Ar. 30.- 33. Jahrg. Abonnements-Bedingungen: fTbontu-ments■ CtetS rranumcranbo. Eicttcliäba 330 Ml. monatl UO Ml. wöcheiuttlti 25 Pfg ttei ins Hau!> Einzelne Numme: 5 Bsg. Sonnillgs» NUMNIN M'.l illuiNncrie: Sonnlag»- Belage.Die Neue Welt'>0 ZZ-g Lost- ilbaiinemenl UV Marl uro Monat Eingelragon m die Poii. Zeimng»- ZZrciöliiie llnle: Kreuzband für Teuiilbland und Leilerreich. Ungarn S�n Mar! iüi das übrige Ausland » Marl vro Monal Loilabonnemenl» nehmen an: Selgien. Dänemari, Holland. Zialien. Luxemburg. Poriugal. ituulänirn. Schweden und die Schwei» CridielDt täglich. f 5 Pfennig) Die Inlertlons-Gebflljr betrügt für die sechSgespallenc Kolonel- zeile oder deren Raum KV Pfg., für polltische und aewerlichaflliche Vereins- und Versammlungs-Anzcigen 30 Vfq. „Kleine Anreizen", das fettgedruüte Wort 20 Psg. fzulassig 2 settgcdruöle Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafftellenan. »eigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- staben zählen für zwei Worte. Nnscratc für die nächste Nummer müssen bis E> Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Verlinev Volksblnkt. Zcntralorgar» der rozialdemokrattfcbeti Partei Deutschlands. Telegramm- Adresse: „Sozialdcmolirat Berlin", KcdoPtion: EW. 68, Linüenstraße Z. Fernsprecher: Ami Moritiplati. Nr. läl 30— IZl 37. Cxpeüitio»: SW. 68, Linöenstraße 3. ffernsprecher: Amt Morivplah, Nr. 131 30—151 37. Volksernährungsfragen. Uns wird geschrieben: Die bisher ergriffenen Mittel gegen die Teuerung befriedigen nicht. Die Getreide- und Mehlverteilung ist freilich im wesentlichen gut geregelt. Dagegen ist das Kartoffel- Problem nicht endgültig gelöst. An zahlreichen Orten wird über zu knappe Zufuhren und Mischung der mit Futterkartoffeln geklagt. Vielfach wird eine Kartoffelnot für das Frühjahr vorausgesagt, weil die an sich reiche Ernte durch Feuchtigkeit und Fröste gelitten hat und enorme Kartoffel- mengen verfüttert und gebrannt lverden. Die Erzeuger und Händler stehen eben im Begriff, eine Erhöhung der Kartoffel- preise durchzusetzen. Das E- ch iv e i n e f l e i s ch ist eine Rarität geivordcn und alles andere Fleisch wird täglich teurer. Seefische sind unerschwinglich, Iveil die fleisch- losen Tage die Rachfrage danach sehr gesteigert haben, ohne daß die ausländischen Fischer und Händler durch Höchstpreise von der Ausnutzung der Konjunktur hätten abgehalten werden können. Butter, Fett und O c l sind trotz sehr hoher Preise nur schwer erhältlich. Diese Schwierigkeiten werden durch den Hinweis auf das ebenfalls schwer unter der Teuerung leidende feindliche Aus- land nicht erträglicher. Dem Abg. R ö s i ck c hat es gar be- liebt, den„Vorwärts" der Schönfärberei zugunsten Englands und der englischen Volksernährung zu zeihen. Ohne für den Augenblick in Einzelheiten einzugehen, sind wir in der an- oenchmcn Lage. die Haltlosigkeit dieser burgsriedlichen Angriffe an Zahlen zu demonstrieren, die Dr. Delbrück im Rcichshaushaltsausschuff zum Beweise der Allgemein heit der Teuerung vorgetragen hat. Der Staatssekretär des Innern gab da die Verteuerung der Lcbenskosten von Kriegsanfang bis jetzt in Deutschland auf 58.9 Proz., in England auf 40 Proz.„ in Frankreich auf 58 Proz. und in der Schweiz auf 20.8 Proz. an. Da der deutsche Arbeiter schon im Frieden am teuersten lebt, so trifft ihn die Preissteigerung schwerer. Wenn der deutsche Arbeiter z. B. 80 M. und der englische 20 M. für Lebensmittel auszugeben pflegt, so bedeutet eine gleiche relative Steigerung noch keine gleiche absolute Belastung. In diesem Falle hätte der deutsche Arbeiter 45 M. und der englische 30 M. auszugeben. Der Unterschied springt in die Augen und mahnt zu einer sehr vorsichtigen Verwendung der Prozcntzahlen. In der Suche nach neuen Methoden zur Linderung der Teuerung ist die preußische Regierung auf die Z wangs- syndizierung der berufsmäßigen Vieh Händler und Viehzüchter verfallen, was der Ministerialdirektor Dr. Friedrich Freund in der„National-Zcitung" die „Selbstverwaltung der Erwerbsständc" nennt und dahin defi- niert, daß„man die Kraft der Produzenten und der bcrufs- mäßigen Händler in einer Organisation zusammenfaßt und dieser Organisation die Regelung der Herstellung und Ver- Wertung des Produktes einschließlich der Preisfeststellung unter Kontrolle der Staatsgewalt überträgt".... Die berufsmäßigen Landwirte und Händler jeder Provinz sollen also zu einem Syndikat vereinigt werden, dessen Vor- stand von einem Staatsbeamten mit Einspruchsrecht präsidiert wird. In einem Beirat sollen auch die Verbraucher zum Wort kommen. Der Grundgedanke des neuen Versuches ist gesund. Be- schlagnabme und Höchstpreise sind obrigkeitliche und Polizei- liche Mittel, die zur Organisation der Verteilung, nicht aber der Erzeugung genügen. Gegen die passive Resistenz oder den Streik der Erzeuger und der Händler waren Staat und Ver- braucher bisher rechtlos. In der neuen Organisation sollen die Erwerbsstände die Verantwortung für eine ausreichende Versorgung der Verbraucher zu angemessenen Preisen selbst übernehmen. Die sich daran knüpfenden Erwartungen könnten größer sein, wäre der kontrollierende Staat freier vom Einfluß der Erzeuger. Einen Vorteil hat die vorgeschlagene Organisation sicher: die Ausschaltung und Beschränkung der Handelsgewinne durch die ausschließliche Zulassung der berufsmäßigen Händler und durch die Einführung eines Schluß scheins mit dem Vermerk des Stall- und Marktpreises. Für die Städte wird die gemeindliche Regelung des Fleisch Vertriebes nötig, damit die Großschlächtcr nicht einsacken, was den Viehhändlern mühselig abgezapft wurde. Die neue Idee ist nicht aus bloßem Zufall im preußischen Ministerium aufgegriffen worden. Während die Preisbildung des Schlachttieres vom Stall bis auf den Markt, ja bis in den Laden genau kontrolliert wird und den allzu habsüchtigen Händlern und Fleischern der Wucherparagraph droht, bleibt die La nv Wirtschaft in der Preisfeststellung auch jetzt wieder frei, denn durch das Einspruchs- recht des dem Syndikatsvorstand präsidierenden Staats- beamten werden wodl die Viehzüchter nur wenig gebunden werden. Diese empfindliche Lücke muß MeiiiW m WW SWWllim. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 20. Januar 1916.- Ungarns abgelehnt hatten und daß der Kampf bereits auf der ganzen Front wieder begonnen hat. Der König und seine Söhne weilen inmitten der Truppen, um den letzten Verteidigungskampf zu leiten.— Aus Brindisi wird gemeldet: Die Königin von Montenegro, die montenegrinischen Prin- zessinnen und der montenegrinische Ministerpräsident sind hier eingetroffen, um sich nach Rom zu begeben. König Nikita bleibt in Skutari, um dort den Vertcidigungskampf zu leiten. (Ä n m. des W. T. B.: Hierzu wird uns mitgeteilt, daß an amtlicher Stelle über die oben gemeldeten Vorgänge nichts be- kannt ist.) Bern, 20. Januar, iW. T. B.) Der von Havas verbreiteten Meldung des„Temps" über den Abbruch der Friedensverhandluilgen zwischen Montenegro und Oesterrcich-Ungarn enispricht im ganzen eine in der Pariser Presse entbaliene HavaSmeldung aus Rom. Der eigentliche Ursprung der Sensationsmeldung erscheint recht zweifelhaft.„Temps" läßt sich von feinem Genfer Vertreter die Nachricht ans Skutari geben, andere Blätter bringen sie aus Brindisi, Jedenfalls begegnet die Meldung in der Pariser Presse selbst stärksten Zweifeln, denn Blätter wie„Journal des DebatS",„Petit Journal" und„Echo de Paris" geben sie unter allem Vorbehalt wieder, zu- mal sie in geradem Widerspruch mit den in derselben Ausgabe ein- haltenen Meldungen aus englischen Blättern über die Uebergabe des Degens Nikitas sowie über den Aufruf des Königs an sein Volk stehen, in dem gesagt werde, daß nur Ergebung oder Untergang übrig sei.„Petit Parisien" und„Journal", die gestern hier nicht eingetroffen waren, wären van der französischen Zensur wegen der Wiedergabe der Mitteilung des montenegrinischen Generalkonsulats in Nom verboten worden. Der französische Tagesbericht. Paris, 20. Januar. lW. T. B.) Amtlicher Bericht vom Mitt wochnachmittag. Dem vorangegangenen Bericht ist nichts hinzuzufügen. Paris, 20. Januar.(W. T. B.) A m t l i ch e r B e r i ch t von g e st e r n abend. Südlich der Somme im Abschnitt von LihonS wurde ein feindliches Blockhaus durch unser Feuer zerstört. Zwischen Soissons und Reiuis verursachten unsere Schiitzengrabengeschütze ernsten Schaden an den feindlichen Werken in den Gegenden von Ailles westlich von Craonne. In den Argonnen beschossen wir auf dem Marsch befindliche Truppen in der Gegend nördlich Court Chausse. In Lothringen erzielte unser Fener auf eine Gruppe von Deutschen bewohnter Häuser bei Alineourt westlich von Chäteau- Salins das beste Ergebnis. Da in der Nacht vom 18. zum 19. zwei deutsche Flugzeuge vier Bomben auf Nancy abgeworfen hatten, stieg eins unserer Flugzeuggeschwader auf und bombardierte die Bahnhöfe von Metz und A r n a v i l l e. Es wurden 22 Bomben aus Gebäude geworfen, die Schaden erlitten. Belgischer Bericht. Das außerordentlich günstige Wetter verursachte auf beiden Seiten auf der ganzen Front sehr lebhafte Artillerie- und Bombenwersertätigkeit. Wir bekämpften mit Erfolg feindliche Batterien und zerstreuten einen Transport südlich von Dixmuiden. Die englische Meldung. London, 19. Januar. iW. T. B,) A m t l i ch e r B e r i ch t aus dein britischen Hauptquartier. Sechzehn unserer Flugzeuge griffen am 17. das feindliche Vorratsdepot bei Lesars, nordöstlich von Albert, an und richteten beträchtlichen Schaden an. Heute fanden neunzehn L u f t k ä m p f e statt. In fünf davon wurden die feindlichen Maschinen niedergebracht. In zwei Fällen gingen unsere Flugzeuge verloren. Ter Feind ließ ain l8. südlich von Frieourt zwei Minen springen, ohne viel Schaden anzu- richten. Wir bombardierten heute mit gutem Erfolge die feindlichen Laufgräben an verschiedenen Punkten. Eine Abteilung unserer Truppen überfiel im Dunkel die Laufgräben des Feindes nördlich von dem Flusse Lys und brachte mehrere Gefangene zurück. Der Feind ließ eine Mine bei der Hohenzollernschanze und eine andere vor unseren Laufgräben südöstlich von Cuinchy springen. Es wurde kein Schaden angerichtet. Feindliche Artillerie war nordwestlich von Fromelles tätig. Oestlich von Apern bei Frelinghien zwang unser Feuer ein feindliches Flugzeug zum Landen. Der russische Heeresbericht. Petersburg, 19. Januar.