Ar. 19.- 33. Jahrg. flbonnementS'Bedlngungen: BSonnementS■ Stet» rtänum er anist BietteliäbtL 3.SO M. monatL 1,10 Ml, wllchettiltch 25 Sfg. ftei ins Haus. eütjclne Kummet 6 Sig. Sonntag*. nummet mit iHufttienet Sonntags» Beilage.Die Kette Seil* 10 S'a. Soft. lUionnemeiU; 1,10 Mat! Uta Monat Eingetragen in die Soft. Zeitung*. Vieisliite. Unter Kreuzband für Deuttwland und Lesiertetch• Ungarn 2L0 Marl tür das übrige Ausland s Mark vro Monat Softabonncmcnt* nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Sormgtü, UumäNteu, Schweden und die Schwei* Oiacim täglich. ( 5 Pfennig) Die Tnferflons-Gctilljr betrügt für die sechsgespaltene Kolonek. 9oiXA e*iXo». Xav/iv. sll.>'. ,♦> o/\ en;_ c-_ seile oder deren Raum SO Big, sür xoütische und gewerkschaftliche Vereins- und Bersnmmlungs-Anzeigen 00 Psg �Ateine Änaeigen". das"seitgedruckie Wort 20 Psg.(zulässig 2 setigedruckte Worte), iedes weitere Work 10 Psg Stellengesuche und Schlassiellenan. zeigen das erste Wort 10 Psg, iedes wettere Wort ö Psg. Worte über löBuch- stoben zahlen sür zwei Worte. Inserate mr die nächste Nummer müssen bis B jj.---- -.die nächste................. _) Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Exveditiott ist bis 7 Ubr abends geöffnet. Vevlinev Volksblntk. Telegramm• Adrefie: „SoziaideiBokrat Berlin", Zcntralorgan der rozialdcmokratifAcn Partei Deutfcblands. ItcdoEtion; EW. öS, Linüenstraße Z. Kernsprecher: Amt Mortpplap, Nr. löl gv— lül S7. Donnerstag, den 20. Januar 1910. Expedition: GW. öS, Linüenstraße 2. Kernsprecher t Amt Morivplatz, Nr. läl SV— 151 S7. Beginn einer neuen Schlacht bei Czemowi Tabaksteuer und Tadakinöustrie. Es mehren sich die Nachrichten, wonach die Reichsregie. rung von neuem die Besteuerung von Tabak und Tabak- fabrikaten erhöhen will.— Nach den„Vereinigten Tabak- zeitungen" soll geplant sein, 80 bis 100 Millionen Mark durch .Erhöhung des Zolles und des Wertzuschlagcs auf Zigarren- tabak herauszuschlagen, außerdem soll für Zigaretten eine „Kriegsmarke" eingeführt werden, die eine weitere Besteuc- rung im Betrage von 20 Proz. des Detailverkausspreises herbeiführen würde. Eine offiziöse Korrespondenz bestätigte diese Nachricht in der Form, daß sie meinte, mit 20 Proz. werde es bei den Zigaretten wohl nicht sein Bewenden haben. Wir brauchen unseren Lesern gegenüber wohl kaum ein Wort darüber zu verlieren, wie unsozial diese Erhöhung der indirekten Steuern wäre. Tagegen meinen wir, daß man nicht frühzeitig genug auf die Gefahr auf- merksam machen kann, die hier der Arbeiter- schaff der Tabakindustrie droht. Es ist zu beachten, daß im Laufe des letzten Jahrzehnts .die Tabaksteuer zweimal, und zwar sehr scharf erhöht wurde. 1006, bei der sogenannten„kleinen" oder Stengelschen „Finanzreform" wurde die Zigarettenbanderollensteuer ein- geführt, die eine Besteuerung der Zigarette« mit 1,50 bis 10 M. für das Tausend bedeutete, außer dem auf den Tabak lastenden Zoll. Im Jahre 1900 wurde dann noch gründlicher „reformiert". Die Gewichtssteuer für inländischen Tabak wurde von 45 M. auf 57 M. pro Doppelzentner erhohts es wurde der Wertzollzuschlag eingeführt, der 40 Proz. vom Werte der Ware nach der Faktur(Warenrechnung) beträgt und auch den inländischen Tabak betrifft: schließlich wurde die Zigarettensteuer auf 2 bis 15 M. erhöht und die Steuer auf Zigarettentabak nahezu verdoppelt. Der Tabak wird daher heute belastet: 1. durch die In- kdndsteuer, 2. durch den Einfuhrzoll, der folgende Sätze auf- weist: rohe Tabakblätter 85 M., Schnupf-, Kau- und Pfeifen- tabak 300 M., Zigarren 270 M., Zigaretten 1000 M., alles pro Doppelzentner, 3. durch Zollzuschlag, 4. durch die Zi- garettensteucr. Die Zigarettenraucher, die ihre Zigaretten selbst drehen, zahlen die Steuer auf Zigarettentabak und Zigarettenpapier. Wie hoch das einzelne Erzeugnis im Verhältnis zum Werte besteuert wird, ist nicht leicht zu berechnen, besonders weil der Wertzollzuschlag sich nach dem Preise richtet. Kostet -der Doppelzentner Rohtabak bei der Einfuhr in Bremen 80 M.. so sind 85 M. Zoll und 32 M. Wertzollzuschlag zu ent- richten. Noch einer Berechnung, die 1000 angestellt wurde, bedeuteten die neuen-steuern bei Zigarren eine Erhöhung der Belastung über die frühere hinaus um 225 Proz. Die Erfahrung zeigt, daß die scharfe Erhöhung der Steuern einen Rückgang des Verbrauches nach sich ziehen, der unheimlich auf die Lage der Arbeiter der Tabakindustrie ein- wirkt. So wurden 1879, als zum ersten Male die Steuern stark erhöht wurden, nicht weniger als 10 000 Zigarrenarbeiter brotlos gemacht. Außerdem wurde damals die Fabrikation von Zigarren aus den bisherigen Zentren in Hamburg und Bremen nach Thüringen, Hessen, Baden aufs Land verlegt, wo kaum die Hälfte der früheren Löhne gezahlt wurde. Die fiskalische Maßnahme führte also dazu, in der Zigarrenfabri- kation die Heimarbeit großzuziehen, bei der die Arbeiter dem schlimmsten Lohndruck ausgesetzt sind: Auch wanderten da- mals tausende deutscher Arbeiter nach dem Auslande aus, nach der Schweiz, Holland, Dänemark, Rußland, und die deutsche Zigarrenindustrie verlor ihre Bedeutung als Export- tndullrie für immer. I-n Jahre 1000 wurde von vornherein damit gerechnet, daß die Erhöhung der Steuern eine weitgehende Arbeits- losigkeit nach sich ziehen würde. Deshalb wurde in dem Steuergesetz vorgesehen, daß Arbeiter, die mindestens ein Jahr in der Tabakindustrie vor Einführung der Steuer tätig waren, wenn sie infolge der Steuer arbeitslos werden, ent- schädigt werden können. Für diesen Zweck wurde der Betrag von 4 Millionen Mark vorgesehen, der sich aber als viel zu gering erwies. Denn bis Ende 1900 liefen nicht weniger als 54 000 Entsckädigunasgesuche ein. Man mußte den Betrag auf 6� Millionen Mark erhöhen und hat auch damit nur einen winzigen Teil des Elends gutgemacht, das die Er- höhung der Steuer über die Arbeiterschaft brachte. Diese Erfahrungen sollte man nicht in den Wind schlagen. Außerdem aber hat man zu beachten, daß eine neue Erhöhung der Steuern im gegenwärtigen Moment noch viel verheerender wirken muß, angesichts derüberauskritischenLage.indiedieTabak- industrie durch den Krieg geraten ist. Hier kommt vor ollem in Betracht, daß sicher weit mehr als die Hälfte der Raucher im Felde steht. Sie sind erwerbs- los geworden und die Mittel zur Befriedigung des Rauch- bedürfnisses sind spärlich. Zwar wird viel Tabak als„Liebes- ieiirnng Des GM« doupttiuiitiieis. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 19. Januar 1916.«W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. A« der Iser-Front stieß eine kleine deutsche Abteilung iu deu feindlichen Graben vor und erbeutete ein Maschinen- gewehr. Lebhafte beiderseitige Sprengtätigkeit auf der Front westlich von Lille bis südlich der Somme. Nachts warfen feindliche Flieger Bomben auf Metz. Bisher ist nur Sachschaden gemeldet. Ein feindliches Flug- zeug stürzte gegen Morgen südwestlich von Thiaucourt ab; von seineu Insassen ist einer tot. Oestlicher Kriegsschauplatz. Au der Front nichts Neues. Deutsche Flugzeuggcschwader griffen feindliche Magazin- orte und de« Flughafen von Tarnopol an. Balkan-Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Oberste Heeresleitung. ♦* * Der MmeWche OeimoiWMW. Wien, 19. Januar.(W. S. SB.) Amtlich wird ver- lautbart: Wien 19. Januar 1916. Russischer Kriegsschauplatz. Der gestrige Tag verlief ruhig. Heute in de» frühesten Morgenstunden entbrannte an der Grenze östlich von C z e r- aowiy, beiToporoutz und B o j a n eine uene Schlacht. Der Feind setzte abermals zahlreiche Kolonnen an und führte an einzelnen Stellen vier Angriffe nach einander. Er wurde jedoch überall von den tapferen Verteidigern zurückgeworfen. Sonst leine besonderen Ereignisse Italienischer Kriegsschauplatz. Angriffe schwächerer feindlicher Abtetlungcn bei Luseru und nördlich des Tolmciner Brückenkopfes wurden abgewiesen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Lei der Besetzung von Birpazar haben unsere Truppen— wie nachträglich gemeldet wird— 20 Stahlkanonen erbeutet. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabrd: von Hoefer. Feldmarschallcutnant. in der Tabakindustrie die Frauen- und Kinderarbeit eine so große Rolle spielt und daher die Zahl der Arbeitskräfte durch die hohe Einberufung zum Heere nur wenig beeinträchtigt wurde. Es konnte hier und da Mangel an Qualitätsarbeitern eintreten, aber im allgemeinen blieb das Angebot an Arbeits- kräften groß. Wenn nun bei Dieser Lage der Industrie eine neue Be- lastung durch die Steuer kommt, so wird unfehlbar diese Steuer sofort in voller Höhe auf die Konsumenten abgewälzt werden müssen. Dann wird aber infolge der erwähnten Ver- Hältnisse der Verbrauch sofort noch weiter stark zurückgehen. Die Folge muß dann sein/daß die Arbeits- losigkeit in der Tabakindustric unheimlich st eigenwird, wobeidie Arbeiterund Arbeite- rinneninderHeimindustriedesflachenLan- des keine Möglichkeit haben, anderen Er- werb zu suchen. Während des Krieges diesen Zu st and herbeizuführen, scheint uns bcnv doch im höchsten Grade bedenklich. gäbe" ins Feld geschickt, aber die Mittel der Familien weit- aus der meisten Soldaten sind gering und schrumpfen zu- samnten, in dem Maße, als die Teuerung zunimmt. Bevor- zugt wird dann auch die Pfeife, weil es„das„billigste Rauchen" ist. Leider bietet aber die Herstellung des Pfeifen- tabaks den Arbeitern der Industrie wenig Verdienst.— Die im Lande gebliebenen Raucher schränken sich ebenfalls ein, weil das die allgemeine Teuerung gebietet.— Also Resultat— der Absatz geht stark zurück und besonders der Absatz besserer Qualitäten der Zigarren, bei denen die Hersteller noch am ehesten halbwegs anständige Löhne verdienen können. Dazu kommen in den letzten Monaten Schwierigkeiten in der Materialbeschaffung und einestarkeVerteuerung des Rohtabaks. Wohl waren die Lager in Hamburg und Bremen bei Ausbruch des Krieges gut assortiert, aber in einzelnen wichtigen Sorten stellt sich doch Mangel ein. Neue Einfuhr � ist indessen nur über Holland möglich, und dort konkurrieren die deutschen Käufer mit den Schweizern, der österreichischen Regie, mit Skandinavien. Selbstverständ- lich nutzen die holländischen Händler diese Lage nach Noten aus. Tabak, der in normalen Zeiten in Amsterdam zu 40 Gulden zu haben war, kostet jetzt 50 Gulden, wenn nicht mehr. Der Gulden ist aber auch teurer geworden. Wie üblich haben die Fabrikanten versucht, durch Lohn- druck den Verlust wett zu machen, haben dann aber den Preis der Zigarren erhöht. Die Detailhändler haben gezögert, den Preis zu erhöhem kündigten aber vor kurzem eine Erhöhung an, ganz unabhängig von der Steuer. In der Zigarettenindustrie liegen die Dinge wieder anders. Die besseren Zigarettentabake kommen bekanntlich aus dem Orient, die billigen zum Teil ebenfalls von dort, zum Teil wird amerikanischer Abfalltabak verwendet. Aber der orientalische Tabak wird in normalen Zeiten auf dem Seewege eingeführt, bei billiger Fracht. Jetzt muß er per Bahn herbeigeschafft werden, was die Kosten gewaltig er- höht. Es war daher zeitweise der ganz billige Zigaretten- tabak überhaupt nicht vorhanden, während an besseren Sorten allerdings Mangel nicht zu befürchten ist. Schließlich fällt für den Arbeitsmarkt ins Gewicht, daß Montenegrinische sleußerung zur Kapitulation Montenegros. Paris, 19. Januar.(W. T. 8.) Das montenegrinische Generalkonsulat veröffentlicht folgende Note: Die Blätter melden, daß das unglückliche Montenegro sich ins Unvermeidliche habe schicken müssen, nachdem es unter ganz besonders ungünstigen Umständen heldenhaft gegen einen zahlenmäßig weit überlegenen, stark bewaffneten Feind gekämpft halte. Wenn der König und die Negierung nachgegeben haben, so mutz man als sicher annehmen, datz die Armee ihre letzte Munition verschossen hatte; sogar die Flucht war unmöglich geworden, da der Feind an den Grenzen stand und da es wegen der erbitterten Feind- seligkeit von feiten Albaniens keinen Ausweg über das Meer gab. Wenn die ierbische Armee aus Serbien hat entkommen können, so hatten doch die schwachen und durch Entbehrungen aller Art- erschöpften montenegrinischen Truppen kein Mittel, auf beireundetem Gebiete eine Zuflucht zu suchen. Man wird über die Bedingungen, unter denen die Feindseligkeiten eingestellt wurden, Erörterungen und Schlutzworte zu hören bekommen; die Einzel- heilen darüber stammen übrigens von feindlicher Seite. Man wird sogar die unglücklichen Besiegten mit Schimpf überhäufen, aber das wird weder dem Ruf des tapferen kleinen Montenegros, noch der erhabenen Heldenrolle, welche es zu seiner Ehre in dem grotzen Kriege gespielt hat, Abbruch tun, und Montenegro wird dem edlen Frankreich, welches ihm stets an erster Stelle weitgehende Hilfe ge- boten hat, so oft Montenegro seine herkömmliche Freundschaft anrief, dankbar bleiben._ Der französische Tagesbericht. Paris, 19. Januar.::er das Wehrpflichtgesetz fallen, den Kern der Oppo« sition bilden zollen, wenn nicht einmal die Arbeiterpartei eine größere Zahl bcv Stimmen gegen das Gesetz aufbringt. Die tak- tischen Fähigkeile» des Premierministers und seiner Freunde haben sich wieder einmat glänzend bewährt. Die schwankenden Liberalen wurden mit einer unter der Hand verbreiteten Drohung mit dem Stück.'s tt des Herrn Zlsquith zur Raison gebracht. Die Arbeiter- partei chntrde daraus hingewiesen, daß daS Oberhaus das Schicksal des Uine rhauseS in der Hand habe und Neuwahlen durchsetzen könne. die loährtnid des Krieges vielleicht ein unerwünschtes Ergebnis haben könnten. Außerdem sind auch sicherlich in der Konferenz zwischen dem Premlerminister und den Vertretern der Arbeiterpartei noch Zu- geständniffe gemacht und die Geltungsdauer des Gesetzes nur für die Kriegszrit versprochen worden c So daß also für die dritte Lesung die 2l,inahme des Gesetzes mit großer Mehrheit voraus- zusehen ist. Aber die eigentliche, Opposition gegen das Gesetz ist nicht im Parlament zu suchen,, sondern draußen im Lande— bei der organisierlevi Arbeiterschaft, die begriffen hat, daß eS um mehr geht. als um die Bereitstellung von öOO 000 Mann für den Dienst mit der Waffe. Sie weiß, daß der Wehrpflicht der Unverheirateten die Ausdehnung auf die Verheirateten folgen muß. und wenn sie es nicht wüßte, so müßten sie die Worte Sir E. CarsonS stutzig ge- macht haben, der im Unterhaus erklärte, daß das Gesetz, was das Prinzip der Wehrpflicht angeht, die blutärmste Bill sei, die er je gesehen habe. Eine vollblütigere- Maßregel sei nötig, und wenn er und Gleichgesinnte sich durchsetzten, würde eine solche ohne Zweifel in nickt langer Zeit herauskommen. Da- nnl ist klipp und klar gesagt, daß cS den Konser- vative» um das Ganze geht. Die Auffüllung deS Heeres ist ihnen nur Mittel zum Zweck, die Wehrpflicht der Unverheirateten mit den verschiedenan BefreiungSmvglichkeiten nur der erste Schritt auf dem Weg zum allgemeinen Dienstzwang und zum Militarismus. Wer dieser Gesetzesvorlage zustimmt, kann logischcrweise einer später folgenden Ausdehnung auf alle Männer im wehrpflich- r i g e n Alter seine Stimme nicht versagen. ES ist fast unbegreiflich, daß eine große Zehl der parlamen- tarischen Vertreter der Arbeiterpartei trotz allem für das Gesetz eintritt. Sie sehen wohl die n ä ch st e n Konsequenzen, aber sie machen sich nicht klar, was sür die wirtschaftlichen Kämpfe der Arbeiterschaft i ni F r i e d c-n daraus folgen wird. Was hilft es, wenn einer der ihren, W. C. Anderson, ihre Gedanken dar- auf hinlenkt und ihnen an Beispielen zeigt, wohin die Entwick« lung geht? Er zitierte im Unterhaus einen Artikel aus dem.Engineering', einem Unternehmerorgan, das sich für die Dienstpflicht begeistert und erklärt, daß sie dann die Männer, die sie behalten wollen, auch behalten, und diejenigen, die ihnen unbequem sind, in da« Heer stecken werden..DaS ist der Sinn des Artikels. Deshalb sage ich. daß. wenn das der Geist ist, werden die ver- heirateten Männer nächstens daran kommen, und wenn die Konskription kommt, wird eS leichter sein, sie einzuführen, als sie wieder abzuschaffen. Da das arbeitende Volk dieses Landes nach dem Kriege viele industrielle Kämpfe auszufechten und sür die Wiederaufrichtung ihrer allen Stellung zu streiten haben wird, ist alles, was ich sagen kann, Gott helfe ihnen, wenn sie mit den F-ffeln deö Dienstzwanges kämpfen muffen. Ich hoffe, daß ivir diese neuen Vorschläge nicht annehmen werden. Ich glaub-, sie sind auf ganz falscher Linie, und ich sage, daß nach nrciner Ansicht der bloße Sieg britischer Kriegsmunition von ge- ringen, Vorteil sein wird, wenn mittlerweile England eine moralische und geistige Niederlage erleidet'. Wer sich diesen Argumenten verschließt, will nicht hören. Was bedeuten alle ganzen und halben Versprechungen von Ministern, wenn die logische Entwickelung nach der einmal beschlossenen Wehrpflicht eines Teils der Männer unweigerlich den ganzen Militarismus nach sich zieht? Die Arbeit hinter den Kuliffen ist ja oft von großem, Einfluß auf die Stellungnahme dieser oder jeuer Gruppen im Parlament. Mr. Asquith hat die Behanptung, daß Lloyd George so etwas wie ein Ultimatum gestellt habe, als einen„Lügenbericht' bezeichnet, aber damit ist noch nicht gesagt, daß Lloyd Georges Einfluß nicht in die Kreise hirwinreicht, die mit einen, Ultimatum gearbeitet haben. Der„Manchester Guardian' weist darauf hin, daß die Drohung von einer anderen Seite, dem Oberhaus, komme, das schon vor Monaten ein Gesetz zur Berlänge- rung der Legislaturperiode hätte verabschieden sollen, es aber immer wieder hinausgeschoben habe. Man ist im Unterhaus fest überzeugt, daß der Grund der ist, daß die extremen Konskriptio- nisten im Kabinett, in Verbindung mit dem Haus der Lords, dieses Gesetz als eine Drohung über dem Haupt des Premierministers hallen. Das liberale Blatt bringt in seiner Stummer vom 12. Januar auch Andeutungen über die Konzessionen, die Mr. Asquith der Arbeiterpartei machen könne. Er könne die Richtlinien eines Amendeinents vorzcichnen, durch das industrieller Zwang oder der Wunsch der Industrie, Leute zu opfern, unmöglich gemacht würde. Das würde bedeuten, daß Männer, die als Munitionsarbeiter usw. von der Wehrpflicht befreit wären, nicht später wieder als dienst- pfltchtig anerkannt werden könnten. Zweitens könne er das In- krafttreten des Gesetzes hinausschieben und so der freiwilligen Ein- tragung m die Listen noch eine Chance geben.