f 5 Pfennig) RbonnementS'Bedingungen: vbonriements- Preis prämimerando: LierteljäHrl. Z.Sll Mk., monlttl. 1,10 Mk� wöchentlich 25 Pfg, ftei ins Hall». Einzelne Nummer S Pfz, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue iLZelt' 10 Pfg, Post- kldonnement: 1.10 Mark pro Monat, Eingetragen in die Post- Zeitungs- Vreisliite. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2,50 Mark, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Postabonnements nebmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Jtallen, Luxenidurg, Portugal, Simnänicn. Schweden und die Schweiz, Vlcheiol tZgllch. Berliner Volksblntt. vie snIettisnz-Ledllhi' beträgt für die sechsgespaltene Koloncl- i-ilc oder deren Raum SO Pfg,. für politische und gewerkschaftliche Lereins- und Persaninilungs- Anzeigen LO Pig, „meine Hnrcigctl". das fettgedlaukie Wort 20 Pfg. izuläsfiz 2 fetlgedruckle Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg, Etsllengefuche und Schlafftellenan' zeigen das erste Wort 10 Psz,. jede? weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Auch- siaden zählen für zwei Worte. Ansera:,- für die nächste Nummer müssen bis & Uhr uachinittags in der Esedition abgegeben werden. Die Erveeiitiotl ijl bis l Uhr abends geossmu. ilelegrmnm-Adrrsic: »ZsÄZiSWollkZt Stklie". Tentralorgan cler foz\a\dcrr\okrat\Tchcn Partei Deutfchlands. Neüaktion: SW. 6$, Linöenstraße 3. Zsernkvrectier: Sinti Morivvl-rv, Nr. 15190—15197. Freitag, de« 25. Februar 191(k Expedition: SW. 6$, Linöenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morippian, Nr. 151 90—151 97. Ar. 53.-W. Jahrg. Niederlage der Ztaliener bei Surazz Steueröogmatik und Steuermöglichkeiten. Von Heinrich Cunoto. II Daß der Staat durch direkte Steuern den Unternehmern einen Teil des Profits entzieht, also dessen Gewinn schmälert, findet sekbstverständlich auch mein Kritikus heraus(die Sache ist auch zu selbstverständlich, als daß jemand, der addieren und subtrahieren Eonn, sie bestreiten könnte); aber, meint er, die Kapitalanhäufung wird dadurch kaum oder doch nicht wesent- lich beeinträchtigt. Wenn der Fabrikant, Kaufmann, Land- Wirt usw. weuiger Profit bzw. Gewinn erzielt, so stellt er darum nicht das Kapitalaufsparen ein, sondern er setzt, da er nun einmal auf die Kapitalanhäusung verpicht ist, einfach die Ausgaben für seinen Unterhalt, seinen sogenannten Kon- sumtionssoiids, herab. Er verzichtet also auf allerlei Luxus, den er sich angewöhnt hat. Wörtlich heißt es in den Aus- sührungen meines Kritikers: „Da n cnnlich diese Klasse einen Teil des gewonnenen Pro- fitb für ihren Unterhalt verbraucht, wobei btefer Unterhalt im Laufe der Zeit zu einer gewaltigen Entfaltung von Luxus ge- führt hat, kann die Steuer zu einem inunerhin ivesentlichen Teile ausgebracht werden aus Kasten dieses Luxuskonsums. Das würde sogar sicher eintreten, denn der größte Teil der Kapi- talisten dürste eher geneigt sein, auf Luxus- .ausgaben zu verzichten, als auf die Anhäufung von neuem Kapital, das eine Erweiterung der Macht- sphäre des betreffenden Kapitalisten ermöglicht." Betrachten wir diese Hypothese etwas näher. Ange- noimnen, der Unternehmer häufe tatsächlich in gleichem Maße wie bisher Kapital an und gleiche seinen Gewinnaussall da- durch aus, daß er seinen Bedarf an Luxusartikeln einschränkt, so kann der Arbeiterschaft auch dieses Verfahren keineswegs gleich sein, denn die Abnahme des Konsums solcher Luxus- waren hat natürlich auch eine Einschränkung der Produktion und damit eine Brachtegung der bisher in ihr beschäftigten Arbeitskräfte zur Folge. Wer solche Einschränkung des Luxus mag wohl in einzelnen Fällen stattfinden, im ganzen wird einfach durch die Kapitalanhäufung oder wie es im ge- wohnlichen Leben heißt, die Kapitalaufsparung abnehmen— vorausgesetzt natürlich, daß es den Unter- nehmern nicht gelingt, auf andere Weise den Rückgang ihres Gewinns wieder auszu- g l e i ch e n, z. B. durch Preiserhöhungen der von ihnen fabri- zierten Waren, durch Druck auf die Arbeitslöhne, Verringe- rung der Qualität ihrer Erzeugnisse, neue technische Einrich- hingen usw. Die Ansicht, die Unternehmer fänden sich einfach, wenn ihr Prosit fällt, in ihr Schicksal und schränkten, um nur ja weitere Kapitalien anhäufen zu können, ihren Verbrauch ent- sprechend ein, setzt ein Unternehmertum voraus, das es nie gegeben hat, selbst nicht in den Anfängen der kapitalistischen Produktion, am wenigsten aber heute. Schon Marx fertigt diese Annahme, der Unternehmer habe nun einmal eine Spar- Manie und häufe in jedem Fall Kapital auf, mfi den Worten ab(„Das Kvpital", I. Bb.. 4. Aufl., S. 557): „Während der klassische Kapitalist den individuellen Konsum als Sünde gegen seine Funktion und„Enthaltung" von der Akkumulation brandmarkt, ist der modernisierte Kapitalist im- stände, die Akkumulation als„Entsagung" seines Genuhtriebes aufzufassen... In den histovisch«n Anfängen der kapitalistischen Produktions- weise— und jeder kapitalistische Parvenü macht dieses historische Stadium individuell durch— herrschen Bereicherungstrisb und Geiz als absolute Leidenschaften vor. Aber der Fortschritt der kapitalistischen Produktion schafft nicht nur eine Welt von Ge- nüssen. Er öffnet mit der Spekulation und dem Kreditivesen tausend Quellen plötzlicher Bereicherung. Auf einer gewissen Ent- Wickelungshöhe wird ein konventioneller Grad von Verschwendung, die zugleich Schaustellung des Reichtums und daher Kredidmittel ist, sogar z u einer Geschäftsnotwendigkeit des „unglücklichen Kapitalisten". Der Luxus geht in die Repräsentarionskosten des Kapitals ein. Ohnehin bereichert sich der Kapitalist nicht, gleich dem Schatzbildner, im Verhältnis seiner persönlichen Arbeit und seines persönlichen Nicht- k o n s u m s. sondern im Matz, worin er fremde Arbeitskraft aussaug! und dem Arbeiter Entsagung aller Lebensgenüsse auf- zwingt." Doch wenn man im Interesse des Fortschritts der kapi- tafistischen Entwickelnng eine Hemmung der Kapitalakkumu- lation durch übermäßige direkte Besteuerung des Kapital- Profits für schädlich hält, wie kann man dann für die Ver- staatlichung bestimmter Industriezweige eintreten, da doch dem Kapitalisten dieser Branchen in solchem Falle sogar seg- liche bisherige Kapitalanhäufung abgeschnitten wird? �Das begreift mein Kritiker nicht. Seinem Gemüt erscheint solche Forderung als ganz unfaßbarer Widerspruch, und erstaunt fragt er: MlSW lies SisW SWWliMs. Amtlich. Großes Hauptquartier, deu 24. Februar 1916. iW. T. B.j Westlicher Kriegsschauplatz� Der Erfolg östlich der MaaS wurde weiter ausgebaut. Die Orte Brabant, Haumont uud Samogneux sind ge- nommen, das gesamte Waldgebiet nordwestlich, nördlich und nordöstlich von Beaumout, sowie das HcrbeboiS sind i» uuferer Haud. Südlich von Metz wurde eiu vorgeschobener stau- zöfischer Posten überrascht uud iu seiner Stärke vou über 5V Manu gefangen abgeführt. Oestlichcr Kriegsschauplatz. Auf dem nördlichen Teile der Front lebhaftere Artillerie- kämpfe. An zahlreichen Stellen Patrouilleugefechte. Keine besonderen Ereignisse. Balkan-Kriegsschauplatz. Nichts Neues. ObersteHeeresleitung. »* « Set WmeWW AmoMMW. Wien, 24. Februar.(W.£.83.) Amtlich wird ve» lautdart: Russischer uud italienischer Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unsere Truppen iu Albanien haben gestern die Italiener und ihren Bundesgenossen Essad bei Durazz« geschlagen. Am Bormittag bemächtigten sich unsere Bataillone— deren lleinrre Abteilungen den umeren Arzen übersetzten— der letzte» feindlichen Borposition östlich von Bazar-Sjak. Am Mittag wurde die italienische Brigade Savona auch aus der stark ausgebauten Hauptstellung östlich des eben genannten Orte? geworfen. Gleichzeitig erstürmte eine andere Kolonne die zehn Kilo- meter südöstlich von Turazzo angelegten Berschanzungen von Sasso— Bianco. Der Feind verließ seine Gräben zum Teil flucht- artig und wich hinter deu inneren Berteidigungsring. Es wirb verfolgt. Der Stellvertreter des ChefS des GcncralstabeS: von Hoefcr. Feldmarschalleutnant. „Tritt denn aber nicht das gleiche ein, wenn der Staat kapitalistische Betriebe verstaatlicht und den ihnen bisher zuflietzenden Profit sich aneignet? Die Kapitalisten, die z. B. am Versicherungsgeschäfte beteiligt sind und dabei ein paar hundert Millionen Mark Profit erzielen, haben bisher einen Teil dieses Prosites zur Anhäufung von neuem Kapital verwendet, dieses Kapital wurde bei Grün- düng neuer oder Erweiterung bestehender Betriebsunterneh- mungen angelegt. Wird dieser Teil des Gesamtprofites vom Staate angeeignet, so wird nicht mehr akkumuliert, es entsteht kein neues Kapital, weil diese Millionen vom Staat unproduktiv verausgabt werden. Es ist also gehüpft wie gesprungen. In welcher Weise der Staat einen Teil des Profites a-n sich bringt, ob auf dem Wege der direkten Besteuerung der gesamten Kapitalistenklaffe oder der auf dem Wege der Verstaatlichung bestimmter Gruppen kapitalisti- sch« Unternehmungen, so oder so wird die Anhäufung von Profit und damit die Neubildung von Kapital eingeschränkt. Man kann eben nicht die unproduktiven Ausgaben grenzenlos steigern, ohne in der gegenwärtigen Gesellschaft den wirtschaftlichen Produktions- Prozeß zu stören. Auch Cunow wird hier kein Zaubermittel finbeii." Gewiß, wenn ein Industriezweig, z. B. der Kohlenberg- bau, völlig verstaatlicht witt>, so können in ihm von den früheren Zechenbesitzcrn keine Unternehmerprofite mehr ge- macht und daraus keine neuen Kapitalien mehr angesammelt werden. Aber während bei�ciner Hemmung der Kapital- akkumulation durch direkte Steuern die wirtschaftliche Ent- Wickelimg zurückgehalten würde, wird sie es in solchem Fallnicht.dennesbe st ehtkeinGrund, warum nicht der Staat die Kohlenproduktion ent- sprechend dem steigenden Bedarf ausdehnen sollte! Zudem hindert auch niemand die enteigneten Zechenbcsitzer, ihre Kapitalien nun in anderen privaten Unternehmungen anzulegen und dadurch deren Ausdehnung zu fördern. Es tritt also keine Hemmung der Wirt- schaftlichen Entwickelung ein, soübern eher eine Förderung. Das ist der erste Unterschied, den der Kritikus des„Vorwärts" übersieht. Zweitens aber entschwindet nach der Verstaatlichung der Gewinn aus dem Bergiverksbetrieb zwar-den Händen der Kapitalisten, aber er geht deshalb nicht vl Dunst aus, sondern fällt ande» Staat, der chn teils zur Fortsetzung des Betriebes, teils zu anderen Staats- zwecken benutzt, die sonst durch Steuern ausgebracht werden müßten— auchvonden Arbeitern. Sicherlich manche dieser jetzigen Staatszwecke gefallen uns nicht, und wenn wir Macht hätten, sie zu ändern,- würde das geschehen. Diese TÄt- fache ändert aber nichts daran, daß imn einmal heute dieie Ausgaben bestehen und die Mittel zu ihrer Deckung, wenn nicht aus diese, dann auf eine andere, den Arbeiter vielleicht noch wett mchr belastende Weise beschafft werden müssen. Uebrigens sind denn alle Zwecks und Ausgaben des Staates nur unproduktiv? Gibt's keine anderen Zwecke: Können z. B. die Einnahmen aus dem verstaatlichten Kohle» bergbau nicht auch wieder zur Vergrößerung und Verunehrung staatlicher Betriebe verwandt werden? Und soweit sie nicht direkt im Marxschen Sinne produktiv angelegt werden, also nicht zur Produktion von neuem Mehrwert, können sie doch dem Interesse der Bevölkerung dienen, wie z, B. Kanal-, Brücken- und Straßenbauten, Einrichtung von Museen und Lehranstalten, Unterhaltung von Krankenhäusern und hygieni- scheu Anstalten usw. Unbedingt muß man, wenn man solche Zwecke will, doch auch wollen, daß dafür irgendwo die nötigen Mittel beschafft werden.— Wenn übrigens, wie der Artikelschreiber des„Vorwärts" behauptet, es tatsächlich ganz gleich oder, wie er sich ausdrückt. gehüpft wie gesprungen ist, ob der Staat den Profit durch Besteuerung oder durch Verstaatlichung der Produktion„an sich bringt", ob er also den Prosit der 5lapitafistcnklasse NM besteuert oder ihn durch Verstaatlichung der im Privatbesitz befindlichen Produktionsmittel zugunsten der Staatsgemei» schaft aushebt, dann wäre das das stärkste Argument gegen jede Verstaatlichung des pri- Daten Eigentums an Produktionsmitteln. Vielleicht ist die„Vorwärts"-Redaktion so konsequent und stellt an den nächsten Parteitag den Antrag, das� Partei- Programm im Sinne dieser ökonomischen Erkenntnis abzu- ändern. Weit genug ist ja die theoretische Verwirrung in unserer Partei bereits gediehen. Das zeigt nichts besser als die Be- hauptung meines verehrten Kritikers, daß gerade nach dem Kriege die Gelegenheit zur Erhebung hoher Einkommen- steuer besonders günstig sei; da das Einkommen der Kapi- talistenklasse infolge des Krieges stark gestiegen sei und dch Kriegsanleihen einen höheren Zinssuß gewährten, als bisher üblich. Nun weiß zwar jeder, daß einzelne Kategorien der Kapitalisten während des Krieges enorme Prosite„gemalt" haben, die ihnen deshalb auch durch eine hohe Kriegsgewinn- steuer möglichst wieder abgezwackt werden müssen, aber daß die ganze Kapitalistenklasse ihr Einkommen gesteigert und sich bereichert hat, ist eine so schöne neue Entdeckung, daß sie un« bedingt prämiiert werden sollte. Bisher hieß cS immer, der Krieg hätte ungeheure Kapitalien verschlungen und alle krieg- führenden Staaten viel kapitalärmer gemacht. Noch dem „Vorwärts" ist es gerade umgekehrt: der Krieg war ein Mittel großer Kapitalvermehruug, Ich bin nur neugierig, wie jene oppositionellen Theo- retiker, die da behaupten, Deutschland wäre durch den Krieg so geschwächt, daß es Jahrzehnte gebrauchen würde, das Ver- lorene wieder einzuholen, ihre Ansicht mit dieser neuesten Entdeckung des„BortvärtS" in Einklang bringen werden. Der französische Tagesbericht. Paris, 24. Februar.(W. T.£9.) Amtlicher Bericht von gestern nachmittag. Im Ariois haben wir einigs Teile der Gräben im Gebiete des Waldes von Givenchy zurückerobert. In der Gegend nördlich von Verdun dauerte die feindliche Beschießung, die kräftig von uns erwidert wurde, fort. Im Lause der Nacht entwickelten sich Jnfanteriegefechte aus einer Front von ungefähr fünfzehn Kilometern. Der Kampf dauert heftig vom rechten Maasufer bis südöstlich von HerbcboiS an. Wir haben das Dorf Haumont, dessen Rand wir noch halten, nach einem hatt- nackigen Kampfe, in dem wir dein Feinde sehr erhebliche Verluste beibrachten, geräumt. Oestlich von diesem Orte gestaltete uns ein Gegenangriff, den größeren Teil des hier vorspringenden Walde? von CaureS, der gestern vom Feinde besetzt worden war, wiederzu« nehmen. Nördlich von Bcaumont wurde ein auf Herbebois ge- richleter starker deutscher Angriff durch unser Sperrfeuer glatt angehalten. Nach Aussagen von Gefangenen sind einige deutsche Einheiten vollständig vernichtet worden. Während dieser Opera- tionen langsamer und anhaltender beiderseitiger Artillerickampf in der Gegend von Haute CherriöreS und Fromezoy. In Lolhringetl in der Gegend von Nomony zeigte sich unsere Artillerie ziemlich tätig. Eine feindliche Erkundungsabteilung nördlich von Letricvurt konnte unsere Linien nicht erreichen. Paris, 24. Februar.(W.T.B.) Amtlicher Bericht von Mittwoch abend. In Belgien hat das Zerstörungsfeuer unserer Artillerie mehrere Breschen in die deutschen Gräben vor Steenstraete geschossen. Nördlich von der Ai-ne haben unsere Batterien die deutschen Werl« auf dem Plateau von Panclerc zerstört. Fir öer Gegend nördlich bon Verdun erNzeist jich der deutsche Angriff, wie vorausgesehen, als ein sehr bedeu lender und mit großen Mitteln borbereiteter. Der Kampf hat heute mit wachsender Heftig- ieir fortgedauert' unsere Truppe» hielten wacker Stand und brachten dem Feinde sehr beträchtliche Verluste bei. Die anunterbrocheno Beschiegmig urit Granaten groben Kalibers, die von unserer Artillerie mit gleicher Heftigkeit er- widert wurde, ersueckls sich ans eine Frost von fast vierzig Kilo- inelern, von Malancomt bis in die Gegend vor Etain. Tie Tätig- 'eit der deutschen Infanterie in sehr groszen Verbänden, die sich aus Truppen von sieben verschiedenen Armeekorps zirsammensetzen, wurde na Laufe de-Z Tages zwischen Brabam-sur-Meuse und Onus fortgesetzt. Am Ausgange des Dorfes Hautincnt konnte uns der Feind trotz aller Anstrengungen nicht aus unseren Stellungen am Walde von CaureS werfen, von denen wir noch den größten Teil besetzt halten. Unsere Gegenangriffe brachten die deutschen Angriffs östlich vom Walde von EaureS zum Siehcn. Nach einer Reihe von blutigen Angriffen konnte» die Deutschen in den Wald von Vavrille eindringen. Nördlich von Ornes wurden Angriff« des Feindes auf unsere Linie bei Herbebois durch unsere Gegenangriff« angehallen. leine Znfanterietätigleit auf dem linken MaaSuier und zwischen Trne? und Fromezoy. Im Elsas; griff der Feind gestern gegen Ende des Tages unsere Stellungen südöstlich vom Walde von Carspach und südwestlich von Altlirch an. Ein sofortiger Gegenangriff warf US ou-Z dem grötzten Teil der vorgeschobenen Stellungen, in denen sie Fniz gefaßt halten, wieder hinaus. Belgischer Bericht. Gegen Ende des TageS steigerte sich der Artilleriekampf, besonders in der Gegend von Dixmuiden und loeitsr südlich. Der Kampf mit Bombentverfern war besonders leb- Haft bei dem FährnivnnShause. Die englisthe Alelüung. London, 23. Februar.(W.?. B.) Amtlicher Heeresbericht. Einige Arlillerietäligteil in der Nachbarschaft des Kanals von La Bastse. Nördlich und östlich von Upern richteten unsere Geschütze in -r feindlichen Stellung baträchAichen Schaden an. Auf unserer äußersten Linken bcschosie» wir einige Arbeitergruppen und im Handgranateukamps um ein«: llAnentrichtsr verjagten wir die feind- liche Abteilung.__ Der ruMche Heeresbericht. Petersburg, 24. Fsönuar. sW. T. B.) Amtlicher Bericht vom 2". Ftbruae. Westfront: Die Gegend von Riga— Friedrich- stadt— Iakcvstadt überflogxn mehrere feindliche Flugzeuge und warfen Bodaben ab. In der Gegend von llexkül steigerten die Deutschen ihr heftiges Feuer. Zwei Zeppeline überflogen die Stellungen bei Dünabur� Bei Jlluxl lebt das beiderseitige Arlillcricsieuer wieder auf, die Deutschen warfen Bomben schweren Kaliber?. Fm Laufe der Nacht beschoß der Feind heftig unsere Gräben westlich vom Slventensee und weiter südlich bis zum Flseniee. Kaukasus: Die LerfoTgung dauert an. Meldung öer italienischen Heeresleitung. Rom, 23. Februar.(W. T. B.) Amtlicher Bericht. Man meldet wirksame Tätigkeit unserer Artillerie in den Hochtälern von Eordevole, Lotte und Vidöendo. Im Abschnitt des Krn warf sich der Feind am 22. Februar morgens nach einer ausgiebigen Artillerie- noibereitung und Bombenwürfen mit Macht gegen unsere Stellungen am Mrzli. Obwohl fast auf der ganzen Angriffsfront zurück- geworfen, konnte er doch in einen schmalen Teil unserer Linie gegen oe» rechten Flügel hineindrmgen. Ein sofortiger kräftiger Gegen- ?gri'f, der von der Artillerie unterstützt wurde, Vertrieb ihn dann vollständig aus dein besetzten Schützengraben. Auf dem Karst herrschte die gewohnte Tätigkeit der beiderseitigen Artillerien. C a d o r n a. Meldung des türkischen Hauptquartiers. Kvnstantiuvpel, 21 Februar.(W. T. B.) Zaä Haust t- g uartier teilt mit: An der Jrakfront versuchte eine 'eiudlicho Abteilung in Stärke von ettva einem Bataillon sich unseren Stellungen bei Felahie zu nähern, wurde aber durch unser Jeuer zum Rückzug gezwungen, rmd ließ zahlreiche Tote zurück. Unter den während des letzten Kampfes bei Felahie lpefallenen befinden sich siebe« englische Offiziere. Neuerdings nahmen wir siebzehn Soldaten der feindlichen Truppen ge- langen, die im Verlaufe dieses Kampfes in die Umgegend ge- flüchtet waren. An der K a u k a f u s f r o n t dauern die Kämpfe ohne Unterbrechung fort. Einige feindliche Kreuzer und Torpedoboote bombardierten in den Tagen vom 13. bis zum 22. Februar zeitweilig die Gestade bei Sedd ul Bahr und Tekke Burun. Sie hatten leinen Erfolg und unsere bei Kum Kale und Sedd ul Bahr aufgestellten Batterien zwangen sie, ohne das; sie ihr Feuer längere Zeit hätten fortsetzen können, zum Rückzüge. FenMiche Flugzeuge überflogen in den letzten Tagen die Tardanellen, wurden aber verjagt und von unseren Kampf- flugzeugen verfolgt. Am 20. Februar beschoß ein feindlicher Kreuzer, der unter dein Schutze von Minensuchern in den Golf von SaroS eingedrungen war, mit Unterstützung von drei feindlichen Beobachtungsflugzeugen erfolglos die Küste bei Galata(Gallipoli). Eines unserer Kampfflugzeuge griff die feindlichen Flugzeuge an und trieb sie in die Flucht, ivorauf der Kreuzer fem Feuer einstellte und sich mit den Minensuchern entfernte.