( 5 Pfennig) C 5 Pfennig) Mr. 44. flbonnementS'Bedlngnn�n: Klonnements• einzelne Kummei 6•Btg. Sonnlag». nummn mü tllultnertei Eonmag». Beilage.Dt» Reue WelN 10 P»g Post- »lbonnemem l. IQ Marl pro Monat, eingelragen tn die Posi. Zeitung». Preisliste llme, Kreuzband m» Teulsiblan» und Oesterreich• Ungarn 2,60 Marl für das übrig» Susland t Marl vro Monat Poltabonnemem» nehmen ani Selgien Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schwei» VMäDI lZgNch, 33. Jahrg. Die Infertlons-GebQlir »etrltgt für die lechsgelpaltene Kolon»!- zeile oder deren Raum so Pfg, füi politische und gewerlschastliche Berems- und VerlammlnungS-Anzeigen 30 Big, „Klein- Rnieigen", da- icttgedruckie Wort 20 Psg. lzulüsstg 2 fettgedrulitc Worte), ledes writere Wort lv Psg- Stellengesuche und Schlafftellenan- zeigen da» erste Wort 10 Psg. lebe» weitere Wort 6 Psg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Rummer müssen bis 5 Uhr nachmittag» in der Ervedition abgegeben werde». Tie Exreditwlt ist bi» 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adreff« «LMläMcinokNlt Rtrlla". Zentralorgan der rozlaldemohratifchen Partei Deutfcblands. Neüaktion: EW. HS, Hinöenstraße 3. Fernsprecher: Am, Marinplatz. Nr. IM SO— lSl S7. Montag, de« 14. Februar 1916. Expedition t SW. HS, �inöenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. IM 90—151 97. Erhöhte Kampsestatigkeit an der Westfront. Verständigung mit Amerika. In der zeitweilig sehr kritischen Situation, die sich wegen des Notenaustausches über die„Lusitania�-Affäre und den tl-Bootskrieg zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten herausgebildet hatte, scheint nun erfreulicherweise volle Entspannung eingetreten zu sein. Die Reuter- Meldungen sprechen von der Erzielung eines völligen Ein- Vernehmens zwischen den beiden Staaten und knüpfen bereits allerhand bedenkliche Betrachtungen über die Konsequenzen an, die sich daraus für England er- geben würden. Hatte man doch in gewissen englischen Kreisen voller Schadenfreude darauf gerechnet, daß die„Lusitania"- Affäre schließlich mit dem Konflikt zwischen Deutschland und Amerika enden würde. Um so größer ist jetzt dort die Ent- täuschung, die um so begreiflicher ist, als man jenseits des Kanals die Bedeutung des vermeintlichen neuen Bundes- genossen realpolitisch genug einzuschätzen wußte. Der Inhalt des zwischen Deutschland und Amerika ge- trosfenen Abkommens ist uns noch unbekannt. Aber da man weiß, was Amerika gefordert hatte, und auch durch Bethmann Hoflwegs Rede den Standpunkt der deutschen Regierung kennen gelernt hat, kann man sich ungefähr vorstellen, auf welcher Linie die Verständigung erzielt worden sein mag. Amerika hat bekanntlich die Torpedierung der„Lusi- tania" als einen völkerrechtswidrigen Akt bezeichnet und von der deutschen Regierung verlangt, daß sie diese Aullasiung anerkenne. Darüber hinaus hat Amerika den Vorschlag ge- macht, daß Deutschland den ll-Bootkrieg gegen Handelsschiffe fortan in den Formen des Kreuzerkrieges führe, also kein Schiff ohne Warnung angreife, es erst nach Untersuchung ver- senke und für die Rettung der Mannschaften und Passagiere Sorge trage. England möge demgegenüber auf die Bewaff- nung seiner Handelsschiffe verzichten. Der Reichskanzler hat demgegenüber in seinem— üb- rigens bereits vor 8 Tagen erfolgtem— Interview mit aller Entschiedenheit erklärt, daß Deutschland sich u n t e r k e i n e n Umständen soweit demütigen könne, um die Völker- rechtswidrigkeit des deutschen Vorgebens gegen die„Lusi- tania" zuzugestehen. Deutschland wolle und könne auf die rücksichtslose Anwendung seiner Il-Bootwaffe nicht verzichten. Im übrigen wolle es Amerika soweit entgegenkommen, als es der Ehre Deutschlands verträglich sei. Den Sinn dieser Andeutungen scheint uns die„F rank- f u r t e r Zeitung" intervretiert zu haben, wenn sie er- klärte, daß der Seekrieg nach den Intentionen Lansings auf eine„völlig neue