Ztr. S4.-33» Jahrs« Rbonncmenfs-Bedingnngo»: Abonnements• Breis dränumerando: Bierteljährl. SM Mk. mencirt. l.IO Mt. wöchentlich 2S Psg. frei ins HoilS. Einzelne Nummer 6 Bfü- Sonntag?' nummer mit illustrierter©onntoa?- Beilage.Die Neue Well- lo Pfa. Post. Abonnement: l.lll Marl pro Monat. Tinge tragen in die Post. Zeitung?» Preisliste. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich- Unaarn SM Marl, sllr das übrige Ausland t Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Pormgal, Rumänien, Schweden und die Schweis Slchetil lZgllch. Berliner Volksblnkk. S Pfennig) Die Inierüons-Gebübr Sefrügt für die sechsgefpaltene Kolonel- kelle oder deren italmi 80 Psg, für politische und geiverlschafiliche Vereins- und Versammlungs-Anzelgen so Pkg. „Meine Anretgen", das scllgcdrinkte Wort 20 Pfg.(zulässig t fetigedruivi Wortel, jede? weitere Worr 10 Ptg. Erellengesucho uns Schlafstellemur. zeigen das erste WoÄ lll Pfg, jedes weitere WortSPfg. Worte über tö Buch- siaben jühlen sür zwei Worte. Inserate stk die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expeditto» «daegedcn werden. Die Erpeditton ijt bis 7 llhr abends geöffnet. Telegr-nnm-Adresse: .toDaidoMkrat RtrUa". Zentratorgan der rozialdemokratirchen Partei Deutfcbtands. Neöaktion: Slv. öS, Linüeastraße Z. Zssernivrecher: Ami Moritzvla«. Nr. ISl SV— ISI S7. Donnerstag, den 24. Februar 1.N16. Expedition: EW. SS» Lindenstraße Z. fsernsprccher: Amt Morittplav, Rr. ISl SV— lSl S7. heftige ttSmpfe im Maa§-Sediet. Steueröogmatik und Steuermöglichkeiten. Daii Heinrich Cunow. I. Die Sonntagsnummer bes..Vorwärts" vom 13. d. M. enthält eine Art Entgegnung auf meinen Artikel„Staats- Monopole oder neue Steuern?", für deren Inhalt, da sie nicht mit einem Namen oder einer Chiffre unterzeichnet ist, die Redaktion die volle Verantwortung zu übernehmen scheint. Betitelt ist diese Antwort:„Ist eine Erhöhung der direkten Steuern mögli ch?" Eine recht seltsame Frage. Denn daß noch eine Erhöhung der direkten Steuern in den deutschen Bundesstaaten und vor allem im Deutschen Reich möglich ist— und dieses Steuergebiet wird doch wohl der Fragesteller gemeint haben, nicht England, Frankreich oder China—, dürfte kaum bestritten werden. Strittig dürste nur sein, inwieweit noch eine Erhöhung möglich ist— das heißt, bis zu welcher Grenze sie möglich ist, ohne daß die Kapiialanhäufung und damit die Enttvickelung der Produktion ernstlich gefährdet wird. Ich habe denn auch gar nicht, wie der„Vorwärts" be- hauptet, den Grundsatz aufgegeben, daß die Steuern möglichst durch sogenannte direkte Steuern gedeckt werden sollen, noch habe ich, wie er am Schlüsse seines Artikels unter« stellt, irgendwo die These aufgestellt, die Grenze, bis zu der eine Belastung durch Einkommens- und Vermögenssteuern möglich sei, wäre bereits erreicht. Davon steht, wie jeder nachlesen' kann, in meinem Artikel kein einziges Wört- chen. Ich habe darin lediglich gesagt, daß der enorme Betrag von mehreren Milliarden Mark, um den nach dem Krieg die jährlichen Reichsausgaben steigen werden, nicht allein durch direkte, noch auch durch indirekte Steuern gedeckt wer- den könne, die Regierung sich also nach neuen Einnahmequellen werde umsehen müssen. Vielleicht ist der Artikelschreiber des„Vorwärts" anderer Meinung. Vielleicht glaubt er tatsächlich, daß die Milliarden, die nach dem Krieg nicht nur das Reich, sondern auch die ein- zelnen Bundesstaaten und Gemeinden zur Deckung ihrer ge- stiegenen Ausgaben heranschaffen müssen, sich leicht und be- quem durch direkte Steuern aufbringen lassen. Dann sollte er nicht versäumen, schnell sein Stcuerrezept mitzuteilen. Ich vermag nicht so optimistisch in die Zukunft zu blicken, und ich habe dabei nicht nur die Zustimmung bürgerlicher Steuerpolitiker, sondern auch verschiedener unserer Theoretiker. Da ist zunächst Friedrich Engels. Als im Jahre 1894 die französischen Sozialisten sogenannter marxistischer Richtung sich ein neues Agrarprogramm gaben, nahmen sie darin folgende Steuerforderung auf:„Ersatz der bestehen- den indirekten und direkten Steuern durch eine einzige progressive Steuer auf alle Einkommen von mehr als 3000 Frank." Gegen diese Programmforderung wandte sich damals Engels in der „Neuen Zeit"(XIII. Jahrgang, I. Band, S. 299) in sehr energischer Weise, indem er erklärte, diese und ähnliche Forde- rungen, die sich seitJahren in fast jedem sozia- listischem Programm befänden, beweisen nur, wie wenig man sich in jenen sozialistischen Par- teien noch der Tragweite solcher Forde- rungen bewußt sei. Unter Exemplifizierung auf das englische Staatsbudget wies Engels nach, daß eine Deckung der Staatsausgaben allein durch direkte Steuern fast„ein Drittel der gesamten Akkumulation(Kapitalanhäufung)" Englands aufzehren würde. Deshalb, so folgert er,„kann keine Regierung so etwas unternehmen außer einer s o z i a l i st i s ch en; wenn die Sozialisten am Ruder sind, werden sie Tinge durchzuführen haben, bei denen jene Steuerreform nur als eine momentane, ganz un- bedeutende Abschlagszahlung figuriert, und wobei den Klein- bauern ganz andere Perspektiven eröffnet werden". Mit anderen Worten: einer bürgerlichen Rc- gierung ist es ganz unmöglich, ihren Staats- haushaltnuraufdirekteSteuernzustellenI Aber vielleicht hält der„Vorwärts" Engels nicht mehr für kompetent in solchen Fragen, da ja auch er sogenannter „nationalistischer" Anschauungen verdächtig ist. Nehmen wir also Karl Kautsky. Auch dieser ist der Ansicht, daß heute keineswegs olle nötigen Staatsausgaben durch progressive Einkommens-, Vermögens- und Erbschaftssteuern gedeckt werden können. Das werde, meint er, erst möglich sein, wenn das Proletariat die politische Macht besitze, und selbst dann noch nickt gleich, sondern erst, wenn das sämtliche kapitalistische Eigentum die Form von öffentlichen Schuldver- schreibungenangenommenhätte. In seiner Broscküre:„Die soziale Revolution", 2. Teil, S. 12/13. heißt es nämlich: Mw ies Meli SMlMklm. Amtlich. Große» Haaptg&ertier, den 23. Februar 1916.(SB. T. B.» Westlicher Kriegsschauplatz. Durch eine Sprengung in der Nähe der vo« m» am 21. Februar eroberten Gräben östlich Souchez wurde die feindliche Stellung erheblich beschädigt. Die Gefangeneu- zahl erhöht sich hier auf 11 Offiziere, 348 Maua, die Beute beträgt 3 Maschinengewehre. Auf den M a a s h ö h e n dauerte» die Artilleriekilmpfe mit unverminderter Stärke fort. Ocstlich des Flusses griffen wir die Stellungen au, die der Feind etwa in Höhe der Dörfer Couseuvoye— Azannes seit anderthalb Jahren mit allen Mitteln der Besestigungs- kuust ansgebaut hatte, um eine für uns unbequeme Ein- Wirkung ans unsere Verbindnngen im nördlichen Teil der Woevre zn behalten. Der Augriff stieß in der Breite voureichlich zehuKilometeru, in der er angesetzt war, bis zu drei Kilometern Tiefe durch. Neben sehr erheblichen blutigen- Verlusten büßte der Feind mehr als 3909 Mann an Gefangene» und zahlreiche»»och nicht übersehbare» Material ein. Im Oberelsaß führte der Augriff«estlich Heid- Weiler zur Fortnahme der feindlichen Stellungen in einer Breite von 799 Metern und einer Tiefe von 499 Meter», wobei etwa 89 Gefangene in unserer Hand blieben. In zahlreichen Luftkämpfen jenseits der feiudNche» Linien behielten unsere Flieger die Oberhand. Oestlicher und Balkan-Kriegsschauplatz. Unverändert. ObersteHeereSleitvng. «« M iülmeWWe GeemislOsüerlM. Wien, 23. Februar. sich auch ein Ausweg zeigen, zu dem Oesterreich äs kaoto bereits gegriffen hat— indem man die Duma für die Zeit des Krieges überhaupt schießt... Wenn Oesterreich ohne seinen Reichstag auskommt und die verfassungsmäßigen Garantien auf- gehoben hat, so wird die Schließung der Duma in Rußland so- gar unbemerkt vorübergehen. Es werden nur die Juden sich auf- regen, die.Jungtürlen'' und die Anhänger einer Niederlage lärmen, das Volk jedoch wird Gott danken.� Dem Leitartikler des führenden konservativen Organs Rußlands ist es zwar unbekannt, daß Oesterreich keinen„Reichstag*, sondern einen Reichsrat besitzt. Jedoch die Talsache der Nichteinberufung des österreichischen Reichsrates bat er— vom rsaklioirären Standpunkt— nicht ungeschickt ausgeschlachtet.(?) Eine IrZeöensftimme in Englanü. London, 21. Februar.(W. T. B.) Unterhaus.(Ergänzende Meldung.) Bei der Einbringung der neuen Kreditvorlage sagte A S q u> t h: Die ursprünglich eingesetzte KriegSiparkommiision be- schränkte ihre Kontrolllätigkeit auf die Ausgaben der Zivilrefforts. Seit einiger Zeit bestehen drei andere Kommissionen zur Be- auffichtigung der Ausgaben des Heeres und der Flottenverwaltung sowie des Munitionsministeripms. Diese Kommissionen sind aus Männern mit großer Geschäftserfahrung zusammengesetzt. Es wurden sehr große Ersparnisse erzielt. In der Debatte sagte M a s o n(liberal), das Parlament habe das Recht zu erfahren, wie die Lage aus den Kriegsschauplätzen sei und ob eine ehrenvolle Möglichkeit bestehe, diesen endlosen Kampf zu beenden. Wenn der Vorrat an Wert- papieren erschöpft sei, müßten die notwendigen gewaltigen Summen durch den Aussuhrhandel aufgebracht werden. Die Ziffern seien alarmierend. Die Regierung habe keine bestimmten Maßregeln er- griffen, wie sie die Lage erfordere. Die Regierung werde größten- teils nicht wegen des Vertrauens, das sie einflöße, sondern aus Patriotismus unterstützt. King(liberal) bedauert, daß Asquith nicht mehr über den Fortschritt der Kriegführung und die Politik der Alliierten gesagt habe. Redner habe in den Reden der Minister keine Hoffnung auf einen militärischen Sieg entdecken können. Der Krieg würde ein Erschöpfungskrieg sein und die Politik, welche die Regierung verfolge, werde England nicht in den Stand setzen, länger auszuhalten als der Feind. Einberufung öer schWeizerischen Sunöes- Versammlung. Bern, 22. Februar.(W. T. B.) Meldung der Schweizerischen Depeschen-Agentur. Indem soeben erschienenen zweiten Be- richt des Banbesrates an die Bundesversammlung über die von ihm aus Grund des Bundesbeschlusses vom 3. August 1914 getroffenen Maßnahmen betont der Bundesrat in bezug auf die Versehlungen der zwei Offiziere des Armee- stabes, daß er darauf gehatten habe, daß der Richter frei und unbeeinflußt seines Amtes walten könne. Deshalb habe der Bundes« rat auch den Schein vermeiden wollen, als ob durch parlamentarische Erörterungen ein Druck in irgend einer Richtung ausgeübt werden sollte. Aus diesem Grunde wurde die Eutgabe der sozialdemo- lratischen Partei betreffend Einberufung der Bundesversammlung und Einsetzung einer parlamentarischen Untersuchungskommission vom Bundesrat abge lehnt. Die tiefgehende Erregung im Lande hat den Bundesrat über- zeugt, daß durch möglichst baldige parlamentarische Erörterung der brennenden Fragen viel gefährlicher Zündstoff beseitigt werden kann und daß es für den Bundesrat un- umgänglich notwendig ist, zu wissen, auf welcher staatsrechtliciien Grundlage künftig seine verantwortungsvolle Tätigkeit zu fußen hat und ob er noch das erforderliche Vertrauen genießt. Zum Schluß nimmt der Bundesrat entschieden Stellung gegen den Gedanken, ein Oberbefehlshaber der Armee fei zurzeit überhaupt entbehrlich und der Armeestab, wie auch die jeweils ausgebotenen Truppen könnten dem Miltlärdepartement unterstellt werden. Diese Idee beweise daS vollständige Verkennen der tatsäch« lichen Lage. Die Kriegsereignisse, die sich vor den Augen der Schweizer abrollen, müßten wenigstens die Ueberzeugung gezeitigt haben, daß die Neutralität der Schweiz nur so lange einen Schutz für ihre Unabhängigkeit bilde, als sie nicht nur vom Willen des ganzen Volkes getragen wird, sondern auch mit aus- reichenden militärischen Schutzmitteln ausgestaltet sei und daß der Zustand der Neutralität nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten schaffe. Die oberste Pflicht gehe dahin, durch Aufwendung ent- sprechender Berteidiguligsmittel sämtlichen Kriegführenden den Be- weis zu liesern. daß die Schweiz den Schutz ihrer Grenzen nicht nur bewerkstelligen wolle, sondern auch könne. Der Bundesrat hat beschlossen, die Bundesversammlung auf den ö. März einzuberufen. Der Geist üer Schü�engräben im Gegensatz zum Chauvinismus hinter öer§ront. „Unsere Kinder sollen nicht durchmachen, was wir durch- gemacht haben," das ist, wie man in der„Bataille" vom 15. Flchruar von der Front schreibt, die Stimmung in den Schützengräben, und dieser Gedanke beruht auf der Hoff- nung, daß die Beziehungen der Völker friedlich geregelt werden können, dab gewissenlose Diplomaten nicht wieder das Leben von Mllionen gefährden dürfen, nur um sich einen Namen in der Geschichte zu machen. Alle Angehörigen des Proletariats und der Mittelklassen werden nach dem Kriege sich den pazifistischen Ideen zuwenden, nur unter den In- tellekwellen gibt es noch andere Anschauungen, aber auch unter ihnen hat der Pazifismus Anhänger gewonnen. Hinter der Front freilich liebe man es, sich kriegerische Allüren zu geben, die seltsam gegen die friedliche Meinung an der Front abstechen. Aber wenn in dieser Stimmung hinter der Front auch eine gewisse Gefahr liege, so sei sicherlich die Zahl der so Empfindenden nicht so groß, um eine genügende Gefolg- schaft für die nationalistischen und chauvinistischen Führer zu sichern. Es lohne nicht, den preußischen Militarismus zu bekämpfen, um ihn hinterher in Frankreich einzubürgern. Beschränkung öer Dlviöenöen in Italien. Rom, den 12. Februar 19lö.(Eig. Ber.) Ein am 19. d. Mts veröffernUchies Dekret des Statthalters b c s ch r ä n k l die von den Aktiengesellschaften ihren Aktionären zu zahlenden Dividenden auf 8 Proz. des eingezahlten Kapitals. Diese Bestimmung gilt für alle vor dem L3. Mai. dem Tage der italienischen Kriegserklärung, gegründeten Gesellschaiten industriellen und kommerziellen Charakters, einschließlich der Kooperativen. Eine Ausnahme wird für die Gesellschaften gemacht, die in den letzten drei Jahren im Durchschnitt mehr als 8 Proz. Dividende verteilt haben; diese dürfen die Quote dieses Durchschnitts zugrunde legen, bis zum Maximum von 19 Proz. des eingezahlten Kapitals. Der etwa nach Auszahlung dieser Dividenden von 8 bis 19 Proz. bleibende Ueber- schuß ist dem Reservefonds zuzuweisen und darf nur zur Amorti- sation der Anlagen verwendet werden. Er ist der Vermögenssteuer nicht unterworfen, wohl aber der Extraabgabe von den Kriegs- Profiten. Zuwiderhandlungen werden init Bußen bis zu 19 999 Lire bedroht. Zweck des Delreis ist es offenbar, eine Art Gründerzeit in den durch den Krieg begünstigten Industrien zu verhüten, ein flottes Einheimsen von Profilen, ohne Sicherstellung des investierten Kapitals und ohne den Rückhalt solider Finanzgebarung. Weizenanbau unö Grotzgrunöbesttzer. Aus Rom wird uns geschrieben: Wie in allen andern Ländern, die auf Weizeneinfuhr angewiesen sind, hat man auch in Italien zu Beginn des Jahres 191S die Grundbesitzer ausgefordert, eine mög» lichst große Anbaufläche für Getreide zu bestimmen, um der Preis« steigerung des Broles nach Kräflen vorzubeugen. Unter dieien Um» ständen ist es nun interessant zu erfahren, wie die Herren Groß- arundbesitzer, deren wenige über die große Ausdehnung des Agro Romano verfügen, der Aufsorderung der Regierung Folge geleistet haben. Aus dem Bericht des Gemeindeamles der Stadt Rom für den Agro Romano geht nun hervor, daß die Anbaufläche für Weizen. Hafer und Gerste im laufenden Jahr 26 S62 Hetiar beträgt, 5949 Hektar weniger als im Vorjahre, mir einer Verminderung von 16 Proz. Die Grundbesitzer machen geltend, daß die Ueberschwemmungen die Aussaat in den liefgelegenen Landstrecken verhindert hällen. Weiter bälte die Besürchtung des Mangels an Arbeilskräflen und Vieh die Ausdehnung des Getreide- baus widerraten. Wahrscheinlich ist es, daß die Grundbesitzer sich durch die hohen Heupreise vom Getreidebau haben abhalten lassen. Aus den Berichlen des italienischen Landesverbandes der Land- arbeiler wissen wir, daß die Arbeitslosigkeit im ländlichen Prole- tariat im vorigen Jahre lrotz deS Krieges sehr groß war. Furcht vor Arbeitermangel kann die Laiifundtstcri also nicht von der Be- stellung abgshalien haben._ Leittö Nachrichten. Zu den Verhandlungen zwischen Deutschland und Amerika. London, 23. Februar.(W. T. B.)