__ Notenwechss! zwischen Griechenland unü öer Entente. Frankfurt a. M., 24. Februar.(23. T. L.) Die„Fraicksurier Zeitung" meldet als Konstaiitinopel: Aus Athen lvird amtlich ge- meldet, daß SkulndiS die Antwort des grischiichen Kabinetts auf die letzte Gesamtnote der Ententemächte dem englischen Gesandten über» reicht hat. Die griechische Regierung weist darauf hin. daß die für die Besetzung in'Aussicht genommenen Punkte von keinerlei Nutzen iär die Enteilte sein können, während ihre Besetzung Griechenland iowoht vom polnischen als auch vom finanffellen Standpunkt in die schwierigste Lage bringe. Im Namen des Bierverbandeö antwortete Sir Elliot. der Verband werde alles aufbieten, um die Wirtschaft- liche und finanzielle Lage Griechenlands nicht zu stören. Die Entente wolle eine erhebliche Steigerung der Lebensmittelzufuhr Griechenlands gestatten und auch der griechischen Handelsflotte größeren Spielraum gewähren. Eine gemischte Truppenabtetlung der Entente ist in P a t r a s gelandet. Allgemeine Musterung in Rumänien. Bukarest, 24. Februar.(W. T. B.) Das Kriegsmimsterium gibt bekannt, daß sich alle Männer von 21. b i s z u m 46. Lebensjahr, welche die rumänische Staatsbürger- schaft angenommen haben, zu der für den Rekrutenjahrgang 1018 festgesetzten Zeit zum Militärdienst zu melden haben, gleichgültig, ob sie in ihrem Ursprungsland Militärdienst getan haben oder nicht. Ausgenommen hiervon sind diejenigen, die in die Liste der Militärpflichtigen bereits auf- genommen sind. Ceuerungsöemonftration in Bukarest. Bukarest, 24. Februar.(W. T. B.) Mehrere Tausend Personen ans den Arbeilerkreisen und ärmeren VevötkerungSschichlen der Hauplstadt zogen gtstern vor daS Bürgermeisteramt, um gegen die Teuerung der Lebensmittel Einspruch zu er- hebe n. Der Polizeipräsekt teilte einer Abordnung der Menge mit. daß der Kammer demnächst ein Gesetz vorgelegt werden solle, welches strenge Bestrafung des Wuchers nm Lebensmitteln, dos Recht der Beliörden zur Beschlagnabme von Lebensmitteln sowie die Velpfüchumg des Verkäufers, den Warenbestand jeweils genau an- zugeben, festsetzen wird. Nach einer friedlichen Kundgebung in den Straßen zerstreule sich die Menge. Neue Kapererfolge öer Mö'we'"! Madrid, 24. Februar.(M T. B.) Amtlich wird gemeldet: In Santa Cruz(Teneriffa) ging das englische Schiff„Westburn"(3300 Tonnen) unter deutscher Flagge vor Anker, um seine Schäden auszubessern. Die Besatzung besteht aus sieben Mann, von deneu einer eine Mütze mit der Aufschrift S. M. S. Möben(Möwe?) trägt. „Westburn" brachte 206 Gefangene der englischen Schiffe „Horace"(3333 Tonnen),„Clan Mactavish", „Edinburgh"(Lloyds Register enthält nur„Edinburgh Castle" 13326 Tonneu),„Cambridge"(1239 Tonnen) und„Flamenco"(4540 Tonnen) sowie des belgischen Schiffes„Luxemburg"(4322 Tonnen) und 11 spa- nische Matrosen mit. London, 23. Februar.(W. T. B.)„Lloyds" meldet aus Teneriffa: Der britische Dampfer„Westburn" wurde von der deutschen Prifenbefatzung aus dem Hafen ge° fü'hrt und versenkt. Ergebnis öer Luftangriffe in öer Nacht vom 31. 1. zum 1. 2. Amtlich. Berlin, 24. Februar.(SB. T. B.) Bon zuständiger Stelle erfahren wir über das Ergebnis des Luftangriffs in der Nacht vom 31. 1. zum 1. 2. ISIS das Folgende: 1. Liverpool. Hauptziele des Angriffs waren die Docks, Hafen« und Fabrik- anlagen. Die Wirkung der Bomben war gut; während der Rück- fahrt der Schiffe war noch weithin ein mächtiger Brand sichtbar. Eine Reihe von Brücken- und Hafenanlagen wurde so schwer beschädigt, daß sie vorläufig nicht mehr benutzbar sind. Es soll auch eine Anzahl von Schiffen auf dem Meriey schwer getroffen sein. u. a. ein unterhalb Birkeuhead liegender Kreuzer und ein Transport- schiff der Leyland-Linie. Eine Slallung mit 200 Pferden wurde durch Feuer zerstört; die Pferde und die kanadischen Wachmann- schaflen sollen dabei umgekommen sein. In Birkenbead, Garston und Bootle ist großer Schaden angerichtet worden. Booth Line und Deoward Linie sind durch die teilweise Zerstörung ihrer Dockanlagen schwer beschädigt. Drei Schiffe wurden sehr mitgenommen. Die angrenzenden'Trockendocks und Maslbinenfabriken sowie die „Birkenhead Drydock. Engine u. Boiler WorkS" wurden vollkommen zerstört. Im ganzen wurden über 200 Häuser durch Bomben oder Brand zerstört. An der Mersey- Mündung(in Bootle) wurde eine Pulverfabrik völlig zerstört. In Crews, südöstlich von Liverpool, sind die Bahnanlogen stark beschädigt, wodurch der Verkehr mir London unterbrochen wurde. Mililörlager sollen dort in Brand ge- setzt worden sein. 2. M a n ch e st e r. Angriffsziel waren in erster Linie die Hochofenwerke, die mit gutem Erfolge mit Bomben belegt wurde». Zwei Hochofenwetle und zwei größere Fabriken(Eisenwerke) wurden völlig zerstört. Eine Reihe anderer Fabrikanlagen hat be- trächtlichen Schaden erlitten. S. Sheffield. Im Süden der Stadt winden zwei Hochöfen beworfen, von denen der eine zum großen Teil zerstört wurde. Ferner wurden mehrere große Industrieanlagen und der Bahnhof mit Bomben be- legt. Außerdem sollen zwei Swuppen. die militärischen Zwecken dienen, zerstört sein. Starke Brände wurden nach dem Angriff noch lange Zeit beobachtet. 4. Nottingham. Angriffe wurden ausgeführt auf große Fabrikanlagen und Hoch- öfen. wobei sehr gute Wirkung beobachtet wurde. Ferner auf eine Batterie, die, nachdem sie unsere Luftschiffe wirkungslos beschossen hatte, zum Schweigen gebracht wurde. Eine MunilionSfabrik und mehrere Fabrikanlagen wurden stark beschädigt. Oestlicd von Nottingham bei Gramham wurden die Bahnanlagen zerstört, so daß der Betrieb mehrere Tage unterbrochen werden mußte. Der bei weitem größte Schaden ist in Sheffield und Nottingham angerichtet worden: Londoner Versicherungsgesellschaften schätzenden- selben auf 400000 Pfund Sterling. S. Biriningham. Zwei große Regierungswerke und zwei Munitionsfabriken sind völlig zerstört, eine Brauerei beschädigt. Großer Schaden wurde überhaupt in Staffordshire, Shropshire, Ceshire. Leicestershire, Lincolnshire und Aorkshire angerichtet.— In Eccleshill bei Bradsord wurden eine Munitionsfabrik und drei Spinnereieu, in Partington wurden durch eine Bombe 22 Häuser zerstört. 6. Humb erEins Batterie, die ihr Feuer ohne Ergebnis auf eines unserer Luftschiffe richtete, wurde angegriffen und zum Schweigen gebracht. Geschütze und Scheinwerfer der Batterie wurden zerstört. Ferner wurden auf eine Anzahl bon Fndusttieanlagen am Humber, sowie auf ein Hochofenwert mit ausgedehnten Anlagen Bomben geworfen. Ueberall wurden gute Erfolge beobachtet. In GrimSby wurden die Kais, Werften und Lagerhäuser zum Tekl ichwer beschädigt, ebenso mehrere Fracht- und Fächdampfer. Ein Heu- und Strohlager ist niedergebrannt, wodurch beträchtlicher Schaden emstanden ist. Zwischen Hedon und Salt Enden(unterhalb Hüll) wurde ein Pulvermagazin zerstört. In der Nähe von Hull ist eine Eisengießerei schwer beschädigt. In Hull selbst sollen die Verheerungen sehr groß gewesen sein und denen in Sheffield und Nottingham nahezu gleichkommen. In der Kingstreet ist ein Häuserblock gänzlich zerstört. Die Bahn- und Hasen- anlagen haben derart gelitten, daß große Schwierigkeiten in den Betrieben einstanden find. Mehrere in den Docks siegende Handelsschiffe sollen beschädigt sein. Oberhalb Goole wurde ein Hochofen schwer beschädigt. Ferner sind auf dem Humber der kleine Kreuzer„Caroline" und die Zerstörer„Eden" und„Nith" versenkt worden. Der kleine Kreuzer„Caroline" ging in sechs Minuten mtter. 31 Mann der Besatzung wurden getötet, 68 verwundet und 47 ertranken. 7. Great Darmouty. Eine Fabrik und verschiedene Industrieanlagen wurden mit Bomben belegt, wobei gute Wirkung beobachtet wurde. Ferner wurde an der englischen Ostküste noch eine Batterie zum Schweigen gebracht. An der Ostküste Englands ist weiterhin der englische Dampfer „Franz Fischer" von einem Luslschiffe verienkt worden. Die moralische Wirkung der Angriffe scheint sehi; stark gewesen zu sein. Bestätigt wird dies indirekt durch die englische Presse,_ die über die bisher wirkungslosen Abwehrmaßnahmen klagt, und die die Forderungen des englischen Binnenlandes nach Lust- abwehrgeschiitzen und Flugzeugen lebhast uinerstützt. Der Finanz- ausschoß der Liverpool Corporation hat beschlossen, alle in ihrem Besitz besiiidlichen öffentlichen Gebäude der Stadt gegen Schaden durch Luftangriffe zu versichern. Der gesamte Betrag" dieser Per- sichcrungen durch lokale Gesellschaften soll etwa 3 000 000 Pfund Sterling betragen. Amerika unö öer V-Hootkrieg. London, 24. Februar.(W. T. B.)„ M o r n i n g P o st" meldet aus Washington, daß die deutschfreundlichen Gruppen im Senat und Nspräienlanienhaus beabsichtigen, Anträge einzubringen. die, wenn sie angenommen und vom Präsidenten unterzeichnet werden, die Amerikaner gesetzlich verhindern würden. Pässe für Reisen aut bewaffneten Passagierdampiern zu erhalten. Ferner würde da- durch die Ausklarierung solcher Schiffe verboten werden. ES ist zweifelbafl, ob ein derartiger Antrag im Kongreß durchgehen ivüide.� Wilson hat die Absicht geäußert, in einem solchen Falle sein Velo einzulegen. Dadurch wollen sich die deurschsreund- Uchen Gruppen jedoch riichl abHallen lassen, die Angelegenbeu zur Sprache zu bringen, und in der Hoffnung, einer solchen Debatte zu- vorzukommen, erklärte der Präsident am Montag, entschlossen zu sein, sich für die Freiheit der Meere einzusetzen, indem er das Recht der Amerikaner geltend macht, auf den von ihnen gewählten Schiffen zu reisen, und die Forderung ausstellt, daß ein Schiff, welches Kanonen zur Verteidigung fuhrt, nicht ohne Warnung torpedie:l werden darf. Kn'egszielöebafte im Unterhaus. Amsterdam, 24. Februar.(W. T. B.) Ein hiesiges Blatt be- richtet aus London über die gestrige Unterhaus sitzung: Der Lrbeiterparteiler S n o w d e n sagte, daß England aus uneigen- nützigcn Motiven sich am Kriege beteiligt habe, und daß die Sache der Alliierten gerecht sei. Das ganze britische Volk wünsche einen � befriedigenden Ausgang. Ein solcher Ausgang und cm dauernder Friede könne aber nur durch Verhandlungen. nicht durch eine Fortsetzung des Krieges erreicht werden. Snowden führte den russischen Schriftsteller Bloch an, der vorausgesagt habe, daß der moderne Krieg niemals auf de in Schlachtfelde entschieden werden könne. Er glaube nicht an einen militärischen Sieg, der übrigens nur zu einem neuen Kriege führen würde. Snowden äußerte die Neberzeugung, daß die Zeit für Friedensunterhandlungen gekommen sei; er berief sich ferner auf eine Erklärung Longuets, daß Frankreich den Krieg nicht werde durchhalten können. Zum Schluß forderte er die Re- gierung auf, ihre Friedensbedingungen kund- zugeben. Trevelhan(liberal) gab zu, daß die deulichs Militärpartei offen sage, daß sie Belgien und einen Teil Frankreichs behalten wolle. Er sei überzeugt, daß ein Friede nur mög- lich sei, wenn Deutschland Belgien herausgebe und feine herausfordernde Haltung ändere. Aver auch die Alliierten dürften nicht auf Er« oberungeu ausgehen. London, 23. Februar.(W. T. B.) Unterhaus. A S q u i t h erwiderte auf Reden SnowdenS und des früheren Ministers Trevelhan, der beim Ausbruch des Krieges sein Aint niedergelegt hatte, über die Voraussetzungen, unter denen es möglich wäre, den Krieg unter Erreichung de» Kriegszieles der Alliierten zu beendige ir. ASquilh erklärte,«S freue ihn, daß das HauZ diesen Reden mit Geduld zugehört habe. Die beiden Mitglieder hätten sicherlich nicht für die demokrattiche öffentliche Meinung gesprochen.(Beifall.) Er bezweifle sogar, daß sie auch nur für ihre Wahlkreise gesprochen hätten. SnowdenS Eingeständnis, daß man in England einig sei und bleiben werde in der Forderung, daß die Friedens- bedingungen die Erreichung der Ziele Englands dauernd sicher- stellen müßten, heiße er gut. Es herrsche völlige Einigkeit im Lande.(Beifall.) Ter eigentliche Inhalt der Rede SnowdenS sei, daß in Deutschland ein wahrhafter Wunsch nach Frieden bestehe. Worauf stütze sich nun diese Bc- bauptung? Da sei die jüngste Debatte im Reichstag und die Rede des Kanzlers, der gesagt zu haben scheine, er sei durch- auS gewillt, eine Annäherung von anderer Seite willkommen zu heißen. Jedermann würde bereit fein, Annäherungen von anderer Seite willkommen zu heißen, aber der Kanzler habe nicht angedeutet, daß er bereit sei. die Initiative zu er- greifen, und da er seine Erklärung dadurch ergänzt zu habe» scheine, daß er den Abgeordneten sagte, Deutschland habe sich nicht als Feind aller Nationen erwieien(jenes Deutschland, das Belgien vernichtet und verwüstet und sein Bestes getan habe, auch Serbien, Montenegro und Polen zu vernichten und verwüsten), so könne eine solche Erklärung in solchem Zusammenhang nur als eine gewaltige schamlose Kühnheit bezeichnet weiden. Ich würde, fuhr ASguith fort, den imaginären F-iedensbedwgungen des Kanzlers mehr Gewicht beilegen, wenn ihre Sprache auf Gründen be« ruhte, die nicht von so durchsichtiger Heuchelei und Nutzlosigkeit wären. ES ist wahr, daß einige Mitglieder der sozialdemo- kralischen Partei sehr mutig eine höchst unvolkstümliche Stellung angesichts einer großen Verwirrung behauptet baden. Aber waS ist dabei erreicht worden, wenn bei einer entscheidenden Abstimmung von einer Partei von 110 Mitgsiedern nur 20 überredet werden konnten, gegen den Kriegskredit zu stimmen? Ich will j-tz� der Sache auf den Grund gehen. Trevelhan hat gefragt, warum ich die Friedensbedingungen nicht mitteile. In Be- amwortung dieser Frage beendete ASquith seine Rede mit einem Schluß- wort, welches das HauS. das den Reden SnowdenS und TrevelyanS mit eisigem Schweigen zugehört hatte, in tiefste Erregung versetzte. Asquith sagte: Ich habe in klaren, direken. verständlichen und gewichtigen Worten die Bedingungen mitgeteilt, unter denen wir in England gewillt sind, Frieden zu schließen. Ich will sie heute wiederholen. Unsere Alliierten sind mit ihnen verlraut und dem deulschen Reichskanzler find sie wohl bekannt. Was ich am S. November 1914 gesogt habe, wiederhole ich jetzt: Wir werden niemals da§ Schwert, das wir nicht leicht gezogen haben, in die Scheide stecken, bis Belgien(und ich will hinzu- fügen, Serbien)(Anhaltender Beifall), in vollem Maße alles und mehr alS alles, das sie geopfert haben, wieder erlangen, bis Frankreich aus« reichend gegen einen Angriff gesichert ist, hj.z die Rechte der kleineren Nationen Europas auf eine unangreifbare Grundlage gestellt sind und bis die M i lit är h err sch a st Preußens gänzlich und endgültig dernichtetist. Was fehlt hierbei noch an Klarheit und Deutlichkeit? Ich frage Trevelhan und den deulschen Kanzler, wie ich es noch verständlicher machen soll und waS ich noch mehr tun soll, um ihn und alle unsere Feinde zu überzeugen, daß erst, wenn ein �riede aus diesen Grundlagen in Sicht und zu erreichen ist und nicht eher wir oder einer unserer tapferen Alliierten auch nur ein Jota davon ablasien werden, diesen Krieg weiter zu führen.(Stürmischer Beifall.) Die sogenannte FriedenSdebatie nahm im Unterhause ein schnelles Ende. Die anderen Mitglieder der Arbeiterpartei gingen auf SnowdenS Initiative nicht ein. Der Arbeiterparteiler W e l f h erklärte, es sei Sache der Angreifer, die ersten Anerbietungen zu machen. Warum foTfe England einem Lande, welches jeden Vertrags gebrochen und diele Gewalttäligkeiten begangen habe, en'.gegen- komme», bevor Teüisch'.and seine Misseioien eingestanden habe? Es sei versrübt, von FriedenSanerbietungen zu sprechen. Der Arbeiter- parleiler S I a n t o n protestierte ernstlich gegen Snowdens Haltung. Er versicherte dem Haute, datz So Proz. der Arbeiter der Negierung gegenüber lohal seien. Die Debatte schloß dann und das Haus nahm das Budget in zweiter Lesung an. So bemerkenswert und erfreulich die Ausführungen S n o lv d e n s und Trevelyatts(des ehemaligen Unterrichtsmini st ers) sind, von so grober Verkennung der Tatsachen und so törichter Ueberhebung zeugen die Worte von Asquith. Schon die— nach dem obigen Bericht— von dem englischen Premierminister angeschlagene rüde Tonart stößt unangenehm von dem sonst meist bei englischen Minister- reden üblichen sachlichen Ton ab. Aber vielleicht glaubte Asquith gerade diesen unfeinen Ton anschlagen zu müssen, um den Eindruck der verständigen und sympathischen Worte des sozialistischen und des liberalen Redners ab- zuschwächen. Ob das mst solchen Mitteln gelingen wird, er- scheint mehr als zweifelhaft. /lrbeiterverfolgungen unü Arbeits- kämpfe in Cnglanö. Auch in England verstehen die Behörden den Kampf gegen un- liebsams Elemente in der Arbeiterschaft. Die zeitweilige Unter- drückung des iu Glasgow erschemenden Arbeiterblattes.Forward" und die vollständige des. v a n g u a r d" ist bekannt. Anfang ss-ebruar kam nun die Sache des„LiZorksr"(Arbeiter) vor Gericht. Der„Worker" war von einer Anzahl ArbeNerführern heraus- gegeben worden und sollie einen Ersatz für„Vanguard" und„Forward" bieten. Das Blatt erlebte jedoch nur vier Nummern. Die gesamte Auflage der sünften wurde be- schlagnahmt und am 7. Februar wurden der Herausgeber F. W. Murr, sowie der Hauptmitarbeilor Wm. Gallacher und der Geichä'lsführer der„SoziaUstischen Arbeiterparteipresse" verhaftet. Am folgenden Tage erschienen sie vor dem Polizeigerichtshof. Die Anklage behaupret,„daß die Berhaflelen versucht hätten, Aufruhr, Aufstand oder Unzufriedenheit unter der Zivilbevölkerung zu erregen und die Produklioir von Kriegsinaterial zu verhindern, verzögern und einzuschränken, durch Herstellung, Drucklegung und BeröfseM« lichung und Verbreitung einer Zeitung, betitelt„The Worker" unter den Arbetteru in und um Glasgow." Die Verhandlungen waren nicht öffentlich. Da keiner der Männer eine Erklärung abgab, wurden sie wieder ins Gefängnis gebracht. Der Nichter verweigerte die Strafentlaisimg gegen Bürg- schaft, da die Krone ihrem Vertreter Instruktionen gegeben habe, gegen Bürgschaft zu opponieren. Die Angeklagren Muir und Gallacher gehörten zu den heftigsten Gegnern von Lloyd George Lei seinen Weih- uachisreden in GlaSaow. Muir hatte die Sache des Elyde-Arbeiter« komiteeS gegenüber Lloyd George vertreten. Gallacher ist einer der stärksten„Rebellen" am Clyde. Er hat sich besonders in der Be- wegung voin vergangenen Februar betätige gehört zu den Gründern des EIyde-Arbeiterkomitee» und ist der Vorsitzende dieser Organisation. Waller Bell ist Mitglied der Sozialtsttschen Arbeiterpartei und Ge- schäitstührer der Druckerei, Ivo der„Worker" gedruckt wurde. Die Nachricht von der Verhaftung wurde in der Presse nicht bekaiintgegeben. aber einige Boten brachten sie zu verschiedenen Werkstäuen. Der Erfolg war, daß mehrere Tausend Arbeiter vor dem Gericht erschienen und demonstrierten. Die Menge wurde iväter von Arbeitern aus den Außenbezirken verstärkt, auZ allen Gegenden der MunirionSlndustrien kamen sie herbei. Als die Männer von den Jnstrudionen der Krone hörten, beschlossen sie, sofort ein Komitee ciiizusetzen mit der Aufgabe, die Befreiung der Arbeiter und daS Recht zur Verössemllchung der Zeitung zu erwirken. Dem Versuche der Regienmg. das Arberterkonntee zu vernichten, sollte sofort ent- gegengearbeitet werden. Die Demonstration hatte den gewünschten Erfolg. Wenige Stunden später waren die Inhaftierten gegen 60 Pfund Sterling Bürgschaft für jeden auf freien Fuß gesetzt.