(W. T. B.) Amtlicher ruf si- scher Bericht. Westfront: Auf der Rigaer Front lebhafte Fliegertätigkeit der Deutschen. Die feindlichen Flugzenge erschienen in der Gegend der unteren Düna, in Kurland, in der Nähe von Stotel(12 Kilo- meter westlich Friedrichstadtj und über Dünadurg, wo sie Bomben abwarfen. Der Versuch der Deutschen, bei Lemieivarden, flußabwärts Friedrichstadt, die Düna zu erreichen, wurde leicht durch unser Feuer vereitelt. In der Nähe von Samman(II Kilometer südöstlich Friedrichstadt) verwendeten die Deutschen giftige Gase. Auf der Dünaburger Front wurde das Artilleriefeuer in der Gegend von Danuenfeld(14 Kilometer nordwestlich Jakobstadt) verstärkt, und später versuchten die Deutschen hier zwei Angriffe, die jedesmal durch unser Feuer zurückgewiesen wurden, Kaukasus: Durch unseren heftigen, unerwarteten Stoß gegen das Zentrum der in Unordnung geratenen türkischen Armee wurde sie aus ihren starken, in langer Zeit ausgebauten Stellungen zwischen dem Tortum-See und dem Scharian-Fluß, nördlich Melasgert, in einer Breite von mehr als 100 Werft hinaus- geworfen und zieht sich nun auf die befestigte Stellung bei Erzernm zurück. An u mehreren Stellen Iwt der Rückzug den Charakter einer panikartigen Flucht angenoautien. Mehrere türkische Abteilungen sind fast ganz vernichtet. Hunderte von Leichen bedecken den Weg unseres Vormarsches. An mehreren Stellen konnten wir bis an die beherrschenden Höhen vorgehen und gruben uns trotz heftiger Schneestürme in den tiefen Schnee ei». Wir besetzten die Stadt tlöprikoi am Aras(59 Werst östlich Erzerum). Im Laufe des .ttampfcs am 17. Januar machten wir 5 Offiziere und 298 Mann zu Gefangenen und erbeuteten viele Waffen, Maschinengewehre, Kartuschen und Kisten mit Wurfgeschossen. In der Gegend des Scharinn-Flusscs, in der Stadt Turnangel(29 Werft nordwestlich des Scharian-BergeS) erbeuteten wir ein Magazin mit Granaten. In Perfien, südwestlich des Urmia-SeeS, Zusammenstöße mit Kurden, die in südlicher Richtung zurückgeschlagen wurden. Melüung öer italienischen Heeresleitung. Rom, 20. Januar.(23. T. B.) Amtlicher Kriegsbericht V o in M i t t w o ch. In dem Tale von Chiefs verursachte am Nach- mittag des 17. Januar die feindliche Artillerie in Cimego eine Feuersbrunst, die schnell eingeschrSnkt wurde. Eine unserer Batterien bombardierte zur Vergeltung Strada, das wir von dem Feinde besetzt wußten. Im Suganatal haben wir ebenfalls auf feindliche Schüsse auf Borzo durch ein Bombardement auf die Station Caldo- nazzo erwidert, wo man uns den Verkehr von Zügen gemeldet hatte. In der Nacht zum 13. versuchte eine feindliche slbteilung eine unserer Verschanzungen im Abschnitt von Tolmein auf der Höhe von Santa Maria anzugreifen. Sie wurde zurückgeschlagen und ließ 39 Tote auf dem Schlachtfelde. Während derselben Nacht versuchten feind- liche Abteilungen in der Zone zwischen der Höhe 188 und Oslavija sich unseren Stellungen zu nähern. Die feste Haltung unserer Truppen, die sich durch feindliche Täusthungsversuche nicht beirren ließen, brachte diesen Versuch sehr schnell zum Scheitern. Auf dem Karst nichts von Bedeutung. C a d o r n a. Nelöung ües türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 20. Januar.(W. T. B.) Das Haupt- g n a r t i e r teilt mit: Am Morgen des 18. Januar drangen ein feindlicher Monitor unter dem Schutz von sieben Minen- suchein und ein Panzerschiff mit drei Torpedobooten in den Golf von Saros ein und eröffneten ein von Fliegern gelenktes Feuer in der Richtung Gallipoli und auf andere Ziele. Unsere m der Umgebung aufgestellten Batterien antworteten kräftig. Drei von unseren Geschossen trafen das Panzerschiff, welches sich mit deni Monitor entfernte. Nachmittag eröffnete das gleiche Panzerschiff Ivieder das Feuer in derselben Richtung. Unsere Batterien antworteten und erzielten einen Treffer auf dem Heck deS Panzers, der dort einen Brand hervorrief und das Schiff nötigte, sich zu entfernen. An der K a u k a s n s f r o n t dauerte die gestern wieder- begonnene Schlacht bis zum Abend. Die vom Feinde unter- nommcnen EinschließungLversuche scheiterten dank unseren Gegenmaßnahmen. Sonst nichts von Bedeutung. deutsche§!!egertäSigteit an üer türkischen §ront. Berlin» 29. Januar.(W. T. B.) Wie uns aus K o n st a n- t i n o p e l gemeldet wird, ist der in den letzten Berichten des türki- scheu Hauptquartiers mehrfach, aber mit verschiedenen, cmgenschein- lieh verstümmelten Nennen genannte Kampfflieger, der in den Tagen vom 9. bis 12. Januar d. I. fünf feindliche Flugzeuge abge- schössen hat, der Oberleutnant des Leibgarderegiments 115, Bnddeckc, der als Hauptmann der deutschen Militärmission angehört. die Seschlagnahme eines öänischen Schiffes durch ein üeutjches Torpedoboot. Kopenhagen, 19. Januar.(W. T. B.) Sämtlich« dänischen Blätter besprechen die Meldung, daß der mit Lebensmitteln be- labcne dänische Dampfer„Kiew" auf der Fahrt von Kopenhagen nach Liverpool von einem deulschen Torpedoboot aufgebracht und nach Swinemünde geführt wurde, und knüpfen daran die besorgte Frage, ob dies bedeuten solle, daß die bisherige, stillschweigend ge- übte deutsche Praxis, keine dänischen Schiffe aufzubringen, selbst wenn sie Lebensmittel nach England bringen, damit eine Aende- rung erleiden solle. Die neuen Hlockadepläne Englands. Rcw N»rk, lS. Januar.(Durch Funkspruch vom Vertreter von Wolffs Telegraphischein Bureau.) Die Presse berichtet aus Washington: Man erfährt, daß der Entschluß der Alliierten, die förmliche Blockade über die deutschen Häfen zu erklären, der Gegenstand eines Gedankenaustausches zwischen den hiesigen diplomatischen Vertretern der Alliierten und einer un- formellen Besprechung zwischen den Diplomaten und den Beamten des Staatsdepartements gewesen ist. Wie verlautet, sieht daS Programm die tatsächliche Ausdehnung der Blockade auf die europäischen Neutralen durch die scharfe Anwendung der Doktrin vom letzten Bestimmungsort vor. Der Aufschub der Verwirklichung des Planes wird gänzlich auf den Widerstand seitens Frankreichs und möglicherweise Italiens gegen die britische Auslegung der Rechte eines Kriegführenden zurückgesührt. Diese Auffassung des Gegenstandes ist hier mit großer Vorsicht aufgenommen worden und, wie eS heißt, unter voller Würdigung eines wahrscheinlichen Ausbruches einer englandfeindlichen Stimmung im Kongreß. Die Diplomaten richten ihre Anstrengungen darauf, die Stärke der amerikanischen Stimmung über diesen Gegenstand festzustellen. Die Anwendung der Blockade auf die Neutralen, für die die VereinigtenStaaten, wie die Engländer behaupten, im Bürgerkrieg einen Präzedenzfall geschaffen haben, wird, wie man bestimmt erwartet, bei den Vereinigten Staaten Opposition hervor- rufen, die durch scharfe Proteste von feiten Hollands, Dänemarks und Schwedens und vielleicht Norwegens unterstützt werden. Von Frankreich heißt es, daß es gegen den britischen Stand- punlt über das Recht der Blockade neutraler Häfen aus dem Gesichtspunkte heraus Einwendungen machen werde, daß unter diesem Grundsätze Frankreich in Zukunft von den Vereinigten Staaten auf dem Wege über seine Nachbarländer Belgien, Spanien oder Italien abgeschnitten werden könne. Die britische Behauptung gehe jedoch dahin, daß solche neutrale Häfen wie Rotterdam in Holland und Malmö in Schweden während des Krieges in jeder Beziehung als deutsche Häfen anzusehen seien, und daß die Zllliicrten nur dadurch, daß sie diese Häfen dem deutschen Handel verschlössen, hoffen könnten, Deutschland und Desterreich-Ungarn tatsächlich auSzuhungen. Diese Ansichten sollen schließlich unter den Alliierten die Oberhand gewonnen haben. Petersburg, 29. Januar.