Nr. 15. Rbonnements-BedlnaungeB: Bbonnnnentä• Viel- pränumerand»! Bierteliäiict 3,30 ÜKL monatL 1,!0 MI. wöchemllli, 26 Liz, hei in» Hau«. Einzelne Kummet 6 Big- Sonniag». raimmei mit iCufhiertct Sonntag«• Vellage.Tie Keue Sell' 10 P«a. Vosi- Kdonnernent! l.IV Mar! vra Monat. Eingetragen in die Voit• Zeitung». Btciliilte. llnter Kreuzband füt Teuncklland und Oeherreich. Ungarn Z.M Marl tür das übrige Ausland « Marl»ro Monat, V Ostabonnement» nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg, Vonugall Kuutänirn, Schweden und die Schweis Vlcheim tlgiii. Vevlinev Volksblskt. 33. Jahrgang. Vie Inlettionz-Lcbühi' keträgi für die sechsgespallenc Kolonel- zeile oder deren Raum 60 P°g., für politische und gewerkschaftliche Verein-?. mtd VersatttmluttgS-Zlnzeigen 30 Pig, „Kleine Mnzeigcii", da-' settgcdrulltc Wort 20 Pfg,(zulässig 2 fetlgedru-ite Worte), fedes weitere Wort 10 Pfg Stellengesuche und Schlaistellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg„ jede? wettere Wort 6 Pfg, Worte über löDttch. staben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Kummer tuüsscn bis 5 Uhr nachmittags ili der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöfstiet, Selegramm-Adresse: „SgzialdtnigKrat Btrlin", Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfcblands. Neüaktion: SW. 68, Linüenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 151 30—151»7. Sonntag, den 16. Januar 1916. Expeüition: SW. 68, Linüenftraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 151 30—151 97. Roch immer Wohin öie Reise geht. I. Der gestrige Artikel des Genossen Hilferding, in dem dar- gelegt wurde, daß es sich bei den gegenwärtigen Auseinander- setzungen innerhalb der Partei um die grundsätzliche Stellung- nähme der sozialdemokratischen Arbeiterschaft zu den Fragen nicht nur der Kriegs- sondern auch der gesamten künftigen Friedens- Politik handelt, erhält seine volle Bestätigung durch zwei Artikel, auf die wir näher eingehen wollen; nämlich durch einen Artikel in Nr. 3 des„Corrcspondenzblattes der Generalkommission der Geiverkschaften Deutschlands"(der auch an anderer Stelle unseres Blartes in anderem Zusammenhange erwähnt wird) und durch Darlegungen, die Genosse K o l b im Karlsruher„Volksfreund" zu machen für notwendig hält. Wer noch daran zweifeln konnte, daß es bei diesen Aus- einandcrsetzungeu um die Taktik der Partei wirklich ums Ganze geht, nämlich um die Prinzipien der Arbeiterbewegung, deren Taktik natürlich nur ein Ausfluß der Grundsätze der Partei sein kann, dem sollten durch Auslassungen der Art, wie wir sie in dem„Correipondenzblatt der Generalkommission" und in dem Karlsruher Parteiblatt finden, die Augen geöffnet werden. Beschäftigen wir uns zunächst mit den Ausführungen in dem offiziellen Blatte der„Generalkommission der Gewerk- schaften Deutschlands". Da wird auseinandergesetzt, daß die Geiverkschaften der Entwicklung der Dinge in der Partei mit der größten Besorgnis entgegensehen. Gewerkschaften und Partei seien seit Btenschengedcnken auf einander ange- wiesen und ihre Mitgliederkreise vielfach die gleichen. Gs habe nicht erst der Mannheimer Resolution bedurft, um beide Teile zu veranlassen, sich in großen gemeinsamen Fragen der Arbeiterbewegung zu verständigen. Seit dem Mannheimer Beschluß sei aber die Entscheidung über solche Fragen in die Hand der beiderseitigen zentralen Körperschaften gelegt und deren Verständigung zur Voraussetzung der Aktion gemacht. Da nun in der gegenwärtigen Stellung- nähme zum Kriege beide Teile der Arbeiterbewegung ein Lebensinteresse hätten, sei es das Recht der Vertretung der Gewerkschaften, ihren Standpunkt mit aller Entschiedenheit zur Geltung zu bringen. Deshalb müsse erklärt werden, daß die Politik des-i. August 1914 den vitalsten G e- werkschaftsinteresfen entspreche. Die Gewerk- schaften müßten an dieser Politik unter allen Umständen fe st halten und könnten nicht eindringlich genug vor den Bestrebungen warnen, diese Politik der jetzigen Fraktion zu durchkreuzen. Es ist nicht zum ersten Mal, daß die Generalkommission der Gewerkschaften bzw. die Gewerkschaftsleitungen während des Krieges in der schärfsten Form Stellung zu den Fragen der sozialdemokratischen Partei nehmen. Wir haben diese Form der Stellungnahme bereits früher als ungerecht- fertigt und unzulässig zurückgewiesen, und wir müssen heute mit besonderem Nachdruck unseren da- maligen Einspruch gegen eine derartige Geltendmachung und Begründung der Wünsche der Gewerkschaftsleitungen zum Ausdruck bringen. Die sozialdemokratische Partei war bisher eine Organi- sation, die sich s e l b st ihre Gesetze gab und ihre programmati- schen Richtlinien schuf, ohne sich von dritter Seite hinein- reden zu lassen. Sie hat bis zum letzten Tage vorm Kriegs- ausbruch auch jeden Einspruch der Gewerkschaftsleitungen zurückgewiesen, sofern sich diese als die Vertretung eines anders gearteten Körpers präsentiert hätten, als es die sozialdemokratische Partei ist. Daß die Gewerkschaften das Recht haben, und nicht nur das Recht, sondern auch die P f licht, sich und ihre spezifischen Interessen innerhalb der Mrtei zur Geltung zu bringen, ist ihnen auf den verschieden- Hn Parteitagen ohne jeden Widerspruch, ja gerade unter ailsdrücklicher Bestätigung der Linken der Partei zugebilligt worden. Das allerdings ist stets von allen Seiten der Partei— und in all den verflossenen Jahren wiederholt auch in dem damals unangefochtenen Zentral- organ der Partei, dem„V o r w ä r t s", ohne jede Desavouie- rung offizieller Parteiinstanzen— erklärt worden, daß die Gewerkschaften natürlich nur insofern auf die Grundsätze stiff» die praktische Gestaltung der Parteipolitik einen Einfluß auszuüben berechtigt seien, als sie wirkliche B e st a n d- teiledersozialdemokratischenPartei darstellen. Nickt die Gewerkschaften als solche haben über die sozialdemokratische Politik mitzusprechen, sondern nur die Gewerkschaftler in ihrer Eigenschaft als Mit- glieder der sozialdemokratischen Partei. Zweifellos gibt es in den Reihen der Gewerkschaften, die der Motig des AAn AAmsiim. Amtlich. Großes Hauptquartier, deu 15. Januar 1916. iW. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Auf der Front keiue besonderen Ereignisse. Ein nordöstlich von Albert durch Leutnant Bölke ab- geschossenes feindliches Flugzeug fiel in der englischen Linie nieder und wurde von unserer Artillerie in Brand geschossen. Oestllchcr Kriegsschauplatz. Bei der heeresgi'llppe des Generals v. Clnflngen scheiterte in der Gegend von Czernysz ssüdlich deS Styr- Bozens) ein russischer Angriff vor der Front österreich- ungarischer Truppen. Balkan-Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Oberste Heeresleitung. »« * M llmMW AmMMelW. Wie», 15. Januar.(W. T. B.) Amtlich wird ver- lautbart: Wien, 15. Januar 1916. Russischer Kriegsschauplatz. Die Neujahrsschlacht in Ostgalizieu und an der dessarabi- schen Grenze dauert fort. Wieder war der Raum von Toporoutz und östlich von Rarancze der Schauplatz eines erbitterten Ringens, daS alle stiihercn auf diesem Schlachtsclde sich abspielenden Kämpfe an Heftigkeit übertraf. Viermal, an einzelnen Stellen sechsmal, führte der zähe Gegner gestern seine 12—14 Glieder tiefen Aitgriffskolonnc» gegen die hcistumstrittencn Stellungen vor. Immer wieder wurde er— nicht selten im Nahkampf mit dem Bajonett— zurückgeworfen. Für die Verluste deS Feindes gibt die Tatsache, daß im Gefcchtsraum einer österreichisch- ungarischen Brigade über tausend russische Leichen gezählt wurden, einen Maßstab. Zwei russische Offiziere und zwei- hundertvierzig Mann wurden gefangen genommen. Die braven Verteidiger haben alle ihre Stellungen behauptet, die Russen nirgends auch nur einen Fuß breit Raum gewonnen. An der Sirypa und in Wolhynien keine besonderen Ereignisse. Am kormyn wies Wiener Landwehr einen überlegenen russischen Bor- stoß ab. Italienischer Kriegsschauplatz. DaS feindliche Artillericfeuer gegen die Räume von Mal- borgeth und Raibl setzte auch gestern wieder ein und war vor- nehmlich gegen Ortschaften gerichtet. Am Görzer Brückenkopf entrissen unsere Truppen den Italienern eine seit der letzten Schlacht stark ausgebaute und besetzte Stellung bei Oslavija. Ein feindlicher Flieger überflog Laidach and warf Bomben ab; eS wurde uicmard verletzt und kein Schaden verursacht. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Den geschlagenen Feind verfolgend, haben gestern unsere Streitkräfte mit ihrem Siidflllgcl Spizza besetzt. In Cctinje wurden 154 Geschütze verschiedenen Kalibers, 10 000 Gewehre, Zehn Maschinengewehre und viel Munition und Kriegsmaterial erbeutet. Die Zahl der bei den Kämpfen um das Loveengebiet erbeuteten Geschütze erhöhte sich aus 45. Die Zahl der gestern eingebrachten Gefangenen beträgt dreihundert. Südlich von Berane, wo der Gegner noch zähen Widerstand leistet, erstürmten unsere Bataillone die Schanzen auf der Höhe Gradina. Der Stellvertreter des Chefs des GencralstabeS. v. H o e f e r, Feldmarfchalleutnant. Generalkommission angeschlossen sind, auch Personen, die der Partei nicht angehören, ja ihre Grundsätze und Taktik sogar mißbilligen. Wie könnten diese Mit- glieder der Gewerkschaften irgendwelchen Anspruch erheben, einen Einfluß auf die Gestaltung der prinzipiellen und der taktischen Richtlinien der Partei auszuüben! Wie die verschiedensten Parteitage beweisen, hat man stets die Mitarbeit der in den gewerkschaftlichen Organisatio- nen vertretenen Arbeiter und chrer Organisationsleiter be- grüßt und keineswegs gering geschätzt. Stets hat man be- tont, auf beidenSeiten betont, daß Gewerkschaften und Partei eine innere Ein heit darzustellen hätten: aber diese innere Einlieit ist natürlich nur möglichaufderGrund- läge der Grundsätze der Partei und der Zu- geHörigkeit zur sozialdemokratischen Or- g a n i s a t i o n. Wenn von den Gewerkschaften, sei es von dem Teil, der der Partei formell nicht angehört, oder sei es auch von Gewerkschaftlern, die sich nominell zur Partei be- M kennen, auf Grund angeblicher gewerkschaftlicher Interessen und Forderungen Grundsätze aufgestellt oder eine Taktik vorgeschlagen werden sollte, die m i t d e n Grund- s ä tz e n und den Richtlinien der Partei in Widerspruch stehen, so wäre es doch n a ch d e r ganzen Geschichte, der g a n z e n T r a d i t i o n und der ganzen E x i sten z m ög l i ch ke i t der s o z iald e m o k r a- tischen Partei s e l b st v e r st ä n dl i ch, daß diesen Be- einflussungsversuchen unmöglich Rechnung gc- tragen werden könnte. Es ist deshalb eine mit aller Entschiedenheit zurückzuweisende Forderung zwar nicht der Gewerkschaften, aber der M i t g Ii e d e r der G e n e r a l k o m m i s s i o n und vielleicht auch weiterer Gewerkschafts f ü h r e r kreise, daß die sozialdemokratische Partei sich uicht auf sozialdemokratische Grundsätze und die ganze sozialdeinokratische Praxis der vor- gangenen Jahrzehnte zu stützen habe, sondern ausgerechnet auf den im Wirbelsturm sich überstürzender Ereignisse gefaßten Zufallsbeschluß vom 4. August, einen Beschluß, der in einer ganz besonderen Lage und o b n e Befragung der großen Masse der Partei- genossen gefaßt wurde. Die sozialdemokratische Partei muß die Forderung, daß die Gewerkschaften an der Politik des 4. August von 1914 unter allen Umständen festhalten müssen, deshalb als einen Eingriff in das legitime Selbst- bestimmungsrecht der sozialdemokratischen Partei mit aller Entschiedenheit ablehnen. Ueber die Politik der sozialdemokratischen Partei besinn- men die Parteigrundsätze und die Massen der sozialdemp- kratischen Partes, deren Vertreter sich nach ausgiebiger Aus- spräche auf den Parteitagen zusammenzufinden haben. Die Wünsche der Gewerkschaftsgenossen haben alles Gehör zu beanspruchen, soweit sie im Namen von Partei- genossen innerhalb sozialdemokratischer Organisationen vertreten sind- E i n V e to d e r G e> werkschaften als solch er gibt es nicht! Erst recht nicht aber eine Beeinflussung der Parteitags- und Partei» beschlüsse durch einen Kreis von Gewerkschafts s ü h r c r n, von denen überdies in keiner Weise feststeht, mit welchem Rechte sie sich in diesem Falle als Wortführer der den Gewerk- schaftsorganisationen angehörigen Massen auszuweisen vermöchten. Denn politische Diskussionen und Aus- sprachen der notwendigen Art finden ja innerhalb der Gewerkschaften nicht statt. Beachtliche Beschlüsse größerer Massen von Parteigenossen können also n u r innerhalb der zuständigen Parteiorgani- s a t i a n e n gefaßt werden. Sehr zu Unrecht beruft sich auch die Generalkommission auf den Beschluß des Mannheimer Parteitags. Denn dieser Beschluß räumte keineswegs der Generalkom- Mission das Recht ein, neben dem Parteivorstand als gleich- berechtigte Institution der Partei ihres Amtes zu walten, sondern er besagte nur, daß bei gemeinschaftlichen Aktionen (es handelte sich dabei speziell um den politischen Massenstreik), die ein einheitliches Vorgehen erheischten, die Zentralleitungen der beiden Organisationen sich zu verständigen hätten. Dann aber hieß es: „Um aber jene Einheitlichkeit des Denkens und Handelns von Partei und Gewerkschaft zu sichern, die ein unentbehrliches Erfordernis für den siegreichen Fortgang des ..... bildet, ist es unbedingt notwendig, daß die gewerkschaftliche Bewegung von dein Geiste der Sozialdemokratie erfüllt werde. Es ist daher Pflicht eines jeden Sozialdemokraten, in diesem Sinne zu wirken." Zur Voraussetz llng der Zusammenarbeit wird also die Einheitlichkeit der Arbeiterbewegung in einem ganz genau umschriebenen Sinne gemacht. Und daß darunter nicht etwa der heute grassierende Geist des Umlernens und des Sich- anpassens an die bürgerliche Gesellschaft verstanden wird, be- weisen zur Genüge die Verhandlungen des Mannheimer Parteitags! die Vorgänge in Saloniki. Paris, 15. Januar.(W. T. B.) Dem„Petit Parisien" wird aus Saloniki gemeldet: Die Säuberung Salonikis wird fortgesetzt. Weitere Personen, darunter zwei Frauen, wurden unter der Beschuldigung, daß sie Spionage getrieben, Waffen ver- steckt und dem Feinde Nachrichten über Truppenbewegungen gegeben hätten, auf die Schiffe gebracht. Zahlreiche sehr interessante Pa< piere wurden beschlagnahmt. darzilai über üen Aufammenbruch Montenegros. Bologna, 13. Januar.(W. T. B) Meldung der„Agenzicr Slesani". In einer Rede vor der Bereinigung pro Patria hob der Minister ohne Poriefeuille, Barzilai, die Gewitzheit und die Notwendigkeit eines grohen Erfolges der nationalen Anleihe her- vor. Er sprach sodann von den Ereignissen am Balkan und sagte: Der Z u s a m in e n b r u cb Serbiens und derjenige Monte- negroS. der unglücklicher weife beinahe unvermeidlich ist, vermehren nach demjenigen Belgiens seltsam die harten Aufgaben des Vierverbandes, wenn der Sieg unfehlbar die Erfüllung aller Aufgaben sowohl der geistigen wie der sittliche» bedeuten toll, die zusammen mit der Verteidi- gung der politischen und wirtschaftlichen Interessen in erster Linie den Krieg rechtfertigen. Der traurige Epilog heule ist schon lange unabwendbar be- schlössen worden, als angesichts der klar ausgesprochenen deutsch- österreichischen Umtriebe im Orient den Alliierten ein gemeinsamer und voraussehender Balkanplan fehlte, wie dies der Minister eines alliierten Staates offen zugegeben hat. Ein anderer Minister hat schon voller Lohalität anerkannt, dag keineswegs Italien am meisten für den Mangel an Voraussicht der sich vorbereitenden Er- eignisse verantwortlich ist. ES war also eine grojze Illusion, zu glauben, daß man nach der Niederlage Serbiens durch späte und nicht im Ber- hältnis stehende Hilfeleistungen das Schicksal Montenegros würde ab- wenden können und eine sehr große Illusion, daß man den Lovcen ent- setzen könnte, ohne das gesamte benachbarte Königreich zu retten, Die Hilfe in letzter Stunde fehlte ihm nicht, aber man konnte ihr nicht vor seinem Tewisien eine entscheidende Wirksamkeit znsprechen. Wenn die vorübergehende Vergewaltigung dieses heroischen Landes ohne Zweifel auch einen schmerzlichen Schick salsschlag in der gemeinsamen Bilanz darstellt so kann doch die Ueber- schätzung der Bedeutung des Lovcenberges. die fremden Strömungen oder unseren irrtümlichen Eindrücken zuzuschreiben ist, nicht vor der Prüfung durch die Wirklichkeit besteben.... Wenn die Mittel zur völligen Rettung von Montenegro— die 200 000 bis 300 000 Mann erfordert hätte und eine vielfach so große Anstrenguliz, um mit ihnen in Verbindung zu bleiben— so wäre der Lovcen, ob bewaffnet oder unbewaffnet, doch mit dem übrigen Eiclände in die Hände des Feindes gefallen. Der unausbleibliche sieg der Waffen der Alliierten wird die Ergebnisse dieses kühnen Handstreiches ebenso zu Nichte machen wie die anderen bemerkenS- werteren, die der Feind aus der Notwendigkeit heraus, den Frieden zu beschleunigen, ausgeführt hat. Damit aber die unbestreitbare lleberlcgenheit der Möchte deS VicrverbandeS an Menschen, wirt- schastlichen und finanziellen Hilfsmitteln und Schiffen nicht wirkungslos und vergeblich wird, ist ein enges, dauerndes, unzerstörbares einheitliches Vorgehen erforderlich. Die jetzigen Ereignisse sind die unvermeidliche Folge von Fehlern einer Zeit, die der Vergangenheit an- gehört. Aber glücklicherweise weisen viele Anzeichen darauf hin, daß die Auffaffung von einer einzigen Front, von einem einzigen Krieg und eiucm gemeinsamen Schicksal unter der Wirkung der schmerz- lichen Erfahrung große Fortschritte gemacht hat... Der französische Tagesbericht. Paris, 15. Januar.(W. T. B) Amtlicher Bericht von Freilag nachmittag. Schwache Artillerietätigkeit während der Nacht. Südlich von der Somme im Abschnitte von LihonS griff eine unserer �itronillen eine deutsche Patrouille an, die enlfloh und zwei Tote und einen Verwundeten liegen ließ. In der Champagne nahmen wir deutsche Truppen in den Verbindung»- gängen und Schützengräben am Hügel von MeSnil unter Feuer und zerstreute» sie. Paris, 15. Januar.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von Freitagabend. In Belgien hat da? auf die feindlichen Werke rördlich von Steenstraate gerichtete Feuer unserer Artillerie zwei starke Explosionen hervorgerufen. Nördlich der AiSne haben wir einen ProvianttranSport in dem Abschnitt Chivh nordöstlich Vailly unter Feuer genommen. Südlich von Berry au Bac ließen wir bei dem Hügel 103 eine Mine springen, die die Minenarbeiten des Gegners vernichtete. Zwischen de» Argonnen und der Maas haben unsere großkalibrige» Geschütze ein feindliches Blockhaus in der Gegend von Farges zerstört. Belgischer Bericht: Artilleriekampf, besonder» im Zentrum des belgischen Abschnittes. Der Bombenkampf wurde in der Gegend von steenstraate wieder aufgenommen. Der rusilsihe Generalsiabsbericht. Petersburg, IS. Januar. fW. T. B.) Amtlicher Bericht vom 11. Januar. Westfront: Keine Veränderung. Kan kasusfront: Im Laufe der Kämpfe an dieser Front haben wir mehr als 800 Mann. 1 Geschütze und ein« Menge MunitionS listen erbeutet. Eine kurdische Abteilung, die in die Gegend nordwestlich von Ardjisch vorgestoßen war, wurde nach Osten zurückgeworfen._ Melöung der italienischen Heeresleitung. Rom, 15. Januar. kW. T. B.) Amtlicher Kriegsbericht vom Freitag. Im Abschnitt zwischen der Sarca und der Etsch besetzten ivir zum Schutze von Loppio am Eingang des CrestataleS gelegene Stellungen und befestiaien sie. Im Terragnolotale fuhr die feindliche Artillerie am 12. fort, Brandbomben zu schleudern. ohne uns Schaden zuzufügen. In dem bergigen Abschnitt nördlich vom Suganalal führle die Tätigkeit unserer Abteilungen zu einigen für uns günstigen Zusammenstößen mit feindlichen Gruppen. Im Hochcordevole wurde die Anwesenheit de» Gegners in Zorz fest- gestellt. Unsere Artillerie beschoß das Dorf, setzte es in Brand und iiieb die Truppen, die es besetzt hielten, in die Flucht. Die militä- reichen Werke auf dem Predilpaß wurden gleichfalls mit gutem Er- iolge von uns unter Feuer genommen. Auf dem Karst zeigte die feindliche Artillerie, die von der nnserigen systematisch bekämpft wird, gestern weniger Tätigkeit. Die Befestigungsarbeiten wurden fort- gefetzt. General C a d o r n a. Meldung des türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 15. Januar.(W. T. B.) Das Haupt- a uar tier ineldet von der K a u ka s u s f r o n t: In der Nacht zum 10. Januar begann der Feind zunächst mit ge- ringen Kräften Angriffe und Ueberfälle gegen die linke Flanke unseres Zentrums. Diese Versuche wurden abge- ichlagen. Der Feind ging vom 1l. und IL. Januar ab mit neuen Verstärkungen zu einer allgemeinen Offensive auf einer Front von 150 Kilometern zwischen dem Karadaghberg sudlich vom Arasflutz und Jchhan südlich von Milo vor. Die Kämpfe, die sich dort seit nahezu fünf Tagen in heftigster Weise entwickeln, nehmen einen für uns günstigen Verlauf dank der unvergleichlichen Tapferkeit unserer Soldaten, die in fast allen Abschnitten zum Gegenangriff übergehen. Nach dem zuletzt eingetroffenen Berichte läßt sich der Verlauf der in jedem Abschnitt gelieferten Kämpfe wie folgt zusammen- fassen: Erstens: Die am 9., 10. und 11. Januar wiederholt von den Nüssen mit geringen Kräften in dem Abschnitt der Gegen- den von Jchhan bis zum Lauf des Jd unternommenen An- griffe wurden von unseren Truppen mit dem Bajonett ab- gewiesen. Sie töteten Hunderte von Feinden. Zweitens: In der Nacht zum 12. Januar griff der Feind mit starken Kräften die vorgeschobenen Stellungen in dem Abschnitt zwischen dem Arasfluß und dem südlich davon ge- legenen Berg Karadagh an. Unsere Truppen, die sich hier vierfach überlegenen Kräften gegenüber befanden, begegneten den feindlichen Stürmen nicht nur mit Festigkeit, sondern gingen an einzelnen Punkten zum Gegenangriff über und fügten dem Feinde schwere Verluste zu. Am 13. Januar vor- mittags wurde ein vom Feinde unternommener heftiger An- griff nach einem erbitterten Kamps zwischen der beiderseitigen Infanterie und der beiderseitigen Artillerie von uns mit kräftigem Feuer empfangen. Er scheiterte vollkommen. Am Nachmittag griff der Feind von neuem alle unsere in diesem Abschnitt gelegenen vorgeschobenen Stellungen an. Die Russen, die in einige unserer Schützengräben hatten ein- dringen können, wurden mit dem Bajonett abgewiesen. Drittens: In der Nacht des 11. Januar griff der Feind unsere Stellungen in dem Abschnitt zwischen dem Nordlauf des Aras bis zum Narmanpaß an. Ein Teil der vorgescho- benen Stellungen befindet sich auf dem östlich von Azab ge- legenen Hängen, die der Feind besetzt hatte. Er wurde im Anschluß an unsere Gegenangriffe wiedererobert. Wir fügten dem Feinde bei dieser Gelegenheit ziemlich schwere Verluste zu und erbeuteten eine große Menge von Waffen und zwei Ma- schinengewehre. Eine unserer Abteilungen, die von über- legenen feindlichen Streitkräften nördlich Kizlar Kale um- zingelt wurde, schlug sich tapfer durch die feindliche Linie durch und zog sich in ihre alten Stellungen zurück, indem sie den Russen gleichzeitig ziemlich schwere Verluste zufügte. Am 13. Januar nachmittags mußte der Feind nach einem von uns gegen ihn gerichteten Angriff östlich Azab einen Teil seiner Stellungen aufgeben. Ein anderer Angriff, den wir nord- östlich von dieser Gegend und östlich von Kizlar Kale aus- führten, konnte infolge eines Schneesturms nicht weiter ge- führt werden. Viertens: In der Nacht des 12. Januar beiderseitiges Gewehrfeuer und Bombenwerfen in dem Abschnitt zwischen Narmanpaß und Jchhan. Ein Uebcrfall des Feindes am 2. Januar vormittags bei Arab Gadog wurde abgeschlagen. Die Russen verloren über hundert Tote. Am 13. Januar führten zwei russische Angriffe bei Karadagh südlich Kegig zu einer vollkommenen Niederlage des Feindes. Im Verlauf des letzten Kampfes warfen sich unsere Offiziere mit dem Revolver in der Faust und unsere Grenadiere mit Hochrufen unter den Klängen der Nationalhymne auf die feindlichen Truppen und zwangen sie zu einer regellosen Flucht. Die in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen erklären, daß in den viertägigen Kämpfen jedes ihrer Regimenter zum mindestens achthundert Mann Tote gehabt habe. An den anderen Fronten keine Veränderung. �Die Freiheit der Meere*. Berlin, 15. Januar.(2B. T. B.) Das englische„Foreign Office" verbreitet folgende Nachricht: Vor einiger Zeit schon seien Einzelheiten veröffentlicht worden, welche zeigten, daß die Deutsche Regierung die„Freiheit ber Meere" nach ebendenselben Prinzipien handhabte, deren Ver- letzung sie der englischen Regierung vorwerfe. ES werde daran er- innert, daß schwedische Schiffe mit Klarierungspapieren in schwe- discher und deutscher Sprache versehen sein müßten, auch müßten die schwedischen Zollbehörden die Abfahrt von Schissen aus Schweden telegraphisch nach Berlin melden und müßten gleichzeitig mitteilen, daß dies« Schiffe keine Bannware als Laoung führen. Jetzt zeige sich, daß schwedische Schiff« trotz dieser Maßregel häusig mit einer Prisenbesatznng nach Swinomünde geschickt würden» wo sie sich einer Untersuchung von mindestens 48 Stunden zu unter- ziehen hätten. Seit Einrichtung der Untersuchungsstelle in Swine- münde seien so etwa 500 bis 600 Schiffe untersucht worden. Eine Untersuchung finde jedoch dann nicht statt, wenn die Papiere in Ordnung seien. Obgleich nun dieses Resultat auch am Sund von den Offizieren der deutschen Wachboote erreicht werden könnte, würden dennoch die Schiffe gezwungen, nach Swinemünde zu laufen. Man habe den Zweck dieser Einrichtung noch nicht ganz durch- schaut, sckwedische Kapitäne glaubten jedoch, die Einrichtung sei ge- schaffen, um den nordischen Nationen auf diese Weise die deutsch- Seegewalt vor Augen zu führen. Bei der deutschen Regierung sollten viele Reklamationen einge- laufen sein, durch ivelche Schadenersatz dafür verlangt würde, daß Schiff« nach Swinemünde hätten einlaufen müssen, obgleich sie mit Freigut beladen gewesen seien. Von besonderer Seite wird dem W. T. B. hierzu geschrieben: Es erübrigt sich eigentlich, auf diese englische Anzapfung einzu- gehen, denn wer lesen kann und verstehen will, versteht auch ohne Kommentar. Die Nachricbt ist jedoch in einem Punkt nicht un- wichtig. Bekanntlich hat die englische Regierung über Deutschland eine sogenannte Blockade verhängt. Ist es da nicht recht merk- würdig, daß die englische Regierung nun selbst veröffentlicht, daß etwa 600 bis 600 Schiffe von deutschen Seestreitkräften nach einem deutschen Hafen eingebracht worden seien? In dankenswertester Weise illustriert die englische Regierung hierdurch ihr am Tag« vor dieser Veröffentlichung erschienenes Weißpapier, indem sie offen zugibt, daß die englisch« Blockade weder effektiv sei noch jemals effektiv werden könne. Wenn im übrigen die englische Regierung, die allem Anschein nach endlich an die Beantwortung der amerikanischen Note vom 5. November denkt, noch einen Präzedenzfall sucht, um damit den Vorwurf der Seeräuberei abzuschwächen, so kann darauf hinge. wiesen werden, daß die von deutscher Seite erfolgte Ausübung des ?lnhaltungS- und Durchsuchungsrechts und der Untersuchung in Swinemünde hierzu ganz und gar nicht geeignet sind. Die oeut- scheu Seestreitkräfte üben das ihnen zustehende Recht nur nach Maßgabe des bestehenden Völkerrechts aus, und die Anweisungen, die sie haben, unterscheiden sich in ihrem Inhalte durch nichts von der Instruktion, die die amerikanischen Seestreitkräfte während des Bürgerkrieges hatten. Die Mitteilung dieser Instruktion an die englische Negierung ist in dem Appendix I zur anieri. konischen Note erfolgt, deren Veröffentlichung jedoch bezeichnenderweise in den englischen Zei- tungen unterblieben ist. Kriegskritik. In einer die Lage der kriegführenden Länder behandelnden Artikelserie kommt das sozialdemokratische Züricher„Volks- recht" vom 3. 