„Labour Leader" sogt, daß selbst bürgerliche Kreise der Meinung seien, daß die Behörden nicht klug daran getan hätten,„den eisernen Sporen" so offen an- zuwenden. « Noch eine andere Verhaftung wurde vorgenommen. John Me Lea» wurde verhastet auf Verlangen der militärischen Aulori- raren, unter dem Gesetz über den Belagerungszustand infolge� einer Rede vor Munitionsarbeitern, die einige Wochen vorher stattgefunden balle.„Labour Leader" tadelt, daß Mc Leon den Militärs über- liefert worden sei. Er habe Anspruch aus bürgerliches Gericht, und das Blatt fordert die Arbeiter auf, dafür zu sorgen, daß diesem Ausspruch genüge getan werde. * Sie man sieht, hat England gelernt, und leider muß man sajjen. daß die Mehrheit der parlamemarischen Vertretung der Arberter- varlei durch ihr Verhalten der Regierung erst Mut zu solchem Vor- gehen gemacht hat.— Trotz aller Verfolgungen aber sind die Männer am Elyde fest entschlossen, weiter gegen daS Dienstpslichtgrsetz zu ar�e't'Ln- Eine ganze Anzahl junger Leute weigert sich nach wie vor, raffen zu tragen, und wartet gelassen den Tag ab. an dem sie autgeruien werden. Sie wollen lieber ins Gefängnis wandern als der verhaßten Dienstpflicht nachkommen, und sie lrösten sich damit, daß sie den Willen zur Freiheit um so lebendiger empfinden werden, wenn man sie um rhrer Ueberzeugung willen der Freiheit beraube. * Das System der.Arbeitsderwässerung", da« heißt die Durch- setzung der gelernten Arbeiter in den MunstronSiobriken mit un- gelernten und weiblichen Kräften, suchen die organisierten Arbeiter io günstig wie möglich zu gestalten. David Kirkwood, der Arbeiterführer von Parkbeod �orge. hat erreicht, daß in diesen Be- trieben von ihm audgenrbeiiete Bedingungen erfüllt werden, die den Arbeitern so viel als möglich die bestehenden Löhne und andere werlvolle Errungenschaften eines lanmährigen Kampfes sichern. Das Clyde-Arbeiterkomilee hat em Schema für alle Mnnitions- fahr ifen unter staatlicher Aufficht ausgearbeitet, das jetzt in einzelnen Werknättenversammlunaen besprochen wird. DaS lenende Prinzip der Bedingungen ist: Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit ohne Rück- ficht auf Gcscdleck: oder Ausbildung. Wegen dieses Prinzips feierten in Jobnstone die Arbeiter fünf Tage und nahmen die Arbeit erst wieder auf. als ihnen d« Erfüllung zugesichert wurde. Die staattichen Kom- misstonäre wollten' nichts von der gleichen Bezahlung der Frauen wissen. Sie führten einige Arbeiterinnen in die Fabriken, ohne sich um die Forderungen der Männer zu kümmern. und erzielten den Erfolg, daß diese die Arbeit fünf Tage lang niederlegten. Die englische Regierung muß sich mit der Tatsache vertraut machen, daß die Arbeiter— mag ihre Vertretung im Parlament so regierunpsiromm fein wie immer— doch nicht geneigt sind, ihre Rechte auszugeben. Sie wissen, daß sie in ihrer Geschlossenheit die Stärkeren sind. Die Frage ist nur, ob die o r g a n i. i> e r l e n Arbeiter auch der neu hinzutretenden ganz sicher sein können. Die Organisierung, die ja eine der von der Arbeitcrichait ausgestellten Bedingungen bildet, allein tut es nicht. Die Arbeiter müssen auch den Willen hoben, die Forderungen ibrer Klaise durchzusetzen, muffen bereit sein, für sie Opfer zu bringen und von Äampfesfreude für ihre Klaffe getrogen sein. Ein phantafle-?nterview mit Ksutskp unö Sernstein. Tie Passer„Bcuaille" veröffentlicht in ihrer Nummer vom 17. Februar Milleilungen über Jnterwiews, die ein Vertreter des New Uorfer„Outlook" mit Karl Liebknecht sowie mit den beiden Unterzeichnelen gehabt haben will. Wie sich's mit dem Liebknecht- scheu Interview verhält, wissen wir nicht. lieber uns beide teilt der Mann des„Outlook" mst, er habe uns gemeinsam befragt. Kautsky hätte erklärt, wir seien zwar entschieden gegen jeden Eroberungskrieg, könnten aber nichts tun, nicht einmal gegen die Annexion Belgiens protestieren. Bernstein habe das bestätigt und hinzugefügt, auch im Reichstag lasse sich nichts tun, denn die Regierung sei allmächtig. Daranf wandte sich der Amerikaner wieder an Kautsky mit der Frage:„Sie werden also nichts tun, solange der Friede nicht geschlossen ist?" Worauf Kautsky wiederHolle:„Wir können nichts tun, wir sind ein Generalstab ohne Armee." Diese ganzen famosen„Enthüllungen" erledigen sich einfach dadurch, daß wir den Vertreter des„Outlook" nie gesehen, aber auch sonst niemand anderem gegenüber uns in dieser Weise aus- gedrückt haben, die uns das Gegenteil dessen sagen läßt, was wir für richtig und notwendig hallen. Es ist das eine der vielen Lügen der Kriegsjournalisten, die dadurch gefährlich werden, daß sie dazu dienen, die sozialdemo- kratischen Parteien der verschiedenen Länder gegeneinander zu der- Hetzen und das Wiederaufleben der„Internationale" zu vereiteln. Allerdings, wenn die„Bataille" ein„Interview" eines unge- nannten Berichterstatters dazu benutzt, ohne weiteres die deutsche Sozialdemokratie samt ihrer Minderheit herabzusetzen, so kann sie sich für dieses Vorgehen darauf berufen, daß unser Chemnitzer Parteiorgan und ihm folgend Genosse Scheidemann in jüngster Zeit angebliche Aeußerungen des französischen Ministers Sembat an die große Glocke hängten, die nicht in der Oeffentlichkeit gefallen sind, für die kein Ohrenzeugo die Gewähr übernimmt und die den Stempel der Unwahrschstnlichfeit auf der Stirn tragen. Sembat soll nämlich im September 1S1? gesagt haben:„Wenn die deutsche Sozialdemokratie ibre Politik beibehält, müssen wir sehen, sobald wie möglich den Krieg zu beenden." Zwei Monate später, als das Anwachsen der Opposition in Frankreich bekannt wurde, hat Sembat dagegen erklärt:„In Deutschland geht die Einigkeit in die Brüche — nun muffen wir den Krieg in die Länge ziehen." Diese Scinbat nachgesagten Aeußerungen wurden von der „Humanste" wiederholt als lächerliche Ersiubungen gekennzeichnet. Sie zu polemischen Zwecken auszubeuten, steht sicher nicht höher wie das gleiche Verfahren mit den im„Outlook" uns unter- geschobenen Aussprüchen. E. B c r n st e i n. K. K a u t s k h.(z) /lussichtslojigkeit eines Wirtschaftskrieges. Die Ergebnisse eines Wirtschaftskrieges gegen Deutschland würden, wie Arthur Sbadivell im Februarheft des„Nineteenrh Century" weiter ausführt, beträchtlich hinter den gehegten Erwar« tu iigen zurückbleiben. Ein Wirtschaftskrieg würde Deutschland zweifellos treffen, aber England nicht minder, und zum großen Teil würde er überhaupt ein Schlag ins Wasser sein.„Wir würden unsere Waren dort, und die Deutschen würden ihre Waren hier verkaufen, beide nur unter größeren Schnrierigkeiten als zuvor. Diese Waren würden ge- und verkauft werden lediglich, weil es Leute gibt, die das so haben wollen, und daran kann sie niemand hindern. Selbst während des Krieges haben unsere Waren den Weg nach Deutschland und deutsche Waren den Weg zu uns ge sunden, und wenn das nicht unter den drastischen Maßregeln der Regierung zu verhindern war, wie in aller Welt soll man es im Frieden hindern? Der Patriotismus allein genügt nicht, denn die Waren kommen durch neutrale Länder. Wenn den Kunden das, was sie brauchen, zu dem gewünschten Preise von dem Verkäufer angeboten wird, der sich ebenso wenig darum küm- mert, wohin die Waren gehen als darum, woher sie kommen, so ist der Patriotismus im Augenblick verschwunden. Besonders die Frauen können nicht widerstehen, und sie kaufen am meisten. Die Haupiwiriung aber des Wirtschaftskrieges würde selbst bei glücklichem Verlaufe die sein, beide Seiten auf neue Gebiete htnzustoßen, und diese würden natürlicherweise schwieriger zu be- arbeiten sein als die alten. Wer mit Zmigenfertigheit von einem Wirtschaftskrieg spricht, hat keine Ahnung von den Folgen. Angespanntere Ar- bett, längere Arbeitszeit, geringerer Gewinn, niedrigere Löhne, weniger Vergnügen aus allen Gebieten! Sind die Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer bei uns derartig, daß sie den Druck dieser Forde- rungen aushalten könnten? Wir werden auf alle Fälle von Glück sagen können, wenn wir nach diesem Kriege dem industriellen Kriege im eigenen Lande entgehen. Die zur erfolgreichen Führung des Wirtschaftskrieges notwendigen Veränderungen würden diesen industriellen Krieg taffächlich unvermeidlich machen. Man vergegenwärtige sich 1 doch nur, daß die Kriegssteuern noch in Kraft bleiben müssen, ohne daß wir unsere Rüstungen zu Lande und zur See verringern dürften. Und zu welchem Zweck sollte man diesen Wirtschaftskrieg führen? Früher oder später wird er in einen wirklichen Krieg übergehen. Einige verlassen sich in dieser Hinsicht auf„Garantien". Aber wer will diese erzwingen? Alle Nationen versuchen jetzt. Deutschland zur Erfüllung seiner Verpflichtungen zu bringen. Gelingt ihnen das jetzt nicht, so wird es auch später nicht gelingen. Will man wirklich Erfolg haben, so muß man einem Wirtschaftskrieg vorbeugen, indem man dem Weltkrieg ein Ende macht.(?) Die Umwerbung üer Duma. Die Eröffnung der neuen Dumaiession, die ein besonders theatra« lssibeS Gepräge trug, erhielt nocki dadurch eine eigenartige Note, daß der Zar zum erstenmal anwesend war und sich an die Abgeordneten mit folgender Ansprache wendete: „Ich habe dre Freude gehabt, gleichzeitig mit Ihnen DankgeLete an Gott zu richten für den ruhmreichen Sieg, den er unserem lieben Rußland, unserer tapferen Kaukasusarmee hat zuteil werden lasten. Ich bin glücklich, mich unter Ihnen zu befinden, unter meinem »reuen Volke, dessen Vertrerer Sie sind. Ich rufe den Segen GotteS am Ihre kommenden Arbeiten, besonders in dieser so schweren Zeit herab. Ich glaube fest, daß Sie alle und jeder einzelne unter Ihnen in der Arbeit, deren Veramwonung Sie vor dem Vater« land und vor mst tragen, seine ganze Erfahrung, seme volle Kenntnis der lokalen Verhältnisse und seine ganze warme Liebe für das Vater- land einsetzen wird, und daß Sie sich bei diesen Arbeiten ausschlietz- lich durch diese Liebe werden führen � offen, die Ihnen immer helfen und Ihnen als Leitstern in der Erfüllung Ihrer Pflicht dem Vater« lande und mir gegenüber, dienen wird. Ich wünsche der ReichSduma von ganzem Herzen fruchtbare Arbeit und vollen Erfolg." Der Dumapräffdenr R o d z i a n k o antwortete dem Zaren mit folgender Rede:„Majeflät, tief und freudig berührt haben wir die bedeutungsvollen Worre des Monarchen gehört, von Freude erfüllt, unseren Zaren in unserer Mstte zu sehen. In dieser schwierigen Zeit haben Sie heute das Band mst Ihrem treuen Volke Lesestigt, welches uns den Weg zum Siege zeigt." Nachdem der Zar die Duma verlassen hatte, richtete er an sie ein Telegramm, das vom Borsitzettden in der Duma verlesen wurde- Das Telegramm lautet: »Ich danke der Duma für die anläßlich der Eroberung von Erzerum an mich gerichteten Glückwünsche. Ich glaube mit Ihnen. daß diese neue Tat der Kaukasusarmee uns zum endlichen Triumphe unserer Waffen führen wird, dessen sinterpfand ich in dem En'er aller Kinder unseres Landes sehe, alle ihre Kräl'te in seinem Dienste zu gebrauchen. Ich habe gestern bei meinem Beinche in der Duma gern Kenntnis davon genommen und mit einem Gefühl der Freude dasür gebetet, daß Ihre Arbeiten fruchtbar sein mögen." Aus diesen Kundgebungen des Zaren, wie aus dem im Auszug bereits mitgeteilten Programm des neuen Ministerpräsidenten Stürmer spricht der offensichtliche Wunsch, der Duma etwas ein« gegenzukommen, um die gemäßigten Elemente des„progreisiven Blocks" auf die Seite der Regierung hinüberzuziehen. Diese Taktik entspricht durchaus den Erwartungen, die man vor der Eröffnung der Session an die Person des neuen Ministervräsidenlen geknüpft hatte. Charakteristisch sür die Richtung seiner Politik ist auch, die von ihm— wie vom Zaren— auffällig betriebene Unterstreichung des religiös-orthodoxen Moments. Nicht umsonst ist Stürmer der Vertrauensmann der reakrionörsten Kuttenträger und Kirchenbureau- kraten, die seit Jahren einen unheilvollen Einfluß auf die russische Politik ausüben. Der �letzte Krieg*. Im ersten Kriegsjahre konnte man, namentlich in der Entente- presse, oftmals lesen, dieser Krieg, der gegen den„preußischen Militarismus" geführt werde, werde der„letzte Krieg" sein, nach welchem rein mechanisch der„ewige Friede" anbrechen werde. Seit einiger Zeit macht sich aber auch bei den bebarrlicken Illusionisten eine vernünftigere Auffassung dieser Dinge bemerkbar. So schreiot einer von ihnen, der bekannte russische Schriftsteller Fürst T r u- betzkoi, der in seinen politischen Auftätzen einen vcrschwom- menen Idealismus in Verbindung mir einem recht realen pan- russischen Messtanismuö predigte: „Ter Gedanke, dieser Krieg würde der letzte sein, mutz als ein utopischer Traum preisgegeben werden... Es ist sehr leicht möglich, daß der jetzige Kriegssturm die Einleitung zu einer ganzen stürmffchen Periode der Weltgeschichte bildet." Zeigt diese Aeußerung, wie weit bereits der Stimmungsum- schwang in den gemäßigtsten liberalen Kreisen Rußlands vorgc- schritten ist, so geht aus'der nachstehenden Betrachtung des in Samara erscheinenden Arbeiterblattes„N a s ch Golos" deutlich hervor/ daß die organisierten Kreise der rufsffchen Arbeiterschaft sich nicht den geringsten Illusionen über den wahren Charakter des Militarismus hingeben. Anknüpfend an die neuesten Mcl- düngen über die neuen Rüstungen in Japan und die Agitation für die„Kriegsbevestschaft" in den Bereinigten Staate», schreibt das Blatt in seiner Nummer vom 6. Februar: „Noch dröhnen die Kanonen, noch stöhnen Millionen Men- scheu, noch wevdcn Städte in Trümmer gelegt und hundert- taufende Nienschen obdachlos gemacht, und schon schreiten die Bereinigten Staaten und Japan zu neuen geioalstgen Rüstungen. Allerdings sind dies zwei Staaten, die beim Weltbrand nur ge- Wonnen haben und deren Wirtschaftslage sich nur noch ver- bessert hat, es unterliegt aber keinem Zweifel, daß nach dem letzton Kanonenschuß im Kriege ihrem Beispiel auch die ver- armten, ruinierten, mit Schulden belasteten„befreundeten" uns „nichtbefreundeton" Staaten Europas werden folgen müsse». deren Interessen sich im fernen Osten kreuzen, und ihnen werden die aitderen Mächte folgen. Die alie Geschichte! Wie oft auch unsere Harmonie- und Friedensapostel ver- sichern mögen, dieser Krieg sei ein Krieg gegen den Militari-- mus, sei der„letzte Krieg", der, nach der Vernichtung des dcui- scheu, preußischen Militcrrismus, zu einer Verbrüderung der Völker führen würde, so wird die Demokratie sich nie betrügen lassen und stets daran denken, daß der jetzige Krieg entstanden ist nicht infolge deS„bösen Willens" irgendeines„besonderen Militarisurus". sondern uns der EntWickelung und Konstruktion dar kapitalistischen Gesellschaft, aus dem ganzen iniernaiionalcu miliwristisch- imperialistischen System. Keine einzige Regierung glaubt an den bewaffneten Frieden, noch an die Heiligkeit von Verträgen, keime einzige Regierung mißt ihnen irgendwelche Bedeutung bei. Und nun kündigen uns die neuen Rüstungen noch sürchter- lichere Verwüstungen, noch größere Opfer an Blut und Gut. noch schlimmere Steuerlasten, noch entsetzlichere geistige und materielle Verarmung der Nkeuschbeit an. Unsere russische Wirklichkeit, wie die in allen kricgsühren- den Ländern, zeigt anschaulich, welch einen reichen Goldregen der Krieg dem Kapital gebracht hat. nicht nur der Kriegsin- dustrie, sondern auch den„friedlichen" Industriezweigen, und es unterliegt keinem Zweifel, daß wir nach dem Kriege Zeugen des Schauspiels sein werden, wo die Vertreter des iniernatio- nalen Kapitals in den Ruf ausbrechen:„Das Vaterland ist iit Gefahr!" Die einen werden fordern, daß die Eroberungen be- schützt werden, die anderen, die Besiegten, werden nach einer Re- vanche schreien, und alle zugleich werden immer neue und größere Opfer für den Rüstungsmoloch fordern. Die Volksmassen und die Demokratie müssen dies alle- be- rücksichtigem, um im nötigen Augenblick der Macht des internatio- nalen Kapitals die Macht'der proletarischen Internationale ein- gegenzustÄken."(z) Die wirren in China. Shanghai, 24. Febr-ar.(W. T. B.) Meldung des Reuierichen Bureaus. Der Palast des Gouverneurs in Shanghai wurde am Montognachmsitag überfallen. Einzelheiten fehlen noch. Es wurde der Belagerungszustand verhängt. Letzte Nachrichten. Beschlagnahme deutscher Schiffe in Portugal. Lissabon, 23. Februar.(W. T. B.'j(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Die Amrszeitung veröffentlicht ein Dekret, in Ivelchem die Form der Benutzung deutscher, in portugiesischen Häfen inter- nierter Schiffe durch die portugiesische Regierung geregelt wird. Por- tngiefische Besatzungen begaben sich heute an Bord der deutschen Schiffe, die im Tajo verankert sind, und hißten die portugiesische Flagge._ Beschlagnahme holländischer Postsachen. London, 24, Februar.(W. T. B.) Wie Reuter erfährt, wurden von der Briefpost des heimkehrenden bolländiscken' Dampfers „H o l l a n d i a" 1265 Pakete und von der Briefpoit der„J e l r i a" 1290 Pakete Rohgummi beschlagnahmt. Gewerkschaftliches. öerlin und Umgegend. Tie Schmiede, Kesselschmiede, Autogenschweißer und Karosseriearbeiter hörten am Mittwoch den Jahresbericht ihrer Branche, den B a s n e r erstattete. Tie Kessettctinneds hatien über Arbeitsmanqel nicht zu llaaen. Die Arbeitslräfte waren im Gegenteil rar, so daß eine große Firma sogar dazu schrill, eine Prämie für die Beschaffung von Kesselschmieden auszusetzen. Dw Löhne sind im allgemeinen gestiegen. In verscbiedenen Betrieben wurden Teuerungszulagen gewährt, Auch bei den Aulogenichweißern war die Konjunktur gur. Sie waren zum giößlen Teil in der Heeresindustrie beschäftigt. Die Verdienste waren zufriedenstellend. In dieser Branche hat die Frauenarbeit reichlich zugenommen.— Die Karosieriearberter hauen ebenfalls gu»e Konjunktur und erzielten Verdienste, die zu keinen Klagen Anlaß gaben.— Die Schmiede in den Gioßbetrieben hallen gleichfalls Anteil an der guten Konjunkiur. Tie verichiedemlich bewilligten Teuerungszulagen beziehungsweise KriegSzuiagen ersireckien sich hier auch auf die Schmiede. Indessen gibt es eine Anzabl Werksläuen. wo die Schmiede in diciem Punkte den Anschluß veniaßt baben.— Bleiben die Jiiiinngsbeiriebe. Tieiniimen bcschäf« tiglen Schmiede bildeten früher die Grundlage der Organiialion. Heute ist das anders. Heule beruhl die Oiganisauon in der Branche auf den Kollegen der Großbetriebe. Z» betonen ist dabei, daß aller» ding- ein Teil aus den Jnnungsbetrieben in die Großbetriebe über- gegangen ist Die Löhne haben sich in den Jnnungsbetrieben auch etwas gebessert. Es wird sozusagen tariflos gearbeitet, da eine Tarifänderung durch den Obermeister seinerzelt unter Berufung auf den Burgfrieden abgelehnt wurde.— Es ist zu beklagen, so führte Basner weiter aus, daß in allen genannten Spezialbranchen die Ueberstundenarbeit eingerissen ist und daß im übrigen durch die Kollegen durch intensive Arbeil Raubbau an der eigenen Arbeits- krail geiriebeir wird, so daß ohne erhebliche Aklordzulaae viel höhere Verdienste berauetoinmen, als unter normalen Verhältnlsien. Auf die Dauer kann das niemand aushalten. Und es ist sehr bedenklich für die Gestaltung der Verhällnisie nach dem Kriege. Die Organi- sationsvcrdällnisie sind vielfach nicht so, wie man es wünschen muß. — Die Branchenkommiision veranstaltele im Geschäftsjahr fünf Branchenveriammlunaen, Ferner fanden 60 Kommissionssitzungen. II Vcrlraiiensmännerronferenzen und 486 Werksiallversammlungen statt. An den Funltionären und ihrer Wirksamkeit liegt es alio nicht, wenn das Resultat nicht den Erwartungen entsprach. Die Branchenkasie hatte am 31, Dezember 1öl4 einen Bestand von 478,59 Bk. Einschließlich desselben betrug im Fahre 1915 die Gesamteinnahme 1357,24 M. Ausgegeben wurden 606,64 M,, so daß ein Bestand von 750,60 M. verblieb.