(W. T. B.) Der Ministerrat hat die Vorschläge deS Ministers des Aeußern über die Anwendung und Vetvollftändigung der List« der Waren, die als Bannware erklärt werden, entsprechend den jüngsten Veschlüssen deS britischen und deS französischen Kabmetls angenommen. Ebenso hat der Ministerrat den Vorschlag des Ministers des Aeußern angenommen über die Bestimmung der Nationalität eines Schiffes, die künftig nur nach der wirklichen Nationalität des tatsächlichen Schiffseigen« tümerS bestimmt werden soll. In der Folge wird also ein Schiff unabhängig von seiner Flagge als ein neutrales, verbündetes oder feindliches erkannt werden können. Neutralitätsverletzung durch schweizerische GeneralstabsvMziere. Berliner Blättern wird aus Zürich gemeldet: „In der militärischen Angelegenheit, welche die ganze Schweiz seit acht Tagen beschäftigt, hat der Bundesrat gestern folgenden- Beschlutz gefaßt: Bundesrat und Befehlshaber der Armee haben von der Vervollständigung der Untersuchung Kennt- ins genommen, welche inbetreff der den Obersten Egli und von Wattenwhl zur Last gelegten Tatsachen vorgenommen wuvde. Diese Ergänzung der Untersuchung gestattet jetzt schon auszuschließen, daß die den Offizieren zur Last gelegten Handlungen den Charakter des Landesverrates tragen. Es wird sich um Vergehen handeln, die unter den allgemeinen Be- griff von der Verletzung der Pflichten fallen, die durch die Neu- tralität des Landes und Anforderungen des Militävdienstes verlangt werden. Bundesrat und General sind einig in der An- nähme, daß nur ein tiollstänWg gerichtliches Verfahren geeignet ist, dieser Angelegenheit die richtige Folge zu geben und über die Handlungen der vorgenannten Offiziere alle die Aufilä- rungen zu verbreiten, welche die höheren Interessen des Landes und seiner Armee erfordern. Demgemäß ist beschlossen worden, daß der militärische Richter unverzüglich mit der Anordnung der Untersuchung betraut werde." Es handelt sich bei der Affäve um Handlungen, die angeblich zugunsten der Zentral mächte vorgenommen worden sein sollen. das„böse Seispiel See alten Gewerkschafter*. Von G. H o r«*), M. d. Dt. Natürlich nur das der alten Gewerkschafter, die zu den 29 sozial- demokratischen Neichslagsabgeordneten gebören, die am 21. Dezember 19t5 im Reichstag gegen die neuen 19-Mtlliardentredite gestimmt haben. Damit sollen sie sich nicht nur gegen die sozialdemokratische Parteidiszipliii vergangen haben, also einen„schweren Disziptinbruch begangen" haben, sondern, was als ein noch lodeSwürdigeres Ver- brechen angesehen und onSgeschriei, wird: sie haben mit ihrer „Slltion" ihren Willen zur Partei spaltung bekundet und haben außerdem die„schwarze Tat" von Streikbrechern ausgeführt. Also drei„Verbrechen" auf einmal! Daher erschien es gewissen Zionswächtcrn aus der Milte der Fraktionsmehrheit für„gerecht" und„notwendig�, die„alten Sünder" mitsamt ihren anderen „homogenen" Spießgeselle» ans der F r a k t i o n s g e»n e i n s ch a s t auszuschließen und— Ivenn eS in der Macht der Fraktionsmehrheit gelegen hätte, würde totsicher auch der Antrag auf Ausschließung der.Partcizerstörer" aus der Gesamtpartei gestellt worden sein. Wer sind nun aber diese fragwürdigen Elemente und Missetäter? Man höre: Es sind Fritze Geyer, Schorf chel Horn, Tetge Schwartz, Wilhelm Stolle und FritzeZubeil. Lauter„alte Knaxe", die in der Partei- und G e w e r k s ch a f t s- t ä t i g k e i t alt und grau geworden sind. Und jetzt, an der Schwelle ihres Lebensabschnittes, sollen star auf einmal Partei- und Axbeiterverrat betreiben wckuen I Es wäre zum Lachen trotz der ernsten Zeit, wenn es nicht zu traurig wäre, daß eS Menschen geben kann, die in ihren Köpfen Raum haben für derartige Hirn- Gespinste. Aber da ich weiß, daß es auch in den Kreisen der Glasarbeiter- schaff Leute gibt, die meine Beteiligung an der„Sonderaktion" der 29 Fraklionsgenossen„nicht verstehen" und mir aus dieser Beteili- gung einen Vorwurf machen, so will ich einmal auf die Sache, um die ei sich handelt, etwas näher eingebe». Ats am 4. August 1914 der Weltkrieg wie ein Blitz aus heiterein Himmel hereingebrochen war und in der denkwürdigen Sitzung des Reichstags vom gleichen Datuni der Reichskanzler bündig erklärte, daß sich Deutschland in einem Verteidigungskrieg befinde, zu dem es trotz aller Dlnstreiiglingeii, ihn zu verhüten, gezwungen worden sei, da hotte die sozialdemokratische ReichStaqsfraktion be- schlössen, für die Kriegskredite im Betrage von fünf Milliarden zu stimmen. In diesem Stadium notwendiger Verteidigung stimmte auch ich zu. Als dann am 2. Dezember 1914 von der Die- gierung abermals fünf Milliarden gefordert wurden, konnte man -von manchem FraltionSgenossen die Worte hören i„Wer A sagte, muß auch B sagen." Das ist zwar nicht unbedingt richtig, aber dennoch wurden auch diesmal die geforderten Kredite bewilligt, und zwar vornehmlich auch deshalb, weil auch zu dieser Zeit noch kein bedenklicher Verstoß gegen die Grundsätze der Partei in KriegSiragen vorlagen.(Einige wenige Fraktionsmitglieder haben sich diesmal der Stimme enthalten. Liebknecht stimmte dagegen.) Auch ich stiknmte s»1 r die Kredite, denn auch jetzt noch lagen für mich keine grundsätzlichen Bedenken für die Bewilligung vor. da es um diese Zeit von Kriegszielen noch still war in den heiligen Hallen am KönigSplatz zu Berlii«. Anders lagen die Dinge schon während der ReichStagStagung im März 1915. Nickt nur, daß die Diegierung die vorliegende Z e h it milliardcnfordening entgegen dem ElatSgesetz in den ordentlichen Etat einstellte, lagen auch bereits Anzeichen vor, die ouf E r o b e r u n g S p I ä n e, die in den bürgerlichen Blättern auf- tauchte», hindeuleteii. Trotzdem war die Mehrheil der Fraktion der Meinung, daß man auch diese Forderung bewilligen müsse. Bei dieser Sachlage dielt eS eine Anzahl Genossen der Minderheit, zu der auch ich gehörte, für angebracht, zu beantragen, daß nur für fünf Milliarden— als dem„kleineren liebet"— gestimmt werden solle. Und weil bei dieser Abstimmung über die Etats- Vorlage, einschließend die Kriegskredite, nicht mehr die Partei- programmäßigen Voraussetzungen für die Zustimmung vorlagen, deshalb habe ich mich diesmal der Llbstimniung enthalten. Hierbei habe ich gemäß den P a r t e i l a g S b e i ch l ü s s e n in solchen und ähnlichen Fragen gehandelt, also mit vollem Recht! Im weiteren Verlaufe des Jahres 1915 traten, beeinflußt durch die militärischen Erfolge Deutschlands und de» österreichischen Bundes- genossen, die A n n e£ i o n S b e st r e b u n g e ir immer bestimmter und schärfer in die Ericheinung. Große, mächtige und einflußreiche #) Genosse Georg Horn, der als Begründer des Glasarbeiter- Verbandes seit Jahrzehnten in der Glasarbeiterbewegung hervor- ragend tätig ist, sendet uns diesen Artikel, den wir mit einigen durch die bekannten Umstände gebotenen Kürzungen und Aenderungen hier wiedergeben. Genosse Horn hatte den Artikel dem«Fach- genossen", dem von ihm begründeten Organ der Glasarbeiter, über- mittelt, war aber von dessen Redaktion zurückgewiesen worden. Die Red. d.„Vorwärts". wirischastllche Verbände, politische Gruppen und Einzelpersonen gaben ihre weitgehenden Wünsche kund, ohne seitens der Regierung eine bestimmte Abweisung zu erfahren. Die» alle? mußte in der Partei und unter den FraktionSmitgliedern zu der berechtigten Auffassung verleiten, daß unter den vorliegenden Um- ständen eine weitere Bewilligung von Kriegskrediten sich mit den sozialdemokratischen Grundsätzen laut deS sozial- demokratischen Programms nicht mehr vereinbaren lasse. Inzwischen kam die Herbsltagung des Reichstags im Dezember 1915. Tie fraklion hielt eS für notwendig, den Reichskanzler zu inlerpelliereir der verschiedene Fragen, die den Krieg und seine Folgerungen, u. a. auch die Frage der Annexion besetzter Gebiete feindlicher Länder betrafen. Die Anschauungen innerhalb der Fraktion über die Richr- linien, in denen sich die Begründung der Interpellation zu bewegen hätte, gingen weil auseinander. Die Minderheit verlangte eine prä- zisere, scharf pointiertere Form der Begründung, welche nicht die Zustimmung der Mehrheit fand. Die bisher in der Fraktion geltende Parität, daß bei allen im Plenum zu behandeln- den hochpolitischen Fragen je ein Redner der„rechten Rich- tung" und ein Redner der„linken Richtung" zu bestimmen iei, wurde in diesem Falle von der Mehrheit rücksichtslos über den Haufen geworfen, eS wurden gleich zwei Redner der „rechten Richtung", die Abgeordneten Scheidemann und Dr. Landsberg gewählt. Während man mit Scheidemanns Rede im großen und ganzen zufrieden sein konnte, war LandSbergS Rede, namentlich in ihren Schlußsätzen so. daß er sich sogar dc-Z Lobes des Reichskanzlers erfreuen konnte. Es war dies eine Episode. die mich unwillkürlich an einen AuSipruch unseres leider zu früh verstorbenen Bebel erinnerte:„Wenn wir von unseren Gegnern gelobt werden, befinden wir unS allemal auf dem Holzwege". Doch dies nur nebenbei. Der Reichskanzler brachte in feiner Beantwortung der Jnter- pellalio» nickt die von der Fraktionsmehrheit erhoffte Ablehnung der annexionslüsiernen Mehrheitsparteien. Was übrigens von der Minderheit vorausgesehen war, vielleicht auch von Teilen der Mehrheit. Nur ganz Vertrauensselige k la Heine konnten eine un- zweideutige Erklärung erwarten. Daraus hätten sich die Konsequenzen für die G e s a m t h e i t der Fraktion ergeben müssen. Aber die Mehrheil zog sie nicht. Sie zog sie auch noch nicht, als kurz vor der Abstimmung vom 21. De- zember in äußerst erregten FraklionSdebalten von der Minderheit auf die den P a r l e i g r u n d I ä tz e n zuwiderlautende Zustimmung der Kredits hingewiesen wurde. Die Mehrheit faßte den Beschluß. daß f ü r die Kredite zu stimmen sei. Eine starke Minderheit stimmie dagegen. 