Wr. 48.-33. Jahrg. fibonnementS'BciünginigeB: fTbanntmentä• BrnS ctdirumeranbw Bierteijäbti 330 Mk. monatL UO Bü, vöchenÄlch 25 Vfg. kej m? Haui, einzeln« Nummer ö öonnrag»- innninin mir illustrier? er Sonntags Sellage.Die Neue Welt� lv Pog» Bbonnemeni! 1,10 Mar! vro Monat. Eingeiragen in die Boll. gettuna»- Breisliila Unter Kreuzband wt Deuilckland und Oeiterreich. Unqarn L30 Marl, lllr das übrige iluSIan» i Marl vro Monat Losiabonnementl nehmen an: Belgien. Dänemark, Oolland. Italien. Luxemburg. Portugal, luimcaien, Schweden und die Schweis VAeii: tZglllt. Verllnev Volksblatt. 2 Pfennig) v!e MerNonz-eebMi' teträzt für die sech-gespaltene Koloneb Heile oder deren Liaiun W P-z, jüi holltische und aewerkschaftllche ZZereine" und VersamulliingS-Anzeigen L0 Pfg „kleine Anreizen", dao feitgedruoklc Wort 20 Pfg,(zulässig L feitgedruckie Worte), zedeS weitere«jort 10 Pj«. Etellengefuche und Cchlasstellenan- zeigen daI erste Wort 10 Pjg,, icdez ,..—■ über lö Si k1 Uhr nachmittags in der Exxedition abgegeben werden. Die SiHeditim G tis 7 Uhr abends geöfftust, relegrarnm- Kdreffe: �«kiü!«eNSimi kcüiii". ZcntvaXorqun der rozialdemokratifchen parte» Deutfcblands. Reüaktion: EW. HS, Linüenstratze Z. Fernihrecher: Am« Moritzpla», Rr.»St Sv—»S»S7. Exposition: EW. HS, Linüenstraße z. ssrrniprecher: Amt Moritzplatz. Nr.»öl Sit— IS» S7. Lrxerum in Erzerum von Sen Russen genommen! L l> it d o u, 17. Februar. siW. T. B.� DaS Reuterfche Bureau meldet aus Petersburg vom IL. Februar: E r z r r u m ist eiugeuomme». f\m See Praxis öes Rohstoffbezuges. Von Otto Hue. L') Seiner Besprechung des„Buches der 16"(„Vorwärts" dorn 15. Dezember 1915, erste Beilage) hat der Genosse Dr. Gustav Eckstein noch zwei Leitartikel über dasselbe Thema folgen lassen(„Vorwärts" vom 1. und 2. Februar 1916). Er wendet sich zwar jetzt nieist polemisch gegen eine vom Genossen K a l i s k i in der„Chemnitzer Volksstimme"(18. Dezember 1915) veröffentlichte antikritische Betrachtung, kommt aber auch tviedcr auf das„Buch der 16", namentlich auf meine Ab- Handlung über die Bergwerks- und Hütten- i n d u st r i e in dem Sammelwerk(Arbeiterinteresien und Kriegsergebnis) zurück. Nun gehöre ich sicher nicht zu den empfindsamen Leuten, die die Ausübung des Kritiker- amtes mit dem„Totschlag" des Kritikers geahndet wissen möchten. Aber hier stehen, wie Eckstein zutreffend sagt,„die wichtigsten Interessen der Arbeiter" zur Debatte und da wird es mir wohl gestattet sein, auch die Ausführungen Ecksteins gegen mich kritisch zu untersuchen, ohne in den Verdacht zu geraten,„gekränkt" zu sein. Ich bin im Gegenteil gar nicht „gekränkt", sondern möchte nur verhüten, daß geradezu krasse polkswirischastliche und technisch-wirtschaftliche Irrtümer als einwandsfrcie Untersuchungscrgebnissc miter unseren Genossen Kurs gewinnen. Eckstein hat besonderen Anstoß an folgenden Satz in meiner Abhandlung genommen: „Selbstverständlich ist eine Industrie i«der Regel am günstigsten gestellt, die ihren Bedarf an Rohstoffen und halb« fertigen kann im reichlich st en Matze aus dem I n l a n d e decken...." �Hierzu schreibt Eckstein(„Vortvärts" vom 15. Dezember 1915), das sei„keineswegs(!)... selbstverständlich" und führt dann Lehrbeispiele aus dem Gebiete an, auf dem ich„zu Hause" sei. Vorher urteilt Eckstein über die fachmänni- scheu Mitarbeiter an dem„Buch der 16" schlechtweg: .... sie bewegen sich oft in sehr lustigen Höhen theore- tischer Äbstraklion, freilich meist ohne sich dessen be- wutzt g»werden; denn es sind nicht ibre eigenen oder von ihnen beruft durchdachten und geprüften Theorien, sondern Schlagworts der bürgerlichen Presse, bei deren Anwendung die meisten gar nicht mehr wissen, datzes sich hier eben nicht mehr um Tatsachen, sondern um Theorien handelt, und die sie daher(!) unbesehen als richtig hinnehmen." Somit wären wir armen Hascherl glücklich als bewußt- lose Nachplapperer� der bürgerlichen Presse stigmatisiert. Es macht dem guten Herzen des Genossen Dr. Eckstein alle Ehre, daß er immerhin schließlich bedauert,„eine Reihe ernster Männer" ein Gebiet �betreten zu sehen,..auf dem sie nicht zu Hause sind und wo ne JiaHer nicht ihre Stärke zeigen konnten, sondern nur ihre Schwäche". Liebenswürdig ist diese Kritik nicht; aber der Buch- besprecher hat auch nicht die Verpflichtung, liebenswürdig zu sein. Er soll ungeschminkt die Wahrheit sagen und— das Gebiet, welches er mit seiner Kritik betritt, kennen. Erfüllt Eckstein diese Erfordernisse? Hat seine Kritik zur Klärung und Belehrung beigetragen? Kin und her habe ich gesonnen, warum Eckstein die Nichtigkeit des eben zitierten Satzes„keineswegs" zugibt. Meine Aufgabe als Mitarbeiter au dem Sammelwerk war es, ohne Rücksicht auf Kriegsursache. Kriegslage und Kriegs- ziele gewissenhaft zu untersuchen, ob die von bestimmter Seite aufgestellte Behauptung, unsere Industrie bedürfe zu ihrer zu- kün'rigen Sicherstellung eine Aenderung der Reichsgrenzen. richtig sei. Meine Untersuchung der Existenzbedingungen der deutschen Bergwerks-, Hütten-, Eisen- und Stahlindustrie führten mich zu dem Ergebnis, daß wir mit guten Kohlen- und Eisenerzvorräten im Reichsinlande reichlich und weit besser versorgt seien als unsere europäischen Hauptkonkurrenten, und daß uns auch die Verwirklichung der phantastischsten Annexions- Pläne kein„Inland" schaffen können, aus welchem wir unseren *) Diese Artikel des Genossen Hue sowie die Erwiderung des Genossen Eckstein sind uns schon vor einiger Zeil zugegangen. mutzten aber aus Raumgründen zurückgestellt werden. Die Redatliou des.Vorwärts". den fanden MeAilg des sn>w SWWrklers. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 17. Februar 1916.(©.' T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Keiue Ereignisse vou besonderer Dedeutuug. Bei deu Aufräumuugsarbette» tu der neuen Stellung bei Obersept wurden uoch acht französische Mineuwerfer gefunden. Oestlicher Kriegsschauplatz. Auf dem nördlichen Teile der Front lebhafte Ar- tillerietätigkelt. Unsere Flieger griffe» Dünaburg und die Bahn- anlagen von Wilejka au. Balkau-Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Oberste Heeresleitung. »* * Der iislemIMe semMMerM. Wie», 17. Februar.(W.T.B.) Amtlich wird oerlautvart: Russischer Kriegsschauplatz. Nichtliche Fliegerangriffe gegen unsere Front a» der Strypa verliefe» ergebnislos.— Am Kvrmy»- Bach, südlich von Berestiantz, wurde« Angriffe rnsfischer Abteilunge« leicht ab« gewiese». Italienischer Kriegsschauplatz. DaS italienische Gcschützfeuer war gester« vornehmlich gegen Ortschaften im Cerclltal, im Rombon-Gcbiet und die Brückenköpfe vou Tolmein und Görz gerichtet. Ei» feindlicher Angriffsversuch gegen den Monte San Michele wurde abgewiesen. Bei Pola holten die Abwehrbattericu des äußere» Kriegs« Hafenviertels ein italienisches Flugzeug herab. Pilot und Be- obachter wurden gefauge» genommen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Der Stellvertreter des Chefs de» Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschalleutnant. Bedarf an solchen metallischen Roh- und Halbrohstossen(Kupfer, Mangan, Zinn usw.), die wir vom Auslande beziehen müssen, decken könnten. Warum nur greift Eckstein ausgerechnet den Satz an: eine Industrie stehe sich am besten, wenn sie ihre nötigen Rohstoffe und Halbrohstoffe ausreichend„im Anlande" besitze? Damit befindet sich Eckstein zu meinem Erstaunen in einer gewissen merkwürdigen Uebereinstimmung mir einer Gruppe von Groß- Unternehmern, die in allen möglichen Weltteilen nach Erzen usw. suchen lassen, obgleich wir im Anlande über sehr reiche metallische usw. Bodenschätze verfügen. Daß diese„Prospektors" zu den gefährlichsten imperialistischen Stimmungs- machern gehören, dürfte auch Eckstein bekannt sein. Konnte mich Eckstein vielleicht mißverstehen? Bielleicht hätte ich mich korrekter ausgedrückt, wenn ich schrieb: die Produkttonsbedingungen einer Industrie seien am günstigsten, wenn sie in der Lage sei. sich ihre Roh- und Halbrohstoffc in ausreichendem Maße zu erschwinglichen Selbst- kosten aus nicht zu entfernt gelegenen Ge- winnungsbezirken zu verschaffen. Dann hätte ich den Ausdruck„Inland" zwar vermieden. Eckstein hätte zwar nicht von den.Landcsgrenzen" sprechen können, aber das Ziel metner Untersuchung. nämlich die Rohstoffversorgung des deutschen Reichs- gebietes zu beleuchten, wurde nicht scharf herausgearbeitet. Wer wird auch so doktrinär verschroben sein, zu verlangen, wenn außerhalb unserer Landesgrenzen ein Rohstoff für uns rationeller gewonnen wurde, so müßten trotzalledem eventuell viel miuderwertigere inländische Bodenschätze bevorzugt werden. Das habe ich nicht verlangt, das tut auch das industrielle Unternehmertum nicht. Wenn ich aber zum Beispiel die montanindustriellen Wechselbeziehungen an der deutsch- französischen Grenze so betrachtet hätte, wie eS Eckstein nach seinen erstaunlichen Auslassungen tun würde, dann würde ich nicht zu dem Schluß gekommen sein, eine Aufrechterhaltung der durch den Frankfurter Frieden(1871) geschaffenen Landesgrenzen liege sowohl im Interesse der deutschen als auch der französischen Industrie. Gewiß bedeuten Landesgrenzen nicht immer oder gar sehr oft nicht zugleich auch natürliche wirtschaftsgeographische Grenzen. Aber eine gewisse Landkartenveränderung kann doch deu übriggebliebene:» Teil des amputierteu Staat»« der Küssen. gebietes Wirts chaftspolitich tätlich treffen. Tic Wahl des Wortes„Inland" hatte also auch einen bestimmten politischen Zweck, und daß gerade ein Sozialist diesen Zweck verkennt, ist erstaunlich. Tie zu behandelnden WIrtschastsfragcn sind so nmnnig faltig und umfassend, daß meine Darstellung nur sehr koipPreß gehalten werden konnte. Taraus konnte leicht die Möglichkeit von Mißverständnissen euistehen und ich mußte auf fach- männische Einwendungen gefaßt sein. Daß aber ausgerechnet jener Satz, der noch dazu sehr vorsichtig(„in der Regel..") formuliert und weiterhin erläutert worden ist, als„keines- Wegs selbstverständlich" angefochten würde, darauf war ich in der Tat nicht gefaßt. Keilte Regel ohne Ausnahme— daran dachte ich auch, als ich über die Rohstoffbedarfdeckung der Montanindustrie schrieb. Dabei handelt es sich bei den Ausnahmen nur um relativ unbeträchtliche Unternehmungen. deren Existenzbedingungen ich aber wegen der Knappheit des mir zur Verfügung stehenden Raumes nicht erörtern konnte, daher formulierte ich meinen Vordersatz etwas einschränkend. Eine solche Ausnahme vou der Regel ist, trenn man will. z. B. das K r a f t w e r k b e i S t e t t i n. Es ist basiert aus schwedischen Erzbezug und(wenigsteus in den ersten Jahren völlig) auf englische Kohlenlieferungen, deckt also seine wichtigsten Rohstoffe nicht im Anlande, erzielt aber doch hohe Ueberschüssc. Da wäre ein Beweisstück für Eckstein: er hat es sich entgehen lassen zugunsten von Lehrbeispiclci!, mit denen er sich selbst widerlegt. DaL Kraftwerk hat jedoch so außerordentlich günstige Bc- zugsbedingungen für seine Rohstoffe(billige eigene Erzgruben in Schtveden, Wasserfrachten) und so vortreffliche ProduttionS- und Absatzbedingungen, wie sie in dieser Totalität kaum wieder in" Deutschland vorkommen. Für die Gesa m t- i n d u st r i e liegen die Verhältnisse total anders und diese hatte ich zu bettachten. Immerhin dachte ich an jene Aus- nähme. Ueberdies habe ich meinen von Eckstein angefochtenen Vordersatz nach wirtschastsgcographischen und techmsch-wirt- schaftlichen Gesichtspunkten hin erläutert. Eckstein hätte seinen Lesern auch meine folgenden Erläuternnaen mitteilen müssen. wenn er dem Autor gerecht werden wollte: .Entscheidend für den Wert der Erze ist natürlich ihr Metallgehalt. Wenn aber die Erze nahe g e n ü g e n de n Kokskohlen vorkommen und namentlich wenn� die Gewinnungskosten relativ gering sind, dann können auch geringhaltige Erze profitabel verhüttet werden. Fe metall« reicher die Erze sind, um so höhere Transportkosten ver- tragen sie. Infolgedessen werden nun die reichhaltigsten schwe- dischen, spanischen, südruistschen und indischen Erze trotz des sehr weilen Transportweges den großen Lerhütiungsgebicten in Deutschland, Belgien, Großbritannien, sogar in Nordamerika tioch mit Nutzen zugeführt, während man die geringwertigeren bis zu 25 Proz. Eisengehalt herab noch gut nutzbaren Erze, wenn eben möglich, am GewinnungSort verhüttet werden." Weiter legte ich dar, daß nicht schlechtweg Kohlen, sondern KokS kohlen für die Vcrhüttungsindustric nötig sind, und daß ferner durch moderne Anreicherungs- oder Brikettierungsper- fahren sonst minderwertige Erze brauchbar, auch durch das wahrscheinlich noch sehr cnttvicklungSfähige elekttolyttsche Verfahren geringhaltige Erze nutzbar werden können. Also er- läuterte ich, aber Eckstein hat vielleicht geglaubt, solche„be- wußtlosen Theorien" seinen Lesern nicht vorsetzen zu sollen. Auch bei diesen Erläuterungen hatte ich Lchrbcsspiele vor Augen, z. B. die I l s e d c r(?)° Hütte. Sie liegt relativ weitab von den Kokskohlenbezirken und verhüttet Erz von im Mittel nur 89 Prozent Eisengehalt. Aber sie liegt unmittelbar bei einem großen Erz- vorkommen, das in Tagesbauten ausnehmend billig ausgebeutet wird; und dann enthalten die Ilsede:- crze eine ausgezeichnete Mischung von Phosphor-, Mangan- und Kalkgehalt, die nicht nur eine selten billige und gute Verhüttung ermöglichen, sondern nach eine hohe Extra- einnähme für abfallende Nebenprodukte(ThomasphoZpha! mehl) einbringen. Dadurch lverden die relativ hohen Köhler- und Kokspreise und die Transportkosten der Brennstoffe reichlich wettgemacht. Hier haben wir also das Beispiel eines bedeutenden binnenländischen Hüttenwerks, das viel höhere Brennstoffkosten als die westfälische und schlesische Konkurrenz hat, aber dafür reichlich entschädigt wird durch ein in Deutsch- land wohl beispiellos günstiges Erzvorkommen im engsten „Anlande". Wenn aber die Jlsedercrze cr> schöpft sind, sind auch die günstigen Existenz. bedingungen der Jlsederhürte dahin, so wie sich die Verhältnisse der älteren oberschlesischcn und West- fälischen Hütten(Hörde-Phönix) zum Schlechten wandten, als der an Ort und Stelle gewonnene billige Eisenstein meist oder ganz abgebaut war. Ecksteins Ausführungen(„Vorwärts" von» 1. 2. 16) über die infolge derKriegsereignisfe eingetretene Erschwerung der Nohstoffbedarssdeckung z. L. Frankreichs(Erze und Kohlen) sind erst recht abwegig. Meine Uniersuchungen, der Ausgangs� Punkt der Ecksteinschen Kritik, beziehen sich auf die montan- industrielle Wirtschaft vor dem Kriege, und ich muß schon bitten, das Streitobjekt nicht zu verschieben. Folgt man indessen den neuen Einwendungen Ecksteins, so stellt es sich heraus, daß er sich auf die„Landesgrenzen" versteift, um dann mit eincnl erstaunlichen Schwung die„Landesgrenzen" mit den gegenwärtigen Schützengräbenlinien gleichzustellen. Sodann ruft er siegreich aus:„Was nutzen jetzt Frankreich seine nördlichen reicken Kohlenlager und seine ebendort plazierte Textilindustrie?" Ja, sie nutzen ihm gegen- lv artig nichts, weil diese Gebiete von dem französischen Jnlande abgeschnitten sind! Nunmehr ist Frankreich auf außerordentliche, teuere Kohlen-, Eisen- und Textilwarenzufuhr aus dem Auslande lEngland) angewiesen. Das eben belastet Frankreich ungeheuer— und die in der Tat luftleere Theorie Ecksteins: ob ein Roh- oder Halbstoff„im eigenen Lande oder im Auslande gewonnen wird, ist ökonomisch gleichgültig!" erscheint in ihrer vollen abgrundtiefen Weisheit. Diesen Ecksteinschen Lapidarsatz werde ich noch eigens beleuchten; jetzt Will ich nur noch ein klassisches Schulbeispiel sür die Ecksteinsche ökonomische Wissenschaft an- führen. Italien*) hat nur eine eigene Kohlenförderung von rund 700 000 Tonnen jährlich; es muß etwa 10 Millionen Tonnen(meist britische) iniportiercn. Seine jährliche� Eisen- crzförderung bcläuft sich auf nur rund 600 000(meist albanische) Tonnen; es führte für seine relativ ausgebreitete Hoch- ofen-, Hütten-, Eisen- und Stahlindustrie wenig Erze, meist Altmaterial, Roheisen und Halbzeug ein. Hier hätten wir mithin eine nationale Industrie, die sich in der Hauptsache nur durch den Import von Roh- und Halbstoffen hinauf- gearbeitet hat. Das wäre schon'mal ein Schulbeispiel für Eckstein. Indessen, was sehen wir jetzt? England liefert nur noch einen Teil seines früheren Kohlenexports an Italien, dazu zu Phantasiepreisen; der Import von Roheisen, Halb- zeug und Altmaterial aus Deutschland ist ganz, der aus Großbritannien größtenteils fortgefallen; Frankreich kann gar nicht aushelfen. Nun stellt sich auch für den Laien heraus, was Italiens Eisen- und Stahl- Industrie fehlt: ausreichende inländische Rohstoffquellen! Und zwar ist dieser Mangel so dringend geworden, daß der Ministerpräsident Salandra dieser Tage in Genna unzweideutig die voraussichtliche völlige Erschöpfung Italiens ankündigte, wenn die Zufuhr von Rohstoffen sich nicht bessere. Was hilft es nun Italien, daß in den aus- l ä n d i s ch e n Territorien Kohle und Erze in Ueberfluß vor- handen sind V Es braucht einmal ein Krieg zu sein, schon ein Ausfuhrverbot oder-einschränkung, schon eine exorbitante Preisstellung der für Italiens Eisen- und Stahlindustrie schlechtweg unentbehrlichen ausländischen Roh- und Halbstoffe würde die heimischen Selbstkosten so steigern, daß die Ver- arbeitungsindustrie einfach nicht mehr lebensfähig wäre._(z) vertnöigungsmaßnahmen üer Alliierten bei Saloniki. Athen, 16. Februar.(T. U.) Die Zeilung„Embros" meldet: Die englisch- französiscke Flone, aus 15 großen Einbeiten bestehend, ist bei B-ckzinar veranlert, die Geschüvrohre gegen Topsin gerichtet. Weiler draußen anlern die Torpedozerstörer sowie Torpedoboote und ganz draußen die Hospitalschiffe. Unweit des kleinen Karaburun häll ein aller französischer Kreuzer, der mit seinen Abwehrkanonen gegen Flugzeuge den französischen Flugplatz des kleinen Karaburun beschützt. Bom Kap des großen Karaburun bis zum jenseitigen Ufer der AxioSmündung in einer Länge von ungefähr 6 Kilometer dehnen sich lange Reihen von Drahtgeflechten, deren Enden von den darauffolgende» immer 400 Meter entfernt sind, während die dritte � Nebenbei: Kürzlich wurde aus Italien(über die Schweiz) gemeldet, infolge des Kohlcnmangels bezw. der ungeheuerlichen Kohlenpreite hätten die... Schwefelgruben den Betrieb eingestellt, ..etwa 100 000 Arbeiter feierten". In der ganzen italienischen Schwefelgrubenindustrie sind noch keine 18 000 Arbeiter und Arbeite- rinnen beschäftigt(1012: 17 226), im Hauptdistrikt Caltanisetta nur 7848. Rechnen wir die nächstverwandte chemische Industrie hinzu: hier betrug 1912 die Zahl der beschäftigten Arbeiter 11708. Wo sollen die„etwa 100 000 feiernden Arbeiter" herkommen?