— Den Kollegen muß anheimgegeben werden, selber mehr am Ausbau der Organisation zu arbeiien, Samereier vervollständigte den Bericht in bezug auf die Metallarbeiter in den Biauereien, deren Jnieresien von der Branche nur wahrgenommen werden. In den Brauereien besteht ein Tarif- vertrag, der einen Lohn von 36,50 M. vorsiebt. Dieser enlsvrach natürlich durchaus nicht den Kriegsverhältnissen mit ihrer Teuerung usw. Wenn nun auch ein Berti ag ein Vertrag sei. io hätte doch erwartet werden müssen, daß die Brauereien als- bald den veränderten Verhältnissen durch Zulagen hätten Rechnung tragen sollen. Statt dessen hätten sie sich aber lange Zeil an den Tarifsatz gehalten. Erst ipät, etwa im Mai 1915, nachdem eine Aniabl der tüchtigsten Arbeiter in andere Betriebe abgewandert waren, hätten die Brauereien naw hartnäckigem Drängen Teuerungs- zulagen gewährt, die ein Trop'en auf einen heißen Ste'ir gewesen feien. Jetzt scheine sich das Blatt zu wenden. Die Brauereien scheinen in Verlegenheil zu sein, denn neuerdings böten sie in ihren Anzeigen den Kollegen mehr, als sie die ganze Zeit über geboten hätten. Redner verweist auf die Bierpreiserbödungen, die den Brauereien, wie ihre Geschäftsberichte bewiesen, ganz erhebliche Vor- teile gebracht hätten. B a s n e r wurde zum Branchenleiter gewählt. Außerdem wählte man die übrigen Kommiisionsmitglieder wieder und gab der Kom- Mission das Recht, sich zu ergänzen. Tie Berliner Schuhmacher im Jahre INlZ. Der Jahresbericht der Filiale Berlin des Zentralverbandes � der Schuhmacher sagt unter anderem: Zu Anfang des Jahres herrschte eine durch die Bedürfnisse des Heeres hervorgerufene beispiellose Hoch- konjunkiur. �Sie kam einem großen Teil der Mitglieder, der sich den Sattlerarbeiten zugewandt hatte, direkt zugute. Ende April flaute die Konjunktur etwas ab, hielt sich aber noch bis zur zweiten Hälfte des Jahres auf einer gewissen, immer noch Verdienst versprechenden Höhe. Gegen den Schluß des Jahres trat vollständige Ebbe ein. Ein Teil der Kollegen kehrte wieder zum Schuhmacheraewerbe zurück, ein anderer Teil wandte sich der neu entstandenen Holzschuhfabrikation zu. Die Abwanderungen aus dem Beruf, sowie die zunehmenden Einberufungen brachte auch den in der Schuhindustrie und im Schuh- macherhcmdwerk Verbliebenen reichliche Arbeitsgelegenheit, so daß über Arbeitslosigksit und Aussetzen nicht zu klagen war.— Die durch günstige Arbeitsgelegenheit in fremden Berufen erzeugte Abwände- rung nach denselben übte einen ungünstigen Einfluß auf die Ver- banf>stätigkeit aus. Ein großer Teil der m fremden Berufen be- schäftigten Kollegen verlor die Fühlung mit dem Verband. Sie blieben trotz ihrer hohen Einnahmen die Beiträge schuldig und muhten des- halb gestrichen werden. Der größte Teil der zur Ausrüstungsindustrie übergegangenen Mitglieder kam jedoch der Beitragspflichl nach. Hier- unter befanden sich die tätigsten Verbandsmitglieder, die aber, well sie in einem anderen Beruf arbeiten, ihre agitatorische und organi- sawriscbe Tätigkeit für den Verband nicht fortsetzen konnten. Auf her anderen Seite besetzten berufsfremde Arbeiter und Arbeiterinnen die freigewordenen Stellen in den Schubfabriken. Diese Arbeiter waren meist unorganisiert oder statten die Fühlung mit ihrer früheren Berufsorganisation verloren. Bemühungen, sie für den Verband zu gewinnen, scheiterten. Das Schuhmacherhandwerk bot in der Matz- wie in der Re- paraturbranche reichliche Arbeitsgelegenheit. Zum Tell deshalb,� weil die Innung Heereslieferungen übernommen hatte. Hauptsächlich aber, weil durch die Einberufungen die Zahl der Arbeitskräfte stark gelichtet wurde, die nur in einigen mechanischen Besohlanstalten durch ungelernte Arbeiter ersetzt werden konnten. Ernste Differenzen wegen der Arbeitsverhälwiffe sind im Be- richtsjahre nicht vorgekommen. In einigen Fabriken wurden Teue- rungszulagen von 10 Prozent, in den meisten aber nur 3 bis 5 Pro- zent" bewilligt. In einigen Handwerksbetrieben� wurden abgelaufene Tarife mit entsprechenden Lohnaufbesserungen bis sechs Monate nach dem Kriege verlängert. Usber die Lohnverhältn'sse in den Reparatur- Werkstätten läßt sich nichts Bestimmtes feststellen. Aber aus gewissen Umständen ist zu schließen, daß auch hier Teuerungszulagen bis 10 Prozent beivilligt worden sind. Tie Mitgliederzahl belief sich am Anfang des Jahres auf 2021. Der Zugang betrug 397, der Abgang 862. Am Schluß des Jahres betrug die Mitgliederzahl 1556, nämlich 1454 männliche und 102 weibliche. Die Kassenverhältnisss sind im allgemeinen nicht ungünstig. Für Unterstützungen wurden 14 915 M. ausgegeben. Die Arbeits'osen- Unterstützung, die sich im Jahre 1914 auf 25 565 M. belief, ist auf 2320 M. zurückgegangen. Die Krankenunterstützung ermäßigte sich von 9703 M. auf 3924 M. Die am Mittwoch abgehaltene Generalversammlung nahm den Jahresbericht ohne Debatte entgegen und wählte die bisherige Orts- Verwaltung wieder. Hierauf berichtete Hammacher über die Verhandlungen über Errichtung eines paritätischen Arbeitsnachweises im Anschluß an den Zentralverein für Arbeitsnachweis, Diese Verhandlungen wurden zwischen dem Verbände und dem Gewerkverein auf der einen und der Organisation der Schuhfabrikanten auf der anderen Seite ge- j führt. Diese Angelegenheit ist schon früher ohne praktischen Erfolg verhandelt worden und neuerdings aus Anlaß von Besprechungen! Verantw. Redakt.: Alfred Wielevv. KeüMn. JnKxatetueÜ vetanHA über die Kriegsbeschädigten-Fürsorge wieder in Fluß gekommen. Auch letzt sind die Verhandlungen noch nicht abgeschloffen. Mit dem bis- herigen Ergebnis derselben sind wohl die Fabrikantelt, aber nicht die Arbeiter einverstanden. Es hat sich nämlich gezeigt, daß der Zentral- verein den Vertretern des Berufs ein weit geringeres Maß von Selbstverwaltung zugesteht als andere, früher dem Zentralverein bei- getretene Facharbeitsnachweise haben. Das bezieht sich namentlich auf die Rechte des Beirats und die Stellung der Arbeitsvermitller. Diese wurden früher von den betreffenden Berufen gewählt, später nur von ihnen vorgeschlagen und vom Vorstand des Zentralvereins bestätigt. Bei den Schuhmachern ist es das erstemal, daß der Vor- stand des Zentralvereins für sich das Recht in Anspruch nimmt, den Arbeitsvermitiler selbst anzustellen. Die Vertretung des Verbandes hält das für einen Rückschritt, auf den sie nicht eingehen will. Sie hat deshalb für die bevorstehende Fortsetzung der Verhandlungen An- träge eingereicht, die ihrem Standpunkt entsprechen. Das Ergebnis der Verhandlungen soll einer späteren Mitgliederversammlung unter- breitet werden. deutsches Neich. Zu den Tarifverhandlunffen im Baugewerbe. In Mainz lehnte eine Bauarbeiterversammlung ebenfalls das Angebot der Unternehmer ab; in einer Resolution wurde ausge- sprachen, daß die Unternehmervertreter den Bauarbeitern eine Lohn- zulage von mindestens 20—25 Pf. pro Stunde zugestehen mühten, um diesen etwa ein Viertel der Lasten der Teuerung abzunehmen. Die Versammlung erwartet, daß die am 29. Februar in Berlin statt- findende Generalversammlung der Unternehmer den Bauarbeitern be- deutend höhere Löhne zubilligt, und sie hofft, daß das soziale und vaterländische Empfinden stärker zum Ausdruck gelangen werde. Die Versammlung ist der Meinung, wenn die Unternehmer keine anderen als die angeführten Angebote machen, den Vertrag mit dem 31. März 1916 ablaufen zu lassen; sie erklärt sich mit dem Verhalten ihrer Verhandlungsteilnehmer vollständig einverstanden und verlangt von ihnen, wie von den Instanzen, die über das Tarifwesen zu ent- scheiden haben, nur auf dieser Grundlage den Vertrag zu verlängern. Mus Industrie und Handel. Bulgarisches Kupfer für Teutschland. Sofia, 24. Februar.(33. T. 33.) Der Ministerrat beschloß, das Kupferbergwerk Bor, das in dem von den Bulgaren eroberten Teile Serbiens liegt und das reichste auf der Balkanhalbinsel ist, den Deutschen sur die Kriegs- dauer zur Ausbeutung zu überlassen. Mus der Partei. Erklärung. In der Beschwerde des Genossen 23 c 1 8 gegen die Redaktion des„Vorwärts" stellt die Preßkommission fest, daß ein Beschluß, wonach die Redaktion den vollen Wortlaut der Reso- lution deI Brandenburger Provinzialvorstandes zu bringen habe, nicht gefaßt wurde, auch ein diesbezüglicher Antrag nicht vor- gelegen hat._ Tie Prcßkommission. Stellungnahme zur Fraktionshaltung. Der Sozialdemokratische Verein Bremen beschäftigte sich in sechs Generalversammlungen mit den gegenwärtigen Verhältnissen in der Partei. Eingeleitet wurde die Auseinandersetzung mit einer Rede des Abg. Henke, der sein Verhalten im Reichstag begrün- dete. Tie übrigen Versammlungen wurden ausgefüllt mit einer umfangreichen Diskussion über all die schwebenden Barteifragen, die„Bremer Bürgcrzeitnng", den Stand des Bremer Partei- geschäfts, die Gründung der„Bremischen Korrespondenz" usw. Die „Bremer Burgerzeitung" bat unter dem Kriege außerordentlich gelitten; sie verlor zirka 40 Proz. ihrer Abonnenten. Ein Teil der Debatteredner erklärt« sich das aus den Kriegsverhältnissen, den vielen Einberufungen zum Kriegsdienst und der kolossalen Teue- rung, ein anderer Teil schob das auf die Haltung der„Bremer Bürgerzeitvng" Tie Gründung der„Bremischen Korrespondenz" wurde scharf verurteilt. Nach einem Schlußwort Henkcs gab Nien- dcrf, der Redakteur der„Bremischen Korrespondenz", eine Erilä- rung ab, in der es he'ßt, daß die Vorstandsresolution sich mit der Haltung der„Bremer Bürgerzeitung" einverstanden erkläre, daß aber Henke, wie dte Gruppe um Knies, die Pflicht zur Vaterlandsver- teidigung verneinten. Unter solchen Uniständen sei es nicht möglich, ohne Betonung des gegenteiligen Standpunktes auszukommen. Es wurde schließlich folgende Resolution angenommen: „Die außerordentliche Generalversammlung des Sozialdemokratischen Vereins Bremen erblickt in der Herausgabe der„Bremi- scheu Korrespondenz" das notwendige Ergebnis der seit langem in der deutschen Sozialdemokratie bestehenden Richtungskämpfe zwi- schen dem revisionistischen und dem revolutionären Prinzip. In Anbetracht, daß durch den Krieg die revisionistische Richtung in der Partei völlig ins nationalistische Lager abgeschwenkt ist, in An- betracht ferner, daß die Vertreter des Parteizentrums zu keiner konseguenten Pokitu den wichtigen Partei- und politischen Fragen gegenüber gekommen sind, in Anbetracht endlich, daß selbst die Oppo- sition der Zwanzig, so sehr die Ablehnung der Kredite als Tat zu begrüßen ist, sich nicht zu einem prinzipiellen Standpunkt in der Begründung durchzuringen vermochte, fordert die Versammlung, daß die„Bremer Bürgerzeitung" in Verfolgung ihrer linksradikalen Haltung vor dein Kriege die Politik... konsequent verficht. Die Versammlung erwart«:, daß Genosse Henke auch ferner die Kriegskredite ablehnt und seiner Handlung eine prinzipielle Be- gründung auch öffentlich hinzufügt." Die Ersatzwahl zur Preßkommission ergab dann folgendes Resultat: Thurau und Götze je 475 Stimmen, De ich mann und W a i g(die bisher der Preßkommission angehörten) je 95 Stimmen, Hagedorn 47 Stimmen. Die Genossen radikaler Rich- tung Thurau und Götze sind damit in die Preßkommission gewählt und die radikale Mehrheit in ihr sichergestellt. Zum Kreistagsabgeordnete» wählte die Stadtverordnetenversammlung von Luckenwalde den Stadtverordneten Genossen Hermann Jahn. Ein Abgeschüttelter. In einem der letzten Hefte der„Preußischen Jahr- b ü ch e r" Professor Delbrücks hat der Arbeitcrsekretär Ludwig Radios einen Artikel über innere Parteifragen veröffentlicht, womit er den Beweis erbrachte, daß der Sozialismus nicht tief in ihm gewurzelt haben kann. Die„Leipziger Bolkszeitung" hat ihm die unverdiente Ehre zuteil werden lassen, den Zlrtikel einer Kritik zu unterziehen. Da in dieser auch daraus hingewiesen wurde, daß Radlof vor Jahrsn einmal Redakteur an der„B r e s l a u e r Volkswach t" war, beeilt sich letztere, zu erklären, daß sie es ablehne,„mit einem Genossen in Veibindung gebracht zu werden, bei dem von fozialdmokratischer Ueberzeugung kein Hauch mehr zu spuren ist". Und da nun die„Breslauer Volkswacht" ihrerseits wieder bemerkte, daß Radlofs Tätigkeit in Breslau schon neun Jahre zurückliege und er jetzt Bezirksarbeiter- sekretär in Zwickau sei, sieht sich auch das in Zwickau erscheinende „Sächsische V o l k s b l a t r" veranlaßt, von Radlof abzurücken, indem es bemerkt, daß dieser jetzt auch nicht mehr in Zwickau sei und dort auch nur vorübergehend tätig war. Auch das„Sächsische Volks- blatt" lehnt es deshalb ab,„mit diesem wunderlichen So- zialdemokraten und sonderbaren Schwärmer zu- sammengekoppelt zu werden". Nach dieser kräftigen Abschüttelung dürfen wir wohl annehmen, daß etwas Wasser in den Wein der bürgerlichen Politiker geflossen ist, die in Radlof einen typischen Vertreter der„neuorieniierten" Sozialdemokratie erblickten. „Arbeiter-Jugend". Die soben erschienene Nr. 5 des 8. Jahrgangs hat u. a. fol- genden Inhalt: Dem Historiker der Partei. Von K. Kc>m— Drei Erzieher. Von Hermann Drechsler— Der Kupferstich. Von Elfriede Schäfer.(Mit Abbildungen.)— Das Lebensrätsel. Bon S. Trucker.— Die Geburt des Homunkulus.— Wer darf Steno- graphieren lernen? Von M. Conrädi, Landtagsstenograph.— Chor der Toten. Gedicht von Konrad Ferdinand Meher. ÄÄiarte. Berlin. Track a. Veriaq: iSoKZMBllchdr. wV'ekt-tgÄw.ftMHckÄ Smger& Co., Berlin SW. Kricgsgewinne. Die Celler Lederwerke vorm. Fritz Weht u. Soh» A.-G. verdoppeln ihre Dividende(20 stall tO Pro,.). Der Geichäfts- bericht bemerkt, daß an das Werk große Anforderungen gestellt wurden. Der Bedarf an Militärbodenleder war während des ganzen Geschästsjahres ein außerordentlich dringender, und auch heute noch dauere die Nachfrage darin unvermindert an. Der Fabrlkations- gewinn ist auf l 628 898 M.(577 554 M.), der Reingewinn auf i 205 824 M.(240 946 M.) gestiegen. In die Kriegsgewinnsieuer« Rücklage fließen 524 900 M. Die Tantiemen erfordern 124 000 M. Die Export schlächierei und Schmalzrasfinerie i A.-G. in Hamburg erhöht ihre Dividende von 25 auf 30 Prozent._ Regelung des Tevisenverkehrs in Oesterreich. Aehniich wie m Deutichland ist jetzt aucb in Oesterreich- Ungarn der Verkehr mit ausländlsckien Zahlungsmitteln(Devi'en) zenlralisierl und monopolisieri worden: Die Oester reich ifch- Ungarische Bank hat laut W. T B. im Einvernebmen mit der Postiparkasse' und den österreichischen sowie ungarischen Finanz- lnstiliiten die Grundsätze itir den künftigen Devisenverkehr festgestellt. Um eine Uebersicht der vertügbaren und verlangten aus- ländiichen Zahlungsmittel zu gewinnen und um den Ankauf sowie Verkauf derselben bei limlichster Verbilligung zu vereinheiilichen, errichtet die Oesterreichisch-llnsaritche Bank gemeinsam mit der Post- iparkasse und den österreichischen und ungarischen Finanzinstituten Zentralstellen in Wien und Budapest, die am 24. Februar in Wirksamkeit treten. Die Mitglieder einer jeden Zeniralitelle sind ver» pflichtet, ibre sämtliche einlaufenden fremden Zahlungs» mittel einzuliefern und den Bedarf an solchen unter An» gäbe des Verwendungszweckes bei ibr abzufordern. Die Zc-iral« stelle entscheidet, ob, beztebungsweiie in welchem Ausmaße die Zu» teilung der verlangten Beträge an auslöndtschen Zahlungsmitteln zu erfolgen hat. Eine weitere Schiffahrtsdividende. Der Au'fichisrat und der Vorstand der deutschen Dampsschiffahrtsgeiellschafl„Kosmos" beschlossen, den Aktionären die Verzinsung des Aktienkapitals mit 6 Prozent wie im Vorjahre, vorzuschlagen. Soziales. Steinbergs Krawattcnfabrik und Lehranstalt. Vor einigen Wochen berichteten wir über eine vor dem Gewerbegericht verhandelte Klage gegen die Ebeleute Stein» berg. Die Klägerin forderte Rückzahlung des Lehrgeldes, weil sie nach beendeter Lehrzeit keine Arbeit von Steinberg erhielt, obwohl sie nur mit Mcksicht aus die ihr in Aussicht gestellte dauernde Beschäftigung das Lehrverhältnis eingegangen war. Das Gericht hatte beschlossen, durch einen Sachverständigen feststellen zu lassen, ob da» Ehepaar Steinberg nach Art und Umfang seines Betriebes überhaupt in der Lage sei. Heim- arbeiterinnen dauernd zu beschäftigen. Gestein stand in dteier Sache wieder Termin an. Hier machte der Sachverständige Ernst Großheim folgende Angaben: Bei der Besichtigung des Steinbergschen Betriebes zeigte mir Sleinberg sechs kleine sstäume, von denen nur drei zu geschäftlichen Zwecken be» stimmt sind. Kaufmännisches und gewerbliches Personal fand ich nickt vor. Sleinberg erklärte, er mache alles allein. Das Lager, welches mir Sleinberg zeigte, bestand aus etwa 20 Kanons mit Krawatten, meistens allergeringster Qualität. An Stoffen waren nur einige geringwenige Reste vothanden. Steinberg erttärte. daß er ein Siofflager nicht halte, sondern die Stoffe nur meter» weise einkaufe und zwar die farbigen von einem Zwischen bändler, die schwarzen von einem Fabrikanten, dessen Adresse er mir angab. Dieser Fabrikant sagte mir auf meine Anfrage, Sieinbergs Angabe sei unwahr, er, der Fabrikant, habe an Steinberg nichts gelieiert und wolle mit ihm nichts zu tun haben. Aus meine Frage an Steinberg nach den bei ihm vorliegenden Bestellungen erklärte er, Bestellungen habe er überhaupt nicht. Er inseriere m Zeitungen, daß er Krawatten 50 Proz. billiger verkaufe als andere Geschäfte. Daraufhin fänden sich Käufer einzelner Krawatten. Außerdem ver» kauie er an einige Hausierer. Einen Großhandel habe er überhaupt nicht. Daß Steinverg nach Art und Umfang seines Betriebes in der Lage ist, Heimarbeilerinnen dauernd zu beschäftigen, muß ich entschieden verneinen. Ob das. was die Klägerin bei Sleinberg gelernt hat. einen gewerblichen Wert hat. kann ich nicht beurteilen, ohne ihre Arbeit gesehen zu haben. Was sie nach der ihr von Steinberg ausge st eilten Zensurkarte gelernt haben soll, ist so wenig, daß sie daraushin in keiner Krowaltenfabrik beschäftigt werden kann. Allenfalls könnte sie bei einer Heimarbeiterin die allerprimitivsten Arbeiten verrichten und damit ein paar Groichen verdienen. Einen Wochenverdienst von auch nur 15 Mark mit den nach der Zeniurkarle von der Klägerin erworbenen Keruitnisten zu erzielen ist unmöglich. Um einen solchen Verdienst zu erreichen, würde die Klägerin noch einer monarelange» weiteren Ausbildung be» dürfen.— Die Krawatten, die ich bei Steinberg gesehen habe, sind meistens glatte Selbstbinder. Dieic Arbeit ist leicht zu erlernen. Aber wenn eine Arbeiterin nur diesen Artikel aniuieriigen gelernt hat, kann sie nicht als brauchbare Krawaitcnarbeiterin angesehen werden. Im Tennin waren beide Parteien nicht erschienen. Ein Urteil konnte deshalb nicht abgegeben werden. Kriegsleistungsgeseh und Gemeiudeabgaben. Auf Grund des Kriegsleistungsgesctzcs können die Ge» meinden von ihren Einwohnern Naturalleistungen verlangen. Gegen die Auferlegung solcher Lasten ist das Verwaltungs» streitverfahren, wie das Oberverwaltungsgericht am Dienstag entschied, nicht zulässig. Die örtliche Einquartierungskommisfion in Ostrowo hatte zu einem Barbier einen Soldaten zur Einquartierung geschickt. Dieser fand den Raum naß und kalt und nicht genügend eingerichtet; er ging deshalb zur Kommission zurück Er wurde darauf in einem H tel untergebracht, und der Magistrat verfügte an den Barbier, daß er die Hotelkosten von 63 Pf. zu zahlen habe. Der Barbier klagte nach vergeblichem Einspruch beim Bezirksausschuß auf Aushebung jener Heranziehung. Ter Bezuksausichuß in Posen gab auch dem Manne recht und stellte ihn von den 63 M. stell Das Oberverwaltungsgericht hob aber das Urleil aus und wies die Klage H.s als unzulässig ab.