„Daily Telegraph* meldet: In gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen in Washington glaubt man bestimmt, daß Staatssekretär Lansing entscheiden wird, 'daß die„A p p a m" eine gute deutsche Prise ist, daß sie aber nicht in einem amerikanischen Hafen dauernd Schutz finden kann und deshalb amerikanisches Gebiet verlassen muß. „Morning Post* erfährt aus Washington, es werde der Tatsache, daß Wilson mit den Führern der verschiedenen poli» tischen Gruppen eine Unterredung hatte, große Bedeutung bei- gemessen. Einzelheiten fehlen, aber man glaubt, daß der Präsident die Führer über die Spannung der Beziehungen zu Deutschland unterrichtete und sie bat, öffentliche Erörterungen der Lage zu unterlassen, um zu vermeiden, daß die Erbitterung des Landes wachst. Wenn es zu einem Bruche kommen würde, würden die Demokraten und die Republikaner die Politik des Präsidenten unterstützen. Man glaubt jedoch nicht, daß Deutschland leichten Herzens sich ein wichtiges neutrales Land entfremden würde. „Times* erfährt aus New Uork vom 22.: Staatssekretär von Jagow teilte den Vereinigten Staaten durch Vermittlung des Korre- spondenten der„New Uork World", Karl Wiegand, mit, daß es die unabänderliche Absicht der deutschen Regierung sei, am angegebenen Tage, nämlich dem 2. März, damit anzufangen, bewaffnete Handelsschiffe wie Hilfskreuzer zu behandeln- * Paris, 23. Februar.(W. T. B.)(Havasineldung.) „New Aork Herald" erfährt aus Washington: Die Re- gierung der Vereinigten Staaten hat beschlossen, ihre Be- ziehungen zu Bernstorff abzubrechen und mit Berlin direkt weiter zu verhandeln. Anmerkung des W. T. B.: Die Nachrichten des skrupellosen antideutschen Hetzblattes„New Jork He- rald" sind mit allergrößter Vorsicht aufzu- nehmen. Wie wir erfahren, ist an hiesiger amtlicher Stelle über den angeblichen Beschluß der Regierung der Vereinigten Staaten nichts bekannt. Ein englischer Blockade-Minister. London, 28. Februar.(W. T. B.) Unterhaus. Premier- minister Asquith kündigte an, daß Lord Robert C e c i l der Minister sein würde, dem die Blockadefrage unter- st e l l t werde. Er werde den Rang eines Kabinettsministers haben, aber Unterstaatssekvetär für auswärtige Angelegenheiten bleiben. Ihm werde ein Marineoffizier ftn Range eines AdmiralS beigegeben werden. Gewerkschaftliches. Serlin und Umgegend. Die Berliner Lackierer im Kriegsjahre LStF. Die Beiiilchiung, bafe sich durch die lange Kriegsdauer die Ver- Hältnisse im LaiZierergewerbe verschlechtern würden, hat sich nicht erfüllt. Die vielen militärischen Einziehungen haben bewirkt, daß Arbeitslose Nnlerkommen in Betrieben fanden, wo Arbeit, nament- lich Kriegsarbeit. vorhanden war. Von Arbeitslosigkeit war wenig die Rede. Am Ende des Jahres allerdings konnte man feststellen. daß die Hochkonjunktur vorüber war. Die erzielten Verdienste hatten sich im Lause des Jahres erbeblich gesteigerr. Ende 1914 wurde festgestellt, daß in den Betrieben, die für die Heeresver» waltung arbeiteten, die Verdienste SS Ps. bis 1 M. betrugen. Demgegenüber kamen in diesen Betrieben im Laufe des Jahres 1915 durch ollmähliche Steigerungen die Verdienste aus 1,10 M., 1,30 M. und 1,40 M. In einzelnen wenigen Werkstätten der Helmlackiererei steigerten sich die Verdienste sogar aus 1,50 M.. 1,70 SP?, und 1,80 SP?.— Verschiedene mit der Kriegszeit zusammen- hängende Umstände bewirkten, daß der alten Forderung aus eine angemessene Arbeitszeit hier und da kein- Beachtung geschenkt wurde. Uebrigens Hai der Direktor der Firma Borsig die Erklärung abge- geben, daß mit dem Glockenichlage.Frieden"' die verlängerte Arbeits- zeit aufhören werde. Die Lackierer in einzelnen Werkstätten kommen zu der Feslstellung. daß die lange intensive Tätigkeit eine Abnahme des Körpergewichts verichuldete. Gewichtsverluste von 5 bis 10 Kilo gehörten nicht zu den Seltenheiten. Andere klagten über schleckte Lust in den Betrieben. Eine Untersuchung des verwendeten Terpentins ergab, daß er mit Slkiethylalkohol versetzt war. Prot'essor Proskauer stellte das fest. Sein Gutachten läßt die Annahme zu, daß unter normalen Verhältnissen die Behörde ein derartig vermischtes Terpentin verbieten würde. Der Herr Prosesior hielt für notwendig, daß gut gelüftet werde und daß die Lackierer sich möglichst viel in freier Luft bewegen müßten, damit ihnen die schlimmen Dünste nicht allzusehr schaden.— In den Wagenlackierereien lagen die Verhältnisie anders, abgesehen von den Betrieben, wo Kriegssahrzeuge zu lackieren waren. Ein großer Teil der Wagenlackierereien war überhaupt ge- schloffen. Wo sonst zeitweise noch zu tun war, schaffte der Meister mit ein oder zwei Lehrlingen die Arbeit allein.— Roch trostloser sehe es bei den ZWbeNaikierer* nC. Diese Branche hatte fast nichts zu tun. Durch die fortwährenden Einziehungen verlor die Sektion der Lackierer einen großen Teil der Funktionäre. Es sind nur zwölf Vertrauensleute übrig geblieben. Die Bezirksleitungen mußten des öfteren neu besetzt werden. Am Jahresichluß hatte die Sektion 354 ortsanwesende Mitglieder. Dem sei gegenübergestellt, daß die Sektion am Schlüsse des Jabres 1913 einen Mitgliederbestand von 750 und am Schlüsse des Jahres 1914 einen solche» von 540 auswies. Jedenfalls zeigt sich, alles in allem genommen, daß sich die Organisation während des Krieges recht gut gehalten hat.— Die Arbeilsloienkaffe wurde so gut wie nicht in Anspruch genommen. Am 31. Dezember 1915 halte sie einen Bestand von 679,30 M. In der Jahresversammlung der Sektion wurden die jetzigen Funktionäre sSektionsleitungl wiedergewählt. Dann erledigte die Versammlung noch wichtige Fragen der Ausgestaltung der Agitation. veutsches Reich. Keine Tarifkämpfe im Malergewerbe. Der Hauptverband der deutschen Arbeitgebervei bände im Maler- gewerbe hielt seine 8. Hauptversammlung am 14. Februar in Elsenach ab. Dem Verbandstage, der von über 200 Delegierten aus allen Teilen Deutschlands beiuckt war, gingen Sitzungen des Vorstandes und der Gaudelegierten voraus. Zweck der Tagung war Stellung- nähme zu den Einigungsvorschlägen des Reichsamts des Innern über Teuerungszulage an die Arbeitnehmer, Tarisverlängerung und Kriegsfürsoige. Der eingehende Bericht des Hauptverbandsvorsitzenden Kruse-Berlin über die Verhandlungen im Reichsamt des Innern, dem sich eine längere Aussprache für und gegen die Vorschläge anschloß, hatte das Ergebnis, daß die Teuerungs- zulage mit mehr denn% Majorität(37,2 Millionen Mark Lohnsumme gegen 9 3 Millionen Mark Lohnsumme) angenommen wurde. Der Vorstand wurde beauftragt, bei den staatliche!» und städtischen Behörden vorstellig zu weiden, daß dieselben den gesteigerten Material- preisen und Löhnen entsprechend gleichfalls Erhöhungen der Arbeits- preise für Malerarbeiten vornehmen. Nach einem Bericht des Gauvorfitzenden Hansen-Hamburg über Kriegsverletzten-Fürsorge wurden die Vorschläge der Arveiier-Organi- sakionen mft einigen gerinstigigen Abänderungen angenommen. Den Berbandsmitgliederen sollen die Leitsätze zugesandt und dieselben ersucht werden, sich eingehend mit der Unterbringung kriegSbeschädigter Malergehilfen zu befaffen. Da zu gleicher Zeil auch die Arbeiterverbände auf ihren Dele- giertenversammlungen die Vereinbarung annahmen, ist hiermit der gewerbliche Friede rm deutschen Malergewerbe gewahrt. Lergarbcitcrfircrk in Oberschlesicn. Auf der fiskalischen Grube Veriuchsichacht Königshülte haben eine Anzahl Wagenstößer die Arbeit niedergelegt. Sie verlangen wegen der hohen Lebens- mittelpreisc eine angemessene Lohnerhöhung. � Die Königlichen Gruben könnten den Arbeitern wahrlich den Wunsch erfüllen. Ausland. Bon der Buchbinder-Jnternationale. Auf der letzten internationalen Konferenz der Buchbinder- verbände, die 1913 in Brüssel stattfand, wurde beschloffen, die nächste Konferenz im Jahre 1916 in Kristiania stattfinden zu laffen. Da« Jnieriiaiionale Buchbinder-Sekretarial in Berlin bat nun aber den angeschlossenen Verbänden den Antrag unterbreitet, die fällige Konferenz bis auf weiteres zu verschieben, da Paß'chwierigkeiten und andere Umstände es manchem Vertreter unmöglich machen würden, die Konferenz zu besuchen. Weiter führt das Sekrelaiiat an: so sehr man daraus rechnen könne, daß nach dem Kriege die internationale Bereinigung der Buchbinder in alter Weise weiter funktionieren würde, so sei jetzt die durch den Weltkrieg hervorgennene Spannung unter den kriegführenden Völkern so groß, daß wahrscheinlich nicht alle Verbände sich zur Teilnahme an einer internationalen Konserenz entschließen wüide», selbst wenn ihnen die Möglichkeit gegeben sein sollte. Unter solchen Verhältnissen zu einer richtigen Bewertung der beruflichen internationnlen Verbindungen aus einer Konserenz zu kommen, sei fraglich, zumal die zukünftige Gestaltung von Handel und Wandel ziemlich dunkel vor uns liege. — Es steht zu erwarten, daß die angeschloffenen Verbände sich dieien Gründen anschließen und für die Verschiebung der Konferenz sich ausipiechen werden. ÄWerllieim S. NU b. S. Geflügel Fleisch Donnerstag und Gonoabend: pommerlche kkstgSktfe Pfund 2.35 2.50 fette IMtchmaltputea.. Pfund 2.35 2.50 fette SappenljüijDep....... Pfund 2.10 kräthühliek............ Pfund 2.39 PerlDüöncr............ Stück 5.50 Pommeriche Candeler Bfüdenten..........«--2«. Schnecijübncr 2.40 2.60 Obfl und Gemüse Donnerstag, soweit Vorrat: AsrNngttShI Holländer..... Pfund 16 Pf AeiÜilO!)! Dänischer....... Pfund 12 Pf. Leide liohtkiiden Holländer.. Pfund 5 Pf. CriinHOlsi Holländer....... Pfund 14 Pf. LhiiiMee............ 2 Pfund 35 Pf. ?lviede?ll Holländer....... Pfund 20 Pf. Röatarber............ Bund 15 Pf. Sdjwarswumln......... Pfund 15 Pf. Große Dauer-IHaroncn..... Pfund 32 Pf. Mandarinen........... Pfund 45 Pf. »och-Mrnen........... Pfund 25 Pf. Bosllop-fiepfel....... Pfund 32 u. 38 Pf. Bint-ftpkeiiiNeN....Dutzend 95 Pf u 1.20 Hpfeliinen....... Dutzend 75 Pf« 1,10 DcliBateß-felseo......... Piund 1.20 Verkauf Donnerstag, fowelt Vorrat» Kalbsliktile i. Ganzen. Pfund l.5v kinäerliamm..... Pfund 1.90 KalbSrÜCkCDi. Ganzen. Pfund 1.50 RindCtjUCrrippC.. Pfund 1.90 Kalbsrüton g-t-ilt.. Pfund 1.60 MAerdrutt...... Psund 1.90 Kalbshamm...... Pfund 1.45 Kalbsbraft....... Pfund 1.40 ßoaftbeef mit Knochen. Pfund 2 M. Kalbsgulaich.!*.!! Pfund 1.70 behacktes fleisch.. Pfund 1.80 Konserven Donnerstag bis UBge Schöten sehrfein Dos, 1.45 unge Schoten feto V, Dos- 1.20 unge Schoten fein v. Dose 65 Pf. unge Schoten.. v. Dose 65 Pf. (arotten geschnitten V. Dose 48 Pf. Stechrllbeo..... Vi Dos- 48 Pf. Spinat........ y. Dos- 58 Pf. AeliZhohl...... y, Dose 48 Pf. Aachsbehaen... y, D°s- 62 Pf. Sonnabend: Ifllrabellen v. s>ofe 1.30 Pflaumen...... v. Dos- 75 Pf. Reineclauden____ y. Dos- 1.35 €rd beeren...... y» D°s- 1.50 Prciöelbceren... y. D°s- 1.30 Apfelmus...... y. Dos- 85 Pf. Apfelmus...... y, Do?« 48 Pf. Spanische Aprlhofen Dof« 2.10 Sellerie tn Scheiben»/, Dos- 68 Pf. Gtangenfpargel mit grünen Köpfen, vorzüglich im Geschmack Rlesen-Sfangenspargel v, Dos- io m« is Stangen 1.68 Stangenspargel eztra stark, y, Dose 20 b. 24 Stangen 1.58 V, Dose 85 Pf. 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Aorweg. Sardinen 60 spf. filetheringe...... D-f, 1.10 Roruieg. Sardinen iDeiDofe 70 Pf. Bratberinge...... Dos- 95 Pf. norwca.Sardloen- � 1-05 Räucherlachs nofe Im. 1.90 3.75 TUchhloße...... v, D°s. 1.90 Bratheringe.. 1-20».�, 1.90 flschhlööe...... v. Dos« 1 st Cbarlotten» Rouladen Dos- 1.15 Fische Donnerstag tU Soauaben», sswekt Vorrat, Grüne Heringe.. Pfund 35 Pf. Sal?f|sche Pfund 40, 45, 53 Pf. frische Osilee-Schollen Pfund 50 Pf.» Pfund 2.25 Aormg. Seelachs Äm 65 Pf. Uordsee-Cabllau�Ä 75 Pf. lutländ.SchelifUch.. Pfund 80 Pf. Gelrochnet.KIIpps|sch Pfund 65 Pf. Lebende Schiele.. Pfund 1.45 Leb. starke Aale.. Pfund 2.40 Leb. Heldelberg. forellen§ Pfund 3 M Leb. n. gehochi. Hummern Pfund 5.20 RordseC'Alusd)eIn�35 �65 Pf. F Marmelade aus frischen Früchten— leicht gefärbt hlwbeer leicht gefälbt Eimer ca. ti Pfd. 3.90 lohannlsdeer leicht gesSibt, Eim. ca. bPsd. 3 90 Kirsch od. kiprihoien. Eimer ca. S P d. 3.90 PkläUMeN....... 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IHandeURoIlNCB-Puddlng gefärbt Pak. 38 Pf. Cier-Padding gefärbt...... Paket 38 Pf. Olympia-Puddlag gefärbt... Paket 23 Pf. Ref idenz-Pudding a. Soraroerlpclfe Pri. 18 Pf. Ronneo-Puddiog mit Mandel Paket 13 Pf. SaUCeN-Pulver m Vanille-Ceschmack Pak. 9 Pf. Dellkateß-Puddlng-Pulver mit verschiedenem Geschmack, 10 Beutel 95 Pi. Ausländ. Käse »/. i..'l. Gehelmratskälef-d.Fildvofi 2 m. Im 50 Pf. €mroentaler Schachtelkäle... Stück 1.75 Graraentaler Kräuterkäle.... Stück 30 Pf. Ldaraer/ in ganz-KugelnPfd. ILO 1.90 2M. Käse lim«usschnitt Pfd� 2M 2.10 2.20 Holländer Collfelt-Käle...... 2.40 Holländer Brolhäfe......... � 2M Holländer Käle____ Pfd. 2 M 2.20 230 Cdamer Käfe w 1.65 ä 1.80 O O 1�,,, O ,rt�" O&«WO � O 0* 4��. O �0� O o O O �000 O' O O 000 O 0� � O �00 Cf �000, � � Q 400 Q �0� o n o 1 SÄ Ausstellung„Der Hausfrauengarien" o�Zo ZiP Zm-CiZi0�ZaZie)�Zi0�ZciZoZ0 oZ oZo*~a'' oZ0Zi o"Zi o Z o ZZ verantw. Redakt.! Alfred Wielevv. Reutölln. Jnf�ratenteU verantw. Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Suchvr.u.Lerlagsannatt Paul Singer u. Co., Berlin LW. Hierzu 2 Beilagen u. lluterhaltungSbl. gt 54. 33.\ KeiiGt des IWiirts" Aerliller UölksdlM.»g** 24 M- Krieg unö Krieöe im Lanötag. 14. Sitzung. Mittwoch, den 23. Februar, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. L o e b e l l. Bei der zweiien Lesung des Etats wird die Besprechung der auf den Krieg bezüglichen allgemeinen Fragen politischer Natur fortgesetzt. Abg. v. d. Osten(k.): Der Abg. S t r ö b e l hat eine Rede gehalten, die sehr wenig den Geist des Burgfriedens erkennen liest. Ich werde seinem Bei- spiel nicht folgen, werde speziell über die Kriegsziele auch nicht auf dem Umwege sprechen, wie das Abg. Siröbel in mehr geschickter als loyaler � Weise getan hat. Aber einzelne seiner Aus- führungen dürfen doch nickt unwidersprochen in das Land hinaus- gehen. Er meinte, es müsse nach dem Kriege zu den ernstesten sozialen und politischen Kämpfen kommen. DicS Bild steht recht wenig im Einklang mit den Hoffnungen, von denen sich anscheinend die königliche Staatsregierung bei ihrer Versöhnungs- Politik leiten lästt(Sehr richtig! rechts),, und auck wenig im Einklang mit gewissen Reden eines aiideren Teiles der Parier des Abgeord- neten Ströbel, wie sie im vergangenen Jahre beim Kultusetat der Abgeordnete H a e n i s ch gehalien hat. Die Erichcinung, dast Herr H a en i sch iin vorigen Jahre hier für seine Partei eine Rede hallen konnte, die ich wohl als patriotisch bezeichnen kann und die manchem von uns beinahe aus dem Herzenge- f p r o ck e n war, und dast demgegenüber gestern Abgeordneter Ströbel eine Rede halten konnte, die durchaus von ber e n t- ge gen gesetzten Tendenz getragen war. gibt uns doch zu denken und legt auch der Staatsregierung die Pflicht auf, sehr ernst- lich zu überlegen, ob denn die Hoffnung, dast die Sozialdemokralie sich zu einer Partei entwickeln könne, mii der sich leben lasse, gerecht- fertigt ist. sSehr richtig! rechts.) Es liegt mir vollkommen fern, mich in die Interna der sozialdemokratischen Partei einzumischen. Die interessieren uns gar nicht. Aber es interessiert uns sckon, wenn der Vertreter der Sozialdemokratie, der sich selbst als Per- treter von dreieinhalb Millionen Wählern zu erkennen gab, doch vielleicht nur einen geringen Teil dieser Manen hinter"sich bat, während ein anderer, erheblicher Teil doch in der Ocffentlichkcii bisher sich zu einer ganz anderen Stellung bekannt hat.— Es ist ja ein altes Wort: Begeisterung ist keine Heringsware, aber ebenso wenig, wie sich aufflammende Begeisterung auf lange Zeit hallen lästt. ebenso sicker kann eine weise gesührie Regierung und fester Wille der Bevölkerung doch aus solcher Begeisterung ein Residuum herausdcstilliercn, das sür die Zukunft groste und gute Keime ent- halten kann. Die vielen Beschwerden über die Handhabung eines 6ö Jahre alten Gesetzes sollten uns eine Lehre sein, dast solck aUe Gesetze für die moderne Zeit überhaupt nicht mehr passen.(Sehr ricklig! links.) Herr Stull hat zwar die Einschränkung der Zensur aus rein nnlitäriiche Angelegenheiten ver- langt, im gleichen Atemzuge aber ein Einschreiten gegen Tbeater und Literatur gefordert. Ick begreife nicht, wie die angeblich sojiber- lasteten Zensoren heule noch Zeit haben, darüber zu wachen, dast Sckon- berrs„Weibsleuset" nickt aufgeführt wird.