Dr. 39.-33. Jahrg. flbonnenteniS'Bedlngnngen: Nborinements- Preis pränumerando: Vierteijährl. S20 fflU. monoll. 1,10 M!., WSchenilich 25 P!g. frei ins Haus, Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntaps- nmmner mit illustrierter Sonntags- Beilage.Tie Neue Well' 10 Pig, Posi- Adonnemcnt: 1,10 Mark pro Monai, Eingetragen in die Post- Zeitunos- Preisliste. Unter Kreuzband stir T eutsälland und Oeslerreich. Ungarn E.öO Mari, für das übrige Ausland « Mark pro Monat. Postäbonnements ncomen iui: Belgien, Däl'.emark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal. Buotätuen, Schweden und die Schv-eij. [ 5 Pfensiig) Die Infeeticns-Gebüttr beträgt für die scchsgespalten« Kolon«!- kelle oder deren Raum 60 Psg., für politische und«ctoerischiiltiichc Vereins- und ZZersammlungS- bliizcigei! L0 Pfg „kUetne Anaiigen", dliS ieitgedrucitc Wort A Psg.(jUläisig 2 ietigtdrutiie Worte!, sedes lvcitcre boort 10 Psg. Etelleitge'tiche und Schiaislellenmi- zeigen das erste Wort tu Psg. jedes weitere Wort S Pig. Worte über!S Buch» fiabcn ziiSlen iür zwciWorte. Fuferaie für die näcltie Nummer müssen dr» S Uhr nachmitlagS in der Expeditio" »pgegeben werorn. Tie Ervediti« ist hü 7 Ulfe abends geöffüet. Slcheisi lZgNch. Vevlinev Volksblott. lresegramm-Adresse: �«lwSWtKrA Ltiill,'. �entralorgan äer fosialclemokra�ifcken Partei veulsfeklancis. Neöaktion: EW. HS, Linöenstraße Z. Fernsprecher: Amt Mortttpla«. Nr. 1Z1 Sv— lol S7. Dienstag, den 29. Februar 1919. Ezcpeöition: EW. HS, Linöenstraße Z. Fernsprecher: Amt Morttipla«, Nr. IM 00—151 97- der hestigen Kämpfe Der kern öer Steuerfrage. Wir haben nicht die Absicht, die Anzapfungen des Ge- nassen C u n o w zu beantworten, der es nicht unterlassen kann, uns der Entstellungen, Verdrehungen und sonstiger Frevel anzuklagen. Wir legen es zu dem übrigen, zumal wir es ihm neidlos einräumen: in Bezug auf Grobheit schlägt er jeden Rekord. Auch tvollen wir uns hier nicht in Detailfragen vertiefen, etwa darüber, wie matt ein übermässiges Steigen der Kohlenpreise verhindern kann, ob bei scharfer Erhöhung der direkten Stenern die Kapitalisten ihren Luxuskonsum oder die Akkumulation einschränken und andere Dinge mehr. Vielleicht bietet sich noch Gelegenheit, auf solche Details zurück- zukommen. Vorläufig scheint es uns wichtig, Klärung in Bc- zug ans die Hauptfragen herbcizufübrcn. Wir vertreten den Standpunkt, daß einstioeilen unser sozialdemokratisches Programm noch besteht und die Partei keinen Anlaß hat, in- der Steuersrage davon abzuweichen. Deshalb halten tvir daran fest: daß wenn neue Staatseinnahmen geschaffen werden müssen, so sind direkte Steuern einzuführen. E u n o w lvarnt: übermäßige direkte Steuern können zur Hemmung der!iapitalsneubildung führen; deshalb begibt er sich auf die Suche nach neuen Einnahmequellen und empfiehlt uns das Eintreten für ein Kohlenhandelsmonopol, trotzdem er nicht bestreiten kann, daß das eine ähnliche Wirkung haben muß, wie eine Kohlcnsteuer, also eine indirekte Steuer auf eines der notwendigsten Produtte. Nun bestreiten wir keinesfalls, daß die übermäßige Er- höhung direkter Steuern in diesem Sinne wirken kann. Wir behaupten jedoch mehr: jede Ucberlastung mit Steuern, wie immer sie beschaffen ist. jede übergroße Entnahme von Werten aus dem Produkt der gesellschaftlichen Arbeit zur Be- streitung unproduktiver Ausgaben, muß auf diese oder jene Weise die kvillschaitliche Enlivickelung hemmen. Es gibt kein iKUtel, die unproduklivcn Ausgaben ins Ungemcssenc zu sleigern. Die Geschichte kennt der Beispiele genug, daß die Vergeudung von Geld und Gut durch Kriege die tvirtschastliche Lebenskraft der Völker vernichtete, oder doch ihre wirtschaftliche Entwickelung für Generationen zurückgeworfen bat. Staatsbankrott, wirtschaftlicher Zusammenbruch und kultureller Niedergang sind die Folgen. Daß der gegenwärtige Krieg, wenn er noch lange dauert, die europäischen Völker mit solchen Folgen bedroht, wird selbst von den Vertretern der bürgerlichen Parteien und der Regierung betont. In dieser Situation wird die Steuerfrage bitterernst. Aber, daß es mit der Beschaffung neuer Steuern nicht getan ist, daß nach diesem Aderlaß, auch wenn das bittere Ende vermieden wird, die Völker sich nicht wirtschaftlich erholen tonnen, wenn nicht tiefgreifende Reformen der sozialen Zustände durchgeführt werden, scheint unzweifelhaft. Träger dieser Reformen kann, wie die sozialen und politischen Zu- stände sind, einzig und allein die Arbeiterklasse sein. Die Steuerfrage muß also in die allgemeinen Refonnen einrangiert werden. Mit dem Aufkleistern eines PflästerchenS hier und eines PflästerchenS dort ist es nicht getan, erst recht nickt mit dem Hinaufschrauben bestehender und der Einführung neuer Steuern. Wenn man uns da den Rat gibt, unsere programmatischen Forderungen auszugeben, nur, damit unsere parlamentarischen Vertreter bei der Steuermacherei der bürgerlichen Parten„praktische Mitarbeit� leisten können, so lehnen wir das ab. E u n o w beruft sich auf Autoritäten und glaubt boshaft zu sein, wenn er meint, wir würden vielleicht Friedrich Engels nicht mehr für kompetent halten, weil auch dieser „nationalistischen Anschauungen verdächtig ist". Er irrt. Der Engels, der das Kommunistische Manifest verfaßte, der stets für die klare proletarische Taktik eintrat, scheint uns ein guter Berater alleweil; den Engels, den sich die Um- lerner zusammcngcmanscht, für die Vierten-August-Potitik um- gemodelt haben, den lehnen wir freilich ab. Eunow zitiert nun Engels, als ob dieser geringschätzig über die Steuer- fordcrnng im sozialdemokratischen Programm gedacht, als ob er diese Forderung als veraltet über Bord geworfen habe. Das ist falsch. Zitieren wir nach guter alter Sitte im Zu- sammenhang. Es handelt sich um den bekannten Artikel von E n g e l s,"in dem er das 1895 von den französischen Ge- »offen ausgearbeitete Agrarprogramm, mit dem sie hofften, die Bauern für sich zu gelvmnen, als opportunistisch und possibilistisch verwarf. Ter auf die Steuern bezügliche Passus kautet: Ferner: Ersatz aller bestehenden indirekten und direkten Steuern durch eine einzige progressive Steuer auf alle Einkommen von mehr als 3000 Franken.— Eine ähnliche Forderung findet sich ieit Iahten in fast jedem sozialdemokratischen Programm. Daß sie aber speziell iui Interesse der Klein- vaueru au ige stellt wird, ist ucu und beweist MM SN ENW SWMlW. Amtlich. Großes Hauptqaartier, de» 28. Februar 1916.«mtlich wird»erlautbart: Russischer nnd italieuischer Kriegsschauplatz. NichtS von besonderer Bedeutung. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unsere Truppen haben in D u r a z z» bis jetzt an Beote eingebracht: 23 Geschütze, darnnter sechs Küstengeschütze, 16 066 Gewehre, viel Artillcricmunition, große Brrpflcgungsvorräte, 17 Segel- und Dampfschiffe. Allen Anzeichen zufolge ging die Flucht der Italiener auf ihre Kriegsschiffe in größter Unordnung und Hast vor sich. Der Stellvertreter de» Chefs des Generalstabe«: von Hoefer, Fcldmarschalleutnant. nur, wie wenig man i h r e T r a g w e it e berechnet bat. Nehmen wir England. Dort beträgt das Staatsbudget bl) Millionen Pfund Sterling. Davon werden aufgebracht durch die Einkommensteuer lä1� bis 14 Millionen, die übrigen 76 Millionen- zum kleineren Teil durch Besteuerung von Geschäften (Post. Telegraph, Stempel), zum weitaus größten Teil aber durch Auflagen auf die Massenkonsumtion, durch stets wiederholtes Abzwacken, in kleinen, unmertlichen, aber sich zu vielen Millionen aufsummierenden Beträgen, vom Einlommen aller Einwohner, vornehmlich aber der Aermeren. Und es ist in der heutigen Ee° sellschaft kaum möglich, die Staatsausgabeu auf andere Weise zu decken. Gesetzt man legte in England alle 00 Milliolien den Einkommen von 126 Pfund Sterling 3666 Fr. und darüber in progressiver direkter Steuer auf. Die durchschnittliche jähr- liche Aklumulation. die jährliche Vermehrung des gc samten nationalen Reichtums betrug 1862/1375 nach Eisten 246 Millionen Pfund Sterling. Sagen wir, sie fei jetzt gleich 866 Millionen jährlich; eine Steuerlast von 96 Millionen würde fast ein Drittel der gesamten Akkumutation verzehren. Mit anderen Worten, keine Regierung kann io etwas unternehmen außer einer sozialistischen: lvenn die Sozialisten am Ruder sind. werden sie Dinge durchzuführen haben, bei denen jene Steuer- reform nur als eine momentane, ganz unbedeutende Abschlags- zahlmig figiniert, und wobei den Kleinbauern ganz andere Per- spektiven eröffnet werden."(.Nene Zeit", Jahrgang 13, Bd. 1.) Der erste Teil des Artikels, in dem sich dieser Absatz bc- findet, schließt mit dem Satze: „Kurz nach all dem gewaltigen Anlauf der Motivierung geben uns die praktischen Vorschläge des neuen Agrarprogramms erst recbl keinen Aufschluß, wie die französische Arbeiterpartei eS fertig bringen will, die Kleinbauern im Besitz eines Parzellen- eigen i.mis zu erhallen, das nach ihrer eigenen Aussage unfehlbar dem Untergang geweiht ist." Es ist ganz unmöglich, mitzzuverstehen, waS Engels sagt. Er staunt, daß man diese Forderung, die sich in jedem sozialdemokratischen Programm findet,„speziell im Interesse der Kleinbauern aufstellt". Er weist nach, daß keine bürgerliche Regierung sie erfüllen kann, daß eine so- ziaUskische" Regierung aber anderes und bejsereS zu tun haben wird, als das Parzelleneigenium zu erhalten. ES fällt ihm aber gar nicht ein, die Preisgabe dieser Forderung zu empfehlen, weil bei ihrer Verwirklichung ein so großer Teil der Akkumulation„verzehrt wird". In der Tat, es gibt im sozialdemokratischen Programm so manchen Punkt, den eine bürgerliche Regierung nie und nimmer erfüllen kann. Aber ein Engels dachte nickt, wie die Umlerner, die bereit sind, das Programm zu kastrieren. von wegen der„praktischen Mitarbeit". Deshalb möchten wir bitten, ihn ans dem Spiel zu lassen. In der gegebenen Situation ist es eine ganz selbst- verständliche Forderung der Sozialdemokratie, daß jede Neu belastiing der arbeitenden Massen zu dem Zwecke, die Kriegsschuld zu verzinsen und andere Ausgaben zu decken, die der Krieg noch sich ziehen muß, zu unterbleiben hat. Dafür treten wir ein. C n n o w glaubt uns niederzuschmettern, indem er die Fragen stellt: Wenn nach dem Kriege eine Aufbringung der nötigen Milliarden durch direkte Steuern nach der Ansicht aller, die etwas von Steuerpolitik verstehen, unmöglich ist, indirekte Steuern aber die ärmeren Volksschichten zu schwer belasten und Staalsmonopolc zu fiskalischen Zwecken nicht eingeführt werden dürfen, wie sollen dann die Milliarden aufgebracht werden? Hat der.Vorwärts" ein Rezept dafür in BereUschast? Hier wird das, waS zu belvcifcn wäre, als bereits be- wiesen hingestellt, daß nämlich die Aufbringung der nötigen Milliarden durch direkte Steuern iu der gegebenen Situation nicht möglich ist. Es wäre an Eunow gewesen, diesen Beweis zu erbringen, er ist ihn aber schuldig geblieben. Ferner werden fiskalische Monopole als eine Einnahmequelle hingestellt, bei der die ärmeren Volksschichten nicht belaste! werden. Indessen hat Eunow selbst eingestehen müssen. daß bei dem von ihm empfohlenen Kohlenhandelsmonopol eine starke Belastung der gesamten Industrie nnd der ärmeren Volksschichten unvermeidlich eintreten muß. Auch dürfte kein anderes Monopol zu finden sein, das große Einnahmen ab' wirft, ohne daß Vcrbrauchsartikel der arbeitenden Massen der- tcucrt werden. Ans die zweite Frage antworten wir seelenruhig: Nein. wir haben kein Rezept auf Lager, den Pelz zu waschen ohne ihn naß zu machen. Wir befassen uns nicht mit sozialer Quacksalberei und wissen keine Universalmittel für die Ge- brechen des kapitalistischen Staates. Von einem Arzt der- langen, er soll die Seuche beseitigen, ohne an den Zustände»:. die diese Seuche mit Notwendigkeit erzeugen, zu rütteln, ist Unsinn. Ebenso unsinnig ist es aber auch von der Sozialdemokratie verlangen, sie solle ein Mittel angeben, die finanziellen Nöte, in die der Krieg den Staat gestürzt hat, zu heilen, ohne jedoch an den politischen Grundlagen des Staates irgend etwas zu ändern, ohne an dem kostspieligen Apparat der Bureankratie, an die Riesenaufwendnngen zu Rüstungs- zwecken zu rühren. Eunow behauptet, wenn tvir da? sagen, bedeute da? Preisgabe der Arbeiterinteressen. Mit Nichten. Indem lvi: darauf bestehen, daß die Lasten durch direkte Steuern aufgebracht werden, treten wir für die Arbeiterinteressen ein Daß die bürgerlichen Parteien dafür nicht zu haben sind, daß sie mit den abgedroschensten Redensarten jetzt vielleicht auch unter Berufung auf C u n o w— sich gegen die Erhöhung der direkten Steuern wenden werden, wissen wir. Dir Entscheidung liegt bei den Volksmassen. Von ihrer politischen Haltung hängt es ab. ob durchgreifende politische Reformen. die notwendig sind, um zu ciuem erträglichen Steuersystem zu kommen, nach dem Kriege durchgesetzt werden oder nicht. Von vornherein auf unsere programmatischen Forderungen verzichten, eine Kuhhandelspolitik deS„kleineren Uebeüs" empfehlen, das, dünkt uns, bedeutet in diesm wichtigen Kämpken der Zukunft, den kürzeren ziehen. Für Eunow freilich ist' das Festhalten am sozialdemo- kratischen Programm ärgerlicher Doktrinarismus, siir den er nur hämischen Spott hat. Er fühlt sich als der überlegene Politiker, der die Sache schon machen wird: durch ein bissele Lieb nnd ein bissele Falschheit wird er die bürgerlichen Parteien dahin bringen, ans ihren Vorteil zu verzichten und den Arbeitern Zugeständnisse zu machen. Die Kraft, die in den: festen Auftreten der Arbeitermasscn liegt, wenn diese klar und sicher ihre programmatischen Forderungen vertreten, gilt ihm nichts, scheint ihm kein realer Faktor. Daran erkenn ich den gelehricn Herrn! Was ihr nicht tastet, steht euch nieilensern, Was ihr nickt saßt, das fehlt noch ganz und gar, Was ihr nickt rechnet, glaubt ihr sel nicht wahr, WaS ihr nicht wägt, hat für euch kein Gewicht, Was ihr nick! münzt, das, meint ihr, gelte nicht. Indessen, die allzuschlauen Rechner, die durch die Künste opportunistischer Politik die großen historischen Konflikte lösen wollten, haben sich noch immer als Irrführer erwiesen, und die Arbeiterbewegung ist, wenn sie diese Taktik befolgte, noch jedestual über astzuviel Cchlauyeit iu deu Sumpf gerate». der französische Tagesbericht. Paris, 28. Februar.