— Gründe: Alle Leistungen, die auf Grund des Krieg Sleistungs» g e s e y e S gefordert würden, hätten nicht die Eigenschaft von Gemeindeabgaben. Deshalb sei das Verwallungsftreiiverfohren, das 1 nur gelte, wo es ausdrücklich vorgeschrieben sei, in bezug auf � Leistungen aus dem Kriegsleistungsgesey nicht statthaft. Vielmehr sei hier nur eine Beschwerde möglich. Somit habe, nach Aufbebung der Vorenlickeiduna, die Klage schon wegen Unzulässigkeit des Ver« waltungsstreitvertabrens abgewiesen werden müffen._ Hierzv iHKage u, Üutcrhaliuagsbt, Leillige des Lomürts" berliner DgldsdlM. Die Wahlrechtsfrage im Lanötag. 15. Sitzung. Donnerstag, den 24. Februar, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. L o e b e l l. Das Haus ehrt das Andenken des verstorbenen Abgeordneten P a u l s e n(k.) durch Erheben von den Plätzen. Die zweite Beratung des Etats des Ministeriums des Inner« wird fortgesetzt. Abg. Fleuster(Z.) betont die Notwendigkeit einer Entlastung der Gemeinden, denen durch den Krieg neue große Aufgaben zugefallen seien. Im einzelnen bleiben die Ausführungen des Redners auf der Tribüne Unverstand- lich. Er bespricht weiter die Frage der Verwahrlosung der Jugend und verlangt scharfe Zensur der Kinovorführungen. Minister v. Loebell: Die Staatsregierung verkennt nicht, daß die großzügige Für- sorge unserer Gemeinden für Volksernährung und Kriegswohlfahrts- pflege sehr erhebliche Leistungen bedeutet. Eine Herabsetzung der Gemeindesteuerlasten wird wohl zunächst nicht möglich sein. Weitere Genieindeanleihen können wir nicht zulassen. Jedoch werden die von den Gemeinden gezeichneten großen Stücke der Kriegsanleihen lom- bordiert. Wir untersuchen, ob die Erschließung weiterer Steuerquellen für die Gemeinden möglich ist. Einige Pro- vinzialverbände haben musterhafte Organisationen für die Invaliden- fürsorge geschaffen, in anderen sind freie Organisationen in An- lehnung an die Provinzialverbände geschaffen. Die Höhe der voraus- sichtlichen Geiamtkoslen für die Jnvalidenfürsorge läßt sich noch nicht übersehen. Es müssen in dieser Frage alle Bevölkerungsklassen mit- wirken und insbesondere die Arbeitgeber ihren Dank denen abtragen, die ihre Gesundheit für das Vaterland geopfert haben. Die Leistungsfähigkeit der Sparkassen hat sich während des Krieges glänzend bewährt. Sie haben durch Beteiligung an den Kriegs- anleihen eine Summe ausgebracht, die beinahe der Frankreich nach dem Kriege 1870/71 auferlegten Kriegsentschädigung entspricht. lHört, hört I) Die Gefahr einer Verwahrlosung der Jugend, deren Vater an der Front und deren Mutter auf Arbeit ist, liegt zweifellos vor. Es muß alles geschehen, ihr entgegen- zuwirkcn. Die öffentlichen Vergnügungen müssen dem Ernst der Zeit entsprechend natürlich eingeschränkt werden, auf der anderen Seite müssen aber auch die Interessen großer Erwerbssiände be- rücksichtigl iverden. Im ollgemeinen rst diese Mittellinie von den Polizeibehörden wohl eingehallen worden. Allgemeine Vorschriften zu erlasse», habe ich nicht für richtig gehalten, habe abes besondere Rtchtlinien aufgestellt. Oeffenlliche Tanzlustbarkeiten dürfen nicht stattfinden.— In den Kinos und Varietos werden Stücke nicht zugelassen, die sittlich anstößig sind oder sonst mit dem Ernst der Zeit und dein Empfinden der Bevölkerung nicht vereinbar find. Nur ernste Stücke zuzulassen, ginge zu weit. Alle Frivolitäten, Ehebruchs- dramen, Possenreißerei, Beschimpfungen der Feinde, Verletzung der Neutralen müssen unbedingt unterbleiben. In Berlin liegen natürlich die Verhältnisse besonders schwierig, ober das durchschnitt- liche Verhalten der Berliner Bevölkerung hat sich den Zeit- umständen würdig angepaßt.— Dem Animierkneipenunwesen find wir scharf zu Leibe gegangen. Die Befürchtung, daß eine große Zahl dieser Kellnerinnen dadurch der Prostitution in die Arme geworfen würde, hat sich als nicht begründet ergeben. Viele ■ dieser Kellnerinnen sind in ihre Heimat zurückgekehrt und dort auch wieder einem geordneten Leben zugeführt worden.— Die Theater- z e n s u r hat im allgemeinen auch ihre Schuldigkeit getan. Hier und da mögen ja Mißgriffe vorgekommen sein. Frivolitäten sind jedenfalls verschwunden. Soweit das noch nicht der Fall sein sollte, wird eingegriffen werden. In 15 Monaten des Krieges find 8l Stücke verboten worden. Freilich kann unter Umständen ein Stück auf einer großen Berliner Bühne mit ersten Kräften noch zu- gelassen iverden, das in der Provinz nicht mehr zu dulden wäre. Vor allem muß das Publikum selbst dafür sorgen, daß die Stücke, die dem Einst der Zeit nicht entsprechen, soweit sie einmal zugelassen iverden sollten, bald verschwinden.— Dem Kinounwesen muß allerdings noch mehr entgegengetreten werden. Ick hoffe, daß im Reichstag bald ein Gesetzentwurf vorgelegt wird, der die Kon- zessionSpflicht der Kinos bringt.(Bravo 1) Abg. Lohmann(natl.): Gegen die Verwahrlosung der Jugend muß mit den schärfsten Mitteln vorgegangen werden. Dock darf nicht vergessen werden, daß all solche Matznahmen nur vorübergehende Kriegsmaßnahmen sein dürfen. Abg. Cassel(Vp.): Die Gemeindesteuern betragen schon jetzt im Durchschnitt 216 Prozent. Wenn den Städten Anleihen auch in Zukunft verboten werden jollen, so müßten notwendige und nützliche Ausgaben unter- bleiben. Daher müffen den Gemeinden weitere Einnahmequellen eröffnet werden. Auf jeden Fall muß das nach dem Kriege durch ein neues Kommunalabgabengesetz geschehen. Spar- samkeit ist vielleicht bei öffentlichen Bauten manchmal angebracht, auf keinen Fall aber darf sie bei der sozialen Fürsorge der Städte geübt werden.(Sehr richtig I) Den Ausführungen des Ministers in bezug auf die Beschränkung öffentlicher Lustbarkeiten kann ich im allgemeinen zustimmen. In Kinos wird übrigens auch viel Gutes geboten.— Nicht berechtigt ist es, wenn Generalkommandos sich in Stadtver- ordnetenwahlen einmischen.— Daß Kaufleute Summen für die Kriegswohlfahrtspflege zahlen, um für fich Reklame zu machen, wie Herr v. Pappenheim meinte, dürfte nur sehr vereinzelt vor« gekommen sein.— Ein besonders großes Verdienst haben sich unsere Frauen und Mädchen in diesem Kriege erworben in der Für- sorge für die zurückgebliebenen Kinder und Frauen unserer Krieger. In vielfachen Organisationen haben sie Mustergültiges geleistet. Im Frieden werden auS diesen Leistungen Folgerungen zu ziehen sein, auf die ich heute nicht eingehen will. Wenn dereinst wieder scharfe politische Kämpfe geführt werden müssen, wird man hoffentlich daran denken, daß in dieser ernsten Zeit alle Volksgcnoffen ihr Bestes für die Zukunft des Vaterlandes hingegeben haben. Das muß dazu führen, daß ihnen die Gleichberechtigung aus allen Ge- bieten eingeräumt wird.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Paul Hoffmanu(Soz.): Der Vorredner sprach zuletzt von der Gleichberechtigung aller Volksgenossen. Bei Ausbruch des Krieges haben wir ja auch die Botschaft gehört, daß von nun an die Sozialdemokratie gleich- berechtigt sein soll mit den bürgerlichen Parteien. Soweit hier und da Aenderungen in dieser Richtung stattgefunden haben, ist das sicher nicht aus Anerkennung der Gleichberechtigung geschehen, sondern weil es die Zeilumstände erforderten. Den nachgeordneten Behörden fällt es jedenfalls vielfach noch sehr schwer, von ihrer früheren Praxis abzusehen. So wurde in Schlesien ein freies Gcwcrkichaftskartell mit seiner Bitte, an der Verteilung einer be- stimmten Summe für Wohlfahrtszwecke mitwirken zu können, vom Landrat abgewiesen mit der Bemerkung, es könne nicht als politisch einwandfrei gelten.(HörtI hörtl bei den Sozialdemokraten.) Ein anderer Arbeiterverein aber, der zu dem ausgesprochenen Zwecke gegründet war, die Sozialdemokratie zu bekämpfen, wurde an der Verteilung des Geldes beteiligt.(Hörtl hörtl) Im Kreise H ö s ch e i d t wurden zwei zu Beigeordneteu gewählte Sozialdemokraten vom Landrat gefragt, ob sie zur Minderheit oder Mehrheit in der Sozialdemokratie gehörten. Als Vertreter der Minderheit würden sie keinesfalls bestätigt werden.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Dem Lobe, das die Vorredner der Polizei gespendet haben, können wir uns nicht anschließen. Bei dem Andrang zu den Butterläden geht die Polizei oft sehr rücksichtslos vor. Leuten, die sich nicht willenlos ihren Anordnungen sügew wird mit Schutz Haft gedroht. Ich kann nicht annehmen, daß die Polizei darin im Auftrage des Generalkommandos handelt.— Mit der in dem Umfange nicht be- rechtigten Furcht vor der Verwahrlosung der Jugend begründet man alle möglichen Maßnahmen, um die Bewegungsfreiheit der Jugend einzuschränken. In Stettin hat man allen jungen Leuten unter 13 Jahren den Besuch von Gasthäusern und Kinos verboten. Im Felde können sich solche jungen Leute das Eiserne Kreuz verdienen, hier werden sie in jeder Weise bevormundet. Es wird überhaupt viel zu viel polizeilich reglementiert. Im Kreise Allenstein hat der Landrat einfach bestimmt, daß der Höchstlohn für Landarbeiter drei Mark nicht über- schreiten dürfe. Wieviel weniger gezahlt wird, interessiert ihn nicht. Der Landwirt, der mehr bezahlt, wird mit drei Tagen Haft bedroht. Nun, dieses Deliktes wegen wird sicher kein Tag Haft abgesesien sein.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Herr Rosenow beschwor neulich die Arbeitgeber, wenigstens im Kriege ihren Herren- standpunkt auszugeben und die Gewerkschaften als Vertreter der Arbeiter bei Lohnstreitigkeiten anzuerkennen. Bei der Aktiengesell- schaft Schlesische Textilwerke, wo Löhne von 12—15 Mark bezahlt werden, verlangten die Arbeiter eine Teuerungszulage. Mit Hilfe der Gewerkschaft war es ihnen gelungen, sie zu erreichen. Daraufhin teilte die Firma den Gewerkschaftsvertretern mit, daß sie nicht als berufene Vertreter der Arbeiter anerkennen könne, sondern nur mit ihren Leuten selbst verhandle, und daß sie gegen den Verband Anzeige bei der Militärbehörde machen werde.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Dabei beträgt der Reingewinn der Gesellschaft über Iftz Millionen. Und eine solche Gesellschaft erlaubt sich die Militärbehörde anzurufen, um sich vor den Forderungen der Arbeiter zu schützen.(Hörtl hörtl bei den Sozialdemokraten.) Der naftonalliberale Abgeordnete Dr. Beumer erklärte im verflossenen Jahre auf einer Konferenz, alle die- jenigen, die jetzt arbeitslos sind, seien Arbeitsscheue.(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten) und forderte Matznahmen von den Behörden, um der Arbeitsscheu zu begegnen. In derselben Zeit er- ging im II. Armeekorps eine Bekanntmachung, wonach alle Arbeiter, die unter Kontraktbruch die Arbeit niederlegten, mit einem Jahre Gefängnis bestraft werden.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Das ist die Freizügigkeit der Arbeiter. Auch in diesem Jahre sind wieder 300 000 M. für den Geheim- fonds in den Etat eingestellt. Ich frage den Minister, ob auch in der Folge ein ganzes Heer von Spitzeln aus diesem Fonds unter- halten werden soll, und ob nicht auch auf diesem Gebiete eine Neuorientierung nötig wäre. Von dieser sogenannten Neuorientierung wird sehr viel Wesens gemacht, aber man sollte uns doch zunächst einmal die Grundlinien dieser Neuorientierung näher darlegen. Viel- leicht hat man nur davon gesprochen, um die Leistungen des Volkes noch mehr zu steigern. Von jeher hat das Volk nur als Amboß gedient. Nun in der Stunde der Gefahr ist angeblich plötzlich die Erleuchtung gekommen, daß man das Volk verkannt hat. Wird man sich dessen auch in der Stunde des Wohlergehens noch er- innern?(Sehr wahr! bei den Sozialdem.) Ich glaube nicht recht an diese Erleuchtung, sonst hätten hier schon längst die Taten folgen müssen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Diejenigen, die dem Volke keine Rechte gewähren wollen, stützen fich heute auf den Burgsrieden; alle Fragen, die ihnen unangenehm sind, wo sie Farbe bekennen sollen, sehen sie als Störung des Burgfriedens an. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Im Zeichen des Burg- ftiedens bereitet der Minister im geheimen die Wahlen vor im Interesse der rechtsstehenden Parteien auf Kosten des Staates. Die Regierung benutzt insgeheim den Regierungsapparat, um die öffentliche Meinung zu korrumpieren.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Die Aufrechterhaltung der Gesindeordnung entspricht nicht mehr der Würde des Volkes. Warum macht man noch immer den Staatsarbeitern und Beamten das Koalitionsrecht illusorisch. Man hat gesagt, in Deutschland herrsche seit anderthalb Jahr- Hunderlen uneingeschränkte Freiheit der öffentlichen Meinung. Nach den Gesetzen vielleicht, in der Praxis sieht es ganz anders aus. Sozialdemokraten haben viele Jahre Gefängnis erduldet, weil sie ihre Meinung frei gesagt haben. Meine Parteifreundin Luxemburg hat wegen ihrer freien Meinungsäußerung noch vor kurzem ein Jahr im Gefängnis sitzen müssen.„Wer die Wahrheit kennt und sagt sie frei, der wandert fürwahr in die Stadtvogtei." Man hat hier den Frauen großes Lob wegen ihrer Tüchtigkeit ausgesprochen. Warum verweigert man ihnen dann aber den poli- tischen Einfluß in Staat, Gemeinde und Reich. Gleiche Pflichten erfordern auch gleiche Rechte.(Sehr, wahr I bei den Sozialdemo- kraten.) Unter 13 Millionen Erwerbstätigen in Preußen waren vor dem Kriege 6 Millionen weiblichen Geschlechts und im Kriege hat diese Zahl noch gewaltig zugenommen. Die Frauen zahlen dock ebenso direkte und indirekte Steuern wie die Männer. Da ist es höchste Zeit, daß man ihnen die politischen Rechte nicht mehr vor- enthält. Wir fordern auch für die Frauen daS allgemeine gleiche direkte und geheime Wahlrecht für alle gesetzgebenden Körperschaften. Hier ist eine Reuorientierung sehr notwendig.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Dann komme ich auf das Wahlrecht überhaupt. Diese wichtige Frage wird nicht eher von der Tagesordnung verschwinden, bis sie end« gültig im Interesse des Volkes gelöst ist. Herr v. Heydebrand meinte bei der ersten Lesung, Schönheitsfehler, Unebenheiten, die dem Wahl« gesctz anbasten, könnten ausgeglältel und beseitigt werden. Welche Schönheilsfehler und Unebenheilen hat er damit gemeint? Hat er etwa die Klasseneinteilung gemeint? Drei Wähler der reichen Bevölkerung haben heute so viel politisches Recht wie 34 der armen Bevölkerung.(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Ein Krieger, der mit dem Eisernen Kreuz heimkehrt und seine wirtschaftlichen Verhältnisse ruiniert vvtfindet. wählt in der dritten Klasse, ein Daheimgebliebener, der durch Auswucherungen des Volkes reich ge- worden ist— und wer die Not des Volkes benutzt, um sich die Taschen zu füllen, ist doch sicherlich ein Vaterlandsfeind(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten)—, ist Wähler erster Klasse ge- worden. Ein größeres politisches Unrecht gibt es nicht. Oder meint Herr v. Heydebrand vielleicht die Wahlkreiseinteilung? Heute haben Landkreise mit 6000 Wählern dasselbe Recht wie andere Kreife mit 60 000 Wählern. Das ist eine ungeheuerliche Bevorzugung der Junker gegenüber der Industrie. Allen Staats- arbeitcrn und Beamten ist es unmöglich, ihre Stimme frei ab- zugeben. Dieses Wahlrecht bedeutet für das Volk einen Skandal uilld eine unerhörte Vergewaltigung. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Thronrede hat ein organische Fortentwickelung des Wahlgesetzes zugesagt. Die Kon- servatiben aber setzen diesem Königswort ein glattes Nein gegen- über. Ich bin überzeugt, es wird in der Wahlrechtsfrage erst anders werden, wenn da§_ Volk draußen gebieterisch sein Recht fordert.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Nun sind bereits Vorschläge gemacht worden für ein neues Wahlrecht. Von einer Seite wurde ein Familienväterwahl- reckt empfohlen, vielleicht in dem Gedanken, damit dem Geburten- rückgang entgegenzutreten. Die„Deutsche Tageszeitung" erklärte sich für den Vorschlag, aber nur dann, wenn er auch für das Reich eingeführt werde. Also Beseitigung des Reichstags« wählrechtes! Das wäre ein glatter Sieg der Reaktion.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es ist unerhört, daß man gerade in dieser Zeit dem Volke mit solchen Vorschlügen kommen kann. Man hat gesagt, das allgemeine Wahlrecht sei das größte Wahl- unrecht, es gehe nicht an, daß die besitzlose Masse mit entscheiden könne über das Portemonnaie der Reichen. Aber wer hat den Reichen das Portemonnaie erst gefüllt? Und ist es nicht die große Masse des Volkes, die den Reichen heute das Portemonnaie schützt!(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Ein Herr v. Bonin hat geschrieben, die Sozial- demokratie solle sich schämen, in der jetzigen Zeit eine Wahlreform zu fordern. Aber ein großer Teil der Besitzenden schämt sich nicht, in der jetzigen Zeit das Volk auszuwuchern.(Zuruf rechts: Ausnahmen!) Die Extra- Profite gehen in die Milliarden! Weiter schreibt er: Das deutsche Volk hänge mit Liebe und Vertrauen an dem jetzigen Wahl- system. Woher schöpft der Herr diese Kennwis? Hat er nichts gehört von den Millionenprotesten gegen dieses Wahlsystem? Herr v. Zedlitz hat neulich erst erklärt, da« jetzige Wahlrecht aufzuheben, fei Unvernunft, der Staat müsse dann zugrunde gehen. Also die Massen sind gut genug, um Gut und Blut für das Vaterland herzugeben, aber nicht gut genug, um über die Geschicke des Volkes mitzureden! Die edlen und erlauchten Herren in unserem Nachbarhause sind so von Feindschaft gegen die Volksrechte erfüllt, daß sie erklären, wenn der Minister wagen sollte, das Reichstagswahlrecht in Preußen einzuführen, sollte man ihn an dem ersten besten Laternenpfahl aufhängen.(Hört I hört! bei den Sozialdemokralen.) Wir verlangen, daß endlich der Wille des Volkes in der Gesetzgebung zum Ausdruck kommt. Da gibt es lein anderes Mittel, als die Uebertraqung des Reichstagswahlrechtes auf den Preußischen Landtag. Die Arbeiterschaft hat es satt, sich noch weiter als Rechtlose und Parias behandeln zu lassen. Der Ruf nach dem gleichen und allgemeinen Wahlrecht wird nach dem Kriege mit Donnerstimme erhoben werden. Wir erwarten, daß dann die Worte von der Neuorientierung nicht Schall und Rauch bleiben sollen, sondern daß diese Frage umgehend in Angriff ge- nommen wird und daß dann der neue Landtag zusammenberufen wird unter dem Zeichen des allgemeinen gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts, des Wahlrechts, das allein der Würde des Volkes entspricht.(Lebhafter und anhaltender Beifall bei den Sozialdemo- kraten.) Abg. Freiherr v. Zedlitz(fk.): Der Vorredner hat nicht das Recht, sich als einen Vertreter de? deutschen Volkes zu bezeichnen.(Heiterkeit bei den Sozialdemo- kraten.) Es ist nicht wahr, daß die Arbeiter bei uns als Parias behandelt werden.(Zurufe bei den Sozialdemokraten: Doch!) I n Wirklichkeit sind die Arbeiter mit allen übrigen Klassen der Bevölkerung gleichberechtigt.(Stür- misches Gelächter bei den Sozialdemokraten. Abg. Liebknecht: Be- wußte Unwahrheit!— Lärm rechts.— Vizepräsident Dr. v. Krause ruft Dr. Liebknecht zur Ordnung.) Der Vorredner hat gesagt, Frau Dr. Luxemburg sei wegen der Aeußerung ihrer freien Meinung verurteilt worden. In der Tat ist sie verurteilt worden, weil sie gegen ein Gesetz verstoßen hat. Also was Sie(zu den Sozialdemokraten) fordern, ist schreiende Ungerechtigkeit.(Lachen bei den Sozialdemokraten. Abg. Ad. Hoffmann(Soz.): Philipp Enlenburg!) Das Koalitionsrecht ist kein staatsbürgerliches Recht. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Doch!) Wenn Sie die Verfassung nicht kennen, dann halten Sie den Mund.(Heiterkeit.) ES liegt im Interesse des Staates, den Staatsarbeitcrn daL Koalitionsrecht und Streikrecht vorzuenthalten. Das preußische Wahlrecht ist kein Klasscnwahlrecht.(Lebhafter Widerspruch links und im Zentrum.) Es wählt keine Klasse für sich den Abgeordneten, sondern alle Klassen zusammen.(Lachen links.) Die Neuorientierung wird jedenfalls durch Reden, wie die des Abg. Hoffmann, aufs äußerste erschwert.