Hagenichen Wohnung. In der Stille der Nach: nahm man dann noch ein Geräusch wahr, als wenn jemand mühsam Alcm holt. Ein Geräusch, das der Berliner etwa„japsen" nennt. Seitdem blieb es ganz ruhig. Die Frauen im Hause besprachen am anderen Tage die Aufttitte und meinten, Hagen werde seine Geliebte schon wieder mißhandelt halten. Sie kümmerten sich aber nicht weiter darum. weil dagegen doch nichts zu machen sei. Hagen ging nach der Mordnacht erst zwischen 9 und 10 Uhr vormittags, nachdem alle anderen Männer das Haus schon verlassen hatten, ebenfalls weg. Als man durch den Verwesungsgeruch auf die Wohnung auftnerkfam wurde, beschwichtigte Hage» die Leute durch die Zettel, die er an- klebte. So kam es, daß da» Verbrechen nicht schon ftühcr cnt- deckt wurde. Die Schwindlerin vor dem Butterladen. Vor den Butlergeschäften treibt in Neukölln eine Schwindlerin, die es aus Kinder abgesehen hat, ihr Unwesen. Sie nimmt die Kleinen, die von den Müttern zum Buttel kaufen ausgeschickt werden, beiseite, überredet sie, ihr lieber das Geld zu geben, damit sie nicht so lange herumzustehen brauchten, und verspricht ihnen, daß sie für sie einkaufen und die Butler ihrer Mutter nach Hause bringen werde. Weil sie sich Namen und Wohnung der Eltern genau auf- schreibt, so vertrauen ihr die harmlosen Kinder und kommen um das Geld. Erst gestern erbeutete die Gaunerin wieder eine und zwei Mark. Die Eltern sollten die Kinder eindringlich vor ihr warnen. Es handelt sich um ein fsingekleideteS junges Mädchen, das eine lange Pelzstola und Muff trägt. /lus öen Gemeinden. Städtischer Eierverkauf in Pankow. Die Gemeinde hat jetzt mit dem Verkauf von frischen, aus Oesterreich- Ungarn bezogenen Eiern begonnen. Mehr als 4 Stück dürfen mit einmal nicht abgegeben werden. Der Preis pro Stück beträgt 19 Pf._ Metallablieferung in Neukölln. Bei der Metallsammelstelle im Rathause werden wiederhol� Kupier- und Messingkessel abgeliefert, die bei der Entfernung der Eisenringe und Oesen zusammengedrückt und teilweise zerstört sind. Solche formlosen Gegenstände können nach der Bekanntmactiung des Oberkommandos nur als Altmaterial angenommen und mit 1,79 M. je Kilogramm bezahlt werden. Es liegt daher im Jniereffe des ab- liefernden Publikums, bei der Enifetnung der Beschläge die ur- sprünglicbe Form des abzuliefernden Gegenstandes möglichst bestehen zu lassen._ Kunstabend der Stadtgemeinde Neukölln. DienStag. den 18. Januar 191S, abends S1/» Uhr, veranstaltet die Stadtgemeinde Neukölln in der Aula der Realschule Boddin- straße 34-�-41 einen volkstümlichen Lieder- und ReziiaiionSabend unter Mitwirkung der Opern- und Konzertsängerin Fräulein Rosa Eberhardt und der BortragSkünstlerin Frau Elinor von Amelunxen. Numerierte Platzkarten, die zugleich zur kostenfteien Abgabe der Garderobe berechtigen, find zum Preise von 10 Pf. im Ralbause, 2 Treppen, Zimmer 210. während der Dienststunden von 8—3 Uhr sowie an der Abendkasse erhältlich. Der Vortrag beginnt pünktlicki zu der angegebenen Zeit, so daß verspätet kommende Besucher nicht zugelasfetr werden können. WettcrauSiichte» für das mittlere Storddeutichland bis Sounabeiid mittag. Veränderlich. Vorwiegend trübe, mit wiederholten, vielfach starken Niederschlagen. Temperaturen durchschnittlich wenig vcr- ändert. Verlustlisten. Tic Verkusttiite Nr. 428 der preußischen Armee enthalt Verluste folgender Truppen: Infanterie usw.: Garde: 1. Garde-Res.--Reg.; Garde-Grcn.