(W. T. B.) Amtlicher Bericht von S o n n t a g n a ch m i t t a g. In der Gegend nördlich von V e r d u n letzten unsere Truppen die Verstärkung ihrer Stellungen im Lause der Nacht fort. Keinerlei Veränderung an der Angriffafront östlich der MaaS, wo reichlicher Schneefall eintrat. Man meldet keinerlei neue Angriffsversuche des Feindes auf die Cote Talon noch auf die Cote Poivre. Zu Ende des gestrigen Tages wurde ein in der Gegend des Hardaumoiit-Gchöfrcs(ofilich von der Cote Poivre) an- gesetzter starker Angriff der Deutschen durch unser Artillerie- und Maschinengelvchrfcucr sowie durch unsere Gegenangriffe gebrochen. Ein anderer, nicht minder heftiger Versuch in der Gegend dcS Hardaumont-Gehölzcs hatte ebensowenig Erfolg. Im Woevrc wurde ein unseren Vorposten anbefohlener Nückmarsch ohne die ge- ringstc Behinderung seitens des Feindes durchgesührt. Westlich der Maas keinerlei Jnfanterieunternedmung. In den V o g e f e n versuchte der Feind nach Artillerievorbereitung bei Anbruch der Nacht einen starken Angriff auf einer Frontbreite von zwei Kilometern südöstlich von Ccllest im Plaine-Tal. Der An- griff scheiterte vollständig. Heute morgen erzielte eine Aktion unserer Batterien gegen die Lcbensmittellager deS Feindes in Stostwcicr uördlich von Münster gute Ergebnisse. Paris, 28. Februar.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom Sonntagabend. Zwischen Soissons und Reims ZerstörungS- teuer auf die feindlichen Werke gegenüber Venizel und östlich Troyon. In der Gegend nördlich V e r d n n wird nach der Heftigkeit der an den vorhergehenden Tagen stattgesundcnen Kämpfe ein gewisses Nach- lassen der Anstrengungen des Feindes im Laufe deS Tages ge- ineldet außer zwischen der Höhe Douaumont und dem Plateau nördlich des Dorfes Vaur, wo ein starker Angriff, der gegen die Stellung unternommen wurde, zurückgeschlagen wurde. Oestlich und westlich der Stellung von Douaumont, deren Abhänge mit deutschen Leichen bedeckt sind, umklammern unsere Truppen eng die Teile des Feindes, die dort haben Fuß fassen können und die sich mit Mühe halten. Nach den letzten Nachrichten ist die bioto de Talou ebenso für uns wie für den Feind unhaltbar durch das Feuer der beiden Artillerien und ist von keinem der beiden Gegner besetzt. Im Woevre nahm der Feind Fühlung mit unseren Vorposten iir der Richtung Blanzie und Moranville, wo seine Ver- suche, gegen Cote 23S sich zu entwickeln, scheiterten. In den Vogesen Artilleriezweikampf am HartmannSwcilcrkopf. In der Gegend von Senones haben wir eine feindliche Abteilung unter Feuer genommen und zerstreut. Belgischer Bericht: Ruhe auf der ganzen Front. Die englische Melüung. Loudon, 28. Februar. sW. T. B.) Da? Hauptquartier teilt mit: In der vorigen Nacht wiesen wir einen schwachen Angriff auf unsere Gräben nordwestlich de? Kanals von Upcrn nach Comines mrück. Bei Hullnch,?)pcrn und ArnientiercS ivar heute auf beiden Seiten die Artillerie tälig.___ Der rusilsche Heeresbericht. Petersburg, 28. Februar. und O.-Linie gibt bekannt, daß nach den bisherigen Beriwtcil 61 von 119 Passagieren, die sich an Bord der„Maloja" i bcfaitden, gerettet ivordc» stnd. Die Gesamtzahl der Ge»! retteten ist 269. Man hofft aber, daß im Laufe deS vor- mittags noch mehr Namen von Geretteten bekannt würden. ES waren im ganzen III Personen an Bord. London, 28. Februar.(W. T. B.) Wie die„Times" melden, ivird der V e r l u st an Menschenleben, die mit der„Maloja" zugrunde gingen, auf 147 geschätzt. Ein rusilscher Dampfer versenkt. London, 28. Februar.sozialdemo- kratie hat um so mehr Ursache dazu, als die politischen Fragen, die auf die Tagesordnung gestellt sind, für die Arbeiterklasse von aller- größtem Interesse sind, nämlich die Verfassungsrevision zur Ein- führung des allgemeinen Wahlrechts und die Umsetzung des Alters- Versicherungsgesetzes der vorigen klerikalen Regierung in eine Prämienlose Alterspensionierung auf Staatskosten. Ueber diese Re- formen, die beide ein Ausfluß des den Liberalen bei den Stich- wählen im Jahre 1913 von unserer Partei aufgenötigten Regie- rungsprogramms sind, hier ein kurzes Wort. Die von der Regierung eingereichte Verfassungsvorlage be- zweckt die Einführung des allgemeinen Männerwahlrechts, die Er- möglichung der Einführung des Frauenwahlrechtö, die Einführung, der Frauenwahlbarleit und des Proportwnaltvahlverfahrens und 1 die Ermöglichung der Einführung des AbftimmungSzwanges. Alle diese Reformen werden vorgesehen nicht nur für die Wahl des Parlaments, sondern auch für die Provinzial- und Gemeindever- tretungen. Dabei wird auch noch die allgemeine WÄstbarkeit für die Erste Kammer vorgeschlagen. Mit dieser Vorlage gibt die Re- gierung mehr, als wozu der Ausfall der Wahlen vom Jahre 1913 sie verpflichtete. Trotzdem geht die Vorlage unserer Partei nicht weit genug. Namentlich wünschen wir die sofortige Einführung des allgemeinen Frauenwahlrechts, und auf ihrem auherordentl-ichen Kongreß hat die Partei im vorigen Monat den Beschlutz gefaßt, dafür eine Agitation im größten Stil einzuleiten. Den Anfang dazu macht sie mit einer Versammlungskampagne im ganzen Lande in den nächsten beiden Monaten, die ihren vorläufigen Ab- schlug findet in einem Frauentag. Wenn wir uns auch nicht vor- enthalten, daß es schwierig sein wird, das Parlament dazu zu be- wegen, das allgemeine Frauenwahlrecht jetzt schon in der Verfassung festzulegen, so ist es trotzdem gar nicht unmöglich, daß in dieser Hinsicht mehr erreicht wird, als die Regierung vorschlägt, zum Bei- spiel das allgemeine Frauenwahlrccht vorerst nur für die Gemeindevertretungen. Gewinnt doch nach der Einbringung der Regierung?- Vorlage das Frauenwahlrecht noch an Sympathien. Schon hat sich ein beträchtlicher Teil des Freisinns dafür ausgesprochen und, was wichtiger und interessanter ist, in der katholischen Presse häufen sich die Stimmen, die sich für das Frauenwahlrccht aussprechen. Schon haben verschiedene katholische Geistliche erklärt, dag prinzipiell vom katholischen Standpunkt aus nichts gegen das Frauenwahlrecht ein- zuwenden sei, und bei einer Enquete, die das Amsterdamer katho- tische Tageblatt„De Tid" unter bekannten karholifchen Frauen ver- anstaltet hat, hat sich ihre große Mehrzahl dafür ausgesprochen, daß den Frauen das Wahlrecht erteilt wird. Jedoch ist damit noch nicht einmal gesagt, dag die Verfassungsrevision überhaupt nicht ge- fährdet ist. Es gibt gegen das allgemeine Wahlrecht zweifellos bei den reaktionären klerikalen Parteien einen starken Widerstand, und in der Ersten Kammer bilden diese die Mehrheit, während eine Ver- fassungsänderung sogar eine Zweidrittelmehrheit erheischt. Es wird also notwendig sein, die reaktionären Elemente davon zu über- zeugen, daß die große Masse des Voltes unter allen Umständen die Einführung des allgemeinen Wahlrechts fordert, und unsere Parte: wird selbstverständlich tun, was in ihrem Vermögen ist, um ihnen diese Ueberzeugung beizubringen. Wie sehr die andere große politische Frage, die auf die Tages- ordnung gesetzt ist, die Einführung der Prämienlosen<Äaatspsnsio- nierung alter Arbeiter, unserer Partei am Herzen liegt, haben ihre Vertreter jüngst in der Kammer gezeigt, als sie dafür eine Minister- krise provozierten. Schon seit 1891 steht die Altersversicherung mit Parlamentsresolutionen und Gesetzesvorlagen auf der Tagesord- nung, aber schon seit 1896 hat unsere Partei demgegenüber das Prinzip der Prämienlosen Staatsvensionierung aufgestellt. Im Jahre 1913 gelang es der klerikalen Regierung in ihren letzten Zügen, ein Bersicherungsgesetz durchzubringen mit dem ausge- fprochenen Zweck, damit die im Laiche an Sympathie gewinnende Staatspensionierung unmöglich zu machen. Aber im selben Jahre wurde die klerikale Regierung bei den Wahlen gestürzt, und es gc- lang uns, von den Liberalen bei den Stichwahlen das Versprechen zu erhalten, dasJVersichsrungSqesetz der klerikalen Regierung un- ausgeführt zu lassen und eine Staatspensionierung durchzubringen. Die neue liberale Regierung löste nun auch dieses Versprechen ein, aber ihr Finanzmüiister, der Freisinn-Demokrat Treu 6, ein innerlicher Gegner der Staatspensionierung, sucht« durch eine Hintertür die Prämienzahlung trotzdem wiederherzustellen, indem er zur Deckung der Kosten der Staatspensionierung einen Zuschlag zur Einkommensteuer vorschlug, und zwar derart, daß schon Arbeiter mit 659 Gulden Einkommen dazu ein ganzes Prozent ihres Ein- kommens, also 6)4 Gulden pro Jahr, zu zahlen hatten. Ms nun der Minister auch noch an das Parlament die Anforderung stellte, dieser Steuervorlage unverändert zuzustimmen, bevor über das Staatspensionsgesetz abgestimmt werden sollte, war die Zeit dafür gekommen, diesem Verrat am Wahlsieg von 1913 zuvorzukommen, und durch eine von unserem Parteigenossen Schapcr vorgeschlagene und von der Mehrbeit der Zweiten Kammer angenommene Resolu- tion war Minister Treub zum Rücktritt gezwungen und nahm seine Demission. Vom„Burgfrieden" hat dies alles sicherlich herzlich wemg, und diejenigen, die— besonders im Ausland, wo die Kontrolle schwie- riger ist— unserer Partei nachsagen, sie habe mittel» des Burg- frieden» den Klassenkampfcharakter der Sozialdemokratie aufgegeben, werden einen schweren Stand haben, wenn sie dabei beharren wollen, diese Meinung weiter zu verbreiten. Von Burgfrieden zeugt auch gewiß nicht die Energie, womit unsere Partei jetzt die Provinzialwahlen dieses Sommers vorbereitet, die, weil die Pro» vinzialvertretungen die Erste Kammer wählen, zu einem beträcht- lichcn Teil die Entscheidung darüber bringen werden, ob die Ver- fassungsrevision und die Staatspensionierung durchkommen. Von Burgfrieden zeugt ebensowenig die ausgedehnte Tätigkeit, die jetzt im ganzen Lande die Gewerkschaften entfalten, so daß zum Beispiel allein schon der Zimmererverband in nicht weniger als 81 Ge- meinden zu gleicher Zeit Lohnaktionen führt, was für unser kleines Land sehr viel heißen will---- Der Prozeß gegen üie Obersten Egli unü Wattenwpl. Zürich, 28. Februar.(W. T. B.) Die Schweizerische Depcschenagcntur meldet: Heute morgen begannen die Ver- Handlungen des Strafprozesses gegen die beiden O b e r st e n des General st abcsEgli und von Watte nwyl. Das Gericht beschloß, daß die Verhandlungen öffentlich sein sollten. Die Anklageschrift führt in den Hauptpunkten auS: Oberst Egli ivird angeklagt, daß er als Unterstabschef der eidgenössischen Armee von ungefähr Mitte Fe- bruar 1915 an die beiden Militärattaches der einen Gruppe der kriegführenden Mächte, die laut Befehl des Gencralstabschefs nur für eine Reihe aus- drücklich bezeichneter Kommandostellcn des eigenen Landes be- stimmten, täglich erscheinenden Berichte der Nachrichtcnscktion des Armeestabes über- m i t t e I n ließ. Oberst Wattenivyl wird angeklagt, daß er die Mitteilung aller Teile des militärischen Bulletins in Abwesenheit des Obersten Egli an den einen der Militär- attachss der betreffenden Gruppe der kriegführenden Mächte verfügte, nachdem dieser bereits seit längerer Zeit einen Teil dcS Bulletins infolge Anordnung des Obersten Egli erhalten hatte. Beide Obersten werden angeklagt, daß sie fremd- ländische Dokumente, die zwischen a u s l ä n d i s chcn Amts st eilen im Ausland und zwischen solchen in der Schweiz an ihre Regierung gewechselt wurden, von Dr. Langie entziffert und auf irgend eine Weise einem Militärattache der einen Gruppe der kriegführenden Mächte zur Kenntnis gc- bracht haben. Diese Tatsachen qualifizieren sich als Begünstigung eines kriegführenden und a l s vorsätzliche Ver mittelung von Nachrichte>t militärischer Natur zugunsten einer fremden Macht und sind gleichzeitig eine Dienstverletzung in einem wichtigen Fall. Englanüs Getreiüeverforgung. Berlin, 28. Februar.