Kr. 41.-33. Jahrg. Hfconncments-Bcdlngnngen: KSonnementä• SretJ pranumerand», BiertcliäbrL 530 MI. monatL UO Ml. «öchemlich 2ö Pfg. frei tnl Haut. Einzeln» Nummer S Pfg- kann lagt» nummer mil illultrrerier Sonntagt» Seilage.Die Neue Welt'>0 S'a. Boft» Kbonnomem' t.10 Marl vro Monat. Eingerrage» m die Boll. Zeitung«. Brelslilte llmer Kreuzband föt Deulscblan» und Oellerreul»» Ungarn 530 Marl iüi da« übrige kutland t Marl vro Monat. Boslabonnementt nebmen an: Belgien. Dünemarl, Holland. Jlalie». Luxemburg. Bomig cl, Buomnien, Schweden und die«chweiH ««tili Sgl,«. �* Verlinev Volksblatt. 5 Pfennig) Die!nferfions--GcbOf)r Beträgt für die sechSgefvaltene Kolonc?» »eile oder deren Raum M Pfg., für politische und gewerl'chaftlichc Sereiit#- und BersammiungS-Anzeigen£0 Psg. jjKlelne Hnicigcn", bis lettaedruÄs Wort 20 Psg. fzulänig 2 ferigedruckte Worte), jedes weitere Wort w Pfg. ktellengesuche und Schlaiftellenan» »eigen das erste Äort 10 Pfg., jedes wettere Wort S Pfg. Worte über ISVuch» stoben zählen für zwei Worte. Anseroie mr die nächste Nuunner müssen bis t> Uhr nachmittag» in der EMedition abgegeben werden. Die Ervedinoil ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Delegramm> Adresse: „Sozialdernokm Rertü". Zentralorgan der fozi aldemokrati f eben Partei Oeutfchlands. Neüaktton: SW. 68, Linüenstraße 3. Fernsprecher- Ami Morinpla«. Nr. lSI 90— l-il»7. Expedition: Stö. 68, Linöenstraße 3. bkernsvrecher: Amt Moritzplan, Nr. lS190— bäI S7. Verschärfung des Seekrieges. denksihrist der Kaiserlich Deutschen Regierung über Sie De- Hanölung bewaffneter Kauffahrteischiffe. Amtlich. Berlin, Iii. Februar.(W. T. B.) Die ,,N o rd- deutsche Allgemeine Zeitung" veröffentlicht nachstehende Denkschrift*) der Kaiserlich Deutschen Regierung über die Behandlung bewaffneter Kauffahrtei- schiffe, die am heutigen Tage den diplomatischen Vertretern der neutralen Mächte in Berlin mitgeteilt ist: I. 1. Schon vor Ausbruch des gegenwärtigen Krieges hatte die Bri- tische Regierung englischen Reedereien Gelegenheit gegeben, ihre Kauf. fahrteischifse mit Geschützen zu armieren. Am 26. März 1913 gab der damalige Erste Lord der Admiralität, Winstou Churchill, im bri- tischen Parlament die Erklärung ab(Anlage 1), daß die Admiralität die Reedereien aufgefordert habe, zum Schutze gegen die in gewissen Fällen von schnellen Hilfskreuzern anderer Mächte drohenden Ge- fahren eine Anzahl erstklassiger Liniendampser zu bewaffnen, die da- durch aber nicht etlva selbst den Charakter von Hilfskreuzern an- nehmen sollten. Die Regierung wollte den Reedereien dieser Schiffe die notwendigen Geschütze, die genügende Munition und geeignetes Personal zur Schulung von Bedienungsmannschaften zur Verfügung stellen. 2. Tie englischen Reedereien sind der Aufforderung der Admi- ralität bereitwillig nachgekommen. So konnte der Präsident der Royal. Mail Steam Packes Company, Sir Lwen Philipps, den Aktionären seiner Gesellschaft bereits im Mai 1S13 mitteilen, daß die größeren Dampfer der Gesellschaff mit Geschützen ausgerüstet seien; ferner veröffentlichte im Januar 1914 die britische Admiralität eine Liste, wonach 29 Dampfer verschiedener englischer Linien Heckgeschütze führten.■•.- 3. In der Tat stellten bald nach Ausbruch des Krieges deutsche Kreuzer fest, daß englische Liniendampfer vewarfnet waren. Beispiels- weise trug der Dampfer„La Correntina" der Houlder-Linie in Liver- Pool, der am 7. Oktober 1914 von dem deutschen Hilfskreuzer„Krön- Prinz Wilhelm" aufgebracht wurde, zwei 4,7zöllige Heckgeschütze. Auch wurde am 1. Februar 1915 ein deutsches Unterseeboot im Kanal durch eine englische Jacht beschossen. II. 1. Was den völkerrechtlichen Charakter bewaffneter Kauf- fahrteischiffe betrifft, so hat die Britische Regierung für die eigenen Kaffahrteischisfe den Standpunkt eingenommen, daß solche Schüfe so lange den Charakter von friedlichen Handelsschiffen behalten, als sie die Waffen nur zu Perteidigungszwecken führen. Demgemäß hat der Britische Botschafter in Washington der Amerikanischen Regierung in einem Schreiben vom 25. August 1914(Anlage 2) die weitestgehenden Versicherungen abgegeben, daß britische Kauffahrteischiffe niemals zu Angriffszwecken, sondern nur zur Verteidigung bewaffnet werden, daß sie infolgedessen niemals feuern, es sei denn, daß zuerst auf sie gefeuert wird. Für bewaffnete Schiffe anderer Flaggen hat dagegen die Britische Regierung den Grundsatz aufgestellt, daß sie als Kriegs- schiffe zu behandeln seien; in den Prize Court Rulcs, die durch die Order in Council vom 5. August 1914 erlassen worden sind, ist unter Nr. 1 der Order I ausdrücklich bestimmt:„ship of war shall include armed ship". 2. Die Deutsche Regierung hat keinen Zweifel, daß ein Kauf- fahrtcischiff durch die Armierung mit Geschützen kriegsmäßigen Cha- rakter erhält, und zwar ohne Unterschied, ob die Geschütze nur der Verteidigung oder auch dem Angriff dienen sollen. Sie hält jede kriegerische Betätigung eines feindlichen Kauffahrteischiffes für Völker- rechtswidrig, wenn sie auch der entgegenstehenden Auffassung dadurch Rechnung trägt, daß sie die Besatzung eines solchen Schiffes nicht als Piraten, sondern als Kriegführende behandelt. Im einzelnen ergibt sich ihr Standpunkt aus der im Oktober 1914 der Ameri- konischen Regierung und inhaltlich auch anderen neutralen Mächten mitgeteilten Aufzeichnung über die Behandlung bewaffneter Kauf- fahrteischifse in neutralen Häfen(Anlage 3). 3. Die neutralen Mächte haben sich zum Teil der britischen Auf- fassung angeschlossen und demgemäß bewaffneten Kauffahrteischiffen der kriegfübrenden Mächte den Aufenthalt in ihren Häfen und Reeden ohne die Beschränkungen gestattet, die sie Kriegsschiffen durch ihre Neutralitätsbestimmungen auferlegt hatten. Zum Teil haben sie aber auch den entgegengesetzten Standpunkt eingenommen und bewaffnete Kauffahrteischiffe Kriegführender den für Kriegsschiffe geltenden Neu- tralitätsregeln unterworfen. III. 1. Im Laufe des Krieges wurde die Bewaffnung englischer Kauf- fahrteischiffe immer allgemeiner durchgeführt. Aus den Berichten der deutschen Seestreitkräfte wurden zahlreiche Fälle bekannt, in denen englische Kauffahrteischiffe nicht nur den deutschen Kriegsschiffen be- waffneten Widerstand entgegensetzten, sondern ihrerseits ohne weiteres zum Angriff auf sie übergingen, wobei sie sich häufig auch noch falscher Flaggen bedienten. Eine Zusammenstellung solcher Fälle findet sich in der Anlage 4, die nach Lage der Sache nur einen Teil der wirklich erfolgten Angriffe umfassen kann. Auch geht aus der Zusammenstellung hervor, daß sich das geschilderte Verhalten nicht auf englische Kauffahrteischiffe beschränkt, vielmehr von den Kauf- sahrteischiffen der Verbündeten Englands nachgeahmt wird. *) Der Denkschrift find 15 Anlagen beigefügt, von deren Wiedergabe wir aus Raumgründen absehen. Ihr Inhalt ist in der Denkschrift angegeben. Wlm des Gruden Mnntfleis. Amtlich.(Drostes Hauptquartier, den 10. Februar 1916.vcist, andererseits die Einnahmen aus Steuern allein nicht beschafft werden können, so bleibt nur übrig, andere Einnahmequellen zu erschließen, und als solche Quelle ergibt sich vor allem die Einführung von staatlichen Betriebs- und Handels in onopolen, die Verstaatlichung bestimmter Jndustriezlveige. Daraus folgt, daß die Wiederholung der all- bekannten, auch heute»vieder von einigen Blättern aus der Argu- »nenten-RumPclkammcr hervorgcsuchten Fragen ganz zwecklos ist, wie zum Beispiel:„kann jede solche Verstaatlichung schon im all- gemeinen(d. h. unter gewissen als„allgemein" unterstellten Verhältnissen, die mit der gegebenen recht»vcnig zu tun haben) an sich als Fortschritt zum Sozialismus gelten, oder kann nicht vielleicht der Staat nur an die Stelle des kapita- listischen Privatunternehmers treten»vollen?" oder die noch tiefgründigere Frage:„Geschieht die Verstaatlichung im Jntcr- esse der Gesamtheit oder Allgemeinheit(»vas unter dem vagen Begriff„Allgemeinheit" zu verstehen ist, wird gewöhnlich nicht gesagt), oder geschieht sie im fiskalischen Interesse?" Und nachdem dann der so Fragende je nach seiner Meinung herausgefunden hat, daß die Einführung cineS Staatsmonopols ausschließlich oder vorwiegend im sogenannten„Gemein- interesse" oder nur im fiskalischen Interesse liegt, wird darauf gewichtig die Entscheidung so oder so gefällt. Das ist gciviß ein leicht zu handhabendes Schema, das aber den Fehler hat, daß es, da es die gegebenen Verhältnisse und Zwecke ganz unberücksichtigt läßt und mit einem kon- struiertcn einfachen„Entlvcder— Oder" operiert, für den besonderen Fall gar nicht paßt. Ailf den jetzigen Fall sicher- lich nicht. Denn es handelt sich hier gar nicht um sogenannte allgemeine Verhältnisse, sondern um bestiminte Wirtschafts- und Stcuervcrhältnisse nach dem Kriege, und zweitens ist von vornherein klar, daß der Staat resp. die Regierung, wenn sie in dieser gegebenen Lage dem Reichstag Monopolentwürfe vorlegen, sie diese nicht als Mittel des Fortschritts zuin Sozialisinus oder im Interesse irgendeiner unbestimmten All- gemeinhcit verlangen, sondern um sich die nötigen Geldmittel zu beschaffen, also unzivcifelhaft im sogenannten fiskalischen Interesse. Es ist auch ganz sicher, daß wenn der heutige Staat ein Monopol einführt, er es nicht tut, um den bisher von den Privatunternehmern eingesteckten„Mehrivcrt", richtiger Profit (denn gewöhnlich handelt es sich gar nicht um den ganzen Mehrivert, sondern nur um bestimmte Profite oder Profit- anteile) nun den in seinen Monopolbetrieben beschäftigten Arbeitern oder Angestellten zuzuführen, sondern um mit den» erzielten Gewinn Staatsausgaben zu decken. Es kann also demnach auch gar nicht bcziveifelt werden, daß der Staat, der Monopole betreibt, ebenso ein Mehrwerts- oder Profitaneigncr ist. wie der Privatunternehmer— nur noch in größcrem Maßstabe. Aber daraus, daß dem so ist, folgt noch keineswegs, daß ein StaatSmonopol(wenn auch vielleicht nicht im Interesse der„Allgemeinheit", denn diese sogenannte Allgemeinheit be- steht im heutigen Staat nun mal aus Bcvölkerungsschichten und Klassen mit verschiedenen Interessen) nicht doch i in Interesse bestimmter Schichten liegen kann, auch der Arbeiterschaft— und zwar nicht„an sich", sondern im Vergleich zu andern Arten der staatlichen Ein- uahmcbcschaffung, also im Vergleich zur Vermehrung be- stimmter Steuern, Zölle, Abgaben ustv. Es läuft geradezu auf eine Naivität hinaus, vom heutigen Staat,»nag er nun monarchistisch oder republikanisch, konscr- vativ oder demokratisch sein, zu verlangen, er solle nicht mit der Einführung von Monopolen den Ziveck der Aneignung von *) In der Monopol- und Sicuerfrnge, die in der gesamten Presse eifrig diskutiert wird, geben wir heute dem Genossen Heinrich Cunolv da? Wort. Seine Ausführungen stehen im Gegensatz zu unserer Auffassung, die u. a. in den Leitartikeln vom tO. und 11. Januar begründet worden ist. Wir behalten uns vor, «ruf die wichtigen Fragen ausführlich zurückzukommen. Die Redaktion. Unternehmerprofiten oder fiskalische Zivecke verfolgen; denn gerade deshalb wird ja das Monopol ein- geführt. Sicherlich, der Staat soll nicht nur fiskalische Zwecke verfolgen, also nicht unter Außerachtlassung aller kul- turcllen, sozialpolitischen, hygienischen Ziele nur danach trachten, »nöglichsr hohen Geivinn aus seinen Monopolen herauszuholen; aber das Ansinnen zu stellen, er solle sich überhaupt keine fiskalischen Zivecke setze», ist unsinnig, denn gerade solcher Zlvecke»vegen erfolgt heute die Einführung von Staats- Monopolen. Es soll durch sie der Profit, den bisher Fabrikanten, Grossisten, Kleinhändler ciiistcckten, dem Staat zur Deckung seiner Ausgaben zugeführt, ihm da- durch Mittel zur Verfügung gestellt werden, die sonst auf einein anderen Wege herangeschaffr»verde»»»jlüßten. Deshalb ist eS auch ganz unrichtig, einen Gegensatz ztvischcn Gesamt- bezw. Allgemeininteressen und fiskalischen Interessen zu kon- struieren, und dann daraus zn folgern: da daS Monopol nicht diesein sogenannten Gesamtinteressc dient, so niüsscn»vir es ablebnen. Nach demselben Rezept könnte man auch die Frage stellen:„Dienen die Steuern dem Gesamtinteressc oder dem fiskalischen Interesse?"