Basis" gestellt werden könne, wenn Amerika die Energie zeige. England zur Entwaffnung seiner Handelsschiffe zu bewegen. Von dem Ergebnis ver amerikanischen Bemühungen England gegen- icher werde es abhängen, in welchen Bahnen Teutschland den H-Bootkrieg in Zukunft weiterführen werde. In dieser Beleuchtung gewinnt auch die Denkschrift der deutschen Regierung eine besondere Bedeutung. Sie steht, Wie offiziell erklärt worden ist. nickt in divloniatischem Zusammenhang mit den„Lusitania"-Verhandlungen und der Verständigung mit Amerika. Aber ihr sachlicher Zu- sanimenhang mit dem deutsch-amerikanischen Problem ist trotzdem unverkennbar. Denn die Denkschrift kündigt eine Behandlung der feindlichen Handelsschiffe an, die mit der Bewaffnung und aggressiven Haltung der bewaffneten eng- tischen und sonstigen feindlichen Handelsschiffe begründet wird. Insofern würde auch für das von unserer Regierung angedrohte Vorgehen wohl die Bemerkung der„Frankfurter Zeitung" in Betracht kommen:„In welchem Nahmen wir unseren t�-Bootkrieg in Zukunft weiterführen werden, wird davon abhängen, welche diploniatischen Erfolge Herr Lansing bei unseren Gegnern in der Bewaffnungsfrage aufzuweisen haben wird." .In England sträubt man sich begreiflicherweise boftig gegen den Lansingschen Vorschlag der Entwaffnung der Handelsschiffe. Der Marincmitorbeiter der„Times" be- zeichnet eine solche als Akt der Begünstigung Deutschlands zum Nachteil der Entente. Trotzdem besitzt Amerika bei ernst- lickcm Willen sicherlich Mittel, um England den Ernst seines Willens mit Nachdrücklichkeit zu Gemüte zu führen. Es braucht bloß den armierten Handelsdampfern Schwierig. keiten für das Anlaufen amerikanischer Häfen zu machen, um England zum Nachgeben zu bewegen. Und wenn Amerika wirklich an seine Bürger eine Warnung vor der Benutzung bewaffneter Handelsschiffe erlassen und jede Folaerung aus einer solchen ablehnen würde, würden auch die Hoffnungen Englands dahinschwinden, daß noch einmal ein neuer Kon- flikt?wischen Amerika und Teutschland eintreten könnte. Die völkerrechtliche Seite der ganzen Ange'egenbeit zu beleuchten, besteht für uns keinerlei Möglichkeit. Doch bedarf Mrnig lies Meli SlWWlllkls. Amtlich. Großes Hauptquartier, de» 13. Februar 1916.k Melüzmg öss rusiifchen Generalstabes. Petersburg, 13. Februar.(W. T. B.) Russischer Be» richt vom 12. d. Mts.: Westfront: Im Abschnitt Riga beschossen die Deutschen unsere Schützengräben an der Düna mit schweren Minen. In der Stellung bei Dünaburg dauerte der Kampf um den Besitz deS Trichters, der durch die Explosion unserer Minen entstanden ist, ' den ganzen Tag an und endete zu unserem Gunsten. Nach leb- hat. cm Feuerkampf besetzten wir das Dorf Garbunowka(6 Kilo- meter südlich Jlluxt). In der Nähe deS Swenten-SeeS heftiger Kampf mit Bomben. Bei Czemeryn(zwischen Rowno und Luck) machte der Feind von Zeit zu Zeit einen Feuerüberfall auf die von uns besetzte Höhe. In Galizien bemühte sich der Feind, unS «i Cebrow(23 Kilometer westlich Tarnopol) aus der Höhenstellung, . ie wir besetzt hatten, hinauszuwerfen. Unter sehr großen Ber- listen glückte es ihm; jedoch eins unserer alten, ruhmreichen Re- mmenter vertrieb ihn sogleich durch einen kühnen Gegenangriff vim der Höhe. Bei dieser Höhe gemachte Gefangene bestätigen, caß unsere Artillerie dem Feinde sehr schwere Verluste zufügte. In der Nacht vom 11. zum 12. versuchte der Feind die Höhe bei Cebrow wiederzunehmen; er machte drei verzweifelte Gegen- Geöanten über Nlenfthlichteit. Unter diosom Titel hat Leopold v. Wiese ein anregendes Buch*) veröffentlicht, das von den zahlreichen, im chauvinistischen Fahr- wasser segelnden Schriften der Kriegszeit in vorteilhafter Weise absticht. Das Buch stellt sich zur Aufgabe, die beiden, das geistige Leven Deutschlands während des Krieges in so starkem Matze be- hercscheliden Ideen des Idealismus und Nationalismus auf ihren ethischen Wert hin nachzuprüfen, ferner die