„Aber Mr. Asquith ist kein freier Mann, und es muß befürchtet werden, daß die. die hinter ihm stehen, denken, daß diese Konzessionen sie gerade dessen berauben werden, was sie mit der Durchdringung des Ge- setzes zu gewinnen hoffen." Das sagt ein Blatt, das der Partei des Ministerpräsidenten nahe steht. Müssen Liberale aufstehen und Arbeiter, Sozialdemo- k raten vor Zugeständnissen warnen? Der Krieg hat viele Wand- lungen hervorgebracht, aber fast überall waren es Wandlungen, die nicht den Arbeitern, sondern den besitzenden Klassen Vorteile brachten. In England steht die Arbeiterschaft vor der letzten folgenschweren Entscheidung. Fällt sie zugunsten des Militaris- mus, so stehen den Arbeitern Kämpfe bevor, wie sie sie so schwer noch nicht erlebt haben. Die englischen Eisenbahner gegen öen Dienftzwang. AuS Amsterdam wird uns geschrieben: DaS Organ deS englischen EisenbahnerverbandeS,„Railway Review', veröffentlicht den Beschluß, den die Exekutive deS Verbandes am Vorabend der Naiionalkonferenz der Arbeiterpartei gefaßt hat. Da die Eisenbahner diejenigen waren, die auf dieser Konferenz die Verwerfung des Dienstzwangs beantragten, verdient diese, mehr ins Detail eingehende Erklärung Beachtung. Sie besteht aus vier Punkten. Der erste besagt: „Ein solcher Vorschlag, der die Konfiskation von Menschenleben in sich schließt, aber die materiellen Hills- quellen der Nationen in den Händen der bevorrechteten Klassen läßt, kann nicht als nationaler Dienst bezeichnet werden und verdient darum die Opposition der vereinten Kräfte der Arbeiterschaft.'— Der zweite Abschnitt erklärt, daß die Zahl der durch da« Gesetz zu gewinnenden Mannschaften nicht genüge, um auf den Ausgang des Krieges Einfluß zu haben und daß darum bei den Fürsprechern des Dienstzwanges anders Motive vermutet werden müßten. Im dritten Abschnitt wird erklärt, daß die Verpflichtung des Minister- präsidemen auf ein Prinzip, das nicht zuvor den Wühlern vorgelegt worden sei und das der nationalen Tradition der letzten SO Jahre wide-ipreche, das Land nicht binden könne. Besonders wichtig ist der vierte Abschnitt, der ankündigt, daß bis zu dem Zeitpunkt, wo die Regierung Schrilte tue, um den Reichtum der ganzen Nation zu konfiszieren, die Eisenbahner bereit seien, mit allen in ihrer Macht stehenden Mitteln der Konfislaiion von Menschen zu widerstehen, deren ganzer Reichtum in ihrer ArbeitSkrast bestehe. DaS jetzt vorgeschlagene Prinzip würde den Verlust der sür die industrielle Organisation und Altion wesein- lichen Freiheiten und die dauernde Versklavung der arbeitenden Klassen bedeuten. Es ist jedenfalls sehr zu beachten, daß die Eisenbabner diese Erklärung in einem Augenblick veröffentlichen, wo sich die Parla- mentarier der Arbeiterpartei von der Regierung haben herumkriegen lasien. Die„Daily RewS', die jetzt eine Beschwichtigungspolitik nach allen Seiten vertreten, wollen in dem Hinweis auf den„Widerstand mit allen verfügbaren Mtteln' trotz dieler scharfen Formulierung keine Drohung sehen. Die Macht der Eisenbahner, gleich der der Bergarbeiter, sei eine große und würde sie den nationalen Zwecken entgegengesetzt, so wäre der Sieg Deutschlands die Folge davon. Aber es wäre absurd, an diese Möglichkeit auch nur zu denken. Die Resolution müsse„im Licht der musterhaften Loyalität und Pflichterfüllung' erläutert werden, die die Eisenbahner im Krieg bewiesen hätten. Und das liberale Blatt kommt zum Schluß, daß die Eisenbahner eigentlich nichts anderes im Auge hätten, als eine stärkere Besteuerung der Besitzenden. Natürlich ist es sehr gut möglich, daß die Regierung es dahin bringt, die Befürchtungen der Arbeiterschaft wegen des möglichen Mißbrauchs der Dienstpflicht zur Vernichtung der Streikfreiheit zu zerstreuen und ihrem Appell an die patriotischen Gefühle der Arbeiterschaft Erfolg zu sichern, aber das Verhalten des liberalen Organs erinnert doch stark an das des Wanderers im Wald, der pfeift, um sich Mut zu machen. Und der liberale Aengitling weiß nicht einmal. vor wem er mehr zittern muß: vor den konservativen Todfeinden der freihändlerischen Demokratie oder vor den Berkündern der auch im Krieg fortdauernden proletarischen Klassenpolitik. Ablehnung einer Erweiterung üer Militärüienftbill. London, 18. Januar. sicrung bzw. Zentralisierung des großen Gebietes der Bildung*- arbeit beauftragt worden. Denn mit nicht geringerem Eifer wird von den einzelnen Vereinen für die geistige Nahrung der Maffcu gesorgt. Vorträge, Vorlesungen und Leseabende mit Diskussionen werden reranstaltet, Bibliotheken und Lesehallen neu eröffnet oder erweitert, wobei sich alle eines sehr zahlreichen Besuches erfreuen. Und überall hier, sowohl auf gewerkschaftlichem wie kulturellem Boden, bildet die Zurückdämmung des jetzt begreiflicherweise so üppig emporwuchcrnden polnischen und jüdischen Nationalismus noch eine ganz besondere Aufgabe der proletarischen Vorhut, die sie mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zu erfüllen sich bemüht. Japanische ßorüerungen an China. Petersbnrg, 18. Januar.(23. T. B.) lieber Kopenhagen. „ R j e t s ch" gibt Berichte asiatischer Zeitungen wieder, wo- nach Japan die früher an China gestellten, aber damals abgeschlagenen Forderungen jetzt von neuem stelle, insbesondere auf Anstellung japanischer Berater für militärische, finanzielle und politische Fragen, Erlaubuis zum Erwerb von chinesischem Grund und Boden durch Japaner, zur Gründung von Schulen, Tempeln und Hospitälern, ferner Einführung einer gemeinsamen japanisch-chinesischen Polizei in gewissen Gebieten Sübchinas, Errichtung eines Arsenals in China, Her- stellung eines Teils der nötigen Waffen in Japan, Kon- Zessionen für drei Eisenbahnen in Südchina. Das Kabinett in Tokio arbeitet nach den gleichen Quellen eine Zusatznote mit weiteren Forderungen aus. deren wichtigste ist, daß China sich beim Friedenskongreß durch Japan vertreten lassen solle. Deutscher Protest gegen üie Brutalität eines australischen Deamten. Berlin, 19. Januar.(W. T. B.) Die von den australi- schen Militärbehörden Ende 1914 angeordnete öffentliche Prügelung von Deutschen in Deutsch-Neu- guinea ist in der Tagespresse öfter erörtert worden, ohne daß bisher eine amtliche Aeußerung zur Sache erfolgt wäre. Wie wir erfahren, hat die australische Negierung seinerzeit erklärt, sie habe die Handlungsweise des Administrators miß- billigt und Anweisung gegeben, daß unter keinen Umständen körperliche Züchtigung wiederholt werden dürfe. Auch die britische Regierung äußerte sich dahin, das Vorgehen des Administrators in Rabaul sei„ i n k o r r e k t' gewesen, und er habe deswegen eine„dienstliche Warnung' erhalten. Jndesicu hat die kaiserliche Regierung, nachdem die Einzelheiten des Vorganges im Laufe des verflossenen Jahres zu ihrer Kennt- nis gekommen waren, bei der britischen Regierung voll- ständige Genugtuung, insbesondere hinreichende Bestrafung der für die beispiellose Brutalität verantwort- lichen Beamten verlangt. Die Verhandlungen schweben noch, wobei die weite Entfernung Australiens eine Rolle spielt. Nach ihrem Abschluß darf eine amtliche Veröffentlichung über den Gegenstand erwartet werden. Vereisung öer Kriegsgefangenenlager im französischen Noröafrika. Auf Anregung der deutschen Heeresverwaltung wurde in den letzten Dezcmbertagen eine Kommission von secks Schweizer Delc» gierten, darunter drei Aerzte, zur Besichtigung der Geiangenenloger im französischen Nordafrika entsandt. Sie hat Liebesgaben, Medi- kamente und eine größere Geldsumme zur Verteilung in den Lagern mitgenommen. Jede der drei Besitzungen. Algier, Tunis und Marokko, wird von einein Delegierten und einem Arzt sehr eingehend bereist werden. Die Mitglieder der Kommission haben auvgedebnie Vollmachten. Sie können unter anderem die Lager und Arbeitsstellen jederzeit ohne vorherige Anmeldung besuchen, ohne Ohrenzeugen mit den Gefangenen sprechen und ihre Wünsche und Klagen entgegennehmen. So ist zu hoffen, daß die Tätigkeit der Kommission wesentlich zur weiteren Besserung der Verhältnisse in den nordafrikanischen Lagern beitragen wird.(W. T. B. Ein Erlaß öes Generalgouverneurs von örüßel. Brüssel, 18. Januar.(W. T. B.) Der Generalgouver- nmr hat folgende Verordnung erlassen: Wer im Gebiet des Generalgouvernements der vorsätzlichen Brandstiftung, der vorsätzlichen Verursachung einer Ueberschwemmung oder eines Angriffs oder Widerstandes gegen die bewaffnete Macht oder Abgeordnete der deutschen Zivil- oder Militärbehörde in offener Gewalt und mit Waffen oder gefährlichen Werkzeugen ver- sehen, sich schuldig macht, wird mit dem Tode bestraft. Sind mildernde Umstände vorhanden, kann statt der Todesstrafe auf eine zehn- bis zwanzigjährige Zuchthausstrafe erkannt werden. Wer im Gebiet dos Generalgouvernements in Beziehung auf die Zahl, die Marschrichtung oder angebliche Siege der Feinde wissentlich falsche Gerüchte ausstreut oder verbreitet, die gc- eignet sind, Zivil- oder Militärbehörden hinsichtlich ihrer Maß- regeln irrezuführen, oder zu Verbrechen des Aufruhrs, zur tätlichen Widersetzlichkeit, zur Befreiung eines Gefangenen oder zu anderen Verbrechen, wenn auch ohne Erfolg, auf- fordert oder anreizt, oder Personen des Soldatenstandes zu Verbrechen gegen die Subordination oder Vergehen gegen die militärische Zucht und Ordnung zu verleiten sucht, soll, wenn die bestehenden Gesetze und Verordnungen keine höhere Frei- heitsstrafe bestimmen, mit Gefängnis bis zu fünf Jahren bestraft werden. Zusammenkunft Wilhelms ll. mit üem König von Bulgarien. Nisch, 18. Januar.(W. T. B.) Pünkllich um 12 Uhr mittags trafen heute im festlich geschmückten Nisch Kaiser Wilhelm und Zar Ferdinand von Bulgarien zusammen. Nach herzlicher Be- grüßung begaben sich die beiden Herrscher in Automobilen zur Zita- belle, wo sie gemeinschaftlich die Parade der dort aufgestellten bulgarischen, mazedonischen und deutschen Truppen abnahmen. Kaiser Wilhelm überreichte dem Zaren Ferdinand den Feldmarschall» stab, der Zar ernannte den Kaiser zum Chef deS lL. bulga- rifchen Jnfanterie-RegimentS. Amerika und üie neuen englißhen Glockaüeabßchten. New Dork, 17. Januar.(Durch Funkspruch von dem Sonderberichterstatter des W. T. B.).New Jork Sun* meldet aus Washington: Die Vereinigten Staaten werden die von England beabsichtigte neue Blockade Deutschlands nicht anerkennen, solange diese nicht durchaus effektiv gestaltet wird. Um in den Augen der Vereinigten Staaten als gesetzlich zu gelten, muß eine solche Blockade nicht nur die Küsten Deutschlands an der Nordsee umgürten, sondern sie muß sich in die Ostsee erstrecken' und imstande sein, talsächlich jeden Verkehr durch diese See zwischen Skandinavien und DeMscbland zu verhindern.»New Jork Sun* erhielt diese Auskunft über die Haltung der Vereinigten Staaten in dieser Frage von sehr hohen amtlichen Stellen im Staatsdepartement.„Evening Post* meldet aus Washington, daß Blockaderegeln, die dem Völkerrecht und Präzedenziällen mehr entsprechen, aber viel strenger sind als die bisher angewendeten, durch England aufgestellt und Frank- reich sowie den anderen Alliierten zur Billigung vorgelegt worden sind. Dies wurde Wilson und Lansing in amtlichen Depeschen aus London übermittelt. Oberst House, der längere Besprechungen mit Grcy hatte, hat dem Weißen Hause einen ausführlichen Bericht über die Lage gesandt. Ober st House erklärte der englischen Negierung, daß die durch England verursachten Einschränkungen des amerikanischen Handels einen ungünstigen Eindruck auf die amerikanische öffentliche Meinung machen und daß das amerikanische Volk von England erwartet habe, daß es sich dem Völkerrecht füge, genau so wie Deutschland es zum Schluß in den Verhandlungen über den Unterseebootskrieg getan habe. England bereitet, wie das Blatt meldet, eine lange Note zur Antwort auf Amerikas Protestnote vom Oktober ISIS vor. Mehrere Telegramme aus London bestätigen, daß eine wirkliche Blockade jetzt erklärt werden wird. Darin zeigt sich offenbar der Wunsch, die Vereinigten Staaten verantwortlich zu machen, da diese Telegramme ausdrücklich bestätigen, daß eine solche Blockade notwendig wird, um den ameri- konischen Forderungen zu entsprechen. politische Uebersicht. Bayern und die neuen Reichsstenern. Bei Beratung des Etats im Finanzausschuß der Kammer der Abgeordneten erklärte der Finanzminister v. B r e u n i g. daß nach den jetzigen Berechnungen der Fehlbetrag des Staatshaushaltes wesentlich höher als 19 Millionen sein werde und durch einen Löprozentigen Steuer- zuschlug zu den geminderten direkten Steuern nur teil- weise gedeckt werden könne. Diese teilweise Deckung müsse aber wegen der noch kommenden großen Belastungen im Reich und Staat schon jetzt durchgeführt werden. Der gesamte Fehl- betrag für 19!4 werde 13 bis 14 Millionen betragen, der für 1915 47 bis 48 Millionen, für beide Jahre zusammen rund 60 Millionen; mit diesen sei das Budget für die Finanz- Periode 1918/19 im vorhinein belastet. Der Minister wies zahlenmäßig nach, daß die Kopfbelastung in Bayern trotz des 25prozcntigen Steuerzuschlages bedeutend niedriger sein würde, als in den übrigen größeren Bundesstaaten. lieber die Pläne der Reichsleitung zur Abgleichung des nächsten Haushaltsetats und Vorbereitung der Reichs- finanzreform könne er Mitteilungen nicht machen, weil die Erwägungen darüber noch durchaus im Flusse seien. Für die Vorbereitung einer künftigen Reichsfinanzreform lege die bayerische Staatsregicrung den größten Nachdruck darauf, daß das Gebiet der direkten Steuern überhaupt nicht, das Gebiet der übrigen jetzigen Einnahmen des bayerischen Staates nicht ohne dauernden Ersatz eingeengt werde. Die bayerische Staatöregierung befinde sich dabei in erfreulicher Ueberein- stimmung mit allen bundesstaatlichen Regierungen und Land- tagen. Diese Anschauung über die Abgrenzung der Steuer- gebiete durchdringe mehr und mehr die Oeffentlichkeit und selbst die Praxis der Linken.(W. T. B.) Die neue Fraktion. Die Erweiterung der Reichspartei zur„Deutschen Fraktion* wird in der„Deutschen Tageszeitung* beifällig aufge» nommen und daran der Wunsch geknüpft, die gesamte Rechte möge sich zusammenschließen. Das konservative Blatt schreibt wörtlich: „Wir haben keinen Anlaß, die Neubildung zu bedauern; sichert sie doch der gesamten Rechten in den Nusschüsien eine größere Anzahl von Sitzen. Vielleicht ist es nicht zu kühn, die Hoffnung zu hegen, daß über kurz oder lang in irgendwelcher Form der Neubildung ein wenn auch loser Zusammen- schluß der gesamten Rechten folgen werde.' Dieser Wunsch verdient angesichts der kommenden wichtigen parlamentarischen Arbeiten immerhin Beachtung. Die„Germania* zeigt sich mit der Neubildung weniger zu- frieden. Sie weift darauf hin, daß sich noch der Seniorenkonvent des Reichstags mit der Fraktionsbildung zu befassen haben wird, und nach gewissen Vorgängen scheint eS der„Germania*„nicht aus- geschlossen, daß er die Vereinigung nicht als wirkliche Fraktion anerkennt, da sie sich nicht auf ein bestimmtes Programm geeinigt hat.' Reichstagsersatzwahl. Sangcrhausen, lg, Januar,(W. T. B.) Die heutige Reichstags- ersatzwahl für den verstorbenen Reichstagsabgeordneten Hofbesitzer Wamhof ergab die Wahl des Landtagsabgeordneten und Handels- kammeriyndikus Wilhelm H ir s ch aus Essen. Ein Gegenkandidat war nicht aufgestellt. Gemeindliche Höchstpreise. Zeitungsnachrichten zufolge hat das Reichsgericht kürzlich in einer Strafsache gegen eine Wursthändlerin in Hannover sich dahin ausgesprochen, daß von den Gemeinden Höchstpreise nur für örtliche Produkte festgesetzt werden können und daß daher die in Hannover verkaufte und in Braunschweig produzierte Leberwurst nicht unter die für Hannover geltenden Höchstpreise falle. Diese Nachricht ist. wie jetzt auch von Wolffs Telegraphenbureau gemeldet wird, unzutreffend. Das Reichsgericht hat vielmehr festgestellt, daß die Höchstpreisbekanntmachung des Magistrats sich auf alle Sorten frischer(weicher) Mettwurst beziehe. Das landgericht- liche Urteil ist nur deshalb aufgehoben und die Angelegenheit zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an die Vor- instanz zurückverwiesen worden, weil mit Unrecht bei der Angeklagten Vorsätzlichkeit angenommen und die Möglichkeit einer fahrlässigen Zuwiderhandlung gegen das Höchstpreis- gesetz nicht geprüft worden ist. Borschläge auf Acndcrung der Gemüsehöchstpreise.' Amtlich. Berlin, 19. Januar.