— und dann, nachdem»nan ihren fiskalischen Zweck dargetan hat, kurz schließen, daß Steuern überhaupt abzulehnen sind. So liegt die Frage gar nicht. Sic lautet: Was liegt mehr im Jutcrcsse der Arbeiterschaft(nicht irgend einer vagen Allgemeinheit, denn»vir sind eine Arbeiterpartei, die ins- besondere die Arbeiterinteressen zu vertreten hat): die Ein- führimg neuer Steuern und Abgaben bcstinimter Art oder aber die Einführung eines bestimmten Monopols, durch das die Profite, die bisher eine Anzahl größerer oder kleinerer Kapitalisten einsteckten, künftig in die Reichskasse geleitet werden? Es handelt sich eben einfach um eine Wahl— i n gewissem Sinne kann mau von einer Not- »v a h l sprechen— zwischen verschiedenen durch die Gesamtlage gegebenen Alternativen, und da kommt für die sozialdemokratische Partei in allererster Reihe in Betracht, »vas für die Arbeiterschaft verhältnismäßig am vorteil- haftesten ist. Damit ist schon gesagt, daß es für unsere Partei eine für alle Fälle gültige sogenannte prinzipielle Entscheidung für oder gegen Staatsmonopole gar nicht gibt! Es kommt auf die Ümstäude an: auf die jeweiligen wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse und vor allein auf die Art des ge- forderten Monopols. Selbst»venu als sicher erscheint, daß die Einführung eines bestimmten Staatsmonopols eine Preis- erhöhung gewisser Gebrauchsartikel zur Folge hat, also das Monopol in gleicher Weise wirken wird,»vie eine von diesen Artikeln erhobene Verbrauchssteuer, so ist da»uit noch keines- wcgs gesagt, daß ein solches Monopol unter allen Umständen abgelehnt ivcrden muß. Das Interesse der Arbeiterklasse kann vielmehr erfordern, es auch in solchen Fällen anzunehmen— nämlich dann, wenn z. B. infolge des Bestehens privater Monopole die Preise der betreffenden Artikel ohnehin steigen dürsten, oder »venu die Folge der Ablehnung des Monopols die Einführung von Steuern sein»vürde, die die Lebenshaltung des Arbeiters noch»veit härter treffen, oder wenn die Preissteigerung reich- lich aufgewogen wird, durch eine Besserstellung der in den betreffenden staatlichen Monopolbctrieben beschäftigten Arbeiter, durch günstigere Arbeitsverhältnisse, geregeltere Beschäftigung, Vermeid»»,»g häufiger Krisen ustv. Welche verschiedenartigen Fragen dabei in Betracht kommen, soll in einem zweiten Artikel näher dargelegt werden. U. E. Der bulgarische Kriegsminifter über Üie Salkanoperationen. Sofia, 10. Februar.(W. T. B.) Kricgsminister N a- j o d c n o w erklärte Vertretern der Presse: Welche Vor- bereituugeu die Engländer und Franzosen in Saloniki auch treffen»verde»», sie werden ihre Vernichtung vielleicht verzögern, aber nicht ab»v enden. Den Engländern selbst»st es kein Geheiinnis, daß ihr Weiter- verbleiben in Saloniki nicht nur nutzlos, sondern sogar schäd- lich für die Entente ist.— Sobald die Saloniki-Aktion er- Icdigt sein wird, ist der Krieg für unS beendet, insosern»vir nur kämpfen werden,»venu man uns auf dem Balkan noch angreifen sollte. Die Italiener haben noch nicht erklärt, ob sie Valona bis zum Aeußcrsten halten»vollen. Entschließen sich die Ocsterreichcr, Valona anzugreifen, werden sie es sicher nehmen. Die Verhältnisse festigen so»vie so das vor- zügliche Verhältnis der Bundesgenossen. Auf den Schlacht- feldcrn leben die bulgarischen Soldaten In brüderlichen Be- Ziehungen zu den Verbündeten. Darauf wird sich das künftige vollkominenc Einveriiehinen unter den Mitgliedern des Bündnisses ausbauen. Erklärung öer griechischen Regierung. Athen, 10. Februar.(W. T. B.) Meldung der Agence Hava-?. In der Kammersitzung tvarcn alle Abgeordneten anivesend. Minister- Präsident Skuludis verlas eine Regierungserklärung über die Politik der Regierung, die vor allem darin bestehe, die Kräfte der Nation unversehrt zu erhalten und die nationalen Interessen zu wahren. Diese Politik, sagte Skuludis, hat die Billigung der Mehrheit der Nation gefunden und»vird fortgesetzt werden, trotz des Drucke«, den da» Volk mutig ertragen wird.— Der Abgeordnete Popp brachte eine abweichende Auffassung zuin Ausdruck. Gunaris erwiderte ihm in- längerer Rede, in der er das Programm der Regierung ent- wickelte. fiue öe? rumänischen Kammer. Blikarest, 10. Februar.(W. T. B.) Im Senat besprach C a t h 1 1 i die angebliche Verfolgung der Rumänen in Oesterrcich-llngarn. Cr verlangte vom Minister des Aeutzercn Ausklärungen über die Be- ziehungcn Rumäniens zu Oesterreich-Ungarn. Der Minister des Aeuheren Parum baro antwortete, er erkenne das Recht des Parlaments auf Jnlerpcllalion in Fragen der allgemeinen Politik an. In gleicher Weise sei es aber das Recht der vollziehenden Ge- Ivalt, sich jeder Lfsentlichen Besprechung zu ent- halten, wenn die Umstände eine solche Besprechung als den staat« lichen Interessen schädlich erscheinen lassen. Bezüglich der Frage des Interpellanten, die in vielen Heikien Punkten mit den internationalen Beziehungen zusammenhänge»», habe schon der Ministerpräsident v-r- langt, von deren Besprechung befreit zu»Verden. Ich lvcnde»nich, erklärte der Minister, aus den gleichen Erwägungen und treu der' gleichen Richtlinie an die Vaterlandsliebe, besonders der Minderheit, damit sie nich» durch solche Besprechungen die Ruhe und Zurück- Haltung störe, dle die Regierung braucht, um mit Nutzen über die ihr überlragenen großen Interessen zu wachen. Der franzö'slsche Tagesbericht. Paris, 10. Februar.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von Mittwoch nachmittag. Im Artois zeigten sich die beider- seitigen Artillerien weiter tätig aus der Front zwischen der Höhe 110 und der Straße von Neuville nach La Folie. Gegen abend brachten die Deutschen ztoel stark geladene Mine» westlich La Folie zur Ex- plosion und drangen in einige Siücke unseres vorgeschobenen Grabens ein. der durch die Sprengung zerstört Ivordcn roar, sowie in gewisse Punkte unseres Hauptgrabcns, aus denen wir sie durch einen in der Nacht unternommenen Haiidgranatenangrrff zurück- warfen. Der Kampf dauert an. Südlich der Somme beschossen»vir die feindlichen Gräben. In den Vogesen gegenseitiges Artillcric- feucr am Hartmannsweilerkopf. Auf der übrigen Front war die Nacht ruhig. Paris, 10. Februar.(SB. T. B.) Amtlicher Bericht vom Mitrwoch abend. In Belgien setzt unsere schwere Artillcric das Bombardement des kleinen Fort Vauban und der Gräben in der Gegend von Helsas fort. Im Artois ziemlich heftiger Artillerie- kämpf zwischen der Höhe 1!9 und der Straße von Neuville nach Thelus. Nachdem der Feind von einem Graben südwestlich der Höhe 110 eine Mine zur Explosion gebracht halle, richtete er gegen unsere Stellungen einen Jnfanierieangriff, der abgeschlagen wurde. Zwischen Soijsons und Reims südlich von Ville aux Bors machten wir einen Angriff mit Handgranaien auf einen kleinen Posten, den der Feind hat räumen müssen. Südöstlich von St. Mihiel babcn »msere Batterien an den veulschen Slellungen bedeuienden Schaden ini Walde von Apremont angerichlel. Heule zwischen 5'/3 und 6 Uhr 40 Minuten nachmittags warf der Feind sieben schwere Geschosse emf Belfort und seine Umgegend. Belgischer Bericht. Der übliche Artilleriekampf auf der Front der belgischen Armee. Die englische Melöung. London, 10.'Februar.varm empfangen. Aber auch in Frankreich hatten unsere glücklichen Vorstöße des letzten Januar« dvittels anscheinend zu der Annahme verführt, daß eine große deutsche Osfeusive unmittelbar bevorstehe. Und ganz ebenso wundert man sich in Rußland, daß Hindenburg sich trotz der günsli- gen Witterung, d. b. trotz des Frostes, der die Wege fahrbar, die Cüinpse und Flüsse fest macht, noch immer nicht rührt. Bald glaubt man, daß er gegen Riga, bald, daß er gegen Tünaburg Ivsbrechen werde; und jeder Vorstoß einer solchen Erkundungsablcilung wurde als drohender Anfang seines allgemeinen Angriffes beargwobnt. Trotz alledem dürfen wir nicht annehmen, daß unsere Gegner ihrerseits den Gedanken einer großen Frühjahrsoffcnsive schon hätten fallen lassen. Wenn wir uns einmal in ihre Lage versetzen, werden wir diese Absicht sogar als eine richtige anerkennen müssen. Sie sagen sich völlig zutreffend, daß sie uns nur durch den An- griff von dem Boden vertreiben können, den wir ihnen bisher ab- genommen haben. Daß in diesem Besitze fremden Bodens aber ein großer militärischer, wirtschaftlicher, politischer Vorteil liegt, ist ohne weiteres klar. Solange wir so stehen, wie wir gegenwärtig stehen, können, wir den weiteren Verlauf des Krieges gelassen ab- warten, denn wir haben reiche Faustpfänder in Händen und ent- ziehen unseren Gegnern einen Teil ihres nationalen Reichtums. Was aber eine Besetzung des eigenen Bodens durch den Gegner de- deuten will, hat unfeoe Provinz Ostpreußen zur Genüge erfahren. Wir dürfen alw erwarten, daß die Abficht einer großen allge- meinen �gleichzeitigen Offensive unserer Gegner mehr ist als die theoretische Plauderei einiger Militärschriftsteller— müssen aber glauben, daß man in der Tat noch hofft, durch die Gleichzeitigkeit der Handlung uns einen großen Teil der Vorteile zu nehmen, die wir bisher durch die Ausnutzung der inneren Linie gewonnen haben. Daher ist es auch leicht möglich, daß die Stimmen aus dem feindlichen Lager wenigstens zum Teile dazu bestimmt sind, uns irrezuführen. Es ist doch nicht ganz von der Hand zu weisen, daß der Feind, der angibt, auf unseren Angriff zu warten, in Wahrheit unter diesem Schleier den eigenen vorbereitet. Die wachsende Tätigkeit der feindlichen Artillerie an unserer Westfront könnte in dem gleichen Sinne gedeutet»erden. Wir werden allerdings ein solches Vorhaben in Ruhe abwarten können in der sichere»� Zuversicht, daß unsere Feldgrauen sich jedem solchen Versuche des Feindes wie bisher gewachsen zeigen werden. Und darum— weil so verschiedene Dinge im Bereich der Möglich- keit liegen— werden wir uns auch gegen alle Gerüchte, und mögen sie noch so sicher auftreten, mit einer guten Dosis Skepsis wappnen müssen. Eins ist klar, wollten die Gegner wirklich eine gleichzeitige Offensive von allen Seiten anbahnen, dann sind die blutigen An- griffe Iwanows in Ostgalizien und an der bessarabifchen Grenze bereits aus der Rolle gefallen. Sie haben nicht im mindesten Er- folg gehabt, haben die ohnehin riesigen Verluste der Russen ver- mehrt und haben bewiesen, daß die Stellungen der verbündeten Mittelmächte jedem Sturme gewachsen sind. Ein neuer großer Angriff der Russen wird jedenfalls neue große Vorbereitungen er- fordern. So tapfer auch viele Truppen dort gestürmt haben, im ganzen hat sich doch gezeigt, daß sie an Ausdauer und Standhaftig- �eit den Karpathenftürmern es nicht mehr gleich getan haben. Es ist eine alte Kriegslehre, daß Truppen, die wiederholt vergeblich angegriffen haben, eine Einbuße an moralischen Kräften erleiden. Daran werden wir wie für den Osten und den Südwesten auch für die Westfront festhalten dürfen. Der rutsche Heeresbericht. Petersburg, 10. Februar.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom Mittwoch. Westfront: Auf dem linken Flügel im Abschnitt von Riga lebhafteres Feuer. An mehreren Orlen zerstreute unsere Artillerie deutsche arbeitende Abteilungen und rief eine starke Explosion in den feindlichen Linien in der Gegend der Chaussee von Baidon <16 Kilomeier südwestlich llexküllj hervor. Im Däna-Absckmitt Livenhof— Zargard, zwischen Jakobstadt und Dünaburg und bei Düna- bürg lebhaftes Gewehrfcuer unter Mitwirkung von schwerer Artillerie, besonders auf beiden Seiten der Eisenbahn von Poniclviez. In G a l i z i e n schoß der Feind gegen den Abschnitt Hladki— Worobijowka(16 Kilometer nordwestlich Tarnopol) mit großen Mmen.— Nordwestlich Zaleszczyki besetzten wir llzsieczko. Unsere Truppen gingen auf das westliche Dnjestr-Ufer über.— Südwestlich Samuszyn, am Tnjestr, flußabwärts Zaleszczyki(24 Kilometer östl.) ließ der Feind eine Rauchwolke un- geschickt aufsteigen. Es entstand eine Explosion in den feindlichen Linien, durch die ein Teil der Gräben verschüttet wurde.— Südöstlich Zaleszczyki fiel der Prediger Alexander Jaclowetzli als Opfer seiner Pflicht, als er, das Kreuz in den Händen, Tote und Ver» mundete an den feindlichen Drahihindernissen aufhob. Schwarzes Meer. Am 8. 2. versenkten unsere Torpedo- boote in der Petroleumgegend einen kleinen Dampier. Kaukasus. Unsere Abteilungen warfen die Türken auS einer Reihe von Stellungen in der Gegend des ArchaveflusseS. Die belgischen Sozialiften zu Verhandlungen bereit. Das Kopenhagener Blatt„Soicaldemokraten" hatte seiner- zeit bedauernd geschrieben, das; die französischen und belgischen Parteigenossen nicht eher mit detitschen zur Verhandlung ini Haag zusammentreffen wollten, als die Deutschen von sran- zösischem und belgischem Boden vertrieben seien. Die„Voss. Zeitung" teilt nun mit, daß„Socialdemokraten" von dem belgischen Sozialistenführer Camille Huysmans aus dem Haag eine Zuschrift erhalten hat, wonach dies für Belgien nicht zutrifft. Die englische Regierung gegen die fozialiftische Grefte. AuS Amsterdam wird uns geschrieben: Die Verfolgung der oppositionellen Arbeiterpresse in England dauert fort. Am 3. d. Mts. ist die G l a S g o w e r P o l i z e i in die D r u ck e r ei und Verlagsanstalt der sozialistischen Partei eingedrungen und hat sämtliche fertiggestellten Exemplare der ö. Nummer des, W o r k e r", des unmittelbar nach Unterdrückung dcS„Forward" ins Leben gerufenen neuen Organs des Komitees der Arbeiter vom Clyde mit Beschlag belegt. DaS Lokal wurde gesperrt und unter Bewachung von Schutz- loutcn gestellt. Diese auf Befehl der militärischen Behörden hat also nicht nur repressiven, sondern vor allem eine» vorbeugen« den Charaklcr. In der Druckerei wurden verschiedene andere sozialistische und gewerkschaftliche Schriften hergestellt. Der Polizeistreich bringt derart nicht nur eine un> mittelbare Störung in die Tätigkeit der Arbeilerpressc, sondern be- deutet natürlich auch eine Bedrohung aller privaten Druckereibcsitzer, die eZ etwa wagen sollten, die Herstellung von solchen der Ne- gierung nicht wohlgefälligen Druckwerken zu übernehmen. Die türkischen Finanzen. Konstantiiiopcl, 10. Februar.