_ Ms öem Winterkrieg im Zelfengebirge. Die Erstürmung des Bjelos. Von Hugo Schulz- Wien. 3. Februar 1016. Gleichzeitig mit den Kämpfen um den Lowcen drang von der Krivo-cie aus die hauptsächlich aus Landsturmtruppen bestehende Brigade Z. in das Hochland von Grähovo ein. Ten Weg dahin er- schloß sie sich durch Erstürmung des Bjelos-Rückens. Das spricht sich ganz leicht aus, aber die Physische und moralische Leistung, die da von unseren alten Landstürmern vollbracht werden mutzte, grenzt an das Uebermenschliche; in früheren Epochen der Kriegs- geschichte hätte man kaum gewagt, sie den erlesensten Gardetruppen zuzumuten. Was das heißt, Mitte Januar Bjelos zu erstürmen, darüber mag folgende Darstellung Aufschluß geben, die einen Aus- zug aus den im Auftrag seines Kommandos verfaßten Aufzeich- nungeu des Wiener Reserveoberleutnants E.. bildet. Ter Bjelos, mit der größten Erhebung. 1167 Meter, um 540 Meter niedriger als der Lowcen, ist der höchste Teil jenes von Nord nach«üd reichenden Höhenkammes, der das Dragalj-Becken östlich abschließt und die auf montenegrinischem Gebiet liegende Grahovo- Ebene im Süden umfaßt und beherrscht. Mit der Einnahme dieser Höhen ist auch zugleich die Beherrschung der durch die Grahovo- Ebene führenden, für den Nachschub so überaus wichtigen Straße nach Niksic verbürgt. Diese Höhen galt es zu besetzen, die Ausmerk- samkeit des Gegners auf sich zu ziehen und möglichst viel« feind- iiche Kräfte zu binden. Zur Lösung dieser Aufgabe war vom Korps T. die aus deuffchen, ungarischen und tschechischen Batailloile» gebildete Brigade des Obersten v. Z. ausersehen. Aus dem Flachland stammend, mit dem Bergsteigen nicht vertraut. wurde die Brigade aus der frühlingswarmen, sonnigen Boche in Fußmärschen nach dem 1000 Meter hohen rauhen, winterkaltcn Erkvice gesendet und von dort am Abeird vor dem Angriff verdeckt, vom Feinde ungesehen in jene Räume gebracht, von wo aus der Angriff erfolgen sollte. Bei einbrechender Dunkelheit wurde der Vormarsch angetreten. Aller am Vorwärtskommen in diesem un- wegsamen Gelände hindernde Ballast wurde zurückgelassen, nur Gewehr, reichliche Munition, Reserveverpslegung, Zeltblatt und Wolldecke imtgenmnmen. Dann ging es schweigend hinaus in die sternenklare Nacht. Schlag Mitternacht begann der Aufzug der zum Angriff bestimmten drei Bataillone. Es galt, die gegnerischen Wachtposten zu überrumpeln und so den Westrand des BjeloS- olateaus zu gewinnen. Das Schuhwerk mit Fetzen umwunden, die Rüstung festgebunden, um jedes verräterische Geräusch zu ver- meiden, klommen die Truppen mit fieberhafter Spannung in breiter ichütterer Front lautlos die zerklüfteten Hänge hinan. Es ist die schwierigste Karstbildung, die unsere wackexen Landjtürmer hier zu ] Reihe ziemlich nahe an die mittlere heranreicht. Hinter einer kleinen ! Bucht, welche durch das Vorspringen des großen Karaburun-Kaps i gebildet wird, hält ein gepanzerier Kreuzer der Alliierten ständig j Wache. Der zur Durchfahrt frei gelassene Raum in den Draht- linien beträgt 100 Meier. Zwischen den mittleren, leeren Räumen der drei Linien bewegen sich ständig mit Schnellfeuergeschützen aus- gerüstete Schlepper. Vom Axios bis zum Aliakmos wachen ein eng- lischer und ein französischer Torpedozerstörer. Südlicher, gegen Aekaterine zu, hält gleichfalls ein äußerst schneller Torpedozerstörer Wache. Von Karaburun bis Zagest erstreckt sich in drei bis vier Kilometer Abständen eine Ketle von bewaffneten Schleppschiffen. Alle diese Maßnahmen vermochten ein deutsches Unterseeboot an der Versenkung des feindlichen TranSportdampfers zwischen Aekaterine und Karaburun nicht zu verhindern. französische Lastautomobtte für üie griechische Heeresleitung. Paris, 16. Februar. Pfd. 75 Pf. Prirsich-Mer nelade.... 4= Pfd. 75Pf. Aprikosen-Marmelade.. Pfd. 75 Pf. Rhein. Apfeikraut-Marm. 5 c Pfd. 60Pf. Pflaumen-Marmelade... � 6 Pfd. 55 Pf. Thüringer Pflaumenmus... Pfd. 60PL Sowett Vorrat yjr Lebensmittel Soweit Vorrat Fische Grüne Heringe Pfund 23 Pf. 5 Pfund 1.30 Morweg. KabÜau Ä" � 55 60 Pf. Norweg. Seelachs ÄS™ 55 60 Pt Ostsee- Dorsche.... Pfund 45 50 Pf Getrocknete Klippfische. Pfund 65 Pf- Salzfische....... Plund 40 45 53 Pf. Lebende Schleie........ Pfund 1,45 Lebende starke Aale.... Pfund 2.4' £ f Leb. n. gekochte Hummern Pfd. 5.20 Leb. Heidelberger Forellen Pfd. 3 M. |[ FrischeLachs-ForellenL«xai.Hich«a2.50 Obst und Gemüse Verkauf hettaQ Mandarinen........... Pfund 48 Pf. Blut-Apfelsinen... Dutzend 90 Pf. 1.20 Apfelsinen.... Dutzend 65 89 Pf. 1.10 Bos'.op-A- pfel...... Pfund 30 38 Pf. Belle-Fleur-Aepfel...... Pfund 2 3 Pt Koch-Birnen........... Pfund 25 Pt Kranz-Feigen.......... Pfund 65 PF. Delikateß-Feigen...... Pfund 1.30 Rotkohl Holländer........ Pfund 20 Pf. WirsinT-Kohl Holländer... Pfund 15 Pf. Weißkohl Dänischer...... Pfund 11 Pf. Kohlrüben Holländer(gelbe). Pfund 5 Pf. Grünkohl Holländer...... Pfund 13 Pf. Märkische Rübeben..... Pfund 22 Pf. Schwarzwurzeln....... Pfund 15 Pf. Große Dauer-Maronen... Pfund 32 Pf. Zwiebeln Holländer..... Pfund 20 Pf. Räucherwaren Geräucherte Sprotten. V, Pfund 43 Pf. Kisten von ca. 30 Pfund..... Pfund 80 Pf. Kieler Sprottbücklinge V, Pfund 40 Pf. Kisten mit ca. 4 Pfund......... 2.80 Makrelbücklinge....... Stück 40 Pf. Kieler Bücklinge...... 2 Stück 25 Pf, Stra.sunder Bratheringe 4-Lir.-Dose 5 M. Heringe mOelee,4-Ur,-Dos« 5.50 i), PId. 50 Pf. Rollmopse......... 4-LIter Dose 5.50 Nordsee-Muscheln w aeie«,* ptund 40 Pf. Bismarckheringe.... 4-Uter-Dose 5.50 Thüringer Sauerkohl.... ptund 15 Pf. Mixed Picklcs........ ptund 65 Pt Salzgurken.......... 5 Stück 70 Pf. Hummer- Krabben... s Pfund 65 Pf. Prima geräucherter Lachs>/< Pfund 1.10 Oder-Aale geräuchert... Pkd 2.80 4 M. Sardellen......... Pfund 90 Pf 1.80 Kaviar-Ersatz lekcht gefärbt, V« Pkd 1.25 Prima Kaviar......... Pfund 24 M. Sonnabend Geflügel Mastputen......... Pfund 2.10 2.30 Suppenhühner......... Pfund 2.10 Brathühner........... Pfund 2 30 Große Perlhühner... Stück 5 AI 5.50 Pommersche Land-Eier.. Stück 18 Pf. Edamer Käse In ganzen und halben Kugeln Pfund 1.65 Im Ausschnitt 1.80 W-rkan) Sonnabend t Große Schneehühner st 2.60 Hühner gefroren..... Pfund 1.50 (& NU b. S. Moselwein � m Obermoseler.......... 72 70 Pf. 1911 Wintringer,....... 92 90 Pt 191 1 Langsur er....... 1.05 1 At 1912 Graacher........ 1.05 1 M. 1911 Enkircher........ 1.35 1.30 1911 Oldegund.Bienengart.1.60 1.55 1911 ZeltingerSchloßberg 1.90 1.85 Rheinwein 1912 Edenkobener..... 72 70 Pf. 1912 Diedesfelder..... 82 80 Pf. 1912 Maikammerer.... 90 85 Pf. 1912 Gaub ckelheier.... 1.C5 1 M. 1912 Niersteiner...... 1.15 1.10 1911 Hahnheimer...... 1.45 1.40 1909 Erbach.Steinmorgen 1.80 1.75 1911 Oppenh. Goldberg 2.10 2.05 Rotwein 1913 Chät Calmette____ 1.25 1.20 1911 Sardin Ruch..... 1.35 130 1909 Domäne de la Talle 130 145 1911 Mouüs M6doc____ 1.55 130 1911 CrÜ la Fontanelle. 1.85 1.�0 1911 Beychevelle....... 2.1 0 2.05 1907 Chat. Lahontan.... 2.70 2.60 (Aühwein Vtn. mor. Tarragona............ 1-60 135 Feiner alter Tarragona,. 1.80 1.75 Sherry I.............. 2 Ast 1.95 Vinho do Portugal..... 2.40 2.35 Vinhö Superiore Portugal 230 2.45 Feiner alter Douro Portwein 3 M. 2.90 Vermouth Cinzano...... 2.40 2.35 Obstschaumwen Olympia Silber......... 135 130 Olympia Gold......... 1.80 1.75 Deutsches Porter Bier.... 50 Pf 48 Pf. Vttantw. Redakt.: Alfred Vielevv. Neukölln. Jnsezatenteil verantw. Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.ü.VerlagSanitah Paul Singer u. To., Berlin S W. Hierzu 2 Beilagen n. UnterhaUuugSdl. »<»-- � Ltllagr to„Pamätla" jiftliiift llollisliliitl.— Die Ernährungsfrsge im Lanötage. s. Sitzung Donnerstag, den 17. Februar, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. Schorlemer. Die zweite Lesung des Etats wird mit der Besprechung der Fragen der Bolksernährung fortgesetzt. Abg. Hoff(Fortschr. Vp.) begrüßt die Erklärung des Präsidenten der ReickSgetreidestelle, daß die Brotpreise während des ganzen Krieges nicht erhöht werden »ollen.— Der Abg. Roesicke hat dem Abg. Hofer agitatorische Verhetzung vorgelvorfen. Wir stimmen mit der Tendenz der Rede des Abg. Hofer nichr überein. aber wir sind jedenfalls das Gefühl nichl losgeworden, daß die Rede des Abg. Dr. Roesicke von agi- talorischen Tendenzen nicht frei ivar. sSehr richtig!) links.) Unverständlich ist mir, wie Abg. Dr. Roesicke dagegen sein kann, daß das Brotgetreide der kommenden Ernte lvirksamer als bisher gegen Verfüllerung gesichert wird. DaS beantragen nicht nur wir, das hat auch Graf Schwerin-Lölvitz kürzlich energisch gefordert. Die Be- daupiung des Abg. Roesicke, daß die Landwirtschaft zurzeit Not leide, wird von vielen Landwirten für geradezu lächerlich erklärt. Redner polemisiert des weiteren gegen einzelne Aeußerungen deS Abg. Roesicke. Den Vorwurf, wir seien Feinde oder Gegner der Land- Wirtschaft, weisen wir auf das entschiedenste zurück.(Bravo! IinkS.) Abg. Johaussen(fk.): Der Kennzeichnung der Tendenz der Rede deS Abg. Hofer durch den Abg. Roesicke habe ich nichts hinzuzufügen.— Der Abg. Hoff bat früher immer für die Viehzucht der kleinen Landwirte gekämpft. Da ist es mir unbegreiflich, wie er sich jetzt gegen V i c h z ö l l e wenden kann. Der erhöhte Haferpreis sollte rückwirkende Kraft für die schon erfolgten Lieferungen erhallen. Landtvirtschaftsminister v. Schorlemer: ES ist meine feste Ueberzeugung, daß wir einen so langen Krieg wie den gegeuivärtigen ohne die Vorzüge unserer bisherigen Wirt- schaftspolitik nicht hätten durchhalten können.(Sehr richtig I rechts.) Auw ich betone, wie die meisten der Vorredner, daß unsere Vorräte in jeder Beziehung ausreichen, auch wenn der Krieg wider Erwarten noch längere Jahre andauern sollte. Allerdings muffen wir sparsam wirtschaften. Man hat die vielen Verordnungen der Regierung, z. B. in der Äartoffelsrage, bemängelt. Man muß eben berücksichtigen, daß dieser Weltkrieg uns immer neue Probleme zu lösen aufgibt.— Die Kartoffelnot in einzelnen Städten ist nicht wunderbar, wenn man die Kartoffeln dem Klein» Handel übergibt und dann nichl zugleich dafür sorgt, daß sie gleich- mäßig verteilt werden. In den westlichen Städten sind auch vielfach die aus dem Osten gelieferten Kartoffeln an Schweine verfüttert worden.(Hört! hört! rechts.) Eine Erhöhung der Kartoffelpreise nach dein 15. März erschien notivendig, weil auch sonst die Kartoffel- preise um diese Zeit steigen. Eine generelle Beschlagnahme der Kartoffeln ist undurchführbar, sie würde die Erhaltung unserer Viehbestände in Frage stellen.(Sehr richtig! rechts.) Es kommt eben bei allen Produkten nicht nur darauf an, sie mög- lichst gleichmäßig den Verbrauchern zuzuführen, sondern auch darauf, die Produktion zu sichern und zu steigern, und daS ist unter Umständen nur durch Erhöhung der Höchstpreise möglich. Eine Nach- z a h l n n g der erhöhten Haferpreise an die Landwirte, die schon zu billigeren Preisen geliefert haben, kann die Regierung nicht zu- gestehen. Abgesehen von der Kostenfrage, war auch der frühere Haferpreis durchaus kein niedriger. Die Erhöhung des Preises für besonders schnell gelieferten Hafer war durch besondere Bedürfnisse der Heeresverwaltung geboten.— Die Butterknappheit wird jeden- falls noch anhalten, dabei wird die Einführung einer Butterkarte für einzelne Großstädte und Jndustrieorte notwendig werden.— Was die Borwürfe an die Landwirte wegen Zurückhaltung ihrer Vorräte anlangt, so mögen solche einzelnen Fälle namentlich bei kleinen Landwirtur vorgekommen sein, um ihre Viehbestände zu sichern, im allgemeinen kann aber ein solcher Vorwurf nicht erhoben werden.(Bravo! rechts.) Abg. Braun(Soz.): Wer Fragen der Volksernährung und der Preisgestaltung auf dem Lebensmittelmarkt anders beurteilt als die Verfechter der agrarischen Jnteressenpolitik. dem werden die Agrarier stets den Vorwurf ent« gegenschleudern, er verstehe von landwirtschaftlichen Dingen nichts. So bat man auch meinem Freunde Hoser, der selbst praktischer Landwirt ist, das Verständnis für die Landwirtschaft abgesprochen. Das ist ja ein sehr billiges Rezept, aber beweiskräftig ist e» in diesem Falle wirklich nicht.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kralen.) Dann hat Dr. Roesicke bedauert, daß die Geschlossen- heit, die draußen an der Front zu so erfreulichen Erfolgen geführt hat. auf dem wirtschaftlichen Kriegsschauplay nicht mehr so vorhanden sei. Ja, woran liegt daS? Da draußen gibt es keine Ilebervorteilung des einen auf Kosten deS andern, deshalb sehen wir in der Tal dort eine geschlossene Front. Auf dem wirtschaftlichen Kriegsschauplatz wird diese aber in steigendem Maße immer weniger geschlossen, je nachdrücklicher einzelne Berufsgruppen ihre eigeiicn niateriellen Interessen der Allgemeinheit voranstellen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Auf mich wirkt es geradezu abstoßend, wenn man angesichts der unzähligen Blutopfer, die draußen an der Front gebracht werden, hören muß, wie im Inland von Produzenten und Händlerkreisen auch über»Opfer" geklagt wird, wie das kürzlich in einer Generalversammlung des Verbandes Deutscher Kar« toffelinleresienten durch den Vorsitzenden geschehen ist. Ich protestiere dagegen, daß die opfervolle Hingabe unserer Truppen draußen auf eine � Stufe gestellt wird mit der Be- tätigung dieser Kartoffelgroßhändler, die im vorigen Jahre in der schlimmsten Weise durch spekulative Zurückhaltung der Kartoffeln daS Volk ausgehungert haben.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial- demokraien.) Ein solcher Vergleich wirkt wie eine Blasphemie gegen- über unseren Truppen.(Sehr richtig!) Es wäre auch sehr gut, wenn die Herren Agrarier sowohl im Parlament wie auch in ihren stillen Aukrusen etwas weniger von den.Opfern' der Landwirtschaft sprächen. Heißt es dock in einem Aufruf de» Bundes der Land- wirle vom 28. Oktober ISld. daß die Landwirtschaft da», was sie geleistet hat nur unter Anspannung all ihrer Kräfte und.unter den schwersten Opfern' hätte vollbringen können! Da ist doch ein Piarrer der Wahrheit viel näher gekommen, der kürzlich in seinem Gemeindeblan an die im Felde weilenden Gemeindemitglieder schrieb: .Um uns daheim macht uns keine Sorgen. Es ist zwar manches teurer geworden, aber wir haben doch alles Nötige immer gehabt. und beim Verkaui der Früchte und des VrehS werden solche Preise gezahlt, daß der Landwirt mitten im Kriege große Einnahmen hat! (Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Also es sollte mit dem Maulopfcrtum etwas mehr Zurückhaltung geübt werden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokralen.) Dies Maulopfertum muß auf große Kreise des Volke« erbitternd wirken, die doch selbst klar sehen, wie die Dinge liegen, die wissen, daß die Geldeinlagen in den länd- lichen Sparkassen steigen und daß die Preise für die ländlichen Produkte eine ganz unerschwingliche Höhe erreicht haben. Da bedarf eS keiner agitatorische» Reden, dt« Tatsache« selbst wirken hundertfach bester als wir eS durch olle Reden können. ES ist auch! gar nicht verwunderlich, daß die Erhöhung der Preise oller anderen Bedarfsartikel schließlich auch den Landwirten in die Schuhe ge- schoben wird. Da« Volk hat doch gesehen, daß zuerst die Lebens- mittel teurer wurden, und zwar gleich in den ersten Tagen nach! Ausbruch des Krieges, als von einer Erhöbung der Produktions- kosten noch keine Rede sein konnte. Herr Roesicke meinte, man könne den Landwirten nichi vorwerfen, daß sie die Teuerung absichtlich verschuldet hätten. Im allgemeinen kann man einen solchen Vorwurf auch sicher nicht erheben, und ich gebe auch zu. daß gerade der Bund der Landwirte bald nach Ausbruch des Krieges systematische Maßregeln gegenüber der verderblichen Preis- gestaltung auf dem Lebensmittelmarlt gesorderl hat. Aber was zwingt denn jetzt die Landwirte, sich zu Nutznießern dieser imhalt- baren Verbätlnisse aus dem Lcbcnsmitletmarkl zu machen? Tatsache ist auch, daß viele Landwirte de» Maßnahmen, die eine Gesundung der Verhältnisse herbeiführen sollen, mindestens eine»ehr starke passive R e s i st e n z entgegensetzen(Sehr wahr! bei den Soz,). daß sie auch nicht davor zurückschrecken, die Lebensmittelknappheit und die Kriegskonjunktur zu ihrem persönlichen Vorteil auszunützen. Zuerst hat man die Formel geprägt, man könne die LebenSinttlel am lvirksamsten durch hohe Preise strecken. Infolge der entstehenden Erbitterung ist man nun zu einem neuen Prinzip gekommen; man brauche die hohen Preise, um einen Anreiz für die Erhöhung der Produktion zu schaffen. In der Wirkung auf die Konsumenten kommt daS auf dasselbe heraus, UebrigenS hören wir doch sonst immer, daß die deutsche Landwirtschaft ihren Stolz darin setzt, in diesen schweren Zeiten das deutsche Volk mit den notwendigen Lebensmitteln zu versorgen. Wozu bedarf sie dann aber noch des besonderen Anreizes von Kriegsgewinnen zur Erhöhung der Produktion?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten). Da bewahr- heitet sich wieder da» hausbackene Wort: Pom Profit raucht der Schvrnstcin, nicht vom Stolz und Ehrgeiz! Auch als Begründung der Erhöhung der Z u ck e r p r e i s e bat man die Notwendigkeit an- gefüqrt, die AnbanflStde für Zuckerrüden zu vergrößern. Gerade bei der Erhöhung der Zuckerpreife zeigten sich deutlich die Verhängnis- vollen Folgen der unzulänglichen Höchstpreispolitik seit Beginn des Krieges. Durch die Systeinlosigkeit sind wir zu diesen unhaltbaren Zuständen gekommen.(Sehr wahr! bei den Soz.) Hier muß systematisch vorgegangen werden. DaS hat die Regierung auch schon iin vorigen Jahre erkannt. Staatssekretär Delbrück hat im August 1915 ausdrücklich erklärt, daß die Reichsregierung keinen anderen Ausweg sähe, um aus dein Wirrwarr auf dem LebenSmittelmarkt herauszubekommen, als systematische Festsetzung von Höchstvreiscn für alle LebenSmirtel. Weshalb die später gekommenen Verord- nungen dies Versprechen nicht erfüllt haben, ist bisber im Dunkeln geblieben. ES müssen sich hier also stärkere Widerstände geltend gemacht haben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Nur dadurch, daß man die Erfahrung, die man in Friedenszeiten mit der Spannung zwischen den Lebensmittelpreisen gemacht hat. benutzt, uin systeinatisch alle Lebensmittel in die Höchstprcispolitil einzubegreifen, ist es möglich, Ordnung in den jetzt so ungeordneten LebenSmittelmarkt hineinzubringen,(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraien.) Dort, wo in der Preispolitik einigermaßen System gelegen hat, wie beim Brotgetreide, sind die Preise wenigstens erträglich.(Zuruf rechts.) Die Agrarier haben allerdings, als wir im vorigen Jahre bei der neuen Ernte vor der Preis- sestsctzung standen, auch hier nach Preiserhöhung gerufen und nur dem energischen Widerstande der Konsumentcnlreiie ist es ge- langen, eine Erhöhung abzuwenden.