(W. T. B.) Der BeiratderReichsprüfungsstellefürLebcns- mittelpreise trat am Mittwoch in seinem Ausschuß für Kartoffeln, Gemüse und Obst zu einer Sitzung unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. Kautz zusammen. Eine ein- gehende Erörterung fand über Vorschläge zur A e n d e- rung der Gemüse-Höch ftp reise statt. Allgemein wurde anerkannt, daß, wie auch von vornherein beabsichtigt, für die spätere Zeit des Winters und für das Frühjahr eine gewisse Erhöhung d e r P r e i s e für die Ernte des Jahres 1915 besonders mit Rücksicht auf den Schwund und die Aufbewahrungskosten im allgemeinen nicht zu umgehen sein werde. Von inehreren Seiten wurde eine Herabsetzung der Sauerkohl-HLchstpreise gewünscht. Gegen Zurückhaltung von Ware und Verkauf als ausländisches Gemüse zu höheren Preisen soll energisch eingeschritten werden. Kleinhandels- Höchstpreise werden überall für nötig gehalten. Sodann wurde von dem Vorsitzenden dargelegt, in wel- cher Weise die Kartoffelverforgung der Bevölkerung für Winter, Frühjahr und Sommer und die Belieferung der Stärkefabriken und Trocknereien mit Fabrikkartoffeln sicher» gestellt werden soll._ Der Zucker darf nicht teurer werden. Einer Zuschrift des Kriegsausschusses für Konsumenteninteressen entnehmen wir: Die Oeffentlichkeit wird immer wieder durch Gerüchte be- unrubigt, die eine bevorstehende neuerliche Verteurung deS Zuckers ankündigen. Sie wurden verursacht durch eine im Reichsamt des Innern am 5. Januar stattgefundene Konferenz von Interessenten und Sachverständigen, die über Mittel und Wege zur Förderung deS Rübenbaues zu beraten hatte. Die Zuckerinleressenten trachten mit allen Mitteln danach, die von ihnen geforderte Erhöhung deS Roh- zuckerpreiseS um weitere 25 Proz. durchzusetzen, trotz der allgemeinen Entrüstung über ihr Verlangen. Dieses rücksichtslose, nur auf den eigenen Vorteil bedachte Vorgehen muß mit aller Schärfe zurück- gewiesen werden. Es ist geradezu sündhaft, eines der wichtigsten Nahrungsmittel, das wir in überreichem Maße im Lande erzeugen können, noch immer weiter zu verteuern. Der Kriegsausschuß für Konsumenteninter- essen erachtet es daher als seine Pflicht, immer wieder darauf hin- zuweilen, daß die Zuckerpreise bereits in erheblichem Maße gesteigert wurden und daß dadurch die Zuckerfabriken gerade in der Kriegszeit auf Kosten der Verbraucher sehr hohe Gewinne erzielten. Eine ganze Reihe von Fabriken haben im vergangenen Jahre mehr wie 20 Proz. bis zu 45 Proz. Dividenden gezahlt. 27 Fabriken steigerten ihre Dividenden im Durchschnitt von 9,17 auf 17,53 Proz. Eine weitere Steigerung der Zuckerpreise verbietet sich angesichts solcher Gewinne von selbst. Wenn sich kein anderer Weg zur Erweiterung des Rübenbaues finden sollte als der der Erhöhung der Rüben- preise im Interesse der Landwirte— was angesichts des gegen früher erhöhten Verdienstes an den Rüben noch bestritten werden kann— so sollen und müssen sich eben die Zucker- fabriken mit geringeren Dividenden begnügen! Die von ihnen be- antragte Erhöhung des Rohzuckerpreiies würde ihnen aber im Gegenteil auch nach der durchgeführten Steigerung der Rübenpreise nach sachkundiger Schätzung noch einen w-iteren Verdienst von rund 29 Mill. Mark im Jahre einbringen. Außerdem ist noch zu berück- sichtigen, daß die Fabriken im Durchschnitt mindestens zur Häliie ihre Rüben selbst anbauen, sodaß sie im künftigen Jahre ein Ge- schenk von insgesamt b7Vz Mill. Mark aus den Händen der Ver- braucher erhielten. Das darf nicht geschehen. Die Forderung der Zuckerinteressenten muß im Interesse des Volkes von der Regierung auf das aller- entschiedenste zurückgewiesen werden. Einfuhr von Butter in Postpakete«. Der Po st Versand von Butter ist namentlich von nor- wegischen und holländischen Händlern für ihre Zwecke in großem Umfange in Anspruch genommen und es sind dadurch die Be« stimmungen über die Zentralisierung der Buttereinfuhr vielfach um- gangen. Der preußische Finanzminister hat alle Zollämter an- gewiesen, Buttersendungen der Zentrale zu melden, die dann ihrer- seits den Empfänger auf die Ablieferungspflicht hinweist. Gerade zu Weihnachten ist es mehrfach vorgekommen, daß die Butter zum Teil bereits konsumiert war, wenn die Zentrale den Empfänger zur Ablieferung aufforderte. In solchen Fällen hat dann die Zentrale von der Ablieferung des Restes Abstand genommen, aller- dings darauf hingewiesen, daß in Zukunft alle? abgeliefert werden müsse. Von der Schweiz sind nach Deutschland bisher nach den Meldungen der Zentraleinkaufsgesellschaft zwei Pakete, und zwar an Herrn W.... in Frankfurt geschickt worden. Die Ge- schenke allgemein freizulassen, wäre unmöglich, da die Händler von dieser Ausnahme selbstverständlich ausgiebigsten Gebrauch machen und ihre Sendungen als Geschenksendungen frisieren würden. _(23. T. B.) Gegen die Abschlachtuug des Rindviehs. Wie die„Tägliche Rundschau* erfährt, sind in der nächsten Zeit einschneidende Maßnahmen zu erwarten, die dazu dienen sollen, die Rind v i e h s ch l a ch tun g en, die in der letzten Zeit in bedenk- lickiem Maße überhand genommen haben, einzuschränken. Besondere Beachtung wird dabei der Umstand finden, daß Händler im Lande umherziehen, zu verhältnismäßig niedrigen Preisen Rind- Vieh an sich bringen, um es dann zu hohen Preisen zu Schlacht- zwecken weiter zu veräußern. Eingehende Prüfung wird ferner die Frage finden, ob es angängig ist, daß Rindfleisch auch weiter zu Konferven verarbeitet wird.___ Mitteleuropäische Wirtschaftskonferenz. Im Laufe der Verhandlungen der in Dresden tagenden Mitteleuropäischen Wirtschaftskonferenz wurde die künftige Gestaltung der handelspolitischen Beziehungen zu den Balkanstaaten besprochen, die eine notwendige Folge des politischen Anschlusses Bulgariens und der Türkei an Deutschland und Oesterreich-Ungarn sind. Die Möglichkeiten der mitteleuropäischen JndustrieauSfuhr nach den Balkanländern und nach der Türkei und ebenso der industriellen Rohstoffversorgung Deutsch- landS und Oesterreich-UngarnS aus den Donauländern, Kleinasien und Mesopotamien bildeten den Gegenstand eingehender Erörte- rungen. Die Bedeutung der Donau für diesen Güteraustausch erfuhr eine ausführliche Würoigung. Aus ungarischen Kreisen wurden wertvolle Hinweise auf die namentlich in Bulgarien ein- setzende Bewegung zugunsten des wirtschaftlichen Anschlusses an die Mittelmächte gegeben. Die wesentlichsten Ergebnisse ihrer zwei- tägigen Beratungen legte die Versammlung in folgendem Beschluß nieder:, 1. Die Delegiertenkonferenz der mitteleuropäischen WirtschaftS- vereine in Deutschland, Oesterreich und Ungarn betont neuerlich die Notwendigkeit der Verwirklichung der wirtschaftlichen An- Näherung auf Grund der in Berlin und Wien gefaßten Beschlüsse noch vor Kriegsende, damit die Mittelmächte bei den Friedens- Verhandlungen ihre gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen zielbewußt und mit voller Kraft vertreten können. 2. Um ein möglichst umfassendes Gebiet in diese wirtschaftlichen Interessensphäre einzubezieben, ist es wünschenswert, daß sich die mit den Zentralmächten verbündeten Staaten. Bulgarien und die Türkei, der wirtschaftlichen Annäherung in entsprechender Form anschließen, wobei die Förderung der industriellen Produktion-;- und Exportinteressen der verbündeten Staaten unter voller Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse ihrer Landwirtschaft ins Auge zu fassen ist. 3. Um die in Berlin, Wien und Dresden gefaßten Beschlüsse zur Durchführung zu bringen, wird eine gemeinsame, aus Ver- lretern der drei Wirtschaftsvereine bestehende Arbeits- kommission eingesetzt, welche die Einzelfragen unter Zuziehung von Experten in ihren Einzelheiren zu bearbeiten bestimmt ist. Es wurde beschlossen, die nächste Delegiertenlonserenz der mittel- europäischen Wirtschaftsvereine in Budapest abzuhalten. Verkehr mit Hafer und Gerste. Der„Reichsanzeiger* veröffentlicht eine Bundesratsverordnung, die bestimmt: Zur Förderung der Lieferung von Gerste und Hafer auf Anweisung der Zentralstelle zur Beschaffung der Heeres- Verpflegung darf eure besondere Vergütung gezahlt werden, die für die Tonne beträgt: 1. wenn die Gerste und der Hafer bis zum 29. Februar 1916 einschließlich bei den Proviantämtern abgeliefert oder auf der Bahn oder dem Schiffe verladen ist: 60 Mark, 2. wenn die Ablieferung oder Verladung in der Zeit vom 1. März bis 15. März 1916 einschließlich erfolgt: 39 Mark. Die gleiche Nummer deS„Reichsanzeigers enthält eine Bekannt- machung über Neuregelung des Verkehrs mit Haser und eine Be- kanntmachung der Reichsfuttermittelstelle über den Bertrieb von Saat- gerste und Saathafer._ Agrarfrage und auswärtige Politik in Rußland. In dem in gestriger Ikrunmer unter vorstehendem Titel veröffentlichten Artikel hat sich durch das Ausfallen eines Wortes eine Sinnentstellung des betreffenden Satzes ergeben. Es muß auf der dritten Spalte der zweiten Seite im Hauptblatt, zweiter Absatz, Zeile 17, heißen: Daß diese Entwicklung sich in Rußland nicht schneller vollzieht, liegt an seiner rückständigen sozialen Struktur usw. Letzte Nachrichten. Reise ungarischer Sozialdemokraten nach dem Haag. Budapest, 19. Januar.(W. T. B.) In Vertretung der ungarischen Sozialdemokratie sind der Chef- redaktcur des Organs der sozialdemokratischen Partei „N e p s z a v a", Ernst G a r a in i, und der Sekretär der Partei Emanuel B u ch i n g e r nach dem Haag gereist, um an der ersten Sitzung des internationalen sozialistischen Bureaus teilzunehmen, in welcher die sozialdemokratischen Parteien aller kriegführenden Länder ver- treten sein wenden._ Eine Erklärung des griechischen Ministerpräsidenten. Athen, 18. Januar.(W. T. B.) Im Laufe einer Unter- redung mit Reuters Vertreter drückte Skuludis seine Ueberraschung über die Zweifel aus, welche die Ententemächte anscheinend bezüglich der Politik des griechischen Kabinetts hegten und die sich in Beschränkungen der Einfuhr von Lebens- Mitteln und Kohle äußerten. Der Ministerpräsident gab die mchbrückliche Versicherung, daß die gegenwärtige Politik Griechenlands vollständig aufrichtig und mit seiner neutralen Haltung gegenüber beiden Gruppen von Kriegführenden ver- einbar sei. er sei überzeugt, daß dies die beste Politik für das Land sei: er erklärte, daß Griechenland weiter neutral bleiben und seine Armee für die schtießliche Liquidierung intakt er- halten werde._ Südafrikanische Truppe» in Aegypten. Prätoria, 18. Januar.(W. T. B.) Amtlich. Die erste südafri- kanische Jnfanteriebrigade ist in Aegypten eingetroffen. Vom Unterseebootkrieg. Lowestost, 19. Januar.(W. T. B.) Lloyds meldet: Das Fischerfahrzeug«Evelyn* wurde versenkt. Die Besatzung wurde gerettet. Lowestoft, 19. Januar.(W. T. 93.)(Reutermeldung.) Die Fischerfahrzeuge„Framerest" und„Sun.>ins" wurden versenkt. Die Besatzungen wurden gerettet. London, 19. Januar.(W. T. 93.) Lloyds meldet: Der bri- tische Dampfer„Marere" 643 Bruttoregistertonnen wurde ver- senkt. Die Besatzung wurde gerettet. Gewerkschaftliches. Lohntarif und Militärverwaltung. Bis zu einem Jahr Gefängnis oder Geldstrafe bis zu 1300 M. droht der kommandierende General des 6. A r m e e- k o r p s denjenigen Unternehmern an, die es bisher trotz der von der Heeresleitung festgesetzten Tarife verstanden haben, die Arbeiter um einen erheblichen Teil des Lohnes zu prellen. Die Bekanntmachung, die mit dem Tage ihrer Verkündung in Kraft tritt und für die Bereiche der Festungen Breslau und G I a tz gilt, lautet: § 1. Ein Uniernebmet. welcher bei der AuSsührung von Leistungen oder Lieferungen, die ibm von der Heeredverwaliung oder zur Ausiübrung einer Bestellung der Heere» vei Wallung von einem anderen Unlernebmer oder Vermiitler überlragen worden sind, seinem Ärbeunebmer gegenüber die von den militärischen Beschaffung-stellen jeweilig festgesetzten Lohntarife nichi innehält oder die bestimmten Löhne in vollerHöhe nicht zablt, wird mit Gefängnis bis zu einem Jabre bestraft. sind mildernde Umstände vorhanden, so kann auf Haft oder aus Geldstrafe bis zu fünfzehnhundert Mark erkannt werden. Z 2. Machen sich Betriebsleiter. SufsichtS- p e r i o n e n oder Vermittler, welche die Lobnvereinbarungen mit den Arbeitnehmern abgeschlossen haben oder für die Zahlung der Löhne verantwortlich sind, einer solchen Handlungsweise schuldig, so trifft sie die g l e i ch e S t r a f e. Z 3. Tieielbe Strafe trifft a«tch in den Fällen, in denen ein Unler-Unternehmer gegen die Lohntarife verstötzl, sowohl den ersten Unternehmer als auch jeden Zwischenunlernehmer. wenn er bei Wcitervergcbung der Leistungen oder Lieferungen den Unlernebmer nicht zur Einhaltung der von der militärischen Be- schaffungSstelle festgesetzten Lobntarife verpflichlet hat. ß 4. Diese Anordnung tritt mit dem Tage der Berkündung in Kraft. Diese Verordnung sichert den Arbeitern und Arbeite- rinnen endlich den von der Heeresleitung für Heeresarbeiten festgesetzten Lohn und macht der Lohndrückerei hoffentlich ein Ende. Schade nur. daß sie nicht schon früher gekommen ist und nicht auch für den Frieden gilt. Vcrlin und Umgegend. Der Verband der Maler und Lackierer nahm am Dienstag die Wahl der Delegierten zur Generalversammlung vor. Die Vororie haben es abgelehnt, selbständig Wahlen vorzunehmen, vielmebr ihren dort ansässigen Mitgliedein es onbeimpestelll, an der Wahl in Berlin teilzunehmen. Gewählt wurden M i e tz, H a a s e und T e u b e r. M i e tz teile u. a. auch mit. datz am nächsten Montag die Wahlen zum Gehilfenausichntz stattfinden und ersuchte um rege Beteiligung an dieser ungemein wichtigen Angelegenheit. Der Ver- bantsiag wird voraussichtlich in Berlin stattfinden. Mit Rücksichi aui den im Februar eimretenenden Tari'ablauf hat das Ministerium des Innern bereits mit beiden Kontrahenten Fühlung genommen. um rechtzeitig Verhandlungen anzubahnen. veutfches Neich. Ablauf der Tarifverträge im Buchbiudergewerbe. Wie in anderen Gewerben, so läust auch im Buchbindergewerte in diesem Jahre eine große Zahl von Tarifverträgen ob. Mit dieser Talsache hat sich bereits im Juni v. I. eine Gauvorsteherkonferenz und neuerdings nochmals der Vorstand des Buchbinderverbandes beschäftigt, nachdem er duich eine Umfrage die Meinung der Gau- vor stände und der Borstände der großen Zahlstellen festgestellt halte. Am 30. Juni läuft auch der sogenannte Dreistädterarif für Berlin, Leipzig und Stuttgart ab. unter dessen Bedingungen rund 12 000 Per- sonen arbeilen. Er lief fünf Jahre und verlängerte sich ohne weiteres um ein Jahr, wenn er nicht drei Monate vorher von einem der Vertragschließenden— dem Deutschen Buchbinderverbande oder dem B.-rbande Deutscher Buchbindereibesitzer— gekündigt wird. Der Borsland deS Buchbinderverbandes hat nun beschlossen, eine Ver- längerung des Dreistädtetarifs um ein Jahr unter den folgenden Bedingungen zu beantragen: 1. Die Zeitlöhne werden für die männlichen Arbeiter um lö Proz. und für die weiblichen Arbeiter um 20 Proz. erhöhl; 2. Sämtliche Stücklöhne werden um 15 Proz. erhöht: 3. Für Arbeilen(an neuen Maschinen usw.), die im Tarif noch nicht vorgesehen sind, an denen aber auf Stück gearbeitet wird oder für die Stückarbeit geeignet gehalten wird, sind Stücklöhne festzu- letzen. Zum ersten Punkt wäre zu bemerken, daß zur Milderung der immer größer werdenden Spannung zwischen den höheren Männer- löhnen und den weil nledrigere» Frauenlöhnen ein höherer Prozent- satz für letztere beaniragt wurde; selbst dann wird die Spannung noch größer. Die Forderung der Lohnerhöhung ist als wenn auch nur teilweiser Ausgleich der Verteuerung aller Nahrungsmittel durch den Krieg und der dadurch bewirkten Senkung der Kaufkraft der Löhne gedacht und in dem Schreiben an den Arbeitgeberverband eingehend begründet worden. Bon einer Erneuerung des Tarifs in der bisher üblichen Dauer von fünf Jahren wurde Abstand genommen, weil dann die Unternehmer wahrscheinlich bei der Festsetzung der Löhne den normalen Zustand vor dem Kriege würden zugrunde legen wollen, während bei der Beschränkung auf die Zeit des Krieges und der eventuell anschließenden Friedenszeit eher auf ein eni- sprechendes Entgegenkommen der Unternehmer aus Rücksicht auf die abnormen Verhältnisse gerechnet wurde. Ein weiterer Grund lag in der Abwesenheit des größten Teiles der männlichen Mitglieder infolge der Einberufungen zum Heeresdienst, denen man die Mit- arbeil an einem Vertrage nicht entziehen wollte, unter dem sie gegebenenfalls jahrelang zu arbeiten haben. In seinem Schreiben an den Unternebmerverband betonte der Vorstand des Buchbinder« Verbandes, daß es freilich im Jmeresie beider Parteien läge, den Burgfrieden aufrecht zu erhalten, daß d>e>er aber nimmermehr so aufgefaßt werden dürfe, als ob die Arbeiterschaft die un- geheure Teuerung geduldig über sich ergeben lassen müsie, ohne auch nur den energischen Benuch zu machen, sie durch Lohnerhöhungen einigermaßen zu mildern, zumal zwischen Ernährung und Volks- gesundheil ein so inniger Zusammenhang bestände, daß auch hieraus ein derartiges Verlangen vollkommen gerechtfertigt wäre. Der Bor- sitzende des Buchbindereibesitzerverbandes hat auf dies Schreiben zu- nächst geantwortet, daß sich sein Vorstand mit den eingereichien Anträgen noch in dieser Woche beschäftigen würde. Alle übrigen Gau- verwaliungen forderte der Vorstand des BuchbinderverbandeS auf, in ähnlicher Weise Anträge beim Ablauf von Tarifverträgen zu stellen und auch dort, wo die Tarife noch länger laufen, mindestens Teuerungszulagen zu beantragen, weil die Tariflöhne natürlich nicht aus Kriegs-, sondern auf Friedenszeiten zugeschnitten feien und bei der langen Dauer des Krieges damit nicht auszu- kommen sei. Makulatur. Der christliche Keramarbeiter-Berband hat an jugendliche Arbeiter ein Flugblatt zur Verieilung gebracht, das durchaus ungerechlferligie und wenig burgfriedliche Angriffe gegen die„religions- und staals- felndliche sozialdemokratische Bewegung* enthielt. Der„Proletarier", das Organ des Fabrikarbeiter-Verbandes. brachte das mit einigen zurückweisenden Bemerkungen zur Kenntnis seiner Leser. Tarauf teilte ihm der Vorstand des christlichen Verbandes nun mit, daß das betreffende Flugblatt noch vor dem Kriege herausgegeben und ohne das Wissen und den Willen des Verbandes von einem einzelnen Mitglieds während des Krieges in einigen Exemplaren verbreitet worden sei. Hoffentlich hält die Leitung deS christlichen Keramarbeiter-BerbandeS in Zukunft ihre Makulatur irotz deren Wertlosigkeit besser unter Verschluß. Verlustlisten. Die VerliuMste Nr. 433 der preußischen Armee enthält Verluste folgenider Truppen: Infanterie usw.: Garde: 4. Garde-Regiment z. F.; 1. Ggvde- Reserve-Regiment; Garde-Gvenadier-Regimenter Franz, Augusta und Nr. 5; Garde-Reserve-Schützen-Bataillon. Grenadier- bzw. Infanterie- bzw. Füsilier-Regimenter Nr. 1, 2, 5, 6, 8, 9, 10, 12, 13, 15, 31(f. Res.-Jnf.-Regt. Nr. 74), 34, 40, 41, 43, 49, 55, 56, 58 bis einschl. 