(W. T. B.) In dem Finanz- bericht, den der interimistische Finanzminister T a l a a t B e y in der Kammer gab, stellte er zunächst fest, daß das Budget des nächsten Rechnungsjahres ein Defizit von rund 14 Millionen Pfund aufweise und um Millionen größer sei als das im lau- fcnden Finanzjahr vorgesehene. Hiervon entfallen SA Millionen auf vermehrte Ausgaden, während der Abgang von zwei Millionen sich ans einer Perminderung der Einnahmen erklärt. In den ge- steigerten Ausgaben sind unter anderem enthalten 386 000 Psstich als Aufwendung des Unterrichtsministeriums für Universiläts-, Gymnasial- und Normalschulreformen sowie für solche der Waisen- pflege, 100 000 Pfund als Aufwendung des Ministeriums des Aeußern für den Ankauf von Gebäuden für die Botschaft in Wien uird die Gesandtschaft in Sofia, schließlich einen Posten für die Reorganisation de? Forstwesens. Die Voranschläge für Krieg und Marine sind fast unverändert geblieben, nur für den Bau von Häfen und Eisenbahnen durch die Militärverwaltung sind 1 460 000 Pfund ausgeworfen. Bezüglich der Ergebnisse des laufenden Rech- nungsjahrcs stellte der Minister fest, daß die Gesamtsumme der Ausgabe» bei einem Voranschlage von 35 600 000 Pfund und Er» gänzungskrediten von rund 26 Mill., darunter 20 Mill. hauptsächlich für ölnfovderungen des K riegsin i n i steri ums, 62 Mill. Pfund erreichte. Tie Einnahme» des ersten Halbjahres betrugen rund U Millionen. Die mit Oesterreich-Ungarn und dem Deutschen Reiche gegen Emission von Kassenscheinen abgeschlossenen Vorschüsse ergaben eine Summe von 14�4 Millionen. Mit diesen Geld- beständen konnte der Staatsschatz die Kriegsausgaben decken und soiveit als möglich die Kosten der Zivilverwaltung bestreiten. Die Einnahmen des zweiten Halbjahres iverden ungefähr 10 Millionen abwerfen. Damit»nd mit dem Ergebnisse der Vorschüsse von 20 Millionen Pfund, die mit Ermächtigung der Kammer mit der deutschen Regierung abgeschlossen wurden, wird der Staatsschatz genügende Mittel besitzen, um bis zum Ende des am 13. März ablaufcncn Rechnungsjahres alle ordentlichen und außerordentlichen Ausgaben zu decken. Im Voranschläge für das nächste RechnungS» jähr sind 3 Millionen Pfund für Unterstützung! erwerbsloser Familien von Soldaten ausgeworfen. Außerdem wird an diese Familien Saatgut verteilt werden. Ferner wird der Staat dafür sorgen, daß ihre Felder bebaut werden, um dadurch eine hin- reichende Ernte im nächsten Jahre sicherzustellen. Was die mili- tärischen Requisitionen betrifft, so konnte der Staat, wie der Minister ausführte, sie nicht sämtlich bezahlen. Dagegen habe er gestattet, daß die Steuern mit Reguisitionsbons beglichen werden. und schließlich habe er die Requisition selbst soweit als möglich eingestellt, indem alle Käufe bezahlt werden. Die �Lufttania�ßrage erledigt! London, 9. Februar.(W. T. B.) In einer Meldung des Reuterschen Bureaus aus New Jork heißt es: Die Mit- teilung. daß die.Lusitanta"-Angelegenheit betgelegt ist. bildet noch nicht den Gegenstand von allgemeinen Kommentaren in der Presse. Aber in den von den Blättern veröffentlichten Nachrichten wird erklärt, daß die deutschen Bedingungen im mesentlichen angenommen wurden.— Notiz: An hiesigen amtlichen Stellen liegt eine Bestätigung dieser Behauplung nicht vor. Ein Riefenprozeß in San§ranzisko. Amsterdam, 10. Februar.(T. U.) Holländische Blätter berichten aus San Franzisko: 60 Personen sind angeklagt, an dem Versuch, Munitionsfabriken zu zerstören und feindliche Handlungen gegen befreundete Staaten zu unternehmen, be- teiligt gewesen zu sein. Die Herliner chinesische OefanöLschast über üie Lage in China. verlin, g. Februar.ehn Millionen für die Hausbesitzer Anstoß nehmen können angesichts der Milliarden, die für die Arbeitervcrsicherung ausgegeben worden sind. Das Schätzungsamt für Groß-Berlin be- deutet in der Tat eine Ausnahmebestimmung. In vielen Städten des Jndustriebezirks liegen die Verbältnisse ganz ebenso wie in Groß-Berlin.— Der Entwurf hat etwas Bodenreformerisches, aber die Bodenreform ist eine Bewegung von gestenr. Abg. Dr. Arendt(frcikons.): Um das große Ziel der möglichsten Ausdehnung der un- kündbaren Tilgungshypotheken zu erreichen, ist die Einrichtung öffent- sicher Schätzui'igsämter notwendig. Das Ziel der Stadtschasten ist, die Möglichkeit einer gesunden Kreditgewährung für den Hausbesitz zu gewährleisten. Danach werden sich dann die anderen Kreditgeber richten müsten. Den Antrag dieses Hauses aus Förderung des städtischen RealkreditS haben s. Z. die Sozialdemokraten mit unterschrieben. Darum war eS ganz unangebracht, daß gestern der Abg. Hirich, ich weiß nicht aus welchen Gründen, von einer Liebesgabe für die Haus- besitzer sprach. Wir sollten unS freuen, daß die Regierung so schnell unserem Wrn.sche entiprochen hat. Abg. Dr. Cräger(Vp.): Wenn die vorliegenden Gesetze nicht zustande kommen, so liegt die Schuld allein an der Regierung. Da« Schätzungsamtsgesetz ist in der Tat nur ein Rahmengesetz und die Begründung zum Stadt- schaftengesetz ist äußerst mangelbast. Das Wort Stadtschasten paßt gar nicht auf das, was bier geschaffen werden soll. Die 10 Millionen sind natürlich nicht bestimnit, die Hypolhekenkredilbedürfniste zu befrie- digen, sondern sie sollen lediglich-iazstdiesten, die jDrqanlsa rion de r Stadt« schaslen zu ermöglichen. Die Einwenduligen. die gegen die. Stadtschasten erdvbcn worden sind, sind gewiß berechtigt, aber es bleibt Fein anderes Mittel übrig, dem Hausbesitz zu helfen. Die Schätzungs- ämtcr müssen so schleunig eingeführt werden, daß sie sofort nach Beendigung des Krieges in Wirksamkeit treten können, denn dann werden sie am notwendigsten sein. Der Minister des Innern bar gestern wieder einmal das hohe Lied der Selbstverwaltung angestimmt. Hoffentlich zieht er recht bald die Konsequenz daraus und hebt all die Beschränkungen, denen die Selbstverwaltung in den letzten Jahrzehnten unterworfen worden ist, auf. lSehr gut! links.) Darüber, ob der Zweckverband ein Gebilde der Selbstverwaltung ist, ist man innerhalb des Zweck- Verbandes, abgesehen von einigen wenigen Herren anderer Meinung als der Minister. Abg. Braun(Soz.): Der Vergleich der zehn Millionen Mark, die hier aus Staats- Mitteln zugunsten eines einzelnen Standes hergegeben werden sollen, mir den öffentlichen Mittel», die für die Arbeiterversicherung aus- gewandt werden, der uns heute mehrfach entgegengehalten worden ist. hinkt. Die geringen Summen, die aus allgemeinen Mitteln der Arberterversicherung zugute kommen, dienen lediglich dem Zweck, das Leben der Arbeiter, üoerhaupt ihre Existenz als Individuum, zu sichern, sie stellen lediglich eine andere Form der Armenpflege dar. Aber die Millionen, die hier ausgewandl werden sollen, dienen nicht dazu, die Existenz der einzelnen Hausbesitzer als Individuum auf- recht zu erh«>llen. sondern ihr« Existenz als Hausbesitzer, also dazu, ihnen gewistcrmaßen eine arbeitslose Renrnercxistcnz zu sichern. sSehr wahr! bei den Soz.) Dazu aber, einer bestimmten BerufSgtuppe eine arbeitslose Existenz zu sichern, sind Mittel der Allgemeinbeil allerdings nach unserer Meinung nicht da. Daß wir keineswegs verkennen, daß gewisse Kreise der Hausbesitzer sich in einer Notlage befinden, hat niein Kollege Hirsch gestern schon ausgeführt. Entschieden bestreiten muß ich, daß die Notlage der Hausbesitzer auf bodenrekormerilche Bestrebungen zurückzuführen ist, wie heule behauptet wurde. Gerade auf den Umstand, daß nicht viel mehr boden- reformerische Tendenzen in der Gesetzgebung und den Maß- nahmen der Gemeinden auf dioiem Gebiete zur Gellung ge- kommen sind, sind die ungesunden Verhältnisie auf diesem Gbiete zurückzuführen. lSehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Man dari auch nicht verkennen, daß gerade die Hausbesitzer, die am meisten rn Notlage sind, nur nominell Hausbesitzer sind, in der Tat aber lediglich Ver Walter deS Vermögens der reichen Hypotheken- gläubiger. lSehr wahr! bei den Sozialdemokraten,) Will man diesen Hausbesitzern helfen, so sollte man sie von der Pflicht zur Zahlung von Hypotbekenzinien in dem Maße, wie sie Mteisausfall haben, befreien. lSehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Allion, wie sie hier geplant wird, kommt lediglich den reichen Hypotheken« gläubigern zugute. Und dafür liegt doch kein Anlaß vor, Mittel der Allgemeinheit aufzuwenden, damit nur die Großbankenlonsortien und ähnliche Kreise aus diesem Kriege obne jede materielle Schädigung hervorgehen, lSehr richtig! bei den Sozialdemokraten) während aui der andern Seile niemand daran denkt, die Millionen kleinen Existenzen, die durch den Krieg vernichtet werden, so wieder herzustellen. daß ihnen jeder materielle Schaden ersetzt wird. sSebr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn eS nicht gelingt, das Gesetz über die Stadtschaften so zu gestalten, daß es zugunsten der Mieter, der All- gemeinheit wirkt, dann müssen wir dagegen stimmen. Daß wir dem Schätzungsamlsgeietz iympaihisch aegenübersteben. haben wir gestern schon erklärt. Wenn heute ausgeführt wurde, es sei nicht richtig, das freie Walten des Privatlapitals einzudämmen durch Schätzungs- ämter, so sieben wir auf dem entgegengesetzten Standpunkt, daß die heutigen ungesunden Verhältnisie gerade auf daS privaie Schätzungs- Wesen zurückzuführen sind und daß eS daher im Interesse der All- gemeinheil liegt, Maßnahmen zu treffen, um einer weiteren Ver- schlechterung der Verhältnisie entgegenzutreten.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Debatte... Abg. Hirsch-Berlin(Persönlich): Es ist nicht richtig, daß ich die zehn Millionen als eine Liebes- gäbe an die Hausbesitzer bezeichnet habe. Ich habe lediglich gesagt, man müsse Verbindern, daß die zehn Millionen wie eine Liebesgabe wirken. Der Abg. Arendt macht mir zum Vorwurf, daß ich im vorigen Jahre selbst für die Resolution gestimmt habe und heute ein Gesetz bekämpfe, durch dessen Einbringung die Regierung dem Beschlüsse des Hauses Folge geleistet hat. Daß ich der Resolution zugestimmt habe, ist richtig. Aber der Abg. Arendt wird wissen, daß es sich um eine Kompromißresolution gehandelt hat, die nicht lediglich Maßnahmen zur Erleichterung des städtischen Realkredits, sondern auch Maßnahmen zum Bau von Kleiwohnungen zwecks Verhütung sozialer Notstände und Hebung deS Baugewerbe» verlangt. Wenn der Abg. Arendt sich die Resolution genau ansieht, dann wird er wir zugeben müffen, daß ich mich in meinen gestrigen Ausführungen durchaus auf den Boden dieser Resolution gestellt habe. Beide Gesetze werden an eine Kommisfion von 28 Mitgliedern verwiesen. DaS Haus vertagt sich auf Dienstag, den 15. Februar, vormittags 11 Uhr(zweite Lesung deS Etats, Etats des Staats- Ministeriums mit der allgemeinen Aussprache.) Schluß: gegen 7 Uhr. Ein bedrohter wichtiger Zweig der Glasindustrie. Bon Georg Horn, M. d. R. In einem der schönsten Teile des Thüringer Waldes, in Ilmenau, Neuhaus am Rennsteg, Steinheid, Jgelshieb und den umliegenden meist von Gebirgen umschlossenen Tälern zerstreut liegenden kleinen oder größeren Ortschaften hat sich seit langem ein Industriezweig entwickelt, der für die leidende Menschheit von allergrößter Bedeutung ist und daher als eine der wichtigsten Kulturerrungenschaften angesehen werden darf. Sie betrifft die Herstellung von wissenschaftlichen und ärztlichen Hilfsinstrumenten aller Art aus Glas, vom gewöhnlichen bis zum allerfeinften und exaktesten Genre der Artikel, zu deren Erzeugung besondere Glas- schmelzhütten das Rohmaterial liefern. Ein Teil dieser Hütten läßt ihr Rohmaterial teils in eigenen Arbeitssälen verarbeiten, teil» von Heimarbeitern, denen sie das Rohmaterial liefern. Die Heimarbeit ist dort in weitem Maßstabe ausgebreitet. Es gibt fast kein Haus, aus dem nicht selbst noch aus nächtlichem Dunkel die Stichflamme des Blasebalges zu sehen, oder das Ge- rausch, das diese bei der Arbeit verursachen, zu vernehmen wäre. Den Hauptbestandtefl der Gebirgsbevölkerung dieser Gegend bilden demnach— außer den Wald- und Steinarbeitern— die Arbeiter und Arbeiterinnen der Heimindustrie, denn Landwirtschaft kann in den höher gelegenen rauheren Gebirgslagen in nur sehr spär- lichem Maßstabe betrieben werden. Meist sind es nur schmale Streifen Ackerlandes, auf denen notdürftig Kartoffeln erbaut werden können. Die meisten Heimarbeiter beziehen das Rohmaterial an Röhren und Stangen aus Glos direkt bon den Glashütten, verarbeiten es „auf eigene Rechnung' und verkaufen die hergestellten Gegenstände an Apotheken, Krankenhäusern, Unterhändlern oder auch direkt..an. Grx>ßkcnlf!euten�.wÄK�leßter�.. vo.rzuüSweise. den Handel/ mit diesen Erzeugnissen, nach dein Auslande betreiben, wie denn gerade die in Frage kommenden. Artikel. Ausfuhrartikel sind.