1. zu dem Ergebnis, daß ein baldiger Friedens- schluß ebenso sehr im Interesse der Mittemächte wie deren Gegner liege, entwirft aber von der militärischen Lage der Mittemächte folgendes Bilo: Welches ist, nüchtern und unparteiisch gesehen, die militärische Lage, und welche Aussichten verspricht sie? Die Waffen der Mittemächte sind bisher im Westen wie im Osten erfolgreich gewesen. Die Niederwerfung Serbiens ist ihr neuester, nicht zu unterschätzender Triumph. Der Triumph liegt ebensosehr auf militärischem, wie auf po- litischem und wirtschaftlichem Gebiete. Die serbische Armee ist schon jetzt zum größten Teil vernichtet oder gefangen. Und zu diesem Minus für den Verband kommt als Plus für den Zweiverband der Anschluß der bulgarischen Armee— gut 400 000 Mann— und die Nutzbarmachung oer türkischen Volksiräfte durch die nunmehr ge- sicherte Zufuhr von Waffen und Munition. Die Türkei kann nun» mehr offensiv eingreifen. Der politische Erfolg liegt in der dauern- den Neutralität Griechenlands und Rumäniens. Wenn aber den- noch diese Mächte zu den Waffen greifen sollten, so sicherlich nicht gegen die Mittemächte. I Der Balkanfeldzug ist für den Verband ver- f o r o n. Selbst wenn er, was kaum wahrscheinlich, eine halbe ! Million Truppen nach Saloniki, Albanien oder Tcdeatzatsch au»- schiffte(und welche Ersatz- und Verpslegungsschwierigkeiten würde das kosten, obendrein bei der Unsicherheit der Transvortschisfc im Mittelländischen Meer, aber auch bei dem ungeniertesten Verkehr), würden sie den Feind höchstens von Aktionen in Asien abzulenken vermögen, ihn niemals aber ernstlich bedrohen, geschweige die so wichtige Verbindung zwischen Wien und Konstantinopel wieder unterbrechen können. Auch etwaige vorderasiatische Expeditionen des Verbandes würden im besten Falle reinen Defensivcharakier tragen, niemals aber eine Niederwerfung auch nur der Türkei er- möglichen. Sind aber die Siegesaussichten des Verbandes auf den anderen Kriegsschauplätzen günstiger? Italien müht sich seit dem Mai vergebens, die österreichische Front zu durchbrechen. Die winzigen Fortschritte, die es bisher gemacht, stehen in keinem Verhältnis zu seinen gewaltigen Ver- lusten. Sicherlich kann Italien sagen, daß seine Offensive wenigstens durch Fesselung einer gewissen Truppenzahl seinen Verbündeten genützt habe. Aber, selbst wenn Italien unter enormen Opfern noch Äörz und Trieft, nach Riva und Trient gelangen sollte— hieße das etwa eine Entscheidung des Krieges herbei- führen? Aber auch wenn Italien letzt endlich ein paar hundert- tausend Mann nach Albanien, Saloniki oder Äleinasien schicken sollte— an dem schweren Mißerfolg des Balkanfeldzuges vermöchte es nichts mehr zu ändern. Nehmen wir die Westfront. Die letzte Offensive JoffreS doch nach der denkbar stärksten Artillerievorbereitung und mit ge waltigen Heereskräften aus breitester Front unternommen, ist, alc Durchbruchsversuch betrachtet, nicht minder gescheitert als alle früheren Experimente der gleichen Art. Und das, obwohl sie zu un- erwartetem Zeitpunkt kam, in einem Augenblick, wo man die beut- schen Verteidigungslinien erheblich geschwächt hatte, um die serbische Offensive durchzusühren. Wenn Joffre seine neue Offensive unter- nimmt, wird er noch stärkere und zahlreichere Schanzwerke nieder- ukämpfen. beträchtlich verstärkte Truppenmassen zu zersprengen oben. Aber selbst wenn wider Erwarten nach ungeheuren sran- zösischen Verlusten da oder dort ein wirkliches Durchstoßen sämt- licher deutscher Staffelungen gelänge— wäre das wenigstens die sichere Bürgschaft des„Sieges'? Was es mit dem Aufrollen einer so ungeheuren und von Millionenheeren verteidigten Front auf sich hat, das hat ja selbst Deutschland in Galizien und Polen er- leben müssen. Obendrein würde Deutschland nicht unter dein Munitionsmangel leiden, der zur russischen Katastrophe in Galizien geführt hat. E»n französischer Versuch, in Nordfrank- reich die Entscheidung zu erzwingen, würde aller Voraussicht nach Frankreich nur viele hundert- tausend Tote und Verwundete kosten, aber keinen ernst lichen Gewinn eintragen. Und im O st e n? Rechnen wir mit dem für Rußland günstigen Fall, daß es bis zum Frühjahr seine Armeen retabliert und so reichlich mit Ersatzmannschaften aufgefüllt hat, daß es zu einer ernstlichen Offensive großen Stils übergehen könnte. Starke Kräfte müßte es ja außerdem noch gegenüber Bulgarien, der Türkei in Europa und im Kaukasus, Persien und Afghanistan mobil ballen — aber rechnen wir immerhin mit der Möglichkeit einer starke» Kraftentsaltung gegen die deutsch-österreichischen Truppen. Würde aber diese russische Offensive mehr Erfolg versprechen als die fron- zösische? Kaum, denn nach dem siegreich beendeten serbischen Feld- zug kann die Besetzung des okkupierten Landes und die Abwehr der etwaigen Angriff« des Verbandes ziemlich restlos Bulgarien und der Türkei überlassen werden, so daß die starken tn Serbien ver- wendeten Streitkräfte der Mittemächte bald abgelöst sein werden und an jeder anderen Front gesetzt werden können. Es könnte deshalb umgekehrt sogar zu einer neuen energischen deutsch-östcr- reichischen Offensive roinlnen! Ist aber für den Augenblick und die nächsten Monate kein Erfolg gegen die Mittemächte zu erwarten, worauf hofft man denn sonst? Auf die Aushungerung Deutschlands? Darauf hoffen ein- sichtigere Gegner Deutschlands schon lange nicht mehr. So ba: zum Beispiel der Senator Charles Humbert in„Le Journal" über dies« Dinge so verständige und aller Illusionen bare Ausführungen gemacht, daß wir seinen Artikel einfach abschreiben könnten. Aber wir wollen uns kurz fassen und nur kategorisch erklären: An Hunger und Munitionsmangel ainge Deutschland nicht zugrunbo und wenn der Krieg noch diverse Jahre dauerte. Fette und einzctne Nahrungsmittel sind knapp, aber am Nötigsten mangelt es nicht. wenn auch die Preise erheblich gestiegen sind. Aber diese Preis» steigerung ist in allen kriegführenden Ländern zu beobachten. Ebensowenig aber sollte man sich im Vertrauen auf die un. bestreitbar vorhandenen russischen und zum Teil auch englischen Mannschaftsreserven auf den unausbleiblichen Erfolg des„A u s- reibungs- und Erschöpfungskrieges" verlassen. Auch vor solcher Selbsttäuschung hat ja Humbert bereits eindringlich geivarnt. Deutschland verfügt noch über Millionen unausgebildeier Wehrfähiger, die ins Feld geschickt werden können, und in Oester- reich-Ungarn steht's nicht anders. Einem Aufreibungskrieg würden also die Mitte in ächte sicherlich ebenso lange wider st ehe n könnenwieFrankreich, aufjedenFallaberlänger. als die Entente den Krieg moralisch und finan- ziell auszuhalten vermöchte. Wir dürfen das um so rücksichtsloser aus- sprechen, als wir selbstverständlich gar nicht daran denken, etwa umgekehrt die Lage Deutschlands und Oesterreichs schön färben zu wollen. der ,/toatiti* zum französischen Parteitagsbeschluß. In einem Leitartikel bespricht der„Avanti" da» Ergebnis deS jüngsten französischen Parteitages. DaS Zentralorgan der italienischen Partei stellt fest, daß das undemokratische, reaktio- näre Vorgehen der französischen Partei, die den Verlauf des Kongresses hat geheimhalten wollen, niemand wundern könne; es entspreche der Stellung der Partei, die die Mitarbeit der Re- gierung und der herrschenden Klassen angenommen und ihre besten Mitglieder in die Regierung entsandte. Logischerwcise kann die französische Partei sich nicht mehr um den Sozialismus. um das Recht, um die Gerechtigkeit bekümmern und um so weniger ums proletarische Interesse. Das Manifest der französischen Partei wird vom„Avanti" folgendermaßen zusammengefaßt und kommentiert: 1. Die französische Partei hat die Absicht, ihre Politik der Mitarbeit mit der Regierung weiterzuführen. Somit bestätigt die französische Partei die Mitverantwortlichkeit de? französischen Proletariats für die militaristische Politik der bürgerlichen Klassen nicht nur bis zum Friedenschlusse, sondern auch während der Friedensverhandlungen und über sie hinaus, und so wird die französische Arbeiterklasse für alle Folgen verantwortlich gemacht, die der Krieg und die aus ihm entstehenden Verhältnisse auf die innere und äußere Politik haben mögen. Furchtbare Verantwortlichkeit! Wir erinnern daran, daß— und zwar ist eS nicht so lange her— die französisch« Bourgeoisie auf daS begeisterte„Nack; Berlin! Nach Berlin!" sich nach Versailles hat zurückziehen müssen, und die Pariser Plebs hat die Kommune gemacht. Würde sich der Fall wiederholen, mit wem wären die Sozialisten der „union sacree"(helligen Einheit), mit Thiers oder mit den Kommunarden? 2. Tie französische sozialistische Partei, die an der Regierung der Nation teilnimmt, hat ihr Programm der internationalen Politik festgestellt. Befteiung der kleinen, unterdrückten Völker, Reannexion bort Elsaß-Lothringen unier Gewährung des Rechts auf Referendum, internationale Schiedsgerichte lusw. Dieses Programm, könnte jedoch von den Regierenden, mir denen die französische sozialistische Partei mitarbeitet, auch nicht angenom- men werden. In wessen Namen haben die Minister Gucsde, Sembat und Thomas gesprochen, als sie sich an der Tiskussion beteiligten und darauf drängten, daß die Delegierten ihre Mit- arbeit an der Regierung unter den erwähnten Voraussetzungen gutheißen? Sind die Denhs Cochin, die Gallieni und die Me- lincs, die Reaktionäre von gestern, heute die Mitarbeiter der Sozialisten im Ministerium, sind auch sie für ein solches Pro- gramm der internationalen Demokratie? Wird dieses Pro- gramm mit allen seinen Konsequenzen auch von der englischen Pluwkratie und der russischen Autokratie angenommen? Oder haben die französischen sozialistischen Minister den französischen Proletariern das Bärenfell verkauft? 3. Die französische sozialistische Partei hat als Bedingung für die Wiederaufnahme der sozialistischen Beziehungen und speziell für die Wiederaufnahme brüderlicher Beziehungen mit den deut- schon Sozialisten die Forderung aufgestellt, daß die deutschen Sozia- listen endgültig und in augenscheinlicher Weise ihre Beziehungen zum Kaisertum aufgeben und seine Annexionsgelüste desavouieren. Haben sich die französischen Sozialisten zufällig gefragt, ob die deutsche Minorität nicht das Recht hätte, ihrerseits dieselben Garam tion zu verlangen? Nur sehr berechtigt ist die Forderung, die deutschen Sozialisten sollten den Imperialismus desavouieren; aber müssen die Franzosen mit dem ihrigen nicht ebenso verfahren? Und wie könnten sie es tun, wenn sie an derjenigen Regierung der bürgerlichen Republik teilnehmen, die nach ihrc�n eigenen Urteil an der schrecklichen Lage, in der sich Europa befindet, mit- verantwortlich ist, sei es auch indirekt? Umsonst wollen die französischen Sozialisten, die an der mili- taristischen Regierung ihrer Nation teilnehmen, sich zu Richtern aufspielen. Die schweren Beschuldigungen, die sie selbst stets gegen das bürgerliche Frankreich erhoben haben, bilden ein er- drückendes Anklagcmaterial, welches sie aus die gleiche Anklagebank mit den kaisertreuen Sozialisten setzt. Wohl werden sie aus mildernde Umstände plädieren können, und die Internationale wird sie ihnen zusprechen können, aber die französischen Sozia- listen werden es nicht verhindern, daß das internationale Prole- tariat sie schuldig spricht desselben Verbrechens, dessen die deut- schen Sozialisten von den französischen angeklagt werde, r. Nur diejenigen, die unbeugsam auf dem Boden des Klassen- kämpfe? geblieben sind und ausdrücklich jede Solidarität mit der eigenen Bourgeoisie abgelehnt haben, dürfen heute die Beschuldi- gung erheben, die alle Mitschuldigen am schrecklichen, Verhängnis- vollen Morde trifft. Umsonst aber wollen die französischen Sozialnationalisten, die allen Reaktionären die Hand bieten, sich als Hüter der revolutio- nären Traditionen gebärden. Diese Traditionen haben sie verleug- net. Tie Thomas und die Scmbat, die unter dem Segen der Frei- maurerei ihre Hand und ihre Unterstützung den Helden von Four- mies und den Strategen von Farafat bieten, appellieren vergebens an die abstrakten Grundsätze der Moral und der Gerechtigkeit. Nur die wenigen, die in Paris für Zimmerwald gestimmt, sind mit jener Tradition, mit jenen Grundsätzen. Aber sind die Zimmerwaldcr so wenig zahlreich in Paris? Verleumdungen der„Dailp Mail". Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt unter der Ueberschrift: Schmähliche Verleumdungen: Die kaiser- liche Negierung hat dem hiesigen amerikanischen Botschafter fol- gende Aufzeichnungen zur Uebermittelung an die britische Regie- rung übergeben: In der englischen Zeitung„Daily Mail" vom 7. und 9. Sep- fem der 1915 finden sich zwei Artikel einer„Gefangenenerzählun- gen"(Prisonerö' Stories) überschriebenen Artikelreihe, in denen über angeblich unwürdige und grausame Behandlung von Ge- sangenen in den Lazaretten in Mülheim an der Ruhr und in Paderborn berichtet wird. Nack dem Artikel vom 7. September soll ein aus Winnipeg stammender Kanadier in dem Lazarett in Mülheim gelegen und am eigenen Leibe erfahren haben, daß dort zwar die Einrichtung gut, die Behandlung aber sehr schlecht gewesen sei. Schwerkranke hätten im strengen Winter kalte Bäder tm Freien nehmen müssen, Verbände seien am Körper gelassen worden, bis sie üble Dünste verbreiteten; hilflose Kranke seien rauh behandelt worden uird wenn ihre Verbände gewechselt wur- den, seien sie mit roher Gewalt von den Wunden heruntergerissen worden. Mülheim a. d. Ruhr würde der in Rode stehende Kanadier sobald nicht vergessen. Die von der deutschen Heeresverwaltung über diesen Fall eingeleiteten Ermittelungen haben das Ergebnis gehabt, daß sich in Mülheim a. d. Ruhr niemals ein Mann aus Winnipeg und überhaupt kein Kanadier in Lazarettbehandlung befunden hat. Schon hieraus ergibt steh ohne weiteres die Unwahrheit der Mel- dung in t>er„Daily Mail". Am 9. September berichtete dieselbe Zeitung, daß ein junger Mann namens H. Lees aus Britisch Columbien vom kanadischen Kontingent in ein Lazarett in Paderborn gebracht worden sei, wo er einige Wochen zugebracht habe, dann sei er nach dem Senne- lager übergeführt worden. In dem bezeichneten Lazarett sollen die Aerzte die englischen Gefangenen nach seinen angeblichen Mit- teilungen stets ohne Betäubung operiert haben; auch ihm sei ein Auge ohne Betäubung herausgenommen worden. Diese Meldung hat gleichfalls Anlaß zu einer genauen Unter- suchung gegeben, wobei folgendes festgestellt worden ist: Ein Soldat Harald Lees vom 3. Kanadischen Infanterie- Bataillon, Maschinengewehr-Kompagnie. ist in dem Reservelazarett in Paderborn vom 7. Mai bis 2. Juli 1915 ärztlich behandelt worden. Bei seiner Einlieferung war das rechte Auge bereits ent- scrnt. Irgendwelche Operation ist an dem Mann in Paderborn überhaupt nicht vorgenommen worden, es wurde ihm lediglich nach Ausheilung der Wunde ein künstliches Auge eingesetzt, worauf er als genesen in das Sennelagcr übergeführt wurde. Die sämtlich n in den Lazaretten in Paderborn tätigen Aerzte haben gegen die Behauptung, daß an den gefangenen Verwundeten irgendwelche Operationen ohne Betäubung vorgenommen würden, auf das nachdrücklichste Verwahrung eingelegt. Bei allen größeren Operationen wird die Narkose und bei kleineren stets eine örtliche Betäubung angewandt. In der Behandlung der deutschen und der gefangenen feindlichen Verwundeten wird nicht der geringste Unterschied gemacht. Diese Erklärung der Aerzte ergibt somit einwandfrei, daß die iwi! der„Daily Mail" veröffentlichten Behauptungen eine schmäh- liche Verleumdung sind und offenbar nur bezwecken sollen, den Haß des englischen Volkes gegen Deutschland zu schüren. Artikel, wie die hier besprochenen, liefern den traurigen Beweis dafür, daß die englische Presse in diesem Bestreben selbst die verwerflichsten Mittel nicht scheut. Die Unruhen in gunnan. Peking, 19. Januar 1916.(W. T. B.) lieber die Unruhen in slluiwran wird uns aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt: Die Zivil, und Militärgouverneure der Provinz Dunnan, Tang Chi-yao und Jen Ko-cheng, welche seinerzeit die monarchistische Bewegung eifrig unterstützt und den Präsidenten miederholt telegraphisch ersucht haben, den Thron zu besteigen, hatten seit der Rückkehr des Generals Tsai Au aus Japan plötzlich ibre ursprüngliche Ge- sinnung geändert und sich gegen die monarchistische Regierungs- form gestellt unter dem Vorwand»» es sei zu befürchten- daß durch die Wechsel der Regierungsform die National- ' würde und die HoheitSrcchte Chinas wegen der abratenden � Haltung gewisser auswärtiger Mächte leiden könnten. Infolgedessen i sind die beiden Gouverneurs ihrer Aemter enthoben worden, und | General Tsao Kuen wurde beauftragt, den ersten Strafzug gegen i sie zu führen. Es ist jetzt festgestellt worden, daß Vunnan infolge des j Mangels an nötigen Mitteln die aufständische Bewegung nicht fort- | setzen kann. Die Anwerbung ist ergebnislos ausgefallen, und der Provinz wird die Zufuhr von der Außenwelt abgeschnitten. Jeder Widerstand ist unmöglich. Alle anderen Provinzen bleiben ruhig. politische Uebersicht. Aus dem Reichstage. Im Reichstage trat am Sonnabend nach den Vorhand- langen über die Kriegsbesoldungsordnung ein Vertreter der Parteien nach dem anderen aus, um im Namen seiner Freunde Sühne für den„Varalong"'Fall zu verlangen. Graf W e st a r p begann als erster den Reigen. Ihm folgten N o s k e für die Sozialdemokratie, Spahn(Zentrum), Vassermann(Natt.) und Dr. F i s ch b e ck(frs. Volks- Partei). Die Rede Noskes, die von stürmischen Beifalls- äußerungen unterbrochen wurde, fiel so aus, daß Herr Dr. O e r t e l mit Recht konstatteren konnte, es sei ihm unmöglich gewesen, eine neue Betonung bei der Behandlung des.,Baralong"-Falles zu bringen. Nur Genosse Ledebour legte dagegen Verwahrung ein, daß man das ganze englische Volk für die Vergehen einzelner verantwortlich mache und Repressalien ergreife, die Unschuldigen den Tod bringen könnten. Zu Beginn der Sonnabendsitzung wurde der Antrag des Haushaltausschusscs auf Herabsetzung der Grenze für die Alters- Versicherung verhandelt. Neben Genossen Molkenbuhr traten auch die Redner der bürgerlichen Parteien für die Verbesserung ein. Dr. Delbrück sicherte gegenüber diesem einmütigen Wunsche neue Prüfung der Angelegenheit zu. Ab- lehnender verhielten sich die Minister H e l f f e r i ch und v. Wandel und auch die bürgerlichen Parteien gegenüber der von Genossen S t ü ck l e n begründeten Forderung au' Erhöhung gehälter. der Mannschaftslöhne und Revision der Offiziers Direkte oder indirekte Steuer»? Das„Berliner Tageblatt" hat sich mehrmals sehr lebhaft gegen die Forderung eines Zeutrumsblattes gewandt, daß die Bürgerlichen gemeinsam einen Steuerblock gegen die Sozial dcmokratie bilden müßten. Die Haltung, die das bürgerliche Blatt in Steuerfragen einnimmt, führt es aber selbst an die Seite der Konservativen. Die„Kreuz-Zeitung" kennzeichnet das ganz treffend: „Wir sind in der seltenen Lage, da einmal mit dem„Ber- liner Tageblatt" an einem Strange zu ziehen. Das ist uns um so erfreulicher, als dies Blatt sich bekanntlich zum rührigen Verfechter der Forderung gemacht hat, daß zu neuen Lasten im Reiche nichl zuletzt auch der Besiy beranzuzieben sei. DaS „Berliner Tageblatt" glaubt, daß die vohen Steuersätze, die sich durch die neuen Zuschläge für den Steuerzahler ergeben, doch vielleicht nahe an gewisse Grenzen heianstreifen, die der direkten Besteuerung nun einmal durch die Natur der Dinge gezogen seien. ES rechnet mit der Gefahr, daß infolge so hober Steuern die Unter nebmungSlust. der Trieb zum Geldverdienen ermatten könne und so das Steuersystem sich die eigenen Quellen abgrabe. Stelle sich diese Befürchtung als berechtigt heraus, so bleibe nichts übrig, als au indirekte Steuern und Monopole zurückzugreifen. Wir baben zu oft den Vorzug der indirelten Besteuerung betont, als daß wir in den Verdacht kommen könnten, leichtherzig anderen AuSkunftsmiiteln zuzustimmen. Aber wenn unter Ausnabmeverhältnissen die Möglichkeiten eines Steuersystems erschöpft sind, wäre eS widersinnig, aus starrem Doktrinarismus jeden sonst gangbaren Weg abzulebnen." Als geeignete Gegen stände der Besteuerung empfiehlt das Blatt dann die eigentlichen >Genuß"m>ttel. Ob indirekte Abgabe oder Monopol, sei in vielen Fällen nur eine Frage der Form. Auch bei den Monopolen müsse man diejenigen wählen, die nicht sowohl die ärmeren Klassen drückten, als den Bemittelteren ihren„Komfort" der- teuerten. Bei anderen Monopolen ließe sich durch staaV liche Zusammenfassung der Produktion eine Verbilligung der Leistungen herbeiitihren, die dem Staate bei der Abgabe an den Verbrauch zugute käme. Hier nennt das Blatt als Beispiel das Staatsmonopol für elektrischen Slrom. Kürzlich halte schon ein anderes volksparteiliches Blatt dem Monopolgedanken das Wort geredet. Es scheint danach, als ob man heute doch den Sieuerfragen in weiten Kreisen vorurteilsfreier gegenüberstünde. Das wird boffentlich die Lösung der schwierigen Ausgaben erleichtern, die unserer in der Steuerpolitik nach dem Frieden darren." Bei solcher Haltung kann der bürgerliche Steuerblock nur zu leicht Wirklichkeit werden, denn daß die Sozialdemokratie über indirekte Steuern völlig anders denkt, dürfte dem„Berl. Tageblatt" bekannt sein.____ Steuersorgen. Die angekündigten Steuerzuschläge in Preußen haben den Schwärm der großen Steuerzahler in Aufruhr gebracht. An allen Ecken und Enden hört man lebhaftes Murren über die hohen Zu schlage, die das Vermögen in Gefahr bringen und das Einkommen erheblich schmälern sollen. Im„Tag" nimmt der Graf v. Mir- bach« Sorquitten, preußisches Hcrrenhausmitglied, das Wort, um eindringlichst vor einer Erhöhung der Vermögenssteuer zu warnen. Er hat vorbeugend schon vor längerer Zeit an eine Exzellenz einen Brief gerichtet: In dem Briefe wird die Hoffnung ausgesprochen, daß der Friede die Möglichkeit der Entlastung auf dem Gebiete der Vermögenssteuer bringen möge. Und statt dessen ist jetzt durch die Kriegssteuern das Vermögen gleich de», Ein- kommen mit Zuschlägen bedacht worden. Dagegen erhebt nun Mir- bach seine warnende Stimme. ES ist ihm nicht so sehr um die Be- steuerung deS Einkommens zu tun, hier würde er für größere Zuschläge zu haben sein; aber das Vermögen, das gerade beim Groß- grundbesitz eine wichtige Rolle spielt, das soll von der Steuer möglichst verschont bleiben. Um seinen Standpunkt zu recht- fertigen, rechnet Graf Mirbach heraus, daß die Rente auf landwirt- schaftlichen Grundbesitz vielfach nicht mehr als 2>/? Proz. beirage, in schlechten Jahren sogar auf 1 Proz. herabsinke, und daß sich da- bei eine Vermögenssteuer in der jetzigen Höhe nicht rechlfettige. Graf Mirbach kommt über Warnungen nicht hinaus. Er rechnet votläufig noch mit einer„uns zufließenden Kriegsentschädigung", von deren Höhe die künftigen Steuern abhängen würden. Kriegsinvaliden im Eisenbahndienst. Bei der b a d i s ch e n Eisenbahnverwallung haben sich bis zum 15. Dezember v. I. 258 kriegsinvolide Bewerber zur Aufnahme in den Eisenbahndienst gemeldet, die früher in der Privatindustrie und sonstwie beschäftigt waren. Die Generaldireklion hat von den Ge- meldeten 114 eingestellt, 29 an den Kriegsstellennachweis verwiesen, 17 vorgemerkt und 14 abgewiesen. 45 Bewerber haben ihre Gesuche zurückgezogen. 48 Fälle sind noch nicht erledigt. Auch invalide Offiziere sollen im badischen Eisenbahndienst Verwendung finden. wie Zleifthermeister„kalkulieren" Uns wird von einem Fachmann geschrieben: DaS Jammern und Stäbnen der Fleischermeister über„un- geheure Verluste" nimmt kein Ende; es wird noch größer, je mebr ihnen von anderer Seite bewiesen wird, daß sie keine Ursache zu Klagen haben. Um das.beweiskräftig" zu widerlegen, veröffentlichen sie nun Kalkulationen, wonach sie an jedem Stück Vieh große Ver- luste erleiden. Woher sie aber das Geld nehmen, um alle diese Verluste decken zu lönnen. hat noch keiner gesagt. In der„Allgemeinen Fleischerzeitnng" veröffentlicht ein Fleischer- meister eine„Schweine'alkulation", die mit Verlust abschließt. Hier ist sie: Das Lebendgewicht der Schweine betrug 244 Pfd. a 1.96 M.........................- 258,64 M. ab vereinbarte Tara 12,93 245,71 W. Wicgegebübr 9,59, 246,21 M. Geschlachtet gewogen ergab Fleisch mit Kopf und Fuß 191 Pfd, verteilt aus: 28 Pjd. Speck... Psd. 1,89 � 50,49 M. 28„ Bauch..... 1,29= 33,69. 32. Weißbraten.„ 1,49= 44,80, 70„ Div. Fleisch.„ 1,30-- 91,—„ 9. Fett.....„ 1,70= 15,39, 13„ Kopf..... 969= 7.80. 7, Eisbein..., 0,99= 6,80, 4, Spitzbein.., 9,25= 1,—, Eingeweide.............. 8,—, Summa 253,29 M. 258,29 M. Ab für EinHauen, Trocknen usw. 3 Proz.= 7,74, Ab für Geschäftsunkosten(Löbnc, Kost der Leute, Pferde und Fuhr- werk, Steuern und sonstige Ab- gaben(Betrag in meinem Ge- ichäst genau kalkuliert)) pro Pfd. 15 Pf,, diverses Fleisch, das oerverwertet ist............ 26,40, 33,14„ 225,06, Mithin Vertust 21,16 M. ES muß selbst dem Laien ausfallen, daß hierbei nicht alles stimmt. Hat der Mann nichts zur Wurst verarbeitet? Hat er wirk- lich nur die Preise genommen, die er angibt? Selbst wenn er nichts verwurstet hat, wird er nicht die Preise genommen haben, wenn er den ernsten Willen hatte, ohne Verlust zu arbeiten, sondern jene, die der Qualität und den Höchstpreisen entsprechend die Fleischermeister nahmen. Dadurch kriegt die Kalkulation dieses Gesicht: M. Verkauf: Einkauf: 246,21 28 Pfd. Speck..... Pfd. 1,80 M.--- 54,40 M. 25. Bauch...... 1,45,= 35,—. 32, Weißbraten(Karb.), 1,40,----- 44,80, 70„ dtv.FleischlScbinken Kamm u. Schultern, 1,40„---- 98,—, 12, Fett(einschl. fettes Bauchstück, das als Schmalzjetztverk.w.), 1,80„— 21,60„ 13, Kopfu. Backen, falls nicht die Backen zum Schweinebauch oder Speck verwog.werd.)„ 1,19„== 14,30, 7„ Eisbein....„ 0,90,= 6,30, 4, Spitzbein...„ 0,40,— 1,60„ Eingeweide......... 