64, 66 bis einschl. 70(letzteres f. auch Res.-Jnf.-Regt. Nr. 56). 71, 75. 76. 78, 79/81, 84. 89. 91. 93, 95, 98, 110, III, 113, 115 116, 117, 128, 129, 131, 132, 136, 137, 138, 140, 141, 144 bis einschl. 148, 150, 156, 163, 166, 167, 171, 172, 173, 176(f. auch Res.-Jnf.-Regt. Nr. 5), 352, 353, 354, 358, 361. Reserve-Jnfqnterie- Regimenter Nr. 1, 5, 6, 7, 9, 11, 28. 34, 46, 48, 51, 55, 56. 59, 61. 64. 66, 67. 69. 71. 72, 74, 76(s. auch Res.-Jnf.-Regt. Nr. 74), 79. 80, 82. 87, 88. 90 bis einschl. 93. 99, 116, 203, 205, 206, 209, 212, 214, 217, 219, 224, 226, 227, 253. Landwehr-Jnfanterie-Regimenter Nr. 4. 6 bis einschl. 9. 11. 12, 13, 15. 28, 29, 34, 46, 51. 52. 53, 55, 57, 60. 61. 66. 80. 84. 93. 99. 109(f. auch Res.-Jnf.-Regt. Nr. 74). 110, 350. Landwohr-Ersatz-Jnfanterie-Regiment Nr. 2. Brigade- Ersatz-Bataillone Nr. 5(f. In f.-Regt. Nr. 358) und 55. Landwehr- Brigade-Ersatz-Bataillon Nr. 13(s. Landw.-Ers.-Jnf.-Regt. Nr. 2). Landsturm-Jnfanterie-Bataillone: I Cöln, 3. Darmstadt, 2. Glei- witz. Landsturm-Jnf.-Ersatz-Bataillone„- 13. des 4. Armeekorps (Halle a. S.>, Luckau, 4. des 6. Armeekorps(Schweidnitz). 2. Land- sturm-Jnf.-Ausbildungs-Bataillon Kreuznach. Jäger-Bataillon Nr. 8; Reserve-Bataillon« Nr. 4 und 22. Radfabrer-Äomp. Nr. 11. Kavallerie: Garde-Husaren(f. Garde-Kav.-Regt. v. Maffow); Gavde-Kaoallerie-Regiment v. Maffow. Kürassiere Nr. 7; Dra- goner Nr. 1, 13, 17, 19, 20, 21, 22: Husaren Nr. 1. 13, 14; Ulan-n Nr. 16; Reserve-Ulanen Nr. 2; Jäger zu Pferde Nr. 3 und 5. Garde-Train-Abteilung. •• Der Schluß der sächfifchen Verlustliste Nr. 245, deren Inhalt schon mitgeteilt wurde, wird veröffentlicht. Obst und Gemüse H. Donnerstag und freiiug Rotkohl(Holländer). Pfumt 19 Pf WlTsiii{{kohl(Holländer) Pfd 14 PI Weißkohl(dänischer) Pfund IG Pf. Kohlxhben...... Pfund 5Pf. Rosenkohl..... Ptund 35 P>. Fe'd-Salat fd. 35, Spinat> fd.l9P{ Märkiscti.Rfibcben Pfd.15u.3lPf. Mohrrtib, r>..... Pfund 8 Pf. Bayer. Pe(t:che... Stück SPf. toveU Vorrai Schwarzwurzeln.. Pfund 15 Pk Chicoree........ Pfund 30 Pk. Boskop-Aertel... Pfund 20 Pf. GroBe Kcch-Aepfel Ptund 18 Pf. Apfelsinen.... DU. 55 u, 70 f. Zitronen........ Dtz. 55 Pf. Mandarinen..... Pfund 35->>. Brüsseler Wein.., Pfund 110 Kranz-Felben.... Pfund 65 Pf Schn'ttlancb............................ lopf 35 Pf Geflügel Donncrsiao u. Son abend BraKäiiae........ Pfund 3M Fettgänse...... Pfund 3.30 Rii�en walder Gänselleiscb gepökelt....... P.und 1.90 Fette Mastenten... P>und 3.30 Fette Mastpnten... Pfund 2 M. Dome stog und Frettog Käse Oeheimratskäse für die Feldpost............ Stck. 3 M Emmen'ater Schachtelkäse Sick 170 Emraentsier Kräuterkäse StckSOPf. Edamer Käse, in ganzen Kugln.......... Pfd. 1.90 Votttetter Bolländer Käse. Ptd. 3.40 Voll elter Edamer..... Pfd. 3.30 Holländer Broikäse....Pfd. 3M Hol Inder Käse Pfd. 2 M.. 2.30 2.30 Harzer Käse, Kiste, 100 Stück, SM. Donnerstag und ft ciiag Goldbarsch, Norweger. Pfd 60 PI. Schelltisch, Norweger. Pfd. 70 Pt Eisbühner. Pfund 1.80 2 M 3.50 Fette Snppenhübner Pfund 8.40 Fete un-e Penhftiiner, St 4.50 SM Schneehühner. Stück 3 80 3 75 Fette Wilden en... Stück 2 M. Auer- u. BIrkwiJdnuriezpi/ccr dir, Frische Land-Eier Donnerstag und trattagt Marmelade leicht getärot (Verkauf in der Bvüer- Abteilung) Pilaumen mit Aepfel. Ptd. 58 PI Himbeer mit Arplel. Pld 58 Pi Himbeer- Konfitüre,, Pfd 78 Pf Orangen-Xonfitüre. Ptd, 78 r-f Apiikosen Konfitüre. Pfd. 80 Pf. Saure Kirschen- Marm. Ptd, 78 Pf. Qemlscht.Prwchobst M.Pfd 10 Fi Pilaumen- Marmelade Pfd 58 hf. Pa.Thür.Pilaumcntnus Pld 61 Pf Rheinisches Ap elkraot Pfd. 60 Pf. =ey | II Kunsthonig, flüssig od. olck Hid35Nl esc. Ol Fische Seelachs, Norweger, In ganzen Fischen, ohne Kopf Pfd. 65 u. 70 Pf, Oelroeknete Klipptische. Pfd. COHf. Frische Stralsund. Heringe Pfd. 55 PI. Leb. Forellen nur Leipz-Str. Pfd. 3 M. SdSZfiSChe Kostprob. v.l 1— I n.5—7 Uhr.Pfd 35 50 45 Pf. Sardellen.. Pfund 90 Pf. u. 1.60 MXxed-Plcklea Pfd.60 Pt. Xbbüan, Norweger, in ganzen Fischen, ohne Kopf... Pfd. 70 Pf. ■ Mnacheln, Wein- "= Pfund 35 Pf. Nordsee- Getee RaUmöpse... 4-Liter-Oose 5.50 Schwert behtfhlksen..73 Pld. 65 Pf. Aal In Gelee... Vi Pfund 80 Pf. Stralstmdcr Bratheringe 4-Liler-Dose 5.50 HoU&nd. Matjeshering St. 30 Pf. Brüh- Fisch warst... Pfd. 1.60 GerEach. Oder-Aale. Pfd. 3.60 Geräucherter Lachs. Pfd. 4.40 Kaviar Pfd. SM, prima Pfd. 22 M Verktuf freUoqi Kieler Bttckllfisrezsfl* 35,>, Sprotlbdckllnge». m 35p, ( Frisches Fleisch Donnerstag soweit Vorrats SchmoitIeitcL.K-ochml.50 Rindeikamm........ m 1.45 Binder-Querrippe...m 1.30 Roislbeet--t K-och«,. m 1.40 dehacki. Rindf.eisch Kalbskeule™ oui-e-.. Kalbskeule.... Kalbskamin u. Brust Kalbsbruslspitze... Kalbhaxen......... Pökezunoe........ m 1.50 Wurstwaren: Plockworst.......... ptd 2.70 Zervelatwurst....... ptd. 2.70 Landleberwurst...... Ptd. 2 m. Zungenwurst........ pfd. 2 m. Für Feldpost: Lsndleber- u. Fleisctiwuist. Dose 2.40 Kraftfleisch......... Dose 1.70 Sülze...... r....... Dose 1.40 Sülze, Fleischsalat.. Dose 85 pt. Feldpostbriefe m. Wurstwaren in verschiec enen Preislagen. ptd 1.40 ptd 1.70 pfd 1.80 ptd 1.60 Pfd 1.70 Pfd. 1 M. Pfd. Moselwein Wormeldlnger. 1912 Kinheim er 1911 Lange nr er pMFl blOHu p."«"!. B.IOH .... 0.80 0.78 1911 Merler....... t,25 1.20 .... 0.90 0.88 1911 RQberberg, Xllarlierg... 1.80 1.70 .... 1.05 l M. 1907 Zeltlsger Schloßberg... 2.20 2.10 Rheinwein p.l/lFl b lOfl P.VjPl b 10P1 1912 Diedeafelder... 0.80 0.78 1912 Eltvlllcr...... 1.35 1.30 1912 Qaubicfce.be.mer.. 1.05 1 M. 19U8 Wacheuheim... 1.55 1.50 1911 Oppenheizner Goldberg.................. 3.10 3 M. Rot- und Sil p»/.ht b.iOH.»-<,«. b-ioi-i 1913 Chüt Calmette... 1.15 1.10 1909 Grl Ii Feeinelll... 1.80 1.75 1911 Lardln Roch... 1.25 1.20 l907ChAt,Lahontan... 3.70 3.60 1911 Monlis Medoc... 1.45 1.40 Tarragona..... 1.60— Vlnhft do Portugal....................... 3.40 2.35 Donnerstag bis Sonnabend t Kolonialwaren Erbemchl. ..... Pfund 62 Pf. MaiagricB.... Karl o fiel me hl....... Pfund 28 PL « in-.. ,,,• e. � 10 St. 20 St. SO St. lOO-SL O.yrapla-BoDillon-Wunel Dose Pfund 52 PL SPO St Hfihner-Bonillon-Würfel Dose 10 st. 63 Pf. 20 St. 1.50 50 St. 3.90 14 M. 100 St. 500 St. 35 Pi. 68 Pt. 1.65 3.20 15.60 Tee Sonchong-Tre Nr. 2 Pfd. 3.20 Sonchong-Tee Nr. 3 Ptd. 3.80 Ceyion-Melange Snchoog-Tee Nr 4 Pfd. 4.20 Snchong-Tce Nr. 5 Pld. 4.6' ..... Ptund 4.60 Ständiger Verkauf t Puddinge gefärbt: Makr onen-Pnddln g, Paket 40 PL piplomat-PHddiag Marzipan-Pudding. Paket 40 PL Mo itka- Pudding.. Paket 40 Pf. MKndelchen-Pndding.Pak 35 Pf. Keret-Pnddlng... Paket 35 Ff. Paket 35 Pf. brei-MühIen-Pndding.Pak.35 PL Frnchtgrülze..... Paket 35 Pf. Sommerspeise.... Paket 35 Pf. Oranje-Gelee..... Paket 40 Pf. Verkauf Donnerstag und Sonnabend s Stippen nach böhmischer Art lose ausgewogen: Leber, Hühner, Schoten mit Kalbfleisch, Rindfleisch i i A Schinken, Ochsen-Nieren.............. Pfund lal" Verantw. Redakt.: Alfred Wielevv. Neukölln. Inseratenteil verantw. Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtsBuchdr. u. Verlagsanitalt Paul Singer he Co., Berlin SW. Hierzu 1 Beiloge u. Untcrhaltungsbt, Nr. 19. 33. Iatirnang. M\m des JonuörtD" Kerlim pollislilott, Donnerstag. 20. Jannar 1916. Zur Abwehr. Von Otto Braun. Im Anschluß an die Veröffentlichung der Beschlüffe der Landes- kommifsion der Sozialdemokratie Preußens in Nr. 17 des„Vorwärts" vom IS. d. Mts. haben sechs Mitglieder der sozialdemokratischen Fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses eine Erklärung erlassen. in der sie zur Motivierung ihrer von dem Beschluß der Landes- kommisfion abweickenden Stellungnahme darauf hinweisen, daß sie als Richtschnur siir ihre Tätigkeit nur das Parteiprogramm und die Beschlüsse der nationalen und internationalen Parteitage anerkennen können. Diese Erklärung involviert den Vorwurf gegen die Landes- kommiision und die Minderheit der Landtagsfraktion, daß sie von der Fraktion eine Abweichung von dem Parteipropramm und den Parteitagsbeschlüssen verlangt hätten und durch ihre Stellungnahme selbst von dem Parteiprogramm und den Beschlüssen nationaler und internationaler Parteitage abgewichen seien. Das nötigt mich, gegen diele Erklärung mit einigen Zeilen Stellung zu nebmen und den in ihr enthaltenen Vorwurf mit allem Nächdruck zurückzuweisen. Ich fordere die sechs Genossen auf, klar und unzweideutig zu erklären, von welcher Bestimmung unseres Parteiprogramms, von welchem Beschluß eines Parteitages oder internationalen Kongresses die Mehrheit der Reichslagsfraktion bei ihrer Stellungnahme am 4. Angust 1914 und die Landeskommission und die Minderheit der Landtagssraktion bei ihrer neuerlichen Stellungnahme zu der von unserer Partei im Landtage einzuschlagenden Politik ab- gewichen sind. Ich behalte mir vor, wenn die sechs Genossen die verletzten Programmpunkte und Parteitagsbeichliisse deutlich bezeichnet haben, auf die Angelegenheit zurückzukommen. Im übrigen.: Wie liegen die Dinge? Gegenstand der Verhandlung in der letzten Sitzung der Landes- kommifsion war die ErNärung, die die Mehrheit der Fraktion im Abgeordnetenhause zur Friedensfrage abgeben wollte. Der Inhalt dieser Erklärung hat weder mit dem Parteiprogramm noch mit Partei- tagsbeschlüsien etwas zu tun. Seine Beurteilung ist lediglich eine Frage der Feststellung von Tatiachert und ihre Bewertung. Während die Mehr- heit der Fraktion der Auffassung ist, daß die deutsche Regierung ihre Friedensbereilschakt ebensowenig wie die Regierungen der mit uns kriegführenden Länder erklärt habe, steht die Landeskommission in ihrer überwälltaenden Mehrheit und mit ihr die Minderheit der Landtagsfrakuon aus dem Standpunkt, daß der deutsche Reichskanzler ab iv eichend von den leitenden Staatsmännern den feindlichen Länder die Bereitwilligkeit Deutschlands zu Friedensverhandlungen kundgetan hat. Die Regierungen Ruß- lands, Frankreichs und Englands haben klar und unzweideutig erklärt, daß sie nicht eher von Frieden reden wollen, bis ihr Kriegs- ziel, die Niederwerfung Deutschlands, erreicht sei. Selbst die franzö- fischen Genossen bekennen sich mit phrasenhafter Verbrämung zu diesem Kriegsziel, denn auch sie wollen nach ihrem letzten Partei- tagsbeschluß nicht eher von Frieden reden, als bis der preußische Dniitarismus vernichtet und Elsaß-Lothringen wiedererobert ist. Demgegenüber bat der deutsche Reichskanzler im Reichstage erklärt, daß er jederzeit bereit sei. über Friedensvorschläge zu verhandeln und hat weiter die Verantwortung für jeden Tag, den dieser schreck- liche Krieg länger dauert, ausdrücklich den Friedensverhandlungen abgeneigten Ententemächten zugeschoben. lieber die Friedensbereitschaft Deutschlands besteht auch bei den gegnerischen Regierungen kein Zweifel. Die sechs Genossen tun daher den klar zutage liegenden Tat sacheir..Gewalt an. wenn sie in ihrer im Landlage verlesenen Er« klärustg'hinsichtlich der Friedensbereitschaft die deutiche Regierung mit den'feindlichen Regierungen auf eine Stufe stellen. Dadurch dienen sie nicht dem Frieden. Inwieweit ihnen dabei das Parteiprogramm und Parten tag-Zbeschlüsie zur Richtschnur gedient haben, ist nicht recht ersichtlich. Mir ist kein Satz des Parteiprogramms, auch kein Beschluß eines sozialdemokratischen Parteitages oder eines internationalen sozia listischen Kongresses bekannt, der uns verpflichtet, Tatsachen auf den Kopf zu stellen. Und darum, um weiter nichts bandelt es sich bei dem in Frage stehenden Teil der im Landtage verlesenen Erklärung der Fraktionsmehrheit. Gegen dieses Vorgehen haben sich die Landeskommission und ich mit drei weiteren Fraktionsmitgliedern ausgesprochen. Wenn die sechs Genosien noch der Landeskommission das Recht bestreiten, der Fraktion die Politik vorzuschreiben, dann führen sie damit einen irreführenden Luflhteb aus; denn die Landes- kommifsion hat bei ihren Beratungen mit der Fraktion keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie das Recht, der Fraktion bindend ihre Taktik vorzuschreiben, für sick> nicht in Anspruch nimmt. Die Landeskommission als oberste Organisationsinstanz vor dem Paneiiag hat indes das Recht, zur Landespolitik und der Tätigkeit der LandlagSfraktion Stellung zu nehmen, ist sie doch früher selbst von der Fraktion dazu angerufen worden. Sache der Fraktion ist es dann, mit eigener Verantwortung vor der Gesamtpartci zu entscheiden, ob sie den Beschlüssen dieser Organisationsvertretung Rechnung tragen will. Die 6 Genossen haben sich wohl nicht ganz aus den Standpunkt des einen unter ihnen gestellt, der bereits am Tage vor der Tagung der Landeskommission in der Fraklionssitzung erklärte, ihn könnten Be- schlüsse der Landeskommission nicht berühren, er pfeife aus die Landeskommission; immerhin haben sie doch im weient- lichcn ihren von dem der Organisationsvertretung abweichenden Standpunkt aufrecht erhalten und im Parlament danach gehandelt. Formell waren sie dazu berechtigt. Ob sie auch im Interesse der Partei und des preußischen Proletariats handelten, wird später ent- schieden werden. • Genosse Braun hat e» auffällig eilig, sich der preußischen Landeskommission anzunehmen, die doch eigentlich selbst ihre Sache führen köimle. Für das Verfahren der Anhänger der.Politik der Reichstags- fraktton", speziell soweit sie der Minderheit der LandlagSfraktion angehören, ist Brauns literarischer Eifer charakterlstisch. Die iechs Mitglieder der Fraklionsmehrheit begnügten sich bei ihrer Antwori auf die Erklärung der Landeskommission mit knapp vier Zeilen. Das Mitglied der Fraktionsminderheit Harnisch be- nötigte zu seinem Abrücken von den Sechsen schon mehr als des zehnfachen Raums. Und nun kommt heule als Nummer 2 der Minderheit Genosse Braun mit einem ganzen Artikel. Wenn das so weiter geht, kann die Erklärerer sich noch ganz niedlich aus- wacbien. . Zudem muß sich Braun sofort einer Entstellung bedienen, um seine Erklärung wenigstens mit dem Schein der Berechtigung zu umkleiden. Er liest in die Worte der Erklärung der Mehrheit der Landtagssraktion einen Vorwurf hinein, der gar nicht aus- gesprochen ist. Die Mehrheit erklärte einfach und mit gutem Recht, daß für sie nur Parteiprogramm und Beschlüsse der nationalen und internationalen Kongresse bindend seien, nicht irgendwelche Vorschriften der Landes- kommiision. Sie ließ eS dabei völlig dahingestellt, wie die.Politik der ReichstagSfraklion* vom Standpunkt der sozialistischen Grund- sätze aus zu bewerten sei. S'e konnte sicb das auch um so ruhiger ersparen, als die.Poli ik der Reichstagsfraktion" ein sehr schwer zu definierendes Ding ist, da zahlreiche Reichstagsabgeordnele. die am 4. August 1914 mit der NcicbsiagSfraktion gegangen sind, die seit- dem eingehaltene Politik der Fraklionsmehrheit ganz anders be- urteilen. Und wenn es, wie anzunehmen, so weiter gehl, wird in ein paar Monaten die besagte Politik nur noch ein Schatten sein, der der Vergangenheit angehört. Braun fordert nichtsdestoweniger die sechs Landtagsabgeordneten auf, ihm zu sagen, in welchen Punkten das so kautschukartige Ding, das er mit der Landeskommission die.Politik der Reichstags- sraktion" nennt, mit den Parleigrundsätzen und Parteibeschlüssen kollidiere. Die Genossen sollen das.klar und unzweideutig" tun. Dabei muß Gen sie Braun ganz genau wissen, daß zurzeit jede auch nur halbwegs klare Auseinandersetzung über sozialdemokratische Grundsätze in der Preise völlig unmöglich ist. Er muß wissen und weiß auch sicherlich, daß wir heute nicht einmal die betreffen- den Kongreßbeschlüsse und Kongreßreden abdrucken, geschweige sie erläutern können. Natürlich nur dann, wenn das in zustimmendem, rechtfertigendem Sinne geschieht; denn wenn man die Beschlüsse nur abdrucken würde, um von ihnen„ab zu- rücken" und sie zu verreißen, würde der ausgiebigsten Zitierung freilich nichts im Wege stehen. Brauns Aufforderung verrät also entweder eine politische Welt- fremdheit, die zum Erbarmen ist, oder aber die Absicht einer Ver- höhnung seiner Meinungsgegner, für dre kein Wort der Brand- markung zu scharf wäre. Wenn Braun behauptet, der Inhalt der Fraktionserklärung habe weder mit dem Parteiprogramm noch mit den Parteigrundsätzen irgend etwas zu tun, so mag das von den Grundsätzen gelten, wie e r sie versteht. Daß feine Privatansicht noch viel weniger Ge- meingelmng zu beanspruchen vermag, wie die der Landeskommission, sollte er sich selbst sagen. Daß wir uns mit Braun über seine Beurteilung der Friedens- bsreitschaft der V ö l k e r— denn darauf kommt es ja allein an— nicht auseinandersetzen werden, hätte er sich gleichfalls selbst sogen können. Denn einstweilen besteht ja leider noch das Verbot der Erörterung der Friedensbedingungen und aller damit in Zu- sammenhang stehenden Fragen. So wäre es beispielsweise un- möglich— wir können ihm da jederzeit die Dokumente vor- legen— auch nur seine, dem Sachverhalt durchaus widersprechende Darstellung der Beschlüsse der letzten sranzösischen Parteikonferenz durch schlagende Gegenbeweise zu entkräften. Immer wieder zeigt sich, daß heute die eine Seite das Blaue vom Himmel herunter behaupten kann, während die andre Seite den abenteuerlichen Behauptungen die Wahrheit nicht entgegen- zusetzen vermag. Man sollte eigentlich meinen, daß jeder anständige Politiker sich genieren sollte, in solcher Situation die nur einseitige Rede- freiheit ungebührlich auszunutzen. Aber man scheint auch in bezug auf poliiische Anstandsbegriffe toial umgelernt zu haben. Daß Braun Erwägungen solcher Art leider nicht zugänglich, be- weist seine Mitteilung aus einer Fraktionssitzung, wonach ein Fraklionsmitglied erklärt habe, es.pfeife auf die Landeskommiision". So wie Braun die Sache wiedergibt, ist sie auf Täuschung der Oeffentlichkeit und illoyale Stimmungsmache gegen das betreffende Fraklionsmitglied berechnet. Denn der Frevler, der dabei in Frage kommt— ick, selbst bin es beiläufig, aber wirklich nur bei- läufig, nicht gewesen— hat dabei, wie