(W. T. B.) Von zuständiger Stelle er- fahren wir folgendes: Das führende Londoner Fachblatt des Ge- ■ lreidehandel» vom 15. Februar 1916 kommentiert das angebliche ' Eingreifen der englischen Regierung in die Fragen der Bröl- I zetreibeversorgung mit wenig optimistischen Worten. Man dürfe nicht bergessen, daß die Regierung nur die Auffüllung der nationalen Weizen-Reserbe iwelche bekanntlich sehr stark zurück- gegangen ist) beabsichtige und nicht den regelmäßigen Bedarf des Landes im laufenden Erntejahre zu befriedigen gedenke. Dem privaten Handel bleiben die Last und Verantwortlichkeit, die normalen Ansprüche des Erntejahres durch Einfuhr zu befriedigen. Bei der jetzigen Preisbildung, welche durchschnittlich 70 Schilling per Ouarter (zirka 325 M. die Tonne) betrage, den hohen Frachtraten, welche 2l> bis 30 Schilling per Ouarter ausmachten und angesichts deL Wettbewerbs durch die heimlichen Käufe von Agenten mächiiiger Regierungen, seien diese Aufgaben des freien Handels un- geheuer; sie setzen geradezu Machtmittel und Fähigkeiten des Händlers voraus, welche weit über die von ihm zu erwartende Leistungsfähigkeit hinausgingen. Das Blatt kommt zu dem Schluß: „Die Weizenreserve in unseren Häfen ist niedrig geblieben und diejenigen, welche mit der Aufrecht- erhaltungunsererVorrätevertraut sind, werden jetztwirklich nervös. DieLagei st kritisch, und die Pläne der Regierung scheinen nicht imstande zu sein, mit dieser Lage in befriedigender Weise fertig zu werde n." Reüen üer Sozialisten in öer Duma. Nach der ausführlichen Wiedergabe der Ministerreden in der Eröffnungssitzung der Duma vom 22. d. M. versiegte ur- plötzlich der Redestrom der offiziösen Petersburger Telegraphen- Agentur. Man erfuhr nur noch den Inhalt der vom Okto- bristen Schidlowsky verlesenen Deklaration des„progrejsiven Blocks", sonst aber nichts über die Reden der Parteiführer, ob- wohl bekannt war, daß die Vertreter der einzelnen Parteien, namentlich derjenigen, die dem Block nicht angehören oder nicht völlig mit ihm übereinstimmen, in den ersten Sitzungen der Duma reden sollten. War schon die Einstellung einer ausführlichen Berichterstattung durch die offiziöse russische Telegraphen-Agentur auffällig, so gewinnt ihre Berichterstattung über die Reden der S o z i a l i st e n in der Duma direkt einen skandalösen Charakter. Die einzige Meldung, die sie vorläufig verbreitet hat, lautet folgendermaßen: Petersburg, 26. Februar.(W. T. B.) In der Duma erklärte der Sozialist B u r j a n o lo, er persönlich glaube, die Meinung vieler Sozialisten nicht nur des Landes, sondern auch des Aus- landes zum Ausdruck zu bringen, daß die Lage und das Interesse des Proletariats aller Länder den Triumph des deutschen Mili- tarismuS über fortgeschrittenere Länder Europas nicht zulassen. Der einzige Weg zu diesem Ziele sei, die Nationalverteidigung und die Teilnahme des Proletariats an dieser Aufgabe. Dies sei unbedingt erforderiich. Ter Sozialist M a n j k o w forderte die ruisische Demokratie zum Kampf auf bis zum endgültigen Sieg über den äußeren Feind und die inneren Schwierigkeiten, die den Sieg hindern könnten. Zu dieser Meldung erhalten wir von dem Genossen S c m k o w s k y in Zürich ini Namen des aitsländischen Sekretariats deS Organisationskomitees der russischen Sozialdemokratie folgendes Telegramm: „Die Petersburger Telegraphen-Agentur gab die chauvinistischen Reden Burjanows und Manjkows wieder, verschwieg aber, daß Plechanowö Anhänger Burjanvw noch vor dem Kriege aus der sozialdemokratischen Dumafraktion ausschied, während Manjkow von der Fraktion ausgeschlossen wurde. Die Telegraphen-Agentur unterdrückte völlig die offizielle Deklaration der Fraktion, gegen ivelche augenscheinlich die Erklärungen Burjanows und Manjkows sich richteten." lieber den Charakter der offiziellen Deklaration der Fraktion gibt folgendes Telegramm einigen Aufschluß: Amsterdam, 28. Februar.(28. T. B.) Einem hiesigen Blatte zufolge meldet die„Times" aus Petersburg, daß der Sozial- deniokrat Tscheidze in einer in der Dunia gehaltenen Rede in?lbrede stellte, daß alle Kriegführenden für die Ber- reidigung ihres Landes und ihrer Freiheit kämpften. Er stellte sich auf die Seile der Deutichenfreunde, die einen Frieden ohne Annexion und ohne Kriegsentschädigung wünschten. Danach ficht jedenfalls fest, daß Genosse Tscheidze, der Vorsitzende der sozialdemokratischen Duniafraktion, sich im Namen der Fraktion gegen die ,.BefreiungS"legendcn der Re- merung und der bürgerlichen Parteien gewandt und einen Frieden ohne Annexion und Kriegsentschädigung verlangt hat. Verurteilungen von Arbeitern. Rom, 19. Februar 1Vl6.(Eig. Ber.) Zwei beachtenswerte Urteile sind dieser Tage von dem Militär- gericht in Turin gefällt worden. ES bandelt sich in beiden Fällen um Arbeiter, die in Betrieben beschäftigt waren, die den Militär« betrieben(Arsenale», Mmütionsfabriken usw.) gleichgestellt sind. Im ersten Fall handelt eS sich um einen Arbeiter, der als Dreher bei der Antomobilsabrik„Spa" angestellt war. Der Mann litt an Bleichsucht und Leistenbruch, weshalb er bei dem Komitee für die industrielle Mobilmachung am 13. Dezember um seine Entlassung einkam; am Nachmittag desselben Tages blieb er von der Arbeit fort. Am 14. bewilligte das Komitee die EnNossung, aber die Bewilligung wurde dem Arbeiter erst ani 22. zugestellt. Inzwischen, am 18.. hatte der inspizierende Offizier den Dreher wegen Verlassung feiner Stelle angezeigt, zu einer Zeit also, als das Entlassungsgesuch bereits bewilligt, dem Arbeiter aber noch nicht zugestellt worden war- Urteil: 6 Monate Gefängnis. Noch lehrreicher ist der andere Fall, weil cS sich hier um einen 18jährigen Arbeiter handelte, dessen Arbeitsleistung also kaum als Aequivalent emcr militärischen Dienstleistung angesehen werden kann, da der junge Mann noch nicht militärpflichtig ist. Der Arbeiter, ein gewisser Mantovanclli, war von Benis Elektrotcckiniker. Bei der Fiat war er als Metallarbeiter angestellt, mit 33 Cent. Stunden- lohn. Er kam um seine Entlassung ein, mit der Begründung, daß die Arbeit für seine schwächliche Konstitution z» anstrengend sei. Die Firma bcfüiwortcte sein Geiuch. das industrielle Mobilmacknmgs- komitee lehnte es ab. Trotzdem blieb Mantovanelli von der Arbeit weg; er wäre krank und könne die anstrengende Tätigkeit nicht auS- halten. In seiner Weigerung verharrte er trotz zweifacher Auf- foroerung der Karabiniere. In der Folge, als er sich erholt hatte, nuhm er Arbeit bei den„Ferrovie Piemontesi", einer ebenfalls den Miliiärbetrieben gleickigestclllen Fabrik, wo er weniger verdiente als bei der Fiat, aber als eliktroteckniscber Arbeiter beschäftigt war. TaS Komitee für die industrielle Mobilmachung strengte Klage wegen VerlaffenS der Arbeit an. Urteil: Zwei Jahre Go« f ä n g n i s. Eine sozialistische ßrieüensreöe im amerikanischen Parlament. Am 13. Januar hielt der vor kurzem gewählte sozialistische Abgeordnete Genosse Meyer London, der einzige Sozialist im amerikanischen Parlament, seine erste große Rede im Kongreß. Der sozialistische Abgeordnete erklärte, daß kein ausländischer Feind Amerika bedrohe, daß die Agitation für die Vergrößerung des Heeres und der Flotte in erster Linie auf die künstliche Stimulation zurück- zuführen sei, die von den privaten Munitionsfabriken herrühren. „Kommt nicht der Krieg bald zum Abschluß— warnte London— dann werden wir die blutigste und gigantischste Revolution in der Geschichte erleben." Er betonte, die Zeit für den Frieden sei gekommen und forderte die Erwägung seiner Resolution, die vom Piäsidenten ein Eingreifen zugunsten des internationalen Friedens verlangt. Diese Reso- lution, deren Wortlaut wir vor kurzem brachten, reichte er am ersten Tage der Session ein. „Mit den Worten Macaulays— sagte London— kann man auch hier sagen, sie haben Blut gekostet, und es schmeckt ihnen. Zweitens ist es aber auch ein schlauer republikanischer Plan, die Demokralen in die Patsche zu setzen, und olle Anzeichen deuten darauf hin, daß sie Erfolg haben werden. Drittens gibt es alte Weiber beiderlei Geschlechts, die hysterisch geworden sind und endlich ist eine Gruppe imperialistische Finanziers am Werk, die für die Er- oberung der Philippinen und Porto Nicos verantwortlich sind, und die gern ein Heer und eine Flotte sähen, die groß genug wären, daß sie die Vereinigten Staaten in den Stand setzen würden, die Weltpolitik zu beeinflussen. „Ich halte es für eine heilige Pflicht— fuhr er fort— im Namen der sozialistischen Bewegung Amerikas und der internationalen sozialistischen Bewegung das Volk der Vereinigten Staaten davor zu warnen, daß Rüstungsbereiti'chast, die vorgibt, gegen den Krieg zu rüsten, den Krieg unabwendlich macht. Sie bauen sich hier ein Trugbild auf. Bauen Sie eine stets bereite Armee und Marine und haben Sie dann einen schwachen oder streberhaften Präsidenten, so wird er eS so weit treiben, daß ein Krieg unvermeidlich wird. Furcht, Mißtrauen und Verdächtigungen haben sich in unserer Mitte gebildet, die Unbeil bedeuten, wenn ihnen kein Damm gesetzt wird." Diese Rede, die eine scharfe Absage an jede Art von Militaris- muS und militärische Rüstnngsbereitichaft bedeulet und in der Forde- rung einer sofortigen Friedensintervention der Vereinigten Staaten gipfelte, fand so viel Beifall und er- weckte ein solches Interesse bei dem Kongreß, daß die Redezeit des Redners verlängert wurde, damit er, wie das im amerikanischen Parlament üblich ist, die vielen an ihn gerichteten Fragen beant- Worten konnte. „Die Gründer deS Sozialismus— sagte der Abgeordnete in seinen weiteren Ausiührungen— haben schon 1871 diesen Krieg vorausgesagt. Die Sozialisten brauchen sich wegen des Laufes der Geschichte nicht zu entschuldigen. Sie traten dem Kriege immer auf das entschiedenste entgegen, bis sie selbst in seinen Abgrund gestürzt wurden. Sie sagten den Weltbrand voraus und warnten vor ihm. Wir müssen wisse», gegen wen wir zu rüsten haben. Moderne Kriege werden nicht gegen eine einzeln« Nation geführt, sondern gegen eine Gruppe von Nationen. Um konsequent zu sein, müßten wir eine Flotte haben, die größer ist. als die Flotten von ganz Europa zusammen und eine Armee, wie sie die Welt niemals ge- sehen. Sind wir imstande, eine solche Rllstungskampagne zu be« ginnen? Ueber die Ursachen deS Krieges besteht die größte Unkenntnis. Sie sind nichts Neues. Sie sind das Resultat der aufeinandcrplatzenden wirtschaftlichen Interessen der involvierten Nationen..... Aber mit all den Wirt- ichafilichen Kräften, die in Europa die Tendenz zum Kriege in sich trugen, wäre der Krieg doch unmöglich ge- weien, hätten nicht die großen Heere und Flotten bestanden. Jeder konnte auf ein großes Heer, auf eine große Flotte deuten, als unabweisbaren Nachweis unmittelbarer Gefahr." Wie aus den Aeußerungen der amerikanischen Presse hervor- geht, hat die Rede unseres Genossen in der gesamten Oeffentlichkeit große Beachtung gefunden. In dem Kampfe, den unsere Partei in den Vereinigten Staaten gegen die Kampagne für die„Kriegs- bereilschast" eingeleitet hat, wird sie sicherlich eine wichtige Etappe bilden. politische Uebersicht. Neue Bundesratsverordnungeu. Der Bundesrat hat den Erlaß einer Verordnung über die S i ch e r st e l l u n g des augenblicklichen Heubedarfs der Heeresverwaltung beschlossen. Dadurch werden die Bundes- staaten nach dem Maßstab des Ernteergebnisses des Jahres 1915 verpflichtet, für das Heer insgesamt 259 009 Toniren Wicsenheu zur Verffigung zu stellen, von denen die eine Hälfte bis zum 15. März, die andsre bis zum 31. März zu liefern ist. Nötigenfalls sollen die Bestimmungen der Verordnungen über die Höchstpreise als Hand- habe dienen, um die einzelnen Besitzer zur Lieferung zu zwingen, soweit sie das Heu nicht unbedingt für den eigenen Bedarf brauchen. Um die erforderlichen Unterlagen für die Umlegung deS späteren Heeresbedarfs an Heu sowie an Stroh auf die einzelnen Ge- bietsteilc zu schaffen, hat der Bundesrat ferner eine Bestandsauf- »ahme von Heu und Stroh angeordnet, die in der Zeit vom 12. bis 15. März in allen Gemeinden und Gntsbezirken des Reichs durch besondere Sachverständigen-Kommissionen erfolgen soll. Dabei sollen Bestände an Heu oder Stroh, die 10 Doppelzentner nicht über- schreiten, außer Betracht bleiben. Der Herr Reichskanzler ist er- inächtigt, Ausnahmen zuzulassen, damit die Bestandsaufnahme in Bundesstaaten, die vielleicht eine solche unlängst für eigene Zwecke vorgenommen haben, nicht nochmals wiederholt zu werden braucht. Durch die Verordnung zur Beschränkung des Zucker- Verbrauches bei der Herstellung von Schokoladen wird der Zuckerverbrauch für die Schokoladeicherstellung in derselbe» Weise, wie es durch die Sühigkeiten-Berordnung vom 16. Dezember 1915 bereits für die Herstellung von Süßigkeiten geschehen ist, für das Jahr 1916 auf die Hälfte des Zuckerverbrauchs in der Zeit vom 1. Oktober 1914 bis 30. September 1915 beschränkt. Das preußische Herrenhaus hat sich am Sonnabend nach einer ganz kurzen Sitzung, in der einige königl. Verordnungen genehmigt wurden, bis Ende März vertagt. Man rechnet also damit, daß der Etat nicht früher auS dem Abge- ordnetenhause hinüberkommen wird. Die Staatshaushaltskommission deS preußischen Abgeordnetenhauses beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung zunächst mit dem Etat der Lotterieverwaltuiig. Dabei wurde bemängelt, daß die Kollekteure— meistens Offiziere a. D.