8,—„ Ab Einbauen, Trocknen usw. IVs Proz. Ab für Geschäftsunkosten usw. (wie oben, aber nicht 15 Pf. pro Pfund, was reichlich bemessen ist)..... 284,- M. 284,— - 3,87„ 16,93, 20,80 263,20 Mithin Verdienst 16,99 Statt des Verlustes von 21 M. wird ein Verdienst von 17 M. erzielt I Nun weiß aöer alle Welt, daß die deutschen Fleischermeister gern Wurst machen, weil mehr daran verdient wird. Es wird auch jetzt lieber Schweinefleisch zur Wurst verarbeitet, als roh verkaust; zum mindesten werden bestimmte Stücke gesalzen und geräuchert, weil dafür beim Verkauf höhere Preise verlangt werden können. Unsere Kalkulation zeigt jedenfalls, daß es auch bei den heutigen Preisen für den Fleischer durchaus rentabel ist, rohes Schweinefleisch abzu- setzen; mag auch der Profit etwas geringer sein, als in Friedens- zeiten._ Kriegsbekanntmachungen. Verbot der Versendung feuergefährlicher Gegenstände durch die Feldpost und den Privatpaketverkehr. Die neueste Nummer des„Artneeverordnungs-blattes" enthält folgende Verfügung: Trotz fortgesetzter Warnungen vor der verbotÄvrdrigen Ver- sendung feuergefährlicher Gegenstände durch die Feldpost und int Privatpaketverlehr werden immer noch feuergefährliche Gegen- stände(Streichhölzer, Feuerzeuge mit Benzinfüllung und dergl.) abgesandt. Durch Selbstentzündung deS Inhalts solcher Feldpost- Päckchen sind in letzter Zeit wiederum mehrere Brandunfälle vor- gekommen und ganze Eisenbahnladungen vernichtet worden. Da- durch ist den Angehörigen in der Heimat und den im Felde stehenden Truppen ein schwerer Schaden entstanden. Um dem Zuwiderhandeln gegen das Verbot zu steuern, werden die Kommandobehörden und Truppenbefehlshaber ersucht, in ge- wissen Zeitabschnitten an einzelnen Tagen alle eingegangc- nen Feldpo st Päckchen und Felüpo st Pakete in Gegenwart von Offizieren zur Feststellung öfs- nen zu lassen, ob sich darin feuergefährliche Gegen st än de befinden. Von etwa ermittelten Fällen ist unter genauer Bezeichnung der Sendungen nach Absender, Empfänger, Aufgabeort und-zeit der zuständigen Feldpostanstalt Mitteilung zu machen, die das weitere gemäß§ 367 Ziffer 5a des Strafgesetzbuchs für das Deutsche Reich veranlaßt. Allen Truppenangehörigen ist durch die Äom- pagnie-, Eskadron-, Batterie- usw. Chefs von Zeit zu Zeit daS Verbot der Versendung feuergefährlicher Gegenstände ii» Privat- verkehr aus und nach der Heimat in Erinnerung zu bringen und zu befehlen, entsprechende briefliche Warnungen in die Hetmat zu übermitteln. Es wird daran erinnert, daß in den Beständen der Ma- terialiendepots(Erlaß vom 26. 11. 14 Ziffer Ib Verb ramWg egenstände) Streichhölzer in größeren Mengen zur Deckung des dienst- lichen Bedarfs niedergelegt sind. Für den persönlichen Gebrauch werden Streichhölzer als Marketendcrwarc gegen Bezahlung auf Anforderung von den Proviantdepots nachgeschoben. In Vertretung: gez. v. Wandel. Letzte Nachrichten. Auf eine Mine geraten. London, 15. Januar.(W. T. B.) Lloyds meldet: Der hol- ländische Dampfer„Maashaven", der im Kanal ausgegeben wurde, nachdem er auf eine Mine gestoßen war, trieb bei Calais auf den Strand und brach in zwei Teile. Gewerkschaftliches. Gewerkschaftskonferenz. UeBer eine Konferenz von Vertretern der Verbandsvorstände berichtet das„Correspondenzblatt" der Generalkommission folgendes: „Aus Anlaß einer Beratung zwischen Vertretern der deutschen und der österreichischen Arbeiterbewegung, die am 9. Januar im Neichstagsgebäude stattfand und sich mit den Fragen der künftigen Wirtschaftspolitik und eines engeren wirtschaftspolitischen Verhäld nisses zwischen den europäischen Mittelstaaten beschäftigte, traten die Vertreter der Verbandsvorstände am 19. Januar zu einer ein tägigen Konferenz zusammen. Drei Gewerkschaftsvertreter Oester reichs, die Genossen Domes, Grünwald und Hanusch, wohnten als Gäste den Verhandlungen bei. Der Bericht der Generalkommission beschränkte sich diesmal auf die Angelegenheiten der Tarifstatistik, der Abänderung des Reichs- Vereinsgesetzes und der Kriegsbeschädigtensürsorge. Die Frage- bogen zur Tarifstatistik sind vom Reichsstatistischen Amt bereits ver- sandt und von einer Reihe von Verbänden ausgefüllt worden. Es empfehle sich also, sie allgemein durchzuführen, obwohl darüber kein Zweifel sein kann, daß das Berichtsjahr in tariflicher Hinsicht ein völlig anormales sei und keinerlei Vergleiche mit anderen Jahren zulasse. Einige Einzelsragen bezüglich der Statistik wurden durch die Debatten geklärt. In bezug auf die Kriegsbeschädigtensürsorge wurde über die Einsetzung eines Reichsarbeitsausschusses berichtet, der alle Ange- legenheiten auf diesem Gebiete zusammenfaßt und durch Unter- auSschüsse die einzelnen Arbeitsgebiete regelt. Die Generalkom- Mission hat zum Reichsarbeitsausschuß wie zu den Unterausschüssen Vertreter ernannt und wird gemäß dem Beschluß der vorher- gehenden Vorständekonferenz eine besondere Arbeitskraft für die Sammlung und Bearbeitung der auf diese Aufgabe bezüglichen Materialien einstellen. Eine geeignete Kraft konnte bisher noch nicht gewonnen werden. Indes wurde aus der Konferenz der Wunsch geäußert, den Versuch, einen geeigneten Mann für diese Aufgabe zu erhalten, doch zu erneuern, und da Vorschläge dafür gemacht wurden, so stimmte die Konferenz dieser Auffassung zu. Weiter wurde berichtet, daß die Aenderung des Reichsvereins- gesetzes vom Reichstag beschlossen sei, aber noch der Zustimmung des Bundesrats entbehre, der während des Krieges lediglich die Gewerkschaften von den Wirkungen des Vereinsgesetzes für poli- tische Vereine ausnehmen, alles weitere aber bis nach dem Kriege zurückstellen wolle. Eine Gesetzesnovelle hierfür sei in Vorberei- tung und noch in den nächsten Monaten zu erwarten. Der Bericht der Generalkommission wurde zur Kenntnis ge- nommen. Sodann beantragte die Generalkommission, in Rücksicht aus die ganz außerordentliche Verteuerung aller Lebenshaltungs- kosten denjenigen Angestellten, die im Innen- oder Außendienst der Generalkommission beschäftigt sind und deren seitheriges Gehalt 3999 M. einschließlich nicht übersteigt, eine Aufbesserung von 19 M. monatlich zu gewähren Die Konferenz schloß sich der Begründung dieses Antrages an, erhöhte indes die Gehaltszulage auf 1b M. pro Monat. In ihrem' weiteren Verlauf befaßte sich die Konferenz ein- gehend mit den gegenwärtigen Vorgängen in der sozialdemokra- 1 tischen Reichstagssraktion und ihren Rückwirkungen für die! Vertretung der Interessen der Gewerkschaften.! Allgemein wurde der Disziplinbruch der zwanzig Fraktionsmit- i glieder, die sich zu einer Sonderakiton im Reichstage zusammen-! gefunden haben, aufs schärfste verurteilt. Die Aussprache endete■ mit der Feststellung, daß die Konferenz auch angesichts der gegen-; wältigen Situation an der am 7. Juli 1915 abgegebenen Erklärung festhalten müsse: Daß die Stellung der übergroßen Mehrheit der sozialdemokratischen Reichstagssraktion und des Parteiausschusses, sowie deS ParteiborstandeS allein den Interessen der Arbeiterschaft im allgemeinen und den Gewerkschaften im besonderen diene, sowie daß die von den Sonderbündlern in der Partei vertretenen An- sichten dem Wesen und Wirken der Getverkschasten widersprechen und ihre Durchsetzung eine Preisgabe alles dessen wäre, was die Gewerkschaften erstreben." veutsckes Neick. Die Teuerungszulage in der Handschuhindustrie scheint durch das Verhalten der Unternehmer in weuere Ferne gerückt zu sein. Der Leitung des Lederarbeiterverbandes war sernerzeit auf ein Ersuchen um Teuerungszulagen von mehreren süddeutschen Handschuhsabrikanlen geannvortet worden, es sei dafür ihre Verbandsleitung zuständig. Der Lederarbeiterverband wandte sich deswegen mit seinem Gesuch um Teuerungszulage an den Vorstand des Verbandes der Handschuhsabrikanlen. Dieser teilt aber nunmehr mit, daß keine Möglichkeit vorhanden sei, die Frage von Verband zu Verband zu regeln. An mehreren Oiten seien Teuerungs- Zulagen bereits zugestanden. Da deren Höhe sich nach den jeweiligen Arbeitsverhällnissen richten müsse, wird die örtliche Regelung empfohlen. Die Anregung selbst habe Beifall gefunden. Es bleibe aber der Leilung des Lederarbeiterverbandes überlassen, sich nach dieser Richtung hin mit den lokalen Fabrikantenorgani- salionen in Verbindung zu setzen. �Damil ist die Angelegenheit eigentlich zu ibrem Ausgangspunkt zurückgekehrt. Rur schade, daß dadurch die Gewährung der dringend notwendigen Teuerungszulagen für die Arbeiterschaft sich noch weiter hinzieht. fluslanS. Die Mühlenardeiter Oesterreichs beschlossen auf ihrem S. ordent- lichen Verbandslag die Vereinigung mit dem Verband der Brauerei- arbeiter. Die Frage des engeren Anschlusses der Mühlenarb.-iter- organisation an eine benachbarte Gruppe wurde schon 1912 beim letzten Verbandstag besprochen. Aber es war nicht möglich, den Wunsch nach Zusammenschluß mit den Bäckern zu erfüllen, weil die Unterschiede in den Einrichtungen zu große waren. Andererseits ist das Bemühen nach einer Vereinigung nicht die oberflächliche An- nähme einer Mode um jeden Preis. Der Vorstand hatte mit sehr großen Schwierigkeiten zu kämpfen, und so griff er die vom Lebens- inittelkomilee hervorgegangene Anregung gerne auf und knüptte mit den Brauereiarbeilern Verhandlungen an, die zu einem gedeihlichen Abschluß führten. Zentralisation der schweizerischen Gewerkschafts- bcwcgung. Der romanische Thpographenbund(für die fran- zösifche Schweiz) hat in der Urabstimmung mit 794 gegen 63 Stim- msn den Anschluß an den'Schlveizerischen Gewerkschaftsburrd beschlossen. Damit hat der jahrelange Kampf um diesen Anschluß seine allseitige befriedigende Erledigung gefunden. flus Znöuftrie unö kanöel. Englische Kontrolle der amerikanischen Kupserausfuhr. (Aus New Jork durch Funkspruch vom Berichterstatter des W. T. B.) Unter der Ueberschrift: England verlangt Ge- schäftsgeheimnisse amerikanischer Gesellschaf- t e n berichtet„New Jork World": Amerikanische Metallgesellschasten, besonders solche, die hauptsächlich an der Kupseraussuhr beteiligt sind, sind auf Veranlassung der englischen Regierung aufgefordert worden, dieser Regierung über ihre Gesellschaften und das von ihnen betriebene Geschäft Auskunft von solch vertraulicher Art zu geben, wie es die amerikanische Negierung selbst niemals von einer Ge-. sellschaft verlangt hat. Die Gesellschaften, die eine solche Aufforde- rung erhielten, waren nahezu bestürzt. Ihre Beamten erklärten gestern freimütig den Berichterstatrern der„New Jork World", daß: sie es nicht wagten, die Ermächtigung zur Veröffentlichung der von! ihren eigenen Agenten, erhaltenen Mitteilungen über das Verlangen Englands zu geben, weil sie fühlten, daß sicherlich eine solche Ver-! ösfentlichung die englische Regierung verdrießen und das Ergebnis! haben würde, daß sie auf die schwarze Liste gesetzt würden. Tie Beamten der Gesellschaften brachten zum Ausdruck, daß eine Ant- wort nicht gegeben werden könne, bis die Frage dem Staats- sekretär Lansing vorgelegt worden sei. Die Weigerung, England eine Auskunft bezüglich der geschäftlichen Verhältnisse durch die Direktoren der Gesellschaften zu geben, ist hauptsächlich durch den Umstand begründet, daß eine so durch eine im Handel konkurrie- rende Nation gewonnene Kenntnis nach ihrer Meinung benutzt werden würde, den britischen Gesellschaften für eine ernsthafte Kon- kurrenz Vorteile zu verschaffen, und sie würde im wesentlichen die Geschäftsgeheimnisse amerikanischer Firmen an ihre Konkurrenten ausliesern. Schließlich wird das von England gestellte Verlangen nur als ein weiterer Schritt in seinem Feldzuge betrachtet, dem amerikanischen Kupferausfuhrhandel unter Benutzung des Krieges als Vorwand zu erdrosseln. „New Jork World" berichtet von einem englischen Vor- gehen, durch das die Gesellschaften aufgefordert werden, Auskunst bezüglich der Adressen und der Nationalität der Aktienbesitzer zu geben, die Namen ihrer Kunden zu nennen usw. Das Blatt führt weiter aus: Die Beamten der amerikanischen Gesellschaft, an die ein solches Verlangen gestellt war, wiesen auf die Geschicklichkeit hin, mit der dieses Vorgehen ins Werk gesetzt worden sei. Sie sagten: Dadurch war es England freigestellt, nach Belieben und ohne weitere Erklärung, als daß die Gesellschaft einen deutschen, österreichischen, ungarischen, türkischen oder bulgarischen Aktionär habe, sie auf die schwarze Liste zu setzen. Deutsche besitzen tatsäch- lich von jeder bedeutenden Kupfer- oder Metallgesellschast Amerikas Aktien. Amerika gegen die Fortsetzung des Wirtschaftskrieges. (Aus New Jork durch Funkspruch vom Berichterstatter des W. T. B.) Die britische Ankündigung des Planes, den deutschen Handel nach dem Kriege zu b o v k o t t i e r e n, wird lebhaft erörtert, besonders, da die Verwirklichung dieses Planes die EntWickelung des amerikanischen Außenhandels in ungerechter Weise treffen würde. Viele Kreise, auch Kongreßmii- glieder, bezeichnen den Plan in Ausdrücken der höchsten Entrüstung als eine neue Beschränkung des neutralen Handels. Die Zeitungen tadeln den Gedanken, den Krieg auch auf das wirtschaftliche Gebiet zu übertragen. „New Jork Times" schreibt: Von den Neutralen kann nicht erwartet werden, daß sie dem Gedanken zustimmen, daß die Ueberlegenheit des deutschen Handels durch militärische oder poli- tische Mittel besiegt werden müsse. Hearsts Internationaler Nach- richtendienst meldet aus Washington: Viele Senatoren hätten er« klärt, daß jetzt nichts den Ausbruch einer Stimmung im Senate gegen Englands Behandlung der neutralen Schiffahrt verhindern könne. Das Staatsdepartement werde dem Senat die jetzt mit England strittigen Fragen unterbreiten. Von der Entscheidung des Senates hänge es ab, ob das Verhältnis zu England zu einer akuten Gefahr werden könne. DaS Staatsdepartement habe aus nichtamtlicher Quelle die Nachricht von einem englisch-ftanzösischen Abkommen erhalten, wonach es keinem deutschen Handelsschiff mehr erlaubt sein soll, in einen britischen oder französischen Hafen ein- zulaufen. Senator Hoke Smith werde im Senate aus Deutschland stammendes Material vorlegen, welches seine Behauptung beweisen soll, daß Englands Handlungsweise, Baumwolle als Bannware zu erklären, vollständig ungesetzlich ist. Die Depesche fügt hinzu, einige der konservativsten Senatoren hätten ihre Entrüstung über diese Tatsachen ausgesprochen, die sie als einen Beweis für den Entschluß Englands anführen, dem deutschen Handel ein Ende zu machen. In einer Unterredung mit einem Vertreter des„New Jork American" erklärte Senator Chamberlain aus dem Staate Oregon, England habe während des Krieges. alle Mittel zur Er- drosselung des feindlichen Handels gerechtfertigt, aber es gebe keine Rechtfertigung dafür, eine solche Politik auch nur einen Augenblick nach Beendigung der Feindseligkeiten fortzusetzen. Zu sagen, Eng- land plane ernstlich die Vernichtung des deutschen Handels nach.dem Kriege und beabsichtige Deutschland oder. irgendein anderes Land auch nach dem Kriege zu verhindern, sich von der unaussprechlichen Verwirrung des Welthandels, unter dem es litt, wieder zu erholen, sei eine offene Mißachtung der Rechte einer jeden Nation. Ä WERTHEIM G, M. B. H. Preiswerte Angebote 1 Große Auswahl in neuesten üebcrgangs- Hfiten aus Taffet, Duchesse, Kunstseide, zu sehr mäßigen Preisen Spitzen- MCStC Abschnitte Valenciennes, Tüll, Spachtel- und Klöppel- spitzen und-Einsätze Hohlsaum Tücher mit gestickter Ecke 1 stfck22 Pf. 32 Pf. 38 pf. 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Die Kommission bat einstimmig beschlossen, die Regierung zu ersuchen, unverzüglich einen Gesetzentwurf vorzulegen, wodurch die Altersgrenze vom 7«* auf das 65. Lebensjahr herabgesetzt wird. Staatssekretär Dr. Delbrück: Bereits bei Verabschiedung der Reichsversicherungsordnung habe ich die Auffassung vertreten, dag es sich hier um keine grundsatzliche, sondern um eine reine Zweckmähigteilssrage bandelt und da« eS auf dem Gebiet« der Arbeiterversicherung wichtigere Ziel« zu erreichen gilt. Man mutz doch beriicksichligen, dab eS neben der Altersrente die Invalidenrente gibt, die gewährt wird, wenn der Betreffende talfächtich Jnvailds geworden ist. Das gilt auch heute noch. Ich hott« den Lerbündeteii gtegierungeu zunächst empsodlen. eine Herabsetzung der AlierSgrenzo im Augenblick nickt eintreten zu lassen, weil ick mit dem Reicheschatzselretär der Meinung war, daß eS jetzt mitten im Kriege schwer sein werde. die Grundlagen zu nndcn. auf denen man diele Herabsetzung ans» bauen tvnnte. Es ist ja auch unzweckmäßig, jeyt eme Srweileruua unserer sozialpolitischen Leistunge» einireten zu iasseu. wo wir noch »icht übersehe» können, lvas»ach dem FriedenSichlug auf diesem Gebiete an anderen, vielleicht ivichiigeren Ausgaben an u»S heran« treten wird. Nachdem aber die Kommission einstimmig sich filt die Herabsetzung ausgesprochen bat. habe ick mich alsbald im Sinver- nehmen mit dem NeichSschatziskreiär an die Reubearbeiiung drr Sache gemacht und werde»ml gravier Beschleunigung den Verbündeten Negierungen Gelegenheit geben, erneut z» dieser Stellung z u n e b m e n. lieber daa Ervebnis wird deni Reichstag bei seiner nächsten Tagung ein Bericht zugeben. Abg. Molkenbnhr(Soz.): Da alle Parteien des HauseS einig sind, ist es überflüssig, aus» führlich aus die Sache einzugehen. Aber einige GestchtSpunlie mochte ich doch anführen. Leim PrivatangestelllewVersicherungSgesev ist bekanntlich beschlossen, das; die Privataiigcstellte» niit dem 65. tieveiiS» jähr in den Genutz der Rente kommen. Die NeichsversichernngS- oranung und das Piivatangestelllengesetz sollen sich aber ergänzen. Alle Angestellten mit einem Einkomineii von weniger als 2000 M. sind sowohl aus Grund der NcichoversichcrungSordnung wie ans Grund des Privataiigsstellien'VersicheruiigögesctzcS versichert. Also für die Privalangestellten, die weniger als 2000 M. haben, tritt in dieiem Fall eine Lücke ein. wenn in de», einen Gesetz daS 65.. in dem anderen Gesetz das 70. Lebensjahr als Grenze für den Bezug der Altersrente steht. Ferner Hot die jetzige Altersgrenze für die Arbeiler dos Bedentliche. dag der all« Arbeiter iebr schwer noch Arbeit sindet. Selbst wenn er noch eine gewiss« LeistungSsähialeit bestyl, wird er doch meist»on vornberein zurück« gewiesen. So kann es kommen, datz er auch den Anspruch auf Invalidenrenie verliert. DeSbalb ist eS dringend notwendig, datz ibn> auf jeden Fall beim Eintritt des 60. Lebensjahres eine gewisse Beihilfe gegeben wird. Die Leute über 65 Jahre sind i» vielen Fällen noch nickt invalide, stehen aber an der Grenze der Invali- dilär. Die Mittel für die Herabsetzung der Altersgrenze müssen zu beschaffen sein. Im Jahre 1890 bat man angenominen, datz man mit den damalige» Beitragen nicht auskomme,, würde. Aber die Beiträge sind nicht erhöht. Die JnvalidilätSgrenze ist herab- gesetzt, das Heilverfahren ist cingssübrt und trotzdem sind»och grotze Uebcrschüsie erzielt worden. Das Vermögen der Lande»' BeistcherungSansialten ist auf über 2 Milliarden gewachsen. Man kann mit Sicherheit damit rechnen, datz die ZinSeinnahmen ausreichen werden, um das zu decken, was die Herabsetzung der Alters« Grenze an Mittel» erfordein wird. Gewitz wird auch der Krieg eine erhebliche Belastung der Versichcruiigsanslallen zur Folge haben. Aber um diese auszubriugeu. mutz das ganze Reich mit seiner ganzen Krasi eintreten, darunter darf die Herabsetzung der Altersgrenze iür die Gewährung der Altersrente nicht leide». Schlietzlich möchle ich die SIegierung ersuchen, die alte Bestimmung in die Reichsvastche- rungSordnung aufzunehmen, datz die Nenlenansprücho, die aus der Militärdienstzeit abgeleiler wurden, vom Reichs getragen werden. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Becker-ArnSborg(Z.): 1911 mutzte ich Sie bitten, im Interesse des Zustandekommens der ReichSversicherungSordnung die Herabsetzung der Altersgrenze für die GewSbruiig der Altersrente abzulehnen. Heule bin ich in der angenehmen Lage, die Herabsetzung betürworien zu können. Die Forderung ist so populär, datz man selbst eine kleine Beitrags- crhähung dafür in Kauf nehmen würde. Abg. Basierman»(natl.) begrüßt ebenfalls den einst>n,»,iae>, Beschlutz der Kommission und hofft, daß die vom SlaatSiekrelär zugesagle erneute Prüfung zu einer Zustimmung seitens der Regierung führen wird. Abg. Wcinhausen(Lp.): Die schwierige Finanzlage des Reiches verkeimen wir nicht. Aber in einer Zeit, m der mit Millmtde» gerechnet wird, darf die Durchführung einer solchen sozialen Maßregel incht an finanziellen Bedenken scheilern. Abg. Dr. Ocrtel(k.) schlietzt sich dem Vorredner an: bei der Erfüllung dieses alten Sl-iinsches auch der konservativen Partei dürsten ein paar Millionen keine Rolle spielen. Abg. Mumm(wirtsch. Lg.) erklärt den heutigen Tag der Einigkeit für einen Ehrentag des ReichSlag«. Di« Debatte schlietzt. Die Resolution der Kommission wird e i n st, m in i a a n g e n o m», e n. Die zweiie Beraiung der gewtz» Itcben Vorschriften der AllerSreni« ist damit erledig«. Die dritte Bs- raninu wird aus Antrag Basiermann(nail.). dem sich Abg Sckeidemann(Soz.) anichlietzt, vorvehalien, weil dadurch die Möglichkeit besieht, fall» die Rcgielung eine Botlage nicht einbringt, daß d>eS bei der drillen Lesung von, Hause au« geschehen kann. Es folgt die Beraiung über Besoldungsfragen. Hierzu beantragen dt« Abgg. A l b r e ch t und Genossen(Soz.). die Löhnung der in Feindeiland stehenden Mannschaften ab 1. De» zember l9lS aus 80 P.. für die im Inland befindlichen aus 50 Pf. festzusetzen sowie die bisher bezahlten Zulagen den Mannkchasten auch weiterhin zu gewähren. Zu der Resolution der Komini'sion. die eine weitere Reiorm der KrieaSbesoldungSordnung wünichr. beantragen die Abgg.«tbrecht und Genossen lSoz.) den guiatz, daß die Gebälter der Offiziere einer Revision unierzooen werden und daß Zulagen beteiligt werden, denen eine erbebliche Mehrleistung nicht aegeniiber siebt. Weiter beantragen die Abgg. A l b r e ch t und Genosse»(Soz.), datz die Resolution, die die Erhöhung deS Be« schästigungsgeldeS filt alle Manmckofien und Unterosfiziere aus 1.20 M. pro Tag erhöhen will, dem Reichskanzler nicht als Ma» terial. wie die Kommission eS wünscht, sondern zur Berücksichtigung überwiesen wird. ...!---- I III!.., Abg. Stückleu(Soz.): In, August hat der Reichstag verlangt, datz eine sofortig« all« gememe Revision der KriegshesoldungSordnung verantatzt wird und daß dem Reichstag ein Geictzenlwnrs über die KriegSbesstdungS« ordnung vorgelegt wird. Rur die Sutzerft» Rechts war dagegen, well fi« die Kr>egsbesoldungSard>,i»,g(K. B. L.) für einen Ansflntz der ksisertichen Kvmmaiidogewalt hält. Einen solchen Geietzentwnrs dem Reichstag vorzulegen, war ohne»mtangrsiche Arbeit möglich, e» genügt, die jetzige K. B. O. vorzulegen, lvir werden dann schon daiür sorgen, daß etwas Bernünsttge» herauskoimni. Gewitz mutz di« Militärverwaltung im Kriege im grotze» Umiange freie Hand haben. Darum werdeudie Krie�Skredite als Pauschale bewilligt. Aber Ausgaben. die von vornherein seitgestellt werden können, an denen der Kriegs« zustand mcktS ändert, kann und mutz der Reichstag festsetzen. Zur gesetz« lichen Regelung der K. B- O. war Anlatz, als die FriedenSbeioldung geietzltch geregelt wurde. Die Kommandogewalt des Kaisers erstreckt sich aui das ganze deutsche Heer, die K. B. O. aber konnte er als König von Preutzen nur für das preußische Kontingent festsetzen; daraus folgt schon, daß die K. B. O. mit der kalseriicken Kommando« gewalt nichts zu tun hat. lieber die Verwendung der bewtlligten Kriegskredite mutz dem Reichstag Rechnung gelegt werden. Der Reichstag mutz daher auch die Möglichkeit habe», auf Sparsamkeit zu dringe» und das ist bei der K. V. O. möglich. Für den Stand« puntl der Regierung, datz die K. B. O. Ausfluß der Kommando« gewalt ist, findet sich in der ganzen Literatur»icht eins einzige zustimmende Stellung. Im Januarheft der„Deutschen Furistenzeitung" ist von dem Senaispräsidenlen Stutz be« ton», daß die K, B. O. weder dem Parlament vorgelegt. noch überhaupt publiziert worden ist. Sckon daraus ergibt sich >br» Nngefetzlichkeit. Auch der Einwand des Herrn Basiermgun. man könne die Frage im Kriege nickt regeln, trifft nicht zu. Wie notwendig die Regelung ist, zeigt schon die Verwirrung über die Frage, was mobil und immobil ist. Ist eS dock vorgekommen, datz ein großer Truppenkörper nachträglich mit rückwirkender Kraft für mehrere Monate filt mobil erUSrt worden ist. Bei der Rsvlsiou. die die Regierung vorgenommen hat. hat sie die Bezüge der Otsiziere imd hohen Beamten nicht gekürzt, sondern sie hat umen angefangen. DaS war natürsick unser Wunsch nickst. Von den Beamten beziehen viele schon über 18 Monate lang doppelte Bezüge. Der Krieg soll aber nickt dazu dienen, daß einzelne Kreise i» der Lage sind, sich höhere Einkommen zu verschaffen, er darf nicht eine Art Gelderwerbsquelle sein. Wir bemühe» unS, jene Industrie« rtiier zu fassen, die sich dabeim auS dem Kriege ein Vermögen schaffen, um so unverantwortlicher wäre cS. diesen Zustand des doppelten GebaltSdozugeS zu dulden. Massenhaft haben sich Beamte zu Beginn des Krieges znr Verfügung gestellt, ich nehme an. aus Begeisterung. Als aber gleich darauf der Landsturm aufgebolen wurde, hätten diese Leute auch als landsturm« pfltchtig bebandelt und soweit nötig, zur Wahrnehmung der Beamten- stellen tominaiidiert werden müssen. Das wäre für sie zwar est, finanzieller Nachteil gelveseir. sie waren aber immer noch besser daran, als die Lellte. die draußen in den Schützengräben Kopf und Kragen riskieren.(Sehr richtig!) Die KriegSgerichtsräte beziehen 250 bis 600 M. monatlich. Im Kriegs, ganz ohne Rücksicht auf ihr Dienstalier. 830 M. Der älteste hat also eine Zulage von 230 M., der jüngste eine solche von fast 600 M. Das widerspricht jedem Gefühl van Gerechtigkeit. Jetzt ist eine Revision dahin getroffen. daß die süngeren eiwas gekürzt sind, aus Mu M., der älteste ist aber noch gesteigert, von 830 aus SIS M. Ebenso liegt es bei anderen Beamlenkategorien. Bei der Refor»» hat man nickt einmal die Zulagen in der Heimat gestrichen. Der SenaiSprästdent beim Reichsmilitärgericht, dessen Arbeit durch den Krieg in keiner Weise vermehrt ist, bekommt eine Zulage von monatlich 187.50 M., sogar der Btblioihekar 82,50 M. Wahrend die Gehälter der Oifisiere nicht revidiert sind, sind eine ganze Anzahl schlecht bezahlter unlerer Beamter noch mehr verschlechtert worden. Besonders schlecht stehen auck die O f s i z i c r s st e l l v e r t r e t e r, die von ISO auf lSO R. herabgesetzt sind. Wenn sie Oifiziere zu vertreten haben, verlangt man von ihnen, daß sie denselben Aufwand treiben, lleberbaupt handelt eS sich hier um eine unglückliche Schöpfung. Die Herren hoben den Wims». FeldivebelleuinailtS genannt zu werden. Dafür emzulreien, ist nicht meine Ausgabe, aber zweifellos ist es un- billig, daß sie bald wie Offiziere, bald wie Mannschaften behandelt werden. Außer de» Offizieren sind auch die Bezüge der Foldpfarrer nicht revidiert worden. Diese beziehen monatlich 780 M. neben ihrem Zivilsiiikommen. Im„Reichsboten" hat sich ein Piarrer gegen diese Doppelbezahlung gewendet. Ader schon zwei Tage später antwortete ein anderer Pfarrer, der diese Doppelbezüge mit einer ganzen Zahl von Gründen zu rechtferligen suchte, u. a. auch damit, daß den Pfarrern dadurch endlich die Möglichkeit gegeben ist. auS ihren Schulden herauszukommen.