- Die hier vorzugsweise der Krankenpflege dienenden Artikel sind: Wärmethermomcter, Ampullen, Phiolen und Kapsel- gläser. Nun ist bekanntlich seit Ausbruch des Kriegs ein strenges Verbot der Ausfuhr dieser Artikel nach, dem feindlichen Aus- land erlassen worden. Nachträglich ist dieses Verbot auch auf die neutralen Länder ausgedehnt worden. Mit diesen beiden Ver- boten zusammen ist diesem Industriezweige ein so schwerer Schlag versetzt worden, daß ihr Fortbestand aufs ernstlichste bedroht ist, wenn nicht schleunigst Abhilfe getroffen wivd. Selbstverständlich kann die Regierung wegen des Ausfuhrverbots nach dem feindlichen Ausland kein Vorwurf treffen, wenn auch aus rein menschlichen Rücksichten heraus bedauert werden kanu, daß die Verwundeten der ausländischen Heere, die immerhin doch auch Menschen sind und Schmerzen fühlen wie wir, die Mittel entbehren müssen, die zur Linderung ihrer Leiden und der Genesung dienen. Ob aber das Verbot nach den neutralen Ländern absolut nötig war, darf billig bezweifelt werden. Dieser Zweifel besteht allenthalben in den Kreisen der Fabri- kanten, der Händler unb der Arbeiter. Es wirb das dringende Verlangen gestellt, die Grenzen der neutralen Länder für diese Artikel wieder zu öffnen, weil der Inlandsbedarf trotz der vielen Verwundeten im eigenen Heeve und in den Lazaretten nicht ausreicht, um auch nur einen mähigen Teil der industriellen Ar- beiderschaft zu beschäftigen. Zurzeit können in den fabrikmäßigen Betrieben die Arbeiter nur wenig« Stunden in der Woche beschäftigt werden, und in der Heimindustrie ist es ebenso. Dazu kommt, daß die Fabrikanten die Löhne der Arbeiter zu kürzen gezwungen waren, um— wie sie sagen— wenigstens nicht mit Schaden den Betrieb fortsetzen zu müssen. Was eine so bedeutende Einbuße an Arbeitsgelegenheit bei reduzierten Löhnen für eine Familie zu bedeuten hat, darüber, glaube ich, brauchten keine vielen Worten gesagt zu werden. Verschlimmert wird die Lage noch dadurch, daß sich die Her- steller der genannten wichtigen Dinge dazu mißbrauchen lassen, gewissenlosen Preisdrückern die Waren gleichsam an den Hals zu werfen. So reisen z. B. sogen. Aufkäufer im Bezirk herum, aus- gerüstet mit Reisetaschen und Rucksäcken und drücken die Preise von Tag zu Tag immer tiefer herunter, immer oder meist unter dem Vorgeben, daß sie„die Sachen da und dort billiger bekommen könnten'. Und die armen, stets geldbedürftigen Schlucker fallen vegelmätzig auf solche plumpen Manöver herein, nur um wenigstens ihre Auslagen für das Rohmaterial decken zu können. Dergleichen Tricks der Agemden oder Aufkäufer ftnden leicht Anwendung auf Grund eines Umstandes, der ebenfalls nur ruinös für das Gewerbe sein mutz. Da gibt es junge Leute von 15 Jahren an, die aus den größeren Betrieben gehen, oder auch im Familien- hause sich..selbständig' machen, indem sie„auf eigene Rechnung' fabrizieren. Und wenngleich ihre Erzeugnisse oft blanker Schund ist, er wird gekauft, natürlich zu Preisen, die unter den Herste!- lungskosten stehen. Und hierauf berufen sich die Preisdrücler. Freilich darf man die Fabrikanten unseres Erachtens von der Schuld des Pveisunterbietens auch nicht freisprechen. Die Kon- kurrenz ist ja immer in solchen Fällen die Triebfeder solcher Handlungen. Alle diese hier aufgezählten Verhältnisse wirken zusammen, den Fortbestand dieses äußerst wichtigen Industriezweiges ernstlich zu gefährden. Und wenn nicht schleunigst Vorbeugungsmittel an- gewendet werhen, dann besteht die Gefahr, daß dieser Zweig nach' dem Auslqnde verschleppt wird und mit ihm eine zahl- reiche fleißige und geschickte Arbeiterschaft, die nicht mehr so leicht für Deutschlands Bedarf ersetzt werden dürfte. Das würde nach Lage der Dinge eine kaum zu verhindernde völlige Verarmung der Bevölkerung jenes weiten Industriegebiets zur Folge haben. Die zunächst zur Verhinderung einer solchen Lage zur Anwen- dung zu bringenden Mittel dürften folgende sein müssen: 1. Gewährung von baren Geldbeträgen oder ausreichenden Nahrungsmitteln von Reichs oder Staats wegen: 2. direkter Bezug der nötigen Gebrauchsartikel durch die staatlichen und militärischen Sanitätsdepots bei Festsetzung von Mindestpreisen, unter denen weder verkauft noch gekauft werde» darf: 3. Milderung des Ausfuhrverbots nach den neutralen Ländern während der Kriegsdaucr: 4. Schaffung von staatlichen Prüfungsstellen für solche Er- zeugnisse, deren Herstellung im Interesse der Kranken und Ver- wundeten besonderer Sorgfalt bedürfen. Hinzukommen mögen noch kündbare Vereinbarungen zwischen den Unternehmer- und Arbeiterorganisationen über die Läng« der Arbeitszeit, der zu zahlenden tarifmäßigen Mindesilöhne sowie an die für Fabriken arbeitenden Heimarbeiter zu zahlenden Mindest- preis«. Anregungen der unter 2, 3 und 4 bezeichneten Art sind bereits von einer Delegation des Deutschen Glasarbeiterverbandes bei den zuständigen Stellen des Reich-samts des Innern, des Handels- Ministeriums und des Kriegsministeriums gemacht worden. Dabei ist gebeten worden um Berufung einer Konferenz von Regierung?- Vertretern sowie von Vertretern der Industriellen, des Glas- arbeiterverbandes und der Heimarbeiter des betreffenden Industriezweiges zwecks Klärung der Gesamtlage, um einen Weg zu finden zur Besserung dieser Lage. Da die bctrcfsendeu Regierungsstellen ihre Geneigtheit zu er- kennen gegeben haben, ist zu hoffen und zu erwarten, daß die Konferenz in Bälde stattfindet und daß sie zum Wohle der hei- mischen Industrie und ihrer Arbeiter ihre Entschließungen trifft. politifthe Uebersicht. Abgeordnetenhaus. Das vrcilßische Abgeordnetenhaus hat am Donnerstag die erste Lesung des Entwurfs eines Säiätzungsamtsgeseßes und des Gesetzentwurfs betreffend die Stadtschaften beendet und beide Vorlagen an eine 5lommission von 28 Mitgliedern verwiesen. In der vorausgegangenen Debatte polemisierte eine Reihe bürgerlicher Redner gegen die gestrigen Ausfüh- rungen unseres Genossen Hirsch; vor allem wandten sie sich gegen die Behauptung, daß das Gesetz eine Liebesgabe für die Hausbesitzer sei, eine Behauptung, die unser Genosse über- Haupt nicht aufgestellt hat. In Wirklichkeit hat er lediglich verlangt, es müsse verhütet werden, daß das Gesetz wie eine Liebesgabe an die Hausbesitzer wirkt, denn in erster Linie komme es auf die Förderung des Wohles der Gesamtheit au. Ebenso wenig stichhaltig war der Vergleich der zehn Millionen für.den Grundbesitz mit den Hunderten von Millionen für Zwecke der Arbcitcrversicherung. wie er von den konservativen und nationalliberalen Rednern aufgestellt wurde. Unseren' Genossen Braun war es ein leichtes, das Unsinnige dieser Behauptung zurückzuweisen, und im übrigen nochmals in kurzen, aber treffenden Worten unseren Standpunkt dar- zulegen. Genosse Braun bestritt nicht die Notlage des Haus- und Grundbesitzes, er schlug aber zu dessen Beseittgung andere und durchgreifendere Maßnahmen als die von der Regierung geplanten vor. Die nächste Sitzung des Hauses findet erst am Dienstag statt. Es wird dann der Bericht über den Etat des Staats- Ministeriums entgegengenommen, und zwar zunächst der Bc- richt, soweit er sich ans die Ernährungsfragen bezieht. Tie Sozialdemokratie nach dem Kriege. In der bürgerlichen Presse zerbrechen sich die verschiedensten Politiker den Kopf darüber, ob die Sozialdemokratie nach dem Kriege für die bürgerlichen Parteien bllndnisfähig, d. h. als gleichberechtigte und gleichgeachtetc Partei angesehen werden könne. Solche Erörterungen sollten doch wohl eigentlich in dieser Zeit des Krieges, wo z w i s ch e n d c n K ä nt p f e r n i in Schützengraben keinerlei Unter- schiede gemacht werden, überflüssig erscheinen! Wie es nach dem Kriege werden wird, sollte man ruhig abwarten. Trotzdem spielen die hypothetischen Erörterungen in der bürgerlichen Presse eine große Rolle. Der nationalliberale Professor M e t g e r hat im„Tag" die Bündnisfähigkeit be- saht. Der General a. D. von der B o e k hat demgegenüber Bedenken geäußert. Er hat die Behandlung der Sozialdemo- kratie nach dein Kriege von der inneren Entwickc- 'lung innerhalb der Sozialdemokratie ab- hängig gemacht. Er hat klar erklärt, daß die Behandlung der sozialdeinokratischcn Partei, ihre Bündnisfähigkeit und Gleichberechtigung abhängen werde davon, ob die Partei auch „in Zukunft an ihren Zielen unverändert f e st h a l t e n" werde. Erst dann, wenn sich das herausstelle, werde man von der Bündnisfähigkeit sprechen können. Auch Professor Hans Delbrück hat sich an der Tis- kussion beteiligt und im neuesten Heft der„Praißischen Jahrbücher" die Ansicht vertreten, daß sich bis jetzt immerhin die Mehrheit der Reichstagsfraktion„auf den Boden der bestehenden Staatsordnung zu stellen ent- s ch l o s s e n h a t". Er folgert daraus, daß sich deshalb die Partei künftig das Recht der politischen Gleichberechtigung gesichert habe. Tie„Deutsche Tageszeitung" ist natürlich anderer Auffassung und meint, daß auch die Stellung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktionsmehrheit zur Bewilligung der Kriegskredite noch nicht das Entscheidende sei, so»- dern daß es sich darum handeln werde,„wie sie sich endgültig zur bestehenden Staatsordnung" stellen werde. Nur, wenn die Partei sich„v ö l l i g n n d u n- bedingt auf denBoden der bestehenden Staatsordnung stellen" werde, könnten die Voraus- setzungen des Professors Delbrück als zutreffend anerkannt werden. Unseres Erachtens sind alle diese Erörterungen voll- st ä n d i g überflüssig. Die sozialdemokratische Partei , kann sich unter keinen Umständen irgendwelchen Bedingungen unterwerfen, die ihr von bürgerlichen Parteien auferlegt Nur Ihre prinzipiellen Auffassungen, ihr Programm können ihr als Richtlinien für ihr gegenwärtiges und zu- künftiges Handeln dienen. Alle Zumutungen, die auf eftvas. anderes hinauslaufen, können nur als B elei di- gllng der Sozialdemokratie und als B e d i n- gilngen angesehen werden, die sie mit aller Ent- s ch i e d e n h c i t abweisen muß. Zin übrigen aber sind alle diese Erörterungen um so übeMissiger, als sich die Gestaltung der ganzen politischen Verhältnisse in Preußen-Dcutschland doch nicht nach jenen Bedingungen gestalten werden, die mehr oder minder ent- schieden konservative Parteien der Sozialdemokratie zu- müteik sondern na ch den Grundlagen, auf denen die ganze deut sche innere Politik nach dem Klrj'ege aufzubauen sein wird. Und es ist außerordentlich fraglich, ob nach den Ergebnissen dicfes� Krieges irgendeine bürgerliche Partei noch den Mut besitzest wird, der sozialdemokratischen Partei di-e.&e d i n g u n g e n ihrer Kampfführung vor- s ch t l! i den zu wollen. Die Verhältnisse können sich im Gegenteil so gestalten, daß die bürgerlichen Parteien alle Ur- sallst?'haben, keinerlei aggressive Kampfstellung der vroletari- fchen Arbeiterbewegung gegenüber einzunehmen! Wenn also did.',', Deutsche Tageszeitung" die Parole ausgibt„Ruhig ab- wijrten und scharf beobachten", so gilt das erst recht für die sozigldem akratische Partei. Sie kann in aller Gemütsruhe die Evstpjckelung der Dinge abwarten in der festen Znve sich die Umstände für ihre Existenz, und Betätigungsbedin- guMen wahrlich nicht verschlechtern werden. Um so wenigör, je länger der Krieg währt! �: Burgfrieden und Redeverbot. Kürzlich wurde mitgeteilt, daß der Vorstand deS Sozial« destiokratischen Vereins für den Wahlkreis Düsseldorf im Auftrage seiner Mitglieder mit dem Generalkommando des Vn. Armeekorps verhandeln sollte, um eine Aufhebung des üher. eine Anzahl Düsseldorfer Genossen verhängten Rede- Verbots zu erwirken. Der Vorstand des Sozialdemokratischen Verdists hat denn auch eine Eingabe gemacht, in der aus- geführt wurde, daß nach dem Ergebnis der Zensurdebatte im Rdichsiage das Redeverbot ungesetzlich erscheine. Jkunmehr ist den vierzehn im Stadtkreise Düsseldorf woh- nenden Genossinnen und Genossen, die vom Redeverbot be- troffen waren, vom Generalkommando in Münster folgender gleichlautender Bescheid zugegangen: .Das Redeverbot ist seinerzeit über Sie verhängt worden, weil Sie durcb Urnerzeickniung des Flugblattes vom S. 6. 1915 sub. unzweideutig zur Aufgabe des Burgfriedens und zur Wieder» aufnähme deS Klassenkampfes bekannt haben. Wenn Sie sich dem Generalkommando gegenüber schrift» lich verpflichten, künftig für die Dauer deS Belagerungs» zitständeS den Burgfrieden zu wahren und den Klassen» kämpf zu vermeiden, bin ich bereit, daS Redeverbot zurückzunehmen. i, Der kommandierende General Iii jgez.) Frhr. v. G a y l." '.7"�'' Eine«uzulaffige Verfügung. V In Schöningen, einem Städtchen im Herzogtum Braun- schweig, wo eS mit der Jugendwehr wahrscheinlich nicht recht vorwärts geht, bringt das Amtsblatt folgende Bekannt- machung: .Jugendwehr. Dem Kompagnieführer unserer Jugendwebrist kürzlich vom Generalkommando deS 10. Armeekorps eine Verfügung zugegangen, noch welcher„diejenigen jungen Leute der Jahrgänge 1896 und 1897, die entgegen den Interessen des BatertandeS sich von den Uebungen der Jugendwebr fern hakten, sofort einzeln, auch ohne Rücksicht auf ollgemeine Ein» stellüngstermine in erster Linie in beliebige Garnisonen ei».gezogen werden sollen, um die für ihre Susbildung selbst- verschuldet verlorene Zeit wieder einzubringen." -Herr Witten, der Kompagnieführer, fordert, gestützt auf vorstehende Verfügung, sämtliche Landsturmpflichtigen dieser beiden Jahrgänge auf, sich sofort zum Eintritt in die ihm unterstellte Jugendkompagnie zu melden. � Ter Kompagnieführer sei verpflichtet, die Personalien dor Säumigen bis Mittwoch, den 9. Februar. dem Bezirkskommando mitzuteilen. Diese hätten alsdann in aller Kürze ihre Einberufung zum Heeresdienst zu gewärtigen. ■ Weiter macht der Kompagnieführer Witten in der gleichen Nummer des Amtsblattes bekannt: ''„Jahrgang 1896/97. Die hiesigen Landsturmpflichtigen obiger Jährgänge werden hierdurch aufgefordert, sich sofort zum Eintritt beider Jugendkompagnie zu melden. � Es wird besonders darauf hingewiesen, daß sie andern- falls dem Kgl. Bezirks kommando als nicht der Jugend wehr angehörig namhaft gemacht werden �u,n.d' infolgedessen ihre Einberufung zum H.ee r es d ie n st in aller Kürze zu erwarten haben. Spätester Meldetermin Sonntag, 6. Februar, nachmittags 2, Uhr 30 iu der Turnhalle. Witten, Kompagnieführer." ' Wenn wirklich eine solche„Verfügung" des General- konimandos ergangen ist, dann wird es Sache des Reichstages sein, sich damit zu beschäftigen. Denn es fehlt jede gesetzliche Unterlage zum Zwange für den Bestritt zur Jugendwehr. Die Zensur im Preußische« Landtag. Die nationalliberale LandtagSsraktion hat folgenden Antrag gestellt: "„Die königliche EtaatSregierung zu ersuchen, dahin zu wirken, daß- die Verantwortung für die Handhabung der Zensur in den' jenigen Fällen, in denen die Zensur von den Zivilbehörden oder uyter Einflutznahme von Zivilbehörden ausgeübt wirb, von den zuständigen Reichs- und Landesverwaltungsbehörden übernommen wird."'