24 Personen dieser Minderheit stimmten im Plenum nicht für und nicht gegen die Kredite, sondern machten von ihrem Recht der Siimmenthaiiung Gebrauch. 29 weitere zogen die letzten Kon- sequenzen und stimmten gegen die Kredite. Ihnen stand das Parter Prinzip höher als die„Disziplin", die in dem Augen- blick ihre Berechtigung verloren hatte, als sie nur noch eine bloße Formel darstellte, denn wo die Disziplin als ein Gewissens- zwang empfunden wird, wo sie verlangt das Aufgeben oder die Verleugnung der Parteiprinzipien, hört sie aur. weil die Voraussetzungen für ihre Beachtung fehlen. Uebrigens ist eine Fraktionsdilziplin nicht gleichbedeutend mit Partei- disziplin. S o hat man die Zwanzig gezwungen noch vor der Ab- stimmung am 21. Dezember eine Sondererklärung abzu- geben, um ihren Standpunkt zum Ausdruck zu bringen beziv. ihre Ablehnung der Kredite zu rechiferligen. Wenn die Mehrheit bmtcrher behauptet, ihre Erklärung decke sich mit der Erklärung der Minder- heil, so ist das nicht wahr. Schon der Ansang der Minderhens- crklärurig ist in der MehiheiiScritärung nirgends zu finden. Wenn dieZwanzig also nichts weiteres begangen haben, als ihr pol!- tischeS Recht und ihre parte igen össiiche Pflicht auszuüben, wo ist da auch nur der Schalten einer gewollten oder beabsichtigten Spaltung der Partei? Tagegen können die Anträge Legten und des FraklionSvorstandes. die darauf gerichtet waren, dieZwanzig von d er A r b e i l S q e m e in s ch a ft mit der Fraktion auszuschließen bezw. sie nicht im Plenum deS Reichstags als von der Fraklion beauftragte Redner geilen zu lassen, weit eher als An'äye zur FraklionS- und Parteispaltung angesehen werden. Diese Anträge werden ihren Verfassern noch lange aus den Nägeln brennen! Redensarten, wie„Partei Liebknecht" und„Fraklion Rühle" sollen die Zwanzig läckertich machen? Ich fasse diese zwar an Kindereien gemahnenden Redereien von einem anderen Gesichtspunkte aus auf. Das ist u n p a r t e i g e n ö s i i s ch und verdient die strengste Zurück« Weisung! Ich will den Spöttern, die sich solcher verächllicben Redensarten bedienen, allen Ernstes sagen: Ich anerkenne eine „Partei Liebknecht" und eine«Fraktion Rühle" ebenso wenig wie ich elwa eine„Partei Heine" oder eine«Fraktion L e g i e n" anerkennen würde. Für mich gibt es nur eine sozial- demokratische Partei Deutschlands, und diese mit den sozialdemokroliicben Parteien aller Länder zusammen, eine intcr- nationale Sozialdcinotratie! ES ist ferner ein ungerechter Vorwurf, wenn von den Zwanzig ge« sagt wird, ihre Ablehnung der Kredite lasse erkennen, daß es ihnen nicbt um daS Wohl der Kämpfenden im Felde und ibrer Augebörffznr daheim zu tun sein. Auch dergleichen Vorwürfe müssen allem Ernstes zurückgewiesen werden. Es kann leider heute aus bekannten Gründen nicht näher daraus eingegangen werden, aber eS wird die Zeit kommen, wo auch diese Sache ihre Beurteilung findet. Die Anschuldigung, mit meiner Bcteitiqung an der„Sonder- aktion" der„ P a r t e i i p a l u n g" Vorschub geleistet zu haben. weise ick weit zurück: wer mir eine solche Absicht unterstellt, ohne Beweise dafür zu haben, den erkläre ich für einen Verleumder! Geradezu albern ist die Bezeichnung als„Streikbrecher", die man uns gegeben hat. AZaS ist eiu Streikbrecher? Einer, der siä> mit anderen Seinesgleichen in eincur offenen Kampf mit einem Mächtigeren befindet. Z. B. Wirt- s ch a f t l i ch mit einem Unternehmer, politisch mit Parteien oder Regierungen. Selbstverständlich meine ich damit nickt den Faust- kämpf, nicht den mit rohen Waffen geführten Kampf. Wirtschaft- l i ch bekämpfen(streiken) wir den Unternehmer, wenn er unsere Lage verschlechtern will. Wer uns in die'ein Kampf verläßt, uns in den Rücken fällt, indein er deni Unternehmer in seinem Be- streben, uns zu bedrücken. Vorschub leistet, ist ein Streikbrecher. Das ist die Meinung aller rechtlich denkenden Menschen, seien es Gewerkschafter oder Politiker oder auch keines von beiden. P o l i- tisch stehen wir als Sozialdemokraten seit der Zeit, in der eS eine Sozialdemokratie gibt, in stetem Kampf um untere Reckne und um eine Höherentwicklung unserer Freiheiten. Und die„S t r e i k- regeln" zur Führung dieieS politischen Kampfes find in uniereni sozialdemokratischen Programm niedergelegt. Wer diese KompfeSregeln nicht befolgt, ihnen entgegen handelt, be- geht nicht nur Bruch der sozialdemokratischen Disziplin, sondern politischen Streikbruch schlimm st er Art! Er iväre nicht besser zu bewerten, wie der Streikbrecher im wirtschaftlichen Kampf nrit dem Unternehmer. Haben die 29 Fraktionsgenossen im politischen Kampfe versagt? Wann, wo, wie?! Kann ihre Ablehnung der KriegSkredile als ein Aufgeben der sozialdemokratischen Grund- iätze. als eine Verleugnung dieser Grundsätze, als ein Bruck mir dem sozialdemokratischen Programm, kurz, als ein politischer S t r e i k b r u ch angesehen werden? Solche faulen.Witze" über den.Streikbruch" der Zwanzig sollten vernünftig sein wollende Menschen doch nicht inachen. Ueberflüssig zu sagen, daß keiner der alten Gewerkschafter jemals Slreikbruch begangen hat. Und jeder logisch denkende und ii r t e i le n d e Gew-rkjchaffer wird auS Anlaß unserer Ab- lehnung der Kredite für sich nicht daS Recht herleiten wollen, ge- legenllich eines toirtschafllichen Kampfes Disziplin- und Strerkbruch zubegeben! So fällt auch das sinnlose Argument über daS von den„Alten" begangene«böse Beispiel" in nichts zusammen. politische Uebersicht. Gegen direkte Reichssteueru. Ter f ä ch si s ch e Finanzministcr v. Seydewitz sprach sich in der sächsischen Ersten Kammer über die Finanzlage und besonders gegen die Heranziehung direkter Steuern für die Reichsausgaben aus. Die Bundesstaaten hätten sich durch ihre Leistungen einen solchen Anspruch auf Dankbarkeit des deutschen Volkes erworben, daß man ihnen die direkten Steuern nicht wegnehmen dürfe. Auch wenn eine sehr hohe Kriegsentschädigung, auf die wir unbedingt bestehen müßten, erlangt loerden würde, seien doch neue steuern und Monopole nicht zu umgehen. Die Monopol- frage hielt der Minister noch nicht für reif für die Oeffent- lichkeit. Im übrigen sei seine Meinung, daß die direkten Steuern nicht überspannt werden dürften, da sonst der Erwerbssinn und die gesunde Kapitalsbildung beeinträchtigt würden. Bundesratsbeschlüsse. Amtlich. Berlin, 2l>. Januar.(W. T. B.) In der heutigen Sitzung des Bundesrats gelangten zur An- nähme: Der Entwurf einer Bekanntmachung über die weitere Regelung des Brcnnereibetricbes im Jahre 1915/16, der Eni- wurf einer Bekanntmachung zum Schutze von Angehörigen immobiler Truppenteile, der Entwurf einer Bekanntmachung über die Beglaubigung von Unterschriften und die Legalisa- tion von Urkunden in den besetzten Gebieten, und der Ent- Wurf einer Verordnung betreffend Unterstützung von Fmni- lien in den Dienst eingetretener Mannschaften. Schranken. In einer Polemik gegen eine Zuschrift eines Abgeordneten an das„Berliner Tageblatt" schreibt Graf Reventlow in der„Deutschen Tageszeitung": .Wir müssen zu unserem Bedauern vorausschicken, daß wir ebenso wenig wie über die Einzelheiten der Reichstags siyung üler die Einzelheiten und Beziehungen der beiden„Baralong"-Noten in Zeiten der Zensur ein- gebender und ausführlicher sprechen können. Wir konnten da? da- malS nicht und können dem starken Mann aus parlamentarischen .tlrcisen deswegen auch auf seine gestrigen Ausführungen im.Ber- liner Tageblatt" nicht eingehender antworten. Daß er an- gedeutet hat, wir hätten eine Kritik an der Regierung geübt, wundert uns um so mehr, weil er als Abgeordneter wissen muß, daß eine Kritik der Regierung, selbst wenn jemand eine solche üben wollen sollte, durch die Zensur verboten— also ausgeschlossen— ist..'. Zu unserem aufrichtigen Bedauern sind wir, wie gesagt, nicht in der Lage, mehr zu sagen, als wir neulich gesagt haben. Wir sind aber gern bereit, dem starken Manne aus parlamentarischen Kreisen unter Ausschluß der ZeitungSöffeittlichkeit belehrenden Aufschluß zu geben. Wir wundern uns im übrigen, daß er seine Kritik unserer nculichen Ausführungen letzten Endes darauf gründet, daß wir unsere Darlegungen nicht näher spezialisiert haben i obgleich er als Abgeordneter eigentlich wissen müßte, daß gerade auf diesem Gebiete— militärisch, außen- politisch, i n n e r p o l i t i s ch— die Zensurvorschriften ein unübersteiglicheS Hindernis bilden." Unsere Freunde im In- und neutralen Auslande, die eine Stellungnahme des„Vorwärts" zu den„Varalong"- Roten und ihrer Beurteilung im Reichstag, insbesondere durch die Genossen Noske, Ledebour und Liebknecht vermissen, werden es begreifen, daß der„Vorwärts" noch weniger als die konservative„Deutsche Tagesztg." das„unüberwindliche Hindernis" überwinden konnte. Tie kommende« Neichstagswahle». Im Anschluß an die Erörterungen deS nationalliberalen Abgeordneten Dr. Junck beschäftigt sich das konservative ReichStagsmit- glied Dr. Oerie l in der.Deutschen Tageszeitung" mit der Frage, ob es nötig sein werde, die für spätestens Januar 1917 bevorstehen« den Reichstagswahlen hinauszuschieben. Dr. Oertel schreibt dazu: „Die Frage dreht sich darum, ob es zweckmäßig sei, sie auch dann vorzunehmen, wenn der Krieg noch andauern sollte. Soweit wir bis jetzt gesehen haben, wird die Frage allgemein ver- »eint, und mit vollem