(Große Heiterkeit.) Er sagt, wie soll denn ein Pfarrer, der Fainilie hat. bei 8200 M. außer freier Dienstwohnung ohne Schulden auskommen. Nun dafür fehlt mir jedes Verständnis. Jedenfalls wäre es ein ganz»euer Grund. daß man in den Krieg zieht. »m feine Schulden zu bezahlen. Ich leime die Aufgabe der Feldpfarrer nicht, aber die ganze Art ihrer Tätigkeit ist doch so, daß ma» den Entgelt dafür nicht mit ihr zu nahe zusammenrücken toll. Di« K B.O. mit ihren hohen Sätzen ist auf einen ganz kurzen Krieg zugeschnitlen, an einen Krieg von solcher Dauer hat zweifellos kein Mensch gedacht. Die Regierung müßte von selbst an die Revision heranlreten, um Ersparnisse zu machen, int sie eS nicht, so mutz der Reichstag sie dazu zwingen. Gerade die Härten und Widersprüche der K.B.O. sollten die Re« gterung veranlassen, sie dem Reichstage vorzulegen, damit die qrötzien Ungleichheiten beseitigt werden. Bielleicht müssen die Osfiziete drautzen mehr ausgeben, aber das rechiserligt in keiner Wesie die hohen Gehälter: man kann den Ossizieren doch nickt unierstellen, daß sie drautzen für Geld kämpfen. Wo alle Opfer bringen müssen, werden auch die Osfiziere dazu bereit sein. Man sagt, der Oisizier mutz einen doppelten Haus« ball führen. Nun. iür den Haushalt, den er im Schützengraben führt(Heiterkeit), habe ick kein Verständnis. eS kam, dock höchsten« in der Etappe davon die Rede sei», und ivenn er da wirklich etwas schleckner gestellt ist. so wird dies Unglück zu erlragen sein. Wir wollen aber nicht nur sparen, sondern da. wo eö notwendig ist. auch geben. Wie der lange Krieg die Ermätz'gung der hohen Gehälter rechtfertig», so inackt er die Erhöhung der niedrigen Bs- züge geradezu zur Notwendigkeit. Deshalb wünschen wir die Erhöhung drr MannschaftSlöhne auf SV und 86 Pf. Es deckt sich das mit einem Zentrumöantrag in der Kommission, der eine SO prozeniige Erhöhung verlangte. Aber gerade das Zentrum will diesen Antrag der Regierung nur als Material überweisen. Was daS bedeutet, wissen wir alle. Man denkt dabei unwillkürlich an einen großen Papierkorb, der olles Material per- schlingt. Wir wollen einem positiven Beschluß. Der Sck>itzsekretär meinte, wir wollten den Soldaten dadurch nur die Möglichkeit aeben, Geld nach Hause zu schicken. Tai ist keineswegs unsere Absicht, für die Heimat verlangen wir ein« direkte Er- höhung der Familienunter st ützungen, die erhöhten Bezüge der Soldaten sollen ihnen salbst dazu dienen, sich Lebens- mittel und andere Dinge zu kaufen, die auch der Soldat sich dauernd kaufen muß und deren Preis um 100 und 200 Proz. gestiegen sind. Es fragt sich nur, ob man diese Ausgaben decken rann, und da würde es nicht zu verstehen sei», wenn man sagen wollte, gerade für die Soldaten können sie nickt gemacht werden. (Lebhaste Zustimmung links.) Der Schatzsekretär sagte, er habe zwei Herzen, ein finanzielles und ein warmes. Ich lege diesen� saammsa »DM Antrag an sein warmes Herz. Gewiß kostet er Geld. Aber gerade hier, wo es sich UN» die Soldaten handelt, wäre die Spnrwm'eit iifcl angebracht. Dagegen bitte ich um Auskunft über die Tätig- seit der WirtschastSqnsscküsse im Felde. Dort feiten prominente Persönlichteiien dabei sein, für die keineswegs eine ausreichende Beschäftigung porhanden ist. Da sckemi Sparsamkeit eher am Platze. Auch die. Erhöhung des B e kost ig n n g sg e l de s wünsche« wir der Regierung zur Berücksichtigung nicht als Ma- ienal überwiesen. Natürlich sind wir auch damit rinperstanden, daß das R a NN i cha f i s b e s o l d» n g sg e se y eine wesentlich: Verbesserung erfährt und auf alle Eingezogenen ansgedehni wird. die. ohne eine Dwtistbesckiädigung erlisten zu habe», wäbivnd des Dienstes krank und invalide geworden sind; auch diesen sollte eine Versorgung gewährt werden. Ein derartiges Gesetz sollte Km Reichstag möglichst bald imierbreitet werden, denn draußen möchte man doch gern wissen, was man nach dem Krieg an Versorgung zu crivarten haben wird. Wollen Sie.(n den Schützengräben Freude und Begeisterung erregen, so stimmen Sie unseren An- trägen zu. die cinerfeiis Ersparnisse, andererseits aber für die Soldaten berechtigte Zuwendungen bringen. Lehnt die Regierung das ab. so sollte der Reichsfag die Mittet anwenden, die er ha>. um die Regierung zu zwingen, seinen Wünschen Rechnung zu tragen.(Beifall bei den Soziaidemotralen.) Mg.». G» Icker(natk.): Die Kriegsbesoldungssudnung ist sicher kein schönes Gesetz. (Heiterkeit.) Sie enthält so viele Knifflichkeiten. daß es sehr schwer ist, Einheitlichkeit hineinzubringen. Eine wirklich stich. gemätze Reform dieses schwierigen Gesetzes würde uns bis in den Sommer fcithaiien. Richtig ist, sie gibt auf der einen Seite zu viel und ans der andern Seite zu wenig, aber es würde zu grotz.m Unbilligkeiten, führen, trenn man nun einfach das Zuviel von der einen Seite nehmen und der atideren Seite zulegen würde. Sobald wir Zeit haben, also sobald Frieden ist. werden wir natürlich die notwendige Reform der Kriegsbesoldmigsordnung vornehme» müsse». Darüber gibt es allerdings keine Meimmgs Verschiedenheit unter uns. daß kein Geld zu viel ist. nm es unser» braven Mannschaften zuzuführen. Es kommst nur ans das Wie an. Ich stimuis der Ueberweisung der Resolution als Majerusi zu, aber nicht etwa in dem Sinne, daß sie nun in den Papierkorb wandern soll, sondern In der Uetze, Zeugung, daß dafür gesorgt werden wird, daß für wirklich vedürstige Mannschaften gesorgt wird. Auch lw! den Offizieren bestehen, vielfach Harten IN der Besoldung. Stellverdretender KriegZittlnister v. Wandel: Der Reichstag bat im August ein« Revision der Kriegsbejvl- duuaSordnung verlangt. Jrrztoischen ist diese In Angriff geunmmeu worden und sind Taten geschehen. Es wurden festr umfängliche, einsebneidende und wirkungsvolle Aenderungen vorgenommen. Ww sind dabei, die K.B.O. weiter durchzuarbeiten und hoffen, sobald dos vollendet ist, auch damit hervortreten zu können. Ter nnanziellr Effekt der Aenderungen geht ,» die Dutzende von Millionen, ino bereit» erspart wurden. Die Frage der RrchtsgMigkett der K.B.D. möchte ich nicht weiter erörtern, sie ist strittig s ich verweise aber auf den Vorttag Professor Arndts in der Juristischen Gesellschaft, der ausführlich die Rechrsgültigkeit der K.B.O. aus der historischen Eni- Wickelung dargelegt hat. Die Schwicrigkeiten, die der llmarbeikui'g drp K.B.O. entgegenstehen, liegen darin, daß eine unzählige Menge von Klassen und Personen zu berücksichtigen sind beinahe täglick werden Siellen geschaffen, deren Bestehen vorher nickt zu erwarten war—, daß die verschiedenen Ticiistverhältnlsse. mobile und immobile, berücksichsigt werden müssen, und daß nicht allein das Kriegsmmisterium beteiligt ist, sondern daß innerkakv des Heeres auch zahlreiche Beamte anderer Behörden beschäftigt sine, so von der Post, Eisenbahn usw., deren eigentümliche PerMtniss? auch Berücksichtigung verlangen. Es ist ganz unmöglich, unter den Verhältnissen des Krieges in kurzer Zeit eine vollständig neue K.B.O. auszuarbeiten. Man kann auch nicht einzelne Steine herausgreifen, sonst stürzen sofort andere nach und das erfordert dann weitere Maßnahnieii Würde die Mannschaftslökniung einheitlich auf 80 Pf. erhöht, so würde der Gefreite wenige, haben als der Gemeine, es müßte für den Gefreiten ein besonderer Satz geschaffen werden usw. Eine sachgemäße Aenderung ist nur iröglu.*. wenn das Ganze crfaht wird. Ich habe auch das warme Herz für die Leute unk selbstverständlich wünscht« ick, daß die Löhnung so hoch wie möglich wäre. Tie Gründe dagegen darf mau aum nicht unterschätzen. Eine schematische Erhöhung, daß jedem so und so viel zugelegt wird, wurde dazu führen, datz Leute mehr In- lammen, die es gar nicht nötig haben und viele Klassen erhöht würden, die jetzt sckon verhältnismäßig hoch besoldet sind. Per? heiratete und Ilnverhetratete würde» gleichmäßig viel bekvmmeu, der Mann in der Etappe ebenso viel wie der vorne! der Feld- we bel, der schon heute rech« gut bezahlt iss. würde bei einer Erhöhung um 56 Proz. von 166 M. auf 184 M steinen, wozu kein Grund vorliegt. Also mau kann nicht einfach schematisch erhöhen. Auch die finanziellen Wirkungen wären recht erhebliche. Ob eine Herabsetzung der OsfizUrSgetzlitter der höheren Klassen möglich ist, unterliegr der Prüfung. Früher hat Abg. Stückle» gesagt, datz er ai. de» Gehältern der höheren Offiziere nickt zu nörgeln beabsichtige, llebrigens sind dir Gehälter der Offszierr sehr erbel'Uch herabgesetzt worden, z. B. bei den BesatzniigStruppeu in Belgien auf den immobilen Stand, während dir. Mannschaften nach wie vor die höheren mobilen GeMbnüsse«rl, alten. Tie. bei den MrtschaftSauSschüssen beschäftigten Offiziere bekommen nichts als ihr»iflitärischrs Einkommen und die aus Zivilberufen heran- gezogenen Persönlichkeiten erhalten die in der K.B.O. vorgeschriebenen nicht erhebliche» Tagegelder. Tie Leistung der Wirtschaftsausschüsse, die Abg. Gtücklen absällia kritisiert hat, sind tfanz autzer- ordentlich vorzügliche. Sie haben sich auf allen Gebieten der Be- wirtschaftung. des Ackerbaus und der Industrie und in anderrr Beziehung hervorragend betätigt und wenn unsere Leute drautzen so gut verpflegt sind, wie eS geschieht, weiter große Vorräte aus den besetzten Gebieten t» das Inland gekommen sind, wo sie uns die Ernährung erleichtern, so verdanken usir das zu einem sehr großen Deft der geschickten und unerinüdlichen Datipkeit der Wirtschaftsausschüsse.(Znsttmniuna.) Ein Osftzierftellvertreter, der überzählig wird, weft ei» Offtzier zur Truppe kommt, tritt nicht in den Feldwebel- oder Vizcfeldwebelgrad zurück, sondern bleckt ein Offizierstellvertreter, bis wieder eine Stelle frei wird; es treten im. diejenigen zurück, die aus disziplinaren oder fon- stigen militärischen Gründen nicht mehr für diese Stelle geeignet sind. Ich werde prüfe», ob die Schaffung von O b e r f e I d« w e b o l i, möglich ist. Ich bftte uns das Vertrauen zu schenken. datz wir die KB.O. gründlich prüfen und mit Porschlägen— tder Kriegsminister verbessert licht) Mitteiluugeu über die Ainde« rungeu, die wir im Einvernehmen mit dem Reichsschatzamt für zweckmäßig gehalten habe», an de» Reichstag herantreten werden. Die so z t a 1 d e m o k r a t' s ch n, Anträge bitte ich abzulehnen. sie sind nicht durchführbar.(Beifall.) ReiSSschatzsekvetör Dr. Helfferich: Wenn Abg. Stückle» behauptet hat, datz wir von unten ange- fangen hätten, zu reformieren, so kann ich dies« Kritik nicht aw berechtigt anerkennen. Wir haben nicht unten angefangen/ son- dorn die Wünsch« erfüllt, die der Reichstag selbst ausgesprochen hat; vor allem ist die doppelte Bezahlung beseitigt worden. Das mutz gesagt werden, damit die Oeffentlickkeit kein falsches Bild bekommt. Was die Erhöhung der Mannschaftslöhnuiig aulmigt. so ist ja zweifelos. daß man bei den Soldaten nicht von Leistung und Bezahlung sprechen kann. Der Soldat kämpft für Hos und Herd, für seine eigene Familie, für seine künftige Erisieuznlögltch- kcit, für das Vaterland, das Vokk kämpft für sich selbst.(Beifall.) �c's NkHrisf dsr Bszablung kann hierauf Uickit augelvendet werden. Was aber geschehen kann, ist, den Truppen draußen das Leben so erträgsich ivic möglich zu machen. Wie das im einzelnen gc- scheken kann, ist eine reine ZweckmStzigkeitsfragc. Ob zum Bei- 'piel gerade die Erhöhung der Mannschaftslöhnung das richtige Aiticl ist, kann �durchaus zweifelhaft sein. Atan kann mit dem wärmsten Herzen bei den Ealdaten sein und braucht doch dieses Mittel nicht für das richtige zu halten. Die Frage der Gc- stgltung des Looses unserer kämpfenbeit Truppen darf nicht isoliert aus die Frage der Mannschaftslöhnung zugespiht werden. Viel wichtiger ist, daß der Mann draußen weiß, daß für seine Familie zu Haus alles Mögliche geschieht. Für ibn spielt die Geldbesoldung nur eine Nebenrolle; wichtiger ist für ihn, was er von der Truppe erhält.(Sehr richtig!) Wir haben uns also durchaus nicht so kalt; und ablehnend verhalten, Ivic der Abg. Stückten gemeint hat. Fch bin auch gern bereit, über das, was bisher schon geschehen ist, noch hinaus mit dem Äriegsministcr in neue B e r h andlungcn einzutreten, um überall die bessernde Hand anzulegen, wo noch ge- bessert werden kann. Ich glaube auch, daß wir auf diesem Wege vrit weniger Geld unendlich viel mehr leisten werden als mit einer Erhöhung der Mannschoftslöhnung für die ganze Armee. Darauf muß ich nämlich auch bei dieser Gelegenheit halten, daß mit dem Gelbe Haushälterisch umgegangen wird. Tos finanziclle Durchhalten in diesem Kriege ist nicht leicht, sondern wird schwerer mit jedem Tage. Solange ich aus diesem Posten stehe, werde ich alles tun, was uns daS nnanziellc Durchhalten erleichtern kann.(Beifall.) Es ist j(j außerordentlich leicht, solche Anträge zu stellen und schwer, ihnen zu widersprechen. Es wäre für mich außerordentlich bequem, zu sagen, daß ich mit den Anträgen einverstanden bin. Aber ich ?ann es beim besten Willen nicht. Ich werde mich von den itrengen Bahnen meiner Finanzpolitik nicht abbringen lassen, und ich muß, mag es auch nicht populär sein— der Reichsschatzsekretär ist überdies nicht sehr povulär lHeiierkeit)—, dafür sorgen, daß wjr finanziell durchhalten tonnen.(Beifall.) Abg. Dr. Neumann-Hofer(Lp): Wir empfinden den Unterschied zwischen Mannschastslöhnen und Osfiziersgehältern sehr unangenehm. Der Grundsatz, daß die Löhnung keine Bezahlung darstellen kann, sollte nicht nur für die Mannschaften, sondern für alle Kriegsteilnehmer gellen. Daß die Berufsoffiziere im Frieden Bezahlung erhalten, ist selbstvcrständ- lich und niemand wird verlangen, daß sie im Kriege weniger er- halten. Unverständlich ist nur für weite Kreise, daß auch Reserve- und Laudwcbrossizierc so üohe Gehälter erhalten. Aus der anderen Seite geht es aber wieder nicht an, diese Offiziere geringer zu besolden als die anderen. Der Gegensatz zwischen Offizieren und Bignnschafter in der Besoldung wird auch gemildert durch die Familienunterstützung, die den Angehörigen der Mannschaften zu- ieil wird. Unverständlich ist uns aber, warum die Offiziersgehälter im Krieg- namhaft höher sein müssen als im Frieden; dafür liegt gar kein Grund vor. Wenn man von dem Grundsatz ausginge, im Kriege soll nicht mehr bezahlt werden als im Frieden, so wäre die Durchführung der Reform der Kriegsbesoldungsordnung sehr einfach. Wir werden für den Antrag Albrccht in bezug aus die Reviston der Offiziersgcbältcr eintreten. Dagegen können wir dem sozialdemokratischen Antrag zur Erhöhung der Mann- ich aftslöhnung nicht zustimmen, da es an dem nötigen Material fehlt, um seine finanzielle Wirkung zu beurteilen. Wir babcn auch daS Vertrauen zur Militärverwaltung, daß sie den cnjsprechenden Wunsch der Kommission nicht in den Papierkorb wandern lassen, sondern nach Möglichkeit' berücksichtigen wird. (Bravo! bei der VolkSpartci.) Abg. Dr. Spahn(Z.) tritt für die Kommissionsanträge ein. Im einzelnen bleibt der Redner auf der Tribüne unverständlich. Abg. Kreth....e Auch wir haben den Wunsch, unseren Soldaten draußen mög- lichst viel zuzuwenden. Aber von einer Kürzung der Offiziers- gehälter kann keine Rede sein. Wollen Sic etwa Hindenburg sein Gehalt kürzen? Wir stehen auch hier auf dem Standpunkt der bürgerlichen Gesellschaft von der gebotenen Ungleichheit, it!» wäre ja auch langweilig, wenn alles gleich wäre. Es kommt eben doch sehr auf die Führung an. Seien wir dankbar, daß wir Führer haben, denen das deutsche Volk ruhig seine Zukunft anvertrauen kann.(Bravo I rechts.) Abg. Werner(Witsch. Lg.) tritt für eine bessere Beköstigung der Marnischaften ein und tritt der Forderung aus Revision der Kriegsbesoldungsordnung bei. Abg. Stückten(Soz.): Gegenüber dem Herrn stellvertretenden Kriegsministcr bemerke ich, daß ich mich mit meinen Worten vom August nicht im geringsten im Widerspruch gesetzt habe, wenn ich heute, nachdem der Krieg solange gedauert, einmal den Antrag stelle, daß auch die Gehälter der Offiziere emcr Revision unterzogen werden könnten. lSehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Tie Tätigkeit im Wirtschafts- ausschuß babe ich nicht kritisiert, sondern lediglich um Auskunft gebeten. Wenn Herr Helsferich sich darüber ausgehalten hat, daß ich Einzelfalle borgetragen habe, so ist eS ctlvas Neues, wenn hier vom Regierungstisch aus eine Zensur daran geübt wird, Inas ein Abgeordneter glaubt, vortragen zu müssen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ich stimme dem Staatssekretär darin bei, von einer Bezahlung der militärischen Leistungen kann keine Rede sein. Wenn man das aber anführt, um die Erhöhung der Mann- schäfislohne zu bekämpfen, dann darf man auf der anderen Seite nicht sagen, an den Gehältern der Offiziere darf nicht gerüttelt werden.' Die Unterstellung, als ob wir unsere Anträge nur aus agitatarischen Gründen stellten, muß ich auf das entschiedenste zurückweisen. Die Sorge für die Reichssinanzen teilen auch wir, gerade weil wir uns bewußt sind, daß später, wenn einmal die Deckungsfrage erörtert wird, auch die Sozialdemokraten der Frage werden nähertreten müssen, wie wir dabei mitarbeiten werden. Deshalb dringen wir auf der einen Seite aus weitgehende Sparsam- t'eit und wünschen, daß auf der anderen Seite den Soldaten das gegeben wird, worauf sie Anspruch haben.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Debatte. Die A b st i m m u ng über die Resolutionen wird auf Montag vertagt. Es folgt die Besprechung des „Baralong".�allS. Abg. Graf Westarp(f.) als Berichterstaitetr der Kommission: Ein feiger Mord ist geschehen. Tapfere deutsche seesoldaten sind der ehrlichen Ausführung ihres Berufes zum Opfer gefallen, nachdem sie der tückische Feind in schnödem betrügerischen Mißbrauch der amerikanischen Flagge in seine Gewalt bekommen hat Mit Recht hat die deutsche Regierung eine Sühne dieses Verbrechens gefordert. Die Sühne ist schrokf abgelehnt worden. Der Vorschlag, diesen Fall�einem Schiedsgericht zu unterbreiten, steht, mag man über das Schiedsgericht denken wie man will einer Ablehnung gleich, denn er ist kein Ersatz für Sie Sühne und die Strafe, die das eigene Land an den aus seiner Mitte hervorgegangenen Verbrechern zu vollziehen hat. Die Form, in der die Ablehnung seitens der englischen Regierung beliebt worden ist, entsprach nicht dem Ernst, nickt der Würde der Sache und der Stunde. Die ganze Note ist durchzogen von einem Tone, für den Fremdworte gebraucht werden müssen, von dem Ton süffisanter Arroganz, anmaßender Uebcrhebung, den England am Platze zu Halten scheint, überall da, wo es glaubt, mit Völkern zu tun zu haben, die es als verächtliche kleine Rassen bezeichnet; einen Ton aber, den das deutsche Volk sich gefallen zu lassen, weder ge- nötigt noch gewillt ist. Das Unerhörteste ist, daß England geivagt Hat, in seiner Antwort gegen unscre Armee, gegen unsere. Truppen zu Lande und zu Wasser; gegen unser deutsches Volk in Waisen den Vorwurf zu erheben, daß unser Heer in ungrzäblten Fällen Verbrechen der schwersten Art begangen hätte. Worte der Abwehr gegen diesen Vorwurf mit ausreichender Schärfe lassen lich nicht finden. Eine solche verleumderische Beleidigung fällt aus ihren Urheber zurück, und wie die Tat des„Barolong* ein Schandfleck ist für den Namen seines Schisses und seines Osftziers, so ist Sic englische Note ein Denkmal der Schande für England. lLebhaste Zustimmung.) Der Ausschuß beschäftigte sich auch mit der Antwort, die die deutsche Regierung aus diese Note erteilt bat. Man mag über Einzelheiten, über den Zeitpunkt der Bekanntgäbe der Note und ihrer Antwort, über das Maß der Darlegungen, dessen England gewürdigt worden ist, verschiedener Ansicht sein können. In der Hauptsache bestand auch hier in den Verhandlungen des Aus- schusses volle Einigkeit. Tie Darlegungen über die einzelnen von der englischen Regierung vorgebrachten Fälle und die übrigen völkerrechtlichen Ausführungen der Note sind, inte alle Parteien anerkannten, klar, schlüssig und unwiderleglich. Volle Zustimmung fand es und als selbstverständlich wurde es von allen Seiten er- achtet, daß unsere Regierung es abgelehnt, hat, in dem Falle weitere Verhandlungen zu führen und. was die Hauptsache ist, volle Einigkeit bestand darin, daß jetzt die Antwort besteht in her Taft in entschlossener Tat.(Lebhafte Zustimmung.! Der Aus- schuß hat die Möglichkeiten solcher Tat erörtert, er ist zu dem Er- gebnis gekommen, daß es im Augenblick nicht angebracht ist, dar- über� öffentlich zu sprechen und hat seine Verhandlungen für ver- traulich erklärt. Er richtet an die Vollversaurmlung des deutschen Hauses gleichfalls die Bitte, sich aus die Einzelheiten nicht ein- zulassem Für Worte ist die Zeit nicht da, die Stunde � gebietet entschlossenes Handeln.(Lebhaftes allseitiges Händeklatschen.) Abg. Nooke(Soz.): Mit heller Empörung haben alle Kreise des deutschen Volkes von dem Wörtlaut der englischen Note in der„Baralong.Affäre" Kenntnis genommen. Als vor Monaten die ersten Berichte dar- über kamen, daß Mannschaften eines deutschen Unterseebootes Besatzung eines englischen Hilfskreuzers in geradezu bestialischer. Werse getötet worden seien, habe ich und mit mir wohl viele � andere eine Zeitlang an der Richtigkeit der Angaben Zweifel gehegt. Es erschien geradezu ungeheuerlich, daß Seeleute es sollten fertig gebracht haben, aus hilflos im Wasser treibende Menschen zu schießen und sie zu töten und schon gerettet« Mann- schaften, die aber doch wehrlose Gegner geworden waren, nreuch- lings zu erschlagen. Wir haben seinerzeit- mit Genugtuung gehört, daß Engländer Deutsche gerettet haben; eS ist sekbstberständlich, daß Deutsche wehrlos gewordenen Feinden gegenüber ebenso handeln.� Retteten bisher englische Schifte mehr deutsche Seeleute, als deutsche Schiffe englische Seeleute aufnehmen konnten, worauf die englische Regierung wiederholt und jetzt wieder in ihrer Note prahlerisch hingewiesen hat, trotzdem damit nur ganz Selbstvcr- ständliches geschehen ist, so nur deshalb, weil die Umstände es nicht anders mit sich gebracht haben. Im Falle„Baralong" kann nun schon lange nicht mehr daran gezweifelt werden, daß die Aussagen amerikanischer Zeugen vollen Glauben verdienen.(Sehr wahr!) Ware es anders, dann würden die englische Regierung und die englische Presse sehr bald mit der Entrüstung, die sie so gut zur Schau, zu tragen wissen, den amerikanischen Zeugenaussagen und den Erörterungen in der deutschen Presse entgegengetreten sein. Das Schweigen kann nach meinem Empfinden gar nicht anders denn als Schuldbekenntnis bewertet werden.(Sehr richtig!) Dann habe ich mir selbstverständlich auch die Frage vorgelegt, was die deutsche Regierung wohl tun werde, um"Sühne für den feigen Mord an braven deutschen Soldaten herbeizuführen. Das deutsche Volk verspürt gar keine Neigung dafür, seine braven O-Boot-Leute als Freiwild von England behandeln zu lassen. (Lebhafte Zustimmung.) Deshalb ist es seinerzeit ganz allgemein mit Genugtuung aufgenommen worden, als durch Repressalien die englische Regierung genötigt wurde, Gefangenen, Offiziere und Mannschaften deutscher O-Boote die anfänglich vertveigerte ehrenvolle Behandlung als Kriegsgefangene zu gewähren. Nur absolut selbstverständlich war es. daß die deutsche Regierung im Falle„Äaralong" Bestrafung der Schuldigen forderte. Allen Ungehörigkeiten in dem schon an sich furchtbaren Kriege entgegen- zutreten, hat jede Regierung und jedes Volk allen Anlaß, schon um das Zusammenarbeiten der Nationen nach dem Kriege nicht unnötig zu erschweren. lSehr wahr!) Die Bereitwilligkeit dazu läßt die englische Antwort aus die deutsche Note Am Falle„Bara- long" allerdings absolut vermissen. Die englische Antwort aus die Forderung der Bestrafung der„Baralong'leuiie ist. das Empörendste, was wir an Zynismus bisher auf diplomatischem Gebiete während des Krieges erlebt haben.(Lebhafte Zustim- mung.) Die Ausflüchte der englischen Regierung, die sich weigert, die Bestratung vorzunehmen, laufen indirekt aus eine Billigung des Mordes an den deutschen Seeleuten hinaus. Dafür hat das deutsche Volk gar kein Verständnis, es muß selbstverständlich volle Sühne� fordern.(Erneute Zustimmung.) Mit Genugtuung haben wir während des Krieges Kenntnis nehmen können, daß neutrale Staaten voll anerkamtten, daß die deutsche Regierung vorgekommene Ungehörigkeiten mißbilligt und sofortige Genugtuung gewährt. Die englische Regierung erdreistet sich, deutsche Soldaten und deutsche Matrosen zu beschimpfen und ihnen den Vorwurf wer- brecherischer Handlungen zu machen. Wir nehmen unsere Volks- genossen mit aller Entschiedenheit gegen eine solche Verunglimp- sung in Schutz.(Lebhafter Beifall.) In einer Erkläntug hat vor Monaten der Vor st and der sozialdemokratischen Partei betont, daß die deutschen Soldaten keine Hunnen und keine Barbaren sind. Wir wissen, daß unsere Sökme und Freunde im Felde sich au menschlicher Gesittung �und an kulturellem Empfinden von den Soldaten der feindlichen Länder ganz gewiß nicht übertreffen lqssen. (Stürmische Zustimmung.) Schließlich sind die deutschen Toi- daten nickt Abkömmlinge von Afrikanern, die sich von Menschen- fleisch ernähren, und nun von Frankreich und England nach Europa gebracht und ins Feld geführt werden.(Lebhaftes Sehr nichtig-!! Die Angehörigen unseres Heeres und unserer Flotte stammen aus unserer Mitte und sind durch unsere politische und gewerkschatt- liehe Schule gegangen. Wir wissen, daß sie in treuer Pflichtersül- lung den Kamps für die Sicherung ihres Landes, für ihre eigene Existenz und für die Zukunft ihrer.Kinder führen. iLebhafter Beifall.) Auch die Männer, die in harter Pflichterfülluirg den schweren Dienst auf den Unrerfeebooteit tun, verdienen nicht den Vorwurf des Barbarentums, am allerwenigsten aus englischem Munde.(Stürmische Zustimmung.) England hat sich ntcht gescheut, weil es an eine Niederringung unseres Heeres nicht glaubte, den Aushungerungskrieg gegen unsere Frauenbund Kinder zu be- ginnen. An der Antwortnote unserer Regierung freut mich die Feststellung, daß die leitenden Stellen im deuftchen Heere und in der deutschen Marine nach wie vor den Krieg nach den. Grundsätzen des Völkerrechts und der Menschlichkeit führen werden' und daß ite streng darauf achten werden, daß alle etwa vorkommenden Ver- stoße genau untersucht werden sollen. Beim Lesen der deutschest Antwortnote könnte rnan sich allerdings im ersten Augenblick tragen, ob aus den Zynismus der- englischen Note nicht eine Antwort in energischerem Tone am Platze ge- wesen wäre.