Art, in der sie zutage treten, und zuletzt ihre Wirkungen aus Mensch und Gesellschaft zu untersuchen. Mit Recht beanstandet Miese vor allem die auf Kant, Fichte und Hegel zurückgehende idealistische Ethik des Nationalismus mit ihrer absoluten SÄbständigleit und Unableitbarkeit der ethisch-poli- tischen Forderungen, in erster Linie des Pflichtgebots, einerseits, ihrer Vergeistigung und Verherrlichung des gegenwärtigen Staates aii sich andererseits. Dieser idealistischen Ethik stellt Wiese eine an das Tatsächliche anknüpfende realistische Ethik entgegen, die zu- gleich nienschenft-sundlicher und lebensfreudiger ist als jene. Für die wirksame Bekämpfung der dem Proletariat fremden und schäd» tichen idealistischen Ethik ebenso wie für die Aufhellung deS Wesens der ethischen Forderungen überhaupt ist jedoch durch daS bloße Zurückgehen auf das Tatsächliche im allgemeinsten Sinne(die Natur des Menschen und das Glücksstreben) nach Wieses Art nicht genug getan. Man muß vielmehr die letzten ZLurzeln der jeweiligen ethischen Forderungen der verschiedenen Klassen aufdecken. Und hier stößt man auf die jeweiligen Produktionsverhältnisse der Per» gangenheit und Gegenwart und die darauf basierenden Klassen» gruppierungen und Klassengegensätze. Die oben besprochene idea- listische Ethik deS Nationalismus entpuppt sich bei näherem Zu» sehen als der w«ine philosophische Form gekleidete Ausdruck der m-ateriellen Interessen der herrschenden Klassen, als deren Organ und Instrument der von den letzteren verherrlichte gegenwärtige Staat auch auftritt. Was den Zlationalismus anbetrifft, so wendet sich Wiese be- ionders gegen diejenige Richtung desselben, in deren Mittelpunkt die Isolierung Deutschlands steht. Die„asketische" Spielart dieser Strömung möchte Kultur und Kultus des Deutschtums in bewußter Absonderung vom übrigen nichtverbündeten Europa gepflegt sehen. Sie verbreitet dadurch einen„berauschenden, aber auch leicht ver- blödenden Nebel der Gefühlspolitik". Demgegenüber strebt die andere Spielart des reinen Nationalismus, die einen weltlich-prak- tischen Charakter trägt, eine Vorherrschaft Deutschlands durch Er- oberung besiegter und während des Krieges militärisch besetzter Gebiete des Auslands an.„Die hier angestrebte Isolierung ist lediglich die des Herrn über den Knecht, des Siegers über den Niedergeworfenen/ Wiese verlacht sarkastisch die ganze Mystik des extremen Nationalismus mit seiner„gottgewollten, unvergleich- lichen Ueberlegenheit der eigenen Nation über all« anderen, die so groß sei, daß ein wahrer Fortschritt eben nur durch Ausbreitung deutscher Zwangsmacht möglich wird". Die Schädlichkeit dieses extremen Nationalismus widerspiegelt sich nach Wiese in den von ihm aufgestellten Kriegszielen. Danach sollte die möglichste Schwächung der Feinde erzielt und die ihnen *) Leopold v. Wiese: Gedanken über Menschlichkeit. München und Leipzig. Verlag von Duncker u. Humblot. 1913. 126 Heften. angriffe, die sämtlich unier sehr schweren Verlusten für den Feind zurückgeschlagen wurden. Kaukasus: Unsere Offensive dauert mit gutem Er- folge an. Meiöung Ser italienischen ffeeresleitung. Rom, 12. Februar.(W. T. B.) Amtlicher Kriegs- b e r i ch t. Die Tätigkeit unserer Infanterie führte zu einigen kleinen Gefechten bei Madonna di Monte Albano(nördlich von Mari) und bei P strich(im Terragnolotale), deren Verlauf für uns günstig war. Wir machten einige Gefangene. Unsere Artillerie zerstreute feindliche Arbeitergruppen in der Umgebung von Rovereto und in der Zone des hohen Gipfels südöstlich von Vielgereut. Sie beschoß Truppen und Bagagekolonnen, die auf Maultierpfaden entlang der Volaia und des Kronhosbaches marschierten. An der Jsonzofront kein wichtiges Ereignis. Ca dar na. Melöung des türkischen Hauptquartiers. Konstantinopel, 13. Februar.