- Reglinenter Alexander, Franz. Elisabeth ttnd Nr. 5. Gren., beztp. Ins.-, bezw. Füs.-Regimenter Nr. 1 is. Res. Jus.-Reg. Nr. 237 1, 3, 4, 8, 11, 12, 31, 32, 34 bis einschl. 37, 04, 65, 07 bis einschl. 70, 72, 73 bis einschl. 80. 82, 84, SO, 87. 88, 90. Ol, 91, 95, 98, 99, 110 bis einschl. HO. 118 ss. auch Füs.-Rea. Nr. 80 128 bis einschl. 131, 137, 140, 142, 144, 140, 117. 149 bis einschl. 153, 15? bi» einschl. 161, 104. 107, 108, 170. 171, 173 bis einschl. 170, 184, 180, 189, 330. Res.-Jnf.-Regimenter Nr. 1, 2, 0. 7. 8, 11, 12, 32, 35, 36, 05 bi» einschl. 09, 72. 74, 75, 77, 79, 81, 82, S3, 80, 87, 88, 90 bis einschl. 93, 118, 130, 202, 204, 205, 208, 214, 217, 219, 220, 223. 224, 234, 230, 287, 230 bis einschl. 239, 201 bis einschl. 207, 272. Res.-Ers.-Inf.-Reg. Nr. 2. La ndiv. Inf.-Regiin enter Skr. 2. 4 bis eimchl. 8. 12, 31. 32, 08, 77. 78. 83. 81. 83, 118, Jäger-Bataillone Nr. 1, 9, 14; Res.-Bataillone Nr. 20, 21, 22. Radf.-Komp. Nr. 153; FesmngS-Rads.-Komp. Neubreisach. 2. Ers.» Äiafchinengew.-Koinp. des 10. Armeekorps; Feld-Maichinengm. Zug Skr. 81 ss. Landw.-Inf.-Reg. Nr. 83i; FcstungS-Maschiuengew.- Abteilung Diedenhofeu. Kavallerie: 3. Gavdc-UIauen. Kürassiere Sir. 1 und 7: Dra- ganer Skr. 13 und 16; Husaren Nr. 3; Res. Husaren Skr. 8; Ulanen Nr. 3 und 10; Ros.-Ulanen Skr. 3. 1. Landw.-EStadron deS 7. und 1. des 8. Armsekorp». Pioniere: Regimenter Nr. 19, 20, 23, 24, 25, 29, 30, 31; Bataillone: I. Nr. 2, l. Nr. 4, I. und II. Nr. 0, kl- Nr. 7. I. Nr. 9, (I. Nr. 10, I. Nr. 11, I. und II. Nr. 14. I. und TU. Skr. 10, I. Nr, 21. l. Nr. 20, 1. und III. Skr. 28. Eos.-Bataillone der Ptonier-Bataillone Nr. 17. 21 ff. 2. Dandst.-Ptonier-Komp. des 18. Armeekorps und Briickenichutz-Kommando Reinig a. d. Mosel) und Skr. 27. Pionier- Kompagtticn Skr. 108, 233, 217, 249; Res.-Kompaginen Skr. 33, 73. 90; 1. und 2. Landw. Komp. des 4. Armeekorp» l erster« siehe III. Pionter-Batl. Skr. 16 1; 1. und 2. Landit.-Komp. des 2. sowie 2. des 18. Armeekorps. Miueuwcrser-Kompagnicit Sir. 18, 59, 190, 309; Schwere Miuenwerfer-Abt. Nr. 18. Brückenschutz-Kommando Reinig a. d. Mosel. Freiwillige Krankenpflege. * S * Der Schluß der bapcrr schon Berlttstliste Nr. 245 wird veröffentlicht, deren Inhalt wir bereits g eitern mitteilten. vrfefkaften der Redaktion. Di« luriltischi Sprechstunde sindet Illr Momientcn Lwdenftr. Z, IT. Hof rechts, parterre, am Mantag bis Freitag von 4 vis 7 Um, am Eonnabend von ö bi? C Uhr statt. Jeder sür den Brteskasten bestimmten Antrage ist ein Buchstabe und eine Loht als Merlz-ichen beizufügen. Bnefiiche Annvort wird nicht erteilt. Aniragen, denen leine Abonnementsauiltung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Svrechflunde vor. Verträge, Schriftstücke und dergleichen bringe mar in dir Sprechstunde mir. S. O. 73. Ohnc Einüchtnabnie m den Vertrag läßt sich bei Ihrer iinzulängtillieu Fragestellung keine zuverlässige Antwort geben.— M. St. 89. 1 In 3 Monaten. 2. Ja.!!. Die Schwester kann die Be- fchäfligung ruhig annehmen.— G. S. 4!. Ja.— Vk. 190. Nach- Musterung lann ersolaen.— V. 74. 1. Sic können sofort den Antrag stellen. 2. An das VenicherungSamü Klostcrstr. OS— 67. 3. Der Eintritt der Invalidität wird vor dcni 24. September 1913 nicht datiert werden. 4. Ja.— F. M. 3. Ja.— CT. 3. 11. 1. GeburtSurknitden sind noch erforderlich. 2. Nein.— ls. T. 17. Die Wcgnabme des Hundes durch den ehemaligen Bender ist unzulässig. Nach ergebnisloser Siufiordcrung auf Herausgabe des HundcS müsiteu Sie Klage einreichen.