die der Bemerkung fol- gende ausgiebige Aussprache völlig zweifelsfrei ergab, natürlich nur sagen wollen, daß er von der Landeskommission niemals die Ent- ichließungsfrecheit der Fraktion beeinträchtigen lassen werde, daß er aber selbstverständlich gar nichts dagegen habe, daß die Landes- kommffsion ihre Auffassung zu der Streitfrage darlege und zur öffent- lichen Kenntnis bringe. Aber wenn es anständige polemische Mittel nicht mehr tun, muß eben zu minder einwandfreien gegriffen werden. Wie oberfaul muß es um eine Sache bestellt sein, deren Zweck derartige Mittel heiligen muß! _ H. S t r ö b e l. Mus öer Partei. Erklärung zum Heinc-Haafe-Konflikt. In der Polemik zwischen den Genossen Heine und Haase ist wiederholt auf die Vorgänge in der Neuköllner Wahlvereins- Versammlung zurückgegriffen worden. Die Leitung der Ver- s a m m l u n g. die aus Anhängern der Mehrheit und Minderheit bestand, glaubt sich daher zu nachstehender Erklärung ver- pflichtet: Bezugnehmend auf die dunklen Aeußerungen des Genossen Heine dem Genossen Haase gegenüber stellt das Bureau fest, daß Haase nichts erörtert hat, das irgend den Parteigrundsätzen oder den Beschlüssen der Internationalen Kongresse oder der deutschen Parteitage widersprochen hätte. Der stürmische Vorlauf der Versammlung ist hauptsächlich auf das Verhalten des Genossen Heine zurückzuführen, der die Ver- sammlung wiederholt zu Zwischenrufen herausforderte und dabei ein sonst unter Parteigenossen nicht übliches Verhalten an den Tag legte. Die Leitung des Bureaus sowie Genosse Haase haben sich wiederholt bemüht, die durch die Ausführungen des Genossen Heine hervorgerufene Erregung zu meistern, wurden darin aber sehr wenig vom Genossen Heine unterstützt. Wir sind daher vollständig ein- verstanden mit der Darstellung, die Genosse Haase von dem Verlauf der Versammlung gegeben hat. _ Scholz, Vorsitzender. Erklärung des Genossen Wels. Vom Genossen Otto Wels erhalten wir nachfolgende Zu- schrift: Ihre Bemerkung zu dem Beschluß der Zentralvorstandssitzung der Provinz Brandenburg zwingt mich, Sie um Auinahme folgender Zeilen zu bitten: Um nicht die Meinung aufkommen zu lassen, als habe der Unter- zeichnete dem Zenlralvorftand der Provinz Brandenburg über den Verlaus der PreßkommiistonSsitzung, die die Beschwerde wegen Nicht- ausnähme einer Entschließung gegen die Sonderaklion verhandelte, ialsch berichtet, folgende Klarstellung: Die Pretzkommisston hat allerdings nicht ausdrücklich beschlossen daß jener Beschluß in seinem Wortlaut veröffentlicht werden solle, sondern sie beschloß: .Die Beschwerde des Bezirksausschusses(weil der„Vorwärts" den Wortlaut nicht gebracht hatte) wird als berechtigt anerkannt. Die Redaktion hat daraus jedoch nicht zu folgern, daß sie in Zu- lunft die Beschlüsse aller Organisationen im Wortlaut zu bringen habe." Das heißt also, daß die Pießkommisston die wörtliche Wieder- gäbe dieser Entschließung für notwendig hielt, worüber die Re- vaktion sich allerdings unbekümmert hinwegsetzte. Der Zentral- vorstand befand sich also nicht im„Irrtum", sondern er faßte den Beschluß so auf, wie er allein einen Sinn hat, denn jene Be- schwerd« war natürlich nicht um ihrer selbst willen erhoben, sondern um den wörtlichen Abdruck des Beschlusses zu erwirken. Otto Wels. Wir haben bereits gestern unsere Auffassung dargelegt und halten an dieser Darstellung nach wie vor fest. lung zu stehen haben würden, die wirtschaftlichen Aufgaben gelöst werden könnten. Als unsere Heere den Weg nach der Türkei über Serbien freigemacht halten, erschien die Gründung einer gemein- n ü tz i g e n Gesellschaft erwünscht, welche die Ein- fuhr von Faserstoffen aus dem Orient regeln, und vor allem die eingeführte Ware den entsprechenden Stellen zugänglich machen würden. Die daraufhin unter Führung der leitenden Banken gegründete und mit einem Kapital von 2 Millionen Mark ausgestattete D eutsch-Orienia- tische Handelsgesellschaft m. b. H. Bremen arbeitet in enger Fühlung mit den maßgebenden Stellen in Berlin an der Durchiübrung der umfangreichen Aufgabe. Vorsitzender des AufsichtS- rates ist der bisherige Präses der Bremer Handelskammer, Herr A. Lohmann.(SB. T. B.) B etrieb scinstellung en Schweizer und holländischer Textilfabrike«. Die Hoffnungen, die man auf den Schweizer Einfuhrtrust in Schweizer Jndusiriellenkreisen in bezug auf die Rohstoffeinsuhr ge- setzt hat, haben sich bisher noch nicht erfüllt. Die Klagen— speziell in der Textilindustrie— sind ganz allgemein, daß es an den wichtigsten Rohmaterialien fehlt. Baumwolle ist üherhaupt seil Monaten nicht in die Schweiz hineingekommen, so daß die Svinnereien und Webereien in der allergrößten Verlegenheit sind. Zurzeit stehen MOE Webstühle still und Ende Januar rechnet man auf die Stillegung oon im ganzen 7000 Webstühlen, zu denen dann noch etwa 837 000 Spinn- und Zwirnspindeln kommen. Diese Betriebseinschränkung und teilweise Berriebseinstellung großer Textilbetriebe hat naturgemäß umfang- reiche Verluste sür diese Betriebe im Gefolge, Die Einbuße, die die Arbeiter allein an Arbeitslohn erleiden, dürfte allein monatlich mit Einschluß der ja auch von den BetriebSeinschränkungen betroffenen Hilfsindustrien 1 Mill. Mark betragen. Auch in Holland erscheint die Belriebscinstellung holländischer Webereien und Koiffektionsfavriken unvermeidlich, wenn nicht in kurzer Zeit größere Posten Baumwoll- und Wollgarn aus England nach Holland geliefert werden, da England niit den Lieferungen sehr stark zurückhält. Für die holländische Textilindustrie bedeuten diese Zustände eine schwere Gefahr. Es ist bereiis die Vermittlung der N. O. T.(des Niederländischen Ueberseetrustes) angerufen worden. der die Vermittlung der Einfuhrgeschäfte aus England unter sich hat. Niesengewinne der neutralen Schiffahrt. Durch den Krieg ver- mag die neutrale Schiffahrt gewaltrge Gewinne einzustreichen. Wie der„Voss. Ztg." aus Rotterdam mitgeteilt wird, beabsichtigt die Holla ird-Amerika-Dampferli nie 5V Proz.(im Vorjahre 17 Proz.) Dividende auszuschütten. Es hieß schon im September nach amerikanischen Zeitungsmeldungen, daß die Gesellschaft im ersten Halbjahr 1915 etwa 80 Proz. des 12 Millionen Gulden betragenden SlklienkapiralS verdient habe. Wenn jetzt 50 Proz. Dividende aus- gcschütiel werden, so beiveist das, daß nur ein Teil des Gewinnes sür Dividendenzwecke zur Verwendung kommt. Mus Industrie und Handel. Gründung einer deutsch-orientalischea Handelsgesellschaft. Im Laufe des Krieges hatten die amilichen maßgebenden Stellen die Erkenntnis gewonnen, daß nur durch Schaffung von piivatrecht- lichen Organisationen, welche mit den Sieichsämtern in engster Füh- Vom Roheisenverband. In der Hauptversammlung des RoheisenverbandeS wurde von der Vcrbandsleirung über die Marktlage berichtet: Das inländische Geschäft in Oualitätsroheisen hat im neuen Jahre sehr lebhaft eingesetzt. Die Nachfrage nach Haematit-Roheise», Stahl und Spiegeleisen ist sehr stark und nimmt nach wie vor die Hochoien- werke bis zur Grenze ihrer Leistungssähigkeit in Anspruch. Auch in Gießerei-Roheiien 1 und 3 ist der Absatz befriedigend geblieben. Das Jnlandgeschäft in Luxemburger Gießerei-Roheisen liegt ver- hältnismäßig still. Dagegen ist die Nachfrage vom besreundelen und neutralen Auslande weiter gestiegen, es sind größere Abschlüsse zu befriedigenden Preise zustände gekommen. Im Monat Dezember hat der Versand 53 Proz. der Beteikigung gegen etwa 55 Prvz. in den beiden Vormonaten betragen. Der geringere Versand ist darauf zurückzuführen, daß einige Hochofenwerke in ihrer Erzeugungs- fähigkeit beschränkt waren. Der Versand im Monat Januar wird. nach den bisherigen Lieferungen zu urteilen, wesentlich stärker werden. Englands Wirtschaftspolitik nach dem Kriege. Ueber die zukünftige Wirtschaftspolitik Englands hat im eng- lischen Parlament eine lange Erörterung stattgefunden, über welche„Times" vom 11. Januar ausführlich berichtet: Der kon- servative Slbgeordnete H e Iv i n s führte unter anderem aus: Während des Krieges hat Deutschland alle eroberten Gebiete sofort wirtschaftlich organisiert, ihre Rohmaterialien und Fabri- kationskräfte sofort in seine Dienste gestellt, und die gegenwärtigen SBirtschaftsverhandlungen mit Oesterreich zeigen deutlich, daß Deutschland auf diesem Wege fortzuschreiten im Begriff ist. Es gehört unter anderem zum deutschen Expansionsplan, sich die Roh- Materialien, besonders die Erze des britischen Weltreiches, zu sichern. Die Zinklager von Slustvalien und die Nickelvorräte Kanadas, dazu viele ander Materialien, werden seit vielen Jahren im wesentlichen von deutschen Kartellen ausgebeutet. Wenn eS gelingt, die Macht dieser deutschen Gruppen über die Produkts des britischen Weltreiches zu brechen, so wird damit dem deutschen Wirtschaftssystem ein schwerer Schlag zugefügt. Weiter müssen wir dem von Deutschland geleitete:! mitteleuropäischen W i r t s ch a f t s s y st e m ein westeuropäisches S y st e nr gegenüberstellen und möglichst cm die Stelle des ersteren setzen; England und das britische Weltreich müßten der Mittelpunkt dieser Gruppierung sein. Nach dem Kriege wird Deutschland wahrschein- lich, um seine Papierwährung zu verbessern, nicht mehr Waren einführen, sondern im größten Maßstabe und wahrscheinlich unter Staatsaufsicht Waren auszuführen versuchen. Um dieser Gefahr entgegenzutreten, muh die ganze Macht des britischen Weltreichs gemeinschaftlich mit der Macht der Verbündeten aufgeboten werden und auch bei der Slusstellung von Zolltarifen zur Geltung kommen. Es mag zwar unmöglich sein, zwischen En(Z- l a n d und seinen Verbündeten einen Zollverein zu schließen— wohl aber läßt sich trotzdem in dieser Richtung Einiges tun, und England müßte die Führung in allen diesen Fragen ergreisen. Unter allen Umständen mutz erreicht werden, daß nach dem Frieden die industriellen Werte, über die Deutschland jetzt verfügt, und auf die es seine Papierwährung und seine Anleihen baut, nicht wieder einzulösen sind. In der Erörterung über diesen Vorschlag warnt Sir E. Mond(liberal) davor, den deutschen Einfluß auf die Metallvor- rate im britischen Weltreich zu überschätzen. In Kanada hat kein deutsches Kartell und keine deutsche Firma irgendwelche Macht über die dortigen Lager; in Australien haben die Deutschen nur deshalb beherrschenden Einfluß über die Schmelzindustrien erlangt, weil außer ihnen sich niemand fand, der sich der Sache annahm. D r e k Viertel der deutschen Erfolge beruhen auf tech- nischer und finanzieller Tüchtigkeit. Er persönlich würde es auch nicht für eine Verletzung der Freihandelsgrundsätze halten, wenn die Regierung eine Schiffahrtslinie oder ein anderes Unternehmern unterstützen würde.„Nach dem Krieg« werden wir aber unseren hauptsächlichsten Rivalen nicht in dem empfindlich geschwächten Deutschland, sondern in Amerika zu sehen haben, das durch den Krieg dag nötige Kapital für d:e industrielle Ausbreitung gewonnen hat und vielleicht nach dem Kriege durch seinen Wohlstand Einwanderer anziehen wird. Deutschland wird nach dem Kriege von allen Angehörigen des britischen Weltreichs und seinen Verbündeten wirtschaftlich boy- kottiert werden." Der konservative Abgeordnete Mackinder warnt davor, mit irgendwelcher Sicherheit aus eine wirtschaftliche Erschöpfung Deutschlands nach dem Kriege zu rechnen. Das Bei- spiel.Frankreichs nach dem Jahre 1870. hat gezeigt, wie schnell eine protze Nation sich wieder erholen kann, und das Nationalvermögen Deutschlands ist seiner Meinung nach noch nicht in bemerkens- wertem Matze zerstört worden. Minister Runciman: Für die Zukunft ist weder auf einen Zollverein zwischen England und seinen Kolonien zu rechnen, da jedes Land seine eigene Wirtschaftspolitik betreibt. Wohl aber hat der Krieg die Handels- Verträge zwischen Deutschland und Oesterreich einerseits und Eng- land und Rutzland andererseits beseitigt, die für die Entwickelung der englischen Industrie ein schweres Hindernis waren. Nach dem Kriege weichen alle kriegführenden Staaten sich erst erholen müssen, England aber am wenigsten und Deutschland am meisten, und sicherlich wird bei den Friedensbedingungen das eine zu erreichen sein, datz Deutschland sich nicht dadurch zu erholen versucht, datz es gegen seine Nachbarn einen neuen Handelskrieg beginnt. England hat eine neue optische Industrie während des Krieges gegründet; ebenso ist es gelungen, eine grotze Anzahl von Chemi- kalien, von künstlichen Farben, von elektrischen Apparaten in Eng- land herzustellen, die bis dahin deutsches Monopol waren. Im britischen Weltreich ist das Frankfurter Monopol auf dem Metall- markt gebrochen worden; durch eine australische Spezialgesetz- aebung wurden alle Verträge aufgehoben, durch die der Frankfurter Metallmarkt sich die Verfügung über britische Produkte gesichert hatte. Wir haben jetzt volle Macht über die wichtigsten Metalle, über Zink aus Australien, Nickel aus Kanada, Mangan-Erz aus Indien, Tungsten und Wolfram von den Antipoden, und auch mit Bezug auf Oel und Kohle wird das gleiche angestrebt werden müssen. Wir müssen auch in der Friedenszeit uns wirtschaftlich so neu organisieren, datz es nichts Wesentliches an Friedens- oder Kriegsbedürfnissen gibt, über das wir nicht innerhalb unseres Weltreichs verfugen können. Wir werden durch eine Verbesserung unseres Banksystems dafür sorgen müssen, daß aufstrebenden jungen Firmen das nötige Kapital zur Verfügung gestellt wird. Wix werden ferner dafür sorgen müssen, datz die fremde Schiff- fahrt nicht gegenüber der unseligen bevorzugt wird, datz z. B. nicht mehr die deutschen großen Schiffahrtslinien die Insel Wight und Southampton anlaufen dürfen, ohne die Hafengebühren zu bc- zahlen, denen unsere Schiffs unterworfen find. Die„Times sieht in dieser Erörterung ein deutliches An- zeichen dafür, datz auch die alten Freihändler einsehen, datz eine Aenderung der englischen Wirtschaftspolitik nach dem Kriege nötig sein wird._ Deutsches Vermögen in England. Wie„Times* vom 12. Januar im Parlamentsberichk mitteilt, schätzt Minister Runciman das deutsche Vermögen in England auf 105,1 Millionen Pfund; als englisches Vermögen in Deutschland sei fbis zum 81. Dezember 1015) vorläufig eine Summe von 72,2 Millionen Pfund registriert worden. Der Etat öer Lanöesvecflcherungsanstalt Serlin für das Jahr ISIS. Der zu Ende des Vorjahres fertiggestellte Etat der Landes- Versicherungsanstalt Berlin für das Jahr 1016 bilanziert in Ein- nähme und Ausgabe mit 18 741 350 M. Davon entfallen auf die Heilanstalt Beelitz 3 561 138 M. und auf die Tube- kulinstation Lichtenberg 107 320 M. Die Einnahmen an Beiträgen sind wie im Vorjahre auf 12 Millionen Mark in Anschlag gebracht. Nach der Auskunft des Vorstandes sind die Berechnungen der Einnahmen für das Etat- jähr 1015 bis Ende September d. I. mit etwas über 0 Millionen Mark an Markenerlös eingetroffen und es darf auch für das laufende Etatjahr mit derselben Einnahme gerechnet werden. Die weiteren Einnahmen entfallen auf Zinsen mit 3 700 000 M. und son- stige Nutzungen und aus Einnahmen aus der Verpflegung verwunde- ter und erkrankter Heeresangehöriger in dem Lazakett der Bec- litzer Heilstätten mit 1342 550 M. Unter den Ausgaben sind ge- mätz den Bestimmungen der Reichsversicherungsordnung vorgesehen an Rentenleistungen 8 000 000 Mark(gegen das Vorjahr mehr: 500 000 M). Ausgegeben wurden an Renten im Jahre 1014 6 016 811 M. Zieht man in Betracht, datz die Folgeerscheinungen der Kriegs- ereignisse sich auch bei den Landesvcrsicherungsanstalten geltend machen werden, so erscheint der Etatansatz für 1016 etwas klein. Der Vorstand glaubt indessen zunächst mit dieser Summe aus- kommen zu können. Für Witwengeld ist der Betrag von 100 000 Mark, für Waisenaussteuer ein solcher von 25 000 M. in Ansatz gebracht. Tatsächlich wurden im Jahre 1014 an Witwengeld 14 422 M. und für Waifenaussteuer 270 M. ausgegeben. Ersichtlich geringfügige Summen, die selbst auf Grund der Kriegsereignisse nicht besonders steigen tverden, solange die gesetzlichen Bestim- rnungen so engherzig bleiben, wie sie leider sind. Die Durchführung des Heilverfahrens, eines für die Arbeiterschaft gewichtigen Gebiets, ist in den Ausgaben mit 4 013 778 M. vorgesehen; darunter befinden sich die schon er- wähnten Ausgaben der beiden Heilanstalten Beelitz und Lichten- berg. Nicht in diesen Posten fällt das sogenannte Hausgeld, das an die Angehörigen der Heilanswltspfleglinge gezahlt wird, sowie die Ausgaben, die auf Grund des§ 1274 der Reichsversich erungs- ordnung für allgemeine Matznahmen vorgesehen sind. Die Aus» gaben an Hausgeld sind mit 140 000 M.. die für allgemeine Matz- nahmen mit 600 000 M. �veranschlagt. Interessieren dürfte die Verwendung der letzteren Summe. Es sind vorgesehen für Tuber- kulosefürsorgestationen 140 000 M., für die Erholungsstätteu des Roten Kreuzes 10 000 M., an gemeinnützige Vereine und Veran- staltungen 21000 M., Kosten der Arbeitslofenfürsorge 100 000 M., außerordentliche Kriegsbeihilfen für gemeinnützige Zwecke 60 000 Mark, Fürsorge für Kriegsverletzte 100 000 M., zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten und Seuchen, insbesondere zur Heilung geschlechtskranker Kriegsteilnehmer 94 000 M.. Bekämpfung der Ar- beirslosigkeit und Be'chaffung von Arbeitsgelegenheit 35 000 M-, Liebesgaben 100 000 M. und Beiträge an den Tuberkulosenausschutz der Zentralstelle für Kriegswohlfahrtspflege 30 000 M. Das Kapitel„A l Ige m e i n e V e rw al t u n g" erfordert an persönlichen Aufwendungen(Gehälter usw.) 1 134 000 M., an sachlichen Aufwendungen 320 000 M., zusammen 1454 000 M. Unter diesen Ausgaben befinden sich 70 000 M. für aus Anlaß des Krieges eingestelltes Hilfspersonal und 32 000 M. für erweiterte Krieosteucrungszulagen. Seitens der Ausfchutzarbeitnehmervcrtreter wurde auch dies- mal. wie in den Borjahren, auf die verhältnismäßig hohe Summe hingewiesen, die bei dem Kapital„Erhebungen