(Sehr gut! links.) Wenn die Leier sehen, dast ihre Blätter unter Unfreiheit und Uniformität leiden, so must das das Ansehen der Presse schädigen. Die Berliner Pressekonferenzen sind keineswegs so nutzlos, wie Abg. v. Zedlitz gestern behauptete. Er bat auch ohne Not einen internen Borsall auS der Pressekonferenz vorgetragen. Gibt eS denn im Parlament nicht attck Indiskretionen? Was berechtigte ihn, diesen internen Vorfall, der seine Sühne gefunden hat. öffent- lich zu besprechen. Auch_ die Darstellung vom Kriegspresse- amt war schief. Der Offizier an seiner Spitze genießt das Vcr- trauen aller Zeitungsleute. � Die öffentliche Erörterung der kommenden Steucrvorlagen must Volk und Presse freigegeben werden. (Zustimmung.) Die Presseerlasse des Ministers waren keine Ruhmes- iat. Möge der ReichSkaitzler recht bald die Erörterung der Friedens- ziele freigeben; das deutsche Volk ist reif genug, um von seiner Freiheit den richtigen Gebrauch zu machen. Auch zur Presse must man Vertrauen haben.(Bravo! links.) Abg. Bacmeisier(natl.): DÄnnunzio mag gewisse Fähigkeiten haben, aber er ist eine männliche Hure, und aus seitteit Werken spricht der Geist eines verkommenen Menschen.(Sebr richtig!) Wir wissen, dast wir trotz Liebknecht und Theodor Wolff in einer großen Zeit leben.(Heiter- keit.) Herrn S t r ö b e l s Versicherung, nach Aushebung der Zensur würde die sozialdemokratische Presse niemals den niedere» Ton der bürgerlichen Presse finden, zwingt mich zu der Feststellung, dast das Wort vom„Sauherdenton" nicht bürgerlichen Blättern ent- stammt und zuerst auch nicht gegen bürgerliche Kreise gemeint war. (Hört l hört!) Wir müßten an der Zukunft des Volles ver- zweiseln. stünde ein erheblicher Teil hinter Liebknecht und Ströbel.(Sehr wahr!) Aus ihren Reden dürfen wir keinen Schluß ziehen aus die Stimmung der Massen.(Abg. Ad. Hoffmann: Aber aus den Zwischenrufen eines H a e n i s ch I Heiterkeit.) Die Zensur hat arge Mistgriffe begangen. Das schlimmste ist, dast cS sür die Zensur keine verantworttiche Stelle gibt. Das Auswärtige Amt zum Beispiel zensiert direkt, nicht auf dem Umwegs über die Militärbehörde. Dann aber möge es auch die Verantwortung über- nehmen.(Sehr richtig I) Eine Unsumme von Verärgerung hat sich über die Zensur itt der Presse angesammelt. Hat man doch sogar einem Blatte vorzuschreiben ge« wagt, die Besprechungen der Reichstagsberkandlungen müßten sich in dem Rahmen halten, in dem sich die Ausführungen des Reichs- kanzlers bewegen werden.(Große Heiterkeit.) Für diese Art, Politik zu machen, fehlt mir jedes Verständnis.(Sehr richtig! bei den Nationalliberalen und rechts.) Die Versuche mit dein Kriegspresse« anit und den Pressekonscrenzen sind gewiß gut gemeint. Aber es haben sich doch auch allerlei Unznträglichkeiten ergeben. Es sind vertrauliche Dinge aus der Pressekonferenz weitergegeben worden. Als anständiger Journalist lehne ich die Veraniwortng für diese Dinge ab. Wenn man li() und mehr Journalisten vertrauliche Dinge vorträgt, dann Ivitd sich immer einer finden, der sie weiterschwätzt. Man sollte die vertraulichen In- formationen den einzelnen verantwortlichen Leitern der großen Blätter geben, dann ruht die Verantwortung ans deren Schultern. Am besten fahren heut das„Verl. Tagebl." und die „Franls. Ztg.". besonders das„Berl. Tagebl." mit seiner Tendenz für die„westliche Kultur" und seiner kosmopolitisch gerichteten Freundlichkeit gegen die Weststaaten. Für uns, die wir häusig genug Artikel des Grasen Monis oder Dernburgs zurückweisen mutzten, be- steht nicht dieselbe Freiheit.(Hört! bört! bei den Nationalliberalen und rechts, Rufe: Na! na! bei den Sozialdcmokciiten.) Wir müssen deshalb zu vertraulichen Rundschreiben greifen. Also wir, die wir starke nationale Tendenzen in diesem Kriege zur Geltung zu bringen suchen, sind schlechter gestellt, als die Presse dieser den Kulturanschauungen zuneigenden Mitte.(Große Heiter- keit.) Der Abg. Ströbel selbst hat anerkannt, daß die miliiä- r ischen Interessen natürlich berücksichtigt werden müssen. Wenn man aber die Wirkung seiner Rede auf das Ausland erwägt, so ist doch wohl ein gewisser Zusammenhang mit militärischen Interessen herzustellen. Wir Natioitalliberale und auch die Herren von der Rechten wären sehr froh, trenn wir bei der Regierung so angeschen wären, wie etwa die Sozialdemokraten beim Reichsamt des Innern. (Große Heiterkeit.) Seit Kricgsbeginn dürfen sozialdemokratische Blätter und Bücher in den Kasernen verkauft tverdcn usw. Ich beklage das nicht, denn in diesem gewaltigen Kriege haben grosse Teile der sozialdemokratischen Wählerschaft in hervorragendem Maße ihre Pflicht für das Vaterland getan.(Allseitige Zu- stimiiiung.) Diese» nationalen Schwung in der Sozialdemokratie sollte man lebendig erhalten und nicht mit kleinlichen Mitteln zu vernichten suchen.(Sehr richtig!) Der Abg. Ströbel hat sich über einzelne Matzregeln beschwert. Ein sehr rechtsstehender Poli- tiker ist von einem Generalkommando aus seinem Bereich regel- recht verbannt worden.(Hört! hört! rechts und bei den National- liberalen.) Tie deutsche Kraft, die sich in diesem gewaltigen 5lricge zeigt, darf nicht dem Ausland verkleinert dargestellt werden. Unsc- rem Volke mutz unter allen Umständen das Vertrauen in diese Kraft aufrechterhalten bleiben. Das sind durchaus niilitärische Momente, ohne die es nicht geht. Tie Rede des Abg. Ströbel ist aber ganz und gar nicht geeignet, das Vertrauen zu erhalten: auck wenn Herr Ströbel meint, er sage nichts, was Deutschland schädigen könnte. Das Ausland kann bei der Lektüre seiner Rede zu der Meinung kommen, wir könnten nicht durchhalten, wir müßten schon übermorgen um Frieden bitten.(Sehr wahr! rechts und bei den Nationalliberulen.) Auch der pessimistische Grundton der Ströbel- schen Rede tan» uns nichts von unserem Stolz auf unsere ge- wältigen Erfolge nehmen(Lebhafter Beifall.) Mein Freund Stresemann hat e� im Reichstag bedauert, dast unsere Staats- männer in der heutigen Zeit die Waffe der öffentlichen Meinung für sich zu wenig benutzen und er zitierte, dast man von Luther gesagt habe, die Seele deS Volkes sei ein Saitenspiel in seiner Hand. Wenn man dock, diesen Ausspruch mich auf unser Auswärtiges Amt anwenden könnte.(Heiterkeit.) Ich habe die Presseerlasse des Ministers des Innern bedauert, denn ich kann keinen Segen darin erblicken, dast matt etwa, um Papier zu sparen, alle 5 in einer Stadt bestehenden Zeitungen zu einer ein- zigen vereinigt.(Groste Heiterkeit.) Die Regierung hat anderer- seits zu enge Fühlung mit der„Frankfurter Zeitung" und dem „Berliner Tageblatt" und der„Kölnischen Zeitung".(Groste lang- andauernde Heiterkeit.) Immer und immer wieder werden nur diese Blätter von ihr benutzt.(Lachen links.) Tie Verhältnisse haben sich da so zugespitzt, dast der Rauin allen für die Erörterung der Kriegsziele freigegeben werden muß.(Sehr richtig! bei den Nationalliberalen und rechts.) Von oben werden Schlagworte wie „Schutz der kleinen Völker",„Freiheit der Meere" ausgegeben. Das sind ideale, aber keine realen Dinge. Damit wird keine Begeisterung entfacht. Dazu bedürfen wir der Verkündung grosicr Ziele. Fast überall wird die Ziellosigkeit unserer Staatslcitung als bedauerlich empfunden.(Sehr richtig! bei den Nationallibe- ralen und rechts) Der Krieg ist herausgeborcn aus der großen Notwendigkeit unserer Zeit und wenn wir unsere Feinde in diesem Kriege nicht niederringen, ist die Gefahr nicht ausgeschlossen, daß wir zu einer Nation zweiten Ranges werden.(Stürmischer Beifall bei den Nationaliberalen und rechts.) Abg. Ströbel(Soz.): Herr Weinhansen meint, meinen Worten hätte das tiefe patriotische Gefühl gefehlt. Ich hätte nur für einen kleinen Teil meiner Parteigenossen gesprochen. Er hat diese Ausführungen gemacht, trotzdem ich gestern gesagt habe, die Meinungsverschiedcn- heiten innerhalb der Sozialdemokratie seien die ureigenste Angelegenheit der Partei selbst. Wenn er vielleicht dabei den Gedanken gehabt hat, ich würde auf den Köder anbeißen und wir würden eine kleine lustige Parteipolemik hier bekommen, fo bttt et s!ch gründlich darin gedäuscht. Daß MemnngZverschieden» leiten innerhalb uirsarer Partei vorhanden sind, weis; jeder, der die sozialdemokratische Presse liest. Es wäre töricht, das verheimlichen zu wollen. Die Meinungsverschiedenheiten sind bei einzelnen sii beenden Parteigenossen sogar chhr tiefgehender Art._ Das soll nicht rerbehlt werden. Aber ab der gröhere oder kleinere Teil der sozialdemokratischen Wähler stch auf meinen Standpunkt und den meiner Freunde stellt oder aus? den andern, können wir ruhig der Zukunft überlassen.(Abg. Harnisch: Sehr wahr!— Heiterte it.) Mein Freund Haenisch ist offenbar überzeugt, daß ein erklecklicher Teil der Parteigenossen sich auf seinen Standpunkt siellen wird. ZLir andern find i>;c entgegengesetzten lleberzeugung. i Zuruf: Abwarten!)(Abg. Hosjsmann: Warum warten Sie denn nicht ab! Warum zerbrechen Suc sich unsere Köpfe!) Wir hegen diese Zuversicht, weil wir nnö sagen, die Verhältnisse werden uns Recht geben. Je länger der Krieg dauert, je furcht- barer die Folgen des Krieges über das Volk kommen werden, desto mehr wird unser Weizen blühen. Ter Abg. v, d. Osten hat>nir gegenüber mit den größten Entstellungen ge- arbeitet. Das beweist, wie wenig es ihm möglich ist, mir mit sachlichen Mitteln entgegenzutreten. Wenn er sagte, ich hätte davon gesprochen, daß die" ganze Jndeistrie nur eine MaSke Person- licher Interessenvertretung sei, so ist das nicht richtig. Ich habe allerdings allgemeine Ansüibrungen in der Richtung gemacht, daß gerade, weil weitere Volksskreise dar Agrarier und der Industriellen materielle Vorteile aus dem Kriege zögen, dadurch die Elefahr entstehe, daß der Krieg durch die Profitinterrffen dieser Schichten verlängert werde.(Pfuil-Rufe rechts.— Sehr richtig! bei den Sozialdemo- traten.) Das sind Tatsachen, die nicht bestritten werden tonnen. Ein klerikales Blatt aus Oesterreich, wie die.Reichspost". hat das offen zugegeben. Ich halte von dem, was ich gestern darüber gesagt habe, jedes Wort aufrecht, und jeder logisch Denkende Ivird das auch zugeben müssen.(Widerspruch rechts.) Gewisse Kreise, die mehr oder weniger mit jenen Kreisen versippt sind, mögen da? bestreite,. Wer den Verhältnissen objektiv und nüchtern gegenübersteht, muß dies zugeben. Ich babe nichts anderes damit gesagt, als was Herr Erzbcrger früher in den Debatten über die Notwendigkeit einer Verstaatlichung der Rüstungsinbilstrie ausgeführt hat.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Vor dem Kriege hielt man es überhaupt in weiten Kreisen für sehr ratsam, die Rüstungsindustrie zu verstaat- lichen, damit der Prositmacherei einzelner Kreise aus diesem Gebiet ein Ende gemacht werde. Gerade wenn man sich auf den Stand- Punkt stellt, daß dieser surcktbarc Krieg nicht von uns gewollt, daß er wie ein Verhängnis über uns gekommen ist, sollte man alles verhüten, das �ur Schürung der Konflikte zwischen den Völkern beitragen kann mnd ein neucK, so furchtbares Unglück über die Menschheit bringen könnte. DaS beste Miilct dazu wäre die Verstaatlichung der Rüstungsindustrie. Dadurch würde das Land nicht etwa wevrlos gemacht: die Ingenieure würden dann im Dienste des Staates sickcr ebenso viel Eifer und Genialität be- weisen. Wenn Herr v. d. Osten gesagt bat, gerade die Leistungen der Firma Krupp im Kriege hätten bewiesen, daß unsere Rüstungs- .Industrie technisch auf der Höhe steht— fa, wer hat das je bestritten. Es waren ganz andere Vorwürfe, die damals gegen Krupp erhoben wopden sind. Sie ifcmten das in demBerichtüberden Krnvp-Prozeß nachlesen. Also verwirren Sie doch nicht künstlich die Dinge. Das hat aber Herr v. Osten auch getan, wenn er von meiner„firein Idee" sprach, daß im kapitalistischen Staate alles schlecht sei. Wann und wo habe ich das jemals gesagt? Ich habe gestern anSditücklich von dem ideologischen Ueberban ge- svrochen. ich bewnnliere auch alle Werke der Technik des kapi- talistischen Staates ugrd die großartigen geistigen Leistungen. Aber darf ich da nicht auch.die Not-w endig k e i t einer Fort- en-twückelnng des Staates in dem Sinne vertreten. tme üch ste für richtig hakte. Gebe ich damit Herrn. v. Osten das Recht, mit allerlei Verdrehungen und den größten Ver- balinjurien gegen micht aufzutreten? Ich vermeide solche Aus- brücke, mir stehen Argumente zur Verfügung. Er sagte, der„Vor- wärts" solle seine Rede ausführlich bringen. Bewegen Sic doch die„D c u t s ch e Tageszeitung" zum Abdruck des Steno- gränims meiner Rede, dann will ich Ihre Rede auch im Steno- gramm bringen. Oder geben wir gemeinsam unsere Reden als Broschüre heraus. Ich bin überzeugt, ich .schneide nicht schlecht dabei ab. Daß die Reden der eigenen Parteige- nassen in den Parteiblättern aller Richtungen ausführlicher ge- bracht werden, ist selbstverständlich. Dann bat Herr v. d. Osten mich als vaterlmidslosen Gesellen bezeichnet.(Widerspruch des Abg. v. d. Osten.) Das Wort haben Sie nicht gebraucht, aber Sie haben mich des M a n g e l s an v a t e r l ä n d i s ch e m E m p f i n- den beschuldigt. Ich hätte über d'Annnnzio in einer Weise ge- urteilt, wie es kein deutscher Patriot tun dürfte. Ich bin darüber anderer Meinung. Ich will nicht untersuchen, auf Grund welchen Materials Herr Baemeistcr von d'Annnnzio als einer männlichen Hure gesprochen bat. Ich kümmere mich um solchen persönlichen , Schmutz nicht. Aber ich habe mich dagegen gewandt, daß«um liier so spricht von einem Dichter einer anderen Nation, den große Teile dieser Nation als ihren größten lebenden Dichter betrachten.�(Lachen rechts.) Die Tatsache bestellt, ich weiß nicht. worüber Sie lachen. Unser italienisches Parteiblatt„Avanti" bar sich gegen d'Annnnzio als italienischen Kriegshetzer gewandt. Dabei war er im vollen Recht, aber ein Unrecht ist es, wenn man bier von der Tribüne dieses Hauses aus so über einen italienischen Dichter spricht. Man soll etbische Erwägungen und Gesichtspunkte, die im Auslände eine Rolle spielen, nicht über- sehen. Welchen Eindruck mutz es im Ausland, auch im neutralen Auslmvd machen, wenn man hier denjenigen als unpatriotisch hinstellt, der es wagt zu erklären, daß auch die Menschen in den Ländern, die un» jetzt feindlich gegen- überstehen, nicht schlechter sind als wir selbst. Tie deutsche Ehre gebietet eS, daß man so gerecht ist, das anzu- erkennen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Ehre des deutschen Volkes, die Achtung, die wir im Ausland genießen wollen und die wir auch vor uns selbst haben müssen, verlangt es, daß wir die Tinge möglichst objektiv beurteilen. Es wäre sehr verlockend, aus den„B a r a lo n g"- F a l l einzugehen, der auch ganz anders aussieht, wenn man ihn vom englischen Standpunkt aus betrachtet.(Große Unruhe.) Es ist doch selbstverständlich, daß ich nicht etwa für die englische Auffassung eintrete.(Zuruf.) Ich . soll die ganze Sackje weglassen? Sie haben sie doch hineingezerrt! Die Engländer sind der Auffassung, daß die Schuld derer, die .beschuldigt sind, nicht voll erwiesen sei. Sie wollen deshalb die Bestrafung davon abhängig machen, daß eine neutrale Macht als Gerichtshof darüber entscheidet. Es ist vom englischen Standpunkt . aus erklärlich, wenn sie weiter sagen, sie wollen dahet auch angeb- liche deutsche Barbare'en in den Kreis der Erörterungen ziehen. Wie können Sie das einer anderen Nation ver- argen, die auch Sorge dafür zu tragen hat, daß der Krieg mit möglichst humanen Mitteln geführt wird? Ich verurteile selbst- (verständlich die Tai. aber ich stehe im übrigen auf dem vielleicht etwas altmodischen Standpunkt des Bibelwortes: Gerechtigkeit erhöht ein Volk. Tann sprach Herr v. Osten davon, ich würde anders urteilen, wenn ich selbst Auge in Auge dem Feinde gegenübergestanden hätte. Da erinnere ich daran, dgß ein französisches Blatt „Die Bataille", geschrieben hat, der C h a u v i n i st e n g e i st, der H e tz g e i st, der Geist des Fanatismus und der Wut, die bis zur tierische» Wut ausartet, sei nicht im Schützengraben bei den französischen Soldaten zuhause, sondern vielmehr hinter der Front.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Auch die Armeezeitung von Oesterreich hat geschrieben, daß es nichts In- samrres gebe, als den brutale«, törichten, gemeinen Hast gegen den Feind zu predigen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Man be- kämpfe den Gegner angesichts der bitteren Notwendigkeit bis zur Vernichtung, aber wir sollten doch frei sein von Haß und Ver- achhlng und anerkennen, daß es bei den Feinden genau so ehren- werte Männer und gute und edle Menschen gibt wie bei uns. Ist es doch der Geist der Ritterlichkeit, der das Handwerk des Militarismus überhaupt erträglich macht. Alan öekämpfte sich zwar, aber wenn der Kampf entschieden war, reichte man sich die Hände. (Lachen rechts.) Sie scheinen anderer Meinung zu sein, ich hoffe aber doch, daß meine Ausführungen bei manchen von Ihnen auf Verständnis stoßen.