Ar. 47.-33. Jahrg. ÄDonnoncn ts- Bcdl ngnngen: Blionnrmriu.■ CtciJ PTdnumnanhai Bifttclläbtl 8�30 Ml. monaU. UO Ml. wöcheiultch 25 Lsg frei ms Haut. Einzelne Nummer 5 Lsg Sonnragt« nunime, mil illustnerier Sonnragt» Beilage.Dre Neue Well' lv Lost- kboimemenr l.l0 Marl via Munal Eingerrage» m die Loii. Zerrung». Lreislisie llnrer Nreuzdand sld Teuiicdlan» und Oesterreich. Ungarn 2,50 Mari iflt das libiig» Ausland t Marl vro Monal Lostabonnemenlt nednien ani velgien� ränemart, Holland. Zlalten. Luxemburg. Loriugal. Uurnanieil Schweden und die Schwer» Vlchtldl liglich. Verltnev Volksbwkk. ( 5 Pfennig) Die TntertlonS'GeMfyr Litrllgt für die sechsgespallene KolonS« »eUe oder deren Raum 60 Psg. für holltische und gewerlschaftliche Lerems« und LerfammIungS-Aiizeigen 30 Psg. „Kldnc Mnicigcn", das fettgedruiktc Wort 20 Psg.(julässtg 2 setigedruckte Wortej. i-des weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Echlasltellenan« »eigen das erst- Wort 10 Psg, jedes w-il-re Wort ö Pfg. Worte über lö Puch- stoben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müsie & r'—'■■■-■ für die näch;____________ 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 1 Uhr abends geöffnet, Delegramm. Ndresse: »ZttUIiIeagltral Berlla", Zentralorgan der rozlaldemokratifchen Parte» Deutfchlands. Zur Monopolfrage. Wir hatten in den Artikeln„Verstaatlichung und Ar- beiterinteressen" und„Monopole und Staatseinnahmen" vom 10. und 11. Januar dieses Jahres den Standpunkt vertreten, daß die Arbeiterklasse nicht schlechtweg für oder gegen die Ver- staatlickung sich erklären könne, sondern daß es sich dabei um Zweckmäßigkeitsfragen handle; je nach den kon- kreten Bedingungen des Einzelfalles wäre zu entscheiden. Wir hatten ferner betont, daß dort, wo die Verstaatlichung aus fiskalischen Gründen durchgeführt werden soll, die schwersten Bedenken entstehen, weil die Monopolwirtschaft auf die in- direkte Besteuerung in anderer Form hinauslaufe, also zu einer schweren Belastung der Arbeitermassen führen muß. Wir hatten betont, daß besonders die Verstaatlichung des Kohlenbergbaues unfehlbar diese Wirkung haben würde. Im Gegensatz hierzu tritt nun C u n o w für ein Kohlen- Monopol, genauer genommen für ein Kohlenhandelsmonopol ein.— Er widerlegt nun nicht etwa unsere Ansicht, daß das auf s ch e i n l i ch. Dos Neue ist nur, daß dieser rapid umlernende eine Verteuerung der Kohlen hinauslaufen würde, also im gleichen Sinne wirken würde wie eine Kohlensteuer, sondern er b e st ä t i g t das, hält es wenigstens für sehr wahr- s ch e i n l i ch. Das neue ist nur, daß dieser rapid umlernende Marxist gegen eine solche Belastung der Bevölkerung, die ganz besonders der Arbeiterklasse aufs schwerste fühlbar sein Würde, nichts einzuwenden hat. Seine Argumentation ist hier ganz besonders eigenartig. Er meint: die Kohlen werden ohnehin teurer werden, auch wenn kein Monopol konunt, also haben wir diese Belastung halt hinzunehmen. Daß die Verteuerung der Kohlen ein- treten m u ß, hat er n i ch t bewiesen. Er begnügt sich zu be- haupten, daß Kohlenmangel in Europa besticht. Davon hat man indeslen vor dem Kriege nichts geinerkt, und warum jetzt der Krieg bewirken soll, daß nach Friedensschluß der Mangel sich einstellen wird, setzt er nicht auseinander. Doch ange- iwmmen. die Besitzer der Kohlengruben würden die ihnen günstige Lage ausnützen, um höhere Preise zu erzwingen, so meinen wir, wäre es die erste Aufgabe vernünftiger Wirt- schaftspolitik, dem nach Kräften entgegenzu- wirken. Daß das möglich ist, leuchtet ohne weiteres ein, wenn man die beständig steigenden Profite der Kohlenzechen in Betracht zieht. Daß es notwendig ist im Interesse der Arbeiterschaft darauf zu dringen, dürfte auch klar sein, da der Kohlenwucher nicht nur die Arbeiter als Verbraucher der Kohlen schwer belastet, sondern auch die EntWickelung vieler Industrien bedroht. Da außer den Arbeitern auch ein großer Teil der Industriellen ein Interesse daran hat, den Kohlen- wucficr zu bekämpfen, ebenso die Landwirte, Großgrund- besitzor wir Bauern und schließlich auch der sogenannte Mittel- stand, so ist wohl mit ziemlicher Sicherheit darauf zu rechnen. daß die Aufgabe auch g e l ö st werden wird, daß der weiteren Kohlenpreissteigerung ein Damm gesetzt wird, wenn es nicht zur Verstaatlichung kommt. Bei Verstaatlichung freilich liegt es anders, weil den Schichten der Besitzenden noch immer lieber sein dürfte, wenn die Staatseinnahmen durch eine in- direkte Kohlensteuer beziehungsweise die steigenden Ein- nahmen aus dem Kohlcnmonovol gedeckt werden, als wenn sie durch direkte Steuern gedeckt werden müssen. Nun kann man für die Verstaatlichung des Kohlenberg- baues Argumente geltend machen, die sich aus den Interessen der Bergarbeiter und der Allgemeinheit ergeben. Dieses Wort findet keine Gnade vor den Augen des Marxisten C u n o w. aber Marx und Engels operieren mit diesem Be- griff. Es gibt eben selbst in der kapitalistischen Gesellschaft Interessen, die allen Bcvölkerungsgruppen gemeinsam sein können, gegen die aber die Profitinteressen einer bestimmten Kavitalistengruppe gerichtet sind. So sind alle Bevölkerungs- schichten daran interessiert, daß mit den Naturschätzen, zu denen die Kohle gehört, kein Raubbau getrieben wird. Die Bergarbeiter aber neigen immer mehr dazu, die Verstaat- lickning als einzige Rettung vor der Willkürherrschaft der privaten Monopolisten zu betrachten. Allerdings haben sie dabei bisher immer betont, daß dann eine fiskalische Aus- nützung des Monopols vermieden wenden muß, ja, daß eine Serabsetzung der Kohlenpreise erwünscht und auch durchfiihr- bar sei. C u n o w kümmert sich um all diele Fragen nicht. Da er nur den fiskalischen Effekt im Auge hat. tritt er für die Verstaatlichung nicht des Bergbaues, sondern nur des Kohlenhandels ein. Entscheidend ist nämlich für ihn. daß bei einer solchen Lperation der Aufkauf der Kohlengruben, wozu ein großes Kapital nötig wäre und wodurch die Ergiebigkeit des Monopols herabgesetzt würde(die hohe Rente, die den Eigentümern der Gruben zu kapitalisieren wäre, würde in den ersten Jahren Ueberschüsse kaum möglich machen), weg- fällt. Der Staat übernimmt einfach die Vertriebsgeschäfte Miig Oes Mb Mpotflers. Amtlich. G r» ß es H-»ptff»«rtier, de» 16. Februar lö16. iW. T. v.» Westlicher Kriegsschauplatz. Die Engländer griffe» gestern abend dreimrl»er» gebens die von und eroberte Stellong südöstlich von Aper» an. Ihr Gefangeneuverlnst beträgt im ganze« rnnd hundert Mann. Au der Champagne wiederholten die Franzase» den Versuch, ihre Stellungen nordwestlich von Tahnra zurückzugewinnen, mit dem gleiche» Mißerfolge, wie am vorhergehenden Tage. Allgemein beeinträchtigte stürmisches Regenwetter die Kampftätigkeit. westlicher Kriegsschauplatz. Lei Schneetreiben auf der ganzen Front hat sich nichts von Ledenttng ereignet. Balkau-KriegSschauplatz. RichtS Neues. ObersteHeereSleituug. •» Set silmetlMk SemMMWU Wie», IS. Februar. iW.T.B.j Amtlich wird»erlautbart: Russischer und südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Artillerielämpfe»er küstenländischcu und de» au- schließende» TeU»er Kärntner Front daner» fort. I« Ab- schnitte von Doderd» law es auch zu Minenwerfcr- und Hand- grauateukimpfeu. Am Javorceck wurde eine italienische Feldwache zum echten Male ausgehoben. Das Vorfeld unserer neue» Stellung im Rombongebiete ist mit FeiadeSleicheu bedeckt. Der Stellvertreter de« Chef» de? GeneralstabeSt von Hoefer, Feldmarschalleutnant. Mehrheit m der Fraktion finden wird, wagen wir zu bezivei- sein. Genossen C u n o w ober empfehlen wir Gretchens Stoß- gebet: .Wi« schien mrr'L schwarz, und schwärzt'S noch gar, Mir's immer doch wicht schwarz g'wug war, Und segnet mich und tat so groß, Und bin Min selbst der Sünde bloßl" des Kolensyndikates und sucht bei dem Kohlenhandel heraus- zuschlagen, was irgend herauszuschlagen ist. Und die Berg- arbeiter? Ja, die bleiben einfach unter der Herrschaft der privaten Monopolisten. Das kümmert den Neo-Marxisten nicht weiter. Ebensowenig kümmert ihn, wie diese privaten Monopolisten mit den Kohlenvorräten wirtschaften. In der Tot muß man stark umlernen, um zu solchen Gesichtspunkten zu gelangen. Uns scheint aber eine solche AnPfropfung eines staatlichen Kohlenhandelsmonopols auf das private Monopol des Kohlensyndikates noch aus anderen Gründen gefährlich. Es würde sich da eine Verquickung von Staatsinteressen mit privatkapitalistischen Interessen ergeben, die den Einfluß kapitalistischer Kreise auf die Regierung gewaltig stärken würde. Ein anderes Monopol, für dos C u n o w plädiert, ist das Versicherungsmonopol. Hier liegen die Dinge insofern anders, als Arbeiterinteressen dabei toemq berührt werden. Ganz einfach liegen die Verhältnisse indessen auch da nicht. Der Hauptprosit der Versicherungsgesellsckjaften entsteht be- kanntlich nicht aus dem Ueberschuß der Prämienzahlungen über die ausgezahlten Versicherungssummen, sondern aus Kreditoperationen. Die Versicherungsgesellschaften verfügen über enorme Kapitalien, die Eigentum der Versicherten sind, mit denen aber die Gesellschaften schalten und walten. Die deutschen Lebensversicherungsgesellschaften allein haben über sechs Milliarden Mark in Hypotheken und anderen Darlehen und in Wertpapieren angelegt. Bei der Verstaatlichung würde also der Staat diese Kreditoperationen übernehmen müsten; er würde als der größte Geldverleiher zu fungieren haben. Da das leicht zu einer heillosen Beeinflussung der Privatwirtschaft führen könnte, zu einer Protegierung ganz bestimmter Unternehmergruppen, ja selbst zur tief- gehenden Korruption der betreffenden Regierungskreise, so müßten da jedenfalls hier vorbeugende Maßnahmen ge- scljaffen werden. Erst wenn konkrete Vorschläge vorliegen, wäre darüber zu reden. C u n o w behauptet am Schlüsse, die Monopole würden kommen, ob wir es wollen»der nicht; daher sei es zwecklos, daß wir uns dagegen sträuben. Vielmehr sei es angesichts dieser Loge zweckmäßig, daß die Fraktion ihren prinzipiellen Stondpuntt aufgebe, auf die Forderung direkter Steuern verzichte und sich mit den bürgerlichen Parteien über Mono- pole einige, um dabei herauszuschlagen, was herauszuschlagen ist im Interesse der Arbeiterklasse. Mit einem Wort— Opportunismus m aller Form! Ob sich für diese Taktik eine Der französische Tagesbericht. Paris, IS. Februar.(W. T. B.) A m t l i ch e r B e r i ch t v o n gestern nachmittag. In der Champagne eroberten wir einen Teil der vorgeschobenen Grabenstücke zurück, die von dem Feinde östlich der Straße Tahure— Sommepy am 13. Februar be- setzt worden waren. JnL othringen Patrouillengefechte imAbschnitt von Reillon. Auf dem übrigen Teil der Front war die Nacht ruhig. Paris, IS. Februar.ie fe st z»stellen beabsichtigen, ob ein Handels- schiff bewaffnet ist oder nicht, ehe sie eS ohne Warnung versenken. ES wird gesagt, daß das amerikanische Memorandum an die Ententemächte wegen der Entwaffnung der Handelsschiffe einzig und allein im Interesse der Mensch» lichkeit gesandt wurde und keine Abänderung der geltenden Regeln beabsichtigt werde. „ D a i l h M a i l" erfährt auS Washington, die Regierung habe tatsächlich schon über die gegenüber der deutschen Ankündigung ein- zuhaltende Politik entschieden. Man sei zu dem Schluß gelangt. daß da? bestehende Gesetz gelten müsse, bis die Kriegführenden Lanfings Vorschläge, die Handelsschiffe zu ent- waffneir, angenommen hätten. Die Vereinigten Staaten würden deshalb darauf bestehen, daß da? Leben der Bürger, die auf unbewaffneten Handelsschiffen, die keinen Widerstand leisten, reisen, sichergestellt sein m ü s s e. Die Aufgabe, festzustellen, ob ein Handelsschiff bewaffnet ist oder nicht, falle den Kommandanten der C-Boote zu. Die Vereinigten Staaten ständen auf dem Standpunkte, daß die Regierungen dieser Kommandanten für alle ihre Mißgriffe der- antwortlich seien. .Daily Telegraph" meldet aus New Dork, die Tele- gramme aus Wafhington lauteten alle dahin, daß die Regierung Deutschlands neuer Drohung wegen der bewaffneten Handelsschiffe keinen Widerstand leisten werde. Man vermute, daß da» Kabinett durch Marinesachverständige beeinflußt werde, die glauben, daß Amerika mit seiner sehr entwickelten Küstenlinie in Zukunft sich viel auf lliiterseeboote werde verlassen müssen. Wenn dem so sei, wäre jede Politik, die darauf ausgehe, die Leistungsfähigkeit der U-Boote zu neutralisieren, gegen das Interesse der Sicherheit der Nation. ßrieüensaktion üer Neutralen. Aus Amsterdam wird unS geschrieben; Die amerikanischen Sozialisten haben bekanntlich die Initiative zur Einberung einer Konferenz der neutralen Staaten durch die Regierung ergriffen, zum Zweck eines Ent- Wurfs von Friedensbcdingungen, die für alle Kriegführenden annehmbar wären. Sie haben gleichzeitig die sozialistischen Parteien der neutralen Staaten von ihrem Vorhaben ver- ständigt. Wie wir erfahren, hat Genosse B r a n t i n g den Genossen Hillquit im Namen der schwedischen Partei telcgraphisch verständigt, daß die schwedischen Sozialisten es für das Zweckmäßigste halten, wenn die sozialistischen Parteien der neutralen Staaten, von denen einige ja schon ihre Grund- ''ätze auf der Konferenz in Kopenhagen formuliert haben, ihre Auffassungen dem Internationalen Soziali st ischen Bureau bekanntgeben, das sie vereinigt der schwedischen Partei übermitteln soll, die ihrerseits sie der R e g i e r u n g und dem Parlament Schwedens unterbreiten wird.{') §ür üie Neutralität Üer Schweiz. Die Geschäftsleitung der Sozialdemokratischen Vartei der Schweiz und die sozialdemokratische Fraktion der Bundesversammlung veröffentlichen einen Aufruf zugunsten der Neutralität, in dem eS u. a. heißt: .Seit Ist, Jahren stehen unsere Soldaten ununterbrochen an der Grenze; für die Aufrechterhaltung der Neutralität und den Frieden unseres Landes verlangt man vom SchweizervoU die größten Opfer— und die Spitzen der Armee sind es. die frevent- lich sie mißachten, und der General bekundet durch eine Behandlung der fehlbaren Offiziere, die einer Beförderung gleichkommt, eine Auffassung, die erschrecken muß; der Bundesrat mußte ihm die gerichtliche Ueberweistmg förmlich abringen. Seit Monaten macht sich ein System in unserem Heerwesen breit, das unserem demokratischen Empfinden Hohn spricht und an Stelle der Demokratie die Militärdiktatur setzt. Dazu ein Gcharen in der großen Mehrzahl der bürgerlichen Preßorgane, im Osten geradeso wie im Westen, welche Partei ergreifen für die krieg- führenden Gruppen und so auiS empörendste den Rassenhaß im eigenen Lande erzeugen und ihn schüren. Täglich wächst die Er- regung, die Unruhe und Sorge des Volkes, das ehrlich und auf« richtig an der Neutralität und an der Demokratie festhalten will, die es verraten wähnt. Und da soll es kein dringendstes Gebot sein, daß die Volk?- Vertretung zum Rechten sieht, offen und rückhaltlos die Lage bespricht, die Verantwortlichkeiten feststellt und Behörden und Armeeführer an ihre Pflichten erinnert, und sie in die Schranken weist? Wann, wenn nicht jetzt, ist je das Wohl des ganzen Lande? so sehr auf dem Spiele gestanden? Die sozialdemokratiscbe Partei, die einzige, die in allen ihren Gliedern geschlosien, grundsätzlich auf dem Boden der aufrichtigen Neutralität steht und keinen Angriff auf die Demokratie duldet, ist fest entschlossen, den Kampf für diese Volks- und Landesintereffen unentwegt weiterzuführen. Sie beharrt auf der sofortigen Einberufung de? Parlaments und auf der Erfüllung dieses Volkswillens. Parteigenossen unterstützt in Presse und Organisationen durch ununterbrochene Kundgebungen unsere Forderungen und unseren Kampf für die Demokratie, die Neutralität und den Frieden." �sqm'th über die Kriegslage. London, 15. Februar.(W. T. B.) Unterhaus. In der Adreßdebatte gab A s g u i t h einen kurzen Ueberblick über die militärische und finanzielle Lage. Er sagte, die Alliierten hätten bei der jüngsten Tätigkeit an der Westfront mehr als das ihrige festgehalten. Der Minister berührte sodann die Erfolge der Engländer und Franzosen in Kamerun. Mit Bezug auf Mesopotamien sagte er, die Lage hätte sich bedeutend gebessert, er hoffe, daß die beiden Streitgruppen sich vereinigen würden und daß alles, was nach einer ernsten britischen Niederlage aus- sehe, abgewendet werden würde. Das bemerkens- werteste, Moment der letzten drei Monate sei gewesen, daß die Beziehungen der Koordination und Kon- zentration und die Einheit in der Leitung und Kontrolle unter den Alliierten in zunehmendem Maße enger geworden sei. Der K r i e g s r a t der Alliierten in Paris hätte vor kurzem die Kriegslage nach politischen und strategischen Ge- sichtspunkten geprüft. Die Regierung hätte eine Schätzung der gesamten Hilfsquellen des Landes ver- anstaltet, um sich darüber klar zu werden, inwieweit es fähig sei, in den kommenden Monaten ein Marimum an Leistungen zu der gemeinsamen Sache beizutragen. Asquith sprach so- dann längere Zeit von den britischen Verantwortlichkeiten und wies auf die Rolle der Flotte hin, welche auf einer fast unermeßlichen Fläche eine stumme aber erfolgreiche Arbeit leiste. England habe, sagte er weiter, das Zehnfache der ursprünglichen Exeditionskräfte auf die gegenwärtigen Kriegsschau- Plätze gesandt, wobei nicht eingerechnet seien die Garnisonen im Mutterland oder in den Dominions, die Reserven, die in der Ausbildung befindlichen Mannschaften oder die von den Dominions gesandten Streitkräfte. Zum Schluß teilte Asquith mit, daß der einzige Weg, die finanzielle B ü r d e zu tragen, in einer ausgedehnten Zusatzbestcuerung und in der Aufrechterhaltung des englischen Kredits liege. McKenna würde binnen kurzem neue Steuervorschläge ein- bringen. Die Belastung würde groß sein, aber nicht größer, als man sie tragen könne.(Beifall.) das Weiterwirtsch asten ins Olaue. London, IS. Februar.