bei Gewäh- rung oder Entziehung von Renten und cinmali- gen Leistungen" in Ausgabe gestellt sind. Im Jahre 1914 sind für ärztliche Gutachten. Beobachtungen. Zeugen- und sonstige Gebühren 199 486 M. ausgegeben worden. Im Voranschlag für 1916 sind für diese Zwecke, in der Hauptsache kommen die Kosten für Gutachten der Vertrauensärzte in Betracht, wiederum nicht weniger als 190 090 M. in Ausgabe eingestellt. Die hohen Ausgaben bei diesem Posten hängen mit dem Umstand zusammen, datz bekannt- lich nur solche Antragsteller eine Invalidenrente erhalten, die nach ärztlichem Gutachten mehr als zwei Drittel in ihrer Erwerbsfähig- keit herabgemindert sind. Im Anschluß an die Konferenz der Aus- schutzmitglieder deutscher Landesversicherungsanstalten nahm der Gesamtausschutz folgende Entschließung an, die an die gesetzgebende Körperschaft, den Reichstag, gerichtet ist: „Der Ausschutz erachtet bei aller Anerkennung dorsichtiger Finanzgebarung eine gesunde Weiterentwickelung der deutschen Sozialgesetzgebung und Beseitigung der zutage getretenen Schwächen für nötig und der Zeit entsprechend. Von diesem Grundsatz ausgehend, glaubt der Ausschutz seiner Meinung da- hm AuSdrmk geben zu sollen, datz») die Grenze für den Bezug der Altersrente von 70 auf 65 Jahrs herabgesetzt wird und b) eine Aufbesserung der Waisenbezüge statt- findet, etwa in der Weise, daß für jede berechtigte Waise als Rcnteimnteil der Versicherungsanstalt drei Zwanzigstel des Grundbetrages und der Steigerungssätze gewährt werden, und datz auch die vor dem 1. Januar 1912 geleisteten Beiträge zur Au- rechnung gelangen. Der Ausschutz nimmt an, datz seine Ausbau- Vorschläge bei den heutigen Beiträgen durchführbar sind, erklärt aber ausdrücklich, datz eine etwaige notwendige Beitragserhöhung wegen ihrer Geringfügigkeit vom Wirtschaftsleben kaum empfun- den und von den Beteiligten gern getragen werden würde." Bei dem Kapitel„Ve rmögensanlagen" wird für 1916 mit einem etatmäßigen Ueberschutz von 2 856 522 M. gerechnet, eine Verinögensverlcklechtcruilg der Anstalt, die ein Vermögen von zirka 90 Millionen M. besitzt, ist trotz der mehrfachen Mehrausgaben nicht eingetreten Es sind auch keine Befürchtungen vorhanden, datz dieser Fall in Zukunft eintreten dürfte. In den Personal- und Besoldungsverhältnissen sind, abgesehen von einer erweiterten Kriegsteuerungszulage die"n Beamte und Angestellte bis zu einem Gehalt von 4000 M. bewilligt wurde, keine wesentlichen Veränderungen eingetreten. Der Aus- schütz sprach den dringenden Wunsch aus, datz der mit der Heeres- Verwaltung geschlossene Vertrag betreffend die U n t e r b r i n g u n g verwundeter und erkrankter Soldaten in der Heilanstalt Beelitz im Jntercsse der Zivilbevölkerung bzw. der Versicherten, insbesondere der weiblichen recht bald gelöst und der frühere Zustand wiederhergestellt werde. Der Vorstand gab die Erklärung ab, daß er sich mit der Angelegenheit ebenfalls befaßt und dem Verlangen des Ausschusses sobald als möglich nachkommen wird. Zum Vorsitzenden des Ausschusses, der abwechselnd von den Vertretern der Ardeitgeber und der Arbeitnehmer gestellt wird, wurde für das Jahr 1916 der Fabrikant Israel, als sein Stellvertreter der S ch l o s s e r W a r n st gewählt. Soziales. Kriegswaisenrcnte für uneheliche Kinder. Seit dem 4. August 1914 erhalten etwa 309 999 uneheliche Kirider, deren Väter vorm Feinde stehen, Kriegsunterstützung- Bereits 15 000 von ihnen haben den Vater draußen verloren. Für sie haben im April vorigen Jahres die Reichstagskommission und die Reichsvegierung sich dahin geeinigt, dem Militärhinterbliebenen- gefetz einen Zusatz zu geben, nach dem sie dieselbe Kriegswaisenvente wie die ohelichen erhalten sollen. Obwohl eine gesetzliche Festlegung dieses Satzes erst nach dem Friedensschluß erfolgen soll, so haben sich doch zahlreiche uneheliche Kinder, ihre Freunde und Vor- münder mit Recht darauf verlassen, da jene Einigung ohne Wider- spruch erfolgt ist und ja die gleiche Behandlung ehelicher und unehe- lichor Kinder bei der Kriegsunterstützung sich durchaus bewährt. Jetzt fühlen sich aber ängstliche Gemüter bewogen, gegen jenen ein- mutigen Beschlutz Sturm zu laufen, um eine solche Hilfe für diese Kinder zu verhindern. Demgegenüber hat eine recht verständige Eingabe, die das Archiv deutscher Bcrufsvormündcr an den Reichs- tag richtet, chesorrders hervorgehoben, datz es sich hier um rein prak- tische Erwägungen handelt: nur wenn man keinen Unterschied in der Versorgung aller Kriegswaisen macht, kann man hoffen, für die Unehelichen gut zu sorgen, da diese„Differenzierung" zwischen ihnen und 4>en anderen, selbst wenn sie dieselbe Geldsumme erhalten würden, ständig ihre Umgebung, ihre Gespielen und Schulkame- raden, chre Pflegeeltern und Erzieher an ihre Unehelichkeit erinnern und dadurch Mißstimmungen gegen sie tvachrufen würde, die zwar ganz unberechtigt, aber doch für die Kinder höchst schädlich sind. Die Eingabe ist von mehr als 530 Vovmundschaftsgerichten unterzeichnet, ferner von über 200 Behörden, sowie von ungefähr 400 Vereinen und von weiteren 3000 Einzelpersonen. Unter diesen sind natürlich die Städte und Vereine vertreten, die im letzten Jahrzehnt in Form der Berufsvormundschaft eine gewaltige Schutzarbeit für die Unehelichen geleistet, ohne indessen gegenüber den Borurteilen, die leider gegen diese Kinder herrschen, ibr Ziel voll erreichen zu können. Gefährdung der Gesundheit und ungenügende Ausbildung. Auf Lösung des Lehrvertrages klagte beim Gewerbegericht ein in der Buchdruckerei von Legal beschäftigter Buch- binderlehrling.. Er begründete die Klage damit, datz seine Ausbildung ungenügend sei. Außerdem werde seine Gesundheil gefährdet. Er leide an einem Herzfehler. Trotzdem habe er öiter einen beladenen Handwagen fahren müssen. Die Mutter des Klägers bemerkie, ibr Sohn habe ofi Ueb erstunden machen müssen, so daß er manchmal erst um 10 Ubr abends nach Hauie kam. Auch das sei eine zu grotze An- forderung an die Arbeirskraft des jungen Mannes. Am 23. Dezember, wo viel Schnee lag, habe sich der Kläger mit dem Handwagen so anstrengen münen, datz er zu dem Einschluß gekommen sei, die Lehre nicht fortzusetzen.— Der Vertreter des Beklagten erbot sich, den Kläger von der Hantierung mit dem Handwagen zu befreien und auch hinsichtlich der Ueberstunden Rücksicht auf den Gesundheits- zustand zu nehmen.— Der Kläger bestand jedoch auf der Lösung des Vertrages und das Gericht erkannte durch Urteil die Aufhebung des Lehrverbältnisses als gerechtfertigt an, weil der Kläger mangelhaft ausgebildet und bei Fort- ietzung der Lehre gesundheitlichen Schaden erleiden würde. Doppeltes Gehalt. Das Obervcrwaltungsgericht beschäftigte sich am 13. d. Mts. mit der Frage, ob ein freiwillig in das Heer eingetretener Polizeibeamter in Preußen die volle Zahlung seines Zivil- gehalts zu beanspruchen habe. Der Polizeikommissar Wurch zu Langen« b i e l a u. ein Gemeindepolizeibeamter, war bei Kriegsausbruch bereits über das wehrpflichtige Alier hinaus. Mit Genehmi- gung seiner vorgesetzten Behörde trat er nach der Mobilmachung aber freiwillig in das Heer ein, und zwar als Offizierstellverlreier. Das blieb er bis zum 31. Mär, 1915. Vom 1. April 1915 war er dann Feldwebel-Leutnant, also Offizier. Der Amtsausschutz zu Langenbielau hatte nun be- schlosien, vom 1. Januar 1915 ab sieben Zehntel der mili- täriscken Bezüge usw. auf sein Zivildiensteinkommen anzurechnen. Um diesen Betrag iollie sein Beamlengehalt gekürzt werden. Der Amtsvorsteher zu Langenbielau I bean st anbete den Beschlutz als gesetzwidrig. Darauf klagte der Amtsaus- schütz aus Aufhebung der Beanst andu nzz. Der Kreisaus schütz wies die Klage ab. Der Bezirks- a u s s ch u tz bestäligte das Urteil mit der M a tz g a h e, datz der Beanstandungsbeschlutz mit dem Tage seine Wirksamkeil verliere, wo W. Feldwebel-Leutnant, also Oiftzier wurde, nämlich mit dem 1. April 1915. Nurvon daab sollte dann der Abzug zulässig sei». Diese Beschränkung seiner Beanstandung focht der Amts- Vorsteher nicht an. Dagegen legte die Gegenpartei, der Amtsausschutz, wegen der Gültigerklärung der Beanstandung bis zum 31. März 1915 Revision ein. Der Amtsausschutz ver« langio. datz die Beanstandung auch für die Zeil bis zum 31. März 1915. autzer Kratt gesetzt werde. Denn W. müsse sich die Anrechnung der sieben Zehntel auch für diese Zeit gefallen lassen. Das OberverwaltungSgericht wies aber die Revision des Amlsausichusses mit folgender Begründung ab: Nach ß 66 Absatz 1 des Reichsmililärgesetzes sollten Reichs-, Staats- und Ge- mcindebeamte durch die Einberufung zum Militärdienst in ihrem bürgerlichen Dienstverhältnis keine Nachteile haben. Und Absatz 4 des§ 66, der durch die Novelle von 1880 in das Gesetz hinein- gekommen iei, bestimme: .Obige Vergünstigungen kommen nach ausgesprochener Mobil- machung auch denjenigen in ihren Zivilstellungen verbleibenden öffentlichen Reichs« und Staatsbeamten zugute. welche sich freiwillig in das Heer aufnehmen lassen." In diesem Absatz 4 seien die Kommunalbeamten nicht er« wähnt. Es erstrecke sich somit§66 nicht auf sie, wenn sie nicht einberufen, sondern freiwillig eingetreten seien. Das sei der Fall des W. Gleichwohl sei die Bean« standung des Kürzungsbeschlusses des Amtsausschusses aufrecht zu erhalten, soweit sie noch strittig sei. Denn, wenn§ 66 des Reichs« gesetzes wegfalle, dann sei die Frage der Weiterzahlung des vollen Gehalts nach dem preutzischen Beamtenrccht im gegebenen Falle zu entscheiden. Aus diesem sei aber zu folgern, datz eine Kürzung des Gehalts des W. deshalb nicht eintreten durfte, weil er mit Genehmigung der vorgesetzten Behörde in das Heer etnaetreten war. _(X C. 28. 15.) Der Aentralverein für Arbeitsnachweis in öerlin. Der vor kurzem erschienene Geschäftsbericht des Zentralvereins für Arbeitsnachweis zu Berlin, an dem die Stadt Berlin von Jahr zu Jahr in steigendem Matze interessiert ist, weift in seiner Einleitung daraus hin, datz seit der Reorganisation des Arbeits. nachweiswesens 25 Jahr« verflossen sind. Der Geschäftsbericht um. faßt den Zeitraum vom April 1914 bis März 1915. Der allgemeinen Darstellung über die Entwickelung des Zentralvereins folgt ein« Uebersicht über seine jetzige Gliederung. Der Vorstand, so heißt es, behielt sich bor, in ruhigeren Zeiten auf den streng Jurn- tätischen Ausbau seiner Abteilungen, auf das Verhältnis der Stadt Berlin zum Arbeüsnachweis sowie auf die Fragen der Facharbeits- nachweise des näheren einzugehen. Der Zentralverein umfaßt gegenwärtig: 1. Die allgemein« Abteilung mit neun Unterabteilungen, 2. acht Facharbeitsnachweise, 3. eine Abteilung für Trenstbotenvermittelung mit fünf Vermittlungsstellen, 4. eine Zweigstelle in Reinickendorf, die aber mit Errichtung eines öffentlichen Arbeitsnachweises demnächst in Wegfall kommen dürfte. Der Bericht weist auf die schlechte Geschäftslage in Handel und Gewerbe uni> der damit verbundenen Arbeitslosigkeit vor Ausbruch des Krieges hin. Auf 190 offene Stellen kamen im April 1914 bei den Männern 166, Mai 166, Juni 175 und Juli 161 Stellung- suchende; bei den Frauen auf 199 in demselben Zeitraum 117, 112, 119 und 109. Es wird geschildert, wie der Kriegsausbruch eine völlige Umwälzung auch auf dem Gebiete des Arbeitsnachweis- Wesens herbeigeführt hat. Eine der ersten Matznahmen war vie Aushebung der bis dahin geforderten Einschreibcgebühren. Bei dem Ernst der Zeit mutzte der damit verbundene Ausfall an Einnahmen in den Hintergrund treten zumal zu erwarten stand und einge- troffen ist. daß die Gemeindebehörden von Berlin bei einer ein- tretenden Mindereinnahme helfend beispringen würden. Längere Betrachtungen sind gewidmet der Vermittelung von Arbeitern an die Landwirtschaft, der Vermittelung von Schanzen- arbeitern an die Heeresverwaltung und der Einrichtung einer Kriegsbetriebswerkstätte für weibliche Arbeitslose. Zwischen den Zeilen spricht der Bericht aus, datz die nach Ausbruch des Krieges auf das Land geschickten Schüler der höheren Lehranstalten, die Hilfe in der Landwirtschaft leisten sollten, in den weitaus meisten Fällen sich zur Arbeit nicht bewährt haben, und die Einmischung unberufener Kreise in das Gebiet der Arbcitsvermittclung Spielerei war, eine Meinung, die von uns seit jeher vertreten wurde. Zu Schanzen- und Armierungsarbeitcn wurden von Ausbruch des Krieges bis zum Schluß des Berichtsjahres mehr als 40 000 Per- sonen vermittelt, die meisten im August 1914 mit 11561. Die Lohnsätze der Hand- und Erdarbeiter, Handlanger und Gespann- führer bewegten sich zwischen 3— 4 M. pro Tag, die der Handwerker zwischen 4— 6 M., der Schachtmeister. Poliere und Vorarbeiter auf 5— 6 M. und die der Kompagnieführer auf 7,50— 9 M. pro Tag. Daneben wurde freie Verpflegung und Unterkunft gewährt, über die übrigens in den Kreisen der beteiliglen Arbeiter vielfach Klage geführt wurde. Mit der Errichtung der Kriegsbctriebswerkstätte für weibliche Arbeitslose sind dem Bericht nach gute Erfolge erzielt worden. Hierbei batte auch die Landesversicherungs�ustalt Berlin mit einer Subvention eingegriffen. In der Werkstatt, die in den Räumen des Arbeitsnachweises in der Gormannstratze hergerichtet war, wurden zirka 499 Frauen und Mädchen beschäftigt, die im Durchschnitt pro Tag 2.59 bis 3 M. Verdienst erzielten. Die Zahl der vom Arbeitsnachweis insgesamt beschäftigten weiblichen Personen betrug Ende September 1914 zirka 3909; die Zahl der in der Heimarbeit beschäftigten Weiblichen betrug demnach ungefähr 2400, die einen Lohn von zirka 2 bis 3w0 M. pro Tag er- zielten. Umgesetzt an Arbeit wurden bis zur Fertigstellung des Berichts etwas über vier Millionen Mark, wovon auf Arbeitslohn 1 109 000 M. fallen. Angefertigt wurden für die Heeresverwaltung 30 Arten von Kleinbekleidungsstücken und andere militärische Gr- brauchsgegenstände, wie Zwiebackbeutel, Zeltbahnen, Brotbeutel, Halsbinden usw. Auftraggeber waren neben der Heeresverwaltung noch die Privatindustrie und einige Wohlfahrtseinrichtungen. Dieser Betrieb ist inzwischen eingestellt, da die private Kriegsindustrie einen großen Teil weiblicher Arbeitskräfte aufgenommen hat. Die Organisation des Zentralarbeitsnachweises wurde auch von der LandesverstcherungSanstalt Berlin nutzbar gemacht, um bei der Kontrolle der Empfänger von Arbeitslosenunterstützungen mitzu- wirken. Eine Uebersicht gibt an, datz vom 4. September 1914 bis 13. September 1915 insgesamt 21 634 Anträge auf Arbeitslos enunterstützung gestellt, von denen 15 226 mit einem Gesamt- betrag von 850 596 M Unterstützung bewilligt wurden. Der meiste Zugang war mL 3021 Anträgen in den Monaten Oktober— November 1914 zu verzeichnen er sank in den Monaten August— September 1915 auf 71 Antröge. Der Bericht sucht ün Anschluß an diese Ziffern und unter Hinweis auf das Zusammenwirken zwischen der Landesversiche- rungsanstalt und dem Zentralarbeitsnachweis den Anschein zu er- wecken, als ob die Arbeitslosen trotz Arbeitsangeboten dieie zurück- weisen und die an sich geringe Unterstützung lieber beziehen. Es soll keineswegs bestritten werden, datz sich hierbei, wie dies über- all der Fall ist, einzelne unlautere Elemente befunden baben mögen, die versuchen, sich aut Kosten der Allgemeinheit Vorteile zu verschaffen. Der Bericht übertreibt aber, unk> zwar zuungunsten des Ansehens der Berliner Arbeiterschaft, wenn es beißt:„Die grotze Zahl der Unterstützten legte den Verdacht nabe, datz es sich bei zahlreichen Unterstützten nicht um Arbeitslosigkeit, sondern um Unlust zur Arbeit handelte." Die Arbeitsvermittelung selbst ist seit Ausbruch des Krieges rapid in die Höhe gegangen, wie diese Zahlen beweisen mögen: Eingeschrieben wurden vom August 1914 bis März 1915 insgesamt 394 326 Personen, darunter 266 951 männliche und 127 375 weib- liche, gegen das Vorjahr ein Mehr von 159 354 männlichen und 90 493 weiblichen, insgesamt 249 847 Personen, demnach eine Er- höhung der eingeschriebenen Personen um 60 Proz.! Die Zahl der offenen, zu besetzenden Stellen betrug im gleichen Zeitraum 282 692. darunter für männliche 292 415, für weiblich« 89 277, gegen das Vorjahr ein Mehr von 168 937 Stellen, darunter 126 166 für männliche und 42 771 für weibliche Personen. Besetzt wurden insgesamt 233 760 Stellen. 