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Die Erhöhung der Hafer« und Gerstepreise muß aber bei längerer Dauer dieses Krieges dahin führen, daß der Anreiz zum Bau von Brotgetreide zurückgeht, denn wenn der Landwirt das Doppelte für Gerste und Hafer bekommt, so wird er nichl Weizen und Rogaen bauen, zumal er bei Sommergetreide. Gerste und Hafer das geringere Risiko hat. Die hohen Preise sür Gerste und Hafer können doch wahrlich durch die Produktionskosten nicht gerecht- fertigt werden. Der Minister hat ja selbst den alten Preis von 390 M. für ausreichend erklärt. Nur um eine schnelle Lieferung iür das Heer herbeizuführen, soll jetzt der Preis auf SSO M. erhöht werden.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wenn man die schnelle Lieferung für das Heer von den Landwirten nur dadurch erreichen kann, daß man die Preise wesentlich erhöht, so wirft das auf daS patriotische Empfinden der betreffenden Landwirte nicht gerade ein günstiges Licht.(Sehr gut! bei den Sozial- demokraten.) Daß nicht immer die Erhöhung der Produktionskosten für die Preisgestaltung ausschlaggebend ist, haben die Preistreibereien ain Gerstenmarkt im vorigen Jahre gezeigt. Da hat der Wochen- bericht der Preisberichtsstelle des Deutschen Landwirtschafts- rates den Landwirten ausdrücklich angeraten, nur ja nicht zu schnell die ganze Gerste auf den Markt zu bringen, sondern eine Hälfte vorläufig zurückzubehalten und die weitere Entwicklung abzuwarten. Und die»Deutsche Tageszeitung' riet noch außerdem de» Landwirten, auf jeden Fall die Gerste nur zu dem für ausländische Gerste zu zahlenden Preise, also für 700 M. pro Tonne zu verkaufen.(Hört I hört I bei den Sozial« demokraien.) Wie sagte doch gestern Herr Roesicke?»Die Land- wirre sind nun einmal so ideal veranlagt'.(Heiterkeit bei den Sozialddmokraten. Abg. Adolf Hoffmann: Klingendes Ideal I> Hier ist diese Veranlagung offenbar in besonders konzentrierter Form in die Erscheinung getreten.(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokralen.) Sehr interessant wird diese Art Idealismus auch durch ein Inserat auS der Festschrist des Bundes der Land- wirte zu eine: Tagung in Kiel beleuchtet. Da heißt eS:»Einigkeit macht stark!' Mtlchproduzentenveretn Kiel und Umgegend. 1911 betrug der Milchpreis 13— 1b Pf., 1915 ist der MilchhöchstpreiS 20 Pf. pro Liter! Einigkeit macht stark!'(Hört! hört I bei den Sozialdemo- kraten. Zuruf: Sehr patriotisch!> Gewiß, den Geldbeutel dieser Milchproduzenten macht diese Einigkeit stark, ebenso stark steigt aber auch vre Sterblichkeit der Säuglinge, denen durch der- artige PreiStreibereren die Milch vom Munde weggerissen wird. Wenn sich da in weiten VolkSkreisen ein« große Erbitterung breit macht, ist daS wohl verständlich. DaS ist nichl nur in den uns nahestehenden VolkSkreisen der Fall, wie ein Feldpostbrief beweist, der einem ZenlrumSblatt zugegangen ist. Hier schreibt ein gurchrisllicher Mann: Ich kann dock nicht glauben, daß Habgier und Berechnung auch in dieser schweren Zeit aus der Not des Volkes Kapital schlägt und daß in diesem furchtbaren Kriege, der so ungebeure Leiden und Entbehrungen von uns verlangt, es hinter der Front Gesinitungslunwen gibt, die unsere unmenschlichen Opfer benutzen. um sich den Geldsack zu füllen und sich aus der Not unserer Frauen und Kinder zu bereichern.'(Hört! hört! bei den Sozialdemo- kratZn.) Also die Kreise, die hier von der Not der Landwirtschast sprechen, sollten dock auch daran denken, daß infolge dieser Verhält- niste aus dem LebenSmittelmarkt mit der Zeit auch draußen eine Stimmung Platz greift, daß die Leute sich sagen: Der schlimmste Feind st e h t nicht vor uns, der st e h t hinter uns.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial- demokraten, Zuruf rcchlS: Dafür sorgen Sie mit Ihren Aedenl) New, ich wünschte wahrlich, ich könnte eine andere Rede halten, aber nicht dadurch, daß man Tatsachen totschweigt oder vertuscht, bessert man, sondern dadurch, daß mau sie vor der ganzen Oeffentlichkeit aufzeigt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten,) Besonders auch die Preistreiberei auf dem Buttermarkt Ende vorigen JahreS hat bewiesen, wohin man kommt, wenn man die»ideale Veranlagung' gewisser Landwirte sich völlig frei cm falten läßt. ES war ein großer Fehler, daß man zwar Höchstpreise für Käte und Schweinefleisch usw. festsetzte, aber den Verkäufer» daS Recht gab, ausländische Produkte teurer zu verkaufen. Damit wurde dem Schwindel Tür und Tor geöffnet. Die Verkäufer lachen einem ja ins Gesicht, wenn man sie fragt, ob denn alles, was jetzt zu höheren Preisen verkauft wird, ausländische Ware ist. So scharf sonst die Potizei einzugreifen weiß, hier hört man Nichts davon, daß sie gegen einen solchen Betrug vorgeht. Man hätte bestimmen müssen, daß die ausländische Ware nur niitcr Kon- trolle irgendwelcher Körperschaft in besonderen Verkauisstcllcn verkauft werden darf.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Dir ichwonkcnde Taktik der Regierung bei der Höchstpreisfestsctzung wirkt geradezu als Anreiz aus die Produrenlen und Händler zur spekulativen Zurückhaltung der Waren(Sehr wahr! bei den Sozialdem.), »venu die Leute sehen, daß trotz aller Warnungen der Regierung schließlich doch die Preiserhöhung kommt. Der Ilmstand, daß jetzt in der Zeil der Lebensmittelknappheit große Mengen verdorbener Lebens- mittel angeboten werden können,' ist geradezu ein Schandfleck a»! unserer Wirtschaftspolitik. Solche Leute müßten als Landesverräter behandelt werde». Kürzlich ist ein Händler, der Lebensmittel nach England lieferte, zu mehreren Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Aber die Leute, die Lebensmittel in spekulativer Absicht zurück- halten und dann verderben lassen und damit der Ernährung des deutscken Volke« entziehen, handeln genau so verwerflich und bieten England dieselbe Hilfe wie jener Händler, Das Gesetz zur Bekämpfung des Wuchers ist ja eine sehr schöne Sache, aber wenn es nicht angewandt wird, verfehlt es seinen Zweck. Offenbar werden die P�lizeibcamten nicht genügend instruiert, was man als Lebensmitlclwucher aufzufassen hat. Wenn der Weißkohl in einem Ort den Höchstpreis von 5 Pf. pro Pfund bat und dicht daneben au einem anderen Ort ohne Höchstpreis für 15 Pf. verkauft wird, so ist das auch Lebensmittelwucher, gegen den die Polizei vorgehen muß.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Dte Herren mögen nur mal an Wochentagen über die Märkte gehen und den Unwille» der Frauen über diese Wirtschaft hören! Der deutsche Landwirt schaflsrat hat für Weißkohl und Rotkohl Preise empfohlen, dir viermal so hoch sind als die Preise im Frieden. Wollen Sie etwa behaupten, daß die Produktionskosten der Gemüsebauern sich seitdem um das Vierfache erhöht haben? Dabei find die dort empfohlene» Preise niedrig gegenüber denen, die dieKonsumenten tatsächlich bezahlen müffen. Auf dem Kartoffclmarkt setzt jetzt hier dasselbe Vcrsteckspiel ein wie im vorigen Jahre,(Z» ruf rechts: Maßnahmen der Regierung!) Wenn die Regierung unseren Anregungen gefolgt wäre, wären die jetzigen Mißstände nicht eingetreten. Äber eS liegt doch kein Grund vor, nun durchaus am dem verfahrenen Wege fortzufahren, statt mit energischem Ruck i» die richtige Fährte einzulenken. Herr Roesicke meinte nun, man könne die Produktionskosten nichr für die einzelnen Produkte berechnen. Die Herren gehen eben jetzt nicht mehr gern auf die Berechnung ihre: Produktionskosten ein, weil das Mißverhältnis zu den Prclscil z» offensichtlich ist. Herr Roesicke nennt das eine Spielcrei. Aber von landwirtschaftlichen Jnteressenverbänden und auch der»Deutschen Tageszeitung' wurde diese.Spielerei' noch vor kurzem geübt.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Land- wirlschaftsmiiiister hat eine Beschlagnahme der Kartoffeln heute wieder für nicht möglich erklärt. Gleichwohl ist jedoch durch eine BundeSratsverordnung angeordnet worden und der Gonverncur vo» Warschau hat gleichfalls die Kartoffelbefchlagnahme angeordnel und auch durchgeführt. Warum soll es auch unmöglich sein, bei cincr Ernte von 50 Millionen den notwendigen Bedarf sicherzustellen, iv» inan sagen kann, daß in diesem Kriege technisch überhaupt nichts unmöglich ist. Bei gutem Willen und der nötigen Energie lasse» sich zweifellos die Maßnahmen treffen. Nun wird gesagt: gcht ma» bei den Kartoffeln energisch vor. so gefährdet man die Er- nährung des Viehes. Nun, wenn ich vor dieser Alternative stehe, dann geht mir die Ernährung des Volkes doch vor.(Zurufe rechks.) Es müssen jetzt Millionen ohne Butter und Fleisch lebe» und sind sehr froh, wenn sie nur Kartoffeln haben.(Sehr wahr i bei den Sozialdemokralen.) Aber Sie(nach rechts) können sim da» offenbar nicht vorstellen, daß man ohne Butter und Fleisch leben kann. Herr v. Schorlemer hat dann wieder behauptet, unsere agra- rische WirtschastSpolttil hat sich in diesem Kriege wohl bewährt, man kann aber auch entgegengesetzt schließen: Wir hätten auS verschiedene» neutralen Ländern viel bester Lebensmittel bekommen, wenn nicht vorher diese Zoll- und Absperrungspolitik gewesen wäre.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Also die Ernährung de« Volkes muß unter allen Umstände» sichergestellt werden, und zwar zu erschloiuglichen Preisen. D c: Vergleich mit dem Auslände hinkt. England ist bei seiner Preisgestaltung vom Ausland abhängig, wir aber erzeuge» fast alles, was wir gebrauchen, selbst nnd haben es in der Hand. unsere Preisgestaltung so auszubauen, daß sie der Kaufkraft des Landes entspricht. Die Regelung darf nicht beim Konsum stehe»- bleiben, es muß auch energisch in die Produktionsverhältniste eingegriffen werden. Auch hier muh ein Zwang ausgeübt werde», Herr Roesicke meinte, wir seien sonst gegen den Arbeitszwang. Nu», wir erstreben eine Gesellschaftsordnung, wo kein Mensch als Nutz nießer der Arbeit eines anderen auftritt, und daraus ergibt sich der Zwang zur Arbeit kür jeden Menschen ganz von selbst,(Schi wahr! b. d. Sozialdemokraten.) Wir wenden uns nur dagegen daß man die Arbeiter zwingt, für andere zu arbeiten.(Sei» richtig! b, d. Sozialdemokraten.) Wenn es gilt, das Volk mit Lc bcnsmitteln zu versorgen, müssen alle Rücksichten auf das Verfügungsrecht des Privatunternehmer? schweigen. Herr Roesicke meinte, wir haben kein Interesse daran, mit einem ausgehungerte» Bauernstand in den Frieden zu gehen. Nun, diese Gefahr liegt nicht vor. Im übrigen bilden die selbständigen landwirtschaftliche! Betriebe nur 19 Proz. deS Volkes, und ich richte an ihn die Gegen frage: Hat Teutschland ein Interesse daran, daß wir mit einem ausgehungerten Arbeiter- und Mittelstand— das sind 99 Proz des Volkes— in den Frieden hineingehen?(Selw gut! b. d. So zialdemokraten.) Wollen Sie das nicht, dann müssen Sie für diese 99 Proz, deS Volkes die Ernährungsverhältnisse erträglich gc stalten. Es muß ganze Arbeit gemacht werden, es müssen einhei! liche Richtlinien ausgearbeitet und nach ihnen muß im Interesse der Allgemeinheit ohne Rücksicht auf besondere Berufsinteresse» energisch gehandelt werden.(Lebh. Beifall b. d. Sozialdemokraten.) Abg. Giesberts(Z.): Für die Zukunft ist die rechtzeitige Vorbereitung eines wir! schaftlichen KriegSPlanS nötig, ebenso die Auswahl gewisser Be- amter nicht nur nach ihren juristischen und verwaltungstechnische». sondern auch nach ihren volkswirtschaftlichen Kenntnissen. Wen» im Westen Eßkartoffcln verfüttert wurden, so wäre das streng z» ahnden; aber ti dürften in de: Hauptsache nur Kartoffeln vcr- nunSün' fcm/'bie M' ÄeklchKidahrü'nK''itldSF öttwendvar waren. Wir alle danken unserer landwirtschaftlichen Bevölkerung für ihre gewaltigen Leistungen, wir bewundern den Heldenmut der asipreuhischen Bäuerinnen, die noch im Geschützdonner den Acker bestellten. Denken wir nur daran, wie wir unsere Kriegswirtschaft weiter auf der Höhe halten. Man sollte mit den Bauern Verträge auf Anbau gewisser Kartoffclmengen abschließen unter Zusicherung auskömmlicher Preise. Die Versorgung der Städte muß der Speku- latio» entzogen und unser Volk mit dem Gemeinschaftsgedanken erfüllt werden. Abg. Kreth(?.): DaS Volk muß zu erschwinglichen Preisen ernährt werden; ist da? nicht möglich, so müssen öffentliche Mittel zur Verfügung ge- stellt werden. Höher als alles aber steht die Erhal- titng einer Stimmung, die uns alle durchhalten läßt bis zu einem sieghaften Frieden, bei dem das deutsche Volk bestehen kann.(Beifall.) Das wollen auch die beut- scheu Arbeiter, selbst wenn ihre angeblichen Vertreter anders sprechen. Wir leben in einer belagerten Festung, daher die Teue« rung. Die deutschen Landwirte stehen zu hoch, als daß ich sie zu verteidigen brauchte. Wo scharf geschossen wird, tritt der Geld- standpunkt zurück. Wer das nicht glaubt, dem rate ich, dorthin zu gehen. Von dem Einfluß der Agrarier auf die Regierung habe ich nichts gemerkt; wir würden diesen Einfluß für außerordentlich segensreich halten. Die Belgier bekommen eine höhere Brotration als wir. Erst kommen wir und dann die besetzten Gebiete. Das ist kein Barbarentum.(Zustimmung.) Ich habe draußen Partei» freunde der Herren Braun und Hofer gesprochen, sie sprechen anders als die Herren hier im Hause. Herrn Hoffs Volkswirt- schaftliche Betrachtungen waren mir ganz neu, obwohl ich mich schon 30 Jahre mit diesen Dingen beschäftige.(Zuruf links: Mancher lerntö nie!— Große Heiterkeit.) Nach Herrn Hoff steht Dr. Roesicke nicht auf einer hohen Warte. Wenn Herr Hoff da schmi steht, dann ist doch für niemand mehr Platz.(Stünnische Heiter- kcit) Was die Landwirte jetzt mehr verdienen, wird spater durch Vlindereilmahmen und Mehrausgaben wieder drausgehen. Ju die Psychologie der Kartoffel sind nur wenige Redner eingedrungen. (Heiterkeit.) Wenn Herr Hofer jetzt einen Zentner Kartoffeln für 1,20 M. herstellen kann, so sollte dieses Geheimnis sofort zu gunsten des Reiches beschlagnahmt werden.(Heiterkeit.) Bliebe die Aeußerung des Abg. Braun von einer Stimmung, die sage, der eine Feind stehe draußen der Front gegenüber, der andere beute Vier das Volk aus, unwidersprochen, so könnte das zu einer ge- fährlichen Flaumacherei führen.(Sehr richtig!) Die Butter muß richtig verteilt werden, die Wohlhabenden müssen durch frei- willige Beschränkung mit gutem Beispiel vorangehen. Freilich wollen manche Kreise auf LuxuS und Wohlleben, die in diese ernste Zeit nicht passen, nicht verzichten. Das muß die ärmeren Schichten verstimmen. Aber wir wollen nicht wehklagen, sondern uns die freudige Zuversicht auf den Sieg der deutschen Waffen erhalten. (Beifall rechts.) Ein Schlußantrag wird angenommen. ES folgen per- sönliche Bemerkungen. Abg. Hoff(Vp.) erklärt, daß er weder die gänzliche Aufhebung der Zölle gefordert, noch emfeitig nur Kousuuienteninteressen ver- treten habe. Abg. Hofer(Soz.): Ter Abg. Kreth hat die Behauptung aufgestellt, ich hätte mich gestern gegen die Errichtung der Uiriverfität in Warschau ausgesprochen. Das habe ich natürlich nicht getan. Ich habe nur aus- geführt, daß man erst den größten Hunger des Volkes stillen müsse. Erst wenn der leibliche Nahrungsbedarf gedeckt ist, sei der Boden für die Aufnahme der Geisteskost vorbereitet. Abg. Dr. Noesicke hat gestern in seiner Rede behauptet, ich hätte gesagt, man müsse die Bauern mit der Peitsche auf den Acker Aur Produktion treiben. Fch habe diese Aeußerung nicht getan. Vielmehr sagte ein Mit- .glied der Rechten in der Kommission, wenn die von mir vorge- st'chlagenep Maßnahmen durchgeführt würden, dann könnte man die "Bauern doch nicht mit der Peitsche auf den Acker zur Produktion zwingen. Mir und meinen Freunden liegt die Anwendung der Peitsche selbstverständlich sehr viel ferner als den Mitgliedern der Rechten des Hauses, denn die Zeit liegt noch nicht lange zurück, als nnier der Herrschaft der Leibeigenschaft die konservativen Ritter- gutsbesitzcr die Peitsche über den Bauernrücken schwangen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Roesike(kons.): In der Kommission war von anderer Seite, nicht von uns, gesagt worden, daß man die Bauern nicht mit der Peitsche zur Arbeit zwingen könne. Darauf bemerkte Herr H o f e r: Warum denn nicht, man zwingt doch auch Tausende von Soldaten zum Heeres- dienst. Dagegen habe ich mich in meiner Rede gewendet. Es folgt die Abstimmung über die vorliegenden Anträge und Resolutionen: Angenommen werden die Anträge der Kommission auf Sicherstellung der Versorgung des Voltes mit Speisekartoffeln. Die Forderung nach Ausnahmepreisen für seine Speisekartoffeln wird gegen die Linke angenommen. Angenommen wird weiter der Antrag v. Eampe(natll), nötigenfalls Karlossel bestärrde zu ent- eignen. Der Zentrumsantrag, daß die Kartoffelhöchstpreise bis zum Frühjahr überhaupt nicht und später nur um einen dem Schwurst) entsprechenden Betrag erhöht werden dürfen, findet gegen die Rechte Annahme. Das Haus stimmt den Kommissionsanträgen auf aus- reichende Gemüfe- und Fleischversorgung des Volkes zu. ebenso einem Antrag v. Campe, wonach die Produzenten, Gemeinden, die Fleischer und der Handel auch im Vorstand der Viehhandelsverbände oertreten sein sollen, und Mar soll die Berufung auf Antrag o. Pappenhcim(kons.).tunlichst bald" erfolgen.