(28. T. B.) Das Reuteische Bureau ver- breitet einen Leitartikel des„Daily Telegraph" über die Wieder- erösfnung des Parlaments, in dem es heißt: Die Parlamentssession des kritisÄen Jahres des großen Krieges ist eröffnet. Großbritannien und seine Verbündeten beginnen ein neues Kapitel des Konflikts. Nie waren sie so fest vom Siege über- zeugt wie heute. Die noch immer wachsenden Kosten des Krieges und der schwere Druck, den der Krieg den nationalen Hilfsquellen auferlegt, beunruhigt die Phantasie. Wie soll das weiter gehen? Das Blatt schließt, es müsse irgendwie weitergehen bis zu einem siegreichen Ausgange. Das Sicherheitsventil üer Sesttzenüen. AuS Amsterdam wird unS geschrieben: Die englischen Kapitalisten sind in keiner geringen Sorge wegen der Frage, was sie mit den nach dem Friedensschluß zurückströmen« den Arbeitermossen anfangen sollen. Beim AbschiedSsrühslück deS Königl. Kolonialinstituts hat Lord Curzon unlängst gesagt:„Eine bis zwei Millionen Männer werden in ein Land zurückkehren, wo der Arbeitsmarkt sicher überfüllt sein wird, die Löhne fallen müssen und die Mehrzahl der Menschen viel ärmer sein wird als unter den künstlichen Bedingungen des Augenblicks.... ES obliegt der Re- gierung, dem gerechtfertigten Streben dieser Leute einen Ausweg zu finden." Wo ist aber dieser Ausweg zu entdecken. Es gibt Leute, die ihn in der Auswanderung sehen. Sir H. Rider H a g g a r d ist nach A u st r a l i e n gefahren, um die Verpflanzung englischer Soldaten nach dem Kriege dorthin zu organisieren.— ES ist noch die Frage, wie die australischen Arbeiter, die sich ja namentlich infolge ihrer beschränkten Zahl besonders günstige Ar- beitSbedingungcn errungen haben, über eine solche plötzliche Masten- zufuhr von Arbeitskräften denken werden. Auch mag manchem englischen Industriellen bei dem Gedanken, daß so die in- dustrielle Eigenwirtschaft Australiens künstlich befördert werden würde, nicht sehr wohl sein. Die„Daily NcwS" ver- öffentlichen eine Zuschrift deS Radikalen R. L. Outhwaite, der dieser Lösung eine andere vorzieht: die Auihebung deS Tributs an die Landeigentümer. Nur diese werde die Verarmung der Mafien unier den durch den Krieg ungeheuer ge- steigerten Lasten verhindern können und die Erzeuger der Güter in- standsetzen, die Lasten ohne weitere Einbuße an ihren Existenzmitteln zu tragen. Die Landreiorm werde die Produktion und die Nachsrage nach Arbeitskräften so steigern, daß sie die Auswanderung über- flüssig machen werde. Outhwaite meint, daß die Arbeiterführer bis- her der Landfrage zu wenig Ausmerkiamkeit geschenkt hätten. Die Verminderung der Kinderzahl durch den Krieg, die Verarmung großer Massen, die Störung des internationalen Handels werde aber die Industrie zwingen, neue Märkte zu finden. Liege nicht der beste vor ihrer Tür— das fruchtbare englische Ackerland und seine Be- bauer. Der Herzog von Marlborough hat im Oberhaus erzählt, daß der ländliche Arbeiter jährlich einen Wert von LSS Pfd. (Svoo M.) erzeuge. Mag das auch eine zu hohe Schätzung sein, jedenfalls ist die? die Bevölkerung, deren Kaufkraft gesteigert werden muß, um die Verelendung des industriellen Arbeiters zu verhindern. Sir Rider Haggard, sagt Outhwaite, werde eine hohe Besteuerung der Grundrente in Australien ebenso finden wie in Neuseeland und Kanada, wenn auch das Schutzzollsystem ihre Wirkungen zum Teil aufgehoben habe. Was werde aber der Schotte sagen, der dem Auf- ruf des Anschlags Folge leistete, wo unter dem Bild einer anmutigen Hochlandizenerie stand:„Ist dies nicht deS Kampfes wert?" und der zurückkehrend hören wird:„Fort mit ihm nach Australien, damit er nicht das Behagen gewisser Stände störe". Törichte Renommistereien. Paris, 16. Februar.(W. T. ffl.) Meldung der Agence Havas. Unier der Ueberschrift„Falsche Manöver" scbreibt„Temps": ES gibt Leute, die nichts entmutigt, und die trotz aller Warnungen hart- näckig dabei bleiben, ihre Auffassungen, die man nicht baden will, aufzudrängen. Es gibt Nemrale, die bei ihren Versuchen beharren, den Frieden zwischen den Völkern wiederherzustellen, in- dem sie sich einbilden, es würde möglich sein, durch großherzige Formeln die schwierigsten Probleme, die die zivilisierte Well kennt, zu lösen. Wir wollen gern zugeben, daß diese Neutralen von den besten Absichten erfüllt sind und daß bei ihnen kein persönliches Interesse obwaltet. Aber nach dem Mißerfolg aller ihrer Versuche, eine Annäherung herzustellen, müßten sie sich überzeugen, daß ihr Standpunkt nicht der unsere sein kann. Wenn Deutschland verspricht, wirklich mir Wohl- wollen olle Friedensvorschläge, die ihm die Alliierten machen würden, zu prüsen, so hat dies keine Bedeutung aus dem einlachen Grunde. weil die Alliierten keine derartigen Vorschläge machen, sondern ihie Bedingungen den Mittelmächten diktieren werden, ohne daß eS notwendig ist, sich danach zu erkundigen, ob Deutschland mehr oder weniger geneigt ist, sie zu erörtern oder anzunehmen.„Temps" schließt:„Weder Friede noch Waffenstillstand, noch Vermiiteluiig irgendwelcher Art, sondern Krieg bis zum äußersten. So faßt man in den Ländern der Alliierten die Lage auf. Wenn man sie dort anders auffassen wird, dann wird eS nur deshalb der Fall sein. weil unsere Heere ihr Ziel erreicht haben und Oesterreich-Ungarn und Deutschland sich als besiegt erklären werden." ßinanzielle KriegsforÜenmgen in KanaÜa. Ottawa, 16. Februar.(Reutermeldung.) Der Finanzminisier wies bei der Einbringung des Staatshaushalts daraus hin, daß als Ergebnis einer Vermehrung der Einnahmen und einer Verminderung der Ausgaben gegen das letzte Jahr die eingelaufenen Gelder um 57 Millionen Dollar gestiegen seien. Die Regierung habe bei der Einbringung des letzten Staatshaushaltes mit einer Vermehrung der Einnahmen bis zu löv Millionen gerechnet. Dieser Betrag, erklärte der Minister, wurde überschritten, denn die Einnahmen im laufenden Finanzjahr werden mindestens 170 Millionen betragen. Bisher Hai das Parlament 150 Millionen für Kriegszwecke bewilligt, aber die Regierung wird darüber hinaus mindestens 250 Millionen an- fordern. Die Finanzlage Kanada« ist infolge der sehr guten Ernte und der Nachfrage nach Kriegsmaterial sehr günstig. Es sind bisher 250 000 Mann angeworben worden. Die Zahl der Soldaten soll auf eine halbe Million gebracht werden. Es muß Geld flüssig ge- macht werden, um die neuen Kontingente auszurüsten und die ganze kanadische Streitmacht auf den Beinen zu erhalten. /lntiüeutsche Repressalien in Australien. Sydney, 16. Februar.(W. T. B.) Meldung des Reuterscken Bureaus. Der Picmierminister hat den Vorschlag gemacht, allen Deutschen das Wahlrecht zu entziehen, wenn sie nicht beweisen, daß ihre Naturalisierung ehrlich gemeint war. Wenn sie nicht eine voll- ständig? und autrichlige Erklärung ihrer Stellung ablegen, sollen sie das Recht, Land und anderes Eigentum zu besitzen, verlieren. Russsche Anleihe in Japan. „Berlingske Tidends" meldet aus Petersburg; Die F i n a n z k o m m r>' s i o n hielt ihre erste Sitzung unter der Leitung des Ministerpräsidenten Stürmer ab. Die Versammlung wurde ein- geleitet durch eine Erklärung deS Direktors der Kreditkanzlei, daß es gelungen wäre, durch die Vermiltelung japanischer Baukiers eine Anleihe in Japan aufzunehmen. Die Kommission traf darauf Bestimmungen über die Aufnahme einer inneren Anleihe von zwei Milliarden Rubel, wovon eine Milliarde durch die Reichsbank, die andere durch Privatbanken ausgegeben werden soll zum Kurse von 05 Prozent bei einem fünfeinhalbprozentigen Zinsfuß. Die Teilnehmer an der früheren Anleihe erhalten ein halbes Prozent Sondervergütung. Endlich wurde ein Antrag betreffend eine Anleihe in Finnland in finnischen Mark an- genommen. Das Filianzministerium hat strenge Vorschriften gegen die Scheinverkäufe deutschen Eigentums ausgearbeitet. Unter dem Vorsitz Barls fand eine Versammlung von Vertretern verschiedener Ministerien sowie der Handels« und Jndustriekreise statt, um die Pläne für die Reform des russischen Steuer- s y st? m s zu erörtern. Der Reichsrat erhält in seiner ersten Sitzung den Gesctzvoranichlag betreffend die Einkommensteuer zur Berhand- lung. Man erwartet, daß die Partei der Rechten dagegen Stellung nehmen werde._ politische Ueberslcht. Freiwillige Parlamentszensur. Bcbor das Abgeordnetenhaus am Mittwoch die Debatte über die Frage der BolkSernährung fortsetzte, bewies es durch einen gegen die Stimmen der zehn sozialdemokratischen Vertreter gefaßten Beschluß, daß ihm die heute geübte Zensur noch nicht weit genug geht, sondern daß es bereit ist, auch die parlamentarische Kritik unter Zensur zu stellen. Einer Verabredung des Seniorenkonvents ent- sprechend, beantragte der Präsident Graf Schwerin unter Anerkennung des Standpunktes, daß auch die Einzellandtage das Recht haben, zu der auswärtigen Politik Stellung zu nehmen, mit Rücksicht darauf, daß eine gründliche Erörterung unserer auswärtigen Lage möglicherweise die Interessen des Landes schädigen könne, von einer Besprechung der aus- wärtigen Angelegenheiten, insonderheit unserer Kriegszicle, der Kriegsführung und unserer Beziehungen zu den neutralen Ländern Abstand zu nehmen. Namens der Sozialdemokraten, die sich bereits in der Vorbesprechung gegen diese Mundtot- machung gewandt hatten, legte Genosse Hirsch in einer Erklärung zur Gesckäftsordnung Protest gegen die Ab- ficht der bürgerlichen Parteien ein. Mit Nachdruck erklärte unser Redner, daß dieselbe Seite, die einer Diskussion über die ihr jetzt unangenebmc Frage aus dem Wege gehen wolle, sie selbst in der Bildgetkommission angeschnitten und in der Presse breit getreten habe. Es müßte denen, die bezüg- lich des ll-Boot-Krieges anderer Meinung sind, daher Gelegenheit geboten werden, auch ihre Stellung zu begründen, zumal da die Parlamentstribüne unter den jetzigen Verhält- nisscn die einzige Stelle sei, von der aus sie'ficö frei äußern können. Sein Äppcll verhallte jedoch. Die Mehrheit, die ihr Ziel durch Veröffentlichung ihres bekannten Beschlusses er- reicht hat, will die Minderheit nicht zu Worte kommen lassen. In der Fortsetzung der Debatte über die Ernährungs- fragen sprach als erster Genosse H o s e r, dessen IVsflün&tge von großer Sachkenntnis zeugende Rede eine fort- gesetzte scharfe Anklage gegen die auf die Verteuerung der Nahrungsmittel gerichteten Bestrebungen bildet. Mit beredten Worten schilderte er die Lage der breiten Massen, die die größten Opfer bringen, die aber auf eine ausreichende Ernährung der- zichten müssen, obwohl Nahrungsmittel genug im Lande sind. Als er gewisse Landwirte als„Verbündete Englands" bezeichnete, zog er sich einen Ordnungsruf zu. Auch die verschiedensten von der Regierung getroffenen Maßnahmen zog Hofer in den Bereich seiner Kritik. Man wird ihm unbedingt beipflichten, wenn er betonte, daß die fortgesetzten Versuche, auf das kapitalistische Gewächs einen sozialistischen Trieb zu der- Pflanzen, letzten Endes eine Karikatur erzeugen müssen. Die unter dem Kriegszustand ergriffenen„staatssozialistischen" Maßnahmen erkannte er als notwendig an, er erblickte darin den Beweis dafür, daß der Privatkapitalismus ver- sagt hat. Den Konservativen waren diese Ausführungen sichtlich unangenehm; in weiser Vorsicht hatten sie die Rednerliste so gestaltet, daß nach Hofer der Führer des Bundes der Land- wirte, Abg. Dr. R o e s i ck e, an die Reihe kam. Aber anstatt auf das von unserem Genossen angeführte Material einzu- gehen, glaubte Herr Roesicke in dem Gefühl der parlamentari- scheu Macht sich mit einigen Redensarten darüber hinwegsetzen zu können, um schließlich das bekannte Loblied auf die Land- ivirte anzustimmen. Daß doch nicht alles so in Ordnung ist, wie es von inter- cssierter Seite immer hingestellt wird, zeigten die Reden der Abgg. Herold(Z.) und Dr. v. C a m p e(natl.), die trotz ihrer grundsätzlichen Zustimmung zu den Maßnahmen der Re- gierung und zu den Beschlüssen der Budgetkommission doch im einzelnen manches auszusetzen hatten. Das gilt ganz beson- ders für das Gebiet der Kartoffelversorgung. Nach einigen Auskünften vom Regierungstisch aus wurde die Beratung auf Donnerstag vertagt. Die„Post" über Offiziösentum. In der„P o st" lesen wir: „Der„Vorwärts" glaubt feststellen zu können, daß von der preußischen Presse der bürgerlichen Parteien in der U-Bootsrage der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" nur von der„F r a n k- furter Zeitung" und dem„Berliner Tageblatt" sekundiert wird. Diese Feststellung ruft die Tatsache in Er- innerung, daß das zweifellos unberechtigte Mißtrauen mancher Kreise unseres Volkes in die Festigkeit und Entschlossenheit unserer auswärtigen Politik zu einem guten Teil von der An- nähme herrührt, daß die genannten beiden Blätter die Auf- fassuiig des Auswärtigen Amtes vielfach wider- spiegeln. Man geht sogar so weit, Kundgebungen, unter denen die Namen der Herren August Stein und Theodor Wolfs zu, inden sind, als bestellte Arbeit der Wilhelmstraße anzusehen." Wir verstehen wicht recht, was die„Post" eigentlich fest- stellen will. Will sie bestreiten, daß die ungeheure Mehrheit der bürgerlichen Presse sich gegen die Erklärung der Reichs- regierung in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" ge- tvendet hat? Will sie auch nur den Versuch der Widerlegung machen, daß es mir einige wenige Blätter sind, die sich gegen das Treiben gewisser politischer Kreise, das durch die Er- klärung der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" gekennzeichnet worden ist, auflehnen? Davon steht in der„Fest- stellung" der„Post" kein Wort. Vielmehr wird behauptet, daß die„Frankfurter Zeitung" und das„Berliner Tageblatt" die Auffassungen des Aus- wärtigen Amtes vielfach widerspiegeln. Ob das der Fall ist, vermögen wir nicht zu beurteilen. Aber wenn es der Fall wäre— was würde damit und durch den Vorstoß der„Post" bewiesen? Nichts anderes, als daß sich gerade die Aktion der „Post" und ihrer Freunde unter den Parteien des Abgeord- netenhauses nicht gegen die Ansichten irgendwelcher bei- läusiger Personen richtet, sondern gerade gegen Auffassungen, wie sie vom Auswärtigen Amt vertreten werden. Träfe das zu, so würde damit die Berechtigung der Erklärung der„Nord- deutschen Allgemeinen Zeitung" erst recht bestätigt. Bemerkt sei übrigens, daß die Behauptungen der„Post" keineswegs neu und originell sind, sondern bereits in der Staatshans- haltswmmission des Abgeordnetenhauses in äußerst poin- tierter Form und mit den schärfsten polemischen Spitzen vorge- bracht worden sind._ Haltlose Gerüchte. Amtlich. Berlin, 16. Februar.(W. T. B.) Dem Vernehmen nach läuft das Gerücht um, die Reichsregierung werde anstatt der zwei bestehenden vier fleischlose Tage ein- führen. Wir stellen hiermit fest, daß das Gerücht auf freier Erfindung beruht._ Die Kriegsgewinnsteuer. Der Finanzminister Leiche fordert durch eine Bekanntmachung im„R e i ch s a n z e i g e r" die Leiter der für die KviegSgewinn- neuer nach dem Gesetz über vorbereitende Maßnahmen zur Be- steuerung der Kriegsgewinne in Betracht kommenden Gesellschaften auf, bis zum 1. Juni 1316 die Unterlagen für die Festsetzung der Steuer einzureichen._ Aus dem Sächsischen Landtage. Die Zweite Kammer hatte in der Schlutzberatung über die Z i v i I l i st e<3� Millionen Mark) und Apanagen für die Prinzen(566 000 M.) zu verhandeln. Die sozialdemokratische Fraktion stimmte wie bisher gegen diese Ausgaben des Sraates. Das Ordenskapitel wurde gegen 31 Stimmen(Sozialdemo- traten und Fortschriitler) bewilligt. Dabei kam es zu einem Zwischenfall. Von einem sozialdemokrotiscben Abgeordneten war ein Gedicvt an die Kammermitgl'eder verterlt worden, in dem die Ordens- vcrleibungen während der Kriegszeit recht interessant glossiert werden. Der Präsident rügte das mit dem Bemerken, daß dazu vorher seine Genehmigung einzuholen gewesen wäre. Eine lange und lebdasle Debatte rief die Säilußberatung über die Kapitel des I n st i z e t a t S hervor, die sich mit dem Mangel an Richtern und Beamtenperional, mit einer seit Jahren dauernden ungenauen Eratisierung der Gefängnisvcrwaltung u. o, beschäftigten. Von lozialdemokrauschcr Seue wurde besonders der starke Einfluß der Geistlichen in den Eetangenenaiistallen lritisiert. Es sei nötig, an Stelle der Geistlichen mehr Aerzte und Lehrer, besonders aber auch Psychiater anzustellen. Preistreiberei auf dem Fischmarkt. In der Ostiee, von der Danziger Bucht bis zur pommerschen Küste werden jetzt riesige Sprotteniäng« gemacht. Wie die West- preußische Presse mitteilt, kauften früher die Leute einen Eimer voll dieser Fische für 20 Pf. zur Schweinemast. Jetzt kostet ein Pfund aber 20 bis 80 Ps. Der Hauptsang wird jedoch von einigen Groß- Händlern aufgekauft und in die Räuchereien gesandt; von hier kommt die Ware zum Preise von 70 bis 30 Pf. in den Verkehr. Dadurch tritt eine dreifache Erhöhung der Preise ein und den Haupt- gewinn erzielen die paar Großhändler, die den Markt beherrschen. Warum schreitet die Regierung hier nicht ein? Auch die Herings- z ü g e bringen Fischern und Händlern hohe Gewinne. Die Mandel lostet heute mehr als doppelt so viel wie vor dem Kriege; in den Großstädten ist der Preis der Heringe auf das Vierfache der alten Preise gestiegen._ Städtetag und Kartoffelnot. Wie wir erfahren, hat der Vorstand des Preußischen Städtetages in Berlin getagt und sich auch mit der Kartoffelsrage beschäftigt. ES wurde über die mangelhafte Versorgung der Städte mit Kar- toffeln btltere Klage geführt. Aus einigen Städten berichteten die Oberbürgermeister, daß zeitweise in der ganzen Stadt keine Kar. toffel zu haben gewesen ist. Auch die mangelhafte Versorgung der Millionenbevölkerung Großberlins wurde zur Sprache gebracht. Auf Anregung des Vorstandes des Preußischen Städtetages soll nun der Nah run g s m itt e la u S s ch uß des Deutschen Städte- t a g e s am Montag, den 21. Februar, in Berlin Sitzung abhalten, um die brennende Kartoffelfrage zu beraten. Die zu fassenden Be- schlülle sollen dann sofort im ReichSamt des Innern zur Geltung gebracht werden, um für die ärgste Kalamität der Städte Abhilfe zu erreichen. Der Vorstand des Preußischen Städtetages glaubt indessen, daß neue Entscheidungen und eine durchgreifende Neuregelung der Kartoffelversorgung erst zum 16. März möglich wären, da erst dann allgemein die Mieten geöffnet würden, und sich übersehen lasse, wie die Kartoffeln überwintert haben und welche Mengen tatsächlich zur Verfügung stehen._ Wie man Kartoffeln bekommt. Der Landrat des L i e g n i tz e r Kreises, Freiherr von Tai- m u t h, der sich in diesem Kriege schon mehrfach veranlaßt gesehen hat, energische Maßnahmen gewissen Landwirten gegenüber öffentlich anzukündigen, hat unter dem 11. Februar 1316 im amtlichen „Liegnitzer Kreisblatt" die folgende weitere Veröffentlichung er- gehen laffen: »Kartoffel-Beschlagnahme. Trotz dringender Aufforderungen an die im Besitze von Kar- toffeln befindlichen Landwirte und trotz der Erhöhung des Preises auf 4 M. für den Zentner kann unser Kommissionär, der Raiffeisen-Verwalter Herr Kaufmann Januscheck Hierselbst, keine Kartoffeln erhalten. Nicht einmal so viel Kartoffeln werden ver- kauft, als zum Brotbacken gebraucht werden. Zu meinem größten Bedauern sehe ich mich deshalb gezwungen, von der Zwangsmaßregel der Enteignung Ge- brauch zu machen. Mitte nächster Woche wird den Landwirten, bei denen, wie mir bekannt, noch größere Kartoffelbestände sind, eine Ver- fügung zugehen, durch die ein entsprechender Teil der Kartoffeln dem Kreise als Eigentum übertragen wird. Als Ent- schädigung werden in diesem Falle nur 2,75 Mark für den Zentner gezahlt." Das ist der einzig richtige Weg, den alle Behörden beschreiten müßten._ Einschränkung der Herstellung von Süstigkeiten? Der halbamtliche„Nachrichtendienst für Ernährungsfraqen" wendet sich gegen die Verwendung von wichtigen Nahrungsmittel- stoffen zu Süßigkeiten, die außerhalb der täglichen Mahlzeiten ver- zehrt werden. Er fordert dabei„als nächste erstrebenswerte Ziele unserer Ernährungspolitil": 1. Fortgeietzte äußerste Einschränkung der Verwendung von Zucker für die gewerbsmäßige Herstellung von aus- gesprochenem N a s ch w e r t(Bonbons, Pralinees, Drops und der- gleichen). 