Rechte... Wir möchten aber noch einen S-britt weitergehen. Wir sind persönlick der Meinung— nebenbei möchten wir bemerken, daß wir diese AnSsührungen nicht im Auftrage irgendeiner politiichen oder wirtschafllilvcn Partei machen, sondern nur unsere eigene Auffassung äußern—, daß die Neuwahlen auch während der Friedens- Verhandlungen, die nach menschlicher Voraussicht geraume Zeit heanipruchen dürsten, nicht stattfinden können. Was für die Zeit des Krieges gilt, das gilt in gleichem, vielleicht in verstärktem Maße für die der Friedensverhandlungen. Kämpfe zwischen den Parteien sind in diesen Zeilen mindestens ebenso bedenklich und ge- fährlich wie im Kriege selbst... Sonach müssen die Reichstagswahlen nicht nur bis zum Beginn der Verhandlungen über den Frieden, sondern bis zu ihrem Ab- schlusse, bis zum endgültigen Friedensschlüsse hin- auSge schoben werden. Andererseits muß unbedingt vermieden werden, daß eine reichstagslose Zeit eintrete. Der neue Reichstag mutz so gewählt werden, daß seine Tätigkeit unmittelbar und ohne Zwischen- pause an die alte anknüpfen kann.... Daraus folgt, daß nach unserer Meinung die Reicdstagswahlen unmittelbar nach dem FriedenSscblusie, und zwar so erfolgen müssen, daß der neue Reichs- tag ohne Pause an die Stelle des alten treten kann. Den Zeitpunkt näher anzugeben, zu dem die Wahlen in Aussicht genommen werden können, ist jetzt ganz unmöglich.... Man wird sicb wohl damit begnügen müsien, im allgemeinen zu bestimmen, daß die AmtSdauer des Reichstags um eine gewisse Zeit über den endgültigen FriedcnSicblutz hinaus verlängert werde, und zwar so, daß eine reichstagslose Zeit unbedingt ver- mieden wird.... Nun scheint, hier und da die Neigung zu bestehen, die Frage schon in der n ä ch st e n Tagung des Reichstages der Erledtgung entgegenziiführcn. Nacki menichlicher Voraussicht wird sich im März uocti nicht übersehen lassen, ob eine Hinausscbiebung der Reichstags- wählen überhaupt möglich sei. Läßt sick das wider Erwarten scdon übersehen, ist der Friede in greifbare Nähe gerückt, so wird dadurch vielleicht die Verlängerung der Amtsdauer des Reichstags über- Haupt unnötig. Erst im Herbste wird sich vermutlich einiger- maßen beurteilen lassen, ob eine solche Verlängerung eintreten muß. Bis dahin wird man wohl den Reichstag mit der Angelegenheit nicht befassen können. Inzwischen kann ja die betreffende Gesetzesvorlage vorbereitet werden." Wir können uns im allgemeinen mit den Ausführungen OertelS einverstanden erklären._ Vereinsgesetzliche Parität. Die.Berliner Polit. Nachr." teilen über die angekündigte Aenderung des Reichs Vereinsgesetzes mit, daß die Absicht der Reichsrcgierung nicht dahin gehe, allein die Gewerk- s ch a f t e n, soweit ihre ivirlschastliche Betätigung und ihr Wirken auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege in Betracht kommt, von der Unterstellung unter die politischen Vereine zu befreie»; vielmehr soll dasselbe bezüglich der entsprechenden Bereinigungen der Arbeitgeber der Fall sein. Die Vereinigungen der Arbeiter und der Arbeitgeber sollen völlig paritätisch in der bevorstehenden Vorlage an den Reichstag behandelt werden. Weiter handle eS sich bei diesem gesetzgeberischen Plane keineswegs u in einen Bruch mit dem Grundsätze, daß während deS Krieges die Friedensgesetzgebung ruhen soll, denn die Befreiung der Gewerk- schaften und der Arbeitgebervcrbäirdc von den besonderen Be- stimmungen des Vereinsgesetzes über politische Vereine bezweckt, diesen Vereinen die Kriegsfürsorgetätigkeit zu er- leichtern und die Schwierigkeiten zu beseitigen, welche ihnen bei der Betätigung ihrer berechtigten wirtschaftlichen und Wohl- fahrtsbestrebungen die erwähnten gesetzlichen Bestimmungen bisher bereiteten. Wie streng g.ade auch in dem vorliegenden Falle an dem Grundsatze festgehalten wird, daß die Gesetzgebung sich nur auf Maßnahmen für die Kriegszeit beschränken soll, erhellt aus der weiteren Tatiache, daß die Einbringung der Vereinsgesetznovelle an die Voraussetzung geknüpft ist, daß der Reichstag auf die weiter- gehenden Wünsche betreffs Aenderung des BereinSgesetzes, insbesondere also auf Beseitigung der Altersgrenze für die Teilnahme an politischen Vereinen und Versammlungen m Kieise Lübau ist für 9610 M. verpachtet ivorden; bisher brachte sie nur 1033 M. Außerdem hat die Domäne noch durch Flächen« berichligung zwei Hektar Land verloren. Die Domäne Mühlberg (Kreis Dirschau) ist für 12 061 M. verpachtet worden; bisher war der Preis 8106 M. Die Domäne Aresin(Kreis Putzig) bringt jetzt lv 515 M. Pacht, während bisher nur 8720 M. zu enlrichlen waren. Kriesgefangcne als Landarbeiter. Ein schwäbischer Landwirt schreibt uns: In der Reichstagsverhandlung vom 11. Januar sind von dem Abgeordneten Schieleprclation gewisser Be- schlüsie des französischen Paneirags zurzeit nicht gegeben werden kauu. Daß Braun auf meine Festnagelung seiner denunziato- rischen Mißdeutung des Wortes eines Fraktion s- ko liegen nicht zu antworten veimag, beweist die volle Berechli- gung dieses Teils meiner Gegenerklärung. Zum Schluß verlangt Braun die Nennung der Stellen des Parteiprogramms und der Kongrcßbeschlüsse, mit denen die Politik der Neichslagsfraktion in Widerspruch steht. Das ist wohl der Gipfel der Naivität dieses Mitgliedes des Parteivorslandes. Denn was seit 1% Jahre» Kern und Inhalt des ganzen Meinungsstreites innerhalb der Partei gewesen, ist diesem Kindergemiite Geheimnis geblieben. So will ich>bm denn sagen, daß die„Politik der Reichstags- l'raklion" sich»ach der Heber, eugnng ihrer Gegner in Widerspruch befindet mit nicht weniger als der ganzen sozialistischen Grund- auffassung, wie sie in der gesamten sozialistischen Literatur nieder- gelegt ist, und insbesondere mit ollen internationalen Kongreß- beschlüsien. speziell dem bekannte» Beschluß des Internationalen Kon- gresses von Stuttgart. Daß Braun all diese Schtiften und Beschlüsie nach dem Vor- bilde von Lenich und Haenisch anders auslegt, weiß ich natür- lich. Daß ieine Auslegung in Wort und Schrift ungehindert verbreitet werden kann, habe ich erst recht nicht bestritten. Seine tapfere Absicht, diese Grundsätze und Beschlüsse zu„verteidigen", weiß ich deshalb vollauf zu würdigen. Daß Braun nicht„kneifen" wird, während seinen Gegnern der Arm gelähmt ist glaube ich ihm ohne Beteuerung. Ein Falstaff freilich würde sich genieren, in solcher Situation zu prahlen. Ein wenig Geduld noch. Genosse Braun, und Ihre geistige Satissaklionsfähigkeil soll auf jede Prob« gestellt werden, die Sie sich selbst nur immer zutrauen mögen. H. Ströbel. »» * Anmerkung der Redaktion: Nachdem Genosse Braun und Genosse Ströbel zweimal znm Worte gekommen sind, halten wir die Auseinandersetzung zwischen ihnen in der Presse im Interesse unserer Leser für erledigt. Staötverorönetenversammlung. 2. Sitzung vom Donnerstag, den 29. Januar, nachm. 5 Uhr. Der Vorsteher M i ch e l e t eröffnet die Sitzung nach 5!� Uhr. Vor der Tagesordnung ergreift das Wort Oberbürgermeister Mermuth: Ich bitte, eine kurze Erklärung zur Verteidigung Berlins abgeben zu dürfen. Der Vorsitzende der Reichsgetreidestelle hat im Reichstag am 12. und 13. Januar in aufsehenerregender Weise darauf hingewiesen, daß die Zahl der Z u s a tz b r o t k a r t e Ii in Berlin jetzt auf 799 999 gestiegen ist —■ nebenbei bemerkt hält sich die Zahl weit näher an 699 999, aber darauf kommt es nicht an. Eine solche Ziffer prägt sich leicht dem Gedächtnis ein, und wir müssen befürchten, daß sie zu einem dauernden Makel auf der Kriegssürsorge Berlins werden könnte. Ich will nur die Zahl selbst beleuchten und alle anderen Umstände, die ja auch schon in der Presse und im Reichstag sattsam be- sprachen und widerlegt worden sind, hier unerörtert lassen; ich will namentlich auch nicht davon sprechen, wie die Verantwortung auf der Reichsgetreidestelle selbst lastet, welche im Herbst vorigen Jahres die Verteilung des Getreides erweiterte und schon vorher ein recht wenig zweckmäßiges System der Zusatzkarten empfahl, welches für Berlin die Zahl der Zusatzkarten auf mehr als eine Million gebracht haben würde.(Hörtl hört!) Aber dem Bedauern muß ich Ausdruck geben, daß der Vorsitzende der Reichsgetreide- stelle, indem er sensationell das Dienstmädchen und den Gym- nasiastcn in den Vordergrund stellte,. genau dasselbe tat, was die Regierung, wenn es gegen sie gerichtet' ist, immer aufs schärfste tadelt(Sehr richtig!), er hat Einzelfälle, falsche oder wahre, die ihm von irgendeiner Seite zugetragen sein mögen, verallgemeinert in die Oeffentlichkest gebracht, ohne die einzig zuständige und sachkundige Stelle, nämlich den Magistrat, zu einer Unterredung und Aeußerung aufzufordern und ohne ihn überhaupt vorher davon zu benachrichtigen.(Hört! hörtl) Von einer amtlichen Stelle hätte das nicht geschehen dürfen.(Sehr richtig!) Wer sich über die 699 999 Berliner Zusatzkalten wundert, der kennt das System, die wirtschaftliche und namentlich die soziale Bedeutung der Brot- karten und der Zusatzkarten nicht genau genug, und könnte sich ebensogut darüber wundern, daß wir 1899 999 Hauptbrotkarten ausgeben.