168 684 an männliche und 64 986 an weibliche Personen, gegen das Vorjahr mehr 139 398 Stellen. An Schanzarbeitern an die Heeresverwaltung wurden 49 762 ver- mittelt. Im Zusammenhang mit dem kolossalen Aufschwung, den der Zentralarbeitsnachweis genommen hat, wird darauf hingewiesen, datz die einseitigen Nachweise des Unternehmertums gerade während der Kriegszeit bei der Umgruppierung der Arbeitskräfte und in der interlokalen Vermittelung versagt haben I Die gesteigerte TätiAeit des Zentralvereins für Arbeitsnach- tocis, die die Einstellung von zwanzig Hilfskräften notwendig machte, die Aufhebung der Einfchreibegebühren. die Unkosten bei der Vermittelung von Schanz- und Erntearbeitern verursachten nicht gedeckte Mehrausgaben von rund 42 MO M. Diese wurden gedeckt durch eine Beihilfe der Stadt Berlin in Höhe von 15 lKZ» M., von Beiträgen der Vorortgemeinden für Vermittelung von Schanz- arbeitern und aus den Ueberschüssen, die die Äriegsbetriebswerk- statte brachte. Der Voranschlag für das Geschäftsjahr 1915/17 rechnet mit einer Ausgabe von 282 780 M. Unter den Einnahmen, die mit 207 400 M. berechnet sind, befindet sich als Hauptposten die Sub- vention der Stadt Berlin mit 150 000 M., außerdem noch besonders 6000 M. für die Abteilung für Kriegsbeschädigte. Es wird also von vornherein mit einem Defizit von 75 380 M. gerechnet, das, da die Stadt Berlin, wenn auch nicht formell, so doch tatsächlich, die Verwaltung in der Hand hat, von ihr ebenfalls wird getragen werden müssen. Die Errichtung eines Zentralarbcitsnachweises für das Wirt- schaftsgeknet Groß-Berlin ist durch die Äriegscreignisse weiter hinausgeschoben. Der Berliner Nachweis ist an den Verband Mär- kischer Arbeitsnachweife angeschlossen. Vor kurzem ist, wie im „Vorwärts" bereits berichtet, eine Zentralvermittelungsstelle zwischen der Provinz Brandenburg und Berlin zum Zwecke gegen- fettigen Stellenauswechselns geschaffen worden. Abzuwarten bleibt, ob sich diese Einrichtung bewähren wird, um evenwell nach Bc- endigung des Krieges weiter ausgebaut zu werden. Jedenfalls zeigen diese Darlegungen, daß die Stadt Berlin und die sie umgebenden Vororte auf dem Gebiete des Arbeitsnach- wciswesens in Zukunft noch vor große und uiamugfaltige Aufgaben gestellt werden wird._ /lus Groß-öerlin. Mysteriöse Sandsäcke. Für wen waren die Sandsäcke, die die Jfirma Wollheim u. O s s e n b a ch in einer Anzahl von 2l/2 Millionen angefertigt hat? In einer Klagesachs, über welche die Schlichtungskommission zu verbandeln hatte, spielte diese Frage eine wesentliche Rolle, in- dem vier beklagte Zwischenunternehmer in einer vorhergehenden Sitzung behaupteten, die Lieferung sei für die bulgarische Heeres- Verwaltung geweien, mithin käme der deutsche Militärtarif nicht in Belracht. Diese Preise sind denn auch nicht eingehalten worden. Die Beklagten wandten ferner ein, daß sie selbst von der Firma M e n d e l s o h n u. C o. nicht sehr hohe Preise erhalten hätten und somit auch nicht besser entlohnen konnten. Die Firma Mendel- söhn u. Co. hatte die Arbeit von Wollheim u. Ossenbach erhalten, die aber zweifellos auch nur Zwischenstelle war. Die Klage richtete sich demnach gegen Wachtel. Polligkeit, Wohl und Noack, die oben erwähnten Zwischenunternehmer. In der vorletzten Sitzung konnte nicht festgestellt werden, 1. wer der wirkliche Auftraggeber ist, 2. für wen die Lieferung dieser Sand- säcke war. Die Schlichtungskommission beschloß infolgedessen, sich zwecks Auskunfterteilung an das Stellvertretende In- genieurkomitee zu wenden, damit endlich Klarheit geschaffen werde in dieser mysteriösen Angelegenheit, die ein bezeichnendes Schlaglicht auf die Praktiken gewisser Kriegslieferanten wirft. Die Antwort lief denn auch ein und wurde in der letzten Sitzung bekannt gemacht. Sie lautet: Stellvertretendes Jngenieurkomitee. Auf das Schreiben vom 4. 1. 16 wird erwidert: 1. Bei fast allen Lieferungsoerträgen des stellvertretenden JngenierkomiteeS sind di- Lieferer dafür verantwortlich gemacht, daß sie bei Be- Nutzung von Nähstuben, Zwischenmeistern und dergleichen auch diesen die vorgeschriebenen Löhne ihrerseits zur Pflicht machen und ihre Jnnehaltung überwachen. Wenn dagegen, wie in den dortigen Fällen, ein Auftrag des stellvertretenden Ingenieur- komitees überhaupt nicht vorgelegen hat oder sich nicht nachweisen läßt, daß eine Firma für einen Unternehmer gearbeitet hat. der von hier aus einen Auftrag erhielt, so wird hier als Grundlage der Beurteilung, ob Lohndrückern vorliegt oder nicht, der ortsübliche Tagelohn benutzt, der min- d e st e n s erreicht werden muß. Bei den genannten Firmen, die ihren Auftrag letzten Endes von der Firma Woll- heim u. O i s e n b a ch erhielten, ist dies, wie hier bekannt, nicht der Fall, weshalb auch von hier aus die Schließung dieser Betriebe für Sandlackanieriigung beim Oberkommando in den Marken beantragt und erreicht worden i st. 2. Dem stellvertretenden Jng.-Kom. ist es nicht gelungen, fest- zustellen, für wen die Firma Wollheim u. Ossenbach die 2t/z Millionen Sandsäcke durch Mendelsohn u. Co. und L. W o h l hat anfertigen lassen. Von hier aus ist ihr ein Auf- trag nicht erteilt worden, ob dies durch Vermittelung des Preußischen Kriegsministeriums seitens der bulgarischen Heeres- Verwaltung geschehen ist, ist hier nicht bekannt. Sollte dort durch die beschlossenen Erhebungen Endgültiges festgestellt werden, so wird um Mitteilung hierher gebeten. I. A.: (Unterschrift.) Die beiden Fragen find demnach auch jetzt noch nicht geklärt. dagegen— und das ist eigentlich das Wesentliche— ergab sich aus der bisherigen Entwicklung der Klage, daß die betreffenden Arbeiterinnen um erhebliche Lohnbeträge geschädigt worden sind. Nachdem dies authentisch erwiesen war und den Beklagten vor- gehalten werden konnte, suchte sich Herr Noack, als Hauptsprecher. insofern zu entschuldigen, daß er angab, er habe die Arbeiterinnen nur aus Mitleid beschäftigt. Sie seien weinend zu ihm gekommen und hätten um Beschäftigung gebeten. Wenn er dieser Bitte entsprochen habe, so sei dies ein Akt der Wohltätigkeit, im übrigen hätten die Arbeiterinnen auch ohnedies noch genug verdient, 30— 50 M. die Woche.„Aber nicht allein!* rieten hier die Klägerinnen dazwischen. Er habe zuerst 4 M. für 100 Stück gezahlt, dann 3 M. Unter den Klägerinnen befinden sich aber auch solche, die nur 1,85 M. erhalten haben wollen und nach Zwischenrufen zu urteilen, soll zum Teil noch weiter unter diesen Satz gegangen worden i'em. Kunze als Vertreter der Klägerinnen führte aus: Durch die Angabe des Herrn Noack. die Frauen hätten um Arbeit gebettelt, erkenne dieser an, daß er die Notlage und Urteilslosigkeit der Ar- Heilerinnen ausgenutzt habe, indem er die von vornherein schon unzulänglichen Preiie noch mebr herunterschraubte. Ein Arbeitgeberbersiyer erklärte, daß 100 Stück Sandsäcke die Tagesleistung einer tüchtigen Arbeiterin sind. Dementiprechend hat die Behörde auch den Preis berechnet, der 3 M. beträgt. Em- anderer Arbeltgeber bezweifelte, daß. wie Herr Noack an- gab, die Arbeiterinnen bis zu 400 Stück täglich geliefert habensollen, denn sonst hätten sie ja pro Woche 100— 120 M. verdient. Da müsse man sich ja wundern daß die Firmen, die andere Artikel her- stellen, überhaupt noch Arbeiterinnen erhalten haben. Da hätten doch alle Sandiäcke gemacht. In Wirklichkeit hätten die Sandsacknäherinnen vielfach Hungerlöhne erhalten. Das Klageobjekt beträgt 2200 M. Das Urteil in der Arbeite- rinnenklage wird am 2. Februar verkündigt. Zur Beachtung bei Versendung von Auslandspaketen. Um die Versendung von verbotenen schriftlichen Mit- teilungen ins Ausland in Paketen nachdrücklich zu verhindern, ist von jetzt ab bei Auslandspaketen lediglich die Beifügung einer Faktura gestattet. Hiernach hat die Erklärung des Ver- ssenders in den den Paketen beizufügenden Ausfuhrerklärungen j sin der Spalte„Bemerkungen") zu lauten:„Enthält außer idcr Faktura keinerlei schriftliche Mitteilungen." Die Ausfuhrerklärungen müssen vom Absender selbst, bei juristischen Personen von dem gesetzmäßigen Vertreter(bei Handelsfirmen von dem Inhaber oder einem der ins Handels- register eingetragenen Bevollmächtigten) durch Namensunter- schrift verantwvrtlich vollzogen werden. Ein etwa vorhandener Firmenstempel ist beizudrücken. Die Postanstalten sind ermächtigt lvorden, über die Per- sönlichkcit eines Einlieferers von Auslandspaketen unter Um- ständen einen Ausweis zu verlangen und, falls dieser abgelehnt wird, die Annahme des Pakets zu verweigern. Beftandserh ebung von Drogen. Amtlich. Berlin, 19. Januar.(W. T. B.) Das Ober- kommando in den Marken teilt mit: Eine neu erschienene Bekanntmachung ordnet die Bestandserhebung von Drogen und Erzeugnissen aus Drogen an. Hiernach ist der am 20. Januar 1916 vorhandene Bestand einer großen Anzahl im ein- zelnen ausgeführter Drogen bis zum 30. Januar 1916 au die Medi- zinalabteilung des Königlich Preußischen Kriegsministeriums in Berlin zu melden. Von allen von der Bekanntmachung betroffenen Drogen und Erzeugnissen aus Drogen sind bestimmte Mindestmen- gen meldefrei gelassen, so daß die Bekanntmachung insbesondere für Privatpersonen oder kleinere Betriebe kaum in Betracht kommen dürfte. Jeder Meldepflichtige wird außerdem angehalten, ein Lagerbuch zu führen, aus dem jede Aendecung der gemeldeten Vorratsmengen und ihre Verwendung zu ersehen ist. Der Wortlaut der Bekanntmachung, die eine Aufzählung der meldepflichtigen Drogen und der meldefteien Mindestmengen enthält, ist bei den Polizeibehörden einzusehen. Bekanntmachung. Auf Grund des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1831, des Reichsgesetzes betreffend Höchstpreise vom 4. August 1914(R. G. Bl. S. 339) in der Fassung der Bekanntmachungen über Höchstpreise vom 17. Dezember 1914 (R. G. Bl. S. 616) und vom 2. Januar 1915(R. G. Bl. S. 23) bestimme ich hiermit für das Gebiet der Stadt Berlin und der Provinz Brandenburg: Der Preis für frisches gerührtes Rinder- und Schweine- blut für Zwecke menschlicher Ernährung darf im Großhandel 16 Pf. für 1 Liter, im Kleinhandel 25 Pf. für 1 Liter nicht übersteigen. Der Preis für Rinder- und Schwcineblut, das zur mensch- lichen Ernährung nicht geeignet ist, darf im Großhandel 19 Pf. für 1 Liter nicht übersteigen. Diese Anordnung tritt sofort in Kraft. Der Oberbefehlshaber in den Marken von Kessel Generaloberst. Hochwasser im Havellande. Die zahlreichen Niederschläge der letzten Zeit haben ein der- artiges Anschwellen der in die Havel mündenden Gewässer ver- ursacht, daß der Wasserstand der Havel eine Höhe erreichte, die seit vielen Jahren selbst nicht zur Zeit des höchsten Pegelstandes erreicht wurde. Infolgedessen ist auch das Havelgebiet in einen Ueber- schwemmungsbereich verwandelt worden, der bei Potsdam beginnt und sich über die Brandenburger Gegend ausdehnt. Bereits hinter dem Wildpark gleichen die überichwemmlen Wiesen und Aecker einer meilenweiten Wasserfläche, da dort durch die erhöhten Wegedämme, die das Gelände durchqueren, das Wasser gestaut wird. Selbst bei Geltow ist die Havel aus den Ufern getreten und verwandelte die zwischen Obstgärten in der Niederung liegenden Wielen in glitzernde Wasserspiegel. Der Hochwasserstand hat sich auch in anderen Havel- dörfern drohend bemerkbar gemacht. Die Keller zahlreicher Häuser sind überschwemmt und manche kleine Fischerkathe ist vom Wasser völlig umsäumt und von der Landverbindung abgeschloffen. In Potsdam ist ein größerer Teil der Freundschaftsinsel überflutet und die beiden Arme der Stromhavcl und Schifiahrtshavel vereinigen sich über den wellenumspülten Rasenflächen. Im Potsdamer Stadt- kanal ist das Waffer derartig gestiegen, daß er unschiffbar geworden ist, weil die Wasserhöhe nur l/9, Meter von den Oberrändern der BöschungSmauern abw-icht und die Brücken nicht mehr durchfahren werden können. DieNuthewiesen— sowohl an der Mündung der Ruthe in die Havel wie auch an dem durch die Drewitzer Gemarkung fließen- den Stromlauf— gleichen einem Binnensee und wie eine Insel ragen die Häuier an der Südostgrenze Potsdams aus dem nebel- umzogenen Ueberschwemmungsgebiet. Durch den Hochwafferstand entstehen der Fischerei schwere Schäden, da abirrende Fiichschwärme den Stromlauf verlassen und sich aus die überfluteten Ftächen begeben, wo sie beim Sinken des Wasserstandes zurückbleiben und verkommen. Die Fischer sind ebenfalls arg in Mitleidenschaft gezogen, weil ihnen der Fang und die Heranschaffung ihrer Beute erschwert ist. Große Nachteile bedrohen auch die Rohrnutzung in den schilfbestandenen Havelgegenden. Die Rohrschneider können nur die wertvollen Schilfflächen ab- ernten, wenn der Uferrand von einer Eisdecke umzogen ist und vermögen bei Hochwasser nicht die Rohrbestände zu schneiden. In den Wild- und Jagdgebieten, die an die Havel grenzen, ist durch die Ueberichwemmung dem Kleinwildbestande— darunter Haien. Kaninchen. Fasanen und Rebhühner— großer Schaden zugefügt worden. Schließlich leidet auch die Schiffahrt umer der Hochwasserbildung. da für sie zahlreiche Brücken unpaisierbar geworden sind und sie zur Einstellung deS Verkehrs gezwungen ist. Das Recht auf ungestörte Nachtruhe Verwundeter. Daß das Reckit auf ungestörte Nachtruhe unseren verwundeten Kriegern in den Lazaretten noch mehr als anderen Sterblichen zuzu- billigen ist. sollte eigentlich von jedermann ohne weiteres anerkannt. und dieses Recht sollte gewisienhast respeknerl werden. Eine gestern vor der Strafkammer des Landgerichts III sich abspielende kurze Verhandlung zeigte leider, daß manche Leute auch in der Nähe von Lazaretten sich mehr als rücksichtslos benehmen. In der Nähe des Reservelazaretts in Spandau befindet sich ein Lauben- geländ». auf dem der Gastwirt Gaska eine feste Laube besitzt. In der Nacht zum 20. August befanden sich in dieser Laube mehrere Männer und Frauen in Gemeinschaft mit Urlaubern und lärmten„wie vom böien Geist gelrieben", zechlen und ver- einigten sich schließlich zu Gesängen, die„Steine erweichen und Menschen raiend machen" konnten. Der Lärm war so groß, daß einige Kriegsverwundete im Lazarett darüber aus dem Schlaf er- wachten. Der Landsturmmann Lange, der beim Lazarett auf Posten stand, iah sich deshalb veranlaßt, zur Laube hinüberzugehen und die Anwesenden auszufordern, mit Rücksicht auf die Kranken mit dem Lärmen aufzuhören. Da kam er aber schön an: mehrere Teilnehmer an der nächtlichen„Fröhlichkeit" traten ihm barsch entgegen, einige redeten von ihren eigenen Kriegsverdiensten aus den Jahren 1870/71, schrien dem Lange zu, daß er damals „noch in den Windeln gelegen" und einer trat dem Landsturmmann so nahe, daß dieser ihm mit dem Kolben seines Gewehrs einen Schlag auf die Hand gab und so tat, als ob er im Begriff sei, das Gewehr zu laden. Nim zog die Gesellschaft wieder in die Laube hinein, daS Lärmen aber hörte nicht auf. Infolgedessen wurde von dem zuständigen Offizier-Stellvertreter die Strafanzeige erstattet. Von dieser blieb nach Erledigung des schwereren Teils der Anzeige nur noch die Anklage wegen ruhestörenden Lärms gegen den Besitzer der Laube übrig. Das Schöffengericht hatte ihn zu einer Geldstrafe von 40 M. verurteilt; die BerusungSkammcr sah keinen Anlaß, diese Strafe herabzumindern. Gasexplosion in der Krautstraßc. Schwer verbrannt wurde bei einer Gasexplosion in der Kraut- straße 36 der Arbeiter F. Kretzschmann aus der Frankfurter Straße am Mittwoch, während der Oberpostassistent W. Jerich mit Ver- letzungen im Gesicht davonkam. Nach Angaben der Hausbewohner soll die Gasleitung im Keller schadhaft gewesen sein. Die Explosion erfolgte, als Kretzschmann sich in den Keller begab. Im Keller, Hause und Treppenflur sowie im Erdgeschoß wurden sämtliche Fenster und Türen zertrümmert. K. erlitt Brandwunden im Gesicht und an beiden Händen, und der Oberpostassistent, der sich im Erdgeschoß befand, durch Glassplitter im Gesicht. Der ausgebrochene Brand konnte, obgleich bei Ankunft der Wehr schon Bretterverschläge mit dem Hausrat der Mieter brannten, auf seinen Herd beschränkt werden. - Wegen einer Gasvergiftung wurden Samariter der Wehr nach der Landsberger Allee 30 gerufen. Wiederbelebungsversuche waren von Erfolg. Der Mann wurde nach dem Krankenhaus am Friedrichs- Hain gebracht, und ein anderer, der in der Pankstraße 86 von Sa- maritern behandelt worden war, nach dem Rudolf-Virchow-Kranken- Haus._ Verhaftung der jugendliche» Räuber. Die beiden Burschen, die den von uns gestern berichteten Ueberfall auf die Händlerin Elwine Papke in der Mulackstraße verübten, konnten noch in der folgenden Nacht verhaftet werden. Sie wurden von der Kriminalpolizei festgönommeu, als sie ihre elterlichen Wohnungen auf- suchen wollten. Es handelt sich außer dem schon be- kannten Klempnerlehrling Gustav Scholz aus der Linden« straße 36 noch um den fünfzehnjährigen Laufburschen Paul Schulz aus der Kochstratze 61. Beide wurden sofort mit einer Droschke nach dem Polizeipräsidium gebracht und einem kurzen Verhör unterzogen. Die Burschen kannten sich schon lange und trugen sich, durch«schund- schriften und den Besuch schlechter Kientöppe verdorben, mit aller- Hand Raubgedanken, um sich auf irgend eine Weise Geld zu ver- schaffen. Ei« gewerbsmäßiger Einbrecher, der den Selbstmord eines jungen Mädchens auf dem Gewissen hat, ist von der Berliner Kriminal- Polizei festgenommen worden. Am Boxhagener Weg wohnte eine Näherin Anna Gisse, deren Bräutigam im Felde steht. Das Mädchen vergiftete sich vor einiger Zeit, ohne daß man für den Selbstmord einen Grund finden konnte. Erst jetzt hat sich herausgestellt, daß sie sich das Leben nahm, weil ein junger Mann, der bei ihr wohnte, ihr das gesamte Eigentum ihres Bräutigams gestohlen hatte. Ihr Mieter entpuppte sich als ein 21 Jahre alter Wohnungseinbrecher Otto Schmydowski, der nicht nur in Berlin und Vororten, sondern auch in Hamburg und anderen Städten auf Beutezüge ausging. Er hatte seine Anmeldung zu verhindern gewußt und war eines Tages mit allen Kleidungsstücken und Werlsachen des Bräutigams ver- schwunden. Gestern wurde Schmydowski festgenommen, als er einige der gestohlenen Sachen verkaufen wollte. Auf seiner Arbeitsstelle erschossen hat sich der 22 Jahre alte Meiereiarbeiter Karl Meyer, der in einem großen Betriebe in Moabit beschäftigt war. In einem Zimmer des Betriebes fand man ihn gestern morgen tot auf. Er hatte sich, wahrscheinlich schon am Abend vorher eine Revolverkugel in die rechte Schläfe gejagt. Ei« Sitlllchkeitsvcrbrechen wurde gestern in Tegel auf ein 8 Jahre altes Mädchen Dora E. aus der«schlieperstraße zu Tegel ver- übt. Der Wüstling lockte die Kleine unter allerhand Versprechungen au sich und. verschleppte sie nach einem von Soldaten zu Hebungen ausgehobeneu Schützengraben, der hinter der. Bahnstrecke am.Wittenaucr Weg entlang führt, und verging sich dort au ihr. Zwei'Knaben, die den Wittenauer Weg entlangkamen, wurden durch das Hilfe- geschrei aufmerksam. Als sie sich dem Tatort näherten, lief der Un- hold davon. Durch die Kinder herbeigerufene Leute benachrichtigten die Polizei. Diese nahm sofort die Ermittelungen nach dem Ver- bleib des Täters auf. Das stark blutende Kind wurde gleich in ärztliche Behandlung gegeben. Der Täter wird als ein ungefähr 30 Jahre alter, mittelgroßer Mann mit hagerem Gesicht und dunklem Schnurrbart geschildert, der mit dunklem Uebcrzicher und Hose, schwarzem steifen Hut und schwarzen Schnürschuhen bekleidet war. Allem Anschein nach trug er keinen Kragen. Der Unhold, der durch die Kinder verscheucht wurde, floh nach dem bewaldeten Teil von Borsigwalde zu. Seine Hände und Kleider müssen mit Blut befleckt sein. Die von den Gendarmen und der Polizei sofort aufgenommene Verfolgung hatte gestern bis spät abends zu keinem Ergebnis geführt. Auf die Ergreifung des Wüstlings ist von der Berliner Kriminal- Polizei, eine Belohnung von 500 M. ausgesetzt worden. Vor den Augen seiner Mutter überfahren und getötet wurde gestern nachmittyg der 4 Jahre alte Knabe Walter Gott schalt aus der Cotheniusstraße 8. Die Mutter ging mit dem Kleinen die Lothringer Straße entlang. Vor dem Hause Nr. 2 riß sich der Kleine plötzlich los und rannte über den Fahrdamm blindlings in einen Milchwagen der Meierei von Bolle hinein und wurde vom linken Vorderrad so schwer überfahren, daß er in der Rettungswache. an inneren Verblutungen verstarb. Tic Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Der Nationale Fraucndienst wird im Februar für seine bis- herigen sowie für die neu hinzulretendenMitarbeilerinnen einen 4. A u- lei'tungskursus veranstalten, der diese in seine Arbeitsgebiete (Kriegs«, Hinterbliebenen-, Wöchnerinnen-, LebenSmittelsürsorge usw.) einführen will. Der Kursus soll ferner die für eine erfolgreiche Arbeit unbedingt nolwendigcn Kenninisse der gesetzlichen Bc- slimmungen und kommunalen Maßnahmen übermitteln. Anmeldungen zu dieiem Kursus, der an vier Vor- bezw. Nachmittagen mit je zwei Vorträgen stattfinden soll, können an das Hauplbureau des Nationalen Frauendieristes, Nollendorfplatz 3(schriflltch oder mündlich von 0 bis 1 Uhr) gerichtet werden._ Die Schöncbcrger Schuhmacherinnung hat in ihrer Quartals- Versammlung am 17. d. M. beschlossen, sämtliche Reparaturen an Schubwerk der Kriegerfrauen und deren Familren von Schönebcrg um 10 Proz. von ihrem im Juli herausgegebenen Mindestpreistanf herabzusetzen, sobald betreffende Frauen eine vom Magistrat aus- gestellte Ausweiskarte vorlegen. Zeugen gesucht. Am 5. Janudr gegen 6 Uhr abends wurde in der Hodenloheslraße ein sechsjähriger Knabe von einem Scblächtcr- wagen überfahren und getötet. Zeugen dieses Unglücks werde» um Angabe ihrer Adresse an Karow, Bossestr. 