2. Verbot der gewerbsmäßigen Herstellung von Kuchen, Torten und sonstigem Feingebäck, etwa mit Ausnahme des Sonntags. 3. Vorbeugende baldige Maßregeln gegen die Herstellung von Ostersützigkeiten(Osterhasen usw., von Schokolade, Biskuit, Zucker und dergleichen), so daß die Gewerbetreibenden sich schon jetzt auf das Verbot einrichten können. 4. Einschränkung der Aussendung von süßen Liebesgaben an die Front besonders während der Fortdauer des Stellungskrieges, 6. Endlich muß die Zulassung von Sacharin für die Herstellung von ausschließlich zum Naschen bestimmten Süßig- leiten ernstlich in Betracht gezogen werden, um so den Zucker ausschließlich dem ordnungsmäßigen Zwecke der Ernährung von Menschen und Vieh vorzubehalten." Zumal mit der letzten Forderung, der Zulaffung von Sacharin, können wir uns einverstanden erklären. Preisabstufungen nach dem Einkommen. In der Stadtverordnetenversammlung in Halle a. S. wurde mit großer Mehrheit der Antrag der sozialdemolratischcn Fraktion an- genommen, die Preise derjenigen Lebensmittel, die die Stadt der Bevölkerung zuführt, für die Minderbemittelten zu er- mäßigen, lelbst bis unter den eigenen Kostenpreis.— Da die Stadtverwaltung für den Zentner Kartoffeln selbst 3,80 M. gezahlt bat, wurde noch beschloffen, den Verkaufspreis für die Minder- bemittelten auf 3.85 M. herabzusetzen. Als Minderbemittelte sollen gelten diejenigen, die sich in einer Steuerstufe bis 2700 Mark be- finden._ Erhöhung der Kartoffelpresse. Eine Korrespondenz berichtet: Die vom Bundesrat durch die Verordnung vom 7. d. Mts. ge- troffene Regelung der Versorgung mit Speisekartoffeln während der Frühjahrs- und Sommermonate ist in ihrer Bedeutung erst zu be- urteilen im Zusammenhang mit der zu der Verordnung ergangenen Aussührungsanweisung. Der Schwerpunkt der Neuregelung liegt darin, daß jetzt den Kommunalverbänden die Verpflichtung auferlegt ist, die für die Ernährung der Bevölkerung bis zur nächsten Ernte erforderlichen Speisekartoffeln zu beschaffen. Um die Erfüllung dieser Verpflichtung auf eine sichere Grundlage zu stellen, müssen die Kommunalverbände am 25. dieses Monats eine Bestandsaufnahme vornehmen, um zu er Mitteln, welche Borräte in den Händen der Händler und Verbraucher sich befinden. Bisher waren die Bedarfsanmeldungen der Städte im wesentlichen auf Grund von Schäyungen gemacht. Hierin tritt nunmehr ein Wandel ein. Jeder Siadt- und Landtreis hat die Karioffelverlorgung einer besonderen Srelle zu übertragen. Diese ermittelt auf Grund der Ergebniffe der Bestandsaufnahme den ungedeckten Bedarf und meldet ihn der Reichskartoffelstelle an. Für jede Provinz wird unter der Aussicht des Oberpräsidenten eine Provinzialkartoffelstelle eingerichtet, deren Aufgabe es ist, den Fehlbedarf innerhalb der Provinz auf Grund der Festseßungen und Zuweisungen der Reichs- kartoffelstelle auszugleichen. Verbleibt in einer Provinz nach Deckung deS Fehlbedarfs der Kommunalverbände ein Ueberichuß, so teilt die Reiwskartoffelstelle der Provinzialkartoffelstelle mit, an welche Bedarfsverbände außerhalb der Provinz der Ueberschuß zu liefern ist. Das Ergebnis der Bestandsausnahmen ist der Reichskartoffel- stelle b's zum 10. März anzuzeigen. Mit dem 15. März tritt nun der neue Kartoffelpreis f ü r die Frühjahrs- und Sommermonate in Höhe von 4,80 M. in Kraft, der sich i n j e b e m M o n a i als Entschädigung für die Ausbewahrung um 25 Pf. erhöht. Die gegenwärtig in vielen Gemeinden herrschende Kartoffelknappheit machte Ueber- gangsbestimmungen erforderlich, um die Versorgung der Bevölke- rung mit Kartoffeln bis zum 16. März zu erleichtern, d. h. um zu verhindern, daß mit Rücksicht auf die steigenden Preise ein Zurück- halten der Vorräte im Handel Platz greift. Die Kommunalver- bände baben zu diesem Zweck die Kartoffelvorräte, die sich im Besitz der Händler befinden, zu beschlagnahmen und in alle laufenden Verträge, die über Kartoffellieferungen von den Händlern ab- geschlossen und bis zum 15. März zu erfüllen sind, einzutreten. Die Händler sind zur käuflichen Ueberlassung ihrer Vorräte an die Gemeinden verpflichtet: erfolgt die Ueberlassung nicht freiwillig, so können die Kartoffeln enteignet werden. Die Kommunal- verbände dürfen jedoch von der Uebernahme bezw. Enteignung der Vorräte absehen, wenn die Gewähr gegeben ist, daß die Händler ihre Vorräte unter Einhaltung der Kleinhandelshöchstpreise bis zum 16. März dem Verbrauch zuführen. Dazu ist aber erforderlich, daß die Händler eine entsprechende Verpflichtung eingehen, deren Erfüllung überwacht wird. Für den Kartoffelgroßhandel ist in der Neuregelung von Bedeutung, daß bei der Durchführung der Kartoffelbeschaffung die Händler nach Möglichkeit herangezogen werden sollen._ Zur Einfuhr ausländischer Kartoffeln. Für die Einfuhr von ausländischen Kartoffeln sind, ähnlich wie für Butter und Scholz, Einfuhrbestimmungen erlassen worden. Nach diesen ist die Menge der eingefübrten Kartoffeln sowie der Verkaufs- preis der Reichskartoffelstelle(Verwaltungsabteilung) in Berlin. Bellevuestr. 6a, unverzüglich anzuzeigen. Der Einführende hat die Kartoffeln an die Reichskarloffelstelle zu liefern oder sie bis zur Abnahme aufzubewahren, pfleglich zu bebandeln und in Handels- üblicher Weite zu versichern.— Wer diesen Vorschriften zuwider- handelt, wird mit Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 1500 M. bestraft._ Syndizierung des Biehhandels. Der„Reichs an zeig er" veröffentlicht eine preußische Ministerialverordnung, durch die für Preußen die Provinzial- und Bezirksverbände zur Regelung der Beschaffung, des Absatzes und der Preise von lebendem Vieh zu einem rechtsfähigen Gesann- verbände zusammengeschlossen werden. Gleichzeitig wird die Satzung dieses ZenttalviehhandÄsverbandcs veröffentlicht. Auf der gleichen Rechtsgrundlage gebildete Viehhandelsverbände dcut- scher Bundesstaaten können in den Gesamtverband aufgenommen werden. Ausreichende Kaffeedorräte. Berlin, 16. Februar.(W. T. B.) Wie wir erfahren, hat die im Januar d. I. durch den Reichskanzler angeordnete B c- ftandsaufnahme der deutschen Kaffeevorräte er- geben, daß für absehbare Zeit ausreichende Bestände zur Befriedigung des deutschen Konsums vorhanden sind. Zur Beschlagnahme der Webwaren. Als Erläuterung zu den Bekanntmachungen betreffend B e- schlagnahme von Web-, Wirk- und Strickwaren und militärischen Belleidungs- und Ausrüstungs- stücken wird durch das Webstoffmeldeamt auf folgendes hingewiesen. 1. Auch andersfarbig als gelb gepaspelte Kriegs- gefangenenanzüge fallen unter die Beschlagnahme, wenn sie sonst nach ihrer Art als Kriegsgefanaenenanzüge in Frage kommen. Die Erwähnung der gelben Farbe soll mir als Beispiel dienen und nicht die Bedeuwng haben, daß andersfarbig als gelb gepaspelte Kriegsgefangenenonzllge beschlagnahmcftei sind. 2. Es sei nochmals besonder? darauf hingewiesen, daß auch S and sa cksto f fe nicht nur nach ihrer Bestimmung zu Sand- sacken zu beurteilen find, sondern nach ihrer VerwendungS- Möglichkeit. 3. Die in der Preffe verbreitete Ansicht, daß Zwischen- futterstofse, wie Steifleinen usw. nicht unter die Beschlag- nähme fallen, wenn sie weniger als 200 Gramm für den Quadrat- meter wiegen, ist irrig. Sie sind in diesem Falle nicht unter Gruppe VI zu melden, wohl aber unter Gruppe VlEl, Sandsackstoffe. Nach dieser sind alle glatten Gewebe in Leinwand oder Körperbindung, soweit sie nicht in anderen Gruppen meldpflichtig sind und 160 Gramm für den Quadratmeter wiegen, beschlag- nahmt, ebenso alle anderen Julegewebe in dieser Gewichtsgrenze, wie Packleinen uiw. 4. Zwischenfutterstoffe mitRoßhaarzusatz unter- liegen nach Gruppe V der UebersichtStafel der Bekanntmachung Nr. VV U 1000/11. 15. U R.4. der Beschlagnahme. 5. Web- und Wirkstoffe, die zur Anfertigung von Männer- trik otogen in Betracht kommen, sind beschlagnahmt. Es wird besonders darauf hingewiesen, daß sich zur Anfertigung von Männer- trikotagen auch die meisten Web- und Wirkstoffe eignen, die früher zur Anfertigung von Handschuhen usw. verwendet wurden. Der- artige Web- und Wirkstoffe dürfen demnach nur noch zu Männer- Hemden und Männerunterhosen verarbeitet werden, die unter die Beschlagnahme fallen. 6, Nicht nur H e m d e n in vorschriftsmäßiger Ausführung von Militärhemden. sondern Männerhemden jeder Art mit Ausnahme von Oberhemden, Nachthemden, Hemden au§ gebleichten Leinen- und Baumwollstoffen und seidenen Hemden— sind beschlagnahmt; daS Gleiche gilt für Männerunterhoien. Unter gebleichten Leinen- und Baumwollstoffen sind nur solche zu verstehen, die nach Beendigung des Webverfadrens im Slück gebleicht sind, nicht aber aus gebleichte!! oder gefärbten Garnen gewebte Stoffs. Eine Trohuns, oberpfälzischer Bauern. Einen eigenartigen Beschluß hat eine Tagung des Christ- lichen Bauernvereins in Beratzhausen in der bayerischen Oberpfalz gefaßt. Die Resolution tadelt die nachträgliche Erhöhung der Getreide-, insbesondere der Haferhöchstpreise, und nennt sie eine Belohnung der Spekulation auf Kosten der patriotisch gesinnten, aber aus Not zu früheren Verkäufen gezwungenen oberpfälziichen Bauern. Sie verlangen von ihren Reichslagsabgeordneten, daß sie lein Mittel unversucht lassen, um für die oberpsälzischen Getreidebauern die Nachzahlung des erhöhten Preises für die Ernte 1315 durchzu- setzen. Man wird der Aufforderung der Regierung zum Anbau von Sommergetreide zwar nachkommen, aber nur dann, wenn die Regierung die Gewähr gibt, daß Brotgetreide bei der diesjährigen Ernte nicht niedriger im Preise steht, als Hafer und Gerste. Die Bersammlung bittet daher die Regierung, alsbald eine bindende Erklärung abzugeben. Die Krise in Luxemburg. Die luxemburgische Rechnungskammer, die über die Rechts- gültigkeit aller staatlichen Zahlungen wachen soll, erklärt laut„Verl. Tageblatt" in einem langen, motivierten Gutachten, daß alle Ein- nahmen und Ausgaben, die von der Regierung L o u t s ch seit 1. Januar 1316 vollzogen sind, ungesetzlich und ver- fassungswidrig sind. Schärfer konnte die jetzige, verworrene politische Lage in Luxemburg nicht verurteilt werden. Die Sitzung der luxemburgischen Kammer, in der Mittel und Wege gesucht werden sollten, die Lösung der Minister« krisis zu beschleunigen, konnte wegen Fernbleibens der Rechten nicht abgehalten werden, da eine Stimme an der absoluten Majorität fehlte. Die nächste Sitzung wurde auf Freitag anberaumt. Gewerkschaftliches. Eine tariflose Zeit im Baugewerbe l Durch einen Freund unseres Blattes erhalten wir Kennt- nis von einem Zirkular, das der Deutsche Arbeitgcberbund für das Baugewerbe an die ihm angeschlossenen Arbeitgeber- verbände versandt hat. Es lautet folgendermaßen: Deutscher Arboitgeberbund für das Baugewerbe. Geschäftsamt: Berlin SW. 11, Bernburger Str. 21, Fernspr.: Amt Lützow 5653. Brief Nr. 282. Berlin, den 15. Februar 1316. An die Arbeitgeberverbände für das Baugewerbe. Die Verhandlungen über Verlängerung des ReichStarifver- träges für das Baugewerbe, die am 11. und 12. Februar d. I. im Reichsamt des Innern zwischen Vertretern des Deutschen Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe und der drei großen deutschen Bauarbeiter-Zentralverbände stattgefunden haben, sind ergebnislos verlaufen, weil den Arbeltervertretern die von den Arbeitgebern in Gestalt einer angemessenen Kriegszulage ange- botene Lohnerhöhung nicht genügte. Di« außerordentliche Höhe der Ansprüche ergibt sich aus der umstehend abgedruckten kurzen amtlichen Niederschrift. Abdruck des vollständigen Stenogramms erhalten die Verbände später. Der Deutsche Arbeitgeberbund für da» Baugewerbe wird zum 23. Februar d. I. seine Hauptversammlung nach Berlin einberufen, um zu der durch die Ablehnung der Arbeiterverbände geschaffenen Lage Stellung zu nehmen, die eS nicht auSgcschlossen erscheinen läßt, daß dem deutsche» Baugewerbe eine tariflose Zeit bevorsteht. Den zu der Hauptversammlung abgeordneten Vertretern der Arbeitgeberverbände wird empfohlen, die Stimmung der Ver- bandsmitglioder hinsichtlich de? Angebote? der Acbeiterverbänd« zu ermitteln und in der Hauptversammlung zur Kenntnis des Bundesvorstandes zu bringen. Die nächste Zukunft fordert von allen DundeSmilgltedern einmütiges Zusammenhalten. Was zu geschehen hat, bestimmt die Hauptversammlung. Bis dahin dürfen selbstverständlich von den Bundesmitgliedern weder irgendwelche neuen TeuerungS- Zulagen an ihr« Arbeiter bewilligt, noch Vereinbarungen«der Sonderverträge mit den Arbeiter» oder ihren Organisationen geschlossen werden! Mit Bundesgruß k Der Vorstand des Deutschen Arbeitgeberbundes für da» Baugewerbe. Der Vorsitzende: E. Behrens. An dem Zirkular ist überraschend die Wendung, daß im deutschen Baugewerbe eine tariflose Zeit nicht ausge- schlössen sei. DaS läßt erkennen, daß der Arbeitgeberbund für das Baugewerbe zumindeftens an einen sehr heftigen Widerstand gegen die Forderungen der Arbeiter auf Lohn- erhöhungen oder Teuerungszulagen denkt. Wohin das führen wird, bleibt abzuwarten. In unserem Bericht über die Tarifverhandlungen im Baugewerbe fand sich der folgende Satz: .Bei der Beratung der Teuerungszulage machten die Unter- nehmervertreter verschiedentlich Einwendungen gegen die Not- wendigkeit einer Teuerungszulage.' In einer Zuschrift an uns bemängelt der Vorstand des Arbeitgeberbundes diese Mitteilung als unzutreffend. Der Vertreter des Arbeitgeberbundes habe von vornherein das Vorhandensein einer Teuerung anerkannt und die Bewilligung einer Teuerungszulage in Aussicht gestellt. Also nicht gegen eine Teuerungszulage an sich, sondern nur gegen eine solche in der von den Arbeitervertretern geforderten Höhe seien Einwendungen gemacht worden. Verl!« unü Umgegend. AuskunftÄpflicht der Arbeitsnachweise! Der Oberbefehlshaber in den Marken hat die folgende wichtige Anordnung erlassen: Berlin, 16. Februar. Bekanntmachung! Auf Grund der 88 4 und 9 dcS Gesetzes über den BclagerungS- zustand vom 4. Juni 1851 sowie des Gesetze? betreffend Abände- rung dieses Gesetzes vom kl. Dezember 1915 bestimme ich für baS Gebiet der Stadt Berlin und der Provinz Brandenburg: 1. Dem von einer Gemeinde, einem weiteren Kommunal- verbände oder von einem Bundesstaate errichteten oder unmittcl- bar unterstützten Arbeitsnachweise haben die übrigen an dem Geschüftssltzc oder in dem wirtschaftlichen Bezirk des gemeind- lichcn usw. Nachweises tätigen, nicht gewerbsmäßig betriebenen Arbeitsnachweise zweimal wöchentlich an den Tage», an denen dem Kaiserlichen Statistischen Amt Meldung erstattet wird, schriftlich einem Aktienkapital von 13 Millionen Mark einen Betriebs- Überschuß von mcbr als 13 Millionen Marl für das KriegSgeschäslS- jähr 1915 aus. Die Geiellschasi hol ihre Betriebe in Jlsenburg am Harz und in dem eigenen Gulsbezirk.Meisingwerk" bei Ebers- Walde. Die Steigerung der Gewinnziffern ist so enorm, daß sich ihr Vergleich mit den Bilanzen der beiden Vorjahre lobnt: 1915 1914 1913 M. M. M. Vortrag......... 135 749 100 245 55 996 Betriebsüberschuß... 13299012 3511 894 2393377 Geschäflsunlosien(einschl. Kriegs« Unterstützungen)...... 2 039 786 l 275 162 922 909 Abichretbungcn 2380380 567293 824521 Reingewinn...... 8 879 445 1 869 438 I 145 946 Davon: Dividend........ 1 800 000 800 000 800 000 in Prozent....... 18 8 8 Taloirileuer und Wehrsteusr.. 20 000 15 000 15 000 Soziale und Kriegsjürsorge*).. 1200 000 150 000 50 000 Kriegsionderrücklage..... 4 000 000—— Zuweisungen an die Reserven. 1 250 062 542 295 156 397 Tantieme......... 75 023 21 392 21 303 Neuer V orttag....... 634 359 135 749 100 245 •) Davon 500 000 M an die Nationalstistung sür die Hinter« bliebenen der im Kriege Gefallenen. Die Dividende ist ähnlich wie bei der Rheinischen Meiallwaren- und Maschinensabrik im Vergleich zum Gewinn gering, der aber den Attronären nicht entgeht, sondern sür künftige Jahre aufgespart wird. Die Mitteldeutsche Gummiwarenfabrik Louis Peter A.