(W. T. B.) Amtlicher Bericht: Ein deutsches Unterseeboot torpedierte am 8. Februar auf der Höhe von Beirut das französische Linienschiff„S u f f r e n", das in zwei Minuten unterging. Von den 850 Mann der Besatzung hat niemand ge- rettet werden können. An der I r a k f r o n t zerstörte eine zur Ausklärung in Richtung auf Cheik Said vorgesandte Kolonne die Tele- graphenlinien des Feindes in der Umgebung und zwang durch ihr Feuer ein feindliches Motorfahrzeug zum Rückzug. Bei Felahie und Kut el Amara zeitweise unterbrochenes Infanterie- und Artilleriefeuer. Unsere Freiwilligenabtei- lungen griffen am 7.'Februar ein feindliches Lager westlich von Korna an. Der Kamps dauerte bis in die Nacht hinein. Der Feind wurde gezwungen, in südlicher Richtung zu fliehen. Er ließ dabei eine Menge Tote zurück. In diesem Gefecht wurden dem Feind einige Gefangene, eine Menge Waffen, Munition und Saumtiere abgenommen. An der K a u k a s u s f r o n t auf dem linken Flügel Artilleriefeuer ohne Wirkung. Im Zentrum dauern die Vor- Postengefechte an. Der Feind, der eine unserer Stellungen be- setzt hielt, wurde durch einen Gegenangriff daraus vertrieben. Er ließ eine Menge Tote zurück. Zu öen Kämpfen in Mesopotamien. London» 12. Februar.(W. T. B.) Das Kriegsminffterium teilt mit, daß die gestern gemeldeten Kämpfe in Mesopotamien am 7. bezw. 9. Februar, nicht am 7. bezw. 9. Januar staftge- fundcn haben. Kämpfe in öer Umgebung von �öen. Koiistantinopcl, 13. Februar.(28, T. 23.) Die Telegraphen. agentur MM meldet: Di« in der Umgebung von Aden verschanzten Engländer wurden von unseren tapferen Soldaten angegriffen. Sie haben sich an einzelnen Punkten in die Feuerzone ihrer Kriegsschiffe zurückgezogen und sie verharren dort seit Monaten unter dem fordwäbrenden Druck unserer Truppen, ohne sich zu rühren. In den ersten Dezembertagen griffen zwei Abteilungen unserer Meharisten(Kamelreiter) einen feindlichen Posten an. der sich zwftchen Cheik Osman und der Ortschaft Hur befand. Sie fügten dem Feinde empfindliche Verluste a» Mannschaften und Tieren zu. Am 8. Dezember fand ebenfalls ein Zusammenstoß zwischen unseren Meharistenabteilungen und einer englischen Kavallerieabteilung statt. Trotz seiner zahlenmäßigen Ueberlegenheft wurde der Feind verjagt. Er erlitt zahlreich« Verluste. Nachdem die englische Ka- vallerie in der Nacht zum 9. Dezember ebenfalls geschlagen worden war, wurde sie auf ihrem Rückzüge von unseren Abteilungen über» fallen, die durch Stämme verstärkt waren, welche östlich Elvahta nach Süden aufgebrochen waren. Nach diesem Schlag konnte der Feind sich auf seiner zügellosen Flucht kaum nach der Oertlichkeit Amad östlich von Cheik Osman flüchten. Es wurde nachher festgestellt, daß entzogen«! Gebiete samt Bevölkerung und Kapiral als Siegespreis. dem Reiche zugeführt werden. Wiese weist mit Rdcht darauf hin. daß dies— vorausgesetzt, daß die Verwirklichung dieser Kviegsziele möglich sei— einen Frieden auf lange Zeit hinaus vollständig ausschließen würde. Eine Aera neuer unausgesetzter Kriege würde erst dadurch eröffnet werden, die für Deutschland selbst eine Schädi- gung und Schwächung bedeuten müßte. Diesen Zustand ständiger Kriegsbereitschaft charakterisiert Wiese mit Grillparzers Wort: „Von der Humanität über Nationalität zur Bestialität?"„Sollte unser Reich," ftagt Wiese, immer mehr zu einer unüberwindlichen Zwingburg auf Erden oder zu einer schließlich doch vom gemein- samen verstärkten Hasse niedergeworfenen Festung werden, nachdem die anderen mehr und mehr gelernt haben, sich notgedrungen in gleichem Maße zu militarisieren?" Eine weit mildere Kritik erfährt bei Wiese die zweite Richtung des Nationalismus. Nach deren Ausfassung wird Deutschland gerade durch den Sieg seinen kosmopolitischen Beruf erfüllen kön- neu, Europa als neue Einheit aufzubauen und durch den Ratio- nalismus eine über ihn hinausführende höhere Stufe t»er Mensch- heitsentwickelung vorzubereiten. Wiese hält dieser Meinung den Umstand entgegen, daß in der bisherigen Geschichte die Kriege zwar häufig umfangreicher« und