— zu Hobe Einnahmen hätten. Von der Regierung wurde erwidert, die Einnahmen müßten ausreichend sein, weil diese Stellen sonst nicht besetzt> verde» könnten.— Beim Etat des Skbgeovdnetenhauses wurde ein fortschrittlicher Antrag, den Mitgliedern des Hauses der Abgeordneten während der Dauer der jedesmaligen Legislaturperiode freie Fahrt auf allen preußischen Staatsbahnen zu gewähren, mit 14 gegen 12 Stimmen angenommen. Dagegen stimmten die Konservativen.— Darauf kam der Bauetat zur Beratung. Es wurde über die Not- läge der Schiff crfamilien Klage geführt. Deren Schiffe liegen hsrvenlos in den Häfen, können nicht ausgebessert werden und ver- kommen allmählich. Die Regierung erklärte, daß sie sich dieser Schiffe annähme und kleinere Reparaturen auf Staatskosten vor- nehmen lasse.— Gefordert wurde ferner der Donau— Main-Kanal, der eine Kanalisierung des Mains bis Aschaffenburg notwendig macht. Die Regierung erklärte, daß sie sich mit diesem Kanal- Projekt noch nicht befaßt habe; in erster Linie geh« es die bayerische Regierung an.— Ueber die Kanalistmuig der Lippe erklärte der Minister, daß die Frage noch offen sei, ob ein Seitenkanal von Wesel bis Datteln oder eine Kanalisierung des StromlaufeS der Lippe selbst erfolgen soll.— Der Ausbau der Nogat-Wasserkräfte soll erfolgen, wenn sich ergibt, daß der Ausbau zweckmäßig erscheint. Die dann gewonnene Elektrizität soll den umliegenden Kreisen nutz- bar gemacht werden.— Ein Gesetzentwurf über die K'analifterung des Mains soll in den nächsten Tagen dem Abgeordnetenhaus vor- gelegt werden.— Schließlich wurde noch Klage geführt, daß Ar- beitern, die 70 Jahre sind und Altersrente erhalten, der Lohn von der Verwaltung um den Betrag gekürzt worden ist, den die Alters- rente ausmacht. Der Regierungsvertreter erklärte, diese Anord- nung sei dem Minister nicht bekannt, vielmehr habe die Regierung angeordnet, daß ohne Rücksicht auf die Rente jeder Arbeiter die Ver- gütung erhalten müsse, die seiner Leistungsfähigkeit entspräche. Junggesellensteuer in Lippe. Der Landtag des Fürstentums Lippe ist zum 9. März einberufen. Die Regierung hat den Abgeordnelen bereits drei Steuer» vorlagen zugehen lassen. Eine sogenannte Kriegs st euer soll durch Zuschläge zur Einkommen« und Vermögenssteuer erhoben werden. Sie beträgt bei der Einkommensteuer in den Sleuerstufen von 900 bis 3100 M. Einkommen 8 Proz., von 8100 bis 20 100 M. 10 Proz., von 20100 bis 50100 M. 20 Proz., von 50 100 bis 30 100 M. 33�/g Proz. und über 80 100 M. 50 Proz. des Jahresbetrages der veranlagten Steuer. Bei der Vermögenssteuer sollen gleichmäßig 50 Proz. des Jahresbetrages erhoben werden. Ferner wird vorgeschlagen, die Einkommensteuer bei den Steuerpflichtigen mit mehr als 6900 M. Einkommen etwas zu erhöben. Schließlich geht die Regierung auf einen früher vom Landtage gemachten Borichlag ein: die Junggesellen st euer einzu- führen. Bei den jetzigen Anforderungen seien— so führt die Re- gierung auS— ihre früheren Bedenken dagegen hinfällig geworden. Nach dieser Vorlage soll von ledigen, kinderlosen, verwitweten und geschiedenen Steuerpflichtigen für staatliche Zwecke ein Steuerzuichlag erhoben werden, der in den Einkommenstufen von 500 bis 3100 M. 10 Proz., bei 3100 bis 6900 M. 20 Proz. und bei höherem Einkommen 30 Proz. betragen soll, und zwar vom JahreSbetrage der veranlagien Einkommensteuer. Die gleichen Zuschläge sollen von kinderlosen Eheleuten erhoben werden, wenn sie mehr als 3100 M. Einkommen haben. Wer Angehörigen, die unterstützungsbedürftig sind, Unterstützung gewährt, bleibt ausgenommen. Der badische Landtag setzte am Schluß seiner Tagung einen parlamentarischen Beirat ein, bestehend aus acht Personen der beiden Kammern- Unter den fünf Vertretern der II. Kammer befindet sich der sozial- demokratische Abg. S t o ck i n g e r(Pforzheim). Der landständische Ausschuß behielt seine bisherige Zusammensetzung bei. Vertreter der sozialdemokratischen Fraktion ist Genosse K o l b.— Nahezu vollzählig beteiligten sich die Genossen am feierlichen Schlußakte. Wahlrechtsantrag in Braunschweig. Der Bezirksvorstand der sozialdemokratischen Partei für das Herzogtum Braunschweig richtet in einer Eingabe an die Landes- Versammlung des Herzogtums vraunschweig das dringende Ersuchen, die Landesregierung zu veranlassen, möglichst noch in dieser Legislaturperiode der Landesversammlung eine Gesetzesvorlage zu machen, in der für alle braunschweigifchen Staatsbürger und Bürgerinnen, die das 20. Lebensjahr bereits vollendet haben, das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahl» recht für die Wahlen zum Landtag festgesetzt wird. Brnch des„Burgfriedens". Im Fürstentum Lippe ist ein Landtagsmandat erledigt, das bis jetzt in den Händen der Nationalliberalen war. Ohne nun erst mit dieser Partei eine Verständigung zu suchen, haben die K o n s« r- V a t i V e n einen eigenen Kandidaten aufgestellt, weshalb sie jetzt von den Nationallibcralen des Bruches des„Burgfriedens" bezichtigt werden.__ Tie neuen Schlachtviehprcise. Im„Reichsanzeigor" wird eine Ausführungsanweisung der zuständigen preußischen Mnistcr zur Verordnung der Preise sür Schlachtichwcine und für Schweinefleisch veröffentlicht. Die Be- dingungen besagen im wesentlichen: Die Höchstpreise für Schweine sind Erzeugerpreise; sie gelten beim Verkauf durch den Vichhalter (Landwirt oder Mäster) an den Händler oder Fleischer. Die Tiere müssen bei ihrer Verwiegung 12 Stunden futterfrei sein oder bis zur Wage einen Beförderungsweg von mindestens 5 Kilometer zu- rückgelegt haben, wenn für die entsprechende Sorte bei fester Ware der Höchstpreis verlangt tvevdcn darf. Der Ankauf von Schlacht- schweinen beim Piehhalter darf nur nach Lebendgewicht erfolgen. — Tie nach früheren Verordnungen vorgesehenen Preise für Schweinefleisch, Schiveinefett usw. bleiben bis zum Inkrafttreten der auf Grund der neuen Verordnung festzusetzenden Höchstpreise bestehen. Bei der Festsetzung neuer Preise sind einerseits die Stall- preise in den BezngSgebieten, die Zuschläge für den Handel und die Interessen des Fletschergewerbes, andererseits aber auch die Jnter- essen der Verbraucher angemessen zu berücksichtigen. Eilt angemes- jener Teil des Fleisches ist zu niedrigen Preisen abzugeben und der Ausgleich durch entsprechende Höherbcmessung der Preise für die besseren Stücke herbeizuführen. Auf die beschleunigte Durch- führung der Preisfestsetzungen ist Wert zu legen.— Die Haus- schlachiungen für den eigenen Bedarf des Eigentümers der Schweine dürfen Beschränkungen nicht unterworfen werden. Der ungarische Reichstag ist einer Meldung des W. T. B. zufolge vertagt worden. Lette Nackrichten. Von der aus eine Mine gelaufenen„Mecklenburg". Blissingen, 28. Februar.(98. T. B.) Alle Passagiere und die Besatzung der„Mecklenburg" sind, wie aus Telegrammen an die Zeelanidlinie hervorgeht, gerettet worden. Beschlagnahme holländischer Post. Amsterdam, 28. Februar.(W. T. B.) Die Post für Amerika des Dampfers„Rotterdam" der Holland-Amcrika-Lime wurde in Falmouth ausgeschifft._ Tie Stärke der italienischen Streitkräfte von Durazzo. Lugano, 28. Februar.(T. U.) Die italienischen Kräfte in Durazzo haben zwei Brigaden betragen, während zu eiuem erfolg- reichen Widerstände, wie der„Corrieve" schreibt, mmdestens 80 000 Mann erforderlich gewesen wären, die aufzuwenden nicht der Mühe gelohnt hätte. Die beiden Brigaden scheinen nach Balona abzu- gehen, was nach neuen amtlichen Versicherungen absolut gehalten werden soll, und zwar nicht wie Saloniki als Tor zum Balkan, son- der» als Fenster auf das Adriatische Meer. Uebrigens bildet Al- banien gegenwärtig die Hauptsorge der italienischen Regierung und der Ministerratssitzungen, die vorgestern und gestern stattgefunden haben. Auch pflegt Essad einen lebhaften Meinungsaustausch mit Sonmno und dem früheren Gesandten in Durazzo, Aliotti. Gewerkschastiiches. Serlin und Umgegend. Die Rohrleger besprachen in ibrer Branchcnversammlung am Eonnrag die gegenwärngen Lobnverhältnisie. Es wurde ausgeführt, dah von Umernehmerseite kürzlich die Schlichtungskommisfion zu« sammenberufen wurde. Augenscheinlich zu dem Zweck, um der Lohn- steigerung entgegenzutreten, die sich unter der Einwirkung der Teuerung einerseits und dem Arbeilcrmangel andererseits naturgemäß vollzieht, aber immer noch weit zurückbleibt hinter der Erhöhung der Lebensmittelpreise. Die Unternehmer erklärten sich schließlich bereit, eine Teuerungszulage zu gewähren, die aber den Stand des Tariflohnes nicht berühren tolle. Demgegenüber vertraten die Arbeiter den Standpunkt: Die Tarif- löhne sind Mindestlöhne, jeder Rohrleger und Helier, der seine Arbeitskraft höher einschätzt, ist berechtigt, einen höheren Lohn zu fordern. Das ist kein Verstosi gegen den Tarif. Unter den gegen- wärtigen Verhältnissen ist es nicht niöglich. die Arbeiter von der Forderung eines über den Dkindeslsatz hinausgehenden Lobnes ab- zuhalten. Dem einzelnen können in dieser Hinsicht keiue Schranken gezogen werden. Deutsches Neich. Ter s?leischervcrband im Jahre Der Krieg hat im Fleischergewerbe eine erhebliche Umwälzung hervorgerufen. Taufende Kleinbetriebe sind verschwunden. Soweit sie noch existieren, ist der größte Teil kaum noch lebensfähig. Die Darmbranche, in der die Organisation schon günstige agitatorische Erfolge und selbst Tarifabschlüsse zu verzeichnen halte, ist fast voll- ständig lahmgelegt, weil Export und Import ruhen. Andererseits sind zahlreiche Großbetriebe neu entstanden, hauptsächlich Konserven- fabriken, die Tausenden gelernten und ungelernten Arbeitern sowie Arbeiterinnen Arbeitsgelegenheit bieten. Dieses neue Gebiet beruflicher Tätigkeit brachte dem Verband neuen Boden für seine Ausbreitung. Drirw die vielen Einberufungen ivar die Mrtgliederzahl schon bis Ende 1914 sehr stark gesunken. Die Nachfrage nach Fleischergesellen konnte nicht befriedigt werden, ob- Ivohl erheblich höhere Löhne geboten wurden. Arbeiten, die früher nur gelernte Fleischer verrichteten, wurden immer mehr von unge- lernten Arbeitern ausgeführt. Der Verband zählte am Jahresbeginn 1915 in SS Zahlstellen «inschliesilich der Einzelzahler 3519 Mitglieder, darunter 499 weib- liche. Am Schluß deS Jahres 1915 bestanden noch 51 Zahlstellen mit 2610 Mitgliedern, einschliefzlich 905 weiblichen. Im Berichtsjahre wurden 3828 Neuausnahmen gemacht, wovon ein erheblicher Teil durch Einziehung zum Heeresdienst und durch Berufswechsel wieder verloren ging. Der Vcilragsmarkenumsatz ist gegenüber 1914 nur um ein Drittel zurückgegangen. Die Werbearbeit, die mit großem Eifer gepfleg! wurde, brachte gute Erfolge. Da? zeigen auch die Kassenverhälinisse. Die Gesamteinnahmen weisen einschließlich 47 3l0 M. Bestand vom Jahre 1914 die Summe von 172 726 M. auf; die Ge>amiausgabcn betragen 107 332 M., darunter 39 364 M. für Unterstützungen. An die Kriegerfamilien wurden seil Kriegsbegiun 47 888 M. gezahlt. davon im Jahre 1915 allein 36 878 M. Zum KriegshilfsfondS, der meist aus Exlrabeiträgen der Mitglieder gehalten wird, hat die Haupikasse insgesamt 7500 M. Zuschuß geleistet. DaS Vermögen des Verbandes' beträgt 67 623 M.; demnach ist der Kassenbestand um 20 313 M. gestiegen. Die außerordentlich günstige Zeit führte— allerdings auch ge« trieben durch die ungeheuerlichen Teuerungsverhältnisse— zu vielen sogenannten.wilden" Lohnbewegungen und Streiks, deren Ausgänge statistisch nicht erfaßt werden konnten. In die Statistik sind nur solche Bewegungen aufgenomnien. die im Auftrage oder mit Zu- stimmung des Verbandes durchgeführt oder geleitet wurden. Die statistisch erfaßten Bewegungen hatten folgendes Resultat: Ohne Arbeitseinstellung fanden statt: Angriffsbewcgungen in 31 Fällen in 15 Orten und 34 Großbetrieben mit 4883 Beschäftigten, darunter 2179 weibliche. Angriffsstreiks fanden 2 statt in 2 Orten und 2 Betrieben mit III männlichen Beschäftigten. Ein Abwehcstreik mußte in einem Betriebe mit 54 Beschäftigten geführt werden. Insgesamt wurden 34 Bewegungen in 18 Orten und 37 Betrieben mir 2874 männlichen j und 2179 weiblichen=> 5053 Beschäftigten geführt. Alle Bewegungen verliefen erfolgreich. Es ivurde erreicht an Arbeitszeitverkürzung für 3280 Perionen 18 176 Stunden pro Woche; an Lohnerhöhungen für 4663 Personen 14 705 M. wöchentlich; an sonstigen Verbesserungen thöhere Bezahlung der Ueberstunden, bessere Bezahlung oder Beseiti- pung der Sonntags- und Nachtarbeit u. dergl.) für 2874 Personen. Die Arbeitszeitverkürzungen schwanken zwischen und 15 Stunden, die Lohn- erhöbungen zwischen 1 und 17 M. pro Woche. Selbst für Arbeite- rinnen konnte bis 6 M. Lohnerböhung pro Woche erreicht werden. In den meisten Fällen wurden Tarifverträge abgeschlossen bezw. be- stehende erneuert.