_ Späte Bestätigung. DaS Preflebureau teilt mit: i„Nach neunmonatiger Prüfung und nach vielen Konferenzen sind jetzt endlich die beiden Genossen Freund und Klein in Höh» schei d als Beigeordnete bestätigt worden. Im April 1915 wurde G�yoffe Freund, im Mai 1916 Genosse Klein von der Stadtverord- nesenversammlung als Beigeordneter gewählt. Die Aufsichts- behörde machte gegen die Wahl allerlei Einwendungen und schließ- lichj mußten(?) beide Genossen die schriftliche Erklä- ru-ng abgeben, daß sie auf dem Boden der Mehrheit der sogfaldemokratischen Reichstagsfraktion stehen. Erst dann stand der! Bestätigung nichts mehr im Wege. Die Genossen fungieren als Beigeordnete an vierter und fünfter Stelle als Vertreter des Bürgermeisters, während ein nach ihnen gewählter bürgerlicher Beigeordneter Vertreter an dritter Stelle geworden ist."— Die Gawssen haben die„Erklärung" abgegeben?! Urteile gegen Landarveiter. Ein Landarbeiter hatte sich wegen unerlaubten Verkehrs mit russischen Gefangenen vor dem außerordentlichen Kriegsgericht zu Jnsterburg zu verantworten. Er hatte zu einigen auf einem Gut arbeitenden Gefangenen gesagt, daß sie für das bißchen Essen viel zu viel arbeiten. Das Gericht erblickte in der Aeußernng die Bekundung einer ehrlosen Gesinnung und verurteilte den Ar- bester zu vier Monaten Gefängnis. Ein Jnstmann aus Neugrün ging vor Ablauf der verein- karten Dienstzeit in eine andere Arbeitsstelle und wurde wegen Verstoßes gegen die Verordnung des Generalkommandos über die Beschränkung der Freizügigkeit zu einem Monat Ge- fängnis verurteilt. Höchstpreise für Kaffee find notwendig. Zu einer Meldung, daß die Regierung voraussichtlich vorerst von einer Festsetzung von Höchstpreisen für Kaffee absehen werde, weil der Handel die Regelung der Preisfrage selbst in die Hand genommen hat, erfährt die„Franks. Ztg." aus beteiligten Kreisen. daß es sich dabei lediglich um folgendes handle: Eine Anzahl Groß- Detaillisten und Spezialgeschäste ist übereingekommen, den Kaffee- preis solange unter den an den Seeplätzen gültigen Preisen zu halten, solange sie noch über ältere, billiger eingekaufte Bestände verfügen. Eine unbedingt bindende Zusage eines bestimmten Preises ist nicht erfolgt. Demnach werden dadurch behördliche Maßnahmen zur Verhinderung der unerfreulichen Verhältnisse bei der Preis- bildung für Kaffee durchaus nicht überflüssig. Schutz vor Wildschade«. Ein Bauer auS der Gegend von Mühldorf schreibt dem„Fränk. Bauer"(Nr. 6): „Ich habe im Jahre 1916 meinen Kleesamen stehen lassen. Aber daS Wild des Barons Michel. Schloß Tüßling, trägt viel zu Vor« nichrung bei. Keine Treibjagd Anno 1914 und 19151 Infolge- dessen enormer Wildschaden. Bei Roggen, Weizen, Haber, Gerste rechne ich bei meinen zehn Tagewerk Gesamtbesiy von jeder Sorte mindestens fünf Zentner Getreideschade» Für KriegSgetreidezwecke soll jedermann sein Opfer bringen und besonders im Brotgetreide- bau sein AeußersteS leisten. Aber das Wild darf ungeniert ganze Saaten erbarmungs- und straflos zu- gründe richten. Auf Hunderten von Tagwerk Ackerland von guter Fruchtbar keit, auf denen seit Jahrhunderlen daS liebe tägliche Brot gebaut wurde, steht jetzt ein gar mächtiges Dickicht neu ge- pflanzter Waldungen, wo Hasen, Rehe, Fasanen des Herrn Baron in größten Rudeln herausfalle» All das muß man gutmütig hin- nehmen, denn eS dreht sich um einen gnädigen Herrn." Nicht nur in der Gegend von Mühldorf ist es so. Verlängerung der Wahlzeit. Die Hamburger Bürgerschaft genehmigte den Senatsantrag, wonach die W a h l z e i t für sämt- liche jetzt der Bürgerschaft angehörenden Mitglieder bis 1918 per- länger! wird. Zuckerzentrale in Ungarn. Das Budapester Amtsblatt veröffentlicht eine Regierungsver- ordnung über die Anmeldungspflicht und Sperr« der Zucker- bestände, serner über die Errichtung einer Zuckerzentrale zur Sicherstellung des öffentlichen Zuckerbedarfs. Eine weitere Regierungsverordnung betrifft die Neuregelung und Jnverkehr- setzung der aus dem Zollausland eingeführten landwirtschaftlichen Produkte. Zur öeschlagnahme von Web- waren. Zu den Bekanntmachungen betreffend Beschlagnahme von Web-, Wirk- und Strickwaren und militärischen Be- kleidungS» und Ausrüstungsstücken weist das Webstoff- meldeaml zufolge bisher dorthin gelangter Anfragen auf folgende Punkte hin: 1. Für die Beschlagnahme ist nicht der Gebrauchszweck des Eigentümers einer Ware maßgebend, sondern ihre Berwendungs- Möglichkeit. Der Begriff„ein und dieselbe Oualität" ist innerhalb der ein- zelnen Gruppen verschieden. Verschiedene Farbe bedingt nur bei Oberbekleidungsstoffen eine verschiedene Oualiiät. Hier ist nach Sprach- und Handelsgebrauch zu entscheiden. Wenn aus denselben Rohgeweben durch Veredelung und Ausrüstung verschiedene Fertig- waren hergestellt sind— einmal Schirtings, ein anderes Mal Dowlas—, so sind diese als verschiedene Qualitäten anzusehen. 2. Für den Beginn der Veredelung ist nicht allein maßgebend. daß der zu veredelnde oder auszurüstende Stoff mit dem üblichen Färbesternpel verseben wird, maßgebend ist nur, daß die Stoffe. deren Veredelung beendet werden darf, bis zum 1. Februar 1916 auf die Veredelungsmaschine gebracht wurden. 3. Bei Berechnung der„Mindestvorräte" sind die Worte„Vor- röte ein und derselben Person" dahin oufzusassen, daß jede eine selbständige Buchführung mit besonderem Geschäftsabschluß besitzende Betriebsstelle einer Firma als besondere Person gilt. Jede Umlagerung beschlagnahmter Gegenstände auS einer Betriebsstelle in eine andere oder in das Hauptgeschäft ist wie jedes andere Bewegen beschlagnahmter Gegenstände unzulässig und strafbar. 4. Unter Konfeltionsbetrieben im Sinne der Be- kanntmachungen IV. iL 1000/11. 15 K E A und 77/1. 16 K E A sind alle die Betriebe zu versieben, in denen irgendwelche im Web- und Wirkverfahren hergestellte Stoffe zugeschnitten, und diese Zu- schnitte oder aus solchen hergestellte Waren per- oder bearbeitet werden, also z. B. auch Schuhfabrike» Sackfabriken, Kürschnereien, Putzmachereien. Tapezierer- und Galanteriewaren- Werkstätten und andere derartige Betriebe. 5. Freigabe für den Kleinverkauf greift auch für Fabrikanten und Großhändler Platz, welche die freigegebenen Vor- räte nur in Mengen bis zu einem halben Stück bezw. bis zu einem halben Dutzend veräußern(„unter" ist hier gleichbedeutend mit „nicht mehr als"). DaS Wort„Verbraucher" ist also dahin aufzu- fassen, daß als solche nicht nur daS kaufende Publikum und die Konfektionsbetriebe, sondern auch der legitime Großhändler bezw. Kleinhändler anzusehen sind. 6. In der Gruppe der Stoffe zur Oberkleidung für Heer, Maring Beamte und Gefangene sind nur solche Ledertuche und Moleskins beschlagnahmt, die zur Männeroberkleidung verwendet werden können. Bedruckte CordS und MoleSkins gelten auch dann als beschlag- nahmt, wenn das Druckmuster nur aus verschiedenen Farbentönungen einer der in der Uebersichtstafel aufgeführten, sonst unter die Be- schlagnabme fallenden Farben besteht. Truckmuster, die aus ver- schiedenen Farben bestehen, unterliegen nicht der Beschlagnahme. Lederersatzstoffe(wachstuchähnliche Stoffe), die in manchen Gegenden unter ähnlichen Namen in den Handel kommen, werden durcb die Bekanntmachung W. iL 1000/11. 15 K E A nicht detroffen. 7. Blaue Baumwolle- und Halbleinenstoffe, wie sie für Monteuranzüge usw. gebraucht werden, sind als Ober- bekleidungsstoffe beschlagnahmt, sofern sie mehr als 250 Gramm per Quadratmeter wiegen. Fertige Monteuranzüge sind dagegen nicht als Drillichanzüge anzusehen und nicht beschlagnahmt. 8. Triko th e-m d en mit Stoffeinsatz find als Einsatzhemden anzusehen und fallen nicht unter die Beschlagnahme. Dagegen dürfen Wirkstoffe nur noch zu solchen Gegenständen verarbeitet werden, die unter die Beschlagname fallen, also nicht zu Einsatz- Hemden. 9. Bei Männertrikotagen fallen unter die Untergruppe 2 (Männerärmelweslen und Jacken) auch die sogenannten Sweaters. Sie sind also beschlagnahmt und meldepflichtig. 10. Das vorgeschriebene Lagerbuch hat die in Anschnitt ge- nommenen Stücke nur einmal auszuführen. Es ist nicht erforderlich, jedes verkaufte Teilchen abzubuchen. Nur der beschlagnahmle Vorrat und die allgemein oder besonders bewilligten Freigaben müsien er- sichtlich gemacht werden, also auch die zum Kleinverkauf frei- gegebenen Mindeslmengen. Nicht der Beschlagnahme unterliegende Gegenstände brauchen im Lagerbuch nicht aufgeführt zu werden. Die aus Grund früherer Bekannimachungen angeordneten Lagerbücher müsien für die von den neuen Bekanntmachungen nicht erfaßten Gegenstände so lange weitergeführt werden, bis die früher melde« Pflichtigen Gegenstände verkauft oder ausgearbeilet sind. 11. Handelskreise haben gebeten, besonders darauf hinzuweise* daß eine Ablieferung beschlagnahmler Gegenstände an privaie Woh.» sahrlseinrichiungen, also auch an alle Einrichtungen des Roien Kreuzes und der freiwilligen Krankenpflege, nicht mehr möglich ist, selbst wenn die Gegenstände bereits vor dem 1. Februar 1916 be- stellt worden sind. Die Regelung der Versorgung dieser Anstallen ist behördlicherseits bereits in die Wege geleitet. Mis Groß-öeriin. Die ßührerin. Daß es Straßenbahnführerinnen gibt, habe ich in der Zeitung gelesen. Gesehen hatte ich bis gestern keine. Nach unserem bevorzugten Norden kommen alle neuen Errungen- schaften erst, wenn sie in allen übrigen Stadtgegenden gewissen- hast ausprobiert worden sind. Wenn mich die Neugier allzu sehr plagte, hätte ich mich ja eventuell auf die Charlotten- burger Chaussee hinstellen und dort auf einen Wagen mit einer Führerin warten können, um mich probeweise ihrem Vehikel anzuvertrauen. Aber ich bin ein solider Ehemann und suche nie Abenteuer mit fremden Frauen. Und, daß ich ehrlich bin. bis vor ganz kurzer Zeit hätte ich die Fahrt mit einem Straßenbahnwagen, den eine Frau durchs Gewühle des Berliner Verkehrs führt, auch für reichlich so abenteuerlich gehalten, wie eine Fahrt im offenen Segel- boot vom Kap Arkona nach der Insel Bornholm, wenn eng- lische Unterseeboote in der Ostsee spuken. Erst seit gestern bin ich anderer Meinung.— Vom äußersten Osten mußte ich nach dem Halleschen Tor. Ein Wagen der Linie 82 kam herangerollt. Wundervoll pariert hielt er vorschriftsmäßig gerade mit dem Hinterperron vor der Haltestellentafel. Die Schaffnerin würdigte ich im Auf- steigen keines Blickes. Einmal sieht das meine Frau nicht gern— und dann habe ich mich im Laufe des Krieges auch schon an den Anblick von Schaffnerinnen genau so gewöhnt, wie an den einer Brotkarte oder an das Spalierbilden vor den Butterläden. Das Abfahrtsignal ertönte. Der Wagen zog leicht an, gewann an Geschwindigkeit und rollte zur nächsten Haltestelle, wo er, sanft abgebremst, wieder hielt. Passagiere stiegen aus und stiegen ein. Es wurde langweilig. Meine Augen suchten die Gesichter der Mitfahrenden ab, die kein Interesse boten. Sie wanderten durch die Scheiben nur auf eine öde Straße. Gleichgültig sandte ich den Blick durch die vordere Wagentür nach dem Stand, wo der Führer einsam mit Schaltkurbel und Bremshebeln hantierte. Der Führer? Hob da eben nicht der Wind sekundenlang eine Strähne langen, lichten Haares dicht unter der Mütze ab? War das nicht eine Frau?— Wahrhaftig, es war kein Zweifell Jetzt sah ich es auch an der Art ihrer Be- wegungen. Mein Interesse war erwacht und ich verfolgte durch das Fenster jede Bewegung der Führerin, die im Augenblick mein und das Schicksal aller Mitfahrenden in der Hand hatte. Eben hatten wir wieder eine Haltestelle passiert. Langsam wanderte die linke Hand der Frau mit der Kurbel die Widerstände des Schaltapparates ab.— Eins— zwei— drei— vier— fünf.— Der Wagen folgte wie ein gehör- sames Pferd, lief leise an, kam schnell ins Rollen. Jetzt wurde die Linke der Führerin lebhafter, schivang schneller herum.— Sechs— sieben— acht— neun.— Die Maschine fing an zu singen. Der Wagen schlug sein schnellstes Tempo an. Rrrrr— fuhr nun die Hand mit der Schaltkurbel links- herum zurück. Die Maschine schwieg. Nur noch vom eigenen Gewicht getrieben glitt der Wagen pfeilschnell auf den blanken Schienen dahin. Von Zeit zu Zeit trat der Fuß der Führerin warnend auf die Glocke. Dann faßte die Rechte den Bremshebel. Ein leichter Druck. Zischend fuhr die Luft aus dem Behälter in die Bremse. Der Wagen verlangsamte die Fahrt. Noch einmal ein leises Zischen in den Bremsventilen. Und ohne Ruck hielten wir. Am Halleschen Tor mußte ich aussteigen. Hier war wie immer ein Riesenbetrieb und der Wagen mutzte vor der Weiterfahrt einen Augenblick warten. Das nutzte ich aus, um einen diskreten Blick auf die Frau an der Schaltkurbel zu werfen: Kein Mannweib! Auch der plumpe Mantel konnte die geschmeidigen Bewegungen des weiblichenKörpers nicht völlig verbergen. Und unter der häßlichen Mütze bemerkte ich ein weiches Frauengesicht, das jetzt aufmerksam auf den zu- nehmenden Verkehr blickte, das aber nach getaner Arbeit sich liebevoll über das Bettchen eines kleinen, blonden 5lnirpses beugen wird, dessen Vater im Felde ist. Da tönte wieder das Signal zur Abfahrt. Die Rechte der Frau faßte die Bremse fester, gleichmäßig bewegte der Fuß die warnende Glocke, die Kurbel auf„eins" geschaltet, suchte der Wagen, ihrer geschickten Hand gehorchend, langsam, vorsichtig, plump wie ein gutmütiger Elefant, seinen Weg über die Kurve nach der Brücke hin und verschwand im Ge- wühl.