(Sehr gut!) Was bedeutet denn eine Zusatzkarte, Sie ist nichts anderes als der Versuch, den bedürftigen Teil der Bevölkerung mit etwas größeren Brotmengen zu versehen als den anderen Teil, aber nicht auf Kosten der Allgemeinheit, nicht auf Kosten der Browersorgung des Reichs, sondern lediglich im Wege des inneren Ausgleicht innerhalb der Gemeinde selbst und unter strengster Jnnehaltung der Mehlmenge, die uns vom Reich zugewiesen wird. Wir erhielten früher 299, später 229 und 225 Gramm Mehl für Kopf und Tag; diese verteilten wir ursprünglich ganz gleichmäßig nach der Einwohnerzahl, aber mehr und mehr sind wir nach und nach dazu übergegangen, zwei verschiedenartige Portionen zu bilden, eine größere für die Schwerarbeitenden, für die Schwächeren, für die Heranwachsenden und sür die besonders Bedürftigen und eine kleinere für alle übrigen. Ob man das tut im Wege einer Zweiklasseneinteilung der Karten oder ob man zu- nächst allgemeine Karten für alle und Zusatzkarten für die Be- dürftigeren ausgibt, kommt ganz auf dasselbe hinaus. München gibt jetzt 249 999 kleine Brotkarten und 399 999 große aus(Hörtl hörtl), die eine zu 1759, die andere zu 2259 Gramm. Das ist also ganz wesentlich mehr>-n Zahl dessen, was wir Zusatzbrotkarte nennen würden, und die kleinere Karte ist dafür entsprechend niedriger im Quantum bemessen als unsere allgemeine. Ebenso- wenig wie man München dafür auch nur den mindesten Porwurf machen kann, wird man unsere 699 999 Zusatzkarten als auch nur im allermindesten als übertrieben hoch bezeichnen dürfen. Daß ein Drittel der Bevölkerung bei den so gestie- genen Preisen für die sonstigen Nahrungsmittel einen kleinen Zuschuß an Brot recht gut ge- brauchen kann, bedarf kaum des Beweises(Sehr! richtigl). gehört doch ein Viertel der Bevölkerung allein zu den � Kriegcrfamilien. Um es nochmals ganz scharf hervorzuheben: die Ziisatzbrotkarte bedeutet nichts anderes als eine besondere Ein- � tcilung des Mehlquantums, welches jeder Gemeinde zu dem Zweck � überwiesen wird, daß sie aollständig nach eigenem Ermessen darüber! schalten und walten kann; sie darf jedem gleichmäßig, sie kann 1 aber auch dem einen mehr, dem anderen weniger geben. Hätten j wir die Zusatzkarte nicht, so würden wir allgemein bisher weit � mehr als 1959 Gramm haben geben können und wir brauchten jetzt nicht, wo die Mchlmcnge sich um ein weniges herabgemindert hat, auf 1999 herunterzugehen. Aber wir wollen eben der bcdürf- � tigeren Bevölkerung auch künftig ein größeres Quantum zuweisen als dem anderen Teil, wir wollen jenen bevorzugen, natürlich' nur insoweit, als es sich mit der strengsten Sparsamkeit verträgt. Mit dieser Einrichtung ist die Stadt Berlin vorangegangen(Sehr wahrt); sie hält cisern an ihr fest, aber innerhalb der gebotenen- Sparsamkeit muß doch auch das Gesetz der sozialen Fürsorge in ge- eigneter Weise zur Geltung kommen.(Zustimmung.) Wir haben niemals auch nur ein Lot Mchl mehr ausgegeben als uns zuge- wiesen wurde, im Gegenteil ganz erfreuliche Ersparnisse gemacht, die wir freilich auch als Reserve recht sehr nötig haben, weil die Anlieferung von Mehl durch die Reichsgetreidestelle recht'ruckweise! und unregelmäßig erfolgt(Hörtl hörtl) Nachdem jetzt die Mehl-! menge für das ganze Reich wieder auf den früheren Stand zurück-' gebracht ist. haben wir schon selbstverständlich die Hauptbrotkarten i wie die Zusatzkarten dementsprechend eingeschränkt; aber dre� Zusatzkarten grundsätzlich abschaffen, sei es ganz oder auch nur teilweise, können, dürfen und wollen wir nicht!(Lebhafter Beifall.) Tie Beteiligung der Stadtgemeinde Berlin an der Zentral- auskunstsstelle der Arbeitsnachweise für Ber- lin und die Provinz Branden bürg ist von dem ein- gesetzten Ausschuß gebilligt worden; doch soll die Zustimmung in der Erwartung ei teilt werden: a) daß in dem besonderen Ausschuß für die Grotz-Berliner Angelegenheiten die Vertreter der Groß-Berliner Gemeinden die erhebliche Mehrheit haben; b) daß dem Jnnungsausschuß der vereinigten� Innungen zu Berlin und dem Kartell der Arbeitgebervcrbände für Groß- Berlin der Beitritt zur Zentralauskunftsstelle und eine Ber- tretung im Beirat auf Wunsch ermöglicht wird. Die Hälfte der durch du Einrichtung entstehenden Kosten soll mit 3799 M auf die Stadtkasse übernommen werden. Ohne Debatte beschließt die Versammlung nach den Ausschuß- antragen. Der Ausschuß zur Vorbereitung der Neuwahlen der ständigen Ausschüsse, der Abordnung der Mitglieder in die Verwaltungsdeputationen, der Zuteilung der Stadtbezirke an die Mitglieder zur Ausführung von Recherchen und der Besetzung von freigewordenen Stellen rii einigen noch aus 1915 und früher bestehenden� Ausschüssen hat seine Arbeit beendet und erstattet durch den Stadtv. Gericke(fr. Fr.) Bericht. Es sollen die bis- herigen Mitglieder dieser Ausschüsse usw. mit wenigen Aenderun- gen in ihren Aemtern bestätigt werden. Die Vertretuiig der sozialdemokratischen Fraktion ändert sich insoweit, als für den Rechnungsausschuß für Mars und Meyer eintreten H e tz s ch o l d und P a u l H o f f m a n n, in den Wahlprüsungsausschutz für Dupont Dr. Äosenfeld, in die Armendircktion für Dupont Mars, in die Stcuerdeputation für Barkowski H e tz s ch o l d, in die Kunstdepiltation für Dupont Glocke, in die gemischte Depu- tation für die Frage der.Arbeitslosenversicherung für Dupont Ritter.— Der Ausschuß erneuert außerdem den Antrag in der Wasserwerks-Deputation die Versammlung durch 19(bisher 5) Mitglieder vertreten zu lassen. Sämtlichen Vorschlägen des Ausschusses tritt die Versammlung ohne Debatte bei. Die Frage der ärztlichen Versorgung der Fa- Milien der Kriegsteilnehmer war seit dem 15. No- vember 1915 brennend geworden, an welchem Tage die Armen- ärzte das mit der Stadt getroffene Abkommen, wonach die Be- Handlung unentgeltlich erfolgte, kündigten. Nach längeren Ver- Handlungen ist zu Anfang des Monats ein Abkommen mit dem Vorstand der Berliner Aerztekammer zustande gebracht worden, das nach der Ansicht des Magistrats allen berechtigten Ansprüchen gerecht wird. Danach wirft die Stadt für diese ärztliche Versor- gung vom 15. Januar 1916 ab jährlich 599 699 M. auS; der Vor- stand der Aerztekammer übernimmt diesen Betrag in Monats- raten und besorgt die Verteilung an die beteiligten Aerzte. Berlin wird in 23 Arztbezirke eingeteilt, die sich mit den Bezirke» der 23 Unterstütznngskommissionen decken; innerhalb dieser Bezirke soll freie Arztwahl bestehen. Die Behandlung soll in der allgc- meinen Sprechstunde eventl. in der Wohnung der Patienten erfolgen. Das Abkommen gilt zunächst ans drei Monate und verlängert sich. falls es nicht vier Wochen vor Ablauf gekündigt wird, wieder auf drei Monate. Stadtv. Dr. Wcyl(Soz.): Auf dem Gebiet der Kriegsfürsorge hat die Stadtverwaltung, wie wir anerkennen müssen, Großes, ja geradezu Großzügiges geleistet. Nur eine Lücke bestand und machte sich unangenehm bemerkbar: die ärztliche Versorgung der Angehörigen der Kriegsteilnehmer war nicht ausreichend. Schließ- lich ist eS ja gelungen, auch dieses fast unüberwindlich scheinende Problem einer glücklichen Lösung zuzuführen. Jetzt wird durch die Vorlage ermöglicht, daß die JFmu,- dle--Mutter, das Kind auch in Kriegszeiten den Arzt ihres- Bertrarrens in-Anspruch nehmen kann, und das erfüllt- uns nät Genugtuung; bedauern müssen wir nur. daß es so spät geschieht. Die letzte Dipht-hevie-Epidemie hat uns viel Geld gekostet, ohne daß doch die kostspieligen Maßnahmen viel nützten, wenn es nicht möglich ist, frühzeitig ärztliche Hilfe zu er- langen. Eine Verbesserung der Vorlage aber empfehlen wir� znr schleunigen Berücksichtigung: Die Leute sollen erst beim Bezirks- Vorsteher sich eine Bescheinigung holen und mit dieser zum Arzt gehen. In dringenden Fällen wird das schon gar nicht möglich sein. Es muß aber doch überhaupt genügen, wenn dem Arzt der Unterstützungsbogen vorgelegt wird. Daß den Armenärzten für ihre Mühewaltung in den beiden Monaten ab 15. November 19l5 159 M. monatlich gegeben werden soll, halte ich� für sehr zweckmäßig, möchte auch anregen, ihnen als Entschädigung für die 15 Monate, wo sie unentgeltlich diese Tätigkeit ausübten, ihren Titel„Armenarzt" in„Stadtarzt" umzutaufen, das � kostet nichts und sie werden damit zufrieden sein. Die halbe Million ist durch- aus hinreichend. Das aufgewandte Kapital Zvird sich giänzend�ver- zinsen, denn das wertvollste Kapital des Staates und der Stadt ist und bleibt der Mensch. Ich schließe mit dem Wunsche, daß die halbe Million überhaupt nicht voll ausgegeben wind und daß von dem Tage ab, wo der friedliche Weltwettdewerb der Kultur wieder in seine Rechte tritt, auch diese Einrichtung wieder abgebaut wird. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) «stadw. Pros. Dr. Ritter(fr. Fr.): Wir stimmen der Vor- läge gern zu und unterstützen den Wunsch, daß die Bezeichnung „Stadtarzt" für die Armenärzte eingeführt wird. Im Punkte der Hygiene sind wir durchaus einer Meinung mit dem Stadt. Dr. Weyl. Stadtrot Doflein: Die Instruktion an die Bezirksvorsteher steht vor, daß in dringlichen Fällen die BescheiniMilgen auch nach- träglich eingeholt werden können. Auf die Aufforderung der- Aerztekammer haben sich 514 Aerzte zur Verfügung gestellt; davon sind etwa ein Drittel Spezialärzte. Für jode Kommission ergibt sich ein- Durchschnitt von einigen zwanzig Aerzten, womit eine durchaus ausreichende ärztliche Fürsorge gewährleistet erscheint. Stadw. Gallaud(L.): Eine Lücke, wie Dr. Weyl annimmt, besteht nicht; wenn die Stadt den Wünschen ber Aerzte über den Rahmen des Gesetzes hinaus Rechnung getragen hat, so hat sie das rein ans metischlichem Empfinden getan. An der Verzöge- rung der Vorlage sind nicht sowohl die städiischon Bebörden schuld, als vielmehr der Umstand, daß man sich über die pekmiiären Bedingungen nicht einigen konnte. Das gebotene Aequivalent halten wir für völlig ausreichend und würden auch im Falle einer Kün- digung des Abkommens burch die Aerzte nicht darüber hinaus- gehen. Wir sind aber fest überzeugt, daß eine Kündigung nicht eintreten wird. Stadtv. Adolf Hoffmann(Soz.) ersucht den Magistrat, den Bezirksvorstehern, die schon ganz nervös geworden sind, auch nicht noch diese neue ungeheure Arbeitslast aufzuerlegen. Stadtv. Dr. Ritter bestreitet gegenüber einer Behauptung des Vorredners, daß der Magistratsvorsteher der Verständigung Wider- stand geleistet hätte. Stadtv. Dr. Wehl: Bisher haben tatsächlich die Armenärzte in der großen Zahl der Fälle auf Grund des Armenscheins be- handelt; die Armendirektion hat erst verfügen müssen, daß der Armenschein jetzt nicht mehr nötig ist. Sie haben die Behand- lung in der Armensprechstunde und mit den Rezepten für die Armendirektion eintreten lassen. Hat wirklich gerade der Magistratskommissar das vorliegende Problem gelöst? Die Aerzte wissen, daß er der Vater aller Hindernisse gewesen ist. Ledig!' i dem energischen Eingreifen des Oberbürgermeisters war die glück- liche Lösung zu danken. Oberbürgermeister Mermuth: Ich muß wirklich dem Dezer- nenten das Zeugnis ausstellen, daß er mit größtem Eifer und Er- folg für das Abkommen tätig gewesen ist. Die Magistratsvorschläge gelangen einstimmig zur Annahme. Für den Rest der Sitzung übernimmt der zweite Vorsteher"! Stellvertreter H e i m a n n(Soz.) den Vorsitz. Die Verhandlungen mit dem Finanzministerium über die B e- g r a d i g u n g der D o r o t h e c n st r a st e zwischen Kastanien- Wäldchen und Kupfergraben sind jetzt abgeschlossen. Der neue Fluchtliiiieneiitwurf liegt vor. Von dem fiskalischen Grund- stück Nr. 1 werden 217, von dem Herzschen Grundstück Nr. 2 etwa 75, vom Garten des FinanzministermmS, Dorotheenstr. 84, etwa 05 Quadratmeter für die Straße beansprucht. Die Vorlage geht auf Antrag Crem er(Linke) an einen Ausschuß. Zugunsten der Berliner I u g e n,d k o m p ag n i e n soll abermals eine städtische Beihilfe von 4000 M. an das Königliche Gcneraliommissariat zur militärischen Vorbereitung der Jugend geleistet werden. Stadtv. Bruns(Soz.): Der Magistrat hat uns die frühere Bewilligung von 0000 M. empfohlen, weil cö sich um einen ein- m a l ig e n Zuschuß handelte, und dieses Wort war auch in der damaligen Vorlage unterstrichen. Wir haben uns damals da- gegen erklärt; wir können auch heute nur wiederholen, daß wir Dieser Organisation die Fähigkoit nicht zusprechen können, im Sinne der Jugenderziehung erfolgreich zu wirken, wofür leider noch immer nicht genug' geschieht. Zahlreiche Pädagogen haben zu dieser Soldatenspielerei nicht das Zu- trauen, daß sie„der Gefahr der Verwahrlosung der heran- wachsenden Jugend entgegenwirken" werde. Auch im Magistrat sitzen Vertreter dieser Auffassung. Jedenfalls gehört die"Sache nicht zu den kommunalen Aufgaben. Stadtschulrat Dr. Reimann: Der Magistrat will sich auch jetzt durchaus nicht binden. Man hat doch die lange Dauer des Krieges nictu voraussehen können. Die Jugendkompagnien liefern ein vorzügliches Rekrutenmatcrial. In der gegenwartigen Kriegslage muß mit allen Mitteln auch durch die Gemeinde die Schlagfertig- keit des Lwcres gefördert werden. Der Betrag wird bewilligt. An die M a r k u s k i r ch e und ihr Kirchenhaus in der Weber- straße soll nachträglich für 1913 ein PatronatSbeitrag von 818 M. für Baumaterialien gezahlt werden. Die Versammlung stimmt zu. Schluß'�8 Uhr._ sürsorge, weit über ihre gesetzliche Pflicht hinausgegangen sei. Ihm trat Genosse Adolf Hoffmann entgegen mit der Feststellung, daß Berlin die soziale Pflicht hat. mehr zu tun als das, was gesetzliche Pflicht ist. Zwischen Dr. Ritter und Genossen Wehl entspann sich dann noch um die Frage, ob der Magistrat den nötigen Eifer gezeigt habe oder nicht, ein kurzer Streit, in den auch der Oberbürgermeister zur Verteidigung des Magistrats eingriff. Die Vorlage wurde schließlich angenommen. Ein Magistratsantrag, für die Berliner Jugend k o m p a g n i e n zur Kostendeckung wieder eine Beihilfe aus dem Stadt säckel zu geben, wurde von der sozial- demokratischen Fraktion bekämpft. Genosse Bruns erinnerte daran, daß im vorigen Jahr ein„einmaliger" Beitrag gc fordert wurde; dieser„einmalige" Beitrag solle nun zum zweiten Male geleistet werden. Unser Redner wies auch auf die Bedenken hin, die von Pädagogen geäußert worden sind Stadtschulrat R e i m a n n empfahl Annahme, und die freisinnige Mehrheit beschloß so. Hervorgehoben sei, daß gestern zum ersten Male in der Berliner Stadtverordnetenversammlung ein Sozialdemokrat die Verhandlungen leitete. Den Vorsitz übernahm im zweiten Teil der Sitzung der zweite Stellvertreter des Vor- sitzenden, unser Genosse H e i m a n n. Die Konfektionsarbeit mittels Maschinen. Eine wichtige BekannliiiaLung, die sich auf mit Kraft angetriebene Maschinen für Konfektionsarbeit bezieht, erläßt das Ober» kommando in den Marken. Sie lautet: Berlin, 20. Januar. Bekanntmachung betreffend mit Kraft angetriebene Maschinen für Konfcklionsarbeit. „Auf Grund des 8 0 Buchstabe b des Gesetzes über den Be lagerungSzustand vom 4. Juni 1851(in Bayern auf Grund Art.< Ziffer 2 des Gesetzes über den Kriegszustand vom 6. November 1912 wird folgendes zur allgemeinen Kenntnis gebracht: t. Das Zuschneiden von Web- und Wirkwaren mittels mecha nisch angetriebener Zuschneidemaschinen wird hiermit verboten, 2. In allen Betrieben, in denen mit Kraft angetriebene Näh-, Knopfloch- und andere derartige Maschinen für die Konfektionierung von Web- und Wirkwaren verwendet werden, darf mit diesen Maschinen nur noch während 30 Stunden in jeder Woche gearbeitet «erden. 3. DaS Vergeben von Konfektionsarbrit zum Zwecke der Her- kellung von Erzeugnissen aus Web- und Wirkwaren zu niedrigeren Lohnsätzen als den im Monat Dezember 1915 ortSüÄichen ist der- «iotcn. Wenn die an M.-schiuen, wie unter Ziffer 2 beschrieben, be thäfligten Arbeiter bisher im Tage- oder Wochsnlohn bezahlt tdurden, so darf nach dem Inkrafttreten dieser Bekanntmachung der zu zahlende Lohn für eine Woche für jeden Arbeiter nicht niedriger sein, als der bisher ortsübliche. Soweit in Stücklohn hergestellte Gegenstände infolge der Ver »vre 1 und 2 auf andere Weise konfektioniert werden müffen als bisher, ist der Arbeitnehmer tür den entstandenen Mehraufwand von Zeit von dem Arbeitgeber an, Lohn zu entschädigen. In Streitfällen soll ein Gutachten von der örtlich zuständigen Handiverkskammer eingeholt werden. Ein besonderer Unternchmergewinn darf auS einer derartigen Lohnerhöhung beim Verkauf der hergestellten Waren nicht hergeleitet werden, d. h. der Verkaufspreis darf höchstens um den wirklichen Betrag des Mehrlohns erhöht werden. 4. Werkstätten ini eigenen Betriebe der Militär- und Marine- Verwaltung sind von diesen Maßnahmen nicht betroffen. 5. Unmiitelbare Heeres« und Marinelieferanten, bei denen durch die Verbote 1 und 2 die Erfüllung der Lieferzeit in Frage gestellt wird, haben sich an die auslragerteilende Stelle mit dem Ersuchen um Verlängerung der Lieferfcist zn wenden. Die anordnende Be- Hörde wird auf besonderes Ansuchen der austragerteilenden Stelle in den Fällen, in denen eine Verlängerung der Lieferfrist im Heeres- interesse nicht bewilligt werden kann, eine Befreiung von den Ver- boten 1 und 2 für die Erledigung bereits laufender Austräge gewähren. Auch die beschaffenden Stellen des Heeres und der Marine dürfen neue Aufträge nur noch unter Berücksichtigung der Anord- nungen diese: Bekanntmachung erteilen. S. Irgend welchen Gesuchen um Befreiung auS anderen Gründen als den in Ziffer 5 genannten, kann nicht staltgegeben werden. 7. Die Bekaimlmachung tritt mit ihrer Verlündigung in Kraft. 8. Abdrucke vorstehender Bekanntmachung(beim Webstoffmelde- amt der KriegSrohstoffabteilung des Königlich Preußischen Kriegs- Ministeriums, Berlin 81V. 43. Verlängerte Hedemannftr. 