— Die Fleischteuerung wirkte am Jahresschluß schon sehr auf den Beschäftigungsgrad. Durch die neue Verordnung über die Einschränkung der Wurst- und Fleischkonservenfabrikation bat im Januar und Februar dieses Jahres eine große Arbeitslosig- keit eingesetzt, zumal in der zweiten Hätfle des Februar, nachdem kehr viele Konservenfabrikanten ihre Betriebe geschlossen haben und die Fabrikation von Dauerwurst fast gänzlich ruht. Ausland. Verschmelzungsbcftrebungen der schweizerischen Buchdrucker. Da? Zentralkomitee des Romanischen TypographenbundeS ist bc: der Weiterversolgung deS ihm von dessen letzter Delegierten- Versammlung erleilten bezüglichen Auftrages zu dem grundsätzlichen Entschluß gekommen, die Verschmelzung mit dem Schweizerischen Typographenbund vorzu'chlagen, um zu einem einheitlichen Verbände der Buchdruckergehilfen in der Schweiz zu kommen. Der»Guten- berg", das Organ des Romanischen TypographenbundeS, veröffenl- licht einen Aufruf zum Studium der wichtigen Verschmelzungzsrage. Ms der Partei. Totenliste der Partei. In O f f e n b u r g sBadenl starb der 78jährige Genosse Schneider- meisler Karl Berg, zuletzt Privatmann, der ein vorbildlich tätiges Mitglied war. Gefallene Genossen der italienischen„Jugendorganisation". Ter Verband der sozialistischen Jugendorganiiation I t a l i e n s veröffentlicht im.Avanli" die erste Liste der im Kriege gefallenen Mitglieder. Es sind 53 Namen, unter ihnen aucb der des Sekretärs des Verbandes, des Genossen Amedeo C a t a n e i i. Unter den Toten befindet sich auch ein Malroie, der mit der»Benedctto Briu" untergegangen ist. Die Mitglieder deS Jugendverbandes sind alle weniger als 21 Jahre alt, da sie. nach Ucberichreitung dieses Alters, in die Parteiorganisation eintreten. Ms Industrie und Kandel. Ter Austcnhandcl Frankreichs 1915. Die Gesamtergebnisse des Außenhandels Frankreichs im Jahre 1915 stellen sich wie folgt: die Einfuhr betrug 8074 Millionen Frank, die Ausfuhr nur 3022 Millionen. ES wurde also für den außerordentlich hohen Betrag von 5052 Millionen Frank(= 4142 Millionen Mar! nach dem Nennwert) mehr Waren nach Frankreich eingeführt als von dort ausgeführt, wodurch ein entsprechender Geldabfluß aus dem Jnlande nach dem liefernden Auslände ver- ursacht wird. Die große Einfuhr wurde durch die Bedürfnisse der Kriegszeit sowie durch den Ausfall der sonst im besetzten Nord- frankreich gewonnenen Produkte herbeigeführt, wobei zu erwähnen ist, daß die Kriegslieferungen aus dem Auslande für die fran- zösische Regierung in den obigen Zahlen nicht enthalten sind. In den Vorjahren 1914 und 1913 betrug die französische Einsuhr 6402 bzw. 8508 Millionen Frank und die Ausfuhr 4869 �zw. 6875 Millionen Frank. Die Passivität der Handelsbilanz betrug mithin 1914: 1533 Millionen, 1913: 1633 Millionen Frank, sie wurde aber durch die den Franzosen aus ihren Kapitalanlagen im Auslande zu- fließenden Dividenden und Zinsen gedeckt. Die Unterbilanz des Außenhandels 1915 ist aber viel größer als der Gesamtbetrag der Zinseneingänge. Dazu kouimt noch, daß während des Krieges die Zinsen aus dem feindlichen Auslande überhaupt nicht eingehen, dem russischen Staate aber, der gegen große finanzielle Schwierig- ketten ankämpft, sind sie gestundet. Russische wirtschaftliche Pläne am Stillen Ozean. In einem Artikel über die Eisenindustrie in Sibirien und Russisöb« Ostasien führt Korsuchin in der.Torgowo-Promystblennaja Gaseta" vom 18. Februar u. a. folgendes aus:.Hochbedeutsam ist es. daß ausgezeichnete Eisencrz-Lagerstätten unmittelbar an der Küste des Stillen Ozeans an den bortresflichen natürlichen Buchten der Heiligen Olga und des Heiligen Wladimir liegen.(Dort arbeitete die Bergweris-Äkticngesellschafl.Tetuchü", deren Besitz laut Beschluß des russischen Ministerrats vom 16. Februar beschlagnahmt wurde und freihändig verkauft werden soll, da die Gesellschaft angeblich .unter deutschem Einfluß steht".) Man könnte zunächst daran denken, die Ausfuhr der Eisenerze nach Japan zu organisieren, das ziemlich arm daran ist; aber da in Ruisisch-Ostafien und aus Sachalin gute Kokskohlen vorbanden sind, wäre die Errichtung einer Eisenhütte an diesen Buchten und die Ausfuhr von Roheisen noch Java» da? Gegebene. Selbst- verständlich könnte man auch Halbfabrikate und Fertigwaren aus- führen. Ein tiefgehendes Studium der Frage fübrt jedoch zu weiter reichenden Plänen. Es sollte dort das Material für eine russis che Schissswerft hergestellt werden, eine Handelsflotte aus dem Stillen Ozean ist für Rußland eine Notwendigkeit. Die Schassung einer solchen Flotte wird jedoch unter den jetzigen Ver« Kältnissen, da die bisher allein in Betracht kommenden japanischen Werften mit Arbeit überhäuft sind, sehr erschwert. Der Bau einer russischen Schiffswerft am Strllcn Ozean ist eine Staats- Notwendigkeit I Die Weltgeschichte der letzten Jahrzebnte hat unzweifelhaft dar- getan, daß der Stille Ozean immer größere Bedeutung gewinnt. und vielleicht haben diejenigen gar nicht so unrecht, welche die Verlegung de? LebenSzentrumZ der Welt an die Küsten des Stillen Ozeans voraussagen. Ohne so weit zu gehen, darf man doch nicht unausgesprochen lassen, daß schon jetzt die Handelsintereffen Rußlands auf dem Stillen Ozean so real und groß sind, daß der Bau einer entsprechenden Handelsflotte eine außergewöhnlich große, das ganze Reich angehende Be- dcutung hat."_" Kriegsgewinuc. Die Elektrotechnische Fabrik Rheydt Max Schvrch u. Co. A.-G.> die ihre Dividende von 12 auf 20 Proz, erhöht, bemerkt dazu im Geschäftsbericht:.Im abgelaufenen Geschäftsjahre waren wir in allen Teilen voll beschäftigt und mußten vielfach Nachtschichten zu Hilfe nehmen. Die neuen Fabrikanlagen wurden, soweit dieselben im Laufe des Jahres fertiggestellt werden konnten, sofort in Betrieb genommen. Dadurch war es möglich, unseren Umsatz aus etwa das Fünffache der vergangenen Jahre zu erhöhen; diesem Umsätze entsprechend ist auch der Gewinn gestiegen, um so mehr, als die Unkosten nur ivenig in die Höhe gegangen sind." Der Rohgewinn stieg von 0.38 auf 3,58 Millionen Mark; ist also rast zehnmal so hoch wie im Vorjahre. Ueber die Abichrei- b u n g e n wird u. a. berichtet:.Aus die allen Fabrikanlagen sind mit Rücksicht darauf, daß dieselben demnächst vollständig stillgelegt werden, größere Abschreibungen für nötig gehalten worden. Aus Maschinenkonlo sind keine Zugänge. Die neu hinzugekommenen Maschinen dienen fast durchgängig für die Herstellung von Kriegsmaterial und haben nach Erledigung dieser Arbeilen nur geringen Wert, weshalb diese Anschaffungen auf Un« kostenkonto gebucht wurden. Die vorhandenen Maschinen haben durch die übermäßige Beanspruchung insbeioiidere für Kriegsliefe- rungen sehr stark gelitten und es ist angebracht, größere Abschreibungen hierauf vorzmtehmen." Die Magdeburger Bergwerk A.-G, erzielte trotz geringerer Kohlenförderung einen höheren Ueberschuß als iin Vorjahre. Der Gesamiüberschuß flieg von 1,047 auf 1,255 Millionen Mark. Als Reingewinn verbleiben 951 060 M. igcgen 695 745 M.). woraus 30 Pro z. Dividende gezahlt werdencr Welbstenfel. Mittwoch: Der Wclbatcnfel. Volksbühne. Theater a.Bülowpl. ß'�U.; Fahrmann Hensclicl. Dir. Meinhard-Bernauer. Theater i.d.Königgfatzerstraße 8 Uhr: Kameraden. ICcmodienliaiis T1/, Uhr, zum ersten Male: Das Mädchen aus der Fremde. Berliner Theat. 8 Uhr: Wenn zwei Kcchzelt machen. Lessing-Theater. Direktion: Victor Parnowsky, 8 Uhr: Die gutgeschnittene Eck». Mittw.: Die gutgeschnittene Ecks. Donnerstag: Peer Gynt. Deutsches Künstler-Theater. AUahendlioh 8 Uhr: Die selige Exzcllena. URANIA Tanbenstr. 48/48. 8 Uhr: Aegypten, der Suezkanal und der Weltkrieg. Theater für Dienstag, den 29. Februars Deutsches Opernhaus Charlottbg. 7 uhr: Tannhäuser. Friedrich-Wilhelmsiädt. Theater. s uhr: Das Dreimüderlhaus. Oeor. HermfC SCi-Theater 8 uhr: Sokraies udiI Perlutter. Kleine» Theater. b uhr: Münciiliausen. Komische Oper. s uhr: JungniuO man sein LiU stsp i c I h ans. ev. uhr: ßgr Gatte fles Fräuleins. Metropol-Theater vi, v: Die Kaiserin ÄiU Montlh Operetten-Theater 8 uhr: Der Sterngucker. Heelden» Theater s*/. uhr: Loge No. 7 SÄ Schiller-Theater O. s uhr: Diegeibe Nachtigall Schlller-Th.Chnrlottenbg. 8 Uhr: ülÜmO. Thalia Theater. 8 uhr: Drei Paar Schuhe. Theater am\olIendorfpl. 3»/. Uhr: Wilhelm Teil. 3-/.U.- Immer teste druff! Theater de» Weaten» 8 uhr: Das Fräulein vom Amt. mit Guido Thielscher. Trlanon-Theater. s'i.u.: l/erlieiratete Jongpelleii. Rose-Theater. s nhr: Der Hochtourist. Morg.: Ich lasse Dich nicht. Walhalla-T heater. suür: Qrifgri. Mittwoch 4 Uhr: 1001 Rächt. Luisen-Theater. Täglich 8,15: Charlotte Klinger Mittwoch 4 Uhr: Scht!ttmtßthetltl.Knstltrot. Nur noch heule morgen 8 Uhr: das erfolgreiche Februar-Programm! Zum Tchlust: Letztes Auftreten: Glotiide von Derp Tänze sowie der reichhaltige Anf. 8 Uhr, Sonnt. 31/, u. 8 Uhr. I-etzter Tag des großen Februar-Programms. 12 zugkräftige Nummern 12 M. W allis flieg. Hunde Margaretiiis Wundergarlen Joseph Plaut Asra. Billardkiinstler Morgensterns Landsturm usw. Relchsballen-Theater. Stettiner Sänger. Z. Schluß z. 124. M.: „Dia von der Emden." Für Militärperionen irtitt Eintritt zu den Anfang 8 Uhr. stett. Sängern. Februar- Spielplan. Außerdem: Die schöne Komödiantin Operette in 1 Akt v. Eugen Burg u. Louis Taufstein. Musik von Leo Ascher. Mitwirkende: Else Berns— Lotto Werkmeister v. Thaiia-Th. a. G.— Gustav Matzner— Heinrich Peer— Julius Spielmann V olgt-Theater. Casino- Theater Lothringer Str. 37. Tagt. 8 Uhr: Nur noch bis S.Mdrz�MG der Possenichlagcr Was machste mt? Freitag, 3. März, zum 1. Male ein ueues Pcrtincr Nolksfturt. Sonntag 4 Uhr: Ihr Gottlieb. Possen-Theater Linien- traße, a. d. Fnedrichstr. 8'/. Sfl. Kobis Abenteuer Der große Augenblick mit Leonhard Haskel und Siegfried Berisch Badstr 58. Badstr. 58. Admiralspalast 8is-Arena Großes Sis-BaUett. -/X Uhr. 2.». 4 M. Vorziigllchc Küche! Morgen Mittwoch, den 1. März: Kill Teufelsweib. Lebensbild mit Gesang in 4 Auszügen von Nud. Schwarz-Rciflingen. Kabeneröfinung 7 Udr. Ani. 8 Ubr.____ Mier Konzerthaus. Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/91. TägUoh: Großes Konzert Berliner Konzerthaus-Orchester Fra�/v.nSi«n! Anfang 8 Uhr. Eintritt 30 Ff. Anfang 8 Ihr. Freitag, den 3. er.; Volkstümliches Konzert des Berliner SUngervereins E. V.(Cacilia Melodia 1856) während der Kriegszeit unter Anschluß vom Berliner Münner- Gesangverein und Berliner Sängerkraaz.__ Verautw. Redait.: Alfred Wielep», Neukölln. Jnüralentetl perantw. TH. Glocke. Berlrn. Druck u. Verlag: Lorwarr» Buchdr-u. Veriagsanuait ParüSmger& Co, SBctlia 8W. Hierzu 1 Beilage u, Uuteryaltuug-bt. Dt. 59. 33. IahrMg. ßfilnilf des Jmiärto" littlinft WlksdlM Dmstag. 29. Febrvar 1916. Märzagitation. Von Luise Zieh. � Unsere Genossinnen haben überall mit großer Freude den Beschluß des Partcivorstandes begrüßt, der besagt, daß in der gleichen Zeit wie in Oesterreich-Ungarn,— vom 12. bis 26. März,— auch in Teutschland überall Versammlungen stattfinden sollen, in denen die wichtigen Fragen der Erwerbs- arbeit und der Staatsbürgerrechte der Frauen erörtert, und die große Bedeutung unserer Organisationen und unserer Presse aufgezeigt werden sollen. „KriegSsrauentag" nennen unsere österreichischen Ge- nossinnen ihre Versammlungen und uns Deutschen gilt unsere Veranstaltung gleichfalls als sozialistischer Frauen- tag, desien Bedeutung noch erhöht wird durch den aus- drücklichen Beschluß des Vorstandes: überall die Männer mit einzuladen. Damit ist schon ausgedrückt und anerkannt, daß das Problem der Frauenerwerbsarbeit, besonders so wie es sich während deS Krieges gestaltet hat, eine Angelegenheit von größter Wichtigkeit nicht nur für die Frauen, sondern für die Gesamtpartei ist. � Dasselbe gilt von der Forderung der staatsbürgerlichen Frauenrechte, die von der Sozialdemokratie programmatisch festgelegt und grundsätzlich von ihr in den Parlamenten, den Versammlungen und der Presse stets vertreten worden ist. Eine Forderung, deren Bedeutung gegenwärtig größer als je zuvor ist. Organisation und Prssie aber sind die besten Mittel, wie zur Vertretung unserer Interessen überhaupt, so auch zur Durchsetzung der besonderen Frauenforderungeu. Und während des Krieges, der den größten Teil unserer besten Genossen zu den Fahnen rief, ist es doppelt Pflicht der Daheimgebliebencn, insbesondere auch der Frauen, nicht nur das Gesüge unserer Organisation aufreckt zu erhalten, in sozialistischer Treue an dem Leben der Partei teilzu- nehmen und auf dieses nach Maßgabe unserer Kräfte einzuwirken, sondern außerdem auch unablässig die Zeit zu nutzen, um neue Anhänger unserer Weltanschauung, neue Mitglieder unserer Organisation zu werben, neue Abonnenten und Leser unserer Presse zuzuführen. Dazu sollen ebenfalls unsere„Frauentagsversamm- lungen" dienen. Zur Unterstützung dieser Aktion werden Redaktion und Verlag der„Gleichheit" die fällige Nummer 13 unserer Frauen- zeitschrift als „Frauentagszeituug" ausgestalten. Die besonders bestellten Agitationsmimmem werden wesentlich billiger zur Verfügung gestellt: mit 2 Pf. pro Exemplar ausschl. Porto, ganz gleich, ob 50, 100, 500 oder mehr Exemplare verlangt werden. Sache unserer Organisationen(und in diesen besonders Aufgabe der Genossinnens ist es, für sofortige Bestellung beim Verlag I. H. W. Dietz, Stuttgart, und fiir die weiteste Verbreitung unserer Fraucnwahlrechts-Zeitung Sorge zu tragen; gleichzeitig aber auch eifrig dauernde Abon- n e n t e n der„Gleichheit" zu werben. Genossinnen, ist es während der Kriegszcit auch nicht mög- lich, in der alten Weise unseren Frauentag zu begehen, werden sich vielleicht selbst der vom Vorstand beschlossenen Form unserer Aktion Schwierigkeiten entgegenstellen, so bin ich doch überzeugt, ihr werdet, gerade deswegen, um so mehr mit Hingabe. Eifer und starkem Wollen für ein gutes Gelingen arbeiten. Wird doch unsere Freude über die geplante Veranstaltung noch erhöht und unsere Tatkraft angefeuert durch die Tatsache, daß mit unS in gleicher Weise die österreichischen Genossinnen, die in warmer Freundschaft uns verbunden sind, die Frauentags- Versammlungen veranstalten, und daß von der holländischen Bruderpartci, die ja nicht unter dem Kriegsrecht steht, der März zu einer umfassenden Agitation für das Frauenwahlrccht ausersehcn ist. Im Geiste aber werden die sozialistischen Ffrauen der ganzen Welt bei uns sein, mit denen uns der innige Wunsch verbindet, daß recht bald die Friedensarbeit uns wieder zu- sanimen führen möge, zum gemeinsamen Ringen für Rechte und Freiheiten des Proletariats. fius Groß-öerlin. Der Ziegelstein. Mein Weg führt mich durch einige Straßen. Da kreuzt ihn ein kleiner, pfiffig aussetzender Junge von kaum sechs Jahren. Er trägt auf der Schulter einen großen Ziegel- stein. Ter schmalen Schulter ist die Last wohl nicht leicht, denn alle 20 bis 30 Schritt legt er den Stein vorsichtig hin, tzolt tief Atem und reibt sick die rotgefrorenen Händchen. Bald bin ich an feiner Seite. Er bleibt wieder stehen. Doch als ich ihm abladen helfen will, setzt er eine gewichtige Miene auf: „Vorsicht, der is nämlich nich meine." „So so, na, dann wollen wir ihn vorsichtig hinlegen." Während er sich wieder die Hände reibt und ausruht, werden wir gute Freunde. Und nun höre ich folgendest „In der Hofinauer vom ersten Hof(wir wohnen im zweiten) is ein Loch, da sind ein paar Steine locker, da is er her. Wenn ick zurückkomme, leg ick'n wieder hin." „Ja, aber wo willst Du denn hin mit dem Stein?" „Na, Butter hol'n!" „Butter holen?" „Na, ja.