(Abg. Dr. Liebknecht: Hört! hört!) Das wäre an sich durchaus berechtigt gewesen.('Allseitige Zustimmung.) Aber ich billige die maßvolle Zurückhaltung; die Antwort ist nach meinem Empfinden durchaus ernst und würdig und Teutschlatrds gutes Recht ist in diesem Falle ein viel besseres Argument, als es starke Worte bätte« sein können.(Sehr wahr!) Natürlich ist es auch unsere Meinung, daß der„Bara long"-Fall nicht durch einen papiernen Protest seine Erledigung finden kann. Es ist richtig, wenn die deutsch« Regierung selbst die verweigerte Sühne für Vits Berbrechcn an deutschen Soldaten in die Hand nimmt. (Lebbaste Zustimmung.) Wir bedauern jede weitere Verschärfung der Kriegssührung. Der Krieg ist wahrlich schon grausam genug. Aber das deutsche Volk hat keine Lust, eine Selbstmordpolitik zu treiben und zuzulassen, daß England mit Angehörigen seines Heeres oder seiner Flotte Schindluder spielt.(Lebhafte Zu- stimmung.) Von unseren O'-Boot-Leuten, die wir bewundern und die wir lieben(demonstrativer Beifall), darf nicht erwartet werden, daß sie sich rubig feigen Mordversuchen aussetzen, die von der Be- satzung feindlicher Franktireurschiffe oder von Schiften unter falscher Flagge verübt werden.(Wiederholte lebhafte Zustimmung.) Vorschläge über die Art der Vergeltungsmaßregeln zu machen, ist nicht unsere Aufgabe.(Abg. Liebknecht: Hört! hört!) Wir haben zu den führenden Stellen das Zutrauen, daß sie verstehen werden, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet, so empfindliche Schläge zu führe«, wie wir es' wünschen müssen.(Lebhafter allseitiger Bei- fall.) Aber wir baben auch das Zutrauen zu ihnen, daß sie wie bisber so auch künftig das Ansehen Deutschlands als eines Kultur- landes zu Ivahren und den Geboten der Menschlichkeit zu ihren: Rechte verHelsen werden.(Lebhafter, lang anhaltender Beifall.— Zischen des Abg. Liebknecht.) Abg. Dr. Spahn(Z.): Was England in seiner Note verlangt, ist längst geschehen. Jeder' einzelne Fall ist von den zuständigen Stellen bei uns unter- suckt und entschieden worden. T-agegen verweigert England das, was wir nach den Grundsätzen des Völkerrechts von ihm verlangen können(Sehr wahr!) England hat am allergeringsten Ursache, in dieser Weise gegen uns vorzugehen. Es hat sein Wassenkleid dadurch befleckt, daß es farbige Truppen auf den europäischen Kriegsschauplatz gebracht hat und i>aß es diesen Krieg in die Ge- biete Hineingetragen Hat, in denen diese Halbwilden Völkerschaften in Afrika zu Hause sind. Und nun müssen wir erleben, daß England selbst den Krieg in einer Weise führt, die sich in nichts unterscheidet von der Kriegführung wilder Völker. (Sehr wahr!) Dazu kommt die Bedrückung der Neutralen durch England. England ftihrte den Krieg mit fremden Völkerschaften, mit Söldnern, und seine Flotte, die es gegen, uns führen könnte, versteckt es hinter seinen Inseln. Ich bin nun gespannt, was nach diesen Erörterungen jetzt das neutrale Auslaitd tun wird, ich bin auch gespannt, was die Alliierten von England sagen werden. Ettgland muß sich nachsagen lassen, daß es sich von dem Marie bankerotter Völker mästet.(Sehr wahr!) Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß wir durchhalten. Gerade die sittlichen Kräfte unseres Volkes, die sich in diesem Kriege gezeigt haben, verschassen uns die feste Ueberzeugung, daß wir bis zum siegreichen Frieden durchhalten können. Darüber ist sich der ganze Reichstag mit den Verbündeten Regierungen einig, daß die Matznahmen, die als Vergeltung gegenüber England angewendet werden, unsere Zu- stimmung finden.(Lebhafter allseitiger Beifall.) Abg. Bassermann(natl.): Auch namens meiner politischen Freunde erhebe ich Protest gegen den„Baralong'-Kall, gegen diesen schnöden Mord an deut- scheu Soldaten und gegen die englische Note. Der Tatbestand ist einfach und klar. ES bandelt sich um Grausamkeiten, bei denen man sich nur darüber wundern kann, daß sie von Angehörigen eines Staates verübt werden konnten, der bisher so stolz auf seine Ver- gangenheit war.(Sehr wahr!) Als die Leute bereits tot waren, ist der Haß soweit gegangen, daß die Toten noch durch den Kops geschossen wurden.' Einhellig war die Kritik, die Empörung in deutschen Landen. Ich freue mich über die Worte der Entrüstung, die Herr Noske hier gefunden hat. Auch aus dem neutralen Ausland haben wir viele Stimmen gehört, die sich mit Abscheu gegen das Verhalten Englands gewendet .haben. Auch, dort wurde geschrieben,. Englands Schuld ist. mit einem unauslöschlichen Makel beileckt.........'( Wir sind stolz auf unsere Ö-Bootbesatzung. aus. Offiziere und Mannschaften, die in herrlichster Weise ihre Pflicht erfüllen, wir sind stolz aus ihre Erfolge in der Nordsee und im Mittelmeerc. Manche tapferen braven deutschen Jungen liegen längst auf dem Grunde des Meeres, sie sind gestorben in treuer Pflichterfüllung, sie haben für daS Vaterland gestritten und den Tod erlitten, einen schönen und einen ehrenvollen Tod. Aber was wir hier besprechen, ist ein gemeiner Mord. Die englische Note erreicht den Gipfel der Unverschämtheit, sie ist getragen von einer unglaublichen Frivolität und heuchlerischer Ueberhebung.(Sehr richtig!)� Die Lüge, die längst zum englischen System geworden ist, feiert hier neue Orgien. Man überschlägt sich förmlich in Beschimpfungen der deutschen Armee. Die ganze Armee wird des Mordes, der Brandstiftung, der Begehung von. Gewalttätigkeiten beschuldigt. Man fragt sich unwillkürlich, was will England mit dieser Note, die jede weitere Verhandlung unmöglich macht Will es uns etwa hinreißen zu Maßregeln, denen die Ruhe und B�e sonne nheit fehlt? Wir werden uns dazu nicht hinreißen lassen, unbeschadet der Euer- gie, die. bei den betreffenden Maßregeln einzusetzen hat. Es wird der Regierung überlassen bleiben, rasch und energisch die Maß- regeln zu treffen, die notwendig sind. Der Reichskanzler hat erklärt, daß wir in diesem Kriege die Sentimentalität verloren baben. Hie Rhodtis, hic Salta! Hier ist ein energisches Vorgehen notwendig. Wir find stolz auf unsere herrliche Flotte, auf ihre Mannschaften, die mit nimmerermüdender Pflichterfüllung immer und immer wieder ihr Leben unter den größten Anstrengungen hivgeben. Wir sind stolz auch auf die Erfolge, die wir in diesem langen Kriege errungen haben. Vergleicht man die Bilanz des KriegSjabres t9lk> mit der von 1914. so haben wir am Ende dcS Jahres ein Gebiet von 479 000 Onadrattilometern besetzt mit einer Bevölkerung von 30 Millionen gegenüber einem Gebiet von nur 50 000 Quadratkilometern am Ende des Jahres 1914. Wir sind auch stolz daraus, daß unsere Kriegssührung getragen ist von dem Geist der Humanität und der Sittlichkeit. So weisen wir mit Entrüstung die englischen Mordtaten zurück; wir protestieren gegen die englische, jedem menschlichen Gefühl, jeder moralischen Ge- pslogenheit widersprechende Kriegführung und erwarten Vergel- tungSmatzregeln.(Beifall.) Wbg. Fisch b eck(Vp.): Kein Wort der Entrüstung, das von der Tribüne eines Parla- rnents gesprochen werden darf, reicht auS, um die Gefühle zum Ausdruck zu bringen, die in der gesamten gesitteten Welt über die englische Note gehegt werden müssen. England glaubte, als es den Krieg begann, daß es in wenigen Tagen Deutsch lanb niedergeworfen haben würde; es glaubte, daß die Landheere. die es sich nach der lle-berlieferung englischer Politik dienstbar gemacht hatte, in kurzer Zeit Deutschland überschwemmen und Deutschlands Macht zertrüm- mern. würden. Es irrte sich darin. Als diese Mittel versagten, be» gattn England eine andere Kriegsmethode, die darauf hinausging, den Hunger zu verhängen über Frauen und Kinder, über eine wehrlose Bevölkerung. Der gute Rechner drüben hatte sick abermals verrechnet. Er' hatte sich verrechnet in unserer wirtschaftlichen Kraft, die- diesen H-ungerkrieg zuschandeit machte, indem wir der Welt zeigten,'daß wir aus Eigenem imstande seien, diesen Wirt- schaftskrieg zu führen. England irrte sich noch in'anderem. Ter Heldengeist, der in unserer Marine lebt, fand in den O-Booten ein Mittel, um England in seinem eigensten Element zu schädigen und zu treffen.' Wieder griff England zu neuen Waffen Und diesmal zu Waffen, die die Verachtung der Welt herausfordern.(Sehr richtig!) Es gibt Sittengesetze, die auch in dem erbittertsten Kampf, in einem solchen Ringen,' wie wir jetzt stehen, wie es die Welt- geschichte noch nicht gesehen hat, nicht außer acht gelassen werden dürseni Und Eng!»:« ist mit dem, was es hier in dieser Note zu- gelassen hat, von Stufe zu«rufe gesunken, und wir fragen mtS verwundert, ob es möglich ist, daß die- Politik cdrcs Volkes noch xjiif einer Hcfere« Stufe- ankommen kann, als' England mit dem, was eS.'hier zur Verteidigung des„Baralon!g"-Falles getan hat, an-- aekoinmen ii> isebr richtig!) Wir gedenken jener Helden, die die Feigheit eines englischen Kapitäns dahingemordet hat Wir senden den tapferen Aöatroien und Soesoldaten. die bis zum Letzten, ihre Pflicht dein Vatcrlande gegenüber getan haben, die das getan haben, was ihnen bchoblen war. wir senden ihnen unsere Grüße und Bewunderung in ihr nasses Heldengrab. Wir stehen mit den Vorrednern, die in einer erfreulichen Uebereinsiitmrmng diese Dinge beurteilt baben, aus dem Standpunkt: Es ist uicht hier vor der Oes- fentlichkcit der Ort, und es ist auch nickt unsere Aufgabe, die Frage zu erörtern, wie diese Vergeltung zu üben ist. Daö ist die Aufgabe -unseres General- und Marineftabes. und wir haben iiacf) alledem, was unsere Armee und unsere Marine bisher geleistet haben, die feite Ueberzeugung, daß sie die Kraft und das Können besitzen, auch diese Vergeltung zu üben; und wir hegen die Hoffnung, daß sie so aus iallen wird, daß das verletzte Gerechtigkeitsgefühl des deutschen Volkes und die Verletzung der Sitten der gairzen Welt, daß- sie ihre Sühne finden werden.(Großer Beifall.) Abg. Tr. Hertel(k.): Eine so erfreulich- tiefe UebereinstiuMiung in- den Anfckau- migeri hat der Deutsche Rcickstag, solange ick ihm angehöre, selten oder fast nie gezeigt wie beute. Ter Berichterstatter und der Vertreter der sozialdemokratischen Partei tvaren vollkommen einig in der Ausfaffung, in der Grundlinie ihrer Betrachtung, und ich kann nur das wiederholen, was die Herren- von der äußersten Linken, von der bürgerlichen Linken und vom. Zentrum gesagt haben.. Ich konnte kaum irgendwo eine andere Abtönung, eine andere Schal- ticrung anbringen. Einig sind wir alle in dem herrlichen Dank, in der unumwunden hohen Anerkennung unserer Kämpfer, gegen die die. feige, erbärmliche, die jämmerliche und nicht-scharf genug zu brandmarkende Mordtat der Engländer sich richtet. Ueberrascht sind wir, die wir die eigenartige Entwicklung des englischen Charakters�in diesem Kriege kennen, durch diese Mordtat nicht worden.(Sehr richtig?) Die Unverschämtheit erreicht allerdings beinahe den Gipfel, beinahe die Grenze der denkbaren Möglich- kcit. 2Bcnrt_ nrir in der Geschichte zurückblicken, so werden sich ähnliche Beispiele elender Feigheit wenige finden. England- reiht sich durch diese Tat den schlimmsten, den verabscheuuitgswürdigücn Taten an, die in der Geschichte der Welt vorgekommen sind.(Zu- stimmu.P.) Aber ich verzichte darauf, Worte zu wählen, die die Tat gebührend kennzeichnen; die deutsche Sprache, nicht nur die parlamentarische, sondern auch die Sprache des deutscheu Volkes hat kein Wort, das scharf genug wäre, dem Ausdruck zu leihen, was wir alle uird was auch die Völker draußen, soweit sie sittlicher Regungen fähig sittd, empfinden.(Sehr wahr!) Aach meiner Auffassung ist die Entrüstung hier auch nicht genügend. Dieser Tat gegenüber müssen wir das schärfite Maß der Veracktung entgegenbringen, der Verachtung, die diese Tat und ihre Täter aus dem Bereiche der Menschlichkeit und des Menschentums weist. (Sehr richtig!) Die deutsche Regierung hat vornehm gehandelt/ indem sie der britischen die erste Note übersandte, in der sie Ab- urterlung der Verbrecher verlangte. Vielleicht hätte man diese Note sich ersparen können, weil man die Engländer kannte. Aber ich bin durchaus damit einverstanden, daß. sie übersandt wurde, auch damit, daß man ein englisches Gericht und eine englische Aburteilung forderte. Das ist der durchaus korrekte, ja selbst- verstäickliche Standpunkt. Aber was erleben wir? Gegenüber dieser korrekten, einwandfreien Art, wie die deutsche Regierung die Sache behandelt hat, hat die britische sich zu- einer Antwort verstiegen, die auch mich überrascht hat. Ich hätte den Ton- und den Inhalt dieser Antioort auch der jetzigen britischen Regierung eigentlich nicht zugetraut.(Sehr gut!) Sie übersteigt- das. Matz dessen, was man von ihr erwarten konnte. Graf Westarp glaubte den Ton der Note mit• Fremdwörtern bezeichnen zu sollen. Nein, wir wollen ja die Fremdworte nach Möglichkeit vermeiden..(Heiter- keit.) Wir dürfen hier gewiß ganz, nckiig von einer höhnischen,' hämischen Unverschänftheu fprechtzg..(Lebhgfte. Zustimmung,)/ Ich "weiß nicht, lpbs" stärker ist,, öb-die-..UiMcrsch'ämtheit odcr.'.lder satanische- Ton. der durch die.Note. NmZO. und. der.-sonst in diplomatischen'Verbatidlungen eigentlich uiigcwöhnlsch ist) oder-zage angewandt wird. Die englische Note, hat aber die Sache" geklärt. und deshalb hat sie immerhin etwas erfreuliches. Bisher handelte es sich nur um eine Mordtat eines einzelnen englischen Schiffs-- kommandanteu, jetzt hat die britiscke Regierung diese Tat zu der ihrigen gemacht. iSehr richtig!) Was wir dagegen tun, das kann sich nun nicht mehr richten allein gegen diejenigen,.die den Mord- verschuldet haben, sondern es muß.sich richten gegen die britische Regierung, die die Verantwortung trägt.(Sehr richtig!) Ich. habe die Stimmen der Entrüstung vernommen aus dem Laude, wie ich sie während des ganzen Krieges auch nickt annähernd gehört habe. Die deuticke Regierung wird mit dieser Stimmung rechnen. Das deutsche Volk erwartet nickt von uns, daß wir etwa die Engländer in den von mir gekennzeichneten Eigenschaften überbieten. Dazu sind wir nicht fähig und es entspricht auch nicht dem Ernst der Sache selbst. Wir wollen die Leute mit der Verachtung behandeln, die ledcr ehrliche innerlich anständige Mensch nicht den Mördern allein, fondern mehr noch dem Gebaren der. britischen Regierung entgegen- bringen muß. Die deutsche Note stellt Abwehrmaßregeln in Aus- ficht. Es wäre töricht, wenn wir unö hierüber aussprechen.?lb- gesehen davon, daß es nicht unsere Sache ist sie zu finden und zu beurteilen, würden wir auck sehr unklug handeln, wenn luir diese Abwehrmaßregeln hier der Oesfentlichkeit unterbreiten. Ungesühnt darf die Tat, darf die Unverschämtheit der britischen Regierung nicht bleiben; ungesühnt dürfen unsere Scehclden, denen unser Dank in ihr feuchtes Grab folgt, nicht gestorben sein. Das deutsche Volk verlangt eine entsprechende Sühne, die seinen Gefühlen entgegen- kommt. Wir dürfen erwarten, daß die deutsche Rcgicruua mit aller Entschiedenheit von den Mitteln, die sie in der Hand hat, Ge- brauch macht, um die britische Regierung zu strafen, wie sie cS vcr- dient. In dieser Erwartung sind wir alle einig.(Abg. Liebknecht: Nein!) Mit Ausnahme eines, den wohl niemand in diesem Hause ernst nimmt.(Stürmischer Beifall.) Alle ernsten Männer in diesem Hause sind darin einig, daß das deutsche Volk in seiner Gesamtheit der deutschen Regierung dankbar sein wird, wenn sie mit aller Entschiedenheit die angekündigten Abwehrmaßregeln durchführt, wenn sie die Sühne eintreten läßt für das, was die Welt bat sehen müssen an Fürchterlichem, au Entsetzlichem, an Unverschäuitheit. < Liebknecht: Die Ärieshctzer sind darin einig!) Diese Einigkeit ist das schönste Ergebnis der heutigen Sitzung. Und ich freue mich wirklich noch Zeuge gewesen zu sein einer so er- hebenden Einmütigkeit von der Rechten bis zur Linken. Das läßt uns mit guter Zuversicht in die Zukunft blicken, auf die letzte Eni- scheidung des Krieges.. Hält diese Einigkeit aus, dann müssen wir siegen, dann werden wir siegen, unbedingt.(Lebhafter Beifall.) Unterstaatssckretär Zimmermann: Mit ausrichtiger Genugtuung darf ich auch namens der Re- gierung die Einmütigkeit feststellen, in der. Sie, meine Herren, mit dem deutschen Volke und der Regierung den schmählichen Baralong- Soll verurteilen. Der empörende Vorfall, die impertinente englische lntwort sind von Ihnen gebührend gekennzeichnet worden. Es bedarf keines Wortes meinerseits mehr, um das»och zu unterstreichen. Ebenso ist Einigkeit darüber hier- festzustellen, daß eine scharfe Sühne notwendig ist. Auch hierin. stimmt die Regierung vollständig mit Ihnen üverein. Ich danke Ihnen namens der Regierung für diese vornehme Art und Weise, in der Sie Ihre Entrüstung, Ihre Empörung zum Ausdruck gebracht-haben. Ich bitte Sie, die Ueberzeugung mit nach Hause zu nehmen, daß die Regierung die richtigen Mittel und Wege finden wird, um diese empörende Tat scharf und nachdrücklich zu sühnen.(Beifall.) Abg. Lcdebour(Toz.): In der Baurteiliing des Falles Baralong an sich, also der Untat, die da von englischen Seeleuten gegenüber deutscken tapferen Seeleuten begangen ist, weiß ich mich eins mit allen Vorrednern. Ich verzichte dcshalv daraus, das noch mit einem Worte- zu de- tonen. Ich habe auch- dieselbe Empfindung schon in der Kommission zum Ausdruck gebrockt gegenüber der Note der englischen Re- gierung, die ja gleichfalls einer ausgiebigen Kritik_ unterzogen worden ist, die ich nicht weiter zu ergänzen brauche.� Es fällt mir auck nicht ein, etwa auf das Lockmittel hereinzufallen, das die englische Regierung in ihrer Note ausgespielt hat, indem sie an- gebliche parallele Fälle ähnlicher Untaten, die von deutscher Seite begangen sein sollen, zur Erörterung vorschlägt. Selbst, wenn diese von englischer Seite angeführten Untaten ebenso beweiskräftig bewiesen wären wie sie nicht bewiesen sind,� würde ick cs doch zurückweisen, daraus einzugehen, weil die� englische Regierung in diesem Falle bandelt wie gewisse Zeitgenossen, die, wenti man sie am Kragen kriegen will, davonlaufen mit dem Rufe: Haltet den— anderen!«Heiterkeit.) Das soll nur zur Verdunkelung dienen und wir würden die Sacke an sich verdunkeln helfen, wenn wir uns aus dies Geviet überhaupt begeben würden. Aus dem- selben Grunde b e d a u r e ick es ober, daß einige der Herren Vorredner sich haben verleiten lassen, nun ihrerseits gegen das englische Volk, die englische Regierung wegen verschiedener ander- rer Vergehen Vorwürfe zu erheben. Das lenkt auch von der Sache ab. Ganz abgesehen davon, daß zum Beispiel Herr Spahn eine historische Unrichtigkeit gesagt hat, wenn er behauptet, daß Rom niemals gegen fremde Völker Krieg geführt wie England. Das ist gerade sehr richtig, daß Rom, als es zum Weltreich geworden war, dasselbe getan bat. Das ist eben der Fluch der Welt- r e i ch s p o l i t i k, die sich in beiden Ländern zeigt.(Lachen rechts.) Herr Fischbeck hat�dann die Frage aufgeworfen, ob ein Volk nock aus eine tiefere Stufe sinken könne, als das in der Note der englischen Regierung geschehen sei. Tos englische Volk ist durch diese Note nicht gesunken, das Sinken ist allein Sache der englischen Regierung. Derartige Vorwürfe dienen leider dazu, die bestehende Feindschaft noch zu verbittern. In der deutschen Note ist ganz zutreffend angedeutet worden, daß man zu englischen Seeoffizieren das Zutrauen baben könnte, daß sie, zu Richtern über diese Tat berufen, sie genau so verurteilen würden wie jeder anständige Mensch. Deshalb sollte man solche Vorwürfe, die mit Recht die eng- lische Regierung treffen, nickt allgemein auf das eng- tische Volk ausdednen, soweit es sick nicht auf denselben Standpunlt stellt. Ich habe das Zutrauen zu einem großen Teil des englischen Volkes, besonders zu den englischen Sozialiste», daß sie in der Beurteilung der„BaralongMlntat mit uns übereinstimmen werden. Der I/-Boot-Krieg ist verständlich als eine Abwehrmaßregel gegen- über dem Aushungerungskrieg Englands. Dieser Auslmngerungs- krieg wieder ist die Folge des heute leider noch bestehenden See- beuierechiS und gerade die Vorgänge in diesem Kriege zeigen, zu welch' ungeheuerlichen Konsequenzen das Seebeutereckt führt. nämlich notwendig und auf beiden Seilen zur Verschärfung der Kriegführung. Ich spreche die Hoffnung aus, daß. wenn wir wieder Frieden bekommen, was hoffentlich bald der Fall sein wird, daß dann die Regierungen, die schon im Frieden für die Abschaffung des Seebeuterechts waren, endlich diese Bestrebungen zur Tat werden lassen, d. h. daß überhaupt das Privateigentum auf See ebenso unantastbar erklärt wird wie das Privateigentum zu Lande. Wir waren es, die zuerst die Forderung erHoden haben, die deutsche Regierung möge für die Beseitigung des Seebeuterechts ein- treten. Die britische Regierung ist für seine Aufrechlerhaltung eingetreten. Wenn die Erfahrungen im jetzigen Kriege die eng- lische Regierung auch zu der Ueberzeugung bringen sollten, daß die Aufrechterhaltung des Seebeuterechts schweren Schaden für olle Nationen bringt und wenn sie deswegen auf das Seebeuterecht verzichtet, so würde wenigstens etwas gutes aus dieiem Vorgehen herauskommen.— Wenn nun Vergeltung S maßregeln ge- fordert werden, so dürfen sie nach meiner Meinung in keiner Weise dazu führen, daß Personen, die an solchen Taten wie der des „Baralong" unbeteiligt sind, etwa ihr Leben lassen sollten. Nach meiner Auffassung darf der ll-Boot-Krieg nicht über die Grenzen hinausgehen, die anläßlich des Lusitania-FalleS gezögen worden- sind. Damals hat die Regierung selbst erklärt, daß nicht ohnö-börherige Wärnüng torpediert würde. Würde jetzt nicht mehr gewarnt werden, so wäre das allerdings eine Kriegs- fübrung,- iüe-mit den früher von der Regierung selbst anerkannten Grundsätzen im Widerspruch steht. Da unsere Regierung aber eine derartige Erklärung nicht abgegeben hat. darf ich wohl hoffen, daß keine Äenderung eintreten wird. Angesichts der vieldeutigen Redewendungen. die von den Rednern einiger Parteien über die Ber- geltung gemacht worden sind, und nach Auslassungen in einem Teil der Presse könnte der Eindruck entstehen als ob ohne vorherige Warnung torpediert werden könnte. Deshalb ist es dringend not- wendig, hier zu erklären, daß mit einer derartigen Auffassung weite BolkSkreise nicht einverstanden sind. Vergeltungsmaßnahmen sind ja immer eine zweischneidige Waffe. Sollten in irgend einer Form Uebergriffe begangen werden, die sich mit den Gesetzen der Menschlichkeit nicht vertragen, so müßten wir entschiede» dagegen Verwahrung einlegen. Es muß auch im Kriege darauf hingearbeitet werden, daß die Gesetze der Menschlich- keit nach Möglichkeit beachtet werden. Das ist auch ein Gebot der Vaterlandsliebe. Wir können unserem Vaterlande keinen größeren Dienst erweisen, als wenn wir dafür sorgen, daß es auch in bezug aus Menschlichkeit an der Spitze der Kulturnationen marschiert.(Bei- fall bei einem Teil der Sozialdemokraten.) Ein Schlußantrag wird angenommen. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Durch den Schlußantrag wird mir unmöglich gemacht. Wider- spruch dagegen zu erheben, daß ein an und für sich trauriger Fall hier für die Zwecke der Völkerverhetzung benutzt wird und damit— (Stürmische Unterbrechungen, in denen die weiteren Worte des Redners verloren gehen). Das Haus vertagt sich aus Montag 11 Uhr.(Belage- rungszusiand und Zensur.)_ Bus öer Partei. Zur Angelegenheit Liebknecht. Der Beschlutz der Reichstagsfiaktion gegen den Genossen Lieb- knecht bedeutet den Abschluß einer langen Reihe von Erörterungen in der Fraktion. Am 2. Dezember 1911 stimmte Liebknecht bei der Ab- stimmung über die Kredite entgegen dem Beschlutz der Fraktion gegen die Kredite. Zu diesem Bruch der Fraktionsdisziplin veröffentlichte der Fraktionsvorstand folgende Erklärung: „Ter Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfiaktion stellt fest, daß der Genosse Kaü Liebknecht entgegen dem alten Brauch der Fraktion, geschlossen abzustimmen, der durch einen ausdrück- lichen Beschluß.für den vorliegenden Fall erneuert wurde, gegen die Kriegskreditvorlage gestimmt hat. Der Vorstand bedauert diesen Bruch der Disziplin, der die Fraktion noch beschäftigen wird, aufs tiefste." In der Sitzung der Fraktion vom 2. Februar 1915 beschäftigte sich die Fraktion mit dieser Angelegenheit und schloß sich der vom Fraktionsvorstand ausgesprochenen Verurteilung des Verhaltens Lieb- knechts an. Zugleich beschloß die Fraktion für künftige Fälle folgende Regel der Abstimmung: „Die Abstimmung der Fraktion im Plenum bat geschlossen zu erfolgen, soweit nicht für den einzelnen Fall die Abstimmung aus- drücklich freig-geben ist. Glaubt ein Fraktionsmitglied nach seiner Ueberzeugung an der geschlossenen Abstimmung der Fraktion nicht teilnehmen zu können, so steht ihm das Recht zu, der Abstimmung fernzubleiben, ohne daß dies einen demonstrativen Charakter tragen darf." Dieser Antrag wurde mit 93 gegen 4 Stimmen zum Beschlutz erhoben. Am. 20,. März 1913 hatte sich die Fraktion wiederum mit Lieb- knecht zu-beschäftigen, der seinen Entschluß mitteilte, gegen den Be- sckluß der Fraktion, betreffend den- Kriegsctat, im Plenum.zu stimmen. Die Fraktion verurteilte dieses Borgchen durch eine erneute Erklärung in der Parteipressc. In der Augusttagung des Reichstags 1915 begann Liebknecht mit der Embringung von Kurzen Anfragen vorzugehen, ohne zu- nächst den bestehenden Beschlüssen gemäß dein Fraktionsvorstand oder der Fraktion davon Kenntnis zu geben. Nach eingehender Debatte wurde folgendes beschlossen: 1. Am 8. Mai 1912 beschloß die Fraktion: Bezüglich der Kurzen Anfragen wird beschlossen, daß diejenigen Genossen, tvelcke solche stellen wollen, diese vorher zur Kenntnis des Fraktions- Vorstandes bringen sollen, wenn nicht Gelegenheit und Zeit gegeben ist, sie in der Fraktionssitzung zur Kennwis zu bringen. Hat der Fraktionsvorstand gegen die Stellung einer Frage Bedenken, so soll eine besondere Fraktionssitzung einberufen werden. 