(Lachen rechts.) Wenn das nicht der Fall wäre, dann würde es allerdings um die Ehre des deutschen Volkes schlecht bestellt sein.(Abg. Hoffmann: Sie sind zu sehr verroht!) Nach diesem Kriege�wird wohl niemand mehr behaupten können, daß der Krieg ein Stahl- bad sei für die Moral des Volkes. Wer die Greuel dieses Krieges mit erlebt hat, wir haben sie allerdings nicht erlebt, haben aber schaudernd davon erzählen hören, der weiß, daß dieser Krieg nicht geführt wird als Schwertkamps der Männer, sondern daß er ein triefäugiger Dämon geworden ist, eine Spottgeburt aus Dreck und Feuer, ein Krieg der Ratten und der Läuse, ein Krieg, bei dem die Leute monatelang in Schlamm und Unrat sich bewegen müssen und daß ein solcher Krieg sittlich und intellektuell abstumvfend wirken must. Da ist es natürlich, daß wir nichts leidenschaftlicher ersehnen können als die endliche Beseitigung dieses Krieges, und daß das Wort wahr wird, was bei Ausbruch des Krieges durch den Mund unseres Vertreters im Reichstag gesagt wurde: Wir hoffen, daß dieser Krieg der letzte sei. Wenn wie diese Hoffnung aussprechen, so müssen wir auch dafür sorgen, daß der Geist des gegenseitigen Hasses der Völker nicht weiter um sich greift. Wir wünschen nicht eine Zertrümmerung der anderen Rationen, sondern eine Verständigung mit ibren Völkern.(Zuruf rechts.) Meine Freunde in London wenden sich genau ebenso gegen die Scharf- macher dort, sie kämpfen gegen die Bölkerverhetzung wie ich hier. Auf Grund meines Artikels„Verständigung", den ich kürzlich im „Vorwärts" geschrieben habe und den die Zensur erfreulicherweise durchgelassen hat, hat auch ein ftanzösisches Parteiblatt erklärt, wir müssen verlangen, daß endlidi internationale VerständigungSver- handlungen mit der deuffchen Sozialdemokratie eingeleitet werden. Also dieser Artikel hat bei unseren französischen Genossen freu- d i g e n Widerhall gefunden. Wenn Sie(nacki rechts) das jetzt auch nicht wünschen, so könnte doch der Zeitpunkt kommen, wo Sie sich berzlich darüber freuen würden, daß die Internationale noch besteht und wenigstens noch ein Mittel ist. um Ihnen überhaupt zu einem Frieden zu Verbelfen. Meine Ausführungen sind keineswegs unpatriotisch. Ich beurteile auch keineswegs die militärische Lage possimistiscki, wie das Herr Baemeistcr behauptete. Wenn ich davon gesprochen habe, daß der völlige Sieg Teutschlands im Sinne unserer Annektionisten vom sozialdemokratischen Stand- Punkt aus unerwünscht und verwerflich sei, so habe ich schon einige Gründe dafür angegeben. Sind doch auch militärisch Urteils- fähige Leute der Meinung, daß in diesem Kriege höchstwahrichein- lich keiner den vollen Sieg davontragen werde, sondern daß, wenn der Krieg noch lange fortdauert, cr zum Ruin und zur Verblutung aller Staaten führen werde und vielleicht zur Revolution(Unruhe rechts), die ich persönlich nicht wünsche, die aber doch als Folge einer solchen furchtbaren verhängnisvollen Entwickelung eintreten könnte. Die- selbe Ansicht haben ja auch ganz andere Leute ausgesprochen, so im englischen Oberhause Lord Courtnev, der davon sprach, daß die Folge eines noch lange dauernden Krieges Revolution und Anarchie sein würde. Auch im englischen Unkerhausse ist diese Ansicht vertreten worden. Natürlich.wünschen.auch wir keinen Frieden um jeden Preis, keine Abtretüng von Landesteiken.'Aber ebenso denkt man natürlich in den anderen Länderü und ssagt sich, wenn uns der Fuß auf den Nacken gesetzt werden soll, wenn uns eine große Kriegsentschädigung auferlegt werden soll, dann halten wir lieber durch, dann warten auch wir auf das große Wunder, das uns noch den Sieg bringen soll. Ehrliche Männer, die einen vernünftigen Frieden haben wollen, sind nicht nur in den Volts- massen aller Länder unter den Parlamentariern vorhanden, sondern vermutlicki auch in Regierungskreisen. Nur meinen die Staats- männer, sie könnten das nicht aussprechen, weil es als Zeichen der Schwäche gedeutet werden könnte. Daran glaube ich n i ch t. Was unsere Geschütze bedeuten, und unsere Mannschaften in Osten und Westen, das wissen die Feinde ganz genau, und auch daran, daß wir anSgehilligert werden können, glaubt niemand niehr. Wenn nun die Staatsmänner meinen, sie dürften darüber nicht sprechen, dann wäre es Sache des internationalen Proletariats, der Sozialdemokratie, für die Verständigung einzutreten. Auf diesem Gebiete sind wir alle innerhalb der Sozialdemokratie einer Meinung. Scheidemann hat über Friedensziele im Reichs- tag nicht anders gesprochen als wie auch die Mehrheit unserer preußischen Landtagsfraktion denkt. Hier liegen nur taktische Memungsverschiedenheiten vor. Wenn wir in diesem Sinne wirken, sollte man mir mcb: Vaterlandslosigkeit vorwerfen, sondern sollte sich freue n, daß sich endlich ein Mann findet, der das ausspricht, was Millionen denken.(Zuruf rechts: Grötzenwahnsinn!) Herr Bacmeister meinte freilich, das deutsche Volk wolle von den Ideen, die ich hier vertreten habe, nichts wissen. Auf der andern Seite gibt er zu, daß die Stimmung des Volles nicht so sei, wie er sie wünscht, denn er wollte, daß dem Voll große Ziele gezeigt werden, damit seine Stimmung belebt wird Wie verträgt sich das? Mit ver Vorspiegelung solcher phantastischer Kriegsziele wird man das Volk niemals begeistern können. Herr Bacmeister führt einen ganz systematischen Kampf gegen eine getvisse„mittlere" Presse und gegen gewisse Kreise der Regierung, die angeblich dahinter stehen. In dein Augenblick, tco uns durch Beschlutz des Hauses unmöglich gemacht worden ist, die Kriegsziele zu besprechen, und in der Oeffentlichkeit die Dehatte weiterzuführen, die in der Kom- Mission über die(k-Bootfrage geführt worden sind, schreibt e r im „Deutschen Kurier" einen Artikel über den O-Bootkrieg, der durchaus die Auffassungen wiedergibt, die in der Kommission ver- treten wurden und die hier nicht erörtert werden sollen. Dasselbe geschieht in der„Kreuzzeitung" und„Deutschen Tages- zeitung". Das ist die angeblich ge.naßregelte annektionistische Presse. Herr Bacmeister kann das in aller Oeffentlichkeit schreiben, mir sind eine ganze Anzahl Artikel über diese Dinge gestrichen worden. Ich werde versuchen, jetzt wieder neue zu schreiben und will einmal sehen, ob mir das noch verboten werden kann. Eine schneidendere Einseitigkeit der Zensur könnte es nicht geben. Sie rufen nach Freiheit für sich, aber uns gegenüber begrüßen Sie im Zensor einen willfährigen Helfer. Das Voll werden Sie über die wirkliche Sachlage nicht hinwegtäuschen, das Voll auch in den Schützengräben, Männer wie Weiber, die unter den Folgen des Krieges leiden, nicht nur physisch, sondern seelisch unsäglich leiden. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sie mögen es noch so sehr zu täuschen suchen, die Tatsachen selbst sprechen eine beredte Sprache. Die Stimmung zur Beilegung des Krieges zu einem versöhnenden Abschluß wird wachsen, trotzdem und alledem und wird über Ihre Köpfe hinweggehen und wird alle Scharsmacher hinwegfegen.(Lebhafter Beifall bei den Sozial- demokraten.) Damit schließt die Debatte. Abg. v. d. Osten(k.) persönlich: Durch den Beschluß der Parteiführer, nur einen Redner aus jeder Partei reden zu lassen, bin ich zu meinem lebhaften Bedauern verhindert, auf die sachlichen Ausführungen des Abg. Ströbel zu er- widern. Seme Behauptung, ich hätte seine Rede entstellt, weise ich zurück. Dann hätte mich der Präsident zur Ordnung gerufen, Abg. Baemeistcr(natl.): Auch mir ist es unmöglich, aus die persönlichen Anzapfungen deZ Wg. Ströbel zu reagieren. Das Schlußwort erhälr Abg. Frh. v. Zedlitz(fk): Diese Fragen sind nicht verstandesmäßig zu lösen, da spricht allein das Herz. Abg. v. d. Osten hat aus unserem deutschen und preußi- scheu Herzen gesprochen.(Lebhafter Beifall rechts.— Abg. H o i f- mann: Und der Verstand war ausgeschaltet!) Da? deutsche Voll bedankt sich, in Herrn Ströbel den Wächter seiner Ehre zu sehen.(Beifall.) Tie Reden des Herrn Ströbel beweisen die Nottvendigkeit der Fortdauer des B e l a g e ru n g s- zustandes und der Zensur. Herr Ströbel will ja die Fahne des Klassenkampfs wieder entrollen. Das würde eine Klasienhetze und Klassenreizung im Kriege sein, die im Ausland den Eindruck einer inneren Zerrüttung Deutschlands wieder erwecken könnte, der vor Beginn des Krieges zum Teil unter Mitwirkimg von Herrn Ströbel und seinen Genossen entstanden war und wesentlich zum Ausbruch des Krieges beigetragen hat.(Stürmische Unterbrechungen der Sozialdemokraten, die das Einschreiten des Präsidenten fordern. — Vizepräsivent v. Krause läßt sich den Satz wiederholen, findet aber keinen Grund zum Einschreiten.— Lebhafter Beifall rechts.) Einen solchen Eindruck im Auslande hervorrufen, das die Hoffnung hat, unsere innere Kraft werde zur Durchführung des Krieges nicht ausreichen, ist Vaterlandsverrat.(Stürmische Zustimmung rechts.) Die Freigabe der Knegszielerörterung würde beweisen, daß hinter Herrn Ströbel nur einige unbelehrbare Querköpfe stehen. Mit einer richtigen Handhabung der Zensur wird dem Vaterland ein großer Dienst erwiesen.(Lebhafter Beifall rechts und bei den Nationalliberalen.) Bei der Abstimmung werden die bereits mitgeteilten Kom« misstonsanträge angenommen, derjenige Antrag der Freigabe der Kriegszielerörterung wünscht, gegen die Bollspartei, das Zentrum und einige Sozialdemokraten. Der sozialdemokratische Antrag auf Aufhebung des Belagerungs- zustandes und der Zensur wird gegen die Sozialdemokraten und Polen abgelehnt.— Es folgt die Zweite Lesung des Etats des Ministeriums des Innern. Abg. v. Pappenheim(k.) rühmt die Arbeit der Selbstverwaltungskörper und verlangt Matz« nahmen gegen Verwahrlosung der heranwachsenden Jugend und scharfe Aufficht, damit weitere Einmischungen der GenerallonunandoS in die Tätigkeit der Zivilbebörden, wie das vorgekommen sei, unter« bleiben. Die Gendarmen haben bei den vielen widerspruchsvollen Verordnungen ausgezeichnete Arbeit geleistet, ihnen ist auch der Rück- gang der Kriminalität mit zu verdanken. Oesterreich sollte gerade jetzt der Versorgung unseres Arbeitsmarktes mit österreichischen Ar« beitern keine Schwierigkeiten machen, es handelt sich hier um eine Quelle materiellen Wohls für die ärmsten Gegenden Oesterreichs. Die Zersplitterung des Wohltätigkeitswesens führt zu Mißständen, gegen die an niedrige Instinkte appellierende Wobltätigkeit der „Goldenen Bücher" usw. sollte vorgegangen werden.(Beifall.) Das Haus vertagt die Weiterberatung aus morgen, Donners« tag, 11 Uhr.— Schluß üö Uhr. Zleifthpreise nnö viehhanöel. DieaiilDienZtagvou uns wiedcrgegebeneZusammcnstelluug des halbamtlichen„Nachrichtendienst für Ernährungsfragen" über die Preise der Lebensmittel in Berlin zeigt ein scharfes Steigen der Preise für Rindfleisch. Die Zahlen in Pfennigen für das Pfund lauten:....:. Rindfleisch Keule Bauchfleisch Dezember 1313.... 103 81 1914.... 104 79 Juli 1915.... 139 115 Dezember 1915.... 160 134 Die Preise für Dezember sind indessen längst überholt. seit einigen Wochen gehen die Preise für Rinder am Lieh- markt und die Flcischprcise sprunghaft in die Höhe. Einer Zusammenstellung, die regelmäßig in der„ L o s s i s ch c n Zeitung" gemacht lvird, entnehmen wir folgende Zahlen: 7.— 12. Febr. 17.-22. Jan. 25.-30. Jan. 1916 1916 1916 Preise für 1 Zentner lebendes Bich Junge, fleischige Ochsen. 89,50 75,00. 43,00 Gutgeinästete ältere Bullen 81,50 56,50 41,50 Vollfleischige, ausgemästete Kühe...... 98,50 77,00 47,00 Jungrinder(Fresser)... 68,50 52,00 85,50 Großhandelspreise für 1 Zentner Fleisch Ochsen, II. Qualität... 155,50 148,30 75,00 Bullen. H Qualität... 145.00 144.60 71,50 Fette Kühe...... 145,00 133,30 64,50 Jungrinder(Fresser)... 145,00 120,80 60,50 Kleinhandelspreise für 1 Pfund Fleisch Rindfleisch. Keule.... 1,91 1,88 1,05 Rindfleisch. Brust.... 1.71 1,67. 0,87 Es ergibt sich aus diesen Zahlen, daß der Preis für Ochsen für die Zeit vom 7. bis 12. Februar um rund 20 Proz. höher war, als in der Zeit vom 17. bis 22. Januar, der Preis für Bullen um 44,6 Proz., für Kühe um 26,6 Proz., für Jungrinder um 31 Proz. Die Großhandelspreise sind in der angegebenen Zeit nicht im gleichen Verhältnis gestiegen. Be« merkenswert ist hier besonders, daß die Differenz zwischen den Preisen für Fleisch von Jungrindern, fetten Kühen und Bullen vollständig verschwunden ist. Im Januar 1915, wo noch halbivcgs normale Zustände auf dem Markte für Rind« fleisch herrschten, sehen wir eine Abstufung dieser Preise, im Januar war diese Abstufung noch größer, jetzt ist sie ver« schwunden, aber in dem Sinne, daß Preise der geringeren Sorten denen der besseren gleichgesetzt sind. Die Erklärung dürfte die sein, daß bei der großen Knappheit, die eingetreten ist, die Großhändler selbst für das geringste Fleisch hohen Preis fordern, die Ladenschlächter eben nehmen müssen, was sie irgend bekommen. Für Fleisch im Kleinhandel notiert unsere Tabelle 1,91 für Keule und 1,71 für Brust; in den letzten Tagen sind aber die Preise im Kleinhandel wieder um einen Sprung in die Höhe gegangen. Bekanntlich ist der Liehhandel zentralisiert worden. Schlachtvieh darf nur noch durch privilegierte Händler, die ein Syndikat bilden, an den Markt gebracht werden. Das Syndikat arbeitet unter Aufsicht der Regierung, die Oeffentlichkeit erfährt jedoch über seine Operationen nichts. Tatsache aber ist, daß der Auftrieb auf dem Berliner Lieh« markt immer geringer wird. Das allein erklärt die un« geheure Preistreiberei: der Markt ist so knapp ver» sorgt, daß die Händler die Preise sprung« hast in die Höhe treiben können. Hat sich nun in dem Bestand an Schlachtvieh eine so gewalftge Aenderung vollzogen, daß die Erhöhung der Preise gegen das Vorjahr um nahezu das Doppelte sich irgendwie recht« fertigen ließe? Das zu glauben fällt schwer, da ja erst vor kurzem in der Kommission des Landtages seitens der Regierungsvertreter viel Rühmens davon gemacht wurde, wie gut wir dastehen, wie wenig der Viehstand Deutschlands verringert worden ist. Freilich sind die Futtermittel gegen das Vorjahr besser geworden. Allein die Landwirte, die Vieh zum Verkauf bringen, kaufen keineswegs alles Viehfuttcr, sondern es werden vorwiegend die Produkte der eigenen Wirt- schaft, Rüben, Kartoffeln, Heu, daneben die Abfälle aus den Zuckerfabriken und Branntweinbrennereien verfüttert, wobei diese Abfälle zumeist nicht gekauft, sondern in den Gütern selbst verfüttert werden. Selbst wenn man also den Land- Wirten weit entgegenkommt, dürste eine Verdoppelung der Produktionskosten nicht herauszurechnen sein.