— Weil Vater in's Feld mußte, muß Mutter doch jetzt soviel auf Arbeit. T-a schickt sie im eben mir alle Wege, und Grete vaßt inzwischen auf die Kleinen auf." „Aber, lieber Junge, wieso brauchst Du denn den Ziegel- stein zum Butterholen?" „Na, auf den stell ick mir doch, weil's immer so naß is und so lange dauert. Da friert mir wenigstens an die Füße nich so sehr!" Eine Stunde später, auf meinem Rückweg, sehe ich ihn noch vor dem Butterladen warten. Er steht auf seinem Stein, beide Fäustchen in die Hosentaschen gebohrt und— friert. Sief), er friert trotz seiner erfinderischen Vorsichtsmaßregel doch so sehr. In der langen, langen Reihe standen zwischen den ab- gearbeiteten Frauen noch viele Kinder, ältere und auch noch jüngere—„Vater muß ins Feld, Mutter muß so- viel auf Arbeit"— und warteten und froren in dem naßkalten Wetter— um ein wenig Butter zum Brot. Bezugskarten für Reis und Hülsenfrüchte. Die Abgabe von Reis und Hülsenslüchten erfolgt in Berlin auch für den Monat März in der üblichen Weise. Die Bezugskarten werden wieder ausgegeben: an die von der Armenverwaltung Unter- stützten durck die Armenkommissionen, an die Arbeitslosen durch die städtischen Geschäftssiellen der Arbeitslosenfürsorge. Soweit die Landesverficherungsanstalt, Gewerkschaslen. Verbände usw. Arbeits- losenunterstützuug zahlen, lönnen diese Stellen die Karten bewilligen. Die KriegsunlerstützungSempfänger und die Kriegerwitwen erhallen die Karlen durch die Broikommissionen gegen Vorlegung deS Unter slützungsbogens oder der Nachricht der Intendantur, welche für die Kriegerwitwen die Gebührnisse festsetzt. Zur Vereinfachung des AusteihmgSgcschäsiS wird die Verteilung an Kriegs unterstützte und Kriegerwitwen so vorgenommen, daß sie erfolgt: für Personen, deren Namen mit den Buchstaben.Ä.— G einschließlich beginnen, am Mittwoch, den 1. März 1913, für Personen, deren Namen mit den Buchstaben H— L einschließlich beginnen, am Donnerstag, den 2. März 1916, für Personen, deren Namen mit den Buchstaben lll— R einschließlich beginnen, am Freitag, den 3. März 1916, für Personen, deren Namen mit den Buchsraben 8—? einschließlich beginnen, am Sonnabend, den 4. März 1913. Alle übrigen Hilfsbedürftigen, soweit sie nicht von der Armen- Verwaltung oder der Arbeitslosensüriorge unterstützt werden, müssen sich an die über das ganze Stadlgebier verteilren für die Ausgabe der Karten besonders eingerichteten Stellen des Nationalen Frauen- dienstes wenden. Städtische Kartoffeln nur gegen Karte! Der Magistrat Berlin gibt bekannt, daß von heute, den 29. Fe- bruar, ab. in den städtischen Kartosielvcrkaufsstellcn Kartoffeln nur gegen Vorlegung der weißen Ausiveiskarie für den städtischen Lebensmittelverkauf in Verbindung mit einer Brotkarte abgegeben werden. Die Abgabe von Kartoffeln wird durch einen Vermerk auf der Brotkarte verzeichnet. Mehr als 10 Pfund Kartoffeln werden an den einzelnen Käufer keinesfalls abgegeben. Aus eine Brotkarte, auf der sich der Vermerk befindet, werden weitere Kartoffeln nicht mehr verkauft._____ Ein falscher Soldatenfreund wurde gestern aus dem Schlefiscken Bahnhose festgenommen. Hier verkehren viele Soldaten entweder auf der Durchreise oder auch beim Eintreffen zum Urlaub oder beim Wiederausrücken ins Feld. Diese letzten besonders suchte sich ein älterer Mann aus, um sie in der Maske eines Helfers zu bcstehlen. Die Krieger, die wieder hinausziehen, sind in der Regel mit Paketen schwer beladen. Sie nehmen nicht nur für sich selbst mir, was ihnen die Liebe ihrer Angehörigen zugedacht hat, sondern sorgen auch noch für ihre Kameraden, deren Familien sie in der Heimat aufgesucht haben. Bei ihrem Aufenthalt in Berlin haben sie oft dieses und jenes noch zu besorgen, oder sie trinken wohl auch in der Nähe des Bahnboss noch einen Abschiedsichoppen, Da kam ihnen nun ein freundlicher Helfer gerade recht. Der alte Mann. der sich in den Wartesälen und auf den' Fluren herumdrückte, leistete ihnen alle möglichen Handreichungen und verwahrte ihre Pakete, wenn sie einmal auf kurze Zeit weggehen wollten. Leider mußien die Krieger mcbr als einmal erfahren, daß sich der freundliche Hüter ihres Gepäcks selbst bezahlt gemacht hatte. Wiederholt war er, wenn die Leine zurückkehrten, mit ihren Paketen verschwunden. Iii einem Falle hatte er 6—3 auf einmal mitgenommen. Der„Helfer", der auf diese Weise allerhand Lebensmittel und andere Werlsachen er- beutete, ließ sich, wenn er einen guten Zug gemacht hatte, eine Weile nicht mehr sehen, kehrte dann aber wieder zurück, um neue Opfer zu suchen. So erschien er auch gestern wieder und wurde festgenommen, als er gerade wieder mit einigen Paketen verschwinden wollte. Die Kriminalpolizei stellte den Verhafteten fest als einen 62 Jahre alten früheren Tischler, der bisher noch nicht bestraft ist. Eine Jubilarin. Zu den wenigen, die nur vierzehnmal ihren Geburtstag feiern konnten und dennoch heute auf 60 Lebensjahre zurück- blickeu können, gehört unsere rüstige Genossin Margarete W e n g e l s. Die stets reisige Kämpferin für die Interessen der Slrbciter stammt aus Krefeld, aus einer fromm-katholischen Familie. Bereits vor 39 Jahren wurde sie Sozialdemokratin und Parteimitglied. Wenige Jahre später zog die seit 1876 Verheiratete mit ihrem Mann, dem Seidenwirker Stöbert WengelS, vom Rheinland Nach Berlin. Hier entfaltete unsere Genossin im Verein mit ihrem Plann eine rührige Tätigkeit. Häufig wurde bei Genossin Wengels unter dem Sozialisten- gesetz gehaussucht. Ohne Erfolg; der Kinderwagen führte während der Haussuchung oft einen der„kleinen Wengels", als Besitzer der Flugschriften, nach denen gehaussncht wurde, spazieren. An„kleinen Wengels'" hat unsere Jubilarin ihrem Manne dreiJnngenund sechs Mädels geschenkt und alle zu eifrigen Genossen erzogen. Genossin Wengels war Mitglied deS im Jahre 1885 unter Vorsitz der Genossin Staegemaun gegründeten, im nächsten Jahre polizeilich und gerichtlich geschlossenen Vereins der Mänteluäherinnen. Unermüdlich suchte die Gc- nossin auf politischem und aus gewerkschaftlichem Gebiet auf- zuklären, zu beleben und anzufeuern. Ihre Tätigkeit-in der Lokalkommission der Schneider ist bekannt. Wegen ihrer Tätigkeit wurde unsere Genossin auch auf die Anklagebank ge- bracht. Das Landgericht in Greifswald verurteilte sie anfangs der neunziger Jahre zu einem Monat Gefängnis: in der Er- örterung des Satzes„wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe" wurde eine Straftat gesunden. Die Slbbüßung erübrigte sich durch die im Jahre 1895 erlassene Amnestie. Viele Jahre hindurch war Genossin Wengels die unbesoldete Ver- trauensverson der Frauen Deutschlands. Bis zum heutigen Tage ist sie die anfeuernde, unerschrockene Vorkämpferin für die Interessen des Proletariats. Möge ihr vergönnt sein, noch recht lange ihre segensreiche Tätigkei'l auszuüben. Ein Glück- auf der Kämpferin!_ Bei einem»crdächtige» Goldwarenhandel wurden gestern ein 19 Jahre alier Optiker und ein 18jähr>ger Arbeitsbursche ertappt. Die beiden lrieben sich an der Versteigerungsballe in der Schön- hauser Straße herum, wo die hehleriichen Händler sich zu ihren Einkäufen regelmäßig einzufinden pflegen. Kriminalbeamte beob- achteten sie und sahen, wie sie eineni� Manne Goldsachen zum Kauf anboten, lieber den Erwerb dieser Sachen zur Rede gestellt, konnten sie sich nicht ausweisen. Sie wurden deshalb nach der Revierwache gebracht, und die Ermittelungen ergaben bald, daß die Sachen, die sie bei sich führten, aus einem Schaukasteneinbruch in der Gotzkowsly- siraße herrührten. Hier halten sie für 693 M. Schmucksachen er- beutet. Die beiden haben wahrscheinlich noch mehr auf dem Kerbholz. Die Heimstätte HeincrSdorf ist nach erfolgter Desinfektion nun- mehr wieder für erholungsbedürftige Kinder geöffnet. Zur letzten Ruhe. Am Sonntagmittag wurde die Gefährtin des Stadtverordneten Genosien Gottfried Schulz unter starker Beiciligung, vor allem der Frauen des 2., S. und 4. Wahlkreises, auf dein städiischen Friedhofe in Fricdrichsfelde zur letzten Ruhe bestattet. Auguste Schulz, in der Oeffentlichkeit nie hervorgetreten, hat um so mehr im stillen für die Partei gewirkt. In der schweren Zeit des Ausnahmegesetzes entwickelte sie ihr Talent. Sie war eine der wenigen Genossinnen, die unter den schwierigsten Verhältnissen die aus Zürich ankommenden Pakets an die richtigen Adressen besorgte. In ihren Wohnungen in der Wiener Straße 11, Manteuffelsiraße 7 und Adalbertstraße 94 sind mehr als zwanig Haussuchungen nach verbotenen Schriften usw. abgehalten worden. Immer war es Auguste, die dafür sorgte, daß die Polizei unver- richteter Sache wieder abziehen mußte. Ihre letzte Lebenszeit war voll schwerer Leiden. Seit 3 Jahren war sie blind, daneben schwer zuckerkrank. Aber auch in diesen Leidensjahren hat sie ihr liebenswürdiges, mit Humor gewürztes Gemüt nicht verloren. Wo die Verstorbene Not lindern konnte, war ihr das eine besondere Freude. Alle, die sie kannten, werden der „Gottfrieden", wie sie unter den Bekannten genannt wurde, ein bleibendes Andenken bewahren. Berliner Mundart und Humor. Im Kreise der Vereinigung Akademischer Unterrichtskurse für Arbeiter sprach am Sonntagabend der Berliner Geschichtssoricher Dr..Hans B r e n d i ck e in der vollbesetzten Aula deS Dorolheenstädtischen Gymnasiums über„Ber- Ii ix er Mundart und H u m o r". Die Berliner Mundart hat zwar viele Eigentümlichkeiten, sie hat an sich aber eine Berechtigung wie jede andere deutsche Mundart auch. Sie ist noch leineöwegs abgeschlossen, sondern lebensfähig; neue Wortprägungen, auch aus dem Felde, beweisen es. Eigentliche Berliner, also deren Ellern schon Berliner waren, gibt es nach der Statistik nur noch 49— 45 Prozent. Von den uns bekannten Vertretern des Berlinertums waren Kalisch, Dohms, Loevenstein, die sogenannieir Kladderadalschleule, ferner Sünde und Steiteuheim keine geboceucii Berliner, dagegen Adolf Glasbrenner, Schmidt-EabaniS u. a. In die Berliner Mundart hat sich vieles eingeschlichen, besonders französische Warle, zuerst durch die vom Großen Kursürsien aufgenommene» Hugenotten, dann auch durch die Franzosenzeit 1893 bis 1813. Eine Eigentümlichkeit in der Berliner Mundart sind auch die vielen Woriverdrchuugen, ferner die aus dem Tierreich entliehenen SkamenSverbindungen und andere. die an irgendeine Tätigkeit anknüpfen. Dr. Brendicke sprach dann vom Berliner Humor und seinen bekanntesten Veriretern. und las einige ihrer Schöpfungen, u.a. Schmidi-EabaniS:„Die Afrikareiie", „Sleuberlin", Johannes Trojan:.t888er Weine", Dohms:„Die vier Fragen", Marlin Bendix:„Lieder der Goldenen Hundertzeh»". Den Beschluß deS Abends bildete die von Lichtbildern begleiicie Schilderung Berliner Typen und Szenen aus dem alten Berlin, wie der alte Chrisimarkt, der Stralauer Fischzug, eine Schlitterffahrt in den Zellen, der Guckkastenmann, der alte Wächter, 1848er Bürgerwehr, die alte Jüdcnstraße und anderes. Reicher Beifall bc- lohnte den Redner._ Ucbcr den rätselhaften Selbstmord eines Siebzehnjährigen wird ans der Franzstraße Nr. 8 berichtet. Hier wurde in der Familie seines Oheims von Kindheit an ein Schnciderlehrling Ariur Neu- mann aufgezogen. Am Sonntagnachmittag gingen der Oheim und die Tante aus. Der Neffe sollle nachkommen. Neumann unterhielt sich auf