2. Entgegen diesem Beschluß hat Liebknecht von seiner Absicht, obige Anfrage an den Reichskanzler zu stellen, dem Frakttonsvor- stand keinerlei Kenntnis gegeben, sondern ihm einfach mitgeteilt, daß er diese Anfrage beim Reichstagsbureau eingereicht habe, Liebknecht bat ferner jeden Versuch des Fraktionsvorsitzenden Haase, diese Angelegenheit bis zur Fraktionssitzung zurückzustellen, abgc- lebnt, obgleich ihn, bekannt war, daß die Fraktion sich mit derselben Angelegenheit befassen werde, und obgleich in der materiellen Be- Handlung der Anfrage dadurch weder eine Äenderung noch Ver- zögerung eingetreten wäre. Trotzdem setzte Liebknecht sein eigenmächtiges. Verfahren fort und ging, als der Reichstag im November 1913 zusammentrat, von neuem auf eigene Faust mit Anfragen über wichtige politische Angelegenheiten vor. Es handelt sich dabei um Angelegenheiten, die nach übereinstimmender Meinung der Fraktion unmöglich in der Form von An- fragen sachgemäß behandelt werden konnten. In herausfordernder Verhöhnung obigen Fraktionsbeschlusses reichte Licbkueckt seine An- fiagen im Bureau des Reichstags ein, ohne vorher dem Vorstand oder der Fraktion die geringste Mitteilung zu machen. Ja, er wies das Bureau des Reichstags telegraphisch an, daß er die schleunigstc Druck- legung der Anfragen verlange und„sich jede Intervention jedes Dritten— nach dem Vorgange August 1913— scharf v e r b r t t c". Letzteres richtete sich gegen den im August vom Ge- nosseit Haase gemachten Versuch, Licbkueckt zur Zurückstellung seiner Anfiagen bis zur Fraktionsberatung zu bewegen. Die Fraktion. beschäftigte sick wiederum mit diesem Vorgehen. Da Liebknecht infolge Krankheit nicht anwesend war, faßte sie in der Sitzung vom 21. 9to- vember den Beschlutz, daß der Fraktionsvorstand ihn zur Zurück- ziehmig seiner Anfiagen ausfordeni solle. Genosse Haase besuchte Liebknecht, um die Frage mit ihm zu besprechen, aber Liebknecht ver- weigerte die Zurücknahme der Anfragen. Es wurde schließlich, n a ch- dem alle Versuche, Liebknecht zur vernünftigen Einfügung in die Fraktionsarbeit zu bewegen, gescheitert waren, am 29. November folgender Beschluß gefaßt: „Unter Umgebung und Ausschaltung der Fraktion geht Lieb-- knecht durch Einbringung Kurzer Anfragen fortgesetzt seine eigenen Wege, obwohl gerade dieses Mal weder zeitliche noch .Hindernisse anderer Art vorlagen, die von ihm selbst mitaufgestcllteu Fraktionsbcschlüsse zu respektieren. Tie Reichstagsfiaktion weist diese fortgesetzten Provokationen aufs schärf st e zurück und lehnt jegliche Verantwortung ab." Auch dieser Beschluß blieb ohne Wirlmig aus Liebknecht. Er beharrtc bei seinem selbstherrsicken und die Arbeitsgemeinschaft zcr- störenden Verhalten, das er mit dem nichtigen Borwandc zu bcmäutelil suchte, er sei der Hüter der Grundsätze der Partei. Mehrere seiner neuen Anfragen waren derartig, daß der Rcichstagspräsident der MeU nung war, diese Anfiagen nicht zulassen zu dürfen. Ter Senioren- konvent des Reichstags mutzte sich, da Liebknecht, fiei von jedem politischen Verantwortlichkeitsgefühl, immerfort neue Anfragen dieser Art stellte, an drei aufemander folgenden Tagen mit der Angelegen- beit- beschäftigen.- Dabei trat die Meinung hervor, daß schließlich die GeschäftsordnungsbesttmiNüngen über die Anfiagen geändert werden müßten, wenn ein einzelner?lbgeordneter in der Lage fein solle/ ein parlamentarisches Recht offenbar zu mißbrauchen. So sah sich die Fraktion am 12. Januar abermals in der Läge, sich mit dem Fall Liebknecht zu befassen. Auch Mitglieder der Minder- heit der Fraktion sprachen sich äußerst scharf gegen das Verhalten Liebknechts aus. Ein Mitglied der Minderheit, das zugleich Mitglied des Seniorenkonveuts ist, wies darauf hin, das Vorgehen Liebknechts müsse dazu führen, daß das mühsam errungene Recht der Anfragen gefährdet und dem Reichstag wieder entrissen würde. Ein anderes Mitglied der Minderheit betonte, Liebkneckts Verhalten sei ganz unentschuldbar. Liebknecht selbst erklärte, daß er sich auch in Zukunft in keiner Weise an die Beschlüsse und die Geschäftsordnung der Fraktion gebunden erachte, sondern Politik auf eigene Faust betreiben wolle. Er blieb dabei, er werde sich nur den Beschlüssen der Fraktion unterordnen, die den Grundsätzen der Partei, wie e r sie auffasse, entsprechen. Das heißt nichts anderes, als das subjektive Ermessen des einzelnen über wohlerwogene Mehrheitsbeschlüsse zu stellen, damit das Grundprinzip einer demokratischen Arbeitsgemeinschaft aufzuheben und jede Ivirksame Vertretung der Arbeiterinteresien in: Parlament unmöglich zu machen. Die Fraktion faßte daher folgenden Beschluß: „Da Genosse Liebknecht fortgesetzt gegen die Beschlüsse der Fraktion handelt und somit die Pflichten der Fraktionsgemcinschaft auf das gröblichste verletzt, erklärt die Fraktion, daß Liebknecht da- durch die Rechte, die aus der Fraktionszugehörigkeit entstehen, vcr- wirkt hat.' Dieser Beschluß der Fraktion hielt sich durchaus im Rahmen ihrer Kompetenz. Er erkannte keineswegs Liebknecht die Zu- geHörigkeit zur Fraktion ab, setzte aber die daraus entstehenden Rechte außer Kraft, bis Liebknecht sich bereit erklärt, die mit den Rechten verknüpften Pflichten zu erfüllen. Unrichtig ist die Behauptung, daß die Mehrheit der Fraktion durch den Schluß der Debatte die Gegner des Antrags mundtot gemacht habe. Abgesehen davon, daß diese Frage bereits in den früheren Beratungen in der Fraktion über Liebknechts Eigen- Mächtigkeiten wiederholt sehr ausgiebig behandelt worden ist. hat auch in der Sitzung vom 12. Januar eine nochmalige Debatte statt- gefunden. Liebknecht hat seine Meinung in einer längeren Rede vertreten. Die in einem Teil der Parteipressc aufgestellte Behauptung', die Fraktion habe durch ihr Vorgehen gegen Liebknecht in die Reckte der Wähler und der Parteigenossen eingegriffen, ist durchaus hinfällig. Es ist vielmehr selbstverständlich, daß die. Wähler und die Partei- genossen ihren Vertreter nur in dem Sinne in die Fraktion»- gemeinschast senden, daß er sich der Disziplin und den Pflichten, die aus dieser Gemeinschaft entstehen, einordnet. Ohne dies ist eine Fraktionsgemcinschaft überhaupt unmöglich. Der Fraktionsvorstand. Genosse Otto Rühle mackt uns Mitteilung von folgendem Schreiben, das er an den Fraktionsvorstand gerichtet hat: An den Vor st and der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. W. G. Mit Beruqnadme auf den am 12. ds. von der Fraktion gegen den Gen. Liebknecht gefaßten, in jeder Beziehung unzulässigen Beschluß(Antrag Buck) gebe ich Ihnen Kenntnis, daß ich mich imt Gen. Liebknecht solidarisch erkläre und auch für mich die Arbeitsgemeinschaft mit der Fraktion im Sinne jenes Beschlusses als aufgehoben erachte. Berlin, 11. Januar ISIS. Otto Rühle. AuS der fujtulbemofrattfdien ReichStagSftaktson. In der gestrige» Mitteilung einer Eiklcirung �zu dem RroIHon-J» Leichlub gegen Genossen Liebknecht hat der Druckfehlerlenfel an »wei Slellen sein Unwesen getrieben. Es mus; nicht heiben: Uns geht„folgende Erklärung der Minderheit der Fraktion zu", sondern:„folgende Erklärung an» der Minderheit der Fraktion". Ferner muh es am Schluh der Erklärung nicht beißen:„Liebknecht mutz demnach nach tvle vor als vollberechtigtes Mitglied der Fraktion gelten", sondern: „Liebknecht mutz dennoch als vollberechtigte« Mitglied der Fraktion gelten"._ Indiskretionen. Tie„Deutsche Kriegszeitung" des..Berliner LokalanzeigerS" brachte am Sonnabendabend folgendes Telegramm aus Stuttgart: „Anläßlich des Beginns der vreuhischen Landtagsvcrbandlungen tagte geftern die preußische L a n d c S i o m m i s s i o n in Berlin. Nach der sozialdemokratischen„Schwäbischen Tag- Zv a ch t" erklärte sich die Landeskommission mit der Politik der sozialdemokratischen Reichstagsrraktion einverstanden und sprach die Erwartung au», daß diese Politik im preußischen Landtag nicht durchkreuzt werde. Bon 20 vertretenen Bezirken des Königreichs Preußen gehörten zwei der oppositionellen Minderheit an. Ter sozialdemokratische Rcichötagsabgeordnete Otto Rühle chat, nach demselben Blatte, sich in einer Zuschrift an die soztaldemo- kratischc Reichstagssraktion mit dem aus der Fraktion auSgeschlossc- Tie« Abgeordneten Dr. Liebknecht solidarisch er- klärt. Die„Schwäbische Tagwacht" bemerkt dazu: Diese Er- klärung komme nach der von Rübke offen getriebenen Parteispal» tlingspropaganda nicht überraschend. Einen geistigen Verlust für die Fraktion bedeute das freiwillig« Ausscheiden Rühles jeden» falls nicht." Die Mitteilungen der..Schwäbischen Tagwacht" wider» sprechen einem ausdrücklichen Beschluß der Landes- lömmission, Ivonach über diese Sitzung erst nach Beginn der Land- tagSverhandlungen berichtet werden sollte. Dabei gehört dieses Partciblatt zu den lautesten Schreiern gegen Indiskretionen der— anderen! Seltsame Hüter der Disziplin. Jnl„(5 o r r c s p o n d c n z b l n t t der General- k o m in i s s i o n der Gewerkschaften T e n t s ch- l an d s" lesen wir: „Der P a r t e i v o r st a n d bat vor der jüngsten Reichstags- abltimmung inoffiziell ein« Warnung in der Parteipresse ver- öffentlichen lassen, die ans die verbeereirden Folgen eines Bruches der Fraktionsdisziplin hinweist. Das Zentralovgan der Partei, der„V o r w ä r t S", unterschlug seinen Lesern diese Warnung zanz einfach, weil es sich nicht um einen offiziellen Parteivor- tauidsbefchluß handele. Im übrigen gefallen sich das Zentral» organ und das wissenschaftliche Organ der Partei darin, die Maß- Nahmen und Beschlüsse der Reichstagsfraktion und des Partei- Vorstandes zu bekämpfen und zu durchkreuzen und den Wider- stand gegen dieselben zu organisieren. Ter Parteivarstand ist aber gegen die beiden Blätter machtlos, weil ihm angeblich Arbeiterbildungsschule Berlin. Lehrplan für das erste Quartal 1916. I. Sonntagsveransfaltungen. a) Naturwissenschaftliche Einzelvortrage(mit Lichtbildern): Die Verttndepnnjren der Erdoberfläche und ihre(Tr- Hachen.(Bio Kräfte der Gobirgsbildung and Ansgleiohanff.) Sonntag, den 10. Jannar 1910: Die vulkanischen Erseneinungen. Sonntag, den 23. Jannar 1916: Die Wirkungen des Wassers auf die Erdoberfläche. Sonntag, den 30. Januar 1016: Die Wirkungen von Eis und Wind. Vortragende: Käthe Dunoker. b) Vier kunsthistorische Vorträge(mit Lichtbildern): Ernter Abend: Sonntag, den 6, Februar 1916. Xwotter'Abend: Sonufag, den 13. Februar 1916. Itritter Abend: Sonntag, den 20. Februar 1916. Vierter Abend: Sonntag, den 27. Februar 1916. Alles.Nähere wird rechtzeitig bekanntgegeben. c) Die Bedeutung der Musik für unser Gefühlsleben(ver- buiulon mit praktischen Uebungen im Musikhören): Ernte r Abend: Sonntag, den 2. kl Urs 1910: Volkslied nnd Kunstlied. Ursprung der Künste.— Die Beriohunren /.wischen Sprache, Musik und Tanz.— Die ersten Anfänge des Volksliedes.— Das deutsche Volkslied im 12. bis 15. Jahrhundert.— Die Entwickelung des Kunstliedes.(Mit üesangs- vort rügen.) Xwelter Abend: Sonntag, den 12. März 1916: Oratorium und Oper. Entstehung der Oper, des Oratoriums, der Kantate, dos Konzerts.— Meister des Oratoriums: Händel und Heydn; Meister der Oper: Oluok, Weber, Verdi, Wagner. (Mit Oesangsvorträgen.) Jkrlttcr Abend: Sonntag, den 19. MSra 1916: Die Entwickelung der Instrumentalmusik. Baoh und Heethoven.(Mit Klaviervortrügen.) Vierter Abend: Sonntag, den 26. Mürz 1916! Wie hören wir zeitgenössische Musik? Ii rahm s und Liest, lljchard Strauß und Debussy.(Mit Klavier- und Gesangs- t ort rügen.) Vortragender: Leo Kestenberg. Xu allen Öonntagsvcraustaltungcn beträgt der Eintrittspreis 10 VI pro Abend. Anfang VI, Uhr, Ende gegen 10 Uhr abends. II. Kurse an den Wochentag-Abenden. Dienstag: Der Balkan, seine Völker und seine wirtschaftliche Bedeutung: Acht Vorträge. Erster Vortrag am Dienstag, den 25. Januar 1910. Vortragender: Ernst Daum ig. Donnerstag: Geschichte der deutschen Sozialdemokratie: Acht Vorträge. Erster Vortrag um Uonnerstog, den 27. Januar 191G. Vortragender: Eduard Bernstein. Sonnabend: Die Nationalitätenfrage: Acht Vorträge. Erster Vortrag am Sonnabend, den 29 Januar 1916. Vortragender: Emil Eichkorn. Alle VortrSge und Kurse finden im Hörsal, JJndenstraDe 3, iV, Hof, rechts 3 Treppen statt. Das Unterrichtsgeld beträgt für jeden acht Verträge umfassenden Kursus 0,60 M. Es ist tpätsslens am zweiten Vortragsabend zu entrichten. Die Anmeldungen erfolgen nur im Schullokal Llndenstr. 3, IV. Hof, rechts 3 Tr.. am ersten Unterrichtstage. Arbeitslose haben unentgeltlich Zutritt, Die Vorträge beginnen an den Wochentagen stets um llfl Uhr abends. SchluB gegen 10 Uhr. Die Dlbliotbok steht allen Hörern der Vorträge und Kurse gegen Vorzeigung der Eintrittskarten und entsprechenden Pemonalaus.veis(Mietskontrakt usw.) zur unentgeltlichen Benutzung zur Verfügung. Sie ist an allen Unterrichtsabenden«on 7'/,— 81/, Uhr geöffnet. In der schulfreien Zeit nach Abschluß des vorliegenden Lohrpianos erfolgt die Büch erausgab o Jeden Donnerstag von 8—6 Uhr abends. Alle Zuschriften. die Schule oder Bibliothek betreffend, sind zu rlchtsn an den Bezirks- bildungsaussohuB GroB-Berlln, Berlin SW. 68. UntfanstraBa 3. Fernruf: __ Moritzplatz 4740;41. 281/8* die Parfrifatzungen gegen foWe möglich« ITnmSgTitWeiifn kein« Befugnisse zur Hand gegeben haben. Man hat bei Abfassung des jLrgaiiisationSftatuts der Partei vergessen, an die Möglichkeit solcher Vorkommnisse zu denken; mich gegenüber einer etwaigen Parteispaltung verssagl das Statut leider vollkommen, so daß der P.irtciuorstaud außerstande ist. die Gesetzmäßigkeit eines solchen Vorganges zu uoerivachen. Aber zu einer Tat hat sich der Partei- vorstand sckiließlich'doch aufgerafft. Er hat den Parteiausschutz berufen, der nach dem Parteistatut mit dein Parteivorstaitd über wichtige, die Gesamipartei berührende politische Fragen gemein- sunt beraten und durch Beschluß sein Gutachten abgeben darf. Der Parteiausschuß tagte am 8. und 9. Januar mit dem Partei- vorstand und nahm in Sachen des Parteistreites folgende Ent- schlicßung an." (Folgt das bekannte Gutachten.) „Das Gutachten des Parteiausschusses läßt an Deutlichkeit und Entschiedenheit nichts zu wünschen übrig,— aber es ist eben nur ein Gutachten einer Körperschaft ohne Exekutiv k r a s t. Tie Parteiexekutive ruht während des Krieges einzig beim Parteiporstand und an diesem liegt es, die V e r a n t- >o o r t u ii g für die allein richtige L ö s u n g des zerfetzen- den Streites aus sich zu nehmen. Diese Lösung kann nur darin gesunden werden, daß die mißachtete Parteidisziplin wieder herge st ellt und die beharrlichen B e r w ei° gerer unschädlich gemacht wcvden." Das offene Bekenntnis der angeblichen Hüter der Diszi- plin und der demokratischen Grundsätze ist geradezu köstlich und verdient weiteste Verbreitung und Be- a ch t n n g. Ueber die eigenartige Darstellung der Kontroverse zwischen Partcivorstand und„Vorwärts" sehen wir still- schweigend hinweg— solche Entstellungen sind wir von der Generalkoniinission längst gewohnt. Aber angenagelt zu worden oerdient, daß auch die Generalkommissioil der Gewerkschaften den Parteivorstand zur Ueberschreitung feiner Kompetenzen, zum gröblich» st e il B r u ch d e r P a r t c i d i s z i p l i u>l n d d e r d e m o- kro tischen Grundsätze aufzuputschen sucht! Denn daß der ParteiauSschust nur ein„Gutachten" ab- zugeben vermochte und„eine Körperschaft ohne Exekutivkraft" ist. stellt ja das„Eorrespondenzblatt" selbst auSdrück- lich fest. Aber gerade weil nicht einmal der Parteiausschuß ein Recht hat, irgendwelche Beschlüsse zu fassen, die lediglich einen! ordnungsgemäß zilstandcgekommenen Partei- t a g zustehen, gerade deshalb soll nach dem Rate der General- kommission der Gewerkschaften Deutschlands der Partei- vorstand einen unverhüllten Gewalt st reich verüben. E r soll die Parteidisziplin und die Parteigrundsätze in der riicksichtslosesten Weise mit Füßen treten, um—„die miß. achtete Parteidisziplin wuöerherzustellen"! Was der Parteivorstand unternehmen und verantworten iüill. ist seine Sache. Darüber brauchen Sir tml nicht den Kopf zu zerbrechen. Aber daß die Generalkommisston, die. sich bisher stets auf die„Disziplin", die.Parteisatzungen" berufen hat, um sie gegen den Geist des Sozialismus und der Demokratie anszuspielen, jetzt selbst den Parteivorstand dazu anreizt, die Diktatur gegen die Parteigenossen zu etablieren, das rückt den Disziplin-Fanatismus der Generalkommission in eine wunderbare Beleuchtung I Man könnte meinen: Höher gebtS nimmer. Wir jedoch sagen: Nur so weiter!_ Das Bremer Sonderorgan. Zu dem Erscheinen der von Anhängern der rechtsstehenden Minorität herausgegebenen„Bremischen Correspondenz" bemerkt die„Bremer B ü r g e r- Z e i t u n g": „Das Erichcinen der„Bremischen Eorrespondenz" könnte als die glückliche Lösung einer starken Spannung, die durch das Für und Wider der Politik vom 4. August 1SI4 ibren Höbegrad erreichte, begrüßt werden, wenn es nicht gleichzeitig eine Uiigeheuerlichleit wäre. Eine Ungebeuerlichkeit. die nur dgduich noch überboten wird. daß dos neue Blatt in demselben Barteigeschäft hergestellt wird, das zwecks Herausgabe der„Bremer Bürger-Zcitung" gegründet ivurde. Die Genossen, die die„Bremische Correlpondenz" herau-sgeben. hätten damit nämlich der Minderheit im übrigen Deu'.schlaiid ge- zeigt, wie sie ihre Anschauung zur Geltung zu bringen vermöchte, wenn sie ander« unter dem Belagerungszustand den Spielraum hätte, den die Hintermänner der»Bremischen Eorrswondenz" zweifellos haben werden. Denn die übergroße Mehrzahl der Partei» blätier steht zurzeit bekanntlich auf dem Boden der Poliiik des 4. August ISli; obendrein ohne die Toleranz zu üben, die wir unö solange zur vielfach nicht perstandenen Pflicht gegenüber Andersdenkenden gemacht hatten, bis aus unserem Leierlieise immer nachdrücklicher das Verlangen an uns gerichtet wurde, ge- wissen Einsendungen keinen Raum mehr zu gewähren. Ueber das Matz von Wahrheitsliebe, mit dem die„Bremische Eorresponbenz" zu behaupten wagt, wir hätten jenen Genossen, die nicht unserer Meinung sind, die Spalten der„Bremer Bürger» Zeitung" verschlossen, können wir deshalb mit all dem Gleichmut. den eine so geübte Duldsamkeit gibt, das Urteil der Leser erwarte».... Aach alledem müssen wir den Schluß ziehen, datz hinter der„Bremischen Eorrespondenz" als ihre Geburtshelser und sinanziellen Hintermänner in erster Linie solche Gewerkschaits- und Parteiangestellte stehen, die mit der Haltung der„Bremer Bürger» Zeitung" in politischen und Parteifragen nicht einverstanden sind. Sie verurteilen mit den schärfsten Ausdrücken das Vorgehen der Zwanzig im Reichstage als undemokratisch und schlagen mit der Gründung ihres BlättchenS der Disziplin wie den Grundsätze» der Demokratie ins Gesicht. Sie nennen die Abstimmung der Zwanzig vom LI. Dezember ein„Signal zur Parteispaltung" und handeln, als ob sie auf ei» solches Signal nur gewarter hätten, um die Spaltung Wirklichkeit werden zu lasten. Statt des....„ wie wir und die Mindsrheit der ReichSlagsfratiion ihn wollen, proklamieren die Hintermänner der„Bremischen Cor» reipondenz' den offenen Bruderkampf." Wer sich nicht wohl fühlt besonders an Rheumatismus, Gicht, Ischias u. Geschwulst, Blut- Verdickung, Hämorrhoiden, Stuhlbeschwerden, Magenschwäche, Asthma, Erkältung leidet, der versuche vertrauensvoll den altberühmten Reichels Wacholder- Ertrakt„Medico". Dieses wohlerprobte, hilfreich bewährte Naturprodukt, da» vermöge seiner kräftig blutreinigenden, lösenden, ableitenden und ausspülenden Wirkung mächtig helfend eingreift, findet ebenso bei Darm-, Nieren-, Blasen- und Frauenleiden, Wechsel- zuständen, Nervosität, wie überhaupt bei allen durch schlecyte» Blut— dem Grundübel vieler Krankheiten— herrührenden Gesundheitsstörunge» heilsame Anwendung. Gr wirkt auf alle inneren Organe zugleich in der wohltätigsten Weise ein, gleich- sam wie ein Filter läuternd und erneuernd auf den ganzen Menschen. Für ältere Leute, um Arterienverkalkung vorzu« beugen und Altersbeschwerden zu lindern, van wichtiger Be- deutung. Unendlich viele Erfolgsberichte attestieren glaubhaft die vielseitigeWirkungskraft und diejenigen, denen er Gesundung brachte, zählen nach Hunderttausenden Niemals ofsen ausgewogen, garantiert echl und unverfälscht nur in meinen Originalflaschen mit„Marke Medico" zu M. 2.— und 3.25, zur längeren Kur größere Kanne M 7.75 in Drogerien und Apotheken, wo nicht er» hältlich.wonde man sich an Otto ReicheI,Berlin43,Eilenbahnstr.4, uid lasse sich keineswegs etwas anderes dafür verkaufen, sondern nehme Üeichei- Wacholderexlrakl Verbanä äer Tapezierer Filiale Berlin. Doiiiier«t»c i den AU. Jan aar 1U1G, abcntU 8 Ihr, Im Gewerkachaftahana, Enselnfer A'o. IS, feaal 1: Quartals-Versammlung. Tagesordnung: 1. Ouartals- und Jahresbericht. L. Dltlusüo». 3. Aculoahl der LAS- Verwaltung. 4. Verbandsangelegenhelten und Verlchledenes. 17812 Die Ortsvorsvaltung:. KravktllimterSöhlingS' uud Kegrabllisvtrklll gewrrblilli. Arbkiter;u Kerliu. Sonnabend, d. SS. Januar 1910, abends 8'/, Uhr. Im Gewerklchasts- haus, Sngeluler 14/12: General-Versammlung Tagesordnung; 1. Rechnungslegung pro 1616. L. Wahl de« Vorstandes und der Revisoren. 3. Verschiedenes. 281/9 Rege Beteiligung ertvartit var Vorstand. I. n.: Friedrich Freudenreich. Bris, Hanneinannstrai!« 36. GeneralvenlungileMH. MeQQnterstUtzui]gsl(!isseNo.li!i am 25. Januar 10IG, abends 8 Uhr, Im Nassenlolal Ltnteustr. 8. TageSoronung: 116/6 1. Berich i der Revisoren. 9. Vor, steher, u. Stellverlreterwahl. 3. Re- olior- u. Stcllvertreierwabl. 4. Ver- ichicdenes. Der Borktanb. Kranzspenden sowie sämtliche Blumenarrangements liefert schnell und billig Eaal Groaa, Llndenstr. 69, Tel.MpI.7203. npfadergesohwü. a, altete, auch veraltete," sohroerzhufto Wunden, Entzündung ra.unerträgl Jucken heilt ohne Nachteü laut vielen Erfolgsberichten die achte ,,OiinUa-8albo". Absolut mil- ! deste naturgemäße Wirkung. I M. t.25 und 2.75. Otto Reiohel, : Beilln 48, Elsanbehnstr. 4. Westnmnn's Trauermafazln Größte..uswahi. Billigste f reise. 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In Kopenhagen, London und Wien haben sich die Sozialdemo- kraten als Anhänger. des obligatorischen.Schieds- gerichts in allen Konflikten erklärt. Die Bekräftigung dieser vier Punkte, die die Grundlage der Resolutionen von Stuttgart, Kopenhagen und Basel formen, war. sicher ein erster Schritt. Wir können ruhig feststellen, daß, wenn die Leitung der Ereignisse in den Händen von Sozialdemokraten gelegen hätte, der Krieg nie ausgebrochen wäre. Und morgen, wenn die Bourgoisie eingesehen haben wird, zu welchem Wahnsinn sie durch ihren inneren Drang nach dem Imperialismus getrieben wird,— morgen wird sie nur einen AuSweg finden und zwar in der Richtung unserer Ideen. Etwas mangelte noch an dieser Aktion: das Präzisieren der verschiedenen Punkte, worüber man in der Theorie eins war. Um zu einem praktischen Resultat zu kommen, wurde dann von Januar/Februar 1915 an beantragt und durch die Exekutive angc- nommen, die verschiedenen Delegationen geson- de rt. nach dem Haag kommen zu lassen, um mit jeder ü c.fto n-*' der s über ihre Stellung und.übcr chew Zustgnd-zu.bergten.. Erst� danach konnte man-wissen, ob die Einberllfung einer Bureau-« sitzung z w.e ckm.ä ß.i g.. und möglich war..Dieser Vorschlag fand,- Zustimmung bei fast allen Pärteien, aber stieß auf den.Wider- stand einer, später zweier Parteien. Belgien, obschon ein besetztes Land, kam offiziell und legte seinen Stand- Punkt dar. Deutschland kam ein er st es Mal offiziös, ein zweites Mal offiziell. Frankreich antwortete, daß ein Kommen nach dem Haag alz eine indirekte Unter- Handlung mit Deutschland angesehen werden würde— etwas, was unmöglich schien in einem Augenblick, wo die deutschen Heere einen Teil von Frankreich besetzt hielten und alle Kräfte auf die Selbstverteidigung konzentriert waren. D i e Eng- länder waren ursprünglich bereit zu kommen. Die Ernennung Hendersons zum Mini st er ver- pflichtete die englische Delegation, ihr Kommen zu vertagen. Jetzt zieht sie eine Konferenz in Lon» d o n vor, die auch in Vorbereitung ist. Ich füge jedoch bei, wenn man die Erklärungen und Reso- lutronen dieser verschiedenen Gruppen von August 1914 mit den Erklärungen und Resolutionen der letzten Tage vergleicht, der Zustand vom sozialistischen Gesichtspunkt aus eine Annähe- r u n g zu zeigen scheint. Der Redner gibt, um diesen Eindruck zu vechtfertigen, einen Ueberblick auf die verschiedenen Kundgebungen— einerseits der deutschen Partei, bis zur Rede Scheidemanns und der Resolution über die Kriegsziele, andererseits der französischen Sozialisten bis zur Kongreßresolution vom 25. Dezember 1913. Er weist namentlich auf die Sätze dieser Resolution hin, die die Frage der Wiederaufnabme der Beziehungen mit der deutschen Partei mit der Entwicklung ihrer„Minderheit" in Verbindung bringen und bemerkt dazu, daß man, um den Unterschied zwischen der Haltung den französischen und deutschen Sozialisten zu be- greisen, den Unterschied ihrer Lage berücksichtigen müsse: Deutschland kann den Frieden wollen, denn es hat ein ge- waltiges Pfand. Frankreich kann nur Frieden wollen, wenn es sicher ist, nicht als besiegte Nation angesehen und behandelt zu werden. Ich weiß wohl, daß die ökonomische Lage dieser Länder mit ihrer militärischen nicht durchaus übereinstimmt. Skber in Frankreich— dies dürfen die Parteigenossen nicht vergessen— sind alle Muskeln zur Selbstverteidigung gespannt und in dieser Gemütsstimmung wird Nachgeben als Schwachheit angesehen. Welches würde wohl die Gemütsstimmung in Deutschland sein, wenn das französische Heer in Köln und das russische in Königs- berg stünde? Ich füge noch hinzu, daß der Einfluß dieser sozia- listischen Parteien ganz verschieden ist. In England und Frank- reich besitzen die Arbeiter- und sozialistischen Parteien ent- scheidenden Einfluß, und es kann schwerlich eine Lösung durch- gesetzt werden, die dem Willen der arbeitenden Klassen direkt widersprechen würde. In Deutschland ist der Einfluß der Partei wohl geringer, und wir sehen Bethmann Hollweg noch nicht gleich Lloyd George vor dem Forum der vereinigten Gewerkschaften erscheinen. Bei der Vergleichung all dieser Resolutionen fühlt man wohl, daß die größte Schwierigkeit im elsaß-lothringischen Problem liegt. Schon sind von beiden Seiten Aufklärungen und Auslegungen gegeben worden. Unser Ziel war— und das sahen meine Kollegen wohl ein, als wir vorschlugen, die Delega- tionen im Haag zu empfangen— diese Punkte in kürzester Zeit aufzuhellen. Daß die Möglichkeit zur Aufhellung und Annäherung offen- bleibt, ist klar. Selbstverständlich würde die Möglichkeit dieser An- Näherung noch stärker hervortreten, wenn wir die Resolutionen der französischen Partei mit den Resolutionen der deutschen sogen. Minderheit vergleichen wollten, namentlich wenn man berück- sichtigt, daß nach gewissen Behauptungen die sogen. Minderheit der RcichSiagssLaktion die Mehrheit der sozialdemokratischen Wähler bertritt. In jedem Fall werden Sie unmittelbar bemerkt haben, daß zum er st en mal die französische Partei Bedingung gen d e r Annäherung aufstellt und mehr noch, ich stehe unter dem Eindruck, daß schon verschiedene dieser Beding» n- gen zum m i n d e st e ii teilweise erfüllt sind. Parteigenossen, ich hal>e das Gefühl, daß wir aufdem guten Weg sind. Namentlich, wenn man auch die Tatsache in Rechnung zieht, daß wir in Frankreich desgleichen vor einer Minder- heit stehen, sei es auch eine gar kleine Minderheit. Werte Parteigenossen! Bis heute hat der Krieg bewiesen, daß es beinahe unmöglich geworden ist, eine große, modern organisierte kapitalistische Nation zu bezwingen. Wenn Deutschland fremdes Gebiet besetzt hält, so beherrscht England das Reich der See. Bis jetzt hat dieser furcht- bare Krieg entschieden sein Ziel verfehlt.