— Wir wissen nun nicht, ob das Syndikat der Viehhändler doppelt so hohe Preise an die Landwirte zahlt, wie vor einem Jahre, oder ob der„Aufschlag", den es auf den„Stallpreis" rechnet, so er- höht wurde, daff die jetzigen unverschämten Preise entstehen. So oder so haben sich unter der Herrschaft des Syndikats Verhältnisse herausgebildet, die auf die Tauer nicht bestehen bleiben dürfen. Das Schweinefleisch ist aus dem Verkehr ver- schwundcn, und die wahnsinnige Preistreiberei auf dem Markt mit Rindern und Rindfleisch führt jetzt dazu, daß Fleischkost überhaupt für die Arbeiterbevölkerung ausgeschlossen wird. Das führt zu unmöglichen Konsequenzen. Wir wiederholen: nach Versicherung von autoritativer Seite kann von absolutem Mangel nicht die Rede sein, sondern es ist genügend Vieh im Lande, um den Bedarf in mäßigen Grenzen zu decken. Dann geht es aber nicht an, daß die Ernährung der Bevölkerung in Frage gestellt wird infolge der überaus hohen Preise. Es liegt hier offenbar ein Fehler der Organisation vor, derbeseitigt werdenmutz, und zwar schleunigst. politische Uebersicht. Ein denkwürdiger Tag. Die Auseinandersetzungen, die am Mittwoch im preußi- scheu Abgeordneten hause über die Handhabung der Zensur erfolgten, zeigen deutlich, welch tiefer Gegensatz nach wie vor zwischen den Anschauungen der maßgebenden bürger- lichen Parteien und der Sozialdemokratie besteht, und wie sehr die Sachwalter der Rechten bestrebt sind, die Zeit des Burgfriedens für ihre Zivecke auszunutzen. Die Rede unseres Genossen Ströbel vom Tage vorher war ihnen arg in die Glieder gefahren. Wenn nicht das Mitgliederverzeichnis des Hauses uns eines anderen belehrte, so könnten wir fast glauben, daß die von der O st c n lk.), W e i n h a u s c n(Vp.) und Bac meist er(natl.) ein uich derselben Partei ange- hören, wenig unterschieden sie sich voneinander und so sehr auf den gleichen Ton waren ihre Ausführungen gestimmt. Nicht nur, daß sie samt und sonders arg init Entstellungen operierten, sie glaubten auch, ganz besonders dadurch Kapital für sich herausschlagen zu können, daß sie die eine Richtung unserer Partei gegen die andere oder die sozialdemokratische Partei gegen die Gewerkschaften ausspielten. Allerdings ohne Erfolg, Ströbel tat unseren politischen Gegnern nicht den Gefallen, sich von der Tribüne des Dreiklassenparlaments aus über.innere Parteiangelegcnhciten zu äußern. Hörte man die Töne sittlicher Entrüstung, so hätte man wirklich glauben können, Ströbel ljatte das Vaterland verraten. Was er tat- sächlich gesagt hat, davon können sich objektive Leser selbst im Bericht überzeugen. In Wirklichkeit war diese sittliche Entrüstung— wenigstens für den Wortführer der Konservativen— nichts weiter als ein Vorwand, um die Regierung gegen die Wählreform einzunehmen. Es ist immer das alte Lied; sind die Sozial- demokratcn ruhig, so stockt die Gesctzgcbungsreform auf der ganzen Linie stellen sie aber Forderungen so widersetzt man sich unter dem Hinweis darauf, daß die Sozialdemokratie nicht das genügende Wohlvcrhaltcn an den Tag gelegt habe. Daß wir uns durch diese nur allzu durchsichtige Taktik von unserem Wege nicht abdrängen lassen, ist selbstverständlich. Genosse Ströbel, der noch einmal zu Worte kam, blieb die Antwort auf die zahlreichen Angriffe nicht schuldig. Mit großem Geschick verteidigte er seine Stellung. Und daß seine Hiebe gesessen haben, das zeigt das sogenannte Schluß- wort des Berichterstatters Frhn. v. Zedlitz, der unter Miß- brauch seines Amtes nichts über das eigentliche Thema sprach, sonder nsich statt dessen in Herabsetzungen der Sozialdemo- kratie erging. Die Abstimmung ergab die Annahme der sehr ver- schwommenen Anträge betreffend die Preßfreiheit, das Ver- eins- und Versammlungsrecht und die Friedensziele, während der sozialdemokratische Antrag auf Aufhebung des Belage- rungszustandcs abgelehnt wurde. Donnerstag: Etat des Ministeriums des Innern. Die auswärtige Politik und die Landtage. Im ffmanzaussckiutz der Zweiten hessischen Kammer kam die Frage des Rechis der Einzellandtage zur Sprache, die aus- wältige Politik in den Bereich ihrer Erörterungen zu ziehen. Von Ausschuhmitgliedern der verschiedenen Parteien wurde dieses Recht mit aller Entschiedenheit gegenüber der letzten Kundgebung des Reichskanzlers verleidtgt._ Tie neue Tabaksteuer. Die offiziösen„Berl. Pol. Nachr." behaupten, daß die in der letzten Zeil in die Oeffentlichkeit gedrungenen Meldungen über die neuen Steuern nicht aus amtlichen Quellen stammten und nur auf Vermutungen und willkürlichen Annahmen beruhten. Die„Nord- deuliciie Allaemeine Zeitung" werde in allernächster Zeit die Steuer- gesetzenlwürfe veröffentlichen. Die„Köln. Ztg." ist trotzdem in der Lage, jetzt ichon nähere Angaben über die Beschaffenheit ver neuen Tabaksteuer zu machen, die viel Wahrscheinliches für sich haben. Die „Köln. Zig* berichtet: „Die seil Monaten zwischen der Reichsfinanzverwaltung und den Tabakinleressenten schwebenden Verhandlungen über die Form der künftigen Mehrbelastung des Tabaks sind zum Abschluß ge- bracht worden. Ein Zigarrenmonopol kommt nicht in Frage, ebenso ist von einer Banderolesteuer abgesehen. Es wird vielmehr dem Reichstage eine Erhöhung der Tabakzölle vorgeschlagen werden, und zwar von 86 M. auf 136 M. und des Wertzolles von 40 aus 66 Proz. Diese Mehrbelastung bedeutet eine Verteuerung der Herstellung der Zigarren um 22 Proz. Es wird zu einer Preiserhöhung im Klein- Handel von etwa 60 Proz. kommen, wobei die bisher billiasten Zigarrensorten bis zu sieben Pfennig wahrscheinlich ganz aus dem Handel verschwinden werden."_ Kartoffelkarteu? Eine bürgerliche Korrespondenz verbreitet die Meldung, daß die Lbsicht bestehe, eine Kartoffelkarte einzuführen, und zwar soll im allgemeinen ein Pfund Kartoffeln aus den Kopf der Bevölkerung als Tagesbedarf angenommen werden. Eine Bestätigung dieser Nach- richt bleibt abzuwarten. Wenn aber in der Tat ein Pfund Kar- to ffeln pro Kopf festgesetzt werden soll, so würde das zu ganz unhaltbaren Zuständen führen, denn der Kartoffelkonsum steigt, je niedriger das Einkommen ist. Für viele Familien bedeutet heute die Kartoffel das einzige Nahrungsmittel, an dem man sich satt essen kann. Dazu würde aber die Ration von einem Pfund Kartoffeln pro Tag ganz unmöglich ausreichen. Eine Großstadt ohne Kartoffeln. Eine ganze Woche hindurch wurden in der Großstadt Halle lSaale) keine Kartoffeln verkauft. Die Händler haben schon seit Monaten keine einzige Kartoffel mehr und am Freitag voriger Woche ging der Vorrat der Stadt völlig zu Ende. Das führte zu wüstem Ge- dränge der zum Schluß Abgewiesenen und zu verschiedenen Ver- hastungen. Am Sonnabend wiederholten sich die Zusammenstöße vor dem Verkaufsraum. Jetzt verkauft die Stadt als Ersatz für Kar- toffeln an die Minderbemittelten Reis. Erst am Freitag hofft man wieder so viel Kartoffeln zusammen zu haben, um einen Verkausstag abhalten zu können. Auf dringende Telegramme und Eilbriefe des Sozialdemokratischen Vereins antwortete die Reichskartoffelstelle, die erst der Stadt die ganze Schuld zuschieben wollte, schließlich: ES sind für Halle auf dem ZwaugSwcge Kartoffeln aus Ueberschußkreisen augewiesen. Nun haben aber die Landräte der betreffenden Kreise die Kartoffelsendungen einfach festgehalten, so daß die Stadt in ärgster Not ist._ Tie großstädtische Milchversorgung. Manche Schwierigkeiten in der Milchversorgung der Groß- städte könnten durch Schaffung einer Sammelstelle in jedem Dorf, etwa in der Form der ZwangZgenoffenschaft, beseitigt und verhindert werden, daß verdorbene oder minderwertige Milch ge- liefert wird. Was die städtischen Einrichtungen zur Verbesserung der Milchversorgung ihrer Bevölkerung selbst betrifft, so sind in verschiedenen Großstädten Versuche mit der V erstadtlichung der Milchversorgung gemacht worden. Kürzlich ist die Stadt Dortmund dieser Frage nähergetreten und will eine große Molkerei für eigenen Betrieb übernehmen. Gute praktische Erfahrungen hat die Stadt Mannheim gemacht durch die Gründung einer Milcbzentrale. Wie der Direktor der Mann- heimer Milchzentrale, Fritz Dildey, in der„Frankfurter Zeitung" mitteilte, ist die Zentrale zu einem Regulator des Milch- Handels geworden. Der priöate Milch Handel hat sich Ein- schränkungen gefallen lassen müssen, aber er bleibt erhalten unter der regelnden Einwirkung des Zcntralmilchinstituts. Die Zentrale ist in die Form der Aktiengesellschaft gekleidet worden. Zwei Mit- glicdcr des Vorstandes werden von dem Stadtrat der Stadt Mann- heim gewählt. Das privatwirtschafiliche Interesse wird beschränkt durch die Bestimmung, daß bei einem verhältnismäßig kleinen Grundkapital höchstens 4 Proz. Dividenden verteilt werden dürfen. Bei Auflösung der Gescllschast muß der etwaige Rest des Gesell- schaftsvcrmögcns der Stadtgemeinde Mannheim zur Verwendung für gemeinnützige Zwecke übergeben werden. Tie Ersahrungen, die mit der Mannheimer Milchzentrale bisher gemacht tvorden sind, sind nach den Mitteilungen ihres Direktors sehr zufriedenstellend. Die mit allen technischen Errungenschaften ausgestaltete Zentrale liefert eine Milch, die alle Anforderungen befriedigt, und gleich- zeitig trat infolge der Ausschaltung des privatwirtschaftlichcu Interesses sofort eine Verbilligung der Milch ein. Als Folge davon setzte nun die regulierende Wirkung aus den privaten Handel ein. Der Milchhändcl würde gezwungen, sich den. Leistungen.der Milchzeutrale anzupassen. Die Stadt Mannheim durste als einzige Stadt Deutschlands nach der Gründung des neuen Unter- nehmcns einen Rückgang des Marktpreises der Milch feststellen. Die preisuiedrigeiide Wirkung der Milchzentrale konnte auch fest- gestellt werden, als der Betrieb aus die Nachbarstadt Ludwigs- Hafen ausgedehnt wurde. Ferner glaubt der Direktor der Zentrale eine Besserung der Qualität der Mnrktmilch feststellen zu können. Nach der Gründung der Zentrale ging die Zahl der Bestrafungen wegen Fälschung und Schmutzgehalt der Milch zurück. Schließlich konnte auch, als sich hierzu die Notwendig- keit herausstellte, die Buttcrvcrteilung der Milchzeutrale überwiesen werden. Interessante Einblicke in die Kartoffelnot. Ein Bericht aus einer Sitzung des B e z i r k s a u s- schusscs für dicAmtshauPt mann schaft Meißen ivirft bezeichnendes Licht auf die Ursachen der Äartoffelnot. Der Bezirk konnte in Friedcnszeitcn große Mengen Kartoffeln ausführen, leidet aber jetzt wie viele andere in Sachsen an Kartoffelmangel. In betreffender Sitzung wurde nun mit- geteilt, daß trotz Gewährung von Zuschlägen in Höhe von 1,2ö M. pro Zentner, nur 6000 Zentner statt der crforder- lichen 16000 Zentner aufzutreiben waren. Bei der Amts- hauptmannschaft sei eine Ernte von zirka 1460 090 Zentner angemeldet worden, die Landwirten hätten aber bis mit Ende Januar nur 205 000 Zentner abgegeben. Der Amtshaupt- mann v. Oer teilte mit, daß sich einzelne Landwirte unter allerlei Gründen weigerten, auch nur 10 Prozent ihrer Ernte abzugeben. Oekonomierat Steiger aus Löfhain, der früher schon seine agrarischen Kollegen in den Lokalblättern auf- forderte, die Kartoffeln herauszugeben, führte aus, daß die Kartoffeln wohl wieder wie im Vorjahre im Monat Mai zum Borschein komineu würden._ Einschränkung des Schlachtens in Sachsen. Die sächsische Regierung hat im Anschluß an ihre letzte Ver- ordnung vom 3. Februar 1916, Einschränkung des Schlachtens be- treffend neuerdings folgendes verfügt: 1. Erlaubt sind: s) Schlachtungen, die Gemeindeverwaltungen auf eigene Rechnung zum Zwecke der Abgabe von Fleischwaren an die Einwohner oder die minderbemiltelte Bevölkerung vornehmen, b) Schlachtungen, die wohltätige und gemeinnützige Vereinigungen und Anstalten ohne Gewinnabsicht zur Versorgung von Pfleglingen und Hilfsbedürftigen veranstalten. 2. Verboten ist: a) die Abhaltung aller Schlachtseste und ähnlicher Veranstaltungen, bei denen ein den gewöhnlichen Be- darf übersteigender Flei'chverbrauch stattzufinden pflegt, d> die ent- geltliche Abgabe von Fleisch seitens derjenigen, die zu Schlachtungen für ihren eigenen häuslichen und wirtschaftlichen Bedarf nach Maß« gäbe der Bekanntmachung vom 3. Februar 1916 berechtigt sind l.Verpiunden"). 3. Gastwirte und sonstige Gewerbetreibende, welche Fleisch unmittelbar an die Verbraucher abgeben, sind zu Schlachtungen für ihren eigenen gewerblichen Verbrauch nur berechtigt, wenn sie den Gewerbebetrieb als Fleischer angemeldet haben. Kampf der Geschlechter? Ein amerikanischer Professor der Naturwissenschaften, Marion Phillips, schreibt:„Männer, vom Kriege heimkehrend, werden finden, daß ihre Plätze von Frauen besetzt sind. Weil die Arbeit des Krieges zu Ende ist und sie selber wieder in der Arbeit des Friedens ihr Brot verdienen müssen, werden sie ihrerseits alles tun müssen, um die Frauen wieder aus diesen Stellungen zu vertreiben. Die männlichen Arbeiter und die von ihnen abhängigen Frauen werden so in bitterem Konkurrenzkampf jenen Frauen gegenüber« stehen, die arbeiten oder sterben müssen. Dieses Bild enthält alle die Möglichkeiten eines GescklechtskriegeS von grausamer Art." Zur Verhütung dieses Geschlechtskampfes fordert Phillips die unbedingte soziale, wirtschaftliche und politische Gleichstellung der Frau.„Sie muß", meint er,„die gleiche Arbeit haben und den gleichen Lohn, dieselben ErwerbSmöglichkeitcn und dieselben Vorteile, die gleiche Verantwortung und das gleiche Recht wie der Mann. Denn die AilpassungSsähigkeit der Frau bedeutet an und für sich eine Ge- fahr, wenn dieselbe nicht Hand in Hand geht mit einem Selbst- bewußtsein des eigenen Wertes, das für geleistete Arbeit auch würdige Belohnung fordert._ . Bei der Stadtratswahl in Frankfurt a. M., zu der auch Genosse Dr. Lindemann« Stuttgart kandidierte, wurde der Kandidat der Fortschrittler, Magistratssyndikus Dr. Hill er gewählt. Lindemann erhielt 16, Hiller 32 Stimmen. Genosse Lindemann hatte sich nicht beworben, er war von L�uarck vorgeschlagen worden und mit in die engere Wahl gekommen. Ter bekehrte Friedensapostel. Aus Rom wird uns geschrieben: Vor mehrere» Jahren erhielt der italienische Schriftsteller Ernst Theodor Moneta den Nobelpreis.für seine Wirksamkeit als Friedensapostel. Moneta, der damals schon ein bejahrter Mann war, ist heute 83 Jahre alt. Vielleicht ist es daher auf Vergreisuug zurückzuführen, wenn er jetzt einen Strich durch sei» ganzes bisheriges Wirken macht, um in der von ihm geleiteten Zeit- schrifl„Vita Intern azionale" das Verbot aller Zei- tnngen zu fordern, die nicht für den Krieg sind. Der Schriftsteller, der bis jetzt in den Reihen der Demokratie gekämpft hat, scheut sich nicht zu schreiben, daß er die Presse jener Partei im Auge hat,„die über einen großen Teil des Proletariats verfügt und die Tag für Tag offenkundige Feindseligkeit für da? große Unternehmen zur Schau trägt". Der„Avanii" meint, Moneta sollte die 83(Xi0 Lire zurückgeben, die er als Friedenspreis einge- heimst hat. Aber Moneta macht eben auch die Wandlung durch, der sich ein großer Teil seiner Zeitgenossen aller Länder, von denen vielen nicht einmal die Vergreisuug als MilderungSgruud zugebilligt werden kann, nicht hat entziehen können. Wie mancher müßte nicht, gleich ihm, den Nobelpreis zurückgeben d Mus öer Partei. Zum Erscheinen der„Fackel" bemerkt die„Leipziger Volkszeituug": „Der Zentralvorstand der Bezirksorganisation für die Provinz Brandenburg hat beschlossen, die„Fackel" wieder erscheinen zu lassen. Das Blatt ist eine Agitationsschrift für das Land, deren Er- scheinen der Krieg unterbrochen hatte. Früher hatte man sich bei uns eine solche ÄgitationSschrist so vorgestellt, daß darin das Wesen der Sozialdemokratie gezeigt werden sollte und da?, was uns von den bürgerlichen Parteien trennt. Tie politischen Ereignisse der Zeit wurden erläutert. Handlungen der Regierung und der bürgerlicken Parteien der Kritik unterzogen. Da solche ÄgitationSschrist»idhl für unsere eigenen Parteigenossen bestimmt war, so verstand es sich von selbst, daß ivir darin nicht unsere Zwistigkeiten austrugen. Doch hat man auch auf diesem Gebiet umgelernt. Die erste Nummer der neuen„Fackel" behandelt aus etwa drei Spalleir allgemeine politische Fragen, der Rest mit dreizehn Spalten ist mit Artikeln und Notizen parteipolemischen Inhalts ausgeiüllt. Sie richten sich zum kleineren. Teil gegen die deutsche Opposition, zum größeren gegen die sozialdemokratischen Parteien des Auslandes. Man wird in der Annahme nicht fehlgehen, daß diese Agitationsschrift weniger dazu bestimmt ist, uns neue Anhänger zu werben, als vielmehr zu dem Zweck, den Anschauungen des„Vor- w ä r t S". die sich mit denen der FrallionSmehrheit nicht decken, entgegenzuwirken. Daraus deutet der Beschluß deS Bezirksvorstands, die„Fackel"„auch unter den Mitgliedern der Orga- n i s a t i o u verbreiten zu lassen". Ter„Vorwärts" ist für einen Teil des Bezirksverbands das zuständige Organ." Wir können der Auffassung der„Leipziger Volkszeituno" nur zustimmen, habe» aber von der Organisationsleiiung der Provinz Brandenburg so wie diese ihre die Parteieinheit fördernde Aufgabe auffaßt, nichts anderes erwartet. Mus Industrie und Handel. Die Einwirkung des Krieges ans die Kaliindnstric. Die Kaliiudustrie leidet stark unter den Folgen des Krieges, da jeder Export nach dem Auslande aufgehoben ist. Sehr viele Kriegs« gewerkichaften haben sowohl im Jahre 13t4 als auch im vergangenen Jahre starke Verluste erlitten. Meldete doch die„Industrie", daß die Kaligcwcrkschaft Walter in Oberheldruugen in den ersten neun Mo- naten einen Gesaintverlust von 94 667 M. habe. Die Kaligewcrk- schaft Irmgard hatte in demselben Zeitraum einen Gesamtverlust von 137 436 M., Heldrungcn 1/II einen solchen von 46 186 M. Die Hauptversammlung der Lkaligewerksckaft Ellers in Neuhof genehmigte eine weitere Zubuße von 266 666 M. mit der Maßgabe, daß sie zu- näckst in 3 Raten von je 160 M. und zweimal 76 M. je Kux nach Er- messen des Vorstandes zur Erhebung gelangen soll.Währendrm Jahre19l6 der Absatz deS Kalijyndtkats nach dem Auslände nur 1191664 Doppelzentner betrug, waren cS iin Jahre 1vl3 6 632 666 Doppel- zentner. Die Kaliindustrie ist auf das Ausland angewiesen, und solange durch den Krieg die Ausfuhr gesperrt ist, wird sich ihre Lage auch nicht bessern. Mit dem Tiefstande dieses Industriezweiges müssen aber nicht allein die Werksherren bei vielen Gewerkschaften Zubußen leisten, sondern auch die Bergarbeiter in diesen Betrieben leiden darunter. indem ihnen unter Hinweis auf die Unrentabilität der Kaliwerke Lohn- erhöhungen nicht gewährt werden. Sehr nötig wäre es, wenn die Landwirtschaft, die doch heute die größten Profite mit hat, mehr Kalisalze zur Düngung bezichen würde. Wie man hört, erklärten führende Herren der Kaliindustrie, daß eS so nicht weilergehen könne; der Ruin sei zu befürchten, wenn nickit höhere Kalipreise gefordert werden dürfen. Die Landwirtschaft würde sich vielleicht mit einer Preiserhöhung einverstanden erklären. Doch werden es dann wieder die Verbraucher der landwirtschaft- lichen Erzeugnisse sein, die bluten müssen, indem man ihnen die so schon teure» Lebensmittel noch mehr in die Höhe schrauben würde. Nach unserer Ansicht könnte die Landwirtschaft allerding» eine Preiserhöhung des Kalis vertragen, ohne daß eine Verteuerung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse eintritt. KriegSgcwiune in der Züudholziudustrie. Bei Kriegsbeginn war eS besonders die Zündholzindustrie, die erklärte, vor dem Ruin zu stehen, wenn die Reichsregierung nicht durch entsprechende Maßnahmen eingreife. DieS ist denn auch ge- schehen durch Erhöhung des Kontingents und durch eine erhebliche Verteuerung der Zündhölzer. Wie wenig Ursache die Zündholz- fabrikanlen zum Jammern hatten, das zeigt der Geschäftsabschluß der. Aktiengesellschaft Union, vereinigte Zündholz- und Wichsefabriken in AugSburg" für das Jahr 1916. Der Umsatz streg auf 6 662 713 M., nach reichlichen Abschreibungen und Vortrag von 418 643 M. auf neue Rechnung verbleibt ein Reingewinn von 491 757 M.. nachdem für Kriegsgewinnsteuer von vornweg 649 560 M. als Rücklage in Abzug gebracht worden sind. Die Gesellschaft verteilt im Kriegs- jähre 1916 eiue DividcAde von 26 Prozent gegen 16 Prozent im Vorjahre! Snefkasten öer Reüaktion. Tie lurislil»- EvreAslund« sindet sür Abonnenten Lindenftr. Z, lV. Ho, rechts, varterre. am Montag bis Freitag von 4 bis 7 Ugr, am Sonnabend von 6 bis 0 Uhr statt. Jeder sür den Briestasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Lab! als Merlzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine Abonnemenlsauitrung beigefügt ist. werden, nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Evrechstunde vor. Betträge, echriststiicke und dergleichen bringe man in die eprechsinnde mit. N. T. 100. 