— Ja: Frauen können auch Führerinnen sein! Frauen können überhaupt viel mehr als wir früher je geahnt haben. Sie haben jetzt unter allen Berufen das Recht der Wahl.— Aber das Wahlrecht haben sie nicht. Die Familiennnterstütznng. Der Ausschuß der Stadtverordnetenversammlung zur Vor- beratung des von allen Fraktionen eingebrachten, am 2. De- zember 1915 im Plenum verhandelten Antrages auf Herbeiführung gleichmäßiger Anwendung des Familienunterstützungsgesetzes be- endete gestern seine Arbeiten. Oberbürgermeister Wermulh teilte mit, daß der Magistrat auf Grund des§ 7 der Bundesratsverord- nung vom 21. Januar als LusfichtSbehörde für die LieferungS« kommissionen bestellt ist. In der Debatte wurde mehrfach herbor-' gehoben, daß hierdurch und durch die Bestimmung der Bundesrats- Verordnung, daß in Zukunft Bedürftigkeit stets angenommen werden muß, wenn der zum Dienst Eingezogene zu 1500 M. oder niedriger zur Steuer veranlagt war, eine Reihe von Beschwerden ihre Er- ledigung hoffentlich finden werden. Der Ausschuß nahm dann folgenden Antrag einstimmig an: .Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, darauf hinzuwirken, daß von den einzelnen Unterstützungskommifsionen der Stadt Berlin in gleichmäßiger Anwendung der Vorschriften der Reichsgesetze vom 18. Fe- bruar 1888 und-L August 1911 sowie der Bundesratsverordnung vom 21. Januar 1916 und der Gemeindebeschlüsse über die Unter- stützungen der Kriegerfamilien bei den Beschlüssen über die Unter- stützungsgesuche verfahren wird.— Die Versammlung nimmt ferner Kenntnis von der vom Magistrat im Ausschuß abgegebenen Erklärung, daß er aus Grund des§ 7 der Bundesratsverordnung vom 21. Januar 1916 eine Beschwerdeinstanz geschaffen hat, und sieht in dieser Einrichtung eine weitere Gewähr für die Gleichmäßigkeit in der Behandlung in den Unterstützungs- kommissionen.* Ter Berliner Sozialhygieniker. Der Magistrat von Berlin ist dem Beschluß der Stadtverordneten- Versammlung, für das Medizinalamt der Stadt Berlin eine neue medizinische Abteilung mit zwei Abteilungsvorstehern zu schaffen, beigetreten. Die eine dieser Stellen, die für einen Sozialhygieniker bestimmt ist, ist dem Professor Dr. Alfred G r o t j a h n übertragen worden. Dr. Grotjahn ist am 25. November 1869 geboren, ließ sich nach beendeter ärztlicher Staatsprüfung im Herbst 1896 in Berlin als praktischer Arzt nieder und entfaltete auf dem Gebiete der Medizin und Hygiene einerseits, der Statistik und Volkswirtschaft aiidcrerseils eine hervorragende schriftstellerische Tätigkeit. Ende 1912 habilitierte er sich auf Aufforderung der midizinischen Fakultät an der Universität Berlin als Privatdozent für Hygiene, als welcher er die Abteilung für soziale Hygiene im Hygienischen Institut der Universität leitet. Prof. Dr. Grotjahn ist ein Mann von großer Erfahrung und wird in seinem Amt eine segensreiche Tätigkeit ent- falten können. „Türkischer Unterricht für HeeresangehSrige.- Nach einer Mitteilung der Direktion des Seminar? für orientalische Sprachen in der Nummer 60 der.Volkszeitung* sollte in diesem Institut ein unentgeltlicher Kursus zur Einführung in die türkische Sprache für Heeresangehörige eingerichtet werden. Mel- düngen sollten am 7. Februar im Seminargebäude in der Dorotheen- straße 7 von 6—7 Uhr abends persönlich erfolgen. Ein Wissens- durstiger schildert uns die üblen Erfahrungen, die er an jenem Abend in der Geschäftsstelle des Seminars machen mutzte. Er schreibt uns: Als Interessent erschien auch ich gleich nach 6 Uhr dort. Doch wie staunte ich, als ich schon von weitem den Eingang von Feld- grauen dicht besetzt fand. Ohne mich um die anderen, die bis zum Damm standen, zu kümmern, drängte ich mich durch und stand bald im Hochparterre, wo sich die Anmeldebureaus befinden. Ganz sicher, daß nun auch bald die Reihe an mich komme, stand ich kaum einige Minuten in Erwartung des Kommenden, da erschien plötzlich ein älterer Herr in Zivil auf der Bildfläche und verkündete ganz un- vermittelt wörtlich folgendes:»Bitte sofort das Lokal zu verlassen, sonst muß ich die Polizei holen. Es hat keinen Zweck mehr. Nur für Offiziere.* Enttäuscht, doch ohne Widerspruch, wandten sich alle zum Geben. Man muß sich fragen: Für was die Reklame? Die Faffung der Nouz ließ eine Absicht auf Bevorzugung der Offiziere nicht er- kennen. Wollte man erst abwarten, ob sich genug Chargierte melden, um dann eventuell noch einig« der einfachen Mannschaften zu berück- sichtigen? Dann bSltc man dies entsprechend vermerken sollen. Es waren fast ausschließlich Verwundete, die dort erschienen, Leute, denen das Laufen schwer fiel und die das nötige Fahrgeld nur des besonderen Zweckes wegen nicht scheuten. Wie oft sich der geschilderte Hinauswurf in den nachfolgenden '/« Stunden wiederholte, weiß ich nicht. Ich vermute, noch recht häufig und noch unsanfter, denn es kamen immer mehr der wiffens- durstigen Feldgrauen auf Krücken, an Stöcken oder sonstwie krank aussehend. Man sage nicht etwa zur nachträglichen Entschuldigung, daß es tm besonderen militärischen Interesse liege, zuerst Offiziere zu be- günstigen. Das mußte man bei Abfassung der Notiz, die den Anlaß zu dem Andrang gab. schon wissen und berücksichtigen. Offiziere stehen sich auch durchschnittlich pekuniär viel besser und sind auf einen derartig angebotenen Unterricht nicht in demselben Matze wie die Mannschaften angewiesen. Freuen müßte sich ein Staat, dessen einfache Soldaten ein solches Streben nach Wissen und Bildung verraten!* Der Einsender knüpft an seine Mitteilungen noch eine Reihe bitterer Bemerkungen, die wir um des lieben Friedens willen fort- lassen, die aber zeigen, wie sehr die aus jenem Anlaß beliebte Be« Handlung nicht nur ihn gekränkt haben dürfte. Die ordentliche Hausfrau. Eine Berliner Korrespondenz verbreitet die folgende glaub- würdige Mitteilung: „Eine Hausfrau hat sich jetzt eine Kartothek angelegt, die kaum ihresgleichen bat. Sie besteht aus Brot-, Fett-, Bulter-, Milch-, Petroleum-, Reis-, Hülsenfrüchten-, Schmalz-, Margarine-, all- gemeinen Speise-, Bezug«-, Mehl-, Grieß- und ähnlichen Karten. Fein säuberlich hat die Hausfrau jeder dieser Karten eine eigene hinzugefügt, auf der verzeichnet steht, wann und wo, zu welcbem Preise und in welchen Mengen die sür die Karten bestimmten Nahrungsmittel zu haben sind. Um diese Kartothek stets auf dem lausenden zu erhalten, hat unsere gewisienbafle Hausfrau eine Dame verpflichtet, die täglich erscheint und die Personen instruiert, die mit dem Emkaus und dem Einholen der betreffenden Nahrungsmittel be- austragt werden. Viel Aerger soll daS Einholen von Fleisch ver- Ursachen. Um ein halbes Pfund Schweinefleisch zu holen, vertrödelte der Bote regelmäßig mehrere Stunden. Statt Schuft brachte er Dickbein, statt Schinken Ohren. Todessturz aus dem vierten Stockwerk. Auf schreckliche Art hat gestern die Frau Hulda Werner aus der Simplonstr. IIa Selbstmord verübt. Frau W., die schon seil längerer Zeit schwer nervenkrank war, weilte bei ihrer Schwester in der Gryphiusstr. 8 in Lichtenberg zu Besuch. Als sie sich für ganz kurze Zeit allein im Zimmer befand, stürzte sie sich, wohl in einem besonders heftigen Anfall ihres Leidens, kopfüber aus einem Fenster des vierten Stockes auf den Hof hinab. Mit schweren inneren und äußeren Verletzungen wurde die Frau nach dem Auguste-Vikloria- Krankenhäuse geschafft, wo sie bald nach ihrer Aufnahme starb. Verschleppt worden ist wahrscheinlich eine 14 Jahre alte Erna Zahl aus der Wiffmannstr. 28, die dort bei ihrem Stiefvater Schliffe wohnte und seit acht Tagen vermißt wird. DaS Mädchen sollte Kartoffeln holen und kehrte von diesem Ausgange nicht zurück. Es ist für sein Alter stark entwickelt, und man fürchtet deshalb, daß es in schlechte Hände geraten ist und zu unlauteren Zwecken verborgen gehalten wird. Das Mädchen ist etwa 1,61—1,63 Meter groß, hat dunkles Haar und blaue Augen und trug zuletzt einen dunkelblauen Kock, etue blaularierte Bluje, hohe schwarze Schnürstiefel und leine Kopfbedeckung. Etwaige Mitteilungen über seinen Verbleib nimmt die Kriminalpolizei in Neukölln entgegen. Die Luftklappcncinbrccher setzen ihr Treiben immer noch fort. In der vergangenen Nacht übten sie ihre Schlangenmenschkunststücke in der Alexanderstraße aus. Hier drangen sie aus dem Grundstück Nr. 38a bei dem Hoflieferanten Möller ein und stahlen für 8000 M. Schmucksachen aus Bernstein und Tabakpfeifen und Zigarrenspitzen aus Bernstein und Meerschaum. Eine„Kindcrdicdiu", eine jener Frauenspersonen, die arglose Kinder aus der Straße anhalten und ihnen das Geld, für das sie einkaufen sollen, abschwindeln und stehlen, wurde gestern unsckädlich gemacht. In der Elsasscr Straße wurde sie ergriffen, als ein' be- schwindeltes Kind um Hilfe rief. Die Ertappte wurde festgestellt als ein noch nicht 16 Jahre altes Mädchen aus Stettin, die dort ihren Eltern davongelaufen ist. Mit ihren Ersparnissen von 21 M. war das Mädchen nach Berlin gefahren und hatte sich hier eine Wohnung gemietet. Als sie mit ihrem Gelde zu Ende war, begann sie sogleich, die Kinder zu bestehlen. Aufgefundene Leiche. Am 8. d. MtS. wurde im Spandauer Schiffahrtskanal, Nähe Mäckritzbrücke, die Leiche eines unbekannten Mannes gefunden, die schon längere Zeit im Wasser gelegen hat. Der nach der Leichenhalle in Plötzensee gebrachte Tote ist 45 bis 50 Jahre alt, mittelgroß, etwas beleibt hat dunkles Haar, rötlichen Schnurrbart. Sein linkes Bein ist etwa? kürzer als das rechte. Erkenner des Toten wollen sich bei der Tegeler Polizei melden. Die Heimstätte Gütergotz soll am 1. April d. I. wieder eröffnet werden. Aufnahme finden erholungsbedürftige und- genesende Männer, wie auch solche, die an geschlossener Tuberkulose leiden. Die Heimstätte soll ferner kriegSbeschädigte Männer ausnehmen. Es handelt sich hierbei stets um Einwohner Berlins. Für Eltern geistig schwacher, seelisch eigentümlicher und schwer crziehbarcr Kinder hält der Direktor der städtischen HilfsfortbildungS- schule A. Fuchs in dem Schulhause Bergstr. 53 jeden Donnerstag von 10—12 Uhr eine pädagogische Sprechstunde ab. Den Eltern wird in derselben über Beurteilung und Behandlung ihrer Kinder unentgeltlich Rat erteilt._ Mus den Gemeinden. Verkehrsbeschwerden in der Charlottenbnrger Stadtverordnetenversammlung. Die Verhandlungen am Mittwoch waren beherrscht von Klagen gegen die Große Berliner Straßenbahngesellschaft. Stadtv. Genosse Will begründete den sozialdemokratischen Antrag auf Verbesserung der Verkehrsverhältnisse. zwischen Charlottenburg und Siemensstadt. Es arbeiten in den Siemenswerken etwa 30 000 Arbeiter, von denen mehr als ein Drittel in Charlottenburg wohnen. Infolgedessen ist der Verkehr zwischen Bahnhof Jungsernheide und Siemensstadt am ganzen Tage sehr stark, in den frühen Morgen- und Abendstunden geradezu beängstigend. Die Eisenbahnverwaltung kann während des Krieges offenbar nicht mehr tun als bereits geschieht, obwohl die Züge, die am Bahnhof Fürstenbrunner Weg einlaufen, oft so überfüllt sind, daß die Türen der Abteile nicht geschlossen werden können. Dagegen könnte die Straßenbahn Erhebliches zur Abhilfe leisten, denn sie läßt nur eine einzige Linie, 164, bis nach Siemensstadt verkehren, während die Linien 54 und 18 am Bahnhof Jungfernheide enden; ihre Weiterführung sei bei gutem Willen gewiß möglich und würde den namentlich bei Regenwetter ganz unhaltbaren Zuständen ein Ende machen. Stadtbaurat Bredtschneider suchte die Verwaltung der Straßenbahn zu entschuldigen. Während sie nach ihrem Vertrage nur alle 15 Minuten einen Zug nach Siemensstadt verkehren zu lassen ver- pflichtet sei, halte sie während des ganzen Tages einen 7Vs-Minutenver- kehr aufrecht undindenMorgen-undAbendstundenverkehrenEinsatzzüge, so daß in 15 Minuten vier Züge mit Anhängewagen verkehren. Verkehrszählungen hälten-suSh-ergeben, daß wohl 10—20 Personen manchmal nicht.mitkämen, doch seien sie stets schon mit dem nächsten Wagen, also in drei bis vier Minuten mitgekommen. Bei Regen- weiter sei der Andrang natürlich größer und müßten manche Per- sonen zuweilen länger warten; das sei aber bei schlechtem Wetter nicht zu vermeiden und an allen verkehrsreichen Stellen ganz ebenso der Fall. Die Direktion der Siemenswerke verhandle auch mit der Straßenbahngesellschaft wegen Verbesserung der Verkehrsvcrhältnisse, ober die Direktion der Straßenbahngesellschaft habe erklärt, während des Krieges könne sie Aenderungen nicht eintreten lassen, da ihr Fahr- und Werkstättenpersonal bereits aufs äußerste ange- strengt sei. Stadtv. Genosse Gebert hob hervor, daß die letzte Mit- teilung in einem gewissen Widerspruch zu den ersten Ausführungen des Stadtbaurats stehe, nach welchen es fast scheinen könnte, als ob gar keine Mißstände vorhanden seien, die Direktion der Siemens- werke dagegen erkenne das Bestehen arger Mißstände an und bemühe sich um ihre Abstellung, scheiterte aber leider auch an dem Wider- stand der Straßctzrbahugesellschaft, die sehr wohl auch während des Krieges in der Lage wäre, die beiden Linien 54 und 18 weiter zu führen. Man sollte nur einmal ernstlich versuchen, der Straßen- bahngesellschaft eine Konkurrenz auf die Nase zu setzen, und sofort würden die Mißstände verschwinden. Auch der liberale Stadtv. B er gh eim klagte über mangelndes Entgegenkommen der Straßenbahngesellschaft, daS sich jetzt im Kriege genau so zeige wie während des Friedens. Der sozialdemokratische Antrag wurde hierauf angenommen. Die Vorbereitung der Wahl eines unbesoldeten Stadtrat« an Stelle des verstorbenen Stadtrats Dr. Schmitt wurde einem Ausschuß von 15 Mitgliedern übertragen. Zum Mitglied des ProvinziallandtageS an Stelle de« aus« geschiedenen Stadtrats Cassirer wurde in einer gemeinsamen Sitzuug des Magistrats und der Stadtverordneten Oberbürgermeister Dr. S ch o l z gewählt._ Gemüseverkauf in Neukölln. Zur Ergänzung der an die Bevölkerung abzugebenden Gemüse- bestände hat die Stadt Neukölln den Ankauf von weiteren 1200 Zentnern ausländischen Weißkohls bewirkt, der in den städtischen Verkaufsstellen zum Preise für 9 Pfennig je Pfund an die Ver- braucher abgegeben werden soll.Ein Teil der Vorräte wird den an- sässigen Gemüsehändlern unter der Bedingung überlassen, daß beim Verkauf höchstens 10 Pfennig für ein Pfund gefordert werden dürfen. Behufs Sicherstellung der städtischen Kartoffelversorgung für die kommenden Monate sollen in Gemäßheit der von der Reichsrcgierung den Kommunen erteilten Ermächtigung, auf die gesetzlichen Erzeugerhöchstpreise einen Zuschlag von 1,25 Mark je Zentner zu bieten, bei der Reichskartoffelstelle eine Anzahl diesbezüglicher Ausweiskarten beantragt und diese alsdann den mit der Stadt in Verbindung stehenden Großhändlern und Kommissionären zum Zwecke des Erwerbs von Kartoffeln übergeben werden.