(Sehr richtig!) Die Wahl» rechtsvorlage darf nicht eher dem Hause zugehen, als bis mit der Regierung eine Verstänidigung über seine grundlegenden Bestim- mungen erzielt ist.(Zustimmung rechts.) Es mutz eine Fassung gefunden werden, mit der sich die beiden äußersten Flügel der bürgerlichen Parteien wenigstens abfinden können. Geschieht das nicht, so werden die Wahlvechtsverhandlungen wieder einen solchen Zwiespalt zwischen den Parteien schaffen, daß die großen uns be- vorstehenden Aufgaben nicht gelöst werden können. Deshalb sollte man sich bemühen, möglichst bald eine solche Verständigung zu sinden.(Große Unruhe bei den Sozialdemokraten, Zurufe: Wir werden Sie dazu zwingen!) Wir haben keine Furcht.(Lebhaftes Bravo! rechts.) Wenn Sie(zu den Sozialdemokraten) uns selbst mit den Massen kommen, wir werden die Antwort zu finden wissen.(Große Unruhe bei den So- zialdemokraten, Zurufe bei den Sozialdemotraten: Kanonen! Abg. Ad. Hoffmann: Die Schütze ngrabenkämpfer werden sich vor den Schutzmanns säbeln nicht mehr fürch- te n!) Wir sind überzeugt, daß die, die in den Schützengräben für das Vaterland jetzt kämpfen, sich auf solche Schlagworte wie Re- volution nicht einlassen, sondern mit uns ehrlich weiterarbeiten werden. Das gibt uns das Vertrauen, an die Neuorientierung heranzugehen, mögen die Herren und Dr. Liebknecht noch so laute Reden führen, die der Vaterlandsliebe nicht entsprechen.(Bravo I rechts.) Ein Schlußantrag wird angenommen. Abg. Braun(Soz.): Ich bedauere, durch den Schluß der Debatte verhindert zu sein, die geradezu provokatorischen Ausführungen des Frei- Herrn v. Zedlitz gebührend zurückzuweisen. Wer Stürme des Un- willens in das Volk tragen wollte, hätte es nicht besser als mit solchen Provokationen tun können.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Es folgt die Debatte über das Medizinalwesen. Eine Resolution der Kommission ersucht die Regierung, im Reichs- tage auf die Einbringung eines Gesetzes hinzuwirken, wodurch der Bundesrat ermächtigt wird, das Anbieten und Feilhalten, sowie den Vertrieb von Gegenständen, die zur Beseitigung der Schwangerschaft oder zur Verhütung der Empfängnis geeignet sind, zu beschränken oder zu untersagen und auch alle nur für das Laienpublikum be, stimmten Schriften und Bücher, die eine Beschrei�nng oder Besprechung antikonzeptioneller Methoden enthalten, zu verbieten. Weiter verlangt die Kommission eine Unterstützung des Bezirks- hcbammenwescns. Die fortschrittliche Volkspartei verlangt peichsgeseblichc Regelung des HaltetindwesenS_unt) des Wohnungswesens, staatliche i�eihilfen zur Errichtung von Säuglingsfürsorgestellen in den Gemeiuioerk. und schließlich Einfügung der Reichswochenhilfe in die ReichsversichelPttg-- ordnung mit dauernder Friedensgeltung. Abg. Dr. Mugdan(Vp.) hebt die großen Leistungen der Armeeärzte und des Krankenpflege- Personals hervor; dieser Dank müsse sich aber auch betätigen in ge- rechter Würdigung der begründeten Ansprüche der Aerzte im Lande und in der Zuerkennung des Koalitionsrechtes an das Krankenpflegepersonal. Der Krieg habe bewiesen, daß die Vorbeugung gegen Krank- heiten ebenso wichtig sei, wie die eigentliche Tätigkeil deS Arztes. Während in früheren Kriegen den Seuchen mindestens ebenso viele zum Lpfer fielen, wie den Geschossen, während Napoleons Zug nach Rußland nicht an der Kälte und nicht an den Kosaken, sondern am Flecktyphus scheiterte, ist die Hoffnung, die unsere Feinde neben der Hoffnung auf Sieg und auf Aushungerung hegten, nämlich die Jöorf- nung, daß wir mit den Seuchen Rußlands und Frankreichs gesegnet würden, ebenso gescheitert wie ihre übrigen Hoffnungen. Vielleicht gibt die Regierung deswegen Auskunft, ob in Deutschland Seuchen aufgetreten sind, und mit welchem Erfolge sie bekämpft wurden. Der Krieg hat aber auch die große Notwendigkeit systematischer Bekämp- fllng von Zahnerkrankungen bewiesen, die allmählich ganz den Zahn- ärzten übertragen werden sollte, wenn auch unter den Zahntechnikern gewiß tüchtige und einwandfreie Arbeiter vorhanden sind. Der Ge- burtenrückgang ist weder auf verminderte Volkskraft, noch auf ge» ringere Gebärfähigkeit unserer Frauen zurückzuführen, zu seiner Be» kämpfung sind aber die von der Kommission verlangten Verbote wenig geeignet. Das allerbeste Mittel ist kräftigster Mutter- und Säuglingsschutz; er ist, nachdem wir ihn vergeblich in der Reichsver- sicherungsordnung festgelegt sehen wollten, plötzlich durch die Reichs- wochcnhilfe geschaffen worden, sie muß uns auch im Frieden erhalten bleiben. Von höchster Wichtigkeit ist aber auch die Besserung der Wohnungsverhältnisse; die Arbeiter müssen aber auch bessere Woh- nungen bezahlen können. Hierfür hängt viel von der inneren Kalo- nisation ab. Tie Zweifel an der Notwendigkeit des Impfzwanges sind durch den Krieg ebenso zum Schweigen gebracht, wie er die glänzendste Rechtfertigung unserer Seuchengesetze und unserer Sozial- Versicherung gegeben hat. In der Zukunft werden die Aerzte und ihre Helfer viel mehr mitsprechen müssen im Interesse der Erhaltung und Stärke der Volkskraft. sLebhafter Beifall links.) Freitag 1l Uhr: Weiterberatung. Schluß: fto Uhr._ Die haushaltskommMon des preußischen Abgeordnetenhauses erledigte Mittwoch den Etat der Handels- und Gewerbeverwaltung. Den Hauptgcgenstand der Beratung bildeten die für die einzelnen Provinzen zu errichtenden Kriegshilfskassen für Ge- wcrbetreibende und Handwerker. Die Kriegshilfskassen fanden bei allen Kommissionsmitgliedern die lebhafteste Unterstützung. In der Rheinprovinz ist bereits eine solche Kasse errichtet. Die Kassen sollen schon während des Krieges gefordert werden und an Handwerker, deren wirtschaftliche Befähigung«ir Fortführung ihres BelriebeS geprüft werde, Unterstützungen in Höhe von 3000 M. gezahlt werden. Die Gelder dürfen nicht zu härteren Bedingungen ausgegeben werden, als sie die Provinzen selbst erhalten. ES sollen auch Privatangestellte und Angehörige der freien Beruf- Berücksichtigung finden, wenn deren Einkommen 4000 M. vor dem Kriege nicht über- stiegen har.— Ferner wurde über die Einführung einer deutschen Mode beraten. Es wurden die Schwierigkeiten einer solchen Einführung hervorgehoben; jedoch sollen noch weitere Ver- Handlungen mit der Textilindustrie stattfinden.— lieber den Fort- bildnngs-Schulunterricht erklärte der Minister auf eine sozialdemo- kratische Anfrage, daß der militärische Jugendunter- richtlehrptanmäßig in die Fortbildungsschulen aufgenommen sei. Eine Versäumnis der militärischen Unterrichts- stunden werde als Schulversäiimnis bestraft; so habe das Kammer- gericht bereits entschieden. Diese Einrichtimg soll nur während der Kriegszeil bestehen. Ueber ihre weitere Foilführung während der Friedenszeit sollen neue Beschlüsse gefaßt iverden. Von polnischer Seite wurde über die besonderen Unterstützungen für die Fortbildungsschulen in Westpreußen und Posen Beswwerde geführt. Der polnische Verlreier erklärie, daß er die Einsetzung dieser Unterstützung in den Etat als eine gegen die polnische Be- völkerung gerichkete Maßnahme ansehen müsse. Wenn während deS Krieges, Ivo die polnische Bevölkerung ihre volle Schuldigkeit tue, mir solchen Maßnahmen gegen die Polen nicht aufgehört würde, seien fi- gezwungen, trotz des Burgfriedens in aller Oeffentlichkeit die Forlführung der Bedrückungspolitik der Polen zu erörtern.— Den Schluß der Besprechungen bildete die Aufforderung des sozial- demokraiiichen Vertreters an den Minister, das ArbeilSnacbweiSweien zu fördern. Von nationalliberalcr Seile wurde dann noch verlangt, daß der Minister Maßnahmen treffe, damit die jetzigen hohen Löhne der jugendlichen Industriearbeiter an die Eltern oder Vormünder ausgezahlt würden._ politische Ueberflcht. Tie Wahlrechtsfrage vor dem Abgeordnetenhause. Die am Donnerstag fortgesetzte Beratung des Ministeriums des Innern verlief in ihrem ersten Teil durchaus ruhig. Man sprach viel über die zunehmende Verwahrlosung der Jugend, über sittliche und unsittliche Theaterstücke, über Kinos, über die wachsende Belastung der Gemeinden und über manche andere Fragen, die mehr oder weniger mit dem Kriege in Zusammenhang stehen. Auch der Minister beteiligte sich an der Aussprache, er zollte der Tätigkeit der Gemeinden uncin- geschränktes Lob, ohne daraus allerdings die Folgerung zu ziehen, daß ihr Selbstvcrwaltungsrecht erweitert werden muß, verteidigte die Theaterzensur und eine Reihe von polizeilichen Verordnungen, die aus Anlaß des Kriegszustandes getroffen sind, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß dem Reichstag bald ein Gesetz vorgelegt wird, das die Konzessionspflicht der Kinos bringt. Ueber die großen politischen Fragen, vor allem über die Wahlrechtsfrage, schwieg er-sich ebenso aus wie über die so oft verheißene Neuorientierung der inneren Politik. Auf diese Frage» einzugehen, war den Rednern vor- behalten, die ini zweiten Teil der Sitzung zu Worte k«mcn. Nachdem zunächst Abg. Cassel die Notwendigkeit der Gleichberechtigung aller Staatsbürger betont hatte, trat Genosse Paul H o f s ni a n n in einstündiger Rede, in der er unsere gesamte innere Politik Revue passieren ließ, sehr warm für die Beseitigung des Dreiklassenwahlunrechts und die Ein- führung des allgemeinen gleichen direkten und geheimen Wahlrechts für Männer und Frauen in Staat und Gemeinde ein. Die von ihm beigebrachten Argumente waren so wuchtig, daß man eigentlich hätte glauben sollen, auch die Wahlrechts- gegner würden nicht leicht darüber hinweggehen. Aber iveit gefehlt. Die Herren fühlen sich in der Position, die ihnen das Wahlsystem in Preußen bereitet hat, so sicher, daß sie selbst jetzt angesichts der Opfer, die das Volk M Kriege brwgt und angesichts der Verheißungen der Thronrede ganz offen ihrer Woihlrechtsfeindschaft Ausdruck verliehen. Die ungewöhnilich pyvvokatorische Rede des Abg. Freiherrn ll. Zedlitz sowie der demonstrative Beifall, den sie auf der Rechten fand, ivsrden hoffentlich dem Volk die Augen öffnen und es über die Pläne der preußischen „Rechten" unterrichten. Genosse Braun wollte ihm er- widern, aber die Mehrheit nahm schleunigst einen Schluß- a n t r a g an, und so werden denn die Zedlitzschen Be- hauptungen scheinbar' unwidersprochen durchs Land ziehen. Man wandte sich dann zur Beratung des Kgpktels Medizinalwesen, brach aber die Erörterung nach einer guten Z�ede des Abg. Dr. Mugdan(Vp.tz über die sozialen Ursachen des Geburtenrückganges und die Mittel zu seiner Abhilfe ab, um sie am Freitag fortzusetzen. Bvndesratsbeschlüsse. Amtlich. Berlin, 24. Februar.(28. T. B.) In der heutigen Sitzung des Bundesrates gelangten zur Annahme: Der Eni- Wurf einen Verordnung über das Verbot, der Einfuhr entbehrlicher Gegenstände, eine Aenderung der Verordnung über die Regelung der Preise für Gemüse und Obst vom lt. November 1913, der Entwurf einer Bekanntmachung über den Verkehr mit Leimleder, eine Er- gänzung der Verordnung über die Höchstpreise für Erzeugnisse der Kartoffeltrocknerei vom 16. Sepbember 1915, eine Aenderung der Ver- ordnung über die Regelung des Absatzes von Erzeugnissen der Kar- toffeltrocknerei vom 16. September 1915, sowie der Entwurf einer Bekanntmachung über das Zä-rbot einer besonderen Beschleunigung des Verkaufs von Strick-, Web- und Wirkwaren. Leimleder akls Kraftfuttermittcl. Amtlich. Berlin, 24. Februar.(28. T. B.) Der Bundes- rat erteilte heute einer Beiordnung ferne Zustimorung, welche Be- smwmungen über den Verkehr mit Leimleder trifft. Leimleder sind Abfälle, die bei der Bearbeitung der Rohhäute entstechen. Sie wurden bisher hauptsächlich auf Leim und Gelatine verarbeitet, gelegentlich auch bereits als Schweinefutter verwendel. Durch die 2Zerovdnung soll die Hauptmasse des Leimleders künftig für die Herstellung eines Kraftfuttermittels ver- fügbar gemacht Verden. Es wenden dadurch erhebliche Mengen eines hochwertige» EiweitzfutwrS gewonnen wenden, daneben nicht unbeträchtliche Mengen von Fett. Die Verordnung bestimmt, daß Leimleder künstig nur durch den Kriegsausschuß für Ersatzfutter abgefetzt und nach dessen Angaben verarbeitet wenden darf. Zu diesem Zwecke wird zugunsten des Kriegsaussckusses eine An- melde- und lleberlsissungspflicht für die Inhalier von Leimleder festgesetzt. Dabei wevden Anordnungen über die Proisermittelung und Preisfestsetzung getroffen. Die Verarbeitung des Leimleders auf andere Stoffe Äs Leim, Gelatine und Futtermittel wird ganz- lich verboten. Die gewonnenen Futtermittel sollen nach den für die Kraftfutterurittel geltenden Grundsätzen verteilt werden. Die Verordnung tritt am 26. dieses Monats in Kraft. Tas Zentrum gegen direkte Reichssteuern. Im bayerischen Landtag hat daS Zentrum einen kräftigen Vor- stoß gegen direkte Reichssteuern miternommen. ES hat einen Antrag eingebracht, in welchem von der Regierung verlangt wird, daß sie mit allen Mitteln dahin wirken solle, daß bei der bevorstehenden Steuervermehrung jeder weitere Eingriff der Reichsgesetzgebung auf die Gebiete der diretten Besteuerung von Vermögen oder Einkommen unterbleibt. Der Antrag wird damit begründet, daß es andernfalls den Bundesstaaten unmöglich wäre, auch in Zukunft ihre kulturellen Aufgaben zu erfüllen._ Immer wieder Zurückhaltung von Kartoffeln. Der Landrat de» KreiseS W o h l a u in Schlesien, Dr. v. Engel- mann, sieht sich gezwungen, gegen die Landwirte, die trotz aller Er- Mahnungen sich immer noch nicht entschließen können, ihre Kartoffel- Vorräte herauszugeben, folgende Zwangsmaßnahmen anzudrohen: „Der größte Teil der Landwirte unseres Kreises ist den an sie gestellten Anforderungen betr. Abgabe von Speisekartoffeln bereit- willigst nachgekommen. Andere dagegen sind, trotzdem in einzelnen Teilen der Monarchie unserer Provinz die Kartoffelnot recht groß ist, ihrer gesetzlichen oder moralischen Verpflichtung in keiner Weile nach- gekommen. Mir bleibt daher nichts anderes übrig, als sie in Zukunft bei der Verteilung von Futtermitteln so lange zu übergehen, bis sie ihre Schuldigkeit getan haben." Weiter macht der Landrat Dr. v. Engelmann aus die Folgen der Enteignung, mit der er bereits habe beginnen lassen, aufmerksam, wobei für den Zentner nur 2.76 M. gewährt werden, während die Kommissionäre 4,25 M zahlen dürfen. So begrüßenswert die angedrohten Vergeltungsmaßnahmen des LandratS von Wohlau auch find— vorausgesetzt, daß fie auch durch- geführt werden— der allgemeinen Kartoffelnot kann nur die Be- schlagnahme aller Vorräte ein Ende machen. Kartoffelgeschäfte einer Landgenoffenschast. Die Gemeinde Oltendorf-Okrilla bei Dresden hatte bei der Landgenossenschaft Breslau Anspruch auf Lieferung eines größeren Quantums von Speisekartoffeln. Nach mehrmaligem Mahnen kamen statt 1490 Zentner nur lbv Zentner an. Als die Kartoffeln ausgeladen wurden, stellte sich heraus, daß sie selbst a l 3 Schweinefutter zu schlecht waren. Und dabei war der Preis mit 1,59 M. über den Höchstpreis angesetzt. Der Ge. meinderat hat nun in seiner letzten Sitzung beschlossen, diese Kartoffeln vorläufig nicht zu verkaufen, und die Behörden von der Sachlage in Kenntnis zu setzen. Kartoffelnot«nd Fuselbrennerei. Während in Breslau wie in anderen Groß« und Mittelstädten die Anfuhr von Kartoffeln feit Wochen stockt und«in gewisser Not- stand herrscht, brennen die großlandwirtschaftlichcn Schnapsbrennereien vor den Toren der Stadt weiter ihren Fuiel aus der so begehrten Frucht. In einem Privatbriese aus Osseg bei Brieg schreibt eine Frau, die sich vergeblich um Kartoffeln bemühte:„In unserm Dorfe ist eine Spiritusbrennerei, die verbrennt die Kartoffeln von vier Dominien!" Sollte man nicht die Einstellung dieser Betriebe durchsetzen können, solange an Kartoffeln als Nahrungsmittel Mangel ist? Ausfuhrverbot von Kaffee in Norwegen. Die norwegische Regierung hat ein Aussuhrverbot von Kaffee und Muscheln erlassen. DaS Landthing hat die Vorlagen über eine Tonnagesteuer und eine Steuer aus stark vermehrte» Einkommen angenommen, die schon im Odelsthing angenommen waren. Beide Gesetze find darauf vom Staatsrat bestätigt worden. Staötverorönetenversammlung. 5. Sitzung vom Donnerstag, den 24. Februar 1916, Nachmittag 5 Uhr. Vorsteher Michelet eröffnet die Sitzung. Hinsichtlich der Festlegung des Staatszuschusses zur Unterhaltung der„Städtischen höheren Fachschule für Textil- und Bekleidungsindustrie" hat der eingesetzte Ausschuß an dem Vertragsentwurf mit dem Fiskus eine Reihe von Aende- rungen vorgenommen. Der Staatszujchuß soll mit 71999 M. jähr- sich festgelegt werden(im Entwurf heißt eS: bis zu 71. QQO M.) Der BerMersiakter Stadiö. Svnnenfelb(Linke) hebt herbor, daß auch 71 999 M. lange nicht die Hälfte des Kostenaufwandes für die Anstalt decken werden. Immerhin bestehe eine rechtliche Berpflichtmig des Staates, einen Zuschuß zu leisten, überhaupt nicht. Die Be- stünmung, daß dem Staate ein Einspruchsrecht gegen die Etatsaus- stellung zustehen solle, habe der Ausschutz gestrichen. Die Versammlung beschließt ohne Diskussion gemäß den Aus- schußanträgen. In den Ausschuß von 15 Mitgliedern für die Vorlage wegen Vermietung des geplanten Rundgebäudes am Hegelplatz an die Jubiläumssttftung für Erziehung und Unterricht werden auch Bruns, Manasse, Mann, Metzke(Soz.) gewählt. Der Magistrat hat die Einrichtung von zehn neuen Armen- ä m t e r n vorgeschlagen. Es würden dann für den ganzen Stadt- bezirk 14 Armenämter bestehen. Auch in der Organisation sollen zum Zwecke der Ersparung von Beamten Aenderungen erfolgen, über die schon berichtet worden ist. Stadtv. Liebenow(Linke) beantragt namens seiner Fraktion Aus- schußberatung. Es frage sich, ob der jetzige Zeitpunkt der geeignetste für die Durchführung der Organisation sei. Auch komme in Betracht, daß manche ehrenamtliche Funktionäre der Armenverwaltung in ihrem bisherigen Wirkungskreise durch die neue Einrichtung beein- trächtigt würden. Stadtv. Hintzc(Soz.): Wir können diese Bedenken absolut nicht testen. Von den bestehenden vier Armenämtern sind zwei schon 1897 errichtet, lieber die Tätigkeit der vier Aemter herrsche nur eine Meinung: sie haben ganz vorzüglich verstanden, sich das Vertrauen sowohl der Hilfsbedürftigen wie auch der Armenkommissionsvorsteher und der Armenpfleger zu erwerben. Daß Berlin nicht längst in Armenämter aufgeteilt ist, lag daran, daß 1899 Stadtrat Tourbiö vom Stadtrats Münsterberg abgelöst wurde, der mit großen neuen Plänen von Hamburg kani und das Heil nicht in Armenämtern, sondern in Armenkreisen sah. Von durchschlagendem Erfolge war aber nur der Beschwerdeausschuß, der 1899 ins Leben trat und 1992 den Armenkreisen zum Opfer fiel. In diesen aber brauchten die Beschwerden oft bis zu acht Wochen zur Erledigung, und die Gründe für die Schaffung eines iöeschwerdeausschuffes bestehen trotz der Armenkreise noch heute. Letztere haben versagt. Es ist auch keine einheitliche Be- Handlung der Gesuche erreicht worden; in der Höhe der Pflege- gelder und Almosen sowie der Extraunterstützungen bestehen noch heute bedeutende Unterschiode. Da wird die jetzt vorgeschlagene Dezentralisation von großem Stutzen fein. Tas Armenamt ist den ganzen Tag geöffnet, was die rasche Erledigung der einzelnen Slii- gelegenheiten verbürgt. Die Kosten für die sechs neuen Vorsteher mit 48 999 M. spielen keine Rolle. Einen Ausschuß könnten wir uns also ersparen, doch haben wir nichts dagegen, weil eine große Fraktion ihn wünscht. Ten Beschwerdeausfchuß für jedes einzelne Amt hätte man schon jetzt in die 2Sege leiten sollen. Nach dem Kriege wird die Zahl der Hilfsbedürftigen außerordentlich an- schwellen. Hoffentlich komnit der Ausschuß zu einem einuiütigen Votuni für die Armenämter. Nachdem Stadtv. Körte dem Magistraisvorfchlag die Sympathie auch der Freien Fraktion bekundet hat, geht die Vorlage an eiueu