— Angenommen wird ein fortschrittlicher Antrag auf wirksamere Sicherung des Brot- getreidcs gegen Berfütterung unter tunlichster Erhöhung der Brot- vation; gegen die Fortschrittler und Sozialdemokraten wird ein fortschrittlicher Antrag abgelehnt, der Vorlegung einer Ucberstcht über den Abschuß von Wild und die Beseitigung des Wildschadens oerlangt, dagegen werden die Kommissionsanträg« hierzu, sowie auf Erleichterung der Lieferung von Düngemitteln an die Land- wirie und auf Sicherung der Bestellung und Erntearbeit, sowie auf erhöhte Berücksichtigung der mittleren und kleineren Mühlen ange- nommen. Der Kommissionsantrag auf rückwirkende Er- höhung des Haferpreises wird gegen die Linke zum B e- schlug erhoben. Die übrigen Resolutionen der Kommission (Staats- und Reichszuschüsse an die Gemeinden zur Abgabe von Nahrungsmitteln, deren Preis nicht verbilligt werden kann, an die minderbemittelte Bevölkerung, Verteilung der Futtermittel und Be- fördcrung von Dünge- und Futtermitteln auf den Eisenbahnen) werden angenommen. Damit ist die Beratung der TrnährnngS fragen erledigt. Nächste Sitzung: Freitag H Uhr(Beratung de» Kam- mifstonSberichts über die Lag« der Industrie und de» Handel»). Schluß 5J4 Uhr._ die Zensur öes /ibgeorönetenhaufes. In der Mittwochsitzung des preußischen Abgeordnetenhauses hat sich ein Vorgang abgespielt, der in den Annale« der Geschichte dieses Hauses wohl ohne Parallele war und einer näheren Erläuterung bedarf. Das Abgeordnetenhaus hat sich nämlich durch Majoritäts- beschluß darauf festgelegt, bei der Erörterung der Kommissions« beratungen des Staatshaushaltsausschusses auf die Besprechung der stiriegSzielc und der auswärtigen Politik Verzicht zu leisten. Dieser Beschluß erscheint völlig rätselhaft, wenn man berücksichtigt, daß ge- lade m der StaatshauShaltSlommission mehrere Tage lang über diese Fragen nicht nur die lebhasteste Debatte geführt worden ist, sondern auch Beschlüsse nicht nur angenommen, sondern veröffentlicht worden sind, die den lebhaftesten Einspruch der Reichsregierung her- rufen mußten. Nach der außerordentlichen Geschäftigkeit und dem ausgiebigsten Redebsdürfnis im Geheimgemach der Kommisfion auf einmal die wundersamste Abstinenz dem Plenum gegenüber! Man sollte doch meinen, daß, wenn die Kommisston des Abgeordnetenhauses die zur Erörterung stehenden Fragen für so ungeheuer wichtig hielt, sie auch das Bedürfnis verspürt haben müffe, diese Fragen vor der O e f f e n t l i ch k e i t zu behandeln. Sintemalen doch die Redner der verschiedenen Parteien in der Kommission sich mit aller Entschiedenheit auf die angebliche Zustimmung der hinter ihnen stehenden Volksmasseu berufen hatten. Immer wieder war dort die Redewendung wiederholt worden, daß das Volk dieses oder jenes nicht verstehen würde, daß die Masten deZ Volkes diesen oder jenen Standpunkt einnehmen, kurzum, daß die Vertreter der Parteien nur deshalb das Wort in der Kommission ergriffen, um dem Willen und dem heißen Zehnen der hinter ihnen stehenden Wählermassen Ausdruck zu geben. Demgegenüber wäre es doch äußerst interessant gewesen, einmal die Probe auf das Exempel zu machen, einmal durch die Ver- Handlungen im Plenum und ihre Aufnahme durch die Volksmaffen festzustellen, ob denn wirklich die Vertreter in der Kommission be- rechtigt waren, im Namen breiterer Volksmaffen zu sprechen. Aber ein solches Bedürfnis lag für die Parteien, die für die Abstinenz eintraten— und eS waren alle bürgerlichen PaNeien— offenbar nicht vor, nur der Vertreter der sozialdemokratischen Partei erhob Protest gegen derartige Geheimverhandlungen und die Versuche, durch unkontrollierbare und der Oeffentlichkeit vorenthaltene Be- ratungen und Entschließungen den Willen des Volkes nach dieser oder jener Richtung hin festlegen zu wollen. Auch die Regierung hat sich durch den Mund des preußischen Ministers des Innern, Herrn v. Loebell, mit dieser Taktik ein- verstanden erklärt. Wir wollen demgegenüber nur bemerken, daß die soziatdemokratische Partei sich der Austastung des Ministers in keiner Weise anschließen kann. Von dem Redner der sozial- demokratischen Fraktion wäre wahrschemlich nicht zu befürchten ge- Wesen, daß er kritische Fragen der Tagespolitik in einer Form behandelt haben würde, die den Interessen des deutschen Volles schädlich gewesen wären. Die Sozialdemokratie hatte nichts zu ver- heimlichen und nichts zu verschweigen. Sie war sich dessen völlig sicher, daß sie nur zum Wohle des Vaterlandes und unter Zu- stimmung der ihr zugehörigen breiten Wählermasse spreche» werde. Sie gerade wünschte, daß den BoUsmassen eine Kontrolle über die von ihren Vertretern gemachten Ausführungen gegeben würde. Aber offenbar wurde diese Auffaffung von den 23ortfiihrern der anderen Parteien nicht geteilt. DaS ist außerordentlich bedauerlich. Demi nachdem einmal die Kommission des Abgeordnetenhauses nicht nur im Namen des Volkes selbst zu sprechen gewagt, sondern auch trotz deS Widerspruchs des Regierungsvertreters die Veröffentlichung ihres Beschlusses durchgesetzt hatte, war es nach der sozial- demokratischen Auffassung doppelt notwendig, nunmehr auch die MeinungSdifferenzeu soweit als angängig der Oeffentlichkeit zur freiesteu Begutachtung zu unterbreiten. Daß«S fich bei der Beschluß- fassung nicht nur, sondern auch bei ihrer Veröffentlichung nicht um einen Zufall, sondern um eine sorgsättig abgewogene Attion ge- handelt hatte, unterliegt keinem Zweifel. Zweifellos war dadurch eine politische Wirkung nicht nur beabfichttgt worden, sondern man hatte auch eine Wirkung auf einflußreiche Kreise erreicht zu haben geglaubt, eine Wirkung, die im höchsten Maße bedauerlich erscheinen und für daS deutsche Volk unter Umständen verhängnisvoll werden konnte. ES war deshalb notwendig, diese Attion der bürgerlichen Vertreter deS preußischen Abgeordnetenhauses zu beleuchten und zurückzuweisen. Bor dem Lande zurückzuweisen, daS ja nach den Ausführungen selbst der Redner der Konservativen ein Recht hat, bei Erörterung seiner Lebensfragen und Lebensinteressen mit aller Entschiedenheit mitzusprechen. Für die Vertreter der arbeitenden Klassen besteht ja leider zur- zeit keine Möglichkeit, ihre Meinung auf anderem Wege zur Kennt- niS der Massen des Volles zu bringen. Nur die herrschenden Klassen find in der Lage, ihren Einfluß auf anderem, direktem Wege geltend zu machen. Die Sozialdemokratie ist dazu nicht imstande. Da aber die Presse durch die bekannten Umstände verhindert ist, ihre Meinung rei heraus zu sagen und da dieselbe Unmöglichkeit besteht, durch Reden in Versammlungen dem Volk die sozialistischen Auffassungen zu vermitteln, bleibt eben nichts anderes übrig als durch Reden im Parlamente da» zu sagen, was nach Anficht der Vertreter breitester Volksmassen zum Heil des deutschen Volkes gereicht. Eine solche Aussprache wäre, wir betonen das immer wieder, durchaus möglich gewesen, ohne dadurch irgendwelche Interessen Deutschlands zu gefährden. Im Gegenteil.(z) politische Uebersicht. Das Ende der Ernährungsdcbatte. Das Abgeordnetenhaus hat am Donnerstag die Debatte über die Ernährungsfragen zu Ende geführt. Wie voraus- zuseheu war, sind fast alle Wünsche der Produzenten zu Be- schlüssen erhoben worden. Ob sie Gesetzeskraft erlangen, steht freilich dahin, da maßgebend hierfür nicht Preußen, sondern das Reich ist. Allerdings wird man darauf rechnen können. daß der preußische Landwirschastsminister seinen ganzen Ein- fluß auf den Bundesrat ausüben wird, um die Gesetzgebung in seineni Sinne zu beeinflussen. Bekannte er sich doch in seiner Rede, mit der er in die Debatte eingriff, nicht nur unumwunden zur heufigen Schutzzollpolitik, sondern ließ er doch auch deutlich durchblicken, daß für ihn das Interesse der Landwirtschaft an erster Stelle steht. Die von verschiedenen Seiten geforderte generelle Beschlagnahme der Kartoffeln be- zeichnete er rundweg als undurchführbar, zumal da dadurch die Erhaltung unserer Viehbestände in Frage gestellt werden würde. Auch der wetteren Erhöhung von Höchstpreisen steht Herr vou Schorlemer-Lieser nicht grundsätzlich ad- lehnend gegenüber, wen» e» gilt, durch diese Maßnahme die Produktton zu steigern. Den Interessen der Verbraucher nahm fich außer dem sorffchrittlichen Abgeordneten Hoff, der in der Hauptsache gegen den Abgeordneten Dr. Roesicke polemisierte, in besonders wirksamer Weise Genosse Braun an, dessen Ausführungen eine vorzügliche Ergänzung der Hoferschen Rede vom Mitt- woch bilden. Gestützt auf eigene Erfahrungen war es unsere Vertreter ein leichtes, die landwirtschaftlichen Ueber- treibungen auf das richtige Maß zurückzuführen. Die von ihm vorgeführten Tatsachen werden dem Volke die Augen über die wahren Ursachen der Lebensmittelteuerung öffnen und in den weitesten Kreisen Aufklärung darüber schaffen, wer in Wirklichkeit die Opfer bringt. Wir sind überzeugt, auch weit über die Reihen unserer Parteigenossen hinaus wird der Appell unseres Redners, ohne Wcksichtnahme aus irgendwelche Profttinteressen nur das Wohl der Gesamtheit im Auge zu behalten, verständnisvolle Zu- stimmung finden. Den Standpunkt der Produzenten vertrat diesmal niit besonderem Nachdruck der Abg. Kreth, der es an hefttgen Ausfällen gegen unsere Partei nicht fehlen ließ. Eine noch- malige Erwiderung machte die Mehrheit uns unmöglich, sie schnitt unserem Redner einfach das Wort ab. Die Abstimmung ergab im großen und ganzen die An- nähme der Kommissionsanträge; nur in wenigen Punkten stimmte das Haus anders als seine Kommission. So gelangte der Antrag, der sich auf die L e b e n s m i t t e l v e r s o r g u n g durch die Gemeinden bezieht, in folgender von fort- schrittliche Seite beantragten Fassung zur Annahme: Die Regierung wird ersucht. Matznahmen zu treffen, um durch Gewährung von Zuschüffen des Staats und Reichs die Kom- munen und Kommunalverbände in die Lage zu versetzen, in Notfällen der minderbemittelten Bevölkerung, namentlich den Kriegerfamilien und Kriegshinterbliebenen, unentbehrliche Nahrungsmittel zu einem unter dem Erwerbspreise liegenden Preise zur Verfügung zu stellen. Weiter beschloß daS Haus— gleichfalls auf Antrag der Fortschrittlichen Volkspartei— an die Negierung das Ersucheil zu richten, rechtzeitig die erforderlichen Maßnahmen zu treffen. uni das Brotgetreide aus der kommenden Ernte wirksamer als bisher gegen Berfütterung zu sichern, um— unter tunlichster Erhöhung der Brotration— eine möglichst große Menge Brotgetreide für die Volksernährung bereitstellen zu können. Gegen beide Anträge stimmten nicht nur die konser- vativen Parteien, sondern auch die nattonalliberale Gruppe um Fuhrmann. Am Freitag beginnt die Beratung über die Lage der Industrie._ Eine Kundgebung des«nterelsässischen Bezirkstages. Nach zweijähriger Unterbrechung fand in Straßburg i. E. am Dienstag und Mittwoch eine Tagung des unterclsässischcn Bezirkstages statt. Am Schlüsse der Dienstagsitzung kam es zu einer Kundgebung über die Zugehörigkeit Elsatz-Lothringens zu Deutschland. Die Vertreter des Zentrums, der Sozial- demokraten und der liberalen Fraktion, Abg. Graf v. Andlau, Abg. Böhla und Abg. Wehrung brachten folgen- den Antrag ein: „Der Bezirkstag des Unterelsaß gedenkt mit seinen heißesten Wünschen der im Osten und Westen die Grenzen deS Vaterlandes schützenden und verteidigenden clsässischen Landeskinder. Die Mitglieder des Bezirkstages legen dabei nachdrücklich Verwahrung ein gegen die sowohl von verantwortlichen Stellen als auch sonst in Frankreich immer wieder aus- gesprochene Ausfassung, welche die Angliederun g Elsaß-Lothringens an Frankreich als Hauptkriegsziel bezeichnet. Sie geben demgegenüber als Ausdruck ihrer Ueberzeugung die Erklärung ab, daß die wirtschaftliche Wohlfahrt Elsaß- Lothringens, das in 45jähriger FriedenSarbeit ein Glied der deutschen Volkswirtschaft geworden ist, nur durch seine Zu- geHörigkeit zum Deutschen Reiche unangetastet bleibt und daß eine wurzelechte kulturelle Zukunft unseres Landes nur im Anschluß an das gesamte deutsche Volksleben möglich ist. Graf von Andlau. Bühle. Wehrung." Dieser Antrag fand in der Abstimmung einstimmige Annahme. Ein dringendes Gebot der Stunde. Die.Deutsche Tageszeitung" vertritt erneut in einem langen Artikel den Standpunkt, der von den Mehrheilsparteien des preußischen Abgeordnetenhauses in der Staatshaushalts- kommisfion eingenommen und durch die Resolution zum Ausdruck gebracht worden ist. Sie verwahrt sich dabei auch gegen den Vor- Wurf, daß die Aktion des preußischen Abgeordnetenhauses eine innerpolitische Bedeutung gehabt habe. Sie sagt: „Auf die Unterstellung schließlich, die Veröffentlichung der Kommission entspringe gewissen innerpolitischen Gründen, brauchen wir, nachdem sie von einer berufenen Stelle als„zu dumm", von einer anderen als, frivol" gekennzeichnet Wordenist, nicht wieder einzugehen; wer derart den Burgfrieden bricht, der richtet sich selber. Die Veröffentlichung der Kommission war weder ein Mißtrauens- noch ein Verlrauensvomm, sie hatte keine Person, sondern nur die Sache zum Ziel: der Slimme des Landes Ausdruck zu geben, um in kritischen Tagen dieses großen Daseinskampfes der deutschen Nation dem Reiche zu dienen. Nicht um politische Interessen ging es ihren Urhebern, sondern, wie ein Blatt es treffend sagte, um Krieg und Sieg. Damit haben diese Männer nicht Mißtrauen und Bemükelung, sondernden Dank des Landes verdientl Diese Sachlage klarzustellen und Mißdeutungen zu beseitigen, ist ein dringendes Gebot der Stunde!" Die„Deutsche Tageszeitung" bestätigt durch diese erneute Kundgebung nur, daß es ihr in Wirklichkeit auf eine hochpolitische und selbstverständlich auch innerpolitische Aktion angekommen war. Gegen ihre Auffassung mit so starken Ausdrücken zu polemisieven, tvie sie das selbst beliebt, ist uns— und zwar nicht nur aus Grün- den der politischen Wohlanständigkeit— unmöglich. Aber es kommt auch auf polemisch« Schärfen gar nicht an, sondern auf die Herausschälung des Kerns der Streitfrage. Und wie diese Streit- frage von der„Deutschen Tageszeitung" beurteilt wird, ergibt sich ja deutlich genug aus dem Wortlaut ihrer eigenen Ausführungen. Daß die„Deutsche Tageszeitung" und ihre Parteigänger dem Wohle der deutschen Nation zu dienen beabsichtigen, braucht keineswegs bestritten zu werden. Die Frage ist einzig die, ob ihre Auffassung und die ihrer Ansicht nach anzuwendend- Taktik berechtigt ist und wirklich den Interessen der Nation dient. Di« Reichsregierung war anderer Auffassung und wir find es natürlich erst recht. Jnwie- weit es sich dabei um eine mnerpolittsche und ein« Personen frage handelt, können wir momentan nicht erörtern. Wenn später ein- mal das Archiv des preußischen Abgeordnetenhauses erschlossen und die Verhandlungen in der Kommission der Oeffentlichkeit zugängig gemacht werden, wird die Oeffentlickkett sich ja selbst ein Urteil über die Darstellung der„Deutschen Tageszeitung" zu bilden ver- mögen. Dies Urteil wird unserer Ueberzeugung nach freilich nicht im Sinne der„Deutschen Tageszeitung" ausfallen. Auch gegenüber all diesen Darstellungen müssen wir es aufs äußerste bedauern, daß der Beschluß des preußischen Abgeordneten- Hauses, keine öffentliche Verhandlung über die Erörterungen deS Staatshaushaltsausschusses des Abgeordnetenhauses stattfinden zu lassen, nicht verhindert worden ist. Hätte diese Aussprache, die — wir betonen es immer wieder— sich durchaus im Rahmen der Staatsnotwendigkeit hätte hatten können, stattgefunden, so würde es der„Deutschen Tagcszeimng" unmöglich gewesen sein, etwas Derartiges zu Papier zu bringen, wie wir es oben zittert haben. Einzellindtage und auswärtige Politik. Die konservative Fraktion der Zweiten sächsischen Ständekammer hat folgende Interpellation an die Staatsregierung gerichtet: „Was gedenkt die Kgl. Staatsregierung w tun, um der in der Auslassung der„Norddeulschen Allgemeinen Zeitung" vom 12. Fe- bruar 19 lS zutage tretenden Auffassung des Herrn Reichskanzlers gegenüber, dag tmr der Reichstag berechtigt sei, zu Fragen der auswärtigen Reichspolitik Stellung zu nehmen, die Rechte des Bundesrats und der sächsischen bundesstaatlichen Volksvertretung zu wahrend" Die Interpellation ist von sämtlichen Mitgliedern der Fraktion unterzeichnet. Bundesratsbeschlüffe. Amtlich. Berlin, 17. Februar.(W. T. B.) In der heutigen Sitzung des Bundesrates gelangten zur An- nähme: Eine Aenderung der Bekanntmachung vom 29. April lbOZ zuni Gesetze gegen den verbrecherischen Ge- brauch von Sprengstoffen und eine Ergänzung der Verordnung über Veräußerung von Kauf- fahrtet schiffen an Nichtrcichsangehörigc voin 21. Oktober 1915. Tic Ernährungsfrage im sächstschen Landtage. Die II. Kanuner des sächsischen Landtages beschäftigte sich am Dotmerstag abermals in einer fünfstündigen Debatte mit der E» nährungssrage. Die neueren Erscheinungen auf dem Gebiete der Lebensmittelversorgung veranlagte die sozialdemokratische Fraktion, einen Antrag zu stellen, der die sächsische Regierung ersucht: 1. im Bundesrate einen dringlichen Antrag dahingehend einzubringen, daß die Erhöhung der Preise für wichtige Lebensmittel insbesondere der Kartoffeln sofort rückgängig gemacht wird; 2. im Bundesrate einer etwa beabsichtigten Erhöhung der Preise für weitere Lebensmittel mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten.— Die Jtationalliberalen interpellieren, ob die Regierung bereit sei, über die Gründe, die den Bundesrat zu einer Heraufsetzung der Höchstpreise für Brotgetreide und Kartoffeln veranlaßt haben, und über ihre Haltung bei der Be- schlußfassung Auskunft zu geben. Tie Besprechung bot sachlich wenig ReueS. Von unseren zwei Rednern wurde dringend verlangt, daß die Reichsregierung energischer vorgehe. Ten vielen Worisu müßten nun endlich die erforderlichen Talen folgen; das Volk habe nachgerade die immerwährenden Ver- tröstungen satt. Die Erklärungen der Regierung boten in dieser Hinsicht leider wenig Aussicht. Von verschiedenen Seiten wurde scharf betont, daß die Regierung und die landwirtschaftlichen Organi- salioncn in Preußen in erster Linie für die herrschenden bedenk- lichen Zustände verantwortlich zu macheu find. Der sozialdemo- kratische Antrag wurde ohne Verweisung an eine Kommisfiou sofort e i n st i m m i g angenommen. Der sächsische Landtag wird diesmal nicht geschloffen, sondern vertagt werden. Er erhält dadurch die Möglichkeit, eine Entscheidung über die von der Regierung geforderten Einkommen« steuerzuschläoe noch nicht sofort treffen zu muffen. Außerdem kann er, wenn es die Kriegslage erfordert oder Friedensverhandlungen 'n Aussicht stehen, schnell einberufen werden, worauf die Mlglieder des Landtages besonderen Wert legen. Tie Butterversorgung im Fürstentum Lippe. Eine für das Fürstentum Lippe am 15. Februar erlaffene Butter- verkehrsverordnung bestimmt: Wer für die Kalenderwoche i» freien Handel 126 Gramm Butler für jedes Mitglied semer Haushaltung nicht zu erwerben vermag, kann den Unterschied zwischen dieser Menge und der frei« bändig erworbenen Menge als Fehlbetrag bei der Butter« Versorgungsstelle semer Wohnsitzgemeinde zur Lieferung anmelden. Der Besteller kann auch ausschließliche Versorgung durch die Gcineinde beantragen. Die größeren Molkereien find verpflichtet, einen Teil ihrer Erzeugniffe an Butter au die Gemeinden abzu- führen. Sie bekommen von den Gemeinden für das Pfund 2,30 bis 2.40 M. vergütet. Der Abgabepreis der Gemeinden darf nicht über den von der Regierung festgesetzten Kleinhandelshöchstpreis hinaus« gehen(zurzeit 2,40 M.j._ Behördlicher Zwang zum Sparen. Ein Erlaß des stellvertretenden Generalkommandos des 11. Armeekorps in Kassel wendet sich gegen Jugendliche. Es heißt darin, daß Minderjährig« oft von den während des Krieges sehr hohen Löhnen keinen vernünftigen Gebrauch machen und, anstatt zu sparen und ihr« Angehörigen zu unterstützen, verfchtven- derisch leben. Es ist tatsächlich vorgekommen, daß in Thüringen junge Burschen sich die Zigaretten mit Papiergeld anzündeten. 