1 Krone und 20 Heller täglich.— G. Z. Die Miete können Sie deswegen nicht einbehalten.— Dt. R. 3. Wir lönnen Ihnen zu Ihrer Absicht nicht behilflich sein. Raten könnten wir Ihnen nur, durch GerichlsbesÄlus! dahin zu wirken, dag Ihr Mann seiner Unterballungspflicht in ausreichendem Masse nachkommt.— Gsogau S8. 1. Der Anspruch ist zwar etwas zwciselhast und wir kennen in der Praxis noch keinen gleichen Fall. Wir würden Ihnen aber empfehlen, den Anspruch aus Reichs- wochenbUse aus jeden Fall geltend zu machen. 2. Ja.— R. B. 14. 1. Da die Beköstigung mit zum Einkommen gerechnet wird, so würde dieses Ein- kommen über S00 M. betragen und somit steuerpflichtig sein. 2. Illustrierte Taschenbücher sür die Jugend. Bd. 17. Zu haben in der Buchhandlung Vorwärts sür 1 M.— I. St. 7. Ja.— M.(0. 28. Die Entscheidung liegt beim Mililärarzt. Wahrscheinlich aber wird Entlassung ersolgen.— 4B. G. 5. Wenn Sie den Wohnsitz in eine andere Gemeinde verlegen, so sällt die kommunale Unterstützung fort; Sie erhalten dann nur die staatliche Unterstützung. Auch die Mietsunterstützung kann Ihnen entzogen werden. Die Unterstützung tvird Ihnen von der Gemeinde Lichtenberg weitergezahlt. Sie müssen dort Ihren Fortzug natürlich melden.— O. G. 24. Ja, pro Tag 1,20 M.— K. H. 36. Der Tanz ist verboten. — M. Sch. 4046. Ja, Sie können auf Attnenrecht Klage auf Ehescheidung einleiten. Ihr Mann ist zum Unterhalt sür Sie und die Kinder verpflichtet. — W. R. 2. Die Kirchensteuer sür das Jahr 1914 müssen Sie zahlen. Sie könnten höchstens Stundung beantragen. Wcnn�eS sich um eine neue Veranlagung zur Kirchensteuer handelt, so legen Sie die Bcschcinignng über den Austritt aus der Landeskirche vor und beantragen Sie Zurück- nähme der Veranlagung.— 31.(f. 7. Sie müssen vom Wirt verlangen, datz er dem Mieter die Unart vcrhictct.— stlinor 47. Ja.— E. 4. Nein. WctterauSstchten für daS mittlere Norddeutichlaud bis Freitag mittag. Im Osten zeitweise amllarend und meist trocken, in den übrigen Gegenden überwiegend bewölkt mit, im allgemeinen geringen, nur im Südwesten etwas stärkeren Schneefällen; überall Frost. leipzigersfrasse Alexander pla/z frankforferAUee Leipzigers /ra ssq Alexander pladz frankforferAUee Donnerstag soweit Vorrat Fleisch Billige Lebensmittel m m m ■ ■ ■ Kalbskeule Im ganzen....... I60 KalbsrQcken im ganzen...... I70 Kalbskamm und Blatt.,.. I60 Rinderkamm............. I80 Hammelfleisch........... 220 Hammelkeule im ganzen..... 220 Gehacktes............... I80 Pökelzunge.............. I80 Gepökeltes Hammelfleisch l50 Schmorfleisch mit Knochen... I90 ■ ■ ■ n Kl Obst Mandarinen..... Pfund 45 pt. Apfelsinen.. o°t»-.d 80 pr I00 Boskop-Aepfel. s Pfund 65 pf. Grosse Kochäpfel?». 30 pf. GrosseKochbirn.spfd. 55 pf. Datteln........... piund l00 Kranzfeigen..... pw-d 65 pt. Warstwaren Zervelatwurst....... Pfund 290 Teewurst........... Pfund 290 Knackwurst mit Knoblauch Pfund 240 Jagdwurst........... Pfund 210 Feine Leberwurst.... Pfund 220 Landleberwurst...... Pfund 200 Zwiebelleberwurst... Pfund l40 Sülzwurst........... Pfund l50 Kraftfleisch......:.. Dose l65 'Räucherwaren Pfund 50 PL Pfund 70 Pf, Stück 35 Pf. Stück 3 5 Pf. Pfund 50 Pf. Sprotten........ V, Seelachs..... Makrelen......... Fleckheringe...... Sprottbücklinge.. v. Bismarckheringe muck Port. Sardinen.. Dose Belg. Sardinen.. Dose Norw. Sardinen. Dose Sardellen...... Pfund ca. 10 125 Inhalt 1 75 pf. I00 50, 75 pt. 50, 75 pf. 90, l60 Mne E2fmm grosse........... Pfand 45 Pf. Im 4. Stock Oberlichtsaal Leipziger Strasse Veranstaltung des„berliner Hausfrauen- Vereins" fZlna MorgensternJ „Wie versorgt sich die Berlinerin mit Gemüse" Gemüsetopfpflanzen- und Kaninchenzucht. Belehrende Vorträge täglich 4 Uhr nachm. Fische u. Fleisch Leipziger Strasse u. JHexanderpU Fische Lebende Forellen... Pfdnd 300 Leb. Forellen Heidelb. Pfd. 290 Leb. Schleie......... Pfund l45 Leb. Aale........ Pfund l50 240 Lachsforellen....... Pfund 228 Schellfisch..... Pfund 55, 60 Pk. Kabeljau i. ganz., ohne Kopf, Pfd. 65 Pf. Schollen mittelgross... Pfund 48 Pf. Klippfisch......... Pfund 58 Pf. Salzheringe ,om fornuet 35, 45 Pf. u ■ » H a Gemüse Weisskohl(Houanaei) Pfund 15 PI. Wirsingkohl(h«u.) pk°»a 16 pi. Rotkohl(HolIEnder).,. Plnad 26 PI. Kohlrüben fcewel... Pfand 5 PI. Schwarzwurzel. pi-na 15 pi. Chicoree......... Pinna 22 pi. Spinat............ s Pinna 65 pi. BBHBaBBBEDBSBBBEiBHaBBBH D B O B B B B B BB3 Todes-Anzeigen Deutscher MetaüarheKer-Yerhanil Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Kollege, der Gürtler Bühse Neukölln, Mainzer Str. 42 am 24. Februar gestorben ist. Khre keinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Freitag, den 25. Februar, nach- mittags 4�/, Uhr, von der Leichen- Halle des Gemeinde- Friedhofes in Neutölln, MaAcndorser Weg, aus statt. Um rege Beteiligung wird ersucht. Nachruf. Den Kollegen serner zur Nach- richt, daß unser Kolleg«, der Heiser Otto Schönhauser Allee 52a am 19. Februar gestorben ist. Ehre seinem Andenken I 112/14 Tie OrtSvcrwaltung. Aufruf i Der Tischler Gustav Karl Franz Wachsmuth aus Nrustettin, der im Jnhre 4i»v7 zu Neukölln. Kottbnscr Tamm Nr. 40« gewohnt hat, ist der alleinige Erbe der in Stolp verstorbenen, ver- witwetcn Postschaffner Karoline Stach geborenen Wachsmuth geworden. 1 Ich ersuche den Tischler Wachs. muih, mir schleunigst seine Adresse mitzuteilen. Sollte ein Leler dieser Zettung Kenntnis von dem Aufenihalts- ort des obengenannten Wachs- muth haben, so bitte ich, ihn mir mitzuteile». Auslagen werde« erstattet. Stolp i. Pomm., den 18. Februar 1915. Der Nalblatzpfleger SckUlsi-, Rechtsanwalt und Notar. Nachruf zum 25. Geburtstage. Als Opfer des Weltkrieges siel am 26. Oktober 1915 durch Brust- schütz mein herzensguter Mann und trcusorgendcr Papa, unser lieber söhn und Bruder,'der Wchrmann A RicM Schulz Landw.-Jnf.-Reg. 78. Martha Schulz und Kinder, Stromflr. 88. Dtte u. Hedwig Schulz. Eltern. Alfred Bruder, im Felde. Frida Schwester. Du bist so schwer geschieden, Du trcugelicbtes Herz, Du hast jetzt Dciucn Flieden Und mir den bitt'ren Schmerz. Magst auch in fremder Erde Zur Ruh gebettet sein, Du wirst in uns'ren Herzen Doch nie vergessen sein. Lieber Papa, Ruhe sanstl Biii u. Gretchen. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unserer lieben unvcrgctzlichcn Tochter Kütheheu sagen wir hiermit allen Verwandten und Bekannten sowie der Freien Turncrschast Spandau unseren herz- lichstcn Dank. A Vslter herrmgnn nodstPrau. iMmnnn's Trauermafuzln Größte Aiuwalil. Billigste Preise. L MohrensirsBa 37a OColonnadcnl IL Or. Frankfurter Str. 115 (nahe Andreosstr.) Auswahlacndunoen sofort. Ami Zentrum 7890. Sonntag 12—2 Uhr gaijttnat. Stoffe für feine Damen-Kostüme, Herren-Anzüge usw. Mir. 4-.6-.8-, 10,-12,- M. 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Karl Schwarzloie, Bismarckslr. 28. Ba»n>»el>nle>isr«zr. H. Hornig, Marienthaler Str. 13, 1. Bonsit« aide. Paul Kienast, Räuschslr. 10. Ciiurlottenburj;, Gustav Sch.irnvcrg, sefenöcimtr Str. 1. FriedricliHhuecn. Ernst Werkinaun. Köpenicker Str. 18. Viru»»». Franz Klei». Fricoiichstr. 10. d«tia»»l«»kal. N!ax Gonschnr, Parkitr. 23 I».arl»>b«r>>it. Herinan» Billing, Dönhoffstr. 23. liiipealeK. Emil Wthtcr, Kietzcrstr. 6, Laden. I-lel,»euberx I. Otto Scitet, Wartenbergsir. 1. Liichtonberg 11. A. ötoicntranz, Att-Boxnage» 56. XcukUUn. M. zdcrurtcy. Neaarstr. 2. E. Stohr, Siegfried- strage 28/29. X 1edei'-!>el,üae» eide. Willi. Unruh. Brückenstr. 10. \owuwen. Karl Krohnberg, Fricdrichkirchptatz 27. Bber-lSetiEae« eide. Alfred Bader. Wiltzeimnienhosstr. 17, Laden. PanKarv. Otto Ristmaun, Mübienitr. 30. BelaleKeadvr!. P. Ein'.'ich, Provinzstr. 56, Laven. ibeliüiieberx. Wilhelm Bäninler, Marlin-Lnther-Ztr. 69 im Laden !»>I>andaa. Schuhmacher. Breilestr. 64. Mtegiitz. H. Bernsee, Alsenslr. 5. Teiupoihol. Joh. Kroh», Borussiastr. 62. Treptow, tlioverl Gramenz. Stiesüoljiir. 412, Laden XVctuonaec. Gustav Rostkopf. Berliner Allee 11. Wlliuersdorf. Paul Sciiuvcrt. Wrlw tmsauc27. ZülWt vlillli! ktichl liefert die Suchhanölung vorwärts Serlin SW 69, Linüenstraße 3 Llelckerleli, l?., Tic Erde. Eine allgemeine Erd- und Ländei künde. Mit 215 Illustrationen, 143 kleinen Karten und 6 großen Karlen in Farbendruck. G-bd.(M. 20,—) M. S.— Kohclt, Dr. W., Die Verbreitung der Tierwelt. Mit 12 Tafeln und vielen Textillustrationen. G-bd.verlag.-«orwärt»»uchdruckerei u. tvertagsanjtaU Paul Singer Bt So, Berlin SW, Hr. 54. 33. Jahrgang. 2. Mißt Ks Joniiiits" Sftlin« WlkdIM Donnerstag, 24. Februar 1!)16. An unsere Zlbonnenten im Norden! Ein Teil unserer Abonnenten im Norden hat gestern den „BorsärtS" mit sehr starker Verspätung erhalten. Ursache ist, daß infolge der plötzlich aufgetretenen Schneeverwehungen ein Transportfuhrwerk verunglückte. Wir bitten diescrhalb um Entschuldignng. Es ist Vorsorge getroffen, daß eine Wieder- holung solcher Vorkommniffe nach Möglichkeit vermieden wird Einführung von Sutterkarten. Wie in einem Rundcrlaß des Ministers des Innern mit geteilt wird, hat der Reichskanzler nach Vorschlag des Butterverteilungsbeiratcs für die Einführung von Buttev karten Bestimmungen erlassen, von denen die wichtigsten folgende sind: 1. Bom 6. Mörz 191S ab darf die Zentraleinkaufs- gesellschaft an Gemeinden und Kommunalverbünde Butter grundsätzlich nur noch abgeben, wenn diese durch Einführung von Butterkarlen oder durch eine sonstige wirksame Rege- lung des Verkehrs mir Butter die Gewähr leisten, dah der durch- schnittliche Verbranch von Butter in ihrem Bezirk wöchentlich 125 Gramm auf den Kopf der Be- Völker ring nicht überschreitet. 2. Gemeinden, die nach dem 6. März 1916 mit Auslands- oder Jnlandsbutter von der ZentraleinkaufSgesellsckiaft versorgt zu werden wünschen, haben ohne jeden Aufschub alle Vorbereitungen zu treffen, um den Bestimmungen dc-Z Reichskanzlers entsprechende Regelung des Butterverbrauchs in ihrem Bezirk rechtzeitig in Wirksamkeit setzen zu können. Anderenfalls laufen sie Gefahr, daß ihnen der Bezug von Butter durch die Zentraleinkaufsgesellschafr ge- sperrt wirb. Ueber die Art der V e r b r a u ch s r e g e lu n g ist zu be- merken, dast im allgemeinen nur durch Einführung einer Butterkarte genügend Gewähr für die Beschränkung des Bulterverbrauchs auf einen durchschnittlichen Kopssay von wöchentlich 125 Gramm geboten werden kann. Ausnahmsweise darf von der Einführung von Butter- karten abgesehen werden, wenn die Jnnehaltung jener durchschnitt- licheii VerbrauchSgrcnze durch genaue Feststellung der in den Ge- meindebezirk eingeführten und der in ihm erzeugten Buttermenge gesichert erscheint. Tie Ausgestaltung der Butterkarte im ein- z e l n e n bleibt dem freien Ermessen der Gemeinden überlasten. Jedoch sind nachstehende Gesichtspunkte zu beachten. 1. Tie Bulterkane ist grundsätzlich als Sparkarte aufzu- fassen, denn die Gemeinde wird in der Regel dem Inhaber der Butterkarte nicht garantieren können, daß er die in der Bulterkartc bezeichnete Buttermenge talsächlich erhält. Zweckmäßig wird aber sein, wenn die Gemeinde die Höhe des Quantums, über das die Butterkarte lautet, auf Grund einer Feststellung von Vorrat und Bedarf periodisch vermittelt und bekannt gibt, um der Bevölkerung die charakteristische Verschiedenheit von Bulter- und Brotkarte stets vor Augen zu führen. Um den Gemeinden diese Be- rechnuug zu ermöglichen, wird die Zuweisung von Butter aus den Vorräten der Zentraleinkaufsgesellschaft imnler für Zeiträume von je vier Wochen erfolgen und den Gemeinden rechtzeitig mitgeteilt werden. Gemeinden, die ihrer Butterkarte einen durchschnittlichen wöchentlichen Verbrauchssatz von 125 Gramm auf den Kops der Be- völkerung zu Grunde legen, haben deswegen keinen Anspruch darauf, daß ihnen von der Zentraleinkaufsgesellschaft eine entsprechende Butterinenge geliefert wird. Eine größere Buttermenge als bisher wird die Zentraleiiikaufsgesellschaft an die Gemeinden künftig jeden- falls nicht abgeben können. 2. Kinder bis zu zwei Jahren werden bei der Zuteilung von Butterkarten in der Regel auszunehmen, Kinder bis zu vierzehnJahren mit derHälfte der für die Erwachsenen vorgesehenen Buttermcngen zu berücksichtigen sein. 6. Der Bulterverbrauch der Gast- und Schankwirtschaften ist auf ein festes Kontingent in Höhe eines Bruchteils des bisherigen Durch- schnittsverbrauches zu beschränken. 4. Buttcrmengcn, die im Wege des Po st Versandes von außerhalb in den©cmcindc'bezirk gelangen, sind einer Anzeigepflicht zu unterwerfen. Wer solche Butter be- zogen hat, mutz sie sich auf die in der Buttcrkarte verzeichnete Menge anrechnen lassen. Sofern bei dem Verkauf von Butter im Gemeindebezirk bisher Mißstände, insbesondere ein übermäßiger Andrang der Be« völkerung auf die Butterläden, hervorgetreten sind, ist durch geeignete Einrichtung der Butlerkarte eine gleichmäßige und ruhige Abwicklung des Buttervcrkausögeschäfls sicherzustellen. Nach dieser Richtung wird in größeren Gemeinden, namentlich eine Ans- gäbe der Buiterkarte für die einzelnen Wochentage in verschiedener Farbe oder sonstiger autfälliger Kennzeichnung in Frage kommen. 6. Mit der Regelung des Butterverbrauchö durch Einführung der Butlerkarte wird zwcckmäßigerweise eine Regelung des Margarineverbrauchs Hand in Hand gehen. Tie Heraus- lassung der Margarine aus dem Kartensystem würde den Nachteil haben, daß die Kopsration bei Berücksichtigung lediglich der Butter sehr niedlig aussallen müßte, während anzunehmen ist, daß die ärmere Bevölkerung wegen des hoben Preises der Butler vielfach den Bezug von Margarine an Stelle der Butter vorziehen, von der Butterkarte also keinen Gebrauch machen wird. Außerdem würde die Einschränkung des Bulterverbrauchs auf der einen und die Möglichkeit unbeschränkter Margarinebeschaffung auf der anderen Seile die Gekabr bieten, daß die wohlhabende Bevölkerung neben ihrem Bulterauteil noch der ärmeren Bevölkerung einen Teil der billigen Margarine wegkauien und damit die Fctlvcrsorgung der ärmeren Vollskreise in Frage stellen würde. 7. Den Gemeinden bleibt anbeimgestellt, auch die sonstigen Felle: Schweineschmalz, Kunstipciiesett, ausgelassenes Rmderfelt und Speiseöl in die VerbrauchSregelung für Butter und Margarine einzube ziehen. 