-G. in Frankfurt a. M. erhöhte ihren Berriebsüberichuß auf 1346 456 M.<>72 573). Nach 925 132 M. Abschreibungen ver« bleibr einschließlich 61 695 M. Gewinnoorttag ein U e b e r s ch u ß von 483 019 M.<78 626), aus dem 8 Proz./, Millionen Den stieg. Die japanische Wiriichafl erreicht also in dem noch unier europäischer Herrschaft stehenden Ostasien immer größere Bedeutung. Hieraus ergeben sich Ausblicke auf die Zukunft des japanischen Im- perialismus. leipzttfersfrassQ Alexanderpla/z fmnkfurferAUee 7."V-T- •'V?. Vi .'r:}}.»- "*** w.;:v. ff Leipzigers Alexander pladz frankfurter AüJee FlClSCh"E&no KaHssksihe..... r0 Kalbsmerenbraten� lS0 Kafosvardeffteisch... i60 Ka bshaxe............. i00 Schmorfleisch SÄeb.?; I65 Roastbeef-u...... i#o ftinderkamm.......... lso HammeikoieleS!«»«�25� PShsIzunee........... 1" Hammetf.elsch iso gepökeltes--------® » Ubensminel ss Warstwaren Bäuchcrwaren SOIzwurst..........•.. PfuBd 1.40 Pomm. Sprotten...... tz, Pland SOPf. Zwlebclwurst.......... Pfund 1.40 Kieler SprottbOckllnoe.'H P'uad 50 Pf Landleberwurst.........Pfund 2.00 Kieler Bücklinge....... 2 stock 15 Pf. Feine Leberwurst....... ptund 2.20 Hamb. Fett-Bücklinge... 1 stock 25 Pf. Knackwurst mit Ksoklaoeh.. Pfund 2,40 Mak relbück lingo........ Stock 36Pf Jagdwurst.............. Pfand 2.10 Coldfische.............. Stock ZK Pf. Teewurst............... Pfund 2.90 Schellfisch geräuchert....'1, Pfund 45 Pf. Zervelatwurst..........Pfand 2.90 Bismarckherings es. 10— 12 F.»ch« 1.25 Kraftfleisch............. Dom 1.69 Norw. Sardinen......... Do— 50, 79 Bonserven ift Dos« Vs Do«« SfansensdarssDu* l80 93 pt Sfansansparael�'k l709üpt Sfangensparielso« I30 79- StangeaspargeZ I10 L9 ffiDoM Vi Dose Rissen-Breehsnargel 1" 83« Brecbspargel l46 78» Brec�sparge!«». I00 55 pt Breshspargel«*<«>. I30- Fische Pfund . Pfand Leb. Kaie..... Leb. Schleie.. Leb. Forellen Jflüs Schellfisch Pw.«. Kabeljau f.,,0:"": jzs Seemusshein Scholen Phnrdt50 240 1S0 900 58» 55 p« 40 p-. 48«. Salzf Isch.«�*•• 3?_"• Salzheringe" ,5 Pt««t .issC 35-45 PL Schellfisch 48 Not v«gischer pi. Abschnittspars 55 Vi Dom-............. SßO.-ÜCIIS'»> Osnien Äfl q. obne Kopf.........•• Pfund** nimmmniTTi nn im» imnm t? Gemüse MSrk Ische RObchen.. Pf. d 20 Pf. Schwarswurnel....... Pfund 19 PL Feldsalat............ Pfand 49 PL Kohlrüben gelbn....... Pfand 9 Pf. Weist kohl idänlicher).... Pfnnd 11 pf. Wirs.ngkohl(Holländer).. Pfund 19 PL II«« baa HS»(*«««««■««•« WNWMaW,,DW,SUSS,N,Ifa�, ,,,,,, DU,«,»WWW,«WSW, DD, 'Bercmtw. RedakL: Alfred feiele»». Neukölln. Inseratenteil verantw. Tb. Glocke. Betltn. Ttwt u. Vertag: Vokwätts Bllchdt. ü. iBetlag&tfmaii Paul Singet& Co�ZsUrn SW. Hierzu l Beilage u, lwterhältuägsbl. � MlM des.lormiilö" Ltrlimr Polhiilatt. 17 k-wm«"« Die Ernährungsfrage im Lanötage. S.Sitzung vomMittwoch, d en 16. Februar 1V1S. vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. L o e b e l l. Die zweite Lesung des Etats wird fortgesetzt. Erklärungen zur Resolution über die U-Boot-Frage. Präsident Graf Schwerin-Löwitz: Bevor ich das Wort weiter erteile, möwle ich mir folgende Be- merkung erlauben: Nach einer unter den Parteiführern des Hause« erfolgten Besprechung herrscht völlige Uebereinslimmung darüber, daß das Abgeordnetenhaus zur Erörterung auswärtiger Angelegenbeileu durchaus berechtigt ist. wie dies auch in unserer Sitzung vom 23. März IS14 ausdrücklich festgestellt worden ist.(Zustimmung.) Auch dürite gerade in der gegenwärtigen ernsten Zeil von allen Parteien das Bedürfnis empfunden werden, ihren Anschauungen über die auswärtige Lage Ausdruck zu geben. Dennoch glauben wir, daß im gegenwärtigen Äugenblick eine gründliche Erörterung unserer auswärtigen Lage den Interessen des Landes nicht entsprechen. sondern sie möglicherweise schädigen könnte. Unter diesen Um» ständen schlage ich Ihnen vor, zu beschließen, eine Erörterung der auswärtigen Angelegenheilen, insonderheit unserer Kriegsziele, der Kriegssübrung und unserer Beziehungen zu den neutralen Ländern von den Beratungen auszuschließen. Abg. Hirsch-Berlin(Soz.): Meine Freunde sind nicht in der Lage, dem Vorschlage deS Herrn Präsidenten zuzustimmen Auch wir stehen allerdings mit den übrigen Parteien auf dem Standpunkt, daß das Abgeordneten- haus zur Erörterung auswärtiger Angelegen- heilen des Reiches berechtigt ist. Andererseits betrachten wir den Beschluß, den die Staalshaushaltskommission in der H-Boolfrage gefaßt und veröffentlicht bat, als eine Ueberschreitung ihrer Kompetenzen. Einig sind wir mit dem Herrn Präsidenten darin, daß es ein begreiflicher Wunich aller Parteien ist, in der gegenwärtigen ernsten Zeit ihrer Aufsaffung über die auswärtige Lage Ausdruck zu geben. Wenn wir uns trotzdem gegen den Vor- schlag des Herrn Prästdenlen erklären, so bitte ich zunächst zu be» denken, daß die Fragen, die jetzt aus der Debatte ausscheiden sollen, nicht von meinen Freunden im SiaatsbauSbaltsausschuß angeschnitten worden sind(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten), sondern von anderer Seite. Für uns ist die Tribüne des Parlaments die einzige Möglichleit, unserer entgegengesetzten Aufsaffung Ausdruck zu ver- leihen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Das Abschneiden des Wortes bedeutet eine Ausdehnung der Zensur durch das Parlament (Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten), gegen die wir uns auf das allerenlschiedenste wenden müssen.(Sehr richtig I bei den Sozial- demokralen.) Bedenken Sie serner, daß wir keine Preßfrei- heit, keine Versammlungsfreiheit haben, und daß wir schon aus diesem Grunde, nachdem einmal die Debatte in der Presse einen solchen Umiang angenommen hat, auf eine Aussprache im Parlament nicht verzichten können.(Sehr richtig I bei den So- zialdemokraten.) Ohne aus die Sache selbst einzugehen, erklären wir, daß wir gegen den Beschluß der Staathaushaltskommission entschieden sie Verwahrung einlegen, daß wir nichts zu tun haben mit den Ansichten und Absickten, die dort ausgesprochen sind(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten), und daß wir es für untere Pflicht hallen, die verantwortlichen Stellen nachdrücklichst vor Unbesonnenheiten zu warnen.(Lachen rechts— Zuruf rechtS: Sie haben es nötig! Abg. Adolf Hoffmann: DaS ist auch sehr not- wendig!) Gleichzeitig erkläre ich. daß wir wie jetzt so auch in Zu- kunft jedem Veriuck der Unterbindung der Redefreiheit im Paria- inent mit allen Kräften entgegentreten werden.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.! Der Vorschlag des Präsidenten wird hierauf gegen die Stimmen der Sozialdemokralen und Dänen angenommen. Minister des Innern v. Loebell: Sie haben soeben beschloffen, eine Erörterung auswärtiger An- gelegenheilen, insbesondere über die KnegSführung, die Kriegsziele und die Beziehungen zu den neutralen Staaten bei der diesjährigen Etatsberaiung nicht erfolgen zu lassen. Dle königl. StaatSregierung begrüßt diesen von Ihnen soeben gefaßten Beschluß lHört! hörll bei den Sozialdemokraten) und wird ihrerseits gern davon absehen, Meinungsverschiedenheiten über staatsrechtliche Fragen in dieser ernsten Zeil weiterhin zu eröriern.(Beifall.) Es wird nun die Besprechung der Ernährungsfrage« fortgesetzt. Abg. Hofer(Soz.): Als dem deutschen Volke von den zuständigen Stellen erklärt werden konnte, daß die Ernte so ausgefallen wäre, daß es nicht zu hungern brauche, war das eine Freudenbolichaft für das deulsche Volk. Wir wissen, daß wir den Feind nicht im Lande haben. sondern daß unsere Truppen in den feindlichen Gebieten stehen. Wir haben also durchaus keinen Anlaß, irgendwie schwarz zu sehen. Aber das deuiscke Volk hat leider nickt bewiesen, daß es einen inneren Feind besiegen kann, der in wüstester Weise den Völkerhaß schürt und predigt(Sehr wahr! und Hört! hört! bei den Sozialdemokraten) und der sich als der Verbündele Englands erweist. England hat uns offen und ehrlich den Krieg erklärt, es nutzt seine Machimitiel aus. um uns zu schädigen, seine Schiffe lasten keine Lebensmittel zu uns herein Aber da, wo die MecreSwogen an unseren Küsten branden, erlischt diele Mackt Englands, da muß England leine Macht, was die Ernährung des deutschen Volkes an- betrifft, an die deutsche Landwirtschasl abtreten. Hätte die deutsche Landwirtschaft nickt die Möglichkeit, genügend Lebensmittel für die Volksernädrung zu erzeugen, dann müßten wir unS mit dieser traurigen Tatsache abfinden. Nun ist aber uns von zuständiger Quelle versickert worden, daß wir genügend Lebensmittel, iogar an einigen, wie Kartoffeln, lleberfluß haben. Wenn also das deutsche Volk jetzt noch hungert, dann liegt dos nicht an Eng- land. sondern an der deutschen Landwirtschaft,(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten), dann sind es unsere Agrarier, die den Faden da ausnehmen, wo England ihn nicht weiter spinnen kann und die die englische Blockade erst wirksam machen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Insofern sind unsere Agrarier in der Ptosis die Verbündeten Englands.(Lebhafte Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.)(Widerspruch und Lacken rechts.)«Präsident Gras Schwerin-Löwitz ruft den Redner zur Ord- nung.) Durch diese Absperrungsmaßregeln Englands ist ja in Wirklichkeit ein Traum unserer Agrarier, den sie seit vielen Jahren gehegl haben. Wirklichk-il geworden, den sie früher durch hohe Zoll- schranken erreichen wollten, nämlich Deutschland ist vollständig von LebenSmittelzufubren des Auslandes abgesperrt. Allerdings ist in diesem Freudenbecher der Agrarier dadurch ein Tropfen Wermut ge- fallen, daß die Sozialdemokraten gleich nach Beginn des Krieges die Regierung zu veranlaffen suchten, im Jntereffe der Volksernährung einen zu hoben Stand der Lebensmittelpreise zu verhindern. Die Regierung ist nur zögernd an die Ausgabe heran- getreten.«Sehr wabr! bei den Sozialdemokraten.) Sowie sie aber irgend schärfere Maßnahmen zu treffen suckle, hörten wir es gleich aus dem agrarischen Blätterwalde raufchen: Landwirt, Landwirt, wehre dich. Bethmann. Bethmann, hüte Dich! Man glaubte sich in die Zeiten des Bundes der Landwirte. in die Zeiten Ruprecht Ranserns zurückversetzt. Es hieß, die Produktionskosten würden nicht gedeckt, wenn die Höchstpreise nicht erhöht würden. Wir kennen die Weise, wir kennen den Text. Die Produktions- kosten sind bekanntlich nie gedeckt worden, auch im Frieden nicht. wenigsten« nach Ansicht unserer Agrarier. Auch jetzt find die Agrarier wieder am Werk, wichtige Lebensmittel des Volkes neu zu verteuern. Man will die Schweinehöchstpreise entweder aufheben oder gewaltig erhöhen. Bei Milch. Käse. Butter und vielleicht auch voll ausgemästeten Schweinen gebe ich eine Produktionsverleuerung zu. Aber für alle anderen landwirtschaftlichen Produkte find dir Produktionskosten gar nicht oder nur ganz unerheblich gestiegen. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wo ist der Grund und Boden nicht teurer geworden? Die Pachten sind nicht gestiegen. Wären sie gestiegen, so würde damit zum Ausdruck kommen, daß die Landwirtschaft während des Krieges besser prosperiert. Tat- sächlich find ja auch die Pachten verschiedener Domänen gestiegen. Nun wird viel davon gesprochen, daß die Pferde teurer geworden wären. Das gebe ich zu, aber diese Verteuerung kommt, wenn Sie die Anzahl der Arbeitstage berücksichtigen, die ein Ackerpferd leistet, nur ganz geringfügig in den Produktionskosten zum Ausdruck. Im übrigen kommt der Erlös für die Pferde ja auch deutschen Landwirten zugute. Ferner kann ich mit allem Nachdruck erklären, daß auch eine Ver« teuerung der künstlichen Düngemittel für die letzte Ernte nicht vor- tag.(Hört, hört! bei den Sozialdemokrten.) Preisliften maß- gebender Kunstdüngerfabriken beweisen mir daS. Höchstens kann die Verpackung in Säcken etwas teurer geworden sein. Erst für die Herbstbestellung d. I. haben wir die erste Verteuerung des Kunst- düngers zu verzeichnen. Ferner sind, wie die Feststellungen des Landarbeiterverbandes bewiesen haben, auch die Löhne der landwirtschaftlichen Arbeiter fast gar nicht oder nur sehr gering gestiegen. Wo eS an landwirtschaftlichen Arbeitern ge- fehlt hat, haben die Gefangenen, namentlich die russischen, sich allgemeinen gut bewährt.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Es sind meist junge Leute vom Lande und wenn sie einigermaßen wohlwollend behandelt werden, find fie mit Lust und Liebe bei der Landarbeit. Im übrigen sind sie auch billige Arbeiter. Dann ist viel davon gesprochen worden, daß in manchen Gegenden Deutsch- lands infolge der Trockenheil in diesem Jahre eine Mißernte zu ver- zeichnen war. Das gebe ich zu, aber sie wäre auch ohne den Krieg gekommen. Solche Mißernten sind GeschäftSunlosten, mit denen die Landwirtschaft zu rechnen hat, deshalb dursten die Höchstpreise nicht erhöbt werden. Im Brotgetreide ist die Ernie jedenfalls so gewesen, daß wir auskommen können. Es darf aber sämtlicher gesunder Roggen und alles gesunde Brotgetreide nur für die menschiiche Er- nährung verbraucht werden, ein Verbrauch für Viehfülterung muß ausgeichloffen sein, damit die Brotration für die arbeitenden Volks- genoffen erhöht werden kann. Die großen Mühlen dürfen bei der Verarbeitung deS Brotgetreides nicht vor den kleinen bevorzugt werden. Außerordenilick zu beklagen ist aber, daß für Gerste und Hafer ein viel höherer Preis als für Roggen festgesetzt ist. Der Höchstpreis pro Zentner Hafer und Gerste geht um Ivb Proz. über den normalen Preis hinan». (Hört! hört! bei den Sozialdemokralen.) Jetzt im Februar ist dieser Preis wieder um 3 M. pro Zentner hinaufgeschraubt. Das bedeuiet eine weitere Preissteigerung um 30 Proz. über das Normale. Ent- schieden wenden muß ich mich gegen das Verlangen der Landwirte, daß diese Preiserhöhung auch den Landwirten ausgezahlt wird, die früher den Hafer zu 16 M. geliefert haben. Was würden sie sagen. wenn die SlaatSarbeiter, die eine Teuerungszulage bekommen, ver- langten, daß sie ihnen jetzt von Beginn des Krieges an nachträglich bewilligt wird I Für Haler ist die Militärbehörde der Hauptkäuier. Das deuische Volk muß daher in Form von Steuern diesen Mehr- beirag kür Hafer auf indirektem Wege an die Agrarier abführen. Beim Brotgetreide, das vom Volke im Gebäckpreis direkt bezahlt wird, hat man den Preis nicht so hoch geschraubl und sucht nun die Agrarier durch Erhöhung des Haierpreises zu entschädigen. UebrigenS find die Produktionskosten für Hafer und Gerste niedriger als für Roggen und Weizen. Warum hat man also ihren Preis höher angesetzt? Man sagt doch, die höheren Preise sollen zum Anbau anreizen. Wenn sie ichon anreizen, dann soll gerade zum Anbau von Roggen und Weizen an- gereizt werden, denn durch Roggen- und Weizenanbau erzielen sie höheren Ertrag vom Acker in bezug aus den Körnerwert und auf die Strobernle. Die Produktionsverteuerung von Butter und Käse wird übrigens aufhören, sobald das Vieh auf die Weide kommt. Wir erwarten also, daß dann die Preise für diese Produkte wieder auf die normale Höhe kommen. Dasselbe gilt im Sommer für die Aufzucht von Vieh. Also müffen auch die F l e i s ch p r e i s e bedeutend niedriger werden. Die Regierung darf aber nicht warten, bis von selbst ein Preisrückgang statlstndct. sondern mutz sofort zu- greifen um die Preise heruiilerzusetjen. Sonst gebt es uns wie im Herbst ISIS, als die Butterpreiie 3 bis 4 M. erreichten, so daß die Bevölkerung verschiedener Großstädte erst sehr handgreifliche und schlageude Mitwe anführen mußte(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten), mn ein Eingreifen der Regierung zu veranlaffen. Die Höchstpreise für Schweine sind viel zu hoch angesetzt. Auch die Rindvichpreise sind für die Maffe der Bevölkerung unerschwinglich. Wir können nicht warten, bis die Syndizierung des Viehhandelz wirkt, eS müssen Höch st preise für Rindfleisch festgesetzt werden. Die möglichste Hebung deS Fleischkonsums liegt im eminenten Jniereffe sowohl der Produzenten wie des Volkes. Statt die Nahrungsmittel zu verbilligen, geschieht das Gegenteil. Mit der Zuckeroer- teuerung fing es an. Jetzt will man den Rübenbauern pro Zentner Zuckerrüben 46 Pf. mehr bewilligen. Dabei ist der Ver- dienst der Rübenbauern schon an sich sehr groß. Die Zulage von 46 Pf. bedeuiet für die Zuckerrübenbauern pro Hektar einen Mehr- betrag von 266 M.(Hört! bört! bei den Sozialdemokraten.) Da es Rübenbauer gibt, die reichlich 166 Hektar abbauen, schenken Sie dieien pro Jahr 26 666 M. Den Zuckerfabriken, die bekanntlich ihre Dividenden außerordentlich erhöht haben, schenken Sie durch die Zucker- Preiserhöhung von 12 aus 16 M. 29 Millionen, und da fie meist selbst Rübenbauer sind, so bedeutet das im ganzen ein Geschenk von 67 Millionen. (Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Nun sagt man. die Zucker- Preiserhöhung bedeutet für eine fünflöpfige Familie nur 9 M. mehr im Jahre. Das ist für eine Arbeiterfamilie in der heutigen Zeit eine große Summe. Im übrigen stimmt die Angabe nicht, denn die Arbeiter brauchen zum Ersatz de» Fettes heute vrel mehr Zucker in Marmelade usw. Ebenso unberechtigt ist die Erhöhung der G e- m ü s e p r e i s e. denn beim Gemüsebau wird der denkbar höchste Ertrag erzielt. Durch die Preiserhöhung wird den Gemüsebauern pro Morgen 566 M. aus Kosten des arbeitenden Volkes geschenkt. «Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Zu alledem kommt nun noch die Verteuerung der Kartoffeln, die vom 16. März an stanfiiiden soll. Dabei hat bei der Kartoffel keine ProdukiionS- kostenerhöhung stattgefunden und wir haben eine Rekordernte ge- habt. Durch dieie Kartoffelpreiserhöbung schädigen Sie gerade die Aermsten ver Armen, und je mehr, je größer ibre Kinder- schar ist. Denreichen Leuten wird empsohlen, damit dem Volke der Klippfisch er« halten bleibt, Kaviar und Austern zu essen. Also die Reichen können sich aus Palrionsmus zu schänden essen, während die Masse des Volkes sich zu schänden hungert. Diese Kreise sind dabei vielfach die Nutznießer der höheren Kartoffelpreise.