in der Regel auch höher organi- siert« Kollekttvein Helten von Menschen geschaffen und dadurch zur Verbindung der Völker beigetragen haben, daß aber oft die Krieg« auch zur Trennung und Isolierung>der Völker geführt haben. Es lätzt sich deshalb nach Wiese nichts Entschiedenes darüber aus- machen, ob dieser Krieg zu den isolierenden oder zu den ver- bindenden gehört. Die erwähnte historische Tatsache sagt jeden- falls nichts darüber aus, ob nicht die Verbindung der Völker auf anderem Wege besser, vollkommener und mit geringeren Opfern herstellbar, ist. Ebenso wenig sei aus dem geringeren Lauf der Geschichte ein Argument zugunsten einer Kriegsverherrlichung zu schöpf«: oder die Forderung zu entnehmen, auch in Zukunft nur durch Krieg eine wirkliche und dauerhafte Völkerverbindung durch- zuführen. Den im Gefolge deS erstarkten und entwickelten Kapitalismus aufgetretenen Imperialismus mit seinem Bestreben nach Erlau- gung von s elbstkontrollierten Rohstosfgebieten und erweiterten Absatzmöglichkeften hält Wiese zwar für unvermeidbar. In letzter Linie strebt er jodoch Weltwirtschaft und Weltpolitik ohne Im- perialismus an. Es wäre interessant zu erfahren, wie Wiese sich die Verwirklichung dieses Zieles denkt. Allein er geht darauf nicht näher ein, behält sich vielmehr die Begründung für spätere Arbeiten vor. Ohne der letzteren vorzugreifen, muß man immerhin sehr bezweffeln, ob vom Standpunkt Wieses, der an der kapitalistischen Grundlage der jetzigen Gesellschaft festhält, sich Wege und Mittel zur vollständigen Beseitigung der Kriege ergeben können. Bis- weilen ist es die Sozialdemokratie allein, die eine stichhaltige Be- gründung für die Erreichbarkeit dieses Zieles liefern kann. Und zwar ist es nach ihr einzig und allein die Aufhebung der kapita- listischen Wirtschaftsordnung und die Ersetzung derselben durch die sozialistische, wodurch die Ursachen der Kriege: Konkurrenz der Kapitalisten der verschiedenen Staaten, gewattlätige Erweiterung der Absatzmöglichkeiten, Gewinnung von Rohstosfgebieten usw.— und mit den Ursachen der Kriege auch die Kriege selbst aufgehoben werden. Im Zusammenhang mit den oben entwickelten Gedanken Wieses besteht für ihn— was nur zu begrüßen ist—„jede ver- nünstige Politik in dieser Vorbereitung deS allmählichen Ersatzes bei dieser Flucht eine große Zahl feindlicher Tiere unterwegs an der Hitze und Erschöpfung zugrunde gingen. In der Nacht vom 10. Dezember gab es ebenfalls einen heftigen Kamps zwischen unserer Kavallerie und der des Feindes bei Mesale. Das�Gefcbt endete damit, daß die feindlichen Kräfte in der Richtung auf Cheik Osman in die Flucht geschlagen wurden. Der Feind wurde nach dieser Niederlage lehr unruhig und verstärkte seine VerteidiguugS- mittel. Er wurde zudem gezwungen, sich damit zu begnügen� das Gelände zwischen Cheik Osman und Amade mit seinen Schein- Werfern abzuleuchten._ Eine englische Kritik am verhalten öer „King Stephen". London, 12. Februar.(W. T. B.) Die Wochenschrift „N ew Statesman" schreibt, es bestehe keine Ursache, den Kapitän des Fi'chdampfers„King Stephen" zu loben. wie es viele Leute, darunter der Bischof von London, getan hätten. Die Haltung des Kapitäns möge vorsichtig gewesen sein, sie verrate aber sicherlich nicht den Mut und die Tat- kraft, deretwegen die britischen Seeleute in ihrem eigenen Lande berühmt seien. Die Schwierigkeiten, 22 deutsche Schiff- brüchige nach Englanid zu bringen, seien gewiß nicht unübcr- windlich� gewesen.„New States-man" will den Kapitän zwar direkt nicht verurteilen, aber man könne ihn doch unmöglich bewundern, weil er Schiffbrüchige ertrinken ließ und wegfuhr. Gesunkene Schiffe. London, 13. Februar.(W. T. B.)„Llovds" meldet: Der Dampfer„A l a b a m a" au? Stavanger ist gesunken. Die Mann- schaft ist gerettet worden und befindet sich an Bord des norwegischen Dampfers„2ktlzao". Der belgische Dampfer Aduatik" aus Antwerpen. 