Ausschuß von 15 Mitgliedern. Zur Beschlußfassung steht sodann die Borlage wegen Uniwand. lung der Direktion der Gaswerke und wegen Errichtung einer städtischen Behörde als A n ff i ch t s r a t der städtischen Gas- und Elektrizitätswerke Berlin. Oberbürgermeister Mermuth: Tie Vorlage beniht genau auf den noch am 16. Dezember v. I. von der ganzen Versammlung als maßgebend bezeichneten Grundsätzen. Wenn der Magistrat sich beeilt hat, diese Anschauung in die Tat umzuseyen, so trägt er damit dem Zwang der Lage voll Rechnung, jede mögliche Berbesse- rung und Erleichterung der Gasvcrwaltung muß ungesäumt eintreten. � Von der Erhöhung der Kohlenpreise werden die Gaswerke am ehesten und am meisten betroffen; ihre Finan�verhältniffe wer- den dadurch stark in Mitleideiischafl gezogen, die vermehrte Ver- antwortuiig für die Kohlenankäufe erheischt unbedingt Einrich- tungen, ivelche soviel wie möglich schlagfertig und den modernen Verbältnissen angepaßt sind. Der Magistrat bat der Sache jede Beschleunigung angcdeihen lassen und bittet Sie. das gleiche zu wn. �(Beifall.) Stadtv. Jacobi(Linke) begrüßt die Vorlage und dankt dem Magistrat für ihre Beschleunigung. Die bisherige demokratische Art� der Verwaltung müsse auch in den Gaswerken dem mehr kaufmännischen Geiste weichen; einheitliche Leitung und ent- sprecbende Regelung der Kompetenzen sei notwendig. Eine Reibe von Einzelheiten und auch die Erörterung der Frage der Dirck- torengehälter mache Ausschußberatung nötig. Stadtv. Flohr(Fr. Fr.) ist ebenfalls für die Vorlage und hat nichts� gegen Ausschußberalnng. Stadtv. Hcimann(Soz.): Die Einrichtung einer einheitlichen Spitze für beide städtischen Betriebe und die Umtvandlung der Goswerksverwaltung ist ein alter Wunsch meiner Freunde. Die jetzt für letztere vorgeschlagene Organisation deckt sich genau nrit der allem Anschein nach schon recht gut bewährten der Elektrizitäts- werke. Wir hätten also die Vorlage auch ohne Ausschuß äuge- nommen, wevden uns diesem Wunsche bei der großen Wichtigkeit der Sache nicht widersetzen, hoffen aber mit dem Oberbürgermeister, daß der Ausschutz recht schnell arbeiten möge. Die Vorlage wird darauf einem Ausschuß von 15 Mitgliedern überwiesen. Für eine Reihe von 16 Baulichkeiten, die auf den städtischen Gütern im Etatsjahre 1916 errichtet werden sollen, wevden im ganzen 137 999 M. gefordert. Stadtv. Sonnenfcld bemängelt die mangelhafte Begründung einzelner Positionen und beantragt Ausschußberatung. Stadtv. Tovc tritt ihm namens der Minderheit der Linken entgegen und für sofortige Annahme ein. Stadtv. Mann(Soz.) hält auch einen Ausschutz für überflüssig. Die Deputation habe in diesem Jahre ganz besonders gewissenhaft geprüft, äußerste Sparsamkeit walten lassen und nur da? unum- gänglich Erforderliche eingestellt. Die geforderte Summe fei eigentlich viel zu gering. Stadtrat Francke gibt noch einige Erläuterungen. Nach weiterer Debatte wird schließlich der Antrag Sonnen- gegen eine geringe Minderheit abgelehnt und der Antrag be- willigt. Schluß gegen 7 Uhr. Ms Groß-öerlin. Erhöhung üer Schweinefleischpmfe! Neue �leischkarte«! Die„Höchstpreise" scheinen ihren Namen daher zu haben, daß sie nie die höchsten sind, sondern immer wieder neuen und noch höheren Platz machen, ohne daß durch dieses Ent- gegenkommen der Behörden größere Mengen der teurer ge- wordenen Produkte hervorgezaubert werden. So hat die neue Bundesratsverordnung vom 14. Februar 1916 über die Regelung der Preise für Schlachtschweine und für Schweinefleisch auch eine neue Festsetzung der Klein- Handelshöchstpreise für Schweinefleisch erforderlich gemacht. Für Berlin hat der Magistrat jetzt mit Zustimmung des Oberpräsidenten solche Kleinhandelspreise festgesetzt. Mit Rück- ficht darauf, daß die Preise für Schlachtschweine jetzt ab Stall bezahlt werden, mußte eine Erhöhung der Klein- Handelspreise eintreten. Die Bestimmungen der neuen Bundes- ratsverordnung haben es aber ermöglicht, diesmal für die verschiedenen Arten des Schweinefleisches verschiedene Preise festzusetzen, so daß für Backe, Bauch, Blatt, Schuft und Quer» rippe vom Rippespeer mit einer Erhöhung auf 1,50 M. und für Schinken mit Hinterbein auf 1,60 M. für das Pfund aus- gekommen werden konnte. Für Rippespeer und Kamm sind 1,80 M., für Rückenfett und Liesen 1,90 M., für Schnitzel und Filet 3,40 M. als Höchstpreis für ein Pfund festgesetzt. Für Dickbein vom Vorderbein darf höchstens 1,20 M., für Kopf ohne Backe 0,80 M., für Spitzbein 0,30 M. für das Pfund gefordert werden. Neu und von besonderer Bedeutung ist die Bestimmung in der vom Magistrat bekannt gegebenen Verordnung, daß zu Wurst- und Dauerwaren nnr bestimmte Teile des Schweines verarbeitet werden dürfen, nämlich nur die Backen, der halbe Bauch(hinterer Teil), ein Schinken, der Kops und ein Drittel des Riickenfettes. Die übrigen Teile des Schweines müssen bei gewerb- lichen Schlachtungen frisch verkauft werden. Einige wenige Zeitungen konnten die neuen Höchstpreise ihren Lesern schon gestern morgen mitteilen. Wie wir durch Erkundigung erfahren, ist das Nachrichtenamt des Magistrats an der Indiskretion, die zu der Bevorzugung dieser Blätter führte, unbeteiligt. Die neue Verordnung bringt übrigens eine vollständige Umwälzung aller Werte auf dem Schweincfleischmarkte mit sich. Daß man beispielsweise für die wertlose Backe einen nur wenig geringeren Preis zahlen darf als für den Schinken, ist nur deswegen tröstlich für den Käufer, weil er sie über- Haupt nicht bekommen wird. Er darf sie vielmehr ebenso wie das Äopffleisch, zur Wurst verarbeitet, zu einem noch höheren Preis als den Schinken bezahlen. Ob Rückenfett und Liesen nun auftauchen werden, darauf darf man wohl neugierig sein. * Mit der Neuregelung der Preise erfolgt gleichzeitig eine Neuregelung des Verkaufes der städtischen Schweinefleisch- Vorräte. Ende dieser und Anfang nächster Woche werden neue Ausweiskarten für den Einkauf von frischem Schweinefleisch, Schweinefett und Schmalz für die Zeit vom 1. März 1916 ab ausgegeben, und zwar wiederum durch die Brotkommission. Jede Brotkommission wird die Zeit der Ausgabe dieser Karten selbst regeln und durch Anschlag in ihren Geschäfts- räumen bekannt geben. Die Ausweiskarten für Schweine- fleisch, Fett und Schmalz unterscheiden sich von den bisher ausgegebenen dadurch, daß es für den Monat März nur eine Ausweiskarte für den Bezug von Fleisch und Schmalz gibt. Diese neue Karte dient als Ausweis zum Bezüge von L Pfund Fleisch bezw. Fett oder Schmalz im Zeitrauni von 2 Wochen, und zwar enthält sie 4 Abschnitte über je Va Pfund, von denen 3 zum Einkauf von je'/z Pfund Fleisch und einer zum Ankauf von Va Pfund Schmalz oder Rückenfett oder Liesen berechtigen. Die Ausgabe einer zweiten Karte für ein und denselben Haushalt kann dieses Mal nicht erfolgen. Es wird jedoch erwartet, daß auch tatsächlich nur diejenigen Haushaltungen, die durchaus nicht in der Lage sind ander- locit Fleisch zu beziehen, die Aushändigung solcher Ausweis- karten für den Bezug von Fleisch und Schmalz beantragen. Wohlbemittelte Personen werden bei der Verteilung der Karten nicht berücksichtigt. Die Karten sind auf den Zeitraum vom 1. bis 36. März ausgestellt, also für zwei Perioden. Sie tverdcn in zwei Farben— blau und gelb— ausgegeben, und zwar je in etiva gleicher Anzahl. Die blauen Karten sollen beim Ein- kauf am Montag und Mittwoch, die gelben Karten beim Ein- kauf am Donnerstag und Sonnabend zum Ausweis dienen. Diese Maßnahme ist getroffen, um nach Möglichkeit den An- drang zu den Verkaufsstellen zu vermindern. Zu dieseni gleichen Zwecke werden vom 1. März ab, zu dcni diese Regelung in Kraft tritt, die Verkaufsstelleu ganz er- heblich vermehrt und ebenso die Berkaufstage, auch werden die Verkaufszeiten verlängert. Am Montag soll in den Laden- geschäften von 3 bis 8 Uhr, in den Markthallen von 5 bis 8 Uhr verkauft werden, und zwar sowohl Fett und Schmalz, als auch Fleisch. Am Mittwoch und Sonnabend soll in den Ladengeschäften, abgesehen von den Mittagsstunden, in denen üblicherweise in Berlin die Fleischerläden geschlossen sind, den ganzen Tag über verkaust werden und ebenso in den Markt- hallen zu den dort üblichen Verkaufszeiten. Tie Reform der Berliner Armcnverwaltung. Tie Stadtverordneten versa nimlung Ber- lins hatte gestern zu beschließen über den Magistratsantrag, der für die Armenverwaltung eine andere Organisation vor- schlägt. Gegen den Plan, die Einrichtung von Armen- ämtern in dem ganzen Stadtgebiet durchzuführen und jedem Armenamt einen Beschwerdeausschuß beizugeben, wurde von keiner Seite eine ernstliche Einwendung vorgebracht. Der Freisinnige L i e b e n o w hatte nur das Bedenken, daß diese Unigestaltung den in der Armenpflege bisher tätig gewesenen Personen nicht so ganz gefallen würde. Es versteht sich wohl von selber, daß Rücksichten auf die Sache, nicht auf Personen ausschlaggebend fein müssen. Unser Genosse H i n tz e hob anerkennend hervor, daß die wenigen Armenämter, die in Berlin schon bestehen, sich durchaus bewährt haben. Von der Durch- führung dieser Organisationsform in ganz Berlin sei nur Gutes zu erwarten, vor allem auch für die Bedürftigen. Der Magistrat beantragt zunächst nur die grundsätzliche Zustim- mung, die Ausführung des Planes soll noch hinausgeschoben iverden. Hintzc riet, wenigstens die Beschwerdeausschüsse schon jetzt zu schaffen. Beschlossen wurde, die Vorlage einem Aus- s ch u ß zu überweisen._ „Gruhe aus dem Felde". Ein raffinierter Kriegsichwindler hal dieser Tage eine in der Sächsischen Straße in Wilmersdorf wohnende Frau eines in Frank- reich stehenden Unteroifiziers empfindlich geschädigt. Am Dienstag erschien in der Wohnung einer Frau W. ein Unteroffizier mit dem Eisernen lireuz geschmückt, der ihr Grüße ihre« Gatten brachte. Er erzählte, daß der Kamerad gemeinschaftlich mit ihm aus Frankreich gekommen sei und zurzeit in Leipzig weile, um von da aus nach Serbien zu gehen. Er habe den Auftrag, Frau W. zu bitten, noch 100 M. zu geben, da er für den Kameraden einen Pelzmantel mitbringen müsse, den er hier in Berlin kaufen wolle. Durch das sichere Auftreten des Unteroffiziers, der jedenfalls Herrn W. kennen muß, ließ sich die Frau dazu bewegen, einen Scheck über 100 M. auf die Commerz- und DiSconlo-Bank in WilmerS- dorf in der Ublandstraße zu geben. Eine Stunde später klingelte der Unteroffizier, der sich Bergmüller genannt hatte, bei Frau W. an und teilte ihr mit, daß er soeben ein Telegramm aus Leipzig bekommen habe, worin der Vorgesetzte ihres Gatten gestattet habe, daß sie ihn in Leipzig besuchen dürfe. Beide fuhren auch mit dem nächsten Zuge dahin und begaben sich nach dem Cass Felsche am Agustusplatz, wo sich auch der Ehemann einfinden sollte. Nach längerem Warten verließ Bergmüller das Cafö, angeblich um Herrn W. zu suchen. Die Frau aber saß stundenlang im Caföhause, bis ihr der Rat erteilt wurde, sich nach der dortigen Kommandantur zu begeben um Nachfrage nach dem Gatten zu halten. Hier erfuhr sie, daß sie einem Schwindler in die Hände gefallen war, dem sie außer den ab- geschwindelten 100 M. noch 30 M. Reisekosten vergütet hatte. Der Betrüger ist etwa 3S Jahre alt, 1,63 Meter groß, hat dunkles, kurz- geschorenes Haar, rundes, gelbliches Gesicht, ist bartlos und hat gutgepflegte Hände, spricht langsam, aber richtiges Deutsch mit öfter- reichischem Dialekt. Außerdem spricht er fließend französisch und noch sieben lebende Sprachen. AIS besonderes Kennzeichen wird an« gegeben, daß der Schwindler eine auffallend flache mattgoldene Uhr mit blauer Emailleverzierung auf dem Deckel besitzt. Er trägt seid- grauen Unisormmantel ohne Seitengewehr und Koppel, weiche In« fanteriemütze, rotbraune wildlederne Handschuhe und ist mit dem Eisernen Kreuz geschmückt. Einsam gestorben. Auf der Treppe zur Brotkommission vom Tode überrascht wurde gestern nachmittag die 77 Jahre alte Almosenempfängerin Witwe Anna Rüffer, geborene Stürmer, aus der Proskauer Str. 24. Die Greisin hatte die Brotkommission aufgesucht, die ihre Räume im Schulhause in der Zellestraße 12 hat. Nachdem sie dort ihre Be- sorgungen erledigt hatte, wurde ihr auf der Treppe so unwohl, daß sie sich hinsetzen mußte. Als eine Frau sie bald daraus hier aus« rand, war sie schon tot. Ein Arzt, der gleich gerufen wurde, konnte ihr nicht mehr helfen. Die Todesursache konnte er nicht feststellen. Vermutlich ist es Altersschwäche oder ein Herzschlag. Durch das Winseln eines HundeS wurde gestern in dem Hause Buibholzer Straße 8 ein Todesfall entdeckt. Im dritten Stock des Seilenflügels wohnte seit längerer Zeit für sich allein eine 60 Jahre alle Witwe Anna Frick, aeborene Albrecht, die sich durch Näharbeilen ernährte. Zu ihrem Schutze hielt sie sich einen Hund. Dieser winselte gestern sortwährend so kläglich, daß man auf die Wohnung aufmerksam wurde. Jetzt erinnerte man sich auch, daß man die Frau seit Sonntag schon niibt mehr gesehen halte. Die Verwalterin holte die Polizei und ließ öffnen. Da fand man die alte Frau vor ihrem Bette tot auf einem Stuhle sitzen. Der treue Hund saß winselnd zu ihren Füßen. Die Verstorbene litt, wie festgestellt werden konnte, schon lange am Herzen und ist wahrscheinlich einem Herzschlage erlegen.___ Dreihundert weibliche Postillione. Anfang Dezember v. I. wurden, wie bereits mitgeteilt, drei Dutzend weibliche Postillione versuchsweise in den Dienst eingestellt. Diese weiblichen Postillione haben sich so gut bewährt, daß immer mehr Frauen angestellt wurden. Heute ist ihre Zahl bereits auf rund 300 angewachsen._ Zum Besten ihrer Kindcrwandcrungen veranstaltet die Ortsgruppe Berlin des Touristenvereins.Die Naturfreunde" am Sonnabend, den 26. Februar, abends 8 Uhr, im großen Saal des Gewerkschafls- Hauses einen„Schubert-Abend", wozu Freunde und Gönner der Jugend eingeladen sind. Ei» tödlicher Unfall ereignete sich in Spandau. Auf dem dortigen Gülerbahnhof waren mehrere Arbeiter mit dem Abladen eiserner Röhren beschäftigt, die zu Kanalisationszwecken benutzt werden sollen. Als ein etwa 2V Zentner wiegendes Rohr vom Waqen gerollt wurde, kam plötzlich ein 18jähriger Arbeiter zu Fall, geriet unter das Rohr und wurde von der schweren Last buchstäblich zerquetscht, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt. den Gemeinden. Sozialdemokratischer Stadtrat in Charlottenburg. Die Stadtverordnetenversammlung wählte am Mittwoch ein- miitig den Genossen Wilhelm Ahrens zum Stadtrat. Mit Ahrcnö, der seit 1 Jahren der Versammlung angehört»nd als lang- jähriger Vorsitzender der Allgemeinen Ortskrankenkasse über ein großes Maß von Verwaltungspraxis versügt, zieht der erste Sozial- demokrat in den Magistrat ein. Als Stadlverordneter hat Ahrcns der Deputation für die Wohnungspfleae und der Deputation für die Verwalrung der Krankenhäuser angehört. Die Tagesordnung wurde in ungewöhnlich kurzer Zeit erledigt. Nach Einsührung des ncugewähllen Stadlrals Dr. Fischer bewilligte die Versammlung die vom Magistrat geforderten 852 800 M. zur Beschaffung der im Rechnungsjahre ISlö für die Gaserzeugung er- forderlichen Kohlen aus lautenden Mitteln der Gaswerke nach. Diese Etaisiiberschreilung ist hervorgerufen durch die infolge des Krieges eingetretene Verteuerung der Koblenpreiie. Einige andere Vorlagen, die des allgemeinen Fnleresses entbehren, wurden gleichfalls dcbattelos bewilligt. Die Vorlage be- treffend ärzllickc Behandlung der Angehörigen von Kriegsteilnehmern wurde einem Ausschuß zur Vorberalung überwiesen. Seit dem 1. Sepiember 1813 werden in Charlotienburg die erkranklen Angehörigen von Kriegsteilnehmern anstatt durch die Stadtärzte durch vertraglich verpflichtete Aerzte behandelt. Das Abkommen mit den Aerzien gilt vor« läufig bis 28. Februar, es hat sich bewährt und der Magistrat be- antragt deshalb seine Verlängerung. Die Kosten für die Behandlung der Angebörigen von Kriegsteilnehmern, die ursprünglich ans 23 000 M. für daS erste Vierteljahr geschätzt waren, sind um 7000 M. überschritten worden, einerseils weil die Zahl der beteiligten Familien gestiegen ist, andererseits, weil epidemische Kinderkrankheiten sehr häufig waren. Selbst wenn die Erlrankungen abnehmen, wird doch nach Ansicht des Magistrats mit einer Ausgabe von monatlich 10 000 M. zu rechnen sein._ Lcbensmittelfürs orge in Neukölln. Die Lebensmittelkommission erklärte sich damit einverstanden. daß in Zukunft das städtische Holz auch an Privalpersonen zum Preise von 12 M. je Raummeler verkauft wird und genehmigt ferner, daß die Abgabe von Kartoffeln auch an die Konsum- genossenichaft Berlin und Umgegend für ihre hiesigen Geschäfie unter den üblichen Bedingungen für einen Preis von 3,43 M. je Zentner erfolgt. Die Kommission beschließt ferner, die für den bevorstehenoen �Verkauf der der Stadt von der Zentral- Einkaufsgesellschaft überwiesenen Mengen von Reis und Hülsensrüchien zu treffenden Bestimmungen diesmal in die Form einer Anordnung auf Grund des ß 12 der Bundesratsverordnung über die Beriorgungsregelung vom 4. November zu fassen und Zuwiderhandlungen gegen dieselbe unter Sirafe zu stellen. Mit Rücksicht aus die wiederholten Anträge, Kranken be- sondere Reismengen zu überweisen, erilärt sich die Kommission da- mit einverstanden, daß von jetzt an Reis in lleinen Mengen jeder- zeil an Kranke verkauft werden kann, sobald ein enliprechender Antrag im Ratbause, Zimmer 140. unier Vorlage des Kranken- bezw. Medizinscheins gestellt wird. Die Prcisprüfungsstelle nimmt Kenntnis von den von der Preisprüfungsstelle Groß-Berlin fest- gesetzten Richtpreisen jür ausländisches Schweinefett. Schwimmfest in Neukölln. Im Stadibad Neukölln findet am Sonntarz, den 27. Februar, nachmittags 3 Uhr, ein von der Deputation für das Turn- und Badewesen Veranstalteies Schwimmfest, verbunden mit Wettkämpfen, Tauch- und Springkiinsten statt. Sämtliche Schwimmvorfübrungen werden von Damcnadteilungen verschiedener Neuköllner Sportvereine ausgeführt. Eintrittskarten zu dieser Veianstaltung sind schon jetzt an der Kasse des Stadlbadcs und am Sonntag von 2t/s Uhr ab zum Preise von 10 Pf. erhältlich. Die Besteuerung auswärtiger Grostbetriebe in Steglitz. Vor dem Potsdamer Bezirksausschuß wurde über die Vcran- lagung der Westlichen Berliner Vorortbahn-Aktiengesellschaft zur Gemeindegewerbesteuer für das Jahr 1013 verhandelt und in der Hauptsache wurde die Frage erörtert, ob eS unzulässig sei, eine be- stimmte Steuerart einzuführen, um lediglich einige Großbetriebe, die ihren Geschäflssitz in Berlin haben, durch sie zu'Steuerlasteli heran- zuziehen. Bereits früher war die Westliche Berliner Borortbahn zur Gemeindegewerbesteuer veranlagt worden, erzielte aber aus ihre Klage Freistellung von der Steuer, weil die damalige Fasiung der Gemeindesteuerordnung in Steglitz für unzulässig er- klärt wurde. Daraufhin wurde der§ 3, der die Veranlagung von Zweigbetrieben regelt, durch einen Nachlaß ergänzt und nach der neuen Fassung erfolgte die Veranlagung der Klägerin zu 1133,83 M. Schon der Kreisausschuß halte die Klage zurück- gewiesen, in der die Klägerin eine Ermäßigung ans 1040,40 M. beantragte. Der Vertreter der Klägerin behauptete, der Stcuernach- trag sei nur beschlossen worden, um die Telrowcr Kreisbahnen, die Charlottenburger Wasserwerke, die Berliner Elektrizitätswerke und die Klägerin selbst zu treffen und eine Steuer, die nur für einen bestimmten Kreis zurechtgemacht sei, sei ungesetzlich und die Steuer- ordnung daber ungültig. Der Bezirksausschuß erklärte unter Zurück- Weisung der Berufung die Steuerordnung für gültig, weil sie nach den objektiven Merkmalen aufgestellt sei und es nicht darauf an- komme, ob sie auf einen großen oder kleinen Kreis von Steuer- trägeru Anwendung finde. Gerichtszeitung. Fingierte Militäraufträgr. In recht verschlttgener Weise hat der Kauf in a n n Oskar B l ö n tz, der