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokralen.) Tatsache ist, daß viele großen Kartoffelbauern ihre Kartoffeln zurückgehalten haben. Die Regierung hätte einen Termin festlegen müssen, von dem an der Karloffelpreis billiger werden sollte, dann wären die Kartoffeln herausgekommen. Man bälie, als wir das verlangt haben, gleich nach der Ernte eine ge- naue Bestandaufnabmeder gebaulen Kartoffelmcnge vornehmen müssen. Dann hätte die Regierung ganz anders operieren können. Es konnten genau bestimmte Kartoffelmengen aus den einzelnen Kreisen ab- gerufen und in die Kreise gebracht werden, wo sie verlangt wurden. (gewiß faulen die Kartoffeln vielfach, aber der Prozentsatz der Fäulnis ist in den einzelnen Gegenden ungefähr der gleiche, dafür konnte alio ein gewisser Prozentsatz von vornherein abgezogen werden. Von den 64 Millionen Tonnen, die geernlet sind, brauchen wir etwa 16 Millionen sür die menschliche Ernährung.� Für die Be- völkerung der Großstädte, für die ja die Karioffelversorgung allein Schwierigkeilen machen könnte, werden überhaupt nur acht bis neun Millionen Tonnen gebraucht. Wo bleibt das viclgerühmte deutsche Organisationstalent, wenn diese 8—9 Millionen bei einer 66 Millionen-Tonnen-Ernle nicht zu beschaffen waren? Man lätzt die Dinge auf dem Karioffel- markt einfach treiben. Zuerst wird der Anschein erweckt, alb ob inir im Frühjahr zu wenig Kartoffeln haben werden, und nachher wissen wir uns vor Ueberfluß nicht zu lassen. Da werden wieder Millionen Zentner der Spirilusbereitung zugewiesen. Warum wird nicht die Trinkspirituserzeugung überhaupt verboten?(Sehr wabr! bei den Sozialdemokraien.) Der Betrieb der Bierbrauereien lvird doch ge- waltig eingeschränkt. Allerdings, da kommen keine Agrarier in Betracht.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Im Gegen- teil, die Gerste, die dort vermälzt wird, brauchen die Agrarier zu Fütterungszwecken.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Warnen möchte ich davor, Exlrapreise für sogenannte OnalitätS- kartoffeln festzulegen. Dann gelten einfach alle Kartoffeln als Qualitätsware, und eS wird Gesetzesübertretungen aller Art eure breite Brücke gebaut. Die ganze Kartoffelfrage ist kein Ruhmesblatt unserer Agrarier.�(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Gewiß haben auch die Händler ihr vollgerüttelt Maß an Schuld bei der Zurückhaltung der Kartoffeln, und ebenso des Gemüses. Merkwürdig ist auch, daß seitdem wir die Jnlandhöchstpreise haben, in Käse, Gemüse usw.. es nur noch Auslandsware gibt. Da ist offenbar Betrug im Spiel, und die Regierung sollte hier mit eisernem Besen auslehren. Sie steht aber leider unter dem unheilvollen Einfluß unserer Agrarier.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten. Widerspruch rechts.) Auch in den besetzteu Gebieten Russisch- Polens herrscht großes Elend. Daher dürfte von dort nur der direkte Ueberschuß nach Deutschland ausgeführt werden. Die Brot- ralionen für die dortige Bevölkerung müffen ebenso hoch bemessen werden wie in Deutschland. Eine ähnliche Notlage soll in Belgien herrschen. Wir wünschen, daß dafür gesorgt wird, daß die Bevölkerung dieser besetzten Gebiete nickt zu sehr ins Elend gerät.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokräten.) Wir find jetzt leider in der Welt als Barbaren ver- schrieen. Nun, da deutsche Volk gehört nicht zu den Barbaren pnd gerade in der Behandlung, die wir den Völkern in den besetzicii Gebieten angedeihen lassen, können wir das beweisen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokr.) Mit gemischten Gefühlen sehen gewisse Kreise aus die staatssozialistischen Maßnahmen, die sich jetzt als noiwendig erweisen. Wir Sozialdemokraten konstatieren, daß in schwieriger Zeit der Privatkapilalismus versagt hat.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokräten.) Der Satz „Eigentum ist Diebstahl� ist heute in der Praxi» anerkannt, wenn der Getreidebauer dafür, daß er das von ihm geerntete Getreide für sich und seine Zwecke verwerten will, unter Umständen mit Gefängnis bestraft wird. Die Ausichaliung des Zwischenhandels haben wir Sozialdemokraten von jeder erstrebt, Sie aber haben die K o n s u m v e r e i n e stets be- kämpft. Häufig quälen Sie sich damit ab. auf das kapitalistische Gewächs einen sozialistischen Trieb zu verpflanzen; daS muß nalür- lich eine Karrikatur geben. Trotzdem könnte vieles besser geregelt werden, wenn Sie unseren Anregungen Gehör schenkten. Es müßte tiefer in den Produktionsprozeß eingegriffen werden. Um dein Mangel an Fett zu begegnen, müßten viel größere Mengen Futtergetreide gebaut werden. Das muß aber im großen organisiert und ausgebaut werden. In der Kommission ist daS Wort gefallen, man könne die land« wirtschaftlichen Produzenten nicht mit der Peitsche auf den Acker zwingen. Nun, Sie zwingen doch heute Millionen von Deutschen zum Kriegspielen.(Rufe rechts: Zwingen? Jawohl! bei den Sozial- demokräten.) Sie zwingen Zehntausende von Deutschen, die deckenden Schützengräben, wenn es nöltg ist, zu verlassen und in den männer- mordenden Kugelregen zu ziehen. Da sollte man nicht die agra- rischen Produzenten im Lande zwingen können, daß sie ihre Becker bestellen im Interesse der hungernden Kricgerfrauen?«Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Ich bin ja überzeugt, daß die Agrarier durchaus ihre Schuldigkeit tun werden.(Zuruf rechts: Selbstverständlich I) Wenn man darauf hinwerft, daß im Ausland die Ernährung auch teurer geworden ist, wird das ein geringer Trost für uns. Nack den Angaben der Negierung in der Haushaltskommission des Reichsiags steht aber Deutschland obenan in der Lebensmiitelteuerung. Mit dieser haben die Lohn- steigerungen durchaus nicht Schritt gehalten. Auch beginnt jetzt schon wieder Arbeitslosigkeit einzutreten. Geht die Lebens- mittelverteuerung so weiter, so wird der Selbsterhaltungstrieb die Arbeiter zwingen, zur ultima ratio der Ausgebeuteten, zum Streit zu greifen. Dann werden Ihnen die Arbeiter den Burgfrieden in Fetzen vor die Füße werfen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) Wir tun unsere Pflicht und warnen Sie. Durch diesen Lebensmitielwucher erreichen Sie nur, daß ein Riß in unier Volt gebracht wird. Dieser Riß wird sich, wenn diese Politik fortgesetzt wird, immer mehr erweitern und die Masse des Volkes wird dann iür immer erkennen, wo ihre wirklichen Feinde stehen.(Bravo l bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Roesicke(k.): Draußen auf den Kriegsschauplätzen steht daS ganze deutsche Volk geschlossen gegen die Feinde zusammen. Auch auf dem Kriegs- schauplatz rm Innern sollten wir geschlossen alle Widerstände zu überwinden suchen.(Sehr wahr!) Was hören wir stall dessen? Eine reine Agitation«rede, die nur dazu bestimmt ist, die Volkskreise gegen einander zu Hetzen.(Zustimmung rechts.) DaS ist eine betrübende Wahrnehnmng. Höhnisch hat der Vorredner darauf hmgewieien, daß der Klassenkampf besteht und weiter bestehen wird. Sie(zu den Sozialdemokraten) würden allerdings, wenn Sie die Macht dazu hätten, den Klaffen- kämpf verewigen. Wir aber halten es unter den heutigen Zeitverbältniffen nicht für angebracht, den Kampf im Innern zu fördern. Der Vorredner hat vom Zwang zur Arbeit gesprochen. Nun, gerade feine Freunde haben doch bisher stelS diesen Zwang abgelehnt. Er meinte auch, der Zwang müsse ausgeüdt werden, wie man ja auch die Arbeiler zum Kampf gegen den Feind zwinge. Ich protestiere dagegen, daß unsere Soldaten gewisser- mästen als Söldner hingestellt werden. Ich behaupte, daß kein Volk mit einer derarligen Begeisterung gegen den Feind gezogen ist wie das deutsche Volk. sStürmischer Beifall bei der Mehrheit. Zurufe bei den Sozialdemokraien,) Herr Hoffmann, dann wollen wir beide mireinander hinausziehen. lGroste Heilerkeit.) Sie szu den Sozialdemokraten) wollen den Zwang zur Arbeit nur für bestimmte Gruppen, aber nicht für die Berufe, die sie benutzen, um den Klassenkampf zu führen. Wenn der Vorredner tagte, es sei hier wieder einmal festgestellt, dast Eigentum Diebstahl sei, so kann er das nur sagen.�weil er hiervon nichts versiebt.(Lachen b. d. Sozial- demokralen). Schon im allen preustiichen Landrecht ist der soziale Gedanke enthalten, dast der. der im Notfall nicht hergibt, strafbar ist. Was wollen denn d>e Sozialdemokraten mit den von ihnen er- strebien Staatsbetrieben? Im Reichstag haben sie zu- gegeben, dast die Verwaltung des Getreides durch die Reichs- gelrddestelle teurer wie jede Pnvalverwaitung ist.(Hört I hört!) Die Herren kommen also forlgesetzt mit sich selbst in Widerspruch und ich weist nicht, wie Sie diese Widersprüche mit einander ver- binden wollen.(Abg. Dr. Liebknecht: Sie haben keine Ahnung vom Sozialismus I> Nun, bei Jbnen, Herr Liebknecht, würde ich am aller- wenigsten stn die Schule gehen.(Heiterkeit.) Wir müssen in diesem Krieg alle ein Ziel vor Augen haben, das ist der Sieg, und wenn wrr zum Siege kommen wollen, dann müssen wir zusammenarbeiten. Gegenüber allen Klagen des Vorredners können wir immer wieder nur sagen, daß die Teuerung im Ausland viel sckbmmer ist als bei uns. Man sollte anerkennen, dast die deutschen Agrarier keine Leute sind, die darauf ausgehen, das Volk zu überteuern und zu berauben. Sie haben sich bereitwillig im Interesse deS Volkes großer Vorteile be- geben.(Sehr wahr! rechts.) Die Landwirte sind an der ja auch bei uns zweifellos bestehenden Teuerung wahrlich nicht schuld, und die Wiederholung dieier Behauptung muß schließlich zur Verhetzung führen. Der Redner bespricht weiter Einzetfragen. Die Kartoffeln lassen sich nicht so einfach wie das Getreide beschlagnahmen. Sie müssen ein gewisses Wertobjekl sein für den Erzeuger und auch für den Verbraucher, damit sparsam damit umgegangen wird. Geradezu ungeheuerlich ist die Behauptung des Vorredners, die Bevölkerung erstatte mit jeder Kartoffel einen Tribut an die bösen Agrarier. Tatsache ist doch, dast das Volk im Kleinhandel die Kartoffel zu einem Preise erhält, der dem Durchschnitt der letzten Friedensjabre entspricht.(Widerspruch bei den Sozialdemokraten) Der im Ver- hällnis zu den hoben Preisen der Futtermittel niedrige Kartoffelpreis war geradezu ein Anreiz zur Verfünerung. Daher mußte er erhöht werden, sollte nicht eine Katastrophe eintreten. Herr Hofer hat die Produktionskosten für einen Zentner Kartoffeln auf 1 M. be- rechnet. Er muß in wahrhaft paiadiesischen Zuständen leben. (Heiterkeil.) Aber ganz abgesehen davon, man darf nicht die Produktionskosten einer einzelnen Frucht heraus- greifen, sondern die gesamten Produktionskosten eines Betriebes nehmen, will man zu einer richtigen Rechnung gelangen. (Sehr richtig! rechts.) Gewiß, auch die Landwirte wollen verdienen, auch sie brauchen einen Anreiz. Wir sind ja alle nur Menschen mit menschlichen Fehlern. Tatsächlich unrichtig ist die Behauptung des Abg. Hoff, der Ausschwung der Landwirtschaft gebe zurück bis auf die Zeil der Caprivrschen Aera. Unter dem damaligen geringen Zollichutz hielt die ProdultionSsteigerung nicht Schritt mit der Be- vötkerungszunahme. Bei allen Ausführungen über die Fragen der Volksernäbrung müssen wir uns vor Augen halten, dast der Aus- hungerui'.gsplan von England ausgehl. Deshalb ist England unser schärfster Feind und ihn müssen wir dabei bekämpfen mit allen Mitteln, die uns zu Gebote stehen.(Beifall rechts.) Abg. Herold(Z.): Durch die zahllosen Kartoffelverordnungen findet sich kern Mensch mehr heraus. Man sollte einmal eine Zusammenstellung machen. damit man eigemlich weist, was Recht ist und was nicht. Die nach- träglich erfolgte Erhöhung der Kartoffelpreife, die entgegen allen be« stimmten Ziisicheruiigen er'olgt ist. muß das Vertrauen in solche Zusicherungen schwer erschüttern. Wir beantragen jedenfalls, dast bis zum Frühjahr keine weitere Erhöhung des Karloffelpreises ein- trete und darüber hinaus nur eine Erhöhung-zur Deckung des Schwundes. Der Mangel an Lebensmilteln darf nicht zu einer übermäßigen Preissteigerung ausgenutzt werden. Die großen Leistungen der deutschen Landwirtschatt unter den schwierigsten Verhältnissen waren nur möglich dank dem Schutz der heimischen Produktion. Mag der Krieg noch so lange dauern, wir halten wirtschaftlich aus, bis unsere militärischen Erfolge uns einen großen, schönen und den' Opfern entsprechenden Sieg sichern. (Beifall.) Abg. Dr. v. Campe(natl.): Herr Dr. Roesicke behauptete, dast wir durch einen höheren Futiergerstenzoll es der Landwirtschai» ermöglicht hätlen, mehr Fultergerne anzubauen, und daß wir dann alle Schwierigkeiten ver- mieden hätlen. Aber er muß doch auch wissen, dast alles Land be- stellt ist. Wir sind eben beim Bezug der Futtermittel tatsächlich vom Auslande abhängig.— Eine Heraussetzung der Kartoffelpreise ist sicher nickt nötig. Mir hat gestern noch ein Landwirt aus diesem Hause geiagl, dast die Bauern mit den jetzigen Kartoffelpreisen ganz gut auslommen.(Hört! hört I) Das Hin und Her in der Kartoffel- Preispolitik war geeignet, die Autorität der Regierungsorgane zu untergraben.(Sehr richtig I links.) Hier pastl das Bismarckiche Wori:„Keine Regierung ist schlechter als eine schwankendes Em großer Fehler war. daß die Hauptverbraucher, die Militärverwaltung und die Konservenfabriken nickt auch an die Höchstpreise gebunden wurden. Dadurch wurde die Wirkung der Höchstpreise illusorisch ge- macht.— Den staatsiozialistischen Anirägen der Kommission stimmen wir nur zu. weil es sich gegenwärtig um Ausnahmezustände handelt. Präsident der Rcichsgetreidestelle Dr. Michaelis: Ich möchte einige Mitteilungen machen über das Ergebnis der Nachprüfungen der Geireidebestandsaufnahme. Im Juli ergab die Schätzung unserer Ernte 10% Millionen. Das mar austerordentlich wenig, weil eine gute Ernre sonst 14 bis 15 Millionen Tonnen ergibt. Im November wurde dann eine Be- standsaufnähme gemacht, und man war der Meinung, es würde mehr dabei herauskommen als die Schätzung vermuten liest. Das war aber nickt der Fall, sondern in geradezu unbehaglicher Weise war das Ergebnis soweit zurückgeblieben hinter den Schätzungen vom Juli und dem Bedarf, dast sich die mastgebenden Stellen ver« aulatzi sahen, einschränkende Mastnahmen anzuordnen, um die Vor« rate dem Bedarf anzupassen. Durch diese Mastnahmen gelang es. den vollen Fehtbedarf zu decken. Es wurde dann eine Nach- prüiung der Bestandsaufnahme veranlaßt, die auch den Rest als voll ergeben hat. Sie müssen ober nicht glauben, dast das, was dabei mehr zum Vorschein gekommen ist, ein wirkliches Plus ist über unseren Bedarf hinaus, sondern wir brauchten drei'es Plus. wie geiagl, um das Minus zu decken, das unserem Bedarf gegen- über vorder festgestellt mar. Der Bedarf selbst ist genau festgestellt. In ihm stecken auck die Reserven. Diese betragen aber nur 200 000 Tonnen, die wir nötig haben, um in die neue Ernte hinüberzu- gehen, die in manchen Gegenden erst Ende September fenig ist. Wenn wir nur auf diese 200 000 Tonnen Reserve angewiesen wären, so wäre das sehr knapp. Ick kann daher mit großer Beiriedi- »ung konstatieren, dast heule feststeht, dast auf Grund der getroffenen Mastnahmen sowohl das Manko, das noch zu decken war, gedeckt ist, als auch darüber hinaus Hoffnung besteht, dast die Reserve um etwas erhöht wird.(Bravo!) In der Presse ist nun bei den Nachrichten über die Verbesserung unserer Bestandsaufnahme vielfach irreführende Kritik geübt worden. Es hieß, dast vorhandenes Getreide verschwiegen sei. die Landwirte wären nicht willens gewesen, für die Allgemeinheit herzugeben, was sie halten. Dabei sind die Zahlen in geradezu kindlicher Weise ge- schätzt worden. Wenn diese Schätzungen über das, was verschwiegen sein soll, zuträfen, müßten wir in Getreide schwimmen. Festzustellen ist aber nur. dast wir über die vorher bestandene Sorge hinaus sind. Aber die Qualität des Getreides ist in diesem Jahre besonders schlecht. Wir müssen eben im Kriege alles Getreide für die mensch- liche Nahrung in Anspruch nehmen, auch das, was sonst wegen der mangelhaften Beschaffenheit verfüttert wird. Die meisten Vorredner haben der ReichSgetreidestelle vor- geworfen, sie bevorzuge die Grostmühlen und berücksichtige bei der Vergebung der Mehlaufträge die mittleren und kleineren Mühlen nicht genügend. Unbestritten ist, dast die kleinen und mittleren Mühlen teurer arbeiten als die Grostmühlen. Würden wir also Mahlaufträge in erheblichem Umfange den kleinen und mutieren Mühlen geben, so wücden wir die heutigen Mehl« preise nicht festhalten können. Wir haben uns aber das Ziel ge- setzt, bis zum Schluß des Krieges den gegenwärtigen Mehlpreis beizubehalten, und wir wollen auch daran nichts ändern. Auch die ReichSgetreidestelle bedauert, wenn ein so wichtiger Stand wie es die kleinen und mittleren Mühlen sind, nicht voll zu seinem Rechte kommt. Wir wollen im dritten Kriegsjahr versuchen, uns mit den Kommunalverbänden insofern ins Benehmen zu setzen, dast durch eine Art Syndizierung die kleinen und mittleren Mühlen zu Mühlenverbänden zusammengeschlossen werden. Wir werden dann zwar auch nicht alle Mühlen be- schäftigen, aber wir werden alle Mühlenbesitzer an dieien Verbänden beteiligen können, io daß sie weniastens ihre Leute beschäftigen und ihre Zinsen bezahlen können. Wir werden ja da große Eni- lämchungen erleben, es wird wenig herauskommen, aber wir wollen wenigstens versuchen zu erreichen, dast die Müller über die gegen- wärtige schwere Zeit bis zu einem gewissen Grade hinwegkommen. (Beifall.) Ministerialdirektor im Landwirt schastsministeri um Gras Keyser- lingk weist aus die neuen Bestimmungen. für die Syndizierung des Viehhandels hin, die den Jnleressenten noch nicht allgemein bekannt sind und die den Wünschen Rechnung tragen, den örtlichen Verkehr nicht zu beeinträchtigen. Das Haus vertagt die Werterberawng aus Donnerstag 11 Ubr. Schluß gegen 5 llhr. die Lage der franzöflsthen Netallarbeiter. Vor einiger Zeit wurde in England ein Bericht über den Stand der Munitionsfabrikation und der Lage der MunitionS- arbeiter in Frankreich veröffentlicht, der auf Grund der Ermittc- lungen einer von Lloyd George entsandten Studienkommission verfaßt worden war. Wie fast immer in solchen Fällen haben die Mitglieder der Kommission nicht alles erfahren, was für die Be- urteilung des Untersuchungsgegenstandes wichtig gewesen wäre. Sie konnten nur halb unterrichtet wieder nach Hause reisen, da sie es nicht für nötig gehalten hatten, sich bei den organisier- ten Arbeitern Auskunft zu holen. Im„Labour Leader" wird nun' das Interview eines Mit- arbeiters mit dem Sekretär des Metallarbeiterverbandes, Meer- heim, veröffentlicht, dessen Inhalt zwar für die englischen Ar- beiter bestimmt war, aber auch genug des Interessanten für uns in Deutschland bietet. Merrheim gibt zu, dast der Bericht der Kommission mit Recht sagt, daß die Gewerkschaftsbestimmungen in bezug aus Arbeit und Lohn suspendiert seien, dast weder eine Beschränkung der Frauen- arbeit noch eine Begrenzung der Unternehmerprofite existiere, und daß es während des Krieges keinen Streik gegeben habe. Aber die Annahme des Berichts, dast die Arbeiter diesen Stand der Dinge freudig angenommen hätten und keine Einwendungen dagegen erhöben, sei absolut falsch. Ebenso unwahr sei der Schluß, dast der Geist, der die Nation beherrsche, Schwierigkeiten in der Her- stellung von Kriegsmaterial verhütet habe, und daß die verstärkte Produktion nur eine Ursache� habe, nämlich„patriotische Be- geisterung." „Der Bericht läßt die wichtige und wesentliche Tatsache aus, daß die Arbeiter sich nicht helfen können, weil die groß« Mehrheit von ihnen— wahrscheinlich etwa 80 Proz.