8. Bei der VerbrauchSregelung würde die wöchentliche Kopfmcnge festzusetzen sein: a) für Butter allein auf höchstens 125 Gramm, b) für Butter und Margarine auf höchstens 180 Gramm, c) für Fett aller Art auf höchstens 250 Gramm. Für einzelne schwerarbeitende Perionengruppen(Feuer- arbeiter, Kohlenarbeiter) ist nötigenfalls eine Erhöhung zu gewähren. 9. Sollte die Einführung einer besonderen Butter-(Fett-)karte bis zum 5. März 1916 nicht mehr möglich sein, so können die Gemeinden die Rationierung des Vutter-sFett-jverbrauchS vorläufig mit Hilfe der Brotkarte etwa in der Weise vornehmen, daß die ein- zelne Person in der Woche nur einmal und nur gegen Vorzeigung ihrer Brotkarte die festgesetzte Höchstmenge von Butter(Fett) er- werben darf._ Ms Groß-öerlin. Kinüerwanöerungen. Wandern Arbeiterkinder hinaus in die Natur, so sind das Festtage und Sonntage. Ein Lachen und Jubeln schwirrt durch die Luft. Eine seltsame Fröhlichkeit umgibt alles, vielleicht eine seltene Fröhlichkeit, aber eine Fröhlichkeit, die aus der Tiefe der Seele hell hinausklingt und jene Sorgen vergessen lätzt, die der Krieg und die Schwere der Wirtschaft lichcn Lage auch für die Kinder mit sich bringt. Gebt Euren Kindern Freude! Latzt sie wandern! Träume und Wünsche erfüllen sich ihnen im Wandern. Ein mal hinaus aus der Enge der Großstadt, wo die Straße mit ihren mannigfaltigen Gefahren, wo lichtlose Höfe nur immer ihr Tummelplatz waren. Da draußen ist alles so anders. Wälder und Wiesen sind nun zum Spielplatz geworden Stille märkische Seen erfreuen das kindliche Gemüt! Wie weitet sich die Brust, wie jauchzt das Kind, wenn bei Spiel und Tanz, bei Sang und Klang das Herz sich heiter stimmt. Wer einmal mit unseren Kindern hinauSgewandert ist und Freude und Lust mitempfunden hat, wird immer wieder Wege zu öffnen versuchen, die unsere Arbeiterkinder zum früh lichen Wandern führen. Wie sonst, so werden deshalb auch in diesem Jahre die Arbciterwandercr sich der Kinder annehmen. Uebergcbt Eure Kinder der Obhut bewährter Parteigenossen und Ge- nossinnen, laßt sie im Kreise anderer fröhlicher Kinder mit- wandern. Gebt Euren Kindern Freude, Licht und Sonne! Vorsicht bei Gesprächen! Diese Warnung, die wegen der Spionengefahr an alle Soldaten ergeht, sollten auch unsere einkaufenden Frauen beherzigen. Wenn sich vor den Butlerläden oder den städtischen Fleischständen die Menge der Wartenden häuft, sind Ausbrüche der Ungeduld wohl erklärlich. Manche Frau schüttet da ihr Herz über die wirklichen oder vermeintlichen Mängel in der Verteilung unserer Lebensmiltel Personen gegenüber auS, die sie nie vorher in ihrem Leben sah und von denen sie nicht wisicn kann, ob da ein gerades Wort nicht einen falschen Ort findet. Die Folgen einer Unvorsichtigkeit in der Wahl des Ausdruckes können da manchmal recht unangenehme werden. DaS beherzige man um so mehr, als unüberlegte Worte die Sache ja auch nicht zu beffern vermögen. Beschwerden über den städtischen Fleisch-«nd Fcttvcrkauf. Bei dem Fleisch- und Fettverkauf der Stadt Berlin gibt es immer noch großen Verdruß. Immer wieder wird geklagt, daß viele Frauen mehrere Stunden hindurch bei unfreundlichster Witterung auf der Straße geduldig zu warten hatten und schließlich doch mit leeren Händen heimgehen mußten. Der Magistrat hat die tröstende Erklärung veröffentlicht, daß die Schweinelieferungen nicht sogleich voll eingesetzt haben, aber für die nächste Zeit eine Mehrung er- wartet werden darf. Auch will er die städtischen Fleisch- und Fcttvcrkaufsstcllen der Markthallen, vor denen ja da? Gedränge besonders sckilimm ist, nach und nach in benachbarte Läden legen, um eine schnellere Abfertigung zu erreichen. Warten wir also, daß cS besser wird. Vorschlagen möchten wir, bei Fleischmangel den einzelnen Käufern kleinere Mengen ab- zugeben. Mit Recht machen die leer ausgehenden Frauen geltend, daß man möglichst jedem etwas zukommen lassen müsse. Eine Klage aus eigenartigem Anlaß richtet sich gegen die städtischen Fleisch- und Fettverkaufsstellen der Zentralmarkthalle. Man hat hier an Regentagen sich nicht immer an die vor« geschriebenen und bekanntgegebenen VcrkaufSstunden gehalten, sondern bei starkem Andrang die angesammelten Kauflustigen schon lange vorher zugelassen, so daß zu dem eigentlich für den Verkaufsbeginn festgesetzten Zeitpunkt bereits ausverkauft war. DaS ist eine Rücksicht- nakms auf die Wartenden, die ihnen sehr erwünscht gewesen sein wird, aber wer sich auf die bekanntgegebene Verkaufszeit eingerichtet hatte und nun zu spät kam, mußte die plötzliche Aenderung als Rücksichtslosigkeit empfinden. Ein Vergnügen ist's nicht, aus einem entfernten Außenbezirk den Weg nach dem Stadtinnern zu machen, daheim die Erwcrbsarbeit liegen zu lassen, Zeit und Fahrgeld dran- zusetzen und dann zu hören, daß der Verkauf ein paar Stunden früher begonnen hat und schon beendet ist. Andere Klagen gelten einer im Norden der Stadt eingerichteten Verkaufsstelle, die in einem Laden untergebracht ist. Dort ist eS vorgekommen, daß bald nach Beginn des Verkaufes die Inhaberin den Laden schloß, weil ihr der Ansturm zu arg schien. Trotz aller dem aufsichtführenden Schutzmann vorgetragenen Bitten, die Wieder- aufnähme des Verkaufes zu veranlassen, blieb der Laden geschlossen, und keine der vielen Frauen, die Stunden hindurch gewartet hatten, erhielr noch Fleisch. Aufsehen erregte«S dann, daß nachher eine Gastwirtsfran, die mit leerer Markttasche kam, durch eine Hintertür sich Zutritt zu dem Fleischerladen verschaffen konnte und später mit anscheinend gefüllter Tasche von bannen ging. Zu den Vermutungen, die bieran geknüpft wurden, wollen wir darauf hinweisen, daß es untersagt ist, das durch die Stadl in den Verkehr gebrachte Fleisch in Gast- und Speisewirtschaften zu verwenden. Gegen die Inhaberin dieser Verkaufsstelle wird auch der Vorwurf erhoben, daß sie an einem anderen VerkaufStoge von den ihr durch eine Käuferin vorgelegten drei Fleiichkarlen je einen ganzen Wochcnbetrag. also dreimal vier Marken zu je ffz Pfund im Gesamtwert von 6 Pfund, abgeschnitten habe, obwobl sie ihr nur 1 Pfund Ware verkaufte. Als sie deshalb zur Rede gestellt wurde, behauptete sie, daß die Marken, die um diese Zeil larsächlich now gültig waren, bereits ungültig seien. Wir begreifen es, daß bei denen, die unler der Teuerung leiden, die geschilderten Vorkommnisse böses Blut machen. Wo etwaige Ungchörigkeitcn und Uebergriffe sich einwandfrei feststellen lassen und lückenlos zu beweisen sind, sollte mit aller Schärfe gegen die Schuldigen eingeschritten werden. Es ist vielleicht nicht überflüssig, daran zu erinnern, daß für den städiiichen Fleisch- und Fettverkauf auch jetzt noch die Vorschriften der durch den Magistrat erlassenen Anordnung vom 60. August 1915 gelten. In ihr sind für Zuwider- Handlungen angedroht Geldstrafen bis zu 1590 M. oder Gefängnis- strafen bis zu 6 Monaten._ Ein Warenschwindel. Einen groß angelegten Warenschwindel, nach Art der Schwindeleien mit PelroUum und Margarine, über die wir früher berichteten, be- treibt ein älterer Mann, dessen Persönlichkeit noch nicht feststeht. Der Gauner fübrt ohne Zweifel verschiedene Namen. Auch in Berlin gab er eine Gastrolle. Hier hielt er sich zwei Tage laug in einem Pensionat in der Potsdamer Straße auf. Geschäftsbriefe mit Vor- druck erweckten den Anschein, als ob die Bewerber es mit einem großen Lebensmittelhandel zu tun hätten. Von Berlin aus ver- sandte der Unbekannte Kakaoproben, die an Güte nichts zu wünschen übrig ließen. In seinem Angebot behauptete er, daß er von diesem Kakao noch einen Rest von dreißig Zentnern abzugeben habe. Der Versand könne aber nur gegen Voreinsendung des Kaufpreises erfolgen. Da dieser mir 195 M. den Zentner im Verhältnis zur Beschaffenheit der Proben billig war. so gingen als- bald Nachfragen ein. In einem Falle erhielt der Schwindler auch gleich 195 M. Andere Bewerber waren vorsichtiger und ver- suchten erst, nähere Anskunst über den.Lebensmittelexport" zu er- langen. Als er das Pensionat verließ, gab der Schwindler an, daß er nach Hamburg reise. Vielleicht diente aber diese Angabe nur zur Irreführung. Es ist anzunehmen, daß der Schwindler jetzt von irgend einer Stadt aus neue Versuche machen wird. Er ist ein Mann von etwa 59 Jahren, 1,75—1,73 Meter groß und schlank, geht glatt rasiert und trägt sein Haar kurzgeschoren. Weitere Mehrung der Mischehen in Berlin. Schon seit einer Reihe von Jahren sehen wir in Berlin bei den Mischehen eine beträchtliche Zunahme ihres Anteils an der Gesamtzahl der Eheschließungen. Daß in der Kriegs- zeit die Mehrung der Mischehen sich noch beschleunigt hat, wurde für die ersten ztvölf Kriegsnionate im„Vorwärts" bereits gezeigt. Das Ergebnis aus dem jetzt hinter uns liegenden Kalenderjahr 1015 ist nicht nur eine Bestätigung dessen, was wir damals feststellen konnten, sondern läßt die Tatsache der Mischehcnzunahnie noch deutlicher hervortreten. Berlin hatte im Jahre 1918 mstcr 21 194 Eheschließungen 4063 Mischehen, etwas über 19 Proz., ini Jahre 1914 unter 22 702 Eheschließungen 4638 Mischehen, annähernd 201/2 Proz., und jetzt im Jahre 1913 nnter nur 16 622 Eheschließungen 3833 Mischehen, volle 23 Proz. Das bedeutet, daß in 1915 etiva unter je vier Eheschließungen immer eine Mischehe war. Wir vcrncuten, daß die Beschleunigung der Mischehenzunahme, in der wir wohl eine Wirkung des konfeessionellen Burg- friedens zu sehen haben, nicht ans Berlin allein beschränkt ist. Und wir wollen hoffen, daß dieser Friede über den Krieg hinaus erhalten bleibt._ Ein gefährlicher Kindcrfrcund wurde von der Kriminalpolizei unschädlich gemacht. Ein Schuhmacher Gustav Ziebarth, der in der Köpenicker Siraße eine Kellerwerkstatt betrieb, ein verkrüppeller Mann, lockte kleine Mädchen verschiedenen Alters an sich und ver- ging sich an ihnen in seinem Keller. Einige Kinder teilten die Vor- fälle ihren Eltern mit und so kamen sie auch zur Kenntnis der Kriminalpolizei. Diese nahm den Unhold gestern fest und brachte ihn nach Moabit. Sie ermittelte schon eine ganze Reihe von Kindern, die den Lockungen gefolgt waren. Geistesgegenwart. Zwei Wohnungseinbrecher wurden durch die Geistesgegenwart eines jungen Mädchens unschädlich gemacht. Die Schneiderin Olga H e i n z e aus der Stralsunder Str. 36 verließ auf kurze Zeit ihre Wohnung. Als sie zurückkehrte und aufschloß, sah sie zu ihrem Schrecken zwei fremde Männer in ihren Räumen. Schnell entschlossen ging sie wieder binaUS, schloß hinter sich ab, rief um Hilfe und holte � die Polizei. Diese fand zwei gewerbsmäßige, schau wiederholt bestrafte Wohiiuugseiiibrccher, einen 30 Jahre alten Schuh- macher Richard Pohlei und einen erst 17 Jahre allen Kutscher Franz Schimmclpfennig in der Falle. Erst sahen die Beamten nicht? und glaubten schon, cS mit einer Sinnestäuschung des Mädchens zu tun zu haben. Bei einer Durchsuchung jedoch entdecklen sie einen der Einbrecher in einem Kleideripinde und den anderen im Klosettraum. Beide wurden auf der Siclle festgenommen. Kleidungsstücke, Wäsche und dergleichen mehr hatten sie zum Mitnehmen schon in eine« Koffer gepackt.___ Wichtig für Pfcrdchaltcr! Die Ausgabe der Haferscheine bom 1. März 1üt6 durch die Bezirksvorsteber erfolgt diesmal wiederum, nur gegen Vorlegung einer vom zuständigen Polizeirevier oder dem Hauswirt bezw. dem Grundslücksvcrwalter bestätigten Bescheinigung über die Zahl der vorhandenen Pferde.— Die Haferscheine sind für die Verteilung vom 1. bis 15. März 1916 persönlich oder durch schriftlich ermächtigte Personen beim zuständigen Bezirksvorstehcr in Empfang zu nehmen. Ein unaufgeklärter Selbstmordversuch wird auS der Charlotten« straßc 93 gemeldet. Vor einigen Wochen bezog dort ein 17 Jahre alter Pförtner Wilhelm Hotop, der angab, daß er aus Hamburg komme, ein möbliertes Zimmer. Hotop fand in einem großen Hotel Anstellung als zweiter Pförlncr. Auch dort erzählte er, daß er bisher in Hamburg gewesen sei, Frau und drei Kinder, die hier noch wohnten, wolle er nachkommen lassen. Gestern morgen gegen 4 Uhr wurde der Wirt durch schweres Stöhnen auf seinen Mieter ausmerk- sam und sa»d ihn mit durchschnittener Pulsader der linken Hand entkleidet im Bette liegen. Alle Fragen beantwortete der Maml, der nach der Charitö gebracht wurde, nur mit einem Kopfschütteln. Posscn-Theatcr. Die kleine Bühne in der Linienstraße kommt ihren Besuchern mit einem neuen Programm.»Kobis Abenteuer", ein Schwank in einen« Akt, leitet den Abend ein,„Der große Augen- blick", eine Posse in zwei Akten, schließt ihn. Ein Programmwechsel ist am Posscn-Thcater sowenig ein Systemwechsel wie bei einer gut eingespielten RegieruiigSmaschincrie. Der Unterschied ist nur, daß uns diese Steligkeil in der Linienstraße erfreut. Der neue Schwank und die neue Posse bieten uns, wie gewöhnlich an dieser Stelle, den lüsternen Alten, der verbotenen Abenteuern nachgeht. Wie gewöhn- lich richtet das unerwartete Erscheinen der schönen, weit fort ge« glaubten Freundin in der harmlosen Familie die unheimlichsten Verwirrungen an und zwingt die alten Schwerenöter zu den groteSkesten Ausreden. Am Schluß ist trotz dieser teuren Zeit alle? in Butter.— Ueber den kleinen B e r i s ch lacht man, wenn man ihn nur aufrauchen sieht. H a s k e l bat sich den Joseph Pappcibaum selbst auf den Leib geschrieben. Spaß, daß er ihn auch schau- spielerisch glänzend hinlegt!_ Zwei Strasienräuber wurden gestern don der Kriminalpolizei festgenommen. Vor tl Tagen trank der Mechaniker Kurt Rah» vom Weyzanduter in Neulöll» nach Feierabend in der Gormannstraße noch ein GlaS Bier. Als er zahlte, sahen mehrere Männer von einem Nebenttsche her. daß sein Portemonaie gut gefüllt war. Auf der Ringbahn, die Nohn an der Jannowitzbrücke bestieg, erblickte er diese Männer wieder, ohne eiwas Böses zu ahnen. An der Kaiser- Frtedrich-Slraße stiegen sie mit ihm aus. Jetzt folgten sie ihm heimlich, fielen dann plötzlich, ohne auch nur ein Wort verlauten zu lassen, über ihn her, warfen ihn zu Boden, raubten ihm das Porte« moitnaie und ergriffen die Flucht. Die Hilferufe des Beraubten verhallten in der einsamen Gegend zur Nachtzeit ungehört. Trotz der Unvollkommenheil der Beschreibung, die der Beraubte von ibnen gab. gelang es doch, zwei van ihnen zu ermitteln und festzunehmen. ES sind ein schon oft bestraiter 15 Jahre alter Händler Nikolaus Turctzka und ein 31 Jahre alter Arbeiter Nikolaus Becker, der zuletzt einen Hausierhandel mit Uhren und dergleichen betlieb. Beide wurden der StaatZanwalschast vorgeführt. /lus den Gemeinden. Aus der Tegeler Gemeindevertretung. In der letzten Sitzung wurde das Pachtverhältnis mit dem Bootverleiher Michaelis zu den bisherigen Bedingungen(200 M. jährlich) verlängert und dem Bootverle'iher Hoffmann auf seinen Antrag 100 M. Nachlatz von der ovo M. betragenden Pacht gewährt, da ihm durch behördliche Maßnahmen der Motorbootverkehr auf dem Eiswerkkanal während des Krieges untersagt worden ist.— Vom Verbände Märkischer Arbeitsnachweise war ein Antrag auf Einrichtung eines gemeinschaftlichen Arbeits- Nachweises für die Gemeinden Tegel, Reinickendorf, Wittenau und R o s e n t h a l gestellt wordeiu Da in Reinicken- dorf ein solcher Nachweis bereits vorhanden ist, so wünschte Tegel dessen Verlegung nach dem Mittelpunkt der angrenzenden Gemeinden. Dieser Vorschlag wurde von Reinickendorf abgelehnt. Unter diesen Umständen wurde denn der Antrag auf Errichtung eines gemein- schaftlichen Nachweises von der Tegeler Gemeindevertretung ab- gelehnt.— Die Lehrpersonen an der Humboldt- Ober- realschule, anr Lyzeum, an der Kleinkinderschule und der Gs- werblichen Fortbildungsschule waren bisher von den Kranken- versicherungsgebühren befreit, weil ihnen im Erkrankungsfalle das Gehalt weitergezahlt wurde. Die Gemeindevertreiung stimmte der ferneren Befreiung der Lehrpersonen zu.— Die Jahresrechnung für 1S14 wurde noch einmal zurückgestellt.— Ein Maurerund Zimmermeistcr will an der Schloßstraße, hinter der Industrie- bahn, auf eineni der Gemeinde gehörigen 4 Morgen großen Terrain ein neues Hoch- und Tiefbaugeschäfr nebst Zimmerplatz errichten. Dem von der Grundstückskommission aufgestellten Vertrage stimmte die Vertretung zu. Es werden jährlich 2(XK> M. Pacht gezahlt; der Vertrag läuft vom 1. März ab zunächst auf zwei Jahre, außerdem erfolgt für ein Bahnanschlußgleis eins Anerkennungsgcbühr von 20 M.