— Be- züglich des Verkaufs von Delikateßwürsten soll vom 1. Februar d. I. ab die bisher zugelassene Abweichung von der Höchstpreisverordnung für Wurst und zubereitete Fleischwaren nicht mehr gestattet werden. Ferner soll von jetzt ab der Verkauf von rohem und zubereitetem ausländischem Schweinefleisch sowie von ausländischen Schweinefett- waren nach den Grundsätzen der Bekanntmachung vom 24. De- zember v. I. mit der Matzgabe durchgeführt werden, datz in der zu erteilenden Genehmigung sür den Verkauf ebenfalls Höchstpreise festzusetzen sind.— Den dem Holz- und Kohlenhändlerverein an- gehörenden selbständigen Händlern wird das auf dem städtischen Eiswerksgrundstück lagernde Brennholz zum Weiteryertrieb an die Einwohnerschaft zum Preise von 11 M. je Raummeter für Kiefern- klobenholz und 6 M. je Raummeter für Eichenklobenholz zur Ver- fügung gestellt._ Erhöhung der Krankenhauspflegesätze in Pankow. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung wurde be- schloffeu. vom 1ö. Februar ab de» Verpflegungssatz tu der dritten Klasse des hiesigen'Krankenhauses von bisher 3 M.- für Einheimische und KrankenkasseNpatienten und 3,50 M. für Auswärtige, aus 3,50 M. für erstere und 4,50 M. für letztere zu erhöhen. Neuregelung des Lebensmittelverkaufcs in Nowawes. Um der Bevölkerung den Bezug der notwendigsten Lebensmittel zu mäßigen Preisen zu ermöglichen, hatte die Gemeinde vor einiger Zeit mit verschiedenen Kaufleuten ein Abkommen getroffen, wonach diese den Verkauf der ihnen von der Gemeinde überwiesenen Lebens« mittel, wie Reis, Bohnen, Erbsen,.Heringe usw., übernahmen. Da bei der Abgabe jedoch irgendein Ausweis vom Käufer nicht verlangt wurde, kam es vor, daß auch Angehörige benachbarter Gemeinden, die eine gleiche Fürsorge immer noch vermissen lassen, die Gelegen- heit zu billigerem Einkauf der jetzt kaum mehr erhältlichen Hülsen- früchte wahrnahmen. Dies will nun die Gemeinde durch Neu- regekung des Verkaufes ändern. In Zukunft sollen nun diese LebenS- mittel nur an hiesige Einwohner verkauft werden, und zwar gegen eine Lebensmittelkarte, über deren Ausgabe noch nähere Bekannt- gäbe erfolgt. Infolge dieser Neuregelung' macht es sich notwendig. die Abgabe obengenannter Lebensmittel an die Kaufleute auf einige Tage einzustellen. Der Verkauf von Schmalz und Speck gegen Ausweiskarten, ferner von Wurst, Eiern, Marmelade und Fleisch in den eigenen Geschäften der Gemeinde bezw. bei den Schlächter- meistern wird hiervon nicht-betroffen. Der Arbciter-Turnvereiu Weißcnsee eröffnet am Dienstag, den 15. Februar 1916, im Turnlokal'.Albrechtshof*, Weißcnsee, Part- straße 16, eine Schülerabteilung und finden die Turnstunden jeden Dienstag und Freitag von Vz 7—8 Uhr statt. Schüler im Alter von 8 bis 14 Jahren können daran teilnehmen. Der monatliche Beitrag ist 20 Pf.-"''':■ Der Tarifvertrag öer Maler. Das Ergebnis der Verhandlungen. der.Vertreter der Tarif- Parteien hatten wir-unseren Lesern am 27. Jannar mitgeteilt. ES geht in der Hauptsache dahin, daß der ablaufende Reichstarif vor- läufig bis zum 15. Februar 1917 verlängert und den Arbeitneh- mern vom 1. März 1916 ab eine Teuerungszulage gewährt wird, die in Orten mit einer Arbeitszeit bis 9 Stunden 6 Pf., in Orten mit längerer Arbeitszeit 5 Pf., für die Stunde.beträgt. Die- Ent- scheidung über die Annahme dieser Vereinbarung hat, soweit der Verband der Maler, Lackierer und Anstreicher in Frage kommt, der am 14. und 15. Februar in Berlin stattfindende Verbairdstäg zu fällen. Die Filiale Berlin nahm-gestern(Donnerstag) in-einer gut besuchten Mitglied er Versammlung Stellung zu den Tarifvcretnbarungen. Gauleiter J a k o b e i t schilderte den Verlauf der Verhandlungen. Unter- anderem betonte er, die festgesetzte Teuerungszulage sei unabhängig von der Höhe der Stundensöhne zu zahlen. Das heißt, wo die Arbeitnehmer, wenn auch mit ausdrücklichem Hinweis auf die teueren L-ebensverhältnisse, Lohn- zulagen erhalten haben, da dürfen diese Zulagen nicht auf die tarifliche Teuerungszulage angerechnet werden. � Der Stundenlohn ist von der Teuerungszulage so unabhängig, daß er, wenn es die Verhältnisse gestatten, jederzeit über den Mindesilohn erhöht werden kann, ohne daß die Höhe der tariflichen Teuerungszulage dadurch beeinflußt wird. Weiter bemerkte der Referent, man könne noch nicht übersehen, wie sich die Mitglieder beider Tarifparteien zu den Vereinbarungen stellen werden. Bekannt sei bereits gc- worden, daß die Arbeitgeberorganisatirm in Hamburg die Verein- barung abgelehnt habe. In der Diskussion kam eine lebhafte Unzufriedenheit zum Aus- druck wegen der Geringfügigkeit der tariflichen Zulage, die in gar keinem Verhältnis steht zu der Erhöhung der Lebensmittelpreise. Mehrere Redner meinten, es errege geradezu Enlpörung unter den Kollegen, daß die Erwartungen, welche sie an die Tarisverhand- lungen knüpften, so arg enttäuscht worden seien.'Leider müsse damit gerechnet werden, daß es den Arbeitern bei den gsMnwäMigeii Kriegsberhältniffen.nicht möglich sei«.in. einen. Kaiupf sur den ge- rechten Ausgleich Mischen Lohn und Lebensmittelpreisen einzu- treten.-Es werde also- unter den gegenwärtigen Umstairden nichts weiter übrig bleiben, als den Vereinbarungen, wenn auch mit innc- rem Widerstreben, zuzustimmen und die Bewegung für eine durch- greisende Lohnaufbesserung auf eine günstigere Zeit zu verschieben. Einstimmig wurde eine in diesem Sinne gehaltene Resolution angenommen, die den Delegierten aufgibt, diesen Standpunkt auf dem Verbandstage zu vertreten. Genoflenschastliches. Die Mühlengenossenschaft schweizerischer Konsumvereine im Kriegsjahr 1915. Mit anerkennenswerter Promptheit veröffentlicht der„Schweiz. Konsumverein* bereits den Geschäftsbericht der Mühlengenossenschaft für das verflossene Jahr, das einen nicht ungünstigen Abschluß trotz aller Schwierigkeiten ermöglichte. Die Zahl der Genossenschafls- Mitglieder(lauter Konsumvereine) ist um 25 auf 112 gestiegen, das Anteilscheinkapital um 3600 Fr. auf 621 000 Fr.- Der Umsatz er- höhte sich dem Werte nach um fast drei Millionen auf 9 605 232,25 Fr. Dabei stieg aber die in der Mühle in Zürich vermahlene Weizen- menge nur von 192 163 in 1914 auf 197 305 Doppelzentner. Dazu wurden aber noch 22 922 Doppelzentner kalifornisches Weizenmehl angekauft und mit befriedigendem Gewinn weiter verkauft. Der Betriebsüberschuß beträgt nach der Abschreibung von 33929 Fr. für das Sackmateridl auf nur noch 1 Fr. 207 075 Fr. wovon 120 000 Fr.' für Amortisätion, 50 000 Fr. sür den Reservefonds, 10 000 Fr. für den Disposition-- fonds verwendet Und 27 075-Fr. auf neue Rewnung vorgetragen werden. Das Amortisationskonto erhöht sich mit den neuen Zu- Wendungen auf 350 000 Fr., das Reservefondskonto auf 150 090 Fr. und das Disposiiionsfondskonto auf 30 000 Fr. Die Hypothekar- schuld ist von 1700 000 Fr. auf 1500 000 Fr. herabgesetzt worden. Erheblich ist die Mühle mit Steuern belastet. Die Genoffenschaft mußte im Berichtsjahre 17 943 Fr. Staatssteuer an den Kanton Zürich und 12 091 Fr. Gemeindesteuern an die Stadt Zürich entrichten. Gegner der Genossenschaften würden es Wohl am liebsten sehen, wenn den Genossenschaften alles konfisziert und ihre ganze Existenz unmöglich genracht werden würde. Ueber die Lohnverhält- nisse in der Genosienschaftsmüyle wird berichtet, daß»ach den nun in Kraft tretenden Lohnerhöhungen, wie sie im Tarif- vertrag vorgesehen sind, bei gleichem Personalbestand iin Jahre 1916 werden entrichtet werden: für das Arb.eitspersoiial im Wochenlohn 86 853 Fr., im Monatslohn 16 950 Fr., sür Bureaupersonal und Leitung 52 239 Fr., zusammen 156 942 Fr.'- Der Bericht der Genossenschaft schließt mit der Bemerkung: .Die Mühlengenossenschaft schweizerischer Konsumvereine hat auch unter den schwierigen Verhältnissen des Berichtsjahres ihre Aufgabe vollauf erfüllt. Tüchtigkeit und Fleiß, der Angestellten im Verein mit der Treue der Mitglieder haben wiederum bewirkt, daß die M. S. K. erfreuliche Resultate erzielte.* Allgemeine Kranken, und Tterbekafie der Metallarbeiter (B. a. G.) zu Hamburg. Filiale Baumschulenwcg. Den in Treptow wohnendru Mitgliedern zur Kenntnis, datz am Sonnabend, den 12. Februar, abends von Zstz— 10 Uhr, im Lokal von Wolfram, Elsen» stratze 101(Ecke Kiefholzstratze) kassiert wird. Allgemeine Familiensterbekassc. Sonntag, den 13. Februar c Zahl- und Aufnahmetag von 3— 6 Uhr im Restaurant Gerichtstr. 12/13, und Sonnabc nd, den 19. Februar, von i—51/, Uhr in Wildau(Wildauer Hos). Wetterausstchten für das mittlere Norddeutschland biS Sonnabend mittag. Im Westen zeitweise aufklarend mit öfter wieder- holten, im allgemeinen geringen Niederschlägen. Im Osten vielfach starte Niederschläge, hauptsächlich. Schneefälle...' Temperaturen.m der Nähe de« Gejlierp unkte«. Ms aller Welt. Immer mehr verstecktes Getreide. Die aenen Feststellungen über die Getreidevorrnte bringen täglich Ueberraschungen. Für einige westfälisch-lippische Bezirke konnte in den letzten Tagen folgerndes festgestellt werden: Im Ver- ioaltungsamt Brake sind Li) 000 Zentner Korn mehr vor- Händen als am 16. November angegeben war; im Kreise Lipp- stadt 46 666 Zentner; im Kreise Warburg(wie schon be- richtet) 164 666 Zentner.— Die„Deutsche Tageszeitung" meinte zu der Mitteilung aus dem Kreise Lippstadt, es kämen dort auf jeden Betrieb ungefähr 5 Zentner mehr, und das sei nicht viel— eine solche Differenz könne schon vorkommen. Tatsächlich ist aber hervorzuheben, daß sich für jeden Bewohner des Kreises ein Zentner Brotgetreide mehr ergibt, und daS ist etwas ganz anderes. Aeberträgt man die bisher für einzelne Bezirke festgestellten Zahlen auf das Reich, so kommen Summen heraus, die für die Gestaltung unserer Ernährung von wesentlicher Bedeutung sind. Ter Jenaer Professor als„Spion"! Vor einigen Tagen erhielt— so erzählen bürgerliche Blätter —• Professor G. in Jena den amtlichen Auftrag, eine Besichtigung des Gefangenenlagers Hassenberg vorzunehmen, sich nach Koburg zu begeben und von da aus nach dem Lager zu fahren. Der schöne Wintertag veranlagte den Vertreter Jenenser Wissenschast, in Neu- haus die"Bahn zu verlassen und zu Fuß den Weg nach dem Be- stimmungsort airzutreten. Hier angekommen, wollte es bereits dunkel werden; erne Besichtigung des Schlosses, von wo einstmals die Freiherren v. Spessart das Steinachtal beherrschten und das jetzt gefangenen Feinden aus Ost und West als Erholungsstation dient, mar unmöglich. Ein Professor interessiert sich aber selbst- verständlich nicht bloß für die kahlen Wände steiherrlicher Per- gangenbeit und entschwundenen freiherrlichen Glanzes, auch der auf stolzer Höhe erbaute Rittersitz erweckte in seinem Nenßeren sein lebhaftes Interesse. Und so umwanderte der Herr Professor das Schloß und unterzog es einer genauen Besichtigung. Dieses Unternebrnen erschien, wie das„Tageblatt für Neustadt" schreibt, einigen Hassenberger Männern verdächtig. Was wollte der Fremde hier— wollte er spionieren—, Gefangene befreien und sie ent- führen? Und nun gar, der Fremde betritt ganz harmlos, um � über sein Borbaben zu täuschen— das Wirtshaus und stärkt sich tüchtig an gutem deutschen Gerstensaft, als hätte er seiner �Lebtag an einer Jenenser Biergnelle gesessen, gerade'das war verdächtigl Als gute Deutsche eilten sie sofort zum Gendarmen, um den Fremdling ver- lmften zu lassen. In voller Waffenausrüstung betrat der Mann des Gesetzes das Wirtshaus und nahm sich den Verdächtigen vor, forschte ihn aus und begehrte seine Ausweispapiere. Mit�Ruhe ......™... � und professoraler Würde entnahm der Fremde seiner Brieftas den behördlichen Auftrag, das Gefangenenlager H. einer Besichtr gung zu unterziehen, daher sein Kommen nach Hassenberg.