— eingezogene Männer unb in den Fabriken der militärischen Gewalt unterworfen sind." Jeder mobilisierte Arbeiter, der es wagen wollte. Einwände zu erheben, Lohnerhöhung zu verlangen, oder allein oder mit anderen zusammen irgendeine Aktion zu unternehmen, würde unweigerlich an die Front geschickt, oder nach Militärgesetz bestraft. Von sechs Arbeitern, die wegen unbegründeter Entlassung eines Kameraden für eine Stunde die Arbeit niedergelegt hätten, sei einer arretiert und durch das Kriegsgericht zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Der Metallarbeiterverband habe immer wieder gegen die den Arbeitern auferlegten Bedingungen protestiert. Aber durch die Militarisierung der Fabrikarbeiter seien diese den Unterneh- mern, die hohe Profite einstecken, auf Gnade und Ungnade aus- geliefert. Der Profit an einer 7ch-cm-Kanone sei etwa 200 Proz. Ein kleiner Fabrikant in Angers, der nur 10 Arbeiter beschäftige und ihnen gute Löhne zahle, so dast sie im Durchschnitt 20 Frank pro Tag im Stücklohn verdienen, macht einen Mindestprofit von 400 Frank pro Tag. Dabei habe er die Austräge aus dritter Hand, was mögen erst die verdienen, die den Arbeitern 5 bis 6 Frank pro Tag geben und direkt an die Regierung verkaufen! Selbst Kinder arbeiten Tag und Nacht in den MunitionS- fabriken, eine Tatsache, die in dem Kommissionsbericht nicht er- wähnt war. Einen unerhörten Vorfall aus einer Pariser Fabrik erwähnt Merrheim. Dort' seien die Kinder in einer Mu- nitionsfabrik so erschöpft gewesen, daß sie um Mitternacht schläfrig wurden, und um sie wach zu halten habe man ihnen schwarzen Kaffee mit Branntwein gegeben! Die Frauen seien ebenfalls über- anstrengt, aber der Arbeitsminister, dem man die Tatsachen be- richtete, habe gesagt, daß er nicht die Macht besitze, irgend etwas zu unternehmen. Herrn Millerands, des Kriegsministers. Ant- wort sei gewesen,„es gibt keine Fabrikgesetze mehr". Der Metallarbeiterverband hat verlangt, daß die Regierung den Befehl über die Munitionsfabriken übernehmen und die Be- sitzer als Leiter mit Gehalt anstellen solle, aber die Regierung zieht es vor— wie es überall geschieht— den Dienstzwang zur Versorgung der Unternehmer mit billigen Arbeitern zu benutzen, und sie begrenzt nicht einmal die Profite der Unternehmer. Die Regierung habe übrigens auch die Macht, Arbeiter zu komman- dieren, die nicht eingezogen seien, und sie habe oft von diesem Reck! Gebrauch gemacht.. Wäre alleS da» den britischen Arbeitern bekannt, meint Merrheim, so würde es ihnen eine Warnung vor der Dienstpflicht sein. „Es gibt, glaube ich, Illusionen in England, in bezug auf die Macht des Unterstaatssekretärs für Munitionen. Herrn Albert Thomas, was die die Arbeiter betreffenden Fragen angeht. Er ist voll von guten Absichten und hat den festen Wunsch, das Los der in den Munitionsfabriken beschäftigten Männer und Frauen zu verbessern, aber er ist ohnmächtig gegen die Opposition der Arbeitgeber und der militärischen Autoritäten. Sie sind es, die die absoluten Herren der Fabriken sind, in denen ihr Wille Gesetz ist. mit schrecklichem Erfolg in bezug auf die Quantität wie auf die Qualität der Produktion." Die Löhne sind im allgemeinen niedriger geworden als vor dem Kriege, besonders die der mobilisierten Arbeiter. Sie sind im Durchschnitt um 40 Proz. gesunken, während die Kosten der Lebenshaltung um 40 bis 60 Proz. gestiegen sind. Wenn diese Reduktion in der Kaufkraft des Geldes berechnet wird, müssen' die meisten der mobilisierten Arbeiter zwei Fünftel von dem■ verdienen. was sie vor dem Kriege hatten. Es gibt Fabriken, in denen Mobilisierte zu 50 bis 70 Centimes die Stunde neben Nicht- ' mobilisierten arbeiten, die 1 Frank � 20 Centimes verdienen. Der Grund ist, daß die mobilisierten Arbeiter machtlos sind, daß sie aber vorziehen zu niedrigen Löhnen zu arbeiten, als an die' Front geschickt zw werden. Unter den Arbeitern herrscht große Unzufriedenheit mit' ihrer Lage, die sie nicht ändern können. Sie'machen den sozialistischen Minister A. Thomas dafür verantwortlich, obgleich er tatsächlich keine Macht besitzt, und Merrheim ist davon überzeugt, dast sie, wenn sie erst wieder frei reden können, ihren Zorn fühlbar machen werden. Merrheim bittet, den britischen Arbeitern zu sagen, dast die Dienstpflicht für die Arbeiter den ersten Schritt zur industriellen Sklaverei und das Ende der freien Aktion auf dem Wirtschaft- lichen Gebiet sowohl während des Krieges. wie nachher bedeute. Die französischen Unternehmer verlangten bereits jetzt- durch die Handelskammern, daß nach dem Kriege die despotische Disziplin und die allgemeinen drakonischen. Arbeitsbedingungen, die jetzt bestehen, erhalten bleiben sollen Einige haben die'ständige Rück- kehr zum Zwölfstundentag verlangt mit dem Recht der Ueberarbeit ohne besondere Bezahlung. Eine ganze Reihe von Einzelbeispielen über die..Bezahlung der Arbeiter und Arbeiterinnen werden noch mitgeteilt.. Aber die englischen Arbeiter werden nun auch im eigenen Lande erfahren, was der Dienstzwang für. die organisierte: Arbeiterschaft bedeutet. Vielleicht, dast die englisch'» Militärbehörden nicht wagen werden, mit derselben Schärfe vorzugehen wie es in Ländern geschieht, n denen die Dienstpflicht schon lange eingeführt. ist. Aber darüber kann kein Zweifel bestehen, dätz auch in Großbritannien mit einer Zeit verschlechterter Arbeitsbedingungen gerechnet werden muß. und daß es den. Gewerkschaften nach dem Kriege nicht leicht sein � wird, sich ihre alten Rechte wieder zu erkämpfen.(z). Zur Richtigstellung. Genosse Ledebour ersucht uns um Aufnahme folgender Zu» schritt: Ueber eine Parteiversammlung in Kiel' am 10. Februar sind durcb die.Scklesw.-Holst. Volkszeitung" unb burck das Presiebureau Berichte verbreitet worden, die dai aus ctu'gei'chnitlen sind, mich per'ön- lick zu verbäcbtigen. Um den Wust von Verdrehungen zu entwirren, muß ich auf die Vorgeschickte der Versammlung eingeben. Zu einer Aussprache über die schwebenden Parteidifferenzen hatte ich für eine Persammlung am 20. Januar in'Kiel das R'e s e r a t übernommen; Leg i e n war als Korreferent vor- gesehen. In dem Einladungsschreiben des Vorsitzenden des Wahl- Vereins war die auffällige Wendung enthalten, daß unter den 8000 Mitgliedern des Vereins„nur wenige An häng er der Minderheit zu verzeichnen" seien. Tie Ver« i'ammlung war von 2000 bis 2500 Perionen, nur Vereins- Mitgliedern, besucht Es war iür mich sehr erfreulich, tür die Ver- anstalter der Versammlung offenbar ebenso unertreulich. dast im Lau'e der Verhandlungen sich in wachsendem Maße die Mehrheit der Versammlung out meine Seite siellie. Aut Ersuchen des Bor- sitzenden halte ick mein Referat aus anderthalb Sumden beichränkl. Legten hielt die geiroffene Vereilibarnng indes nichl inne, icmdern iibersckiritl die Redezeit, ungehinderl vom Vorsitzenden, so dost es l2% Uhr wurde, ehe er slblost. Mehrere Genossen drängten, zu ver- tagen, da eine ausgiebige Dis'ussion docv nicht mehr stallfinden löi'ne. Ich wackle den Vorschlag, nur noch beiden Referenten zu kurzen Repliken das Wort zu geben, da es i ehr unsicher sei, ob ich zu der Fortsetzung der Versammlung noch einmal nach Kiel kommen könne. Ganz abgesehen davon, dast ein im politi'che» Leben täliger Mann niemals im voraus sich zu einem noch völlig unbesl mmren Termin aus eine Ben'ammlung festlegen la»n.. veranlastie mich zu dieier Bemerkung die Tatsache, dost ich für die nächste Zeil zu einer wichtigen Resse auigetorderr.. war. Himer-der..die Kieler Ver- «'ammlung unbedingt halte zursicksteben müssen. Nicht aber halte ich es überha-u�-t— ack-g-e lehnt, zur Forlictzung der Versammlung nach Kiel zu kommen. So'orl nach Schluß der Ver- sammlung ging ich dann ohne noch mir jemand zu sprechen, mit ein paar Genossen der Opposition, die eine Aussprache mir mir wünschten, fort. Sie ersuchten mich dringend, jedenfalls zu der nächsten Versammlung zu kommen, da die iämilichen Redakteure und Parleibeomlen Kiels aui feiten der Fraklionsmchrheil ständen»nd sie selbst als einlache, in der Diskussion weniger geschulte Arbeiier gegenüber Legien und seinen Freunden einen zu schweren Stand hätten. Ich tonnte nur wiederholen, was ich beieils in der Ver- sammlung ge'agt halte, es sei unwabricheinlich, dast ich noch eiumal kommen könne; wäre es aber möglich, so würde ich es tun. wie ich ausdrücklich hinzu'ügie. Der Vorsitzende Frö h lich bat sich nun eifrig bemüht, jen« Äussübrunge», dast ich wahrscheinlich mchi kommen könne, zu euicr unbedingten Ablehnung umzudeuten. Tie ganze Hetze, die gegen mich inszeniert wurde, stebl und fällt mit dieser Auslegung. Da§ sonderbare Vertahlen. einen Reserenlen unbedingt au' ein an- qebliches Veriprechcn festzulegen, dast er nichl zum zweiieu Male kommen wolle zur Forl'etzmrg der Versammlung, erllän sich sehr einfach: Nachdem es durch die ObsiruIiionSrede LegienS gelungen war, die Beschlustfassung am 20. Januar zu vereiteln, kam es noch daraus an, mich aus der folgenden Versammlung fernzuhalren: meine angebliche„Ablehnung" mußte als Vorwand dienen, mich überhaupt nicht mehr einzuladen. Bon diesem sauberen Plan hatte ick aber keine Ahnung. Ich nahm als selbstverständlich an, daß der Vorsitzende, sobald der BersammlungStermin fest gesetzt war, die beiden Referenten out fordern würde, sich definitiv zu entscheiden, ob sie erickeinen könnten und wollten. Ich waltete daraus längere Zeil vergeblich. Der Vorsitzende schrieb mir zwar einige Tage nach der eisten Versammlung in emer anderen Angelegenbeil: von einer zweiten Veriammlung erwähnte er lein Wort. Auch von der Opposition erhielt ich keinerlei Mnteilung. Am 8. Februar endlich fragte ein Redalleur deS„Vorwärts" telephonisch bei mir an. wie es denn eigentlich mit der zweiten Veriammlung in Kiel stände, die Redaknön hätte vergeblich nach dem Bericht gesucht. Ich erwiderte, ich hätte aussälligerweise bisher noch keine Nachricht erhallen, wolle mich aber sofort erkundigen. Ich schrieb dann gleichzeitig an den Borsitzenden Fröhlich und an einen Genossen der Opposition. Leyierer lele« graphierte sofort nach Empfang meines Briefes:.Forlieyung der Veriammlung morgen Donnerstag. 10./2.. 8% Uhr. Ihre Beteiligung dringend erwünscht..Boltszeilung" arbeilet un- geheuer vor." Bon dem Vorsitzenden erhielt ich keine Antwort. Das war verdächtig. Was tollte ich machen? Wäre ick»>»> gewhren, so hätten die Genossen der Opposition glauben könn«i. ich wollte sie im Stich lassen. Ich wartete also bis zum letzten Termin und fuhr dann mrt dem Schnellzug, der abends 6'U Uhr tn Krel eintriff,. Was Halle nun Fröhlich gemacht? Er halte aus meinem Brief ersehen, dast ich bereit war. zu kommen. Ihm standen zwei Wege offen: er konnte gleichzeitig an Legten und mrch telegraphieren, zu kommen; wenn er aber glaubte,--egien könne oder wolle das nicht tun. dann mußte er unter allen Umstanden mich telegraphiich ersuchen, nicht zu kommen, weil Legren auch nicht erscheinen werde. Ich hätte mir dann sicher die Ungelegenhett einer nutzlosen Reise nach Kiel eripart. Statt so parteigenossiich zu verfahren. Hai Fröhlich sich damit begnügt, einen Brief an mich zu schreiben, der laut Post- stempel erst 9— 10 Uhr nachts ,n Kiel ausgegeben ist. von dem der Absender also sicher wußte, daß er mich unmöglich vor meiner Adresse, die er voraussah, rechtzeitig errenden konnre. Auch in Kiel selbst hätte Fröhlich, wenn es ihm� um eine gütliche Bei- lequnq der Sache zu tun gewesen wäre, mich am Bahnhof erwarten können. Statt dessen war em Posten am Bahnhof aus- gestellt, der. ohne sich mir zu erkennen zu geben, meine Ankunft festgestsltt bat. um dann spornstreichs dem mittlerweile zusammen� getretenen SktionsauSschutz Meldung zu machen. Der Aktioxsausichux hat dann, zweifellos nach einer gehörig zugespitzten Schilderung meiner schwarzen Absichten durch Fröhlich, feierlich beschlossen, mich zu der Versammlung nicht zuzulassen. Ich hatte von dem allem keine Ahnung; im Hotel bekam ich zuerst die letzten Nummern der.Volkszeitung� zu Gesicht. Die Annonce sprach von einer Aus« spräche über die Referate Ledebours und Legiens. Aus dem Text der Zeitung ersah ich, bafe die letzte Zeit hindurch fortgesetzt durch lange Zuschriften gegen die Opposition und gegen mich persönlich Stimmung gemacht war. Als ich den Versammlungsaal betreten wollte, wurde mir in schroffer Weise der Zutritt verweigert. Ich erfuhr jetzt erst, daß Legten auch nicht eingeladen sei. Ich erklärte, dab das unter diesen Umständen doch unmöglich gegen mich ausgenützt werden dürfe, um mir als Referenten den Eintritt zu verweigern. Es könne ja, um beiden Seilen gerecht zu werden, irgend ein anderer Genosse, zum Beispiel der sehr redegewandte Redakteur Adler, mit den Rechten des Korreferenten betraut werden. Einige Genossen der Opposition, die sich unterdes eingesunden hatten, bettaten den Saal, um meine Zu» lassung zu beantragen. Während ich im Vorzimmer den Ausgang dieser GeschoflSordnungsdebatte abwartete, haben eine Anzahl Leute, deren Namen der Versammlungsbericht der.Volkszeitung" triumphierend verzeichnet, mich mit persönlichen Schmähungen behelligt. Durch be- sondere Roheit zeichnete sich dabei der Geschäftsführer des Gewerk« fchastshouses aus. der bei dieser Wohlvorbereitelen Szene eigens den Posten eines TürbülerS übernommen hatte. Einem jener Leute ent- schlüpfte dabei das Eingeständnis des wahren Grundes für diese un- erhörte Mache: So einen Kerl lassen wir hier nicht mehr reden, der macht uns ja die Parteigenossen verrückt I Während ich so aus dem Saale ferngehalten wurde, be- schuldigte mich dort der Urheber dieier ganzen Skandalszene, der Wahlvereinsvorsitzende und Redakteur Fröhlich, triefend vor Ent- rüstung, ich hätte es von vornherein darauf abgelegt gehabt, Legien auszuschalten, um ohne ihn besser die Versammlung bearbeiten zu können. Eigentlich sollte meine gesamte � politische Tätigkeit mich hin« reichend gegen den Verdacht schützen, datz ich mich je scheuen könnte, irgend einem Gegner entgegenzutreten. Aber nun hatte obendrein meine Auseinandersetzung mrt Legien in der vorhergebenden Ver- sammlung für mich den denkbar günstigsten Ausgang g-nommen. Und die Auseinandersetzung mit einem solchen Gegner sollte ich scheuen? Das ist wirklich der Gipfel einer abgeschmackten Ver- dächligung. Ich hatte doch gerade das grötzle Interesse daran, ihm Auge in Auge gegenübertrelen zu können, während umgekehrt den Ver'ammluiigsveranstaltern nach den gemachten Erfahrungen daran gelegen sein mußte, nicht nur mich selbst, sondern auch Legien sern- zubalien. da er jedenfalls durch verschiedene Genossen in Kiel vollauf zu ersetzen war. Aber das Fröhlichsche Manöver, das ich nicht entlarven konnte, bat gewirkt: die Versammlung lehnte zunächst mit knapper Mehrheit meine Zulassung ab und nahm später mit großer Mehrheit eine Zustimmungs« erklärung zu der Jnstanzenpolitik an. Triumphe, die mit solchen schäbigen Mitteln erfochten werden. stnd aber erfahrungsgemäß kurzlebig. Das haben früher zur Genüge unsere bürgerlichen Gegner erfahren, io oit sie uns qe- wobnde tsgeniäß zu Versammlungen den Zutritt verweigerten. Die Metbode Fröhlich überirifft zwar die bürgerlichen Beispiele noch er« beblich. Es ist das auch ein Beweis, wie herrlich weil wir es bereits »m Partcileben gebracht habe». Steglitz, IS. Februar lSlS. G. Ledebour. flus öer Partei. Ein Partei-Tchiedsgericht wurde in Bremen auf Wunsch des Parteisekretärs Genossen Well- mann eingesetzt, um die Beschuldigung zu untersuchen, daß er in einem sprech'aal-Artikel eine.Denunzlation" begangen habe. DaS unier dem Voissy des Genossen Müller- Berlin zusammengetretene Schiedsgericht entschied einstimmig, daß von einer Denunziation keine Rede sein könne.'' /tus Groß-öerlin. Vater unü Sohn. Ein Vorort im Osten. Dunkel sind die Straßen, nur wenige Laternen verbreiten ein mattes Licht. Die Frauen eilen, die letzten Einkäufe noch eiligst zu erledigen, denn das Geräusch beim Herablassen der Rolläden ist schon von weither vernehmbar. Die Straße herauf hört man Tritte, die von den eisen- besch.agenen Stieseln eines Soldaten herrühren. Es ist ein Landstunnmann. Von der Arbeit gebückt, gibt er sich doch die Haltung, die dem Soldaten eigen ist. Neben ihm geht leichtfüßig ein junger Mensch von etwa sechzehn Jahren. Sie treten in eine Gastwirtschast, der junge Mann zuerst, der ältere folgt. Nun sitzen sie beim Glase Bier und erzählen ihre Er- lebnisse. aus der Zeit, in der sie sich nicht gesehen. Der Jüngere nimmt von Zeit zu Zeit eine Zigarcttentasche. steckt sich mit gewichtiger Miene eine an und reicht seinem Nachbar die Tasche, der das gleiche tut. Sobald sie ausgeti unken haben, winkt er dem Wirt, der die Gläser wieder füllt, lleberhaupt scheint der Jüngere Herr der Situation zu sein. Er ist sehr gesprächig. Bei allem Selbstbewußtsein aber blickt er mit Ehrfurcht zum Großen hinaus und fragt ihn über das und jenes. Doch der ist wortkarg. Tiefer Ernst liegt aus seinen Zügen und spricht aus seinen Worten. Er hat Pulver genug gerochen: aber das Erlebte� bat ihm die Zunge nicht gelöst, wie manchem gewissen- losen Schwätzer und Aufschneider, der seine Person in den Vordergrund drängt, sich als Held hinstellt und dabei nur zum besten gibt, was er erst von dritten gehört hat, die es schließlich auch nickt selbst erlebten. Er erzählt mehr von den Sitten und Gebräuchen der Einwohner in den besetzten Ge- bieten und von dem Leben und Treiben in den Städten. Die Zeit ist vorgerückt. Ter Jüngere fragt den Wirt nach dem zu zahlenden Betrage und zahlt mit einem größeren Geldstück. Dieser gibt zurück und legt das Uebersällige auf den Tisch. Der Jüngere schiebt das Geld seinem Nachbar zu. der aber keine Notiz davon zu nehmen scheint. .Nimm Vater." sagt jener. Der Vater errötet etwas verlegen. »Laß doch. Junge." sagt er und schiebt es zurück. ,.Ach ja." der Junge stockt, wird selbst verlegen, nimmt das Geld und steckt es ein. Eine Wirtshauspatrouille tritt ein. Der Vater blickt er- schrocken nach der Uhr. Der Unteroffizier tritt auf ihn zu mit der Frage nach dem Urlaubsschein. Er zeigt ihn vor. «Nachturlaub haben Sie nicht?" „Nein." «Gehen Sie nach Hause!' Der Vater blickt den Sohn an...Ich muß nach Hause." *Du wolltest doch Hermann noch sehen. Er hat bald Schichtwechsel." «Du siehst doch. Junge." Die Stimme des Vaters zittert ein wenig. «Dann will ich allein auf ihn warten." »Komm nicht zu spät heim. Gute Nacht." Der Vater geht. Der Sohn bestellt sich noch ein Glas Bier. Er bläst Rauchwolken vor sich hin und scheint sehr nachdenklich geworden zu sein.