der Straße noch mit seinen Freunden und verabschiedete sich dann mit dem Bemerken, daß er hinaufgehen wolle, um Kaffee zu trinken. Seitdem sah man ihn nicht wieder. Als der Hauspförtner abends das Treppenlicht anzündete, fiel ihm ein Gasgeruch auf. Leider ging er seiner Ursache nicht nach. Als später der Oheim Sien« manns mit seiner Frau heimkehrte, fanden sie keinen Einlaß, weil von innen abgeschlossen war, und mußten durch einen Schlosser öffnen lassen. Der junge Neffe saß jetzt regungslos � auf einem Stuhl vor dem Gasautonialen, dessen Leitung er geöffnet hatte. Samariter der Feuerwehr bemühten sich drei Stunden lang, ihn ins Leben zurückzurufen. Aber alle Versuche blieben erfolglos. Die Leiche wurde von der Revierpoltzei beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Was den jungen Mann iit den Tod getrieben habeil kamt, weiß niemand. /ius öen Gemeinden. Morgen Gemeindcwahl in Steglitz. Das Interesse an der diesjährigen Wahl beschränkt sich auf den ersten Wahlbezirk, den sogenannten Schloß st raßen bezirk, weil nur dort ein Arbeiierkandidat, Genosse Hamburg, aufge« stellt ist. Das schließt aber nicht aus, daß trotzdem eine Anzahl Wähler, die jetzt im zweiten Bezirk wohnen, ihr Wahl- recht im ersten Bezirk ausüben können und müsseit. Die Wahl findet auf Grund der vorjährigen Wählerliste statt, deshalb ist jeder, der am 30, Januar 1915 24 Jahre alt war und damals im ersten Bezirk wobnie, wahlberechtigt, auch wenn er inzwischen nach dem zweiien Bezirk oder sogar nach außerhalb verzogen ist. Vor- ausseizimg der Wahlberechtigung ist natürlich, daß er überhaupt in ber Wählerliste siebt. Die Wahl findet morgen, Mittwoch, den 1. März, von 10 bis 2 und SlU bis 8 Uhr im Schloßpark statt. Legitimation(Steuerlarte usw.) ist vorsichtshalber instzubringell. Jeder Parteigenosse muß sein Wahlrecht ausüben. Bcschluff des Wahlvereins Adlershof. In der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins wurde folgende Resolution einstimmig angenommen:„Die Mitglieder- Versammlung des Wahlvcreins Adlershof nimmt mit Bedauern Kenntnis von der auf der letzten Vorständekonferenz angenommenen Resolution, ivelche die bekannte Sonderaktion der zwanzig Genossen verurteilt. Wenn schon die Abstimmung dieser Körperschaft über eine das Wesen und die Grundsätze der Partei ausS engste be- rührende Frage entgegen der bisher geübten Praxis als eine Regel- widrigleit bezeichnet werden muß, so kann sie nach Ueberzeugung der Versammellen niemals ein Bild der wirklichen Meinung der breiten Masse der Parteigenossen unseres Kreises geben. Die Ver- sammlung fordert deshalb den Zentralvorstand auf, in allernäivster Zeit eine Generalversammlung einzuberufen, in der die die Kon- ferenz beschäftigende Tagesordnung zum Gegenstand erneuter Vcr« Handlungen gemacht wiro." Soziales. Ein Protest der Hausbesitzer. Gegen die WohnungS Untersuchung der All- genieinen Ortskrankenkasse der Stadt Berlin, die wir in Nr. 38 des„Vorwärts" besprachen, wendet sich eine vom Vorstand des Grundbesitzervereins Frankfurtertorbezirk heraus« gegebene Broschüre. Sie gibt den Vortrag des praktisches Arztes Dr. Goldstein und andere Reden wieder, die in einer Versammlung des genannien Vereins gehalten worden sind. Der Vorstand deS Grundbesitzer Vereins sandle uns die Broschüre, damit wir von ihr Kenntnis nehmen, denn das einfache Gefühl der Gerechtigkeit ver- lange, daß auch der angegriffene Teil gehört werde. Awar sind die Hausbesitzer weder durch die Veröffenilichung der Allgeineinen Ortskrankenkasse noch durch unseren Artikel angegriffen worden. Aber wir haben von ihrer Broschüre Kenntnis genommen und müssen sagen: Ter Vorstand des GrundbcsitzcrvercinS Frank- furtertorbezirk ist sehr naiv, wenn er annimmt, durch ein paar wenig sachliche VersammlungSreden und Annahme einer Protestresolution könnten die Ergebnisse einer mühevollen, streng sachlich durchgeführten Arbeit— das ist die Wohnungsuntersuchung der Allgemeinen Ortskrankenkasse— ihre- Werte? entkleidet werden. Die von der Allgemeinen OrtSkrankcnkasse veröffentlichten Zahlen und Tatsachen können natürlich nicht als unzutreffend hingestellt Ivcrden. Die Art der Darstellung ist es, die den Hausbesitzern so sehr mistfällt. Mit anderen Worten: die ganze Richtung pastt ihnen nicht. Welcher Art ist denn die Darstellung deS statistischen Materiols der Allgemeinen OrtSkrankenkaffe? Durch trockene Zahlen und nackte Tatsachen wird gezeigt, wie die Wohnungen beschaffen sind, welche die Krankenbcsuchcr bei Ausübung ihrer Tätigkeit gesehen haben. Daneben werden die Forderungen angeführt, welche namhafte Autoritäten auf dem Gebiet der Hhgicne im Interesse der VolkSgcsundheit an die Be- schaffeuheit der Wohnung stellen. Hieraus ergibt sich für den un- befangenen Leser der Statistik, dast ein erheblicher Teil der Woh« nungen in Berliner Miethäusern selbst den bescheidensten An« forderungen der Hygiene nicht entspricht und dast ein anderer Teil der Wohnungen an sich zwar einwandfrei ist, aber dadurch zu Bedenken Veranlassung gibt, daß diese Wohnungen von zu vielen Personen bewohnt werden. Viele Familien der minderbemittelten Bevölkerung wohnen also unter Verhältnissen, die gesundheitsschädigend wirken können und unter Hinzutreten anderer Umstände gesundheitsschädigend wirken müssen. Dast mancherlei Miststände im Berliner Wohnungswesen herrschen, hat weder der Bearbeiter der Statistik noch unser Artikel den einzelnen Hausbesitzern zum Vorwurf gemacht. Handelt es sich doch um Mist- stände, die durch die Bodenspekulation verschuldet sind und die da- durch bedingte ungesunde grohstädlische Bauweise: das System der Mietskaserne.— In diesem Sinne spricht die Veröffentlichung der Allgemeinen Ortskrankenkasse allerdings gegen das herrschende Wohnungssystem und für eine von gesunden sozialen Gesichts« punkten getragene Wohnungsreform, aber sie enthält nicht— wie der Vortragende Dr. Goldstern sogt— Material zur Agitation gegen die Hausbesitzer. Ein unerklärlicher Irrtum deS Vortragenden ist es auch, wenn er in der Veröffentlichung der Allgemeinen Ortskrankenkasse die Erklärung gelesen haben will:.... wir sind der Ueber- zeugung, dast die Gesundheit der Menschen von ihrer Wohnung abhänge."— Solch ein Unsinn steht natürlich nicht in der erwähnten Veröffentlichung. Sie sagt nur, dast die Beschaffenheit der Wohnung in hohem Grade auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung ein- wirkt. Aber auch diese Selbstverständlichkeit scheint Dr. Goldstein bestreiten zu wollen. Sagt er doch, da die Allgemeine Ortskranken- lasse nur 4 Prozent aller Berliner Wohnungen untersucht habe, könne sie sich kein Urteil erlauben über den Einflust der Wohnung auf die Gesundheit der Bevölkerung.— Umgekehrt könnte man schlietzen: Wenn sich schon unter einem kleinen Teil der Wohnungen so viele finden, die den Anforderungen der Hygienikcr nicht entsprechen, dann mnst das Gesamtbild noch viel düsterer sein, als cS die Veröffentlichung der Allgemeinen Orts- krankenkasse erkennen lästt.— Wenn die Hausbesitzer Sturm laufen gegen die Aufdeckung von Mistständen im Wohnungswesen, so kann man das von ihrem Jnteresienstandpunkt aus verstehen. Wenn aber ein Arzt an demselben Strange zieht, dann must man doch den Kopf darüber schütteln. Zuschneidemaschinen mit Handbetrieb dürfen benutzt werden. Durch eine Verfügung des Oberkommandos vom 1. Fe- bruar ist der Gebrauch von Zuschneidemaschinen mit Kraft- antrieb im Bekleidungsgewerbe verboten. Zweifel herrschen in beteiligten Kreisen darüber, ob es zulässig ist, dast eine elek- irisch betriebene Zuschneidemaschine, nachdem die elektrische Kraft ausgeschaltet ist, mit der Hand in Betrieb gesetzt werden darf. Diese Frage spielte eine wesentliche Rolle in einem Prozest, der gestern von der Kammer 1 des Gewerbe- gerichts entschieden wurde. Ein bei der Firma Heymann u. Co. besckiästigt gewesener HauS- dienet erhielt den Auftrag, eine vorher elektrisch betriebene Zuschneide- Maschine mit der Hand in Belvegung zu setzen. Der Hausdiener verweigerte diese Arbeit. Er wurde enllassen und klagte auf Lohn- zahlung für die KündigungSzcit. Seine Arbeitsverweigerung be- gründete er damit, dast die für elektrischen Betrieb eingerichtete Maschine auch mit der Hand nicht angetrieben iverde» dürfe. Er ivürde sich strafbar gemacht haben, wenn er die Maschine in Be- wegung gesetzt hätte. Seine Arbeitsverweigerung sei deshalb berechtigt gewesen.— DaS Gericht stellte sich auf den Standpunkt: Wenn die Auffassung des Klägers zutreffe, dann habe die Beklagte keinen Grund gehabt, den Kläger ohne Kündigung zu entlasse». Um die Streitfrage klarzustellen, hat das Gericht eine amtliche Auskunft vom Oberkommando eingeholt. Die Auskunft besagt, das Verbot des Oberkommandos erstrecke sich nur aus Zuschneidemaschinen mit Kraft- betrieb. Zuschneidemaschinen mit F u st- oder Hand- betrieb unterliege it dem Verbot nicht. Hiernach war die kllndigungslose Entlassung deS Klägers bercch- tigt, er zog deshalb die Klage zurück. Wie eilt Beisitzer bemerkte, ist einem ihm bekannten Gc- schäftsinhabcr die Zuschneidemaschine nach Bekanntgabe der Verordnung des Oberkommandos durch die Polizei versiegelt worden, so dast sie auch nicht mit der Hand betrieben werden kann.— Es wird erwartet, dast durch die vorstehende Aus- kunft des Oberkommandos alle Zweifel beseitigt sind und die Verordnung einheitlich ausgeführt werden wird. Herrenloses Geld. In einem Prozest vor der Kammer 7 deS Gewerbe- gerichts stritten die Parteien darüber, welche von ihnen Anspruch hat auf den Betrag von 4l) M., dessen rcchtmähiger Eigentümer nicht zu crinitteln ist. Der Fall liegt so: Ein Swaffner der Berliner Pakclsahrtgeiellschaft hatte gröstere Summen für Nachnahmesendungen einzukassieren. Bei der Ab- rechnung stellte sich heraus, dast der Schaffner einen Ueberschust von 49 M. hatte. Wie derselbe cuistanden ist. liest sich nicht feststellen. Die Firma nahm den Ueberichustbetrag in ihre Kasse, während der Schaffner das Geld für sich beansprucht und diesen Anspruch beim Gewcrbcgerichl geltend machte. Der Vertreter der Beklagten gab auf Befragen an, dast Schaffner, die bei der Abrechnung Fehl- betröge haben, der Firma den Fehlbetrag ersetzen müssen.— Dem Kläger ist auch einmal ein Fehlbetrag von 25 M. ratenweise vom Lohn abgezogen worden. Er meint nun, wenn sich die Firma die Fehlbeträge ersetzen lasse, dann lönne sie auch in Fällen, wo sich Ueberschüsse ergeben, keine» Anspruch aus diese erheben.— Wie der Vertreter der Beklagten angab, werden derartige Betrüge der Schadcncrsatzkasse der Firma zugeführt. Im vorliegenden Falle wolle die Firma noch abwarten, ob sich der rcchtmästige Eigentümer des Geldes ermitteln lasse.— Der Kläger berief sich noch darauf, dast ihm der Fabrmeister gesagt habe, nach Ablauf eines Jahres gehöre ihm. dem Kläger das Geld, wenn der rechunästige Eigentümer bis dahin nicht ermittelt sei. Das Jahr war bereits Milte Dezember abgelaufen.— Die Verhandlung wurde vertagt. Im nächsten Termin soll der Fahrmeister als Zeuge vernommen werden. Gerichtszeitung. Der Wcihuachtsbaum des Präsidenten. In einen eigenartigen Konflikt mit dem Polizeipräsidenten von Charlottcnburg, Herrn v. Hcrtzberg, ist der Händler Karl S ch ö n f c l d gekommen, der sich gestern vor dem Schöffengericht Berlin- Schöncberg unter Vorsitz des Amts- gerichtsrats Bennewitz auf die Anklage des versuchten Be- truges zu verteidigen hatte. Der in Frage stehende Vorfall bat für den Händler groste materielle Nachteile zur Folge gehabt. Der Angeklagte ist seit dreistig Jahren im 32. Polizeirevier als Landschaflsgärtuer angesessen, er- freut sich eines guten Rufes und betreibt seil 25 Jahren zur Weih- nachtSzeit auf dem Lützowplatz einen Handel mit WcihnachtS- bäume», ohne dast er dabei jemals in Differenzen mit einem Käufer gekomme» ist. Am 17. Dezember v. I. begab sich der Polizei- Präsident v. Hertzberg nach dem Lützowplatz, um einen Weibnachts- bäum zu kaufen. Er erwarb eine etwa 3ftz Meter hohe, tadellos gewachsene Silbertanne aus dem Bestände des Aiigeklagicn. Dieser behauptet, dast er für die Tanne 18 M. gefordert habe, der Polizei- Präsident versichert unter Berufung auf seine Gattin, dast nur 15 M. gefordert wordeir seien: er sei daher höchst erstaunt ge- Wesen, als ihm der Angeklagte auf dem ibin auSgehäudigteu Zwanzigmarkschein nur 2 M. herausgab. Es kam darüber zu längeren Auseinandersetzungen, wobei der Angeklagte dabei verblieb, dast der Weihnachtsbaum 29 M. VerkaufSlvert habe und er ihn nur zu 18 M. angeboten habe, weil er noch kein Handgeld hatte. Herr v. H. gab sich als Polizeipräsident von Charlotten- bürg zu erkennen und erklärte, dast er sich nicht betrügen lasse. Der Angeklagte erklärte seinerseits darauf:.Ach was, eS ist mir ganz gleichgültig, wer Sie sind; von Betrügen kann hier gar keine Rede sein, ich habe noch niemand betrogen!" Als dann der Präsident nach einem Schutzmann rief, um die Persönlichkeit des Angeklagte» festzustelleu, legitimierte sich dieser durch eine ihm als Mitglied einer Einschätzungskommission vom Berliner Magistrat ausgestellte ErkennungSkarte. Im Verlaufe dieser aus dem Fahrdamm sich abspielenden Szene hatte auch Frau v. H. auf eine Frage ihres Gatten bestätigt, dast nur 15 M. ge- fordert worden seien. Hierauf erwiderte der Angeklagte:.Gnädige Frau, das ist ausgeschlossen. Ich habe 18 M. verlangt, wenn Sie aber beide behaupten, sie hätten nur 15 M. veistandeu, so soll eS mir auf die 3 M. nicht ankommen." Dabei übergab er dem Käufer noch 3 M. und hielt die Sache damit für erledigt. DaS böse Ende kam aber nach. Der Polizeiprästdent p. Hertzberg richtete, wie Justizrat L e h f e l d im gestrigen Termin darlegte, das Ersuchen an die Abteilung IV des Berliner Polizeipräsidiums, dem Angcllagten den Weiterbetrieb seines Haudels mit Weihnachtsbäumen zu untersagen. DaS Berliner Polizeipräsidiuni antwortete darauf:„e in e s o l ch e M a st n a h m e lieste sich nicht durch die Bekanntmachung des Bundesrats gegenüber- mästige Preissteigerung vom 23. Juli 1915 recht- fertigen, weil eS sich nicht um einen Gegen st and deS täglichen Bedarfs handle; auch die Ver- folg u u g der Sache ivegen Betrugsversuchs würde keine Aussicht auf Erfolg bieten." Der Polizeiprästdent v. Hertzberg hat sich dann an die Abteilung IX des Berliner Polizei- Präsidiums gewandt und diese hat tatsächlich folgende Verfügung erlassen: De in Händler Karl Schön selb wird hiermit aus o r d n u n g s- und si ch e r h e i t s- polizeilichen Gründen auf Grund des§19 II 17 des A. L. R. mit Rücksicht auf seine durch Preis- tr eiberei und Fordern wucherischer Preise dar- gestaue Unzuverlässigkeit der Handel mit Weih- nachtsbäumen untersagt."