— Die freiwillige Feuerwehr hatte seinerzeit zur schnelleren Beförderung ihrer Mannschaften ein Automobil beschafft, wozu die Gemeinde 400 M. beigesteuert hatte. Die Wehr stellte dann den Antrag, gegen Zahlung von 600 M. das Auto in den Besitz der Gemeinde zu übernehmen. Diesem Antrage wurde ebenfalls zu- gestimmt._ Der Butterkauf in Britz. Der Gemcindevorstand macht bekannt, daß in der Verkaufsstelle der Gemeinde, Ecke Hannemann- und Rungiusstraße, soweit der Vorrat reicht, bei gleichzeitiger Vorlage der hiesigen Lebensmittel« Ausweiskarte und einer Brotkarte der lamsnden Woche 1U Pfund Butter zum Preise von 0,67 M. abgegeben wird. Die Abgabe erfolgt vorläufig für die Brotkarten Nr. 67 000 bis 71 300 am Mittwoch, den 28. d. M.. Nr. 71 301— 75 600 am Freitag, den 25. d. M, Nr. 75 601 und folgende am Montag, den 23. d. M. Auf Brotzusatzkarten wird Butter nicht verabfolgt. Das Mieteinigungsamt in Reinickendorf bat seine Tätigkeit jetzt aufgenommen. Die erste Sitzung findet heute statt. Es fungiert außer in Streitigkeiten aus dem Miets- Verhältnis auch als Hypothekeneinigungsamt. Anträge von Mietern, Vermietern und Hypothekengläubigern können schriftlich oder zu Protokoll im Rathaus, Hauptstraße 38, Zimmer 11, angebracht werden. Soziales. Em Klage gegen die städtischen Gaswerke. Bei der Kammer 8 des Gcwerbegerichts klagte ein Rohr- leger, der bei den städtischen Gaswerken beschäftigt war, wegen einer Lohnforderung. Der Kläger hatte sich während der Arbeitszeit in einem Schanklokal aufgehalten. Er wurde des- halb am folgenden Tage vormittags 10 Uhr entlassen und der Lohn— abzüglich der versäumten Zeit— nur bis zu dieser Stunde berechnet. Der Kläger fordert die Bezahlung des vollen Entlassungstaycs, weil der Cmlaffungsgrund schon am vorhergegangenen Tage be- Zäunt war, mau ihn also schon am Abend dieses Tages hätte ent- lassen können. Diesen Anspruch hielt das Gericht für b e- gründet. Ferner beansprucht der Kläger eine Kriegs- zulage von etwas über 3 M. Diese Forderung erkennt der Beklagte am Weiter verlangt der Kläger Zahlung von 12,50 M., die ihm vom Lohn einbehalten wurden, weil er Werk- zeuge, die ihm übergeben waren, verloren hatte. Für diesen Punkt kommt in Frage, daß der Beklagte ein Rückbehaltungs- beziehungs- # weise Aufrechnungsrecht nur dann geltend machen kann, wenn der Kläger ein Jahreseinkommen über 2000 M. hatte. Der Vertreter des Beklagten— ein Stodtsekretär— rechnete aus, daß der Kläger in dem letzten Vierteljahr, wo er in den Gaswerken beschäftigt war, einschließlich der Kriegszulage und 96 Ueberstu-nden 530 M. verdient habe. Das ergebe ein Jahreseinkommen von 2120 M. Hierauf stellte ein Arbeitgebevbeisitzer die zutreffende Frage, ob denn der Beklagte dafür garantieren könne, daß der Kläger das ganze Jahr hindurch so viele Ueberswuden gemacht haben würde, um das angegebene Einkommen zu erreichen. Diese Frage konnte der Satdtsekvetär freilich nicht bejahen. Aber nun berechnete er, was der Kläger in 9 Monaten— anscheinend seiner ganzen Beschäftigungsdauer bei den Gaswerken— verdient hatte und stellte mit Genugtuung fest, daß sich hiernach ein Jahreseinkommen von 2001 M., also immer noch mehr als die pfändbare Summe ergebe. Die Verwaltung der Gaswerke— sagte der Stadtsekrctär— steht prinzipiell auf dem Staudpunft, daß sie ein Rückbehaltungsrecht hat, auch wem? der Arbeiter weniger als 2000 M. Jahreseinkom-men hat. Sonst ist sie ia nicht geschützt gegen Schädigungen durch abhanden gekommenes Werkzeug...Tie können sich ja durch Kaution schützen/ sagte der Vorsitzende, Ma- gistratsrat Dr. Schalhorn. Schließlich machte der Vorsitzende den Vorschlag, dem Kläger, der 20 M. forderte, 10 M. im Vergleichs- Wege zu zahlen, da ja die Kriegszulage anerkannt sei, der Ent- lassungstag voll bezahlt werden müsse und das Recht zum Lohn- abzug wegen der Werkzeuge zweifelhaft sei.— Der Vertreter des Beklagten erklärte hierzu, er habe den Auftrag, keinen Vergleich abzuschließen. Nachdem das Gericht beraten hatte, ersuchte es den Vertreter des Beklagten, er möge sich telepbonisch die Ermächtigung zu einem Vergleich geben lassen.»Sagen Sie Ihrer Direktion,"— bemerkte der Vorsitzende—„das Gericht wundert sich sehr, daß die Vollmacht zu einem Vergleich von vornherein ausgeschlossen wird. Es ist doch die Aufgabe des Gewerbsgerichts, in erster Linie auf einen Ver- gleich hinzuwirken." Nachdem sich der StadtsÄretär telepbonffch mit der Direktion verständigt hatte, stimmte er sowie der Kläger dem vorgeschlagenen Vergleich zu. Die Einbehaltung war durchaus gesetzwidrig. Sie ist erst zulässig, nachdem der Arbeiter 2000 M. verdient hat. Es ist tief bedauerlich, daß eine städtische Verwaltung in der Weise wie geschehen gegen die Vorschriften des Lohnbeschlag. nahmegesetzes verstoßen hat. Ein amerikanisches Kivderschutzgesetz. New Z>»rk, 4. Februar.(Eig. Ber.) Mit 337 gegen<3 Stimmen hat das Repräsentantenhaus ein Kinderschutzgeset« angenommen, da? die zwischenstaatliche Versendung von Waren verbietet, die in Fa- briken hergestellt werden, wo Kinder unter 16 Jahren mehr als 8 Stunden oder wo sie vor 7 Uhr morgens oder nach 7 Uhr abends beschäftigt werden. Außerdem wird das Mindestalter der in Fa- briken beschäftigten Kinder auf 14 Jahre und das der in Berg- werken und Steinbrüchen beschäftigten Kinder auf 16 Jahre fest- gesetzt. Da die Regelung der inneren wirtschaftlichen Verhältnisse de» einzelueu Staaten abliegt, muß sich der Bundeskongreß, will die Soziahf�setzgeJrnckg emgr?7fen/feineZ verfassungsmäßigen Rechts, den zwffchenstaatlichen Berkehr zu regeln, bedienen. Er tut dies, indem er, wie im vorliegenden Fall, vom zwifefienstaat- lichen Versand die Waren der Betriebe ausschließt, die sich seinen Anordnungen nicht fügen. Gegen eine derartige Machtausübung des Kongresses sträubt sich namentlich die am Ruder befindliche demokratische Partei, die im Gegensatz zu der republikanischen die Hoheitsrechte der einzelnen Staaten der Union betont. Aus den Reihen der reaktionären Demokraten der Südstaaten kam denn auch die Opposition gegen das Gesetz: diesen Elementen gelang es, für die Fruchtkonservenfabriken des Südens, in denen in bezug auf Kinderarbeit die grauenhaftesten Zustände herrschen, gewisse Zu- gestäudnisse durchzusetzen. Immerhin ist das Gesetz als Fortschritt zu begrüßen, und man hofft, daß cö der Senat nicht ioagen werde, in Anbetracht der großen Mehrheit, die es im Rcpräscntautcnhause gefunden, das Gesetz abzulehnen. Die Kinderarbeit ist in den Vereinigten Staaten noch sehr ver- breitet. Nach der letzten Volkszählung vom Jahre 1910 waren im ganzen Lande 1 990 225 Kinder von 10 bis 15 Jahren oder 18,4 Prozent der Kinder in der betreffenden Altersgruppe in der In- dustrie und der Landwirtschaft beschäftigt. Ter Prozentsatz der kleinen Lohnsklaven war in dein vorhergehenden Jahrzehnt von 18,2 im Jahre 1900 auf 18,4 im Jahre 1910 gestiegen, was aber lediglich der Zunahme der Kinderarbeit in der Landwirtschaft zuzu- schreiben ist; die Kinderarbeit in den anderen Erwerbszweigen nahm in der Periode bedeutend ab(um 18,8 Proz.). Das jetzt dem Senat vorliegende Gesetz bezieht sich nur auf die Kinderarbeit in den Fabriken, läßt aber die Heimarbeit unberührt. Es ist nun zu befürchten, daß Fabrikanten, die durch das Gesetz an der Kinderausbcutung bebindert werden, die Produktion in die Heim- stätten verlegen und das ungeheure Elend in der leider weit verbreiteten amerikanischen Heimarbeit noch vermehren werden. Ge- setzgeberische Eingriffe sind hier dringend erforderlich. Gerichtszeitung. Theaterklagen. Der Direktor des Deutschen Theaters Max Rein- Hardt stand in zwei Zivilprozesscn vor dein hiesigen Land- gericht. In dem einen handelt es sich um eine Klage des Hoftheater« intendanten Grafen v. S e c b a ch in Dresden. Dieser klagt gegen Reinhardt mit dem Antrag: zu erkennen:„Dein Beklagten wird eS bei Vermeidung einer Haft strafe für jeden Fall der Zu- widerHandlung untersagt, darstellende Bühnenkünstler anderen Bühnenleitern abspenstig zu machen, insbesondere durch Abschluß eines Vertrages für den Fall vorzeitiger Befreiung aus ihrem laufenden Vertragsverhältnis."— Im z w e i t e n Prozeß verlangt Reinhardt als Kläger gegen den Bühnenverein:„festzustellen, daß das gegen ihn vom Präsidium des Biihnenvercins eingeleitete Ver- fahren auf seinen Ausschluß aus dem Verein rechtlich ungültig ist, nachdem er am 28. Oktober 1915 selbst feinen fteiwilligen Austritt erklärt hat." Beide Sachen verfielen der Vertagung: die Verhandlung im ersten Prozeß wurde auf den 23., im zweiten auf den 1. März vertagt._ Wirkungen des Alkohols. Der Tischlermeister August Zäpernick, Brandenburgstraße 44, ersucht uns um die Mitteilung, daß er mit dem nach dem Bericht vom Dienstag wegen Messerstecberei zu fünf Jahren Zuchthaus und ebensoviel Ehrverlust bestraften August Zepernick weder identisch noch verwandt sei. Wir kommen diesem Wunsche hiermit nach. �us aller Welt. Jiddisch als Amtssprache. Der„American Israelit" läßt sich aus London melden, die deutschen Behörden in Warschau beschränkten die Rechte der Juden und behinderten insbesondere die Verbreitung der jiddischen Sprache, des sogenannten Jargons. Den Beweis des Gegenteils erbringen, wie die„Frankfurter Zeitung" meldet, einige amtliche Bekanntmachungen, aus denen zu ersehen ist, daß ein deutscher Polizeipräsident, daß sogar der Generalgouverneur sich trefflich auf Jiodisch auszudrücken gelernt haben. Die erste Bekannt- machung lautet: „Der Termin sich einzumelden in der Gcwerberole wert ver- lengert bis'n 29. Februar 1916..... Gesellschaften müssen anmelden seier Firme, a chuz dem müssen besunder gemeldet werden die beschäftigte Direktoren und steierpflichtige Angestellte. Lodz, 23. Januar 1916. Der Kaiserlich deitsche Palizei-Präsident. v on O p em." Die Ueberschrift einer anderen amtlichen Bekanntmachung lautet: „Verordnung b'uaugea der Einführung von allgemeinem Paß- Zwang." Dann Ale Personen vun'm General Gouvernement musen alt werdendig 15 Jahr hoben a Paß und dem dosigen ständig trogen bei sich. Wegen Verlieren a Paß muß teilef gemeldet wcrcn der AuSgabeschtel. Der Generalgouverucur von Beseler, (z)_ General vun Infanterie. Eisenbahmmfakl. Ein folgenschweres Unglück ereignete sich auf der Köln-Betzdorfer Eisenbahnjtrecke. Als der zwischen Sieg- bürg und Au verkehrende Spezialpersonenzua von Leer nach Au fuhr, geriet die Lokomotive unweit Roßbach in Brand und stand plötzlich in hellen Flammen. Der Lokomotiv- f ü h r e r, der sich durch Abspringen retten wollte,_ schlug gegen einen Telegraphenmast, worauf er auf ein Gleis zurückgeschleudert wurde. Dann wurde ihm der Kopf abgefahren. Der Heizer wurde schwer verbrüht in hoffnungslosem Zustande ins Krankenhaus übergeführt. Ein Nniversitätsrektor zu Arrest verurteilt! In der„Täglichen Rundschau" lesen wir:„Daß ein Student zu Arrest verurteilt wird, kommt nicht gar zu selten vor— daß aber der Rektor einer Hochschule drei Tage Arrest zudiktiert bekommt, ist wohl noch nicht dagewesen. Der Rektor der Präger Technischen Hochschule, Prof. Dr. Karl Redlich, hatte den Ingenieur Schmekal in Libuschin als Russenftcund bezeichnet, worauf Schmekal ihn beim Prager Bezirksgericht wegen Beleidigung verklagte. Redlich bot den Wahr- heitsbeweis an. Unter teilweiser Freisprechung wurde Redlich aber wegen Uebertretung des§ 49 1 zu drei Tagen Arrest verurteilt. Diese Freiheitsstrafe wurde dann allerdings in eine Geldstrafe von 500 Kr. umgewandelt." Verlustlisten. Die verlufftist« Nr. 462 der preußische« Armee eitthAt Verluste folgender Truppenteile: Infanterie usw.: Garde: 2. und 5. Garde-Regiment zu Fuß; 7. Garde- Infanterie- Regiment; Garde- Grenadier- Regimenter Alexander, Franz, Elisabeth, Augusta; Garde-Grenadier-Regimcnt Nr. 5. Grenadier- oder Infanterie- oder Füsilier-Regimenter i Q Ä« in 11 i 1 /:____ n ai-r Q/l\ ic\ 113, 115, 116, 128, 122 ss. Refi-Jnfi-Reg. Nr.?! mff» fiWWkieger- truppe), 130, 131, 135 bis einschl. 138, 151, 156(f. Feldfliegertruppe), 157, 158, 162(f. auch Rcs.-Jnf.-Reg. Nr. 21). 166, 167, 168(s. Rcs.-Jnf.-Reg. Nr. 221), 173 bis einschl. 176, 184. 187, 189. Reserve-Jnfanteric-Regiincnter Nr. 1, 6 bis einschl. 9, 11, 17, 21, 34, 35, 37, 38, 48, 51, 52, 53, 55, 56, 60, 61. 64 bis einschl. 69, 74 bis einschl. 84. 86, 87, 88, 90. 91, 94. III. 201. 204 bis einschl. 207, 211 bis einschl. 216, 218, 220 bis einschl. 224. 230. 236, 250. 252, 254, 258, 260, 264, 265, 267 bis einschl. 270. Landwehr-Jnfan- terie-Regimentcr Nr. 4, 7, 9, 11. 12, 15, 24(f. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 223), 29(f. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 21), 31, 32, 35, 46, 48, 51, 52, 53, 55, 56, 57, 61, 75, 77, 83, 93, 116, 379(f. Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 4). Landsturln-Jnfanteric-Bataillonc: Goldap, 1. Hannover, Heppen. heim, Mölsheim, 2. Osterode, 3. und 7. Posen, 3. Rendsburg, Siegen, 2. Stolp, 3. Tilsit, 2. I Trier. Landsturm-Jnfanteric- Ersatz- Bataillone: Cottbus, 4, Hamburg, Lübeck, 3. Mannheim, 3. Oldenburg, 4, des 6. Armeekorps(Schweidnitz), 2. Stockach, 14. des 4. Armeekorps(Torgau). Landsturm-Jnfanterie-Ansbildungs- Bataillon Diedenhofcn. Rekruten-Bataillou der 50. Infanterie- Division. Jäger-Bataillone Nr. 1 und 5. Maschinengcwehr-Ab- teilung Nr. 3; Fcld-Maschincngewehr-Zug Nr. 211(f. Jnf.-Reg. Nr. 128). Kavallerie: Dragoner Nr. 0. Fcldartilleric: 2. Garde-Regiment. Regimenter Nr. 6, 7, 15, 16, III; Reserve-Reginienter Nr. 22 und 36. Futzartillerie: 2. Garde-Regiment. Regimenter Nr. 4, 7, 9, 10, 15; Reserve-Regimenter Nr. 7, 8, 10(s. auch Fußarü-Batterie Nr. 289), 14, 17, 20. Fußartilleric-Bataillone Nr. 29 und 56; Landrechr-Bataillan Nr. 11. Fußartillerie-Batterien Nr. 222, 264, 289, 382, 473, 529, 609, 626. Pioniere: Regimenter Nr. 24, 25, 29, 30. Bataillone: Nr. 4 (s. Pionicr-Komp. Nr. 248), I. Nr. 6, I. Nr. 8(f. auch Minen- werfer-Komp. Nr. 15). I. Nr. 14, ll. Nr. 15(s. Ersatz-Bataillon des Piomer-Bataillons Nr. 11), II. Nr. 21, I. Nr. 26; Ersatz- Bataillon des Pionier-Bataillons Nr. 11. Pionier-Kompagnie Nr. 248; 2. Landwebr-Kvmpagiiie des 3. und des 5. Armeekorps; Garnison-Pionier-Äompagnie Nr. 256. Scheinwerserzug Nr. 283. 7. Garde-Minenwerscr-Kompagnic. Minenwerier-Bataillon Nr. 3; Minenwerfer-Kompagnic Nr. 15; Schwere Minenwerscr-Abteilung Nr. 72. Verkehrstruppen: Telcgrapben-Bataillon Nr. 5(s. Feldflicgcr- truppe). Feldfliefll.'rtruppc. Etappen-Kraftwagenkolonne Nr. 7 der 5. Armee. Train: Rcserve-Divisions-Brückentrain Nr. 52. Freiwillige Krankenpflege. Armierungs- und Straßcnbau-Formationen: ArmierungS- Bataillone Nr. 31, 81, 88. Straßenbau-Kompagnie Nr. 27. Mobile Etappen-Kommandantur Nr. 10 der 4. Armee. ** * Der Schluß der bayerischen Verlustliste Nr. 251 enihält Berichtigungen früherer Verlustlisten. Die sächsische Verlustliste meldet Verluste der Infanterie- Regimenter Nr. 104, 108, 354; Ncservc-Jnsanteric-Regimcnter Nr. 100, 103; Landwehr-Jnfanteric-Regimcntcr Nr. 103. 133; Landsturm-Jnfanterie-Regiment Nr. 19; Ersatz-Jnfanterie-Reg. Nr. 23; Reserve-Jäger-Bataillon Nr. 25; Rescrve-Feldartillcric- Regiment Nr. 40; Leichte Feldhaubitz-Abteilung Nr. 192; Land- fturm-Feldartilleric-Batberie, 19. Armeekorps: Pionicr-Bataillone Nr. 12, 22; Pionier-Kompagnicn Nr. 192, 245, 234; Reserve- Pionier-Kompagnien Nr. 53. 54; Landsturm-Pionier-Kompagnie (XIX. 3); Landsturm-Park-Kompagnie Nr. 25: 1. Ersatz-Konip., Pionier-Bataillon Nr. 12; Minenwerfcr-Kompagnien Nr. 24; 224; Fernsprech-Toppelzug Nr. 123. Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Mariendorf. Donnerstag, den 24. Februar, nachmittags 5 Uhr, im Ratbaus-SibnngSsaale. Kaiserstratzc. Tiefe Sitzungen sind Sfsenllich. Jeder Eemcindcangchörlge ist be- rcchtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Slllgcmcinc Familienstcrbckaise. Sonnlag, den 27. Februar: Zabl- und Ausnabmetag von 3— 6 Uhr im Restaurant Gerichtftr. 12)13, und Buckower Str. 14._ Eingegangene Druckschristen. Universal-Bibliothek. S82t: Gedichte von K. Stieler.— 5SSS Dokumente zur Geschichte des Krieges 1914.'15. Bd. 4. Heraus« gegeben von W. v. Massow.— 5823: Finale. Dichtung in einem Aus- zuge von A. Geiger.— 5824—27: Kriegsgeietzc des Deutschen Reiches. 2. Crgänzungsh. Herausgegeben von St Pannier.— 5828: Ter Ruf des Vaters. Novelle von Maria Brie.— 5829: KricgSkalender 1915. 2. Teil. Bearbeitet von Generali, Mctzler.— 5830: Feldgrane Humoreske«. Von G. Hochstcttcr. Einzclnmnmer geh. 20 Pf. PH. Reckam, Leipzig. uu o I oOf ou �1» vv*., 37, 41. 43, 44, 48, 49. 51 biz einschl. 57, 59, 60. 61, 62(st Res.-Jnf.- Reg. Nr. 38), 63, 65, 67, 69 bis einschl. 73. 77. 78. 79. 80(st auch ~(.Jnf.-Reg. Nr. 223), 82 bis einschl. 86, LS bis einschl. 98, 112, Denkt an uns sendef ©alem(Sotö �igarcücn Willkommensie Liebesgabe! ��H�PfgdSfek.. Xrusi frei!