(z) Keine Extra-Würste! Die Feinkost-(auf deutsch: Delikatessen«) Händler haben sich mit einer Eingabe an den Magisttat gewandt, in der sie ersuchen, die Beschränkung der Wurstarten aufzuheben, damit sie die Kreise mit Feinwurst versorgen können, bei denen die Wohlgeschmacks-, nicht aber die Preisstage eine Rolle spiele.— Dazu liegt gar keine Ver- anlasiung vor. Die Vermehrung der Wurstsorlen um angeblich wertvollere würde nur das Verschwinden der billigeren Sotten bei Verwendung derselben Grundstoffe unter Zuhilfenahme anderer Ge- würze bewirken. Die angesetzten Preise sind H ö ch st preise nur für b e st e Ware, die auch für Feinschmecker gut genug sein muß. Ge- ttngere Qualitäten sollen billiger sein. Also bitte: Keine Exsta-Würste während der Kriegszeit' Der kommende Wohnungswechsel. Das Polizeiprässdium teilt mit: Gemäß polizeilicher Anordnung sind beim nächsten Vierteljahrs- Wohnungswechsel im Stadtbezirk Berlin zu räumen: 1. kleine, aus höchstens zwei Wohnzimmern und Zubehör bestehende Wohnungen bis zum 4. April 1916, abends, 2. mittlere, aus drei oder vier Wohnzimmern und Zubehör bestehende Wohnungen bis zum 7. April 1916, abends. 3. große, mehr als vier Wohnzimmer umfassende Wohnungen bis zum 12. April 191S, abends. Die Inhaber der aus ein, zwei oder drei Wohnzimmern und Zubehör bestehenden Wohnungen müssen jedoch ein Wohnzimmer und die Mieter von Wohnungen mit mehr als drei Wohnzimmern und Zubehör zwei Wohnzimmer schon am Sonnabend, den 1. April 1916— vollständig geräumt— dem künftigen Wohnungsinhaber zur Verfügung stellen. Das Gerücht von einem Verbrechen war gestern im Norden der Stadt verbreitet worden. In dem Hause Hussitenstr. 16 hatte man die 70 Jahre alte frühere Massenttn Sophie Schmidt, eine geschiedene Frau, tot in ihrem Zimmer aufgefunden. Die Um- stände, unter denen dies geschah, ließen den Verdacht eines Ver- brechens an der alten Frau aufkommen. Die nähere Untersuchung hat aber ergeben, daß die Frau an Altersschwäche gestorben ist. Im Todeskampfe ist sie dann samt den Betten aus dem Bettgestell ge- fallen. Verletzungen waren an der Leiche nicht zu entdecken. Ein blutiges Liebesdrama spielte sich gestern im HofbräuhauS Leipziger Straße 85 ab. Dort gab der 33 Jahre alte Landsturm- mann Rudolf Heinze auf die 20 Jahre alte Helene K a s p r i ck, die dort als Dienstmädchen angestellt ist, drei Schüsse ab und schoß sich darauf selbst in den Kopf. Die Kasprick wurde nach der Charite gebracht, während Heinze nach dem Garnison- lazarett übergeführt wurde. Der Grund zur Tat ist Eifersucht. Einbrecher auf Reise«. Ein großer Poneinbruch, der am Weihnachtsheiligabend in Jädickendori verübt wurde, ist jetzt aufgeklärt worden. An jenem Abende durchiämilten Einbrecher auf dem Postamt in Jädickendorf mit einem Glaserdiamanten eine Scheide aus einem Fenster heraus, be- seiuglen eine innere Fensterlade, riegelten das Fenster auf und ver- schafften sich so Eingang. In einem Diensttaume stand ein großes Regal, das zum Verleilen der Briefe und Pakete benutzt wurde. In dieses war em eiserner Schrank fest eingelassen. Nachdem die Einbrecher vergeblich versucht hatten, mit den Werk- zeugen, die sie bei sich fühtten, den Schrank zu öffnen. brachen sie das ganze Regal von der Wand los und schleppten eS mit dem Geldschrank durch die Hintertür hinaus nach einem 500 Meter vom Postamt entfernten freien Felde. Hier gelang es ihnen, mit ihren Werkzeugen und Feldsteinen den Schrank auszubrechen. Sie fanden dartn 3000 M. bares Geld und für eberisovtel Postwettzeichen und Versicherungsmorlen. Der Ver- dacht fiel zunächst aus Hilfskräste, die auf dem Amte beschäftigt ge- weien waren. Die Entdeckung und Festnahme der wirklichen Täter hat sie jetzt von dem Verdacht gänzlich gereinigt. Bei zwei anderen Einbtüchen. die lurz vorhet bei einem Pastor in der Gegend und dem Amlsvorsteher v. Grumme-Douglas verübt worden wareu, stellte man Merkmale fest, die sich auch bei dem Einbruch aus dem Postamt wiederfanden. Bei den Ermittelungen nach den Personen, die in Betracht kommen konnten, stieß man auf die beiden Brüder Wilhelm und Paul Renzmann aus Königs- berg t. Neumark, die sich am Heiligabend vorübergehend inJäd.cken- dort aufgehalten hatten. Beide waren schwer votbeittaft und bald nach dem Einbruch aus der Gegend verschwunden, um nach Berlin zu fahren. Hier hatten sie beide getrennt eine Wohnung ge- nommen. Bei der Haussuchung entdeckte die Polizei bei dem einen auizer verschiedenen Eiiibruchswerkzeugen einen Kuchenteller aus der Wohnung des Pastors und bei der Schwiegermutter des anderen in einem Pet steck, das nicht näher zu beschreiben ist. 950 M. bares Geld und einige Briefmarken. Die beiden Brüder bauen uiitetdesien auch Berlin schon wieder verlassen. Ein Steck- briet rührte jetzt zu ibter Verhaftung. Beide wurden aut' der Flucht nach Dänemarl in Sonderburg festgenommen. Bei ihnen fand man noch über 900 M. bares Geld und eine große Menge Brief- und Versicherungsmarlen. Auch Einbruchswerkzeuge führten sie mit sich. Die Verhasteten, die mit Browningpistolen bewaffnet waren, haben wahrscheinlich noch mehr Einbrüche in der Matk aus dem Kerbholz. Eine» schauerlichen Fund machte der Pförtner eine? Hauses in der Beilichingennraße. In einem Mülllasten auf dem Hofe entdeckte er die Leiche eines neugeborenen Mädchens, die halb verkohlt war. Ob man veisucht hat, das Kind bei lebendigem Leibe, oder erst nach dem Tode zu verbrciinen, konnte nicht ohne weitetes festgestellt werden. Etst die Obduktion wird darüber Gewißheit bringen können Der Kops war schon über die Hälfte verbrannt. Die Leiche ist wahr» scheinlich von außerhalb her ani den Hos und in den Müllkaüen btneingebracht worden. Die Mutter des KindeS ist noch nicht ermittelt._ Ein Kursus für Orthopädie-Mechaniker. Auf Vcianlasiung des Ministers für Handel und Gewerbe wird in der Zeit vom 14. bis 17. Februar d. I. ein zweiter Kursus für Ortbopädie-Mechaniker im Oskar- Helene> Heim in Berlin-Zeblendotf. Kronprinzen-Allee 171 173, von dem Chefarzt der Ansialt, Prof. Dr. Bieialski. und dessen A'sistenteii. Dr. Molleiihoiier abgebalten, in dem den Teilnehmern Gelegenh.it gegeben werden soll sich mit den neuzeitlichen Anforderungen an die Hcrnelluiig von Ersatzgliedern u. dergl.. insbeiondere für Kttegsinvalide, vertraut zu machen. An dem Kursus nehmen 35 Personen teil. Unfall eines Kricgöinvaliden. Von einem bedauerlichen Unfall ist der Arbeiter Ludwig Gentz aus der Kiautschotisttaße 14 in Berlin betroffen worden. G- halle tm Felde das rechte Auge verloren und wurde deshalb vom Militär entlassen. Nach seiner vollständigen Geneiung fand er in der Munitionsfabrik in der Kaiserin-Augusta- Allee Besckästtguiig. Wäarend Geny dort eine Frätemaichine bediente. kam er unvorsichtigerweise mit der Hand in das Getriebe. wobei ihm drei Finger der rechlen Hand abgerissen wurden. Der Verwundete fand im Rudols-Vitchow-Krankenhauie Aufnahme. Eine traurige Aufklärung hat daS Verschwinden der neunzehnjährigen Wally Brandt aus der Parküraße 21 in Weißeniee ge» funden. Nachdem lange Zeit alle Nachsorichungen nach dem Ver- bleib der B., die seit dem 3. Januar vermißt wurde, erfolglos ge- blieben waren, ist jetzt die Leiche des Mädlbens infolge des in vor- letzter Rächt in Weißensce wütenden heftigen Sturmes aus dem Weißen See ans Land gespült worden. ZwetselloS hat Wally Brandt Selbstmord verübt, doch ist es auch jetzt noch ein Rätsel, was sie in den Tod getrieben hat. Am 3. Januar, dein Tage thres Verlchwindens, hatte die B. eine kleine Auseinandersetzung mit ihrem Geliebten, doch ist nicht anzunehmen, daß bei dem Charakter der V. diese geringfügige Meinungsverschiedenheit den Anlaß zu dem Selbstmord gegeben haben könnte. Verunglückte Schaffneri«. Die 25jShrige Schaffnerin Haman wollte in Spandau einen in ziemlich schneller Fahrt die Pichelsdorfer Straße passierenden Straßenbahnwagen besteigen. Hierbei glitt sie vom Trittbrett ab, fiel und geriet mit den Beinen unter den Beiwagen, dessen Räder über sie hinweggingen. Mit schweren Verletzungen wurde die Ver- unglückte nach dem städtischen Krankenhause gebracht: der linke Fuß ist vollständig abgetrennt worden, der rechte Unterschenkel schwer verletzt und es ist fraglich, ob er nicht wird abgenommen werden müssen..- Lcicheufund. Aus der Havel wurde in der Nähe von Lindwerder die Leiche einer Frau gelandet. In der Toten wurde die 30jährige Ehefrau Gambruza aus Berlin sestgestellt, die seit einigen Tagen vermißt wurde. Allem Anscheine nach hat Frau G. Selbstmord ver- übt, und zwar vermutlich in einem Schwermutsanfalle. /ins Ken Gemeinden. Verkauf von Reis und Hülsenfrüchten in Neukölln. Die Stadtgemeinde wird demnächst mit dem zweiten Verkauf der von der Zentral-EinkaufS-Gesellichast überwiesenen Mengen von Reis und Hülsenfrüchten an ihre Bürgerichafl beginnen. Der Verkauf erfolgt wiederum durch Vermittlung der Kleinhändler. Der Reis besteht aus folgenden Sorten: Siam Patna kurz, Rangon nor- mal und Bruchreis I. An Hülsenfrüchten gelangen grüne und gelbe Erbsen, weiße und. braune Bohnen zum Verkaui. Der Verkaufspreis an die Verbraucher beträgt sür Reis pro Pfund: Siam Patna kurz 55 Pf., Rangon normal 60 Pf., Bruch- reis I 40 Pf. Hülsenfrüchte sollen kosten pro Pfund: grüne kleine Erbsen gesch. 45 Pf., gelbe Viktoria-Erbsen I 45 Pf., kleine gesch. gelbe Erbsen 45 Pf., gelbe kleine Erbsen II 35 Pf., weiße Mittelbohnen II 40 Pf., braune Bohnen 50 Pf. Zum städtischen Kartoffelverkauf in Spandau. Im Gegensatz zum Vorjahre, wo der städtische Kattoffelverkauf nur verhältnismäßig wenig in Anspruch genommen wurde und zum Schluß trotz erheblicher Preisherabseyungen große Kartoffelvorräte verarbeitet werden mußten, findet jetzt der Verkauf städtischer Kar- löffeln vom Gute Wansdorf außerordentlich starken Zuspruch. Am Sonnabend waren etwa 1500 Perionen auf dem städttschen Schlacht- Hof erschienen, um Kartoffeln zu kaufen. 1300 Marken wurden aus- gegeben, aber nur etwa 500 Markeitinhaber konnten Kartoffeln er- halten. Die Glücklichen, die mit Kartoffeln und heilen Gliedern aus dem großen Getümmel herauskamen, konnten zufrieden sein. Am Dienstag war der Kartoffelverkauf Keffer organtsiert und ging auch wesentlich besser von statten. Lebhafte Klagen werden laut über die schlechte Beschaffenheit der Kartoffeln und darüber, daß der Verkauf nur an einer Stelle stattfindet. Zumindest wäre es erforderlich, in der Siemcnsstadt eine Verkaufsstelle einzurichten, da dort die Kartoffelnot sich am meisten fühlbar macht. Bei den schlechten Verkehrsverhältnissen mit Spandau kann es keiner Arbeiterfrau zugemutet werden, einen ganzen Haiben Tag zu opfern, um nur in den Besitz einiger Pfund Kar- toffeln zu gelangen._ Soziales. Zur Herabsetzung der Altersgrenze. Dem Reichstage soll in seiner nächsten Tagung von der Reichsregierung Nachricht darüber zugehen, ob sie bereit ist, die Altersgrenze für Empfänger der Altersrente von 70 auf 65 Jahre herabzusetzen. Rechtsstehende Organe machen nun jetzt wieder die Regierung gegen eine Herabsetzung der Alters- grenze scharf. Sie kommen wiederum mit recht fadenscheinigen Gründen. So schreibt die„Post": .Von versichetungstechmicher Seite wird nun auch geltend ge- macht, daß die Durchführung dieser Maßnahme nicht unerhebliche Sckwierigkeilen bereiten müsse. Es sei anzunehmen, daß im erste» Jahre gegen 200 000 Anträge auf Gewährung der Altersrente ein- gehen wütden, zu deren Bearbettung zahlretwe Beamte erforderlich wären. Die in Frage kommenden Stellen hätten zurzeit schon große Scbwierigkeiten, die laufenden Aufgaben zu erfüllen. Es wird des- halb der Vorschlag gemacht, da» Inkrafttreten der neuen Borichrist bis nack Fiiedensichluß hinauszuschieben: Benachteiligungen köniiten ausgeickaltet werden, indem der Maßnahme rückwirkende Kraft ver- liehen wird." Aehnlich schreibt die„Germania". Diese Ausführungen sind nichts weniger als überzeugend. Zur Erledigung der so einfachen Altersrentenaniräge wäre kaum die Anstellung auch nur eines neuen Beamten erforderlich. Und selbst wenn dem so wäre, wäre die Herabsetzung der Altersgrenze durchaus durchführbar. Hoffentlich weicht der Reichstag nicht abermals von seiner einstimmig gefaßten Kundgebung zurück, daß eine Herabsetzung der Altersgrenze dringend erforderlich ist. Hastung des Theaters bei Unfällen von Schauspielern. Die allgemeinen bürgerlich-rcchtlichen Vorschriften über den D i e n st v e r t r a g finden auch auf das Verhältnis zwischen Theaterunternehmer und Schauspic- l e r Anwendung. Danach ist der Theatcrunternehmer als Dienslberechtigter verpflichtet, Räume, Vorrichtungen und Ge- rätschaften, die er zur Verrichtung der Dienste des Schau- spielers zu beschaffen hat. so einzurichten und zu unterhalten und die unter seiner Anordnung oder seiner Leitung vorzn- nehmenden �Dienstleistungen so zu regeln, daß der Dienstver- pflichtete(Schauspieler) gegen Gefahr für Leben und Ge- sundheit soweit geschützt ist, als es die Natur der Dienstlei- stung gestattet(§ 618 BGB.). Etwaige Verletzungen dieser Sorgfaltspflicht durch seine A n g e st e l l t e n bat der D i e n st h e r r im vollen Umfange zu vertreten. Stach diesem rechtlichen Gesichtspunkt sind am Dienstag zwei Schadens- fälle vom Reichsgericht entschieden wordev denen zwei Unfälle im Darmstädtcr Hoftheater zugrunde lagen: Die Hoftänzerin Fräulein Huber nahm am 25. März 1914 an einer Bühnenprobe zu„Carmen" im Darm- städter Hoftheater teil. Bei der Ausfuhrung eines Solotanzes geriet sie mit einem Fuße in ein im Bühnenboden befiitdliches 4)4 Zentimeter breites Loch, fiel hin und verletzte sich nicht uncr- heblich. Sie nimmt das Hoftheater aus Schadensersatz in Anspruch, weil es fahrlässig gewesen sei, daß das Loch, das einige Monate früher anläßlich einer Vorstellung von„Hoffinanns Erzählungen' zu Beleuchtungszwccken in den Bühnenboden gebohrt worden war, nicht beseitigt wovden sei.— Sowohl das Landgericht als auch das Oberlandesgericht D a r m st a d t haben das Theater zum Schadensersatz verurteilt. In seineu Entscheidungs- gründen führt das Oberlandesgericht aus, daß die Beklagte sich dadurch, daß sie das Loch unverwahrt bestehen ließ, einer fahrlässigen Verletzung der ihr nach§ 618 BGB. obliegenden Pflichten schuldig machte. Es liege aus der-Saud, daß das Loch eine Gefahr für txß Bü-lMnpetsonQk. insbesondere für die Tänzerinnen bildete. Demgegenüber komme nicht in Betracht, daß ein Bühnenboden in> folge der zahlreichen Versenkungen usw. sowieso schon uneben sei. Denn das fvagliche Loch gehörte nicht zu den stän- digen Einrichtungen des Bühnenbodens. Ein eigenes Ver- schulden der Klägerin sei abzulehnen. Sie habe keine Kenntnis von dem Vorhandensein des Loches gehabt- es könne ihr auch nicht vorgeworfen werden, daß sie nicht genügend vorsichtig gewesen sei. Von einer Tänzerin könne bei Ülusübung ihrer Tänze nicht verlangt werden, das; sie eine besondere Aufmerksamkeit den« Bühnenboden daraufhin zuwende, ob etwa gefährliche Löcher vorhanden seien.