1. Klaffe ins Theater fuhren, dort sich auf den 1. Rangplätzen breit machten u. a. Gegen solche leichtsinnige» oder böswilligen Geldoerschwender wendet sich die Verordnung. Danach sind Mm- derjährige ib. h. Personen bis zum 21. Jahre) verpflichtet, van ihrem Lohn uitd ihren sonstigen Einkünften„einen dem Ernst der Zeit angemessenen, sparsamen Gebrauch zu machen, insbesondere ihre Angehörigen z u unterstützen und das Geld, das sie nach Erfüllung dieser Pflicht über die notwen- digcn Bedürfnisse hinaus übrig haben, auf die Sparkasse zu legen". Minderjährigen, die diese Pflicht gröblich verletzen, wird der Lohn nicht ausgezahlt. Das Geld erhalten ihre gesetzlichen Vertreter, ein angemessener Teil davon wird einbehalten, an eine mündclsichere Sparkasse abgegeben und bleibt bis zum Kriegsende(jedoch nicht über das 21. Lebensjahr hinaus) ge- sperrt. Auch kann ihnen verboten werden, ihren bisherigen Aufenthaltsort ohne besondere Erlaubnis zu verlassen. Die ungenügende Kriegsgewinnsteuer. Angesichts der Gewiunziffern in den bisher veröffentlichten Ab« schlüssen für daS Kriegsjahr 1915 dürften die Börsengerüchte richtig sein, die von einer Wiederholung des Antrages wissen wollen, der schon beim Gesetz über vorbereitende Maßnahmen zur Besteuerung der Kriegsgewinne eingebracht worden ist, daß nämlich durch eine Steuer 75 Proz. der Rieiengewinne wcggesteucrt werden Und das mit gutem Recht: die übermäßigen Gewinne find auf Kosten des Reiches und der privaten Verbraucher gemacht worden, und find bei ihrer sabelhatten Höhe nicht mit der Ausrede von der Not» wendigkeit, die Volkswirtschaft anzuregen, entschuldbar. Ein Antrag auf Einführung eines Steuersatzes von 75 Proz. findet auch darin eine Stütze, daß die englische Negierung nach den„Financial News" den Kriegsgewinn zu drei Vieiteln wegsteuern will. Diese Maßnahme ist dabei in England noch radikaler als in Deutschland, weil die englische Steuer das jährliche Einkommen trifft, ohne Rücksicht daraus, ob es gespart oder verbraucht wird, während die geplante deutsche Steuer nur den Vermögenszuwachs, also nur das in dem langen Zeitraum von drei Jahren gesparte Einkommen treffen soll. Die deutschen Kapitalisten werden diese Vorschläge hoffentlich dank« bar begrüßen, da es ihnen sonst fatal sein müßte, an Steuerkreudig« keit fürs Vaterland von den englischen Kollegen überlroffen zu werden! Von den steuerlichen Maßnahmen ganz abgesehen erweist sich eine Ueberprüfung der erzielten Gewinne und Preise als uu- abwendbar, da im Drange des Augenblicks und unter AuZnützung der kaufmännischen Unersahrenheit vieler Beamten Preise bewilligt worden find, die eine dauernde Neberzahlung darstellen. Justizrat Georg Roni berger stellt in einer jüngst erschienenen Broschüre über Kriegsgewinn- und Kriegserbschastssteuer mit Fug und Recht dazu einen Vergleich her mit der Bestignis, die Gebühren eines Rechtsanwalts nach dem Gutachten des Vorstandes der Anwalts- kammer herabzusetzen, soweit eine übermäßige Ausbeutung des Klienten vorliegt. Die nachträgliche Reduzierung der Preise auf ein angemessenes Maß ist einfach eine Notwendigkeit. Das ist auch die Meinung der überwiegenden Reichslagsmehrheit, die den Antrag des Nationalliberalen Schiffer annahm: durch ein Gesetz für den ReichsfiSkuS einen Anspruch auf Herausgabe solcher über- mäßiger oder unlauterer Gewinne zu begründen, die bei Besorgung oder Bermittelung von Kriegslieferungen erzielt worden sind. Gegen die Zollunion. Der Wunsch nach einer Zollunion der Zentralmächte wird keineswegs von den Industriellen der beiden Mächte allgemein geteilt. In einer Berliner Tageszeitung veröffentlicht zum Beispiel der Präsident des Bundes österreichischer Judu- strieller Heinrich Vetter einen Artikel gegen die Zollunion(mit Zwischenzollinie). Er verlangt nur: „Ohne Zollvereinigung ist die Führung einer gemeinsamen Handelspolitik der beiden Reiche in der Richtung möglich, daß die Handelsverträge mit dritten Staaten in Zukunft gleich- zeitig verhandelt und gleichzeitig abgeschlossen werden. So sind die Kaiserreiche in der Lage, einander auf verkehrspoliti« schem Wege Begünstigungen zu bieten, welche dritten Staaten niemals zufallen können. So kann eine Gleichheit der Gesetzgebung, die ohnedies nicht prinzipielle Verschieden- heiten aufweist, eine leicksiere Durchsetzbarkeit der Rechtsansprüche der Angehörigen beider Staaten in dem Nachbarstaate und vieles andere das Wirtschaftsleben der beiden Zentralmächte einander nock wesentlich näherbringen und eine wirtschaftliche Einheit schaffen, welche in einem späteren Zeitpunkte auch in einer Zoll- gemeinschaft, vielleicht sogar in einer unbeschränkten Zollunion ihre Krönung finden könnte.... Gehen wir schrittweise vor, versuchen wir zunächst, einige wenige Schritte nach vorwärts in unseren zolltariflichen Beziehungen auf dem Wege der Vereinigung zu machen, suchen wir außerdem mög- lichst viele Gebiete der wirtschaftlichen Gemeinsamkeit, beginnen wir damit, schon in der gemeinsamen Arbeit der R o h st o s f- Versorgung nach dem Kriege. Dies wird der erste Schritt sein, dem andere folgen können." Von den Naumann schen.Gedankenflügen" nach„Mitteleuropa" hält er also nicht viel. Ebenso hat sich dieser Tage der RdchstagSabgeordnete Dr. Stresemann in Budapest zwar für ein wirtschaftliches Zusammenwirken, aber gegen eine Zollunion aus- gesprochen._ Siedelungspolitik. Uns wird geschrieben: „Ist es auch zu verwerfen, wenn Siedelungsbestrebungen nur unter dem Gesichtspunkte der Kriegsbeschädigtenversorgung be- trieben werden, so hat der Gsdanke, durch eine verständige Siedelungspolitik die Bodenerträge zu steigern und weite Volkskreise in gesundheitlich und wirtschaftlich einwandfreie Verhältnisse zu bringen, sicher etwas für sich. Der Gedaitke kann und darf aber nicht in der Weise verwirklicht werden, wie man sie bisher geübt hah nämlich in der Absicht, dem Lande wieder billige Ar- beitskräfte zuzuführen. Die Siedelungspolitik der„neuen Zeit" muß auf andere Zielpunkte eingerichtet werden, sie muß nach den Richtlinien betrieben wenden, die das Wohl der Volks- gesamrheit vorschreiben. In diesem Sinne ist schon etwas gewonnen und getan, wenn man die Unoereinbarleit der bestehenden Zustände mit der Durch- fühvung von großzügigen Reformen aufzeigt. Das geschieht zurzeit durch eine Veröffentlichung de«.Fach- ausfchusses für Ansiedelung von Kriegsbeschädigten in der Provinz Westfalen", in der zunächst hervorgehoben wird, daß nur eine Lösung der Siedelungsfrage im ganzen in Betracht kommen könnte, und daß nur.tiefgreifende Reformen auf dem Ge- biete der Bodenpolitik"«ine gedeibliche EntwickeKrng der Verhältnisse im Siedelungswesen sichern würden. Dann heißt es mit einer an dieser Stelle immerhin erfrischend wirkenden Deut- lichkcit u. a.: „Bisher sind alle Bestrebungen, die innere Kolonisation zu fördern,... in der Hauptsache den Grundstücksvcr- käufern, den Grund st ücksvermittlern, Agenten und Zwischenhändlern zugute gekommen.... Die Folge davon ist, daß die Grundstückspreife in den letzten 20 bis A Jahren erheblich gestiegen sind, so daß der wirtschaftende Eigentümer auch bei günstigen Bedingungen unter normalen Verhältnissen trotz der hohen Lebensmittelpreise kaum einen wirklichen Reinertrag erzielen kann. Die Gründe fiir die hohen, eine gesunde Siedelungspolitik ausschließenden Grundstücks preise sind folgende: Die Nachfrage nach Grund und Boden übersteigt bei weitem daS Angebot. Die Nachfrage geht aus: 1. von den Fideikomwitz- befitzern..., 2. von der Großindustrie, welche immer mehr ihre großen Kapitalien in Land anlogt, 3. von den Kapitaliften, welche erfahrungsgemäß zur Verbesserung ihrer gesellschaftlichen Stellung ihre Gelder in Land anlegen(nach dem Kriege werden die Kriegsgewinne hierzu besonderen Anreiz geben), 4. von der gewerbsmäßigen Bodenspekulation." Eine Acnderung zu wirksamer Förderung der inneren Kolo- nifation sei nur möglich, wenn zu Siedelungszwecken ein allge- meines AorverkaufSrecht an Grund und Boden geschaffen würde und ein Enteignungsrecht für Boden, dessen Ankauf im Interesse der Ansiedelung unentbehrlich ist, ferner für Oed- ländereien und für Boden, dessen Bewirtschaftung der Eigentümer vernachlässigt. Berechtigt zur Ertverbung von Grund und Boden auf diesen Wegen sollet! nur der Staat, die Provinzen, Kreise und politischen Gemeinden sein. Es handelt sich hier sicher nicht um eine„großzügige Reform", wie sie zur Gesundung unserer inneren wirtschaftlichen Zustände erforderlich wäre, aber es ist immerhin das Verdienst dieser von sozusagen autoritativ bürgerlicher Seite ausgehenden Kundmachung, den Finger auf Wunden gelegt zu haben, die zunächst mal behandelt und beseitigt werden müssen, ehe man weitere Schritte in der An- gelegenheit tun kann. ES ist namentlich sehr wertvoll zu hören, daß bisher alle Bestrebungen, die innere Kolonisation zu för- der», in der Hauptsache— sagen wir ruhig ausschließlich— anderen Leuten a l S denen, die angesiedelt sind, schätzbare Früchte gebracht haben." Die Kriegswirkung auf die Städte. Nach einer Ausstellung des Statistischen Amtes in Elberfeld sind die direkten Gemeindesteuern in 110 preußischen Städten mit mehr als 80 000 Einwohnern im Kriegsjahr 1915 um 37 Proz. gestiegen, die indirekten um 36,52 Proz. zurückgegangen. Gerade die Hälfte der angeführten Städte— nämlich 55— hat die diretten Gemeinde- steuern erhöht. In den Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern schwankt der prozentuelle Zuschlag zur Einkommensteuer von 125 auf 250 Proz._ Das preuhische Eisenbahn-Anleihegesetz. Dem preußischen Abgeordnetenhause ist der Entwurf eines Eiseubahn-Anleihegesetzes zugegangen. Mit Rücksicht auf die gegen- wältigen Verhältnisse sieht der Entwurf von der sonst üblichen Ein- stelluilg von Mitteln zum Bau neuer Bahnen einstweilen ab. Es sind nur Forderungen für die dringendsten Bedürfnisse der Eisenbahn- vertoaltung eingestellt, und zwar werden verlangt 11382 000 M. zur Herstellung von zweiten und weiteren Gleisen, 20 672 000 M. für Bauausführungen, 280 200 000 M. zur Erhöhung der Leistungs- fähigkeit des Bahnnctzes und 1000 000 M. zur weiteren Förderung des Baues von Kleinbahuen. Zu dem Gesamtbetrage in Höhe von 313 254 000 M. hat Sacksen-Weimar einen Zuschuß von 350000 M. zu leisten. Die übrige Summe soll, wie üblich, durch Staatsschuld- verschreibungen aufgebracht werden. Der Haus- und Grundbesitz im Kriege. Nach Schilderungen der Haus- und Grundbesitzer muß deren Lage geradezu trostlos sein. Nun mag es in der Tat richtig sein daß manche dieser Leute durch den Krieg schwer geschädigt worden sind. Im allgemeinen ist jedoch die größte Vorsicht gegenüber den Klagen geboten. Daß eS mit dem wirklich soliden HauS- und Grundbesitz nicht so schlimm bestellt sein kann, geht aus dem Bericht des Dortmunder Spar- und Bauvereins für das zweite Kriegsjahr hervor. Der Verein war nicht besser ge- stellt als die übrigen Hausbesitzer; auch er mußte bei den Familien der Kriegsteilnehmer auf 50. dann 40 und zuletzt 30 Proz. der ver- fraglich vereinbarten Miete verzichten. Trotzdem hat der Berein, der mehr als 2000 Wohnungen besitzt und vermietet hat. im Berichts- jähr sehr günstig abgeschrlitteu. er hat nämlich noch einen reinen Ueberschuß von rund 100 000 M. erzielt. Außer sonstigen Rück- lagen wurden dem Baufonds 27 000 M., dem NeparaturauSgleichS- fonds 30 000 M. überwiesen und 4 Proz. Dividende werden zur Verteilung gebracht. DaS ist ein Ergebnis, das bei der Bewertung der Klagen der HanS- und Grundbesitzer doch von einiger Bedeutung ist. Denn in der Hauptsache werden die Klagen wohl aus Fehlschläge von Spekulationen zurückzuführen sein. Kriegsorganisationen für den Gemüsebau. Die mehrfach in Presse und Parlameuleu geforderte Hebung des Gemüsebaus soll durch die Schaffung von zwei neu gegründeten Kriegsorganisationen gef ändert werden. Ein aus allen Teilen Deutschlands in der Zentral-Einkauss-Gesellschaft einberufene Bc- sprechung von Fachmännern wählte einen Ausschuß, bestehend aus zwei Vertretern der Produzenten, zwei Vertretern der Koifferveu- induftrie und zwei Vertretern der Händler, sowie dem Leiter der Vermittlungsstelle des Verbandes deutscher Gemüsezüchter. Die Aufgabe dieses Ausschusses ist zunächst: Mehranbau von Gemüse zum Massengebrauch. Der Zweck soll erreicht werden durch Auf- tlärung unter Mitwirkung der Laudwirtschastskammeru und der örtlichen Gartendaiuvereiue, durch Regelung des Absatzes au die Heeresverwaltung, Stadtverwaltung, Trockenindustrie sowie den privaten Handel, durch Abschluß von Attbanverträgen, um sich ein bestiurmtes Quantum von Gemüse sichern zu können, und durch Versorgung der Produzenten mit Stickstoffdünger, Saatgut. Arbeitskräften usw. Um juristische Rechte zu erlangen, wurde am Anschluß an die erwähnte Sitzung eine KriegS-Gemüse- bau- und Verwertungsgesellschaft m. b. H. mit dem Sitz in Berlin gegründet. Das Reich wird dieses neue Kriegs- unternehmen durch eine größere Beihilfe fördern und untevstützen. Aehnliche Ziele wie die KriogS-Gemüfe- und Verwertmrgs- gesellschaft verfolgt die vom Reichsamt des Innern ins Lebe« ge- rusene Zentralstelle für den Gemüsebau in Klein- gärten, zu deren Leitung der Generalsekretär des Zentralver- bcmdes deutscher Arbeiter- und Schrebergärten, Geheimrat Bielefeld, Direktor der Lande sversichevung sonstalt der Hanse- städte, berufen worden fft. Die Hauptaufgabe dieser Zentralstelle, die ihre Tätigkeit über das ganze Deutsche Reich erstrecken wird. ist, auf die Gemeinden, Verbände, landwirtschaftlichen und gemein- nützryeu Verehre in dem Sinne einzuwirken, daß sie geeignetes und, wenn möglich, sehr viel und preiswertes Land schleunigst für den Gartenbau zur Verfügung stellen. Dieses Land soll womöglich unentgeltlich oder Höchstens zum Selbstkostenpreis an alle Bewerber abgegeben werden, die sich ernsthaft mit der Bebauung der über- � lassen en Flächen beschäftigen wollen. Im Interesse der Gemeinden und der Volksernährung wird es liegen, sich mit der Zentralstelle in allen den Gemüsebau in Kleingärten betreffenden Fragen schlen- nigst in Verbindung zu setzen. Nach den von dem Leiter der Zcn- tralstelle einem Mitarbeiter des„Berliner Tageblatts" gegenüber dargelegten Richtlinien für die Tätigkeit dieser Zentralstelle wird sie sich namentlich die Beschaffung des geeigneten Düngers, die Srmenbeschasftlng und den Ilntervicht der Landbesitzer angelegen sein lassen und bemüht sein, den zum Hsevesdienst eingezogenen Gärtnern und Gartenbesitzern für die Zeit des Anbaus, also ffir etwa vier bis sechs Wochen. Urlaub oder Befteiung vom Heeresdienst zu erwirken, damit die Bestellung der Felder ohne Verzöge- rung vor sich gehen kann._ fius Znöustrie und Handel. Kriegsgewinne. Hoffmanns Stärkefabriken S.-G. in Salzuflen zahlen eine Dividende von 12 Proz., gegen 6 Proz. im Borjahre. Die Continental-Caoutchouc- und Gutta- percha-Compagnie Hannover schlägt für 1915 SO Prozent Dividende wie rm Vorjabr vor. Di« Ra u chw aren-Z u r ich ieeei und-Färberei A.-G. in Markranstädt erhöht die Dividende von 14 auf 15 Proz. Die Sächsische Karton nagen-Maschinen-A-G. in Dresden erhöht!brc im Vorjahre von 11 aus 6 Proz. herab- gesetzte Dividende wieder auf 9 Proz. Die Leipziger W er k ze u g m a scb inen sab r i k vorm. W. v. Pittler Akttengesellschaft schüttet für das Geschäftsjahr 1915 aus einem Uebcrchuß von 1 778 687 Mark(im Vorjahre 1 206 490 Mark) wieder W Proz. Dividende aus. In ihrem Geschäftsbericht wird zu dem Ergebnis u. a. fol- gendes bemerkt: Die durch den Krieg hervorgerufene anhaltend starke Nachfrage in unseren Erzeugnissen konnten wir durch Ausnutzung aller zur Verfügung stehenden Räume und Einlegen von Doppel schichten in einigen Abteilungen zum großen Teile beftiedigeu, um so mehr, da wir uns auch nach Kricgsaus- bruch ausschließlich dem Bau unserer eingeführten Maschinen- typen gewidmet baben. Hierdurch und durch weitsichtige Anordnung bei Materialbeschaffung tonnten wir die Auslieferung um reichlich 60 Proz. steigern und damit den höchsten Umsatz seit Be- stehen unserer Fabrik erzielen. Di« Gesellschaft schlägt eine Erhöhung ihre» Aktienkapital« um 900 000 M. auf 3 Millionen Mark vor. Im Geschäftsbericht wird die Kapital- tronSaktion damit begründet, daß ein« abermalige Erweiterung des Werkes geboten erscheint, da eS unmöglich ist, das derzeittge Fabrikationsprogramm den Anforderungen der Kundschaft ent» sprechend durchzuführen. Die Phönix. A.-G. für Bergbau und Hütten- betrieb in Hörde wefft in ihrer Halbjahrsbilanz einen Betriebsüberschuß von 21 651 395 M. gegen 10 587 390 M. in der Vergleichszeit des Vorjahres resp. 22 636 121 M. am 31. Dezember 1912 und 18 849 945 M. am 31. Dezember 1913 auf. Bei einem Vergleich mit dem Ergebnis des ersten Halbjahres 1914/15 ist nach der Verwaltung zu berücksichtigen, daß in den ersten Monaten durch den plötzlichen Ausbruch des Krieges große Störungen im Betriebe verursacht wurden und namentlich der Wegfall des größten Teil« des Exportgeschäftes eintrat. Die Beschäftigung sei zurzeit lebhaft und die Preise im Steigen begriffen. Die Beschaffung der Roh- stoffe und der Arbeiter sei nach wie vor mit Schwierigfeiten verknüpft. Die Gesellschaft besitze aber Rohmaterialien in einem Umfange, der denjenigen der normalen Friedenszeiten übersteigt. Einschränkung des Umfanges der Tageblätter. Ter Wiener„Arbeiterzeitung" wird aus B u d a p e st gemeldet, daß in U n ga r n infolge des Papiermangels Verhandlungen im Gange sind, den Höchstumfang der Tageblatter durch Regierung»- Verordnung festzustellen, und zwar je nach dem Einzelverkaufspreis der Zeitungen. So sollen Blätter, deren Einzelnummer bis zu sechs Heller kostet, höchstens sechs Seiten, solche zu acht oder zwölf Seiler höchstens acht oder zwölf Seiten stark erscheinen dürfen. Der Umfang von zlvölf Seiten darf nicht überschritten werden, auch an Sonn- und Feiertagen nicht. Soziales. Heimarbeitcrschuh. Äor einer Woche fand in Berlin eine Aussprache über Matz- nahmen zugunsten der Heimarbeiter statt. Die Einladung ging von der Auskunftsstelle für Heimarbeitsreform und vom Bureau für Sozialpolitik aus. An der Besprechung nahmen Vertreter und Vertreterinnen der verschiedenen Gewerkschaftsrichtungen sowie der Zentralstelle für Arbeiterinneninteressen und der Verband der katho- tischen erwerbstätigen Frauen und Mädchen teil. Als Ergebnis der Aussprache wurde in Aussicht genommen, eine Eingabe an Reichstag und Bundesrat betreffend die beschleunigte Durchfüh- rung des Heimarbeitsgesetzes zu richten, an das Kriegsministerium das Ersuchen um Einführung von Fachansschüssen zu richten und an die übrigen behördlichen Auftraggeber lEisenbahn, Post, Gemeinden) das Verlangen zu stellen, eine gleiche Regelung der Lohn- Verhältnisse einzuführen, wie dies im HeereöbekleidungSwesen ge- schehcn sei. Eine Kommission von 5 Personen soll in Gemeinschaft mit dem Bureau für Sozialpolitik diese Eingaben bearbeiten. Dann trat man für planmätzige Verteilung der HeereSaufträge für Heimarbeit ein und schlug hierfür die Bildung eines Beirates von Sachverständigen beim Kriegsmini st erium vor, worüber bereits Verhandlungen mit letzterem eingeleitet sind. Auch diese Angelegenheit wird der erwähnten Kommission über- wiesen. An letzter Stelle wurden Mitteilungen über die Be- teiligung sogenannter Wohlfahrtsorganisa- t i o n e n an der Uabernahine von Heeresaufträgen