2221 To., fft gesunken. Zwei Mann der Besatzung sind umgekommen. Rotterdam, 13. Februar.(W. T. B.) Der britische Dampfer „Beiford", der an der Küste von Jslay(Hebriden) strandete, wird als verloren betrachtet. Das Schiff war mst 60 000 Pfund Sterling versichert. Militärsragen im SchWelzer Gunöesrat. Bern» 12. Februar.(W. T. B.) In seiner heute abgehaltenen außerordentlichen Sitzung hat der Bundesrat hinsichtlich der Beziehungen zwischen Zivilbehörde und Militärbehörde drei wichtige Beschlüsse gefaßt: Der erste dieser Beschlüsse regelt die Frage der Zuiftändigkeft für Ausgaben der Armee. Er bestimmt, daß die Armeeleiwng ohne besondere Kreditbewilligung durch den Bundesrat zuständig ist für alle Ausgaben, die im Tlerwat tu ngsregle meist für die Armee vorgesehen und festgesetzt sind. Dagegen müssen alle übrigen Ausgaben, namentlich solche für Bekleidung, Bewaffnung, Ausrüstung, Munition, Festungswerke. Bauten oder Straßen mit den entsprechenden Kreditbegehren dem Militärdepartement unterbreitet werden. Die Kredite können nur vom Bundesrate bewilligt werden. Das Avmeekommissariat hat seine Tätigkeit auf die Befriedigung der Bedürfnisse der Armee zu beschränken. Der zweite Beschluß beschränkt die Tätigkeit der Heerespolizei auf den Dienst bei der Truppe. Sie kann in- dessen dazu herangezogen werden, beim Grenzkontrolldienst mitzu- wirken, jedoch nur im Einvernehmen mit den zuständigen kanto- nalen Behörden. Der dritte Beschlutz entlastet die Militärgerichte von allen nicht unter den allgemeinen Bc- griff eigentlicher Militärvergehen fallenden Verletzungen der Ge- setze, Beschlüsse und Verordnungen, um die kantonalen Gerichte mit ihrer Ahndung zu beauftragen. Alle diese Beschlüsse sind aus Grund von Verhandlungen mit der obersten Heeresleitung gefaßt worden. Dies trifft namentlich zu bei dem Beschlüsse über die Zuständigkeit für die Ausgaben der Armee, der durch eine Verstän- digung zwischen Zivilbehörde und Militärbehörde die durch Artikel 203 des Bundesgesetzes über die Militärorgani satton auf- geworfenen Fragen löst und so mft der Lage in Einklang bringt, des Krieges durch den Frieden und des HinoinwachsenS in größere und festere Einheiten. Die Friedensbedingungen scheinen ihm die besten, die am geeignetsten sind, die europäische Solidarität anzu- bahnen". Jedoch bleibt hier 2Li«se— Vcrmittelungsdenker wie er ist— auf halbem Wege stehen, ohne der Annexionsgelüste sich ganz erwehren zu können. Er weist nicht etwa jede„realpolitische und wirtschaftliche Ausnutzung militärischer Siege' ab. Angesichts etwaiger unbedingter Noiwendigkeiten militärischer oder polittscher Natur sind nach ihm beim Friedensschlüsse auch Gebietsevweitc- rungen zulässig. Allerdings unter 2Lahrung der Möglichkeit zur Verständigung— wenn nicht mit allen jetzt feindlich«! Nationen. so doch mit einigen von ihnen— und der Aussicht auf zukünftige Bündnisfähigkeit. Im Gegensatz zum reinen absoluten NattonalismuS läßt Wiese nur den relativen Nationalismus gelten, und zwar„als Vorstufe und als bildungsfähigen Bestandteil des allmählich entstehenden Europäertums und als Träger der Menschheit". Denn die Nation ist nach ihm durch die Hölzer« Idee der Menschheit zu ergänzen. «Falsch ist es," meint Wiese,„die Idee der Menschheit als farblos und blaßverschwommen zu bezeichnen; vielmehr ist sie weniger abstrakt als die Idee der Natton, weil die Merkmale der Gemeinschaft bei jener sichtbarer sind." Zwar scheint ihm die volle Ver- wirklichung der Einheit des Menschengeschlechts sehr entfernt zu sein. Im Endziel aber sollte sich doch die Polittk darauf richten. Jedoch auch in diesem— für die Jetztzeit mutigen— Bekenntnis zum Kosmopolftisrnus beharrt Wiese nicht konsequent. So in bezug auf die Solidarität Europas den fremden Rassen gegenüber, die er für absehbare Zeit nur teilweise gelten läßt. Das Prinzip der Menschlichkeit, das Wiese in anerkenncns- werter Weise so warm befürwortet, versteht er nicht bloß im Sinne der