— Der herbeigerufene Gendarm entschuldigte sich höflichst, die Hassen- berger Spionenwache entfernte sich ins Dunkel der. Nacht— und der Herr Professor fand die Sache aufs höchste ergötzlich lind lachte noch,'als er anderen Tages die Heimreise antreten konnte. Der Jlieger in Nöten. Ein im Westen kämpfender Fliegeroffizier erzählt nachstehendes Erlebnis: In einem Luftkampf wird ein englischer Doppeldecker von einem deutschen Flugzeug abgeschossem Die Insassen ivaren zwei Offiziere, von denen der eine in dem Kampfe den Tod fand, während der andere mit dem Leben davonkam, sich aber bei der Landung die Beinkleider von oben bis unten durchriß. Der Offizier wurde im deutschen Lager trotz seines cttvas lückenhaften Anzuges mit Höflichkeit aufgenommen. Als er sich erholt hatte, ließ er die anfänglich beobachtete Zurückhaltung fallen und wurde gesprächiger. Er beklagt« bitter sein Pech mit der Jäose, um so mehr, als es ihn verhindere, seinem toten Kameraden das letzte Geleit zu geben. Indessen die deutschen Flieger wußten auch Rat. Einer von ihnen schwang sich mit seinem Flugzeug in die Lüfte, schwebte in wenigen Minuten über der englischen Stel- luna und warf dort eine Mitteilung zur Erde. Nach kurzer Zeit erschien über der deutschen Stellung ein englischer Flieger, der ein Bündel fallen ließ. Die Nöte des englischen FlisgerofstzierS waren beseitigt: er konnte sich in eine nagelneue Hose werfen... Bootsnnglllck auf der Elbe. Auf der Elbe bei Bittkau kenterte ein mit sieben Personen besetzter Fährkahn. All« Insassen fielen ins Wasser. Zwei von ihnen, die Frau des Kapitäns L e u e und die Frau des Steuermanns Peters, gerieten an den Rad- kästen eines vorüberfahrenden Dampfers. Sie wurden von den Schaufeln getroffen und konnten nur als Leichen geborgen werden. Die übrigen fünf Personen wurden gerettet. Hinrichtung des MördcrS von Berkenbrück. Auf dem Hofe des Gerichtsgefängnisses in Frankfurt a. O. ist der am 13. Mai 1866 in Falkcuhagen gebovene Schlosser Otto Göttschau, der im August vorigen Jahres im Walde bei Berkenbrück den Schlosser Krause aus Berlin evmordet hatte, hingerichtet worden. Gattcumord und Selbstmord. Der Schneider Fechter in Peremtienen(Kreis Labiau) erschlug seine Frau im Schweine- stall mit einer Axt und tötete sich dann selbst durch einen Re- volverschuß. Es wird angenommen, daß Fechter die Tat in einem Anfall von Geistesgestörtheit begangen hat. DaS Brandunglück in der Zuckerfabrik Frankenthal h« noch ein weiteres Opfer gefordert. Es sind nunmehr vier Tote zu be- klagen, während zwei wettere Verletzte sich noch in Lebensgefahr befinden. Der NnglückSrabe. Ein englischer Mattose wurde in L i v e r- pool verurteilt, weil er sich auf einem Transportschiff der Admi- ralität. für das er angeworben war, nicht eingefunden hatte. Nach der„Times" führte der Angeklagte zu seiner Entschuldigung an, daß die Matrosen gedroht hätten, ihn über Bord zu werfen, wenn er sich je wieder auf einem Schiffe blicken ließe. Er hatte nämlich nacheinander auf der»Titanic", der„Empreh of Jrelaird", der„Lusiwnia" und de?„Florizan" Dienst getan und war beim Untergang aller dieser Schiffe dabeigewesen. Sein Bild mit der Ge Kinematographen übera einer Abenteuer t geworden. war durch den Verlustlisten. Die Verlustliste Nr. 4SI der preußischen Armee ent- hält Verlufte folgender Truppen: Infanterie usw.: Garde: 1. und 3. Garde-Rey. z. F.; Garde- Gren.-Negimenter Alexander(s. Etappen-Kvaftwagenkolonne Nr. 37), Elisabeth und Augusta. Gren.-, bzw. Inf.-, bzw. Füs.-Regimenter Nr. 6(f. Bcfatz.-Reg. Nr. 1 Posen), 7(f. Besatz.-Reg. Nr. 2 Posen), 8 bis einschl. 13, 16, 17, 31 bis einschl. 36, 37(s. auch Besatz.-Reg. Nr. 1 Posen), 38, 56(s. auch Besatz.-Reg. Nr. 2 Posen), 53, 58, 63, 67>bis einschl. 76, 71(s. auch GebirgS-Maschinengew.-Abt. Nr. 222 und 223), 72 bis einschl. 79. 123, 126, 131, 132, 136, 137, 138, 146 154, 155(s. Besatz.-Reg. Nr. 2 Posen), 157, 158, 159. 161, 162. 164 bis einschl. 173, 378. Res.-Jnf.-Skegimenter Nr. 1. 16. 11. 12. 16, 17. 22. 32. 34. 35, 37. 38, SS, 61, 67. 68. 66. 72, 74. 77 bis einschl. 86, 87, 237, 259, 276. Landw.-Jnf.-Regimenter Nr. 6 bis einschl. 13. 17. 31. 32, 33, 35, 36. 39. 68. 75, 77. 99. 118. Besatznngs-Regimenter Nr. 1 und 2 Posen. Etappen-Hilfsbataillon Nr. 2; Etappen-Hilfs- kompagnien Nr. 3(s. Etappen-HilfSbataillon Nr. 2) uich Nr. 87. Rekruten-Depot des 3. Armeekorps und der 15. Res.-Division; Re- kruten-Bataillon der 8. Jnf.-Division. Jäger-Bataillone Nr. 16 und 14; Res.-Bataillon« Nr. 5 und 17. Gebirgs-Maschinengew.- Abteilungen Nr. 222 und 223; 2. Ers.-Maschinengew.-Koinp. des 14. Armeekorps; Feld-Maschinengew.-Züge Nr. 151(s. In f.-Reg. Nr. 72) und 247(s. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 12). Kavallerie: Kürassiere Nr. 2, 4, 7; Dragoner Nr. 2, 5. 7. 22; Husaren Nr. 8; Res.-Husaren Rr. 6 und 7. Landw.-Kavallerie- Reg. Nr. 1. Kavallerie-Eskadr. Nr. 8. Res.-Kavallerie-Abt. Nr. 77. Feldartillerie: Regimenter Nr. 53. 54. 62. 86. 166, III; Res.- Regimenter Rr. 26. 45. 46. 49, 62. 68. Kuhartillerie: Regiment Nr. 18; Batterie Nr. 317. Pioniere: 3. Garde-Bataillon. Regimenter Nr. 19, 24, 25, 31, 36. Bataillone: I. Nr. 1, I. und II. Nr. 4, II. Nr. 5. l. Nr. 6. I. Nr. 7. I. uiü? II. Nr. 9. I. Nr. 16. II. Nr. II, 1. und II. Nr. 15, II. Nr. 16, II. Nr. 21, II. Nr. 26, I. Nr. 27; Ers.-Bataillone der Pionier-Bataillone Nr. 6, 7, 21. Pionier-Kompagnien Nr. 69. 166, 164, III; Ztss.-Kompagnien Nr. 49, 52, 81, 88; 2. Landw.-Komp. des I.. 1. des II., 1. des VI., 1. des XI. Armeekorps. Pionier-Abt. der 4. Kavnllerie-Division. Leichter Festungs-Scheinwerferzug Nr. 4. 1. Garde Minenverfer-Komp. Minenwerfer-Kompagnien Nr. 4, 7, 13, 28. 29, 35. 54, 212, 252. Mittlere Minenwerfer-Abt. Nr. 114. Leichte Minenwerfer-Abt. Nr. 255. Verkehrstruppen: Feldfliegertrupp«. Etappen-Kraftwagen- kolsnne» Nr. 6 und 37. Train: Fuhrparkkolonne Nr. 1 der 56. Jnf.-Divifion und Nr. 863; Ref.-Fnhrparkkolonne Nr. 2 der 3. Res.-Mvision. Festungs-Sanitätskompagnie Nr. 2. Armierungsbataillon« Nr. 7. 16, 25, 29, 31, 39, 42, 43, 44, 46, 49, 64, 69, 78, 81, 84, 86. 91, 94, 96, 99, 167, 169, 118, und Forti- fikationen. *• « Der Schluß der sächsischen Verlustliste Nr. 252 wird der- öffentlicht, deren Inhalt wir gestern mitteilten. Die württembergische Verlustliste Nr. 343 meldet Verlust« der Ers.-Jn f.-Regimenter Nr. 51. 52; Jnf.-Reg. Nr. 126; Inf.- und Res.-Jnf.-Reg. Nr. 121; Jnf.-Reg. Nr. 124; Inf.- und Lani>w.-Jnf.-Reg. Nr. 125; Res.-In f.-Regimenter Nr. 247 und 248. Ers.-Feldartillerie-Reg. Nr. 65; G ebirgs-Kanonen-Batterie Nr. 6; 3. Res.-Pionier-Komp.; 4. Landw.-Pioni er-Komp.; Magazin-Fuhr- parkkolonne Nr. 5. Berichtigungen früherer Verlustlisten. Parteiveranftaltungen. Münster Kreis. Lejeadend der 2. und 3. Abteilung. Sonntag, den 13. Februar: Besuch der.StSndigen Ausstellung für Arbeiterwohlsahtt'. Trefspuntt auf dem Alexanderplatz(Berolina) mittags 12 Uhr pünktlich. Zahlreiche Beteiligung, besonders wegen der neuen Erweiterung der Aus- stcllung bez. Kriegs beschädigtcnsürsorge erwünscht. �ugenöveranftaltungen. Mriedrichshagen. Sonntag, den 13. Februar: vesuch des Museums für Naturkunde, Berlin, Jnvalldenftrab« Abfahrt vormittags 10.34 Ubr bis Balmhos Friedrichstrah«. Fahrgeld 60 Ps. Treff- punlt um 12 Ubr vor dem Eingang des Museums. Führung! Herr Börschmann. Die Mitglieder deS Wahlvereins werden gebeten, sich mit ihre» Frauen daran zu beteiligen. Eingegangene Druckschriften. Skchtstrahlen. Bildungsorgan für denkende Arbeiter. Herausgeber Julian Borchardl. 3. Jahrgang. Heft S. Jeden Monat ew Heft 25 Pj. Vertag Verlin-llichtersclde 3. he Profossenr Bedier et Ics Carnets de Soldata All ein an da. Von Pros. Ch. Larsen. 1 Frl.— Krieg und Geld. Vortrag von E. Ott. 1 Frl.— Wytz, Bern. Gefangen in Frankreich— nach Spanten geflüchtet. Von H. Rcupte. 50 Pf.— Stratzburger Druckerei und Verlagsanstalt, Strafe- bürg i. Elf. Datiachen. Das Sendschreiben der französischen Protestanten an die Prolestanleii der neutralen Llaalen beantwortet durch Dr. A. Völliger. 20 Pf.— Kunstverlag C. Hirsch, Konstanz(Baden). Ter deutsche Waid. Bon M. Buesgen. Geb. 1,80 M.— Tie Telbsive, wattnng der Schüler. Von Pros Engelbert. Geh. 80 Ps.— Wisicnfchafi nnd Bildung. Band 1: Unser Deutsch. Bon F. Klugc. — Band 32: Cliarakierbildung. Von Th. EbendanS.— Band 34: Grundrist der M u iikw iss e n s ch a it. Von H. Riemann.— Band 8l: Rölnischc Kultur im Bilde. Bon H. Lamer.— Band 97: Die Hygiene des männlichen Geschlechtslebens. Von G. Posner.— Band 127: Bon der Hacke zum Pflug. Von E. Hahn.— Einzeldand geb. 1,85 M. Quelle u. Meyer, Leipzig. Liebchen. Roman von W. Angel. 4 M., geb. 5 M. Schuster u. Loeffler, Berlin\V 57._ öriefkaften der Redaktion. Die luristrsa« Svrechslunde tindel sür Abonnenten Ltudenflr. 3,!?. Hol cSÄls, varlerre. am Montag bis Freitag von 4 bis 7 Nor, am Sonnabend von 5 bis 6 Uhr statt Jeder sür den B r> e t l a ft e n beNimmten Antrage ist ein Lucbitabe und eine Zahl als Merlzeichen beizufügen- Brtefltche Antwort wir» nicht erteilt. Anträgen, denen leine Abonnemenlsouitlung beigefügt ist. werden nicht beantwortet. Eilige Fragen nage man in der Svrechsmnde vor Verträge, Schristsiücke und dergleichen bringe mar i» die Sdrewünnde mit. I. R. kl. Die Mililörrente gehört zum steuervfltchtigen Einkommen, nur die Nebenbozüge, wie Kriegszulage und Berstümmelungszulage, nichl. — Königstr. äk. Nachmusterung kann noch erfolgen.— M. 38. Das Testament ist w der von Ihnen geschriebenen Form im zweiten Teil nicht richtig: der Name mufe unter dem Ort und Datum stcben. nicht daneben. Das Testamenl braucht nicht gestempelt werden.— Martin Z. Sie können keinen Schadenersatz von der Wirtin verlangen; auch können Sie nichts von der Miete einbehaltcn.— 99. F. Sie sind verpflichtet, die Steuern zu zahlen.— Rai. 5. 2. Tu. 2. Wenn beide grofejäbrig sind, bedürsen sie nur der Geburtsurkunden. 3. Kricgstrauung findet in kürzester Zeit statt, Sie müsien aber die Einberusungsorder und den Militärpafe vorlegen.— E. N. 100. 1. Sie werden das Bild zahien müssen, da Ihnen der Pholograph leine Zusicherung gegeben bat, es Jbnen unenk- geltlich zu verabsolgen. 2. Lbne Ihre Einwilligung kann das nicht go- sch eben.— H. I., Pankow. Von Ihrer Ausstellung ist die Miete nicht abzugssähig. auch der Abzug für die Kinder ist nicht berechtigt, Sie löniien nur um eine Stuse niedriger veranlagt werden.— H. Z. lOO. 1. Das kommt aus die Höhe der Strafe und die Art des Vergebens an. 2. u. 3. Nein. — P. D. 100. 1. u. 2. Nein, da sie nicht Kriegsteilnehmer sind. — 91. B. 10. 1. Diese Nebenarbeit des Waffenmeisters Ist linstatihast. 2. Wenn es sich um die Nachzahlung des vom Hauswirt gewäbrleistelcn Mietsnachlaffes handelt, könnten sie zur Zahlung nicht verpflichtet werden. — C. K. 100. Sie müssen die Schuld durch ZahIungSbesehl einklagen und können erst nachdem Ihr Pfandrecht an dem Gegenstand geltend machen.— F. I. 38. Da Sie entlassen sind, haben Sie keinen Anspruch aus Löbnung und Vervstegungsgcld. Wenn Sie zur Ablieserung der Sachen eine Aufforderung erhalten, können Sie diese doch durch Postpaket zurück- senden.— N. 20. Ja.— H. K. 20. Das Testament ist in der Form gültig, es braucht nicht gestempelt werden. Eine Umschreibung der Wirt- schalt aus den Namen Ihres Mannes ist nicht nötig. Lhne Testament hätte die Mutter einen Erbanspruw.— K« 81. 1. Nein. 2. Wenn dieselbe Er- krankung vorliegt, ist die Kaffe zu den Leistungen nichl verpflichtet.—. ft. R. 18. Der Mietsvertrag tarin deshalb von Jbnen nickt gelöst werden. Sie werden sich in Rücksicht aus die Kriegszeit mit dieser An- ordnung zujriedcu geben müssen.— F. Gr. 87. Neichen Sie Beschwerde beim VersicherungSamt des Kreises Niederbarnim in Berlin, Friedrich- Karl-User 5 ein. ISoMeraolffatischerWalilYerBiii Britz-Buckow. Am Sonnlag verstarb unser I alter Genosse, der Privatier XuZust Barlkel | im 64. Lebensjahre. Ehre seinem Andeute«! Die Einäscherung findet am ! Freitagnachmittag st, 3 Uhr im I Krematorium zu Trrptow-Baum- | schulcirweg, Kieiholzstrafee, statt Rege Beteiligung der Genossen | erwartet 194/10 Der Torstand. Zum beutigen 29. Geburtstage meines lieben Mannes Ernst Lindau gefallen am 21. Juli 1915. In ttesem Schmerz ölargsrete Undau. Fern von der Heimat, in Feindes- land, Da ruhst Du, lieber Ernst, Dich schmückt kein: Hand. Drum schmücke ich Dein Bild hier im öden Heim. Als soll es Dein Grab am Waldes- rand sein. Allein zu sein, drei Worte, leicht zu sagen, Und doch so schwer, unendlich schwer zu tragen. 33A Acne Berliner Genossensctiafts- Bäckerei eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Hastoflicht Relnlekendorf-Ost, WilkestraBe 62. Sonnabend, den 20. Februar. abends 8'/, Uhr, im VersammlungS» zimmer der Bäckerei: Leoenri- VeraunmhioN. Tagesordnung: L Bericht des Vorstandes und Aus- fichtsrates. 2. Vorlegung der Bilanz und Be- schlußiaffung über dieselbe. 3. Neuwahl de§ Vorstandes und des AussschtSrateS. 4. Stalutenäiiderunge» und An- träge. 5. Verschiedenes. Die Bilanz liegt Im Kontor, Wilke- ftrafee 62. sür die Genossen zur Ein- ficht aus. 102/7 Der Borftaud. _ Enget Marschel. Weil der Inhaber im Felde, verkaufe wegen vollständiger 1 Posten, ca. SO(Stück Ulster i größtenteils Backlischgrößen, jjj durchweg Stück 7.1)0 � i p.«.« Sport-Jackette,* meistens nur noch in guten � Frühjahrsstollen© Stück 5.50 and 8.75 S Hochf. 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