11, erhält- lich) sind in den Räumen der in Betracht kommenden Betriebe und Firmen anzuschlagen. Oberkommando in den Marken. Mus Groß-öerlin. Berliner Stadtverordnetenversammlung. Gestern ging cS in der Stadtverordnetensitzung etwas lebhafter als sonst zu. Vor Eintritt in die Tagesordnung nahm Obcrbürger- meistcr Mermuth das Wort zu einer Erwiderung auf die Angriffe, die im Reichstag der Vorsitzende der Reichsgetreide- stelle gegen die Stadt Berlin richten zu dürfen geglaubt hat. weil sie mit Z u s a tz b r o t k a r t e n zu freigebig sei. Herrn Wermuths kräftige Abwehr, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ, fand Beifall bei allen Gruppen der Versammlung. Einen Streit um den Magistrat gab es bei dem Magistratsantrag über die Arzthilse für Krieger- f a m i l i e n. Den vorgelegten Vertrag mit den Aerzten be- grüßte Genosse Wehl als erfreuliche Lösung, doch bedauerte er, daß der Magistrat so lange habe warten lassen. Im Gegensatz hierzu spendete Stadtverordneter Dr. Ritter dem Magistrat Dank für das bewiesene Entgegenkommen. Stadtverordneter G a l l a n d rühmte, daß die Berliner Stadt- Verwaltung in dieser Angelegenheit, wie in der ganzen Kriegs- Kommen neue Kartoffelhöchstpreise? DaS Städtische Nachrichtenamt Berlin-WilmerSdorf schreibt uns: .Bor einigen Tagen wurde durch die Groß-Berliner Presse eine Erhöhung der Kartoffelhöchstpreise um 1—1,20 M. für den Zentner angekündigt. Da vom Bundesrat bisher eine solche Verfügung nicht ergangen ist, befinden sich die Städte, die auf dauernden Bezug der Kartoffeln angewiesen sind, in einer sehr schwierigen Lage. Sofort nach Bekannllverden dieser Mitteilungen durch die Presse hat der größte Teil der Erzeuger die Verladung zum alten Preise ein- gestellt, so daß bis zum Bekanntwerden der Bundesratsverfügung eine Swckung in der Versorgung mit Kartoffeln besteht. Im Interesse der BolkSernährung ist zu wünschen, daß die Loge auf dem Kartoffelmarkte in bezug auf neue Preise umgehend geklärt wird, da zu befürchten steht, daß die augenblicklich für die Verladung günstige Witterung vorübergehen wird, ohne daß die nötigen Sen- düngen erfolgen. Die Städte sind daher gezwungen, ihre für die immer noch zu erwartende Frostperiode bestimmten Vorräte schon jetzt zu verkaufen." Ein Anlaß, die Kartoffelpreise noch zu erhöhen, liegt nicht im geringsten vor. Auf die Arbeit in Luwpcnrcißerrien bezieht sich eine Bekannt- machung des Oberkommandos, die bei den Polizeibehörden ein- gesehen werden kann. Den Tod eines jungen Menschen sucht die Kriminalpolizei auf- znklären. Am 4. Januar wurde abends der 15 Jahre alte Mit- fahrer Hermann Goltstbalk aus der Witlstocker Straße 20 im kleinen Tiergarten tot aufgefunden. Der junge Mann, der in der Bolleschen Meierei beschäftigt war, lag gegenüber dem Hause Alt Moabit 20 neben einer Bank. Weil an der Leiche keine Spur einer äußerlichen Verletzung zu sehen war, so glaubte man, daß eine Bluilache an der Fundstelle wohl von einem Blutsturz herrühre. Man nahm an, daß der junge Mann, plötzlich von Krankheit befallen, sich mühsam nach der Bank geschleppt habe und dort gestorben sei. Die Leichenöffnung hat jedoch ein wesentlich anderes Ergebnis gehobt. Sie stellte mehrere Rippenbrüche und Blutergüste in das Körperinnere fest. Woher nun diese Rippenbrüche gekommen sind, ließ sich bisher nicht ermitteln. Es ist anzunehmen, daß der junge Mensch irgendwie das Opfer eines Unfalls geworden ist. Vielleicht hat jemand ge« sehen, was ihm zugestoßen ist und teilt der Kriminalpolizei seine Wahrnehmungen mit. Bis jetzt war ein Augenzeuge nichl zu er- Mitteln._ Gestohlene Kühe. Einen sehr empfindlichen Verlust hat der Großschlächtermeister Behm aus der PistoriuSstr. 83 in Weißensee erlitten. Ihm sind im ganzen zehn Kühe auf dem Zentralviehhof gestohlen worden, und zwar eine am 17. Dezember, sieben am 22. Dezember und zwei am 15. Januar. Derartige Diehstähle sind bei dem beim Auftrieb des Schlachtviehes herrschenden großen Verkehr und der dadurch ent- stehenden Verwirrung leicht möglich. Der Geschädigte hat eine Be- lohnung in Höhe von 500 M. auf die Ernritieluug der Täter aus- gesetzt._ Von einem plötzlichen Tode ist am Donnerstag der als Offiziers- anwärter beim zweiten Landsturmbataillon stehende 38jährige Ingenieur Georg Broste ereilt worden. Brosse, der in den nächsten Tagen ins Feld ziehen wollte, wohnte im Hotel Sanssouci in der Lintstraße. Als er gestern morgen das Lesezimmer des Hotels betreten halte und gerade Platz nehmen wollte, sank er ohnmächtig zu Boden. Ein sofort hinzugerufener Arzt konnte nur noch den in- zwischen infolge Herzschlages eingetretenen Tod feststellen. Zu dem Verbrechen an dem kleinen Mädchen in Tegel wird noch berichtet: Dora E. spielte mit einer Altersgcnossin, wie durch die näheren Ermittelungen jetzt festgestellt wurde, in dem UcbuugSschützengraben. Ter Nebeltäter kam von Borsigwalde und den Tegeler Wasserwerken her, näherte sich langsam dem Graben und beschäftigte sich zunächst mit den beiden Kleinen. Als Dora E. zu schreien begann, lief ihre Gespielin davon. Sie begegnete einer Frau und zwei Knaben, die auf das Hilfegeschrei schon herbei- gelaufen kamen und klärte sie hastig auf. Die drei liefen dann gleich nach dem Graben zu. Der Unhold entfloh jetzt 200 Meter den Wittenauer Weg in der Richtung nach Borsigwalde. Hier nahm ihn der Wald auf. Die beiden Knaben, die ihn bis an den Waldsaum verfolgt hatten, gaben hier die Verfolgung auf, weil sie sich im Walde fürchteten. Die Bemühungen der Gen- darmerie und der Amtspolizei, die an der Hand dieser Spuren sofort die Nachforschungen begannen, konnten bisher des Täters noch nicht habhaft werden. Die ärztliche Untersuchung des Kindes hat eine ziemlich große Verletzung festgestellt. Ter Täter muß sich, darauf sei unter Hinweis auf die Belohnung von 500 M. beson- ders aufmerksam gemacht, an den Händen und an der Kleidung stark mit Blut besudelt haben. Es wird darauf zu achten sein, wo sich etwa ein Mann Hände und Kleidung gesäubert hat. Mit Hilfe deS Fernsprechers überrascht und verhaftet wurden gestern zwei„schwere Jungen' in Neukölln. Ein Kullcher Theodor Schuster und ein Kaufmann Ernst Porath, die beide schon wieder- holt, auch mit Zuchthaus bestraft sind, machten von Berlin aus eine Klingelfahrt nach Neukölln. Nachmittags fanden sie«ine Gelegenheit zum Einbruch bei dem Masseur B. am Kottbuler Damm 101. Sie waren gerade dabei, die aus den Behältnissen herausgesuchten Wert- fachen, darunter drei goldene Ringe, einzupacken, als plötzlich zwei Herren erschienen und sie ausforderten, mit ihnen zu kommen. Die Einbrecher wußten gleich, mit wem sie zu tun ballen, setzten sich zur Wehr, wurden aber bald überwältigt und nach dem Neuköllner Polizeipräsidium abgeführt. Ein Nachbar B.S, der Fernsprechanschluß bat, hatte gemerkt, daß in der Wohnung etwas nicht in Ordnung war, und rasch die Kriminalpolizei gerufen. Mus öen Gemeinöen. Stadtverordnetenversammlung in Charlottenburg. In der Sitzung am Mittwoch stand ein sozialdcmokratisch.-r Antrag zur Debatte, der an den Magistrat das Ersuchen richte:, in Beratungen darüber einzutreten, welche Mittel anzuwenden sind, um dem aller Voraussicht nach bestehenden Mangel an Kleinwohnungen rechtzeitig vorzubeugen und niit möglich- ster Beschleunigung Vorschläge in dieser Richtung zu machen. Ge- nosse Katzenstein, der den Antrag begründete, wies aus die schon in normalen Zeiten in Groß-Berlin ständig voihandene Wohnungsnot hin, die sich voraussichtlich nach dem Kriege noch ver- mehren werde, zumal da auf das Einsetzen der privaten Bau- tätigkeit infolge der Geldknappheit und der hohen Verzinsung des Baugeldes nur wenig zu rechnen sein dürfte. Unser Genossc machte eine Reihe von spezialisierten Vorschlägen, cr verlangte unter anderem eine Beseitigung oder Herabminderung der An- liegerbeiträge und einen Ausbau des Groß-Berliner Schnellbahn- Uetzes, um die Möglichkeit der Schaffung von Kleinwohnung?- siedelungen in Gegenden mit verhältnismäßig niedrigen Boden- preisen zn schaffen.— Stadtv. Dr. Meyer stellte sich namens der liberalen Fraktion dem Antrage im großen ganzen sympathisch gegenüber, wenn er auch nicht die Schwierigkeiten der Lösung des Problems verkannte. Er regte ein Zusammengehen aller Groß- Berliner Gemeinden auf diesem Gebiete an und bezeichnete cs als Aufgabe des Zweckverbandes Groß-Berlin, der Frage näber- zutreten. Im Gegensatz zu den Rednern aus der Mitte der Per- sammlung hielt der Vertreter des Magistats, Stadtsvndikus S c m- britzki, die Durchführung des Antrages für äußerst schwer. Für ihn steht es keineswegs fest, ob nach dem Kriege eine Wohnung.-- not zu erwarten ist. Er erklärte, daß der Magistrat sich schon seit Jahren mit dem Problem beschäftige, daß er aber zu der Ueberzeugung gekommen sei. daß eine einzelne Gemeinde inner- halb Groß-Berlin die Frage nicht lösen könne.— Der Antrag wurde schließlich dem Magistrat überwiesen. Die Jahresabschlüsse für das Schiller-Theater und für das Deutsche Opernhaus wurden zwecks genauer Prüfung der ivirt- schaftlichen Lage dieser Institute einem besonderen Ausschuß über- wiesen. Im übrigen erledigte die Versammlung nur noch einige Vorlagen, die des allgemeinen Interesses entbehren. Briefkasten üer Redaktion. P. G. 107. Sie können Anspruch aus Mietunterstützung nicht geltend machen.— P. St. 17. Der Chef belommt auf jeden Fall von der Milttäroerwallung Bescheid.— m ,!h«>. w oroa.ntg-tortzzlN., fit.««. 2,50 I | SNoltetch«!, Bertin«z.Eitnidodnile r.'I Die Verordnung deS LberiommandoS in den Marken betreffend Be- standserbebung und Lagorbuchfübrung von Droge» und Erzeugnissen aus Drogen tritt heute in Krast. Die vollständige amtliche Bekanntmachung dieser Berordnuna erfolgt an den Anschlagsäulen und in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung". Berlin, den 20. Januar 1910. 25. l. Mil. 16. Ter Polizetpräiideut. 3S36 Gewinne Mirk 1. Hauptgewinn w. Mark 2. Hauptgewinn W. Mark iWeslMhe Lotterie Ziehung am 9. Februar in Breslau. GOOOO» ISOOO» AOOOO. Lose a: 1 Mark zu haben in allen Lottcriegescbaft lud.MQIIer&C? Porton. Liste II Lose sortiert aus 25 PI. extra vtrsch.Taus 10 Mk. za haben in allen Lotteriegesebatten, Loseverkaufsst eilen und dureh Berlin W. 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