— In den: zweiten Falle handelte es sich um einen Unfall der Sängerin Fräulein Lischke. Diese hatte am 10. De- zember 1918 in einer Vorstellung von„Hansel und Grete!" in der Rolle des Sandmännchens aus der Versenkung heraus nach oben zu erscheinen. Als sie auf dem unter der Versenkung befindlichen Brett stand, hatte sie sich nicht tief genug gebückt, so daß sie von der herunterfallenden Klappe der Versenkung am Kopf getroffen und verletzt wurde. Auch für diesen Unfall ist das Theater auf Grund des 8 618 des Bürgerlichen Gesetzbuchs für e r s a tz- p f l i ch t i g erklärt worden. Das Oberlandesgericht legt dar, daß die an der Vensenkung beschäftigten Bühnenarbeiter ein Verschul- den treffe, weil sie entgegen ihrer Anweisung unterlassen haben, den Kopf der aus dem Brett stehenden Klägerin durch Herunter- drücken vor der schweren Klappe zu schützen. Für dieses Ver- schulden ihrer Arbeiter müsse die Beklagte nach§ 278 des Bürger» lichen Gesetzbuchs einstehen. Auch in diesem Falle sei ein Selbst- verschulden der Klägerin zu verneinen. Es sei ihr zwar von den Arbeitern zugerufen worden:„mehr bücken"; da die Klägerin vor dem Unfall aber nur ein einziges mal die Beförderung durch den Apparat mitgemacht habe, und da sie ihr Hauptaugenmerk naturgemäß auf ihre Rolle gerichtet, offenbar auch aufgeregt ge- Wesen sei, gereiche ihr ein Autzerachtlassen des Zurufs nicht zum Verschulden. In beiden Sachen legte das Hoftheater Revision ein, in- dessen ohne Erfolg; das Reichsgericht hat die Revisionen zurückgewiesen._ Genossenschaftliches. Kriegsteilnehmer ans den genossenschaftlichen Betrieben. Vertreter der Gewerkschaften der Bäcker, Fäbrikarbefter, Fleischer, Handlungsgehilfen, Tabakarbeiter und Transport- arbeiter haben mit dem geschäfts führenden Vorstand des Zen- tralverbandes deutscher Konsumvereine und den genossen- schaftlicheir Mitgliedern des Tarifamts nach eingehender Be- ratung Beschlüsse über die Wiedereinstellung der Kriegsteil- nehmer aus den genossenschaftlichen Betrieben gefaßt. Diese Beschlüsse sind, vorbehaltlich der zu erwartenden Zustimmung der zuständigen genossenschaftlichen Organe(Gesamtvorstand, Ausschuß, Generalrat und Genossenschaftstag) endgültig. Der wesentliche Inhalt der Beschlüsse geht dahin: Alle Kriegsteilnehmer,>bie vor Ausbruch des Krieges in einer dem Jentralveribande deutscher Konsumvereine angehörenden Ge- uosseuschaft als feste Arbeiter uud Angestellte beschäftigt waren und die sich nach Beendigung des Krieges bzw. nach Entlassung aus dem Heeresdienst in den betreffenden Betrieben zur Arbeitsannahme melden, sollen, sofern die Betriobsvevhältnisse es gestatten, wieder eingestellt werden. Die Meldung zum Dien st- antritt hat innerhalb zwei Wochen nach der Eni- lafsung aus dem Heeresdienst zu erfolgen. Per- sonen, die bereits vor dem Krieg in den genossenschaftlichen Be- trieben beschäftigt waren, dürfen nicht lediglich aus dem Grunde gekündigt werden, um freie Arbeitsplätze für Kriegsteilnehmer zu schaffen. Bei Kriegsbeginn beschäftigte, nicht feste und während des Krieges eingestellte Arbeiter und Angestellte, die zum Kriegs- dienst eingezogen wurden, können ebenfalls wieder eingestellt werde», sobald ohne besondere Kündigung beschäftigter Personen freie Arbeitsplätze der betreffenden Branche vorhanden sind. Die Wiedereingestellten werden möglichst an ihren bisher:- gen Arbeitsplätzen zu den tariflichen Lohn- und Arbeitsbedingungen, unter Anrechnung der früheren Beschäftigungsdauer sowie ihrer mili- t arischen Dienstzeit beschäftigt. Ist eine Genossenschaft nicht in der Lage, die Wiodereinstellung sämtlicher Kriegsteilnehmer vorzunehmen, so soll versucht werden, durch Verständigung inner- halb der Genossenschaften der Einkaufsvereinigung oder des Revi- sionSverbanides für die nicht eingestellten Kriegsteilnehmer gleich- artige genossenschaftliche Arbeitsplätze zu goivinnen. Kriegsteilnehmer, die eine Beschädigung er- litten haben, werden von den Genossenschaften, bei denen sie vor ihrer Einberufung tätig gewesen sind, in erster Linie eingestellt. Sofern sie die für ihre Person in Frage kommende Tätigkeit vollwertig leisten können, erhalten sie den für ihre Leistungen vorgesehenen vollen Lohn. Eine Anrechnung der Kriegs- rente oder sonstiger Bezüge findet in solchen Fällen nicht statt. Beschädigte Kriegsteilnehmer, deren Erwerbsfähigkeit wesentlich vermindert ist, sollen grundsätzlich ihrer Leistungsfähigkeit ent- iprechend bei weitestem Entgegenkommen der Verwaltung beschäftigt und entlohnt werden. Den Kriegsbeschädigten, deren körperliche Beschaffenheit eine Weiterbeschäftigung in den genossenschaftlichen Betrieben nicht zuläßt, soll die„Arbeitsgemeinschaft" zur Erlangung einer ihren körperlichen Kräften und den sonstigen Fähigkeiten ent- sprechenden Tätigkeit behilflich fein. Dabei ist zu beachten, daß jede Gelegeuheitsversovgung vermieden werde» muß. Die„Arbeits- gemeinschaft" soll auch behilflich sein, den Kriegsbeschädigten Ge- legenheit zu geben, in den vorhandenen Ausbildungsstätten sich für andere Berufe vorzubereiten. Even well sind in solchen Fällen, wo der Uebergang zu einem neuen Beruf notwendig erscheint, die Ovgane der staatlichen, provinziellen und kommunalen Berufs- veratuiigen in Anspruch zu nehmen. Verlustlisten. Mus aller Welt. Wahnsiimstat einer Mutter. In einem Anfall geistiger Um- nachtung hat die Frau des Kaufmanns Glahn in Schätzen- dorf(Kreis Winsen. Provinz Hannover) ihre fünf Söhn« im Alter von drei bis dreizehn Jahren durch Revolverschüsse getötet. Religiöse Gegensätze zwischen den Eheleuten sowie in letzter Zeit auftauchende wirtsckmstliche Schwierigkeiten sind nach einem Brief der Mutter die Ursache der Bluttat. Die Geisteskranke, die sich selbst schwer verletzte, wurde der Provinzial-Heil- und Pflege- anstatt zugeführt. Der Postraub, der Ende voriger Woche in einem Eisenbahnzuge auf der Strecke Ukro— Finsterwalde ausgeführt wurde und bei dem den Tätern eine Kiste mit 23 000 M. in die Hände fiel, hat nun- mehr zur Festnahme eines der Täter gesührt. ES ist dies ein Schlosser I. Reuter, der sich in Luckau aufhielt. Schwerer Unfall eines Fischerbootes. Wie die„Dtettiner Abeudpost" meldet, kenterte bei V i e r o w in der Nähe von Greifs- Wald in der Ostsee«in Fischerboot beim Einholen der Netze. Die drei Insassen ertranken. Darf an einem„fettlosen" Tage ein Hammel im eigenen Fett schmoren? Tie Besitzerin des Hotel„Bondor" in Wiesbaden hatte an einem Donnerstag ihren Gästen Hammelbraten vorgesetzt. An einem Donnerstag darf aber bekanntlich kein Fett in Gast- Häusern verbraucht werden. Das Schöffengericht verurteilte die Die Verlustliste Nr. löö der preußischen Armee enthält Verluste folgender Truppen: Jnfauterie usw.: Garde: 1. und 8. Gavde-Regiment z. F.; Gavde-Schützen-Bataillon. Lehr-Juf.-Regiment. Grenadier- bzw. Infanterie- bzw. Füsilier-Regimenter Nr. 4, S, 7, 8, 10, 11, 12, 17 bis einschl. 23, 32 bis einschl. 35, 87, 38(s. auch Res.-Jnf.-Regt. Nr. 11). 49(s. Res.-Jnf.-Regt. Nr. 49). 51, 52, 53. 58, 57, 58(s. auch Besatz.-Regimenter Nr. 2 und 3 der Brigade Doussin usw.), 59, 61 bis einschl. 68, 69(f. auch Res.-Jnf.-Regt. Nr. 68), 70, 75, 76, 78, 79, 81 bis einschl. 86, 88, 133(s. Fernfpr.-Avt. des 4. Armeekorps), 154(f. Besatz.-Regimenter Nr. 2 und 3 der Brigade Doussin usw.), 165(s. Besatz.-Regimenter Nr. 2 und 3 der Brigade Doussin usw. und Feruspr.-Abt. des 4. Armeekorps), 334, 333, 341. Reserve-Inf.» Regimenter Nr. 5, 7, 11, 15, 18, 20 bis einschl. 23, 33, 4V, 46, 48, 49, 53, 60, 61. 64 bis einschl. 69. 76 bis einschl. 84. 86. 88, 201, 203 bis einschl. 207, 210, 213, 216, 219, 222, 225 bis einschl. 228, 230, 232, 250, 252 bis einschl. 257, 260, 262, 270, 271. Reserve-Ersatz- Infanterie-Regimenter Nr. 1, 2, 4. Landwehr-Jnfanterie-Regi- menter Nr. 1. 7, 12, 16. 17. 18. 20. 21. 22, 34. 39. 51. 53. 55, 57, 60, 63, 66, 72, 75, 77, 80, 82, 83, 84. Landsturm-Jnfanterie-Regimenter Nr. 3, 8, 9. Befatzung-Regilnenter Nr. 2 und 3 der Brigade Doussin, später Rüdiger, des Korps Posen. Brigade-Ersatz-Bataillon Nr. 78 (f. Landw.-Jnf.-Regt. Nr. 51). Landsturm-Jnfantevie-Bataillone: 1. Aachen, 1. Allenstein, 3. Benthe n i. Oberschl., 2. Bonn, Burg. 1. Coblenz, 3. und 4. Darmstadt, 2. Gleiwitz, 1. Hagenau, 2. Halle a Saale, 3. Hamburg, 2. Jauer, Jülich, 1. Königsberg i. Pr.. Landsberg a. W„ 4. Münster, 1. Naugard. Landsturm-Jnfanterie- Ersatz-Bataillone: 4. des 4. Armeekorps(Altengrabow), 2. Bremen. 4. Gotha, Hameln, Havdershof, 25. des 7. Armeekorps(Münster). 2. Laudsturm-Jnfanterie-Ausbildungs-Bataillon Kreuznach. Land- sturm-Kompagnie Turek(f. Besatz.-Regimenter Nr. 2 und 3 der Brigade Doussin usw.). Reserve-Jäger-Bataillone Nr. 1, 5. 20, 24. Kavallerie: 1. Gavde-Dragoner. Kürassiere Nr. 1; Dragoner Nr. 2, 4, 13, 20, 21; Reserve-Dvagouer Nr. 8; Husaren Nr. 8, 9, 13. Kavallerie-Regiment Nr. 84; Larttm» eh r-K avallerie-R egiment Nr. 1. 1. Landswrm-Eskadron des 7. Armeekorps. Feldartillerie: 2. Garde-Regiment; 3. Garde-Reserve-Regiment. Regimenter Nr. 15. 22. 24. 33. 34. 37. 39, 40, 42, 47, 51. 52. 73, 74 (f. Fernspr.-Abt. des 4. Armeekorps), 75; Referve-Regimenter Nr. 1. 9, 15, 20, 30; Landwehr-Regiment Nr. 5. Fußartillerie: Regiment Nr. 2; Reserve-Regiment Nr. 20; Oandwehr-Bataillon Nr. 1. Fußartillerie-Batteric Nr. 118. Pioniere: Garde-Bataillon(f. Landwehr-Pionier-Komp, des 16. Armeekorps); III. Garde-Bataillon. Regimenter Nr. 19. 20, 23, 25; Bataillone: I. und II. Nr. 1, II. Nr. 2, I. Nr. 4(s. auch Inf.- Munitionskoloune Nr. 2 des 4. Armeekorps), I. Nr. 6, Nr. 11(s. Res.-Pionier-Komp. Nr. 31), II. Nr. 14, I. Nr. 13, II. Nr. 16, I. Nr. 21; Reserve-Bataillon Nr. 39; Piomer-Kompagnieu Nr. 213 uied 241; Reserve-Kompagnien Nr. 51 und 80(s. Res.-Pionier- Bataillon Nr. 39); 1. Landwehr-Kompagn-ie des 16. und 2. des 18. Armeekorps. Festnngs-Landw.-Pionier-Abt. des 20. Armee- korps. Minenwerfer-Bataillon Nr. 4; Minenwerfer-Kompagnien Nr. 19, 117, 217; Schwere Minenwerfer-Abteilung Targe(s. Minen- werfer-Bataillon Nr. 4). Berkehrstruppen: Fernsprech-Abteilung des 4. Armeekorps; Festungs-Fernfprech-Abteilung Posen. Train: Erfatz-Abteilung der Train-Abteilung Nr. 14; Feld- Train-ESkadron des 7. Armeekorps. Reserve-Divifions-Brücken- train Nr. 5. Munitionskolonnen: Fnfanterie-Munitionskolonne Nr. 2 des 4. Armeekorps; Reserve-Jnfanterie- Munitionskolonnen Nr. 4 des 40. Reservekorps und Nr. 50. Leichte Munitionskolonne Nr. 223. Sanitätsformationen: SanitätS-Komp. Nr. 2 des 4. Armee- korps; Neserve-Sanitäts-Kompagnie Nr. 11. Kriegsschule iu Cassel(f. Res.-Pionier-Komp. Nr. 51). Stellvertretende Intendantur des 21. Armeekorps. Die sächsische Verlustliste Nr. 254 bringt Verluste der Ins.- Regimenter Nr. 100. 133, 139, 178, 179, 131, 183; Res.-Jnf.-Regt. Nr. 133; Landwehr-Jnf.-Regt. Nr. 107; Res.-Jäger-Bat. Nr. 13. Die württembergische Verlustliste Nr. 345 enthält Ver- luste des Gvenadier-Regts. Nr. 119; Landwehr-Jnf.-Regimenter Nr. 120, 122, 123, 124; Jnf.-Regimenter Nr. 121, 124, 125, 126, 180; Res.-Jnf.-Negi menter Nr. 121, 247, 248; Füsilier-Regiment Nr. 122; Feldart.-Regt. Nr. 13 und 29; 1. Res.-Pionier-Komp.; 6. Feldpionier-Komp.; Landwehr-SanitätS-Komp. Nr. 36; Verluste durch Krankheiten; Berichtigungen früherer Verlustlisten. Jugenüveranftaltungen. Wilmersdorf. Sonntag, den 20. Februar: Partie nach Wildau— Niederlehme— Ulleilee— Eichwalde. Treffpunkt 6 Uhr im Jugendheim, Mannheimer Straße 51. Kosten 1 M. Sonntag, den 27. Februar: Nachmittagswanderung durch den Grüne- wald. Besichtigung der überschwemmten Havelgebiete. Treffvunlt 1 Uhr mittags im Heim. Wochenprogramm. Montag: Mandolwenabenb: Dienstag Spiclabend; Mittwoch: Liederabend mit Mandolinenbegleitung; Donners- lag: Fildpostabend, Schreiben und Vorlesen von Feldpostbriefen und Karlen. Tcmpelbos- Martendorf. Freitag, den 18. Februar, sindel im Jugendheim. Tempelhos, Kaiser-Wilhelm-Sttaße 76, ein Vortrag sür die weibliche Jugend stall. Neserentin Frau Dr. Thierbach. Verein sür Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 21. Februar, abends 8'/, Ubr, in der»Neuen Philharmonie". Köpe- nickcr Slrade 26/37: Vortrag des ReichSIagsabgeordnetcn Heinrich Schulz über»Unsere Erzieherausgaben nach dem Kriege". Eingegangene Druckschriften. Wie kounen die kaufmännischen Ilnterrichtsanitalten zu ihrem Teil znr Belehrung und Anregung der in den Lazaretten befind- lichen Verwundeten beitrage»?(Veröffentl. d. Deutfch. Verb. f. d. (aufm. Bild'ingsw. Band 52.) 60 Vf. B. G. Tcubncr, Leipzig. Das Buch Krieg. Von W. Müller-Eberbart. 50 Ps. Zentralstelle znr Verbieitung guter deutscher Literatur, Bad Nassau(Lahn). Falsche Propheten. Ein Rückblick. Geh. 25 Ps. Deutsche Verlags- anstall, Stuttgart._ öriefkaften üer Redaktion. Die lurtstis-d- Sprechstunde findet für Abonnenten Lindenftr. S, IT. Ho, rechts, parterre, am Wonlag bis Freitag von t bis 7 Uor, am Sonnabend von 5 bis 6 Üb» Natt. Jeder für den B r l e t l a st e n bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine gabt als Merlzeichen beizufügen. Brieflich« Aniwori wird mch! erieltt. Antragen, denen keine Abonnemenisauittung beigefügi ist. werden nicfil deaniworiei. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Verträge, Schrifiklückc und dergleichen bringe mar in di« eprcaisiunde mit. P. Z. 98. 1. Am 18. Februar. 2. Ja.— P. H. Darüber kann der Laie kein unbedingtes Urteil abgeben, well der bezeichnete Mangel die ver- schiedenstcn Ursachen haben kann. Acrztlichcr Rat ist zu empfehlen. — Mehrere Westfalen. Die neuere Schreibweise ist Brot, früher Brod.— Infanterie 39. Durch dasjenige Bezirkstommando, bei welchem er auZgeboben winde.— Wettpreufien L. 4. 1. Mit Zeichentalent können Sie Zeichner für Kunstgewerbe oder auch sür Technik und Industrie werden. Besondere Ausbildung durch Fachanstalten ist erforderlich. 2. In Berlin: die Kunstichule, die UnrerrichtSanstalt des Kunstgewerbemuseums, die Handwerierschulen der Stadt. Fragen Sie dort wegen der Bedingungen an. 3. Welchen Wert schriftlicher Fernunterricht bat? Das käme aus den Lehrgcgcnstand an. Für„Fernunterricht" im Zeichnen z.B. würden wir danken. — W. L. 23. Sie basten iür die Miete bis zum 1. Ottober 1316. Er« zielen Sie mit dem Wirte keine Einigung, so rufen Sie das Miels. einigungsaml zur Vcrmittelung an.— Richard 77. Eine Klage würde wahrscheinlich zu Ihren Ungunsten aussallen. Sie hätten aus Abstellung des Mangels in der Wohnung schon srüher dringen müssen.— L. R. 4. 1. Ja. 2, Wenn Sie trank und enverbsunsähig sind, müßten Sie gegen diesen Abzug von der Unterstützung Beschwerde beim Kreisausichuß fLand- ratsam!) einlegen.— Erna B. 2393. 1. Sie müssen sich von Jbrem Ehemann den Unterstützungsschein zusenden lassen. Dann stellen Sie An- trag aus Unterstützung bei der Steuertasse. 2. Wenden Sie sich an den paritätischen Ardeiisuachweis in der Gormannstraße.— W. F. 100. Ihr Mann müßte in Rücksicht aus seine Erkrankung enliprechende Diät verlangen. Wahrscheinlich crjotgt ober die Einbeziehung zum Heeresdienst vorläufig nicht.— P. 160. Sie find im Irrtum. Sie erhalten nicht 30 Proz. der von Ihnen eingezahlten Prämiensumme, sondern 30 Proz. des Deckungs- kapital-. Und diese Summe wird nicht mehr betragen.— R. II. 3. Die Unterstützung sür Sie und ein Kind beträgt 43,50 M. inonallich.— K. Z. 7. Wieweit die Krankenkasse ihr Statut durch daS Notgrseb ge- ändert hat, wissen wir nicht. Das erfahren Sie doch am besten aus der Krankenkasse selbst.— P. T. 233. Darüber bestevt keine bestimmte Ber- ordnung. Zurückberusung soll nach und nach erfolgen.— 39. Buch. Das kommt je aus das VerwandtschastSverdältnis an. BiS 500 M. wird leine Steuer erhoben.— Nk. P. 32. Wenn der Vater des Kindes zur Zeit der Geburt desselben Kriegsteilnehmer war. könne» Sie ein Unterstützungsacsuch an die Kriegslinderipende Deutscher Frauen, Piivattanziei her Frau Kronprinzessin, Potsdam, richten WetterauSsichten für daS mittlere Norddeutschland diS Freitag mittag. Oestlich der Oder zunächst noch mild mit wiederholten Nicdersmlägen. von West nach Ost sortschreitende Abkühlung, zeitweise heiter, aber veränderlich mit geringen Niederschlägen. !. iU keil. RentistagswalilkFels. 18. Abt, See. 742 Am Dienstag, den 15. Februar. verstarb unser Genosse, der Chausseur �uxust �oatoick Sellerftr. 11. Ehre feinem Andenken: Die Beerdigung findet am Freitag, den 18. Februar, nach. mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des Dankes, Kirchhoies in Reinickendors-West, Blanlestraße. au» statt. Um rege Beteiligung ersuchi 224/18 vei» Vonntsn«! veotaclieF TnaapilardeiterVertialii!. Bezirksverwaltung GreB-Berlln Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Autosührer �uxiist Noatnick von der Firma Kunze, Hochstraße, am 12. d. MtS. im Aller von 43 Jahren verstorben ist. Ehre feinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Freitag, den 13. 0. MtS., nach. mittags 3 Uhr, von der Leichen. balle deS Dankesktrchhofs in Reinickendors-West, Blanlestraße, aus statt .����JN�ezttkiverwaltun� Heute verschied nach kurzem schweren Leiden meine liebe Frau. unsere innigstgeliebte Mutter und Schwiegermutter �iigiiÄe Meyer geb. Klein. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen .Jacob Meyer nebst Kindern Die Beerdigung findet DonnerS. tag, vormittags 3 Uhr, in Weißen- see, neue Halle, statt. 121/11 Ängeklaptc zu fünf Mark Geldstrafe, obwohl sie behauptete, sie habe kein fremdes Fett verbraucht, sondern den Hammel in s e i n e»l eigenen Fett geschmort._____________________________ Verantwortlicher Redakteur: Akftep Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchvtuckeetzt u. BerlagANsskalt PZüt'SiNllei St Co, Berlin SW. Deutseher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schrauben- dreher Emil Möllendorf Langestr. 81 am 14. Februar gestorben Ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 13. Februar, nach. mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- balle des Zentral-FrtedhoseS in Friedrichsseide auS statt. Rege Beteiligung erwartet UL/5 Die OrtSverwoltung. Am Mittwoch, den 16. Februar, früh 12'/, Uhr, erlöste ein sanfter Tod unser liebes Kind, unseren ältesten Sohn und Bruder Erleb Meißner von seinen mit vieler Geduld er- tragenen Leiden im 22. Lebens- jähre. 272b Dies zeigen tiesbetrübi an Hermann Meiftner und Familie. Katzbachstr. 13. Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 13. Februar, nach- mittags 2>/, Uhr, von der Halle de« Heilig- K'. e»z- Friedhofes in Mariendors, Eisenacher Straße, auS statt. Vvtiiieiill'! IlMMIIMIII Größte..nswahL Billigste Preise. t, Mohrenstrade 37a (Kolonnadem II. Or, rrankturter Str. US (nahe Andreasstr.i AeiwahisenUungan safert Amt Zentrum 7890 soantae 12—2 Uhr eeittneL Sohlleder, Schäfte, Leisten. Rühl, Schöneberg. Bahnstraße 43.*