— Werte Parteigenossen! Um was es mir hier zu tun war, war die Feststellung, daß der Organismus, der 1889 in Paris geboren worden ist, nicht gestoxben ist einer Bour- geoisie zu Liebe, die bleibt, was sie ist, oder Sozial- dem o�k raten zu Liebe, die manchmal vergessen, was sie sind.(Sehr richtig! Beifall.) Ich wollte nur fest- stellen, daß dieser Organismus alles getan hat, was möglich war, u.m die Sendung zu erfüllen, die ihm die Resolutionen von Stutt- gart, Kopenhagen und Basel auferlegt hatten. Ich wollte endlich zeigen, daß die Linien der politischen Bewegung nicht in einer parallelen Richtung gehen und einander erst im Unendlichen be- gegnen können, sondern sich langsam in einer Richtung zuspitzen, die die Einheit des Proletariats über die ganze Welt wiederherstellen wird zur Bürgschaft eines'dauernden Friedens. Die Anzeichen davon sind mannigfaltig. Ucberall hört man das Wort verkündigen, daß die I n t e r n a t i o n a l e eine Politik ausarbeiten muß, die über der Lage der Armeen stehen— eine Politik, die der Wegweiser zu einer Gesellschaft werden mutz, die einen Ausweg sucht. Unlängst, am 17. Dezember v. I., schrieb mein Freund Bandervelde im englischen„Clarion" einen Artikel, den ich in einer sympathischen deutschen Uebersetzung in der Wiener„Arbeiterzeitung" las. Er schrieb:„Ich glaube, daß der Augenblick bald komnien wird, wo die wahrhaft sozialisti- schen Elemente der Internationale verpflichtet sein werden, zu erklären, was sie über das Problem Elsaß-Lothringen oder über die Unabhängigkeit oder Autonomie Polens oder über die Mittel denken, die in Zukunft verhindern sollen, daß imperialistischer oder kolonialer Erobernngshunger neue Konflikte erzeuge." Diese Worte sehe ich als eine Aufforderung an, auf die eine Antwort kommen muß.— Das ist dasjenige, was in diesem Augenblick gesagt wer- den kann. Ueber die anderen Länder und Parteien ist es nicht nötig zu sprechen, weil da die Schwierigkeiten geringer erscheinen. Jeder kühlt auch wohl, daß die Lösung des Kriegsproblems und die Endentscheidung eigentlich im Westen liegt. Die orientalische Frage wird überdies im Baseler Manifest, das noch als unser politischer Leitfaden in den heutigen Berhältnissein liegt, ausführlich behandelt. Die Aktion, die wir begonnen haben, werden wir mit Geduld, Vorsicht und Ausdauer, im vollen Bewußtsein unserer Verantwort- lichkcit fortsetzen. Im gegebenen Augenblick wird darüber berichtet werden. Wir wollen die Sozialisten der ganzen Welt zum Einvernehmen bringen, damit, wenn schon der Krieg gegen unseren Willen ent- stand, die Friedensbsdingungen von solcher Art sein sollen, daß sie nicht den Keim einer neuen Tragödie in sich bergen und damit die Arbeiterklasse, die die Last des Verbrechens von anderen zu tragen haben wird, auch diese Weltkrise überwinde. Darum ist E i n i g k ei t nötig. Die Einigkeit muß und wird unser Ziel und unsere Kraft werden." Der Bericht, den Genosse HuySinanö, selbst ergriffen von der Bedeutung dieser Stunde, wo die Internationale wieder laut zum ganzen Proletariat der Welt sprach, und unter steigender Bewe- gung der mit zurückgehaltenem Atem zuhörenden Versammlung vorgelesen hatte, rief am Schluß jubelnden Beifall wach. Und plötzlich erhoben sich aus freiem Antrieb alle Anwesenden: die Delegierten und das Publikum wie die ParteivorstandSmitglieder auf der Bühne und sangen den Chor von der großen Tat der Zukunft: die Internationale. Genosse V liegen. Vorsitzender der holländischen Partei, dankte Huysmans für seine ermutigende Rede, die beitragen werde, das Gefühl der internationalen Zusammengehörigkeit zu stärken. Er rühmte unter stürmischem Beifall die moralische Größe, die Selbstbeherrschung, die Huysmans instand gesetzt habe, seine Aufgabe als internationaler Sekretär zu erfüllen. Er hieß ihn in Holland, wo er nun für die Dauer des Äriegs bleiben wird, willkommen. Im geeigneten Augenblick werde der Ruf an die Bruderparteien ergehen, an die Stell« des zwecklosen Völker- mordens wieder das große Kulturwerk der Sozialdemokratie zu setzen.— Vliegen schloß mit einem Hoch auf die sozialistische Internationale, in das der Kongreß begeistert einstimmte. Soziales. Die zugebilligte Neujahrsvcrgütung. In der zurzeit wieder brennend gewordenen Frage des Rechtsanspruches auf die in vielen Großbetrieben üblichen Neujahrsvergütungen fällte die I. Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts unter dem Vorsitz des Magistratsrats Techow ein interessantes Urteil. Der Fall betraf eine gegen die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft gc- richtete Klage eines Angestellten M., der bereits zehn Jahre in der Gesellschaft tätig war und auch regelmäßig 10 Proz. des Gehaltes als Neujahrsvergütung erhielt. Im letzten Jahre bekam er die Vergütung nicht, weil er infolge eigener Kündigung zur Zeil der Verteilung nicht mehr in Stellung war. Die beklagte Gesellschaft stützt sich dabei auf den bekannten Revers, der einen Rechtsanspruch auf die Vergütung aus- schließen soll und den Gehilfen daraus hinweist, daß er. wenn er vorzeitig austritt, auf keinen Fall Zahlung erhält. Die Beklagte weist ferner darauf hin, daß von den vom Kläger geforderten 132 M. ein Betrag von 188 M. noch gar nicht fällig wäre, da der Betrag für das zweite Halbjahr ISIS frühestens am 1. Juli d. I. zur Ausschüttung kommen könne. Ueber die Gründe, die ihn zur Kündigung veranlaßt haben, führt der Kläger in der Verhandlung aus, daß er über zwei Jahre lang, also gerade in einer Zeit außergewöhnlich gestiegener Preise aller Gegenstände, des notwendigsten Bedarfs, keinen Pfennig Zulage erhielt. Er habe sich darum notgedrungen nach einem besser be« zahlten Posten umsehen müssen. In rechtlicher Beziehung wieS der Kläger darauf hin, daß die Angestellten auf Grund der Angaben der Beklagten versteuern müßten. Es würde eine schreiende Ungerech- tigkeit bedeuten, wenn ein Staatsbürger zur Versteuerung eines Be- träges gezwungen würde, den er hinterher gar nicht erhält. Die Vergütung werde auch in die Reichsversicherung mit einbezogen und bei der Anstellung werden die Gehilsen darauf hingewiesen, daß sie außer dem Gehali 19 Proz. Gratifikation erhalten. Aus allen diesen Gründen rechnet auch die Gehilfenschaft mit dieser Einnahme und hat gewöhnlich schon lange vorher in ihrer Wirtschaftsführung dem- entsprechend disponiert. Das K a u f m a n n s g e r i ch t verurteilte die be- klagte Gesellschaft zur Zahlung von 288 M. Grati- stkation nebst 5 Proz. Zinsen seit dem 15. Dezember 19 lo. In der Begründung heißt es: M. war zehn Jahre bei der Beklagten in Stellung. Zwingende Gründe, dem Kläger innerhalb zwei Jahren keine Gehaltsaufbesserung zuteil werden zu lassen, seien nicht ge- geben, denn die A. E. G befinde sich in guter wirtschaftlicher Lage. Mit der Vorenthaltung einer angemessenen Gehaltszulage habe sie selbst das Prinzip der Anhänglichkeit mit zum Scheitern gebracht. In einem Falle wie dem vorliegenden sei die Gratifikation als em untrennbarer Bestandteil des GeHalles trotz des dieser Auffassung widersprechenden Reverses zu erachten. Gerichtszeitung. Berechtigte Interessen? Wegen Beleidigung des Rsichstagsabgcocdneten Kör sie n in seiner Eigenschaft als Arbeitnehmervertreter bei dem Gewerbe- gericht hatte das Schöffengericht Berlin-Mitte bc�anntlich seiner- zeit den Buchhalter Friedrich Richter von der„Berliner M a s ch i n e n b a u- A.- G. vormals S ch w a r tz k o p f f" zu 39 Mark Geld st rase aus Grund des folgenden Tatbestandes verurteilt. Zwei in der Schwartzkopffschen Fabrik beschäftigte For- mer, denen wegen eines fehlerhaften Gusses ein Lohnabzug gemacht worden war, hatten die Firma beim Gewerbegericht verklagt und dort obgesiegt. Der betreffenden Verhandlung hatte der Angeklagte als Vertreter der Firma beigewohnt. Als die beiden Former in dem Bureau erschienen, um sich ihr Geld zu holen, machte der An- geklagte diesen gegenüber seinem Unmute über das ergangene Ur- teil Luft und wollte den„Beisitzer mit der goldenen Brille"(Herrn Körsten) für den„Fehlspruch" verantwortlich machen. Dabei sagte er u. a.:„Ich werde dem Manne daö Handwerk legen; er versteht nichts von der Sache, er ist zwar früher Former gewesen, hat aber bloß Bilderrahmen gemacht. In diesem Streifalle hat er solange auf die anderen eingeredet, bis er diese zu seiner Ansicht bekehrt hatte."— Das Schöffengericht hatte hierin eine Beleidigung eines Richters erblickt und die angegebene Strafe festgesetzt.— Gegen das Urteil war von feiten des Angeklagten und auch des Staatsanwalts Berufung eingelegt worden; letz- t e r e r hatte sie wieder zurückgezogen.— In der Berufungsverhandlung vor der 1. Strafkammer nahm Rechtsanwalt Dr. Doehring für den Angeklagten den vollen Schutz des H 193 in Anspruch und beantragte demgemäß die Freisprechung.— Rechtsanwalt Dr. r t h a u e r bestritt, daß der Angeklagte bei seinen Aeußerungen in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt habe. Die erkannte Tlrafe sei überaus milbe, den» er Brme aus einen Fall hinweisen, wo ein Rechtsanwalt, der in seine Handakten eine herbe Aeußerung über ein nach seiner Ansicht verfehltes Urteil geschrieben hatte, die zur Kenntnis der Behörden kam, als die Akten bei Gelegenheit eines anderen Prozesses eingefordert wurden, zu 599 M. Geldstrafe verurteilt worden sei.— Das Gericht verwarf die Berufung, da der Angeklagte die zweifellos beleid:- gendc Aeußerung nur in der Absicht getan habe, um dem Neben- klüger eins auszuwischen. Mus aller Welt. Ein Prozeh wegen eines Bindestriches. Eine köstliche Prozeßidylle wird sich dieser Tage, wie die „National-Zeilung" schreibt, in der Schweiz abspielen. Ein Tier- arzl sucht nämlich bei den zuständigen Gerichten seine Ehre wieder instandzusetzen, nachdem sie durch einen Bauer beschädigt worden, wa? auf folgende Weise geschah. Der Bauer kaufte ein Pferd und ließ es vor Abschluß des Handels, wie das in solchen Fällen üblich ist, durch einen Tierarzt auf seinen Gesundheitszustand untersuchen. Der Kauf wurde, gestützt auf die zustimmende Aussage des Veterinärs, abgeschlossen: aber das Pferd erwies sich nicht' als so kräftig, wie es der Käufer halle erwarte» dürfen. Seinem Zorn machte der Bauer in einem Brief an den Tierarzt Luft, den er auch anderen Bauern des Dorfes zeigte und in dem er schrieb: ihm scheine es, der Tierarzt sei mehr Rindvieh als Pferdearzt. Daraufhin verklagte der Veterinär den Bauer wegen Beleidigung. Der Bauer jedoch, der selbst etliche bürgerliche Ehrenämter bekleidet, rechtfertigt sich mit der Behaup- tung. er habe nur vergesse», den B i n d e st r i ch anzubringen, indem er halte sagen wollen, der Veterinär scheine ihm mehr Rindvieh- als ein Pferdearzt zu sein. Der Veterinär gibt sich aber damit nicht zufrieden, und so werden sich die Gerichte in dieser waffenklirrenden Zeil mit einem Prozesse um eines vergessenen Bindestriches willen zu beschäftigen Häven. Die Sturmflut in Hamburg, über die wir berichteten, hat gewaltige Schäden angerichtet. Zahlreiche Lagerkeller im Frei- Hafen wurden übcrschivemmt und zum Teil vollständig vernichtet. Im Hasen selbst waren einige kleinere Schiffe losgerissen und Anlegestellen zerstört, so daß an mehreren Stellen der Fährverkehr des Hasens eingestellt werden mutzte. Auch aus der Alster konnte der Fährbetrieb nicht in gewohnter Weise aufrecht erhalten lver- den, da die Alsterdampser wegen zu hohen Wasserstandes unter dem dritten Bogen nicht hindurchfahren konnten. In Altona konnte man auf dem Fisch markt Kahn fahren. Das Wasser stieg so schnell, daß zahlreiche Bewohner nur notdürftig bekleidet sich in Sicherheit bringen konnten. Nur der Dammbruch bei Neuenfels brachte für die Elbe bei Hamburg die nötige Ent- lastung; sonst wäre wohl eine schwere Katastrophe eingetreten. Menschenleben sind, soweit sich bisher übersehen läßt, glück- licherweise nicht zu beklagen. * Auch in Holland hat eine Sturmflut arg gehaust; leider sind dort Menschen umS Leben gekommen. Auf der überschwemmten Insel Ma r k e n sind 16 Menschen, darunter sieben Kinder, in den Fluten umgekommen. DaS durch einen Nordweststurm in der Zuidersee angestaute Hochwasser ist im Abnehmen begriffen. In einem überschwemmten Polder bei Rotterdam sind vier Kinder das Opfer der Fluten geworden. Die Meldungen aus allen Teilen des Landes bestätigen, daß die Sturmflut einen nach Millionen zählenden Schaden angerichtet hat. Zehn Kinder durch eine blinbgegangene Fliegerbombe getötet. In einer Kiesgrub« in der Nähe des Flugplatzes Köln fand eine Kinderschar eine nicht explodierte Fliegerbombe. Obwohl der in der Nähe stehende Posten, der aus den lärmenden Kundgebungen der Kinder entnahm, daß diese ein Geschoß gefunden hatten, sie eindringlich warnte, den gefährlichen Gegenstand zu berühren, nahm ein Knabe die Fliegerbombe auf und warf sie in der Richtung nach dem Posten, wobei da? Geschoß explodierte. Zehn in der Nähe stehende Kinder wurden getötet, darunter drei aus einer Familie. Grubenunglück. Ans der Zeche Neumühl bei Hamborn erfolgte gestern nachmittag im Flog Q beim Abfeuern eines Spreng- schusses eine Explosion, wobei zwei Leute tödlich ver- unglücktsn; drei Mann wurden schwer verletzt. Selbstmord eines Untersuchungsrichter». In Dresden, wo erst kürzlich der Selbstmord des Rechtsanwalts Better großes Aufsehen erregte, hat sich der Untersuchungsrichter beim Dresdener Landgericht Dr. Meyer in einer nahegelegenen Heide er-. hängt. Er soll die Tat wegen eines Nervenleidens begangen halben. ZeI«beIchstrosfM7S Zonentzlcnflrof i 30 Kinlgsteaß« 34 Telpzlger Straße«3 Oranicnflraf ejv43« Moattt, Turinsträt« SO ,371 0 II( r fl r a S« J» Oranlenflraf.( 34 Reulilln. Lergstr. I/» FrUbinau, 3ll)eln(lr;i4 Nr. 15. 33. ZaiirMg. 8. Keilagk des Jutmirtf Knlim pMlott Sdnntag, 16 Januar 1916. �us Groß-öerlin. der Gemeinschaftsbahnhof tzermannplah. Seit Jahren wird eine bessere Verkehrsverbindung zwischen ?!cukölln und Berlin angestrebt. Diese Bestrebungen haben Erfolg gehabt, indem zwei Untergrundbahnen in Neukölln enden sollen. Die eine Bahn wird von der A. E. G. her� gestellt und wird eine Verbindung zwischen Gesundbrunnen und Neukölln schaffen, während die andere Bahn, die Nord- Südbahn von der Stadt Berlin gebaut wird und zunächst von der Seestratze nach der Gneisenaustraße geführt werden sollte. Das Interesse Neuköllns geht aber vornehmlich dahin, eine gute, schnelle Verbindung nach' der Friedrichstadt zu haben und so sind die Gemeinden Berlin und Neukölln dahin einig geworden, eine Verlängerung der städtischen Nord-Südbahn von der Gneisenaustraße nach dem Vermannplatz in Neukölln herzustellen. Jetzt beginnt die Tätigkeit des ZweckverbandeS. Von ihm sind nun Vorschläge ausgegangen, die eine andere Gestaltung der beiden Unter� grundbahnhöfe der A. E. G. und der Nord-Südbahn herbei' führen wollen. Mit diesen Fragen haben sich in letzter Zeit Kommunalpolitiker und Verkehrstechnikcr lebhaft beschäftigt, auch einTeil der Bürgerschaft von Neukölln hat der Frage Interesse zu- gewendet. Und morgen wird sich erneut die Verkehrsdeputation von Berlin und Neukölln in gemeinschaftlicher Sitzung mit der Sache beschäftigen. Es handelt sich um die zweckmäßigste Verbindung der am Hcrmannplatz sich berührenden Schnellbahnen. Zwei Bahnen werden den Hermannplatz berühren, die vom Gesundbrunnen kommende A. E. G.-Linis und die Nord-Südbahn der Stadt Berlin. Es lag daher nahe, beide Bahnen durch einen genieinschaftlichen Bahnhof zu verbinden, um das Umsteigen von einer Linie auf die andere zu ermöglichen. Für diese Anlage sind nun die verschiedensten Projekte aufgestellt worden, die vielfach Acnderungen erfahren haben. Drei Projekte stehen jetzt im Vordergrunde der Be ratungen. Zunächst der Vorschlag des Zweck- Verbandes G r o ß- B e r l i n, der die A. E. G.- Bahn anstatt den Kottbuser Damm entlang bis zum Hermaiinplatz. durch die Schönlein-, Jahnstraße und Hasenheide führen will und dort gegenüber der Wissmannstraße den Mittelpunkt eines gemeinschaftlichen Bahnhofes mit der Nord— Südbahn vorsieht. Die Zugänge zu diesem Bahnhofe sollen in der Hasenheide gegenüber der Neuen Welt und weiter herauf bei dem alten Zollhäuschen an der Ecke Hermannstraße augelegt werden. Da in Aussicht genommen ist, später die A. E. G.-Linie über den Hermannplatz zu verlängern, so soll nach diesem Vor- schlage des Zweckverbandes die A. E. G.-Bahn von dem Ge- meinschaftsbahnhofe in der Hasenheide durch die Berliner, Mainzer und Biebrichstraße in die Hermannstraße eingeführt werden. Ter Vorschlag der Stadt Berlin geht dahin, die A. E G.- Bahn den Kottbuser Damm entlang bis zum vorläufigen Endbahnhof Hermannplatz zu führen und ihn dort mit dem istord- Südbahnhof durch eine Treppe zu verbinden. Dieser T- Bahnhof findet ein Beispiel in dem Vollringbahnhof Stralau- Rummclsburg, wo man von den Kaulsborfer oder Lichteubergcr Zügen über eine Treppe den Vollringbahnhof erreicht. Die Zugänge zu dem A. E. G.-Bahnhof befinden sich nach diesem Projekt an der Urban-, Kaiser-Friedrich- und Berliner Straße. Die Zugänge für den Nord-Siidbahnhof in der Hasenheide zwischen Wissmaun- und Hermannstraße und dann in der Berliner Straße gegenüber dem alten Jakobikirchhof. Der dritte, bisher weniger beachtete Vorschlag, von der A. E. G.-Gesellschaft herrührend, will diese Linie ebenfalls, wie der Berliner Plan, durch den Kottbuser Damm bis zum Hermannplatz führen, dort aber die Verbindung beider Linien durch einen Turmbahnhof, wie er am Gleisdreieck besteht, her- stellen. Die A. E. G.-Bahn soll jedoch wegen der Steigerung der Hermannstraße über der Nord- Südbahn durchgeführt werden, während Berlin nach wie vor daran festhält, daß die Nord-Südbahn oben fahren müsse. Soweit die Projekte der drei Interessengruppen. Von diesen Plänen hat besonders der des Zweckverbandes etwas Bestechendes, da er zunächst die beste Umsteigemöglichkeit für das fahrende Publikum vorsieht. Wer auf der einen Seite des Bahnsteiges ankommt, braucht nur auf die andere Seite zu gehen,>venn er die andere Bahnlinie benutzen will. Diesem Vorteile stehen aber auch Nachteile gegenüber. Diese bestehen darin, daß die A. E.-G.-Bahn durch die Schönleinstraße einen großen Uniweg machen muß. Außer dem Verlust an Zeit entsteht auch eine wesentliche Verteuerung der Baukosten und damit eine geringere Rentabilität der Bahn. Es besteht ferner die Gefahr, daß die Verlängerung der Bahn nach der Hermannstraße überhaupt in Frage gestellt wird. Indem die Bahn zur Hermannstraße einen großen Bogen machen muß, erhöhen sich wiederum die Baukosten. Tie Anwohner der Hermannstraße und der umliegenden Straßen haben aber ein dringendes Interesse daran, daß der Verlängerung der Bahn nicht unnötigerweise Schwierigkeiten bereitet werden. Wer dazu beiträgt, diese Schwierigkeiten zu erhöhen, der verletzt geradezu die Interessen der dort wohnenden Bevölkerung. Dazu kommt, daß nach dem Plan des Zweckverbandes diejenigen Anwohner der Weser-, Urban- und Kaiser-Friedrich- Straße, welche von diesen Straßenenden aus die A. E. G.- Linie erreichen, erst den Hermannplatz überschreiten müssen, um am Zollhäuschen den Gemeinschaftsbahnhof zu erreichen, während sie nach dem Vorschlage der Stadt Berlin von den erwähnten Straßenzilgen aus sofort die A. E. G.- Linie benutzen können. Daneben hat das Projekt der Stadt Berlin noch den Vorzug, daß es eine bessere Lage des Nord-Südbahnhofcs vorsieht. Nach diesem Plan befinden sich die Zugänge zum Bahnhof in der Berliner Straße am Jakobi-Kirchhof und in der Hasenheide zwischen Hermannstraße und Wissmannstraße. Sie entsprechen be- deutend mehr dem Verkehrsbedürfnis als das Zweckverbands-' Projekt, nach dem sich ein Zugang ebenfalls zwischen Hermann- und Wissmannstraße. der andere jedoch gegenüber der Neuen Welt befinder. Aus allen diesen Gründen erscheint uns die Anlage des vom Zweckverband vorgeschlagenen GemeinschaftsbahnhofeS den Verkehrsbedürfnissen in keiner Weise entspreckiend. Der Vorteil des bequemen Umsteigens wiegt die schweren Nachteile nach keiner Richtung hin auf. I Die Städte über Kriegsfragen. Vorstandssitzungen des Preußischen und deS Deutschen Städtetages haben Freitag und Sonnabend unter Vorsitz des Oberbürgermeisters Mermuth im Berliner Rathaus statt- gefunden. Die Verhandlungen des Deutschen Städtetages, bei denen es sich neben geschäftsmäßigen Fragen um eine große Anzahl für die Städte sehr wichtiger Dinge handelt, sind noch nicht abgeschlossen. Verhandelt werden unter anderem die schwierigen Fragen der Beschaffung der un, bedingt notwendigen Beamten- und Angestelltenzahlen für die städtischen Verwaltungen während des Krieges; die Aufgaben der Städte in der Kriegszeit wachsen bekanntlich ununter» krochen, nach Art und Umfang. Weiter sind Finanzfragen, Realkreditfragen, Fragen der Beziehung zur Zentraleinkaufs- gesellschast, Fragen der Familienunterstützung, das Problem des Ersatzes von Fliegerschäden und endlich die überragend wichtigen Nahrungs- und Futtermittelfragen auf die Tages- ordnung gesetzt. Im Preußischen Städtetag ist am Freitag besonders das Problem des Kommunalkredits nach dem Kriege erörtert worden. Außerdem sind gutachtliche Aeußerungen auf eine Reihe von Fragen der preußischen Staatsregierung beschlossen worden, besonders betr. Filialbesteuerung und die Gewährung von Mietunterstützungen._ Warnung vor zweifelhaften Inserate«. Vom Deutschen Metallarbeiterverband wird uns geschrieben: „Während der Kriegszeit finden sich eine ganze Reihe Leute, die sich auf die verschiedenste Art Erwerb zu verschaffen versuchen, Es sind nicht immer ganz lautere Wege, die da gegangen werden. So fiel uns vor einiger Zeit in einer hiesigen Tageszeitung ein Inserat folgenden Inhalts auf: „Drehen lehrt an Leitspindel» bank, auch Frauen, eine Woche, k o st e t 2 0,— M. Werkzeugfabrik, Landsberger Straße L7." Unsere Nachforschungen haben ergeben, daß diese„Werkzeug- fabrik, Landsberger Straße" sich in einem Räume befindet, der reichlich 4 Meter lang und 4 Meter breit ist. In diesem Räume sind mehrere sogenannte Mcchanikerbänke untergebracht, außerdem eine Bohrmaschine, ein Schmiedefeuer, ein Amboß und ein Schleif- stein, sodann an einer Feilbank mehrere Schraubstöcke. Eine der Drehbänke hat auch eine Leitspindel, doch ist dieselbe schon stark bei Jahren und nicht intakt, so daß sie eigentlich nicht als Leit- spindelbank gebraucht werden kann. Wie an diesen Werkzeug- Maschinen jemand als Dreher ausgebildet werden soll, erscheint nicht ganz klar, denn alle Vorbedingungen hierzu fehlen vollständig. Daß aber die Ausbildung gar in einer Woche möglich wäre, ist nicht möglich und wohl in der Ankündigung nur erwähnt, um Leute anzulocken, die glauben, gewissermaßen im Schnellzugtempo sich die Fertigkeiten des jetzt während des Krieges so stark begehrten Drehers anzueignen. Einige in dieser Werkzeugfabrik beschäftigten„Lehrlinge", die aber schon stark bei Jahren sind, zeigen auch, daß die Aussicht auf die Erlernung des DrehenS innerhalb 8 Tagen in das Reich der Fabel gehört, denn sie sind schon länger als eine Woche dort be- schäftigt, ohne auch nur die Elementarbegriffe deS DreherberufeS erfaßt zu haben. Merkwürdig bleibt trotz alledem, daß sich erwachsene Leute finden, die auf Ankündigungen, wie sie obiges Inserat enthält, hineinfallen. Wie die Tatsachen zeigen, haben sich tatsächlich einige Leute gefunden, die auf Grund deS Inserats sich als Dreher aus bilden lassen wollen. Wir möchten an dieser Stelle dringend warnen, auf solche Inserate einzugehen. Man kann dabei sein Geld verlieren ohne irgendwelche Vorteile dabei zu erlangen. Man kann höchstens um eine Erfahrung reicher werden, und das ist allerdings auch ein Vorteil. Wer sein Geld nicht zum Fenster hinaustverfen will, beachte Inserate solchen oder ähnlichen Inhalts wie oben angegeben, nicht Arbeiterbildunsssschule. Heute, Sonntag, den 16. Januar, abends 7Vz Uhr, findet der zweite Vortrag des naturwissen- schaftlichen Vortragszyklus mit Lichtbildern statt. Genossin Käte Dunker ivird über die Kräfte der Gebirgsbildung und Ausgleichung, vor allem über die vulkanischen Erscheinungen sprechen. Der Vortrag findet im Hörsaale der Schule, Linden straße 3, 4. Hof rechts, 3 Treppen statt. Der Eintrittspreis beträgt 10 Pf._ Abfahrt der ersten Balkanzüge. Gestern früh haben, festlich erleuchtet und mit Kränzen und Fahnen geschmückt, die ersten Balkanzüge die Reichshauptstadt ver- lassen. Reges Leben herrschte auf den Bahnsteigen, wo zahlreiche Zuschauer mit sichtlicher Freude das Treiben in und am Zuge verfolgten. Neben Offizieren und ihren Angehörigen konnte man auch eine größere Anzahl sonstiger Reisenden in den Zügen beobachten. Ter Minister der öffentlichen Arbeiten von Breiten- dach bestieg den über die Stadtbahn fahrenden Balkanzug auf dem Bahnhof Zoologischer Garten, um ihn bis zum Bahnhof Friedrich- straße zu begleiten, fyx seiner Gesellschaft befanden sich neben einer Anzahl höherer Eisenbahnbeamten die StaatSminister Sydow, Dr. Lentze und von Loebell. vruf dem Anhalter Bahnhof, an dem bekanntlich der über Wien fahrende Balkanzug abfährt, war in Vertretung der Staatsregic- rung der Direktor der Verkehrsabteilung des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten Ministerialdirektor Franke in Begleitung des Präsidenten der Königlichen Eiscnbahndirektion Berlin und ver- schiedener anderer höherer Eisenbahnbeamtcn erschienen. Selbstmord zweier Schwestern. In einem Graben am Kleinen Zernsee bei Werder a. Havel wurde am Donnerslag eine weibliche Leiche und-gestern wiederum eine solche ge'undcn. Es handelt sich um die Geichwister P. aus Schöneberg, 20 und 22 Jahre alt. Der Grund zu dem Selbstmord, der nach dem Leichenbefund zweifellos vorliegt, ist bisher auch den Eltern unbekannt geblieben. Ein gefährlicher Kinderfreund treibt seit einiger Zeit in Moabit sein Unwesen. Mit ihm wird das Verschwinden zweier Schulkinder, der zehnjährigen Lisbeth L. und der achtjährigen Hedwig G.. in Verbindung gebracht, die beide seit gestern vermißt werden. Es handelt sich um einen fünfundzwanzig- bis dreißigjährigen Menschen, der schon tagelang in der Nähe des Kleinen Tiergartens herumstreifte und Schulmädchen durch Versprechen von Süßigkeiten an sich zu locken versuchte. Gestern früh hielt er sich vor Schul- beginn vor der Richterschen Höheren Töchterschule in der Wilsnackcr Straße ö2 aus und belästigte die in den Hausflur tretenden Schule- rinnen. Mehreren Mädchen versprach er Bonbons, wenn sie ihm folgten. Leider scheint es dem Unhold gelungen zu sein, zwei der Schülerinnen zu verschleppen. Der Polize», die unverzüglich de- nachrichtigt wurde, ist es bis jetzt noch nicht gelungen, des In- dividuums habhast zu werden. Nach den übereinstimmenden Schilderungen der Mädchen handelt es sich um einen schlanken, bartlosen Menschen, der einen schwarzen Mantel, dunkle Stiefel und schwarzen steifen Hut sowie einen Kneifer mit goldenem Rand trug. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß es sich um einen cm- sprungenen Geisteskranken handelt. Der Frauenmörber Hagen ist noch nicht noch dem Unter- suchungsgefängnis gebracht worden. Die Kriminalpolizei ermittelt immer noch wieder neue Zeugen, die den Verhafteten schwer be- lasten und setne Ausrede, er habe seine Geliebte mit deren Ein- Verständnis getötet, widerlegen. Allen diesen Zeugen muß Hagen gegenübergestellt werden. Deshalb wird er einstweilen noch im Einzelgewahrsam des Polizeipräsidiums behalten. Alles was der Beschuldigte über das Verhalten des Mädchens sagt, seinen Ab- gang von der Arbeitsstelle, seine Selbstmordgedanken usw., erweist sich als unwahr. Zu der Tötung selbst behauptet Hagen, seine Geliebte habe ihn, entgegen seinen Bedenken, ernstlich und drin- gend gebeten, sie umzubringen. Er habe sich lange gescheut, dann sei es aber plötzlich über ihn gekommen, es doch zu tun. Jetzt habe er ihr mit dem Daumen die Kehle zugedrückt, bis sie sich nicht mehr rührte. Sie habe nur ein paarmal die Arme bewegt, sich sonst aber gar nicht gesträubt. Vom Schrecken gepackt babe er nach der Tat die Leiche erst liegen lassen. Erst später habe er sie in den Schrank gesteckt. Auf allen seinen Wegen habe er sich seitdem von der Polizei verfolgt geglaubt. Uebevall im Hause, auf der Treppe usw. habe er die Tritte und Stimmen der Verfolger zu hören geglaubt. Seiner Frau schrieb Hagen, daß er die Elise hin- ausgesetzt habe. Die Frau kam daraufhin einmal nach Berlin und übernachtete auch bei ihm in der Wohnung, ohne von dem Verbrechen eine Ahnung zu haben. Sie schlief in dem Bette, in dem er die Geliebte ermordet hatte, während deren Leiche noch im Kleiderspind lag. Den Schlüssel zu diesem Behältnis hatte Hagen, wie er sagt, gleich lveggeivorfen. In Eisleben will der Verhaftete bei der Weibnachtsfeier, die er mit seiner Frau und seiner achtjährigen Tochter verlebte, wie abwesend gewesen sein, Er habe immer teilnahmslos dagesessen. Die Angehörigen hätten ihn deshalb auch gefragt, was mit ihm sei. Er habe aber nur geantwortet, sie sollten ihn in Ruhe lassen. Auch das trifft alles nicht zu. In Eisleben hat man Hagen nichts angemerkt. Zur Rückkehr noch Berlin, wo er seine Sachen ordnen zu wollen vorgab, erhielt er von seiner Frau das Gold. Er schlief dann weiter in der Wohnung. Von dem Verwesungsgeruch merkte er, wie er be- hauptet, nichts, weil er schnupfe. Jedesmal, wenn er nach Hause gekommen sei, habe er erst nachgesehen, ob vielleicht jemand auf der Treppe sei und ob in der Wohnung Licht brenne. Erst wenn er sich überzeugt habe, daß eS dunkel war, habe er sich beruhigt und die Behausung aufgesucht. Tödlicher Eiscnbahnunfall. Ein tödlicher Unglücksfall hat sich auf dem Rangierbahuhof Niederschöneweide zugetragen. Dort war der dreißigjährige Rangierer Hennann Schulze aus Adlershof mit dem Zusammenstellen eines GiiterzugeS beschäftigt. Als er einen von einer Lokomotive ab- gestoßenen Waggon mit feststehenden Wagen verbinden wollte, geriet er zwfichen die Puffer und erltt eine so schwere Brustqeulschung, daß er aus der Stelle starb. Ein zweiter schwerer Eisenbahnunfall hat sich auf der Südring- strecke ereignet. Zwischen den Bahnhöfen Hermannstraße und Tempelhof werden gegenwärtig Gleiserneuerungsarbeiten ausgeführt, bei denen aucki der siebzehnjährige Arbeiter Fritz Noack aus Ober- schöneweide beschäftigt war. Als Donnerstagvormittag gegen 11 Uhr ein Güterzug aus der Richtung Neukölln herannahte, beachtete N. m»- scheinend nicht das Warnungssignal. Während die übrigen Arbeiter rechtzeitig sich in Sicherheit brachten, wurde der junge Mann von der Maschine des Zuges erfaßt und zur Seite geschleudert. Er erlitt eine» schweren Schädelbruch und wurde in besi»nui>gslvsc>ir Zustande nach dem Neuköllner städtischen Krankcnhause geschafft. DaS Schwimmbad beim Volksbad Oderberger Straße wird Donnerstag, den 20. Januar 1S16, morgens 8 Uhr, wieder- eröffnet. Damit sind sämtliche Schwimmbäder der städtischen VolkSbadeanstalten wieder im Betriebe. Drei Kinderleicheu wurden gestern wieder nufgefunden. Tie Leiche eines neugeboreneir Knaben hinterließ eine Unbekannte in der FrauenbsdürfniSanftalt in der Jnvalrdenstraße, gegenüber dem Hause 52. Sie war in Zeilungspapier eingewickelt. Die zweite Knabenleiche lag aus dein Grundstück Manteuffelstr. 15 iin Müll- kästen. Die Leiche eines neugeborenen Mädchens fand man auf dem Flur des Hauses F�belliner Straße 28 hinter der Haustür. Die älteste Berlinert», Frau Witwe Heinrichs, ist gestern im Alter von 158 Jahren in ihrer Wohnung in der Zionskirchstraße sanft entschlafen.— Am S omiabendnachmittag wurde der im Aller von 151 Jahren verstorbene Rentner W. Plan auf dem alten Georgenkirchhof, an der Friedensiraße am Königstor, beigesetzt. Die städtischen Behörden hatten sich vertreten lassen. Wegen der Bauarbeiten am Lindentunnel werden vom 17. d.M. ab die Linien 12, 18, 32 und 43 nicht mehr unmittelbar durch das Kastanicnwäldchcn, sondern durch die Straßen„Am Kupfergrabcn" und„Hinter dem Gießhansc" geführt. Kleine Nachrichten. Auf der Stadtbalm„gefleddert" wurde ein Handlungsgehilfe aus der Stuttgarter Straße zu Charlottenburg. Er schlier>" einem Äordringzuge, mit dem er von der Bcusset- straße über Schlestschen Bahnhof nach dein Grunewald fuhr, ein und erwachte erst an der Endhaltestelle. Jetzt entdeckte er, daß ihm die Brieftasche ans Schildkröte gestohlen>var. Sie enthielt 57 M. bares Geld und verschiedene Papiere.— Ein Handtaschenräuber wurde gestern in der Brückenstraße festgenommen. Dort wählte eine Dame in einem Zigarreirgeschäft jfiir einen Angehörigen Zigarren und Zigaretten ans und hielt dabei ihre Geldbörse >n der Hand. Da kam ein Mann berein, kaufte für 5 Pf. Zigarci- ten, bezahlte sie, riß ihr das Portemonnaie aus der Hand und ergriff die Flucht. Auf die Hilferufe der Beraubten setzte der Gefangenenaufseher Spohx, der gerade aus dem Dienst kam, dem Flüchtigen nach, nahm ihn fest und brachte ihn nach der Wache. ftus öen Gemeinden. Errichtung eines neuen Krankcnliauscs in Sieukölln. DaS außerhalb der Berliner Stadt- und Ringbahn im Süd» westen belegene Sladlgebiet Neuköllns bietet dem Beinckier jesl ein wescntlicki anderes Bild als zu Anfang des Krieges. Seil dieier Zeit hat sich in dem genanmen Siaditcil, der bekanmlich außer dem städtischen Armen- und Siechenhause keine öffentlichen Anstalten aufzuweisen hatte, insbesondere an dem nach Tempelbof führenden Mariendorfer Wege enie rege Bau- täligkeit entfaltet. Schon Ansang August v. Js. konnte die hier errichicte neue Königliche Taubstummenansiatt ihrer Bestimmung übergeben werden. Inzwischen geht der diesem Jnstiiu! gegenüber liegende Neubau der Brandenburgischen Proviniial-Hebainiiieiilehr- anstalt seiner Vollendung entgegen, so daß Neukölln auch mir deren Eröfsuuilg um eilten bedeuienden öffentliäen Bau reicher wird. Die genannten Anstallen werden aber in Kürze noch durch eine vierte ergänzt. Die Stadt Neukölln hat bekanntlich mit dem Mutterhaus der barmherzigen Schwestern� vom Heiligen Karl Borromaeus in Trier einen Verlrag geschlossen, wonach sich diese zur Errichtung eines modernen paritätischen Krankenhauses mit 600 Betten in Neukölln verpflichtet. Das von der Stadtgemeinde zu diesem Zwecke zur Verfügung gestellte annähernd 4 Hektar groste Grundstück ist un- mittelbar neben der Hebammenlehranstalt gelegen und bietet unter Berücksichtigung der groszen Freiflächen der unmittelbar angrenzenden Gelände der beiden Anstalten sowie der Friedhöfe und des Tempel- hofer Feldes für den geplanten Bau in bczug auf ausreichende Lust- zuführung die besten Vorbedmguttgeii. Im übrigen ist bei der Pro- sektierung der Anlage in jeder Hinsicht auf weitgehende Gestaltung des Geländes als Freiflächen zur Erholung der Kranken Wert gelegt. Da ansteckende Kranke dem städtischen Krankenhause in Buckow überwiesen werden, soll von der Errichtung von Einzel- gebäuden mit Ausnahme der Maschinen- und Kesselanlägen sowie des LeichenhauseS abgesehen und das KrankeithanZ im Korridorsystem dreigeschoszartig errichtet werden. Der Haupteingang zum Krankenhaus befindet sich am Mariendorfer Weg. Für die Einteilung der zusammen- hängenden Gebäudeanlage, die sich um die zentral liegende Kirche gruppiert, ist die Himmelsrichtung bestimmend. Alle Krankenräume sowie die diesen vorgelagerten offenen Terrassen und gedeckten Hallen liegen fast ausschließlich nach Süden. Die Baugruppe selbst wird gebildet aus dem parallel zum Mariendorfer Weg zir errichtenden 233 Meter langen Gebäudeteil der chirurgischen Abteilung, we'cher durch einen Mittelbau von anderer Gestaltung betont, den Haupt- eingang erhält. An diesen Bauteil lagert sich, rechts vont Haupteingang nach dem Mariendorfer Weg zu, der Fliigelbau des Verwaltungsgebäudes und am Ende nach der Straße 166a der des Aerztewohnhauses vor. Parallel zu dem chirurgischen Gebäude- teil, in einer Entfernung von 52 Meter, ist in fast gleicher Länge wie dieser der Bauteil der medizinischen Abteilung an- genommen. Beide Bauteile werden durch zwei Querflügel- bauten verbunden, die gleichzeitig in ihrer Milte den Mittel- Punkt der Gesamtanlage, die Kirche, begrenzen. Die Einteilung nach Geschlechtern geschieht derart, daß auf der westlichen Hälfte die Männerabteilung und auf der östlichen die Frauenabteilung an- geordnet ist. Beide sind getrennt von den gemeinschaftlich zu be- nutzenden Verwaltungs- und BehandlungSräunten, sowie dem Wohnhaus der Schwestern. Alle Abteilungen haben durch Gruppierung der Gebäudeteile und teilweise durch Mauern und Hecken begrenzt, besondere Gärten. Ein gesonderter Gemüsegarten wird ebenfalls angelegt. In jeder Abt-ilung vermittelt ein Krankemahrstuhl den bequemen Transport zum Erdgeschoß. An technischen Einrichtungen sind außer einer WasserversorgungS- und Datnpianlage eine ElektrizitätS- und Gas- Versorgung, eine Bakuumreinigung' sowie Fernmessereinrichtungen vorgesehen._ Parteiveranstaltungen. Dritter Kreis. Am Sonntag, den 23. Januar, findet das 2öjährige Ststtungssest des Wahlvereins int Gewerkichastshaus, Engeluser IS, statt. Billetts a 30 Pf. sind bei den Bezirkssührent sowie beim Kassierer Felsmann, Oranienstr. 180, zu haben. Dreptow-Baumschulenweg. Die für Dienslag, den 18. Januar 1S16, vorgesehene Mitgliederversammlung sällt umständehalber aus. Nowawes..Mittwoch, den 10. Januar, abends S'!, Uhr, findet in Singers Volksgarten, kl. Saal, die Versammlung des Wahlvereins statt. Vortrag des Genossen Dr. Max Schütte über: Der allgemeine deutsche Arbeiterverein._ Zrauenveranstaltungen. Schöuebcrg. Montag abend 9 1!hr findet in den Neuen Rathaus- sälen, Martin-Lulhcr-Str. 60, eine öffentliche Frauenversammlung statt. Genossin Luise Zieh spricht über: Die Frauen und der Krieg. Iugenöveranstaltungen. Schöueberg. Heute Sonntag, abends st.7 Uhr, bei Henkel, Meininger Straße 8 t Vortrag des Herrn Sepp Oerter. Verlustlisten. Die Verlustliste Nr. 430 der preußischen Armee enthält Verluste folgender Truppen: Infanterie usw.: Garde: 4. Garde-Rrg. z. F.(f. Res.-Inf.- Reg. Nr. 93); Garde-Jäger-Batst Gren.-, bezw. Ins.-, bczw. Füs.- Regimenter Nr. 1 bis einschl. 5, 11, 12, 13, 16, 41 bis etnschst 45 sletzte-res s. Gren.-Reg. Zlr. 3), 47, 49, 51, 52, 54 bis einschl. 37, 59 bis einschl. 62, 64, 66, 69 ss. auch Garde-Jäger-Batst), 70, 72, 74, 76, 77. 79, 82, 83, 84, 86, 87, 88, 90, 92, 93, 95, 97(f. auch Ins.- Reg. Nr. 60), 98. 99, III bis einschl. 116. 128, 131, 132. 135, 136, 138. 140, 141, 143, 146, 147, 149. 151 bis etnschst 157, 159, 161, 165, 166, 173, 175, 176, 184. 185, 186, 188, 189, 190, 330, 331, 334, 342. Res.- Inf.-Regimenter Nr. 1, 3, 7, II, 12, 15, 48, 56, 59, 61, 64, 65, 67, 69, 76, 78 bis einschl. 83, 86, 87, 88, 90, 92, 93, 98, 99, 109, 110, 118, 203, 205, 207, 222 ig. auch Fns.-Reg. Nr. 88), 224, 226, 228, 229, 232, 234, 235. Lairdw.-Inf.-Regimenter Nr. 2, 4, 5, 9 bis einschl. 12, 15. 46, 48, 51. 53. 55, 56. 57, 65. 68, 76, 77, 83, 84. 93. 109, 110. Brrg.-Ers.-Batst Nr. 78(f. Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 51). Jäger-Bataillone Nr. 3, 5, 6; Res.-Batst Nr. 20. Radf.- Komp. Nr. 50: Jnf.-Radf.-Komp. der 1. Kav.-Tiv. Festungs- Maschinengew.-Abt. Ticdenhofen; Feld-Maschineitgew.-Zügc Nr. 29 ls. Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 109), 79(f. Jtrf.-Rcg. Nr. 93), 94 ff. Ins.- Reg. Nr. 16), 274 ls. Jäger-Batst Nr. 6). Kavallerie: Kürassiere. Nr. 3; Dragoner Nr. 9, 13, 17; Ref.- Dragoner Nr. 7; II taten Nr. 7, 9, 15; Res.-UIanen Nr. 1. Kav.- Rea. Nr. 85. 2. mobile Lattdst.-Eskadron sowie 1. Latrdst.-Ers.- Esradron des 7. Armeekorps. Feldart.tllerie: 7. Garde-stlcg. Rcginrenter Nr. 1, 4, 6, 9, 10, 11, 15. 18, 22 bis ernschst 27, 31,'.34, 37, 40, 41. 63, 75, 81, 82. 209; Res.-Regimenter Odr. 7. 15. 10, 21, 36, 51, 65; Landw.-Rcg. 1%. S. Gebirgskanonen-Batterie Nr. 1. Fußartillerie: Reg. Nr. 11. Pioniere: l. Garde-Batl. Regimenter Nr. 20, 29, 30, 31; Bataillone: I. Nr. 1. I. Nr. 2, Nr. 3, I. Str. 6, II. Nr. 8. I. Str. 9, I. Nr. 11, I. Str. 15, I. Nr. 16. I. Nr. 17, I. und II. Nr. 27, st Nr. 28. Ers.-Bataillone der Pionier-Bataillone Nr. 1, 5, 8, 9, 27. Pionter-Kompagnten Nr. 104, III, 248, 259; Res.-Kompcgnien Nr. 44, 82, 85; 1. Laudw.-Komp. des 1., 2. des 14., 1. des 16. und 1. Landsst-Äomp. des 11. Armeekorps. Pionter-Abtailungeit der 1., 2. und 4. KaL.-Drö. 4. Laudst.-Ptonter-Parkkomp. deS 13. ReservekorpS. 1. Garde-Mincnwerfer-Komp. Minenwerfer-Kom» pagnien Nr. 21 und'230. Armie-rungS-Batailloite Nr. 26, 28, 31, 33, 53, 62, 63, 64, 67, 69, 70, 73, 79, 81, 86, 88, III, 113, 117. Berichtigungen früherer Angaben. Liste Nr. 6 der auS Frankreich zurückgekehrten preußischen Ausiauschgesangcnen wird veröffentlicht. Der Schluß der sächsischen Verlustliste Nr. 244 wird mitgeteilt, deren Inhalt wir bereits angaben. Sriefkaften üer Reüaktion. _<_¥. K. 31. Sie müßten durch JnterventioitSklitge die Freigabe de? Sofas erwirken. Da Ihre Schweiler nur den einen verschließbaren Gegen- stand besitzt, muß der Wirt das Spiegelspind freigeben. Der Witt kann aber Ihre Schwester durch Offenbarungseid zwinge». Auskunft über ihre BermögensverhätMiss« zu geben.— M. B. 1916. 1. Wenden Sie sich mit einein Gesuch an den Landesdirektor der Provinz Brantenburg, in Bertin. Matthäitirchstr. 13/21. 2. WitwenreMe erhalten Sie aus Grund der geklebten Märken Ihres Ehemannes nur, wenn Sic zu zwei Drittel er« werbsunsähig sind. Reichen Sie einen Antrag unter Vorlegung der Quittungskarten an das BersichernngSamt Berlin. Klosterstr. 65/87 ein.— It. L-nentin. Dafür ist keine bestimmte Grenze sestgeletst. P. W. 83. Vorläufig wird daraus keine erhöhte Rente gezahlt. — R..6. 1801. 1. trie können den Vertrag deshalb nicht vor Ml aus desselben löse». 2. Der Wirt kann nicht vetpslichtet worden, Sie irüher ziehen zu lassen. 3. Sie müßten die Baupolizei um ein Gutachten ersurben und event. aus Lösung des Vertrages klagen.— Neinickcudorf 31. Ja. — Cr. 10. Sie können vom Wirt Ersatz für die Tür verlangen.— Asturia 1900. 1. und 2. Ja.— B. L. 666. Wenn Ihnen ichon in letzter Instanz das Erziehmtgsrecht aberkannt ist, können Sie nichts weiter unternehmen.— 31. W. 90. Reichen Sie Beschwerde an das Militär- bureau des Magistrats Berlin, Klosterstr. 68, ein.— 33. R. 13. Wenn der Wirt nicht ausdrücklich aus die rellliche Miete verzichtet hat. sind Sie verpflichtet, diese zu zahlen; event. kann der Wirt entbehrliche Sachen ein- behalten.— 31. F. 108. Sie müssen sich trotzdem zur Stammrolle melden.— S. 38. 1. Nachmustenmg kann erfolgen. 2. Die Mitglieder der von Ihnen genannten Kapellen können nicht durch jeden Musiker ersetzt werden.— 31. M. 77. 1. Ja. 2. Die Beranlagiingskommifsion stellt solche Formulare zu.— P. M. 77. Innerhalb eines Vierteljahres. — F. M. 100. An die Direktion des städtischen Straßenreinigungs- wesens, Berlin O. 2, Klostersir. 68.— R. 13. 69. Bei der städtiichen spar. taste.— N. G. 50. Können Sie erfahren im Bureau des Metall- arbeiterverbandes, Linienstr. 83/85.— K. C. 93. Näheres kann Ihnen die Kentralkommission der Krankenkassen mittelleti. Alexaitden'tr. 33/10.'— H. M. 117. Bureau der Städtischen Slraßenbabn, Berlin 8>. 61, Urban- swaße 167. Von der«Großen Berlmer" ist für>sie der nächste Bahnhos Treptow. Effensw. 111—114.— H..ö. 10. Verheiratet.— C. K. 77. Das Gesetz datiert vom 3. Jult 1873 und trat am t. Januar 1875 in Kraft. Die Ausgabe«folgte schon im Jahie vorher.— F. Eh. 16. Bei den jetzigen vielerlei Verordnungen wenden Sie üch mit beiden Fragen am besten an die Babnwerwaltung, Berlin. Schöneberger User 4.— R. L. 1. Das erst«e ist soviel als Hersagung eines Gedichts oder dergleichen. Unter «Vortrag" kann dasselbe gemeint sein. Jedoch versteht man darunter auch eine sogenannte«.freie Rede"._ ISetteraussichten für das mittlere Storddeutfckiland bis Montag mittag. Vorwiegend trübe, mit wellverbreiteten, im Norden, besonders an der Küste vielfach starken Niederschlägen. Dazwischen zeitweise auftlarend. Ostwärts fortschreitende neue Abkühlung. Auftrea&aci: .erneefiraimDaiilioitiplato VeiUauf ixl enor Preiiera. -- 'v.•.••- -V ck-D r.■ 'Wh HD MMW � f'-'ä:"A s Henkel� Bleich-Soda ist der beste und billigste Ersatz für Seife Die Hälfte der Seife wird gespart, wenn die Wäsche vor dem Waschen in Henkel's Bleich-Soda in lauwarmem Wasser eingeweicht wird, denn Henkers Bleich-Soda bewirkt ein schnelles Lösen aller Schmutzstoffe aus der Wäsche. Mithin wird das Waschen und mit weniger Arbeit wird ebenso reine und weiße Wäsche erzielt. wesentlich bSiiiger vorz�'c*1s*e»smlttel für Fußböden, Metall-, Holzsachen und Küchengeräte, sowie beim allgemeinen Hausputz u. ist nur in Originalpackungen mit dem Namen Henkel ä"? Schutzmarke„Löwe" in allen einschlägigen Geschäften erhältlich. HENKEL& CIE., DÜSSELDORF. ..;,V.:v■". ■J;.''< ' ifr vri, Sein Menlen unserer an! Dem SriensschanM gefallenen Genauen! Am 5. September 1915 fiel auf dem Schlachtfclde unser Genosse kvinkolii k'stsvkil� Bezirk 26. 205/2 Sozialdemokr. Wahlverein f. d. 2. Berl. Reichstagswahlkr. Am 1. Lanuar starb in, Lazarett der Arbeiter Lnnsi Vsvkmsnn N-umynstr. 71, Bezirk IIS I. Am 11. Dezember v. J. starb im Alter von 10 Zähren der Möbelpolierer krivrli'iivK Klamandt Wiener Str. 35, Bezirk 198 I. Am 5. Januar starb im Zlltcr von 11 Jahren der Tischler Miaidsmai� Nehrig Friedrichsse ld er Str. 37, Bezirk 304. 211/8 Sozialdemokr. Wahlverein t d. 4. Berliner Reichstagswahlkr. Am 3. November siel der Stcindrulkcr Karl Krause 21 Jahre alt, Grenzstr. 16, 10. Abt., Bez. 651. Am 8. Lanuar fiel der 32 jährize Bauarbeiter Paul Schwialkowski Sicmcnsstr. 15, 14. Abt., Bezirk 7«. Zm Felde fiel der Schreiber Willi Blume 29 Jahre all, Christianiastr. 99, 1V. Abt., Bezirk 832. 221, B Sozialdemokr. Wahlverein t. d. 6. Berliner Reichstagswahlkr. Zm Lazarett Verstarb unser langjähriger Funktionär, der Arbeiter Paul Altaiann Pannierstr. 16, 3. Bezirk. ZM Felde fiel der 2>!aurcr Karl Barkkeld Darlbestr. 16, 16. Bezirk. Im Felde fiel der Gürtler Otto Fischer Koltbu|cr Tamm 70/71, 1. Bezirk. ZM Lazarett verstarb der Giegcr Hermann König Nogatslr. 80, 15. Bezirk. 286/5 Sozialdemokratischer Wahlverein Neukölln. 1 61/7 Bezirk Groß Berlin. Folgende Kollege« sind im Felde gefallen: Hermann Born, Geschüftsdie»». Reinhold Buller, Geschäftsk»tscher. Walter Engel, Geschäftsdiener. Walter Georgi, Industriearbeiter. Hermann Hinz, stoiimium Hermann Lude, Gcschsftskutscher. Hermann Lück, P-ser. Ludwig Maaß, OmnibnSchauffenr. Gustav Radzun, Speditiousarbeiter. Ernst Schaedel, Bierfahrer. Ehreihrem Andenken! I»it> MMm Bauarbeiterverband. Zweigvcrein Berlin. Im Felde sind folgende Kollegen gefallen: Beerbaum, Otto, Kaum, Bezirk Neukölln Qlabe, Hermann, Nabitzpntzer, Bez. Oranicnb. Vorst. I�ascbke, Friedrich, Maurer, Bezirk Köpenick Lusch, Ernst, Maurer, Bezirk Moabit Peisker, Reinhold, Kaum, Bezirk Zehlendors Puphal, Hermann, HllsSarbeller. Bezirk Moabtt Radios, Hermann, Maurer. Bezirk Neukölln Bassin, Robert, Maurer. Bezirk Osten I SrOka, Paul, Hllssarbester, Bezirk Wedding Statin, Reinhold, Warbettev, Bezirk Charlotten... Ihornuscheit, Friedrich. Pni-r. Bez. Zchöneberg linius, Hermann, Emschaler. Bezirk Lichtenberg Zimmermann, Johann, Rohrer. Bezirk Schön-berg Ehre ihrem Andenken! 140/3 vi« Äi-tllechi« Vvn«»Itlinx. immM Filiale GroB-Bcrlln. Den Alitgliedern zur Nachricht, daß solgende Kollegrir aus dem| Schiachtseide gefallen sind: August Borchardt, Gasanstalt DanzigerStr. Albert Schulz, Gasanstalt Schmargendorf. Anton Bischof, öffentliche Beleuchtung, Bernhard Albrecht, Revier-Zuspeition. Albert Kroll, Chmiottendurg. Wir werden ihnen ein ehrendes Andenken bewahren. 32/1 Die Ontwreroraltiiiijx. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Ortsverwaltung/ Berlin. Tcm Andenken unserer im �eldc gefallenen Kollegen. Bruno Barthel, Gürtler, gcb. 27. 5. 1887 Berlin. Max Benzin, Schlosser, geb. 2. 3. 1891 Berlin. Paul Bunar, Mechaniker, geb. 23. 9. 1889 AicherSlcbcn. Alfred Dörfert, Werlzeugmacher, geb. 7. 12. 1885 Berlin. Wilhelm Eisermann, Metallarbeiter, geb. 7. 8. 1878 Berlin. Otto Fischer, Gürtler, gcb. 15. 3. 1882 Berlin. Ernst Grauer, Schlosser, geb. 17. 7. 1893 Eichholz. Otto Hanke, Schlosser, geb. 27. 5. 1895 Fricdrichsselde. Walter Heinze, Schlosser, geb. 2. 2. 1892 Glohig. Karl Kaaz, Schlosser, geb. 25. 12. 1887 Red in. Hermann König, Zwkgiester, geb. 15. 6. 1878 Schlagenthin. Max Manthey, Metallarbeiter, geb. 17. 7. 1889 Schöneberg. Ernst Mersch ei, Schlosser, geb. 29. 10. 1886 Tegel. Wilhelm Plaschke, Schmied, gcb. 17. 3. 1885 Schweidnitz. Albert Richter, Maschinenarbeiter, gcb. 18. 8. 1896 Berlin. Erich Riedelsberger, Schlosser, geb. 13. 8. 1893 Berlin. Heinrich Schuhmacher, Metallarbeiter, geb. 16. 3. 1884 Leichlingen. Reinhold Zühlke, Gelbgicßer, gcb. 1. 2. 1885 Neu-Anspach. Ehre ihrem Alldenken! 110/12 Die Ortsverwaltuug. Sozialdemokrat. Kreiswahlverein HiEderbarnim. Bez. Borsigwalde-Wittenau. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Barbier Paul Jockisch am 14. Januar gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Montag, den 17. Januar, uach- mittags 3 Uhr, vom Traucrhause aus statt. Die Genossen treffen sich bei Heider. t26b'_ Die Bezirksleitang Dentseber Hoizarbeiterrerband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dafi unser Kollegs, der Modell- Ifichler Erans Ensmann Otavistraßc 35 Im Aller von 4.1 Jähren gestorben ist. Ghre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 18. Januar, vor- mittags 11 Uhr. von der Leichen- Halle des Friedhofes der Sebastian- Gemeinde in Reinickendorf aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 81/14 Die OrtSverwaltung. Zemralverband der Steioarbeiter Deatsehlands. Zahlstelle Berlin. Infolge einer im Felde zugezogenen Lungentuberluloie ver- starb am 13. Januar 1916 unser Kollege, der Steinmetz Ewald.lahnkc Die Beerdigung findet am Montag, den 17. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen» balle des Berliner Zenttat-Fried- hofeS in Friedrichsfeide aus statt. Um rege Beteiligung erluchi 171/1 Die Ortsverwaltung. MS Opfer dieses Wettkrieges I verstai b im Feldlazarett am| 24. Dezember 1915 unser innig. geliebter Bruder und Schwager. der Füsi.icr 125b Nlax Helmig 33. Infanterie-Regiment infolge Herztchwäche. Die trauernden Hinterbliebenen. Nun ruhe sanft In Feindesland. von uns nie vergessen im Heimat- land. Ms Opfer des Wellkrieges starb am 7. Januar 1916 im Lazarett unser inniggeliebtcr Sohn und Bruder, der Kanonier 13tA Alhert Richter (Fugart.-Battcrie 601). Dies zeigen ticfbetrübt an Reinhold Richter). Emma Richter j qB Eltern. Bruno Richter als Bruder. Was sind Hoffnungen— was find Cattraürsc... Als Opfer des Weltkrieges starb ani 5. Januar 1916 unser lieber Kollege, der Sattler 124b Friedrich Hubnfleisch im 36. Lebensjahre. Sein Andenken werden wir stets in Ehren halten. DieÄollegeu und Kolleginnen der Firma W. Grenlich. Ruhe sonst in fremder Erde. Deutscher Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Berlin. Zm Felde gefallen sind folgende Mitglieder: Paul Hoffmann, Tischler, 44 Lahre alt. Max John, Möbelpolierer, 30 Jähre alt. Rudolf Loh, Tischler, 31 Jahre alt. Waldemar Nehrig, Klavicrarbciicr, 11 Jahre alt Ehre ihrem Andenken! ! 61/10 Die Ort8veiMva.1l im j; SozialdemokratisEberWahlYerein f.d. BJerLReichstagswahlkrels. 22, Abt, Bez. 778. Am Freitag, den 14: Januar, verstarb unser Genosse, der Modell- tijchler Franz Ensmann Otavist». 35. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 18. Januar, vor- mittags 11 Uhr, von der Leichen- balle des Scbastian-KirchhoseS in Reinickendorf aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der �'or8tautatt kiartei». Allen Freunden und Verwandten. besonders den Kollegen iowie alten Vereinsmitgliedenr jür die zahlreiche Beteiligung an der Beerdigung meines lieber. Mannes meinen herz. lichsten Dank. 1275 Witwe T.jna Cintaehc, Namiynjtr. 45. Danksagtmg. Für die vielen Beweise her zlicherTeil- nähme beim Hinscheiden meines im- vergeßlichen Mannes, Baters, Sohnes und Bruders sagen wir hierdurch allen Teilnehmern, insbesondere Herrn Waldeck Manage für seine trostreichen Worte, den Kollegen und Kolleginnen der Titmiia-Vcrlc, der D. T.-W.(Abteilung Schleiferei) und dem Wahlvcrein Neukölln(12. Bc- zirk) rmicrcn tiesgesühlten Dank. Vitwe!l!il8ebBsil!ei'i!MsiiebtL!'li llüllittlVLt'WMe!!. ii«?c Danksagung. Für die vielen Beweise hcrzl'chcr Teilnahme und zahlreichen Kranzspenden beim Heimgange unseres lernen Entichlascnen Adolf IVEIscke sagen mir allen Verwandten. Bekannten, Freunden, Hausbewohnern sowie der Patzenhoser Brauerei, Ab- tcilung Inndll und feine» Kollegen unseren herzlichste!: Dank. 13121 Die trauernden Hinterbüedenen. Ida Mücke geb. Schmettc »edst Dochtor, ststatrernstraßc Nr. 19. Danksag« ttg. Für die zahlreichen Beweise herz- lichcr Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Maimes 1312: Bernhard Albrecdt sage ich Hiermit allen Beteiligte» meine» Herzlichsten Daiu. ll<->>«>s ,4.ll>eeebt. IlllprLxv. v»Uvi»e sslünte!... nur 1£: !„ seidene„ nur 33.— u. 39.— i> | uummimantel in mehreren Farben. nur 28,—| : istM... lietläme..... KosKnrätke.... tärnierte wolhne Kleid» Wellie Stitkenikleider• lüai;eniicke.... Blasen...... fSami.Se'de Wolle, Tutfi . Stück H. 0.90 12.50 2.50 12.50 9.75 7.50 4.00 [ isch- und Astrae«anrndnial spottbiHiig! ]i | 501» ermäBig'- i « J LoJenkoaiOma 5tack 12.59 1 Lodjn-Gapcs Stack 7. Do ß Loden-HScke 5.99{ Loden-Paletolo. 17.50| . 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