— V. i. Ja. — 31. 61. 6. Es handelt sich doch mahl um Witwenrente iür die Mutier, die sie auf(»rund der geklebten Marken des Vaters erbält Die Rente wird ihr auch dann gezahlt, wenn sie idrcn Wohnsitz in Berlin nimmt.— Pankow 100. 1. Nein, denn über Jbr Militär Verhältnis ist doch schon endgültig entschieden, 2. Wenden Sic sich an das Bczirkstmnmando mit dem Sriueben um Umschreibung.— R. W. 30. Ja.— 18. P. 3. 1. Ja. 2. Eine Ichisiiumic Grenze des Einkommens gibt es dafür nicht. Wieweit Sie zum tkMerbalt der Mutter herangezogen werden können, richtet sich außer nach Ihrem Verdienst auch nach Jbren Famiiicnvcihäitniiscn fZabl der Kinder, event. Krankheit der Frau). Wir glauben aber, daß Sie bei Ihrem Einkommen zu 10— 15 M. monatlich verpfl'chlet werden können. — R. 31. Ä3. 1. New. 2. Die Frau tonnte ans Scheidung klagen; ist die Verletzung jedoch nicht erheblich, so wird sie mit cluar Klage keinen Er- folg haben. Sie nniücn die Frau erst zur Herslellimg der ehelichen Ge- memschasl und zur Rückkehr auüordern. Leistet sie der Aufforderung nicht Folge, so könnten Sie wegen böswilligen Verlaisens auf Ehescheidung klagen.— M. H.(s, 3. Von dem Mangel der Wohnung miisten Sie dem Wirt Kenntnis geben mit dein Ersuchen, sich zur Abstellung desselben zu verpslichten. Erfüllt er solche Berpflichlung nicht in Beugengegenwart oder ichristlich, so köimtcn Sie nur. wenn Sie den Beweis für Zhre Be- Häuptling erbringen lönnen, auf Aufbebimg deS Vertrages klagen.— 31. 2)1. 33. t. Die Unterstützung für Sie und Ihr Kind beträgt 43,50 M. monatlich. Im Dezember ist Ihnen der Betrag, der Ihnen im No- oember zu wenig gezahlt wmde, nachgezahlt worden. 2. Ja.— K. Ja. SozIaldemokraMerWalilyErBin Kreis Hiederliarnini. Bezirk Lilrhtenberg. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Friseur Wilhelm Mellendorf (Süilftr. 47, Gruppe 67) am 30. Dezember 1915 gestorbenist. Ehre seinem Andenken! 12/2 llio verirllileiwng. B ÄHoenieine Kranken- nnii Sterbe- kasse der Metallarbeiter. V. a G. Lichtenberg U. Am Mittwoch, den 12. Januar, verstarb nach langem Leiden mtler Mitglied loh. Hänel im 58. Lebensjahre. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittags 3 Uhr. aus dem Gememde-Friedbose, Lückftraße, statt. Die crtsverwaltnng. Allen Freunden und Genossen die traurige Nachricht, daß die Beerdigung unseres aus Galizicn hcimgcsllhrten ältesten Sohnes cässr Wledemsnn am Sonnlag. den 16, Januar. nachmittags 2 Uhr, aus dem Ge- meinde- Friedhos in Friedrichs- Hagen stattfindet. IlSb Familie R. Wiedemann Luise Neblick als Braut. StiefeSsohBen Paar 05 Pf. zum Seibstunlermachen. Komplett ausgemacht mit Gumniiabsätzen i Herren 3,9.>. Damen 2.50. Alcxandcrstr. 8, Gltiabctftftr. 04 (Ecke Waßmannstr.), Prinzen, tr. 60. Kaiieritraftc 2, Stonnciidaiiim- lllllec 5. Kantftr. Il8. Pciialozzt- strastc 88 lCblbg.), Pnnkstr. 10. Gruner Bieg 83 kam Andreasplatz): Schönebcrg. 3lkazienitr. 20: Stegliu. 3llbrechtstr. 110; 2keu- kölln. Hermannstr. 17.- liuchhandtung Zloruiärts Liiidenstrafje 3. Soeben erschien: KrikMIpng im* Flotte Militönscht Fachaosdruckt Gemeinverständlich erläutert Lrust Däumig. Preis 10 Pf. Krkliilhlch-Nrrlliilif täglich in kleinen und großen Posten. Dulgner, Fantire&, Co., Luxemburger Strafte 33.* Münzen ääu„9, mwiiavil Wiihelmstr. 46/47 Heines Werke • 3 vaude 4 Hlarf• Buchhandlung Vorwärt»