für Heimarbeit gemacht und auf eine energische Bekämpfung des Heimarboits- schwindcls sowie auf die Notlvendigkeit der Förderung der ortS- statutarischen Krankenversicherung der Heimarbeiter hingewiesen. Ein raffinierter Trick zur Umgehung des Tarifs. Während auf der einen Seite die Militärbehörden den Unternehmern und Zwischenmeistern auf Militärarbeit die Zahlung der Tariflöhne an die Arbeiter zur Pflicht machen, wissen auf der anderen Seite raffinierte Zwischenmeister immer neue Auswege zu finden, um einen Teil des den Arbeitern und Arbeiterinnen zustehenden Lohnes in die eigene Tasche zu stecken. Ein derartiges Manöver, welches der Kauf- mann Oskar Haupt, Königgrätzer Straße 6 7. seinen Arbeiterinnen gegenüber ausgeführt hat, wurde gestern durch die Kammer 2 des Gclvcrbegcrichts als ein Verstoß gegen die guten Sitten bezeichnet. Haupt ist Zwischcuunternchmer auf Feldflaschenriemen. Dieser Artikel ist wegen seiner geringen Entlohnung schon seit längerer Zeit Gegenstand von Erörterungen in Sattlerversammlungen ge- Wesen. Später sind'die Löhne für Flaschenriemen durch die Schlich. tungskommission für Miliiärsattler geregelt worden. Die Firma Gebr. Israel, welche die betreffende Lieferung von der Mili- tärbehörde übernommen hat und die Arbeiten an Zwischenunter- nehmer weitergibt, verpflichtete sich der Schlichtungskommisstoii gegenüber, die bis zum 31. Dezember 1915 entstandenen Lohudifse-- renzen an die betreffenden Arbeitnehmer nachzuzahlen und dafür zu sorgen, daß die Zwifchenunternehmer vom 1. Januar ab die in der Schlichtungskommission festgesetzten Löhne zu zahlen haben. Der Kaufmann Oskar Haupt, der bis dahin statt 15 Pf. nur 9 Pf. Stücklohn bezahlt hatte, gewährte seinen Arbeiterinnen vom 2. Ja- nuar ab zwar den Tariflohn von 15 Pf., lietz aber jede Arbeiterin ein Schriftstück unterzeichnen, wodurch sie sich verpflichtet, e i n Drittel des Lohnes an Haupt zurückzuzahlen als Ber- gütung für seine Geschäftsunkosten und seine Bemühungen. Eine dieser Arbeiterinnen klagte nun beim Gewerbe- gericht auf Zahlung von 5,79 M., die Haupt von dem Avbeitslohn der ersten Januarwoche als das ihm vermeintlich z»- kommende Drittel abgezogen hatte. Der Beklagte berief sich auf das erwähnte Schriftstück. Er dezeichncte dasselbe als einen Vcr- trag, den die Klägerin mit ihm abgeschlossen habe, den sie also auch halten müsse! Das Gericht unter dem Vor fitz des Justiz- rats Marcus« verurteilte selbstverständlich den Beklagten zur Zahlung de» geforderten Betrages mit der Begründung: Der Beklagte hat der Klägerin gegenüber erklärt, daß er den Tariflohn zahlen wolle. Gleichzeitig hat er mit ihr ein Abkommen getroffen, wonach sie ihm ein Drittel des Lohnes zurückzahlen solle. Dieses Abkommen verstößt gegen die guten Sitten und ist deshalb nichtig. Der Tarif ist zu dem Zweck gemacht, damit den Arbeitern ein be- stimmter Lob» gesichert werde. Solche Vertrchze, wie der Beklagte mit seinen Arbeiterinnen abschloß, laufen darauf hinaus, die zu- gunsten der Arbeiter getroffenen Tarifbestimmungen heimlich zu umgehen. Solche Verträge können deshalb keine Gültigkeit haben. Zliklällleliililij'Mtiei'Vülllvekelii k. ö. 4. BefI. ReichslagswatillcPEls. Frankfurter Viertel. Bez. 269. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Tischler Li'nsi Jahn Wcbcrstratze 41 gestorben ist. Di- Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 19. Februar, nachmittags 3'/, Uhr, von der Halle des MarknS-KirchhofeS in WtlhelmSberg aus statt. Frankfurter Viertel. Bez. 39? I. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Genosse, der Tischler Ernst Tischmann Zorndorser Str. 17 gestorben ist. Dt« Einäscherung findet am Sonnabend, den 19. Februar, nachmittags 4 Uhr, im Krema- lorium. Gerichtstr. 37/38, statt. Ehre ihrem Andenke»! Um rege Beteiligung ersucht 9112/1 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse Paul Brasch am Dienstag, den 16. Februar, im 45. llebcnsjahre an Herzschwäche gestorben, ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet heute Freitag, nachmittags 3 Uhr, von der Leilbcnhalle des Gemeinde- sriedhojcs Britz aus statt. Rege Beteiligung erwartet 194/12.Dez» Torstand. Heukoiloer Liedertafel ISIS. (M. d. D. A..S..B.) Am 15. Februar 1915 starb unser Sangesbruder pan! Brasch. Die Beerdigung findet heute Freitag, den 13. Februar, nach- millags 3 Uhr, aus dem Britz« Gemeindesriedhos, Chausscestratzc, statt. Rege BeteUtgnng erwartet 57/19 Der Sozialdemokratischer Wahiverein Keukölln. Am 14. Februar verstarb unsere Parteigenossin Berta fVLünck BSHmische Str. 7, 11. Bezirk. Ehre ihrem Andenken i Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 19. Februar, nach. mittags 2'/, Uhr, aus dem Neu- föllner Gemeindesriedhos, Marien- dorser Weg, statt. Um rege Beteiligung ersucht 236/14 Der Vorstand. Deutscher Bauarbeiter-Verband. Zvreigvcrein Berlin. Bezirk Neukölln. Am 15. Februar starb uns« Milglied, der Hilssarbeit« Paul B-'aTvh. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute Freitag, den 18. Februar, nach. mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Gemeinde-FriedhoseS in Britz aus statt. 149/15 Ber Torstand. Gewidmet zum 31. GeburtStage meine« tnnlggeliebten ManneS und Vater leine« einzigen Töchterchen«. unseres braven SohneS und unvergeßlichen BruderS und Schwagers Paul Schlenker gefallen durch Grattalschuh am 19. Juli 1915. In schmerzlich« Erinnerung Kril- 113A ffrida Schlenker nebst Töcht«chen. Frau Meißner als Mutter. Marie Schlenker. Max Schlenker ai« Brud«. Alma Bodenstein als Schwester. Rud. Bodenstein, .... At elde. zurzeit im Felde. Wallt Seifert al» Schwester. Seifert, zurzeit im~" Iruo Allein zu sein— drei Worte, leicht zu sagen, Doch schw«, so endlos schwer zu tragen. Er kehrt nicht heim, daS Ist uns« Klagen, Er, den wir geliebt, er kehrt nicht heim. fDrab, Fern von d« Heimat da ist ein Dort senkte man einen deutschen Helden hinab. Er ruht mm sriedlich au« vom Schmeiz, Ein treue« Vaterherz. Er wird von den Sein« daheim beweint, Die Gott aus Erden nicht mehr vereint. So ruh mm au«, Du gute« Herz, Du hast jetzt Frieden, wir den Schmerz. Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands. Zahlstelle Aroft-Berli». Am Montag, den 14. Februar, verstarb unser Mitglied KaH Krüger. Ehre seinem Andenke»: Die Bendigung findet am Sonnabend, den 19. d. M., nach- mittag« 4 Ahr, von der Halle de« Neuen Jakobi- Kirchhofe«, Neukölln, Hermannstrahe, aus statt. 53/2 Die Orbverwaltang. Deutscner fioizarbelterrerbanl Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tisch!« Ernst Tischmann Zorndorf« Str. 17, im Alt« von 37 Jahre» ge- starben ist. Ehre seine« Andenke»! Die Einäscherung findet am Sonnabend, den 19. Februar, nach- mittags 4 Uhr. im Krematorium, Gerichtstrah- 37/38, statt. Um rege Beteiligung wird ersucht. Nachruf. Den Mitgliedern fern« zur Nachricht, bah uns« Kollege, der Tischler Hermann Kühn Skalitzer Str. 6, im Alter von 65 Jahren ge- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung fand am Man- tag, den 7. Februar, aus dem Friedhos der SimeonS-Gem-inde in Britz statt. 82/ 18 Die OrtSverwaltung. Allgemeine Kranken-«nd Sterbekaffe der Bent.el»en Drechsler und deren Be- rnfSgenosse»(Ersatzkasse, Ber- waltungsstelle Berlin B). Am 16. Februar verstarb uns« M tglied Herold Relmann. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 19. Februar, nach- mittag» 3 Uhr, von der Leichen- balle des Britz« Gemeinde-Fried- bofes, Chausseeiirahe, au» statt. 39/3 llle Orttverwaltung. Freunden und Bekannten zu, Nachricht, daß die Drauerfeie, für unseren lieben Sohn Lried Meißner am Sonnabend um 1'/, Uhr in Martendorf, Ehausseestr. 27, im Lokal von Benscheck statt- findet. 276b Familie Meißner. Kopplin i, Schmidtstr. 6, Deutseber Metallarbeiter-Verband' Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß uns« Kollege, d« Feilen- hau« Paul Pankow, Schmidtstr. am 16. Februar gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 19. Feb-nar, nachm. 4 Uhr, von b« Le.�eil- balle de« Pankow« Gemeinde- Friedhose«, Schönhoizer Heide, au» statt. Um rege vetetitgung wird ersucht. Den Kollegen fern« zur Nach. richt, datz uns« Kollege, der Mechaniker Karl Brunke Neukölln, Jägerstr. 70, am 16. Februar gestorben ist. Ehre seinem Andenke«: Dt« Beerdigung findet am Sonnabend, den 19. Februar, nachmittags L>/, Uhr in Sarau Um rege Beteiligung wird ersucht. Nachruf. De» Kollegen sern« zur Noch- Acht, bah uns« Kollege, der Gürtl« Gustav Sauer-Zuromski Neukölln, Lahnstr. 4, am IL Februar gestorben ist Ehre seinem Andenken! llS/8 Die OrtSverwaltung. Hierdurch die traurige Nach- richt, bah mein innigstgeliebter Sohn, Brud«, Schwager, Onkel und Btäutigam, der Feilenhau« Paul Kvpplin nach langem, schwerem Leiden im Alter von 28 Jahren ent- schlafen ist. 65A Die» zeigen tiesbetrübt an Die irauerniien Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 19. Februar, nach. mittag« 3'/, Uhr, von der Halle des dritten Pankow« Ftiedhose«, Schönhoizer Heide, au« statl. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt. daß am Montag. 14. Fe. bruar, mein lieber Mann, unser rutei Vater. Onkel, Brud«. Schwiegersohn und Nesse. d« Tischler Ernst Tischmann „ach langem schweren Leiden im Alt« von 37 Jabren verstorben ist Die trauernde Galtin Marl« Dlsehniaan geb.Beck nebst Kindern. Die Einäscherung findet Sonn- abend, 19. Februar, nachmittag« 4 Uhr, im Krematorium, Gericht- ftrahe 37/38, statt. 181A Kranzspenden dankend verbeten I Am Montag, den 14. Februar, verschied nach kurzem schweren Leiden meine liebe Frau, unsere innigstgeiiebte Mutter Jlberlioe Wäscher geb. Teamana. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Marl Wäscher nebst Kindern. Die Beerdigung findet Sonntag. nachmittag 4'/, Uhr aus dem neuen Jakobi- Kirchhof, Renkölln, tz«» mannstrahe. statt. Berichtig: tinx. Die Beerdigung der Frau Auguste Meyer geb. Klein findet am Sonntag, den 20. Fe- bruar, nachmittag« 2 Uhr, von der neuen Halle des jüdischen Friedhofe« in Weihenfee aus statt. im Hamen dar Hinterbllebenso. Danksagung. die vielen Beweise herzlich« Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meine« lieben Manne«, uns«eS guten Vater« 276d �uxust Nieter sage ich ollen Teiwebmern, Freunden und Kollegen meinen innigsten Danl. Witwe Nieter nebst Kindern. Weil der Inhaber im Felde, verkante wegen vollständiger TcC;'" Kostüme in besten, schw. u. weiß kariert. und anderen farbigen Stoffen,? auf Seidenfutter B Jstst lS°, lS° M.| Hoehf. Seiden-Moiröe-Mäntel? und-Jacketto, Tuch- unde Alpaka-Mantel Ü DM- spottbillig'-MW i4 1 Posten Ulster,| Wettermäntel und» SporteJackette« erüßtonteüa Backflschgrößen, 790 dl. i Posten Mädchon- Msntol 5 in allen Größen, in Leinen- und jjj WollstoSen, jetzt St 8,96, 4,80.£ Die RestbestSnde in Stoffen, Futtersaohen u. Knöpf en, INäh- masohine, 2 Zusohneidetischo, Plätten, Scheren, Stoffrogale, RoUständ., Bügel billig. W. Durra, Hof, Fabrikgebäude 2 Treppen. Untergrundb. Sonefelderplatz. 3n Stelen Stnnoen -— Dir- Wochenschrift für Arbeiterfamilien wöchentlich 1 hef« für 10 pf. SINGER NÄHMASCHINEN für UaasKebraach and kür den Erwerb. Zu haben in den Läden mit nebenstehendem Schild oder durch deren Agenten. Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. Filialen in allen Stadtteilen. [Wichtig für Herren! 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Berliner Reichsiagswahlkrei«, dem Verband der sreien Gast- und Schankwirte, sowie dem TranSvortarbeiter-Verband jagen wir für die herzliche Teilnahme und Kranzipenden bei der Beerdigung meine» lieben Manne« und Vater« herzlichen Dank. 274b F ran Berta Stranst und Kinder. Eier billiger I Irische Rocheier von 12 Pf. an. Koller, Braiidenburgstr. 51, 121/16] Ecke Nitterstrage. Danksagung. Für die unS erwiesene Teilnahme beim Hinicheiden meines lteden ManneS, unserc« guten Vater« sagen wir hiermit allen Genossen, dem Ver- bände der freien Gastwirte und vor allem dem Genossen und Kollegen Herrn Obst unjeren liesgesühltcn Dank. 272b Berlin, im Februar 1916. Im Namen aller Hinterbliebenen Hartha«Kühl. ß Zigaretten billig! Wollen Sie wirklich gute Zigaretten ausiergewöbniich billigen Preisen ausen, so versuchen Sie meine 2'/, Ps.« Zigarette 100 Stück 1,40 M. 3'/,„. 100. 1,95. 5.. 100. 2,65. Gold- oder Papiermundstück. Bei Abnahme von 500 St. franko. F. 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Staötverorönetenverfammlung. 4. Sitzung vom Donnerstag, den 17. Februar 1S16, nachmittags 5 Uhr. Der Vorsteher Michelet eröffnet die Sitzung nach iVi Uhr. Zur Verhandlung steht zunächst der dringliche Antrag Cassel und Genossen bctr die gleichmäßige Anwendung der Vorschriften des Reichsgesetzes von 1888/1914 wegen Unterstützung der«ngehürigen der Kriegsteilnehmer. Referent ist Stadtv. Imberg(Fr. Fr.). Der Ausschutzantrag geht dahin: „Tie Versammlung ersucht den Magistrat, darauf hinzu- wirken, daß von den einzelnen UntcrstützungSkommissionen der Stadt Berlin in gleichmäßiger Anwendung der reichsgesetzlichen Vorschriften, der Gemcindcbeschlüsse und insbesondere der Bundcsratsbeschlüsse vom 21. Januar 1918 über die Unterstüh- ung der Kriegersamilien bei den Beschlüssen über die Unterstütz- ungsgesuche verfahren wird. Die Versammlung nimmt ferner Kenntnis von der vom Magistrat in der Ausschutzvcrhandlung vom 19. Februar 1916 abgegebenen Erklärung, daß er auf Grund des§ 7 der Bundes- ratsbeschlüsse vom 21. Januar 1916 eine Beschwerde- i n st a n z gescbasfcn hat, und siebt in dieser Einrichtung eine weitere Gewähr für ein gleichmäßiges Versahren der verschie- denen Kommissionen." Stadtv. Adolf Hoffmann(Soz.): Die Stadt tut auf dem Ge- biete der Unterstützungen sehr viel. Deshalb sollte man aber doch nicht z. B. in bezug auf die Zuwendungen seitens der Arbeitgeber so kleinlich sein. Tie Anrechnung dieser Zmvendungen ist gesetzlich nach unserer Meinung unzulässig. Ebenso steht eS hinsichtlich des von einigen Kommissionen immer noch befolgten Verfahrens nach dem Prinzip der Teilbarkeit der Unterstützung, das nach de esetz ebenfalls unzulässig ist. Nun haben wtzt-ja endlich das Wichtigste, nämlich die Bcschwerdeinstanz, die uuS bisher fehlte; und nun möchte ich den Magistrat dringend bitten, dafür zu sorgen, daß wir nicht erst von den Staatsbehörden rektifiziert werden, sondern von selbst tun, was unsere gesetzliche Pflicht ist, Tie Arbeit des Ausschusses ist von der Reichsgesetz- gebung überholt worden. Wir hatten im Ausschutz ein Ein- kommensininimum�von 1759 M. beantragt; das geht nicht, hieß es. Jetzt kommt der Staat und setzt es, unbescheidener als wir, sogar aus 1599 M. fest, und nun gehtsl Wenig erfreulich steht es um die Unterstützung bei unseren städtisckien Arbeitern; wir wollten sie durch eine Sonderstellung bester stellen als die übrigen Kriegs- tcilnehmer. tatsächlich aber sind sie jetzt unter Umständen schlechter gestellt.(Redner gibt dafür mehrere Beispiele.) Hier mutz revi- diert werden; der Einklang mit den neuen Unterstützungssätzen ist herzustellen Endlich bitten wir den Magistrat um Aus- kunft, wie er sich zu unserem einstimmigen Beschlüsse stellt, den Zuschlag auch für die Kinder auf 199 Proz. zu bemessen, das heißt von 6M. auf 7,59 M. zu erhöhen. Bei dem steten Steigen der Lebensmittelpreise, bei der Aussichtslosigkeit ihres Herabgehens mutz Berlin auch leisten, was selbst schwache Vor- orte längst geleistet haben. Der Magistrat soll doch also endlich dazu� Stellung nehmen. Bei der Unzahl von Millionen, die jetzt geopfert werden müssen, sollte hieran am allerwenigsten geknapst werden. Stadtv. Cassel(Linke): Auch ich nehme an. daß sich der Ma- gistrat hierüber bald erklären wird. Im Punkt der Unteilbarkeit der Unterstützungen stehe ich völlig auf dem Standpunkt des Kol- legen Hoffmann. Von der Beschwerdeinstanz erhoffen wir das endliche Verstummen der Klagen über die unterschiedliche Behand- lung�der Gesuche. Stadtrat Toflein: Die Frage, ob dem Magistrat eine Ein- Wirkung auf die Kommissionen zustehe, ist setzt durch die Bundes- ratsverordnung vom 21. Januar entschieden. Es ist eine Bc- schwcrdekommission eingesetzt, natürlich liegt das letzte Wort beim Magistrat selbst. Durch diese Einrichtung wird dem Wunsche nach Gleichmäßigkeit der Handhabung entsprochen.— Einer Nachprüfung der Verhältnisse hinsichtlich der städtischen Arbeiter wird sich der Magistrat nicht entziehen. Betreffs der Kinderzulage bittet der Magistrat die Versammlung, diese Frage im Zusammenhang mit der Etatberatung zu erörtern, nur dann wird sich ihre Trag- weite und die Einwirkung auf die städtischen Finanzen beurteilen lassen. Stadw. Ad. Hoffmann: Diese Ausführung mutz doch wie ein kalter Wasserstrahl wirken. Also noch bis gegen Ende März soll damit gewartet wenden! Die nötigen Mittel fließen doch gar nicht aus dem Etat. Warum kann nicht jetzt schon darüber ein« Aussprache sein 7 Die Säuglingssterblichkeitsziffer steigt an, Reich und Staat denken schon an Matznahmen, um einzugreifen. Die 1,59 M. für das Kind pro Monat bedeuten sehr viel, wo heute die Milchpreise so hoch stehen und viel« Nahrungsmittel kaum zu haben sind. Man sagt mir, es würde 4 Millionen kosten. Wo soviel Millionen verpulvert werden, kommt es auf 4 Millionen nicht an; in einer Zeit, wo so viel Menschenleben vernichtet werden, haben wir die doppelte Pflicht, für die Erhaltung der zu- künftigen Generation zu sorgen!(Beifall.) Sta-dtv. Düring(Fr. Fr.): Dem Magistrat mutz in der Frage der Kinderzutage Zeit gelassen werden. Früher habe er einen ab- lehnenden Standpunkt eingenommen, jetzt prüfe er offenbar, ob er sich � nicht der Versammlung anschließen könne. Die Not der Zeit tritt an jeden heran; wenn der einzelne den Nahmen seiner persönlichen Verhältnisse in Gesühlsaufwallungen überschreitet, so ist das� seine Sache. Die 4 Millionen müßten doch später auch durch Steuern gedeckt werden und diese müssen auch die draußen tragen, wenn sie später von der Front zurückkehren. stadtv. Adolf Hoffmann: Der Magistrat will warten, aber die Kinder können_ nicht warten. Schon seit November warten die Frauen auf diese Erhöhung. Berlin sollte doch mustergültig sein und vorbildlich auf diesem Gebiet«. Ich habe auch drei Söhne an der Front und weiß, was eS heißt, durchhalten müssen; hätte Herr Düring dazu in gleicher Weise Gelegenheit, so würde er verstehen, >vas diese 1,59 M. bedeuten. Di« zurückkehrenden Soldaten werden diesen Zlnteil an den schweren Steuern nach dem Kriege freudig zahlen, wenn sie ihre Kinder gesund, nicht unterernährt und lebens- krätzig wiederfinden. Oberbürgermeister Mermuth: Seit Ihrem Beschlüsse ist durch die bedeutenden Erhöhungen, welche in dem BundesratSbeschlusse liegen, eine starke Aenderung des Sachverhalts eingetreten. Unsere Unteritützungsleistungeii sind von monatlich zwei auf zehn Millio- neu gestiegen. Der Standpunkt des Magistrats ist absolut ein- wandfrei. Siadtv. Cassel: Die Bemerkungen des Kollegen Hoffmann über die auffallend große Kindersterblichkeit in Preußen sind begründet; was Berlin angeht, so werden wir uns noch darüber zu orientieren haben. Für die Kinder der Kriegs- teilnebmcr wird aber durckmus genügend gesorgt. Die Extrahilss- fonds der Kommissionen sind wieder aufgefüllt und gewähren reich. lich Extraunterstützungwi. Stadtv. Düring: Eine stärkere Säuglingssterblichkeit ist in Berlin nicht eingetreten. Stadtv. Äd. Hoffmnnn: Ich hin Mitglied der Fraktion der Arbeiter, die doch wohl eine nähere Kenntnis von den Verhält- nisten haben, die hier in Frage kommen, als der Vorredner haben kann. Die Säuglings, und Kinder st crblichkeit steigt wesentlich infolge der Unterernährung. Auch die Zahl der D rp ht h e r ie st c rb e f ä lle wächst. Wrr könnten doch ganz gewiß schon heute eine gemischte Deputation mit der Sache betrauen. Die Erweiterung des Kreises der Unter- stützten hat mit der Kinderzulage nichts zu tun. Extraunter- stützungen sind für Extranotfälle bestimmt. Stadtmedizinalrat Dr. Weber: Von einer kolossalen Säug- lingssterblichkeit ist nicht die Rede; die Ziffer ist konstant herab- gegangen.