Beziehungen zwischen Menschen und Nationen, sondern auch im Sinne eines bestimmten inneren GehaltS der einzelnen mensch- lichen Persönlichkeit. Das Ideal des letzteren läuft für Wiese im Gegensatz zur idealisttschen Ethik, di« auf dem bloßen absoluten Pflichtgebot aufgebaut ist, auf eine Synthese von Pflichtgefühl und Glücksstreben, Geistigkeit und Triebhaftigkeit. Pflicht und Freiheit hinaus, erstrebt also eine Harmonie des menschlichen Einzeldaseins auf Grund der Entfaltung aller seiner Seiten. Di« Dkenschlichkeit im ersteren Sinne, im Sinn« der Soli- damtat sowohl innerhalb der einzelnen Gesellschaft wie zwischen den verschiedenen Gesellschaften untereinander, ist jedoch denkbar und durchführbar nur im Rahmen einer sozialisttschen Wirtschasts- ordnung, in welcher die Klassengegensätze der einzelnen Gesellschaft ebenso wie die Gegensätze der Völker untereinander verschwunden sein werden. Innerhalb der kapitalisttschen Staaten kann die von Wiese ersehnte Menschlichkeit kaum stückweff« erzielt werden. Nicht anders ist es um das Ideal der Menschlichkeit im Sinne der �harmonischen Entwickelung der Persönlichkeit bestellt. Es ist direkt unersindlich, wie gerade vom Standpunkt eines Wiese, der auf dem kapitalisttschen Boden stehen bleibt, die Verwirklichung dieses Ideals möglich sein soll. Kann denn für alle Mitglieder der Gesellschaft, also auch für die arheitend«! Klassen im Ernst davon die Rede sein, solange die sozialen Gegensätze bestehen bleiben: mit Reichtum, Geistesbildung und Genuß— oft bis zur Ueber- sättigung— auf der einen, mit kummerlichem Leben, ja Not und Elend, geisttger Zurückgebliebenh«t auf der anderen Seite? Erst der Kampf der Arbeiterklasse um menschenwürdigere Daseins- bedingungen, ihr Kampf um das Endziels— um die Verwirklichung des Sozialismus bringt uns dem obigen Ziel näher,«dem tneldje die über die Voraussetzungen des Gesetzgeders hinausgehende lange Dauer der Mobilisation geschaffen hat. Der Bundesrat wird sich in seinen Sitzungen der kommenden Woche mit der Aufhebung des Kriegsbetriebes der Eisenbahnen beschäftigen. Der Bundesrat hat heute be- schloffen, das schweizerische Volkswirtschaftsdepartement zu beauf- tragen, nach Möglichkeit die Einfuhr von Petroleum und Benzin zu fördern und für die Regulierung der Preise- für diese Waren-die nötigen Matzregeln zu treffem Das Departement ist vom Bundesrat ermächtigt worden, Petroleum und Benzin, das sich in Verfügung von Privaten befindet, zu beschlagnahmen und im Jntereffe der gleichmäßigen Versorgung der Bevölkerung und Jndu- strie um den Selbstkostenpreis des Inhabers mit einem Zuschlag von 5 Prozent zu erwerben. Das Departement setzt die Preise für Benzin und Petroleum für den Grotz- und Kleinhandel fest. Durch diesen Beschlutz wird der bisher vom Armeekriegskommissariat be- sorgte Dienst in die Hand der Zivilbehörden übergeführt, zugleich soll die private Zufuhr entweder eingestellt oder so geregelt werden, datz die Verkaufspreise für'das Publikum möglichst billig zu stehen kommen. Keine deutschen Anleihen in öer Schweiz. Bern, 12. Februar.(SS. T. B.) Die Pariser Zeitung„L e Journal" brachte heute die Meldung, datz aus dem Verfiche- rungsfonds der Schweizerischen Kranken- und Unfallversicherung seit Ausbruch des Krieges mehrere Millionen in deutscher Kriegs- anloihe und Anleihen verschiedener deutscher Staaten sowie in deutschen Eisenbahnen- und Bankwerten angelegt worden seien. Bundesrat Motta, Chef des schweizerischen Finanz- und Zoll- departements, ermächtigt die Schweizerische Depeschen-Agentur zu der Erklärung, datz seit dem Kriegsausbruch von der Eidgenossen- schast kein einziger Rappen in neuen Titeln angelegt worden ist und datz somit die Meldung des Blattes.Journal" vollständig frei erfunden ist. Wirkungen öes Nilitäröienst-Sesetzes in Cnglanü. Wenn auch die Mehrheit der englischen Arbeiterschaft den Kampf gegen die Dienstpflicht, nachdem sie einmal Gesetz