gestern unter der Anklage der s ch w c- ren Urkundenfälschung und des Betruges vordem Schwurgericht des Landgerichts I unter Vorsitz des Land- gerichtsrats Nickel stand, seine Straftaten verübt. Der Angeklagte war von dem Inhaber eines Pclzkonfektionsge- schäfts Hcrm. Ehlers als Reisender angestellt worden und hatte den Auftrag, mit den Bekleidungsämtern zwecks Erlangung von Auf- trägen zu Heereslieferungen in Pelzwaren, insbesondere in Pelz- joppen in Verhandlung zu treten. Er hat mehrere Reisen nach den verschiedenen Bekleidungsämtern unternommen und seine Tätigkeit hatte anscheinend großen Erfolg, während er in Wahrheit keinen Auftrag erhalten hat. Er schrieb von auswärts an seinen Chef, daß er unterwegs einen Reisenden kennengelernt habe, der sich bereit erklärt habe, an der Hand sehr guter Beziehungen die liebertra- gung von Aufträgen der Bckleidungsämter mit Erfolg vermitteln zu können, dafür aber für jeden Auftrag für sich eine entsprechende Provision beanspruchte. Nach Erledigung dieses Punktes häuften sich die angeblichen Aufträge, die zunächst telegraphisch oder tele- phänisch Herrn E. übermittelt wurdcri, nachdem diesem sein Er- suchen, die Gelder für die Provision des Vermittlers und Reisegelder und Spesen für den Angeklagten einzusenden, erfüllt worden war. Nun ging es mit den„Aufträgen" Schlag auf Schlag. Das Bekleidungsamt Coblenz bestellte angeblich 1300 Pelzjoppen, Düffel- dorf 3000 Pelzjoppen und 1000 Paar Pelzsockcn, Cassel 3000 Pelz- joppen und 10 000 Pelzsocken, Hannover 10 000 Pelzjoppen und 13 000 Pelzsocken. Ter so eminente erfolgreiche Reisende brachte Herrrn E. auch die schriftlichen Bestellscheine der einzelnen Aemtcr von seinen Reisen mit nach Hause. Er hatte diese � alle selbst angefertigt und ihrem Inhalt nach so ausgestattet, daß die Per- mutung einer Fälschung nicht aufkam. Herr E. pflegte seiuen Aus- traggegbern die üblichen B c st ä t i g u n s s ch r e i b c n eingeschric- ben zugehen zu lassen. Wären diese Schreiben in die.Hände der Bekleidungsämter gelangt, so wäre der Angeklagte sofort entlarvt worden. Er ersann aber Mittel und Wege, dies zu verhindern. Die ersten vier Bestätigungsschreiben wurden von ihm selbst ge- schrieben und in Berlin zur Post gebracht. Kurz vor der Absenkung aber nahm er die Briefe aus den Umschlägen heraus, versandte nur die leeren Umschläge an, die Aemter und brachte seinem Chef die von der Post ausgestellten Aufgabescheine zurück. Die vier herausgenommenen Bestätigungsschreiben hat er vernichtet. Bei zwei anderen Bestätigungsschreiben, die wirklich abgesandt.. wurden, wußte er einen anderen Ausweg: er schickte unter dein Namen seines Chefs ein Telegramm an die Beklciduiigsämter mit der Mitteilung, daß das ihnen zugeschickte Bestätigungsschreiben auf einem Irrtum beruhe und nach Breslau in ein bezeichnetes Hotel zurückgesandt werden möge, wo sich angeblich Hcrrr E. zu einer bestimmt bezeichneten Zeit aushalten werde. Ter Angeklagte ist dann auch zu dieser Zeit in Breslau gewesen und hat unter dem Namen seines Chefs die zurückkommenden Briefe in Empfang genommen Die gange Sache kam infolg« einer Anzeige eines der Aemter ins Rollen und zur Entdeckung. Der durch den Angeklagten sinem Chef zugefügte Schaden beziffert sich aus 8400 Mark.— Die Geschworenen nahmen schwere Urkundenfälschung an und verneinten bezüglich dieser mildernde Umstände. Der Angeklagte wurde zu fünf Jahren Zuchthaus, 800 Mark Geldstrafe eventuell noch 40 Tagen Zuchthaus und 6 Jahren Ehrverlust verurteilt. Fünf Monate wurden als verbüßt an- gerechnet._ Ms aller Welt. Tie Unersättlichen. Die neue Getreidebestandauiiiahme für das F ü r st e n t u m Lippe hat ergeben, daß im November vorigen Jahres 200 000 Zentner Getreide zu wenig angegeben worden waren. Das macht fast 23 Proz. der Brotgetreideernte dieses Bezirks aus. Der ostpreußischen Zeitung„Der Gesellige" wird ans Samt er lProvinz Posen) berichtet: Aus eine Anzeige eines hiesigen Fleischer- lehrlings veranstaltete der Kommunalverband Samter bei den hie- stgen\ Fleischern eine Haussuchung nach zurückgehaltenem aer iru(Herten Speck. Das Ergebnis dieser Haussuchung war überraschend, eS wurden nach oberflächlicher Schätzung einige hundert Zentner geräucherter Speck gefunden und mit Be- schlag belegt. Vor dem Schöffengericht in Greußen hatte sich ein Kammamt aus Großenehrick iSchwarzburg-Sondershausen) unter der Be- schuldigung. Petroleum verkauft zu haben, daS mit Wasser vermischt war. zu verantworten. Der Angeklagte Ivurdc der ihm zur Last gelegren Handlung in sieben Fällen schuidig befunden und zu einer Geldstrafe von 300 M. verurteilt. Neue Lawinenunfälle. Schweizer Blätter melden, daß oberhalb des Dorfes Zuoz drei Touristen, und zwar der Bergführer Perret, ein Berner und ein Deutsch-Amerikaner, von einer La- wine verschüttet und getötet wurden. Beim Dorfe S�a l a n im Wallis fanden zwei junge Leute auf dieselbe Weise den Tod. Im L ö t s ch e n t a l bei Goppenstein gingen ebenfalls ge- waltige Staublawinen nieder. Die Bergungsarbeiten für die bei der Lawinenkatastrophe im Hochkönigsgebiet verunglückten und noch nicht geborgenen Personen mutzte wegen der überaus ungünstigen Witterungsverhält- niffe eingestellt werden. Bis auf zehn Mann, die noch vermißt wenden, sind alle geborgen. Die genaue Zahl der Toten ist noch nicht festgestellt, doch dürfte die bisher angegebene Zahl wesentlich über-. schritten werden. Durch heiße Dämpfe verbrüht. In der Zentrale des Märkischen Elektrizitätswerks in H e g e r m ü h l e brach am Mittwoch ein Dampf- rohr. Durch die ausströmenden heißen DämlKe wurde der Hilfs- Heizer Gustav Schön feld so schwer verbrüht, daß er auf der Stelle st a r b. Der Arbeiter D a ck e r t erlitt schwere Brandwunden und mußte in ein Krankenhaus gebracht werden. Grubenunglück. In einem Bergwerk in Hausham(Ober- bahern) wollten der 18 Jahre alte Anschläger A. Meister und der 17 Jahre alte Huiiteschieber Johann Schön in einem Brems- schacht den abgerissenen Glockenzug wieder berbinden. Während die Leiben im Schachte waren, wurde unerklärlicherweise mit der Förde- rutig begonnen. Die beiden wurden vom Fördergerippeer- faßt und so schwer verletzt, daß Meister bereits g« st o r b e n ist. Trinkwasscrnot in Prag. Infolge eines Bruches der Druckrohr- leitung des Präger Wasserwerkes ist die Prager Trinkwasser- l e i t u n g seit Dienstag mittag unterbrochen. Die Wassernot ist so groß, daß auch industrielle'Betriebe und Per- gnügungslokale gesperrt werden. An der Behebung des Schadens wird Tag und Nacht gearbeitet. Auch Militär nimmt an den Arbeiten teil. Hoher Schneefall im Niesengebirge. Während der letzten Tage hat es im Riesengebirge ununterbrochen stark geschneit. Wie die „Schles. Ztg." meldet, beträgt bei der Kirche Wang die Schneehöhe jetzt etwa SW bis 100 Zentimeter, auf dem Kamme beträgt jetzt die gesamte Schneehöhe etwa 180 Zentimeter. Verlustlisten. Die Verlustliste Nr. 463 der preußischen Armee enthält Verluste folgender Truppen: Äouvernement Libau. Infanterie usw.: Garde: 1., 3. und 4. Garde-Reg. z. F.? 6. und 7. Garde-Jnf.-Reg.: Gavde-Gren.-Regimenter Elisabeth und Augusta; Garde-Res.-Jäger-Bataillon. Grenadier-, Infanterie- oder Fü- silier-Regimenter Nr. 1, 2, 3, 5, 7, 8, 9, 11, 20(f. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 24), 22, 26 bis einschl. 80, 39, 41, 43, 45, 46, 49, 51(s. auch Gouv. Libau), 52, 53, 54, 56(s. auch Res.-Jnf.-Reg. Nr. 56), 57, 59, 61, 63 ss. auch Gren.-Reg. Nr. 11 und Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 51), 66 bis einschl. 71, 73, 99, 109, 110, III, 113, 115, 116, 141 bis einschl. 149, 152, 153, 156, 157, 160, 162, 163, 165, 166, 168 bis einschl. 174, 176, 184, 187, 188, 189, 193. Res.-Jns.-Regimenter Nr. 1. 5, 18, 22 bis einschl. 23, 27 bis einschl. 30, 35, 38, 48, 51, 55, 56, 60, 61, 64, 66 bis einschl. 69, 71, 99, 109, 110, III, 116, 203, 206 bis einschl. 210, 216, 221, 223, 226, 227, 228, 231, 232, 235, 239, 249, 250, 232, 255 bis einschl. 258, 263, 264, 265. Ers.-Jnf.-Regimenter Nr. 28 und 29. Rch.-Ers.-Jnf.-Reg. Nr. 1. Landw.-Jnf.-Regimenter Nr. 2, 22, 23. 24, 26, 27, 29. 30, 35, 37, 39, 51, 55, 57, 60, 61, 66, 87 (s. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 30), 99, 109, 116. Landw.-Ers.-Jnf.-Reg. Nr. 2. L and st.-Jnf.-Regimenter Nr. 7, 23, 109. Brigade-Ers.- Bataillone Nr. 55, 58, 82, 84(letztere drei s. Ers.-Jns.-Reg. Nr. 29). Landw.-Brigade-Ers.-Bataillon Nr. 38. Landst.-Jnf.-Bataillone: 1. Allenstein, 2. Bcuthen in O.-Schl., 1. Cöln, 2. Cottbus, 3. Frei- bürg i. Baden(f. Landst.-Jnf.-Reg. Nr. 109), 2. Hagenau, Jülich, 1. Metz, Pforzheim, 2. Rawitsch. Qandst.-Jnf.-Ers.-Bataillone: 2. Königsberg i. Pr., 8. des 7. Armeekorps(Münster), 5. Saar- brücken, 9. des 4. Armeekorps(Wittenberg). 2. Landst.-Jnf.-AuS- bildungs-Bataillon des 4. Armeekorps(Altengrabow). Jäger-Reg. Str. 3. Bataillon Nr. 8; Res.-Bataillone Nr. 3, 6, 7, 14, 17, 20, 22. 2. und 3. Schneeschuh-Bataillon(s. Jäger-Reg. Nr. 3s. Feld- Maschinengewehrzug Nr. 78(f. Jnf.-Reg. Nr. 56). Festungs- Maschinengewehr-Trupp Nr. 41(s. Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 30). Unter- offizierschule in Jülich(f. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 25). Feldartillerie: Reg. Nr. 36(f. Feldfliegertruppe). Fußartillerie: Regimenter Nr. 1 und 15. Batterien Nr. 317, 367, 585. Pionier«: Garde-Bataillon(s. Pionier-Reg. Nr. 31), I. und III. Garde-Bataillon. Regimenter Nr. 18, 19, 23, 29, 31. Bataillon«: I. Nr. 1, II. Nr. 2, I. Nr. 3, I. Nr. 4. I. Nr. 7, I. und II. Nr. 9, I. und II. Nr. 11, I. Nr. 14, I. Nr. 15, I. Nr. 17; Ers.-Bataillon« der Pionier-Bataillone Nr. 5, 17(s. auch Scheinwerfer-Erf.-Batl.). Pionier-Kompagnien Nr. 185, 246, 308; Res.-Komp. Nr. 85; 2. Landw.-Komp. des 10. Armeekorps; 2. Landst.-Komp. des 14. Armeekorps. Scheinwerfer-Ersatz-Bataillon. Mnenwerfer-Kom- pagnien Nr. 7, 20, 52, 212, 246, 308. Verkehrstruppen: Eisenbahn-Reg. Nr. 3. Feldfliegertruppe. Train: Feldbäckereikolonne Nr. 2 des 8. Armeekorps. Sanitäts-Formationen: Sanitäts-Kompagnien Nr. 1 des 2. und Nr. 2 des 10. Armeekorps; Landw.-Sanitäts-Komp. Nr. 28. Armierungs-Bataillone Nr. 9, 12, 72, 91, 101, 104, 105. Abteilung für Wasserversorgung des 8. Armeekorps. Kriegsbekleidungsamt des 10. Armeekorps. Feldpost. «» » Die Liste Nr. 7 der aus Frankreich zurückgekehrten preußischen Austauschgefangenen wird veröffentlicht. Arbeiter-Radfahrcr-Bund„Solidarität«, Mitgliedschast Berlin und Umgegenv. Heute Freitag, abends 8h, Ubr. Pflichttour sämtlicher Fahrwarte zu Stein, An der stralauer Brücke 3.— Sonntag, den 27. Februar, sämtliche Abteilungen nach Charlottenburg zur ständigen Aus- stellung für Arbeiterwohlsahrt(Arbeitshilsen sür Kriegsbeschädigte), Fraun- Hosersttatze. Start 12 Uhr an den bekannten Stellen. Bei schlechtem Wetter per Bahn bis Am Knie. Treffpunkt 12'/, Uhr vor der Ausstellung. Abends im Volkshause in der Rofinenstratze. Jugenüveranftaltungen. Cbarlottenburg. Heute Burschenabend im Jugendheim, Rosinen- sttatze 4, Beginn 8h, Uhr._ Eingegangene Vruckschristen. Von der„Neuen Zeit« ist soeben das 22. Heft vom 1. Band des 34. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt deS Heltes beben wir hervor: Franz Mehring. Zu seinem siebzigsten Geburtstag. Von Ed. Bernstein. — Der rote Faden der preutzischen Geschichte. Von F. Mehring.(Fort- setznng.)— Theorie und Praxis. Von Gustav Eckstein.(Fortsetzung.)— Vom Wirtschastsmarkt. Englands Handclsentwicklung seit Kriegsbeginn. Von Heinrich Cunow.— Literarische Rundschau: Karl Jrresberger, In- genicur, Das deutsch-österreichisch-ungarische Wirtschafts- und Zollbllndnis. V on A. Hofrichler. Leonhard Frank, Die Ursache. Von Nadja Sttasser. — Notizen: Julie Nomm f. Die Kriegslasten und ihre Deckung. Von'S. Gothein. 24 S. Liebbeit u. Thiesen, Berlin, Niederwallstr. 15. Die Prestkartoffel. Von C. A. Koehlmann. 22 3. Selbstverlag des Verfassers in Ösmarslebcn bei Güsten. Unser Kaiser»nd der Krieg. Von P. Völker. Brosch. 80 Ps. R. Herroses Verlag. Wittenberg. öriefkasten üer Neüaktion« Die luristisae Svrechstunde findet für Abonnenten Lindenstr. 3, IV. Hof rechts, parterre, am Montag bis Freitag von 4 bis 7 Uar, am Sonnabend von 5 bis 6 Uhr statt Jeder für den B r t e s I a sl e n bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkseichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine Abonncmentsauittung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Svrechstunde vor. Verträge, Echriftsinckc und dergleichen bringe mar in die Sprechstunde mit. Helsingborg 37, Adresse lautet: Landratsamt des Kreises Osttowo (Provinz Posen).— M. 05. 58. Die Besuchszeit hört zwar mit der Schulentlassung nicht aus. aber wenn das Kind auf« Land in Stellung geht, wird sich das von selbst verbieten.— M. T. 40. Die Gemeinde- 'teuer mutz bezahlt werden.— TVinkelmann 8. Wir würden Ihnen empfehlen, ein solches Gesuch einzureichen, und zwar an den Regiments- kommandeur.- Sternklar 36. Der Erteilung der Konzession wird jetzt nichts mehr�m Wege stehen. Wenn Sie nicht Freifahrt gehabt haben, so oerlangen Sie das Reisegeld von der Firma.— R. P. 7. 1. Das müssen Sie durch einen notariellen Vertrag festlegen. 2. Nein.— W. K. 1. Eine solche Verbindung ist nicht empfehlenswert, aber erlaubt. — Gerda 1313. 1. Dieses Testament ist rechtsungültig, weil es der gesetzlich vorgeschriebenen Form ermangelt; nicht deshalb, weil es nicht vom Notar abgeschlossen ist. 2. Die Mutler hat kein Erbrecht an den WirtschastSgegenständen, nur am baren Gelde.— E. B. 7. Da der Wirt zur Ablieserung der Türen verpflichtet ist. lätzt sich dagegen nichts unter- nehmen. Der Wirt ist aber zur Beschaffung von Ersatztüren verpflichtet. — M. 10. a) Etwa 70 Mark, b) und c) Nein, d) Das Vermögen hat aus die Rente keinen Einflutz. s) Wenden Sie sich wegen Verweigerung der Unterstützung mit einer Beschwerde an den Regierungspräsidenten. — H. 20» Der Unternehmer ist zur Gebaltszahlung ttotzdem verpflichtet. — F. Tch. 1896. Der Antrag aus Löhnung sür den Gefangenen ist nicht beim Polizeirevier einzureichen, sondern beim Ersatzbataillon des- jenigen Regiments, zu dem der betreffende eingezogen wurde.— E. 1. Ja. Briefkasten üer Expedition. Patienten in Beelitz, Buch und anderen Heilstätten. Diejenigen unserer Abonnenien, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heil- statte bleiben, wollen ihrem bisherigen Spediteur wegen der Uebcrweisung von Freiexemplaren sofort ihre genaue Adresse (Abteilung, Pavillon usw.) einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen Monats von der Post nicht geliefert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. Todes-Anzeigen kistöeiMlmtiÄrMvei'eto I.d.6. Berl. Reichslagswatilkreis. 14. Abt., Bez. 6893. Am Dienstag, den 22. Februar, verstarb unser Genosse, der Schmied kerllmAvl! Voita Roftocker Str. 6. Ehre seinem Andenke«! Die Einäscherung findet am Montag, den 23. Februar, nach- mittags 4 Uhr, im Krematorium, Eerichtstr. 37/33, statt. Um rege Beteiligung ersucht 225/2 Hei? Vorstsnd. IBr Fraer- YeFeln öer Freidenker eu Berlin. Am 22. d. M. verstarb nach kurzer Krankheit unser Mtglied, Herr (lustsv Kirchner Heidestt. 55/57, geb. 25. Juni 1863. Ehre seinem Andenken k Die Einäscherung findet Sonn- abend, den 26. d. M., mittags 12 Uhr, im Krematorium in der Gerichtstratze statt. Um zahlreiche Beteiligimg ersucht Her Verstand. Ferner ist aus dem Schlachtselde gefallen unser Mitglied, Herr IWax Schwarz Möbelpolierer Nenlölln, Wiffmannstr. 10. Ehre seinem Andenken! Znmldernnkratizelier Wahlverein Kreis Kiederbarnini. Bezirk],lclitenbcrg. Am Mittwoch, den 23. Februar, mittags l'/i Uhr, starb unsere liebe Genossin klsrgsretö Miclilenz an Lungenleiden. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 26. Februar, nach- mittags 2�/, Uhr, von der Leichen- balle des Zentral-Friedhoses in Friedrichssclde ans statt. Rege Beteiligung erwartet 12/7 Die Bezirksleitung. Dentseher Transportarbeiter-Ferliand. Bezirksverwaltung GroB-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Autosührer �uxust Nörenberg von der Firma Automobil-Be- ttiebSgesellschast, Fennftr. 31, am IS. Februar imAlter von 61 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Einäscherung findet am Sonnabend, den 26. Februar. nachmittags 4 Uhr, im Krema- torium Gerichtstratze statt. Um rege Beteiligung wird ersucht 62/5 Die Bezirksverwaltung. Am Dienstag, 22. Februar, entichlics sanst nach langem, schwerem Leiden mein innig- geliebter Mann, der Tischler Julius Oslermann im 63. Lebensjahre. A In tiefem Schmerz Marie Ostermann, gcb. Finder, Berlin, Warschauer Str. 6. _ Die Abschiedsseier findet am Sonntag, 27. Februar, nachmittags 3V, Uhr, im Krematorium Tcep- low- Baumschulenweg, Kiesholz- sttatze, statt. Kranzspenden dankend verbeten. Verband der Gemeinde- n. Staats- Filiale Groß-Berlin. Den Mitgliedern geben wir hiermit Nachricht vom Tode des Kollegen �nxnst Kloock (zurzett heerespflschttg) vom Gaswerk Lichtenberg. Ehre seinem Andenke«! Beerdigung am Freitag, den 23. Februar, nachmittags 3 Uhr, ans dem Garnison-Kirchhos in der Hasenheide. Um reg« Beteiligung bei der Be- stattung der Kollegen ersucht 32/1D Die Ortsverwaltung Sozialdemokratischer Wahlverein Kreis Kiederbarnira. Bcrirk Boinlckendorf- o»t. Nach kurzem, schwerem Leiden verstarb im Lazarett unser Genosse, der Vergolder Paul �ltliaus. Die Beerdigung findet am Freitag, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle deS Karni- son- Friedhofes in Berlin, Müller. sttatze 32, aus statt. Rege Beteiligung erbittet 243/11 Der Borstand. Süpcm gmis m Me�onderej Männercbor..Lerche-Einigkeit" Berlin. Am 27. September 1914 starb aus dem Felde der Ehre den f'eldentod unser lieber Smiges- rüder Eirnst Schumann. Wir werden ihm ein ehrendes Andenlen bewahren! I. A.: 57/11 Der Vorstand. Gegründet 1876 Versand nach allen Platzen Deutschlands. Wertpapiere und Kriegsanleihe nehme zum vollen Wert anstatt bar in Zahlung. Möbelfabrik Rob. Seelisch BERLIN 0 112, Rigaer Str. 71— 73a Trotz des Krieges liefere Wohnz. 134-196, 203.50, 255.75, 293, 363, 446, 534 Schlafzimmer... 242. 322, 360, 429. 495. 853 Speisezimmer... 323, 447. 715. 748, 935. 1395 Herrenzimmer... 205, 337, 473, 503, 576, 823 Küchen 37,25. 47. 60, 79, 94, 105, 121, 138, 193 Einrichtungen bis 10 000 M. Besichtigung ohne Kanlzwang gestattet. Illustrierter Katalog Nr. 13 gratis und franko I o Haben Tie empfehle nach Matz passend gearbeitete 8iütze!nlagen sowie Brnchbandagen aller Art, Leibbinden, Stützkorsetts usw., Artikel zur Gesundheiis- u. Krankenpflege.* Pollraann, Kandagist, Berlin N, Lothringer Str. 60, Lieferant für Krankenkassen. Spezialatzf f. Geschlechtskrankheiten. Harnleiden, Schwäche, Ehrlich-Hata-Kuren, Blut- und Harn-Untersuchungen Dr. med. Karl Reinhardt. 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Kottbuser Tamm Nr. 100 ge- wohnt hat, ist der alleinige Erbe der in Stolp verstorbenen, ver- witweten Postschaffner Karoliue Stadl geborenen WachSmuth. geworden.* Ich ersuche den Tischler Wachs- muH), mir schleunigst seine Adresse mitzuteilen. Sollte ein Leser dieser Zeitung Kenntnis von dem Aufenthalts- ort des obengenannte» Wachs- muth haben, so bitte ich, ihn mir mitzuteilen. Auslagen werde» erstattet. Stolp i. Pomm., den 18. Februar 1916. Der Nachlatzpfleger Schüler, Rechtsanwall und Notar. — �SÜvjvjvsÜocA/ 15 5-�1 TÄ/wrÄAic. Stets zuverlässig als altbewährtes Hausmittel bei Husten und Heiserkeit sind die feit 70 Lahre« eingeführten ÄUbiBk-l XABU&TieM Sie sollten immer in der Hausapotheke fein, um sie bei Erkältungen in der Familie zur Hand zu haben. Wybert. Tabletten schuhen sicher vor den oft emsten Folgen eines Hustens oder Katarrhs. Schachtel mit 400 Tabletten in allen Apotheken undOrogerien Mk.l.—. 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