(Redner gibt die Zahlen der Monate September— Dezember 1915 und 1914.) Stadw. Dr. Weyl(Soz.): Der Kollege Hofftnann hat ausdrück- lich berichtigt, daß er die Kindersterblichkeit gemeint hat, und die ist zurzeit außerordentlich hoch.(Widerspruch; Zuruf: In Preußen!) Berlin gehört doch auch zu Preußen.(Heiterkeit.) Die Zahl der Diphtheriefälle bat seit dem Herbst sehr erheblich zugenommen, im wesentlichen infolge Unterernährung, neben der Indolenz der Frauen.. Stadtmedizinalrai Dr. Weber: Die Erkrankungszis- fern an Diphtherie Und Scharlach sind zurzeit sehr hoch, aber die Sterblichkeitsziffer bleibt weit dahinter zurück. Stadw. Dr. Landau(Linke): Nicht Unterernährung, sondern eine Epidemie ist die Ursache der Stetgerung. Nachdem Stadtv. Hoffmann noch selbst berichtigt hat, daß er von der Kindersterblichkeit habe sprechen wollen, schließt die De- hatte. Tie Ausschutzanträge gelangen zur �Annahme. In einer umfangreichen Vorlage schlägt der Magistrat eine Reihe von Aenderungen der Lieferungsbedingungen der Städtischen Elektrizitätswerke Berlin vor. Ueber die Einzelheiten ist bereits Mitteilung gemacht worden. Stadtv. Dr. Levy II(Linke) empfiehlt Annahme der Borlage. Der neue Pauschaltarif für kleine und mittlere Abnehmer sei ebenso ein Vorteil wie der neue Einheitstarif für Wohnungen und Werkstätten. Auch die sonstigen kleinen Zugeständnisse seien mit Fruden zu begrüßen. Stadtv. Ritter(Soz.) tritt ebenfalls für sofortige Annahme ein. Selbstredend werde man nach dem Kriege daß Verlangen der Tarifreform erneuern. Den weitergehenden Wünschen eine? Teils der Interessenten könne aber zurzeit nicht nachgekommen werden. Stadtv. Rosenow(Fr. Fr.) äußert sich in ähnlichem Sinne, während Stadw. Bry(Linke) jeden kommunalpolitischen Gesichts- punkt in dieser anscheinend von einem Elektrotechniker herrühren- den Vorlag« vermißt. Stadtrat Hamburger verteidigt ausführlich die Magistratsvor- schlüge. Nach weiterer unerheblicher Debatte wird die Vorlage an- genommen. Das Rundgebäude zum Abschluß des Hegelplatzes soll nach seiner Errichtung an die Jubiläumsstifwng für Erziehung und Unterricht vermietet und der Stiftung der Bestand des städti- scheu Schulmuseums überlassen werden. Die Vorlage geht an einen Ausschuß, dessen Einsetzung Stadwv. Hallensleben(Linke), Bruns(Soz.) und Rosenow(Fr. Fr.) befürworten. Eine weitere Vorlage betreffend die Erweiterung des Kreises der Kriegsunter st ützungsberechtigten nach Maßgabe der Bundesratsverordnung vom 21. Januar d. I. wird ohne Diskussion genehmigt. Der Entwurf für den Reubau der Eisernen Brücke soll abgeändert werden, nachdem der Generaldirektor der Museen gegen die Rampenanlage an der Westseite des Alten Museum? Ein- spruch erhoben hat. Die Versammlung stimmt der Abänderung ohne Debatte zu. Schluß der öffentlichen Sitzung gegen 6 Uhr. Mus Groß-Serlin. Die Unterstützung üer Kriegerfamilien. Di? Berliner Stadtverordneten nahmen gestern den Bericht des Ausschusses entgegen, der sich mit der Frage einer gleichmäßigen Entscheidung über die Unter» stützung von Kriegerfamilien zu beschäftigen gchnbt hat. Ein Antrag, der dem bisherigen Zustand der vielbeklagten u n- gleichen Behandlung ein Ende machen wollte, wurde in der Stadtverordnetenversammlung vor jetzt ziemlich drei Monaten eingebracht, und der Ausschuß trat damals sofort in die Beratung ein. Die Beschlußfassung verzögerte sich aber, weil man über die Unterstützung von Kriegerfamilien eine neue Bundesratsderordnung erivartcn durfte, die unter anderem auch dem Verlangen nach einer den Unterstützungs- kommissionen zu setzenden Beschwerdeinstanz entgegenkommen würde. Vachdem inzwischen die Verordnung ergangen ist, hat die Angelegenheit sich insofern vereinfacht, als man schon in der B e s ch w c r d e i n st a n z einige Gewähr für ein gleich- mäßiges Verfahren der einzelnen Unterstützungskommissio- nen sehen kann. Daß die Stadtverordnetenversammlung auf dem Verlangen des Antrages besteht, Gleichmäßigkeit herbei- zuführen, das hat sie in Uebereinstimmung mit dem Ausschuß gestern den: Magistrat deutlich genug durch ihre Beschluß- fassung erklärt. Auch in der Debatte, die sich an den Aus- schußbericht knüpfte, waren die Redner aller Fraktionen einig über diesen Punkt. Dagegen kam es zu sehr lebhaften Auseinandersetzungen über einen anderen Punkt, den unser Genosse A d o l f H o f f- mann, durchaus mit Berechtigung, in die Debatte hinein- zog.� Noch immer wartet man in Berlin darauf, daß den Kriegerkindern zu ihrer jetzigen Reichsunterstützung der Gemeindezuschuß in gleicher Höhe bewilligt werden soll. 7,50 M. zahlt jetzt das Reich, aber Berlin gibt nur 6 M. Zu- schuß— und nach der gestrigen Erklärt"-� des Stadtrats D o f l e i n wird man sobald nicht auf Gewährung der noch fehlenden 1,50 M. rechnen dürfen. Nur im Zusammen- hang mit der Etatberatung, die Wohl kaum vor Mitte März beginnen wird, will der Magistrat sich auf Verhandlungen hier- über einlassen, wobei er dann über den Einfluß der Familicn- unterstützungcn auf die Finanzlage der Stadt nähere Auf- klärungcn zu geben gedenkt. Genosse Adolf Hoffmann nannte diese Antwort des Magistrats, über deren Bedeutung nie- mand in Zweifel sein kann, einen kalten Wasserstrahl. Die Redner des Freisinns samt Oberbürgermeister Wer- m u t h sprachen mit besorgten Worten von oer Pflicht, ernst- lich zu prüfen, wie weit die Stadt in der Uebcrnahme solcher Lasten gehen darf. Nacl>dein man lange genug immer wieder versichert hat, daß lvir sozusagen im Gelde schwimmen, wird vielleicht die Bevölkerung jetzt diese Sparsamkeit des Magi- strais nicht sogleich begreifen. Die Mehrausgabe von 1,50 M. pro Monat macht einen ganzen Sechser pro Tag, aber die Freisinnsrcdner rechneten vor, daß daraus der Stadt eine neue Jahrcsausgabc von 4 Millionen Mark erwachsen würde. Als Genosse Adolf Hoffmann auf die Bedeutung für die Ernährung der Kinder hinwies und von ciuer Zunahme der 5findersterblichkeit sprach, entbrannte die Debatte aufs neue. Für den Magistrat ergriff hierzu Stadtmcdizinalrat Weber das Wort, von uttfetet Seite trat Ihm Genosse Weyl entgegen. Erst in der Abstimmung glätteten sich die Wogen der Erregung. Zu beschließen hatte die Stadtverordnetenversammlung auch über einen Magistratsantrag, der gleichfalls auf die er- wähnte Bundesratsverordnung zurückgeht. Er betrifft, wie im„Vorwärts" schon mitgeteilt wurde, die Erweiterung des Kreises der zum Empfang von Kriegsunter-� stützung berechtigten Personen. Die Stadtvcr- ordneten erklärten ohne Debatte ihr Einverständnis. Eine dringende Warnung. Das Berliner Polizeipräsidium erläßt nachsteheiiid« Warnung: Laut einer BurrdeSratsverovdnung dürfen Anzeigen, in denen Gegenstände des täglichen Bedarfs, insbesondere Nahrungsmittel aller Art, sowie rohe Naturerzeugnisse, Heiz- und Leuchtstoff«, Düngemittel oder Gegenstände des Kriegsbedarfs angeboten wer- den, oder in denen zur Abgabe von Angeboten über solche Gegen- stände aufgefordert wird, in periodischen Druckschriften nur mit Angabe des Namens oder der Firma sowie der Wohnung oder der Geschäftsstelle des Anzeigenden zum Abdruck gebracht werden. Die LanieSzentralbehörden oder die von ihnen bestimmten Behörden können Ausnahmen zulassen. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu eintausend Mark oder mit Haft oder mit Gc- fängms bis zu sechs Monaten bestrast. Durch einen Sprung au? dem Fenster hat sich der 84 Jahre alte Aibcitcr Paul Lange aus der Waisenstr. 2 das Leben ge- nrnnmen. Der Mann war seit längerer Zeit lungenleidend und hoffte nicht mehr auf Besserung.— Wegen unheilbaren Leidens hat auch der 64 Jahre alle Zimmermann August Wesenberg aus der Carmen-Sylva-Straße 139 Hand an sich gelegt. Er erhängte sich mit einem Leverriemen am Kleiderspind und war auch schon tot, als man ihn auffand. Ein großer Pelzdiebstahl, bei dem den Tätern für 49— 59 999 M. Waren in die Hände fielen, wurde in der Nacht zum Donnerstag auf dem Grundstück Schützenstr. 65— 66 verübt. Das ausgedehnte Gebäude beherbergt mehrere große Stoff- und Tuchhandlungen, Kleidergeschäste usw. Das Erdgeschoß und den ersten Srock an der Schützenstraße nimmt die Konfelnon seiner Pelzwaren von H. Wolff ein. Im Erdgeschoß befinden sich die Ausstellungsräume, in denen die ferligen Waren für die Einkäufer aus aller Welt zur Schau stehen. In diese Räume drangen Einbrecher mit Nachschlüsseln oder Diel- richen ein. Sie stahlen Pelzmäntel, Jacketis und andere fertige Waren aller Art und schafften die reiche Beute wahrscheinlich ur Säcken weg, die sie sich eigen« dazu miigebracht hatten. Darauf deutet wenigstens der Umstand hin, daß sie in den Räumen einen leeren Sack zurückließen. Dieser Sack ist auch der einzige Anhalt, der vielleicht aus die Spur der Einbrecher führen kann. Er ist „A. G. N. 44899 Berlin" gezeichnet. Der Sack enthält noch kleine Rests von Futterleinen. Hiernach scheint es, als wenn er vielleicht schon einmal in einem Produktengeschäste verwendet worden ist. Der Wert der gestohlenen Pelzwaren ist noch nicht ganz sicher fest- zustellen. Nach den bisherigen Aufnahmen beträgt er etwa 49-59990 M. Einstellung eiuer OmnibuSlinie. Die Allgemeine Berliner Omnibus-Aklien-Gesellichaft wird den Betrieb ihrer Pferdelinie 1 Kolibuser Brück«— Schönhauser Tor am Sonnabend, den 19. Fe« bruar, abends, mit dem Schluß des Verkehrs bis auf weiteres ein- stellen. Ein DicbessPeziaNst wurde von der Krimmalpolizei in Lichten- berg unschädlich gemacht. Ende Dezember v. I. wurden au? einem Schuppen an der Pfarrstraße zu Lichtenberg für 1999 M. russischer Hanf gestohlen. Die Kriminalpolizei ermittelte den Hanf zum größten Teil bei einer Handlung in Berlin. Diese hatte ihn von einem Manne gelaust, der sich Seilermeister Bruno Brzhcki aus Wriczen a. O. nannte, sich mit einer OuittungSkarte der Invaliden- Versicherung auswies und erzählte, daß er den Rohstoff wegen Ein- schränkung des Betriebes verkaufen wolle. Die Nachforschungennach diesem Brzhcki blieben zunächst erfolglos. Dann gelang es aber doch, ihn festzunehmen. Bei ihm fand man jetzt noch 29 Puppen Kolonialhanf und 17 Knäuel ungestrichenen Bindfaden. Auch diese Sachen hat er ohne Zweifel gestohlen. Es ergab sich, daß der an- gebliche Seilermcister ans Wriezen ein gewerbsmäßiger Seilerwaren- dieb ist, der seine Beule unter der Maske eines harmlosen Mannes zu verkaufen versuchte. Zu seinem Betrieb hatte er auch einen Handwagen gestohlen, mit dem er die Sachen wegschaffte und später seinen Kunden zuführte. Wo er den Kolonialhanf und den Bind- faden erbeutet hat, weiß man noch nicht. Das Opfer eines Brandunglücks ist da« 0/« Jahre alte Söhnchen Walter des Ingenieurs Edmger aus der Deisiustraße zu Wittenau geworden. Frau Edinger hatte tu der Waichküche zu tun, während ihr Söhnchen im Bette lag. Aus einem Tisch vor dem Bette stand ein Nachtlämpchen. Der Kleine, der unruhig wurde. zog das brennende Lämpchen zu sich ins Bett. Als die Mutter zurückkehrte, brannte da« ganze Bettzeug. Mit Hilfe von Nachbarn löschte sie die Flammen, nachdem sie den Knaben aus dem Bett herausgezogen hatte. Er hatte sich aber am ganzen Körper schon schwer verbrannt und mußte nach dem Paul-Gerhardt-Stist gebracht werden. Hier starb er gestern an den Folgen der Verletzungen. Derhaftung einer(,»eisen Frau". Daß Opfer eines unerlaubten Eingriffs ist die Ehefrau Margarete Kleindienst aus der Prinzen- allee 43 in Friedrichsfelde geworden. Frau K. hatte, während ihr Ehemann im Felde stand, mit einem anderen Manne ein Liebes- Verhältnis unierhalten, das nickt ohne Folgen geblieben war. Als ihr Mann ihr mitteilte, daß er demnächst auf Urlaub kommen würde, nahm die K. die Hilfe einer Frau in Anspruch, um die Folgen ihres Fehltritts beseitigen zu lassen. Nach dem unerlaubten Eingriff er- krankte sie jedoch so schwer, daß sie daS Eliiabeth-KranlenhanS in Oberschöneweide aufsuchen mußte, wo sie unter großen Schmerzen starb. Kurz vor ihrem Tode hatte Frau K. den Namen der„weisen Frau" genannt, worauf letztere verhaftet wurde. WaS hcut noch möglich ist! Reiche Beute konnte in Cladow eine Zigeunerin machen, die schon mehrfach erfolgreiche Gastspiele erledig: hatte und die Gut« gliiubigkeit anderer mißbrauchen konnte. Bei einem jungen Mädchen erbot sie sich zum Wahrsagen. Die Wißbegierige, die über ihre Zu- kunft mancherlei erfahren wollte, willigte ein. Zuerst vcrlaugr die Zigeunertu bares Geld, das sie zum Segnen und Mesiclesen— wie sie sich ausdrückte— brauchte. Da die Vertrauensselige lein Klein- geld Halle, mußte sie 79 M. in Scheinen dazu bergeben. Die Wabr- sagerin versprach in 14 Tagen mit dein Gelde Iviederzukommeni Dadurch, daß sie auch wieder erschien, hatte sie gewonnenes Spiel und besaß unbedingtes Vertrauen. Beim zweitenmal wurde sie anspruchsvoller. Sie verkündete der Neugierigen, daß sie einen Trauer- fall zu erwarten habe und damit alles gut ablaute, müßte sie ihr daß ganze Bargeld anvertrauen. Natürlich machte sie auch allerlei HokudpoluS und schließlich rückte daS Mädchen auch noch 599 M. Ersparnisse heraus, die die Zigeunerin iofori an sich nahm. Auch die zurückgebrachten 79 M. forderte sie zurück und versprach baldige Rückkehr nach Erledigung aller Gebete und Besprechungen. Bis heule ließ sich aber die Gaunerin nicht mehr blicken, denn nun hatte sie, was sie wollte. Der Geschädigten ivurde das Verbrecheralbum vorgelegt und daraus glaubte die Geprellte eine gewisse Franz wiederzuerkennen, die in Potsdam scbon einmal mit ihren Wahrsage- und Zauberkünsten eine Trödlerin betört hatte. Damals halte man die für harmlos gebaltene Schwindltlm nach der gerichllicheu Ver, nehmung lausen lasse«. ... Alq, Leiche gelgnd«!/. Zu wie ein Mann von der Glienicker Brucks in die Havel sprang und in den Wellen versank. Vor kurzem wurde eine männliche Leiche am Ufer auf der Babelsberger Parkseite gelandet, und den Er- Mittelungen gelang auch die Personalseststellung. ES handelt sich um den Berliner Kantinenpächler H. Wache aus der Blücherstrasie 26. Durch seine Ehefrau konnte zweifelfrei der Tote erkannt werden. /tos den Gemeinden. Fleischkarte« in Charlottenburg. Die Stadt verkauft bereits seit Dreiviertel Jahren an ihre Einwohner Schweinefleisch; zuerst geräuchertes und gepökeltes Schweinefleisch, später daneben auch Gefrierfleisch und seil einer Reihe von Wochen auch frisches Schweinefleisch. Der Verkauf findet in 27 über das ganze Stadtgebiet verteilten Fleischerläden statt. Preise und Mengen des an den einzelnen Käufer abzugebenden Fleisches sind vom Magistrat vorgeschrieben. Bisher konnte der Einkauf gegen Vorzeigung einer bei den Brotkommissionen ausgestellten Lebensmittelkarte erfolgen. In seiner Heuligen Sitzung hat der Magistrat die Einführung be- sonderer Fleischkarlen beschlosien, die am Sonnabend, den 26 Februar in Kraft treten. Von diesem Tage ab können nur diejenigen Charlottenburger Einwohner in den städtischen Verkaufsstellen Fleisch er« halten, die eine Bezugskarte für frisches Fleisch und Fettwaren vor- zeigen. Die Karte ist nicht übertragbar. Um einem Mißbrauch durch Uebertragung vorzubeugen, kann neben dieser Bezugskarte auch die Vorzeigung der Lebensmittelkarte gefordert werden. Die Fleischkarte berechtigt zum Bezüge von wöchentlich 2 Pfd. Fleisch oder 1 Pfd. Feisch und 1 Pfund Fett. Die wöchentlichen Mengen find auf vier Abschnitte verteilt, die als Aufdruck die Gültigkeitsdauer des Ab- schnitts und die entsprechende Fleisch- oder Fettmenge tragen. Eine Fleischkarte reicht aus zum Fleischbezug für sechs Wochen. Beim Fleischeinkauf werden die entsprechenden Abschnitte abgetrennt. Die Fleischkarten werden in der zuständigen Brotkommisfion von Montag, den 21. Februar ab gegen Vorzeigung einer Legitimation sMietsvertrag, Sleuerquittung, Jnvalidenkarte, UnterslützungSkarte für Kriegerfrauen und dergleichen) ausgegeben. Die Verteilung der Fleischkarte erfolgt also nicht durch die Hausbesitzer, sondern jeder, der eine Fleischkarte haben will, mutz sich mit einer Legitimation selbst an die Brotkommission wenden. Städtischer Reisverkauf in Schöncberg. Der Magistrat bringt im Februar noch einen beschränkten Vorrat von gutem, glasiertem Reis zur Verteilung. Der Verkauf erfolgt gegen Abgabe der auf je 1 Pfund lautenden Reisscheine zum Preise von 75 Pf. für das Pfund. Die Reisscheine werden von den Brot- kommissionen ausgegeben. Bis zum 24. Februar werden nur die- jenigen Haushaltungsangehörigen berücksichtigt, die bei der ersten Reisverteilung keine Scheine erhoben haben. Für die minderbemittelte Bevölkerung findet im März eine dritte Reisverteilung statt. Kartoffelverkanf in der Gemeinde Treptow. Die Gemeinde verkaust die von ihr beschafften Kartoffeln in zwei eigenen Verkaufsstellen und in sechzehn über den ganzen Ort verteilten Privatgeschäften. Der Verkauf in der Gemeinde-Verkaufs- stelle Cecilienstr. 6 findet Mittwochs und Sonnabends von 8— 1 und in der Verkaufsstelle Plefferstr. 10 Montags und Donnerstags von 8—1 Uhr statt. Auch beim Kartoffelverkauf find die von der Gemeinde mtS- gegebenen Lebensmittelkarten vorzulegen und werden mit einem Vermerk über den Verkauf versehen. Pro Kopf und Woche dürfen nicht mehr wie 10 Pfd. abgegeben werden. Die amtlichen Verkaufsslellen, in denen die übrigen Lebens- mittel verabfolgt werden, Baumschulensir. 32 und Wildenbruchstr. 