10, gebeien. /tos öen Gemeinöen. Lebeusmittelverkauf in Pankow. Die Gemeinde hat jetzt mit dem Verkauf eines kleinen Postens Kalkeier begonnen. Mehr als 4 Stück a 13 Pf. dürfen auf eine Lebensmittelkarte innerhalb einer Woche nicht abgegeben werden. Ferner gelangt ein kleiner Pollen geräucherter Speck derart zum Verkauf, daß auf jede Lebensmittelkarte der Gemeinde inner- halb einer Woche 1/a Pfund abgegeben wird. Es soll jedoch zulässig sein, die für die beiden ersten Wochen der Karte(17. Januar bis 30. Januar) zuständige Menge von 1 Pfund auf einmal zu kaufen. Der Preis beträgt 1,05 M. für'/, Psund. Dex Verkauf crjolgt durch eine beschränkte Anzahl von Wiederverkäufern, die durch AuZ- hang mit Preisangabe kennllich gemacht sind. Die Verkäufer sind verpflichtet, den Verkauf auf der LebeuSmiltelkarte durch Aufdruck des Firmen« oder Dalumstempels ersichtlich zu machen. Auf Lebens- mittelkartcn, die in den betreffenden Feldern einen solchen Vermerk tragen, darf in keinem Geschäft Speck verkauft werden. Gefrierfleischverkauf in Tempelhof. Am Sonnabend, den 22. d. M., beginnt die Gemeinde mit dem Verkauf von Gefrier-Schweineflcisch in der Verkaufsstelle Berliner Strohe 95. Der Verkauf findet zu den gesetzlichen Höchstpreisen statt, welche durch Aushang in der Verkaufsstelle bekannt gemacht sind. Verkauf von Hülsenfrüchten in Spandau. Ein Posten Erbsen und weihe Bohnen werden jetzt von der städtischen Verkaufsstelle im Rathause gegen Vorzeigung der Lebens- mittelkarte abgegeben, und zwar auf jede Karte l00 Gramm. Der Preis für Erbsen beträgt 59 Pf., für Bohnen 55 Pf. das Pfund. Eine grohe Sendung Reis kommt im Laufe dieser Woche bei der Stadt an._ Ter 13. Volksunterhaltungsabend der„Kunsthalle WilmrrS- darf" findet am Sonntag, den 23. Januar, nachmittags 5 Uhr, in der Aula des Mchtogymnasiums, Emser Strohe 59/52, statt. Pro- gramme, gültig als Eintrittskarte für zwei Personen, sind zu be- ziehen durch die Geschäftsstelle der„Kunsthalle", Pariser Strohe 45, 1. Stock. Kinder haben nur Zutritt, wenn sie über 12 Jahre alt sind und sich in Begleitung Erwachsener befinden. Gerichtszeitung. Wer ander» eine Grube gräbt... Wegen eines häßlichen Racheaktes hatte sich gestern der Schuhmacher Artur Richard Bock unter der Anklage der Beleidigung und wissentlich falscher Anschuldigung vor der ersten Strafkammer des Landgerichts HI zu verantworten. Als der Schuhmachcrmeister Scheffel als Landsturmmann nach Brandenburg a. H. eingezogen wurde, trat der Angeklagte als SteP Vertreter in dessen Werkstatt ein. Die Art seiner Arbeit veranlahte Frau Scheffel oft. mit ihm zu hadern. Endlich sah sie fick, nach einigen Wochen gezwungen, ihn zu ent- lassen. Nun sann der Angeklagte auf Rache und diese Rachcgefühle verdichteten sich zu einem S ch r«i b e n, das er an das Kriegsmini fterium richtete. Er beschuldigte den Land- siurmmann Scheffel, dah dieser auffallend oft auf Urlaub sich in Berlin befinde, daß er hier in Zivikleidern herumlaufe, oftmals den Urlaub überschreite und sich damit brüste, dah er seine Borgesetzten in Brandenburg sozusagen in der Tasche habe, dah er durch Geld- opfer die GewihheU erlangt habe, nicht an den Feind zn kommen, dah er bei einem SchiffSauSflug mit seiner Kompagnie, bei welchem der Hauptmann mit seiner Frau getanzt habe, 159 M. habe.springen' lassen usw. Die erhobene Beweisaufnahme hat ergeben, daß von allen diesen Behauptungen des Angeklagten auch nicht ein Wort wahrt st. DaS Schöffengericht hatte diese frivolen Beschuldigungen eines Soldaten, der vollauf seine Schuldigkeit tut, für so gemein erachtet, dah es den schon vorbestraften Angeklagten zu einem Jahr Gefängnis ver« urteilte. Zum Termin in der Berufungsinstanz hatte der Angeklagte noch mehrere Entlastungszeugen geladen, die aber nichts von alledem, was er behauptete, bestätigen konnten. Die Strafkammer beurteilte die Handlungsweise de? Angeklagten ebenso wie der Vorderrichter, ermähigte jedoch die Strafe auf s e ch S Monate Gefängnis. /tos aller Welt. Der Brand von Bergen. Nach dem amtlichen Brandbericht verursachte die Unachtsamkeit zweier Arbeiter den Brand in Bergen. Die Arbeiter waren in einem Brückenspeicher mit einem Licht einem Ballen Harz zu nahe gekommen, der sofort in Flammen geriet. Die dadurch ent standene Hitze war so groß, dah die Leute auherstande waren, den Brand zu löschen. Die phantastischen Schilderungen über die Katastrophe von Bergen werden von der Wirklichkeit noch übertroffen. Die City von Bergen, fast vierhundert Häuser, liegt in T r ü m- mern. Dreitausend Obdachlose sind in Kirchen, Schulen usw. untergebracht. Da die niedergebrannten Stadtteile Geschäftsviertel waren, ist die Zahl der Obdachlosen und Verarmten Verhältnis mähig gering. Die Stadt ist vorläufig ohne Telephon, elektrisches Licht und Gasbeleuchtung, da die Telephonzentrale in Flammen aufging._ Falsche Angabe bcS SchweinebcstandeS. Wie das„Berliner Tageblatt" berichtet, verhängte das Schöfsengrncht in Hassel- f e l d e(Harz) gegen die Frau des Landwirts August Fessel eine G e s ä n g n i s st r a f e von drei Wochen, weil sie bei der am 1. Dezember 1915 erfolgten Aufnahme ihres Schweinebestandes sechs Schweine im Gewicht von je zwei Zentnern verheimlichte. DaS Gericht schloß sich der Ansicht des Amts- anwaltS an, der das Verhalten der Angeklagten als eine ge- meine und niederträchtige Handlungsweise be- zeichnete und neben der Gefängnisstrafe auch die Beschlagnahme der sechs Schweine zugunsten des bvaunschwergtschen Staates bcan- tragte. SturmflutschLden in Westholsteln. Durch die Zerstörung der Soeschlause der Arlau ist der Rattstedter Kog schwer geschädigt wonffen. Es entstand eine große Ueberschwemmung. Man schätzt den Schaden auf etwa 299999 Mark. Ferner ist auch der Deich des Norderporrenkoas durch die Sturmflut erheblich be- schädigt worden. Weiter brach der Seestermüher Sommerdeich an verschiedenen Stellen. Die Meeresfluten drangen in den Außen- deich ein, doch hielt der Winterdeich oem Ansturm der Wogen stand. DaS Banditenwesen in Russifch-Polen. Aus Warschau wird derichtet: Täglich treffen hier Nachrichten von Ueberfällen russischer Banditen ein. Im Dorfe Brezezin wurde der greise Haus- besitzer Spodzinski mit Frau und Tochter von zwei V«w!ten ermordet und beraubt. Während des Kampfes mit den Banditen wurde einer derselben, namens C z o p l i n S k i, verletzt, worauf sein Komplice ihm seine Barschaft abnahm und flüchtete. Czoplinski wurde verhaftet und auch sein Komplice wurde in Lodz dingfest gemacht. Das Kriegsgericht verurteilte beide Dan- diten zum Tod« durch den Strang. Das Urteil wurde öffentlich vollstreckt. Eine Nachnahmekarte IVA Jahre unterwegs. Eine Dame in Altona hat folgendes Postkuriosum erlebt: Am 15. November 1898 gab sie eine Nachnohmekart« auf, welche am 28. November 1898 von dem Empfänger in Hamburg zurückgewiesen wurde. Jetzt, am 13. Januar 1919 erhielt sie diese Nachnahmekarte von der Post zurück. Die Karte, die von Altona nach Hamburg adressiert war, hat also, um diesen Wog zurückzumachen, 1714 Jahre gebraucht. WettrranSstchte» für das mittlere Norddeutscknan» bis Freitag mittag. Sehr mlld, tm Süden zettweise heiter, jedoch überall weist trübe und etwas nebelig; besonders im Norden an vielen Orten leichte Regensälle. parteiveranftaltungen. Sechster Wahlkreis. Einem lang geheglen Wunsche folgend, veranstaltet der Borstand sür die Mitglieder zur Unterhaltung und zur Pflege der Geselligkeit an zwei hintereinander folgenden Sonntagen drei Lichtbilder- Vorträge mit nackfolgendem geselligen Beisammensein, unter Mitwirkung von mehreren Gesangvereinen. Am Sonntag, den 23. Januar, in der Brauerei Bötzow, Prenzlauer Allee 242/247: Lichtbildervortrag. Zur Auf- führung gelangt:»Indien, ein Stützpunkt der englischen Welt- Politik". Ein Vortrag mit 89 Lichtbildern. Am Sonntag, den 39. Januar, Lichtbildervortrag in der Brauerei Patzenhofer, Turmstr. 25/26. Zum Vortrag gelangt: „Von der mittelalterlichen Kleinstadt zur modernen Großstadt." Desgleichen am Sonntag, den 3 9. Januar, Licht- bildervortrag in den PharuS-Sälen, Müllerstrahe 142. Zur Aufführung gelangt:»Indien, ein Stützpunkt der englischen Welt- Politik." Eröffnung 7 Uhr. Anfang 7'/z Uhr. Eintritt 29 Pf. Ein Kasienverkaus findet nicht statt. Billetts sind nur bei den Kassierern, Bezirksführern und Zahlstelleninhabern zu haben. Sriefkasten üer �eüaktion. ?>e lurlstlsche EprechNunde sindet tflr Abonnenten Ltndenfir. 3, IT. bot rechts, varterre am Montag bis Freitag von 4 bis 7 Ugr, am Sonnabend von 5 bis« Uhr statt. Jeder für den 53 r i e t l a st e n bestimmten Antrag« ist ein BuMstabe und eine Zahl als Merlzeichen beizufügen. 53riefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine ZlbonnemenlsauNliing beigefügt ist. werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Svrechstunde vor. Verträge, Schriftstücke«nd dergleichen bringe mar iu die Svrechstunde mit. Nix. Ihre Fragen lassen sich im Briefkasten nicht beantworten.— Klara 11. 1. Wenn Sie dem Wunsch des Wirtes entsinechend zum 1. Februar die Wohnung nicht räumen, so wird er gegen Sie mit Erfolg Klage aus Räumung erheben, da Ihr Sohn nicht mehr Mieter der Woh- nung ist, sondern Sie, denn Sie sind mit dem Wirt am einen besonderen Vermag emgcgcmgen.— A. B. 15. Einen weiteren Beschwerdeweg gibt es nicht. Die Unterstützung wird jedenfalls verweigert, weil nach den Recherchen Bediwsti gleit nicht als vorliegend erachtet wird.— A E. 85. Lohnpfändung kann deswegen erfolgen. Umwandlung der Kosten in Ge- fängnihstrase findet nicht statt.— E. St. 430. Nachmusterung wird in Ihrem Falle sicher noch erfolgen.— L. P. 75. Die Taxe bstiägt 15 M.— M. I. Uanfonj. 1. DaS Urteil wird 4 Wochen nach Zustellung rechtskräftig. S. Beim Landgericht. 3. Er selbst kann dort nicht vertreten, sondern muh einen Rechtsanwalt als Vertreter haben.— W. W. 9. Ja. — Else 18. Sie sind zur Rückgabe der Verlobungsgcschcnke verpflichtet. — E. S. 58. 1. 2,50 M. 2. Die Polizei bat das Recht dazu. Der Be- tresiende kann deswegen nicht Klage erheben. 3. Ja.— I. L. 190. Unseres Wissens befindet sich dort ein Siechenbaus.— B. B. 31. Der Wirt ist verpflichtet, die Melsingtüren abzuliefern. Sie können dageaen nichts unternehmen.— M. K. 10. Herzfehler, landsturmpflichtig. — L. tf. 18. Sie könnten wegen des Verhallens des Polizeiveamtcn Beschwerde beim Polizeipiäsidenten einlegen.— E. W. 45. 1. Der Vorgänger haftet ftir die Mietsschulden. 2. Der Wirt aber kann die Laden- einrichtung sür die Mietsichuld einbehaltcn. 3. und 4. Ja.— F. K. 100. Nein.— M. W. 6. Das Einkommen der Ehefrau ist steuerpflichtig.— 1. B. Der Schadenersatzanspruch wäre an den Wirt zu stellen.— A. K. 9. Der Heilbehandlung wird sich Ihr Mann nicht entziehen können, wohl aber soll er aus Entlassung aus dem Lazarett dringen.— I. H. 35. Ein solches Testament ist rechtsungültig. Beim Ableben des einen der Ehegatten muh das TestameM bei Gerichi eingereicht werden. — F. R. 4. Unterstützung wird in dem Falle gezahlt, wenn Bedürftigkeit anerkannt ist. Ilvutscllc» Theater. Direktion: Max Beinhardt. T'/j Uhr; Der Blberpela. rreitagr: Maria Stuart. Kainitieraplele. h Uhr: Der Welbatcofel, Freitag: Der Täter. Volksbtfhne. Theater a.BOIewpl. 8'/« Uhr: Hamlet. Freitag, Sonnab., Sonnt: D. Mirakel. Dir. Meinhard-Bernaqer. Theater in der Königgrdtzerstr, TUV.: Götjiv, Berllchlncen. BComodienhaus SV, U: Die rätselhafte Frau Berliner Theat. 8 Uhr: Wenn zwei Hoohzelt machen. Lessing-Theater. Direktion: Victor Parnowsky. Anfang 7'/, Uhr. Kaiser nnd Oallltter. Schauspiel von Henrik Ibsen. Deutsches KOnstler-Theater. Allabendhoh 8 Uhr: Die selige ExzeUena. URANIA Ta�e4no.tr- Generalmajor a. D. Bahn und Prot Dr. Donath: Der Luftkriegs Im Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. P. Schwahn: Vulkanismus dar Erde. Theater für Donnerstag;, 20. Januar. Deutsches Opernhans Cbarlottbg. s uhx: Martha. Friedrlch-Wllhelmstidf. Theater. sintTtDerplilliielaflettiS. o.br. Herrnffelcl.Th.ai.r s uhr: Sokrates und PerlniDtter. Kleines Theater. s uhr: Henriette Jacoby. Komische Oper. S Uhr: Jons muli man sein. I-astspIelbans. s-;. uhr: Alles aus Geliskelt Metropol-Theater s uhr: Die Kaiserin tCsU Montls Operetten-Theater s utx: Mit tanzt Walzer. Residenz-Theater 8.,. uhr- Die Prinzessin tu i. SehlUer-Theater O. s uhr: Jungbrunnen. Schiller- Th.Charlottenbc. s uhr: Zwei glockliche Tage, Thalia-Theater. s uhr: Drei Paar Schuhe. Theater am Kollendorfpl. 8'lt Uhr: Dr. Klans. 81/, Uhr: Immer feste druff J Theater des Westens s uhr: D. Fräulein t. im! mit Quldo Thielseher. Trlanon-Theater. S'/.U, Anfang 8 Uhr. Wieder-Auftreten wand. Treumann Yiggo Sarsen in„Paragrajib 80, Absatz 2" von W. Kahn. Dazu das neue Januar-Pro eramm. Reichshallen-Theater. Stettiner Sänger. Zum Schluß: Diera der Emileii Luisen-Theater. Tägl. abends 8.15, Sonntags 8 Uhr: Bettelstudenten. Sonnabd. nachm. 4 Uhr: Klndorvoret SeimeeveiBehen nnd Rosenrot $30tÄFran Bettina n. ihre Söhne. Rose-Theater. 8'/. Uhr: Hans mein Schofför, Morgen, zum 1. Male: Gestern noch auf stolze»«offen. Walhalla-Theater. 8 uhr- Preziosa. Sonnabend, zum 1. M.: Drfgrl. schöne Komödiantin. Operette in 1 Akt v. Eugen Burg u. Loule Tairletein. Musik von lieo Ascher. Tinze von Ferry Sigmund. Mitwirkende- Elte Bern»— Lette Werkmeltter v. Thalia- Theat a. Q. Gustav Matzner— Heinrich Peer Julius Spielmann. Außerdem: Der erloigreiebe Spielplan! u. a. Robert Balllng, kom Dressurakt. Hun Gunst Chinesentruppe. Georg Bauer, Improvisator. Anfang 8 Uhr. iür Mllitärper- onen vollkomm teier Hutritiju d.Stett. Sängern. JU Berliner Konzerthaus. Mauerstr. 82. Zlmmerstr. 90/91. Tfticllch Großes Konzert. Berliner Konzerthaus-Orchester Fran:A0.Xou. Anfang 8 Thr. Eintritt SO Pf. Anfang 8 Uhr. Börsen, den 81. Januar; Or. Fest-Konsert zum Besten des KUnigm-Augusta-Garde-Grenadier-Regts. Nr. 4 Im Felde. BM——— '— Mafftwönlicher ReSslW: MÄS Wtelepp. Neukölln, gut desi Jnserakentett verantw.!! kiion Adolf VoQßt | Telef.? Löttow 7W1| Zu dem blsberigeo großen Januar-Spielplan noch verschiedene neue Kunstkräfte! las insgesamt) lu, wirkliche I'' Schlagerl] Anfang 8 Uhr. Blllettverk. 11-1 a. d. Kasse Cireus Buseb Täglich 8 Uhr. Somiab. u. E-onutag 3'/,«. 8 Uhr. Vorher b. großart. Januar-Progr. Sonnabend nachm. 31/, Uhr, d. beispiellos. Ersoig. weg. abermals ükin Wlntermörchenü 1 Kind frei(miher Galerie)! IVorvk.a.s. Nachm. tägl. ab IVUhr»», Lterhekasse ehemaliger Pflug seher AiMep IHetzel'sebe Kasse). Sonntag, den 23. Jan. 1916, vorm 91/] Uhr Pünktlich; General-Versanimlung im jldmiralspalast Lis-Arens 8ls-3a«ett. '1,9 Uh. S, 8, 4 B. Torsflgrllche K flehe. T Casino« Theater lothringer Str. 37. Tägl. 8 Uhr: Ölen! Neu!\ eu' Was machst? nu? Voss« in 8 Aufzügen von HanS Berg. Alladendlich stürmischer Betfall. Dazu da» erftll. SpezialitStenproar. Sonntag 4 Uhr: Aamttie Schnafe. Possen-Tttester Linienstroße, a. d. Fnedrichstr. Melonenbaum. Posse mit Oesang v. Theo Haiton. Meschugge ist Trumpf Posse L 2 Akt. v. Leonh. Haakel mit Leonh. Haskel u. Siegfried Berlsch. Anfang 8'/, Uhr. T olgt-Theater. Baditr. 58. Badstr. 58. Morgen Freitag, den 21. Januar 1315 llie Gebieterin ron Sl Troper Schauspiel in 5 Auszügen von Anizcet-Bourgeois. Kasseneröffnung 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. ReutersWerke . 3 Bünde 4 Marl■ Musiker Wdhelui- BeretuShaufe Berliner (unterer Saal), Kaiser Straße 31(18m), Tagesordnung: 1. Kassen- und Jahresbericht. 2. Bericht der Revisoren. 3. Neuwahlen von VorstandSmit- glieden:(2. Vorsitzender, 1. Schrijt- führer). 84 b- 4. Neuwahl der Revisoren. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Borftand. I. A.: G. Wegner, Vorfitzender. Zu Zreieii Stmiiie« - Die- Wochenschrist für Arbetterfaniilten Wöchentlich l Heft für 10 Pf. 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