— Die Folge dieser Ver- sügung war, dast Schönfeld genötigt war, seine noch vorhandenen Weihnachtsbäume zu Brennholz zu zerhacken. Er hat nach seiner Behauptung einen Schaden von mehr als 490 M. erlitten und sich noch die jetzige Anklage zu- gezogen.—- Im gestrige» Termin blieb der al» Zeuge vernommene Polizeipräsident vo» Hertzberg bei seiner Versicherung, dast nur von 15 M. die Rede gewesen sei: der Preis von 13 M. sei gar nicht erwähnt worden. Ein Irrtum seinerseits sei ganz auS- geschlossen.— Der Angeklagte behauptete das Gegenteil.— Der A m t s a n w a l t hielt volleiidelen Betrug für vorliegend und beantragte 50 M. Geld st rase eventuell zehn Tage Gcsängnis. — Justizrat L e h f e l d bcanlrogte dagegen aus tatsächlichen und juristiichen Gründe» die Freisprechung, wobei er ausführte: Die gegen den Angeklagten ergangene Verfügung stelle eine schwere Verletzung des gellenden Rechts dar, denn eS sei durch die Rechtsprechung des OberverwaltungsgericktS in unzählige» Entscheidungen festgelegt worden, dast der 8 19 II 17 A. L. R. auf einen Fall wie den vor- liegenden unter gar keinen Umständen angewendet werden darf. Unter.Gefahr" im Sinne dieser Bestimmung fallen keinesfalls bloste Nachteile oder Belästigungen, sondern nur eine naheliegende, auf Tatsachen berubciide Wahrscheinlichkeit einer Schädigung von Leib, Leben, Gesundheit oder Vermögen. So sei höchstgerichtlich entschieden worden. Im übrigen könne von einer straibaren Handlung des Angeklagten keine Rede sein. � DaS Schöffengericht kam zur Freisprechung.— Das Gericht hielt das Vorliegen eines MistverständniffeS doch nicht für ausgeschlossen; möglich sei cS auch, dast der Angeklagte etwas anderes gesagt babc, als er meinte. ES fehle auch an einem Ver- mögenSschadew der die Folge einer Jrrtumserregung gewesen sein müstte, denn das Gericht könne dem Angeklagten nicht widerlegen, dast für diese Tanne ein Preis von 18 M. ein angemessener gewesen sei. Der Angeklagte wurde daher freigesprochen; die Kosten wurden der Staatskasse auferlegt. Eine Schadenersatzklage des Händlers gegen die Polizei dürfte nach den höchstrichtcrlichen Entscheidungen in ähnlichen Fällen für den Händler günstig ausfallen. fius aller Welt. Parlamentariers Kleidersorgen. Seit dem Wiederzusammentritt des badischen Landtags erzählt man sich in den Abgeordnetenkreisen eine köstliche Legende. Unter den Parlamentariern der Zweiten Badischen Kammer, die als Kriegsteilnehmer zu den Verhandlungen beurlaubt und deshalb ihre Unifornr im Sländchause tragen, ist einer der jüngeren Abgeord- neten, der als Soldat es noch zu keinem Range oder Orden gebracht Hot. Er richtete an die Militärbehörde die Bitte, ihm das Tragen der Z r v i l k l e i d u n g zu gestatten. Das Gesuch wurde abgelehnt, aber wiederholt mit der Begründung, dast der Abgeordnete, der nun auch den Vorsitz in einer parlamentarischen Kommiiston einzunehmen babe, im Umgang mit den militärischen Vorgesetzten der Kollegcnichaft sich einen gewissen militärischen Zwang aufzuerlegen habe. Wie dem nun sei, eines Tages erschien auch der Abgeordnete in einem Zivilanzug, den er bis zum Schlust der Session trug. Die Militärbehörde wird wohl nachgegeben haben in ganz besonderer Er- wägung des Umstandes, dast der Kammerdiener des Plenums in der feldgrauen Unterosfizieruniform dem Herrn Abgeordneten im Dienst- ränge übergeordnet war. Uebrigens ist bei der Schliehung des badischen Landtages die bisher übliche Vorschrift, dast dabei die Abgeordneten im Frack und weister Binde zu erscheinen haben, fallen gelassen worden. Gewünscht wurde nur noch, dast Ueberrock oder feldgraue Uniform gewählt werden.__(«) Schweres Eisenbahnunglück in Rusiland. Ein folgen- schtvever Eisenbahnunfall ereignete sich auf der Eisenbahnlinie Moskau— R y b i n s k. In der Nähe von Windawa stießen zwei in voller Fahrt befindliche Schnellzüge zusammen. S e ch- zehnPersonenwurd engetötet, darunter das ganze Zugpersonal, zwanzig Personen verletzt, einige Personen werden vermißt. Tie Opfer des Eiserrbahnunfalles gehören sämtlich dem Militär an. Unter den Getöteten befindet sich der bekannte Organisator im russischen Munitionstvesen, Gene- ralmajor D y m s h a. Der Zugverkehr wurde 48 Stunden unterbrochen. Beide Ziige wurden vollständig zertrümmert und gerieten teilweise in Brand. Hoher Schnee in den Alpen. Der„Tägl. Rundschau" wird mit- geteilt: Der Gotthardpaß, der St. Bernhard- und Bernina-Past melden die gröhte» Schneehöhen seit Jahren. Am Gotthard über- steigt die Schneedecke fünf Meter, davon zwei Meter Neuschnee. Im Tessin verkehren unausgesetzt Schneepflüge und Schneeschleuder- Maschinen. Infolge plötzlicher Schneeschmelze besteht bedenk- liche Hochwassergefahr. Am Simplon verschüttete eine Lawine fünf Soldaten. Verlustlisten. Die Verlustliste Nr. 493 der preußischen Armee enthält Verluste folgender Truppen: Gouvernement Königsberg i. Pr. Infanterie usw.: Garde: 2., 4. und 5. Garde-Regiment z. F.; Gavde-Reserve-Jäger-Bataillon. Grenadier-, Infanterie- oder Füsilier-Regimenter Nr. 13. 17, 18, 29 fs. Feldfliegertruppel, 25, 32 bis einschl. 35, 37, 49, 42, 45, 46, 51, 53 ts. Lairdst.-Jnf.-Regt. Nr. 8), 55, 57, 59, 61. 65. 84. 85 is. auch Füs.-Regt. Nr. 35 1. 86, 88 bis einschl. 97, 109, 113, 113, 136, 148, 149(f. Jnf.-Rcgt. Nr. 151), 151, 157, 158, 160 bis einschl. 171, 173 bis einschl. 176, 184, 186, 188, 189, 190, 193, 843. Reserve-Jnfanterie-Regimentcr Nr. 13, 17, 18, 21, 22, 34, 33, 36, 39, 40, 46, 48, 51, 61, 65, 68, 80 bis einschl. 84, 86, 87, 90 bis einschl. 93, 116, 201, 204, 206 bis einschl. 209. 232, 253, 256, 257, 259, 260, 235, 266. Landwehr-Jnfanteric-Regimenter Nr. 15, 17. 21, 31. 33, 34. 38�9, 51, 57, 60, 61, 82, 83, 84, 109, 116. Landsturm-Jnfanterie-Negimeuter Nr. 3, 8, 109. Ueberplanmästiges Landlvehr-Jnfanterie-Bataillon Nr. 5 des 4. Armeekorps(f. Land- wehr-Jnf.-Regt. Nr. 17). Landsturm-Jnf.-Bataillonc: 2. Bruchsal, 3. Freibury i. Baden ls. Landst.-Jnf.-Regt. Nr. 109), 1. Gleiwitz, Goldap, Könitz, 3. Lauban, 1. Lötzen, 1. Metz, 2. Rastatt(f. Landst.- Jnf.-Regt. Nr. 109), 2. Stolp, 2. Wahn, 1. Wesel, Wiesbaden. Landsturm-Jnf.-Ersatz-Bataillone: Cottbus, Eberswalde, 2. des 15. Armeekorps(Straßburg i. E.), 26. des 7. Armeekorps(Wned. Landsturm-Jnfanterie-AuSbildungs-Bataillon M.-Gladbacv. Ersatz- Depot des 40. Reseruekorps. Rekruten-Depot der N7. Infanterie- Division. Jäger-Bataillone Nr. 5, 7, 1t; Reserve-Bataillon Nr. 5. Feld-Masch inenge wehr-Ziige Nr. 164(f. Landw.-Jnf.-Regt. Nr. 116) und Nr. 273(f. Jäger-Batl. Nr. 5). Kavallerie: Regiment der GandeS du Corps; 1. Garde-lllanen; 1. Landwehr-Eskaldron des Gardckorps. Kürassiere Nr. 5; Schwere Reserve-Reiter Nr. 2. Dragoner Nr. 7 und 13. Husaren Nr. l und 4; Reservc-Husaren Nr. 9. Ulanen Nr. 1, 3, 12, 16. Jäger zu Pferde Nr. 7. 8, 11. Feldartillerie: Regimenter Nr. 4, 6, 9, 22, 34, 43, 52, 54, 62, 79, 112; Reserve-Regimenter Nr. 15, 36, 44, 51; Landwehr-Negi- ment Nr. 8. 2. Landwehr-Batterie des 11. Armeekorps. Fußartillerie: 1. Garde-Regiment. Regiment Nr. 4; Reserve- Regiment Nr. 9. Fußartillerie-Batterie Nr. 497. Pioniere: Liegimenter Nr. 18 und 23. Bataillone: I. Nr. 1. I. Nr. 7, I. Nr. 11, I. Nr. 16, II. Nr. 2t. Kompagnie Nr. 103; 2. Landwehr-Kompagnie des 6. und 1. deS 14. Armeekorps. Pionier- Abteilung der 4. Kavallerie-Division. Minenwerfer-Kompagnie Nr. 211; Mittlere Mtnenwerser-Abteilung Nr. 195. Berkehrstruppen: Milttär-Eisenbahn-Maschinenamt Charleroi. Reserve-Fernsprcch-Abteilung Nr. 6. Schwere Funkenstation Nr. 3. Starkstrom-Abteilung des 16. Armeekorps. Feldfliegertruppc. Immobiles Kraftwa.penbepot Nr. 5. Train: Train-Abteilung Nr. 6. Pferdesammelstelle Nr. 1 der 8. Armee. Korpsschlächterei deS 14. Armeekorps. Munitionskolonne: Reserve-(?) Art.-Munitionskokmne Nr. 62. Reserve-Lazarett Bad' Orb. Armierungs-Bataillone Nr. 25, 65, 78. 83, 192. »* * Die Veröffentlichung der baherischen Verlustlifte Nr. 252, deren Inhalt schon mitgeteilt wurde, wird fortgesetzt. öriefkasten üer Neüaktion. Kerl IL. Wenden Sie sieh an das österrcichisch-unaarilche Konsulat. — 9. C. 14. Erkundigen Sie sich bei dem srüheren Arbeitgeber danach. bei welcher BerusSgcnosscnschast der Bclricb versichert ist.— Britzc. Es handelt sich jedensalls um ausländisches Schmalz, siir da» dieser Preis gc- fordert werden kann.— Pfasfcntum 9-jK. Der ÜOiStntt würde jegt, wo Sie zum Heeresdienst eingezogen sind. Schiolerigkcttcn machen. Wir würden Ihnen cmpscblcn, ihn aus spätere Zeit zu verschieben.— F. M. 48. Beim Bezirkskommando I— A.<6. 41. Sie babe» noch keinen Anspruch aus die Leiitungeu der Jiivnlidciiversichcrung. Die Mie!»- Unterstützung wird in diesem Falle nicht weitergezahlt.— iil) R. SO. Das Krankengeld kann auf den Lohn angerechnet werden.— L. Sch. LI. Die Unterstützung wird nur im Falle der Bcdürtltgtcit gezahlt. Neben der staatlichen wird dann auch die kommunale Unterilützung gewährt. — L. W. 4. Da die Mitgliedschaft nicht fortgesetzt ist, haben Sie keine» Anspruch aus Sterbegeld.— W. W. 80. 1. Sechs Wochen. 2. sXa. — W. K. 09. 1. Sie niüsseu bei der Beruisgenosscnschaft um die Er- teilimg eines Ncntcnbcscheidcs ersuchen. 2. Der Anspruch aus Waiseurcute besteht leider in diesem Falle nicht, weil die Antwartschast dadurch, dast über zwei Jahre Marlen nicht gellebt wurden, verlorengegangen ist.— f. Zl. 18. Die Löhnung beträgt nur 53 Pf. für den gemeinen mobiicn oldatcn.— R. L. Da nach Ihrer Darstellung den Hauswirt ein Per- schulden jür den Unfall trifft, must er siir den Schaden hasten.— Helene 83/84. Der Antrag ist an das Ersatzbalaillo» des Rcserve-Jnsaiitcrie- Regiments Nr. 1 in Jnsterburg zu richten.— H. K. L. 1. Sie müssen noch bis zum 3t. Dezember tütS Kirchensteuer zahlen. 2. Das Pslegegeid beträgt bis zu 20 M. im Monat. Bei Fortzug nach einem Vorort tönnie ein geringerer Satz in Bewacht kommen.— nf. K. Nein.— S. W. 77. >. Wenden Sie sich an den nriegsausichnst für Heimarbeit. Berlin, Budapeilcr Straste 1. 2. Das Testament ist rechlsgültig.— H. 100. Es wäre zu emptchicn, wenn irgend möglich die Beiträge zu zahlen, da Sie dadurch de» Anspruch aus Sterbegeld aus der betreffenden Kasse ansrechl- erhalten, das Ihnen als Erbe gezahlt werden inust.— B. 2.'?. 187S. Wenn der Mann nicht für ausreichenden Unterhalt der Familie sorgt, könnten Sie ihn durck GerichtSbeschlust dazu verpflichten latien. — Vier Streitende, Kowno. 1. Meist aus dünngcwalzlcm Zinn. Preis und Verkaussgetcgcnhcil uns nicht bekannt. 2. 313 Kilometer. 3. I» der Lustlinie ungefähr 834, in der Biegung über Tborn 890 Kilometer. — Feldgrau L07. Eine Stadt gleichen Namen» gibt es noch in der kanadilchen Provinz Ontario, Einwohnerzahl etwaS über 10 000. Des- gleichen in den Vereinigten Staaten Nordamerita«, im Staate Wisconsin, Einwohnerzahl über 8000.— ffl. sitz. 30. Wenn Ihre Mutier in Berlin beheimalet ist, dann soll sie sich an die StistungSdeputation deS Magislrat« wenden, Poilstr. 18.— R. sitz. 84. Wenden Sie sich an das dortige Bureau des Nationalen Frauendiensles. WctterauSsichtcn für das mittlere Rorddeutlchtand btS Mittwoch mitlag. Zeitweise austlarend. jedoch vorherrschend wolkig oder nebelig und im Westen geringe Niederschläge; Temperaturen durchschiiitliich wenig verändert. rSKHßE««««sSSSSSSZ Unserem ältesten, trcucsten 48 Milgliede, unserer verehrten U f,«enossin Wengeis sendet die herzlichsten Glück- wünsche zum 90. Geburt»- tage 82,4 Der Berein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. V & Kranzspenden sowie sämtliche Blumenarrangements liesert schnell und billig i'anl tirona, llndenstr. 69, Tei.MPl.7203. ReutersWerke ' 3 Läode 4 Jltarf>« Luchhandlung Vorwärt»