geworden ist, aufgegeben hat, so besteht doch noch immer eine organisierte Opposition, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Ausführung des Gesetzes zu überwachen und seine weitere Ausdehnung zu verhindern. An der Spitze dieser Gruppe steht Sir John Simon, der liberale Exminister; auch Mitglieder der Unabhängigen Arbeiterpartei beteiligen sich au der Agitation gegen die Ausdehnung und für Wieder- abschaffung des Gesetzes. Man fürchtet, datz schon ein kräf- tiger Druck von konservativer Seite in der Richtung der Dienstpflicht der Verheirateten ausgeübt werde und datz der Premierminister und seine Freunde nicht stark genug sind, diesen Anstrengungen den nötigen Widerstand entgegen- zusetzen. Inzwischen macht man Studien über die Wirkung der Wehrpflicht. Man hofft, datz das Gesetz„taktvoll" angewendet werde, aber die liberale Wochenschrist„Nation" hat deswegen ein wenig Sorge. Sie hat schon Erfahrungen bei der Anwendung des Derby-Schemas gesammelt, und sie ist davon nicht eben begeistert. Tie schlimmste Eigenschaft sei, datz schon jetzt„ein gemischtes System militärischen und industriellen Zwanges aufgestelll" sei. Tie„Nation" führt drei Beweisfälle vor, die deshalb interessant sind, weil sie uns einen Begriff davon geben, wie sehr man in England eigentlich bisher die Wirkungen des Militarismus unter- schätzt hat� „1. Ein vielversprechender junger Mann, im Begriff, nach Oxford(Universität. D. Red.) zu gehen. Er meldet sich. wird ärztlich untersucht und informiert, daß seine Sehkraft weit unter dem Militärmatz ist. Befreiung wird verweigert, und er wird als fähig für Schreibarbeit registriert, für die er sich im Traum nicht freiwillig meldete, und für die er seine Karriere nicht geopfert haben würde. 2. Ein Antragsteller mit einer Krankheit, die sorgfältige Behandlung erfordert. Ein Sekretär, der ein gutes Gehalt verdient. Er legt Berufung ein. Zurückgewiesen als mili- tärisch untauglich, aber nichtsdestoweniger verpflichtet, Schreibarbeit zu tun. 3. Ter Besitzer eines kleinen Gutes von 14 Acres, das für seine Größe gut mit Zuchtvieh und Schafen besetzt ist. Befreiung wird verweigert nach dem Urteil des Trib'�als, das aus benachbarten Landwirten besteht, obgleich sein Gut absolut von seiner Sorge abhängt." Wenn schon bei dem Derby-System solche nach Ansicht der„Nation" ungerechtfertigte Urteile vorkommen, so wird es nach Jnkrafstreten des Militärdienstgesetzes noch mehr Klagen geben. Aber England hat sich für das System des Militarismus entschieden, obwohl es seine Gefahren kannte, und obwohl es stets aufs heftigste gigen seine Uebertragung protestiert hatte. Es ist sehenden Auges in sein Verderben gerannt, und es wird selbst nach dem Kriege einer gewaltigen Kraft- anstrengung bedürfen, wenn dann mit der dem freien Eng- länder verhaßten Dienstpflicht aufgeräumt werden soll. Zrankreich unö Italien. Bern, 12. Februar.30000 30000 I MCO SKXn AnktUdt. �%0 tose P r* I■• von 3m. PaatsebtUir and Uata SO Pf«. MA loMM 1 1 Berlin W.» Unter den Linden 3 Ecke WiiheLmctraße. 00 a J Udmlralspalast LisArens GroBea 8is-8aUctt 8'l, Uhr. e, 8. 4 Jl TorsOrliehe Küche. V Stoffe für feine Damen-SostOme, Herren-Anzüge usw. Mir. 4,-, 6,-, 8.-. 10,-, 12,- M. Tuch-Lager Koch& Seeland 6. m.b.H., Gertpaotlteiistr. 20/21. Pelrlkirche. Spe2talarzt f. Geschlechtskrankheiten. Harnleiden, Schwäche, Ehrlich-Hata-Kuren, Blut- und Harn-Untersuchungen. I»p. med. Karl Reinhardt. Institute: Dvin-wancotf f\l zwischen Dresdener und Annensfraße. rrlflZCnSir."- Sprechst. 5— 7, Sonntags 10— 11. DcktcrfamAr �tr II 7 � i Lützowstr., Sprechst l/,ll-2 KOlSaamer Oir. I>/ �>/, 8-st,10 U. abds.. Sonnt. 11-1. Ali(kläre II de 4b Seiten Starke Broschurs gratis und post- frei in verschlossenem Kuvert. Verantwortlicher Redakteurl Ernst Däumig. Steglitz. Für de» Jnjeratemettoeramw.: Td. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckeret u. VertagSanstaU Paul Singer& En. Bertm SW.