54 sind künftig wie folgt geöffnet: Montags, Dienstags, DonnerStagS und Freitag« von S bis 3 Uhr und Mittwochs und Sonnabends von 8 bis 12 Uhr und von 3— 8 Uhr._ Gemeindcwahlen in Steglitz. Durch Bekanntmachung des Gemeindevorstandes werden die dieS- jährigen Gemeindewahlen auf den 1., 2. und 3. März anberaumt. Zu wählen sind im ganzen 11 Gemeindeverorduete, von denen ent» fallen: auf die III. Klasse 3, auf die II. Klaffe ebenfalls 3 und auf die I. Klaffe 5. Die m. Klaffe ist in zwei Wahlbezirke geteilt, von denen der erste Bezirk einen, der zweite Bezirk zwei Vertreter zu wählen hat. Von den zu wählenden 11 Vertretern müssen sieben .Angesessene" sein, während vier.Nichtangesessene" sein können; diese letzteren verteilen sich gleichmäßig auf die I. und H. Klasse, so daß die IH. Klaffe diesmal nur Angesessene zu wählen hat, ob- wohl die Wähler selbst in ihrer Gesamtheit zu den Nichtangeseffenen zählen. Auf Beschluß der Gemeindevertretung ist für daS Jahr 1916 von der Neuaufstellung der Wählerlisten abgesehen worden. Die Wahlert finden also auf Grund der im Januar ISIS aufgestellten Liften statt; d. h. nur derjenige kann an der Wahl teilnehmen, der bereits im Januar ISIS in Steglitz wohnte oder zu dieser Zeit gewohnt hat. Abweichend von der stüheren Uebung werden diesmal Ausweiskarten nicht zugesandt. Jeder Wähler muß deshalb einen Ausweis mitbringen, z. B. den MietS- vertrag oder den Steuerzettel. Von den vier Vertretern der Arbeiterschaft in der Gemeinde« Vertretung scheidet Genosse Hamburg durch Ablauf seiner Wahl- Periode aus._ Beschluß des Wahlvereins Treptow-Banmschnlenweg. In dem von uns vor einigen Tagen wiedergegebenen offiziellen Bericht des Treptower Wahlvereinsvorstandes ist der dort an- genommene Beschluß nur in verkürzter Form mitgeteilt. Auf Wunsch dortiger Parteigenosten bringen wir jetzt den Beschluß, der gegen fünf Stimmen angenommen wurde, in vollem Wortlaut. Er lautet: .Die Mitglieder des Wahlvereins Treptow-Baumschulenweg er- klären sich mir der Abstimmung der 2V sozialdemokratischen Reichs- tagsabgeordneten zu den KriegSkredilen vom 21. Dezember ein- verstanden. Sie können in der Stellungnahme der Zwanzig zu den Kriegskrediten, womit sie sich nur konsequent an die Beschlüsse des Parteitages hielten, nicht den Versuch der Parteispaltung oder gar des Disziplinbruchs erblicken, sondern betonen, daß sich diese Vertreter der arbeitenden Klasse auf den allein richtigen Standpunkt stellten, den Sozialdemokraten zum Kriege ein- zunehmen haben. Mit dieser Stellungnahme sind die Zwanzig lediglich dem Parteitage, nicht aber einer Fraktionsmehrheit oder dem Parteiaussckiuß verantwortlich. Weiler erklären die Versammelten, daß die vorfitzenden- zulammenkunft vom 36. Januar nicht kompeleM dazu war, ein öffentliches Urteil über die Haltung de» Abgeordneten des Kreises in der Frage der Kreditbewilligung abzugeben. Dazn find nur die Wähler des Abgeordneten berechtigt. Die Ansicht der Parteimitglteder kann nur zum Ausdruck kommen durch eine der Stärke der einzelnen Organisationen entsprechende Anzahl von Delegierten. Der einzig richtige Weg, in diesem Sinne den Willen der Parteigenossen zum Ausdruck zu bringen, ist eine in Kürze einzuberufende Kreisgeneralversammlung, nicht aber eine Zusammenkunst der Vorsitzenden der Wahlvereine unter dem Protektorat der Kreisvereinssekreläre. Die Versammlung protestiert darum entschieden gegen die öffentliche Stellungnahme der Vorsitzendenkonferenz in dieser strittigen Frage. Die Versammlung wendet sich weiter gegen die dre Oeffentlrch- keit irreführende Berichterstattung über die Konferenz vom36. 1.1916 ül Nr. 31 des„Vorwärts" vom 1. Februar." Was den von uns veröffentlichten Bericht betrifft, so haben wir den von der Organisationsleitung dem Presjeburcau über- mittelten Bericht benutzt. ,.Der ko«mnna!e Kartoffelverkanf in Nowawes, der bisher im Freien auf dem Rathausgrundstück stattfand, ist jetzt in die Turnhalle in der Scharnhorststraße verlegt worden. Die Ab- gäbe der Kartoffeln erfolgt dort in der Zeit von 2 Uhr nachmittags bis 7 Uhr abends, und zwar bis zu einem Zentner und nur gegen Vorlegung der im Rathaus erbältlichen Lusweiskarte. Damit ist die Gemeinde einem Teil der Wünsche, die der Wahlverein in der vor einigen Tagen an sie gerichteten Petition ausgesprochen hatte, nachgekommen._ Gerichtszeitung. Der„Scherz" eines Schutzmanns. Vor der 136. Abteilung des Schöffengerichts stand gestern der Schutzmann M i t u l l a unter der Beschuldigung des Dieb- st a h l s. In der Nacht zum 12. November hörte der Angeklagte, der Unter den Linden Straßendienst hatte, aus dem Cafe Schön, Unter den Linden, noch um%2 Uhr luftige Stimmen herausklin- gen Er ging deshalb in das Lokal und traf die beiden Brüder Schön und eine Frau Nava an einem mit einem Blumenkorb ge- schmückten Tisch an Auf die Frage des Angeklagten erklärte ihm Herr Hans Schön, daß sein Buder Felix Geburtstag habe und es darauf zurückzuführen sei, daß sie noch im Lokale weilten, während die Gäste schon längst sich verabschiedet hätten Der Angeklagte war damit zufriedengestellt, er trat an den Tisch und ließ sich in ein heiteres Gespräch ein und lehnte auch eine ihm dargebotene Geburtstagszigarre rricht ab. Während der kurzen Unterhaltung hatte sich Frau Nava auf wenige Minuten nach dem Klosettraum entfernen muffen; als sie wiederkam, fand sie den Schutzmann nicht mehr anwesend, sie vermißte aber auch ihre silberne Handtasche, die dicht an dem Blumenkorb auf dem Tisch ge- legen hatte. Der Angeklagte hatte sich schnell entfernen müssen, weil ihn ein Kollege mit der Bemerkung, daß die Ablösung da sei, hevausgerufen hatte. Nach der silbernen Handtasche, die einen Wert von 86 M. hatte, wurde vergeblich gesucht, schließlich kam man zu der Ueberzeugung, daß sie der Schutzmann Mitulla mitgenom- mon haben müsse. Hans Schön erinnerte sich auch, daß er eine verdächtige Handbswegung des Angeklagten wahrgenommen hatte und so ging er denn schnurstracks zur Wache, mit der Absicht, die Sache als einen unpassenden Scherz zu behandeln und auf diese Weise leichter wieder in den Besitz der Tasche zu kommen. Auf der Wache traf er den Angeklagten an, er suchte ihn in jovialer Weise um die Herausgabe der Tasche, die er auch ohne weiteres zurückerhielt, wobei Mrtulla bemerkte, daß er sich nur einen Spaß habe machen wollen und nur dadurch an der sofortigen Rückgabe der Tasche verhindert worden sei, daß ihm sein Kollege das Er- scheinen der Ablösung zugerufen habe. Diesen Standpunkt vertrat der Angeklagte auch vor Gericht und berief sich auf zwei Kollegen, die bekundeten, daß er auf der Wache auch schon zum Spaß Sachen habe verschwuren lassen, die dann alsbald wieder zum Vorschein gekommen seien.— Der Amtsamvalt wollte ober den hier angeb- lich beabsichtigten»Spaß" nicht gelten lassen und beantragte die Bestrafung wegen Diebstahls zu 6 Wochen Gefängnis. Auch der Gerichtshof vermochte sich nicht zu der Ansicht durchzuringen, daß der Angeklagte, der die Inhaberin der Tasche gar nicht und die Gebrüder Schön doch nur oberflächlich kannte, sich einen so frevel- hasten.Scherz" habe erlauben wollen; er hielt den Angeklagten des Diebstahls schuldig und verurteilte ihn zu sechs Wochen Gefängnis._ Die liebe Eitelkeit. Unter der Anklage des Betruges, des unbefugten Tragens einer Uniform und der unbefugten Anlegung eines Ordenszeichens stand der Zivil ingenieur Emil U n st ä t gestern vor der 3. Strafkammer des Landgerichts II. Das Schöffengevicht hatte ihn wegen des Betruges zu 36 M. Geldstrafe und wegen der beiden Uebertretun- gen gegen K 366• zu 14 Tagen Haft verurteilt. Nun stand Termin in der Berufungsinftanz an. Der Angeklagte hat als Unteroffizier der Reserve im Felde gestanden und von dort aus bei einem hiesi- gen Militäreffektengeschäft«ine Uniform bestellt, wobei er angab, er sei Offizier �Stellvertreter und Feldwebelloutnant. Der Auge- klagte fft seinerzeit nach Ueberwindung einer Ruhrkrankheit als dienstuntauglich entlassen, er spazierte aber trotzdem noch weiter in der Uniform umher und hatte diese sogar mit dem Bande des Eisernen Kreuzes zweiter Klaffe geschmückt. Vor Gericht wollte er seine Berechtigung dazu daraus herleiten, daß ihm ein Landwehr- man« gesagt habe, er sei für daS Eiserne Kreuz vorgeschlagen.— Der Verteidiger beantragte die Aufhebung der Strafe wegen Be- truges und die Umwandlung der Haststrafe in Geldstrafe; der An- geklagte habe sehr gute militärische Zeugnisse und sei, ohne Ver- mögensvorteile damit anzustreben, wohl nur das Opfer seiner Eitelkeit geworden.— Die Strafkammer sprach den Angeklagten vom Betrüge frei und verurteilte ihn im übrigen zu 146 M. Geldstrafe eventl. 14 Tagen Hast. /los aller Velt. Sturmschäden. Gewaltige Stürme haben Mittwoch abend und Donnerstag nacht in verschiedeneu Gegenden des Reiches gewütet und viel- fach großen Schaden angerichtet. Im Rhein- und Main- gebiet wurden Gebäude, Waldungen und Telephonleitungen be- schädigt. Auf der Strecke Mainz— Worms wurden 56 Doppel- gestäng« Fernleitungen zerstört. Wegen hohen Wellenganges ist die Rheinfchiffahrt unterbrochen. Oberrhein, Neckar und Main steigen rasch.— In Süddeutschland hat ein von Regen, Hagelböen und Ge- Wittererscheinungen begleiteter orkanartiger Weststurm ernstliche Schäden verursacht. Vielerorts wurden Häuserdächer weggerissen, Bäume entwurzeilt und Drahtleitungen zerstört. In Grün» Winkel bei Karlsruhe wurde der Kirchturm umgerissen.— Ein heftiger Südweststurm hatte auch in der Danziger Bucht eingesetzt und die Schiffahrt gefährdet. An der Halbinsel H e la ist ein Fischkutter gestrandet. Die Besatzung konnte gerettet werden. Ein Motorkutter, der Mittwochabend Hela verlassen hatte, um nach Stolpmünde zu fahren, ist bisher dort nicht eingetroffen. ES wird befürchtet, daß er ein Opfer des Sturmes geworden ist.— Ein schweres Unglück trug sich Mittwoch unterhalb der Fuldabrücke in Alt-Münden(Hannover) zu. Dort waren in der Nähe des Flusses der 76jährige Arbeiter Wilhelm Probst mit seinem etwa SSjährigen Sohne mit Fischen beschäftigt. Bei dem gegen lh6 Uhr abends einsetzenden heftigen Sturm stürzte eine in ihrer Nähe stehende große Pappel um und fiel mit solcher Wucht auf die beide» Mensche», daß der alte Man» sofort getötet wurde, während de» Sohn beide Beine zerschlage» wurden. Reue Sturmflutübrrschwemmunge» i« Hamburg. Mittwochabend hat eine neue Sturmflut das Hamburger Gebiet mit Hochwasser und Ueberschwemmungen bedacht. Ein starker Orkan, der nachmittags eingesetzt hatte, steigerte sich andauernd und trieb den Wasserstand in Hamburg bis auf über sieben Meter. In der Nacht überschwemmte das über die Ufer getretene Wasser des Hafens die in der Nähe gelegenen Straßen und trat in die Keller, aus denen die Bewobner flüchten mutzten. Zahlreiche losgerissene Fahrzeuge trieben führerlos aus der Elbe umher. Die Feuerwehr war ununterbrochen tätig, um, das Wasser aus den Kellern zu pumpen. Morgens ging das Wasser zurück.— In Altona war das Hochwasier in die Maschinenräume eines Elektrizitätswerkes gedrungen, was de« Stillstand des Betriebes zur Folge hatte. Die Straßenbahn. konnte erst morgens 9 Uhr in der gewohnten Weise verkehren. Menschenleben waren, soweit bekannt, nicht gefährdet.— In Glückst a d t richtete der starke Seegang im Außenhafen großen Schaden an. Die Mole ist zerstört._ Ein Nahrnngsmittelfälscher schlimmster Art wurde dieser Tage von der Strafkammer in Kassel zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahre und einer Geld- strafe von 1666 Mark verurteilt. Der Angeklagte, Mühlenbesitzer August Winter aus Wolfshagen, hatte am 14. Dezember 1914 266 Zentner schwefelsauren Kalk bezogen und ihn unter das Mehl gemischt. Die Mehle und Brote wiesen 2,9 bis zu 6,55 Prozent Gips, die Kleie bis zu 22,7 Prozent Gips auf. Bei einer Haussuchung in der Mühle des Bellagten im Mai vorigen Jahres wurden von den 266 Zentnern des angeblichen Futterkalkes noch 162� Zentner vorgefunden. Nach dem Gutachten des sachverständigen Chemikers war der angebliche Futterkalk gewöhnlicher billiger Gips, dessen Genuß bei Menschen und Tieren schwere Gesundheitsstörungen herbeiführen kann. Raubmord in Posen. Mittwoch früh wurde in Jommdorf bei Wohschin, wie die»Ostdeutsche Presse" meldet, die Witwe Ottilie L y ck in ihrer Wohnung ermordet aufgefunden. Vermutlich liegt Raubmord vor. Die Ermordete hatte tags zuvor von der Kreis- lasse in Strelno eine Nachzahlung der Witwen- und Waisenpension in Höhe von 566 M. erhoben. Verlustlisten. Die Verlustliste Nr. 457 der preußischen Armee enthält Verluste folgenider Truppen: Gouvernements Cöln und Lille. Infanterie usw.: Garde: 4. Garde-Reg. z. F.(is. Garde-Gren.- Reg. Augusta) u. 5. Garde-Reg. z. F.; 7. Garde-Jnf.-Reg.; 1. Garde- Res.-Reg.; Gaode-Gren.-Regimenter Alexander ff. auch Res.-Jnf.- Neg. Nr. 213), Franz, Elisabeth, Augusta; Garde-Füs.-Reg. ff. auch Ates.-Jnf.-Rog.� Nr. 213); Garde-LanÄst.-Jnf.-Bataillone Döberrtz und Wünsdorf. Gren.-, bezw. Ins.-, bezw. Füs.-Regimenter Nr. 1, 2, 3, 6, 7, 31, 32, 34 bis einschl. 37, 39, 46. 41, 42 ff. auch Linien- kommaudantur X Stettin), 43, 59, 76, 76(s. Res.-Inf.-Reg. Nr. 213), 89, 96, 91, 93 bis einschl. 98, 116 bis einschl. 113, 115 bis einschl. 118, 128, 131, 132. 135 bis einschl. 138, 146, 142, 144 bis einschl. 151, 153 bis einschl. 157, 164 ff. Res.-Jns.-Reg. Nr. 91). Res.-Jnf.-Regimenter Nr. 1, 5 bis einschl. 8, 31, 34 ff. Res.-Juk.-Reg. Nr. 213), 35, 36, 37 ff. auch Res.-Jnf.-Rcg. Nr. 213), 46, 61, 69, 96 bis einschl. 94. 98, 99, 169, III, 116, 118, 261 ff. Res.-Jnf.- Reg. Nr. 213), 213, 214, 258,(s. Res.-Jnf.-Sieg. Nr. 259), 259, 265. Laubw.-Jnf.-Regimenter Nr. 2, 31, 34, 39, 55 ff. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 213), 116, 116, 118. Landw.-Ers.-Jnf.-Reg. Nr. 2. Landw.- Bvig.-Ers.-Bataillone Nr. 9 und 13(bei�de s. Landw.-Ers.-Ins.- Reg. Nr. 2). Landst.-Jnf.-Bataillone: Königsberg i. Pr., 3. Lieg- nitz, Neufcchrwosser, Neustadt i. W.-Pr.. 1. Neustrelitz, 4. Posen, 2. Rastatt, 1. Schlawe, 1. Schroda, 2. Stolp, 1., 2. und 3. Tilsit, 2. I und 2. II Trier, 3. uird 4. Trier, 1. und 3. Wahn, X.' 32. Lar.dst.-Jnf.-Ers.-Bataillone: 3. Arolsen, 3. Heidelberg, 1. Merzig, 3. des 15. Armeekorps(Oberhofen), 4. Rastatt, 5. des 7. Armee- korps(Senne), 26. des 7. Armeekorps(Strallowo), Stralsund, 1. und 2. des 15. Armeekorps(Straßburg i. E.), 14. des 4. Armeekorps(Torgau), Treuenbrietzen, 1. Wetzlar, 9. des 4. Armeekorps (Wittenberg). Landst.-Jnf.-Ausbildungs-Bataillone: 1. St. Avold und Tarnowitz. Garnison-Batl. Lötzen. Etapven-Sammelkomp. Nr. 19. Jäger-Batl. Nr. 6. Unteroffizierschule Potsdam. Feldartillevie: Regimenter Nr. 11, 16, 19, 21, 36, 34, 36. 56, 67, 71, 73, 74, 166, 112, 223; Res.-Regimenter Nr. 16, 18,-19. Futzartillerie: Regimenter Nr. 9 und 18; Batl. Nr. 52; Land- wehr-Batl. Nr. 11; Fußartillerie-Batterie Nr. 215. Pioniere: III. Garde-Batl. Regimenter Nr. 26, 24, 29; Da- tnällone:� I. Nr. 2, I. Nr. 6, II. Nr. 15, I. und III. Nr. 16; Nes.- Batl. Nr. 33; Pionier-Kompagnien Nr. 252, 268, 363; Res.-Kom- pagnien Nr. 82 und 89; 1. Landw.-Komp. des 9. Armeekorps. Mirrenwerser-Kompagnien Nr. 26, 33, 192 L, 236; Mittlere Minen- werfer-Abt. Nr. 153; Minemverserichule Unterlüß. Verkehrstruppen: Linienkommandantuvcn Lüttich und X. Feldfliegertruppe. Train: Ers.-Abt. der Train-Abt. Nr. 1. Train-Wteilungeir Nr. 5 ff. San.-Komp. Nr. 2 des 5. Armeekorps) und 21. Proviant- kolonne Nr. 1 der 52. Jnf.-Div. Magazin-F-uhrparkkolonnen Nr. 53 und 174. Samtäts-Formationen: Sanitäts-Komp. Nr. 2 des 5. Armeekorps. Freiwillige Krankenpflege. Fortifikatiouen und Armierungs-Formationen: Fortiffkatio- neu Königsberg i. Pr. und Lötzen West. Armierungs-Bataillone Nr. 28 und 93. •* Der Schluß der sächsischen Verlustliste Nr. 254, deren Inhalt gestern mitgeteilt wurde, wird veröffentlicht. Die württembergische Verlustliste Nr. 346 enthält Ver- luste der Jnf.-Regrmeuter Nr. 126, 121, 125; Res.-Jnf.-Regimenter Nr. 119, 126, 121, 246, 247, 248; Landw.-Jnf.-Regimenter Rr. 119, 126, 122, 126; 1. Landst.-Jnf.-Batl. Stuttgart; Landst.-Jnf.-Batll Eßlingen; Radfahrer-Komp. Nr. 1; Landw.-FeIdart.-llleg. Nr. 1; Feldart.-Reg. Nr. 29; Res.-Feldart.-Reg. Nr. 54; 2. Feld-Pionier- Komp.; 3. Res.-Pionier-Komp.; 3. Landw.-Pionier-Komp.; 4. Feld- Pionier-Komp.; Pionier-Komp. Nr. 116; Verluste durch Krank- Helten; Berichtigungen früherer Verlustlisten. Briefkasten der Redaktion. Die lurillische Sprechstund« findet für Abonnenten Lindenstr. 8, IT. Hof rechts, parterre, am Montag bis Freitag von 4 bis 7 Upr, am Sonnabend von b bi» L Uhr statt. Jeder für den Bri eil asten bestimmten Anfrag, ist ein Buckstabe und eine Lahl als Merlzcichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nich: erteilt. Anfragen, denen leine Abonnementsauitlung beigefügt ist. werden nicht beantwortet. Eilige Fragen ttage man in der Sprechstunde vor. Berträge, Schriststüilc und dcrglrtchen bringe mar ta die Sprechstunde mit. F. M. 35. 1. Unterstützung für das Mündel wird dort gezahlt, wo dieses seinen Aufenthalt bat. Wie hoch die Unterstützung ist, tonnen wir Ihnen nicht angeben, da Sie den Ort nicht genannt haben. Die staatliche Unterstützung beträgt 7,50 M., dazu kommen die kommunalen Zuschläge. 2. Der Antrag ist in Berlin bei der Stcuerkasse zu stellen, unter Vorlegung der Beurkundung über die Anerkennung der Vaterschaft.— Anna 77. Ihr Mann hat Anspruch aus Invalidenrente. Unter Einreichung seiner AusrechnungSbescheinipungen und der letzten OmttungSkarte soll er einen solchen Antrag beim Versicherungsamt, Klosterstr. 67 stellen.— E. 166. Ja.— Hube 160. Die Türen müssen Sie abgeben. Sie können aber vom Wirt Ersatz verlangen.— Gl. Lichtenberg 7. Diese Gegenstände werden von Ihnen nicht eingefordert.— O. D. HI. 1. Da die Zinsen in Höhe von 25 M. tatsächlich zu dem Sinkomme» gehören, so müssen sie mit angegeben und versteuert werden. L. Fa.— M. M. 110. Nein. — H. Z. 3666. Wenn wir Ihnen einen Rat geben dürfen, machen Sie e» so wie wir und werfen Sie anonvme Schreiben in den Papierkorb. — R. 84. 1. Ja. 2. Eventuell durch Klage beim Gericht. 3. Wahr- scheinlich ist die Klage beim Landgericht anhängig gemacht. Die Mutter muß dort zu ihrer Vertretung einen Anwalt haben. Sie selbst können sie nicht vertreten.— G. 2ch. 13. Sie müssen doch zunächst Antrag aus UnteAlützung bei der Steuerkasse stellen und zwar unter Eimeichung deS von Ihre»! Manne eingesandten UnterftützungSscheinS.— A. B. 4. Nein. — Bu. 3». Nein.— H. St. 7. ES ergebt in diesem Falle Versäumnis. urteil— Argonneu. 1. Ja. 2. Auch der kriegsgetrauten Frau steht Unter- stützung zu, allerdings nur, wenn die nach dem Gesetz vorgeschriebene Bcdürjtigteit vorliegt— H. G. 100. Sie werden den von der Firma geiordcrlen erhöhten Preis zahlen oder aus die Zusendung verzichten müssen.— M.«. 1�. Sic haben selbstvcrstandllch Anspruch aus Aus- wandsentschädigung. stellen Sie sofort den Antrag bei der Polizei. Wettcranssichten für das uitttlere Norddeutschlaud bi» Sonnabend mittag. Zciiweise bester, jedoch jebr unbeständig mit wieder- holten Regen-, Schnee- oder Graupelschauern: Temperaturen durchschnstt- lich wenig oerändert.